ARCHIV
FÜE
NATURGESCHICHTE.
GEGRÜNDET VON A F. A. WIEG MANN,
FORTGESETZT VON
W. F. ERICHSON, F. H. TROSCHEL
UND E. VON MARTENS.
HERAUSOEGEBEN
Dr. F. Hilgendorf,
CTSTOS DES K. ZduLOG. MUSEUMS ZU l'.EKLIN.
DBEIU NDF VN F ZI Cr S TE 7? JAHRGANG,
Krster Band.
Berlin 1887.
N i c o 1 a i s c li e V e r 1 a g- s - B u c li h a n d 1 u ii
R. Stricker.
Inhalt des epsten Bandes.
Prof. Dr. Tb. Studer, Versuch eines S5'stemes der Alcyouaria.
Mit Tafel I 1
Prof. Dr. A. Nehriny, Ueber eine Pelzrobben -Art von der
Küste Süd- Brasiliens. Mit Tafel II 75
Dr. Wilhelm Müller, Duftorgane bei Pbryganiden .... 95
Dr. W. Weltner f Die von Dr. Sander 1883—85 gesammelten
Cirripedien (Acasta scuticosta sp. n ). Mit Tafel III. IV . 98
Th\ Ernst Schaff, Beitrag zur genaueren Kenntniss der
diluvialen Murmeltiere 11«
E. Walt her /{asrhke, Die Larve von Culex nemorosus. Mit
Tafel V. VI 183
J. Weise, Neue sibii-ische Chrysomeliden und Cocciuelliden l«4
Dr. J. (r. de Man, Bericht über die von Herrn Dr. J. Brock
im indischen Aichipel gesammelten Decapoden und Sto-
matopoden. Mit Tafel VII- XXII a 215
J/^ f/cl-
Versuch
eines Systemes der Alcyonaria.
Von
Dr. Th. Studer,
Professor in Bein.
Hierzu Tafel I.
Seitdem durch Milne Edwards, Dana und Kölliker
die Klasse der Alcyonaria eine genaue Praecisii'ung und
klassische Bearbeitungen erfahren, sind wenig Versuche
gemacht worden, das System, welches dem den genannten
Autoren zugänglichen Material angepasst w^ar, neu zu be-
arbeiten und doch hat sich seither die Anzahl der bekannten
Formen bedeutend vermehrt und ebenso unsere Kenntniss
des anatomischen Baues in mannigfacher Hinsicht zu-
genommen. Ich erwähne namentlich für die Vennehrung
der Artenkenn tniss, die zahlreichen Abhandlungen Grays,
Verrills, das schöne Werk Klunzingers über die Co-
rallen des rothen Meeres, che Arbeiten von Duben und
Koren, Koren und Daniellsen, Marenzeller, die uns
namentlich mit den nordischen Formen bekannt machten,
die zahlreichen Schriften Ridleys, Perceval Wrights,
Marion, Studer u. a.
Die Kenntniss der anatomischen Verhältnisse wurde
vorwiegend gefördert durch Kölliker, Lacaze Duthier,
Moseley, Marion, Kowalewsky, Koren und Da-
niellsen. Marenzeller, Herdman und besonders von
Koch.
In systematischer Hinsicht sind hervorzuheben die
Arbeiten Verrills, welcher bemüht war, eine einheithche
Arch. f. Naturgescb. 53. Jahrg. Bd. 1 H. 1. j
2 Dr. Tli. Studer:
Sonderung der zahlreichen Gattungen in wohlbegrenzte
Familien durchzuführen und diese den drei Unterordnungen
der Alcyoriacea, Gorgonacea und Fennatidacea unterzuordnen.
In neuerer Zeit veröffentlichte auch von Koch ein
auf anatomischen Grundlagen beruhendes System, worin
er die Alcyonarien in 9 Familien sondert und ihre natürliche
Verwandtschaft zu einander darzulegen sucht. Können wir
auch nicht die Gleichwertigkeit der aufgestellten Familien
gutheissen, so verdient doch die bei dieser Eintheilung be-
folgten Principien, sowie die beigegebene Stammbaumskizze
alle Anerkennung.
Schon längere Zeit damit beschäftigt, das gesammte
Material der Alcyonacea zu einem einheitlichen System
zu verarbeiten, gab die Bekanntschaft mit der reichen
Ausbeute der Challengerexpedition die unmittelbare Ver-
anlassung zu dessen Ausarbeitung. Von Herrn Professor
Dr. Perceval Wright zur Mitafbeiterschaft an den Al-
cyonarien des Challenger eingeladen, kamen wir nach Durch-
arbeitung des Materiales über eine Neueintheilung dieser
Ordnung überein. Die vorliegende Publication geschieht
im Einverständniss mit Professor P. Wright.
Ich habe mich dabei bemüht, die bisher aufgestellten
Gattungen kritisch zu sichten und sämmtlich mit kurzen
Diagnosen anzuführen; die neuen Gattungen werden aus-
führlich in dem Werke über die Challengerexpedition be-
handelt werden.
Das natürliche System soll die Entwicklung repräsen-
tiren, welche die gegenwärtig lebenden Organismen durch-
laufen haben, um sich schliesslich zu den differenzirtesten
Formen umzugestalten, welche uns als Endpunkte dieser
Entwicklung gegenwärtig vor Augen treten. Da sich nun
auch die niederen Stufen zum Theil erhalten haben, so
können wir diesen Entwicklungsgang auch an den Formen
der jetzigen Schöpfung, wenn auch lückenhaft, verfolgen.
Freilich ist dies so hergestellte System, soweit wir den
Entwicklungsgang selbst construiren, wie alles menschliche,
grossen Irrthümern unterworfen, wenn wir es nicht an der
Hand palaeontologiseher Thaisachen controliren können.
Versuch eines Systeraes der Ätcyonaria. S
In dieser Beziehung lässt uns nun leider für die Alcyonarien
die Palaeontologie vollkommen im Stich. Die für uns
wichtigsten Verhältnisse, das Kanalsystem, die Bildung der
einzelnen Polypen, konnten ihrer weichen organischen Be-
schaffenheit wegen, nicht erhalten bleiben, die wichtigsten
Abtheilungen, die Mehrzahl der Alcyonacea, waren höchstens
in ihren microscopischen Skelettheilen im Stande der
Zerstörung zu trotzen. Die palaeozoischen Formationen
haben zwar eine Keihe von Anthozoenskeletten erhalten,
welche als Alcyonarien angehörend betrachtet werden, so
die Favositiden, welche nach Moseleys überzeugender
Darstellung den lebenden Helioporiden nahestehen, die
Syringoporen, welche den Tubiporiden sich anschliessen,
aber gerade diese Reste gehören hoch differenzirten Al-
cyonarien, welche wir nie als Ausgangspunkte für alle
lebenden Formen betrachten dürfen, welche vielmehr schon
Generationen von Vorläufern voraussetzen, deren Gestaltung
uns wohl niemals offenbar werden wird.
So bleibt uns nichts anderes übrig, als in dem vor-
handenen lebenden Material einem solchen Entwicklungs-
gang naclizuspüren. Bei allen Alcyonarien, mit Ausnahme
der kleinen Familie der Haimeidae, welche vielleicht die
Urformen darstellen, herrscht die Tendenz, durch Knospung
Colonieen zu bilden. Diese Knospen entstehen aber niemals
direkt am Körper des Stammpolypen, sondern auf Stolonen,
welche röhrenartige Ausläufer von der Verdauungshöhle des
Polypen darstellen, es entstehen dadui'ch mannigfaltig ge-
staltete Colonieen, welche bald rasen-, bald büschelförmige,
bald baumförmige Stöcke bilden. Als höchste Ent-
wicklung dürfen wir diejenige Coloniebildung betrachten,
in welcher eine grosse Anzahl Individuen so vertheilt sind,
dass jedes einen gleichen Antheil an der Nahrungszufuhr
erlangt und diese Entwicklung wird am vollkommensten
erreicht bei aufrechten baumförmigen Stöcken, an deren
Aesten und Zweigen die Individuen in spiraler Anordnung
sitzen. Eine solche Colonie ist aber nur möglich unter
der Voraussetzung, dass ein stützendes Skelet differenzirt
ist, welches dem Ganzen den nöthigen Halt giebt. Die
1*
4 Dr. Th. S tu der:
Axentragenden Alcyonarien, für welche der Name Gorgo-
nacea beibehalten werden mag, zeigen uns in ihren höheren
Formen eine solche Entwicklung und erreichen diese auf
verschiedenem Wege, indem die Colonialaxe sich durch
verschiedene Complicationen der mesodermalen Skelet-
bildungen differenziren kann.
Als einfachste Form der Coloniebildung betrachten wir
diejenige, wo von dem Stammpolypen röhrenförmige Aus-
läufer ausgehen, welche schlauchartige Ausstülpungen des
Körpers darstellen und deren Höhlung eine Fortsetzung
der Verdauungshöhle des Polypen ist. Auf diesen Stolonen
entstehen durch Knospung neue Polypen, welche wieder
polypenerzeugende Stolonen liefern können. Solche Co-
lonien bilden die Vertreter der Gattung Rhizoxenia, Cornn-
laria, einige Arten von Clavxlaria. Eine compacter e Colonie
kommt zu Stande dadurch, dass die Basis der Polypen, in
welcher sich das Mesodenn bedeutend entwickelt, flächen-
artig sich um den Polypen ausbreitet und Endodermröhren
in sich aufaimmt, von denen aus die Knospung neuer Po-
lypen entsteht. Solche Ausbreitungen bezeichnen wir als
Coenenchym. Es geben dieselben Veranlassung zu rasen-
förmigen, flächenartig ausgebreiteten Colonieen wie bei
Clavularia rosea Stud. , violacea Quoy. Gaim. Bei diesen
Formen bildet das Coenenchym noch eine dünne Membran,
auf welche die Einzelthiere aufzusitzen scheinen, d. h. nur
mit ihrer Basis unter einander verbunden sind. Bei stärkerer
Entwicklung des Coenenchyms geht dasselbe von einem
grösseren Theil der Polypen aus, so dass der tiefere Theil
der verlängerten Verdauungshöhlen der Individuen noch
in die Coenenchymausbreitung zu liegen kommt, wie bei
Anthelia, Sarcodictyum, Si/mpodium, Erythropodium, Calli-
podium. Die Endodermkanäle entspringen hier nicht nur
von der Basis der Polypen, sondern auch in seiner Seiten-
wand, soweit dieselbe zu Coenenchymmasse verdickt ist.
Immer noch ist aber dabei die Colonie rasenförmig, flach
ausgebreitet.
Eine solche Anordnung ist aber nur von Vortheil
unter günstigen Nahrungsverhältnissen, unter denen nicht
Versuch eines Systemes der Alcyonaria. 5
nur den Randpolypen, sondern auch den im Centrum der
Colonie befindlichen gleichmässig die Beute zugeführt wii'd,
oder wo die Colonie mannigfach gestaltete Körper überzieht,
welche bewirken, dass die Einzeltliiere in verschiedene
Lagen zu einander kommen, und verschiedene Wasser-
schichten beherrschen. Immer wii*d dieses abhängig sein
von dem Vorkommen der Fremdkörper, welche als Unter-
lage dienen. Der Vortheil der Vertheilung der Einzel-
thiere wird jedoch bei höheren Formen in anderer Weise
erreicht. Die Colonie, statt Fremdkörper zu überziehen,
erhebt sich von einer Basis, welche sich überrindend an
fremde Körper anheftet, frei in die Höhe in Form eines
Blattes, dessen eine Fläche die Polypen einnehmen, während
die andere der Basalseite einer Rasenkolonie entspricht.
Aus statischen Gründen bleibt aber die Colonie nicht
flächenhaft, sondern rollt sich röhrenlomiig zusammen, so
dass die polypentragende Seite nach aussen kommt, die
frühere Basis die Innenwand der Röhre darstellt. Zugleich
gruppiren sich im Coenenchym besonders differenzirte
Spicula dicht aneinander, um eine aus Spicula gebildete
stützende Axe darzustellen. Diese Verhältnisse zeigen noch
niedere Briareiden, so ^oleiiocanlon, bei höheren Typen ist
diese Axe mehr entwickelt, rückt ins Innere der Colonie
und bildet einen cylindrischen Stab, der rings von polypen-
tragenden Coenenchym umgeben ist. In dieser Weise
können wir uns die Abtheilung der Scleraj'onia, deren
höchste Form Corallium darstellt, entwickelt denken. In
einer anderen Formenreihe wird der Zweck der günstigen
Vertheilung der Individuen in anderer Weise erreicht.
Bündel von Polypen, deren Wandung sich zu gemeinsamer
Coenenchymmasse verdickt hat, wachsen zu langen Röhren
aus und entwickeln aus ihrem Coenenchym in verschiedener
Höhe neue Polypen, die sich wieder ähnlich wie das
Stammbündel verhalten können. Dadurch entstehen lappige,
wie bei Alcyonhun, Lohulaiia, oder, wenn nur wenige
Röhren in einem Bündel verbunden sind, mehr busch- oder
strauchförmige Stöcke, wie bei Nephthyiden. Endhch, als
dritte Entwicklungsreihe, sehen wir einen Stammpolypen
6 Dr. Th. Studer:
mit kanaldurchzogener Coenenchymwandung sich zu einer
langen Röhre ausziehen, dem axialen Polypen, von deren
Wandung kleine Polypen mit kurzen Leibeshöhlen und
lange röhrenförmige Polypen knospen, welche wieder kleine
laterale Polypen erzeugen können, solche Verhältnisse bietet
Tolesto unter den Cornularidae. Zur Entwicklung eines
ausgebreiteten Stockes bietet aber der hohle Axialpolyp
zu wenig Halt und so bildet sich in seiner langen Ver-
dauungshöhle vom Mesoderm des Bodens aus eine solide
hornige oder kalkige Ausfüllungsmasse, welche allmählig
die Höhle erfüllend die centrale Axe der Colonie abgiebt,
während die seitlichen Mesenterialfächer zu vegetativen
Längskanälen der Colonie werden und der Mund nebst
Tentakeln des axialen Individuums verschwindet. Der
axiale Polyp und die eventuell entwickelten axialen Polypen
zweiter und dritter Ordnung werden zu stolonenartigen
Individuen, welche häufig, durch Reduction der Mesenterial-
fächer eine Tendenz zur Annahme einer biradiären oder
bilateralen Symmetrie besitzen. Die so entstandenen
Formen gliedern sich in zwei Abtheüungen. Die eine aus
freien, nicht festsitzenden Colonieen gebildet, ist die der
Pennatulacea , die andere, aus festsitzenden Colonicn, die
der Holaxo)iia oder Axifera v. Koch.
Der Vortheil, welcher durch die Bildung einer auf-
strebenden Colonie erlangt ist, kann aber bei besonderen
Verhältnissen zum Nachtheil sich umgestalten ; einen solchen
erleiden axentragende Gorgonaceen, welche in gi-össeren
Tiefen leben. Die Nahrung wird hier nicht durch hori-
zontale Strömungen hergeschwemmt, sondern sinkt von
oben zur Tiefe. Von Vortheü wäre hier wieder die Zurück-
kehr zur rasenförmigen Colonie, aber da in den organischen
Körpern die Entwicklung fortschreitet, und nicht wieder
zu den ursprünglichen Stammformen rückwärts gehen kann,
so mussten die einmal erworbenen Charaktere den eigen-
thümlichen Verhältnissen angepasst werden. Wir sehen
in Folge dessen, dass der Gorgonidenstamm zu einem
kriechenden, axentragenden Stolo wird und dass die Po-
lypen nur an einer Seite sich entwickeln, so bei SbvplLo-
Versuch eines Systemes der Alcijonaria. 7
goi'gia Wright, bei Brithogorgia u. a. Auf diese Weise
kommen die Polypen alle in eine Ebene zu stehen und
jeder erhält in gleichem Maasse die von oben herab-
kommende Nahrung.
Doch noch in anderer Weise kann eine Stütze für die
aufstrebende Colonie erlangt werden. Es können sich im
Mesoderm der Leibeswand des Polypen die Skelettheile
so verstärken, dass dieselbe eine starre Röhre darstellt.
Den Anfang dazu sehen wir schon bei Comnlaria, wo in
der Leibeswand sich Hornsubstanzen entwickeln, die der-
selben eine grössere Festigkeit geben. Am vollkommensten
tritt aber eine solche Festigung zu Tage bei Tubipoi-a, wo
die Spicula des Mesoderms mit einander in feste V^er-
bindung treten um das Mesoderm der Polypen, wie der
Stolonen zu soliden Röhren umzugestalten. Bei Ileliopora
endlich sehen wir krystallinische Kalkmasse in dem reich
entwickelten Coenenchym auftreten, welche die Colonie zu
einem massigen Corallenstock gestaltet.
Ehie andere Reilie fortschreitender Entwicklung lässt
sich an den einzelnen Individuen der Colonieen verfolgen,
die mit dem Schutze der zarten Theile der Polj^^en, des
weichen Mundes und der Tentakeln verbunden ist. Diese
Einrichtungen lassen sicli nicht für die Unterscheidungen
der grossen Abtheilungen verwerthen, wohl aber für die
der Familien und Gattungen und ihre Stellung zu einander.
In den einfachsten Fällen contrahirt der Polyp, wenn er
nicht aus Nahrungsbedürfniss seine Tentakel ausbreitet und
die Mundscheibe fi-eilegt, den Körper und faltet die Ten-
takel über der eingesenkten Mundötfnung zusammen. Sind
die Tentakel an der abactinalen Seite noch bewehrt mit
Spicula, so können sie gegen äussere Angriffe schon durch
ihre Lage einen gewissen Schutz gewähren. Solche Ver-
hältnisse bieten die niedrig stehenden Famihen oder
Gattungen. Unter den Cornularidae die Rhizoxenia, An-
thelia, die Xenidae, unter den Scleraxonia viele Briaridae,
unter den Hola.vonia die Dasygorgidae. Einen Fortschritt
in der Schutzvorrichtung bieten viele Polypen, bei denen
unter der Tentakelbasis sich lange stachelartige Spicula
8 Dr. Th. Studer:
entwickeln, welche als scharfe Nadeln Tentakel und Mund
umgeben, wie bei mehreren Arten von Spongodes, Ceratoisis
und Äcanthogorgia. Sind diese Spicula breite dreieckige
Platten , welche sich über den zusammengefalteten Tentakeln
zusammenlegen können, so entstehen Deckel, welche den
Zugang zu den weichen Theilen verwehren, wie bei den
Primnoidae. Immer stellt aber dabei die Leibeswand des
Polypen durch eingelagerte Kalkkörper ein mehr oder
weniger starres Gebüde dar.
Differenzirter erscheint der Polyp bei den Mariceidae.
Hier besteht derselbe aus einem basalen Theile, der mit
Spicula dicht besetzt ist und starr über das Coenenchym
hervorragt, dem Kelch, Calyx., einem darauffolgenden
weichen, spiculalosen Theil, der das Oesophagealrohr ent-
hält, Oesophagealtheil und dem Mund theil, Mund-
scheibe und Tentakel, welche unter der Basis von einem
Kranz ringförmig geordneter Spicula umgeben sind. Die
Basis der Tentakel ist auf der abactinalen Seite mit Spicula
dicht besetzt. Hier kann sich der ganze Oesophagealtheil
in den Kelch einstülpen und die zusammengefalteten, be-
wehrten Tentakel bilden dann einen Deckel über demselben.
Ausgestreckt ist aber der Polyp im Stande seinen Körper
in mannigfaltiger Weise zu krümmen, da keine Spicula die
freie Beweglichkeit seines Oesophagealtheiles hemmen.
Eine noch freiere Beweglichkeit wird da erzielt, wo
ein starrer Kelch an der Basis des Polypen differenzirt
ist, während der übrige Körper spiculalos und weich ist
oder nur sehr spärliche Spicula enthält. Der weiche Körper
kann sich dann vollkommen in den Kelch einfalten, während
der Rand des Kelches sich über demselben schliesst. Bei
dieser Einfaltung können die Tentakel, wie Schnecken-
fühler, vollkommen nach innen umgestülpt werden, so bei
Corallium und bei Heliopora. Endlich kann aber der Kelch
kaum entwickelt sein und der ganze Polyp in das Coe-
nenchym, das einen Theil der Verdauungshöhle umgiebt,
eingesenkt werden, so dass der Polypenstock bei zurück-
gezogenen Polypen, eine glatte von kleinen Poren durch-
setzte Fläche nach aussen darbietet.
Versuch eines Systemes der Alcyonaria. 9
Eine weitere Differenzirung der Individuen zeigt sich
da, wo in einer Colonie zweierlei oder dreierlei Formen
von Polypen auftreten die verschiedenen Funktionen vor-
stehen. Ein Dimorphismus besteht schon bei den durch
Stolonen verbundenen Colonieen, so dass die Tendenz zu
Polymorphismus bereits bei den einfachsten Formen ge-
geben ist. Einzelne Stolonen endigen blind und dienen
nur zur Anheftung der Colonie auf der Unterlage. Solche
vegetative Individuen stellen auch die Axialpolj^en der
Pennatulacea und der Ilolaxonia dar. Ferner können neben
den tentakeltragenden Individuen, den Autozoiden Mo-
seley's auch tentakellose knospenartige Individuen vor-
kommen mit reducii'ter Zahl der Mesenterialfalten, Si-
phonozoide M o s e 1 e y s ; solche findet man bei verschiedenen
Familien, so unter den Xenidae bei Xenia, den Alcyonidae
bei Sarcopliyünii und Lohojjhytumj unter den Helioporidae
bei Heliopora, den Scleraxonia bei Corallium, den Hola-
xonia bei Daftygorgia, endlich bei den I^ennatnlacea.
Versuchen wir nach diesen Principien ein natürliches
System herzustellen, so können wir zunächst die drei schon
von den früheren Forschern angenommenen Unterordnungen,
Alcyonacea, Pennatulacea, Gorgonacea annehmen, wobei die
Gorgonacea oder festsitzende Alcyonarien mit colonialem
Axenskelet in die beiden Sectionen der Sderaxonia und
Ilolaxonla zerfallen. Die Alcijonaeea bilden den Ausgangs-
punkt für die übrigen zwei Unterordnungen.
Alcyonacea
Cornularidae
Corniilaria Callipodium Telesto
Tubiporidae Alcyonidae Scleraxonia, Pennatulaea, Holcixonia.
Nephthyidae
10 Dr. Th. Stucler:
Alcyonaria Milne Edw.
Polypen und Polypenstöcke, deren Einzelthiere mit acht
gefiederten Tentakeln und ebensoviel unverkalkten Mesen-
terialfalten versehen sind.
Ord. I. Alcyonacea Verr. (Proceed. Essex Inst. Vol. IV.
pag. 148.J
^%omrfae Milne Edw. 1857. Dana 1859. Köll.
1865.
Polypen einzeln oder in Colonieen, durch en-
dodermatische Nährkanäle verbunden, ohne colo-
niales Axenskelet.
Farn. 1. Ilaini eidae. Hainieuiae V.V^right, Mono-
xenidae Ha e ekel.
Die Polypen zeitlebens isolirt, nicht zu Colonieen
verbunden.
Gen. Monoxenia Haeckel. ohne Spicula.
Gen. Haiinea Milne Edw. 1 •■ o • i
„ Hartea Perc. Wright. J ^
Farn. 2. Cornnlaridae Dana Zooph. Köllik.
Icon. bist. pag. 131. Cormdarinae et Te-
lestinae Milne Edw. u. Haime Corailliaires.
Cornularidae V er rill. (Proceed. Essex Inst.).
VoL IV. pag. 148.
Cormdarinae Klunzinger Corallenth. des
rothen Meeres 1.
CormdaridaY. Koch, Skelet d. Alcyonarien.
Morph. Jahrb. Bd. IV.
Nach der Diagnose von Klunzinger: Polypen
an der Basis nicht bündelweis zu einem Stamm
oder Fuss vereinigt, sondern mit hautartiger oder
stolonenartiger Basalausbreitung, oder ästig mit
Seitenknospung.
Versuch eines Systemes der Alcyonaria. \\
Gattungen:
Rhizoxenia E h b g.
Clavidaria Quoy Gaim.
Sarcodictyon Forbes.
Cornulana Lam.
Cyathopodium V e r r .
Sderanthelia Stud.
A n thojy odium V e r r .
Cormdariella Verr,
Gyinnosarca Kent.
Telesto Lamrx.
Coelogorgia Edw. H.
Anthelia Sav.
Sympodiiun Ehbg.
Erythrojo odium K ö 11 i k.
Callipodium V er rill.
Die Cornulariden bilden eine Familie, welche grosses
Interesse verdient, da sie einen Stamm bildet von dem
aus sich verschiedene Familien, selbst Ordnungen ab-
zuzweigen scheinen. Wir können Rhizo.i'cnia, als die ein-
fachste Colonialform betrachten, welche sich zunächst an
die einfachen Haimeiden anschliesst. Von da zweigen sich
einentheils ab Anthelia, bei welcher der Polypenleib noch
nicht in einen rigiden Kelchtheil und einen einziehbaren
Mundtheil gesondert ist, dagegen die Basis der Polypen
von einem dicken Coenenchym umschlossen ist, das von
grösseren Nährkanälen und kleineren netzartig verzweigten
Saftkanälchen durchzogen wird. Diese Entwicklung einer
basalen Coenenchymplatte bereitet die Verhältnisse der
Xeniadae vor.
Andi'erseits leiten sich von Rhizo.venia ab Clavidaria,
Sarcodictt/imi und Cornularia. Bei Clavidaria erheben sich
die Poh^en von stolonenartigen Ausläufern oder von einer
Basalmembran. In letzterem Falle ist aber die Basis der
Polypen von dieser selbst nicht umschlossen, sondern sie
sitzt auf derselben auf und sendet stolonenai-tige Entoderm-
röhren in sie ein, dafür ist hier der Mundtheil des Polypen
in einen starren Kelchtheil einziehbar. Aehnliche Ver-
hältnisse scheinen nach der Darstellung von Herdmann,
Royal physic. Soc. Edinburgh. Vol. VIII. pg. 3 1 bei Sarco-
dyction vorzukommen, liier sitzen die mit retractiler Mün-
dung versehenen Polypen auf einer Basalausbreitung, welche
aber schmal, stolonenartig ist und sich von jedem Polypen
12 Dr. Th. Studer:
vorwiegend in zwei Kichtungen ausdehnt, wodurch die Po-
lypen der Colonie reihenweise verbunden erscheinen und
nur an einzelnen Stellen in grösseren Complexen auf einer
gemeinsamen Basalfläche vereinigt sind. Nahe an Clavularia
scheint sich Cornularia anzuschliessen , bei welcher auf
kriechenden Stolonen Polypen sitzen, welche durch feine
Kanäle mit dem Lumen des Stolons in Verbindung stehen.
Die Wand des Stolons und der Polypen ist dicht und
hornig. Bei Gymnosarca Kent. , das wohl durch Cornn-
lariella Verrill noch näher mit Cornularia vermittelt wird,
sind die kriechenden Stolonen zahlreich und mit dicken
Wandungen versehen, anastomosiren und geben zugleich
freie, cylindrische Stolonen ab, an denen die Polypen sitzen.
Endlich erheben sich bei Telesto lange, aufrechte Polypen-
röhren aus den Stolonen mit dicker, horniger, von Spicula
durchsetzter Wandung, aus deren Kanalsystem cylindrische
Polypen entspringen mit kürzeren Leibeshöhlen. Diese
Gattung, wohin auch die Clavularia j^'f'olifera v. Koch,
vielleicht identisch mit Gorgonia trichostema Dana, ferner
die von F. Müller unter dem Gattungsnamen Carijoa an-
geführte C. rupicola (Arch. f. Naturg. 33. Jahrg. 1867.
pag. 330 Anm. Fig. 56) gerechnet werden muss, bildet endlich
den Uebergang zu vielen Gorgonacea, welcher durch Coelo-
gorgia vermittel wird.
Von Cornulariaartigen Formen leitet sich nach anderer
Richtung Cyathojyodium Verr., Gattungsname für Aulopora
tenuis Dana, Zooph. p. 630. PI. 59. Fig. 5 ab, bei welcher
die Wand der Stolonen verkalkt und so das Verhalten bei
Tuhipora einleitet. Auch an die Clavulariaformen mit
flacher Basalausbreitung reihen sich Gattungen, bei denen
die Tendenz der aufrechten Verzweigung auftritt, so bei den
Gattungen Sklerogorgia Studer und Anthopodium Verr.,
welches nach V er rill, einerseits Telesto > andrerseits Calli-
podiwn verwandt ist.
Eine Gruppe von Formen, welche sich mehr oder
weniger an Sarcodyction anschliessen, wird endlich von
Sympodium Ehbg., Erythrojjodium Köll. und Callipodmm
Ver rill, gebildet, wovon das letztere, nach der Darstellung
"Versuch eines Systemes der Atcyonaria. 13
und Abbildung von V er rill sehr an Sarcodictyon erinnert,
andrerseits ist die ganze Gruppe den Briareidae verwandt,
welche vielleicht von ähnlichen Formen ausgegangen ist.
Wir können nach dem Gesagten den natürlichen
Zusammenhang der Familien in folgendem Schema Ausdruck
geben, ohne dass dasselbe den Werth eines Stamm-
baumes beanspruchen soll.
Farn. 3. Tuhij)oridae Gray. Tiibipoiina Ehbg., Tuhi-
porinae M. E. H. Köllik, Klunz. Tiddporidae
Verrill, Tubiporidae Dana pars.
Die Kolonien bilden vollkommen verkalkte Korallen-
stöcke, bestehend aus vielen, subparallelen Kalkröhren.
Diese Röhren sind aus der Verklebung der Spicula des
Mesoderms hervorgegangen. Von Strecke zu Strecke
sind die Röhren durch verkalkte quere Lamellen ver-
bunden, in denen die Stolonen verlaufen, welche die
Folypenröhren verbinden. Der Vordertheil der Polypen
ist retractil.
Gen.: Tubipora L.
Farn. 4. Xenidae Verrill. Xeniadae Gray.
Die Colonie besteht aus Bündeln von langen Po-
lypenröhren, welche am Ende einen Kranz von nicht
einziehbaren Tentakeln tragen. Die Polypen sind im
unteren Theil durch eine Coenenchymmasse verbunden,
in welcher sich das Kanalsystem verzweigt, das die
einzelnen Polypen untereinander verbindet. Diese Coe-
nenchymmasse stellt einen zuweilen verzweigten Stiel
dar, auf dessen oberer Fläche der freie Theil der Po-
lypen sich doldenartig erhebt.
14 Dr. Th. Studer:
Gattung: Xenia Sav.
Die Xenidae schliessen sich nahe an Anthelia, sie
zeigen durch Verlängerung der Polypenröhren und
grössere Entfaltung des Coenenehyms eine vervoll-
kommnete Coloniebildung. Vielfach kommen zooiden-
artige Individuen in den Colonien vor, Kölliker, welcher
zuerst solche in einer neuen Art beobachtete, schlug
für die dimorphen Arten die Creirung einer eigenen
Gattung, Heteroxenia vor.
Klunzinger findet knospenartige Polypen bei
Xenia umhellata und fuscescens Ehbg. ; von denen der
ersteren Art, wo sie spärlich vorkommen oder fehlen,
lässt er die Frage, ob es Zooide oder Knospen sind, offen,
bei der letzten Art, neigt er sich zu der Ansicht, dass
es Zooide seien, welche sich nicht weiter über den
knospenartigen Zustand entwickeln. In einem Aufsatz
von Haacke, welcher in derZeitschr. „Zool. Garten" 1886
erschien, versichert der Autor nach der Beobachtung an
lebenden Thieren, dass die vermeintlichen Zooide junge
Knospen sind, die sich später zu Polypen entwickeln.
Diese Umstände lassen vorläufig die Gattung Heteroxenia
Köll. besser dahinfallen. Eine weitere Gattung Wardella
wurde von Gray für Xenia indivisa Sars aufgestellt.
Der Umstand, dass eine innere Axe von Spicula gebildet,
vorkommt, spricht nicht für Einreihung in die Familie
der Xenidae.
Fam. 5. Alcyonidae Verrill.
Polypenstock fleischig, bald einfach, bald lappig ver-
zweigt, im Basaltheil, der einen Stamm bildet, meist
ohne Polypen. Ein dickes Coenenchym umgiebt die
langen Polypenröhren bis zu dem retractilen Oesophageal-
theil. Die Verdauungshöhlen der Polypen stehen mit
einander durch ein System von grösseren und kleineren
Ernährungskanälen in Verbindung, bei einigen Gattungen
kommt Dimorphismus der Individuen vor, die als Siphono-
zooidien auftreten.
Versuch eines Systemes der Alcyonaria. 15
Genera: Bellonella Gray.
Cereopsis Kent {Nidalia pars. Gray,
Stud., Tphethyrus W. Koch.)
Nidalia Gray.
Paralcyonmm Edw. Haime.
Alcyonium L. pt.
Lobular ia Savigny.
SarcopJii/tnni L es soll.
Lohophytum Marenz.
Anthomastus Verrill.
Die Alcyoniden zeigen einen weiter vorgeschrittenen
Grad der Coloniebildung als die Xenidae. Die Polypen-
röhren sind sehr lang, in Bündel vereinigt, welche von
der Basis an einen Stiel bilden können, der sich nach
oben rascher oder langsamer verbreitert und schliesslich
in Lappen oder Zweige auslaufen kann und auf welchen
die Polypen mit ihren Tentakelkronen hervortreten.
Immer umhüllt eine Coenenchymmasse die Polypen-
röhren bis zum Oesophagealtheil, der sich in den von
Coenenchym umschlossenen Theil zurückziehen kann.
Das Coenenchym ist durchsetzt von Spicula, welche im
Stiel eine besondere Form und Entwicklung annehmen
können. Die Polypenröhren sind durch ein System von
endodermatischen Kanälen mit einander in Verbindung,
welche ihren Ursprung in den Polypenröhren nehmen,
von solchen Kanälen entstehen die neuen Polypen.
Bellonella Grsiy und Ceropsis Kent sind noch nahe
mit Xenia vei*wandt, die Polypenröhren, von einem Coe-
nenchym mit gi-ossen Spicula umschlossen, enden in vor-
ragenden Kelchen, in die sich der Tentakeltheil zurück-
ziehen kann. Bellonella und Cereopsis sind jedenfalls
nahe verwandt, wenn nicht in ein Genus zu vereinigen,
mit Cereopsis Bocaj ei Kent ist synonym Nidalia atlantica
Studer und Iphethyms speciosus W. Koch, auch Nidalia
Gray möchte zu den genannten Genera zu rechnen sein.
Bei laralcyoniinn Phil, zerfällt der Polypenstock
in einen Stiel mit derber Wandung und einen weichen
Theil, der kleine Zweige abgiebt, an denen die Polypen-
16 Dr. Th. Stüder:
mündungen hervorragen. Der weiche Theil kann sich
sammt den Polypen in den Stiel zurückziehen. Die
Erhärtung des Stieltheiles und die nur schwach aus-
gesprochene Verästelung des mehr kopfförmigen polypen-
tragenden Theils lässt diese Gattung Nidalia sich zunächst
anschliessen.
Bei Alcyonium stellt der ganze Stock eine auf-
rechte, lappig getheilte Masse dar, an der sich ein
kurzer Stieltheil unterscheiden lässt, Lobularia ist schwer
yon Alcyonium zu trennen, auch hat Klunzinger beide
in der Gattung Alcyonium vereinigt. Immerhin kann
man mit Ehrenberg als Lobularia diejenigen Alcyoniden
unterscheiden, bei welchen der kurze, breite Stiel in eine
Anzahl von Lappen und Läppchen ausgeht und das
Coenenchym sehr dicht mit kurzen Kalkspicula, nament-
lich Doppelkeulen, Keulen und Spindeln durchsetzt ist,
wodurch dasselbe eine derbe, lederartige Beschajffenheit
erhält.
Sarcophyton Less. bildet pilz- oder lappenförmige
Polypenstöcke mit Dimorphismus, Autozoiden und Si-
phonozoiden. Marenzeller trennt die Gattung Lessons
in Sarcophytum mit hutpilzförmiger Scheibe und Loho-
jyJiyton mit einer oberen Fläche, die derb und zu Lappen,
Läppchen oder fingerförmigen Fortsätzen ausgewachsen ist.
Eine dritte Gattung mit dimorphen Polypen be-
schreibt V er rill als Anthomastus. (Am. journ. Scienc. XVL
1878.) Die Charakterisirung lautet: Das Polyparium
bildet eine rundliche Masse, die auf kürzerem, stärkerem
sterilem Stiele sitzt. Wenige sehr grosse Polypen voll-
ständig in achtstrahlige Kelche zurückziehbar. Rudi-
mentäre Zooiden zahlreich, klein, zwischen den Polypen
zerstreut. Coenenchym reichlich, fest, von feinen Spicula
durchsetzt. Nach den in dem Bullet, of. Mus. Comp.
Zool. Juli 1883 gegebenen Abbildungen würde wohl
Sarcophyton purpureum Koren Danielsen zu dieser
Gattung zu rechnen sein.
Versuch eines System es der Alcyonaria. 1 7
Farn. 6. N ep hthy i d ae YQrviW. Proc. Essex Inst. Vol. VI
1869. incl. Siphonogorgiaceae KölL, Spoggodinae
et Älcyoninae. pars. Dana, Sj^oggodidae, Nephthy-
adae^ Lemnaliadae. pars Gray, Alcyoniens armes
M. Edw., H. part. Alcyoninae capitulifevae et Si-
p)honogorgiaceae Klunzinger.
Die Colonien bilden aufrecht verzweigte Stöcke, die
aus einem mehr oder weniger hohen, sterilen Strunk und
Aesten bestehen, welche, in der mannigfachsten Weise
verzweigt, die terminalen Polypen tragen. Die Polypen
sind nicht in Kelch und Tentakeltheil gesondert, so dass
eine vollkommene Einstülpung des oberen tentakel-
tragenden Polypentheiles in den unteren Gastraltheil
nicht stattfinden kann und die Tentakel in Ruhe nur
über der Mundscheibe zusammengekrümmt werden können.
Die Polypen setzen sich in lange Gastralhöhlen fort,
welche aber nicht gegenseitig in einander münden, sondern
durch dünne Wandungen von einander getrennt sind.
Jede G astralhöhle verjüngt sich nach unten, bis sie
endlich in eine keilförmige Spitze ausläuft; nur wenige
setzen sich in einzelnen Fällen direkt in die Kanäle des
Stammes fort. Der Strunk und die grösseren Aeste sind
von weiten Kanälen durchzogen, welche nur durch dünne,
bald spiculalose, bald mit Spicula erfüllte Wandungen
getrennt sind , eine dichtere äussere Hülle , mit Spicula
bewehrt, umgiebt dieselben nach aussen und die grossen
Kanäle stehen mit den langen Polypenröhren durch
Röhren in Verbindung, welche ihren Ursprung im Grunde
der Pol}^en nehmen. Ausserdem ist in den Wandungen,
welche die Polypen trennen, noch ein System von kleinen
capillaren Saftkanälen entwickelt, aus diesem entspringen
die jungen Knospen zwischen den alten, die je nach
der Zeit ihrer Entstehung längere oder kürzere Ver-
dauungshöhlen haben. In den Aesten sind gewöhnlich
vier weite Kanäle zu unterscheiden, deren Wandungen in
der Axe des Astes zusammenstossen. Neue Polypen, deren
kleinere Röhren auf Querschnitten sichtbar sind, stehen
nach aussen von den vier Hauptröhren in den Zwischen-
Arcb. f. NaturgescU. 53. Jahrg. Bd. I. 2
18 Dr. Th. Studer:
räumen zweier ßöbren, aber ohne dass ihre Scheide-
wände bis zur Axe reichen. Nach dem Ende des Astes
oder der Zweige nehmen die neuen Knospen mit immer
kürzeren Verdauungshöhlen immer mehr an Zahl zu.
Die Nephthyiden scheinen ihren Ursprung in tiefer stehen-
den Alcyoniden zu nehmen, wie Belonella und Cereopsis,
welche ein analoges Verhalten der Polypen zeigen. Man
kann zwei Untergruppen unterscheiden: a. solche, bei
welchen die Wandungen zwischen den Stammkanälen
keine oder nur vereinzelte Spicula enthalten als Spon-
godinae und b. solche, bei welchen Spicula in den Wan-
dungen der Kanäle reichlich vorhanden sind: Siphono-
gorginae.
a. Spongodinae.
Gersemia Marenz.
Duva Dub. Kor.
Eunephthya Verrill, Nephthya Sav. pars.,
Verrilliana Gray.
Ammothea Savigny, Ammothea und Capnella
Gray.
Nephthya Savigny, Milne Edw.
Spongodes Less. Verr., Spoggodes Less., Neph-
thya Ehbg., Spoggodia Dana, Spongodes
Verrill. , Spoggodes, Spoggodia und iV/or-
chellana Gray.
b. Sipho7iogorginae,
Faranephthya n. g.
Scleronephthya n. g.
Chironephihya n. g.
Siphonogorgia Köllik.
a. Spongodinae.
Gersemia Marenz. Die Colonie besteht aus
einem aufrechten Stamm von dem nur wenige
einfache Aeste abgehen, welche die büschel-
förmig angeordneten Polypen tragen, deren
Tentakeltheil nicht retractil ist. Nur die
Versuch eines Systemes der Alcyonaria. 19
Leibeswand, der Polypen, Tentakel, die Rinden-
schichte des Stammes sind mit Spicula be-
setzt. Einzelne Polypenröhren scheinen sich
hier direkt in die grossen Saftkanäle fort-
zusetzen.
Eunephthya Verrill. Die Colonie bildet einen
aufrechten Stamm, von dem nach allen Seiten
Nebenäste abgehen, die sich zuweilen weiter
verzweigend, Büschel von Polypen tragen.
Diese sind gi'oss, nicht retractil und bedeckt
mit dornigen keulenförmigen oder verzweigten
Spicula, deren Enden über die Oberfläche
hervorragen. Spicula finden sich nur in der
Rinde des Stammes, nicht in den Wandungen
der Kanäle.
Duva Dub. Kor. Colonie aufrecht verzweigt,
die Endzweige tragen Bündel von Polypen,
die nicht retractil und von langen, spindel-
förmigen dornigen Spicula bewehrt sind. Die
Aeste und Zweige enthalten keine Spicula, in
der Rinde des Stammes sind kurze mehr-
strahlige Spindeln und Doppelsterne ent-
wickelt.
Aimnothea Sav. Die Colonie aufrecht baum-
förmig verzweigt, oder gleich von der flachen
Basis an eine Anzahl cylindrischer , finger-
förmiger Aeste abgebend, welche die Polypen-
köpfchen tragen. Diese sind nicht retractil
und ebenso wie Stanmi und Aeste besetzt mit
kleinen dornigen Keulen und Spindeln, deren
Spitzen nicht über die Oberfläche hervor-
ragen, so dass diese glatt erscheint.
Nephthya Sav. Sehr ähnHch der vorigen, aber
die Polypenköpfchen besetzt mit ziemlich
grossen, langen Kalkspindeln, welche sich
dicht aneinander lagern und dem Köpfchen
20 DJ'- Th. Studer:
eine starre Consistenz geben. Auch Stamm
und Aesten geben die der Rinde eingelagerten
Kalkkörper eine feste, lederartige Consistenz.
Spongodes IjQ SS., Klunz. Die Form der Colonie
ist sehr verschieden durch die bald längere
bald kürzere Ausdehnung des sterilen Strunkes.
Die Polypen sind nicht retractil, ihre mit
grossen Spicula besetzten Köpfchen, die eine
feste Consistenz haben, werden von Bündeln
grosser spindelförmiger Spicula überragt, die
stachelartig über die Colonie hervorragen.
Die inneren Septa enthalten keine Spicula,
während in die Rinde von Stamm und Aesten
grosse Spicula eingelagert sind und derselben
eine feste Consistenz geben.
b. Siphonogorginae,
Paranephthya n. g. Der ganze Stock aufrecht
verzweigt, besteht aus Stamm und Aesten,
welche sich wieder verzweigen und deren End-
theile mit Büscheln von Polypenköpfchen be-
setzt sind, deren Tentakeltheil nicht retractil
ist. Die Kanäle des Stockes sind eng, zahl-
reich und durch relativ dicke Scheidewände
getrennt. Spicula in den Polypen, der Rinde
des Stockes und den Wandungen der Kanäle.
Die Spicula sind kleine Blattkeulen.
Sderonep)]ithya n. g. Colonieform und Kanal-
system ähnlich der vorigen, nur stehen häufig
einzelne Pol;)^enköpfchen auch an Stamm
und Aesten zerstreut. Die Kelche mit grossen
spindelförmigen Spicula, ebensolche in der
Rinde.
Chironephthya. Der einfache Stamm, welcher
im ganzen Verlaufe von gleicher Dicke bleibt,
giebt am Ende fingerförmige einfache starre
Versuch eines Systeines der Älcyonaria, 21-
Aeste ab, welche nur selten noch einmal ver-
zweigt sind und vereinzelte weit von einander
abstehende Polypenbecher tragen. Polypen
und Stamm sind mit grossen spindelförmigen
Spicula bedeckt. Stamm und Aeste sind von
Röhren durchzogen, deren dicke Wandungen
von zahlreichen Spicula durchsetzt sind.
Siphonogorgia Köll. Aufrecht verzweigte Stöcke,
an deren Aesten und Zweigen die Polypen-
köpfchen vertheilt sind, oder an denen sie
terminal aufsitzen. Das ganze Mesoderm der
Oberfläche des Stockes, sowie der dicken
Wandungen der Kanäle ist von zahlreichen
Spicula durchsetzt. Die Polypen sind theil-
weise retractil.
Fam. 7. Helioporidae Moseley Phil. Trans. Roy.
Soc. 1876.
Ein compactes Corallum aus fibrokrystallinischer
Kalkmasse. Dasselbe besteht aus einem aus zahlreichen
Röhren zusammengesetzten Coenenchym und aus
Kelchen mit einer unregelmässigen Zahl von Septa-
artigen Wandrippen. Kelch und Coenenchymröhren
nach unten geschlossen durch eine Reihe transversaler
Boeden. Polypen vollständig retractil mit Tentakeln,
die beim Zurückziehen nach innen eingestülpt werden.
Oeffnung der Taschen, welche die Coenenchymröhren
auskleiden, mit einem Lager von zartem Gewebe ge-
schlossen. Die Communication zwischen den Röhren
untereinander und mit den Kelchen wird durch ein
System von transversalen weichhäutigen Kanälen her-
gestellt.
Gattung: Heliojyora Blainv.
Folyiremacis D'Orb. fossil. Kreide-
Tertiaer.
Heliolites Dana, fossil, palaeozoisch.
22 Dl'- Th. Studer:
Ord. IL I^ennatulacea Y er rill. Peymatulida KölUk.
Die Pennatulacea dürften sich, wie Kölliker ge-
zeigt hat, von Cornularidenformen ableiten, von
welchen die eigenthümliche Gattung Psendogorgia K öllik.
den Uebergang vermittelt. Ohne weiter über diese Ord-
nung, welch durch Kölliker eine so klassische Bear-
beitung erfahren hat, uns zu verbreiten, geben wir hier
nur der Vollständigkeit halber die Eintheilung, wie sie
von Kölliker in seinem Werke über die Challenger-
Pennatulida gegeben worden ist, mit Hinzufiigung der
von Verrill, Koren und Daniel sen gegebenen Zu-
sätze. (Verrill. Am. Journ. of Scienc. Vol. XXIII. April
1882. Verrill. Bull. Mus. Comp. Zoöl. Vol. XL No. 1.
1883. Koren og Daniels s. Nye Alcyonider. Bergens
Museum 1883. Danielssen og Koren. Norske Nord-
havs Exped. Pennatulida. 1884.
Sectio I. Pennatulacea KöU.
Subsect. 1. Penniformes.
Farn. 1. Pteroeididae.
Pteroeides Her kl.
Godefroyia Köll.
Sarcophyllwn Köll.
Fam. 2. Pennatulidae.
Pennatida Lam.
Sciophyllum Verr.
Ptilosarcus Gray.
Halisceptrimi H e r k 1.
Subsect. IL Virgidarieae.
Fam. 1. Virgularidae.
Virgularia Lam.
Scytalium Her kl.
Pavonaria Köll
Fam. 2. Stylatulidae.
Stylatula Verr.
Svava Dan. Kor.
Versuch eines Systemes der Alcyanaria. 23
Dubenia Kor. Dan.
Acanthopiilum Köll.
Section IL Spie ata e.
Subject. I. Funiculinae.
Farn. 1. Funiculinidae.
Funiculina Lam.
Halipteris Köll.
Farn. 2. Stachyptilidae.
Stachypiihim Köll.
Farn. 3. Anthoptilidae.
Anthoptilum Köll.
Subsect. II. Jundfo'nnes.
Farn. 1. Kophobelemnonidae.
Kophohelemnon Asb.
Sclerobelemnon Köll.
Bathyptihun Köll.
Farn. 2. Umbellulidae.
Umbellnla Lam.
Farn. 3. Prolocaididae.
Frotocaulon Köll. (Verrill, ver-
muthet, dass diese Gattung auf
einem jungen Acanthoptüam
beruhe.)
Cladiscus Kor. Dan.
Farn. 4. Protoptüidae.
Protoptilum Köll. (Nach Verrill
Jugendform von Virgidaria.)
Lygomorpha Kor. Dan.
Microptüum Köll.
Leptoptüum Köll.
Trichoptilum Köll. (Nach Verr.
Jugendform von Funicidaria.)
Sderoptüum Köll.
Distichoptilum Verr.
Giinneria Dan. and Koren.
24 Dl'. Th. Studer:
Section III. Renilleae.
Farn. 1. Renillidae.
. Renilla Lam.
Section IV. Veretilleae.
Farn. 1. Cavernularidae.
Cavernularia Val.
Stylohelemnon Köll.
Farn. 2. Lituaridae.
Lituaria Val.
Veretillujn Cuv.
Policella Gray.
Clavella Gray.
Section V. Goendideae Kor. Dan.
Farn. 1. Goendididae.
Gen. Goendxd Kor. Dan.
Ord. III. Gorgonacca Yerv., Axifera Gray., Gorgo-
nidae Dana, M. Edw., Klunzinger.
Coloniebildende festsitzende Alcyonarien mit einer
inneren mehr oder weniger festen Colonialaxe, die von
einem Coenenchym überzogen ist, in dem die Polypen,
welche kurze Leibeshöhlen haben, entspringen.
Sect. 1. ßcleraxonia n. Ord. J^seudaxonia v. Koch,
Festsitzende, aufrecht verzweigte Polypenstöcke,
bei denen die kurzen Polypenröhren von einem
Kanalführenden Coenenchym umgeben sind, das
zahleiche Spicula eingebettet enthält. Dasselbe
scheidet sich in eine Rindensubstanz, in welcher
die Polypen sitzen und eine Marksubstanz, welche
Spicula enthält, die anders gestaltet, als diejenigen
der Rinde, dicht aneinander liegen und zuweilen
durch Hornsubstanz verbunden werden oder durch
Kalksubstanz mit einander zu einer steinharten
Axe verkitten. Immer aber sind in derselben die
einzelnen Spicula noch deutlich zu erkennen.
ßei'icht eiue.s Systenies der Alcyonaria. 25
Familien; Briareidae.
Suherogorgidae.
Melithaeidae.
Corallidae.
Die Sektion der Skleraxonia wird hier in einer
eigenen Abtheilung zusammengestellt, indem die hierher
gerechneten Vertreter eine nahe Zusammengehörigkeit be-
kunden, aber von den zu den Holaxonia zu rechnenden
Formen in vieler Hinsicht abweichen. Die Axe, wo eine
solche als Stütze für die Colonie in ähnUcher Lage, wie
bei den Holaxonia vorhanden ist, setzt sich immer aus
diiferenzirten Spicula zusammen, die eine gewisse Selbst-
ständigkeit auch da bewahren, wo die Axe für das blosse
Auge nur eine steinartige Masse darzustellen scheint. Die
verschiedene Consistenz der Axe wird dadurch bedingt, dass
die Spicula entweder lose nebeneinander liegen, oder durch
Hornmasse oder durch eine krystallinische Kalkmasse mit
einander verbunden werden. Die niedersten Formen der
Scleraxonia schliessen sich in den Briareiden noch enge
Sympodium und Callipodium an. Wir haben noch immer
einen mehr oder weniger flach ausgebreiteten Stock, dessen
Coenenchym sich in eine festere Markmasse und eine Rinden-
masse sondert, aber statt sich wie bei den erwähnten
Cornulariden an eine Unterlage anzuschliessen , aufrecht
in baumförmig verzweigten Stöcken erhebt, so noch bei
SoUnocaidon Gray, Lencoella Gray. Taf. 1. Fig. 2 u. 3. Bei
weiterer Entwicklung kommt die Markmasse in das Innere
des cylindrischen Stammes zu liegen und bildet dann eine
Axe, die mehr oder weniger differenzirt sein kann und
ihre höchste Entwicklung in Corallium erlangt.
Die Subordo der Sclera/conia entspricht im wesent-
lichen der Familie der Psendaxonia v. Koch (Skelett d. Al-
cyonarien. Morph. Jahrb. Bd. IV. pag. 474 u. a.) für welche
V. Koch eine andere Bildungsweise der Axe angenommen
hatte, als für seine Axifera.
V. Koch 's Familie umfasst die Coralllna^ Sclero-
gorgiacea und Alelithaeacea, die Bryareacea rechnet er zum
Theil noch zu den Alcyoninae.
26 Dr- Th. Studer-
Farn. Briaridae Verrill e. p. (Briaracea M. E., Paragor-
giaceae Köll.
Scleraxonien, bei welchen das Coenenchym in eine
polypentragende Rinde und eine von dicht aneinander ge-
lagerten Spicula gebildete Marksubstanz zerfällt, welche
entweder an einer Fläche der aufrecht wachsenden baum-
förmigen Colonie entwickelt ist, oder in das Innere des cy-
lindrischen Stammes gerückt ist und dann eine mehr oder
weniger wohl begrenzte Axe darstellt, die von Ernährungs-
kanälen durchzogen sein kann oder derselben entbehrt.
Danach zerfallen die Briareiden in zwei Unterfamilien:
Briareinae. Kernmasse mit Ernährungskanälen.
Leucoella Gray?
Solenocaulon Gray incl. Solenogorgia Kenth.
Semperina Köllik.
Suheria Studer.
Änthothela Verr.
Paragorgia Milne Edw.
Briareum Fall. (Vioa Gray).
Spongioclerminae. Kernmasse ohne Ernährungskanäle.
Titanideum Ag.
Icüigorgia Ridley.
Spongiode7'ma Köll., Solandetia Köll. Moeb. u.a.
Solanderia Duch. Mich., Homophyton Gray?
Die primitivste Form stellt wahrscheinhch Leucoella
Gray dar, von welcher leider nur eine sehr ungenügende
Beschreibung existirt, so dass wir über die Verhältnisse
der Ernährungskanäle nicht orientirt sind. Nach der
Schilderung von Gray muss sie sehr nahe Solenocaulon
stehen.
Solenocaulon zeigt einen aufrechten abgeplatteten nach
zwei Seiten unregelmässig verzweigten Polypenstock, der
namentlich an den Rändern und auf einer Fläche vor-
tretende Polypen trägt, deren Tentakeltheil in Ruhe nur
wenig in den Polypenkörper eingefaltet werden kann. Das
Coenenchym besteht aus zwei Schichten, einer äusseren
Versuch eines Systemes der Alcyonaria. 27
Rinden- und einer inneren Markschicht. Die Rindenschicht
besteht aus einem Coenenchym mit spindel- bis keulen-
förmigen Spicula, auf der einen Seite des Stockes ist es
dick und enthält die Polypen, deren kurze Verdauungs-
höhlen in das Coenenchym eingesenkt sind, während der
vordere Theil des Polypen, Oesophageal- und Tentakeltheil,
über das Coenenchym hervorragen. Die andere Seite des
Stockes enthält nur eine sehr dünne Rindenschicht, welche
einen hautartigen Ueberzug der Markmasse darstellt und
aus einem glatten Ectoderm und einer sehr dünnen Lage
von Mesodermsubstanz besteht und keine Polypen enthält.
Die Markmasse ist aus sehr dicht aneinander gelagerten
stabförmigen Spicula zusammengesetzt, die durch eine netz-
artige Masse von Hornsubstanz verbunden werden.
Das Ernährungssystem besteht nus einem Netzwerk
von sehr feinen Nährkanälen, welche die Polypen unter-
einander verbinden, die Rindensubstanz in ihrer ganzen
Dicke durchziehen und schliesslich in grosse Gefässe münden,
welche in geringer Anzahl in der Peripherie der Mark-
masse verlaufen, zum Theil auch in die Marksubstanz selbst
eingelagert sind. An den dünneren Zweigen finden sich
diese Längsgefässe nur auf der polypentragenden Seite
des Coenenchym, an dickeren Aesten in der ganzen Pe-
ripherie. Stamm und Aeste sind nun aber wohl aus
statischen Gründen bei aufrechtem Wachsthum nicht flach
ausgebreitet, sondern in der nicht polypentragenden Fläche
eingerollt, wobei sich in dem Stamm und grösseren Aesten
die Ränder berühren, so dass eine Röhre entsteht, während
die dünneren Zweige hohlrinnenartige Gebilde darstellen.
Die nahe Beziehung eines solchen Stockes zu Sympodium
und verwandten ist hier noch sehr. ausgesprochen, wir haben
auch hier noch eine flächenartige Ausbreitung der Colonie,
aber statt dass dieselbe mit der unteren Seite fremde
Gegenstände überzieht, ist sie aufgerichtet und ihre untere
Fläche bildet die Innenseite einer Röhre oder Hohlrinne,
zu der sich der Stock eingerollt hat. Bei der aufrechten
Stellung ist aber ein festerer Halt der Colonie nothwendig
28 Dl'- Th. Stiuler:
und dieser wird durch Differenzirung der Markmasse ge-
geben.
Nahe an Solenocaulon schliesst sich Semperina Köll.
Hier hat aber der Stamm eine mehr cylindrische Form
angenommen und die Markmasse rückt mehr in die Axe
der Colonie, doch hegt sie noch immer etwas excentrisch
und die Polypen von ähnhcher Entwickhmg, wie bei der
vorigen Art, entspringen vorwiegend von einer Seite.
Bei Suberia S tu der ist die Markmasse wohl differenzirt
und bildet die Axe des cylindrischen Stammes, der, wenig
verzweigt, nach allen Seiten Polypen abgiebt, die an dem
kolbig verdickten Ende des Stammes am zahlreichsten an-
gehäuft sind. Der Vordertheil des Polypen ist in einen
deutlich gesonderten Kelchtheil zurüchziehbar. Ein Kanal-
system aus relativ weiten Nährkanälen durchzieht auch die
Axe mit Nährkanälen.
Die Gsittimg A)tthothela wurde für Briareum grandiflorum
Dub. Kor. von Verrill aufgestellt. (Proc. Nat Mus. IL 1879.
p. 199.) Es bildet die Gattung incrustirende oder aufrecht
verzweigte Colonieen, welche eine deutliche Axe besitzen,
die aus spindelförmigen Spicula besteht. Die Polypen sind
gross, vorragend und nicht im Kelche zurückziehbar, am
Ende in acht Lappen gesondert, welche von den Basen
der zusammengekrümmten Tentakel gebildet werden. Es
finden sich hier im Coenenchym der Rinde grössere Nähr-
kanäle, feine capillare Saftkanäle, wie bei den Alcyoniden
und sehr wenig grössere Längskanäle, welche auch die
Axe durchsetzen, die [grossen Polypen besitzen Verdauungs-
höhlen, deren Grund bis auf die Axe reicht.
Paragorgia M. E. bildet aufrecht verzweigte, mehr
cylindrische Colonieen, mit unregelmässig vertheilten warzen-
förmigen Kelchen, in welche der Vordertheil der Polypen
sich zurückziehen kann. Die wenig begrenzte Axe enthält
grosse Längskanäle. Neben den Polypen kommen bei
P. nodosa Kor. Dan. auch noch Siphonozoiden ohne Ten-
takel vor. Bei Briareum endlich, das unregelmässig lappige,
Versuch eines Systemes der Äleijonaria. 29
aufrechte Colonieen bildet, ist die von Kanälen durch-
zogene Axe wenig begrenzt, die regelrecht am Stamme
vertheilten Polypen sind ohne Kelche und ganz in das
Coenenchym zurückziehbar.
Spongioderminae. Bei diesen ist die Axe schärfer vom
Coenenchym abgegrenzt, ohne alle Ernährungskanäle.
Nur zwei Gattungen gehören bis dahin in diese Unter-
familie Titanideum Ag., welches nach Form und Verhalten
der Polypen noch an die vorige Gattung sich anreiht und
Spongioder/na Köll., das baumförmig verzweigte, cylin-
drische Stöcke bildet, wo die Polypen in Kelchwarzen sich
zurückziehen können und deutliche Längskanäle in der
Peripherie der Axe entwickelt sind.
Zwischen beiden möchte die Gattung Tcüigorgia
Ridley Platz finden. Hier bildet die Colonie aufrecht
verzweigte Stämme, deren Stamm und Aeste comprimirt
sind und an den scharfen Rändern vollkommen retractile,
in einer Reihe angeordnete Polypen tragen. Die Mark-
masse bildet eine aus Spicula gebildete, dichte, nicht von
Markkanälen durchzogene Axe, welche von Längskanälen
umgeben ist.
Fam. Suberogorgidae. Sclerogorgiaceae Köllik.
Eine deutlich gesondei-te Axe und Hornsubstanz,
welche die zahlreichen dicht gelagerten Kalkkörper um-
giebt. Die Axe ward von Längskanälen umgeben, in welche
die netzartig verzweigten Coenenchymkanäle , welche die
Polypen unter einander verbinden, einmünden. Die Po-
lypen differenziren in einen warzig vorspringenden Kelch-
theil, in den sich der vordere, tentakeltragende Abschnitt
vollkommen retrahiren kann.
Bei Snberogorgia snherosa Esp. sind Stamm und Aeste
abgeplattet, die Polypen entspringen besonders von den
schmalen Rändern, während die nackten Flächen des
Stammes und der Aeste eine tiefe Längsfurche zeigen.
Unter dieser liegt der weite Längsgefässstamm , zu jeder
Seite der Axe einer in den ein verzweigtes Maschennetz
30 Dr. Th. Studer:
von Kanälen, das im Coenenchym sich verbreitet, ein-
mündet.
Genus: ßuherogorgia Gray.
Keroeides Wright u. Studer.
S^herogorgia Gray. Aufrecht verzweigte, zuweilen netz-
förmige Colonien mit wenig vorragenden Polypen-
kelchen, die besonders auf zwei Seiten des etwas ab-
geplatteten Stammes und der Aeste vertheilt sind.
Das Coenenchym ist dick und zeigt auf den polypen-
freien Feldern an der Oberfläche Längsfurchen. Die
Spicula sind warzige Spindeln, bei einer Art auch
Doppelrädchen.
Kej'oeides Wrt. u. St. Die Colonie aufrecht in einer Ebene
verzweigt, die Polypen bilden warzenförmige Kelche,
die namentlich von zwei Seiten der abgeplatteten
Aeste abgehen, dazwischen einen polypenfreien Raum
lassend. Die Spicula des Coenenchyms sind grosse
breite Spindeln und polygonale, oft dreiseitige Platten^
welche, dicht aneinander gelagert, im Coenenchym
eine einfache Schicht bilden. Die Polypenkelche sind
mit polygonalen Platten dicht gepflastert, ebenso ent-
halten die Tentakelblasen breite glatte Spicula. Der
ganze Habitus, sowie die Spicula, erinnern an Acis
Du eh. Mich. Die Axe ist weiss und besteht aus
dicht parallel gelagerten Kalkspindeln, welche durch
ein hornig fasriges Gewebe verbunden sind, das nach
Ausziehen der Kalksalze zurückbleibt und die Form
der Axe erhält.
Fam. Melithaeidae Ridley. Tsidinae pars Milne Edw.
Tsidae pars Verr., Melithaeaceae Köllik. Klunz,
Melithaeadae, Mopselladae, Trinelladae, E/Msellada
pars. Gray.
Scleraxonien mit deutlich gesonderter Axe, welche ge-
gegliedert ist aus abwechselndem harten Kalk und weichen,
korkartigen Gliedern. Die harten Glieder bestehen ganz
Versuch eines Systemes der Alcyonaria. 3l
aus verschmolzenen Kalkkörpern, die weichen enthalten
lose Kalkspicula.
Gray hat die Vertreter dieser Familie in eine Anzahl
getrennter Familien gesondert, welche aber, wie Ridley
(Report on the zool. collect, of the Alert. London 1881.
pag. 356) gezeigt, nicht haltbar sind. Ridley hat nach-
gewiesen, dass der Unterschied, auf dem die Trennung
zwischen Melithaeadae und Mopselladae bei Gray beruht,
die von Nährkanälen durchbohrte Axe, nicht durchgreifend
ist. Derselbe will daher die Gattungen einer Familie unter-
ordnen und die Unterscheidung der Gattungen nur nach
dem Verhalten der Spicula feststellen. Die Melithaeiden
möchten sich wohl von Briaereiden ableiten, mit deren
niedrigeren Formen viele noch das Vorhandensein von
Nährkanälen innerhalb der Axe gemein haben. Wie
Ridley gezeigt, kommen auch hier noch, ähnlich wie bei
Faragorgia, neben den Autozoiden, Siphonozoiden vor, so
bei Melitodes alhicincta Ridl.
Genera: Melitodes Verr. , Melithaea Milne Edw. incl.
Anicella Gray.
Mopsella Gray emen. Ridley incl. Melitella
Gray.
Acabaria Gray.
Psilacabaria Ridley.
Wrightella Gray.
Clathraria Gray.
Pansis Verrill (incl. TrineUa Gray).
Melitodes hat alle Glieder von longitudinalen Kanälen
durchzogen, die Spicula des Coenenchyms sind einer-
seits grosse warzige Spindeln, andrerseits knotige
Spindeln.
Mopsella Gray. Auch hier sind die dickeren Glieder
der Axe von Kanälen durchzogen. Die Spicula sind
Spindeln und Blattkeulen.
Acabaria Gr. Wie Mopsella, aber die Spicula der Rinde
sind nur Spindeln,
32 Dr- Th. Studer:
Psilacaharia Ridl. Ohne Blattkeulen, die Aeste gehen
von den weichen Gliedern unter nahezu rechten
Winkeln ab. Die Tuberkel der grossen spindel-
förmigen Rindenspicula haben die Tendenz, ring-
förmige Wülste zu bilden. Die Polypenkelche sind
Spiral angeordnet.
Wrightella Gray, Mopsea Klzgr. Comprimirte Aeste
und Zweige, die vorragenden Polypenkelche vor-
wiegend an den Seiten. In der Rinde Blattkeulen.
Keine Nährkanäle in der Axe.
Clathraria. Cylindrische, mannigfach gebogene Aeste, oft
verschmelzend, von derselben Dicke bis zum Ende.
Die Polypen sind eingesenkt in das Coenenchym. Die
Axe ist ohne Nährkanäle.
Parisis V er rill. Die Aeste entspringen im Gegensatz zu
allen anderen Melithaeidae von den kalkigen Gliedern.
Die vorragenden Kelche entspringen an dünneren
Aesten in der ganzen Peripherie. Die Spicula er-
innern an diejenigen von Isis, sie sind dick, unregel-
mässig, oft in der Mitte eingeschnürt und mit Warzen
bedeckt. Trinella Sivinhoei, worauf Gray die Gattung
Trinella begründet, beruht auf der Axe einer Parisis,
die mit einem Kieselschwamm überzogen ist und Pa-
lythoen trägt, welche von Gray als die Polypen der
Trinella gedeutet wurden.
Fam. Corallidae Gray, Corallinae M. E.
Die Axe ist aus krystaUinischer Kalkmasse und mit
derselben verschmolzenen Spicula gebildet.
Genera: Coralliwn Lam.
Pleurocorallium Gray.
Ridley hat (Proc. zool. Soc. 1882. pag. 221—233) die
nahe Verwandtschaft der Corallidae zu den Melithaeidae
nachgewiesen.
Coralliwn mit dei Edelcoralle C. nobile hat nur eine
Art von Spicula und die Polypenkelche sind über die
ganze Oberfläche des Stockes verbreitet.
Versuch eines Systemes der Alcyonaria. 33
Pleurocorallium hat zwei Arten Spicula, die Polypen
sind vorwiegend auf eine Fläche des comprimirten
Stammes und der Aeste vertheilt.
Sectio II. Holaoconia. {Axifera v. Koch),
Gorgonacea mit einer Axe, welche aus Hornsubstanz,
verkalkter Hornsubstanz oder aus abwechselnden Gliedern
von krystallinischer Kalksubstanz und Hörn besteht.
Die Coloniebildung der Hola.corda und ihrer Axe scheint
nach einem von den Scleraxonia verschiedenen Principe vor
sich zu gehen. Während bei den Scleraxonia die Axe sich
zuerst als eine DifFerenzirung des Coenenchyms an der
ursprünghchen Basalausbreitung des Stockes kundgiebt,
bildet sie bei den Holaxonia von vornherein eine centrale
Axe des Stockes, die von den Längskanälen peripherisch
umgeben wird. Ihre morphologische Bedeutung wurde von
den verschiedenen Autoren sehr verschieden aufgefasst.
Milne Edwards und Haime (Hist. nat. des Coraill.
Bd. 1) betrachten sie als eine Ausscheidung des Ectoderms.
Dieselbe soll am Anfang als dünne Lamelle den Fuss des
jungen Polypen bekleiden und befestigen und dann mit
dem Wachsthum des Polypen und der Bildung der Colonie
allmählig in diese hineinwachsen, gewissermassen dieselbe
über sich stülpen.
Nachdem Lacaze Duthiers (Hist. nat. du Corail.
1864) gezeigt hatte, dass bei CoraUlnm ruhrnm die Axe
sich aus den Spicula des Mesoderms bildete, wurde all-
gemein den Axen der Alcyonarien ein mesodermatischer
Ursprung zugeschrieben. Namentlich KöUiker beanspruchte
einen solchen (Icon. histol.) für alle Gorgonaceen und be-
legte diese Ansicht mit einer Reihe von Thatsachen, so
das zufälHge Vorkommen von Kalkspicula in hornigen Axen,
des Fehlen eines Epithels zwischen Coenenchym und Axe,
das Verhalten der Axen bei netzförmigen Verbindungen
der Colonie, der histologische Bau der Axen, das zufällige
Vorkommen von Hornsubstanz im Innern des Coenenchyms
von Alcyoninm. Zur weiteren Stütze für diese Ansicht
zeigte ich an Eunicella Bertoloni, dass die junge Axe an
Arcli. f. Naturgesch. 53. Jahrg. Bd. 1. 3
34 Dr. Th. Studer
der wachsenden Spitze sich erfüllt zeige 'mit Spicula, welche
von Hornausscheidungen umgeben und in die Axe eingebettet
werden; dort aber nur in seltenen Fällen erhalten bleiben,
sondern meist resorbirt werden.
Diesen Ansichten entgegen, nahm v. Koch wieder die
Ansicht Milne Edwards vom ectodermatischen Ursprung
der Axe auf. Zunächst wies er nach, dass bei der Axe
von Gorgonia verrucosa ein Axenepithel vorkomme (Mit-
theilungen über Gorgonia verrucosa, Morph. Jahrb. Bd. IV),
nachher constatirte er dasselbe auch an Isis elongata Esp.,
Prirnnoa v erti ciliar is , Pennatula rubra , Haliscej^trum und
Kophobelemnon. (Das Skelett der Alcyonarien, Morph. Jahrb.,
Bd. IV.) Die Bildung der Axe an Gorgonia verrucosa hat
er an den jüngsten Stadien verfolgt. Nachdem sich der
Embryo festgesetzt und sich zu einem Polypen ausgebildet
hat, an dem die Spicula anfangen aufzutreten, erscheint
das Hornskelett in Form eines unendlich dünnen Blätt-
chens unter der Basis, welches später etwas stärker wird
und bald eine kleine Erhebung, die Anlage der späteren
Axe zeigt. Die Weiterentwickelung des einfachen Polypen
zu einem Busch geschieht später durch indirekte Knospung
und Verlängerung des Axenskelettes , doch geht aus der
Darstellung nicht hervor, ob und in welcher Weise dieses
direkt beobachtet wurde. (Vorl. Mittheil. üb. d. Gorgonien
von Neapel und die Entwickelung der Gorgonia verrucosa.
Mittheil. a. d. zool. Stat. zu Neapel 1882. Heft IV.) Nach
der Darstellung eines Querschnittes, Fig. 14, hat die in
den Polypen eindringende Axe eine assymetrische Lage.
AUe diese Thatsachen führen v. Koch zu dem Resultate,
dass die Axe der Gorgonien resp. der Axifera v. Koch
epithelialen Ursprunges sei. (S. auch v. Koch. Morpholog.
Bedeutung d. Korallenskelettes. Biol. Centralblatt, IL Bd.
No. 19.) So wenig auch nach den Beobachtungen von
V. Koch an dem Vorhandensein des Axenepithels, das ich
ebenfalls bestätigen kann, zu zweifeln ist, so scheint mir
doch kein zwingender Grund vorhanden zu sein, dasselbe
als ein ectodermatisches Epithel aufzufassen.
Die Thatsachen, welche die Entwicklungsgeschichte
Versuch eines Systeme s der Älei/onaria. 35
als Beweise für den ectodermatischen Ursprung der Axe
geliefert hat, scheinen mir noch sehr der Ergänzung zu
bedürfen, v. Koch hat bei dem jungen Polypen die Bildung
eines dünnen hornigen Häutchens unter der Basis beob-
achtet, das sich allmählig verdickt. An ganz jungen
Exemplaren von Gorgonia verrucosa bildet sich eine dünne,
wenige Millimeter lange, ziemlich weiche Axe, welche an
der Basis sich allmählig zu einer rundhchen Platte ver-
breitert, die auf irgend einem harten Gegenstande festsitzt.
Dass die Hornplatte, wie es auch bei dem erwachsenen
Stock der Fall ist, direct der Unterlage aufsitzt, ist noch
kein Beweis dafür, dass sie aus dem Ectoderm stammt.
Heider hat bei Cladocora nachgewiesen, dass das im
Mesoderm sich bildende Skelett schon in sehr frühem
Stadium der Entwicklung des Polypen am Fusse desselben
das Ectoderm zum Schwinden bringt und den Polypen auf
der Unterlage festkittet. (Heider. Die Gattung C/arZocora.
Sitzgsber. d. k. k. Acad. d. W., 1. Abth. 1881.)
Ein ähnliches Verhalten kann auch hier stattfinden.
Jedenfalls muss, um eine absolute Klarheit in der Sache
zu gewinnen, die Entwicklung der Axe vom jungen Einzel-
thier bis zur Coloniebildung Schritt für Schritt verfolgt
werden, was noch nicht geschehen ist.
Die vorläufig hier geäusserten Ideen über die morpho-
logische Bedeutung der Holaxoniencolonieen und ihrer Axen
stützen sich auf eine Anzahl von vergleichend anatomischen
Thatsachen.
Gehen wir aus von höher entwickelten Comulariden,
z. B. Telesto. (Tf. I. fig. 4. 5. 6.)
Die Colonie besteht hier aus langen durch Stolonen
verbundenen Polypen, deren Wandung verdickt ist und
Spicula enthält, zwischen denen sich noch Hornsubstanzen
entwickeln. Jeder dieser Polypen, der an seinem Ende
einen Mund, von Tentakeln umgeben, besitzt, hat eine lange
Verdauungshöhle, in welche sich die acht Mesenterialfalten
fortsetzen. An der Wandung der langen Polypenröhre
sitzen Polypen, mit kurzen Höhlen, von deren blindem
Ende ein System von Kanälen abgeht, das sich in der
36 Dr. Th. Studer:
Wand des axialen Polypen, wie man das langgestreckte
Individuum bezeichnen kann, verzweigt, um schliesslich
in den Verdauungsraum desselben einzumünden. Mitunter
entwickeln sich aber auch die Seitenknospen zu langen
Polypen, die eine verlängerte Verdauungshöhle besitzen
und aus ihrer Wandung kleine Polypen entwickeln ; es kann
so das Bild einer verästelten Gorgonidencolonie entstehen,
an der nur statt der inneren Axe ein Hohlraum, die Ver-
dauungshöhle der primären und secundären axialen Polypen,
vorhanden ist. Diese ist durch die mesenterialen Falten
in einen centralen Hohlraum und acht radiäre Fächer
differenzirt. Untersuchen wir eine einfachere, streng radiär
angeordnete Colonie einer Holaxonie, z. B. eine Primnoide
mit wirteiförmig abgehenden Kelchen, wie Primnoella oder
Calhgorgia, so ist das Bild ein sehr ähnliches (Tf. I. fig. 7).
Wir finden einen einfachen oder Seitenzweige abgebenden
Hauptstamm, der eine centrale Axe besitzt, die von Längs-
kanälen umgeben ist. Um die Längskanäle lagert sich eine
Rinde aus Mesoderm, in welcher Spicula liegen und eine
dünne Ectodermschicht. Auf der Rinde erheben sich die Po-
lypen mit kurzen Verdauungshöhlen, aus derem blinden Ende
Kanäle abgehen, die anastomosiren und schliesslich in die
Längskanäle einmünden. Diese Längskanäle sind weite
Kanäle, welche in der Zahl von acht radiär um die Axe
stehen. Jeder Kanal ist ausgekleidet von Endodermzellen,
die umgeben sind von hyalinem Mesoderm, das nach innen
von den Kanälen eine Scheide um die Axe bildet und
noch gegen die Peripherie der Axe mit einem Epithel aus-
gekleidet ist.
Was liegt nun näher, als einen solchen Stamm mit
dem axialen Polypen einer Telesto zu vergleichen, an dem
die von den acht Mesenterialfalten gedildeten Fächer noch
erhalten sind, dessen centraler Hohlraum aber von einer
epithelüberzogenen Axe ausgefüllt wird, die bewirkt, dass
die acht Fächer zu ebensoviel Längskanälen werden. Der
Stamm einer solchen Colonie wäre demnach als axialer
Polyp aufzufassen, dessen centrale Höhlung von unten her
von einer zur Axe sich differenzirenden Mesodermwucherung
Versuch eines Systenies der Alcyonaria. 37
ausgefüllt wird, einem Gebilde, das sich am besten mit der
Columella der Madreporarier vergleichen lässt. Diese Spindel
wird natürlich von dem Endoderm des axialen Polypen, das
sie vor sich herschiebt, überzogen und dieses bildet das
Axenepithel.
Die Colonie einer Holaxonie gewinnt durch diese Auf-
fassung eine grosse Analogie mit den Pennatuliden , für
welche KöUiker ( Anatom. -systemat. Beschreibung der
Alcyonarien, 1. Abth. Pennatuliden-Morphologie) eine ähn-
liche Auffassung befürwortet.
Fernere Analogieen mit den Pennatuliden zeigen sich
darin, dass der als axialer Polyp aufgefasste Stamm
selten an seinem Ende in einen Polypen mit Mund und
Magenrohr ausläuft sondern ein rein vegetatives Indivi-
duum darstellt, das am Ende blind geschlossen ist, resp.
immer auf dem Stadium eines Stolonen bleibt. Selten sind
übrigens die axialen Polypen radiär, wie in den erwähnten
Fällen, meist macht sich eine Tendenz zur bilateralen oder
biradiären Symmetrie geltend. So können sich, wie bei
Dasygorgia, die Längskanäle auf zwei reduciren, welche
auf zwei Seiten der Axe verlaufen, oder es können, wae
bei den meisten Gorgonelliden, zwei Hauptkanäle vorhanden
sein, welche an zwei Seiten verlaufen, während zwischen
diesen eine Anzahl kleinerer entwickelt sind. Mit diesem
primär biradiären Bau des axialen Stammpolypen steht
dann gewöhnlich auch ein nach demselben Princip an-
geordnetes System von Aesten und Zweigen im Zusammen-
hang.
Sollte sich diese Ansicht bestätigen, so würden wir
fiir die Holaxonier eine andere Stammform annehmen
müssen, als für die Scleraxonier. Sie dürften sich am
besten auf Cornulariden von der Form der Telesto zurück-
führen lassen, diese leiten einentheils durch Pseudogorgia
zu den Pennatulacea über, anderentheils direkt, oder durch
Coelogorgia zu den Holaxoniern. Pennalulacea und
Holaxonla stehen auch in ihren primitivsten Formen ein-
ander ausserordentlich nahe. So sind zum Beispiel Arten
der Gattung Strophogorgia unter den Dasygorgiden von
38 Dr- Th. Stiuler:
gewissen Pennatulaceen, so Leptoptilmn durch wenig
mehr verschieden, als dass die eine Form auf einer Unter-
lage vermittelst stolonenartiger Wurzelausläufer befestigt
ist, während die andere frei ist.
Die Holaxonier lassen in aufsteigender Reihenfolge
folgende Familien unterscheiden:
1. Dasygorgidae.
2. Isidae.
3. Primnoidae.
4. Muriceidae.
5. Plexauridae.
6. Gorgonidae.
7. Gorgonellidae.
Die Dasygorgidae dürften als die primitivsten Formen
betrachtet werden, die Polypen sind nicht retractil, die
Tentakel, welche mit Spicula bewehrt siiid, krümmen sich
in Ruhe einfach über der Mundscheibe zusammen. (Tf I.
fig. 10.) Die Axe ist hornig kalkig. Von ihnen differenziren
sich einentheils die Isidae, bei welchen die Axe sich in
hornige und kalkige Glieder differenzirt. Die Polypen sind
in den einfacheren Formen noch ähnlich denen der Dasy-
gorgidae, in mehr complicirten aber in Kelch und retractilen
Theil gesondert.
Von der Unterabtheilung der Chrysogorginae unter den
Dasygorgidae, bei welchen die Spicula der Polypen schuppen-
artig werden, möchten sich die Primnoiden ableiten. Auch
die Muriceidae weisen durch gewisse Formen, bei welchen
die Polypen noch wenig differenzirt sind, so Acanthoisis,
auf einen Ursprung von Dasygorgiden, bei höheren Formen
aber wird die Dififerenzirung der Polypen in Kelch und
retractilen Tentakeltheil immer mehr ausgesprochen, bis
endlich die Gattung Muricea den Uebergang zu den
Plexauriden vermittelt, wo der vordere Theil des Polypen
vollkommen durch den Kelch oder die tiefe Coenenchym-
höhle geschützt werden kann. Als besondere Abtheilung,
aus den Muriceidae oder Plexauridae hervorgegangen, können
die Gorgofiidae betrachtet werden, die sich schliesslich mit
Befestigung der Axe durch Kalksalze zu den meist biradiären
Versuch eines Systemes der Alcyonaria. 39
Colonieen der Gorgouellidae entwickelten. Die Stufenleiter
der Vervollkommnung des Typus lässt sich daher hypo-
thetisch so darstellen:
Dasygorgidae
1
Isidae Primnoidae Muriceidae
Plexauridae?
Gorgonidae
Gorgonellidae.
Farn. Dasygorgidae n. f.
Colonien einfach oder verzweigt, mit hornig -kalkiger
Axe, dünnem Coenenchym und grossen, weitabstehenden
Polypen, welche nicht retractil sind und ihre Tentakel in
Ruhe über der Mundöffnung zusammenbiegen. Coenenchym
und Polypen enthalten einfache glatte Kalknadeln oder
Spindeln, oder Schuppen von hyaliner Beschaffenheit, die
sich bis in die Enden der Tentakel erstrecken.
Die Dasygorgidae stellen in mehrfacher Hinsicht die
am einfachsten gebauten Holaxonier dar. Der Stamm ist
entweder einfach, ruthenförmig, unverzweigt, oder verzweigt
und zwar so, dass von einem Hauptstamm in spiraler
Anordnung Aeste abgehen, welche wieder Zweige abgeben
können. Die Axe entspringt aus einer kalkigen Wurzel,
die bald stolonenartig verzweigt, bald flach ausgebreitet
ist. Die Axe besteht aus einer fasrigen Hornsubstanz,
zwischen welche Kalk eingelagert ist, am meisten nach
der Basis zu, weniger am Ende des Stammes und der
Aeste und Zweige, welche schliesslich nur noch hornig sind.
Die Oberfläche ist glatt und glänzend und zeigt häufig
Goldglanz oder irisirende Farben.^ Das Coenenchym ist in
den meisten Fällen sehr dünn. Die Polypen sind gross,
häufig dicker als der Ast, an dem sie sitzen; sie sind
meist einzeilig am Stamme und Aesten angeordnet. Ihre
Struktur ist einfach, niemals kann man Kelch, Oesophageal-
und Tentakeltheil unterscheiden, die Bepanzerung mit Kalk-
körpern erstreckt sich von der Basis bis in die Tentakel-
40 Dr. Th. Studer
spitzen und lässt nur die Pinnulae der Tentakel frei.
Diese selbst können sich in Ruhe nur über der Mundscheibe
zusammenbiegen. Neben den Tentakeltragenden Polypen
kommen noch sehr kleine, kegelförmige Zooiden bei vielen
Arten vor. Diese besitzen eine mit Nesselkapseln erfüllte
kopfförmige Spitze, unter welcher der spaltförmige Mund
gelegen ist. (Tf. I. fig. 16.) Das Kanalsystem besteht aus zwei
bis vier, längs der Axe verlaufenden Längskanälen, welche
direct die aus den Polypen und Zooiden kommenden acht Ka-
näle aufnehmen. DieSpicula inCoenenchym und Polypen sind
einfache glatte Nadeln, oder Spindeln, oder Schuppen, die oft
am Rande gezähnelt sind u. eine hyaline Beschaffenheit haben.
Die ersten zu dieser Familie gehörenden Formen be-
schrieben Duchassaing und Michelotti in ihrem Werke
über die Coraillaires des Antilles unter dem Namen
Chrysogorgia und üüsea, erstere Supplem. pag. 21. pl. IV.
flg. 5. und mit der Species Chrysogorgia Beshomd D. M. ;
sie rechnen sie zu den Gorgonellidae.
Unter demselben Namen wird noch eine zweite Coralle
pag. 13. pl. 1. fig. 7 und 8 erwähnt und abgebildet, welche
aber wahrscheinlich zu den Primnoiden gerechnet werden
muss. V er rill, hat später die pag. 21. pl. IV. beschriebene
Form als Typus der Chrysogorgia angenommen. Die zweite
Dasygorgide wird unter dem Namen Rusea \m Memoire
sur les Cor. des Antilles 1860 pag. 18. pl. II. fig. 1. 2. 3.
beschrieben und abgebildet, im Supplement pag. 14 unter
dem Namen Rüsea wieder angeführt. Der Name ist nach
Ruse, Apotheker in St. Thomas, gegeben und daher die
zweite Lesart beizubehalten.
Im Bullet. Mus. Comp. Zool. Vol. XL No. 1. pag. 21.
beschreibt Verrill einige Corallenarten, welche der Chryso-
gorgia Deshonni Duch. Mich. Supplem. pag. 21. pl. IV.
fig. 5. nahe stehn unter dem Namen Dasygorgia und Irido-
gorgia und vereinigt diese mit Chrysogorgia unter dem
Namen Chrysogorgidae. Der Fund mehrerer neuer zu
Dasygorgia gehörender Arten in der Challengersammlung
und der eines verwandten neuen Genus, das sich durch
Entwicklung eines unverzweigten Stammes auszeichnet, von
Versuch eines Systenies der Alcyomiria. 41
P. Wright schon früher als Strophogorgia bezeichnet,
veranlasste P. Wright und mich die Genera alle in eine
Familie unter dem Namen Dasygorgidae zu vereinigen und
diese in die Unterfamilie der Siroiihogorginae und Chryso-
gorginae zu sondern.
1. Sbf. Strophogorginae.
Stamm einfach, ruthenförmig, aus verkalkter in stolonen-
artige Ausläufer verzweigter Basis entspringend. Polypen
cylindrisch, schräg nach aufwärts vom Stamme abgehend.
Spicula stabförmig oder plattenförmig.
Genus: Strophogorgia P. Wright.
2. Sbf. Chrgsogorginae, Chrysogorgidae Verrill. 1. c.
Colonie verzweigt, aus einem Hauptstamm und spiral
abgehenden Aesten bestehend, welche wieder Zweige ab-
geben können. Polypen relativ gross, senkrecht oder schräg
von den Aesten abgehend, krug- oder keulenförmig. Spicula
mit glatten Schuppen. Zooide neben den Nährpolypen bei
vielen Arten.
Iridigorgia Verrill. Mit einfachen Zweigen, welche
in Spiralen um die Axe stehen. Zoiden neben den Nähr-
polypen. Diese sind krugförmig. Spicula glatt stabförmig.
Dasygorgia V er rill. Colonie verzweigt, aus einem
Hauptstamm und spiral abgehenden Aesten, die in der
Form der Cyma helicoidea verzweigt sind. Die Polypen
sind an der Basis dick, aufgetrieben. Die Spicula schuppen-
artig, meist glatt oder am Rande schwach gezähnelt.
Chrysogorgia Du eh. Mich. Verzweigung wie bei
Voriger. Die Polypen an der Basis verschmälert, mit
ziemlich langen dornigen Spicula. bedeckt, die mehr oder
weniger transversal an der Basis gelagert sind. Die Spicula
des' Coenenchyms lange warzige Spindeln.
Rüsea Duch. Mich., Herophüa Steenstrup. Colonie
verzweigt. Die Polygen sind keulenförmig und sitzen nahe
dem Ende der kurzen Zweige, ihre Basis wird aber immer
noch von einem kurzen, stumpfen Stolo überragt. Die
42 Dl'- Th. Stiuler:
Tentakel biegen sich ganz nach innen. Die Spicula sind
kleine, warzige Spindeln.
Farn. Jsidae. Isidinae Percev. Wright. Köllik. Isideae
aut. pars. Keratoisidae, Acanelladae u. Mopseadae
pars. Gray. Isidae, Ceratoisidae Verrill.
Unter dieser Familie begreifen wir hier sämmtliche
Holaxonien, bei welchen die Axe aus abwechselnden Gliedern
von Hörn- und Kalksubstanz besteht. Diese letztere stellt
eine Bindesubstanz dar, die ungleichmässig in Form zarter
Bänder verkalkt ist. Die Kalksubstanz ist krystallinischer
Natur.
Coenenchym, Polypen und Spicula verhalten sich
bei den verschiedenen Gattungen sehr verschieden und
lassen drei Unterfamilien unterscheiden. Die erste, die der
Ceratoisidinae , schliesst sich noch mehr an die Stro2)ho-
gorginae. Die Polypen sind relativ gross, nicht retractil
und erheben sich aus einem dünnen Coenenchym. Die
Spicula sind meist glatte Nadeln, die sich bis in die Tentakel
erstrecken. Eine zweite Unterfamilie, die Priinnoisidinae,
zeigt keulenförmige Polypen, bei welchen die Tentakel sich
zusammenlegen und so die Mündung wie mit einem Deckel
verschliessen können. Coenenchym und Polypen sind mit
sich deckenden Schuppen bekleidet, deren Rand gezähnt ist.
Bei der dritten Unterfamilie, Isidinae, sind die Polypen
in das dicke Coenenchym eingesenkt, ohne dass äussere
Kelche sich entwickelt haben.
Subf. 1. Ceratoisidinae, Ceratoisidae V er rill.
Colonieen einfach, ruthenförmig oder verzweigt, aus
kalkiger, meist in wurzeiförmige Ausläufer getheilter Basis
entspringend. Die Kalkglieder der Axe sehr lang, gegen-
über den Horngliedern und in jüngeren Theilen von einem
Kanal durchzogen. Das Coenenchym ist dünn, die Polypen
lang, nicht retractil. Die Tentakel werden in Ruhe einfach
über der Mundscheibe zusammengekrümmt. Coenenchym
und Polypen, zuweilen auch die Tentakel, mit grossen,
glatten, nadel- oder spindelförmigen Spicula bedeckt. Siehe
Versuch eines Systemes der Alcyonaria. 43
Über die Ceraioisidae V er rill. (Bullet. Mus. -Comp. zool.
Vol. XL No. 1. Juli 1883. pag. 9.)
Genera: Bathygorgia Perc. Wright.
Cerato isis Perc. Wright., Ceratoisis u. Lepidisis
V er rill., Ceraioisidae Gray
Callisis V er rill.
Acanella Gray, AcaneUadae Gray.
Tsidella Gray, Mopsea pars Milne Edw.
Haime, Isis v. Koch, Mopsea Dana
Philippi, Risso.
Sclerisis S tu der.
Bathygorgia P. W. Colonie unverzweigt, einen krie-
chenden Stamm bildend, dessen Axe aus sehr langen Kalk-
gliedern und kurzen HorngHedern besteht. Die Polypen
entspringen nur von einer Seite, sind gross, in der Mitte
etwas eingeschnürt, nach der Basis und Mündung etwas
verdickt. Die Tentakel legen sich horizontal über der
Mundscheibe zusammen. Coenenchym und Polypen sind
mit platten, glatten Spicula von lang ovaler Form bedeckt,
die in den Tentakeln sich quer lagern, so dass immer 2
bis eines in der Breite des Tentakels liegen. An den
Polypen liegen über der Schicht von kleinen Spicula noch
schräg oder längsgelagerte grosse Kalkkörper von keulen-
oder bisquitförmiger Gestalt.
Ceratoisis P. Wrght. Colonie einfach oder verzweigt, in
letzterem Falle entspringen die Aeste von den Kalkgliedern.
Diese selbst sind lang, in den jüngeren Gliedern hohl.
Das Coenenchym enthält lange, glatte spindel- oder nadel-
fbrmige Spicula, die Polypen, welche in keiner Weise retractil
sind, enthalten grosse Nadeln, von denen eine Reihe so
steht, dass je eine Nadel zwischen zwei Tentakelbasen zu
stehen kommt und diese überragt. Diese 8 Nadeln bilden
einen divergii-enden Stachelkranz um die Polypenmündung.
Callisis V^errill. Colonie verzweigt, in der Axe die
Kalkglieder nicht hohl oder nahezu ausgefüllt, die Aeste
entspringen von den Kalkgliedern. Die kurzen Polypen
44 Dr. Th. Stiuler:
haben spindelförmige Spicula, das Coenenchym ist mit
flachen, schuppenförmigen Spicula besetzt.
Acanella Gray. Stamm einfach oder verzweigt. Axe
mit langen Kalkgliedern und kurzen hornigen. Die Aeste
entspringen von den hornigen Gliedern, oft in Wirtein.
Coenenchym dünn, mit langen spindelförmigen Spicula, die
an der Tentakelbasis einen Kranz von Nadeln bilden.
Tentakel mit zahlreichen Spicula.
(Lepidisis V er rill. Colonie einfach oder verzweigt,
die Aeste entspringen von den hornigen Gliedern. Das
Coenenchym enthält ein äusseres Lager von kleinen, läng-
lichen, schuppenförmigen Spicula, mitunter mit kleinen
spindelförmigen Spicula dazwischen. Die grossen Polypen
enthalten am Rande 8 nadeiförmige grosse, mit den Tentakel-
ansätzen alternirende Spicula, in der Wand des Polypen
kommen grosse, spindelförmige Spicula vor, mehr oder
weniger bedeckt mit einer äusseren Lage kleiner, länglicher
Schuppen.
Es erscheint hier schwierig, die unverzweigten Arten
von Ceraioisis zu trennen. Auch bei Ceratoisis und zwar
gerade bei der typischen C. Grayi P. Wright kommen
im Coenenchym schuppenartige platte Spicula vor, das
Ueberwiegen derselben gegenüber den langen Nadeln führt
zu Formen, deren Coenenchym äusserlich glatt und fleischig
erscheint, wie z. B. C. grandißora Studer. Die Polypen
sind aber in beiden Fällen in gleicher Weise ausgebildet.
Es möchte sich daher empfehlen, vorläufig Lepidisis mit
Ceratoisis zu verschmelzen.)
Isidella Gray pars. Colonie verzweigt. Die Axe mit
langen Kalk- und kurzen Horngliedern, von denen die Aeste
entspringen. Das Coenenchym ist mit kleinen Kalknadeln
besetzt, die nur wenige kleine Dornen tragen. In der
Wand der Polypen sind die Kalknadeln gross, mit kleinen
Dornen besetzt, die grössten lagern sich zwischen die Basis
von zwei Tentakeln, ragen aber nur bei getrockneten
Exemplaren darüber hervor. In den Tentakeln kleine
spindelförmige Spicula, welche bis in die Pinnulae reichen.
Versuch eines Systemes der Alcyonaria. 45
Diese Gattung steht Acanella sehr nahe, unterscheidet
sich aber durch die mehr dornigen Spicula und die Art
der Verzweigung. Gray rechnet zu seiner Gattung vier
Species, von denen aber nur eine, /. neapolitana v. Koch
= Mopsea mediterranea Risso = Mopsea elongafa Phil.,
fraglich Isis elongata Esper, durch v. Koch genauer
anatomisch untersucht ist und als Typus für die Gattung
betrachtet werden darf Isis gracüis Lmrx. gehört möglicher
Weise nach der Beschaffenheit der Axe, die allein bekannt
ist, ebenfalls in diese Gattung. Ob /. coralloides Lamk.
dahin gehört, ist dagegen fraglich.
Sclerisis S tu der. Aufrecht verzweigte Colonie mit
langen, fein gefurchten Kalkgliedern und kurzen scheiben-
förmigen Horngliedern, Die Aeste entspringen von den
kalkigen Gliedern. Das Coenenchym ist sehr dünn und
entbehrt die Spicula. Die Kelche sind glockenförmig mit
eingeschnürter Basis und bedeckt mit grossen, gebogenen
dornigen Spicula, welche dicht aneinanderliegen. Um die
Polypenmündung bilden die grossen Spicula einen Deckel.
Diese Gattung leitet zu der nächsten Unterfamilie über.
Sbf Primnoisidinae n. Mopseadae Gray pars.
Die verzweigte Colonie trägt Polypen, die becher-,
keulenförmig oder cylindrisch sind, ihre Tentakel sind nicht
retractil und legen sich über der Mundscheibe zusammen.
Die Axe besteht aus abwechselnd hornigen und kalkigen
Gliedern, die Aeste entspringen meist von den kalkigen
Gliedern, zuweilen aber soweit an ihrem oberen Rande,
dass ihre hornige Basis mit dem Horngliede des Stammes
in Contact kommt. Die Spicula des Coenenchym sind läng-
liche Platten mit stark gezackten und gezähnten Rändern
und gegenseitig ineinandergreifenden Zähnen. Durch diese
Zähne stehen die Platten im Contact. In den Polypen
sind sie transversal gelagert und entsprechend der Krüm-
mung der Polypenwand gebogen. In den Tentakeln bilden
sie in der Regel drei Längsreihen.
Diese SubfamiUe enthält drei Gattungen, von denen
die erste, Primnoisis^ sich zunächt an Dasygorgia anschliesst.
46 Dr. Th Studer:
1. Primnoisis Wright u. Studer, Isis Stud.
2. Mopsea Lamrx., Ehbg. pars, non Köllik., Klunz.
3. Acanthoisis Wright u. Studer.
Primnoisis Wright u. Studer. Colonie in mehreren
Ebenen verzweigt, die Polypen entspringen in weiten Ab-
ständen in spiraliger Anordnung. Die Kelchschuppen
gross, die Mesenterialfalten mit kleinen Kalkspicula erfüllt.
Dahin Tsis antarctica Studer.
Mopsea Lmrx. Colonie in einer Ebene verzweigt,
Polypen klein, keulenförmig, in dichten Spiralen rings um
den Stamm angeordnet. Kelchschuppen klein, niedrig und
stachlig.
Acanthoisis Wright u. Studer. Colonie in einer Ebene
fächerförmig verzweigt, Polypen niedrig, cylindrisch mit
abgestutzter Mündung. Kelchschuppen niedrig und stachlig.
Die Kelchglieder der Axe mit scharfgezähnten parallelen
Rippen.
Subf. Isidinae Köll., Isidae Gray, Isidinae Köllik.
Verzweigte Colonieen mit dickem Coenenchym, in das
die Polypen vollständig sich zurückziehen können. Die
Spicula sind mit Stachelwarzen bedeckte Spindeln, von
denen die einfachsten Sechser, Achter und Zwölfer sind.
Manche einfache Formen erscheinen als Keulen.
Gattung: Isis L.
Fam. Primrioidae Verrill. Ceratoco7'allia armata Ehbg.
pars. Primnoacea Val. Köllik. pars. Primnoidae
Verrill. 1864. pars., Primnoadae Sbf. Studer.
Primnoidae V er rill. 1883. Primnoadae pars.,
Calyptrophoradae und Calligorgidae Gray.
Holaxonier mit hornig kalkiger Axe und stets ver-
kalkter Basis. Die Polypen immer in einen vorspringenden,
meist keulenförmigen Kelchtheil und einen retractilen
Tentakeltheil gesondert. Das Coenenchym mit einer ober-
flächlichen Lage von schuppenförmigen Kalkkörpern, welche
auf die Kelche sich fortsetzend, dort in regelmässiger,
meist bilateral symmetrischer Anordnung und sich dach-
ziegelartig deckend, eingelagert sind. Am Rande des Kelches
Versuch eines Systemes der AUyonaria. 47
bilden solche Schuppen acht Deckelstücke, welche sich über
der Kelchmündung zusammenlegen können und diese ver-
schHessen. (Tf. I. fig. 14.) Die Kelche sind beweghch und
können sich gerade strecken und wieder nach dem Stamme
zu einkrümmen, so dass ihre Mündung nach dem Stamme zu
gekehrt ist. Bei einigen Arten findet mit der Einkrümmung
zugleich eine Drehung in der Basis des Kelches statt, wo-
durch seine Mündung nach unten gekehrt wird.
Die Piimnoidae bilden eine eigene Familie, welche
mit den Muriceidae, mit welchen sie früher vereinigt w^urde,
keine nähere Verwandtschaft zeigt. Die Deckel, welche die
Kelche der Mariceidae schliessen, sind die mit Spicula
bewehi'ten Basen der Tentakel, während sie bei den Prim-
noidenTheile des Kelches darstellen. Am nächsten möchten die
Primnoiden gewissen Formen der Chrysogorginae nahe stehen.
Die Primnoiden lassen sich wieder in vier Subfamilien
sondern.
1. Callozostrinae gen. Callozostron P. Wright. Voyage
of the Challenger. Narrative of the Cruise pg. 690.
2. Calyptrophorinae = Calyptrophoi^adae Gray.
gen. Calyptrophora Gray.
3. PHmnoinae.
Primnoa Lamrx. Prymnoa Ehbg. Lithopriinnoa
Grube.
Stachyodes Wright u. Studer.
Calypterinus Wright u. Studer.
Stenella Gray.
Thouarella Gray emend.
Amphilaphis Wright u. Studer.
Plumarella Gray emend.
PHmnoella Gray emend. Studer.
Calligorgia Gray emend. Studer. Xiphocella,
Calicella u. Fanellia Gray.
4. Prhnnoeidinae,
Primnoeides y^vighi Vi. Studer.
Subf. 1 . Callozostrinae.
Die Colonie besteht aus einem wahrscheinlich krie-
chenden Stamm, der entweder aufgewachsen oder frei ist,
48 Dr. Th. Studer:
es lässt sich dieses an dem einzigen Vertreter der Sub-
familie nicht entscheiden. Die Axe ist hornig und biegsam.
Die langen Polypenkelche sind cylindrisch, radiär und sitzen
dicht um den ganzen Stamm nur in einer Linie der ganzen
Längserstreckung desselben fehlend, welche als Ventrallienie
bezeichnet werden kann, da wahrscheinlich auf dieser der
Stamm aufruht. Das Ende der Colonie besteht aus einem
spitzen, zapfenartigen Stolo, der keine Polypen trägt. Die
Polypen sind mit grossen, dachziegelartig sich deckenden
Schuppen bedeckt, deren letzte Reihe in lange, stachel-
artige Spitzen ausläuft. Der Deckel aus acht Schuppen
ist wohl entwickelt. Zwölf Längskanäle umgeben die Axe,
ihre Weite nimmt nach der Ventrallinie zu, sie ordnen
sich symmetrisch um eine Axe, welche man von der Mitte
der Ventrallinie nach dem entgegengesetzten Theile der
Peripherie ziehen kann.
Genus: Callozostron P. Wr.
2. Fam. Calyptrophorinae.
Colonie meist verzweigt, die Kelche bilateral sym-
metrisch nur von vier Schuppen gebildet, abgesehen von
den 8 Deckelschuppen. Zwei Schuppen bilden die Basis,
darauf folgen zwei übereinander, welche ringförmig den
Kelch umgeben und gelenkig mit einander verbunden sind,
beide lassen sich in der Form am besten mit dem Ring-
knorpel im Kehlkopf vergleichen. Die erste, auf den beiden
Basalschuppen aufruhend, ist nach aussen breit und hoch,
zuweilen in divergirende Stacheln auslaufend, nach innen
verschmälert sie sich, einen Ring um den ventralen Theil
des Kelches bildend. Die zweite ist am Innenrande der
vorigen eingefügt, ebenfalls nach aussen stark verbreitert
und häufig gezähnt, nach innen bildet sie einen schmalen
Ring. Die obere kann sich auf der unteren winklig nach
innen biegen. Die Deckelstücke sind symmetrisch zu der
Dorsoventralebene vertheilt, so dass die Dorsalen, vom
Stamme abgekehrten am grössten, die Ventralen am kleinsten
sind. .
Genus: Cali/ptrophora Gray.
Versuch eines Systeines der Alcyonaria. 49
3. Sbfam. Primnoinae.
Colonieen verschieden gestaltet, bald einfach, bald
verzweigt. Die Kelche meist bilateral, die Dorsoventralaxe
senkrecht auf die Längsaxe des Stammes gerichtet. Die
Kelche können sich ventralwärts einkrümmen, häufig zu
gleicher Zeit sich um ihre Basis drehen. Die Kelchschuppen
umgeben niemals die ganze Peripherie des Kelches, immer
kommen wenigstens zwei auf einen Kelchumfang. Die grossen
Schuppen bilden nur die Dorsal und Seitenwand des
Kelches, ventral bleibt eine schmale Linie nackt, oder
mit kleinen Schüppchen bedeckt. Das Coenenchym zeigt
gewöhnlich längliche, kleinere Schuppen.
Gen. Piimnoa Lmrx, Frymnoa Ehbg. Colonie ver-
zweigt, die Kelche an der ganzen Peripherie des Stammes
und der Aeste in dichten Spiralen angeordnet. Jeder
Kelch ist dorsal und lateral von zwei grossen Schuppen
bekleidet, welche zwei Längsreihen von vier übereinander-
stehenden Kalkkörpern bilden, deren oberer Rand immer
den Unterrand der höher stehenden überragt. Eine Ven-
trallinie entbehrt der Schuppen, ausser am Kelchrand, wo
vier solcher mit den beiden Dorsolateralschuppen einen
Kranz bilden, der die 8 Deckelstücke trägt. Die Kelche
sind in Ruhe stammabwärts gerichtet.
Stacliyodes Wright und Studer. Colonie wenig ver-
zweigt , die Kelche stehen in regelmässigen Wirtein von
fünf um Stamm und Aeste. Die Schuppen der Kelche in
analoger Anordnung, wie bei voriger Gattung. Die Kelche
in Ruhe nach abwärts gebogen.
Calypterinus Wright und Studer. Colonie einfach,
ruthenförmig. Die Kelche sitzen in Wirtein von sechs um
den Stamm. Die sechs Kelche gehen aber nicht um den
ganzen Stamm herum, sondern lassen an einer Seite den
Raum eines Kelches frei, da dieses bei allen Wirtein an
derselben Stelle der Fall ist, so entsteht längs des ganzen
Stammes eine sterile Linie, die gegenüber den stark vor-
tretenden Polypenkelchen als tiefe Furche erscheint, diese
Furche wird aber dadurch zu einem Kanal umgestaltet,
Arch, f. Naturgeach. 53. Jahrg. Bd. I. a
50 Dr. Th. Studer:
dass von den zwei die Furche begrenzenden Kelchen je
eine Schuppe sich abbiegt. Beide vereinigen sich über
der Furche und überbrücken dieselbe, sie so zum Kanal
umgestaltend.
Die Kelche werden von zwei Längsreihen von Schuppen
dorsal und lateral bedeckt. Zwei Basalschuppen , welche
sehr gross, flügeiförmig sind, darüber zwei mittlere und
zwei obere, welche die Deckelschuppen tragen. An den die
Furche begrenzenden Kelchen, bildet die der Furche zunächst-
gelegene Basalschuppe nach aussen einen breiten Flügel,
der sich über die Furche wölbt und mit dem des anderen
Kelches zusammentritt.
Stenella Gray. Colonie meist verzweigt, die Kelche
sind gross, senkrecht abstehend, entweder gegenständig
oder in Wirtein von drei aufsitzend. Die Wirtel stehen
in grossen Abständen von einander ab. Grosse, nach aussen
concave und glatte Schuppen, die nicht in Reihen geordnet
sind, umgeben den Kelch, der eine geringe Fähigkeit zu
ventraler Einkrümmung besitzt. Zuweilen ist die Ventral-
seite durch kleine Schuppen ausgezeichnet. Die Spicula
des Coenenchyms sind grosse rundliche Platten.
Thouarella Gray. Colonie verzweigt, Aeste unter
rechten Winkeln, meist nach drei Seiten abgehend. Die
Polypen sind keulen- oder becherförmig, und sitzen am
Stamm in kurzen aufsteigenden Spiralen, welche meist aus
drei Polypen gebildet werden; selten sind sie gegenständig.
Die Kelchschuppen sind verschieden auf der dorsolateralen
und auf der ventralen Seite des bilateralen Kelches. Die
Dorsolateralen haben einen stark convexen oberen Rand,
nach dem die vom Nucleus ausstrahlenden Warzen di-
vergiren. Häufig verschmelzen die Warzen und bilden dann
zusammenhängende Rippen, welche in Zähnen am Rande
der Schuppe endigen. Mitunter ist der Mittelzahn in einen
langen Stachel verlängert. Die Ventralschuppen sind kleine,
dünne Plättchen, die meist zwei Längsreihen bilden. Die
neuen Kelche entstehen an der Spitze der Zweige.
Aynpliilaphis Studer und Wright. Colonie in einer
Versuch eines Systemes der Alcyonaria. 51
Ebene verzweigt. Die keulenförmigen Polypen entspringen
in verschiedenen Abständen von einander im Umkreis des
Stammes, der Aeste und der Zweige, hauptsächlich von
vier verschiedenen Seiten der Peripherie ihren Ursprung
nehmend. Die Schuppen der Kelche und der Rinde sind
dick, mit starken Warzen besetzt, welche in den Kelch-
schuppen zu Rippen zusammenfliessen und am Rande in
Stacheln auslaufen. Der Deckel, aus acht Schuppen be-
stehend, steht einen niederen Kegel dar. Das Wachsthum
findet an der Spitze der Zweige statt.
Plumarella Gray. Colonie in einer Ebene federartig
verzweigt, die Axe sehr kalkhaltig, rigid. Die Kelche sind
klein, cylindrisch und entspringen in alternirender Reihen-
folge von zwei Seiten, meist in relativ grossen Abständen
von einander. Die Kelchschuppen sind dünn, cycloid, mit
centralem Nucleus.
Prinuioella Gray. Colonie einfach, ruthenförmig, aus
einer kalkigen Basis sich erhebend. Kelche am Stamm in
Wirtein von 4 — 20, mit mehr oder weniger grossen Ab-
ständen von einander. Die Kelche deutlich bilateral. Die
Kelchschuppen bilden Längsreihen, deren Elemente gegen-
einander meist um die halbe Länge einer Schuppe ver-
schoben sind, gewöhnlich sind die dorsolateralen Seiten
der Kelche mit zwei Längsreihen von Schuppen bedeckt,
die Ventralseite mit kleinen platten Täfelchen. Die Gestalt
der Kelchschuppen ist die eines unregelmässigen Vierecks,
der Nucleus immer excentrisch, von da strahlen kleine
Wärzchen aus. Neue Kelche entstehen zwischen zwei
Wirtein, Wachsthum intercalar.
Gallig orgia Gray. Colonie ^-ufrecht in einer Ebene
verzweigt. Die Kelche sind cylindrisch bis keulenförmig
und sitzen am Stamm unregelmässig zerstreut, an den
Aesten und Zweigen in Wirtein von mehr als drei Kelchen.
Die Kelchschuppen erinnern am meisten in der Form an
ctenoide Fischschuppen, sie sind mehr oder weniger fächer-
förmig mit Rippen, welche vom Nucleus ausstrahlend in
divergirendem Verlauf nach dem oberen Rande ziehen und
4*
52 Dr. Th. Studer:
dort in vorragenden Zacken endigen. Einstweilen möchten
die beiden von Studer zu Narella gerechneten N. modesta
und divaricata Stud. ebenfalls dieser Gattung beigezählt
werden.
4. Subf. Primnoeidinae.
Colonie in einer Ebene verzweigt mit gegenständigen
kleinen Polypen. Die Spicula sind platte, dünne Schuppen,
welche gieichmässig über das Coenenchym und die Kelche
vertheilt sind und sich dachziegelartig decken. Deckel-
schuppen sind nicht deutlich differenzirt und die Kelch-
mündung daher nur unvollkommen geschützt.
Einziger Genus: Primnoeides Studer u. Wright.
Farn. Muriceidae Gray 1857. Muricea Lamrx. Ehbg.
Primnoaceae Milne Edw. pars. Primnoaceae Köllik.
pars. Sbf. Muriceadae Studer. Muriceidae Verrill.
1883.
Holaxonier, mit meist horniger Axe. Mit einer ober-
flächlichen Lage verschieden gestalteter Kalkkörper, die
entweder Stachelplatten, oder halbstachlige Spindeln, Stachel-
sterne, Schuppen oder dornige Nadeln darstellen. Ge-
wöhnlich ragen Stacheln oder Dornen über das Coenenchym
hervor und geben derselben ein rauhes oder stachliges
Aussehen. Die Polypen sind in einen meist warzenförmig
vorragenden Kelchtheil, einen mittleren, weichen Oesopha-
gealtheil und einen Tentakeltheil gesondert. Der mittlere
Theil kann sich in den Kelch einstülpen, so dass in re-
trahirtem Zustande der Tentakeltheil direkt auf den Kelch-
rand zu sitzen kommt. An der Basis des Tentakelkranzes
liegt ein Ring von peripherisch gelagerten Kalkspindeln,
der Halskragen. Die Tentakel biegen sich über dem Kelch
zusammen, ihre Basis ist mit Spicula bewehrt. Bei Con-
traction bilden diese bewehrten Tentakelbasen einen
8strahHgen Deckel über der Kelchmündung.
Die Muriceidae bilden bis dahin die formenreichste
Familie der Holaxonier, sie lassen sich namentlich nach
der Form ihrer Spicula in zahlreiche Gattungen sondern,
neben dieser kommt noch in Betracht die mehr oder
Versuch eines Systemes der Alcyonaria. 53
weniger vollkommene Fälligkeit, den Tentakel tli eil in den
Kelch einzusenken. Am wenigsten ist dieses der Fall bei
Acanthogorgia und Muriceides, deren Polypen sich in der
Form am meisten an die der Ceratoisidinae anschliessen ; die
Fähigkeit der Einziehung nimmt aber mit den folgenden
Genera immer zu, bis eine vollkommene Bergung im Kelche
möglich wird. Dieses ist der Fall bei Muricea, welche den
Uebergang zu den Plexmiridae vermittelt. Es lassen sich
bis jetzt 22 Gattungen der Muriceidae unterscheiden.
Es werden hierzu alle gut charakterisirten Gattungen
genommen, welche Verrill in seinen verschiedenen Arbeiten
aufstellte, von den zahlreichen Gattungen Grays nur die-
jenigen, welche einer genaueren Prüfung durch Ridley
oder dem Autor untei-worfen werden konnten, da die
Charakterisirungen Grays, nur von der äusseren Form
hergenommen, in jeder Hinsicht ungenügend sind.
Genera:
1. Acanthogorgia Gray emend. Verrill 1883. non
Johnson nee Studer. Ble2')harogorgia Duch.
Mich.
2. Muriceides Wright u. Studer.
3. Hypnogorgia Duchass, Mich.
4. Parainuricea Köllik. emend. Verrill., Villo-
gorgia pars. Ridley. Acanthogorgia Johns.
5. Anthomuricea Wright u. Studer.
6. Clematessa Wright u. Studer.
7. Villogorgia Duch. Mich. Brandella Gray. Pa-
ramuricea pars. Köllik. Studer, Villogorgia
pars. Kidley.
8. Anthogorgia V er rill.
9. Menella Gray.
10. Placogorgia Wright u. Studer.
11. Echino muricea V er rill.
12. Echinogorgia Köllik.
13. Menacella Gray emend. Ridley.
14. Heterogorgia Verrill.
15. Astrogorgia Verrill.
54 Dl". Th. Studer:
16 Bebryce De Phil.
17. Perisceles n. g.
18. Aeis Buch. Mich.
19. Elasma n. g. Filigella Gray?
20. Muricella Verrill. 3//mcm Sbg. MuriceUaY err.
21. Emmtricea Verr. Mtn'c^a Sbg. Eumuricea Y err.
22. Muricea aiit. emend. V er rill. Muricea Sbg. iU/t-
ncea Verr.
1. Acantliogorgia Gray. Colonie verzweigt, Kelche
gross, cylindrisch, verlängert, oft am Ende verbreitert mit
acht langen über die Mündung vorragenden Stachebi, an
den Seiten der Kelche die Spicula in 8 Gruppen vertheilt.
Coenenchym dünn mit langen spindelförmigen Spicula.
2. Muriceides Wright u. Studer. Colonie wenig ver-
zweigt, die grossen vorspringenden Polypen hauptsächlich
einseitig entspringend. Der von den Tentakelbasen gebildete
Deckel sehr hoch, kegelförmig. Die Spicula im Coenenchym
und Kelch unregelmässig gelagerte Spindeln mit dorniger
Oberfläche und drei bis mehrstrahlige Sterne mit einem vor-
ragenden glatten Strahl und einem andern Strahl, der
gewöhnlich über die Haut hervorragt. Axe hornig, weich.
3. Hypnogorgia Duch. Mich. Colonie aufrecht ver-
zweigt, die Aeste hängend. Die Kelche entspringen von
zwei Seiten gegenständig oder alternirend, sie sind durch
die Innenwand an dem Zweig angeheftet. Der Kelchdeckel
ist hoch, conisch. Die Spicula des Kelches sind lange
Spindeln, ebenso die des Coenenchyms.
4. Paramuricea Köllik. Colonie verzweigt. Coenen-
chym dick, mit rauhen spindelförmigen, länghchen und
unregelmässigen Spicula. Kelche kurz-cyhndrisch oder
warzenförmig, am Ende mit einem Kranz kurzer, vorragender
Spitzen versehen, welche die Enden von grossen Spicula
darstellen. Die Spicula der Kelche sind in 8 Gruppen ge-
ordnet, sie sind vorwiegend Stachelplatten, mit einem
glatten verlängerten Stachel und sternförmig von dessen
Basis ausstrahlenden Ausläufern. Die Basen der con-
Versuch eines Systemes der Alcijonaria. 55
trahirten Tentakel bilden 8 convergirende Deckel, auf
denen die Spicula en chevron geordnet sind.
5. Antliomuricea n. g. Colonie verzweigt, Polypen
in ziemlichen Abständen von einander, in Spiralen am
Stamm und Zweigen geordnet, in der allgemeinen Aus-
bildung ähnlich, wie die vorige Art. Die Spicula der
Polypen sind dornige Spindeln und gebogene Stachelkeulen,
welche an der Polypenwand acht Reihen bilden, in denen
die Spicula en chevron geordnet sind.
, 6. Clematessa n. g. Verzweigte Colonieen vom Habitus
der Faraniuricea, mit dickem Coenenchym und cylindrischen
Polypenkelchen, deren Mündung meist von einem hohen
Tentakeldeckel überragt wird. Die Spicula sind an der
Kelchwand dicke warzige Keulen und Stachelplatten, die
zuweilen verzweigt sind, nie aber eine bestimmte Anordnung
zeigen.
7. Villogorgia Du eh. Mich, emend. Verzweigte
Colonieen von zartem gracilem Bau mit dünnem Coenen-
chym. Die Polypenkelche vorspringend, cylindrisch, mit
wenig vorragendem, zuweilen horizontal gelagertem Ten-
takeldeckel. Jeder dieser acht Deckel besteht aus drei
Spicula, zwei nach der Spitze convergirenden und einem
medianen Spiculum. Die Spicula der Kelche sind Stachel-
platten, denen von Paramuricea ähnlich, die des Coenen-
chyms vorwiegend vier- bis mehrstralilige Sterne.
8. Anthogorgia V er rill. Colonie verzweigt mit
schlanken, verlängerten Zweigen. Die Polypenzellen sind
stark vorragend, röhrig, am Ende achtstrahlig, mit dünnem
Integument, worauf grosse lange Spindeln unter ver-
schiedenen Winkeln eingebettet sind. Das Coenenchym ist
dünn, mit grossen, warzigen Spicula.
9. Mendla Gray. Nach Gray 's Diagnose, unverzweigte
Colonie, deren Ende verdickt ist. Die Polypenkelche sitzen
an allen Seiten des cylindrischen Stammes dicht aneinander
und bilden eine rauhe, dornige Oberfläche mit hexagonalen
Feldern. Die Polypen sind retractil und bilden contrahirt
56 Dr. Th. Studer:
convexe Warzen, welche von Spicula umgeben sind. Die
einzige Art, Menella indica, bildet einen cylindrischen, am
Ende verdickten Stamm.
Sollte zu dieser Gattung eine Art gehören, deren all-
gemeiner Bau zu der Gattungsdiagnose von Gray passen
würde und welche von Herrn Dr. Doederlein in Japan
gesammelt wurde, so liesse sich die Gattungsdiagnose noch
weiter ausführen. Das vorliegende Exemplar besteht aus
einem einfachen, ruthenförmigen Stamm mit horniger Axe.
Die Rinde fehlt leider am Ende des Stammes, so dass nicht
zu entscheiden ist, ob dasselbe keulenförmig ist. Das
Coenenchym ist dünn, mit rauher Oberfläche, über welche
allenthalben stachelartige Spitzen der Spicula hervorragen.
Die Kelche sitzen in dichten Spiralen um den Stamm und
sind niedrige konische, senkrecht abstehende Warzen, deren
Mündungen von einem Kranze von Spicula umgeben sind.
Die Tentakeldeckel sind horizontal auf der Mündung auf-
liegend. Die Spicula bilden im Coenenchym ein tieferes
Lager von warzigen gebogenen Spindeln, darüber ein Lager
von Stachelplatten mit einer glatten Spitze und stachligen
Ausläufern an deren Basis. Die Spitzen ragen überall
über das Coenenchym hervor und bilden am Rande des
Kelches einen Kranz von Spitzen.
10. Placogorgia n. g. Verzweigte Colonie mit dickem
Coenenchym und niedrig abgestumpft konischen, senkrecht
abstehenden Kelchen. Die Spicula sind an den Kelchen
breite warzige Platten oft mit verzweigten dornigen und
stachligen Ausläufern, mitunter ähnlich gestaltet wie bei
Paramuricea, die Platten decken sich gegenseitig mit ihren
Rändern. Die Tentakeldeckel liegen horizontal auf, be-
stehen aus drei Spicula, zwei lateralen und einem medianen
und berühren sich mit ihren Seitenrändern nicht.
11. Echlnomuricea V er rill. Colonie einfach oder ver-
zweigt, Stamm und Aeste dicht besetzt mit Polypenkelchen.
Diese sind niedrig, cylindrisch oder kegelförmig am Ende
gerade abgestutzt, mit einem horizontal aufliegenden Ten-
takeldeckel. Die Kelche sind mit Spicula von eigenthüm-
Versuch eines Systemes der Alcyonaria. 57
licherForm bedeckt, die sich gegenseitig decken. Es sind
lange platte Nadeln, welche an der verbreiterten Basis
mehrere wurzelartige Ausläufer abgeben. Die Spitzen der
Nadeln erheben sich über die Oberfläche.
12. Echinogorgia Köllik. Colonie verzweigt, die all-
seitig von Stamm und Aesten entspringenden Kelche sind
klein und warzenförmig, der Tentakeldeckel, wenig ent-
wickelt, einen niederen Kegel bildend. Die Spicula sind
halbseitig stachlige Spindeln und halbseitig stachHge Keulen
und Stachelplatten.
13. Menacella Graiy. Kolonie im Habitus der vorigen.
Die Spicula sind einfache warzige Spindeln mit stark
tuberculirten Warzen.
14. Heterogorgia Y errill. Colonie verzweigt. Das Coe-
nenchym dünn, mit glatter oder fein granuhrter Ober-
fläche. Kleine Spicula als rauhe, warzige, kurze Spindeln,
Keulen, Doppelkeulen, Doppelsterne, Kreuze und unregel-
mässige Formen. Die Kelche rundliche Warzen, welche
am Rande mit langen, scharfen Spindeln versehen sind, die
über die Mündung vorragen.
15. Astrogorgia Verrill. Verzweigte Colonie mit un-
regelmässig vertheilten vorragenden Kelchen, an denen die
Spicula sich in acht Längsgi'uppen vertheilen. Ein deut-
licher Tentakeldeckel, die Spicula sind kleine Spindeln mit
Doppelkeulen und Keulen.
16. Behryce Phil. Verzweigte Colonie mit sehr
dünnem Coenenchym und relativ hohen, subcylindrischen
Kelchen, welche alternirend gestellt sind. Die Spicula des
Coenenchyms bilden eine äussere Schicht von Schuppen
mit mehr oder weniger gezacktem, selbst Ausläufer tragendem
Rande, die von der Mitte aus einen oder mehrere längere
oder kürzere warzige Fortsätze nach aussen geben, eine
untere Schicht von w^arzigen, unregelmässigen Spindeln mit
drei- und sechsstrahligen Formen. Die Kelche enthalten
dieselben Elemente, wie die Rinde.
17. Perisceles Wright u. Studer. Verzweigte Colonie
mit röhrenförmigen, cylindrischen , niedrigen Kelchen, die
58 Dr. Th. Stiuler:
gewöhnlich alternirend von zwei Seiten abgehen. Die
Spicula sind Blattkeulen, welche über das Coenenchyin
hervorragen und auf meist dreistrahliger in das Coenenchym
eingelagerter Basis aufsitzen. Gewöhnlich sind zwei recht-
winklig zu einander gestellte gezähnte Blätter auf der drei-
theiligen Basis aufruhend. Darunter kommen noch warzige,
gebogene Spindeln und Keulen vor.
Der Tentakeldeckel ist wohl entwickelt.
.18. Acis Du eh. Mich. Verzweigte Colonie mit kleinen,
wenig vorragenden Kelchwarzen. Das Coenenchym mit
grossen, schon mit blossem Auge deutlich erkennbaren
dicken Platten bedeckt, die pflasterartig einander berühren.
Ihre Ränder sind gezähnt oder mit verzweigten Warzen be-
deckt, die Oberfläche mit dicken Warzen. Die Platten
ordnen sich in den Kelchen peripherisch. Die Tentakel-
deckel sind dreiseitige Plättchen.
19. Elasma Wright u. S tu der. Einfache oder wenig
verzweigte Colonie, mit dünnem Coenenchym und wenig
vortretenden Kelchwarzen, deren Rand sich über dem
Tentakeldeckel zusammenschnürt, so dass dieser eingesenkt
erscheint. Die Spicula sind warzige Spindeln, welche im
Coenenchym dicht, pflasterartig an einander liegen.
20. Mnricella V er rill. Colonie verzweigt, mit dünnem
Coenenchym und niederen, subconischen Kelchwarzen, welche
meist senkrecht auf ihrer Unterlage stehen. Die Spicula
des Coenenchyms sind lange, warzige Spindeln, kürzere
Spindeln sind hi den Kelchen eingelagert.
21. Emnnricea Verrill. Verzweigte Colonie mit tu-
bulären, am Ende achtstrahligen Kelchwarzen. Die Spicula
im Coenenchym und Kelchen sind lang und scharf zuge-
spitzt.
22. Muricea Verrill. Verzweigte Colonie mit dickem
Coenenchym und stark vorragenden am Ende zweilippigen
Kelchen, an denen die untere Lippe vorragt. Der Tentakel-
deckel wird in den Kelch eingezogen. Die Spicula sind
halbseitig warzige Spindeln, die meist kurz und dick, sich
Versuch eines Systemes der Alcyonaria. 59
zuweilen der Keulenform näliern. Daneben gewöhnlich in
tieferen Schichten; lange dornige Spindeln.
¥a>m. Plcovauridae Grsij. 1859. Euniceidae KÖllik. 1865.
Plexauridae V er rill. Klzg.
Colonie meist aufrecht verzweigt. Die Axe hornig oder
hornig kalkig, namentlich an der Basis. Das Coenenchym
dick. Die Polypen sitzen in dem ganzen Umfang des Coe-
nenehyms, ihr vorderer Tentakel und Oesophagealtheil ist
entweder in einen warzenartige Vorsprünge bildenden Kelch-
theil oder direckt in das Coenenchym zurückziehbar, so
dass bei vielen die Polypenöffnungen blosse Poren im Coe-
nenchym darstellen. Das Kanalsystem besteht aus ge-
wundenen kleinen Kanälchen, welche von den Polypen-
höhlen ausstrahlen und schiesslich in Längskanäle münden,
welche regelmässig im Umkreis der Axe angeordnet sind.
Die Spicula sind meist gross, von verschiedener Gestalt,
häufig bilden Keulen eine Rindeiüage, unter der sphidel-
förmige Spicula sich finden. Die Tentakel der Polypen
sind an der Basis meist mit spindelförmigen Spicula besetzt.
Genera: Ennicea Lamrx.
Ple.vaura Lamrx.
Plexaurella Köllik.
FAiple.va ura V e r r .
Psammogorgia Verr.
Eunicella Verr. Gorgonia Milne Edw. Gor-
gonia Abtheilg. 3. Köllik er.
Die Charakterisirung dieser Famihe ist hier im wesent-
lichen Verrill (Notes on Radiata. Transact. Connect. Acad.
Vol. I. pag. 413) entnommen, welche die wesentlichsten
Kennzeichen der Gruppe am schärfsten zusammenfasst.
Eunicella^ welche zuerst von Verdrill den Gorgoniden zu-
getheilt wurde, erkannte dieser Forscher mit Recht später
(Amer. Journ. Sei. XL VIII. 1869) ebenfalls zu dieser Famihe
gehörig. Einen abweichenden Typus bietet nur die Euni-
cella albicans Verr., deren platte Axe eher an die Ver-
hältnisse vieler Gorgoniden erinnert.
Die Plecvauriclae schliessen sich am nächsten den
60 Dr. Th. Studer
Muriceidae an, Eunicea ist Muricea am nächsten stehend,
andrerseits leitet Eanicella zu den Gorgonidae über.
Eunicea Lamrx. ist charakterisirt durch die vor-
ragenden Kelche, welche meist eine vorspringende Lippe
haben. Das dicke Coenenchym hat eine Rindenlage von
Blatt- oder Stachelkeulen und eine Innenlage von Spindeln.
Plexaura Lamrx. hat eine hornige Axe, keine vor-
springenden Kelche, das Coenenchym enthält eine Rinden-
lage von keulenförmigen oder stachelförmigen Kalkkörpern,
darunter Spindeln.
Flexaurella Köllik. unterscheidet sich von Plexaura^
der sie im äusseren Habitus gleicht, durch die theilweise
verkalkte Axe und durch die Spicula, die aus drei- und
vierstrahligen Sternen, einfachen oder doppelt gestielten
Keulen bestehen, indem die Spicula Tendenz zu Zwillings-,
Drillings- und Vierlingsformen zeigen. Die Tentakel der
Polypen enthalten bis in die Pinnulae Kalkspicula.
EiLplexaura Verrill. Aehnlich Flexamella^ mit grossen
offenen Kelchen. Spicula kurze, stumpfe, warzige Spindeln,
klein, daneben wenige kleine, einfache Doppelspindeln und
selten kleine unregelmässige Kreuze.
Fsanmiogorgia V er rill. Colonie aufrecht verzweigt,
die Axe hornig, das Coenenchym massig dick, die Ober-
fläche fein granulirt, mit kleinen rauhen Spicula, die
Polypenkelche zerstreut an der Oberfläche, bald flach,
häufiger in Form rundlicher Warzen vorspringend. Die
Polypen mit grossen, schlanken warzigen Spindeln an der
Basis der Tentakel. Die Spicula des Coenenchyms bilden
kurze, dicke, dornige und warzige Spindeln, sowie warzige
Keulen.
Eunicella V er rill. Colonie aufrecht, einfach oder
verästelt, die Polypenkelche in Form vorspringender Warzen.
Im Coenenchym bilden keulenförmige Spicula eine zu-
sammenhängende Rindenschicht, darunter liegen warzige
Spindeln.
Platygorgia n. g. Colonie aufrecht verzweigt, die Aeste
und die hornige Axe in der Verzweigungsebene abgeplattet,
Versuch eines Systenies der Alcyonaria. 61
die Kelche in das Coenenchym eingesenkt, nicht hervor-
ragend. Eine Rindenschicht von schmalen, am Ende wenig
verbreiterten Keulen, darunter warzige dicke Spindeln.
Diese Gattung wird hier für Gorgonia albicans Köllik.
Gorg. palma var. alba Esp. aufgestellt. Die eingesenkten
Kelche, die abgeplatteten Aeste geben der Coralle gegen-
über den Vertretern von Eunicella ein so verschiedenes
Aussehen, dass eine generische Abtrennung berechtigt er-
scheint. Auch die Spicula sind charakteristisch, indem
die Keulen hier die Länge der Spindeln erreichen
Farn. Gorgonidae Verrill, Gorgonaceae M. Edw. pro
parte, (ror^oma autor. pro parte. Go7'gonia liÖUik.
Colonieen aufrecht verzweigt, meist in einer Ebene,
mit horniger, selten hornig kalkiger Axe, die Polypen am
Stamm und Zweigen in bilateraler oder biradiärer An-
ordnung, entsprechend kann auch das Kanalsystem eine
biradiäre Anordnung annehmen. Der vordere Theil der
Polypen ist retractil, entweder in vorstehende Kelche, oder
in das Coenenchym, das nach aussen eine glatte Beschaffen-
heit zeigt. Die Spicula sind kleine, vorwiegend spindel-
förmige Kalkkörper, die nicht in zwei Schichten ange-
ordnet sind.
Genera:
Lophogorgia Milne Edw. Goi'gonia pars. KöU.
Leptogorgia pars. V er rill.
Leptogorgia M. Edw. Gorgonia pars. Köll. Lepto-
gorgia Verr. Leptogorgia pars. Milne Edw.
Steno gor gia Verr.
Gorgonia aut. Pterogorgia pars. Rkipidogorgia pars
M. Edw.
Eugorgia Verr.
XijyhigorgiaM.. Edw. Gorgonia pars. Köllik. Verr.
Hynienogorgia Val. Phyllogorgia. Hymenogorgia Va-
lenc. Gorgonia pars Köll. Verrill.
Fhycogorgia Val.
Thesea Duch. Mich.?
Swiftia Duch. Mich.?
62 Dr. Th. Studer:
Kölliker Icones histol. IL pag. 139 hat zuerst die
zahlreichen Gattungen, in welche Milne Edwards und
Hairne die alte Gattung Gorgonia aiict. sonderte, auf die
Form ihrer Skelettausscheidungen geprüft und gezeigt,
dass die Arten der Gattungen Leiytogorgia, Lophogorgia^
Pterogorgia, Xiphigorgia, Rhijndogorgia, Hymenogorgia,
PJiT/Uogorgia, Phycogorgia und zum Theil Gorgonia in
Bezug auf die Spicula einentheils eine grosse Ueberein-
stimmung zeigten, andrentheils, wie mehrere Arten von
Pferogo7'gia, Leptogorgia und Rhipidogorgia^ anderen
Familien zugerechnet werden müssen. Er fasst deshalb
die genannten Gattungen in einer einzigen zusammen, die
mit dem alten Namen Gorgonia bezeichnet wird. Nach
dem Verhalten der Spicula kann man nach Kölliker
drei Gruppen unterscheiden. Erstens solche, welche
nur Spindeln haben, zweitens solche, welche Spindeln und
Klammern haben und drittens solche, welche Spindeln und
daneben Keulen in besonderer Rindenschicht besitzen.
V er rill, Notes on Radiata, Connect. Acad. Vol. I.
pag. 384; stimmt vollkommen mit den Gesichtspunkten
Kölliker s überein, nur werden die drei Gruppen in eben-
soviele Gattungen gesondert. Für die erste Gruppe, deren
Arten bloss Spindeln besitzen, wird der Name Litigorgia
Verr., später Leptogorgia vorgeschlagen, für die zweite mit
Spindeln und Klammern, Pterogorgia, später Gorgonia, für
die dritte Gorgonia, später Eunicella, dazu kommt noch
eine vierte Gattung mit Doppelspindeln und Doppelrädern,
die als Engorgia unterschieden wird. Schon in dem ci-
tirten Werke wird darauf hingewiesen, dass Eunicella den
Plexauridae näher stehen möchte und diese Gattung später
auch mit den Plexauriden vereinigt. Am. Journ. Sc. XLVIII.
1869. So natürlich und einfach danach sich die Unter-
scheidung der Gattungen gestalten würde, so dürfte doch
eine weitere Spaltung der Familie nach Charakteren, welche
nicht nur auf die Form der Spicula gegründet sind, am
Platze sein. Bei den Gorgoniden sieht man nämlich in
der Anordnung der Polypen die Tendenz einer biradiären
Versuch eines Systemes der Alcyonaria. 63
Anordnung Platz greifen. Dieselbe spricht sich schon in
der Form der Colonie aus, welche in einer Ebene verzweigt
erscheint, dazu platten sich häufig die Hornaxen in der-
selben Ebene ab und dem entsprechend erscheint auch der
Coenenehymüberzug abgeplattet, so dass die Aeste und
Stämme nach zw^ei Seiten eine Fläche und zwei anderen
eine Kante darbieten. Die Polypen rücken nun meist nach
der schmalen Seite hin, die sie in einzelnen Fällen allein
einnehmen, selten concentriren sie sich auf die breite Seite
{Hymenogovgia). Das System der Längskanäle folgt dieser
Tendenz. Die Längskanäle erlangen je nach der Stelle an
der Axe verschiedene Weite. Bei der lateralen Stellung
der Polypen sind die Längskanäle, auf der Fache der Axe
verlaufend, mitunter auf eine geringe Zahl beschränkt, so
bei kleineren Arten von Leptogorgia, bei welchen, z. B. bei
L. uvhnscnla Verr., nur je ein grosses Längsgefass auf den
Flächen der Axe verläuft. Der Verlauf der grossen Längs-
gefässe ist äusserlich durch eine oder mehrere auf dem
Coenenchym verlaufende Furchen angedeutet. Li anderen
Fällen laufen die grösseren Längsgefässe an der schmalen
Seite der compressen Colonie, während kleinere die anderen
Seiten des Stammes umgeben, das ist z. B. der Fall bei Gor-
gonia anceps Pall., für welche deshalb der Gattungsname Xi-
pJiigorgia M. Edw. H. beibehalten wird. Vorläufig scheinen
die beiden Gattungen Swiftia und Jliesea, welche Du-
chassaing und Michelotti in ihrem Werke über die
Coralliaires des Antilles zu den Prbnnoidae stellen, am
passendsten bei den Gorgoniden untergebracht.
Lopliogorgia. Aufrecht in einer Ebene verzweigte
Colonie mit abgeplattetem Stamm und Aesten, deren
Zweige eine cylindrische Gestalt annehmen. Die Polypen
in das Coenenchym eingesenkt, ohne eigentliche Kelche zu
bilden.
Sie sind an den dünnen Zweigen an der ganzen Pe-
ripherie zerstreut, an den Aesten ordnen sie sich mehr
nach beiden Seiten hin. Die grösseren Längsgefässe sind
auf der breiten Seite der Axe vertheilt, in den cylindrischen
64 Dr. Th. Studer:
Zweigen um die ganze Peripherie derselben. Die Spicula
sind kleine Doppelspindeln.
Im allgemeinen Habitus und im Verhalten des Coe-
nenchyms steht diese Gattung noch nahe der vorigen,
weicht aber durch die BeschafTenheit der Spicula be-
deutend ab.
L. palma Fall, und crista Moeb. sind die einstweilen
bekannten Vertreter.
Leiytogorgia M. Edw. emend. Verrill. Sehr ver-
schieden gestaltete Colonieen, die mehr oder weniger in
einer Ebene verzweigt, oft durch Vereinigung und Ver-
schmelzung der Zweige eine netzförmige Gestalt annehmen.
Die Polypen bilden bald niedere Kelche, bald zieht sich
der Vordertheil direkt in das Coenenchym zurück. Ge-
wöhnlich ordnen sich die Polypen in zwei seitlichen Reihen,
während dazwischen nackte Coenenchymflächen bleiben,
auf denen der Verlauf der grösseren Längsröhren durch
Furchen angedeutet ist.
Die Spicula sind meist kleine DoppelspinJeln, von
denen längere und kürzere Formen vorkommen.
Sienogorc/ia Verrill. Bullet. Mus. Comp. Zool. Vol. XI.
No. 1. 1883. Axe hornig. Coenenchym dünn, mit kleinen,
warzigen spindelförmigen Spicula und wenig kleineren,
kurzen unregelmässigen, rauhen körnerartigen Spicula der
Oberfläche, welche aber kein gesondertes Lager bilden.
Kelche zerstreut oder zweireihig, vorragend, am Ende acht-
lappig, ihre Spicula gleich denen des Coenenchyms. Ten-
takel mit spindelförmigen Spicula, in Ruhe eingebogen und
retractil.
Gorgonia aut. emend. V er rill. Verzweigte Gorgoniden
von sehr verschiedener Form der Colonie, bald mit ana-
stomosir enden Zweigen, bald fiederförmig. Die Kelche
mehr oder weniger vorragend, meist in zwei Reihen an
den Seiten der Aeste und Zweige. Die Spicula bestehn
aus Spindeln und gebogenen Klammern.
Eugorgia Verrill. Gorgoniden mit horniger Axe.
Die Colonie verzweigt, mit compressen oder cylindrischen
Versuch eines Systemes der Älcyonaria. 65
Aesten. Die Polypenzellen vorragend oder flach, gewöhnlich
zu beiden Seiten der Aeste gruppirt. Im Coenenchym
kleine warzige Doppelspindeln und Doppelräder. In den
Kelchen kleine, schlanke Spicula.
Xiphigorgia Miln. Edw. Haime emend. Gorgoniden
mit horniger Axe. Die Colonie mehr oder weniger ver-
zweigt, die Aeste stark compress, in der Mitte gerundet,
bilden sie nach zwei Seiten je eine schmale scharfkantige
flügelartige Längsrippe, welche nur aus Coenenchym be-
steht und an der Kante die reihenweise angeordneten
Polypenmündungen enthält. Von den Längsgefässen ver-
laufen kleinere um die Axe, ein weites, grosses Gefäss
Hegt in der flügelartigen Kante. Die Spicula sind wie
bei Gorgonia gebildet.
Ilymenogorgla Val. incl. Fhyllogorgla Val. Aufrechte
Colonie mit horniger in einer Ebene verzweigter Axe, deren
Aeste bald coalesciren, bald frei sind. Das Coenenchym
bildet einen continuirHchen Ueberzug über die ganze Axe
und deren Verzweigungen, so dass die Colonie blattartig
erscheint. Die Polypen sitzen eingesenkt auf der Fläche
des Blattes, nicht an den Kanten.
Die Längskanäle folgen in ihrem Verlaufe den Aesten
und Zweigen der Axe, während sich in der blattartigen
Coenenchymausbreitung die Polypen durch ein unregel-
mässiges Canalsystem verbinden, das schliesslich in die
Längskanäle mündet.
Die Spicula sind wie bei Gorgonia.
Fhycogorgia Y Sil. Colonie verzweigt, mit horniger Axe,
welche in Form von schmalen Lamellen verbreitert ist.
Das Coenenchym ist dünn und enthält porenartige Polypen-
öffnungen.
In ihrer Stellung zweifelhafte Gattungen:
Thesea Du eh. Mich. Aufrecht verzweigter Stamm mit
hornig, kalkiger Axe? Die Polypen entspringen von zwei
Seiten der abgeplatteten Aeste, ihre Basis bildet einen
niederen achtlappigen Kelch. Die Spicula des Coenenchyms
Arch. f. Naturgesch. 53. Jahrg. Bd. 1. 5
66 Dl'. Th. Stiider:
bilden ein äusseres Lager von Schuppen, darunter lange
Spindeln.
Swiftia Duch. Mich. Aufrecht verzweigter Stamm
mit hornig kalkiger Axe? Polypen zu beiden Seiten der
Aeste mit achtlappigen Kelchen, die Tentakel mit spindel-
förmigen Spicula, Spicula des Coenenchyms Schuppen.
Fam. Gorgonellidae Verrill. Gorgoriellaceae Val. Köll.
Klunz. Ellisselladae, Calligorgiadae pars Gray.
Mit dünnem, an der Oberfläche glattem Coenenchym,
kleinen Kalkkörpern, von der Form warziger Doppelkugeln
und Keulen, bald mehr bald weniger entwickelten Kelchen
und verkalkter lamellöser Axe, die nach Ausziehen der
Erdsalze in ihrer Form sich erhält. Die Colonieen meist
mit biradial angeordneten Polypen.
Die Gorgonellidae werden hier vollkommen im Sinne
Kölliker's begriffen, dessen Diagnose auch hier im
Wesentlichen aufgenommen ist, nur muss Riisea ausge-
schlossen werden. Die Gorgonelliden bilden einfache oder
verzweigte Colonieen, deren verkalkte Axe dem ganzen
Stocke ein rigides Ansehen giebt. Die Aeste und Zweige
sind häufig abgeplattet und die Polypen entweder zwei-
reihig an den schmalen Seiten vertheilt, oder doch so in
lateralen Zügen angeordnet, dass in der Mitte zwischen
beiden ein freier Raum bleibt, auf dem eine oder mehrere
Längsfurchen verlaufen. Die Längskanäle sind theils Ge-
fässe von geringem Durchmesser, theils weite Röhren, meist
zwei auf denjenigen zwei Seiten des Stammes, wo keine
Polypen sitzen.
An der Oberfläche des Coenenchyms entspricht ihnen
am getrockneten Stock eine Längsfurche.
Gray hat diese Familie in eine grosse Anzahl Gattungen
gesondert und diese in verschiedenen Familien untergebracht,
die meisten fallen in seine Familie der Elliselladae, andere
aber in die aus ganz heterogenen Elementen zusammen-
gesetzte Familie der Calligorgiadae, so z. B. Nicella und
Scirpearia; Hypnogorgia Duch» u. Mich., welche Gray
den Elliselladae zutheilt, ist off'enbar eine Muriceide, wie
Versuch eines Systemes der Alcyonaria. 67
schon aus der Abbildung, Corall. des Antilles. Süpplem.
pl. V. pag. 1 erhellt und der Bemerkung der Autoren, dass
dieselbe Blephai^ogorgia = Acaniliogorgia nahe steht, ebenso
ist Brandella Gray eine Muriceide, Wrightella eine Me-
lithaeide.
Folgende Gattungen lassen sich bis dahin unterscheiden :
Nicella Gray.
Scirpearia Cuv. emend. Studer. Juncella pars. Vi-
minella Gray pars.
Juncella Val. emend. Studer. Verrucella pars. M.
Edw. H.
Ellisella Gray emend. Studer.
Verrucella M. Edw. Haime e. part., Kölliker e pari
Gorgonella Milne Edw. Val. ex parte. Gorgonella,
Reticella Gray. Verrucella Klunz. Raynerella
Gray?
Ctenocella Valenc.
Phenilia Gray.
Heliana Gray.
Nicella Gray. Stamm aufrecht verzweigt mit dünnem
Coenenchym und vorspringenden Kelchen, welche senkrecht
abstehen und am Ende abgestutzt erscheinen. Die Kelche
entspringen von zwei Seiten des Stammes und der Aeste,
einen mittleren Raum frei lassend. Die Spicula bilden
eine Rindenschicht von kleinen Doppelkeulen und eine
innere Schicht von längern cylindrischen oder spindel-
förmigen, dicht mit Warzen besetzten Kalkkörpern.
Scirpearia Cuv. Colonie einfach mit cylindrischer ver-
kalkter Axe und dünner Rinde. Die Polypen sitzen in je
zwei Längsreihen zu beiden Seiten des Stammes. Die
Spicula sind Doppelkeulen und Spindeln. Dahin gehören
Scii'peao'ia mirahilis Pall. und Viminella flagelhirn Gray.
Juncella Val. emend. Studer. Colonie einfach oder
ästig, die Kelche massig oder als keulenförmige Warzen
vorragend, in zwei seitlichen Reihen angeordnet. Coenen-
chym dick, mit einer äusseren Rinde, die Keulen enthält,
darunter Doppelkeulen.
5*
68 Dr. Th. Studer:
Ellisella Gray emend. Studer. Einfache oder gabel-
ästige Colonieen mit dickem Coenenchym und wenig ent-
wickelten Kelchen, die in zwei Reihen am Stamme an-
geordnet sind. Das Coenenchym enthält Doppelkeulen und
Spindeln.
Verrucella Milne Edw.-Haime part., Kölliker.
Axe lamellös verkalkt. Kelche in Form von Warzen, an
deren Mündung die stark verkalkten Basen der Polypen-
tentakel einen achtstrahligen Stern bilden. Kalkkörper
des Coenenchyms mit rundlichen und kegelförmigen, ein-
fachen Warzen besetzt. Doppelkugeln, mit Uebergängen
zu Doppelspindeln und einfache Spindeln, auch kleine
stachelige Doppelsterne.
Gorgonella Milne Edw. H. Colonie mannigfach in
einer Ebene verzweigt, oft durch Anastomosen der Zweige
im Netzwerk bildend. Kelche niedrig, warzenförmig, an
zwei Seiten der Aeste angeordnet. Axe lamellös, radiär
streifig. Im Coenenchym warzige Doppelkugeln und
Doppelspindeln.
Ctenocella Val. Colonie eigenthümlich in einer Ebene
verzweigt, die Zweige entspringen als einfache aufsteigende
Ruthen alle von der oberen Seite der Aeste. Kelche niedrig
auf zwei Seiten der Zweige. Deutliche Medianfurchen.
Die Spicula sind warzige Doppelkeulen, die der Kelche
sind nach Ridley etwas verschieden von denen des Coenen-
chyms, sie sind länger und mit zwei, oft drei Wirtein von
Tuberkeln versehen. Die inneren Wirtel treten in der
Mitte des Spiculums zusammen, so dass die mittlere nackte
Zone, welche für die Spicula des Coenenchyms charak-
teristisch ist, hier fehlt.
Fhenilia Gray. Colonie baumförmig verzweigt, mit
kurzen, divergirenden, annähernd vierkantigen Aesten, die
zuweilen coalesciren. Polypenkelche niedrig in zwei oder
drei unregelmässigen Reihen zu beiden Seiten der Aeste.
Coenenchym körnig; seitliche Grube deutlich. Spicula?
(Diagnose Gray 's.)
Versuch eines Systemes der Alcyonaria. 69
Heliana Gray. Colonie baumförmig, dichotom ver-
zweigt?; Zweige aufsteigend, divergirend. Untere Zweige
zuweilen coalescirend. Coenenchym hart, körnig. Kelche
vorragend, subcylindrisch , kurz, ziemlich gekrümmt, in
zwei, drei oder vier alternirenden Reihen an den Seiten
der Zweige und unregelmässig zerstreut auf den Aesten.
Axe hart, kalkig, graubraun. Spicula? (Diagnose Gray 's.)
Während des Druckes der vorliegenden Arbeit kam
mir das schöne Werk von Danielssen über die Alcyoniden
der Norwegischen Eismeerexpedition zur Einsicht (Norske
Nordhavs-Expedition 1876—1878. XVII. Zoologi. Alcyonida.
ved. D. C. Danielssen med 23 Plancher. Ghristiania
1887).
Der Autor beschreibt hier in erschöpfender AVeise eine
Fülle von neuen nordischen Formen, für welche zahlreiche
neue Gattungen und eine neue Subfamilie aufgestellt
werden. Ausgezeichnet ausgeführte Tafeln erläutern den
an systematischem, wie anatomisch histologischem Material
reichen Text. Alle beschriebenen Arten gehören zu unserer
Ordnung der Alcyonacea^ und zwar drei zu den Cor-
nulatidae, 29 zu den Älcyonidae und den Nephthyidae mit
8 neuen Gattungen. Eine neue Subfamilie, gleichwerthig
einer unserer Familien, die (Jrganinae^ steht zwischen den
Familien der Cormdaridae und Älcyonidae.
Der Vollständigkeit halber folgen hier die Diagnosen
der neuen Gattungen mit Angabe der Stellung, welche sie
in unserem System einnehmen.
Organidae. Organinac Danielssen. Colonie arm an
Sarcosom. Die Polypen lang in einen Stamm zusammen
vereinigt.
Organidus Danielss. Der Stamm wird aus zusammen
vereinigten Polypenröhren gebildet. Diese sind lang,
cylindrisch, dünn und kalkig. Ihr unterer Theil endet in
der Basis des Stammes. Die Polypen sind retractil ; Polypen-
körper wie Tentakel mit zahlreichen Spicula. Das Oeso-
70 Dr. Th. Studer:
phagealrohr enthält Kalkkörper. Die Geschlechter sind
getrennt.
Diese Familie verbindet die Cormdaridae näher mit
den Alcyonidae^ unter denen Krystallofanes Danielss.
und Nidalia Gray, sich im Baue am nächsten an Organidas
anschliessen, aber bei diesen ist zwischen den Polypenröhren
schon ein Coenenchym mit Endodermkanälen entwickelt.
Alcyonidae.
Krystallofanes Danielss. Stamm mit wenigen,
aber deutlichen Längskanälen, sein oberes Ende mit
zahlreichen Polypen besetzt. Aeste kurz, in Wirtein
um den Stamm geordnet, dazwischen der Stamm nackt;
die Polypen sitzen an den verdickten Enden der Aeste.
Die Kelche sind durch breite Sarcosomstreifen getrennt.
Polypen retractil. Stamm, Aeste, Sarcosom und Polypen
mit Spicula, dagegen fehlen solche dem Oesophagealrohr.
Sarakka Danielss. Stamm spärlich verzweigt, mit
annähernd keulenförmigem Ende, das reich mit Polypen
besetzt ist. Aeste dick, kurz, mit nahezu kugligem von
Polypen besetztem Ende. Polypen retractil, cylindrisch,
reich an Spicula, mit starken Rippen und vorragenden
Kelchen. Diese sind kurz und in der Weise zusammen-
gehäuft, dass zwischen ihnen nur wenig Sarcosom bemerkt
wird, das aber Spicula enthält. Stamm, Aeste und ihr
Sarcosom reich an Spicula, ebenso enthält solche das
Oesophagealrohr.
Nannodendron Danielss. Kolonie baumartig ver-
zweigt. Stamm von harter Consistenz, mit grubigen Ver-
tiefungen an der Oberfläche. Von der Basis bis zum Gipfel
rings besetzt mit steifen, lappigen, keulenförmigen Aesten,
welche dicht aufeinanderfolgen und überall reich mit Po-
lypen besetzt sind. Die Basis ist hart, lederartig, scheiben-
förmig verbreitert. Basis, Stamm und Aeste sind reich
an Spicula. Die Polypen sind retractil, cylindrisch, reich
mit Spicula durchsetzt. Die Tentakel sind von der halben
Länge des Polypenkörpers. Ihre ganze aborale Seite reich
mit Spicula versehen. Auf Stamm und Aesten kommen
Versuch eines Systemes der Alcyonaria. 71
überall Zooiden vor. Das Oesophageali'ohr enthält Spicula.
Die Gattung steht Lobojjbjtum Marenz. nahe.
Nephthyidae.
Voeringia Danielss. Colonie baumartig verästelt.
Stamm von lederartiger Consistenz, cylindrisch, die weiten
Längskanäle an der Aussenseite durch Furchen markirt.
Basis membranös. Aeste dick, in der ganzen Peripherie
des Stammes entspringend, dicht besetzt mit Zweigen, welche
eine grössere oder kleinere Anzahl Polypen tragen. Letztere
sind retractil. Stamm und Aeste reich an verschieden ge-
stalteten Kalkspicula. Die Wand der Polypen und die
Tentakel sind dicht besetzt mit Spicula. Das Mesoderm
des Oesophagealrohres enthält reihenweise geordnete Kalk-
körper. Mesenterialfalten ohne Kalkeinlagerungen.
Dahin gehört Alcyonium fruticosum Sars.
Fulla Dsinielss. Colonie baumartig verästelt. Stamm
etwas abgeplattet mit deutlich bilateraler Symmetrie. Auf
zwei Seiten (Ventrum und Dorsum) ist er nackt, auf zwei
anderen, gegenständigen (lateralen) entspringen Aeste,
welche Alle auf der dem Dorsum entsprechneden Seite
nackt sind. Die Polypen sind lang und retractil; sie ent-
springen theils einzeln, theils gruppenweise, besonders von
den Seiten der Aeste. Die Rinde der Colonie ist überall
mit Spicula besetzt, welche grösstentheils Doppelsterne
bilden. Erst auf dem Vordertheil der Polypen treten
spindelförmige Spicula auf. Das Oesophagealrohr enthält
Spicula.
Barathrobius Danielss. Colonie baumförmig oder
strauchartig. Der Stamm ist verästelt. Die Aeste sind
theils unverzweigt, theils mit Zweigen versehen. Die Polypen
sind cyHndrisch, retractil, mit spiculareichem, langem
vorderen Abschnitt. Stamm, Aeste und Sarcosoma reich
an Spicula. Septa mit Kalkkörpern. Oesophagealrohr
mit Reihen von Spicula.
Gersemiopsis Danielss. Colonie baumartig verästelt,
Stamm ästig. Die Aeste entwickeln wenige Zweige. Das
Sarcosoma ist spärlich vorhanden, die Kanäle weit. Die
72 I>r. Th. Stiider:
Polypen sind nicht retractil und besitzen einen cylindrisclien,
verlängerten Körper. Das Oesophagealrohr mit zwei leisten-
förmigen Hervorragungen (Lappen). Stamm, Aeste, Zweige
und Polypen reich an Spicula, unter denen solche von
annähernder Keulenform und keulenförmige vorwiegen.
Drifa Danielss. Colonie baumartig verästelt. Die
dicken Hauptäste geben nach allen Seiten Zweige ab,
welche dicht mit Polypen besetzt sind. Die Polypen sind
nicht retractil, verlängert, mit wohl entwickeltem cylin-
drischem Körper. Stamm, Aeste, Zweige und Polypen
reich mit Spicula besetzt, welche vorherrschend keulenförmig
sind. Septa ohne Kalkkörper.
Duva Dub. Kor. Für diese Gattung wird eine neue
Diagnose aufgestellt. Colonie baumartig verästelt. Die
Aeste bis auf eine grössere oder kleinere Entfernung vom
Stamme nackt, verästeln sich schliesslich und liefern Zweige,
von denen jeder am Ende einige Polypen trägt, welche
bald an der Basis zusammen vereinigt sind, bald durch
ein dünnes Sarcosoma von einander getrennt werden. Sie
sind nicht retractil, gut entwickelt und reichlich mit Spicula
besetzt, besonders an ihrer ganzen dorsalen Seite. Die
ganze Colonie ist entweder reich an Spicula oder der
grösste Theil des Stammes, der Aeste uM der Zweige
entbehrt derselben.
Die drei Gattungen Voerimßa, Fulla und Barathrobius,
bei welchen der vordere Theil der Polypen retractil ist,
stehen den Alcyoniden noch sehr nahe. Sie werden hier
den Nephthyidae zugerechnet, weil der Bau der Colonie,
namentlich das Vorhandensein der grossen Stammkanäle
ihnen mit den typischen Nephthyidae gemeinsam ist. Zu-
gleich spricht auch das Vorherrschen von grossen Spicula
in der äusseren Wand des Stammes, wodurch eine feste
Rinde entsteht, für eine nähere Verwandtschaft dieser
Formen mit den Nephthyidae.
Die Familiendiagnose dieser letzteren müsste dann
Versuch eines Systemes der Alcijonaria. 73
dahin geändert werden, dass es heisst, die Polypen ent-
weder nicht differenzirt oder in einen starren Kelchtheil
und einen retractilen Oesophagealabschnitt gesondert. Die
Gattung Gersemiopsis scheint Gersemia am nächsten zu
stehen, Brifa der Gattung Eunephthia Verr., zu welcher
letzteren auch die von Danielsse n unter dem Gattungs-
namen Nephthya angeführten Species zu rechnen wären.
Tafelerklärung.
Fig. 1. Längsschnitt durch Anthelia ca}}ensis Stud.
Fig. 2. Solenocaulon Grayi Stud. aus dem australischen Meere.
(Aus Studer, Alcyonaria d. Gazelle. Monatsber. d. Acad.
Berl. 1878) Tf. 5.
Fig. 3. Längsschnitt durch einen Ast von Solenocaulon Grayi Stud.
a Axe; b Polypentragendes Coenenchym; c Längsgefäss an
der Grenze von Axe und polypentragendein Coenenchym.
Fig. 4. Telesto sp. mit langen axialen Polypen und kleinen Neben-
polypen.
Fig. 5. Längsschnitt durch Telesto, axialer Polyp und Nebenpolypen.
Fig. 6. Querschnitt durch den axialen Polypen von Telesto.
Fig. 7. Querschnitt durch den Stamm von Primnoella flagellum S tud.
mit 8 Längskanälen , welche den 8 Mesenterialfächern des
axialen Polypen entsprechen, a Axe ; b Axenepithel ; c Längs-
kanäle.
Fig. 8. Querschnitt durch einen Zweig von Leptogonjia arbuscula
Verrill, aa in das Coenenchym zurückgezogene Polypen ;
bb die zwei Längskanäle; cc Axe. Beispiel eines bira-
diären Axialpolypen.
Fig. 9. Theil einer kriechenden Colonie von Bathygorgia profunda
P. Wright aus 2300 Faden Tiefe im Nordpacifischen Ocean
(Aus Challenger Report. Narrative of the Cruise H. pag. 491),
Fig. 10. Polyp von Dasygorgia acanthella S t. u. W r gh t mit zusammen-
gefalteten, nicht retractilen Tentakeln.
Fig. 11. Polyp von Äcanthogorgia longifloi'a mit Stacheln, welche die
zusammengefalteten Tentakel umgeben.
74 Dr. Th. Studer:
Fig. 12, Polyp von Paramuricea ausgestreckt, mit zusammengefalteten
Tentakeln, a Kelch; ö retractiler Oesophagealtheil ; c Hals-
kragen; d Tentakel.
Fig. 13. Polyp von Paramuricea aequatorialis. Der Oesophagealtheil
ist in den Kelch eingefaltet, die Tentakel basen hilden den
Tentakeldeckel, a Kelch; & Halskragen; c Tentakeldeckel,
Fig, 14, Polypen von Stenella (Primnoidae) mit Kelchdeckel, a.
Fig. 15, Eetrahirter Polyp von Heliopora coerulea mit nach innen
eingestülpten Tentakeln (nach Moseley). a eingestülpter
Tentakel; b Oesophagealrohr.
Fig. 16. Zoide von Dasygorgia acanthella in verschiedenen Contractions-
zuständen.
Schlussbemerkung.
Die vorstehende Arbeit ist im Wesentlichen eine deutsche Aus-
gabe des entsprechenden, vom Verfasser in Gemeinschaft mit Herrn
Prof. Percival Wright bearheiteten Theils aus der grossen Publi-
kation über die Challenger-Expedition. Das System der Alcyonaria
hatte der Verfasser zw^ar der Hauptsache nach bereits vorher ent-
v\^orfen, doch ist ihm durch das umfangreiche Challenger-Material
Gelegenhait gevs^orden, es sicherer auszuführen. Für die Zustimmung
der C hallenger -Commission zur Puhlicirung an diesem Orte ist der
Verfasser der Commission zu Dank verpflichtet.
Ueber eine Pelzrobbeu-Art
Yon der Küste SM -Brasiliens.
Von
Prof. Dr. A. Nehring
in Berlin.
Hierzu Tafel II.
Obgleich die Systematik und die geographische Ver-
breitung der Ohrenrobben in den letzten Jahrzehnten durch
zahlreiche, namhafte Autoren, wie J. E. Gray, W. Peters,
J. A. Allen, Clark, Elliot, Burmeister u. A., wieder-
holt und eingehend behandelt worden ist, so darf dieses
Capitel der Säugethierkunde trotzdem noch nicht als ab-
geschlossen betrachtet werden. Einerseits bleiben noch
immer manche Zweifel über die Zahl und die Abgi-enzung
der Arten übrig, andrerseits ist die geographische Ver-
breitung derselben noch nicht völlig erforscht worden.
Bisher habe ich in keiner mir zugänglichen PubUcation
eine sichere Notiz über das Vorkommen einer Pelzrobben-
Art an der Küste Brasiliens gefunden; die einzigen An-
gaben, welche ich in Bezug auf das vermuthliche Vor-
kommen, resp. auf das ehemalige Vorkommen vonOhrenrobben
an der südbrasilianischen Küste kenne, rühren von J. Müller
und von Hensel her. Der Erstere sagt im Archiv für
Naturgeschichte, Jahrg. 1841, Bd. I, S. 330, Note 1 : „Wir
(d. h. das anatomische Museum zu Berlin) besitzen das
ganze Skelet des Platyrhynchus Fr. Cuv. aus Brasilien,"
76 Prof. Dr. A. Nehring:
Nach Henseli) und Bur meistert) soll aber dieses Skelet,
welches noch jetzt im hiesigen anatomischen Museum vor-
handen ist und einem alten Weibchen der Oiaria jahata
Desm. angehört, nicht von der Küste BrasiHens, sondern
von derjenigen Uruguay's stammen. Hensel bemerkt dann
a. a. 0. noch Folgendes: „Auch an der brasilianischen Küste
in der Nähe der Provinz St. Catharina liegen Lobos-Inseln,
auf denen aber gegenwärtig nicht mehr Robben gefunden
werden."
Unter diesen Umständen dürften die nachfolgenden
Mittheilungen, in welchen das Vorkommen einer Pelzrobben-
Art an der südbrasilianischen Küste nachgewiesen wird,
ein besonderes Interesse in Anspruch nehmen.
Bekanntlich unterscheidet man unter den Ohrenrobben
nach der Beschaffenheit der Behaarung zwei Gruppen,
nämlich Haarrobben und Pelzrobben; bei den ersteren
besteht der Pelz nur aus Grannenhaaren, bei den letzteren
findet sich zwischen den längeren, steiferen Grannenhaaren
ein kürzeres, sehr weiches und feines Wollhaar, welches
die Felle für den Pelzhandel werthvoll macht. Ueber die
Zahl der Gattungen und Arten, welche innerhalb dieser
beiden Gruppen zu unterscheiden sind, gehen die Ansichten
der Special-Forscher sehr aus einander, wie es denn wohl
überhaupt wenige Capitel der Säugethier-Systematik giebt,
welche der exacten Forschung so viele Schwierigkeiten
darbieten, wie eben das Capitel der Ohrenrobben.
Es kann hier nicht meine Aufgabe sein, eine kritische
Betrachtung über alle bisher unterschiedenen Arten von
Ohrenrobben zu unternehmen, ehe ich mich den süd-
brasilianischen Pelzrobben zuwende; ich begnüge mich
damit, zur Orientirung der mit dem Gegenstande weniger
vertrauten Leser eine kurze Uebersicht über die wichtigsten
Arten voranzuschicken, und zwar im Anschluss an die
') Hensel, Beitr. z. Kenntn. d. Säuge thiere Süd - Brasiliens,
Berlin 1872, S. 91.
^) Burmeister, Die Seehunde der argentinischen Küsten,
Buenos Aires 1883, S. 45,
Ueber eine Pelzrobbeii-Ait von der Küste Süd-Brasiliens. 77
Uebersicht, welche Bur meiste r kürzlich als Anhang seiner
oben citirten Abhandlung über die Seehunde der argen-
tinischen Küsten geliefert hat. i)
Burmeister erkennt zwölf Arten von Ohrenrobben
als gut begründet an, darunter 5 Haarrobben und 7 Pelz-
robben. Es sind folgende:
A. Haarrobben.
1. Otaria juhata Für st er.
An den Küsten Süd-Americas von den Feuerlands-Inseln
einerseits bis zur La Plata- Mündung, andrerseits bis zu
den Gallapagos- Inseln.
2. Eitmetojnas Stellen (Lesson) Peters.
Im Behringsmeere und den benachbarten Districten.
3. Enmetopias (Zalophus) californianns (Lesson) Allen.
An der Küste von Californien.
4. Phocartos cinereus (Peron) Burmeister.
In der Bass- Strasse zwischen Neu -Holland und Van-
Diemens-Land.
5. Phocarctofi Hookeri (Gray) Peters.
Bei den Aucklands- und Macquarie-Inseln, südlich von
Neu- Seeland.
B. Pelzrobben.
6. Arctophoca falclandica Burm. (= Arxiocephalns australis
Allen, partim.).
Bei den Falklands-Inseln, sowie an der Küste des Fest-
landes von den Feuerlands-Inseln bis zur La Plata-Mündung.
— Nach Gray sollen dort drei verschiedene Pekrobben-
Arten vorkommen, nämlich Enotaria nigrescens Gray, Euo-
») Man vergl. die Uebersicht bei Peters in d. Monatsb. d.
Berl. Acad. d. Wiss. V. 9. Aug. 1877 und bei J. A. Allen, Hist. of
North- American Pinnipeds, 1880, pag. 210 ff., sowie Gray's Handlist
of Seals etc. London 1874, pag. 19 ff. Suppl. of the Catalogue of
Seals, London 1871.
78 Prof. Dr. A. N eh ring: lieber eine
iaria latirostris Gray wiidi Arctocephalus falclandicus Gray^).
Doch wird diese Ansicht von den meisten Autoren nicht
anerkannt.
7. Arctophoca ciim^ea (Quoy et Gaimardj Burmeister.
In der Bass-Strasse.
8. Arctojyhoca Forsten (Lesson) Burmeister.
An den Küsten Neu- Seelands.
9. Arctocephalus iirsinus (Linne) Lesson.
Bei den Prybiloff-Insehi unweit der Halbinsel Alaska
und in den benachbarten Küstengebieten Nordamerikas
und Asiens.
10. Arctocejyhalus Philippii Peters.
Bei der Insel San Juan Fernandez.
11. Arctocephalus Gazellae Peters.
Bei der Kerguelen- Insel.
12. Arctocephalus pusillus (Schreber) Peters.
Am Cap der guten Hoffnung.
Aus dieser Uebersicht ist zu ersehen, dass Burmeister
innerhalb der Gruppe der Haarrobben drei, innerhalb der-
jenigen der Pelzrobben zwei Gattungen unterscheidet. Die
letzteren interessiren uns hier specieller; es sind die Gat-
tungen Arctophoca und Arctocephalus. Zu Arctophoca
rechnet Burmeister diejenigen Pelzrobben, deren Backen-
zähne deutliche Nebenzacken erkennen lassen, zu Arcto-
cephalus diejenigen, welche an ihren Backenzähnen keine
Nebenzacken besitzen. Ob diese Unterscheidung in zwei
Genera nothwendig ist, und ob sie sich streng durchführen
lässt, erscheint mir einigermassen zweifelhaft, da Ueber-
gänge vorhanden sind, und die Nebenzacken sogar bei den
Individuen einer Art in ihrer Ausbildung variiren.
Ich werde weiter unten noch genauer angeben, in
welcher Weise die drei brasilianischen Pelzrobben-Schädel
hinsichtlich der Nebenzacken unter einander differiren ; ich
1) G-ray, Handlist of Seals, etc. London, 1874. — Allen (North
American Pinnipeds 1880) zieht dagegen auch noch A. Philippii
Peters mit zu Ä. australis.
Pelzrobben-Art von der Küste Süd-Brasiliens. 79
möchte aber schon hier darauf aufmerksam machen, dass
auch zwischen den verschiedenen Exemplaren der Falk-
lands-Robbe, deren Gebisse Bur meist er abgebildet hat,
ziemlich ansehnliche Schwankungen in der Ausbildung der
Nebenzacken an den Backzähnen sich beobachten lassen. ^)
Ich will durchaus nicht bestreiten, dass es wichtig ist,
festzustellen, ob die Mehrzahl der Exemplare innerhalb
einer Species die Tendenz zur Ausbildung von Nebenzacken
zeigt, oder nicht; aber ob sich eine streng generische
Trennung unter den Pelzrobben-Species darauf begründen
lässt, möchte ich vorläufig bezweifeln. Es würde vor Allem
erst nöthig sein, grössere Serien von Schädeln einer be-
stimmten Species, womöglich aus einem und demselben
Districte, zusammenzubringen, um die Grenzen des in-
dividuellen und sexuellen Variirens bei jungen und alten
Exemplaren festzustellen.
In dieser Hinsicht erscheint das Material unserer
Museen überhaupt noch sehr unzureichend, und in Folge
dessen dürfte die Abgrenzung der bisher aufgestellten Arten
auch vorläufig in einem gewissen Zustande der Unsicher-
heit verbleiben. 2j Es ist aber nicht leicht, solche Serien
von unzweifelhaft zusammengehörigen Otarien - Schädeln,
geschweige denn von Bälgen mit Schädeln und Beinknochen,
zu beschaffen, und man muss sich vielfach damit begnügen,
vereinzelte Exemplare, welche man erlangt hat, zu be-
schreiben, zu vergleichen und, falls sie nennenswerthe
Abweichungen zeigen, vorläufig mit einem wissenschaftlichen
Namen zu belegen. Hiermit werde ich mich auch zunächst
hinsichtlich der brasilianischen Pelzrobben begnügen müssen,
wenngleich mein Material verhältnissmässig günstig genannt
werden darf.
^) Vergl. Burmeister, a. a. 0. und Ann. a. Mag. Nat. Eist.
1866, Vol. 18, PI. IX. In seiner neuesten Arbeit sagt Burmeister
allerdings pag. 57: „Jeder Zahn ist vorn wie hinten mit einer
Nebenzacke versehen."
^) Die Sache ist um so schwieriger, als die Pelzrobben der süd-
lichen Halbkugel neben sehr bedeutenden Altersdifferenzen auch eine
grosse Neigung zur Bildung von Local-Rassen aufzuweisen scheinen.
80 Prof. Dr. A. Nehring:
Die Pelzrobbe von Süd -Brasilien.
Auf der südamericanischen Ausstellung, welche im
Herbst 1886 von dem Central- Verein für Handelsgeographie
hierselbst veranstaltet wurde, befand sich unter zahlreichen
anderen zoologischen Objecten eine Sammlung von ca.
500 Säugethier- Schädeln, welche der Lehrer Theodor
Bischoff zu Mundo Novo (Prov. Rio Grande do Sul) in
der näheren und weiteren Umgebung seines Wohnortes
gesammelt hat. i) Zu dieser Sammlung gehörten auch drei
Robben -Schädel, welche mit dem Vulgärnamen „Lobo do
Mar" bezeichnet und mit Geschlechts -Angaben versehen
waren. Es gelang mir, diese Schädel, welche ich sofort
als Pelzrobben-Schädel erkannte, zusammen mit einer An-
zahl anderer interessanter Schädel für die mir unterstellte
Sammlung 2) zu acquiriren.
Jene drei Schädel, 1 5 und 2 ?, (No. 4315, 4316 und
4317 unserer Sammlung) bilden das Hauptmaterial für die
vorliegende Abhandlung; dazu kommen noch handschrift-
liche Notizen, welche Herr Bisch off als Beilage zu der
Schädel-Sammlung mitgesandt hatte, sowie briefliche Mit-
theilungen, welche derselbe auf meine Anfrage mir freund-
lichst zugehen Hess. Die Schädel sind alle drei sehr wohl-
erhalten, abgesehen davon, dass bei zweien die hamuli
pterygoidei fehlen und bei einem (No. 4317) zwei Backen-
zähne ausgefallen sind; sie stammen von jüngeren Exem-
plaren, was einerseits aus der ganzen Beschaffenheit
der einzelnen Schädeltheile und ihrer Nähte, andrerseits
aus dem Zustande des Gebisses mit voller Sicherheit zu
erkennen ist. Von dem Milchgebisse lässt sich zwar nichts
mehr wahrnehmen; aber die sämmtlichen Eckzähne (Ca-
nini), sowie auch die äusseren oberen Schneidezähne
') Vergl. meine Mittheilungen in d. Sitzgsb. d. Ges. naturf- Fr.
v. 21. Dec. 1886 u. Katalog der 1886 er südamericaii. Ausstellung
in Berlin, pag. 58.
2) Zoologische Sammlung der Kgl. landwirthscbaftlichen Hoch-
schule in Berlin.
Ueber eine Pelzrobbeu-Ait von der Küste Süd-Brasiliens. 81
(Incis. 3) sind noch nicht vollständig entwickelt, was in den
Holzschnitten Fig. 1 u. 2, sowie auf Taf. II, Fig. 4 angedeutet
worden ist.
Wie Herr Bischoff in seinen handschriftlichen Mit-
theilungen und in einem an mich gerichteten Briefe an-
giebt, sind die betreffenden Robben, deren Zugehörigkeit
zu den Otarien er schon mit einiger Bestimmtheit ver-
muthet, an der atlantischen Küste in der Nähe des
Tramandahy-Flusses, also etwa unter 29^ 59' südl.
Br., getödtet worden. Jener Fluss ist nur kurz (kaum
3 Kilometer lang), aber breit und tief; er büdet den Ab-
fluss der Lagoa do Tramandahy, welcher seinerseits mit
sämmtlichen süd- und nordwärts gelegenen Lagoas (Lagunen)
in Verbindung steht.
Das Fischerdorf Tramandahy liegt auf der rechten
Seite des Flusses, in dem Winkel, welchen dieser und der
See bilden; die Bewohner leben von der Jagd und namentlich
vom Fischfang. Letzterer wird hauptsächlich in dem sehr
fischreichen Tramandahy-See betrieben ; doch wird zuweilen
auch die sonst sehr menschenleere Küste des Oceans be-
sucht, und bei solchen Streifzügen wurden drei der „Lobos
do Mar" erlegt. Zwei von ihnen wurden mit dem Messer
erstochen, dem dritten schlug der betr. Fischer sein mit
Bleikugeln besetztes Wurfnetz einige Mal um die Ohren;
das Thier entkam zwar in's Meer, lag aber am andern
Morgen todt am Strande. Ein viertes Exemplar, von dem
Herr Bischoff nur das beschädigte Fell erhielt, war in
dem Tramandahy -Fluss hinaufgeschwommen und so in
den gleichnamigen See gelangt. Aus diesem konnte, wie
Herr B. schreibt, „das offenbar noch junge, unerfahrene
Thier nicht wieder den Rückweg finden; es ging an's
Land, und man fand es auf offenem Camp, weit ab vom
Wasser, etwa 6 — 7 Kilometer von der Küste entfernt."
Herr Bischoff beschreibt das Fell dieses Exemplars i)
f olgendermaassen : „Die Haare der Stirn, des Nackens, des
^) Dasselbe war entweder ein junges oder ein weibliches In-
dividuum; vielleicht beides zusammen.
Arch. f. Naturgescb. 53. Jahrg. Bd. I. 6
82 Prof. Dr. A. Nehring:
Rückens und der Seiten sind dreifarbig. Der untere Theil,
etwa ^8 der Gesammtlänge, ist grau; dann folgt ein Vs aus-
machender, schwarzer Ring und über diesem die Vg breite
weissgraue Spitze. Auf dem Rücken war das Thier dunkler
als an den Seiten und am Halse. Mehr nach der Brust
hin und auf dieser selbst werden die Haarspitzen fahlgelb,
behalten aber die schwarzen Ringe und grauen Wurzeln
in demselben Verhältniss, wie oben angegeben ist. Am
Bauche werden sie dagegen rein fahlbraun, einfarbig ; erst
mehr nach oben mengen sich solche mit schmalen, schwarzen
Ringen ein, welche nach und nach die vorher angegebene
Breite erreichen."
,,Das Haarkleid an sich ist glänzend, glatt anliegend,
nicht sehr zart, aber auch nicht rauh, die längsten Haare
(am Bug) haben eine Länge von 2 Centimeter. Vom
Schwanz ist nur ein 2 Centimeter langes Stück erhalten,
oben mit dunklem Haar, wie am Rücken, unten und seitlich
kaffeefarbig, ebenso wie die Umgebung des Afters."
„Alle die erwähnten Körpertheile tragen ausser diesen
Haaren noch eine dicht stehende, sehr feine, hell
schieferfarbige Wolle. Arme und Beine sind ohne
solche; sie tragen nur kurze, etwa 2 — 3 Millimeter lange
Haare von tief schwarzbrauner Farbe. Die Sohlen sind
nackt. An jedem Fusse befinden sich zwei schmale Ansätze
(die anderen sind leider abgeschnitten), welche als häutige
Verlängerungen der Schwimmhaut erscheinen. Krallen
kann ich an ihnen nicht auffinden. Die eine dieser Ver-
längerungen misst 9 Centim. in der Länge ; ihre Breite be-
trägt am oberen Ende IV27 am unteren IV4 Centimeter.
Andere sind kürzer, aber breiter."
,,Die Nase (auch die Spitze) scheint ganz behaart ge-
wesen zu sein, und zwar mit kurzen fahlgelben Haaren;
ebenso die Lippen."
„Die Totallänge dieser Haut betrug ohne Schwanz
96 Centim. ; sie stammt aber von einem kleinen Individuum.
Es giebt viel grössere."
„Vor einiger Zeit wurde von Tramandahy eine Haut
Ueber eine Pelzrobben-Art von der Küste Süd-Brasiliens. 83
zu einem hiesigen Gerber gebracht, welche ca. 7 Fuss lang
und ca. 5 Fuss breit war. Die Füsse waren abgeschnitten,
auch die Kopftheile arg misshandelt. Die Robbe wurde
dort todt -am Strande gefunden; es muss ein starkes
Exemplar gewesen sein, wie ein Vergleich mit anderen, be-
reits gegerbten Fellen ergab. Das Haarkleid schien das
gleiche zu sein. Den Schädel hatte man leider weggeworfen."
Aus obigen Angaben des Herrn Bisch off ergiebt sich
dasselbe, was die drei mir vorliegenden Schädel beweisen,
nämlich, dass an der Küste von Rio Grande do Sul, in
der Nähe des Tramandahy- Flusses, eine Pelzrobben -Art
vorkommt. Nach Burmeister, welcher, wie schon oben
erwähnt, vor einigen Jahren die ,, argentinischen Seehunde"
in einer ausführlichen Arbeit besprochen und bei dieser
Gelegenheit die Verbreitung der in Betracht kommenden
Arten erörtert hat, sollen die Lobos- Inseln, welche vor
der La Plata-Mündung liegen, den nördlichsten Standort
sowohl für den südlichen Seelöwen (Otaria jubata), als
auch für den südlichen Seebär (Arctojyhoca falclandica) an
der Ostküste Süd-Americas bilden. Vorliegende Mittheilungen
beweisen aber, dass die geographische Verbreitung der
Ohrenrobben noch über die La Plata-Mündung hinaus nach
Norden reicht.
Ich habe die mir vorliegenden Schädel zunächst auf
Otaria falclandica Desm. {Arctophoca falclandica Burm.)
bezogen, (was ja offenbar am nächsten liegt), und sie unter
diesem Namen schon kurz erwähnt, i) Ich bin aber bei
tieferem Eingehen auf die Sache einigermaassen zweifelhaft
geworden, ob jene Bezeichnung völlig richtig ist. Namentlich
hat mich die sorgfältige Beschreibung des Felles, welche
Herr Bisch off geliefert hat (siehe oben!), auf die Ver-
muthung gebracht, dass es sich hier nicht um die von
Bur meist er ausführlich beschriebene Arctophoca falclan-
dica handle, wenigstens nicht um die typische Form, sondern
») Sitzgsber. d. G-es. naturf. Fr. v. 21. Dec. 1886, pag. 145 und
v. 19. April 1887, pag. 47.
6*
84 Prof. Dr. A.Ne bring:
entweder um eine besondere Local- Rasse derselben, oder
gar um eine besondere Art.
Die Unterscbiede, welche sich in dem Aeusseren vor-
läufig constatiren lassen, erlaube ich mir, in folgender
Uebersicht neben einander zu stellen.
1. Pelzrobbe der Falklands-Inseln 2. Pelzrobbe von Süd -Brasilien
nacli Burmeister. Dacli Bischoff.
Unterer Theil der Grannenhaare Unterer Theil der Grannenhaare
blassröthlich grau
Länge d. längsten Grannenhaare Länge d. längsten Grannenhaare
3 — 4 cm. '2 cm.
Wollhaar licht rostroth Wollhaar hell schieferfarbig
Bauchfläche rein gelb Bauchfläche fahlbraun
Lippen röthlich grau Lippen fahlgelb
Nasenspitze nackt Nasenspitze bebaart (?)
(J und 2 ziemlich gleich gross, ^ und $ deutlich verschieden an
etwa 5 Fuss lang. Grösse, schon in der Jugend.
Alte (J etwa 7 Euss lang, alte
$ wesentlich kleiner. ^)
Hiernach sind im Aeusseren eine ganze Reihe von
Differenzen vorhanden, welche die brasilianische Pelzrobbe
von derjenigen der Falklands-Inseln zu trennen scheinen,
sofern man die Bur meist er 'sehe Beschreibung der letzteren
zu Grunde legt.
Auch an den Schädeln finde ich bei genauer Ver-
gleichung gewisse Differenzen. Die brasilianischen Schädel
zeigen im Vergleich mit den gleichaltrigen Exemplaren
Burmeisters eine schmalere, gradiere Form, namentlich
im Schnauzentheil. Hiermit im Zusammenhang steht es,
dass die Backenzahnreihen mehr parallel und näher bei
einander laufen; der Gaumen ist auffallend schmal und
zeigt in seiner vorderen Hälfte eine starke Concavität.
Man vergl. unsere Taf. H, Fig. 1 und Burmeister 's Taf. X,
Fig. 6 , wobei ich bemerke , dass der Gaumen meiner
') Ich nehme vorläufig an, dass das oben erwähnte, 7 Fuss lange
Exemplar ein altes Männchen dieser Art gewesen ist, da Herr
Bisch off von ihm sagt: ,,Das Haarkleid schien das gleiche zu sein."
Ueber eine Pelzrobben- Art von der Küste Süd-Brasiliens. 85
brasilianischen Schädel thatsächlich noch schmäler ist, als
er in unserer Figur 1 erscheint.
Auch die Umgebung der Bullae auditoriae ist ab-
weichend, namentlich in Bezug auf die Form des Foramen
jugidare (= For. laceriim ■postei^ius) und hinsichtlich der
Lage des Canalis carotic}is. Vergl. Fig. 1 (bei In und Cd)
und Burmeisters Fig. 6.
Allerdings befindet sich in dem hiesigen zoologischen
Universitäts- Museum der Schädel einer männlichen Pelz-
robbe jugendlichen Alters, welcher als von den Falklands-
Inseln stammend bezeichnet ist und in der Gesammtform
eine grosse Aehnlichkeit mit dem männlichen Schädel von
Tramandahy zeigt; doch weichen die Zähne relativ stark
ab, indem einerseits die Eckzähne wesentlich stärker und
gekiümmter, andrerseits die Backenzähne dicker und mit
viel stärker entwickelten Nebenzacken versehen sind.
Namentlich der dritte und vierte Backenzahn im Oberkiefer,
sowie der dritte, vierte und fünfte Backenzahn im Unter-
kiefer haben sehr deutliche vordere und hintere Neben-
zacken, während hintere Nebenzacken den brasilianischen
Exemplaren an den betreffenden Zähnen (ausser dem fünften
unten) fast völlig fehlen, und die Nebenzacken überhaupt
schwächer erscheinen. Ich glaube daher jenen Schädel
des zoologischen Museums nicht ohne weiteres mit den
vorliegenden brasilianischen vereinigen zu dürfen.
Die Grössenverhältnisse dieser letzteren gehen aus
folgender Tabelle hervor, in welcher ich des Vergleichs
halber auch die Schädel-Dimensionen eines jungen Männchens
von Arctocephalus ursinas unserer Sammlung mitteile. ^)
Letzteres Exemplar eignet sich sehr gut zu einem Vergleich,
weil es nach Beschaffenheit der Eckzähne in gleichem
Alter mit den brasilianischen Exemplaren stand, und die
Totallänge seines Schädels fast genau mit dem männlichen
Schädel von Tramandahv übereinstimmt.
') Zoologische Sammlung der landwirthschaftlichen Hochschule
A. 4051, zu einem ausgestopften Exemplare gehörig.
86
Prof. Dr. A. N ehrin g:
Ueber eine Pelzrobben- Art von der Küste Süd-Brasiliens 87
Wer die vorstehende Tabelle genauer studirt, wird
finden, dass der männliche Schädel vom Tramandahy viel
schlanker gebaut ist, als die weiblichen, wie das auch aus
einem Vergleich von Fig. 2 und 3 deutlich zu ersehen ist.
Und dabei sind die beiden Weibchen, nach der Entwicklung
der Eckzähne zu urtheilen, vermuthlich etwas älter, als
das Männchen. Jene Schlankheit des männlichen Schädels
zeigt sich in allen einzelnen Theilen, namentlich im
Schnauzentheil, den Nasenbeinen, den Stirnbeinen, den
Jochbogen etc. Auch die ganze Schädelkapsel erscheint
länger und eckiger als an den beiden weiblichen Schädeln.
Uebrigens zeigen die letzteren unter einander ebenfalls
wieder gewisse individuelle Unterschiede, welche aber viel
geringer sind, als diejenigen, welche sie beide gegenüber
dem Männchen aufzuweisen haben ; ich will nur kurz hervor-
heben, dass das $ 4316 am Gaumen- Ausschnitt eine spalt-
förmige, auf unvollkommener Ossification beruhende Bildung
zeigt, ähnlich wie es Clark bei Otaria cinerea beobachtet
hat ^). Es ist das offenbar abnorm, zumal da die Ränder
der Palatina nicht scharf begrenzt erscheinen.
Vergleicht man unsere Tabelle mit der von Bur-
meister gegebenen, welche freilich eine geringere Zahl
von Messungen aufweist, so wird man finden, das No. 4317,
also unser kleinstes Exemplar, in der Totallänge fast genau
mit dem ,, halb wüchsigen Jungen" Burmeister 's überein-
stimmt (142 : 140 mm.), sowie auch in der Breite der Ge-
hirnkapsel und der Postorbital-Fortsätze, dass es aber sonst
auch nicht an manchen Differenzen fehlt. Freilich sind
dieselben nicht mit voller Sicherheit zu constatiren, da ich
nicht genau weiss, in welcher Weise Bur meist er die ein-
zelnen Dimensionen gemessen hat.
Vergleicht man die von Allen a. a. 0. pag. 331 ge-
gebene Tabelle, in welcher 6 Schädel des Arctoceph. australis
gemessen sind, darunter der eines ziemlich jungen Männ-
chens aus der Magellans-Strasse , so findet man so grosse
•) P. Z. S. 1884, pag. 194 und 195.
88
Prof. Dr A. Neil ring:
Unterschiede, dass es keinen Werth hat, auf dieselben
näher einzugehen. Jedenfalls ist das betr. Männchen aus
der Magellans-Strasse viel älter, als das vorliegende vom
Tramandahy, da bei jenem schon eine Crista sagiüalis ent-
wickelt ist, während diesem eine solche noch völlig fehlt.
Sehr viele Aehnlichkeiten mit unseren beiden weib-
lichen Schädeln bietet derjenige eines jüngeren Weibchens
des Ar ct. Forsten Lesson von Neu -Seeland im Zoolog.
Museum der hiesigen Universität (A. 2105), sowohl in der
gesammten Schädelform, als auch im Gebiss, wie denn
überhaupt die Schädel der sämmtlichen südlichen Pelz-
robben-Arten im Jugendalter viele Aehnlichkeiten mit
einander zeigen. —
Indem ich übrigens wegen der Formen der einzelnen
Schädeltheile auf unsere Abbildungen verweise, welche von
meinem Assistenten, Herrn Dr. Ernst Schaff, möglichst
getreu nach der Natur gezeichnet worden sind, erlaube ich
mir noch einige genauere Bemerkungen über die Zähne
der brasilianischen Schädel hinzuzufügen.
E ScHaFF.
Fig. 1. Schädel einer jungen männlichen Pelziobbe von Süd-Brasilien.
(Der 6. Backenzahn des linken Oberkiefers fehlt.)
■f TVOt.Gl.
Fig. 2. Unterkiefer zu Fig. 1.
(Der Winkelfortsatz ist stark nach der Innenseite des Kiefers gerichtet, ähnlich wit
bei den Beutelthieren.)
Ueber eine Pelzrobben- Art von der Küste Süd-Brasiliens. 39
Das Gebiss des Männchens (No. 4315) ist entschieden
kräftiger als das der Weibchen; dieses zeigt sich weniger
an den Eckzähnen, welche, weil noch unentwickelt, erst
zur Hälfte aus den Alveolen herausragen, als an den Backen-
zähnen. Letztere sind bei dem Männchen wesentlich com-
pacter gebaut, als bei den Weibchen; ferner sind die
Nebenzacken an der Vorderseite der Zahnkronen viel
deutlicher entwickelt. Im Unterkiefer findet man bei dem c^
sogar Andeutungen hinterer Nebenzacken i).
Uebrigens kann man an den vorliegenden drei Schädeln
feststellen, dass nicht nur zwischen Männchen und Weibchen
derselben Otarien-Species gewisse Unterschiede in der
Bildung der Backenzähne vorkommen können, sondern dass
auch bei Exemplaren desselben Geschlechts wesentliche
Schwankungen hierin sich beobachten lassen. Das Männchen
hat am letzten Backenzahne des Unterkiefers zwei sehr
deutliche Nebenzacken; das eine $ (4317) zeigt ebenfalls
2 Nebenzacken an diesem Zahne, wenn auch viel schwächere,
als das (^; das andere $ (4316) hat gar keine Nebenzacken
an diesem Zahne aufzuweisen. — AehnUch ist es mit dem
5. Backenzahne des Oberkiefers, welcher bei dem ^ zwei
deutliche Nebenzacken, bei dem einen $ (4317) nur eine
schwache vordere, keine hintere Nebenzacke, bei dem
andern 2 (4316) aber kaum eine Spur irgend einer Neben-
zacke zeigt.
Bemerkenswerth ist auch das Variiren in der Aus-
bildung des letzten (6.) oberen Backenzahns. Bei den
Weibchen ist er jederseits vorhanden und relativ kräftig
entwickelt ; bei dem S fehlt er im linken Oberkiefer spurlos
(vergl. den Holzschnitt 1 u. Taf. H, Fig. 1) und im rechten
0 Im Allgemeinen zeigen die Backenzähne des Unterkiefers (ausser
dem 5.) nur eine vordere ^Nebenzacke; hintere Nebenzacken fehlen
fast vollständig. Auch die Backenzähne des Oberkiefers entbehren
(mit Ausnahme des 5.) durchweg der hinteren Nebenzacke; es fehlt
ihnen meistens sogar die basale Andeutung einer solchen, welche sich
an den unteren Backenzähnen hie und da, namentlich bei dem (J, er-
kennen lässt.
90 Pi-of. Dr. A N e bring :
Kiefer ist er sehr schwach entwickelt, von rundlicher Form,
und nicht nur relativ, sondern auch absolut kleiner, als
bei den Weibchen. (NB ! In Fig. 1 auf Taf. II ist dieser
Zahn etwas zu stark dargestellt.)
Auch die Wurzelbildung dieses 6. oberen Backen-
zahns zeigt auffällige Variationen. Bei dem S ist er zwei-
wurzelig. Bei dem einen $ (4317) ist er rechts auch zwei-
wurzelig, im linken Kiefer zeigt er aber an der hinteren
Wurzel die Tendenz zur Abschnürung einer dritten Wurzel;
bei dem andern $ (4316) ist er in beiden Kieferhälften
mit drei deutlichen Wurzelästen versehen, ebenso wie bei
dem von Peters erwähnten männlichen Exemplare von
A. falclandicus des College of Surgeons in London M.
Die übrigen Backenzähne harmoniren dagegen in ihrer
Wurzelbildung bei den drei Exemplaren fast völlig. Der
vorderste Backenzahn oben und unten ist einwurzelig ; der
folgende ebenfalls, doch mit flacher Längsfurche an der
Innenseite der Wurzel. Der 3. und 4. Backenzahn des
Oberkiefers sind zwar auch noch einwurzelig; aber sie
zeigen durchweg eine deutliche Furchung der Wurzel, also
die Tendenz zur Bildung von 2 Wurzelästen. ^) Der 5. obere
Backenzahn ist bei allen Exemplaren deutlich zw ei wurzelig;
der 5. des Unterkiefers darf zwar auch als zwei wurzelig
bezeichnet werden, doch erscheinen die beiden Wurzeläste
nicht völlig getrennt. — Die Backenzähne der brasilianischen
Pelzrobbe zeigen hiernach in der Wurzelbildung eine merk-
würdige Uebereinstimmung mit denen Yon Halichoerus grypus.
1) Vergl. Monatsb. d. Berl. Acad. d. Wiss. v. 10. Juni 1875,
pag. 397, Note 1.
2) Nach Gray, Suppl. Catalogue of Seals, London 1871, pag. 20
u. 24 sollen sowohl bei Eiiotaria, als auch bei Gypsophoca der 4., 5.
und 6. obere Backenzahn mit zwei deutlichen, divergirenden Wurzeln
versehen sein. Dieses passt nicht ganz auf unsere brasilianischen
Pelzrobben. Es fragt sich aber, ob nicht in der Wurzelbildung
der hinteren Backenzähne manche Schwankungen sowohl nach dem
dem Alter, als auch nach Individuen stattfindet, ähnlich wie ich es
vor einigen Jahren für die Backenzähne von Halichoerus grypus nach-
gewiesen habe. Vergl. Sitzgsb. Ges. naturf. Fr. Berlin, 1883.
lieber eine Pelzrobben-Art von der Küste Süd-Brasiliens. 9]
Ich habe schon früher darauf hingewiesen, dass die Kegel-
robben (Gattung Halichoerus) überhaupt in ihrem Gebisse
manche Beziehungen zu den Ohrenrobben erkennen lassen ; ^)
die ersteren können gewissermaassen als Vertreter der
letzteren im nordatlantischen Ocean, welcher bekanntlich
der Otarien gänzlich entbehrt, betrachtet werden. Kegel-
robben und Ohrenrobben haben auch die Eigenthümlichkeit
mit einander gemein, dass sie den streng-polaren Meeres-
Gebieten fehlen. —
Wie ich oben hinsichtlich der Backenzähne manche
individuelle Variationen hervorgehoben habe, so lässt sich
auch in der Bildung der Bullae aaditoriae und der be-
nachbarten Foramina Aehnhches beobachten. Ich finde
diese Partie zwar bei aUen drei Schädeln abweichend von
den nächstverwandten Arten gebildet; aber ich muss doch
betonen, dass die Formen der Bullae^ sowie der Foramina
jugularia ziemlich bedeutende individuelle Variationen er-
kennen lassen, obgleich alle drei Exemplare so gut wie
völlig gleichaltrig sind und ohne Zweifel derselben Species
angehören.
Auch in der Entwicklung der Praeorbital -Fortsätze
finde ich ein deutliches Variiren. Am stärksten sind sie
bei dem dickschnauzigen $ 4316, obgleich bei diesem das
Lacrymale, welchem jener Fortsatz zum Theil angehört,
noch alle Nähte erkennen lässt; am schwächsten sind sie
bei dem $ 4317. Das ^ steht in der Mitte.
Diese Beobachtungen, welche ich leicht noch vermehren
könnte, beweisen, dass man in der Systematik der Otarien
nicht zu viel Werth auf kleine Abweichungen in dem Bau
der Zähne und der einzelnen Schädeltheile legen darf, da
selbst bei gleichaltrigen Exemplaren des gleichen Fund-
ortes ziemlich augenfällige Variationen in dieser Beziehung
vorkommen. Trotz dieser Variationen zeigen aber, wie
ich nochmals betone, alle drei Schädel einen gleichai-tigen,
einheitlichen Typus, so dass ihre Zusammengehörigkeit zu
einer Species nicht zweifelhaft sein kann.
0 Sitzgsb. d. Ges. naturf. Fr. Berlin, 1883, pag. 107—126,
92 Prof. Dr. A. Neh ring:
lieber die systematische Stellung dieser Species bleiben
mir manche Zweifel übrig, wie das Jeder begreifen wird,
der die Otarien-Litteratur kennt. Nach Gray 's Handlist
of Seals etc. London 1874 , pag. 39 befindet sich im
Britischen Museum ein Stück von der Rückenhaut einer
Pelzrobbe von den Falklands -Inseln mit grauer Unter-
wolle; Gray bezeichnet die betr. Art als Arctocejyhalus?
Faldandicus Gray. Dagegen soll nach Gray 's Supplement
of the Catalogue of Seals, London 1871, pag. 25, sowie
nach Peters und Burmeister bei A. faldandicus die
Unterwolle von röthlicher Färbung sein.
Wenn ich nur die drei vorliegenden Schädel in Be-
tracht ziehe, so könnte ich mich versucht fühlen, die süd-
brasilianische Pelzrobbe zu dem Gray 'sehen Genus Gyp-
sop/ioca zu rechnen; denn ein wesentlicher Theil derjenigen
Charaktere, welche Gray für jenes sog. Genus aufgestellt
hat, ist vorhanden, i) Aber es erscheint doch sehr zweifel-
haft, ob jenes Genus als solches berechtigt ist. Ich muss
offen gestehen, dass ich durch die zahlreichen Erörterungen,
welche Gray über die an den Falklands -Inseln vor-
kommenden Pelzrobben veröffentlicht hat, eher in Ver-
wirrung, als ins Klare über die Sache gekommen bin.
Ich verzichte unter diesen Umständen vorläufig auf
eine weitere Erörterung der systematischen Stellung unserer
brasilianischen Pelzrobbe. Nach meiner Ansicht ist es
wahrscheinlich, dass dieselbe nur eine klimatische oder
locale Abänderung des Arctocephalus faldandicus Shaw
(Arctophoca faldandica Burm.) bildet; es ist aber auch
möglich, dass sie Anspruch auf Artselbständigkeit erheben
darf. Für den letzteren Fall schlage vor, die Pelzrobbe vom
Tramandahy als Arctocephalus {Arctophoca) gracilis
1) Wir finden die von Gray hervorgehobene Schraalheit und
Concavität des Gaumens; aber der fünfte obere Backenzahn steht
nicht völlig, sondern mir zum Theil „behind the back edge of the
front of the zygomatic arch," Ausserdem ist auch die Form der
Zähne nicht ganz in Harmonie mit der Gray 'sehen Diagnose. Vergl.
auch P. Z. S. 1872, pag. 658 ff.
lieber eine Pelzrobben-Art von der Küste Süd-Brasiliens. 93
zu bezeichnen, aus Rücksicht auf die gracilen Formen der
vorliegenden Schädel. Sollte sich bei ferneren Unter-
suchungen herausstellen, dass die südbrasiHanische Pelz-
robbe nur eine Varietät der Falklands-Pelzrobbe, resp. einer
der drei Gray'schen irrten ist, so kann der von mir vor-
geschlagene Speciesname „gracüis" als Varietäts-ßezeich-
nung verwendet werden. —
Zum Schluss bemerke ich noch, dass nach einem
Briefe des Herrn Th. Bischoff (d. d. Mundo Novo d.
19. Januar 1887) die Ohrenrobben zeitweise in der Nähe
der südbrasilianischen Küste häufig vorkommen oder doch
in früheren Zeiten vorgekommen sind. Als Herr Bischoff
1846 mit einem Segelschiffe nach Süd-Brasilien fuhr und
sich auf der Höhe der Barre von Rio Grande befand, sah
er eines Tages um 12 Uhr Mittags das Schiff von ca.
200 Robben umschwärmt. ,, Einige kamen dicht heran,
stellten sich senkrecht, überschlugen sich und gingen unter,
um gleich wieder zu erscheinen. Dabei kamen ihre breiten,
schwarzen Patschen über Wasser" etc. etc.
Welcher Species diese letzterwähnten Exemplare an-
gehörten, lässt sich natürlich heute nicht mehr feststellen;
doch darf man sie mit einiger Wahrscheinlichkeit der oben
beschriebenen Species zurechnen. Im Uebrigen möchte ich
glauben, dass auch Otaria jubata hie und da an der süd-
brasilianischen Küste vorkommt oder doch früher vor-
gekommen ist. Die Pelzrobbe scheint dort noch heutigen
Tages, wenn auch wohl in beschränkter Zahl, einen
Standort zu haben; die vorliegenden jugendlichen Schädel
stammen meines Erachtens von Exemplaren, welche an der
südbrasilianischen Küste selbst geboren sind und noch
keine weiten Reisen ausgeführt haben.
Wie mir Herr Rieh. Rohde kürzlich erzählte, hat
er vor einigen Jahren auf einer Insel vor der Küste
von Rio Grande do Sul bei der Vorbeifahrt mit dem
Dampfer eine grössere Anzahl von Robben in der Sonne
liegen sehen. Vielleicht gehörten auch diese zu der oben
beschriebenen Art. Ich glaube, man darf die Pelzrobben
94 Prof. Dr. A. Nehring: Ueber eine Pelzrobben- Art etc.
vom Tramandahy der brasilianischen Fauna als ständige
Mitglieder zurechnen; Herr Bischoff hat sich einen Ver-
dienst erworben, indem er durch die Einsendung der vor-
liegenden Schädel und der zugehörigen Notizen die Auf-
merksamkeit auf jene Pelzrobben gelenkt hat, wenngleich
ihm eine genauere Bestimmung derselben aus Mangel an
wissenschaftlichen Hilfsmitteln nicht möglich war. Ich
hoffe, dass es Herrn Bischoff gelingen wird, noch weiteres
Material, namentlich von ausgewachsenen Exemplaren, zu
beschaffen.
Erklärung der Figuren auf Taf. II.
Fig. 1. Schädel eines jungen Männchens der brasilianischen
Pelzrobbe {Ärctocephalus graciUs Nehring) in der Graumenansicht.
'/a nat, Gr. (NB! Die in der Ansicht rechts liegende Bulla ossea
ist in der Lithographie nicht ganz correct ausgefallen; sie müsste
der andern Bulla mehr entsprechen )
Fig. 2. Derselbe Schädel, von oben. Va ii^t. Gr.
Fig. 3. Weiblicher Schädel derselben Species (No. 4316), von
oben. V2 ^^^- Gr^-
Fig. 4. Gebiss desselben weiblichen Exemplars. Seitenansicht,
mit Weglassung der Schneidezähne. Nat. Gr.
Duftorgaiie bei Phryganiden.
Von
Dr. Wilhelm Müller,
in Greifswald.
Als ich im August des Jahres 1885 zum ersten Mal
ein Männchen von Sericostoma (^Sericostoma j^ß'^^onatum
K. u. Sp.) fing, und, veranlasst durch die auffallende Kopf-
form, das Thier zergliederte, da erinnerten mich die auf-
getriebenen Palpen, die bekanntlich dem Kopf das eigen-
artige Aussehen verleihen, ihn maskenartig bedecken, sofort
an die Duftorgane der SchmetterKnge, besonders an die
Haarbüschel der Satyriden. Man wird sich vielleicht
weigern, hier irgend welche Aehnlichkeit anzuerkennen,
jedenfalls führte mich der Vergleich zur richtigen Deutung
der fraghchen Organe ; indessen erschien es zunächst nicht
leicht, den Nachweis für die Richtigkeit dieser Deutung
zu führen.
Eine Bestätigung meiner Annahme war es mir, dass,
wie ich mich an in Copula gefangenen Individuen über-
zeugte, diese eigenthümlich umgestalteten Palpen nur den
Männchen zukommen (was übrigens längst bekannt). Ein
experimenteller Nachweis, der bei den Schmetterlingen meist
leicht zu führen, wollte indessen nicht gelingen, und zwar
lag das daran, dass die Thiere durch Drücken oder ähnliche
Manipulationen zu einer Entfaltung ihrer Duftorgane nicht
zu bewegen, was seinen Grund in dem besonderen Mecha-
nismus der Entfaltung hat. Schliesslich that mir ein In-
dividuum, das ich vermuthlich während der Werbung ge-
fangen, den Gefallen, seine Palpen auseinander zu spreizen
und die in denselben liegenden Haarbüschel zu entfalten,
96
Dr. Wilhelm Müller
wobei die Haarbüscliel den Kopf wie ein Heiligenschein
umgaben, und nun gelang es, durch Drücken das Thier
an einem Zusammenlegen der Haarbüschel zu verhindern.
An diesem Individuum bemerkte ich, wie auch eine zweite
Person, der ich das Thier unter die Nase hielt, einen
deutlichen, der Vanille sehr nahe stehenden Geruch, und
damit ist der Nachweis geliefert, dass die erweiterten Palpen
der Männchen von Sericostoma als Duftorgane dienen.
Als weitere desbezügliche Beobachtung will ich an-
führen, dass von zahlreichen Individuen von Sericostoma
personatum, Männchen und Weibchen, die ich lebend in
einem grossen Glasgefäss hielt, ein Männchen sich einem Weib-
chen gegenüberstellte, dabei seine Haarbüschel entfaltete.
Was Gestalt und Bau der fraglichen Organe betrifft,
so war ich, da ich versäumt hatte, Thiere in Spiritus zu
conserviren, auf trocknes Material angewiesen, musste auf
eine Untersuchung des feineren Baues verzichten.
1. 2.
Sericostoma personatum, K. u. Sp.
1. Weibchen, 2. Männchen ; Mxp. Maxillarpalpus.
An Stelle der 4 gestreckten Glieder des Maxillarpalpus,
wie wir sie bei den Weibchen finden, besitzt das Männchen
ein einziges (aus der Verwachsung mehrerer Glieder ent-
standenes) Endglied (Fig. 2 Mxp.). Dasselbe ist höchst
eigenartig gestaltet; es hat annähernd die Gestalt eines
Löffels. Der vom Kopf abgewandte Rand ist nach innen
zu verbreitert, legt sich dicht dem Rand des entsprechenden
Gliedes der anderen Seite an. Andererseits legen sich die
Löffel so dicht dem Kopf an, dass sie einen Theil desselben
zu bilden scheinen, ihn wie eine Maske von vorn bedecken,
und entsteht so allseitig ein sehr dichter Verschluss, der
Dnftorgane bei Phryganiden. 97
die duftende Absonderung im Inneren der Löffel am Ver-
dunsten hindert. Das Innere dieser Löffel ist ganz erfüllt
von sehr feinen Haaren, die an der Basis und an der vom
Kopf abgewandten Seite (natürlich auf der Innenseite des
Löffels) entspringen. Diese Haare sind blass, schwach ge-
knöpft, erreichen eine Länge von p. p. 1 mm. Wie gesagt
vermag das Thier — auf welche Weise muss dahin gestellt
bleiben — die Palpen auseinander zu spreizen, und dabei
die Haarbüschel zu entfalten.
Wir finden also, wie ziemlich allgemein bei den Duft-
organen der Schmetterlinge, einen Verschluss, der für ge-
wöhnlich das duftende Secret gegen Verdunstung schützt,
andererseits eine Vorrichtung, um im geeigneten Moment
der Verdunstung eine grosse Fläche darzubieten, dadurch
eine starke Entwicklung des Duftes zu bewirken.
Es finden sich bei den Phryganiden ziemlich häufig
secundäre Geschlechtsmerkmale, und es liegt der Gedanke
nah, dass es sich dabei häufig oder wenigstens bisweilen
um Duftorgane handelt. Ich erinnere zunächst an Noti-
dobia^) wo nach Brauer bei den Männchen die Kiefertaster
kahnförmig sind, sich zur Stirn verhalten wie bei Seri-
costoma, ferner an Äsjjatherium^), wo die Kiefertaster des
Männchen kurz und stark behaart, wenn auch nicht er-
weitert. Bei Ecclisopteryx und Halesus^) findet sich beim
Männchen am Grunde der Hinterflügel eine Faltentasche
mit einem Haarpinsel. Eine ähnliche Tasche findet sich
nach Mac Lachlan*) in der Gattung Drusas. Weiter
theilt mir Fritz Müller mit, dass sich an den Kiefer-
tastern der Grumicha-Männchen Haarbüschel finden, die
wohl als Duftwerkzeuge dienen, wie weiter, „dass er in den.
wunderhchen Fühlern der Peltopsychemännchen Duftwerk-
zeuge vermuthe."
•) Brauer, Neuroptera mistriaca. Wien 1857; pag. 43.
^) ebenda pag. 42.
^) ebenda pag. 46, 47.
*) Mac Lachlan, Revision of European Trichoptera, pag. 164,
citirt nach einer brieflichen Mittheilung von Fritz Müller.
Arch. f. Naturgesch. 53. Jahig Bd.
Die von Br. Sander 1883—85
gesammelten
Cirripedien
(Acasta scuticosta sp. n.).
Von
Dr. W. Weltner,
Berlin.
Hierzu Tafel III und IV.
Die von Herrn Dr. Sander, Stabsarzt auf S. M. S.
,, Prinz Adalbert", gesammelten und mit der Bezeichnung
„Cirripedien" versehenen Krebse sind in Alkohol getödtet
und konservirt worden. Ausser diesen Stücken fand sich
dann später bei der Sichtung des gesammten von Dr.
Sander mitgebrachten Materiales noch eine Anzahl Ranken-
fässler, welche teils an Algen, teils an den Röhren von
Borstenwürmern, sowie zwischen Hydroidpolypen und in
Schwämmen sassen. Ferner enthielten auch einige Gläser
mit Actinien, Velellen und Seegurken Cirripedien. Alle
diese letzteren, welche sich nachträglich fanden, sind je
nach der Natur ihres Wirtes verschiedenartig (in Jodtinctur,
Sublimat, Alkohol, Eiessig, Chrom nnd Osmiumsäure) ab-
getödtet und in Alkohol autbewahrt worden.
Die Untersuchung dieses schönen Materiales, mit
welcher mich Herr Professor von Martens gütigst be-
auftragte, ergab 15 Arten von 18 Fundorten; davon 3 Arten
von je 2 verschiedenen und 12 von je einem Fundort.
Von denjenigen Arten, deren Fundstelle nur als ,,von der
Dr. W. Weltner: Die von Dr. Sander gesamm. Cirripedien. 99
Schraube des Schiffes" und ,,vom Schraubenbrum" an-
gegeben war, muss das Vaterland unbestimmt bleiben.
Trotzdem das berliner Museum eine reichhaltige Sammlung
von Cirripedien besitzt, — von den bekannten 278 Arten
in 44 Gattungen sind 109 Species in 32 Genera vertreten
so fanden sich doch unter jenem Material zwei für das
Museum neue Formen: Lithotrya truncata Quoy u. Gaim.
und eine überhaupt neue Art der in Spongien lebenden
Gattung Acasta. Die meisten der von Dr. Sander ge-
sammelten Arten liegen in ausgewachsenen Exemplaren
vor; eine Art zeigt neben kleinen Indi\dduen auch Larven
im Cyprisstadium, und ein Satz besteht nur aus Lepapiden-
larven in diesem Stadium.
Die einzelnen Arten sind folgende:
Lepapiden:
1) Chonchoderma virgata Spglr. 24 Stück, 10 — 28 mm
lang. Atlant. Ocean. Br 23» 22' N, L23o 29' W. 4. XII.
1885. — Mus. Berol. General-Catalog, Crustacea No. 7716.
2) Conchoderma virgata Spglr. 5 Stück, 12— 18 mm
lang. Von der Schraube des Schiffes, vielleicht aus Zan-
zibar. 27. X. 85. — Mus. Berol. Cat. E No. 1320.
3) Conchoderma auritum L. 1 Stück, 10 mm lang.
Fand sich unter 1). Die dunklen Längsstreifen deutHch
erhalten. Mus. Berol. Gen.-Cat., Crust. No. 7799.
4) Lepas anserifera L. mit var. dilatata als juv. Viele
Exemplare auf 13 Stücken Bimstein von Krakatoa. Kleinere
und grössere bis 16 mm Schalenhöhe messende Exemplare.
Indischer Ocean, 400 Seemeilen südlich von Java head.
17. IV. 84. — Mus. Berol. Crust. 7708.
5) Lepas anserifera L. mit kleinen Baianus amp)hitrite
Darw. besetzt. 18 Stück, 12 bis- 22 mm Schalenhöhe. Von
der Schraube des Schiffes, wahrscheinhch von Zanzibar.
27. X. 85. Mus. Berol. 7709.
6) Lepas anserifera L. besetzt mit einigen kleinen Ex-
emplaren. 5 Stück, 17 — 20 mm Schalenhöhe. Zanzibar.
12. III. 85. — Mus. Berol. 7710.
7) Lepas Hillii L^each. 3 Stück^ 15 — 18 mm Schalen-
7*
100 Dr. W. Weltner: Die von Dr. Sander 1883—85
höhe. Atlanticher Ocean. Br. 23^ 22' N, L2a« 29' W.
4. XII. 85. — Mus. Berol. 7711.
8) Lejms australis Darw. 1 Exemplar, 11 mm Schalen-
höhe. Mauritius, aus dem Schraubenbrum des Schiffes.
25. VIII. 85. Mus. Berol. 7712.
9) Lepas australis Dane, mit Larven im Cyprisstadium.
Einige kleine Exemplare bis 3 mm Schalenhöhe. Zwischen
Hydroidpolypen sitzend. Capstadt, 21. X. 85. — Mus.
Berol. 7713.
10) Lepas australis Darw. 20 Exemplare, 1 — 4 mm
Schalenhöhe. Zwischen Algen. Capstadt, 17. X. 85. —
Mus. Berol. 7714.
11) Lepas australis Darw. Viele meist kleine Ex-
emplare, einige grössere messen bis 9 mm Schalenhöhe.
Auf Algen und Steinen. Capstadt, 21. X. 85. - Mus.
Berol. 7715.
Bemerkung zu 9) — 11). Die sehr zahlreichen Ex-
emplare dieser Lepas von Capstadt, welche zwischen
2 — 9 mm Schalenhöhe schwanken, haben alle Karaktere
von L. australis Darw., weichen indessen von dem typischen
Verhalten dieser Art darin ab, dass die umbonalen Zähne
der beiden Skuta auch an den grösseren Exemplaren un-
deutlich sind oder selbst ganz fehlen.
12) LitJiotrya truncata Quoy n. Gaim. 2 Exemplare
von 1 2 mm Länge. Aus einem Glase mit Holothurien. Zan-
zibar, 28. VIII. 85. — Mus. Berol. 7718.
13) Pollici'pes mitella L. 12 Stück, 23— 43 mm Länge.
Nagasaki, 10. VI. 84. — Mus. Berol. 7717.
14) Mehrere Lepadidenlarven im Cypristadium , auf
einer Spirulaschale. Aus einem Glase mit Velella. Atlant.
Ocean. Br. 26 «N, L 17» W. 10. I. 84. — Mus. Berol. 7707.
Balaniden.
15) Tetr acuta porosa Gm. var. riibesceiis Dario. 6 grosse
Stücke, bis 28 mm Höhe u. 35 mm Breite messend. Zan-
zibar, 15. VIIL 85. — Mus. Berol. 7719.
16) Baianus tintimiahulum L. Q^ var. intermediiis Dane).
gesammelten Cirripedien (Acasta scuticosta sp. n.). 101
4 Stück, bis 45 mm Höhe u. 38 mm Breite. Ein Exemplar
mit einem Baianus psittacus Mol., ein anderes mit einem
Baianus psittacus Mol. und einem Baianus laevis Brug.
besetzt. Callao, 17. I. 85. — Mus. Berol. 7729.
17) Baianus tintinnabulum L. Mehrere kleine Ex-
emplare, welche bis 7 mm hoch werden. Zwischen Algen
und Hydroidpolypen sowie an Röhren von Borstenwürmern
gefanden. Capstadt, X. 85. — Mus. Berol. 7730.
18) Balaws tintinnabulwn L. Mehrere Gruppen
kleinerer Exemplare , einzelne bis 9 nun hoch. Capstadt,
22. u. 25. X. 85. — Mus. Berol. 7731.
19) Baianus tintinnahulum L. Mehrere Exemplare, die
bis 13 mm Höhe erlangen, teilweise von einer Halichondride
(Gener. Katal. Spongien No. 1025) überzogen. Capstadt,
22. X. 85. — Mus. Berol. 7802.
20) Baianus tintinnabulum L. und Baianus aniphitrite
iJarw. Viele Exemplare, die ersteren bis 3 mm Höhe, die
letzteren bis 7 mm Breite erreichend. Mauritius, von dem
Schraubenbrum des Schilfes. 5. VHI. 85. — Mus. Berol. 7732.
21) Baianus psittacus Mol. 10 Exemplare, das kleinste
12 mm Höhe u. 13 mm. Durchm.; das grösste ist 22 mm
hoch u. 25 mm. breit. Callao 17. I. 85. — Mus. Berol. 7728.
22) Baianus psittacus Mol. 2 Exemplare von ab-
gestorbenen, ausmazerirten , ausgewachsenen Thieren ohne
die Schalen. Callao, 13. IL 85. - Mus. Berol. 7727.
23) Baianus cajmisis Ellis. 16 Exemplare, Erhaltung
wie vorher. Capstadt, 21. X. 85. — Mus. Berol. 7726.
24) Baianus capoisis Ellis. 11 Exemplare, gi-össtes
fast 70 mm lang. Vielfach besetzt mit Baianus capens.
juv. und Bai. tintinnah\d(un var.^'om. Daru\, der bis 15 mm
hoch wird. Capstadt, 24. X. 85. — Mus. Berol. 7725.
25) Baianus capensis Ellis, Mehrere Schalenteile
grosser Exemplare, besetzt mit Baianus capensis juv., Lepas
australis u. Pedicellina sp. Capstadt, 21. X. 85. — Mus.
Berol. 7724.
26) Baianus laevis Brug. var. nitidus Darw. Eine
102 Dr. W. Weltner: Die von Dr. Sander 1883—85
Gruppe von 30 Exemplaren, welche bis 6 mm Durchm.
erreichen. Callao, 17. I. 85. — Mus. Berol. 7723.
27) Baianus amphitrite Darw. Viele Exemplare, bis
9 mm Durchmesser. Atlant. Oeean, Br. 23 ^ N., L. 23 ^ W.
Von der Schraube des Schiffes. 4. XII. 85. — Mus.
Berol. 7722.
28) Baianus amphitrite Darw. Einige Exemplare auf
einer Kalkalge, bis 6 mm im Durchmesser. Zanzibar,
10. IX. 85. — Mus. Berol. 7721.
29) Baianus amphitrite Darw. var. comm. Darw. Viele
grössere und kleinere Exemplare, bis 9 mm Breite. Auf
6 Stück Perna. Honolulu, 3. XL 84. — Mus. Berol. 7720.
30) Acasta laevigata Gray. Etwa 8 Stück in einer
Hornspongie, bis 5V2 J^nm Höhe erreichend. Zanzibar,
15. VIII. 85. — Mus. Berol. 7800.
31) Acasta scuticosta neu. 22 Exemplare in einer
Tethya lyncurium Johnst. Cartagena (Spanien), 1. XII. 83.
~ Mus. Berol. 7797.
Das vorliegende Exemplar der Tethya lync. hat einen
Längsdurchm. von 55 mm, ihre beiden andern Durchm.
betragen 50 und 45 mm. Sie stimmt darin mit dem von
0. Schmidt aus den Umgebungen von Cette erwähnten
(III. Suppl. der Spongien des adriat. Meeres, 1868 pag. 31)
Exemplare überein, dass neben dem gewöhnlichen Stern
der Tethya lyncurium auch der Stern der Tethya mor^im
0. Schm. zahlreich vorhanden ist. Schmidt hat diese
letztere Art später wieder eingezogen (1. c).
Diagnose: Das Karinolaterale beträgt etwas mehr
als V3 der Breite des Laterale. Die innere Fläche aller
Schalenteile ist deutlich parallel zur Basis gerippt und
ihre seitlichen Ränder springen nach innen als 1 2 Leisten
vor. Das Skutum ist sehr stark längsgerippt, fast stets
sind einige dieser Rippen, zwischen welchen breite Furchen
stehen, durch eine feine Rinne in zwei zerfällt ; die Gelenk-
kante steht stark vor und ist am unteren Ende plötzlich
abgeschnitten, so dass eine scharfe Ecke entsteht. Der
gesammelten Cirripedien (Acasta scuticosta sp. n.). 103
Sporn des Tergums beträgt V3 oder etwas mehr als die
Breite desselben. Die Basis ist napfförmig mit fast stets
flachem Boden, der glatte Rand derselben lässt deutlich
6 Ecken erkennen , von welchen sich 6 schwach entwickelte
Furchen nach dem Boden herabziehen. Die Radien sind
enger als die Schalenteile.
Habitus. (Fig. 1). Die Schale hat ihre grösste Breite
in der rostralen Hälfte. Die Schalenöffnung ist gross und
entweder mehr dreiseitig oder aber deutlich fünfeckig und
stets tief gezähnt. Die Oberfläche ist rauh durch kleine
spitze oder stumpfe manchmal gebogene Dornen. Die
Radien erreichen nicht die Breite der Schalenteile und
das Karinolaterale misst etwas mehr als 1/3 des Laterale.
Die Basis stellt einen flachen Napf dar, der einen fast
stets ebenen Boden hat. Das grösste von 12 aus dem
Schwamm präparirten Exemplaren mass:
Grösste Höhe (an der Karina) 12 mm, davon betrug
die Höhe der Basis 2V2ißDQ., Längsdurchmesser 10 mm,
Querdurchmesser 8 mm.
Die Farbe der Schale ist weiss, doch ist das Operkulum
von einer Membran bedeckt, welche auf den Anwachs-
streifen starke Borsten (Fig. 8) trägt.
Skutum (Fig. 2 u. 3). Dasselbe erscheint im Ver-
hältniss zum Tergum dick. Die starken Längsrippen auf
der Aussenseite lassen unsere Art von allen andern lebenden
leicht unterscheiden. Fast stets sind einige jener Rippen
doppelt, indem sie durch eine feine Furche in zwei zer-
legt werden. Die Leiste für den Adduktor ist deutlich ent-
wickelt und der Eindruck des Muskels ziemlich tief. Ebenso
sind die Ansatzstellen für den rostralen und lateralen De-
pressor als deutliche Gruben entwickelt. Die Gelenkkante
beträgt etwa die Hälfte der Länge des Skutums und steht
sehr vor. Sie ist an ihrem unteren Ende noch stärker
abgeschnitten als bei Acasta spongites, so dass eine scharfe
Ecke oder ein Zahn entsteht.
Tergum (Fig. 4 u. 5). Es ist breiter als das Skutum
und an der Spitze stark umgebogen. Die Anwachsstreifen
104 ßi'. W. Weltii er: Die von Dr. Sander 1883—85
treten deutlich hervor und stellen etwas geschwungene
Linien dar. Der Basair and bildet fast eine Gerade. Die
Furche auf der Aussenseite ist stark entwickelt und nimmt
bei einigen Exemplaren die ganze Breite des Spornes ein.
Letzterer ist parallel zum basalen Rande des Tergums
abgestutzt und an der karinalen Seite kaum gerundet;
seine Breite ist 1/3 oder etwas mehr als das ganze Tergum,
von dem er scharf abgesetzt ist. Die Rippen für den
Depressor sind nur schwach ausgeprägt.
Die seitlichen Schalenteile (Fig. 6) tragen auf
der Innenseite schwach entwickelte Wülste, welche parallel
zur Basis ziehen. Diese Rippen stehen in verschiedener
Entfernung von einander und sind von ungleicher Dicke.
Neben diesen Querwülsten bemerkt man auf der Innenfläche
der Schalenstücke eine feinere Längsstreifung, dadurch
hervorgebracht, dass die Zwischenräume der Querringe
gefurcht sind.
Darwin hat in seiner klassischen Monographie der
Cirripedien darauf hingewiesen, dass die Skulptur auf der
Innenseite der parietes von Acasta selbst bei den Exem-
plaren ein und derselben Art verschieden ist. Es ist also
auch dieser an Acasta geschilderten Verzierung nur ein
untergeordneter Wert in der Artdiagnose beizulegen.
Die Scheide der Schale ist stets fein quer gerippt
und steht mit ihrem glatten basalen Rande über der Innen-
fläche der Schale vor, so dass zwischen beiden eine kleine
Höhle frei bleibt.
Die seitlichen Ränder der Schalenteile bilden an der
Innenseite hervorstehende Leisten, wie Darwin es von
Acasta glans (1. c. Taf. IX Fig. 5 b) und laevigata erwähnt
hat. Die Leisten sind meist so gebogen, dass ihre kon-
kave Seite nach dem Rostrum zeigt. Ich habe diese
Leisten auch bei Acasta spongites von Japan (Mus.
Berol. 6897) und einem anderen Exemplar ohne Fundort
(Mus. Berol. 7623) deutlich ausgeprägt gefunden.
Der basale Rand aller Schalenteile ist glatt.
Die Radien und Alä erstrecken sich bis ganz zur
gesammelten Cirripedien (Acasta scuticosta sp. n). 105
Basis und sind auf ihrer Aussenzeite an getrockneten
Exemplaren glänzend. Ihre Ränder sind entweder glatt
oder rauh, aber nicht gezähnt und sind sehr schräg, woraus
die starke Zähnelung der Schalenöffnung (Fig. 1) resultirt.
Die Radien sind deutlich doppelt gestreift, sowol parallel
zur Basis als in der Längsrichtung der Schale, während
die Alä nur fein quergestreift erscheinen.
Basis (Fig. 1 u. 7). Sie stellt in den meisten der
untersuchten Exemplare ein fast symmetrisches Körbchen
dar mit flachem Boden und 'eckigem oberen, ganz glatten
Rande. Sie misst höchstens V4 der auf ihr sitzenden
Schale. Die an dem oberen Rande stets deutlich ent-
wickelten sechs Ecken bilden die Endpunkte für die Ansatz-
stellen der sechs Schalenteile. Von den Ecken der Basis
ziehen sich nach dem Boden derselben sechs Kanten,
welche zwar nur schwach entwickelt sind, aber auf der
Aussenseite der Basis deutlich als sechs Furchen hervor-
treten. Die Innenfläche der Basis ist glatt, während die
Aussenfläche konzentrische Anwachsstreifen trägt. Darwin
hat gezeigt, dass die Basis bei Acasta oft durchlöchert ist;
bei unserer Form ist sogar mitunter der ganze Boden der
Basis unverkalkt und nur durch die Membran geschlossen.
In der Beschaffenheit der Basis, der relativen Breite
des Karinolaterale und der starken Längsrippung des
Skutums glaubte ich die karakteristischen Merkmale der
mir vorliegenden Acasta zu erkennen. Allein als ich noch
zwei weitere Exemplare untersuchte, fand ich, dass bei
dem einen die Basis fast flach und ohne Seitenrand war,
bei dem anderen war zwar der letztere vorhanden und
auch der gezähnte Rand und die 6 Furchen entwickelt,
aber die Basis lief ganz wie bei spongites unten stumpf
zu ohne eine Spur des flachen Bodens (Darwin, 1. c. Taf. IX.
Fig. la).
Zementapparat. Von zwei Exemplaren entkalkte
Basen zeigten am Rande derselben radiär laufende Gänge
und nach dem Zentrum hin in grosser Menge andere
Kanäle, welche stets an ihrem einen Ende eine starke
] 06 Dl". W. W e 1 1 n e r : Die von Dr. Sander 1883—85
Anschwellung tragen. Darwin hat bei Acasta den Kitt-
apparat vermisst, doch stehe ich nicht an, die oben er-
wähnten Gänge als Reste eines solchen anzusprechen, den
ich freilich bei der geringen Zahl mir vorliegender Exem-
plare nicht näher untersuchen will.
Borsten der Deckelstücke (Fig. 8). Auf den
Anwachsstreifen der das Operkulum überziehenden Membran
stehen einreihige starke Borsten, welche auf dem Schild
etwa doppelt so lang als auf dem Rückenstück sind.
Manchmal finden sich zwischen den Hauptborsten feinere
längere eingestreut. Das Tergum ist auch auf dem frei
über das Skutum hervorragenden schnabelförmigen Ende
auf der Innenseite mit Borsten ohne alle Ordnung besät.
Girren. Zur Untersuchung der Füsse und der Mund-
teile habe ich sechs Tiere benutzt.
Der vordere Ast des 1. Cirrus ist fast 3 mal so lang
als der hintere und kommt an Länge fast derjenigen des
ganzen 2. Cirrus gleich. Am 2. Cirrenpaare ist der vordere
Ast um 2 — 3 Glieder länger als der hintere. Der 3. Cirrus
ist etwa Vs länger als der zweite. Die Stiele aller drei
ersten Cirrenpaare sind vorne und hinten mehr oder
weniger stark behaart, während die der 3 hinteren Cirren
dort nur spärliche Borsten tragen ; bei einigen Exemplaren
ist die Vorder- und Hinterseite der Stiele der 3 hinteren
Fusspaare ausserdem noch mit kleinen scharfen Stacheln
besetzt. Die einzelnen Segmente dieser 3 hinteren Cirren
tragen an der Rückenseite nur 3 an ihrem Ende gefiederte
Haupt-Borsten, bei Acasta sulcata finden sich am 6. Paar
ebenfalls nur 3, bei spongites dagegen an demselben Paar
4 Borsten (Darwin). Bei einigen Exemplaren sind diese
Borsten am 4. Fusspaar stärker als an den 2 hinteren.
Worin aber unsere Art besonders von den von Darwin
beschriebenen Arten abweicht, ist die starke Bezahnung
des 3. Cirrus. Zwar hat Darwin an den Gliedern dieses
Fusspaares bei Acasta glans, von welcher laevigata und
fenestrata in dieser Hinsicht nicht abweichen soll, auch
eine Zahnbewaffnung gefunden, aber dieselbe erreicht nach
gesammelten Cirripedien (Acasta scuticosta sp. ii.). 107
Darwin lange nicht die Mächtigkeit der Zahnhewehrung
des 4. Cirrenpaares von Acasta •^j^ongites, sulcata u. cyathus.
Wenn nun auch bei unserer Acasta die Zähne an dem
4. Rankenpaar keineswegs mangeln — sie liegen hier
überall an der Aussenseite des oberen Randes der Glieder
— und sogar an einzelnen Exemplaren mehr oder weniger
auch am 5. u. 6. Fusspaar ausgebildet sind, so ist es doch
besonders das 3. Rankenpaar, welches durch seine stärkere
Zahnausrüstung von den übrigen Extremitätenpaaren aus-
gezeichnet ist und darin mit dem von Fritz Müller i)
bekannt gemachten Baianus armatus übereinstimmt. Diese
Bezahnung findet sich bei unserer Art an der Aussenseite
der Gheder aller Aeste dieses 3. Paares und besteht aus
grösseren und kleineren geraden starken Zähnen und ge-
zähnten Schuppen (Fig. 9) oder aus vorzugsweise solchen
mit Zähnen versehenen Schuppen (Fig. 10), welche sich
auf den einzelnen Gliedern bis weit nach unten erstrecken.
Zu dieser Bewehrung kommt hinzu, dass beide Aeste, be-
sonders aber der hintere stärkere Zweig, auf ihrer Innen-
seite am oberen Rande jedes Gliedes mit starken Borsten
versehen sind, wie das allgemein bei Baianns und Acasta
der Fall ist. Die Borsten, welche an der Beugeseite jedes
Gliedes der Girren stehen (Fig. 9 u. 10), sind nicht, wie
man es gewöhnlich bei den Balaniden findet (Fig. 17 — 22),
mehr oder weniger auf den ganzen Vorderrand verteilt,
sondern in dem oberen Drittel desselben zusammengedrängt.
Darwin (1. c. pag. 84 u. 306) giebt dieses Verhalten von
Acasta nur von dem vorderen Ast des 4. Cirrus an.
Der oben angezogene von Fr. Müller beschriebene
Baianus armatus lebt besonders häufig in Kieselschwämmen
und zeichnet sich dadurch vor den übrigen Baianusarten
aus, dass beide Aeste des 3. Fusspaares stark bewaffnet
sind und auch besonders der äussere Ast des 4. Paares
sowie das 5. u. 6. Paar teilweise bewehrt sind. Während
nun Darwin in der Zahnbewaffnung der Girren bei Acasta
*) Archiv für Naturgesch. 33. Jahrg. 1867, pag. 329.
108 Dr. W. Weltner: "Die von Dr. Sander 1883—85
ein Mittel zum Ergreifen der Beute sieht, weist Fr. Müller
darauf hin, dass die Zähne der bewaffneten Fusspaare an
der Aussen- und Rückenseite der Glieder stehen, also dem
Rande der Spalte des Operkulums zugekehrt sind und
viel weniger als Fangorgane, sondern vielmehr zum Rein-
lialten der Deckelspalte dienen, denn es kommt noch der
Umstand dazu, dass gerade die in Schwämmen lebenden
Acasta-Arten und Balajius aivnatus jene Zahnbewaffnung
der Girren zeigen. Wir hätten also mit Fr. Müller darin
ein Mittel zu erkennen, den durch den fortwachsenden
Schwamm der Oeffnung der Cirripeds drohenden Verschluss
zu verhindern. Mit dieser Deutung stimmt auch die
Stellung der Zähne an den Füssen der Acasta scuiicosta,
und es lag mir nunmehr daran, die in Schwämmen und
Anthozoen lebenden Balaniden auf die Bewaffnung der
Ranken näher zu untersuchen. Eine solche ist mit Aus-
nahme der Acasten und des Bnlanus armaius nicht be-
schrieben worden. Doch zeigt schon die Beobachtung von
Fr. Müller an Baiarms inip7'ovisus var. assimilis Darw.,
dass sie selbst an solchen in der Regel nicht in Spongien
lebenden Balanen vorkommt, wie uns Fr. Müller lehrt
(1. c. pag. 344): ,,Wenn auch nicht in gleich mächtiger
Weise entwickelt, (nämhch wie bei armaius) findet sich
eine ähnliche Bewaffnung der Ranken mit Dornen und
Spitzchen doch auch bei anderen Balanen. Bei einzelnen
Exemplaren Balamis improvisus var. assimüis finden sich
diese sonst aufwärts gerichteten Dornen an der Aussen-
seite der Glieder des dritten und vierten Fusspaares sogar
nach abwärts und rückwärts gerichtet, wie bei B. armaius/^
(Fig. 46 u. 47, 50, 51.)
Die Beobachtungen, welche ich über diesen Gegenstand
an dem Material des hiesigen Museums gemacht habe,
sind folgende:
Bei zwei Sätzen von Acasta spongites von verschiedenen
Fundorten (Mus. Berol. 5544 und 6897) ist sowol der 3.
als der 4. Cirrus mit Zähnen ausgestattet, welche an der
Beugeseite und auch am oberen äusseren Rande der
gesaminelteu Cirripedieii (Acasta scuticosta sp. n.). 109
einzelnen Glieder stehen. Diese Bewaffnung ist aber am
3. Kankenfuss weit stärker als am 4. Die Stellung der
Zähne ist analog derjenigen der weiter unten angeführten
Ac. laevigata (Fig. 11).
Bei einer Acasta cyathus (Mus. Berol. 7345) überwiegt
dagegen die Bewehrung des 4. Cirrus diejenige des 3. be-
deutend. Während die Glieder des äusseren Astes des
3. Rankenpaares auf der Aussenseite schwach bezahnt sind,
trägt derselbe Ast des 4. Paares an der Beugeseite kolossale
Hakenzähne.
Nach Darwin ist aber weder bei Ar. spongites noch
bei cyatlms der 3. Cirrus überhaupt mit Zähnen ausgerüstet.
Bei Acasta laevigata (Mus. Berol. 7800) ist es wiederum
der 3. Cirrus, welcher die Bezahnung trägt, während der 4.
nur schwach bewaffnet ist. Ein Blick auf die Fig. 11
zeigt, dass hier der 3. Cirrus an dem oberen äusseren
Rande und der Beugeseite jedes Gliedes gezadezu mit
Zähnen besät ist.
Von einem Satz des in Schwämmen lebenden Baiamts
declii'is Darw. (Mus. Berol. 7336, lebend in Suberites,
von Batjan, gesammelt von Prof. v. Martens) habe ich
nur ein einziges Tier auf seine Ranken untersuchen
können. Hier ist das 4. Paar (Fig. 12 u. .13) durch be-
sondere Bewaffnung ausgezeichnet. Es trägt der obere
Rand der Stielglieder an der äusseren Seite einen Kamm
von Zähnen, und ferner sind die Segmente des vorderen
(äusseren) Astes dieses Fusspaares mit starken nach oben
gerichteten Zähnen besetzt. Darwin war das Tier dieser
Art unbekannt.
Ein Baianus spongicola Brown. (Mus. Berol. 7232,
aus La Guayra in Venezuela, vbn Gollmer gesammelt)
zeigt an der Beugeseite der Glieder (Fig. 14) beider Aeste
des 3. Cirrus kleine Zähne, welche sich auf die Aussenseite
der Glieder erstrecken und dabei an Grösse abnehmen.
Ferner ist das 4. Cirrenpaar auf der Aussenseite der
Glieder am oberen Rande mit einer Reihe gerader Zähne
besetzt.
110 Br. W. W e 1 1 n e r : Die von Dr. Sander 1883-85
Auch Baianus alliuni Darw. (Mus. Berol. 2699, in
Hydnophora contignatio Forsk. lebend, aus dem roten
Meer, 28 Fad. tief, von Siemens gefunden) weist eine
starke Bevv^affnung ausschliesslich am 3. Paar der Girren
auf (Fig. 15 u. 16), jedoch ist der vordere Ast stärker be-
wehrt als der hintere, insofern als fast alle GHeder bezahnt
sind. Die Zähne, deren Zahl bis 10 reicht, stehen stets
nur an der vorderen Kante der einzelnen Glieder, also
wie bei Acasta sulcata bei Darwin.
Als allgemein verbreitete Erscheinung bei den Balaniden
hat Darwin eine Bezahnung an dem oberen Rand der
Aussen- und Innenseite jedes Gliedes der Girren gefunden.
Dieser Zahnkamm (Fig. 19 u. 22), welcher bei den grösseren
Arten, wie Bai. psittacus, capensis und Untinnahulum leicht
nachzuweisen ist, kann, wie ich mich überzeugt habe, auf
beiden Seiten der Glieder gleich stark sein, oder er ist
auf der äusseren stärker, oder ist hier durch eine mehr-
reihige Bezahnung ersetzt, die sich auf den Vorderrand
erstreckt (Fig. 17). Ich habe aber auch nicht vergebens
nach einer Zahnbewaffnung an den vorderen Girrenpaaren
gesucht und sie bei folgenden nicht in Schwämmen oder
Anthozoen lebenden Balanen, die ich darauf untersucht
habe, gefunden: Baianus untinnahulum, capensis, psitfacus,
amphitrite, amphitrite var. cirratus^ improvisus, crenatus und
balanoides. Da der 2. und 3. Girrus — der erste ist
Maxillarfuss und scheint nie bezahnt zu sein — auf der
Innenseite aller Glieder stark mit langen Borsten besetzt
ist, so finden wir auch an dieser Stelle keine Zähne oder
doch nur spärliche Reste eines Zahnkammes am oberen
Rande; dagegen habe ich bei allen genannten Formen an
der äusseren Seite der meisten oder nur einiger Glieder
des 3. Girrenpaares eine Zahnbewaffnung gefunden und
zwar seltener in Gestalt eines Zahnkammes wie bei den
hinteren Girren, sondern meistens war die Beugeseite der
Glieder mit Zähnen besetzt (Fig. 18, 20 u. 21). Mit dieser
Ausrüstung verbunden, standen in manchen Fällen einige
starke Zähne an der Rückenseite der Glieder (Fig. 18 u. 20).
gesammelten Cirripedien (Acasta scuticosta sp. n.). Hl
In den Fällen, wo sowol der äussere als der innere Ast
dieses 3. Cirrenpaares bezahnt war, konstatirte ich ent-
weder keinen Unterschied in der Stärke der Bezahnung
oder die des äusseren Zweiges überwog.
Die Bewehrung an den hinteren Fusspaaren dieser
Formen war analog der des dritten: war hier nur ein
Zahnkamm am oberen Rande der Gheder entwickelt, so
trugen auch die der drei hinteren Girren nur eine solche
Zahnreihe, wo aber der dritte Fuss zahlreiche Zähne
aussen besass, da war auch der vierte in dieser Weise aus-
gestattet, der fünfte und sechste aber nackt. Meistens
pflegte der vordere Ast des vierten Cirrus stärker als
der hintere bewaffnet zu sein. Verglich man die Stärke
der Bezahnung des dritten und vierten Girrus unter sich,
so war hier einmal das dritte, das andere Mal das vierte
Paar das bevorzugte, und dies war der Fall nicht nur
unter den verschiedenen Arten, sondern auch bei den In-
dividuen ein und derselben Art. Die Mannigfaltigkeit in
der Art und Stärke der Bewaffnung dieser beiden Girren
der von mir untersuchten Arten ist eine so grosse, dass
ich darauf verzichte, mehr als das oben gesagte darüber
vorzubringen. Sie kann selbst bei einzelnen Individuen
ganz fehlen, wo sie sonst in starkem Maasse vorzukommen
pflegt, was Darwin zuerst bei Acasta sulcata gefunden.
Diese von einigen Arten des Genus Acasta und Baianus
wiedergegebenen Beobachtungen sind erstens eine Er-
weiterung der schon durch Darwin von Acasta glans ge-
machten Erfahrung, dass bei Acasta sowol der vierte, als
der dritte, als beide Fusspaare von einer von den hinteren
Girren abweichenden Bezahnung betroffen werden können.
Dabei kann einmal der dritte, das andere Mal der äderte
Fuss vorwiegend bezahnt sein.
Zweitens hat sich gezeigt, dass auch — wie zu ver-
muten war — den zwei in Schwämmen lebenden Balanns-
Arten (declivis u. spongicola), sowie dem Korallen be-
wohnenden Baianus allium eine besondere Zahnausrüstung
des dritten oder vierten Cirrus zukommt. Es ist das auch
112 Dr. W. W e 1 1 n e r : Die von Dr. Sander 1883—85
für die in Gorgonien und Korallen sitzenden Arten von
Baianus ^ Pyrgoma und Creusia anzunehmen, welche ich
nicht untersucht habe.
Eine solche Bewehrung des 3. und 4. Cirrus wird,
wie ich gezeigt habe, auch an nicht in fremden Körpern
lebenden Baianas- Arten gefunden.
Drittens sind die mitgetheilten Thatsachen eine Stütze
für die von Fr. Müller ausgesprochene Bedeutung jener
Zahnbewaffnung und zwar zunächst der schwammbewoh-
nenden Acasta- und Baianns- Arten, sowie der in Korallen
eingesenkten Baianus allinm, sodann aber auch derjenigen
Arten von Baianus, welche nicht in Spongien oder An-
thozoen sich ansiedeln. Bei jenen war entweder die Beuge-
seite oder die Aussenseite der Segmente der Füsse mit
Zähnen bewaffnet, die Innenseite garnicht und eine ähn-
liche besondere Bewaffnung fand sich bei allen von mir
untersuchten nicht parasitisch lebenden Baianus- Arien.
Das stimmt überein mit Fr. Müll er 's Beobachtungen an
Baianus armatus und improvisus var. assimilis, sowie dem
Bastard beider (1. c. Taf VIII), bei denen man auch noch
Zähne an der Rückenseite der Glieder bemerkt. Wie bei
diesen in fremden lebenden Körpern eingebetteten Formen
die Bewaffnung von Zähnen hauptsächlich an der Aussen-
seite des 3, u. 4. Cirrus eine Ueberwucherung von Seiten
des Wirtes über die Oeffnung des Cirripeds verhindert, so
kommt jener Bezahnung bei den freilebenden Balanen die
Rolle zu, die Deckelspalte rein zu halten.
Fr. Müller hat begründet, dass es uns nicht befremden
kann, bei Acasta den vierten, bei Baianus armatus aber
den dritten Rankenfuss besonders stark bewehrt zu finden,
denn Baianus armatus ist eben ein echter Balamis, und
da die Erscheinung der Bewaffnung an den Girren eine
Folge der Anpassung an den Aufenthalt in Spongien ist,
so können natürlich bei den beiden verschiedenen Genera
auch verschiedene Fusspaare derselben unterliegen. Ich
habe gezeigt, dass sowol bei Baiarms als seiner Unter-
gattung Acasta sich jene Anpassung an dem dritten wie
an dem vierten Fusspaare vollzogen hat.
gesammelten Cirripedien (Acasta scuticosta sp. n.). 113
Mund teile. Ich hätte endlich noch die Mundteile
unserer Acasta zu besprechen. Dieselben bieten indess
nichts abweichendes von den Angaben Darwin 's über
diese Teile der Gatt. Acasta. Ich bemerke nur, dass die
Oberlippe fast stets mit einigen Zähnen versehen ist, und
dass der fünfte Zahn des Oberkiefers bei den verschiedenen
Exemplaren mehr oder weniger zur Ausbildung gelangt.
Zum Schluss seien einige Worte über die Stellung
unserer Art innerhalb der bekannten neun Spezies erlaubt
und ein Schlüssel zur Bestimmung derselben gegeben.
Am meisten fällt bei der beschriebenen Acasta in der
sehr starken Berippung der Skuta eine Uebereinstimmung
mit der nur fossil bekannten nndnlata Darw. auf. Leider
ist diese Art nur sehr ungenügend bekannt, allein die
Skulptur auf der Aussenseite der Skuta beider Arten
(Darwin. 1. c. Taf IX. Fig. 4 und meine Fig. 2) ist eine
verschiedene und der Sporn des Tergums ist bei nndnlata
breiter. Mit Ac. spongites hat scuticosta gemein, dass die
Gelenkkante des Skutums unten plötzlich abgeschnitten
erscheint; dieser Karakter ist aber bei der letzteren Art
viel stärker ausgeprägt. Von den Spezies, deren Schalen-
wand nicht von sechs Löchern durchbohrt ist, zu denen
die als neu beschriebene Art gehört, erreicht das Karino-
laterale bei dieser die relativ grösste Breite, denn es misst
mehr als Vs <ies Laterale; bei Ac. cyaihns Vs — V4 der
Breite desselben. Doch möchte ich hierauf kein allzu-
grosses Gewicht legen, denn eigene Beobachtungen an
Ac. spongites haben mich gelehrt, dass die Breite des
Karinolaterale % (Darwin) bis fast V3 des Laterale be-
trägt. — Wie bei Ac. glans und laevigata bilden auch bei
scuticosta die Seitenränder der seitlichen Schalenstücke
nach innen zwölf vorspringende Leisten. Während aber
bei jenen Arten am Rande der Basis sechs resp. zwölf
knopfgleiche Zähne ausgebildet sind, sieht man an den
Exemplaren aus der Tethya nur sechs etwas vorgezogene
Ecken, und statt der bei glans und laevigata von jenen
Arcb. f. Natuigescli. 53. Jahrg. Bd. 1. g
114 Dr. W. Weltner: Die von Dr. Sander 1883-85
Zähnen nach der Spitze der Basis herablaufenden Rippen
finden sich bei scuticosta nur sechs nicht scharf ausgeprägte
Kanten. Ich habe schon oben gesagt, dass die Basis
unserer Art bei den zwölf untersuchten Exemplaren in
drei verschiedenen Formen auftrat: einmal fast flach wie
bei cyathas, in einem anderen Falle nach unten stumpf
zulaufend, wie es bei den meisten Acasta-Arieii ist und
bei zehn anderen Exemplaren in der Gestalt eines Napfes
mit ebenem Boden. — Was endlich den Bau der Füsse
und der Mundteile der Ac. scuticosta betrifft, so kann
ich weder in der Zahnbewaffnung und der Anzahl der
Borsten an den Girren noch in der Beschaffenheit der
Mundteile Merkmale finden, die ganz ausschliesslich unserer
Art zukämen.
Wir sehen, dass die oben beschriebene Ac. scuticosta
aus der Tethya in den verschiedensten, aber zur Bestimmung
ganz wesentlichen Teilen eine Uebereinstimmung mit
anderen Arten zeigt, und ich wage nicht zu entscheiden,
welchen der Arten mit undurchbrochenen Schalenteilen
sie am nächsten kommt. Sie ist durch die Beschaffen-
heit des Skutums scharf von allen anderen lebenden
Arten unterschieden und von der fossilen undulata, mit
welcher sie die starke Längsrippung des Skutums teilt,
weicht sie in anderen Punkten ab. Ich halte daher die
geschilderten Exemplare für eine bisher nicht beschriebene
Art und nenne sie wegen ihrer starken Rippen auf dem
Skutum und zum Unterschiede von der fossilen Form:
scuticosta.
Schlüssel zur Bestimmung der Acasta- Arten.
Skutum sehr stark längsgerippt.
Sporn des Tergums fast V2 der Breite desselben betragend
undulata Darw.
Sporn des Tergums nicht so breit .... scuticosta neu.
Skutum höchstens stark längsgestreift.
Basis flach oder fast flach cyathus Darw.
Basis becherförmig.
gesammelten Cirripedien (Acasta scuticosta sp. n.). | ] 5
Karinolaterale nicht bis zur Basis reichend . sjjorillus
Darwin.
Karinolaterale bis zur Basis reichend.
Zwischen Basis und Schale bleiben sechs Löcher frei.
Karinolaterale nur Ve der Breite des Laterale be-
tragend, Sporn des Tergums gerundet . purpurata
Darwin.
Karinolaterale ^/g der Breite des Laterale be-
tragend, Sporn des Tergums zugespitzt . fenestrata
Darwin.
Ohne diese Löcher.
Den zwölf innen vorspringenden Leisten der
Schalenstücke entsprechen sechs oder zwölf knopf-
ähnliche Zähne am Rande der Basis.
Skutum schwach längsgestreift oder glatt
laevigata Gray.
Skutum stark längsgestreift .... glans Lam.
Die Leisten der Schalenstücke sind vorhanden
oder fehlen; an der Basis sind keinerlei Zähne
oder Leisten vorhanden.
Rand der Basis stark gezähnt, Innenfläche der
Schalenteile stark gerippt, Sporn V2 der Breite
des Tergums betragend sulcata Lam.
Rand der Basis schw^ach gezähnt, Innenfläche
der Schalenteile schwach gerippt, Sporn Vs der
Breite des Tergums, Gelenkkante des Skutums
unten wie abgeschnitten .... spongites Poli.
8*
116 Dr. W. W e 1 1 n e r : Die von Dr. Sander 1883—85
Erklärung der Abbildungen auf Tafel III u. IV,
Die Figuren 1—7 habe ich mit dem von Dr. Hilgendorf^)
konstmirten Auxanographen entworfen, der mir ausgezeichnete
Dienste geleistet hat. Fig. 8— 22 sind mit der Ahbe'schen Kamera
angefertigt. Fig. 1 — 10 beziehen sich auf Acasta scuticosta und geben
mit Ausnahme von la eine sechsfache Vergrösserung wieder.
Fig. 1. Ganzes G-ehäuse (die Anwachsstreifen der Basis sind in
Fig. 7 richtig dargestellt).
Dasselbe in natürlicher Grösse.
Skutum von aussen.
Skutum von innen.
Tergum von aussen.
Tergum von innen.
Karinolaterale eines kleinen Exemplars von innen.
Basis von unten.
Borsten auf den Anwachsstreifen der das Tergum bedeckenden
Membran mit den in dasselbe eingesenkten Wurzeln. 60 X-
Achtes Glied des äusseren Astes des dritten Cirrus von
aussen 72 V2 X.
Sechstes Glied des äusseren Astes des dritten Cirrus von
aussen, von einem anderen Exemplare. (Die Zähne der
Schuppen sind etwas zu stark geraten). 72 '/j X-
Sechstes Glied des äusseren Astes des dritten Cirrus von
aussen, von Acasta laevigata Gray, 60 X.
Stielglieder des vierten Cirrus von aussen, von Baianus
decUvis D&^YW. 40 X.
Ein Glied des äusseren Astes des vierten Cirrus von aussen,
von Baianus dedivis Darw. 60 X-
Ein Glied des inneren (hinteren) Astes des dritten Cirrus
von aussen, von Baianus spongicola Brown. 60 X-
Dritter Cirrus von innen, von Bälanus allium Darw. 15 X.
Siebentes Glied des äusseren Astes des dritten Cirrus von
innen, von Baianus allium Darw. 60 x.
Fig. 17. Neuntes Glied des äusseren Astes des vierten Cirrus von
aussen, von einem Baianus tintinnabulum L 60 X-
^) Vergl. Sitzungsber. d. Gesellschaft naturforsch. Freunde,
Berlin, März 1887.
gesammelten Cirripedien (Acasta scuticosta sp. n.). 117
Fig. 18. Neuntes G-lied des äusseren Astes des dritten Cirrus von
aussen, von einem Baianus tintinndbulmn. 60 X.
Fig. 19. Dreissigstes Glied des äusseren Astes des vierten Cirrns
von aussen, von Baianus psittacus Mol. 40 X.
Fig. 20. Fünftes Glied des äusseren Astes des dritten Cirrus von
aussen, von Baianus amphitrite Darw. 40 X«
Fig. 21. Siebentes Glied des äusseren Astes des dritten Cirrus von
aussen, von Baianus improvisus Darw. 60 X.
Fig. 22. Zweiundzwanzigstes Glied des äusseren Astes des fünften
Cirrus von aussen, von einem Baianus tintinnahulum L. 60 X-
118 Dr. Ernst Schaff:
Beitrag
genaueren Kenntniss der diluvialen Murmeltiere.
Von
Dr. Ernst Schaff
in Berlin.
Diluviale Miirmeltierreste sind in verschiedenen Ge-
genden Europas gefunden und bald als besondere Art
beschrieben, bald einer der beiden recenten europäischen
Arten zugerechnet worden, ohne dass jedoch immer die
bezüglichen Angaben mit genügender Sicherheit gemacht
werden konnten. In der folgenden Arbeit soll gezeigt
werden, dass die fossilen Murmeltiere aus der Gegend
von Aachen sowie vom Unkelstein am Rhein einer der
beiden noch jetzt in Europa lebenden Arctomys- Arten
und zwar, um es gleich vorweg zu nehmen, Arctomys
marmotta angehören.
Das Material zu den vorliegenden Untersuchungen
verdanke ich der Liebenswürdigkeit der Herren Prof.
Dr. Holzapfel in Aachen und Prof. Dr. Nehring in
Berlin. Es stammt wie erwähnt von zwei Fundorten,
nämlich aus der Nähe von Aachen und vom Unkelstein
bei Remagen. Erstere Fossilien, Eigentum des Minera-
logischen Museums der Kgl. Technischen Hochschule zu
Aachen, bestehen aus 2 Oberschädeln, 2 Unterkiefer-
hältten und fast sämmtlichen Knochen eines Skelets.
Alles ist ausserordentlich schön erhalten. Zu diesen
Fossilien hatte Herr Prof. Dr. Holzapfel noch die Güte,
Beitrag zur genaueren Kenntniss der diluvialen Murmeltiere. 119
mir eine Anzahl von Oberarmen zu schicken. Alle
Aachener Reste sind von Dr. Debey gesammelt und
zwar nach der Angabe derselben im Löss, in einem Eisen-
bahn-Einschnitt in der Nähe des Willkommsberges bei
Aachen. Nach einer Mitteilung Prof. Holzapfels ist
indessen „eigentlicher Löss nicht vorhanden, wenn
auch in den betr. Ablagerungen Helix hispida, Suecinea
oblonga und Papa mnscorum vorkommen. Häufig ist der
(grössere Mengen Kalk enthaltende) Lehm wie bei Süstern
ganz innig mit dem Material der darunter liegenden
Kreideschichten, losen, feinen Glaukonitsanden bei Süstern,
gemengt und manchmal waltet auf kurze Strecken
geradezu dieser Grünsand vor den eigentlichen Lehm-
bestandteilen vor. Dann finden sich gewöhnlich eckige
Hornstein- und Feuerstein-Bruchstücke beigemengt."
Der zweite Teil meines Materials, welchen mir Herr
Prof. Dr. N eh ring anvertraute, stammt aus dem über
den Unkelsteiner Basalten lagernden Löss, wo sich
die Murmeltier - Überreste zusammen mit zahlreichen
Resten anderer Säugetiere fanden. Die Sachen gehören
seit kurzem der Zoologischen Sammlung der Kgl. Land-
wirtschaftlichen Hochschule in Berlin und stammen aus
der Schwarze'schen Sammlung in Remagen. Es sind ein
fast vollständiger Schädel, mehrere Unterkiefer-Fragmente
und zahlreiche, leider meist beschädigte sonstige Skelet-
teile.
Zur Vergleichung konnte ich folgendes osteologisches
Material verwenden. 1) Aus der Zool. Sammlung der
Kgl. landwirtschaftlichen Hochschule: 6 Schädel von
Arctomijs marmotta, 2 Schädel von .4. bohac, 2 Schädel
und 1 Skelet von .1. monax. 2) Aus der Privatsammlung
des Herrn Prof. Dr. Nehring,^ welche derselbe mir mit
derselben Liebenswürdigkeit zur Verfügung stellte wie
die ihm unterstellte Zoologische Sammlung: 2 Schädel
sowie Skeletteile von Ä. marmotta, einige Extremitäten-
knochen von A. bobac (leider ohne Humerus) und 2 Schädel
von A. monax. 3) Aus dem Zoologischen Museum der
Berliner Universität durch gütige Erlaubniss des Herrn
120 'Dr. Ernst Schaff:
Prof. Dr. V. Martens: 2 Schädel von A. hohac und 1
Skelett (unvollst.) von A. marmotta.
Schliesslich konnte ich noch das im Paläontologischen
Museum hierselbst befindliche, ebenfalls von Dr. Debey
bei Aachen gesammelte Material von Arctomys (A. Noae
Deb.) zur Untersuchung benutzen. Herr Prof. Dr.
Dam es hatte die grosse Freundlichkeit, mir die betr.
Fossilreste zur Verfügung zu stellen.
Es sei mir gestattet, an dieser Stelle den Herren
Prof. Dr. Holzapfel, Prof. Dr. Nehring, Prof. Dr.
V. Martens und Prof. Dr. Dam es für die mir in freund-
lichster Weise zu teil gewordene Unterstützung meinen
verbindlichsten Dank abzustatten.
Ehe ich an die Darstellung meiner eigenen Unter-
suchungen gehe, halte ich es für zweckmässig, einen
kurzen Überblick über die bisher veröffentlichten Angaben
über diluviale Murmeltiere zu geben. Zu Anfang der
dreissiger Jahre beschrieb K aup i) einen Fund von Eppels-
heim und bildete daraus die Spezies Arctomys primigeniiLs,
die sich aber nur wenig von A. marmotta unterscheidet.
Weitere Funde von Oelsnitz, Cannstadt, Mosbach und
Kästrich veranlassten Hensel zu der Meinung, dass A.
'primigenius von A. martnotta nur durch die Grösse oder
vielmehr, da diese keinen spezifischen Unterschied bilde,
gar nicht verschieden sei. ^) Einen interessanten Fund
aus den Kankhara-Höhlen im Altai, den Fischer von
Waldheim beschreibt, trennt Giebel von A. primigenius
als A. spelaeus ab.*^) Dieser letzteren Art schreibt Hensel
1. c. ebenfalls einen Schädel (unbekannter Herkunft)
aus dem Breslauer zootomischen Museum zu. In einer
späteren Abhandlung 4) erklärt Hensel den zuletzt er-
wähnten Schädel mit Entschiedenheit für einen Bobac
') Kaup, Description d'ossemens foss Darmstadt 1832 — 1835.
4. V. p. 110.
'^) R. Hensel, Ein Beitrag zur Kenntniss fossiler Überreste aus
d. Gattg. Arctomys. Nova Acta Acad. Leop. XXIV. P. I. p. 295—306.
^) Giebel, Fauna der Vorwelt. I. p. 82.
*) R. Hensel, Mammalogische Notizen. Im Archiv f Natur-
gesch. 1879 I. p. 198—210.
Beitrag zur genaueren Kenntniss der diluvialen Murmeltiere. 121
und vermutet das Gleiche von Kaup's A. primigeaias
und von Aachener Resten, welche Giebel als A. marmotta
bestimmt hatte. Brandt hält ebenfalls den aus den
Khankhara-Höhlen stammenden Schädel für ^1. bohac.
1876 beschrieb Prof. Dr. N eh ring Murmeltierfunde von
Westeregeln und macht es sehr wahrscheinlich, dass
dieselben zu A. hohac gehören, i) Dagegen scheinen
Reste von Langenbrunn nach letztgenanntem Autor von
A. marmotta zu stammen. Prof. Liebe beschreibt 1878
Funde aus der Lindenthaler Hyänenhöhle, die er, wie
auch Giebel, früher für Marmotten gehalten hatte, als
dem Bobac näher stehend und fügt hinzu, dass es gerecht-
fertigt sei, die thüringischen diluvialen Murmeltiere als
gemeinsame Stammart der jetzt lebenden beiden euro-
päischen Arten anzusehen.-) In seinen „Quaternären-
Faunen von Thiede und Westeregeln" wiederholt Prof.
N eh ring seine früher geäusserte Ansicht, dass das
Murmeltier von Westeregeln ein Bobac sei. Letztere
Ansicht erklärt Hensel entschieden für richtig, so
dass also nach ihm die Murmeltiere von Westeregeln,
aus den Khankhara-Höhlen, sowie das Exemplar des
Breslauer zootomischen Museums sicher, die von Gera
und Aachen, sowie Kaup's A. primigenias sehr wahr-
scheinlich mit A. bobac identisch sind. 3)
Lange Zeit hat man den Bobac für kleiner als die
Marmotte gehalten. Hensel war der Erste, welcher,
gestützt auf ein reicheres Material, als es frühere Autoren
gehabt, den Nachweis führte, dass der erwachsene Bobac
das erwachsene Alpenmurmeltier an Grösse übertrifft.
Es findet sich bei Giebel (Säugetiere) 1859 schon eine
richtige Angabe, die aber, wie es scheint, übersehen ist.
Dieses Verhalten, welches Hensel hauptsächlich aus der
Untersuchung und Messung von Schädeln nachweist, kann
ich vollkommen bestätigen, nicht nur für den Schädel,
1) Zeitschr. f. d. ges. Naturwissensch. 1876. XL VIII. p. 231— 236.
"") Zool. Garten XIX 2878 p. 33—41.
^) R. Hensel, Mammalogische Notizen. Im Arch. f. Naturgesch.
1879. I. p. 198—210.
122 Dl'. Ernst Schaff:
sondern auch für eine Anzahl von Skeletteilen. Selbst
ein ganz ausserordentlich starkes Alpenmurmeltier aus
der Hohen Tatra wird in den Dimensionen des Skelets
noch von einem Bobac übertroffen. Die Schädel und
Skeletteile der Aachener und Unkelsteiner Murmeltiere
übertreffen die entsprechenden Teile der recenten Mar-
motte um ein beträchtliches Maass und stehen in dieser
Beziehung scheinbar dem Bobac näher. Aber erwiesener-
massen zeichnen sich viele der diluvialen Säugetiere vor
den jetzt lebenden Vertretern der gleichen Arten durch
bedeutende Grösse aus und überdies sind blosse Grössen-
unterschiede kein Kriterium für die Unterscheidung der
Arten. Die Basilarlänge der Aachener Murmeltiere er-
reicht, die der Unkelsteiner übertrifft diejenige grosser
Bobacs. Die Jochbogen sind an sämtlichen fossilen
Schädeln mehr oder minder verletzt resp. fehlen ganz,
so dass sich das Verhältniss der Länge zur Breite des
Schädels nicht gut feststellen lässt.
Die Breite des Hinterhauptes im Verhältniss zur
Basilarlänge ist bei A. bobac verhältnissmässig grösser
als bei ^4. inannotta. In diesem Punkte schliessen sich
die Murmeltiere von Aachen und vom Unkelstein ent-
schieden an die Marmotten an. Während die ersteren
bei einer Basilarlänge von 91,5 mm resp. 91 mm eine
Hinterhauptsbreite von 45 mm resp. 44,8 mm haben, findet
sich diese Breite schon bei Bobacs von 80 mm Basilar-
länge. Dass die Bobacs vom Altai (cf. die Tabelle)
sämtlich eine etwas geringere Hinterhauptsbreite haben
als die Hensel'schen aus Südrussland, scheint mir zu
der Frage Veranlassung zu geben, ob etwa die central-
asiatischen Bobacs eine besondere Varietät bilden (A.
baibacüia) oder vielleicht zu einer nordamerikanischen
Form hinüberleiten z. B. zu A. monax. resp.: camtschatica.
Ein Unterschied, welcher bei allen bisher untersuchten
Schädeln ohne Ausnahme sich als stichhaltig erwiesen
hat, ist der, dass bei A. bobac das Foramen magnum
ziemlich viel breiter ist als bei A. mannotta. Hensel
giebt als Zahlen für das Verhältniss der Höhe zur Breite
Beitrag zur genaueren Kenntniss der diluvialen Murmeltiere. 1 23
des Foramen magnum an, für den Bobac 8 : 12,5, bei der
Marmotte 9 : 11,7. Dieser Unterschied ist stets vorhanden
und schon durch blosses Augenmass wahrnehmbar. Es
ist daher wichtig, dass auch hierin die von mir unter-
suchten fossilen Murmeltiere sich an A, marmoita an-
schliessen, wie aus den Maassen von Höhe und Breite
des Foramen magnum hervorgeht: 10,6 : 12,75, 11 : 12,5,
10 : 12,4.
Hen.sel führt in seinen „Mammalogischen Notizen"
an, dass bei den von ihm untersuchten Murmeltieren ein
Unterschied zwischen den beiden Arten sich im Verlauf
des hinteren Teils des oberen Randes der Schläfenbeine
geltend macht. Beim Bobac sollen sich nämlich die
oberen Ränder der Schläfenbeinschuppe im Meridian der
äusseren Ohröffnung einander etwas nähern, dann aber
ziemlich bedeutend von einander entfernen (ca. 23 mm)
und endlich auf der Höhe der Crista occipitalis enden.
Bei der Marmotte dagegen sollen sich diese Ränder nach
der erwähnten Annäherung an einander gar nicht oder
fast unmerklich von einander entfernen und nicht die
Höhe der Crista occipitalis erreichen. In diesem Merk-
mal stehen nun allerdings die Aachener und Unkelsteiner
Murmeltiere den Bobacs näher; aber ich muss gestehen,
dass ich diesem Kriterium keine grosse Bedeutung zu-
erkennen möchte, da sich an den von mir untersuchten
recenten Schädeln vollkommene Übergänge nachweisen
lassen. Eher könnte man nach meiner Meinung erwähnen,
dass bei A. marmotta die Breite der Scheitelbeine kurz
vor ihrem Vorderende merklich grösser ist als in der
Mitte, während sich die Scheitelbeine von A. bobac von
der Mitte an nach vorn constant verjüngen. Ich ziehe
diesen Punkt jedoch nicht in Betracht, da noch zu wenige
Schädel darauf hin geprüft sind; ich will aber nicht
unterlassen zu erwähnen, dass bei den Aachener Murmel-
tieren diese Verhältnisse wie bei den untersuchten recenten
Marmotten sind.
Die Stirnbeine und ihre Fortsätze bieten fernere
Anhaltspunkte für die Unterscheidung unserer beiden
124 Dr. Ernst Schaff:
Arten. Die Stirn ist beim Bobac hinter den Postorbital-
fortsätzen viel mehr eingeschnürt als bei der Marmotte;
hierin stimmen die fossilen Reste mit Ä. marmotta über-
ein. Ebenso ist die Stirn in ihrem schmälsten Teil (kurz
vor der Mitte des oberen Augenhöhlenrandes) beim Bobac
viel schmaler als bei der Marmotte. Beim Bobac con-
vergiren die oberen Ränder der Augenhöhlen nach vorn
deutlich, wenn man den Schädel von oben her betrachtet,
bei der Marmotte sind sie einander in ihrer vorderen
Hälfte fast parallel. Bei den fossilen Murmeltieren sind
sie parallel. Im Zusammenhang mit dem Verhalten der
oberen Augenhöhlenränder sind die Postorbitalfortsätze
bei unseren beiden Arten verschieden, nämlich beim
Bobac allmählich zugespitzt, auch wohl länger, während
sie bei der Marmotte schärfer und fast winklig in ihrem
Vorderrande gegen die Stirnseiten abgesetzt erscheinen
und eine kürzere Spitze besitzen. Auch dies Verhalten
finden wir bei den Murmeltieren von Aachen und vom
Unkelstein wie bei den Marmotten.
Die Nasenbeine sind beim Bobac an ihrer hinteren
Grenze breiter, dabei im Ganzen kürzer als bei dem
Alpenmurmeltier. Wie Hensel bemerkt sind die Maasse
an den Nasenbeinen nicht gut zu nehmen, da man keine
genau an allen Schädeln bestimmten Punkte zum An-
setzen des Zirkels hat. Ich verzichte deshalb darauf,
Zahlen für diese Verhältnisse in einer Tabelle zusammen-
zustellen. Der hintere Rand der Nasalia ist bei Ä. bobac
viel glatter, quer abgestutzt, bei A. mannoüa dagegen
stark und unregelmässig gezackt. Die zu untersuchenden
fossilen Schädel zeigen in diesen Beziehungen eine un-
zweifelhafte Übereinstimmung mit Ä. inarmoita. Auf
einer Profilansicht erscheint der Schnauzenteil des Schä-
dels, besonders die Oberseite, beim Alpenmurmeltier
mehr gekrümmt als beim Steppenmurmeltier. Die Fossil-
reste zeigen eine durchaus marmottenähnliche Krümmung
der Schnauze. Die Länge des Unterkiefers vom Innen-
rand der Alveole des Nagezahns bis zum Hinterrand des
Condylus liefert ebenfalls einen Anhaltspunkt für unsere
Beitrag zur genaueren Kenntniss der diluvialen Murmeltiere. 125
Untersuchungen. Diese Distanz ist nämlich beim Bobac
im Durchchnitt ziemlich viel grösser als bei der Mar-
motte. Das Verhältniss der Unterkieferlänge zur Basilar-
länge ist beim Bobac im Durchschnitt 67 : 81, bei der
Marmotte 58 : 80. Da unsere fossilen Murmeltiere bei
reichlich 90 mm Basilarlänge nur durchschnittlich 65 bis
66 mm ünterkieferlänge haben, so spricht dies ebenfalls
für ihre Zugehörigkeit zu A. marmotta.
Ein höchst wichtiges Kriterium, welches besonders
von Prof. N eh ring hervorgehoben ist, bietet sich im
Verhalten des unteren Prämolars. Derselbe ist nämlich
im definitiven Gebiss von A. marmotta dreiwurzelig, von
A. bobac hingegen zweiwurzelig. Es ist jedoch bei dem
Steppenmurmeltier die hintere Wurzel breit und weist
bisweilen noch Spuren einer Verschmelzung aus zwei
ursprünglich getrennten Wurzeln auf. Andrerseits ist
bei dem Alpenmurmeltier in einigen Fällen eine teilweise
Verschmelzung der beiden hinteren Wurzeln bemerkt
worden. Von Aachen liegen mir zwei wohl erhaltene
ünterkieferhälften vor, welche nicht zu demselben Schädel
gehören. Bei dem einen fehlt der untere Prämolar, die
unverletzten Alveolen zeigen aber, dass der Zahn drei
völlig gesonderte Wurzeln gehabt hat. In der anderen
Unterkieferhälfte ist der Prämolar vorhanden und lässt
sich aus der Alveole herausziehen. Die beiden hinteren
Wurzeln sind im oberen Teil mit einander verwachsen,
die unteren Enden aber sind deutlich getrennt. Im
Paläontologischen Museum der Berliner Universität unter-
suchte ich noch weitere 5 Unterkieferhälften und fand bei
vieren derselben den Prämolar deutlich dreiwurzelig; bei
dem fünften fehlte der Zahn, doch waren drei Alveolen vor-
handen. Vom Unkelstein liegen^ mir vier Unterkieferäste
vor, w^elche zu mindestens drei, vielleicht zu vier ver-
schiedenen Schädeln gehört haben. Bei dreien derselben
ist der Prämolar mit drei scharf gesonderten Wurzeln
versehen, beim vierten ist, ähnlich wie bei dem einen
Aachener Exemplar eine Verwachsung, aber fast in der
ganzen Länge der hinteren Wurzeln bemerkbar. Als
126 Dr. Ernst Schaff:
eiu weiterer Unterschied am untern Prämolar wird an-
geführt, dass A. marniotta an demselben vorn einen kleinen
Vorsprung- besitzen soll, der beim Bobac fehlt. Ich
möchte dieses Merkmal aber mit grösster Vorsicht benutzt
sehen, da Verschiedenheiten nicht nur durch Abkauung,
sondern auch bei fast gleichen Zahnverhältnissen beim
Alpenmurmeltier vorkommen. Die in dem Paläonto-
logischen Museum der Universität befindlichen Exemplare
besitzen alle den Vorsprung, der eine dem Mineralogischen
Museum zu Aachen gehörige Prämolar ebenfalls, die
meisten vom Unkelstein desgleichen, während er bei
einigen sehr reduzirt ist. Trotz dieses letzten Falles stehe
ich nicht an, auch in den Zahnverhältnissen eine Über-
einstimmung der diluvialen Murmeltiere von Aachen und
vom Unkelstein mit .1. marmotta für erwiesen zu halten.
Eine Vergleichung der fossilen Extremitätenknochen
und der Wirbel war insofern erschwert, resp. unmöglich
gemacht, als an recentem Material vom Bobac mir nur
2 Unterarme, 2 Unterschenkel und 2 Schlüsselbeine zur
Verfügung standen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich
darauf aufmerksam machen, dass in den meisten Samm-
lungen sich durchaus ungenügendes resp. gar kein osteolo-
gisches Material von A. hohac^ einem zur europäischen
Fauna gehörigen Tier, befindet. Ich habe mich bei der
vorliegenden Arbeit an verschiedene Sammlungen, wo
Material vermutet wurde, vergebens gewandt. Herr Prof.
Nehring hatte die grosse Güte, nach St. Petersburg zu
schreiben, allein auch dort war das Material ungenügend
resp. zweifelhaft. Dass übrigens die Erlangung von
Bobacs nicht so ganz schwierig ist, geht aus einer Be-
merkung Hensel's hervor, welcher von einem früheren
Schüler sieben Schädel ausgewachsener Bobacs auf ein
Mal erhielt. Sollte sich vielleicht sicher bestimmtes
Material von ^1. bohac in irgend einer Sammlung finden,
so würde mich eine kurze Mitteilung zu grossem Dank
verpflichten.
Meine Untersuchungen mussten sich bei den Extremi-
täten der fossilen Murmeltiere zur Hauptsache auf eine
Beitrag ziu* genaueren Kenntnis;« der diluvialen Murmeltiere. 127
Vergleichung mit den betr. Teilen von A. marmotta be-
schränken.
Ein vorzüglich erhaltenes linkes Schulterblatt von
Aachen hat im Wesentlichen die Grösse, welche ich an
einer sehr starken Marmotte von der Hohen Tatra messen
konnte. Die Entfernung von der Hinterecke bis zum
Rande der Gelenkfläche für den Oberarm ist vollkommen
die gleiche bei dem fossilen und dem recenten Exemplar.
Die Breite der fossilen Scapula ist wenig grösser. In
den Umrissen weichen beide Knochen insofern etwas
von einander ab, als bei dem fossilen die Ecken etwas
schärfer hervortreten, die Ränder etwas stärker, wulstiger
sind und das Acromion breiter und kräftiger entwickelt
ist als bei dem recenten; es erscheint überhaupt der
fossile Knochen plumper als der recente. Gaudry führt
in seinen „Materiaux pour l'histoire des temps quater-
naires" p. 27 Reste von Murmeltieren an und ^agt, dass
sie der lebenden Marmotte sehr ähnlich, aber etwas
grösser und vielleicht etwas plumper sind. Das trifl't
vollkommen zu. Höchst auffallend und auf einem Irrtum
beruhend ist aber eine weitere Angabe über den Ober-
arm. Es heisst da: „On a represente pl. II. Fig. 7 et 8
un humerus qui differe de ceux des marmottes ordinaires
en ce qu'il presente une arcade pour le passage de
l'artere brachiale Das ist, wie gesagt, vollkommen
unrichtig. Die lebenden Alpenmurmeltiere besitzen diese
Brücke oder „arcade^' am unteren Ende des Humerus
(cf. Nehring in G. Schwarze, die foss. Tierreste vom
Unkeist. Verhandl. d. naturhist. Ver. der preuss. Rheinl.
etc. XXXVI p. 12).
Von fossilen Oberarmen untersuchte ich aus Aachen
fünf vollständige und drei beschädigte, vom Unkelstein
zwei Fragmente. Hierzu kommen noch vierHumeri aus dem
Paläontologischen Museum der Universität. In der Grösse
wechseln die vollständigen Knochen ziemlich bedeutend.
Die grössten übertreffen in jeder Dimension die grössten
recenten Humeri, welche ich zur Vergleichung hatte;
die kleinsten sind wenig schwächer als mittelgrosse
128 Dr. Ernst Schaff:
Oberarme von A. mavmoüa. Ein Vergleich der fossilen
und recenten Humeri ergab im Wesentlichen nur stärkere
Entwickelung und weniger schlanke Form der ersteren.
Interessant ist das Verhalten der Knochenbrücke über
dem Condylus internus, auf welches Herr Prof. N eh ring
in der Januarsitzung der Gesellschaft naturforschender
Freunde hinwies (cf. Sitzungsber. d. Ges. nat. Fr. 1887. 1).
Zu der von Herrn Prof. N eh ring gegebenen Über-
sicht über das Vorkommen oder Fehlen der Knochen-
brücke am Humerus der diluvialen Murmeltiere könnte
noch hinzugefügt werden, dass nach Gaudry (Mat. p.
rhist. des temps quat. p. 27) die Humeri von Sainte-
Suzanne bei le Maus ohne Brücke sind, mit Ausnahme
eines, der sie vollständig und eines, der sie rudimentär
besitzt. Ferner möchte ich noch ein Factum anführen,
welches für die Knochenbrücken - Angelegenheit von
Interesse ist, und auf welches mich Herr Prof. N eh ring
aufmerksam machte. An einem aus dem Kalktuif von
Königslutter ausgegrabenen Iltis-Humerus ist keine Spur
der Brücke bemerkbar, während alle Iltisse (resp. Muste-
liden überhaupt) der Jetztzeit stets die Brücke in wohl-
entwickelter Ausbildung zeigen.
Zwei Fälle sind möglich: entweder die Knochen-
brücke am Humerus der diluvialen Murmeltiere war
weniger erhaltungsfähig — dagegen spricht entschieden
die Bildung der etwa vorhandenen Spuren der Brücke,
während dafür sich nichts sagen lässt — oder das Vor-
handensein der Brücke war in der diluvialen Epoche
weniger constant als jetzt. Gegen die letztere Ansicht
lässt sich nichts sagen, die Thatsachen sprechen voll zu
ihren Gunsten, also ist kein Hinderniss vorhanden, sie
als die richtige anzunehmen. Ob in vordiluvialen Zeiten
die Knochenbrücke einmal ein anderes Verhalten gezeigt
hat oder welcher Art der Ursprung der Brücke über-
haupt ist, das sind Fragen, welche hier nicht zu berück-
sichtigen sind. Ül)er das Vorhandensein oder Fehlen
der Humerusbrücke bei den Amnioten giebtDollo eine
Übersicht, die jedoch nicht ohne Unrichtigkeiten ist
Beitrag zur genaueren Kenntniss der diluvialen Murmeltiere. 129
(M. L. Dollo, Premiere iiote sur le Simoedosaurus d'Er-
quelinnes. Extrait du Bull, du Mus. royal d'hist. nat. de
Belg-ique. Tome III. 1884.) (cf. Sitzungsber.Nat.Fr. 1887,1).
Hinsichtlich des Schlüsselbeins finde ich nichts zu
bemerken. Die Ulna ist wiederum im Verhältniss zu
der von A. marmotta sehr kräftig* entwickelt. Da die
Geleilkflächen oben und unten an den fossilen Knochen
beschädigt sind oder ganz fehlen, so lässt sich ihre
Länge nicht genau feststellen. Doch fällt neben der
ülna eines starken Alpenmurmeltiers die Plumpheit
der fossilen auf.
Eine linke Beckenhälfte von Aachen lässt ausser
in der Grösse keinen bemerkenswerten Unterschied sehen.
Höchstens scheint die vor der Gelenkgrube liegende spina
des Hüftbeins etwas weniger hervorzuragen als es bei
der Marmotte der Fall ist. Es kann dies aber auf
mechanischen sekundären Einwirkungen, Abreiben, Ab-
stossen etc., beruhen.
Von den beiden nicht zu einem und demselben Indi-
vidium gehörigen Oberschenkeln ist der eine in der
oberen Hälfte merklich schlanker als der andere. In
den Gelenkflächen und den Trochanteren ist keine Ver-
schiedenheit zu bemerken. Im Ganzen ist auch hier
nur eine stärkere Entwickelung des Knochens zu con-
statiren. Die Abbildungen in dem mehrfach citirten
Werke von Gaudry passen fast vollkommen auf die
Aachener Fossilien.
Die Tibia der recenten Marmotten ist bedeutend
zierlicher als bei den fossilen Murmeltieren.
Die Vergleichung der fossilen Wirbel musste sich
bei der Feinheit der etwaigen Unterschiede wegen nicht
genügenden Vergleichsmaterials auf die Untersuchung
der Beckenwirbel beschränken. Von dem Os sacrum aus
Aachen sind drei Wirbel vorhanden; es ist aber ersichtlich,
dass noch ein vierter vorhanden gewesen ist. Zwei teil-
weise zusammengedrückte und zertrümmerte Fragmente
Aich. f. Naturgesch. 53. Jahrg. Bd. I. 9
130 Dr. Ernst Schaff:
von Wirbelsäulen vom Unkelstein zeigen sehr deutlich
vier Beckenwirbel. Hensel führt an, dass bei den von
ihm beschriebenen Fossilien aus dem Breslauer zooto-
mischen Museum das Kreuzbein aus drei Wirbeln bestehe
und von einem alten Tier herrühre. Später erklärt er
auf das Bestimmteste, dass diese Reste einem Bobac
angehörten. Falls diese Angaben richtig sind, falls also
der erwachsene Bobac drei Beckenwirbel hat, während
die Marmotten vier besitzen, so wäre ein weiterer, voll-
gültiger Beweis geliefert, dass die Murmeltiere von
Aachen und vom Unkelstein Marmotten waren. Ich
möchte jedoch die Möglichkeit betonen, dass an dem von
Hensel beschriebenen Kreuzbein ein Wirbel verloren
gegangen sei, ebenso wie es bei dem Aachener Kreuz-
bein der Fall ist. Wahrscheinlich haben alle Arctomys-
arten im erwachsenen Zustand vier Kreuzbeinwirbel,
A, marmotta sicher und, soweit meine Untersuchungen
reichen, A. monax ebenfalls.
Die Extremitätenknochen vom Unkelstein gleichen,
soweit ihr Erhaltungszustand eine Untersuchung zulässt,
denen von Aachen. Sie rühren, wie aus den Grössen-
Unterschieden hervorgeht, von Tieren sehr verschiedenen
Alters her.
Die Ergebnisse der vorstehenden Untersuchungen
lassen sich dahin zusammenfassen, dass die diluvialen
Murmeltiere von Aachen und vom Unkelstein bei Remagen
in allen wesentlichen Merkmalen völlig mit der recenten
Arctomys marmotta L. Übereinstimmen.
Beitrag zur genaueren Kenntniss der diluvialen Murmeltiere. 131
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132 Dr. Ernst Schaff: Beitrag.
Nachtrag.
Beim Schluss der Arbeit erfuhr ich, dass im hiesigen
anatomischen Museum entgegen einer früheren Angabe
sich doch ein Arctomys-Skelett befinde. Herr Geheimrat
Prof. Dr. Waldeyer hatte die Güte, mir dasselbe zur
Vergleichung zur Verfügung zu stellen, wofür ich hier
meinen besten Dank ausspreche. Das Skelet erwies
sich als das lange gesuchte eines Bobac, doch musste
leider gleichzeitig constatirt werden, dass das Tier (wohl
in Folge von Gefangenschaft) knochenkrank gewesen
und dass daher das Skelet für eine Vergleichung an-
nähernd unbrauchbar sei. Am Humerus konnte ich
jedoch das bisher nicht bekannte Vorhandensein der
Knochenbrücke constatiren.
Zum Schluss gestatte ich mir nochmals die Bitte
um etwaige Mitteilungen über sicher bestimmtes osteolo-
gisches Material von Ärctomys bobac.
-^fH$-
KioH'si Bnchdruckeiei, Berlin S., Sebastianstrasse 76.
Die Larve von Culex iiemorosiis.^)
Ein Beitrag zur Keiintniss der Insekten-Anatomie und Hittologie.
Von
E. Walther Raschke,
Leipzig.
Die sowohl durch ihr häufiges Vorkommen als auch
durch ihre energische Lehensthätigkeit den Naturfreunden
und Zoologen wohlhekannten Culexlarven sind hereits
frühzeitig in den Bereich hiologischer und anatomischer
Untersuchungen gezogen worden. Sei es nun, dass geist-
reiche Beobachter und tüchtige Anatomen wie Swammer-
dam, Reaumur und de Geer diesen Wesen ihre Auf-
merksamkeit schenkten, oder dass andere weniger wissen-
schaftlich angelegte Männer in ihren ,, Physikalischen
oder Mikroscopischen Augenhelustigungen" dieser Thiere
Erwähnung thun, oder dass endlich wieder Andere, der
Richtung ihrer Zeit folgend, die Culexlarven deshalb
ihrer Beachtung für werth hielten, weil sie in letzter
Instanz nach Erörterung tiefsinniger philosophischer
Probleme nur den Satz: „Culex utut exiguum animal
mirum tamen Dei opus" zu beweisen beabsichtigten, i)
Trotz der vielen Hinweise auf^ die hochinteressanten
') Vergl. meine vorläufige Mittheihmg im Zoologischen Anzeiger
vom 3. Januar 1887, pag, 18.
2) Die in der Bibliotlieca zoologica von Carus unter Culex an-
geführte Arbeit „Schönbauer Geschichte der schädlichen Kolumbatzer
Mücken im Bannat" handelt, wie man aus der beigefügten Abbildung
^eicht ersehen kann, von einer Bibionide der Simulia columbacscheusis.
Arch. f. Naturgesch. 53. Jahrg. Bd. I. **
134 E. Walther Raschke:
histologischen und anatomischen Verhältnisse der Culex-
larve hat sich doch bisher kein Untersucher gefunden,
der den Fragen, die sich dem heutigen Insektenzer-
gliederer aufdrängen, in Bezug auf oben genanntes Thier
näher getreten ist.
Allerdings exi stiren aus der neusten Zeit einige
Untersuchungen, 1) in denen der Culexlarven kurz Er-
wähnung gethan wird, sogar zwei Arbeiten, die sich
speziell mit der Culexlarve beschäftigen, 2) allein diese
Abhandlungen sind sämmtlich unvollständig und erheben
sich zum Theil nur wenig über das Niveau der älteren
Untersuchungen.
Auf einzelne Punkte dieser Abhandlungen komme
ich im Verlaufe meiner Arbeit zu sprechen.
Vorliegende Arbeit, die sich lediglich mit der Larve
von Culex nemorosus beschäftigt, dürfte daher manches
Interessante und Neue liefern.
Die Culexlarven bevölkern in ungeheuren Mengen
meist im Frühjahr und Frühsommer stagnirende Wässer,
woselbst die Weibchen der Imagines ihre Eier abzulegen
pflegen. Die jungen Lärvchen gleichen, wenn man von
einigen ganz geringen Formverschiedenheiten absieht, in
der Lebensweise und Gestalt den ausgewachsenen Thieren.
Letztere erreichen eine Grösse bis zu 1'2 mm. Ueber
die Dauer des Larvenlebens lassen sich absolute Zahlen
nicht angeben, dieselbe ist ganz und gar von den je-
weiligen Temperaturverhältnissen abhängig. Nur die
ganz jungen und kurz nach einer Häutung stehenden
Larven sind etwas durchscheinend; sonst ist ihre Farbe
gelblich, gelblichbraun bis schwärzlich.
Nicht selten begegnet man, jedoch immer nur an
1) J. A. Palmen, Zur Morphologie des Tracheensystems.
Ritter von Wielowiejski, Ueber das Blutgewebe der In-
sekten. Zeitschr. f. w. Zoologie Band XLIII. 3. Leipzig 1886.
2) Gr. Hall er, Ueber das Athmungsorgan der Stechmücken-
larven. Troschels Archiv für Naturgeschichte Band XLIV.
Berlin 1878.
De eucephale Myggelarver von Fr. Meinert. Kopenhagen 1886.
Die Larve von Oiüex nemorosus. 135
bestimmten Territorien, Larven, die besonders im Sonnen-
lichte eine intensive grüne Färbung- zeigen. Ob dies
eine Interferenzerscheinimg ist oder von chlorophyll-
haltiger Nahrung herrührt oder, was mir am Avahrschein-
lichsten erscheint, da ich es nur bei älteren Larven be-
obachtete, ob es durch die energischen chemischen Vor-
gänge im Blutgewebe bedingt ist, wage ich nicht mit
Sicherheit zu entscheiden.
Der Stamm des Körpers und seine Mechanik.
Der Gesammtbau der Culexlarve schliesst sich den
im Wasser lebenden Nemocerenlarven an. Der Kopf
ist eine starke chitinöse Kapsel, mehr breit als lang.
Seitlich auf besonderen Vorsprüngen über den doppelten
schwarzen Augen sitzen die Antennen.
Die typischen Theile der Mundwerkzeuge sind
sämmtlich vorhanden. Besonders in das Auge fallend
ist die buschige Oberlippe, die fast fortwährend in Be-
wegung ist und so, wie schon Swammerdam beobachtet
hat, die fein zertheilten, im Wasser suspendirten, festen
Substanzen, die dem Thiere zur Nahrung dienen, in den
trichterförmigen Pharynx hineinstrudelt. Doch frisst es
nicht selten mit seinen kräftigen Oberkiefern an Pflanzen,
Häuten von Insekten u. s. f. herum.
Die Nahrungsaufnahme ist eine sehr starke und
ebenso, wie wir später sehen werden, der Gasaustausch;
überhaupt sind die Lebensäusserungen unserer Larve
sehr energische.
Am cylindrischen Leib des Thieres, der sich mit
dem Kopf durch einen engen Halstheil (Fig. 1. k) ver-
bindet, finden sich die typischem zwölf Leibesringe, von
denen die ersten drei zum Thorax verwachsen sind. Am
vorletzten!) Gliede hebt sich im stumpfen Winkel vom
Rücken nach oben eine kräftige ohngefähr drei Leibes-
') Hai 1er bezeichnet dies als letztes Glied und das Glied,
welches ich als zwölftes bezeichne, als einen dem letzten Gliede an-
stehenden Höcker.
136 E. Walther Raschke:
glieder lange Röhre, das Athemrohr (Sipho), ab. Im
stumpfen Winkel vom Bauche nach unten geht das letzte
Leibesglied hervor.
Die Bewegungsthätigkeit der Larve ist bei der Art
der Nahrungsaufnahme natürlich eine sehr rege. Die
Bewegung selbst wird durch rasches Zusammenschnellen
des Körpers erzielt. Mit Hilfe eines am Ende des Athem-
rohres sich befindlichen, sinnreichen Mechanismus (Fig. 1
und 2, k^ k^ k^) vermag sich die Larve längere Zeit ge-
wissermassen an der Wasseroberfläche aufzuhängen, um
hier atmosphärische Luft zu athmen. Es ist zweifellos,
dass die physiologische Bedeutung des Sipho mit den
in ihm aufsteigenden zwei starken Tracheenstämmen
nicht nur die eines Luftathmungsapparates, sondern auch
die eines hydrostatischen Apparates ist.
Hautskelet und Hautmiiskulatur.
Die Chitinhaut hat das Aussehen und die Beschaifen-
heit einer homogenen Cuticula, sie ist am Kopf und
Athemrohr sehr kräftig und verdickt sich am letzten
Leibessegment nach der Rückenseite zu einem starken
Chitinschildchen (Fig. 2 as).
Die Matrix der Chitine, die Hypodermis, ist eine
continuirliche Lage von Zellen, welche polygonal sind.
Ihre Conturen und Kerne werden erst durch Essigsäure
markirt. Das kernige bräunliche Pigment ist an die
weiche Zellschicht gebunden.
Aus der äusseren Fläche des Hautskelets ragen
zahlreiche Auswüchse in Form von Zapfen und Haaren
hervor, deren Gestalt in grosser Mannigfaltigkeit variirt.
Die dicke Chitinhaut des Kopfes und Athemrohres zeigt
eine Menge kurzer Erhebungen, welche unregelmässig
polygonal angeordnet sind; in den Flächen dieser Po-
lygone stehen ordnungslos andere kürzere Chitinbuckel
(Fig. 3). Auf dem oben angeführten Schildchen des
letzten Gliedes sind die Zäpfchen bedeutend grösser,
haben jedoch keine polygonale Anordnung (Fig. 2, as).
Die Larve von Culex nemorosiis. 137
Auch die übrige Haut, welche eine zarte Fältelung zeigt,
ist mit derartigen Auswüchsen reich besetzt.
Seitlich des vorletzten Leibesgliedes stehen eine
grössere Anzahl Borsten, wie sie Fig. 4 .4 und Fig. 2, 7j
zeigen. Ebenso zeigen Fig. 4 B und Fig. 1 u. 2, 7A^ Form
und Anordnung einer Reihe eigenthümlicher Borsten des
Athemrohres.
Ausser den angeführten Zäpfchen und Borsten finden
sich an jedem Leibesgliede, Kopf und Sipho nicht aus-
genommen, und zwar mehr seitlich, lange sich weit in
das umgebende Medium erstreckende Haare. Diese sind
entweder ganz einfach, oder aus einem gemeinsamen
Stamm gehen zwei oder mehrere Haare hervor, die ent-
weder ungefiedert oder vielseitig gefiedert sind. (Fig. 5,
A u. B.) Ihre Einpflanzung in die Haut verhält sich
folgendermassen: Die Cutis verdickt sich in der Gegend
jeder Einpflanzungsstelle und bildet einen Wall (Fig. G),
innerhalb dessen die Borste, knopfartig verdickt, be-
weglich eingelenkt ist. An einigen Stellen bildet der
Wall noch zäpfchenartige Erhebungen, oder es gehen
aus oder neben ihm kleinere Haare hervor. Alle diese
Gebilde mögen dem grossen Haare als Schutzmittel dienen.
lieber die physiologische Bedeutung dieser Haare
soll weiter unten beim Kapitel Orientirungsapparate ge-
sprochen werden.
Als Hautgelnlde ist noch das am Ende des letzten
Gliedes sich bauchständig befindende Steuerruder zu
erwähnen (Fig. 2, ir^. Dasselbe ist ein Complex hinter-
einander liegender Büschel von ungefiederten Haaren.
Der gemeinschaftliche Stamm eines jeden Büschels theilt
sich in zwei Schenkel, welche das nach unten kielartig
zugespitzte letzte Körperglied umfassen. Die sich zu-
spitzenden Schenkel gehen jederseits in eine leisten-
artige Verdickung der Chitinhaut über.
Dies derartig befestigte, zierliche, fächerartige Steuer-
ruder ist eine rein cuticulare Bildung und mangelt jeder
Muskulatur.
^y.
138 E. Walther Easchke:
Die Muskeln setzen sich durch das Sarkolemma, eine
zarte Haut mit zahlreichen runden Kernen, direkt an die
Haut an, oder sie inseriren, wie es im Kopf und Athem-
rohr geschieht, durch sogenannte Pseudosehnen, starre
Ausläufer des Chitinskelets.
Die Oliedmassen und ihre Meclianik.
a. Die Fühler.
Die beiden über den Augen seitlich der Stirn auf
besonderen Vorsprüngen der Kopfkapsel sitzenden An-
tennen bestehen aus einem Stück und sind starke, chitinöse,
leicht gebogene Eöhren, die sich nach dem Ende zu nur
wenig verjüngen. Ohngefähr im zweiten Drittel seiner
Länge bildet der Fühler einen Absatz, von dem aus und
zwar von einem gemeinschaftlichen Knopf sich ein Fächer
langer gefiederter Haare abhebt (Fig. 1, ah). Am Ende
ist die Antenne gewissermassen schräg abgestumpft, und
auf der dadurch entstandenen Fläche sitzen dreifach ver-
schiedenwerthige Haare. (Fig. 7, Aj, /ig, A3.)
Die ganze Antenne ist mit kurzen Borsten bedeckt.
(Fig. 1, at)
Hire Beweglichkeit ist gering. Sie wird durch einen
einzigen ziemlich schwachen Muskel vermittelt, der sich
an die Basis anheftet, und dann, nachdem er den Stirn-
fortsatz frei durchlaufen hat, an den hinteren Kopfrand
tritt. Die Gelenkhaut (Fig. 1 u. 8, eg)^ durch welche der
Fühler mit der Kopf kapsei verbunden ist, hat eine
elastische Beschaffenheit.
b. Mundwerkzeuge.
Die Mundarmatur der Culexlarve ist im allgemeinen
so, wie wir sie bei den kauenden Insekten zu finden
pflegen, und zwar lassen sich sämmtliche typische Theile
des Mundes, welche im Kreise rings um die Schlund-
öfPnung angeordnet sind, leicht unterscheiden.
Ich wende mich zunächst zur Oberlippe.
Die Larve von Culex nemorosus. 139
Dieselbe nimmt, da sie nicht allein verhindern soll,
dass die Nahrung wieder nach aussen gelangt, sondern
da ihr auch das Geschäft der Zuführung der Nahrungs-
theilchen obliegt, bezüglich ihrer Grösse und Mechanik
eine hervorragende Stellung ein, wie sie der Oberlippe
im allgemeinen, wenn man von einigen anderen Dipteren-
larven absieht, nicht zukommt. Ihre Lage ist die übliche
unterhalb des vorderen Theiles des Kopfschildes, welches
hier eine polygonale Begrenzung hat.
Man kann drei Theile der Oberlippe unterscheiden,
zwei seitlich -symmetrische und einen mittleren, den
Linne und nach ihm Brülle^) palatmn benennt. Jeder
seitliche Theil entspricht seiner Gestalt nach etwa einer
Mandibel oder Maxille, welche aus einem Stück besteht.
Doch soll mit diesem Vergleiche nicht gesagt sein, dass
Brülle Recht hat, wenn er behauptet, dass die Ober-
lippe gewissermassen das oberste Kiefernpaar sei, also
nicht nur funktionell sondern auch morphologisch mit
den Kiefernpaaren eine Uebereinstimmung besitze. Viel-
mehr darf man wol annehmen, dass sich die Oberlippe
auch hier unpaarig anlegt, morphologisch also nicht als
ein Gliedmassenpaar anzusehen ist. Demnach dürfte
der Theil, den ich oben als Palatum bezeichnete, den
wesentlichen und ursprünglichen Theil der Oberlippe
darstellen, zumal er auch allein der Träger der Hypo-
dermiswucherung ist, aus der sich die Oberlippe der
Imago bildet. Es sei mir gestattet vorzugreifen und
schon an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich
Culex nemorosus in der Bildung seiner Imagotheile dem
von Weismann aufgestellten Typus Corethra anschliesst,
in Bezug auf die Mundwerkzeuge der Imago also der
Satz gilt: „Die einzelnen Theile^ des Mückenrüssels be-
sitzen eine morphologische Gleichwerthigkeit mit den
typischen Mundtheilen der Larve."
') Recherches sur les transforraations des appeiidices dans les
Articules par M. BriiUe. Amiales des sciences naturelles, troi
sieme serie.
140 E. Walther Raschke:
Die seitlichen Theile der Larvenoberlippe sind mor-
phologisch von geringem Werthe, wenngleich ihnen für
die Larve functionell eine hohe Bedeutung zugeschrieben
werden muss. Ihre untergeordnete Bedeutung spricht
sich auch dadurch aus, dass sie nicht einzeln beweglich
sind, sondern immer auch mit dem mittleren Theil zu-
sammen wirken.
Der hintere Rand der Oberlippe verbindet sich durch
eine zarte Chitinhaut mit dem vorderen Theil des Kopf-
schildes, während letzteres sich seitlich der Oberlippe
umbiegt und jederseits mit einem eigenartigen Chitin-
stück in Verbindung tritt, welches drei starre Zapfen
trägt. Der hintere Zapfen dient zur Muskelinsertion, der
mittlere tritt mit dem Palatum in Verbindung und der
vordere trägt ein mit unzähligen Haaren gespicktes
Chitinkissen, den Strudelapparat. Das Palatum ist ein
reich mit kurzen Haaren besetztes, halbkreisförmiges
Schildchen.
Die Muskulatur der Oberlippe ist sehr kräftig. Zwei
Extensoren heben die Oberlippe (Fig. 1, oea^), entfernen
sie vom Munde, und zwei Flexoren (Fig. 1, o/l) nähern
sie demselben; jedoch ist die Bewegung der seitlichen
Theile nicht einfach von oben nach unten, sondern je-
weilig von der Seite oben nach der Mitte unten.
Die beiden Muskelpaare sind kräftige breite Bänder,
die sich nach hinten zu in mehrere Bündel auflösen.
Die Extensoren liegen höher und treffen an ihrer In-
sertionsstelle weit hinten an der Kopfkapsel zusammen,
während sich die beiden anderen breiteren Muskeln mehr
seitlich und bedeutend weiter vorn inseriren. (Fig. 1,
oe.v und o/i.)
Auf die Oberlippe folgen die Mandibeln oder Ober-
kiefer, zwei wie gewöhnlich horizontal gegen einander
gehende Ausstülpungen der allgemeinen Panzerhülle, und
zwar zunächst dem Kopfschilde. Sie bestehen aus einem
Stück und tragen an ihrem Innenrande mehrere scharfe
Zähne verschiedener Grösse (Fig. 10). Ausserdem besitzen
sie zwei Reihen von Borsten. Die längere derselben
Die Larve von Culex neraorosus. 141
beginnt am äusseren Rande nnd erstreckt sich in einem
Bogen ohngefähr bis in die Mitte der oberen Mandibel-
fläche. Von dieser Stelle entspringt die zweite Reihe,
deren kürzere Borsten in der Richtung nach dem oberen
Zahn hinlaufen, um schliesslich mit einer besonders
grossen Borste, die weit über den obersten Zahn hinaus-
reicht, zu schliessen. Beide Reihen dienen als seitliches
Verschlussmittel der Mundöffnung, und die zuletzt an-
geführte Reihe wol auch zum Festhalten der Nahruugs-
theile bei der Zerkleinerung. Unterhalb der Zähne be-
findet sich eine eigenthümliche Chitinwucherung, wde sie
in 'Fig. 10, /* dargestellt ist.
Die Bewegung der Oberkiefer ist natürlich eine
geringe, aber sehr kräftig wirkende. An dem inneren
Ende der Basis setzt sich ein jeder derselben zu einer
starken Pseudosehne fort, die zweien kräftigen Muskeln,
den Anziehern, zum Ansatz dient, deren Wirkung um so
kräftiger ist, da ihre Insertionsstellen weit vom Dreh-
punkt entfernt sind. Der Abzieher, welcher bei weitem
schwächer ist, heftet sich am äussersten Punkt der
Kiefernbasis an. Daneben, nach innen zu, liegt der
feste Punkt, um den sich das Organ dreht. Die ent-
gegengesetzten Ansatzstellen der Muskeln sind am hinteren
Theil der Kopfkapsel, und zwar ist die Fixirungsstelle
eines jeden Anziehmuskels sehr breit.
Das erste Maxillenpaar ist sehr einfach, da eine
Gliederung in die bekannten Theile durchaus nicht statt-
findet. Allerdings bezeichnet Meinert den mittleren
grösseren Theil (Fig. 11, z^) als die verwachsenen lohi^
und den äusseren kleineren Theil (Fig. 11, aut) als den
Maxillartaster. Dabei bliebe dann aber immer noch die
Frage offen, was aus cardo und stipes geworden ist, da
dieselben nicht eben vollständig verschwunden sein
können.
Zum Mangel der typischen Theile kommt noch die
eigenthümliche Lage der Maxillen hinzu; sie setzen sich
an den unteren Seiten des Kopfschildes an und müssen
142 E. Walther Raschke:
daher wol auch als Erhebungen desselben angesehen
werden.
Ihre Form ist die eines platten, aus einem Theile
bestehenden, hohlen Cylinders mit einer Naht, an dessen
Spitze sich ein Büschel und an dessen innerer Seite sich
eine Eeihe von Borsten befindet. (Fig. 11.) Ueber diesen
grösseren Partieen stehen seitlich noch ähnliche aber
viel kleinere, nicht von den ersteren sondern ebenfalls
von dem Kopfschild ausgehende Chitingebilde, welche
an ihrer Spitze ebenfalls kleine starre Borsten zeigen.
(Fig. 11, ant.) Das erste Unterkiefernpaar steht der
Oberlippe gegenüber und fängt die Nahrungstheile auf
und hält sie; ich möchte es mit einem Paar platter
LöiFel vergleichen.
Man bemerkt, dass sie nur eine geringe Beweglichkeit
in der Richtung von unten nach oben besitzen, die durch
mehrere schwache Muskeln und die Gelenkhaut, welche
die Maxillen mit dem Kopfschild verbindet, bewirkt wird.
Sehr schwierig gestaltet sich die Deutung der
einzelnen Theile der unter und hinter den Maxillen ge-
legenen Unterlippe, da erstens eine sonderbare und
eigenthümliche Lagerung dieser Theile zu constatiren ist,
und zweitens neben den typischen Theilen noch eine
Menge accessorische vorhanden sind.
Den besten Aufschluss über die Bildung der Unter-
lippe giebt uns der Schnitt der Symmetrieebene in Fig. 12.
Man sieht daran, dass die substituirenden Grebilde der
Unterlippe hintereinander gelagert sind, und den Ab-
schluss der Mundöffnung von unten und hinten bilden,
so dass sie direkt in den Pharynx übergehen. Zu unterst
als Theil der Kopfkapsel liegt das grosse menüun
(Fig. 8 u. 12 Ä;), welches nach innen zu eine Chitin-
wucherung in Gestalt einer dreieckigen gezähnten Platte
(Fig. 8, 15 u. 12, gdp) zeigt. Darauf folgt, durch elastische
Gelenkhaut mit dem vorhergehenden Stück verbunden,
derjenige Theil der Unterlippe, der die Stämme und
Laden des dritten Kiefernpaares enthält, obwol er diese
Die Larve von Culex nemorosus. 143
Theile nicht mehr erkennen lässt, da sie ja an diesem
Platze nicht mehr die sonstige Bedeutung haben. Ebenso
zeigt der mittlere Theil, der übrigens von unten ein
anderes Aussehen hat als von oben (Fig. 12, t^ u. t^]
Fig. 13 .4, tj^; Fig. 13 ^, fg), durchaus keine Spuren von
medianen Verwachsungen. Ob die zwei Paar seitlich an
diesem Organ sitzenden Chitinstücke mit den kurzen auf
ihnen sitzenden Zäpfchen und den gezähnten Partien
(Fig. 13 B) als äussere und innere Laden aufzufassen
sind, will ich nicht entscheiden.
Zu erwähnen sind noch die beiden Muskeln der
Unterlippe, die sich unten an die äusseren Theile der-
selben (Fig. 13 B) ansetzen und durch ihre Contraktion
die Unterlippe von der Oberlippe entfernen, so dass sie
mit zur Oeffnung des Mundes beitragen.
Sehr primitiv und rudimentär ist der Hypopharynx;
es ist ein einfacher kurzer Chitinzapfen (Fig. 12 u. 15,
Jqjh), der die ü])liche Stellung einnimmt.
Eine um so bedeutendere Ausbildung zeigt der
Epipharynx. Derselbe macht sich, hinter dem mittleren
Theil der Oberlippe liegend, als eine ziemlich mächtige
Ausstülpung bemerkbar, die seitlich von zwei Reihen von
Haarbüscheln umfasst ist (Fig. 8, 15, 16). Die Ausstülpung
selbst ist Trägerin von vier Sinneshaaren, von denen
noch später gesprochen werden soll.
Der ganze Epipharynx bildet einen Verschlussapparat
des Mundes, indem er im Ruhezustande bis zum Hypo-
pharynx herabreicht. Beim Schlucken wird er durch
zwei gleichwirkende Muskeln, die an dem hintersten
Theil des Epipharynx ihren Anfang nehmen und, über
der obersten Wand des Pharynx weggehend, sich hinten
an der Kopfwand anheften, gehoben und nach der oberen
Wand des Pharynx zu zurückgezogen. (Fig. 15, eph^phm.)
Beim Erschlaffen der Muskeln schlägt das Organ
federnd wieder nach vorn, so dass Muskelkraft und
Elasticität der Chitinhaut hier antagonistisch wirken.
144 E. Walther Raschke:
Der Terdauungsapparat.
Der Darmtraktiis beginnt mit einem stark mus-
kulösen und innen kräftig- chitinisirten Sclilundkopf, über
dessen Form und Lage uns am besten zwei Schnitte, ein
medianer und der andere senkrecht dazu, instruiren
(Fig. 15 u. 14). Der Medianschnitt zeigt, dass sich der
Oesophagus vom Pharynx absetzt, und dass der Letztere
nach hinten zu eine ziemlich grosse sackartige Aus-
stülpung besitzt, während der andere Schnitt uns darüber
belehrt, dass der Pharynx nicht eine einfache Chitin-
bekleidung besitzt, sondern in der Richtung von vorn
nach hinten sich mit Chitinleisten besetzt, die zahlreiche
nach innen und hinten zu gerichtete feine Haare tragen.
Durch diese eigenthümliche und energische Bewaifnung
wird der Schlundkopf zu einem richtigen Reusenapparat.
Der Oesophagus ist kurz und dünn und geht ohn-
gefähr im ersten Drittel des Thorax in den Magen über.
An der Uebergangsstelle erweitert sich die Zellschicht
und bildet so einen nach unten gerichteten Trichter der
ein Stück in den oberen Theil des Chylusmagen hinein-
ragt. (Fig. 17, fr.) Letzterer ist der längste Abschnitt
des Darmes; er erstreckt sich als starke cylindrische
Röhre bis in das neunte Leibessegment. Im Thorax
sieht man denselben acht retortenkopfähnliche grosse
Ausstülpungen umsäumen. (Fig. 1, 17 u. 18 y/?a/f.) Vom
neunten bis elften Segment erstreckt sich der leicht
S förmig gekrümmte kurze Dünndarm, an welchen sich
der Enddarm anschliesst. Derselbe ist am Beginn weit,
wird aber nach dem After zu schmächtig und endet
zwischen den vier lanzettlichen Kiemenblättchen des
letzten Gliedes. (Fig. 1 u. 2 a.)
Die fünf langen Malpighischen Gefässe münden
einzeln an der Uebergangsstelle des Chylusmagen in den
Dünndarm.
Die Muskulatur des Pharynx ist eine sehr reich-
haltige, indem sie sich aus einer grossen Menge von
Die Larve von Culex nemorosus. 145
schräg lind ringförmig zulaufenden Fasern zusammen-
setzt. Jederseits setzen sich ausserdem noch mehrere
Muskeln {levatores pharyngis Fig. 14 Iph) an ihn da an,
wo derselbe in den Oesophagus übergeht. Sie nehmen
ihre Richtung nach hinten und haben ihre andere In-
sertionsstelle seitlich des Hinterhauptsloches an der Kopf-
kapsel. Dieselben bewirken natürlich durch ihre Con-
traktion ein Auseinanderweichen der seitlichen Wände
des Schlundkopfes und somit ein Oeffnen des Schlundes.
Der Oesophagus zeigt ein sehr enges Lumen mit
fünf grossen Längsfalten. Das Lumen begrenzt eine
starke tunica intiina, auf die sich eine nach dem Ende
zu ziemlich entwickelte Zellschicht auflagert. Die Zell-
grenzen sind nicht zu unterscheiden, besonders da durch
die äusserst starke Ringmuskulatur die inneren Wandungen
in viele Fältchen zerknittert werden. Jedoch lassen sich
bei passender Behandlung mit Färbemitteln die zarten
Kerne dieser Schicht deutlich erkennen.
Der nun folgende Theil, der Chylus- oder Magendarm,
ist im Besitz einer glatten cylindrischen intima^ die zwar
schwächer ist als im Oesophagus, aber dennoch, zumal
am Ende, eine ziemliche Dicke zeigt. Auf diese folgen
sehr schöne grosse Epithelzellen in einer Schicht (Fig. 17).
Das Muskelnetz des Darmrohres ist sehr fein. Der obere
Theil des Magenrohres, der eine starke Muskulatur zeigt,
stülpt sich über ein grosses Stück des unteren Theiles
des Oesophagus und umschliesst an dieser Stelle, indem
er sich deutlich abhebt, die hier kräftige Zell- und
Muskel-Schicht (Fig. 17).
Die Ausstülpungen des Magens enthalten die Elemente
sowohl der tunica celhdosa als die der musculosa. Auch
hier sind die einschichtigen Epithelzellen besonders gross
und schön.
Das Verbindungsstück zwischen Chylusdarm und
Enddarm giebt im Querschnitt mit seiner dicken intima
und den darauf folgenden spärlich vorhandenen kleinen
Zellen ein sternförmiges Bild, um welches sich die
colossal entwickelte Muskelschicht legt. In den Hohl-
Arch. f. Naturgesch. 53. Jahrg. Bd. 1. \q
MG E. "Walther Raschke:
räumen zwischen Muskelscliiclit und Zellscliicht bemerkt
man feine Muskelfäden. Dieselben lösen sich von der
Muskelpartie los und setzen sich etwas breit wurzel-
artig an die Zellschicht an. i)
Der Enddarm stüli3t sich etwas über das Ende des
Dünndarms. Seine intima ist ebenfalls ziemlich kräftig,
doch weniger als im vorhergehenden Abschnitte. Die
Zellschicht wird wieder sehr bedeutend, und zwar ist
sie vorn am entwickeltsten, während sie nach dem Ende
zu eine geringere Dicke aufw^eist.
Diese grossen Zellen des Enddarmes springen nach
innen in das Lumen desselben hinein und bilden auf
diese Weise (Fig. 19) besonders geartete Falten zur Ver-
grösserung der Darmfläche. 2) Die inthna lehnt sich dicht
an die Einstülpungen an.
Das ganze Darmrohr ist von einem bindegeweblichen
Peritonealüberzug umschlossen.
Culex nemorosus besitzt ein Paar Speicheldrüsen. Es
sind dies Drüsenschläuche mit einer ziemlich grossen
Endblase (Fig. 1, spd.) und grossen Sekretionszellen, deren
Grenzen gut zu erkennen sind. Die intima ist sehr zart
und strukturlos und wird selbst nach der Ausführungs-
stelle zu nur wenig dicker. Chitinisirte Röhrchen als
Ausführungsgänge für das Sekret jeder Zelle konnten
nicht gefunden werden. Die Drüsen liegen seitlich im
vorderen Theile des Thorax und haben einen gemein-
schaftlichen dünnen Ausführungsgang, dessen Mündung
sich oben am Beginn des Oesophagus befindet.
Abgesehen von dem spärlichen Vorhandensein der
Zellschicht im Dünndarm, belehrt uns auch ihre mehr
platte Form und ihre kleinen Kerne, dass dem Dünn-
därme keine sekretorischen oder absorbirenden Funktionen
zugeschrieben werden können. Er ist ein passendes
') Vergl. P. Scliiemenz. lieber das Herkommen des Futter-
saftes und die Speicheldrüsen der Biene etc. Zeitschrift f. wissensch.
Zool. Jahrg. 83, Band 38, pag. 82
^) Siehe das Kapitel über die Athmung.
Die Larve von Culex neniorosus. 147
Verbindungsstück zwischen Magen und Enddarm und
soll verhindern, dass, wenn der Darm gefüllt ist, und
grosse das rectum ausfüllende Kothballen dasselbe aus-
dehnen, keine Verzerrung dieser beiden Darmtheile statt-
findet. Daher seine Windung und daher auch die Ein-
stülpung in das rectum.
lieber die Bedeutung und den Werth der papillen-
artigen ein- oder mehrzelligen Einstülpungen in den
Enddarm wird man leicht aufgeklärt, wenn man die
Ueberzeugung gewinnt, dass die Culexlarve eine aus-
geprägte Afterathmung besitzt. Daher sind auch die
Einstülpungen an der unteren Seite des vorderen Theiles
des Enddarms am grössten, weil ja hier die Zufuhr von
Tracheenstämmchen am stärksten ist. Diese Zellschicht
ist also auch nicht als Drüsenschicht aufzufassen, sondern
als eine nach dem Typus der Oberflächenvergrösserung
gebaute modificirte Partie der sonst auch vorhandenen
Längsfalten. Gegen die drüsige Natur sprächen ja schon
die Einstülpungen in den Enddarm und der Mangel
jeglicher Oeffnungen. Auch wäre eine derartige be-
sondere Entfaltung eines Tracheennetzes auf diesen
Gebilden ohne Analogie bei anderen Drüsen.
Von den Malpighischen Gefässen ist allenfalls noch
anzuführen, dass ihre Sekretionszellen sehr gross sind,
und dass gewöhnlich zwei Stück den Umfang der ganzen
Röhre ausmachen. Der 1
Der Zellinhalt ist körnig.
Röhre ausmachen. Der blasige Kern ist sehr markirt.
'ö*
Der Cirkulationsapparat.
Die Untersuchungen über das Rückengefäss gestalten
sich bei der geringen Undurchsichtigkeit der Larve und
seiner ungünstigen Lage über den fast immer durch den
Inhalt dunklen Darm so schwierig, dass ich einige Fragen
über dasselbe unbeantwortet lassen muss.
Im Allgemeinen scheint es sich fast ebenso zu ver-
halten, wie es von Leydig bei der äusserst durch-
sichtigen Corethralarve eingehend sowohl in dem dritten
10*
148 E. Walther Rasclike:
Bande der Zeitschrift für wissenscliaftliclie Zoologie^)
als auch in seinem Lehrbuch für Histologie 2) beschrieben
worden ist.
Wie sich das vordere Ende gestaltet, Hess sich nicht
erkennen. Am hinteren Ende scheinen bei einem mittleren
Befestigungspunkt zwei seitliche hintere Oeffnungen vor-
handen zu sein. Die einzelligen Klappen der grossen
hinteren Herzkammer waren leicht zu erkennen, doch
konnte ich eine vStilung, wie sie Leydig bei Corethra
beschrieben hat, nicht entdecken, was mit der Ansicht
Weismanns harmoniren würde, dass die von Leydig
als selbständige Gebilde aufgefassten Klappen nur ge-
wöhnliche ins Lumen vorspringende Kerne der contractilen
Substanz des einzigen Hohlmuskels des Herzens seien.
Die Oeffnungen dürften nicht so einfach sein wie
bei Corethra, indem sie noch wie bei Melolontha ein
Zellventil zu besitzen scheinen.
Die birnförmigen Zellen der dreieckigen Muskeln,
welche das Herz an den Rücken der Körpersegmente
befestigen, konnten erkannt werden, während die faden-
artigen Ausläufer als höchst verschwommene Bilder eine
weitere Verfolgung nicht zuliessen.
Der Athmungsapparat.
Wol selten findet man in der Insektenwelt eine der-
artige Vielseitigkeit in Bezug auf die Athmung als bei
unsrer Larve. Wir müssen hier eine Stigmenathmung,
eine Darmathmung, eine Athmung durch Kiementracheen
und schliesslich eine solche durch die äussere Haut, also
vierfach verschiedene Arten von Gasaufnahme in Be-
tracht ziehen. Natürlich wird eine von den genannten
Arten als die wichtigste in Anspruch zu nehmen sein,
und da kann man denn kaum im Zweifel sein, dass
•) Zeitschrift für wisseiisch. Zoologie. HI. Band, Leipzig- 1851.
') Lehrbuch der Histologie des Menschen und der Thiere von
Dr Fr. Leydig; Frankfurt a./M 1857.
Die Larve von Culex nemorosus. 149
dies die Stigmenathmimg ist, die Athmimg von atmos-
phärischer Luft mit Hilfe des Sipho.
Wurde den Larven dadurch, dass man sie in ein
mit Gaze überbundenes Gef äss steckte, und dasselbe so
in ein Aquarium hineinstellte, dass es vollständig vom
Wasser umspült wurde, die Gelegenheit zum direkten
Luftathmen genommen, so zeigten dieselben nach kurzer
Zeit eine grosse Unruhe, sie fielen merklich zusammen
und starben nach ohngetähr zehn Stunden.
Bei dem enormen Gasaustausch ist das Tracheen-
system colossal stark ausgedehnt. Von der Spitze des
am vorletzten Leibesgliede abgehenden Athemtubus bis
etwas über die Brustmitte erstrecken sich zwei starke
Tracheenstämme, die zu oberst durch eine starke Tracheen-
brücke verbunden sind. Auch sonst giebt es in jedem
Gliede transversale Verbindungsröhrchen, die jedoch nicht
eine einfache Brücke darstellen, sondern wie zwei Schenkel
eines gleichschenkeligen Dreiecks gestaltet sind. In jedem
Gliede gehen von den Längsstämmen Aeste ab, die sich
nach Art der Capillaren verzweigen und sämmtliche
Organe umstricken. Die obersten knieförmig abbiegenden
Enden zertheilen sich in mehrere Aeste, von denen auf
jeder Seite zwei in den Kopf gehen und hier eine zweig-
artige Entwickelung nehmen.
Nach dem letzten Segmente gehen vom vorletzten
zwei Stämmchen ab.
Da, wo der Enddarm beginnt, entspringt eine un-
zählige Menge von schwachen Tracheenstämmchen, die
dem Enddarm zuströmen, auf dem dieselben dann auf
den oben beschriebenen Papillen sich in unzählige feine
Aestchen auflösen. Hai 1er, welcher diese feinen Röhrchen
ebenfalls gesehen hat, erklärt dieselben als Luftreservoir,
was jedoch abgesehen davon, dass dies ein höchst un-
günstiges Reservoir wäre, schon deshalb hinfällig er-
scheint, weil die Röhrchen äusserst fein sind und im
Vergleich zu den beiden starken Tracheenstämmen eine
nur ganz geringe Quantität von Luft zu fassen vermögen.
In histologischer Beziehung lässt sich über die
150 E. Walther Raschke:
Tracheen nichts Bemerkenswerthes sagen. Nach innen
zu, das Lumen begrenzend, liegt die Spiralfaden zeigende
Chitinhaut und darum die mit dem Fettkörper in engem
Zusammenhang stehende Peritonealhülle. Merkwürdiger
Weise sind die Darmtracheen ohne Spiralfäden.
Das schon oft erwähnte vom vorletzten Gliede ab-
gehende Larvenorgan, der Sipho, zeigt folgende Ver-
hältnisse: Die beiden Tracheenstämme steigen rechts
und links in dem Tubus in die Höhe, verlieren nach
dem Ende zu die Spiralfadenstruktur und werden zu
festen Bechern (Fig. 2 6 u. Fig. 20 Z>), die einen radiär-
cylindrischen Aufbau zeigen und an ihrer Basis durch
eine bedeutende Einschnürung sich absetzen (Fig. "20 e).
Dazwischen liegt ein starrer hohler Chitinzapfen (Fig. 20 A^),
der an der Verbindungsstelle der beiden Becher, da wo
diese zusammentreffen, mit denselben verschmilzt und
den dadurch entstandenen Hohlraum begrenzen hilft, so
dass derselbe rechts und links von den Bechern und
oben und unten von dem Hohlzapfen gebildet wird.
Die beiden Tracheenstämme münden also nicht, wie
Hall er behauptet, getrennt nach aussen, sondern durch
eine einzige gemeinschaftliche Oeffnung.
Nach der unteren Seite setzt sich nun der Theil der
Wand des gemeinschaftlichen Hohlraums, der von der
starren Chitinröhre ausgeht, in zwei Klappen fort, die
auf dem Sipho ruhen. Die äusseren Basisgrenzen dieser
Klappen sind mit dem Sipho durch eine elastische Ge-
lenkhaut verbunden (Fig. 1 u. 2, k^). Auf der Rücken-
seite trägt die Wand des gemeinschaftlichen Hohlraums
noch eine mittlere und zwei kleine Klappen, die eben-
falls mit dem Ende des Athemrohres durch Gelenkhaut
verbunden sind. (Fig. 1 u. 2, k^ u. k^.)
Wird nun durch die Contraktion der zu diesem
Apparat gehörigen Muskeln der ganze obere Traktus
heruntergezogen, so drücken erstens die starren Becher
(b) auf die Einschnürungen (a) (Quetschapparat), und es
entsteht an dieser Stelle ein Verschluss, und zweitens
legen sich die Klappen durch den Zug, der auf den
Die Larve von Culex nemorosns. 151
starren Chitinzapfen ausgeübt wird, und durch den Zug,
den die Muskeln der Klappen ausüben, pyramidenförmig
zusammen, und zwar so, dass sich die beiden bauch-
ständigen Klappen wie zwei Flächen einer dreiseitigen
Pyramide aneinanderlegen, während die gegenüber-
liegende mittlere Klappe als dritte Pyramidenfläche hinzu-
kommt. Die beiden kleineren rückenständigen Klappen
liegen, wenn der obere Verschlussapparat geschlossen
ist und also gewissermassen eine mit der Basis auf
dem Tubus ruhende Pyramide bildet, den bauchständigen
Klappen an.
Will die Larve atmosphärische Luft äthmen, so
steckt sie das Ende des Tubus aus dem Wasser heraus
und öffnet die Klappen. Dadurch entsteht ein kranz-
artiges Gebilde, welches es dem Thiere ermöglicht, an
der Wasseroberfläche hängen zu bleiben.
Die Muskeln des Verschlussapparates entspringen im
vorletzten Leibesgliede und durchziehen das Athemrohr
frei. Im ganzen sind deren fünf Paar vorhanden. Zwei
Paar gehören zu den unten gelegenen Klappen, zwei
Paare zu den anderen gegenüberliegenden und ein Paar
zu dem mittleren Chitinzapfen.
Das Schema in Fig. 21 soll ein Orientirungsplan
ihrer Lage sein. I, TI u. III bewirken durch ihre Con-
traktion das Herunterziehen des gesamten Apparates
und somit den Verschluss, während IV u. V das strahlen-
artige Auseinandergehen der Klappen erzeugen.
Die Wirkung dieser letzteren Muskeln wird jeden-
falls noch unterstützt durch die Elasticitätswirkung der
Einschnürungen. (Fig. 20, 6').
Den After umgeben vier lanzettartige Schläuche
(Fig. 1 u. 2, Ä;6), die als Tracheenkiemen aufzufassen sind.
Sie besitzen eine äusserst feine und zarte Cuticula, unter
Avelcher sich eine ziemlich dicke Plasmaschicht mit ein-
gestreuten Kernen hinzieht. Jeder Schlauch enthält einen
Tracheenstamm, der zahlreiche Aeste nach den Seiten
abgiebt, ist hohl und repräsentirt einen Blutsinus. Die
Tracheenkiemen stehen mit Muskeln in Verbindung und
152 E. Walther Raschke:
dienen so als Verschhissapparat des Enddarmes. Während
sie für gewöhnlich kranzartig um den After stehen, können
sie sich durch die Muskelthätig'keit zusammenlegen und
einen zapfenartigen Verschluss bilden.
Der Fettkörper.
Dieses Gewebe, welches von Wielowiejski Blut-
gewebe genannt wird, zeigt sich gegen Ende des Larven-
lebens ausserordentlich entwickelt und besonders im
Thorax. Ich verweise in dieser Hinsicht auf Wielo-
wiejski, der das Blutgewebe bei einigen Larven einer
genauen Untersuchung unterzogen hat.i)
Es findet sich nur ein äusserer, peripherischer, in
jedem Körpersegment kontinuirlich verlaufender Fett-
körperlappen, der der Hypodermis dicht angelagert ist
und aus sehr vielen Zellenlagen bestehen kann. Die
Ausbuchtungen in das Innere der Leibeshöhle, von denen
Wielowiejski sagt, dass sie vorkommen können, sind
nach der letzten Häutung im Thorax ganz enorm ent-
wickelt. Die lappigen Einstülpungen erfüllen dann, indem
sie bis an den Darm herantreten, die ganze Brusthöhle,
so dass ich lange im Zweifel war, ob dem Thorax nicht
noch innere Fettkörperlappen zukämen. Die starke
Entwickelung des Fettkörpers nach innen zu wird noch
durch den Druck der wachsenden Imaginalscheiben des
Thorax unterstützt.
In den übrigen Segmenten ist der Fettkörper weniger
entwickelt, abgesehen von der Stelle, wo sich die Ge-
schlechtsdrüsen anlegen.
Das Plasma dieses Gewebes ist fein granulirt und
schliesst Fetttröpfchen und feine dunkle Körnchen ein.
*) Zeitsclirift für wissenschaftl, Zoologie, Band XLHI 3. Leipzig
1886. Dr. H. Ritter von Wielowiejski, Ueber das Blutgewebe
der Insekten.
Die Larve von Culex nemorosus. 153
Das Nervensystem.
Die beiden Schlundganglien besitzen eine enorme
Grösse (Fig. 1, 05, Fig. 15, ns u. es). Die obere Portion
übertrifft die untere bedeutend an Ausdehnung und be-
steht aus zwei medianen und zwei lateralen Theilen.
Diese gehen direkt nach den Augen, jene sind die
Träger der Commissuren. Die medianen Theile sind
ihrer Gestalt nach etwas länglich kuglich. Von ihnen
heben sich die seitlichen Partien, die sich nach dem
Ende zu verjüngen, nur wenig ab. Das untere Schlund-
ganglion, welches ohngefähr nierenförmige Gestalt be-
sitzt, liegt unterhalb des Schlundes wenig weiter hinten
nach dem Thorax zu; in Folge dessen sind auch die
Commissuren kurz, eben genügend, um den Schlund zu
umfassen.
Aus dem unteren Schlundganglion entspringen die
langen Commissuren, die nach den Brustknoten führen.
Die Brustganglien liegen ziemlich am Ende des Thorax
und sind hier bis zur Verschmelzung einander nahe
gerückt.
Jedes folgende Segment mit Ausnahme des letzten
besitzt ein Ganglion, so dass das Bauchmark elf Ganglien
zählt. Die Brustganglien sind grösser und gedrungener
von Gestalt, während die folgenden mehr länglich er-
scheinen. Das letzte Abdominalganglion ist grösser als
die vorhergehenden. Die Längskommissuren sind doppelt
und gehen hinter dem letzten Nervenknoten divergirend
auseinander.
Jede laterale Portion des oberen Schlundganglions
theilt sich nach dem Ende zu -in zwei Theile und ver-
sorgt die doppelten Augen (Fig. 1. zau und eau).
Die AntennenneiTen entspringen an der Uebergangs-
stelle der medianen in die lateralen Theile und gehen,
parallel den Antennenmuskeln nach vorn ziehend, direkt
in die Antennen über. Sie geben auf ihrem Wege
154 E. Walther Raschke:
Aestchen nach der Haut ab, und zwar einen besonders
starken Ast nach den seitlichen Theilen der Oberlippe.
In der Antenne selbst geht ein Nerv bei ah in Fig. 1 ab,
der mit einer ganglionären Anschwellung endet. Ebenso
läuft der nach oben gehende Nervenfaden in ein ver-
hältnissmässig grosses Ganglion aus.
Das untere Schlundganglion versieht die Mundtheile.
Auf jeder Seite nehmen drei Nerven ihren Anfang. Die
beiden innersten Paare versorgen die Unterlippe, die
Maxillen und die Mandibeln, während die äussersten
beiden Fäden über den Pharynx ihre Richtung nehmen
und zu einem gemeinschaftlichen Ganglion zusammen-
kommen, von dem die Nerven des Epipharynx (Fig. 16, g)
und die der Oberlippe ausgehen.
Von den Bauchganglien geht jederseits ein starker
Nervenast ab, der sich dann weiter theilt und Darm-
Muskel- und Haut-Nerven abgiebt.
Nervi tran.wersi fehlen.
Der Sehlundring zeigt in allen Theilen die gewöhn-
lichen nervösen Elementartheile , als Kern die Faser-
masse und in der Peripherie die Ganglienzellen. Am
lebenden Thiere konnte eine histologische Untersuchung
des nervösen Apparates nicht vorgenommen werden. Auf
Schnitten erscheinen die Faserelemente als eine fein-
körnige Masse, die besonders im oberen Schlundganglion
eine Differenzirung in verschiedene Partien erkennen Hess.
Die Ganglienzellen sind feinkörnige Bläschen mit Kern
und besitzen eine verschiedene Grösse. Die Commissuren
der Bauchganglienkette zeigen nur Faserelemente, während
die Rumpfganglien selbst die gewöhnlichen Aggregate von
Nervenzellen und fibrillärer Nervensubstanz darstellen.
Sowohl die centralen als die peripherischen Theile
des Nervensystems sind mit einer homogenen Haut, dem
Neurilem, eingehüllt, welches an seiner inneren Fläche
zahlreiche eingestreute Kerne zeigt, die eine Auftreibung
der Scheide verursachen.
Die Larve von Culex nemorosus. 155
Der Orientirimgsapparat.
1. Die Sehorgane.
Wie bereits erwähnt besitzt Culex ?iemorosas vier
entwickelte Augen, ein Paar zusammengesetzte Augen
und ein Paar Nebenaugen.
Das grössere Auge ist oval und seine äusseren Con-
turen sind ohngefähr die eines sphärischen Dreiecks.
Es stellt ein zusammengesetztes Auge mit glatter Horn-
haut dar und besitzt ein Stark entwickeltes Pigment. In
Bezug auf die Anw^esenheit kegelstumpfförmiger Krystall-
körper, die nach unten abgerundet sind, ist es ein eu-
conisches Arthropodenauge; hinsichtlich des Baues seiner
retinula jedoch schliesst es sich an das von Grenacher
bei TipLila beschriebene Auge an.i) Die Krystallkörper
ragen aus dem Pigment hervor und sind mit einer Hülle
umgeben. Vor dem Krystallkörper innen von der Hülle
finden sich die Semperschen Kerne, die bei den euconen
Augen als üeberreste der die Krystallkegelsegmente
bildenden Zellen sich erhalten haben.
Hinter dem Hauptauge sitzt das bedeutend kleinere
Nebenauge, welches eine durchsichtige äussere Gallert-
schicht und eine innere Pigmentschicht aufzuweisen hat.
Aus der Letzteren ragt vorn ein einziger Krystallkegel
oder vielmehr, da man sehr scharfe Kanten unterscheiden
kann, eine Krystallsäule hervor. An diese schliesst sich
nach hinten die Stäbchenschicht an, die viele radiär ge-
stellte Zellen, deren Stäbchen sehr stark entwickelt sind,
zeigt.
Die seitlichen Theile des oberen Schlundganglions
gehen direkt in die zusammengesetzten Augen über und
geben je einen Zweig nach den^ Nebenaugen ab.
2. Die Tasthaare.
Die Tasthaare sind an den verschiedensten Theilen
des Körpers zu finden und reichen weit in das sie um-
•) Untersuchungen über das Sehorgan der Arthropoden von
Dr. Grenacher.
156 E. Walther Raschke:
gebende Medium hinein. Sie ziehen also einen gewissen
Bannkreis um das Thier, der es ermöglicht, schon in
einiger Entfernung gefahrbringende Objekte in Wahr-
nehmung zu bringen, ohne sie in allzu grosse Nähe des
Körpers herankommen zu lassen.
Dass wir es auch in diesen Gebilden wie bei anderen
Arthropoden mit äusserst wechselnden Gestalten zu thun
haben, kann nicht überraschen, zumal sich dieselben
durch die sehr verschiedenen Stellungen der Tasthaare
an diflferenten Körpertheilen und die dadurch bedingten
Anpassungs- und wol auch Ernährungs- und dadurch
wieder bedingte Wachsthums-Verhältnisse erklären lassen.
Leydigi) macht darauf aufmerksam, dass Gestalt und
Ausbildung der Haare vielfach nach der Art des Thieres
und den Körpergegenden durch Nebenzwecke bestimmt
werden, von denen wir uns keine Rechenschaft geben
können.
lieber die verschiedenen Formen dieser Tasthaare
geben die Figuren 1, 2, 5, 7, 16 und 20 Auskunft. Be-
sonders hervorheben möchte ich die Eigenthümlichkeit
der grossen Tasthaare des Thorax und Abdomens (Fig.
15 i?, 6 u. 1, kn)^ die darin besteht, dass die betreffende
Borste an ihrer Basis kugelförmig ansohwillt und sich
knickt. Die innere Fläche des Kniewinkels zeigt eine
viel zartere Chitine, als die anderen Stellen und bietet
bei schwacher Vergrösserung den Anblick einer hellen
Zone.
Es mag dieser Aufbau rein mechanische Gründe
haben, aber es liegt der Gedanke nahe, dass der sonst
starren Borste durch diese Einrichtung eine gewisse
Verschiebbarkeit gegeben ist, durch welche starke äussere
Stösse abgeschwächt werden und so nicht mit der vollsten
Kraft auf das Ganglion der Borste zu wirken vermögen.
Ich habe es versucht, der Frage näher zu treten, ob
die Ganglien der Tastborsten wirklich terminale Ganglien
*) Die Hautsinnesorgane der Arthropoden v. F. Leydig in
Bonn. Zool. Anzeiger No. 222 und 223. Jahrgang 1886.
Die Larve von Culex nemorosus. 157
sind, bin aber nicht im Stande gewesen, diese in-
teressante Frage zu lösen.
Bei den vier Tasthaaren des Epipharynx (Fig. 16, sh)
scheint der Nerv in der That in die Borste hineinzugehen,
was bei den Tasthaaren des Thorax und Abdomens, wie
ich glaube, nicht der Fall ist. Die oben beschriebene
Bauart der unteren Theile der Borsten bestärkt mich
einigermassen in der Ansicht, dass die feinen Vibrationen
der Borste den primären Anstoss zur Erregung nicht
geben können, wie es ja dann sein müsste, wenn der
Nerv in die Borste selbst übertritt.
Besonders zu erwähnen wären allenfalls noch die
kurzen Tasthaare der Siphoklappen, die bogenförmig ge-
baut sind und dann, wenn die Klappen geöffnet sind,
mit ihren Spitzen aus dem Wasser hervorragen (Fig. 1,
2 und 20, th).
3. Die Riechhaare.
An jeder Antenne befindet sich zwischen den grossen
oberen Tasthaaren der Riechkolben (Fig. 7, Ag). Er hebt
sich mit starker Ciiticula direkt von der Antenne ab,
wird jedoch in der Hälfte seiner Länge nur noch von
einer ganz feinen und hellen Chitinhaut begrenzt, die
sich nach oben zuspitzt. Eine Oeflnung konnte ich
nirgends in diesem Gebilde entdecken, jedoch zeigt sich
in ohngefähr mittlerer Höhe des unteren dunkelen Theiles
aussen ein kleines ebenfalls dunkelchitiniges Zäpfchen
(Fig. 7, za). lieber seinen Werth und seine Bedeutung
kann ich keinen Aufschluss geben.
Die helle homogene Füllmasse des Kolbens konnte
bis in die Spitze verfolgt werden.
Der Gesclileclitsapparat.
Die Hoden sind spindelförmige Gebilde, die in zwei
blasse Fäden auslaufen. Mit diesen heften sie sich
einestheils vorn am neunten Segment, anderntheils im
Verlauf des zehnten an die Leibeswand an.
158 B. Walther Raschke:
Die Gebilde sind seitlich rückenständig. Die Hülle
der Spindeln ist eine strukturlose Cuticularbildung.
Die weiblichen Genitalien durchsetzen das neunte
Leibessegment und erscheinen als zwei cylindrische
Röhren, in denen eine grosse Menge von Zellen angehäuft
sind. Eine Differenzirung in Ovarialröhren und eine
Abschnürung in Eikammern mit Epithel und eibildenden
Zellen ist nicht zu erkennen. —
Die vorliegende Arbeit habe ich auf Anregung und
unter der Leitung des Herrn Geheimraths Professor Dr.
R. Leuckart ausgeführt.
Möge es mir gestattet sein, an dieser Stelle meinem
hochverehrten Lehrer meinen herzlichsten Dank aus-
zusprechen für das gütige Wohlwollen und die freund-
liche Unterstützung, welche er mir bei Durchführung
derselben im reichen Masse zu Theil werden Hess. —
Für die Ausführung der beigefügten Aljbildungen habe
ich noch meinem lieben Collegen Herrn Etzold meinen
herzlichsten Dank auszusprechen.
Die Larve von cnlex iiemorosiis. 159
Litter atur - Verzeichniss.
Culex, Jac. Wagner, Observatio de Generatione Culicum —
Ephem. Acad. Natur. Ciirios. 1684 Dec. 2. Ann. 3. pag. 368-70.
Culex, Paul de San Gallo, Experimenta circa Calicem gene-
rationem — Ephem. Acad. Natur. Curios 1712.
Culex, Swammerdam, Historia Insectorum generalis, Lugd.
Batav. 1733. pag. 95— 102.
Culex, Reviglias, Observatio de Culicum generatione — Acta
Acad. Natur. Curios. 1737.
Die Mücke, Swammerdam, Biblia naturae, Leipzig 1752,
pag. 144—48.
Dissertatio de Culice cum 2tab., Job Matth. Barth, Ratis-
bonae 1737.
Les Cousins, Reaumur, Memoires pour servir ä, l'histoire des
insectes, IV. Mem. XIH pag. 573—636.
Der Sclmackenwurm, Ledermüller, Mikroscopische Gemüths-
und Augen-Belustigungen, pag. 154.
Le Cousin commun, Geoffroy, Histoire abregee des insectes.
Culex communis, De Geer, Memoires pour servir ä l'histoire
des insectes VI pag. 316—324.
Culex pipiens oder Wurm von der Singschnacke, Slabber.
Physikalische Belustigungen oder Mikroskopische Wahrnehmungen etc.
Nürnberg 1781.
Der stechende Schnacke, Kleemann. Kurzer Vorbericht zu
der Natur- und Insekten -Geschichte.
Culex, Robineau-Desvoidy, Mem. de 1. Soc. natur. de Paris, HI
pag. 390.
Culex, Macquart, Insectes Dipteres du Nord de la France —
Recueil des travaux d. 1. soc. d'amateiu's d. sc. d. lagric. et d. arts
de Lille, Ann. 1823 et 24 pag. 209.
Die Stechmückenlarve, Hall er, Kleinere Bruchstücke zur ver-
gleichenden Anatomie der Arthropoden. 1. Ueber da% Athmungs-
organ der Stechmückenlarven. Troschels Archiv für Naturgeschichte,
XLIV 1878.
De eucephale Myggelai-ver, Fr. Meine rt, Kopenhagen 1886.
160 E. Walther Raschke:
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1. Die ganze Larve (im mittleren Alter) von oben gesehen
ohne Tracheensystem. Die Imaginalseheiben sind angegeben.
a, After,
ab, mittlerer Absatz der Antenne,
at, Antenne,
atm, Antennenmuskel,
atn, Antennennerv,
dl, Chylusdarm,
dd, Dünndarm,
di, Darminhalt,
eau, einfaches Auge,
ed, Enddarm,
eg, elastische Gelenkhaut,
ha, Hals,
ZiTi, 1^^, \, Verschlussklappen des Sipho,
l(h, Kiemenblättchen,
l:n, kugelförmige Anschwellung der Basis der Tasthaare,
mau, Magenausstülpungen,
mg, Malpighische Grefässe,
oe, Oesophagus,
oex, Oberlippenextensor,
ofl, Oberlippenflexor,
ol, Oberlippe,
OS, oberes Schlundganglion,
s, Sipho,
spd, Speicheldrüse,
th, Tasthaare der Siphoklappen,
z", Borsten des Sipho,
zau, zusammengesetztes Auge.
Fig. 2. Endstück einer Larve von der Seite gesehen. Die
Verzweigung des Haupttracheenstammes ist weggelassen.
as," Chitinschild des letzten Grliedes,
h, Becher des Verschlussapparates,
htr, Haupttracheenstamm,
hz, Hohlzapfen des Verschlussapparates,
^'i> Ky h> Siphoklappen,
kb, Kiemenblättchen,
l'bl, Kothballen im Enddarm,
l, leistenartige Verdickung des Steuerruders,
Die Larve von Culex nemorosus. IGl
schy Schenkel des Steuermders,
str, Steuerruder,
th, Tasthaare der Siphoklappen,
z% Borsten des vorletzten Leibesgliedes,
z'% Borsten des Sipho.
Fig. 3. Zeichnung der polygonalen Felder der Chitine des Kopfes.
Fig. 4 Ä. Eine der eigenthümlichen Borsten am vorletzten
Gliede; siehe Fig. 2, z'
Fig. 4 B. Eine der eigenthümlichen Borsten des Sipho ; siehe
Fig. 1 u. Fig. 2, 2".
Fig. 5 Ä u. B. Tasthaare des Körpers.
kn, kugelförmige Anschwellung der Basis.
Fig. 6. Unteres Ende und Einpflanzung eines Tasthaares.
cw, Cutiswall,
kw, Knickung der Borste.
Fig. 7. Oberes Ende einer Antenne.
h^ u. ^3, Tasthaare,
Äj, Riechkolben,
za, Zäpfchen des Riechkolbens.
Fig. 8. Kopf von unten gesehen.
eg, Grelenkhaut,
ep, Epipharynx (durch den Druck des Deckglases zu weit
nach oben geklappt),
gdp, dreieckige Platte der Unterlippe, darüber der Fortsatz
des Kinns,
k, Kinn,
ksch, Kopfschild,
7nd, Mandibel,
mx, Maxille,
ol, Oberlippe.
Fig. 9. Oberlippe mit dem vorderen Theil des Kopfschildes.
iex, Insertionsstelle des Extensors,
p, Palatum,
psfl, Pseudosehne des Flexors.
st, Strudelapparat.
Fig. 10. Mandibel von oben gesehen.
ab7n, Abziehmuskel,
anm, Anziehmuskel,
dp, Drehpunkt,
f, Chitinfortsatz.
Fig. 11. MaxiUe.
aut, äusserer Theil,
it, innerer Theil.
Arch. f. Naturgeach. 53. Jahrg, Bd. I. H
162 E. Walther Raschke:
Fig. 12. Ein Schnitt der Symmetrieebene vom Kinn bis zum
Pharynx.
g, Gelenkhaut,
gd]p, gezähnte dreieckige Platte,
hph, Hypopharynx,
h, Kinn,
hf, Kinnfortsatz,
phw, Pharynxwand,
^1 u. t^j mittlere Partien der Unterlippe.
Fig. 13 A u. B. Eigentlicher Theil der Unterlippe, der im
Querschnitt in Fig. 12 mit t^ u. t^ bezeichnet ist.
Fig. 13 A. Dieser Theil von unten gesehen.
Fig. 13 B, Dieser Theil von oben gesehen.
um, Unterlippenmuskel.
Fig. 14. Ein Schnitt senkrecht zur Symmetrie ebene durch
Pharynx und Oesophagus.
yk, Kopfkapsel,
Iph, levatores pJiaryngis.
oe, Oesophagus,
ph, Pharynx,
rh, Reusenhaare,
Fig. 15. Kopfschnitt in der Symmetrieebene,
eph, Epipharynx,
gdp, gezähnte dreieckige Platte,
hph, Hypopharynx,
1c, Kinn,
Icf, Kinnfortsatz,
oe, Oesophagus,
OS, oberes Schlundganglion,
p, Palatum,
ph, Pharynx,
phm, Epipharynxmuskel,
sau, sackartige Ausstülpung des Pharynx,
ti u. t^, Unterlippe,
US, unteres Schlundganglion (liegt in der Zeichnung zu
weit vorn).
Fig. 16. Der Epipharynx.
01 u. g^, Ganglien,
nf, Nervenfäden,
sh, Sinneshaare,
Fig. 17. Schnitt durch Oesophagus und Darraanfang, senkrecht
zur Symmetrieebene.
di, Darminhalt,
i., Intima,
Die Larve von Culex nemorosus. 163
ij, Magendarm-Intiraa.
Z, Lumen,
mau, Magenausstülpungen mit epz, Epithelzellen,
mm, Magenmuskel,
oem, Muskelschicht des Oesophagus,
tr, Trichter des Oesophagus,
zs, Zellschicht,
Fig, 18. Querschnitt durch den Thorax, die Imaginal Scheiben
sind nur angedeutet.
epz, Epithelzellen,
fk, Fettkörper,
g, Ganglion,
i, Intima,
ims, Imaginalscheibe,
mau, Magenausstülpungen,
m, Muskel,
trst, Tracheenstamm.
Fig. 19. Querschnitt vorn durch den Enddarm.
i, Intima,
msch, Muskelschicht,
zs, Zellschicht.
Fig, 20. Längsschnitt durch das Siphoende.
b, Becher,
e, Einschnürung,
hz, Hohlzapfen,
Ä*!, Siphoklappe,
th, Tasthaar.
Fig. 21. Schema der Siphomuskulatur, B, Rückenseite, B, Bauch-
seite. —
hz, Hohlzapfen,
Ä'i u. Jc^, Klappen des Sipho,
1, II, III, IV u. V, Muskeln des Klappenapparates.
11*
164 J. Weise;
Neue sibirische
Chrysomeliden und Coccinelliden
nebst Bemerkungen über früher beschriebene Arten,
Von
J. Weise.
Zu der nachfolgenden Arbeit benutzte ich das Material,
welches mir von Herrn Koltze in Hamburg, H. Faust
in Libau und durch Reitter von H. Senator von Se-
rn enow in Petersburg zuging, muss aber vorweg be-
merken, dass dasselbe nicht ausreichte, um über die
bisher aus Sibirien beschriebenen Arten, vor Allem die
Chrysomelen, auch nur annähernd in's Reine zu kommen.
Letzteres wird auch in Zukunft bei grösserem Materiale
nicht ganz leicht sein, einmal, weil Geblers kurze Be-
schreibungen oft nicht genügende Vergleiche mit den
nahe verwandten, oder wenigstens den ähnlichen Arten
enthalten und ohne Zwang auf mehrere Thiere bezogen
werden können, und dann, weil durch Motschulsky's
bekannte Chrysomelen-Arbeit (Schrenck Reise Amur II),
auf welche der v. Hey den 'sehe Katalog sich stützen
musste, die Ansicht über mehrere Arten eine so falsche
geworden ist, dass sie nothwendig verwirren und dem
zu neuen Fehlern verhelfen muss, der nicht auf die
Originalbeschreibungen zurückgeht.
1. Donaciamacrocnemia Fisch. Auf diese Art, welche
Lacordaire unbekannt blieb, beziehe ich nach der Ab-
bildung und kurzen Beschreibung eine Donacie, die bei
Neue sibirische Chrysomeliden iind Coccinelliden. 165
Pochrofka (Koltze) gefangen und in der Deutsch, ent.
Z. 1885 pag. 304 als sixirganii aufgeführt wurde. Sie ist
am nächsten mit sparganii Ahr. verwandt und dieser
durch Körperbau, Farbe und Skulptur, sowie durch die
Behaarung der Unterseite äusserst ähnlich, jedoch in
folgenden Punkten verschieden: die Stirugrube über der
Querfurche zwischen den Augen ist nur angedeutet, das
Halsschild ist noch schmaler, wehiger gerunzelt, bedeutend
feiner punktirt, die Vorderecken treten scharf und ziemlich
spitz nach aussen und sind von dem dahinter liegenden,
viel mehr gerundeten Seitenhöcker durch eine kleine,
aber tiefe Ausbuchtung getrennt. Die Flügeldecken sind
an der Spitze mehr verengt, so dass der abgestutzte
Theil nur schmal ist, die Hinterschenkel, welche die
Spitze der Flügeldecken nicht überragen, obgleich sie
sehr lang aussehen, besitzen nur einen Zahn, welcher
zugleich länger, schmaler und spitziger als der von
sparganii ist.
2. Crioceris l4-pundata Scop. var. sihirica: Protho-
race punctis quatuor nigris, elytrorum macula 4 rotunda,
6 magna, transverso-elliptica, pedibus nigris.
Die fünfte Makel des Halssch. vor dem Schildchen
fehlt stets, während die sieben Makeln der Fld. auffällig
gross sind; besonders ist 4 nicht quer und beinahe strich-
förmig, wie bei den europäischen Stücken, sondern gross,
rund, 5 steht dicht an der Naht und ist oft mit der
correspondirenden Makel der anderen Fld. zu einem ge-
meinschaftlichen Flecke vereint, 6 ist quer oval. Die
Beine sind in der Regel vollständig schwarz. Amur (Ribbe).
3. GynandrojMiahna ohscuripes: Obiongo-ovata, ob-
scure coerulea, antennis piceis basi oreque rufo-ferru-
gineis, capite inter oculos impresso et parce punctato,
vertice canaliculato , prothorace laevi impressionibus
nonnullis parce punctatis instructo, lateribus ante angulos
posticos aequaliter rotundatis, elytris crebre fortiter
punctatis. — Long. 4 — 5,3 mm.
166 J. Weise:
Var. a: Immatura; pedibus anticis plus minusve
fuscescentibus.
Durchschnittlich robuster als die sehr nahe ver-
wandte G. tibialiß Brull., lebhaft dunkelblau, glänzend,
die Fühler pechschwarz, ihre 4 ersten Glieder und der
Mund rostroth, Glied 3 und 4 klein, dünn, 4 nur wenig
stärker als 3, die folgenden bedeutend breiter. Kopf
zwischen den Augen mit einer weiten, grubenförmigen,
mehr oder weniger stark punktirten Vertiefung, auf dem
Scheitel eine kurze, tiefe gewöhnlich ebenfalls gruben-
förmige Mittelrinne. Hals seh. an den Seiten gleich-
massig gerundet, vor den abgerundeten Hinterecken nicht
ausgebuchtet, oben mit zahlreichen Vertiefungen versehen,
in denen es mehr oder weniger stark punktirt ist,
namentlich in den beiden Schrägvertiefungen vor dem
Schildchen. Die erhabenen Theile sind ziemlich spiegel-
glatt. Fld. dicht und stark oft runzelig punktirt. Seiten-
stücke der Mittel- und Hinterbrust lang und ziemlich
dicht weisslich behaart.
Bei frischen Stücken sind die Beine nicht einfarbig
dunkelblau, sondern die Knie an allen Beinen, sowie
die Schienen und Tarsen der Vorderbeine rostroth, theil-
weise mit blauem Anfluge.
Bei Chabarofka und Vladivostok (Koltze).
Die Art wurde wohl von H. von Hey den (Deutsch.
Ent. Z. 1885. 302) für eine Varietät von tibialis Brull.
angesprochen, sie unterscheidet sich jedoch ausser durch
den kräftigen Bau und die dunklen Beine, besonders
durch die Mittelfurche des Scheitels, die gleichmässige
Rundung der Seiten des Halsschildes an der hinteren
Borstenpore und die sehr unebene, viel weniger punktirte
Scheibe, endlich durch die weit stärkere Behaarung an
den Seitenstücken der Mittel- und Hinterbrust.
4. Cryptocejjhalus regalis var. cyanescens: Nigro-coe-
ruleus, supra parce subtilissime, subtus dense pubescens,
labro antennisque piceis, his basi. obscure rufescentibus,
Neue sibirische Chrysomeliden und Coccinelliden. 167
elytris violaceis ; prothorace sat dense subtiliter elytrisque
fortius subriigoso-punctatis. — Long. 5 mm.
Mas: segmento 5: o ventrali medio leviter depresso.
Dunkelblau, Oberlippe und Fühler peehbraun, die
ersten Fühlerglieder nach der Spitze hin röthlich, Halssch.
blau mit violettem Anfluge, die Fld. tief violett. Kopf
ziemlich dicht punktirt und behaart, Fühler des S Vs so
lang als der Körper. Halssch. etwas breiter als lang,
nach vorn stark verschmälert, massig gewölbt, der Seiten-
rand, besonders hinten, breit abgesetzt und von oben
fast bis zur Hälfte nach vorn sichtbar, nur massig dicht,
fein punktirt, glänzend, sehr sparsam behaart. Schildchen
länglich-viereckig, einzeln punktirt. Fld. etwa doppelt
so weitläufig aber doppelt so stark punktirt als der im
Körperbau ähnliche, aber kahle Cr. hypochaeridis, die
Punkte tief, ihre Zwischenräume, mit einzelnen Pünktchen
besetzt, sind oft zu Querrunzeln verbunden. Beim
Männchen ist der letzte Bauchring längs der Mitte flach
gedrückt.
Es liegen mir zwei Männchen aus Daurien (Sahl-
berg, Faust) vor, die sich wesentlich von Cr. rcgalis
und seiner oben einfarbig grünen Abänderung (v. mutatus
Kr.) zu unterscheiden scheinen; da z. B. das Halssch.
bedeutend feiner und weitläufiger punktirt, vorn weniger
gewölbt, aber stärker verschmälert ist und sein Seiten-
rand, bei der Betrachtung von oben, ein grosses Stück
sichtbar bleibt, während bei dem halbkugeligen Halssch.
des regalis nur die Hinterecken selbst zu bemerken sind.
Die Punktirung der Fld. ist viel weitläufiger, stärker,
grübchenförmig, die Behaarung der Oberseite endlich
feiner und sparsamer.
Marseul scheint dasselbe Thier vor sich gehabt zu
haben, denn er weist in der Mon. pag. 34 auf ein violettes
Stück von regalis hin, welches er jedoch irrthümlich auf
Cr. liirüpennis Suffr. bezieht.
Ich hatte diesem Thiere anfangs den Namen dauricus
beigelegt, den H. v. Hey den Deutsch, ent. Z. 1886. 274
auch anführt, habe denselben aber geändert, weil Mar-
168 J Weise:
seul der schwarzen Abänderung von Cr. Stchukini Fald
(nicht Stschukini^ wie allgemein geschrieben wird) schon
den Namen dauricus gegeben hat (Mon. 92).
5. Cryptocephalus japanus ^ Sil j. YSil\? 4-lineatus: Sub-
nitidus, subtus capiteque subtiliter pubescens, niger,
mandibulis articulisque 4 primis antennarum rufescentibus,
prothorace antrorsum fere sensim angustato, crebre punc-
tato, limbo laterali sat lato, in medio emarginato testaceo-
flavo, elytris dense ruguloso-pimctatis, limbo laterali
apicem versus dilatato vittaque media leviter flexuosa
rufo-testaceis. — Long. 6,3 mm. Nikolajewsk (Koltze).
Es liegt nur ein Stück vor, welches YonjapawisBsilj
durch seinen viel schlankeren Bau, die dichtere und viel
stärkere Punktirung der Fld. und die Färbung, erheblich
abweicht; aber ich mag keine neue Art darauf begründen,
weil die Körperform und Punktirung bei japanus variirt
und die Zeichnung der Fld. und des Halssch. sich sehr
wohl in dem Grade ausbreiten kann, dass die vorliegende
Varietät entsteht, namentlich da schon bei der Varietät
Haroldi Kraatz das Bestreben der Flügeldeckenmakeln,
sich der Länge nach zu vereinigen, zu Tage tritt.
Der Käfer ist gestreckt, reichlich doppelt so lang
als breit, schwarz, massig glänzend (auf den Fld. weniger),
die Mandibeln und die ersten vier Fühlerglieder dunkel
röthlich, ein Seitensaum des Halssch. und der Fld., sowie
eine Längsbinde ungefähr über die Mitte jeder Fld.
röthlichgelb. Kopf der Länge nach vertieft, Halssch.
an der Basis nur wenig breiter als über die Mitte lang,
nach vorn allmählich, schwach gerundet verengt, dicht
mit feinen, länglichen Punkten besetzt, der helle Seiten-
saum ist massig breit, nach rückwärts etwas verengt,
der Innenrand in der Mitte bogenförmig ausgeschnitten.
Fld. etwa dreimal so stark als das Halssch., dicht,
runzelig punktirt, der helle Seitensaum ist innen ziemlich
gradlinig begrenzt, an der Basis unter dem starken
Schulterhöcker schmal, dahinter verbreitert, fast gleich-
breit bis zur Krümmung der Fld., wo er in einen noch
Nene sibirische Chrysomeliden und Coccinelliden. 1 69
breiteren Spitzensaum übergeht; die Epipleuren und der
schmal abgesetzte Seiten- und Spitzenrand sind schwarz.
Die Längsbinde beginnt schmal an der Basis dicht neben
der Schulterbeule, krümmt sich leicht nach innen, indem
sie etwas breiter wird, hinter der Mitte ist sie wieder
schmaler und vereinigt sich, der Nath etwas abbiegend,
dem Seitenrande entfernter als 'der Naht, mit dem Spitzen-
saume. Man erhält diese Zeichnung, wenn man sich die
inneren beiden freien Makeln der Var. Haroldi^ der Länge
nach zusammengeflossen und bis zur Naht ausgebreitet,
vorstellt.
6. Cryptocephaliis egregins ; Elongatulus, viridi-vel
coeruleo-niger, facie infra antennas, lineolis 2 ocularibus,
antennarum basi coxisque anterioribus flavescentibus,
prothorace sat crebre punctato parceque pubescente,
rufo-testaceo, vitta angusta in medio dilatata saturate
viridi vel coerulea, scutello nigro, flavo-maculato, elytris
sordide flavis, parce pubescentibus, sublineatim punctatis,
interstitiis punctatis, tibiis anterioribus apicem versus
testaceis. — Long. 4 — 4,5 mm. Dauria (Sahlberg).
Mas: segmentis 4 ultimis connatis, segmento 5: o
maximo, longitudinaliter profunde impresso, impressione
antrorsum angustata, basi crista magna armato.
Diese Art gehört mit ihren nächsten Verwandten,
Sibiriens Mars, und besonders seuiiviridis Suffr., nach
ihrem Körperbaue, der Geschlechtsauszeichnung, den
behaarten Fld. etc. in meine 2. Reihe und ist daselbst
bei ergenensis Moraw. unterzi\bringen, Marseul würde
sie in seine Gruppe 13, Longimanes^ versetzen, die ohne
Zweck von seiner 9. Gruppe getrennt ist (Monogr. pag. 134).
Körper des Männchens schmal, gestreckt, des Weib-
chens etwas breiter. Kopf sparsam punktirt, grünlioh-
oder bläulich -schwarz, der Raum unterhalb der Fühler
und eine kurze Linie am oberen Innenrande jedes Auges
gelbbraun. Fühler schlank, die ersten 5 Glieder gelb-
braun, die übrigen schwärzlich. Hals seh. etwas breiter
als lang, nach vorn ziemlich stark verengt, röthlich-
braun, der aufgebogene Seitenrand und der Hinterrand
170 J. Weise:
fein schwarz gesäumt, die spitz vortretenden Vorder-
und die leicht nach hinten gezogenen, aber abgerundeten
Hinterecken weisslichgelb , eine ganze Längslinie über
die Mitte, welche ungefähr in der Mitte makelförmig
verbreitert ist, metallisch grün oder dunkelblau. Die
Scheibe ist beim Männchen noch dichter als beim
Weibchen kräftig punktirt,' und mit kurzen, beinahe an-
liegenden weisslichen Härchen besetzt; die Punkte sind
länglich. Schildchen fast rechteckig, nach vorn etwas
verbreitert, schwarz, grün oder bläulich schimmernd, mit
zwei gelben, strichförmigen, jedoch schlecht begrenzten
Flecken. Fld. verschossen gelb, gleichmässig und
ziemlich dicht punktirt, sparsam weisslich behaart. Von
den Punkten sind einige durchschimmernd, deshalb
dunkler als die übrigen und zu neun meist deutlichen
ganzen und zwei abgekürzten Reihen auf jeder Fld. ge-
ordnet. Unterseite und Schenkel grünlich- oder bläulich-
schwarz, die vier Vorderhüften gelb, die vorderen Schienen
nach der Spitze hin gelbbraun, Hinterschienen schwarz,
Tarsen pechbraun.
Das Männchen hat verlängerte Schienen und Tarsen,
das letzte Adominalsegment dehnt sich bis zu dem in
der Mitte sehr verschmälerten ersten Segmente aus, so
dass die dazwischenliegenden Ringe nur als kleine drei-
eckige Flächen an den Seiten sichtbar sind, und ist in
seiner ganzen Länge von einer breiten, massig tiefen,
nach vorn etwas verschmälerten Grube durchzogen, welche
etwas feiner als die Seitentheile punktirt ist und vorn
von einer sehr hohen, rechteckigen Hornplatte begrenzt
wird.
7. Cryptocephalns rnralis: Elongatus, niger, parum
nitidus, clypeo, punctis 2 parvis frontalibus angulisque
(interdum etiam margine apicali) prothoracis obscure
flavis, antennarum basi, coxis femorumque basi rufo-
testaceis; prothorace antrorsum fortius compresso-an-
gustato, crebre punctato, elytris ruguloso-punctatis, lineis
plurimis subelevatis. — Long. 4 — 4,5 mm. Pochrofka
(Koltze).
Neue sibirische Chrysomeliden und Coccinellideu. 171
Mit Cr. 4: pustulatus Gyll. verwandt, etwas schlanker
als dieser, durchweg stärker pnnktirt, viel matter; tief
schwarz, ölig glänzend, überall äusserst zart gewirkt.
Fühler pechschwarz, die Spitze des ersten Gliedes und
die vier folgenden Glieder dunkel gelbbraun, die Hüften
und das Basaldrittel aller Schenkel röthlich gelbbraun.
Kopf klein, dicht punktirt, schwarz, die Seiten unterhalb
der Augen weisslichgelb , Oberlippe braun, Kopfschild
und ein kleiner, unscheinbarer Punkt am Innenrande der
Augen, nahe dem Scheitel, w^enig lebhaft gelb ; Hals seh.
nur etwas breiter als lang, nach vorn stark zusammen-
gedrückt und fast gradlinig verengt, schwarz, ein feiner
Saum innerhalb der schwarzen Seitenleiste in den Vorder-
und Hinterecken, zuweilen auch am Vorderrande gelblich.
Die Scheibe ist stark querüber gewölbt, dicht und tief
punktirt, oft mit grubenförmigen Eindrücken vor dem
Schildchen und jederseits in der Mitte versehen. Fld.
sehr dicht punktirt. Die Punkte sind fast ebenso gross
aber weniger tief als die des Halssch., und es befinden
sich zwischen ihnen sehr viele Querrunzeln und eine
Anzahl (ungefähr 10^ von leicht erhabenen, jedoch nicht
scharf hervortretenden und durch die Punkte angegriffenen
Längsstreifen, welche auf dem Abfalle zur Spitze etwas
breiter und höher werden.
Ich hielt das Thier, von dem mir nur einige Weibchen
vorliegen, anfangs für Cr. niger (y^hX.^ aber derselbe ist
nach der Beschreibung viel grösser, hat auf dem Halssch.
längliche Punkte und einfarbig schwarze Beine; Cr. bi-
ndneratus Fald. und opacus Tapp, aus Daurien sind
oberseits wenigstens theilweise bläulich oder grünlich
und Cr. nigerriinns Ball, endlich, der noch zum Vergleich
herangezogen werden könnte, zeichnet sich durch lebhaften
Glanz der Oberseite, glattes kugeliges Halssch. und regel-
mässig gestreift -punktirte Fld. aus.
8. Cryptocephalus Koltzei: Sat elongatus, niger,
nitidulus, autennis apicem versus fuscis pedibusque
testaceis, femoribus apice macula alba notatis, posticis
172 J- Weise:
superne nigricantibus , clypeo, maculis 2 frontalibus,
margine antico et laterali prothoracis maculisque 10 ely-
trorum (1, 1, 1, 1, 1, ultimis binis postice connatis) flavis.
Prothorace sat crebre subtiliter punctato latera versus
pubescente, elytris pilis brevissimis albidis parce obsitis,
punctato-striatis, interstitiis punctatis. — Long. 4 — 4,5 mm.
Chabarofka (Koltze).
Mas : Maculis frontalibus magnis, prothorace et pygidio
auguste flavo-marginatis , segmento ultimo ventral! in
medio longitudinaliter deplanato.
Femina: maculis frontalibus parvis, prothorace et
pygidio late flavo-marginatis.
Wenig schlanker als der nahe verwandte, auch in
der Zeichnung der Fld. ähnliche Cr. sexpastidatm Rossi,
aber an den Seiten des Halssch. anliegend behaart, auf
den Fld. sparsam mit kurzen und feinen, ziemlich in
Reihen stehenden, aufgerichteten Härchen, von weisslicher
Farbe besetzt, die noch deutlicher zu bemerken sind,
wie bei Cr. 14-maculatus Schneider und den diesem
nahestehenden Arten. Der Körper ist schwarz, ziemlich
glänzend, Fühler, mit Ausnahme der letzten 5 dunklen
Glieder, und Beine röthlich gelbbraun, Schenkel an der
Spitze mit weisser Makel, die Hinterschenkel auf dem
Rücken schwärzlich. Das Kopfschild (ganz $, oder in
der Mitte unterbrochen (5)? 2 grössere ((5) oder kleine
Flecken auf der breiten Stirn zwischen den Augen, ein
Saum am Vorder- und Seitenrand des Halssch., der sich
in den Hinterecken etwas erweitert, und 5 grosse Makeln
auf jeder Fld., sowie ein schmaler und unscheinbarer (^)
oder breiter Saum am unteren Rande des Pygidium hell-
gelb. Von den Makeln der Fld. ist die erste quer,
zwischen der Schulterbeule und dem Schildchen, un-
mittelbar an der Basis, hinten bogenförmig ausgeschnitten,
2 ist länglich, an dem überall fein gelb gesäumten Seiten-
rande, dicht hinter der Schulter, 3 ist quer, oval, etwas
schief nach hinten und innen gerichtet, zwischen der
sechsten und ersten Punktreihe und liegt mit dem grössten
Theile vor der Mitte, 4 ist länglich, auf den beiden
Neue sibirische Chrysomeliden und Coccinelliden. 173
äusseren Zwischenräumen, etwa in gleicher Länge mit
dem Ende der Makel 3 beginnend, ungefähr doppelt so
lang als breit, hierauf verengt und nur auf den äusseren
Zwischenstreifen beschränkt. In letzterem zieht sich
die gelbe Farbe um die Spitze herum als ein breiter
Saum, mit dem auch die Makel 5 vollständig verbunden
ist. Diese beginnt wenig schräg, mit etwas zackiger
Rändern ungefähr da, wo die Fld. sich allmählich zur
Spitze hinab senken, wenig von der Naht entfernt, nach
hinten zu nähert sie sich dieser noch mehr; derAussen-
rand reicht vorn etwa bis zur Hälfte der Flügeldecken-
breite und wendet sich nach hinten etwas der Naht zu.
Kopf und Halssch. sind dicht punktirt, letzteres nach
den Seiten hin dichter und etwas stärker als in der
Mitte, die Fld. nicht besonders stark regelmässig gereiht-
punktirt, aber die Reihen treten nicht recht deutlich
hervor, weil die Zwischenstreifen mit zahlreichen Punkten
bestreut sind, die wenig feiner sind als die der Reihen.
Beim Männchen ist der letzte Bauchring in der Mitte
der Länge nach flach gedrückt.
9. Colaphus alpinus Gebier Bull. Mose. VL 1833.
307. ist von Suffrian auf die in Sibirien einheimische
Gastroidea, welche am nächsten mit unserer virichda
{rapha)ii) verwandt ist, bezogen worden. Jedoch mit Un-
recht. Das Thier ist ein ächter Colajjhus^ von derselben
Grösse, Form und Farbe wie sopMae, aber Taster, Fühler
und Beine einfarbig schwarz, mitunter grünlich angelaufen,
Oberlippe pechschwarz, Halssch. sehr weitläufig und viel
stärker, die Fld. nur etwas stärker punktirt als bei
sophiae. Die Seiten des Halssch. sind von der Mitte nach
hinten ziemlich in ebenso starkem Bogen verengt, wie
nach vorn, so dass die Hinterecken vollkommen ab-
gerundet wären, wenn sich dort nicht zwei ziemlich hohe
und spitze, nach hinten gerichtete Höckerchen befänden,
zwischen denen die Eckborste steht. Ich besitze die
Art, welche Gebier vom Altai beschrieb, aus Kjachta
(Semen ow).
174 J- Weise:
Da nun Gebier von seinem Thiere ausdrücklich die
Form von soj7/?2W, einen „thorax remote punctatus" etc.
verlangt, was auf Gastroidea alpina Suffr. et auct. nicht
zutrifft, so ändere ich den Namen der letzteren hiermit
in Gastroid. lenta um.
Hierbei möchte ich den groben Fehler berichtigen,
den ich (Deutsch, ent. Z. 1882. 157 und Ins. Deutschi. VI.
517) gemacht habe. Daselbst ist die Chrysomela viennensis
Schrank für Phyllodecta tibialis Suffr. eingeführt, es
muss aber nach Schrank's Diagnose der letztere Namen
wieder hergestellt und die Chr. viennensis Sehr, auf Co-
laphiis sophiae bezogen werden. Ich hatte zu viel Gewicht
auf die gelben Schienen gelegt.
10. Crosita altaica Gebl. kommt noch bei Orenburg
(Faust) vor und ist deshalb zur europäischen Fauna zu
rechnen.
11. Chrysomela amhulans Fald. Mem. Ac. Petr. 1835.
II. 442 ist mit oricalcia Müller synonym.
12. Chrysomela variolosa Mannh. Dej. Cat. 3. ed. 425
(= in litt.) wurde zuerst von Motsch, Etud. ent. IIL 40
beschrieben, wonach das Citat im Münchener Kataloge
pag. 3431 zu berichtigen ist. Sie hat verwachsene Fld.
und keine Flügel, eine lebhafte nach Violett spielende
kupferrothe, oft bläulich oder grünlich angelaufene Ober-
seite, und sehr grob gereiht-punktirte Fld. Dagegen ist
die durch Farbe und Skulptur sehr ähnliche und oft ver-
wechselte Chrys. perforata Gebl. geflügelt und mit ihr
nicht näher verwandt, sondern in der Nachbarschaft
von Chr. salviae unterzubringen. Zur leichten und sicheren
Unterscheidung beider Arten dürften folgende Angaben
ausreichen: Chr. variolosa hat ein etwas breiteres, an
den Seiten gerundetes und vorn nicht so stark verengtes
Halssch. (als perforata), dessen Seitenwulst höher und
innen viel tiefer abgesetzt ist; die Punkte in den paarig
genäherten Reihen der Fld. sind in den meisten Fällen
zahlreicher, stets aber viel grösser und tiefer.
Es ist noch fraglich, ob Chrys. purp)urata Fald. Bull.
Neue sibirische Chrysomelideu und Coccinelliden. 175
Mose. 1832. 70. auf variolosa bezogen werden darf, da
sich aus Faldermanns Diagnose kein sicherer Schluss
auf die ausserordentlich grobe Punktirung der Deck-
schilde machen lässt. In Reitter's Sammlung befinden
sich kleine Stücke von variolosa, die nur die Grösse der
Chr. varians erreichen, von Sahlberg 2^^ purpurata Fald.
bestimmt.
13. Chrysomela .4Jamsz Bai y, Trans, ent. Soc. 1879.
190. kommt auch in Persien (Semenow) und am Amur
(Koltze) vor. Sie ist der grossa nahe verwandt und in
der Färbung recht ähnlich, aber viel gestreckter, und
besonders leicht am Halssch. zu unterscheiden, welches
nicht in leichtem Bogen fast gleichmässig nach vorn ver-
engt ist, sondern im ersten Drittel am breitesten und
von hier aus nach hinten schwach verengt ist; der den
Seitenwulst absetzende Eindruck ist breit und sehr tief;
dem Seitenrande parallel gebogen.
14. Chrysomela hrunnicornis : Aptera, obovata, sub-
convexa, nigra, supra leviter viridi-vel aurichalceo-micaus,
subnitida, antennis tarsisque rufo- brunneis, prothorace
fortiter transverso subtiliter punctato, lateribus sat rotun-
datis, callo laterali impressionibus 2 (posteriore pro-
fundiore) fortius punctatis terminato, elytris subtiliter
punctatis, punctis suturam versus in series nonnullas
dispositis. — Long. 4 — 5 mm. Altai, Mongolei.
Vorn weniger verschmälert, und im Ganzen viel
flacher als lichenis, die Eindrücke, welche den verdickten
Seitenrand des Halssch. absetzen, beinahe wie bei cerealis.
Ungeflügelt, schwach verkehrt -eiförmig, wenig gewölbt,
schwarz, oben dicht gewirkt, so dass der Glanz ab-
geschwächt ist, mit grünlichem öder bräunlich -messing-
gelbem Schimmer, Fühler und Tarsen mehr oder weniger
hell röthlichbraun, letztere zuweilen dunkelbraun. Kopf
zerstreut, auf dem Kopfschilde dichter punktirt. Halssch.
doppelt so breit als lang, sehr schwach gewölbt, vor der
Mitte am breitesten, nach vorn schneller als nach hinten,
jedoch beiderseits schwach verengt, mit gerundeten Seiten,
176 J. Weise:
auf der Scheibe massig dicht, fein punktirt, Seitenwulst
hinten von einem grossen und tiefen, grubenförmigen
Eindrucke begrenzt, welcher aussen scharf abgeschnitten
ist, nach innen und vorn allmählich ansteigt und hier
ungefähr in der Mitte endet. Davor befindet sich ein
schwächerer, stark punktirter Eindruck bis zum Vorder-
rande. Oft ist die Mittellinie des Halssch., wenigstens
vor dem Schildchen, leicht gewölbt. Fld. nach hinten
schwach erweitert, mit der grössten Breite am Beginn
des letzten Drittels, kaum so stark als das Halssch.
punktirt, mit einigen Reihen wenig stärkerer Punkte.
In der Regel lassen sich die 3, 4 oder 5 inneren Punkt-
reihen, seltener auch noch die beiden äusseren Reihen
erkennen.
Einige Stücke in der Sammlung des Fürsten Seme-
now, vom Altai und aus der Mongolei.
Die Art hat einige Aehnlichkeit mit Chr. 7nontana
Gebl., doch ist sie durch geringere Grösse und Wölbung,
breiteres Halssch. und den stark abgesetzten Seitenwulst
desselben leicht zu unterscheiden; ob sie mit Chrys. in-
structa Motsch. verwandt ist, lässt sich aus der un-
genügenden Beschreibung nicht erkennen. Meines Er-
achtens nach müssten instmcta, difficilis und regularis
Motsch. als nomina in litt, behandelt werden ; denn ihre
Beschreibung von je einer Reihe dürfte eigentlich nur
als entomologisches Preisräthsel verwendbar sein.
15. Chrysoinela seiiepimctata : Breviter elliptica, con-
vexa, coeruleo-nigra, nitida, antennis piceis, prothorace
fortiter transverso antrorsum evidenter rotundato - an-
gustato, minus dense subtiliter punctato, callo laterali
parum incrassato impressione minus profunda fortiter
ruguloso -punctata terminato, elytris fortiter seriatim
punctatis, interstitiis punctorum parce subtilissimeque
punctulatis. — Long. 5,5 mm. Amur (Christof).
Der Körperbau und die Grösse erinnert bei dieser
Art etwas an Chr. varians Schall, die Farbe und
Punktirung an haemoptera L., bei welcher das Thier auch
Neue sibirische Chrysomeliden mirl Coccinelliden. 177
einziireilien ist, obgleich die Form des Halsschildes nicht
gut in diese Grnppe passt.
Regelmässig- und breit elliptisch, von vorn nach
hinten in gleichmässigem Bogen gewölbt, blauschwarz,
lackartig glänzend, die Fühler und Tarsen mehr pech-
schwarz. Hals seh. kurz, doppelt so breit als lang, an
der Basis am breitesten, von hier nach vorn massig und
in merklicher Rundung verengt, die Scheibe schwach
gewölbt, wenig dicht, fein punktirt, nahe dem Hinter-
rande etwas stärker. Auf jeder Seite geht dieselbe in
einen grob punktirten, in der vorderen Hälfte sehr
flachen, hinten etwas tieferen Eindruck über, welcher den
breiten und beinahe spiegelglatten Seitenwulst deutlich
absetzt, aber kaum in die Höhe hebt. Fld. an der Basis
kaum breiter als das Halssch., bis zur Mitte wenig er-
weitert, dahinter wieder etwas verengt, zuletzt breit ab-
gerundet, ungefähr doppelt so stark wie bei haemoptera
in Reihen punktirt. Es sind wie gewöhnlich 9 Reihen
vorhanden, von denen die 8 äusseren paarig genähert
sind, allein sie treten nicht klar hervor, weil die sehr
breiten Räume, zwischen je zwei Doppelreihen mit zahl-
reichen gleich starken, hin und wieder ebenfalls gereihten
Punkten besetzt sind. In den Räumen zwischen allen
Punkten endlich sind äusserst feine Pünktchen ein-
gestochen.
Das Männchen ist an den leicht erweiterten Tarsen
und dem abgestutzten Hinterrande des letzten, stark ge-
wölbten Hinterleibsringes zu erkennen.
16. Chrysomela sihirica: Ovalis, sat convexa, nitida,
cupreo-violacea, antennis piceis, pedibus nigris, prothorace
brevi, convexo, crebre subtiliter punctato, callo laterali
antice depressione obsoleta fortius punctata, postice plica
profunda terminato, elytris, seriebus 9 punctorum per
paria approximatis impressis, interstitiis evidenter et sat
crebre subseriatim punctulatis. — Long. 6,5 — 7,5 mm.
Amur (Christoph 1877).
Var. a. Supra nigra, prothorace subcoeruleo-el} trisque
Avch. f. Naturgesch. 53. Jahrg. Bd. 1. J2
178 J. Weise:
leviter et obscure cupreo-micantibus, subtus nigro-
coeriilea.
Var. b. Omniiio nigra.
Der Chr. geminata Payk. verwandt, insbesondere
den Stücken derselben äbnlich, deren Fld. mit feinen
Punktreihen verseben sind, aber nach rückwärts mehr
erweitert, das Halssch. kürzer, stärker gewölbt, an den
stark herabgebog-enen Vorderecken bedeutend mehr ver-
engt, mit viel tieferem Eindrucke jederseits vor dem
Hinterrande. Bei Chr. ordinata Gebl., die in der
Punktirung eine gewisse Aehnlichkeit besitzt, ist der
Seitenwulst des Halsch. gleichmässig durch einen stark
punktirten Eindruck begrenzt.
Ziemlich breit eiförmig, gewölbt, in der Regel stark
glänzend, selten durch eine schwache, lederartige
Runzelung auf der Oberseite oder den Fld, weniger und
mehr seidenartig glänzend, dunkel kupferig- violett, mit
pechbraunen Fühlern und ziemlich schwarzen Beinen.
Das Halssch. ist sehr kurz, an der Basis mehr als
doppelt so breit wie lang, querüber wenig, nach vorn
stärker abwärts gewölbt, dicht und fein, oft sehr fein
punktirt, vor der Mitte in starker Rundung verengt, der
Seitenwulst breit, sparsam punktirt, vorn von einem
schwachen, oft kaum deutlichen Eindrucke begrenzt, der
grob punktirt ist, hinter der Mitte durch einen schnell
verbreiterten und vertieften furchenartigen Eindruck ab-
gesetzt. Fld. an den Schultern wenig breiter als die
Basis des Halsschildes, bis zu V3 der Länge allmählich
erweitert, mit neun massig starken, dichten Punktreihen,
wovon die acht äusseren paarig angeordnet sind. Die
Zwischenstreifen sind mit deutlichen, aber feinen Punkten
besetzt, welche in den schmalen Streifen meist zu einer,
in den breiteren zu mehreren ziemlich unregelmässigen
Reihen zusammentreten.
17. CJirysomela staphi/lea L. var. danrica Glebl. Nouv.
Mem. Mose. H. 1832. 73. ist durch die hell braunrothe
Farbe ohne jeden metallischen Schimmer, deutliche
Neue sibirische Chrysomeliden \\m\ Cocciiielliden. 179
Piinktinmg des Halssch. und die sehr starke Punktirung
der Fld. ausgezeichnet, aber nicht als Art anzusehen, da
positive Unterschiede von staphylea absolut nicht vor-
handen sind. In Europa kommen ähnliche hell gefärbte
und stark punktirte Stücke nicht vor, dagegen finden sich,
besonders in Gebirgsgegenden, vereinzelt Individuen,
denen ebenfalls der metallische Glanz mangelt.
18. Chrysomela Koltzei: Ovalis, convexa, nitida, auri-
chalceo-nigra, antennis nigris, pedibus viridi-vel coeruleo-
micantibus, prothorace inaequaliter minus crebre punctato,
callo laterali impressione fortiter punctata basin versus
profundiore terminato; elytris brunneis aut rufobrunneis,
sat crebre inaequaliter punctatis, seriebus 9 punctorum
majorum per paria approximatis. — Long. 6 — 8 mm.
Chabarofka, Pochrofka (Koltze).
Mas.: segmento ultimo ventrali ante apicem sub-
truncatum impresso.
Wer die stark punktirte Clir. danrica Sahlb. trotz
ihrer abweichenden Färbung eben als blosse Varietät der
im Verhältnisse dazu fein punktirten und dunkleren Clir.
staphylea kennen gelernt hätte, wäre sicher versucht, die
vorliegende Art als eine analoge nur dunkler gefärbte
Form der Chr. politah. anzusprechen; er würde jedoch,
sobald er die Gestalt des Penis in's Auge fasst, eines
Besseren belehrt werden.
Eiförmig, stark gewölbt, schwarz mit Messing-
schimmer, glänzend, die Fld. dunkel rothbraun, bei
frischeren Stücken hell ziegelroth, Mundtheile, Fühler und
Beine schwarz, letztere bläulich oder grünlich überflogen.
Halssch. mehr wie doppelt so breit als lang, mit der
grössten Breite ungefähr in der Mitte, an den gerundeten
Seiten nach hinten wenig, nach vorn stärker verengt,
der Seitenwulst massig breit und hoch, innen von einem
grob, runzelig punktirten Eindrucke begrenzt, der vorn
weniger tief, hinter der Mitte allmählich vertieft und ver-
breitert ist und innen nach und nach zu der massig ge-
wölbten, mit groben und feinen Punkten unregelmässig
12*
180 J- Weise:
aber incht dicht bestreuten und etwas unebenen Scheibe
ansteigt. Das Schildchen ist sparsam und fein punktirt.
Fld. wenig* breiter, aber etwas kürzer wie die von
staphi/lea, ziemlich dicht mit untereinander gemischten
starken und feinen Punkten besetzt, ausserdem noch mit
9 etwas stärkeren, paarig genäherten Punktreihen, die
sich aber nur undeutlich aus der übrigen Punktirung
herausheben, überhaupt nicht ganz regelmässig einge-
stochen sind.
Beim Männchen sind die Tarsen an den vorderen
Beinen erweitert, der letzte Bauchring ist gewölbt und
besitzt vor dem abgestutzten Hinterrande einen Quer-
eindruck. — Der Penis ist breit, nach vorn allmählich
und schwach erweitert, an der Oeflfhung am breitesten,
davor gerundet verengt und zuletzt breit abgestutzt. Die
Oeffnung ist nicht weit von der Spitze entfernt und die
davor liegenden Seitenränder sind in eine nach unten
gekehrte Leiste verdickt, welche am oberen Ende zahn-
förmig verlängert ist.
Diese Art scheint am Amur weit verbreitet zu sein.
19. Chrysomela aeruginosa Fald. Obwohl Falder-
mann diese Art von Irkutzk (Stchiikin) mit Recht der
CJir. salviae „valde-similis" nennt, finden wir sie bei Mot-
schulsky (Schrenck Reis. Am. pag. 228) unter der
sogenannten Gattung Taeniosticha^ woselbst mit ihr nicht
weniger als 5 Arten verglichen werden, während man
die salviae Germ, in der Gattung Bitiotaenia (1. c. 206)
zu suchen hat. Es folgt daraus, dass Motsch. nicht die
richtige, sondern irgend eine andere, der Chrys. lurida
ähnliche Art als aeruc/inosa angesehen hat; und da seine
Arbeit den meisten Entomologen besser zugänglich war
als die Mem. Ac. Petr. 1835, welche Faldermann's Be-
schreibung enthalten, so ist die fast ausnahmslos falsche
Bestimmung der aeruginosa in den Sammlungen erklärlich.
Ich hatte vergeblich eine richtige aeruginosa aus
meinen Thieren herausfinden wollen, bis Freund Koltze
eine Chrysomele vom Amur einsandte, auf welche die
Neue sibirische Chiysomeliden imd Coccinelliden. 181
Diagnose der genannten Art vortrefflich passt. Sie ist
den oberseits metallisch braunen oder dunkel oliven-
grünen Stücken der mhnae täuschend ähnlich, jedoch
bei gleicher Länge etwas breiter und gewölbter, durch-
gängig stärker punktirt, eine Spur glänzender, die Punkte
in den Doppelreihen der Fld. sind etwas dichter gestellt
und die Tarsen besitzen eine ganze Filzsohle, in Folge
dessen das Thier nicht zu aalciae gestellt werden darf,
sondern bei geudnata Payk. unterzubringen ist. lieber
die Frage, ob sich Chr. ordinata und umlalata Gebl.
specifisch von ihr unterscheiden lassen, vermag ich nicht
genügende Auskunft zu geben.
20. Chysoiiiela anrivhalcea Manne rh. Wer die erste
in Humm. Essais enthaltene Diagnose dieser Art (die
doch nur Gebier für den Grafen Mannerheim an-
gefertigt haben kann, da er sich in der Folge stets
ausdrücklich als Autor citirt) mit den folgenden Be-
schreibungen vergleicht, wird bald gewahr, dass die Art,
Avie die meisten Chrysomelen, nicht nur in der Farbe,
sondern auch in der Körperbildung variabel sein muss,
denn das Halsschild wird in der ersten Diagnose supra
conved'Ks^ in der zweiten schon (kplanatus genannt. Ich
habe durch ein reichliches Material aus Japan (Hiller)
und den Amurländern (Koltze) den Umfang der Art
kennen gelernt und gebe hier eine Uebersicht über den-
selben:
Chrysoiiiela anrichalcea: Elongato-subquadrato {^) vel
ovalis, postice dilatata et gibboso-convexa (5), cupreo-
aenea, nitida, subtus obscuriore, antennis piceis, articulis
primis plus minusve rufescentibus, prothorace brevi, con-
vexo, obsoletissime alutaceo, plus minusve punctato, apice
subprofunde emarginato, lateribüs sat rotundatis, callo
laterali antrorsum paullo dilatato impressione postice
profundiore sat fortiter punctata terminato ; elytris crebre
punctatis, saepe lineis 4 vix elevatis. — Long. 6 — 9 mm.
Sibiria, China borealis.
Mas : tarsis fortiter dilatatis, segmento ultimo ventrali
apice truncato et leniter bisinuato.
182 J. Weise:
Mannerh. (Gebier) Humm. Ess. IV. 39 (1825). ~
Gebier, Ledeb. Reise II. 3. 212 (1830); Käf. Westsibir.
Bull. Mose. 21. III. 20 (1848). — Suffr. Mon. 188. —
Weise Ins. D. VI. 3. 418.
Chrys. cwpraria Eversm. i. litt.
Var. a. angnsticollis : Prothorace magno, antice prosticeque
ang-ustato, lateribus fortius rotundatis.
Chrys. angnsticollis Motsch. Etud. ent. 9. 23 (1860).
Var. b. recticollis'. Prothoracepaullo convexo aut deplanato,
apice profunde emarginato lateribus fere rectis.
Sibiria. Japonia.
Var. c. Disco prothoracis fere laevi.
Chrys. Stall Baly Journ. of Ent. I. 95 (1860).
Var. d. Brunneo-aurichalcea.
Var. e. Supra aureo-seu aurichalceo-viridis.
Chrys. elevata Suffr. Mon. 189.
Var. f. lineella: Supra rubro-cuprea vel brunneo-aenea,
lineis 4 subelevatis elytrorum aurichalceis.
Var. g. Supra aut laete aut saturate violaceo-cuprea seu
laete purpureo-cuprea tota, vel capite protho-
raceque viridi-coruleo-aut violaceo-nigris.
Chrys. vlolaceicollis Motsch. Etud. 10. 21.
Var. h. Cyanea, subcupreo-nitens.
Chrys. gibhi'pennis Fald. Mem. Ac. Petr. 1835.
II. 441.
Chrys. cyanopitrpurea Ballion Bull. Mose. 1878.
IL 371.
Var. i. Cyanea aut saturate nigro-coerulea.
Var. k. asdqiiadis: Nigro-violacea, supra subtiliter va-
geque punctata, prothorace apice quam basi
parum angustiore, lateribus in medio subparallelis
antice posticeque subrotundato-angustatis. —
Europa media et meridionalis passim.
Chrys. asclepiadis Villa Col. Eur. dupl. 1833. 36.
— Küst. Käf. Eur. 1. 84. — Suffr. Mon. 187. — Motsch.
Schrenck Reise IL 202. — Weise 1. c. 3. 418.
Die wahre Heimath der Art ist in den Gebirgszügen
Neue sibirische Chrysomeliden und Coccinelliden. 188
zu suchen, die sich auf der Grenze von Sibirien und
China hinziehen, von hier aus verbreitet sie sich östlich
noch auf die japanischen Insehi und westlich in die
gebirgigen Theile von Europa, ungefähr zwischen dem
51. und 45. Parallelkreise.
Das hauptsächlichste Erkennungsmerkmal bildet die
Form des Körpers, welcher namentlich beim Weibchen
in der Mitte stark querüber gewölbt, nach vorn all-
mählich, nach hinten schnell und stark abfallend und
als buckelig gewölbt zu bezeichnen ist. Das Männchen
ist klein, fast gleichbreit, an beiden Enden wenig ver-
engt, das Weibchen von den Vorderecken des Halssch.
bis hinter die Mitte allmählich fast in grader Linie er-
weitert, hinten breit abgerundet.
Kopf klein, in der Regel fast glatt, glänzend, zu-
weilen jedoch matt oder deutlich und mehr oder weniger
dicht punktirt, an das bogenförmig und meist tief ab-
gesetzte Kopfschild zieht sich von jedem Auge her ein
Schrägeindruck nach unten, der den Raum über der
Fühlerwurzel beulenartig emporhebt. Die ziemlich flache
Stirn kann eben, oder mit einer Mittelrinne versehen sein.
Die Fühler sind schlank, pechschwarz, grünlich- oder
bläulich -schwarz, die zwei bis fünf ersten Glieder
grösstentheils, oder doch auf der Unterseite röthlich.
Halssch. kurz, wenigstens doppelt so breit als lang,
mit massig gerundeten Seiten, in oder vor der Mitte am
breitesten, im ersten Falle beiderseits fast gleichmässig,
im andern nach hinten allmählicher als nach vorn ver-
engt, an der Spitze massig tief in fast regelmässigem
Bogen ausgeschnitten, die Vorderecken stumpf, etwas
niedergedrückt, die Hinterecken rechtwinkelig, die Scheibe
gewölbt, äusserst fein lederartig gerunzelt und ungleich-
massig, bald sparsam, bald dicht und mehr oder weniger
stark punktirt, selten fast ohne Punkte {Chr. 6'iä/i Baly),
oft mit glatter Mittellinie, welche bei vielen Stücken
kielförmig emporgehoben ist. An den Seiten wird die
Scheibe durch einen breiten, mehr oder weniger grob
punktirten und hinter der Mitte stark vertieften Eindruck
184 J. Weise:
von dem massig; hohen Seitenwulste getrennt. Das
Schildchen ist dreieckig, mit geraden oder gerundeten
Seiten, meist glatt. Fld. massig dicht, oder dicht,
ziemlich kräftig punktirt. Die Punkte sind ganz ver-
worren, oder es treten aus der Punktirung 9 nicht ganz
regelmässige Reihen mehr oder weniger deutlich hervor.
Die erste Reihe hefindet sich an der Naht, ist vorn
schwach, schlecht ausgeprägt und vertieft sich hinter
der Mitte zu einem tiefen Nahtstreifen, die andern Beihen
stehen paarweise und schliessen so vier schmale, glatte,
oft schwach erhabene Längsstreifen ein, die jedoch nie
so merklich und scharf hervortreten als bei der Ver-
wandten von Chi\ geminaia^ weil die Punkte der ein-
schliessenden Reihen kaum stärker sind als die in den
breiten Zwischenstreifen.
Der Penis bildet eine oben leicht, flach gedrückte
und mit einer Längsrinne versehene Röhre, welche nur
vorn stärker gekrümmt ist; an der kleinen Oeffnung be-
findet sich jederseits eine tiefe, bogenförmige Ausbuchtung,
so dass der vordere kurze und breite, sehr stumpf drei-
eckige Theil auf jeder Seite in eine nach hinten ge-
bogene haarscharfe Spitze ausgezogen ist und sichelförmig
aussieht. Wollte man eine Verwandtschaft aus der
Penisform herleiten, so wäre die Art am nächsten an
dir, fadtiosa L. heran zu rücken.
Die drei hauptsächlichsten Abänderungen sind der
Gestalt des Halsschildes entlehnt, indem dieses 1., mehr,
2. weniger als bei normalen Stücken erweitert, 8. in der
Mitte ziemlich parallel und jederseits kurz und schnell
verengt ist.
1. Var. angnüicollis Motsch. Aus dem Namen
müsste man auf ein schmales Halssch. schliessen, letzteres
ist jedoch in Wirklichkeit im Verhältnisse zu den Fld.
autfällig breit, in der Regel etwas vor der Mitte am
breitesten und nach hinten fast stärker gerundet-verengt
als nach vorn, weshalb es Motschulsky, der auf das
Thier sogar eine besondere Gattung gründete, ,,postice
subcordato, antice oblique angustato" nennt. Die Scheibe
Neue sibirische Chrysomeliden und Coccinellideu. 185
des Halssch. ist, wie bei der echten auvichalcea gewölbt,
auch die Ausbiichtimg des Vorderrandes und die Vorder-
ecken sind ganz ähnlich. — Am Amur häufig, in Japan
scheinbar selten.
2. Var. recticollls. Das Halssch. ist schmal, gradlinig
nach vorn verengt oder die Seiten sind bis zum ersten
Drittel beinahe parallel und laufen dann in leichter
Rundung nach innen, der Vorderrand ist viel tiefer und
über den Augen mehr winklig-ausgebuchtet, die Vorder-
ecken sind kaum hinabgedrückt, stärker vorgezogen und
weit spitzer als bei anrichalcea. — Häufig in Japan,
selten am Amur.
3. Var. a.^clejiicuHs Villa. Diese, der europäischen
Fauna angehörige Form ist durch die feine und ver-
loschene Punktirung der Oberseite ausgezeichnet und
besitzt ein Halssch., dessen Seiten in den mittleren Ve
ziemlich parallel, in den beiden Endsechsteln dagegen
verengt sind, der Seitenwulst ist besonders in der vorderen
Hälfte höher, innen deutlicher abgesetzt wie bei den
vorstehenden asiatischen Formen.
Farbenabänderungen sind bei der schwarzvioletten,
auf den Fld. mehr kupferig schimmernden Chr. asdepiadis
in so geringfügigem blasse beobachtet worden, dass sie
kaum eine besondere Erwähnung verdienen, dagegen
variirt die Farbe der Oberseite, die hier hauptsächlich
in's Auge gefasst werden soll, bei den in Asien ein-
heimischen Formen ganz bedeutend. Die Ckr. anrichalcea
Mannh. vom Altai, von welcher ausgegangen werden
muss, wird ciipreo aenea genannt, also broncefarbig, mit
einem mehr oder weniger starken Kupferschimmer, oft
sind die Ränder des Halssch.,- sowie der Naht- und
Seitenrand der Fld. schmal, aber verwaschen und wenig
abstechend grün gesäumt; hierzu kann man auch noch
die Exemplare mit dunklerem (braun -broncefarbenen,
violett-kupfrigen oder schwärzlichen) Halsschilde rechnen.
Mir sind nun folgende Farbenvarietäten bekannt:
186 J. Weise:
V. d. bräunlich bis sehr dunkel broncefarbig, ohne jeden
kupfrigen Schimmer.
V. e. Messingfarbig grün (elevata Suffr.).
V. f. Gesättigt kupferroth bis dunkel broncefarbig, auf
jeder Fld. der Seitenrand, die vier glatten Längs-
linien und die Naht rein und lebhaft messinggelb
oder messingfarbig mit grünlicher Beimischung
(lineella Ws.), Amur.
V. g. Hell od. dunkel kupferroth mit bläulichem Schimmer
oder sehr lebhaft metallisch purpurroth, einfarbig,
oder Kopf und Halssch. grünlich-, bläulich-, bis
violett-schwarz (violaceicollis M o t s ch). Amur. Japan.
V. h. Hell oder dunkel kornblumenblau, mit schwachem
Kupferschimmer (gihhipennis Fald.).
V. i. Rein kornblumen- oder dunkelblau.
Es ist ohne Ansicht typischer Exemplare schwer, die
Synonymie der Art befriedigend festzustellen und ich
habe mich deshalb soweit als möglich an die im Harold'-
schen Kataloge auf pag. 3416 gegebene angelehnt, obwohl
aus der Beschreibung von angnsticollis Motsch. die Zu-
gehörigkeit zur vorliegenden Art nicht zweifellos hervor-
geht, weil das Thier daselbst ungeflügelt genannt wird.
21. Phytodecta rufipes Deg. Sämmtliche Stücke vom
Amur (Chabarofka, Koltze) sind merklich grösser als
die europäischen und eine Spur kräftiger punktirt. Es
tritt eine sehr auffällige Varietät: collaris m. auf, welche
ein einfarbig rothgelbes Halsschild besitzt, während
die 5 schwarzen Flecke jeder Fld. deutlich ausgeprägt
und in der Regel viel grösser sind als bei der mit
schwarzen Basalmakeln auf dem Halsschilde versehenen
Normalform, so dass einige von ihnen, z. B. 3 und 4,
oder 1 und 2 fast zusammenstossen, mitunter vollständig
zusammenfliessen. Hierdurch wird auch bei dieser Art,
deren Färbung bisher für ziemlich constant gehalten
wurde, der Satz bestätigt, dass bei den Phytodecten die
Zu- oder Abnahme der dunklen Zeichnung auf dem
Neue sibirische Chrysomeliden und Coccinelliden. 187
Halsschilcle ohne Einfluss auf die Zeichnung der Flügel-
decken bleiben kann.^)
22. Gastrolina jajmna Jacoby (Proceed. Zool. 8oc.
London 1885. 210. t. 11. f. 12.), metallisch grün, Hals-
schild und Beine roth, Knie und Tarsen oft dunkel, er-
hielt ich von Reitter aus dem Amurlande. Ich bin
nicht recht davon überzeugt, dass sich das Thier wesentlich
von Gastr. peltoidea unterscheidet, besitze jedoch zu
wenig Material, um die Identität beider Formen fest-
stellen zu können. Im Allgemeinen variirt die Farbe
bei unserer Melasoma collaris ähnlich wie bei peltoidea
und ja2mna.
23. Phaedoti (^Sternoplatys) Iwnisphaericus : Apterus,
fere hemisphaericus, postice leviter acuminatus, nigro-
aeneus, interdum coeruleo micans, nitidus, antennarum
basi, tibiis tarsisque piceis, ano rufo, prothorace paruni
convexo, antrorsum angustato, lateribus fere rectis, supra
sat crebre punctato, interstitiis subtilissime punctulatis,
elytris callo humerali nullo punctato-striatis, stria prima
pone medium subsulciformi, interstitiis subtilissime punc-
tulatis, Serie adjecta e punctis paucis formata, linea mar-
ginali ubique evidenter impressa. — Long. 3 mm.
In die Gruppe der ungcflügelten Phaedon-Arten, für
welche Motschulsky die Gattung Stemoplatys errichtete,
gehörten bis jetzt 3 Arten, von welchen segnü durch die
vorn schwache oder ganz fehlende Seitenrandlinie der
Fld., fnlvipes Motsch. und Fausii m. durch rothgelbe
*) Zur europäischen Fauna gehört noch:
Melasoma cuprea F. var. sarmatica : Nigro-aenea, elytris brunneis
sutura nigro aenea vel rufo-testaceis , limbo suturali, interdum etiam
callo humerali rubro-coeruleis.
Die auffällige Varietät ist auf den Fld. mehr oder weniger
dunkel braun, zuweilen mit leichtem Kupferschimmer, der unpunktirte
Nahtrand schwarzgrün, oder die Fld. sind gelbbraun, ein verschieden
breiter, hinter der Mitte oft erlöschender Saum an der Naht, mit-
unter auch der Schulterhöcker, schön metallisch blau, nach aussen
allmählich durch violett in roth und rothbraun übergehend.
Herr Faust sandte mir einige bei Minsk gesammelte Stücke.
188 J- Weise:
Beine ausgezeichnet sind. Die vorstehende vierte Art
hat dunkle Beine wie segnis, aber eine tiefe Randlinie
der Fld. und lässt sich schon durch die Körperform von
den übrigen unterscheiden.
Beinahe halbkugelig, jedoch vorn etwas abgestutzt,
hinten leicht und kurz zugespitzt, metallisch grünlich-
schwarz, zuweilen bläulich schimmernd, stark glänzend.
Die Fühler namentlich an der Basis, Schienen und Tarsen
pechschwarz, der After roth gesäumt, die unter den Fld.
verborgene Afterdecke gänzlich rothbraun. Kopf mit
massig tief abgesetztem Kopfschilde, dicht punktirt;
Hals seh. am Grunde mehr als doppelt so breit wie lang,
nach vorn stark und beinahe gradlinig verengt, am Vorder-
rande durch eine deutliche Linie leistenförmig aufgebogen,
aber wenig gewölbt, etwas weitläufiger und feiner als
der Kopf punktirt, die Punkte in der Mitte der Scheibe
strichförmig, nach den Seiten hin etwas stärker, rund.
Fld. ohne Spur einer Schulterbeule, ihre 8 Punktstreifen
vorn weder besonders tief eingedrückt noch stark
punktirt, am Vorderrande allmählich erlöschend, hinten
etwas tiefer, der erste hinter der Mitte furchenartig, an
der Spitze deutlich mit der tiefen Randlinie verbunden,
welche den leistenförmigen Seitenrand der Fld. absetzt.
Die Zwischenstreifen sind äusserst fein punktulirt, der
äusserste ist mit einer unregelmässigen Punktreihe be-
setzt, deren Punkte sehr weit von einander abstehen und
viel feiner sind als die Punkte in den Streifen. Brust
und Bauch sind sparsam punktirt.
Bei Vladivostok (Gräser, Koltze).
Stemoplatys falvipes Motsch., welches ich durch
H. Koltze von Chabarofka erhielt, ist von der Mitte
der Fld. bis zum Kopfe merklich und beinahe in einer
Flucht verengt, mit fast gradlinigen Seiten des Halssch.,
namentlich beim Weibchen. Die Körperfarbe ist der von
Prasocuris aucta ähnlich, schwarz, mit blauem oder
grünem Schimmer; die Beine sind roth, nur die Trochan-
teren schwarz. Unterseite massig dicht, aber ziemlich
grob, Kopf und Halssch. dicht und fein punktirt. Die
Neue sibirische Chrysomeliden und Coceinelliden. 189
8 starken Punktreihen der Fld. sind gleicliweit von ein-
ander entfernt, die erste an der Naht merklich vertieft,
eine neunte Reihe wird durch einzehie grobe Punkte
angedeutet, die Schulterbeule wird innen durch eine
Vertiefung deutlich abgesetzt, in der sich die achte
Punktreihe hinzieht. — L. 3,5 — 4 mm.
Der sehr ähnliche Ph. Fansü m. von Ochotsk (8ahl-
berg) ist metallisch grün, wie Ph. pyritosHs, durchweg
stärker punktirt, die Punktreihen der Fld. paarig geordnet,
die neunte Reihe fehlt, ebenso die Schulterbeule, das
Halssch. ist an den Seiten gerundet etc.
Im Münchener Kataloge ist pag. 3473 Stern oplati/s
fälschlich bei Phyllodecta untergebracht.
24. Jjuperus minutus Joann. Die nach einem Stücke
angefertigte Beschreibung ergiebt bei einem Vergleiche
mit der von altaicus so geringfügige Unterschiede, dass
ich (Ins. Deutschi. VI. 593) zu der Ansicht gelangte, sie
könnte nach einem kleinen und frischen Stücke des
altaicHs entworfen worden sein. Dies ist ein Irrthum,
den ich erkannte, als mir ein kleiner Calonücrus aus
Sibir. or. (Semenow) zuging, auf den die Diagnose von
minutus Joann. zutrifft. Derselbe ist dem altaicus sehr
unähnlich, erinnert vielmehr in der Grösse, der Farbe
der Oberseite, im Körperbau und der Punktirung recht
an Aphthona nonstriata Goeze (coerulea Payk.) Die Stirn
besitzt ausser der organischen Borste jederseits kein
Härchen, das Halssch. ist quer, etwa um die Hälfte
breiter als lang, die Fld. ziemlich dicht doppelt punktirt,
mit glattem Grunde, sehr vereinzelt mit aufstehenden
weisslichen Härchen besetzt. Oberseite entweder ganz
einfarbig dunkel stahlblau, oder grünlich blau, Halsschild
und Schildchen mehr violett, Unterseite schwarz, zweites
und drittes Fühlerglied wie die Knie röthlichbraun.
25. Galerucdla distincia Baly. Die Art ist als Ga-
leruca (Trans, ent. Soc. 1874 pag. 178, Arbeit über Ja-
panische Chrysomeliden) ohne Vergleich mit einer der
überaus ähnlichen Arten beschrieben worden. Sie ist
durchschnittlich etwas kleiner, namentlich länger als
190 J. Weise:
G. sagittariae Gry 11h., mit unmerklich dünneren Fühlern,
das Halssch. erscheint im Verhältnisse zu den Fld. noch
etwas kleiner, der Nahtwinkel der Fld. endlich ist nicht
ganz so stark abgerundet, etwas schärfer als bei der
genannten Art. Diese Unterschiede vermag ich jedoch
nicht als specifische anzusehen, sondern betrachte die
G. distincia als eine etwas schmächtige Form der G. sa-
gittariae. Mir liegen Stücke aus Japan (Hiller), aus
Thinthong in China (von Frivaldszky) und vom Amur
(Christoph) vor.
26. Galerucella flavescens: Oblongo-ovalis, convexi-
uscula, pube subtilissima , pallida, sat dense vestita,
flavo-testacea, antennarum articulis apice infuscatis,
prothorace carina media foveisque 2 obsolete impresso,
vage punctulato, elytris sat crebre subtiliter punctatis,
epipleuris fere usque ad angulum suturalem rotundatum
continuatis. — Long. 3,5 mm.
Kleiner, aber von ähnlicher Körperform als G. vihumi
Payk., jedoch durch die kurzen Wangen und Mandibeln
mit dieser nicht, sondern mit xanthomelaena verwandt,
und der macnlicollis Motsch. am nächsten stehend.
Letztere ist mehr wie doppelt so gross, weit gestreckter,
kräftiger punktirt, der Nahtwinkel an der Spitze der Fld.
weniger abgerundet, der ganze Körper anders gefärbt,
Kopf und Halssch. mit schwarzen Makeln besetzt.
Länglich eiförmig, massig gewölbt, sehr fein weisslich
behaart, etwas glänzend, hell bräunlichgelb, die einzelnen
Fühlerglieder an der Spitze gebräunt, die ziemlich grossen
Augen schwarz. Stirnhöcker wenig gewölbt, von feinen
aber tiefen Rinnen begrenzt. Halssch. kurz, vorn
schmaler als hinten, die Seiten fast winkelig erweitert,
oben kräftig querüber gewölbt, nicht dicht, fein und ver-
loschen punktirt, die Mittelfurche und die grosse Grube
jederseits derselben nur angedeutet. Schildchen viereckig.
Fld. ziemlich dicht, etwas stärker und deutlicher wie
das Halssch. punktirt, die Epipleuren bis zur gerundeten
Nahtecke fortlaufend.
Amur (Koltze).
Neue sibirische Chrysomeliden und Coccinelliden. 191
27. Galer acella signaticeps: Ovalis, sat convexa,
pube subtilissima pallida sat dense vestita, laete brimneo-
rufa, antennis, fronte, macula elongata media prothoracis,
scutello, pectore pedibusque nigris, protborace carina
media sat obsoleta foveisque 2 latis et siibprofuiidis im-
presso, crebre puiictato, elytris densissime pimctatis,
epipleuris ante angulum suturalem rotundatum evanes-
centibiis. — Long*. 4,5 mm.
Bedeutend kürzer, breiter und gewölbter als G. Uneola^
etwas stärker, jedoeli viel weniger dicbt weisslich behaart
als diese, lebhaft bräunlich roth, wenig glänzend, die
Fühler mit Ausnahme der ersten, an der Spitze ge-
wöhnlich pechbraunen Glieder, der Kopf über der Fühler-
wurzel, die Mittelrinne des Halssch., Schildchen, Mitte
der Vorderbrust, die ganze Mittel- und Hinterbrust, sowie
die Beine schwarz. Stirnhöcker klein, ziemlich gewölbt,
durch eine tiefe Rinne getrennt, oben schwach begrenzt.
Halssch. um die Hälfte breiter als lang, vorn wenig
schmaler als hinten, die Seiten in der Mitte stark er-
weitert; oben wenig gewölbt, dicht und ziemlich stark
punktirt, mit einer breiten, wenig tiefen Mittelfurche und
grossen, ziemlich tiefen Seitengruben. Fld. noch dichter,
aber eine Spur schwächer punktirt als das Halssch., die
Epipleuren endigen ein Stück vor der abgerundeten Naht-
ecke, indem sich beide Randleisten verbinden.
Beide Geschlechter besitzen auf dem letzten Bauch-
ringe eine dreieckige, nach hinten erweiterte Aushöhlung,
die fast bis an den Vorderrand reicht.
Bei Vladivostok (Gräser, Koltze).
28. Monolepta snbseriata: Oblonga, subparallela, con-
vexiuscula, subtiliter alutacea, sat nitida; antennis nigris,
articulis 3 primis, capite, prothorace pedibusque flavo-
rufis, elytris coeruleo-virescentibus crebre subseriatim
punctatis, interstitiis parce punctulatis, pectore abdomi-
neque nigris. — Long. 3,2 mm.
Der Mon. eri/throcephala Ol. ähnlich, bedeutend
schlanker, das Halssch. nach den Seiten viel weniger
192 J. Weise:
gewölbt, die Fiel, in den Schultern breiter heraustretend,
dahinter fast parallel, die ganze Oberseite deutlich leder-
artig- gewirkt, stärker, auf den Fld. in dichten Reihen
punktirt, die Tarsen nicht dunkel.
Fühler schwarz, die ersten drei Glieder lebhaft roth-
gelb, Glied 3 so lang als 2, Kopf gelblichroth, wie bei
der verwandten Art gebaut, der Mund nicht schwarz,
sondern nur gebräunt, die Stirn über der tiefen Quer-
rinne dicht gewirkt. Hals seh. gelblichroth, etwas breiter
als lang, hinter den Vorderecken am breitesten, nach
rückwärts wenig und fast gradlinig verengt, oben nur
massig gewölbt, so dass der breit abgesetzte Seitenrand
(bei der Ansicht von oben) überall deutlich zu sehen ist;
zwischen der feinen Netzelung verhältnissmässig stark
punktirt, mit einem bogenförmigen Eindrucke, dessen
tiefere Enden nach den Vorderecken gerichtet sind und
die vor ihnen liegende kleinere Hälfte des Halssch.
etwas emporheben. Schildchen klein, schwarz, dreieckig,
glänzend, wie bei erythrocephala. Fld. am Grunde
merklich breiter als das Halssch., nach hinten unbedeutend
erweitert, mit geraden Seiten, grünlichblau, sehr fein
und dicht lederartig, gerunzelt und dicht und kräftig
punktirt. Die Punkte sind in der Nähe der Naht ver-
worren, bilden aber nach aussen zu deutliche Reihen,
deren schmale Zwischenräume mit feineren Punkten be-
setzt sind, die eine sehr unregelmässige Reihe bilden. Die
Vorderbrust und die Beine sind einfarbig gelblichroth,
der übrige Theil der Brust und der Bauch schwarz. Die
Bildung der Flügeldeckenspitze und der Tarsen stimmt
ganz mit der von eryth'ocepJtala überein.
Die Art ist so charakteristisch, dass ich sie beschrieben
habe, obwohl mir nur ein Exemplar vorliegt. Dasselbe
wurde von Herrn Gräser bei Chabarofka gesammelt.
29. Clialcoides picvpes: Ovata, sat convexa, subtus
nigra, antennarum articulis 4 primis, tibiis tarsisque
fuscis, supra nigro-viridi-coerulea vel obscure viridi-aenea,
splendens; prothorace lateribus rotundatis ante basin
leviter sinuatis, supra fortius inaequaliter punctato, im-
Neue sibirische Chrysomeliden und Coccinelliclen. 193
pressione transversa profunda, elytris punctato-striatis,
punctis striarum sat crebris, interstitiis latis subtilissime
punctulatis. — Long. 3 — 3,5 mm.
Am nächsten mit Crej}. anrcita Marsh, verwandt,
jedoch etwas kürzer und breiter und durch die einfarbige
Oberseite, dunklere Fühlerwurzeln, Schienen und Tarsen
leicht zu unterscheiden.
Eiförmig, gewölbt, unten schwarz, oben dunkel
grünlich-blau oder tief metallisch grün, bläulich ange-
haucht, stark glänzend. Fühler schwarz, die ersten vier
Glieder röthlichbraun, die Wurzel des Basalgliedes meist
dunkel, Schenkel schwarz. Schienen und Tarsen roth-
braun, die Basis der letzteren oft etwas heller. Halssch.
um die Hälfte breiter als lang, vorn etwas mehr als
hinten verengt, an den Seiten gerundet und vor der Basis
und hinter der vorderen Borstenpore ausgeschweift, auf
der Scheibe massig dicht und stark punktirt, mit sparsam
und fein punktirten Zwischenräumen; der Quereindruck
tief. Fld. regelmässig punktirt-gestreift, die Punkte in
den Reihen ziemlich dicht hintereinander eingestochen.
Zwischenstreifen breit, eben, sehr fein punktulirt.
Der Penis ist stark gebogen, an der langen Oeffnung
etwas erweitert, vorn breit abgerundet, auf der Unter-
seite unterhalb der Oeffnung löffeiförmig ausgehöhlt.
Bei Chabarofka und Wladivostok. Von H. Koltze
erhalten.
30. Plectroscelis splendens Motsch. ist eine ächte
Chaetocnema^ mit breiter Oberlippe und ohne Kiel zwischen
den Fühlern. Sie ähnelt am meisten der C/i. Coyd All.,
besonders solchen Stücken, bei denen der Nasenkiel sehr
breit und flach wird, besitzt aber eine überall gleich-
massig punktirte Stirn (welche bei Coyei nur einen
punktirten Querstreifen hat) und vollkommen unpunk-
tirte, bei starker Vergrösserung überaus dicht und fein
gewirkte Zwischenstreifen der Fld. Letztere sind blau
oder grünlichblau gelärbt, das Halssch. und der Kopf
dunkel broncefarben oder metallisch braun. Nun giebt
Aich. f. Naturgesch. 53. Jahrg. Bd. I. 13
194 J. Weise:
es auch Exemplare, bei denen die Oberseite einfarbig
braun metallisch oder broncefarben wird, und die sich,
ausser dieser Färbung-, durch nichts unterscheiden lassen,
obwohl Motschulsky darin eine besondere Art, seine
PL aenea (Schrenck Reis. Amur 235) erblickte. Dieselbe
ist hinfort als Farbenvarietät zu splendens zu stellen und
die von H. von Hey den bewirkte Umänderung des
Namens in daurica wohl nicht nöthig.
Herr v. Semenow sammelte das Thier in der Mon-
golei, sonst ist es am Amur weit verbreitet.
31. Plcctroscelis costulata, granosa und co/iv^.^'aMotsch.,
alle drei in Schrenck, Eeis. Amur H. 234 beschrieben,
sind von hortensis Fourcr. {aridella Payk.) nicht zu trennen,
da sich aus der Beschreibung kein Unterschied ergiebt,
vielmehr aus derselben hervorgeht, dass Mo t seh. die
Veränderlichkeit von hortensis gar nicht beachtet hat.
32. Psylliodes cyanesceiis: Subaptera, ovata, convexa,
nigra, antennarum articulis 3 primis ferrugineis, genubus
tarsisque piceis, supra cyaneo-nigra, nitida, fronte pro-
thoraceque subtilius alutaceis et disperse subtiliter, sed
profunde punctatis, hoc antrorsum modice angustato,
elytris punctato-striatis, interstitiis concinne punctulatis,
callo humerali obsoleto. — Long. 3,2 mm. Chabarofka
(Koltze).
Regelmässig, doch etwas lang-oval, hoch gewölbt,
schwarz, die beiden ersten Fühlerglieder heller, das dritte
dunkler rostroth. Knie (in geringer Ausdehnung) und
Tarsen pechbraun, die Oberseite schwarz, mit kornblumen-
blauem Anfluge, glänzend. Kopf wie bei Ps. napi ge-
baut, fein gewirkt und zerstreut und fein, aber tief
punktirt. Halsschild um die Hälfte breiter als lang, stark
querüber gewölbt, nach vorn massig zusammengedrückt
und verengt, fein gewirkt und weitläufig fein und tief
punktirt, die Punkte in der Mitte nur wenig feiner als
an den Seiten. Die Flügeldecken bilden mit dem Hals-
schilde ein regelmässiges Oval und sind an der Basis
kaum breiter als letzteres, sie erweitern sich schwach
Nene sibirische Chrysomelideii und Coccinellideii. 195
bis zur Mitte, sind dahinter wieder allmählicli verengt,
an der Spitze noch massig breit abgerundet, mit schwach
gerundeter stumpfwinkeliger Nahtecke. Die Schulter-
beule ist sehr niedrig, innen schlecht begrenzt, die Streifen
sind wenig tief, dicht punktirt, hinter der Mitte abge-
schwächt, die Zwischenstreifen breit, unmerklich gewölbt,
zahlreich, deutlich und fein punktulirt. Yorderbrust vor
den Hüften breit und ziemlich eben; Hinterschienen massig
schlank, breiter als bei napi^ der erste Schienenhöcker
ziemlich niedrig, spitz, der zweite abgerundet.
Obgleich nur ein Stück vorliegt, welches mir Herr
Koltze freundlichst überliess, halte ich die Artrechte für
wohlbegründet ; von Pk. najri w^eicht das Thier bedeutend
ab, und kann besonders an der nicht heraustretenden,
mit dem Grunde des Halsschildes gleichbreiten Basis der
Fld. leicht unterschieden w^erden; Ps. picipes Redtb. ist
schlanker, der Vorderkörper feiner punktirt, Fühler und
Beine viel heller, Ps. suhaenea endlich viel kürzer und
besonders vorn breiter gebaut.
33. Haltica hisulcata: Oblongo-ovata, convexiuscula,
viridi-aenea, sericeo micans; tuberculis frontalibus ellip-
ticis; prothorace subtransverso, antrorsum paullo an-
gustato, lateribus medio leviter rotundatis, angulis anticis
fere acutis, supra convexo, obsoletissime alutaceo et sub-
tiliter punctato, postice sulco transverso parum profunde
impresso; elytris evidenter alutaceis, minus dense punc-
tatis, sulco sublaterali profundo, utrinque abbreviato in-
structis. — Long. 4 — 4,3mm. Wladivostok (Koltze).
Mas.: tarsis anticis articulo primo dilatato, segmento
quinto ventrali medio profunde impresso, margine postico
utrinque sinuato, medio rotundato-producto.
Var. a. Coeruleo, suhvirescens.
Mit H. quercetorum Foudr. verwandt, jedoch nur
von der Grösse der H. oleracea und dieser auch im
Körperbau ähnlich. Länglich eiförmig, massig gewölbt,
lebhaft metallisch -grün, seidenglänzend; namentlich auf
den Flügeldecken, selten grünlichblau (Var. a). Die
13*
196 J. Weise:
Stirnhöcker sind elliptisch und stehen parallel neben
einander; das Halsschild ist wenig* breiter als lang, nach
vorn schwach verengt, die Seiten zweimal sanft ans-
gebuchtet, dazwischen gerundet, die vordere Borstenpore
steht nahe an den etwas vorgezogenen, ziemlich spitzen
Vorderecken, die Oberfläche ist äusserst fein gewirkt
und fein, nicht punktirt, der winkelförmige, stärker
punktirte Streifen jederseits in der vorderen Hälfte hebt
sich kaum aus der Punktirung heraus, die Querfurche
ist seicht, zweimal leicht gebuchtet, an der Seite etwas
vertieft. Flügeldecken an den Schultern die Basis des
Halsschildes nur wenig überragend, mit langer Schulter-
beule, an den Seiten schwach und fast gradlinig er-
weitert, im letzten Viertel schnell gerundet-verengt, oben
massig gewölbt, deutlich gewirkt und nicht dicht punktirt,
mit einer breiten und sehr tiefen Furche parallel dem
Seitenrande, welche hinter der Schulter beginnt und etwas
vor der Spitze endet. Der Bauch ist zerstreut punktirt,
das letzte Segment des Männchens, in der Mitte stark
vertieft, der Hinterrand zweimal gebuchtet und in der
Mitte in einen gerundeten Zipfel verlängert.
34. Sebaethe amurensis: Ovalis, parum convexa, ni-
tida, nigra, antennarum basi labroque plus minusve ferru-
gineis, prothorace parce punctulato, elytris cyaneis aut
violaceis, crebre punctatis, interstitiis laevis sparsim sub-
tilissimeque punctulatis. — Long. 4 — 5 mm. Wladivostok
(Koltze).
Mas.: Articulo primo tarsorum auticorum dilatato.
S. plagioderoides Solsky, Horae VHI. 1872. 260.
Ziemlich breit eiförmig, wenig gewölbt, glänzend,
oben kahl, unten sparsam und sehr fein behaart, schwarz,
Fld. kornblumen- oder veilchenblau, die Oberlippe und
die ersten Fühlerglieder mehr oder weniger rostroth.
Fühler ungefähr zwei Drittel so lang als der Körper,
massig dünn. Stirn über den länglich-eiförmigen, ringsum
deutlich begrenzten und oben durch eine tiefe Grube ab-
gesetzten Beulen ziemlich dicht punktirt. Halssch.
Neue sibirische Clirysomelideii und Coccinelliden. 197
doppelt so breit als lang, von den abgerundeten Hinter-
ecken nach vorn massig und allmählich verengt, weit-
läufig und fein punktirt. Fld. hinter den Schultern
wenig erweitert, namentlich beim Männchen, oben dicht,
deutlich und tief punktirt, mit schmalen, fast glatten und
nur mit vereinzelten Pünktchen besetzten Zwischenräumen.
Die Schulterbeule ist klein, innen verhältnissmässig
schwach abgesetzt.
Beim Männchen ist das erste Tarsenglied an den
vier Vorderbeinen erweitert. Frische Stücke haben
röthlich-pechbraune Epipleuren, Schienen und Tarsen.
Die x\rt ist der Seb. j^^cigioderoides Motsch. aus
Japan so nahe verwandt, dass sie Solsky a. a. 0. damit
identificirt hat, jedoch, wie mir scheint, mit Unrecht;
denn das vorliegende Pärchen unterscheidet sich von
meinen, in verschiedenen Gegenden Japan's gesammelten
Stücken durch folgende Punkte: Der Körper ist etwas
schmaler, an den Seiten weniger gerundet; die Fühler
sind merklich kürzer und dicker, besonders die ersten
Glieder; die Stirn ist sparsamer, das Halssch. dagegen
stärker punktirt, so dass auf letzterem die Punkte schon
bei schwächster Vergrösserung sichtbar werden, die Fld.
endlich sind bedeutend stärker und dichter punctirt, in
den schmalen Zwischenräumen befinden sich zwar einzelne
Pünktchen, aber nicht die vielen feinen Runzeln, welche
der Oberseite von jüagioderoides den schwach seiden-
artigen Schimmer verleihen.
35. Phyllotreta Koltzei: Oblongo ovata, sat convexa,
nigra, nitida, antennarum articulis 4 primis, femorum
anteriorum apice, tibiis tarsisque testaceis, prothorai^e
crebre punctato, elytris fortiter subseriatim punctatis, in
singulo vitta sat lata flava, interne fere recta, externe
sinu profundo instructa. — Long. 2,3 — 2,5 mm.
Mas. : antennis simplicibus, vitta elytrorum plus mi-
nusve interrupta; articulo primo tarsorum anteriorum di-
latato, segmento 5 : o ventrali postice fovea oblonga pro-
funde impresso.
198 J- Weise:
Der viel grösseren Ph. tetrastigma Com. am nächsten
verwandt, aber durch die hellen Beine mehr an ochri-pes
erinnernd, ein wenig schlanker als diese, auf den Fld.
viel stärker und in Reihen punktirt. Länglich eiförmig,
ziemlich gewölbt, glänzend schwarz, in der Mitte jeder
Fld. ein massig breiter gelber Längsstreifen, welcher
innen beinahe gradlinig, nur hinten der Naht zu gebogen
ist, aussen aber einen tiefen Ausschnitt besitzt, welcher
ein Stückchen hinter der Schulterbeule beginnt und in
der vorderen Hälfte weniger als in der hinteren gebogen
ist. Die vier ersten Fühlerglieder sind röthlichgelb, das
fünfte bis siebente Glied roth- bis pechbraun, die
folgenden schwarz, Glied 2 bis 6 sind kurz, unter sich
fast von gleicher Länge, des erste und die Endglieder
erheblich länger. An den röthlichgelben Beinen sind die
vorderen Schenkel in den ersten zwei Dritteln und die
Hinterschenkel vollständig schwarz. Die Stirn ist ver-
einzelt, das Halssch. dicht, tief und massig stark punktirt.
Auf den Fld. sind die starken Punkte deutlich gereiht,
namentlich in der inneren Hälfte, wo zwischen ihnen
einzelne schmale Streifen schwach rippenförmig hervor-
treten.
Das Männchen ist an den stark erweiterten ersten
Tarsengliedern, sowie an einer länglichen, grossen und
tiefen Grube in der hinteren Hälfte des letzten Bauch-
ringes zu erkennen; gewöhnlich ist bei ihm auch die
Längsbinde auf den Fld. tiefer ausgeschnitten oder voll-
ständig unterbrochen.
Bei Wladiwostok gesammelt und von H. Koltze
eingesandt, welchem ich die interessante Art widme.
36. Phyllotreta kmnilis: Oblonga, subdepressa, nigra,
antennis (apicem versus infuscatis) femoribus anterioribus
apice, tibiis tarsisque obscure testaceis, capite protho-
raceque minus dense sat fortiter punctatis, nitidissimis,
elytris nitidis, sat crebre punctatis, vitta media longi-
tudinali lata albido-flava ornatis. — Long. 2 mm.
Die vorliegende Art erinnert in der Färbung der
Nene sibirische Chrysomeliden und Cocciiielliden. 199
Oberseite sehr an Ph. armoraciae, welche mir aus Sibirien
noch nicht bekannt geworden ist, obwohl sie nach
Gebier bei Barnaiil vorkommen soll. Eine Ver-
wechselung mit ihr ist ausgeschlossen, weil Immilis kaum
halb so gross, viel flacher, an den Seiten ziemlich pa-
rallel, mit einer schwarzen Makel auf dem vorderen
Theile der Schulterbeule versehen und sehr verschieden
punktirt ist, dagegen sind die Unterschiede von varnpennis
und jmrallda geringer. Sie bestehen hauptsächlich darin,
dass bei der vorliegenden Kopf und Halssch. rein schwarz,
sparsamer punktirt und viel stärker glänzend sind, dass
ferner der Stirnkiel höher, länger, schärfer begrenzt, der
schwarze Nahtsaum der Fld. (wie bei armoraciae) von
der Mitte aus nach beiden Seiten bedeutend verengt ist,
endlich die Fld. schwächer als das Halssch. punktirt
und die Fühler grösstentheils hell gefärbt sind.
Länglich, flach, tief schwarz, Fld. weisslichgelb, im
vorderen Theile der Schulterbeule, am ganzen Aussen-
rande und an der Naht schwarz. Der Randsaum ist
schmaler als der Nahtsaum, letzterer beiderseits ungefähr
bis zur Breite des Schildchens verschmälert. Fühler und
Beine wenig lebhaft röthlichgelb, an jenen die letzten
5 Glieder angedunkelt, an diesen nur das Klauenglied
gebräunt, die vier Vorderschenkel bis vor die Spitze
pechschwarz, die Hinterschenkel rein schwarz. Fühler
in beiden Geschlechtern gleich gebaut, ihr fünftes Glied
wenig länger als die beiden einschliessenden. Kopf
zerstreut punktirt, stark glänzend, mit einem hohen Kiele,
welcher oben kaum in eine Grube übergeht. Halssch.
um die Hälfte breiter als lang, an den Seiten ziemlich
stark gerundet, nach vorn mehr als nach hinten verengt,
wenig dichter aber stärker als der Kopf punktirt, mit
sehr glänzenden Zwischenräumen. Fld. an den Seiten
ziemlich parallel, hinten fast in gleichmässiger Rundung
abgestutzt, wenig dichter, aber feiner und flacher punktirt
als das Halssch., auch weniger glänzend als dieses.
Das Männchen besitzt ein Grübchen auf dem letzten
Bauchringe.
200 J- Weise:
Am Amur (Faust), besonders bei Chabarofka und
Wladivostok (Koltze) nicht selten.
37. Phyllotreta sibivica: Oblongo-ovata, subconvexa,
nigra, subnitida, tibiis tarsisque pieeis; elytris sat crebre
punctatis, vitta media longitudinali pallide testacea ex-
terne profunde excisa, interne leniter bisinuata, plaga
communi suturali nigra antice parum, postice evidenter
constricta. — Long. 3 mm.
In der Zeichnung der Fld. sowohl der Flu sifiuata
Steph. als der flexuosa Jll. ähnlich, etwas grösser als
beide und von ihnen leicht durch den schwarzen gemein-
schaftlichen Nahtfleck der Fld. zu unterscheiden, welcher
bei sibirica an die Form vom Rumpfe einer Violine er-
innert.
Länglich- eiförmig, etwa so stark als flexiiosa gewölbt,
massig glänzend, schwarz, die ersten Fühlerglieder an
der Spitze, sowie die Schienen und Tarsen, besonders
an den Vorderbeinen, pechbraun. lieber die Mitte jeder
Fld. zieht sich ein schmaler, blassgelber Längsstreifen,
welcher hinter der Schulterbeule in einen breiten Zipfel
bis in die Nähe des Seitenrandes (weiter nach aussen
als bei flexuosa und sinuata reichend), sowie hinter der
Mitte in eine kleinere Ecke erweitert, sonst aber von
gleicher Breite ist. Der Innenrand ist im ersten und
letzten Viertel seiner Länge sanft ausgeschweift, der
Aussenrand ungefähr so tief ausgebuchtet als bei ßexuosa.
Einige weibliche Stücke wurden bei Chabarofka
nebst Ph. sinuata gesammelt (Koltze).
38. AjMiona modesta: Ovata, convexiuscula, supra
nigro-coerulea, nitida, subtus nigra, antennarum basi
genubusque ferrugineis, prothorace disperse punctato,
elytris sat fortiter punctatis, callo humerali valde pro-
minulo. — Long. 2 mm. Chabarofka (Koltze).
Von der Grösse und Gestalt der ApJdh. cyanella
Redtb., an den dunklen Fühlern und Beinen, sowie der
starken Punktirung sofort zu unterscheiden.
Eiiörmig, massig gewölbt, schwarz, die ersten Fühler-
Nene sibirische Chrysomeliden und Coccinelliden. 201
glieder und die Knie der vorderen Beine rostrotli, die
Oberseite und die Hinterschenkel lebliaft blau, glänzend.
Fühler schlank, länger als die Hälfte des Körpers. Hals-
schild ziemlich kurz, nicht ganz um die Hälfte breiter
als lang, zerstreut, fein, aber tief und deutlich punktirt,
glänzend. Flügeid. an der Basis viel breiter als das
Halssch. und in den Schultern stark heraustretend, mit
hoher, glatter Schulterbeule, dahinter nur schwach er-
weitert, verworren und dicht, verhältnissmässig grob
punktirt, leicht quer gerunzelt, mit schmalen, glänzenden
und glatten Zwischenräumen.
Aphthona trivialis: Oblongo - ovata , convexiuscula,
coerulea, nitida, antennis nigris basi pedibusque testaceis,
femoribus posticis nigro coeruleis, carina faciali acute
elevata, prothorace transverso, lateribus rotundato, sub-
tiliter minus dense punctato, elytris antice subseriatim
postice obsolete punctatis, callo humerali prominulo. —
Long. 3,5mm. Chabarofka (Koltze).
Etwas schlanker als die grössten Stücke von AjMi.
nonstriata Goeze, auch etwas lebhafter blau gefärbt als
diese; länglich eiförmig, massig gewölbt, schön blau,
glänzend, unten dunkelblau, Fühler schwarz, ihre 4 bis
5 ersten Glieder und die Beine, mit Ausnahme der
Hinterschenkel, röthlicligelb. Die Stirn ist glatt, mit
scharf begrenzten Höckerchen und schmalem hohen Kiele.
Halsschild fast doppelt so breit als lang, in der Mitte am
breitesten, nach hinten weniger als nach vorn in gleich-
massigem Bogen verengt, welcher durch die vordere
Borstenpore wenig gestört wird. Die Vorderecken sind
scharf, die Scheibe ist massig gewölbt, fein und wenig-
dicht punktirt, Flügeid. an den Schultern nur massig
heraustretend, bis zur Mitte ziemlich stark und in un-
regelmässigen Reihen, dahinter verloschen punktirt, die
breiten Zwischenräume glatt.
Eine dritte blaue Art von Chabarofka halte ich für
Aphth. eiipliorhiae Schrank.
202 J. Weise:
39. Aphthona interstitialis : Oblongo-ovata, convexa,
nitida, flavotestacea aut testacea, ore, siitura elytrorum,
pectore abdomineqne nig-ris, antennis apice iiigTicantibus,
prothorace minus transverso subtilissime punctulato, elytris
basi seriatim, apicem versus confuse punctatis, interstitiis
subtilissime sed evidenter punctulatis ; humeris prominulis.
— Long. 2,5 mm. Chabarofka (Koltze).
In der Farbe und Zeichnung unserer Aphth. lutescens
Gyllh. ähnlich, aber gewölbter, viel schlanker gebaut,
das Halssch. länger, die Fld. doppelt punktirt und die
Hinterschenkel einfarbig.
Sehr lang eiförmig, gewölbt, frische Stücke gelbbraun,
ausgehärtete hell bräunlich gelb, mit weisslichen Fld.,
glänzend; die Fühler nach der Spitze hin schwärzlich,
der Mund, die Hinterbrust und der Bauch schwarz.
Halssch. etwas breiter als lang, vor der Mitte am
breitesten, nach hinten etwas stärker als nach vorn in
schwacher Rundung verengt, die aufgebogene Kante des
Seitenrandes schwarz, die Oberfläche querüber gewölbt,
äusserst fein punktirt. Schildchen braun. Fld. an der
Basis heraustretend, dahinter fast parallel, mit deutlicher
Schulterbeule, in der vorderen Hälfte in etwas unregel-
mässigen Reihen, dahinter allmählich feiner und mehr
verworren punktirt, mit zahlreichen sehr feinen, aber
tiefen Punkten in den Zwischenräumen. Der schwarze
Nahtsaum ist bei frischen Exemplaren vorn und hinten
abgekürzt, bei ausgehärteten nur vor der Spitze.
40. Luperomorpha nov. gen.
Acetabula antica aperta. Pothorax subquadratus,
fovea Setigera in angulis anticis sita. Antennae articulis
2 et 3 brevissimis. Elytra postice sparsim brevissimeque
setulosa. Prosternum inter coxas angustissimum, coxae
anticae fere conico-prominulae. Tibiae posticae in mar-
gine postico haud deplanatap sed sulco angusto instructae
metatarso fere quadruplo longiores.
Die Gattung, welche bei oberflächlicher Betrachtung
einem Luperus ähnelt, ist mit Longitarsns nahe verwandt,
Neue sibirische Chrysomeliden und Coccinelliden. 203
aber durch die kurzen Eckborsten des Halsschildes, die
Stellung der vorderen Pore in den Vorderecken und die
Bildung der Hinterschienen und Tarsen sehr verschieden.
Kopf massig gross, länglich, bis zum Hinterrande
der grossen, aber wenig gewölbten Augen in das Hals-
schild eingezogen; Stirn breit, quer gestrichelt, einzeln
und äusserst kurz und fein behaart, unten zu einem
wenig scharfen, mehr oder weniger stark punktirten,
ziemlich graden Quereindrucke abfallend, unter dem sich
die beiden quer-dreieckigen Stirnbeulen befinden, welche
durch eine Rinne von einander geschieden werden. Nasen-
kiel schmal, scharf, hoch, unten kaum verbreitert, das
Kopfschild bildet eine schmale Querleiste, die zu dem
flachen Querstreifen steil abfällt. Oberlippe vorn ab-
gerundet und tief ausgerandet, Maxillartaster schlank,
das letzte Glied kürzer und etwas schmaler als das vor-
letzte, konisch. Die Augen werden von der Basis der
Mandibeln durch einen sehr schmalen Zwischenraum ge-
trennt. Fühler unter sich weiter als von den Augen ab-
stehend eingefügt, beim ^ etwas länger, beim 2 kaum
so lang als die Hälfte des Körpers, Glied 1 bis 3 dünn,
die folgenden breiter, Glied 1 so lang als 2 und 3 zu-
sammen, 4 und die übrigen ungefähr so lang als 1 oder
länger. Halsschild etwas breiter als der Kopf in den
Augen, ziemlich so lang als breit, beiderseits etwas ver-
engt, vorn fast grade abgeschnitten, au den Seiten und
der Basis gerundet, vor dem Schildchen seicht ausgerandet,
die Hinterecken beinahe abgerundet. Vorderecken ver-
dickt und etwas heraustretend, die Eckborsten kurz und
fein, die Poren klein, in den Ecken eingestochen. Die
Oberfläche ist wenig gewölbt und fällt nur dicht an den
Seiten steiler ab; das Schildchen ist klein, dreieckig,
hinten abgerundet. Flügeldecken etwas breiter als das
Halsschild, ziemlich parallel, im letzten Drittel allmählich
verengt, mit einzeln abgerundetem Nahtwinkel; Schulter-
beule schwach, innen undeutlich begrenzt; die Oberfläche
leicht gewölbt, verworren und fein punktirt, auf dem Ab-
falle zur Spitze sparsam mit sehr kurzen, aufstehenden
204 J- Weise:
und nur bei stärkerer Vergrösserung* sichtbaren Härchen
besetzt, die vorn breiten, in der Mitte allmählich ver-
engten, jedoch bis zur Spitze reichenden Epipleuren fein
bewimpert. Afterdecke ohne Rinne zum Einlegen der
Flügeldeckenspitzen. Vorderhüften hoch, zapfenförmig
aufstehend, das Prosternum dazwischen sehr schmal, kaum
sichtbar; Gelenkhöhlen offen. Hinterschenkel sehr breit
spindelförmig. Hinterschienen seitlich leicht zusammen-
gedrückt, auf dem Rücken gewölbt, und mit einer schmalen
und tiefen ganzen Längsrinne, deren Seiten leistenförmig
aufstehen und deren Grund ziemlich glatt ist, während
der übrige Theil der Schienen unregelmässig aber ziemlich
dicht mit kurzen, borstenförmigen Härchen besetzt, aber
nicht mit Zähnchen oder Dörnchen versehen ist, wie bei
Longitarstis, Der Enddorn ist kräftig, die Tarsen sind
unterseits filzig, ihr drittes Glied breiter als die übrigen,
herzförmig, der Metatarsus ist an der Spitze der Schienen
eingefügt, ungefähr ein Viertel so lang als die Schiene
und so lang als die beiden folgenden Glieder zu-
sammen; die Klauen besitzen am Grunde einen massig
grossen Zahn.
Luperomorpha trivialU: Subelongata, nigra, supra
subtilissime alutacea, sat nitida, antennis articulis 3 primis,
genubus tarsisque rufo-piceis, elytris obsolete punctatis.
— Long. 3,5 mm.
Mas: articulo primo tarsorum dilatato.
Dem Luperus pinicola ähnlich, gestreckt, wenig ge-
wölbt, schwarz, oben dicht und äusserst fein lederartig
gerunzelt, massig glänzend, die ersten drei Fühlerglieder,
Knie und Tarsen pechbraun. Hals seh. weitläufig, sehr
fein und verloschen punktulirt, Fld. etwas stärker punktirt.
Beim Männchen ist das erste Tarsenglied, namentlich
an den vier Vorderbeinen stark erweitert.
Zuweilen ist das Halssch. pechbraun und besitzt
einige mehr oder weniger ausgeprägte Längsgrübchen.
Bei Raddefka (Faust) und Chingan (Koltze, von
Heyden).
Nene sibirische Chrysomeliden und Coccinelliden. 205
41. Longitarsas amurensis : Alatus, oblongo-ovatus,
convexiusculus, testaceus, nitidiüus, capite, sutiira pecto-
reque subferrugineis ; antennis corpore pauUo brevioribus,
tuberculis facialibus obsoletis, prothorace transversOj
crebre punctato, elytris fortiter subseriatim punctatis,
suberciüo biimeralis valde promiiinlo , angiilo sutiirali
obtuso. — Long". 2,5 mm. Chabarofka (Koltze).
In der Farbe und Skulptur dem L.flamcomis Steph.
sehr ähnlich, weniger glänzend, auf dem Halssch. feiner,
auf den Fld. stärker und in deutlicheren Eeihen punktirt,
die Schulterbeule stark vortretend, und die Fld. an den
Seiten fast parallel.
Geflügelt, massig gestreckt und gewölbt, hell bräun-
lichgelb, etwas glänzend, der Kopf, der feine Nahtrand
und die Brust oder noch die ersten Bauchringe wenig
dunkler, hell rostroth. Fühler beim Männchen wenig,
beim Weibchen merklich kürzer als der Körper, ein-
farbig. Stirn glänzend, mit undeutlichen Höckerchen
und einem scharfen Kiele. Halsschild um die Hälfte
breiter als lang, dicht punktirt, leicht gerunzelt. Fld.
in den Schultern stark heraustretend und bedeutend breiter
als der Grund des Halssch., dahinter unmerklich er-
weitert, fast parallel, grob und tief, etwas gereiht punktirt,
an der Spitze einzeln abgerundet, mit stumpfem Naht-
winkel.
42. Longitarsus stramineus: Alatus, oblongo-ovatus,
convexiusculus, stramineus", capite pectoreque ferrugineis,
antennarum femorumque posticorum apice infuscato, pro-
thorace transverso, crebre punctato, elytris limbo su-
turali utrinque abbreviato nigro crebre punctatis, callo
humerali sat prominulo, angulo- suturali vix obtuso. —
Long. 2 — 2,5 mm. Chabarofka (Koltze).
An der verhältnissmässig kräftigen Punktirung und
dem schwarzen, beiderseits abgekürzten Nahtsaume
kenntlich. Länglich-eiförmig, geflügelt, strohgelb, massig
gewölbt und glänzend, Kopf und Brust rostroth, die
Fühler und die Hinterschienen nach der Spitze hin dunkel.
206 J- Weise:
Stirn glänzend, die Höcker spiegelglatt, oben durch eine
nicht tiefe, unten durch eine scharfe Linie begrenzt, der
Kiel schmal und hoch. Halssch. beinahe doppelt so
breit als lang, nach hinten etwas mehr verengt, als nach
vorn, dicht und massig stark, etwas runzelig punktirt,
der Hinter- und Seitenrand fein schwarz gesäumt. Fld.
an der Basis so breit als das Halssch., bis zur ziemlich
schwachen Schulterbeule stark, dahinter schwach er-
weitert, an der Spitze beinahe gemeinschaftlich ab-
gerundet, mit verrundetem Nahtwinkel, oben ziemlich
kräftig punktirt, namentlich bei den Stücken, deren
Punkte gebräunt sind, mit einem nicht breiten, vorn und
hinten verschmälerten und abgekürzten tief schwarzen
Nahtsaume.
43. Longitarsns aphtlionoides : Oblongo-ovatus, minus
convexus, subnitidus, ferrugineus, elytris testaceo-flavis,
antennis apicem versus piceis; lineis frontalibus distinctis,
prothorace transverso, crebre punctulato, elytris subtiliter
subseriatim punctatis, humeris valde prominulis, spinula
apicali tibiarum posticarum brevi. — Long. 1,5 mm.
Chabarofka (Koltze).
Dem L. lycopi Foudr. so ähnlich, dass eine Unter-
scheidung nur bei genauem Vergleiche möglich ist. Der
Körper ist bedeutend flacher, die Fld. sind an den Seiten
fast parallel, mit stärkerer Schulterbeule und breiterer
Basis; Fühler kräftiger, namentlich die beiden ersten
Glieder dicker, nach der Spit^^e hin pechschwarz. Kopf
und Unterseite rostroth, Beine und Halssch. röthlichgelb,
Fld. blassgelb. Stirnlinien tief, x-förmig, Halssch. nicht
ganz um die Hälfte breiter als lang, sehr fein punktirt,
Fld. fein in unregelmässigen Reihen punktirt. Der Dorn
an der Spitze der Hinterschienen sehr kurz.
44. Argopiis suhstriatus: Breviter ellipticus, nitidus,
testaceo-rufus, antennis infuscatis articulis 4 primis tes-
taceis, carina faciali angusta, convexa, clypeo minus pro-
funde triangulariter exciso, prothorace parce fortiterque
punctato, interstitiis subtiliter punctatis, angulis anticis
Nene sibirische Clirysomeliden und Coccinelliden. 207
rotundatis liaud productis, elytris minus crebre fortius et
fere seriatim punctatis, seriebus per paria approximatis.
— Long'. 3,7 — 4 mm. Cliabarofka (Koltze).
Mit ^4. unicolor Mot^ eh. ^ den icli ans Ostsibirien be-
sitze, am nächsten verwandt, aber kleiner, weitläufig* und
stark punktirt, mit einem nur kleinen dreieckigen Aus-
schnitte des Kopfschildes und abgerundeten Vorderecken
des Halssch., unicolor ist dagegen 5 mm lang, fein punktirt,
und zwar auf dem Halssch. weitläufig, auf den Fld.
ziemlich dichte), nach dem Seitenrande zu in mehr oder
weniger deutlichen Reihen, die Vorderecken des Halssch.
sind ziemlich spitz und treten bedeutend nach aussen vor.
Breit elliptisch, glänzend rostroth, nur die Fühler
scliAvärzlich, mit Ausnahme der vier ersten gelbbraunen
Glieder. Stirnkiel schmal, hoch, vorn beim Männchen
plötzlich, beim Weibchen allmählich in den kleinen, drei-
eckigen Ausschnitt des Kopfschildes abfallend, das jeder-
seits in einen kurzen, gerundeten und niedergedrückten
Zipfel ausläuft. Halssch. sparsam und stark punktirt
mit zahlreichen feinen Punkten in den Zwischenräumen,
von den Hinterecken nach vorn allmählich in schwachem
Bogen verschmälert, an der vorderen Borstenpore nicht
heraustretend, die Vorderecken abgerundet. Fld. noch
stärker und etwas dichter punktirt als das Halssch., die
Punkte bilden neun ziemlich regelmässige Reihen, von
denen die 8 äusseren einander paarweise genähert sind.
In den breiten Streifen zwischen je zwei Reihenpaaren
befinden sich auf der äusseren Hälfte der Fld. nur wenige,
auf der inneren Hälfte mehr Punkte, ungefähr von der-
selben Grösse, wie die Punkte in den Reihen selbst; daher
heben sich die äusseren Doppelreihen deutlicher als die
inneren heraus.
Die Art wurde in mehreren Exemplaren bei Chaba-
rofka von Herrn Gräser aufgefunden.
*) In der Diagnose von Motschiilsky ( Sehr enck Reis. Am.
235) findet sich ein offenbarer Widerspruch, da die Fld. „crebre
sparsim punctatis" genannt werden; es ist dafür „sat crebre extrorsum
suhlineatim punctatis" zu lesen.
208 J. Weise:
45. Ärgopus intermcdins: ^ Fere hemisphaericus,
nitidissimus, riifotestaceus, antennis (articulis 3 primis
exceptio) tibiis tarsisque nigris, fenioribus posterioribus
apice infuscatis, carina frontali sat angusta, convexa,
clypeo profunde arcuatim exciso, lobis elevatis, crassi-
usculis, protborace teiiuiter elytrisque paullo fortius sat
crebre punctatis. Articulo primo tarsorum dilatato. —
Long. 4,2 mm. Wladiwostok.
Beinahe regelmässig halbkugelig, glänzend und etwas
dunkel rothgelb, die Fühler, mit Ausnahme der ersten
drei Glieder, die Schienen und Tarsen schwarz, die
beiden Spitzen des Kopfschildes am Ende, sowie die
äussere Hälfte der vier Hinterschenkel angedunkelt.
Stirnkiel ziemlich schmal und gewölbt, vorn in den tiefen
bogenförmigen Ausschnitt des Kopfschildes abfallend,
welches jederseits in eine lange, dicke und etwas auf-
gebogene Spitze ausgezogen ist. Halssch. massig dicht
und sehr fein, Fld. stärker punktirt; auf letzteren bilden
die Punkte in der vorderen Hälfte wenig deutliche und
nicht immer ganz regelmässige Reihen; die schmalen
Zwischenräume der Punkte sind einzeln und fein aber
deutlich punktirt. Das Halssch. ist nach vorn in sehr
schwacher Rundung verengt, die Seiten treten an der
vorderen Borstenpore nicht heraus, die Vorderecken sind
gross, abgerundet.
Das Thier besitzt fast ganz die Färbung der A. ni-
gritarsis Gebier, ist aber durch die Bildung des Kopf-
schildes, welches nicht winkelig, sondern bogenförmig
ausgerandet ist, mit Ahrensi Germ, und brevieolUs All.
verwandt und dadurch bemerkenswerth, dass es durch
seinen gewölbten Stirnkiel als ein Bindeglied zwischen
den IHcherosis- und Argopiis- Arien gelten könnte. Das
einzige Exemplar, welches bei Wladiwostok gefangen
wurde, hat mir Herr Koltze freundlichst für meine
Sammlung überlassnen.
Ich knüpfe hieran noch eine Bemerkung über zwei
japanische Arten:
Neue sibü'ische Chrysomeliden und Coccinelliden. 209
1. Arg. dypeatas, von dem Bai y in der Beschreibung
sagt, er könnte vielleicht nur eine Lokal-Varietät von
7iigritarsis Motsch. sein, ist eine gute Art, grösser, ins-
besondere gestreckter, stärker punktirt als nigritarsis^ an
den weit spitzeren Vorderecken des Halssch. weniger
zusammengedrückt, der Ausschnitt des sehr flach ge-
drückten Kopfschildes bedeutend tiefer, sein Querstreifen
am Vorderrande stets leistenförmig aufgebogen.
2. Bei Arg. orientalis Baly zeigt sich die Ver-
schiedenheit der Geschlechter besonders deutlich in der
Bildung des Kopfschildes. Dasselbe ist beim Weibchen
flach gedrückt, beim Männchen allmählich abfallend, mit
hohen Rändern am Ausschnitte; dieser selbst lässt sich
beim $ also weit deutlicher wahrnehmen als bei den $.
Coccinellidae.
46. Adalia Koltzei: Breviter ovalis, convexa, nigra,
nitida, antennis elytrisque rufo testaceis, prosterno ven-
treque rufo-brunneis, prothorace transverso, antice an-
gustato, crebre subtilissimeque punctato, lateribus sat
rotundatis, late albido limbatis, limbo pone medium
sensim angustato postice abbreviato, elytris subtilissime
punctatis. — Long. 4,8 — 5,2 mm. Chabarofka (Koltze).
Var. a. Gräseri: Prosterno, ventre elytrisque nigris,
his in singulo macula oblonga subtransversa rufa pone
medium.
Die Art ähnelt einer Ad. bipunctata, welcher der
schwarze Fleck der Fld. fehlt, ist aber durch den ein-
farbig schwarzen Kopf, den hinten abgekürzten makei-
förmigen weissen Seitensaum des Halssch. und die feinere
Punktirung der Fld. stets sicher zu unterscheiden; Ad.
indica Crotch, die ausserdem wohl nur noch zum Ver-
gleiche herangezogen Averden kann, dürfte des gelben
Kopfes, des hellen Vorderrandsaumes am Halsschilde und
des ganzen, innen unregelmässig begrenzten Seitensaumes
wegen, nicht mit der vorliegenden Art zu verwechseln
Arch. f. Naturgesch. 53. Jahrg. Bd. I. 14
210 J. Weise:
sein, obwohl sie auch einfarbig blass ockergelbe Fld.
besitzen soll.
Sehr breit-oval, gewölbt, Kopf, Halssch., Mittel- und
Hinterbrust und Beine schwarz, Fühler röthlichgelb,
Vorderbrust und Bauch rothbraun, Fld. etwa so roth wie
bei hipunctata. Der Kopf ist dicht und sehr fein punktirt,
ausserdem äusserst fein gewirkt, ziemlich glänzend.
Halssch. ungefähr wie bei hipnjictata gebaut und punktirt,
die Seiten eine Spur gerundeter; dieselben werden von
einem weissen, makelförmigen Saum eingenommen, der
vorn etwa bis zur Mitte jedes Auges nach innen reicht
und dahinter zuerst etwas erweitert, dann allmählich und
mehr gradlinig verengt ist, so dass die innere Grenze
einen starken Bogen bildet, der in V5 der Länge den
Seitenrand erreicht. Schildchen sehr klein, roth oder
schwarz. Fld. nur unmerklich stärker als das Halssch.
punktirt, ebenso glänzend wie dieses. Die Schenkellinie
ist ein Halbkreis, welcher bis % des ersten Bauchringes
nach hinten reicht.
Bei der Var. a. sind die Fld. schwarz, die Nahtfläche
(die nur bei klaffenden Fld. sichtbar wird) und eine
Makel hinter der Mitte jeder einzelnen Decke, zuweilen
auch noch ein kleiner Längsstrich an der Basis roth.
Die Makel hat scharfe, aber etwas zackige Ränder, ist
queroval und steht nicht grade, sondern schräg nach
hinten und innen, in der Mitte zwischen der Naht und
dem Seitenrande, von denen sie etwa um ihren Längs-
durchmesser entfernt bleibt. Die Zeichnung des Halssch.
ist genau die der hellen Form. Die Unterseite ist ein-
farbig schwarz.
47. Chilocorus rnbidus Hope, tristis Fald. var. a.
fenestratfis: Elytris nigris, singulo macula vittaeformi sub-
suturali sanguinea; var. b. niger: Elytris omnino nigris.
Amur: Chabarofka (Koltze).
Die Art, welche 5 — 7 mm. lang wird, ist an der
einfachen Hinterrandleiste und dem gradlinigen, schmalen
Seitenrande des Halssch. leicht zu erkennen; die Fld.
Neue sibirische Chrysomeliden und Coccinelliden. 211
sind roth, gelbroth bis blut- oder kirschroth, mit einem
schwarzen Saume am Vorder-, Seiten- und Hinterrande,
der in der Regel innen schlecht begrenzt ist. Am Amur
scheint dieselbe nur in den beiden oben beschriebenen
Abänderungen vorzukommen, bei denen die schwarze
Färbung der Ränder sich so ausgebreitet hat, dass a. die
Fld. schwarz sind, mit Ausnahme einer bindenförmigen
rothen Längsmakel auf der inneren Hälfte jeder Fld.
von V5 bis 2/5 der Länge, die von der Naht durch einen
ziemlich breiten Streifen entfernt bleibt, oder b. dass die
Fld. einfarbig tief glänzend-schwarz sind.
Der Verbreitungsbezirk der Art reicht von Nepaul
und Kanton bis über den Amur.
48. Chüocorus similis Rossi var. inornatus: Elytris
omnino nigris. Die rothe Makel jeder Fld. wird all-
mählich kleiner und verschwindet endlich ganz. Diese
Form, die sich von nigritns Fbr. durch schwarzen Kopf
und Beine unterscheiden lässt, ist in Europa noch nicht
beobachtet worden, Herr Koltze sandte von Chabarofka
1 Ex. mit sehr kleinen rothen Flecken und 2 Ex. mit
einfarbigen Fld. ein.
49. Exochomus Sernenowi: Breviter ellipticus, sat
convexus, niger, ore, prothorace subtiliter punctulato et
pubescente, pedibus segmentisque abdominalibus 3 ultimis
rufo-testaceis, elytris aut cyaneis aut viridi-coeruleis,
evidenter granulato - alutaceis, subtiliter punctatis, epi-
pleuris fere planis, unguiculis basi leviter dentatis. —
Long. 3,5 — 4 mm.
Sehr breit elliptisch, beiderseits gleichmässig ver-
engt, nicht besonders stark gewölbt, wenigstens viel
flacher als die übrigen Arten, ziemlich matt. Der Kopf
grösstentheils , die Mittel- und Hinterbrust sowie der
Bauch schwarz, Mund, Halssch., Vorderbrust und die
drei letzten Bauchringe röthlichgelb, Fld. kornblumenblau
oder grünlich blau. Kopf und Halssch. sehr fein punktirt
und behaart, körnig gewirkt, letzteres eine Spur glänzender
als Kopf und Fld. Schildchen klein, dreieckig, glatt,
14*
212 J- Weise:
glänzend, schwärzlich. Fld. ziemlich dicht, fein punktirt,
dazwischen äusserst dicht und sehr deutlich körnig ge-
wirkt, an den Seiten gleichmässig bis zum äusserst
schmal abgesetzten Seitenrande abfallend. Die Epi-
pleuren sind in der vorderen Hälfte sehr wenig nach
innen geneigt, fast wagerecht, hinten verschmälert und
stärker geneigt, ähnlich behaart, wie bei den verwandten
Arten. Schenkellinie ein grosser und regelmässiger, bis
V4 des Segmentes nach hinten reichender Halbkreis;
Klauen schlank, am Grunde sehr schwach und undeutlich
zahnartig erweitert.
Die Art ist durch die gleichmässige Behaarung des
Halsschildes am nächsten mit dem südrussischen E. me-
lanocephalus Zouhk. verwandt; ich erlaube sie mir nach
Herrn vonSemenowin Petersburg zu benennen, welcher
dieselbe in der Mongolei sammelte.
50. Hyperaspis japonica Crotch (sub Cryptogomis\)
Var. amuremis: Macula rufa elytrorum deficiente. Cha-
barofka (Gräser, Koltze).
Diese Abänderung bildet ein interessantes Seiten-
stück zu der Var. concolor Suffr. von Hyp. ca7n2yestris^
sie entsteht, wie diese, dadurch, dass die rothe oder
gelbe Makel dicht hinter der Mitte jeder Fld. ver-
schwindet. Das Weibchen ist einfarbig glänzend schwarz,
Fühler röthlichgelb , Vorderschienen pechschwarz; das
Männchen hat einen weissgelben Kopf, an dem nur ein
schmaler Saum am Vorderrande nebst einer damit zu-
sammenhängenden kleinen Makel vor jedem Auge pech-
braun oder schwarz ist, und einen schmalen weissgelben
Saum am Vorderrande des Halssch., mit dem sich jeder-
seits ein breit dreieckiger, hinten verschmälerter, Fleck
von gleicher Farbe verbindet, welcher die Basis erreicht,
aber den aufgebogenen Seitenrand vor den Hinterecken
gewöhnlich frei lässt. Die Fühler sind röthlichgelb, ebenso
die Vorderbeine, an denen jedoch die Aussenseite der
Schenkel und Schienen schwärzlich ist.
Nene sibirische Chrysomeliden und Coccinelliden. 213
Am Amur scheint nur diese Form vorzukommen, die
mir aus Japan nicht bekannt ist.
51. Scymnus testaceus Motsch. var. cognatus: Supra
obscure rufus, capite, macula communi suturali in basi
elytrorum limboque laterali nigris, vel elytris nigris pone
medium rufis.
H. Koltze sandte 2 Exemplare ein, die bei Chaba-
rofka gefangen sind. Das eine hat dunkel bräunlich
rothe Fld., mit einem gemeinschaftlichen, breit drei-
eckigen schwarzen' Flecke, welcher an der Basis von
einer Schulter zur anderen reicht und hinter der Mitte
endet, ausserdem ist ein schmaler, innen verwaschener
Saum am Seitenrande bis hinter die Mitte schwärzlich.
Das andere Stück, welches mir H. Koltze für meine
Sammlung überliess, hat schwarze Fld., die hinter der
Mitte allmählich in die rothe Farbe übergehen.
Diese Abänderung unterscheidet sich wesentlich von
der europäischen Var. scutellaris Muls. durch das ein-
farbig, rothe Halssch. ; sie ist, wenn man nach den beiden
vorhandenen Stücken urtheilen darf, etwas grösser als
die Stammform. 1)
52. Scymnus Koltzei: Oblongo ovalis, convexiusculus,
niger, subnitidus, ore, antennis, tibiis tarsisque fuscis,
prothorace subtilius elytrisque crebre (interdum subrugoso-)
punctatis his in singulo macula oblonga rufa; laminis
abdominalibus incompletis. — Long. 1,2 — 1,8 mm. Cha-
barofka.
Ziemlich lang-eiförmig, massig gewölbt, weisslich be-
haart, schwarz, schwach glänzend, der Mund und die
^) Ende Mai fing ich auf Salix cinerea am Rande feuchter
Wiesen bei Berlin die Var. scutellaris Mvi\^. in Mehrzahl. Darunter
befanden sich auch einige Stücke, bei welchen auf den Fld. die
schwarze Färbung, die sich anfangs in einer verwaschenen dreieckigen
Makel au der Basis der Naht zeigt, bis zur Spitze und dem Seiten-
rande ausgedehnt ist und die rothe Färbung vollständig verdrängt.
Diese auffällige Varietät nenne ich 7. concolor: Totus niger, ore,
genubus tarsorumque interdum fuscis.
214 J. Weise: Neue sibir. Chrysomeliden u. Coccinelliden.
Fühler, Hüften, Schienen und Tarsen verschossen röthlich-
braun, Schenkel pechschwarz. Halssch. mehr als doppelt
so breit wie lang, nach vorn mit etwas gerundeten Seiten
verschmälert, oben dicht aber sehr fein punktirt. Fld.
länglich, bald hinter den Schultern am breitesten, dahinter
allmählich schwach verengt, sehr dicht und massig fein
punktirt, zuweilen gerunzelt, schwarz, mit einer länglichen
ziemlich scharf begrenzten rothen Makel. Dieselbe ist
wenig schief nach hinten und innen gerichtet, beginnt in
oder etwas vor der Mitte und reicht ungefähr bis zum
letzten Viertel; sie nimmt etwa das mittlere Drittel von
der Breite jeder Fld. ein, jedoch so, dass sie der Naht
etwas näher als dem Seitenrande steht. Die Unterseite
ist dicht und besonders auf der Hinterbrust kräftig
punktirt. Schenkellinie unvollständig, innen flach ge-
bogen, bis zu Vs des Segmentes reichend, aussen fast
gerade, mit dem Hinterrande des Segmentes wenig di-
vergirend, allmählich erlöschend, selten am Ende etwas
nach vorn umgebogen.
Das Thier ist dem »Sc. bipunctatus Kugel, täuschend
ähnlich, jedoch merklich schlanker, durchweg stärker
punktirt, weniger glänzend, der Spitzenrand der Fld.
niemals röthlich, die Makel jeder Fld. nie rund oder
quer, sondern stets in die Länge gezogen.
Bericht
über die
von Herrn Dr. J. Brock im indischen Archipel
gesammelten
Decapoden und Stomatopodeu
von
Dr. J. G. de Man
in Middelburg, Niederlande.
Mit Tafel VII— XXII.
Einleitung.
Die vorliegende Arbeit behandelt die interessanten
Decapoden und Stomatopoden, welche von Herrn Dr.
J. Brock im Jahre 1885 im indischen Archipel gesammelt
worden sind. Ihre Ergebnisse bestätigen vollkommen
meine vor Kurzem ausgesprochene Meinung, dass unsere
Kenntniss der in den indischen Meeren lebenden Podoph-
thalmen noch lange nicht erschöpft, ja in manchen
Theilen noch sehr lückenhaft ist. Diese Sammlung ist
nicht allein sehr werthvoll durch die grosse Zahl von
Arten, unter welche sich viele noch wenig bekannte und
ganz neue befinden, sondern namentlich auch darum, weil
sie einen wesentlichen Beitrag liefert zur Crustaceenfauna
des indischen Archipels.
Die Sammlung, jetzt Eigentlium des Zoologischen
Museums in Göttingen, enthält mehr als 1600 Exemplare,
welche ungefähr 260 Arten vertreten. Diese Arten sind
auf die folgende Weise unter den Hauptgruppen vertheilt:*)
*) Die ausführliche Liste der Arten folgt am Schlüsse der
Abhandlung.
216 I>i'. J- Gc. de Man:
Oxyrhyncha 16 Arten, von welchen 1 neu.
Cyclometopa 85 „ „ „ 14 „
Catometopa 35 „ „ „ 5 „
Oxystomata 10 „ „ „ 0 „
Anomura 48 „ „ „ 3 „
Macrura 58 „ „ „ 12 „
Stomatopoda 11
9
Während in der von mir im vorigen Jahre bear-
beiteten Crustaceensammlung von den Merg-ui-Inseln unter
den Brachyuren die Catometopengruppe am reichlichsten
vertreten war, zeigen in dieser Sammlung im Gegentheile
die Cyclometopen die grösste Artenzahl. Die meisten
Species wurden nur in einer geringen Zahl von Exem-
plaren, in zahlreichen Exemplaren dagegen die folgenden
aufgefunden :
Ex.
Schizophri/s aspera . . 40
Atergatis floridus . . 24
Actaeodes tomentosus . . 25
ÄGtumnus setijer ... 20
X.anthodes La7narchii . 32
Chlorodius niger ... 22
Chlorodojysis melanochira 53
Tetralia glaherrima . . 38
Ex.
PorceUana dentata . . 37
„ streptochira . 32
Alpheus hiunguiculatus . 47
„ laevis . . . .26
„ Edwardsii . .68
,, parvirostris . . 22
Stenopus tenuirostris . . 20
Gonodactylus chiragra . 34
Diese Arten waren also sehr häufig.
Die Zahl der neuen Arten beträgt beinahe vierzig,
d. h. etwa V? der ganzen Artenzahl und die meisten fanden
sich wieder unter den Cyclometopen und unter den
Macruren.
Für zwei neue Formen stellte ich neue Gattungen
auf. Die eine, welche ich Goniocaphyra nannte, gehört
in die nächste Verwandtschaft der Guerin'schen Gattung
Caphyra, die sich bekanntlich von den übrigen Portu-
nidengruppen dadurch unterscheidet, dass das letzte
Fusspaar nicht zum Schwimmen eingerichtet ist. Diese
Abweichung zeigt auch die neue Form. Die zweite neue
Gattung, Arethusa, wurde für eine kleine Garneele errichtet.
Unter den Oxyrhynchen ist die Gattung Hyastenus
Decapoden und Stomatopoden, 217
durch sechs Arten vertreten, unter den Cyclometopen
Pilumnus durch zehn. Zu den selteneren Formen der
letzteren Gruppe gehören, ausser den neuen, besonders
Carpilodes nwnticulosus, Liomera Rodgersii, Lophozozymus
incisus und Dodotie, Zozymus gemmula nnd jjumilus, Pibminus
nitidus, Hexapus sexpes und Rhahdonotus ptictus. Bei den
Catometopen sehen wir die seltene Kramsia migidosa, eine
neue Fleurojjhricus- Art ^ und eine schöne neue Sesarma,
welche ich mir erlaube, ihrem Entdecker zu widmen.
In der Anomurengruppe ist die Gattung Cryptodromia
durch sechs und die Gattung Porcellana durch dreizehn
Arten vertreten. Hier finden wir auch die seltene TJyno-
mene praedator, den noch nicht oft erwähnten Clibanarius
eiirysternus Hilgend. und mehrere andere interessante
Paguriden. Die Gattung Alpheus zählt nicht weniger als
zwölf Arten, von welchen drei n^u sind, und unter den
Stomatopoden treffen wir drei Arten der merkwürdigen
Gattung Protosquilla Brooks.
An drei verschiedenen Lokalitäten wurde gesammelt,
von welchen aber zwei nahe bei einander gelegen sind.
Der grösste Theil der Exemplare, etwa die Hälfte der
ganzen Sammlung, stammt von der kleinen Insel Edam,
welche drei Stunden von Batavia entfernt liegt. Ein
kleiner Theil wurde an der nicht weit davon gelegenen,
gleichfalls sehr kleinen Insel Noordwachter aufgefunden,
das noch übrige Drittel aber wurde auf der durch den
Aufenthalt von Rumphius bekannten Insel Amboina ge-
sammelt. Der grösste Theil der neuen Arten und zahl-
reiche seltene Formen stammen von dieser Lokalität her
und es scheint mir, als wenn zu Amboina der Formen-
reichthum grösser sei, als an irgend einer anderen Stelle
im Archipel.
Middelburg, im October 1887.
218 Dr. J. G. de Man:
Ordnung Decapoda.
Tribus Brachyura.
Gruppe Oxyrhyncha.
Gattung Achaeus Leach.
I. Achaeus affinis Miers.
Achaeus affinis, Miers, Report on the Zool. Collect,
made in tlie indo-pacific Ocean during the voyage of
H. M. S. „Alert", London 1884, p. 188.
Zu dieser Art stelle ich ein Weibchen von der Insel
Noordwachter, welches in 14 Faden Tiefe gesammelt
wurde. Es stimmt gänzlich mit der Originalbeschreibung
überein. Die zwei kurzen Rostralhörner reichen bis zu
dem Vorderende des zweiten Gliedes der Antennenstiele
und die äusseren Antennen sind nur wenig mehr als halb
so lang als der Cephalothorax. Die Augenstiele tragen
nicht nur einen stumpfen Höcker auf der Mitte
ihres Vorderrandes, sondern auch noch einen viel
kleineren Höcker oben an der Spitze. Hinter den Augen
ist der Cephalothorax ein wenig verengt. Die Magen-
gegend trägt keine Spitzen oder Höcker, aber der mediane
hintere Theil und die beiden Seitentheile derselben er-
heben sich schwach höckerförmig. Dennoch ist die
Magengegend niedriger als die Regio cardiaca, welche
sich zu einem zwei- oder eigentlich dreihöcke-
rigen Hügel erhebt; hinter den zwei transversal neben
einander stehenden vorderen Höckern, trägt dieser Hügel
an seiner hinteren Fläche in der Mittellinie noch einen
dritten Höcker, der sich freilich nicht so stark erhebt,
wie die zwei vorderen.
Die Brachialglieder der Vorderfüsse sind fast cylin-
drisch, ein wenig gebogen, und nach ihrem distalen Ende
hin kaum verengt; Miers beschreibt sie als „somewhat
trigonous", was sie nicht sind. Die Füsse des zweiten
Paares sind viermal so lang als der Cephalothorax.
Decapoden und Stomatopoden. 219
Der letztere ist 9 mm. lang (die Eostralhörner mitge-
rechnet) und 52/5 mm. breit; das zweite Fusspaar misst
34 mm., das fünfte 27 mm.
Verbreitung: Indischer Archipel, West-, Nord- und
Ostküste Australiens.
Gattung Camposcia Latr.
2. Camposcia retusa, Latr.
Camposcia retusa^ Latreille, Milne Edwards, Hist. Nat.
des Crustaces, T. I. p. 283, PI. XV, Fig. 15 u. 16.
Zwei Weibchen von Amboina, von welchen eins eine
SacGidina an der Innenfläche des Abdomens trägt.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Indischer
Archipel, Japan, Neu-Caledonien und Fidschi-Inseln.
Gattung MenaetMus M. Edw.
3. Menaethius monoceros Latr.
Menaethms monoceros, A. Milne Edwards, Nouv. Arch.
du Museum, T. VII, p. 252.
Dreizehn Exemplare (4 S 9 $) verschiedener Grösse
von der Insel Edam und ein Männchen von Amboina.
Alle gehören zu der typischen, von Rüppell (Beschreibung
und Abbildung von 24 Arten kurzschwänziger Krabben,
Taf. V Fig. 4) unter dem Namen Inachus arahicus abge-
bildeten Form. Bei den Männchen ragen die Höcker
des Rückenschildes etwas weniger hervor als bei den
Weibchen; bei den letzteren ist das Rostrum ungefähr
so lang als die Breite der Stirn beträgt, bei den ersteren
aber anderthalb Mal so lang. Bei allen sind die Schenkel-
glieder der Füsse mit einigen kleinen Stacheln besetzt.
Das grösste Exemplar, ein Männchen, ist 22 mm. lang,
das Rostrum mitgerechnet.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean bis zu
den Philippinen und Japan, den Fidschi-Inseln und den
Küsten von Neu-Caledonien.
220 Dr. J. Gr. (le Man:
Gattung Hyastenus White.
4. Hyastenus diacanthus de Haan.
Pisa (Naxia) diacantha, de Haan, Fauna Japonica,
Crustacea, p. 96, PI. XXIV, Fig. 1.
Hyastenus diacanthus, A. Milne Edwards, Nouv.
Archiv, du Museum, T. VIII, p. 250.
Zu dieser Art bringe ich drei sehr junge Exemplare
(2 (?, 1 $) von der Insel Noordwachter, welche in einer
Tiefe von 14 Faden gesammelt wurden. Bei dem Weib-
chen verhalten sich die Rostralhörner ein wenig ab-
weichend, indem die Spitzen schwach nach innen zu
gebogen sind, statt nach aussen hin zu divergiren.
5. Hyastenus sp.
Es wurden auf der Insel Noordwachter noch drei
andere Hyastenus -Exemi^lsiYe gesammelt, welche vielleicht
als eine Varietät des diacanthus betrachtet werden dürfen.
Sie weichen von der typischen Form dadurch ab, dass
die beiden Rostralhörner verhältnissmässig kürzer sind.
Denken wir uns die Spitzen der Rostralhörner und die
inneren Ecken der oberen Augenhöhlenränder durch zwei
parallele Linien verbunden, so beträgt die Entfernung
dieser beiden Linien nur ein Drittel von der Entfernung
der zweiten Linie von dem Hinterrande des Rücken-
schildes, während sich diese beiden Entfernungen bei dem
diacanthus wie 5 : 9 verhalten. Ob diese Form, welche
auch Miers erwähnt (Report on the voyage of H. M. S.
„Alert" p. 195) eine eigene Art ist oder nur eine Varietät
von diacardhus, lässt sich vorläufig nicht entscheiden.
Bei dem kleinsten Exemplare erscheinen die Rostral-
hörner noch kürzer. Bei dem grössten Exemplare ((?)
beträgt die Länge des Rückenschildes (die Rostralhörner
mitgerechnet) 20 mm., seine grösste Breite, ein wenig
vor den Seitendornen, 10 Vs mm.; die Füsse des zweiten
Paares messen 32 mm., und erscheinen also nach der
de Haan'schen Beschreibung verhältnissmässig länger als
bei gleich grossen Individuen von diacanthus.
Decapoden und Stomatopoden. 221
6. Hyastenus Brockii, n. sp.
Tal VII Fig. 1.
Ein eiertragendes und also wohl erwachsenes Weib-
chen von Amboina.
Es ist diese Art dem Hyast. diacanthns de Haan und
dem Hyast. ovatus Dana am nächsten verwandt und viel-
leicht ist sie mit der von Miers unter dem Namen teiiui-
rostris unterschiedenen Varietät von ovatus (Report on the
Crustacea of the voyage of H. M. S. „Alert" 1884 p. 523)
oder mit Hyast. Verreau.vi A. M. Edw. identisch.
Hyast. Brochii unterscheidet sich nun von Hyast,
diacanthns durch geringere Grösse und durch verhältniss-
mässig bedeutend längere Rostralhörner; weil aber
bei jungen Exemplaren die Rostralhörner verhältniss-
mässig kürzer sind, so wird es schwierig sein, junge
Individuen von beiden Arten zu unterscheiden. Hyast.
ova^«s Dana weicht hauptsächlich durch den verschie-
denen Bau der Augenhöhlen und der Antennal-
region ab.
Der Cephalothorax ist dem von Hyast. ovatus ähnlich,
aber er ist nach vorn hin ein wenig mehr verengt. Wie
bei dieser Art und wie bei Hyast. diacanthns sind die
Seitenränder mit einem sehr kurzen Epibranchialstachel
bewaffnet: eine die beiden Epibranchialstacheln ver-
bindende Querlinie verläuft über der vorderen Grenze
der schwach gewölbten Regio cardiaca anterior, gleich
hinter der ziemlich tiefen Cervicalfurche. Die Magen-
gegend ist etwas mehr vorgewölbt, auf ihrer Vorderfläche
stehen an jeder Seite zwei kleine Höcker neben einander,
von welchen der äussere grössere gleich hinter dem Aus-
schnitte in dem oberen Augenhöhlenrande gelegen ist;
ein wenig hinter der Mitte sieht man in der Mittellinie
noch eine Spur eines fünften Höckers. Die Regio intesti-
nalis trägt keinen Stachel, sondern nur einen kleinen
Höcker, und mit einem kleinen Höcker ist auch jede
Regio hepatica besetzt, unmittelbar hinter der äusseren
Augenhöhlenecke. Schliesslich zeigen auch die Branchial-
gegenden Spuren von zwei oder drei Höckerchen.
222 Dr. J. G. de Man:
Die Rostralhörner sind lang, schlank und laufen
allmählich sehr spitz zu; sie sind etwas länger als
der Cephalothorax. Denken wir uns ihre beiden
Spitzen durch eine Querlinie verbunden und ziehen wir
auch eine Querlinie durch die kurzen, aber spitzen Präor-
bitalzähne, in welche die oberen Ränder der Augenhöhlen
nach vorn auslaufen, so beträgt die Entfernung dieser
beiden parallelen Linien bei unserem Weibchen 9V2 mm.
und die Entfernung der zweiten Linie vom Hinterrande
des Rückenschildes nur 9 mm. Der obere Rand der
Augenhöhlen ist seitlich nicht mit einem Zahne bewehrt,
wie dies bei Hyast. ovatus der Fall ist, und zeigt hinten
einen breiten, abgerundeten Ausschnitt. Das erste Glied
der äusseren Antennen ist verhältnissmässig schmäler
als bei HyaH. ovatus und an der äusseren Ecke des
Vorderrandes mit einem kürzeren Zahne bewehrt. Das
Epistom dagegen erscheint bei unserer neuen Form relativ
ein wenig länger als bei ovatus (Fig. la). Auch der
untere Augenhöhlenrand hat hinten einen grossen runden
Ausschnitt. Die äusseren Kieferfüsse verhalten sich un-
gefähr wie bei der Dana'schen Art, weil das dritte Grlied
an der vorderen Aussenecke ohrförmig erweitert ist. Die
Vorderecke des Mundfeldes wird von einem kurzen dicken
Zahn gebildet; hinter demselben tragen die Pterygostomial-
felder noch drei kurze Höckerzähne in einer Längs-
reihe angeordnet; bei ovatus sind diese Zähne mehr
stachelförmig. Der letzte dieser Zähne steht über der
Einpflanzung der Vorderfüsse.
Die Füsse verhalten sich ungefähr wie bei der
anderen Art.
Grössenverhältnisse des Weibchens:
Gesammtlänge des Körpers (die Rostralhörner
mitgerechnet) I8V2 mm.
Entfernung der beiden oben besprochenen
Querlinien 9V2 5?
Entfernung der zweiten Querlinie von dem
Hinterrande des Rückenschildes d.h. Länge
des letzteren 9 „
Decapoden und Stomatopoden. 223
Entfernung' der beiden Spitzen der Rostral-
hörner 6V4 mm.
Entfernung- der beiden Präorbitalzähne . . . 2V5 n
Grösste Breite des Rückenscbildes .... 7 „
7. Hyastenus Sebae, White.
Cancer araneus, cornutus, alter, Seba, Thesaurus, III,
pl. XVIII, Fig. 12, 1758.
Hyastenus Sebae, White, Description of new Crustacea
from the eastern Seas, in: Proc. Zoolog. Sog. London,
1847, p. 56.
Ein erwachsenes, mit Eiern besetztes Weibchen von
Amboina.
Wie schon A. Milne Edwards bemerkt hat, ist diese
Art dem Hyast. oryx A. M. Edw. am meisten verwandt;
sie lässt sich aber durch die folgenden Charaktere unter-
scheiden. Zuerst verschmälert sich der Cephalothorax
viel mehr nach vorn hin, so dass sich die Entfernung
der äusseren Augenhöhlenecken zu der grössten Breite
des Rückenschildes ungefähr verhält wie 6 : 11, bei
Hyast. oryx dagegen wie 8^/3 • H- Dann laufen die Rostral-
hörner bei Sebae fast parallel, während sie bei oryx viel
mehr divergiren. Die Verbreitung der Höckerchen auf
der Oberfläche des Rückenschildes lindet bei beiden Arten
ungefähr auf dieselbe Weise statt, aber der Hinterrand
des Rückenschildes trägt bei oryx drei Stacheln, während
bei Sebae auch hier nur kleine Höcker beobachtet werden.
Nach der Seba'schen Abbildung (die White'sche Be-
schreibung steht nicht zu meiner Verfügung) sind die
Rostralhörner beim Männchen ein wenig länger als das
Rückenschild. Bei dem vorliegenden Weibchen sind sie
dagegen ein wenig kürzer als der Cephalothorax. Die
Entfernung der beiden auf S. 222 besprochenen Linien
beträgt bei unserem Exemplare 13 mm. und die Entfer-
nung der zweiten Linie von dem Hinterrande des Rücken-
schildes 191/2 inni-, so dass die ganze Körperlänge 32 Vgmm.
beträgt; die grösste Breite des Rückenschildes misst
I3V2 mm. und die Entfernung der äusseren Augenhöhlen-
224 Dr. J. G. de Man:
ecken 7V2 mm. Die Rostralliörner verhalten sicli aber
bei unserem Exemplare ein wenig abnormal; der rechte
ist ein wenig* nach unten geneigt und der linke ist an
der Spitze abgebrochen. Bei normalen Individuen sind
sie darum wohl ein wenig länger.
Verbreitung: Indischer Ocean, Indischer Archipel
(Amboina, Philippinen).
8. Hyastenus oryx, A. M. Edw.
Taf. VII Fig. 2.
Hyantenus oryx, A. Milne Edwards, Nouv. Archiv, du
Museum, T. IX, p. 250, PL XIV, Fig. 1. — Miers, Report
on the Zool. Collect, made in the indo-pacific Ocean
during the voyage of H. M. S. „Alert", 1884, p. 195.
Ein junges Weibchen von P. Edam bringe ich mit
einigem Zweifel zu dieser Art. Der Cephalothorax hat
nämlich mehr die Gestalt von dem von Hyast. Sebae
White, indem er sich nach vorn hin mehr verengt als
bei dem typischen oryx der Fall ist, wenn nämlich die
von Milne Edwards gegebene Abbildung naturgetreu ist.
Ich halte das Exemplar aber für eine Jugendform von
oiyx^ weil die Rostralhörner kürzer sind als bei Sebae,
und genau so stark divergiren, wie bei der Ed-
wards'sehen Art. Was die Struktur der Oberfläche
des Rückenschildes betrifft, stimmt das Exemplar aber
vollkommen mit Sebae überein, weil der Hinterrand des
Rückenschildes nur Höcker trägt und keine Stacheln.
Die Zahl und die Anordnung der Höcker sind genau die-
selben wie bei Hyast. Sebae White. So findet man am
Hinterrande des Cephalothorax an jeder Seite des Höckers,
den die Regio intestinalis trägt, ein bei oryx, wie es
scheint, nicht vorkommendes Höckerchen. Was den Bau
der Augenhöhlen, des Epistoms, der Antennen und der
äusseren Kieferfüsse betrifft, stimmt das Thier ebenso
vollkommen mit unserem Weibchen von Hyast. Sebae
überein. Bei Hyast. oryx verhalten sich diese Theile
freilich fast auf gänzlich gleiche Weise.
Die Rostralhörner sind aber kurz und divergiren
Decapoden und Stoma topoden. 225
ebenso stark wie bei oryx. Die Entfernung der oben,
S. 222, besprochenen Qiierlinien beträgt nur 3V2 inm.,
die Entfernung der zweiten Linie vom Hinterrande des
Rückenschildes 10 mm., die Gesammtlänge also I3V2 i^m.
Die Entfernung der Spitzen der Rostralhörner beträgt
2% mm. , der äusseren Augenhöhlenecken 42/5 mm. und
die Breite des Rückenschildes TVs mm.
Verbreitung: Hyastenus oryx lebt im Indischen Ocean
(Mascarenen) , im indischen Archipel, im Chinesischen
Meere und an den Küsten von Australien und Neu-
Caledonien.
9. Hyastenus Pleione Herbst.
Taf. VII Fig. 3.
Cancer Pleione, Herbst, Naturgeschichte der Krabben
und Krebse, III, S. 52, Taf. LVIII, Fig. 5.
Ein Weibchen von Amboina.
Ich habe in meinem leider noch nicht erschienenen
Berichte über die Crustaceen des Mergui Archipels aus-
führlich über die Kennzeichen dieser Art gehandelt, und
die Unterschiede von Hyast. Hilgendorfii de Man hervor-
gehoben. Bei dem vorliegenden, wohl erwachsenen
Weibchen konnte ich nun alle diese Charaktere be-
stätigen; ich will aber noch das folgende bemerken.
Der obere Augenhöhlenrand trägt einen spitzen, etwas
nach oben gerichteten Präorbitalzahn und der Ausschnitt
hinten am oberen Augenhöhlenrande ist sehr schmal.
Eine Linie, welche die spitzen, nach aussen und ein
wenig nach oben gerichteten Epibranchialstacheln ver-
bindet, verläuft über die Vor der fläche der sich als
ein stumpfer Hügel erhebenden Regio cardiaca anterior,
während diese Linie bei Hyast. Hilgendorfii über die
Hinterfläche geht. Zwischen den Epibranchialstacheln
und dem spitzen Stachel der Regio cardiaca posterior,
der nahe am Hinterrande des Rückenschildes in der
Mittellinie steht, finden sich noch an jeder Seite der
Regio cardiaca zwei Stacheln, von welchen der vordere
mehr seitlich und dichter bei dem Epibranchialstachel
Arch. f. Naturgesch. 53. Jahrg. Bd. I. ]^5
226 Dr. J. G. de Man:
stehende spitz ist, wie ich schon früher bemerkte; aber
auch die hintere Erhebung stellt sich als ein ziem-
lich spitzer, kegelförmiger, fast gleich hoher Tuberkel
dar. Zwischen den vorderen, äusseren Ecken des Mund-
feldes und den Epibranchialstacheln beobachtet man bei
dieser Art an den Seitenrändern fünf kleine Höcker oder
Stacheln, wie ich früher beschrieb; der vorderste oder
erste ist der grösste, der vierte der kleinste. Diese
Stacheln sind zu zwei Gruppen angeordnet, und zwar
die drei vorderen zu einer und die zwei hinteren zu der
anderen Gruppe ; der Zwischenraum zwischen dem dritten
und dem vierten Stachel, d. h. zwischen den beiden
Gruppen, ist ungefähr so gross als der Raum zwischen
dem fünften und dem Epibranchialstachel. Ich füge
schliesslich noch einige Grössenverhältnisse hinzu.
Entfernung des Hinterrandes des Rückenschildes
von einer die Präorbitalzähne verbin-
denden Querlinie = Länge des Rücken-
schildes 241/4 mm.
Länge der Rostralhörner IOV2 „
Entfernung der Spitzen der beiden Epibran-
chialstacheln=grösste Breite des Rücken-
schildes 23 „
Entfernung der Präorbitalzähne 6V4 77
Entfernung der Spitzen der Rostralhörner . . 6V4 77
Länge der Scheeren 8V4 77
Verbreitung: Indischer Archipel, Bengalischer Meer-
busen.
Gattung Schizophrys, Stimpson.
10. Schizophrys aspera, M. Edw.
Schizophrys aspera, A. Milne Edwards, Nouv. Archive»
du Museum, T. VIII, p. 231, PI. X Fig. 1.
Mithrax triangularis, var. indica, Kossmann, Richters,
Beiträge zur Meeresfauna der Insel Mauritius, 1880,
S. 143, Taf. XV, Fig. 8—14.
Vierzig Exemplare (24 <?, 16 ?) von Amboina.
Decapoden und Stomatopoden. 2-27
Unter den Weibchen, von welchen drei mit Sacculinen
besetzt sind, giebt es sowohl eiertragende mit rundem, gut
entwickeltem Abdomen als solche, deren Abdomen oval
ist. OiFenbar hatte Richters Unrecht, als er diese Weib-
chen als zweierlei Formen betrachtete, indem diese Er-
scheinung allgemein vorkommt.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean bis nach
Japan, Neu-Caledonien und den Schiffer-Inseln.
Gattung Micippa^ Leach.
11. Micippa cristata L.
Micippa cristata, Milne Edwards, Hist. Nat. Crust. I,
p. 330.
Elf Exemplare (7 5, 4 $) von Amboina.
Verbreitung: ludischer Archipel (Java, Amboina,
Philippinen).
Gattung Paramicippa, M. Edw.
12. Paramicippa platipes, Rüpp.
Micippe platipes y Rüpp eil, Beschreibung und Abbildung
von 24 Arten kurzschwänziger Krabben, 1830, S. 8,
Taf. I, p. 333.
Paramicippe platipes^ H. Milne Edwards, Hist. Nat.
Crust. T. I, pag. 333.
Micippe platipes, Heller, Beiträge zur Crustaceen-
fauna des rothen Meeres in: Sitzungsber. Kais. Akad. der
Wiss. Wien. Bd. XLIII, 1861, S. 299, Taf. I, Fig. 2.
Micippa spatalifrons, A. Milne Edwards, Nouv. Archives
du Museum, T.VIII, p. 240, PL XI, Fig. 3.
Micippa Fhilyra, var. : p)latipes, Kossmann, Zoologische
Ergebnisse einer Reise in die Klistengebiete des Rothen
Meeres. Leipzig 1877, Malacostraca S. 7.
? Micippa hirtipes Dana, United States Expl. Exped.
Crustacea, I, p. 90, Atlas, Tab. I, Fig. 4.
Sieben Exemplare (3 c^ 4 $) von der Insel Edam.
Es stimmen diese Exemplare vollständig überein,
sowohl mit der Rüppell'schen Beschreibung von Micippe
platipes, wie mit der von Micippa spatulifrons A. M. Edw.,
15*
228 Dr. J. Gr. de Man:
so dass ich an die Identität dieser beiden Arten nicht
zweifle. Auch Kossmann erklärte sie schon für identisch ;
dieser Forscher betrachtet sie aber als Varietäten der
Micippa Philyra Herbst, was jedenfalls unrichtig ist. Es
unterscheidet sich doch die letztere Art auf den ersten
Blick durch die viel breitere und senkrecht nach
unten geneigte Stirn. Uebrigens glaube auch ich,
dass die vom älteren Milne Edwards als Micippa philyra
beschriebene Art mit der platipes identisch ist, aber es
erscheint dann wieder unbegreiflich, dass der jüngere
Milne Edwards, welcher die Herbst'sche Art richtig auf-
fasste, in seiner Beschreibung die Micippa Philyra seines
Vaters citirt. (Nouv. Archives du Museum, T.VIII p. 239).
Auch Micippa hirtipes Dana ist wohl mit der platipes
identisch, aber ich wage es nicht zu entscheiden, ob dies
auch mit Parainicipp)a asperimana Miers (Report Crustacea
H. M. S. „Alert", 1884, p. 525) der Fall ist. Unsere
Exemplare haben ihren vollen Wachsthum noch nicht
erreicht, indem der Cephalothorax der grössten Individuen
kaum 13 mm. lang ist, während er bei ganz alten Exem-
plaren zweimal so gross wird. Bei dem kleinsten, eier-
tragenden Weibchen ist das Rückenschild nur 9 mm. lang.
Bei den Männchen erscheinen die Scheeren an der Aussen-
fläche schwach gekörnt und die klaff'enden Finger glatt.
Die schräge Neigung der Stirn ist bei Männchen und
Weibchen dieselbe; ich bemerke dies nachdrücklich, weil
bei Micip)pa miliaris Gerst. die Stirn bei beiden Ge-
schlechtern auf ungleiche Weise geneigt sein sollte.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Kap der
guten Hoffnung, Australien (Kap Grenville) und Neu-
Caledonien.
Gattung Tylocarcinus Miers.
13. Tylocarcinus Styx Herbst.
Cancer Styx, Herbst, Krabben und Krebse, III, S. 53,
Taf. LVIII, Fig. 6.
Microphrys Styx, A. Milne Edwards, Nouv. Archives
du Museum, T.VIII, p. 247, PL XI, Fig. 4.
Decapodeu und Stomatopoden. 229
Tylocarcinas StyXi Miers, Annals and Magaz. of Natural
Histoiy for Jiily 1879, p. 14.
Siebenzehn Exemplare, und zwar elf von Pulo
Edam, eins von der Insel Noordwachter und fünf von
Amboina.
Mit Ausnahme eines einzigen Weibchens von der
Insel Amboina, dessen Cephalothorax verhältnissmässig
ein wenig schmäler erscheint und bei dem das Rostrum
bedeutend länger ist, kommen alle Exemplare mit ein-
ander überein und mit der von Milne Edwards gegebenen
Abbildung.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Indischer
Archipel bis nach Neu-Caledonien und den Fidschi-Inseln.
Gattung Lambrus Leach.
14. Lambrus longispinus Miers.
Lambrus longispinus, Miers, Annals and Magazine of
Natural History for July 1879, p. 18.
Lambrus spinifer, Haswell, Catalogue of the Stalk-
and sessile-eyed Crustacea of Australia, p. 34.
Ein sehr junges Männchen von der Insel Noordwachter.
Der Cephalothorax ist 9 mm. lang (das Rostrum mit-
gerechnet) und 8 mm. breit.
Verbreitung: Indischer Archipel, Nord- und Nordost-
küste Australiens, Shanghai.
15. Lambrus sp.
Taf.Vn Fig. 4.
Die Sammlung enthält ein junges Exemplar einer
zweiten Lambrus -kxi von der Insel Edam, welche mit L.
Holdsworthi Miers, einer in Ceylon lebenden Art, nahe
verwandt erscheint. Es gehört zu den Arten, bei welchen
die Breite des Cephalothorax ein wenig grösser ist, als
die Entfernung des Hinterrandes von der Basis des
Rostrums, und bei welchen die vier hinteren Fusspaare
gezähnte Grlieder haben. Der Cephalothorax erscheint
verhältnissmässig weniger enveitert als bei Lambrus HohU-
230 r>r. J. G. (\e Man:
worthi, weil die diese Art auszeichnenden grossen Zähne
der hinteren Seitenränder bei unserem Exemplare viel
kleiner sind. Die Zahl und die Anordnung der Höcker auf
der Oberfläche des Rückenschildes dürften ungefähr die-
selben sein: die drei grössten Höcker, von welchen einer
auf der Mitte der Regio cardiaca steht und einer jeder-
seits auf der hinteren Branchialgegend gefunden wird,
liegen aber in einer fast geraden Linie, was bei Holds-
worthi nicht der Fall ist. Die Vorderf üsse stimmen sehr über-
ein, aber der Hinterrand des Handgliedes, d.h. der Aussen-
rand, welcher bei Holdsioorthi mit neun dreieckigen
spitzen Dornen bewehrt ist und zwar mit vier grösseren
und fünf kleineren, sieht etwas anders aus, weil die
Dornen stumpfer erscheinen und wie abgenutzt. Schliess-
lich trägt die Unterfläche des Handgliedes nicht nur eine
Längsreihe von Körnchen, sondern erscheint auch sonst
hie und da fein gekörnt.
Fast noch grössere Aehnlichkeit bietet unsere Art
mit Lambrus lainelliger White, der unter dem Namen
Lambras Imnellifrons von Adams und White abgebildet
worden ist (Zoology of the voyage of H. M. S. „Samarang",
Crust. Tab. V, Fig. 1), und vielleicht gehört sie in der
That zu dieser Form. Die Seitenränder des Rücken-
schildes zeigen aber einen anderen Verlauf, weil die
Epibranchialzähne bei unserem Exemplare mehr nach
hinten gerückt sind und mit dem Hinterrande fast in
einer geraden Linie liegen.
Der Cephalothorax ist 9V2 mm. lang (das Rostrum
mitgerechnet!) und 10 mm. breit.
Gattung Ceratocarcinus White.
16. Ceratocarcinus dilatatus A. M. Edw.
Ceratocarcinus dilatatus, A. Milne Edwards, Nouv.
Archives du Museum, T.VHI, p. 256, PI. XIV, Fig. 2.
Ein junges Männchen von Amboina.
Die Entfernung der beiden Seitendornen des Rücken-
schildes beträgt 674^111., und die Länge des Rücken-
Decapodeu und Stomatopoden. 231
Schildes, die Rostralhörner mitgerechnet, misst 5V4 mm.
Bei dem erwachsenen Thiere sind diese Zahlen nach
Milne Edwards 12 resp. 10. Die Rostralhörner divergiren
ein wenig-, was nach Milne Edwards bei jungen Thieren
immer der Fall ist. Während die beiden vorderen,
grossen, kegelförmigen Tuberkel der Magengegend sowie
die der Branchialgegend schon deutlich entwickelt sind,
sind die zwei Höcker, welche auf der Regio mesogastrica
vorkommen, noch zu einem verbunden und dies ist auch
noch bei den Höckern der Cardiacalgegend der Fall.
Das Carpalglied der Vorderfüsse trägt ein spitzes Zähn-
chen an der inneren Ecke.
Verbreitung: Neu-Caledonien, Molukken.
Gruppe Cyclometopa.
Gattung Carpilius Leach.
17. Carpilius macuiatus L.
Carpilius macuiatus^ Linne, A. Milne Edwards, Nou-
velles Archives du Museum, T. I, p. 214.
Drei erwachsene Exemplare von Amboina und zwar
ein Männchen, dessen Cephalothorax 12 V2 cm. breit ist,
und zwei etwas kleinere Weibchen, sowie ein junges
Männchen von der Insel Noordwachter. Bei dem letzteren
finden sich auf der Oberfläche des Rückenschildes nur
die elf gewöhnlichen Flecken. Bei dem alten Männchen
trägt der Cephalothorax zwei Flecken mehr, und zwar
einen kleinen runden Fleck an jeder Seite der vorderen
Cardiacalgegend. Bei einem Weibchen findet sich ein
überzähliger, kleiner, runder Fleck auf der vorderen
Fläche des Rückenschildes, an der rechten Seite, auf der
Protogastricalgegend ; an der linken Seite fehlt aber dieser
Fleck. Bei dem anderen Weibchen schliesslich sind von
den vier hinteren Flecken je zwei seitliche mit einander
zu einem Co förmigen Flecke verbunden und steht auf
jedem Protogastricalfelde eine Spur eines überzähligen
Fleckes.
Verbreitung: Indischer Ocean, Malayischer Archipel
bis zu den SchiiFer-Inseln und nach Neu-Caledonien hin.
232 Dr. J. G. de Man:
18. Carpilius convexus Forsk.
Carpilms conve.vas, Forskal, A. Milne Edwards, Non-
velles Archives du Museum, T. I, p. 215.
Acht junge Exemplare (6 (?, 2 $) von Amboina. Die
zwei Weibchen tragen Eier und das Rückenschild des
kleinsten Weibchens ist kaum 24 mm. breit. Die Art
erreicht aber eine vierfache Grösse.
Verbreitung: Vom Rothen Meere bis zu den Sand-
wich-Inseln.
Gattung Carpilodes Dana.
19. Carpilodes striatus, n. sp.
Taf. VIII, Fig. 1.
Drei Exemplare von Amboina. — Obgleich Carpilodes
margariiatus A. M. Edw. (Nouvelles Archives du Museum,
T. IX, p. 182, Pl.V, Fig. 2) sehr ähnlich, betrachte ich
diese Exemplare dennoch als Vertreter einer neuen Art,
weil der Cephalothorax auf eine andere Weise gezeichnet
ist und weil die Scheeren in Form und Bau ein wenig
abzuweichen scheinen.
Was die Gestalt des Rückenschildes und die Felde-
rung seiner Oberfläche betrifft, stimmt unsere Art aber
vollkommen mit C. margariiatus überein; die Zahl,
die Anordnung und der Verlauf der die Felder
begrenzenden Furchen sind bei beiden Arten ganz
dieselben. Die Furchen sind wenig tief und glatt.
Die wenig vorspringenden Felder der ganzen Oberfläche
sind mit zahlreichen, kleinen, runden, perlenförmigen
Körnchen überdeckt. Während Carpilodes margariiatus
nun aber als einförmig roth beschrieben worden ist,
zeigt der Cephalothorax von unseren Exemplaren eine
sehr charakteristische, niedliche Zeichnung. Während
nämlich die Grundfarbe gleichfalls roth ist, zeigt die
Oberfläche ein symmetrisches System von hellgelben
Längsstreifen, welche von der Stirn und von den
vorderen Seitenrändern nach hinten verlaufen. Die meisten
Streifen verlaufen in den die Felder von einander
Decapoclen und Stomatopoden. 233
trennenden Furchen und entstehen dadurch, dass die
Felder an ihren Seitenrändern schmal gelb gesäumt sind,
so dass die gelben Ränder von zwei an einander gren-
zenden Furchen jedesmal zu einem Streife zusammen-
fliessen.
Auch die Füsse sind hie und da mit gelblichen
Flecken geziert. Die Scheeren der Vorderfüsse sind von
gleicher Gestalt. Während nun bei C. margaritatus, nach
der Milne Edwards'schen iVbbildung, die Scheerenfinger
ein wenig kürzer sind als das Handglied und die
Aussenfläche des letzteren überall gleichmässig gekörnt
erscheint, sind bei unserem striatus die Scheerenfinger
ein wenig länger als das Handglied und die Körnchen
der Aussenfläche des Handgliedes sind an der unteren
Hälfte theilweise zu Längsreihen angeordnet. Die
Scheerenfinger klaffen ein wenig, erscheinen an der proxi-
malen Hälfte tief gefurcht und an den Rändern mit
7 — 9 kleinen Zähnen besetzt, welche nach den löffei-
förmig ausgehöhlten Spitzen hin allmählich an Grösse
zunehmen.
Von dem gleichfalls nahe verwandten Carpüodes ruber
A. M. Edw. der Sandwich -Inseln weicht unsere Art
ebenso durch die Zeichnung und weiter durch die
stärkere Granulirung des Rückenschildes und der Füsse
ab, während bei Carpüodes grarudosus Hasw. die Scheeren
nur punktirt sind und gar nicht gekörnt.
Der Cephalothorax des grössten Individuums ist
13^4 mm. breit und 8V2 mm. lang.
20. Carpilodes monticulosus A. M. Edw.
Carpdodes monticulosus, A. Milne Edwards, Nouvelles
Archives du Museum, T. IX, p. 181. Pl.V, Fig. 1.
Ein Männchen von Amboina.
Diese kleine, niedliche Art unterscheidet sich durch
die sehr ausgeprägte Felderung des Rückenschildes. Die
Hepaticalgegend ist in drei Felder getheilt und die von
den tiefen Einschnitten zwischen den drei hinteren Antero-
lateralzähnen entspringenden Querfurchen münden in die
234 Dl-. J. G. <le Mau:
Cervicalfurche aus. Sämmtliclie Feldchen sind dicht
gekörnelt. Das Rückenschild hat eine gelblichweisse
Farbe und ist mit einigen kleinen rothen Flecken ge-
zeichnet, welche symmetrisch in Bezug auf die Mittel-
linie angeordnet sind; ein Fleck, der am letzten Seiten-
zahne gelegen ist, ist etwas grösser als die anderen.
Die Füsse sind schön roth gefärbt. Auf der Aussen-
seite der Scheeren sind die Körnchen theilweise zu Längs-
linien angeordnet. Die Finger klaifen ein wenig und sind
kräftig gezähnt; sie zeigen an der gekörnten Basis die-
selbe rothe Farbe wie das Handglied, doch nehmen nach
den zwar löifelförmig ausgehöhlten, aber stark gezähnten
Spitzen hin allmählich eine blassere Farbe an. Die
Milne Edwards'sche Abbildung ist also ganz abweichend
gefärbt!
Der Cephalothorax ist 8 V4 nim. breit und 4^4 mm. lang.
Verbreitung: Amboina, Neu-Caledonien.
21. Carpilodes Stimpsonii, A. M. Edw.
Carpilodes Stimpsonii^ A. Milne Edwards, Nouv.
Archives du Museum, T. I, p. 232, PI. XI, Fig. 2 und
T. IX, p. 181. —
Zwei Männchen und ein mit einer Saccnlina besetztes
Weibchen von Amboina. Es stimmen diese Exemplare
vollständig mit der Beschreibung überein und haben eine
dunkle, röthlich-violette Farbe. Es unterscheidet sich
diese Art von Carpilodes venosus M. Edw. dadurch, dass
die die Protogastricalgegend theilende Längsfurche nicht
bis zu der Cervicalfurche fortläuft, sowie durch die
Struktur der Oberfläche des Rückenschildes und der
Aussenfläche der Scheeren. Die Oberfläche des Rücken-
schildes erscheint nämlich am vorderen Theile und auf
den beiden Anterolateralgegenden ziemlich grob punktirt
mit zerstreuten Punkten und nahe am Rande sogar ein
wenig gerunzelt, während die Scheeren an ihrer Aussen-
fläche, besonders an der oberen Hälfte, fein gerunzelt
und gekörnelt sind, und zwar so, dass die unteren Körn-
chen in Längsreihen angeordnet sind. Wie Milne Edwards
Decapoden mid Stomatopoden. 235
schon bemerkte, erscheint aber die ganze Oberfläche
des Eückenschildes äusserst fein punktirt und g-rannlirt,
wenn man sie mit einer sehr starken Vergrösserimg
betrachtet.
Breite des Rückenschildes 14 mm.
Verbreitung-: Bengalischer Meerbusen, Malayischer
Archipel, Neu-Caledonien.
22. Carpiiodes Vaillantianus A. M. Edw.
Carpllodes Vaillantianus, A. Milne Edwards, Nouvelles
Archives du Museum, T. I, p. 231, PI. XI, Fig. 3.
Sechs Exemplare (2 S^ 2 eiertragende und 2 sterile $)
und zwar drei von der Insel Edam, zwei von Noord-
wachter und eins von Amboina.
Diese Art unterscheidet sich von Carpiiodes Stimpsonii
hauptsächlich durch die Struktur der Oberfläche des
Rückenschildes. Während diese bei Stimpsonii bei
schwacher Lupenvergrösserung glatt und nur auf den
Frontal- und Anterolateralgegenden grob punktirt er-
scheint, sind diese Felder bei Carp. Vaillantianus dicht
und grob gekörnelt, während die hintere Hälfte des
Rückenschildes punktirt ist. An den Vorderfüssen ist das
Carpalglied an der Aussenfläche grob gekörnelt; die
Scheeren sind am Oberrande und auf der Mitte der
Aussenfläche gekörnelt, am Unterrande glatt. Die Körn-
chen der Mitte der Aussenfläche bilden zwei oder drei
Längsreihen. Die gefurchten Finger sind an den Spitzen
dsutlich löflfelförmig ausgehöhlt.
Diese Art ist zweifellos von Carpiiodes rugatus Latr.
verschieden. Was Carpiiodes rugipes Heller aus dem
Rothen Meere betrifft, so hat Heller wohl Unrecht, als
er Carpiiodes Vaillantianus mit diesem rugipes identificirt
(Novara-Reise, 1865, S. 17); die Milne-Edwards'sche Ab-
bildung des Vaillantianus w^ar ihm damals noch unbekannt.
Dennoch erklärt Heller Individuen von Tahiti für Exem-
plare seines rugipes und sagt von denselben, dass die
Felder der Oberfläche des Rückenschildes deutlich ge-
körnt und die Körner an der Aussenseite der Scheeren
236 Dr. J. Ct. de Man:
in Längslinien angeordnet sind, was auch bei Vaülantianus
der Fall ist.
Breite des Rückenscliildes bei den grössten Indi-
viduen 11 mm.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean (Sey-
chellen, nach Miers), Malayischer Archipel, Samoa-Inseln,
Neu-Caledonien.
23. Carpilodes laevis A. M. Edw.
Carpüodes laevis , A. Milne Edwards, Nouvelles Ar-
chives du Museum, T. IX, p. 179, PI. V, Fig. 3.
Fünf Exemplare (2 cj, 3 2) von Amboina.
Die ein wenig von vorn nach hinten gewölbte Ober-
fläche des Rückenschildes erscheint für das nackte Auge
glatt, obgleich nicht glänzend; bei einer starken Lupe er-
scheint sie aber überall gleichmässig und äusserst fein gra-
nulirt. Diese Art zeichnet sich, wie Carpilodes tristis Dana
durch die geringe Felderung des Rückenschildes aus. Ausser
der die Gastricalgegend begrenzenden Furchen beobachtet
man nur noch zwei andere kurze Furchen an jeder Seite
des Rückenschildes; diese entspringen von den zwei den
vorletzten Seitenlappen begrenzenden Einschnitten des
Seitenrandes, hören aber bald auf, so dass keine der-
selben in die Cervicalfurche ausmündet. Alle
diese Furchen sind linienförmig, wenig tief und ober-
flächlich.
Die Scheeren erscheinen bei einer starken Lupe
äusserst fein gekörnt; die Finger klaffen kaum und sind
gezähnelt. Der Cephalothorax hat eine lichte ziegelrothe
Grundfarbe, welche zumeist an jeder Seite der Magen-
gegend und an den hinteren Seitenrändern unregelmässig
weisslichgelb gefleckt oder marmorirt erscheint, so dass
die vorderen Seitenränder wieder nur die rothe Grund-
farbe zeigen. Die Vorderfüsse sind gleichfalls roth,
die Finger schwärzlich mit helleren Spitzen; auch die
übrigen Füsse sind roth, aber an den Gelenken wieder
gelblichweiss, so dass sie schön geringelt erscheinen.
Decapodeii und Stomatopoden. 237
Carpilodes tristis Dana ist unserer Art am näclisten
verwandt, nach Milne Edwards aber dennoch verschieden.
Bei der Dana'schen Art scheint die Branchiohepatical-
furche wirklich in die Cervicalfurche auszumünden, wäh-
rend sich nach Heller (Novara- Reise, S. 17) die braun-
schwarze Farbe des unbeweglichen Fingers bis auf die
Mitte des unteren Palmarrandes hin erstreckt, was bei
laevis der Fall nicht ist.
DerCephalothorax des grössten Männchens istl6V2min.
breit und 10 mm. lang.
Verbreitung: Amboina, Neu-Caledonien.
Gattung Liomera Dana.
24. Liomera Rodgersii Stimps.
Lachiopodus Rodgersii Stimpson, Proc. Acad. Nat.
Scienc. Philadelphia, 1858, p. 30.
Liomera Rodgersii, Miers, Annais and Mag. of Nat.
History for 1880, p. 7, PI. XIII, Fig. 3.
Ein erwachsenes Männchen und zwei etwas jüngere
Weibchen von der Insel Noordwachter. — Herr Miers hat
Recht, als er diese seltene und merkwürdige Art zu der
Gattung Liomera stellt; die Zahl der Cancridengattungen
ist schon gross genug! Aber sogar die Gattung LJomera
darf höchstens als eine Untergattung von Xantlw auf-
gefasst werden. Miers hält sie noch aufrecht für die-
jenigen Formen, bei welchen der Cephalothorax sehr
verbreitert ist und bei w^elchen nur die zwei hinteren
Lappen der Seitenränder vorhanden sind, indem die zwei
vorderen fehlen. Das Basalglied der äusseren Antennen
ist kurz und vereinigt sich an seiner Spitze mit einem
nach unten gerichteten Fortsatze der Stirn. LJomera
Rodgersii unterscheidet sich leicht von den anderen
LJomera- und Carpilodes - Arten durch ihre mit langen
gelben Haaren bekleideten Lauffüsse, deren
Schenkelglieder am oberen Rande eine Reihe von
kurzen, spitzen Stacheln tragen. Unsere Exemplare
haben eine dunkle, bräunlichrothe Farbe, die auf der
238 Dr. J. G. de Man:
Unterseite bedeutend heller ist. Charakteristiscli sind
auch die drei kleinen, abgerundeten Zähnchen an der
äusseren Augenhöhlenecke, welche durch drei Einschnitte
des äusseren Augenhöhlenrandes gebildet werden, und
die ungleichen Scheeren, deren Handglied an der Aussen-
seite oben ein wenig runzelig ist und zwei parallele
Längsfurchen zeigt, von welchen eine nahe dem abge-
rundeten Oberrande verläuft und die andere auf der Mitte.
Die Finger der grösseren Scheere sind glatt und unge-
furcht. Der Cephalothorax des grössten Exemplares ist
44 mm. breit und 29 mm. lang.
Verbreitung: Malayischer Archipel (Glasparstrasse,
Noordwachter).
25. Liomera punctata, M. Edw.
XantJio pimctatasj Milne Edwards, Hist. Nat. Crust.
T. I, p. 396. — A. Milne Edwards, Nouv. Archives du
Museum, T. IX, p. 199, PL VII, Fig. 6.
Liomera punctata^ Miers, Report on the zoological
collections made in the indo-pacific Ocean during the
voyage of H. M. S. „Alert", London 1884, p. 528.
Liomera macidata, Haswell, Catalogue of the Austra-
lian stalk- and sessile-eyed Crustacea, p. 47.
Ein eiertragendes Weibchen von Amboina und ein
steriles von der Insel Noordwachter.
Hinsichtlich dieser seltenen Art will ich bemerken,
dass nicht nur das Abdomen und die Pterygostomial-
felder, sondern auch fast die ganze Oberfläche des
Rückenschildes mit zahlreichen kleinen runden Fleckchen
übersäet ist, welche nur auf der Stirn und auf den
Anterolateralgegenden fehlen. Die Füsse zeigen diese
kleinen rothen Fleckchen nicht, aber sind auf weisslich-
gelber Grundfarbe roth geringelt.
Die Vorderfüsse sind gleich; sie haben eine glatte
Oberfläche, aber sind hie und da ein wenig punktirt.
Die Finger sind verlängert, so lang als das Handglied,
glatt, ungefurcht, obgleich in Längsreihen punktirt, und
ihre Enden sind scharf zugespitzt.
Decapoden und Stomatopodeii. 239
Das Basalglied der äusseren Antennen ist kurz und
vereinigt sich mit einem nach unten gerichteten Stirn-
fortsatze.
Der Cephalothorax des eiertragenden Weibchens ist
22 mm. breit und ISVs i^i^^- lang. Die Art erreicht aber
eine Breite von 30 mm.
Weil die Haswell'sche Beschreibung von Liomera
macnlata in allen Punkten auf unsere beiden Exemplare
passt, so zweifle ich nicht an der Identität dieser Art
mit L. punctata.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Ma-
layischer Archipel, Neu-Caledonien.
26. Liomera guttata, n. sp.
Taf. Vni Fig. 2.
Ein Männchen von Amboina, das an der Glocke einer
Rhizostomide schmarotzend aufgefunden wurde.
Diese niedliche Art zeigt einige Uebereinstimmung
mit Liomera punctata, M. Edw. , aber der Cephalothorax
erscheint mehr gleichmässig gewölbt, die Felde-
rung der Oberfläche ist noch undeutlicher, die
Scheerenfinger sind löffeiförmig ausgehöhlt und
die Zeichnung ist eine ganz andere.
Der Cephalothorax ist massig erweitert, ungefähr
wie bei Liomei^a punctata. Die Oberfläche ist nicht nur
in der Längs-, sondern auch in der Querrichtung gewölbt,
und zwar sowohl an der vorderen, wie an der hinteren
Hälfte. Sie ist glatt, glänzend und unbehaart;
unter der Lupe erscheint sie aber auf der hinteren Fläche
und in der Mitte hie und da sehr fein, auf der Stirn und
nahe den vorderen Seitenrändern ziemlich grob punktirt,
nirgendwo aber eine Spur von Gränulirung zeigend. Die
Oberfläche ist kaum gefeldert und die wenig zahl-
reichen, kurzen, linienförmigen und seichten Furchen,
welche ich auf derselben beobachtete, sind nur die fol-
genden. Zuerst eine von der Mitte des Stirnrandes ent-
springende Längsfurche, die sich, wie immer, bald in
zwei, den vorderen spitzen Ausläufer der Regio meso-
240 Dr. J- (>. de Man:
gastrica (3 M) umfassende Furchen tlieilt; diese Furchen
hören aber bald auf, wie bei Carpilodes laevis, und münden
nicht in die Cervicalfurche hinaus. Der mediane, quer
verlaufende, die Magen- von der Cardiacalgegend tren-
nende Theil der Cervicalfurche, der sich bei TAomeva
punctata vorfindet, fehlt bei unserer Art vollkommen und
ihre Stelle wird nur durch vier in einer Querreihe
liegende Pünktchen angedeutet. An jeder Seite wird die
Magengegend durch eine kurze Hepaticogastricalfurche
begrenzt, welche nur so weit nach hinten verläuft, wie
die zwei den vorderen spitzen Theil der Eegio meso-
gastrica begrenzenden Furchen, so dass die Magengegend
an der hinteren Hälfte ihrer Seitenränder nicht von der
Branchialgegend getrennt ist. Die Felder 1 F, 2 F,
1 M und 2 M sind mit einander verschmolzen und das
letztgenannte wird durch keine Längsfurche getheilt.
Ebenso sind die Felder IL, 2 L und 3 L mit einander
verschmolzen. Schliesslich entspringen noch an jeder
Seite zwei quer verlaufende Furchen von den vorderen
Seitenrändern. Die vordere oder Hepaticobranchialfurche
entspringt von dem Einschnitte, welcher den vorletzten
Seitenzahn vorn begrenzt; wie bei Liomera punctata hört
auch diese Furche bald auf und mündet nicht in die
Cervicalfurche hinaus. Die hintere Furche, welche zwischen
den zwei hinteren Seitenzähnen der vorderen Seitenränder
entspringt, ist, wie bei L. punctata, noch viel kürzer als
die vordere und hört noch schneller auf. Die Stirn ist
ungefähr so breit wie bei punctata, aber die zwei Mittel-
lappen, welche durch einen sehr kleinen, medianen Ein-
schnitt von einander und durch eine tiefere Ausrandung
von den Aussenlappen getrennt werden, ragen weniger
hervor. Die äusseren Stirnlappen sind viel kleiner als
die inneren und von den inneren Ecken der oberen
Augenhöhlenränder durch einen kaum sichtbaren Ein-
schnitt geschieden. Der Stirnrand ist schwach gefurcht
und dadurch doppelrandig wie bei den Epixanthen. Der
glatte obere Augenhöhlenrand zeigt Andeutungen von
zwei Einschnitten und die einen stumpfen Zahn bildende.
Decapoden und Stomatopodeii. 241
innere Ecke des unteren Aug-enhöhlenrandes ragt weniger
heiTor, als die Stirn. Die vorderen Seitenränder sind
ein wenig kürzer als die hinteren und sind, ungefähr wie
bei Liomera Rodgersii, in vier Lappen getheilt. Die zwei
ersten Lappen sind sehr breit, abgerundet und kaum von
einander getrennt; der dritte stellt sich als ein drei-
eckiger stumpfer Zahn dar und ragt mehr hervor,
während der letzte wieder ein viel kleinerer Höcker ist.
Die hinteren Seitenränder sind schwach convex.
Die äusseren Antennen verhalten sich genau Liomera-
artig und deshalb stellte ich unsere Art zu dieser Gat-
tung, obgleich sie sich in anderen Charakteren den Car-
jnlodes-kriQw anschliesst. Das kurze Basalglied vereinigt
sich nämlich bloss an seiner inneren vorderen Ecke mit
dem nach unten gerichteten Stirnfortsatze. Die äusseren
Kieferfüsse stimmen ganz mit denen von L. imnctata
überein, das dritte Glied ist breiter als lang und hat einen
etwas concaven Vorderrand ; sie sind glatt und ein wenig
punktirt. Das Sternum ist glatt und auf dem ersten
Segmente ziemlich grob punktirt. Auch das Abdomen
des Männchens ist glatt und bloss an den Seiten ein
wenig punktirt; das letzte Glied ist ein wenig länger
als breit.
Die gleichen Vorderfüsse zeigen eine merkwürdige
Uebereinstimmung mit denen von Carpilodes laevis A. M.
Edw. ; sie sind aber vollkommen glatt und bloss hie
und da ein wenig punktirt. Das Carpalglied hat eine
stumpfe innere Ecke. An den Scheeren erscheinen die
Finger ungefähr so lang oder kaum länger als das Hand-
glied. Das Handglied hat einen abgerundeten Oberrand
und einen abgerundeten Unterrand, sowie eine glatte
Aussenfläche, an der man nur am oberen Drittel eine
schwache Längsfurche beobachtet, wie bei L. punctata.
Die Finger sind tief gefurcht, an den Spitzen löff ei-
förmig ausgehöhlt und an den Rändern gezähnt.
Die vier hinteren Fusspaare sind ein wenig schlanker
gebaut als bei punctata Ihre Glieder sind gänzlich glatt
und nur die Klauenglieder sind sparsam behaart.
Arch. f. Naturgesch. 53. Jahrg. Bd. 1. Jg
242 Dr. J. G. de Man:
Die Grundfarbe dieser Krabbe ist ein glänzendes
Roth. Die Oberfläche des Rückenschildes ist mit
einigen weissen Flecken geziert, welche symmetrisch
angeordnet sind. lieber diese Anordnung giebt die Ab-
bildung den besten Aufschluss. Auch die Füsse zeigen
dieselbe rothe Farbe und weisse Flecken. Die letzteren
finden sich an den Gelenken, während die Schenkel-
glieder ausserdem in der Mitte einen weissen Ring tragen.
Die Scheerenfinger sind bräunlich mit weissen Spitzen.
Der Cephalothorax ist 15V4 ninfi- ^^i'eit und 9% nim. lang.
Auch Liomera subacuta Stimps. von den Loo-Choo-
Inseln scheint unserer Art nahe verwandt zu sein, aber
ihre Scheerenfinger sind zugespitzt.
27. Liomera semigranosa, n. sp.
Taf.VIII Fig. 3.
Ein Männchen von Amboina.
Was die Gestalt des Rückenschildes betrifl't, stimmt
diese Art gänzlich mit Liomera lata Dana überein; wäh-
rend bei der Dana'schen Art der Cephalothorax aber
vollkommen glatt und bei Liomera puhescens über seiner
ganzen Oberfläche gekörnt erscheint, bildet die semi-
graiiosa, SO zu sagen, einen Uebergang zwischen diesen
beiden Formen, indem die Oberfläche des Rückenschildes
bloss in der Nähe der vorderen Seitenränder ge-
körnt, sonst aber überall glatt ist.
Wie ich schon sagte, hat der Cephalothorax voll-
kommen dieselbe Form wie bei LAomera lata Dana und
seine Breite ist genau zweimal so gross wie die Länge.
Die Oberfläche ist nicht nur in der Längsrichtung stark
gewölbt, von vorn nach hinten, sondern auch in der
Querrichtung, besonders an den Seiten. Was die Zer-
theilung der Oberfläche in Felder betriift, stimmt unsere
Art ebenso fast vollkommen mit Liomera lata überein;
die Furchenlinien sind gleichfalls sehr zart und seicht.
Der mediane, quer verlaufende, die Magengegend von
der Cardiacalgegend trennende Theil der Cervicalfurche
ist in der Mitte unterbrochen und die die Regio gastrica
Decapoflen und Stomatopoden. 243
begrenzenden Furchen sind überhaupt noch seichter als
diejenigen, welche von den vorderen Seitenrändern ent-
springen. Die Stirn hat ungefähr dieselbe Breite wie
bei Liomera lata und ist vertikal nach unten gerichtet;
ihr Rand ist einfach, nicht doppelrandig, wie bei Liomera
guttata der Fall ist, und erscheint in der Mitte wie auch
an den Seiten ein wenig ausgebuchtet. Die äusseren
Ecken des Stirnrandes sind kaum von den inneren Ecken
der oberen Augenhöhlenränder getrennt; wie bei Liomera
lata, erscheint der Stirnrand, von oben gesehen, gerade.
Die Augenhöhlen sind klein und ihre oberen Ränder
zeigen Andeutungen von einem oder zwei Einschnitten.
Die ganze Oberfläche des Rückenschildes erscheint nun
vollkommen glatt und glänzend, und nur hie und da
sparsam sehr fein punktirt, mit Ausnahme eines nicht
sehr breiten Saumes, der längs den vorderen
Seitenrändern verläuft und der mit zahlreichen
kleinen, runden, perlenförmigen Körnchen be-
setzt ist; die innere Hälfte des Feldes 2 L und auch
die Felder 5 L und 2 R sind aber schon völlig glatt.
Die vorderen Seitenränder sind ein wenig länger als die
hinteren, welche schwach concav sind, und sie sind, wie
bei lata, in vier Lappen getheilt, von denen die zwei
ersten kaum vorragen und kaum von einander getrennt
sind. Der dritte ist der grösste, ragt am meisten hervor
und ist abgerundet; der letzte ist der kleinste und gleich-
falls abgerundet. Die Unterfläche des Rückenschildes,
die äusseren Kieferfüsse, das Sternum und das Abdomen
sind glatt und nur hie und da punktirt. Die äusseren
Antennen und die Kieferfüsse verhalten sich gänzlich
wie bei Liomera lata. An dem Abdomen des Männchens
erscheinen das dritte, vierte und fünfte Glied mit ein-
ander verwachsen, obgleich die Nahtlinien noch sichtbar
sind; das vorletzte Glied ist fast so lang wie die Breite
seines Hinterrandes beträgt und das Endglied ist drei-
eckig mit stumpfer, abgerundeter Spitze.
Die Vorderfüsse sind von gleicher Grösse und Ge-
stalt. Das Carpalglied hat eine abgeplattete innere
244 Dr. J- O. de Man:
Fläche, welche an der Unter- Vorder-Ecke einen kleinen,
scharfen Zahn trägt; die obere Fläche ist ein wenig
gekörnt und ihre innere Vorderecke ist ziemlich scharf.
Die Scheeren sind an dem abgerundeten Ober-
rande und am oberen Drittel der Aussenfläche
gleichfalls uneben und gekörnt, auf der unteren
Hälfte der Aussenfläche und am Unterrande da-
gegen glatt und nur hie und da punktirt. Die tief
gefurchten Finger schliessen an einander, sind an den
Rändern ein wenig gezähnt und an den Spitzen lö ff ei-
förmig ausgehöhlt.
Die hinteren Fusspaare sind denen von Liomera lata
vollkommen ähnlich; sie sind überall glatt und nur hie
und da sparsam punktirt, besonders an ihren oberen
Rändern. Mit Ausnahme der gefurchten Klauenglieder,
welche an ihrem Unterrande, unmittelbar vor der Klaue,
einen kleinen Haarbüschel tragen, sind die Füsse voll-
kommen haarlos; und auch die Vorderfüsse und der
Cephalothorax sind ganz unbehaart.
Die Oberfläche des Rückenschildes ist orange-
farben, und wird, mit Ausnahme der hinteren Seiten-
ränder und des Hinterrandes, von einer milchweissen
Binde umsäumt, welche die gekörnten Partien grössten-
theils bedeckt. Die Unterfläche des Rückenschildes
zeigt dieselbe milchweisse Grundfarbe, die sich weiter-
hin auf die Basalglieder der Füsse fortsetzt. Nur hie
und da, wie am unteren Augenhöhlenrande, an den
Kieferfüssen und am Sternum tritt die orangerothe Farbe
der Oberfläche wieder hervor. Die Füsse sind gleich-
falls roth, die Scheerenfinger schwärzlich mit weisslichen
Spitzen; die dunkle Farbe der Finger setzt sich nicht
auf das Handglied fort.
Der Cephalothorax ist 12V5nim. breit und 6V5nim. lang.
Gattung Atergatis de Haan.
28. Atergatis integerrimus Lam.
Atergatis integerrimus, Lamarck, A. Milne Ed-
wards, Nouv. Archives du Museum, T. IX, p. 235. —
Decapoden imd Stomatopoden. 245
De Haan, Fauna Japonica, Crustacea p. 45, PL XIV,
Fig. 1. -
Acht Exemplare von der Insel Edam und sechs von
der Insel Noordwachter, welche alle noch sehr jung sind.
Ganz sicher bin ich nicht, ob sie zu mtegerrhnus gehören,
und zwar deshalb, weil sie mehrere Charaktere zeigen
von Aterg. dilatatus de Haan, einer Art, von welcher der
jüngere Milne Edwards eine neue Beschreibung nach Neu-
Caledonischen Exemplaren gegeben hat.
Zuerst scheint mir der Cephalothorax ein wenig mehr
verbreitert zu sein, als beim erwachsenen integerrimus der
Fall ist; dann sehe ich auf der Mitte der Aussenfläche
der Scheeren eine schwache Längsleiste, genau wie bei
dilatatus. Bei zwei Individuen ist das Rückenschild vorn
und an den vorderen Seitenrändern weiss gesäumt, wäh-
rend die Pterygostomialgegend Spuren von röthlichen
Flecken zeigt. Schliesslich sind auch die äusseren Kiefer-
füsse dicht mit gelben Haaren bewachsen. Weil die
vorderen Seitenränder sich aber vollkommen verhalten
wie bei integerrimus, indem sie an der hinteren Ecke mit
einer einfachen Querleiste endigen und keine Spur des
für den dilatatus charakteristischen zahnförmigen Höckers
zeigen, und weil die oben angeführten Charaktere viel-
leicht auch bei jungen Exemplaren von integerrimus be-
stehen, so bringe ich unsere Individuen zu der Lamarck'-
schen Art. Jedenfalls gehören sie zu derselben Art, zu
welcher ich früher einige Exemplare von dem Mergui
Archipel stellte.
Der Cephalothorax des grössten Individuums ist
31 V2 nim. breit und 19 mm. lang.
Verbreitung: Indischer Ocean, Chinesische und Japa-
nische Meere.
29. Atergatis floridus Rumph.
Atergatis floridus, A. Milne Edwards, Nouv. Archives
du Museum, T. I, p. 243. —
Neunzehn Exemplare verschiedener Grösse von Pulo
246 Dl'- J- Cr- i^e Man:
Edam, vier von der Insel Noordwachter und eins von
Amboina, dieser weit verbreiteten und in den indischen
Gewässern sehr häufigen Art.
Gattung- Lophactaea A. M. Edw.
30. Lophactaea cristata A. M. Edw.
Lophactaea cristata, A. Milne Edwards, Nouvelles
Archives du Museum, T. I, p. 246, PI. XVI, Fig. 1. —
de Man, Notes from the Leyden Museum, III, p. 95.
Acht Exemplare (5 (^, 3 $) von Pulo Edam und
eins von der Insel Noordwachter. Der Cephalothorax
des grössten Exemplares {$) ist 39 mm. breit; bei einem
eiertragenden Weibchen hat er nur eine Breite von 23 mm.
Verbreitung: Rothes Meer, Zanzibar, Indischer Archipel.
31. Lophactaea granulosa Rüpp.
Lophactaea granulosa, Rüppell, A. Milne Edwards,
Nouvelles Archives du Museum, T. I, p. 247. — de Man,
Notes from the Leyden Museum, Vol. III, p. 95.
Die Sammlung enthält eine zweite Lophactaea von der
Insel Noordwachter, welche vielleicht zu granulosa ge-
stellt werden muss. Die Leiste auf dem oberen Rande
des Handgliedes, welche die cristata auszeichnet, ist bei
diesem Exemplare durch eine allerdings ein wenig hervor-
ragende Körnerreihe ersetzt und die Körnchen der Ober-
fläche des Rückenschildes und der Aussenseite derScheeren
sind ein wenig kleiner als bei dem ebenso grossen Männ-
chen von cristata von Pulo Edam.
Verbreitung: Rothes Meer, Zanzibar, Australien, Neu-
Caledonien.
32. Lophactaea semigranosa Heller.
Tal VIII Fig. 4.
Atergatis semigranosas, Heller, Beiträge zur Crustaceen-
fauna des rothen Meeres, in: Sitzungsber. Kais. Akad.
Wiss. in Wien, 1861, S. 313.
Lophactaea semigranosa, A. Milne Edwards, Nouvelles
Archives du Museum, T. I, p. 248. — Miers, Report on
Decapoden mid Stomatopoden. 247
the Zoolog. Coli, of the voyage of H. M. S. „Alert",
1884, p. 527.
Zwei Weibchen von Amboina, von denen eins mit
Eiern besetzt ist. Während beide ohne Zweifel zu der-
selben Art gehören, sehen diese Exemplare dennoch so
sehr verschieden aus, dass man auf den ersten Blick ge-
neigt sein sollte, sie als Vertreter von zwei verschiedenen
Arten zu betrachten. Das grössere Exemplar ist nämlich
in ganz unversehrtem Zustande erhalten geblieben, zeigt
noch die schöne Färbung und Zeichnung wie im Leben
und trägt noch den vollständigen Haarwuchs; bei diesem
Exemplare erscheint nun die ganze Oberfläche des
Eückenschildes gekörnt. Das andere, etwas kleinere,
mit Eiern besetzte Exemplar dagegen erscheint nur auf
der vorderen Hälfte des Rückenschildes gekörnt,
auf der hinteren dagegen glatt. Dieses Exemplar
hat aber seine Färbung und Zeichnung wie auch die
Behaarung theilweise verloren und hat offenbar viel ge-
litten, was die unregelmässig eingeschnittenen und theil-
weise zerstückelten Seitenränder beweisen und es unter-
liegt darum keinem Zweifel, dass die Körnchen der hinteren
Hälfte der Oberfläche des Rückenschildes bei demselben
abgerieben und abgenutzt sind. Dieses Exemplar stimmt
nun aber vollkommen mit der Heller'schen Beschreibung
der Loph. semigranosa überein. Wahrscheinlich haben
Heller und Miers, der einzige, welcher unsere Art nach
Heller erwähnt, nur solche Exemplare unter den Augen
gehabt, bei welchen die hinteren Körnchen abgerieben
waren. Unsere Art zeigt nun die nächste Verwandtschaft
zu Lophactaea cristata A. M. Edw., nicht nur durch die
Gestalt des Rückenschildes und die Vertheilung seiner
Oberfläche in gekörnte Felder, sondern auch durch den
Besitz einer stark vorspringenden Leiste auf dem
oberen Rande der Scheeren.*) Sie lässt sich aber auf
*) Heller erwähnt zwar diese Leiste nicht: er sagt aber, dass
die Füsse wie bei Loph. limhata = granidosa beschaffen sind, einer
Art, bei der bekanntlich öfters auch eine, freilich wenig vorragende
und gekörnte Leiste gefunden wird.
248 Dl'- J. (^- ^le Man:
den ersten Blick durch die verschiedene Form der
vorderen Seitenränder sowie durch den Bau der
Scheerenfinger unterscheiden.
Die Form des Rückenschildes ist ungefähr dieselbe
wie bei Loph. cristata und die Zertheiiung der Oberfläche
in Felder findet gleichfalls auf dieselbe Weise statt.
Die Protogastricalfelder (2 M) sind durch eine Längs-
furche in zwei Felder getheilt und auch die Felder 1 L,
2 L, 3 L, 4L und 5 L sind deutlich von einander getrennt.
Sämmtliche Felder der Oberfläche sind gekörnt
und zwar beobachtet man die grössten, spitzen, kegel-
förmigen Körner auf den Hepatical- und Branchialfeldern,
besonders auf dem ersteren, etwas kleinere Körner auf
den Protogastricalfeldern und die kleinsten auf der Regio
mesogastrica (3 M) und auf der Regio cardiaca. Mit
Ausnahme des Stirnrandes, der oberen Augenhöhlenränder
und der vorderen Seitenränder ist die ganze Oberfläche
mit einem kurzen Tomente bedeckt, sowohl die Felder
wie die dieselben trennenden Furchen; aus diesem gräu-
lich schwarzen Tomente ragen die grössten Körner der
Oberfläche hervor und auf einzelnen hervorragenden
Partien stehen ausserdem noch lange gelbliche Haare.
Bei dem anderen abgenutzten und erblassten Exemplare
ist das Toment völlig verschwunden, wie auch die meisten
Haare; bei diesem Exemplare erscheinen nun die hinteren
Hälften der Protogastricalfelder, die Regio mesogastrica
und die Regio cardiaca vollkommen glatt, ohne Körner
und nur hie und da punktirt. Die hinteren Seitenränder
erscheinen aber noch fein gekörnt.
Die mittleren Stirnlappen ragen bei unserer Art ein
wenig mehr hervor als bei Loph. cristata. Die vorderen
Seitenränder springen stark hervor und sind stark zuge-
schärft. Hinter der äusseren Augenhöhlenecke sind sie
in vier stumpfe Zähne oder Lappen getheilt, welche
durch etwas tiefere Einschnitte von einander ge-
trennt sind als bei cristata. Der erste Seitenlappen
ist abgerundet und stumpf, der zweite ist ein
wenig grösser, d. h. länger, gleichfalls stumpf;
Decapodeii und Stomatopoden. 249
der dritte ist fast so gross wie die zwei ersten
zusammen, und der vierte ist der kleinste von
allen und stellt sich als ein stumpfer, oben
schwach gekielter Zahn dar. Bei cristata dagegen
sind der zweite und der dritte Seitenlappen von gleicher
Grösse und ein wenig grösser als der erste; der vierte
ist bei dieser Art fast ebenso gross als der erste und
stellt gleichfalls einen breiten, abgerundeten Lappen, und
keinesAvegs einen Zahn dar.
Die Vorderfüsse weichen von denen von Loph. cristata
nur durch die Finger ab. In Form kommen sie bei
beiden Arten überein; das Handglied erscheint an der
Aussenfläche gekörnt und zwischen den Körnchen be-
obachtet man wieder ein kurzes Toment, wie auf der
Oberfläche des Schildes. Der Oberrand des Handgliedes
trägt bei beiden eine vorspringende glatte Leiste.
Die beiden Finger sind nun bei unserer Art viel schärfer
zugespitzt als bei cristata und die Spitzen kreuzen ein-
ander, wenn die Finger an einander geschlossen sind,
was bei cristata kaum stattfindet. Der bewegliche Finger
hat bei beiden fast dieselbe Form und trägt am Ober-
rande drei scharfe Leisten; der innere Rand ist eine
scharf schneidende Kante, welche nur ganz nahe dem
Gelenke mit zwei oder drei kleinen Einschnitten ver-
sehen ist. Bei Loph, cristata trägt dieser Rand drei oder
vier etwas grössere Einschnitte. Den grössten Unterschied
zeigt aber der innere Rand des unbeweglichen Fingers.
Während dieser bei cristata, bei gramdosa Rüpp. und
bei Eyclouxi A. M. Edw. mit einer bis an die Spitze
reichenden Zahnreihe besetzt ist, trägt der unbewegliche
Ym^QX })Q\ Loph. semig ranosa nur einen einzigen, sehr
grossen, dreizackigen Zahn an der Basis, während
der übrige Theil des Randes eine schneidende
Kante bildet.
Die übrigen Fusspaare verhalten sich wie bei cristata,
aber auch sie sind an der Aussenfläche mit einem kurzen
Tomente bedeckt, das nur die schneidenden, oberen
Ränder freilässt, und an den Rändern lang behaart. Die
250 Dr. J. G. de Man:
nicht vom Tomente bedeckten Körpertheile, wie die
Seitenränder des Eückenschildes, die Leiste des Hand-
gliedes und die oberen Ränder der Füsse erscheinen
abwechselnd röthlich violett und gelblich weiss gefleckt.
Der Cephalothorax des grösseren Exemplares ist
I8V4 ^^ breit und 13 mm lang.
Verbreitung: Eothes Meer, Indischer Ocean (Miers),
Molukken.
33. Lophactaea maculata, n. sp.
Taf. IX Fig. 1.
Ein Männchen von Amboina.
Diese neue Art gehört zu denjenigen Lophactaeen,
bei welchen die Oberfläche des Rückenschildes
glatt ist. Bis jetzt kannte man nur zwei Arten, welche
diesen Charakter zeigen, und zwar Lophactaea lobata
M. Edw. von den Antillen und Lophactaea anaglypta Heller,
welche im Rothen Meere vorkommt und nach Milne
Edwards auch an den Küsten von Neu-Caledonien lebt.
Unsere ynacidata weicht nun von der letztgenannten Art
dadurch ab, dass die Oberfläche des Rückenschildes
in viel zahlreichere, stark ausgeprägte Felder
und Feldchen getheilt ist, und zwar sowohl die
vorderen wie die hinteren Theile der Oberfläche.
Die west-indische lohata unterscheidet sich dagegen durch
längere vordere Seitenränder, bei denen der dritte oder
vorletzte Lappen bedeutend grösser ist als der zweite,
während bei unserer maculata der zweite und der dritte
Seitenlappen dieselbe Grösse zeigen, schliesslich durch
eine ganz verschiedene Zeichnung.
Was die Gestalt des Rückenschildes betriift, nähert
sich unsere Art am meisten der Ljoph. semigranosa Heller.
Er ist ungefähr ebenso viel gewölbt von vorn nach hinten
und von rechts nach links und zeigt auch dieselbe Breite;
auch die vorderen und hinteren Seitenränder haben ver-
hältnissmässig dieselbe Länge bei beiden Arten. Die
ganze Oberfläche ist glatt und unbehaart, nur
zeigen die Felder, welche als Buckel und Wülste vor-
Decapoden und Stomatopoden. 251
springen, hie und da feine Eindrücke und Punkte. Der
Stirnrand zeigt in der Mitte einen kleinen Einschnitt und
erscheint, wie bei Loph. cristata^ fast gerade, indem die
beiden Hälften an den Seiten kaum ausgeschweift sind;
dagegen, sind sie jederseits durch eine schwache Aus-
buchtung von den inneren Ecken der oberen Augen-
höhlenränder getrennt. Unmittelbar hinter der Stirn sieht
man die zwei Frontalfeldchen, welche, wie die etwas
grösseren, fast quadratischen Epigastricalfeldchen, hie
und da ein wenig eingedrückt und punktirt sind. Die
Protogastricalfelder werden durch eine Längsfurche in
zwei Feldchen getheilt; weil diese Furche aber nicht in
die Cervicalfurche ausmündet, hangen die beiden Feldchen
hinten wieder zusammen. Das Mesogastricalfeld ist in
drei Feldchen getheilt und es giebt auch ein wulst-
förmiges Urogastricalfeld. Das Feldchen 1 L der He-
paticalgegend ist mit dem Feldchen 2 L an der Innen-
seite verschmolzen und bildet mit der oberen Partie
desselben ein nach aussen gekehrtes C. Das Feldchen 3 L
ist frei, doch hängt es an der rechten Seite des Cephalo-
thorax mit einer hinteren Partie des Feldchens 2 L zu-
sammen. Die Felder 4 L, 5 L und 6 L sind getrennt,
, und jedes erscheint wieder eingebuchtet und gelappt.
Auch der hintere Theil der Oberfläche ist in Felder ge-
theilt. In der Mitte ein dreilappiges Cardiacalfeld und
ein durch eine Längsfurche in zwei Hälften getheiltes
Intestinalfeld, das durch eine tiefe Querfurche von dem
Hinterrande des Rückenschildes getrennt ist. Die drei
Felder 1 R, 2 R und 3 R sind wieder sekundär einge-
buchtet und das letztgenannte ist sogar in zwei sekundäre
Feldchen getheilt, während die schwach concaven hinteren
Seitenränder gekörnt sind. Die vorderen Seitenränder
sind ein wenig länger als die hinteren, springen sehr
hervor und sind stark zugeschärft. Sie sind denen von
Loph. semigranosa am meisten ähnlich, weil sie ebenso
in vier stumpfe Lappen getheilt sind, von welchen der
letzte viel kleiner ist als die anderen und zahn-
förmig erscheint. Während aber bei semigranosa der
252 Dr. J. G. de Man:
dritte Lappen bedeutend grösser ist als die zwei ersten,
ist bei maculata der dritte fast ebenso gross wie der
zweite. Der zweite ist ein wenig grösser als der erste.
Die Einschnitte, durch welche die Lappen von einander
getrennt werden, sind kaum so tief als bei semigranosa,
doch tiefer als bei cristata.
Die Vorderfüsse sehen denen von cristata ähnlich
aus. Die Oberfläche des Carpalgliedes ist aber nicht ein-
fach gekörnt, sondern zeigt vielmehr einige unregelmässige
Vertiefungen, durch welche sie grobrunzelig erscheint.
Das Handglied trägt am Oberrande eine ziemlich stark
vorspringende, stumpfrandige Leiste und ist an der Aussen-
fläche gekörnt; während diese Körner bei cn'sfata und
bei semigranosa isolirt stehen, fliessen sie bei 'maculata
an der oberen Hälfte der Aussenfläche theilweise zu un-
regelmässigen Wülsten zusammen und erscheinen nur an
der unteren Hälfte frei und isolirt. Die Scheerenfinger
sind schärfer zugespitzt als bei crisiata, und die Spitzen
kreuzen einander wie bei semigranosa; die Ränder ver-
halten sich aber wie bei cristata, indem der unbewegliche
Finger mit einer Längsreihe von drei Zähnen besetzt ist.
Die hinteren Fusspaare sind glatt, denen von cristata
ähnlich, und an den zwei oder drei letzten Gliedern behaart.
Die Grundfarbe des Rückenschildes ist ein bräun-
liches Roth; die Oberfläche trägt nun eine ziemlich grosse
Zahl von runden oder eirunden, gelben, weissgesäumten
Flecken, und ähnliche Flecken trägt die Unterfläche nahe
den Seitenrändern, an den die Seitenlappen trennenden
Einschnitten. Die Vorderfüsse sind ziegelroth, mit einigen
gelben Flecken geziert, die Finger schwärzlichbraun mit
blasseren Spitzen. Die hinteren Fusspaare sind schön
lilablau und an der Basis gelb gefleckt.
Der Cephalothorax ist 18 mm. breit und 12 mm. lang.
Gattung Actaeodes Dana.
34. Actaeodes tomentosus, Milne Edw.
Actaea tomentosa, A. Milne Edwards, Nouvelles Ar-
chives du Museum, T. I, p. 262.
Decapoden und Stomatopoden. 253
Adueodes tomeidosus, Miers, Proceed. Zoolog. Society
of London, 1877, p. 134.
Fünfundzwanzig Exemplare (14 (^,11 $) von Pulo
Edam.
Der Cephalothorax des grössten Exemplares (c?) ist
fast 29 mm. breit, der des grössten Weibchens 23V2 iiim.
und der des kleinsten, eiertragenden Weibchens I2V2 ^^'
Das kurze Toment, mit welchem der ganze Körper dieser
Art bedeckt ist, und das bekanntlich die kleinen Körner
des Rückenschildes und die Beine frei lässt, weil es nur
zwischen den Körnern auftritt und nie auf denselben,
hat bei allen Exemplaren eine dunkle gräulichschwarze
Farbe.
Verbreitung: RothesMeer, Indischer Ocean, Australien,
Neu-Caledonien.
35. Actaeodes sundaicus, n. sp.
Taf. IX Fig-. 2.
Ein steriles, älteres Weibchen von der Insel Edam
und ein viel jüngeres Männchen von Amboina.
Diese niedliche, neue Art zeigt unter den mir be-
kannten Actaea- und Actaeodes- Axi^n die grösste Ver-
wandtschaft zu und die grösste Aehnlichkeit mit Actaea
obesa A. Milne Edw., einer an der Küste von Zanzibar
lebenden Form. Ich hatte Gelegenheit das von Herrn
Rousseau dort gesammelte Pariser Originalexemplar zu
untersuchen und gebe nun zuerst die Unterschiede an
zwischen diesen beiden Arten. Bei Actaeodes sundaicHs
sind die Protogastricalfelder (2 M) durch eine deutliche
Längsfurche in zwei secundäre Felder getheilt, bei obesa
dagegen läuft diese Furche nur eine sehr kurze Strecke
in die Protogastricalfelder hinein, so dass diese nur ganz
vorne getheilt erscheinen, wie in der sehr genauen Ab-
bildung dieser Art (Nouvelles Archives du Museum, T.
L, PI. XVII, Fig. 2) deutlich angegeben ist. Die vorderen
Seitenränder sind bei der afrikanischen Art in vier ab-
gerundete Lappen getheilt, die zwar wxnig vorspringen,
dennoch aber ziemlich deutlich ausgeprägt sind; bei
254 Dl". J. Gr- (^e Man:
sundaiciis dagegen sind die vorderen Seitenränder kaum
eingesclmitten, so dass sie ungetheilt erscheinen, wie bei
Actaea Ilelleri A. Mihi. Edw. Die Körnchen, mit welchen
die Oberfläche des Rückenschildes bedeckt ist, sind bei
der neuen Art verhältnissmässig grösser als hQ\ Actaea obesa.
Einen wesentlichen Unterschied zeigt auch die Stirn, wie
aus den Figuren 2 b und 2 c sichtbar ist. Bei der in
Zanzibar lebenden Art ragen die beiden mittleren Stirn-
lappen viel mehr hervor und sind durch tiefe Einschnitte
von einander, sowie von den äusseren Stirnlappen ge-
trennt. Bei A. sundaiciis dagegen erscheinen die beiden
mittleren Stirnlappen relativ breiter, springen weniger
hervor, sind wenig schräg seitwärts gerichtet und er-
scheinen durch viel seichtere Ausschnitte von den äusseren
Stirnlappen geschieden. An den Scheeren schliesslich
erscheinen die Körnchen an der unteren Hälfte der
Aussenfläche bei sundaicus theilweise in Längsreihen an-
geordnet, was bei obesa weniger deutlich der Fall ist und,
während die Finger bei der letzteren Art sehr scharf
zugespitzt sind, erscheinen sie bei den beiden Individuen
von sundaicus an ihren Enden deutlich ausgehöhlt, so
dass unsere Art zu der Gattung Actaeodes gerechnet
werden muss.
Die Gestalt des Rückenschildes stimmt im Uebrigen
sehr bei beiden Arten überein. Bei dem grösseren
Exemplare unserer neuen Art hat er eine Breite von
2IV2 mm, während die Länge 14 mm beträgt; bei dem
Originalexemplare von A. obesa betragen diese Zahlen
331/2 mm ^md 22 V2 mm. Der Cephalothorax ist also
anderthalbmal so breifwie lang und erscheint deshalb
ziemlich viel verbreitert. Die Oberfläche ist gewölbt,
sowohl von vorn nach hinten, wie nach den Seiten hin
und hat ungefähr dieselbe Dicke wie bei A. obesa. Was
die Felderung betrifft, stimmen beide Formen mit ein-
ander überein, mit Ausnahme dessen, dass die Protogas-
tricalfelder bei unserer neuen Art durch eine deut-
liche Längsfurche in zwei secundäre Felder getheilt
sind. Die beiden Epigastricalfeldchen sind auf deutliche
Decapoden mid Stomatopodeii. 255
Weise von den Frontalf eidchen sowie von den inneren
Protogastricalfeldern getrennt. Die Kegio mesogastrica
ist uugetheilt, wie bei ohesa. Seitlich von der Magen-
gegend erscheinen die Felder 1 L, 2 L, 3 L, 4 L, 5 L,
und 6 L deutlich von einander, von der Regio gastrica,
und von den Posterolateralfeldern getrennt. Der hintere
Theil der Oberfläche erscheint kaum gefeldert, dennoch
ist die Querfurche angedeutet, welche die Regio cardiaca
von der Intestinalgegend trennt. Die Furchen, welche
die Felder von einander scheiden, sind wenig tief, ziemlich
breit, glatt und unbehaart. Sämmtliche Felder sind stark
gekörnt. Diese Körner sind kegelförmig mit stumpfer,
abgerundeter Spitze und glatt; auf den Anterolateral-
feldern sind sie gross, treten hier in beschränkter Zahl
auf und bei genauer Beobachtung bemerkt man sogar
bei einigen eine symmetrische Anordnung auf beiden
Seiten der Oberfläche. So stehen auf dem Anterolateral-
felde 5 L neun Körner, von welchen sich vier in einer
Längsreihe am Aussenrande befinden; auf den sechs
Anterolateralfeldern IL — 6 L zusammen zähle ich etwa
35 — 40 grosse Körner nebst einigen kleineren. Auf den
Epi- und Protogastricalfeldern sind die Körner schon ein
wenig kleiner als auf den seitlichen Feldern und auf der
Regio mesogastrica werden sie nach hinten hin allmählich
kleiner. Grosse Körner stehen auch noch auf den Feldern
1 R und 2 R, aber der übrige, hintere Theil der Ober-
fläche ist nur mit bedeutend kleineren Körnchen besetzt.
Die stark nach unten geneigte Stirn hat verhältnissmässig
dieselbe Breite wie bei Adaea ohesa^ die Entfernung der
inneren Augenhöhlenecken beträgt ungefähr ein Viertel
der grössten Breite des Rückenschildes. Die Frontal-
feldchen tragen nur kleine Körner. Der Stirnrand ist
vierlappig wie bei ohesa. Die zwei Mittellappen ragen
wenig hervor, sind durch einen nur kleinen Einschnitt
getrennt, sind wenig schräg seitwärts gerichtet, und werden
von den dreieckigen, bedeutend kleineren, äusserenLappen,
welche die inneren Augenhöhlenecken bilden, durch
breite, dreieckige, nicht tiefe Ausrandungen geschieden.
256 Dr. J. O. de Man:
Bei A. ohesa sind die inneren Stirnlappen, die melir
hervorragen, durcli viel tiefere Einschnitte von einander
und von den äusseren getrennt. Die Stirnlappen sind
am freien Rande fein gekörnt. Mit einigen grossen
Körnern, w^elche den Körnern der Oberfläche ähnlich aus-
sehen, sind die oberen Augenhöhlenränder bedeckt und
viel kleinere stehen am unteren Augenhöhlenrande.
Die vorderen Seitenränder sind ein wenig länger
als die hinteren. Einschnitte sind kaum angedeutet,
so dass die Ränder ungetheilt erscheinen, ungefähr w^ie
bei Actaea Hellen A. Milne Edw. Sie tragen grosse
Körner ähnlich denjenigen, vs^elche auf den angrenzenden
Feldern der Oberfläche stehen. Die hinteren Seitenränder
sind gerade, bei Ä. ohesa dagegen deutlich concav, und
gekörnt. Auch der Hinterrand ist gekörnt. Die Augen-
stiele tragen auch einige Körner. Die Pterygostomial-
gegend ist fein gekörnt; die Furchen, welche bei A.
hirsutissima von den vorderen Seitenrändern auf derselben
verlaufen, fehlen unserer Art durchaus. Das zweite Glied
der äusseren Kieferfüsse hat eine punktirte Oberfläche
und zeigt die gewöhnliche Längsfurche; die folgenden
Glieder und der Palpus sind gekörnt. Das Abdomen ist
auf den zwei oder drei ersten oder Basalgliedern gekörnt,
auf den folgenden punktirt. Auf sämmtlichen Feldern
der Oberfläche stehen nun zwischen den Körnern und
Körnchen viele ziemlich lange, steife, gelbe Haare
eingepflanzt, so dass die ganze Oberfläche gelbbehaart
erscheint; die die Felder trennenden Furchen sind aber
glatt und unbehaart.
Die Scheerenfüsse sind von gleicher Grösse und er-
scheinen in Grösse uud Form denen von Actaea ohesa
ähnlich. Die Oberfläche des Carpalgliedes trägt Körner,
die ein wenig kleiner sind als die Körner der Oberfläche
des Rückenschildes. An der Scheere sind die Finger
ungefähr so lang wie das Handglied. Die Aussenseite
und der Oberrand des letzteren sind gekörnt; auf der
oberen Hälfte der Aussenseite stehen grössere, ziemlich
scharfe Körner, auf der unteren Hälfte werden sie kleiner
Decapoden und Stomatopoden. 257
und sind hier theilweise in Längsreihen angeordnet.
Der abgerundete Unterrand ist sehr fein gekörnt und
dies ist auch mit der Innenfläche des Handgliedes der
Fall. Die tiefgefurchten Scheerenfinger klaffen
ein wenig und sind an ihren Enden deutlich aus-
gehöhlt, nicht nur bei dem älteren, sondern auch
schon bei dem jungen Individuum. Der bewegliche
Finger trägt drei Längsreihen von ziemlich scharfen
Körnern, die über die Mitte des Fingers hinausreichen.
Der unbewegliche Finger ist am ünterrande glatt und
abgerundet. Beide Finger sind an ihrem Innenrande
mit drei oder vier Zähnen besetzt.
Die gekörnten Lauffüsse zeigen nichts abweichendes.
Sowohl die Scheerenfüsse wie die Lauffüsse sind mit
langen, steifen, gelben Haaren bewachsen, welche
den Haaren der Oberfläche des Rückenschildes ähnlich
aussehen.
Die Grundfarbe des ganzen Thieres ist ein röthliches
violett, die Körner und Körnchen mit welchen die Ober-
fläche des Rückenschildes und die Füsse besetzt sind,
erscheinen aber dunkelroth. Die Scheerenfinger sind
dunkelbraun mit weisslichen Spitzen.
Actaea consohrina A. Milne Edw. ist so unvollständig
beschrieben worden (Journal des Museum Godeffroy.
Heft IV. 1874), dass es nicht möglich ist, diese Form
wieder zu erkennen. Herr Dr. Pfeffer in Hamburg,
welcher die Güte hatte, unseren Acfaeodes mit dem Original-
exemplar der consohrina zu vergleichen, schreibt mir aber,
dass beide Arten „so völlig verschieden sind, dass bei
einem Vergleiche beider kein einziges Merkmal gemein-
sam bleibt."
Actaea nocJulosa Ad. White ist offenbar auch eine
andere Art. —
36. Actaeodes modestus n. sp.
Taf. IX Fig. 3.
Ein Männchen von Amboina.
Diese, wie mir scheint, neue Art schliesst sich in
Arch. f. Naturgesch. 53. Jahrg. Bd. I. J 7
258 Dl'. J. a. de Man:
ihrem äusseren Habitus an Actaeodes speciosus Dana von
den Samoa- Inseln und Actaea pulchella A. M. Edw.
von der Insel Bourbon unmittelbar an. Vom speciosus
unterscheidet sie sich durch eine gleichmässige kurze
Behaarung auf dem Rückenschilde und auf den Füssen,
hauptsächlich aber durch die Gestalt ihrer Scheeren.
Während nämlich bei speciosys die Finger sehr kurz und
an den Spitzen kaum ausgehöhlt sind und der bewegliche
Finger fast vertical steht, erscheinen sie bei der neuen
Art nur wenig kürzer als das Handglied, an den
Spitzen stark ausgehöhlt und der bewegliche Finger steht
nicht vertical.
Was Acfaea pulchella A. M. Edw. betrifft, so hebe
ich das folgende hervor. Ich hatte Gelegenheit, ein
Originalexemplar dieser Art aus dem Pariser Museum
zu vergleichen und zwar ein Weibchen. Zuerst möchte
ich bemerken, dass die vergrösserte Abbildung dieser
Art in den Nouvelles Archives, Taf. XVII, Fig. 5 insofern
minder glücklich ausgefallen ist, als in dieser Figur der
Cephalothorax ein wenig zu kurz im Verhältniss zu seiner
Breite abgebildet ist. Der Cephalothorax des Original-
exemplars ist nämlich IOV5 ^^- breit und TVö nim. lang.
Es scheint mir nun, dass sich die pnlchella von unserer
Art gleichfalls durch die Scheerenfinger unterscheidet.
(Vergl. die genaue Figur 5b, 1. c. mit der unsrigen.) Bei
pulchella schliessen die Finger an einander, sind nur
wenig an ihren Spitzen ausgehöhlt und der bewegliche
ist schräg nach unten gerichtet; bei A. modestm dagegen
klaffen die Finger an beiden Scheeren ein wenig, sind
deutlich löffeiförmig ausgehöhlt und der bewegliche Finger
biegt sich bogenförmig nach unten. Sonstige Unter-
schiede giebt es kaum. Es scheint mir aber, dass die
Oberfläche des Eückenschildes bei pulchella ein wenig
mehr gewölbt ist und dass die Granulationen sowohl auf
dem Körper wie auf den Füssen bei ihr verhältnissmässig
ein wenig grösser sind als bei modestus.
Was die Gestalt des Rückenschildes betrifft, stimmt
unsere Art fast vollkommen mit den genannten Arten
Decapoden mid Stomatopoden. 259
überein. Der Ceplialothorax ist nämlich wenig er-
weitert und die Breite verhält sich zur Länge ungefähr
wie 10 : 7. Die Oberfläche ist in der Mitte und hinten
abgeflacht, an der Stirn, welche stark nach unten ge-
bogen ist, ist sie aber ein wenig gewölbt, und auch an
den Seiten fällt sie nach unten hin ab. Gleich wie bei
speciosus^ ist sie durch enge, glatte und seichte Furchen
in die gewöhnlichen, wenig vorspringenden Felder
getheilt; die Protogastricalfelder erscheinen, wie bei der
Dana' sehen Art, nur ganz vorn schwach gefurcht, aber
das Mesogastricalfeld ist ungetheilt. Was die anderen
Felder betrifft, stimmen beide Formen mit einander
überein. Der Stirnrand zeigt in der Mitte einen drei-
eckigen Ausschnitt; die beiden, durch ihn von einander
getrennten, mittleren Lappen sind abgerundet und ragen
etwas mehr hervor als die sich als kleine Zähne dar-
stellenden, äusseren Lappen, von welchen die Mittellappen
durch ziemlich tiefe Ausrandungen geschieden sind. Die
vorderen Seitenränder sind ungefähr so lang oder ein
wenig kürzer als die hinteren und in vier deutlich aus-
geprägte, mit spitzen Körnchen bewehrte Lappen ge-
theilt, von welchen der letzte der kleinste ist. Sämmt-
liche Felder sind mit kleinen, rundlichen Körnchen bedeckt,
welche auf den Hepatical- und Branchialgegenden etwas
grösser sind und auf den Lappen der vorderen Seiten-
ränder mehr kegelförmig und spitz erscheinen. Die
hinteren Seitenränder sind fast gerade, kaum ein wenig
concav. Die ganze Oberfläche ist nun mit kurzen steifen
Haaren bewachsen, welche an der Basis der Körnchen
eingepflanzt sind. Die Unterfläche des Rückenschildes
erscheint auch gegen die unteren Augenhöhlenränder und
gegen die Seitenränder hin gekörnt. Die äusseren Kiefer-
füsse, das Sternum und das Abdomen des Männchens
sind glatt, nur etwas punktirt. An dem fünfgliedrigen
Abdomen ist das vorletzte Glied fast quadratisch, ein
wenig breiter als lang.
Die Scheerenfüsse gleichen denen von Actaea pulchella,
A. M. Edwards (Nouvelles Archives du Museum, I,
17*
260 Dr. J. G. de Man:
PL XVII, Fig. 5b), aber die Sclieereufiug-er sind deutlich
und stark löffeiförmig ausgehöhlt, was sie bei
jmlchella nur wenig sind. Das Carpalglied ist mit kegel-
förmigen Körnchen bedeckt. Ebenso erscheint das Hand-
glied an der Aussenseite gekörnt, aber es ist nicht mit
knotenförmigen Erhabenheiten besetzt, wie bei A. nodipes
Heller und wohl auch bei Acfaeodes speciosus Dana der
Fall ist. Die Körnchen des Handgliedes sind kegelförmig,
ziemlich scharf und zumeist unregelmässig angeordnet.
Die Scheerenfinger sind nur wenig kürzer als das
Handglied, und erscheinen also verhältnissmässig länger
als bei speciosus; wenn sie geschlossen sind, klaffen sie
ein wenig. Die Spitzen sind stark löffeiförmig aus-
gehöhlt, und die Finger erscheinen an ihrer Aussenseite
glatt und nur an der Basis ein wenig behaart. Der be-
wegliche Finger ist nicht vertikal nach unten gerichtet,
wie bei speciosus, aber biegt sich in einem abgerundeten
Bogen nach dem unbeweglichen Finger hin. An der
Basis zeigt er zwei Reihen von Körnchen. Die Ränder
der Finger sind deutlich gezähnt und tragen bei beiden vier
Zähne; an dem unbeweglichen Finger sind die zwei ersten
Zähne (vom Gelenke ab gerechnet) sehr klein, der dritte
ist bedeutend grösser und ein wenig grösser als der vierte.
An dem beweglichen Finger sind die zwei ersten Zähne
die grössten, der dritte der kleinste und etwas kleiner
als der vierte.
Die übrigen Fusspaare sind denen von speciosus und
von pulcliella ähnlich. Sie sind an ihrer äusseren Fläche
fein gekörnt und etwas grössere, schärfere Körnchen
stehen an den oberen Rändern der einzelnen Glieder.
Sowohl die Vorderfüsse als die hinteren Fusspaare sind
überall mit ähnlichen, kurzen, steifen, dunkelbraunen
Haaren bewachsen wie auf dem Rückenschilde.
Das Thier hat an der Oberseite des Rückenschildes
und der Füsse eine dunkelrothe Farbe, erscheint dagegen
an der Unterseite viel blässer; die rothe Farbe rührt
hauptsächlich von den dunkelrothen Körnchen her.
Der Cephalothorax ist IOV4 mm. breit und 7 mm. lang.
Decapoden und Stomatopoden. 261
Actaea RüppeUii Krauss, mit welcher Actaea rugata
Ad. & White nach Miers wahrscheinlich identisch ist, und
welche einige Uebereinstimmung in ihrem äusseren Ha-
bitus zeigt, lässt sich durch die nicht löffeiförmig aus-
gehöhlten Scheerenfinger sogleich von unserem Actaeodes
modestus unterscheiden.
Gattung Actaea de Haan.
37. Actaea rufopunctata M. Edw.
Actaea rvfopunciata, Milne Edwards, Nouv. Archives
du Museum, T. I, p. 268, PI. XVHI, Fig. 1. —
Ein eiertragendes Weibchen von der Insel Edam,
dessen Rückenschild 26 mm. breit und 19 mm. lang ist.
Es stimmt vollkommen mit einem mir vorliegenden Weib-
chen von den Mergui- Inseln überein. Actaea RüppeUii
Krauss ist dieser Art am nächsten verwandt.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Fidschi -
Inseln, Mittelmeer, Canarische Inseln.
38. Actaea Helleri, A. M. Edw.
Actaea Helleri, A. Milne Edwards, Nouvelles Archives
du Museum, T. I, p. 270, PI. XVII, Fig. 3. — de Man, in:
Notes from the Leyden Museum, vol. III, p. 96.
Zwei junge Weibchen von Amboina, welche voll-
ständig mit den oben citirten Beschreibungen überein-
stimmen.
Das Rückenschild dieser seltenen Art ist genau
anderthalbmal so breit wie lang. Bei dem kleineren
Exemplare, dessen Cephalothorax nur 8V4 nim. breit ist,
entspringen von den vorderen Seitenrändern an jeder
Seite zwei kurze parallele Furchen, welche auf der Sub-
hepaticalgegend verlaufen und von welchen die vordere
ungefähr zweimal so lang ist wie die hintere; die vordere
Furche liegt ungefähr ebenso weit von der hinteren ent-
fernt wie von der äusseren Augenhöhlenecke. Von diesen
Furchen, welche auch bei Actaea hirsutissima Rüpp. vor-
kommen, finden sich bei dem grösseren Exemplare,
262 Dl'. J. G- tle Man:
dessen Rückenschild I3V2 min. l^i'eit und 9 mm. lang ist,
kaum noch Spuren. Das kleine Exemplar trägt eine
Sacculina.
Verbreitung: Rothes Meer, Molukken.
Gattung Actiimmis Dana.
39. Actumnus setifer de Haan.
Cancer (Püumnus) setifer, de Haan, Fauna Japonica,
Crustacea, p. 50, PI. III, Fig. 3.
Actumnus tomeniosus, Dana, Unit. Stat. Explor. Exped.
Crustacea. I, p. 243, PL XIV, Fig. 2.
Actumnus setifer, Miers, Report on the Zoolog. Coli,
made in the indopacific Ocean during the voyage of
H. M. S. „Alert", 1884, p. 225.
Zwanzig Exemplare (13 5, 7 ?) von Pulo Edam.
Mit Miers betrachte auch ich Dana's Actumnus tomen-
iosus von Tahiti als identisch mit Actumnus setifer der
„Fauna Japonica". Der Cephalothorax ist bei unseren
Exemplaren von der Insel Edam an seiner Oberfläche
mit einem grauen, kurzen Tomente bedeckt, das sowohl
über die gekörnten Partien wie über die die Felder
trennenden Furchen ausgebreitet ist und der Cephalo-
thorax erscheint darum wie gepudert; zwischen dem Tomente
stehen ausserdem zahlreiche kurze, gelbliche, steife Haare
zerstreut. Die drei Seitenzähne des vorderen Seiten-
randes stellen sich als kurze, spitze Stacheln dar;
gewöhnlich tragen diese Stacheln an ihrer Basis nach
hinten zu noch einen oder zwei sehr kleine, spitze Körner,
welche aber durch das graue Toment völlig bedeckt werden.
Bald ist der rechte Vorderfuss der grössere, bald
der linke. Die Scheeren sind an ihrer Aussenfläche mit
zahlreichen, kegelförmigen, un regelmässig angeord-
neten, mehr oder weniger spitzen Körnern besetzt;
auf der Mitte der Aussenfläche sind diese Körner am
grössten, gegen den Oberrand des Handgliedes hin werden
sie allmählich höher, schlanker und spitzer, nach dem
Unterrande hin dagegen allmählich kleiner. Zwischen
Decapoden und Stomatopoden. 263
diesen Körnern stehen wieder einige kurze, gelbliche,
steife Haare zerstreut. Die kurzen Scheerenfinger sind
glatt, nicht gefurcht und an ihren Enden stumpf zuge-
spitzt. Der stark gebogene, bewegliche Finger ist an der
Basis mit einigen spitzen Körnern bedeckt, welche auf
dem Finger der kleineren Scheere zahlreicher sind als
bei dem der grösseren und sich auf dem ersteren theil-
weise in drei oder vier Längsreihen anordnen.
Die Aussenseite der Scheeren zeigt bei unseren Exem-
plaren eine röthlichgelbe Farbe, während die Körner,
mit denen sie besetzt sind, schön dunkelroth gefärbt
sind. Der Cephalothorax des grössten Exemplares ist
I5V2 lüni- breit und 11 V2 nim. lang.
Verbreitung: Indischer Ocean (Mauritius), Malayischer
Archipel, Japan, Australien, Neu-Caledonien.
Gattung Euxantlius Dana.
40. Euxanthus Huonii Lucas.
Evxanthus Huonii, Lucas, A. Milne Edwards, Nou-
velles Archives du Museum, T. I, p. 290, PI. XV, Fig. L
Miers, Report on the Zoolog. Collect, of the voyage of
H. M. S. „Alert", 1884, p. 204.
Ein Männchen von Amboina, welches vollständig
mit der Edwards'schen Beschreibung und Abbildung über-
einstimmt. Das Rückenschild ist 33V2 i^m. breit und
231/2 mm. lang.
Verbreitung: Molukken, Nord-, Ost- und Westküste
von Australien.
Gattung Xanthodes Dana.
41. Xanthodes Lamarckii, H. M. Edw.
Xanfhodes Lamovckn, A. Milne Edwards, Nouvelles
Archives du Museum, T. IX, p. 200, PI. VII, Fig. 3.
vSiebenundzwanzig Exemplare (9 5, 18 ?) von der
Insel Edam und fünf von der Insel Noordwachter. Diese
Art ist durch die eigenthümliche Struktur ihrer stark
264 Dr. J. G. de Man-
gekörnten Scheeren, welche an der Aussenseite mit zwei
oder drei Längs furchen versehen sind, sofort aus-
gezeichnet.
Auch das Carpalglied der Vorderfüsse trägt an der
gekörnten Aussenfläche eine schwache Furche, nahe und
parallel mit dem Vorderrande, von deren innerem Ende
öfters noch eine zweite kürzere, auf der Mitte der Ober-
fläche nach hinten zieht. Die zugespitzten Scheerenfinger
zeigen eine schwarze Farbe; beim Männchen (Nouvelles
Archives du Museum, T. IX, PL VII , Fig. 3 a) dehnt sich
diese Farbe aber etwas weiter aus als bei dem Weibchen.
In Bezug auf die citirte Abbildung in den „Nouvelles
Archives" will ich bemerken, dass das Rückenschild ein
bischen zu lang und die Zähne der vorderen Seiten-
ränder zu stumpf gezeichnet sind. Es trägt unsere Art
hinter der äusseren Augenhöhlenecke nämlich vier ziem-
lich scharfe, obgleich stark gekörnte Seiten-
zähne.
Der Cephalothorax der grössten Exemplare ist 23 mm.
breit und 15 mm. lang.
Verbreitung: Indischer Ocean (Madagaskar, Mauritius,
Ceylon, Nicobaren), Malayischer Archipel, Neu-Caledonien.
42. Xanthodes notatus Dana.
Xanthodes notatus, Dana, Unit. Stat. Expl. Exp. I,
p. 178, PI. VIII, Fig. 12.
Zwei Männchen und ein mit Eiern besetztes Weibchen
von der Insel Edam. — Der Cephalothorax des grösseren
Männchens ist I8V4 nim. breit (die Zähne der vorderen
Seitenränder mitgerechnet) und 12 mm. lang; alle früher
beobachteten Exemplare waren kleiner. Der Cephalo-
thorax des Weibchens ist kaum 16 mm. breit.
Die Exemplare stimmen vollständig mit der Dana'-
schen Abbildung überein; nur will ich bemerken, dass
auch die Carpopoditen und Propoditen der vier hinteren
Fusspaare an ihren oberen Rändern mit spitzen Stacheln
besetzt sind. Diese Stacheln wurden offenbar von Dana,
Decapodeu und Stomatopoden. 265
der nur ein 11 mm. breites Individuum beobachtete,
übersehen.
Verbreitung: Nicobaren, Indischer Ocean, Stiller Ocean,
(Neu-Caledonien, Paumoti-Archipel, Sandwich-Inseln).
43. Xanthodes pachydactylus A. M. Edw.
Xanthodes pachydadylus, A. Milne Edwards, Nouvelles
Archives du Museum, T. IX, p. 201, PI. VII, Fig. 4.
Zu dieser Art stelle ich ein junges Männchen
von Amboina. Der Cephalothorax ist 11 mm. breit und
71/2 mm. lang; er hat eine blasse röthlichweisse Farbe,
welche auf den Scheeren eine mehr rosenrothe Farbe
annimmt. Die Scheerenfinger sind dunkelbraun, aber
diese Farbe dehnt sich noch nicht auf das Handglied
aus, wie bei dem erwachsenen Thiere der Fall ist. Sie
sind mit einigen schwachen Zähnchen besetzt und die
sehr scharfen Spitzen kreuzen einander ein wenig. An
der kleineren Scheere sind die Finger tiefer gefurcht als
an der grösseren. Die Schenkelglieder der vier hinteren
Fusspaare sind an ihrem Oberrande mit scharfen
Körnchen besetzt und die drei letzten Glieder sind
sparsam behaart. Die Oberfläche des Rückenschildes ist
glatt und glänzend, aber auf der Stirn und hinter den
Augenhöhlen ziemlich grob punktirt. Die Protogastrical-
felder und das Mesogastricalfeld sind deutlich begrenzt;
die ersteren sind ungetheilt. Die Felder 1 L, 2 L und 3 L
sind zu einem einzigen Felde verschmolzen, das an der
hinteren inneren Ecke nicht von dem Felde 5 L getrennt
ist, weil die Branchiohepaticalfurche nicht in die Cervical-
furche ausmündet. Die Cardiacalgegend ist undeutlich
begrenzt.
Verbreitung: Neu-Caledonien, Amboina.
Gattung Panopaeus Milne Edw.
44. Panopaeus latifrons n. sp.
Taf. IX Fig. 4.
Ein Weibchen von Amboina.
Diese niedliche kleine Art sieht auf den ersten Blick
266 Dl". J. G. <le Man:
ganz aus wie ein junges Exemplar von Chlor odius niger
Forsk. und zeigt eine so grosse Aelinlichkeit mit dieser
Art, dass man unseren latifrons unter einer grossen Zahl
von Chlorodien leicht übersehen würde.
Der Cephalothorax hat fast ganz dieselbe Gestalt
wie bei der genannten Forskal'schen Krabbe und ist un-
gefähr anderthalbmal so breit wie lang. Die Oberfläche,
die beinahe ebenso wenig gewölbt ist wie bei Cklorodius
niger und auch nach den Seitenrändern hin ebenso wenig
geneigt ist, erscheint ziemlich deutlich gefeldert, deut-
licher als bei dem genannten Chlor odius. So erscheinen
die Frontal- und die Epigastricalfelder , sowie die drei
Felder der Magengegend deutlich umgrenzt und die drei
letzteren sind ungetheilt. Das Feldchen 1 L der Hepa-
ticalgegend scheint zu fehlen, und das kleinere Feldchen
3 L ist von dem grösseren 2 L kaum getrennt. Auch das
Feldchen 4 L ist noch deutlich begrenzt, aber die Felder
5 L und 6 L sind mit einander und mit den Feldern 1 R
2 R und 3 R verschmolzen; die Cardiacalgegend erscheint
nur ganz vorn ein wenig begrenzt. Die die Felder
trennenden Furchen sind linienförmig und seicht; die
ganze Oberfläche ist glatt und unbehaart und glänzt ein
wenig, und erst unter einer sehr starken Lupe erscheint
sie äusserst fein gekörnt.
Die Stirn ist sehr breit, ungefähr wie bei Chlo-
rodius niger, und hat denselben Bau ; sie hat in der Mitte
einen dreieckigen Ausschnitt und die dadurch gebildeten
breiten, abgerundeten Lappen sind nach den äusseren
Ecken hin wieder ein wenig ausgebuchtet, so dass sich
die äusseren Ecken als kurze Zähne darstellen, welche,
nach unten gebogen, sich mit dem Basalgliede der äusseren
Antennen verbinden. Die Ränder der Augenhöhlen sind
glatt und unbewehrt; die oberen haben die gewöhnlichen
zwei Einschnitte, die unteren zeigen einen sehr kleinen
Ausschnitt unmittelbar unter der nicht vorspringenden,
äusseren Augenhöhlenecke. In diesen Ausschnitt mündet
eine Furche ein, welche mit dem unteren Augenhöhlen-
Decapoden imd Stomatopoden. 267
rande parallel läuft. Die vorderen Seitenr ander
sind bedeutend kürzer als die hinteren und tragen
hinter der äusseren Augenhöhlenecke noch drei drei-
eckige, wenig scharfe Zähne, von welchen der zweite
ein wenig grösser, der letzte ein wenig kleiner ist als
der erste. Die stumpfe, innere Ecke des unteren Augen-
höhlenrandes ragt wenig hervor. Die äusseren Antennen
verhalten sich fast gänzlich wie bei Chlorodius nicjer; das
Basalglied ist ziemlich lang, verjüngt sich ein wenig
nach dem Vorderende hin und verbindet sich längs der
kleineren, vorderen Hälfte des Innenrandes mit dem
Stirnfortsatze ; die Geissei der Antennen liegt also in der
Augenhöhlenspalte. Der Gaumen ist glatt, ohne Leiste.
Die Pterygostomialfelder sind glatt und haarlos.
Die Vorderfüsse sind fast von gleicher Grösse. Das
Carpalglied ist an seiner Oberfläche mit vier oder fünf
rundlichen und abgerundeten Höckern besetzt und die
innere Ecke ist ziemlich scharf. Das Handglied trägt an
der oberen Hälfte drei nicht scharf begrenzte LängSAvülste,
welche durch ebenso viele Vertiefungen von einander
getrennt sind; sonst aber erscheint es ganz glatt. Die
an den Enden zugespitzten, tief gefurchten Finger
schliessen ihrer ganzen Länge entlang an einander und
tragen mehrere Zähne, die an dem unbeweglichen Finger
ein wenig kräftiger sind als an dem beweglichen.
Die vier hinteren Fusspaare sind glatt und un-
bewehrt; sie erscheinen beinahe unbehaart, denn nur
die zwei letzten Glieder sind mit einigen Härchen be-
wachsen.
Der Cephalothorax ist TVö mm. breit und 4% mm.
lang.
Das Thier hat dieselbe dunkel rothbraune Farbe
wie Chlor odim niger\ trägt aber ausserdem zahlreiche
runde, bläulichweisse Fleckchen sowohl auf dem Rücken-
schilde wie auf den Vorderfüssen, und die hinteren Fuss-
paare sind besonders an den Gelenken mit ähnlichen
Fleckchen gezeichnet.
268 Dr. J. G. de Man:
Gattung Lophozozymus A. M. Edw.
45. Lophozozymus incisus M. Edw.
Taf. X Fig. 1.
Xantho incisus, Milne Edwards, Hist. Nat. Crustaces,
T. I, p. 397.
? Xantho superhus, Dana, Unit. Stat. Expl. Exped. I,
p. 167, PL VIII, Fig. 5.
Ein Männchen von Amboina.
Ich habe diese Art abgebildet, weil es noch keine
Abbildung von ihr gab. Sie unterscheidet sich leicht
durch die folgenden Kennzeichen. Der Rückenschild ist
oben abgeflacht, an der Stirn und an den vorderen Seiten-
rändern schräg abfallend. Die vorderen Seitenränder
sind ungefähr so lang wie die hinteren und mit vier
Zähnen besetzt; die zwei ersteren sind abgerundet
und stark comprimirt, die zwei hinteren drei-
eckig, spitz und oben gekielt. Einige vordere
Felder erheben sich als vorspringende Quer-
leisten. So zuerst die beiden Epigastricalfelder (1 M),
die hinten mit den Protogastricalfeldern verschmolzen
sind ; dann ragt auch der seitliche Theil des Vorderrandes
von jedem Protogastricalfelde als eine Querleiste hervor.
Die Felder IL, 2 L und 3 L sind zu einem Felde ver-
schmolzen; dasselbe erhebt sich in der Mitte zu einem
flachen Hügel, dessen Vorderrand steil abfällt. Ebenso
bildet das Feld 4 L einen dreieckigen, mit der stumpfen
Spitze nach vorn und nach aussen gerichteten, vorn steil
abfallenden Hügel. Die Felder 5 L und 6 L sind durch
eine seichte, schräg verlaufende Furche getrennt, und der
äussere Vorderrand des ersteren ist ein wenig erhoben.
Diejenigen Theile der Oberfläche, welche die hügelartig
aufgetriebenen Felder vorn begrenzen und die die Felder
trennenden Furchen sind mit vielen Haaren bewachsen.
Die Cardiacalgegend ist deutlich begrenzt und ebenso
das durch eine Mittelfurche in zwei Querwülste ge-
theilte Intestinalfeld , das durch eine Querfurche vom
Hinterrande des Rückenschildes getrennt ist. Die Proto-
Decapoden und Stomatopoden. 269
gastricalfelder und .die Felder 5 L und 6 L sind hie und
da mit kleinen Eindrücken versehen; aus einigen dieser
Vertiefungen entspringen kleine Haarbüschel. Die Ptery-
gostomialgegenden sind mit langen Haaren bewachsen.
Der untere Augenhöhlenrand ist leicht ausgeschweift,
und seine innere Ecke ist abgerundet und ragt kaum
hervor.
Der Oberrand des Brachialgliedes der einander völlig
gleichen Scheerenfüsse ist gekielt. Das Carpalglied ist
ein wenig gekörnt und behaart und bildet an der inneren
Ecke einen stumpfen Zahn. Das Haudglied trägt am
Oberrande eine vorspringende Leiste; die Aussenfläche ist
mit mehreren Längsreihen von ziemlich scharfen
Körnern besetzt und zwischen diesen Körnerreihen be-
haart. Der Unterrand des Handgliedes ist abgerundet
und gekörnt. Die zugespitzten und an den Spitzen ein-
ander ein wenig kreuzenden Scheerenfinger sind tief
längsgefurcht und an den Innenrändern mit schwachen
Zähnen besetzt. Die langbehaarten, übrigen Fusspaare
haben stark gekielte Grlieder.
Der Cephalothorax ist 25V4 mm. breit und 15V2nmi.
lang.
Auf weisslicher Grundfarbe erscheint diese Art schön
roth gefleckt, ungefähr wie bei Dana's Lophozozymvs
superhusy einer Art, welche dem mcisus so nahe verwandt
ist, dass ich geneigt bin, sie für identisch zu halten.*)
Verbreitung: Australien, Molukken.
*) Es unterliegt keinem Zweifel, dass Lopliozozymus superhus
A. M. Edw., von dem ich ein Neu - Caledonisches Original -Exemplar
zu untersuchen Gelegenheit hatte, von superhus Dana in der That
verschieden ist. Bei der Milne-Edwards'schen Art sind die Scheeren
des Männchens am Oberrande abgerundet, kaum ein wenig gekielt
nahe dem Carpalgelenke. Die Aussenseite des Handgliedes ist glatt,
an der oberen Hälfte sparsam punktirt. Die Finger, die bei jungen
Thieren tief gefurcht sind, bei älteren weniger tief, sind ungefähr
so lang wie das Handglied. Auch die Oberfläche des Carpalgliedes
ist glatt. Die übrigen Fusspaare sind aber stark gekielt und ver-
halten sich wie bei den anderen Arten dieser Gattung. Der Cephalo-
270 Dl'- J- ^- ^e Man:
46. Lophozozymus Dodone (Herbst).
Taf. X, Fig. 2, 2 a.
Cancer Dodo7ie, Herbst, Krabben und Krebse, S. 37,
Taf. LH, Fig. 5.
Lophozozymus Dodone, Hilgendorf, Monatsber. Berl.
Acad. 1878, S. 789.
Xantho radiatus, Milne Edwards, Hist. Nat. Crust. I,
p. 398.
Lophozozymus radiatus, A. Milne Edwards, Nouvelles
Arcbives du Museum, T. IX, p. 206.
? Afergatis lateralis, Adams and White, voyage of
H. M. S. „Samarang", p. 39, PL VIII, Fig. 1.
? Atergatis elegans, Heller, Novara-Reise S. 7, Taf. I,
Fig. 3.
Ein eiertragendes Weibchen von Amboina.
Eine Vergleichung dieses Exemplares mit den zwei
Herbst'schen Original -Exemplaren von Cancer Dodone^
sowie mit Pariser Original-Exemplaren von Lophozozymus
radiatus M. Edw. von Mauritius und von Neu-Caledonien,
zu welcher ich durch die Freundlichkeit der Herren
Dr. Hilgendorf in Berlin und Prof. Milne Edwards in
Paris in den Stand gesetzt wurde, machte die Vermuthung
des ersteren, dass Cancer Dodone Herbst und Lophoz.
radiatus M. Edw. eine und dieselbe Art sind, zu Sicherheit.
Unser Weibchen stimmt ganz mit den Pariser Ori-
ginal-Exemplaren von L. radiatus überein. Ich muss aber
bemerken, dass der Cephalothorax unseres Exemplares
um ein Minimum kürzer erscheint im Verhältniss zur
Breite als bei den genannten Typen, aber ich sehe diese
geringe Differenz nur als eine individuelle oder lokale an;
thorax eines Männchens ist 41 mm. breit und 24^2 mm. lang. Die
vier Zähne der vorderen Seitenränder springen weniger hervor als
bei Loph. incisus M. Edw. nnd namentlich erscheinen die zwei hinteren
weniger scharf und nicht so stark gekielt. Auch die Felder der
Oberfläche ragen viel weniger hervor als bei incisus.
Ich schlage vor, dieser Art den Namen superhus A. M. Edw.
zu lassen, um keinen neuen zu schaffen, obgleich L. superbus Dana
von ihr verschieden und wohl mit incisus identisch ist.
Decapoden und Stomatopodeii. 271
oder sie ist vielleicht eine Folge von der geringeren Grösse
unseres Exemplares. Der Cephalotliorax ist nämlich
12 mm. breit und TVs mm. lang, während er bei einem
Pariser Männchen löVs mni. breit und 11 mm. lang ist.
Der Stirnrand ist glatt und nicht gezähnt. Die Scheeren-
füsse sind von gleicher Grösse und unterscheiden unsere
Art auf den ersten Blick von den anderen Lophozozymen
und zwar durch die verhältnissmässig sehr kurzen
Finger. Die Carpalglieder sind an ihrer Oberfläche ge-
körnt. Die Scheeren sind sowohl am Ober-, wie am
Unterrande gekielt, und ihre Aussenfläche ist hie und da
punktirt, und erscheint an der proximalen und oberen
Hälfte mehr oder weniger gerunzelt, ja sogar sehr fein
gekörnt. Die Finger sind gefurcht und die Furchen er-
scheinen am beweglichen Finger tiefer als am unbeweg-
lichen. Bei den grösseren Männchen des Pariser Museums
sind die Finger kaum noch gefurcht, fast glatt, wahr-
scheinlich ist die tiefere Furchung also ein Jugend-
charakter. Herr Dr. Hilgendort schreibt mir, dass bei
dem kleineren, Herbst'schen Original-Exemplare die Finger
gleichfalls tiefer gefurcht sind als bei dem grösseren.
Der Cephalothorax unseres Weibchens hat eine gelblich-
rothe Grundfarbe und erscheint den vorderen Seiten-
rändern entlang weisslich gesäumt.
Es ist mir überaus wahrscheinlich, dass Afei^g.
lateralis Ad. & White und Aterg. elegans Heller gleichfalls
mit L. Dodone identisch sind, während die Milne-Edwards'-
sche Behauptung von der Identität unserer Art mit Aterg.
insularis White offenbar unrichtig ist.
Lophozozymm Dodone bewohnt den Indischen Ocean,
(Mogambique, Mauritius), den Indischen Archipel (Am-
boina) und die Küsten von Neu-Caledouien.
47. Lophozozymus Simplex, n. sp.
Taf. X Fig. 3.
Ein Männchen von Amboina.
Diese Art ist Lophoz. superhus A. M. Edw. (nee
272 Dr. J (>• <le Man:
Dana) am meisten verwandt und sehr ähnlich, unter-
scheidet sich aber durch den Bau der Scheeren.
Der Cephalothorax unseres Exemplares ist 11 mm.
breit und 6V2 nim. lang und zeigt dieselbe Form wie bei
Lophoz. superbvs A. M. Edw. Die Oberfläche ist glatt
und glänzend, und fast nirgendwo punktirt. Die Felde-
rung ist noch weniger deutlich als bei Loph. superbus und
die kaum vorstehenden Felder sind abgerundet und treten
nie leistenartig auf, wie bei der genannten Art. Die
Magengegend ist ungetheilt und sogar die Epigastrical-
feldchen (1 M) sind mit dem übrigen Theil der Magen-
gegend völlig verschmolzen. Die Regio cardiaca wird
gleichfalls nur durch seichte Furchen begrenzt. Die vier
Lappen der vorderen Seitenränder verhalten sich fast
ganz wie bei superhus A. M. Edw.; bei der neuen Art
erscheint der zweite Lappen aber ein wenig kürzer, d. h.
weniger breit als der erste, während diese Lappen bei
superhiis dieselbe Grösse zeigen. Die Stirn ist ein wenig
punktirt und verhält sich wie bei superbus A. M. Edw.,
was auch mit den Augenhöhlen der Fall ist.
Die Scheerenfüsse sind gleich und erscheinen an
allen Gliedern glatt, glänzend und unbehaart.
Das Brachialglied erscheint an den drei Rändern gekielt,
das Carpalglied zeigt an der inneren Ecke einen massig
scharfen Zahn. Die Scheere hat eine glatte, stark ge-
wölbte Aussenfläche, der Oberrand ist ziemlich scharf
gekielt und auch der ünterrand erscheint an der proxi-
malen Hälfte gekielt, während er an der distalen Hälfte
sowie am unbeweglichen Finger abgerundet ist. Die
Scheerenfinger sind ein wenig kürzer wie das Handglied
und unterscheiden sich dadurch, dass sie gar nicht
gefurcht und nicht dunkel gefärbt sind, sondern
dieselbe Farbe zeigen wie das Handglied. Der beweg-
liche Finger hat eine glatte, gewölbte Oberfläche und
zeigt am inneren Rande vier oder fünf sehr kleine
Zähnchen. Der unbewegliche Finger erscheint an seiner
Aussenseite glatt und gewölbt und trägt am Innen-
rande vier oder fünf Zähnchen, die kaum ein bischen
Decapoden und Stomatopoden. 273
grösser sind als am beweglichen Finger. Wenn die
Finger geschlossen sind, lassen sie keine Oeffnung
zwischen sich; sie sind an den Enden zugespitzt. Auch
die Innenfläche des Handgliedes ist glatt und glänzend.
Der Unterrand des unbeweglichen Fingers bildet mit dem
Unterrande des Handgliedes eine fast gerade Linie.
Völlig verschieden sieht die Scheere bei L. superbus
A. M. Edw. aus. Fig. 3b stellt die Scheere eines jungen
Männchens dieser Art dar. Das Handglied erscheint
weder am Ober- noch am Unterrande gekielt und der
Unterrand des unbeweglichen Fingers bildet mit dem
Unterrande des Handgliedes eine concave Linie. Die
Finger sind tief gefurcht, an ihren Rändern mit verhält-
nissmässig grösseren Zähnen besetzt und dunkel gefärbt.
Die übrigen Fusspaare stimmen bei beiden Arten
überein.
Gattung Zozymus M. Edw.
48. Zozymus aeneus L.
Zozymus aenevs, Milne Edwards, Hist. Nat. Crustaces,
T. I, p. 385.
Fünf Exemplare von Pulo Edam.
Verbreitung: Indischer Ocean, Malayischer Archipel,
Neu-Caledonien, Tahiti.
49. Zozymus gemmula Dana.
Taf. X Fig. 4.
Zozymus gemmula, Dana, United Stat. Expl. Exped.
Crustacea I, p. 190, PI. IX, Fig. 6.
Ein eiertragendes Weibchen von Amboina.
Obgleich ich nicht zweifle, dass dieses Exemplar zu
der Dana'schen Art gehört, so muss ich doch bemerken:
L dass die Höcker auf dem oberen Rande der Scheeren
ein wenig anders angeordnet sind als auf der Dana'schen
Figur 6c, was vielleicht dem jugendlichen Alter der
Dana'schen Exemplare zugeschrieben werden muss, und
2. dass die Einschnitte auf den oberen, stark gekielten
Arch. f. Naturgescli. 53. Jahrg. Bd. I. j^g
274 Dr. J. G. de Man:
Rändern der Meropoditen und Carpopoditen der vier
hinteren Fusspaare nicht auf allen Beinen gefunden
werden. Das Handglied der einander gleichen Seheeren
trägt am oberen Rande vier abgerundete, in einer Reihe
neben einander liegende, fast gleich grosse Höcker; un-
mittelbar unter dem ersten dieser Höcker liegt, auf der
Aussenseite des Handgliedes, ein fünfter, etwas grösserer,
ebenso abgerundeter Höcker und unter dem vierten Höcker
des oberen Randes, also am Daumengelenke, liegen
mehrere runde Körner, welche zu einem unregelmässigen
Höcker angeordnet sind. Die Höcker des Oberrandes
des Handgliedes erscheinen bei schwacher Vergrösserung
punktirt und theilweise mit kaum vorstehenden, sehr
kleinen, abgerundeten Körnern bedeckt; am fünften
Höcker, der unter dem ersten gelegen ist, treten diese
abgerundeten Körnchen deutlicher hervor. Der mittlere
und untere Theil der Aussenseite des Handgliedes ist
mit kegelförmigen, ziemlich spitzen Körnern bedeckt,
welche zu drei bis vier Längsreihen angeordnet sind
und von welchen die zwei unteren sich auf den unbe-
weglichen Finger fortsetzen. Zwischen den Höckern am
oberen Theile des Handgliedes und den übrigen Körner-
reihen finden sich noch zahlreiche, kleine Körnchen auf
der Aussenseite des Handgliedes zerstreut. Auch die
innere Fläche des Handgliedes erscheint fein gekörnt.
Die gefurchten Finger sind nur halb so lang als das
Handglied und an den Enden stark löffeiförmig aus-
gehöhlt. Der bewegliche Finger ist an der proximalen
Hälfte mit einigen Körnern bedeckt, an der distalen
Hälfte aber glatt; der unbewegliche ist an der Aussen-
seite gleichfalls gefurcht und, wie ich schon bemerkte,
setzen sich die unteren Körnerreihen des Handgliedes ein
wenig auf ihn fort.
Das Carpalglied ist an der Aussenseite mit fünf ab-
gerundeten, glatten, fein punktirten Höckern bedeckt, und
zwar mit drei mehr oder weniger rundlichen Höckern
an dem mit dem Handgliede articulirenden Vorderrande,
mit einem länglichen quergestellten Höcker auf der Mitte
L
Decapoden und Stomatopoden. 275
der Aussenseite und mit einem etwas erodirten, unregel-
mässigen Höcker am proximalen Ende. An der inneren
Ecke ist das Carpalgüed mit zwei unter einander ge-
legenen, stumpfen Zähnen bewehrt. Was nun die von
Dana als für unsere Art charakteristisch angegebenen
Einschnitte am oberen Rande der Meropoditen und Carpo-
poditen der vier hinteren Fusspaare betrifft, so zeigt sich
ein solcher Einschnitt nur ganz deutlich am Meropoditen
des rechten Fusses des ersten Paares , während sie an
den anderen Meropoditen entweder vollständig fehlen
oder nur angedeutet sind. An den Carpopoditen fehlen
sie ganz, mit Ausnahme des Carpopoditen des rechten
Fusses des ersten Paares. Diese Einschnitte scheinen
also nicht bei allen Individuen regelmässig vorzukommen.
Die Oberfläche des Rtickenschildes erscheint hie und
da fein punktirt, sonst aber glatt. Die Anterolateral-
felder und die vorderen Felder der Magengegend springen
stark hervor, so dass Dana sie als areolae paulo monti-
culosae beschrieb; sie sind aber an ihrer Oberfläche ab-
geflacht. Von den vier dreieckigen Lappen der vorderen
Seitenränder sind die zwei mittleren ungefähr zweimal
so breit als die beiden anderen und der letzte ist ein
w^enig kleiner als der erste. Die hinteren Seitenränder
sind dicht pimktirt. Der obere Augenhöhlenrand hat an
der äusseren Hälfte zwei Einschnitte. Der Cephalo-
thorax ist I6V2 mm. breit und 10-/3 diu^- lang- Dana's
Exemplar hatte nur die halbe Grösse.
Verbreitung: Sulu See, Molukken.
50. Zozymus pumilus Jacq. & Lucas.
Taf. X, Fig. 5:
Zozymus pumilus, Jacquinot et Lucas, Voyage au
Pole Sud et dans l'Oceanie, sur les Corvettes l'Astrolabe
et la Zelee, Zoologie par Hombron et Jacquinot, T. HI,
Crustaces par Jacquinot et Lucas, 1853. p. 20, PI. HI,
Pig- 1- ....
Zu dieser noch wenig bekannten Art bringe ich ein
18*
276 ^Y- 'T- Gr. de Man:
wohl erwachsenes Exemplar, ein steriles Weibchen, von
der Insel Edam, das mit der Originalbeschreibung und
mit der Originalabbildung' in dem „Voyage au Pole Sud"
gut übereinstimmt. Ich verdanke diese Beschreibung und
Abbildung Herrn Paul Pelseneer in Brüssel, welcher die
Grüte hatte, mir eine Kopie derselben zuzusenden, wofür
ich diesem Herrn bestens danke. Im äusseren Habitus
gleicht diese Art völlig einer Lophactaea und mehr speciell
Lophactaea Eydonxi A. M. Edw., doch sie lässt sich auf
den ersten Blick durch die stark ausgehöhlten Scheeren-
finger unterscheiden. Jacquinot und Lucas sagen, dass
sie auch dem Carpilodes rugatus M. Edw. ähnlich ist,
was auch wohl der Fall sein mag. Bei diesem Thiere
ist der Cephalothorax aber breiter und sind die Lauffüsse
am oberen Rande des dritten, vierten und fünften Gliedes
nicht gekielt.
Das Rückenschild von Zozyinns pumüus ist andert-
halb mal so breit wie lang und die Oberfläche ist nur
wenig gewölbt. Die stark nach unten geneigte Stirn
übertrifft kaum ein Drittel der grössten Breite des Rücken-
schildes; sie ist durch einen kleinen, dreieckigen Aus-
schnitt in zwei wenig vorstehende, abgerundete Lappen
getheilt, die nach aussen hin ganz leicht ausgeschweift
sind. Die Aussenecken der beiden Stirnlappen gehen
nicht continuirlich in den oberen Augenhöhlenrand über,
sondern sind von den inneren Augenhöhlenecken durch
einen kleinen Ausschnitt geschieden. Fast die ganze
Oberfläche wird durch ziemlich breite, glatte Furchen in
die gewöhnlichen Felder getheilt, und sämmtliche Felder
sind mit zahlreichen, kleinen, abgerundeten Körnchen
überdeckt. Die Frontal- und die Epigastricalfeldchen
sind ziemlich deutlich von einander, sowie von den Pro-
togastricalfeldern getrennt; die letzteren sind an ihrer
vorderen Hälfte durch eine Furche getheilt, aber die
hintere Hälfte ist ungetheilt. Auf der ungetheilten Regio
mesogastrica sind die Körnchen etwas schwächer und
auf der Cardiacalgegend sind sie fast ganz verwischt.
Das Feldchen 1 L ist sehr klein und bloss durch vier
i
Decapoden und Stomatopoden. 277
oder fünf Körnchen vertreten. Die Felder 2 L, 3 L, 4 L,
5 L und 6 L sind aber alle deutlich ausgeprägt und durch
glatte Furchen von einander geschieden; besonders die
Felder 2 L, 3 L und 4 L ragen ein wenig hervor. Die
Regio Cardiaca Avird durch eine seichte Querfurche von
der Intestinalgegend geschieden, aber sonst erscheint der
hintere Theil der Oberfläche zwar auch gekörnt, aber
nicht gefeldert.
Die vorderen Seitenränder sind nur wenig länger als
die hinteren, springen etwas seitlich hervor und sind zu-
sammengedrückt; sie sind durch drei Einschnitte in vier
abgerundete Lappen getheilt, die alle ungefähr die-
selbe Grösse zeigen. Diese Lappen sind an der Ober-
seite auf dieselbe Weise gekörnt wie die angrenzenden
Felder der Oberfläche. Nach Jacquinot und Lucas soll
einer dieser Einschnitte sich auf die Unterseite des
Rückenschildes fortsetzen: ich sehe dies nicht. Die
hinteren Seitenränder sind fein gekörnt und leicht concav,
und der Hinterrand ist ungefähr so breit wie die Stirn.
Der gekörnte obere Augenhöhlenrand zeigt nach aussen
hin zwei seichte Einschnitte. Das Basalglied der äusseren
Antennen ist klein und dessen innere Ecke vereinigt sich
mit einem nach unten gerichteten Fortsatze der Stirn.
Die Epistomplatte ist glatt und nur am Vorderrande ge-
körnt. Die ganze Pterygostomialgegend ist mit kleinen,
abgerundeten Körnchen dicht bedeckt, aber die äusseren
Kieferfüsse sind nur grob punktirt. Das zweite Glied
zeigt die gewöhnliche Längsfurche und der Vorderrand
des dritten Gliedes ist gerade. Bekanntlich unterscheidet
sich der nahe verwandte Zozymodes carinipes Heller aus
dem Rothen Meere durch einen tiefen Ausschnitt an
diesem Vorderrande des dritten Gliedes. Die Ptery-
gostomialgegend und die äusseren Kieferfüsse sind ausser-
dem sehr kurz behaart, aber die Oberfläche des
Rückenschildes ist unbehaart.
Die Scheerenfüsse sind von gleicher Grösse. Das
Brachialglied hat einen stark seitlich zusammengedrückten,
und demnach scharfen Oberrand. Die Oberfläche des
•278 Dr. J. G. de Man:
Carpalgliedes wird durcli einige Furchen in Abtlieilimgen
getheilt, welche mit Körnchen bedeckt sind. Die
Scheerenfinger sind so lang wie das Handglied.
Das letztere trägt an der Aussenseite und am oberen
Kande (Fig. 5a) viele ziemlich scharfe Körner, die auf
der Mitte der Aussenseite theilweise in Längsreihen an-
geordnet sind, während am Oberrande mehrere zu Gruppen
angehäuft sind. Die Finger klaffen ein wenig und
sind an ihren etwas verbreiterten Enden tief aus-
gehöhlt. Der bewegliche Finger trägt oben drei Längs-
reihen von scharfen Körnern, welche durch zwei Läugs-
furchen getrennt sind, und noch einige Körner an der
Aussenseite: zwei Körnerreihen, welche auf der unteren
Hälfte der Aussenseite des Handgliedes verlaufen, setzen
sich bis auf die Mitte des unbeweglichen Fingers fort.
Der bewegliche Finger ist mit vier Zähnchen besetzt,
von welchen zwei etwas grösser sind als die beiden
anderen; am unbeweglichen Finger stehen gleichfalls vier
Zähne, von welchen der zweite der grösste ist, während
die beiden inneren sehr klein sind. Die Finger tragen
einige Härchen. Die vier hinteren Fusspaare sind
stark zusammengedrückt, und die sehr scharfen,
oberen Ränder des dritten, vierten und fünften
Gliedes springen kielartig hervor. An der Aussen-
seite sind diese Glieder gekörnt und spitze Körner tragen
auch die Endglieder, die in eine kurze Hornklaue aus-
laufen. Die beiden letzten Glieder sind ein wenig be-
haart. Der Cephalothorax ist IP/i nim. breit und TVs mm.
lang. Das Original exemplar von Jacquinot und Lucas
war nur 8 mm breit und 5 mm. lang.
Das Thier hat eine rothe Grundfarbe, erscheint aber
auf der Oberseite weisslichgelb gefleckt: so zieht ein
weisslichgelber Streif von der Mitte des Stirnrandes nach
hinten und verliert sich auf der Regio mesogastrica, und
an jeder Seite von diesem Streife verläuft ein kleinerer,
länglicher Fleck zwischen dem oberen Augenhöhlenrande
und den Frontal- und Epigastricalf eidchen. Die Scheeren-
finger sind dunkelbraun, und die vier hinteren Fusspaare
Decapodeii und Stomatopoden. 279
sind am Gelenke der Propoditen mit den Dactylopoditen
weisslich gefleckt, während die kielartig vorspringenden,
oberen Ränder violett gefärbt sind.
Zozymus j^Hosiis A. M. Edw. unterscheidet sich vom
pxniilKs nicht nur durch die eigenthümliche Behaarung
des Rückenschildes und der Scheerenfüsse, sondern auch
dadurch, dass die Felder der Oberfläche in viele kleinere
Feldchen aufgelöst sind, während die Körnchen auch auf
der Aussenseite der Scheeren nicht isolirt, sondern zu
Gruppen angehäuft stehen. Auch erscheinen die Lappen,
in welche die vorderen Seitenränder getheilt sind, mehr
zahnförmig, während sie bei j^inaibis abgerundet sind.
Gattung Chlorodius Rüpp.
51. Chlorodius niger Forsk.
Chlorodius niger ^ Forskäl, de Man, Journal Linn. Soc.
of London, Vol. XXIL 1888, p. 31.
Ein und zwanzig Exemplare (8 <?, 13 $) von ver-
schiedener Grösse von Pulo Edam und ein junges Männ-
chen von Amboina. Bei einigen sind die beiden hinteren
Seitenzähne stachelförmig, bei anderen stumpf, bei wieder
anderen ist nur der letzte Zahn stachelförmig. Der Fort-
satz an der inneren Ecke des Carpalgliedes der Vorder-
füsse erscheint stumpf oder quer abgestutzt. Die vier
hinteren Fusspaare sind stark behaart. Die Breite des
Rückenschildes beträgt bei dem grössten Männchen
18^ 2 mni-: bei dem grössten Weibchen 21 V2 mm., bei dem
kleinsten, eiertragenden Weibchen llV4mm.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Neu-
Caledonien, Fidschi -Liseln.
52. Chlorodius sculptus A. M. Edw.
Chlorodius sculptus, A. Milne Edwards, Nouvelles Ar-
chives du Museum, T. IX, p. 217, PI. VIII, Fig. 4. — de Man,
Journal Linn Soc. of London, Vol. XXII, 1888, p. 31.
Ein junges Weibchen von der Insel Noordwachter.
Der Oberrand des Armgliedes der Vorderfüsse trägt
einen sehr kleinen, gebogenen Stachel etwas vor der
280 Dl'- J. C}. de Man:
Mitte und vor ihm zwei stumpfe Höckerchen der distalen
Hälfte entlang ; ebenso ist der Vorderrand des Armgliedes
in der Mitte mit einem kleinen, gebogenen Stachel be-
setzt und vor demselben liegt noch ein stumpfes Höcker-
chen. Nur der letzte Seitenzahn ist stachelförmig. Hintere
Fusspaare lang und dicht behaart.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Ma-
layischer Archipel, Samoa-Inseln, Neu-Caledonien. —
53. Chlorodius miliaris A. M. Edw.
Chlorodius miliaris, A. Milne Edwards, Nouvelles
Archives du Museum, T. IX, p. 216, PI. VIII, Fig. 3. —
Miers, Report on the Zoolog. Collect, made in the
indopacific Ocean during the Voyage of H. M. S. „Alert",
1884, p. 531.
Vier junge Weibchen, von welchen zwei schon mit
Eiern versehen sind, von Pulo Edam und drei junge
Männchen mit einem jungen Weibchen von der Insel
Noordwachter.
DerCephalothorax des grösstenExemplares ist DViUim.
breit und öVö nim. lang; erwachsen erreicht die Art
aber eine Breite von 15 mm. Die beiden Stirnlappen,
welche durch einen ziemlich tiefen Einschnitt von ein-
ander getrennt werden und durch eine schräge Furche
von den inneren Augenhöhlenecken, erscheinen gegen
ihre Aussenecken hin ziemlich tief ausgebuchtet, so dass
die letzteren zahnförmig sind. Die vorderen Seitenränder
tragen hinter der äusseren Augenhöhlenecke vier gra-
nulirte, mit Ausnahme des ersten, ziemlich spitze
Zähne. Bei Exemplaren von den Seychellen fand Miers
sie stachelförmig. Die Ränder der Augenhöhlen sind
granulirt und die feine Granulirung der Oberfläche des
Rückenschildes tritt auf der vorderen Hälfte ein wenig
stärker hervor als auf der hinteren.
Das Carpalglied der Vorderfüsse trägt ein ziemlich
scharfes Zähnchen an der inneren Ecke. Bei dem grösseren
Männchen, dessen Cephalothorax 8V2 »ini. breit ist, ist
die linke Scheere bedeutend grösser als die rechte; die
Decapodeii und Stomatopoden. 281
Finger klaffen an beiden ziemlich stark. Die dunkle
Farbe des unbeweglichen Fingers dehnt sich noch nicht
auf das Handglied aus, wie es nach Miers bei dem er-
wachsenen Thiere der Fall ist. Bei den Weibchen klaffen
die Finger weniger oder gar nicht. Die Vorderfiisse er-
scheinen fein und dicht gekörnt, mit Ausnahme der
Finger, welche es nur an der Basis sind. Die Behauptung
von A. Milne Edwards, dass die Oberfläche des Rücken-
schildes minder gewölbt ist als bei Chlorodins niger ist
nicht zutreffend.
Verbreitung: Seychellen, Malayischer Archipel, Neu-
Caledonien. —
Gattung Chlorodopsis A. M. Edw.
54. Chlorodopsis pilumnoides Ad. & White.
Chlorodopsis pilumnoides, Adams and White, Zoology
of the Voyage of H. M. S. „Samarang" 1850, Crustacea,
p. 41, Taf. IX, Fig. 8. — de Man, Journal Linn. Soc. of
London, Vol. XXII, 1888, pag. 34.
Ein junges Weibchen von Amboina.
Der Vorderrand des Armgliedes ist mit drei
Stacheln besetzt, von denen einer am proximalen, einer
am distalen Ende und einer in der Mitte steht; der
distale Stachel wird vorn noch von einem vierten, kleineren
Stachel begleitet. Der Oberrand des Armgliedes trägt
fünf Stacheln. Der Cephalothorax ist kaum 16 mm. breit.
Verbreitung: Malayischer Archipel und Bengalischer
Meerbusen.
55. Chlorodopsis melanochira A. M. Edw.
Chlorodopsis uielanochira, A. Milne Edwards, Nouvelles
Archives du Museum, T. IX, p. 228, PI. VIII, Fig. 5.
Zu dieser Art stelle ich zwei und fünfzig Exemplare
von der Insel Edam und ein sehr junges von Amboina,
25 Männchen und 28 Weibchen. Bei allen trägt der
Vorderrand des Armgliedes der Vorderfüsse eine Reihe
von 5 — 10 ziemlich scharfen Körnern, aber Stacheln, welche
die 2^^^'f"^'^oides charakterisiren , fehlen vollständig. Die
282 Dl'- J. 0. de Man:
Schenkelg'lieder der liinteren Fnsspaare sind mit kurzen
Stacheln an ihren oberen Rändern besetzt. Alle unsere
Exemplare sind noch jung oder sehr jung. Bei den
grösseren, deren Cephalothorax 13 — 14 mm. breit ist, ist
derselbe an seiner Oberfläche mit gelblichen, ziemlich
steifen, an der Wurzel schwärzlichen Haaren dicht be-
setzt; auch die Füsse tragen diese gelblichen ziemlich
langen Haare. Bei diesen Exemplaren, die zweifelsohne
zu melanocliira gehören, sind die vier Lappen der vorderen
Seitenränder mit mehreren Stacheln besetzt und einige
dieser Stacheln finden sich auf den den Seitenrändern
am nächsten gelegenen Theilen der Oberfläche des Rücken-
schildes. Die Magengegend erscheint wenig granulirt,
die Regio cardiaca dagegen fein gekörnt.
Bei zahlreichen kleineren Exemplaren, deren Rücken-
schild nur 8 — 10 mm. breit ist, ist die Oberfläche nur
mit einem sehr kurzen, gelblichgrauen Tomente bedeckt,
während die längeren, gelblichen Haare vollkommen
fehlen und nur an den hinteren Fusspaaren gefunden
werden. Ich vermuthe, dass diese Individuen Jugend-
zustände der ersteren sind, weil sie sonst keine erheblichen
Unterschiede von ihnen zeigen.
Die Seitenlappen der vorderen Seitenränder sind, wie
ich schon bemerkte, mit mehreren Stachelchen besetzt;
die Zahl dieser letzteren ist ein wenig variabel und ich
fand sogar ein sehr junges Individuum, bei dem die
Stachelchen vollkommen fehlten. Die Vorderfüsse stimmen
gänzlich mit der Abbildung in den „Nouvelles Archives"
überein; bei den Männchen breitet sich die schwarze
Farbe des unbeweglichen Fingers auf einen distalen Theil
der Seitenflächen des Handgliedes sowie über die distale
Hälfte des Unterrandes hin aus.
Verbreitung: Malayischer Archipel, Neu-Caledonien.
56. Chlorodopsis spinipes Heller.
Pilodins spinipes, Heller, Sitzungsber. Kais. Akad. Wien,
Bd. XLIH, S. 340, Taf. H, Fig. 22.
Decapoden und Stomatopodeii. 283
Clilorodopsis spinijies, A. Milne Edwards, Nouvelles
Archives du Museum, T. IX, p. 230, PI. VIII, Fig. 6.
Ein junges Weibchen von Amboina.
Der Augenliöhlenrand trägt bei dieser Art an seiner
äusseren Ecke einen Stachelzahu und gleich unter diesem
Stachel findet sich am unteren Augenhöhlenrande ein
zweiter, fast gleich grosser Stachelzahn. Die vorderen
Seitenränder sind ausserdem mit drei Stacheln besetzt.
Sowohl Heller wie Milne Edwards beschreiben die An-
ordnung dieser Stacheln nicht deutlich; der letztere sagt
nämlich, dass die vorderen Seitenränder mit vier Stacheln
besetzt sind, was offenbar der Fall nicht ist, aber, wie
ich schon bemerkte, beobachtet man an der äusseren
Augenhöhlenecke zwei Stacheln, von welchen der untere
dem unteren Augenhöhlenrande zugehört.
Die Felder IL, 3 L, 4L und 1 R erheben sich jedes
zu einem spitzen Höcker, das Feld 2 L trägt zwei scharfe
Höcker und die Felder 1 M, 2 M, 5 L und 6 L sind gleich-
falls mit runden Körnern bedeckt; auch die hinteren
Theile der Oberfläche sind mit kleinen Körnchen besetzt
und die hinteren Seitenränder sind gekörnt.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Archipel, Neu-
Caledonien.
Gattung Cyclodius Dana.
57. Cyclodius granulosus, n. sp.
Taf. XI. Fig. 1.
Ein Männchen von Amboina.
Diese niedliche, seltene Art scheint mir von den
beiden von Dana beschriebenen Formen dadurch abzu-
weichen, dass die Oberfläche des Rückenschildes nicht
glatt ist, sondern gekörnt. Im äusseren Habitus und in
den meisten Merkmalen stimmt sie übrigens mit Cyclodius
gracUis Dana der Samoa-Inseln so sehr überein, dass sie
vielleicht nur als eine Varietät dieser Art aufgefasst
werden muss. Sämmtliche Felder sind deutlich
284 Dl". J- (^. (^e Man:
ausgeprägt und durch tiefe, glatte Furchen von ein-
ander getrennt, nicht nur die vorderen, sondern auch die
hinteren. Die Protogastricalfekler sind durch eine seichte
Längsfurche jedes in zwei Felder getheilt, aber das Meso-
gastricalfeld ist, wie bei Cyclodius gyaciUs, ungetheilt.
Sämmtliche Felder sind nun mit Körnchen bedeckt, welche
auf den vorderen Feldern im Allgemeinen grösser sind
als auf den hinteren. Der Stirnrand ist mit kleinen
Körnchen besetzt, und auch die Augenhöhlenränder tragen
Gruppen von Körnchen. Die Hepatical- und Bran-
chialfelder erheben sich zu mit Körnchen be-
setzten Höckern. Einige spitze Körner tragen auch
die Felder 1 R und 2 R. Die Regio cardiaca trägt am
Hinterrande einen Querwulst von etwas grösseren Körnchen.
Hinter der ziemlich scharfen, äusseren Augenhöhlenecke
sind die vorderen Seitenränder mit vier schlanken,
ein wenig nach vorn gebogenen, spitzen Stacheln be-
wehrt; der erste ist viel kleiner als die drei hinteren. Diese
Stacheln sind an ihren Rändern wieder gekörnt, besonders
die vorderen.
Was die Gestalt und die Bewaffnung der Vorder-
füsse und der übrigen Fusspaare betrifft, stimmt unsere
Art gut mit den beiden Dana'schen überein.
Der Cephalothorax ist OVs nim breit (die Seiten-
stacheln mitgerechnet) und 6V3 mm lang.
Die Oberfläche des Rückenschildes ist hie und da
behaart und ebenso die Füsse.
Gattung Leptodius A. M. Edwards.
Von den Leptodias-kxiQn der indo-pacifischen Meere
erscheinen nur der seltene Leptodim caüipes Dana und
auch wohl Leptodlas luidipes Dana scharf umgrenzt,
indem der erstere durch den eigenthümlichen Bau seiner
Füsse, der zweite durch die zahlreichen Anterolateral-
zähne ausgezeichnet ist.
Die anderen Arten sind:
Decapoden mid Stomatopodeii. 285
Leptodiiis ea'aratus H. M. Edw.
j, sangiiineus H. M. Edw.
„ endorus Herbst.
„ lividvs de Haan.
,, gracilis Dana.
,, Edwardsn Heller.
„ crassimanus A. M. Edw. und
vielleicht auch ,, granulosus Hasw.
Diese sieben resp. acht Formen sind einander ausser-
ordentlich verwandt und wahrscheinlich sind sie alle oder
theilweise identisch. Meiner Meinung nach wird sich
aber diese Frage, über welche fast jeder Autor eine andere
Meinung hat, nur durch die Entwickelungsgeschichte ent-
scheiden lassen. Vorläufig können und müssen die
Carcinologen also sich nur auf das Sammeln von That-
sachen über die Verbreitung dieser Formen beschränken.
Kossmann, der ungefähr 2000 Exemplare von Lep-
todien aus dem Rothen Meere untersuchte, kam bekannt-
lich zu der Folgerung, dass Lept. Edwardsn Heller und
Lept. sangumeiis H. M. Edw. als Varietäten von exaratus
aufzufassen sind. Die Untersuchung der von Herrn
Dr. Brock gesammelten Exemplare macht es mir nun sehr
wahrscheinlich, dass, ausser den genannten Arten, auch
Lept. lividus de Haan, Lept. gracilis Dana und Lept. crassi-
manus A. M. Edw. als Varietäten von cxaratns betrachtet
werden müssen.
Die Brock'sche Sammlung enthält 39 Exemplare von
den Inseln Edam und Noordwachter; mit Ausnahme von
drei Männchen der Insel Noordwachter, deren Cephalo-
thorax 28 — 33 mm breit ist, sind alle klein oder sehr
klein. Ich bringe diese Leptodien nun zu drei der ge-
nannten Arten, ob ich gleich bemerke, dass sie durch
Uebergänge mit einander verbunden sind.
58. Leptodius exaratus H. M. Edw.
Leptodins avaratus, Milne Edwards, Nouvelles Ar-
chives du Museum, T. IX, p. 222.
Zu dieser Art stelle ich zwölf Exemplare (h S, 7 ?)
286 Dr. J. G. de Man:
von verschiedener Grösse, welche auf der Insel Noord-
wachter gesammelt wurden. Diese Thiere sind wohl
noch nicht erwachsen, weil der Cephalothorax des grössten
Individuums kaum mehr als 20 mm breit ist. Merkwürdig-
ist nun zuerst die Thatsache, dass diese Thiere, ungeachtet
ihrer geringen Grösse, schon mit Eiern versehen sind.
Weibchen, deren Cephalothorax kaum 18, 17 oder sogar
nur 11 mm breit ist, tragen schon Eier. Mit Ausnahme
von zwei Männchen zeigen alle vier Zähne an den
vorderen Seitenrändern; bei einem der zwei genannten
Männchen zeigt der linke Seitenrand aber eine Spur eines
fünften Zahnes, während dieser an der rechten Seite
noch vollständig fehlt. Bei dem zweiten Männchen tragen
beide Seitenränder fünf Zähne; weil dieses Exemplar in
seinen übrigen Merkmalen aber vollkommen mit den
anderen übereinstimmt, mögen wir es als Varietät san-
guineus betrachten. Bei allen sind die Stirnlappen schwach
ausgerandet. Die Oberfläche des Rückenschildes ist ein
wenig gewölbt, die einzelnen Felder springen ziemlich
stark hervor und erscheinen bei einigen äusserst fein
gekörnt, bei anderen fast glatt.
Die Vorderfüsse sind ein wenig ungleich. Bei allen
sind die Oberfläche des Carpalgiiedes und der Oberrand
der Scheeren schwach gerunzelt. Bei einem 17 mm breiten
Männchen erscheinen die Scheeren an der Aussenfläche
fein gekörnt; bei einem nur 4 mm breiteren Männchen, das
übrigens vollkommen übereinstimmt und sogar dieselbe
Zeichnung zeigt, sind die feinen Körnchen an der Aussen-
fläche der Scheeren, sogar unter der Lupe, kaum mehr
sichtbar. Das erstere Männchen stimmt also vollkommen
mit LepL lividus de Haan überein, so dass ich diese Art
bloss als eine Varietät von exaratns betrachte. Bei den
anderen Exemplaren sind die Scheeren an der Aussen-
fläche glatt. Schliesslich noch die Bemerkung, dass die
Scheerenfinger nicht oder kaum klaffen.
Der Cephalothorax des grössten Exemplares ist
20 V2 mwi breit und 13 mm lang.
Decapoden und Stomatopoden. 287
59. Leptodius gracilis Dana.
Taf. XI, Fig. 2.
Chlor odius gracilis, Dana, Unit. Stat. Expl, Exp. Crii-
stacea I, p. 210, PL XI, Fig. 13.
Leptodius ecvaratiis, var. gracilis, Miers, Report on the
Zoolog. Collect, made in the indo-pacific Ocean during tlie
Voyage of H. M. S. „Alert", 1884, p. 530.
Unter den Leptodien, die auf der Insel Noordwacliter
gesammelt wurden, findet sich ein einziges Männchen,
das sich von den zu exaratus gerechneten Exemplaren
durch die folgenden Charaktere auszeichnet. Zuerst er-
scheint der Cephalothorax ein wenig mehr verbreitert,
indem er bei einer Breite von 20^/2 n^ni ni^i' 12^/9 ii^i^^
lang ist, während das grösste Exemplar von exaratus bei
gleicher Breite eine Länge von 13 mm hat. Das Rücken-
scliild ist auch ein wenig mehr abgeflacht und die
kaum vorspringenden Felder erscheinen fast glatt. Wie
bei exaratus sind die beiden Stirnlappen nur schwach
ausgerandet und sind die Seitenränder des Rückenschildes
mit vier Zähnen besetzt. Diese Seitenzähne haben
scharfe Ränder und der vorletzte ist der grösste.
Die Vorderfüsse sind von ungleicher Grösse und
weichen von denen der zu exaratus gestellten Individuen
durch ihre b e d e u t e n d k 1 a f f e n d e n Finger ab. Uebrigens
erscheinen die Scheeren an der Aussenfläche vollkommen
glatt und nur an ihrem Oberrande schwach punktirt und
ein wenig gerunzelt.
Ich vermuthe, dass auch diese Form nur eine Varietät
von exaratus sei.
60. Leptodius crassimanuB A. M. Edw.
Leptodius crassimanus^ A. Milne Edwards, Nouvelles
Archives du Museum, T. IX, p. 226, PL XI, Fig. 4.
Der von A. Milne Edwards beschriebene Lept, crassi-
manus hat, wie die Varietät sanguineus, fünf Seitenzähne
hinter der äusseren Augenhöhlenecke, unterscheidet sich
aber von dieser Form wie von exaratus dadurch, dass
288 Dr. J. G. de Man:
die beiden Stirnlappen durcli einen tiefen Einschnitt
von einander getrennt sind und dass jeder derselben so
tief eingeschnitten ist, dass die zwei Stirnlappen vier
Stirnhöcker bilden.
Zu dieser Form rechne ich nun sechs und zwanzig
Exemplare, von welchen ein und zwanzig auf der Insel
Edam und fünf auf der Insel Noordwachter gesammelt
wurden, obgleich die angeführten Charaktere nicht bei
allen eben stark ausgeprägt sind. Am deutlichsten er-
scheint die Stirn vierhöckerig bei den ein und zwanzig
Exemplaren der Insel Edam, die alle eine geringe Grösse
haben; bei einigen dieser Individuen und bei den drei
grossen Männchen von der Insel Noordwachter fehlt aber
der mittlere, die Stirnlappen von einander trennende Ein-
schnitt, weil die Stirnlappen mit einander verbunden sind,
so dass sich die Stirn wieder fast verhält wie bei exaratus.
Bei beinahe allen sind die Seitenränder des Rücken-
schildes mit fünf Zähnen besetzt, aber bei einigen jungen
Exemplaren von der Insel Edam und bei den zwei jungen
Männchen von der Insel Noordwachter nur mit vier, weil
der letzte Zahn fehlt. Diese Individuen stimmen übrigens
nicht nur in ihrem Körperbau, sondern sogar in der für
diese Art oder Varietät charakteristischen Zeichnung voll-
kommen mit den anderen überein, so dass sie als in-
dividuelle Varietät betrachtet werden müssen. Die Ober-
fläche des Rückenschildes ist ungefähr ebensosehr ge-
wölbt wie bei Lept exaratus und die Felder der vorderen
Hälfte springen ziemlich stark hervor. Die Felder sind
ein wenig punktirt, öfters sogar ein wenig runzelig, und
die Oberfläche des Rückenschildes zeigt, besonders gegen
die Seitenränder hin, eine feine Granulirung.
Die Vorderfüsse sind ein wenig ungleich. Bei den
grossen Männchen der Insel Noordwachter verhalten sie
sich wie bei exaratus^ indem die Scheeren an der Aussen-
fläche glatt sind und nur am Oberrande schwach ge-
runzelt. Die Finger sind kaum gefurcht und klaifen fast
nicht. Bei den jüngeren Exemplaren sind die Scheeren
an der Aussenfläche weniger glatt, indem sich die Runzeln
Decapoden und Stomatopoden. 289
Öfters vom Oberrande hin auf die Aussenfläche fort-
setzen, bei den einzelnen Individuen aber in ungleichem
Grade.
Charakteristisch für diese Art oder Varietät sind
auch die orangegelben Flecke, mit denen die Ober-
fläche des Rückenschildes und die Scheerenfüsse ge-
zeichnet sind. Sie finden sich in ganz gleicher Weise
bei den Exemplaren der Insel Noordwachter, wie bei
denen der Insel Edam.
Weil, wie ich schon bemerkte, die Form der Stirn
bei unseren Exemplaren ziemlich variabel ist, vermuthe
ich, dass sogar Lept. crassimanus als eine Varietät von
exaratus betrachtet werden muss, auch weil Lept. lividus
und Lept sanguineus einen Ueb ergang bilden.
Der Cephalothorax des grössten Männchens von der
Insel Noordwachter ist 33 V4 nini breit und 21 mm lang;
bei dem grössten Individuum von Pulo Edam sind diese
Zahlen I7V2 nmi. und 11 mm.
Gattung Etisiis, M. Edw.
61. Etisus laevimanus Rand.
Etisus laevimanus, Randall, A. Milne Edwards, Nou-
velles Archives du Museum, T. IX, p. 234. — Hilgendorf,
Monatsber. Kön. Akad. der AViss. zu Berlin, 1878, S. 791.
Ein schönes erwachsenes und ein viel jüngeres
Männchen von Pulo Edam und ein gleichfalls junges
Männchen von der Insel Noordwachter. Das erwachsene
Exemplar stimmt fast vollkommen mit der Abbildung in
Dana's Atlas, PI. X, Fig. 1 überein: die zwei hinteren
Seitenzälme des Rückenschildes sind spitz, die zwei
vorderen sehr stumpf. Die Oberfläche des Rückenschildes
zeigt einen grossen, röthlichbraunen Fleck auf der Mitte
der Regio gastrica, erscheint aber sonst ungefleckt. Das
kleine Männchen von der Insel Noordwachter stimmt mit
dem grossen überein, aber der Cephalothorax ist ganz
ungefleckt. Das andere junge Männchen von Pulo Edam
Arch. f. Naturgesch. 53. Jahrg. Bd. 1. 19
290 Dr. J. G. de Man:
dagegen gehört zu der Varietät macidatus Heller, weil
die Oberfläche des Rückensehildes und die Scheerenfüsse
mit zahlreichen kleinen, runden Fleckchen gezeichnet
sind. Die Seitenzähne sind hier spitzer als bei dem
erwachsenen Thiere und die vier hinteren Fusspaare sind
viel mehr behaart. Der Cephalothorax des grossen
Männchens ist 59 mm. breit und 37 mm. lang. Grösser
wird diese Art nicht. Das gefleckte Männchen ist nur
18 mm. lang.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Stiller
Ocean (Japan, Sandwich-Inseln, Neu-Caledonien).
Gattung Etisodes Dana.
62. Etisodes electra Herbst.
Cancer electra, Herbst, Krabben und Krebse III, S. 34,
Taf. LI, Fig. 6.
Etisodes sculptilis, Heller, Sitzungsber. Mathem.Naturw.
Classe der kais. Akad. der Wiss. Wien, Bd. XLIII, 1861,
S. 333. — A. Milne Edwards, Nouv. Archives du Museum,
T. IX, S. 236, PI. IX, Fig. 2.
Etisodes electra^ Miers, Report on the Zoolog, collect,
made in the indopacific Ocean, during the voyage of
H. M. S. „Alert", 1884, p. 217.
Ein einziges Weibchen von Pulo Edam.
Es stimmt vollkommen mit der Heller'schen Be-
schreibung von Etisodes sculptilis, sowie mit der Abbildung
dieser Art in den „Nouvelles Archives" überein, aber
auch ich vermuthe, dass Cancer elecfra Herbst dieselbe
Art sei. Die grösste Breite des Rückenschildes (am vor-
letzten Seitenzahne) beträgt löVg mm., die Länge IIV2 i^^ii^i-
Der mediane Stirneinschnitt ist tief, aber sehr schmal
und jeder Stirnlappen ist nach aussen hin ausgeschnitten,
so dass er in zwei stumpf zugespitzte Zähnchen ausläuft,
von welchen das innere zweimal so breit ist als das
äussere. Die ein wenig gerunzelten Felder der Ober-
fläche sind mit theilweise zu Querreihen angeordneten,
sehr feinen Körnchen bedeckt; die Regio cardiaca er-
Decapoden und Storaatopoden. 291
scheint aber fast glatt. Die etwas imgleiclien , fein ge-
körnten Scheeren tragen am Oberrande drei sehr kleine
Höcker, von welchen der dem Carpalgelenke am nächsten
gelegene der grösste ist. Die Finger, von denen be-
sonders der obere tief gefurcht ist, verjüngen sich all-
mählich vom Gelenke ab bis zu den löffeiförmig aus-
gehöhlten Spitzen, die sich plötzlich wieder erweitern.
Ob Miers Recht hat, auch Cancer 7netis Herbst und
Dana's Etisodes frontalis mit unserer Art zu vereinigen,
vermag ich nicht zu entscheiden.
Verbreitung: Rothes Meer, Seychellen, Philippinen,
Samoa-Inseln, Australien, Sandwich-Inseln.
Gattung Cymo de Haan.
63. Cymo Andreossyi Aud.
Cymo Andreossyi^ Audouin, A. Milne Edwards, Nou-
velles Archives du Museum, T. IX, p. 252. — Heller,
Crustaceen der Novara-Reise, S. 20.
Elf schöne Exemplare (3 c?, 8 ?) von Pulo Edam und
vier von der Insel Noordwachter.
Fast alle Weibchen sind mit Eiern besetzt. Der
Cephalothorax des grössten Männchens ist 17 mm. breit,
der des grössten Weibchens 18 mm. und der des kleinsten,
mit Eiern besetzten Weibchens 12 mm. Bald ist der
rechte, bald der linke Yorderfuss der grössere. Bei allen
sind die Scheerenfinger schwarz und die Stirnzähnchen
sind bald mehr, bald weniger spitz.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Stiller
Ocean (Neu-Caledonien, Tahiti, Samoa-Inseln).
Gattung Ozius M. Edw.
64. Ozius guttatus H. M. Edw.
Ozius guttatus, A. Milne Edwards, Nouvelles Archives
du Museum, T. IX, p. 239, PL XI, Fig. 1.
Zwei Männchen von der Insel Noordwachter.
An dem kleineren ist die charakteristische Zeichnung
19*
292 Cr. J. G. de Man:
Überall vorhanden, an dem grösseren fehlt sie auf der
Oberfläche des Rückenschildes, weil die kleinen Fleckchen
nur noch auf der Stirn vorkommen. Die Unterseite des
Rückenschildes dagegen und die Vorderfüsse sind an
beiden Exemplaren mit den Fleckchen gezeichnet. Die
Stirn ist doppelrandig und zeigt vier stumpfe Höcker,
welche nur wenig hervorragen.
Das Rückenschild des grösseren Exemplares ist
351/3 mm. breit und 23^4 mm. lang. Erwachsen erreicht
aber diese Art eine doppelte Grösse.
Diese Art bildet den üebergang von der Gattung
Ozius zu der Gattung Epixantlms,
Verbreitung: RothesMeer, Indischer Ocean, Australien,
Neu-Caledonien.
Gattung Epixanthiis Heller.
65. Epixanthus frontalis H. M. Edw.
Epixanthus frontalis, H. Milne Edwards, Hist. Nat.
Crustaces, T. I, p. 4Ö6. — A. Milne Edwards, Nouvelles
Archives du Museum, T. IX, p. 241.
Sieben Exemplare (4 <?, 3 $) von der Insel Noord-
wachter.
Das grösste Exemplar {$) ist 34 mm. breit und
2OV4 mm. lang. Wie bei den neun Individuen aus dem
Mergui Archipel, welche ich beschrieben habe (de Man,
in: Journal of the Linnean Society of London, Vol. XXII,
1887, p. 46) ist auch bei den Exemplaren der Insel Noord-
wachter stets die rechte Scheere die grössere.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Ma-
layischer Archipel, Japan, Neu-Caledonien.
66. Epixanthus corrosus A. M. Edw.
Taf. XI Fig. 3.
Epixanthus corrosus, A. Milne Edwards, Nouvelles
Archives du Museum, T. IX, p. 241, PI. IX, Fig. 1.
Epixanthus rugosus, Kossmann, Reise nach den
Küsten des Rothen Meeres, Crustacea, p. 36.
Decapoden und Stomatopoden. 293
Ein altes Männclien und ein fast ebenso grosses
Weibchen von der Insel Noordwaeliter.
Unsere Exemplare gehören zu dem von Kossmann
aus dem Rothen Meere angeführten Epix. rugosus, aber
ich fasse diese Art nur als die erwachsene Form von
corrosus auf. Milne Edwards kannte von dieser seltenen
Art nur sehr junge, 13 mm. breite und 8 mm. lange
Exemplare. Diese Art wird aber bedeutend grösser. Der
Cephalothorax des Männchens ist nämlich 31 mm. breit
und 17 mm. lang, so dass er mehr als zweimal so gross
wird, als Milne Edwards angegeben hat. Ich gebe darum
eine neue Abbildung, weil in der Figur der „Nouvelles
Archives" der Cephalothorax länger gezeichnet ist, als
bei alten Thieren der Fall ist, so dass die starke Ver-
breiterung des Rückenschildes dadurch weniger in die
Augen fällt.
Der Cephalothorax erscheint von vorn nach hinten
ziemlich viel gewölbt, in transversaler Richtung dagegen
flach, besonders bei dem Männchen. Die Oberfläche ist
fein gekörnt und erscheint vorn und an den Seiten
stark gerunzelt. Die Stirn ist undeutlich doppelrandig
und zeigt an ihrem Vorderrande vier Höcker wie bei
frontalis; sie ist aber verhältnissmässig viel schmäler,
weil bei dieser Art die Entfernung der äusseren Augen-
höhlenecken nur ein Drittel der grössten Breite des
Cephalothorax beträgt. Bei beiden Exemplaren ist die
rechte Scheere die grössere. Was die Weise der Zähnelung
der Finger betrifft, stimmt unsere Art sehr mit Epix.
frontalis überein.
Verbreitung: Malayischer Archipel, Neu-Caledonien.
Gattung Eiiriippellia Miers.
67. Euruppellia annulipes M. Edw.
Taf. XI Fig. 4.
Rüppellia annulipes, H. Milne Edwards, Hist. Nat. des
Crustaces, I, p. 422. — Dana, Unit. Stat. Expl. Exp.
Crustacea I, pag. 246, PL XIV, Fig. 4.
294 Dl-. J. G. de Man:
Euruppellia annulipes, Miers, Report on the Zool. Coli,
made in the indopacific Ocean during the voyage of
H. M. S. „Alert", 1884, p. 533.
Ein Männchen von Amboina und ein jüngeres Weib-
chen von der Insel Noordwachter.
Diese Art schliesst sich der Gattung Ozius unmittel-
bar an, weil sie nicht nur in ihrer äusseren Gestalt,
sondern sogar in manchen Charakteren mit den Ozius-
Arten übereinstimmt; nur die Struktur der Augenhöhlen,
von welchen die äusseren Antennen vollkommen geschieden
sind, unterscheidet unsere Art auf den ersten Blick. Der
Cephalothorax des Männchens ist 26V4 mm. breit und
171/4 mm. lang; bei dem Weibchen sind diese Zahlen
I9V4 mm. und 12^4 mm. Bei beiden Individuen ist die
rechte Scheere die grössere. Bei dem (kleineren) Weibchen
erscheint das Handglied der kleineren Scheere an der
Aussenfläche fein gekörnt, die Körnchen verschwinden
aber an dem abgerundeten Unterrande; an dem Hand-
gliede der grösseren Scheere erscheint die obere Hälfte
der Aussenfläche fein gekörnt, die untere Hälfte glatt.
Bei dem (grösseren) Männchen sind die Scheeren kaum
mehr gekörnt, aber sie erscheinen an der oberen Hälfte
der Aussenfläche ein wenig gerunzelt. Ich vermuthe
also, dass die Scheeren bei ganz erwachsenen Individuen
vollkommen glatt sind, wie sie Milne Edwards be-
schreibt. Der bewegliche Finger der grösseren Scheere
trägt bei beiden an der Basis einen grossen, stumpfen
Zahn.
Hinter der nicht vorspringenden, äusseren Augen-
höhlenecke sind die Seitenränder des Rückenschildes mit
fünf Zähnen besetzt, von welchen der fünfte oder letzte
der kleinste ist. Diese Zähne sind dreieckig und stumpf
zugespitzt. Das Rückenschild erscheint ein wenig gewölbt
von vorn nach hinten und fällt auch etwas nach den
Seitenrändern hinab.
Verbreitung: Indischer Ocean (Seychellen), Malayischer
Archipel, Stiller Ocean (Loo Choo, Fidschi-, Kingsmill-
und Gesellschafts-Inseln).
Decapoden und Stomatopoden. 295
Gattung Pilumnns, L.
68. Pilumnus vespertilio Fabr.
Pilumnus vespertilio, Fabricius, Milne Edwards, Hist.
Nat. Crustaces, I, p. 418. — De Man, in: Journal Linnean
Soc. of London, Vol. XXII, 1887, p. 58.
Dreiundzwanzig Exemplare (13 5, 7 $) von der Insel
Edam. Die Exemplare sind jung oder theilweise sehr
jung. Es unterscheidet sich diese so häufige Art auf den
ersten Blick durch ihre lange graue Behaarung, mit
welcher fast das ganze Thier überdeckt ist. Bei den
Männchen erscheint fast der ganze ünterrand der grösseren
Scheere ohne Körnchen, glatt, bei den meisten Weibchen
aber gekörnt; bei einem Weibchen dagegen ist der Unter-
rand der Scheere ebenso glatt wie bei den Männchen,
und ich betrachte darum diese geringen Differenzen,
durch die grössere oder weniger grosse Verbreitung der
Körnchen auf der Scheerenfläche hervorgerufen, als indi-
viduelle Varietäten.
Der Cephalothorax des grössten Exemplares ist 21 mm.
breit.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Java,
Sidney, Neu-Caledonien, Japan.
69. Pilumnus Forskalii, M. Edw.
Taf. XII, Fig. 1.
Pilumnus Forskalii, Milne Edwards, Hist. Nat. des
Crustaces, T. I, p. 419.
Ein Männchen von Pulo Edam.
Es gelang mir nicht, dieses schöne und grosse
Exemplar mit Sicherheit zu bestimmen, ein Beweis, wie
sehr eine Revision der Pilumnus -Arten erwünscht ist.
Dennoch kann es w^ohl keinem Zweifel unterliegen, dass
diese Art schon früher beobachtet und beschrieben worden
ist, eben weil sie zu den grösseren Arten zählt. Dagegen
giebt es mehrere Arten, deren Beschreibungen mehr oder
weniger mit unserem Exemplare übereinstimmen, und
zwar Pilumnus Forskalii M. Edw. und P. Savignyi Heller
aus dem Rothen Meere, P. scabriusculus Ad. & White
296 Dl'- J- ^ de Man:
aus Ostindien, sowie eine Art von Tongatabu, welche
Miers neuerdings als eine Varietät von P. longicornis
Hilgend. anführt. (Miers, Report on the Brachyura,
collected during the voyage of H. M. S. „Challenger",
1886, p. 157.)
Ich stelle unsere Art nun zu P. Forskalii M. Edw.,
brauche aber kaum zu bemerken, dass diese Bestimmung
vielleicht unrichtig ist, denn ich konnte dieses Mal das
Originalexemplar dieser so kurz diagnosticirten Art nicht
vergleichen. Zuerst muss ich bemerken, dass der Cancer
incamcs Forskäl (Descript. Animalium, p. 92) wohl nicht
mit PiL Forskalii M. Edw. identisch ist. Bei der letzteren
Art stehen nämlich die Haare, mit welchen das Rücken-
schild besetzt ist, weit von einander, während Forskäl
von seinem Cancer incanus bemerkt, dass die Seitenzähne
des Rückenschildes durch die dichte Behaarung fast un-
sichtbar sind.
Der Cephalothorax unserer Art ist noch nicht andert-
halb Mal so breit wie lang. Seine Oberfläche erscheint
an der vorderen Hälfte ziemlich stark gewölbt, während
die Stirn fast vertical nach unten geneigt ist. Durch
schwache, seichte Furchen sind einige Felder angedeutet,
und zwar das Mesogastricalfeld und die seitlichen Felder
der Magengegend, während auch die Hepaticalgegend
schwach von der Branchialgegend getrennt ist. Nahe den
vorderen Seitenrändern trägt die letztere viele kleine
scharfe Körner, einige stehen auch noch auf der Regio
hepatica, sowie auf dem vorderen Theile der Magen-
gegend. Der übrige Theil der Oberfläche ist glatt. Die
ganze Oberfläche ist ziemlich lang behaart. Diese Haare,
welche eine röthlichgelbe Farbe zeigen und ziemlich steif
sind, stehen nicht gleichmässig verbreitet, sondern ent-
springen büschelweise in Gruppen von vier bis sechs
Haaren, von welchen eins oder zwei bedeutend länger
erscheinen als die übrigen. Die Breite der stark nach
unten geneigten Stirn beträgt ein Drittel der grössten
Breite des Rückenschildes. Wie bei P. Savigyiyi Heller
ist die Stirn durch einen tiefen, aber engen, mittleren
Decapodeh und Stoniatopoden. 29 7
Ausschnitt und durch zwei tiefe, seitliche Einbuchtungen
in vier Lappen getheilt, von Avelchen die beiden mittleren
breiter sind mit schräg seitwärts und ein wenig nach
hinten gerichtetem Rande, während die beiden äusseren
viel kleiner sind, schmal und dreieckig erscheinen und
weniger hervorragen als die mittleren. Die äusseren
Stirnlappen sind von den inneren Ecken der oberen
Augenhöhlenränder durch eine schwache Ausrandung ge-
trennt. Der obere Augenhöhlenrand zeigt an der äusseren
Hälfte einen schwachen, seichten Ausschnitt und trägt
einige scharfe Körnchen; der untere Rand hat nahe der
äusseren Ecke eine schmale, kleine Fissur und bildet
nach innen zu einen abgerundeten, wenig vorragenden,
an seiner Aussenseite gekörnten Lappen. Auch der untere
Augenhöhlenrand trägt einige scharfe Körnchen und ist,
wie der obere, behaart. Die äussere Augenhöhlenecke
ist gleichfalls mit solch einem scharfen Körnchen besetzt,
das aber kaum grösser ist als die angrenzenden Körnchen ;
sie trägt also keinen Stachel. Unmittelbar hinter diesem
Körnchen liegt, also schon auf dem vorderen Seitenrande,
ein zweites ähnliches Körnchen. Die vorderen Seiten-
ränder sind ein wenig kürzer als die hinteren. Sie sind
hinter der äusseren Augenhöhlenecke mit drei Zähnen
besetzt, welche von vorn nach hinten an Grösse ein wenig
zunehmen; diese Zähne sind spitz, der letzte ist stachelig;
sie sind an ihren Rändern hie und da mit Körnchen be-
setzt und sind behaart. Der bei einigen Pilumnus-Arten
vorkommende Subhepaticalstachel wird bei dieser Art
durch ein etwas vorragendes, scharfes Körnchen vertreten,
um welches noch drei oder vier kleinere Körnchen stehen.
Die hinteren Seitenränder sind gerade, nicht gekörnt und
der Hinterrand des Rückenschildes ist so breit, wie die
Entfernung der äusseren Augenhöhlenecken beträgt.
Die äusseren Antennen sind so lang wie die Stirn.
Die Epistomplatte ist glatt. Das Sternum ist an seinem
vorderen Theile gekörnt und ist, wie das Abdomen, lang
behaart. Der Gaumen trägt die gewöhnlichen, schräg
verlaufenden Leistchen. Auch die äusseren Kieferfüsse
298 Dr. J- Gc' de Man:
zeigen den gewöhnlichen Bau. Die Längsfurche auf dem
zweiten Gliede ist schwach angedeutet; das dritte Glied
ist an der inneren Ecke schräg abgestutzt, während die
vordere Aussenecke stumpf ist.
Die Vorderfüsse sind von ungleicher Grösse, weil
der rechte viel stärker ist. Der scharfe Oberrand des
Brachialgliedes ist gekörnt und behaart; er trägt einen
scharfen, seitlich comprimirten, behaarten und etwas ge-
bogenen Zahn vor dem distalen Ende, das gleichfalls in
ein scharfes Körnchen ausläuft. Auch die anderen
Ränder sind gekörnt. Das Carpalglied ist an der inneren
Ecke mit einem scharfen Zahne bewaffnet und seine
Oberfläche ist, besonders an den Rändern, mit scharfen
Körnchen besetzt. An der grösseren Scheere (Fig. la)
erscheinen die Finger (in horizontaler Richtung) nur halb
so lang wie das Handglied, dessen x\ussenseite gewölbt
und dessen Innenseite mehr abgeflacht ist; diese Aussen-
seite ist mit scharfen, kegelförmigen Körnern besetzt, die
theilweise in Längsreihen angeordnet sind und die etwa
auf der Mitte der Aussenseite am grössten erscheinen.
Aehnliche Körner stehen auch am Unter- und am Ober-
rande, sind hier aber etwas kleiner, weniger scharf,
stumpfer. Die Scheere ist ungefähr anderthalb mal so
lang wie hoch, wenn wir die Finger mitrechnen. Die
letzteren haben eine glatte Oberfläche, welche nur zwei
Längsreihen von punktförmigen Vertiefungen zeigt, von
welchen die obere eine wenig tiefe Längsfurche darstellt.
Der bewegliche Finger ist stark nach unten gebogen und
an der Basis etwas gekörnt und behaart; der Rand ist
mit zwei Zähnen besetzt, von welchen der innere zweimal
so lang ist wie der andere. Der unbewegliche Finger
trägt in der Mitte einen grösseren Zahn, zwischen diesem
und der stumpfen Spitze einen etwas kleineren Zahn,
und innerhalb des erstgenannten beobachtet man noch
sieben kleine Zähnchen gerade in der Biegung des Randes,
welche an Grösse allmählich abnehmen. Die Innenfläche
des Handgliedes erscheint nur in der Mitte und nach dem
Oberrande hin fein gekörnt, sonst glatt.
Decapoden und Stomatopoden. 299
An der kleineren Scheere stehen die Körner, welche
hier verhältnissmässig* ein wenig grösser und schärfer
sind als auf der grösseren Scheere, gleichfalls in Längs-
reihen. Die Finger sind hier tiefer gefurcht und jeder
mit fünf Zähnen hesetzt, welche am unbeweglichen Finger
stärker sind als am beweglichen. Die Finger ausge-
nommen, sind die Vorderfüsse mit ähnlichen, steifen,
gelben Haaren bewachsen wie auf der Oberfläche des
Rückenschildes, und neben den längeren beobachtet man
auch hier viele kürzere.
Die hinteren Fusspaare verhalten sich wie bei den
anderen venvandten Arten und sind lang und dicht behaart.
Die Schenkelglieder tragen an ihrem Oberrande einige
scharfe Körnchen, scheinen sonst aber unbewehrt zu sein.
Im Leben muss diese Art schön gezeichnet gewesen sein.
Das Mesogastricalfeld und der angrenzende, vordere Theil
der Regio cardiaca, sowie die hintere Branchialgegend
zeigen eine rothe Farbe, die dazwischen gelegene vordere
Branchialgegend eine blaue; die Seitenflächen des Rücken-
schildes zeigen auf heller Grundfarbe mehrere kleine, runde,
rothe Fleckchen. Die gelblichen Vorderfüsse sind roth
schattirt; die Scheerenfinger sind chokoladenbraun mit
weisslichen Zähnen ; die Lauffüsse sind röthlich und ihre
Schenkelglieder sind in der Mitte gelblich gefleckt. Die
grösste Breite des Rückenschildes, d. h. die Entfernung der
letzten Seitenzähne, beträgt 23 mm., die Länge 17 mm.
70. Piiumnus Cursor A. M. Edw.
Pilumnus Cursor, A. Milne Edwards, Nouvelles Archives
du Museum, T. IX, p. 244, PI. LX, Fig. 4. — Miers, Report
on the zoolog. Collections made in the indopacific Ocean
during the voyage of H. M. S. „Alert", 1884, p. 223.
Zwei junge Männchen und zwei junge Weibchen von
Amboina.
Die Oberfläche des Rückenschildes hat eine ziemlich
dunkle ziegelrothe Farbe und zeigt an jeder Seite der
Regio cardiaca einen bläulichen Fleck, während die Stirn
und die oberen Augenhöhlenränder schmal hell gesäumt
300 Dr. J. G. de Man:
sind. Die Lauffüsse zeigen dieselbe Farbe und erscheinen
an den Basipoditen bläulich gefleckt. Die Oberfläche
des Rüekenschildes ist abgeflacht, kaum an den Seiten
hie und da sehr fein gekörnt und die Stirn ist nur
wenig geneigt. Diese ist durch einen kleinen, drei-
eckigen, mittleren Ausschnitt und durch zwei seitliche
Ausrandungen in vier Lappen getheilt; die zwei mittleren
sind breit, gerade abgestutzt und ragen mehr hervor
als die seitlichen, die klein und dreieckig sind und sehr
spitz. Die seitlichen Stirnlappen sind von den inneren
Ecken der oberen Augenhöhlenränder durch eine schwache
Ausrandung getrennt. Die äussere Augenhöhlenecke stellt
sich als ein spitzes Zähnchen dar. Hinter ihr stehen auf dem
vorderen Seintenrande drei spitze Stacheln. Auch
hat diese Art ein sehr kleines Subhepaticalzähnchen, das
aber kaum den Namen eines Stachels verdient. Der
untere Augenhöhlenrand ist gekörnt, hat einen kleinen,
dreieckigen Ausschnitt nahe der äusseren Augenhöhlen-
ecke und bildet nach innen einen kleinen, dreieckigen,
sehr spitzen Infraorbitallappen, der nicht über die seit-
lichen Stirnlappen hinausragt.
Bei dem grösseren Männchen, dessen Cephalothorax
nur 7 mm. lang ist, erscheint der linke Vorderfuss schon
stärker und grösser als der rechte. Die Carpalglieder tragen
an ihrer Oberfläche nur wenige Höcker und sind fast glatt.
In Bezug auf die Scheeren bemerke ich, dass die ganze
Aussenseite mit allerdings wenig zahlreichen, spitzen
Höckern besetzt ist, dass der Unterrand grösstentheils glatt
erscheint, aber an der Basis des unbeweglichen Fingers
einige scharfe Körner trägt. Die Scheerenfinger sind zuge-
spitzt und kreuzen einander. Der bewegliche Finger ist
noch kaum gefurcht, der unbewegliche trägt dagegen schon
eine tiefere Furche; der bewegliche Finger ist an seinem
Innenrande nur schwach gekerbt, der unbewegliche da-
gegen trägt einen grossen, kräftigen Zahn in der Mitte
und zwischen ihm und der Spitze noch vier kleinere
Zähnchen.
Die Lauffüsse sind glatt, nicht gekörnt. Körper und
Decapoden und Stomatopoden, 301
Füsse sind mit steifen, gelben Haaren bewachsen. Auf
der Oberfläche des Eückenschildes stehen die Haare auf
dem vorderen Theile in einigen Querreihen, doch ent-
springen sie auf dem übrigen Theile der Oberfläche büschel-
weise ziemlich weit von einander.
Verbreitung: Neu-Caledonien, Samoa-Inseln, östlicher
Theil des indischen Archipels, Ostküste Australiens.
71. Pilumnus laevimanus, Dana.
Pilumnus laevimanus, Dana, Unit. States Expl. Exp.
Crustaceal, p. 237, PL XHI, Fig. 11. — A. Milne Edwards,
Nouvelles Archives du Museum, T. IX, p. 250, PI. X, Fig. 4.
Zwanzig Exemplare (15 (^, 5 $) von Pulo Edam und
fünf (3 (5, 2 $) von der Insel Noordwachter. Diese Exem-
plare stimmen vollständig mit der von A. Milne Edwards
gegebenen Beschreibung und mit seiner Abbildung überein.
Der Cephalothorax ist massig erweitert und die
vorderen Seitenränder sind ein wenig kürzer als die
hinteren; die ersteren tragen drei spitze, stachelähnliche
Zähne hinter der nicht vorspringenden, äusseren Augen-
höhlenecke. Nach Dana sollen diese Zähne nicht scharf
sein, aber Dana's Exemplar war nicht gut erhalten. Die
schwach gewölbte Oberfläche ist beinahe nicht gefeldert,
denn ich beobachte nur die die Magengegend hinten
begrenzende Cervicalfurche und die die ein wenig-
vorstehenden Epigastricalfelder trennende Mittelfurche,
welche beide ausserdem sehr seicht und oberflächlich
sind. Die Stirnfelder sind fein gekörnt. Auch die
Hepaticalgegend zeigt einige Körnchen, eine Reihe von
Körnchen zieht von dem letzten Seitenzahne nach innen
und trennt die Hepatical- von der Branchialgegend und
schliesslich sehe ich eine Querreihe von gleich feinen
Körnchen auf jedem Protogastricalfelde. Auf diesen
Querreihen von Körnchen sind lange Haare eingepflanzt.
Die beiden Stirnlappen, welche durch einen dreieckigen
Ausschnitt getrennt werden, sind fast gerade und sind
von den Innenecken der oberen Augenhöhlenränder durch
einen seichten Ausschnitt geschieden. Die Augenhöhlen-
302 Dr. J. G. de Man:
ränder sind äusserst fein gekörnt, aber diese Körnchen,
gleich wie die der Oberfläche, sind nur mittelst der Lupe
sichtbar. Bei fast allen Exemplaren ist der rechte
Scheerenfuss der grössere; nur drei machen hiervon eine
Ausnahme. Bei allen erscheint die sonst glatte, grössere
Scheere, am proximalen Rande der Aussenfläche, nahe
am Carpalgelenke , fein gekörnt und behaart; bisweilen
setzen sich diese Körnchen noch auf die proximale
Hälfte des Oberrandes des Handgliedes fort. Im Gegen-
satze zu der grösseren Scheere erscheint die kleinere an
der Aussenfläche gekörnt und dicht, obgleich nur kurz,
behaart. Die Finger der grösseren Scheere sind glatt,
die der kleineren tief gefurcht; die unbeweglichen Finger
sind kräftiger gezähnt als die beweglichen.
Der Cephalothorax zeigt bei unseren in Spiritus auf-
bewahrten Exemplaren eine stahlblaue Farbe und ist am
Vorderrande schmal röthlichweiss gesäumt. Die grössere
Scheere, welche bei dieser Art bedeutend grösser ist als
die kleinere, hat eine blassröthliche Farbe; die Finger
sind dunkelbraun und die blasse Farbe des Handgliedes
setzt sich auf die Basis der Finger fort.
Der Cephalothorax des grössten Exemplares ist un-
gefähr 8 mm. breit und 51/2 wi^ni. lang; die grössere
Scheere hat eine Länge von 8 mm. und erscheint also
gerade so lang wie die Breite des Rückenschildes be-
trägt. Bei dem kleinsten, mit Eiern besetzten Weibchen
ist der Cephalothorax kaum 5V2 mm. breit.
Verbreitung: Indischer Archipel. Neu-Caledonien.
72. Pilumnus Edamensis, n. sp.
Taf. XI Fig. 5.
Elf Exemplare (5 <J, 6 $) von Pulo Edam und drei
Weibchen von der Insel Noordwachter. '
Diese kleine Art steht in der nächsten Verwandtschaft
von Pilumnus laevimanus Dana und von Pilumnus laevis
Dana, unterscheidet sich aber von beiden durch die
schmälere Stirn, deren Rand continuirlich in den
Superciliarrand der Augenhöhlen übergeht, wie bei der
Decapoden und Stomatopoden. 303
Gattung Sphaerozius Stimpson. Von dem P. laevimanus
unterscheidet sie sich ausserdem durch die Oberfläche
des Rückenschildes, welche keine Spur von Granu-
lirung zeigt und von dem laevis durch einige geringere
Unterschiede. Der massig breite Cephalothorax sieht
ungefähr aus wie bei P. laevimanus und die Entfernung
der letzten Seitenzähne, d. h. die Breite des Rücken-
schildes, verhält sich zu der Länge ungefähr wie 3:2.
Der grösste Theil der Oberfläche erscheint vollkommen
glatt und glänzend, aber ganz vorn ist sie ein
wenig behaart; einige gelbliche Haare stehen nämlich
auf der Hepaticalgegend und mitten auf der Stirn sind
mehrere längere Haare zu einer Querreihe angeordnet.
Die Oberfläche ist nicht durch Furchen in Felder ge-
theilt; mit Mühe bemerkt man die gewöhnliche, die
Magengegend von der Cardiacalgegend trennende Quer-
furche und die sonst die Epigastricalfelder trennende
Stirnfurche scheint auch zu fehlen. Die Oberfläche ist
ungefähr ebenso stark gewölbt wie bei P. laevimanus.
Die Stirn ist stark nach unten gebogen und durch
einen dreieckigen Ausschnitt in zwei abgerundete, schräg
nach hinten gerichtete Lappen getheilt; jeder Lappen
bildet einen sehr stumpfen Winkel mit dem Superciliar-
theil der oberen Augenhöhlenränder und geht conti-
nuirlich in denselben über, so dass der stumpfe
Winkel zu gleicher Zeit die innere Augenhöhlen-
ecke darstellt. Zwischen den Augen gemessen, beträgt
die Breite der Stirn nur ein Drittel der Breite des
Rückenschildes. Stirn und Stirnrand sind gänzlich glatt,
ohne eine Spur von Granulirung; auch der obere Augen-
höhlenrand erscheint glatt, aber der untere ist sehr fein
gekörnt und bildet an der inneren Ecke einen fein ge-
körnten, wenig vorstehenden Zahn. Wie bei P. laevis
trägt der obere Augenhöhlenrand keine Spalte.
Die vorderen Seitenränder sind kürzer als die hinteren,
welche nach hinten zu ein wenig convergiren und gerade
sind oder schwach convex. Hinter der äusseren Augen-
höhlenecke sind sie mit drei Stacheln besetzt, von
304 Dr. J. Gr. de Man:
welchen der letzte viel kleiner ist als die anderen. Ein
Subhepaticalstachel fehlt, diese Gegend erscheint nur ein
wenig- gekörnt. Das Basalglied der äusseren Antennen
erreicht die Stirn nicht, die Geissei ist nur wenig länger
als die halbe Länge des Rückenschildes. Das dritte Glied
der äusseren Kief erfasse ist ungefähr quadratisch und
hat einen schwach concaven Vorderrand. In Bezug auf
das Abdomen des Männchens will ich nur bemerken, dass
das vorletzte Glied fast zweimal so breit ist als lang und
dass das Endglied ein gleichseitiges Dreieck bildet mit
stumpfer Spitze.
Die Vorderfüsse sind denen von P. laevimanus Dana
ganz ähnlich. Sie sind sehr ungleich und der rechte ist
zumeist der grössere. Das Brachialglied des grösseren
Scheerenfusses trägt einen kleinen Stachel auf der Mitte
des etwas behaarten Vorderrandes. Das an der Innen-
ecke mit einem kleinen, scharfen Zahne besetzte Carpal-
glied erscheint auf der Mitte seiner Oberfläche glatt, aber
nach den Rändern hin mit langen gelben Haaren be-
wachsen. Die grössere Scheere erscheint ein wenig
kürzer im Verhältniss zur Höhe des Handgliedes als bei
der von Milne Edwards und von mir als levimanus be-
trachteten Art, aber sie stimmt vollkommen mit der von
Dana gegebenen Abbildung überein (Atlas, PI. XIII,
Fig. IIb). Das Handglied ist ganz glatt, mit Ausnahme
einer schmalen Stelle am Carpalgelenke, welche ein wenig
gekörnt und behaart ist. Die Finger sind glatt und sind
denen von P. levimanus vollkommen ähnlich. An der
kleineren Scheere ist das Handglied kaum oder nicht
gekörnt, aber dicht mit langen, gelben Haaren bewachsen;
ihre Finger kreuzen einander an den scharfen Spitzen
und sind tief längsgefurcht.
Auch die hinteren Fusspaare stimmen mit denen von
levimanus überein und sind, besonders an den drei letzten
Gliedern, mit langen gelben Haaren bewachsen.
Der Cephalothorax des grössten Exemplares (?) ist
9V4inm. breit und 6V2 mni. lang. Bei den meisten Exem-
Decapoden und Stomatopoden. 305
piareu zeigt er eine blassröthliche oder röthlichgraue
Farbe, gleich wie die Füsse.
73. Piiumnus nitidus A. M. Edw.
Püummfs nitidus, A.Miliie Edwards, Nouvelles Archives
du Museum, T. IX, p. 249, PI. X, Fig. 2.
Ein Männchen von Amboina.
Der Cephalothorax ist 11 mm. breit und 8% mm.
lang. Die Stirnlappen, welche einen glatten Rand haben,
sind von dem Superciliartheile der oberen Augenhöhlen-
ränder deutlich durch einen leichten Ausschnitt getrennt;
die Stirn erscheint oben fein punktirt. Am oberen Augen-
höhlenrande ist die den Extraorbital- von dem Super-
ciliarabschnitte trennende Fissur nur angedeutet; der
obere Augenhöhlenrand ist glatt, der untere dagegen ge-
körnt und der innere Suborbitallappen ist dreieckig und
stumpf zugespitzt. Das Basalglied der äusseren Antennen
erreicht die Stirn nicht und die Geissei ist ungefähr so
lang, wie die Stirnbreite beträgt. Die vorderen Seiten-
ränder sind mit drei wenig vorspringenden (nicht stachel-
förmigen) Zähnen besetzt; der zweite ist der grösste, der
letzte der kleinste. Die Entfernung des ersten Zahnes
von der nicht vorstehenden, äusseren Orbitalecke ist
etwas kürzer als die Länge der zwei ersten Seitenzähne
zusammengenommen. Ein Subhepaticalstachel fehlt, diese
Gegend ist glatt. An dem Abdomen des Männchens er-
scheint das vorletzte Glied etwas breiter als lang.
Der rechte Scheerenfuss ist der grössere. Der Vorder-
rand des Ischiopoditen ist mit vier oder fünf scharfen
Körnchen besetzt, und die proximale Hälfte des Vorder-
randes des Brachialgliedes mit drei ähnlichen Körnchen,
von welchen das vorderste sich als ein kurzes, spitzes
Zähnchen darstellt. Das Carpalgiied ist an der Innen-
seite mit zwei über einander gestellten, ziemlich scharfen
Zähnchen bewehrt; die Oberfläche ist glatt, und erscheint
nur an der vorderen Aussenecke ein wenig uneben. Die
Scheere ist fast so lang wie die Breite des Rücken-
Arcli. f. Naturgescli. 53. Jahrg. Bd. I. 20
306 Dr. J. O. de Man:
Schildes beträgt; ihre Aussenseite ist glatt und unbehaart,
nur am Carpalgelenke beobachtet man einige Körnchen.
Die Finger sind schwach gefurcht. An dem kleineren
Scheerenfusse sind das Ischiopodit und das Brachialglied
am Vorderrande mit ähnlichen, scharfen Körnchen be-
wehrt, wie am grösseren Fusse. Die ganze Aussenseite
des Handgliedes ist mit massig scharfen Körnern besetzt,
von welchen einige auf der Mitte in Längsreihen an-
geordnet sind; zwischen den Körnern stehen einige wenige
gelbe Haare eingepflanzt. Der Oberrand und der Unter-
rand des Handgliedes tragen keine Körner und erscheinen
darum glatt, nur etwas punktirt. Die Finger sind längs-
gefurcht.
Die übrigen Füsse sind glatt und sparsam behaart,
nur sind die Klauenglieder mit einem kurzen Tomente
bewachsen.
Es kommt mir nun wahrscheinlich vor, dass diese
Art mit Fseudozius dispur Dana identisch ist; die Diagnose
im „Conspectus" passt vollkommen auf unsere Art, aber
ich wage es nicht zu entscheiden, weil die ausführliche
Beschreibung nicht zu meiner Verfügung steht.
Die Sammlung enthält noch ein zweites Exemplar
von der Insel Noordwachter und zwar ein eiertragendes
Weibchen, das ich gleichfalls zum nitidus stelle, obgleich
es einige Unterschiede zeigt. Während der Cephalo-
thorax, wie bei dem Männchen, 11mm. breit ist, beträgt
die Länge nur 8 mm; er erscheint darum ein wenig
breiter als bei dem Männchen. Sonst stimmt der Cephalo-
thorax in allen Kennzeichen, sogar was die Farbe betrifft
und den Besitz von kleinen, rothen Fleckchen auf der
Unterseite nahe den Seitenrändern und auf den Kiefer-
füssen, mit dem Männchen überein. Einen zweiten Unter-
schied bieten aber die Scheerenfusse, welche bei diesem
Exemplare auf der Aussenseite des Handgliedes beide
gleich stark gekörnt sind. Der linke Scheerenfuss ist
der grössere und das Handglied ist auf der ganzen
Aussenfläche mit zumeist unregelmässig angeordneten
Körnern bedeckt, wie auf der kleineren Scheere. Sonst
Decapoden und Stomatopodeii. 307
stimmen die Scheerenfüsse in Form und Bau wieder voll-
kommen mit den anderen Exemplaren überein, wie es
auch mit den übrigen Fusspaaren der Fall ist.
Ich vermuthe nun, dass diese Unterschiede sexuelle
und dem Weibchen eigenthümlich sind, obgleich ich be-
merken muss, dass Milne Edwards dieselben nicht erwähnt.
Sexuelle Unterschiede kommen aber nach Haswell bei
Pilumnus-kviQVL bisweilen vor {Pilumnus glaherrimus Hasw.
und inermis Hasw.).
Verbreitung: Neu- Caledonien, Molukken.
74. Pilumnus Haswelii, n. sp.
Taf. Xn Fig. 2.
Ein Männchen von Amboina.
Der Cephalothorax zeigt die gewöhnliche Gestalt und
ist etwas breiter als lang. Der Cephalothorax und die
Füsse sind mit einem kurzen, dunkelbraunen To-
mente bedeckt und fast nur an den Füssen sind
einzelne längere Haare zwischen diesem Tomente sparsam
eingepflanzt. Die schwach gewölbte Oberfläche ist durch
seichte Furchen in zwar wenig vorspringende, dennoch
deutlich ausgeprägte Felder getheilt; die Anterolateral-
felder, die Felder der Magengegend und die Stirn sind
theilweise sehr fein gekörnt, aber wegen des dichten
Tomentes sind die Körnchen schwer zu sehen. Die
schräg nach unten gebogene Stirn ist, zwischen den oberen
Augenhöhlenrändern gemessen, ein wenig breiter als ein
Drittel der Breite des Rückenschildes und ist, wie ge-
wöhnlich der Fall, in der Mitte durch einen dreieckigen
Ausschnitt in zwei abgerundete, schräg nach den Augen-
höhlen gerichtete Lappen getheilt^ jeder dieser Lappen
bildet an seiner äusseren Ecke ein sehr kleines, drei-
eckiges Zähnchen, das von der inneren Ecke des oberen
Augenhöhlenrandes durch einen kleinen, seichten Aus-
schnitt getrennt ist. Der obere Augenhöhlenrand ist fein
gekörnt und ohne Fissur; der untere ist etwas gröber
gekörnt, zeigt einen kleinen Ausschnitt unmittelbar unter
der unbe wehrten, äusseren Augenhöhlenecke und bildet
20*
308 Dr. J. Gc. de Man:
nach innen zu einen dreieckigen, gekörnten, wenig- vor-
springenden Suborbitallappen. Die vorderen Seitenränder
sind wenig kürzer als die hinteren; hinter der äusseren
Augenhöhlenecke sind sie mit drei Zähnen besetzt
die nicht stachelförmig sind. Diese nach vorn ge-
richteten Zähne sind dreieckig, haben schwach
gekörnte und kurz behaarte Ränder, und sind
durch ziemlich tiefe Einschnitte von einander
getrennt; der erste Zahn ist fast so gross d.h. so
lang als die beiden hinteren zusammengerechnet
und der zweite ist wieder etwas grösser als der
letzte. Die hinteren Seitenränder sind ein wenig
concav und convergiren ziemlich stark, so dass
der Hinterrand des Rückenschildes nur wenig breiter ist
als die Stirn. Statt mit einem Stachel ist die Subhepa-
ticalgegend mit einem oder mit zwei scharfen Körnern
besetzt und diese ganze Gegend ist unter dem dichten
Tomente äusserst fein gekörnt.
Die äusseren Antennen sind kaum so lang als die
Breite der Stirn beträgt. Das Epistom ist glatt, der
Gaumen trägt an jeder Seite eine schmale Leiste und
die äusseren Kieferfüsse haben die gewöhnliche Form.
Bei dem Männchen ist das vorletzte Glied des Abdomens
fast quadratisch, nur wenig breiter als lang.
Die Vorderfüsse sind von ungleicher Grösse und
auf verschiedene Weise gebaut. Der Vorderrand des
Ischiopoditen und des Brachialgliedes ist gekörnt und
behaart, aber nicht mit Stacheln bewehrt. Der behaarte
Oberrand des Brachialgliedes läuft vor dem distalen Ende
in einen scharfen Zahn aus Die Carpalglieder sind auf
der Oberfläche, nach der inneren Ecke hin, sehr fein und
sparsam gekörnt, und an der inneren Ecke selbst mit
einem scharfen Zahne bewehrt. Die grössere Scheere
ist fast so lang als die Länge des Rückenschildes beträgt.
Das Handglied ist am Oberrande und an der Aussenfläche
mit zahlreichen, dicht gedrängten, kleinen Körn-
chen bedeckt, welche nach dem distalen Rande des
Handgliedes hin allmählich an Grösse abnehmen, so dass
Decapoden und Stomatopoden. 309
sie an der Basis der Finger und am Unterrande des
Handgliedes nur mittelst der Lupe gesehen werden können.
Der bewegliche Finger ist fast vertical nach unten ge-
bogen, glatt, an der Basis oben ein wenig gekörnt und
schwach gezähnt; der unbewegliche Finger ist mit zwei
Zähnen besetzt. Das Handglied ist am proximalen Ende
kurz behaart, aber das Toment verschwindet allmählich
nach den Fingern hin. Das Handglied der kleineren
Scheere ist auf der Aussenseite mit ähnlichen, scharfen
Körnern besetzt, welche auf der Mitte der Aussenfläche
etwas grösser sind; die ganze Aussenseite des Hand-
gliedes ist mit einem kurzen Tomente bewachsen. Die
Scheerenfinger sind schwach gefurcht und der bewegliche
ist oben an der Basis gekörnt. Die Finger der kleineren
Scheere sind schwächer gezähnt als die der grösseren.
Die übrigen Fusspaare sind unbewehrt, glatt und an allen
Gliedern mit einem kurzen Tomente bedeckt, während
einige längere Haare sparsam auf den Rändern ein-
gepflanzt sind.
Der Cephalothorax und die Füsse haben eine sehr
dunkle olivengrüne Farbe: der erstere erscheint an der
Stirn, an den Augenhöhlenrändern und an den vorderen
Seitenzähnen schmal gelb gesäumt. Auch das Handglied
der Scheeren hat eine blasse olivengrüne Farbe, die nach
den Fingern hin in ein weissliches Gelb übergeht; die
Finger sind dunkelbraun und an der Basis weisslichgelb.
Die Körnchen, mit welchen die Scheeren bedeckt sind,
sind weisslich.
Der Cephalothorax ist 97^ nim. breit und 71/4 mm
lang.
Pihunnus Haswelli sei dem Verfasser des „Catalogue
of the Australian Stalk- and Sessile-eyed Crustacea"
gewidmet.
75. Pilumnus longipes A. M. Edw.
Pihimnus longipes^ A. Milne Edwards, Nouvelles Ar-
chives du Museum, T. IX, p. 245, PI. X, Fig. 1.
Ein junges Exemplar von Pulo Edam.
310 Dr. J. Gf. de Mau:
Leider fehlt diesem Exemplare, das sonst vollkommen
mit der Originalbesclireibimg* übereinstimmt, die grössere
Scheere. Die grösste Breite des Cephalothorax beträgt
6 mm., die Länge 4V4 mm.
Verbreitung: Neu-Caledonien, Indischer Archipel. —
76. Pilumnus elegans n. sp.
Taf. Xn Fig. 3.
Drei Männchen und ein Weibchen von Amboina.
Diese hübsche Art schliesst sich zunächst dem
Piluninm longipes A. M. Edw. an. Der Cephalothorax
stimmt in Form und Gestalt mit dem von longipes überein
und ist nur w^enig breiter als lang. Die abgeflachte, nur
nach vorn hin etwas gewölbte Oberfläche ist nicht in
Felder getheilt und trägt also keine Furchen, nur die die
Magengegend hinten begrenzende Querfurche ist ange-
deutet. Nahe den vorderen Seitenrändern scheinen mir
einige sehr kleine Körnchen auf der Oberfläche vor-
zukommen, sonst aber erscheint sie überall glatt. Die
ganze Oberfläche trägt nun aber eine dichte Behaarung,
welche aus langen, rothen, seidenartigen Haaren gebildet
wird. Die stark nach unten gebogene Stirn ist ungefähr
so breit wie bei P. longipes und ist vierlappig; die beiden
abgerundeten Mittellappen sind durch einen dreieckigen
Ausschnitt von einander geschieden und jeder derselben
ist durch eine seichte Ausrandung von den viel kleineren,
sich als dreieckige Zähne darstellenden, äusseren Lappen
getrennt, welche viel weniger hervorragen als die Mittel-
lappen. Die äusseren Lappen sind durch einen kaum
bemerkbaren Ausschnitt von dem Superciliartheil der
oberen Augenhöhlenränder geschieden. Der Stirnrand
ist glatt und lang behaart. Der obere Augenhöhlenrand
ist fein gekörnt und lang behaart und trägt keine Fissur;
der untere ist gleichfalls gekörnt und seine innere Ecke
ist stumpf abgerundet, behaart und ragt wenig hervor.
Die äussere Augenhöhlenecke trägt einen spitzen
Stachel, welcher dem longipes fehlt. Die Augenstiele
sind oben behaart.
Decapoden und Stomatopodeii. 311
Die vorderen Seitenränder sind, wie bei lo?tgipes,
ausserordentlich kurz und viel kürzer als die geraden,
fast parallel mit einander nach hinten verlaufenden,
hinteren Seitenränder. Hinter der mit einem Stachel
bewehrten äusseren Augenhöhlenecke tragen die vorderen
Seitenränder nur noch zwei spitze Stacheln, wie bei
P. longipes, und diese Stacheln haben dieselbe Grösse als
derjenige, mit welchem die äussere Augenhöhlenecke
besetzt ist. Ein Subhepaticalstachel fehlt, aber die ganze
Subhepatical- und Pterygostomialgegend ist sehr fein
gekörnt und sehr kurz behaart. Das Basalglied der
äusseren Antennen erreicht den Stirnrand nicht und die
lange Endgeissel misst zw^ei Drittel von der Breite des
Rückenschildes. Das Epistom ist glatt und der Gaumen
trägt an jeder Seite eine schmale Leiste. Die äusseren
Kieferfüsse sind sehr charakteristisch und zwar ihr drittes
Glied ; dasselbe zeigt nämlich eine andere Form, als sonst
bei Pilumnus der Fall ist. Der Vorderrand und der
Aussenrand bilden zusammen einen einzigen,
bogenförmig abgerundeten Eand, so dass die
sonst vorhandene vordere Aussenecke des Gliedes
fehlt.*) Sternum und Abdomen sind kurz, und dicht
behaart; und bei dem Männchen erscheint das vorletzte
Glied des Abdomens fast zweimal so breit wie lang.
Sehr charakteristisch für diese Art sind auch die
Füsse. Die Vorderfüsse sind nämlich verhältnissmässig
klein und von gleicher Grösse, sowohl bei dem Männ-
chen wie bei dem Weibchen. Der Vorderrand des Ischio-
poditen trägt zwei kurze Stacheln und ein ähnlicher
Stachel findet sich an der Basis des Vorderrandes des
Brachialgliedes. Beide Ränder sind lang behaart. Der
Oberrand des Brachialgliedes trägt nahe vor dem distalen
Ende einen kurzen Stachel, und ist hie und da gekörnt,
wie die Aussenseite des Gliedes. Das Carpalglied ist
oben gekörnt, mit langen gelblichen Haaren besetzt und
an der inneren Ecke mit einem kleinen Stachel bewehrt.
Bei P. longipes hat das dritte Glied die gewöhnliche Form.
gl2 Dr. J. (t. de Man:
Die Scheeren sind klein; das Handglied ist bei
beiden an der Anssenseite dicht gekörnt, auch
am Ober- und am Unterrande, und mit langen,
gelben Haaren bewachsen; beim Weibchen erscheint
die obere Hälfte der Aussenseite fast glatt. Die Scheeren-
finger sind stark comprimirt, länger wie das Hand-
glied und glatt; sie lassen keine Oeffnung zwischen
sich, wenn geschlossen. Der bewegliche Finger ist glatt,
nicht gefurcht, oben an der Basis lang behaart, und
am Rande mit fünf schwachen Zähnchen gleicher Grösse
besetzt; der unbewegliche Finger trägt vier bedeutend
grössere Zähne. Die Spitzen sind sehr scharf, und
kreuzen einander.
Die vier hinteren Fusspaare sind sehr schlank,
beinahe noch schlanker als bei P. longipes; das vor-
letzte Paar ist ungefähr zweimal so lang als die Breite
des Rückenschildes beträgt. Sämmtliche Glieder sind,
vornehmlich an den Ober- und Unterrändern, mit langen,
seidenartigen, röthlichgelben Haaren bewachsen. Die
Schenkelglieder tragen am Oberrande zwei kurze spitze
Stacheln, einen am distalen Ende, den andern ein wenig
vor dem distalen Ende; am letzten Fusspaare fand ich
bloss einen Stachel, und zwar denjenigen, der am distalen
Ende eingepflanzt ist. Die übrigen Glieder sind un-
bewehrt.
Die ganze Oberfläche des Rückenschildes und der
Füsse hat eine zarte, rosenrothe Farbe, die durch die
rothe Behaarung noch erhöht wird. Die gleichfalls roth
gefärbten Pterygostomialgegenden sind jede mit zwei
fast parallelen weissen Binden gezeichnet, von welchen
die kürzere vordere von der Mitte des unteren Augen-
höhlenrandes entspringt, die zweite längere von der Basis
des letzten Seitenzahnes. Die letztere Binde mündet in
eine dünnere, weisse Binde hinein, welche auf der Mitte
der Pterygostomialgegend von hinten nach den äusseren
Vorderecken des Mundrahmens hinzieht. Auch die Füsse
sind roth, aber die Scheerenfinger haben eine blasse
Hornfarbe.
Decapoden und Stomatopoden. 313
Der Cephalothorax des grössten Exemplares (?) ist
9V4 mm. breit und 7V5 mm. lang.
77. Pilumnus striatus, n. sp.
Taf. XII Fig. 4.
Vier Weibchen und zwei jüngere Männchen von
Amboina.
Eine kleine Art, die sich auf den ersten Blick durch
ihre charakteristische Zeichnung unterscheidet. Der
Cephalothorax ist etwas breiter als lang und seine wenig
gebogene Oberfläche ist glatt und nicht gefeldert;
mit Mühe bemerkt man die gewöhnliche, die Magen-
gegend hinten begrenzende Querfurche. Nur ganz hinten
verläuft eine Querfurche, parallel mit dem Hinterrande
des Rückenschildes und nahe bei demselben; es ist die
gewöhnliche Querfurche, welche die Intestinalregion hinten
begrenzt. Wahrscheinlich finden sich einige feine Körn-
chen auf der Hepaticalgegend ganz nahe den vorderen
Seitenrändern, aber sie sind so klein, dass mir ihr Vor-
kommen nicht ganz sicher wurde. Die ganze Oberfläche
ist behaart und zwar an der vorderen Hälfte mit längeren,
an der hinteren mit viel kürzeren, gelben, seidenartigen
Haaren; auf der Stirn und dann wieder auf der Mitte
jedes Protogastricalfeldes stehen zahlreiche Haare in einer
Querreihe dicht neben einander. Die schräg nach unten
gebogene Stirn ist etwas schmäler als die halbe Breite
des Rückenschildes, und ist durch einen kleinen, drei-
eckigen Ausschnitt in zwei abgerundete Lappen getheilt.
Jeder Lappen ist nach aussen seicht ausgerandet und
bildet auf diese Weise an seiner äusseren Ecke ein drei-
eckiges Läppchen, das so klein ist, dass es leicht über-
sehen werden kann, und das kaiim von dem Superciliar-
theil der oberen Augenhöhlenränder getrennt ist. Der
Stirnrand ist glatt, nur am medianen Einschnitte sehr
fein gekörnt und behaart. Der obere Augenhöhlenrand
ist glatt, nicht gekörnt, lang behaart und ohne Fissur;
er geht continuirlich in den unteren Rand über, ohne
an der äusseren Augenhöhlenecke mit einem
314 Dr. J. G. de Man:
Zahne oder Stachel bewehrt zu sein. Unmittelbar
unter der also durch nichts ausgezeichneten Augenhöhlen-
ecke zeigt der nicht behaarte, untere Augenhöhlenrand
einen kleinen, dreieckigen Ausschnitt, und mehr
nach innen zu ist er deutlich gekörnt; der innere Sub-
orbitallappen stellt sich als ein sehr spitzes Zähn-
chen dar.
Die vorderen Seitenränder sind nur wenig kürzer
als die hinteren und sind, hinter der äusseren Augenhöhlen-
ecke, mit drei spitzen Stacheln bewehrt, von welchen
die beiden ersten ungefähr dieselbe Grösse haben, wäh-
rend der letzte etwas kleiner ist. Die hinteren Seiten-
ränder convergiren ein wenig und sind gerade, oder kaum
ein Bischen concav; sie sind glatt und kurz behaart.
Ein Subhepaticalstachel fehlt, aber die ganze Sub-
hepatical- und Pterygostomialgegend erscheint sehr fein
gekörnt.
Das Basalglied der äusseren Antennen erreicht die
Stirn nicht und die Geissei ist ungefähr halb so lang als
die Breite des Rückenschildes beträgt. Die Augenstiele
sind oben behaart. Das Epistom ist glatt und der Gaumen
trägt an jeder Seite eine Leiste. Die äusseren Kiefer-
füsse zeigen die gewöhnliche Form.
Sowohl bei dem Männchen wie bei dem Weibchen
sind die stark behaarten Scheerenfüsse klein und von
gleicher Grösse, Gestalt und Bau. Das Brachial-
glied ist am oberen Rande mit zwei spitzen Stacheln
bewehrt, von welchen einer am distalen Ende steht, der
zweite nur wenig hinter ihm ; hinter dem letzteren Stachel
ist der Rand noch ein wenig gekörnt. Der Vorderrand
des Ischiopoditen trägt zwei kurze Stacheln, und ein
etwas grösserer Stachel findet sich an der Basis des
Vorderrandes des Brachialgliedes. Die Ränder dieses
Gliedes sind lang behaart. Das Carpalglied ist oben
lang behaart und mit einer geringen Zahl von kurzen,
spitzen, kegelförmigen Höckern besetzt, von welchen ein
etwas grösserer an der inneren Ecke steht. Mit ähn-
lichen spitzen, kegelförmigen Höckern ist auch das Hand-
Decapoden und Stomatopodeii. 315
glied am Oberrande und an der Aussenseite bedeckt,
welche meist in Längsreihen angeordnet sind. Die Höcker,
welche am oberen Rande stehen, sind etwas grösser als
diejenigen, welche sich auf der Mitte der Aiissenfläche
des Handgliedes befinden, und stellen sich als kurze,
spitze Stacheln dar ; nach dem unteren Rande hin werden
die Höcker allmählich kleiner. Zwischen den Höckern
sind lange, gelbe Haare eingepflanzt, so dass das Hand -
glied lang und dicht behaart erscheint. Die schwach
gefurchten, übrigens glatten Scheerenfinger sind etwas
länger wie das Handglied und stark comprimirt. Der be-
wegliche Finger ist oben an der Basis lang behaart, und
der scharfe Innenrand erscheint nicht oder kaum gezähnt;
der unbewegliche Finger zeigt vier etwas besser aus-
geprägte Zähne. Die Spitzen sind sehr scharf und
kreuzen einander, wenn die Finger geschlossen sind.
Die übrigen Fusspaare sind schlank und besonders an
den Rändern mit langen gelben Haaren bewachsen.
Die einzelnen Glieder sind glatt. Die Schenkel- und die
Carpalglieder sind am distalen Ende ihrer Oberränder
mit einem kleinen Stachel bewehrt und an den Schenkel-
gliedern der drei ersten Fusspaare beobachtet man noch
einen zweiten Stachel auf einige Entfernung hinter dem
distalen.
Höchst charakteristisch für unsere Art ist ihre Farbe.
Der Cephalothorax hat eine gelblichgraue Grundfarbe,
welche auf den Anterolateralgegenden mehr röthlichgelb
erscheint. Die Oberfläche des Rückenschildes ist nun
mit einer röthlichbraunen Längsbinde gezeichnet,
welche in der Mittellinie vom Stirnrande bis zum Hinter-
rande verläuft und die hinteren Seitentheile des Rücken-
schildes tragen jeder eine kreisförmige oder ovale
Binde von derselben Farbe, von welcher ein Theil
auf der Ober-, und der übrige Theil auf der Unterfläche
des Rückenschildes verläuft. Eine kurze Binde zieht sich
von dem unteren Augenhöhlenrande nach den Vorder-
ecken des Mundrahmens. Auch die Füsse sind mit einigen
rothbraunen Querbinden gezeichnet, und zwar finden sich
816 Dr. J. O. de Man:
zwei auf den Schenkelgliedern und eine auf den Carpal-
gliedern und auf den Propoditen. Die Scheerenfinger
sind dunkelbraun, an den Spitzen blasser und an ihrer
Basis zeigen sie noch die röthlichgelbe Farbe des Hand-
gliedes.
Der Cephalothorax ist 8 mm. breit und 6V3 mm. lang.
Gattung Trapezia Latr.
78. Trapezia cymodoce Herbst.
Cancer cymodoce, Herbst, Krabben und Krebse, HI,
S. 22, Taf. LI, Fig. 5.
Trapezia coeridea (Rüppell), Heller, Sitzungsber. Kais.
Akad. Wien, 1861, S. 348.
Tiapezia cymodoce, de Man, Notes from the Leyden
Museum, Vol. H, p. 177.
Siebenzehn Exemplare von der Insel Edam, von
welchen zwei sehr junge am Abhänge des Riffs ge-
sammelt wurden in einer Tiefe von 12 — 14 Faden und
acht von Amboina.
Alle bieten die früher von mir angeführten Merk-
male, durch welche sich diese Art von den anderen
Trapezien unterscheidet. Zu diesen Kennzeichen gehört
auch der Besitz eines stumpfen Höckers an der inneren
Ecke des Carpalgliedes der Vorderfüsse. Ich muss nun
aber bemerken, dass in der Jugend die innere Ecke des
Carpalgliedes einen spitzen Zahn trägt und dass dieser
Zahn sich während des weiteren Wachsthumes allmählich
in einen stumpfen Höcker umbildet. So zeigen junge
Individuen mit 8 mm. breitem Rückenschilde noch einen
spitzen Zahn an der inneren Ecke des Carpalgliedes,
wenn der Cephalothorax 12 mm. breit ist, erscheint die
innere Ecke aber schon stumpf. Bisweilen aber ist der
spitze Zahn schon verschwunden, wenn der Cephalothorax
8 mm. breit ist, so dass wir schliessen dürfen, dass die
Umbildung bald früher, bald später stattfindet. Solche
junge Individuen mit spitzem Zähnchen an der inneren
Ecke des Carpalgliedes zeigen nun einige Ueberein-
Decapoden nnd St^omatopoden. 317
Stimmung mit Trapezia guttata Rüpp. aus dem Rothen
Meere, lassen sich aber immerhin noch durch ihre be-
haarten Scheeren und die nicht gefleckten hinteren
Fusspaare auf den ersten Blick unterscheiden.
Bei den grössten Individuen (Amboina) ist derCephalo-
thorax 18 mm. breit.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Oeean, Malayi-
scher Archipel, Philippinen, Neu-Caledonien, Fidschi-
Inseln.
79. Trapezia areolata Dana.
Trajjezia areolata, Dana, Unit. Stat. Expl. Exp. Cru-
stacea I, p. 259, PL XV, Fig. 8.
Traj^ezia areolata, var.: inermis, A. Milne Edwards,
Nouv. Archives du Museum, T. IX, p. 259, PI. X, Fig. 6.
Zweiundzwanzig Exemplare (11 5, 11 $) von der Insel
Edam.
Diese Art unterscheidet sich auf den ersten Blick
durch die Zeichnung. Dana beobachtete nur junge Exem-
plare, bei welchen die Seitenränder des Rückenschildes
noch mit einem spitzen Zahne bewehrt und bei welchen
die Maschen der netzförmigen Zeichnung an der Ober-
fläche des Rückenschildes verhältnissmässig gross und
wenig zahlreich sind. Ein junges Weibchen, dessen
Cephalothorax nur 6 mm. breit ist, zeigt alle diese von
Dana angegebene Charaktere. Bei den älteren und er-
wachsenen Individuen dagegen ist die Oberfläche des
Rückenschildes und der Vorderfüsse mit einem viel
feineren Netze gezeichnet, indem die Maschen bedeutend
zahlreicher und kleiner sind (Milne Edwards, 1. c. PL X,
Fig. 6). Bei diesen Exemplaren sind die Seitenränder
nur mit einem stumpfen , wenig vorstehenden Zahnvor-
sprunge bewehrt; es unterliegt aber keinem Zweifel, dass
der spitze Seitenzahn der jungen Thiere sich bei weiterem
Wachsthume in den stumpfen Zahnvorsprung umbildet.
Bisweilen, doch selten, bleibt der spitze Zahn bei älteren
Individuen fortbestehen; so trägt der Cephalothorax an
jeder Seite einen spitzen Zahn bei drei Individuen, deren
318 Dl'. J. C4. de Man:
Rückenschild schon 10 mm. resp. IOV2 mm. und I2V2 mm.
breit ist, und bei einem fast 14 mm. breiten Weibchen
ist der Seitenzahn an der rechten Seite noch spitz, an
der linken aber stumpf. Bei den übrigen siebenzehn
Exemplaren aber sind die beiden Zahnvorsprünge stumpf,
wie bei Trap. ferruginea (Latr.) Heller. Ausser durch
ihre eigenthümliche Zeichnung unterscheidet sich Trap.
areolata noch dadurch von Trap. cymodoce, dass der
Zahnvorsprung der Seitenränder des Rückenschildes bei
der Dana'schen Art ein wenig mehr nach vorn gelegen
ist als bei Trap. cymodocei so dass Trap. areolata auch
in diesem Merkmale mit Trap. ferruginea (Latr.) Heller
übereinstimmt. Dennoch wage ich es nicht zu entscheiden,
ob Trap. areolata vielleicht nur eine Varietät der letzteren
Art ist; ich glaube es aber nicht.
Bei den grössten Exemplaren ist der Cephalothorax
15 mm. breit.
Verbreitung: Malayischer Archipel, Neu-Caledonien,
Tahiti.
80. Trapezia rufopunctata Herbst.
Taf. XIII Fig-. 1 und Fig. 2.
Cancer rufopunctatus, Herbst, III, S. 54, Taf. XL VII,
Fig. 6.
Ein Männchen von der Insel Edam am Abhänge des
Riffs, 12—14 Faden tief.
In Bezug auf diese Art, welche ohne Zweifel die
Trap. rufopunctata Herbst ist, bemerke ich das folgende.
Die vier vorstehenden Stirnzähne sind dreieckig und
spitz, die zwei mittleren ragen etwas weniger hervor
als die seitlichen und der Aussenrand der letzteren ist fast
longitudinal gerichtet. Die stumpfen, abgerundeten, inneren
Augenhöhlenecken ragen weniger hervor als die Stirn-
zähne. Die Seitenränder des Rückenschildes sind an
jeder Seite mit einem spitzen Zahn bewehrt. Das Ab-
domen hat nur fünf Glieder, weil das dritte, vierte und
fünfte Glied mit einander verwachsen sind. Die Vorder-
füsse sind gleich. Die Ischiopoditen sind am Vorderrande
Decapoden und Stomatopoden. 319
mit einem spitzen Zahne bewaffnet, die Armgiieder an
ihrem Vorderrande mit sechs oder sieben scharfen Zähnen
besetzt und auch das Carpalglied trägt an der inneren
Ecke einen sehr spitzen Zalm. Die Scheeren sind hie
und da ein wenig punktirt, übrigens vollkommen glatt,
glänzend und unbehaart; charakteristisch sind die
kleinen, spitzen Körnchen, mit welchen der
Unterrand der Scheeren besetzt ist und die sich
sogar auf den Unterrand des unbeweglichen
Fingers fortsetzen.
Es liegt mir nun zufällig ein erwachsenes Weibchen
einer ebenso rothgefleckten Trapezia aus dem Rotheu
Meere vor, welche, von Rüppell und später von Heller
für die rufopiuictata Herbst gehalten, dennoch von dieser
letzteren wirklich verschieden ist. Ich schlage für diese
Form (Taf. XHI Fig. 2) den Namen Traj:). maculata vor,
weil sie wohl mit der von Dana (op. cit. PL XV, Fig. 4)
unter diesem Namen abgebildeten Art identisch ist.
Der Cephalothorax bietet die wesentlichsten Unter-
schiede für beide, so sehr übereinstimmende, auf gleiche
Weise rothgefleckte Arten. Bei der von Herbst be-
schriebenen Art haben die Seitenränder einen etwas ver-
schiedenen Verlauf. Bei rufopunctata Herbst sind die
sehr spitzen Seitenzähne verhältnissmässig grösser als
bei maculata; nichtsdestoweniger erscheinen sie bei der
letzteren Art ein wenig mehr von einander entfernt im
Verhältniss zu der Entfernung der äusseren Augenhöhlen-
ecken als bei rufopunctata, indem die vor den Zähnen
gelegenen Theile der Seitenränder bei der Herbst'schen
Art ein wenig convergiren, bei mac»/ato dagegen ein
wenig divergiren. Die hinteren Seitenränder conver-
giren bei rafopuiKtala ein wenig stärker als bei maculata^
so dass der Cephalothorax sich nach hinten zu bei der
ersteren ein wenig mehr verengt als bei der im Rothen
Meere lebenden maculata.
Die Stirn erscheint bei rufopunctata ein wenig breiter
im Verhältniss zu der Entfernung der äusseren Augen-
höhlenecken als Tjei maculata und die Stirnzähne haben
320 Dr. J. Cr. de Man:
bei beiden Arten eine etwas verscMedene Form. Bei
maculata haben die Stirnzähne ganz dieselbe Form wie
bei Trap. cymodoce Herbst oder wie bei Trap. ferruginea
(Latr.) Heller. Die zwei mittleren erscheinen nämlich
minder spitz als bei rufopuncfaia und ragen ein wenig
mehr hervor als die zwei seitlichen, während bei rufo-
punciata gerade die zwei seitlichen mehr hervorragen
als die mittleren; die seitlichen erscheinen bei inacvlata
abgerundet, bei mfopunctata dagegen sehr spitz.
Die Füsse verhalten sich bei beiden Arten fast auf
gleiche Weise und haben bei beiden ungefähr die gleiche
Form und Gestalt. Der Zahn an der inneren Ecke des
Carpalgiiedes der Vorderfüsse erscheint bei rufopundata
ein wenig länger und spitzer; die Zähne am Vorderrande
des Armgliedes sind leider bei dem vorliegenden Exem-
plare der macvlata abgebrochen, aber sie verhalten sich
wohl ungefähr wie bei der anderen Art. Die scharfen
Körnchen am unteren Rande der Scheeren erscheinen bei
maculata viel schwächer entwickelt.
Trap. maculata stimmt dagegen fast vollkommen mit
Trap. ferruginea (Latr.) Heller überein und unterscheidet
sich nur durch den Besitz der rothen Fleckchen, sowie
durch die seitlichen Zahnvorsprünge des Rückenschildes,
welche bei maculata spitz sind, bei ferruginea dagegen
stumpf und kaum vorragend.
Ich füge die Maasse der beiden Arten hinzu:
rifopunctata maculata
Entfernung der äusseren Augen-
höhlenecken ...... 133/4 mm. I3V5 mm-
Entfernung der Seitenzähne . . 13V4 77 1^V4 n
Länge des Rückenschildes . . . IIV4 77 12 V2 n
Breite der Stirn = Entfernung der
inneren Augenhöhlenecken . 8V4 77 ^Vs 77
Verbreitung: Trapezia rufopundata Herbst bewohnt
den Malayischen Archipel und den Stillen Ocean (Nuka-
hiwa), Trapezia maculata M' Leay das Rothe Meer und
die Ostküste von Afrika. Ob die erstere Form auch den
Decapoden und Stomatopoden. 321
Indischen Ocean und das Rotlie Meer bewohnt und ob
die zweite auch im Malayischen Archipel und im Stillen
Ocean lebt, lässt sich noch nicht sagen, weil beide Arten
bis jetzt mit einander verwirrt worden sind.
Gattung- Tetralia Dana.
81. Tetralia glaberrima Herbst.
Cancer glaherrimus, Herbst, Krabben und Krebse. I,
T. XX, Fig. 115.
Tetralia glaherrima, Dana, Unit. States Expl. Exp.
Crustacea I, p. 261, PI. XVI, Fig. 3.
Tetralia armata^ Dana, 1. c. PL XVI, Fig. 4.
Tetralia cavimana, Heller, Sitzungsber. Kais. Akad.
Wien, 1861, p. 353. — Miers, Report on the Zoological
Coli, made in the indopacific Ocean during the voyage
of H. M. S. „Alert" 1884, p. 537.
Achtundzwanzig Exemplare (1"2 cJ, 16 ?) von der Insel
Edam und zehn (4(J, 6$) von der Insel Noordwachter;
während die ersteren zum grössten Theil junge Indi-
viduen sind, sind die letzteren erwachsen. Wie Milne
Edwards, betrachte auch ich Tetralia cavimana Heller
als identisch mit der von Herbst zuerst beschriebenen
T glaberrima; die eigenthümliche , behaarte Vertiefung
am Oberrande der grösseren Scheere findet sich bei allen
unseren Exemplaren. Aber auch Tetralia armata Dana
stellte sich als die Jugendform von glaberrima heraus.
Die meisten Individuen der Insel Edam sind nämlich
junge Thiere, bei welchen die Seitenränder des Rücken-
schildes an jeder Seite mit einem spitzen Zähnchen be-
setzt sind, während die Armglieder und die Carpalglieder
der Vorderfüsse spitze Zähnchen tragen, — Charaktere
von T. armata Dana. Bei etwas grösseren Individuen
sehe ich nun aber diese Charaktere allmählich ver-
schwinden, indem die Seitenzähnchen des Rückenschildes
sich in stumpfe Vorsprünge umwandeln, die zuletzt nicht
mehr bemerkbar sind, während die Zähnchen der Vorder-
Arch. f. Naturgesch. 53. Jahrg. Bd. I. 21
322 Dr. J. G. de Man:
füsse rudimentär werden und schliesslich auch verschwinden.
Die Charaktere von T. armaia finden sich bis zu einer
Grösse, bei welcher der Cephalothorax 41/2 mm. lang- ist
(auch Dana's Individuen hatten diese Länge); später
fangen die Charaktere aber an zu verschwinden. Bis-
weilen sieht man die Zähnchen noch, wenn der Rücken-
schild schon eine Länge von 5 mm. erreicht hat. Die
jungen Individuen, welche die Charaktere der armaia
zeigen, haben eine röthlichgelbe Farbe und der Cephalo-
thorax ist an dem Stirnrande und an den vorderen Seiten-
rändern schwarz gesäumt. Die erwachsenen Exemplare
sind zumeist viel dunkler gefärbt und der Cephalothorax
erscheint vorn und an den vorderen Seitenrändern viel
schmäler oder gar nicht gesäumt. Bei einigen Exemplaren
der Insel Noordwachter sind die Füsse schön schwarz
gefleckt.
Bei den grössten Individuen ist der Cephalothorax
IOV2 mm. lang.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Malayi-
scher Archipel, Neu-Caledonien, Paumotu-Archipel.
Gattung Hexapus de Haan.
82. Hexapus sexpes Fabr.
Taf. Xin Fig. 3.
Cancer sexpes, Fabricius, Entomol. Syst. Suppl. p. 344.
Hexapus sexpes, de Haan, Fauna Japonica, Crustacea,
p. 63, PI. XI, Fig. 5.
Hexapus sexpes, A. Milne Edwards, Nouvelles Archives
du Museum, T. IX, p. 253, PL XH, Fig. 1.
Ein erwachsenes Männchen und ein fast ebenso
grosses Weibchen von Amboina.
So viel mir bekannt ist, wurden bis jetzt keine
Exemplare dieser Art gesammelt, welche die Grösse der
jetzt mir vorliegenden zeigten. Die Exemplare von
de Haan hatten einen nur 6 mm. langen Cephalothorax
und das von Milne Edwards angeführte Weibchen aus
Neu-Caledonien war sogar nur 3 mm. lang. Dieser
L
Decapoden und Stomatopoden. 323
geringen Grösse müssen wir es zusclireiben, dass unsere
Thiere nicht mit der Abbildung in den „Nouvelles Ar-
cbives" übereinstimmen, entweder weil diese Abbildung
ungenau ist oder weil der Cepbalothorax in der Jugend
eine andere Form hat. Ich habe darum unsere Art
von Neuem abbilden lassen und bemerke jetzt noch das
folgende.
Der Cephalothorax ist sowohl vorn wie hinten ein
wenig gewölbt, in der Mitte dagegen flach, obgleich er
auch nahe den Seitenrändern nach unten hin abfällt. Er
ist breiter als lang und der lange Hinterrand ist unge-
fähr anderthalbmal so lang als die Länge des Rücken-
schildes beträgt. Die Seitenränder bilden nicht eine ein-
fach nach aussen gebogene Linie, wie auf der Abbildung
in den „Nouvelles Archives", sondern sind deutlich
S förmig geschwungen, weil die Hepaticalgegend nach
aussen hin vorspringt, während die hintere Hälfte der
Seitenränder concav verläuft. Die von de Haan gegebene
Abbildung stellt unsere Art darum viel besser vor. Auch
erscheint die Stirn bei unseren Exemplaren viel schmäler
im Verhältniss zu der Breite des Rückenschildes, als auf
der von Milne Edwards gegebenen Abbildung. Die Stirn
misst nämlich nur ein Sechstel der grössten Breite des
Rückenschildes, welche über dem vorletzten Fusspaare
liegt. Mit Ausnahme des mittleren Theiles der Cervical-
furche sind keine Furchen auf der Oberfläche des Rücken-
schildes zu sehen; die Oberfläche erscheint dagegen mit
zahllosen kleinen Vertiefungen übersäet und an den
Seitenrändern fein gekörnt. Die schmale, in der Mitte
schwach gefurchte Stirn bildet einen kleinen, dreieckigen,
rückwärts gerichteten Fortsatz, der sich mit dem Epistom
verbindet. Auch das Sternum und das Abdomen sind
grob punktirt. Beim Männchen ist das Abdomen fünf-
gliedrig, weil das dritte, vierte und fünfte Glied mit ein-
ander verwachsen sind; beim Weibchen ist das vorletzte
Glied des Abdomens trapezförmig und länger als die
anderen Glieder. Eigenthümlich sind die schräg ver-
laufenden Leistchen an jeder Seite der Mundöffnung; ich
21*
324 Dr. J. G. de Man:
zähle deren an jeder Seite sieben oder acht. Die äusseren
Kieferfüsse sind gekörnt und behaart.
DieVorderfüsse des Männchens sind ein wenig* ungleich,
der rechte ist grösser. Die schwach gewölbte Oberfläche
des Carpalgliedes , das an der inneren Ecke unbewehrt
ist, erscheint ein wenig punktirt und nach den Rändern
hin schwach gekörnt. Das Handglied der grösseren
Scheere des Männchens ist am Oberrande und an der
unteren Hälfte der Aussenseite ein wenig punktirt, an
der oberen Hälfte dagegen schwach gekörnt; das Hand-
glied der kleineren Scheere ist an der ganzen Aussen-
seite gekörnt und nur am Oberrande punktirt. Die Finger
sind schwach gefurcht, glatt, und die Enden sind zuge-
spitzt; der bewegliche Finger ist oben an der Basis ein
wenig gekörnt, und zwar an dem unbeweglichen Finger
der kleineren Scheere etwas mehr als an dem anderen.
Auch beim Weibchen sind die Scheerenfüsse ein wenig
ungleich und verhalten sich ungefähr wie beim Männchen.
Die hinteren Fusspaare erscheinen auf der von Milne
Edwards gegebenen Abbildung zu schlank. Die Schenkel-
glieder des letzten Paares sind an der Aussenfläche
schwach gekörnt und die folgenden Glieder sind gleich-
falls an ihren oberen Rändern fein gekörnt.
Nach Milne Edwards ist der Rückenschild bei sehr
jungen Thieren überall mit einem kurzen Tomente be-
deckt, während es nach de Haan nur an den Seiten vor-
kommen sollte. Bei unseren Exemplaren erscheint das
Toment nur noch in den Vertiefungen der oberen Fläche,
während die Pterygostomialgegend um die Einlenkung
der Vorderfüsse herum, die Seitenränder, des weiblichen
Abdomens und die Füsse behaart sind.
Maasse des Männchens:
Länge des Rückenschildes 12^4 mm.
Breite des Hinterrandes 18 „
Breite der Stirn zwischen den Augen . . . 3V2 t,
Verbreitung: Malayischer Archipel, Japan, Neu-
Caledonien.
Decapoden und Stomatopoden. 325
Nach Dr. Brock's Angaben lebt diese Art in den
Röhren einer riesigen Annelide.
Gattung Rhabdonotus A. M. Edw.
83. Rhabdonotus pictus, A. M. Edw.
Rhabdonotus pictas, A. Milne Edwards, Bulletin de
la Societe philomatique de Paris, 1879, p. 6, PL II,
Fig. 2 und 2 a.
Ein einziges Weibchen, mit Eiern besetzt, wurde, auf
einer Comatulide schmarotzend, bei Amboina aufgefunden.
Das Exemplar stimmt fast vollkommen mit der Be-
schreibung überein, aber die rothen Linien der stark
gewölbten Oberfläche des Eückenschildes haben einen
etwas verschiedenen Verlauf. Auf der vorderen Hälfte
verlaufen nämlich mehrere rothe Linien, öfters Doppel-
linien, wie bei dem von Milne Edwards abgebildeten
Männchen; diese Linien münden nun an ihren Enden
an jeder Seite in eine dem hinteren Seitenrande entlang
verlaufende Linie aus; diese zwei Linien sind mit ein-
ander verbunden durch eine Querlinie, welche dem
Hinterrande des Rückenschildes entlang verläuft. Die
sechs oder sieben rothen Querlinien auf der hinteren
Hälfte des Rückenschildes münden nicht in die den
hinteren Seitenrändern entlang verlaufenden Linien aus,
sondern vereinigen sich an ihren Enden an jeder Seite
mit einander.
Die vordere Hälfte der oberen Fläche des Rücken-
schildes ist bei unserem Exemplare ein wenig behaart,
während nach Milne Edwards der Cephalothorax voll-
kommen glatt ist. x\uf jeder Pterygostomialgegend ver-
laufen zw^ei rothe Streifen parallel mit einander und mit
den vorderen Seitenrändern und auf jedem Gliede des
Abdomens des Weibchens verläuft eine rothe Querlinie.
Auch die Füsse sind mit einigen rothen Linien ge-
zeichnet. Auf den fast gleichen Vorderfüssen verlaufen
zwei rothe Doppellinien auf der Aussenfläche der Glieder
parallel mit einander und ebenso zwei auf der Innen-
326 Dr. J. Gr. de Man:
fläche und auch die hinteren Fusspaare sind roth ge-
streift. Der Cephalothorax ist 1172^101. lang und lOVsmm.
breit.
Milne Edwards bringt diese eigenthümliche , durch
den sehr stark gewölbten Cephalothorax ausgezeichnete
und einem Pimiotheres gleichende Art in die nahe Ver-
wandtschaft der Gattungen Trapezia und Cymo.
Verbreitung: Cochin-China, Amboina.
Gattung Domoecia Eyd. & Soul.
84. Domoecia hispida Eyd. & Soul.
Domoecia hispida, Eydoux et Souleyet, Voyage de la
Bonite, T. I, d. 235, PI. II, Fig. 5—10.
Drei eiertragende Weibchen von der Insel Noord-
wachter.
Der Rückenschild des kleinsten ist kaum 6 mm. lang,
der des grössten Exemplares nur 7 mm. Die Art erreicht
eine Länge von 9 mm. Sie stimmen völlig zu einem
Originalexemplare von der Reise der Bonite überein, das
ich Gelegenheit hatte zu vergleichen. Ich habe den Be-
schreibungen dieser Art nur dies hinzuzufügen, dass die
vier hinteren Fusspaare am oberen Rande ihrer Mero-,
Carpo- und Propoditen mit feinen Stachelchen besetzt sind.
Verbreitung: Sandwich-Inseln, Tahiti, Neu-Caledonien,
Indischer Archipel.
Gattung Melia Latr.
85. Melia tessellata Latr.
Melia tessellata, Latreille, Milne Edwards, Hist. Nat.
Crustaces, I, p. 431., PI. XVIII, Fig. 8 und 9. Dana, 1. c.
PI. XIV, Fig. 1. — Richters, Decapoda der Insel Mauritius,
p. 150, Taf. XVI, Fig. 19.
Neun Exemplare (4 (?, 5 $) von Amboina.
Mit Ausnahme eines einzigen jungen Weibchens tragen
alle die von Richters abgebildete Actinia an ihren
Scheeren. Der Cephalothorax des grössten Exemplares
Decapoden und Stomatopoden. 397
($) ist IOV4 nim. breit. Ein Männchen trägt einen para-
sitischen Krebs in dem Cephalothorax.
Verbreitung: Indischer Ocean (Mauritius), Malayischer
Archipel.
Gattung Eriphia Latr.
86. Eriphia laevimana Latr.
Eriphia laeviniaua, Latreille, Milne Edwards, Hist.
Nat. Crust. I, p. 427. — de Man, in: Journal of the
Linnean Soc. of London, Vol. XXII, p. 68.
Ein Männchen und ein Weibchen von der Insel
Noordwachter, deren Cephalothorax 58 mm. breit ist und
ein sehr junges, nur 10 mm. breites Männchen von der-
selben Lokalität. Während bei den grossen Exemplaren
die Scheeren völlig glatt sind, erscheinen sie bei dem
jungen Thiere fein gekörnt. Ich habe früher diese
Granulirung schon als einen Jugendcharakter unserer Art
angeführt.
Verbreitung: Indischer Ocean, Malayischer Archipel,
Japan, Stiller Ocean, Neu-Caledonien.
86a. Eriphia laevimana, var.: Smithii Mac Leay.
Eriphia laevimana, var.: Smithii, Hilgendorf, Monats-
ber. Berliner Akad. 1878, p. 797. — Miers, Annais and
Mag. of Nat. History, 1880, p. 13. —
Ich bringe zu dieser Varietät und also nicht zu
Eriphia scabricida Dana, 1. zwei junge Männchen von
der Ijasel Edam, 2. ein grösseres und vier jüngere Männ-
chen von der Insel Noordwachter. Der Cephalothorax
dieser Individuen stimmt nämlich in allen Merkmalen
mit den zwei erwachsenen Exemplaren der typischen
laevimana überein, während ber Eriphia scabricula die
Stirnlappen ungezähnt sein sollten, wie auch die Ränder
der Augenhöhlen. Bei dem grossen Männchen der Insel
Noordwachter, dessen Cephalothorax 40 mm. breit ist, ist
die grössere Scheere auch vollkommen glatt, die kleinere
dagegen auf der Aussenfläche mit ziemlich spitzen
Höckerchen bedeckt, welche theilweise zu Längsreihen
328 Dr. J. Gr. de Man:
angeordnet sind und zwischen welchen die Oberfläche
fein gekörnt erscheint. Bei den übrigen jüngeren Männchen,
bei welchen die Breite des Rückenschildes von 10—23 mm.
variirt, sind die beiden Scheeren an ihrer ganzen
Aussenseite, am Ober- wie auch am Unterrande mit
ziemlich scharfen, kegelförmigen Körnchen bedeckt,
zwischen welchen die Oberfläche des Handgliedes kurze
Härchen trägt. Auch die Carpalglieder zeigen dieselbe
Sculptur. Auch Dana bestimmte Exemplare aus der
Südsee als Eriphia SmitJiü.
Verbreitung: Eriphia laevimana, var. SmitJiH findet
sich von der Ostküste Afrika's, den ganzen Indischen
Ocean hindurch, bis zu Neu-Gluinea, ja nach Hilgendorf
sogar bis zu den Tonga-Inseln.
Gattung Neptunus de Haan.
87. Neptunus pelagicus L.
Nep)timiis pelagicus, A. Milne Edwards, Archives du
Museum, T. X, p. 320.
Vier Exemplare von Amboina und drei sehr junge
von der Insel Noordwachter.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Malayi-
scher Archipel, Stiller Ocean.
88. Neptunus sanguinolentus Herbst.
Neptunus sanguinolentus, Herbst, A. Milne Edwards,
Archives du Museum, X, p. 319.
Zwei junge Exemplare von Amboina und ein sehr
junges von der Insel Noordwachter.
Verbreitung: Indischer Ocean, Japan, Australien,
Sandwich-Inseln.
89. Neptunus Brockii n. sp.
Taf. Xm Fig. 4.
Zwei Männchen von Amboina.
Diese Art ist Neptunus tuberculosus A. M. Edw. von
den Sandwich -Inseln am meisten verwandt und stimmt
Decapoden und Stomatopoden. 329
im äusseren Habitus am meisten mit dieser Form über-
ein. Sie unterscheidet sich aber durch den Bau der
Stirn, deren zwei Mittelzähne ausserordentlich
klein sind und weniger hervorragen als die an-
grenzenden Zähne des zweiten Paares und durch
die gänzliche Abwesenheit von Zähnen oder
Stacheln auf den Scheeren. Durch das letzte Merkmal
weicht Neptunus Brockii überhaupt von allen anderen
Neptunus - Arten ab.
Was den äusseren Habitus betrifft, stimmt unsere
Art, wie ich schon sagte, fast gänzlich mit Nepüums
tubercLilosas (Archives du Museum, T. X, PL XXXI, Fig. 5)
überein. Der Cephalothorax ist sehr abgeflacht und
durch zahlreiche, mit einem kurzen Tomente bedeckte
Furchen in viele Felder getheilt; diese Felder ragen
ziemlich stark hervor und die zwei Felder, in welche
die Eegio cardiaca anterior durch eine Längsfurche ge-
theilt ist, erheben sich sogar zu stumpfen Höckern. Die
Felder sind mehr oder weniger stark granulirt, durch
zahlreiche runde, punktförmige Körnchen. Die wenig
vorspringende Stirn ist sechszähnig, aber die zwei Mittel-
zähne sind ausserordentlich klein und rudimentär
und ragen so wenig hervor, dass die Stirn auf
den ersten Blick nur vierzähnig erscheint. Dennoch
werden die Mittelzähnchen durch einen kaum bemerk-
baren Einschnitt von einander getrennt. Die Zähne des
zweiten Paares sind normal entwickelt, ragen etwas mehr
hervor als die Mittelzähnchen und als die Zähne des
dritten Paares, welche die inneren Augenhöhlenecken
darstellen. Sie sind aber, wie die letzteren, stumpf
abgerundet. Die oberen, ein wenig gekörnten Augen-
höhlenränder sind ungezähnt und^ tragen zwei Fissuren;
die unteren zeigen eine kleine Fissur gleich unter der
äusseren Augenhöhlenecke und sind glatt, nicht gekörnt.
Die Epistomplatte, welche die inneren Antennen von ein-
ander trennt, ragt ein wenig vor der Stirn hervor, wie
bei Nept. hastatoides. Die vorderen Seitenränder sind
bedeutend länger als die hinteren und mit neun Zähnen
330 Dr. J. G. de Man:
besetzt, von welchen der erste die äussere Augenhöhlen-
ecke bildet. Diese Zähne sind wenig scharf, einige
sogar stumpf, und sie sind abwechselnd ein wenig
grösser und kleiner; der fünfte ist etwas stärker als die
vorhergehenden und als die folgenden, und der letzte Zahn
stellt sich als ein spitzer, quer nach aussen und ein wenig
nach vorn gerichteter Stachel dar, welcher, mit dem von
anderen Arten verglichen, nur kurz erscheint, gleich wie
bei taberculosus. Die hinteren Ecken des hinteren Seiten-
randes ragen zwar ein wenig nach aussen und
nach oben hervor, aber sie erscheinen stumpf und
nicht scharf, wie bei tuhereulosus der Fall ist.
Beim Männchen ist das zwischen den Vorderfüssen
gelegene erste Sternalsegment theilweise gekörnt, und
auch die beiden folgenden Glieder erscheinen an ihren
Vorderrändern granulirt; nach hinten zu sind sie glatt,
wie die folgenden Segmente. Das Abdomen des Männ-
chens hat ungefähr dieselbe Form wie bei Nej^timus
taherculosus.
Die Vorderfüsse sind beinahe von gleicher Grösse,
der rechte ist bei beiden Exemplaren der grössere. Sie
sind kräftig, kurz, von plumper Gestalt und sehen denen
von tuberculosus ähnlich. Die Brachialglieder tragen
nur zwei kurze scharfe Dornen am Vorderrande,
einen am proximalen Ende, einen zweiten in der Mitte;
bei beiden Exemplaren beobachte ich aber zwischen
dem letztgenannten Dorne und dem distalen Ende noch
einen kleinen, gekörnten Höcker am Vorderrande, der
aber nicht zu einem Dorn entwickelt ist. Die Oberfläche
des Brachialgliedes ist stellenweise fein gekörnt, mit
ähnlichen, feinen, runden Körnchen, wie sie auf dem
Rückenschilde vorkommen. Der Hinterrand des
Gliedes trägt, wie bei tuhereulosus, nur einen ein-
zigen, kurzen Dorn am distalen Ende. Das Carpal-
glied und die Scheere sind, wie das Armglied, oben
sehr abgeflacht und stellenweise gekörnt; das Carpal-
glied trägt einen scharfen Dorn an der inneren Ecke und
einen viel kleineren am scharfen Aussenrande. Das
Decapoden und Stomatopoden. 331
Handglied ist ganz unbewehrt und trägt keine
Dornen; nur am Carpalgelenke und an der Basis des
beweglichen Fingers, wo bei anderen Arten ein Dorn
steht, beobachtet man hier einen sehr kleinen, wenig
vorspringenden Höcker. Auch die innere Fläche der
Scheeren ist fein gekörnt und die Körnchen nehmen
nach dem unteren Rande hin an Grösse und Zahl ein
wenig zu; die äussere und untere Fläche ist glatt und
trägt nur eine wenig vorspringende, fein gekörnte Längs-
leis tenahe und parallel mit der oberen Fläche des Gliedes.
Der bewegliche Finger trägt oben drei Längsreihen von
Körnchen und ist bei der rechten, etwas grösseren Scheere
an der Basis mit einem Höckerzahne versehen, der an
dem beweglichen Finger der linken Scheere fehlt. Beide
Finger sind sonst auf die gewöhnliche Weise gezähnt.
Die übrigen Füsse stimmen ganz mit denen von Nejn.
taherculosus überein; wie bei dieser Art sind die Mero-
poditen der Schwimmfüsse kaum länger als breit, und
am Hinterrande unbewehrt.
Die Oberfläche des Rückenschildes und der Füsse
ist stellenweise mit einem kurzen Tomente bedeckt.
Die Breite des Rückenschildes (d. h. die Entfernung
der Spitzen der letzten Seitenzähne desselben) beträgt
bei dem grösseren Exemplare 30 mm., die Länge 17 mm.
Weil die Unterschiede offenbar sehr gering sind, und
weil Nej)t. tuberculosus nach einem sehr jugendlichen
Exemplare aufgestellt worden ist, so ist es immer noch
möglich, dass die Unterschiede dem verschiedenen Alter
zugeschrieben werden müssen, und dass beide Arten
identisch sind.
Gattung Acheloiis de Haan.
90. Achelous granuiatus, M. Edw.
ÄcheloHs granuiatus j Milne Edwards, Archives du
Museum, T. X, p. 344.
Ein Weibchen von Amboina.
332 Dr. J. G. de Man:
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Ma-
layischer Archipel, Stiller Ocean (Fidschi -Inseln, Neu-
Caledonien).
Gattung Scylla de Haan.
91. Scylla serrata Forsk.
Scylla serrata, Forskal, A. Milne Edwards, Archives
du Museum, T. X, p. 349.
Ein Weibchen von der Insel Edam.
Verbreitung: Vom Rothen Meere bis zu den Küsten
von China, Japan, Neu-Caledonien und Neu-Seeland.
Gattung Thalamitoides A. M. Edw.
92. Thalamitoides quadridens, A. M. Edw.
Thalamitoides quadridens^ A. Milne Edwards, Nou-
velles Archives du Museum, T.V, p. 147, PI. VI, Fig. 8 — 15.
Ein junges Männchen von Amboina.
Die Entfernung der äusseren Augenhöhlenecken be-
trägt nur IOV2 nim.
Verbreitung: Diese seltene Art wurde an den Küsten
von Madagaskar und an der Insel Upolu gefunden, und
bewohnt also den Indischen Ocean, den Malayischen
Archipel und den Stillen Ocean,
Gattung Thalamita Latr.
93. Thalamita Admete (Herbst) Latr.
Thalamita Admete, A. Milne Edwards, Archives du
Museum, T. X, p. 356.
Vierzehn junge Exemplare (5 5, 9 $) von Pulo Edam
und ein Männchen von der Insel Noordwachter. Die
meisten Weibchen tragen Eier. Wie ich in meiner Arbeit
über die Crustaceen des Mergui Archipels hervorgehoben
habe, ist es sehr schwierig, junge Exemplare von Thala-
mita Admete und von Thalamita Savignyi zu unterscheiden.
Ich rechne unsere Exemplare, von welchen das grösste
Decapoden und Stomatopoden. 333
25 mm. breit ist, zu Admete, 1. weil der abgerundete
Unterrand der Scheeren an der Aussenseite vollkommen
giatt erscheint und nur an der Innenseite einen schmalen
Körnerstreif zeigt, während er bei dem nur 2 mm.
breiteren Individuum der Mergui - Inseln schon deutlich
gekörnt erschien, 2. weil die mittleren Stirnlappen nicht
oder kaum ausgeschweift sind.
Die Oberfläche des Rückenschildes ist behaart und
das Carpalglied der Scheerenfüsse trägt an der Aussen-
fläche drei kleine Stacheln.
Der Cephalothorax des kleinsten, eiertragenden
Weibchens ist kaum 14 mm. breit.
Verbreitung: Indischer und Stiller Ocean.
94. Thalamita prymna Herbst.
Thalamita prymna ^ Herbst, A. Milne Edwards, Ar-
chives du Museum, X, p. 360. — de Man, in: Journal of
the Linnean Soc. of London, Vol. XXII, p. 75.
Fünf meist junge Exemplare von Pulo Edam und ein
sehr junges von Amboina. Alle stimmen vollständig
überein mit den von mir im vorigen Jahre beschriebenen
Individuen der Mergui -Inseln. Sogar bei dem kleinsten
Individuum, dessen Rückenschild kaum 17 mm. breit ist,
findet sich die gekörnte Längsleiste auf der Aussenfläche
der Scheeren, welche bei den von mir im Jahre 1880
beschriebenen und als Vertreter von Thalamita picta auf-
gefassten Exemplaren aus dem Rothen Meere fehlt.
Verbreitung: Indischer Ocean, Malayischer Archipel,
Japan, Neu-Caledonien.
95. Thalamita spinimana Dana.
Thalamita sinnimana, Dana, ^Unit. Stat. Expl. Exp,
Crustaceal, p. 283, PI. XVII, Fig. 8; A. Milne Edwards,
Archives du Museum, T. X, p. 364; de Man, in: Journal
ef the Linnean Society of London, Vol. XXII, p. 77.
Ein Männchen von der Insel Noordwachter.
Der Cephalothorax ist 51 V2 mm. breit. Das Exem-
plar zeigt vollkommen die von mir (a. a. 0.) ange-
334 Dr. J. G-. de Man:
führten Charaktere des Individuums aus dem Mergui-
Archipel, aber der Vorderrand des Armg-liedes der Vorder-
füsse trägt nur vier Stachehi statt fünf, und die geliörnte
Längsleiste, welche bei dieser Art wie bei prymna auf
der Aussenfläche der Scheeren verläuft, erscheint nur als
eine Längsreihe von Körnern.
Verbreitung: Bengalischer Meerbusen, Malayischer
Archipel, Fidschi-Inseln, Neu-Caledonien.
96. Thalamita Danae Stimps.
Thalamita Danae, Stimpson, A. Milne Edwards, Ar-
chives du Museum, T. X, p. 366, PI. XXXVI, Fig. 1;
de Man, in: Journal of the Linnean Soc. of London,
Vol. XXII, p. 78.
Sieben meist erwachsene Exemplare von Pulo Edam,
ein junges Männchen von der Insel Noordwachter und
ein sehr junges von Amboina.
Verbreitung: Indischer Ocean, Malayischer Archipel,
Japan, Neu-Seeland. —
Gattung (joniosonia A. M. Edw.
97. Goniosoma cruciferum F.
Goniosoina cruciferum, Fabricius, A. Milne Edwards,
Archives du Museum, T. X, p. 371. — Dana, Unit. Stat.
Expl. Exp. grustacea I, PI. XVII, Fig. 11.
Zwei sehr junge Männchen von Amboina.
Die Breite des Rückenschildes beträgt bei dem
grösseren 18 Vs mm., die Länge 12% mm.; bei dem
kleineren Individuum sind diese Zahlen I2V4 ^ini. und
91/4 mm.
Verbreitung: Indischer Ocean, Malayischer Archipel,
Japan, Ostküste von Australien.
98. Goniosoma natator Herbst.
Taf. Xm Fig. 5.
Goniosoma natator, Herbst, A. Milne Edwards, Archives
du Museum, T. X, p. 370. — de Haan, Fauna Japonica,
Crust. p. 42, PI. I, Fig. 1 (Charyhdis granulatns).
Decapoden und Stomatopoden. 335
Zu dieser wohlbekannten Art stelle ich zwei sehr
junge Exemplare von Amboina, ein Männchen und ein
Weibchen.
Es stimmen diese Individuen im Wesentlichen völlig
zu mir vorliegenden erwachsenen Exemplaren von natator,
aber die Stirnzähne sind sehr stumpf und noch kaum
von einander getrennt. Das erste oder mediane und
das zweite Paar erscheinen fast quer abgestutzt, das
dritte ist stumpf abgerundet und auch die inneren Augen-
höhlenecken sind stumpf. Ich habe nun aber an einer
anderen Stelle (de Man, in: Journal Linnean Society
of London, Volume XXII) schon gezeigt, dass bei sehr
jungen Exemplaren von Goniosoma merguense ^) die Stirn-
zähne gleichfalls sehr stumpf sind und kaum von ein-
ander getrennt, dass sie aber bei älteren Individuen all-
mählich spitzer erscheinen und durch tiefere Einschnitte
geschieden werden. Ich wage es darum, diese Erschei-
nung auch bei G. natator anzunehmen und unsere Indi-
viduen für junge Exemplare dieser Art zu erklären. Die
ganze Oberfläche des Rückenschildes ist mit einem sehr
kurzen, gelblichen Tomente bedeckt und zeigt schon
sämmtliche bei alten Individuen vorkommende Körner-
linien. Der erste Seitenzahü ist quer abgestutzt, der
zweite stumpf, die folgenden erscheinen allmählich spitzer ;
der sechste oder letzte Zahn ist der kleinste von allen,
was auch bei alten Thieren der Fall ist. Ich muss nun
aber bemerken, dass bei anderen Arten dieser Gattung
der letzte Seitenzahn in der Jugend grösser und länger
erscheint als die vorhergehenden, was bei dem schon ge-
nannten G. merguense und nach Milne Edwards auch bei
G. annulatum der Fall ist. Wie bei alten Exemplaren
ist das Basalglied der äusseren Antennen gekörnt. Die
Füsse zeigen schon sämmtliche Charaktere der erwachsenen
Individuen und es gelingt mir nicht, wesentliche ünter-
^) Es kommt mir sehr wahrscheinlich vor, dass diese Art mit
G. Helleri A. M. Edw. identisch ist, nachdem ich junge Exemplare
der ersteren mit einem alten Ex. der letzteren Art verglichen.
336 Dr. J. G. de Man:
schiede an denselben aufzufinden. Ich habe sie darum
nicht abgebildet.
Der Cephalothorax der beiden Exemplare ist 16 mm.
resp. 13 mm. lang.
Die Stirnzähne und die Seitenzähne sind dunkelroth,
während die Oberfläche des Schildes gelblich erscheint;
die Füsse zeigen dieselbe dunkelrothe Farbe, aber die
äussersten Spitzen der Scheerenfinger und die zwei letzten
Glieder der vier hinteren Fusspaare erscheinen gelblich.
Gattung Carupa Dana.
99. Carupa laeviuscula Heller.
Carupa laeviuscula, Heller, Crustaceen der Novara-
Reise, S. 27, Taf. III, Fig. 2.
Vierzehn, theilweise gänzlich erwachsene Exemplare
von Amboina (7 S, 7 $).
Bei den grössten Individuen ist der Cephalothorax
16 V4 mm. breit und IIV4 nim. lang; bei den eier-
tragenden Weibchen hat er eine Breite von 14 mm.
Nach Heller zeigt die leicht gewölbte Oberfläche des
Rückenschildes keine vorspringende Linien; zu dieser
Angabe muss ich aber bemerken dass sich, wie bei Ca-
Tupa tenuipes, bei den meisten unserer Exemplare an
jeder Seite der Magengegend eine, ein wenig nach vorn
hin gebogene, schwach gekörnte Querlinie beobachten
lässt, welche die Regio hepatica von der Branchialgegend
trennt, und welche nach dem letzten Seitenzahne des
Cephalothorax gerichtet ist. Oefters aber ist diese Linie
nicht sichtbar. Die Stirn ist vierlappig. Die mittleren
Lappen sind schmäler als die äusseren und ragen kaum
ein wenig mehr hervor. Die Vorderfüsse sind etwas un-
gleich bei Männchen und Weibchen. Bei manchen Exem-
plaren beobachtet man am Aussenrande der ein w^enig
abgeflachten oberen Fläche des Handgliedes eine Längs-
reihe von vier oder fünf, mittelst der Lupe wahrnehm-
baren Körnchen, die man am besten in einer Profilansicht
beobachtet; öfters aber fehlen diese Körnchen gänzlich.
Decapoden und Stomatopoden. 337
Cariipa tenuipes Dana soll sich durch eine zwei-
lappige Stirn auszeichnen. Weil der Grad der Aus-
buchtungen, welche die inneren Stirnlappen von den
äusseren trennen, sogar bei unseren Individuen ein wenig
variirt, und wenn w4r bedenken, dass Dana nur ein einziges
sehr junges Exemplar beobachtete, so scheint mir die
Identität unserer Art mit tenuiiies nicht ganz unwahr-
scheinlich.
Verbreitung: Rothes Meer (de Man), Malayischer
Archipel, Tahiti. —
Gattung Capliyra Guerin.
100. Caphyra laevis A. M. Edw.?
Caphyra laevis , A. Milne Edwards, Nouvelles Archives
du Museum, T. IX, p. 173, PL IV, Fig. 2.
Die Sammlung enthält ein eiertragendes Weibchen
einer Caphyra- Art von Pulo Edam, das ich mit einigem
Zweifel zu Caphyra laevis stelle. Milne Edwards hat
diese Art bekanntlich zwei Mal beschrieben. In der
ersten Beschreibung (Nouv. Archives du Museum, T. V,
p. 152), wo er die Art unter dem Namen Goniosoma laeve
in die Wissenschaft einführte, sagte er, dass die Seiten-
ränder mit sechs Zähnen besetzt sind; bei dem Exem-
plare dagegen, das ihm bei der zweiten Beschreibung
vorlag, trug der eine Seitenrand fünf, der andere sechs
Zähne, aber auf der Abbildung sind an jeder Seite nur
fünf Zähne gezeichnet, von welchen der vorletzte der
kleinste ist.
Bei dem vorliegenden Weibchen nun tragen die
Seitenränder fünf Zähne, von welchen der erste die
äussere Augenhöhlenecke bildet. Die drei ersten Zähne
sind fast gleich und nehmen nur wenig an Grösse ab,
der vierte Zahn dagegen ist ausserordentlich
klein und der letzte ist zwar etwas grösser als der
vierte, aber kleiner als der dritte. Bei Caphyra laevis
Arch. f. Naturgesch. 53. Jahrg. Bd. I. 22
338 Dr. J. G. <ie Man:
soll die ganze obere Fläche des Rückenschildes glatt sein
und die Magengegend keine Querlinie tragen: bei unserem
Weibchen trägt dagegen die Magengegend eine kurze,
in der Mitte unterbrochene, sehr feine Körnerlinie, die
quer in der Mitte verläuft. Betrachtet man nun die
obere Fläche des Rückenschildes mittelst einer starken
Lupe, so erscheint der vor dieser Körnerlinie gelegene
Theil der Regio gastrica, sowie die Regio hepatica
äusserst fein gekörnt, der grössere hinter der ge-
nannten Körnerlinie gelegene Theil der oberen Fläche da-
gegen glatt und glänzend. Auf der Epigastricalgegend
und an den oberen Augenhöhlenrändern ist diese Granu-
lirung minder deutlich, auf den Stirnzähnen aber wieder
vorhanden. Die Stirn ist achtzähnig, die inneren Augen-
höhlenecken mitgerechnet; die Zähne verhalten sich wie
bei Cap/iT/ra laevü. Die Zähne des dritten Paares sind
ein wenig schmäler und spitzer als die vier Mittelzähne.
Wie bei laevis, zieht auf jeder Branchialgegend eine
Querlinie von dem letzten Seitenzahne nach innen; diese
Querlinien begegnen einander auf der Mitte der Regio
mesogastrica aber nicht. Auch die Subhepatical- und
die Pterygostomialgegend sind äusserst fein gekörnt.
Der linke Vorderfuss ist ein wenig grösser als der
rechte. Die Scheerenfüsse verhalten sich ganz wie bei
C. laevis^ aber die Brachialglieder sind am Vorderrande
mit drei bis vier Zähnen bewehrt; der auf dem Ober-
rande des Handgliedes stehende Zahn erscheint auf der
kleineren Scheere scharf, auf der grösseren stumpfer.
Auch die übrigen Fusspaare stimmen mit denen von
laevis vollkommen überein.
Der Cephalothorax ist 6V3 mm. breit und 4^/3 mm.
lang. Bei Caphyra octodentata Hasw. tragen die Vorder-
füsse mehr Stacheln und Zähne, während die Seitenränder
nur vierzähnig sind.
Wenn unsere Art von Caphyra laevis verschieden
sein sollte, so schlage ich den Namen Caphyra ^emi"
qranosa vor, —
Decapoden mid Stomatopoden. . 339
Gattung Groniocapliyra 11. gen.
Bekanntlich unterscheidet sich* die Gattung Caphyra
Guer. von allen anderen Portunidengruppen durch die Ge-
stalt der Endglieder des letzten Fusspaares, die nicht blatt-
förmig verbreitert sind und zum Schwimmen eingerichtet,
sondern sich verhalten wie an den anderen Füssen. Ich
schlage nun den Namen Goniocaphyra für eine neue Art
vor, welche in dem genannten Merkmale des letzten
Fusspaares mit der Gattung Caphyra übereinstimmt, sich
aber durch einige Charaktere auszeichnet, welche ihr
einen anderen Habitus verleihen. Der Cephalothorax ist
verhältnissmässig breiter als bei den Caphyra-Arten und
die äusseren Antennen verhalten sich ungefähr wie bei
der Gattung Carupa. Das Basalglied schiebt nämlich
keinen Fortsatz in die innere Lücke der Orbita hinein,
durch welche die Geissei von der letzteren ausgeschlossen
wird, wie bei der Gattung Caphyra der Fall ist, sondern
das Basalglied verschliesst die Lücke nur theilweise und
die Geissei ist von der Orbita nicht ausgeschlossen. Die
Scheerenfüsse schliesslich sind langgestreckt und haben
ein ganz anderes Aussehen als bei der Gattung Caphyra.
101. Goniocaphyra truncatifrons, n. sp.
Taf. XIV Fig. 1.
Ein Männchen von der Insel Noordwachter.
Der Cephalothorax dieser merkwürdigen Art ist
ziemlich stark verbreitert und etwas mehr als andert-
halbmal so breit als lang. Die obere Fläche des Rücken-
schildes ist schwach gewölbt von vorn nach hinten und
auch ein wenig nach den Seiten hin; sie wird nicht
durch Furchen in Felder getheilt, mit Mühe bemerkt
man eine Andeutung der die Magengegend von der Regio
cardiaca trennenden Querfurche, so wie eine Spur einer
medianen Stirnfurche. Die obere Fläche ist glatt,
glänzend und unbehaart, mit Ausnahme der
H e p a t i c a 1 g e g e n d e n , die gekörnt sind. Diese
22*
340 I>r- J- ^ de Man:
Körnchen sieht man sogleich bei schwacher Lupen-
vergTÖsserung. Bei Anwendung einer stärkeren Lupe
erscheint auch die Stirn theilweise sehr fein gekörnt;
diese feine Granulirung verschwindet aber allmählich,
auf der Magengegend und auf der hinteren Hälfte des
Eückenschildes fehlt sie gänzlich und man beobachtet
hier dagegen eine sparsame, äusserst feine Punktulirung.
Die wenig vorstehende Stirn misst ein Viertel der
grössten Breite des Rückenschildes und ist durch einen
kleinen, seichten, dreieckigen Ausschnitt in zwei gerade
abgestutzte Lappen getheilt, die nach aussen hin
continuirlich in die oberen Augenhöhlenränder übergehen,
mit den Superciliarabschnitten derselben sehr stumpfe
Winkel bildend. Der Stirnrand erscheint, wie die oberen
Augenhöhlenränder, glatt, ungezähnt und unbehaart, und
die letzteren tragen keine Fissuren. Bei den
Arten der Gattung Caphyra dagegen sind die oberen
Augenhöhlenränder mit einem oder zwei Einschnitten
versehen. Die vorderen Seitenränder sind ungefähr so
lang als die hinteren und mit sechs Zähnen besetzt,
von welchen der erste die äussere Augenhöhlenecke
bildet. Die fünf ersten Zähne stellen sich als dreieckige,
mit der wenig scharfen Spitze nach vorn gerichtete
Läppchen dar, welche nach hinten zu allmählich ein
wenig an Grösse zunehmen. Im Gegensatze zu den fünf
ersten Zähnen ist der letzte Seitenzahn stachel-
förmig und mit einer dunklen scharfen Spitze
versehen. Der Aussenrand dieses Zahnes setzt sich
als ein äusserst fein gekörnter Kiel auf die hinteren
Seitenränder fort.
Die Antennen verhalten sich wie bei der Gattung
Carupa. Das Basalglied der äusseren ist klein, ver-
schliesst die innere Lücke der Orbita nur theilweise und
zeigt keinen Fortsatz; die Geissei, welche ein wenig
länger ist als die Stirn, ist also von der Orbita nicht
ausgeschlossen. Der untere Rand der Orbita zeigt auch
keine Einschnitte, ist aber gekörnt; ein kleiner, stumpfer
Decapoden imrl Stomatoporlen. 341
Zahn liegt auf der Mitte dieses Randes und der Innen-
lappen ist etwas grösser, dreieckig, mit stumpfer Spitze
und wenig vorstehend. Die unteren Seitenflächen sind
auf der grösseren, oberen Hälfte gekörnt und die grössten
Körnchen liegen auf der Regio subhepatica. Das Prä-
labialfeld trägt an jeder Seite eine schwache Längsleiste,
welche aber an dem Rande des glatten Epistomes keinen
Zahn bildet. Die äusseren Kieferfüsse sehen aus wie
bei Carnpa und Caphyra; das zweite Glied trägt die
gewöhnliche Längsfurche und der Vorderrand des dritten
Gliedes ist abgerundet. Das Abdomen des Männchens
sieht ungefähr aus wie bei der Gattung Carupa; das
dritte, vierte und fünfte Glied sind mit einander ver-
wachsen, das sechste ist trapezförmig und die Breite
seines Hinterrandes ist zweimal so gross als die Länge
des Gliedes beträgt; das Endglied stellt sich als ein
gleichschenkeliges Dreieck dar, und ist fast anderthalb-
mal so lang als breit am Hinterrande. Sternum und
Abdomen sind glatt, hie und da äusserst fein punktirt.
Die Scheerenfüsse sind verlängert, ein wenig ungleich
und haben ein ganz anderes Aussehen als bei der Gattung
(-'aphyra'j der linke ist ein wenig grösser als der rechte.
Die Scheerenfüsse sind etwas mehr als andert-
halbmal so lang als die Breite des Rückenschildes
beträgt. Das Brachialglied ist dreiseitig und ragt
grösstentheils über die Seitenränder des Rückenschildes
hinaus. Die obere Seitenfläche, welche an der Basis ein
wenig ausgehöhlt ist, erscheint bei starker Lupen-
vergrösserung hie und da fein gekörnt; auch die untere
Fläche zeigt eine geringe Granulirung nach dem Vorder-
rande hin. Der obere Vorderrand des Brachialgliedes
ist deutlich gekörnt und ist ein Wenig vor dem distalen
Ende mit einem spitzen Stachelzahne bewehrt; ein wenig
hinter der Mitte des Randes beobachtet man an dem
rechten (kleineren) Scheerenfüsse noch einen zweiten,
etwas kleineren Stachelzahn, der am Armgliede des
linken Fusses an derselben Stelle durch ein ein wenig
342 Dl'. J- tr. de Man:
grösseren Korn ersetzt ist. Auch der untere Vorderrand
ist fein gekörnt. Carpalglied und Scheere sind zusammen
ungefähr so lang wie die Breite des Rückenschildes be-
trägt. Das kurze Carpalglied ist glatt und ganz unhewehrt,
auch die innere Ecke ist stumpf. Das Handglied ist
walzenförmig, oben, aussen, unten und innen abgerundet,
verjüngt sich ein wenig nach dem distalen Ende hin und
ist völlig glatt und unbewehrt. Die Scheerenfinger
sind sehr schlank, schliessen ihrer ganzen Länge entlang
gegen einander, sind am grösseren Scheerenfusse genau
so lang wie das Handglied, an der kleineren Scheere
sogar ein wenig länger und verjüngen sich allmählich
nach den etwas gebogenen, sehr scharfen Spitzen hin,
die einander kreuzen. Die Finger sind an der Aussen-
seite schwach längsgefurcht, sonst glatt, und an den
Innenrändern gezähnt: am unbeweglichen Finger stehen
vier grössere, durch Zwischenräume von einander ge-
trennte, dreieckige, nach vorn hin an Grösse zunehmende,
scharfe Zähne und zwischen diesen Zähnen stehen noch
einige kleinere, übrigens ähnlich gebildete Zähnchen.
Aehnliche Zähnchen stehen an dem beweglichen Finger;
sie sind hier aber niedriger und nicht so scharf. An
der Innenseite der beiden Finger beobachtet man drei
oder vier feine Härchen, durch Zwischenräumen von ein-
ander getrennt.
Die übrigen Füsse sind schlank und weichen von
denen der Gattung Caphyra durch ihre längeren End-
glieder ab. Die einzelnen Glieder sind glatt, nur er-
scheinen die Schenkelglieder am Oberrande an der Basis
ein wenig gekörnt. Die Endglieder sind ungefähr
so lang wie die Propoditen, stark zusammengedrückt,
lanzettförmig und an den Rändern behaart. Die übrigen
Glieder tragen hie und da einige feine Haare, besonders
an den Propoditen.
Das Exemplar hat eine gelbliche Farbe, die Scheeren-
finger sind röthlich, am distalen Drittel dunkelbraun.
Die grösste Breite des Rückenschildes beträgt lOV^mm.,
seine Länge GV^ mm. —
Decapodeu und Stomatopoden. 343
Gattung' Eraussia Dana.
102. Kraussia rugulosa Krauss.
Taf. XIV Fig. 2.
Plaiyonii'hus nigulosus, Krauss, die Südafrikanischen
Crustaceen, 1843, S. 26, Taf. I, Fig. 5.
Kraussia rugulosa^ Dana, Unit. Stat. Expl. Exp. Cru-
stacea I, p. 302,"^ PI. XIX, Fig. 1.
Auf der Insel Noordwachter wurde ein erwachsenes
Männchen dieser seltenen Art aufgefunden-^ Ich stellte
es zu der von Krauss zuerst beobachteten rugulosa von
der Natalküste, jedenfalls gehört es zu der von Dana
abgebildeten Form. Ich gebe eine neue Abbildung dieser
merkwürdigen Art, weil die von Krauss und Dana ge-
gebenen Abbildungen nach bedeutend kleineren Exem-
plaren gezeichnet worden sind. Das einzige von Krauss
beobachtete Männchen hatte nur eine Breite von 8 mm.,
das von Dana aufgefundene war 13 mm. breit, das Noord-
wachter Männchen dagegen ist fast 21 mm. breit. Die
geringen Unterschiede welche das vorliegende Männchen
von der Krauss'schen Beschreibung zeigt, dürfen darum
ohne Zweifel dem verschiedenen Alter zugeschrieben
werden.
Hinter der stachelförmigen, äusseren Augenhöhlen-
ecke sind die vorderen Seitenränder mit vier kurzen
scharfen Stachelzähnen bewehrt; zwischen diesen Zähnen
stehen aber noch mehrere kleinere Zähnchen und zwar
drei bis vier zwischen zwei auf einander folgenden. Die
Ränder der Stirn und der Augenhöhlen verhalten sich
gänzlich wie auf der Dana'schen Abbildung. Die Vorder-
füsse sind ein wenig ungleich, weil der rechte etwas
stärker ist. Die Finger klaffen stark. Der bewegliche
Finger der rechten Seheere ist mit einem kleinen, kegel-
förmigen Zahne nahe der Basis besetzt, der der linken
Seheere erscheint beinahe unbewehrt; der unbewegliche
Finger ist an der rechten Seheere mit einem etwas
grösseren Zahne besetzt als an der linken und trägt vor
344 -Dl"- J- G' ^^ß ^i-^n:
und hinter diesem Zahne an beiden Scheeren noch ein
viel kleineres Zähnchen. Die ganze Aussenseite des
Handgliedes ist mit querverlaufenden Körnerlinien besetzt.
Der Cephalothorax ist 20^4 mm. breit und I7V2 mm. lang.
Verbreitung: Von der Natalküste bis zu den Sand-
wich-Inseln.
Gattung Pleurophriciis A. Milne Edw.
103. Pleurophricus spinipes n.sp.
Taf. XV Fig. 1.
Ein Männchen von Amboina.
Die Gattung Pleurophricus wurde im Jahre 1874 von
A. Milne Edwards errichtet für eine Art von Neu-Holland
(Journal des Museum Godeffroy, Heft IV, S. 8, T. 12,
Fig. 6) und von ihm zu der Gruppe der Oxystomata ge-
rechnet. Miers dagegen vermuthet, dass diese Form zu
den Oxyrhynchen zu stellen sei (Journal Linnean Soc.
Vol. XIV, 1879, p. 660). Die Untersuchung der vor-
liegenden, neuen Art, welche ohne Zweifel zu dieser
selben Gattung Pleurophricus gerechnet werden muss,
macht es mir sehr wahrscheinlich, dass die Verwandt-
schaft dieser Formen zu den Corystoideen grösser ist
als zu irgend einer anderen Brachyurengruppe. Im all-
gemeinen Habitus nicht allein, sondern auch in dem Bau
der Antennalregion und der äusseren Kieferfüsse zeigen
die Pleurophricus - Arten viele Uebereinstimmung mit
manchen Corystoideen {Gomeza, Ilypopeltarkmi, Telmessus)^
obgleich sie von allen diesen Formen durch das sehr
verbreiterte Sternum abweichen.
Der Cephalothorax von Pleurophricus spinipes hat
eine trapezförmige Gestalt, die grösste Breite übertriift
ein wenig die Länge und er ist abgeflacht und dünn.
Seine obere Fläche wird durch ziemlich tiefe Furchen und
Vertiefungen in die gewöhnlichen Felder getheilt, welche
sich zu kleinen, stumpfen Höckern erheben. Die Eegio
gastrica trägt in der Mitte, wie bei PL cristatipes^ drei in
einem Dreieck angeordnete Höckerchen; vor diesen stehen
auf jedem Protogastricalfelde zwei Höcker neben einander
Decapoden iiinl Stomatopoden. 345
und hinter ihnen beobachtet man zwei andere ganz nahe
der Cervicalfurche, welche aber bedeutend kleiner sind
als die übrigen. Die vordere Branchialgegend trägt zwei
und die angrenzende, mittlere vier Höcker; von diesen
sechs Höckern sind die drei inneren schwächer und
kleiner als die äusseren. Die Regio cardiaca ist ver-
hältnissmässig gross und wird durch eine Querfurche in
eine vordere kleinere und eine hintere grössere Hälfte
getheilt; die erstere trägt vier in einer Querreihe neben
einander gestellte Höcker, und hinter jedem der beiden
mittleren steht noch ein Nebenhöcker. Die hintere
Cardiacalgegend erhebt sich zu drei Höckern, welche
gleichfalls in einer Querreihe neben einander stehen.
Mit Ausnahme der glatten Furchen und Vertiefungen,
welche die einzelnen Felder und Höcker von einander
trennen, ist die obere Fläche des Rückenschildes mit kurzen
Härchen bedeckt. Leider bin ich nicht im Stande, die
Stirn zu beschreiben, weil sie bei dem einzigen Exem-
plare abgebrochen ist. Was noch von ihr übrig ist,
habe ich abgebildet. An der rechten Seite sieht man
die Stirn in einen stumpfen, abgerundeten Zahn auslaufen,
an der linken Seite ist noch ein Zahn zu sehen, der in
zwei spitze Zähnchen ausläuft und ein wenig niedriger
liegt als der erstgenannte, stumpfe Zahn. Wahrscheinlich
ragt also die Stirn nicht über das zweite Stielglied der
äusseren Antennen hinaus.
Die Augenhöhlen sind verhältnissmässig gross und
nach vorn gerichtet. Die innere Ecke des oberen Augen-
höhlenrandes stellt sich als ein stumpfer, wenig vor-
ragender Zahn dar. Der obere Augenhöhlenrand zeigt zwei
dreieckige Einschnitte, die durch einen zweihöckerigen
Zahn geschieden sind; zwischen^ der inneren Ecke des
Randes und dem inneren Einschnitte trägt der Rand
zwei und zwischen dem äusseren Einschnitte und dem
spitzen, nach vorn gerichteten Extraorbitalzahne drei
sehr kleine Höckerchen. Der untere Augenhöhlenrand
ragt ein wenig mehr nach vorne hervor als der obere;
auch er zeigt, nicht weit vom Extraorbitalzahne, einen
346 I>r. J- ^T. fle Man:
spitzen Einschnitt, dessen Aussenecke in ein spitzes
Zähnchen ausläuft. Die innere Ecke des unteren Augen-
höhlenrandes bildet ein spitzer Zahn und zwischen diesem
Zahne und dem genannten Einschnitte stehen noch drei
grössere und zwei kleinere, gleichfalls sehr spitze Zähne.
(Fig. la.)
Die Seitenränder des Rückenschildes sind an der
vorderen Hälfte convex nach aussen gebogen und diver-
giren in der hinteren ein wenig nach hinten. Hinter
dem spitzen Extraorbitalzahne sind sie, ihrer ganzen
Länge entlang, mit elf oder zwölf Zähnen besetzt, von
welchen die vier vorderen grösser als die hinteren und
schräg nach vorn und nach aussen gerichtet sind. Der
dritte Seitenzahn ist der grösste von allen; der zweite
ist kleiner und mit dem dritten an der Basis verwachsen,
der erste und der vierte zeigen dieselbe Grösse. Der
Hinterrand des Cephalothorax ist fast so breit wie die
Entfernung der beiden Extraorl)italzähne , erscheint
schwach gebogen, wobei die Convexität nach hinten ge-
richtet ist, und ist mit 21 oder 22 spitzen Zähnchen besetzt.
Die Augen tragen am Oberrande und zwar auf dem
Einschnitte, den die Cornea zeigt, zwei stumpfe, zahn-
förmige Höckerchen. Die äusseren Antennen sind
ungefähr halb so lang wie der Cephalothorax; das Basal-
glied ihres Stiels steht in der inneren Augen-
höhlenspalte, das zweite Glied ist ungefähr so lang
wie das erste, das dritte ein wenig länger und die
Geissei trägt einige Härchen (Fig. la). Die inneren
Antennen liegen ein wenig schräg. Das Epistom ist
sehr kurz und ragt in der Mitte dreieckig zwischen die
inneren Antennen hervor. Der Vorderrand des Mund-
rahmens, welcher von den äusseren Kieferfüssen wahr-
scheinlich nicht vollkommen geschlossen wird, weil es
mir scheint, dass sie zwischen sich und dem Vorderrande
einen Raum frei lassen, trägt in der Mitte zwei kleine,
spitze Zähnchen. Die Seitenränder des Mundrahmens
laufen an ihrem Vorderende in einen spitzen, nach vorn
gerichteten Zahn aus. Die äusseren Kieferfüsse gleichen
Decapoden und Stomatopoden. 347
denen von Pleurophrlcus cristatipe^. Das zweite Glied ist
bedeutend grösser als das dritte und zeigt in der Mitte
eine Längsfurclie, welche bei crisfatipes zu fehlen scheint;
auch ragt die stumpf abgerundete, innere Vorderecke
mehr nach vorne hervor als bei der von Milne Edwards
beschriebenen x\rt. Die kurz lind sparsam behaarten
Pterygostomialfelder zeigen in der Mitte eine gebogene,
rinnenförmige Vertiefung, welche von der vorderen
Aussenecke des Mundrahmens nach dem Einschnitte
zwischen den beiden ersten Anterolateralzähnen hinzieht;
der zwischen dieser Vertiefung und dem Seitenrande des
Mundrahmens gelegene Theil der Pterygostomialgegend
erscheint nach vorn hin fein gekörnt. Das Sternum
ist sehr verbreitert und erscheint fast kreisförmig,
seine obere Fläche ist völlig glatt und nur sparsam fein
punktirt. Die Gestalt des Abdomens des Männchens ist
aus der Abbildung zu sehen (Fig. Ib); mit Ausnahme des
Endgliedes sind sämmtliche Glieder verwachsen, obgleich
die Nähte noch schwach sichtbar sind. Das siebente
oder Basalglied erhebt sich zu einem gebogenen Quer-
wulste, welcher mit dem gezähnten Hinterrande der
oberen Fläche des Rückenschildes parallel läuft, sodass
seine Convexität gleichfalls nach hinten gerichtet ist. Das
Abdomen ist glatt, sparsam sehr fein punktirt und am
Basalgliede ein wenig behaart.
Von den Vorderfiissen ist nur noch einer vorhanden.
Ich vermuthe, dass sie von gleicher Grösse sind, weil
dies auch bei Flevropkrkus cristatipes der Fall ist. Der
noch vorhandene Vorderfuss aber ist verhältnissmässig
viel kleiner und schwächer als bei der A'on Milne
Edwards beschriebenen Form. Das Brachialglied ist am
Vorderrande mit zwei oder drei Spitzen Zähnen besetzt;
der Oberrand trägt eine Längsreihe von sehr kleinen
Stachelchen und an ihrem distalen Ende läuft jeder der
drei Ränder noch in einen grösseren Stachel aus. Die obere
Fläche des Carpalgliedes ist mit fünf spitzen Zähnchen
besetzt und der Aussenrand derselben erhebt sich zu
einem abgerundeten Kamm. An der kleineren Scheere
348 Dl*. J- G. de Man:
erscheinen die Finger ungefähr so lang wie das Hand-
glied, welches an seiner Aussen- und an seiner Innen-
fläche vollkommen glatt ist, was auch mit dem abgerundeten
Unterrande der Fall ist, während am Oberrande einige
stumpfe Höckerchen in zwei Längsreihen stehen. Die
Finger sind ihrer ganzen Länge nach ausgehöhlt und
tragen keine Zähne, sondern nur einige Härchen an den
Innenrändern.
Während die vier hinteren Fusspaare bei Plenro-
phricus cristatipes alle ungefähr dieselbe Grösse zeigen,
erscheinen bei der neuen Art die zwei mittleren Paare
grösser, länger und kräftiger als das erste und das vierte
Paar. Die Basalglieder tragen spitze Stacheln. Wie bei
cristatipes sind die Schenkelglieder verbreitert und wie
die folgenden Glieder stark zusammengedrückt. Die
beiden Ränder sind mit einigen spitzen Stacheln bewehrt
und am distalen Ende des Oberrandes steht ein stumpfer,
comprimirter Höcker; die obere Fläche dieser Glieder des
ersten und letzten Fusspaares trägt eine Längsreihe von
spitzen Stachelchen, während die Schenkelglieder der
zwei mittleren Fusspaare zwei Längsreihen tragen. Die
Carpalglieder tragen auf ihrer oberen Fläche eine Längs-
reihe von spitzen Stachelchen, ihr Vorderrand ist mit
drei Stacheln bewehrt, von welchen der mittlere viel
kleiner ist wie die beiden anderen und der Hinterrand
läuft am distalen Ende in ein kurzes Stachelchen aus.
Die Propoditen sind etwas länger als die Carpalglieder,
ihr Vorderrand trägt vier bis sechs spitze Stachelchen
und zwei oder drei kleinere finden sich am Hinterrande.
Die Klauenglieder sind etwas mehr als halb so lang wie
die Propoditen, oval, zugespitzt und an beiden Rändern
mit spitzen Stachelchen bewehrt. Die Füsse sind an
den Rändern mit schön gefiederten Haaren besetzt. Die
grösste Breite des Rückenschildes, d. h. die Entfernung
der beiden grössten Seitenzähne der Seitenränder beträgt
8^/3 mm. und die Länge 7 mm. Was ihre geringe Grösse
betrifft, stimmt unsere Art also mit Pleiirophricns cristatipes
üb er ein.
Decapoden uiifl Stomatopodeii. 349
Gruppe Catometopa.
Gattung- Carcinoplax M. Edw.
104. Carcinoplax setosus, A. M. Edw.
Careino2}la.T setosus, A. Milne Edwards, Nouvelles
Archives du Museum, T. IX, pag. 267, PL XII, Fig. 2.
Ein Männchen und zwei eiertragende Weibchen von
der Insel Noordwachter.
Der Cephalothorax des Männchens ist 9V4 mm. breit,
der des kleineren Weibchens 8% nim. Die grössere
Scheere des Männchens ist nur am Oberrande des Hand-
giiedes und am Carpalgelenke behaart, während der
grössere Theil der Aussenseite glatt ist. Nach Milne
Edwards soll sie am Unterrande fein gekörnt sein; ich
finde die Scheere auch hier glatt, obgleich fein punktirt.
Verbreitung: Bengalischer Meerbusen (de Man), In-
discher Archipel (Insel Noordwachter, Banda Inseln),
Neu-Caledonien.
Gattung Cardisoma Latr.
105. Cardisoma hirtipes, Dana.
Taf.XIV Fig. 3.
Cardisoma liirtijyes, Dana, Unit. Stat. Explor. Exp.
Crustacea I, p. 253, PI. XXIV, Fig. 2.
Cardisoma hirtipes, de Man, Notes from the Leyden
Museum, Vol. II, p. 34.
Zu dieser Art bringe ich vier Exemplare, welche
auf der Insel Edam gesammelt wurden, und zwar ein
ganz erwachsenes Männchen und drei etwas jüngere
Weibchen.
Bei dem Männchen sind die Cephalothoraxseiten
bedeutend mehr aufgetrieben als bei den übrigen Exem-
plaren und die bei den Weibchen deutlich vorhandene fein
gekörnte Anterolaterallinie ist bei dem grossen Männchen
ganz verwischt, obgleich der kleine Epibranchialzahn
noch deutlich ist. Der mittlere Theil der oberen
Fläche des Rückenschildes erscheint bei dem grossen
350 Dr. J. Gr. de Man:
Männchen an der hinteren Hälfte sogar ein wenig concav,
der starken Auftreibung der Anterolateralgegenden zu-
folge. Dieses Männchen stimmt wohl vollkommen überein
mit dem von der Insel Morotai herstammenden Männchen
des Leydener Museums, das ich im Jahre 1879 (1. c. S. 35)
beschrieben habe und von dem ich damals nicht wusste,
zu welcher Art es gehörte.
Ich vermuthe nun auch, dass die zwei anderen von
mir a. a. 0. unter dem Namen Cardisoma ohesum Dana
beschriebenen Individuen, nur alte Exemplare von hirtipc^
gewesen sind, bei welchen die Anter olaterallinie undeutlich
geworden war.
Das kleinste der vier Exemplare, ein Weibchen, ist
noch ein wenig grösser als die von mir beschriebenen
Individuen des Leydener Museums. Dasselbe stimmt
mit meiner citirten Beschreibung vollkommen überein.
Nur erscheint das Carpalglied der Vorderfüsse an der
oberen Fläche vollkommen glatt, während es bei den Ley-
dener Exemplaren ein wenig gekörnt ist; auch die geringe
Granulirung des Oberrandes des Handgliedes ist bei dem
Brock'schen Weibchen fast ganz verwischt. Es sind dies
wohl nur individuelle Unterschiede!
Die Vorderfüsse des Männchens haben die gleiche
Grösse und Form. Die Scheere ist ein wenig kürzer
als die Breite des Rückenschildes beträgt (die auf-
getriebenen Seiten mitgerechnet!); ihre Aussenfläche ist
dicht punktirt und die Finger klaften ziemlich stark.
Der bewegliche Finger trägt einen grösseren Zahn in
der Mitte seines Innenrandes und einen kleineren zwischen
diesem Zahne und dem Gelenke; der unbewegliche Finger
gleichfalls einen grösseren Zahn in der Mitte und zwei
oder drei viel kleinere nach der Spitze hin. Der innere
Unterrand des Handgliedes ist mit einigen grösseren und
kleineren, spitzen Höckern und Körnern besetzt, welche
nach dem unbeweglichen Finger hin allmählich kleiner
werden. Bei zwei Weibchen sind die Vorderfüsse ebenso
von gleicher Grösse und Gestalt, bei dem dritten aber
ist der linke ein wenig grösser. Die Vorderfüsse sind
Decapoden und Stomatopoden. 351
hier verhältnissmässig kleiner als bei dem Männclien und
die Finger, welche mit mehreren Zähnen besetzt sind,
klaffen nicht. Auch hier ist der innere Unterrand des
Handgliedes ein wenig- gekörnt und die glatte Aussen-
fläche erscheint fein piinktirt.
Die Grrössenverhältnisse des Männchens und von
z^vei Weibchen sind die folgenden:
Breite des Rückenschildes . 95 mm. 85 mm. 68V2 iiiui.
(Die aufgetriebenen Seiten mitgerechnet!)
Länge des Rückenschildes .71 „ 65 „ 58 „
Länge der Scheere .... 84 ,, 55 „ 49 „
Der Cephalothorax des kleinsten Weibchens erscheint
also verhältnissmässig ein wenig länger als bei den
grösseren Individuen, ein Unterschied, der entweder
als individuelle Varietät oder als Jugendcharakter auf-
zufassen ist, in dem Sinne, dass das Rückenschild während
des weiteren Wachsthumes verhältnissmässig mehr an
Breite als an Länge zunimmt.
Es kommt mir sehr wahrscheinlich vor, dass im
indischen Archipel nur zwei Cardisoma-AYten leben, Card,
carnifex Herbst und Card, hirtipes Dana.
Verbreitung: Lidischer Archipel (Amboina, Ternate,
Morotai, Edam), Fidschi Liseln und nördlicher Theil von
Neu-8eeland (Filhol). —
Gattung Ocypoda Fabr.
106. Ocypoda ceratophthalma Pallas.
Ocypode ceratophthalma, Pallas, Milne Edwards,
Annales Sciences Natur. 1852, p. 141. — de Man, Notes
from the Leyden Museum, Vol. EI, p. 245. — Miers,
Annais and Magaz. of Nat. Histoiy, 1882, p. 379.
Zehn, meist erwachsene Exemplare von der Lisel
Noordwachter (6 5, 4 $), ein erwachsenes Weibchen und
zwei sehr junge Männchen von Amboina und ein sehr
junges Männchen von Pulo Edam.
Bei den alten Männchen, deren Cephalothorax 36 mm.
lang ist, ragen die nach der Spitze hin sich ein wenig
352 I>r. J. G. de Man:
verjüngenden Augenhörner bedeutend über die Seiten-
ränder des Rückenschildes hinaus und sind ungefähr
9 — 10 mm. lang. Bei einem jungen Männchen, dessen
Cephalothorax nur 24 mm. lang ist, tragen die Augen-
stiele an ihrem Ende nur einen sehr kleinen, V2 ii^i^^-
langen Höcker. Bei einem erwachsenen Weibchen mit
35 mm. langem Eückenschilde tragen die Augen an den
Enden kurze, 3 mm. lange Hörner, bei einem anderen,
gleich grossen Weibchen dagegen nur einen kurzen,
kaum 2 mm. langen Höcker.
Die Tonleiste an der Innenfläche der grösseren
Scheere besteht aus 40 — 50 Querleistchen, von welchen
die grössere Hälfte und zwar die unteren feiner sind
und dichter gedrängt stehen, während die oberen weiter
von einander entfernt stehen, breiter sind und schliesslich
in kleine Höckerchen übergehen.
Verbreitung: Indischer Ocean, Malayischer Archipel,
Ost-Küste Australiens, Japan, Stiller Ocean bis zu den
Sandwich-Inseln.
107. Ocypoda cordimana Latr.
Ocypoda cordimana^ Latreille, de Man, Notes from
the Leyden Museum, Vol. III, p.248; Miers, Annais and
Mag. of Nat. History, 1882, p. 387.
Ein Männchen von der Insel Noordwachter.
Cephalothorax 31 mm. lang.
Verbreitung: Indischer Ocean, Malayischer Archipel,
Stiller Ocean (Neu-Caledonien, Fidschi-Inseln, China).
Gattung Oelasimus Latr.
108. Gelasimus vocans M. Edw. ^)
Gelasimus vocans^ Milne Edwards, Annales Sci-
ences Naturelles, XVIII, 1852, pag. 145, PL III, Fig. 4.
') Obgleich der Oel vocans M. Edw. (1852) und der Cancer
vocans Riimph. wohl 2 verschiedene Arten sind, behalte ich den Namen
bei, weil Milne Edwards eine vortreffliche Abbildung seiner Art
gegeben hat und weil dieser Name von den späteren Autoren an-
genommen ist. Auch ist die Art von Rumphius unbestimmbar.
Decapoden und Stomatopoden. 353
de Man, Notes from the Leyden Museum, Volume II,
pag. 67.
Gelasimus Marioins^ Desmarest, Considerations sur
la Classe des Crustaces, PI. XIII, Fig. 1; de Man, 1. c.
p. 67; Miers, Annais and Mag. of Nat. Hist. 1880, p. 20.
Vier Männchen von Amboina.
Drei gehören zum typischen vocans, der vierte würde
nach dem Bau der grösseren Scheere zu Gelas. Marionis
gestellt werden müssen. Ich betrachte diese Form aber
als eine Varietät von vocans^ denn auch Gelas. aimnlipes
zeigt nicht selten ähnliche Formen, bei welchen die
Palmarportion der grösseren Scheere stark reducirt ist
und bei welchen die Finger minder stark gezähnt sind,
welche wir aber dennoch als Varietäten von anwdijies
Verbreitung: Indischer Ocean, Malayischer Archipel,
Hongkong, Fidschi-Inseln, Neu-Caledonien, Ostküste von
Australien.
109. Gelasimus tetragonon Rüpp.
Gelasimus tetragonon^ Rüppell, Milne Edwards, Annales
Scienc. Natur. XVIII, 1852, p. 147, PI. III, Fig. 9.
Ein eiertragendes Weibchen und ein junges Männchen
von der Insel Noordwachter.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Malayi-
scher Archipel, Neu-Caledonien, Tongatabou.
110. Gelasimus annulipes Latr.
Gelasimus annulijyes^ Latreille, Milne Edwards, Annales
Sciences Natur. XVIII, 1852, p. 149, PI. IV, Fig. 15. de
Man, Notes from the Leyden Museum, Vol. II, p. 69;
und in: Journal of the Linnean Society of London
Vol. XXII, 1888, p. 118, PI. VIII, Fig. 5—7.
Vier Männchen von Amboina und eins von der Insel
Noordwachter. Zwei der ersteren gehören zu der von
mir (Journal of the Linnean Soc. of London Vol. XXII) be-
schriebenen Varietät, bei welcher die Palmarportion der
Arfh. f. Natmgesch. 53. Jahrof. Bd. 1. 23
354 Dr. J. G^. de Man:
gTÖsseren Scheere stark reducirt ist, die Finger ver-
längert sind und bei welcher der bewegliche Finger un-
gezähnt erscheint, während der unbewegliche nur noch
den subterminalen Zahn trägt.
Verbreitung: Indischer Ocean, Malayischer Archipel,
Neu-Guiuea, Fidschi-Inseln.
Gattung Macrophtlialmus Latr.
111. Macrophthalmus convexus Stimps.
Taf. XV, Fig. 4 (Scheere).
Macrophthalmus convexus^ Stimpson, Proc. Acad. Nat.
Sciences of Philadelphia, 1858, p. 97.
Macro2)hthalmus convexus, Miers, Annais and Magaz.
of Nat. History, 1880, p. 19.
Macrophthalmus iiiermis^ A. Milne Edwards, Annales
de la Societe Entom. de France, T. VII, p. 286, 1867 und
Nouvelles Archives du Museum, T. IX, p. 277, PI. XII,
Fig. 5.
Drei Exemplare, ein älteres und ein viel jüngeres
Männchen, sowie ein Weibchen von Amboina.
Diese Exemplare stimmen völlig überein mit mir
vorliegenden Originalexemplaren von MacrojMi. Inermis
aus dem Pariser Museum, so dass sie zu dieser Art ge-
hören. Nun ist Macrophth. inermis aber zweifellos mit
Macrophth. convexus identisch, denn sowohl die Diagnose
bei Stimpson wie die spätere Beschreibung von Miers
passen vollkommen auf unsere Exemplare. Der letzt-
genannte Forscher vermuthete dies auch schon.
Die obere Fläche des Rückenschildes ist in der Mitte
glatt, aber auf den Seiten fein gekörnt. Auf der mittleren
Branchialgegend erhebt sich eine wenig vorstehende,
quergestellte, gekörnte Erhabenheit, und hinter dieser
sieht man auf der hinteren Branchialgegend noch zwei
andere, ähnliche Erhabenheiten, die ebenso gekörnt sind.
Während Milne Edwards sie nicht hervorhebt, werden
sie von Stimpson und Miers nachdrücklich beschrieben.
Decapoden und Stomatopoden. 355
Die äussere Augenhöhlenecke ist sehr spitz und schräg-
nach vorn und nach aussen gewandt. Charakteristisch
für unsere Art sind auch die Scheeren des Männchens
(Fig. 4). Die Finger sind bedeutend kürzer wie der
Palmartheil und der unbewegliche ist ein wenig nach
unten gerichtet. Das Handgiied ist am abgerundeten
Oberrande und an der Aussenfläche fein gekörnt; der
abgerundete Unterrand ist gröber gekörnt; nahe und
parallel mit diesem verläuft auf der Aussenfläche eine
feine Körnerlinie, die sich auf den unbeweglichen
Finger fortsetzt. Der bewegliche Finger ist gleichfalls
an seinem oberen Rande fein gekörnt und trägt an der
Basis einen kleinen, am freien Rande drei- oder vier-
höckerigen Zahn und zwischen diesem Zahne und der
Spitze stehen noch zehn oder zwölf viel kleinere, ein-
fache Zähnchen. Der unbewegliche Finger ist vor seiner
Mitte mit einem grossen Zahne besetzt, der bedeutend
grösser ist als der Zahn des beweglichen Fingers; der
freie Rand dieses Zahnes ist ungefähr zehn-höckerig und
verläuft schräg nach innen. Zwischen dem Zahne und
der Spitze stehen noch einige kleine, einfache Zähnchen.
Die Innenseite des Handgliedes, welche unbewehrt ist,
ist fein gekörnt und erscheint am distalen T heile be-
haart; auch die Finger sind an der Innenseite behaart.
Der grösste Theil der Innenfläche des Handgliedes ist
also unbehaart.
Der Cephalothorax des Männchens ist 9V5 mm. lang
und die Entfernung der äusseren Augenhöhlenecken, d. h.
die grösste Breite, beträgt I6V5 mm. Die Art wird aber
grösser und der Cephalothorax erreicht dann eine Länge
von 13 — 14 mm.
Zu den Macrophthalmen, welche diesem convexus
Stimps. am nächsten verwandt sind, gehören wohl
MacrojMi. setosus M. Edw. von Neu-HoUand und Macrophth.
depressus Rüpp. aus dem Rothen Meere. Ich erlaube
mir die Unterschiede zwischen diesen noch wenig be-
kannten Formen hervorzuheben, wozu mich ein Pariser
Originalexemplar von setosits und ein Exemplar von
23*
356 Br. J. Gc' de Man:
Macroplith. depressus aus dem Rothen Meere in den Stand
setzen.
Bei Macroplith. setosus zeigt der Cephalotliorax zwar
dieselbe Gestalt wie bei Macrophth. co7ivexus, aber die
äusseren Augenhöhlenecken sind nicht so spitz und ragen
weniger hervor (Taf. IX. Fig. 2). Auch ist die Branchial-
gegend mehr gleichmässig gekörnt. Bei selosus erscheinen
die Finger ein wenig länger und schlanker, und der un-
bewegliche ist etwas mehr nach unten geneigt (Fig. 2 a).
Auch trägt der letztere keinen Zahn an der Basis.
Dagegen scheint auch bei setosus wie bei conveams eine
feine Körnerlinie auf der Aussenfläche der Scheere zu
verlaufen, nahe und parallel mit dem Unterrande, die
sich auf den unbeweglichen Finger fortsetzt. Der grösste
Theil der Innenfläche des Handgliedes und die Innen-
fläche der Finger sind lang und dicht behaart.
Macrophth. depressus Rüpp. (Taf. XV, Fig. 3) weicht
von unserer Art mehr ab. Der Cephalotliorax ist hier
nämlich minder verbreitert, was schon Milne Edwards
bemerkte (Annales Sciences Naturelles, T. XVIII, 1852,
p. 159). Der obere Augenhöhlenrand verläuft nicht so
schräg wie bei setosus und convexus und die zweiten
Seitenzähne ragen seitlich mehr hervor als die ersten
d. h. als die äusseren Augenhöhlenecken, so dass der
Cephalothorax seine grösste Breite an den zweiten Seiten-
zähnen zeigt. Grosse Unterschiede bieten auch die
Scheeren des Männchens. Die Finger sind nämlich nur
wenig kürzer als das Handglied und sind nicht so
schräg gerichtet. Das Handglied ist viel feiner gekörnt,
so dass die Körnchen erst unter einer stärkeren Lupe
sichtbar werden, und die feine Körnerlinie nahe
dem Unter ran de fehlt. Auch ist der abgerundete
Unterrand nicht gröber, sondern gerade so fein gekörnt
wie die Aussenfläche des Handgliedes. Dagegen ist der
Oberrand nicht abgerundet, sondern ziemlich scharf und
er ist mit ziemlich grossen Körnchen besetzt, welche
nach dem Carpalgelenke hin allmählich an Grösse zu-
nehmen. Sowohl das Handglied wie die Finger sind an
Decapodeii und Stomatopodeu. 357
der Innenfläche lang und dicht behaart. Wie bei setosus
trägt der unbewegliche Finger keinen Zahn, sondern ist
seiner ganzen Länge nach mit etwa 15 — 20 feinen
Zähnchen besetzt. Der bewegliche Finger trägt aber
einen siebenhöckerigen Zahn an der Basis und zwischen
ihm und der Spitze noch zehn oder elf kleinere Zähnchen.
Die geringen Unterschiede, welche zwischen M. de-
jrressus Rüpp. und M. japonicus de Haan existiren, habe
ich schon früher erörtert. (Notes from the Leyden
Museum, Vol. III, p. 255). Macrophth. affinis Guerin (1837)
scheint mit der Rüppellschen Axt identisch zu sein.
Verbreitung: Macrophth. convexus = inermis bewohnt
den Stillen Ocean (Sandwich -Inseln, Loo Choo Inseln,
Neu-Caledonien) und die Molukken. —
Gattung Euplax M. Edw.
112. Euplax Boscii, Aud.
Macrophthalmus Boscii, Audouin, Krauss, Südafrika-
nische Crustaceen, S. 40, Taf. II, Fig. 5.
Euplax Boscii, Milne Edwards, Annales Sciences
Natur. XVIII, 1852, p. IGO. — A. Milne Edwards, Nou-
velles Archives du Museum, T. IX, p. 281. — de Man,
Notes from the Leyden Museum, Vol. II, p. 71.
Sieben Exemplare (3 c?, 4 ?) von der Insel Noord-
wachter und drei Weibchen von Pulo Edam.
Der Cephalothorax des grössten Exemplars {$) ist
10 mm. breit; bei erwachsenen Individuen erreicht er
aber eine Breite von 15 mm. Die obere Fläche des Rücken-
schildes ist bei dieser Art fein gekörnt. Unsere Exem-
plare stimmen gut mit der Krauss'schen Beschreibung
überein. Auf der von Krauss gegebenen Abbildung des
Abdomens des Männchens erscheint das dritte Glied (vom
Endgliede ab gerechnet!) ein wenig kürzer als das vierte;
bei den drei Noordw^achter Männchen dagegen ist das
dritte Glied ein wenig länger als das vierte. Der un-
bewegliche Finger ist bei unseren Männchen auch ein
wenig mehr nach unten geneigt, als auf der von Krauss
358 Dr. J. Gc de Man:
gegebenen Figur. Ich will an dieser Stelle auf einen
Fehler in der Krauss'schen Beschreibung aufmerksam
machen und zwar in der lateinischen Diagnose, wo er
sagt, fronte tertiam partem latitudinis thoracis superante.
Es ist dies nicht mit der Stirn, sondern mit den Augen-
stielen der Fall, wie Krauss selbst später beschreibt.
Der Cephalothorax des kleinsten, eiertragenden
Weibchens ist kaum 9 mm. breit.
Die Gattung Euplax unterscheidet sich von Macroph-
thalmus durch die Form der äusseren Kieferfüsse, deren
drittes Glied nur wenig kleiner ist als das zweite und
fast ebenso lang wie breit, Auch klaffen die Kieferfüsse
bei den meisten Macrophthalmen nicht.
Verbreitung: Indischer Ocean, vom Rothen Meere
und der Ostküste Afrika's, durch den Malayischen Archipel,
bis nach Neu-Caledonien und den Fidschi-Inseln, —
Gattung Myctiris, Latr.
113. Myctiris longicarpus, Latr.
Myctiris longicarpus^ Latreille, Milne Edwards, Annales
Sciences Natur. XVIII, 1852, p. 154. — A. Milne Edwards,
Nouvelles Archives du Museum, T. IX, p. 276.
Neunzehn Exemplare von der Insel Amboina.
Für das nackte Auge erscheint die obere Fläche des
Rückenschildes glatt; unter der Lupe aber erscheinen
die Branchialgegenden äusserst fein, gleichmässig
und dicht gekörnt und ähnliche äusserst feine Körnchen
erscheinen dann auch hie und da über dem übrigen
Theile der oberen Fläche zerstreut. Eine ähnliche Struktur
der oberen Fläche des Rückenschildes beschreibt Stimpson
für seinen Myctiris hrevidaciylus^ aber ich vermuthe, dass
diese Form mit dem longicarpus identisch ist, obgleich
Stimpson auch die letztere Art anführt. (Proc. Acad.
Nat. Sciences of Philadelphia, 1858, p. 99.)
Der Cephalothorax erreicht bei den grössten Indi-
viduen eine Länge von 16 mm.
Verbreitung: Indischer Archipel, Australien, China,
Neu-Caledonien. —
Decapodeii und Stomatopoden. 359
Gattung Metopograpsus M. Eclw.
Die Arten dieser Gattung sind schwer zu unterscheiden.
In seiner Uebersicht der Grapsoideen (Annales des
Sciences Natur. III. Serie, T. XX, 1853, p. 165) führte
Milne Edwards sieben Arten an. Fünf Jahre später be-
schrieb Stimpson eine achte Art unter dem Namen
Metop. quadrkleniaius und im Jahre 1867 der jüngere
Milne Edwards eine neunte, den Metop. pictus. Schliesslich
erwähnt Miers (Annais and Mag. of Nat. Hist. 1880) eine
neue Varietät fronfalis von Metop. messor. Kingsley, der
neuerdings die Grapsoideen revidirte, nimmt nur drei
Arten an und betrachtet die übrigen als Varietäten.
(Proc. Acad. Nat. Sciences of Philadelphia, 1880, p. 190.)
Die drei von Kingsley beibehaltenen Arten sind Metop.
messor Forsk., Metop. latifrons White und Metop. oceariicus
Jacq. u. Lucas.
Ich hatte Gelegenheit, die Originalexemplare der
sieben vom älteren Milne Edwards angeführten Arten
nebst mehreren Arten aus dem Leydener Museum zu
studiren und kam zu den folgenden Ergebnissen.
Metop, intermedius M. Edw. ist zweifellos mit Metop.
messor Forsk. identisch.
Die sechs übrigen Arten, bei denen die Seitenränder
des Rückenschildes ungezähnt sind, lassen sich in zwei
Gruppen unterscheiden. Bei der ersten Gruppe, wozu
Metop. messor Forsk., Metop. Eydouxi M. Edw. und Metop.
Thukuhar Owen gehören, haben die vier hinteren Fuss-
paare eine gedrungene Gestalt und die Endglieder sind
nur wenig kürzer als die Propoditen. Bei den drei
anderen Arten, Metoj). maculatns M» Edw., Metop. latifrons
White und Metop. p)ictus A. M. Edw. sind die Lauffüsse
viel schlanker gebaut und die Propoditen sind auf-
fallend länger als die Dactylopoditen. Metop. EydoiLvi
M. Edw. scheint mir eine gute Art zu sein. Dieser
Metopograpsus ist dem Metop. messor Forsk. am nächsten
verwandt, aber der Cephalothorax ist etwas minder
360 E)^' J- ^- ^^ M^n:
verbreitert und wie bei Metop. Thnkuhar scheint der
innere Suborbitallappen (Lobe sous-orbitaire interne)
auf eine kürzere Strecke mit der Stirn verwachsen zu
sein als bei Forskal's Art. Bei dem Originalexemplare,
das von Eydoux und Souleyet an den Sandwich -Inseln
aufgefunden wurde, einem Männchen, beträgt die Ent-
fernung der äusseren Augenhöhlenecken 19^5 mm. und
die Länge des Rückenschildes I6V5 mm. In den übrigen
Merkmalen stimmt diese Art mit Metop. messor überein.
Ich vermuthe, dass Mdop. Eydouxi den östlichen Theil
des Grossen Oceans bewohnt, zwischen den Sandwich-
Inseln und den amerikanischen Küsten.
Metop. Thiihihai' Owen ist gleichfalls zweifellos vom
Metop. messor verschieden. Die Brock'sche Sammlung
enthält ein Männchen und drei Weibchen dieser von den
meisten Autoren als eine Varietät betrachteten Art, welche
mit Originalexemplaren des Pariser Museums völlig über-
einstimmen. Die Unterschiede vom messor werde ich
unten ausführlich besprechen.
In der zweiten Gruppe unterscheidet sich Metop.
pictus ganz leicht von den zwei anderen Arten durch
den am meisten verlängerten Cephalothorax und
an den Artrechten des pictus ist also nicht zu zweifeln.
Nicht so sicher bin ich darüber, ob Metop. latifrons
White, von welcher mir ein Originalexemplar aus Jukes'
Reise vorliegt, wirklich vom macidatus verschieden sei
oder nicht. Bei dem typischen, zu Singapore gesammelten
Exemplare von latifrons erscheinen die Lauflfüsse in der
That noch ein bischen schlanker als bei den zwei
Originalexemplaren von macidatus^ die von Batavia her-
stammen. Prof. Milne Edwards bestimmte nun aber für
mich ein ihm zugesandtes Exemplar von den Mergui-
Inseln, das völlig mit latifrons übereinstimmt, selbst als
macidatus. Wahrscheinlich sind diese beiden Formen
also wohl identisch, denn andere Unterschiede als die
erwähnte etwas grössere Schlankheit der Lauifüsse giebt
es nicht.
Die Unterschiede zwischen Metop. oceanicus Jacq. u.
Decapoden und Stomatopoden. 361
Lucas und Metop. quadridentatns Stimps., welche sich
von den anderen Arten durch gezähnte Seitenränder
des Rückenschildes auszeichnen, habe ich schon früher
besprochen (Notes from the Leyden Museum, Vol. V,
1883, p. 158). Ich will nur noch bemerken, dass sich,
was den Grad der Verwachsung des inneren Suborbital-
lappens mit der Stirn betrifft, Aletop. quadridentatns zum
oceanicns verhält, gleich wie Metop. Thihuhar zum messor.
In Bezug auf die Gestalt der Lauffüsse, stimmt Metop.
quadridentatns gleichfalls mit Thukuliar überein, Metop.
oceanicns dagegen mit tnacnlatus. Metop. qnadridentatus
ähnelt darum am meisten dem Thnhdiar^ aber bei dieser
Art sind die Seitenränder des Cephalothorax ungezähnt
und die vier Stirnlappen ragen mehr hervor. Metop.
oceanicns ähnelt am meisten dem macnlatns^ aber seine
Stirnlappen ragen mehr hervor und der Stirnrand ist in
der Mitte deutlicher ausgeschweift.
114. Metopograpsus messor Forsk.
Taf. XV, Fig. 6.
Metopograpsus messor^ Forskäl, Milne Edwards, Annales
des Sciences Naturelles, T. XX, 1853, p. 165.
Grapsus aethiopicns^ Hilgendorf, Crustaceen von Ost-
Afrika, S. 88, Taf. IV, Fig. 2.
Metopograpsus messor ^ de Man, in: Journal Linnean
Society, Zoology, Vol. XXII, 1888, pag. 144, PL IX,
Fig. 11.
Zwei junge Weibchen von der Insel Noordwachter.
Ich gebe hier die Maasse von zwei erwachsenen
Individuen dieser Art, welche zu Djeddah am Rothen
Meere gesammelt wurden und dem Leydener Museum
gehören.
Entfernung der äusseren Augen-
höhlenecken 23 mm. 24 V4 mm.
Länge des Rückenschildes . . I7V2 „ 18 „
Breite der Stirn 15 „ ISV^ „
362 Dr. J. G. de Man:
115. Metopograpsus Thukuhar Owen.
Taf. XV, Fig. 5.
Grapsm Thukuhar^ Owen, Zoology of Capt. Beechey's
Voyage, p. 80, PL XXIV, Fig. 3.
Metojyograjjsus Thukuhar^ Milne Edwards, Annales
des Sciences Nat. T. XX, 1853, p. 165. — Heller, Crus-
taceen der Novara- Reise, S. 43. — A. Milne Edwards,
Nouvelles Archives du Museum, T. IX, pag. 290.
Ein Männchen von Pulo Edam und drei Weibchen
von der Insel Noordwachter, von welchen das grösste
mit Eiern besetzt ist.
Diese Art ist ohne Zweifel vom Metop. messor Forsk.
verschieden und lässt sich davon durch die folgenden
Kennzeichen unterscheiden.
Zuerst ist die Stirn bei Metop. messor Forsk. stets
ein wenig breiter als bei Metop. Thukuhar^ so dass
die Augenhöhlen bei der letzteren Art verhältnissmässig
etwas grösser sind. Die Seitenränder convergiren bei
messor ein wenig mehr nach hinten, als bei der von
Owen beschriebenen Art. Demzufolge hat der Cephalo-
thorax bei Metop. Thukuhar ein etwas anderes Aussehen;
er erscheint nach vorn hin weniger verbreitert.
Bei Metop. messor Forsk. ist der innere Suborbital-
lappen auf eine lange Strecke mit der Stirn verwachsen
und er ist sehr spitz und gekielt (Fig. 6 a). Bei Metop.
Thukuhar dagegen (Fig. 5a) ist die Stirn nur auf eine
kurze Strecke mit dem inneren Suborbitallappen ver-
wachsen, und dieser ist stumpfer und nicht gekielt.
Demzufolge liegen die äusseren Antennen bei Metop.
Thukuhar den Augenhöhlen viel näher als bei Metop.
messor^ so dass man sogar Gefahr läuft, unsere Art für
einen Pachygrapsus zu halten. Auch das Abdomen des
Männchens zeigt einige Unterschiede. Bei Metop. rnessor
ist das zweite oder vorletzte Glied stets ein wenig
kürzer (Fig. 6b), bei Metop. Thukuhar dagegen stets
etwas länger als das dritte Glied (Fig. 5b).
Das Brachialglied der Vorderfüsse ist am vorderen
distalen Rande mit sechs oder sieben Stacheln besetzt,
Decapoden und Stomatopoden. 3ß3
bei messor nur mit vier oder fünf. Die Scheeren zeigen
bei beiden dieselbe Gestalt und denselben Bau.
Wie ich oben schon bemerkte, zeichnen sich die
Lauffüsse sowohl bei M. messor wie bei M. Thukuhar
dadurch aus, dass die Propoditen nur wenig- länger
sind als die Endglieder und dass die Füsse kurz und
nicht verlängert sind. Dennoch erscheinen die einzelnen
Glieder bei Thukuhar ein bischen schlanker als bei
messor \ obgleich dieser Unterschied äusserst gering ist,
lässt er sich doch an den Propoditen bemerken. (Vergl.
Fig. 5d und Fig. 6 c.)
Sonstige Unterschiede giebt es in dem Körperbau
nicht, dagegen zeichnen sich die Scheeren (Fig. 5c) von
Metop. Thukuhar dadurch aus, dass sie an der oberen
Hälfte der Aussenseite, am Carpalgelenke und auf dem
beweglichen Finger einige unregelmässige gelbliche
Flecken zeigen, die bei messor zu fehlen scheinen.
Grössenverhältnisse :
Entfernung der äusseren Augen- ^J $
höhlenecken 2IV4 ^^' I8V2 ^^•
Länge des Rückenschildes . . 16% „ 14 „
Breite der Stirn 1274 „ IOV2 „
Unsere Exemplare stimmen mit mir vorliegenden
Neu-Caledonischen Individuen völlig überein.
Metop. Thukuhar bewohnt den indischen Archipel
und den Stillen Ocean, wo er an den Bonin-Inseln, zu
Tahiti, an den Sandwich -Inseln und in Neu-Caledonien
beobachtet wurde.
116. Metopograpsus pictus A. M. Edw.
Metopograpsus pictus^ A. Milne Edwards, Nouvelles
Archives du Museum, T. IX, p. 28^, PI. XIII, Fig. 2.
Ein junges Männchen von Amboina.
Die Entfernung der äusseren Augenhöhlenecken be-
trägt I5V4 n^ii^-5 ^^ie Länge genau 13 mm. Der Cephalo-
thorax ist, wie aus diesen Angaben folgt, also noch nicht
so stark verlängert, wie bei dem erwachsenen Thiere
der Fall ist, aber er ist doch schon mehr verlängert als
364 ür- J- G. de Man:
bei Met. maculatas. Ich vermuthe nun, dass bei jungen In-
dividuen die Länge des Rückenschildes im Verhältniss zu
der Entfernung der äusseren Augenhöhlen ecken geringer ist.
Verbreitung: Indischer Archipel, Neu-Caledonien.
Das Vorkommen dieser Art zu Amboina war mir schon
früher bekannt und zwar durch Exemplare des Leydener
Museums.
117. Metopograpsus oceanicus Jacq. u. Lucas.
Grapsiis oceanicus, Jacquinot et Lucas , Voyage de
l'Astrolabe au pole sud. p. 73. Crust. PL VI, Fig. 9.
Metopograpsus oceanicus^ de Man, in: Notes from the
Leyden Museum, Vol. V, 1883, p. 158.
Ein Männchen von Pulo Edam und ein etwas kleineres
von der Insel Noordwachter.
Die Unterschiede zwischen dieser Art und Metop.
quadridentatus Stimps. habe ich früher (1. c.) angegeben.
Was die Füsse betrifft, ähnelt diese Art am meisten
dem Metop. maculatus M. Edw., indem die Endglieder
viel kürzer sind als die Propoditen. Die Scheeren sind
bei maculatus aber etwas mehr an der Aussenseite ge-
körnt. Andere Unterschiede zeigt der Cephalothorax.
Die Stirn ist nicht so breit und ist in der Mitte und an
den Seiten leicht ausgeschweift, bei maculatus dagegen
fast gerade. Der innere Suborbitallappen ist spitz,
scharf gekielt und auf eine grosse Strecke mit der Stirn
verwachsen und verhält sich also ungefähr wie bei laessor.
Das zweite oder vorletzte Abdominalsegment ist ein
bischen kürzer als das dritte Glied und was die Form
des Abdomens betrifft, ähnelt diese Art mehr dem M.
messor als dem M. maculatus.
Die Masse der beiden Exemplare sind die folgenden:
Entfernung der äusseren Augen- ^ $
höhlenecken 30 mm. 27 mm.
Länge des Rückenschildes . . 24V3 „ 22 „
Breite der Stirn 19 „ 17^4 ^
Metop. oceanicus bewohnt den indischen Archipel und
die angrenzenden Meere.
Decapoden und Stomatopoden. 365
Gattung Grrapsus M. Edw.
118. Grapsus strigosus Herbst.
Grapsus strigosus, Herbst, A. Milne Edwards, Nou-
velles Arcliives du Museum, T. IX, pag. 286.
Ein Männchen von Pulo Edam, neun Exemplare
(5 (?, 4 $) von der Insel Noordwachter und drei von
Amboina.
Zwei der letzteren, Weibchen, tragen eine Sacculina.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Ma-
layischer Archipel, Stiller Ocean bis an den Küsten von
Chili.
119. Grapsus intermedius n. sp.
Taf. XVI, Fig. 1.
?8ynon. : Grapsus suhquadratus, Stimpson, Proc. Acad.
Nat. Scienc. Philad. 1858, p. 103.
Sechs Exemplare, (3 5, 3 $) von der Insel Noord-
wachter.
Diese Art, ein echter Grapsus, unterscheidet sich von
Graps. strigosusllQYh^ixnidi von dem diesem nahe verwandten
Grapsas longipes Stimps. durch die Gestalt des Cephalo-
thorax, dessen kaum gebogene Seitenränder, wie
bei der Gattung Geograpsus, fast parallel laufen. Sie
nähert sich darum dem Grapsus longitarsis Dana^), aber
sie weicht von dieser Form durch die minder vor-
ragende Stirn und durch verhältnissmässig
kürzere Endglieder der Lauffüsse ab. Vielleicht
aber ist unsere Art mit dem die Sandwich -Inseln be-
wohnenden Grapsus sahquadratus Stimps. identisch, aber
*) Miers stellt diese Art zu Geograpsus, Kingsley zu einer
neuen Gattung: Orthograpsus) bei beiden diesen Gattungen sind die
Scheerenfinger zugespitzt. Meiner Meinung nach haben sie Unrecht
und ich halte die Art für einen echten Grapsus. Zwar steht mir
die ausführliche Beschreibung Dana's nicht zur Verfügung, aber die
Abbildung der Scheeren zeigt nicht, dass die Finger nicht ausgehöhlt
sind, die Form der Scheeren ist im Gegentheile genau dieselbe wie
bei intermedius.
366 Dr. J. G. de Man:
die auf den Brancliialgegenden verlaufenden schrägen
Linien sind bei intermedius nicht länger als bei Dana's
longitarsis, während sie bei subguadratus nur durch einen
sehr schmalen Zwischenraum getrennt sein sollten; vor-
läufig halte ich unsere Art für neu, aber die Untersuchung
von grösseren Exemplaren, welche die Grösse des suh-
quadratns haben, nämlich eine Breite von 30 mm., wird
entscheiden müssen, ob die Branchiallinien auch bei dieser
Grösse den genannten Charakter zeigen.
Wie ich schon bemerkte, weicht Grapsvs intermedius
von dem wohl bekannten strigosus nur durch die all-
gemeine Gestalt des Cephalothorax ab: ich habe unsere
Art mit gleich grossen Individuen von strigosus verglichen
und stets diesen Unterschied constatirt. Der Cephalo-
thorax ist breiter wie lang und die Breite verhält sich
zu der Länge wie 20 : 17. Die Entfernung der äusseren
Augenhöhlenecken ist fast genau so gross wie die Länge
des Rückenschildes. Die Seitenränder sind wenig
gebogen, viel weniger als bei Grapsus strigosus und
laufen fast parallel. Hinter der spitzen äusseren
Augenhöhlenecke sind sie mit einem einzigen Zahne be-
setzt. Was die Structur der oberen Fläche betrifft, die
Breite und die Neigung der Stirn, stimmt intermedius
mit strigosus überein. Die Branchiallinien sind ver-
hältnissmässig so lang wie bei longitarsis und nicht
länger. Der fein gekerbte Stirnrand, welcher etwas
weniger breit ist als die Hälfte der grössten Breite des
Cephalothorax, erscheint bei den meisten Individuen in
der Mitte leicht ausgeschweift, bei dem grössten Indi-
viduum aber einfach abgerundet. Die mit scharfen
Höckerchen ungleicher Grösse besetzten Stirnlappen sind
denen von strigosus ähnlich und ragen ebenso stark nach
vorn hervor.
Das Epistom ist sehr kurz und die ganze Antennal-
region sowie die äusseren Kieferfüsse stimmen in Form
und Bau fast völlig mit Grapsus longitarsis überein.
(Dana, PI. XXI, Fig. 4b). Die inneren Suborbitallappen,
die bei longitarsis stumpf abgerundet erscheinen, sind bei
Decapoden imcl Stomatopodeii. 367
intermedias dagegen dreieckig, spitz und an der Aussen-
seite scliwaeli gekielt. Bei longitarsis erscheint die Linie,
längs welcher das Epistoni zwischen den inneren Antennen
mit der Stirn verwachsen ist, gerade, bei intermedvis aber
gebogen, mit der convexen Spite nach vorn gerichtet.
Sowohl die Scheerenfüsse wie die hinteren Fuss-
paare sind denen von strigosus völlig gleich gebaut, so
dass ich sie nicht ausführlich beschreiben werde. Das
Handglied ist am Oberrande etwas gekörnt; nahe dem
Unterrande, der abgerundet ist und mit schräg ver-
laufenden Linien besetzt, verläuft, wie bei strigosus und
longitarsis eine erhöhte Linie, welche sich auf dem un-
beweglichen Finger fortsetzt. Auf der Mitte der Aussen-
seite verläuft eine zweite ähnliche Linie, nebst mehreren
kürzeren, die vom Carpalgelenke entspringen (Fig. la).
Der bewegliche Finger trägt drei oder vier Höckerchen
an der Basis, ist sonst glatt, wie der unbewegliche
Finger; beide Finger sind an ihren hornartigen Enden
löffeiförmig ausgehöhlt wie bei strigosus und sind auf
dieselbe Weise gezähnelt.
Auch die hinteren Fusspaare gleichen völlig denen
von strigosus^ weichen aber von denen von longitarsis
durch relativ kürzere Endglieder ab. Auf Fig. Ib
ist der linke Fuss des vorletzten Paares abgebildet und
eine Vergleichung mit Dana's Figur 4 a zeigt diesen
Unterschied auf den ersten Blick. So erscheinen bei
longitarsis die Endglieder des letzten Fusspaares so lang
wie die Propoditen, bei intermedius dagegen deutlich
kürzer.
Grössenverhältnisse :
Entfernung der äusseren Augen-
höhlenecken
Grösste Breite d. Rückenschildes
Länge des Rückenschildes . .
Breite des vorderen Stirnrandes
Das gemessene Weibchen war eiertragend, bei einem
kleineren, gleichfalls mit Eiern besetzten Weibchen be-
trug die grösste Körperbreite 17 mm.
368 Dr. J. G. de Man:
Gattung Pachygrapsus Stimps.
120. Pachygrapsus minutus A. M. Edw.
Pachygrapsus minutus, A. Milne Edwards, Nouvelles
Archives du Museum, T. IX, p. 292, PL XIV, Fig. 2. —
de Man, in: Journal Linnean Soc. of London, Zoology,
Vol. XXII, 1888, p. 148.
Zwei Männchen von Pulo Edam und fünf Männchen
und ein Weibchen von der Insel Noordwachter. Bei
dem grössten Exemplare beträgt die Entfernung der
äusseren Augenhöhlenecken nur 9V4 mm., und bei dem
eiertragenden Weibchen nur 7 mm.
Verbreitung: Bengalischer Meerbusen, Indischer
Archipel, Neu-Caledonien.
121. Pachygrapsus planifrons n. sp.
Taf. XVI, Fig. 2.
Ein Männchen und zwei Weibchen, von denen eins
mit Eiern besetzt ist, von der Insel Noordwachter.
Diese neue Art, ein echter Pachygrapsus im Sinne
Stimpson's, erreicht, wie P. minutus^ nur eine sehr geringe
Grösse, und unterscheidet sich leicht durch die Gestalt
des Rückenschildes, die kaum geneigte, fast horizontale
Stirn u. s. w.
Der abgeflachte Cephalothorax ist beinahe quadratisch
(Fig. 2) und die Entfernung der äusseren Augenhöhlen-
ecken, an welchen er die grösste Breite zeigt, ist nur
wenig grösser als die Länge. Die Stirn ist etwas breiter
als die halbe Entfernung der äusseren Augenhöhlenecken
und unsere Art zeichnet sich wesentlich vor P. plicatus
und P. minutus dadurch aus, dass die breite Stirn
kaum geneigt, fast horizontal nach vorn ge-
richtet ist. Der glatte Stirnrand erscheint fast gerade
und zeigt in der Mitte eine ganz geringe Ausbuchtung,
welche auf der Figur fast noch zu tief gezeichnet worden
ist. Die Augen resp. die Augenhöhlen sind verhältniss-
mässig gross und die oberen Augenhöhlenränder sind
Decapoden und Stoinatopoden. 369
ebenfalls glatt. Die Seiteuränder sind ungezähnt
und erscheinen concav, weil sie anfänglich stark
convergiren und nachher wieder divergiren. Die mit
feinen Querlinien besetzten Stirnlappen ragen sehr wenig
hervor, sind jedoch deutlich von einander getrennt.
Von den Seitenrändern entspringen einige schräg ver-
laufende Linien, welche aber kurz sind und die Magen-,
resp. die Cardiacalgegend nicht erreichen. Auch sind
diese Linien nicht behaart, wie überhaupt die ganze
obere Fläche des Rückenschildes unbehaart ist, glatt, und
nur hie und da äusserst fein punktirt. Die Cervical-
furche ist vorhanden, doch wenig tief und die Herzgegend
ist an jeder Seite durch eine seichte Vertiefung von der
hinteren Branchialgegend geschieden. Der Hinterrand
des Rückenschildes ist in der Mitte leicht ausgebuchtet.
Der untere Augenhöhlenrand zeigt einen Ausschnitt,
der nicht so tief ist wie bei P. plicatus und relativ ein
bischen weiter von der sehr spitzen, äusseren Augen-
höhlenecke entfernt liegt. Die Pterygostomialgegend ist
fein behaart und trägt nahe den Seitenrändern schräg
verlaufende Linien.
Die Antennalregion verhält sich ungefähr wie bei
P. plicatus. Der innere Suborbitallappen (Fig. 2 a) ist
aber klein, dreieckig und spitz, so dass die Spalte,
welche ihn von der Stirn trennt, weit ist. Das Basal-
glied der äusseren Antennen ist gross und verbreitert;
die innere Ecke seines für die Insertion der Geissel
ausgebuchteten Vorderrandes ist abgerundet, die äussere
Ecke dagegen scharf und spitz. Es füllt die innere
Augenhöhlengrube aus und reicht mit der spitzen Aussen-
ecke fast über den inneren Suborbitallappen hinaus.
Auch die äusseren Kieferfüsse gleichen denen von
P. plicatus^ aber das dritte Glied erscheint im Verhältniss
zum zweiten ein bischen kleiner. Sternum und Abdomen
sind glatt, und das letztere erscheint verhältnissmässig
ein wenig breiter als bei P. plicatus.
Die einander gleichen Scheerenfüsse sind bei dem
Arch. f. Naturgesch. 53. Jahrg. Bd. I. 24
370 Dr. J. Gr. de Man:
Männchen viel stärker als bei dem Weibchen. Das
Brachialg'lied trägt am Oberrande und an der Hinter-
fläche runzelige Querlinien und ähnliche Linien verlaufen
auch auf der oberen Fläche des Carpalgliedes und am Ober-
rande des Handgliedes. Das Brachialglied ist am Vorder-
rande mit vier spitzen Zähnen besetzt und die innere
Ecke des Carpalgliedes trägt einen sehr spitzen, scharfen
Zahn. Die Scheeren (Fig. 2 b) erscheinen bei schwacher
Vergrösserung glatt; auf der Aussenseite des unbeweg-
lichen Fingers verläuft eine zarte Längslinie, die sich
auf der Aussenseite des Handgiiedes verliert. Die hori-
zontale Länge der Finger ist ein wenig kürzer als die
horizontale Länge des Handgliedes. Die Finger klaffen
kaum, sind an ihren Hornspitzen ausgehöhlt, tragen an
der Aussenseite der letzteren viele zarte Härchen, er-
scheinen aber sonst überall glatt. Der unbewegliche
Finger ist kräftiger gezähnt als der bewegliche und trägt
vier oder fünf Zähne. Innerhalb der Zähne tragen die
Lmenränder der Finger auch einige kleine Haarbüschel.
Bei dem Weibchen sind die Finger relativ länger und
an ihren Enden länger behaart; auch beobachtet man
hier auf der Aussenseite des Handgliedes, schon bei
schwacher Vergrösserung, viele zarte, schräg verlaufende
Linien. Bei sehr starker Vergrösserung scheinen alle
diese Linien aus feinen Körnchen zu bestehen.
Die hinteren Fusspaare sind schlank. Die wenig
verbreiterten Schenkelglieder tragen an der Aussenseite
mehrere unbehaarte Querlinien; der Oberrand, der einige
steife Borsten trägt, läuft vor dem distalen Ende in einen
spitzen Zahn aus. Der ünterrand läuft vor dem distalen
Ende gleichfalls in einen spitzen Zahn aus; am ersten
und am zweiten Fusspaare beobachtet man aber hier
noch einen zweiten, kleineren Zahn näher dem Carpal-
gelenke. Die folgenden Gllieder (Fig. 2 c) sind mehr ver-
längert als bei F. pUcatus und P. minutus. Die Carpo-
und die Propoditen sind glatt, unbewehrt und tragen nur
die gewöhnlichen, steifen Börstchen. Die geraden, nicht
gebogenen und schlanken Endglieder tragen ausserdem
Decapoden und Stomatopoden. 371
einige spitze Staclielchen vor und neben der spitzen
Endklaue.
Grössenverhältnisse :
Entfernung' der äusseren Augen- ^ ^
hölilenecken 8V2 ^^^- SVs nim.
Länge des Rückenschildes . . 6V2 ?, 6V5 ,7
Breite des vorderen Stirnrandes 41/2 ri ^Vö ti
Gattung Varuna Milne Edw.
122. Varuna literata Fabr.
Vanina literata, Fabricius, Milne Edwards, Annales
Sciences Naturelles, XVIII, 1852, p. 176.
Vier Exemplare von der Insel Noordwachter (2 5,
2 $). Beide Weibchen tragen Eier und bei dem kleineren
beträgt die Länge des Rückenschildes 26 V2 ii^ni.
Verbreitung: Indischer Ocean, Malayischer Archipel,
China, Japan, Neu-Caledonien.
Gattung Plagusia Latr.
123. Plagusia immaculata Lam.
Playiisia immaculata, Lamarck, Miers, On the Pla-
gusiinae, in: Annais and Magazine of Natural History,
1878, p. 150.
Ein Männchen und drei Weibchen von der Insel
Noordwachter. Obgleich ich nicht zweifle, dass diese
Exemplare zu der oben angeführten Art gehören, weil der
Cephalothorax gewölbt ist und weil die Höcker der
oberen Fläche sehr abgeflacht sind und kaum hervorragen,
so will ich dennoch bemerken, dass ich hie und da an
diesen Höckerchen die feinen Härchen beobachte, welche
an den mehr hervorragenden Höckerchen von Plag, tuber-
culata Lam. regelmässig vorkommen; ich sehe sie aber
nur an sehr wenigen und nur unter der Lupe.
Der Cephalothorax des grössten Exemplares ist 27 mm.
lang.
Verbreitung: Oestlicher Theil des Indischen Oceans,
24*
372 Br. J. G. de Man:
Malayischer Archipel, Stiller Ocean, bis zu den Sandwich-
Inseln, ja nach Stimpson sogar bis zu der Westküste
von Central-Amerika.
Gattung- Leiolophus Miers.
124. Leiolophus planissimus Herbst.
Leiolophts planisshmis, Herbst, Miers, On the Pla-
gusiinae, Annais and Mag. of Nat. History 1878, p. 153.
Ein Männchen und ein Weibchen von Amboina.
Verbreitung: Indo-paciiische und Atlantische Region.
125. Leiolophus abbreviatus Dana.
Acanthopus abbreviatus, Dana, Unit. Stat. Expl. Exp.
Crustacea I, p. 373, PI. XXIII, Fig. 11. — Miers, 1. c. p. 154.
Drei Männchen von Amboina. Bei allen sind die
Scheeren am oberen Rande des Handgiiedes gefurcht und
das Abdomen ist stärker verschmälert (gegenüber der
Breite an der Basis) als bei planissimus. Ich muss aber be-
merken, dass das vorletzte Glied bei unseren Exemplaren
etwas kürzer ist als wie es auf Fig. 11c von Dana's
Atlas erscheint.
Verbreitung: Indischer Ocean, Malayischer Archipel,
Stiller Ocean.
Gattung Sesarma Say.
126. Sesarma Aubryi A. Milne Edw.
Sesarma Aubryi, A. Milne Edwards, Nouvelles Archives
du Museum, T. IX, p. 307, PI. XVI, Fig. 3. — de Man,
Uebersicht der Indopacifischen Arten der Gattung Sesarina
Say u. s. w. in: Zoologische Jahrb. herausgeg. von Prof.
Dr. J. W. Spengel, Jena, 1887, S. 642 und S. 661.
Vier Exemplare (2 c^, 2 ?) von der Insel Noordwachter,
und neun (3 <^, 6 $) von Amboina.
Bei dem grössten Exemplare {$) beträgt die grösste
Breite des Rückenschildes 17^4 mm., und die Breite der
Decapoden und Stomatopodeii. 373
Stirn am Oberrande 93/4 mm. ; die Scheerenfinger klaffen
bei demselben schon ein wenig.
Verbreitung: Bengalischer Meerbusen, Malayischer
Archipel, Neu-Caledonien.
127. Sesarma Brockii de Man.
Taf . XVI Fig. 3.
Sesarma Brockii, de Man, Uebersicht u. s. w. in:
Zoologische Jahrbücher 1887, S. 651.
Ein Männchen von Amboina.
Diese ausgezeichnete Art gehört zu denjenigen
Sesarmen, bei welchen die Seitenränder des Rücken-
schildes hinter der äusseren Augenhöhlenecke gezähnt
sind und bei w^elchen die Scheeren des Männchens am
oberen Rande keine parallele Kammleisten tragen. Durch
die Gestalt ihres Rückenschildes und das ganze äussere
Aussehen schliesst sie sich Sesarma inter media de Haan
und anderen verwandten Formen an, aber leicht unter-
scheidet sie sich durch den Bau der Füsse.
Im Gegensatz zu anderen Arten, ist der Cephalo-
thorax sehr dünn und niedrig; er ist ungefähr qua-
dratisch, indem die Entfernung der äusseren Augen-
höhlenecken kaum grösser ist als die Länge. Die
obere Fläche ist abgeflacht, nicht gewölbt, nur nach den
hinteren Seitenrändern hin ziemlich stark abfallend,
übrigens aber sehr uneben und durch ziemlich tiefe
Furchen in die gewöhnlichen Felder getheilt. Sehr tief
sind die mittlere Stirnfurche, welche die beiden Hälften
der vorderen Magengegend von einander trennt, und die
Cervicalfurche, besonders der mittlere, querlaufende Theil,
welcher die Regio mesogastrica von der Cardiacalgegend
scheidet. Auch die hintere Cardiacalgegend erscheint
an jeder Seite durch eine Vertiefung von der hinteren
Branchialgegend geschieden. Die ganze obere Fläche ist
fein punktirt und auf diesen punktförmigen Vertiefungen
stehen sehr kleine Büschel von kurzen, steifen Härchen;
auf der vorderen Magengegend und an den schräg ab-
fallenden, hinteren Branchialgegenden sind diese Härchen
374 Dr. J. G. de Man:
etwas grösser. Die Branchialgegenden tragen ausserdem
die gewöhnliehen, schräg verlaufenden Linien. Die
Seitenränder des Eückenschildes verlaufen fast
parallel, nur divergiren sie ein bischen nach
hinten, erscheinen hinter der Mitte ein wenig concav
und hören noch vor der Einpflanzung des vorletzten
Fusspaares auf. Hinter der sehr scharfen, äusseren
Augenhöhlenecke tragen die Seitenränder einen kleinen
Epibranchialzahn und hinter diesem Zahne noch einen
zweiten, viel kleineren Vorsprung, als Andeutung eines
zweiten Epibranchialzahnes. Auf der Grenze zwischen
der vorderen und der hinteren Cardiacalgegend erscheint
der Cephalothorax also ein bischen breiter als vorn, weil,
wie gesagt, die Seitenränder ein wenig divergiren.
Die Stirn fällt senkrecht hinunter und ist kaum ein
wenig breiter als die halbe Entfernung der äusseren
Augenhöhlenecken. Der vordere (untere) Stirnrand ist
glatt und zeigt eine schmale, aber tiefe Einbuchtung
in der Mitte; die so gebildeten Seitenlappen ragen noch
ein bischen vor den oberen Stirnlappen hervor. Von
diesen vier oberen, ziemlich stark vorstehenden Stirn-
lappen sind die inneren ein wenig breiter als die äusseren;
sie sind durch tiefe Furchen von einander geschieden.
Die Stirnlappen sind uneben und gerunzelt, und tragen
mehrere kurze Haarbüscheln, die hier ein wenig grösser
sind als auf dem hinteren Theil der oberen Fläche des
Rückenschildes. Die Stirnfläche selbst ist sehr fein ge-
körnt. Etwas hinter jedem äusseren Stirnlappen beob-
achtet man eine quer verlaufende Körnerlinie.
Was Form und Bau betrifft, stimmt das Abdomen
des Männchens sehr mit dem von Sesarma intermedia
überein, so dass ich auf die Abbildungen und die Masse
hinzuweisen mir erlaube; bei Sesarma Edwardsii de Man
von den Mergui-Inseln ist das Abdomen bedeutend mehr
verbreitert.
Die Vorderfüsse des Männchens sind verhältnissmässig
klein, und sehr wenig ungleich ; der rechte ist der grössere.
Der Oberrand der Brachialglieder läuft am distalen
Decapoden niul Stomatopodeii. 375
Ende nicht in einen Zahn aus, sondern erscheint un-
bewehrt. Der Vorderrand dagegen trägt nach vorn hin
einen zahnförmigen Fortsatz, der selbst wieder fein
gezähnelt ist, aber nicht in einem spitzen Stachel aus-
läuft. Die Aussenfläche dieses Gliedes ist mit feinen,
querverlaufenden Körnerlinien bedeckt. Das Carpalglied
ist an der oberen Fläche gekörnt, an der inneren Ecke
stumpf und unbewehrt. Sehr charakteristisch für unsere
Art sind die Scheeren. Die Länge der grösseren Scheere
beträgt zwei Drittel der Entfernung der äusseren Augen-
höhlenecken. Das Handglied ist ein wenig höher als
lang, und noch ein bischen kürzer als die horizontale
Länge der Finger. Am Ob er ran de nun trägt das
Handglied eine einzige, sehr fein gezähnelte
Kamm leiste, welche, in der Längsrichtung der
Scheere, vom Carpalgelenke nach dem Daumen-
gelenke hinläuft, und aus ungefähr 35 Zähnchen
gebildet wird. Eine ähnliche Kammleiste kommt, so
viel ich weiss, nur noch bei zwei anderen Sesarma-
Arten vor und zwar bei Sesarma tetragoiia Fabr. und bei
Sesarma taeniolata White. Das Handglied ist an der
Aussenfläche schwach und fein gekörnt;, am Oberrande
sind die Körnchen ein wenig grösser als auf der Mitte
der Aussenfläche und hier erscheinen sie wieder deutlicher
am Carpalgelenke, während sie nach den Fingern hin
allmählich verschwinden. Nach dem Unterrande hin sind
die feinen Körnchen zu kurzen, schräg verlaufenden
Körnerlinien angeordnet. Die Innenfläche des Handgliedes
ist fast glatt, nur stellenweise fein gekörnt und trägt
keine querverlaufende Körnerleiste; nur mittelst
einer Lupe beobachtet man auf der Mitte der Innenfläche
der grösseren Scheere eine Quefi'eihe von 6 — 7 feinen
Körnchen. Die (horizontale) Länge der Finger ist ein
bischen grösser als die Länge des Handgliedes und zwar
an der kleineren Scheere verhältnissmässig mehr als an
der grösseren. Die Finger klaffen ein wenig an der
Basis und sind an den Innenrändern schwach gezähnt;
sowohl an der Aussen-, wie an der Innenseite sind sie
376 Dl'. J. (t. de Man:
glatt, und nur hie und da sparsam fein punktirt. Der
Rücken des beweglichen Fingers trägt eine
Längsreihe von sehr kleinen, dicht neben ein-
ander gestellten Querhöckerchen; auf dem Finger
der grösseren Scheere zähle ich deren 27, auf
dem der kleineren 23. Der querverlaufende Ober-
rand jedes Höckerchens sieht etwas dunkler aus als die
Seiten und hat wohl einen anderen histologischen Bau;
ich habe in meiner „Uebersicht der Sesarma-ÄYten^^ solche
Querhöckerchen „chitonartig" genannt. Die deutlichsten
und grössten chitonartigen Querhöckerchen auf dem be-
weglichen Scheerenfinger zeigt Sesarma guttata A. Milne
Edw., welche an der Küste von Zanzibar lebt Die
Finger sind an den Spitzen schwach löifelförmig aus-
gehöhlt. Der Unterrand des unbeweglichen Fingers er-
scheint an der Basis ein wenig gekörnt, an der distalen
Hälfte glatt und punktirt.
Die übrigen Fusspaare zeigen die meiste Ueber-
einstimmung mit denen von Sesanna rotundata Hess.
Sämmtliche Glieder sind nämlich von schlanker
Gestalt. Die Schenkelglieder, deren Oberrand am
distalen Ende in einem scharfen Zahn ausläuft, welche
sonst aber unbewehrt sind, sind schlank und nicht
verbreitert: ihre Breite beträgt nur wenig mehr als
ein Drittel ihrer Länge. Auf gleiche Weise sind auch
die Carpopoditen und Propoditen verlängert; die
Dactylopoditen aber sind sehr kurz und be-
deutend kürzer als die Propoditen. Die Dactylo-
poditen sind an den Rändern kurz behaart und ein
kurzes Toment beobachtet man gleichfalls am Hinter-
rande der Propoditen; sonst erscheinen die Lauffüsse
unbehaart.
Die Masse dieser Art sind die folgenden : ^
Entfernung der äusseren Augenhöhleneeken . 23^4 mm.
Grösste Breite (auf der Grenze der vorderen
und der hinteren Cardiacalgegend) . . 26 „
Länge des Rückenschildes (in der Mittellinie
gemessen) 23 „
Decapoden mid Stomatopodeii. 377
Breite der Stirn, zwischen den Aug-en . . I2V2 m™-
Breite des Hinterrandes, d. h. des zwischen
der Einpflanzung des letzten Fusspaares
gelegenen Theiles IOV4 „
Länge des Schenkelgliedes d. vorletzten Fuss-
paares 2IV2 n
Breite „ „ „ „ „ 8V2 „
Mittlere Länge d. Propoditen d. „ „ 15 „
11 -tJreite „ ,, „ „ ,, 4 „
Länge des Dactylopoditen „ „ „ 8 „
128. Sesarma minuta de Man.
Taf. XVI Fig. 4.
Sesarma Jtiinuta^ de Man, Uebersicht u. s. w. in:
Zoologische Jahrbücher, 1887, S. 650.
Zwei Männchen von der Insel Edam.
Bei dieser winzigen Art sind die Schenkelglieder
am Hinterrande gezähnt, ungefähr wie bei Sesarma
vesiiia Stimps., Ses, Andersoni de Man und Ses. Edamensis
de Man, aber sie unterscheidet sich auf den ersten Blick
von diesen Arten dadurch, dass die Seitenränder des
E ü c k e n s c h i 1 d e s mit einem deutlichen E p i -
branchialzahne besetzt sind.
Der Cephalothorax ist etwas breiter als lang,
und verhältnissmässig dünn. Die obere Fläche ist ab-
geflacht, durch seichte Furchen in die gewöhnlichen
Felder getheilt, glatt, aber stellenweise dicht mit einer
kurzen, grauen Behaarung bekleidet. Die Seitenränder
convergiren ein wenig nach hinten und sind hinter der
sehr spitzen, äusseren Augenhöhlenecke noch mit einem
deutlichen Epibranchialzahne bewehrt. Die fast
vertical nach unten gebogene Stirn ist kaum etwas breiter
als die halbe Entfernung der äusseren Augenhöhlenecken
und der untere Stirnrand, der etwas mehr hervorragt als
die nicht vorstehenden, dicht behaarten Stirnlappen, ist
in der Mitte ziemlich tief ausgebuchtet. Das Endglied
378 Dr. J. G. de Man:
des schmalen Abdomens des Männchens ist bedeutend
länger als breit.
Die Vorderfüsse sind von gleicher Grösse und Ge-
stalt. Der Oberrand des Brachialgliedes ist am distalen
Ende unbewehrt und läuft hier nicht in einen Zahn aus ;
der Vorderrand trägt einen dreieckigen, sehr spitzen,
zahnförmigen Vorsprung. Die obere Fläche des Carpal-
gliedes ist dicht mit einer kurzen grauen Behaarung
bewachsen. Die Scheeren tragen nicht weit vom ab-
gerundeten ünterrande und parallel mit demselben eine
fein gekörnte, sich auf den unbeweglichen Finger fort-
setzende Längslinie, die auch bei vielen anderen Sesarmen
vorkommt: der ganze oberhalb dieser Längslinie
gelegene Theil der Aussenfläche des Handgliedes,
bis zum inneren Oberrande hinzu trägt eine
dichte, graue, wollige Behaarung, während der
unterhalb dieser Linie liegende Theil der Aussen-
fläche und der Unterrand völlig glatt, unbehaart
und glänzend sind. Die innere Fläche des Hand-
gliedes ist beinahe glatt und wenig behaart. Die Scheeren-
finger sind ungefähr so lang wie das Handglied, klaffen
ein wenig, und sind an den Spitzen ein wenig aus-
gehöhlt, während die Innenränder schwach gezähnt sind.
Die Finger sind überall glatt und glänzend, auch
der Rücken des beweglichen Fingers, nur setzt
sich die wollige Behaarung des Handgliedes ein wenig
auf die Basis der Finger fort.
Die übrigen Füsse sind ziemlich kurz, ihre Glieder
massig schlank. Der Oberrand der Schenkelglieder läuft
am distalen Ende in einen kurzen Zahn aus, der Unter-
rand trägt, etwas vor dem distalen Ende, einen
spitzen dreieckigen Zahn, und zwischen diesem
Zahne und dem Carpalgelenke stehen noch zwei
oder drei kleinere Zähnchen. Die Lauffüsse sind
an allen Gliedern sparsam mit Haaren besetzt.
' Bei dem grösseren Exemplare beträgt die Entfernung
Decapodeii \mä Stomatopoden. 379
der äusseren Augenhöhlenecken öVs mm., die Länge des
Rückenschildes (in der Mittellinie gemessen) 4 mm.
Durch ihre geringe Grösse und die angeführten
Merkmale unterscheidet sich diese Art von allen anderen.
129. Sesarma Edamensis de Man.
Taf. XVI Fig. 5.
Sesarma Edamensü. de Man, Uebersicht u. s. w. in:
Zoologische Jahrbücher, 1887, S. 657.
Zwei Männchen von der Insel Edam und ein eier-
tragendes Weibchen von der Insel Noordwachter.
Eine kleine Art, welche der die Mergui- Inseln be-
wohnenden Sesarma Andersoni de Man am nächsten ver-
wandt ist, weil die Schenkelglieder am distalen Ende
ihres Unterrandes gezähnt sind, und weil die Scheeren
beim Männchen am Oberrande feine parallele Kammleisten
tragen. Sie unterscheidet sich aber durch den verhältniss-
mässig noch breiteren Cephalothorax , bei welchem die
obere Fläche nicht glatt und glänzend ist. sondern rauh-
haarig, durch den Bau der Scheeren, sowie durch
kürzere und mehr behaarte Lauffüsse, deren einzelne
Glieder eine mehr gedrungene Gestalt zeigen.
Der Cephalothorax ist bedeutend breiter als
lang, ungefähr anderthalbmal. Die obere Fläche erscheint
kaum gefeldert: nur die mittlere Stirnfurche und der
mittlere, die Magengegend von der Cardiacalgegend
trennende Theil der Cervicalfurche sind schwach an-
gedeutet. Die ganze obere Fläche erscheint rauh-
haarig; sie trägt nämlich zahllose, kleine, quergestellte
Büscheln von dunkelbraunen steifen Härchen und auch
die schräg verlaufenden Linien an den Seiten sind mit
ähnlichen Härchen besetzt. Die einigermassen S-förmig
geschwungenen Seitenränder sind, hinter der wenig
scharfen, äusseren Augenhöhlenecke, nicht gezähnt,
und während sie bei Ses. Andersoni noch eine Spur eines
Epibranchialzahnes zeigen, findet dies bei Edamensis nicht
statt. Auch die Stirn verhält sich ungefähr wie bei
Andersoni, ist ein wenig breiter als die halbe Entfernung
380 Dr. J. G. de Man:
der äusseren Augenhöhlenecken und erscheint vertical
nach unten gebogen. Der untere Stirnrand ist gerade,
erscheint in der Mitte gar nicht ausgerandet und verhält
sich überhaupt wie bei Sesanna Andersoni; auch die
Stirnlappen verhalten sich wie bei dieser Art, sind durch
seichte Furchen getrennt, ragen fast so viel hervor wie
der untere Stirnrand und erscheinen abgerundet und glatt.
Das Abdomen verhält sich gleichfalls wie bei der an
den Küsten der Mergui-Inseln lebenden Art.
Die Vorderfüsse sind gleich. Brachialglied und
Carpus sind ähnlich gebaut wie bei Ses. Andersoni. Die
Scheeren des Männchens zeigen auch viele Ueberein-
stimmung mit der genannten Art, aber das Handglied
ist ein wenig länger als die Finger, während bei
Andersom die Finger so lang sind als das Handglied
oder fast noch länger. Handglied und Finger erscheinen
an der getvölbten Aussenseite glatt und glänzend; am
Oberrande ist das Handglied ein Avenig gekörnt und es
trägt hier nahe am Daumengelenke eine quergestellte,
feine Kammleiste, welche aus etwa fünfzehn, feinen
Zähnchen gebildet wird. Zwischen dieser Kammleiste
und dem Carpalgelenke sehe ich noch eine Spur einer
zweiten Reihe von Zähnchen. Bei Ses. Andersoni
dagegen stehen zwei grössere und sieben oder acht
kürzere Kammleisten auf dem Oberrande des Handgliedes.
Ganz nahe am Carpalgelenke ist die Aussenseite des
Handgliedes ein wenig gekörnt, der abgerundete Unter-
rand ist aber wieder glatt, und glatt ist auch die Innen-
fläche. Die Finger klaffen ein w^enig, sind an den Spitzen
schwach löffeiförmig ausgehöhlt und an den Bändern
schwach gezähnt. Der Bücken des beweglichen Fingers
trägt eine Längsreihe von elf bis dreizehn Querwülsten,
welche ganz ähnlich aussehen wie bei Ses. Andersoni,
und an der Basis mehr gedrängt stehen. Der unbewegliche
Finger ist unten abgerundet und glatt. Bei den Scheeren
des Weibchens erscheinen die Finger ein wenig länger
als das Handglied. Das Handglied trägt am Oberrande
keine kammförmige Querleisten, sondern ist mehr gekörnt
Decapoden und Stomatopoden. 381
als bei dem Männclien und die Körnchen bedecken fast
die proximale Hälfte der Aussenfläche ; nahe und parallel
mit dem glatten, abgerundeten Unterrande verläuft auf
der Aussenfläche des Handgliedes noch eine fein gekörnte
und mit einigen Härchen bewachsene Längslinie, die sich
auf dem unbeweglichen Finger nicht fortsetzt. Beim
Männchen ist diese Linie, welche sich auch bei Andersoni
vorfindet, fast gänzlich verwischt. Der Rücken des be-
weglichen Fingers ist an der Basis ein wenig gekörnt, sonst
glatt. Die Lauffüsse unterscheiden sich von denen von
Sesarma Andersoni durch ihre kürzere, mehr ge-
drungene Glieder. Die Schenkelglieder sind sehr ver-
breitert; ihr Vorderrand ist am distalen Ende unbewehrt,
der Hinterrand aber an der distalen Hälfte mit
drei spitzen Zähnen bewehrt, welche nach dem
distalen Ende des Gliedes hin allmählich an Grösse ab-
nehmen. Unter allen indischen Sesarmen wird dieses seltene
Merkmal nur noch bei Sesartna vestäa Stimps.,.5. Ander-
soni und *S. minnta de Man vorgefunden. Auf gleiche
Weise zeigen nun auch die Carpopoditen, die Propoditen
und die Dactylopoditen eine viel mehr gedrungene Ge-
stalt als bei 8es. Andersoni und sämmtliche Glieder sind
mit dunkelbraunen Haaren besetzt, auch die Schenkel-
glieder, welche bei Andersoni unbehaart sind, und die
Haare treten in grösserer Menge auf als bei dieser Art.
Bei dem Weibchen beträgt die Entfernung der
äusseren Augenhöhlenecken 8V5 mm., und die Länge des
Rückeuschildes 52/5 mm.; bei dem (jüngeren) Männchen
sind diese Zahlen GV4 mm, und 4^4 mm.
130. Sesarma livida A. Milne Edw.
Taf.XVII Fig-.l.
Sesarma livida^ A. Milne Edwards, Nouvelles Archives
du Museum, T. V, Bulletin, p. 25 und T. IX, p. 303,
PI. XVI, Fig. 2. - de Man, Zool. Jahrb. 1887, Bd. II,
p. 659 und in: Journ. Linnean Soc. of London, Vol. XXII,
1888, p. 180.
Ein Männchen von der Insel Noordwachter.
382 Dr. J. a de Man:
Unter den fünf indischen Arten der Gattung Sesanna
{bidens de Haan, Hasioelli de Man, guttaia A. Milne Edw.,
livida A. Milne Edw. und Dussumieri A. Milne Edw.), bei
welchen die Seitenränder des Eückenschildes mit einem
Epibranchialzahne hinter der äusseren Augenhöhlenecke
bewaffnet sind, und bei welchen das Handgiied der
Scheerenfüsse des Männchens am Oberrande mit zwei
oder drei fein gezähnelten, parallelen Kammleisten ver-
sehen ist, unterscheidet sich ßes. livida durch die Form
und die Struktur der Scheeren des Männchens. Während
bei den vier anderen Arten die horizontale Länge der
Finger die des Handgliedes übertriift, erscheint bei livida
im Gegentheile die Palmarportion länger als die
Finger. Das vorliegende Männchen stimmt vollkommen
in den früher von mir angegebenen Charakteren mit livida
überein. Die Scheerenfüsse sind von ungleicher Grösse,
indem der linke grösser ist. Die horizontale Länge der
Palmarportion der grösseren Scheere beträgt ungefähr
10 mm., die horizontale Länge des an der Aussenseite
ein wenig abgeflachten unbeweglichen Fingers dagegen
nur 9 mm. Der Rücken des beweglichen Fingers trägt
neun Höcker. Diese Höcker sind oval und ein wenig
schräg zur Längsachse des beweglichen Fingers gestellt;
an den auf der Mitte des Fingers gelegenen Höckern,
welche die grössten sind und am deutlichsten ausgeprägt,
bemerkt man eine fein längsgestreifte proximale und eine
glatte distale Fläche. Die Scheeren sind sowohl an der
Aussen-, wie an der Innenseite gekörnt, an der letzteren
aber kaum so viel wie auf der ersteren.
Die Entfernung der äusseren Augenhöhlenecken be-
trägt 241/2 mm., die Länge des Rückenschildes (in der
Mittellinie) 20 mm.
Verbreitung: Malayischer Archipel, Neu-Caledonien.
Gattung Pseudograpsus M. Edw.
131. Pseudograpsus albus Stimps.
Pseudograpsus albus ^ Stimpson, Proc. Acad. Nat.
Scienc. of Philad. 1858, p. 104. — A. Milne Edwards,
Becapoden und Stomatopoden, 383
Nouvelles Archives du Museum, T. IX, p. 314, PL XVIII,
Fig-. 2.
Fachi/ Storni im Philipjmiense^ Nauck, lieber das Kau-
g-erüst der Brachyureu, in: Zeitschrift f. Wiss. Zool. Bd. 34
1880, S. 67. — de Man, Zoolog. Jahrb. Bd. II, 1887,
S. 719.
Ein Männchen von der Insel Noordwachter, das
vollkommen mit der von Milne Edwards gegebenen Be-
schreibung und Abbildung übereinstimmt, auch mit
Stimpsons Originalbeschreibung; nur ist das Carpalglied
der Vorderfüsse an der inneren Ecke nicht scharf, wie
Stimpson sagt, sondern stumpf. Der Cephalothorax ist
IP/4 nim. breit und IOV2 iiim. lang.
Verbreitung: Indischer Archipel, Japan, Neu-Cale-
donien.
Gattung Ptycliognathus Stimps.
132. Ptychognathus pusillus Heller.
Ptychognatlms pusillus, Heller, Crustaceen der Novara-
Reise, S. 60. — de Man, Notes from the Leyden Museum,
Vol. V, p. 161.
Drei Weibchen von Amboina. Der Cephalothorax
des grössten Exemplars ist 11 mm. lang; bei den beiden
anderen Weibchen, die mit Eiern besetzt sind, ist er nur
72/3 iT^n^- lang. Der spitze Stachel an der inneren Ecke
des Carpalgliedes und die an der Aussenfläche fein ge-
körnten Scheeren charakterisiren diese Art.
Verbreitung: Indischer Ocean, Malayischer Archipel.
Gattung Pinnotlieres Latr.
133. Pinnotheres parvulus Stimps.
Pinnotlieres parvulus, Stimpson, Proc. Acad. Nat.
Sciences of Philadelphia, 1858, pag. 108. — de Man, in:
Journal of the Linnean Soc. of London, Vol. XXII, 1888,
p. 105.
384 Dr. J. O. de Man:
Zu dieser Art bringe ich zwei Weibchen von der
Insel Noordwachter. Sie stimmen mit einem mir vor-
liegenden Exemplare von den Mergui- Inseln, das ich in
meiner Arbeit über die Crustaceen dieses Archipels zu
Pinnotheres parvnliis Siim-p^. stellte, fast vollkommen überein,
und die geringen Unterschiede dürfen wohl dem jüngeren
Alter der Weibchen von Noordwachter zugeschrieben
werden, welche eine geringere Grösse haben als die
Mergui-Exemplare und auch keine Eier tragen.
Diese Unterschiede nun bietet das dritte Fusspaar.
Während diese Füsse des vorletzten Paares bei den er-
wachsenen Mergui-Exemplaren bedeutend länger sind als
die anderen, erscheinen sie bei dem grösseren Noord-
wachter'schen Weibchen nur wenig länger als das letzte
Fusspaar und bei dem jüngeren Noordwachter'schen W.
sogar ein wenig kürzer als dasselbe. Demzufolge bieten
auch die einzelnen Glieder dieses Fusspaares einige
Unterschiede in Bezug auf ihre Längeverhältnisse dar.
So sind die Schenkelglieder nur wenig länger als die
Meropoditen der übrigen Füsse, und also nicht andert-
halbmal so lang, wie dies bei den erwachsenen Individuen
der Fall ist. Ebenso erscheinen die Carpopoditen und
die Propoditen dieser Füsse verhältnissmässig kürzer;
während die Propoditen des vorletzten Fusspaares bei
den erwachsenen Individuen sogar etwas länger sind als
die Propoditen des letzten Fusspaares, zeigen sie bei
dem grösseren Noordwachter'schen W. beinahe dieselbe
Länge und bei dem kleineren Noordwachter'schen W.
sind die Propoditen des dritten Fusspaares sogar etwas
kürzer als die des letzten Fusspaares. Oifenbar also
nehmen die einzelnen Glieder des dritten Fusspaares bei
dieser Art während des Wachsthums verhältnissmässig
mehr an Länge zu als bei den anderen Füssen.
Der Cephalothorax ist bei diesen Exemplaren 9 mm.
resp. 8 mm. breit.
Verbreitung: Chinesisches Meer, Bengalischer Meer-
busen, Indischer Archipel.
Decapoden und Stomatopoden. 385
Gattung Pinnixa White.
134. Pinnixa Fischerii A. M. Edw.
Taf. XVn Fig. 2.
Pinnotheres Fischerii^ A. Milne Edwards, Amiales de
la Societe Entomol. de France, T. VII, p. 287 (1867).
Pinnixa Fischerii^ A. Milne Edwards, Nouvelles
Archives du Museum, T. IX, p. 319, PL XVIII, Fig. 3.
Sieben Exemplare (2 cJ, 5 $) wurden zu Amboina in
den Röhren einer Annelide aufgefunden.
Bei dem Männchen, das bisher noch unbekannt war,
erscheint fast die ganze obere Fläche des Rückenschildes
fein gekörnt und mit einem kurzen Tomente zwischen
den Körnchen bedeckt: nur ein kleiner, hinterer Theil
der Regio mesogastrica , die vordere Partie der Regio
cardiaca anterior und eine kleine Partie an jeder Seite
derselben erscheinen noch glatt und unbehaart. Die diese
glatten Partien trennenden, seichten Furchen sind aber
auch tomentös. Das Abdomen des Männchens ist auf
Fig. 2 a von Tafel XVII abgebildet worden. Es ist sehr
schmal, siebengliedrig und die Seitenränder erscheinen
ein wenig concav, in Folge der Verbreiterung des End-
gliedes. Das Endglied ist ungefähr fünfeckig mit stumpfer
Spitze und erscheint darum in der Mitte breiter als am
Hinterrande. Das vorletzte oder sechste Glied ist fast
quadratisch, doch ein wenig breiter als lang; das fünfte
Glied quadratisch, genau so breit wie lang. Das vierte
Glied wieder breiter als lang und die übrigen Glieder
stärker verbreitert.
Auch die äusseren Kief erfasse haben eine charak-
teristische Form. Das zweite Glied ist deutlich vor-
handen, etwas breiter als lang und durch eine quer-
laufende Gelenknaht vom dritten Gliede getrennt. Das
dritte Glied ist etwas länger als breit; es erweitert sich
von hinten nach vorn und erscheint ein wenig vor der
Mitte am breitesten. Der Vorderrand, etwas breiter als
Arch. f. Natuigescli. 53. Jahrg. Bd. I. 25
386 Dr. J. G. de Man:
der Hinterrand, ist schwach ausgerandet und trägt den
Endpalp an der äusseren Ecke, während die innere d.h.:
mediane Ecke abgerundet ist. Der Innenrand ist fast
gerade, der Aussenrand dagegen nach aussen hin convex.
Das zweite Glied des Endpalps trägt das Endglied an
der inneren Ecke seines quer abgestutzten Vorderrandes,
während die äussere Ecke nicht vorragt und abgerundet
ist. Das Endglied ist ungefähr so gross wie das zweite
Glied und zeigt dieselbe Form, etwas länger als breit,
sich nach vorn hin ein wenig erweiternd und mit einem
etwas schräg abgestutzten Vorderrande. Sämmtliche
Glieder sind an ihren inneren Rändern mit langen
Haaren besetzt.
Breite des Rückenschildes bei dem kleinsten, mit
Eiern besetzten Weibchen 11mm., bei dem grössten 14mm.,
bei den Männchen 11 mm.
Verbreitung: Amboina, Neu-Caledonien. —
Gattung Elamene M. Edw.
135. Elamene Filhoii, n. sp.
Taf. XVII Fig. 3.
Ein Männchen von der Insel Noordwachter.
Eine kleine Art, welche mir neu zu sein scheint,
und welche ich Herrn Prof. Filhol in Paris widme. Sie
ist Elamene mimita A. Milne Edw. von Neu-Caledonien
am nächsten verwandt, unterscheidet sich aber durch
kleinere, minder aufgeschwollene Scheeren.
Der Cephalothorax ist kreisförmig, kaum ein bischen
länger als breit, nach vorn aber verengt und an der
oberen Fläche sehr abgeflacht, ja sie erscheint sogar ein
wenig concav. An der vielleicht hie und da ein wenig
kurz behaarten oberen Fläche bemerkt man dieselben Felder
wie bei Elamene minuta: Magengegend und Cardiacal-
gegend sind deutlich abgegrenzt und die erstere ragt
ein wenig hervor. Die Stirn wird, wie bei Elamene
minuta, aus drei kleinen, fast gleich grossen Lappen
gebildet, die dreieckig und wenig scharf sind und von
Decapoden und Stomatopoden 387
welchen der mittlere etwas mehr hervorragt als die seit-
lichen. Diese Stirnlappen liegen aber nicht horizontal,
sondern sind schräg nach oben gerichtet. Die
scharfen Seitenränder des Rückenschildes sind un-
gezähnt, erscheinen in der Mitte kaum ein wenig ein-
gebogen und gehen continuirlich in den abgerundeten
Hinterrand über.
Die hinteren Seitenflächen des Rückenschildes sind jede
mit einem nach vorn umgebogenen und nach oben
gerichteten spitzen Stachel besetzt: eine Linie,
welche die Spitzen dieser beiden Stacheln vereinigt,
würde gleich hinter der Cervicalfurche verlaufen. Einen
zweiten, spitzen, nach vorn und nach unten gerichteten,
kleineren Stachel bemerkt man auf jedem Pterygostomial-
felde, ein wenig vom Mundrahmen entfernt; eine Quer-
linie, welche die Spitzen dieser Stacheln verbindet, ver-
läuft über die Mitte der dritten Glieder der äusseren
Kieferfüsse. Die kleinen kurzen Augenstiele sind von
oben her nicht sichtbar, und werden von der Stirn
vollkommen bedeckt. Die äusseren Kieferfüsse verhalten
sich wie bei Elamene Mathaei^ das zweite Glied ist ein
wenig grösser als das dritte. Zwischen der Basis der
Vorderfüsse und den hinteren, äusseren Ecken des Mund-
rahmens erhebt sich an jeder Seite ein dreieckiger Zahn.
Das Abdomen des Männchens ist dreieckig, schmal, und
das Endglied ist etwas länger als breit an der Basis.
Die Vorderfüsse sind von gleicher Grösse und zeigen
einige Uebereinstimmung mit denen von Elamene producta
Kirk. Die Scheere ist ein wenig kürzer, als die Breite
des Rückenschildes beträgt; das Handglied ist länger
als die Finger und fast zweimiil so lang wie hoch.
Das Handglied ist glatt und trägt hie und da sehr kleine
Härchen, die man aber nur mittelst einer starken Lupe
beobachtet. Der bewegliche Finger trägt einen grösseren,
stumpfen Zahn nahe dem Gelenke und drei oder vier
viel kleinere Zähnchen zwischen diesem Zahne und der
Spitze; der unbewegliche Finger ist mit fünf Zähnchen
besetzt, welche von der Spitze nach dem Gelenke hin
25*
388 Dr. J. G. de Man:
allmählich an Grösse zunehmen und von welchen der
fünfte oder g-rösste durch eine Lücke von dem vierten
getrennt ist, in welche der grössere Zahn des beweglichen
Fingers hineinpasst.
Die vier übrigen Fusspaare stimmen mit denen von
Elamene minuta vollkommen in Gestalt und in Bau überein.
Der Cephalothorax ist 3V4 mm- breit und 4 mm. lang;
die Scheere ist 3V2 mm. lang, das Handglied 2V4 mm.
lang und P/5 mm. hoch. —
Gruppe Oxystomata.
Gattung Calappa Fabr.
136. Calappa tuberculata Fabr.
Calappa tuherculafa^ Fabricius, Milne Edwards, Hist.
Nat. des Crustaces, T. II, p. 106.
Ein Exemplar von Pulo Edam, acht von der Insel
Noordwachter und eins von Amboina.
Verbreitung: Vom Rothen Meere und von der Natal-
küste durch den Indischen Ocean und den Malayischen
Archipel bis zu den Loo-Choo Inseln, Tahiti, Neu-Cale-
donien und Neu-Seeland.
137. Calappa galius Herbst.
Cancer galius, Herbst, Krabben und Krebse, III,
Taf. LVm, Fig. 1.
Calappa galius, Milne Edwards, Hist. Nat. Crustaces,
n, p. 105.
Ein Exemplar von Amboina.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Stiller
Ocean, West-Indische Meere (Miers).
138. Calappa Philargius L.
Calappa Philargius, Linne, de Haan, Fauna Japonica,
Crustacea, p. 71, PL XIX, Fig. 1.
Calappa cristata, Milne Edwards, Hist. Nat. Crust. II,
p. 105, PI. XX, Fig. 1.
Decapoden und Stomatopodeii. 389
Ein Exemplar von Amboina.
Verbreitung: Indischer Ocean, Malayischer x\rchipel,
Japan.
139. Calappa lophos Herbst.
Cancer lophos^ Herbst, Krabben und Krebse, T. I,
Taf. XIII, Fig. 77.
Calappa lophos^ Milne Edwards, Hist. Nat. Crustaces,
II, p. 104. — de Haan, Fauna Japonica, Crustacea, p. 72,
T.XX, Fig. 1.
Ein Exemplar von Amboina.
Verbreitung: Indischer Ocean, Malayischer Archipel,
Japan.
Gattung Matuta Fabr.
140. Matuta victrix Fabr.
Matuta iHctrix, Fabricius, Miers, Transact. Linnean
8oc. of London, II Series, Zoology, Vol. I, p. 243,
PI. XXXIX, Fig. 1—3. — de Man, in: Notes from the
Leyden Museum, Vol. III, p. HO.
Vier Exemplare (2 c^, 2 $) von Amboina.
Die zwei Weibchen und das jüngere Männchen
stimmen, was ihre Zeichnung betrifft, mit einander überein,
aber das erwachsene Männchen gehört zu der Varietät
crehrepunctata Miers.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Ma-
layischer Archipel, Australien.
141. Matuta Banksii Miers.
Matuta Banksii Miers, 1. c, p. 245, PI. XL, Fig. 1 u. 2.
de Man, in: Notes from the Leyden Museum, Vol. III,
p. 115.
Elf Exemplare (8 (?, 3?) von Amboina, mit den von
mir a. a. 0. von derselben Localität beschriebenen gänzlich
übereinstimmend.
Verbreitung: Indischer Archipel, Philippinen, China.
390 I^i- J- Cr. de Man:
Gattung Leiicosia Fabr.
142 Leucosia pubescens Miers.
LeuGosia pubescens^ Miers, Trans. Linnean Society,
IL Series, Zoology, Vol. I, p.238, PI. XXXVIII, Fig. 22— 24.
Ein Männchen und ein Weibchen von Amboina.
Beide sind noch nicht ganz erwachsen, wie die
Grössenverhältnisse zeigen. Der Cephalothorax ist nämlich
nur 15mm. lang und 1272™^. breit, während bei alten
Individuen der Cephalothorax eine Länge von 25 mm.
erreicht. Dem jüngeren Alter unserer beiden Exemplare
schreibe ich es zu, dass das Carpalglied und die Scheere
der Vorderfüsse am inneren Eande fein gekörnt sind;
bei den alten Individuen dagegen sind sie nach Miers
gänzlich glatt. Bei dem Männchen sind die äusseren
Kief erfasse an der Aussenfläche glatt und unbehaart;
bei dem Weibchen aber sind sie am inneren Rande be-
haart und das zweite Glied erhebt sich bei beiden nach
vorn hin zu einem spitzen Höcker.
Diese Art ist Leucosia rlwnihoidalis de Haan von
Japan sehr nahe verwandt, und es ist mir nicht ganz
sicher, ob beide Arten wirklich verschieden sind.
Verbreitung: Molukken, West -Küste von Australien.
Gattung EbaHa Leach.
143. Ebalia Pfeffer! n. sp.
Tai XVn, Fig. 4.
Zwei Exemplare von Amboina und zwar ein jüngeres
Männchen und ein älteres Weibchen.
Diese Art zeigt die grösste Aehnlichkeit mit Ebalia
pakhella A. M. Edw. von den Fidschi -Inseln und mit
Ebalia sjyeciosa Dana. Diese letztere wurde von Dana
unter dem Namen Nncia speciosa beschrieben und auf
den Sandwich -Inseln entdeckt, während Milne Edwards
sie später in Neu-Caledonien wiederfand. Indem ich
unsere Art zuerst für die erwachsene Form von E. jndchella
Decapoden nnd Stomatopodeii. 391
hielt, schickte ich die beiden Exemplare nach Hamburg
an Herrn Dr. Pfeifer, um sie mit den Originalexemplaren
der pulchellu zu vergleichen. Herr Dr. 'Pfeifer unterzog
sich dieser Mühe bereitwillig und schrieb mir, dass beide
Arten nicht identisch seien. Die E. pulchella habe „eine
ganz andere mehr rundliche Körperform, eine in den
Einzelheiten stark abweichende Skulptierung und vor
allem eine ausserordentlich viel breitere Stirn, welche
V3 der grössten Panzerbreite misst." — Was die Dana'sche
Nuda speciosa betriift, so stimmt die Beschreibung dieser
Form vollkommen mit unseren Exemplaren überein: die
Abbildung aber nicht und darum beschreibe ich unsere
Thiere als eine neue Art und überlasse es künftigen
Nachforschungen, zu entscheiden, ob ich hierin Recht
habe. Ich beschränke mich darauf die Unterschiede an-
zugeben.
Sowohl bei E. speciosa wie bei unserer neuen Art
laufen die Seitenränder des Rückenschildes an jeder
Seite in fünf dreieckige Höcker aus, von denen die
mittleren am meisten seitlich vorstehen, so dass der
Cephalothorax bei diesen die grösste Breite zeigt. Bei
beiden trägt der Hinterrand ausserdem noch zwei durch
einen seichten Ausschnitt getrennte Höcker. Bei E. Pfeffert
ragt der erste Seitenhöcker nun aber bedeutend mehr
nach vorn hervor als bei speciosa der Fall zu sein
scheint, und indem die Augen verhältnissmässig kleiner
sind, ist der Vorderrand des ersten Höckers noch eine
Strecke vor den Augen sichtbar, während die Augen
bei E. speciosa gerade am Rande liegen. Eine Vergleichung
unserer Abbildung mit der Dana'schen E. speciosa zeigt
diesen Hauptunterschied auf den ersten Blick. Die fein
gekörnte obere Fläche des Rückenschildes trägt bei beiden
Arten an jeder Seite sechs wenig vorstehende Höcker,
die bei unseren Exemplaren ein wenig behaart sind: die
Regio cardiaca springt fast halbkugelförmig hervor und
ist durch eine in der Mitte unterbrochene feine Quer-
furche von der Magengegend getrennt. Die Seitenecken
des Vorderrandes des Mundrahmens, der mehr hervorragt
392 I>r J- G. de Man:
als die zweilappige, in der Mitte tief ausgeschnittene
Stirn, erscheinen zahnförmig.
Vielleicht verhalten sich auch die Scheeren ver-
schieden. Bei E. Pfejferi sind die Finger ein bischen
kürzer als die Palmarportion des Handgliedes (Fig. 4 a),
aber auf der Dana'schen Abbildung von E. speciosa er-
scheinen die Finger länger als das Handglied. Wie der
Cephalothorax , erscheinen auch die Füsse überall fein
gekörnt.
Der Cephalothorax des Weibchens ist IOV3 mm.
breit und 8V3 mm. lang (das Epistom mitgerechnet); beim
Männchen sind diese Zahlen 8 mm. und 6V4 mm.
Unsere Exemplare sind röthlich violett, der hintere
Theil der Regio gastrica, der grösste Theil der Regio
cardiaca, die Höcker der oberen Fläche und die zahn-
förmigen Seitenecken des Vorderrandes des Mundrahmens
sind weisslich gefleckt. Auch die Lauffüsse sind an der
oberen Seite weiss gefleckt, und beinahe die ganze
untere Fläche des Rückenschildes und die untere Seite
der Füsse erscheinen gleichfalls weisslich.
Gattung Arcania Leach.
144. Arcania novem-spinosa Ad. et White.
Iphis novem-spinosa, Adams and White, Zoology of
the voyage of H. M. S. „Samarang", Crustacea, p. 56,
Tab.XVm, Fig. 1.
Ein erwachsenes Weibchen von Amboina.
Der Cephalothorax ist 21 mm. breit (ohne die Seiten-
stacheln), und die Länge beträgt 24 mm., wenn man die
Stirn zwar, aber die hinteren Stacheln nicht mitrechnet.
Die Vorderfüsse messen 60 mm. Die obere Fläche ist
ziemlich gleichmässig fein gekörnt. Der obere, mediane
Stachel am Hinterrande misst ein Fünftel der Länge des
Rückenschildes und erscheint also verhältnissmässig ein
wenig kürzer als bei dem in der „Samarang" -Reise
abgebildeten Männchen. Miers erwähnt ein gleiches
Weibchen wie das vorliegende und führt es als eine
Decapodeu und Stomatopoden. 393
Varietät „aspera'^ an, wahrscheinlich aber zeigen die
alten Weibchen stets diese Charaktere. (Miers, in: Annais
and Magazine of Nat. History, 1880, p. 29.)
Verbreitung: Indischer Archipel (Philippinen, Am-
boina), Küste von Australien (Insel Darnley, Kap Gren-
ville, Kap York).
Gattung Dorippe Fabr.
145. Dorippe dorsipes L.
Cancer dorsipes^ Linnaeus, Mus. Lud. Ulricae, p. 452.
Dorippe quadridentata, Milne Edwards, Hist. Nat. des
Crustaces, II, p. 156. — de Haan, Fauna Japonica, Cru-
stacea, p. 121, PI. XXXI, Fig. 3.
Dorippe dorsipes, Miers, Report on the Zoolog. Collect,
made in the Indopacific Ocean during the Voyage of
H. M. S. „Alert" 1884, p. 257.
Ein Männchen von Amboina.
Verbreitung: Von der Ostküste Afrika's (Mo^ambique)
durch den Indischen und den Malayischen Archipel bis
nach Japan und den westlichen Küsten Australiens.
Gattung Dromidia Stimps.
146. Dromidia caput-mortuum Latr.
Taf. XVII, Fig. 5.
Dromia capitt-morimmi^ Latreille, Milne Edwards, Hist.
Nat. des Crustaces, T. II, p. 178.
Ein erwachsenes Männchen von Amboina.
Im Jahre 1880 hat Miers dieThatsache hervorgehoben
(Annais and Mag. of Nat. Hist. p. 30), dass der Cephalo-
thorax von erwachsenen Individuen von Dromia Rnuijihil
und von Dromia vulgaris verhältnissmässig breiter ist
als der von jungen Exemplaren. Ganz dieselbe Erscheinung
zeig*t Dromidia caput-mortuum Latr. Ich hatte Gelegenheit,
ein junges Individuum dieser Art, von der Reise der
Astrolabe herstammend und in Paris aufbewahrt, zu studiren
und ich habe den Cephalothorax dieses Exemplares auf
394 Dr. J. Q. de Man:
Fig. 5 abgebildet. Es ist ein Männchen. Der Cephalo-
thorax ist 23V2 nim. lang und die grösste Breite beträgt
22 Vs mm., so dass die Länge die Breite sogar übertriift.
Bei dem ganz erwachsenen, alten Männchen von Amboina
beträgt die grösste Breite des Rückenschildes 63 mm.,
während er 60 mm. lang ist. Bei diesem erscheint der
Cephalothorax also breiter und rundlicher als bei dem
jungen Individuum, die obere Fläche fällt an den Seiten
nicht so schnell nach unten hinab und diesen verschiedenen
Verhältnissen zufolge, ragt der erste Seitenhöcker bei
dem alten Thiere ein wenig mehr hervor als bei dem
jungen.
Schliesslich noch einige Angaben über das alte
Exemplar. Das ganze Thier ist mit einem sehr kurzen,
bräunlichen Tomente bedeckt. Die Seitenränder des
Rückenschildes tragen in der Mitte einige längere Haare,
ein längeres Toment beobachtet man an der Innenfläche
der Scheeren und längere Haare stehen auch am distalen
Ende der Schenkelglieder des zweiten und des dritten
Fusspaares, sowie an den beiden Rändern der Mero-,
Carpo- und Propoditen des fünften Fusspaares. Die
Scheerenfinger erscheinen an der distalen Hälfte nackt
und auch die Endklauen der vier hinteren Fusspaare
sind nackt. Die obere Fläche des Cephalothorax ist halb-
kugelförmig, also sehr gewölbt. Die Protogastricalläppchen
ragen schwach hervor. Die Stirn ist sehr schmal, der
mittlere nach unten gerichtete Stirnzahn ist der kleinste
und von obenher kaum zu sehen; die zwei seitlichen
Stirnzähne sind stumpf abgerundet. An der kaum vor-
springenden äusseren Augenhöhlenecke bemerkt man eine
schmale Fissur, durch welche der obere Augenhöhlenrand
von dem unteren getrennt ist. Der obere Augenhöhlenrand
stellt sich als ein breiter, abgerundeter Lappen
dar, der von dem seitlichen Stirnzahne und von der
äusseren Augenhöhlenecke durch seichte Ausrandungen
geschieden ist. Die innere Ecke des unteren Augen-
höhlenrandes ist stumpf abgerundet und ragt ein wenig
hervor. Der vordere Seitenrand ist ein wenig länger als
Decapoden und Stoniatopoden. 395
der hintere. Man beobachtet an ihm vier Zähne, von
welchen die beiden vorderen zu einem Doppel-
zahne verwachsen sind. Der erste Zahn ist breiter
als die drei hinteren und erscheint quer abge-
stutzt; der mit ihm verwachsene zweite Zahn stellt sich
als ein kleiner, stumpfer Höcker dar. Der erste Zahn
ist von der äusseren x^ugenhöhlenecke durch einen halb-
kreisförmigen Ausschnitt getrennt und ragt fast eben so
weit nach vorn hervor, während er bei jüngeren Thieren
ein wenig mehr nach hinten zurückliegt. Die Entfernung
der beiden hinteren Seitenzähne, welche dieselbe Grösse
und dieselbe Form haben, wie der zweite Zahn, ist
zweimal so gross als die Entfernung des zweiten Seiten-
zahnes von dem dritten. Der zwischen den beiden
hinteren Seitenzähnen gelegene Theil des Seitenrandes
ist schwach gewölbt. Der vordere Seitenrand ist von
dem hinteren durch einen tiefen Einschnitt geschieden
und die vordere Ecke des hinteren Seitenrandes stellt
sich als ein dreieckiger, ziemlich scharfer Höcker dar.
Der vierte Seitenzahn liegt genau so weit von diesem
Höcker wie von dem zweiten Seitenzahne entfernt. Das
Endglied des Abdomens ist 15 mm. lang, das vorletzte
Glied 11 mm.
Die Vorderfüsse sind gleich. Die obere Fläche des
Carpalgliedes ist glatt und trägt an der inneren Ecke
einen kleinen, stumpfen Zahn. Am oberen Rande der
Scheeren stehen zwei sehr kleine, aber ziemlich scharfe
Höcker, sonst erscheinen die Scheeren glatt und un-
bewehrt. Aehnliche Höckerchen finden sich auch bei
der nahe verwandten Ihomidia cranioides de Man aus
dem Bengalischen Meerbusen. Die rosenfarbigen Finger
sind an der proximalen Hälfte mif Toment bedeckt und
diese Tomentbekleidung setzt sich, in eine Spitze aus-
laufend, auf der Aussenseite, bis nahe den Enden fort.
Der bewegliche Finger trägt nahe dem Gelenke einen
grösseren, ziemlich scharfen Zahn und bis zu dem Ende
noch fünf kleinere Zähne, die nach der Spitze hin all-
mählig an Grösse zunehmen; an dem unbeweglichen
396 Dr. J. Cl. de Man:
Finger bemerke ich vier Zähne, von welchen der zweite
schmal ist und nur halb so breit als der erste.
Ich stelle unsere Art zu der Gattung Bromidia, weil
der Gaumen an jeder Seite eine schräge Längsleiste
trägt und wegen ihrer Aehnlichkeit mit Dromidia cranioides;
Sicherheit wird nur die Untersuchung des Weibchens
bringen.
Dromidia capid-mortaiim bewohnt den Indischen Ocean
und die Molukken.^) —
147. Dromidia australiensis Hasw.
Taf. XVII Fig. 6.
Dromidia australiensis, Haswell, Catalogue of the
Australian Stalk- and sessile-eyed Crustacea, 1882, p. 139.
Zu dieser Art stelle ich ein Männchen von Amboina,
welches fast vollkommen die von Haswell angeführten
Charaktere zeigt.
Der Cephalothorax ist ein wenig länger als breit
') Zu den wenig bekannten Arten gehört auch die Dromidia
(ßobosa Lam. (Milne Edwards, Hist. Nat. Crustaces, T. II, p. 177).
Ich hatte Gelegenheit, das Pariser Originalexemplar, dessen Fundort
nicht bekannt ist, zu studiren und erlaube mir auf Tafel XVIII, Fig. 1
eine Abbildung zu geben vom vorderen Theile des Rückenschildes
und in Fig. 1 a von der Scheere des Männchens. Die obere Fläche des
Cephalothorax ist fein punktirt. Die Epigastricalläppchen ragen
schwach hervor. Die Stirn wird von drei ziemlich spitzen
Zähnen gebildet, von welchen der mediane ein wenig mehr als die
seitlichen hervorragt. Auch die innere Ecke des oberen Augen-
höhlenrandes wird von einem dreieckigen, ziemlich spitzen Zahne
gebildet, die äussere Ecke ist dagegen stumpf. Der untere Augen-
höhlenrand bildet gleichfalls einen massig vorstehenden, dreieckigen
Lappen. An jeder Seite beobachtet man den grossen, ziemlich
spitzen Höcker oder Zahn, welcher den Seitenrand in einen
vorderen concaven und einen hinteren convexen Theil scheidet: der
concave Theil bildet die Hepatical-, der hintere die Branchialregion.
Am Oberrande des Handgliedes stehen drei oder vier kleine
Höckerchen, sonst erscheinen die Scheeren glatt; die Finger, deren
Ränder gezähnt sind, sind ungefähr so lang wie das Handglied.
Haswell sagt, dass Dromidia excavata Stimps. von Port Jackson der
D. globosa am nächsten verwandt ist: vielleicht sind beide Formen
identisch.
Decapoden und Stomatopoden. 397
und die stark g-ewölbte, mit einem sehr kurzen Tomente
g'leichmässig* bedeckte obere Fläche ist nicht g-efeldert
und vollkommen glatt, erscheint aber unter starker Lupen-
vergrösserung sehr fein punktirt. Nur die die vorderen
Seitenränder von den hinteren trennende Cervicalfurche
ist an jeder Seite deutlich ausgeprägt. Die eigentliche
Stirn ist sehr klein und schmal und stark nach unten
gerichtet; der Mittelzahn ist sehr klein, dreieckig, ziemlich
spitz und vertical nach unten gewandt, so dass er kaum
sichtbar ist, wenn man den Cephalothorax von obenher
betrachtet. Haswell beschreibt diesen Zahn dagegen als ab-
gerundet, „rounded^'. Die zwei Seitenzähne sind gleichfalls
sehr klein und stumpf abgerundet, ragen etwas mehr
nach vorne hervor als der Mittelzahn, und sind nur durch
eine ganz seichte Ausbuchtung vom oberen Augenhöhlen-
rande geschieden. Der obere Augenhöhlenrand ragt stark
hervor und stellt sich als ein abgerundeter, nach
der äusseren Augenhöhlenecke hin leicht aus-
geschweift e r L a p p e n dar, welcher glatt ist und keine
Zähne trägt. Die äussere Augenhöhlenecke ist stumpf,
ragt wenig hervor und trägt keinen Zahn. Durch eine
sehr schmale, linienförmige Fissur ist die äussere
Augenhöhlenecke von dem dreieckigen, stumpfspitzigen
Infraorbitallappen getrennt, der ziemlich stark hervorragt.
Sowohl der vordere, wie der hintere Seitenrand ist
convex, der erstere ist etwas länger als der andere und
beide sind durch die ziemlich tiefe Cervicalfurche von
einander getrennt. Der vordere Seitenrand trägt drei
kleine Zähne, welche alle auf dem ziemlich scharfen
Rande selbst stehen; der erste Zahn ist stumpf, etwas
grösser als die beiden anderen und liegt nicht weit von
der äusseren Augenhöhlenecke entfernt ; der zweite liegt
ganz in der Nähe des ersten Zahnes und zwar ungeiähr
auf der Grenze des vorderen Drittels des Seitenrandes.
Der dritte, ziemlich scharfe Zahn ist ebenso klein wie
der zweite, sehr nach hinten gerückt und fast ebenso
weit von dem zweiten wie von der Cervicalfurche ent-
398 Dr. J. G. de Man:
fernt. Das vordere Ende des hinteren Seitenrandes
bildet ein kaum vorspringendes Zälmchen.
Das Pterygostom ist nach dem vorderen Seitenrande
hin ein w^enig concav, und trägt gar keine Höcker
oder Zähne, sondern ist vollkommen glatt, äusserst
fein punktirt wie die obere Fläche und mit dem kurzen
Tomente bedeckt, w^elches das ganze Thier bekleidet,
mit Ausnahme der Spitzen der Scheerenfinger. Das
Abdomen trägt keine Höcker, sondern ist glatt. Der
Glaumen ist an jeder Seite mit einer Leiste versehen.
Die Vorderfüsse sind kaum höckerig. Auf der oberen
Fläche ihrer Carpalglieder steht ein kleiner Höcker nahe
der inneren Ecke. Das Handglied ist ungefähr so lang
wie die Finger und erscheint am Oberrande an den
Gelenken einigermassen knotig. Die Scheerenfinger klaffen
ein wenig an der Basis, sind, wie gewöhnlich, ausgehöhlt,
und an den Rändern gezähnt; das Toment setzt sich auf
die grössere, innere Hälfte ihrer Oberfläche fort. Die
übrigen Füsse sind glatt, und tragen keine Höcker. Das
letzte Fusspaar ist bedeutend länger als das vorletzte
und etwas länger als der Cephalothorax.
Der Cephalothorax ist 11 mm. lang, während die
grösste Breite 10 Vs mm beträgt; er trägt einen Schwamm
auf dem Rücken.
Ich rechne diese Art zu der Gattung Ihomidia, ob-
gleich ich nicht ganz sicher darüber bin, weil mir das
Weibchen unbekannt ist. Zur Gattung Dromia im engeren
Sinne gehört sie aber jedenfalls nicht.
Verbreitung: Ostküste von Australien, Molukken.
Gattung Cr ypto dromia Stimps.
148. Cryptodromia coronata Stimps.
Taf.XVm Fig. 2.
Cryptodromia coronata^ Stimpson, Proceed. Acad. of
Natural Sciences of Philadelphia, 1858, p. 239.
Ein Männchen und ein Weibchen von Amboina stelle
ich zu dieser Art, deren Originalbeschreibung fast voll-
Decapoden und Stomatopoden. 399
kommen auf sie passt. Nach Stimpson soll die obere
Fläche des Rückenschildes „subtilissime aspera" sein:
bei den beiden mir vorliegenden Individuen ist dies
nicht der Fall, sondern die ganze, stark gewölbte, glatte,
nicht gefelderte, obere Fläche erscheint, bei Lupen-
vergrösserung, sehr fein punktirt. Der ganze Körper
ist mit einem kurzen Tomente bedeckt. Die Stirn trägt
fünf grosse, ziemlich spitze, kegelförmige Zähne. Der
Mittelzahn ist ein wenig nach unten gerichtet, und darum
von obenher deutlich sichtbar, ragt aber etwas weniger
hervor als die beiden angrenzenden Zähne, welche die
inneren Augenhöhlenecken einnehmen; diese Zähne sind
auch ein wenig grösser als die beiden äusseren Stirn-
zähne oder Superciliarzähne. Die äussere Orbitalecke
trägt einen kleinen Zahn und der innere Suborbitalzahn
ist ungefähr so gross und ragt soviel hervor wie der
Superciliarzahn. Hinter dem schon genannten, ersten
Anterolateralzahn, welcher die äussere Orbitalecke ein-
nimmt, und der ziemlich deutlich ausgeprägten Querfurche
trägt der vordere Seitenrand drei Zähne. Der erste
steht auf der Subhepaticalgegend, ist kegelförmig und
spitz, kaum so gross wie der Suborbitalzahn, aber grösser
als der Extraorbitalzahn. Der zweite Zahn und der
dritte sind nach Stimpson zweilappig und bestehen aus
einer kegelförmigen, spitzen, vorderen Portion und einer
abgerundeten hinteren. Bei unseren Exemplaren ist diese
Bildung an dem zweiten Zahne schon ziemlich gut aus-
geprägt, aber an dem dritten noch nicht, was ich dem
jüngeren Alter unserer Exemplare zuschreibe: beide Zähne
sind grösser als die beiden ersten Anterolateralzähne
und der zweite ist noch ein wenig grösser als der dritte.
Der fünfte Zahn liegt unmittelbar hinter der Querfurche,
am Anfange des hinteren Seitenrandes und ist klein und
scharf. Die Pterygostomialgegend trägt zwei kegel-
förmige Höcker, von welchen der innere etwas grösser
ist und die vordere Aussenecke des Mundrahmens ein-
nimmt.
Charakteristisch ist das Abdomen. Beim Männchen
400 Dr. J. Gr. de Man:
ist das erste oder Endglied halbkreisförmig und also
viel kürzer als die Breite seines Hinterrandes beträgt.
Die Seitenränder des zweiten Gliedes sind an der grösseren
hinteren Hälfte ausgeschnitten; ein kleiner Höcker am
Basalgliede des zweiten Fusspaares passt genau in jeden
Einschnitt hinein, und auf diese Weise findet eine Be-
festigung des Abdomens statt. Die vorderen Aussenecken
des dritten Griiedes tragen jede einen kurzen, zahn-
förmigen Höcker, nach Stimpson soll dieses Gllied vier
Zähne tragen. Am Vorderrande des vierten Gliedes
stehen vier Zähne, von welchen die beiden äusseren
grösser sind als die inneren und auf den Ecken stehen.
Das fünfte Glied trägt auch zwei Zähne und zwar au
den Aussenecken seines Vorderrandes. Beim Weibchen
trägt der Vorderrand des dritten und der Vorderrand
des vierten Gliedes je vier Höcker, von welchen die
beiden äusseren stets grösser sind als die mittleren und
die äusseren Ecken einnehmen. Der Vorderrand des
fünften Gliedes trägt nur zwei Höcker, die an den Seiten-
ecken stehen.
Das Carpalglied der Vorderfüsse trägt an dem mit
der Scheere articulirenden Vorderrande zwei grosse,
kegelförmige, ziemlich scharfe Höcker; ein dritter,
kleinerer Höcker steht am Hinterende des Aussenrandes,
ein oder zwei kleinere stehen auf der Mitte der oberen
Fläche, und ein kleiner Höcker ündet sich auch an der
inneren Ecke. Das Handglied, etwas kürzer als die
Finger, trägt an der oberen Hälfte der Aussenfläche
drei kleine Höcker. Der erste, am proximalen Theile
des Oberrandes und zwar an der Aussenseite gelegen,
scheint aus zwei Höckerchen zu bestehen; der zweite
liegt am Carpalgelenke, der dritte an der Basis des be-
weglichen Fingers. Die Finger sind zusammengedrückt,
nach den Enden hin erweitert, und ausgehöhlt ; sie klaffen
ein wenig, sowohl beim Männchen wie beim Weibchen,
und sie sind an der Spitze und am Aussenrande deutlich
gezähnt.
Die Carpalglieder des zweite» und des dritten Fuss-
Decapodeii und Stomatopoden. 401
paares sind am distalen Ende mit zwei kegelförmigen
Höckern besetzt, von welchen der vordere grösser ist als
der hintere. Ebenso tragen die Propoditen dieser Füsse
zwei ähnliche, kegelförmige Höcker am distalen Ende
und auch hier ist der vordere viel grösser als der hintere.
Ausserdem tragen die Ischiopoditen des dritten Fuss-
paares einen kegelförmigen, scharfen Höcker am Hinter-
rande. Das letzte Fusspaar ist etwas grösser als das
vierte.
Die Scheerenfinger sind rosenroth mit weisser Spitze,
sonst haben Körper und Füsse eine gelblichbraune Farbe.
Der Cephalothorax des Männchens ist IOV3 mm. breit
und 97,3 min. lang (die Anterolateral- resp. Frontalzähne
mitgerechnet!); bei dem Weibchen betragen diese Zahlen
12 mm., resp. 11 mm. Stimpson's Originalexemplar war
14 mm. breit.
Beide Exemplare tragen eine grosse Spongien-Art
auf dem Rücken.
Verbreitung: Bonin-Inseln, Molukken.
149. Cryptodromia tuberculata Stimps.
Cryptodromia tuberculata, Stimpson, Proceed. Acad.
Nat. KSciences of Philadelphia, 1858, p. 239.
Ein junges Männchen von Amboina.
Diese hübsche Art unterscheidet sich leicht durch
den sehr verbreiterten Cephalothorax, dessen gewölbte,
glatte und nicht gefelderte obere Fläche nur ein sehr
sparsames Toment trägt, durch die breite Stirn, durch
die Bewaffnung der Seitenränder und der Füsse. Am
vorderen Seitenrande sehe ich zwischen der äusseren
Augenhöhlenecke und der Cer\acalfurche vier Zähne,
die von vorn nach hinten allmählich an Grösse abnehmen;
bei Stimpson's grösseren Exemplaren scheinen der dritte
und der vierte Zahn zu einem einzigen, „verlängerten"
Zahne vereinigt gewesen zu sein, was bei erwachsenen
Individuen stets der Fall sein dürfte. Unmittelbar hinter
Arcli. f. Naturgescli. 53. Jahrg. Bd. I. 2g
402 Dr. J. G. de Man:
der Cervicalfurciie steht, wie gewöhnlich, ein Höcker.
Die Subhepaticalgegend trägt eine gebogene Reihe von
vier Zähnen, die von vorn nach hinten an Grösse ab-
nehmen; ausserdem stehen zwei Höcker nahe den vorderen
Seitenecken des Mundrahmens. Die zahlreichen Höcker
auf dem Carpalgliede der Scheerenfüsse, drei grössere
und zehn kleinere, sind schon deutlich vorhanden, aber
auf der Scheere sind noch nicht alle zwanzig bis fünf-
und zwanzig Höcker und Höckerchen ausgebildet, welche
bei dem erwachsenen Thiere vorkommen. Am zweiten
und am dritten Fusspaare stehen auch mehrere kegel-
förmige Höcker. Am Vorderrande der Carpalglieder
stehen deren vier, am Hinterrande zwei und die Propo-
diten tragen vier oder fünf ähnliche Höcker. Das
Abdomen schliesslich trägt eine Querreihe von
Höckerchen, ungefähr wie bei Cryptodromia coronata
Stimps.
Der Cephalothorax ist 8 mm. breit und 6V2 mni.
lang; bei erwachsenen Individuen erreicht er eine Breite
von 13 mm.
Das Thier trägt einen Schwamm.
Verbreitung: Indischer Archipel, Japan. —
150. Cryptodromia canaiiculata Stimps.
Cryptodromia canaiiculata, Stimpson, Proc. Acad. Nat.
Sciences of Philadelphia, 1858, p. 240.
Dromia tomentosa, Heller, Sitzungsber. kais. Akad.
der Wiss. in Wien, Bd. XLIV, 1861, S. 241.
Dromia (Cryptodromia) toinentosa, Hilgendorf, Monats-
ber, Akad. in Berlin, 1878, S. 813, Taf. II, Fig. 3—5.
Cryptodromia tomentosa, Kossmann, Ergebnisse einer
Reise nach dem Rothen Meere, 1880, S. 68.
Drei Weibchen von der Insel Edam, die sowohl mit
der Stimpson'schen Diagnose von canaiiculata wie mit
der Heller'schen Beschreibung der tomentosa vollkommen
Decapoden und Stomatopoden. 4-03
Übereinstimmen. Ich betrachte diese beiden Arten dann
auch als identisch. Der Mittelzahn der Stirn ist, von
oben gesehen, besser sichtbar als auf der von Hilgendorf
gegebenen, übrigens sehr genauen Abbildung: er ragt
etwas mehr nach vorne hervor als die nach oben und
nach aussen gewandten Seitenzähne. Der Cephalothorax
des grösseren Exemplares ist 91/3 mm. breit und 8V2 mm.
lang.
Zu dieser Art stelle ich noch ein steriles, mit einer
Sacculina besetztes Weibchen von Amboina, obgleich
es von der typischen Form ein wenig abweicht. Auch
bei diesem Exemplare ragt der mittlere Stirnzahn ein
wenig mehr hervor als auf der von dem Berliner Ge-
lehrten gegebenen Abbildung von Crypt. tomentosa und
verhält sich vielmehr wie bei Crypt. pentagonalis Hilgend.
Der vordere Seitenrand trägt nur den grossen, vorderen,
spitz kegelförmigen Zahn, welcher den Eand in einen
vorderen concaven und einen hinteren convexen Theil
trennt; der kleine Höcker, den man bei der typischen
Form hinter dem grossen Zahne auf dem hinteren Theile
des vorderen Seitenrandes beobachtet, ist bei diesem
Exemplare kaum angedeutet. Von den beiden Höckern,
welche bei der typischen Form auf der Pterygostomial-
gegend zwischen dem Mundrahmen und dem vorderen
Seitenrande stehen, ist der innere gleichfalls sehr schwach
ausgeprägt. Herr Dr. Hilgendorf, der das Exemplar
mit den /o?>i6>i^o6a-Exemplaren des Berliner Museums für
mich verglich, schrieb mir dass es „einigermassen einen
Uebergang bildet zwischen Crypt. tome^itosa und Crypt.
pentagonalis, dass es aber nach seiner Ansicht der ersteren
Art zu nahe stände, um die beiden Species zusammen-
zufassen, wie er es früher gethaii hatte."
Der Cephalothorax ist 10 mm. lang und die grösste
Breite beträgt fast 11 mm.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean (Mogam-
bique), Indischer Archipel (Gaspar-Strasse, Java, Amboina),
Loo-Choo-Inseln, Japan.
26*
404 Dr. J. a. de Man:
151. Cryptodromia Hilgendorfi, n. sp.
Taf. XII Fig. 3.
Ein Weibchen ohne Eier von der Insel Edam.
Eine kleine Art, welche der Ci-yptodromia penlagonalis
Hilgend. am nächsten verwandt ist, sich aber durch den
Bau des Seitenrandes sowohl von dieser Art wie auch
von Cryptodr. canalicnlata Stimps. unterscheidet. Während
nämlich bei diesen beiden Cryptodromien die Entfernung-
zwischen dem ersten Anterolateralzahne und der Extra-
orbitalecke ungefähr so gross oder grösser ist als die
Entfernung zwischen dem ersten Anterolateralzahne und
der Furche, erscheint bei der neuen Art die erstere Ent-
fernung bedeutend kleiner als die zweite.
Im äusseren Habitus stimmt unsere Art sehr mit
Cryptod. pentagoiialis überein und der gleich stark ge-
wölbte Cephalothorax ist fast so lang- wie breit. Die
mit einem kurzen Tomente bedeckte obere Fläche ist
glatt und nicht in Felder getheilt; kaum bemerkt man
eine schwache Andeutung der Glastrocardiacal-Querfurche.
Auch die Cervicalfurche, welche an jeder Seite den
vorderen Seitenrand von dem hinteren trennt, ist seicht
und wenig ausgebildet. Unter einer starken Lupe er-
scheint die ganze obere Fläche fein punktirt. Die Stirn
ist dreizähnig. Der Mittelzahn ist klein, dreieckig, spitz,
schräg nach unten gerichtet, von oben gesehen dennoch
sichtbar; er ragt viel weniger nach vorne hervor, als die
dreieckigen, scharfen Seitenzähne, die schräg nach vorn
und nach aussen gewandt sind. Bei Crypt. peniagonalis
ragt der Mittelzahn dagegen nach vorne mehr hervor als
die Seitenzähne.
Die innere Ecke des oberen Augenhöhlenrandes
bildet einen stumpfen Winkel und ist fast ebenso weit
von der Spitze des seitlichen Stirnzahnes wie von der
Extraorbitalecke entfernt. Bei Cryptod. pentagonalis da-
gegen bildet die innere Ecke des oberen Augenhöhlen-
randes einen schärferen Zahn und ist von der Spitze des
seitlichen Stirnzahnes bedeutend mehr entfernt als von
i
Decapodeii und Stomatopoden. 405
der Extraorbitalecke. Die äussere Augenhöhlenecke ist
wenig scharf und durch einen dreieckigen Ausschnitt von
dem gleichfalls wenig vorstehenden, ziemlich stumpfen,
dreieckigen Infraorbitalzahne geschieden; der letztere
trägt an der Basis seiner Aussenfläche einen kaum be-
merkbaren Nebenhöcker. Der vordere Seitenrand ist
etwas länger als der hintere und trägt etwas vor seiner
Mitte einen spitzen, kegelförmigen, nach vorn und nach
aussen gerichteten Zahn; durch diesen Zahn wird der
vordere Seitenrand in eine vordere concave und in eine
hintere convexe Portion getheilt. Die vordere concave
Portion erscheint nur ungefähr halb so gross
als die hintere convexe: bei Cryidodr. 'penlagonalis
dagegen zeigen beide ungefähr dieselbe Grösse und bei
Cryptodr. cnnaUculata ist die concave Portion sogar ein
bischen grösser als die hintere. Die Spitze dieses Zahnes
ist fast ebenso weit von der äusseren Augenhöhlenecke
entfernt wie diese letztere von der inneren Ecke des
oberen Augenhöhlenrandes. Am Anfang des hinteren
Seitenrandes liegt, wie gewöhnlich bei diesen Thieren,
ein kleiner Höcker, der vorne durch die Cervicalfurche
begrenzt wird, nach hinten allmählich in den leicht
concaven, hinteren Seitenrand übergeht. Die vordere
Aussenecke des Mundrahmens bildet einen wenig vor-
stehenden Höcker, der Suprasuturalwulst trägt keinen
Höcker, aber die Subhepaticalgegend trägt einen kleinen,
stumpfen Höcker, der aber nicht sichtbar ist, wenn man
den Cephalothorax von obenher betrachtet. Die Sternal-
furchen des Weibchens münden hinter dem zweiten Fuss-
paare aus, wie bei Cryptodr. canalicnlata.
Auch die Scheerenfüsse verhalten sich wie bei dieser
Stimpson'schen Art, aber die Höcker des Carpal- und
des Handgliedes sind noch weniger ausgebildet. Das
Handglied, welches kaum länger ist als die Finger, er-
scheint unter dem kurzen Tomente, mit dem es bedeckt
ist, sehr fein punktirt und trägt keine Höcker. Die
deutlich gezähnten Scheereniinger verhalten sich gänzlich
wie bei canaliculata und eine grosse Uebereinstimmung
406 Dr. J. G. de Man:
mit dieser Art zeigen auch die übrigen Füsse, aber die
wenigen Höcker, welche sie noch bei canalicidata
tragen, sind bei unserer Art noch weniger ausgebiklet.
Der Cephalothorax ist 8 mm. breit und 7V4 mm. lang
(in der Mittellinie gemessen).
Das Thier trägt einen Schwamm, der im Leben eine
schöne rosenrothe Farbe zeigte.
Als eine Varietät unserer Art betrachte ich ein ebenso
grosses Weibchen von der Insel Noordwachter, das sich
von dem soeben beschriebenen Individuum dadurch
unterscheidet, dass die convexe hintere Portion des
vorderen Seitenrandes ganz vorn, an der Basis des grossen
Zahnes, einen kleinen Höcker bildet. Auch dieses
Exemplar trägt einen grossen Schwamm.
152. Cryptodromia amboinensis n. sp.
Taf. XII Fig. 4.
Ein eiertragendes Weibchen von Amboina.
Eine kleine Art, welche der Cn/j^todr. lateralis und an
Cryptodr. tumida Stimps. verwandt ist, mir aber dennoch
neu scheint.
Der Cephalothorax ist kaum breiter als lang und die
stark gewölbte obere Fläche, welche, wie überhaupt das
ganze Thier, mit einem sehr kurzen Tomente bedeckt
ist, ist nicht gefeldert, glatt, und erscheint unter einer
sehr starken Lupe, äusserst fein punktirt. Furchen giebt
es auf derselben nicht, und nur die Cervicalfurche ist
an jeder Seite schwach angedeutet. Die Stirn ragt
ziemlich stark hervor und trägt fünf, dreieckige, fast gleich
grosse Zähne, die mehr stumpf als scharf zu nennen
sind. Der Mittelzahn ist nur wenig nach unten gerichtet,
ragt etwas mehr nach vorn hervor als die nach oben
und nach aussen gewandten Seitenzähne, und ist darum
deutlich sichtbar wenn man das Thier von oben besieht.
Die äusseren Zähne bilden die inneren Ecken der oberen
Augenhöhlenränder. Die äussere Augenhöhlenecke bildet
keinen Zahn, ragt kaum hervor, ist stumpf, und wird
Decapoden und Stomatopoden. 407
durch einen Einschnitt von dem Infraorbitalzahne getrennt,
der sich als ein grosser, stumpfer, ein wenig vorspringender
Zahn darstellt. Die vorderen Seitenränder tragen drei
Zähne, von welchen der erste und der dritte (nach
Hilgendorf's Terminologie) Marginalgehilde sind, der
zweite aber unter dem Seitenrande auf dem Infra-
marginalwulst steht. Der erste Zahn und der
dritte haben dieselbe Grösse und sind viel kleiner
als der zweite; der erste Zahn liegt nicht weit von
der äusseren Augenhöhlenecke entfernt, und der dritte
Zahn ist gerade so viel von dem ersten entfernt wie
von der Cervicalfurche. Der zweite Zahn liegt dem
ersten etwas mehr genähert als dem dritten. Gleich hinter
der Cervicalfurche findet sich der gewöhnliche, schwach
ausgebildete Höcker. Auf dem Buecalwulste, an der
vorderen Ecke des Mundfeldes steht, wie gewöhnlich,
ein Höcker und zwischen diesem Höcker und dem
zweiten Seitenrandszahne stehen auf dem Pterygostom
noch zwei Höcker neben einander; diese zwei
Höcker, die nicht so gross sind als der zweite Seiten-
randzahn, liegen mit den zwei hinteren Seitenrandzähnen
und dem Höcker des Buccalwulstes in einem Bogen an-
geordnet, dessen convexe Seite nach vorn gewandt ist.
Das Abdomen ist glatt, ohne Höcker.
Die Füsse tragen nur wenige Höcker. Auf dem
Carpalgliede der Scheerenfüsse stehen etwa vier Höcker,
zwei grössere am Vorderrande, zwei auf der oberen
Fläche; die Scheere trägt zwei oder drei Höcker auf
dem Oberrande. Auf der Aussenseite des Handgliedes
scheint es keine Höcker zu geben. Die kaum klaffenden
Finger sind nur wenig länger als das Handglied, aus-
gehöhlt, und an den Rändern mit grossen Zähnen besetzt.
Die Finger sind nur an der Basis mit einem kurzen
Tomente bedeckt, sonst glatt und unbehaart; sie haben
eine weisse Farbe und tragen in der Mitte einen röthlich-
violetten Ring. Am zweiten und am dritten Fusspaare
laufen die Carpalglieder am distalen Ende in einen, nach
den Propoditen gerichteten Höcker aus, und auch die
408 Dl'- J- ^- fle Man:
Propoditen tragen am distalen Ende einen kleinen Höcker.
Das letzte Fnsspaar ist bedeutend länger als das vor-
letzte und ungefähr so lang wie der Ceplialothorax. Der
Cephalothorax ist 4^5 mm. breit und 4V2 nim. lang.
Unsere Art unterscheidet sich von den verwandten Formen
hauptsächlich durch die Zahl und die Anordnung der
Zähne des vorderen Seitenrandes und des Pterygostoms.
Das Thier trägt ein napfförmiges Gebilde auf dem
Eücken von weisslicher Farbe und weicher Consistenz,
vielleicht von einer Qualle herrührend.
Gattung Dynomene Latr.
153. Dynomene hispida Desm.
Dynomene hispida^ Desmarest, Considerations sur la
classe des Crustaces, p. 133, PL XVIII, Fig. 2. — A. Milne
Edwards, Crustaces du genre Dynomene, in: Annales
Scienc. Natur. VI. Serie, Zool. T. VIII, 1879, p. 5, PI. XII,
fig. 1 — 15. — Miers, in: Proceed. Zool. Soc. of London,
1884, p. 13.
Ein Männchen von Amboina, dessen Cephalothorax
141/2 mm. lang ist, während die grösste Breite 18 mm.
beträgt, wenn man die Seitenzähne mitrechnet. Nach
A. Milne Edwards sollte der letzte Seitenzahn des Rücken-
schildes stumpf sein, bei unserem Exemplare ist er ebenso
spitz und stachelförmig wie die vier ersten Zähne. Die
drei oder vier Stachelchen, welche der untere Augen-
höhlenrand trägt, erscheinen etwas grösser und kräftiger
als auf der von A. Milne Edwards gegebenen Abbildung
(a. a. 0. Fig. 3).
Am Armgliede der Scheerenfüsse beobachte ich
einen Stachel an der vorderen Ecke der Innenfläche und
drei oder vier Stacheln stehen auch auf dem behaarten
Hinterrande. Auch der stumpfe Fortsatz an der inneren
Ecke des Carpalgliedes läuft in einen spitzen Stachel
aus. Milne Edwards erwähnt diese Stacheln nicht, aber
dies ist wohl dem zuzuschreiben, dass er jüngere Exem-
Decapoden und Stomatopoden. 400
plare hesclirieh Die Finger tragen jeder drei Zähne,
während Milne Edwards nur zwei beschreibt.
Verbreitung: Indischer Ocean (Mauritius), Malayischer
Archipel (Amboina), Neu-Caledonien, Sandwich-Inseln.
154. Dynomene praedator A. M. Edw.
Bynoiaerie praedator, A. Milne Edwards, Crustaces du
genre Dynomene, in Annales Scienc. Natur. VI. Serie,
T. VIII, 1879, IX 8, PL XIV. Fig. '20— '26. — Miers, in
Proc. Zool. Soc. of London, 1884, p. 13.
Ein Männchen von Amboina, dessen Cephalothorax
IOV4 mm. breit und 8 mm. lang ist. Nach Milne Edw^ards
erreicht der Cephalothorax eine Länge von 10 mm.
Verbreitung: Madagascar (Miers), Amboina, Samoa-
Inseln, Neu-Caledonien.
Gattung Porcellana Lam.
155. Porceliana (Petrolisthes) inermis Heller.
Porcellana inermis^ Heller, Crustaceen der Novara-
Reise, S. 76, Taf. VI, Fig. 5. (Nee Porcellana inermis
Haswell!)
Porcellana inermis^ de Man, in: Journal of the Linnean
Soc. of London, Vol. XXII, 1888, p. 213.
Ein Exemplar von der Insel Noordwachter.
Verbreitung: Bengalischer Meerbusen, Indischer Ar-
chipel.
156. Porcellana (Petrolisthes) dentata M. Edw.
Taf. Xn Fig. 7.
Porcellana dentata, Milne Edwards, Hist. Nat. des
Crustaces, T. II, p. 251.
Porcellana bellis, Heller, Crustaceen der Novara-Reise,
1865, S. 76, Taf. VI, Fig. 4.
Petrolisthes Hasiuelli, Miers, Report on the Zoological
CoUections made in the Indopacific Ocean during the
voyage of H. M. S. „Alert", 1884, p 269, PI. XXIX,
Fig. A.
410 Dr. J. Ct. de Man:
Forcellana dentata, de Man, in: Journal of the Linnean
Soc. of London, Vol. XXII, 1888, p. 216.
Drei erwachsene Exemplare von der Insel Noord-
wachter und vier- und dreissig junge von der Insel Edam.
Der Ceplialothorax des grössten Exemplares ist
15 mm. lang, und bei dem kleinsten mit Eiern besetzten
Weibchen hat er eine Länge von nur 4 mm. Die Art
kommt, wie es scheint, häufig in den indischen Meeren vor.
Verbreitung: Bengalischer Meerbusen, Indischer Ar-
chipel, Nord- und Nordostküste von Australien.
157. Porcellana (Petrolisthes) militaris Heller.
Porcellana militaru, Heller, Crustaceen der Novara-
Reise, 1865, S. 75.
Vier Exemplare von der Insel Edam.
Diese Art unterscheidet sich von der nahe verwandten
Forc. scabricula Dana = Pore, annulipes White nur durch
die folgenden Merkmale. Bei beiden Arten kommt ein
Supraocularstachel vor; während nun aber bei scahricida
die seitlichen Stirnlappen auch noch mit einem oder mehr
Stachelchen besetzt sind, erscheinen sie bei niüitaris ab-
gerundet, ohne Stachelchen. Bei der Heller'schen Art
sind die Seitenränder des Rückenschildes nur mit vier
Stacheln hinter der spitzen äusseren Augenhöhlenecke
besetzt, und zwar zuerst mit einem Epibranchialstachel,
hinter dem unmittelbar der zweite folgt, während die
beiden anderen dicht neben und hinter einander auf der
mittleren Branchialgegend stehen. Bei scahriada scheinen
dagegen sechs Zähnchen hinter der äusseren Augen-
höhlenecke zu stehen. Sonst scheinen beide Formen mit
einander übereinzustimmen.
Der mit dem Carpus articulirende Vorderrand der
unteren Fläche der Brachialglieder der Vorderfüsse trägt
in der Mitte zwei bis drei spitze Stacheln.
Der Cephalothorax des grössten Exemplares ist 8 mm.
lang.
Die Scheeren erscheinen an der unteren Fläche, den
Hinter- oder Aussenrand ausgenommen, schön violett
^
Decapoden und Stomatopoden. 411
gefärbt. Cephalothorax und Vorderfüsse zeigen einige
kleine Fleckchen, die auf den vier hinteren Fusspaaren
theilweise zu Querbändern zusammenfliessen.
Verbreitung: Nicobaren, westliche Küste von Java.
158. Porcellana (Petroiisthes) scabricula Dana.
Porcellana scabricula^ Dana, Unit. Stat. Expl. Exp.
T. L p. 424, PI. XXVI, Fig. 13.
Ein junges Exemplar von Amboina. Es weicht dieses
Individuum von den zu ynilitaris gestellten Exemplaren
nur durch das Vorkommen eines Stachels an den seitlichen
Stirnlappen vor dem Supraocularstachel, sowie durch den
Besitz von drei Stacheln am Seitenrande der mittleren
Branchialgegend statt zwei ab. Pore, annalipes White
ist mit dieser Art wohl identisch.
Verbreitung: Indischer Ocean, Indischer Archipel.
159. Porcellana (Petroiisthes) moluccensis n. sp.
Taf. Xn Fig. 5.
Ein Exemplar von Amboina.
Obgleich es möglich ist dass diese Form schon früher
gesehen und beschrieben worden ist und zwar von den
älteren Autoren, Gray, Leach, Owen oder Guerin, so
erlaube ich mir dennoch sie unter einem neuen Namen
anzuführen, um auf diese Weise die Aufmerksamkeit auf
sie zu lenken.
Porcellana moluccensis zeigt eine sehr grosse Ueberein-
stimmung mit Pore. (Petroiisthes) dentata M. Edw., aber
unterscheidet sich leicht durch einige Charaktere der
Füsse. Auch ist sie mit Pore. Pamarckii Leach und mit
Pore. PJesmarestii Guerin verwandt.
Der Cephalothorax stimmt beinahe vollständig mit
dem von P. dentata überein und es würde schwer fallen
beide Arten ohne die Füsse zu unterscheiden. Er ist
fast so lang wie breit und die leicht gewölbte obere
Fläche erscheint in der Mitte und hinten ein wenig
punktirt, während sie nach vorn hin und an den Seiten
412 'Dr. J. (1. de Man:
kurze und kleine Querlinien zeigt, die mit kurzen, mi-
croscopischen Härchen besetzt sind. Die Stirn hat
ungefähr dieselbe Form wie bei dentata, aber ihre Seiten-
lappen springen seitlich ein wenig mehr hervor; der
Mittellappen, dessen obere Fläche concav ist, ist vorne
abgerundet und springt etwas mehr hervor als die ab-
gerundeten Seitenlappen. Wie bei dentata^ wird die ein
wenig nach unten geneigte Stirn hinten durch zwei er-
habene Linien, welche durch die mittlere Stirnfurche
getrennt sind, von der Magengegend geschieden. Auch
die Seitenränder des Rückenschildes verhalten sich ganz
wie bei der Edwards'schen Art. Sie tragen nämlich einen
Epibranchialzahn, erscheinen hinter demselben bis zu
der hinteren Branchialgegend hin schwach gekielt und
zeigen auf der letzteren einige schräg verlaufende Linien.
Die gänzlich unbehaarten Vorderfüsse nun unter-
scheiden sich von denen von P. dentata durch ihre
mehr gedrungene Gestalt. Der rechte ist etwas
grösser wie der linke. Die Brachialglieder sehen aus wie
bei P. dentata, zeigen am Vorderrande einen verhältniss
massig kleinen und stumpfen Lappen, während, wie bei
P. dentata, der mit dem carpus articulirende Aussenrand der
unteren Fläche mit zwei spitzen Stachelchen besetzt ist.
Die Carpalglieder sind nur anderthalbmal so
lang wie breit und zeigen darum eine mehr ge-
drungene Form als bei P. dentata^ wo die Länge des
Carpus zweimal so gross ist wie die Breite. Am
Vorderrande ist der Carpus mit fünf von vorn nach
hinten an Grösse abnehmenden, selbst wieder fein ge-
zähnelten Zähnen besetzt, von welchen der erste am
linken Fusse in eine Spitze ausläuft, (vährend die übrigen
alle stumpf sind; der Hinterrand trägt seiner grösseren
distalen Hälfte entlang gleichfalls fünf sehr spitze,
stachelförmige Zähnchen, welche von hinten nach vorn
ein wenig an Grösse zunehmen. Die ganze obere Fläche
der Carpalglieder ist dicht mit kurzen Querlinien bedeckt,
die mit kurzen, microscopischen Härchen besetzt sind.
Auch die Scheeren haben eine mehr gedrungene Form
Decapoden und Stomatopoden. 413
als bei dentata und sind nur wenig mehr als zweimal so
lang wie breit, üebrigens zeigen die Finger ungefähr
dieselbe Form und erscheinen gleichfalls an ihren inneren
Rändern unbehaart. Die obere Fläche der Scheeren
zeigt ungefähr dieselbe Struktur wie bei dentata. Die
drei folgenden Fusspaare unterscheiden sich aber wesentlich
von denen von dentata dadurch, dass ihre Schenkel-
glieder am Vorderrande mit einer Längsreihe
von fünf oder sechs spitzen Stachelchen besetzt
sind; bei dentaia fehlen diese Stachelchen gänzlich. Die
Hinterränder dieser Glieder erscheinen am distalen Ende
ungezähnt, obgleich ich bemerken will, dass beim zweiten
und dritten Fusspaare hier eine Spur eines Zähnchens
angedeutet ist. Diese Füsse sind sparsam behaart und
zeigen übrigens grosse Ueljereinstimmung mit denen von
dentaia.
Unsere Art scheint auch durch ihre Farbe ausge-
zeichnet zu sein. Das ganze Thier, Körper und Füsse,
zeigt nämlich eine dunkel röthlich violette Farbe, und
nur die Propoditen und Dactylopoditen der drei mittleren
Fusspaare erscheinen stellenweise weiss gefleckt.
Der Cephalothorax ist öVömm. lang und ßVgmm. breit.
Pefrolisthes Laniarckii Leach erscheint nach der von
Miers gegebenen Beschreibung unserer Art nahe verwandt
(Report on the Zoolog. Collect, of the voyage of H. :\I. S.
„Alert", p. 268), aber der Carpus der Vorderfüsse zeigt
nur drei Zähne am Vorder- und Hinterrande. Leider
bildet Miers die Art nicht ab und erwähnt auch nicht
das Vorkommen von Stacheln am Vorderrande der
Schenkelglieder der mittleren Fusspaare.
160. Porceliana (Pisosoma) sculpta M. Edw.
Porcellana sculpta. Milne Edwards, Hist. Nat. Crustaces,
T. n, p. 253.
Porcellana 'pulcJiella, Haswell, Catalogue of the Austra-
lian stalk- and sessile-eyed Crustacea, 1882, p. 148.
Pacliyclieles pnlcliellus, Miers, Report on the Zoolog.
414 Dr. J. G. de Man:
Collect, made in the indopacific Ocean during tlie voyage
of H. M. S. „Alert", 1884, p. 273, PL XXX, Fig. A.
Poicellana scnlpta, de Man, in: Journal of tlie Linnean
Sog. of London, Vol. XXII, 1888, p. 218.
Ein Männchen von der Insel Noordwachter und drei
Exemplare von der Insel Edam.
Bei dem Männchen, dessen Cephalothorax 4 mm. lang
ist, ist der rechte Vorderfuss bedeutend grösser wie der
linke. Der Cephalothorax erscheint an jeder Seite etwas
höckerig auf der vorderen Branchialgegend nahe dem
Seitenrande und zeigt mehrere, gebogene, erhabene
Linien auf der mittleren und hinteren Branchialgegend.
Die Brachialglieder der Vorderfüsse zeigen auf ihrer
oberen Fläche eine dünne Querleiste, die parallel mit
dem Carpalgelenke verläuft auf geringer Entfernung von
demselben. Die Carpalglieder sind an ihrer oberen Fläche
mit vielen, glatten, grösseren und kleineren Höckerchen
besetzt, welche im Allgemeinen nach dem Carpalgelenke
hin an Grösse zunehmen. Die Seheeren zeigen an ihrer
Aussenfläche vier oder fünf Längswülste, die selbst
wieder uneben erscheinen und theilweise in Höckerchen
aufgelöst sind; auch die zwischen diesen Wülsten ge-
legenen Furchen erscheinen höckerig und uneben. Bei
dem Männchen klaffen die Scheerenfinger ein wenig; bei
dem Weibchen nicht. Bei dem Weibchen, dessen Rücken-
schild 4V3 mm. lang ist, sind die Vorderfüsse von gleicher
Grösse und erscheinen nicht so höckerig und uneben wie
bei dem beschriebenen Männchen.
Schon früher habe ich Pore, pulchella Hasw. für
identisch erklärt mit F. sculpta. Auf der von Miers (a. a. 0.)
gegebenen Abbildung von P. pulchella erscheinen die
Vorderfüsse allerdings nicht so höckerig, wie bei der
typischen P. sculpta der Fall ist, weil die Längswülste
auf der Aussenfläche der Seheeren glatt erscheinen und
nicht in Höcker aufgelöst oder uneben; dennoch möchte
ich auch die Miers'sche Formb loss für eine Varietät
von P. sculpta halten.
Der Cephalothorax hat eine röthliche Grundfarbe,
Decapoden und Stomatopoden. 415
zeigt aber in der Mitte ein sich von vorn nach hinten
erweiterndes, weisses Band, dessen Grösse resp. Breite
bei den einzehien Individuen variirt Die Füsse zeigen
dieselbe rothe Grundfarbe und erscheinen bloss an den
Fingerspitzen und an den Gelenken der hinteren Fuss-
paare weiss.
Verbreitung: Indischer Archipel, Bengalischer Meer-
busen, Nord- und Nordostküste Australiens.
161. Porcellana (Porcellana) latifrons Stimps.
Porcellaua Udlfrons, Stimpson, Proc.Acad.Nat. Sciences
of Philadelphia, 1858, p. 243.
Fünf Exemplare von der Insel Edam.
Der leicht gewölbte Cephalothorax ist ein wenig
länger wie breit und hat schwach convex gebogene
Seitenränder.
An der breiten, abgeflachten Stirn kann man drei
Theile unterscheiden; von welchen der breitere
mittlere aber kaum mehr als die seitlichen her-
vorragt. Durch einen dreieckigen medianen Ausschnitt
ist der mittlere Theil in zwei Hälften getrennt, welche
durch secundäre kleinere Ausschnitte getheilt, jede in
drei oder vier spitze Zähnchen auslaufen; Auch die
seitlichen Stirnlappen laufen in drei oder vier spitze
Zähnchen aus. Stimpson's Beschreibung der Stirn ist
nicht ganz deutlich, weil er nicht sagt dass auch diese
seitlichen Stirnlappen in spitze Zähnchen auslaufen. Hinter
der spitzen, äusseren Augenhöhlenecke liegt zuerst der
spitze Epibranchialstachel und hinter diesem stehen auf
der Mitte der Seitenränder noch drei spitze Stachelchen
hinter einander.
Die Vorderfüsse sind ungleich, bald ist der rechte,
bald der linke der grössere. Der Vorderrand der Brachial-
glieder trägt einen vorragenden Lappen, der nach vorne
hin in mehrere spitze Zähnchen ausläuft. Der Hinter-
rand dieser Glieder ist in der Mitte mit einem spitzen
Zähnchen besetzt und auch der mit dem Carpus articu-
416 Dl'. J- ^- t^e Man:
lirende Aussenrand ihrer unteren Fläche zeigt in der Mitte
ein oder zwei Zähnchen. Der Carpus zeigt am Vorder-
rande drei oder vier spitze Zähne und auch am Hinter -
rande liegen stets drei spitze Stacheln, von welchen
der erste etwas vor, der zweite etwas hinter der Mitte
und der dritte am distalen Ende steht. Die ein wenig-
gedrehten Scheereu sind ziemlich schmal, an der Aussen-
fläche ein wenig convex und glatt; das Handglied der
grösseren Scheere ist wenig mehr als zweimal so lang
wie breit. Bei beiden Scheeren ist das Handglied
an der Aussenseite ganz nahe dem unteren oder
Aussenrande mit einer Längsreihe von fünf oder
sechs spitzen stachelförmigen Zähnen besetzt.
Die Finger sind etwas gedreht und zwar die der kleineren
Scheere mehr als die der grösseren ; bei beiden Scheeren
sind die Finger an der Innenseite behaart. Die Finger
der grösseren Scheere schliessen an einander, und sind
nahe dem Gelenke mit einem schwachen Zahne besetzt.
Die Finger der kleineren Scheere klaffen
dagegen ein wenig und sind an den Rändern der
schwach ausgehöhlten Innenflächen stärker be-
haart als die Finger der grösseren Scheere. Der
bewegliche Finger ist mehr gebogen als der unbewegliche
und läuft in eine scharfe Spitze aus; der unbewegliche
Finger trägt am distalen Ende des inneren Randes seiner
Innenfläche, gleich hinter der Spitze, einen starken und
scharfen Zahn, so dass dieser Finger zweispitzig
erscheint, und zwischen diesen beiden Endspitzen passt
die Spitze des beweglichen Fingers hinein.
Die Scheeren haben einen scharfen, fein gezälmelten
Unterrand, der sich auf den unbeweglichen Finger fort-
setzt.
Die Meropoditen der drei mittleren Fusspaare sind
am Oberrande mit drei oder vier spitzen Zähnchen besetzt.
Der Cephalothorax des grössten Individuums ist
4V2 mm. lang und 4 mm. breit.
Verbreitung: Chinesische und Japanische Meere, Küste
von Java.
Decapoden und Stomatopoden. 417
162. Porcellana (Porcellana) serratifrons Stimps.
Porcellana serratifrons^ Stimpson, Proc. Acad. Nat.
Scienc. of Philadelphia, 1858, p. 242.
Ein Männchen und zwei Weibchen von der Insel
Noordwachter.
Weil dieselndividuen mit der Stimpson'schenOriginal-
beschreibung nicht vollkommen übereinstimmen, so will
ich sie von Neuem beschreiben.
Der Cephalothorax ist so lang* wie breit, und die
schwach gewölbte obere Fläche ist meist mit einigen
Haarbüscheln besetzt, die besonders am vorderen Theile
grösser, länger und zahlreicher sind. Die Stirn ist
ungefähr halb so breit als die grösste Breite des Rücken-
schildes, ist abgeflacht und zeigt drei horizontal vorwärts
gerichtete Lappen. Der mittlere ist grösser und
breiter als die seitlichen und ragt ein wenig
mehr hervor; er ist vorn abgerundet und läuft
hier in mehrere kurze Stachelchen aus, was auch
mit den dreieckigen, seitlichen Stirnlappen der
Fall ist. Hinter der spitzen, äusseren Augenhöhlenecke
liegt der spitze Epibranchialzahn ; auf der Mitte des
Seitenrandes stehen drei spitze Stachelchen hinter ein-
ander, die von hinten nach vorn an Grösse abnehmen,
und zwischen dem vordersten dieser Stachelchen und dem
Epibranchialzahne beobachtet man fünf oder sechs sehr
kleine Stachelchen, welche, in einer Querreihe neben
einander angeordnet, auf einem schräg nach innen hin
gerichteten Vorsprunge stehen. Diese Zähnchen sind
aber so klein, dass sie erst unter einer starken Lupe
sichtbar werden.
Die Vorderfüsse sind ungleich. Der Vorderrand
der Ischiopoditen ist mit einem spitzen Zähnchen besetzt.
Die Brachialglieder zeigen nach vorn hin einen in drei
oder vier spitze Zähnchen auslaufenden Fortsatz und ihr
Hinterrand trägt zwei spitze Zähnchen, eins in der Mitte,
Arch. f. Natuigesch. 53. Jahrg. Bd. 1. 27
418 I>r. J. G. de Man:
(las zweite am distalen Ende. Auch der Aussenrand ihrer
unteren Fläche trägt in der Mitte ein spitzes Zähnchen.
Die Carpalglieder sind am Vorderrande mit drei bis fünf
spitzen Zähnchen besetzt und ebenso viel Zähnchen zeigt
der Hinterrand. Die obere Fläche des Carpus trägt einige
Haarbüschel, aber erscheint sonst glatt. Sowohl die
grössere wie die kleinere Scheere trägt bei Männchen und
Weibchen zwei Längsreihen von spitzen Höcker-
chen oder Zähnchen, von welchen eine ungefähr in
der Mitte verläuft vom Carpalgelenke bis zu der Basis
des beweglichen Fingers, während die andere ganz nahe
dem Unter- oder Aussenrande gelegen ist. Auch der
obere und der untere Rand der Scheere sind scharf und
fein gezähnelt. Die Finger sind an der Innenseite be-
haart. Die Finger der grösseren Scheere sind beim Männ-
chen kaum halb so lang wie das Handglied, beim Weib-
chen ein wenig länger, der bewegliche ist am Oberrande
fein gezähnelt und zeigt einen oder zwei schwache Zähne
am inneren Rande. Die Finger der kleineren Scheere
sind nur wenig kürzer als das Handglied, und am Innen-
rande nicht gezähnt. Beim Männchen, nicht beim Weib-
chen, läuft der unbewegliche Finger der kleineren Scheere
in zw^ei Spitzen aus. Die Scheeren sind ein wenig
gedreht und ihrem Unter- oder Aussenrande entlang,
zwischen dem Rande und der submarginalen Zähnchen-
reihe behaart.
Der Cephalothorax ist 4V2 mm. lang.
Verbreitung: Hongkong, Java.
163. Porcellana (Porcellana) quadrilobata Miers.
Porcellana quadrilobata, Miers, Report on the Zoolog.
Collect, made in the Indopaciiic Ocean during the voyage
of H. M. S. „Alert", 1884, p. 276, PI. XXX, Fig. D.
Vier Exemplare von der Insel Noordwachter.
Bei dieser Art wie bei der nahe verwandten F. strepto-
chira White und wie bei P. Danae Heller = armata Dana
sind die Carpalglieder der Vorderfüsse am Hinter-
rande unbe wehrt, und diese Arten, die auch im äusseren
Decapoden und Stomatopoden. 4|q
Habitus so sehr mit einander übereinstimmen, unter-
scheiden sich durch dieses Kennzeichen auf den ersten
Blick von Pore, serratifrons und von Pore, laüfrons, mit
welchen sie sonst grosse Aelmlichkeit zeigen.
Bei Pore, qnadrüohaia zeigen die Seitenränder hinter
der äusseren Augenhöhlenecke zuerst den Epibranchial-
stachel, dann den auch bei den anderen genannten Arten
vorkommenden, mit einem sehr kleinen Stachelchen be-
setzten, schräg nach innen gerichteten Vorsprung und
schliesslich drei Stacheln hinter einander auf der Mitte
des Seitenrandes.
Bei beiden Scheeren erscheint der Unterrand des
unbeweglichen Fingers sehr fein gezähnelt; das Handglied
zeigt ganz nahe dem Unter- oder Aussenrande eine Längs-
reihe von vier oder fünf spitzen Zähnchen, die aber
nicht bei allen Individuen vorkommen imd auch von
Miers nicht erwähnt werden. Es ist die submarginale
Längsreihe von Zähnchen, die sich auch bei Pore, strepto-
ektra, latifrons und serratifrons vorfindet. Die äusseren
Antennen sind mehr als zweimal so lang wie der Cephalo-
thorax.
Der Cephalothorax erscheint bei dem grössten Exem-
plare 6 mm. lang.
Verbreitung: Indischer Archipel, Ost -Küste von
Australien. —
164. Porcellana (Porcellana) streptochira White.
Taf. Xn Fig. 6.
Poreellana stre'ptoclm^a, White, List Crust. British Mus.
p. G4 (1847), descript. nulla. — Miers, Report on the
Zoolog. Collect, made in the Indopacific Ocean during
the voyage of H. M. S. „Alert", 1Ö84, p. 277. —
Zu dieser Art rechne ich zweiunddreissig Exemplare
von der Insel Noordwachter, in 1 5 Faden Tiefe gesammelt.
Nach Miers ist P. streptoehira der quadrilobata so
nahe verwandt, dass er vermuthet, dass die erstere bloss
eine Varietät der letzteren sei. Unsere Individuen zeigen
nun in der That eine grosse Uebereinstimmung mit quadri-
27*
420 Dr. J. G. de Man:
lobata, aber sie gehören dennoch zu einer eigenen Art.
Bei stre2?tochira ist nach Miers der Cephalothorax ver-
hältnissmässig' breiter als bei der einer Forcelianella
gleichenden quadrilohata und dies ist bei unseren Exem-
plaren wirklich der Fall. Uebrigens bieten sie auch eine
grosse üebereinstimmung mit Pore. JJanae Heller = ai'mata
Dana, aber sie stimmen mit der von Heller (Crustaceen der
Novara-Reise, S. 74) gegebenen Beschreibung nicht voll-
ständig überein, so dass ich vermuthe, dass diese annata
Dana eine andere Art sei.
Im äusseren Habitus zeigt der Cephalothorax eine
grosse Aehnlichkeit mit dem von Pore, serratifrom Stimps.
Er ist kaum länger als breit und die schwach ge-
wölbte obere Fläche zeigt zahllose feine Querlinien. Die
abgeflachte Stirn ist etwas breiter als die halbe Breite
des Rückenschildes und durch zwei dreieckige Aus-
schnitte in drei Lappen getheilt. Der mittlere Stirn-
lappen ist viel breiter als die beiden seitlichen,
ragt nur wenig über dieselben hinaus und ist
an seinem concaven Vorderrande mit mehreren
Stachelchen besetzt. Auch die seitlichen Stirn-
lappen laufen in fünf oder sechs spitze Zähnchen
aus. Hinter der spitzen äusseren Orbitalecke tragen die
Seitenränder zuerst den Epibranchialstachel, dan.n den
auch bei den verwandten Arten vorkommenden, schräg
nach innen gerichteten, mit zwei oder drei sehr kleinen,
spitzen Zähnchen besetzten Vorsprung und hinter diesem
auf der Mitte des Seitenrandes noch zwei spitze Stacheln.
Die äusseren Antennen sind mehr als zweimal so
lang wie der Cephalothorax. Die Vorderfüsse sind un-
gleich. Die Ischiopoditen sind vorne mit einem spitzen
Stachelchen besetzt. Die Meropoditen oder Brachial-
glieder tragen nach vorne einen in ein oder zwei Zähn-
chen auslaufenden Fortsatz, sind am Hinterrande unbe-
wehrt, tragen dagegen in der Mitte des Aussenrandes der
unteren Fläche ein, selten zwei oder drei kleine Zähnchen.
Die Carpalglieder sind am scharfen Vorderrande mit drei
Decapoden und Stomatopoden. 421
oder vier scharfen Zähnen besetzt, die bei den einzelnen
Individuen ein wenig variiren, ja bisweilen verläuft der
Rand nur wellenförmig;, weil die Zähne nicht vollkommen
ausgebildet sind. Der Hinterrand der Carpalglieder
ist abgerundet und unbewehrt; ihre obere Fläche
erscheint für das nackte Auge glatt, unter einer starken
Lupe zeigt sie dagegen äusserst feine Querlinien. Die
etwas gedrehten Scheeren zeigen dieselbe glatte, unbe-
haarte obere Fläche, an welcher man nur mittelst einer
starken Lupe mikroskopische Körnerlinien beobachtet.
Auf dem Handglied verläuft ganz nahe dem Unter- oder
Aussenrande eine Längsreihe von fünf oder sechs spitzen
Zähnchen, die bei den verwandten Arten gleich-
falls vorkommende, submarginale Reihe von
Zähnchen. Der Unterrand der Scheere ist sehr fein
gezähnelt, die Zähnchen werden auf dem unbeweglichen
Finger grösser. An beiden Scheeren sind die Finger an
der Innenseite behaart und bei beiden schliessen die
Finger an einander. Die Finger der grösseren Scheere
sind jeder mit einem dreieckigen Zahne besetzt, der be-
wegliche ist etwas gebogen. Der bewegliche Finger der
kleineren Scheere ist weniger gebogen und der unbeweg-
liche erscheint, wie bei den verwandten Formen, zwei-
spitzig. Die beweglichen Finger der beiden Scheeren
zeigen einen scharfen, sehr fein gezähnelten Oberrand
bei den Weibchen, während sie hier bei den Männchen
nicht gezähnelt zu sein scheinen. Unsere Art scheint
sich also von Pore. Dauae Heller durch die Form der
Stirn und die Zahl der Seitenzähne der Seitenränder zu
unterscheiden, während sie sich von qnadrilohata offenbar
viel leichter unterscheiden lässt.
Der Cephalothorax ist 4V5 mm. lang und 4 mm. breit.
Verbreitung: Indischer Archipel. —
165. Porcellana (Polyonyx) biunguiculata, Dana.
Forcellana bimigmculata, Dana, United States Expl.
Exp. Crustacea, I, p.411, PI. XXVI, Fig. 1.
422 ßi'- J- Gr. rte Mau:
[■olyonyx biangidculatus^ Miers, Report on the Zoolog.
Collect, made in the Indopacific Ocean during the voyage
of H. M. S. „Alert", p. 559.
Zwei Weibchen von Amboina.
Die zwei von Miers unter den Namen Polyonyx
bliuigiticulatus und Polyonyx ohesulus unterschiedenen
Formen finden sich auch in dieser Sammlung und zwar
ist die erstere durch die zwei vorliegenden Weibchen
vertreten, die zweite durch ein Männchen. Obgleich auch
ich geneigt bin, beide Formen als verschiedene Arten
anzusehen, scheint es mir doch, dass Pore, obesula White
mit der Dana'schen Art identisch ist und dass die Art,
welche Miers für hinnguiculata hält, neu ist. Ich will mich
aber der Meinung von Miers anschliessen, eben weil schon
zwei Namen existiren.
Bei den beiden Weibchen ist der mittlere Stirnlappen
gross, dreieckig und spitz; auifallender Weise er-
scheint er aber bei dem einen etwas schmäler als bei
dem anderen.
Die Vorderfüsse sind von gleicher Grösse und Form.
Die Brachialglieder zeigen amVorderrande einen breiten,
vorstehenden, stumpfen, auch von Miers b eschri eb enen
Lappen, welcher bei obesula nicht vorkommt und auch
von Dana nicht abgebildet wird. Ich sehe eben in dieser
üebereinstimmung einen Beweis für die Identität von
obesula White mit der Dana'schen Art. Die untere Fläche
der Brachialglieder trägt in der Mitte ein kurzes spitzes
Stachelchen. Die Scheerenfinger schliessen ihrer ganzen
Länge nach an einander, aber das Klaifen der Finger
zeichnet vielleicht nur die Männchen aus. Die ganze
Aussenfläche der Scheere und der Finger erscheint etwas
gröber punktirt als bei dem Männchen von obesula.
Der bewegliche Finger ist am Oberrande gekielt
und auch der Unterrand der Scheere erscheint
gekielt und dieser Kiel setzt sich auf den Unter-
rand des unbeweglichen Fingers fort. Die Dacty-
lopoditen der drei mittleren Fusspaare sind am Unter-:
rande mit zwei Nebeuklauen besetzt, von welchen die
Decapoden und Stoinatopoden. 423
vordere so lang und etwas breiter ist wie die Endklaue,
die hintere aber sehr klein ist.
Der Cephalothorax ist 5V2 mm. breit.
Verbreitung: Rothes Meer, Seychellen, Indischer
Archipel, Australische Küste. —
166. Porcellana (Polyonyx) obesuia White.
Porcellana obesuia, White, List Crust. Brit. Mus. 1847,
p. 130.
Polyonyx ohesulus, Miers, Report on the Zoolog. Collect,
made in the Indopacific Ocean during the voyage of
H. M. S. „Alert", 1884, p. 272, PI. XXIX, Fig. D.
Ein Männchen von Amboina.
Die Vorderfüsse sind sehr ungleich; bei dem grösseren
linken Fusse klaffen die Scheerenfinger stark, während
sie bei dem rechten Fusse ihrer ganzen Länge entlang
an einander schliessen. Das Thier stimmt gänzlich mit
der Dana'schen Abbildung von P. hianguiculata überein,
so dass ich an die Identität von P. obesuia mit der von
Dana beschriebenen Form kaum zweifle. Der mittlere
Stirnlappen ist breit, dreieckig, abgerundet und
ragt nur wenig über die seitlichen hinaus. Die
Brachialglieder der Vorderfüsse zeigen einen abgerundeten
Vorderrand, der keinen vorstehenden Lappen bildet,
und ihre untere Fläche trägt kein Stachelchen. Die
grössere Scheere stimmt vollkommen mit der Dana'schen
Abbildung (PI. XXIV, Fig. Ib) überein, und ist an der
Aussenfläche fein und sparsam punktirt. Der bewegliche
Finger ist am Oberrande nicht gekielt und auch der
Unterrand der Scheere erscheint abgerundet. An der
kleineren Scheere erscheint der Unterrand des unbeweg-
lichen Fingers scharf und gekielt. Die Dactylopoditen
stimmen mit denen der vorigen Art überein.
Der Rückenschild ist kaum 5 mm. breit. Das Exemplar
zeigt eine dunklere rothe Farbe als die zwei zu Poi-c.
biunguiculata gestellten Individuen.
Verbreitung: Chinesisches Meer (Madgica - Sima-
Gruppe), Indischer Archipel, Australische Küste.
424 I)i'- J- ^- ^^ Man:
167. Porcellana (Polyonyx) sp.
Taf. XIII Fig. 1.
Ein Weibchen von Amboina.
Dieses Individuum weicht durch den Bau seiner
Vorderfüsse von den beiden vorigen Arten ab, so dass wir
wahrscheinlich mit einer neuen Art zu thun haben, für
welche ich in diesem Falle den Namen P. tuhercalosa
vorschlage.
Der Cephalothorax ist dem der beiden anderen
Arten ähnlich. Der mittlere Stirnlappen ist dreieckig,
breit, ziemlich spitz und ragt nur wenig über die seit-
lichen Lappen, d.h. die inneren Augenhöhlenecken, hinaus.
Der rechte Vorderfuss ist etwas grösser als der linke.
Die Brachialglieder zeigen vorn einen wenig vorstehenden
Lappen, der an seinem freien Rande ein feines Zähnchen
trägt; ihre untere Fläche ist mit einem kurzen Stachel-
chen besetzt. Die Carpalglieder unterscheiden sich von
denen der beiden anderen Arten dadurch, dass ihr Vorder-
rand Andeutungen von zwei kleinen Zähnchen
zeigt; ihre obere Fläche ist ziemlich grob punktirt. An
den Scheeren schliessen die Finger an einander, wie bei
den Weibchen immer der Fall ist. Sie zeichnen sich
vor denen von P. hiungaiculata dadurch aus, dass sie
noch gröber punktirt sind und zwar in dem Grade,
dass auf der Aussenseite an der Basis des unbe-
weglichen Fingers mehrere abgerundete Höcker-
chen verschiedener Grösse gebildet werden. Auch
die Finger erscheinen grob punktirt. Das Handglied er-
scheint am oberen Rande schwach gekielt, der beweg-
liche Finger nicht, wohl aber der unbewegliche; der
Kiel des unbeweglichen Fingers erscheint fein gezähnelt
oder gekörnt, und auch der Oberrand des beweglichen
Fingers zeigt nach der Spitze hin feine Zähnchen. Die
übrigen Fusspaare verhalten sich wie bei den beiden
anderen Arten. Körper und Vorderfüsse sind unbehaart.
Das Thier erscheint auf röthlicher Grundfarbe weiss
gefleckt.
Der Cephalothorax ist 4 mm. breit.
Decapoden und Stomatopoden, 425
Gattung: Albunea Fabr.
168. Albunea symnista L.
Albunea symnista, Linne, Milne Edwards, Miers,
Revision of the Hippidea, Journal of the Linnean Society
of London, Vol. XIV, p. 326.
Ein Exemplar von Amboina.
Verbreitung: Malayischer Archipel, Bengalischer
Meerbusen.
Gattung ßemipes Latr.
169. Remipes testudinarius Latr.
Remipes testudinarius, Latreille, Milne Edwards, Hist.
Nat. des Crustaces, T. II, p. 206, PL XXI, Fig. 14—20. —
Miers, On the Hippidea, in: Journal of the Linnean
Society of London,^ Vol. XIV, p. 316, Pl.V, Fig. 1.
Sieben junge Exemplare von Amboina.
Der Cephalothorax des kleinsten mit Eiern besetzten
Weibchens ist nur 13 mm. lang, während er bei den
grössten nur eine Länge von 16 mm. hat.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Stiller
Ocean bis zu den Küsten Californiens.
169 a. Remipes testudinarius Latr., var.: denticulatifrons Miers.
Remipes testudinarius, Latr., var.: denticulatifrons, Miers,
on the Hippidea, Journal of the Linnean Society of
London, Vol. XIV, p. 318, PI. V, Fig. 2.
Zwei grosse und drei junge Exemplare wurden zu
gleicher Zeit mit den oben angeführten typischen zu
Amboina aufgefunden. Charakteristisch sind nur die
Frontalzähne und die Structur xles Seitenrandes des
Rückenschildes ; was aber die von Miers auch angegebenen
Unterschiede in der Gestalt der Endglieder des zweiten
und des dritten Fusspaares betrifft, so muss ich bemerken,
dass ich keine Unterschiede finde gegenüber den typischen
Exemplaren. Bei den zwei grösseren Individuen, deren
Cephalothorax 25 mm. lang ist und auch bei einem jungen
426 Dr. J. Cl. de Man:
Exemplare findet sich ein kleines medianes Zähnchen,
in der Mitte der Stirn, zwischen den zwei mittleren
Stirnzähnen.
Verbreitung: Dieselbe wie bei der typischen Form.
Gattung- Eiipag'urus Dana.
170. Eupagurus hirtimanus White.
Pagiiraa hirtimanus^ White, List Crust. Brit. Museum,
p. 60.
Enpagnrns Jw'timanus, Miers, Annais and Magazine
of Natural History for 1880, p. 35, PL XIV, Fig. 6 u. 7.
Zu dieser Art stelle ich ein Männchen von Amboina,
nicht nur weil es mit der von Miers gegebenen Be-
schreibung dieser Art sehr gut übereinstimmt, sondern
weil es auch von allen von Dana, Stimpson und Filhol
beschriebenen Eupagurus -Arten verschieden ist. Mit Un-
recht vermuthete Miers, dass Eujmgurus ja/jonicus Stimps.
mit Eup. hirtimanus identisch ist, mit Unrecht darum, weil
bei der japanischen Art die grössere Scheere „mehr als
zweimal so lang wie breit" ist, was bei Eup. hirtimanus
White nicht der Fall ist.
Mit den im indischen Archipel lebenden Eupaguren
sind wir noch sehr unvollkommen bekannt, und es scheint
mir fast, dass in diesen Gewässern nur wenige Enpagurus-
Arten leben, im Gegensatze zu den japanischen und zu
den australischen und neu-seeländischen Meeren.
Der Cephalothorax ist verlängert und die glatte,
glänzende, sogar nicht punktirte obere Fläche ist wenig
behaart: nur an den Seitenrändern der verlängerten,
schildförmigen Magengegend, welche fast zweimal so lang
ist wie breit, kommen einige Haarbüschel vor, so wie
am Vorderende der hinteren Seitenränder, gleich hinter
der tiefen Cervicalfurche. Der Stirnrand bildet in der
Mitte ein dreieckiges, spitzes Rostrum, das bedeutend
mehr hervorragt als die gleichfalls spitzen, dreieckigen
Seitenzähne. Der vordere Seitenrand ist glatt, ungezähnt
und unbehaart. Die schmalen, verlängerten Augen-
Decapoden und Stomatopodeii. 427
schüppclien sind an ihrem Vorderende zwar abgerundet,
an der Hinterfläclie aber mit einem spitzen Zähnchen
bewehrt, welches über das Vorderende hinausragt. Die
Augenstiele sind ein wenig kürzer als die Breite des
Stirnrandes beträgt, und an der Cornea, welche beinahe
die Hälfte des Augenstieles einnimmt, bedeutend ver-
breitert. Die Augenstiele sind kürzer als der Stiel der
äusseren Antennen und reichen kaum bis zum ersten
Drittel des letzten Stielgliedes ; auch der Stiel der inneren
Antennen überragt die Augen. Die äusseren Antennen
sind fast dreimal so lang wie der Cephalothorax ; das
erste Glied ist lang behaart, und auch die beiden
folgenden tragen einige Härchen. Der Basalstachel ist
lang und dünn, ein wenig gebogen, ungezähnt, lang
behaart und überragt kaum die Augenstiele; er
reicht ungefähr zum proximalen Drittel des letzten Stiel-
gliedes. Die Geisselglieder tragen microscopische Härchen,
und die Geissei ist einfach cylindrisch, nicht gesägt.
Der Hinterrand des ersten Abdominalsegmentes trägt
an jeder Seitenecke ein kleines, dreieckiges, scharfes
Zähnchen.
Die Vorderfüsse sind von sehr ungleicher Grösse
und Form. Das Brachialglied des rechten Fusses ist
an der Innen- und an der Aussenfläche, sowie am abge-
rundeten Oberrande glatt, an der unteren Fläche dagegen
ein wenig gekörnt und behaart; der lang behaarte Vorder-
rand der Innenfläche ist abgerundet und ungezähnt, gleich-
wie der Vorderrand der Aussenfläche. Das Carpalglied
ist dreieckig und ungefähr so lang wie die Breite seines
Vorderrandes beträgt; die obere Fläche ist mit langen
Haaren besetzt, die auch am Vorderrande der ab-
geplatteten, glatten Innenfläche^ stehen. Am distalen
Ende des Innenrandes der oberen Fläche stehen vier
kurze Stacheln hinter einander, welche von hinten nach
vorn an Grösse zunehmen ; auf der oberen Fläche selbst
stehen auch einige Stacheln, welche in der Mitte durch
ein glattes Feld getrennt werden; die inneren bilden
eine aus vier oder fünf Stacheln bestehende Längsreihe,
428 Dr. J. Ct. de Man:
die äusseren sind kleiner und unregelmässig: angeordnet.
Die Scheere ist ein wenig länger als der Cephalotborax,
aber die Länge erreicht noch nicht das Doppelte
der Breite; sie ist etwas breiter als das Carpalglied.
Das Handglied, das nur wenig länger ist als die
Finger, ist ungefähr so lang wie breit; der Innen-
rand ist gerade, der Aussenrand der Scheere dagegen
erscheint nach aussen hin convex gebogen. Die ab-
geflachte, wenig gebogene obere Fläche ist mit langen
Haaren besetzt, wie das Carpalglied und ein wenig ge-
körnt; die Ränder sind mit etwas grösseren, scharfen
Körnern besetzt und fünf oder sechs dieser Körner bilden
eine Längsreihe in der Mitte der oberen Fläche. Die
Finger sind gleichfalls an der oberen Fläche gekörnt und
behaart, und der Aussenrand des beweglichen Fingers,
wie auch der Aussenrand des unbeweglichen Fingers
sind mit grösseren, scharfen Körnern besetzt. Die untere
Fläche der Scheere ist glatt imd trägt, besonders nach
den Fingern hin und auf denselben kurze Haarbüschel.
Das Brachial- und das Carpalglied des linken
Scheerenfusses sind stark seitlich zusammengedrückt;
das Brachialglied ist glatt, und an den Rändern behaart.
Das Carpalglied ist mit langen Haaren besetzt und trägt
eine Doppelreihe von spitzen Stacheln an der oberen
Fläche. Die Scheere ist wenig mehr als zweimal so lang
wie breit und die Finger sind ein wenig länger als das
Handglied; an der Aussenfläche trägt sie kürzere, an der
oberen Fläche längere Haare. Sonst ist diese Scheere
glatt, ohne Stacheln. Das zweite und das dritte Fuss-
paar sind glatt, ungezähnt, tragen keine Stacheln und
sind ziemlich dicht und lang behaart; die Endglieder
sind etwas kürzer als die Propoditen und am Unter-
rande mit einer Längsreihe von spitzen Stacheln besetzt.
Der Cephalotborax hat, in der Mittellinie gemessen, eine
Länge von 13 mm., die grössere Scheere ist 15 mm. lang
und das Handglied 8V2 mm. breit; die kleinere Scheere
ist nur 6V2 mm. lang und 2V4 mm. breit.
Verbreitung : Indischer Archipel (Philippinen, Amboina).
Decapoden und Stomatopoden. 429
Gattung Pagurus Fabr.
171. Pagurus punctulatus Oliv.
Pac/urus jn^nctulatus^ Olivier, Milne Edwards, Hist.
Nat. des Crustaces, II, p. 222.
Zehn Exemplare verschiedener Grösse von Pulo
Edam, drei junge von der Insel Noordwachter, und ein
erwachsenes und ein sehr junges Exemplar von Amboina.
Bei den jüngsten Individuen sind die Augenstiele be-
deutend länger als der Vorderrand des Rückenschildes ;
bei denjenigen, deren Cephalothorax ungefähr eine Länge
von 45 mm. erreicht hat, sind sie gerade so lang, bei
dem grossen Weibchen von Amboina schliesslich, dessen
Cephalothorax 70 mm. lang ist, ist der Vorderrand des
Rückenschildes länger als die Augenstiele: der erstere
misst nämlich 26 mm., die letzteren nur 23 mm. Unter
der Länge der Augenstiele verstehe ich dabei die Ent-
fernung ihrer Vorderenden von dem Vorderrande des
Rückenschildes.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Ma-
layischer Archipel, bis zu den Fidschi- und Samoa-Inseln.
172. Pagurus euopsis Dana.
Pagurus euopsis, Dana, Unit. States Expl. Exp. Cru-
stacea I, p. 452. Taf. XXVIII, Fig. 6. — Richters, Deca-
poden der Insel Mauritius, 1880, S. 160.
Vier Exemplare (3 (?, 1 ?) von der Insel Edam und
eins von Amboina. Das letztere steckt in einer Tnrho-
Schale, welche eine Actinia trägt. Dana beobachtete von
dieser Art nur ganz junge Exemplare; bei unserem
grössten Individuum {S) hat der Cephalothorax eine
Länge von 40 mm. Diese Art schliesst sich Pag. punctu-
latus Oliv unmittelbar an: dennoch lässt sie sich durch
die verschiedene Zeichnung sowie durch die folgenden
Merkmale unterscheiden. Der vordere Theil der Regio
gastrica trägt nämlich einen dunkelrothen Fleck, welcher
bei punctulatus fehlt und die Meropoditen und die Carpo-
poditen des zweiten und des dritten Fusspaares sind jeder
430 I>r. J. O. <le Man:
an der Aussenseite mit einem Flecke von derselben
dunkelrothen Farbe gezeichnet. Auch diese Flecken
kommen bei imnctulatns nicht vor. Die letztere Art ist
dagegen bekanntlich mit einer Menge kleiner weisser
Punkte gezeichnet, von welchen jeder von einem dunklen
Ringe umgeben ist; auch P. euopsis trägt hie und da
ähnliche weissliche Punkte auf rother Grundfarbe, welche
abei* nie von einem dunklen Ringe umgeben werden.
Beide Arten sind gleich stark behaart und beide
stimmen auch ungefähr mit einander überein, was die
Bestachelung ihrer Beine betriift. Die übrigen wichtigsten
Unterschiede sind die folgenden. Zuerst sind die Augen-
stiele bei euo2:)sis schlanker und länger. Bei einem
Exemplare von Pag. pnnctulatus , dessen Cephalothorax
ein Länge hat von 45 mm., sind die Augenstiele und der
Vorderrand des Rückenschildes IS^/g i^^in- resp. 17 mm.
lang; bei dem Individuum von Pag. euopsis dagegen,
dessen Rückenschild 40 mm. lang ist, messen die Augen-
stiele und der Vorderrand des Rückenschildes I8V4 "iii^-
resp. 15 mm. Bei der Dana'schen Art sind also die
Augenstiele länger im Verhältniss zur Breite des Vorder-
randes des Rückenschildes und ausserdem sind sie be-
deutend schlanker. Charakteristisch sind auch die
äusseren Antennen. Ihr Basalstachel ist nämlich bei
euopsis sehr kurz und reicht kaum bis zu dem Vorder-
ende des zweiten Stielgliedes; bei I^ag. pundulatus ist er
bedeutend länger und überragt hier das Vorderende des
zweiten Stielgliedes. Die vorderen Glieder der Endborste
schliesslich, die bei pnnctulatus einfach cylindrisch sind,
sind bei euopsis am distalen Ende ihres Innenrandes
(Dana, 1. c. Fig. c) auf charakteristische Weise ver-
dickt, so dass die Endborste hier gesägt erscheint.
Ich vermuthe, dass Pagums affinis Milne Edwards
mit Pag. euopsis Dana identisch ist; die von Milne Edwards
angegebenen Kennzeichen finden sich in der That bei
dieser Art vor. Was die von ihm angeführte geringe
Behaarung des zweiten und des dritten Fusspaares be-
trifft, so dürfte dieselbe vielleicht als eine individuelle
Decapoclen und Stomatopoden. 431
Eigenthüinlichkeit des Milne Edwards'schen Original-
exemplares ang-esehen werden und der weiche Abdominal-
fortsatz findet sich sowohl bei punctidatas, wie bei affinis
und enopsis.
Ich kann nicht umhin zu bemerken, dass bei unseren
Exemplaren der Cephalothorax viel mehr behaart ist und
dass die die Magengegend begrenzenden Furchen viel
tiefer und besser ausgeprägt sind als bei dem von Dana
abgebildeten, von den Samoa-Inseln herstammenden Indi-
viduum. Herrn Dr. Hilgendorf, dem ich eins der vier
Exemplare von Pulo Edam zuschickte, blieb es darum
zweifelhaft, ob es wohl zu enopsis gestellt werden könnte.
Das Dana'sche Individuum ist aber jünger als die unsrigen,
so dass die schwächere Behaarung vielleicht dem zuzu-
schreiben ist; ausserdem besteht die Möglichkeit, dass
bei den Dana'schen Thieren die Behaarung zufällig
schwächer entwickelt war, als bei normalen Thieren der
Fall ist. Herr Dr. Hilgendorf sah das Exemplar dann
auch als eine Varietät von P. depressns Heller an, wie
er auch schon im Jahre 1878 gethan hatte (Monatsber.
Berliner Akad. 1878, S. 815).
Verbreitung: Indischer Ocean (Seychellen, Richters,
Mauritius, Hilgendorf), Malayischer Archipel, Stiller Ocean
(Upolu).
173. Pagurus depressus Heller.
Pagurus depressus, Heller, Beiträge zur Crustaceen-
Fauna des Rothen Meeres, in: Sitzungsber. Kais. Akad.
Wiss. zu Wien, Bd. XLIV, 1861, S. 248. — Hilgendorf,
in: Monatsber. Berliner Akad. 1878, S. 814.
Ein Männchen von der Insel Edam.
Dieses Exemplar wurde an derselben Localität ge-
fangen wie die vier Exemplare von F. eaopsis Dana.
Herr Dr. Hilgendorf, dem ich das Thier zuschickte, er-
klärte es, wie ich, für den richtigen depressus Heller,
aber, wie ich schon oben bemerkte, sieht er die von
mir zu euopsis gestellten Individuen für eine Varietät
von dieser Heller'schen Art an. Richters (Beiträge zur
432 Dl'. J- Ci. de Man:
Meeresfauna der Insel Mauritius und der Seychellen,
1880, S. 160.) spricht sich ähnlich aus. Auch ich bin
sehr geneigt, den depressus für eine Varietät des euopsis
zu halten, dessen Körper sich durch Anpassung an einer
engmUndigen Schnecke besonders abgeplattet hat.
Das vorliegende Männchen unterscheidet sich von
dem Männchen des F. euopsis durch die folgenden
Charaktere. Der Cephalothorax ist bedeutend abgeplattet
und viel dünner. Das Sterniim ist verbreitert, abgeflacht,
und zeigt demzufolge an den einzelnen Segmenten
eine etwas verschiedene Form. Die äusseren Kiefer-
füsse sind an der Basis durch einen grösseren Zwischen-
raum getrennt, etwa wie bei Eupagums. Der linke
Scheerenfuss ist bedeutend kleiner, so dass er kaum
grösser ist als der rechte, wie dies auch bei den
Weibchen von euopsis der Fall ist. Dann sind die
Scheerenfüsse, wie auch die folgenden Füsse, viel weniger
stachelig; die Brachialglieder der ersteren sind am Unter-
rande ihrer Innenflächen mit kurzen Stacheln besetzt,
bei P. depressus unbewehrt: nach Hilgendorf kommen
aber auch bei Exemplaren von P. depressus Dornen an
dieser Stelle vor. Schliesslich ist der behaarte Fleisch-
kegel am Abdomen bedeutend länger und grösser. —
Die Uebereinstimmung zwischen beiden Formen ist
aber auch sehr gross. Zuerst sind die Zeichnung und
die Farbe bei beiden genau dieselbe, sogar was
die Einzelheiten betrifi't. Die Haare, mit welchen Körper
und Füsse bewachsen sind, sind bei beiden röthlich mit
weissen Spitzen. Dann zeigt die obere Fläche des
Eückenschildes genau dieselbe Struktur und Behaarung
und vollkommene Uebereinstimmung herrscht auch in
Bezug auf die Form und die Länge der Augenstiele und
der Antennen. Die Endglieder der äusseren Antennen
zeigen dieselbe charakteristische Form wie bei P. e^iopsis.
Die Füsse schliesslich verhalten sich gleichfalls ähnlich,
von den genannten Unterschieden abgesehen.
Der Körper dieses Exemplares ist 60 mm. lang.
Decapoden und Stomatopoden. 433
Verbreitung: Rothes Meer (Heller), Indischer Ocean
(Mozambiqiie, Hilgendorf, Trincomali, F. Müller). Java
See. —
174. Pagurus setifer M. Edw.
Paguriis setifer, Milne Edwards, Hist. Nat. des Crus-
taces, T. II, p. 225. — Hilgendorf, Monatsber. Berliner
Akad. Wiss. 1878, S. 815, Taf. III, Fig. 8.
Vier erwachsene Exemplare (2 (?, 2 $ mit Eiern) von
der Insel Edam und zwei junge Individuen von Amboina.
Wenn diese Thiere nicht zu der Milne Edwards 'sehen
Art gehören, so gehören sie jedenfalls zu der von Hilgen-
dorf unter dem Namen Pag. setifer beschriebenen Form.
In ihrem äusseren Habitus stimmt diese schöne Art fast
vollkommen mit dem von Dana abgebildeten Pagimis
gnitatus Oliv. Überein, nicht nur was die Gestalt, sondern
auch was die Färbung betrifft. Sie lässt sich aber auf
den ersten Blick durch den Bau der zwei letzten
Glieder des dritten linken Beines von ihr unter-
scheiden. Die nur massig schlanken, nach ihrem Vorder-
ende zu wenig erweiterten Augenstiele sind etwas kürzer
als die Breite des Vorderrandes des Eückenschildes
beträgt und sehen wohl denen von gnitatus ähnlich.
Mit der ungefähr den fünften Theil ihrer Länge messenden
Cornea überragen die Augenstiele die Basalstiele sowohl
der äusseren wie der inneren Antennen. Die Endborsten
der äusseren Antennen erscheinen in der Mitte schwach
gesägt, an ihrem inneren Rande ungefähr wie bei Pag.
euopsis Dana. Der Körper unserer Art stimmt in Form
und Gestalt mit Pag. guttatus überein. So ist der Cephalo-
thorax auffallend flach und dünn und nach hinten zu
so stark erweitert, dass er hinten mehr als zweimal
so breit ist als am Vorderrande. Die Seitenränder tragen,
besonders vor der ziemlich tiefen Cervicalfurche, mehrere
gelbe Haare, aber sonst erscheint die obere Fläche des
Cephalothorax vollkommen glatt und unbehaart, nur von
den gewöhnlichen die Felder begrenzenden Furchen
Arcli. f. Natingescli. 53. Jahrg. Bd. I. 28
434 Dr. J. Gr. de Man:
durchzogen. Das Sternum ist, wie bei gattaim, nach
hinten sehr breit und hat eine dreieckige Form. Während
die Basalglieder der äusseren Kieferfüsse von einem
kleinen Zwischenräume getrennt werden, lassen die Basal-
glieder der Vorderfüsse schon einen grösseren Raum
zwischen sich und die Entfernung der ßasalglieder des
vierten Fusspaares übertrifft sogar ein wenig die Breite
des Vorderrandes des Rückenschildes. Der lang behaarte
,, Fleischkegel" hinter dem dritten Abdominalfusse, an der
linken Seite des Abdomens, findet sich sowohl beim
Männchen wie beim Weibchen, erscheint aber beim
Weibchen bedeutend stärker und grösser.
Die Vorderfüsse sind, wie bei guttatus^ sehr klein,
der linke nur wenig grösser als der rechte. Ihre Brachial-
glieder erreichen kaum die Cornea der Augenstiele und
sind, wie die zwei ersten Glieder, fast gänzlich glatt und
unbewaffnet, weil nur der untere Aussenrand eine ge-
ringe Zahl kleiner Stacheln am distalen Ende trägt. Die
kurzen Carpalglieder sind ebenso oben und unten glatt
und unbewehrt und tragen nur ein Paar kleiner Stacheln
am inneren und am äusseren Rande ihrer oberen Fläche,
während am inneren Rande der vorderste Stachel etwas
grösser ist als die anderen. Die Scheeren sind ungefähr
zweimal so lang wie breit und an der Aussenfläche, be-
sonders aber am Oberrande, mit einer geringen Zahl von
kleinen, schwachen Stacheln bewehrt, während ihre in-
nere Fläche glatt und unbewehrt ist. Wie Dr. Hilgen-
dorf bemerkt, ist die Bewegung der Scheerenfinger fast
horizontal, Clibanarius-sn'tig. Brachialglied und Carpal-
glied sind schwach behaart; die Scheeren dagegen mit
langen gelben Haaren besetzt, die an der linken Scheere
gegen den Unterrand hin besonders stark entwickelt sind.
Die Füsse des zweiten und des dritten Paares sind
verhältnissmässig kurz. Mit Ausnahme der mit einigen
Stachelchen besetzten Dactylopoditen sind diese Füsse
fast überall glatt und unbewehrt, weil sich nur noch
einige wenige Stachelchen am Aussenrande der Carpo-
poditen und der Propoditen vorfinden. Charakteristisch
Decapoden iiiul Stomatopoden. 435
für unsere Art ist nun der Bau des vorletzten und
des letzten Gliedes des dritten Beines an der
linken Seite, welcher von Hilgendorf genau abgebildet
worden ist (1. e. Taf. III, Fig*. 8.) Was die Behaarung
dieser Füsse betrifft, bemerke ich dass diese fahlgelben
Haare am dritten linken Beine viel länger und zahl-
reicher sind und dichter stehen als an den Füssen der
rechten Seite, noch mehr am äusseren als am inneren
Rande angehäuft sind, und dass auch der linke vierte
Fuss viel länger behaart ist als der betreffende Fuss der
anderen Seite.
Was die Zeichnung betrifft, so erscheinen die Füsse
roth mit zahlreichen weisslichen Punkten, während die
Carpalglieder der drei ersten Fusspaare an ihrer
glatten oberen Fläche mit einem grossen, runden,
weisslichen Flecke gezeichnet sind, wie bei guüatus.
Der Cephalothorax des grössten Männchens ist 34 mm.
lang, vom Vorderrande bis zum Hinterende der er-
.weiterten Branchialgegenden. Die grössere (linke) Scheere
hat eine Länge von 19 mm. (die Finger mitgerechnet)
und eine Breite von 9 mm. Vom Vorderrande des Rücken-
schildes ab gemessen sind die Augenstiele I2V2 wnn- lang,
während der Vorderrand des Rückenschildes 1372 i^^ii^-
breit ist.
Mit Unrecht stellte Haswell unsere Art zu der Gattung
E^ipagurus.
Verbreitung: Indischer Ocean (Mogambique), Malay-
ischer Archipel, Neu-Holland.
175. Pagurus deformis M. Edw.
Pagurns deformis^ Milne Edwards, Annales des
Sciences Naturelles, IL Serie, T. VI, 1836, p. 272,
PL XIH, Fig. 4.
Vier Weibchen, von denen zwei mit Eiern versehen
sind, wurden auf der Insel Pulo Edam gesammelt.
Verbreitung: Indischer Ocean von der Küste von
Mocambique ab, durch den Malayischen Archipel, bis zu
den japanischen und neu-irländischen Meeren.
28*
436 Dr. J. G. de Man:
176. Pagurus varipes Heller.
Pagurus varipes, Heller, Sitzungsber. Akad. der Wiss.
zu Wien, Bd. XLIV, S. 244, Taf. I, Fig. 1, und Taf. II,
Fig. 2 u. 3. — de Man, Notes from tlie Leyden Museum,
Vol. II, p. 184 und Vol. III, p. 129.
i^ Pagurus pedanculatus, Herbst, Krabben und Krebse,
III, S. 25, Taf. LXI, Fig. 2. — Hilgendorf, Monatsber.
Akad. Wiss. zu Berlin, 1878, S. 815.
Ein mit Eiern besetztes grösseres Exemplar von der
Insel Noordwachter und zwei jüngere Weibchen von
Amboina.
Obgleich dem Pag. deformis nächst verwandt, lässt sich
Pag. varipes dennoch leicht unterscheiden durch das
Endglied des dritten linken Fusses, dessen Aussenseite
eine in der Mitte vorspringende, ziemlich scharfe Längs-
kante trägt, sowie durch den, an seinem oberen Rande
nicht gekielten, beweglichen Finger der grösseren
Scheere. Früher habe ich das Vorkommen von Pag.
varipes in dem Malayischen Archipel schon constatirt; ich
möchte nun aber noch bemerken, dass auch ich geneigt
bin, diese Art als eine Varietät des Herbst'schen Pag.
pedunciUatus zu betrachten, wie Hilgendorf schon 1878
gethan hat. Denn auch bei jüngeren Individuen von
varipes erscheint die obere Hälfte der Aussenseite der
grösseren Scheere schwach längsgefurcht, ungefähr wie
bei Pag. deformis; bei erwachsenen Individuen, wie bei
dem von Heller beschriebenen Originalexemplare dagegen,
erscheint diese Längsfurche viel schwächer ausgeprägt
oder nur angedeutet. Die Augenstiele tragen bei unseren
Exemplaren einen hellen Mittelstreifen, genau so wie ihn
Herbst für seinen pedanculaüis beschreibt.
Unsere Exemplare stimmen mit der Heller 'sehen Be-
schreibung zur Genüge überein; dennoch will ich be-
merken, dass die beiden Endglieder des dritten linken
Fusses bei unserem grösseren Exemplare, dessen Cephalo-
thorax 30 mm. lang ist, etwas schlanker gebaut sind als
auf der Heller'schen Abbildung.
i
Decapoden und Stomatopoden 437
Verbreitung': Rothes Meer, Indischer Ocean, Malayi-
scher Archipel. In den Japanischen Meeren wird unsere
Art durch Pagums asper de Haan vertreten, wenn diese
Form wirklich verschieden ist.
Gattung Calcinus Dana.
177. Calcinus Herbstii n. nom.
Calcinus tibicen, Milne Edwards, Hist. Nat. des Crust.
T. II, p. 2*29. — Heller, Crustaceen der Novara- Reise,
S. 87. — Hilgendorf, Monatsber. Akad. der Wiss. Berlin,
1878, S. 823. —
Nee: Calcinus tibicen, Herbst, Krabben und Krebse,
H, Taf. XXni, Fig. 7.
Es unterliegt keinem Zweifel, dass Cancer tibicen
Herbst mit dem westindischen Calcinus sulcatus M. Edw.
identisch ist; schon Hilgendorf hat dies hervorgehoben.
Für Calcinus tibicen M. Edw. schlage ich also den Namen
Calcinus Herbstii vor; zwar erklärt Stimpson Pagurus laevi-
nianus Rand, für identisch mit Calcinus tibicen M. Edw.,
aber diese Behauptung scheint mir noch nicht gänzlich
sicher, weil Randall die rechte Scheere als die grössere
beschreibt.
Es liegen mir von dieser hübschen Art nun dreizehn
Exemplare verschiedener Grösse vor, Männchen und Weib-
chen, zwei junge von der Insel Edam, neun von der
Insel Noordwachter und zwei von Amboina.
Wie bei Calcinus terrae-reginae Hasw. trägt das Carpal-
glied des linken (grösseren) Scheerenfusses eine bei
unserer Art ziemlich tiefe, schräg verlaufende Grube am
hinteren Theile der oberen Fläche neben dem Oberrande.
Milne Edwards erwähnt diese bei mehreren Arten der
Gattung Calcinus auftretende Grube gar nicht. Für das
nackte Auge erscheint die linke Scheere vollkommen
glatt; bei Lupenvergrösserung aber erscheint das Hand-
glied sehr fein gekörnt und punktirt, die Finger an der
Aussenfläche nur etwas punktirt. Die Finger sind kürzer
als das massig comprimirte Handglied, welches ungefähr
438 Dl'. J- G. de Man:
gerade so lang ist wie hoch, an der Aussenseite ein wenig
eonvex, an der Innenseite mehr abgeflacht. Die Finger
schliessen gegen einander an und der bewegliche Finger
ist schräg nach unten gerichtet. Die kleine, in der Nähe
des Carpalgelenkes gelegene untere Fläche des Hand-
gliedes trägt mehrere flache Körner ungleicher Grösse.
Uebrigens sind der stumpfe Oberrand des Handgliedes
und der des beweglichen Fingers, sowie der Unterrand
der Scheere vollkommen glatt und unbewehrt.
Der rechte Scheerenfuss ist viel kleiner als der linke
und stärker comprimirt. Auch er ist unbewehrt und für
das nackte Auge glatt, erscheint aber bei Lupenvergrösse-
rung wieder ein wenig gekörnt. Die Scheerenfinger sind
hier ein wenig länger als das Handglied und der
Rücken des beweglichen Fingers trägt, gegen die Spitze
hin, mehrere, erst bei Lupenvergrösserung wahrnehmbare,
sehr kleine, spitze Zähnchen und einige kurze Haarbüschel.
Aehnliche Haarbüschel bemerkt man auch an dem Unter-
rande des unbeweglichen Fingers, sowie an den inneren,
löffeiförmig ausgehöhlten Flächen der beiden Finger.
Auch die Finger der linken Scheere tragen einige Haar-
büschel an ihren Innenrändern, aber der Rücken des be-
weglichen Fingers und der Unterrand des unbeweglichen
sind unbehaart. —
Die Füsse des zweiten und dritten Paares erscheinen
sowohl an der Aussenseite wie an der Innenseite fein
punktirt, sonst aber glatt. Ihre Carpalglieder sind am
distalen Ende des Oberrandes mit einem kleinen spitzen
Stachel bewehrt. Die Dactylopoditen sind bedeutend
kürzer als die Propoditen und an ihrem Unterrande mit
einer Längsreihe von 5 — 6 spitzen Stacheln bewehrt. Mit
Ausnahme von einigen wenigen Haarbüscheln an den
Dactylopoditen, am distalen Ende des Unterrandes der
Propoditen und am Unterrande der Meropoditen und
Ischiopoditen, erscheinen die Füsse des zweiten und des
dritten Paares unbehaart.
Bei unseren Spiritus -Exemplaren hat der vor der
Cervicalfurche liegende Theil des Rückenschildes eine
Decapoden und Stomatopodeii. 439
gräulichgrüne Farbe. Die Augenstiele sind orangefarben
mit blauer Binde an der Basis. Die Vorderfüsse sind
bräunlichsehwarz bis schwarz und ein wenig glänzend.
Die Brachialglieder sind an ihrem Oberrande und an den
Vorderrändern der Aussenfläche und der Innenfläche
sehr schmal bläulichweiss gesäumt. An der grösseren
Scheere sind die Finger weiss, die bräunlichschwarze
Farbe des Handgliedes streckt sich aber noch über einen
grösseren oder kleineren Theil des Eückens des beweg-
lichen Fingers hinaus und die weisse Farbe des unbe-
weglichen Fingers dehnt sich noch auf einen Theil des
Handgliedes aus: die Ausdehnung des Weiss auf der
Hand variirt aber sehr, so dass bei den zwei Exemplaren
von Amboina fast die ganze Aussenseite der Scheere
weiss ist und die dunkle Farbe nur noch auf einem kleinen
proximalen Theile der oberen Hälfte der Aussenfläche
auftritt. An der rechten Scheere sind nur die Finger-
enden weiss. Die Füsse des zw^eiten und des dritten
Paares sind, mit Ausnahme der Dactylopoditen, schön
orangefarben ; die Meropoditen und die Carpopoditen sind
auf der Aussenfläche mit einer mittleren dunkelrothen
Längsbinde gezeichnet. Die Endglieder sind weiss, auf
jeder Seite an der Basis mit einem kleinen orangefarbenen
Punkte gezeichnet und tragen ein wenig vor der Spitze
eine orangefarbene Binde.
Der Cephalothorax des grössten Exemplares ist 23 mm.
lang. Bei dem kleinsten, mit Eiern besetzten Weibchen
ist er aber kaum 10 mm. lang.
Verbreitung: Indischer Ocean, Malayischer Archipel,
Stiller Ocean, von der Küste von Mogambique ab bis zu
den Sandwich-Inseln.
178. Caicinus terrae -reginae Hasw.
Calcinus terrae -reginae, Haswell, Catalogue of the
Australian Stalk- and sessile-eyed Crustacea, 1882, p. 158.
— de Man, in: Journal of the Linnean Soc. of London,
Vol. XXII, 1888, p. 226.
440 Dr. J. G. de Man:
Drei Exemplare (2 c^, 1 $) von der Insel Edam und
ein Weibchen von der Insel Noordwacliter. Diese Indi-
viduen stimmen vollständig- mit dem Calcmiis-Exem\^\sive
von dem Mergui - Archipel überein, das ich in meinem
Berichte über die Crustaceen dieses Archipels zu Calciaus
terrae -reginae Hasw. gestellt habe.
Der Cephalothorax des grössten Exemplares ist
17V2 mm« lang; der vor der Cervicalfurche liegende Theil
misst 9 mm., den kleinen mittleren Stirnzahn mitrechnend.
Der Vorderrand des Rückenschildes hat eine Breite von
5V2 nii^i. und die schlanken Augenstiele sind 8 mm. lang.
Das Carpalglied des linken Scheerenfusses trägt einen
kleinen, länglichen Höcker auf der Mitte seiner Aussen-
fläche, welcher von dem abgerundeten Oberrande dieses
Gliedes durch eine breite, schräg verlaufende, seichte
Vertiefung getrennt ist; diese Vertiefung findet sich auch
bei Calcinns Herbstii als die beschriebene Längsgrube
vor. Der bewegliche Finger der linken grösseren Scheere
trägt am Oberrande eine Längsreihe von 8 — 9, nach vorn
gerichteten, sehr niedrigen Zälmchen, die man am besten
in der Seitenansicht bemerkt. Bei den beiden anderen,
viel jüngeren Exemplaren stellen sich diese Zähnchen
nur noch als sehr flache, sich kaum erhebende, glatte
Körner dar. Die Scheerenfinger, welche bei unserer Art
bedeutend kürzer sind als das Handglied, sind an der
Aussenseite mit zahlreichen, kleinen, rundlichen, glatten
Körnern bedeckt. Das Handglied der comprimirten
rechten Scheere ist am Oberrande mit vier ziemlich
grossen, dreieckigen, spitzen Zähnen bewehrt, und der
bewegliche Finger dieser Scheere trägt eine Doppelreihe
von Zähnchen. Weil aber die äussere Reihe dieser
Zähnchen viel weniger hervortritt als die innere, so ver-
muthe ich, dass Haswell, welcher nur das Vorhanden-
sein von drei oder vier Zähnchen auf dem beweglichen
Finger erwähnt, die äussere Reihe gänzlich übersehen
hat. Wie bei Calcinns Gai7nardi sind die zwei letzten
Glieder des dritten Fusspaares an ihrem unteren Rande
stark behaart.
Decapoden und Stomatopoden. 441
Die Farbe unserer Exemplare stimmt auch vollkommen
mit derjenigen des Exemplares von den Mergui- Inseln
überein, nur erscheint der helle Ring vor der Cornea an
den Augenstielen blau, wie wohl in frischem Zustande.
Verbreitung: Bengalischer Meerbusen, Malayischer
Archipel, Ostküste von Australien.
Gattung Clibauarius Dana.
179. Clibanarius longitarsis de Haan.
Patjuras longitarsis, de Haan, Fauna Japonica, Crus-
tacea, p. 211, Tab. L, Fig. 3.
Clibanarius longitarsis, Stimpson, Proceed. Acad. Nat.
Sciences of Philadelphia, 1858, p. 247.
Fünf Exemplare (3 cJ, 2 $) von Pulo Edam und neun
(6 (J, 3 ?) von der Insel Noordw^achter.
Es gehört diese Art zu denjenigen, bei welchen die
Endglieder des zweiten und des dritten Fusspaares be-
deutend länger sind als die Propoditen, wie bei Clihan.
vulgaris Dana*), taeniatus M. Edw. und Fadavensis de Man,
Arten, welche dieselben Meere bewohnen. Ihre Unter-
scheidung ist aber ziemlich schwer: die besten Charaktere
dazu bieten noch die Vorderfüsse und die Zeichnung.
Zuerst unterscheidet sich Clihan. longitarsis von Clihan.
vulgaris Dana und Fadavensis de Man durch einen viel
kräftigeren Haarwuchs auf den Seitenrändern des
Rückenschildes und besonders auf den Füssen; ich muss
aber bemerken, dass dieser Haarwuchs bei jüngerenThieren
viel schwächer ist.
Der vor der Cervicalfurche liegende Theil des Rücken-
schildes ist ein wenig länger als breit, erscheint
*) Nach einer brieflichen Mittheilung von Dr. Hilgendorf unter-
scheidet sich der von ihm beschriebene Clihan. infraspinatiis von dem
Originalexemplare des Fagurus clibanarius Herbst nur durch den
Besitz des dornartigen Tuberkels an der Unterseite des Brachial-
gliedes der Vorderfüsse. Ich sehe das Herbst'sche Exemplar darum
als eine Varietät von infraspinatus an und vereinige beide unter dem
Namen Clibanarius vulgaris Dana.
442 Dr. J. G. de Man:
einigermassen convex und ist an den Seiten mit langen,
gelben Haaren besetzt. Der Vorderrand trägt einen sehr
kleinen, dreieckigen und spitzen Mittelzahn, während
die Seitenzähne stumpf sind und kaum hervorragen, viel
weniger als der Mittelzahn. Die schlanken Augenstiele
sind ein wenig länger als die Breite des Vorderrandes
beträgt, und ungefähr so lang wie oder ein wenig kürzer
als der Stiel der inneren Antennen und überragen mit
der Cornea den Stiel der äusseren. Die Cornea misst
nur ein Achtel von der Länge der Augenstiele. Die sehr
kleinen Basalschüppchen sind einander genähert und vorn
mit einem oder zwei kleinen Zähnchen besetzt. Der
lang behaarte Basalstachel der äusseren Antennen ist
sehr kurz und überragt kaum die Mitte des vorletzten
Gliedes des Stieles. Bei Clihan. Infraspinatus und bei
(Jlihan. Padavensis , den ich in meiner Arbeit über die
Decapoden der Mergui-Inseln beschrieben habe, überragt
der Basalstachel dagegen den Vorderrand dieses Gliedes.
Wie de Haan schon bemerkte, sind die Vorderfüsse
des Männchens ein wenig ungleich. Unsere Exemplare
stimmen vollkommen übercin, indem nicht nur bei den
erwachsenen, sondern auch schon bei den jüngeren Männ-
chen die rechte Scheere als die grössere erscheint.
Auch bei den Weibchen ist die rechte Scheere ein wenig
grösser, aber der Unterschied ist viel geringer als bei
den Männchen. Bei einem Exemplare von Zanzibar fand
Hilgendorf die linke Scheere grösser (Hilgendorf, Crus-
taceen von Ost-Afrika, 1869, S. 96). Das Brachialglied
ist an seiner Aussenseite mit zahlreichen, kleinen, flachen,
vorne öfters mit kurzen Härchen besetzten Körnern un-
gleicher Grösse bedeckt und am distalen Ende des
unteren Aussenrandes mit einem oder zwei kurzen
Stachelchen bewehrt. Das Carpalglied ist mit ähnlichen,
flachen, behaarten Körnern bedeckt und trägt einen kleinen
Stachel am distalen Ende des Oberrandes. Bei Clihan.
vulgaris trägt das Carpalglied am inneren Rande stets
drei kräftige Stacheln und treten die Körner der Aussen-
fläche viel mehr hervor. Charakteristisch ist die lang-
Decapoden und Stomatopoden. 443
gestreckte Form der Scheeren. Die grössere Scheere ist
fast dreimal so lang als die Breite des Handgliedes
beträgt und ist unten an der Basis nur wenig aufge-
schwollen. Die Finger klaffen ziemlicli stark, weil der
bewegliche nach aussen hin convex gebogen ist, und sie
sind ungefähr anderthalb mal so lang als das Hand-
glied. Das Handglied ist auf seiner Ober- und Aussen-
fläche mit ähnlichen, flachen, mit Haaren besetzten, kaum
vorstehenden Körnern besetzt, wie das Carpal- und das
Brachialglied; nahe dem Daumengelenke und am inneren
Rande beobachtet man aber einige wenige, kleine, spitze
Stacheln. Am inneren Rande stehen deren vier oder fünf.
Mit ähnlichen spitzen Stachelchen sind die beiden Finger
an ihrer Oberfläche bewehrt. Wie ich schon sagte, lassen
die geschlossenen Finger einen ziemlich grossen Raum
zwischen sich, weil der Daumen nach aussen hin etwas
gebogen ist; die Finger tragen viele lange Haare, be-
sonders an ihren Innenrändern. Der unbewegliche Finger
trägt an der Basis seiner Innenfläche, nahe dem Ober-
rande, einen kleinen, dreieckigen, spitzen Zahn und ge-
rade am Daumengelenke noch drei oder vier viel kleinere
Zähnchen. Der bewegliche Finger trägt einen kleinen
Zahn an der Basis seiner Innenfläche, dem Zahne des
unbeweglichen Fingers gerade gegenüber, und öfters noch
zwei kleinere hinter diesem Zahne. Auch die Innenflächen
der Finger sind mit kleinen Haarbüscheln besetzt. Die
linke Scheere ist etwas kleiner als die rechte, aber ihr
übrigens vollkommen ähnlich.
Bei Clihan. infraspinatus Hilgend. = vulgaris Dana
sind die Vorderfüsse gleich, oder, wenn sie ungleich sind,
lässt sich die sehr geringe Differenz nur bei genauer
Beobachtung bemerken. Bei dieser Art sind die Scheeren
weniger schlank als bei longitarsis, nur zweimal so
lang als die Breite des Handgliedes beträgt, an der Basis
ziemlich stark aufgeschwollen, wenig behaart und an der
Ober- und Aussenfläche mit zahlreichen, spitzen
Höckern besetzt. Die Finger klaffen nicht und sind nur
wenig länger als das Handglied.
444 Dr. J. G. de Man:
Die Vorderfiisse von Clibanarius Fadavensis de Man
dagegen sehen denen von Clihanarvis lornjitards mehr
ähnlich. Die Scheeren sind nämlich auch bei dieser Art
schlank, zwei und ein halb mal so lang- wie breit, aber
die Finger sind nur ein und ein Drittel mal so lang als
das Handglied. Das Handglied trägt einige Dörnchen am
inneren Rande, ist übrigens auf der oberen Fläche nur
mit einigen kurzen, mit Härchen besetzten Linien bedeckt
und erscheint darum auf den ersten Blick fast glatt.
Clihan. Padavensis unterscheidet sich aber von longitarsis
gleich durch die verschiedene Zeichnung derFüsse.
Die Füsse des zweiten und des dritten Paares haben
bei Cliban. longitarsis vollkommen dieselbe Form und
denselben Bau wie bei Padavensis; auch Form und
Struktur der einzelnen Glieder sind bei beiden Arten die-
selben. Nur sind sie bei der de Haan'schen Art stärker
behaart. Die Füsse der rechten Seite sind ein wenig-
länger als die der linken. Die etwas gebogenen End-
glieder sind bedeutend länger als die Propoditen, so
sind die Dactylopoditen des rechten dritten Fusses andert-
halb mal so lang wie die Propoditen. Auch bei sehr
jungen Individuen sind sie schon länger als die Propo-
diten, aber dieser Unterschied der Länge nimmt während
des Wachsthumes ein wenig zu. Wie bei vidgaris und
bei Padavensis trägt der Oberrand der Dactylopoditen
eine schmale, glatte Längsleiste, welche vom Gelenke bis
an die Spitze verläuft.
Charakteristisch für den longitarsis sind schliesslich
Farbe und Zeichnung. Der vor der Cervicalfurche
•liegende Theil des Cephalothorax und die Füsse haben
eine dunkel olivengrüne Grundfarbe, die bei einigen Exem-
plaren ins röthliche zieht. Die Fingerspitzen und ein
grösserer oder kleinerer Theil der Endglieder des zweiten
und dritten Fusspaares erscheinen röthlich oder orange-
farben; die Füsse des zweiten und dritten Paares sind
dann weiter sowohl an der Aussen-, wie an der Innen-
seite mit einer ziemlich breiten, rothgesäumten
Längsbinde gezeichnet, welche von den Brachialgliedern
Decapoden und Stomatopoden. 445
ab zu den Spitzen der Dactylopoditen verläuft. Diese
Läng'sbinde hat eine schöne blaue Farbe. Bei Clihan.
Padavensis im Geg'entheile beobachtet man auf diesen
Füssen mehrere rothe Längsstreifen, die parallel mit
einander verlaufen und von welchen einige ein wenig
breiter sind als die anderen.
Die Maasse des grössten Männchens sind die folgenden:
s
Länge des Rückenschildes 26 mm.
Länge des vor der Cervicalfurche liegenden
Theiles IIV2 „
rJreite „ „ „ „ „ J /4 ,,
Länge der Augenstiele, vom Stirnrande ab . 10 V2 „
Länge der grösseren Scheere ...... 18 „
Länge der Finger der grösseren Scheere .12 „
Breite des Handgliedes der grösseren Scheere 673 „
Länge d. Endglieder d. dritten rechten Fusses 21 V2 „
Länge d. Propoditen d. „ „ „ 14 „
Verbreitung: Indischer Ocean, Malayischer Archipel,
China, Japan.
180. Clibanarius striolatus Dana.
Clihanarius striolatus, Dana, Unit. States Expl. Exp.
Crustacea I, p. 463, PL XXIX, Fig. 3.
Zu dieser Art rechne ich fünf Exemplare, (4 5, 1 $)
von Pulo Edam und ein Männchen von der Insel Noord-
wachter, nicht nur weil diese Individuen mit der Dana'-
schen Diagnose im ,,Conspectus'' und mit der Dana'schen
Abbildung hinreichend übereinstimmen, sondern weil das
Vorkommen dieser Art auf den Nicobaren schon von
Heller erwähnt worden ist. Ausserdem sind diese Exem-
plare von allen anderen mir bekannten Clibanarii ver-
schieden. Unsere Art ist dem longitarsis sehr ähnlich
und am meisten verwandt und sie gehört zu denjenigen
Arten, bei welchen die Dactylopoditen des zweiten und
des dritten Fusspaares länger sind als die Propoditen.
Wie Ciihan. longitarsis^ zeichnet sich auch Clihan, striolatus
446 I>i-. J- Gr. de Man:
durch einen kräftigen, gelblichen Haarwuchs aus
Der vor der Cervicalfurche gelegene Theil des Rücken-
schildes erscheint bei unserer Art ein wenig breiter im
Verhältniss zur Länge als bei longüarsis, und zeigt darum
fast eine quadratische Form. Dann ist der Basal-
stachel der äusseren Antennen ein wenig grösser als bei
longitarsis, weil er bis zu dem Vorderrande des vorletzten
Gliedes des Antennenstieles reicht. Die rechte Scheere
erscheint ein wenig grösser als die linke, aber der Unter-
schied ist viel geringer als bei longitarsis; bei dem von
Dana beschriebenen Exemplare war aber die linke Scheere
ein wenig grösser als die rechte. Die Scheeren sind
übrigens denen von longitarsis sehr ähnlich und stimmen,
was Form und Behaarung betrifft, sehr mit dieser Art
überein. Am distalen Ende des Oberrandes des Carpal-
gliedes stehen zumeist zwei Stacheln hinter einander und
am inneren Rande der oberen Fläche des Handgliedes stehen
deren vier oder fünf; diese Randstacheln sind etwas
kräftiger als bei longitarsis. Auch klaffen die Scheeren-
finger nicht so stark wie bei der de Haan'schen Art.
Charakteristisch für Ciihan. striolatus sind auch die Farbe
und die Zeichnung. So zeigt der gelbliche vordere Theil
des Rückenschildes einen dunkelen purpurrothen Fleck
auf der vorderen Hälfte der Regio gastrica; die Magen-
gegend ist von den Seitenrändern an jeder Seite durch
eine rothe Längslinie getrennt und die V-förmige Grube,
welche den hinteren Theil der Regio gastrica begrenzt,
ist gleichfalls roth gefleckt.
Die Füsse sind mit mehreren Längsstreifen
von derselben purpurrothen Farbe gezeichnet,
nicht nur die Vorderfüsse, sondern auch die Füsse des
zweiten und des dritten Paares. Die letzteren vier Füsse
zeigen nämlich zwei Streifen auf der Aussenseite, zwei
auf der Innenseite und einen auf dem Oberrande.
Schliesslich noch die Bemerkung, dass sich Ciihan. strio-
latus von Ciihan. Fadavensis de Man aus dem bengalischen
Meerbusen, einer nahe verwandten Art, deren Füsse
gleichfalls mit mehreren rothen Längsstreifen gezeichnet
Decapoden und Stomatopodeii. 447
sind, durch stärkeren Haarwuchs unterscheidet, durch
die Form der Scheeren , welche bei der von Dana be-
schriebenen Art kräftigere Stachehi tragen und durch
mehrere andere Charaktere.
Verbreitung: Nicobaren, Malayischer Archipel, Tahiti.
181. Clibanarius eurysternus Hilgend.
Pagurus (Clibanarius) enryste7mns, Hilgendorf, Monatsb.
Akad. der Wissensch. Berlin, 1878, 8. 822, Taf. III,
Fig. 9, 10.
Zwei Weibchen von der Insel Noordwachter.
Zu der Originalbeschreibung, womit unsere Thiere
vollkommen übereinstimmen, habe ich kaum etwas zu
bemerken. Die Art ist leicht kenntlich durch den ab-
geflachten Cephalothorax, die Verbreiterung des
Sternums, die kräftige Behaarung und die schöne
Zeichnung, wovon Hilgendorf eine genaue Abbildung
gegeben hat. Sogar was die Einzelheiten dieser Zeichnung
betrifft, stimmen unsere beiden Exemplare vollkommen
mit den Mocambique'schen überein. Der Basalstachel
der äusseren Antennen überragt ein wenig das Vorder-
ende des vorletzten Stielgliedes. Der Cephalothorax
unserer Exemplare ist 15 mm. lang.
Verbreitung: Mogambique, Malayischer Archipel.
182. Clibanarius corallinus (M. Edw.) Dana.
Clibanarius corallinus, Milne Edwards, Annales Scienc.
Nat. III. Serie, T. X, 1848, p. 63.
Clibanarius corallinus, Dana, Unit. States Expl. Exp.
Crustacea I, p. 468, PI. XXIX, Fig. 8.
Fünf Exemplare von Pulo Edam und neun von der
Insel Noordwachter. Diese Individuen gehören jedenfalls
zu der von Dana abgebildeten Art; wahrscheinlich auch
wohl zu der Milne-Edwards'schen, obgleich ich bemerken
will, dass die Scheeren mit kegelförmigen und spitzen
Höckern besetzt sind, während diese Höcker nach Milne
Edwards abgerundet sein sollten. Bei alten Exemplaren
448 Dr. J. a. de Man:
erscheinen sie freilich auf den Scheerenfingern öfters
stumpf, aber auf dem Handgliede immer kegelförmig
und mehr oder weniger zugespitzt.
Unsere Art gehört zu denjenigen, bei welchen die
Endglieder des zweiten und des dritten Fusspaares
kürzer sind als die Propoditen und sie zeichnet sich
von den anderen Arten dieser Abtheilung durch ihre
Grösse, durch die langgestreckte Gestalt des vor
der Cervicalfurche liegenden Theiles des Rückenschildes,
durch die gedrungene Form der kurzen Füsse, durch
die mit kegelförmigen, spitzen Höckern besetzten Scheeren
und durch eine kräftige Behaarung aus.
Die kleinen Schüppchen der Augenstiele berühren
sich ihren ganzen Innenrändern entlang. Die V-förmige
Grube, welche die Magengegend hinten begrenzt, ist bei
den meisten Exemplaren deutlich vorhanden; bisweilen
ist sie aber beinahe verwischt und auf der Dana'schen
Figur ist sie gar nicht gezeichnet worden. Wie ich schon
sagte, zeichnet sich unsere Art durch einen starken Haar-
wuchs von langen, gelblichen Haaren aus, mit welchen
die Seitenränder des Rückenschildes, der den Vorderrand
des vorletzten Stielgliedes ein wenig überragende Basal-
stachel der äusseren Antennen, sowie die Füsse bekleidet
sind. Die Geissei der äusseren Antennen ist kurz, kaum
länger als der Cephalothorax. Die verhältnissmässig
kleinen Vorderfüsse sind von gleicher Grösse und Form,
oder der rechte erscheint ein bischen grösser. Carpal-
glied und Scheere sind mit kegelförmigen, spitzen
Höckern besetzt, von deren Basis die langen gelben
Haare, zu Büscheln angeordnet, entspringen. Auch die
Füsse des zweiten und des dritten Paares sind verhältniss-
mässig kurz und stark behaart, und die kurzen End-
glieder sind an ihrem Unterrande mit einer Längsreihe
von 4 — 5 spitzen Stacheln bewehrt.
Der vor der Ce?Ticalfurche liegende Theil des Rücken-
schildes und die Füsse haben eine einförmige, dunkel-
rothe Farbe, worauf die orangegelben, spitzen Höcker
der Vordertüsse und die langen gelben Haare grell
Decapoden und Stomatopoden. 449
abstechen. Die Aug-enstiele und die Endborsten der
äusseren Antennen sind ebenso orangefarben. Der hinter
der Cervicalfurche liegende Theil des Cephalothorax hat
eine gelbliche Grundfarbe, welche in der Mitte und öfters
auch an den Seiten mit Roth marmorirt ist, und auch
das Abdomen ist mehr oder weniger roth gefärbt.
Ich füge schliesslich noch die Maasse eines Männchens
hinzu :
Länge des Cephalothorax 25 mm.
Länge des vor der Cervicalfurche gelegenen
Theiles des Cephalothorax 1 1 V2 „
Breite dieses vorderen Theiles des Cephalo-
thorax in der Mitte ^74 »
Länge der Augenstiele, vom Vorderrande ab
gemessen 1074,,
Länge der äusseren Antennen, den Stiel mit-
gerechnet 36 „
Länge der Scheere 11 „
Länge des dritten rechten Fusses .... 50 „
Bei dem kleinsten, mit Eiern besetzten Weibchen
hat der Cephalothorax eine Länge von 15 mm.
Verbreitung: Bengalischer Meerbusen, Malayischer
Archipel, Tahiti. —
183. Clibanarius cruentatus M. Edw.
Taf. XIX Fig. 2.
Pagurus cruentatus, Milne Edwards, in: Annales des
Sciences Naturelles, III. Serie, T. X, 1848, p. 62.
Clibanarius cruentatus, H. Filhol, Mission de l'ile
Campbell, Paris 1885, p. 424, PI. LH, Fig. 4 et 5.
Clibanarius sp. (maculatus), de Man, in: Journal of the
Linnean Society of London, Vol. XXII, 1888, p. 250.
Zwanzig Exemplare von der Insel Edam und zwei
von der Insel Noordwachter.
Unter den indischen Clibanarien, bei welchen die
Dactylopoditen des zweiten und des dritten Fusspaares
, Aich. f. Naturgescli. 53. Jahrg. Bd. I. 29
450 Dr. J. Gr. de Man:
kürzer sind als die Propoditen, unterscheidet sich diese
kleine niedliche Art auf den ersten Blick durch ihre
schöne Zeichnung*.
H. Filhol hat neuerdings eine neue Beschreibung
dieser von Milne Edwards sehr kurz diagnosticirten Form
gegeben und das Thier auch abgebildet: leider ist diese
Abbildung sehr ungenau, wie schon aus seinerBeschreibung
hervorgeht. Er sagt nämlich von den Vorderfüssen dass
„le carpe est tres reduit", auf der Abbildung zeigt der
Carpus aber dieselbe Grösse, wie die zu klein gezeichnete
Scheere! Ich gebe darum eine neue Abbildung. Auch
die Filhol'sche Beschreibung stimmt in einem Punkte
nicht mit unseren Exemplaren überein, wo er nämlich
sagt, dass die Scheeren auch auf ihrer Aussenseite mit
Stacheln besetzt sind: bei unseren Thieren trägt die
Aussenseite keine Stacheln. Ich vermuthe aber, dass
diese Angabe falsch sei, indem Milne Edwards von den
Vorderfüssen bemerkt, dass sie wenig Stacheln tragen.
Die Verbreitung der weisslichen Fleckchen auf der
oberen Fläche des vor der Cervicalfurche gelegenen
Theiles des Rückenschildes, auf den Antennen und auf
den Füssen wird man am besten aus der Abbildung er-
kennen; ich will bloss hinzufügen, dass die Form und
Grösse der Fleckchen bei den einzelnen Individuen
ziemlich stark variirt und dass sie bei ganz jungen
Exemplaren oft zusammenfliessen und in Ausbreitung das
Roth übertreffen.
Ueber die relative Länge der Augenstiele und der
Antennen giebt unsere Abbildung genügenden Aufschluss.
Die sehr kleinen, einander genäherten Basalschüppchen
der Augenstiele tragen am Vorderrande mehrere Zähnchen
und sind hier lang behaart. Der lang behaarte Basal-
stachel der äusseren Antennen reicht kaum über den
Vorderrand des vorletzten Stielgliedes hinaus ; der Unter-
rand dieses Gliedes läuft am Vorderende in einen kurzen
Stachel aus. Die Geissei dieser Antennen ist nackt und
ungefähr anderthalbmal so lang wie die Länge des
Rückenschildes. ,
i
Decapoden und Stomatopodeii. 451
Die Vorderfüsse sind gleich. Der Unterrand der
Aussenseite der Braehialg-lieder läuft am distalen Ende
in ein oder zwei Staclielclien aus. Die Carpalglieder
zeigen nur einen einzigen Stachel am distalen Ende des
Oberrandes. Die Scheeren sind ziemlich schlank und
ein wenig mehr als zweimal so lang wie breit; das Hand-
glied ist nach unten wenig angeschwollen und kürzer
als die Finger. Am Innenrande der oberen Fläche des
Handgliedes stehen drei Stacheln, von welchen der am
Fingergelenke stehende distale der grösste ist, und an
Grösse sämmtliche Stacheln der Scheeren übertrifft.
Ein kleiner Stachel findet sich am Carpalgelenke und
zwei oder drei bemerkt man auf der Mitte der oberen
Fläche, aber auf den drei anderen Seitenflächen trägt
das Handglied keine Stacheln. Die Scheerenfinger sind
gezähnt und tragen auf ihrer oberen Fläche einige kleine
Stacheln (Fig. -ia).
Am zweiten und am dritten Fusspaare läuft der
Unterrand der Aussenfläche der Schenkelglieder an seinem
distalen Ende in ein scharfes Zähnchen aus und die
Carpalglieder tragen einen Stachel am distalen Ende
ihrer Oberränder; sonst erscheinen diese Glieder, wie
auch die Propoditen, völlig unbewehrt. Die Dactylo-
poditen sind ein wenig kürzer als die Propoditen, und
am inneren Rande mit Stachelchen besetzt. Der dritte
linke Fuss ist an der äusseren Seite ein wenig abge-
plattet, besonders an den zwei letzten Gliedern.
Die Füsse erscheinen glatt und glänzend. Die Haare,
mit welchen sie bedeckt sind, entspringen in kleinen
Büscheln von den weisslichen Fleckchen und nie von
den rothen Zwischenräumen.
Der Cephalothorax der grössten Exemplare ist 11 mm.
lang.
Bei einem eiertragenden Weibchen beträgt die Länge
des Rückenschildes nur 6V2 uim. : bei dieser geringen
Grösse ist die Art also schon geschlechtsreif.
Clihanarius carnifex Heller aus dem Rothen Meere
ist dieser Art jedenfalls sehr nahe verwandt. —
29*
452 Dr. J- G^. (^e Man:
Verbreitung': Clihanarius cruentatus, von Qiioy und
Gaimard am nördlichen Theile von Neu-Seeland entdeckt,
bewohnt auch den indischen Archipel und den Golf von
Ben2:alen. —
'ö'
Gattuno' Coenobita Latr,
184. Coenobita clypeatus Latr.
Coenobita clypeatus^ Milne Edwards, Hist. Nat. des
Crust. II, p. 239. — Dana, United Stat. Expl. Exp.
Crustaceal, p. 473, PL XXX, Fig. 4b. — Hilgendorf, Crus-
taceen von Ost- Afrika, 1869, S. 98, Taf. VI, Fig. 3 c u. 4 a.
Vier Exemplare (3 <?, 1 $) von Pulo Edam und vier
Männchen von der Insel Noordwachter. Bei allen hat
die grössere Scheere die von Dana, Fig. 4b abgebildete
Gestalt; bei den jüngeren Exemplaren ist die Aussen-
fläche dieser Scheere in der Mitte auch vollkommen
glatt, bei den älteren dagegen trägt sie schon zahlreiche,
kleine, spitze Stacheln, wie auf Dana's Figur 4 a abge-
bildet worden ist. Milne Edwards' Angabe, dass die
Tarsen (Dactylopoditen) des zweiten und des dritten
Fusspaares nur mit äusserst kurzen Haarbüscheln versehen
sind, ist unrichtig, indem auch diese Glieder mit vielen,
braunen, spitzen Zähnchen besetzt sind, vor welchen
einzelne oder mehrere kurze Haare stehen. Auch will
ich noch bemerken, dass die zwei letzten Glieder des
dritten Fusses der linken Seite in der Jugend deutlich
vierseitig sind mit ziemlich scharfen Kanten und dass
diese Kanten sich allmählich abrunden, wenn die Thiere
grösser werden.
Die grössten Exemplare messen ungefähr 12 centim.,
das jüngste etwa 5 centim. vom Vorderrande des Cephalo-
thorax bis zum Ende des Abdomens.
Verbreitung: Indischer Ocean, Malayischer Archipel.
185. Coenobita rugosus M. Edw.
Coenobita rugosa, Milne Edwards, Hist. Nat. Crus-
taces, II, p. 241.
Decapoden und Stomatopoden. 453
Drei junge Individuen von Pulo Edam und sieben
ebenso junge von der Insel Noordwachter. Bei einem
der letzteren sind die Querrunzeln auf der grösseren
Scheere sehr unvollkommen entwickelt.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Stiller
Ocean.
186. Coenobita violascens Heller.
Coenobita violascens, Heller, Crustaceen der Novara-
Reise, S. 82, Taf. VII, Fig. 1. — Hilgendorf, Crustaceen
von Ost-Afrika, S. 99, Taf. VI, Fig. 3 b.
? Coenobita comiwessa^ Milne Edwards, Hist. Nat. Crus-
taces, II, p. '241.
Ein Weibchen von der Insel Noordwachter. Ich
vermuthe, dass diese Art mit Coen. compressus M. Edw.
identisch ist.
Verbreitung: IndischQr Ocean, Malayischer Archipel,
Stiller Ocean.
Gattung Birgus Leach.
187. Birgus latro F.
Birgus latro, Fabricius, Milne Edwards, Hist. Nat.
Crust. II, p. 246.
Ein Exemplar von xVmboina.
Verbreitung: Indischer Ocean, Malayischer Archipel,
Stiller Ocean.
Gattung Munida Leach.
188. Munida Edwardsii Miers.
Munida Edwardsii, Miers, Report on the Zoological
Collections, made in the Indopacific Ocean, during the
voyage of H. M. S. „Alert", 1884, p. 560, PL LI, Fig. A.
Zehn Exemplare (5 <?, 5 $) von Amboina.
Diese Art wurde bekanntlich auf ein einziges, theil-
weise verstümmelten Exemplare von den Amiranten,
wahrscheinlich ein Männchen, gegründet. Die zehn vor-
454 Dr. J. G. de Man:
liegenden Exemplare befähigen mich einiges zur Kennt-
niss dieser Art beizutragen.
Unmittelbar hinter dem fünfspitzigen Rostrum trägt
die Magengegend eine gebogene Querreihe von acht
kleinen Stachelchen. Ein wenig mehr seitlich und nach
hinten liegt an jeder Seite, noch vor der Cervicalfurche,
ein etwas grösseres Stachelchen; gleich hinter der Cervical-
furche liegen zwei ähnliche Stachelchen hinter einander,
an jeder Seite, von welchen das hintere ein wenig mehr
nach innen gelegen ist. Miers beschreibt hinter der
Cervicalfurche nur ein einziges Si acheichen. Die äussere
Augenhöhlenecke läuft in einen spitzen Stachel aus.
Unmittelbar hinter diesem Stachel liegt, noch vor der
Ausmündung der Cervicalfurche, am Seitenrande ein
kleines Stachelchen; bei den meisten Exemplaren ist
dieses Stachelchen sehr winzig und liegt dem grossen
Stachel der äusseren Augenljöhlenecke unmittelbar an,
bisweilen ist es aber etwas grösser wie gewöhnlich.
Hinter der Cervicalfurche sind die Seitenränder noch mit
fünf Seitenstacheln besetzt. Miers beschreibt „the antero-
lateral angles" als „bispinulose" und sagt, dass hinter
diesen beiden Stacheln noch sechs andere stehen; hier
zählt er also einen Stachel zu viel. Das erste Ab-
dominalsegment trägt am Vorderrande zwei sehr kleine
Stachelchen, eins an jeder Seite, nicht weit von einander;
bei zwei Exemplaren fehlen sie und auch bei dem von
Miers beschriebenen Individuum waren sie nicht vorhanden.
Auch die Füsse zeigen einige Abweichungen. Die Vorder-
füsse verhalten sich bei den einzelnen Individuen nicht
ganz gleich. Bei dem grössten Männchen ist der linke
Vorderfuss ein wenig grösser und länger als der rechte.
Das Handglied trägt, wie bei dem Miers 'sehen Exemplare,
keine Stach eichen auf seiner Oberfläche, die Finger sind
kaum so lang wie das Handglied und klaffen ziemlich
stark; ausser mit mehreren kleinen Zähnchen ist der
unbewegliche Finger an der Basis mit einem und der
bewegliche mit zwei etwas grösseren Zähnen an der
Basis besetzt. Das verschiedene Verhalten der Scheeren-
Decapodeu und Stomatopoden. 455
finger bei dem Miers'sehen Exemplare muss dessen ge-
ringeren Grösse zugeschrieben werden. Bei einem anderen
Männehen verhalten sich die 8cheerenfinger auf dieselbe
Weise, aber die Scheeren sind von gleicher Grösse und
Form, und erscheinen verhältnissmässig kürzer und
breiter, während die Finger nicht kürzer sind als das
Handglied, das an seiner oberen Fläche Andeutungen
von zwei in der Mitte hinter einander stehenden Zähnchen
zeigt. Bei den übrigen Männchen, die alle jünger sind,
sowie bei den Weibchen trägt die obere Fläche des
Handgliedes der beiden Scheeren in der Mitte eine Längs-
reihe von drei Stachelchen; bei dem Miers'sehen Exem-
plare war die obere Fläche der Scheere in der Mitte
nicht mit Stachelchen besetzt, aber es unterliegt keinem
Zweifel, dass sie abgebrochen waren. Sonst verhalten
sich die Scheeren dieser Exemplare ganz wie bei dem
Originalexemplare von den Amiranten. Die Finger klaffen
hier nämlich nicht und sind nur mit sehr feinen Zähnchen
besetzt. In Bezug auf die drei folgenden Fusspaare,
welche, wie die Vorderfüsse, mehr oder weniger behaart
sind, will ich nur bemerken, dass die Propoditen
an ihrem Unterrande mit beweglichen Stachelborsten be-
setzt sind und dass auch die fünf oder sechs dreieckigen
Zähnchen, welche die Dactylopoditen an ihrem Unter-
rande zeigen, und welche bei dem Miers'sehen Exemplare
auch schon ein wenig abgestumpft waren, jedes eine
solche bewegliche Stachelborste tragen.
Das grösste Exemplar misst 16 mm.
Verbreitung: Indischer Ocean, Indischer Archipel.
Gattung Galatiiea.
189. Galathea elegans White.
Galaihea elegans, White, Crustacea of the voyage of
H. M. S. „Samarang", pl. XH, Fig. 7 (1848). — Miers,
Report on the Zoolog. Collect, of the voyage of H. M. S.
„Alert", 1884, p. 278.
456 3Dr. J. Ct. de Man:
Elf Exemplare (4 (^, 7 $) von Amboina.
Die meisten zeigen auf einer röthlichgelben oder
bräunlichvioletten Grundfarbe in der Mitte zwei weisslich-
gelbe Längsbänder, die von den Seitenrändern des
Rostrums entspringen und nacb hinten verlaufen; bei
vielen sind auch die Seitenränder des Körpers weisslich-
gelb gesäumt. Die Vorderfüsse zeigen ein weisslich-
gelbes Längsband auf der oberen Fläche, und die
folgenden Fusspaare erscheinen am distalen Ende ihrer
Glieder weisslichgelb gefleckt. Die Art ist gleich ausge-
zeichnet durch das schmal -dreieckige, verlängerte, an
den Seitenrändern mit acht feinen Zähnchen besetzte
Rostrum, das fast so lang ist wie der Cephalothorax
oder nur wenig kürzer. Bei den Männchen erscheinen
die Scheerenfüsse verhältnissmässig breiter als bei den
Weibchen und die an der Basis schwach gezähnten
Finger sind deutlich kürzer als das Handglied, das, wie
die Finger, behaart und an den Rändern mit anliegenden
Stacheln besetzt ist. Bei den Weibchen sind die Scheeren
verhältnissmässig schmäler, und ihre Finger, welche, wie
bei den Männchen, etwas kürzer sind als das Handglied,
sind an den Innenrändern mit vielen feinen Zähnchen
besetzt.
Der Cephalothorax des grössten Exemplares, eines
Weibchens, ist, ohne das Rostrum, 52/5 mm. lang, das
Rostrum misst 4% mm., zusammen also 10 mm, Bei
einem Männchen sind diese Zahlen in derselben Reihen-
folge 41/2 mm., 4 mm. und 8V2 mm.
Galathea grandirostris Stimps. von Japan ist, wie ich
vermuthe, eine Varietät von elegans; ihre Scheeren sollten
keine Stachelchen tragen. Auch Galathea longirostris Dana
von den Fidschi-Inseln ist unserer Art am nächsten ver-
wandt, aber das Rostrum erscheint relativ etwas kürzer.
Verbreitung: Indischer Archipel.
190. Galathea spinosorostris Dana?
Galathea spinosorostris, Dana, United States Expl.
Exp. Crustacea I, p. 480, PL XXX, Fig. 9.
Decapoden und Stomatopoden. 457
Ein Männchen von Amboina.
Nach Richters und Miers soll diese an den Sand-
wich-Inseln beobachtete Form auch an den Küsten von
Mauritius und an den Seychellen leben. Ich bringe
darum das vorliegende Exemplar zu derselben, ohne von
der Richtigkeit überzeugt zu sein.
Der Cephalothorax trägt am vorderen Theile der
Magengegend zwei kleine Stacheln und auf der Hepatical-
gegend stehen auch noch zwei kleine Stachelchen hinter
einander, von welchen das hintere kleiner ist und etwas
mehr seitlich steht. Die Seitenränder sind mit acht
Stacheln besetzt, die zwei vorderen, welche über und
unter den Antennen stehen, mitgerechnet. Das Rostrum
weicht insofern von der Dana'schen Abbildung ab, dass
die Basalstacheln etwas grösser sind, und dass auch der
Mittelstachel etwas mehr verlängert ist.
Die Vorderfüsse stimmen dagegen mit der Abbildung
wieder gut überein. Die kaum klaffenden, fast walzigen
Finger sind ein wenig länger als das Handglied. Der
unbewegliche ist am Aussenrande mit 7 — 8 Stacheln be-
setzt, der bewegliche trägt einige auf seinem oberen
Rande; an ihren Innenrändern sind sie mit sehr feinen
Zähnchen und nahe dem Gelenke jeder mit einem etwas
grösseren besetzt. Das Handglied trägt einige Stacheln
an den beiden Rändern und auf der oberen Fläche. Die
Vorderfüsse sind bedeutend länger wie der Körper. Der
Körper ist 12 mm. lang, das Rostrum mitgerechnet.
191. Galathea amboinensis n. sp.
Taf. XIX Fig. 3.
Ein eiertragendes Weibchen von Amboina.
Von den Scheerenfüssen von Gal. australiensis Stimps.
und Gal. corallicola Hasw. wird gesagt, dass sie wenig
Stacheln tragen und von denen von Gal. magnifica Hasw.,
dass sie sehr klein sind und nur zwei Drittel der Körper-
lange messen. Bei dem vorliegenden Thiere sind die
Scheerenfüsse sehr stachelig und ihre Länge be-
458 Dr. J- G. de Man:
trägt Ve von der Körperlänge. Ich vermuthe darum,
dass es neu ist, obgleich die Möglichkeit besteht, dass
diese Art mit einer der beiden Haswell'schen Formen,
die zu unvollständig charakterisirt sind, identisch ist.
Im allgemeinen Habitus stimmt unsere Art wohl mit
Gal. australiensis Stimps. überein. Die obere Fläche
des Cephalothorax trägt keine Dörnchen; die mit
Härchen besetzten Querlinien, 12 oder 13 an der Zahl,
stehen ziemlich gedrängt. Die die Magengegend be-
grenzende Cervicalfurche ist ziemlich tief. Die Seiten-
ränder tragen acht Stacheln, einen an der äusseren
Augenhöhlenecke und sieben hinter ihr; ausserdem steht
ein kleines Stachelchen am oberen Augenhöhlenrande
nahe der äusseren Ecke und eines am unteren Augen-
höhlenrande. Das Rostrum ist ziemlich schmal
und seine Länge übertrifft ein wenig die halbe
Länge des Rückenschildes; was die Gestalt des
Rostrums (Fig. 3 a) betrifft, zeigt unsere Art einige üeber-
einstimmung mit Gal. spinosorostris Dana. Von den vier
Seitenstacheln erscheint der basale nämlich sehr
klein, und die drei anderen sind bedeutend
grösser; der zweite Seitenstachel ist der grösste, ein
wenig grösser als der dritte und dieser ein wenig grösser
als der vierte. Die Schnabelspitze ragt ziemlich weit
über die Seitenstacheln hinaus.
Die Füsse sind denen von Gal. australiensis ähnlich
(vergl. : Miers, Report on the Zoolog. Coli, of the voyage
of H. M. S. „Alert", PL XXXI, Fig. A). Von den Vorder-
füssen ist der rechte ein Bischen kräftiger als der linke.
Die Brachialglieder reichen bis an die Schnabelspitze,
haben eine pyramidale Gestalt, indem sie nach dem
Carpalgelenke hin allmählich an Dicke zunehmen und
sind mit Längsreihen von Stacheln besetzt, mit drei an der
oberen und einer an der unteren Seite. Die kräftigsten
Stacheln stehen am distalen Ende des Innenrandes. Die
Carpalglieder sind etwas mehr als halb so lang wie die
Brachialglieder und zweimal so lang wie breit; auch sie
tragen mehrere Stachelreihen und einen sehr grossen
Decapoden und Stomatopoden. 459
Stachel g-leich vor dem distalen Ende des Innenrandes.
Die Scheeren sind abgeplattet, und ungefähr
dreimal so lang wie breit, wenn wir die Finger
mitrechnen; die letzteren sind halb so lang wie
das Handglied oder kaum etwas länger. Am
Aussenrande tragen die Scheeren eine Längsreihe von
12 oder 13 Stacheln, von welchen fünf oder sechs am
Aussenrande des unbeweglichen Fingers stehen; fünf
Stacheln liegen am Innenrande des Handgliedes und zwei
oder drei am Rücken des beweglichen Fingers dem distalen
Drittel entlang. Auf der oberen Fläche des Handgliedes
stehen einige Stachelchen und zwar vier in einer Längs-
reihe neben dem Aussen-, und vier in einer Reihe neben
dem Innenrande; auch auf der unteren Fläche finden
sich einige Dörnchen. An beiden Scheeren erscheinen
die inneren Ränder der Finger zwar fein gekerbt, aber
ganz ungezähnt. Bei dem Weibchen von Gal. australiensis
sind die Scheerenfinger dagegen mit einem oder zwei
Zähnchen besetzt. Die Finger schliessen ihrer ganzen
Länge nach an einander, klaffen also nicht.
Die drei folgenden Fusspaare sind schlank. Die
Mero-, Carpo- und Propoditen sind an ihrem oberen
Rande mit spitzen Stachelchen besetzt, welche an den
ZAvei zuerst genannten Gliedern nach dem distalen Ende
hin an Grösse zunehmen; auf dem Carpalgliede stehen
noch mehr Stachelchen und einige beobachtet man auch
am unteren Rande dieser Glieder. Die geraden Klauen-
glieder sind etwas mehr als halb so lang wie die Pro-
poditen und tragen an ihrem Innenrande einige spitze
Dörnchen, die nach der spitzen Endklaue hin an Grösse
zunehmen. Die Füsse sind sparsam behaart, und die
Haare sind nicht gefiedert.
Charakteristisch für unsere Art ist ihre schöne Zeich-
nung, in welcher sie übrigens einige Uebereinstimmung
zeigt mit Gal. elegans White und Gal magnifica Hasw.
Die obere Körperfläche trägt nämlich fünf orangerothe
Längsbinden und die Vorderfüsse zeigen Querbinden
von derselben Farbe, drei auf dem Handgliede, zwei
460 Dr. J. O. de Man:
auf dem Carpus und einige auf dem Brachialgliede, die
hier aber zumeist in Flecken aufgelöst sind, welche an
der Basis der Stacheln gelegen sind.
Die Körperlänge beträgt 18 mm., Schnabel und
Schwanzflosse mitgerechnet, und die Länge des Rücken-
schildes (mit dem Rostrum) beträgt etwa 9 mm. —
192. Galathea pilosa n. sp.
Taf. XIX Fig. 4.
Ein Männchen von Amboina.
Die Diagnose von Gal. subsquamata Stimps. (Proc.
Acad. Nat. Sciences of Philadelphia, 1858, p. 252), einer
japanischen Art, passt zwar ziemlich gut auf dieses
Exemplar, aber Stimpson bemerkt, dass die Magengegend
nicht scharf begrenzt ist und dass das Rostrum eine
genau dreieckige Gestalt zeigt. Weil dies nun bei unserem
Thiere der Fall nicht ist, führe ich auch diese Form
vorläufig als eine neue an, in der Vermuthung, dass sie
eine andere ist.
Die obere Fläche des Rückenschildes zeigt eine
ziemlich tiefe, fast halbkreisförmige Cervicalfurche,
welche die Magengegend hinten und seitlich begrenzt.
Sie trägt fast ebensoviele mit feinen Härchen besetzte
Querstreifen wie Gal. amboinensis ; der die Magengegend
hinten begrenzende Querstreif ist zweimal wellenförmig
gebogen. Auch die anderen Querstreifen gehen bogen-
förmig in die Seitenstacheln, resp. die Seitenränder über,
und diejenigen, welche hinter der Cervicalfurche gelegen
sind, erscheinen auf der Cardiacalgegend abwechselnd
höher und niedriger, d. h. schwächer. Auf dem vorderen
Theile der oberen Fläche des Cephalothorax stehen, wie
bei Gal. subsquamata, zehn spitze Dörnchen. Sechs
stehen auf dem Querstreife, der das Rostrum von der
Magengegend trennt, und an jeder Seite stehen zwei
andere, eines gleich vor und das andere gleich hinter
der Cervicalfurche. Die äussere Augenhöhlenecke wird
von einem spitzen Stachel gebildet, hinter welchem ein
viel kleinerer Stachel am Seitenrande steht; dann folgt
Decapoden und Stomatopoden, 461
die Cervicalfurclie und hinter ilir liegen noch fünf Stacheln,
von welchen die vier ersten allmählich an Grösse zu-
nehmen, so dass der vorletzte Seitenstachel der g-rösste
ist und dieselbe Grösse zeigt wie der Stachel an der
äusseren Augenhöhlenecke. Die Seitenränder des Rücken-
schildes tragen also sieben Seiten zahne, wenn man
den spitzen Seitenstachel an der äusseren Augenhöhlen-
ecke mitrechnet. Der obere Augenhöhlenrand ist un-
be wehrt.
Das charakteristisch gestaltete Rostrum (Fig. 4 a) ist
ungefähr halb so lang wie der Cephalothorax. Es ist
verhältnissmässig breit und trägt an jeder Seite vier
Stacheln, von welchen der zweite der grösste und
der vierte der kleinste ist. Der erste oder Basal-
stachel ist ein wenig nach aussen gerichtet und zeigt
einen concaven Aussenrand; der Aussenrand des fast
zweimal so grossen zweiten Seitenstachels ist fast gerade,
nur wenig convex; der dritte hat einen convexen Aussen-
rand und der vierte Seitenstachel der von dem dritten
sogar noch überragt wird, ist gerade nach vorn gerichtet.
Diesen Verhältnissen zufolge ist die Gestalt des Rostrums
nicht dreieckig, aber bei Gal. suhsquamaia ist das Rostrum,
wie Stimpson sagt, „bene trianguläre". Die Schnabel-
spitze ist kurz und reicht nur wenig über die Seiten-
stacheln hinaus.
Diese Galathea ist auch ausgezeichnet durch die
gedrungene und plumpe Gestalt ihrer Füsse. Die
beiden Vorderfüsse sind gleich. Die Brachialglieder
reichen bis an die Schnabelspitze und sind mit Stacheln
besetzt, von welchen die grössten am distalen Ende des
inneren Randes stehen. Die kurzen Carpalglieder sind
fast breiter wie lang, erscheinen gleichfalls sehr stachelig
und zeigen die grössten Stacheln wieder an der inneren
und an der äusseren Ecke. An den Scheeren erscheinen
die Finger länger als das Handglied; die Scheeren sind
zweimal so lang wie breit, wenn man die Finger mit-
rechnet. An ihrem Aussenrande stehen vier Stacheln,
am Innenrande drei und ein Stachelchen liegt auf der
462 Dl'- J- G- de Man:
oberen Fläelie an der Basis des unbeweglichen Fingers.
Von den drei am Innenrande der Scbeeren gelegenen
Stacheln stehen zwei am Handgliede und einer an der
Basis des beweglichen Fingers. Bei schwacher Lupen-
vergrösserung erscheinen die Innenränder der Finger
ungezähnt, unter dem Microscope beobachte ich aber an
jedem derselben acht bis zehn kleine Zähnchen, welche
nach den mit dichtstehenden Härchen besetzten Finger-
spitzen hin allmählich an Grösse abnehmen. Auch die
drei folgenden Fusspaare sind kurz und gedrungen.
Die Meropoditen sind an ihrem Vorderrande mit Stachel-
chen besetzt, in ein Stachelchen läuft auch das distale
Ende des Hinterrandes aus. Die Carpalglieder zeigen
auch viele Stachelchen in Längsreihen angeordnet, be-
wegliche Stachelchen linden sich am Hinterrande der
Propoditen, und die Klauenglieder verhalten sich wie
bei den anderen Arten.
Charakteristisch schliesslich für Gal. pilosa ist die
dichte und lange Behaarung der Füsse. Diese
Theile sind nämlich überall, besonders aber an den
Rändern, mit längeren und kürzeren, glänzenden, schön
irisirenden Haaren besetzt. An den Scheerenfüssen sind
diese Haare gefiedert, an den folgenden Füssen linden
sich neben gefiederten auch nicht gefiederte.
Der Körper ist 12 V2 i^ii^i- l^w&, Schnabel und Schwanz-
flosse mitgerechnet; der Cephalothorax mit dem Schnabel
zeigt eine Länge von 5V5 nim. —
Auf weisslicher Grundfarbe erscheint die obere
Fläche des Cephalothorax an jeder Seite blass röthlich
gefleckt.
Tribus Maerura.
Gattung Gebiopsis A. M. Edw.
193. Gebiopsis intermedia de Man, var.
Gebiopsis iiitermedia , de Man, in: Journal of the
Linnean Society of London, Vol. XXII, 1888, p. 25G,
PI. XVI, Fig. 2.
Decapoden und Stomatopoden. 4(J3
Sieben Exemplare verschiedener Grösse von Amboina.
Es stimmen diese Individuen im Allgemeinen mit
einem mir vorliegenden Originalexemplare von den Mergui-
Inseln sehr gut überein; dennoch zeigen sie einige ge-
ringe Unterschiede, welche vielleicht dem jüngeren Alter
zugeschrieben werden müssen, denn das grösste Exemplar
hat nur eine Länge von 29 mm., während die Exemplare
von den Mergui-Inseln 39 mm. lang sind.
Zuerst erscheint die mittlere Schwanzflosse, d. h. das
letzte Abdominalsegment, ein wenig länger im Verhältniss
zur Breite und also weniger verbreitert als bei dem
Originalexemplare aus dem Mergui-Archipel. Die Brachial-
glieder der Yorderfüsse tragen keine Längsreihe von
kurzen Stachelchen und auch an ihrem Carpus fehlt der
Stachel am distalen Ende des Unterrandes, den hier das
Originalexemplar trägt. Schliesslich erscheinen die Finger
etwas kürzer im Verhältniss zur Grösse des Handgliedes
und der bewegliche Finger ist stärker gebogen. Sonst
erscheinen mir diese Lidividuen vollkommen mit der
echten intermedia übereinzustimmen. Vielleicht stellen
sie eine Localvarietät dar, welche dann amboinensis
heissen möge.
Gattung- Axiiis Leach.
194. Axius plectrorhynchus Strahl.
Taf. XIX Fig. 5.
Accius plectrorhynchus, Strahl, Monatsber. Berliner
Akad. der Wiss. 1861, S. 1060.
Ein Exemplar von Amboina, das sehr gut mit der
Strahrschen Beschreibung übereinstimmt. Die Rostrum-
zähne sind nicht alle entwickelt, vielleicht abgebrochen:
ausser den beiden charakteristischen, neben einander ge-
stellten Endzähnchen finden sich am linken Rande nur
noch zwei, am rechten nur noch drei Zähne, während
die Ränder bei typischen Exemplaren mit vier Zähnen,
hinter den Endzähnchen, besetzt sind. Die Schuppe der
äusseren Antennen reicht ungefähr bis zum Vorderende
464 Dr. J. G. de Man:
des zweiten Stielgliedes, ist sehr schmal und läuft nach
vorne allmählich in eine Spitze aus; zwischen der Schuppe
und dem Antennenstiele trägt dieser noch einen sehr
spitzen Stachel, der ebenso weit nach vorne reicht als die
Schuppe oder noch ein Bischen weiter, und welcher auf
der Mitte seines Innenrandes mit einem kleinen Neben-
stachel besetzt ist.
Der Unterrand der Coxopoditen der Vorderfüsse läuft
nach vorne in ein kurzes, spitzes Zähnchen aus. Die
Scheeren sind am Oberrande an der Innenseite lang be-
haart und auch der Unterrand trägt einige Härchen ; die
Finger sind etwas kürzer als das Handglied und ihre
scharfen Spitzen kreuzen einander. Auch die Finger sind
mit mehreren Haarbüscheln besetzt.
Das Basalglied der äusseren (oder vorderen) Seiten-
flosse trägt oben einen spitzen Zahn; diese Flosse ist
auf ihrer oberen Fläche tief längsgefurcht und ihr Aussen-
rand ist mit ungefähr 30 feinen, scharfen Zähnchen be-
setzt. Die innere oder hintere Seitenflosse trägt fast in
der Mitte einen mit fünf oder sechs spitzen Zähnchen
besetzten Längswulst ; der Vorderrand dieser Flosse endigt
am distalen Ende in ein spitzes Zähnehen und der Hinter-
und der Innenraud sind fein behaart.
Das Exemplar ist 20 mm. lang.
Verbreitung: Philippinen, Molukken.
195. Axius spinipes, n. sp.
Taf. XIX Fig. 6.
Zwei Weibchen von der Insel Noordwachter.
Diese Art ist Axius serratifrons A. M. Edw. von Upolu
und von den Sandwich -Inseln am nächsten verwandt,
scheint sich aber durch einige Merkmale zu unterscheiden.
Im äusseren Habitus herrscht eine sehr grosse Ueber-
einstimmung zwischen beiden Formen und so erscheint
der Cephalothorax ganz ähnlich gebaut. Der dreieckige
spitze Schnabel reicht etwa bis zur Mitte des vorletzten
Gliedes des Stiels der inneren Fühler; hinter der Spitze
Decapoden und Stomatoi)üden. 465
tragen seine Seitenränder bis zum Rande des Rücken-
scliildes noch vier oder fünf Zälinelien. Wie bei A. serrati-
frons verlängern sich die Seitenränder des Schnabels auf
den vorderen Theil des Cephalothorax fast bis zu der
Cervicalfurche und die Verlängerung derselben ist mit
ähnlichen Zähnchen besetzt, die nach hinten zu allmählich
stumpfer und kleiner werden. In der Mittellinie dieser
Gegend verläuft eine Längsreihe von Zähnchen, welche
sich bis auf die Mitte des Schnabels fortsetzt; diese
Zähnchen sind auf der Magengegend abwechselnd grösser
und kleiner, sind zumeist stumpf und werden nur auf
dem Schnabel spitziger. An jeder Seite verläuft auf der
Magengegend mitten zwischen dieser Mittelreihe und den
äusseren Reihen eine andere Reihe von Körnchen oder
stumpfen Zähuchen; diese Reihen hören aber schon ein
wenig vor dem Schnabel auf und biegen sich dann zu
der Mittelreihe hin. Ausserdem ist der ganze innere
Raum, der von den beiden zuletzt genannten Reihen be-
grenzt wird, mit grösseren oder kleineren, stumpfen
Zähnchen oder Körnchen besetzt, welche zumeist uu-
regelmässig angeordnet sind. Der übrige Theil der oberen
Fläche des Rückenschildes erscheint glatt und ein wenig
punktirt.
Die Seitenränder des zwischen den zwei hinteren
Fusspaaren gelegenen Sternalsegmentes laufen nach vorn
hin in einen kurzen spitzen Stachel aus. Die ersten
sechs Segmente des Abdomens erscheinen glatt und tragen
auf den Seitenflächen kaum einige sparsame Haare. Die
gebogenen Vorderränder der Seitenflächen des dritten,
des vierten und des fünften Abdominalsegmentes sind un-
gefähr in der Mitte mit einem sehr kleinen, scharfen,
nach hinten gerichteten Zälwichen besetzt. Auch
die Schwanzflosse zeigt grosse Aehnlichkeit mit der von
A. serratifrons. Die mittlere Schwanzflosse ist etwas
länger als breit; ihre obere Fläche trägt an der Grenze
des vorderen Drittels fünf Haarbüschel, die in einer
Querreihe angeordnet sind, und auf der Mitte vier kleine
Arch. f. Naturgesch. 53. Jabig. Bd. I. 30
466 r>r. J. G. de Man:
Stacheln in zwei Querreihen, von welchen die hinteren
ein wenig mehr von einander entfernt stehen als die
vorderen und hinter welchen auch einige Härchen ein-
gepflanzt sind. Der hinter diesen Stacheln gelegene Theil
des Segmentes zeigt drei Längsfurchen, von welchen die
mittlere sich nach hinten zu verengt und etwas breiter
ist als die seitlichen. Die Seitenränder sind mit zwei
oder drei kleinen Zälmchen besetzt, der lang behaarte
Hinterrand trägt in der Mittellinie einen grösseren Stachel
und an jeder Seite nahe den äusseren Ecken noch drei
viel kleinere Stachelchen. Die vordere (oder äussere)
Seitenflosse ist am schwach gebogenen Vorderrande mit
sechs oder sieben spitzen Stacheln besetzt, welche nach
dem distalen Ende allmählich grösser werden und der
gebogene Aussenrand trägt lange feine Haare, zwischen
welchen sehr kurze Stachelchen eingepflanzt sind; die
obere Fläche dieser Seitenflosse zeigt zwei durch eine
Einne getrennte, abgerundete Längswülste, von welchen
der vordere mit sechs spitzen Stachelchen bewehrt, der
hintere aber glatt ist; ausserdem verläuft vor diesen
Wülsten eine Querreihe von 15 — 20 sehr kleinen Stachel-
chen. Der Vorderrand der hinteren Seitenflosse ist mit
drei Stacheln besetzt, von welchen sich der grösste am
distalen Ende befindet; der gebogene Aussenrand trägt
lange Haare, zwischen welchen wieder sehr feine Stachel-
chen eingepflanzt sind. Die obere Fläche dieser Flosse
trägt in der Mitte eine Längsreihe von fünf Stacheln.
Die inneren Antennen sind ungefähr so lang wie der
Cephalothorax; der Stiel reicht nur bis zu der Mitte des
vorletzten Grliedes des Stiels der äusseren Antennen und
die zwei letzten Glieder, welche fast dieselbe Grösse
haben, sind ein wenig kürzer als das Basalglied. Das
zweite Glied des Stiels der äusseren Antennen, der sog.
Basicerit, läuft an der Aussenseite in einen grossen spitzen
Stachel aus, der bis zu der Mitte des vorletzten Stiel-
gliedes, d. h. des Merocerits, reicht. Es trägt die be-
wegliche, zwischen dem Merocerit und dem schon be-
schriebenen, grossen, äusseren Stachel gelegene Schuppe,
Decapoden und Stomatopoden. 467
die sich als ein ein wenig- über das distale Ende des
vorletzten Stielgliedes hinausragender Stachel darstellt,
der an seiner Basis und zwar an der Innenseite mit
einem kleinen Nebenstachel besetzt ist. Der Innenrand
des dritten Grliedes, d. h. des Ischiocerits, läuft am distalen
Ende in einen kleinen, spitzen Stachel aus. Der Merocerit,
der das vorletzte Stielglied darstellt, ist verlängert, un-
gefähr viermal so lang wie breit, erreicht aber die Spitze
der Schuppe nicht. Das letzte Stielglied ist nur halb so
lang als das vorletzte und die Geissei ist etwas länger
als der Cephalothorax. Bei A.mus serratifrons scheint
nach der Abbildung*) keine Schuppe vorzukommen.
Die äusseren Kieferfüsse ragen kaum über das Vorder-
ende des Stiels der äusseren Antennen hinaus. Das zweite
Glied trägt am inneren Rande eine Längsreihe von spitzen
Stacheln, welche nach dem distalen Ende hin allmählich
grösser werden; der Unterrand ist mit fünf Stacheln be-
wehrt. Auch der Unterrand des dritten Gliedes, des
Merognathiten , ist mit vier oder fünf Stacheln besetzt,
welche gleichfalls nach dem distalen Ende grösser werden,
so dass der vorderste bedeutend grösser ist als der
hinterste. Der Unterrand des vierten Gliedes läuft am
distalen Ende in einen kurzen Stachel aus und die zwei
letzten Glieder erscheinen unbewehrt; das fünfte Glied
ist etwas länger als das vierte und ungefähr anderthalb-
mal so lang wie das Endglied.
Die Vorderfüsse zeigen eine grosse Aehnlichkeit mit
denen von Axius serratifrons, und der linke ist der grössere,
aber die Scheeren sind ein wenig schlanker und weniger
ungleich. Bei beiden ist der Unterraud des Ischio-
poditen und der des Meropoditen je mit vier
spitzen Stacheln besetzt, welche nach dem
I
*) Diese Abbildung (Journal des Museums Godeffroy, Heft IV,
Taf. XIII, Fig. 6) ist leider nicht genau, was aus der Thatsache
folgt, dass in Fig. 6 die Scheerenfinger des zweiten Fusspaares un-
gefähr so gross sind wie das Handglied, in der Figur 6a aber be-
deutend kürzer erscheinen. —
30*
468 Dl". J. O. de Man:
distalen Ende hin allmählich grösser werden;
der Oberrand des Brachialgliedes trägt bei beiden
an der Grenze des vorderen Drittels einen kleinen
Stachel. Der Carpus des grösseren Fusses ist kurz,
dreieckig, glatt und unbewehrt. Das Handglied ist
zweimal so lang wie breit, ein wenig seitlich zusammen-
gedrückt und sowohl auf dem oberen wie auf dem unteren
Rande schwach längsgekielt und behaart; die Aussenseite
erscheint für das nackte Auge glatt, ist aber in der That
mit zerstreuten, kaum vorstehenden, in Vertiefungen ge-
legenen Körnern bedeckt. Aehnliche Körnchen finden
sich an der Innenseite.
Die Finger sind etwas mehr als halb so lang als
das Handglied, kreuzen einander mit ihren Spitzen, wenn
geschlossen, und sind an den Rändern mit Haaren be-
setzt. Der Innenrand des beweglichen Fingers ist an
der Basis mit zwei spitzen Zähnchen besetzt, von welchen
das vordere das grössere ist; der Innenrand des unbeweg-
lichen Fingers trägt zwei gleiche Zähne, welche die zwei
proximalen Drittel seiner Länge einnehmen. Die rechte
oder kleinere Scheere ist etwas schlanker als die linke;
ihr Handglied ist etwas mehr als zweimal so lang wie
breit und die Finger sind etwas kürzer als das Hand-
glied. Sonst ist diese Scheere der linken ähnlich.
Auch die übrigen Füsse sehen denen von A.
serratifrons ähnlich. Am zweiten Fusspaare ist der
Unterrand des Ischiopoditen und des Meropoditen
mit Stacheln bewehrt; am ersteren finden sich deren
drei, am Brachialgliede vier, von welchen der vorderste
am distalen Ende steht. Auch sind diese Glieder am
Unterrande lang behaart. Das Carpalglied ist nur halb
so lang wie das Brachialglied und ungefähr so lang wie
die Scheere, und das Handglied ist kaum ein bischen
länger als die Finger. Das Handglied zeigt an der
oberen Hälfte der Aussenseite eine längliche Vertiefung;
der Unterrand der Scheere ist behaart wie auch die
Fingerspitzen.
Am dritten Fusspaare ist das Brachialglied am
Decapoden und Stomatopoden. 4.QQ
distalen Ende des Unterrandes mit einem Stachel be-
setzt; das Carpalglied ist ungefähr halb so lang wie das
Brachialglied. Das vorletzte Glied ist ungefähr andert-
halbmal so lang wie der Carpus und am ünterrande mit
(6) kurzen Stachelchen besetzt; das Klauenglied schliess-
lich ist halb so lang wie das vorletzte Glied, fast gerade
und am Unterrande mit 10 — 12 kurzen Stachelchen be-
wehrt. Das vierte Fusspaar ist dem dritten ähnlich und
das Brachialglied trägt auch hier einen kleinen Stachel
am distalen Ende des Unterrandes. Das fünfte Fusspaar
ist schwächer und das Brachialglied trägt hier keinen
Stachel am distalen Ende; an der Basis von jedem Fusse
des fünften Paares findet sich eine dünne, in eine
gebogene Spitze auslaufende Schuppe.
Das grössere der beiden Exemplare ist 28 mm. lang
von der Schnabelspitze bis zum Hinterrande des letzten
Abdominalsegmentes.
Es unterscheidet sich A.vüis spinipes von Axius serrati-
/7^o?i5 hauptsächlich durch die Stacheln, mit welchen
die Füsse bewehrt sind.
196. Axius affinis n. sp.
Taf. XX Fig. 1.
Ein eiertragendes Weibchen von Amboina.
Diese Form gleicht Axius spinipes so vollkommen,
dass, mit Ausnahme von einigen wenigen Charakteren,
die ganze Beschreibung dieser Art auch auf sie passt:
ich werde mich darum darauf beschränken, die Unter-
schiede anzugeben.
Zuerst laufen die Seitenränder des zwischen den
beiden hinteren Fusspaaren gelegenen Sternalsegmentes
an ihrem Vorderende nicht in spitze Stacheln, sondern
in stumpfe Winkel aus. Die beiden Schüppchen, welche
an der Basis der Füsse des fünften Paares stehen, und
bei spiniioes in einen gebogenen Stachel auslaufen, sind
hier abgerundet. Dann sind auch die Vorderränder der
Seitenflächen des dritten, des vierten und des fünften
Abdominalsegmentes nicht mit einem kurzen Zähnchen
470 . I>r. J. G-. de Man:
besetzt, sondern sind hier glatt und ungezähnt. Den
letzten Unterschied bieten die Scheerenfüsse.
Die Vorderfüsse zeigen nämlich eine noch grössere
Aehnlichkeit mit den Vorderfüssen von A. serratifrons
wie bei A. spinipes; sie sind mehr ungleich und minder
schlank. Der linke ist der grössere. Am Oberrande des
Brachialgliedes des grösseren Fusses fehlt der kleine
Stachel, der an dieser Stelle beim kleinen Scheerenfüsse
vorkommt; bei spinipes tragen beide Füsse diesen Stachel.
Das Handglied der grösseren Scheere ist nur andert-
halbmal so lang wie breit und auch die Finger sind
verhältnissmässig ein wenig kürzer als bei A. spinipes.
Das Handglied der kleineren Scheere ist etwas mehr als
zweimal so lang wie breit und wie bei spinipes sind die
Finger etwas kürzer als das Handglied. Was ihren Bau,
Sculptur und Behaarung betrifft, kommt das Exemplar
mit spinipes überein und auch die übrigen Füsse verhalten
sich auf dieselbe Weise.
Das Exemplar ist 25 mm. lang.
Wie man sieht, sind die Unterschiede zwischen Axius
affinis und Axius spinipes sehr gering, aber nach einer
grösseren Zahl von Individuen ist später festzustellen,
ob die genannten Unterschiede in der That constant
sind oder nicht; ich will jedoch bemerken, dass auch
Milne Edwards eine gewisse Variabilität in den Scheeren-
füssen bei seinem Axius acanthus hervorgehoben hat.
(Bulletin Soc. Philom. de Paris, 1879, p. 10.) —
197. Axius clypeatus n. sp.
Taf. XX Fig. 2.
Ein Männchen und ein eiertragendes Weibchen von
Amboina.
Das Rostrum dieser kleinen, recht charakteristischen
Art ist schmal, zugespitzt und erreicht noch nicht das
Vorderende des e^'sten Gliedes des Stiels der inneren
Antennen; seine Seitenränder sind in der Mitte mit einem
ziemlich spitzen Zahne besetzt und an ihrem Hinterende,
dort wo sie in den Vorderrand des Cephalothorax über-
Decapoden und Stomatopoden. 471
gehen, mit einem zweiten, etwas grösseren Zahne. Der
Vorderrand des Cephalothorax ragt an jeder Seite der
Stirn zwischen den Augen und den äusseren Antennen
als ein dreieckiger, stumpfer Fortsatz hervor und trägt
zwischen diesem Fortsatze und der Stirn, an jeder Seite
derselben einen Zahn. Die Regio gastrica trägt in der
Mittellinie, nicht weit hinter dem Schnabel, einen spitzen
Zahn und vor diesem Zahne einen glatten Kiel, der so
weit nach vorn hin verläuft wie die Zähne, welche die
Seitenränder der Stirn an ihrem hinteren Ende tragen.
Der genannte mediane Zahn der Regio gastrica setzt
sich auch nach hinten in einen schwachen Kiel fort bis
auf die Mitte dieser Gegend; hinter diesem Kiele liegt
ein flacher, dreieckiger und zahnförmiger, obgleich
niedriger Vorsprung. Nach diesem einem Schilde ähn-
lichen Vorsprunge trägt unsere Art ihren Namen. An
jeder Öeite der Mittellinie ist die Magengegend nun noch
mit drei, nicht in einer Längsreihe stehenden Zähnen be-
setzt; der vorderste dieser Zähne liegt unmittelbar hinter
dem schon genannten, medianen Zahne der Magengegend,
der zweite etwas grössere liegt mehr seitlich und
zwar mitten zwischen dem medianen Zahne und dem
schon genannten, flachen, zahnförmigen Vorsprunge, der
dritte kleinste Zahn ist weniger nach der Seite gerückt
als der zweite und liegt am Hinterende des flachen, drei-
eckigen Zahnvorsprunges, der sich in der Mitte der
Magengegend findet. Der übrige Theil der oberen Fläche
und der Seitenflächen des Rückenschildes trägt keine
Zähne mehr, sondern ist glatt, sogar nicht einmal punktirt
und ist unbehaart.
Das erste Segment des Abdomens ist kurz und der
etwas geschwungene Vorderrand seiner Seitenflächen
bildet mit dem Hinterrande einen nach unten gerichteten,
spitzen Winkel. Die vier folgenden Segmente haben
ungefähr dieselbe Länge; die Seitenflächen dieser Seg-
mente nehmen nach hinten zu, aber allmählich an Länge
ab, indem die Seitenfläche des zweiten Abdominal-
segmentes die längste ist und die folgenden immer kürzer
472 I>i'- J. (^- tie Man:
werden. Die obere Fläche und die Seitenflächen dieser
Abdominalsegmente sind glatt, tragen nur einige sparsame
Härchen und ihre Seitenränder sind glatt, ungezähnt und
unbehaart. Das sechste Segment ist ein wenig länger
als die vorigen und nur wenig breiter als lang; seine
Seitenränder sind ausgerandet, so dass das vordere Ende
derselben einen grösseren, das hintere einen kleineren
stumpfen Zahn oder Fortsatz bildet. Der Hinterrand
dieses Segmentes ist ein wenig concav und trägt drei
Haarbüschel. Das Endsegment oder die mittlere Schwanz-
flosse ist kaum länger wie breit; seine Seitenränder con-
vergiren ein wenig nach hinten und sind mit vier Zähnchen
besetzt, von welchen das letzte oder hinterste in der
Aussenecke des Hinterrandes steht. Der lang behaarte
Hinterrand ist fast gerade und trägt in der Mitte einen
kleinen spitzen Zahn. Die obere Fläche des Segmentes
ist an der Basis desselben quergefurcht und auf der
Mitte mit vier spitzen Zähnen besetzt, von welchen die
zwei vorderen dichter neben einander stehen als die
zwei hinteren; hinter der genannten Querfurche zeigt
die obere Fläche eine seichte Längsfurche. Sie ist auch
etwas behaart.
Die vordere oder äussere Seitenflosse besteht aus
einer grösseren Basal- und einer viel kleineren Endplatte.
Die Basalplatte ist oval mit concavem Aussenrande, mit
welchem die Endplatte durch ein Gelenk beweglich ver-
bunden ist. An der Basis trägt die Flosse hier einen
Stachel. Der etwas gebogene Vorderrand ist mit fünf
spitzen Zähnen besetzt und der Hinter- oder Innenrand
ist behaart und trägt einen spitzen Stachel an seinem
distalen Ende; zwischen diesem Stachel und dem distalen
Zahne des Vorderrandes trägt der concave Aussenrand
drei kleine Zähnchen gleicher Grösse. Die dreieckige
Endplatte ist mit dem Aussenrande in der Mitte durch
ein Gelenk beweglich verbunden; sie ist viel kleiner als
die Basalplatte, ihre Seitenränder sind behaart, mit
feinen Stachelchen besetzt und laufen am distalen Ende
in einen Stachel aus. Zwischen der Endplatte und dem
Decapodeu und Stomatopoden. 473
distalen Zahne des Vorderrandes der Basalplatte tragt
der Aussenrand der letzteren noch einen grossen, gleich-
falls beweglich mit ihm verbundenen Stachel. Auf der
äusseren Hälfte der oberen Fläche der Basalplatte ver-
laufen zwei durch eine Rinne getrennte Längswülste, von
welchen der äussere unmittelbar neben dem Vorderrande
verläuft und drei spitze Zähne trägt, der innere aber
glatt ist. Der letztere Wulst setzt sich auf die obere
Fläche der Endplatte viel schwächer fort und endigt hier.
Die hintere oder innere Seitenflosse ist ungefähr so
gross wie die vordere. Ihr Vorderrand ist gradlinig,
trägt an der Basis einen grossen abgerundeten Fortsatz,
ferner zwei spitze Zähne und an seinem distalen Ende
noch einen dritten. Der Aussen- und der Innenrand ist
behaart und zwischen den Haaren stehen sehr feine
Stachelchen eingepflanzt, welche man nur unter einer
sehr starken Lupe bemerkt. Auf der Mitte der oberen
Fläche verläuft ein Längswulst, der mit vier spitzen
Zähnen besetzt ist; er mündet am Aussenrande und trägt
hier noch einen fünften, spitzen Zahn, welcher also am
Rande steht.
Die Augenstiele sind so lang wie das Rostrum. Die
inneren Antennen sind so lang wie der Cephalothorax
und ihr Stiel erreicht die Mitte des vorletzten Gliedes
des Stieles der äusseren Antennen. Die letzteren sind
kürzer wie der Körper und verhalten sich wie bei Axius
spinipes. Ihr Basalglied oder Coxocerit trägt am Unter-
rande zwei spitze Zähnchen und der Basicerit läuft an
der Aussenseite in einen spitzen Stachel aus, der bis zu
der Mitte des vorletzten Stielgliedes reicht; er trägt die
schmale, stachelförmige, bewegliche Schuppe, welche
kaum über das Vorderende des vorletzten Stielgliedes
hinausragt. Der Innenrand des dritten Gliedes, des
Ischiocerits, läuft am distalen Ende in einen spitzen
Stachel aus. Das vorletzte Glied ist nur wenig länger
als das Ischiocerit und ist glatt und unbewehrt, und das
Endglied misst zwei Drittel der Länge des vorletzten
Gliedes.
474 -Dr. J. G. de Man:
Die äusseren Kieferfüsse reichen so weit nach vorn
wie der Stiel der äusseren Antennen und stimmen, was
Form und Bewaffnung der einzelnen Glieder betrifft, mit
den Kieferfüssen von Axius spinipes überein.
Die Vorderfüsse sind von ungleicher Grösse und der
rechte ist der grössere. Bei beiden trägt der Unterrand
der stark seitlich zusammengedrückten Ischiopoditen am
distalen Ende einen kleinen Zahn. Auch die Brachial-
glieder sind stark zusammengedrückt; ihre Seitenflächen
sind ein wenig höher (breiter) als lang, so dass diese
Glieder eine gedrungene Form haben. Ihr etwas convex
gebogener Oberrand ist glatt, ungezähnt und sparsam
behaart; ihr scharfer Unterrand ist fein gesägt und trägt
auch einige Haare; ihr mit dem Carpus articulirender
Vorderrand schliesslich läuft etwas über der Mitte in
einen Zahn aus. Der Carpus ist sehr kurz, ungefähr
zweimal so hoch (breit) wie lang, glatt, unbewehrt, und
trägt einige sparsame Härchen. Die Seitenflächen dieses
Gliedes sind ein wenig convex. Die grössere Scheere
ist so lang wie der Cephalothorax. Das ein wenig
zusammengedrückte Handglied ist etwas länger als breit
und seine Seitenflächen sind glatt und tragen nur wenige,
zerstreute Härchen; sein Oberrand ist an der distalen
Hälfte schwach gekielt und dieser Kiel läuft am distalen
Ende in einen kurzen, spitzen Stachel aus; der Unterrand
ist glatt und trägt einige Härchen. Die Finger messen
ungefähr zwei Drittel der Länge des Handgliedes und
tragen mehrere Haarbüschel; ihre ziemlich scharfen
Spitzen kreuzen einander, wenn sie geschlossen sind.
Der Innenrand des beweglichen Fingers ist an der Basis
mit zwei oder drei Zähnen besetzt, der des unbeweglichen
Fingers mit sechs oder sieben Zähnen, welche vom Gelenke
ab an Grösse zunehmen. Der bewegliche Finger ist oben
an der Aussenseite seicht gefurcht und dies findet auch
an der Aussenseite des unbeweglichen Fingers statt.
Das Handglied der kleineren Scheere ist genau so
lang wie hoch, verhält sich übrigens ganz wie das Hand-
glied der grösseren Scheere, aber der ganze Oberrand
Decapodön und Stomatopoden. 475
ist gekielt; am distalen Ende läuft er gleichfalls in einen
kurzen, spitzen Stachel aus. Die Finger sind bei dieser
Scheere ein wenig länger als das Handglied, verhalten
sich aber übrigens wie die der rechten Scheere, aber
ihre scharfen Innenränder sind nicht oder kaum gezähnt:
nur am unbeweglichen Finger sind noch zwei Zähnchen
sichtbar.
Die Ischiopoditen der drei folgenden Fusspaare
tragen am distalen Ende ihres Unterrandes ein kleines
Zähnchen. Die Meropoditen des zweiten und des dritten
Fusspaares tragen in der Mitte ihres Unterrandes einen
spitzen Zahn, aber die Meropoditen des vierten Fuss-
paares sind unbe wehrt.
Der Carpus des zweiten Fusspaares ist ein wenig
kürzer als die vScheere und unbewehrt, und an der
Scheere erscheinen die Finger ungefähr so lang wie das
Handglied. Der Carpus des dritten Fusspaares misst
ungefähr zwei Drittel von der Länge des Schenkel-
gliedes und trägt am distalen Ende seines Oberrandes
einen spitzen Stachel. Das vorletzte Glied ist ungefähr
so lang wie der Carpus und trägt am Unterrande eine
Längsreihe von fünf Stachelchen. Das Endglied ist
kaum länger als die halbe Länge dieser Propoditen. Das
vierte Fusspaar ist dem dritten ähnlich, aber die Schenkel-
gliedes sind unbewehrt und ihre Basalglieder tragen eine
am freien Rande fein gesägte, schuppenförmige Leiste,
welche zweimal so breit ist wie hoch ; diese Leiste oder
Schuppe findet sich an den anderen Füssen nicht. Das
fünfte Fusspaar schliesslich ist dünner als die drei vorigen.
Der Körper dieser Art ist ungefähr 15 mm. lang
von der Schnabelspitze bis zum Hinterrande des letzten
Abdominalsegmentes. —
198. Axius Brocki n. sp.
Taf. XX Fig. 3.
Zwei eiertragende Weibchen von Amboina und ein
Männchen von der Insel Edam.
Das Rostrum dieser Art, welche ich mir erlaube
476 Dl'- J- Gr. tie Man:
Herrn Dr. J. Brock zu widmen, ist sclimal, dreieckig
und sehr spitz und reicht bis zur Mitte des vorletzten
Gliedes des Stiels der inneren Antennen. Es erscheint
ein wenig- concav an seiner oberen Fläche und seine
Seitenränder sind ungezähnt; diese verlängern sich aber
als schmale Leistchen auf die Magengegend, stark diver-
girend, ungefähr bis auf die Mitte derselben. Auf jedem
dieser Leistchen stehen, unmittelbar hinter dem Eostrum,
drei spitze Zähne hinter einander und zwischen
den Zähnen sind einige Haare eingepflanzt; vor dem
vordersten Zahne findet sich noch ein viertes, be-
deutend kleineres Zähnchen (Fig. 3 a). Die Mittellinie
der Magengegend erhebt sich zu einem schmalen Kiel,
der nach vorn bis zu den vorderen Seitenzähnen reicht,
also bis zu der Basis des Schnabels, und nach hinten
bis kurz vor die Cervicalfurche fortläuft, diese letztere
aber nicht mehr erreicht. Ungefähr in der Mitte der
Magengegend trägt dieser Kiel einen sehr kleinen, kaum
sichtbaren Höcker. An jeder Seite der Mittellinie ver-
läuft auf der Mitte dieser Gegend wieder ein kurzer Kiel;
diese zwei Seitenkiele endigen an ihrem Vorderende in
ein kurzes Zähnchen und reichen noch nicht bis zu dem
ersten Seitenzahne der vorderen Magengegend hin. Der
vordere Rand des Rückenschildes bildet an jeder Seite
zwischen den Augen und den äusseren Antennen einen
dreieckigen Fortsatz, trägt aber sonst keine Zähne. Die
Cervicalfurche ist ziemlich tief. Die obere Fläche und die
Seitenflächen des Rückenschildes sind übrigens glatt,
nicht punktirt, und unbehaart.
Die sechs ersten Abdominalsegmente sind glatt, und
tragen nur einige sparsame Härchen; auch die Ränder
ihrer Seitenflächen sind glatt, ungezähnt und unbehaart,
und nur am unteren Seitenrande des fünften Segmentes
sehe ich ein sehr kleines Zähnchen, das aber vielleicht
nicht selten fehlt.
Das sechste Segment ist nur wenig breiter als lang
und etwas länger als das fünfte. Das letzte Abdominal-
segment, die mittlere Schwanzflosse, ist etwas länger als
Decapoden und Stomatopoden. 477
breit und seine Seitenränder laufen fast parallel. Die obere
Fläche trägt drei Paar kurzer Stachelcben: das vorderste
Paar liegt auf der Mitte des Segmentes und diese beiden
Stachelchen sind einander viel mehr genähert als die der
beiden anderen Paare. Derjenige Theil der oberen
Fläche, welcher von diesen Stachelchen und dem Hinter-
rande des Segmentes begrenzt wird, liegt ein wenig tiefer
als der übrige Theil derselben und ist ausserdem in der
Mitte seicht längsgefurcht. Die Seitenränder des Seg-
mentes sind mit drei oder vier Zähnchen besetzt und
der ein wenig convex gebogene, lang behaarte Hinter-
rand trägt einen kleinen Stachel in der Mitte und an
jeder Seite an den äusseren Ecken einen etwas grösseren
Stachel, welcher beweglich ist.
Die beiden Seitenflossen sind eiförmig und fast von
gleicher Grösse. Der fast geradlinige Vorderrand der
vorderen Seitenflosse trägt vier Stachelchen und am
distalen Ende einen grösseren, beweglichen Stachel; der
abgerundete Aussen- und Innenrand ist mit langen Haaren
besetzt, zwischen welchen feine Stachelchen eingepflanzt
sind. Auf der äusseren Hälfte der oberen Fläche ver-
laufen zwei Längswülste, von welchen der äussere vier
Zähnchen trägt, während der innere glatt ist; diese
Wülste hören an einer quer verlaufenden Stachelreihe
auf, welche vom distalen Ende des Vorderrandes nach
dem Innenrande hinzieht und aus neun oder zehn Stacheln
besteht, von welchen derjenige, welcher am Ende des
inneren Längswulstes gelegen ist, die anderen an Grösse
ein wenig übertrifft. Der Vorderrand der inneren Flosse
ist fast geradlinig und mit vier Stacheln besetzt, von
welchen der am distalen Ende gelegene der grösste ist;
Aussen- und Innenrand sind wieder abgerundet und mit
langen Haaren und feinen Stachelchen besetzt. Auf der
oberen Fläche dieser Flosse verläuft in der Mitte ein mit
fünf Stacheln besetzter Längswulst. Die langen Haare,
welche am Rande des letzten Abdominalsegmentes und
der Seitenflossen eingepflanzt sind und zwischen welchen
die kurzen Stachelchen stehen (Fig. od), sind an ihrer
478 Dr. J. a. de Man:
gTÖsseren distalen Hälfte geringelt und erscheinen sehr
fein gefiedert, indem sie ihrer ganzen Länge nach fein
behaart sind; am Hinterrande der mittleren Schwanzflosse
entspringen zwei Büschel von längeren Haaren und diese
Haare, wie auch diejenigen^ welche auf der oberen Fläche
der Flossen stehen, sind borstenförmig, nicht geringelt,
und nackt oder höchstens pubescent.
Die Augenstiele sind kurz und reichen nur bis zu
der Mitte des Schnabels. Die inneren Antennen sind
etwas länger als der Cephalothorax und reichen, zurück-
geschlagen, bis zum zweiten Abdominalsegmente; ihr
Stiel reicht bis zum distalen Ende des vorletzten Gliedes
des Stiels der äusseren Antennen. Diese letzteren sind
zweimal so lang wie der Cephalothorax. Ihr Basalglied
oder Coxocerit trägt keine Zähne oder Stacheln. Das
zweite Glied oder Basicerit trägt am distalen Ende ihres
Aussenrandes ein sehr kurzes Stachelchen und die von
diesem Gliede getragene Schuppe ist sehr klein, reicht
kaum über das Vorderende des Ischioceriten hinaus, und
läuft am Aussenrande in einen kurzen Stachel . aus,
während der Innenrand einen noch kleineren Stachel
trägt. Der Innenrand des dritten Stielgliedes läuft am
distalen Ende in einen kurzen Stachel aus und trägt
etwa in der Mitte einen zweiten viel kleineren Stachel.
Das vorletzte Stielglied ist kaum länger als der Basicerit
und erscheint unbewehrt, und das Endglied ist kaum
mehr als halb so lang als das vorletzte Glied. Durch
die kurzen Stacheln des Basiceriten und Ischioceriten
und durch die sehr kleine Schuppe steht unsere Art in
einem Gegensatze zu Axms spinipes und zu Axius elegans.
Die äusseren Kieferfüsse sind ein wenig länger als der
Stiel der äusseren Antennen. Das zweite und das dritte
Glied haben dieselbe Grösse; was Form und Bewaffnung
der einzelnen Glieder betrifft, stimmt unsere Art wieder
mit spinipes und elegans überein.
Von den Vorderfüssen ist der rechte ein wenig grösser
als der linke. Der Unterrand der stark zusammen-
gedrückten Ischiopoditen trägt drei Stacheln und der
Decapoden und Stomatopoden. 479
Unterrand der gleichfalls stark zusammengedrückten Mero-
poditen vier Stacheln, von welchen der vorderste etwas
grösser ist als die anderen; diese beiden Ränder sind
ausserdem äusserst fein gesägt. Der scharfe, schneidende,
etwas gebogene Oberrand dieser Glieder trägt einen oder
zwei Stacheln. Der Carpus ist kurz, dreieckig und un-
bewehrt. Die Scheeren sind ziemlich schlank. Das
Handglied der grösseren Scheere ist ungefähr
zweimal so lang wie breit und anderthalbmal so
lang wie die Finger. Der Oberrand des ein wenig
zusammengedrückten Handgliedes ist glatt, erscheint nach
dem distalen Ende hin schwach gekielt, und dieser Kiel
läuft in ein sehr kleines, spitzes Zähnchen aus. Der
Unterrand des Handgliedes erscheint sehr fein gesägt,
aber der Unterrand des unbeweglichen Fingers glatt.
Das Handglied ist an der Aussenseite glatt, erscheint
aber stellenweise punktirt. Die scharfen Spitzen der
Finger kreuzen einander. Der bewegliche Finger ist am
Oberrande ein wenig gekielt und unter diesem Rande an
der Aussenseite schwach gefurcht. Die fast geradlinigen,
scharfen Innenränder der Finger sind kaum gezähnt ; bei
dem beweglichen sehe ich einen kleinen Zahn nahe dem
Gelenke, beim unbeweglichen Finger finden sich sehr
kleine, nur unter einer starken Lupe sichtbare Zähnchen
fast den ganzen Rand entlang. Die Finger tragen einige
sparsame Haare. Die linke Scheere unterscheidet sich
nur durch geringere Grösse, verhält sich aber sonst ganz
wie die rechte.
Das zweite Fusspaar reicht kaum über die Carpal-
glieder der Vorderfüsse hinaus. Der Unterrand des
Meropoditen ist mit einer Längsreihe von fünf kurzen
Stachelchen besetzt, von welchen das vorderste grösser
ist als die anderen und ein wenig vor der Mitte steht;
am distalen Ende trägt er einen sechsten Zahn. Die
Carpalglieder sind nur w^enig mehr als halb so lang
wie die Meropoditen und unbewehrt. Die Scheere ist
ein wenig länger als der Carpus und die Finger etwas
kürzer als das Handglied; die Scheere ist glatt und un-
480 Dr. J. G. de Man:
bewehrt, und die Innenränder der Finger sind mit kurzen
Stachelchen besetzt. Die Füsse des dritten Paares sind
etwas länger als das zweite Fusspaar. Ihre Meropoditen
tragen am distalen Ende des Unterrandes ein sehr kleines
Zähnchen, ganz nahe dem Gelenke, sind sonst unbewehrt,
gleich wie die Carpopoditen, welche kaum mehr als ein
Drittel der Länge der Meropoditen erreichen. Die Pro-
poditen sind zweimal so lang wie die Carpopoditen und
tragen am Unterrande eine Längsreihe von sechs kleinen
Stacheln; die kaum gebogenen Endglieder schliesslich
sind fast so lang wie die Carpopoditen und am Unter-
rande mit sechs oder sieben Stachelchen besetzt. Das
vierte Fusspaar ist ein wenig kürzer und dünner als das
dritte und das fünfte ein wenig kürzer und dünner als
das vierte, aber beide Fusspaare verhalten sich übrigens
wie das dritte.
Die Körperlänge dieser Art beträgt 17 mm.
Gattung Callianassa Leach.
199. Callianassa amboinensis n. sp.
Taf. XX Fig. 4.
Ein Weibchen von Amboina.
Das einzige Exemplar dieser wohl neuen Art ist
leider sehr beschädigt; die beiden Vorderfüsse sind ab-
gebrochen und nur einer derselben ist noch vorhanden,
er fand sich in demselben Glasröhrchen, welches das Thier
enthielt, und gehört also ohne Zweifel zu demselben.
Es gehört unsere Art zu denjenigen Callianassen,
bei welchen das letzte Abdominalsegment vollkommen
entwickelt ist. Zu dieser Gruppe, welche in den indo-
pacifischen Meeren bis jetzt nur durch drei Arten ver-
treten war und zwar durch Call, petalnra Stimps. in
Japan, durch Call. Mauritiana Miers in Mauritius und
durch Call. Filholi A. M. Edw. in den neuseeländischen
Meeren, kommt jetzt Call, amhoinensis als vierte hinzu.
Auf den ersten Blick unterscheidet sie sich von den drei
genannten Arten durch den gänzlich ungezähnten
und unbewehrten Unterrand des Brachialgliedes
Decapoden und Stomatopoden. 481
des grösseren Vorderfusses, denn der noch vor-
handene Fuss scheint mir in der That der grössere
Scheerenfuss zu sein.
In ihrer äusseren Gestalt nähert sich unsere Art der
Callian. 'pacliydactyla A. M. Edw. Der Vorderrand des
Rückenschikies ragt in der Mitte ein wenig als ein breiter,
kurzer, dreieckiger, spitzer Zahn zwischen den Augenstielen
hervor, aber der Stirnrand erscheint jederseits von den
Augen stumpf und ungezähnt. Die Augenstiele haben
die gewöhnliche Form, laufen nach vorn und nach innen
in eine dreieckige Spitze aus, tragen die Cornea an der
gewöhnlichen Stelle und reichen mit der Spitze fast bis
zur Mitte des zweiten Stielgliedes der inneren Antennen.
Die inneren Antennen sind ein wenig kürzer wie der
Cephalothorax ; die zwei ersten Glieder ihres Stieles sind
kurz, das dritte Glied ist fast dreimal so lang wie das
zweite und die Geissei ist kaum so lang wie das dritte
Stielglied. Die äusseren Antennen sind für eine Be-
schreibung zu sehr beschädigt.
Das zweite Abdominalsegment ist das längste von
allen und das sechste ist ungefähr so lang wie das fünfte
und wie das Endglied, d. h. wie die mittlere Schwanz-
flosse. Das Endglied ist vollkommen ausgebildet, fast
quadratisch und kaum ein bischen länger wie breit;
der behaarte Hinterrand ist in der Mitte nicht einge-
buchtet und an den Ecken abgerundet. Die Seitenflossen
sind ungefähr so lang wie die mittlere Schwanzflosse;
die vordere oder äussere ist fast kreisförmig und am
stark gebogenen, abgerundeten Aussenrande behaart. Die
hintere oder innere ist oval, und am abgerundeten Hinter-
und Innenrande gleichfalls behaart; die obere Fläche ist
glatt, nicht gekielt.
Der noch vorhandene Vorderfuss stimmt im äusseren
Aussehen wohl einigermaassen mit dem von A. Milne
Edwards abgebildeten Vorderfusse von Call, imcliydactyla
überein (Nouvelles Archives du Museum, T. VI, PI. II,
Fig. 1 d), aber der Unterrand des Brachialgliedes ist glatt
Avcli. f, Naturgesch. 53. Jahrg. Bd. 1. 3]^
482 Dr. J. G. de Man:
und imgezähnt und das Carpalglied ist ein wenig* länger.
Der Unterrand des Iscliiopoditen ist ein wenig gesägt
und fein behaart. Das ovale Bracliialglied ist ungefähr
anderthalbmal so lang wie breit, der Aussenrand ist ab-
gerundet, der Innenrand ist ziemlich scharf, minder
gebogen als der Aussenrand, fein behaart, sonst
gänzlich glatt und ungezähnt. Während er bei Call,
jjetalura mit einem starken, bei Call. Filholi mit einem
schwachen Zahne besetzt ist, trägt er bei Call. 7nauritiana
einen gezähnten Fortsatz am proximalen Ende. Das
Carpalglied ist etwas kürzer als das Handglied
der Scheere, und hat dieselbe Breite resp. Höhe;
es ist aber länger als die halbe Länge des Hand-
gliedes. Der Unterrand des Carpalgliedes ist abgerundet,
ziemlich scharf, glatt und sparsam behaart. Das Hand-
glied ist nur wenig länger als breit und beide Eänder
desselben sind sparsam behaart, sonst glatt und nicht
gesägt. Die Finger sind etwas kürzer als das Handglied,
der bewegliche ist etwas länger als der unbewegliche
und der letztere zeigt an der Basis seines Innenrandes
nicht den Ausschnitt, welcher andere Arten, z. B. Call,
mauritiana^ auszeichnet. Die Finger tragen mehrere Haar-
büschel.
Vom zweiten Fusspaare ist nur der linke Fuss vor-
handen; dieser sieht ganz ähnlich aus wie bei Call, pachy-
dactyla. Das vorletzte Glied am dritten Fusspaare ist
oval, an den Rändern wie gewöhnlich stark behaart, und
trägt das spitze, gleichfalls behaarte Endglied am vorderen
distalen Ende.
Das Thier hat eine Länge von 25 mm.
200. Callianassa Martensi Miers.
Taf. XXI Fig. 1.
Callianassa Martensi , Miers, On some Crustaceans
from Mauritius, in: Proceed. Zoolog. Soc. of London,
1884, p. 13, PL I, Fig. 1.
Drei Exemplare (1 c^, 2 $) von Amboina.
Decapoden imd Stomatopoden, 483
Diese Exemplare stiinmen fast vollkommen mit der
Orig'iualbesclireibung- und mit den von Miers gegebenen
Abbildungen überein, so dass ich nur das folgende be-
merken will.
An dem Stiel der inneren Antennen erscheint das
zweite Glied im Yerhältniss zum dritten bei unseren
Exemplaren ein wenig kürzer als bei den Typen von
Mauritius, so dass das zweite Glied nur bis zu der Mitte
des zweiten Stielgliedes der äusseren Antennen reicht.
Bei den zwei Exemplaren, deren Yorderfüsse beide vor-
handen sind, ist der linke der grössere. Der Unterrand
des Basipoditen trägt an beiden Füssen einen kurzen
Stachel und bei beiden trägt der Unterrand des Ischio-
poditen eine Längsreihe von sehr kleinen Stachelchen,
die nach dem distalen Ende hin allmählich an Grösse
zunehmen. Abweichend scheint sich die kleinere (rechte)
Scheere zu verhalten. Miers beschreibt dieselbe leider
nicht, aber in der Abbildung erscheinen auch bei dieser
Scheere die Finger ein wenig kürzer als das Handglied.
Bei unseren Exemplaren dagegen erscheinen die Finger
der kleineren Scheere länger als ihr Handglied,
und zwar sind sie bei dem grösseren, ungefähr 30 mm.
langen Individuum fast anderthalbmal so lang wie das
Handglied, bei dem zweiten etwas jüngeren Exemplare
etwas weniger verlängert. Auch klaffen die Finger der
kleineren Scheere nicht, was sie auf der Miers'schen Ab-
bildung wohl thun. Spätere Untersuchungen mögen ent-
scheiden, ob wir hier mit einer anderen Art zu thun
haben, oder ob die Originalabbildung ungenau ist. Jeden-
falls ist unsere Art von Call, tridentata v. Mart. verschieden:
es ergab sich diese Thatsache aus einer Vergleichuiig
eines unserer Thiere mit den Berliner Originalexemplaren
dieser Art, welche Herr Dr. Hilgendorf gütigst für mich
machte.
Das grösste Exemplar, das seine Yorderfüsse verloren
hat, ist ungefähr 35 mm. lang.
Verbreitung: Mauritius, Amboina.
31*
484 Dr. J. a. de Man:
201. Callianassa mucronata Strahl.
Taf. XXI Fig. 2.
Callianassa mnci^onata, Strahl, lieber einige neue
Thalassinen u. s. w. in: Monatsber. Berliner Akad. 1861,
S. 1056.
Callianassa mucronata, A. Milne Edwards, Revision
du genre Calliajiassa, in: Nouvelles Archives du Museum,
T. VI, p. 95.
Zu dieser noch unvollkommen bekannten Art stelle
ich ein Weibchen von Amboina. Obgleich keine Eier
tragend, ist dieses Exemplar doch grösser als das von
Strahl beschriebene, und misst vom Vorderrande des
Rückenschildes bis zum Hinterrande des letzten Abdominal-
segmentes 40 mm. Die Stirn trägt in der Mitte einen
oben glatten und schmalen, sehr spitzen Zahn,
welcher nur die halbe Länge der Augenstiele
erreicht; an jeder Seite dieses Zahnes zeigt der Stirn-
rand zwar einen sehr kleinen, dreieckigen Ausschnitt,
aber Zähne oder Stacheln trägt er hier nicht.
Augenstiele und Antennen verhalten sich gänzlich, wie
sie Strahl beschrieben hat.
Das sechste Abdominalsegment ist kaum länger als
das fünfte und die Schwanzflosse verhält sich ungefähr
wie bei Call, brevicaudata. Das letzte Abdominalsegment
ist nämlich bedeutend kürzer als die Seitenflossen,
kaum halb so lang wie das sechste Glied und fast doppelt
so breit wie lang; es ist in der Mitte ein wenig behaart
und der Hinterrand ist in der Mitte ein wenig ausgebuchtet.
Die vordere oder äussere Seitenflosse ist an dem convex
gebogenen Aussenrand behaart und nur wenig länger
als die hintere oder innere Seitenflosse; diese
letztere ist oval, am distalen Ende abgerundet, auf der
oberen Fläche flach und nicht gekielt, und am Hinter-
rande gleichfalls behaart.
Von den beiden Vorderfüssen fehlt leider der rechte,
der nach Strahl der kleinere sein sollte. Der noch vor-
handene, linke Fuss (Fig. 2 b) ist an allen Grliedern glatt,
trägt nirgendwo Zähne oder Stacheln, und die
Decapoden und Stomatopoden. 435
einzelnen Glieder sind nur an den Rändern sparsam be-
haart. Das Brachialglied ist kaum zweimal so lang wie
breit, das Carpalglied hat dieselbe Breite resp. Höhe als
das Handglied der Scheere, erscheint aber kürzer, indem
das Handglied fast anderthalbmal so lang ist. Das
Braehialglied ist 4 mm. lang, das Carpalglied 3 mm., das
Handglied 4V2 mm. und die Finger messen 31/4 mm.; die
letzteren erscheinen also kürzer wie das Handglied. Sie
tragen einige Haarbüschel, und die Innenränder sind
scharf, aber nicht gezähnt.
Verbreitung : Philippinen, Molukken.
Gattung Scyllariis Fabr.
202. Scyllarus Haanii v. Sieb.
Scyllarus Haanii, von Siebold, de Haan, Fauna Japo-
nica, Crustacea, p. 152, PI. XXXVHI, Fig. 1. — Miers,
Annais and Magaz. of Nat. History, 1880, p. 37.
Ein erwachsenes Männchen von Amboina, welches,
wie das von Miers von den Aroe- Inseln beschriebene
Exemplar, vollständig mit den japanischen Originaltypen
übereinstimmt.
Verbreitung: Japan, Malayischer Archipel.
Gattung Arctus Dana.
203. Arctus vitiensis Dana.
Arctus vitiensis, Dana, Unit. States Expl. Exp. Crus-
tacea, PI. XXXII, Fig. 7.
Drei Exemplare von Amboina.
Die Länge des grössten Individuums (die äusseren
Antennen mitgerechnet!) beträgt 23 mm.
Verbreitung: Fidschi -Inseln, Molukken.
Gattung Thenus Leach.
204. Thenus orientalis Fabr.
Thenus orientalis, Fabricius, Milne Edwards, Hist.
Nat. des Crustaces, T. II, p. 286.
486 Dr. J. G fle Man:
Zwei Exemplare von Amboina.
Verbreitung: Indischer Ocean, Malayischer Archipel,
Australien.
Gattung Palinurus Fabr.
205. Palinurus fasciatus Fabr.
Palinurus fasciatus, Fabricius, Milne Edwards, Hist.
Nat. des Crustaces, II, p. 295.
Ein junges Exemplar von Amboina.
Verbreitung: Indischer Ocean, Malayischer Archipel,
Stiller Ocean.
206. Palinurus ornatus Bosc.
Palinurus ornatus^ Bosc, Milne Edwards, Hist. Nat.
des Crustaces, T. II, p. 296.
Drei junge Exemplare von Amboina.
Verbreitung: Indischer Ocean, Malayischer Archipel,
Australien, Samoa- Inseln.
Gattung Enoplometopus A. M. Edw.
207. Enoplometopus pictus A. M. Edw.
Taf. XXI Fig. 3.
Enoplometopus pictus, A. Milne Edwards, Faune carci-
nologique de l'ile de la Reunion, in: Maillard, Notes sur
File de la Reunion, p. 14, PL XIX. — Miers, in: Annais
and Magazine of Nat. Hist., 1880, p. 40.
Dreizehn junge Exemplare von Amboina, von welchen
die meisten Weibchen sind. Vollständig stimmen diese
Thiere nicht mit der Originalbeschreibung überein. Zuerst
liegt die mittlere der drei Stachelreihen, mit welchen
die Magengegend besetzt ist, ein wenig mehr nach hinten,
so dass der vorderste Stachel dieser Mittelreihe nicht
neben dem vierten Stachel der Seitenreihen, sondern
neben dem dritten, d. h. dem mittleren, steht, wobei
die zwei letzten Stacheln der Mittelreihe hinter den
Seitenreihen liegen, während bei dem von Milne
Edwards abgebildeten Exemplare sich nur der letzte
Decapoden imd Stomatopoden. 487
Stachel der Mittelreihe hinter den Seitenreihen befand.
Dann zeigen die Scheeren der Vorderf üsse die folgenden
Unterschiede. Bei dem Originalexemplare von der Insel
Reunion erscheinen die Finger ein Bischen kürzer als
die Palmarportion. Bei den meisten unserer Exem-
plare sind die Finger ein wenig länger als die Palmar-
portion. Auch sind die Scheeren bei den meisten ein
wenig schlanker als bei dem Milne Edwards'schen
Originalexemplare. Schliesslich zeigen die obere und
die untere Fläche der Scheere noch keine Spur
der Höcker und Höcker chen, welche diese Theile
bei dem Originalexemplare bedeckten, und der freie
Rand des beweglichen Fingers trägt nur drei Stacheln
am distalen Drittel, während er beim Originalexemplare
seiner ganzen Länge nach mit Stacheln besetzt w^ar.
Sonst stimmen unsere Exemplare wohl ganz mit dem
Typus überein. Ungeachtet dieser Differenzen stelle ich
unsere Thiere zu pictus und zwar darum, w^eil ich ver-
muthe, dass die Unterschiede, welche die Scheeren bieten,
Jugendcharaktere seien. Diese Meinung ist darauf ge-
gründet, dass bei einem gleichfalls von Amboina her-
stammenden, erwachsenen, von Miers beschriebenen und
zu pictus gestellten Männchen die Scheeren auch ein
wenig schlanker waren als bei dem Milne Edwards'schen
Originalexemplare und die Höcker der oberen und der
unteren Fläche weniger entwickelt, und weiter darauf,
dass unsere Thiere sonst mit dem Typus übereinstimmen,
sogar was die Zeichnung betrifft. Unsere Exemplare
zeigen also eine grössere Uebereinstimmung mit Eno-
plometopus dentätus Miers von St. Helena, welcher den
pictus im Atlantischen Ocean vertritt. Bei diesem dentätus
sind nämlich die Scheeren schlanker und ihre obere und
untere Flächen tragen keine Höcker. Indem diese Charak-
tere sich nun auch bei jugendlichen Individuen von
E. pictus vorfinden, deutet diese Thatsache auf die Ver-
wandtschaft der beiden Formen hin.
Bei allen unseren Exemplaren reicht das Rostrum bis
zum Vorderende des Stiels der inneren Antennen; auch
488 Dl"- J. (x. de Man:
auf der Milne Edwards'schen Figur 1 erscheint das
Rostrum so lang, aber in der Beschreibung heisst es, dass
es das Vorderende des Stiels überschreitet: dies ist also
wohl nicht der FalL
Das grösste unserer Exemplare, dessen Scheeren ab-
gebildet worden sind, ein Weibchen, ist 40 mm. lang von
der Schnabelspitze bis zum Hinterende des Abdomens;
die Art erreicht aber eine Grösse von 13 cm.
An dieser Stelle will ich auf die Aehnlichkeit hin-
weisen, welche Enoplometopus pictus und Nejyhrops occi-
dentalis Randall von der Westküste von Amerika zeigen,
wenn man die von Kingsley neuerdings gegebene Ab-
bildung des Rückenschildes und der Vorderfüsse dieser
letzteren Art vergleicht (Kingsley, in: Bulletin of the
Essex Institute, 1884, Vol. XIV, PL II, Fig. 1).
Verbreitung: Enoplometopus pictus bewohnt den
Indischen Ocean und den Malayischen Archipel.
208. Enoplometopus longirostris n. sp.
Taf. XXI Fig. 4.
Sechs Exemplare von Amboina.
Diese ausgezeichnete neue Art unterscheidet sich
vom Enopl. pictus auf den ersten Blick dadurch, dass
das Rostrum bedeutend länger und auch am Unter-
rande gezähnt ist, dass der Hinterrand des vor-
letzten Abdominalsegmentes in der Mitte zwei
spitze Stacheln trägt, durch ihre völlig unbe-
wehrten, stachellosenScheeren und durch mehrere
andere Charaktere. Die Exemplare sind von geringer
Grösse und diese ist bei allen ungefähr dieselbe. Sie
beträgt nur 24 mm. von der Schnabelspitze bis zum Ende
der mittleren Schwanzflosse. Weil sie keine Eier tragen,
so ist es aber immer möglich, dass sie noch jung sind
und noch nicht ganz erwachsen. Im äusseren Habitus
stimmt diese Art mit Enopl. pictus überein. Das drei-
eckige, sehr spitze Rostrum ist genau so lang wie der
Cephalothorax und erscheint also relativ bedeutend
Decapoden imd Stomatopoden. 489
länger Avie bei Enopl. pictus. Die obere Fläche des
Rostrums ist concav, wie hei Enojyl. pictus ^ und auch die
Bewaffnung ist bei beiden Arten dieselbe. Die
Seitenränder tragen in der Mitte vier spitze, nach vorn
gerichtete Stacheln, von welchen der hinterste, der un-
gefähr neben dem Vorderrande der Augen liegt, der
kleinste ist. Es ist zu bemerken, dass bei den meisten
unserer Individuen der hinterste Stachel am linken Seiten-
rande fehlt (Fig. 4), so dass dieser dann nur drei Stacheln
trägt, eine Erscheinung, welche ich auch bei vielen Exem-
plaren von Enopl. pictus beobachte. Hinter diesen
Stacheln, welche auf den Seitenrändern selbst stehen,
und der Basis des Rostrums beobachtet man auf demselben
an jeder Seite noch zwei hinter einander stehende
Stacheln; diese Stacheln stehen auf zwei Längswülsten,
welche nach vorn hin in die Seitenränder des Rostrums
übergehen, und nach hinten sich auf der vorderen Magen-
gegend allmählich verwischen, während sie schwach
bogenförmig zu einander convergiren. Sie tragen hier,
wie bei Enopl. 2nctus, noch drei Stacheln, und wie. bei
dieser Art beobachtet man an der Aussenseite dieser
Stachelreihen und zwar ganz vorn, gleich hinter dem
Vorderrande des Rückenschildes, noch einen spitzen
Supraocularstachel. Die obere Fläche des Cephalothorax
ist in der Mittellinie schwach gekielt, und dieser Kiel
trägt, wie bei pictus, eine Längsreihe von fünf Stacheln,
von welchen der hinterste ein wenig hinter der Mitte
des Rückenschildes gelegen ist, während der dritte und
die letzten Stacheln der Seitenreihen in einer und derselben
Querlinie liegen. Im Gegensatze zu Enopl. pictus ist bei
unserer Art aber auch der Unterrand des Schnabels
gezähnt; derselbe trägt acht bis zehn Zähnchen (Fig. 4a),
welche nach der schwach nach oben gerichteten Schnabel-
spitze hin allmählich kleiner werden. An der Ecke, wo
der Vorderrand und die Seitenränder des Rückenschildes
zusammenkommen, also gleich unter dem Stiele der
äusseren Antennen liegt ein kleiner Stachel, den man
490 Dr. J. G. de Man:
auch bei Enopl. pictiis vorfindet. Die obere Fläche des
Cephalothorax scheint stellenweise kurz behaart zu sein.
Auch das . Abdomen zeigt recht charakteristische
Merkmale (Fig. 4 und 4f). Zuerst laufen die Seiten-
flächen der fünf \nittleren Segmente nach unten in einen
spitzen Stachel aus; ausserdem beobachtet man am
Vorderrande der Seitenfläche des zweiten Segmentes
noch drei sehr kleine Zähnchen und ein einziges am
Vorderrande der Seitenflächen des dritten, vierten und
fünften Segmentes. Der Hinterrand des sechsten oder
vorletzten Segmentes trägt in der Mitte zwei spitze
nach hinten gerichtete Stacheln. Das letzte Ab-
dominalsegment ist ein bischen länger wie bei Enopl.
pictiis und läuft hinten in einen spitzen Stachel aus; die
Seitenränder tragen zwei spitze Stacheln und unmittelbar
vor dem hinteren dieser beiden Stacheln findet man noch
ein drittes, viel kleineres Zähnchen. Die obere Fläche
des Segmentes trägt keine Stacheln. Auch die Seiten-
flossen sind denen von Enopl. pictus ähnlich gebaut. Der
Vorderrand sowohl der vorderen wie der hinteren Seiten-
flosse läuft in einen Stachel aus; ausserdem beobachtet
man an der vorderen Flosse neben diesem Stachel noch
einen zweiten, etwas grösseren, der beweglich ist. Von
dem distalen Stachel des Vorderrandes der vorderen
Seitenflosse verläuft auf der oberen Fläche derselben
eine Querreihe von vier oder fünf, ungleich grossen
Stachelchen; bei Enopl. pictus stehen in dieser Querreihe
eine grössere Zahl von Stachelchen. Sonst erscheint die
obere Fläche sowohl der vorderen wie der hinteren Flosse
glatt und stachellos.
Der Stiel der inneren Antennen reicht fast bis zur
Mitte des Schnabels und überragt ein wenig den Stiel
der äusseren; die beiden Antennenpaare erscheinen denen
von Enopl. pictus ähnlich gebaut. So trägt das Basal-
glied der äusseren einen spitzen Stachel an der äusseren
Ecke und ihre Schuppe, welche die Stiele der beiden
Antennenpaare überragt, reicht bis zu den vordersten
Stacheln der Seitenränder des Schnabels hin. Die äusseren
Decapoden und Stomatopoden. 491
Kieferfüsse reichen bis zum Vorderende der Antennen-
schuppen.
Unsere neue Art unterscheidet sich schliesslich durch
ihre Vorderfüsse, deren Scheeren gar keine Stachehi
tragen. Die Vorderfüsse sind gleich und ihre Länge ist
ungefähr so gross wie die des Körpers ohne den Schnabel.
Der Oberrand und der Unterrand der Ischiopoditen laufen
jeder an ihrem distalen Ende in ein kurzes Stachelchen
aus. Die Brachialglieder reichen bis zur Mitte des
Schnabels. Der Oberrand und der Unterrand dieser
Glieder tragen jeder an ihrem distalen Ende einen
Stachel und an beiden beobachtet man noch einen zweiten
Stachel nicht weit hinter dem distalen. Zwischen diesen
beiden distalen Stacheln stehen noch zwei andere am
distalen Eande der Aussenfläche dieser Glieder. Die
kurzen Carpalglieder sind mit sechs Stacheln an ihrem
distalen Gelenkrande besetzt, und zwar vier an der Ober-
und zwei an der Unterseite; ausserdem tragen sie noch
einen kleinen Stachel am abgerundeten Oberrande nahe
dem Brachialgelenke. Die fein behaarten Scheeren sind
ungefähr anderthalbmal so lang wie der Cephalothorax
ohne den Schnabel. Das Handglied, welches ein wenig
länger ist wie die Finger, ist genau dreimal so lang wie
breit; die Seitenränder laufen fast parallel, so dass es
überall dieselbe Breite zeigt. Die Dicke nimmt nach
den Fingern hin aber ein wenig ab, ist aber selbst
nahe dem Carpalgelenke noch nicht so gross wie die
Breite beträgt; die Scheeren erscheinen also ein wenig
von oben nach unten zusammengedrückt, aber sie sind
viel weniger abgeplattet wie bei EnopL pidus. Die
Scheeren sind glatt und tragen nirgendwo eine
Spur von Stacheln; wohl aber erscheinen sie unter der
Lupe fein punktirt und in diese Pünktchen sind die
Härchen eingepflanzt. Die scharfen, umgebogenen Finger-
spitzen kreuzen einander und die behaarten Innenränder
erscheinen schwach und unregelmässig eingeschnitten,
aber kaum gezähnt.
Die vier hinteren Fusspaare verhalten sich wie bei
k
492 Dr. J. G. de Man:
Enopl, picüis und sind an den Endgliedern ein wenig
behaart.
Die Gattung Enoplometopus zeichnet sich bekanntlich
vor den anderen Astaciden dadurch aus, dass die beiden
vordersten der vier hinteren Fusspaare keine vollkommen
entwickelte Scheeren tragen, indem der Unterrand ihrer
Propoditen nur in einen Stachel ausläuft, der bedeutend
kürzer ist wie der gebogene Dactylopodit. Vergleicht
man die Figuren 4b, 4c, 4d und 4e, welche die End-
glieder dieser vier hinteren Fusspaare darstellen, so be-
merkt man, dass der Stachel, in welchen der Propodit
ausläuft, bei den ersten drei Paaren ungefähr dieselbe
Grösse zeigt, beim letzten Fusse aber sehr klein erscheint.
Das Endglied erscheint bei den auf einander folgenden
Füssen allmählich schlanker gebildet und trägt ungefähr
in seiner Mitte an jeder Seite einen kleinen Nebenstachel,
der am zweiten Fusspaare noch sehr klein erscheint
(Fig. 4 c), am dritten ein bischen grösser und am letzten
Fusse die grösste Länge zeigt.
Die schöne Zeichnung, welche den Enopl. pictus
charakterisirt, scheint dem Enopl. longirostris zu fehlen.
Gattung Lysmata Risso.
209. Lysmata seticaudata Risso.
Lysmata aeticaudata, Risso, Milne Edwards, Hist. Nat.
des Crustaces, T. II, p. 386, PI. XXV, Fig. 10. — Heller,
Crustaceen des südlichen Europa's, S. 234, Taf. VIII,
Fig. 1.
Lysmata seticaudata, de Haan, Fauna Japonica, Crus-
tacea, p. 176, PL XLV, Fig. 13.
Ein Männchen und drei eiertragende Weibchen von
Amboina.
Nach de Haan soll Lyysmata seticaudata Risso auch
in Japan vorkommen; die japanischen Individuen sollen
ein wenig grösser sein, aber sonst vollkommen mit den
europäischen übereinstimmen. Im Jahre 1861 beschrieb
Decapoden und Stomatopoden. 493
Heller eine zweite Lysmata-kvi aus dem Rothen Meere
unter dem Namen Lysmata pusilla, wohl darum, weil sie
eine geringere Grösse zeigte als die Mittelmeer-Indi\ iduen
von seticaudaia. Wie de Haan stelle auch ich die
indische Form zu seticaudata.
Unsere Individuen haben nur eine Körperlänge von
28 — 31 mm. von der Schnabelspitze bis zum Hinterende
des letzten Abdominalsegmentes, so dass sie, was ihre
Grösse betriift, noch mehr mit pusilla als mit der echten
seticaudata übereinstimmen. Bei drei Individuen ist das
Rostrum am oberen Rande hinter der Spitze mit fünf
Zähnen besetzt, von welchen drei auf dem Cephalothorax
und zwei über den Augen stehen, bei dem vierten Indi-
viduum ($) mit sechs; am Unterrande trägt es zwei
Zähne. Bei L. pusilla finden sich am oberen Rande nur
vier Zähne, bei seticaudata sechs, aber nach Heller bis-
weilen auch fünf. Die Schnabelspitze reicht ungefähr
bis zur Mitte des vorletzten Gliedes des Stiels der inneren
Antennen. Der Basalstachel der letzteren reicht bis zum
Vorderende des ersten Stielgliedes. Der mittlere kurze
Endfaden ist über zwei Fünftel seiner Länge mit dem
äusseren verwachsen und ragt mit dem ganzen freien
Theile über das Vorderende der Deckplatten hinaus: Der
Stiel der äusseren Antennen ist so lang wie das erste
Glied des Stiels der oberen. Der Vorderrand des sehr
dicht und fein punktirten Rückenschildes trägt einen
spitzen Antennalstachel und derUebergangswinkel zwischen
Vorder- und Seitenrand ist spitz, bei pusilla stumpf. Die
mittlere Schwanzplatte ist etwas kürzer wie die Seiten-
flossen, bei jmsilla dagegen von derselben Länge; der
Hinterrand trägt zwei längere Stacheln und drei kurze
Dörnchen. Die äusseren Kieferfüsse ragen etwas über
die Deckplatten der äusseren Antennen hinaus und die
Vorderfüsse reichen zu ihrem Vorderende. Am Carpus des
zweiten Fusspaares zähle ich '22 — 24 Glieder. Das dritte
Fusspaar ragt etwas über die Deckplatten hinaus und
erreicht ungefähr das Vorderende des kurzen Endfadens
494 Dr. J. G. de Man:
der inneren Antennen. Die zwei letzten Fusspaare sind
kürzer.
Das Männchen trug einen parasitischen Krebs unter
dem Abdomen.
Verbreitung: Mittelmeer, Indischer Archipel, Japan.
Gattung- Hippolysmata Stimps.
210. Hippolysmata vittata Stimps. var.
Hippolysmata vittata, Stimpson, Proceed. Acad. Nat.
Sciences of Philadelphia. 1860; p. 26.
Fünf Exemplare von Amboina.
Es stimmen diese Exemplare im Allgemeinen gut
mit der Stimpson'schen Originalbeschreibung überein,
dennoch zeigen sie einige geringe Unterschiede, so dass
ich sie als eine Varietät betrachten möchte. Das grösste
Exemplar, ein eiertragendes Weibchen ist 43 mm. lang
von der Spitze des Rostrums bis zum Hinterende der
mittleren Schwanzplatte und übertrifft also die von
Stimpson angegebene Grösse. Bei diesem Exemplare,
sowie bei einem zweiten, erreicht das Rostrum noch nicht
das Vorderende des vorletzten Stielgliedes der inneren
Antennen; bei zwei anderen, viel jüngeren Individuen
ragt es dagegen noch ein wenig über dieses Vorderende
hinaus; bei dem fünften Exemplare ist die Spitze ab-
gebrochen. Bei allen finden sich auf dem oberen Rande
sechs Zähne, während Stimpson sieben beschreibt: der
erste steht etwas vor der Mitte des Cephalothorax und
die Entfernung zwischen diesem Zahne und dem zweiten,
der auch noch auf dem Cephalothorax steht, ist zweimal
so gross wie die Entfernung der folgenden Zähne. Auf
dem Schnabel selbst stehen also vier Zähne. Am unteren
Rande kommen bei drei Individuen fünf, bei dem vierten
vier Zähne vor, bei dem Stimpson'schen Typus war das
Rostrum am unteren Rande mit drei Zähnen besetzt.
Von den zwei fast gleich langen und dünnen End-
Decapoden und Stomatopoden. 495
fäden der inneren Antennen erscheint der äussere noch
etwas länger als die ganze Körperlänge, das Rostriim
mitgerechnet, Stimpson beschreibt ihn aber als „corpore
fere duplo longius" ; nur bei den jüngeren Individuen
erscheint er anderthalbmal so lang wie der Körper, wenn
man das Rostrum nicht mitrechnet. Ein basaler Theil,
ungefähr so lang wie der Stiel, erscheint ein wenig ver-
dickt und ist am unteren Rande schwach behaart. Die
Deckplatte der äusseren Antennen ist so lang wie der
Stiel der oberen und ihr Basalglied trägt an der Aussen-
ecke einen sehr kurzen Stachel. Die äusseren Kiefer-
füsse ragen mit dem grössten Theile ihres Endgliedes
über die Deckplatten hinaus; der Exognath erreicht kaum
mehr als ein Viertel der Länge des Endognathen, bei
dem Typus aber ein Drittel ihrer Länge.
Die Vorderfüsse reichen kaum über die Deckplatten
hinaus, und an ihren Scheeren erscheinen die Finger un-
gefähr halb so lang wie die Palmarportion. Am Carpal-
gliede des zweiten Fusspaares zähle ich bei dem grössten
Exemplare 17 Glieder, bei den anderen 18 resp. 19;
Stimpson giebt 20 an. Das dritte Fusspaar ragt bei dem
grössten Exemplare schon mit den Propoditen über die
Deckplatten hinaus; die beiden folgenden Fusspaare er-
scheinen allmählich kürzer, dennoch reicht auch noch
das fünfte über die Deckplatte hinaus.
Die mittlere Schwanzplatte trägt an ihrer oberen
Fläche zwei Dörnchenpaare.
Die Gattung Hippolysmata, welche, so viel ich weiss,
in den indo-paciiischen Meeren nur durch die vittata ver-
treten ist, unterscheidet sich von der Gattung Lysmata
durch den Besitz von nur zwei E.ndfäden an den inneren
Fühlern, und von der Gattung Hippolyte durch die be-
deutende Verlängerung eben dieser Endfäden.
Wenn die angegebenen Unterschiede von dem im
chinesischen Meere lebenden Typus constant sein sollten,
so möge diese Varietät amhoinensis heissen. —
496 Dl'- J- ^- <le Man:
Gattung Gnathopliylluiu Latr.
211. Gnathophyllum fasciolatum Stimps.
Gnathophyllum fasciolatum-, Stimpson, Proc. Acad. Nat.
Scienc. of Philadelphia, 1860, p. 28. — Haswell, Cata-
logue of the Australian Stalk- and sessile-eyed Criis-
tacea, pag. 181.
Gnathophyllum zehra, Richters, Decapoden von Mau-
ritius, 1880, S. 161, Taf. XVII, Fig. 18—20.
Zwei junge Individuen von Amboina, von welchen
das grössere nur 12 mm. lang ist. Der Schnabel erreicht
noch nicht das Vorderende des ersten Stielgliedes der
inneren Antennen und trägt am oberen Rande hinter der
Spitze fünf Zähne und am unteren Rande gleich hinter
der Spitze auch ein Zähnchen. Stimpson beschreibt den
Unterrand des Rostrums als ungezähnt, bei den von
Richters beobachteten Individuen kam dagegen auch hier
ein Zahn vor. Die obere Fläche der mittleren Schwanz-
platte trägt keine Dörnchen, aber ihre Seitenränder sind
jeder mit zwei Dörnchen besetzt und am Hinterende
stehen zwei längere Stacheln.
Die Füsse beschreibt Stimpson nicht. Die kleinen
Vorderfüsse reichen mit der Scheere über die Deckplatten
der äusseren Antennen hinaus. Die Füsse des zweiten
Paares sind viel länger und stärker, und zwar üb er-
trifft ihre Länge noch die des Körpers, indem das zweite
Fusspaar 13 mm. misst; an ihren Scheeren erscheint das
Handglied dreimal so lang wie die Finger. Die Dactylo-
poditen der drei hinteren Fusspaare sind an ihrem Unter-
oder Innenrande mit einer spitzen Nebenklaue versehen.
Die äusseren Kieferfüsse stimmen ganz mit der von
Richters gegebenen Abbildung überein. Am Rücken-
schilde ist das Thier mit sechs dunklen Querbinden ge-
zeichnet und am Abdomen zähle ich deren noch fünf
oder sechs; auch die Meropoditen und die Propoditen
der drei hinteren Fusspaare sind jeder mit einer dunklen
Binde gezeichnet. —
Decapoden und Stomatopoden. 497
An der Identität von Gnath. zebra mit Gnath. fascio-
latum ist kaum zu zweifeln: Richters kannte die Stimp-
sonsclie Art nicht, als er die seinig-e aufstellte und er
meinte, seine Gnath. zebra wäre die zweite Art der Gattung.
Verbreitung: Indischer Ocean, Indischer Archipel,
Australien.
Gattung Alpheus Fabr.
Bekanntlich hat Kingsley kürzlich eine die Be-
stimmung sehr erleichternde Uebersicht der Gattung
Alpheus gegeben, in der er sämmtliche Arten dieser inter-
essanten Gruppe aufnimmt und eintheilt (Bulletin Essex
Institute, Vol. XIV, 1884). Diese Arbeit ist aber mehr
ein Compendium, denn der Verfasser unterwarf die Arten
keiner eingehenden Kritik. In manchen Einzelheiten ist
er darum ungenau und macht Fehler. Eine mono-
graphische Bearbeitung der Alpheiden scheint mir darum
sehr erwünscht.
Bei den indopacifischen Arten lassen sich mehrere
natürliche Gruppen unterscheiden, was wohl auch bei
denjenigen Arten möglich sein wird, welche in anderen
Meeren leben. So unterscheide ich:
1. eine /ams- Gruppe,
2. eine s/)m//TO?is- Gruppe,
3. eine J5'(/züarc?5u*- Gruppe,
4. eine brevirostns-Gni\:i\)e.
Zu der /«ei^/s- Gruppe rechne ich die folgenden Arten:
Alpheus laevis Hand.,
„ socialis Heller,
„ gracilipes Stimps.,
„ gracilis Heller,
„ diadema Dana,
„ jmgnax Dana,
„ insignis Heller.
Bei diesen Alpheen ist das spitze Rostrum zumeist
abgeflacht und entspringt mit dreieckiger Basis zwischen
Arcli. f. Naturgesch. 53. Jahrg. Bd. I. 39
498 Decapoden und Stomatopoden.
den Augen, von welchen es an jeder Seite durch tiefe
Furchen getrennt ist. Das Basalglied der äusseren An-
tennen trägt einen Stachel. Die grössere Scheere erscheint
mehr oder weniger seitlich zusammengedrückt und ihre
Eänder sind abgerundet oder höchstens am oberen Rande
eingeschnitten.
Zur spim/rons- Gruppe gehören die neun folgenden:
Alpheus spinifrons M. Edw.,
„ neptunus Dana,
„ hiunguiculatus Stimps.,
„ spiniger Stimps.,
„ tricuspidatus Heller,
„ comatularum Hasw.,
„ triunguiculatus, n. sp.,
„ cariiiatus, n. sp.,
„ Stimpsonii, n. sp.
Bei dieser spm?/rons- Gruppe läuft der vordere Stirn-
rand in drei spitze Stacheln aus. Das Basalglied der
äusseren Antennen ist mit einem oder zwei Stacheln be-
setzt. Die grössere Scheere erscheint länglich walzen-
förmig, an allen Seiten abgerundet, und zeigt weder am
Ober-, noch am Unterrande Einschnitte oder Einbuchtungen.
Am zweiten Fusspaare ist das erste Carpalglied stets
grösser als das zweite und dritte zusammengenommen.
Die kleine Edtoardsii-Gvui^'j^e zählt nur die folgenden:
Alpheus Edwardsii Aud.,
„ parvirostris Dana,
„ Hippothoe de Man,
„ japonicus Miers.
Diese Gruppe unterscheidet sich hauptsächlich durch
die eigenthümliche Form der grösseren Scheere,
welche, mehr oder weniger seitlich zusammengedrückt,
sowohl am oberen, wie am unteren Rande eingeschnitten
und eingebuchtet ist, während auch die Seitenflächen
Vertiefungen zeigen. Bei diesen Arten sind die Augen-
decken abgerundet. Zu dieser Gruppe können wir aber
Decapoden und Stomatopoden. 499
noch wohl einige andere Formen stellen, bei welchen
die Augendecken Stachelchen tragen, wie Alpheus Thetis
White und A. euchirus Dana.
Zu der örmros^ns- Gruppe schliesslich rechne ich
die folgenden zehn Arten:
Alpheus hrevirostris Oliv.,
„ hingsleyi Miers,
„ rapax Fabr.,
„ malabaricus Fabr.,
„ chiragricus Edw.,
„ crinitus Dana,
„ macrochirus Rieht.,
„ obesomanus Dana,
„ mitis Dana,
„ bidens Oliv.
Bei allen diesen Formen entspringt das meist kurze
Rostrum von dem Stirnrande und setzt sich kielartig
nach hinten zwischen den Augen fort, welche stets ab-
gerundet und unbewehrt sind. Das Basalglied der
äusseren Antennen trägt keinen Stachel. Die mehr oder
weniger seitlich zusammengedrückte, grössere Scheere
erscheint an beiden Rändern abgerundet oder höchstens
am oberen gefurcht.
Ausser den genannten 32 Arten giebt es, wie wir
wissen, in den indo-pacifischen Meeren noch einige
andere, von welchen es mir aber scheint, dass sie nicht
zu den angeführten Gruppen gestellt werden können.
212. Alpheus laevis Rand.
Alpheus laevis, Randall, Journ. Acad. Nat. Sciences
of Philadelphia, Yol.YIII, Part. I,^ 1839, p. 141. Dana,
United States Expl. Exp. Crustacea, I, p. 556. PL XXXV,
Fig. 8.
Sechsundzwanzig Exemplare von Pulo Edam.
Verbreitung: Vom Rothen Meere bis zu den Sand-
wich-Inseln.
32*
500 Dr. J. O. de Man:
213. Alpheus gracilipes Stimps.
Taf. XXI Fig. 5.
Alpheus gracilipes, Stimpson, Proceed. Acad. Nat.
Bcienc. of Philadelphia, 1860, p. 31. — Miers, Report on
the zoological Collections made in the Indopacific seas
during the voyage of H. M. S. „Alert", 1884, p. 287.
Neun Exemplare und zwar zwei von Pulo Edam,
zwei von der Insel Noordwachter und fünf von Amboina.
Diese Art ist dem A. laevis Rand, nahe verwandt.
Das sehr spitze, bis zu dem Vorderende des ersten
Gliedes des Stieles der inneren Antennen reichende
Rostrum entspringt, wie bei der genannten RandaH'schen
Art, zwischen den Augen, von welchen es an jeder Seite
durch eine tiefe Furche getrennt ist; die obere Fläche
des Rostrums ist stark abgeplattet, ja erscheint
sogar ein wenig concav. Beim A. laevis tragen die
Augenhöhlen eine kleine Spitze, bei gracilipes ist dies
nicht der Fall, denn hier ragen die Augenhöhlen nur
mit einem scharfen Vorderrande etwas nach vorn, ohne
aber eine Spitze zu bilden. Der Basalstachel der inneren
Antennen reicht nur bis zum Vorderende des ersten Stiel-
gliedes derselben; das zweite Stielglied erscheint bei
älteren Individuen anderthalbmal, bei jüngeren zweimal
so lang wie das erste Glied. Das Basalglied der äusseren
Antennen trägt am unteren Vorderrande nahe der Aussen-
ecke einen kleinen Basalstachel, welcher das Vorderende
des ersten Stielgliedes der inneren Antennen nicht erreicht.
Die Schuppe der äusseren Antennen ist ungefähr so lang
wie der Stiel der inneren, und überragt das Vorderende
des Meroceriten der äusseren nur wenig.
Das Brachialglied des grösseren Scheerenfusses trägt
am distalen Ende des Oberrandes einen spitzen Zahn
und der innere Unterrand trägt drei feine, spitze Zähn-
chen, während er am distalen Ende gleichfalls in einen
grösseren, spitzen Zahn ausläuft. Die grössere S c h e e r e
ist etwas mehr als dreimal so lang wie hoch und
die Länge der Finger übertrifft kaum die halbe
Decapoden und Stomatopoden. 501
Länge des Handgliedes. Das letztere zeigt am Ober-
rande gleich vor dem Danmengelenke eine enge Quer-
furche, aber der Unterrand der Sclieere ist glatt, un-
eingeschnitten und abgerundet. Der bewegliche Finger
ist ein wenig länger als der unbewegliche, ist stark zu-
sammengedrückt und hat einen abgerundeten, scharfen
Rand. Die Finger sind ein wenig behaart, sonst glatt,
wie das Handglied. Die Finger der kleineren Scheere
sind ein wenig kürzer als das Handglied und der beweg-
liche Finger zeigt denselben Bau wie beim Männchen
von Alpheus Edwardsii, indem er an jeder Seite eine
schräg verlaufende Reihe von Haaren trägt.
Die vier folgenden Fusspaare sind viel
schlanker und dünner als bei A. laevis Rand.
Die Carpalglieder des zweiten Paares verhalten sich un-
gefähr wie bei A. Edwardsii: das zweite Glied ist ein
wenig kürzer als das erste, das dritte und das vierte
Glied messen jedes fast nur ein Drittel von der Länga
des zweiten Gliedes und sind, zusammengenommen, so
lang wie das fünfte. Die Scheere ist so lang wie die
zwei letzten Glieder des Carpus zusammengerechnet und
ihre Finger sind ein wenig länger als das Handglied.
Das dritte Fusspaar überragt noch das Vorderende der
Schuppe der äusseren Antennen und das fünfte erreicht
dasselbe. Die Schenkelglieder sind glatt und unbewehrt,
diePropoditen am Unterrande mit 6 — 8 Stachelchen besetzt.
Stimpson beobachtete von dieser Art in Tahiti nur
junge, 15 mm. lange Individuen; bei dem grössten
unserer Exemplare, das auf der Insel Noordwachter ge-
funden wurde, beträgt die Körperlänge von der Spitze
des Schnabels bis zum Hinterende des letzten Abdominal-
segmentes 35 mm. ; dieses Exemplar ist ein eiertragendes
Weibchen.
Das Basalglied der Seitenflossen der Schwanzflosse
trägt zwei Stacheln, von welchen der äussere ein wenig
länger ist als der innere.
Verbreitung: Indischer Ocean (Ceylon), Indischer
Archipel, Korea, Küste Australiens, Tahiti.
502 Dr. J. Gr. de Man:
214. Alpheus insignis Heller.
Alpheus insignis, Heller, Sitzungsber. Kais. Akad. in
Wien, 1861, S. 269, Taf. III, Fig. 17 u. 18. — De Man,
Notes from tlie Leyclen Museum, Vol. III, p. 107.
Ein eiertragendes Weibchen von Amboina.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Archipel.
215. Alpheus biunguiculatus Stimps.
Taf. XXI Fig. 6.
Alpheus biunguiculatus, Stimpson, Proceed. Acad. Nat.
Sciences of Philadelphia, 1860, p. 31.
Sechsundzwanzig grösstentheils erwachsene Exemplare
von Amboina, neunzehn sehr junge von Pulo Edam und
zwei gleichfalls sehr junge von der Insel Noordwachter.
In meinem Berichte über die von Herrn Prof.
Anderson im Mergui -Archipel gesammelten Crustaceen
stellte ich obengenannte Stimpson'sche Art, zugleich mit
A. neptunus Dana, als Varietät zu Alpheus minor Say.
Diese Auffassung war aber nur auf drei junge Individuen
gegründet, welche sowohl Charaktere des neptunus, wie
des biunguiculatus zeigten. Die Untersuchung der 47
Exemplare, welche mir jetzt vorliegen, lässt mir nun aber
keinen Zweifel, dass die obige Auffassung ganz unrichtig
ist und dass A. biunguiculatus und A. neptunus zwei ver-
schiedene Arten sind. Die vorliegenden siebenund-
vierzig Exemplare von verschiedenen Localitäten des
indischen Archipels zeigen nämlich alle ohne eine
einzige Ausnahme sämmtliche von Stimpson als
charakteristisch für den biunguiculatus angeführte Merk-
male, während sich die neptunus-ChsLYSiktere bei keinem
einzigen vorfinden. Ausser den von Stimpson angeführten
Charakteren finde ich sogar noch andere Unterschiede,
z. B. die verschiedene Form der grösseren Scheere;
Stimpson führt diesen Unterschied nicht an, was ich
dem zuschreibe, dass er nur ganz junge Individuen
beobachtete.
Decapoden und Stomatopoden. 503
Die drei Stirnzähne haben dieselbe Länge, sind aber
kürzer als bei A. neptunus und erreichen kaum die
Mitte des ersten Stielgliedes der inneren Antennen. Das
zweite Stielglied der inneren Antennen hat dieselbe
Länge wie das erste Glied, aber bei sehr jungen Indi-
viduen erscheint es viel kürzer als dasselbe. Der innere
Antennenstiel ist kaum länger als die Schuppe der
äusseren Antennen, aber deutlich kürzer als der Stiel
der letzteren. Die äusseren Kieferfüsse ragen mit der
distalen Hälfte ihres Endgliedes über den inneren Antennen-
stiel hinaus.
Die grössere Scheere ist ein wenig mehr als zweimal
so lang wie hoch, eiförmig, wenig zusammengedrückt
und erscheint sowohl oben wie unten, aussen wie innen
abgerundet, nirgendwo eingeschnitten oder gefurcht,
sondern überall glatt. Der Oberrand des Handgliedes
läuft am distalen Ende nicht in einen horizontal ge-
richteten, spitzen Zahn aus, wie bei A. nejytunus der
Fall ist; dennoch trägt er an dieser Stelle einen kleinen,
zahnförmigen, nach oben gerichteten Fortsatz, welcher
bei jüngeren Exemplaren deutlicher ist als bei älteren.
Die Finger sind bei dieser Art bedeutend kürzer
als bei A. neptunus, ihre Länge beträgt kaum ein
Drittel von der Länge des Handgliedes, während
sie bei neptunus ungefähr halb so lang sind als das
Handglied. Die Dicke des Handgliedes steht nur wenig
gegen dessen Höhe zurück. An der anderen Scheere, welche
sehr viel kleiner ist, sind die Finger ein wenig kürzer
als das Handglied.
Am Carpus des zweiten Fusspaares erscheint das
erste Glied noch ein wenig länger als die vier
anderen Glieder zusammengTenommen; das zweite,
das dritte und das vierte Glied haben ungefähr dieselbe
Grösse und das fünfte ist so gross wie das dritte und
das vierte zusammen. Die Scheere ist ungefähr so lang
wie die zwei letzten Carpalglieder zusammengerechnet.
Die folgenden Fusspaare sehen ungefähr aus wie
bei A. neptunus, aber die Meropoditen des dritten und
504 Dr. J. (t. de Man:
4
des vierten Fusspaares tragen an ihrem unteren Rande
g*ar keine Stacheln und sind hier ganz glatt und un-
bewehrt, während sie bei der Dana'schen Art mit
einigen Stacheln besetzt sind. Verschieden gebaut sind
schliesslich die Klauenglieder. Dieselben tragen bei
beiden Arten an ihrer Basis eine kleinere Nebenklaue;
bei A. neptanus steht diese letztere nun auf dem Rücken
der Hauptklaue, bei biunguiculatus dagegen am unteren
Rande.
Die Länge des grössten Exemplares, eines eier-
tragenden Weibchens, beträgt 40 mm. von der Spitze des
Rostrums bis zum Hinterrande des letzten Abdominal-
segmentes. Wenn die Thiere aber nur halb so gross
sind, tragen sie schon Eier.
Ä, tricHspidatns Heller (1861) ist unserer Art am
nächsten verwandt, scheint sich aber durch ein verhältniss-
mässig längeres Rostrum zu unterscheiden. In jedem
Falle hat Stimpson's Name die Priorität.
216. Alpheus triunguiculatus n. sp.
Taf. XXII Fig. 1.
Drei eiertragende Weibchen und ein Männchen von
Amboina.
Auch diese Art gehört zu der >S/:»mzyV'o/i5-Gruppe und
schliesst sich dem A. neptimus Dana, dem A. tricuspidatus
und dem A, spiniger Stimpson unmittelbar an.
Der Körper hat eine ziemlich plumpe, gedrungene
Gestalt wie bei A. neptimus und der Rückenschild er-
scheint an der Magengegend bucklig gewölbt. Der Stirn-
rand läuft in drei kräftige, spitze Stacheln aus.
Der mittlere ist schmal dreieckig, sehr spitz, reicht
kaum über das Vorderende des ersten Stiel-
gliedes der inneren Antennen hinaus und entspringt
vom Stirnrande selbst. Die Augendecken laufen gleich-
falls in sehr spitze Stacheln aus, welche nur ein
wenig kürzer sind als der mittlere und das Vorder-
ende des ersten Stielgliedes der inneren Antennen noch
Decapoden und Storaatopoden. 505
nicht erreichen. Die drei Stacheln sind an ihrer oberen
Fläche schwach gewölbt und glatt, aber gar nicht ge-
kielt. Das erste Glied des Stiels der inneren Antennen
ist ungefähr so lang wie das zweite und das dritte Glied
zusammen, und das zweite Glied ist kaum etwas grösser
als das dritte; der äussere Basalstachel ist lang
und schmal und reicht fast bis zur Mitte des
zweiten Stielgliedes hin. Von den beiden Endfäden
ist der äussere dick, der innere lang und dünn; der
äussere theilt sich hinter seinem achten Gliede wieder
in einen inneren, kürzeren Ast und in einen längeren
äusseren, der aber kürzer ist als der innere Endfaden.
Der Stiel der äusseren Antennen ist kaum länger als
der Stiel der inneren. Ihre Deckplatte ist schmal, oval,
und reicht genau bis zum Vorderende des Stiels der
inneren Antennen; am Aussenrande trägt sie einen
grossen spitzen Stachel, der ein bischen über das Vorder-
ende der Schuppe hinausragt und so lang ist wie der
Stiel. Bei A. tricuspidatus überragt dagegen der Stiel
der äusseren Antennen den Vorderrand bedeutend, wie
Heller sagt (Sitzungsber. kais. Akad. Wien, 1861, S. 268),
während diese Theile bei unserer Art fast gleich lang
sind. Das Basalglied trägt nahe der Aussenecke einen
Stachel, der kaum über das Vorderende des ersten Gliedes
des Stiels der inneren Antennen hinausragt, und kaum
halb so lang ist als der grosse Stachel am Aussenrande
der Schuppe; vor diesem Stachel steht am Vorderrande
des Basalgliedes noch ein zweiter Stachel, der nur ein
Drittel der Länge des unteren grösseren misst. Die
äusseren Kieferfüsse erreichen kaum das Vorderende
des Stiels der inneren Antennen.
Die sehr ungleichen Vorderfüsse gleichen denen des
A. neptunus Dana. Das Brachialglied des grösseren
Fusses ist dreikantig mit drei scharfen, glatten, nicht
gezähnten Rändern. Das Carpalglied ist sehr kurz.
Das Handglied ist länglichoval, wenig zusammengedrückt,
genau zweimal so lang wie hoch, während die Dicke
in der Mitte nur wenig geringer ist als die Höhe. Die
506 Dr. J. G. de Man:
Aussenseite und die Innenseite sind ein wenig convex
und vollkommen glatt, der Oberrand und der Unterrand
sind gleichfalls glatt, abgerundet und zeigen nirgendwo
Furchen oder Einschnitte; am distalen Ende des Ober-
randes findet sich bisweilen ein kleines Zähnchen, das
aber nicht so deutlich ist wie bei A. neptunus. Die
Finger sind fast halb so lang als das Handglied; der
bewegliche ist ein wenig länger als der unbewegliche,
erscheint stark zusammengedrückt, hat einen scharfen,
gebogenen Oberrand und trägt am Innenrande zwei
stumpfe Zähne, von welchen der proximale genau am
Gelenke steht, der zweite unmittelbar vor ihm. Am
kleineren Scheerenfusse erscheinen die Finger nur wenig
kürzer als das Handglied und sie schliessen ihrer ganzen
Länge nach an einander. Auch die übrigen Füsse
haben eine kurze, gedrungene Gestalt. Das zweite Fuss-
paar ragt ein wenig über das Vorderende der Antennen-
stiele hinaus. Das erste Carpalglied ist ein wenig länger
als die vier anderen Glieder zusammen, und das fünfte
ist so lang wie das dritte und das vierte zusammen; die
drei mittleren Glieder sind klein und zeigen auf den
ersten Blick dieselbe Grösse, aber bei genauerer Be-
trachtung bemerkt man, dass das dritte Glied noch ein
wenig grösser und dass das vierte ein bischen kleiner
ist als das zweite. Die Scheere ist kaum so lang wie
die drei letzten Carpalglieder zusammengenommen, ihre
Finger sind fast anderthalbmal so lang als das Handglied.
Charakteristisch für unsere Art ist der Bau der drei
hinteren Fusspaare. Zuerst erscheinen sämmtliche
Glieder glatt und nur am distalen Ende des Unter-
randes der Propoditen (Fig. le) stehen zwei oder drei
sehr dünne Stacheln, von Haarbüscheln begleitet, während
sie sonst keine Stacheln tragen, eben so wenig wie die
übrigen Glieder. Auch erscheinen die Füsse für das
nackte Auge unbehaart, von den erwähnten Haarbüscheln
abgesehen. Bei A. tricuspidatus dagegen sind die Pro-
poditen und bei A. neptunus die Propoditen und die Mero-
poditen mit feinen Stacheln besetzt. Die Propoditen der
Decapoden und Stomatopoden. 507
drei hinteren Fusspaare haben ungefähr dieselbe Länge,
die Meropoditen nehmen aber allmählich ein wenig an
Länge ab, so dass am letzten Fusspaare die Propoditen
deutlich länger sind als die Meropoditen. Das Klauen-
glied ist dadurch ausgezeichnet, dass es nicht einen
Nebenklaue trägt, wie sonst in der /Sp^myVo?^s- Gruppe,
sondern zwei, und zwar eine am Rücken und eine am
ventralen Rande der Hauptklaue. Die Hauptklaue ist
unter einem fast rechten Winkel gebogen; der
Unter- oder Innenrand ihres Basaltheiles trägt nun eine
Nebenklaue, welche ungefähr halb so gross ist als der
distale umgebogene Theil der Hauptklaue, und eine zweite,
aber viel kleinere Nebenklaue zeigt die Hauptklaue auf
der Mitte ihres Aussenrandes gerade an der stumpfen
Umbiegungsstelle.
Ausgezeichnet ist unsere Art auch durch das Fehlen
der seitlichen zwei Dörnchenpaare auf der
oberen Fläche des letzten Abdominalsegmentes:
zwar sehe ich noch bei einigen unter der Lupe eine Spur
der kleinen Vertiefungen, in welchen die Dörnchen sonst
eingepflanzt sind, aber die Dörnchen selbst fehlen auf
allen vier Exemplaren. Die Länge des Segmentes ist
etwas grösser als die Breite seines Vorderrandes beträgt,
es verjüngt sich nach seinem Hinterrande hin und seine
Seitenränder sind schwach S-förmig geschwungen. Der
Hinterrand ist ungefähr halb so breit als der Vorderrand ;
sein mittlerer Theil ist abgerundet, mit langen Haaren
besetzt und von den Aussenecken, welche sich als kurze
spitze Zähnchen darstellen, an jeder Seite durch eine
Ausbuchtung getrennt (Fig. Ib), in welcher zwei Stachel-
chen stehen, von welchen das innere bedeutend grösser
ist als das äussere. Die obere Fläche des Segmentes
ist glatt, gänzlich unbehaart und erscheint in der Mitte
sehr seicht und breit gefurcht. Das Basalglied der Seiten-
flossen trägt zwei spitze Zähne, von denen der äussere
bedeutend grösser ist als der innere. Der Vorderrand
der äusseren Seitenflosse läuft an seinem distalen Ende
in ein kurzes spitzes Zähnchen aus. Der mit langen
508 Dr. J. G. de Man:
Haaren besetzte, abgerundete Aussenrand ist durch eine
kleine Ausbuchtung vom distalen Endzähnchen des Vorder-
randes getrennt, die innere Ecke dieser Ausbuchtung
läuft gleichfalls in einen spitzen Zahn aus und in der
Mitte derselben ist ein beweglicher Dorn eingepflanzt;
von dieser Ausbuchtung läuft eine wellenförmig gebogene
Kante quer über der oberen Fläche der Seitenflosse hinweg
und die letztere zeigt nahe der Mitte auch eine sehr
seichte Längsfurche. Die innere Seitenflosse ist schmal,
oval, an den Rändern lang behaart, stumpf zugespitzt
und hat eine gänzlich glatte, nicht gefurchte obere Fläche,
welche kaum einige microscopische Härchen trägt.
Das grösste Exemplar ist 23 mm. lang von der
Schnabelspitze bis zum Hinterrande des letzten Abdominal-
segmentes.
Unsere Exemplare sind leider gänzlich verblichen.
Die Spitzen der Scheerenfinger und die Klauenglieder
der drei hinteren Fusspaare zeichnen sich aber durch eine
orangerothe Farbe aus.
A. spiniger Stimps. unterscheidet sich durch ein
längeres Rostrum, das fast das Vorder ende des vor-
letzten Stielgliedes der inneren Antennen erreicht,
während die seitlichen Stirnstacheln nur halb so lang
sind; auch wird die grössere Scheere als „crassissima"
beschrieben, was von unserem triunguiculatus kaum ge-
sagt werden kann.
217. Alpheus carinatus, n. sp.
Taf. XXII Fig. 2.
Vierzehn Exemplare und zwar sieben eiertragende
Weibchen und sieben Männchen, von Amboina; die
Männchen sind alle kleiner, wahrscheinlich also jünger
als die Weibchen. Auch diese Art gehört zu der Spini-
/Vons- Gruppe.
Der Körper hat eine kurze gedrungene Gestalt und
seine obere Fläche ist glatt und unbehaart. Der Cephalo-
thorax ist in der Mitte bucklig gewölbt und die Hepa-
Decapoden und Stomatopoden. 509
ticalgeg-enden erscheinen concav; die Seitenränder diver-
giren ein wenig nach hinten und bilden mit dem
Vorderrande rechte Winkel. Der Stirnrand läuft in drei
lange, spitze Stacheln aus. Der mittlere, welcher das
Rostrum darstellt, ist sehr schmal, horizontal nach vorn
gerichtet, oder bisweilen nach der Spitze hin ein wenig
nach oben gebogen und reicht mehr oder weniger über
das Vorderende des vorletzten Stielgliedes der inneren
Antennen hinaus, ohne aber das Vorderende des End-
gliedes zu erreichen. Dieser Stachel, der vom Stirn-
rand entspringt, ist in der Mitte scharf gekielt
und dieser scharfe Kiel setzt sich nach hinten
über die ganze obere Fläche des Rückenschildes
fort und hört nur ganz wenig vor dessen Hinter-
rande auf. Bei A. comatularum Hasw. dagegen reicht
dieser Kiel nur bis zu der Magengegend. Die Stacheln
der Augendecke verlaufen parallel oder divergiren ein
wenig, sind ungefähr halb so lang als der mittlere
Stachel oder kaum halb so lang und reichen etwa bis
zu der Mitte des ersten Stielgliedes der inneren Antennen.
Auch diese Stacheln sind gekielt, obgleich viel schwächer
als der mittlere und auch diese beiden Kiele setzen sich
nach hinten fort über die Magengegend und reichen
ungefähr bis zum hinteren Drittheile des Rückenschildes ;
sie sind aber mehr abgerundet, nicht scharf wie der
mediane Kiel, verwischen sich nach hinten allmählich
und treten l)ei jüngeren Individuen noch weniger hervor
als bei den erwachsenen. Beim Männchen laufen die
Seitenflächen der sechs ersten Abdominalsegmente in
kurze Stacheln aus; am ersten Segmente steht dieser
Stachel am Hinterende des Unterrandes der Seitenfläche,
bei dem zweiten ebenso, aber der Unterrand ist hier
schon viel kürzer, bei den vier folgenden fehlt ein Unter-
rand, so dass sich die Stacheln am imteren Ende der
Vorderränder der Seitenflächen befinden. Beim Männchen
des A. comatularum ist das erste Segment am Seitenrande
abgerundet, und läuft hier nicht in einen Stachel hinaus ;
zu bemerken ist aber, dass die vorliegenden Männchen
510 Dr. J. G. de Man:
des carinatus wahrscheinlich jung sind, so dass es möglich
ist, dass bei erwachsenen das erste Segment abgerundet ist,
wie bei A. comatularum. Beim Weibchen sind die Seiten-
flächen der drei ersten Segmente abgerundet, während
nur die drei folgenden in kurze spitze Stachelchen aus-
lauten; beim Weibchen von comatularum ist aber schon
das dritte Segment am unteren Seitenrande scharf. Hierzu
ist wieder zu bemerken, dass auch bei jüngeren Weib-
chen unserer Art das dritte Segment an der Seitenfläche
unten in eine Spitze ausläuft. Das letzte Abdominal-
segment ist fast anderthalbmal so lang wie die Breite
seines Vorderrandes beträgt; die fast geradlinigen Seiten-
ränder convergiren ein wenig nach hinten, so dass der
Hinterrand nur halb so breit ist als der Vorderrand.
Die obere Fläche des Segmentes ist in der Mitte seicht
längsgefurcht und trägt auf dem hinteren Theile die zwei
gewöhnlichen Dörnchenpaare ; der Hinterrand (Fig. 2 b)
tritt in der Mitte ein wenig hervor, ist hier lang behaart
und trägt an jeder Seite zwei Stachelchen, von denen
das innere zweimal so gross ist als das äussere. Das
Basalglied der Seitenflossen trägt zwei spitze Zähne, von
welchen der äussere viel grösser ist als der innere. Der
Vorderrand der äusseren Seitenflosse läuft am distalen
Ende in ein spitzes Zähnchen aus; der abgerundete
Aussenrand ist lang behaart, und durch eine Ausbuchtung
von dem distalen Zähnchen des Vorderrandes getrennt.
Die innere Ecke dieser kleinen Ausbuchtung läuft gleich-
falls in ein spitzes Zähnchen aus und zwischen beiden
ist ein kleiner Stachel eingepflanzt; der Innenrand des
inneren Zähnchens verläuft als eine erhöhte Linie quer
über die obere Fläche der Flosse, welche nahe der Mitte
seicht Tängsgefurcht ist. Die innere Flosse ist oval, glatt,
am distalen Ende abgerundet und an den Rändern mit
langen Haaren besetzt.
Wie ich schon bemerkte, ragt der Stiel der inneren
Antennen nur wenig über den mittleren Stirnstachel hinaus ;
das erste Glied ist noch ein wenig länger als das zweite
und dritte zusammengerechnet, und das zweite ist ein
Decapoden und Stomatopoden. 511
wenig länger als das dritte; die Theilung des äusseren
dickeren Endfadens in die zwei Endgeissein findet hinter
dem zehnten Gliede statt. Dieser Stiel trägt aussen an
der Basis einen ziendich langen, spitzen Stachel, welcher
fast die Mitte des vorletzten Stielgliedes erreicht. Der
Stiel der äusseren Antennen ist genau so lang als der
Stiel der inneren; kaum kürzer ist die schmale Schuppe,
welche am Aussenrande in einen spitzen Stachel ausläuft,
der ein bischen länger ist wie der Stiel dieser Antennen.
Das Basalglied trägt an der Aussenseite zwei kräftige
spitze Stacheln, von welchen der untere ein wenig
länger ist als der obere und fast die Länge des Basal-
stachels der inneren Antennen erreicht; der obere ist
schräg nach vorn und nach oben gerichtet. Die Geissei
ist etwas länger als der Cephalothorax. Die äusseren
Kieferfüsse reichen bis zu dem Endgliede des Stiels der
inneren Antennen.
Die Vorderfüsse sind von sehr ungleicher Grösse.
Das Brachialglied des grösseren Scheerenfusses ist drei-
kantig, der scharfe, glatte, unbehaarte Oberrand läuft
am distalen Ende in einen kurzen spitzen Zahn aus, und
der äussere Unterrand ist mit einem ähnlichen Stachel
etwas vor der Mitte und mit einem zweiten spitzen Zahne
am distalen Ende besetzt. Der Carpus ist sehr kurz und
der Vorderrand seiner oberen Fläche trägt ein kurzes
spitzes Zähnchen an der Aussenecke und bisweilen ein
zweites an der Innenecke. Das länglich - ovale, walzen-
förmige Handglied der grösseren Scheere ist zweimal
so lang wie hoch und ist fast gerade so hoch wie
dick; es erscheint in der Mitte am dicksten und verjüngt
sich ein wenig nach beiden Enden hin. Es ist überall
abgerundet, glatt und unbehaart,^ Ober- und Unterrand
sind abgerundet und der erstere trägt am distalen Ende
kein Stachelchen, welches sich hier bei A. comatidarum
wohl findet. Die Finger messen ungefähr zwei Drittel
der Länge des Handgliedes und verhalten sich wie bei
den anderen Arten dieser Gruppe: der stark zusammen-
gedrückte bewegliche Finger ist ein bischen länger als
512 Dr. J. G. de Man:
der unbewegliche; er ist niedrig', der obere Rand ist
scharf und glatt, und am Innenrande ist er mit zwei
starken Zähnen besetzt, von welchen einer am Gelenke
steht und der zweite grössere gleich vor ihm. Die Innen-
ränder der Finger tragen einige Haare. Das gleichfalls
walzenförmige Handglied der kleineren Scheere ist un-
gefähr anderthalbmal so lang wie die Finger, welche an
einander schliessen, dieselbe Länge haben und nicht ge-
bogen, sondern gradlinig sind. Bei A. comatularum ist
dagegen der bewegliche Finger der kleineren Scheere
viel länger als der unbewegliche und stark gebogen.
Am zweiten Fusspaare ist das erste Carpalglied das
längste von allen, ist etwas länger als die drei folgenden
Glieder zusammen, aber erreicht noch nicht die Länge
der vier übrigen Glieder zusammen. Die drei folgenden
Glieder sind klein und zeigen auf den ersten Blick un-
gefähr dieselbe Grösse; bei genauer Betrachtung erscheint
das zweite aber ein bischen grösser als das dritte und
als das vierte, deren Länge genau dieselbe ist. Das
fünfte Glied ist ungefähr so lang wie das dritte und
vierte zusammen. Die Scheere, deren Handglied etwas
kürzer ist als die Finger, ist ungefähr so lang wie die
zwei letzten Carpalglieder zusammengenommen.
Die drei folgenden Fusspaare sind wenig schlank.
Das dritte reicht ungefähr bis zum Vorderende der
Antennenstiele, die beiden folgenden erscheinen allmählich
ein wenig kürzer. Die Schenkelglieder dieser drei Fuss-
paare sind walzenförmig, glatt, unbewehrt und unbehaart.
Die Carpalglieder des dritten und des vierten Fuss-
paares sind mit einem kleinen Stachel bewehrt am distalen
Ende ihres Unterrandes, aber ein solcher Stachel findet
sich am Carpalgliede des letzten Fusspaares nicht. Die
Propoditen sind ein wenig länger als die Meropoditeu.
Am Unterrande der Propoditen des dritten Fusspaares
stehen 10 — 11 kurze Stacheln, an denen des vierten
Fusspaares nur 5 — 6, und an den Propoditen des letzten
Fusspaares finden sich nur zwei oder drei Stacheln am
distalen Ende ihres Unterrandes. Die Klauenglieder
Decapoden und Stomatopoden. 513
dieser drei Fusspaare sind von gleicher Grösse und
Form; sie sind kurz, fast rechtwinklig- umgebogen, laufen
sehr spitz zu und tragen am Innenrande etwas vor
der Mitte eine sehr kleine spitze Nebenklaue,
die leicht übersehen wird.
Die grössten Exemplare sind 30 mm. lang von der
Spitze des Eostrums bis zum Hinterrande des letzten
Abdominalsegmentes, die Männchen sind nur 20 mm. lang.
218. Alpheus Stimpsonii n. sp.
Taf. XXII Fig. 3.
Ein eiertragendes Weibchen von Amboina.
Die dritte neue Art der ASpim/rows - Gruppe , welche
ich dem amerikanischen Gelehrten widme, der die Wissen-
schaft mit so zahlreichen neuen Formen bereichert hat,
unterscheidet sich auf den ersten Blick durch die stark
vorragende Stirn und durch die mit einem spitzen
Zahne bewehrten Meropoditen des dritten und
vierten Fusspaares. Der glatte, unbehaarte Körper
hat eine gedrungene Gestalt. Die Seitenränder des schwach
gewölbten Eückenschildes divergiren ein wenig nach
hinten und bilden mit dem Vorderrande rechte Winkel.
Die Stirn ragt sehr stark nach vorn hervor, weit
über die Augen hinaus und läuft am Vorderrande
in drei spitze Stacheln aus. Der mittlere Stachel,
der Schnabel, ist dreieckig, flach, sehr spitz, entspringt
vom Stirnrande und reicht bis zur Mitte des vorletzten
Stielgliedes der inneren Antennen; ein schwacher, ab-
gerundeter, wenig vortretender Kiel entspringt auf der
Stirn etwa zwischen den Augen und läuft fort bis zur
Schnabelspitze. Die Seitenstacheln messen ein Drittel
der Länge des mittleren Stachels, und reichen kaum
über die Mitte des ersten Stielgliedes der inneren Antennen
hinaus. Die drei ersten Abdominalsegmente des Weibchens
sind an den Rändern der Seitenflächen abgerundet, die
Seitenflächen des vierten und fünften Segmentes sind
Arch, f. Naturgescli. 53. Jahrg. Bd. I. 33
514 Dr. J. G. de Man;
unten stumpf zugespitzt und nur das sechste Segment
läuft unten seitlich in eine scharfe Spitze aus. Das letzte
Segment, die mittlere Schwanzflosse, ist nur wenig länger
als die Breite seines Vorderrandes beträgt; seine Seiten-
ränder convergiren ein wenig, so dass der abgerundete,
langbehaarte Hinterrand nur ungefähr halb so breit ist
wie der Vorderrand. Die glatte obere Fläche des Seg-
mentes ist nicht gefurcht und trägt die beiden Dörnchen-
paare auf dem hinteren Theile; bei dem einzigen vor-
liegenden Exemplare fehlen die Dörnchen an der rechten
Seite und das vordere Dörnchen trägt noch ein kleineres
neben sich. Auch der Hinterrand ist mit einigen Dörnchen
besetzt und zwar stehen deren vier oder fünf in der
Mitte und drei an jeder Ecke. Das Basalglied der Seiten-
flossen läuft, wie gewöhnlich, in zwei spitze Zähne aus,
von welchen der äussere grösser ist wie der innere. Die
Seitenflossen sind verhältnissmässig breiter als bei A.
triunguiculatus und carinaiusj aber zeigen übrigens den-
selben Bau und dieselbe Struktur.
Der Stiel der inneren Antennen ist fast so lang wie
der Stiel der äusseren; das erste Glied, das an seiner
Basis von der Stirn bedeckt ist, ist ungefähr zwei-
mal so lang wie das zweite und das zweite ist andert-
halbmal so lang wie das Endglied. Der grosse, spitze
i^asalstachel reicht nur bis zum Vorderende des ersten
Stielgliedes. Der innere Endfaden, welcher ungefähr so
lang ist wie der Cephalothorax (die Stirn nicht mit-
gerechnet), ist nur wenig dünner als der äussere, der
sich hinter dem achten Gliede in die zwei Endgeissein
theilt, von welchen die längere kürzer ist als der innere
Endfaden. Die ovale Deckplatte oder Schuppe ist so
lang wie der Stiel und ihr Seitenstachel ragt nicht oder
kaum über ihr abgerundetes Vorderende hinaus. Das
Basalglied trägt an der Aussenseite zwei kurze Stacheln,
von welchen der untere längere nicht so weit hervorragt
als die seitlichen Stirnstacheln, während der obere
kürzere kaum halb so lang ist wie der untere. Die
Decapoden und Stomatopoden 515
Geissei der äusseren Antennen ist anderthalbmal so laug-
wie der Cephalothorax, die Stirn nicht mitgerechnet.
Die äusseren Kieferfüsse reichen bis zu dem End-
gliede des Stiels der inneren Antennen.
Am dreikantigen, glatten und fast unbehaarten
Brachialgliede des grösseren Scheerenfusses läuft der
scharfe Oberrand am distalen Ende in einen kurzen
spitzen Stachel aus. Der scharfe Vorderrand der oberen
Fläche des sehr kurzen Carpalgliedes trägt an der Aussen-
ecke ein kleines, spitzes Zähnchen und der Unterrand
läuft gleichfalls in einen spitzen Zahn aus. Die Scheere
ist länglich walzenförmig, ziemlich schlank, und drei
und ein halb mal so lang wie hoch, die Finger mit-
gerechnet, welche ungefähr ein Drittel der ganzen
Scheerenlänge messen. Das fast walzige Handglied ist
ungefähr zwei und ein lialb mal so lang wie hoch, zeigt
gleich vor seiner Mitte die grösste Höhe , welche die
Dicke ein wenig übertriift und verjüngt sich ein wenig
mehr nach dem distalen wie nach dem proximalen Ende
hin. Es ist an allen Seiten glatt, abgerundet; der Ober-
rand ist abgerundet, ohne Einschnitte oder Einbuchtungen
und läuft am distalen Ende in ein kurzes spitzes Zähn-
chen aus. Der Unterrand ist ein wenig abgeflacht. Wie
die Scheere überhaupt, so erscheinen auch die Finger
denen von A. carinatus ähnlich gebaut, aber der be-
wegliche Finger ist ein wenig höher. Am kleineren
Scheerenfusse sind die Finger nur halb so lang wie das
Handglied; sie sind behaart, haben dieselbe Länge und
zeigen einen geraden Verlauf.
Die vier folgenden Fusspaare sind ziemlich schlank.
Das zweite Fusspaar ragt mit seiner Scheere und mit
der distalen Hälfte des Carpus über die Antennenstiele
hinaus; das erste Carpalglied ist noch ein wenig länger
als die vier folgenden zusammen, die drei folgenden
zeigen auf den ersten Blick ungefähr dieselbe Grösse,
bei genauerer Betrachtung erscheint das zweite Glied
dennoch ein wenig länger als das dritte und als das
vierte, welche genau gleich gross sind. Das fünfte Glied
33*
516 Dr. J. G. de Man:
ist ungefähr so gross wie das dritte und das vierte
zusammen. An der behaarten Scheere erscheinen die
Finger ungefähr anderthalbmal so lang wie das Handglied.
Das dritte Fusspaar ragt noch ein wenig über die
Antennenstiele hinaus. Bei diesem, wie auch bei dem
vierten Fusspaare, sind die ein wenig behaarten Mero-
poditen am distalen Ende ihres Unterrandes, mit einem
dreieckigen, scharfen Zahne bewehrt: an den Mero-
poditen des letzten Fusspaares fehlt dieser Zahn. Die
Carpalglieder des dritten Fusspaares tragen vier, die des
vierten Fusspaares drei kleine Stacheln neben einander
am distalen Ende ihres Unterrandes; am letzten Fuss-
paare sind sie unbewehrt.
Wie bei den verwandten Formen, nehmen die Mero-
poditen dieser drei Fusspaare allmählich ein wenig in
Länge ab, die Propoditen aber nicht oder viel weniger,
so dass diese Gllieder am dritten Fusspaare ungefähr
dieselbe Länge zeigen, während am letzten Fusspaare
die Propoditen ein wenig länger sind als die Meropoditen.
Die Propoditen der drei Fusspaare sind ihrem Unter-
rande entlang mit zahlreichen, kurzen Stachelchen
besetzt. Die kurzen, spitzen Klauenglieder sind ein
wenig gebogen und am Unterrande etwas vor ihrer
Mitte mit einer kleinen, spitzen Nebenklaue besetzt.
Der Körper dieser Art ist 28 mm. lang von der
Schnabelspitze bis zum Hinterrande des letzten Abdominal-
segmentes. —
219. Alpheus Edwardsii Aud.
Athanasus Edivärdsn, Audouin, Explic. Planches de
Savigny, Description de l'Egypte, Atlas, PI. X, Fig. 1.
Alpheus Edwardsii, Miers, Report on the zoological
Coli, made in the Lidopacific Ocean during the voyage
of H. M. S. „Alert", 1884, p. 284.
Alpheus Edwardsii, de Man, in: Journal of the Linnean
Soc. of London, Vol. XXH, 1888, p. 266.
Achtundsechszig Exemplare dieser weitverbreiteten
i
Decapoden und Stomatopoden. 517
und häufigen Art und zwar vierundzwanzig von Pulo
Edam, acht von der Insel Noordwaehter und sechs und
dreissig von Amboina.
Die Männchen sind beinahe eben so zahlreich wie
die Weibchen. A. a. 0. hat Miers ausführlich über
diese Art und über ihre zahlreiche Synonymen gehandelt,
und auch ich theilte noch etwas über sie mit in meiner
Arbeit über die Crustaceen der Mergui-Inseln.
Ein Weibchen von Amboina weicht dadurch von der
Type ab, dass die Finger der kleineren Scheere ver-
hältnissmässig länger sind und zwar ungefähr andert-
halbmal so lang als das Handglied und dass auch der
kleine Stachel, den unsere Art nicht an der Aussenecke,
sondern am unteren Vorderrande des Basalgliedes der
äusseren Antennen trägt, ein wenig länger ist als gewöhn-
lich. A. a. 0. bespricht Miers eine neue Art, A. graci-
lidigitus, bei welcher die Finger der kleineren Scheere
bedeutend länger sind als das Handglied, aber bei dieser
Form soll das Basalglied der äusseren Antennen einen
Stachel an der Aussenecke tragen. Auch klaffen die
Finger bei unserem Weibchen nicht, was sie bei der ge-
nannten Art wohl thun. Ich betrachte unser Exemplar
darum als eine blosse Varietät.
Verbreitung: Alpheus Edwardsii bewohnt nicht nur
die ganze indopacifische Region, sondern sogar einen
Theil der atlantischen, und zwar die Ostküste Amerika's
von Nord-Carolina bis zu den Abrolhos.
220. Alpheus parvirostris Dana.
Alpheus parvirostris, Dana, United States Expl. Exp.
Crustacea I, p. 551, PI. XXXV, Fig. 3.
Einundzwanzig grösstentheils erwachsene Exemplare
von Pulo Edam und eins von der Insel Noordwaehter.
Eine kleine Art der £'(iw7arJsü- Gruppe, welche nur
8'" lang wird, und welche sich von dem grösseren
Edwardsii Aud. sowie von A. Hippothoe de Man auf den
ersten Blick durch den schlanken Stachel unterscheidet,
518 'Dr. J. G. de Man.
mit welchem das Basalglied der äusseren Antennen an
der Aussenecke bewehrt ist. Auch unsere Exemplare,
unter welchen mehrere eiertragende Weibchen sind,
reichen nicht über die von Dana angegebene Grösse
hinaus.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Archipel.
221. Alpheus Hippothoe de Man.
Alpheus Hippothoe, de Man, in: Journal of the
Linnean Soc. of London, Vol.XXII, 1888, p. 268, Pl.XVII,
Fig. 1—5.
Acht Exemplare (4 cj, 4 $) von Pulo Edam und drei
von Amboina.
Ein eiertragendes, 21 mm. langes Weibchen von der
ersteren Localität und ein anderes von der zweiten
stimmen vollständig mit meiner Originalbeschreibung der
im Mergui - Archipel zuerst entdeckten Art überein. Die
neun anderen Exemplare dagegen weichen von dem Typus
auf merkwürdige Weise ab und zwar durch den Bau
des zweiten Fusspaares; weil diese Individuen aber
im Uebrigen völlig mit dem Typus übereinstimmen, so
möchte ich sie bloss als eine Varietät betrachten, der
ich den Namen edamensis beilege.
Bei diesen Exemplaren, welche eine Grösse von
34 mm. erreichen, reicht das spitze Rostrum bis zum
Vorderende des ersten Stielgliedes der inneren Antennen
oder sogar ein wenig über dasselbe hinaus. Bei sämmt-
lichen Individuen, auch bei den beiden zur typischen
Form unserer Art gehörigen, trägt der innere Unterrand
des Brachialgliedes der Vorderfüsse nahe dem distalen
Ende einen spitzen Stachel, den ich unserer Art in meiner
Originalbeschreibung absprach.
Bei den neun Individuen der neuen Varietät nun
zeichnet sich das zweite Fusspaar durch die folgenden
Charaktere aus. Es erscheint sehr verlängert, so dass
es schon mit dem vorderen Drittel seiner Meropoditen
über die Antennenstiele hinausragt. Das erste Glied des
Carpus ist hier kürzer als das zweite und misst unge-
Decapoden und Stomatopoden. 519
fähr drei Viertel desselben; das dritte und das vierte
Glied zeigen unter einander dieselbe Grösse und jedes
misst ein Drittel der Länge des zweiten Gliedes. Das
fünfte Glied ist ein wenig* kürzer als die beiden vorher-
gehenden zusammen und misst ungefähr zwei Drittel der
Länge des ersten Gliedes. Die Scheere schliesslich ist
nur ungefähr so lang oder kaum etwas länger als die
beiden letzten Carpalglieder zusammen und ihre Finger
sind so lang wie das Handglied oder sogar noch ein
bischen kürzer. Bei dem Typus erscheint das erste Carpal-
glied dagegen ein wenig mehr als zweimal so lang wie
das zweite Glied und ist nur wenig kürzer als die vier
folgenden Glieder zusammengenommen; bei der Scheere,
welche nur wenig kürzer ist wde die drei letzten Carpal-
glieder zusammen, erscheinen die Finger ein wenig länger
als das Handglied.
Verbreitung: Bengalischer Meerbusen, Indischer
Archipel.
222. Alpheus macrochirus Richters.
Alpheus macrochirus, Richters, Decapoda der Insel
Mauritius, 1880, S. 164, Taf. XVII, Fig. 31—33.
Zu dieser von Richters leider zu kurz beschriebenen
Art stelle ich zwei wohl junge Individuen, von der Insel
Edam. Es gehören diese Thiere zu der Brevirostris-
Gruppe und sie können zu keiner ihrer Arten gerechnet
werden, den A. macrochirus eben ausgenommen. Von
A. crinitus Dana unterscheiden sie sich gleich durch die
ungezähnten Meropoditen des dritten und vierten Fuss-
paares.
Das kurze spitze Rostrum entspringt mit einem ab-
gerundeten Kiele zwischen den Augen und reicht kaum
über die Mitte des ersten Stielgliedes der inneren Antennen
hinaus. Nach der von Richters gegebenen Beschreibung
soll das Rostrum „vollkommen flach" sein und sein
Seitenrand soll seinen Ursprung an der Basis der Augen-
kappe nehmen. Die Augendecken sind unbe wehrt.
Der Stiel der inneren Antennen ist bedeutend kürzer als
520 Dr. J. G. de Man:
der Stiel der äusseren; das zweite Glied ist ein wenig-
länger als das erste und das Endglied ist wieder etwas
kürzer wie das erste. Der äussere Endfaden ist dicker
als der innere und theilt sich hinter dem zehnten Gliede
in die zwei Endgeissein; der Basalstachel reicht kaum
über das Vorderende des ersten Stielgliedes hinaus. Die
langbehaarte Schuppe der äusseren Antennen erreicht
kaum die Länge des inneren Antennenstieles, ihr Aussen-
stachel ragt bedeutend über das Vorderende der Schuppe
hinaus, erreicht aber die Länge des Stieles der äusseren
Antennen noch nicht. Das Basalglied trägt keinen
Stachel an der Aussenecke, wohl aber findet sich ein
sehr kurzes Stachelchen am unteren Vorderrande des
Gliedes, wie bei A. Edwardsii.
Die Vorderfüsse stimmen vollkommen mit den von
Richters gegebenen Abbildungen überein. Der Oberrand
des Brachialgliedes ist unbewehrt. Auf der Richters'schen
Figur erscheint das Handglied dreimal so lang wie die
Finger, bei unseren Exemplaren nur etwas mehr wie
zweimal so lang: es muss dieser Unterschied wohl dem
verschiedenen Alter zugeschrieben werden, weil die Art
eine Grösse von 45 mm. erreicht, während unsere Indi-
viduen nur 17 mm. lang sind.
Am zweiten Fusspaare erscheint das erste Carpal-
glied fast zweimal so lang wie das zweite; das zweite
Glied ist wenig länger als das fünfte und hat dieselbe
Länge wie das dritte und das vierte Glied zusammen,
während die beiden letzteren dieselbe Grösse haben. Die
Scheere, bei welcher die Finger ein wenig länger sind
als das Handglied, erscheint noch ein bischen länger wie
die zwei letzten Carpalglieder zusammen genommen.
Die Schenkelglieder der drei hinteren Fusspaare sind
nicht gezähnt.
Verbreitung: Indischer Ocean, Indischer Archipel.
223. Alpheus obesomanus Dana.
Alpheus obesomanus, Dana, I, pag. 547, PI. XXXIV,
Fig. 7. Miers, Report on the Zool. Collections made
Decapoden und Stomatopoden. 521
during- the voyage of H. M. S. „Alert", 1884. p. 287 und
p. 561.
Vier Exemplare (2(^, 2$) von Pulo Edam.
Das grösste, ein eiertragendes Weibchen, ist 26 mm.
lang von der Schnabelspitze bis zum Hinterende des
Abdomens. In der Dana'schen Figur erscheint der
Aussenrand des beweglichen Fingers der grösseren Scheere
ein wenig concav, bei unseren Exemplaren dagegen ab-
gerundet und convex. Am zweiten Fusspaare erscheint
das zweite Carpalglied dreimal oder ein wenig mehr als
dreimal so lang wie das erste, ungefähr wie auf der
Dana'schen Figur; im „Conspectus" wird es dagegen als
viermal so lang angegeben, was der Fall nicht ist. Das
dritte und das vierte Glied sind gleich gross, aber das
fünfte ist ungefähr so gross wie die zwei vorhergehenden
zusammen: Dana bildet die drei letzten Carpalglieder
ungefähr in derselben Grösse ab. Schliesslich noch die
Bemerkung, dass die beiden Füsse des zweiten Paares
eine ein wenig ungleiche Länge zeigen, und dass nicht
nur am dritten, sondern auch am vierten Fusspaare die
Schenkelglieder mit einem scharfen Zahne besetzt sind.
Verbreitung: Indischer Ocean (Seychellen), Indischer
Archipel, Fidschi-Inseln, Ost-Küste von Australien.
224. Alpheus latifrons A. M. Edw.
Taf. XXn Fig. 4.
Alpheus latifrons, A. Milne Edwards, Journal des
Museum Godeffroy, 1874, S. 11.
Betaeus utricola, Richters, Beiträge zur Meeresfauna
der Insel Mauritius und der Seychellen, Decapoda, 1880,
S. 164, T. XVII, Fig. 34, 35.
Fünf Exemplare (3 5, 2 $) von Amboina.
Auf meine Anfrage hatte Herr Dr. Pfeffer in Hamburg
die Güte, eines unserer Exemplare mit den von Milne
Edwards beschriebenen Original ex emplaren von A. lati-
frons zu vergleichen und er schrieb mir „dass es völlig
zu denselben stimmte; freilich stimmten die Scheeren
522 Dr. J. G. de Man:
niclit völlig genau, doch die Verscliiedenheiten liegen
innerhalb der bei der Gattung Alpheus stets festzustellenden
Variationsreihe". Die letzte Angabe erklärt sich nun
aber leicht aus der Thatsache, dass sich bei^dem grössten
unserer Männchen die kleine Scheere ein bischen anders
verhält als bei den beiden anderen, welche ein wenig
jünger sind.
Alpheus latifrons gehört zu den wenigen Arten dieser
merkwürdigen Gattung, bei welchen ein Rostrum fehlt
und der Vorderrand des Rückenschildes abge-
stutzt erscheint. Diese Art müsste also zur Gattung
Betaeus Dana gestellt werden, aber Kingsley hat kürzlich
die Unhaltbarkeit dieser Gattung bewiesen, indem es
nach ihm verschiedene Uebergangsformen zwischen beiden
Gruppen geben würde (Kingsley, in: Bulletin United
States Geological Survey, Washington, Vol. IV, No. 1,
p. 189, 1878). Unter den übrigen Arten dieser Gruppe
zeichnet sich A. latifrons dann weiter leicht durch den
sehr kurzen Basalstachel der inneren Antennen und
durch den Bau der Füsse aus.
Die obere Fläche des Cephalothorax ist glatt und
erscheint in der Mitte abgerundet und nicht gekielt. Der
Vorderrand ist quer abgestutzt, erscheint bisweilen
ein wenig concav und ragt kaum so weit nach vorn
hervor wie das Basalglied der äusseren Antennen (Fig. 4).
Die Augen quellen seitlich stark hervor und die obere
Fläche der Stirn erscheint zwischen den Augen schwach
gekielt, dieser Kiel ist aber abgerundet, tritt kaum hervor
und verschwindet gleich hinter den Augen. Die Seiten-
flächen der fünf ersten Abdominalsegmente sind unten
stumpf abgerundet, aber die Seitenflächen des vorletzten
Segmentes laufen nach unten ziemlich spitz zu. Das
letzte Segment ist zweimal so lang wie breit an der
Basis; die nach hinten zu leicht concaven Seitenränder
convergieren ziemlich stark, so dass der abgerundete
Hinterrand fast nur halb so breit ist wie die Breite an
der Basis. Die abgeplattete, glatte obere Fläche des
Segmentes trägt auf der hinteren Hälfte zwei hinter ein-
Decapoden und Stomatopoden. 523
ander gelegene Dörnchenpaare ganz nahe den Seiten-
rändern und ausserdem beobachtet man an den Seiten-
ecken des Hinterrandes noch je zwei Dörnchen, von
welchen das innere zweimal so gross ist wie das äussere.
Das Basalglied der Seitenflossen ist klein, abgerundet
und nicht gezähnt: die Seitenflossen selbst verhalten
sich vollkommen wie bei Alpheus carinatus (Fig. 2 a),
indem sie genau dieselbe Form und denselben Bau zeigen.
Das erste Glied des Stiels der inneren Antennen ist
kurz, das zweite ist zweimal so lang und das dritte Glied
ist nur Avenig länger als das erste; die drei Glieder
tragen an ihren Vorderrändern lange Haare. Der ßasal-
stachel dieser Antennen ist sehr kurz, reicht nur bis
zu der Mitte des ersten Stielgliedes (Fig. 4), ist
dreieckig und stumpf zugespitzt. Der Stiel der äusseren
Antennen ist ein wenig länger als der der inneren, und
das Basalglied ist unbe wehrt: die Schuppe ist bei
unseren Exemplaren bedeutend kürzer als der Stiel,
indem sie nur bis zur Mitte des Endgliedes des Stiels
der inneren Antennen reicht, und der Stachel, den die
Schuppe seitlich trägt, kaum bis zum Yorderende dieses
Endgliedes. Nach Milne Edwards soll die Schuppe so
lang sein wie der Stiel, aber dieser Unterschied dürfte
vielleicht dem zugeschrieben w^erden, dass die von ihm
beschriebenen Exemplare bedeutend grösser waren als
die unserigen. Die äusseren Kieferfüsse, die besonders
an ihren Endgliedern lang behaart sind, reichen unge-
fähr so weit nach vorne, wie der Stiel der inneren
Antennen.
Die Vorderfüsse zeigen eine sehr ungleiche Grösse
und Gestalt, und die kleine Scheere verhält sich bei
beiden Geschlechtern verschieden. Die dreikantigen
Brachialglieder haben bei den Männchen eine plumpere
und mehr gedrungene Gestalt wie bei den Weibchen;
ihre Ränder sind scharf und laufen an ihrem distalen
Ende nicht in Stacheln aus, sondern sind ganz unbewehrt.
Völlig unbewehrt sind auch die sehr kurzen Carpalglieder
(Fig. 4 a u. if.), deren obere Fläche glatt und abgerundet
524 Dr. J. Gr. de Man:
ist. Die grosse Seheere erscheint fast um 90 <^ nach
aussen gedreht, so dass der Oberrand den Aussenrand
bildet, die innere Seitenfläche die obere Fläche u. s. w.
Die Finger liegen also horizontal und der nach aussen
gerichtete bewegliche Finger bewegt sich in einer hori-
zontalen Fläche.
Die grosse Seheere ist ein bischen mehr als dreimal
so lang wie die grösste Dicke beträgt (Fig. 4 a). Die
(horizontale) Länge der Finger beträgt kaum ein Drittel
der ganzen Länge der Seheere. Das Handglied ist gleich
vor der Mitte am dicksten und verjüngt sich ein bischen
nach den Fingern hin. Unter der Lupe erscheint die
obere Fläche der Seheere, besonders am unbeweglichen
Finger sehr fein gekörnt, die untere Fläche beinahe
glatt. Das Handglied ist nirgendwo eingeschnitten und
erscheint an allen Seiten abgerundet. Der bewegliche
Finger ist zusammengedrückt und hat einen bogenförmig
verlaufenden, wenig* scharfen Rand; er trägt einen grossen
Zahn, der in eine Höhle des unbeweglichen Fingers
hineinpasst. Auch die obere Fläche des beweglichen
Fingers ist fein gekörnt. Die kleinere distale Spitzen-
hälfte des beweglichen Fingers ist dunkel violett, und
diese Farbe zeigt auch die äusserste Spitze des unbe-
weglichen Fingers. Die behaarten Ränder des letzteren
und die Basis des ersteren sind dunkelgrün gefleckt.
Die auf der Scheerenfläche verlaufende, ovale Linie
nimmt die grössere, proximale Hälfte der Aussenfläche
des Handgliedes ein.
Die kleine Seheere verhält sich nicht nur bei den
beiden Greschlechtern verschieden, sondern zeigt auch bei
dem älteren Männchen eine andere Form als bei den
jüngeren. Bei dem alten Männchen zeigt diese Seheere
die in Fig. 4 b abgebildete Gestalt. Sie ist gleichfalls
nach aussen gedreht, obgleich nicht so stark wie die
grosse Seheere, so dass sich der bewegliche Finger an
der Aussenseite befindet und sich in schräger Richtung
bewegt. Das Handglied ist ein bischen länger wie hoch,
an der schräg geneigten Aussenfläche glatt, an der schräg
Decapoden luid Stomatopoden. 525
geneigten Innenfläche sehr fein gekörnt; die abgeflachte
Unterfläche ist behaart. In der proximalen Hälfte der
Aiissenfläche verläuft die fast kreisförmige eingedrückte
Linie. Die Finger sind so lang wie das Handglied.
Der bewegliche stellt sich als eine schräg geneigte,
ovale Platte dar mit scharf abgesetzter Spitze, welche
mit der Platte einen fast rechten Winkel bildet. Die
Aussenfläche dieses Fingers ist völlig glatt, unbehaart
und kaum ein bischen gebogen, so dass die ein wenig
behaarte, innere Fläche schwach concav erscheint; die
Ränder sind ziemlich lang behaart und nahe und parallel
mit dem Unterrande verläuft auf der inneren Fläche des
Fingers ein behaarter Kiel, der bis zu dem Ende der
umgebogenen Fingerspitze fortläuft. Der unbewegliche
Finger läuft ebenso in eine scharfe Spitze aus, hat eine
abgeplattete Unterfläche und trägt in der Mitte seiner
concaven, inneren Fläche einen behaarten, stark vor-
tretenden Kiel; die beiden Ränder der letzteren sind
behaart und die Behaarung des Innenrandes ist etwas
länger als die des Aussenrandes.
Wie ich schon bemerkte, zeigt die kleine Scheere
bei den beiden jüngeren Männchen eine etwas verschiedene
Form. (Fig. 4:C). Das Handglied ist hier nämlich deutlich
länger als die Finger und der bewegliche Finger ist
nicht so stark verbreitert und verjüngt sich mehr all-
mählich nach der ebenso stark umgebogenen Endspitze
hin. Diese Form bildet nun den Uebergang zu der
kleinen Scheere des Weibchens. Diese steht der grossen
Scheere verhältnissmässig noch mehr in Grösse nach als
bei dem Männchen. Nicht nur das Brachialglied er-
scheint hier schlanker, wie ich schon oben sagte, auch
mit dem Carpus und mit der Scheere (Fig. 4d) ist dies
der Fall. Die Scheere ist um 90^ nach aussen gedreht,
liegt also horizontal; der bewegliche Finger liegt an der
Aussenseite und bewegt sich in horizontaler Richtung,
Ihre grösste Dicke zeigt diese Scheere am proximalen
Ende und sie wird nach den Fingern hin allmählich
dünner. Das Handglied ist fast anderthalb mal so lang
526 Dr. J. G. de Man:
wie die Finger, von welchen der bewegliche ungefähr
dieselbe Form zeigt wie der unbewegliche. Beide sind
schmal, verjüngen sich regelmässig nach der Spitze hin
und der bewegliche ist gar nicht abgeflacht. Beide
Finger sind behaart und zwar sowohl am Ober- resp.
Unterrande wie an den Innenrändern.
An den vier folgenden Fusspaaren erscheinen die
Ischio- und die Meropoditen seitlich zusammengedrückt,
glatt und unbe wehrt. Bei Alpheus pachychirus Stimps.,
welcher unserem latifrons verwandt ist und die Loo-Choo
Inseln bewohnt, tragen die Schenkelglieder des dritten
Paares dagegen an der Spitze einen Zahn. Die fünf
Carpalglieder der Füsse des zweiten Paares haben bei
dem grössten Exemplare die folgende Länge: IVr, «iin.,
Vö mm., 2/5 nim., V3 nim,, und Vs ^nm. Das erste, d. h.
das proximale Glied ist ungefähr so lang wie die drei
folgenden Glieder zusammen; das zweite ist noch nicht
halb so lang wie das erste; die beiden folgenden sind
die kleinsten Glieder, und erscheinen fast gleich lang,
obgleich das dritte noch ein bischen länger ist als das
vierte; das fünfte Glied schliesslich ist ein wenig länger
als das zweite. An der Scheere erscheinen die Finger
noch ein bischen länger wie das Handglied.
An den drei hinteren Fusspaaren, welche allmählich
an Stärke abnehmen, .erscheinen die Carpopoditen nur
wenig kürzer als die Propoditen. Die Propoditen des
dritten und vierten Fusspaares sind an ihrem unteren
Rande mit Stachelchen besetzt und ein wenig behaart;
behaart sind diese Glieder auch an ihrem oberen Rande.
Die Klauenglieder dieser Füsse sind ziemlich kurz, sehr
spitz, fast gerade, kaum gebogen und ohne Nebenklaue.
Das letzte Fusspaar ist viel dünner als das dritte und
als das vierte und es weicht auch darin ab, dass die
Propoditen keine Stachelchen tragen, sondern am unteren
Rande an der distalen Hälfte mit einem Büschel von kurz
gefiederten Härchen besetzt sind; am oberen Rande und
am distalen Ende tragen sie ausserdem einige längere,
nicht gefiederte Haare. Die Dactylopoditen verhalten
Decapoden und Stomatopoden. 527
sich wie an den Füssen des dritten und des vierten
Paares.
Das grösste Männchen ist I8V2 mn^- laug vom Stirn-
rande bis zum Hinterrande der mittleren Schwanzflosse;
die Länge der grossen Scheere desselben beträgt 11 mm.
Bei den beiden anderen, jüngeren Männchen, bei welchen
^ch die kleine Scheere verschieden verhält, beträgt die
Körperlänge 16V2mm- i'esp. 17 mm. Bei den Weibchen,
welche beide Eier tragen, ist der Körper I9V2 mm. resp.
16 mm. lang. Die Art erreicht eine Grösse von 30 mm.
Betaeus utricola Richters ist zweifellos mit dieser
Art identisch; zwar bildet Richters das zweite Glied des
Stiels der inneren Antennen ein wenig länger ab, aber
vielleicht ist dies ein Fehler. Unsere Exemplare stecken,
was auch mit denen von Betaeus utricola der Fall war,
in langen aus Oscillatorien gebauten Schläuchen.
Verbreitung: Samoa - Inseln (Upolu), Molukken,
Mauritius.
Gattung Arete Stimps.
225. Arete dorsalis Stimps.
Arete dorsalis^ Stimpson, Proc. Acad. Nat. Scienc. of
Philadelphia, 1860, p. 32.
Ein junges Exemplar von Amboina.
Der Körper ist 10 mm. lang von der Schnabelspitze
bis zum Hinterende des Abdomens. Mit einer einzigen
Ausnahme, stimmt es vollkommen mit der Stimpson'schen
Beschreibung überein. Stimpson sagt: „manu (digitis
inclusis) duplo longiore quam latiore.'* Bei unserem
Exemplare erscheint die Scheere (die Finger mitgerechnet)
fast fünf mal so lang wie breit; ich vermuthe aber, dass
in der Stimpson'schen Beschreibung an dieser Stelle ein
Druckfehler vorkommt, weil, wie ich schon sagte, unser
Exemplar sonst vollkommen zu der Beschreibung stimmt.
Die inneren Antennen sind kurz, kaum so lang wie
der Cephalothorax; von den zwei Endfäden ist der aus
5 — 6 Gliedern bestehende äussere viel dicker als der
528 . Dr. J. G-. de Man:
innere, der fadenförmig ist; der äussere ist ungefähr so
lang wie der Stiel. Das dreieckige spitze Rostrum, das
auf seiner oberen Fläche an jeder Seite neben den
Seitenrändern längsgefurcht erscheint, erreicht kaum das
Vorderende des vorletzten Stielgliedes. Die äusseren
Antennen sind ungefähr so lang wie der Körper. Die
äusseren Kieferfüsse sind kurz und nur wenig länger als die
Antennenstiele; ihr Endglied ist etwas mehr als zweimal
so lang wie das vorletzte Glied und am oberen Rande
mit Stachelchen besetzt. Die Scheere der Vorderfüsse
ist von oben nach unten abgeplattet und die Finger,
welche ein Drittel kürzer sind wie das Handglied, liegen
horizontal, so dass der bewegliche Finger an der Aussen-
seite gelegen ist und sich in horizontaler Richtung be-
wegt. Das Handglied ist ungefähr drei Mal so lang wie
breit und die Finger sind ein wenig nach innen gebogen.
Die Scheere des zweiten Fusspaares ist etwas länger als
die zwei letzten Carpalglieder zusammengenommen; die
Grösse der vier Carpalglieder stimmt völlig mit den
Stimpson'schen Angaben iiberein. Das dritte Fusspaar
reicht mit dem grössten Theile seiner Propoditen über
die Antennenstiele hinaus, die beiden folgenden nehmen
allmählig an Länge ab. Die drei hinteren Fusspaare
sind ziemlich kurz, glatt und cylindrisch ; ihre Propoditen
sind fast zweimal so lang wie die Carpopoditen und
tragen am Innenrande einige sehr kurze Stacheln. Die
Klauenglieder sind sehr kurz, messen kaum ein Viertel
der Länge der Propoditen, sind sehr spitz, ein wenig
gebogen und zeigen in der Mitte des Innenrandes eine
sehr kurze Nebenklaue, die man nur mittelst des Mikro-
skopes beobachtet und vor welcher unmittelbar ein kurzer
Stachel eingepflanzt ist, der aber noch zweimal so lang
ist wie die Nebenklaue selbst. Die mit zwei Dörnchen-
paaren besetzte, mittlere Schwanzplatte ist etwas kürzer
als die Seitenflossen; sie erscheint verlängert und ihre
Seitenränder convergiren stark nach hinten, und das
schmale Hinterende ist an jeder Ecke mit einem kurzen
Stachel besetzt und trägt mehrere längere Haare. Auch
Decapoden und Stomatopodeu. 529
die Seitenflossen sind verlängert und ihr Basalg-lied trägt
einen dreieckigen Zahn.
Verbreitung: Diese kleine Grarneele bewohnt den
Indischen Archipel und das Chinesische Meer.
Gattung Automate nov. gen.
Eine neue Gattung der Alpheiden. Cephalothorax
seitlich zusammengedrückt, oben abgerundet, ohne Rostrum
und ohne Stacheln am Yorderrande. Augen nicht vom
Cephalothorax bedeckt, frei, kurz, mit gut entwickelter
Cornea. Innere Antennen verlängert, mit zwei Endfäden
und mit kurzer Basais chuppe. Aeussere Antennen mit
sehr kurzer Deckplatte. Aeussere Kieferfüsse schlank,
verlängert, mit kurzem Palpus. Die Füsse des zweiten
Paares von gleicher Grösse und Form, dünn und faden-
förmig, mit fünfgliedrigem Carpus und mit kleiner
Scheere. Die drei hinteren Fusspaare mit einfacher
Endklaue.
Diese Form scheint eine neue Gattung der Alpheiden
zu bilden, wenn sie nämlich noch nicht aus den ausser-
iudo-pacifischen Meeren beschrieben worden ist; ich
kann dies nicht sagen, weil die diesbezügliche Literatur
nicht zu meiner Verfügung steht. Sie gehört in die
nächste Verwandtschaft der Gattungen Nica Risso, Athanas
Leach und Arete Stimps., unterscheidet sich aber von
diesen allen auf den ersten Blick durch die Abwesenheit
eines Rostrums und eines Antennalstachels. Ausserdem
sind die Füsse des zweiten Paares bei Nica von un-
gleicher Grösse und bei Athanas tragen die inneren
Antennen drei Endfäden.
Leider fehlen die Vorderfüsse dem einzigen, mir
vorliegenden Exemplare, so dass ich über dieselben nichts
sagen kann.
226. Automate dolichognatha n. sp.
Taf. XXII Fig. 5.
Ein Männchen von der Insel Noordwachter.
Im äusseren Habitus zeigt die Körpergestalt dieser
Arch. f. Naturgesch. 53. Jahrg. Bd. I. 34
530 Dl". J. G. de Man:
kleinen Art viele Uebereinstimmung- mit der der Nica-
Arten.
Cephalotliorax und Abdomen sind seitlich zusammen-
g-edrückt und am Oberrande abgerundet; sie sind glatt
und unbehaart. Der Vorderrand des Rückenschildes
erscheint in der Mitte schwach dreieckig und zeigt an
jeder Seite eine Ausbuchtung- für die Augenstiele; er
bildet gar kein Rostrum, denn er ragt nicht zwischen
den Augenstielen hervor, sondern hört schon an ihrer Basis
auf. Die seitlich von den Augenstielen gelegenen Theile
des Vorderrandes sind ganz unbewehrt und tragen weder
einen Antennal-, noch einen Pterygostomialstachel : der
Cephalothorax trägt überhaupt keine Stacheln.
Das Abdomen verhält sich wie bei der Gattung Nica.
Die Seitenflächen der fünf ersten Segmente zeigen ab-
gerundete Ränder und die Seitenfläche des zweiten
Segmentes ist, wie bei Nica, vorn und hinten ein wenig
convex erweitert. Das letzte Abdominalsegment, die
mittlere Schwanzplatte (Fig. 5ij, ist bedeutend kürzer
wie die Seitenflossen; es ist kaum anderthalbmal so
lang, als die Breite seines Vorderrandes beträgt, und seine
schwach gebogenen, unbewehrten Seitenränder convergiren
ziemlich stark nach hinten, so dass der Hinterrand kaum
halb so breit ist wie der Vorderrand. Die schwach ge-
wölbte, glatte, wenig behaarte obere Fläche ist mit zwei
Dörnchenpaaren besetzt und der lang behaarte Ilinter-
rand trägt an jeder Seite einen ziemlich langen Stachel,
und neben diesem Stachel an der Aussenecke noch ein
zweites, viel kleineres Stachelchen. Das Basalglied der
Seitenflossen läuft in einen spitzen Zahn aus; die wie
gewöhnlich an den Aussenrändern lang behaarten Seiten-
flossen sind ziemlich breit, die innere ist oval mit glatter,
ebener, oberer Fläche, die äussere breitere zeigt in der
Mitte eine längliche Vertiefung.
Die Augenstiele sind sehr kurz, reichen kaum bis
zur Mitte des ersten Stielgiiedes der inneren Antennen
und zeigen einige Aehnlichkeit mit den Augenstielen der
Callianassen; sie sind kegelförmig, schliessen mit ihren
I
Decapoden und Stomatopodeu. 531
geraden Innenrändern fast gegen einander an, während
die Aussenränder schwach gebogen sind und ein wenig
divergiren; die Cornea liegt an der Aussenseite der vorderen
Hälfte. Die verlängerten, cylindrischen Basalstiele der
inneren Antennen sind noch etwas länger als die halbe
Länge des Rückenschildes. Der über die Augenstiele
hinausragende Theil des ersten Stielgiiedes ist etwas
kürzer als die Augenstiele; das zweite Glied ist sehr
verlängert, ungefähr dreimal so lang wie der von den
Augenstielen nicht bedeckte, also von oben her sichtbare
Theil des ersten Gliedes und viermal so lang wie das
dritte oder Endglied. Die zwei Endfäden sind von etwas
ungleicher Länge; der innere ist lang und dünn und
etwas länger als der Cephalothorax, der äussere ist
kürzer und sein basaler Theil, der aus ungefähr 9 — 10
Gliedern besteht, ist verdickt und geht ziemlich plötzlich
in den dünnen Endtheil über. Dieser proximale, ver-
dickte Theil des äusseren Endfadens ist etwas kürzer als
der Stiel der Antennen und gegen sein Ende hin mit
Haaren besetzt. Die äussere, dreieckige Basalschuppe
der inneren Antennen reicht bis zum Vorderende des
ersten Stielgliedes. Die äusseren Antennen sind fast so
lang wie der Körper. Ihr Stiel ist noch ein wenig länger
als der Stiel der inneren Antennen; die sehr kurze, ovale
Deckplatte ist viel kürzer als der Stiel und erreicht
noch nicht die Mitte des zweiten Gliedes des Stiels der
inneren Antennen. Diese Deckplatte ist oval, vorn ab-
gerundet, und ihr Aussenrand läuft am Vorderende in
ein kurzes Stachelchen aus, das den Vorderrand der
Platte kaum überragt. Das Basalglied dieser Antennen
ist unbewehrt. Die äusseren Kieferfüsse (Fig. 5 b) ver-
halten sich wie bei Hippolyte; sie^ind verlängert, schlank,
und reichen mit dem verlängerten Endgliede (Fig. 5 c)
über den Antennenstiel hinaus. Dieses schlanke End-
glied ist mehr als zweimal so lang wie das vorletzte
Glied und ist fast über die ganze Länge seines Ober-
randes mit 12 — 13 Paaren kurzer Stacheln besetzt, wäh-
34*
532 Dr. J. G. de Man:
rend die ganze Innenfläche (Fig. 5d) zahlreiche Haar-
büschel trägt. Der Palpus ist etwas kürzer wie das
zweite Glied.
Die Vorderfüsse sind leider abgebrochen und fehlen.
Die Füsse des zweiten Paares sind von gleicher
Grösse und Form. Diese Füsse sind noch ein wenig
länger als die äusseren Kieferfüsse und ihre Meropoditen
erreichen fast das Vorderende der Antennenstiele. Sie
sind lang, dünn und fadenförmig.
Der Carpus (Fig. 5e) besteht aus fünf Gliedern.
Das zweite Glied ist das längste von allen und ungefähr
anderthalbmal so lang wie das erste Glied, das dritte
Glied ist halb so lang wie das zweite; das vierte und
das fünfte sind gleich lang und sind ein wenig kürzer
als das dritte. Die Scheere (Fig. 5f) ist etwas länger
als das letzte Carpalglied und ihre behaarten Finger sind
ein wenig länger wie das Handglied. Das dritte Fuss-
paar (Fig. 5 g) reicht zum Vorderende der Antennenstiele,
die beiden folgenden erscheinen allmählich kürzer, so
dass das fünfte nur noch zum proximalen Ende des
Endgliedes des äusseren Antennenstieles reicht, Das
dritte und das vierte Fusspaar sind fast von gleicher
Gestalt, das fünfte erscheint aber dünner. Diese drei
Fusspaare sind übrigens ziemlich plump, wenig schlank;
ihre Schenkelglieder haben glatte Ränder, die keine
Zähne oder Stacheln tragen. Die Propoditen (Fig. 5 h)
sind kaum etwas kürzer als die Carpopoditen und an
ihrem Innenrande mit fünf Stacheln besetzt und auch
etwas behaart. Die kaum gebogenen Klauenglieder sind
ungefähr halb so lang wie die Propoditen und tragen an
jeder Seite gleich vor der Spitze einen kleinen Haar-
büschel und einen zweiten in der Mitte. Wie ich schon
bemerkte, sind die einzelnen Glieder des letzten Fuss-
paares etwas schlanker wie die des dritten und des
vierten Paares.
Der Körper ist I6V2 i^i^^- lang von dem Vorderrande
des Rückenschildes bis zum Hinterende des Abdomens.
Decapoden und Stomatopoden. 533
Gattung Hippolyte Leach.
227. Hippolyte gibberosa M. Edw.
Hippolyte gihberosus, Milne Edwards, Hist. Nat. des
Criist. II, p. 378. — Dana, Unit. States Expl. Exp. Crus-
tacea I, p. 565, PL XXXVI, Fig. 4.
Dreizehn Exemplare (6 c^, 7 $) und zwar fünf von
Pulo Edam, eins von der Insel Noordwachter und sieben
von Amboina.
Bei dem grössten Männchen, dessen Körper von der
Schnabelspitze bis zum Hinterende des letzten Abdominal-
segmentes fast 50 mm. lang ist, sind die äusseren Kiefer-
füsse noch ein w^nig kürzer als die Schuppe der äusseren
Antennen, und die Füsse des zweiten und des dritten
Paares reichen gerade so weit nach vorn wie die äusseren
Kieferfüsse. Bei jüngeren Individuen erscheint das zweite
Fusspaar aber ein wenig länger als das dritte. Bei dem
grössten Männchen reichen die Vorderfüsse bis zur Mitte
des Endgliedes der äusseren Kieferfüsse und ragen mit
der grösseren Scheerenhälfte über den Stiel der äusseren
Antennen hinaus. Bei den Weibchen sind die Vorder-
füsse ein wenig kleiner und kürzer. Am Carpalgliede
des zweiten Fusspaares zähle ich 12 Glieder, bei jüngeren
Individuen beträgt diese Zahl wahrscheinlich nur 10.
Die Schenkelglieder der drei hinteren Fusspaare tragen
an ihrem unteren Rande je zwei kleine Stacheln, einen
nahe am vorderen Gelenke, den zweiten nahe der Mitte.
Hippolyte Hemprichii Heller ist mit dieser Art wohl
identisch.
Verbreitung: Indischer Ocean (Nicobaren), Indischer
Archipel, Australien, Tahiti. — ^
228. Hippolyte marmorata Oliv.
Hippolyte marmoratus, Olivier, Milne Edwards, Hist.
Nat. des Crustaces, T. H, p. 379, PL XXV, Fig. 8.
Ein Männchen von Amboina, welches beinahe 50 mm.
lang ist von der Schnabelspitze bis zum Hinterende des
534 Dr. J. G. de Man:
letzten Abdominalsegmentes. Unmittelbar vor der Spitze
des Schnabels stehen noch zwei kleine Zähne, so dass
das Vorderende des Rostrums dreispitzig erscheint wie
bei H. gibberosa; hinten stehen fünf Zähne, von welchen
der vierte über den Augen steht. Am Unterrande ist
der Schnabel mit sechs Zähnen besetzt. Unsere Art ist
Hippolyte gibberosa sehr verwandt und ähnlich, zeichnet
sich aber auf den ersten Blick durch die gewaltige
Entwickelung der äusseren Kieferfüsse aus, welche
fast mit ihrem ganzen Endgliede über das Vorderende
des Schnabels hinausragen; dieses Endglied ist ungefähr
so lang wie die Länge des Rückenschildes und
des Rostrums zusammengerechnet, das hintere,
nicht mit Zähnen besetzte Drittel des Rückenschildes
ausgenommen. In der citirten Figur von Milne Edwards
erscheinen die äusseren Kieferfüsse nicht so verlängert,
als wie es bei unserem Exemplare der Fall ist, und das
Endglied im Besonderen erscheint viel kürzer und dicker,
so dass ich vermuthe, dass diese Abbildung nicht ganz
genau ist.
Die kräftigen Vorderfüsse reichen bis zu der Schnabel-
spitze, und sind so lang wie das dritte Fusspaar. Die
Finger sind halb so lang wie das Handglied, klaffen
ziemlich stark und sind an den Innenrändern mit Haaren
besetzt. Auch das zweite Fusspaar ragt kaum über die
Schnabelspitze hinaus; an dessen Carpalgliede zähle ich
elf Glieder, nach Milne Edwards hat er deren zwölf.
Wie bei H. gibberosa sind die Meropoditen der drei
hinteren Fusspaare je mit zwei Stacheln am Unterrande
besetzt, von welchen der vordere nahe dem Carpalgelenke,
der zweite ein wenig vor der Mitte steht.
Verbreitung: Indischer Archipel, Grosser Ocean.
229. Hippolyte paschalis Heller?
Hippolyte paschalis^ Heller, Sitzungsber. kais. Akad.
der Wiss. zu Wien, 1861, S. 276, Taf. III, Fig. 24.
Zu dieser Art stelle ich mit einigem Zweifel ein
eiertragendes Weibchen von Amboina, welches fast voll-
Decapoden und Stomatopoden. 535
kommen mit der Heller'schen Beschreibung übereinstimmt.
Hinter der Spitze trägt das Rostrum am oberen Rande
aber nur drei Zähne und weil der vorderste Zahn der
Spitze nicht auffallend genähert ist, erscheint die letztere
nicht zweizackig; bei dem Typus trägt das Rostrum dagegen
vier Zähne und der vorderste liegt der Spitze so sehr
genähert, dass sie zweizackig erscheint. Wichtigere
Unterschiede scheinen die inneren Antennen zu bieten.
Wie bei dem Typus ist das erste Glied das längste und
die beiden folgenden sind sehr kurz; das erste Glied
ragt noch ein wenig über die Schnabelspitze hinaus. Bei
dem Typus tragen nun das zweite und das dritte Glied
nach vorne und aussen einen feinen Stachel und der
Basalstachel reicht nur bis zum Ende des zweiten Gliedes.
Bei unserem Exemplare dagegen trägt nur das zweite
Glied einen feinen Stachel vorn am Seitenrande, aber
am dritten Gliede sehe ich keinen Stachel; hier aber
läuft der Vorderrand der oberen Fläche des Gliedes in
eine dreieckige, spitze Schuppe aus. Der Basalstachel
schliesslich erreicht das Vorderende des Endgliedes oder
ragt sogar noch ein wenig über dasselbe hinaus. Das
Basalglied der äusseren Antennen trägt einen kleinen
Stachel am unteren Vorderrande nahe der Aussenecke.
Die äusseren Kieferfüsse überragen noch ein wenig das
Vorderende der Deckplatten, während sie bei dem Typus
kaum so lang sind. An den Scheeren der Vorderfüsse
erscheint das Handglied ein wenig länger wie der Carpus
und fast zweimal so lang wie die Finger. Die mittlere
Schwanzplatte ist kaum kürzer als die Seitenflossen und
trägt an der oberen Fläche drei Dörnchenpaare. Sonst
scheint das Exemplar mit dem Typus übereinzustimmen;
wenn es aber wirklich einer von H. paschalis verschiedenen
Art zugehören sollte, so schlage ich den Namen amboinensis
für die vorliegende Art vor. Im äusseren Habitus stimmt
sie mit Dana's Hippolyte brevirostris (Dana, l. c. PI. XXXVI,
Fig. 5) überein und sie vertritt diese an der Westküste
von Nord -Amerika lebende Art im indischen Archipel.
Das Exemplar ist nur 14 — 15 mm. lang.
536 Dt" J- Gl- <le Man:
^^ Gattung" Coralliocaris Stimps.
230. Coralliocaris superba Dana.
Oedipus superhus, Dana, United Stat. Expl. Exp. I.
p. 573, PI. XXXVII, Fig. 2.
Coralliocaris superba, Stimpson, Proc. Acad. Nat.
Scienc. of Pliilad. 1860, p. 38.
Fünf Exemplare von der Insel Noordwachter und
eins von Pulo Edam.
Verbreitung: Indischer Archipel, Tongatabu, Tahiti.
231. Coralliocaris graminea Dana.
Oedipus gramineus, Dana, Unit. Stat. Expl. Exp. I,
p. 574, PI. XXXVII, Fig. 3.
Coralliocaris graminea, Stimpson, Proc. Acad, Nat.
Sciences of Philadelphia, 1860, p. 38.
Einundzwanzig Exemplare von Pulo Edam.
Oefters finden sich auf dem oberen Schnabelrande
fünf und am unteren zwei Zähne, während bei den
Dana'schen Originalexemplaren am Unterrande nur ein,
am oberen Rande vier Zähne standen. Nach Miers
finden sich bisweilen am oberen Rande nur drei Zähne,
während der untere Rand ungezähnt ist. Die Vorderfüsse
sind bisweilen ein wenig ungleich.
Verbreitung: Indischer Ocean (Seychellen), Indischer
Archipel, Hongkong, Fidschi-Inseln.
Gattung Harpilius Dana.
232. Harpilius lutescens Dana.
Harpilius lutescens, Dana, Unit. States Explor. Exp.
Crustacea I, p. 576, PI. XXXVII, Fig. 4.
Zu dieser Art stelle ich ein eiertragendes Weibchen
und zwei junge Exemplare von der Insel Noordwachter.
Vollständig stimmen unsere Thiere nicht mit der
Originalbeschreibung resp. den citirten Abbildungen über-
ein. Das von Dana beschriebene Originalexemplar stammte
von der Insel Tongatabu und hatte eine Körperlänge von
Decapoden und Stomatopoden. 537
7 Linien: die unserig-en sind grösser. Dann ist zu be-
merken, dass die Dana'schen Figuren dieser Art wohl
nicht ganz genau sind. So zeigt die Figur 4 a keinen
Hepaticalstachel, der in Fig. 4c. wohl gezeichnet ist; in
Fig. 4 a reicht der Stiel der inneren Antennen nur bis
zur Mitte der Antennenschuppe, in Fig. 4 c dagegen viel
weiter nach vorne. Es ist also leicht möglich, dass auch
das zweite Fusspaar in Fig. 4 a nicht völlig genau abge-
bildet worden ist. Ich vermuthe nun, dass die Unter-
schiede, welche die Exemplare von der Insel Noordwachter
zeigen, der genannten Ungenauigkeit der Dana'schen
Abbildungen zugeschrieben werden müssen.
Das eiertragende Weibchen ist 20 mm. lang vom
Vorderrande des Rückenschildes bis zum Hinterende des
Abdomens; die beiden anderen sind ein wenig jünger.
Der Vorderrand des Cephalothorax trägt einen kleinen
Antennalstachel ; ein wenig unter diesem Stachel und auf
geringer Entfernung vom Vorderrande bemerkt man einen
zweiten Stachel, den Hepaticalstachel, der etwas grösser
und schräg nach aussen und nach vorn gerichtet ist.
Der Winkel, den der Vorderrand des Rückenschildes
mit dem Unterrande der Seitenflächen bildet, erscheint
fast als rechter, ist aber nicht scharf. Bei einem der beiden
jüngeren Individuen fehlt der Hepaticalstachel vollständig
und zwar an jeder Seite. Bei dem Weibchen ist das
Rostrum so lang wie der Stiel der inneren Antennen,
und trägt am oberen Rande sieben Zähne, von welchen
die zwei hinteren noch auf dem Cephalothorax stehen;
der erste und der der Spitze sehr genäherte siebente
Zahn sind viel kleiner als die fünf anderen. Der Unter-
rand trägt zwei Zähne. Bei dem grösseren Männchen
erscheint das Rostrum nach der Spitze hin ein wenig
nach oben gerichtet, überragt den Stiel der inneren
Antennen, ist aber kürzer als die Schuppe; der Oberrand
trägt wieder sieben, der Unterrand zwei Zähne. Bei
dem dritten Exemplare (bei dem die Hepaticalstacheln
fehlen) verhält sich das Rostrum wie bei dem vorigen,
was seine Länge betrifft, es ist aber mehr nach unten
538 r>r. J. G. de Man:
gerichtet, trägt oben acht und unten einen Zahn. Bei
dem Dana'schen Originalexemplare war das Rostrum
oben mit 7 — 8 Zähnen besetzt und am ünterrande nur
mit einem. Der Stiel der inneren Antennen reicht genau
so weit nach vorn wie auf der Dana'schen Figur 4c;
die Schuppe der äusseren Antennen erscheint an ihrem
vorderen Ende ein wenig mehr verschmälert als auf den
Dana'schen Abbildungen. Sonst verhalten sich die beiden
Antennenpaare ganz typisch. Im Gegensatze zu dem
Exemplare von Tongatabu ragen die Augen nicht
nur mit der Cornea, sondern sogar mit einem
Theile des Stiels über die Seitenränder des
Rückenschildes hinaus. Dieser Unterschied ist
schwer zu erklären, vielleicht aber dem Jugendalter des
Dana'schen Thieres zuzuschreiben. Die mittlere Schwanz-
flosse ist ein wenig kürzer als die Seitenflossen; sie ver-
schmälert sich bedeutend nach dem schmalen Hinterrande
hin und trägt auf der hinteren Hälfte der sonst glatten,
schwach gewölbten, oberen Fläche zwei Dörnchenpaare
ganz nahe den Seitenrändern; bei dem Weibchen fehlen
drei dieser Dörnchen.
Die Vorderfüsse reichen bei dem grössten Exemplare
mit einem kleinen, distalen Theile ihrer Carpopoditen
über die Antennenschuppen hinaus, und ihre Scheeren
sind ungefähr halb so lang wie die Carpopoditen.
Während diese Füsse sich also wie bei dem von Dana
abgebildeten Exemplare verhalten, zeigen die Füsse des
zweiten Paares einige Unterschiede (Fig. 1). Zuerst
zeigen die Brachialglieder am distalen Ende des Unter-
randes ihrer Aussenfläche einen kleinen, scharfen Zahn,
der von Dana nicht erwähnt wird. Nach Dana soll der
Carpus ein wenig länger sein, als ein Drittel der Scheeren-
länge beträgt, bei unseren Thieren beträgt die Länge
noch nicht ein Drittel der Länge der Scheeren. Die
Carpalglieder (Fig. 1) haben auch eine ein wenig plumpere
Gestalt und zeigen unmittelbar vor ihrem distalen Gelenk-
rande eine Einschnürung, welche ebensowenig von Dana
abgebildet wird. Die Finger sind ein wenig kürzer als
Decapoden und Stomatopoden. 539
die Palmarportion der Scheere und tragen der grösseren
proximalen Hälfte ihrer Innenränder entlang sieben oder
acht kleine, dreieckige Zähnchen. Im Gegensatze zu
der Dana'schen Abbildung sind bei unseren Thieren die
Finger ein wenig nach innen gebogen. Die drei hinteren
Fusspaare verhalten sich wie bei dem Dana'schen Thiere.
Man könnte also fragen ob unsere Thiere in der
That zu H. lutescens gestellt werden dürfen. Spätere
Untersuchungen werden es entscheiden müssen, aber ich
zweifle nicht daran, denn Dana hatte wahrscheinlich nur
ein einziges, junges Exemplar, wie daraus hervorgeht
dass er die SchAvanzflosse nicht abbilden konnte, und,
wie ich schon sagte, sind seine Figuren nicht völlig genau.
Harpilius depressus Stimps. von den Sandwich-Inseln
unterscheidet sich durch einen mehr abgeflachten Körper,
durch den mit vier Zähnen besetzten Unterrand des
Rostrunis, und durch verhältnissmässig kürzere Finger
am zweiten Fusspaare.
Vielleicht ist Pontonia armata M. Edw. oder die
„Pontonie enflee" desselben Autors (Hist. Nat. des
Crust. II, p. 359, 3G0) mit dem H. lutescens Dana identisch :
diese Frage wird sich aber schwer ohne Untersuchung
der Pariser Typen entscheiden lassen.
Verbreitung: Harpilius lutescens bewohnt also den
Indischen Archipel und den östlichen Theil des grossen
Oceans.
233. Harpilius Beaupresii Aud.
Falaemon Beaupresii, Audouin, Savigny, Atlas Crus-
taces, Tab. X, Fig. 4.
Harpilius Beaupresii^ Heller, Sitzungsber. kais. Akad.
der Wiss. Wien, Bd. XLIV, 1861^ S. 280.
'? Harpilius depressus^ Stimpson, Proc. Acad. Nat.
Scienc. of Philadelphia, 1860, S. 38.
? Pontonia (Harpilius) dentata, Richters, Decapoden
von Mauritius, S. 165, Taf. XVII, Fig. 36—38.
Ein Exemplar von Pulo Edam, welches ungefähr
14 mm. lang ist von der Schnabelspitze bis zum Ende der
540 Dr. J. O- de Man:
mittleren Schwanzplatte. Ich stelle dieses Thier, das
ohne Zweifel zur Grattung* Harpilius gehört, zu HarpiUus
Beaupresii, und ich vermuthe dass dieser H. Beaupresii
aus dem Rothen Meere und Stimpson's H. depressus von
den Sandwich-Inseln eine und dieselbe Art sind. Auch
die von Richters beschriebene Pontonia (Harpilius) deniata
ist wahrscheinlich mit unserer Art identisch, aber diese
Beschreibung reicht kaum zur Wiedererkennung hin. Ein
grösseres Material aus dem indischen Archipel wird
diese Fragen entscheiden können.
Die vorliegende Art zeigt im äusseren Habitus eine
merkwürdige Uebereinstimmung mit der Gattung Corallio-
caris. Der Cephalothorax -ist breit, von oben zusammen-
gedrückt, abgerundet, glatt, unbehaart und ungefähr so
lang wie breit; in der Mitte zeigt er die grösste Breite.
Das Abdomen ist hinter dem dritten Segmente plötzlich
verschmälert und hier in einem rechten Winkel nach
unten gebogen. Die mittlere Schwanzplatte ist kürzer
als die Seitenflossen und trägt zwei Dörnchenpaare. Der
Cephalothorax trägt einen Antennal- und einen etwas
kleineren Hepaticalstachel. Das horizontal nach vorn
gerichtete Rostrum ist länger als der Stiel der oberen
Antennen, aber erreicht noch nicht das Vorderende der
Blattanhänge. Oben trägt es fünf Zähne, von welchen
der erste sehr klein ist und nicht auf dem Cephalo-
thorax, sondern schon auf der dreieckigen Basis des
Rostrums steht; der Unterrand ist vorn etwas verbreitert
und hier mit zwei Zähnen besetzt, vor welchen noch ein
dritter angedeutet ist.
Die Augenstiele sind gross und ragen bedeutend
über die Seitenränder des Cephalothorax hinaus. Die
äusseren Kieferfüsse sind kaum so lang wie der untere
Antennenstiel und verhalten sich ungefähr wie bei Harp.
lutescens Dana; das dritte Glied erscheint noch ein wenig-
länger als das vierte.
Die schlanken Vorderfüsse ragen mit der Scheere
über die Blattanhänge hinaus. Der Carpus ist etwas
Decapoden und Stomatopoden. 541
länger als das Brachialglied und anderthalbmal so
lang wie die Scheere; die Finger sind bedeutend
kürzer als der Palniartheil, der länger ist als
breit. Es ist nur einer der beiden FUsse des zweiten
Paares noch vorhanden. Der Iscliiopodit trägt zwei kleine
Stacheln am distalen Ende des Unterrandes und einen
an dem des Oberrandes. Das Brachialglied zeigt gleich-
falls einen Stachel am distalen Ende des Ober- und
einen an dem des Unterrandes. Der Carpus ist sehr
kurz, konisch, vorn sehr verdickt, und misst ungefähr
zwei Drittel von der Länge des Brachialgliedes; oben
trägt er am Vorderende einen kurzen Zahn. Die Scheere
ist fast so lang wie die Entfernung der Schnabelspitze
vom Hinterrande des Cephalothorax. Der Palmartheil
ist dreimal so lang wie der Carpus und zweimal
so lang wie die Finger. Die letzteren sind gleich
lang, schliessen ihrer ganzen Länge entlang an einander
und sind nahe dem Gelenke, mit einem resp. zwei Zähnen
besetzt.
Die drei hinteren Fusspaare sind kurz und kräftig.
Die Propoditen sind behaart und einige Härchen sieht
man auch auf den Carpo- und auf den Meropoditen. Die
Dactylopoditen sind sehr kurz, gedrungen, ein wenig ge-
bogen und einfach, ohne Nebenklaue.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Archipel, Sand-
wich-Inseln? —
Gattung AncMstia Dana.
234. Anchistia Petitthouarsii Aud.
Palaemon Petitthouarsii, Audouin, Descr. de l'Egypte,
Hist. Natur. T. I, 4. Partie, p. 91 (Savignv, Atlas Crustaces,
pl. X, Fig. 3.
Anchistia inaequimana, Heller, Sitzungsber. Kais. Akad.
Wissensch. Wien, Bd.XLIV, 1861, S. 283. — Crustaceen
der Novara-Reise, S. 109.
Anchistia Petitthouarsii, Kossmann, Zoologische Ergeh-
542 Dr. J. Gr. de Mau:
nisse einer Reise in die Küstengebiete des Rothen Meeres,
1880, S. 83.
Nee: AncMstia Petitthouarsii, Miers, Report Crustacea
voyage of H. M. 8. „Alert", 1884, p. 293.
Siebenzelm Exemplare von Pulo Edam nnd eins von
Amboina.
Die vorliegende Art stimmt, ein einziges Merkmal
ausgenommen, vollkommen mit der Heller'schen Be-
schreibung von Auch, inaequimana überein. Heller erwähnt
nämlich nicht den Supraocularstachel, der bei allen
unseren Individuen deutlich vorkommt und, wie bei
A. ensifrons Dana, seitlich vom Rostrum nahe der Ein-
pflanzung der Augenstiele gelegen ist. Es ist wirklich
auffallend, dass Heller diesen Stachel nicht beschreibt,
denn er ist nicht leicht zu übersehen. Auch auf der
Savigny'schen Abbildung scheint er zu fehlen, denn weder
Heller noch Kossmann besprechen ihn. Wie ich schon
sagte, stimmen unsere Exemplare im üebrigen in allen
Charakteren mit der Heller'schen Beschreibung überein.
Leider wurden die Grössenverhältnisse der einzelnen
Glieder der beiden ersten Fusspaare von Heller nicht
ganz vollständig besprochen, was darum zu bedauern ist,
weil gerade diese Charaktere für die Wiedererkennung
dieser Krebse von grösster Bedeutung sind.
Das Rostrum zeigt einige Uebereinstimmung mit dem
von A. ensifrons Dana und ist ungefähr so lang wie die
Blattanhänge der äusseren Antennen: bald ragt es ein
wenig über dieselben hinaus, bald ist es etwas kürzer,
bald wieder gerade so lang. Bis auf seine Mitte läuft
es horizontal nach vorne fort, neigt sich dann aber in
der distalen Hälfte schräg nach oben, wie bei A. ensifrons.
Oben ist es mit sieben Zähnen besetzt, von welchen der
erste noch auf dem Cephalothorax steht hinter den Augen ;
der Unterrand ist bei unseren Individuen mit drei, selten
mit vier Zähnen besetzt. An jeder Seite trägt der Cephalo-
thorax drei Stacheln: den Supraocular-, den Antennal-
und den Hepaticalstaehel. Die äusseren Antennen sind
zweimal so lang wie der Körper, das Rostrum mitge-
Decapoden und Stomatopoden. 5:i3
rechnet: ihre Blattanhänge sind bedeutend länger als der
Cephalothorax.
Die Vorderlüsse ragen mit der Seheere über die
Blattanhänge hinaus. Das schlanke, dünne, nach seinem
distalen Ende hin etwas verdickte Caqjalglied ist ein
wenig länger als das Brachialglied und fast zweimal
so lang wie die Seheere: an der Seheere er-
scheinen die Finger ungefähr anderthalbmal so
lang wie das Handglied, das ungefähr so lang ist
wie breit, und die Finger sind an den Innen-
rändern jeder mit einer Reihe von 35 — 40 spitzen,
microscopischen Zähnchen besetzt, welche vom Ge-
lenke ab nach der Spitze hin allmählich ein wenig an
Grösse zunehmen.
Die beiden Füsse des zweiten Paares sind von un-
gleicher Grösse. Der grössere ragt mit seiner Seheere
über die Blattanhänge hinaus. Das Brachialglied trägt
einen spitzen Stachel am distalen Ende seines Unter-
randes. Das kurze, konische Carpalglied erscheint
ungefähr um ein Drittel kürzer als das Brachial-
glied und ist oben am dickeren Vorderende mit
zwei spitzen Stacheln besetzt, von welchen der
innere etwas grösser ist wie der äussere. Bei einem
fast erwachsenen Männchen, welches eine Länge hat von
I7V2 nini- von der Sclmabelspitze bis zum Hinterende des
Abdomens, ist die grössere Seheere ungetahr so lang wie
die Entfernung der Schnabelspitze vom Hinterrande des
zweiten Abdominalsegmentes. Der walz ige Palm ar-
theil dieser Seheere ist drei und ein halb mal so
lang wie der Carpus und seine Länge verhält
sich zur Länge des unbeweglichen Fingers, der.
wie schon Heller sagt, etwas länger ist als der
bewegliche, wie 14: IL Die Finger sind ein wenig
abgeplattet, und der bewegliche ist jenseits der
Mitte breiter als an der Basis. Der bewegliche
Finger trägt einen schwachen, länglichen Höckerzahn,
der in eine Längsrinne des unbeweglichen Fingers passt.
544 Dr. J. a. de Man:
und zwischen diesem Zahne und dem Gelenke noch ein
oder zwei kleinere Zähnchen. Die Finger der kleineren
Scheere sind an den Innenrändern dichter behaart als
die der grösseren, sie sind hier von gleicher Länge, die
Spitzen kreuzen einander und der bewegliche ist nicht
verbreitert. Bei den Weibchen ist das zweite Fusspaar
nicht so gross wie bei den Männchen, aber im Uebrigen
ungefähr auf dieselbe Weise gebaut.
Bei jüngeren Individuen ist der Carpus des zweiten
Fusspaares verhältnissmässig länger als bei den
alten, und der bewegliche Finger der grösseren Scheere
zeigt hier weniger oder noch nicht die charakteristische
Verbreiterung. So erscheint bei einem Exemplare, das
kaum 11 mm. lang ist von der Schnabelspitze bis zum
Hinterende des Abdomens, der Carpus des grösseren
Fusses (denn schon bei dieser Grösse sind die beiden
Füsse von ungleicher Grösse und Stärke) nur wenig kürzer
als das Brachialglied und er übertriift die halbe Länge
des Palmartheiles der Scheere.
Das grösste Männchen ist 23 mm. lang von der
Schnabelspitze bis zum Hinterende des Abdomens. Bei
dem 171/2 nim. langen Männchen misst die grössere
Scheere des zweiten Fusspaares 10 mm. Das grösste
Weibchen ist I8V2 ^^^- lang? es trägt Eier, und die
grössere Scheere des zweiten Fusspaares ist 7 mm. lang.
Das kleinste Weibchen schliesslich, welches Eier trägt,
ist 13 mm. lang.
Diese Art ist A. gracilis Dana und A. ensifrons
Dana am nächsten verwandt; von der ersteren Form
unterscheidet sie sich durch den Besitz des Supraocular-
stachels, die verschiedene Form des Schnabels, durch
die verhältnissmässig kürzeren Scheeren der Vorderfüsse,
durch die ungleichen Füsse des zweiten Paares und
durch die Verbreiterung des beweglichen Fingers dieser
Füsse. Bei A. ensifrons erscheint der Carpus des zweiten
Fusspaares verlängert, wenig kürzer als der Palmartheil
der Scheere und der bewegliche Finger ist gleichfalls
l)ecapodeii und Stomatopoden. 54.5
nicht verbreitert. Auch A. grandis Stimps. ist unserer
Art nahe verwandt, aber sie ist viel grösser und ich
vermuthe, dass auch diese Form eine andere Art ist,
weil der Carpus des zweiten Fusspaares nur einen einzigen
Stachel tragen und die Scheerenfinger klaffen sollten.
Die Art schliesslich, welche Miers a. a. 0. unter dem
Namen A, Petitthouarsii aufführt, unterscheidet sich von
der unsrigen durch den Bau der zwei ersten Fusspaare.
An den Vorderfüssen ist der Carpus so lang wie die
Scheere und der Carpus des zweiten Fusspaares ist bei
dieser Art ein wenig länger als der Palmartheil der
Scheere.
Verbreitung: Rothes'Meer, Indischer Archipel, Tahiti.
235. Anchistia ensifrons Dana.
Anchistia erisifrons, Dana, Unit. 8tat. Expl. Exp. Crust.
PI. XXXVIII, Fig. 1.
Ein Exemplar von Pulo Edam.
Das Rostrum trägt oben sieben, unten vier Zähne;
von den oberen steht der erste noch auf dem Cephalo-
thorax, hinter den Augen, der siebente ist der Spitze
sehr genähert, und von dem sechsten Zahne etwas weiter
entfernt als dieser von dem fünften. Das Exemplar ist
14 mm. lang von der Schnabelspitze bis zum Ende der
mittleren Schwanzplatte ; die Art wird noch etwas grösser.
Die Scheere der Vorderfüsse ist nur wenig kürzer
als der Carpus; ihr Handglied ist fast zweimal
so lang wie breit und kaum kürzer oder so lang
wie die Finger. Die Füsse des zweiten Paares sind
etwas ungleich. Der Carpus, der am distalen Ende seines
Innenrandes einen kleinen Stachel trägt, den Dana nicht
abbildet, ist ein wenig kürzer als das Armglied und auch
ein wenig kürzer wie der Palmartheil der Scheere. Die
Finger, welche so lang sind wie der Carpus, sind gleich
lang, schliessen ihrer ganzen Länge entlang an einander
und sind nicht verbreitert.
Arch. f. Naturgesch. 53. Jahrg. Bd. 1. 35
546 ür. J. Gr. de Man:
Das Exemplar war auf der Oberseite des Abdomens
mit einem Parasiten besetzt.
Verbreitung-: Indischer Archipel (Balabac- Strasse,
Pulo Edam).
236. Anchistia amboinensis n. sp.
Taf. XXIIa Fig. 2.
Ein einziges Exemplar von Amboina.
Es gehört diese Art zu denjenigen, deren Cephalo-
thorax mit einem Supraocularstachel besetzt ist.
Sie ist Anchistia Danae Stimps. sehr nahe verwandt, aber
ich vermuthe, dass sie dennoch eine andere Art ist.
Der Cephalothorax ist ein wenig länger als breit und
seitlich zusammengedrückt. Das Rostrum gleicht dem
von Anchistia gracilis, ist gerade und horizontal nach vorn
gerichtet, ragt ein wenig über den Stiel der inneren An-
tennen hinaus, aber erreicht das Vorderende der Blatt-
anhänge nicht. Am oberen Rande ist es mit sechs
Zähnen besetzt, w^elche alle auf dem Rostrum selbst
stehen: der erste ist etwas kleiner als die folgenden und
steht schon ein wenig von dem Vorderrande des Cephalo-
thorax entfernt. Der Unterrand ist gerade und trägt
nach vorn hin einen einzigen Zahn, der ungefähr
unter dem vierten Zahne des Oberrandes gelegen ist.
Anchistia Danae trägt am Unterrande des Rostrums drei
Zähne. Der Cephalothorax trägt an jeder Seite vorn
drei Stacheln. Der Supraocularstachel hat die gewöhn-
liche Stelle an jeder Seite der Schnabelbasis, ist gross
und kräftig, ragt aber über den Vorderrand des Cephalo-
thorax nicht hinaus. Gleich unter den Augen liegt der
Antennalstachel und unmittelbar hinter und unter
diesem Antennalstachel liegt der dritte Stachel,
den ich als Hepaticalstachel betrachte, obgleich er dem
Antennalstachel viel mehr genähert liegt als gewöhnlich
der Fall ist und mit seiner Spitze den Vorderrand fast
erreicht. Man könnte ihn darum ebenso gut als einen
Branchiostegalstachel, welcher bekanntlich die Gattung
Leander charakterisirt, betrachten.
Decapoden und Stomatopoden. 547
Die mittlere Schwanzplatte ist lang und schmal, nur
Avenig- kürzer als die Seitenflossen, und am Hinterrande
mit drei Paar Stacheln bewehrt; das erste oder äussere
Paar ist das kürzeste, das zweite das längste und die
Stacheln des dritten oder mittleren Paares haben eine
mittlere Länge, indem sie kürzer sind als das zweite und
länger als das erste Paar. Auf der oberen Fläche der
mittleren Schwanzplatte konnte ich keine Dörnchen auf-
finden.
Die Augen sind gross und ragen bedeutend über
die Seiten des Pückenschildes hinaus. Die inneren
Antennen ragen ein wenig über die Blattanhänge der
äusseren hinaus, und verhalten sich wie bei Anch. gracilis;
die Seitenränder des ersten Gliedes tragen auch hier
zwei spitze Zähne, einen etwas hinter der Mitte, den
zweiten am Vorderende. Die beiden Endglieder sind
sehr kurz. Der ganze Stiel ist nur wenig kürzer als
die Blattanhänge der äusseren Antennen und also ver-
hältnissmässig etwas länger als bei Anchistia gracilis. Der
äussere oder dickere Faden theilt sich schon am vierten
Gliede in die zwei kurzen Endfädchen. Das Basalglied
der äusseren Antennen ist mit einem kurzen Stachel an
der Aussenecke besetzt, die Blattanhänge sind ungefähr
so lang wie der Cephalothorax , am Vorderende schräg
abgestutzt und hier mit einem kurzen Seitenstachel be-
setzt, welcher das Vorderende nicht erreicht.
Die äusseren Kieferfüsse sind denen von Palaemonella
Orientalis Dana ähnlich, sind etwas kürzer als der Stiel
der äusseren Antennen und das dritte Glied erscheint
etwas länger wie das vierte.
Die Vorderfüsse reichen fast mit der Scheere über
die Blattanhäuge hinaus. Ihr Carpalglied ist un-
gefähr so lang wie das Brachialglied und ungefähr
anderthalbmal so lang wie die Scheere. Das
Handglied ist etwas länger wie die an einander
schliessenden, ein wenig behaarten Finger und
ungefähr zweimal so lang wie breit. Das zweite
Fusspaar fehlt leider. Die drei hinteren Fusspaare sind
35*
548 Dr. J. G. de Man:
ziemlicli schlank und sehen denen von A. gracilis ähn-
lich. Sie sind fast nackt, nur am distalen Ende ihrer
Propoditen ein wenig- behaart, und die sehr spitzen, ein
wenig" gebogenen Dactylopoditen sind kurz, aber einfach,
ohne Nebenklaue. Das Exemplar ist 14 mm. lang von
der Schnabelspitze bis zum Ende der mittleren Schwanz-
platte. —
237. Anchistia Brockii n. sp.
Tal XXII a. Fig- 3.
Drei Exemplare von Amboina.
Auch diese Art ist Anchistia gracilis Dana am nächsten
verwandt und stimmt im äusseren Habitus am meisten mit
dieser Form überein, aber sie unterscheidet sich durch
den Bau des Rostrums und der Füsse. Unsere Exemplare
scheinen alle Männchen zu sein, bei zwei derselben ist
das zweite Fusspaar verloren gegangen.
Der glatte Cephalothorax ist seitlich zusammen-
gedrückt und ein wenig länger als breit. Das lanzett-
förmige, massig verbreiterte Rostrum entspringt mit einem
Kiele vom Vorderrande des Rückenschildes und ist gerade
nach vorn und ein wenig nach unten gerichtet; es ist
kaum kürzer als der Cephalothorax, und überragt nicht
nur den Stiel der oberen Antennen, sondern reicht
sogar ein wenig über das Vorder ende der Blatt-
anhänge hinaus. Der ein wenig convexe obere Rand
ist mit neun oder zehn, in dichter Reihe und auf
gleichen Entfernungen bis zur Spitze hin stehenden, gleich
grossen Zähnen besetzt, welche alle auf dem Rostrum
selbst stehen, indem der erste nicht auf dem Cephalo-
thorax steht, sondern genau über dessen Vorderrand
gelegen ist. Auch der Unterrand erscheint in der vorderen
Hälfte convex und trägt hier einen Zahn, welcher unter
dem sechsten Zahne des Oberrandes gelegen ist. Zwei
Individuen zeigen diesen Zahn und bei einem derselben
beobachte ich mittelst des Mikroskopes noch ein sehr
kleines Zähnchen unmittelbar vor dem Zahne gelegen;
Decapoden und Stomatopöden, 549
bei dem dritten Exemplare erscheint der Unterrand da-
gegen ganz glatt und ungezähnt. Der Cephalothorax
trägt an jeder Seite zwei kleine Stacheln: der
Hepaticalstachel liegt dicht hinter dem kleinen, spitzen
Antennalstachel , fast in derselben horizontalen Linie,
erreicht aber dessen Basis nicht. Ein Supraocularstachel
fehlt, wie bei A. gracilis.
Die schmale mittlere Schwanzplatte ist nur wenig-
kürzer als die Seitenflossen und verjüngt sich, wie ge-
wöhnlich, nach dem Hinterende hin. Auf ihrer oberen
Fläche stehen unmittelbar an den Seitenrändern
zwei Paare sehr kleiner Dörnchen und der Hinterrand
trägt drei Paar Stacheln; das erste oder äussere Paar
ist das kürzeste, während die beiden in der Mitte ge-
legenen Stacheln nur wenig kürzer, aber viel dünner und
nicht so kräftig sind als die angrenzenden des zweiten
Paares.
Die massig grossen Augen ragen seitlich über den
Cephalothorax hinaus. Die inneren Antennen, welche
ungefähr so lang sind wie die Entfernung der Schnabel-
spitze vom Hinterrande des Rückenschildes, ragen über
die Blattanhänge hinaus und ihr Stiel ist nur wenig
kürzer als dieselben, so dass er im Verhältniss zu
ihrer Länge bedeutend grösser erscheint als bei gracilis.
Das erste Glied ist verhältnissmässig wenig verbreitert,
und trägt am Seitenrande die zwei gewöhnlichen Stacheln,
von welchen der am Vorderende gelegene fast das
Vorderende des zweiten Stielgliedes erreicht. Das zweite
und das dritte Glied sind sehr kurz und fast von gleicher
Grösse. Der äussere oder dickere Endfaden theilt sich
noch hinter der Spitze des Rostrums und zwar am vierten
Gliede in die beiden Endgeisseln,^ von welchen die dickere
viele Riechfäden trägt. Die äusseren Antennen sind
kürzer wie der Körper. Ihr Basalglied ist mit einem
sehr kurzen, spitzen Zahne an der Aussenecke besetzt;
die massig breiten Blattanhänge sind ein wenig
kürzer als der Cephalothorax, (das Rostrum nicht
mitgerechnet), und am Vorderende mit einem kräftigen
550 Dl'- J- G. de Man:
Seitenstachel bewehrt, welcher bis zu dem abgerundeten
Vorderende reicht.
Die äusseren Kieferfüsse verhalten sich fast wie bei
der Gattung* Harpilius^ ich stellte unsere Art dennoch zu
Anchistia, weil sie im äusseren Habitus so sehr mit Anchistia
gracilis übereinstimmt. Die äusseren Kieferfüsse sind so
lang wie der Stiel der unteren Antennen; das zweite
Glied ist mehr verbreitert, als sonst in der Gattung
Anchistia der Fall ist, und erscheint ein wenig kürzer als
das dritte und das vierte Glied zusammengenommen; das
dritte Glied ist fast anderthalbmal so lang wie das End-
glied.
Die Vorderfüsse ragen mit der Scheere über das
Vorderende der Blattanhänge hinaus. Ihr Carpalglied
ist ein wenig kürzer als das Brachialglied und
sehr wenig länger als die Scheere; das Hand-
glied ist ungefähr anderthalbmal so lang wie
breit und noch ein bischen kürzer als die an ein-
ander schliessenden, behaarten, an den Innen-
rändern nicht gezähnten Finger.
Die Füsse des zweiten Paares sind grösser, dicker
und kräftiger als die Vorderfüsse, wie bei A. gracilis;
sie sind kürzer als der Körper und ungefähr so lang
wie die Entfernung der Schnabelspitze vom Hinterrande
des dritten Abdominalsegmentes. Sie sind von gleicher
Grösse und Bauart. Die walzenförmigen Brachialglieder
reichen ein wenig über die Mitte der Blattanhänge hinaus
und sind ungefähr anderthalbmal so lang wie die Ischio-
poditen. Die sehr kurzen, kegelförmigen Carpal-
glieder sind ungefähr halb so lang wie die
Brachialglieder, gleichen denen von A. gracilis voll-
ständig, aber sie sind ganz unbe wehrt, abgerundet
und glatt. Die Scheere ist ein wenig mehr als
zweimal so lang wie das Brachialglied. Der walzen-
förmige Palmartheil ist noch etwas dicker als der Carpus
an dessen Vorderende, verjüngt sich ein wenig nach den
Fingern hin und ist zweimal so lang wie die letz-
teren. Die Finger sind gleich lang und schli essen an
Decapoden und Stomatopoden. 551
einander; nahe dem Gelenke ist der bewegliche mit
einem, und der unbewegliche mit zwei oder drei Zähnchen
besetzt. Der bew^egliche ist schwach gebogen, und die
Spitzen kreuzen einander. Sämmtliche Glieder sind
glatt, gänzlich unbewehrt, und zeigen weder
Zähne n o c h S t a c h e 1 n , so dass unsere Art sich dadurch
sogleich von A. gracüis unterscheidet. Die Finger er-
scheinen unter der Lupe mit mehreren Haarbüscheln
besetzt und unter dem Mikroskope beobachtet man sparsam
zerstreute, kurze Härchen auch auf dem Handgliede und
auf den anderen Gliedern.
Die drei hinteren Fusspaare erscheinen denen von
A. graälis ähnlich, sind aber verhältnissmässig länger. Das
dritte Fusspaar ragt mit den halben Propoditen über die
Blattanhänge hinaus, das fünfte kaum noch mit den Klauen-
gliedern. Bei allen sind die Propoditen deutlich länger
als die Meropoditen. Die in eine spitze, ein wenig ge-
bogene Endklaue auslaufenden Dactylopoditen sind fast
gerade, einfach, ohne Nebenklaue, am Unterrande behaart
und messen kaum ein Viertel von der Länge der Pro-
poditen. Auch diese Füsse sind glatt und unbewehrt;
am distalen Ende der Propoditen sind sie ein wenig be-
haart und unter dem Microscope beobachtet man auch
einige Härchen auf den übrigen Gliedern.
Körperlänge (das Rostrum mitgerechnet!) 14 — 15 mm.
Gattung Palaemonella Dana.
238. Palaemonella tenuipes Dana.
Taf. XXIIa, Fig. 4.
Palaemonella tenuipes, Dana, Unit. States Expl. Exp.
Crust. I, p. 582, PI. XXXVHI, Fig. 3. — Stimpson, Proc.
Acad. Nat. Scienc. of Philadelphia, 1860, p. 40.
Ein eiertragendes Weibchen von Amboina.
Das Exemplar hat leider das zweite Fusspaar ver-
loren. Es stimmt völlig zu der kurzen Diagnose im
„Conspectus" (die Beschreibung dieser Art fehlt zufällig
in meinem incompleten Exemplare des Textes des Dana'-
552 Dl'- J- Gr. de Man:
sehen Werkes), und auch zu den citirten Abbildungen,
das erste Fusspaar ausgenommen. Während näm-
lich auf der von Dana gezeichneten Figur 3 a die Scheere
deutlich länger erscheint als das Carpalglied und die
Länge des letzteren nur zwei Drittel der Länge des
Brachialgliedes beträgt, ist bei dem vorliegenden Weib-
chen das Carpalglied sogar ein bischen länger
als die Scheere und als das Brachialglied (Fig. 4).
Das letztere erscheint also relativ kürzer und der Carpus
relativ länger als bei dem Dana'schen Thiere. Wie bei
diesem reicht das Brachialglied bis zu der Spitze des
Rostrums. Das Rostrum trägt am oberen Rande acht
Zähne, von welchen der dritte über dem Vorderrande
des Cephalothorax steht, und der achte, welcher, wie der
erste, kleiner ist als die übrigen, der Spitze sehr ge-
nähert ist. Die zwei Zähne des Unterrandes liegen dem
sechsten resp. dem siebenten Zahne des oberen Randes
gerade gegenüber. Das Rostrum ist ein bischen länger
als der Stiel der inneren Antennen, aber ein bischen
kürzer als die Blattanhänge der äusseren.
Körperlänge 16 mm. von der Schnabelspitze bis zum
Hinterende des Abdomens.
Verbreitung: Indischer Archipel (Sulu-Meer, Mo-
lukken), Japan.
239. Palaemonella orientalis Dana.
Falaemonella orientalis, Dana, Unit. Stat. Expl. Exp.
Crust. I, p. 583, PI. XXXVIII, Fig. 4.
Zu dieser Art stelle ich zwei Exemplare ungleicher
Grösse, welche zu Amboina, auf Comatuliden schma-
rotzend, gesammelt wurden. Es scheinen Männchen zu
sein und ich vermuthe, dass die geringen Unterschiede,
welche diese Individuen von der mir allein zugänglichen
Dana'schen Diagnose im Conspectus und von der Ab-
bildung im Atlas zeigen, eben dem zugeschrieben werden
müssen, dass das von Dana abgebildete Thier ein Weib-
chen war.
Der Schnabel des grösseren Exemplares ist an der
Decapoden und Stomatopoden. 553
Spitze abgebrochen ; bei dem kleineren Exemplare erreicht
das Eostrum kaum das Ende des Stiels der oberen
Antennen und ist also etwas kürzer als die Blattanhänge,
bei dem Dana'schen Thiere ragte es über den inneren
Antennenstiel dagegen ein wenig hinaus. Es trägt oben
sechs auf gleichen Entfernungen von einander stehende
Zähne, von welchen die zwei ersten noch auf dem Cephalo-
thorax stehen, während der sechste viel kleiner ist als
die anderen und der Spitze sehr genähert. Der Unter-
rand ist mit einem einzigen Zähnchen an der vorderen
Hälfte besetzt. Der Cephalothorax, welcher etwas länger
ist wie breit, scheint an jeder Seite nur einen einzigen
Stachel, den Antennalstachel, zu tragen; einen Hepatical-
stachel sehe ich nicht und auch Dana bildet ihn nicht ab.
Die inneren Antennen ragen bedeutend über die
Blattanhänge hinaus; die zwei Endglieder des Stieles,
welcher etwas kürzer ist als die Blattanhänge, sind sehr
kurz. Die äusseren Antennen sind etwas länger als der
Körper; ihre Blattanhänge sind massig breit, vorn ab-
gerundet, ihr vorderer Seitenstachel ist sehr klein und
das Basalglied dieser Antennen ist unbewehrt. Die
äusseren Kieferfüsse sind so lang wie der Stiel der
äusseren Antennen und stimmen vollkommen mit der
Dana'schen Abbildung überein.
Die Vorderfüsse ragen mit dem distalen Drittheil
ihrer Carpalglieder über die Blattanhänge hinaus. Die
Carpalglieder sind ungefähr anderthalb Mal so
lang wie die Scheere, auf der Dana'schen Figur er-
scheinen sie verhältnissmässig kürzer. An der Scheere
erscheint das Handglied, das ungefähr zweimal so lang ist
wie breit, kaum etwas länger wie die an einander
schliessenden, an ihrer distalen^ Hälfte ein wenig be-
haarten Finger. Das zweite Fusspaar ist so lang
wie der Körper, das Rostrum mitgerechnet, und er-
scheint also verhältnissmässig noch ein wenig länger als
auf der Dana'schen x\bbildung; dieser Unterschied er-
klärt sich aber daraus, dass unser Thier ein Männchen
ist. Diese Füsse sind ein wenig ungleich. Die Brachial-
554 Dr. J. G. de Man:
glieder ragen ein wenig über die Blattanliänge hinaus.
Die Carpalg'lieder sind ein wenig kürzer als die
Brachialglieder und auch noch ein wenig kürzer
als die halbe Länge der Scheere. Gleich hinter
ihrem Vorderende sind sie schwach ringförmig einge-
schnürt. Die Scheere ist noch ein wenig länger als der
Cephalothorax, das Rostrum mitgerechnet. Das walzen-
förmige Handglied ist etwas dicker als der Carpus
seinem Vorderende und ist fast zweimal so
lang wie die Finger. Die Finger sind gleich lang,
schliessen ihrer ganzen Länge nach an einander und
die Spitzen kreuzen einander; der bewegliche Fingerist
mit einem, der unbewegliche mit zwei Zähnen besetzt
und an der Spitze sind die Finger ein wenig behaart.
Sämmtliche Glieder sind glatt und unbewehrt,
weder mit Zähnen oder Stacheln besetzt.
Die drei hinteren Fusspaare sind ziemlich schlank,
doch kurz, glatt und unbehaart. Das dritte Paar reicht
kaum über die Brachialgiieder des zweiten Fusspaares
hinaus. Die spitzen, ein wenig gebogenen, ziemlich ge-
drungenen Dactylopoditen sind einfach, ohne Nebenklaue
und messen ungefähr ein Drittel von der Länge der
Propoditen.
Der Körper des grösseren Exemplars ist 13 mm. lang,
das Rostrum mitgerechnet.
Verbreitung: Indischer Archipel.
Gattung Palaemon.
240. Palaemon ornatus Oliv, var.: vagus Heller.
Palaemon ornatus, Olivier, Milne Edwards, Hist. Nat.
des Crustaces, T. II, p. 396. — von Martens, Archiv für
Naturgeschichte, Jahrg. XXXIV, 1868, S. 36. — de Man,
in: Notes from the Leyden Museum, Vol. I, p. 168.
Vier Exemplare (1^, 3?) mittlerer Grösse von Amboina.
Es gehören diese Exemplare zu der von Heller als
Palaemon vagus unterschiedenen Form, welche ich als
eine Varietät von ornatus betrachte, und sie stimmen mit
Decapoden und Stomatopoden. 555
von der Insel Morotai herstammenden Exemplaren über-
ein, welche ich a. a. 0. beschrieben habe (p. 171). Bei
dem 100 mm. langen Männchen ist das Rostriim etwas
länger als der Stiel der oberen Antennen, erreicht aber
das Vorderende der Deckplatten nicht; es ist oben mit 9,
unten mit 3 Zähnen besetzt. »
Die Füsse des zweiten Paares sind von ungleicher
Grösse und der grössere ist noch etwas kürzer wie der
Körper; der grössere Fuss hat nämlich eine Länge von
86 mm., der kleinere von 66 mm. An dem grösseren
Fusse beträgt die Länge des Armgliedes 17V2 mm., die
des Carpus 15V2 ^^- ^^^ die der Palmarportion der
Scheere 20 mm.; die Finger sind leider theilweise abge-
brochen, aber, wie bei der kleineren Scheere, sind sie
gewiss etwas kürzer als das Handglied.
Bei zwei Weibchen sind die Füsse des zweiten
Paares von gleicher Grösse, bei dem dritten nur 64 mm.
langen Weibchen sind sie ein wenig ungleich und bei
allen sind sie kürzer als der Körper. Bei dem grössten,
80 mm. langen Weibchen sind diese Füsse 59 mm. lang
und die Länge des Armgliedes beträgt IIV2 mm., die
des Carpus 9^4 mm., während die Palmarportion der
Scheere und die Finger 1272 n^ni. und 12 V4 mm. lang
sind. Die Finger sind bei den Weibchen also so
lang wie die Palmarportion der Scheere und diese
Füsse stimmen vollständig mit der von Heller gegebenen
Abbildung seines vagus überein (Sitzungsber. Kais. Akad.
Wiss. Wien, Bd. XLV, Taf. H, Fig. 43).
Die Originalexemplare von P. vagus stammten aber
auch aus Amboina. Bei zwei Weibchen ist das Rostrum
oben mit 8 resp. 9 Zähnen besetzt, unten mit 3 resp. 2,
bei dem dritten trägt es oben nur 6 Zähne und unten 2.
Bei den Weibchen zeigen die Scheeren resp. die Finger
dieselben für P. ornatus charakteristischen Flecken wie
bei dem Männchen und die Finger zeigen denselben Bau,
so dass es keinem Zweifel unterliegt, dass P. vagus
556 Dr. J. G. de Man:
mir eine Varietät, vielleicht eine Loealvarietät, von
P. ornatus ist.
Verbreitung: Indischer Archipel, Neu-Seeland, Tahiti,
Philippinen, Reunion. —
241. Palaemon dispar v. Mart.
Palaemon dispar, von Martens, lieber einige ost-
asiatische Süsswasserthiere, in: Archiv f. Naturgeschichte,
1868, S. 41. — Miers, in: Annais and Mag. of Natur.
History, 1880, p. 43.
Fünf Exemplare (4 <?, 1 $) von Amboina, von welchen
das grösste die von von Martens angegebene Grösse von
73 mm. zeigt.
Der Schnabel ist ungefähr so lang wie die Blatt-
anhänge, schlank und nach der Spitze hin etwas nach
oben gerichtet. Er ist am oberen Rande mit 10 — 11,
am unteren mit 4 — 5 Zähnen besetzt; von den oberen
stehen drei oder vier auf dem Cephalothorax und bei den
beiden grössten Exemplaren, Männchen, sind die zwei
vordersten der Spitze nahe gerückt und von den folgenden
Zähnen durch einen etwas grösseren Zwischenraum ge-
trennt. Der Cephalothorax ist glatt. Bei einem Männ-
chen sind noch die beiden Füsse des zweiten Paares er-
halten geblieben ; das Thier ist 63 mm. lang und die
beiden Füsse messen 90 mm. resp. 50 mm. Bei dem
anderen, 73 mm. langen Männchen hat der allein noch
vorhandene, kürzere Fuss eine Länge von 62 mm., und
von Martens giebt für die Länge des grösseren Fusses
eines gleichfalls 73 mm. langen Exemplares 120 mm. an.
Diese Füsse wachsen also verhältnissmässig schneller wie
der Körper. An dem genannten, 90 mm. langen Füsse
ist das Brachialglied 15V2 mm. lang, der Carpus 28 mm.,
die Palmarportion der Scheere 21 mm. und die Finger
IOV4 mm. Die Finger sind also halb so lang wie das
Handglied, bei dem von Martens'schen Originalexemplare
waren sie ein wenig kürzer und massen nur ein Drittel
der Länge des Handgliedes. Diese Füsse sind dünn und
schlank, überall mit kurzen Stachelchen bedeckt und
Decapoden und Stomatopoden. 557
blass gefleckt. Sie sind ein wenig behaart, was besonders
bei den Fingern der Fall ist. An jedem Finger zähle
ich 14 — 15 Zähnchen am Innenrande, die nach der Spitze
hin an Grösse abnehmen; bei dem Weibchen dagegen
trägt der bewegliche Finger nur zwei Zähnchen an der
Basis, der unbewegliche nur eins, und vor diesen Zähn-
chen sind die Finger mit einer Kante versehen.
Verbreitung : Amboina, Insel Adenare (unweit Flores),
Samangkabai, Samoa-Inseln, Rodriguez. —
242. Palaemon sp.
Ein eiertragendes Weibchen von Amboina. Dieses
Thier scheint mir einer von Pal. dispar verschiedenen
Art zu gehören, aber es gelingt mir nicht, es zu be-
stimmen. Dieses Exemplar ist nur 40 mm. lang und
unterscheidet sich von P. dispar durch die folgenden
Kennzeichen. Zuerst ist der Cephalothorax nicht glatt,
sondern auf seiner vorderen Hälfte dicht mit kurzen
Stach eichen bedeckt. Das Rostrum ist so lang wie
bei P. dispar, erscheint aber nach der Spitze hin nicht
nach oben gerichtet, und ist oben mit 13, unten mit
4 Zähnen besetzt: von den oberen stehen vier auf dem
Cephalothorax, und die oberen Zähne stehen dicht neben
einander und auf gleichen Entfernungen. Einer der beiden
Füsse des zweiten Paares fehlt. Der noch vorhandene
Fuss ist 28 mm. lang, also kürzer als der Körper; er ist
dünn und schlank und die einzelnen Glieder sind ringsum
mit kleinen Stachelchen besetzt* Der Carpus ist kaum
länger als der Palmartheil der Scheere, er misst 6V2 nim.,
das Brachialglied ist 5 mm. lang, der Palmartheil der
Scheere 6 mm., und die Finger messen 673 mm.; die
Finger verhalten sich aber sonst wie bei dem Weibchen
von dispar und sind gleichfalls blass gefleckt.
243. Palaemon latimanus v. Mart.
Palaemon latimanus, von Martens, lieber einige ost-
asiatische Süsswasserthiere, in: Archiv für Naturgeschichte,
1868, S. 44.
558 Dr. J. Gr. de Man:
Zu dieser Art rechne ich ein Männchen von Amboina.
Das Thier hat eine Länge von G4 mm. und hat also
noch nicht die von von Martens angegebene Grösse von
97 mm. erreicht.
Der Cephalothorax ist glatt. Das wenig schlanke
Rostrum ist ein wenig kürzer wie der Stiel der oberen
Antennen und ist oben mit 9, unten mit 3 Zähnen be-
setzt; die Entfernungen, auf welchen die oberen stehen,
nehmen nach der Spitze hin allmählich an Grösse ab,
wie die Zähne selbst; die zwei hinteren stehen auf
dem Cephalothorax. Nach der Spitze hin neigt sich das
Rostrum ein wenig nach unten.
Bei dem einzigen von v. Martens beschriebenen
Originalexemplare von der Insel Samar war der Schnabel
oben mit 6, unten mit 2 Zähnen besetzt. Die beiden
Füsse des zweiten Paares sind von einer ein wenig un-
gleichen Grösse und der rechte ist der grössere; dieser
misst 59 mm., der linke 52 mm. Das Brachialglied des
grösseren Fusses reicht bis zu dem Vorderende der
Antennenschuppen und ist 12 mm. lang; der kurze Carpus
ist 8 mm. lang, der Palmartheil der Scheere ist 16 mm.
und die Finger messen 1272 mm. Diese Zahlen stimmen
vollständig mit den von Martens'schen Angaben überein.
Die Scheere ist ein wenig abgeplattet, die mittlere Breite
des Handgliedes beträgt 6V3 mm., dessen Höhe aber
5 mm. Die einzelnen Glieder sind mit kleinen, kurzen
Stachelchen besetzt; am inneren Rande des Handgliedes
stehen einige grössere Stachelchen und der unbewegliche
Finger ist am distalen Drittel seines Randes mit vielen
Stachelchen besetzt. Die kaum klaffenden Finger ver-
halten sich wie von Martens angiebt. Auf der Mitte
seines Innenrandes trägt der unbewegliche Finger einen
stumpfen, kegelförmigen Zahn; hinter diesem Zahne
trägt er noch sechs viel kleinere Zähnchen und zwischen
diesem Zahne und der Spitze verläuft eine schwarze
Kante. Der Innenrand des beweglichen Fingers trägt
einen kegelförmigen Zahn auf der Grenze des zweiten
und des dritten Drittels , der ein wenig kleiner ist als
Decapoden und Stomatopoden. 559
der grosse Zahn des unbeweglichen Fingers; zwischen
diesem Zahne und der Spitze verläuft wieder eine schwarze
Kante, und hinter ihm stehen fünf oder sechs kleinere
Zähne, von welchen die mittleren aber grösser sind als
die gegenüber liegenden kleinen Zähnchen des unbeweg-
lichen Fingers. Beide Finger sind an den Innenrändern
ein wenig behaart und der bewegliche Finger ist an
seinem freien Rande dicht mit Stachelchen besetzt, welche
nach der Spitze hin allmählich in kurze Haarbüschel
überzugehen scheinen.
Wie man sieht, stimmt unser Exemplar nicht voll-
kommen mit dem von v. Martens beschriebenen überein,
das Rostrum hat mehr Zähne und die Füsse des zweiten
Paares sind nicht ganz gleich: diese Unterschiede sind
aber so gering, dass ich sie als individuell betrachte.
Unser Exemplar gehört wohl zu der von Miers be-
sprochenen, von Java herstammenden Form, welche er
für eine von dem latimanus verschiedene Art hielt (Annais
and Magaz. of Nat. Hist. 1880, p. 44). Diese Art ist
Pal. pilimanus de Man aus dem Innern von Sumatra am
nächsten verwandt: bei pilimanus sind aber die Scheeren
des zweiten Fusspaares an der Aussenseite mit langen
Haaren besetzt, und ihre Finger tragen ihrer ganzen
Länge nach 13 — 15 Zähne; auch sind die Carpalglieder
bei dieser Art noch kürzer und fast eben so dick wie
lang, während die grösste Dicke dieser Glieder bei
latimanus nur halb so gross ist wie ihre Länge. Auch
stehen bei P. pilimanus von den oberen Zähnen des
Rostrums drei oder vier auf dem Cephalothorax, bei
P. latimanus nur zwei.
Verbreitung: Amboina, Philippinen, Java? —
Gattung Leander Desm.
244. Leander pacificus Stimps.
Leander pacificus, Stimpson, Proc. Acad. of Nat.
Sciences of Philadelphia, 1860, p. 40. — de Man, in:
Notes from the Leyden Museum, Vol. III, 1881, p. 137.
560 Dr. J. G. de Man:
Vier Weibchen von Amboina. Alle tragen Eier, das
kleinste ist 40 mm., dasgrösste 53 mm. lang (den Sclinabel
mitgerechnet); die Art erreicht eine G-rösse von etwa
65 mm.
Der Cephalothorax ist glatt. Antennal- und Bran-
chiostegalstachel sind wohl entwickelt und beide liegen
am Rande.
Die obere Fläche der mittleren Schwanzplatte ist mit
zwei Dörnchenpaaren besetzt und trägt am Hinterende
zwei längere und drei kürzere Stacheln.
Die äusseren Kieferfüsse sind wenig länger als der
Stiel der äusseren Antennen. Die Vorderfüsse erreichen
fast das Vorderende der Antennenschuppen (Stimpson's
Beschreibung sagt durch einen Druckfehler: „antennularum
appendicium attingentes"); ihr Carpalglied ist andert-
halbmal so lang wie die Scheere, deren Finger un-
gefähr so lang sind wie das Handglied. Das Carpal-
glied ist auch ein wenig länger wie das Brachialglied.
Das zweite Fusspaar fehlt dem grössten Exemplare;
beide Füsse dieses Paares sind bei dem 44 mm. langen
Weibchen vorhanden. Sie sind hier von gleicher Grösse,
sind grösser und dicker wie die Vorderfüsse und
ragen mit den Scheerenfingern über das Vorderende
der Antennenschuppen hinaus. Ihr Carpalglied ist ein
wenig kürzer als das Brachialglied und die Scheere ist
ungefähr anderthalbmal so lang wie das Carpal-
glied. Das Handglied ist kaum kürzer als das Carpal-
glied, aber ein wenig dicker als dessen Vorderende und
erscheint ein wenig länger wie die Finger. Die drei
hintereji Fusspaare sind kräftig und ziemlich kurz; das
fünfte Paar überragt den Stiel der äusseren Antennen,
aber erreicht das Vorderende ihrer Schuppe noch nicht.
Verbreitung: Stiller Ocean, Indischer Archipel, Hong-
kong, Japan, Sandwich-Inseln, Amboina.
245. Leander longicarpus Stimps.
Leander longicmyusy Stimpson, Proc. Acad. Nat.
Sciences of Philadelphia, 1860, p. 40.
Decapoden und Stomatopoden. 561
? Palaemon concinnus, Dana, Unit. Stat. Expl. Exp.
Crust. PL XXXVIII, Fig. 10.
Drei Exemplare von Amboina, welche (das Rostrum
mitgerechnet) eine Grösse haben von 50 mm. und also
etwas grösser sind als Stimpson's Originalexemplare.
Einige Unterschiede, welche unsere Exemplare zeigen,
schreibe ich dann auch dem zu, dass unsere Exemplare
grösser sind. Der Cephalothorax ist glatt, Antennal- und
Branchiostegalstachel sind gut entwickelt und liegen beide
unmittelbar am Rande. Die Seitenflossen sind nur wenig
länger als die schmale, mittlere Schwanzplatte, welche
an ihrer oberen Fläche zwei Dörnchenpaare trägt, während
das Hinterende mit zwei längeren und drei kürzeren
Stacheln besetzt ist. Der schlanke, dünne Schnabel
ist ungefähr ein und ein Drittel mal so lang wie
der Cephalothorax und ragt . ungefähr mit dem letzten
Drittel über die Antennenschuppen hinaus; der basale
Theil liegt horizontal, aber ungefähr am Vorderende des
inneren Antennenstieles richtet der Schnabel sich schräg
nach oben. Der horizontale Basaltheil ist mit sechs (nach
Stimpson fünf) Zähnen besetzt, welche auf gleichen Ent-
fernungen von einander stehen und von welchen der
zweite über den Augen steht; der schräg nach oben
gerichtete, distale Theil trägt keine Zähne, aber das
Ende des Schnabels erscheint zweispitzig, weil unmittelbar
hinter der Spitze am oberen Rande noch ein kleines
Zähnchen steht. Stimpson beschreibt den Schnabel nicht
als zweispitzig. Der Unterrand erscheint an der Basis
gerade, dann aber auch nicht vertical erweitert, und
er ist mit fünf kleinen Zähnen besetzt, welche nach vorn
hin an Grösse abnehmen, während ihre gegenseitigen
Entfernungen allmählich zunehmen, und von welchen der
dritte unmittelbar unter dem vordersten Zahne des oberen
Randes gelegen ist. Der gemeinschaftliche, verwachsene
Theil der beiden äusseren Endfäden der inneren Antennen
misst kaum ein Viertel der Länge des kurzen Endfadens
und erscheint noch ein wenig kürzer als das dritte Basal-
glied. Der kurze Endfaden ist nicht gesägt.
Arch. f. Naturgescli, 53. Jahrg. Bd. I. 3ß
562 Dr. J. Gr. de Man:
Die äusseren Kieferfüsse ragen mit der Hälfte ihres
Endgliedes über den Stiel der äusseren Antennen hinaus.
Die Vorderfüsse erreichen das Vorderende der
Antennenschuppe, was sie bei den jüngeren Stimpson'schen
Thieren noch nicht thaten; der lange, dünne Carpus
ist etwas länger wie das Armglied und etwas
mehr als zweimal so lang wie die Scheere, an
welcher die behaarten Finger ungefähr andert-
halbmal so lang sind wie das Handglied. Die Füsse
des zweiten Paares sind länger wie die Vorderfüsse, ragen
mit der Hälfte ihres Carpalgliedes über die Antennen-
schuppen hinaus, erscheinen aber übrigens gleichfalls
schlank und dünn. Ihre Brachialglieder erreichen kaum
die Mitte der Antennenschuppe. Die schlanken,
dünnen, nach dem Vorderende hin ein wenig
verdickten C arpalglieder sind anderthalbmal so
lang wie die Brachialglieder und fast anderthalb-
mal so lang wie die Scheere, indem die Carpal-
glieder l^/2mm.^ die Brachialglieder 5mm. und die Scheere
51/3 nim. messen. Die Scheere ist schlank, das cylindrische
Handglied, welches fast anderthalbmal so lang ist wie
die Finger, erscheint kaum etwas dicker wie das Vorder-
ende des Carpus.
Die drei hinteren Fusspaare sind dünn, schlank
und fadenförmig. Das fünfte Paar ragt über die Deck-
schuppen hinaus und erreicht das Vorderende der Carpal-
giieder des zweiten Fusspaares; die dünnen Propoditen
dieses Fusspaares sind ungefähr so lang wie die Carpo-
poditen des zweiten Fusspaares und die kurzen, einfachen,
kaum gebogenen Klauenglieder messen kaum mehr als
ein Fünftel der Länge der Propoditen.
Leander concinnus, Dana, eine leider ungenügend be-
schriebene Art von den Fidschi-Inseln ist dem longicarpus
sehr nahe verwandt, und darf vielleicht als eine Varietät
aufgefasst werden, weil sie sich nur dadurch von L.
longicarpus zu unterscheiden scheint, dass der Schnabel
etwas weniger über die Antennenschuppen hin-
ausragt. Die Bewaffnung des Rostrums, der Bau der
Decapoden und Stomatopodei]. 563
Vorderfüsse und die anderen Charaktere stimmen dagegen
vollkommen mit longicarpus überein. —
Verbreitung: Chinesisches Meer, Indischer Archipel. —
246. Leander natator H. Milne Edw.
Palaemon natator^ H. Milne Edwards, Hist. Nat. des
Crust. T. II, \). 393. — Heller, Crustaceen des südlichen
Europa, S. 268, Taf. IX, Fig. 11—12.
Palaemon latirostris, de Haan, Fauna Japon. Crustacea,
p. 170, Tab. XLV, Fig. 12.
Leander nafato?^^ de Man, in : Notes from the Leyden
Museum, Vol. III, p. 143.
Neun Exemplare verschiedener Grösse wurden auf
schwimmendem Seetang bei der Insel Noordwachter
gesammelt. Das grösste Exemplar, ein eiertragendes
Weibchen, ist 38 mm. lang von der Schnabelspitze bis
zum Ende der mittleren Schwanzplatte; das kleinste
Weibchen, das Eier trägt, ist 31 mm. lang. Das Rostrum
trägt oben 10—11 Zähne, unten 6—7; bei den Mittelmeer-
Individuen giebt Heller für den Unterrand nur 4 — 5 Zähne
an. Bei den erwachsenen Exemplaren zeigt das Rostrum
die für die Art charakteristische Gestalt, indem es über
der distalen Hälfte des inneren Antennenstieles sehr stark
verbreitert ist; der obere Theil ist hier ungefähr zwei-
mal so hoch wie der untere, der Oberrand erscheint
convex, und der Unterrand ist an der Basis ziemlich stark
ausgeschweift. Bei den jungen, nur 20 mm. langen Indi-
viduen ist der oberhalb der Seitenkiele gelegene Theil
des Rostrums aber nicht verbreitert und erscheint sogar
niedriger als der untere Theil ; der Oberrand des Rostrums
erscheint hier gerade, ja sogar bisweilen ein wenig concav
und der Endtheil richtet sich ein wenig nach oben. Das
Rostrum weicht dadurch in solchem Grade von der
typischen Form ab, dass man geneigt sein sollte, diese
Individuen für eine andere Art zu halten, was doch wohl
nicht der Fall kann sein, weil sie in allen anderen Merk-
malen mit der typischen Form übereinstimmen. Bei den
36*
564 Dr. J. a. de Man:
Mittelmeer-Individuen ist nach Heller der kurze Endfaden
der oberen Antennen im ersten Drittel mit dem äusseren
Geisselfaden verwachsen; bei unseren Exemplaren er-
scheint er bloss im ersten Fünftel verwachsen.
Bei den erwachsenen Individuen erreichen die Vorder-
füsse kaum das Vorderende der Blattanhänge der äusseren
Antennen. DerCarpus ist so lang wie die Scheere
und das ein wenig verdickte Handglied misst nur
zwei Drittel von der Länge der Finger.
Das zweite Fusspaar ragt fast mit der ganzen KScheere
über die Blattanhänge hinaus. Der 4 mm. lange Carpus
ist noch ein wenig kürzer wie die 5V2 mni. lange
Scheere; auch das Handglied dieser Scheere ist
etwas aufgeschwollen und erscheint gleichfalls
deutlich kürzer als die schlanken, dünnen, an
einander s c h 1 i e s s e n d e n F i n g e r. An den drei hinteren
Fusspaaren sind die Propoditen an beiden Rändern mit
Stachelchen besetzt.
Die mittlere Schwanzplatte ist bedeutend kürzer als
die Seitenflossen und ist auf ihrer oberen Fläche mit
zwei Dörnchenpaaren besetzt, während der Hinterrand
drei kurze und zwei sehr lange Stacheln trägt.
Verbreitung: Mittelmeer, Atlantischer Ocean, Indischer
Ocean, Indischer Archipel, Japan, auf schwimmendem
Seetang.
Gattung Penaeus Fabr.
247. Penaeus canaliculatus Oliv.
Penaeus canaliculatus ^ Olivier, Milne Edwards, Hist.
Nat. Crustaces, T. II, p. 414.
Drei junge Exemplare (1 c^, 2 $) von Amboina.
Bei dem Männchen ist das Rostrum oben mit 10
Zähnen besetzt und erreicht noch nicht das Vorderende
des Stiels der oberen Antennen. Die Füsse des ersten
und des zweiten Fusspaares tragen jeder nur einen
einzigen Stachel und zwar an den Basipoditen.
Decapoden und Stomatopoden. 565
Bei den beiden Weibchen ist der mediane von der
Schnabelbasis nach hinten verlaufende Kiel auffallender
Weise nicht gefurcht, aber die beiden Seitenfurchen
sind normal gebildet. Das Rostrum ist bei beiden ein
wenig länger als der Stiel der oberen Antennen und trägt
am Oberrande bei dem einen neun, bei dem anderen
zehn Zähne. Das erste Fusspaar trägt hier zwei Stacheln,
weil nicht nur die Basipoditen, sondern auch die Ischio-
poditen mit einem Stachel bewehrt sind; das zweite
Fusspaar trägt nur einen Stachel und zwar an den
Basipoditen.
Bei allen trägt das Rostrum nur einen Zahn am
unteren Rande.
Schon de Haan erwähnt das Vorkommen von zwei
Stacheln am ersten Fusspaare bei den Weibchen (Fauna
Japonica, Crustacea, p. 191); das Fehlen der medianen
Furche auf dem Cephalothorax ist wohl als eine indi-
viduelle Abnormität anzusehen.
Verbreitung: Die indo-pacifische Region. —
Gattung Stenopusculus Richters.
248. Stenopusculus crassimanus Richters.
Stenopuscidus crassimanus, Richters, Beiträge zur
Meeresfauna der Insel Mauritius und der Seychellen,
1880, S. 168, Taf. XVIII, Fig. 27—29.
Zwei Exemplare von der Insel Edam.
Diese beiden Individuen zeigen einige geringe Unter-
schiede von der Richters'schen Originalbeschreibung,
womit sie im Allgemeinen übereinstimmen. Die Scheere
des dritten Fusspaares stimmt gänzlich mit der citirten
Abbildung überein, der obere Rand trägt einen hohen
und scharfen, fein gezähnten Kamm, während der gleich-
falls mit feinen Zähnchen besetzte Unterrand abgerundet
ist. Auf den Seitenflächen der Scheere stehen microsco-
pische Körnchen oder Dörnchen zerstreut. Die Spitzen
der Finger kreuzen einander; der bewegliche ist mit
einem, der unbewegliche mit zwei kräftigen Zähnen be-
566 Dl'. J- G^- ^e Man:
setzt. Das schlanke, dünne Rostrum trägt oben fünf
Zähne; im Gegensatze zu den Richters'schen Thieren
zeigt aber auch der Unterrand einen Zahn, welcher nahe
der Spitze noch vor dem vordersten Zahne des Ober-
randes gelegen ist. Das Rostrum überragt nicht nur den
inneren Antennenstiel, sondern ist sogar noch ein wenig
länger als der Stiel der äusseren Antennen. Die kurze
Deckplatte der letzteren läuft am Vorderende in einen
spitzen Zahn aus und ist am Aussenrande ausserdem noch
mit drei ähnlichen, spitzen Zähnen besetzt. Die Augen
sind relativ sehr klein.
Der Cephalothorax ist genau so lang wie breit und
überall mit zahlreichen, spitzen Stacheln besetzt; die
zwei, welche am Vorderrande unter den Augen stehen,
sind die grössten von allen. Das dritte, vierte und fünfte
Segment des Abdomens sind in der Medianlinie gekielt
und der Kiel des dritten Segmentes ist viel stärker als
die beiden anderen.
Die mittlere Schwanzplatte trägt auf der oberenFläche
einige kurze, spitze Zähne und zwar zuerst vier neben
einander am Vorderrande, dann zwei Längsreihen auf
der Mitte zu je drei, einen am Seitenrande und zwei am
Hinterrande. Die äusseren Seitenflossen sind am Aussen-
rande mit 10 — 12 Zähnchen besetzt, die inneren mit vier;
bei den Richters'schen Thieren aber zeigte der Aussen-
rand der äusseren Seitenflossen nur sechs, der der inneren
nur einen Dorn.
Das grössere Exemplar ist 14 mm. lang, das Rostrum
mitgerechnet.
Verbreitung: Indischer Ocean, Indischer Archipel. —
Gattung Stenopus Latr.
249. Stenopus hispidus Oliv.
Stenopus hispidus, Olivier, Milne Edwards, Hist. Nat.
Crustaces, T. II, p. 407, PL 25, Fig. 1. — Dana, Unit.
Stat. Expl. Exp. PI. XL, Fig. 8. —
Decapoden und Stomatopoden. 567
Sechs Exemplare von Amboina.
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Indischer
Archipel, Neu-Guinea.
250. Stenopus tenuirostris n. sp.
Taf . XXII a. Fig. 5.
Zwanzig Exemplare, Männchen und Weibchen, von
Amboina.
Diese neue Art, welche bis jetzt übersehen worden
ist, ist Stenojms spinosus Risso des Mittelmeeres näher
verwandt als Stenopus hispidus Oliv, und vertritt offenbar
die erste Form in den indischen Meeren.
Wie bei den beiden genannten Arten ist der ganze
Körper, Cephalothorax und Abdomen, sehr rauh und
überall mit spitzen Stacheln besetzt. Diese Stacheln
stehen auf dem Cephalothorax nicht in Längsreihen, wie
bei Stenopus spinosus^ sondern ganz unregelmässig
durch einander: sie sind zahlreicher und stehen
dichter neben einander als bei Stenopus hispidus
und erscheinen anch verhältnissmässig höher,
schlanker, dünner und zarter als bei dieser Art.
Mit ähnlichen Stacheln ist auch das Abdomen besetzt,
aber auf der hinteren Hälfte der oberen Fläche des dritten
Segmentes und auf dem Rücken der drei folgenden sind
sie viel niedriger und liegen mehr gegen den Körper
angepresst. Wie bei hispidus finden sich einige grössere
Stacheln an den unteren Seitenrändern der einzelnen
Segmente und auch die Basalglieder der Abdominalfüsse
sind mit schlanken Stacheln besetzt. Die Schwanzflosse
erscheint der von hispidus völlig ähnlich gebaut. Das
letzte Abdominalsegment ist nämlich so lang wie die
Seitenflossen, ist in der Mitte längsgefurcht, trägt zwei
Längsreihen von je acht grösseren Stacheln und zwischen
diesen Reihen und seitlich von denselben noch zahlreiche,
viel kleinere Stacheln. Auch die Seitenflossen verhalten
sich wei bei hispidus. Bei gut ausgebildeten Individuen
erscheint das Rostrum schlank und dünn, gerade nach
568 Dr. J- Gr- de Man:
vorn gerichtet, und nur wenig kürzer als der Cephalo-
thorax; es überragt nicht nur den Stiel de^
äusseren, sondern auch den der inneren An-
tennen. Es entspringt kielartig vom vorderen Theile
des Rückenschildes und ist am oberen Rande mit 9 bis
11 spitzen Zähnen l)esetzt. Am unteren Rande finden
sich meist vier, selten drei oder fünf Zähne, bei einem
einzigen Individuum zählte ich hier neun Zähne. Wie
bei Stenopus hispidus und spinosus sind auch die Seiten-
ränder des Rostrums mit Stacheln besetzt, und zwar an
der grösseren hinteren Hälfte. Die Anordnung dieser
Seitenstacheln ist aber bei den einzelnen Individuen
ziemlich variabel; bei den meisten finden sich an jeder
Seite zwei Reihen, und zwar eine Reihe von grösseren
Stacheln unmittelbar am Seitenrande und eine zweite
Reihe von kleineren Stacheln zwischen der ersteren und
den Stacheln des oberen Randes. Diese zweite Reihe
kann aber ganz fehlen. So zeigt ein Individuum an der
hinteren Hälfte der Seitenränder sechs Stacheln und
ausserdem noch zwei kleinere zwischen diesen Stacheln
und denen des oberen Randes; bei einem anderen stehen
unmittelbar am Seitenrande acht Stacheln und zwischen
denselben und den Stacheln des oberen Randes noch
drei. Bei einem dritten Exemplare zähle ich an jeder
Seite des Rostrums vierzehn Seitenstacheln, von welchen
die grösseren mehr unmittelbar am Seitenrande stehen,
welche aber sonst ziemlich unregelmässig und nicht in
Reihen angeordnet sind.
Die Augenstiele tragen schlanke, spitze Stacheln,
von welchen einige der Cornea anliegen und diese be-
schützen. Die oberen Antennen sind länger als der
Körper, ihr Stiel mit schlanken Stacheln besetzt und
ungefähr halb so lang wie die Deckplatten der unteren
Antennen; der obere Endfaden trägt an der Basis auch
zwei Längsreihen sehr kurzer Stachelchen. Mit schlanken
Stacheln ist auch der Stiel der äusseren Antennen be-
setzt, besonders deren Basalglied und ihre Schuppe zeigt
nicht nur am Aussenrande eine Längsreihe von spitzen
Decapoden und Stomatopoden. 569
Zähnchen, sondern auch ihre obere Fläche zeigt drei
oder vier solche Längsreihen. Die Schuppen selbst sind
breiter im Verhältniss zu ihrer Länge als bei kisjndus
und erscheinen darum minder verlängert und nicht so
schlank wie bei dieser Art.
Die äusseren Kieferfüsse ragen mit ihrem letzten
Gliede über die Deckschuppen hinaus und sind an ihren
Rändern mit Stacheln besetzt.
Die zwei ersten Fusspaare stimmen, in Grösse und
Gestalt ihrer einzelnen Glieder mit denen von hispidus
überein, unterscheiden sich aber dadurch dass die ein-
zelnen Glieder an ihrem Aussenrande mit vielen
Stach eichen besetzt sind. Bei hispidus beobachtet man
nur sehr wenige Stachelchen am oberen Rande der
Glieder, während diese sonst überall glatt erscheinen.
Auch an dem inneren Rande zeigen die Mero- und die
Carpopoditen einige Stachelchen.
Das dritte Fusspaar zeigt grosse Uebereinstimmung
mit dem von Stenopus hispidus^ unterscheidet sich aber
durch die folgenden Charaktere. Zuerst erscheinen die
einzelnen Glieder nicht so stark seitlich zusammen-
gedrückt, sondern mehr walzenförmig: ein Unterschied,
das man am besten bei einer Yergleichung der Scheeren
beobachtet. Auch bei Stenopus sjnnosus hat die Scheere
eine mehr walzenförmige Gestalt. Bei Stenopus hispidus
zeigt das Carpalglied fast überall dieselbe Breite und
verjüngt sich erst plötzlich ganz nahe dem proximalen
Ende. Bei Stenopus tenuirostfHs dagegen verjüngt sich das
Carpalglied ganz allmählich von vorn nach hinten.
Einen dritten Unterschied zeigt die Bewaffnung der
Glieder. Bei Stenopus hispidus sind die Glieder an ihrem
Oberrande und Unterrande je mit einer Längsreihe von
kräftigen, breiten Stacheln besetzt, welche alle beinahe
dieselbe Grösse zeigen und grösser sind als diejenigen,
welche sonst auf den Seitenflächen der Glieder stehen;
ausserdem sind die Stacheln des oberen, und die des
570 Dr. J- G. de Man:
unteren Randes bei dieser Art von gleicher Grösse and
Stärke. Bei Stenopiis tenuirostris beobachtet man diese
Regelmässigkeit nicht. Zwar sind auch hier sowohl der
Oberrand wie der Unterrand der einzelnen Glieder mit
Stacheln besetzt, aber sie erscheinen von ungleicher
Grösse und Stärke. So trägt der Oberrand der Carpal-
glieder eine Längsreihe von Stacheln, welche von
hinten nach vorn allmählich an Grösse zunehmen;
am Unterrande dieser Glieder findet sich eine ähnliche
Reihe. Diese Stacheln sind auch schlanker und
dünner wie die von hispidus. Auf dem oberen Rande
der Scheere verläuft eine Längsreihe von Stacheln, welche
im Verhältniss zur Dicke des Handgliedes kürzer und
kleiner erscheinen als bei hispidus. Die Stachelchen des
Unterrandes der Scheere sind aber noch kleiner als die
des Oberrandes. Die Seitenflächen des Handgliedes
sind auch mit kurzen Stacheln besetzt, welche
theilweise zu Längsreihen angeordnet sind, und
auch auf den Seitenflächen der anderen Glieder finden
sich kurze Stacheln. Die Scheerenfinger verhalten sich
völlig wie bei hispidus und sind, wie der ganze Fuss
überhaupt, ein wenig behaart; die Stachelreihen des
oberen und die des unteren Randes des Handgliedes
setzen sich auf die Finger fort. Das dritte Fusspaar
zeigt dieselben rothen Flecken wie bei hispidus, nur er-
scheinen die Fingerspitzen gleichfalls roth, was Dana
nicht abbildet. Die beiden hinteren Fusspaare sind weniger
verlängert als bei hispidus und erscheinen, besonders an
den Ischio- und an den Meropoditen viel mehr stachelig;
ihre Carpalglieder scheinen aus acht, ihre Propoditen
aus fünf Gliedern zu bestehen, und die Endklauen haben
eine kurze, untere Nebenklaue.
Körperlänge ungefähr 25 mm., das Rostrum mit-
gerechnet.
Stenopus tenuirostris unterscheidet sich also von Sten.
spinosus des Mittelmeeres dadurch dass die Stacheln des
Cephalothorax nicht in Längsreihen, sondern unregel-
mässig angeordnet sind, sowie dadurch dass die Scheeren
Decapoden und Stomatopoden. 571
des dritten Fusspaares auch an den Seitenflächen und
an ihrem Unterrande mit Stacheln besetzt sind, während
bei spinosus die Stacheln hier fehlen oder doch nur sehr
sparsam vertheilt sein sollten. (Heller, Crustaceen des
südlichen Europa, S. 299). —
Ordnung Stomatopoda.
Gattung Lysiosquilla Dana.
251. Lysiosquilla maculata Fabr.
Lysiosquilla maculata^ Fabricius, Miers, on the Squil-
lidae, in: Annais and Magazine of Nat. History, 1880, p 5.
Brooks, Report on the Stomatopoda, collected by
H. M. S. Challenger during the years 1873—1876, p. 45.
Zwei Männchen von Amboina.
Verbreitung: Indischer Ocean, Indischer Archipel,
Fidschi- und Sandwich-Inseln.
Gattung Pseudosquilla Guer.
252. Pseudosquilla ciliata Miers.
Pseudosquilla ciliata^ Miers, 1. c. p. 30, PI. III, figs. 7
und 8. — Brooks, 1. c. p. 53.
Ein Exemplar von Amboina.
Verbreitung: Indo-Pacifische u. West-Indische Meere.
253. Pseudosquilla ornata Miers.
Pseudosquilla ornata, Miers, 1. c. p. 33, PI. III, figs. 5
und 6. —
Vier Exemplare von Amboina.
Verbreitung: Philippinen, Amboina, Tahiti. —
254. Pseudosquilla monodactyla A. M. Edw.
Taf. XXII a Fig. 6.
Squilla monodactyla, A. Milne Edwards, Bull. Soc.
Philom. Paris (1878).
572 Dr. J. G. de Man:
Pseudosquilla monodactyla, Miers, 1. c. p. 32, PI. III,
figs. 1 und 2.
Ein Exemplar von Amboina.
Die französische Originalbesclireibung- steht nicht zu
meiner Verfügung, dagegen stimmt das Exemplar gut mit
der von Miers gegebenen Beschreibung überein. Ich will
aber bemerken, dass das vonMiers beschriebenelndividuum
in einer Flasche steckte, welche auch Exemplare der
atlantischen Pseudosquilla oculata enthielt. Auf der von
dem englischen Forscher gegebenen Figur ragen die
Augen nicht über das Eostrum hinaus; bei unserem
Exemplare ragen sie dagegen fast in ihrer ganzen
Länge über dasselbe hinaus. Das letzte Abdominal-
segment tragt nur einen einzigen, medianen, hinten in
eine Spitze auslaufenden Kiel und ist an jeder Seite am
Hände mit drei grösseren Stacheln besetzt; die zwei
mittleren oder hinteren Stacheln sind beweglich und
zwischen denselben sind 30 — 35 kleine Stachelchen ein-
gepflanzt. Zwischen dem ersten oder beweglichen und
dem zweiten Stachel des Seitenrandes stehen noch zwei
kleinere Stacheln und zwischen dem zweiten und dem
dritten Stachel noch ein kleiner Stachel unmittelbar neben
dem letzteren.
Der Aussenrand der äusseren Seitenflosse ist mit
neun Stacheln besetzt, von welchen der letzte die ovale
Endplatte kaum überragt.
Länge 20 mm.
Gattung Oonodactylus.
255. Gonodactylus scyllarus L.
Gonodactylus scyllarus, Linne, Milne Edwards, Hist.
Nat. des Crust. T. II, p. 529. — Miers, 1. c. p. 37.
Ein Männchen und ein Weibchen von Amboina.
Das Weibchen dieser Art scheint selten zu sein:
unter den Exemplaren des Britischen Museums fand sich
keines (Miers, 1. c. p. 38). Der Aussenrand der äusseren
Seitenflosse ist beim Männchen mit zwölf, beim Weibchen
Decapoden und Stomatopoden. 573
mit elf Stacheln besetzt, vielleicht ein sexueller Unter-
schied. An der Endklaue des rechten grossen Raubfusses
ist der hintere der beiden Zähne, mit welchen der Innen-
rand besetzt ist, in zwei Zähne g-etheilt, so dass der
Innenrand dieser Klaue auf abnormale Weise drei Zähne
statt zwei zeigt.
Ich begreife nicht, wodurch sich Gonod. Bleekerii
A. Milne Edwards (Nouv. Arch. du Museum, T. IV, p. 65)
vom Gonod. scyllarus unterscheidet. Bei der letzteren
Art ist das Rostrum fast zweimal so breit wie lang,
dreieckig, spitz, und seine Seitenränder erscheinen gerade
oder ein Avenig convex. Der mediane Kiel des letzten
Abdominalsegmentes erhebt sieh ziemlich stark, seine
Höhe beträgt aber kaum ein Viertel von der halben
Breite des Segmentes. Bei Gonod. cultrifer ist der Kiel
fast so hoch wie die halbe Breite des Segmentes beträgt.
Bei Gonod. Bleekerii soll er bedeutend niedriger sein als
bei cultrifer^ aber dann kann er auch nur wenig von
Gonod. scyllarus abweichen! Muss Gonod. scyllarus zu
der Gattung Coronida Brooks gestellt werden oder nicht?
Die Endklaue der grossen Raublüsse ist ja gezähnt.
Brooks bespricht unsere Art aber nicht. —
Verbreitung: Indischer Ocean, Indischer Archipel,
Samoa-Inseln.
256. Gonodactylus chiragra Fabr.
Gonodactylus chiragra, Fabricius, Miers, On the
Squillidae, p. 40. — Brooks, 1. c. p. 56.
Neunundzwanzig Exemplare von Pulo Edani, zwei
von der Insel Noordwachter und drei von Amboina.
Verbreitung: Atlantische und indo-pacifische Meere.
257. Gonodactylus graphurus White.
Gofwdactylus graphurus. White, List Crust. Brit. Mus.
p. 85. — Miers, On the Squillidae, p. 42, PI. III, Fig. 9.
— Brooks, 1. c. p. 58, PL XIV, Fig. 1, 4, 6; PI. XV,
Fig. 3 und 8.
574 Dr. J. a. de Man:
Gonodactylus glabrous, Brooks, 1. c. p. 62, PL XIV,
Fig. 5; PI. XV, Fig- 7 und 9.
Zwei Männchen von Pulo Edam.
Das vorletzte Segment des Abdomens trägt keinen
medianen Kiel und die vier mittleren Erhabenheiten sind
schmäler als auf der von Miers gegebenen Abbildung
und erscheinen besonders nach hinten zu viel mehr ver-
jüngt. Das sechste Segment gleicht darum mehr dem
der von Brooks (1. c. PI. XIV, Fig. 5) als Gonod. glabrous
unterschiedenen Form. Dagegen stimmt das letzte Segment,
welches gerade so lang ist wie breit, vollkommen mit
mit der Miers'schen Abbildung überein, aber auch voll-
kommen mit der Abbildung von Gonod. glabrous, sodass
diese Thatsachen meiner Meinung nach zur Genüge be-
weisen, dass Gonod. glabrous bloss eine individuelle
Varietät des graphurus ist. Die Brooks'sche Art wurde
dann auch nur auf ein einziges Exemplar gegründet
und von der von Brooks als echter graphwms betrachteten
Form enthielt die Sammlung des „Challenger" auch nur
zwei Exemplare!
Verbreitung: Rothes Meer, Indischer Ocean, Indischer
Archipel, Australien, Samoa-Inseln.
258. Gonodactylus n. sp ?
Taf. XXIIa Fig. 7.
Ein Weibchen von Pulo Edam.
Dieses wohl junge Exemplar (es misst nur 17 mm.
von der Schnabelspitze bis zum Hinterende des Abdomens)
zeigt die grösste üebereinstimmung mit gleich grossen
Individuen von Gonod. chiragra, aber unterscheidet sich
durch den etwas verschiedenen Bau des letzten Ab-
dominalsegmentes. Ich überlasse es späteren Nach-
forschungen, ob wir hier mit einer neuen Art zu thun
haben oder nicht.
Die Frontalplatte ist der von chiragra ähnlich, nur
reicht der Mittelstachel bis zur Cornea der Augenstiele
hin und die schräg nach aussen gerichteten Seitenecken
sind ziemlich scharf. Die Endklaue der grossen Raub-
Decapoden und Stomatopodeii. 575
füsse ist an der Basis etwas mehr verdickt als bei gleich
grossen Individuen von chiragra, zeigt aber sonst ganz
dieselbe Form. Die Augen sind denen von chiragra voll-
kommen ähnlich. Auch das sechste Abdominalsegment
ist ganz ähnlich gebaut wie bei Go7iod. cMj^agra und trägt
sechs hinten in eine kurze Spitze auslaufende Längswülste.
Das letzte Segment des Abdomens zeigt auch im
Allgemeinen dieselbe Form wie bei der genannten Art:
Die obere Fläche trägt drei längliche Höcker, von welchen
der mittlere viel breiter ist als die seitlichen, und die
Ränder laufen an jeder Seite in drei Zähne aus. Bei
Gonod. chiragra sind die drei Höcker der oberen Fläche
abgerundet und laufen hinten nicht in kurze Stachelchen
aus. Bei der neuen Form trägt der Mittelhöcker drei
Paare kurzer Stachelchen neben einander am hinteren
Theile, und die Stachelchen jedes Paares stehen hinter
einander. Die beiden Seitenhöcker sind jeder mit zwei
dicht hinter einander stehenden Stachelchen besetzt, gleich-
falls am hinteren Ende. Die zwei inneren Zähne des
Hinterrandes tragen jeder oben an der Basis zwei hinter
einander gestellte Stachelchen und die angrenzenden
Zähne des zweiten Paares eins. Diese Stachelchen nun
fehlen dem Gonod. chiragra immer.
Das vorderste Paar Seitenzähne ist viel deutlicher
ausgeprägt als bei gleich grossen Individuen von Gonod.
chiragra und auch das mittlere Paar ist relativ grösser
resp. ein wenig länger.
Die zwei Stacheln, in welche das Basalglied der
Seitenflossen ausläuft, sind ungefähr gleich lang und der
äussere zeigt an seinem inneren Rande kein Zähnchen;
sie verhalten sich also gänzlich wie bei chiragra.
G-attung Protosquilla Brooks.
259. Protosquilla cerebralis Brooks.
Protosquilla cerebralis, Brooks, Report on tlie Stomato-
poda collected by H. M. S. Challenger, during the years
1873—1876, p. 72, PL XIV, Fig. 2 u. 3, PL XYI, Fig. 2 u. 3.
576 Dr. J. G. de Man:
Ein Männchen und drei Weibchen von Piüo Edam.
Diese Individuen stimmen vollständig* mit der Original-
beschreibung überein, nur will ich bemerken, dass die
vorderen Seitenecken des Rückenschildes als stumpfe
Spitzen ein wenig vorragen, während diese Ecken nach
Brooks einfach abgerundet sein sollten.
Die Thiere sind 3 cm. lang.
Wahrscheinlich ist diese Art mit Gonodactylus glypto-
cercus Wood-Mason identisch.
Verbreitung: Indischer Archipel, Fidschi-Inseln.
260. Protosquilla stoliura Müll.
Protosquilla stoliura^ Müller, Zur Crustaceenfauna von
Trincomali, in: Verhandl. d. Naturf. Gesellsch. in Basel,
VIII. Theil, 2. Heft, 1887, S. 477, Taf. IV, Fig. 2.
Ein Männchen und ein Weibchen von Amboina.
Diese Art steht in der nächsten Verwandtschaft zur
Protos. trispinosa White, aber sie unterscheidet sich
wieder leicht durch den Bau der letzten Abdominal-
segmente.
Im äusseren Habitus stimmt P. stoliura mit den
übrigen Frotosquüla-AYten überein. Das abgeflachte, bloss
in der Mitte etwas gewölbte Kopfbrustschild hat beinahe
eine quadratische Form, indem es nur ganz wenig
länger ist wie breit. Die beiden parallel mit einander
verlaufenden Seitenränder bilden mit dem ein wenig
concaven Hinterrande sowie mit dem Vorderrande rechte,
abgerundete Winkel. Die zwei Längsfurchen an der
oberen Fläche verlaufen gleichfalls parallel. Die Augen
sind denen von Gonod. chiragra ähnlich, sind cjdindrisch
mit nicht verbreiterter Cornea. Die dreispitzige Frontal-
platte zeichnet sich besonders durch die Kürze ihrer
Stacheln aus. Der Mittelstachel reicht nämlich
kaum bis zu der Basis der Augenstiele und die
beiden, nach vorn und ein wenig nach aussen gerichteten
Seitenstacheln sind ein wenig kürzer; die Aussenränder
der Frontalplatte resp. der Seitenstacheln sind ein wenig
Decapoflen und Stomatopoden. 577
convex. Die vier sichtbaren Thoracalsegmente nehmen,
wie gewöhnlich, allmählich ein wenig an Länge zu; die
zwei mittleren sind an den Seitenrändern abgerundet, das
letzte ist an den Seiten stumpf zugespitzt.
Die vier ersten Abdominalsegmente haben dieselbe
Länge und sind glatt; die Seitenränder sind wulstig ver-
dickt wie bei anderen Protosquüla- und Gonodactylus-
Arten, und ihre hinteren Ecken sind stumpf. Auf den
Seitenflächen dieser vier Segmente beobachtet man eine
schwache, kurze Längsfurche, welche an dem einen Exem-
plare deutlicher ist als an dem anderen. Das fünfte
Segment ist ein wenig länger als die vorigen und an
der oberen Fläche gerunzelt, aber auf eine andere Weise
als bei Frotosq. cerehralis. Bei Fr. cerehralis zeigt die
obere Fläche an jeder Seite einige nach hinten ein wenig
convergirende , sehr enge Längsfurchen, welche dieselbe
in ebenso viele flache Längswülste theilen. Bei P. stoUura
findet sich in der Mittellinie gleichfalls ein flacher, enger
Längswulst, aber an jeder Seite dieses Wulstes sieht
man zahlreiche grössere und kleinere Vertiefungen und
Furchen, welche auf symmetrische Weise angeordnet
sind; die obere Fläche erscheint demzufolge
symmetrisch gerunzelt und trägt nach dem
Hinterrande hin zahlreiche sehr kleine, spitze
Stachelchen.
Das sechste und das siebente Segment sind mit ein-
ander verwachsen, aber die Grenzfurche zwischen beiden
ist eben so deutlich wie bei trispinosa. Das sechste
Segment trägt vier Höcker; die zwei mittleren sind
rundlich, die beiden äusseren sind auf unregelmässige
Weise eingebuchtet. Auch diese Höcker sind überall
mit sehr kleinen, spitzen Stachelchen besetzt und ähn-
liche Stachelchen kommen auch auf den wulstig ver-
dickten Vorder- und Seitenrändern des Segmentes vor.
Das letzte Abdominalsegment ist bedeutend breiter
als lang, während es bei Protosq. trispinosa gerade so
breit ist wie lang. Wie bei dieser Art und wie bei
Arch. f. Natiirgesch. 53. Jahrg. Bd. I. on
578 Dr. J. Gr. de Man:
Frotosq. cerebralis^ trägt die obere Fläche des Segmentes
in der Mitte drei Höcker. Die zwei seitlichen sind
länglich-eirund, hinten breiter und abgerundet, nach vorn
hin etwas verjüngt; diese Höcker reichen nach
hinten über die halbe Länge des Segmentes
hinaus, während sie bei trispinosa kürzer sind als die
halbe Länge. Der mediane Höcker ist dreieckig, abge-
rundet und höher als die seitlichen. Zwischen den Seiten-
höckern und den Seitenrändern des Segmentes verläuft
an jeder Seite ein schwach gebogener Längswulst.
Der Hinterrand verhält sich ungefähr wie bei tri-
spinosa; er zeigt in der Mitte einen kleinen, dreieckigen
Ausschnitt, von welchem aus eine feine Naht bis zu dem
Mittelhöcker hinzieht, und an jeder Seite des Ausschnittes
vier dreieckige Zähne. Die drei Höcker, die beiden
Längswülste, die verdickten Seitenränder, der
wulstig verdickte Vorderrand und auch die Zähne
des Hinterrandes sind an ihrer oberen Fläche
gleichfalls mit sehr kleinen, spitzen Stachelchen
besetzt, ähnlich denjenigen, welche am Hinter-
rande des fünften und auf den Höckern des
sechsten Segmentes stehen. An den Rändern des
mittleren Ausschnittes am Hinterrande stehen ebenso
mehrere spitze Stachelchen und auch die lateralen
Zähne des Hinterrandes tragen an ihren Rändern einige
Stachelchen.
Das Basalglied der seitlichen Schwanzflossen trägt
oben einen spitzen Zahn und läuft in die zweizackige
Gabel aus, deren äusserer Zacken zweimal so lang und
viel dicker ist wie der innere ; der Innenrand des äusseren
Zackens ist nicht gezähnt. Der äussere Anhang ist am
Aussenrande beim Männchen mit elf, beim Weibchen mit
zehn Stacheln besetzt.
Die Endklaue der grossen Raubfüsse ist an
der Basis stark aufgetrieben und verdickt, wäh-
rend der Innenrand keine Zahnfortsätze trägt.
Decapoden und Stomatopoden. 579
Die Körperlänge von der Spitze des Eostrums bis
zum Hinterrande des Telsons beträgt bei dem grösseren
Exemplare, dem Weibchen, 55 mm.
Verbreitung : Molukken.
261. Protosquilla Brooksii n. sp.
Taf. XXna Fig. 8.
Von dieser neuen Art, welche sich der P. stoliura
Müll, sowie auch der P. excavata Miers anschliesst, wurden
ein Männchen und ein Weibchen auf der Insel Edam
gesammelt. Ich widme sie Herrn W. K. Brooks, dem
Verfasser des Berichtes über die Challenger-Stomatopoden.
Im allgemeinen Habitus stimmt Protosq. Brooksii mit
den anderen Protosquillen überein. Das Kopfbrustschild
hat eine trapezförmige Gestalt, indem der schwach con-
cave Hinterrand ein wenig breiter ist als der Vorderrand,
sodass die Seitenränder ein wenig divergiren; seine Länge
ist noch etwas grösser, als die Breite des Hinterrandes
beträgt. Die vorderen und hinteren Seitenecken sind fast
rechtwinklig abgerundet. Wie die Seitenränder divergiren
auch die zwei Längsfurchen an der oberen Fläche ein
wenig. Von der dreispitzigen Frontalplatte ist
der Mittelstachel sehr verlängert und reicht bis
zum Vorderende der Augenstiele oder kaum über
dieselben hinaus; die nach vorn und schräg nach
aussen gerichteten Seitenstacheln sind viel kürzer und
überragen kaum die Basis der Augenstiele. Die Augen-
stiele sind ein wenig abgeplattet und von oben nach
unten zusammengedrückt, während ihre Cornea ein wenig
verbreitert ist.
Die Endklaue der grossen Raubfüsse verhält sich
ganz wie bei F. stoliura Müll., ist nämlich au der Basis
stark verdickt und aufgetrieben, während der Innenrand
ungezähnt ist. Die vier sichtbaren Thoracalsegmente
nehmen von vorn nach hinten allmählich ein wenig an
Länge zu; die Seitenränder der beiden mittleren sind
37*
580 Dr. J. (^- f^e Man:
abgerundet, die des letzten Segmentes bilden eine stumpfe
Spitze. Die vier ersten Abdominalsegmente zeigen un-
gefähr dieselbe Länge und sind auf dieselbe Weise ge-
baut wie bei P. stoliura. Sie sind glatt und zeigen auf
den Seitenflächen eine Längsfurche, welche auf dem
ersten Segmente wenig deutlich ist, aber auf den folgenden
allmählich an Länge und Tiefe zunimmt, so dass die
Furche des vierten Segmentes fast die ganze Länge des-
selben einnimmt. Diese Längsfurchen liegen dicht neben
den wulstig verdickten Seitenrändern. Die hinteren
Seitenecken der drei ersten Abdominalsegmente bilden
stumpf abgerundete, rechte Winkel, am vierten Segmente
bildet der Seitenrand mit dem Hinterrande aber einen
ziemlich scharfen Zahn. Das fünfte Segment ist ein
wenig länger als die vorigen, seine Seitenränder bilden
mit dem Hinterrande an jeder Seite einen spitzen Zahn,
der etwas grösser ist als der hintere Seitenzahn des
vierten Segmentes. Die obere Fläche dieses Segmentes
erscheint in der Mitte und zwar auf der grösseren, vorderen
Hälfte glatt, die kleinere hintere Hälfte trägt vier längliche
8 -förmige Vertiefungen; die Seitenflächen zeigen vier
oder fünf längliche Vertiefungen oder Furchen von ver-
schiedener Form und von ungleicher Grösse, nebst einigen
kleineren Vertiefungen; die mittlere dieser Furchen ist
ein wenig breiter als die anderen und eine Fortsetzung
der schon beschriebenen Furchen, welche auf den vorher-
gehenden Segmenten gelegen sind. Die vorragenden
Theile der oberen Fläche dieses Segmentes sind glatt,
nicht mit Stachelchen besetzt.
Die beiden letzten Abdominalsegmente sind mit ein-
ander verwachsen, aber die Grenznaht ist ebenso deutlich
wie bei den meisten anderen Protosquillen. Das sechste
Segment trägt in der Mitte seiner oberen Fläche vier
längliche, glatte Höcker. Die zwei mittleren sind in der
Mitte ein wenig verengt und an ihrem Aussenrande mit
zwei spitzen Stachelchen besetzt, von denen eins am
Vorder-, das andere am Hinterende steht. Die beiden
Decapoden und Stomatopodeii. 5g 1
äusseren Höcker laufen an ihrem Hinterende in einen
nach hinten und ein wenig- nach innen gerichteten Stachel
aus. Die hinteren Seitenecken des Segmentes laufen in
einen grösseren, spitzen, nach hinten gerichteten Stachel
aus, und zwischen den Seitenrändern und den äusseren
Höckern liegen noch sieben oder acht kleinere, theilweise
gleichfalls in eine kurze Spitze auslaufende Höckerchen.
Der Vorderrand des Segmentes ist besonders in der
Mitte wulstig verdickt, glatt, ohne Zähnchen, und auch
die Seitenränder sind glatt und unbewehrt, den spitzen,
schon erwähnten Stachel an ihrem Hinterende ausge-
nommen.
Das letzte Abdominalsegment hat einen sehr charak-
teristischen Bau. Es ist gerade so lang wie breit, wenn
man die Zähne der Seitenränder mitrechnet, und zeigt
hinten in der Mitte einen grossen, dreieckigen Aus-
schnitt, der nach vorn hin fast zu der Mitte des Seg-
mentes reicht. Wie bei P. stolmra und excavata, trägt die
obere Fläche drei grosse, glatte, abgerundete Höcker.
Der mittlere ist birnförmig, mit der abgerundeten Basis
nach vorn und mit der Spitze nach hinten gerichtet; diese
Spitze reicht bis zum inneren Ende des medianen Aus-
schnittes. Die Seitenränder dieses Höckers sind jeder
mit drei kurzen Stachelchen besetzt, ein arideres Stachel-
chen liegt am spitzen Hinterende und zwei sehr kleine
stehen ausserdem auf der oberen Fläche nahe der vorderen
breiten Basis. Die zwei länglichen Seitenhöcker erscheinen
ein wenig geschwungen und etwas hinter der Mitte am
dicksten; ihr Vorderende verjüngt sich und biegt sich
ein wenig nach innen, das etwas dickere Hinterende
wendet sich ein wenig nach aussen. Am Aussenrande
sind diese Höcker mit fünf oder sechs spitzen Zähnchen
besetzt, ein Zähnchen steht auf dem Hinterende und drei
ähnliche Zähnchen zeigt der Innenrand am hinteren an-
geschwollenen Theile. Vor jedem seitlichen Höcker stehen
noch drei kleine spitze Höckerchen, unmittelbar hinter
dem Vorderrande des Segmentes. Der Hinterrand zeigt,
582 Dr. J. G. de Man:
an jeder Seite des grossen Ausschnittes, zwei dreieckige
Zähne, von welchen der äussere etwas dicker ist als der
innere und einen convexen Aussenrand zeigt; zwischen
diesen beiden Zähnen liegen zwei sehr kleine Zähnchen,
von welchen das innere etwas grösser ist als das äussere.
Die beiden Zähne, in welche also die Ränder des grossen
Ausschnittes auslaufen, tragen jeder auf ihrer oberen
Fläche zwei spitze Zähnchen. Die Innenränder des
grossen Ausschnittes sind jeder mit sechs spitzen Stachel-
chen bewehrt, von welchen das letzte, welches dem inneren
Zahne des Hinterrandes eingefügt ist, beweglich ist. Die
Seitenränder des Segmentes sind mit vier oder fünf starken,
nach aussen und ein wenig nach hinten gebogenen spitzen
Zähnen besetzt und zwischen diesen Zähnen und den
grossen Seitenhöckern trägt die obere Fläche des Seg-
mentes an jeder Seite noch eine gebogene Längsreihe von
sechs spitzen Zähnen, welche von vorn nach hinten all-
mählich an Grösse abnehmen und nach oben gerichtet sind.
Die gegebene Beschreibung der letzten Abdominal-
segmente wurde nach dem grösseren unserer beiden Exem-
plare, dem Männchen, aufgestellt; das andere kleinere
Exemplar, das Weibchen, zeigt einige wenige Unterschiede,
aber ich weiss nicht, ob diese individuell sind oder sexuell,
oder vielleicht der geringeren Grösse zugeschrieben werden
müssen. Auf dem sechsten Segmente laufen hier auch
die beiden inneren Höcker nach hinten in einen spitzen
Zahn aus und die beiden äusseren Höcker haben sich
jeder in drei oder vier spitze Höckerchen aufgelöst.
Auf dem letzten Segmente bestehen die seitlichen Zahn-
reihen, welche neben den Zähnen der Seitenränder gelegen
sind, nicht aus sechs, sondern aus sieben oder acht Zähnen
und auch die grossen Höcker der oberen Fläche tragen
ein oder zwei Zähnchen mehr.
Das Basalglied der hinteren Seitenflossen ist an der
oberen Fläche an der Basis mit einem kleinen, nach oben
gerichteten, spitzen Zahne besetzt; die obere Fläche ist
Decapoden und Stoma topoden. 583
längs gefurcht und läuft nach hinten in einen grösseren
spitzen, horizontalen Zahn aus. Der äussere Anhang
ist am Aussenrande mit zehn Stacheln besetzt.
Der Körper erscheint an den vorliegenden Spiritus-
exemplaren von einer bräunlichen Farbe und ist mit zahl-
losen, feinen, dunklen Pünktchen gezeichnet, welche
besonders im mittleren Theile des Cephalothorax und an
den Rändern der Abdominalsegmente angehäuft sind; die
Höcker und Höckerchen der beiden letzten Abdominal-
segmente sind lebhaft grün gefärbt.
Das grössere Exemplar ist 28 mm. lang von der
Schnabelspitze bis zum Hinterende des Körpers.
584 Dl'- J- Ct. de Man:
Nachträge.
Seite 216. Die Zahlenangaben bezüglich der ge-
sammelten und der neuen Arten sind nicht ganz correct!
Es sind die folgenden dafür zu setzen:
Oxyrhyncha 16 Arten, von welchen
Cydometopa 87 „ „ „
Caiometopa 32 „ „ „
Oxystomata 10 „ „ „
Anomura 47 „ „ „
Macrura 58 „ „ „
Stomatopoda 11 „ „ „
Seite 250. Zu Lophactaea maculata n. sp.
Als ich die Beschreibung dieser Art gab, meinte ich,
dass bis jetzt nur noch eine einzige andere Lophactaea
mit glatter oberer Fläche des Rückenschildes beschrieben
worden sei: die Lo^jL anaglypta Heller. Kossmann hat
aber in seiner Arbeit über die Crustaceen des Rothen
Meeres schon eine zweite beschrieben, die Loph. Hellen.
Unsere maculata zeigt nun in der That eine sehr grosse
Uebereinstimmung mit dieser Art, scheint sich aber durch
die noch stärker ausgeprägte Felderung der oberen
Fläche des Cephalothorax, besonders der hinteren Hälfte
zu unterscheiden.
Seite 372. Zu Sesarma Aubryi A. M. Edw.
Irrthümlicher Weise führte ich diese Exemplare als
Sesarma Aubryi A. M. Edw. an. Sie gehören nicht zu
dieser Art, sondern zu Metasesarma Roitsseauxi M. Edw.
Seite 404, 406, 409, 411, 419 ist statt Taf. XVHI
fälschlich Taf. XII citirt, ebenso S. 424 statt Taf. XIX
fälschlich Taf. XEI.
Decapoden und Stomatopoden.
585
Verzeichniss der Arten.
Oxyrhynclia.
Achaeus afiinis Miers
Camposcia retusa Latr.
Menaethius monoceros Latr.
Hyasteniis diacaiithus de Haan
Hyastenus sp.
Hyasteuus Brockii n. sp.
Hyastemus Sebae White
Hyasteuus oryx A. M. Edw.
Hyasteuus Pleioue Herbst
Schizophrys aspera M. Edw.
Micippa cristata L.
Paramicippa platipes Rüpp.
Tylocarciuus Styx Herbst
Lambrus lougispinus Miers
Lambrus sp.
Ceratocarcinus dilatatusA.M.Edw.
Cyclometopa.
Carpilius maculatus L.
» couvexus Forsk.
Carpilodes striatus n. sp.
mouticulosus A. M. Edw.
Stimpsouii A. M. Edw.
» vaillantiauus A. M. Edw.
» laevis A. M, Edw.
Liomera Rodgersii Stimps.
» punctata M. Edw.
» guttata u. sp,
» semigranosa n. sp.
Atergatis integerrimus Lam.
» floridus Rumph.
Lophactaea cristata A. M. Edw.
» grauulosa Rüpp.
» semigranosa Heller
» maculata n. sp.
Actaeodes tomentosus M. Edw.
sundaicus n. sp.
modestus n. sp.
Actaea rufopunctata M. Edw.
» Helleri A. M. Edw.
Actumnus setifer de Haan
Euxanthus Huonii Lucas
Xanthodes Lamarckii M. Edw.
» notatus Dana
» pachydactylus A. M. Edw.
Panopaeus latifrons n. sp.
Lophozozymus incisus M. Edw.
» Dodoue Herbst
» Simplex n. sp.
Zozymus aeneus L.
» gemmula Dana
» . pumilus Jacq. u. Luc.
Chlorodius niger Forsk.
sculptus A. M. Edw.
586
Dr. J. G. de Man
Chlorodius miliaris A. M. Edw.
Chlorodopsis pilumnoides Ad. ii.
White.
Chlorodopsis melanochira A. M. E.
Chlorodopsis spiiiipes Heller
Cyclodins gramilosus n. sp.
Leptodius exaratus M. Edw.
gracilis Dana
» crassimanus A. M. Edw.
Etisus laevimanus Rand.
Etisodes electra Herbst
Cymo Andreossyi Aud.
Ozius gnttatus M. Edw.
Epixanthus frontalis M. Edw.
» corrosus A. M. Edw.
Enruppellia annulipes M. Edw.
Pilumnns vespertilio Fabr.
Forskäli M. Edw.
» Cursor A. M. Edw.
» laevimanus Dana
edamensis n. sp.
nitidus A. M. Edw.
» Haswelli n. sp.
» longipes A. M. Edw.
» elegans n. sp.
» striatus n. sp.
Trapezia cymodoce Herbst
» areolata Dana
Trapezia rufopunctata Herbst
Tetralia glaberrima Herbst
Hexapus sexpes Fabr.
Rhabdonotus pictus A. M. Edw.
Domoecia hispida Eyd. et Soul.
Melia tessellata Latr.
Eriphia laevimana Latr.
» var.: Smithii
Mac Leay
Neptunus pelagicus L.
» sanguinolentus Herbst
» Brockii n. sp.
Achelous granulatus M. Edw.
Scylla serrata Forsk.
Thalamitoides quadridens A. Milne
Edwards
Thalamita Admete (Herbst) Latr.
Thalamita prymna Herbst
» spinimana Dana
» Danae Stimps.
Goniosoma cruciferum Fabr.
natator Herbst
Carupa laeviuscula Heller
Caphyra laevis A. M. Edw.?
Goniocaphyra truncatifrons n.gen.
Kraussia rugulosa Krauss [n. sp.
Pleurophricus spinipes n. sp.
Catometopa.
Carcinoplax setosus A. M. Edw.
Cardisoma hirtipes Dana
Ocypoda ceratophthalma Pallas
» cordimana Latr.
Gelasimus vocans M. Edw.
» tetragonon Rüpp.
» annulipes Latr.
Macrophthalmus convexus Stimps.
Euplax Boscii Aud.
Myctiris longicarpus Latr.
Metopograpsus messor Forsk.
» Thukuhar Owen
» pictus A. M. Edw.
» oceanicus Jacq. u. Lucas
Grapsus strigosus Herbst
» intermedius n. sp.
Pachygrapsus minutus A.M. Edw.
» planifrons n. sp.
Varuna literata Fabr.
Plagusia Immaculata Lam.
Leiolophus planissimus Herbst
abbreviatus Dana
Sesarma Brockii de Man
» minuta de Man
edamensis de Man
livida A. M. Edw.
Metasesarma Rousseauxi M. Edw.
Pseudograpsus albus Stimps.
Ptychognathus pusillus Heller
Pinnotheres parvulus Stimps.
Pinnixa Fischeri A. M. Edw.
Elamene Filholi n. sp.
Decapoden und Stoinatopoden.
587
Oxystomata.
Calappa tubercnlata Fabr.
» g-alliis Herbst
» Philargius L.
» loplios Herbst
Matuta victrix Fabr.
» Banksii Miers
Leiicosia pubescens Miers
Ebalia Pfeft'eri n. sp.
Arcania noveni - spinosa Ad. u.
White
Dorippe dorsipes L.
Anomura.
Dromidia capnt-inortuum Latr.
» australiensis Hasw.
Cryptodromia corouata Stimps.
>' tubercnlata Stimps.
» canaliculata Stimps.
Hilgendorfi n. sp.
» amboinensis n. sp.
Dynomene hispida Desm.
praedator A M. Edw.
Porcellana (Petrolistlics) inermis Hell.
» » dentata M. Edw.
•> » militaris Heller
» >> scabricula Dana
» moluccensis n. sp.
>> (Pisosoma) sculpta M. Edw.
» (Porcellaua) latifrons Stimps.
» » serratifrons Stimps.
» » quadrilobata Miers
•> streptochira AVhite
» (Polyouyx) biunguiculata Dana
» » obesula White
» » sp.
Albunea symnista L.
Remipes testndinarius Latr.
» » var.: denticu-
latifrons Miers
Enpagurus hirtimanus White
Pagurus punctulatus Oliv,
euopsis Dana
Pagurus depressus Heller
setifer M. Edw.
» deformis M. Edw.
» varipes Heller
Calcinus Herbstii n. nom.
terrae-reginae Hasw.
Clibanarius longitarsis de Haan
■' striolatus Dana
•• eurysternus Hilgend.
■> corallinus (M. Edw.) Dana
» cruentatus M. Edw.
Coenobita clypeatus Latr.
» rugosus M. Edw.
» violascens Heller
Birgus latro Fabr.
Munida Edwardsii Miers
Galathea elegans White
spinosorostris Dana?
amboinensis n. sp.
pilosa n. sp.
Macrura.
Gebiopsis intermedia de Man, var.
Axius plectrorhynchus Strahl
» spinipes n. sp.
affinis n. sp.
» clypeatus n. sp.
Brockii n. sp.
Callianassa amboinensis n. sp.
n Martensii Miers
mucronata Strahl
Scyllarus Haanii v. Sieb.
Arctus vitiensis Dana
Thenus orientalis Fabr.
Palinurus fasciatus Fabr.
ornatus Bosc
Enoplometopus pictus A. M. Edw.
longirostris n. sp.
Lysmata seticaudata Risso
Hippolysmata vittata Stimps. var.
Gnathophyllum fasciolatum
Stimps.
Alpheus laevis Rand.
» gracilipes Stimps.
588
Dr. J. G. de Man:
Alpheus insignis Heller
» biiiiiguiculatiis Stimps.
» triunguiculatus n. sp.
carinatus n. sp.
» Stimpsonii n. sp.
» Edwardsii Aud.
» parvirostris Dana
Hippothoe de Man
» macrochirus Richters
» obesomanus Dana
latifrons A. M. Edw
Arete dorsalis Stimps,
Automate dolichognatha n. g. n. sp.
Hippolyte gibberosa A. M. Edw.
» marmorata Oliv
» paschalis Heller?
Coralliocaris superba Dana
graminea Dana
Harpilius lutescens Dana
» Beaupresii Aud.
Anchistia Petitthouarsii Aud.
» ensifrons Dana
» amboinensis n. sp.
Brockii n. sp.
Palaemonella tenuipes Dana
» Orientalis Dana
Palaemon ornatus Oliv. , var. :
vagus Heller
Palaemon dispar v. Mart.
sp.
» latimanus v. Mart.
Leander pacificus Stimps.
» longicarpus Stimps.
notator M. Edw.
Penaeus canaliculatus Oliv.
Stenopusculus crassimanus Rieht.
Stenopus hispidus Oliv.
tenuirostris n. sp.
Stomatopoda.
Lysiosquilla maculata Fabr.
Pseudosquilla ciliata Miers
» ornata Miers
» monodactyla A. M. Edw.
Gonodactylus scyllarus L.
chiragra Fabr.
» graphurus White
n. sp.?
Protosquilla cerebralis Brooks
» stoliura Müll.
» Brooksii n. sp.
Decapoden und Stomatopodeii.
589
Register
A.
abbreviatus (Leiolophus) 372.
Achaeus 218.
Acheloiis 331.
Actaea 261.
Actaeodes 252.
Actumnus 262.
Adraete (Thalamita) 332.
aeiieus (Zozymus) 273.
aethiopicus ,Grapsus) 361.
affiiiis (Achaeus) 218.
affinis (Axius) 469.
aflinis (Macrophthalnuis^ 357.
affinis (Pagurus) 430.
Albunea 425.
albus (Pseudograpsus) 382.
Alpheus 497.
amboinensis (Anchistia) 546.
amboinensis (Callianassa) 480.
amboinensis (Cryptodromia) 406.
amboinensis (Galathea) 457.
anaglypta (Lophactaea) 250, 584.
Anchistia 541.
Andreossyi (Cymo) 291.
annnlipes (Euruppellia) 293.
annulipes (Gelasimus) 353.
annulipes (Porcellana) 411.
Arcania 392.
Arctus 485.
areolata (Trapezia) 317.
Ai-ete 527.
armata (Pontonia) 539.
armata (Tetralia) 321.
aspera (Schizophrys) 226.
aspei'imana (Paramicippa) 228.
Atergatis 244.
Aubryi (Sesarma) 584 (372).
australiensis (Dromidia) 396.
Automate 529.
Axius 463.
B.
Banksii (Matuta) 389.
Beaupresii (Harpilius) 539.
bellis I Porcellana) 409.
Birgus 453.
biunguiculatus (Alpheus) 502.
biunguiculata (Porcellana) 421.
ßleekerii (Gonodactylus) 573
Boscii (Euplax) 357.
brevidactylus (Myctiris) 358.
Brockii (Anchistia) 548.
Brockii (Axius) 475.
Brockii (Hyastenus) 221.
Brockii (Neptunus) 328.
Brockii (Sesarma) 373.
Brooksii (Protosquilla) 579.
■C.
Calappa 388.
Calcinus 437.
Callianassa 480.
Camposcia 219.
canaliculata (Crj^ptodromia) 402.
canalicuJatus (Penaeus) 564.
Caphyra 337.
caput-mortuum (Dromidia) 393.
Carcinoplax 349.
Cardisoma 349.
carjnatus (Alpheus) 508.
carinipes (Zozyraodes) 277.
Carpilius 231.
Carpilodes 232.
Carupa 336.
cavimana (Tetralia) 321.
Ceratocarcinus 230.
ceratophthalma (Ocypoda) 351.
cerebralis (Protosquilla) 575.
chiragra (Gonodactylus) 573.
590
Dr. J. G. de Man;
Chlorodius 279.
Chlorodopsis 281.
ciliata (Pseudosquilla) 571.
Clibanarius 441.
clypeatus (Axius) 470.
clypeatus (Coenobita) 452.
Coenobita 452.
coerulea (Trapezia) 316.
comatularum (Alpheus) 509,
compressa (Coenobita) 453.
concinnns (Leander) 562.
consobrina (Actaea) 257.
convexus (Carpilius) 232.
convexus (Macrophthalmus) 354.
corallinus (Clibanarius) 447.
Coralliocaris 536.
cordiraana (Ocypoda) 352.
coronata (Cryptodromia) 398.
corrosus (Epixanthus) 292.
crassimanus (Leptodins) 287.
crassimanus (Stenopnsciilus) 565.
cristata (Calappa) 388.
cristata (Lophactaea) 246.
cristata (Micippa) 227.
cruciferum (Goniosoma) 334.
cruentatus (Clibanarius) 449.
Cryptodromia 398.
Cursor (Pilumnus) 299.
Cyclodius 283.
Cyino 291.
Cymodoce (Trapezia) 316.
D.
Danae (Tbalainita) 334.
deformis (Pagurus) 435.
dentatus (Enoplometopus) 487.
dentata (Pontonia) 539.
dentata (Porcellana) 409.
depressus (Harpilius) 539.
depressus (Macrophthalmus) 356.
depressus (Pagurus) 431.
diacanthus (Hyastenus) 220.
dilatatus (Atergatis) 245.
dilatatus (Ceratocarcinus) 230.
dispar (Palaemon) 556.
dispar (Pseudozius) 306.
Dodone (Lophozozymus) 270.
dolichognatha (Automate) 529.
Domoecia 326.
Dorippe 393.
dorsalis (Arete) 527.
dorsipes (Dorippe) 393.
Dromidia 393.
Dynomene 408.
-E.
Ebalia 390.
edamensis (Pihimnus) 302.
edamensis (Sesarma) 379.
Edwardsii (Alpheus) 516.
Edwardsii (Munida) 453.
Elamene 386.
electra (Etisodes) 290.
elegans (Atergatis) 270.
elegans (Galathea) 455.
elegans (Pilumnus) 310.
Enoplometopus 486.
ensifrons (Anchistia) 545.
Epixanthus 292.
Eriphia 327.
Etisodes 290.
Etisus 289.
euopsis (Pagurus) 429.
Eupagurus 426.
Euplax 357.
Euruppellia 293.
eurysternus (Clibanarius) 447.
Euxanthus 263.
exaratus (Leptodins) 285.
excavata (Dromidia) 396.
Eydouxi (Metopograpsus) 359.
fasciatus (Palinurus) 486.
fasciolatum (Gnathophyllum) 496.
Filholi (Elamene) 386.
Fischeri (Pinnixa) 385.
floridus (Atergatis) 245.
Forskälii (Pilumnus) 295.
frontalis (Epixanthus) 292.
frontalis (Etisodes) 291.
Galathea 455.
gallus (Calappa) 388.
Gebiopsis 462.
Gelasimus 352.
gemmula (Zozymus) 273.
gibberosa (Hippolyte) 533.
glaberrima (Tetralia) 321.
glabrous (Gonodactylus) 574.
globosa (Dromidia) 396.
glyptocercus (Gonodactylus) 576.
Gnathophyllum 496.
Goniocaphyra 339.
Goniosoma 334.
Decapoden und Storaatopoden.
591
Gonodactylus 572.
gTacilidig'itus (Alpheus) 517.
g-racilipes (Alpheus) 500.
gracilis (Cyclodius) 283.
gracilis (Leptodius) 287.
graminea (Coralliocaris) 536.
grandirostris (Galathea) 456.
granulatus (Achelous) 331.
granulosus (Carpilodes) 233.
grauulosus (Cyclodius) 283.
granulosa (Lophactaea) 246.
graphurus (Gonodactylus) 573.
Grapsus 365.
guttata (Liomera) 239.
guttatus (Ozius) 291.
guttatus (Pagui'us) 433.
H.
Haanii (Scyllarus) 485.
Harpilius 536.
Haswelli (Pilumnus) 307.
Haswelli (Porcellana) 409.
Helleri (Actaea) 261.
Hellen (Lophactaea) 584.
Hemprichii (Hippolyte) 533.
Herbstii (Calcinus) 437.
Hexapus 322.
Hilgendorüi (Cryptodromia) 404.
Hilgendorfii (Hyastenus) 225.
Hippolysmata 494.
Hippolyte 533.
Hippothoe (Alpheus) 518.
hirtimanus (Eupagurus) 426.
hirtipes (Cardisoraa) 349.
hirtipes (Micippa) 227.
hispida (Domoecia) 326.
hispida (Dynomene) 408.
hispidus (Stenopus) 566.
Holdsworthi (Lamhrus) 229.
Huonii (Euxanthus) 263.
Hyastenus 220.
1.
immaculata (Plagusia) 371.
inaequimana (Anchistia) 541.
incanus (Cancer) 296.
incisus (Lophozozymus) 268.
inermis (Macrophthalmus) 354.
inerrais (Porcellana) 409.
infraspinatus(Clibanarius) 441.443.
insignis (Alpheus) 502.
integerrimus (Atergatis) 244.
intermedia (Gebiopsis) 462.
intermedius (Grapsus) 365.
intermedius (Metopograpsus) 359.
K.
Kraussia 343.
laevimana (Eriphia) 327.
laevimana, var.: Sniithii (Eriphia)
327.
laevimanus (Etisus) 289.
laevimanus (Pilumnus) 301.
laevis (Alpheus) 499.
laevis (Caphyra) 337.
laevis (Carpilodes) 236.
laeviuscula (Carupa) 336.
Lamarckii (Petrolisthes) 413.
Lamarckii (Xanthodes) 263.
Lambrus 229.
lamellifrons (Lambrus) 230.
lamelliger (Lambrus) 230.
lata (Liomera) 242.
lateralis (Atergatis) 270.
latifrons (Alpheus) 521.
latifrons (Panopaeus) 265.
latifrons (Porcellana) 415.
latimanus (Palaemon) 557.
latirostris (Palaemon) 563.
latro (Birgus) 453.
Leander 559.
Leiolophus 372.
Leptodius 284.
Leucosia 390.
Liomera 237.
literata (Varuna) 371.
livida (Sesarma) 381.
lobata (Lophactaea) 250.
longicarpus (Leander) 560.
longicarpus (Myctiris) 358.
longipes (Pilumnus) 309.
longirostris (Enoplometopus) 488.
longirostris (Galathea) 456.
loiigispinus (Lambrus) 229.
lougitarsis (Clibanarius) 441.
longitarsis (Grapsus) 365.
Lophactaea 246, 584.
lophos (Calappa) 389.
Lophozozymus 268.
lutescens (Harpilius) 536.
Lysiosquilla 571.
Lysmata 492.
592
Dr. J. G. de Man;
macrochirus (Alpheus) 519.
Macrophthalmiis 354.
maculatus (Carpilius) 231.
maculata (Liomera) 238.
maciilata (Lophactaea) 250, 584.
maculata (Lysiosquilla) 571.
maculata (Trapezia) 319.
margaritatus (Carpilodes) 232.
Marionis (Gelasimus) 353.
marmorata (Hippolyte) 533.
Marteusii (Callianassa) 482.
Matuta 389.
melanochira (Chlorodopsis) 281.
Melia 326.
Menaethius 219.
messor (Metopograpsus) 361.
Metasesarma 583.
Metis (Etisodes) 291.
Metopograpsus 359.
Micippa 227.
miliaris (Chlorodius) 280.
miliaris (Micippa) 228.
militaris (Porcellana) 410.
miuuta (Elamene) 386.
miuutus (Pachygrapsus) 368.
minuta (Sesarma) 377.
modestus (Actaeodes) 257.
moluccensis (Porcellana) 411.
monoceros (Menoethius) 219.
monodactyla (Pseudosquilla) 571.
monticulosus (Carpilodes) 233.
mucronata (Callianassa) 484.
Munida 453.
Myctiris 358.
natator (Goniosoma) 334.
natator (Leander) 563.
Neptunus 328.
niger (Chlorodius) 279.
nitidus (Pilumnus) 305.
nodulosa (Actaea) 257.
notatus (Xanthodes) 264.
novem-spinosa (Arcania) 392.
O.
obesa (Actaea) 253.
obesomanus (Alpheus) 520.
obesula (Porcellana) 423.
obesum (Cardisoma) 350.
occidentalis (Nephrops) 488.
oceanicus (Metopograpsus) 364.
octodentata (Caphyra) 338.
Ocypoda 351.
Orientalis (Palaemonella) 552.
Orientalis (Thenus) 485.
ornatus, var.: vagus(Palaemon) 554.
ornatus (Palinurus) 486.
ornata (Pseudosquilla) 571.
oryx (Hyastenus) 224,
ovatus (Hyastenus) 221.
Ozius 291.
P.
pachycbirus (Alpheus) 526.
pachydactylus (Xanthodes) 265.
Pachygrapsus 368.
pacificus (Leander) 559.
Padavensis (Clibanarius) 444.
Pagurus 429.
Palaemon 554.
Palaemonella 551.
Palinurus 486.
Panopaeus 265.
Paramicippa 227.
parvirostris (Alpheus) 517.
parvulus (Pinnotheres) 383.
paschalis (Hippolyte) 534.
pedunculatus (Pagurus) 436.
pelagicus (Neptunus) 328.
Penaeus 564.
pentagonalis (Cryptodromia) 404.
Petitthouarsii (Anchistia) 541.
Pfefferi (Ebalia) 390.
Philargius (Calappa) 388.
philippinense (Pachystomum) 383.
Philyra, var.: platipes (Micippa)
227.
pictus (Enoplometopus) 486.
pictus (Metopograpsus) 363.
pictus (Rhabdonotus) 325.
pilimanus (Palaemon) 559.
pilosa (Galathea) 460.
pilosus (Zozymus) 279.
pilumnoides (Chlorodopsis) 281.
Pilumnus 295.
Pinnixa 385.
Pinnotheres 383.
Plagusia 371.
planifrons (Pachygrapsus) 368.
planissimus (Leiolophus) 372.
platipes (Paramicippa) 227.
plectrorhynchus (Axius) 463.
Pleione (Hyastenus) 225.
Decapoflen mid Stomatopodeii.
593
Pleurophricus 344,
plicatus (PachygTapsus) 368.
Porcellaua 409.
praedator (Dynomeue) 409.
Protosquilla 575.
prymiia (Thalaraita) 333.
PseudogTapsus 382.
Psendosqnilla 571.
Ptychognathus 383.
pubescens (Leiicosia) 390.
pubescens (Liomera) 242.
piüchella (Actaea) 258.
pulchella (Ebalia) 390.
pulchella (Porcellaua) 413.
pumiliis (Zozymus) 275.
IJimctata (Liomera) 238.
pimctulatus (Pagurns) 429.
pusilla (Lysmata) 493.
pusilliis (Ptychognathus) 383.
quadridens! (Thalamitoides) 332.
quadridentata (Dorippe) 393.
quadrilobata (Porcellaua) 418.
B.
radiatus (Xantho) 270.
Remipes 425.
retusa (Caraposcia) 219.
Rhabdouotus 325.
rhomboidalis (Leucosia) 390.
Rodgei'sii (Liomeva) 237.
Rousseauxi (Metasesarma) 584.
ruber (Carpilodes) 233.
rufopuuctata (Actaea) 2<il.
rufopuuctata (Trapezia) 318.
rugatus (Carpilodes) 235.
rugipes (Carpilodes) 235.
rugosus (Coeuobita) 452.
i'ugosus (Epixanthus) 29:^.
rugulosa (Kraussia) 343.
Rüppellii (Actaea) 261.
sanguinolentus (Neptuuus) 328.
scabricula (Eriphia) 327.
scabriciüa (Porcellaua) 411.
Schizophrys 226.
sculptilis (Etisodes) 290.
Arcli. f. Naturgescli. 53. Jahrg. Bd. 1.
sculpta (Porcellaua) 413.
sculptus (Ohlorodius) 279.
Scylla 332.
Scyllarus 485.
scyllarus (Gouodactylus) 572.
Sebae (Hyasteuus) 223.
semigrauosa (Caphyra) 338.
semigrauosa (Liomera) 242.
semigrauosa (Lophactaea) 246.
serrata (Scylla) 332.
serratifrous (Porcellaua) 417.
Sesarma 372, 584.
seticaudata (Lysmata) 492.
setifer (Actumnus) 262.
setifer (Pagurus) 433.
setosus (Carciuoplax) 349.
setosus (Macrophthalmus) 356.
sexpes (Hexapus) 322.
Simplex (Lophozozymus) 271
spatulifrous (Micippa) 227.
speciosa (Ebalia) 390.
speciosus (Actaeodes) 258.
spiuifer (Lambrus) 229.
spiuiger (Alpheus) 508.
spiuimaua (Thalamita) 333.
spiuipes (Axius) 464.
spiuipes (Chlorodopsis) 282.
spiuipes (Pleurophricus) 344.
spiuosorostris (Galathea) 456.
spiuosus (Steuopus) 570.
Steuopus 566.
Steuopusculus 565.
Stimpsouii (Alpheus) 513.
I Stimpsouii (Carpilodes) 234.
! stoliura (Protosquilla) 576.
I streptochira (Porcellaua) 419.
I striatus (Carpilodes) 232.
! striatus (Pilumuus) 313.
! strigosus (Grapsus) 365.
striolatus (Clibauarius) 445.
Styx (Tylocarcinus) 228.
subacuta (Liomera) 242.
subquadratus (Grapsus) 365.
subsquamata (Galathea) 460.
sulcatus (Calciuus) 437.
suudaicus (Actaeodes) 253.
superba (Coralliocaris) 536.
superbus (Lophozozymus) 268, 269.
symuista (Albuuea) 425.
T.
teuuipes (Carupa) 337.
teuuipes (Palaemonella) 551.
tenuirostris (Steuopus) 567.
38
594
Dr. J. O. de Man:
terrae-regiuae (Calciiius) 439.
tessellata (Melia) 326.
testudinarius (Remipes) 425.
testudinarius , var. : denticulati-
frons (Remiijes) 425.
tetragoiiou (Gelasimus) 353.
Tetralia 321.
Thalamita 332.
Thalamitoides 332.
Theniis 485.
Thiikuhar (Metopograpsu.s) 362.
tibicen (Calciiius) 437.
tomeiitosus (Actaeodes) 2.52.
tomentosus (Actmnnus) 262.
tomentosa (Dromia) 402.
Trapezia 316.
triang'ularis, var. : indica (Mitlirax)
226.
tricuspidatus (Alplieus) 504,
tristis (Carpilodes) 237.
triuiig'uiculatus (Alpheus) 504.
truucatifrons (Goniocaphyra) 339.
tuberculata (Calappa) 388.
tuberculata (Cryptodromia) 401.
tuberculosus (Neptunus) 328.
tuberculosa (Porcellana) 424.
Tylocarciiius 228.
U.
utricola (Betaeus) 521.
V.
Vaillantianus (Carpilodes) 235.
varipes (Pagurus) 436.
Varuna 371.
venosus (Carpilodes) 234,
Verreauxi (Hyasteiius) 221.
vespertilio (Pilumuus) 295.
victrix (Matuta) 389.
violasceus (Coeuobita) 453.
vitiensis (Arctus) 485.
vittata (Hippolysmata) 494.
vocans (Gelasimus) 352.
vulgaris (Clibauarius) 441, 443.
Xaiithodes 263.
Z.
Zebra (Guathophyllum) 496.
Zozynius 273.
Decapoden und Stomatopoden. 595
Erklärung der Tafeln.
Tafel VII.
Fig. 1. Hijadenus Brockü 11. sp., Weibchen, x 2; la Stirnpartie
von oben gesehen, x 5, Ib Stirnpartie von unten, x 5.
Fig. 2. Hyastenus oryx A. M. Edw. , Weibchen, x 3; 2a Stirn-
partie von unten gesehen, x 5.
Fig. 3. Hyastenus Pleione Herbst, Weibchen, x l'/o» 3a Stirn-
partie, X 3.
Fig. 4. Lamhrus sp., Männchen, x 2.
Tafel VIII.
Fig. 1. Carpüodes striatus n. sp,, x 3; la Scheere, x 5.
Fig. 2. Liomera guttata n. sp. , X 2; 2 a Antennalregion, X 5;
2 b Scheere, x 5.
Fig. 3. Liomera semigranosa n. sp., X 3; 3 a Scheere, x 6.
Fig. 4. LopJiactaea semigranosa Heller, x 2; 4 a Scheere, X 3.
Tarftel IX.
Fig. 1. Lophactaea macidata n. sp., x 2; la Scheere, x 3.
Fig. 2. Ädaeodes modestus n. sp., x3; 2a Scheere, x4; 2b Stirn-
partie, X 4.
Fig. 3. Ädaeodes smukäcus n. sp., Weibchen, x IV?; '^^ Scheere
X 3; 3b Stirnpartie, X 3; 3c Stirnpartie von Actaea obesa
A. M. Edw., X 2.
Fig. 4. Fanopaeus latifrons n. sp., x 4; 4a Scheere, X 6.
Tafel X.
Fig 1. Lophozozymus incisus M. Edw , Männchen, x 1%.
Fig. 2. Lophozozymus Dodone Herbst, AVeibchen, x 3 ; 2 a Scheere,
X 4.
Fig. 3. Lophozozymus simplex n. sp. ,^x 3; 3a Scheere, x 5; 3b
Scheere von Lophozozymus superhus A. M. Edw. (juv.) x 3.
Fig. 4. Zozymus yemnmla Dana, x 2; 4a Scheere, x 3.
Fig. 5. Zozymus pumilus Jacq. u. Lucas, Weibchen, x 3 ; 5a Scheere,
X 4.
Tafel XI.
Fig. 1. Cyclodius yranulosus n. sp., Männchen, X 4; la Scheere, x 6.
Fig. 2. Leptodius gracilis Dana, Männchen, X 2; 2 a Scheere, x 2.
Fig. 3. Epixanthus corrosus A. M. Edw., Männchen, X V/^.
38*
590 J)i'- J- ^- ^^e Man:
Fig. 4. Euruppellia annuUpes M. Edw., Männchen, x l'/2 5 ^^ kleine
Scheere des AVeibchens, x 2.
Fig. -5. Piliimnas edamensis n. sp. , AVeibchen, x2; 5a vorderer
Theil des Kückensdiildes, x4; 5b grosse Scheere desselben,
X 4.
Tafel XII.
Fig. 1. Pilumnus ForsJcalii M. Edw., Männchen, X 3; la grosse
Scheere, x 2.
Fig. 2. Pilumnus HaswelU n. sp., Männchen, x 3; 2a grosse
Scheere, x 4.
Fig. 3, Pilumnus elecjans n. sp., x 2; oa vorderer Theil des Rücken-
schildes, X 4; 3b linke Hälfte der unteren Fläche des
Cephalothorax mit den characteristischen, äusseren Kiefer-
füssen, X 4; 3c Scheere, x 4.
Fig. 4. Pilumnus striatus n. sp., Weibchen, x 2; 4a vorderer Theil
des Rückenschildes desselben, x 4; 4b Scheere, X 4.
Tafel XIII.
Fig. 1. Trapezia rufopunctata Herbst, x 2; la Stirnpartie, x 4.
Fig. 2. Trapezia maculata Dana, X 2; 2a Stirnpartie, X 4.
Fig. 3. Hexapus sexpes Fabr., Männchen, x 1 '/^ ; 3a Frontorbitalreg ion
von vorn gesehen, x 4; 3b Scheere des Männchens, x 2.
Fig. 4. Neptimus Brockii n. sp,, Männchen, >c IV2; 4 a Frontorbital-
rand, stärker vergr.
Fig. o. Goniosoma natator Herbst, juv., x 2; 5 a Stirn, x 4.
Tafel XIV.
Fig. 1. Goniocaphyra truncatifrons n. g. n. sp., Männchen, X 3; ein
Theil des linken Vorderfusses ist unter dieser Figur ge-
zeichnet; 1 a Antennalregion, Kieferfüsse und Pterygostomial-
gegend, x 5; Ib grosse Scheere, X 5.
Fig. 2. Kraussia nigulosa Krauss, Männchen x 2.
Fig. 3. Cardisoma hirtipes Dana, Cephalothorax des kleinsten
Weibchens, natürl. Grösse; 3a Ansicht des Rückeuschildes
von vorn gesehen, natürl, Grösse.
Tafel. XV.
Fig. 1. Pleurophricus spinipes, n. sp., Männchen, x 4; la vorderer
Theil der Unterseite des Rückenschildes, x 6 ; 1 b Sternum
und Abdomen des Männchens, x 4; Ic Vorderfuss, x 6.
Fig. 2. Macrophthalmus setosus M. Edw., Originalexemplar aus dem
Paris. Mus., Männchen, x IVsJ ^^ Scheere desselben, x IV?-
Fig. 3. 31acropMhalmus depressus Rüpp., Männchen aus dem Rothen
Meere, x 2; 3a Scheere desselben, x 2.
Fig. 4. Macrophthalmus convexus Stimps., Scheere des Männchens, x 3.
Fig. 5. Metopograpsus Thukuhar Owen, Männchen, x 1'/.,; 5 a An-
tennalregion, X 5; 5b die drei Endglieder des Abdomens
DecapodeiT und Stomatopoden. 597
des Männchens, x 2; 5c grosse Scheere, x 2; 5d die drei
Endglieder des rechten Fusses des vorletzten Paares.
Fig. 6 a. Metopograpsus messor Forskai, Antennalregion, 6 b die drei
Endglieder des Abdomens des Männchens, 6 c die drei End-
glieder des rechten Fusses des vorletzten Paares.
Tafel XVI.
Fig. 1. Grapsus intermeäius n. sp., Weibchen, X l'/g; la Scheere
des Weibch., x 2; Ib linker Fuss des vorl. Paares, x 1' 2.
Fig. 2. Facliygrapsas planifrons n. sp., Cephalothorax des Weibchens,
X 0; 2a Antennalregion und Kieferfüsse, x 4; 2b Scheere
des Männchens, x 5; 2c Füsse des letzten und des vor-
letzten Paares der rechten Seite des Weibchens, x 4.
Fig. 3. Sesarma Brockiin.s^., Männchen, x l'/o; 3 a Abdomen des-
selben^ X IV2; 3b grössere Scheere, x 2; 3c dieselbe von
obenher gesehen, x 2; 3d vier Höckerchen von dem Rücken
des beweglichen Fingers sehr stark vergrössert.
Fig. 4, Sesarma miuuta n. sp., Männchen, X 3; 4a Schenkelglied
des linken Fusses des vorl. Paares, x 10; 4b Scheere, x 5.
Fig. 5. Sesarma edamensis n. sp., AVeibchen, x 3, 5 a, 5b Scheere
des Männchens von aussen resp. von oben gesehen, x 5.
Tafel XVII.
Fig. 1. Sesarma livida A. M. Edw.. grössere Scheere des Männchens,
X 2; la dieselbe von oben gesehen, x 2; Ib die zwei
grössten Höcker des Rückens des beweglichen Fingers, x 10.
Fig. 2a. PinnLca Fischeri A. M. Edw., Abdomen des Männchens, X 5;
2b äusserer Kieferfuss eines AVeibchens, x 5. Indem das
zweite Griied ein wenig seitlich steht, so erscheint es länger
als breit, in Wirklichkeit ist aber die grösste Breite ein
bischen grösser als die Länge; auch das dritte Glied liegt
ein wenig seitlich.
Fig. 3. Elamene FilhoU n. sp., Männchen, X 5: 3a Vordertheil des
Rückenschildes von unten gesehen, x 10; 3b Scheere des
Männchens, x 10; Bc Dactylopodit des ersten rechten Lauf-
fusses, X 10; 3d Spitze dess^elben mit der scharfen Neben-
klaue, X 50,
Fig. 4. Ebalia Pfeff'eri n. sp., Weibchen, x 3; 4a Scheere, x 6.
Fig. 5. Dromidia Caput - mortumn Latr. , jugendliches Männchen,
Original aus dem Pariser Museum, x 2; oa Stirn und
vorderer Seitenrand des alten Männchens aus Araboina, x 1 Va-
Fig. 6. Dromidia australiensis Haswell, Männchen, X 3; das Toment
des Rückenschildes ist nicht gezeichnet worden; 6a Stirn,
stärker vergrössert.
598 Dl". J. O. de Man:
Tafel XVIII.
Fig. 1. Dromidia (ßohosa Lara., Vordertheil des Cephalothorax,
Originalexemplar aus dem Pariser Museum, Mämichen, 4 x;
la Scheere desselben, >< 3.
Fig. 2. Cryptodromia coronata Stimpson, Männchen, x 3 ; 2 a Scheere
des Männchens, x 4; 2b vordere Hälfte des Abdomens des
Männchens, x 4.
Fig. 3. Cryptodromia Hügendorfl n. sp., Weibchen, X 4; 3a linke
Pterygostomialgegend , x 6; 3 b vorderer Seitenrand des
Rückenschiides des Weibch. von der Insel Noordwachter, x 4.
Fig. 4. Cryptodromia amboinensis n. sp., AYeibcheu , x 5; 4a linke
Pterygostomialgegend desselben, x 10, a der zweite Seiteu-
randzahn; 4 b Scheere des Weibchens, x 6.
Fig. 0. Porcelkma moluccensis n. sp., X 3.
Fig. 6. Porcelkma streptocMra AVhite, X o, der linke Vorderfiiss
nebst der linken Antenne ist etwas höher gezeichnet; 6a
Stirnpartie, x 15. —
Fig. 7 a. Porcellana dentata M. Edw., Carpalglied des grösseren und
7 b Carpalglied des kleineren Scheerenfusses, x 3, —
Tafel XIX.
Fig. 1. Porcelkma (Polyonyx sp.), grösserer Scheerenfuss, x 5.
Fig. 2. Clibanarius critentatus M Edw., X 4: 2a Scheere, von der
Aussenseite gesehen, x 4. In Fig. 2 liegen die linken Füsse
ein wenig schief, so dass sie kürzer erscheinen als die rechten,
und der linke Fuss des fünften Paares fehlt dem Exemplare.
Fig. 3. Galathea amboinensis n. sp., Weibchen, X 3; die feinen
Härchen an den Querstreifen sind nicht gezeichnet worden ;
3 a Schnabel, X 6.
Fig. 4. Galathea pilosa n. sp.. X 5; 4a, Schnabel, x 10.
Fig. 5. Axius plectrorhynchus Strahl, Scheerenfuss, X 5. Die Finger
sind nicht ganz geschlossen gezeichnet, um die kleinen
Zähnchen der Innenränder sehen zu lassen.
Fig. 6 Axius spinipes n. sp., Cephalothorax und Antennalregion, x 4 ;
6a Schwanzflosse X 4; 6b linker, grosser Vorderfuss von
der Aussenseite gesehen, x 4.
Tafel XX.
Fig. 1. Axius affinis n. sp., linker, d. h. grösserer Vorderfuss des
Weibchens, x 4, von der Aussenseite gesehen.
Fig. 2. Axius clypeatus n. sp., 'Männchen, x 8; 2a Rostrum mit
den Augen, x 30; 2b grosser Vorderfuss desselben, x 6;
2 c Schwanzflosse, x 6.
Fig. 3. Axius Brockii n. sp., Weibchen, x 8; 3a Rostrum und an-
grenzende Körpertheile, stärker vergrössert, a die Antennal-
Decapodeii xmd Stoniatopofleii. 599
schuppe; ob grösserer Vorderfuss desselben, x 6; 3c Schwanz-
flosse des AVeibchens, x 8; 3d zwei Haare und drei Rand-
stachelchen von dem Rande von einer Seitenflosse der Schwanz-
flosse.
Fig. 4. CaUianassa amhoinensis n. sp., Weibchen, Vordertheil des
Cephalothorax, Augen u. innere Antennen, x 10; 4a Schwanz-
flosse desselben, x 5; 4b Vorderfuss, x 10.
Tafel XXI.
Fig. 1. CaUianassa Martensü Miers, kleiner (rechter) Vorderfuss;
X 5; la die drei Endglieder des dritten Fusses, x 5.
Fig. 2. CaUianassa mucronata Strahl , Vordertheil des Rücken-
schildes, Augen und Antennen, x ö; 2a Schwanzflosse, x 5;
2b linker Vorderfuss, x 5.
Fig. 3. Eiioplometopus pictiis A. M. Edw. , 3a linke, 3b rechte
Scheere eines jungen, nur 40 mm. langen Exemplares, x 3.
Fig. 4. Enoiiiometoims lonyirostris n. sp., x 4; 4a Rostrum in seit-
licher^ Ansicht, X 6; 4 b, 4 c, 4d, 4e Endglieder der Füsse
des zweiten, dritten, vierten und letzten Paares, x 16; 4f,
Seitenansicht der fünf mittleren Abdominalsegmente, x H.
Fig. ö. Alpheiis gracilipes Stimps. Grosse Scheere des völlig er-
wachsenen, eiertragenden, 35 mm langen Weibchens von der
Insel Noordwachter, von aussen gesehen, mit dem Carpal-
gliede, x 3.
Fig. 6. Alpheus himiguiculatus Stimps. Rostrum und Antennal-
region eines erwachsenen, eiertragendeu Weibchens, x 6;
6 a grosse Scheere, x 3.
Tafel XXII.
Fig. 1. Alpheus triunguiculatus n. sp., erwachsenes, eiertragendes
AVeibchen, vorderer Theil des Cephalothorax und Antennen-
stiele, X 6; la Schwanzflosse, x 6; Ib Hinterrand der
mittleren Schwanzflosse, x30; Ic grosse Scheere desselben,
X 4; Id linker Fuss des dritten, d.h. des mittleren Paares,
X 6; le Klauenglied dieses Fusses, x 25.
Fig. 2. Alpheus carinatus n. sp., Weibchen, Vordertheil des Cephalo-
thorax und Antennenstiele, x 4; 2a Schwanzflosse, x 6,
die beiden rechten Seitenflossen sind nicht gezeichnet worden ;
2 b Hinterrand der mittleren Schwanzflosse, x 30; 2 c grosse
Scheere desselben, x 4.
Fig. 3. Alpheiis Stimpsonii n. sp., Weibchen, Vordertheil des Cephalo-
thorax und Antennenstiele, X 6; 3a grosse Scheere desselben,
X 3; 3b Ischio- undMeropodit des rechten Fusses des dritten
d. h. d. mittleren Paares, x 6 ; 3 c Klauenglied dieses Fusses
stark vergrössert.
Fig. 4. Alpheus latifrons K.M. ^^^s\. Männchen, Vordertheil des
600 Dl'- 'T Gr. de Man: Deciipoden und Stomatopodeii.
Cephalothorax mid Anteniienstiele, x 4; 4a grosse Scheere
desselben von aussen gesehen, x 4; 4b kleine Scheere
desselben, von aussen, x 4; 4 c kleine Scheere eines jüngeren
Männchens, X 4; 4d kleine Scheere des AVeibchens, x 4,
Fig. 5. Automate dolichognatha nov. gen. n. sp. , Vordertheil des
Cephalothorax und Antennenstiele, xlO; 5 a dieselben Theile
in seitlicher Ansicht, X 10; 5 b äusserer Kieferfuss, x6; 5c
Endglied dieses Kieferfusses. x 12; 5d ein Theil der Innen-
fläche dieses Endgliedes, die Borstenreihen zeigend, stark ver-
grössei't; 5e Carpus und Scheere eines Fusses des zweiten
Paares, x 10; 5f Scheere dieses Fusses, x 25; og Fuss des
dritten, d.h. des mittleren Paares, x 6; 5h der Endtheil
dieses Fusses, x 10; 5i Schwanzflosse, x 10.
Tafel XXII a.
Fig. L HarpiUus lutescens Dana, Fuss des zweiten Paares, x 4.
Fig. 2. Anckistia amboinensis n. sp., Vordertheil des Rückenschildes,
mit Rostrum, Augen, Antennen und mit dem linken Vorder-
fusse, X 15; der Antennalstachel, der Stachel am Basal-
gliede der äusseren Antennen und der hintere Stachel vom
Seitenraude des ersten Grliedes des Stiels der inneren An-
tennen sind von den Augen bedeckt (die ein wenig ein-
gedrückte Form der Cornea ist wohl eine postmortale
Erscheinung!); 2a Seitenansicht derselben Theile, x 15, der
Antennalstachel ist nur an seiner Basis sichtbar; 2b End-
klaue des dritten, d. h. des mittleren Fusspaares, x 50.
Fig. 3. Anchistia Brockii n. sp., Vordertheil des Rückenschildes mit
Rostrum, Antennen, Augen und rechtem Vorderfusse, x 10;
3a Seitenansicht derselben Theile, x 15; 3b Scheere des
Vorderfusses, X 17; 3 c rechter Fuss des zweiten Paares,
X 10; 3d Dactylopodit des Fusses des dritten, d. h. des
mittleren Fusspaares, x 50.
Fig. 4. Falaemonella tenuipes Dana, Vorderfuss des Weibch., X 10.
Fig. 5. Stenopus tenuirostris n. sp., Weibchen, Fuss des dritten
Paares, x 3.
Fig. 6. Pseudosqiälla monodactyla A. M. Edw., Schwanzflosse, X 6;
6 a Hinterrand des letzten Abdominalsegmentes, X 18.
Fig. 7 Gonodactylus n. sp.?, letztes Abdominalsegm. desAVeibch., x 10.
Fig. 8. Protosquilla Broöksii n. sp., Rostralgegend, x 6; 8a drei
letzte Abdominalsegmente und Seitenflossen, x 6.
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K voll 's Bnclidnickerei, Berlin S., SeLastianstrasse 76.
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