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NAWURGESCHICHTE.
Gegmundet von A. F. A. Wiegmann,
Fortgesetzt von W. F.Erichson.
In verbindung mit
Prof. De. Leuckart in Giessen,
Herausgegeben
von
Dr =B.H.„PiRr9nS OH Ei,
Professor an der Friedich-Wilhelns
Universitat zu Bonn.
VIER UND ZWANZIGSTER JAHRGANG.
Erster Band.
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Inhalt des ersten Bandes.
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Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden
Yon Dr. €. Claus. Hierzu Taf. I—IN 2
Beschreibung einiger neuen Chilenischen Mäuse. Von Dr R.
A. Philippi und Ludw. Landbeck e
Kurze Beschreibung einer neuen Chilenischen Ralle. Von Dr.
R. A, Philippi . . 5 -
Uebersicht der Familie Gadidae.. Von J. Kaup -
Uebersicht der Soleinae, der vierten Subfamilie der Pleuronecti-
j dae. Von J. Kaup R
Uebersicht der Plagusinae, der fünften Subfamilie ne ee
u. nectidae. Yon J. Kaup B 5 5
Bemerkungen über einige Säugethiere in nr und
historischer Beziehung. Von Dr. Eduard v. Martens
Ueber einige Velutina-Arten. Von Dr. Eduard v. Martens
Hierzu Taf. IV. Fig. 1—3 - c
Ueber einige Brackwasserbewohner aus den ungchlagee Vene!
digs. Von Dr. Eduard v. Martens. Hierzu Taf. IV.
Fig. 4. 5 und Tal.V . :
Zoologische Notiz (Ueber den Polypen der Bon uber
Von Dr. C. Semper. Hierzu Taf. VII. Fig. A.
Einiges über die Annelidenfauna der Insel Santa Catharina an
der Brasilianischen Küste. Von Dr. Fr. Müller. (Aus
einer brieflichen Mittheilung an Prof. Grube.) Hierzu
Taf. VI und VI . - £ 5
Neue Schlangenarten in der En des britischen Museums.
Von Dr. A. Günther { ; h 2 E
Enthelminthica No. V. Ueber Amphilina foliacea, Gyrocotyle
Dies. und Amphiptyches Gr. W. Brielliche Mittheilung an
Herrn Prof. Leuckart. Von Dr. @ R. Wagener.
Hierzu Taf. VII E . P n
Seite
IV Inhalt.
Enthelminthica No. VI. Ueber Distoma campanula und Mono-
stoma bipartitum. Briefliche Mittheilung an Herrn Prof.
Leuckart. Von Dr. G. R. Wagener. Hierzu Taf. IX.
Ueber die Hectocotylenbildung der Cephalopoden. Von Dr. €.
Claus. llierzu Taf. X . -
Beschreibung einiger neuen Seesterne aus dem Meere, von Chiloe,
Von Dr. R. A. Philippi. Briefliche Mittheilung an den
llerausgeber.. - - R - . . E
Beiträge zur Anatomie und Histologie einzelner Trematoden
(Amphistomum subelavatum, Distoma lanceolatum, Distoma
hepaticum). VonDr.Georg Walter. Hierzu Taf. XI-XII.
Nachträgliche Bemerkung über die Gattung Scaeurgus. Vom
Herausgeber 3 - 3 . e 5 e
Beschreibung neuer Wirbelthiere aus Chile. Von Dr. R. A.
Philippi n - H b 2
Bemerkungen über den Schädel von Gavialis Schlegelii und
Crocodilus raninus. Von Geh. Rath Prof, Dr. Mayer
Neue Batrachier in der Sammlung des Britischen Museums.
Von Dr. A. Günther 2 E
Einiges über die Acanthopterygiens ä joue cuirassce Cuv.
Von J. Kaup 5 5 £ 5
Kritische "Bemerkungen über Castelnau's Siluroiden. Von. Prof.
Rud. Kner. Briefliche Mittheilung an den Herausgeber
Seite
250
257
264
269
298
303
312
319
329
344
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte
der Copepoden.
Von
Dr €. Claus
(Hierzu Taf. I—III.)
Frühere Untersuchungen über den äussern Bau der Cyclo-
piden waren von mir in der speciellen Absicht unternommen,
eine Reihe sicherer und zuverlässiger Anhaltspunkte zur Be-
gründung der Cyclopsarlen zu gewinnen und charakterislische
Merkmale’ aufzufinden , mit deren Hülfe die Unterscheidung
jener Arlen erleichtert und gesichert werden könnle. Ein lie-
feres Eingehen in die innere Organisalion jener Thierformen
lag damals ausserhalb meines Planes und musste um so mehr
für unnölhig erachtet werden, als kurz zuvor von W. Zen-
ker eine anatomisch-physiologische Bearbeitung der Cyclo-
piden gegeben war. Wie aber kein Werk, selbst aus den
Händen des exaklesten Forschers und genausten Beobachters
den Stempel absoluter Vollkommenheit trägt, sondern in jeder
Untersuchung eine Reihe unerforschter Verhältnisse spätern
Beobachlern zur Aufklärung zurückgelassen werden, so blie-
ben auch in der Lebensgeschichte und im Baue der einhei-
mischen Copepoden zahlreiche Punkte unerörlert, namentlich
aber die Bildungs- und Entwickelungsvorgänge in ihren Ein-
zelnheiten unbekannt. Diese waren es vornehmlich, auf de-
ren Erforschung ich seit einem Jahre meine Aufmerksamkeit
richtete, um deretwillen ich von Neuem die Cyelopiden einer
specielleren Untersuchung und auch den Bau und die Orga-
Archiv f. Naturgesch, XXIV. Jahrg. 1. Bd. 1
2 Claus:
nisation der ausgebildelen Formen einer ausführlichen Prü-
fung würdigte. Freilich muss ich im Voraus das Gesländ-
niss ablegen, dass es mir keineswegs gelungen ist, alle Fra-
gen über die man sich nach dem heuligen Stande der Wis-
senschaft Rechenschaft zu geben hat, zu beantworlen, dass
ich zahlreiche Schwierigkeiten, namentlich bei Verfolgung der
Ei- und Larvenformen nicht überwinden konnte. Die Lücken
indess, die mir zur Ergänzung übrig geblieben sind, gedenke
ich sobald als möglich auszufüllen, nichl nur dadurch, dass
ich meine Beobachtungen auf ein weil umfassenderes Mate-
rial, auf die Meeresformen, ausdehne, sondern vorzüglich auch
durch eine genauere Untersuchung des kleinen Canthocamplus
staphylinus, der mir bisher nur spärlich zu Gebote stand.
In den vorliegenden Blältern habe ich die erwähnte Thier-
form nur wenig berücksichligen können, dagegen die Organi-
sationsverhällnisse der Cyclopsine castor zum Ausgangs-
punkte gewählt, um daran das, was ich an den einheimischen
Cyelopsarten gefunden habe, zugleich als Nachtrag zu meiner
früheren Arbeil anzuknüpfen.
Bei den Untersuchungen selbst wurde ich durch die
Güte des Herrn Professor Leuckart, meines hochverehrten
Lehrers, auf das mannichfaltigste unterstützt. Nicht genug,
dass derselbe mir die vortrefflichen Hülfsmiltel des Giessener
zoologischen Inslilutes zu Gebote stellte und den Gebrauch
vorzüglicher Mikroskope so wie die Benutzung seiner reich-
haltigen Bibliothek auf das freundliehste gestatlete — auch
durch seinen Rath und durch eigene Theilnahme an den Be-
obachtungen suchte er mir die Arbeit zu erleichtern, so wie
durch Besprechungen des Gegenstandes meine Ansichten zu
läutern. Es wird mir daher zur angenehmsten Pflicht, mei-
nem Iheuren Lehrer innigen Dank zu sagen und als Aus-
druck meiner Dankbarkeit das öffentliche Bekenntniss der-
selben "vorauszuschicken. E
Bedeckung und allgemeiner Körperbau.
(Fig. 50, 55, 19, 20).
Man unterscheidet an der Haut von Cyclopsine deutlich
zwei'Schichten, eine äussere chilinisirle Lage und eine untere
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 3
zellige Schicht von weicher Beschaffenheit, Die erstere slimmt
in ihrem Ansehen mit der zarten Culieula der Arthropoden-
larven überein und zeigt bei unbedeutender Dicke eine ho-
mogene Beschaffenheit, Porenkanäle, wie man sie häufig an
Geschöpfen mit starkem Haulpanzer antrifft, fehlen ; die dünne,
zarte Beschaffenheit der Chitinlage bietet gewissermassen ei-
nen Ersatz für den Mangel grösserer Oeffnungen. Die untere
Lage besteht aus Kernen, welche in molekulärer Zwischen-
masse zerstreut liegen; sie hat offenbar die Bedeutung einer
Schicht undeutlich geschiedener Zellen, . welche durch Aus-
scheidung die homogene Cutieula.bilden, In .grösserer Ent-
wickelung trili die untere zellige Schicht an den Jugendfor-
men auf, die noch zahlreiche Häutungen zu bestehen haben.
Die Cyclopsinen stehen in Gestalt und Bildung des
Körpers den Cyelopsarten sehr nahe und sind aus einer glei-
chen Anzahl von Segmenten zusamınengeseizt. Während
indess (die Leibesringe der Cyelopen vom Rücken nach dem
Bauche zusammengedrückt sind oder eine rein cylindrische
Form besitzen, waltet hier die seitliche Compression des
Körpers vor, und es ist leicht aus dieser Abweichung die
Differenzen abzuleiten, welche in dem Baue der Gliedmassen,
in den Bewegungen, in der inneren Organisalion und in der
ganzen Lebensweise zur Beobachtung kommen. Die Segmente
und ihre Anhänge sind so &ruppirt, dass man drei Körper-
regionen, Kopf, Thorax und Abdomen unterscheiden kann,
Der Kopf trägt die Antennen und Mundtheile und bildet (ohne
in einzelne beweglich verbundene Ringe zu zerfallen) den
vorderen langgestreckten Abschnitt. Morphologisch muss
derselbe mehreren Segmenten und, wie später, zu begründen
ist, dreien Ringen gleichwerlhig angesehen werden, den Seg-
menten nämlich, welche schon bei der eben ausgeschlüpften
Larve durch die Gliedmassen angedeulet sind. Die ersten
beiden Gliedmassenpaare der Larve formen sich in die An-
tennen um, das dritte Fusspaar bildet durch Theilung alle
Mundtheile. Auch für die Cyclopen gilt die nämliche, Meta-
morphose, indess tritt uns ‚bei diesen der vordere Körper-
theil nicht in reiner Form als Kopf entgegen, sondern ist mit
dem ersten Thoracalsegmente verschmolzen. Während wir
daher die Körperregionen der Cyclopen als Cephalothorax
4 Claus:
und Abdomen bezeichnen, ist es bei Cyclopsine möglich, den
entsprechenden vorderen Abschnitt in Kopf und Thorax auf-
zulösen und unter letzterem die fünf folgenden durch Ein-
schnürungen geschiedenen Segmenle zu begreifen, deren An-
hänge zu Ruderfüssen umgebildet sind. Unter einander sind
die zu einem Paare gehörigen Ruderfüsse fester verbunden
und in Folge einer eigenthümlichen ventralen Bildung (siehe
S. 11) nur zu gleichzeitigen Bewegungen befähigt. Der Kopf
und die Thoracalringe stehen an der Bauchfläche in einem
eigenthümlichen Zusammenhange, indem der untere Rand des
Kopfes und der vier nächsten Segmente in zwei starkverhornie
Zapfen ausläuft, zwischen welchen je ein Chilinstab einge-
lagert ist (Fig. 20), der mit dem folgenden Segmente in fe-
ster Verbindung steht. Bei den Cyclopen finden sich ana-
loge Bildungen (Fig. 19), welche von Zenker als Theile der
sogenannten Bauchwirbel aufgefasst wurden. Das Abdomen
wird aus sechs Ringen zusammengesetzt, von denen der letzte
gabelförmig gespalten ist und den Namen „furca“ führt. Bei
dem Weibe verwachsen im Laufe der Entwickelung die zwei
ersten Abdominalsegmenle zu einem grösseren Abschnilte, an
welchem die Geschlechtsorgane ausmünden. Daher scheint
auch bei Cyclopsine der Körper des Weibchens aus einem
Ringe weniger zu bestehen als der Leib des Männchens. Be-
rücksichtigen wir zugleich die Trennung des ersten fussira-
genden Segmentes vom Kopfabschnilte, so werden die Unter-
schiede in Bau und in Zahl der Körperringe, die man zwi-
schen dem Genus Cyclopsine und Cyclops, so wie zwischen
dem männlichen und weiblichen Geschlechte bei den Auto-
ren angeführt findet, in ihrem morphologischen *) Zusammen-
*) Man wird es mir wohl erlassen können, die verschiedene
Deutung der einzelnen Segmente und Gliedmassen einer eingehenden
Besprechung zu unterwerfen, und die Grenzen der nach den einzelnen
Gliedmassentheorien unterschiedenen Regionen in Bezug auf ihre Be-
rechtigung zu würdigen. Ich begnüge mich damit, herzorzuheben,
dass Erichson das zweite Antennenpaar als ein vorgerücktes, einem
spätern Segmente angehöriges Fusspaar aulfasste, während sich Zad-
dach den Bau der Entomostraken anfangs (siehe seine Eintheilung
des Thierreichs in Kreise und Classen) durch den Schwund des Ab-
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 5
hange begreiflich. Die Furca ist stets gedrungen und kurz;
an ihrem Ende Irägt sie fünf gefiederte Anhänge, welche den
Schwanzborsten der Cyclopen genau entsprechen; die äusserste
derselben lässt sich morphologisch auf die kürzere Seilenborste
der. Cyclopen zurückführen, die innere Seitenborste ist auch
hier durch einen unbefiederten Anhang verlreten. (Siehe
Fig. 50.)
Die Gliedmassen und deren Befestigung.
(Fig. 1. — Fig. 20.)
Die Antennen.
(Fig. 1—3, ferner Fig. 16—18 und Fig. 55.)
Anstalt des als Rosirum bekannten Wulstes, der sich
bei den Cyelopsarlen am vorderen Körperende findet, beob-
achlet man hier eine kleinere unpaare Auflreibung, zu deren
Seiten sich ein paariger Vorsprung erhebl, welcher mit brei-
ter Basis enispringend in einen etwas gekrümnten, haken[ör-
migen Zapfen ausläuft. Diese Slirnzapfen, wie wir uns aus-
drücken wollen, haben ohne Zweifel die Bedeulung eines
Schulzapparates für die in der Tiefe gelegenen Weichtheile,
namentlich für das Auge, welches bei der zarlen weichen Um-
gebung eines besonderen Schutzes bedarf. Die Entfernung
beider Vorsprünge steht auch mit der Lage und Grösse des
Auges in nothwendiger Beziehung, indem sie fast genau der
Breite des darunter gelegenen Pigmentkörpers entspricht. Zu
beiden Seiten dieser schützenden Chitinbildung finden sich
die ersten Gliedmassen, die man wegen ihrer Lage und Funk-
tion als Antennen bezeichnet hat, befesligl. Die Einlenkung
wird durch dünne Chitinstäbe vermittelt, welche eine durch-
aus regelmässige zierliche Anordnung, zeigen und mit der
Oberlippe in direktem Zusammenhange stehen. Sie bestehen
aus einer Anzahl cylindrischer Ringe, die an der Basis den
domens, später (Entwickelung des Phryganideneies) durch unvollstän-
dige Entwickelung des Thorax erklärte. Burmeister’s Zahlentheo-
rien können nicht im entferntesten auf den Bau der Cyclopiden ange-
wandt werden.
6 Claus:
grössten Durchmesser besitzen, nach dem Ende zu sich mehr
und mehr verschmälern ; ‘gleichzeitig nehmen die Ringe an
Länge bis etwa zur Mitte conlinuirlich zu, um mit Ausnahme
des kurzen stummelförmigen Endgliedes die erlangte Grösse
beizubehalten. Die Anzahl der Antennenglieder ist keines-
wegs eine unbestimmte, wie man nach der Burmeister’schen *)
Definition der Antennen erwarten sollte, sondern man findet
steis 25 Ringe vor, die in ganz beslimmten Grössenverhält-
nissen auf einander folgen und mit charakteristisch geord-
neten Anhängen ausgeslatlet sind. ($. Fig. 1 und 2.)
Jedoch kann man sich nur an den weiblichen und an
der linken männlichen Antenne von der angegebenen Zahl
der Glieder durch direktes Zählen überzeugen; um dieselbe
auch an der rechten männlichen Antenne nachzuweisen , hat
man einige Entwickelungsformen nöthig, da sie im ausge-
bildeten Zustande zu einem Greifapparate umgebildet ist und
die einzelnen Rirge nicht isolirt und in unveränderter Form
vorführt. Schon die linke männliche Antenne zeigt von der
weiblichen gewisse Differenzen, welche in der grösseren Ge-
drungenheit der einzelnen Glieder und vornehmlich in der
abweichenden Bildung des 7ten Gliedes zur Anschauung kom-
men. Das letztere trägt beim Männchen in der Milte des
äusseren Randes eine kräftige Borste von bedeutender Länge,
die der weiblichen Antenne abgeht. Weit abweichender aber
ist die rechte Antenne des Männchens gebildet, welche durch
Auftreibung und Verschmelzung bestimmter Glieder zu einem
kräftigen Greifapparat umgebildet erscheint. Sie bietet in Bau
und Funktion grosse Analogie mit dem entsprechenden Kör-
peranhange der Cyelopsarten, bei welchen indess auch die
Antenne der linken Seite in derselben Weise gebaut und zu
gleicher Leistung befähigt ist. Aehnlich wie dort unterschei-
det man auch hier drei Abschnitte, von denen der basale die
ersten zwölf Ringe umfasst und dazu dient, durch freiere
seilliche Bewegungen seiner Glieder die Wirkung der beiden
obern Abschnitte auf verschiedene Richtungen auszudehnen.
Die Basalringe besilzen eine bedeutende Breite, während die
"*) Zoonomische Briefe, “Organe mit unendlichen Gliederrei-
hen u. 8. w. 8.34.
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 7
folgenden von viel geringerem Durchmesser durch wellen-
förmig ausgeschweilte Ränder ausgezeichnet sind und seit-
liche Verschiebungen unter einander gestalten. Letztere bil-
den so in ihrer Gesammtheit gewissermassen einen um die
Längsaxe rotirenden Stiel, der die Brauchbarkeit des aufsit-
zenden Greifapparates erhöht. Der miltlere Abschnitt besteht
aus sechs wulslig aufgetriebenen Gliedern von bedeutendem
Durchmesser, welche in sich eine kräftige Muskulatur bergen ;
an der’inneren Seite, nach welcher die ginglymische Bewegung
des oberen Abschnittes erfolgt, sind kräftige Borsten angebracht,
von denen die äussersien den beiden letzten Ringen der Länge
nach anliegen und die Funktion elastischer Stäbe übernehmen.
Die noch übrigen sieben Glieder selzen den dritten Abschnilt
zusammen, ohne jedoch als deutlich geschiedene Ringe er-
kenntlich zu sein. Nur die drei letzten Glieder treten voll-
kommen frei dem Beobachter entgegen, während je zwei
der vorhergehenden zu einem langen cylindrischen Abschnitt
verschmolzen sind. Der erste derselben, an Grösse der bedeu-
tendste, ist gelenkig mil dem letzten Ringe des mittleren Ab-
schniltes verbunden und kann gegen denselben mitsammt den
folgenden Gliedern wie die Klinge des Taschenmessers gegen
den Griff eingeschlagen werden. Auch dieser Theil ist an
der Innenseite mit elastischen Stäben versehen, welche beim
Zusammenschlagen die gleichwerthigen Gebilde des mitlleren
Abschniltes bedecken, und den auf gefangene Körper ausge-
übten Druck zu mildern scheinen.
Es ist wohl kaum nöthig, im Speciellen die Analogie
welche zwischen den betrachteten Antennen und denen der
männlichen Cyclopen besteht, darzulegen, sie ergiebt sich aus
dem Besprochenen unmiltelbar, indess möchle es doch von
Interesse sein, die Abweichungen, durch welche beide in Bau
und Funktion verschieden sind, anzudeuten. Die rechte Antenne
von Cyclopsine ist weit schlanker und gestreckter als die
der Cyclopen und zeigl sich auch dieser Bildung gemäss weit
weniger zu anhaltender Leistung befähigt. Hiermit steht denn
auch die Verwendung dieser Anlenne bei der Begallung im
Zusammenhange ; ihr ist nur die Aufgabe zugefallen, das
Weibchen zu fangen, während die Copulalion durch die Thä-
tigkeit des fünften Fusspaares zu Stande kommt, Die männ-
8 Claus:
lichen Antennen der Cyclopen dagegen haben auch diese
Leistung übernommen und sind demgemäss für eine andau-
ernde Wirksamkeit organisirt. Von weit gedrungenerem mas-
sigerem Baue, mit kürzerem Basaltheile ausgestaltet, können
sie Tage lang ohne Unterbrechung ihre Leistung ausüben.
Auffallend ist zugleich die ununterbrochene Contraktion der
Längsmuskeln, die, wie mir scheint, nur durch die Wirkung
der mechanischen Kräfte erklärt werden kann. Wie man sich
leicht überzeugt, ist das Vorhandensein eines Chilinvorsprun-
ges im Innern des 14ten Ringes als mechanisches Mittel zur
Unterstützung der Muskelaklion von grösster Bedeulung.
Ueber denselben läuft wie über eine Rolle der sehnige End-
theil des starken, bauchigen Längsmuskels hinweg, um sich
in einem Einschnitte des folgenden Ringes zu inseriren ($.
Fig. 15—18). Allein nur das äusserste Ende dieser Sehne
ist von weicher. elastischer Beschaffenheit, der bei weitem
grössere untere Theil ist zu einem festen Sförmig gekrümmien
Chitinstabe erhärtet, der 'bei der Contraklion des Muskels über
die Rolle hingleitet und in den Raum unterhalb derselben
hineinspringt. In dieser.Lage (Fig. 15) ist der Muskel voll-
sländig zusammengezogen, und dem Nachlasse der Contrak-
tion in dem Gegendrucke des Chilinvorsprunges ein bestimm-
ter Widerstand geboten, der erst bei vollkommener Erschlaf-
fung überwunden wird.
Die zweiten Antennen (Fig. 3) von Cyclopsine
castor inseriren sich unterhalb der ersten. zu beiden Seiten
der Oberlippe. Sie bilden nicht wie die der Cyclopsarten
eine einfache Gliederreihe, sondern sind aus zwei Aesten
zusammengesetzt. Auf einen Basalring folgt ein cylindrisches
zweites Glied, dem sich noch ein drittes und viertes an-
schliesst. Ausserdem trägt dasselbe am äusseren Rande einen
eylindrischen Ast, über dessen nähere Beschaffenheit die bei-
gegebene Figur Aufschluss giebt.
Die Mundtheile.
(Fig. 4—7.)
Die Mundöffnung wird am oberen Rande von einer un-
paaren Chilinplalte begrenzt, die als Oberlippe bezeich-
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 9
net wird. Dieselbe steht jederseits mit dem Basaltheile der
grossen Antenne im Zusammenhange und 'es scheint, als ob
Bewegungen der leizteren auch geringe Lagenveränderungen
dieses Theils zur Folge hätten. Nach Fischer’s Beschrei-
bung soll die Oberlippe aus zwei abgerundeten Lappen be-
stehen, indess ist eine solche Anschauung nur durch Com-
binalion der Oberlippe mit dem ersten Kieferpaare entstan-
den ; die Oberlippe ist im Gegentheile durchaus einfach, ent-
behrt auch aller Einkerbungen am unteren stark chitinisirten
Rande, wie wir sie in so regelmässiger Anordnung bei den
Cyelopsarten finden. In morphologischer Beziehung ist die-
selbe nichts als die obere Plalte des unpaaren Wulstes, der
bei den frei schwimmenden Larven von der Mundröhre durch-
brochen zwischen den beiden ersten Ruderfüssen beobachtet
wird,
Das erste Kieferpaar (Fig. 4) besteht aus einem
langgestreckten Basaltheile und einem: zweiäsligen Palpus.
Der Basaltheil ist am inneren Rande stark chilinisirt und mit
kräftigen Zähnen ausgestatlel, er trägt ziemlich nahe an sei-
ner Inserlion am oberen Rande den zweiäsligen Palpus, der
ähnlich der zweiten Antenne gebildet ist und auch eine mit
jener übereinsiimmende Thäligkeit ausübt, indem derselbe
durch fortwährende Schwingung eine conlinuirliche Bewegung
der umgebenden Wasserlheile unterhält.
In noch weit höherem Grade ist das zweite Kiefer-
paar (Fig. 5) zur Sirudelerregung befähigt. Alle seine Theile
sind flächenhaft entwickelt und mit zahlreichen mächtig ent-
wickelten Borsien besetzt. Bau und Funktion zeigt daher grosse
Uebereinstimmung mit den Schwimmfüssen der Branchiopo-
den, die ebenfalls durch Strudelung im Wasser suspendirte
Körper heranbewegen und der Mundöffnung zuführen. Man
fasst gewöhnlich diese flächenhaft entwickelten Anhänge als
Kiemen auf und sucht ihre Bestimmung auf die Vermitlelung
der Respiralion zurückzuführen. Indess scheint mir diese
Bedeutung nur da vollkommen erwiesen, wo ausserdem be-
stimmte Gründe vorliegen, aus denen ein lebhaft respiratori-
scher Austausch an diesen Theilen gefolgert werden kann.
Die gesammte Haut zarter Wasserthiere und auch unserer
Cyelopiden ist in demselben Sinne als Kieme zu deulen, denn
10 Claus:
auch diese geslattet den endosmotischen Verkehr innerer und
äusserer Stoffe unter denselben Bedingungen.
; Der zunächst folgende Körperanhang (Fig. 6), welcher
unter dem Namen des kleinen Maxillarfusses bekannt
ist, nimmt an der Erregung des Wasserstrudels ebenfalls An-
theil, wie man schon aus seiner flächenhaften Entwickelung
und dem Besilze mächliger Anhänge vermuthen kann. Vor
dem entsprechenden Theile der Cyclopen zeichnet er sich zu-
nächst durch die Gedrungenheit der einzelnen Glieder aus,
deren hier fünf unterschieden werden können. Die drei er-
sten sind nicht scharf von einander gelrennt und tragen an
ihrem inneren Rande nicht etwa einfache befiederte Borsten,
sondern laufen in papillenförmige Fortsätze aus, von denen
jeder mit mehreren Anhängen versehen ist. Die zwei letzten
Glieder sind von unbedeutender Grösse und scharf von einan-
der geschieden; auch sie Iragen mächtig entwickelte Borsten.
Die grossen Maxillarfüsse (Fig. 7) von fast dop-
pelter Länge als die vorherbetrachteten, sind zu einer anderen
Leistung organisirt. Dieselben bestehen aus zwei sehr langge-
strecekten Basalgliedern, die am inneren Rande in constanter
Ancerdnung Borsten verschiedener Bildung und Grösse tragen,
und aus einem fünfgliedrigen mil langen Borsten besetzten End-
theile, dem das zweite Glied bis zu bestimmter Entfernung
genähert werden kann. MitHülfe derselben können sich un-
sere Geschöpfe an dünnen Blaltstielen und ähnlichen Gebil-
den anklammern und vor Anker legen, aber auch, wie man
sich leicht durch direkte Beobachtung überzeugen kann, krie-
chend auf Blättern und andern im Wasser befindlichen Ge-
genständen umherbewegen. Zur Ergreifung der Nahrung
scheinen die Maxillarfüsse der Cyclopsine nicht zu dienen,
denn die Speise besteht, nicht aus grösseren Körpern , son-
dern aus mikroskopischen Thier- und Pflanzenresten, welche
im Wasser fein vertheilt sind; bei den Cyclopen, deren
Mundtheile weit weniger zu einer Strudelerregung, als zum
Kauen der Nahrung organisirt sind, mögen diese Gliedmas-
sen wohl auch grössere Gegenstände erfassen und dann als
Beute den Kiefern zum Zerkleinern übergeben.
U LU [LH u
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 11
Die Füsse,
(Fig. 9—14).
Die zu Fusspaaren umgebildeten Körperanhänge sind in
derselben Zahl vorhanden wie die entsprechenden der Cyclops-
arten, mit denen sie auch in Bau und Bildung übereinstim-
men. Nur sind sie weit geslreckter, mit kräftigeren Ruder-
borsten ausgestaltet und demgemäss, durch Produktion einer
grössern Widerstandsfläche, zu einer bedeutenderen Leistung
befähigt. Die vier vorderen Fusspaare, von denen jedes ei-
nem scharf geschiedenen Segmente angehört, sind ausschliess-
lich Lokomotionsorgane; durch gleichzeilige, in der Richtung
von vorn nach‘ hinten ausgeüble Ruderschläge erzeugen sie
die für die Bewegung des Thieres nöthige Propulsionskraft,
welehe durch die Thätigkeit der grossen Antennen und des
beweglichen Abdomens in Richtung und Intensität modificirt
wird. Das erste Fusspaar (Fig. 8) ist am wenigsten ent-
wickelt und zeigt die charakteristische Abweichung, dass
der innere Asl nur aus zwei Gliedern besteht, der äussere
dagesen am zweiten Gliede des hakenförmigen Anhanges
entbehrt. ‘Von wesentlicher Bedeutung für die gesammte Lei-
stung dieser Gliedmassen ist eine eigenthümliche Chitinbil-
dung, die sich zwischen den Basalringen der einzelnen Fuss-
paaren ausgespannt findet, auf deren Vorhandensein die gleich-
zeilige und in gleicher Richtung ausgeführte Bewegung der
Ruderfüsse begründet ist. Auch Zenker hat diese Bildung
beobachtet, allein als einfache Aufwulstung des ventralen Kör-
pertheils gedeutet und als wesentlichste Eigenthümlichkeit sei-
ner sogenannten Bauchwirbel beschrieben. Zwischen dem Ba-
salringe eines jeden der vier Fusspaare findet sich eine flach
rinnenförmige Chitinplatte, deren Ränder nach innen einge-
bogen sind und den Anschein zweier Längswülsten darbieten.
Während der Basaltheil derselben in Gestalt einer dünnen in
Falten gelegten Membran am vorderen Rande des zugehöri-
gen Segmentes befestigt ist, stehen die Seitentheile mit den
Ruderfüssen in direkter Verbindung, indem jederseits ein
Zapfen des ersten Fussgliedes in eine entspechende Verlie-
fung der Chitinplatte hineinpasst. Hierdurch wird die Bewe-
gung beider Füsse eine gleichzeilige, aber auch zugleich
12 Claus:
die Richtung, in welcher beide Theile ihre gemeinsame Thä-
tigkeit entfalten, eine bestimmte und einseilige.
Das fünfte Fusspaar (Fig. 9—14) erlangt einen höhe-
ren Grad der Entwickelung, als das entsprechende der Cy-
clopen, dessen stummelförmiges Aussehen den Namen des
rudimenlären Fusses rechlferligt. Nicht wie dort bleibt das-
selbe auf einer sehr frühen Entwickelungsstufe stehen, son-
dern bildet sich bis zur letzten Häutung. fast gleichmässig
mit den übrigen Ruderfüssen heran, um schliesslich eine ab-
weichende Gestalt anzunehmen, die es zur Ausübung von Ge-
schlechisthätigkeiten befähigt. In der Form, die uns dasselbe
vor der letzten Häutung vorführt, tritt der Typus der übrigen
Ruderfüsse deutlich zur Anschauung, indem man ausser einem
aus zwei Gliedern bestehenden Basaltheile zwei zweigliedrige
Aeste unterscheidet. Die letzteren sind indess in ihrem Baue
sehr verschieden; während der äussere mächtig entwickelt
ist, stellt der innere einen dünnen, palpusarligen Anhang dar.
Auf dieser Entwickelungsstufe sind auch schon die Differen-
zen vorgebildet, welche im ausgebildeten Zustande zwischen
den männlichen und weiblichen Gliedmassen des fünften Paa-
res bestehen.
Beim Weibe (Fig. 11) sind beide gleichgebaut. Der Ba-
sallheil und vornehmlich dessen zweiles Glied ist kurz und in
die Breite entwickelt, der innere Ast weit länger als der be-
treffende des Männchens und an der Spitze mit zwei Borsten
ausgeslaltet. Zugleich gewinnt das erste Glied des äusseren
Astes eine bedeutende Länge; ihm schliesst sich ein kürze-
res zweites Glied an, das am inneren Rande in einen kolbi-
gen Zapfen ausläuft, am Ende aber eine ansehnliche Borste
und zwei kurze Spilzen Irägt. Nach der letzten Häutung er-
scheint der innere Zapfen zu einem kräftigen Haken verlän-
gert (Fig. 14), auf dessen äusserm Rande die Endborste be-
weglich eingelenkt ist,
Bei der männlichen Cyclopsine tritt schon vor der. letz-
ten Häutung eine Abweichung in der Gestallung des rechten
und linken fünften Fusses auf. Beiden gehört ein gestreck-
ter Basaltheil an, dessen zweiter Ring einen bedeutenden Um-
fang erreicht; am rechten Fusse (Fig. 10) gelangt aber der
äussere Ast sammt seinen Anhängen zu stärkerer Entwickelung,
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 15
er trägt am Ende des zweiten Gliedes eine lange und breite
Borste, die am linken weit kürzeren Fusse (Fig. 9) durch
eine kleine stummelförmige Spitze vertrelen ist. Im ausge-
bildeten Zustande hat die Endborste des rechten Fusses (Fig. 13)
die Gestalt eines kräfligen Hakens gewonnen, der beweglich
seinem Träger eingelenkt ist und nach innen eingeschlagen
werden kann. Am linken (Fig. 12) ist der entsprechende
Theil zu einer kurzen Klaue geworden, die mit breiter Basis
sich inserirt und einem steifen Vorsprunge genähert werden
kann. Auf diese Weise kommt die Bildung eines Greifappa-
rates zu Stande, welcher, einer Zange vergleichbar, während
der Begallung das Geschäft übernimmt, die ausirelende Sper-
matophore zu erfassen und dem Weibchen in die Geschlechts-
öffnung einzuführen. Die Funktion des rechten Fusses be-
zieht sich ebenfalls auf den Akt der Begallung ; nachdem
durch die Wirksamkeit der rechten Antenne die Besitznahme
des Weibchens vorbereitet ist, schlägt sich der klauenartige
Endtheil dieser Gliedmasse um die Basis des Abdomen ge-
gen seinen Träger ein und stellt mit geringem Kraflaufwand
eine dauernde Verbindung beider Geschlechter her. Vollkom-
men nalurgelreu und in ausserordenllicher Schönheit sind die
Abbildungen, durch die uns Jurine mil dem Begaltungsakle
dieser Thiere bekannt gemacht hat.
Die Muskulatur.
Wie bei allen langgestreckten Gliederlhieren gelangen
auch hier die Längsmuskeln zu. besonderer Entwickelung.
Zunächst verlaufen auf der Rückenhälfte in paariger, Anord-
nung mehrere Muskelbündel, die sich an einem Chitinvor-
sprung (Fig. 17) im Innern des Kopfes inseriren und der Länge
nach in den einzelnen Segmenten herablaulen. Die am mei-
sten nach oben (fast in der Miltellinie) gelegenen Bündel sind
sehr kurz und heften sich am ersten und zweiten Thoracal-
segmenle an, um Verschiebungen zwischen Kopf und Thorax
zu bewirken. Die übrigen entfernen sich mehr'und mehr
von der Medianlinie, während sie zugleich in demselben
Masse liefere Inserlionspunkle gewinnen, so dass die lelzten
sich in das schmale Abdomen hineinerstrecken und hier als
seitlich gelagerte Längsbündel freiere Bewegungen vermitteln,
AA «4 19 1 Claus:
Ihre äussersten Theile verlaufen bis in die Furca,, wohin
dünne Fäden zur Bewegung der Schwanzborsien abgehen.
Die Längsmuskeln der ventralen Körperhälfte lassen sich in
zwei Gruppen bringen. Die innere derselben findet: sich aus-
schliesslich im Thorax und Kopf und bildet paarige nach dem
ersten Abdominalsegmente convergirende Bündel, welche: an
einem mittleren dreieckigen Vorsprunge dieses Segmentes sich
anheften. Die weiler von der Mittellinie‘ entfernt gelegenen
Längsmuskeln erstrecken sich, durch eine Anheflung an jedem
Segmente unterbrochen, durch den ganzen Körper, im Ab-
domen verschmälern sie sich indess bedeutend und enden in
der Furca, wo sie die untern Schwanzborsien mil dünnen
Fäden versehen.
Zur Bewegung der Gliedmassen finden sich im Kopfe
und Thorax mächtig entwickelte Quermuskeln, die sämmtlich
auf der Rückenfläche eulspringen und namentlich in den Tho-
racalsegmenten je in zwei Bündel streng geschieden sind. Durch
die Contraktion des oberen Bündels werden die Ruderfüsse
aus ihrer normalen Lage nach vorn in der Richtung nach
dem Kopfe bewegt, während die Zusammenziehung des’ un-
tern: bei weitem stärkern Muskelbündels die Adduktion in der
entgegengeselzten Richtung zur Folge hat. Histologisch be-
merkenswerth schien mir die Struktur des bekannten in dem
mittleren Abschnitte der männlichen Antenne gelegenen Mus-
kels, der bauchig aufgetrieben und zu energischer anhaltender
Contraktion befähigt ist. Seine Umrisse sind ausserordent-
lich scharf und entsprechen einem ziemlich festen Sarco-
lemma, welches in seiner Verlängerung zum oben beschrie-
benen Chitinstabe erhärtet. Der Muskelinhalt selbst zeigt bei
mässiger Vergrösserung, wellenförmig ausgeschweifte Zeich-
nungen, die das Ansehen einer deutlichen Querstreifung her-
vorrufen (Fig. 17). Unter sehr starker Vergrösserung sieht
man abwechselnd helle und dunkele scharf conturirte Schich-
ten in continuirlicher Folge, von denen die ersteren eine be-
deutende Höhe besitzen. Im Zustande der Contraktion, in
welchem bei abnehmender Länge die Breite des Muskels sich
vergrössert hal, liegen die dunkeln Streifen in einer dichte-
ren Aufeinanderfolge, die Höhe der helleren Zwischenräume
ist sichtlich vermindert (Fig. 15).
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 15
Nervensystem und Sinnesorgane.
Nach Zenker, welcher das Nervensystem bei einigen
Cyclopsinen ‚beobachlel,und bei einem grossen Cyelops -qua-
drieoruis. präparirt zu haben behauptet, besteht ..dasselbe aus
einem ‚grossen ‚breiten Gehirnknoten und fünf den Fusspaaren
entsprechenden Bauchganglien, die durch dicht anliegende
Stränge miteinander verbunden sind. Im Abdomen sind nach
demselben Aulor noch einige kleinere Schwanzganglien gele-
gen, welche durch die Nervenfasern des Bauchstranges mit
den erstern communiciren. Aus dem Gehirne sollen kurze
Augennerven entspringen, ebenso aus dem Bauchstrange zarte
Nerven zu den Füssen abgehen. Das letzte Bauchganglion
soll endlich zarle Nerven abgeben, die in das Abdomen sich
erstreeken, um oberhalb des Afters in einem eigenen Gang-
lion zu 'enden. Ich für meinen Theil kann durch direkte Be-
obaehtung nur einige dieser Angaben besläligen ; die aus-
serordentliche Zarlheit des Nervensystems machle es mir un-
möglich, selbst nach -Einwirkung erhärtender Reagenlien,
durch Präparalion eine Anschauung von dem Baue und dem
Verlaufe zu gewinnen, _ Ich muss mich daher auf das be-
schränken, was ich am unversehrlen Thiere unter dem Mi-
kroskope direkt beobachlele, das natürlich um so unvollkom-
mener ist, als die umgebenden Organe und namentlich das
Bauchskelet mir störend in den Weg treten und nur an ei-
nigen Stellen eine Ansicht von Nerventheilen gestalteten. Mit
aller Beslimmtheit erkannte ich an durchsichtigen Cyclopsar-
ten den Theil des Bauchsirangs, der innerhalb des letzten
Thoracalringes und des ersten Abdominalsegmentes genau in
der Mittellinie verläuft. An seinem oberen Ende zeigle er deul-
lich eine Verdickung und gab an die rudimenlären Füsse seil-
lich zwei Zweige ab, nach dem Abdomen zu sich mehr und
mehr verjüngend. Auch bei Cyclopsine konnte ich mich von
dem Vorhandensein dieser Nerventheile an der entsprechenden
Stelle überzeugen; ich erkannte, natürlich eine seitliche Lage
des comprimenten Thiers benutzend , einen zarten Sirang
gelblicher Färbung, der ohne Zweifel als Nervenslrang ge-
deulet werden konnte. Aber auch hier setzen Skelet und
Muskeln der weilern Verfolgung dieses Gebildes eine Grenze.
16 - j2joX » Claus:
Was ich ausserdem durch eigene Anschauung bestätigen
kann, ist das Vorhandensein eines paarigen oder unpaarigen
Ganglions unmittelbar unterhalb der Augen, welches Zen-
ker als Gehirn bezeichnet und in richtiger Form abgebildet
hat. Mit seinem oberen Ende liegt es dem hinteren Augen-
theile unmittelbar an, ohne übrigens einen kurzen Augennerv
abzugeben.
Von Sinnesorganen ist mit Bestimmtheit bei den
Cyclopiden nur das Auge nachgewiesen. In früherer Zeit
wurde das Auge seiner Lage und Bildung nach als unpaares
Organ aufgefasst, eine Anschauung, welche die Genusnamen
Monoculus, Cyclops, Cycelopsine rechtferligt. In neuerer Zeit
indes, wo man der Entwickelung mehr Aufmerksamkeit
schenkte, hat man sich davon überzeugen müssen, dass die-
sem vermeintlich unpaaren Organen eine durchaus paarige
Anordnung zu Grunde liegt. So erwähnt namentlich Zen-
ker, dass das von Jurine und Vogt als einfacher schwar-
zer Fleck bezeichnete Auge aus zwei nach den Seilen ge-
richteten Einzelaugen besteht, die schon in früher Entwicke-
lungszeit, ehe von anderen Organe nur eine Andeulung ge-
geben, von einem zweilheiligen rolhen Fleck repräsentirt
seien. Später und erst in den freien Larvenstadien verschmel-
zen die Pigmeutflecken in der Mittellinie miteinander und
stellen dann einen unpaaren, nach beiden Seiten becherförmig
erweiterten Pigmentkörper dar, zu dem sich in der weiteren
Entwickelung die beiden lichtbrechenden Körper hinzugesel-
len. Ueber die Aullassung dieser Gebilde herrschen indess
einige Differenzen. Fischer und auch Leydig verglei-
chen dieselben der Krystalllinse, und bezeichnen sie auch
in dieser Weise, während Zenker die beiden lichtbrechen-
den Organe dem Glaskörper der Wirbelthiere parallel selzte.
Als Grund giebt er die zellige Struktur derselben an, die ich
indess sehr in Zweifel ziehe, da ich selbst auch mit Hülfe
der geeigneten Reagenlien eine histologische Differenzirung in
Zellen nicht nachweisen konnte. Indess hege ich auch einige
Bedenken, die Auffassung als Kryslalllinse sofort zu billigen,
denn abgesehen von der bis jelzt nicht erwiesenen Art der
Entstehung, kommen doch einige Momente hinzu, welche die
Möglichkeit nicht leugnen lassen, dass in diesen Körpern
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 17
unmittelbar die mit Nervenfasern in Verbindung stehenden
pereipirenden Elemente vertreten sind. An dem in schwin-
gender Bewegung befindlichen Daphnienauge, das nichts als
eine höhere Entwickelung des Cyelopenauges darstellt, unter-
scheidet man dieselben Theile, nur sind die analogen das Licht
brechenden Körper in grosser Anzalıl vorhanden. Es bleibt
nur übrig, den Zusammenhang lelzterer mit dem überaus zar-
ten Nervensysteme aufzufinden, um die Parallelisirung dieser
Theile mit dem’Stäben des Facetlenauges durch enischeidende
Gründe bewiesen zu haben.
Dass übrigens dem Daphnienauge die bezeichnete Stel-
lung dem Cyclopenauge gegenüber gebührt, glaube ich durch
den, Bau des Sehorgans bei Cyelopsine castor nachweisen zu
können. Während diesem die Bildung des Pigmentkörpers und
die lichtbrechenden Kugeln mit dem Cyclopenauge gemeinsam
ist, nähert sich dasselbe durch freiere Beweglichkeit so wie den
Besitz zweier Augenmuskeln, die sich an dem hinteren erhär-
teten Theile des Pigmentkörpers befestigen, dem complicirte-
ren Daphnienauge und vermittelt einen allmähligen Ueber-
gang der Sehorgane der Phyllopoden und Copepoden.
Der Pigmentkörper, wie ich den pigmenlirten Theil des
Auges wegen seiner festen Beschaffenheit bezeichnet habe,
zeigt bei verschiedenen Arten und bis zu gewissem Grade bei
derselben Speeies Abweichungen in Gestalt und Färbung, die
zum Theil von dem jedesmaligen Concentralionszustande der
färbenden Substanz bedingt werden. Zu Artcharakteren habe
ich daher dieselben nie benutzt.
Ernährung und Absonderung.
Die Nahrung, welche aus kleinen organischen Körpern,
einem Delritus thierischer und pflanzlicher Bildungen, besteht,
wird durch die Mundöffnung in das.Innere des Thieres einge-
führt. Von dem Munde aus, der uns unterhalb der Oberlippe
als eine nicht sehr weite, von Chilinstäben gestülzte Querspalte
enigegentritt, gelangt sie in den dünnen aufwärls steigenden
Oesophagus *) und von hier in einen weiten dem Chylusdarme
*) Von dem Vorhandensein der Chitinstäbe im Oesophagus, wie
sie Zenker beschreibt, habe ich mich nicht überzeugen können;
Archiv 5, Naturgesch, AXIV. Jährz. 1. Bd. p}
18 Claus:
der Insekten vergleichbaren Abschnilt, den Jurine als Ma-
gen, Zenker als Darm in Anspruch nimmt. In diesem
Theile wird die Speise verdaut, das Assimilirbare aufgenom-
men und aufgesogen. Die unbraubaren Stoffe gelangen in das
Rektum, welches, durch eine sphinkterähnliche Einschnürung
im unleren Abschnitte des Thorax vom Chylusdarme getrennt,
einen langen dünnen Canal darstellt und an der Rücken-
seite des letzten Abdominalsegmentes nach aussen ausmün-
det. Wie bei den Cyclopen, so findet sich auch bei Cyclop-
sine an dieser Ausmündungsslelle eine eigenthümliche Bildung
des Chilinskeletes, die mit dem Namen der Alterklappe be-
zeichnet wird und von mir bei einer früheren Gelegenheit
beschrieben ist.
Histologisch lässt sich am Verdauungskanale eine innere
Cuticula nachweisen, die als Fortsetzung der äusseren Chi-
tinhaut den Oesophagus und das Reklum auskleidet; im Chy-
lusdarme ist dieselbe entweder von ausserordentllicher Zart-
heit (Zenker) oder vollkommen verschwunden, wenigstens
gelang es mir nicht dieselbe hier aufzufinden. Dagegen wird
die innerste Lage dieses Abschniltes von mächtig entwiekel-
ten Zellen gebildet, die durchaus den Chyluszellen der Insek-
ten entsprechen, Von einer zarten Membran überzogen, sind sie
von einem hellen, durchsichtigen Inhalte erfüllt und schliessen
einen verhältnissmässig kleinen das Licht schwach brechen-
den Kern ein. Indess tritt der Inhalt dieser Zellen nament-
lich in den entwickelten Formen und im Zustande der voll-
kommenen Ausbildung nicht in dieser Reinheit auf, er füllt
sich mit Felltröpfehen verschiedener Grösse und Körnchen
mannichfacher Färbung. Solche Zellen nehmen dann von der
Färbung der eingeschlossenen Elemente ein dunkles Ansehen
an und gewinnen über die hellen ein bedeutendes Ueberge-
wicht. Nicht unwahrscheinlich ist es, dass sich mit diesen
Abweichungen auch eine Verschiedenheit der Funktion ver-
ebensowenig schien mir die Oberlippe jene Bedeutung zu besitzen,
die ihr jener Forscher zuschreibt. Wenn dieselbe auch in geringen
Verschiebungen bewegt werden kann, so ist sie schon ihrer Grösse
und Gestalt und insbesondere ihrer Befestigung halber unfähig, in die
Mundöffnung zurückgerollt zu werden,
u 2
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 19
bindet, dass die zuletzt beschriebenen Bildungen als Leber-
zellen in Ansprueh genommen "werden müssen. Ihr Inhalt
wird sich zum Theil mit der eingeführten Speise mischen
und die an Fetten reichhaltigen Stoffe aufnahmsfähig machen ;
indess unterliegt es auch wohl keinem Zweifel, dass ein gros-
ser Theil der Felltropfen aus der Nahrung gewonnene Pro-
dukte darstellt, welche in den Organismus durch die Wandun-
gen des Darmes hindurch übergeführt werden. Ebenso findet
man auch ausserhalb des Darmes oft in regelmässiger An-
ordnung grössere und kleinere Felltropfen, welche ihrer Ent-
stehung nach vielleicht mit jenen im Darme identisch sind,
möglicherweise aber auch als Zersetzungsprodukie der im
Blute enthaltenen Nahrungsstoffe unter Einwirkung des Sauer-
stoffes betrachtet werden können. Die Bedeulung jedoch,
die ihnen Zenker für dieRespiration zuschreibt, als könnte
durch ihre Abscheidung ein Athmungsorgan erselizt werden,
muss entschieden als der physiologischen Anschauung durchaus
widersprechend zurückgewiesen werden,
Ausserdem aber steht die Wandung des Darmes noch
einer andern Funktion vor: sie wird Träger der Harnorgane.
Im unteren Theile des Chylusdarms finden sich ausser den
beschriebenen Zellen Bläschen mit eigenthümlichen Concre-
menten, die in ihren physikalischen und chemischen Eigen-
schaften durchaus mit den Harnconcrelionen übereinstimmen,
welche spätere Larvensladien in sich bergen. Sie brechen
das Licht etwas weniger als Felltröpfchen, sind von scharfen
Conluren umgeben und leisten selbst gegen kräflige Rea-
genlien grossen Widerstand. In Essigsäure mässiger Slärke
bleiben sie unverändert, während sie eine concenlrirte
Kalilösung auflöst. Was übrigens die Auffassung dieser Ge-
bilde als Harnzellen noch unlerstülzt, sind ihre weiteren
Schicksale, die im Innern des Darmrohres selbst verfolgt wer-
den können, Sehr häufig lassen sich im Kolhe nicht nur
die isolirten Coneremenlte, sondern auch die Bläschen mit
dem charakteristischen Inhalte in unveränderter Gestalt nach-
weisen, ja lelztere finden sich sogar in grösserer oder ge-
ringerer Menge im Rektum vor, und werden dann durch den
Aller nach aussen entfernt. — Auf diese Zellenschicht, die sich
an einer besondern Bindegewebsmembran, einer Tunica pro-=
20 Claus:
pria, befestigt, folgte eine Muskellage, die am Chylusdarme
ausschliesslich aus Längsmuskeln besteht, im Oesophagus und
Rektum dagegen noch durch Quermuskeln unterstützt wird.
Eine besondere Entwickelung zeigen die Quermuskeln an der
sphincterarligen Einschnürung zwischen Chylusdarm und Rek-
tum. Aeusserlich findet sich eine zarte Membran, welche die
Verbindung und Befestigung des Darmes mit anderen Kör-
perlheilen herstellt und nur an einzelnen Stellen deutlich nach-
gewiesen werden kann. Bei Cyclopsine trifft man in ihr zahl-
reiche Kerne an, durch deren Vorhandensein die Bedeulung
dieser Bildung als eine Bindegewebsmembran über allen Zwei-
fel erhoben wird. Mit ihr im Zusammenhange stehen auch
die Faserbündel, welche bei den Cyclopsarten den Nahrungs-
kanal an die Dorsallläche des Cephalolhorax befestigen und
die auf- und abwärls schwingenden Bewegungen des ge-
sammlen Chylusdarmes zu bedingen scheinen.
Noch ist einer Drüse zu gedenken, welche im unleren
Theile des Kopfes in der Nähe der Maxillarfüsse gelegen
ist. Sie stellt einen mehrfach gewundenen dünnen Kanal dar
von feltartigem lichtbrechendem Ansehen, mit einem gelben
Inhalte. Zellen habe ich im Innern der Wandungen nie ein-
gelagert gefunden, ebensowenig von einer weiteren histolo-
gischen Differenzirung mich überzeugen können. Möglich
dass diese Drüse morphologisch einer einzelnen Zelle ent-
spricht. Die Analogie derselben mit der Schalendrüse von Ar-
gulus und der der Phyllopoden, auf welche Zenker und
Leydig hinweisen, kann ich mil keinen weiteren Gründen
unterstützen, da mir ihre Funklion durchaus unklar geblie-
ben ist.
Athmung und Blutibewegung.
Bei der geringen Grösse unserer Geschöpfe und der
zarlen Bildung der äusseren Haut erscheint es natürlich, dass
ein besonderes Respirationsorgan mangelt. Die Körperober-
fläche, welche bei der geringen Masse des Thieres relaliv
sehr bedeutend ist, macht die flächenhafle Entwickelung be-
stimmler Körpertheile zum Zwecke der Athmung unnölhig ;
sie allein reicht hin, den Verkehr zwischen Blut und Wasser
zu vermitteln. Durchaus irrthümlich ist die Ansicht Zen-
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 21
ker's, der eine ganz andere Alhmung als bei anderen Thie-
ren vermuthet und in der Abscheidung kohlenhaltiger Pro-
dukte einen Ersatz der Respiration zu finden glaubt. Zen-
ker begeht einen groben Verstoss gegen die physiologische
Anschauung, wenn er den Zweck der Athmung nur in der
Abgabe des überschüssigen Kohlenstoffes erkennt und hierauf
gestützt die Behauptung aufstellt, dass ein Organ, welches an
Kohlenstoff überreiche Produkte absondert, im Wesentlichen
den Dienst eines Respirationsorganes leiste. Während die
tiefere Bedeutung des Alhmungsprocesses in der Vermiltelung
chemischer Bewegungen liegt, welche in der Bluiflüssigkeit
und den thäligen Geweben vor sich gehen, die zu ihrem Ab-
laufe eine continuirliche Quelle freien Sauerstoffes nölhig ha-
ben, sucht sie Zenker irrlhümlich in’ einem begleitenden
Nebenfaktum, in der Entfernnng kohlenstoffhaltiger Produkte.
Das Blut, welches durch die äussere Bedeckung mit dem
Wasser in beständige Wechselwirkung tritt, ist eine klare
helle Flüssigkeit, die alle Organe umspült. Körperliche Ele-
mente gehen derselben durchaus ab, und eben hierin liegt
der Grund, wesshalb die Bewegungen des Blutes nicht ver-
folgt werden können. Zenker will freilich in einem einzi-
gen der zahlreichen von ihm untersuchten Cyclopsinen Blut-
körperchen gefunden und mit ihrer Hülfe die Cireulation be-
obachtet haben. Nach ihm trennt sich der aus dem Ostium ar-
teriosum des Herzens hervorschiessende Blutstrom in mehrere
Theile. „Der Hauptstrom ging vorwärts in den Kopf, zwi-
schen Auge und Gehirn hindurch, bog sich um auf die Bauch-
seite und verlief zwischen den Kiefern und Füssen in der
Mittellinie hindurch in einen Sinus abdominalis, dem der
grösseren Cruslaceen entsprechend. Seitliche Ströme zweigen
sich im Cephalothorax von ihm ab, wo es der Raum zulässt,
und vereinigen sich bald wieder mit ihm. Der andere arterielle
Strom, gleichsam die Aorta descendens, wird durch Jie vor
dem Herzen liegenden Theile des Geschlechts- und Ver-
dauungsapparales alsbald nach hinten herumgelenkt und tritt,
den Darm umspülend, am hinteren Ende des Leibes in den
Strom des Sinus abdominalis ; dieser geht, wenn auch ein-
zelne Zweige schon früher zwischen den Muskelmassen un-
fer der Haut empordringen, doch zum grössten Theile erst
22 Claus:
am Ende des Abdomens wieder auf die Rückenseite über in
den starken Blulstrom des Sinus dorsalis, in welchem das
Blut zum Herzen zurück und von neuem in den Kreislauf
geführt wird.* Niemals sah Zenker Blutkörperchen in den
Schwanz, die Ruderarme oder sonstige Gliedmassen eindrin-
gen und schliesst daraus, dass höchstens ein schwacher Blut-
wechsel in denselben stallfindet.
Die vermeintlichen Blutkörperchen indess, welche unser
Forscher zur Auffindung des Blulstromes benulzte, sind nichts
als pflanzliche Gebilde, höchst wahrscheinlich einzellige Pilze,
die ich sehr oft im Innern der Cyclopen vorfand. Stets aber
waren dieselben in einer solchen Menge vorhanden, dass sie dicht
gedrängt alle Zwischenräume der Organe, ja auch die Glied-
massen erfüllten, ohne die geringste,Veränderung in ihrer Lage
vorzuführen. Ich halte daher keine Gelegenheit Beobachtungen
über den Kreislauf anzustellen und kann Zenker’s Angaben
nicht unbedingt bestätigen. Einrichtungen, welche die Cir-
eulalion des Blutes vermitteln, finden sich nur bei Cyclopsine
und nach den Angaben Vogt's auch bei Harpaclicus (Can-
thocamplus) alpestris in Geslalt eines besondern Herzens vor.
Bei Cyclopsine liegt dasselbe auf der Medianlinie des Rückens,
halb im ersten halb im zweiten Thoracalsegmente, und stellt
einen sackförmigen muskulösen Schlauch dar, welcher in ra-
scher Aufeinanderfolge continuirliche Pulsationen ausführt,
deren Anzahl Zenker auf 150 in der Minute schätzt, Das
Blut scheint in die hintere Oeffuung (Zenker nennt
dieselbe Ostium venosum) einzulrelen, durch die vordere
(Ostium arteriosum) wieder ausgelrieben zu werden. Ausser
den muskulösen Wandungen glaube ich deutlich eine dünne
äussere Hülle erkannt zu haben, welche durch Fasern mit der
Serosa des Darms und dem Chilinskelet in Verbindung steht
und für die Befestigung des Herzens von grosser Bedeu-
tung ist.
Die Cyclopen und, wie Zenker berichtet, auch H. sta-
phylinus entbehren des Herzens, haben aber dennoch eine
gewisse Circulalion, die durch Nebenleistungen des Darmes
bedingt wird. Während der Nahrungskanal von Cyclopsine
eastor nur peristallische Contraktionen zeigt, deren Bedeutung
sich einzig und allein auf die Aufnahme und Weilerbeförde-
u 0 VOR GE (ee
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 23
rung des Darminhaltes bezieht, beobachtet man im vorliegen-
den Falle noch grössere in der Längsrichtung ausgeführte
Bewegungen, welche ein Vorziehen und Zurückschieben des
Chylusdarmes zur Folge haben. Zunächst wird dieser Ab-
schnitt des Verdauungskanals an der Rückenseite emporge-
hoben, dann in seinen vorderen Parlien nach der Insertion
der bekannten Faserbündel gezogen und schliesslich beson-
ders im hinteren Thoracalabschnilte zurück- und abwärts be-
wegt. Zenker, der diese Bewegungen richtig‘ beschrie-
ben hat und auch ihre Bedeulung in gleichem Sinne. auf-
fasst, lässt dieselben durch Längsmuskeln des Darmes ausge-
führt werden; es scheint mir indess, dass auch die am Ske-
_ lete sich befestigenden Faserbündel muskulöser Natur seien,
und dass namentlich durch ihre Contraktion die Hebung des
Chylusdarmes bewirkt würde. Dass übrigens mit solchen
Verschiebungen eines langgestreckten durch den ganzen Tho-
rax verlaufenden Organs — welche nachZenker dreimal in
der Minute wiederkehren, nach meinen Erfahrungen indess
viel rascher aufeinander folgen — eine gleichmässige Bewe-
gung der Blulflüssigkeit verbunden sein muss, bedarf keiner
weitern Erörterung.
Die Geschlechtsorgane.
(Fig. 49—55.)
Von hoher Bedeulung für die Bedürfnisse des thierischen
Haushaltes und die gegenseiligen Beziehungen des organischen
Lebens erscheint das Geselz, dass mit der Kleinheit und
Schwäche der Thierformen die producirte Nachkommenschaft
bedeutender wird und die Fruchlbarkeit zunimmt. Mit ab-
nehmender Grösse und Masse des Geschöpfes gestalten sich
die Processe des Stoffenwechsels und aller Lebenserschei-
nungen der Art, dass eine bedeutendere Menge organischen
Materials als Bildungsstoff erübrigt werden kann. Hiermit in
Vebereinslimmung zeichnen sich die kleinen Cyclopiden durch
eine ansehnliche Entwickelung ihrer Geschlechtsorgane aus ;
könnte man einen genauen Ausdruck für das Körpergewicht
gewinnen und die Grösse der produkliven Fläche damit ver-
gleichen, so würde sich für leiztere eine so bedeutende Zahl
24 Claus:
ergeben, wie sie wohl kaum in einer Thierform berechnet
worden ist. Dass eine Trennung des Geschlechtes stattfindet,
dass männliche und weibliche Geschlechtsprodukte von ver-
schiedenen Individuen bereitet werden, wusste schon ©. F.
Müller, dem die Begattung nicht unbekannt geblieben war.
Von der Bildung der Geschlechtsorgane und den nähern Vorgän-
gen der Copulalion hatle freilich dieser Forscher nur unklare
Vorstellungen, die erst durch Jurine in vielen Punkten ge-
läutert wurden. Mit richtigem Takte erkannte Lelzterer die
als Laciniae bezeichneten Anhänge der Weibchen als Sa-
menschläuche; in richtiger Folgerung des Beobachtelen er-
klärte er die männlichen Antennen nur für Fangapparate, die
Auffassung Müller’s widerlegend, dass in ihnen die äussern
Begattungswerkzeuge vertrelen seien. Auch versuchte der-
selbe eine genauere Analyse der innere Geschlechtsorgane,
konnte indess, da zu seiner Zeit die Strukturverhältnisse we-
nig gekannt waren und auch nicht zur Entscheidung physio-
logischer Fragen benutzt wurden, nur wenig zur Aufklärung
dieser Verhältnisse beitragen. Eigenthümlich war seine Vor-
stellung von der Entstehung der Eierlaschen, von denen er
annahm, dass sie dem mütterlichen Organismus jedes Mal einen
Theil des Ovariums kosteten. Da aber zahlreiche Eierlagen
oft rasch aufeinander folgen, blieb es ihm unerklärlich, wie
dennoch die Substanz des Eierstockes erhalten würde. Erst
durch von Siebold, Fischer und Zenker wurde die
Kenntniss der Geschlechtsverhältnisse unserer Geschöpfe durch
werthvolle Miltheilungen bereichert.
Nach Zenker besteht der symmetrische Geschlechts-
apparat der Weibchen aus Eierschlauch und Kiltorgan , von
denen der erstere jederseits am Abdomen ausmündet. Aus-
ser diesen Theilen muss indess noch eine Keimdrüse unter-
schieden werden, welche bei Cyelopsine als ein unpaarer
Sack im Rückenabschnilte des ersten und zweiten T'horacal-
segmentes gelesen ist (Fig. 50), bei den Cyclopen in paariger
Anzahl die entsprechende Stelle ausfüllt. Während diesem
Theile die Bereitung der Eikeime zufällt und man in ihm
Keimbläschen mit Keimfleck in verschiedener Grösse antrifft,
kommt in den sogenannten Eierschläuchen die Bildung des
Dotters und die weitere Entwickelung des Eies zu Stande,
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 25
Bei Cycelopsine nehmen dieselben jederseils einen Ausfüh-
rungsgang der Keimdrüse auf, steigen dann zunächst nach auf-
wärts bis etwa in die Mitte des Kopfes empor, um weiter eine
Biegung nach der ventralen Seite zu machen und im Thorax
herabzulaufen. In ziekzackförmigen Windungen, welche den
einzelnen Segmenten entsprechen, erstrecken sie sich bis in
die ersten Abdominalringe, wo sie in der Medianlinie zu einem
unpaaren Ausführungsgange verschmelzen und ander ven-
tralen Seite ausmünden. Eine ähnliche Gestaltung führen uns
die entsprechenden Organe bei H. staphylinus vor, mit dem
Unterschiede jedoch, dass sich die Eierschläuche weit in das
Abdomen hinein forlselzen, während ihr Ausführungsgang
ebenfalls in der Mittellinie der beiden ersten verschmolzenen
Abdominalringe mündet. Die Cyelopen besitzen, wie schon
erwähnt, eine paarige Keimdrüse, die in den ausgebildeten
Formen die Fortsetzung der Dollerschläuche darstellt. Eine
so scharfe Trennung zwischen Keim - und Dotterstock, wie
wir sie bei Cyclopsine finden , ist hier nicht zu beobachten,
so dass man diesen Theil, der sich übrigens seiner Anlage
nach zuerst bildet, auch als Endtheil des Eierstockes bezeich-
nen kann, in dem sich, wie bei den Insekten, die Keimstoffe
entwickeln, ohne dass für denselben eine bestimmte Grenz-
linie nachzuweisen ist. Die Eierschläuche selbst gewinnen
eine weit grössere Flächenentwickelung , sie stülpen sich in
zahlreiche Nebenschläuche aus, welche an den Verbindungs-
stellen benachbarter Segmente entstanden sind und in Lage
und Anordnung eine symmetrische Regelmässigkeil zu erken-
nen geben. Sie münden nicht in der Mittellinie des oberen
Abdominalabschnitltes aus, sondern von dieser enlfernt in zwei
gelrennten seitlichen Oeflnungen, die von einem besonderen
mit Borsten besetzten Vorsprunge überdeckt werden. Die
Kittdrüse, deren Sekret zur Bildung des Eiersäckchens ver-
wendet wird, liegt hier von dem Ausführungsgange getrennt
genau in der Medianlinie in symmelrischer Bildung , steht aber
mit den Geschlechtsöffnungen durch zwei kurze Ausführungs-
gänge in Verbindung.
Bei Cyelopsine liegt die entsprechende Drüse im Innern
des unpaaren Ausführungsganges selbst und kleidet dessen
Wandung in Gestalt kleiner mit gelblicher Flüssigkeit gefüll-
26 Claus:
ter Zellen aus. Unmittelbar vor dem Ablegen der Eier trilt
durch die beiden der Mittellinie sehr genäherten Geschlechts-
öffnungen, wie es scheint, nur durch Druck der umgebenden
Theile, der Inhalt der gesprenglen Zellen in Gestalt einer hel-
len zähen Flüssigkeit aus; die Eier stürzen nach und treiben
das Produkt der Kiltdrüse mehr und mehr aus einander. Wäh-
rend sie so eigne Zellen um sich bilden und sich zu einem
regelmässigen Säckchen #) gruppiren, erstarrt unter dem Ein-
flusse des Wassers die dünne Hülle des Säckchens und der
einzelnen Eier zu einer mehr oder minder festen Bedeckung,
die den nöthigen Schulz für die Entwickelung der Embryo-
nen darbielet. Allein ausser der Herstellung dieses specifi-
schen Sekretes dient der Endtheil des Geschlechtsapparates
und bei den Cyclopen der Innenraum der bekannten Drüse
als Receptaculum seminis zur Aufnahme und Aufbewahrung
der Spermatozoen. Die Befruchtung geschieht entweder in-
nerhalb des mülterlichen Organismus im unteren Theile des
Geschlechtsapparates oder innerhalb des Eiersäckchens im
Momente seiner Entstehung. Mit dem Drüsensekrete, welches
zur Bildung der Hüllen verwendet wird, Ireten zugleich Sper-
malozoen aus, um, wie es scheint, theilweise in das Innere
der Eier eingelrieben zu werden. Eine grössere oder ge-
ringere Menge derselben bleibt in der erhärtenden Hülle zu-
rück und ist besonders am oberen Theile des unpaaren Eier-
sackes von Cyclopsine mit grosser Leichligkeil nachzuweisen.
Die Eiersäckchen der Cyclopen, in denen ich vergeb-
lich die Spermalozoen suchte, scheinen nur wegen der Dünne
der Hülle zu diesem Nachweise weniger günstig; vor allem
aber schreibe ich es der ausserordentlichen Kleinheit und
zarlen Bildung der Samenfäden selbst zu, dass ich dieselben
hier nicht auffinden konnte, Die Spermatozoen von Cyclop-
*) Die Bildung der Eiersäckchen wurde erst von Jurine aus-
führlicher beschrieben, frühere Forscher machten sich von ihrem Ent-
stehen keine oder nur unklare Vorstellungen; nach ihrer Funktion und
Bedeutung waren sie jedoch selbst älteren Beobachtern bekannt. So
werden sie unter Andern von Eichhorn, der unsere Formen als
Wasserbock — (Cyelops) — und Wasserlaus — (H. staphylinus) —
beschreibt, sehr naiv als „Laichbeutelchen“ bezeichnet.
un VE
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden, 27
sine sind bei einer anschnlichern Grösse durch eine so charak-
teristische Form ausgezeichnet , dass sie kaum mit anderen
Gebilden verwechselt werden können; sie werden aber auch
in grosser Menge entleert, indem das gesammte Contentum
des unteren Genitalschlauches, das noch dazu meist dem In-
halte zahlreicher Spermatophoren entspricht, bei der Eierlage
aus dem Körper entfernt wird. Auf der anderen Seite wird
bei den Cyelopen der Nachweis auch desshalb um so schwie-
riger sein, weil während der Bildung des Eiersäckchens nur
ein kleiner Theil des Kittdrüsensekretes und zugleich nur eine
geringe Menge von Spermatozoen austritt. Dass indess hier
in der That nur eine parlielle» Entleerung stallfindet, lässt
sich aus mechanischen Gründen leicht einsehen, aber auch
durch direkte Beobachlungen bestätigen. Wie sollte ferner
die Thalsache anders zu erklären sein, dass die einmal be-
fruchteten Cyclopsweibchen nach einmaliger Begatlung eine
Reihe von Säckchen mit entwickelungsfähigen Eiern zu pro-
duciren im Stande sind, während dagegen Weibchen, die man
von früher Jugend an isolirte und im ausgebildeten Zustande
sich nicht begatten lässt, nie zur Bildung von Eiersäckchen
befähigt sind. Die Experimente, welche Jurine vor vielen
Jahren anstellte und auf die er seine Behauptung stützte „les
femelles restent sleriles sans la copulalion@ habe ich vielfach
wiederholt und kann ich im vollsten Sinne bestätigen. Nur
möchte ich die Richtigkeit eines weiteren Schlusses, den derselbe
Forscher aus seinen Beobachtungen zog: „un seul accouple-
ment suffit pour feconder toutes les pontes, qui doit fournir
une mere“ in einer solchen Ausdehnung in Zweifel ziehen ;
viel wahrscheinlicher scheint es mir, dass die bei einer ein-
maligen Begallung eingeführten Spermatozoen nach einer ge-
wissen Zeit verbraucht sind, und nun die frühere Sterilität
als Folge wieder eintritt,
Mit Bestimmtheit geht übrigens aus meinen Beobach-
lungen und den Versuchen Jurine’s hervor, dass die Eier
nur naclı einlretender Befruchtung entwickelungsfähig wer-
den. Da aber ferner die Bildung der Eiersäckchen keines-
wegs eine unmittelbare Folge der Befruchtung, sondern zu-
nächst nur das Resultat einer grösseren Geschlechtsihäligkeit
des Weibchens ist, niemals aber olıne vorher vollzogene Copu-
28 Claus:
lalion zu Stande kommt, so lässt sich auch mit gleicher
Bestimmtheit behaupten, dass die Begaltung und Befruchtung
einen grossen Einfluss auf die Thätigkeit der weiblichen Ge-
schlechtsorgane ausübt und eine vermehrte Abscheidung von
Eimaterial herbeiführt. Dafür indess, dass die Spermato-
zoen im Momente der Eierlage ihre Thätigkeit ausüben, scheint
mir noch die Entwickelung der Eier einen Grund abzugeben.
Niemals zeigen letztere im Innern des mülterlichen Orga-
nismus irgend welche Veränderung, die auf eingelretene
Befruchtung zu schliessen erlaubte, nicht einmal die ersten
Furchungsstadien kommen hier zum-Ablaufe. Erst an den in
den Säckchen eirgeschlossenen Eiern lassen sich diese Vor-
gänge beobachten. Um allerdings den strieten Beweis zu
liefern , müsste ich im Innern eben ausgelretener Eier die
Spermalozoen nachgewiesen haben und mit um so grösserer Be-
stimmlheit, als die Samenkörperchen durch ansehnliche Grösse
und charakteristische Form ausgezeichnet sind. Die Schwie-
rigkeiten, auf welche ich bei diesen Untersuchungen sliess,
sind so bedeutend, dass ich zu keinem positiven Resultate
gelangte. Das untersuchte Ei enthält gerade in diesem Sta-
dium einen so gleichmässig gelrübten dunkeln Dotter, dass
es, um bestimmte umschriebene Formelemente im Inhalte er-
kennen zu lassen, gesprengt werden musste. In dem In-
halte zersprengter Eier aber fand ich zwar hin und wieder
Bildungen, die mit den Samenkörpern in ihrer Form gewisse
Analogien boten, allein ich bin doch weit davon entfernt,
sie mit jenen ohne Weiteres zu idenlifieiren.
Fragen wir schliesslich nach der Bedeulung der Eier-
säckchen, nach dem Zusammenhange , der zwischen ihrer
Funktion und dem Gesammthaushalte unserer Geschöpfe be-
steht, so glaube ich nicht zu irren, in ihnen eine Vorrich-
lung zu erkennen, durch welche die Entwickelung der Em-
bryonen unbeschadet der mülterlichen Fruchtbarkeit geschützt
und gesichert wird. Ein längeres Verweilen der Eier im
Innern der Mutter würde natürlich unter sonst gleichen Be-
dingungen die Ausbildung der neu entstelienden Keime ver-
hindern, während im anderen Falle das Ablegen isolirler Eier
bei den unzähligen Angriffen fremder Thiere und den Stru-
delungen der eigenen Verwandten die Bedingungen des Un-
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 29
terganges vermehren und der Verbreitung unserer Cyclopiden
Eintrag bringen würde.
Wenn schondie seitliche Compression des ganzen Körpers
und hiermit im Zusammenhange die der Medianlinie genäherte
Lagerung innerer Organe bei Cyclopsine auf eine unpaare An-
ordnung hindeulen, und letztere namentlich durch die fast
verschmolzenen Geschlechtsöffnungen des Weibchens, durch die
unpaare Keimdrüse und den einfachen Eiersack vorbereitet
wird, so erlangt dieselbe in der Bildung des männlichen Ge-
schlechtsapparates (Fig. 55) ihren Höhepunkt. Wie schon in
v. Siebold’s und Zenker’s Untersuchungen erwähnt und
auch in Fischer’s Arbeit angedeutet ist, muss zunächst eine
keimbereitende Drüse unterschieden werden, die ihrer Lage
und Funktion nach dem weiblichen Keimstocke entspricht und
als Hoden der Abscheidung und Bildung der Samenkörper vor-
steht. Dieselbe erstreckt sich vom unteren Theile des Kopf-
abschniltes bis in die Milte des zweiten Thoracalsegmentes
und gewinnt das Ansehen eines birnförmigen, mit der breiten
Basis nach oben gekehrten Sackes, in welchem sich eine
fein granulirte Masse befindet. Untersucht man den Inhalt
näher, so treten ausser kleinen rundlichen Körnchen, die das
Licht ziemlich stark brechen und in ihrem Umfange zwischen
0,001 und 0,002wm differiren , rundliche scharf begrenzte
Körper auf, von 0,005—0,006mm Grösse, in denen man deut-
lich Entwickelungsstadien der Spermalozoen erkennt. Am
oberen breiten Endtheile schliesst sich dem Hoden ein enger
Samenleiter an, dessen Lumen mit den zuleizt beschriebenen
Bildungen erfüllt ist. Dieser Ausführungsgang steigt als ein
dünner Kanal von beträchllicher Länge auf der linken Seite
des Chylusdarms schräg nach vorn bis an die obere Grenze
des zweilen Thoracalsegmentes herab, um in einen horizontal
elliplischen Gang umzubiegen, welcher namentlich an seinen
Enden durch dünne Fäden vielleicht muskulöser Natur mit
dem Chitinskelet befestigt ist.
Nach diesem horizontalen Verlaufe wendet sich der
Ausführungsgang zu einer verlicalen Lage und steigt bis in
die Nähe des vierten Thoracalsegmentes herab, um sich wie-
der nach oben umzubiegen und als ein erweiterter Abschnilt
in das erste Segment emporzuheben. Von hier aus krümmt
30 Claus:
er sich abermals und verläuft nun mächlig aufgelrieben herab
in das erste Abdominalsegment, wo er durch die Geschlechts-
öffnung ausmündet. Schon aus dieser complieirten Bildung
und ansehnlichen Entwickelung, durch weiche das Vas defe-
rens ausgezeichnet ist, lässt sich schliessen, dass dasselbe
ausser der Funktion, die Samenkörper aus dem Hoden her-
abzuleiten noch mannichlache Nebenleistungen zu erfüllen
hat, welche sich auf die weitern Schicksale der auszuführen-
den Produkte beziehen. Und in der That erleiden die Sper-
matozoen während ihres Durchmarsches durch die gewun-
denen Samenleiter nicht nur verschiedene Gestaltveränderun-
gen, bis sie schliesslich zur vollkommenen Reife und Be-
fruchlungsfähigkeit gelangen, sondern es kommt auch in
diesem Theile zur Bildung accessorischer Hüllen, die eine
grössere Partie von Samenkörpern umkapseln und im Zusam-
menhange mit diesen als Spermatophoren für die Begallung
und Befruchtung von hoher Bedeutung sind,
Schon der obere schräg herabsteigende Kanal, welcher
den Anfangstheil des Samenleiters bildet, ist ‚sammt seiner
horizontalen Verlängerung mil Drüsenzellen ausgekleidet, de-
ren Sekret in das enge Lumen einlrilt und sich mit Sper-
malozoen mischt. Letzteres bildet eine feltarlige, das Licht
stark brechende Materie, die mit feinen Körnchen erfüllt ist
und zum Theil den Klebstoff (nach v. Sieb old) der ent-
wickelten Spermatophore bildet. Der folgende Abschnitt des
Ausführungsganges zeigt indess übereinstimmend mit seinem
grössern Umfange auch einen weiteren Innenraum; wäh-
rend im Lumen der obern Windungen kaum zwei Samenkör-
per neben einander Platz finden, sammeln sich dieselben hier
in grössern Parlien an. Auch die Produkte der Drüsenzellen
gleiten herab und füllen das Centrum des Lumens aus, wäh-
rend die Spermalozoen in peripherischer Umlagerung dicht
gedrängt von einer zarten Hülle umgeben werden. So bil-
det sich der innere Schlauch der Spermatophoren heran, der
übrigens nur die befruchtenden Elemente nebst den zuge-
mischten Sekrelen enthält, an Umfang aber in diesem Zustande
den ausgebildeten Samenschlauch überlrift. Zenker, der
diese Bildung als die flaschenförmige Form der Spermalo-
phore bezeichnet, ohne indess den Inhalt näher analysirt zu
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 31
haben, acht sich von der Enistehung derselben, anknüpfend
an eine falsche Gestalt des Samenleiters, eine nicht ganz
richtige Vorstellung. Nach seiner Beschreibung ist der
obere Theil des Samenleiters vor der ersten Umbiegung mäch-
tig aufgelrieben und zu einer Schleimdrüse umgebildet. Die
Samenmasse selbst mit dem Sekrete jener Drüse vermischt,
erfüllt alle Windungen bis zu einer pylorusarligen Einschnü-
rung des Hodens nahe seiner Ausmündung, es entslehl eine
Stauung und eine theilweise Erweiterung der Wände am
unteren Theile des Vas deferens , in deren Folge die Bildung
flaschenförmiger Spermatophoren veranlasst wird.
Diesem gegenüber muss mit Entschiedenheit behaup-
tet werden, dass der obere Theil des Ausführungsganges sehr
dünn und eng ist und der beschriebenen Auftreibung voll-
kommen entbehrt, wenn es auch allerdings vollkommen rich-
tig ist, dass seine Wandungen von Drüsenzellen ausgekleidet
sind. Von der pylorusarligen Einschnürung des Hodens,
welche mit Hülfe der schleimvermischten Samenmasse eine
Erweiterung des unteren Samenganges veranlassen soll, habe
ich mich nicht überzeugen können, obwohl ich andererseits
der Vorstellung nicht entsagen kann, dass bei der Bildung
der Spermatophore eine gewisse Spannung der umgebenden
und umschlossenen Theile im Spiele is. Uebrigens ist es
Zenker nicht entgangen, dass die Naschenförmige Sperma-
tophore in den unteren Abschnitt des Vas deferens eintreten
muss, um ihre weitere Ausbildung zu erlangen. Ist die reife
Samenkapsel entleert, so gleitet die noch unvollendele Sper-
malophore in das freie Lumen des letzten Raumes, den man
der Needham’schen Kapsel der Cephalopoden vergleichen
kann, herab um mit Hülfe neuer Sekrele zur vollkommenen
Reife sich zu entwickeln. Neue Produkte lagern sich in Ge-
stalt kleiner granulirter Körnchen, die unter dem Einflusse
des Wassers zu mächtigen Blasen aufquellen, um die untere
Hällte des eingetretenen Schlauches ab, während zugleich die
eingeschlossenen Stoffe auf einen geringen Raum zusammen-
gepresst, sich der Art sondern, dass die Spermalozoen den
oberen, Jas Sekret der Drüsenzellen den unteren Theil des
Schlauches ausfüllen.
Gleichzeitig scheidet sich um die gesammte Bildung ein
32 Claus:
gelblicher Stoff ab, der zu einer ausserordentlich festen
Hülle erstarrt und die äussere Wandung der Spermalophore
bildet. Nur am oberen Ende bleibt an der halsarligen Ver-
längerung der äusseren Hülle eine Oeffnung, in welcher eine
zähe gelbe Materie eingelagert ist, die zum Ankleben des
Samenschlauches an die weibliche Geschlechtsöffnung dient
und ausschliesslich als Klebstoff bezeichnet werden muss.
v. Siebold scheint dieselbe nicht von dem Sekrete der er-
wähnten Drüsenzellen unterschieden zu haben, welches sich
im unteren Theile des inneren Samenschlauches findet, und
von weit dunklerem Aussehen mehr dem oberen Abschnilte
des Vas deferens seine Entstehung verdankt. Wird die Sper-
matophore aus der männlichen Geschlechlsöffnung ausge-
trieben , so beobachlel man an ihr unler dem Einflusse des
Wassers folgende Veränderungen. Zunächst gewinnt die un-
tere Hälfte des Samenschlauches eine hellere Beschaffenheit;
die äussere Schicht der granulirten Körnchen, die bisher kaum
als solche unterschieden werden konnte, gewinnt eine be-
deutendere Dicke, indem die letzteren unter dem Einflusse des
Wassers mehr und mehr zu hellen Kugeln aufquellen und den
entsprechenden Theil des inneren Schlauches zusammenpres-
sen. Da sie aber nach allen Richtungen hin sich ausdehnen,
wird auch der in der Längsaxe gebotene Widerstand über-
wunden; die obern Grenzen unseres Austreibestoffes rücken
von der Mitte conlinuirlich nach dem oberen Ende. hinauf,
während gleichzeilig die Spermatozoen dichter und dichter
zusammengedrängt eine immer höhere Lage einnehmen. Unter
solchen Verhältnissen wird zuerst der Klebstoff allmählig aus-
getrieben und zu einem dünnen Kanale, der sich dem Halse
des Schlauches unmiltelbar anschliesst, verlängert. Da aber
die Spannung der eingelagerlen Stoffe immer bedeutender
wird, so muss es endlich an der engen Mündung, da wo die
Wandung den geringsten Widerstand bietet, zur vollständi-
gen Ausgleichung kommen. Die Spermalozoen slürzen plölz-
lich in einem Zuge durch den Hals hindurch in den gebil-
deten Kanal und, falls der Schlauch an der weiblichen Ge-
schlechisöffnung befesligt war, in den unteren Theil des Ge-
schlechtsapparates hinein.
Die anhängende Spermatophore ist jetzt vollkommen
EVER ZEEEU
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 33
wasserhell und bietet in Folge des angeschwollenen Auftrei-
bestoffes, der den Innenraum ausfüllt, ein grosszelliges An-
sehen. Oft bleiben indess Spuren des inneren Schlauches
zurück, niemals aber findet sich im Inneren ein leerer Raum,
wie v. Siebold in seiner Beschreibung der Spermatophore
angiebt. Was derselbe in dieser Weise bezeichnet, sind Reste
der zusammengepressten, dünnen Hülle, welche die mit Un-
recht als Klebstoff in Anspruch genommene Malerie umgieb!.
Wie lange die Spermatophoren ‚nach ihrer Entleerung noch
am Weibchen haften, kann ich durch direkte Beobachtung
bis zu einem bestimmten Punkte entscheiden; v. Siebold
schliesst aus der Thatsache, dass man oft eine grössere An-
zahl von Spermatophoren an den Geschlechtsöffnungen findet,
auf eine längere Verbindung, indess kann man hieraus mit
demselben Rechte, besonders unter Berücksichtigung der ho-
hen Begallungslust der Männchen, auch ein relativ günstigeres
Verhältniss im Vorkommen der leizteren ableiten.
Nur bei Canthocamptus *) staphylinus ist die Verbin-
dung des Samenschlauches mit den weiblichen Geschlechts-
organen von längerer Dauer und wie es scheint für den
Haushalt dieser Thierformen von gewisser Bedeutung. Wäh-
rend ich die Spermatophore an isolirten Weibchen von Cyclo-
psine castor bald nach Erfüllung ihrer Funktion abfallen sah,
konnte ich an Canthoc. staphylinus beobachten, wie der ein-
fache Samenschlauch, durch einen besonderen Gang mit dem
Innern des Weibchens communicirend , während der Bildung
mehrerer Eiersäckchen haflele. Auch hier reicht eine. ein-
malige Begallung zur Produktion mehrerer Eiersäckchen aus
*) Der von Vogt als besondere Species beschriebene Harpac-
ticus (Canthocamptus) alpestris scheint mir mit H. staphylinus durch-
aus identisch zu sein. Die Merkmale wenigstens, welche Vogt als
Artcharaktere benutzt, sind so allgemeiner Natur, dass man auf diesel-
ben kein specifisches Gewicht zu legen im Stande ist. Die Bildung
der Antennen, die nach Vogt für seine Species charakteristisch sein
soll, findet sich in ganz derselben Weise auch bei der oben angeführ-
ten einheimischen Art, während der weiter hervorgehobene Mangel der
Schwanzborsten, der das Weibchen auszeichnen soll, sich oenbar nur auf
ein zufälliges Ausfallen dieser leicht verletzlichen Anhänge reducirt,
Archiv £. Naturgesch. XXIV. Jahrg. 1. Bd. 3
34 Claus:
und, wie ich überzeugt bin, durch Vermitt'ung des Raumes,
den die haftende Spermatophore darbietet.
Nicht unmöglich, dass bei jedesmaliger Eierlage der
Inhalt des untern Oviduktes theilweise in das Lumen des lee-
ren Schlauches eingetrieben wird und nach dem Austrille
der Eier in das Innere des Thieres zurückfliesst.
Der Typus, nach welchem die männlichen Geschlechts-
organe der Cyclopen gebaut sind, weicht in vielen Stücken
von dem beschriebenen der Cyclopsine ab. Vor allem ist es
die Duplicität und mit dieser im Zusammenhange Jie sym-
metrische Lage, welche in der Anordnung des Geschlechts-
apparales die Cyclopen auszeichnet. Wie die weibliche Keim-
drüse, so ist auch der Hoden bei den Cyclopsarten stets in
paariger Anzahl vorhanden und oberhalb des Darmes nahe
der Mittellinie, grossentheils im ersten fusstragenden Abschnilte,
gelegen. Nach oben schliesst sich ihm ein Bündel dünner
Fäden an, welches die Befestigung am Skelete vermiltelt und
eine Lagenveränderung bis zu einem bestimmten Grade ver-
hindert. Ausser der Keimdrüse unterscheidet man auch hier
einen Samenleiter, der in mehrfachen Windungen den männ-
lichen Körper durchzieht und Produkte liefert, welche zur
Bildung des Samenschlauches verwandt werden.
Anfangs verläuft der Samenleiter nahe der Mittellinie
herab, steigt dann wieder zur ursprünglichen Höhe empor
und biegt in der Grenzlinie der zwei ersten Thoracalsegmente
seitlich horizontal um. Von hier aus steigt er als erweiler-
ter Abschnitt jederseils herab, der Mittellinie sich mehr und
mehr nähernd und verschmälert sich im unteren Abschnitte
des Thorax zu einem dünnen Kanal, um im ersten Abdomi-
nalsegmente als kapselförmig aufgelriebener Schlauch zu enden.
In diesem letzten Theile *) findet sich fast stets die ausge-
*) Bei einer früheren Gelegenheit bezeichnete ich diesen Theil
als eine Drüse, welche in der Wandung des Samenleiters gelegen den
Klebstoff und die Hülle der Samenschläuche absondere, und setzte
sie ihrer Bedeutung nach der Kittdrüse des Weibchens parallel. Indess
scheint mir diese Auffassung desshalb minder passend, weil die Be-
deutung eines Spermatophorenbehälters weit höher als die Sekretions-
thätigkeit der Wandung anzuschlagen ist.
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 35
bildele Spermalophore, deren Wandung, wie es scheint, erst
hier gebildet wird, während der Austreibestoff dem er-
weiterten Abschnitte des Samenleiters seine Entstehung ver-
dankt. Die Spermatophore selbst, die stets in paariger An-
zahl abgeselzt wird, besilzt eine ovale gedrungene Form und
enthält dieselben Elemente, die beim Samenschlauche von
Cyclopsine unlerschieden sind. Unter der ersten Wandung
liegen, als Austreibestoff, granulirte Körperchen, die im Was-
ser zu umfangsreichen Blasen anschwellen und das Ansehen
heller Zellen gewinnen. Im Innern selbst finden sich die
Spermalozoen mit einer gelrübten Flüssigkeit gemischt und
am anderen Theile, welcher ohne halsarlige Verlängerung in
die Ausmündung übergeht, der zähe, mit feinen Körnchen
durchselzte Klebstoff in Gestalt eines runden Ballens abge-
lagert. Wie aber bei der paarigen Anlage der Geschlechtsor-
gane die Spermatophoren in doppelter Anzahl gebildet wer-
den, so Ireten auch bei der jedesmaligen Begattung zwei
Samenschläuche aus, um in symmelrischer Anordnung der
bezeichneten Stelle des Weibchens angeklebt zu werden.
Die Entwickelung der weiblichen und männli-
chen Keimstoffe.
Untersucht man den Inhalt der weiblichen Keimdrüse
unter slarker Vergrösserung, so finden sich, als frühe Stadien
der Keimsloffe, kleine gelblich gefärbte Kerne unregelmässiger
Form und verschiedener Grösse, um welche sich eine hellere
homogene Flüssigkeit gelagert hat. Uebergänge dieser Bil-
dungen zu entwickeltern Keimbläschen lassen sich in allen
Zwischenformen nachweisen. Sind nun die Keimbläschen im
Innern der Keimdrüse bis zu einer bestimmten Grösse her-
angewachsen, so Irelen sie in die Eierschläuche ein um zu-
nächst mit einer durchsichligen hellen Masse umgeben zu
werden, in welcher sich nach und nach die Dottermoleküle
und kleinere Fettkörnchen abscheiden. Gleichzeitig nimmt
das Keimbläschen an Umfang zu und erlangt bei den Cyclo-
pen im Durchschnilte die Grösse von 0,026” m, während der
Kern his zu 0,008" wächst. Während das Ei nun die Eier-
schläuche passirt, wird die Doltermasse grösser und umlang-
36 Claus:
reicher, ohne dass in derselben grössere Felltropfen wie in
Eiern anderer Entomostraken ausgeschieden würden. Eben-
sowenig beobachtet man irgend welche Spuren einer äusse-
ren Hülle, und erst im unteren Theile des Eierschlauches, wo
der Dolter zu geringerem Umfange sich verdichtet, tritt eine
zarte dünne Dotlterhaut vielleicht als Ausscheidungsprodukt
des sich condensirenden Dolters auf. Auf diesem Stadium
haben die Eier im Durchschnitte eine Grösse von 0,Imm im
Durchmesser und sind zur vollkommenen Reife und Ausbil-
dung gelangt.
Die frühsten Stadien der Spermatozoen, welche von mir
beobachtet wurden, stellen bei Cyclopsine castor eckige gelbe
Körnchen dar von 0,001—1,002=n im Durchmesser (Fig 54.
1,y); um die sich eine dünne Schicht einer zähen hellen Sub-
stanz gelagert hat. Solche Bildungen finden sich zu jeder Zeit
im Hoden der entwickelten Männchen vor und sind auch schon
von früheren Beobachlern, namentlich von v. Siebold, ge-
sehen und richtig gedeutet. Indess repräsenliren diese Kör-
ner nicht die ersten Stadien in der Entwickelung der männ-
lichen Keimstoffe, sondern möchten wohl, wie mir scheint
als Produkte früherer Bildungen zu betrachten sein, deren
Auftreten aber vor die Zeit der geschlechllichen Ausbildung
in das Leben der späteren Jugen«lzustände fällt. Die Ueber-
gänge dieser Körnchen in die Samenkörper lassen sich an
einer Reihe von Zwischenformen im Hoden und dessen Aus-
führungsgang nachweisen. Sie wachsen mehr und mehr,
während gleichzeitig der helle Saum verschwindet, nehmen
dann als runde Körper von 0,006—0,007== im Durchmesser
scharfe Conturen an und scheiden im Innern dunkele Körn-
chen in grösserer oder geringerer Menge aus (Fig. 54, 1, P).
Erst während der Bildung der Spermatophore im unteren Ab-
schnille des Vas deferens gestalten sie sich zu länglich ova-
len granulirten Körperchen um, deren Längenaxe zwischen
0,007—0,009=® schwankt, während die Breitenaxe 0,004—
0,005mm beträgt (Fig. 54, 1,«). Diese Körperchen sind dann
als reife Spermalozoen fähig, die Befruchtung auszuführen.
Die Formen , welche Zenker als Entwickelungsphasen
der Cyclopsspermalozoen beschreibt, nämlich Zellen mit auf-
geselzten Kernen, Zellen mit vollkommen körnigem Inhalt und
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 37
Zellen mit stachelförmig hervorstehenden, bereits entwickel-
ten Zoospermien, habe ich weder im Hoden noch in dessen
Ausführungsgange wiedergefunden. Die ausgebildeten Sper-
matozoen der Cyclopen sind spindelförmige Körperchen, de-
ren Längsaxe bei den verschiedenen Arten zwischen 0,007
und 0,009"=m schwankt. Während die äusseren Conturen
schwach und wenig markirt sind, zieht sich über die Länge
des Samenkörperchens ein dunkeles Stäbchen hin, welches
höchstens bis zu einer Spiralwindung gedreht erscheint und
nach Leydig’s Deutung nichts als einen verdickten Rand
des länglichen Plältchens vorstellt (Fig. 54, 2) *). Auch habe
ich schwache Bewegungen der Cyclopsspermalozoen beob-
achtet, die denen der stablörmigen Bacillarien ähnlich sind,
noch mehr aber mit den Bewegungen der spindelförmigen
Navicularien übereinstimmen und auf rein physikalische Vor-
gänge zurückgeführt werden müssen.
Die Bildung des Embryo.
Wenn die Eier im Innern des Eierschlauches ihre voll-
kommene Grösse erlangt haben, Irelen sie in grösseren Par-
lien durch die Geschlechtsöffnungen aus, aber nicht um bei
den weiteren Umbildungen vom miülterlichen Leibe getrennt
zu sein, sondern um in eigenen Behältern eingeschlossen un-
ter dem mülterlichen Schulze die Embryonen heranzubilden.
Die austretenden Keime werden von dem zähen Sekrete der
bekannten Drüsen u:mflossen und nicht nur in ihrer Gesammt-
heit von einer gemeinschaftlichen Hülle umgeben, sondern ein
jedes Ei wird von einer eigenen Wandung kapselarlig ein-
geschlossen, so dass in der Hülle des Eiersäckchens ebenso
viel zellige Hohlräume als Eier vorhanden sind. Während
aber die Eiersäckchen der Cyclopen durch eine zarte homo-
gene Beschaffenheit der Hülle ausgezeichnet sind, werden die
Eier der Cyclopsine castor durch eine feste Wandung von nicht
unbeträchtlicher Dicke mit einander verbunden, die kein homo-
genes Aussehn darbietel, sondern als ein Maschengewebe zahl-
reicher Falten und ineinander geflochtener Windungen dem
®) Siche Leydig’s Lehrbuch der Histologie. 1857. $. 532.
33 Claus:
Beobachter entgegentritt. Dünne und verdickte Stellen wech-
seln conlinuirlich in der Wandung der Eiersäckchen mitein-
ander ab, und so wird es bei einer beträchtlichen Stärke und
Festigkeit möglich, dem endosmotischen Verkehre eine ge-
nügend grosse und dünne Fläche darzubieten. Physiologisch
könnte man daher diese Bildung dem inneren Chorion zahl-
reicher Insekteneier vergleichen, welches ebenfalls ein Ma-
schengewebe dünner und verdickler Stellen darstellt; mor-
phologisch entspricht dieselbe indess den Eiweissumlagerun-
gen, in welche die Eier zahlreicher Lumbricinen, Hirudineen
und Mollusken eingebettet sind. Die Zahl der abgeselzten
Eier ist übrigens keineswegs conslant, und ebensowenig ist
die Grösse der Eiersäckchen bei der nämlichen Art dieselbe,
sondern es Irelen nach Alter und Lebensverhältnissen man-
cherlei Schwankungen ein. Cycelopiden, die unler ungünstigen
Bedingungen leben, legen weniger Material in Geslalt neuer
Keime nieder und verhalten sich auf gleicheWeise, wie die eben
zur Geschlechtsreife gelangten Weibchen, welche nur kleine
Eiersäckchen mil geringem Inhalte zu produciren im Stande
sind. Grösse und Gestalt der Eiersäckchen können daher
nicht absolut als Artcharakter benutzt werien, mil grösserem
Rechte schon die Färbung des Dollers, obwohl auch diese
nach dem Grade der Ausbildung der Embryonen bei dersel-
ben Species mancherlei Abweichungen bielet. Viel bestimm-
ter lässt sich dıe Haltung der Eiertaschen zur Unterscheidung
einiger Arten verwenden, ja sogar dem unbewaflneten Auge
wird es mit Hülfe dieses Merkmales möglich, bestimmte Spe-
cies *) auf den ersten Blick zu erkennen. Die Eierlaschen
von Cyclopsine und Harpaclicus sind nur in einfacher Zahl
vorhanden, indess ihrer Anlage nach durchaus paarig und
symmetrisch gebildet. Hier liegen nämlich die beiden Ge-
*) Cyelops coronatus trägt die Eiersäckchen dicht neben ein-
ander in der Mittellinie der Bauchfläche angefügt, Cyclops tenuicornis
hält sie dagegen fast rechwinklig vom Leibe entfernt, während der
Winkel, welcher die Eiersäckchen von Cyclops brevicornis mit der
Längsaxe des Körpers bildet 40 bis 500 beträgt. Die Ursache dieser
bestimmten Haltung liegt in der eigenthümlichen Bildung und Lage
der Geschlechtsöffnungen.
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 39
schlechtsöffnungen nahe der Mittellinie dicht neben einander,
so dass das Drüsensekret, welches mit den Eiern zugleich
austritt, zusammenlliesst und zu einer gemeinschaftlichen Hülle
erslarrl.
An dem frisch abgesetzten Eie, welches eine mehr oder
weniger ovale Form besitzt, lässt sich eine zarte Membran
nachweisen, die als Dolterhaut den Dolter eng umschliesst.
Letzterer ist bei Cyclopsine dunkel gefärbt und enthält ausser
den charakterislischen Dottermolekülen spärlich vertheilte Felt-
körnchen von geringer Grösse. Bei den Cyclopen ist das
Aussehen des Dolters nach den einzelnen Arten verschieden
und, übereinsiimmend mit der Färbung *) der Eierstöcke und
Eiersäckchen, hier dunkeler und dort heller. Im Innern des
Dotlers findet sich ein Kern von nicht unbeträchtlicher Grösse
und weicher homogener Beschaffenheit, von dem ich jedoch
unentschieden lasse, ob er dem ursprünglichen Keimbläschen
entspricht oder nach Auflösung desselben als neue Bildung
entstanden ist.
Die ersten Veränderungen, die sich an den ausgelrete-
nen Eiern beobachten lassen, bestehen in einer Verdichtung
der Dotltersubstanz, in deren Folge ein heller Raum zwischen
Dotter und Dolterhaut sichtbar wird. Der Kern im Innern des
Eies nimmt gleichzeitig eine längliche Gestalt an und schnürt
sich in zwei Theile ab, welche anfangs einander dicht anlie-
gen, allmählig sich mehr und mehr von einander entfernen.
Der Theilung des Kernes folgt auch eine Spaltung des Dot-
ters nach, die, anfangs als Einschnürung angedeutet, allmählig
tiefer und tiefer greift und eine vollkommene Trennung der
Dotiermasse in zwei Ballen zur Folge hat. Die erwähnten
Vorgänge wiederholen sich an jeder der beiden Furchungs-
kugeln und deren Theilungsprodukten; es trilt eine totale
Dotterklüftung ein, welche schliesslich durch weilere Differen-
zirung zur Bildung der ersten Embryonalzellen hinführt. Wäh-
rend noch im Centrum des Eies Dotterballen grösseren und
*) Die dunkelste Färbung des Dotters beobachtet man an den
Eierstöcken und Eiersäcken von Cyclops coronatus, während die Eier
von Cyelops tenuicornis und serrulatus wegen der hellen Beschaffen-
heit des Inhalts am meisten für die Untersuchung geeignet sind.
40 Claus:
kleineren Umfangs angetroffen werden, hat sich periperisch
eine einfache Schicht heller gekernter Zellen abgelagert, sei
es nun durch vollkommene Neubildung oder sei es durch
Umgestaltung der peripherischen Furchungskugeln. Ich glaube
wohl nicht zu. irren, wenn ich diese Zellenlage, welche
die ersten Bausteine des Embryonalleibes liefert, als Kein-
haut bezeichne und sie mit der gleichnamigen Bildung *),
welche sich im Eie der höheren Arthropoden findet, paralle-
lisire. Während indess die letztere ohne vorausgegangene
Dotterklüftung zu Stande kommt und sich bald auf der Rück-
seile spaltet, um nur an der ventralen Eifäche die primilive
Anlage des Embryo zu bilden, entsteht dieKeimhaut des Cy-
elopidenembryos erst nach Verlauf des Furchungsprocesses
und bleibt gleichmässig über den gesammien Dolter gelagert,
ohne am Rücken zu platzen und nach dem Bauchtheile hin sich
zusammenzuziehen. Der Embryo wird daher nicht von einem
Primitivstreifen #*) aus gebildet, sondern in seiner ganzen
Gestalt angelegt. Bald nachdem sich die Keimhaut gebildet
hat — aus der übrigens nur die äussere Körperbedeckung des
jungen Geschöpfes hervorzugehen scheint —, entstehen an
derselben zwei Querfurchen, welche die Längsachse des Eies
rechiwinkelig durebschneiden und den Embryo in drei Ab-
schnille theilen, die morphologisch, wie wir uns überzeugen
*) Vergl. Zaddach’s Entwickelung des Phryganideneies.
*=) Auch andere Thierformen, die man bisher zu den Arthropo-
den gezählt hat, entwickeln sich nicht von einem Primitivstreifen
aus. Um der Rotiferen nicht zu gedenken, die schon längst mit Recht
aus dem Bereiche der Arthropoden entfernt sind, erlaube ich mir
hier die Mittheilung, dass die Embryonen von Pentastomum ohne Pri-
mitivslreifen angelegt werden, wie kürzlich Prof. Leuckart mit
Bestimmtheit gefunden hat. Mir scheint es allerdings natürlicher, auch
diese Geschöpfe unter den Würmern aufzuführen, da sie ja zu den
Arthropoden nichts weiter, als eine gewisse Aehnlichkeit mit Milben
und der Besitz quergestreifter Muskeln hinführt. Gegliederte Anhänge
und heteronome Abschnitte des Körpers sucht man vergebens, und
wenn die vier Füsse der Embryonen als gegliedert betrachtet worden
sind, so hat sich nach Untersuchungen L,euckart’s und meinen eige-
nen Beohachtungen herausgestellt, dass jene Gliedmassen nichts als ein-
fache Auftreibungen des Körpers sind, auf denen chitinisirte Haken
als Epidermalbildungen aufsitzen.
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 41
werden, den Kopfsegmenten des ausgebildeden Thieres ent-
sprechen. Jetzt erst markirt sich ein Unterschied zwischen
Rücken und Bauchtheil unzweideulig, indem die Einschnürun-
gen an der Rückenhälfte sich allmählig verlieren, während
sie an der gegenüberliegenden Hälfte und besonders an de-
ren Seitentheilen tief eingreifen. An jedem dieser drei Seg-
mente entwickelt sich ein Gliedmassenpaar , während sich
gleichzeitig der Dotter von der Peripherie nach dem Centrum
zu aufhellte, um am weiteren Aufbaue des Embryonalleibes
sich zu betheiligen und namentlich die Muskeln zur Bewegung
der Gliedmassen darzustellen. Die centralen Doltertheile
bleiben dunkel und gehen zum Theil in den Inhalt des Dar-
mes über, dessen Wandungen sich alimählig gebildet haben.
Wie es scheint, enistehen aus ihnen auch die Harnzellen,
welche in zwei ven!ralen- Ausslülpungen des unleren Darm-
abschnilles symmetrisch gelagert sind. Am vorderen Theile
des Embryos bemerkt man gleichzeitig eine unpäare Aultrei-
bung von bedeutendem Umfange, in der wir «die Kopfkappe
der jungen Larve mit Mundirichter und Mundöffuung wieder-
erkennen. Oberhalb desselben lagern sich zwei Pigmentstreifen
genau in der Miilellinie neben einander ab, um als erste An-
lage des einfachen Cyclopenauges mit einander zu verschmel-
zen. Eine weitere Differenzirung innerer Körpertheile ist am
Embryo nicht zu beobachten ; die einzige Veränderung, die
noch vor dem Ausschlüpfen desselben an seinem Leibe vor sich
geht, besteht in einer allmähligen Consolidirung der äusseren
Bedeckung, in Folge deren auch die gebildeten Gliedmassen
eine immer deutlichere Begrenzung erkennen lassen. Die
Muskeln, welche in dem erhärteten Skelete feste Insertions-
punkte gewonnen haben, beginnen sich zu contrahiren und
veranlassen geringe Bewegungen der Gliedmassen, geringe
Verschiebungen des ganzen Körpers, die aber allmählig leb-
hafter und energischer werden. Die dünne Eihülle schliesst
sich anfangs den räumlichen Veränderungen des Embryonal-
leibes an, wird aber bald durch den Einfluss der kräftigen
Bewegungen zersprengt und gestallet nun dem jungen Ge-
schöpfe freien Austritt. |
Die Zeit, welche zwischen den ersten Veränderungen
des Eies und dem Ausschlöpfen der Larve liegt, schwankt
42 Claus:
nach Temperatur und Jahreszeit innerhalb bestimmter Gren-
zen; während im Sommer die Vorgänge der Entwickelung
kaum zwei Tage in Anspruch nehmen, und die Eiersäckchen
im günstigsten Falle bei heisser Temperalur nur 30 bis 36
Stunden dem mütterlichen Leibe anhängen, um sogleich nach-
dem Ausschlüpfen der Embryonen durch neue erselzt zu wer-
den, bedarf es im Winter eines Zeilraumes von 5 bis 8 Ta-
gen, bis die junge Larve herangebildet ist.. Auch sind die
Intervalle, die man zwischen der Zerstörung des allen und
der Bildung des neuen Eiersäckchens beobachtet in der ungün-
sligen Jahreszeit weil bedeutender, wie schon aus den von
Jurine angestellten Versuchen mit Beslimmiheil hervorgeht.
Die Entwickelung der freien Larve.
Aus den zersprengten Eihüllen kommen ovale, mehr
oder weniger gestreckte Geschöpfe hervor, die im Allgemei-
nen die Gestalt und Grösse des Eies wiederholen, ohne mit
dem ausgebildeten Thiere die geringste Aehnlichkeit darzu-
bieten. Es war daher natürlich, dass frühere Beobachter,
welchen die Beziehung dieser Thierformen zum Eie der Cy-
elopiden verborgen blieb, in ihnen Verlreter besonderer Ar-
ten zu finden glaubten und wir haben wahrlich Ursache,
eie Sorgfalt und Genauigkeit Leuwenhoek’s und de
Geer’s *) zu bewundern, da diese Männer, trotz gerin-
gerer mikroskopischer Hülfsmiltel, die Larvennatur unserer
Geschöpfe ergründeten. Zeitgenossen de Geer’s und spä-
tere Beobachler bildeten die Cyclopslarven als besondere Thier-
formen ab, ohne mit der Entdeckung der beiden Nalurfor-
scher bekannt zu sein, und wir erfahren ebensowenig aus
Joblot’s **) Werk, als aus den Schriften Baker’s #**) und
Eichhorn’s+), dass in diesen Geschöpfen Jugendzustände
*) Memoires pour serris ä l’histoire des insectes. 7.
**) Joblot, observations d’histoire naturelle faites avec le mi-
eroscope 1754.
Eee) TI c
7) Eichhorn’s Beiträge zur Naturgeschichte der kleinsten
Wasserthiere. 1781. $.41 mit Tab. II. Fig. P, und $.47 mit Tab. II.
Fig. A.
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 43
vertreten sind. Aus den Abbildungen und Beschreibungen,
welche Eichhorn liefert, kann man sich überzeugen, dass
schon von diesem Beobachter die Larven mit vier Paar Kör-
peranhängen von denen mil drei Gliedmassenpaaren unlerschie-
den wurden. Erstere führt derselbe unter der Bezeichnung
„Hüpperling“ in seiner Schrift auf und hebt namentlich von
ihnen hervor, dass sie sich in einem flachen Wassertropfen
unter dem Vergrösserungsglase wie das schnellste Rad um
die Axe drehten, während sie [rei im Wasser mit unbegreif-
licher Geschwindigkeit forleilten. Aus den Umrissen seiner
Figuren ergiebt sich auch mit Bestimmtheit,, dass ihm eine
entwickellere Jugendform von Cyelops serrulalus und eine
eben ausgeschlüpfte Larve einer Cyclopsspecies mit 17glie-
drigen Antennen zur Beobachtung vorlagen. Ausser Koeh-
ler und Lange, deren Namen ich übrigens nur erwähnen
kann, da mir ihre Arbeiten nicht zu Gesicht gekommen sind,
war es besonders Slabber *), einer der genausten Zeich-
ner seiner Zeil, von dem Larvenzustände von Enlomostraken
beobachtet wurden. Was der letztere als Monoculus armiger
und Monoculus marinus beschreibt, sind ohne Zweifel die
ersten Jugendzuslände von Cerripedien, wie sich auch aus den
näheren Mittheilungen Slabber’s ergiebt.
Erst der berühmte dänische Naturforscher O. F. Mül-
ler #**) giebt uns ausführliche Mittheilungen über Bau und
Organisalion der Cyelopslarven; er fand am Körper dersel-
ben Abweichungen und Eigenthümlichkeiten der mannichfal-
tigsten Art, die ihm Anhaltspunkte zur Aufstellung verschie-
dener Species darboten. Was aber von Leuwenhoek und
de Geer über die Larvennalur unserer Geschöpfe beobachtet
war, suchte Müller mit allem Nachdrucke zu bekämpfen,
und besonders durch spätere Jugendzuslände **#*) der Cyclopi-
®) Slabber's Physikalische Belustigungen 1775.
**) Entomostraca seu insecta testacea etc. v.0.F. Müller 1785.
#°®, Die Stelle, in der 0. F. Müller seine Gegner zu widerle-
gen sucht, ist folgende: Cum Amymones et Cyclopis species exu-
viss deponere (quod quidem in pullis Cyclopis obtinere negat de
Geer) viderim insolitumque nimis sit, animalculum testaceum seu te-
siae innalum in crustaceum seu crustis pluribus tectum mutari, figura
44 Claus:
den geläuscht, glaubte er in unseren Larven geschlechtlich
entwickelte Thierformen zu finden. Je nachdem dieselben
mit drei oder vier Gliedmassenpaaren ausgeslaltet waren, ver-
theilte er sie unter die Genera Amymone und Nauplius, und
unterschied im Ganzen acht Arten, von denen einige in der
That verschiedenen Cyelopiden als Jugendformen angehö-
ren. Der Irrthum, der mit dem sonst vortrefflichen Werke
0. F. Müller’s in die Wissenschaft eingeführt war, wurde
erstdurch Jurine *) mit voller Bestimmtheit widerlegt. Ver-
suche, die mit grosser Sorgfalt und Präeision gehandhabt waren,
bewiesen unzweideulig, dass unsere Larven aus Cyclopseiern
entstanden waren und sich durch eine Reihe von Zwischen-
stadien in die ausgebildete Form umwandelten. In späterer
Zeit wurden die Angaben des französischen Forschers durch
die trefflichen Untersuchungen Rathke’s bestätigt, und die
Kenntniss der Entwickelung unserer Geschöpfe durch neue
Beobachtungen bereichert. Vor allem verdanken wir dem
Königsberger Gelehrten den bestimmteren Nachweis, dass die
zwei ersten Gliedmassenpaare der Larven in die vier An-
tennen der Cyclopiden übergehen, dass die Körpersegmente
im Laufe der Entwickelung sich vermehren und neue An-
hänge in geselzmässiger Weise hervorsprossen, welche zu
den Ruderfüssen sich umgeslalten. Auch glaubte Rathke **)
behaupten zu können, dass die vier Maxillarfüsse des ausge-
bildeten Thieres aus dem dritten Gliedmassenpaare der Larve
entstanden seien, während Mandibeln und Maxillen als neue
Auftreibungen vor den Maxillarfüssen hervorsprossen und
ihrer Bedeutung nach besondern Gliedmassen gleichzusetzen
seien. Eine genaue Beschreibung der Jugendformen, ver-
bunden mit einer sorgfältigen Verfolgung der Entwicklungs-
stadien ist indess bisher nicht versucht, ja man hat mit den
14 nostrae tab. 18 pullum parenti similiorem, quam ulla t. 30 Geeria-
nae sistat, vix a veritate alienum est, animalcula t.30 fig. 6, 7,8 vel
7 insect. Geerii potius Amymones subreptitias quam Cyclopis pullos
esse etc. Siehe $.113.
*) Jurine's histoire des monocles 1820.
#*) Rathke, Beiträge zur Entwickelungsgeschichte, Th. II. $. 85.
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 45
Hülfsmilteln, welche uns das heutige Mikroskop zu Gebote
stellt, den feineren Bau und die innere Organisation der Larve
noch nicht einmal zum Gegenstande einer näheren Untersu-
chung gemacht. Daher fehlen denn auch die Unterscheidungs-
charaktere, mit deren Hülfe die aufgelundenen Jugendformen
auf ihre Species zurückgeführt werden können.
Nach diesen historischen Bemerkungen, die zur richli-
gen Beurtheilung des zu bearbeitenden Materials und nicht
weniger zur Befriedigung des rein wissenschaftlichen Interes-
ses vorausgeschickt werden mussten , theile ich meine eige-
nen Untersuchungen mit, so lückenhaft und unvollständig
dieselben auch geblieben sind. Die Handhabung unserer klei-
nen, äusserst beweglichen Thierchen, noch mehr aber ihre
längere isolirte Erhallung war für mich mit so grossen Schwie-
rigkeilen verbunden, dass die Mängel meiner Arbeit bis zu
einem bestimmten Grade entschuldigt werden können.
Wenn die jungen Larven nach Zersprengung der Ei-
hüllen in das Freie gelangt sind, stellen sie eine Zeit lang
alle Thätigkeiten ein und ruhen mehrere Augenblicke aus,
um sich allmählig unter langsamen Bewegungen an die künf-
tige Lokomotion und Lebensweise zu gewöhnen. Bald hat
die Körperbedeckung unter dem Einllusse des Wassers einen
höheren Grad von Starrheit angenommen, den Muskeln sind
festere Insertionspunkte zu Theil geworden, so dass ihre
Contraklion mit einer kräftigeren Wirkung verbunden ist,
und die Bedingungen sind erfüllt, unter denen sich unsere Ge-
schöpfe mit lebhaften Sprüngen in ihrem Elemente umhertum-
meln können. Die Gestalt der ausgeschlüpften Larve schliesst
sich im Allgemeinen der Form des Eies an und bildet ein
fast rundes, in anderen Fällen ein mehr gestrecktes Oval,
dessen breilerer Theil die vordere Körperhälfte bezeichnet.
Der hintere Leibesabschnilt verschmälert sich allmählig und
läuft nahe am Ende in zwei papillenförmige Erhebungen
aus, zwischen denen der After ausmündet, und welche an
ihrem Pole je eine kräftige Borste tragen. Die Bauchlläche
erweiler! sich vorn zu einem breiten wulsligen Schilde, der
mehr oder weniger weit vorspringt und, durch eine trichter-
förmige Höhlung durchbrochen, die in der Tiefe gelegene
Mundöffnung mit der Aussenwelt in Verbindung setzt. In der
46 Claus:
Umgebung dieser Mundkappe *), wie ich die beschriebene
Bildung nicht unpassend zu bezeichnen glaube, sind drei
Gliedmassenpaare in bestimmter Anordnung gruppirt. Die
zwei ersten Gliedmassen zeigen stets eine einfache Glieder-
reihe, aus der sich die grossen Antennen der Cyclopiden
. entwickeln und sind auf diesem Stadium, wie schon Jurine
richtig darstellt, aus drei Ringen zusammengeselzt, welche
an ihren Verbindungsrändern mit borstenförmigen Anhängen
versehen sind. In ihrer Funktion leisten sie der Larve die-
selben Dienste, wie die ersten Antennen der ausgebildelen
Geschöpfe, und es scheint mir daher vollkommen begründet,
ihnen eine gleiche Bezeichnung zu Theil werden zu lassen.
Das zweite Gliedmassenpaar besteht aus einem breiten Ba-
saltheile und aus zwei gegliederten Aesten, welche sich. dem
erstern inseriren. Auf dem Basaltheile findet man fast slets
einen kräftigen Haken vor, der bei jeder Bewegung des ge-
sammten Fusspaares in den Mundtrichter oder unterhalb der
Mundkappe eingreift und bei der Zufuhr der Speise eine beson-
dere Rolle spielt. Seine Basis erweitert sich zu einer grös-
sern oder kleinern Auftreibung, die wir in einigen Fällen
als ein besonderes Glied zu betrachten berechtigt sind. Das
dritte kürzere Fusspaar ist unterhalb der Mundkappe einge-
lenkt und in Bau und Bildung dem verhergehenden nahe
verwandt. Fast stels erscheint jedoch «er Basaltheil bei einer
geringen Breite sehr in die Länge gestreckt, während die
aufsitzenden Gliederreihen auf einen mässigen Umfang be-
schränkt sind und der wulstförmige Vorsprung mit dem Mund-
haken sein Analogon in einer von der Basis mehr entfernlen
Auftreibung findet, welche mit Anhängen bedeutender Ent-
wickelung ausgestattet is. Durch kräftige Ruderschläge,
*) Schon 0. F. Müller hat die vorderen Umrisse der Mund-
kappe beobachtet und abgebildet, ohne freilich ihre Bedeutung zu er-
kennen. Der Kreisabschnitt, den er an Amymone satyra zwischen
den beiden Antennen hervorhebt, ist der vordere Theil unserer Mund-
kappe, und ebenso weist das, was er bei der Beschreibung von Nau-
plius saltatorius folgendermassen ausdrückt: „medio inter pedes qua-
tuor anteriores musculus quidam nobilis conspieitur,* wie auch aus
der Figur hervorgeht, auf die nämliche Bildung hin,
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 47
welche die Gliedmassen durch die Bewegung von vorn nach
hinten und von aussen nach innen gleichzeilig ausführen, wird
die Propulsionskraft erzeugt, in deren Folge die Larven in
einzelnen rasch auf einander folgenden Stössen das Wasser
durcheilen. Aber durch dieselben Thäligkeilen werden auch die
Bedingungen zum Erwerbe und zur Aufnahme der Nahrung
erfüllt, indem die inneren Anhänge der lelzten Fusspaare die
Wasserströmung so reguliren, dass fein verlheille Reste organi-
scher Stoffe die Richtung nach der Mundöffnung einschlagen.
Lokomotion und Nahrungsaufnahme sind daher nicht nur
räumlich an die Aktion desselben Organes geknüpft, sondern
coincidiren auch der Zeit nach genau mit einander. Die
nämlichen Körperanhänge , welche die Ortsbewegung vermit-
teln, betheiligen sich gleichzeitig, ohne einen Aufwand be-
sonderer Kräfte nolhwendig zu machen, der Eroberung der
Beute und Einfuhr der Speise. Erst wenn unsere Thiere zu
einer ansehnlichen Grösse herangewachsen sind und nach
mehreren Häutungen eine Körpergestalt gewonnen haben,
welche durch deutliche Segmenlirung des Leibes bei gleich-
zeiliger Entwickelung der Längendimension auf den Cyclo-
penbau hinweist, tritt in der Thätigkeit der Gliedmassen eine
sirengere Arbeilstheilung ein.
Die organische Materie, welche die animalen Funktio-
nen unserer Larven vermilielt, hat sich histologisch deutlich
zu Muskeln differenzirl, die als quergeslreifte Längsbündel
am hinteren Theile der stark chitinisirten Rückenfläche ent-
springen und in paariger Anordnung zur Basis der einzelnen
Giiedmassen verlaufen. Zu einem histologischen Nachweise
des Nervensystems fehlen durchaus die nölhigen Anhalls-
punkte und es scheint, als ob eine Sonderung des innervi-
renden Stoffes in Ganglien und Fasern noch nicht zu Stande
gekommen sei. Nicht die geringsten Spuren einer Bauch-
ganglienkelte sind zu beobachten, was, wie mir scheint, auch
mit der Entwickelung des Embryos ohne Primilivstreifen in
nolhwendigem Zusammenhange steht. Von Sinnesorganen
findet man nur die erste Anlage des zukünftigen Cyclopen-
auges vor, die, in Gestalt zweier Pigmentslreifen zwischen
den Basalgliedern der Antennen gelegen, wohl jetzt schon
eine Perception der Lichtstrahlen in beschränktem Sinne ver-
48 Claus:
mitteln. Uebrigens lagert sich oft eine helle Kugel vor dem
Pigmentgebilde ab, welcher die Bedeulung eines provisori-
schen Glaskörpers, oder, wenn wir wollen, einer provisori-
schen Linse zukommt.
Zwischen Mund und Afler spannt sich der Nahrungs-
kanal in Form eines weiten Cylinders aus, an welchem drei
Abschnitte unterschieden werden können. Der kurze Oeso-
phagus, welcher sich nach der Rückenfläche etwas schräg
nach vorn erhebt, ist mit kräftigen Muskelwandungen ausge-
stattet, welche durch Schluckbewegungen die eingenommene
Nahrung in den weilen sackförmigen Chylusdarm befördern.
Der dritte Abschnitt ist gegen den miltleren sphinkterarlig
abgeselzt und bietet von der Rücken- oder Bauchseite aus
betrachtet die Form eines Kreises *) dar, dessen Peripherie
zu einer muskulösen Wandung verdickt ist. Er kann, wenn
wir wollen, als Dickdarm bezeichnet werden, da in ihm_die
verbrauchten Speisereste sich sammeln und zu Kolkballen um-
formen. Trotz der Einfachheit im Baue des Nalırungskana-
les ist übrigens die Oberfläche desselben im Verhältnisse zur
Körpermasse sehr bedeutend und namentlich der mittlere Ab-
schnilt so günslig gestaltet, dass in einfachen Ausstülpungen
seiner Wandung Thäligkeiten entlallet werden, die in grös-
sern Organisınen an besondere Organe geknüpft sind. Der
Innenraum des Chylusdarmes wird von kleinen, hellen, ge-
kernten Zellen ausgekleidet, welche in ihrer Bedeutung mit
den Chyluszellen des Insektenmagens übereinzustiminen schei-
nen. Unmittelbar vor dem Dickdarme finden sich in zwei
ventralen Ausstülpungen desselben mehrere schr grosse Zellen
vor, in welchen scharf umschriebene Concremente von lichl-
brechender Beschaffenheit enthalten sind. Leydig**),
*) 0. F. Müller beobachtete diese Bildung an den Larven
seiner-Amymone silena und maenas und bildete sie vollkommen rich-
tig ab. Er verglich dieselbe der Geschlechtsöffnung der Milben, trug
indess Bedenken, sie als vulva aufzufassen.
==) S, Leydig’s Alusatz: „Ueber den Bau und die syst. Stel-
lung der Räderthiere.« (Zeitschr. v. Sieb, u. Köllik. 1854.) Ferner
Leydig’s Lehrbuch der Histologie 1857.
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 49
welcher auf diese Bildungen zuerst *) aufmerksam macht,
betrachlet dieselben, wie mir scheint, mit vollem Rechte als
Harnconcremente und stützt seine Deutung nicht nur auf die
Analogie verwandter Thierformen, sondern namentlich auch auf
das chemische Verhalten der Concrelionen gegen bestimmle
Reagenlien. Er machte nämlich die Beobachtung, die ich
übrigens durch wiederholte Versuche bestätigen kann , dass
die Concremente gegen Säuren und Alkalien eine bedeutende
Resistenzkraft besitzen. Von Essigsäure werden sie kaum
verändert oder doch erst nach langer Einwirkung angegril-
fen, während Kalilauge nur in concentrirtem Zustaude die völ-
lige Auflösung bewirkt. Aus dem analogen Verhalten der
Conerelionen in den Malgiphischen Gefässen, sowie der
Ablagerungen in den Harnorganen der Schnecken schliesst
nun Leydig auf eine analoge Zusammensetzung und eine
gleiche physiologische Bedeutung. C. Vogt **) tritt dieser
Auffassung entschieden entgegen und vindicirt den hellen Zel-
len, freilich ohne entscheidende Beweisgründe beibringen zu
können, die Funktion der Leber. Wollte man einer solchen
Deutung Geltung verschaffen, so müsste man vor allen Dingen
die Beweise liefern, dass den Concrelionen oder wenigstens dem
flüssigen Inhalle jener Bläschen eine bestimmte Beziehung zur
aufgenommenen Nahrung zukomme, da ja die Leber Pro-
dukte absondert, welche sich mit der zu verdauenden Speise
mischen und grossentheils wieder in den Organismus zurück-
gelührt werden. Indess überzeugt man sich leicht mit aller
Bestimmiheit vom Gegentheile, indem die Concremente oder
die isolirlen Zellen nur mit den unbrauchbaren Resten ge-
mischt im Diekdarme angetroffen werden. Die nächste Ver-
wandischaft mit unseren Harnbildungen kommt wohl den Kör-
nerhaufen zu, die bei den Männchen einiger Rotiferen in
einer besonderen Blase dem Hoden aufgelegt sind und sich
auch nach Leydig in den Jugendformen einiger Weibchen
in der Nähe der Kloake finden sollen. Wenn auch derselbe
*) 0.F. Müller sah bereits die Umrisse, welche die Auftreibung
des Darmes bilden, an Amymone satyra und deutete sie aber als Ovarium,
®»®) 8. C. Vogvs Aufsatz: „Einige Worte über die systematische
Stellung der Rotiferen« in der Zeitschr. v. Sieb. u. Köllik. Vol. 7,
Archiv f, Naturgesch. XXIV. Jahrg. 1. Bd, 4
50 Claus:
Raum, welcher die Masse umschliesst, nicht als das Lumen
des Enddarmes zu betrachten ist, wenn auch, wie Cohn *)
zu beweisen sucht, die Concremente nur männlichen Räder-
thierchen angehören, so sind doch die Gründe, mit welchen
Cohn die Auffassung Leydig’s zu widerlegen sich bemüht,
in keiner Beziehung slichhallig. Mit dem Nachweise, dass bei
Enteroplea die Blase mit den dunklen Körnern mit dem-Darme
in keiner Beziehung steht (gegen welche Behauptung sich
übrigens Leydig **) mit aller Bestlimmtheil erklärt) würde
die Hypothese des Leiztern nur dahin modificirt werden müs-.
sen, dass das eigentlich secernirende Organ nicht aus Zellen
der Darmwandung besteht, sondern durch Zellen eines geschlos-
senen Sackes verlrelen ist. Die physiologische Bedeulung der
Conecrelionen als Harnabscheidungen wird nalürlich nicht im
entferntesten dadurch alterirt, dass kein Ausführungsgang vor-
handen ist und somit eine Entleerung nach aussen niemals
erfolgen kann; wir wissen ja aus zahlreichen anderen Bei-
spielen — und um nur an eins zu erinnern, verweise ich auf
die drei Längsschläuche von Mermis — wie unverkennbare Ex-
erelionsprodukte während der ganzen Lebensdauer im Innern
des Thieres aufgehäult bleiben, ohne nach aussen entfernt zu
“ werden. Auch daraus darf man, glaube ich, keine nachlhei-
ligen Schlüsse gegen unsere Auffassung ziehen, dass die Weib-
chen mit ausgebildetem Darmkanale, die doch einem lebhaf-
lern Stoffwechsel unterworfen sind, der Harnconcremente enl-
behren; die Produkte, welche der Stoffwechsel der Männchen
und der Jugendformen liefert, können ja, weil sie unter an-
dern Bedingungen gebildet werden, eine chemisch ai for-
mell abweichende Gestaltung gewinnen.
Um übrigens zu den Harnzellen der Cyclopiden zurück-
zukehren,, so scheint es mir in Belreff ihrer Entstehung am
wahrscheinlichsten, dass dieselben morphologisch nichts als
veränderle Zellen der Darmwandung repräsentiren, in denen
sich stickstoffreiche Produkte des Stoflwechsels als geschich-
*) Siehe Cohn’s Arbeit: „Ueber die Fortpflanzung der Räder-
thiere“ in der Zeitschr. v. Sieb. und Köllik. 1855. Vol, 7.
*#) In dem Aufsatze: „Ueber Hydatina senta“ in Müller’s Ar-
chiv 1857,
Zur” Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 51
tete Concremente niedergeschlagen haben, und ich beharre
bei meiner Auffassung um so mehr, als es sich durch direkte
Beobachtung leicht nachweisen lässt, dass die abgeschiede-
nen Körnerhaufen stets durch neue ersetzt werden. Ley-
dig’s Angabe, nach welcher die Harnconcremente nur dem
ersten Larvenstadium angehörten und schon bei Jugendfor-
men mit vier Paar Gliedmassen verschwunden seien, beruht
jedenfalls auf einem Irrthume, der aber wegen der Gestalt-
veränderung, welcher die Zellen mit ihrem Inhalte unterwor-
fen sind, leicht zu entschuldigen ist. Wie übrigens schon
von diesem Forscher selbst hervorgehoben wird, fallen die
Concremente zu einer pulverförmigen Masse zusammen und
lösen sich in zahlreiche kleine Körnchen auf von 0,001 bis
0,0015= im Durchmesser , die scharfe Umrisse zeigen und
nur bei flüchtiger Betrachtung mit Felltröpfchen verwechselt
werden können. In späteren Larvenstadien haben alle Harn-
zellen diese Beschaffenheit angenommen, so dass sie fast nie
mehr geschichlete Concretionen grösseren Umfangs enthalten,
allein weit davon entfernt, in ihrer Anzahl abzunehmen oder
vollkommen zu verschwinden, werden sie in den weileren Ent-
wickelungsformen immer zahlreicher und finden sich schliess-
lich in den ausgebildeten Cyclopiden in nicht unbeträchtlicher
Menge vor. Man braucht kaum eine grössere Sorgfalt auf-
zubielen, um die beschriebenen Zellen sofort als solche zu
erkennen und von anderen Bildungen zu unterscheiden, da
die Körner durch schärfere Contouren und ein geringeres
Brechungsvermögen der Lichtstrahlen vor den Felttröpfchen
hinreichend ausgezeichnet sind. Die Angabe also, dass die
Harnconcremente nur dem ersten Jugendalter angehörten, ist
für die Cyclopiden nicht güllig und daher auch die Ley-
dig’sche Bezeichnung „Primordialniere“ nicht am Platz. Auch
für die Rotiferen scheint sie zurückgenommen werden zu
müssen, da sie die Verhältnisse, unler denen sich die entspre-
chenden Harnanhäufungen vorfinden, nicht scharf und richtig
andeulet.
Was wir bisher vom Baue und der Organisation der
jungen Larve hervorgehoben haben, ist ein Eigenthum der
ersten Jugendzuslände aller Arten und lässt sich aus jeder
Form fast mit gleicher Bestimmtheit ableiten. Indess sind die
52 Claus: >
Differenzen, welche eine genauere Untersuchung in Gestalt
und Körperbildung der verschiedenen Larven aulfinden lässt,
so mannichfach und zum Theil so bedeutend, dass ich mir
eine nähere Betrachtung derselben nicht versagen kann, um
so weniger, als in ihr die Mittel geboten sind, die Jugend-
formen bis zu einem gewissen Grade mit Sicherheit zu be-
stimmen.
Die Cyelopslarven, die Jugendformen der verschie-
denen Cyclopsarlen, schwanken in Grösse des Längendurch-
messers zwischen 0,1 und 0,16”"m und zeichnen sich durch
eine grössere oder geringere dorso-ventrale Abplaltung ihres
Leibes aus. Sie führen uns übrigens Verschiedenheiten in
Körpergestalt und im Baue ihrer Anhänge vor, welche um
so grösser sind , je bedeutender die Antennen *) der ent-
wickelten Geschöpfe von einander differiren. Mit vollem
Rechte kann man die Bildung der grossen Antennen für die
Entscheidung der Verwandtschaft als massgebend betrachten;
Abweichungen dieser Gliedmassen stehen mit einer Reihe von
Differenzen anderer Körperlheile in nolhwendigem Zusam-
menhange und können daher gewissermassen als Ausdruck
der Gesammiverschiedenheit betrachtet werden.
So finden wir unter den Larven der zahlreichen Cy-
clopsarten mit 17gliedrigen Antennen nur geringe Differen-
zen, so dass es schon zur Bestimmung der Art genauerer
Prüfungsmiltel bedarf, ja in einzelnen Fällen unmöglich ist,
die Jugendzustände auf ihre Species zurückzuführen. Als
gemeinsames Geselz für die Gliedmassen der hierhergehöri-
gen Formen hat es sich herausgestellt, dass das milllere
*) Die grossen Antennen der ausgebildeten Cyclopen besitzen
eine bestimmte Zahl und ein bestimmtes Grössenverhältniss der consti-
tuirenden Glieder, wie ich in einer früheren Arbeit nachgewiesen
habe; es ist so zu sagen ein typischer Baustil, der, schon in der An-
lage bezeichnet, durch die einzelnen Entwickelungsphasen hindurch in
gesetzmässiger Weise eine constante Form heranbildet. Auch die
Cyclopen mit einer abweichenden Zahl der Antennenglieder, haben
eine gleiche Anlage dieser Gliedmassen,, nur treten in späteren Sta-.
dien Differenzen ein, welche eine Abweichung der entwickelten An-
tenne zur Folge haben, deren Ursache aber mit ciner Reihe anderer
Körperverschiedenheiten zusammenfällt,
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 53
Fusspaar an Umfang und Entwickelung die übrigen Gliedmas-
sen übertrifft. Die erste Gliedmasse , welche ihrer Bildung
und Funktion nach als Antenne betrachtet werden kann und
schon von O©.F. Müller mit vollem Rechte in diesem Sinne
gedeutet worden ist, besteht aus drei gleichgebildeten Rin-
gen, von denen der mittlere an Umfang und Grösse der be-
deutendste ist. Die Verbindungsränder der Glieder sind mit
Borsten besetzt, und namentlich die Spitze der Antenne mit
mehreren Anhängen ausgestaltet. Die zweite Gliedmasse hat
zum Basaltheile einen breiten ungegliederten Abschnitt, der
auf einem besonderen Vorsprunge einen gekrümmten kräfti-
gen Haken trägt. Von den beiden Aesten, die sich dem Ba-
salgliede anschliessen, kann der ventrale als direkte Fortset-
zung desselben angesehen werden. Derselbe ist aus zwei
breiten Gliedern zusammengeselzt, von denen das erste mehr
oder weniger innig mit dem Basalgliede des dorsalen Astes
in Verbindung steht. Dem gestreckten Basaltheile der dorsa-
len Aesten folgen noch vier kurze Ringe, die mit langen Ru-
derborsten ausgesialtet sind. Das dritle Gliedmassenpaar
stimmt in Bau mit dem beschriebenen überein, besitzt jedoch
einen verhältnissmässig gestreckteren und grösseren Basalab-
schniit, da die Gliederreihen im Umfange und Entwickelung
‘weit mehr zurücktreten. Der ventrale Anhang bildet zwei
Glieder, deren erstes auf ein kurzes oft kaum sichtbares Seg-
ment beschränkt ist, während das zweite in Gestalt eines zun-
genförmigen Anhangs nach der Medianlinie des Thieres zu-
gekehrt und durch den Besitz einiger Borsten ausgezeichnet
ist. Oberhalb seiner Insertion findet sich noch ein dreiecki-
ges Glied dem Basaltheile eingefügt, welches mit drei gros-
sen gefiederlen Borsien besetzt ist und seiner Bedeutung
nach morphologisch und physiologisch mil der Erhebung an
der Basis des zweiten Fusspaares parallelisirt werden kann.
Der dorsale Anhang entspricht ebenfalls dem gleichnamigen
der mittleren Gliedmasse, besteht indess nur aus vier kurzen
Gliedern, die lange Ruderborsten tragen.
Aus der Reihe der hierhergehörigen Formen (Fig. 57,
58), welche übrigens schon früheren Beobachtern zu Gesicht
kamen —Nauplius saltatorius, O. F. Müller’s, — Pulli (von
Monoculus quadricornis) Jurine’s — können am besten die
54 Claus:
Larven von Cyelops coronatus herausgefunden werden, nicht
nur an ihrer eiförmigen Körpergeslalt (cs. Fig. 57), sondern
namentlich an der dunkeln Beschaffenheit des Leibesinhal-
tes*) und an den zahlreichen Fettkörnchen, die im Innern
des Thieres vertheilt sind.
Die Larve der 14gliedrigen Cyclopsspecies schliesst sich
den beschriebenen Formen sowohl in der allgemeinen Kör-
pergestalt, als im Baue der Anhänge innig an und kann leicht
mit den Jugendlormen der grösseren Arten (Cyclops gigas ele.)
selbst von dem geübtesten Beobachter unserer Geschöpfe ver-
wechselt werden. Was dieselbe übrigens besonders auszeich-
net und bei der Unterscheidung berücksichtigt werden muss,
ist die bedeutende Längsstreckung der Gliedmassen (Fig. 64).
Auch das ausgebildete Geschöpf ist übrigens , wie wir wis-
sen, denCyclopen mit 17gliedrigen Antennen nahe verwandt;
die Abweichung in der Gliederzahl der Antennen ist auf eine
bei der letzten Häutung unterbliebene Theilung **) des achten
Abschniltes zurückgeführt.
Weit grösser ist die Verschiedenheit, welche zwischen
den beschriebenen Larven und denen von Cyclops serrulalus
(Fig. 59, 68, 69) obwaltet, wenngleich freilich auch noch diese
Species im entwickelten Zustande jenen Cyclopen sehr nahe
steht. Die Körperform unserer Larve ist auffallend vom Rücken
nach dem Bauche zusammengedrückt und einer flachen, fast
kreisrunden Scheibe zu vergleichen, über deren Peripherie. die
Gledmassen wenig hervorstehen. Bei dem massenhaften Auf-
treten und zugleich der allgemeinen Verbreitung dieser Spe-
eies scheint es kaum auffallend, dass auch die Jugendformen
am häufigsten gefunden werden und früheren Forschern haupt-
sächlich zur Beobachtung kamen. Es unterliegt keinem Zwei-
fel, dass die Abbildungen von Joblot und Baker, ebenso
die Beschreibung, welche Eichhorn von seinem „Hüpper-
ling“ gegeben hal, sich auf unsere Larve zurückführen lassen.
*) Man erinnere sich an die dunkele Färbung der Eierschläu-
che und der Eiersäckchen, um es in einem Worte zu bezeichnen, der
Dottermasse von Cyclops coronatus.
*#) Siche meine weiteren Mittheilungen über die Cyclopiden in
diesem Archiv 1857.
x
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 55
Von ©. F. Müller wird dieselbe als Amymone salyra unter-
schieden und für ie damalige Zeit gut abgebildet. Was der
vortreffliche Beobachter an dieser Form als Ovaria deutete,
sind die Harnbildungen im Innern des Darmes. Jurine,
dem Cyclops serrülatus auch im ausgebildeten Zustande
unbekannt geblieben ist, erwähnt die Larve an keinem Orie;
dagegen scheinen mir Rath ke’s Beobachtungen an Cyclops
serrulatus angestellt worden zu sein, und ebenso liegen den
Zeichnungen von Leydig und C. Vogt verschiedene Ju-
gendstadien derselben Species zu Grunde.
Um die Gliedmassen elwas näher zu betrachten, mag
als allgemeiner Charakter die Kürze einerseits, sowie ande-
rerseils der Reichihum an Anhängen vorausgeschickt werden.
Die Antennen ragen kaum 'mit dem letzten Gliede über die
runde Körperscheibe hinaus, besitzen aber lange Ruderborsien
in erösserer Anzahl, die zum Theil ausserhalb der Peripherie
des Leibes wahrgenommen werden. Das milllere Gliedmas-
senpaar besitzt einen breiten Basalabschnilt, gegen den sich
der hakentragende Vorsprung wie ein besonderes Glied ab-
setzt. Die beiden Aeste sind an ihrer Basis weit mit einan-
der verschmolzen, so dass vom innern Aste nur der lelzte
Ring freibleibt. Die äussere Gliederreihe ist nur undeutlich
segmentirt und bildet einen breiten cylinderförmigen Abschnilt,
dem sich ein dünner Stab, umgeben mit kräftigen befiederten
Borsten, anschliesst. Das drilte Fusspaar zeichnet sich besonders
dadurch aus, dass sich das bekannte dreieckige Plättchen
zu einem scharf abgeselzten Gliede umgebildei hat und einen
kräftigen gezähnten Haken nebst einer befiederten Borste trägt.
Die Mundkappe ist verhältnissmässig von geringem Umfange
und am unteren Rande mil kurzen Spitzen beselzt, welche das
Aussehen feiner Wimpern bieten. Vor dem Auge und an-
deren Körperstellen lagern sich Häufchen kugliger heller
Körner ab, deren Bedeutung mir unbekannt geblieben ist.
Die Larve von Cyclops canthocarpoides (Fig. 60), welche
bisher noch nicht beobachtet wurde, zeigt mit der Jugend-
form von Cyelops serrulalus im Bau der einzelnen Gliedmas-
sen eine grosse Uebereinstimmung, während hingegen die
Gestalt des Körpers in vielen Beziehungen abweicht. Anstalt
der zusammengedrücklen Scheibe finden wir dieselbe durch
56 Claus:
ein ovales Elipsoid bezeichnet, welches am vorderen Pole
schmal ist, am hinteren dagegen eine bedeutendere Breite er-
langt. Die dorso-ventrale Abplattung tritt vollkommen zurück
und wir haben es der cylindrischen Leibesform zuzuschrei-
ben, dass sich unsere Thiere unbeholfen und langsam im Was-
ser umherwälzen. Die Pigmentstreifen des Auges sind mit
einander verschmolzen und zu einer bedeutenden Länge aus-
gezogen. In ähnlicher Weise nimmt die Mundkappe eine
gestreckte Form an, die Inserlionsflächen der Gliedmassen
rücken von einander ab, der Mundhaken gewinnt eine be-
deutendeLänge und kräftige Entwickelung. Die Anhänge der
Gliedmassen sind noch dichter und zahlreicher vorhanden, als
bei der Larve von Cyclops serrulatus, namentlich bedecken
kurze Reihen stärkerer Spitzen die äussere Körperfläche.
Der betrachteten Jugendform schliesst sich die Larve
von Canthocamptus staphylinus (Fig. 6!) an, die schon von
0. F. Müller als Nauplius bracieatus (das Ate Gliedmassen-
paar ist nichts als der innere Ast des drilten- Fusspaars) und
Amymone baccha beschrieben wurde. Sehr schön stellt Ju-
rine spätere Stadien dieser Larve dar, irrt aber darin, dass
er auch die Müller’sche Nauplius saltatorius auf diese Form
zurückzuführen sucht. Die dorso-ventrale Depression ist ganz
verschwunden und die Körpergestalt vollkommen kugelig. Die
Bewegung unserer Larven stimmt daher noch mehr mit der
Lokomotion der Wassermilben überein, mit denen man über-
haupt beim ersten Blick eine überraschende Analogie im Baue
dieser Jugendform zu erkerinen glaubt. Sie kriechen auf dem
Boden seichter Gewässer, auf modernden Blättern und festen
Gegensiänden, die in flachen Pfützen angehäuft sind, unbe-
hülflich umher, um dann von Zeit zu Zeit in plumpen Be-
wegungen nach Art der Milben umher zu schwimmen. Diese
abweichende Lebensweise setzt auch einen abweichenden Bau
der übrigen Körpertheile voraus. So können wir den innern
Zusammenhang zwischen Bildung der Gliedmassen und der-Ar
der Lokomotion nicht hinwegleugnen, wenn wir sehen, dass
die Anhänge der Füsse nicht zuHülfsorganen der Strudelerre-
gung umgestaltet sind, sondern in Form von Zangen und Ha-
ken als Werkzeuge des Raubes und der aktiven Beuteer-
oberung fungiren. Was unserer Larve von kleinen Organis-
z
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 57
men auf dem Wege entgegentrilt, wird mit Zange und Haken
gefasst und als Nahrung dem Munde zugeführt. Die ersten
Gliedmassen sind dünn und gestreckt, und zeichnen sich be-
sonders durch die Länge des mittleren Gliedes aus. An dem
mittlerem Fusspaare dient nicht nur der Mundhaken, sondern
auch der innere Ast, dessen langem cylindrischen Basalgliede
ein stark chitinisirter Stab hakenartig eingelenkt ist, zum
Erfassen der Nahrung. Der basale Abschnitt der dritten
Gliedmasse ist kurz und breit, der innere Ast zu einer Zange
umgebildet, welche der Mundöffnung bis zu einem bestimm-
ten Grade genäherl werden kann.
Die eben dem Eie entschlüpften Larven von Cyclopsine
casior haben einen langgestreckten Körper von 0,14— 015mm
Länge, der sich an beiden Polen allmählig verschmälert (Fig.
62 u. 63). Schon auf diesem Stadium sind die Seitentiheile
des Leibes merklich comprimirt, so dass der Durchschnitt
parallel der Rückenfläche an Breite dem Durchschnitte nach-
steht, welchen man bei Belrahtung der Seitenlage erhält. Das
Auge wird von zwei langen, schmalen Pigmentstreifen gebil-
det, die sich nur am vorderen Pole in der Mittellinie berühren,
ohne vollkommen zu verwachsen. Die Antennen zeichnen sich
durch ihre beträchtliche Streckung aus, so dass sie an Länge
die mittleren Gliedmassen übertreffen. An diesen ist die Grösse
des dorsalen Astes hervorzuheben, dann aber insbesondere
der Mangel des Mundhakens, der erst im Laufe der späteren
Entwickelung durch ähnliche Gebilde ersetzt wird. Das dritte
Gliedmassenpaar ist bedeutend kürzer, ohne indess an Breile
zurückzustehen und entbehrt ebenfalls des entsprechenden An-
hangs. Von den beiden Aesten wird der ventrale aus einem
einfachen breiten Gliede gebildet, der dorsale dagegen aus
vier sehr kurzen Ringen, deren Gedrungenheit beim ersten
Blick auffällt. Die beiden Schwanzborsten rücken sehr nahe
in der Mittellinie zusammen und weisen auf die laterale Com-
pression hin, die mit dem Wachsthume unserer Larven im-
mer bedeutender wird und einen entscheidenden Einfluss auf
Lokomotion und Lebensweise ausübt.
In der ersten Zeit tummeln sich die Cycelopsinelarven
ebenso wie die Amymoneformen der Cyclopen im Wasser umher,
da sie aber der inneren Anhänge entbehren, welche vorzüg-
58 Claus:
lich bei der Nahrungsaufnahme betheiligt sind, können sie
nur spärlich von Aussen her mit Nahrungsmaterial versehen
werden. Was der Stoffwechsel anfangs erfordert , scheint
zum Theil von Dolterresten bestrillen zu werden , welche in
Gestalt zahlreicher Fettkörnchen und eines grösseren gelben
Felttropfens *) oberhalb des Oesophagus übrig geblieben sind.
Wenn mit dem weiteren Wachsihume zwei kräftige Haken
am Basalgliede der mitlleren Gliedmasse entstanden und am
inneren Rande derselben Borsten und Anhänge in kräftiger
Entwickelung hervorgewachsen sind, ändert sich zugleich mit
der grösseren seillichen Körpercompression auch die Art der
Bewegung und des Nahrungserwerbes. Nur selten eilen dann
unsere Larven in einzelnen Stössen im Wasser umher , son-
dern bleiben an Ort und Stelle hoch an der Oberfläche des
Wassers fixirt. Die Wirksamkeit der Antennen ruhet, dagegen
unterhalten die übrigen Gliedmassen in conlinuirlichen Bewegun-
gen einen Strudel, welcher kleine Körper aus der Umgebung
herbeitreibl und als Nahrung dem Munde zuführt. Die Ar-
beitstheilung der Gliedmassen Irilt schon in der Jugend scharf
hervor; schon jelzt ist die eigenthümliche Lebensweise **)
vorgebildet, durch welche auch im Zustande vollkommener
Entwickelung die Cyclopsinen vor den Cyclopen ausgezeich-
net sind.
Die Veränderungen, welchen die Larven mit dem allmäh-
ligen Wachsthume unterworfen sind, lassen sich in ihren all-
*) Auch bei den Cyclopslarven finden sich ähnliche Fettbildungen,
wenigstens fast constant ein grösserer gelber Fettiropfen oberhalb des
Schlundes. Er scheint eine Ablagerung von überflüssigen Produkten
des Eilebens zu sein, die für eine Zeit des Mangels zum Verbrauche
deponirt sind, sich übrigens im Laufe der weiteren Entwickelung ver-
grössern. Schon Eichhorn macht auf diese Stoffe im Innern seines
Hüpperlings aufmerksam,
*=) Es scheint mir auch hier vollkommen begründet, die Eigen-
thümlichkeit der Lebensweise mit der Körperform in Zusammenhang
zu bringen und aus der seitlichen Compression des ganzen Geschöpfes
die Umbildung der Gliedmassen zu Strudelorganen, den Aufenthalt der
Thierform an der Oberfläche des Wassers, kurz die junge Lebens-
weise als nothwendig abzuleiten. (Man berücksichtige zu-
gleich den Einfluss der lateralen Compression aufdie
Gestaltung der innern Organe.)
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden, 59
gemeinsten Zügen als eine ungleich grosse Zunahme des
Längsdurchmessers, als eine bedeultendere Streckung des
Körpers bezeichnen. Auf der Rückenseite beobachlet man in
einem geringen Abstande vom hinteren Pole eine scharfe, die
Längsachse quer durchschneidende Contour, welche vor einer
ungleichmässigen Chitinisirung der dorsalen Fläche hervorge-
rufen wird und den Körper der Larve in zwei Abschnitte
theilt. Der hintere Abschnitt ist schon ein Produkt der fort-
geschriltenen Grössenzunahme , da bei der Geburt die quere
Erhebung mit der äussern Peripherie des Embryo fast zu-
sammenfällt und sich erst mit dem allmähligen Wachsthume
des jungen Geschöpfes von den hinteren Umrissen des Lei-
bes mehr und mehr entfernt. Während nun der hintere Ab-
“schnitt, aus welchem sich, -wie wir uns überzeugen werden,
die vier freien Segmente des Cephalothorax und das gesammte
Abdomen entwickeln, einen immer grösseren Umfang und
eine bedeutendere Streckung gewinnt, zeigen sich an der
Bauchfläche des vorderen Abschniltes, der dem ersten Theile
des Cephalothorax (den Segmenten des Kopfes und dem er-
sten Thoracalringe) gleichwerthig ist, die ersten Spuren eines
neuen Gliedmassenpaares.
Man beobachlet zu beiden Seiten der Harnsäckchen
(Fig. 64) eine geringe Aufwulstung, welche einen borstenför-
migen Anhang hervortreibt. Die Erhebung vergrössert sich
mehr und mehr, neue Borsten sprossen hervor, die Auflrei-
bung gewinnt die Gestalt eines besonderen Gliedes (Fig. 66
und 67), aus welchem sich durch weitere Umformungen nach
späleren Häulungen die ersten Ruderfüsse entwickeln. Die
ursprünglich vorhandenen Gliedmassen haben sich im Allge-
meinen kaum verändert, neben einer entsprechenden Grös-
senzunahme zeichnen sie sich durch stärkere Entwickelung
ihrer Anhänge aus. Nur der dorsale Ast des miltleren Glied-
massenpaares bildet einen oder zwei neue Ringe, die sich
von dem langgestreckten Basaltheile abschnüren. Das dritte
Fusspaar zeig! am inneren Rande unmittelbar. am Grunde der
Insertion eine kleine Auftreibung, die knopfförmig nach innen
vorsleht und 'allmählig eine grössere Selbstsländigkeit erlangt.
Die Afteröffnung entfernt sich während des fortschreitenden
Wachsthums immer mehr und mehr vom Dickdarme, welcher
60 Claus:
seine ursprügliche Lage am äusseren Ende des vorderen Ab-
schnilles anfangs kaum verändert und sich in einen cylin-
drischen Leilungskanal bis zur Afteröffnung fortsetzt. Dem
letzten Theile des Verdauungsapparates übergiebt er die ge-
bildeten Koihballen , damit dieselben durch lebhafte Con-
traklionen der muskulösen Wandungen nach aussen geführt
werden.
Wenn unsere Larven nach mehreren Häutungen, deren
Anzahl *) ich übrigens nicht zu bestimmen im Stande bin,
bis zu einer Grösse von 0,3 bis 0,35wm herangewachsen sind
(Fig. 68 und 71), hat sich das vierte, neu entstandene Fuss-
paar in bestimmter Weise verändert. Eine Längstheilung,
die allmählig immer tiefer greift (vergl. die Fig. 66, 22, 23,
24, 68, 70, 71), spaltet den Fuss in zwei Abschnille, welche
die ersien Anlagen der zukünfligen Ruderäste in sich einschlies-
sen. Auch an der Basis bemerkt man eine Einschnürung,
die schon auf die Scheidung von Basaltheil und Anhängen
des Ruderfusses hinzudeuten scheint. Am zweiten Körperab-
schnitt, welcher ‘; bis /, der ganzen Längsaxe für sich ein-
nimmt, haben sich neue Erhebungen gebildet, von denen das
erste Paar mit dünnen Borsten ausgeslallet ist und schon die
Theilung in zwei Aeste andeutet. Das zweite und dritte Paar
stellt kegellörmige, eiwas gekrümmle Auftreibungen dar, wel-
che sich der Mittellinie sehr nähern, ohne eine bestimmte
Gliederung wahrnehmen zu lassen. Am hinteren Körperpole,
der tiefer und deutlicher gespalten ist, hat sich die Zahl der
Borsten vergrössert und namentlich bei Cyclops serrulatus
(Fig. 63) in einer bestimmten regelmässigen Weise gruppirt.
Die Larven von Cyclopsine castor, deren Entwiekelung
ich auf den entsprechenden Stadien chenfalls verfolgen konnte,
durchlaufen im Allgemeinen gleiche Gestallveränderungen,
Wie schon an einem früheren Orle angedeutet wurde, nimmt
die seitliche Compression des Leibes mit der allmähligen
Streckung desselben zu, während sich die vorhandenen Glied-
massen durch Hervorireibungen starker Anhänge und zahl-
reicher Borsten zu wirksamen Strudelorganen heranbilden.
*) Jedenfalls ist dieselbe weit bedeutender, als sie Jurine an-
zunehmen geneigt ist.
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 61
Der Basaltheil des zweiten Gliedmassenpaares schnürt sich am
inneren Rande tief ein und bildet daselbst zwei Aulwulstun-
gen, von denen die untere kräflige Haken trägt, welche den
fehlenden Mundhaken ersetzen. Die zweite Aulwulstung treibt
ebenfalls Anhänge und ebenso der innere Rand des ven-
.tralen Astes, so dass die Fähigkeit der Strudelbewegung
in diesen Stadien bedeutend erhöht ist. : Die Gliedmassen
des dritten Paares entwickeln sich parallel den entspre-
ehenden Bildungen der Cyclopen und erweitern sich am
Grunde der Inserlion zu einer knopfförmigen Aufwulstung,
welche sich über einen Theil des Basalgliedes hin erstreckt.
Viel rascher als bei den Cyclopen nimmt dieselbe an Grösse
zu und zieht sich in einen konischen, elwas gekrümmten Za-
pfen aus, welcher am äusseren Ende Einkerbungen bildet,
während seine Basis eine immer grössere Selbsisländigkeit
erlangt und sich vollkommen vom Fusspaare .Irenni. Es unter-
liegt keinem Zweifel, dass dieser Zapfen, welcher nicht etwa
eine Auftreibung am Leibe des Geschöpfes darstellt, sondern
der Coxa der drilten Gliedmasse entspricht, die Leistungen
eines Kiefers übernimmt und zu selbstständiger Wirkung be-
fähigt ist. Was wir an den fünf Kaufüssen des Limulus be-
obachten,, die Umbildung der Coxaltheile zu Kiefern , das-
selbe lässt sich auch in ähnlicher Weise bei unseren Larven
nachweisen, mit dem Unterschiede jedoch, dass hier eine
vollkommene Trennung beider Theile zu Stande kommt. Die
Querleiste, welche den Leib der Cyclopslarve in zwei Ab-
schnille theilt, ist bei unseren Geschöpfen nicht vorhanden ;
die Sonderung von Kopf und Thorax im ausgebildeten Zu-
slande ist also schon in der Larvenforın begründet.
Während der hervorgehobenen Umbildungen hat sich der
ganze Körper zu einer bedeutenden Länge gestreckt und die
Grösse von circa 0,6” m erlangt. An der Bauchfläche haben sich
in der Richtung von vorn nach hinten allmählig vier neue Glied-
massenpaare entwickelt und zu einem durchaus gleichmässi-
gen Baue gegliedert, Durch einen Längseinschnilt sind die-
selben in zwei Abschnille gelheilt, welche die zukünftigen
Ruderäste bilden (Fig. 24, 70), während sich die Basis mehr
oder weniger lief zu einem besonderen Basaltheile abschnürt.
Auf der Dorsalfläche unmillelbar vor dem Körperende nimmt
62 Claus:
man eine quere Chitinverdickung wahr, welcher die After-
klappe des geschlechllich entwickelten Thieres ihren Ursprung
verdankt (Fig. 65). Auch bei den Larven der Cyclopen fin-
den wir eine ähnliche Querleiste, besonders schön bei Cy-
clops serrulatus (Fig. 68, 69), unterhalb welcher die After-
öffnung in Gestalt eines viereckigen Ausschnittes zur Beob-
achlung kommt.
Leider muss ich die Entwickelung von Cyclopsine hier
verlassen, da mir die späteren Stadien mit Ausnahme des
leizien, auf welches unmittelbar der ausgebildete Zustand
folgt, unbekannt geblieben sind ; ich kehre daher wieder zu
den Jugendformen der Cyclopen zurück, welche ich in ihrer
conlinuirlichen Aufeinanderfolge bis zur geschlechllichen Ent-
wickelung zu verfolgen Gelegenheit halte.
Die nächste Abstreifung der “Chitinbülle erscheint für
die Metamorphose der Cyclopslarve von der höchsten Be-
deutung, da mit ihr eine auffallende Gestaltveränderung ver-
bunden ist. Anstalt der früheren Naupliusform führt uns das
junge Geschöpf jetzt einen gegliederten, segmentirten Körper
vor, dessenVerwandtschaft mit dem Cyclopenleibe auf den ersten
Blick erkannt wird. Die Abschnürung des Körpers in sechs
Segmente, seine auffallende Streckung , die grössere Gliede-
rung der Antennen, der Bau der Mundwerkzeuge sowie end-
lich die Gesialt der Schwanzborsten bielen Charaktere dar,
welche über die Abstammung unserer Larven, selbst wenn
ihre frühere Entwickelung unbekannt geblieben wäre, kaum
einen Zweifel zurücklassen. O. F.Müller, welcher Cyclo-
pen auf diesem Stadium beobachlete, deutete dieselben auch
sogleich als Jugendzustände (s. O. F. Müller 1. c. tab. XVIll.
fig. 14), obwohl er ihre Heranbildung nicht verfolgt hatte,
ja er liess sich sogar durch sie verleiten, die Angaben Leu-
wenhoek’s und de Geer's in Zweifel zu ziehen, nach wel-
chen die Monoculusformen mit drei und vier Gliedmassen-
paaren die Entwickelungszustände der Cyclopen seien. Ver-
gleichen wir dagegen unsere Jugendform mit dem unmittel-
bar vorher durchlaufenen Stadium, so ireten uns weil grös-
sere Differenzen im allgemeinen Baue entgegen, ja wir wer-
den durch die überraschende Metamorphose des gesammten
Körpers, durch die auffallende Veränderung der einzelnen
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 63
Gliedmassen zweifelhaft, ob nicht zwischen beiden Entwicke-
lungszuständen noch Zwischenstadien gelegen seien. Mir ist
es bis jetzt nicht geglückt, Zwischenformen aulzufinden, im
Gegentheile muss ich nach meinen Beobachtungen behaupten,
dass beide Zustände unmittelbar aufeinander folgen; zu wie-
derholten Malen isolirie ich Formen der ersten Art in ziem-
licher Anzahl und verfolgte sie läglich mit grosser Sorgfalt,
bis die Naupliushülle abgelegt war und die Geschöpfe in Cy-
elopengeslalt mit raschen Bewegungen und mit erhöhler Le-
benskraft sich im Wasser umher tummelten.
Man überzeugt sich indess leicht, dass die Masse des
Körpers in beiden Zustände ziemlich übereinstimmt, da die
bedeutendere Sireckung auf Kosten des Querdurchmessers zu
Stande gekommen ist. Besonders hat sich der hinlere Ab-
sehnilt in die Länge ausgedehnt und durch Einschnürungen
in fünf Segmente geschieden, deren Anhänge übrigens schon
im vorhergehenden Stadium vorgebildet waren (s. Fig.71 u.
72). Von Jen Gliedmassen haben sich die zwei ersten in die
grossen Antennen umgebildet, an denen man fünf Glieder
unterscheiden kann. Das zweite Paar ist in seiner Masse
sehr geschrump{t und zu den kleinen viergliedrigen Antennen
geworden, welche schon jelzt in ihrem Baue der ausgebilde-
ten Form sehr nahe stehen. An der Stelle des drillen Glied-
massenpaares finden sich die Mundtheile vor, die bis auf die
grössere Gedrungenheit und weit geringere Grösse mit den
entsprechenden Bildungen des entwickelten Geschöpfes über-
einslimmen. Von den vier Ruderfüssen ist das erste Paar
dem grossen vorderen Körperabschnilt inserirt, das zweite
dagegen dem folgenden Segmenle eingelenkt. In ihrem Baue
weichen sie von den ausgebildeten Gliedmassen darin ab, dass
die beiden Aesle ungegliedert sind (Fig. 25). Während die
Ruderlüsse sich aus den vier neuenislandenen Füssen der Nau-
pliusforin #) entwickelten, die schon durch die Längstheilung
auf die Bildung von Ruderästen hindeuteten, sind die An-
hänge der beiden folgenden Segmente aus den vier konischen
®) Man verzeihe mir, dass ich den Namen Nauplius nicht auf
die Larven mit vier Paar Gliedmassen beschränke, sondern auf die ganze
erste Gruppe von Entwickclungslormen ausdehne,
64 Claus:
Zapfen entstanden, die man am hinteren Theile der Larve auf
einfache Ausstülpungen zurückführen kann.
Das fünfte Segment entbehrt der bauchständigen An-
hänge und zeichnet sich durch eine bedeutende Streckung
aus, welche zu dem weiteren Wachsihume des jungen Ge-
schöpfes in nolhwendiger Beziehung steht, da von diesem
Abschnitte aus neue Segmente im Laufe der späteren Häu-
lungen gebildet werden. Den Endtheil des Körpers stellt die
Furca dar, welche ihrer Entstehung nach wohl mit Recht als
ein eigenes Segment aufgefasst wird, das sich eben so wie
die Gliedmassen durch eine Längsspallung in zwei Aeste ge-
theilt hat. Die Furca ist Träger der Schwanzborsten, die
indess auf diesem Stadium auf die millleren Anhänge be-
schränkt sind. Und auch diese sind nicht isolirl vorhanden,
sondern innig mit einander verschmolzen; erst mit der näch-
sten Häulung tritt die Trennung derselben ein.
Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass Mandibeln,
Maxillen und Maxillarfüsse Theile eines einzi-
gen Gliedmassenpaares sind, nicht nur, weil sich
keine entsprechenden Erhebungen in den früheren Jugendzu-
ständen bilden , sondern weil durch die Entwickelung der
Cyclopsinelarve der bestimmte Beweis vorliegt, dass sich
der Coxaltheil der Gliedmasse isolirt und schon
auf einem früheren Stadium zum Kiefer wird.
Was sich bei den Larven der Cyclopen als knopflörmiger
Fortsalz an der Basis des drilten Fusspaares findet und eine
immer grössere Selbstständigkeit gewinnt, entspricht vollkom-
men jenem Kiefer der Cyclopsinelarven, und es unterliegt
keinem Zweifel, dass sich dieser Theilin die Man-
dibel des jungen Cyclopen verwandelt. Dass
übrigens hier nicht früher eine Trennung erfolgt, scheint
durch die übrigen Abweichungen in der Entwickelung beider
Genera erklärt zu werden. Die Cyclopsinen leben, um es
kurz zu bezeichnen, als Naupliusformen weit länger; trotz
der ungünstigen Momente, welche die ungegliederte Körper-
gestalt in die Lebensverhältnisse einführt, bilden sie die An-
lagen aller Ruderfüsse zu gleichmässiger Gestaltung, ihren
Körper aber zu einer bedeulenderen Grösse heran. Ich will es
nicht einmal zweckmässig nennen, wenn nun das dritte Glied-
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 65
massenpaar durch eine'strengere Arbeitstheilung den speciellen
Bedürfnissen’ der Thiere zu Hülfe kommt, ‘sondern: es ledig-
lich in der Entwickelung begründet ansehen, dass die Zeit
der Trennung 'beider Formen relativ dieselbe ist.
""DieMaxillen entwickeln sich aus dem vor=
deren Theile des Basalabschnittes,‘währen.d
der-Inhalt des unteren Theiles mit-den beiden
Ruderästen-in Verbindung tritt und sich zu«den
nn consolidirt. 9rirb
’ Ich’ muss'/allerdings gestehen ‚ dass‘ es mir Ik mög-
lich ken dei, direkt den: histologischen Nachweis .für: meine
Behauptung zu liefern, so etwa, dass ich’ in der Chitindecke
des betreffenden Gliedmassenpaares die neuen Mundtheile ge-
funden hätte; worauf ich mich bei meiner Deutung ’stütze,
isthalb ein positiver, halb ein negativer Fund. Indess bietet
auch das,’ was andere Beobachter bei diesen und ähnlichen
Larven gefunden haben , Anhaltspunkte 'genug',''um (die be-
schriebene Art der Entwickelung zu bestätigen.
ssonıRathke’s;Angahen, nach: welchen sich die Maxillarfüsse
aus dem drilten;Gliedmassenpaare entwickeln,‘ schliessen nicht
zugleich aus, dass die Kiefer.auch Theile desselben’Fusspaares
sind; indem«dieser Forscher'(die Bildung der;Mandibeln und
Maxillen nur 'vermulhungsweise ‚durch die Annahme erklärt,
dass siesaus.:neuen Vorsprüngen:und‘Auftreibüngen ‘am:!Kör-
per’ der Larve 'entständen.! Was aber: die Entwickelung 'eini-
ger Phyllopoden: betrifft, deren’ Jugendzustände' durch) ähn-
liche Larven vertreten 'sind,iso glaube ich durch‘ diese Inoch
mehr ıneine Auffassung |bekräfligen zu können und ‘zugleich
eine sichere Basis'für die morphologische ‘Parallelisirungder
Phyllopoden und Copepodenigewonnen zu’haben. "Untersucht
man (die! Entwickelung.‘der Daphnien, so lässt sich aus’ ‘der
Anlage des Embryos und'der Bildung seiner Organe kaum elwas
auffinden , welches zur Erklärung der Verwandischaftbeider
Gruppen benutzt werden könnte, Der bauchständige Primi-
livstreifen, das Auftreten der Bauchwülste, das Hervorsprossen
aller Gliedniassen erhebt die Bildungsvorgänge der Daphnien-
. embryonen weit über die der Cyclopen und äussert auf die
Gestaltung der freien Entwickelung einen solchen Einfluss,
dass auch diese kaum Vergleichungspunkte bietet. An den
Archiv (. Naturgesch. XXIV. Jahrg. 1. Bd, 5
66 Claus: oisaA 7
Embryonen dieser Phyllopoden sind nicht. nun beide ‚Anten-
nenpaare, nicht nur die‘einzelnen Mundtheile durch..besondere
Hervorlreibungen angedeutet {Fig. 46—43), esist auch bereits
die Anlage aller Kiemenfüsse gegeben, so dass die Metamorphose
aus der Zeit der freien Entwickelung fast ganz verschwindet.
Allein‘ es’ giebt‘ 'eine Reihe verwandter Formen. ünlerı den
Phyllopoden =- die Formen vornehmlich: mit einer. grösseren
Anzahl: von Kiemenfüssen — deren Jugendzustände ebenfalls
durch Larven repräsentirt werden. Die Entwickelung' im«Ei
wird‘ sich in diesen Fällen viel einfacher gestalten: und viel-
leicht aus analogen Vorgängen zusammengeselzt sein, ‚wie wir
siebei den Cyclopen gefunden haben. j
Jedenfalls stimmen die» Larven in ihrem Büne and. in
ihrer Anlage so sehr mit den Cyclopidenlarven überein; dass
sogar die einzelnen Gliedmassen ihrer. Bildung; nach!/genau
mit einander parallelisirt werden können. Nur‘ treten ‘hier
die Abweichungen ein, dass anfangs die vorderen oder hin-
teren Füsse fehlen können und in solchen Fällen erst später
hervorsprossen. Die ersten Gliedmassen, welche bei’der jungen
Limnetislarve mangeln, bei den entsprechenden Jugendformen
von Apus undBranchipus dagegen vorhanden sind ‚ bilden
einfache Gliederreihen und ‘gehen in; die stummelförmigen
Tastantennen über, die übrigens in einzelnen Fällen eine an-
sehnliche Gliederung erreichen können. Das zweite Glied-
massenpaar ist ausserordentlich entwickelt und schreitet kei-
ner Rückbildung entgegen, wie sie sich gewissermassen bei
den Cyclopen findet. Die beiden. Aeste persisliren und stel-
len die Gliederreihen der mächtigen Ruderanlenne dar, wäh-
rend allerdings der Mundhaken, welcher auch an den Larven
der Phyllopoden nie vermisst wird, verschwindet. Die Glied-
massen des dritten Paares, welche bei Apus erst nach ‘der
zweiten Häulung entstehen, zeigen im Allgemeinen ein ande-
res Verhältniss zwischen Basaltheil und Anhangsgebilden,
indem die letzteren in ihrer Entwickelung mehr zurückire-
ten, das Basalglied dagegen an Breite und ‚Umfang zunimmt
und schon jetzt als zukünftige Mandibel fungirt. ‚ Sehr. wahr-
scheinlich geht ‚dieser Abschnitt dann “später eine Theilung
ein, welcher die Maxille ihre Entstehung verdankt. Was we-
nigstens Grube in seinen interessanten Mittheilungen über
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 567
Limnetis brachyurus von den Maxillen anführt, ‚macht mich
sehr geneigt die Trennung des Basaltheils als Ursache für
die Entstehung der Maxille anzunehmen, „In der Beobachtung
ihres ersten Auftretens, sagt Grube, bin ich nicht glück-
licher gewesen als diejenigen, welche die Entwickelung ähn-
licher Crustaceen behandelt haben. Ich kann nur soviel an-
‚geben, dass zu der Zeit, in welcher die Limnelislarve bloss
die beiden Paare Ruderextremitäten besilzt, ich noch keine
Maxillen bemerkt habe, und dass später, wenn sich die An-
lagen der Füsse am Rumpfiheile bemerkbar machen, ich aus
keiner derselben Maxillen entstehen gesehen. Möglich dass
sie sich überhaupt meiner Beobachtung entzogen , möglich
dass sie unter der gewaltigen Lippenplalte der ‚einschaligen
Form versteckt durch die fast unausgeselzie Bewegung der
Ruderextremiläten dem Auge noch unzugänglicher wurden,“
Von Bildungen, welche den Maxillarfüssen der, Cyclopiden in
Bau und Form an die Seile geselzt werden könnten, ist bei
‚den, Phyllopoden keine Rede, da sich die Anhänge, des ent-
sprechenden Gliedmassenpaares bei der weiteren Umbildung
nicht beiheiligen. Wohl aber scheint es mir gerechlferligt,
die zweiten Maxillarpaare von Apus und Branchipus, sowie
den Körperanhang von Apus, welchen Zaddach als „tertium
par pedum thoracicorum“ hervorhebt , als Theilungsprodukte
desselben Gliedmassenpaares in gewissem Sinne mit den Ma-
xillarfüssen zu parallelisiren. Die Anhänge, welche am hin-
teren Abschnitte der Phyllopodenlarven hervorsprossen und
sich zu den. Kiemenfüssen ‚entwickeln, sind morphologisch
den Ruderfüssen der Copepoden vergleichbar , wenn sie auch
in weit grösserer Zahl vorhanden sind, ‚Die Anzahl der Kie-
menlüsse ist ja auch bei den verschiedenen Formen der Phyl-
lopoden einem mannichfachen ' Wechsel unterworfen ‘und
schwankt bei den verschiedenen Arten in solchen Abstufun-
gen, dass ich keinen anderen gemeinschaftlichen Numerus
herausfinden kann als den, welcher durch die Einheit, durch
die Zahl 1, ausgedrückt wird. Verschiedenheiten in dem Zah-
lenverhältnisse der Segmente und deren Anhänge ‚können also
gewiss nicht als Grund gelten, die Regionen nicht als gleich-
werthig zu betrachten, namentlich wenn bestimmte Thatsachen
68 tahogayod ah oldai Claus:
der Entwickelung vorliegen, welche auf eine morphologische
Gleichstellung hindeuten.
Die weitere Umgestaltung, die mit dem allmähligen
Wachsthume der Cyclopen verbunden ist, bezieht sich na-
mentlich auf eine Vermehrung‘ der Segmente und eine grös-
sere Gliederung der Segmentanhänge. Dasselbe Gesetz, wel-
ches für das Wachsthum ‘der Anneliden *) eine ziemlich all-
gemeine Geltung‘ zu besitzen scheint, finde ich auch in der
‘freien Entwickelung der Entomostraken bestäligt. Allerdings
muss man der Furca die Bedeutung eines besonderen Seg-
mentes nehmen, um das Gesetz ohne Modifikationen übertra-
gen zu können, indess kann man dies, wie ich glaube, mit
vollem Rechte thun, ohne zugleich den morphologischen
Werth als Segment zu leugnen. Durch die mediane Längs-
theilung sind dem Körpertheile die Bedingungen genommen,
durch Wachsthumsprodukte neue Segmente zu bilden, die Lei-
stungen des letzten Körperringes auszuführen ; in Bedeulung
und Funktion steht die Furca einem Gliedmassenpaare gleich.
lm Speciellen gestaltet sich nun die Bildung der neuen
Segmente in der Art, dass sich bei jeder nachfolgenden Häu-
tung der vordere Theil des langgestreckten **) Körperringes
einschnürt, und den früheren Ringen gleichberechtigt als be-
sonderer Leibesabschnitt auftrill. Die beiden ersten 'Theil-
stücke gewinnen sogar die Fähigkeit, bauchsländige Anhänge
" *#) Siehe die Entwickelungsgeschichte von Eunice v. H. Koch
mit Nachwort v. Kölliker,
##) Nach der Entwickelung könnte’ man die Grenze zwischen
-Cephalothorax und Abdomen zwisclren das’Segment, welches das letzte
Paar der) Ruderfüsse trägt und das. Segment des. rudimenlären Russes
versetzen, weil das letztere ebenso wie alle folgenden durch Theilung
des äussersten Körperringes entstanden ist. Indess scheint es mir na-
'türlicher, bei der Gruppirung in Regionen auf die Verwandtschaft,
welche‘ in Bau und Funktion zwischen den Segmenten und deren An-
hängen im ausgebildeten Zustande besteht, ein grösseres Gewicht
zu legen, als auf gemeinsame Merkmale der Entstehung, da ja mit-
unter wie, wir wissen, das Gleichartige. der verschiedensten Anlage
seine Entstehung, verdankt, das Ungleiche dagegen scharf in derselben
Gestalt und zu der nämlichen Zeit gebildet wird.
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 69
zu bilden, welche den konischen Erhebungen, des dritten und
vierten Segmentes in Gestalt und Bedeutung vollkommen jent-:
sprechen, sich indess nicht zu Ruderfüssen entwickeln, son-
dern die rudimenlären Füsse und: die Anhänge der äusseren
Geschlechtsöffnungen darstellen. Die drei folgenden Segmenle,
welche in ganz derselben Weise gebildet werden, bleiben
einfache cylindrische Ringe, ohne an der Bauchlläche Glied-
massen hervorzutreiben.
. Aber parallel mit. der allmähligen Gliederung des Lei-
bes, entwickeln sich auch die Segmenlanhänge in geselz-
mässiger Weise ‚immer, mehr und mehr der, ausgebildeten
Form zu, sei! esı-dadurch, dass sie nur einer Zunahme an
Grösse und einer bedeutenderen Streckung unterworfen sind
(die zweiten Antennen und Mundtheile), sei es,. dass. ‚sie durch
mannichfache Theilungen in der Querachse eine Stufenfolge
geselzmässiger Formen durchlaufen (die ersten Antennen und
alle Fusspaare). Die Ruderfüsse theilen sich, zunächst an
der Basis der beiden Ruderäste, so dass die lelziern anstalt
aus einem langgestreckten Gliede aus zwei Ringen gebildet
werden (Fig. 25 u.26) und endlich nach einer späteren Häu-
tung durch eine abermalige Theilung des äussersten Ringes
drei Glieder in sich einschliessen. Weit complicirter sind
übrigens die Umformungen der grossen Antennen, welche
eine grosse Reihe ‘bestimmt charakterisirter Zwischenformen
bis zur ausgebildeten ‚Gestalt durchlaufen. ‚müssen. Diese
scheinen mir für die Morphologie dieses Gliedmassenpaares
wichlig genug zu sein, um einer speciellern Betrachtung gewür-
digt zu werden, zumal da sich auch aus ihnen die Thatsache
nachweisen lässt, dass männliche und weibliche Antennen
ihrer Anlage nach vollkommen gleich sind und nur dadurch
eine so verschiedene Form gewinnen, dass von einem be-
stimmten Entwickelungsstadium an in beiden Geschlechtern ab-
weichende Metamorphosen bestanden werden. Ich theile zu-
gleich die nachfolgende Tabelle zur leichteren Orientirung
und zur Umgehung weitläufiger Beschreibungen mit, in wel-
cher die Entwickelungsformen in ihrer continuirlichen Auf-
einanderfolge nach Zahl der Körpersegmente , Beschaffenheit
der Ruderfüsse und grossen Antennen kurz charakterisirt sind,
zugleich aber auch den Modifikalionen , welche von''mir
70 ’IPR Claus:
beobachtet wurden, eine allgemeine Berücksichtigung zu
Theil wird.
Die Reihe der Entwickelungsformen *).
Grösse Körpersegmente Die Fuss- Beschaffenheit Die ersten
ohne d. Furca, paare. ihrer Aeste. Antennen.
5 2 eingliedrige Aeste 5 Glieder
5 2 eingliedrige Aeste 6,
6 ung 2 Fussp. mit 2glie- 6 5
drigen Aesten, das
letzte mit 1gliedri-
6 3 gen Aesten 7%
7 4 die 3 ersten Fussp. 6 „
besitzen ?gliedrige
Aeste, das letzte
0,4.0,8mm ( 7 4 1gliedrige my
8 4 die 3 ersten Fussp. & „
mit 2gliedrigenAe-
sten, das letzte mit
8 4 1gliedrigen gun
8 4 zweigliedrige Aeste 8 '„
8 4 zweigliedrige Asse I „5
8 4 zweigliedrige Aeste 10 „
9 4 zweigliedrige Aeste 10 „
u 9 4 dreigliedrige Aeste 10 „
j—2,;ün 9 4 dreigliedrige Aeste 11 ,„
nur r
Cyclops.‚serrulatus im ausgebildeten Zustande.
10 Segmente 4 Fusspaare | dreigliedrige Aeste 12 Antennenglieder.
(10:29
Cyclops insignis ‚im ausgebildeten Zustande.
10 Segmente + Fusspaare dreigliedrige Aeste 1% Antennenglieder.
(210 29)
Alle Cyclopen mit 17gliedrigen Antennen im ausgeb. Zustande,
10 Segmente 4 Fusspaare dreigliedrige Aeste 17 Antennenglieder.
(Z10 29
*) Die mit. Cursivschrift bezeichneten Formen sind am häufig-
sten beobachtet und führen in 'ihrer Aufeinanderfolge ein Bild der
normalen Entwickelung vor,
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. T7t
" Fünfgliedrige Antennen gehören dem ersten Stadium der
Cyelopenform nur kurze Zeit an, indem bald ‚durch Theilung
des langgestreckten Basalabschnittes die Zahl der Antennen-
glieder auf sechs erhoben wird (Fig. 27). Mit der nächsten
Häulung trilt zwar eine bedeutende Veränderung der übrigen
Körpertheile ein, indem sich der vordere Theil des letzten
Segmentes zu einem besondesen Ringe abschnürt: und die
konischen Auftreibungen des dritten Körperringes in Ruder-
füsse verwandelt werden, indess beobachtet man nur in der
geringeren Anzahl von Fällen eine weitere Segmentirung ‚der
Antenne. In den Jugendformen mit acht Leibessegmenten und
vier Fusspaaren findet man 7gliedrige Antennen (Fig. 28 u.
73), denen dann mit der nächsten Häutung durch Theilung
des zweiten Ringes ein neues Glied hinzugefügt wird (Fig. 29);
Männliche und weibliche Geschöpfe entwickeln sich bis zu
diesem Zustande gleichmässig; erst im nächsten Stadium tre-
ten bei beiden Geschlechtern Differenzen ein, welche mit der
Anlage" der Generationsorgane, wie es scheint, in einem
nothwendigen Zusammenhange stehen. Bei den Formen, wel-
che sich zu’ Männchen entwickeln, haben die ersten vier
Ringe‘ der 9gliedrigen Antennen (Fig. 35)’ eine gleichmässige
Gestalt: angenommen‘, ‘die Anhänge‘ derselben sind nicht:in
Form stärkerer‘Borsten, sondern als zarte Wimpern in gros-
ser Menge 'am "äusseren "Rande "der Gliedmassen: angefügt;
Die vier Fusspaare tragen bei beiden Geschlechtern zweiglie-
drige Aeste; ‘Die (letzten Körpersegmente 'sind’sehr gesireckt;
schon’ausilırer Form kann iman' schliessen, dass eine spä-
tere Verwachsung des 6. und 7. Ringes’ nicht: zu Stande
kommt, Auch ‘die ersten Anlagen der Keimdrüsen lagern sich
im‘ zweilen Segmente ab, während man von Ausführungs-
gängen noch keine Spur wahrnimmt. Die weiblichen Antennen
zeigen ein abweichendes 'Grössenverhältniss der vier ersten
Ringe (Fig. 30) und tragen in geringer Anzahl stärkere Bor-
sten. Die letzten Segmente des Leibes sind ‘weit gedrunge-
ner, während die Anlagen der Geschlechtsorgane als zwei
helle’ Schläuche grösserer Ausdehnung. im zweiten und drit-
ten Körperringe zur Beobachtung kommen.
Mit der nächsten Häulung treten auch abweichende Thei-
lungen der Anlennenringe ein (Fig. 31 und 36), so dass man
72 ) Claus: bar wiotols uN
jetzt beide Formen kaum: miteinander verwechseln kann. Aus-
serdem haben ‚die Geschlechtsorgane einen grösseren ‚Umfang
gewonnen; beim Männchen sind die Ausführungsgänge, und
auch schon die Auftreibungen im ersten -Abdominalsegmente
gebildet , in welchen 'späler die Spermatophoren aufbewahrt
werden. Die zwei ersten Thoracalsegmente; der‘ Weibchen
führen schon Verhältnisse vor, die auf eine spätere ‚Ver-
wachsung beider Theile’ hindeuten; kurzes bieten ‚sich jelzt
Anhaltspunkte genug, beide Geschlechter mit Leichtigkeit zu
unterscheiden. Der Verdauungsapparat hat im ‚Laufe,.den, all-
imähligen Entwickelung seine: Form und Lage, verändert, in-
dem sich. der Chylusdarm nicht mehr: auf\.den .ersten.‚Körper-
abschnitt beschränkt „ı sondern ‚den Innenraum. der. drei fol-
genden Thoracäalringe in Anspruch nimmt. »» Ausser, demsconk
tinuirlichen: peristaltischen ‚Cöntraktionen führb ser in. iregel-
mässigen Intervallen grössere Gesammtbewegungen! aus, welche
die Längenachse ‚unter seinera sehr. spilzen Winkel ‚schneiden
und; ‚wie schon:bei einer! früheren Gelegenheit ’henvorgehoben
ist, zur. Oirdulalion. des: Nahrungssafles-: in; einer bestimmten
Beziehung ı stehen« «Die ‚Stelle; welche, dem ;Dickdarme. ent-
spricht, ist weit: weniger, scharfgesondert 'und liegt-imsletz+
ten Thoracal- und ersten. Abdominalsegmente, Yon: hier. an
läuft der Darmials einfacher eylindrischer Kanal-his!zur After+
öffnung‘ ‚und besorgt die Austreibung der gebildeten Koth-
ballen. vil
Die männlichen Antennen, stehen: übrigens auf’ diese:
Stadium ihrer Ausbildung näher, als die ‘der Weibchen, 'da
sie nur noch einer einmaligen Abstreifung. der Outicula ‚be-
dürfen , um in den. Zustand der vollkommenen Entwickelung
einzutreten. Wie ‚man an der Gruppirung des Inhaltes erkennt;
bilden die vier Basalglieder den ersten ‚Abschnitt der :männ-
lichen Antenne, während: die folgenden Ringe»zur Herstellung
des Greifapparales verwandt werden, so dass (die Anlage..des
Gelenkes zwischen dem 6. und 7. Gliede zu Stande komm,
Die weiblichen. Antennen gliedern 'sich an.ihrer: Basis
fon: Neuem (Fig, 32), um dann mit einer späteren /Häutung
ihre letzten Veränderungen zu bestehen, die ich ,schon an
einem ‚anderen Orte dargestellt habe *).
ums "Siehe „das Genus Cyclops und seine ' einheinrischen Arten,“
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. 73
Bei Cyclops serrulalus treten indess einige Abweichun-
gen ein, die auf einer Differenz in der Theilung der Anten-
nenringe beruhen (Fig. 33 u. 34), schliesslich jedoch zu der-
selben 11gliedrigen Form hinführen.
Abnorme Entwickelungen sind verhältnissmässig selten;
nur einmal beobachtete ich ein Weibchen von Cyelops tenui-
cornis im Stadium der letzten Häutung (Fig. 38), an welcher
die Gliederung der Antenne auffallende Abweichungen zu
bieten schien, bei näherer ‚Untersuchung ‘jedoch auf eine
kleine Abweichung in der Theilung der Glieder zurückge-
führt werden konnte. Die Anlagen des 8ten und 9ten Rin-
ges der'aüsgebildeten Antenne hatten sich schon zu besonde-
ren Abschnitten ausgeprägt, während die Trennung des Ölen
Abschnittes in den 5öten und 6ten Ring der entwickelten Form
unterblieben' war:
Ueber den Zeitraum, innerhalb dessen die Reihe der
Entwickelungsstadien von der Befruchtung des Eies bis zur
Erlangung’ der Geschlechtsreife durchlaufen wird, lassen sich
schwer bestimmte Angaben feststellen , zumal da nach Tem-
peralur und Jahreszeit die verschiedensten Schwankungen be-
obachlet werden. Im Allgemeinen glaube ich behaupten zu
können, was sich auch mit den Mittheilungen Jurine’s,ver-
einigen lässt, dass die Entwickelungszeit im Sommer die
Grenzen zwischen drei und sechs Wochen kaum überschrei-
tet, während es im Winter einen Zeitraum von zwei bis drei
Monaten, dauert bis die gesammte Metamorphose der Cyclo-
pen bestanden ist,
in \liesem. Archiv 1857. S. 14... Ferner „Weitere Mittheilungen, über
die einheimischen Cyclopiden,“ ebendas. 210. Wenn ich übrigens frü-
her angegeben habe, dass die Entwickelung der männlichen und ‚weib-
lichen Antennen erst von dem Zustande an, wo die Antennen 1lglie-
drig sind, abweichend würde, so erscheint diese Bemerkung in sofern
gereehifertigl, als mir damals, frühere Zustände; der Entwickelung un-
bekannt wären.
74
te
[=
sus yı u 3 3 3%
Claus:
Erklärung der Abbildungen.
Die Buchstaben bezeichnen folgendes :
Die grossen Antennen.
Die kleinen Antennen.
Die Oberkiefer.
Die Maxillen,
Die Maxillarfüsse.
Die Ruderfüsse in ihrer bestimmten Aufeinanderfolge.
Das rudimentäre Fusspaar.
Die Erhebungen vor den Geschlechtsmündungen,
BsrFrteampeere
Tafel Lu
Die rechte Antenne einer männlichen Cyelopsine castor.,
Die linke Antenne desselben Thieres.
Eine Antenne des zweiten Paares.
Der Oberkiefer (Mandibel).
Der Unterkiefer (Maxille).
Der innere Maxillarfuss. anal
Der äussere grosse Maxillarfuss.
Ein Ruderfuss des ersten Paares, : R
Der linke rudimentäre Fuss der Männchens ol; :
Mei der Tetzten
Der rechte rudimentäre Fuss des Männchens ) :
Häutung. '
Ein rudimentärer Fuss des Weibchens
Der linke rudimentäre Fuss des Männchens 3 -
\e ausgebilde-
Der rechte rudimentäre Fuss des Männchens
ten Zustande.
Ein rudimentärer Fuss des Weibchens
Eine männliche Antenne von einer Cyclopsspeeies' im Zu-
stande der Contraktion.
1618. "Die Endtheile der männlichen Antenne einer anderen
Species im Zustande der Contraktion und des'allmähligen
Uebergangs in die Streckung. ia gi
Die Bauchwirbel in Verbindung mit den Basalgliedern des
entsprechenden Fusspaares von Cyclops coronatus‘ Jansis
Ein Bauchwirbel von Cyclopsine castor.
Die vier letzten Körpersegmente einer Jugendform von Cy-
clops tenuicornis mit Ogliedrigen Antennen, welche sich zu
einem Weibchen ausgebildet haben würde.
Zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden. ' 75
Fig. 22. Ein neugebildeter Fuss des, ersten Paares von einer Larve
von Cyclops tenuicornis.
23. Derselbe von Cycelops serrulatus.
„ 24. Das entsprechende Fusspaar der Larve von Cylopsine castor.
» 25. Ein Ruderfuss mit eingliedrigen Acsten.
„ 26. Ein solcher mit zweigliedrigen Aesten.
Tafel IE.
„ 27—32. Die grossen Antennen der Cyelopen auf frühen Bildungs-
stadien.
33 u. 34. Die abweichenden Bildungsformen der Antennen von
Cyclops serrulatus.
35 u. 36. Männliche Antennen auf frühen Stadien der Entwik-
kelung. |
37. Die Antenne von Cyclops coronatus im ausgebildeten Zustande.
38. Eine Antenne von Cyclops tenuicornis vor ‘der letzten Häu-
tung, an welcher die Theilung:der Glieder eine abnorme. ist
39—44, Die Furchung des Dotters und die Bildung des Embryos
an Eiern von Cyclops tenuicornis dargestellt. h
» 45. Ein zum Ausschlüpfen reifer Embryo von Cyclopsine castor
innerhalb der Eihüllen.
„ 46—48. Embryonen einer Daphnie vor dem Ausschlüpfen in ver-
schiedenen Ansichten.
„ 49. Die Eiersäckchen von Cyclopsine castor mit eingelagerten
Spermatozoen.
50. Cyclopsine castor @ vom Rücken aus gesehen.
„ 5l. Die zwei ersten Abdominalsegmente eines Weibchens von
Cyelops tenuicornis mit der Kittdrüse und zwei äusserlich
befestigten Spermatophoren.
»n 52. Die Spermatophore von Cyclopsine castor im Zustande der
Austreibung ihres Inhaltes.
„ 53. Die Endtheile der männlichen Geschlechtsorgane von Cyclops
brevicornis mit zwei gebildeten Spermatophoren.
„ 54. 1) Spermatozoen von Cyclopsine in verschiedenem Alter «, ß,y.
2) » » Cyclops coronatus.
„ 55. Cyelopsine castor /* in seitlicher Lage.
» 56. Der Anfang des hinteren Körperabschnittes von Cyclops te-
nuicornis, in welchem man freie Harnzellen das Rectum
passiren sieht.
„ 57—63. Die ersten Jugendzustände der Cyclopiden und zwar:
Fig. 57 von Cyclops coronatus,
S.08) m - tenuicornis,
& u 1 2 serrulatus,
700°’, n canthocarpoides,
» 61 „ Canthocamptus staphylinus,
76 Claus; Zur Anatomie/u. Entwickelungsgesch. der Copepoden.
' Tafel II,
Fig. 62 u. 63. von Cyelopsine castor, }
Fig. 64. Eine weiter vorgerückte Larve von Cyclops insignis.
„» 65. Die Larve von Cyclopsine castor in einem späteren Zu-
stande, in welchem dieBauchfläche zwei neue Gliedmassen-
paare gebildet hat.
» 66 u. 67. Larven von Cyclops tenuicornis mit einem Paar neu-
gebildeter Gliedmassen.
„ 68. Die Larve von Cyclops aerralatun} in einem späteren Stadium.
3 69. Die Afteröffnung mitder ‚Furca,
» 70. Die Larve von Cyclopsine castor, mit vier neu entstandenen
ivrf Fusspäaren und; dem; freien ‚Oberkiefer, der sich als Coxal-
theil von der Basis der dritten Gliedmasse fast ‚vollkommen
getrennt hat.
„71, ı.Das letzte ‚Stadium der Naup)iusform einer reneine”
„ 72. » Ein ‚junger Cyclops, ‚der: kurz vorher die Hülle, der Nauplius-
form abgelegti,haty, 24.1
» 73. Ein späteres Stadium, Amelhan,, Geschöpfes, in Aarkem der
Körper‘ aus. sieben, ‚Segmenten ‚besteht ‚und. die Antennen
7gliedrig sind, von 1MM Länge. ;
Beschreibung einiger neuen Chilenischen
Mäuse.
Von
D:. BR. A. Philippi und Ludw, Laändbeck.
! 1. ‚Mus andinus Ph.. M. supra fusco-griseus, fere ut
in M. musculo, subtus e caerulescente albidus; auribus satis
pilosis, brevibus, vix spatium inter aurem et oculum aequan-
tibus; cauda modo corpus dimidium aequante, supra nigri-
cante, subtus alba, sat longe et dense pilosa; pilis albis pe-
des obtegentibus; unguibus manuum et pedum elongalis,
compressis, albis. — Long. corporis ab apice rostri usque
ad inilium caudae vix 4 poll., caudae 2 poll.; aures vix 5 lin.
longae, totidem lalae, modo 4 lin. inter se distantes; tarsus
usque ad apicem unguium 10 lin. , ungues fere 2lin. longac.
Habitat in andibus elevalis prov. Santiago.
‚Die Haare sind sehr lang, weich und lose, namentlich sind
lie Borstenhaare abstehend, ‚Die Ohren sind slärker behaart
als bei den meisten Chilenischen Arten, auch der Schwanz
ist verhältnissmässig lang behaart. Die Nägel sind weit län-
ger .als bei der Hausmaus, und die Länge vom Auge bis zur
‚Schnauzenspitze beträchllicher als bei dieser, nämlich vier
Linien, Von den übrigen Chilenischen Mäusen können wohl
nur Mus longipilis und M. Rengeri Waterh., die ich beide
noch nicht in Natur gesehen -habe, mit unserer Art vergli-
elien werden; allein beide sind grösser und haben einen län-
geren Schwanz: M. longipilis ist 5 Zoll 4 Linien lang und
hat einen 3 Zoll 4 Lin. langen Schwanz, und M, Rengeri soll
78 Philippi und Landbeck:
5 Zoll lang sein, und einen 2 Zoll 8 Linien langen Schwanz
haben. Ausserdem ist die Färbung verschieden.
2. Mus porcinus Ph. M. supra obscure fuscus, seu @
luteo nigroque mixtus, subtus cinereus; rhinario elongato,
peracuto, fusco ; pedibus griseo-fuscis; auribus parvis; cauda
utrinque pilis nigris vestita, qui squamas non occullant. —
Long. corporis ab extremitate rostri ad initium caudae 5 poll.
3 Iin.; caudae 3 poll. 6 lin.; aurium 7 lin. ; tarsi usque ad
apicem unguium 12'/, lin.
Sa Habitat in planilie proy. Sanliago prope locum An-
goslura.
Die Haare sind sehr lang'und abstehend, im Allgemei-
nen ähnlich gefärbt wie bei der. Hausmaus ;.die Färbung des
Rückens ist jedoch mehr mit Gelb gemischt. Die Schnauze
hat Aehnlichkeit mit einer Schweineschnauze und scheinen
die Augen auch kleiner zu sein, als es gewöhnlich bei den
Mäusen der Fall ist. Dabei stehen sie sehr weit von der
Schnauzenspitze ab, nämlich 7% Linie. Die Ohren $ind sie-
ben Linien breit, ebenso hoch, und stehen atch eben s6 “weit
von einander ab. Die Nägel sind bräunlich.
Die kurzen Ohren und die graubraunen Füsse erinnern
an Mus brachyolis, welche aber nur 4 Zoll 9 Lin. lang ist,
und einen verhältnissmässig kürzeren Schwanz (2 Zoll BL
nien) besitzt. Die Länge der Ohren ist nicht angegeben. Ich
muss mich hier ganz auf Gay verlassen, da mir sowohl die
Proceed. Zool. Sociely von 1837 wie die Voyage of Ihe Bea-
gle nicht zu Gebote stehen. Wenn aber der Körper 4 Zoll
9 Linien, der Schwanz aber nur 2 Zoll 8 Linien lang ist,
wie kann man dann sagen; cauda quoad longitudinem corpus
fere aequanle ?
3. Mus melanonotus Ph. M. supra obscure fuscus seu
fulvus, nigro-mixtus, sublus candidus; auriculis magnis, exlus
griseis, inlus albidis; pilis albis pedes vestienlibus ; cauda
corpus absque capite subaequante, supra nigra, sublus alba.
— Long. corporis ab extremilate rostri usque ad initium cau-
dae 5 poll., caudae 3 poll. 8 lin,; aurium 8‘, lin., larsi
usque ad exiremilalem unguium 11!/, lin.
Habilat cum priore.
Beschreibing' einiger neuen Chilenischen Mäuse. 19
- Der Kopf ist ziemlich stark gebogen, die Schnauze dünn,
die Nasenlöcher klein, die Augen gross. Die ‘Ohren haben
die Gestalt der spitzeren Hälfte eines Eies, und erscheinen
aussen mäusegrau, indem hellere Haare auf dunklem Grunde
stehen. Die Haare der innern Seite sind ‘beinahe weiss. Die
Nagezähne sind dünn, lang’'und braungelb , wie gewöhnlich.
Die Schnurrborsten sind 21 Linien lang, die unteren vom
Grunde bis zur Spitze weiss, die obern ganz und gar schwarz.
Die schwarzen Borstenhaare sind bedeutend länger als bei den
meisten andern Chilenischen Arten. Bei Mus longipilis, die ich
noch nicht gesehen habe, und die seine ganz andere Färbung
hat, mögen sie ähnlich ‚sein. . Die Seiten desKörpers und die
Wangen sind ziemlich falb, indem hier die langen, schwar-
zen Borsienhaare . fast gänzlich fehlen, welche dem Rücken
und der Oberseite des Kopfes ein schwärzliches Ansehen ge-
ben. : Vorderarm und Unterschenkel sind fast rein grau, wo-
gegen (die Hände und Füsse von weissen Haaren bedeckt sind.
Die Nägel sind weisslich, und verhältnissmässig kurz und
schwach, namentlich die der Vorderfüsse, welche nicht ein
Mal 'so lang sind, wie die des halb’ so grossen Mus andinus.
Endlich ist noch zu bemerken, dass die Augen 8 Linien von
der Schnauzenspilze abstehen, die Ohren aber nur’ 41/, Linie
von einander:entfernt sind. (Ph.)
4. Mus pusillus Ph. M. supra pallide cinereus, subtus
candidus ; auribus brevibus, extus nigricantibus; cauda cor-
pus absque capite subaequante, supra fusca, subtus alba;
pilis albis manus pedesque obtegenlibus; unguibus albis, bre-
vibus. — Longil. corporis ab apice rostri usque ad initium
caudae 3 poll., caudae 2 poll. 2 lin. tarsi 9'/, lin.; aures 4 lin.
altae, 51/, lin. latae,
| In regione litorali prope Valparaiso habitat.
Diese Art ist noch kleiner als Mus andinus, der Schwanz
verhältnissmässig länger, die Nägel viel kürzer und schwä-
eher; die Augen stehen weiter von der Schnauzenspitze ab,
nämlich 5'/, Linie. Die Nagezähne sind schmal und gelb,
die untern Schnurrborsten rein weiss, die obern rein schwarz;
die längsten erreichen einen Zoll. — Die kurze Beschreibung,
welcheSchinz in seiner Synopsis Mammalium von Mus laucha
giebt, stimmt ziemlich gul mit gegenwärliger Maus überein,
80 sau «oo Philippi und Landbecks ..102u%
allein M..laucha‘ soll noch kleiner sein, nämlich 'nur(2 Zoll
9 Linien. Allein die Mus laucha des Nouveau »dich-„d’hist,
nat. appliqueeiaux arts vol. 29. p.65 ‚ist; 4 Zoll lang: und soll
einen, nur: 1 Zoll langen Schwanz haben. ‚Welche von. bei-
den .Arten istnun die wirkliche ‘Mus: laucha?. ‘Uebrigens
stimmt weder die. Art des Nouveau: dict, d’hist, «nat, och sie
von Schinz mit meinem M. pusillus überein. undoe
5. Mus Philippü Landbeck. 'Artzeichen: Schwanz, I 14
länger als der Körper, ‘Unterseite und Tarsen! weiss.v \
(alt pri) ‚Minssy
Länge des Körpers ohne Schwanz. var. Id un
Schwanzesic# ».Ül . „won. duilmli His nu 6
£ »
A sn Kopfes. eit.weins ale dailaıia bamlanaatt
Hi „' Ohresn „min. Hulznig Ierh. srasanssohT7i
A „'. Tarsusıihulsz ı Ne 1077.07
Augen gross, schwarz. Kopf Inibt achmel; sanft gebo-
gen; Schnauze‘ etwas dick; Nasenlöcher klein, seillich,oganz
rund ; Ohr ’/, eines Kreises bildend, nach innen nackt,; weiss,
an) der äusseren etwas rückwärts gewölbten Hälfte hraunbe-
haart, ebenso ‘auf der Rückseite. Die unteren kleinen Vibris-
sen weiss, die übrigen ‚ander Wurzelhälfteschwärz,;oben
ebenfalls: weiss, die längsten 1‘ 3% lang»: Im Gaumanäzwei
erhabene glalte Querfalten .und nach vorn ein: ‚dneieckiger
Fleischböcker, alles ohne Wärzchen, Nagezähne‘Wünp, sehr
lang und stels«hellbraun. Ueberall 3, Backenzähne wovon
der hintersie der. kleinste ist. Vorder- und Hinterlüsse an
den Sohlen nackt; ‚oben 'mit ‚kurzen‘ seidenglänzenden!:weis-
sen Häärchen dicht beseizl; Klauen weiss. Schwanz, Ober
seile grauschwarz, Unterseite aschgrau behaart, und imilvelwa
200 Schuppenringen bedeckt. Oberseite des Kopfes, Rückens;
die Seiten, äussere Seite der Schenkel, kurzıdie ganze Ober-
seile ‘von hell rostbraun bis dunkelbraun, ‚mil schwarzen Sta-
ehelhaaren‘'durchschossen, welche auf dem Rücken: so dicht
stehen’, ı.dass manche Exemplare hier fast schwarz erschei=-
nen; anden: Seiten ‚am: hellsten; ganze Unterseite graulich
oder bräunlich weiss. Der Pelz ist dicht, die Haare kurz und
fein mit mallem Glanze.
DieseMaus hal mit der gemeinen Ralle (Mus deoumanus)
in der Färbung Aehnlichkeit, ist aber stels kleiner als diese,
Beschreibung einiger neuen Chilenischen Mäuse. si
hat feinere Haare, schwächere Extremitäten und einen verhält-
nissmässig längern und dünnern Schwanz. Bei der Wander-
ratte ist der Schwanz um 11/,—2 kürzer als der Körper,
bei dieser Maus um so viel länger, was eine bedeutende Dif-
ferenz giebt. Von einer anderen Maus, der langschwänzigen
(Mus longicaudatus) unterscheidet sie sich durch kürzeren
Schwanz, durch grössere weniger behaarte Ohren und be=
deulendere Grösse; und namentlich durch kürzeren Tarsus.
(Das Exemplar der Mus longicaudatus im Museum von San-
liago hat einen 4 Zoll 3 Lin. langen Körper, einen 4 Zoll
6 Linien langen Schwanz und einen 14 Linien langen Tar-
sus Ph.).
Von der Lebensart dieser Maus ist mir speciell wenig
bekannt. Sie lebt gewöhnlich in Wäldern und Feldern, er-
scheint aber auch zuweilen in den Wohnungen, wo sie Vik-
tualien und andere Gegenstände mit grossem Geräusche be-
nagt. Ich fing sie zu verschiedenen Malen in gewöhnlichen
Mäusefallen,, aber noch öfter fand ich dieselbe von Katzen
gelödtet, welche sie gewöhnlich nicht fressen, sondern todt
liegen lassen. Im August 1857 war sie hier ziemlich häufig,
denn ich’ fand in ein paar Tagen fünf durch meine Katzen
und Hunde geltödtete Exemplare.
Da ich’eine Beschreibung dieser Maus’ weder im Gay’-
schen, noch in einem anderen Werke finden konnte, so halte
ich dieselbe für eine neue noch unbeschriebene Art, ünd
beehre mich ihr den Namen des um die Naturwissenschaften
verdienten Herrn Dr. Philippi, Direktors des nalurhistori-
schen Museums in Santiago beizulegen. L. Landbeck.
Die Chilenischen Mäuse als Landplage.
Von Zeit zu Zeit vermehren sich einzelne Arten Mäuse
in Chile dergestalt, dass sie in grossen Schaaren wandern, in
die Häuser eindringen und zu einer wahren Landplage wer-
den. So berichten die Geschichtsschreiber, dass im Jahre
1681 plötzlich eine so ungeheuere Menge Ralten im Gebiete
der unabhängigen Araukaner erschien, dass sie in einem
Augenblicke alle Saaten auffrassen, und eine solche Hun-
gersnolh entstand, dass die Indianer in die grässliche Noth-
Archiv [. Naturgesch, XXIV. Jahrg. 1. Bd, 6
8% Philippi und Landbeck: Besch. einiger Chilen. Mäuse.
wendigkeit verselzt wurden , sich. einander aufzufressen. —
Am Ende des vorigen Jahrhunderts vermehrten sie sich der-
geslalt in der Provinz Valdivia, dass die Einwohner des eben
neu gegründeten Städtchens Osorno mehrere Male daran dach-
ten, die Colonie aufzugeben. Eine von Herrn Gay aufge-
fundene handschrifiliche Nachricht sagt über diesen Punkt:
„Auf dem ganzen Lande kennen wir den Schaden, den die
zur Landplage gewordenen Pericotes (Indisches Wort für Ratte
oder Maus) ansliften. Das Uebel ist in den Llanos allgemein
gewesen, und als man die Eingebornen nach der Ursache
fragte, versicherten sie, dass alle siebzehn bis zwanzig Jahre
die Landplage der Pericotes auflräle, wie sie es in anderen
Zeiten erfahren hälten, und dass diese Plage immer gleich-
zeitig. mit dem Absterben der Coligne (des. bambusartigen
Rohres, welches die Lanzenschälte der Araukaner und’ Pata-
gonen liefert) sei. Im Jahre 1780 beobachlele man dieselbe
Erscheinung in. der Stadt Valdivia. Der Fluss war mit Ralten
bedeckt. Mehr ‚als hunderllausend sind hier und in Riobueno
erschlagen worden. : In einer Nacht sind im Fort der Kö-
nigin Luisa 933 Stück erschlagen worden.“
Im August 1857 haben sich, wie mir Prof. Eug. von
Böck aus Valdivia schreibt, wieder eine grosse Menge
Mäuse in einigen Theilen Valdivias gezeigt, welche wan-
dern und in die Häuser in solcher Zahl eindringen, dass man
bisweilen in einem Hause eine Melze voll dieser Thiere ge-
sammelt hat. _Arigue, Quinchilca und S. Jose, die drei nörd-
lichsten und dem Gebiete der freien Araukaner am nächsten
gelegenen Orte, haben besonders von dieser Plage zu leiden
gehabt.
Kurze Beschreibung einer neuen Chileni-
schen Ralle.
Von
D. AR. A. Philippi.
Rallus uliginosus Ph.
Dimensionen:
Länge des Körpers von der Schnabelspitze bis zum Ende
des Schwanzes 6 Zoll 7 Linien.
Länge des Schnabels auf der obern Kante 13 Linien.
» der Schnabelöffnung 14 Linien.
des Tarsus 15 Linien.
der Hinterzehe einschliesslich des Nagels 4 Linien.
der Innenzehe 11'/, Linie.
der Miltelzehe 14'/, Linie.
der Aussenzehe 11'/, Linie,
Die obere Kante und die Spilze des Schnabels sind
braun; die grössere Hälfte des Unterschnabels und der un-
ter den Nasenlöchern gelegene Theil des Oberschnabels sind
lebhaft rolh; die Iris safrangelb. Die Federn der Stirn, des
Hinterkopfes, der Seiten des Halses und des Rückens sind in
der Mitte schwarz und an jeder Seite bräunlich gelb; die
obern Deckfedern des Schwanzes zeigen dieselbe Färbung.
Die Zügelgegend ist weisslich, die Kehle weissgrau; die Schlä-
fengegend, Brust und Bauch bis zu Füssen sind bleigrau;
die Färbung des Halses ist grau mit einer Beimischung von
rosibraun namentlich an den Seilen desselben; der Unter-
leib und die Seiten des Rumpfes sind schwarz und weiss ge-
uy3333
8 Philippi: Kurze Beschreibung einer neuen Chilen. Ralle.
bändert, so dass die schwarzen wie die weissen Binden etwa
I Linie breit sind. Die Schwungfedern und die Steuerfedern
sind braun; die Deckfedern der ersten Ordnung zimmelbraun
einfarbig: die Füsse sind schmulzig grün oder braun.
Wie aus der Beschreibung hervorgeht, hat diese Art
eine grosse Aehnlichkeit mit dem Europäischen Rallus aqua-
ticus, der aber elwas grösser ist, und nicht dre lebhafte
Färbung der obern Körpertheile zeigt, welche gegenwärliger
Art zukommt.. Diese: ist abermals eine Entdeckung ‘des. um die
Ornithologie Chiles hochverdienten ‚Dr. Eulogio Salinas,
dem nur das einzige oben beschriebene und dem Museum von
Sanliago einverleibte Individuum vorgekommen ist. Er schoss
es auf seinem Landgute in.der Ebene von Santiago.
Vebersicht der Familie &adidae.
Von
3. Kaup*).
Es sind normal gebildete Weichflosser ‚die: die. Ven-
iralllossen an der Kehle haben; diese verschwinden nur ‚in
der letzten Unterfamilie der Ophidinae gänzlich.
Erste Subfamilie Kenocephalinne Kp.
Der abnorm grosse Kopf mit Schildern und. Stacheln
bewaffnet. Erste Dorsal fehlt. Zweite wie die Anal schwach
von der grossen Caudal getrennt. Ein Genus.
I. Xenocephalus Kaup. Mit abgestutziem Kopfe, an dem
der Körper wie ein Appendix anhängl; Kopf und Operculum
bewaffnet. Pectoral und Caudal entwickelt. Anus an der
#) Anmerkung des Herausgebers. Bezug nehmend auf
die Bemerkung in dem Berichte über das Jahr 1856. p. 106 hebe ich
auch hier wieder hervor, dass der Verfasser. nur durch die thatkräftige
Unterstützung des britischen Museums und namentlich deren Trustees
im Stande gewesen ist, an Ort und Stelle ’eine Anzahl von ‘Familien
zu bearbeiten. Bei seinen Lophobranchii bezahlte das britische Mu-
seum alle Kosten des Transportes für alle Zusendungen der Museen
zu Paris, Leyden, Wien, Berlin, Stuttgart u. s. w.; ebenso wurde er
auch für die Aale unterstützt. Eine so kräftige Unterstützung darf
wohl nicht bloss auf den Dank des Verfassers, söndern auch auf die
Anerkennung der Freunde der Ichthyologie Anspruch machen. Möchte
doch ein so grossartiges Institut wie das britische Museum fortfahren,
durch Unterstützung auch fremder Gelehrten vor anderen ähnlichen
Anstalten sich auszuzeichnen. Lıı
86 Kaup:
hinteren Hälfte des Körpers. Zähnchen in beiden Kiefern,
keine auf Vomer und dem Palalinum. Zunge frei, dick, fast
den ganzen Rachen ausfüllend, vorn stumpf mit kurzer Spitze.
Laterale auf der oberen Körperhälfte und nach dem Kopfe hin
schwach gebogen.
1) Xenocephalus armatus Kp. Die mässig grossen Augen
goldgelb, unter der Augendeckel dunkel punklirt. Kopfschilder
gelblichbraun; die nackte Haut zwischen denselben schwärz-
lich. Körper schwarzbraun mit schwarzen Flecken auf dem
Rücken. Bauch goldgelb mit Glanz. Flossen gelblich weiss.
AD:
A. 10.
Diese sonderbare Gestalt, von welcher ich eine Abbil-
dung in doppelter Grösse in meinem grösseren Werke gebe,
wurde bei Neu-Irland durch dieHerrn Quoy et Gaimard. Exp.
d’Urville der Pariser Sammlung übersandt und fand sich in
dieser unter dem Namen Grenadier von Nouvelle Irlande. Diese
Subfamilie ist bis jetzt noch sehr arm an Arten und ausser
obiger kenne ich keine Form, die hierher gehört. Sie ist
entfernt mit den Macrurinae verwandt.
PD. 21. V. 5. 7,20.
Zweite Subfamilie Gadinne (Gadus Linn.).
Kopf nicht bewaffnet. Ventralflossen. Caudal deutlich
gelrennt. Körper mit ‚glatten Schuppen, die häufig undeutlich
sind. In dieser trilt die grösste Zahl von Flossen auf.
A. Mit 3 Dorsal- und 2 Analllossen.
ll. Gadiculus Guich. Ohne Vomerzähne und Kinnbarbel.
2) G. argenteus Guich. Expl. d’afr. pl. 6. fig. 2, Mit
grossen ‘Augen. ‘Die drei Exemplare der Pariser Sammlung,
1 Centimeter lang ünd in nicht guter Conservation.
II. MorrkuaCuv. Mit Gaumenzähnen und Kinnbarbel.
a) Kopf länger als die Höhe des Körpers.
3) M. vulgaris Cuv. Gadus morrhua, callarias et bar-
batus 'Linn., Morrhua americana, Storr. tomcodus sive pruino-
sus N.-Y. Fn. fig. 142.
Uebersicht der Familie Gadidae. 87
Variirt sehr namentlich in der Zahl der Strahlen.
D. 1ste 10—15. 2te 18—22. 3te 18-21.
A. Iste 20—33, 2te 16-19.
In der allen und neuen Welt im hohen Norden.
— 4) M. aeglefinus Cuv., Merl. aeglefinus Bp.
— 5) M: euxinus Nordm. Pise. t. 26. fig. 2. (excellente
Abbild.)
b) Kopf geringer oder fast so lang wie die Höhe des
Körpers.
— 6) M. minuta Cuv., capelanus Risso.
— TYM. luscus et barbalus Cuv.
IV. Merlangus Cuv. Vomerzähne ohne Kinnbarbel.
_ 8) M. vulgaris Cuv.
— 9) M. vernalis Risso, M. melanostomus Val. Par. Mus.
10) M. pollachius Cuv., Pollachius typus Bp. Cat. 45.
_— 11) M. carbonarius Cuv., virens Linn.
_ 12) M. albus Yarr., M. pulasu Riss., Poll. potasu Bp.
Cat. 45.
B. Mit zwei Dorsal- und zwei Analflossen.
V. Mora Risso, Asellus Val.
13) M. mediterranea Riss. Bp. Fn. it. t. 107. 1. Asel-
lus canariensis Valenc. in Webb et Berth. Pisc.
pl. 14. 3. Lepodion moro Swains.
Die Augen in der Fn. it. sind zu klein dargestellt und
die Abbildung von Valenciennes nach einer trocknen Haut
giebt dem Fische eine unnatärliche Krümmung nach oben.
C. Zwei Dorsal- und eine Analflosse.
VI. Merluccius Cuv.
— 14) M. vulgaris Cuv.
15) M. GayiGuich. Unterscheidet sich schwach durch
etwas kleinere Zähne. Beschr. in Hist. de Chili
par Gay, Ichth. p. 329.
VII. Uraleptus Costa.
16) Ur. MaraldiCosta, Mal. p. 30. tav. a37 (vortreffl.)
Merl. Maraldi Riss., M. allenuatus Cocco nach Bo-
naparle,
88 'Kaupt
VIII. Lepidion Swains.
17) Lepidion Rissoi Swains., Lep. rubescens Sw., Lolta
lepidion Risso Hist. p. 218,
IX. Physiculus Kp. Mit hechelförmigen Zähnchen ohne grös-
sere. Vier Strahlen in der. Ventral. Keine Gaumen-
zähne. Anus vor der Wurzel der Pecloral. Kinnbarbel.
« 18) Ph. Dalwigki Kp.
Aehnelt Uraleptus, Maraldi. Augen gross, Diameter der-
selben länger als die Schnauze. Kopf stumpf. Die schmale
ziemlich kurze Ventral reicht nur bis zum Anus. Vor dem
Anus eine kleine Genilal-Oeffnung und hinter demselben
ein Knötchen. ‚Seitenlinie vorn schwach gebogen. Erste Dor-
D. 7. 64.
A. 72.
Diese sellene Art im Pariser Museum zeigt keine An-
gabe, in welchem Meere sie gefangen wurde. Ich vermuthe
das Mittelmeer.
Diese interessante Art habe ich nach meinem hochver-
ehrten Freunde, dem Freiherrn Reinhard von Dalwigk,
als ein geringes Zeichen meiner Dankbarkeit genannt.
X. Lotella Kp. Erste Dorsal so hoch als die 2te, Kinn-
barbel. Obere Strahlen der Ystrahligen Ventral faden-
>> förmig verlängert. Ohne Vomerzähne. Kieferzähne
hechelförmig, am Rande mit grösseren. Schwanz dünn.
19) Lotella. Schlegeli Kp. Lola phycis Temm. et
Schl. Fn. jap. CXI. fig. 1.
Xl. Phycis, Art, Schn.
a) Erste Dorsal höher und zugespilzt. Ventral fast
oder doppelte Kopfslänge.
20) Ph. blennoides Schn. Riss. 10, longipinnis Sw.
Fish. fig. 75.
21).Ph. furcatus 'Sw., Flem., Yarr. p. 289 Blen. phy-
er sis Penn.
22) Ph. brasiliensis Kp,
Der längere Ventralstrahl auf weisslichem Grunde 'roth-
braun punktirt wie die Pectoral, Dorsal und Anal. Auch der
-—- Bauch und längs die Anal ist der Körper puuktirt, Flossen
ohne schwarzen Rand. Dritter Strahl der 1sten Dorsal hat
sal zugespilzt, allein nicht höher als die 2te.
Uebersicht der Familie Gadidae. ; 89
Kopfslänge uud darüber. Operculum mit langem Stachel. Bar-
D: 8.57
A. 50
2 Exemplare von Montevideo durch Mr. d’Orbigny.
23) Ph. linea Schn. lab. 11. (ohne die Synonymen) Blen.
‘ chuss. Schoepf. Enchel. americanus Schn., Gad.
longipes Mitch., furcatus el americanus Storr. N.
Y. Fn. fig. 150.
24) Dekayi Kp.
Aehnelt linca, allein mit längerer Schnauze. Körper
höher mit bedeutend kleineren Schuppen. Dorsal fein punk-
tirt und nur der äussere Rand dunkler. Ganzer Körper mit —
feinen Punkten. Bauch und längs der Anal gelblich. Anal
weisslich am Rande punktirt. Anus unter dem 11iten Strahl
D. 10. 54
A.47.
b) Mit kurzer stumpfer erster Dorsal und von der-
selben Höhe wie die 2te. Ventral kürzer, die Spitze
der Pectoral nicht oder kaum erreichend.
25) -Ph. mediterranea Laroche, Ph. batrachoides Gmel. ——
Risso. Ph. limbatus Val. Webb et Berth. pl. 14. fr.
Salviani fig. 130. Swains. fig. 9. >
26) Ph. regalis Kp. Blennius regalis Schoepf, Ph. pun- —
ctatus Rich. New-York, Fn. fig. 149. -
27) Ph. Richardsoni Kp. Lota breviuscula Er. et Terr.
p- 61. pl. 38. 1. Neu-Seeland.
XI. Lota Cuv., Lotta Riss., Molva Flem.
a) Wahre Lola Kp.
Mit zwei kurzen Barbeln vor den vorderen kleinen Na-
senlöchern. Auf dem hufeisenförmigen Vomer und Kiefern
hechelförmige feine Zähnchen, breite Bandstreifen bildend. Die
Laleral nicht ganz zum Schwanze.
23) Lola vulgaris Cuv. Bl. 70. {
. 29) L. maculosa Cuv. New-York Fn. fig. 118.
30) L. compressa Kp., Gad. compressus Lesueur.
b) Molva Kp. im
Zwischen den kleineren Zähnchen weit auseinander ste-
bel kurz. P..14. C. 24.
der 2ten Dorsal. P. 15. C. 25. Nord-Amerika.
90 . Kaup:
hende längere. Vorderes Nasenloch mit einem Läppchen.
Lateral bis ans Ende der Caudalllosse.
31) Molva vulgaris Flemm., Gad. molva Linn., Lota
molva Cuv.
XIII. Motella Cuv. Die Strahlen der ersten Dorsal dünn
und wimperarlig. Kinnbarbel. Ventral schmalund zu-
gespitzt. Man theilt sie weiter ein:
a) Raniceps Cuv., Batrachocephalus Holb.
32) R. raninus Cuv., Gad. raninus Müll., Phyc. rani-
nus et fuscus Schn., Raniceps niger Nils. , Balra-
choides Irifurcalus Penn.
b) Motella, Cuv. Onos Riss., Petrophilus Leach.
33) M. trieirrata Nils. Bl. 165.
34) M. capensis Kp.
Mit dickerem Kopfe, etwas mehr entwickelten verlika-
len Flossen. Bei gleicher Länge mit der vorigen mit brei-
terem Kopfe und Schnauze. Zähne stärker und länger. Die
Zähne des Vomer nehmen eine grössere und breitere Fläche
. ein und bilden keinen so regelmässigen spilzen Winkel.
35) M. pacifica T. et Schl. Fn. jap. p. 249.
36) M. argenleola Yarr. p. 283. Gad. arg. Mont. Mem.
Wern. Soc. Vol. Il. pt. 2. p. 449.
c) Molvella Kp.
Ohne durch Grösse ausgezeichnete Zähne; alle hechel-
artig. 3—4 Barbeln auf der Schnauze, zwei zwischen den
Nasenlöchern, 1—2 an der Spitze der Schnauze. Vomerzähne
mehr eine Gruppe als Winkel bildend.
37) M. mustela Kp., Gadus mustela L:, 5eirrhatus Penn.
38) M. borealis Kp.
Mit 5 Barbeln wie Mustela, allein gestreckter. Kopf geht
über viermal in den Rumpf. Körper dunkelbräunlich. | Flos-
sen mit unzähligen röthlichen Punkten mehr auf derD. als A.
„0 Drag,
Caudal dunkel ohne Flecken. Zweite Wr)
Cap Nord durch Hrn. Noel.
39) M. cimbria Kp. Mot. eimbria Parn., cimbrius Linn.
eimbricus Schn.
40) M. glauca Kp., M. glauca Jen. Yarr. p. 281.
Uebersicht der Familie Gadidae, 9
D. Mit einer Dorsal und einer Analflosse,
XIV. Brosmius Cuy. 1;
41) Br. vulgaris Cuv.
42) Br. flavescens Kp., Brosmerus flavescens Les. Mem.
Mus. Vol. V. p. 158. pl. 16, Gad. flavescens Rich.
Fn, bor. Vol. 3. p.257, Brosmius vulgaris Store.
43) Brosm. lubb Cuv. Gad. lubb Euphr. Ac. Stockh. T. XV.
p- 223, T. VIII. /
v
Dritte Unterfamilie Macrurinae.
Kopf und Körper mit harten stachligen Schuppen be-
deckt. Erste Dorsal hoch , zweite mit der Caudal und Anal
vereinigt.
XV. Ozxycephas Raf. (1810). 5
Lepidoleprus Risso (1810), Lepidosoma Swains.
44) 0. trachyrhinchus Kp., Lepidol. trachyrhincus Riss.,
Oxycephas scaber Raf.
45) Ox. japonicus Kp., Macrurus japonicus T. et S.Fn
" jap. 112. fie. 2, *
XVl. Macrurus Bloch.
46) M. rupestris Bl., Coryph. rupestris Fbr. Gm. M. Fa- /
— briei, Sundev.
47) M. Siromii Reinh., Coryphaenoides rupestris Gunn.
Coryph. rupestris Müll., Lepidoleprus norvegicus,
Me: Macr. norvegicus Bp.
48) M. coelorhynchus Bp., Lepidol. coelorh. Riss. Bp.
Fn. it. unter dem irrigen Namen mysticelus 'ab-
gebildet.
49) M. denticulatus Rich. Er. et Terr. p.53. Pl. 32.
fig. 1—3.
- 50) M. australis Richards. Proceed. 1839. p. 101.
-—-51) M. atlanticus Lowe Proceed. 1839. p. 88.
— 52) M. sclerorhynchus Val. Can. Ins, pl. 14, fig. 1.
— 53) M. macrolepidotus Kp.
Schuppen etwas breiter als lang mit 14—15 scharfen
Rippen, die auf dem Körper mit an- und aufliegenden Sta-
cheln versehen sind, über die Hälfte der Schuppen reichen
92 Kaup:
und als.Stacheln am Rande vorstehen. Die grösseren Schup-
pen der Laterallinie obne Stacheln auf den Rippen. _Vom
Anus aufwärts zur Rückenkante 12 Schuppen. Die längeren
Strahlen der ersten Rückenflosse überreichen niedergelegt
den 7ten Strahl der 2ten Dorsal. Erste D. 11. P.16. V.7. Ich
kann die Zahl der Strahlen der 2ten Dorsal, wie die der
Anal nicht angeben da die Schwanzspilze an dem Pariser
Exemplare fehlt. ? Mittelmeer.
Vierte Unterfamilie Brotulinae Kp. *).
Ohne Stachelschuppen. Ventralflossen , Dorsal, Caudal
und Anal verbunden.
XVII. Sirinsia Raf., Bp.
54) St. linca Raf. Bp. Fn. it,
XVIIL Brotula Cuv.
— 55) Br. barbata Cuv.
56) Br. burbonensis Kp.
Mit 6 Barbeln auf der Schnauze und 4 am Unterkiefer.
Brusiflossen breit von derLänge des Rachens. Anal beginnt
eine halbe Kopflänge vor der Mitte des Körpers und die Dor-
sal hinter dem Ende der Pectoral. Kopf seitlich gedrückt mit
schmaler Stirn und hochsilzenden Augen. Kopf in den Rumpf
51,mal. Eine trockene Haut durch Hrn. Nigou in der Pari-
ser Sammlung.
57) Br. multibarbata Schleg. Fn. jap. 111. fig.2.
XIX. Brotella Kp.
Mit den Zähnen der vorigen zeigen sie einen stum-
pfen Kopf ohne alle Barbeln; die einfachen Ventralen sitzen
unter der Mitte des Kopfes.
58) Br. maculala Kp., Br. imberbis T. el S. Fn. jap.
PA 111. fig. 3.
© 59) Br. armata Kp., Brolula armala Schleg. Fn, jap.
Bea p- 255. Bildet wahrscheinlich ein eigenes Genus.
XX. Hoplophycis Kp.
Kiefern, Palatinum und Vomer am Rande der feinen
7
*) Die Öte Unterfamilie der Ophidinae habe ich bereits früher
gegeben. irla
Uebersicht der Familie Gadidae. 93
Zähnchen mit grösseren Hakenzähnen bewaffnet. Ventral an
der Spilze gabelförmig.
60) H. Lalandi Kp.
Ich kenne nur trockene Häute von 830—1200 Mm. Die
hochsitzende Seitenlinie mit weil auseinander stehenden Poren,
die sich bis ansEnde desSchwanzes erstrecken. Dorsal be-
ginnt am Ende der Pectoral und die Anal Kopfslänge hinter
dem Anfange der Dorsal. Gelblich braun mit unzähligen
braunen Punkten.
Cap durch Hrn. de la Lande.
XXI. Oligopus Riss. nec Lac.
61) Ol. niger Riss. Ichth. de Nice fig. 41. Hist. p. 338.
XXIl. Brotulophis Kp. *).
Zwei einfache strahlige fadenförmige Ventralflossen ent-
springen gegenüber den Pectoralflossen. Zähne spitz, klein,
von ungleicher Grösse. Keine Vomerzähne.
62) Br. argentistrialus Kp.
Eine kleine gestreckte schwarze Form mit spilz zulau-
fendem Schwanze. Ein Silberstreifen mit dunkleren Punkten
vom Auge bis zur Spilze des Schwanzes. Untere Theile des
Kopfes, des Bauches und über der Anal silberweiss mil Gold-
schein. Pectoral an der Wurzel schwarz und als kurzes
Band sich in die weisse Brust hinziehend. Das breitere Ende
des Zwischenkiefers weiss. Das ganze Fischchen ist 108 Mm.
lang, wovon der Kopf 18 Mm. wegnimmt. Pecloral 8 Mm,
lang mit 17—18 Strahlen. Anus vom Unterkiefer 38 Mm.
Insel Soolo durch Hrn. Leclancher.
Ob völlig ausgewachsen ?
*) Das höchst interessante Genus Ateleopus T. et Schlegel Fn.
jap- 112; deren Art man At. Sieboldi nennen kann, gehört schwer-
lich zu den Gadidae, so total abweichend ist es von allen bekannten
Genera. Es hat einige Aehnlichkeit mit den Gymnotidae und soll
nach Dr. Schlegel elektrisch sein. Auf jeden Fall ist es der Ty-
pus einer eigenen Familie, die man Ateleopidae nennen wird.
Uebersicht der Soleinae, der vierten Sub-
familie der Pleuronectidae.
Von
3. Kaup
Ohne Ausnahme dextrale Formen mit sehr ‚nach der
linken Seite verdrehten Kiefern, die nur mit kleinen feinen
Zähnchen in mehreren Reihen wie eine Hechel hesetzt sind.
Wir sehen in dieser Subfamilie niemals den Dorn vor dem
ersten Strahl der Analflosse, noch sehr entwickelle Brust-
flossen, die auf der linken Seile zuweilen verkümmert sind,
oder ganz fehlen. Bei den wahren Achiren fehlen sie auf
beiden Seilen. Die höchsten Formen bilden das
I. Genus Solea Cuv.
mit zwei Brustflossen und deutlich getrennter Schwanzilosse.
‚- 1) Solea vulgaris Cuv. Bl, 45. Yarr. 347. Bp. Fn, it,
2) Solea nasula Nordm., Pleur. nasulus Pall,, lascaris
Riss. Bp. Fr. it. Solea polus Cuv., Sol. pegusa
Yarr., Solea scriba Valenc. Webb et Berth., Rhom-
bus theophilus Riss. (jun.) Hist, p. 260.
3) Sol. humilis Cant. cat. p. 1201.
-4) Sol. Kleini Bp. ‚Fn.‘it., Rh. Kleini et polus. Riss.
5) Sol. hexophthalma’Benn. Proc. 1830-—31.'p. 147.
6) Sol. angulosa Kp., Pleur. angul. Par. Mus.
Die Brusiflosse gleich der Entfernung von der Wurzel
der Brusiflosse bis zum unteren Auge. n ir P.7. V. 7—6.
C. 19.
Von Rochelle durch Hrn. d’Orbigny und Algier durch
Hrn. Guichenot.
7) Solea senegalensis Kp.
Wenig verlängert, mehr oval von schwärzlich brauner
Farbe. Die Pectoral so lang als von der Spitze der Schnauze
Kaup: Uebersicht der Subf. Soleinae. 95
zum Auge. Körper und Strahlen der Flossen rauh. Die La-
ieral über den Pectoral gebogen reicht nicht bis zum Auge.
D. 84
A. 70
Senegal durch Hrn. Gouverneur Jubelin.
8) Solea brasiliensis Kp.
Einfarbig schwärzlich. Pecloral so lang als von der
Schnauze zum Auge. Eine verlängerte Form, deren Schnauze
die Symphyse des Unterkiefers überreicht. Zähnchen spitz
in dreiReihen. Das hintere Nasenloch ist verdeckt von dem
vorderen, das in einem kurzen Cylinder sitzt. Laleral am
Pectoral am Ende schwärzlich.
x
D. 4
Kopfe rück- und vorwärts gekrümmt. A606 . P.8. V.4. C, 21.
Montevideo durch Hrn. d’ Aa
9) Solea oculata Rond. p. 257., Pleur. ocellatus Linn.
- Bloch. Schn, fig. 1l., Pl. Rondeleti Schaw , Solea
oculala Risso p. 248. Bp. Fn. it. mit vortreflicher
Abb., Val. in Webbyund Berth. Can. pl. 18. fig, 2 el3.
Solea ocellata Cloq.
10) Solea pegusa Kp. nec Yarr., Monochir pegusa Risso
p- 258., Solea monochir Bp. Fn. it., Pl. trichoda-
— etylus Nardo. Obs. Itt. Adr., Monochirus hispidus
Raf. Bp. Cat. p. 50.
11) Solea variegala Flemm., Pl. variegalus Donov. Brit.
fish. pl. 117, Monoch. variegatus Thomps., Rhom-
— bus Mangili Riss., Solea Mangili Bp. Fn. it. Pole
panach6e Duh. sect, IX. pl. Il. fig. 3., lingula Penn.,
Mierochirus lingula Bp. cat., Pl. microchirus Lar.,
Monochir mierochir Cuv., Rhombus lacteus Risso,
Solea seuMicrochirus lacteus Bp. Fn. it. Cat. p. 50.
12) Solea trichodactyla Kp., Monochir trichodactylus
-7 Cuv., Pleuron. trichodaclylus Linn,
Linne’s Diagnose ist korrekt nn *),P.4.V. 5. C. 16.
Amboina. Eine kleine Art der Par. Sammlung.
h *) Ich habe eine Solea maculata Cuv. von Java, welche nach
_ Kuhl (Bikr. 1. ?. 409) in der Pariser Sammlung sich befinden soll,
nicht daselbst aufgefunden, Sie ist von Bleeker zuerst beschrieben,
96 Kaup:
ll. Genus Synaptura Canlor.
Brachirus Swains., Solenoides Blkr.
Solea ähnlich, allein die verlikalen Flossen fliessen mit
der Caudal zusammen, Pectoral von gewöhnlicher Bildung.
Körper ohne Querbänder.
13) Synaptura Commersoniana Cant. Cat. p. 1204., Pl.
commersonien Lac. III. Pl. 12. fig.2., Russ. t. 70.,
Solea commersoniana Cuv., Synapt. früher Solea Rus-
selli Blkr., Sole alongee Cuv. (Par. Mus.).
Dr. Bleeker hält die Synaptura, von Russell abgebildet,
für verschieden von der Laceped’schen; die Strahlenformel,
welche er giebt, weicht sehr von der Canlor’schen ab. Cantor
D. 78—81 D. 76—78
A. 65-66 P. 6. V.4-5.C. 12. Blkr. A. 60-63
P. dext. 8-9, sin. 6—8. V. 2—4. C. 12.
Das Fleisch der Russelli ist bitter, während das von
Commersonia angenehm und essbar ist.
giebt folgende
14) Synaptura albomaculaia Kp.
Auf dem Körper in fünf Reihen gelblich weisse Tüpfel.
Die Länge des Kopfes '/,, die Höhe '/, der Totallänge. Zwischen
den zwei blasigen Nasenlöchern ein Barbel und auf der Unler-
lippe 12 ziemlich deutliche Papillen. Brustflossen kurz, gleich _
der Entfernung von der Schnauze und dem vorderen Rande
des unteren Auges. Die Schuppen der Augenseite mit 6—11
transparenten Stacheln am Rande. In einer vertikalen Linie
gegen 38 über und 45 unter der Lateral. Auf der blinden
Seite sind die Schuppen mehr oblong, schmäler und sta-
chellos. Lateral distinkt und gerade bis zum Kiemendeckel,
auf der linken Seite am Kopfe zeigt dieselbe sehr kompliecirte
Linien; sie ist von mir abgebildet. sub P.
Coromandel durch Hrn. Dussumier.
15) Sy. pectoralis Kp., Solea pect. Par. Mus.
Die Brusiflosse länger als der Kopf. Keine Papillen an
der Lippe des Unterkiefers. Weniger schmal und verlängert
als S. commersoniana. Kopf ‘/,, Höhe '/, der Totallänge:i
Pectoral der linken Seite '/, kürzer als die rechte, Die La-
7.8. V. 3-3. C, 16.
Uebersicht der vierten Subf. Soleinae d. Pleuronectidae. 97
teral der blinden Seite bestimmter. Schuppen sehr klein mit
6—11 kurzen Randstacheln, Hinteres Nasenloch rund, vor
dem oberen Rande des unteren Auges; das vordere in einer
D. 116
blinden Tube. A887" P.7—9. V.4—4., C. 18;
Cap durch Mr. de la Lande.
16) S. lingula Kp., Solea parva sive lingula Rond. p. 260
(French. Edit. Willoughby 8. fig. 1 Copie), Pleur.
lingula Linn., Selenelte Duh., Solea lingula Jen.,
FR Monochirus minutus Parn. Mag. Zool. Vol. 1. p.527,
M. linguatulus Thomps., Monochirus linguatulus Cuv.
Yarr. p. 355 mit guter Abbild.
17) Synaptura Savignyi Kp. Pleur. marmoratus (Par.
Museum).
Auf der linken blinden Seite ein grosses rundes Nasen-
loch, welches diese Art vor allen auszeichnet. Kopf !/,
Höhe '/, der Totallänge. .Pecloral beider Seiten so lang, als
vom Kiemendeckelrand bis zum Auge. Ventral sehr kurz.
Lateral über dem oberen Auge gebogen. Gleicht in der Form
des Kopfes einigen Plagusien und der Oberkiefer überreicht
etwas die Spitze des Unterkiefers. Farbe grünlich bister-
braun, dunkler marmorirt. = PN 87 V:2/3.'0. 18.
Neapel durch Hrn. Savigny.
18) S. marmorata Blkr. V. p. 90.
19) S. panoides Blkr. II. p. 440.
20) S. aspilos Blkr. Ill. p. 74.
III. Genus Aesopia Kp. *).
Synapluren, deren obere Strahlen der Brustflossen mehr
oder weniger verlängert und die unteren, sehr verkürzt sind.
Nasenlöcher zwei vor dem unteren Auge. , Körper mit gros-
ser Zahl von queren Bandstreifen. So nahe sie auch mit den
Synapluren verwandt sind, so können sie doch nicht unter
diesen aufgezählt werden, sondern bilden ein eigenes Genus.
21) Aesopia multifasciata Kp.
zilıl_ il,
®) Nach der Sklavenkleidung des alten Fabeldichters Aesop.
Archiv f. Naturgesch. XXIV. Jabrg. 1. Rd. 7
98 Kaup:
Diagnose: Das vordere Nasenloch in einer
langen dünnen Tube, länger als der Durchmesser des
Auges, welche. in einer Furche bis unter das Auge reicht
und das hintere punktförmige Nasenloch verdeckt. Kopf und
Körper mit 27 schmalen Binden.
Beschreibung: Kopf Y/,, Höhe '/, der Totallänge. , Au-
gen nahe beisammen, so ‚dass. sie mit den Rändern zusam-
menslossen; unteres grösser. Die zwei längsten Strahlen
der Pectoral länger als der. Diameler des unteren Auges.
Schuppen mit 12 Stacheln und 3—4 Radien auf der Wurzel.
In einer: verlikalen Linie 70 und in der longitudinalen Linie
D. 93
gegen 10.7 P. 7—10. V. 4-4.
Aus Indien durch Mr. Lesuer.
22) Aesopia ommatura Kp., Solea ommaturaRich. Rep.
zebrina T. et S. Fn. jap.
23) Aesopia zebra Kp., Pleur. zebra Bloch.
Abbildung von Bloch fehlerhaft. Ausser dieser Art habe
ich alle übrigen abgebildet.
24) Aesopia quagga Kp.
Diagnose: Mit 12 breiten Binden; vorderes Nasenloch in
einer kurzen Papille, die das hintere nicht überreicht, Erster
Dorsalstrahl kurz.
Beschreibung: Kopf '/,, Höhe Y, der Totaliänge. Schup-
pen mit 6—10 Stacheln. und an der Wurzel mit: 1k Strahlen-
linien. In einer verlikalen Linie gegen 56. Schuppen. Der
längste Strahl der schwarzen Pectoral so lang als von der
Schnauze bis zum Rande des unteren Auges. Caudal schwarz
D. 68
Ana 912. V.4—4,
mit einzelnen. lichteren Längsllecken.
C.16. Bombay. Pariser Museum.
25) Aesopia cornula Kp., Solea cornuta Cuv. Russ. 72.
Diagnose: Der erste Strahl der Dorsal viel länger als
die übrigen, Schuppen ohne Spuren von Slacheln.
Beschreibung: Eine mässig lange Form mit 12—13 'Bän-
dern, von welchen die erste über die Schnauze geht. Schwanz
mit ovaler schwarzer und grauer Zeichnung und einem weis-
sen Pfeil vor dem schwarzen Ende, Pectoral rudimentär mit
Uebersicht der vierten Subf, Soleinae d, Pleuronectidae. 99
10 Strahlen; Ventral ebenfalls sehr unentwickelt mit 4 Strah-
len auf der rechten und 3 auf der linken Seite. Schuppen
in einer Querreihe 64. , Die blinde Seite ist weiss, gegen
den Rand der Dorsal und Anal schwärzlich.
Russell’s Figur ist nicht genau und die Pectoral über-
sehen; sie ist irrig als eine Verlängerung des Operculum ge-
zeichnet. Die vertikalen ‚Strahlen sind irrig als einfache
Strahlen gegeben; auch sind die Augen nicht gut dargestellt.
j nn P. 10. V.3—4. C. 17. Brit. Ind. Par. Mus.
26) Aesopia helotes Kp. Russ. t. 71. Brit. Ind. Russ.
Fig. ist miltelmässig.
IV. Genus Euryglossa Kp.
Sind Synapturen von ovaler Form mit zwei Nasenlöchern
auf den zwei Zweigen einer an der'Spilze gespaltenen Tube.
Anus zwischen den zwei regulären. allein kleinen Ventral-
flossen.
27) E. orientalis Kp., Pleur. orientalis Bl. Schn. 157.
Der Kopf 5, und die Höhe 1%, der Totallänge. Kopf
stumpf. Um die Nasenlöchertube kurze Barbeln wie auf der
Unterlippe. . Laleral gerade, geht aber über dem Operkel in
einem stumpfen Winkel in die Höhe. Auf der linken Seite
ist am Kopfe die Seitenlinie mehr complicirt, was später an
den von mir gegebenen Abbildungen zu sehen ist, Die mäs-
sig grossen Augen sind durch eine concave Slirn gelrennt,
die im Durchmesser dem des unteren Auges gleich ist. Schup-
pen schmal, oblong mit 10 - 12 Stacheln und unregelmäs-
sigen Linien an den Wurzeln. Auf der blinden Seite ha-
ben die Schuppen Menleer Stacheln. In einer Querreihe ge-
D.
gen 80 Schuppen. Bade P.9, v5, C:19
Mit dieser in Indien gemeinen Art, die eine bedeutende
Grösse erreicht, sind die Arten ovalis, foliacea und ovala,
von Richardson beschrieben, zu vergleichen,
D. 65
Die Zahl der Strahlen der ovala Kar 9. C. 21 stimmt
100 Kaup:
ziemlich mit der orientalis; ebenso die Formel, welche Dr.
Cantor giebt.
Cantor giebt jedoch einen Charakter an: „The space,
which separated the eyes, is a sharp rest, which has scarcely
1, of the horizontal diameter of each eye,“ was bei keinem
Individuum der Pariser Sammlung der Fall ist.
Ebenso ist Pleur. pan Ham. verwandt. Bleeker’s So-
lea pan ist was die Radien der Brust-, Ventral- und Cau-
dalflossen betrifft, sehr von der orienlalis unterschieden.
an P. 5—7. V. 4—5. C. 12. (Leiztere? ein Druckfehler
durch Verseizung der Nummern.)
Alle diese fraglichen Arten bedürfen einer nochmaligen
strengen Revision; ich konnte sie aus Mangel an Material
nicht vornehmen.
V. Genus Eurypleura Kp.
Achiroides Blkr. *).
Euryglossae ohne Pectoralen. Nasenlöcher in zwei kur-
zen Tuben vor dem unteren Auge.
Diese Formen sind läuschend dem vorigen Geschlechte
ähnlich, alle doch sehr verschieden.
28) E. melanorhyncha Kp., Achiroides melanorhynchos
Bikr. I. p. 15.
29) E. leucorhyncha Kp., Achiroides leucorhynchos Blkr.
Alle Hauplformen dieser Genera sind mit Einzelnheiten
als Schuppen, linke Koplseile u.s. w. in meinem grösseren
Werke abgebildet. Obgleich wir bereits durch die Eurypleu-
ren zu den peclorallosen Achiren gekommen sind, so drängt
sich doch noch eine Form zwischen diese, welche Agassiz
entdeckt und Monochir genannt hat. Obgleich Cuvier die-
sen Namen für Soleen gebrauchte, bei denen die Pectoral
der rechten Seile wenig und die der linken Seite noch ge-
ringer entwickelt sind, so können diese auf den Namen Mo-
*) Ich habe den Namen geändert, weil dieseFormen näher mit
Euryglossa als mit Achiren verwandt sind, und die Namen mit oides
endigend nicht sehr zu empfehlen sind.
Uebersicht der vierten Subf. Soleinae d. Pleuronectidae. 101
nochirus keinen Anspruch machen, da sie die linke Flosse,
wenn auch sehr rudimentär, besitzen.
VI. Genus Monochirus Agass. nec Cuv.
30) Mon. maculipinnis Ag. Spix. pisc. 1.49. Squamae
tab. D.
Zeig! an den verlikalen Flossen Spuren von Poren, die
‚jedoch durch die verdeckenden Schuppen schwer zu sehen
sind. Im Totalhabitus, Färbung und Zeichnung den folgen-
den Genera ähnlich.
Es folgen nun die Genera, die auf beiden Seiten keine
Spur von Pectoralllossen und eine deutlich abgelrennte Cau-
dalflosse haben. ;
Ich trenne die amerikanischen mit ihren vertikalen
Streifen über den ganzen Körper , wie wir sie bei Monochir
sehen, von denen der allen Welt, die einfarbig oder ge-
fleckt erscheinen.
A) Gestreifte.
VIl. Genus Grammichthys Kp.
Ohne Poren an den Dorsal- und Analflossen. Vor-
deres Nasenloch rund mit einem schwach vorspringenden
Rande; hinteres in einem Schlitz der Lippe nächst dem un-
teren Auge ; Körper mit Schuppen, die transparente Stacheln
haben und am Kopfe und Unterkiefer grösser sind. Regel-
mässige Venlralflosse, zwischen diesen der Anus.
31) Gr. lineatus Kp., Ach. linealus Cuv., fasciatus Lac.,
Pleur. lineatus Linn. Sloane 346., Ach, mollis
Mitch. N.-Y. Fn. fig. 159. Nord-Amerika.
VIII Genus Gymnachirus Kp.
Ohne eine Spur von Schuppen auf Körper und Flossen.
Das vordere Nasenloch in der Lippe nächst dem Winkel des
Mundes; das zweite über diesem vor der Mitte der zwei Au-
gen. 5 Strahlen in der rechten Ventralflosse, keine linke.
32) G. nudus Kp. Vergl. später die Abbildungen, die
in meinem grösseren Werke erscheinen,
102 Kaup:
'Eiwas länger als hoch. Contur des Gesichts und des
Kinns mit Cilien. Lateral über der Mitid des Operkels hoch
und gebogen und bis zur Spilze der Schnauze reichend. Der
schleimige, braune Körper mit 14 schwarzen Querbinden, die
über die verlikalen Flossen reichen. Um die Augen irregu-
läre concentrische Ringe. Schwanzflosse INES mit
D.5
zwei schwarzen Bitiden am Anfange. Bez v. 0-5. 0. 17.
Bahia, durch das Genfer Museum nn Pariser Sammlung
geschenkl.
BJ Nicht gestreift, 'gefleckt oder einfarbig.
IX. Genüs Achirus Lac. (part.)
Am unteren Theile jedes Strahles der verlicalen Flos-
sen’eine Schleimpore. Vorderes Nasenloch in einer kurzen
Tube, hinteres als Schlitz unter dem vorderen Rande des un-
teren Auges. Fast alle Strahlen an der Spitze getheilt: Schup-
pen fast ohne Stacheln. Zwei regelmässige, Ventralilossen,
zwischen sich den Anus.
33) A. barbatus Geoff. An. du Mus. T. 1. pl. XI. Rüpp.
All. 1.31. fig. 2
Alle Strahlen der vertikalen Flossen mit kleinen Schuppen
D. 65 }
ee v5 18
34) A. pavoninus Lac. Lac. t. IV. p.660. Cant, cat,
p- 1207,
Ohne Schuppen der Strahlen über den Poren der ver-
’ D. Be 68
tikalen Flossen. 50 1:55. C. 18.
35) A. marmoralus Lac. Lac. tom. IV. p. 660.
Commerson beschreibt zuerst bei dieser Art die Po-
ren der Strahlen ‚der Dorsal-, und Analflossen , Hi später
. D.7
Rüppell, Cantor ünd Bleeker bestätigen en V.5—5
C. 18.
36) A. Thepassi Blkr, Blkr. Vi. p. 500,
Vebersicht der Herten Subf. Soleinae d.’Pleurdnectidde. 103
a ; X. Genus Aserdggodes Kp,
Achiren ohne Poren an den vertikalen Strahlen. Cau-
dal rund und bestimmt getrennt. Mehr oblonge Form.
7) A. guttulalus Kp.
‘Kopf Y,, Höhe , der Tötällänge. Augen nahe bei-
sammen. ‚Die ‚vordere Nasenlube so lang als der Diameter
des unteren Auges. Die.Laleral mit verlängerten concaven Po-
ren reicht. nicht, bis zum oberen Auge. Eine verticale Linie
über den vorderen Theil des Opereulum. In einer Querreihe
gegen 48 Schuppen. Schuppen rauh mit 6—10 Stacheln.
'Verlicale Strahlen nach hinten höher ohne Schuppen. Farbe
‚grau mit dunkleren Flecken und Strichen, namentlich auf der
Lateral, die”bis auf die Hälfte der Caudal reicht. —:
V.5—5. 0. 18.
38) Aserag. poropterus Kp., Achirus poropterus Blkr. —
1.410.
39) As. Hartzfeldi Kp., As. Hartzfeldi Blkr. IV. p. 123.
XI. Genus Heteromycteris Kp.
Mit sichelförmiger Schnauze, welche die Symphyse des
Unterkiefers bedeckt. Das vordere Nasenloch in einer Tube,
das hintere als eine runde kleine Oeffnung vor dem unteren
Auge. Auf der linken Seite ist das vordere Nasenloch
in einer erhöhten runden Tube, die am Rande
ausgebreitet und ausgezackt ist und durch einen
mit Papillen versehenen Deckel geschlossen werden kann.
Das hintere Nasenlöch in einer Blase, deren Oeffnung nach
hinten gerichtet ist.
40) H. capensis Kp.
Mit Cilien an den Lippen. Kopf 4'/,, Höhe '/, der To-
lallänge. Am Ende der Symphysis des Unterkiefers ein kur-
zer Penis in einem Ringe. Die rechte Ventral beginnt elwas
früher, als die linke. An dem letzten Strahle der linken Ven-
tral der Anus. Laterallinie relief und erreicht fast das obere
Auge. Auf der Mitte des Operculum eine gebogene Linie,
welche nicht das obere Auge überreicht. Auf der linken
te Spuren der verlicalen Linie und gegen fünf verlicale
24
2
>.
07
104 Kaup: Uebersicht der vierten Subf. Soleinae d. Pleuronectidae.
Linien, welche an dem ersten Dorsalstrahle beginnen und
durch weisse Cilien hervorgebracht sind. Farbe licht gräulich.
De aus,
Fer
Apionichthys Kp.
Eine birnförmige Gestalt mit zugespitzter Caudal; flach
auf der Augenseite , allein angeschwollen auf der unteren
Hälfte und der blinden Seite. Die sichelförmige Schnauze
bedeckt die Symphyse des Unterkiefers, der gegen 9 Ci-
lien an der Lippe zeigt. Augen klein, nur vertiefte
Punkte. In der Mitte von diesen mehr nach der
Schnauzenspitze nur ein Nasenloch in’ einer
grossen Tube, deren vorderer Rand gefranzt
ist. Die vordere rechte Ventral reicht bis zum
Kinne und ist durch eine Membran mil der Anal
verbunden. Auf der linken Seile ist die Ventral rudi-
mentär und halb so lang als die rechte; sie zeigt fast freie
Strahlen. Anus auf der linken Seile. Die verlicalen' Flossen
sind von der Caudal nicht deutlich geschieden, mehr wie
Synaptura. Auf der linken’ Seite nor ein Nasenloch am Ober-
kiefer mit .der Oeffnung auf, dem.Grunde ‚und; nach ‚hinten
gerichtet. Alle Strahlen einfach. Oeffnung des Oper-
culum bildet nur ‚einen;sehr kurzen ‚Schlitz.
Durch letzteren Charakler weicht dieses Genus von allen Ge-
nera ab.
41) A. Dumerili Kp. N
Ich nenne diese Art, wohl die merkwürdigste der gan-
zen Unterfamilie, nach meinem hochbegabten Freunde; Hrn.
Professor A. Dum&ril, als ein Zeichen meiner, Hochachtung
und Freundschaft.
ti
E
Uebersicht der Plagusinae, der fünften
Subfamilie der Pleuronectidae.
Von
. Kaum
Aus dem Subgenus Plagusia (Brown) Cuvier ist nicht
allein ein Genus, sondern eine Unterfamilie zu bilden, so
zahlreich ist diese an Arten und Genera, namentlich in den
indischen Meeren vertreten ; da diese Meere namentlich durch
Cantor und Bleeker fleissig durchforscht sind, so werden
sie später doch noch grössere Ausbeute ergeben. Wären
alle Meere nur so untersucht, so würde die Zahl der jetzt
bekannten Arten eine dreifache sein und die Zahl sich auf
100 steigern lassen. Die Beschreibungen von Dr. Cantor las-
sen nichts zu wünschen übrig; auch die von Sir Richard-
son und Dr. Bleeker sind vorlrefflich, haben aber leider
den Fehler, dass diese fleissigen und unermüdlichen Forscher
die Bildung und den Stand der Nasenlöcher anzuführen verges-
sen oder übersehen haben. Ich habe desshalb nur die Arlen
des Hrn. Dr. Bleeker in meine Genera aufgenommen, die
er der Pariser Sammlung geschenkt hat. Leider war es mir
nicht vergönnt, die Arten des indischen Archipels zu ver-
gleichen, die das reiche Museum zu Leyden besitzt. Sicher
findet sich in diesem noch eine grössere Zahl Bleeker’scher
Arlen, die, sind einmal die Bleeker’schen Sendungen gesich-
tet, noch eine grosse Ausbeute ergeben und von mir nach-
träglich beschrieben werden sollen. Kommen diese Zeilen
Hrn. Dr. Bleeker vor die Augen, so können sie vielleicht
Hrn. Dr. Bleeker selbst veranlassen, die von mir nicht un-
tersuchten Arten einer neuen Prüfung zu unterwerfen.
Von den meisten Arten habe ich in meinem grösseren
Werke, welches unter den Auspicien von Dr. J. E. Gray
und Sir Richardson erscheint, Abbildungen gegeben. Die
sinistralen Plagusien sind wesentlich von den dextralen Achi=
&
106 Kaup:
ren verschieden ; letztere können, ohne der Natur Gewalt
anzulhun, nicht von den ebenfalls dextralen Soleinae getrennt
werden, denn wir sehen allmählichen Verlust der Pectoral-
flossen bei ihnen auftrelen und sehen ein Genus Monochir
Agass., bei dem die rechle Pectoral vorhanden und die linke
fehlt. Auf jeden Fall stehen die Plagusinae auf der tiefsten
Stufe der ganzen Familie Pleuroneclidae; sie lässt sich wie
folgt bezeichnen:
Subfamilie PlIagusinae.
Sinistrale Formen ohne Brusiflossen. In dieser Un-
terfamilie sehen wir den längsten Schnabel, die complicirte-
sten Seitenlinien, zwei oder lich nur eine Ventral auftreten,
die bald eine rechte oder eine linke ist. Sämmtliche Hlos-
sen, wie Dorsal und Anal, verlaufen sich in die zugespitzie
Schwanzflosse ohne Unterbrechung.
Es finden sich Arten in allen Meeren.
I. Genus Plagiusa (part.) Bp.
Zwei normale Nasenlöcher vor dem unteren Auge. Kie-
fern gerade. Drei Seitenlinien, wovon die nächste über der
wahren Seitenlinie in einem spitzen Winkel sich mit dieser
verbindet. Keine Verlicallinie am Kopfe. Gestalt oval.
1) Pl. lactea Bp. Fn. it, Mittelmeer.
II. Genus Cantoria Kp.
“Der Sichelschnabel bedeckt nur die Symphyse des ‚Un-
terkiefers; das untere Nasenloch ist oval und ‚hat die.dop-
pelle Grösse des runden oberen, welches unter einem, Kno-
chenvorsprunge steht; zwei Seitenlinien und eine verlicale
am Kopfe, die beide verbindet. W
2) Cantoria pinangensis Kp., Plagusia polous Canl, ‚Cat.
p. 1217, 1
Wesentlich von polous Cuv, verschieden, an V zäg
C. 10. 5
Ill. Genus Aphoristia Kp. Br
Ohne alle Längs- und Vertical-Linien. Schnanze sehr
kurz !/, der Kopflänge, Kiefer fasi gerade: Oberkiefer. den
Uebersicht der fünften Subf. Plagusinae d. Pleuronectidac. 107
Unterkiefer nicht überreichend; oberes Nasenloch wie bei
Arelia zwischen den Augen.
3) A. ornala Kp., Achir. ornalus. Lac. IV. p. 659 et
663, Plag. brasiliensis Cuv. in Spix. pisces. 1.50.
Pl. tessellata Val. Hist. de Cuba. Pisc. Guich. 'p. 169.
Lac£&pede giebt dieser Art irrig eine ‚Laterallinie. In
der Jugend bunt, im Alter einfarbig.
Süd-Amerika.
IV. Genus Arelia Kp.
du
Der Sichelschnabel bedeckt nur die Symphyse des Un-
terkiefers. Unteres Nasenrloch in einer blinden Tube am Rande
der Lippe vor dem unteren Auge; oberes offen, rund, zwi-
schen beiden Augen, um einen knochigen Vorsprung. Zwei
bis drei Seitenlinien und eine verlicale am Kopfe. 'Keine Pa-
pillen am Rande der Lippen.
a) Mit zwei Bauchflossen *).
4) A. lingua Kp., Pl. lingua Cant., Cynöglossus lingua
Ham. 32, p. 365. ;
D. 157
17 V. 44.16.10. ©
b) Mit linker Bauchflosse und: zwei'Laterallinien auf
beiden Seiten.
5) A. quadrilineata Kp., Pl. quadrilineala K. etH. Bikr.
I. p. 412. Achirus bilinealus Lac. nach Dr. Blkr,
D.:102—112
A. 83-86
Zwei Laterallinien.
Eine kurze nicht sehr verlängerte Art.
V. 4—0. C. 10.
Java, Sumatra.
c) Mit einer rechten Ventral.
6) Ar. Schneideri Kp. Pleur. arel., Schn, Syst. p. 159.
Der Zwischenraum der beiden, Augen ‘gleich dem Dia-
meter des unteren Auges, zwei Seitenlinien, , Gegen 20 grosse
*) Wenn später eine grössere Zahl‘vom Arten entdeckt sein
wird, können aus den Sektionen nach der Zahl der Ventralllossen und
nach ihrer Stellung, ob rechts oder links, Subgenera gebildet wer.
den. Ich vermuthe, dass es auch Formen ohne alle Ventrallos-
sen giebt, und
108 Kaup:
Schuppen und einer verticalen und gegen 70 in der Längs-
D. 108
A.89 V.0—4. C, 11.
7) A. potous Kp., Pl. polous Cuv. Russ. t. 73.
Schnauze sehr verlängert; an der Spitze derselben ein
.132
"All
linie.
kleiner Bogen als Anhang der Längslinie des Kopfes
v.0—4. C. 1
Die Abbildung von Russell ist theilweise fehlerhaft;
der Bogen an der Spitze der Schnauze und das Nasenloch
zwischen den Augen ist jedoch angegeben.
8) A, senegalensis Kp.
Eine gerade Linie von der Mitte der Schnauze, die
nicht bis zum oberen Nasenloche reicht, Der Raum zwischen
den Augen gleich dem Diameler des unteren Auges. _Zwei
Seitenlinien. Die Dorsallinie geht bis zur Spitze des Schna-
D. 126— 130
z
bels. a oe
Kann eine Länge von 555 Mm. erreichen.
9) A. javanica Kp., Pl. jayanica K. et H. Blkr.]. p. 414.
Augen nahe.zusammen auf keinen erhöhten Sockeln; es
D. 99
ist eine kürzere Form als ‚die. folgende, Fr Vv.0-3. 0.12.
10) Ar. ceralophrysKp., Pl. ceratophrys K. et H. (Pariser
Museum), Pl. melanoptera Blkr. I. p. 415 olim Pl,
monopus.
Die kleinen Augen stehen auf zwei nahe zusammenste-
i D. 114— 118 b
henden kurzen Cylindern. ED V. 0—4. 0.8—10.
Eine sehr merkwürdige Art.
11) Ar. abbreviata Kp., Pl. abbreviala J. Gray Ill.
Ind. 'Zool.
Eine Dorsal-, Lateral- und Ventral-Linie. Operculum
schwärzlich. _—. V. 0—23. C. 10.
V. Genus Plagusia Kp.
Nur mit einem blinden Nasenloche in einer kurzen Tube
vor, dem unleren Auge. Oberkiefer sichelförmig, fast den
ganzen Unterkiefer bedeckend. Lippen mil Papillen beselzt,
Uebersicht der fünften Subf. Plagusinae d. Pleuronectidae. 109
a) Mit zwei Ventralflossen.
12) Plagusia bilineata Cuv. Russ. 74. Bl. 188. Pl. di-
pterygia- Rüpp. Atl. 31. fig.3 nach Cantor. Cant.
Cat. 1209. Plagusia Blochi. Blkr. I. p. 411.
Die Papillen der Unterlippe sehr kurz.
by Mit einer rechten Ventral.
13) Plagusia marınorata Blkr. 1. p. 411.
D. 99—104
AT Vv.0—4. C. 8-10.
c) Mit einer linken Ventral.
14) Plagusia japonica T. et Schl. Fn. jap. t. 95 (vor-
züglich).
Mit drei Seitenlinien. D., A. et C. 210. V.4—0.
Vl. Genus Trulla Kp.
Nur mit einem blinden Nasenloche in einer: kurzen
Tube vor dem unteren Auge. Oberkiefer nur die Symphyse
des Unterkiefers bedeckend. Keine Papillen an den Lippen,
a) Mit zwei Ventralflossen. j
15) Trulla grandisquamis Kp., Plag. grandisquamis Cant.
cal, p. 1214.
Mit zwei Seitenlinien.
D. 116
A.88
Raum zwischen den Augen sehr schmal. V.4-4.
c. 10.
b) Mit einer linken Ventral.
16) Trulla Cantori Kp., Pl. trulla Cant. Cat. p. 1213.
2 : 2 3. D. 109111
Mit zwei Seilenlinien. A. 50-867 V. 4—0. 0. 12.
17) Trulla capensis Kp.
. 102
Mit drei Lalerallinien, ne V. 40.0.9.
A. 76
VII. Genus lIcania Kp.
Ohne erkennbare Nasenlöcher.. Augen sehr klein und
punklförmig.
18) Ic. eynoglossa Kp., Pl. cynoglossa Cant. Cat. 1211.
Achir. cynoglossus Ham. 132. 373.
D. 100—102
TASTE V, 4—4, c. 1 0.
110 Kaup« Vebers. der fünften Subf, Plagusinae d. Pleurenectidae,
In dem Report on the Ichthyology of Ihe seas of China
and. Japan 1846. p. 280—281 sind folgende Arten meist nach
Abbildungen beschrieben, die eine nähere Revision bedürfen.
1). Plagiusa aurolimbala, 2) puncliceps, 3) nigrolabecu-
lata, (Richardson vermuthet, dass sie 3 Varietäten von einer
und derselben Art sind).
4) Pl. grammica (nach Exemplaren der Sammlung zu
Cambridge). Scheint;;eine gut zu unterscheidende Art zu
sein und ist mit ihren. zwei Ventralflossen mit Icania cyno-
glossa, Trulla grandisquamis, Pl. bilineata und Arelia lingua
zu vergleichen.
5) Pl. melampelala. (Die Beschreibung stimmt in Vie-
lem mit Ar. Schneideri überein.) i
6) Pl. favosquamis. Es wäre möglich, dass diese Art
identisch mit grandisquamis Cant. ist.
In den Jahrbüchern I—X der indisch- batavischen Ge-
sellschaft hat ausser den bereits eitirten Dr. Bleeker noch
folgende beschrieben, die näher untersucht die Grenzen mei-
ner noch an Arten armen Genera erweitern werden.
1) Plagusia brachyrhynchos I. p. 414.
2) Pl. Feldmanni V. p. 455.
3) Pl. Kopsi Il. p. 494.
4) Pl. lida I. p. 415.
5) Pl. macrolepidota I. p. 415. In der Beschreibung er-
wähnt Dr. Bleeker ein Individuum mit drei Laterallinien,
welches sicher zu einer anderen Art gehört, denn die Zahl
der Linien ist ein specifisches Kennzeichen.
6) Pl. macrorhynchos. Nach einer Zeichnung. Sind
in dieser die Barbeln der Lippen übersehen, dann gehört diese
Art zu marmorala,
7) Pl. microlepis I. p. 413.
8) Pl. oxyrhynchos 1. p. 416.
9) PI. polytaenia V. p. 529.
10) Pl. sumalrana V. p. 529.
11) Pl. Wandersi VII. p. 98.
Bemerkungen über einige Säugethiere in
geographischer und historischer Beziehung.
Von
BD: Eduard v. Martens,
‚l. Ueber und zu Blasius Naturgeschichte der Säugelhiere
Deutschlands.
Welch’ hohes Verdienst sich der Verfasser durch si-
chere Begründung der wirklichen Arten, wie durch Wider-
legung der vermeintlichen erworben hal, ist allgemein er-
kannt, und auch wir, die wir hier zunächst die geographische
Seite ‚dern Zoologie im Auge haben, fühlen uns vor Allem
gedrungen, dieses Verdienst, die Erfüllung der unerlässlichen
Vorhedingung für die Kenniniss der Verbreitung der Thiere,
dankbar hervorzuheben. Neben diesem hat der Verfasser
noch..das weilere, auf seinen Reisen das Vorkommen der
kleineren Säugelhiere, namentlich Fledermäuse, Spilzmäuse und
Nagelliiere, verfolgt und so für manche den Kreis ihrer ge-
kannten, Verbreitung wesentlich erweitert, für andere be-
slimmte Grenzen wahrscheinlich gemacht zu haben, von lelz-
teren z.B. den Harz für Vesperugo Nilssoni.
f In ersterer Beziehung mag erwäbnt werden, dass mein
Yaler vor wenigen Jahren nach den besten vorhandenen Quel-
len, allgemeinen sowohl wie Andreas Wagner’s Sup-
Pementen zu Schreber, als italienischen Kaunisten, die
Zahl, der in ltalien vorkommenden Säugelhiere zu 73, die der
in Italten fehlenden europäischen. zu 85 annahm, diese Zah-
ken nun dunch unseres, Verfassers Reisebeobachlungen einer-
seils und Identificalionen ‚andererseils sich in resp, 80. und
112 v. Martens:
73 umändern, Auffallend erscheint nur, was der Verfasser am
Schlusse der Vorrede bemerkt; durch die Ausdehnung des
Gebietes über Oberitalien, Dalmatien, Ungarn und Polen dürfte
dasselbe nicht abgerundet, sondern mit wesentlich verschie-
denen Anhängseln belastet, die Zahl der angrenzenden und
hereinragenden Arten, die allerdings in jeder Flora und Fauna
vorkommen, ungebührlich vermehrt, das Faunenbild.dadurch
getrübt werden, mit welchem Rechte gehört z. B. der Scha-
kal oder das Wallross in die deutsche Fauna ? jedenfalls ha-
ben Stachelschwein und Genellkatze, Lemming und Remnthier
dieselben Ansprüche. Wenn man überhaupt Deutschland als
einen nalürlich - geographischen Begriff auffassen will, und
nicht als eine rein politische Abgrenzung, wie etwa den preus-
sischen Staat, einschliesslich Hohenzollern, so darf man die
Alpen nicht überschreiten, muss namentlich das südlichste
Tyrol, Triest und Fiume ausschliessen, sonst erhält man stalt
der vollständigen deutschen eine unvollständige europäische
Fauna oder Flora, wie z. B. die von Koch.
Wie wenig unserem Verfasser zu einer europäischen
Fauna fehlte, zeigt sich daraus, dass die Zahl der von ihm
behandelten freilebenden Thiere zu der aller europäischen
sich verhält wie 13:17. Ein triftiger Grund zu dieser Um-
grenzung lässt sich übrigens darin finden, dass der Verfas-
ser, wie er seine Arbeit überhaupt auf Autopsie stützte, 'so
die von ihm in Dalmatien und Italien gemachten Beobachtun-
gen einreihen wollte, ohne doch genölhigt zu sein , andere
von ihm nicht näher untersuchte und beobachtete Arten’ auf
fremde Autoritäten hin aufzuführen. Doch vermisst man
ungern Aufschluss über Artgültigkeit und systemalische
Stellung von fünf weiteren ilalienischen Fledermäusen (Ves-
perlilio Savii, Arislippe, Leucippe Bonap. und Bonapartii
Savi), die elwa in der Art, wie die Steinböcke und wilden
Schafe hätten berührt werden können, ebenso über Celli’s
Mustela boccamela.
Von den 93 freien Landsäugelhieren des vorliegenden
Werkes ‚lassen sich als eigentlich centraleuropäische oder
deulsche 67 betrachten, nämlich;
19 Fledermäuse, 8 Insektenfresser, 12 Raubthiere, 23
Nager, 4 Wiederkäuer und 1 Vielhufer.
Bemerkungen über einige Säugethiere. 113
Fled. Insfr. Rbth.; Nag. Wdk. Vielh.
Von’ ihnen überschrei-
ten die Nord- u. Ost-
see nach Norden ..: 10° 6 12h Add —
Von ihnen überschrei-
ten die Alpen nach Sü-
densiw-izVaikuutsus 134-7 10a 1
Von ihnen: überschrei-
iten die Ostsee und die
Alpen zugleich . 2... 6.5 10 9,27 —
Von ihnen finden ihre
Nordgränze an Nord-
„und Ostsee ......« 6 . 1 (Croc.leucodon).. 8... —
Von ihnen finden ihre
Nordsränze innerhalb
Deutschiand ......3 1 — Di Al
Es sind dieses grossentheils Alpenthiere,, wie. Vesperugo
maurus, Sorex.alpinus, Arvicola.nivalis,,Murmelthier, Gemse
und Steinbock ; weiter nördlich, am Saum der. Berge gegen
die Ebene gränzt Rhinol. ferrum equinum ab; von Vesperli-
lio ciliatus endlich ist die Verbreitung noch zu wenig ge-
kannt.
Von jenen finden ihre Südgränze in den Alpen 5 Fled.,
1 Insfr., 2 Rbth., 3 Nag., 1 Wdk.
Es sind dieses wiederum grossentheils Alpenbewohner,
nämlich die vorhingenannten ausser der Gemse,, dazu noch
Luchs? Hermelin und Alpenhase.
Von jenen finden ihre Südoränze innerhalb Deutschland
"1 Fled., 5 Nag.
Die Fledermaus (V. Nilssonii) am Harz, 4 Nager (Ham-
‚ster, Arvicola agreslis, cämpestris, sublerraneus) in Miltel-
deutschland, und fehlen im Allgemeinen nur den alpinen und
subalpinen Gegenden bis zum Jura, der Biber, da er grös-
sere Flüsse verlangt, fehlt ursprünglich nur den Alpen. Ge-
wissermassen findet auch der veränderliche Hase in Nordost-
deutschland eine Südgränze, da er durch den grössten Theil
Deutschlands bis an die Alpen ganz fehlt.
Der centraleuropäischen Fauna fremd sind:
Archiv L Naturgesch. XXIV. Jahrg. 1. Bd, 8
114 v. Martens: |
1) Nordische Thiere: der Vielfrass, das fliegende Eichhörn-
chen und die nordische Wühlralte (Arvicola ralticeps);
hierzu kommen für die europäische Fauna noch einige
Bewohner der arktischen Zone: . Eisbär und Eisfuchs,
zwei Lemminge und das Rennthier.
2) Osteuropäische Thiere, welche theilweise in das Gebiet
Deutschlands eingreifen: Foelorius’sarmalicus und lu-
treola, Ziesel, Bobak, Myoxus dryas, Sminlhus, Spalax,
Elennthier und Bison (gegenwärlig); hiezu kommen, vom
Verf. ausgeschlossen, Myogale moschala, Canis corsac,
etwa 14 Nager und Antilope saiga, grossentheils Step-
penthiere.
3) Südeuropäische, südlich der Alpen, der Fauna Mediter-
ranea zugehörig, und zwar:
a) mehr oder weniger allgemein südeuropäisch : fünf Fle-
dermäuse (Rhin. clivosus und Euryale, Miniopterus,
Vesperugo Kuhlii, Vesperlilio Capaccinii), Talpa coeca,
Sorex suaveolens, Mus alexandrinus und Arvicola Sa-
vii, endlich der Damhirsch und, von Blasius ausge-
schlossen, das Stachelschwein ;
b) nur in Südosteuropa: der Schakal, Capra beden und,
wenn man will, Capra caucasica; hiezu noch Erinaceus
aurilus und Vespertilio ursula ;
c) nur in Italien und seinen Inseln: der Mullon; hiezu
die Boccamele, Dysopes Ceslonii und die fünf früher
genannten Fledermäuse;
d) nur in Südwesteuropa: Capra pyrenaica und hispanica ;
hiezu der Affe von Gibraltar, Myogale Pyrenaica, die
Geneltkatze, der Ichneumon, Felis pardina.
Es lassen sich für Europa überhaupt demnach 5, Haupt-
gebiete unterscheiden:
Bemerkungen über einige Säugethiere. 4115
Affen Fled. Insfr. Rbth, Nag. Wdk. Vlh. Zusam-
men
I. Die arktische Zone,
durch Eisbär und Eisfuchs
charakterisirt, enthält
Rperhaupea, - .. ......0 0 0 4 en |
eigenthmlich ....— —- — 2 11 —- 4
II. Die nordosteuropäi-
schen Waldgegenden, mit
Vielfrass und Pteromys in
die sibirische Fauna sich
fortsetzend, nach Westen
‚bis Skandinavien reichend,
Ahexhanptiary co . 2 70 010
eigenthimlich . . . . — 0 0 1 20 — 3
III. Mitteleuropa, ausser
2Fledermäusen und 2 Mäu-
‘sen nur in den Alpenthie-
‚ren ‚eigenthümliche Arten
besitzend, überhaupt 23 4
eigenthümlich . ... 03 1 4 Ver 0 9
IV. Osteuropa, in das asia-
tische Steppengebiet sich
fortsetzend, durch seine
Nager charakterisirt, über-
a en har 09 7
eigenthümlih . . .. 00 1 I ! gm
V. Das Mittelmeergebiet,
durch Schakal,Genetikatze,
Stachelschwein charakte-
o
[0]
oO
-
[22
-
[2
ra o
oO or
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-
»
m
»»
risiet, Öberbaup ... 1353 1 15 18 9 1 8
eigenthünlich .. .. 212 4 5 36 0 31
Totalsumme d.europäischn 1 30 13 21 47 14 117
Die Zahl der Arten nimmt also von Norden nach Sü-
den im Allgemeinen stelig zu; am auffallendsten ist die Zu-
nahme bei den Fledermäusen, und hier hält wohl die Indi-
viduenzahl damit gleichen Schritt. Bei den Insektenfressern
ist die Zunahme stelig, aber weniger bedeutend. Raubthiere
und Nager erreichen schon in dem zweiten Gebiet eine be-
trächtliche Höhe, nur um 1 Art weniger als in Südeuropa,
. der Vielfrass und einige Mustelen gleichen den Zuwachs durch
Schakal, Genellkalze und Ichneumon aus, der Lemming, das
Stachelschwein, auch die relalive Individuenzahl der Raub»
116 v. Martens:
thiere in Nordeuropa mag der in Südeuropa gleichkommen
oder sie gar übertreffen. Die Nagethiere zeigen weniger
von Norden nach Süden, als von Westen nach Osten eine
starke Zunahme an Arten und vielleicht auch an Individuen,
ebensowohl innerhalb Deutschland als in ganz Europa. Es
ist keine einzige sichere eigenthümliche Art westlich von
Rhein und Rhone bekannt, nur zwei Arten Deulschlands,
A. sublerraneus und campeslris, fehlen bis jelzt dessen öst-
licher Hälfte, eine aus der Mitte Südeuropas (A. Savii) dem
Osten Europas, wie viele eigenthümliche Arten aber daselbst
vorkommen, ergibt sich aus der Tabelle. Die Wiederkäuer
zeigen auch eine Zunahme der Arten von Norden nach Sü-
den, aber wohl nicht der Individuen, zumal die nördlichen
Arten im Allgemeinen weiter verbreitet 'sind,; denn.es sind
meist Bewohner der Ebene oder des Hügellandes, ‘während
in den Mittelmeerländern fast jedes höhere Gebirge durch
das Meer vom anderen gelrennt, seine eigene Art Steinbock
oder wildes Schaf mindestens beansprucht. Die Vielhufer,
als vorzugsweise tropische Thiere, treten erst in dem dritten
Gebiet mit nur Einer Art, die Affen als fast rein tropisch
nur an dem, dem affenreichen Afrika allernächsten Punkte
spurweise auf, während Fledermäuse und Inseklten(resser doch
schon in der zweiten, kräftige, weit wandernde Raubthiere,
genügsame Wiederkäuer und zähe, fruchtbare Nager bis in
die baumlose arktische Zone, wie in die baumlose Alpenre-
gion sich erstrecken.
Werfen wir zur Vergleichung noch einen Blick auf zwei
andere Thierklassen, welche ebenfalls, wie die Säugelhiere,
wesentlich an den Boden gebunden sind, Reptilien und Bin-
nenmollusken, so finden wir, dass:
I. eine eigene arklische Fauna für diese gar nicht exi-
stirt, sie ist unter den Luftthieren ein Vorrecht der warmblü-
tigen Säugelhiere und Vögel und der Alles ertragenden In-
sekten.
II. die nordosteuropäischen Waldgegenden haben unter
den Reptilien gar keine, unter den Schnecken nur etwa He-
lix Schrenckii Midd. als eigenthümliche Form aulzuweisen;
ihre Fauna s!immt in diesen Klassen ganz mit der milteleu-
ropäischen überein, nur um einiges ärmer; dieses slimmt
EEE EEE WEEREBEDE
Bemerkungen über einige Säugethiere. 117
damit überein, dass der bei den Säugethieren stärker vortre-
tende Unterschied theilweise dem Einflusse. der Kultur zu-
zuschreiben ist, welcher ja diese Thierklasse am schwersten
trifft (Elenn, Bison ; doch nicht Vielfrass, Pteromys und meh-
rere Mäuse).
III. die mitteleuropäische Fauna, zugleich Skandinavien
und Italien gegenüber, zeigt unter den Reptilien nicht. mehr
stichhaltige Eigenthümlichkeiten, als unter, den Säugethieren,
indem gerade diejenigen deutschen , welche in Italien (mit
Ausnahme der Alpen) fehlen, wie Lacerta agilis, vivipara und
Salamandra alra, auch weit. in Skandinavien hinein vorkom-
men, andererseits diejenigen, welche Deutschland vor Skan-
dinavien auszeichnen, gerade südenropäische sind. Wie die
alpinen Gemsen in. den Gebirgen Südeuropas wieder auftre-
ten,: so unter den Reptilien Pelias berus und Triton alpestris
in. den Appenninen, Salamandra atra nach Exemplaren des
Berliner Museums: sogar in Cypern, Unter. den Landschnek-
ken sind neben einer ganzen Reihe Alpenbewohner, welche
theils als Felsenbewohner den Steinböcken und Gemsen pa-
rallel gehen und wie diese in den Gebirgen Südeuropas Ver-
wandte finden, theils als Erdschnecken den Alpenmäusen
verglichen werden können , auch mehrere durch den. gröss-
ten Theil von Deutschland vorkommende, sowohl Skandina-
vien als Italien fremd, so Arion hortensis Fer,, Helix obvo-
lula, personala, circinala sive rufescens, villosa etc... Die
Schnecken erscheinen also hier mehr an die Scholle gebun-
den, als die freizügigen Wirbelthiere.
IV. eine osteuropäische, namentlich Steppenfauna exi-
stirt auch unter den Reptilien in den südrussischen Phryno-
cephalus, Eremias u. a.; Pseudopus Pallasii hat. eine ganz
ähnliche Verbreitung von Ungarn bis Südrussland, aber auch
Kleinasien und Griechenland, wie Spalax !yphlus; und wie
einige Nagelhiere von Osten her noch in das deutsche Ge-
biet hereinragen, so unter den Reptilien die Süsswasserschild-
kröte, Emys (s. Cistudo) Europaea. Unter den Mollusken
findet sich wenig entsprechendes für diese Fauna , nur elwa
die kasanische Helix atrolabiala und die Dreissena der Wolgn,
welche in neuerer Zeit durch Kanäle und Meere, ähnlich der
Wanderratte, nach Nordwesten vorgedrungen ist. Dieser
118° ) v. Martens:
Reichthum an Säugethieren und Reptilien ‘bei der Armuth
an Schnecken dürfte dadurch zu erklären sein, dass der Step-
penboden im Allgemeinen wohl manchen Säugelhieren wegen
der Leichligkeit des Umwühlens und den Reptilien wegen
der Sommerhilze zusagt, aber den Schnecken nicht wegen
der Trockenheit.
V. Südeuropas Reichthum und Mannichfaltigkeit zeigt
sich bei den wärmeliebenden Reptilien und Schnecken’ in
noch weit höherem Grade als bei den Sängethieren, und''na=
mentlich ist auch die Zunahme der Individuenzahl' bei ihnen
bedeutender. Wie zahlreiche Arten aus beiden Klassen durch
das ganze Mittelmeergebiet verbreitet sind, ist bekannt; den
südosteuropäischen Säugethieren lässt sich z. B. Emys Caspica,
Stellio vulgaris, Eryx jaculus‘, den italienischen Salaman-
drina perspicillata ünd der särdinische Phyllodaetylus Euro-
paeus, den spanischen Emys sigriz und Aınphisbaena eine=
rea an die Seite selzen, ebenso unter den Mollusken ‘dem
Schakal etwa die daälmalisch- griechische Helix secernenda
Rossm., dem Steinbock der griechischen Inseln die dortigen
Campylaeen (Helix Naxiand, lecta, pellita Fer, ete.), dem
Mouflon und der Boccamele H.Raspailii und serpentina, dem
pyrenäischen Steinbock Helix Carascalensis und Pyrenaica,
der Geneltkalze Helix lactea, Alonensis, Guallieriana ete, dem
portugiesischen Luchs Hel. Lusitaniea.. Wieviel mehr die
Schnecken ‘an den Boden gebunden sind, zeigt’ sich auch
darin, dass kleinere Inseln, z. B: die Balearen, einzelne‘ In-
seln des griechischen Archipels eigenthümliche Arten von
Schnecken, aber keine von Säugethieren und Reptilien be-
sitzen.
Das Verhältniss der südeuropäischen zu den nordeuro-
päischen, die gemeinschaftlichen beiden zugerechnet, und die
Steppenthiere den südeuropäischen, ist bei den Säugelhieren
etwa wie 2: 3, bei den Reptilien und Landschneeken wie
1.3
u in
Bemerkungen über einige Säugethiere.
119
Von den Meersäugethieren Europa’s kommen vor:
In der Nordsee allein
In der Nordsee und im
Mittelmeer, aber nicht
Eismeer . . .1% »
In der Nordsee und im
Eismeer, aber nicht
Mittelmeer .
In allen drei Gebieten 1?
Im Mittelmeer allein 1
Im,Eismeer allein . 3
Zusammen 7
also überhaupt
im Mittelmeer 2?
in der Nordsee . 3
im Eismeer . 6
Rob-
ben
0
| 0
Wall-
fische
3
1?
(D. rostratus, leucopleu-
rus, Phoc. grisea).
(D. delphis, H. microp-
terus).
(Phoca foelida, Hali-
choerus, Phocaena me-
las, orea, Bal. boops,
rostrata).
(Ph. vitulina? Phocaena
comm., Delph. tursio ?
H. rostratus, Bal. mus-
culus, Physeter.)
(Pelagius monachus,
Phocaena Rissoana ?)
(Ph. groenlandica, bar-
bata; Trichechus ; Pho-
caena lencas, Menodon
mONOCErOS , Balaena
myst. u. der von Blasius
nicht erwähnte D. co-
ronalus Freminv.
Hier zeigt sich also umgekehrt eine Zunahme nach
Norden und namentlich bei den Robben.
Noch mögen einige specielle Bemerkungen in Bezug
auf Vorkommen und Namen eine Stelle finden:
Zu S. 146 wäre eine Andeulung über Sorex Gülden-
slädlii Pall., in welcher A. Wagner Crocidura araneus ver-
muthel, erwünscht.
190 v. Martens:
S.175 wird ein „Chama“ aus Plinius‘ eitirt; in‘ der mir
zu Gebote stehenden Basler Ausg. 'in fol. steht Chaum (als
Accusaliv) und so hat vermuthlich auch Güldenstädt gelesen,
da er den Kirmyschak Felis chaus taufte, Jener Chaus und
die lupi cervarii, beide ausdrücklich als gallisch bezeichnet,
sind ohne Zweifel unser Luchs, aber der Iynx, welchen Bla-
sius ebenfalls eilirt, ist nach Plinius selbst (VIII, 21) in Ae-
thiopien zu Hause und figurirt sonst bei den Alten so häufig
als bekanntes Thier, namentlich neben 'Panthern: im Gefolge
des Bacchus,, dass man eher an eine orienlalische Art, wie
Felis caracal; zu,denken hat. Seinem Stillschweigen nach
zu. schliessen „‚scheint, Blasius auch in Unteritalien Nichts
vom Vorkommen; des, Luchses erfahren zu haben, v. Salis-
Marschlins;in seinen „Reisen durch verschiedene Provin-
zen des Königreichs Neapels, Zürich 1793. 8. p. 315, erzählt
viel von ‚demselben. ‚Er erfuhr in Pescina (Umgebungen des
Lago di Celano im, ‚Abruzzo ulteriore secundo) von Baron
Tomaselli,, einem Liebhaber der, Jagd und Landwirthschaft,
dass der Luchs, Galto,pardo genannt, im Abruzzo ulteriore
häufig vorkomme und dass der Baron selbst, einen lebend
gehalten habe. _Salis sah einen solchen auch in der Kö-
niglichen Menagerie zu Neapel, er sei kleiner als der der Al-
pen, Ohrpinsel werden ausdrücklich erwähnt, die Farbe weiss-
lich mit rolhgelben Flecken, also wie unser Alpenluchs und
nicht ‚wie Fr Borfugiesische Felis pardina. Auch Temminck
in den Monographies de mammiferes p. 107 spricht vom nea-
politanischen Luchs als ihm bekannt und zu Felis Iynx ge-
hörig, seildem hat man nichls mehr vonähmsgehört, ich habe
ihn in keinem Museum gesehen und der Direklor. der. könig-
lichen Forsten und Landeüter, Cavalier Gussone, versicherte
meinem Vater ausdrücklich, es gebe im ganzen Königreich
keinen Luchs. Die Angaben vom Vorkommen eines Luchses
(Felis spardina Temm.) in Sardinien und Sieilien. ‚beruhen auf
einer ziemlich vagen. Vermuthung.Temmincksl. c., welche
weder in früheren ‚noch in späleren :Nachrichlen Stützpunkt
oder Bestäligung (findet. 8..176 dürfte der im ‚Jahr 1846 auf
der würltembergischen. Alp erlegte Luchs zu erwähnen sein,
(5: Würlemb. nalurwiss. Jahreshefte 1846.,.p. 128.)
Zu S. 219. Der Name Putorius, von Cuvier schon, 1817
Bemerkungen über einige Säugethiere. 121
in derselben Begränzung und mit Angabe der wesentlichen
Merkmale, wenn auch 'nur als Subgenus aufgestellt‘, ist: dem
spätern Foetorius vorzuziehen; besser hätte es sich freilich
ausgenommen, nach dem Vorgange von Aldrovandi, Gesner
und Ray, den Namen Mustela dem 'Wiesel (M, vulgaris bei
Linne, bei Nizza soll es nach Mustella genannt werden) zu
lassen und die Marder Martes zu nennen.
Zu S.266..' Die ?sris des Aristoteles hist. an. IX, 9
kann nicht das Frett sein, da sie unten weiss wie das Wie-
sel genannt wird, ebenso wenig das genus Mustelarum sil-
vestre, distans magnitudine; Graeci vocant ictila bei. Pli-
nius XXIX, 16, da das Freit am: allerwenigsten den Namen
silvestre» verdient. Ersteres hat schon Celli nachgewiesen,
welcher in der Ictis seine Boecamela wieder erkennen will,
und wirklich scheint nach jenen Worten nur zwischen die-
ser und dem‘Hermelin die Wahl zu bleiben: die Angabe der
Grösse, „wie ein kleines Malteserhündchen« ist ziemlich un-
bestimmt. Wenn aber Homer seinen Helden Helme aus Ic-
tisfell gibt, so liegt der Gedanken an einen Marder hierfür zu-
nächst.
Zu $S.455. Bei einer neulichen Durchsicht von Belon’s
Observations de plusieurs singularitez en’ Grece etc. Paris
1553. 4. fand ich den Damhirsch nirgends von den griechi-
schen Inseln erwähnt, wohl aber bei Saloniki (Macedonien)
unter dem Namen plalagni (— platyceros ?). Auch» Tourne-
fort nennt ihn nicht von den: Inseln, überhaupt Niemand, so
viel mir bekannt, als Lindenmeyer (Bull. 'soe. imp.. di nat.
d. Moscou 1857) von der dem Festlande so nahen und ‚des-
sen Fauna !heilenden Insel Euboea.
Die Biegung der Hörner von Ovis orientalis' bei ‚Bla-
sius zeigt bedeutende Verschiedenheiten gegen die von Pal-
las Spieileg. XI,ö, 1, geringere die des Bezoarbockes Bila-
sius p. 485 und Pall.-l.e, fig.2. 3, wobei das schöne Exem-
plar im Berliner Museum mehr mit der Zeichnung. von. Pallas
übereinstimmt. Auch ‚die zwei Exemplare von Capra Cau-
easica des Berliner Museums, freilich ‘beide Weibchen, 'stim-
men in der Biegung „der Hörner nicht mit‘ der Zeichnung
von Blasiws-(Männchen?) , sondern apelıt mil den andern
Steinböcken überein,
122 v. Martens:
S. 471 wird Ovis musmon auch aus dem südlichen Spa-
nien erwähnt; Rosenhauer, Rossmässler und Alfred
Brehm haben nichts von ihn erfahren und letzterer vermu=-
thet wohl mit Recht, dass eine Verwechslung mit Capra hi-
spanica dieser von älteren Schriftstellern stammenden Sage
zu Grunde liege.
5.483. Belon, der den Steinbock von Candia zuerst
beschrieben und abgebildet hat (observ. 13), nennt auch um
Saloniki 'Steinböcke,, boues estains, neugriechisch-agrimia,
neben wilden Ochsen, guridia. Sollte das auch’Capra beden
sein? oder wahrscheinlicher nur: im Freien bleibende Hauszie-
gen? Gmelin eitirt sie zur Gemse,
Zu‘ S. 489. Auf das Vorkommen der Gemse‘in ‘den
Abruzzen hat del Re in seiner ausführlichen Descrizione 'to-
pografica dei reali dominii al di qua del, faro' aufmerksam
gemacht. Sie findetsich, gegenwärtig durch einen Zwischen-
raum von über 300 ital. Meilen von iliren Kameraden in den
Alpen getrennt, da, wo die Appenninen ihre bedeutendste
Höhe und damit auelv in der Flora einen alpinen ‘Charakter
erhalten, am Gran Sasso d’Ilalia, am Malese in der Provinz
Molise und noch auf den Höhen, welche die Capitanatfa vom
Prineipato ulteriore scheiden (Georg v. Martens, Italien
1I, S. 253). Auch in Dalmatien wurde die Gemse im Hoch-
gebirge bei Castelnuovo angelroffen und sie bewohnt in Menge
dieHerzegowina (Petter, Beschreibung von Dalmatien 1857):
In ‚Griecbenland kennt man sie namentlich vom Pindarus
(A: Wagner) und von Velugi (v. d. Mühle); die Angabe
jedoch, dass 'sie auf Candia (Kreta) vorkomme, bei Gmelin
syst. nat. I, p. 183, ich weiss nicht, nach welchem: Autor,
beruht vermuthlich auf Verwechselung mit Capra beden.
Zu $.518, Delphinus lursio soll auch im Mittelmeer sich
finden, übrigens bedarf dieses, wie noch mehr das Vorkom-
men von D. (Phocaena) globiceps Cuv. — melas Traill. daselbst
weiterer Bestätigung.
Zu S.277. Blasius berichtet, dass Alberlus Magnus
das Ziesel beiRegensburg beobachtet habe, und folgert dar-
aus eine fortschreitende Einschränkung seiner früher ausge-
dehnteren Verbreitung; ich kann aber die Thatsache in Alber-
tus nicht finden, sondern im Gegentheil stimmt seine Angabe
a nn
Bemerkungen über einige Säugethiere. 123
mit dem jetzigen Vorkommen überein, denn er sagt von dem-
selben lib. I], tract. I, cap. 5 (6ter Band der opera omnia,
Lugduni 1651 fol.) habilat in Austria et in Ungaria, aller-
dings folgt darauf et vocalur apud nos zizel, dass dieses
apud nos aber nicht auf die Umgegend von Regensburg spe-
ziell, sondern auf Deutschland überhaupt geht, zeigen ähn-
liche Stellen, wie bei der Gemse quae apud linguam 'nostram
genezen vocantur ; ebenso spricht er in lib. 11, tract. 1, cap.2
vom Elennthier und wilden Kühen „apud nos“, wobei aus
den folgenden Worten erhellt, dass letztere von den Alber-
tus bekannten Ländern in Slavonien und Ungarn vorkommen
und bei ersterem mindestens Confusion mit dem Rennthier
stallfindet. Niemand wird behaupten wollen, dass Regensburg
gemeint sei, wenn Alb. sagt: quidam doıesticant eum (das
Elennthier) apud nos et equitant eum, sondern eher an Lap-
pen und Samojeden denken. Albertus machte selbst Reisen
nach Oesterreich und konnte dort das Ziesel kennen lernen,
ja schon am bairischen Walde, wo es, wie man mir inMün-
chen sagle, yorkommt; Gemminger und Fahrer haben
daher auch in ihrer leider unvollständig gebliebenen Fauna
boica seinen Schädel (XIV, 2) abgebildet. Von einem: Zu-
rückgedrängiwerden kann also auf diese Angaben hin keine
Rede sein. Uebrigens muss ich gestehen, dass ich auch! die
Stelle, wo Albertus das Vorkommen des Hamsters bei Köln
bezeugen soll (Blasius S. 308) nicht gefunden habe, son-
dern ebenfalls nur die allgemeine Angabe, quod nos hame-
ster germanice vocamus. Sein Vorkommen in Würtemberg
ist auf die dem Rheinthale nächsten Gegenden des unteren
Neckars mit flachem trockenem Boden , wie um Heilbronn,
beschränkt. Jene und andere Andeutungen bei Blasius
veranlassten mich, näher anzusehen, was Albertus über-
haupt von den Säugethieren, namentlich den deutschen, unıl
deren Namen sagt.
U. Ueber die von Albertus Magnus erwähnten Land-
säugelhiere,
Albert, der Grosse genannt, Dominikaner und Bischof
zu Regensburg, Zeitgenosse Friedrichs des Zweiten, geboren
124 v. Martens:
1193, ‚gestorben 1280, ist einer der wenigen: und: vielleicht
der reichhaltigste der zoologischen Schriftsteller des! Mittel-
alters. Zwar‘ hat er auch: manche Originalbeobachlungen,
aber sein Hauptzweck war doch eine Compilation , eine Art
Handbuch der ‚menschlichen wie vergleichenden Anatomie,
Physiologie und der Zoologie nach den: Lehren . des Aristo-
teles und seiner Schule zu ‘geben, wie, er naiv genug’ selbst
am Ende seines voluminösen Werkes sagt: nee aliquis in. ‚eo
(hoc libro) potest deprehendere quod 'ego: ipse \sentiam..in,
philosophia naturali, sed quieumque dubitat, comparet: his,
quae in nostris'libris dieta sunt, dielis Peripatelicorum.et tune
reprehendat vel consenliat, me dicens seienliae ipsorum fuisse
interprelem et 'exposilorem. ‘Damals "berief: man sich‘ auf
Aristoteles ganz so, wie jetzt auf eigene Beobachtung. Den-
noch hat er manches Neue und Eigene , manches; auch von
arabischen Schriftstellern entlehnt, unter denen er" besonders:
Avicenna:oftieitirb; von abendländischen Sehriftstellern kommt
hin 'und wieder. Isidor von Sevilla‘ vor! und. ein gewisser
mir unbekannter Jorach, von welchem er übhrigeng selbst sagt:
sed isteJorach frequenter menlitur (Artikel Hyäne).. Diese
Aeusserung und Jas olt wiederholte ut dicunt, Solinus dixit
u.«dgl. ist eine‘ Entschuldigung für die zahlreichen fabelhal-:
ten Eigenschaften, welche den Thieren: beigelegt werden, und
zeigt, dass unser 'Alberlus nicht so ganz kritiklos war, wie
man ihn sich gerne vorstellt *).
Nachdem in den ein und zwanzig ersten Büchern Ban
tomie und Physiologie des Menschen und dann vergleichend
die der übrigen Thiere erörtert ist, wobei nur gelegentlich
(hauptsächlich in: Lib. Il, Tract.1l) 'einzelne'Arten spezieller
behandelt werden, gibt der Verfasser im folgenden ‚eine nach
den Anfangsbuchstaben «doch nicht ganz streng) geordnete
Aufzählung der ihm bekannten vierlüssigen Thiere, quae'sibi‘
*) So habe ich auch Pontoppidan und manche andere leicht.
gläubige Schriftsteller gefunden, als ich sie selbst zur Hand nahm,
Diejenigen, welche bekannten Autoren hlindlings nachgeschrieben und
auf ihre Namen hin als gewiss anführen, was jene nur zweifelnd an-
führten, sind es in der Regel, welche den selbst verdienten Ruf der
urtheilslosen Leichtgläubigkeit ihrem Meister zuzichen. R
Bemerkungen über einige Säugethiere. 125
generent simile, also Säugelhiere, im Gegensalze zu den ovan-
tia, wie A. die eierlegenden Thiere nennt, ein klassisches
Wort in anderer doch naheliegender Bedeutung anwendend.
Hier werden 110 Thiere aufgeführt und zu diesen kommen
in dem vierundzwanzigsten Buche über die Wasserthiere noch
‘6 weitere (Nilpferd, Robben, Wasserratte?); von denselben
sind nahezu ein Drittel einfach dem Plinius und Solinus, meist
mil Erwähnung derselben, entlehnt, natürlich gerade die son-
derbarsten und abenteuerlichsten, oft mit auffallender Aen-
derung der Orthographie (wenigstens in der von mir be-
nulzten Ausgabe: Alb. Magni de animalıbus libri XXVl.
Operum tomus VI. Lugduni 1651. fol.), z.B. iona für hyaena,
aloi für alces, chama stalt chaus (aceusaliv: ‚chaum, Plin.
VIII, 19) leutro chocha für leoerocuta, Iragelalus für trage-
laphus, eyragryllus für choerogrillus (Igel,; nicht ganz sel-
ten’ sind komische Missversländnisse, so ist z. B. aus dem
Hippodrom, in welchem der Aedil Scaurus nach Plinius ein
Nilpferd zeigte, der Name des Thieres selbst geworden clib.
XXVI) und-aus dem feuersprühenden Räuber Cacus in der
Herkulessage (Virgil. Aen. VIll, 194 fi) ein eigenthümliches
‚wildes Thier am Ufer der Tiber in Arkadien (! Reminiscenz
an den erzählenden Evander),, das von Ochsen lebt, welche
es, ofl drei Stück zugleich , am Schwanze in seine Höhle
zieht (ne qua ferent pedibus vestligia reclis, cauda in spe-
luncam tractos Virgil.); den Menschen fürchtet und flieht es
(Tum primum nostri Cacum videre limentem Turbatumque
‚oeulis; fugit ilicet ocior Euro id.); und Virgils ore vomens
ignes wird überseizt: seine Lunge enthält ein so feines und
„heisses Gift, dass es wie Feuer Alles verzehrt, womit es in
„Berührung kommt *).
Aus arabischen Quellen rühren neben ‚mehreren ganz
"unenträthselbaren Thieren der Agazel (Gazelle im Artikel
dama), der Alphee (Gepard?) und das Musquelibet (Moschus-
thier). Die Giralfe figurirt, wahrscheinlich nach verschiede-
nen Autoriläten, unter fünf verschiedenen Namen, die Hyäne
unter drei.
®) Aehnliche Missverständnisse hat Cuvier (hist nat. d. poiss, I,
p- 33) bei den Fischen nachgewiesen,
126 v. Martenst
Gründlicher und deutlicher sind Albertus Nachrichten
über deutsche Thiere, manche derselben werden überhaupt
von ihm zum erstenmal erwähnt, so der Hamster (ericelus),
das Ziesel (eitellus), ferner die beiden Marderarlen und die
Ralte, der Gartenschläfer (Myoxus nitela) und (die Haselmaus.
interessant ist, was er von den grossen Wiederkäuern
des östlichen Europas sagt: das Elennthier (equicervus, den
Namen alces kennt er nur aus Plinius und Solinus) zu deutsch
Elent, von der Figur eines Hirsches, aber höher, mil langen
Haaren auf den Schultern, lebte damals noch in grosser Menge
in ‘Slavonien (Selavia) und Ungarn gegen das Gebiet der
Kumanen «lib. Il, tract. I, cap. 2), wie auch in Preussen (ibid.
cap. 3); von dem ersteren Vorkommen ist jelzt gar nichls
mehr bekannt, in Oslpreussen ist es gegenwärlig sehr selten
geworden; die Zeilen Cäsars, der es in dem hereynischen
Wald, und des Nibelungenliedes, das es im Odenwald hausen
lässt, waren also schon vorbei *), so dass sein Vorkommen
im westlichen Deutschland in historischen Zeiten nur durch
die Urkunde Ottos I. von 943 dokumentirt wird, welche das
Jagen der Elche neben Hirschen, Rehen, Bären und Ebern
in den zum Bisthum Utrecht gehörigen Forsten der Land-
schaft Drenthe ‘untersagt. Damals standen die slavischen
Länder den Deutschen noch zu fremd gegenüber, als dass
man annehmen möchte, das Elennthier sei von dort aus in
*) ‚Caesars abenteuerlicher Bericht stammt offenbar vom Hören.
sagen über ein seinen nächsten Berichterstattern selbst unbekanntes
Thier ; das letztere, das die Donau besser kennt als den Rhein, kann
es von dort, wie den Löwen von noch weiter her, zur Verherrlichung
seines Helden nach dem Odenwald versetzt haben. Pausanias (boeo-
tica \VI) gibt auch das Elennthier unter dem graecisirten Namen «xy
(Stärke) als im Lande der Kelten einheimisch an, es sei so scheu, dass
es nur durch Umstellung in einem Umkreis von 25 Meilen! zu be-
„kommen sei; aber hieraus lässt sich nichts mit Bestimmtheit schlies-
sen, da seine Nachrichten über die Kelten selbst so unbestimmt sind,
dass sogar Brandes, der sonst die Unterscheidung der Germanen
und Kelten bei den Alten nachzuweisen sich bemüht, bei Pausanias
unentschieden lässt, ob er die Germanen zu den Kelten gerechnet habe
(Brandes, das ethnogr. Verhältniss d. Kelten und Germanen. 1857,
$. 205).
Bemerkungen über einige Säugethiere. 127
ein officielles Verzeichniss jagdbarer Thiere gekommen, das
nun überall ohne weitere Frage nach dem Vorkommen an-
gewandt wurde; aber sonderbar bleibt immer, warum Caesar
und die späteren Römer es so schlecht kennen, wenn es wirk-
lich noch am unteren Rheine zu Hause war, ja man könnte
fragen, warum das stallliche Thier in der Thiersage des Rei-
necke Fuchs nicht erscheint; übrigens kommt in derselben
auch weder Hirsch noch Eber vor, mindestens spielen sie
keine Rolle.
Was die wilden Ochsen (cboves agrestes) betrifft, so
unterscheidet schon Albertus Magnus, wie die meisten seiner
Nachfolger, deutlich zweierlei verschiedene, aber leider ver-
Jieren seine Nachrichten dadurch an Klarheit, dass er bei
beiden den Namen Wisent benutzt, und in den Stellen der
Alten seine 'Thiere nicht wieder erkennt. . Ganz deutlich trilt
die Unterscheidung in den nebeneinander stehenden Artikeln
Vesontes und Urni des zweiundzwanzigsten Buches hervor,
erslere haben eine Mähne wie Pferde, was auch lib. Il, tract. I,
cap. 2 für quoddam genus bovis agreslis erwähnt wird, sind
also die dem amerikanischen Bison ähnliche Art von Bia-
lowieza, die Urni Iragen zwei ungeheure Hörner, welche viel
Flüssigkeit fassen können, sind also die unsern zahmen Och-
sen zunächst stehende Art, Bos primigenius Cuy. Alb. setzt
aber hinzu: Urni quos nos Germanice visenl vocamus und
de his animalibus in praehabilis multa dicta sunt a nobis.
Im zweiten Buche (traet. I, cap. 2) finden wir nun wirklich
die wilden Ochsen abgehandelt, sie seien von den zahmen
verschieden, wie die wilden Schweine von den zahmen; denn
es gebe eine Art grosser, schwarzer Ochsen, welche deutsch
voesont genannt werde, so stark , dass sie Ross und Reiter
‚mit den llörnern in die Luft werfe (ventilant) und beinahe
von der Grösse eines starken Streitrosses (dexlrarius, ital.
‚destriero) ; das Profil ihres Kopfes wird ausführlich als Rams-
nase beschrieben, gegen Maul und 'Stirn ‚abfallend, in der
‘Mitte erhaben. Dieses, wie der Name deutet auf'den lithaui-
‚schen Wisent; nun folgen cornua maxima incurvala poslerius
(wohl nach hinten, was auch nur auf jenen passt) und dann
mit einem plötzlichen Sprung aus der Species in das Genus:
‚gl sunt multa genera in hoc genere. Quaedam 'enim habent
128 vi Martens:
cornua alla longa et magna (B. primigenius?), el quaedam
habent brevia spissa (kurz und dick) et forlissima (Wisent 2).
Et haee genera sunt nola apud Selavos et Ungaros el in
Alemania in ea parte ubi Scelaviam et-Ungariam atlingil, also
auch diese, wie das Elennthier nur anı«den östlichen Grenz-
gebielen Deutschlands, nicht mehr überall:bekannt; es.ist zu
bedauern, dass die Heimathsangabe gerade an dieser Stelle
steht,,'wo beide Arten zusammengeworfen scheinen, also nicht
mit Bestimmtheit auf eine oder die andere zu beziehen: ist.
Noch einmal erscheinen im zweiundzwanzigsien Buche als
eigener Arlikel die Zubrones aus den nordischen Wäldern
überhaupt, sie seien zuweilen 15 Ellen lang, ihre Hörner 3
Ellen; wieder wird ihre Schnelligkeit und Kraft gepriesen,
die Geschichte von Ross und Reiter wiederholt, ein Jäger-
geschichtehen als Jagdınelhode aufgeführt (der Jäger springt
beständig um einen dicken Baum herum, der Auerochse ihm
nach und wird dabei so. olt mit dem Jagdspiess an der Seile
verwundet, bis. er erliegt), und endlich erwähnt, “dass das
'Thier auf der Flucht seinen Unralth. von sich gibt und damit
Hund und Jäger beschadigt (inutilem reddit) , was Albertus
selbst darauf hälle bringen können, dass der Bonasus der
Alten (schon bei Aristoteles de part. an. III, 2) und der Du-
rau aus unbekannter Quelle, die er wie besondere Thiere
aufführt, dasselbe seien, und zwar der lithauische Wisent, da
der Mähne beim Bonasus ausdrücklich Erwähnung geschieht,
und hiezu passt auch der Name Zubrones. Ob in Durau da-
gegen das polnische Tur (Bos primigenius) steckt? Alb. un-
terscheidet also mehrere Arten, beschreibt aber deutlich nur
den lilhauischen Wisent, einmal unter diesem seinem deut-
schen Namen, dann nach klassischen Quellen als Bonachus ;
die Zubrones, was der polnische Name desselben Thieres ist,
und von denen er dieselben Züge erzählt, sollen dagegen
sehr grosse Hörner haben und bleiben desshalb zweifelhaft
zwischen beiden Arlen; die Urni, ebenlalls mit grossen Hör-
nern, dürften Bos primigenius sein, es bleibt aber bei der
Magerkeit der Beschreibung zweifelhaft, ob Alb. sie aus gleich-
zeiligen Nachrichten oder nur aus älteren, namentlich Cae-
sar, kannte ; dass er ihnen den deutschen Namen visent gibt und
sie doch von den vesontes unterscheidet, zeigt, wie er aus
Bemerkungen über einige Säugethiere. 129
verschiedenen Quellen schöpfte, ohne viel an ihre Vereini-
gung zu denken, und dem Leser bleibt der Gesammteindruck;
dass schon damals nur die östlichen Grenzgebiele Deutsch-
lands jene wilden Thiere beherbergten, Alberlus also wohl
mancherlei Nachrichten von ihnen halle, ohne sie doch
eigentlich näher zu kennen.
Mehrere deutsche Thiernamen kommen vielleicht zum
ersten Mal bei unserm 'Alberlus vor, so neben der eben er-
wähnten Gemse (genezon, lib. 1], tract. ID,-Hamster (hame-
ster), Ziesel (zizel), Dachs (daxus), Hermelin (erminium,
woher stammt der Name eigentlich? er klingt nicht wie ur-
sprünglich deutsch), Iltis (illibenzus) , Ratte (ratus) , Marder
(Martarus). Der Name Rangifer trilt hier auch zum ersten ‚Male
für das Rennthier- auf, und es fragt sich, ob Albertus Magnus
hier in der Etymologie „quasi 'ramifer“, (Olaus Magnus, Bi-
schof zu Upsala 1530, wiederholt dieselbe und gibt dazu
eine neue) glücklicher ist, als bei equus („dicuntur ab ae-
qualitate“) und vulpes („quasi valipes“), Ableitungen der alten
Klassiker würdig, zu einer Zeit, wo man noch keinen Be-
griff von stammverwandten Wörtern und. Laulverschiebung
halte.
Das Rennthier ist übrigens noch bei Albertus ein ziem-
lich abenteuerliches Thier, mit drei Paar Hörnern, eines da,
wo die Hörner des Hirsches (ist an sich richtig), das milt-
lere Paar breit, wie das Geweih des Damhirsches (die Ver-
gleichung ist richtig, aber es handelt sich um dasselbe Paar),
endlich auf der Stirne' ein Paar nach vorn gekehrte (sind
offenbar die ersten Aesle, die s. g. Eisspriessel, woraus der
grosse Olaus in der Verdrehung mit dem grossen Alberlus
welleifernd, ein mittleres (unpaares) Horn machte,‘ ‘Es lebt
- in nördlichen Gegenden, namentlich in Norwegen (Novergia)
und Schweden (Suevia', was. aber eigentlich :Schwaben be-
zeichnet, doch in diesem Zusammenhang nicht bedeuten kann);
auch hier slimmen also seine Angaben mit der jetzigen Ver-
breiltung und nicht mit den Sagen des hereynischen Waldes.
Wie wenig Albertus das Thier kannte, zeigt sich wieder
darin, dass es noch einmal, nach.den Angaben bei Plinius
Vlll, 52 vorkommt, wobei aber dessen Namen Tarandus in
Pyradum umgewandelt ist, und zum drilten Male wohl den
Archiv f. Naturgesch, XXIV, Jahrg. 1. Bd, 9
130 v. Martens; -
Worten lib. IL, tract, I, cap. 2 zu Grunde liegt: et quidam
domeslicant eum (equicervum das Elennihier) apud nos (!) et
equitant eum uno die tanlum quantum equilari polest equus
in tribus diebus. Reiten auf Rennthieren wird auch sonst
hie und da bei älteren Schriftstellern erwähnt, ist aber wohl
immer nur Missverständniss für Fahren, einer Zeit entspre-
chend, wo im Gegensatz zur jetzigen, Reiten eine viel all-
gemeinere Art zu reisen. war als Fahren.
Der Vielfrass, Genosse des Elennthiers in Schweden und
den Ostseeprovinzen, wird bei Alb. vermisst, was auch ge-
gen eine frühere Verbreitung in Deutschland spricht, noch
viel weniger kennt er den Eisfuchs, aber der Ruf des Eis-
bären ist bis'zu ihm gedrungen, denn er sagt im Artikel ur-
sus: est autlem aqualicus et agreslis, sed aquaticus est albus
et venatur sub aqua, sicub luter CFischolter) et castor. Es
ist dieses wohl die erste Erwähnung dieses gewaltigen Thie-
res, indem die einzige Angabe bei Alhenaeus von einem
grossen weissen Bären, den Ptolemäus Philadelphus besass,
doch gar zu unbestimmt ist.
In den 116 erwähnten Arten von Landsäugethieren las-
sen sich mit mehr oder weniger Wahrscheinlichkeit folgende
76 Arten der jetzigen Wissenschaft herausfinden, wobei ich
mib Uebergehung des minder Wesentlichen die charakleri-
stischeren Kennzeichen und Züge in Alberlus eigenen Wor-
ten beiselze.
Quadrumana.
Semnopithecus enlellus L. Simiae Indicae tolo corpore
candidae.
Cercopithecus sp. Mammonetus, animal minus quam simia;
caput: rotundum, facies homini similior quam simiis; cauda
longa et villosa; fuscum in dorso, candidum in ventre; ligatur
non in’ collo, quia hoc aeque crassum ac caput (sondern um
die Lenden, wie noch heut zu Tage die Meerkatzen); simiis
viribus impar, audacia praevalet; nascitur in Oriente, bene vi-
vit in nostris elimatibus. Der Name dürfte mit dem späteren
Maimon, vielleicht auch mit Monkey zusammenhängen. Nach
Nemnich’s Polyglottenlexieon heisst der Affe in der Sprache
der Albaneser maimuni, illyrisch maimun , walachisch mai-
Bemerkungen ‚über einige Säugethiere. 151
muki; ungarisch majom, ‚in. der 'Langue d’Oc mounino ;: in
einem venezianischen Volkslied figuriren gatti maimonii (Meer-
katzen), es. scheint sich also um ein weilverbreiletes Wort
zu handeln, wie bei kabi, Affe, xynos.
Inuus sylvanus L.?. Simiae genus quod frequentius in-
venilur etc,, est autem animal dolosum et malorum ‚motuum.
Noch 'zwei Affenarten werden aufgeführt mit speziellen
Kennzeichen, die ich nicht zu deulen vermag.
Insectivora.
Erinaceus Europaeus L. Hericius vel herinaceus (er-
steres Uebergang des lat. Namens in den ital. Riccio, den
span. erizo und franz. herisson) und Cyragrillus CxrorgöyguA-
205, d. h. 'Schweinferkel bei Suidas).
Sorex vulgaris L.? Migale (avyary nach Aristoteles
hist. an. VII, 24 ud), ferner als eine Art Maus: et est
genus (murium) rubeum brevi cauda, adutae Vbeis, quod pro-
prie sorex vocatur el est venenosum el ideo non Capilur a
musionibus (Katzen). Alb. Magnus ist wohl ‘der erste, der
das Wort Sorex auf die Spitzmaus anwandte, denn in den
Schriften der Alten kenne ich nichts, was eine solche Deu-
tung dieses Namens rechlfertigt und sein Forlleben in den
neueren Sprachen (ital. Sorze, franz. Souris) spricht dagegen.
' Sorex ardneus Schreb.? Guesseles vel roserulae vo-
canlür mures quidam, quorum stercus et pellis habent musci
odorem; est in dörso fulvus (dunkelbraun ?), in ventre albus,
in pralis habitat et super vivos et aliquando in domibus?
Der Name scheint auf das russische wychuchol (Mygale)
zu deuten, über das Vaterland wird so wenig ‘wie beim Eis-
bär etwas gesagt, desshalb muss es übrigens hoch nicht noth-
wendig ein einheimisches Thier sein.
Talpa Europaea L. Talpa.
Carnivora.
Ursus arclos L. Ursus, animal nolum, ‚fortitudinem Aal
bet in brachiis. Sunt.apud, nos nigri, et; fusci..coloris.: ‚Erste
Erwähnung des später, vielbesprochenen. Unterschiedes, ‚der
braunen und schwarzen ‚Bären.
Ursus ımarilimus, L. Ursus albus aquaticus. m
Meles taxus Pall. Daxus, animal pingue valde; Pau)
132 v. Martens:
in medio nigrum , in lateribus album etc. Die erste klare
Beschreibung des Dachses, ohne den sehr zweifelhaften roo-
x05' des Aristoteles (gener. an. Ill, 6) und den etwas siche-
reren Meles des Plinius (VIII, 58) zu nennen. Wahrschein-
lich war schon damals jenes Wort in den romanischen Spra-
chen untergegangen ‘und durch das deutsche ersetzt, wie heut
zu Tage noch im ital. tasso und span. tejon oder tasugo.
Woher kommt aber das franz. blaireau und das engl. badger?
Mustela martes L. Martari genus, abielum dictum,
multo pulcherius.
Mustela foina L; Martari genus, fagorum dietum, Nach
Alb. commiscentur sibi mutuo ambo genera. Der Name Mar-
tes kommt im Alterthum nur bei Marlial vor, welcher bekannt-
lich selbst zugibt, öfters gallische Wörler zu ‚gebrauchen.
(IV, 55 cit. Brandes, Kelten und Germanen p. 279).
Mustela putoriusL. Aliud animal quod ankalinos Graeei
vocant, Avicenna;kalim, Gallice fissan, Germaniei illibenzum
vocant; est apud nos, pullos comedens, habitat in domi-
bus. Die Namen scheinen alle entstellt, im Deutschen lässt
sich lltis erkennen, beim Griechischen möchte man an tzrig
denken,
Mustela furo L. Furo vel furunculus (also von furo,
Dieb, abgeleitet). Galliei furelrum dicunt (heut zu Tage fu-
ret, woher das deutsche Frelt), an. parvum, majus mustela,
inter album et croceum habens colorem, cuniculos ex antris
expellens.
Mustela erminea L. Erminium, quod quidam erinebi-
num vocant, hyeme candens ad instar nivis, aestate fulvum
sieut Mustelae; in extremo caudae semper nigrum; pellibus
eius decoranlur qui in vestitu gloriantur, Auch das genus
maius in Artikel Mustela mag hiehergehören.
Mustela vulgaris L. Mustelae genus minus, wovon wei-
ter nichts gesag! wird, aber die eben erwähnten Stellen zei-
gen, dass Alb. unter Mustela speziell die Wiesel versteht,
Putorius dagegen erklärt er ausdrücklich für einen Gattungs-
riamen, der Marder und Wiesel umfasse, doch ist dieses Wort
im Französischen (putois) und im Italienischen (puzzola) ge-
genwärtig Specialname des Iltis, den Liune daher mit Recht
so nannle.
Bemerkungen über einige Säugethiare. 133
Lutra vulgaris Stew. Luter, an. nolum, piscibus. vi-
vit elc.
Herpestes ichneumon L. Neomon (arabisch nems), nach
Plin, VIII, 36,
Viverra genella L. Genocha, paulo minor vulpecula;
color inter nigrum et croceum, maculis nigris; super rivos
viclum quaeril; mansuela est, nisi lacessilur. _Wabhrschein-
lich nach Isidor von Sevilla, da die Alten sie nicht erwäh-
nen. Der Name ist spanisch (gineta). Auffallend ist, dass die
Zibethkatze nicht erwähnt wird.
Canis lupus L.' Lupus, an. notum, ferox et dolosum etc.
Canis aureus L. Papio, circa Caesaream urbem Syriae
abundans, »parum vulpibus maius; ululant uno praeeunte;
quasi composilum ex lupo et vulpe; cadavera hominum de-
vorat. Wie Alb. zu den Namen kommt, der später den Pa-
vianen eigen wurde, weiss ich nicht.
Canis familiaris L. Canis. Von.Hunderassen erwähnt
Alberlus:
Leverarii, capite longo, plano, auriculis aculis relrorsum
versis, iliis strielis, qui raro aut nunquam Jlatrant, und. die
nach lib. VIII, tract. I, cap. 1 auch velires genannt: werden.
Es sind offenbar unsere Windhunde, der Name ist das fran-
zösische levrier, von lievre, Hase; das altfranzösische veltre
soll celtisch sein und dasselbe Wort mit veltragus oder ver-
tagus. Dieses bezeichnet bei den späleren Römern einen
schnellfüssigen, hasenjagenden Hund, und wurde daher von
Linne ‚sehr mil Unrecht auf das Gegentheil des Windspieles,
den Dachshund, angewendet.
Canes venalici non leverarii, auribus magnis depen-
denlibus, labro superiore longe dependente. Jagdhund, .C. f.
sagax L;, chien courant bei Buffon.
Canes qui ad aves valent, perdices circueunt. Hühner-
hunde, C. f. avicularius L., C. f. index Smith.
„ Canes ‚qui, maslini vocanlur ,„ lupis similes, von denen
es in Jib. VILL, tract. I, cap. 1 heisst, dass sie die Schafheer-
den bewachen und die Wölfe verfolgen, Schäferhunde, C. f.
domestlicus L., chien de berger Buff. Mastlinus ist offen-
' bar dasselbe Wort mit dem franz. mätin und engl. masliff,
die jelzt aber grössere und stärkere Rassen bezeichnen; eg:
134 v. Martens:
ist nach Brandes ebenfalls cellisch. Auffallend ist das Feh-
len der Pudel, welche auch die Alten nicht gekannt haben.
Dagegen erscheinen als besondere Artikel noch der Molosus,
der als furchtbares, gewalliges Thier geschildert wird, bis
die Beschreibung damit aufhört, er fürchte sich ‘vor den
Schlägen der Kinder. ‘Der Name bezieht sich ursprünglich
auf die Herkunft aus Nordgriechenland, bezeichnet also wohl
bei den Alten (z.B. Virgil georg. III, 405) den albanesischen
Hund; Linne benutzte ihn für den Bullenbeisser. Lineiscus
endlich soll der Bastard von Hund und Wölfin, ein’ sehr bö-
ses Thier, sein; der Name, jedenfalls eher von Avz0g, Wolf,
als von Iynx, Luchs, stammend, Eigenname eines Hundes bei
alten Schriftstellern, z.B. Ovid metamorph. Il, 220, ist wohl
von Alberlus missverstanden.
Canis vulpes L; ' Vulpes. Hier figuriren die bekannten
Geschichten, wie er die Flöhe los wird., auf Autorität des
schon erwähnten 'Jorach', ferner wie er den Dachs aus sei-
ner Höhle treibt und sich todt stell, um Vögel zu fangen.
Auffallend ist, dass Alb!"lib.' VIII, tract. II, cap. 2’ das Thier
galian für den Fuchs 'erklärt, 'welches er im zwei- und zwän-
zigsten Buch als eigenes‘, in Höhlen lebendes, Mäuse und
Schlangen fressendes Thier 'schildert. ‘Der Name iss an
das griechische yaAy, Wiesel.
Canis pielüs Tem.? Lauzani, ein sehr wildes Thier,
das alle Thiere "und namentlich Raublhiere' verfolge, selbst
den Löwen in’Schrecken selze, den Menschen vor allen hasse,
aber Seinesgleichen verschone. Der erste Zug "erinnert leb-
haft an die vom Capuciner Zuechelli geschilderlen Mebbie
in Congo, welche’ sehaarenweise erscheinen und alle Raub-
thiere verlilgen ‚sollen ; 'Oken hält diese für den Hyänenhund;
auch Thunberg erzählt von letzterem, dass er rudelweise reis-
sende Thiere jage.’ Der Name klingt übrigens wenig Örien-
talisch und erinnert vön'ferne an- den Luchs; im-Litthaui-
schen soll ein ähnlicher Name für ein vom Luchse’verschie-
denes fabelhaftes Thier noch im Munde des Volkes leben.
Hyaena striala Zimmerm. Ilona, Lacta und Zillius. "In
allen drei Arlikeln wirdals charakteristisch erwähnt, dass 'sie
Menschenleichen fresse‘, im ersten undHriflen auch die alte
Sage, dass sie Menschen und Hunde durch Nachahmung ihrer
ww
Bemerkungen über einige Säugethiere. 135
Stimme an sich locke, um sie dann aufzufressen. Der Ar-
tikel Jona (—Hyaena) scheint hauptsächlich aus den Alten
geschöpft, der Name Zillius erinnert an den neugriechischen
des Schakals, skilachi, vom alten oxvAaS, junger Hund; noch
näher liegt die Form oxvArov, welche aber die Alten nur für
Haifische (Scyllium canicula und catulus) anwenden.
Felis leo L. Leo. Alb. unterscheidet dreierlci Löwen:
breves et mullum hirsuti in collo et hi sunt imbecilles; gra-
ciles, de leopardis quasi composili et hi sunt timidi; et sunt
longi et hi sunt fortes. Hienach lassen sie sich wohl schwer-
lich eintheilen.
Felis tigris L. Tigris. Die Worte nigri coloris, fulvis
virgulis quasi undati zeigen, dass Alb. den ächten Tiger meint.
Die Vaterlandsangabe Hyrcanien (am südlichen Ufer des kas-
pischen Meeres) und die Erzählung vom Fange der Jungen
weisen auf Plinius VIII, 25 zurück.
Felis pardus L. Leopardus, Pardus, Panthera. ' Hier
herrscht grosse Unklarheit; dass Panthera hieher gehört, ;zei-
gen die Worte maculositas orbiculala, ebenso für Leopardus
„rufus est nigris maculis interposilis.“ Von diesem sagt Alb.
leopardum quidam eandem;specie bestiam vocant cum pardo,
licet diversa sit et consimilis, quia leopardus componilur ex
leaena et pardo (Reminiscenz an Julius Capitolinus, der ihn
zum Baslard von Beiden macht, Alb. scheint nur eine Aehn-
lichkeit ausdrücken zu wollen). Vom. Pardus selbst erfährt
man nur, dass er häufig. in Afrika sei, Vögel fange und der
panthera ähnlich sei; es bleibt nichts übrig, als ilm: für das-
selbe Thier zu nehmen und den Umstand, dass er besonders
aufgeführt wird, auf Rechnung des Schöpfens aus verschie-
denen Quellen zu bringen. Der n«odalız des Aristoteles
mit,seinen Mährchen von dem Kraut Pardalianches und vom
stercus humanum wird hier und lib. VIII, tract. 2 (zu ferda-
lia entstellt und selbst zu vehed in lib, Al, tract. I, cap. 4)
nieht mit pardus, sondern mit leopardus identifizirt und für
den Leoparden als weitere Autorität Avicenna angeführt, der
ihn von Wölfen verfolgt werden lässt, vielleicht falsche Deu-
lung der Beobachlung, dass sich Schakale sammeln, um ‚seine
Beute zu theilen. Wenn endlich von zalmen ‚Leoparden die
136 v. Martens:
Rede: ist, welche wilde Thiere jagen, aber nicht weit ver-
folgen, so ist damit wohl die folgende Art ‚gemeint:
Felis jubala Erxleben. Alphec arabice, gallice et ger-
manice leuncia, natum ex leone et leopardo (!), aliquando
domesticalur’ad venandum. Aus dem. Worte leuncia, das bei
Alb. also.den Jagdpanther bezeichnet, ist späler Unze ge-
wörden; Buffons once, Felis uncia, Erxleben ist der Irbis von
Ehrenberg, Linne hat gar diesen Namen als F, onca auf den
amerikanischen Jaguar,. Schreber auf den Ozelot übertragen.
Felis catus L. Musio agreslis; s. die folgende.
Felis domestica Briss. Musio (Mauser) est animal no-
tum, quod murilegum quidam, alii catum a capiendo vel astu-
tia vocanl; mures laedit, quos carbunculosis oculis nocle con-
templatur et in anlris tenebrosis conspicit. Tempore luxu-
riae quaerit solitudinem et ideo sylvestris tunc elficitur, quasi
verccundelur. Mundiliem diligit et ideo lambendo pedes prio-
res loturam imitalur faciei, lolum eliam pellem lambendo com-
planat. " Gaudet hoc animal leniter tractari manibus hominum
et lusivum est praecipue in iuventute et formam suam in spe-
eulo aspiciens ludit ad eam. Loca consuela diligit; auribus
abscissis facilius domi tenelur. Est aulem agreslis et dume-
slicus; et omnis agreslis grisei est’ coloris, domeslicus autem
diversorum est colorum. ‘ Granones (Grannen — Barlhaare)
habet circa os, quibus abseissis perdit audaciam. In der That
eine hübsche Schilderung der Katze. Unter dem Arlikel Cat-
tus dagegen erfährt man nicht viel und unter Felis, oder wie
Alb. schreibt, Fela nur einen Auszug aus Plinius, wonach das
Thier in Höhlen leben soll; „stercus humo operil“ spricht für
die Katze.
Felis Iynx L. Linx, animal notum, perspicax oculis, in
collo varium fere omnis coloris, hyeme hirsutum, aestato quasi
nudum. Letzteres ist eine arge Uebertreibung. Warum er
nur am Hals buntfarbig genannt wird, ist auch nicht klar,
man sieht, der Luchs war dem Verf. nicht so sehr bekannt. Zum
zweitenmal wird er aufgeführt als Chama, qui et rufinus vo-
ealur, in Aelhiopia, lupi figura, maculis albis;; Judis apta, 'of-
fenbar nach Plinius VIII, 28, wo in unsern Ausgaben die Na-
men chaus und rhaphius lauten, und als Valerland ausdrück-
lich "Gallien -genennt ist. Aethiopien hat sich aus Plinius
Bemerkungen über einige Säugethiere. 137
VIIL, 30 eingeschlichen, wo von Lynces und Sphinges die
Rede ‚und vermuthlich Felis ccaracal, chaus oder caligata ge-
meint ist.
Phoca monachus”Herm. Helcus est vitulus marinus elec.
dib. XXIV) hauptsächlich nach. den Angaben der Alten; der
Name unklar.
Foca, animal fortissimum, foeminas suas interficit elc.
ebenfalls unklar (lib, XXIV).
Rosores.
Seiurus vulgaris L. Pirolus, alio nomine spiriolus, in
Germania rubeum anliguum animal, nigrum primo anno, in
Polonia ruborem miscel e griseo, in Tusciae parte tolum gri-
seum. A vario non differt nisi secundum locum.
Varius, ut iam diximus anle, de genere piroli, in ventre
alba, in dorso grisei sive cinerei et delectabilis coloris. Al-
berlus kennt also die verschiedenen Farbenvarieläten, und
das häufigere Vorkommen der grauen im Nordosten; unrich-
tig ist, dass die schwarze Jugendkleid ist, und von dem Vor-
kommen der grauen in Toscana ist mir nichts bekannt. Der
obige Name ist offenbar entstellt aus einem miltelalterlichen
Wort, das dem englischen Squirrel, dem französischen Ecu-
reuil, dem italienischen Schirato und dem portugiesischen
esquilo entspricht, etwa Squirolus, ein Diminuliv des lalein.
Seiurus. Auffallend bleibt, dass Alb. weder diesen klassischen
Namen, obgleich er ihn bei Plin. VIII, 55 finden konnte, noch
den sonderbaren deutschen Eichhorn nennt, von dem es mir
wahrscheinlich ist, dass er durch Missverständniss aus dem
französischen &cureuil entstanden ist und so als s. g. ver-
bum quasimodogenilum die neue Bedeutung untergelegt er-
hielt; Prof. Jakob Grimm halte die Freundlichkeit, auf
meine Anfrage diese Vermutliung. zu besläligen.
Spermophilus citillus L. Citellus und in Lib. Il, Tract. I,
cap. 5 mus quidam vocalur apud nos zizel, beidemale durch
Mangel der äusseren Ohren und kaninchenähnliches Haar be-
zeichnel, vgl. oben. Abgesehen von der oberflächlichen Er-
wähnung unseres Thieres bei Aristoteles hist. an. VII, 17
138 v. Martens:
und IX, 48, auch Plin. VIII, 55 als Mus ponticus, welche Al-
berlus nicht nennt, ist dieses die erste Charakterisirung des
Ziesels..
Arctomys marmota L. Emptra, ut quidam dicunt, ani-
mal parvulum in Germania; cibos (foenum) congregat in ae-
slale, quibus vivat in hyeme, et hos cibos per cumulos in
terra recondunt. Hoc animal est, ‘quod murem montanum
quidam vocant, nec invenilur nisi in monlibus, et est maior
(quam) mus qui visus est in terra nostra. Hier ebenfalls,
statt des Mährchens von Plin. VII], 55 eine unabhängige und
bessere Schilderung des Murmellhiers, nur dient das einge-
tragene Heu nicht zur Nahrung, sondern als Streu. Wohl
die erste Erwähnung des Namens mus montanus oder ilal.
Mure montano, woraus marmola geworden sein soll. Woher
Alb. das Wort Emptira hal, ist räthıselhaft, Pallas hat spä-
ter dasselbe gräcisirt (empelra, £uneroos auf Felsen) einem
nordamerikanischen Murmelthiere gegeben, das nicht auf
Felsen lebt. Sollte das wirklich die ursprüngliche Bedeu-
tung, das Wort also eine von irgend einem miltelalterlichen
Philologen aufgebrachte, Ueberselzung von (mus) montanus
sein ?
Myoxus ‚glis L. Glis animal est noltum et colore varium,
in dorso griseum, in ventre album; tolahyeme dormit et in
dormiendo (2?) pinguescil; ideo versus Bo@miam et Carin-
thiam in aulumno ruslici in sylyis cellaria parant et in his
se collocant illa animalia in numero permaximo et ad esum
hominum colligunlur. Eine Methode, die auch in Italien jelzt
noch im Gebrauch ist. Der Name glis, gliris ist altrömisch
und Stammwort des franz. loir, wie des ital. ghiro und des
span. liron.
Myoxus quereinus L. (nitela Schreb.). Et est: ‚genus
muris in arboribus/habitans, fuscum, nigris in facie maculis.
Der Namen nitela (Plin. VIII, 82) oder nitedula (Horat. satyr.
I, 7, 29) kennt Alb. nicht, auch scheint er sich in keiner
Sprache erhalten zu haben.
Myoxus avellanarius L. Et est genus muris corilinum
(von corylus, Haselstaude), quod comedit avellanas, et hoc
est rubeum cauda villosa: Erste Erwähnung der Haselmaus.
ns
Bemerkungen über einige Säugethiere. 139
Cricetus frumentarius Pall. Cricetus, ut dicunt quidam,
in terra habitat; capite vario, dorso rubeo; hoc est animal,
quod nos hamester germanice vocamus. Erste Erwähnung
des Thieres, seines wendischen (krietsch) und deutschen
Namens,
Mus rattus L. Est autem magnum (genns muris) quod
nos rallum vocamus. Erste Erwähnung der Ralte, die den
Alten noch unbekannt blieb.
Mus musculus L. Muris genus domesticum, in horreis
et in domibus habitans, et est nigrum et parvulum.
Mus agrarius Pall. Animal (e genere muris) agreste in
agris in lerra habitans et est duorum colorum, rubrum et
nigrum. Auffallend, dass diese Art, woran die Erwähnung
der schwarzen Farbe nicht zweifeln lässt, und nicht M. syl-
valicus als erste Art der Mäuse genannt wird. Nach Bla-
sius kommt M. agrarius in Franken vor. Alb. spricht noch
von vielen anderen Arten, ohne sie näher zu charakterisi-
ren, man kann sich also darunter verschiedene Feldmäuse
denken.
Arvicola amphibius L.?? Mus marinus, exit de aqua,
im ‚vierundzwanzigsten Buch unter den Wasserthieren.
Castor fiber L. Castor, pedibus anserinis; dentibus de-
iicit salis mensuralae quanlitalis arbores et casas construit
in ripis aquae bicameratas veltricameratas, ul crescente aqua
ascendat vel descendat. Caro abominabilis, Wiederum eine
bessere Beschreibung stalt des albernen, durch den Namen
begünstigten Mährchens der Alten (castor a casirando), das
Alb. ausdrücklich verwirft, aber leider keine spezielle An-.
gabe über Vorkommen und Häufigkeit; er mag. die. Spuren
seines ‚Gebisses selbst am Ufer der Donau beobachtet haben.
Hysirix crislata L. Istrix est animal, quod vulgariter
poreus spinosus vocalur; iuxta marina habilat et aliquando
in monlibus. Latet aeslale, procedit hyeme e contrario mullis
animalibus. Während Plin, dieses Thier nur als ausländisch
und mit griechischem Namen. kennt, deutet die Erwähnung
des italienischen, noch jetzt üblichen Namens porco spin (wo-
her porc-6pic, Stachelschwein) und das nicht den Alten ent-
lehnte Detail darauf, dass dieses Thier damals schon in Tla-
140 v. Martens:
lien lebte. Leider gibt er keinen nähern Aufschluss, sowenig
als der alte Claudian, der doch ein eigenes Gedicht von 48
Zeilen über dieses Thier schrieb. Die Zeitbestimmung des
Winterschlafs, unserem Verfasser selbst auffällig, und den
Angaben der Alten (Aristot. hist. an. VI, 30) und Neuen wi-
dersprechend, könnte auf Missverständniss beruhen.
Lepus timidus L. Lepus notum est animal, celeritate
ingens, montem melius scandit quam descendit elc.
Lepus variabilis Pall. Lepores in terris valde frigidis
albi sunt, sicut in alpibus; in aliis quidam albescunt hyeme.
Dass die Hasen auf den Alpen im Winter weiss werden, weiss
schon Plin. VIll, 81; falls aber unter den sehr kalten Län-
dern nordische zu verstehen sind, das sicul also sowie und
nicht z. B. bedeutet, wofür andere Stellen sprechen, so fln-
det sich hier die erste Erwähnung der: nordischen veränder-
lichen Hasen. Ein Missversländniss aber und nicht, einmal
durch Plinius zu entschuldigen, ist es, ihnen die weisswer-
denden entgegenzuselzen, denn vom hochnordischen L. gla-
cialis wusste Alb. wohl noch nichts.
Lepus euniculus L. Cuniculus animal minus lepore, sed
forlius (2); in anlris habilat, vineis est infestum. Cuniculus
ist bekanntlich schon sein Name bei den Römern (Varro,
Plin.), woraus unser deutsches Kaninchen und das italienische
coniglio, span. cone jo, portug. coelho, während däs franzö-
sische lapin auf lepus zurückweisl,
Pachyderma.
Elephas (Indicus). Elephas.
Nur verworrene Andeu-
tungen dieses Thiers fin-
den sich in den Arlikeln:
Rhinoceros Indicus Cuv.?
Africanus Cuy.?
Monoceronem vocant animal ex mullis composilum,
equino corpore, elephantinis pedibus, capite cervino, in media
fronte cornu gestans longitudinis4 pedum; vix vivum in ho-
minum polestalem venitl; vinei enim se videns oceidit furore
se ipsum,
IS Wkas,
=
Bemerkungen über einige Säugethiere. 141
Unicornis animal, quod Pompeius ludis Romae exhibe-
bat (nach Plinius VIII, 29).
Eale Solinus dieit bestiam esse ut equus, colore nigro,
maxilla ut aper, cornua longiora quam cubitus quae non ri-
gent, sed moventur a radicibus, was auch später von Manchen
beim Rhinoceros behauptet wurde (Plin. VII, 30).
Hippopolamus amphibius L. Auch hierüber sind Alb.
Angaben unklar, und zwar finden sie sich in Lib.XXIV un-
ter den Wasserlhieren:
Equus Nili, animal de genere et nalura crocodili ()).
Unter demselben Namen in Lib. II, tract. I, cap. 4 erwähnt.
Equus fluvialilis (Lib. XXIV) ist offenbar dasselbe.
Hipodromus (ibid.) mit längerer Beschreibung, nach
Plinius VIII, 39.
Sus scrofa L. Aper sylvestris et domesticus. Alb. be-
hauptet, dass es zuweilen auch gehörnte Eber gebe.
Equus caballus L. Equus. Sehr vieles über die Krank-
heilen des Pferdes.
Equus asinus L. Asinus, animal notum, turpe. Onager
sive Asinus sylvestris nach den Angaben der Alten.
Ruminantia.
Camelus, quidam unum, qui-
dam duos gibbos habent
(Lib. Il, tract. I, cap. 2).
Moschus moschifer L. Musquelibet, animal Orienlis,
magnitudine capriolae. Der Drüsensack wird als Geschwür
(apostema), das Sekret als Eiter oder Jauche (sanies) aufge-
fasst, als Aulorilät ein gewisser Platearius angeführt,
Camelus dromedarius L.
Baclrianus L.
Cervus alcesL. Equicervus, schon oben erörtert.
Alches nach Solin (und Plin. VIII, 16)
Aloi nach Caes. VI, 26 u. Plin. ibid.
Cervus larandus L. Rangifer.
Pyradum nach Plin. [ebenfalls schon
Equicervus z. 'Th. (ob. besprochen
lib. II, tract, I, c,2
142 v. Martens:
Cervus elaphus L. Cervus, animal notum.
Cervus dama L. Damma, magnitudino capriae; cornua
plana. Der Zusatz: arabice vocalur agazel betrifft aber die
Gazelle, Antilope dorcas. i
Cervus capreolus L. Capriolus, cornibus specie cervi;
vocem venator imitalur sibilo folii, ett.
Camelopardalis giraffa L. Anabula, arabice et italice
seraph. (Plin, VIII, 27 nennt sie nabun). Camelopardalis Ae-
thiopum. Oraflus, arabice scolter! (beides wohl Verstüm-
melung von Giraffe); nirgends deutlich beschrieben,
Antilope dorcas L. Agazel s. dama.
? Calopus, an. juxta Euphralen.
Anlilope piela Pall. Equicervus est duorum generum,,
Solinus dieit esse animal Orienlis et Graeciae, jubalum elc.
Dieses hat Solin wieder aus Arisloteles hist. an. II, 1. Dass
er in Griechenland vorkomme, ist Missversländniss; Aristole-
les sagt &v Aoaywrzaıs, das ist das heutige Kandahar in Af-
ganistan. Dieselbe Stelle, von Plinius VIII, 50 entstellt und
Hippelaphus in Tragelaphus umgewandelt, wie Schneider (Eelo-
gae physicae Il, p. 18) vermuthet, liegt dem Tragefalus (sic!)
des Albertus zu Grunde; Plinius lässt ihn aber am Phasis
wohnen und Alb. entstellt dieses wiederum zu regio quae
Falsida vocalur; ferner scheint er nur aus der Aehnlichkeit
mit dem Hirsch, die bei Plinius im Allgemeinen, bei Aristo-
teles nur in Bezug auf die Grösse erwähnt ist, „Cornua ra-
mosa“ erschlossen zu haben. Die Worte Pectus villosum
(bei, Plinius armi, bei Aristoteles akromia) verleitete wieder
Spätere, den Namen auf das wilde Schaf des Atlas zu über-
tragen.
Capella rupicapra L. Capra montana sylvestris, quae
apud linguam nostram genezon vocanlur, habent cornua’sicut
uncus. Abgesehen von Aelians »suw@s die erste Erwähnung
des Namens Gemse, der im ilal. camozza, im franz. chamois
und im span. camurga wiederkehrt.
Capra ibex L. Ibex, genus capri, in alpibus Aleman-
niae abundans (jeizt nicht mehr), vaslis valde cornibus, ita
ut cadens de rupibus ‚tolum corpus cornibus excipiat (altes
Bemerkungen über einige Säugethiere, 143
Jägermährchen). Cum ulterius scandere ante venalorem non
valet, aliquando redit et: venatorum deiicere nilitur, sed pe-
ritus venalor cruribus divaricalis dorso eius insilit et cornua
manibus apprehendit et sic aliquando de rupibus depositus
evadil (ist ein kühnes Voltigirstückchen). Der Name Stein-
bock scheint alt zu sein, i-bex ist vielleicht dasselbe Wort
latinisirt, wie das heutige italienische stambeeco; das fran-
zösische bouquetin, noch bei Belon bouc-estain geschrieben,
ist dasselbe umgesetzt, rupicapra vielleicht eine Ueberselzung
davon.
Capra hircus, Caper et capra, nola animalia, in mon-
lanis magis pascuis valent etc.
Ovis aries L. Ovis an. nolum.
Bos laurus. Bos eommunis.
Taurus, an. notum.
Bos urus s. primigenius. Urni
— bison L. Vesontes
? Zubrones oben be-
?Durau sprochen.
Bonachus (nach
Solin)
Bos bubalus L. Bubalus, animal nigrum ; cornua parva.
Circulo posito in naribus circumlert(ur) et trahit ad vices
duorum equorum pondera und lib. Il, tract. I, cap. 3 animal,
quod in Romana lingua et nostra bufletus vocalur; iratus
mergit se in aqua usque ad os; das Ihut er wohl weniger
aus Zorn, als um sich abzukühlen. Hier bezeichnet also das
Wort bubalus wie bei Paulus Diaconus mit Bestimmtheit das
noch so genannte Thier, das unlerdessen (zur Longobarden-
zeit) in Italien eingeführt worden war*), während die Alten
damit sehr wahrscheinlich eine Antilope (A. bubalis L.?)
bezeichneten, wie aus der Zusammenstellung mit Reh und
Gazelle bei Aristoteles (hist. an. 111, 6 und de part. an. Ill, 2)
und aus der Heimalsangabe in Nordafrika (Herodot. IV, 192.
Plin. VII, 15) sich ergibt.
®) Auch bei Avicenna (anim, lib. III.) bezeichnet bufalus den
zahmen Büffel, da von der Milch die Rede ist,
14 v. Martens: Bemerkungen über einige Säugethiere.
Bos grunniens Pall.? Enchiros, animal Orientis magni-
iudine tauri; longi erines descendentes ad duas spalularum
(scapularum) partes, molliores pilis equinis. Color nigricans.
Pili in aliis membris Janae assimilanlur. Cornua ad interius
flexa. Vox tauri. Cauda brevis respeclu corporis. Die zwei
letzteren Angaben passen allerdings gar nicht auf Bos grun-
niens, aber doch kann ich der wollenähnlichen Haare und
der Heimath im Orient wegen mich nicht entschliessen, dieses
Thier räthselhaften Namens für einen vierten Doppelgänger
des Wisent zu nehmen.
Eine Anzahl ganz zweifelhafter Thiere ist hier übergan-
gen. Unter denselben dürften das Marintomorion und Man-
ticora, an Avicenna’s boritus (animal. lib. I, fol.3) und Man-
tichora des Ctesias (Plin. VIII, 30) sich anlehnend, mit drei
Zahnreihen, Stachelschwanz und abenteuerlichen Stimmen, auf
poetischen Beschreibungen oder vielmehr Umschreibungen
des Löwen beruhen. An derselben Stelle beschreibt Avi-
cenna (+ 1036) den Tiger deutlich unter dem Namen alba-
bar, was Brandt in seiner Literaturgeschichte dieses Thiers
(Mem. ac. Petersb. VIll, 1856) nicht erwähnt,
Ueber einige Velutina- Arten.
Von
Dr. Eduärd v. Martens,
Hierzu Taf IV. Fig. 1—3.
Das Zoologische Museum zu Berlin besitzt vier Arten
der Schneckengattung Velulina, von denen drei eine nähere
Besprechung verdienen dürften.
I) In den Nov. Acta Acadeım. imp. scient. Petropoli-
tanae Band Il. für das Jahr 1784, aber erst 1788 erschie-
nen, hat Pallas neben anderen Meerthieren eine Helix co-
riacea von den kurilischen Inseln beschrieben und Taf. 7.
Fig. 31—33 abgebildet, welche seitdem, wie es scheint, nicht
wieder gefunden wurde und daher von den systemalischen
Schriftstellern theils übergangen, Iheils (z. B. Gmelin) nur
mit den Worten des Entdeckers angeführt wurde. Selbst in
Petersburg ist sie nicht vorhanden, wie v. Middendorf in
seinen Beilrägen zur Malacozoologia Rossica ll, p. 106 (Mem.
d. l. soc. imp. d. sciences d. St. Petersbourg, VI. Serie, tom.
VI, 1849) bezeugt, derselbe beschreibt sie daher auch nur
nach Pallas, vergleicht sie aber richtig mit den Velutinen
und führt sie als solche, Velutina coriacea, auf. Im Königl.
zoologischen Museum zu Berlin findet sich nun seit lange und
nach des verstorbenen Direktors, Prof. Lichtenstein, münd-
licher Mittheilung aus den Händen von Pallas selbst stam-
mend, übrigens ohne Fundortsangabe und nur mit einem hier
lieber nicht zu erwähnenden Gallungsnamen bezeichnet, eine
Schale, welche zu der Beschreibung der Hel. coriacea voll-
ständig passt und daher wohl als das Originalexemplar der-
selben zu betrachten ist. S. Taf. IV. Fig. 1.
Dieselbe hat die Gestalt einer kolossalen Velulina , wie
Archiv f. Naturgesch. XXIV. Jahrg. 1. Bd. 10
146 v. Martens:
die beigefügte Abbildung zeigt, oder, wenn man nur auf den
Umriss sieht, diejenige der Concholepas, denn das Gewinde
ist sehr klein und liegt tiefer als der obere Rand der Mund-
öffnung, so dass es in einer Seitenansicht gar nicht sichlbar
wird. Die ganze Schale besteht nur aus 2'/), Windungen,
der Durchmesser der vorlelzien (von der Anheflung des
obern Mündungsrandes an gemessen) beträgt nur 5 Millimeter
und verhält sich zu dem der folgenden wie 1:10. Die senk-
rechl-ovale Mündung nimmt den grössten Theil der Schale
ein, ihr Rand ist scharf und gerade, der Columellarrand biegt
sich an der Stelle des Gewindes etwas um, ohne sich dicht
an dasselbe anzulegen und springt unterhalb desselben in
einem schwach convexen Bogen vor. Das Eigenthümlichste
ist aber die Consistenz der Schale, die erste und die obere
Hälfte der zweiten Windung zeigen eine kalkige feste Grund-
lage mit unregelmässigen Anwachsstreifen und elwas slär-
keren, breiten, rundrückigen, ungleichmässigen Spiralslreifen ;
diese wird bedeckt von einer durchscheinenden, hellbrau-
nen, etwa %, Millimeter dicken Epidermis, welche die Sculp-
tur durchscheinen lässt und im trockenen Zustande leicht
abspringt, '!heilweise daher schon verloren gegangen ist. Der
übrige Theil der letzten Windung, über ®/, der Schalenfläche,
wird nur von dieser mehr knorpel- als hornarlig zu nennen-
den Schichte gebildet, dieselbe hat hier die Dicke eines hal-
ben Millimeters, ist durchscheinend gelbbraun, bei aufallen-
dem Licht kastanienbraun und mit Ausnahme unregelmässiger
schwacher Anwachsstreifen ohne alle Sculptur ; im trockenen
Zustand ist sie spröde, befeuchtet biegsam; beim Trocknen
schrumpft sie zusammen, so dass sie einestheils sich nach
innen umbiegt und faltig wird (darauf scheinen die Worte
rugis'annolinis imbricata bei Pallas sich zu beziehen), an-
drerseits leicht Sprünge und Risse bekommt. Ein solcher
Riss’ gerade an der Grenze der Kalkschale, welche dem Ein-
schrumpfen Widerstand leistete, verhindert die natürliche Be-
schaffenheit dieser Gränze zu erkennen, sie bildet hier eine
unregelmässig zackige Bruchlinie. Auch der Rand ist viel-
fach durch Risse verleizt und von der hei Pallas erwähn-
ten hirsuties quaedam nichts mehr zu sehen; wo er unver-
letzt ist, schärft er sich zu und ist vielfach wellig, oft wie
Ueber einige Velutina-Arten. 147
gefältell. Ebenso macht der Mangel einer festen Grundlage
ein genaues Messen unmöglich, die Höhe der Mündung und
damit der ganzen Schale lässt sich zu 67 Millimeter, die Breite
der Mündung, durch das Einbiegen am stärksten beeinträch-
liet, normal zu etwa 45, die der ganzen Schale oder der
grosse Durchmesser zu nahezu 60, der kleine oder die Höhe
der Schale, wenn sie auf der Mündung liegt, zu fast 30 Mil-
limeter annehmen. Die Spitze liegt um 6 Mill. tiefer als der
höchste Theil des Mündungsrandes.
Zunächst unserer Art scheint Middendorf’s V. eryp-
tospira zu stehen, welche auch cartilagineo-coriacea ist, aber
durch die Worte spira plane inconspicua und columella inter-
dum canaliculo obsoletissimo submarginata (l. c. p. 106 a) und
durch die grössere Breite (Breite zur Höhe wie 19 : 14, s.
Midd. Reise, wo sie auch abgebildet ist), unterschieden ist;
sie scheint von ähnlicher Consistenz zu sein, soll aber ge-
gen 20 Längs-(Spiraly)runzeln auch auf dem biegsamen Theile
zeigen und die sehr dünne Kalkschichte erstreckt sich nach
v. Middendorl’s Angabe nicht bis auf den leizten Umgang;
der Name rührt daher, dass die sonst sichlbaren 1Y/, obern
Windungen durch die Epidermis spurlos verhüllt seien. Ihre
Dimensionen sind nach dem Alter sehr variabel; selzt man
die Höhe der Schale (gleich der der Mündung) = 100, so
ist bei
coriacea eryplospira
der grosse Durchmesser . 88 9u—140
der kleine Durchmesser . 45 45— 64
die Breile der Mündung . 68 75—114.
Da die zweite Zahl bei V. cryptospira den grösseren Exem-
plaren von erst 14 Mill. Höhe entspricht, und diese auch schon
21/, Windungen hal, so ist anzunehmen, dass bei etwaigen
noch grösseren Exemplaren die Unterschiede noch grösser
würden, und also eryptospira nicht als Jugendzustand von
eoriacea zu belrachten ist. Die gar zu kurze Beschreibung
des Sigarelus coriaceus Brod. et Sow. (Zoological journal IV,
1829..8.371) von Cap Lisbon in.Nordwestamerika gibt keinen
wesentlichen Unterschied von unserer Sehale. Die Kalklage
der Schale sei so dünn, dass sie gegen die Mündung hin
leicht ganz abspringe,, dieses und die Benennung coriaceus
148 v. Martens;
(obgleich die Verfasser mit keinem Wort erwähnen, dass
Pallas diesen Namen schon gebrauchte), machen mir wahr-
scheinlich, dass unsere Art gemeint sei. Die Dimensionen
(„1/20 long., 1 lat. poll.“) sind viel kleiner, aber in ähnli-
chem Verhältniss. Da derselbe auf der Reise des Caplain
Beechy gesammelt wurde, so dürfte er wohl noch im briti-
schen Museum zu finden sein ; die Verfasser geben nur an,
dass er nicht in der Sammlung der zoologischen Gesellschaft
vorhanden sei.
Dagegen stimme ich Hrn. v. Middendorf vollständig
bei, wenn er V. Mülleri Desh. (in Guerin’s Magazin zoolo-
gique 1841, Mollusques et Zoophytes pl. 28) für halioloidea
erklärt; die Figur passt vortrefflich zu einer von Prof. Sars
aus Norwegen stammenden im Berliner Museum, und die in
Reihen gestellten Zotten werden ausdrücklich erwähnt, Sollte
sie wirklich aus Kamtschatka stammen ? V.haliotoidea wurde
sonst noch nicht im Gebiet des stillen Oceans gefunden.
Middendorf (l. ec.) vermochte in Pallas’ Beschrei-
bung keinen specifischen Unterschied von der eben genann-
ten nordeuropäischen Art aufzufinden, setzt aber solche mit
Recht voraus; ein solcher besteht, wie mir die Vergleichung
norwegischer Exemplare zeigt, ausser der verschiedenen
Grösse wesentlich in der Beschaffenheit der Epidermis, wel-
cher die ganze Gattung den Namen verdankt; ich finde bei
V. coriacea an demjenigen Theile der Epidermis, welcher die
Kalkschale bedeckt, wohl einzelne zottenartige Verlängerun-
gen, aber nicht zahlreich und nicht in Reihen gestellt; an
dem freien biegsamen Theil ist auch von diesen nichts zu
erkennen; ferner hat V.haliotoidea bei einer viel geringeren
Grösse dieselbe oder eine grössere Anzahl von Windungen
(2',—3; vix 4 sagt Fabrieius), die Kalkschale reicht bei-
nahe bis zur Mündung, und endet hier mit einem verdick-
ten Rand, über welchen sich nur ein schmaler Epidermis-
saum hinausersireckt ; sie ist unter der Epidermis wie auch
Capulus Hungaricus im frischen Zustand lebhafl rosenroth ge-
färbt. Endlich ist bei V. haliotoidea die Spitze ein wenig
über den letzten Umgang erhaben.
2) Man sieht in Sammlungen nicht selten unter dem
Namen V. capuloides Exemplare mit bedeutend vorstehendem
Ueber einige Velutina-Arten. 149
Gewinde, bei denen sich die Höhe der Mündung zu der der
ganzen Schale — 17:24 verhält, während bei der ächten
norwegischen haliotoidea —= 17:18 bis 19.
Der Winkel an der Spitze des Gehäuses ist bei ihr —
135°; bei V. haliotoidea nahezu gleich zwei Rechten. Damit
häng! zusammen, dass bei dieser fraglichen Form die Mündung
nicht höher als breit und die Mündung selbst einen kleineren
Theil des grossen Diameters (Durchmesser, der letzten Win-
dung in der Mündungsebene) ausmacht. Auch ist die Schale
solider, lebhafter fleischroth und ein deutlicher Nabelrilz vor-
handen. Leider kenne ich bis jelzt weder die Epidermis,
noch das Vaterland dieser Schalen. Schlägt man Blain-
ville’s Manuel de malacologie nach, so findet man aller-
dings eine Velulina capuloides, aber nur als neuen Namen
für die oben erwähnte norwegische Art, V. haliotoidea; für
die vorliegende möchte ich daher den Namen V. solida vor-
schlagen. S. Taf. IV. Fig. 2.
3) Eine weitere Art ist unter dem Namen V. Bernardi
von Paris aus verschickt worden, ich weiss aber nicht, ob
und wo näher beschrieben. Dieselbe nähert sich sehr der
früher sogenannten V. olis, welche jetzt als eigenes Genus
Otina von Forbes und Hanley anerkannt, von Pfeiffer
sogar zu den Auriculaceen gestellt wird, unterscheidet sich
aber von ihr durch die Sculptur und ebensoviel in der Höhe.
Die Schale ist durchscheinend, innen glänzend , aussen mit
zahlreichen feinen dem Mundsaume parallelen Streifen geziert,
welche durch etwa 8 spirale Furchen unterbrochen werden;
nahe der Nath verläuft eine vorstehende Kante, welche auch
als stumpfe Ecke an der sonst ovalen Form der Mündung
auftritt. Der Columellarrand wird von einer umgeschlagenen
weissen Platte bedeckt, ohne .Nabelritz. Das Gewinde steht
ungefähr so stark wie bei V. solida vor. Kaum zwei Win-
dungen im Ganzen. Die Farbe ist ein intensives Gummigult-
gelb, wie es an ganzen Stücken dieses Farbestoffes sichtbar
ist, und geht an der oberen Windung in Fleischroth über. Von
Epidermis finde ich keineSpur; s. Taf. IV. Fig. 3. Vermuthlich
ist sie eine Olina.
Eine alphabetische Uebersicht der wirklichen und ver-
meintlichen Arten dieser Gattung ergiebt Folgendes:
150 v. Martens:
Velutina Flem.
Bernardi = Otina? B. s. oben No. 3.
canaliculata Beek —= Olina zonala, Gould.
cancellata Quoy et Gaimard — Narica c.
capuloides Blainv,. — halioloidea Fabr.
capuloides collect. — solida M.
coriacea — Pallas — Middendorf mal. voss. 1849; s. oben
No. 1.
Kurilische Inseln.
Helix c. Pallas nov. act.acad. petrop. 11.1785.7, 31-33.
? Sigarelus c. Brod. etSow. Zool. journ. IV. 1929.
25, 8-10.
eryptospira Middendorf sibir. Reise 1848.
Ochotzkisches Meer.
elongala Sc. Wood = Olina zonala Gould.
flexilis Gray — plicalilis Müll.
glabra (Oxynoe-Coulhouy) Gray — Lamellaria perspicua L.
haliotoidea Fabr. Möller moll. grönl. 1842; Loven Ölvers.
vet. akad. 1846; Middendorf |, c.
England, Norwegen, Grönland, Massachussels.
Helix h. (non L.) O. Fabricius fauna grönl. 1780.
Bulla velulina O.F, Müller prodr. zool. dan. 1776.
101, 1—4.
Helix laevigata (non L.), Pennant brit. zdol. 1777;
Montagu test. brit. 1803 etc.
Helix haliotoidea (non L.) ©. Fabrieius faun. grönl.
1780.
Helix neritoidea (non L.) Chemnitz Conchylienca-
binet X. 1788. f. 1598—99. (von Mörch zu lani-
gera eilirt).
Helix haliotoidea 8 Gmelin syst. nat. 1788,
V. capuloides Blainville man, mal. 1825. 42, 4.
Galericulum laevigatum Brown conch. illustr. 1827.
V. laevigata Fleming brit. an. 1828; Gould cat. mas-
sach. 159; Forbes et Hanley brit. moll. 99, 4. 5.
V. Mülleri Deshayes Guerin. mag. zool. 1841. 28.
V. striala Macgillivray moll. scot: 1844.
Y. rupicola Conrad Journ. avad, Philad, VI, 11, 17. 18.
EEE Te Da
Ueber einige Velutina-Arten. 151
laevigala Flem. = halioloidea Fabr.
lanigera Möller Moll. Grön. 1842; Sars nyt.magaz. f. nalur-
vidensk. 1850.
Grönland und nördliches Norwegen (Komagfjord).
Mülleri Desh. — haliotoidea Fabr.
otis Turt, Flem. = Olina. olis Turt.
ovala (Galericulum) Brown — Olina otis Turt.
plicatilis Müll. — Loven Öfvers. vel akad. 1846.
Norwegen, Orkneys und Schottland.
Bulla p. O. F.Müller zool. dan. prodr. 1776; Flem.
brit. an.
Bulla flexilis Montagu test. brit. suppl. 1808. Laskey
Memoirs of the Wernerian sociely 1. 1811.
Sigarelus flexilis Brown conchol. illustr. 1827.
Coriocella flexilis Maegillivray moll. cat. 1844.
V. flexilis Gray list of gen. 1847; Forbes et Hanley
brit. moll. 99, 67.
Marsenina? p. Gray quide of syst. Moll. 1857. p. 46.
rupicola Conrad — halioloidea Fabr.
solida M. s. oben No. 2.
V. capuloides collect.
striata Maeg. — halioloidea Fabr.
stylifera Flem. — Stylifer Turtoni Brad.
undala Smilh = Olina zonala Gould.
zonala Gould — Olina‘zonala Mor. z. br. G.
n. n. Alder calal. moll. Northumb. —=Olina olis Turt.
Dieses Genus ist somit auf die nördlichen Gegenden
beider Hemisphären beschränkt.
Ueber einige Brackwasserbewohner aus
den Umgebungen Venedigs.
Von
Dr. Eduard v. Martens.
Hierzu Taf IV. Fig. 4.5. und V.
Die venetianischen Lagunen sind vom offenen Meere
durch eine Reihe langgestreckter Sandinseln, den Nehrungen
der Ostsee-Haffe vergleichbar, abgeschlossen; auf einer der
grösseren unter denselben liegt das Städtchen Malamocco und
dicht hinter demselben, zwischen den Gärten, welche Vene-
dig mit Gemüse versorgen, noch an der Lagunenseite, fischte
ich den 23. Juni 1856 mit dem Stocke eine Parthie grüner
Algen heraus, diese zeigten sich mit kleinen Schnecken be-
setzt und dazwischen zappelte ein kleines buntes Fischchen,
stahlblau mit orangerothen Flossen und silbernen Verlikal-
bändern, ein Bauchflosser, sein Kopf dem von Mugil ähnlich,
aber kaum zolllang, der mir damals ganz unbekannt war.
Die Gräben (fossi) auf diesen Inseln dienen zum Ablaufe des
Regenwassers in die Lagunen, als Grenzen der einzelnen Grund-
stücke und als Hafen für die leichten Lagunenkähne (batelli),
auch sollen nach mündlichen Mittheilungen die beliebten Ce-
voli (Mugil) in ihnen gehegt werden; sie stehen alle, so viel
ich weiss, mit den Lagunen in offener Verbindung. Pflanzen
oder Thiere, die sonst in süssem Wasser vorkommen, sahen
mein Vater und ich in diesem Graben nicht. Um so mehr
interessirten uns diese Brackwassergeschöpfe, sie stellten sich
bei näherer Untersuchung als Enteromorpha intestinalis Lin.
var. capillaris Kütz., Hydrobia stagnalis Linne und Cyprinodon
fascialus Nardo und Val. heraus.
v. Martens: Ueber einige -Brackwasserbewohner Venedigs. 153
I. Cyprinodon fasciatus.
Aphanius fascialus Nardo in der Isis 1827. S. 438 und
bei Boörio Dizionario del dialelto veneziano 1829.
4. S. 438.
Cyprinodon fasciatus Valenciennes hist. nat. d. pois-
sons XVIII. 1846. p. 156.
?Lebias flava Costa fauna del regno di Napoli. Pesci.
1838. p. 35. Taf. 17. Fig. 1.
Körper messerförmig zusammengedrückt, die grösste
Höhe 4'/;mal in der Totallänge enthalten, die grösste Breite
(zwischen den Kiemendeckeln) 5'/,mal, die Höhe an der
Schwanzflosse 9mal, die Kopflänge 4mal in der Totallänge.
Das Auge liegt dicht am Stirnprofile, es ist um ®/, seines
Durchmessers von der Schnauzenspitze, um 1'/, desselben
vom Rande des Kiemendeckels entfernt, die Breite der Stirne
zwischen den Augen ist 1'/,mal so gross als der Durchmes-
ser des Auges. Die Schnauze kann um das Doppelte ihrer
Entfernung vom Auge vorgestreckt werden. Der Kopf ist
oben flach, die Schuppen des Scheitels gleichen denen des
übrigen Körpers, aber auf dem Hinterhaupte sind sie theil-
weise verloren gegangen und daher ist über die von Costa
erwähnten Löcher und Höcker nichts zu ermitteln, worauf
im Nacken 10 unter sich gleichmässige, in die Breite ge-
zogene bis zum Beginne der Rückenflosse folgen. Im Ober-
kiefer zähle ich 6, im Unterkiefer 10 Zähne, alle sind drei-
spilzig. Letzterer steht stels über den Oberkiefer vor, so
dass selbst bei geschlossenem Munde feine Zähne sichtbar
sind. Praeoperculum und Suboperculum sind vom Opereulum
deutlich abgesetzt und ohne Schuppen.
Die Rückenflosse beginnt etwas vor der Mitte der To-
tallänge, die Entfernung des hinteren Endes ihrer Basis von der
Schwanzflosse gleicht */, der Kopflänge, zurückgelegt bedeckt
sie elwa die Hälfte dieser Entfernung; die Höhe gleicht der
Körperhöhe an derselben Stelle; die letzten Strahlen sind
elwas länger als die ersten, was der ganzen Flosse eine Ira-
pezförmige Gestalt giebt. Die Alterflosse ist an der Basis
fast ebenso lang wie die Rückenflosse, aber ihre Höhe ist
154 v. Martens:
bedeutender, 1'/, der Körperhöhe an derselben Stelle, oder
gleich der Enlfernung vom Rande des Kiemendeckels zum
vorderen Augenrande; sie bleibt zurückgelegt um ebenso-
viel als die Dorsalis von der Basis der Schwanzflosse entfernt.
Rücken- und Aflterflosse stehen einander gegenüber, erstere
hat 12, letztere 8 Strahlen. Die Brusillosse ist zugespilzt und
so lang wie die Analis, sie reicht, zurückgelegt, bis zur Basis
der Bauchflosse ; diese ist nur halb so lang und erreicht die
Analis nicht. Die Schwanzflosse hat 4 ziemlich gleich lange
Strahlen. Die Schuppen sind ganzrandig, stumpf fünfeckig,
zeigen concentrische Streifen und am Basalrande 11—16
schwache, nach der Mitte der Schuppe convergirende rip-
penarlige, durch schmale Zwischenräume getrennte Erhe-
bungen.
Die Farbe des lebenden Fischehens war oben bräunlich-
grün, schwarzpunktirt, an den Seiten stahlblau mit 9 vertika-
len weissen Bändern in ungleichen Entfernungen, das erste
noch vor der Spitze der Brusiilosse, das letzte nahe der
Schwanzflosse; die Bänder sind schmäler als ihre Zwischen-
räume, Die Unterseite des Kopfes und der Brust ist weiss-
lich, von den Bauchflossen an bis zur Schwanzilosse ist sie
rölhlich. Die Rückenflosse grossentheils durchsichtig, doch
zwischen den vorderen Strahlen und längs des obern Ran-
des schwarz; Brust- und Schwanzilosse schön orangerolh. mit
schwärzlichen Spitzen; die Analllosse blass, an ihrem hin-
teren Rande ein schwarzer Flecken. Kiemendeckel silber-
farbig. Totallänge 28 Millimeter.
Die Beschreibung von Valenciennes weichl haupt-
sächlich in der Zahl der Zähne, der Flossensirahlen und der
Bänder ab; letztere ist unwesentlich; Silberpunkle auf dem
Nacken sind an meinem Exemplare auch nicht zu’ sehen.
Costa’s Beschreibung enthält wesentliche Abweichung in
den Kopfschuppen und den Deckelstücken. In letzteren stim-
men aber dem oben beschriebenen zwei erwachsene Exemplare
von 42 Mill. Länge überein, welche das Berliner Museum von
Rudolf Wagner wahrscheinlich aus Sard.uien erhielt; bei
diesen ist die Rückenflosse verhältnissmässig höher, fast so
hoch wie die Analis, die Bruslflosse reicht zurückgelegt über
den Ursprung der Bauchflosse hinaus, diese ein wenig über
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 155
den der Analis (wie bei Costa). Von der Färbung der
Flossen ist bei den zwei erwähnten Spiritusexemplaren keine
Spur mehr vorhanden, die Seiten des Leibes sind statt blau
braun, wie es ebenfalls Costa angiebt. Die Beschuppung des
Scheitels und Hinterbaupts scheint verloren gegangen und die
Haut mit den durchscheinenden Knochennäthen erinnert da-
her beim ersten Anblick an die Schilder eines Eidechsen-
kopfes und an Costa’s Bild von Calarilanus.
Eine nahe verwandte Art wurde von Ehrenberg im
Kropfe eines weissen Reihers gefunden , welcher nahe der
Sonnenquelle in der Oase Jupiter Ammons erlegt wurde (Poe-
cilia Hammonis Ehrenb. Reisen in Aegypten 1828. S. 120 ohne
Beschreibung), Valenciennes charakterisirt sie kurz als
€. Hammonis |. c. p. 169, Nach den Originalexemplaren im
Berliner Museum ist ihre grösste Höhe ebenfalls 4%,mal in
der Totailänge enthalten, die Höhe an der Schwanzilosse ist
wenig mehr als die Hälfte der erössten Körperhöhe; die
Kopflänge geht nur 3'/,mal in die Totallänge. Das Auge ist
um die Länge seines Durchmessers von der Schnauzenspilze
entfernt, um 1'/ desselben vom Rande des Kiemendeckels.
Der Scheitel mit gleichmässigen Schuppen bedeckl, so weit
solche noch vorhanden, ohne Löcher oder Höcker. Zähne
zähle ich oben 9, unten 14, doch finden sich Lücken da-
zwischen. Die Rückenflosse beginnt in der Mitte der Tolal-
länge, das hintere Ende ihrer Basis ist von dein Beginne der
Schwanzflosse um eine Strecke entfernt, welche 2/, der Kopf-
länge gleicht; zurückgelegt reicht die Rückenflosse bis zur
Schwanzflosse, indem ihre letzten Strahlen 1!Y;mal so lang
als der zweite Strahl sind, die Flosse ist daher mehr zuge-
spitzt als bei C. fascialus, doch nicht bei allen Exemplaren
in demselben Grade. Die Analis ist gerundet und erreicht
zurückgelegt nicht die Schwanzllosse. An lelzterer ist keine
Spur einer schwärzlichen Färbung des Randes zu sehen, was
doch an der Rückenflosse noch deutlich ist, im Uebrigen
scheint die Färbung der von C. fascialus zu gleichen. Ein
weiterer Unterschied liegt in der Beschaffenheit der Schup-
pen, bei C. Hammonis trelen nämlich die Rippen nur an In-
serlionsrande in geringerer Anzahl, 6-9 auf, sind breiter,
stärker und zuweilen kürzer, s. Fig.5a. Ich habe dieses
156 v. Martens:
Verhalten an verschiedenen Körperstellen übereinstimmend ge-
funden s. Taf. IV. Fig. 5.
Die Strahlenzahlen der Dorsalis und Analis finde ich
bei Cyprinodon fasciatus von Malamocco 12 8
n ei aus Sardinien? ? 9
» ” » 11 10
® 2 nach Nardo 12 12
5 u „» Valenciennes 10 8
= » „»„ Costa 12 10
= Hammonis im Berl. Museum ? 11
; h ! 10.10
h & 5 1010
gi 2 nach Valenciennes 9 10
Wie übrigens diese Zahlen variiren, hat neuerdings auch
Czernay imBulletin de la societe imperiale des naluralistes
ä Moscou Jahrg. 1857. p. 221 ff. an verschiedenen Süsswas-
serfischen gezeigt.
Nach Nardo (l.c.) sind zwei Arten (fascialus und na-
nus — Calarilanus Cuv.) in den Lagunen häufig, sie seien
nicht gut zu essen wegen zahlreicher Grälen (lichie) und
biltern Geschmacks. Dieser dürfte, wie bei dem Bitterling un-
ter den Cyprinoiden, Rhodeus amarus, wohl nur darin begründet
sein, dass man bei dem kleinen Fischchen die Eingeweide
mit verspeist (vgl. Krauss in den württ. Jahresh. f. Natur-
kunde 1857. S. 122) und die Italiener gehen offenbar zu weil,
wenn sie aus (der Beobachtung , dass die Katzen sie öfters
nicht fressen wollen, schliessen, die armen Thierchen seien
schädlich. Ihr einheimischer Name ist nach Nardo und
Plucar nonno oder nano (Grossvater? oder von nanus,
zwerghaft?)
Der Grund, warum ich mein Fischchen lange nicht er-
kannte, war eigentlich der, dass ich ihn unter den Meerfischen
suchte, und die Cyprinodonten betrachtete man, von ihren
amerikanischen Familienverwandien ausgehend, als Süsswas-
serfische, welche höchstens gelegentlich auch im brakischen
Wasser vorkommen, wie manche Cyprinen in der Ostsee. Be-
trachtet man aber die Fundorte genauer, so wird man geneigt
anzunehmen, dass, wenigstens im Mittelmeerbecken, Cypri-
nodon nur in gesalzenem Wasser vorkommt. Wir lesen zwar
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 157
inValenciennes, dass die zwei bekannteren europäischen
Arten dans les eaux douces des environs du cap Cagliari und
nach Costa dans les lacs Varano el Spelli el dans les petils
ruisseaux Galeso et Cervaro leben (l. c. p. 156 und 158).
Schlägt man aber Costa selbst nach, so lauten die Worte:
ne’ laghi communicanti col mare (was Valenciennes auf
die Bäche bezog) e nelle foci (in den Mündungen) di piccoli
fiumi. Blickt man auf eine Karte, so findet man, dass der
See von Varano eine Lagune ist, die mil dem Meere in offe-
ner Verbindung steht; ein See Spetli exislirt gar nicht, bei
Costa heisst es Salpi und dieses ist richlig wieder eine
stark salzhallige Lagune am unteren adriatischen Meere; C o-
sta sagt, dass sie selbst des Winters im offenen Meere vor-
kommen. Aehnlich wird es sich mit dem „süssen Wasser“
um Cagliari verhalten; Valenciennes selbst nennt es p. 156
le m&me &tang de Cagliari, elangs heissen aber in Südfrank-
reich bekanntlich auch die Salzwassersümpfe, es ist die fran-
zösische Form für das italienische stagno (lateinisch stagnum)
und stagno di Cagliari werden speciell die Salzwassersümpfe,
welche diese Stadt umgeben, genannt. Wie wenig Genauig-
keit in den Lokalitätsangaben bei Valenciennes herrscht,
zeigt auch, dass derselbe eine Seite vorher sagt, diese Fische
seien an Cap Cagliari gefangen worden: es exislirt aber gar
kein Vorgebirge dieses Namens, wohl aber heisst die eine
Hälfte der Insel Sardinien nach ihrer Hauptstadt Cabo di
Cagliari *).
Was. das Vorkommen im oberen adrialischen Meere be-
trifft, so hatte der Geh. Ratlı Joh. Müller die Gefälligkeit
auf meine Erkundigung mir mitzutheilen, dass die von ihm
aus Triest mitgebrachten Exemplare, von C.Calaritanus, wel-
che das Berliner Museum besitzt, aus den Salzwassersümpfen
bei Zaule stammen; Plucar (der Fischplatz bei Triest 1846.
8.5.67) erwähnt bei seiner Lebias nigropunclala, wahrschein-
lich derselben Art, mit keinem Worte, dass sie in süssem
Wasser vorkomme, was er bei den anderen Süsswasserfischen,
*) Ich habe Hrn. Dr. Bornemann, der sich gegenwärtig auf
Sardinien befindet, gebeten auf das Vorkommen von Cyprinodon zu
achten und hoffe, dass er an Ort und Stelle die Frage erledigen wird,
158 v. Martens:
deren er nur wenige und mit stereotyper Entschuldigung auf-
führt, nie zu bemerken unterlässt; dagegen bemerkt er, sie
werde unter der Minutaja (kleinem Kram) verkauft, wozu
noch andere Fische des Salzwassers und namentlich der La-
gunen gehören, wie nach S. 33 Callionymus. Allerdings sagt
nun wieder Nardo in der Isis von seinen zwei Aphanius
CAph. nanus desselben ist höchst wahrscheinlich wiederum
Cyprinodon Calaritanus), dass sie in süssem und Meerwasser
vorkommen, aber zwei Jahre später, in Bo&rio’s Wörter-
buch, 'widerruft er das Vorkonmen in süssem Wasser im-
plieite, indem er sie als pesciatelli marini aus den Lagunen
und Valli (Salzsümpfen) angiebt*#). Heckel erwähnt ihrer
nicht unter den Süsswasserfischen der österreichischen Mo-
narchie, da er doch selbst in Venedig war; und es bleibt
immer eine wichlige Thalsache, dass diese zwei Arten da
wieıerkehren, wo Lagunenbildungen vorhänden sind, aber
nirgends im Binnenlande vorkommen , wenigstens kenne ich
ausser den genannten keine Fundorte für dieselben ; nament-
lich suchte ich bei Risso vergebens nach diesen Fischen;
derselbe kennt nur, was sich au der Felsenküste von Nizza
findet. Die drilte europäische Art, C. Iberus, erhielt Va-
lenciennes vom Arzle Teillieux aus Spanien, und wie es
auf S. 215 bei Hydrargyra hispanica, einem weiteren euro-
päischen Fischchen aus dieser Familie, heisst, mjt diesem aus
den süssen Gewässern Calaloniens; diese Angabe ist aber gar
zu allgemein und man darf dabei nicht vergessen, dass die
Mündung des Ebro mit ihrem vorgeschobenen Delta in Ca-
talonien liegt.
Gehen wir weiter nach Asien über, so treffen wir bei
Rüppell die Angabe, dass C. dispar in allen Gegenden des
rohen Meeres lebe, aber auch in den warmen Süsswas-
serquellen von Hadger Elme bei Tor, deren Wasser 26470R.
warn und etwas gesalzen ist. (All. z. Reise im nordöstl.
Alrika, Fische S. 67 und Ritter Erdkunde XIV. S. 443); bei
*) Auf welchen Gründen Nardo’s Angabe beruht, sie seien
di recente introdotti, neuerdings eingeführt (in der Isis recentes), ist
mir ganz unbekannt. Ein solch kleines Fischchen kaun lange ‚überse-
hen werden.
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 159
Heckel zwei Arten um Mossul, Lebias (d. h. Cyprinodon),
mento und cypris H., dann Lebias Sophiae in lauen Salz-
quellen bei Persepolis, L..punctata und L. crystallodon in dem
Nemek-Deria oder Salzsece in der Gegend von Schiraz, (Fi-
sche Syriens S. 99 u. 165.) und in den Proceedings of the
zool. soc. 1857. 8.371 die Noliz, dass C. Hammonis an
einer sumpfigen Stelle unmittelbar am Ufer des todten Meeres
bei Usdum, die durch eine salzige Quelle gespeist werde,
lebe. Wenden wir uns, auf diese speciellen Angaben gestülzt,
wieder zu Valenciennes und lesen wir bei demselben S.
161 u. 164, dass Ehrenberg C. lunalus dans la mer de
Massuah, aber S. 163, dass ebenderselbe ebendenselben dans
les eaux douces Je la cöte (doch wohl Meeresküste) d’Abys-
sinie gefunden habe, ferner S.165, dass Bolta ihn auch bei
Massuah, S.166 dass Bov& ihn und €. Moseas in den er-
wähnten warmen Quellen bei Tor gelunden habe, so scheint
sich zu ergeben, dass auch diese nur an Meeresküsten und
in salzhalligem Wasser vorkommen. Dass Aucher-Eloy
einen Cyprinodon vom Jordan geschickt habe (S. 165), dürfte
in der oben erwähnten genaueren Noliz vom todien Meere
seine Erklärung finden und macht wiederum die gar vage
Bemerkung $.170: „M. Aucher-Eloy en avait recueilli parmi
ses poissons de Damas“ verdächtig. Auch dort scheinen
demnach oft zwei verschiedene Arten bei einander vorzu-
kommen, so in den Thermen bei Tor €. lunalus Ehrenb, und
Moseas Val., bei Massaua dieselben, im Nemek-Deria C. pun-
elalus und erystallodon Heckel, wie in den Lagunen von Cag-
liari, Varano und Venedig C. Calaritanus und fasciatus.
Ob in der Nähe von Mossul auch salzhallige Seen vor-
kommen, weiss ich nicht, Ritter (Erdkunde X1. S. 190) spricht
nur von warmen Quellen (20°R.), von Schwelfelwasserstoff,
einer Art Naphtha und von Gypslagern. Gyps und Steinsalz
finden sich aber gern zusammen und jedenfalls bleibt auffal-
lend, dass dieser eine wie eine Ausnahme erscheinende Fall
gerade warme Quellen betrifft, welche im Allgemeinen minera-
lische Bestandtheile in: grösserer Menge enthalten, als sol-
che von gewöhnlicher Temperatur. Auch von der Sonnen-
quelle in der Oase Jupiter Ammons ist mir keine Analyse be-
kannt, doch in ihrer Nähe fehlt es nicht an salzhalligem
160 v. Martens:
Wasser. (Ehrenbergs Reise $. 122 und 124; aus S. 120
ergiebt sich, dass der Reiher, in dessen Kropf unser Fisch-
chen gefunden wurde, in einiger Entfernung von der Sonnen-
quelle geschossen wurde und Ehrenberg diese selbst zu
untersuchen gar nicht gestaltet wurde.) Während also in
Europa Cyprinodonten nur an den Küstenstri-
chen vorkommen, wo Fluss- und Meerwasser zu
Lagunenbildungen zusammentrifft, finden wir
diese Familie im Orient auch im Binnenlande,
aber höchstwahrscheinlich nur in salzhaltigem
(oder auch nur warmem?) Wasser. Ueber das Vor-
kommen von Cyprinodonten im tropischen Asien und Afrika
ist mir nichts bekannt,
In Amerika scheint sich die Sache anders zu verhal-
ten. Zwar sind die Arten dieser Familie, welche am frühe-
sten bekannt wurden, Cyprinodon variegalus Lacep., Hydrar-
gyra majalis Bloch und Fundulus coenicolus Val. = Cobitis
heteroclila L.) auch Bewohner des Brackwassers und an die
Meeresküste gebunden, der sogenannte See Pontchartrain bei
New - Orleans ist eine Lagune und der um New-York ein-
heimische Name Killi-fish bestätigt diese Eigenthümlichkeit,
aber es giebt doch zahlreiche Zeugnisse für das Vorkommen
derselben Familie im süssen Wasser, von denen hier neben
den Angaben bei Valenciennes die neueren über Hydrar-
gyra calenala und Zygonectes olivaceus Storer im Gebiete des
Tennessee bei Huntsville in Alabama erwähnt werden mögen
(Agassiz im american journal of sciences and arts XVII.
1854), auch erhielt das Berliner Museum zahlreiche Exem-
plare von Poecilia Surinamensis von Hrn. Gollmer mit der
bestimmten Angabe, dass sie im Hasequien in dem „Valle“
genannten Thale gefangen wurden. Dass Humboldt und
Pentland verwandte Fische in bedeutender Meereshöhe
entdeckten, ist bekannt, (Grundulus bogotensis auf dem Pla-
teau von Santa Fe, 1370 Toisen über dem Meere, Oreslias im
Titicacasee).
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 161
Zusatz.
Eine nochmalige Untersuchung der Schuppen unseres
Cyprinodon, auf Prof, Peters Rath vorgenommen, veranlasst
mich noch Einiges darüber hinzuzufügen. Die Zahl der Ba-
salrippen an den einzelnen Schuppen wechselt, sie bleibt
aber doch ein Unterschied der beiden Arten in der Weise,
dass bei C. fascialus die Schuppen in der Nähe der Mittel-
linie und nach oben von derselben durchschnitllich 14, die
an der unteren Seite in der Nähe der Analllosse 11, nach
hinten auch nur 9 haben, während bei C. Hammonis ich an
jenen nicht über 9, in der Regel weniger, an diesen nur 5
fand. Diese unteren Schuppen sind auch verhältnissmässig
schmäler als die obern, bei beiden Arten. Die Basalrippen
sind nalıe dem Innenrande nicht selten gegabelt und immer
durch liefere und breilere Furchen getrennt, als gegen die
Mitte'zu, wo sie convergiren; die Furchen werden meist
sehr rasch schmäler. Diese Rippen sind alle mit feinen bo-
genförmigen Querlinien bedeckt; in den Zwischenfurchen
konnte ich dieselben nicht wahrnehmen; an den ‚beiden äus-
seren Rippen biegen sich diese Linien um und nehmen eine
dem Seitenrande der ganzen Schuppe paralleie Richtung an;
viele brechen fast sogleich nach dieser Umbiegung ab, meh-
rere nach kurzem oder längerem Verlaufe, und es ist nicht
mehr die Hälfte derselben, welche sich dem freien Rande der
Schuppen nähert und diesem parallel umbiegt. Das Abbre-
chen dieser Linien geschieht meist ganz im Freien, zuwei-
len nähern sie sich dabei einer ihrer Nachbarinnen; seltener
trefen neue Linien zwischen den alten auf und zwar keines-
wegs nur in denselben Zwischenräumen, in denen kurz vor-
her eine abgebrochen hat, so als ob es nur die Fortset-
zung einer unterbrochenen wäre. In der Nähe des freien
Randes wird das Abbrechen und Einschieben der Linien noch
häufiger, die äussersten Linien. der Seitenränder gelangen
nie, sich umbiegend, bis zur Mitte des Randes, sondern
brechen stets vorher ab; erst solche, die an den Seiten
weiter nach innen lagen, kommen nahe dem freien Rande
Archiv . Naturgesch. XXIV. Jahrg. 1. Dd. Il
162 v. Martens:
von beiden Seiten her zu einer bogenförmigen Vereinigung;
nach dem Centrum zu werden diese Bogen häufiger und re-
gelmässiger, und endlich erscheinen concentrische Ovale,
die Mitte der Schuppe einnehmend. Eine anastomosirende
Vereinigung zweier solcher Linien kommt, namentlich bei
€. Hammonis, nicht selten vor, aber immer sah ich sie in
der äusseren Hälfte der Schuppe. Wenn die beschriebenen
Linien Wachsthumsabsätze sind , so lassen sich diese Ver-
hältnisse vielleicht durch theilweise Hemmung des Wachsthums
oder zeitweise Abnutzung des schon Gebildelen am frei vor-
stehenden Theile der Schuppen erklären. Nicht damit zu ver-
wechseln ist das scheinbare Verschwimmen von Linien, die nicht
genau in derselben Ebene liegen, durch die Kinstellung des
Mikroskops bedingt und durch Auf- und Abrücken als sol-
ches erkannt. Ein auffallendes Exemplar einer Schuppe von
Hammonis ist in Fig. 5b abgebildet, die Basalrippen ‚sind
sehr kurz, nicht convergirend und brechen fast plötzlich ab,
doch nicht in gleicher Länge. Ihre Querlinien entfernen
sich dabei weiter von einander und gehen rasch in mehr zu-
sammenhängende, denen des freien Randes ähnliche über.
Diese, so wie die der seitlichen Ränder sind weniger zahl-
reich und dafür manchfacher wellig gebogen. Von ge-
schlossenen Ovalen in der Mitte ist nichts zu sehen, Ana-
stomosen dagegen deutlich.
Hl. Hydrobia stagnalis L. und ihre Verwandten.
Olivi (zoologia adrialica 1792, S. 172) ist meines Wis-
sens der ersie, welcher den Turbo thermalis L. aus warmen
salzhaltigen Quellen im Binnenlande, speciell Abano, mit
einer in dem Brackwasser der italienischen Küsten häufigen
Schnecke idenfieirte; diese Ansicht wurde ziemlich allgemein
angenommen, namentlich bekannte sich auch Philipp i Cenum.
moll, sieil. I. p.149) dazu. ‚Derselbe Fall schien. sich ‚zu
wiederholen in der kleinen Hydrobia vom Manunsfelder Salz-
see (zwischen Halle und Eisleben), indem man in ihr eben-
dieselbe thermalis vermuthele, Ich habe. sie selbst dort
aufgesucht, finde sie aber. von derjenigen yon Abano und
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs 163
Malamoceo abweichend und auch diese zwei unter einander
nicht genau übereinstimmend. Wie bei mancher anderen
Gruppe von Schnecken, bei denen weder Sculptur nach Farbe
ausgesprochene Anhaltspunkte geben, ist auch bei der vor-
liegenden die Unterscheidung der einzelnen Arten hauptsäch-
lich auf die proportionellen Formverschiedenheiten angewie-
sen, die bekanntlich häufig genug schwanken. Da aber min-
destens ähnliche Formen in süssem Wasser und im Meere
leben und dieselben einerseits an Paludina , andererseits an
Rissoa angereiht wurden, so erstreckte sich die Unsicherheit
und Verschiedenheit der Ansichten nicht wie im Genus Lim-
naeus nur auf die Artunterscheidung, sondern auch auf Ab-
grenzung und Benennung der Gattungen, selbst der Familien,
und auf die Sonderung der Meer- und Süsswasserbewohner;
sogar in den neuesten Delailarbeiten findet man nicht genü-
genden Aufschluss über die einzelnen Fragen, so führt Petit
im Verzeichniss der Mollusken der französischen Küsten nur
die leicht kenntlichen Rissoa fulva und eingillus an, übergeht
die längst von Beudant und Lamarck erwähnte muriatica
ganz und klagt selbst bei den durch ihre Sculptur leicht zu
charakterisirenden Rissoen über Confusion der Arten (Journal
de conchyliol. Ill. 1852. p. 86—88); Forbes und Hanley
in ihrer musterhaften history of british mollusca (Bd. IM.
1853. S. 141, 138 und 73) setzen zu der Bezeichnung Rissoa
ulvae, obwohl sie dieselbe annehmen, ein Fragezeichen, wa-
gen über das Verhältniss der britischen Arten zu den aus-
ländischen Namen murialica und thermalis kein Urtheil und
lassen die Abgrenzung derselben von den wahren Rissoen
ganz in suspenso. Gray, guide of the systematie distribu-
tion of Mollusca 1857 lässt ebenso ulvae bei Rissoa und vi-
ridis trotz ihres Spiraldeckels, den er nicht zu kennen scheint,
da sie in England fehlt, bei Bithinia (p. 97 u. 114), obgleich
sonst sein System überreich an kleinen Gallungen ist. Ad.
Schmidt spricht sich über die Speciesfrage, die er sonst
auf analomischem Wege zu beantworten pflegl, nur sehr frag-
weise und vorläufig aus (Beiträge z. Malakologie S. 43, aus
Giebels Zeitschrift f. d. gesammten Naturwissenschaften 1856) ;
Prof. Troschel endlich hat wohl die Zahnplatten einzelner
Arten unter dem Namen Amnicola genau beschrieben und
164 v. Martens:
abgebildet, aber diese werthvollen Untersuchungen zur Fest-
stellung der Gallungen anzuwenden, der Zukunft überlassen.
Bronn in der neuen Ausgabe der Leihaea (Molassengebirge)
hat wieder die meisten als Paludina thermalis vereinigt und
eine Figur gegeben, in welcher ich keine der mir bekannten
wiederzuerkennen vermag. Es ist dieses somil einer der
schlimmsten Punkte in der systematischen und geographischen
Kenniniss der europäischen Mollusken, daher Jeder aufgefor-
dert, sein Scherflein zur Aufklärung und Sichtung beizu-
tragen.
Durch die Aufmerkamkeit meines lieben Vaters, wel-
cher dergleichen Schnecken beim Einlegen von Algen häufig
fand und stets sorgfällig aufbewahrte, durch die Güle von
Prof. Alex. Braun, der dasselbe bei Charen beobachtete und
mir werthvolle unveröffentlichte Zeichnungen und Nolizen zur
Benutzung überliess, so wie durch meine Beschäftigung am
zoologischen Museum zu Berlin, stehen mir. die betreffenden
Arlen in einer zahlreichen Reihe von Exemplaren und Fund-
orten zu Gebote, darunter Originalexemplare von Menke,
Philippi, Ehrenberg. Die Gelegenheit, fossile zu ver-
gleichen, und die Bekanntschaft mit der diese betreffenden
Literatur verdanke ich der Güte des Prof. E. Beyrich da-
hier. Anfänglich beabsichtigle ich nur die Verbreitung der
einen Schnecke nachzuweisen, aber die Vergleichung der
hiehergehörenden Formen aus verschiedenen Gegenden führte
mich bald zur Unterscheidung mehrerer Arten; ich habe diese
nach dem mir vorliegenden Material kurz charakterisirt, dann
erst die Literatur verglichen und, wo es mir. am besten zu
passen schien, eitirt; oft ist es freilich mehr Mulhmassung,
man müsste die Originalexemplare sämmtlicher Auloren bei-
sammen haben, um eine sichere Synonymie geben zu kön-
nen, und auch dann würde man sich wohl noch zu dem
Stossseufzer veranlasst fühlen: „alle Geslalten sind ähnlich
und keine doch gleichet der andern.“
1. Hydrobia stagnalis L. var. cornea Risso.
Taf. V. Fig. 1.
Schale 5 Millimeter lang, gelhürmt-konisch,, nicht ‚sehr
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 165
spitzig, aus 6 schwach gewölbten Windungen bestehend,
welche durch seichte Näthe geschieden sind ; zwei die Wöl-
bung der aufeinanderfolgenden Windungen streifende Linien,
je um einen halben Umgang von einander enifernl, treffen
sich unter einem Winkel von 35° (Cangulus apicalis bei v.
Middendorf, vielleicht besser Tangentenwinkel zu nennen,
da derselbe keinen unmittelbaren Einfluss auf die spilzige
oder stumpfe Form des Wirbels hat). Das Verhältniss der
Länge zur Breite (dem grössten Durchmesser des letzten
Umgangs in einer der Nath parallelen Lage, also schief auf
die Achse) = 2: I. Die Mündung nimmt kaum 'Y, der
Schalenlänge ein, steht nahezu senkrecht, ist oval, oben in
eine Ecke auslaufend, welche sich an die vorletzte Windung
anlegt; der Columellarrand zurückgeschlagen, die deutliche
Nabelritze nicht schliessend. Die Sculptur besteht nur aus
schwachen Wachsthumsstreifen, die Farbe ist ein lebhafles, '
durchscheinendes Braungelb (sog. hornige Schale), übrigens
bei den Exemplaren von Malamocco, welche dieser Beschrei-
bung zu Grunde liegen, meist durch einen schwarzgrünen
Ueberzug verdeckt. Die Mittelplatte der sog. Zunge zeigt
7 Zähne, wovon der mittlere bei weitem der stärkste ist, die
seillichen nach aussen zu immer schwächer; die Zwischen-
platte 5, wovon der zweite unverhältnissmässig grösser, die
äussere Seilenplalte nur eine sehr feine Zähnelung, die bei
920facher Vergrösserung eines Schiek’schen Instrumentes noch
nicht scharf aufgelöst erscheint. ‚(Ich verdanke diese Unter-
suchung der Güte des Hrn. Prof. Troschel und habe sie
bei wiederholter Untersuchung ebenso gesehen.) Ueberein-
slimmend damit, nur reiner und in manchen Exemplaren noch
schlanker, finde ich solche aus bei Capo d’Istria gesammel-
ten Algen (Ulva lalissima und Enteromorpha intestinalis), fer-
ner andere aus Lessina (dalmalische Insel) von Botteri und
Senoner erhaltene und die, welche Philippi in Messina
sammelte.
Ganz ähnlich denen von Malamocco, nur etwas klei-
ner, sind zahlreiche Exemplare aus Brackwassersümpfen bei
Montpellier, von A. Braun an Chara Pouzolzi Gay gefunden,
Auch eine junge Schnecke, im Berliner Museum als Paludina
salinae Küst.'aus Triest bezeichnet, und vom Reisenden Wil!
166 v. Martens:
Müller gesammelt, gehört hieher. Noch kleiner sind die
von Ehrenberg an der Nilmündung bei Roselte gefun-
denen.
Turbo thermalis Olivi zoologia adriatica 1792. p. 169 aus
den venelianischen Lagunen, nur mit der Linne’schen
Diagnose,, aber durch den Fundort gesichert.
Paludina murialica Lam. an. s. vert. No. 6. ed. Desh. VII.
p- 515 aus Südfrankreich, doch auch die folgende mit-
einschliessend.
Paludina muriatica Philippi moll. sieil. I. p. 148 Lagunen
beim Leuchtihurme von Messina.
Paludina murialica Graells catalogo de los moluscos terr.
en Espana 1846. p. 17 Catalonien und Valencia (also
gerade da, wo grosse Deltabildung und Lagunen).
Leachia cornea Risso hist. nat. de l’Eur. mer. IV.1826. p.102.
fig. 33 Brackwasser bei Nizza.
Paludina salinae, Küster, handschriftlicher Verkaufskatalog,
von Triest.
Paludina thermalis Philippi moll. sicil. II. p. 122 mit einer
kurzen Notiz über die Weichtheile.
Paludina acuta Mortillet im Bulletin de la societe d’hist. nal.
de Savoie Sept. 1851. 8. p. 107 Wassergräben am Var.
Paludina stagnalis var. C. Küster, Paludina in der neuen
Ausgabe von Martini 1852. $. 70. Taf. 12. Fig. 31. 32
von den Salinen hinter Servola bei Triest (ist wohl die
früher 'als P. salinae ausgegebene).
Im Brackwasser des Mittelmeers häufig; aus der Nord-
see kenne ich noch keine ganz übereinstimmende Form.
2, Hydrobia stagnalis L. var. ulvae auct.
Taf. V. Fig. 2.
Die Grösse und das Verhältniss der Breite zur Länge
wie bei der vorigen; der Tangentenwinkel bis 30°, die Länge
(Höhe) der Mündung verhältnissmässig oft etwas grösser, doch
vielfach wechselnd ; die Windungen kaum noch convex,
daher der Wirbel spitziger, die Nath ganz: oberflächlich, die
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 167
Mündung etwas schmäler und namentlich nicht so birnförmig,
da die Mündungswand des vorletzten Umgangs mehr gerad-
linig in denRaum der Mündung einschneidet; auch die obere
Ecke der Mündung wird dadurch spitziger. - Der Nabelritz
ganz: geschlossen oder nur eine schwache Spur davon übrig.
Die Schale scheint elwas fester, die Wachsthumsstreifen oft
etwas: slärker, die horngelbe Farbe meist intensiver. Unaus-
gewachsene Exemplare zeigen eine sehr stumpfe Kante an
der lelzten: Windung.
Aus Algen von der schotlischen Insel Bute; damit stim-
men Exemplare von Bergen, Dieppe (aus von Schmidel ge-
sammelten Algen), von Norderney (Menke) und von Amster-
dam (L. Pfeiffer) , die letzteren grossentheils mit einem
schwarzen Ueberzuge bedeckt. In der Albers’schen Samm-
lung als Paludina ballica aus Dänemark.‘ Jan schickte diese
Sehnecke als P. anatina dem Berliner Museum, sie. ist, aber
von der gleichnamigen Draparnauds ganz verschieden.
Turbo stagnalis Baster opuscula subseciva ll. 1765.. p. 77.
tab. 7. fig.4 aus dem Brackwasser bei Zierykzee an der
Osterschelde, auch die Weichtheile beschrieben und ab-
gebildet.
Helix stagnalis Linne syst. nat. 1767 nach Baster.
? Trochus striatellus Fabricius fauna grönlandica 1780. p. 393
Grönland, häufig an Steinen, Linne’sche Diagnose ohne
weitere Beschreibung, vgl. Möller.
Helix stagnorum Gmelin Linne syst. nat. ed. 13. VI. 1788.
p- 3653 (nach Linne und also Basler).
Turbo ulvae (Pennant) Montagu lest. brit. 1803 auf Schlamm-
boden, nahe der Flulhgrenze, in Bächen und sonstigen
geschützten Stellen.
Turbo muriatieus Beudant in Annales du museum d’hist.
nat. Bd. XV. 1810. p. 199. Havre, im Brackwasser, die
Weichtheile beschrieben.
Helix Jeverana Megerle v. Mühlfeld in den Verhandlungen
d. naturforschenden Freunde in Berlin I. 1829: S. 215.
Taf. 8. Fig. 5. Herrschaft Jever in Wesiphalen ((8'Win-
dungen ?).
Paludina balthieca (non Nilss.) Menke synops. 1530, 'p. 40,
168 v. Martens:
ohne Beschreibung, nach den an Verschiedene mitge-
theilten Exemplaren vom Norderney; unter: demselben
Namen bei Philippi moll. sieil. I. 1836. p. 149.
? Rissoa saxalilis Möller ind. moll. grönl. 1842. p.9. Grön-
land (Mörch in Rinks Beschreibung von Grönl. erklärt
diese zwar für Rissoa arclica Loven, dem widersprechen
Möller’s Worte anfr. laevibus , ich kann daher nur»v.
Middendorf beistimmen, der sie nieher zieht).
Rissoa ulvae Macgillivray moll. of scotl. 1844. 'p: 147 in
Brackwasser an der Ythanmündung bei Newburgh;’(dieR.
murialica desselben Autors ist dagegen nach Jeffreys,
der die Originalexemplare sah , nur eine abgeriebene
tenuisculpta Alder — parva Dacosla var.).
Patudinella vulgaris Oersted de regionibus marinis 1844.
p. 69 vom Sund.
Paludina stagnalis Menke in der Zeitschr. f. Malakol. Jahrg.
1845. S.37 am Nordseestrande auf Norderney, Luding-
worth ete. in Menge.
Paludinella ulvae Loven moll. scand. in Öfvers. Kongl. Ve-
tensk. Akad. handl. 1846. p.25. Schwedische Küste
des Kaltegat. (ohne Beschreibung).
?Paludinella stagnalis v. Middendorf sibirischeReise II. 1851;
malacol. ross. Il. p..46. Ochotzkisches Meer.
Paludina stagnalis Küster , Paludina in der neuen Ausg. v.
Martini 1852. p. 69. Taf. 12. Fig. 27—30.
Paludina thermalis desselben p. 71. Taf. 13. Fig. 1. 2:aus
Südfrankreich und Italien,
Rissoa ulvae Forbes et Hanley brit. moll. III. p. 140. IV.
pl. 81. fig. 4. 5. England, im Brackwasser; auch im
Crag nach Sc. Wood.
Rissoa ulvae Malm zoologiska observalioner ll. 1853.,,p. 80
von Gothenburg.
Demnach an den meisten Küsten der Nordsee ver-
breitet, stels nahe dem Ufer und der Oberfläche, auf Schlamm-
grund, an Ulven und Enteromorphen , oft in. schwach ‚gesal-
zenem Wasser.
b) Eine breitere und kürzere Varietät, nicht über 21/,
Mill. lang, dabei mil offenem Nabelritz, besitze ich aus,Algen
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 169
von der Insel Föhr; es ist dieselbe, welche Forbes und
Hanley Taf.87. Fig. 8 abbilden und p. 142 the variely slag-
nalis nennen, Menke’s Exemplare von Norderney stimmen aber
keineswegs zu dieser.
c) Eine weitere Varietät, 3'/, Mill. lang, mehr cylin-
drisch als die vorige, die Windungen um etwas weniges ge-
wölbter und die letzte auffallend schmächtig, kaum über die
vorletzte vortretend, mit deutlichem Nabelritz, fand ich im
Hafen von Kiel an Enteromorpha compressa ganz oberfläch-
lich; eine hiermit übereinstimmende finde ich in der Samm-
lung von Albers mit der Etikette Hydrobia Kiloensis Dun-
ker, Dania, Riise, nur sind diese von dunkelbrauner Farbe,
die meinige horngelb. Unregelmässigkeiten in den Windun-
gen, namentlich streckenweise Abflachung kommt bei dieser
Art nicht so ganz selten vor; ich besitze derarlige Stücke
aus Neapel, Forbes und Hanley scheinen eine ähnlich
87, 2 abgebildet zu haben.
Andere, der Rissoa Barleei entsprechende, welche For-
bes und Hanley für eine Tiefwasserform unserer Art er-
klären, besitze ich aus Nantes und Helgoland; sie zeichnen
sich durch ihr spitzes Gewinde, gradlinige Windungen und
eine hellgelbe, gleichsam fettglänzende Färbung aus; ich bin
geneigt sie für eine eigene Arl zu halten.
3. Hydrobia Aponensis M.
Taf. V. Fig. 3.
Schale bis 5Mill, lang. (meist kleiner), gelhürmt, spit-
zig, aus 5—6 sehr schwach gewölbten Windungen bestehend,
die Nath daher seicht; Tangentenwinkel 30°; Länge zur Breile
—= 2:1; dieMündung nimmt %, der Länge ein,
mehr als bei stagnalis, dabei ist sie. verhältnissmässig
schmäler, mehr birn- als eiförmig; in der geringen Schiefe
gleicht sie der genannten, der Aussenrand ist, seitlich betrachtet,
schwach ausgeschweift, der Columellarrand anliegend, aber
nicht umgebogen; kein Nabelritz. Schale dünn, durchsich-
tig, mit deutlichen Wachsthumsstreifen, fast farblos, aber meist
179 v. Martens:
von einem schwarzen Ueberzuge bedeckt, auch die Weich-
theile scheinen schwarz durch. Mittelplatte der Radula mit
9 Zähnen, der mittlere gross ; Zwischenplatte mit 6 ziemlich
gleichmässigen; äussere Seitenplatte lässt bei 920facher Ver-
grösserung keine Zähnelung erkennen. So bei zahlreichen
Exemplaren aus der Quelle des Mont’ Irone bei Abano; un-
ter denselben befindet sich ein gekrümmtes, bei welchem die
Achse der oberen 2'/, Windungen gegen die folgenden schief
eingeknickt ist, ähnlich wie bei einigen Eulimen oder. wie
es zuweilen bei Limnaeus stagnalis vorkommt und Marsigli
abgebildet hat (Description du Danube. 1744. fol. Taf. 31.
Fig. 4, kopirt in Schröters Flussconchylien Taf. X. B Fig. 3,
woraus Gmelin eine eigene Helix curvata machle).
(Species parva buccinorum) Vandelli traclatus de Ihermis
agri Palavini 1761. 4. p. 115. Taf. 3. Fig. 1.
Turbo Ihermalis (L.) Olivi zool. adriat. 1792. p. 171 u. 172,
soweil auf die Schnecke von Abano bezüglich.
Turbo thermalis (L.) Georg v. Martens Reise nach Venedig
1824. 8. Bd. Il. $.450 und 196. Taf. 3. Fig. 5.
Cyclostoma thermale Ranzani; Rudolphi Lehrbuch der Phy-
siologie 1821. Bd.I. S. 173.
Cyelostoma thermale Andrejewsky de thermis aponensibus
diss. Berolini 1831. 4. p. 21.
Cyclostoma thermale Philippi moll. sieil.1. 1836. p. 149.
Paludina Ihermalis Menke synops. moll. ed. 2. 1830. p. 41
(von meinem Valer erhalten); Georg v. Martens Italien,
Bd. Il. S. 434.
Amnicola (Subulina) thermalis Troschel Gebiss der Schnecken,
2. Lief. S. 108. Taf. 8. Fig.6, nach Exemplaren von mei-
nem Vater.
Leider kenne ich eine Schnecke aus den Thermen von
San Giuliano ohnweit Pisa nicht, worauf Linne’s Turbo: ther-
malis beruht; das Wort umbilicala in seiner Diagnose und
dann „umbilico minore® in der Beschreibung deutet auf eine
Verschiedenheit von der vorliegenden; übrigens ist zu bemer-
ken, dass Linn& nur sagt, sie Jebe in der Nähe der war-
men Quellen, prope Ihermas pisanas in aquis dulcibus (das
Wasser der Thermen selbst ist salzhaltig); so viel ich: weiss,
hal Niemand seitdem dort eine derarlige Schnecke gesucht
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 171
oder wenigstens davon Kunde gegeben, was doch sehr zu
wünschen wäre.
Auch Hanley (ipsa Linnaei conchylia) giebt keinen
Aufschluss über diese Art, da sie nicht in Linnes Sammlung
vorhanden ist; er spricht übrigens von einer hierauf bezüg-
lichen Handzeichnung, welche eine der Bylhinia ventricosa
Gray = Leachii Sheppard ähnliche Schnecke darstelle. Nun
ist Bylhinia rubens Menke in ganz Unterilalien häufig, selbst
in den Brunnen der Städte und jener ähnlich genug, aber
Linne’s Diagnose will doch nicht darauf passen. Linne,
der die Schnecke von Abano durch Vandelli erhielt, schrieb
ausdrücklich an diesen zurück, dass er sie unter seinen 4000
Thierarten nicht kenne,
Küster's Figur von Paludina ihermalis (13, 1.2) ist
sehr von den vorliegenden Exemplaren verschieden und be-'
zieht sich ohne Zweifel auf stagnalis.
4. Hydrobia Ammonis M.
Taf. V. Fig. 4.
Schale 6 Mill. lang, konisch-gethürmt, mässig spilzig,
aus 6 schwach gewölbten Windungen bestehend, die eine
seichte Nalh bilden, Tangentenwinkel 35—38; Länge zur Breite
—= 5:3; die Mündung nimmt bei erwachsenen '/, der Länge,
bei jüngeren elwas mehr ein; sie steht nahezu senkrecht, ihr
unterer Theil ist mehr vorgezogen, wie bei Rissoa auriscal-
pium u. a., der Aussenrand daher, seitlich betrach-
tet, S-förmig ausgeschweift; nach oben ist sie birnför-
mig verengt in eine spitzwinklige Ecke, welche sich an die
vorhergehende Windung anlegt; der Mundsaum ist dick und
stumpf, ohne dass innerlich oder äusserlich eine abgesetzte
Anschwellung erkennbar wäre. Der Columellarrand zurück-
gebogen; kein Nabelritz. Die Schale zeigt nur schwache An-
wachsstreifen, ist dicker als bei allen vorhergehenden, doch
gegen das Licht noch durchscheinend, trübaschgrau, an
der Nath meist gelblichweiss und hier meistens noch mit
weissen Inkrustationen bedeckt. Der Deckel glashell; Farbe
und Consistenz erinnern an eine Gruppe gefalteter Rissoen,
172 v. Martens:
wie R. ventricosa Desm., labiosa Mont.; in Betreff der Ge-
stalt steht sie zwischen stagnalis (var. ulvae) und thermalis.
Die Reibplatten gleichen sehr denen von H. stagnalis , die
äussere Seitenplalte lässt bei 920facher Vergrösserung 15
äusserst feine Zähnchen erkennen, die Zwischenplalte zeigt
ihren zweiten Zahn verhältnissmässig noch breiter (Tro-
schel), Bei Siwah, (Oase des Jupiter Ammon bei den Alten)
westlich von Alexandrien in der lybischen Wüste, vonEhren-
berg gesammelt.
Ausser diesen fand ich noch im zoologischen Museum
zu Berlin unter der Elikelle Paludina n. sp. Sonnenquelle in
oasi Jovis Ammonis, Hemprich und Ehrenberg (mit
der Beischrift murialica von Philippi’s Hand, vergl. moll.
sieil. 1. p. 149) 8 kleine Schnecken, worunler eine junge Ris-
soa mit starken Rippen, die anderen gleichen im allgemei-
nen Aussehen allerdings der Aponensis, die letzte Windung
ist aber auffallend breiter, was der ganzen Schnecke mehr
das konische Ansehen von acula giebt, ein deutliches Nabel-
loch ist vorhanden und der Columellarrand breit zurückge-
schlagen. Die Mündung ähnelt in Form und Grösse der von
Aponensis, die Tiefe der Nalh variirt, bei der Mehrzahl so
seicht. wie bei slagnalis, nähert sie sich bei einer der von
acuta; die Spitze bleibl aber stets stumpfer. Nach dem Rei-
seberichte, so weit er erschienen, hatte Ehrenberg keine
Gelegenheit, die Sonnenquelle selbst zu untersuchen; von ihm
selbst erfuhr ich, dass mehrfache Verwechselungen in den
Etikelten vorgekommen sind und da die Verschiedenheit der
Exemplare und die erwähnte Rissoa starke Zweifel in Bezug
auf die Richtigkeit des Standortes erregen, so wage ich noch
nicht eine neue Art auf dieselben zu gründen.
5. Hydrobia minuta Tolten,
Taf. V. Fig5.
Die Schale ist 4 Mill. lang, konisch, dem cylindrischen
sich nähernd, oben stumpf, aus 4/,—5 mässig ge-
wölbten Windungen mit tiefer Nath bestehend; die
erste Windung erhebt sich fast gar nicht über die folgende.
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 173
Länge zur Breite =8:: 5. DieMündung nimmt 2/ der Länge
ein, steht nahezu senkrecht, ist rundlich, ihre obere Ecke
stumpf, an die vorletzte Windung angelegt; der Columellar-
rand schwach umgebogen; kein oder ein unbedeutender Na-
belritz. Die Schale ist dünn, gelbbraun, auf der leizten Win-
dung meist ein oder mehrere intensiver gelbe Wachsthums-
absätze. Die obersten Windungen oft abgenulzt und theil-
weise zerstört, wie bei Melanopsis, doch auch, wo sie vor-
handen sind, stumpf. So nach Exemplaren aus Massachusselts,
die ich vom Heidelberger Museum erhielt.
Aus Europa kenne ich noch kein ganz übereinstimmen-
des Exemplar, doch scheinen mir die nachfolgenden Citale
hieher zu gehören und ich fand selbst bei der Stadt Bergen
im sog. Lungersvand an der Unterseite eines im Schlamme
steckenden Steines zwischen Fluth und Ebbe eine ähnliche
Schnecke von 3 Mill. Länge und nur 3'/, Umgängen, welche
sich nach oben noch weniger verjüngt und wohl ein junges
Exemplar der vorliegenden Art ist. Bestäligt sich die Syno-
nymie, so ist der Name subumbilicala anzunchmen.
? Helix octona Pennant british zoology IV. 1787. 8. p. 138.
pl. 86. fig. 135 in ponds; spire mulilated.
Turbo subumbilicatus Montagu test. brit. 1803. p. 316 von
Weymoulh, von wo sonst: viel pseudobrilisches stammt).
Cingula minula (Totlen) Gould invertebr. Massach. 1841.
Rissoa subumbilicata Macgillivray moll. scotl. 1844. p. 342
im Sand von Donmouth bei Aberdeen.
Paludina minuta (Say) Küster Paludina in der neuen Ausg.
v. Chemnitz 1852. S.52. Taf. 10. Fig. 15. 16, wahr-
scheinlich auch nach Exemplaren aus dem Heidelberger
Museum, doch dann ist die Abbildung nicht genau.
Rissoa venirosa (var.) Forbes und Hanley brit. moll. 1853.
IV. Taf. 87. Fig. 1. Im Texte ist nichts auf diese Figur
besonders Bezügliches zu finden, da aber Fig. 7 aus-
drücklich als Varietät genannt ist und Fig. 5.6 das am
Schlusse des Textes erwähnte weisse Exemplar von Bean
sein dürfte, so könnte man glauben, Fig. 1 solle den
Typus von ventrosa darstellen, dem widerspricht aber
die stumpfe Spitze, da F.H. dieser ausdrücklich a small
moderalely poinled apex, wie Montagu, zuschreiben,
174 v. Martens:
An den Küsten der nordamerikanischen und höchst-
wahrscheinlich auch der europäischen Nordsee. Diese Art
scheint noch weniger als andere an den Salzgehalt des Mee-
res gebunden zu sein. Die abgefressene Spilze erinnert an
manche Brackwasser- und viele Süsswasser-Conchylien, mein
Exemplar fand ich bei Bergen im sogenannlen Lungersvand,
an der Unterseite eines Steines im Schlamme, der zahlreiche
Lumbrieilli aber keine andere lebende Schnecke beherbergte,
zur Ebbezeit über Wasser.
Vielleicht ist auch die folgende nur als Abänderung der
vorliegenden Art zu betrachten.
6. Hydrobia baltica Nilss.
Taf. V. Fig. 6.
Schale 3%/, Mill. lang, konisch , nach oben sich allmäh-
lich verjüngend, aber stumpf endend, aus 4,—5 Windun-
gen bestehend; diese sind im Allgemeinen nur wenig ge-
wölbt, biegen sich aber nach oben gegen die Nath fast ho-
rizonlal ein, so dass ein ireppenförmig abgeselzies Gewinde
entsteht; die Spitze eniweder ganz stumpf, indem die erste
Windung beinahe scheibenförmig ist, oder korkzieherarlig
gedreht; auch das Verhältniss der einzelnen Windungen zu
einander sehr verschieden, zuweilen alle gleichmässig zu-
nehmend, zuweilen die zwei vorlelzten von gleichem Durch-
messer und die letzte dann um so stärker vorlrelend, an
eine Säule mit ihrem Piedestal erinnernd. Länge zur Breite
— 8:5. Die Mündung nimmt '/, der ganzen Länge ein,
steht nahezu senkrecht, ist rundlich, ihre obere Ecke bald
mehr bald weniger deutlich ausgesprochen, an die vorleizte
Windung angelegt; auch nach unten (vorn) zeigt die Mün-
dung zuweilen sich melanienarlig vorgezogen. Der Columel-
larrand umgeschlagen,, den deutlichen Nabelritz zur Hälfte
deckend,, die Schale durchsichtig, glasarlig glänzend, mil
deutlichen Anwachsstreifen. Nach Exemplaren von Swine-
münde, die ich der Güte der Hrn. Prof. Beyrich verdanke;
es sind elwa zwei Dutzend an der Zahl, diese zeigen solch
auffallende Verschiedenheiten, wie sie oben bemerkt und mir
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 175
von keinem anderen Vorkommen verwandter Arten bekannt
sind. Auf den ersten Anblick erinnern sie an acula, na-
mentlich in der allgemeinen Form, zeigen jedoch nie die
gleichmässig gewölbte Form der einzelnen Windungen und den
regelmässig zugespilzten Wirbel derselben. Die Mittelplalte
der Radula zeigt 9 ziemlich lange, von innen nach aussen
gleichmässig abnehmende Zähne, die Zwischenplatte 7, wo-
von der dritte doppelt so gross als die andern, die innere
Seitenplalte 9, die äussere eine sehr schwache, nicht zähl-
bare Zähnelung. (Prof. Troschel nach ganz übereinstim-
menden Exemplaren, welche Prof. Braun nebst kleinen Lim-
naeen zwischen Chara crinila Wallr. von Rügen und Stral-
sund fand.)
Bei ihrer grossen Veränderlichkeit bin ich geneigt, die
meisten von den verschiedenen Autoren als ventrosa oder
baltica beschriebenen Ostseeformen hieher zu zählen (doch
wurde das Vorkommen einer Form von stagnalis in Kiel schon
oben erwähnt).
Paludina baltica Nilsson moll. suec. 1822. p. 91. Oslsee an
Tangen und Steinen, mit Limnaeus und Nerilina ; auch
die Weichtheile beschrieben. Oft abgestulzt. Nilsson’s
Worte anfr. tereli, convexi, aequabililer crescenles; su-
lura profunda; verlex in slalu integro aculus, so wie der
Umstand, dass Malm dieselben nach Exemplaren von
Nilsson’s Fundort Esperöd unbedenklich für ventrosa von
Forbes und Hanley erklärt, liessen mich anfangs ent-
stellle Exemplare der acula vermulhen, aber alle Ost-
seeschnecken, die ich selbst gesehen, slimmen doch zu
wenig mit dieser überein. Kleeberg’s Beschreibung von
ballica passt noch weniger zu der unsrigen.
Paludinella ballica Oersted de regionibus marinis 1844. p. 69.
Sund in der Region der Trochoideen und grünen Algen.
Paludinella baltica Loven moll. scand. 1846. p.25 schwe-
dische Küste des Kaltegat. Forbes und Hanley sa-
gen zwar IV. p. 143, dass sie von Loven unter die-
sem Namen eine der slagnalis var. Barleei ähnliche Form
erhiellen, zu einer solchen passen aber die wenigen Worte
bei Loven nicht,
176 v. Martens:
Bylhinia viridis Malnı zoologiska observationer Gölheborg,
Heft I. 1851. (Abdruck aus den’ kongl. vet. och. vilt.
samhällets i Götheborg handlingar 1851) p. 130 und
ibid. Heft Ill. 1855 (handl. ete. 1853—54) p. 128 im
Göthaelf bei Gothenburg. Malm's Beschreibung so wie
seine Vergleichung mit der ebenfalls stumpfen aculta
Steins (s. unten Steinii) lassen mir keinen Zweifel, dass
unsere Art gemeint sei.
? Paludina stagnalis var. A. Küster, Paludina in Chemnitz
neue Ausgabe 1852. S. 70. Taf. 12. Fig. 25.26 vom Sund.
Paludinella stagnalis (Middend.) Nordenskiöld und Nylander
finnlands mollusker 1856. 8. p. 93 (länger und spilzig.)
ai} Hydrobia ventrosa Mont.
Taf. V. Fig. 7 u. 8.
Schale bis 4Mill. lang, regelmässig konisch-ge-
thürmt, spitzig, aus 5/,—6 stark gewölbten Um-
gängen bestehend, deren Fläche dicht an der Nath fast
horizontal wird, daher diese lief einschneidet. Tangenten-
winkel wechselnd, im Durchschnilte 45°. Länge zur Breite
— 2:1. Die Mündung nimmt '/; der Schalenlänge ein, steht
nahezu senkrecht, ist schief-eiförmig, ihre obere Ecke in der
Regel wenig ausgesprochen, an die vorletzte Windung ange-
legt. Der Aussenrand ist gerade, nicht ausgeschweilt, der
Columellarrand schwach rückwärts gebogen, er lässt einen
belrächllichen Nabelritz offen. Bis jelzt sind mir nur ausge-
bleichte Exemplare vorgekommen (nach Montagu und For-
bes-Hanley ist die frische von einer blassen Hornfarbe,
oft mit einem Stich ins Olivengrüne oder bräunlichgelbe).
Die Anwachsstreifen sind deutlich zu sehen, die Schale ist
noch Jurchscheinend und hat einen matten etwas seidenarti-
gen Glanz, einige zeigen noch Reste einer horngelben Fär-
bung. So nach Exemplaren aus dem Mannsfelder Salzsee.
Damit: stimmen ‚solche aus den Brackwassersümpfen der Pro-
vence von Requien in den Sammlungen der Herren Beyrich,
Ewald und Albers grossentheils überein, manche sehr nahe,
die Mehrzahl ist elwas schlanker und länger, nähert sich
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 177
dadurch unserer No.1, ebenso die, welche das Berliner Museum
von Eichwald als aus demLiman (Erweiterung der Fluss-
mündung) des Bug stammend erhielt. Näher mit der obigen
kommt auch die Zeichnung einer terliären Schnecke aus dem
Erbenheimer Thälchen (Mainzer Becken) überein, welche Prof.
Braun in seiner leider nicht veröffentlichten Arbeit über
Litorinella acuta, var. elongata nennt; neben ihr kennt der-
selbe aber noch schlankere Formen (5Mill. lang und 2 Mill.
breit). Die gewöhnliche Form im Mainzer Becken ‚aber, von
A. Braun als acula vulgaris’ bezeichnet, im hiesigen mine-
ralogischen Kabinete aus den Fundorten Mainz und ‚Flörsheim
verlrelen, ist etwas kleiner als die vom Salzsee und hat die
Nälhe etwas weniger lief; doch scheinen die Unterschiede
zu wenig bedeutend für eine specifische Trennung. Viel
zweifelhafter ist mir dieses aber bei anderen aus dem Ceri-
linasande von Kleinkarben, deren Untersuchung ich ebenfalls
der Güte derHrn. Prof. Beyrich verdanke; sie haben noch
seichtere Näthe und treten der oben beschriebenen stagnalis
näher.
In der alten Schlotheimischen Sammlung befindet sich
ein Stück voll dieser Schnecken, von Oberkassel im Bergi-
schen, es ist daher möglich, dass es dessen Helicites palu-
dinarius ist; dessen H. socialis aber, oder was dasselbe
scheint, H. gregarius seiner Sammlung steht der Bylhinia ten-
taculata weit näher. Ohne Zweifel auch hieher gehörig und
nicht mehr, als die Mainzer unter sich, abweichend, finde ich
in der hiesigen mineralogischen Sammlung eine Sehnecke aus
dem Wiener Becken, von Zelebor eingeschickt.
Im zoologischen Museum fand ich endlich ein Gläschen
voll solcher Schnecken, frisch und glänzend, mit der Etikelte:
Surinam, Hoffmann. Wie weit dieser Standort zuverlässig
ist, mag dahin gestellt bleiben.
Die Synonymie der ‚vorliegenden Art dürfte sich folgen-
dermassen gestalten:
?Kleine Schnecklein, einer Erbse gross, im Sande| des
Ufers der Seeburgischen Salz-See bei See-Reblingen.
Lesser lestaceotheologie 1744. p. 138. (ist unser Salzsee).
Die kleinste weisse Flussschraube mit weiten bauchigten
Archiv f. Naturgesch. XXIV, Jahrg. 1. Bd. 12
178 v. Martens:
Windungen. Schröter Geschichte ‚der Flussconchylien
1779, 8.951. Taf. 8, Fig. 7, aus Sand unbekannter
Herkunft.
Helix ulvae Pennant brit. zoology IV. 1787. 8. p. 132, pl. 86,
fig. 120. Flintshire an Ulva lactuca.. Die Figur so wie
die Angabe im Texte, dass die erste Windung bauchig
(ventricose) sei, spricht für diese Art und gegen stag-
nalis, wozu sie meist eitirt wird.
Helix turgida Gmelin, Linn. syst. nat. ed. 13. 1788-92.
p- 3667 nach Schröter. Das Wort „oblusa“ ist’ weder
durch dessen Text noch Figur gerechiferligt.
Turbo ventrosus Montagu test. brit. 1803. p. 316. pl. 12.
fig. 13. Küste von Kent.
Cyelostoma acutum Draparnaud moll. de la France (1805)
p- 40. pl.1. fig. 23 ohne Fundort.
Bulimus elongatus Mogontianus Faujas St. Fond in den Ann,
du Mus, d’hist. nat, VIII. 1806. p. 372. pl, 58. fig. 5—8
fossil von Mainz; derselbe in Ann. Mus. XV. 1810. p, 145,
pl.8. fig. 1—4, lebend aus einem Brackwasserteich bei
Villeneuve de Maguelone im südlichen Frankreich, fig.
6, u. 8 fossil von Mainz.
Paludina pusilla Ferussac me&moires geologiques 1814. p. 64
marnes d’eau douce de Paris und un Cyclostome flu-
viatile ibid, p. 13 von Mainz.
Paludina pusilla Eichwald faun. casp. cauc. 1841. p. 204,
tab. 38. fig.12.13 von Odessa, nicht aber die des kas-
pischen Meeres, vgl, Nouv. Mem. soc. imp. nal. Mosc. X1.
1855. p. 306.
Helicites paludinarius Schlotheim Pelrefactenkunde 1820,
?Leachia vitrea Risso hist. nat. de l’Eur. merid. IV. 1826.
p. 58. Sümpfe bei Nizza. (Nach der Beschreibung).
Paludina elongata Münster in Bronns Jahrbuch f. Mineral.
1829. S. 75 (vermuthlich vom Mainzer Becken).
Paludina acula Michaud complement 1831. p. 100 nach Dra-
parnaud.
Paludina acuta Deshayes Lam, an. s. vert. X, ed, 2, Bd, VIII.
1838. p. 521 von der Gironde elc.
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 179
Paludina coerulescens Höninghaus in Bronns Jahrbuch für
Mineralogie u. s.w. 1831. S. 169. .Mombach im Mainzer
Becken.
Paludina: exilis Schlüter systematisches Verzeichniss meiner
Conchyliensammlung. Halle 1838. 8..8; 13 oline Beschrei-
bung, von Halle, also vermuthlich vom Salzsee.
Litorinella acuta A. Braun im 'amil. Berichte über die Na-
turforscherversammlung zu Mainz’ 1842.
Litorinella acuta Walchner Darstellung d.geolog. Verhält-
nisse ‘des Mainzer Beckens, aus der zweiten Auflage
seines Handbuchs bes. abgedruckt S. 41.
Litorinella acula Sandberger Untersuchungen üb. d.' Main-
zer Terliärbecken 1853. $. 39.
Litorinella acula Eichwald in den Nouveaux Memoires de
la Societe imperiale des naturalistes a Moscou XI. 1855.
Taf. 10. Fig. 10. 11. Kaspisches und schwarzes Meer.
Rissoa ventricosa Macgillivray moll. scotl. 1844. p. 148 im
Sande von Donmoutlı bei Aberdeen.
Rissoa ventrosa Forbes und Hanley brit. moll. II. p. 138.
IV. pl. 87. fig. 5. 6 (kaum 7) Grossbritannien, Meer ünd
Brackwasser, weniger häufig als stagnalis.
?Hydrobia acuta Dunker Süsswassermollusken der Braun-
kohlenformalion von Gross- Almerode in Niederhessen!
Programm der Gewerbeschule in Cassel $. 12 nach der
Diagnose ; das hiesige 'mineralogische Museum besitzt
unsere Schnecke von jenem Fundorte nicht, wohl aber
sehr ähnliche, grössere , welche ‚Prof. Beyrich wohl
mit Rech! für den Jugendzusland. der Dunker’schen H,
Chastelii hält; es bleibt mir somit zweifelhaft, welche
Dunker gemeint hat,
Hydrobia acuta Adolf Schmidt Beiträge z. Malacologie 1842
(bes. abgedruckt aus Giebels Zeitschr, fd. gesammten
Naturwissenschaften Jahrg. 1856), soweit auf die Schnecke
des Salzsees, bezüglich.
Anmerkung. "Dass ‚Nerila minuta Müll. hist. verm.
p- 365 und Schröter Flussconch. 7, 14, welche verschie-
dene Autoren zu acula eiliren, nicht hieher gehört, ergiebt
sielı neben der ganzen Form (der Schale wesentlich 'auch aus
180 v. Martens:
der Notiz über die Weichtheile bei Schröter S.288,, 'wo-
nach 'sie"'ein Limnaeus ist. Ferussac sah bei 'leizterem
die von demselben in seinen Flussconchyl. 8, 8u. 9 abgebil-
eten’ kleinen Hydrobien vom Main und Rhein (— es ist wohl
ein‘ Druckfehler , dass Ferussac beidemal Fig. 9 eilirt —)
und nahm sie willig als die lebenden Analoga der Mainzer
Schnecke an, giebt übrigens selbst zu, dass’ die Artunler-
scheidung hier noch besonderer Arbeiten bedürfe. Mir scheint
Schröter's Fig. 9, ‚die übrigens aus dem, Steinthale‘. bei
Strassburg, nicht aus dem Rheine selbst stammt, wegen: ihres
stumpfen Wirbels vielmehr zu viridis Pulons ‘und ‚Moquin-
Tanıons zu gehören. Pal. acula Klein württemb. Jahreshefte
1846. 2, 12 scheint durch die weniger gewölbten Umgänge
und. die längere Mündung verschieden,
Villa giebt P. acuta von Sardinien, Ferd. Schmidt
aus. den Anschwemmungen der Schuschitza in Unterkrain,
Spinelli aus dem Sande des Sees von ldro in Oberitalien
an; da sie dein blossen Namen keine weitere Beschreibung
zufügen und ich Exemplare von diesen Orten noch nicht
kenne, konnte ich sie nicht ciliren. Möglicherweise kann
auch die folgende oder ganz neue Arten zu Grunde liegen.
Das Vorkommen, von. acuta geslaltet sich folgender-
massen:
A) Lebend wie es scheint an.den Küsten der Nordsee,
die Weichtheile noch nie beschrieben.
B) Bis jetzt nur todt gefunden im Brackwasser des mil-
telländischen und schwarzen Meers, im kaspischen Meer und
in einem kleinen vom Meere entfernlen Salzsce, dem mehr-
mals genannten Mannsfeldischen zwischen Eisleben und Halle ;
hier suchte ich sie vergeblich an den verschiedensten Was-
serpllanzen, an den Steinen und am Ufer, fand sie aber häufig
todtvim Schlamme (an der Nordseite gegen Erdeborn zu),
so'»wie ich bis an den Hals ins Wasser ging. Dass'sie ana-
log der Hydrobia viridis und ihren Verwandten, in kleinen
Bächen und Quellwassern lebe, ist wegen ihres. sonsligen
Vorkommens unwahrscheinlich; oder sollte,sie garnicht mehr
lebend daselbst vorkommen ?
C) Entschieden fossil und zwar oligocaen im Mainzer
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 181
Becken, miocaen in Wiener Becken. Walchner führt,sie
fast durch. ‚die ganze Schichtenfolge an, Sandberger.be-
schränkt sie auf den Litorinellenkalk, Cerithienkalk und Cy-
renenmergel. Sie alle enthalten Land-, Süss- und ‚Brack-
wasserschnecken, hievon kann ich, wie oben gesagt, nur
unter denen des Litorinellenkalkes mit der gegenwärligen
übereinstimmende anerkennen.
8. .Hydrobia vitrea Drap.
Taf. V. Fig. 10.
Schale über 3 Mill. lang, schlank gethürmt, oben
stumpf aus 'y,, selten 6—-6'/, Umgängen bestehend, welche
sich regelmässig, doch viel langsamer als bei der vorigen,
absitufen und durch minder tiefe Näthe getrennt sind. Tan-
gentenwinkel 26—32°. Länge zur Breite 3: I—1Y,. (Wie
alle überhaupt, so erscheint diese insbesondere schlanker,
als man nach diesen Zahlen erwarten dürfte, weil die Rich-
tung der Umgänge oder der Nath hier noch schiefer als bei
den andern ist). Die Mündung erreicht nicht ganz !/, der
Schalenlänge , steht nahezu senkrecht und gleicht in ihrer
Form der von acuta, aber die obere Ecke stehtvon
der letzten Windung ab, frei nach aussen, wie
bei H. viridis und Verwandten. Der ganze Mundsaum ist
schwach auswärls gebogen (peristoma patulum), der Aussen-
rand bogig geschweilt, der Columellarrand an die vorlelzte
Windung angelegt, unten einen deutlichen aber engen Na-
belritz übrig lassend. Die Schale ist von feinen regelmässi-
gen, nur mil der Loupe sichtbaren Anwachsstreifen bedeckt;
sie ist durchsichtig und glasartig glänzend, die verbleichten
Exemplare zeigen einen weit stärkeren Glanz als die der
vorigen Art vom Salzsee. Sie klebten an den feuchten Wän-
den einer Kalkhöhle voll durchsickernden Wassers, beim
Krotenkopfe am Walchensee (in Oberbaiern), deren Kenntniss
und Besuch Prof. Joh. Roth und ich dem freundschaftlichen
Eifer des Hrn. Dr. Heinrich Dessauer aus München ver-
danken. Uebereinstimmend damit finde ich diejenige, welche
der Neckar alljährlich bei Canstalt mitandern kleinen Sehnek-
182 v. Nartens:
ken, namentlich Pupa muscorum und Achatina acicula an-
schwemmt. ' An beiden Orten kommen auch elwas kürzere,
weniger schlanke Formen unter den anderen vor.
Cyelostoma vitreum Draparnaud moll. franc. (1805) p. 40.
pl. 1. fig. 21. 22. Von der Rhone angeschwemmt.
Paludina 'nitida Menke synops. ed. 2. 1830. p.41 nach von
meinem Vater erhallenen Exemplaren aus dem Neckar,
ohne Beschreibung.
Paludina nitida v. Seckendorf in den Jahresheften des Ver-
eins f. Naturkunde in Würtlemberg, Jahrg. 1846. p.42
ebendaher, mit einer kurzen Diagnose.
Paludina diaphana Michaud compl&ment i831. p. 97. pl. 15.
fig. 50. 5l. Anschwemmungen der Rhone.
Paludina pellucida Benz. v. Seckendorf im Correspondenz-
blatt des K. Württembergischen landwirthschaftlichen
Vereins, Jahrg. 1834. S. 19. vom Neckar, — Villa disp.
syst. p.41. (Name ohne Beschreibung.)
Paludina acicula Held in der Isis 1837. Anschwemmungen
der Isar bei München (aber testa imperforala ?)
Paludina acicula Küster Paludina in der neuen Ausgabe
von, Chemnitz 1852. S. 57. Taf. 11. Fig. 5. 6. Eben-
daher und aus der Tauber bei Mergentheim.
Paludina vitrea F. Förster in Fürorohrs nalurhistorischer
Topographie von Regensburg. Bd. III. 1840. S. 470: von
der Donau angeschwemmt, ohne Beschreibung.
Paludina vitrea‘ Held die Wassermollusken Baierns im Jah-
resberichte der k. Kreis-Landwirthschalts- und Gewerbs-
Schule zu München für das Schuljahr 1846-47. $. 15. Bei
München, von der Isar angeschwemmt, ohne Beschreibung.
Paludina vilrea Küster Ausg. v. Chemnitz 1852. S. 56. Taf.
11. Fig. 1. 2 aus dem westlichen Frankreich, von Char-
pentier, der es von Ferussac erhalten habe. Die Var.
Fig; 3. 4, welche Küster von Benz erhalten haben und
die demnach bei Stuttgart (richtiger bei Canstatt) ge-
funden sein soll, passt weniger zu meinen Exemplaren.
Hydrobia vitrea Dupuy moll. franc, 1852. pl. 28. fig. 8.
Rhone, ferner bei Agen in klaren Quellen an Steinen
und todten Blättern (Gassies) und bei Troyes.
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 183
Bylhinia vitrea Mogq.-Tand. moll. franc. 11. 1855. p.518. pl. 38.
fig. 33. 34 und dessen var. elongata, aus der Aube, Vienne,
Garonne, Rhone. Ob er mit Recht P. bulimoidea Mich.
hinzuzählt, kann ich nicht entscheiden.
Eine sehr schlanke pfriemförmige Hydrobia Ad. Schmidt
in Giebels Zeitschr. f. d. gesammten Naturwissenschal-
ten 1856. (Separatabdruck p. 43) aus der Tauber bei
Rothenburg in Baiern, von Sturm erhalten.
Ausser Ad. Schmidt erwähnte keiner das Vorstehen
der oberen Ecke der Mündung oder bildete es ab; ich finde
es aber bei allen meinen ausgewachsenen Exemplaren.
Schröter’s kleinste bläuliche Flussschraube mit enge-
ren bauchigten Windungen (Flussconchyl. S. 352. Taf. 8. Fig.8)
von Gmelin Helix coerulescens gelauft, unler der Sachsen-
häuser Brücke zu Frankfurt in der grössten Menge gefunden,
passt nach der Abbildung nicht so übel, die Farbe ist schwer-
lich an frischen Exemplaren bläulich oder dunkelviolelt, son-
dern erst im schwarzen Schlamme so geworden, aber die
scharfe Spilze und die undurchsichtige Schale sprechen ent-
schieden dagegen. Ich habe an Ort und Stelle, freilich im
Herbst und nicht nach einem Hochwasser , vergebens mich
nach dieser Schnecke umgesehen. In Höninghaus’ Verzeich-
niss wird der Name coerulescens für die Mainzer ventrosa
benulzt, zu dieser passt Schröler’s Figur ebensowenig.
In den Anschwemmungen der Flüsse im südlichen Deulsch-
land und mittleren Frankreich, aber nur hier von Gassies
(s. Dupuy) lebend gefunden.
9. Bydrobia Steinü M.
Tar. V. Fig. 9.
Schale 4 Mill. lang gethürmt -eiförmig, oben stumpf,
indem die erste Windung sich kaum über die
zweite erhebt, aus 4), gewölbten, regelmässig
abgestuften Windungen bestehend; Nath tief. Verhält-
niss der Länge zur Breite —= 2:1 (bei den völlig ausge-
bildeten, die seltener sind, als andere, jüngere mil 3, Win-
dungen und einem Verhältniss von 3 zu 2); die Mündung
184 v. Martens:
2/, der Länge, etwas schief stehend, rundlich-oval, mit nur
schwach 'ausgesprochener oberer Ecke, welche sich an die
vorhergehende Windung anlegt ; Mundsaum gerade; ein deut-
liches aber enges Nabelloch.
Die Schale ist durchsichtig, glasarlig, mit deutlich aus-
gesprochenen Wachsthumsstreifen bedeckt. Auch ausge-
bleichte, sog. caleinirte Stücke behalten einen Glanz, der sie
neben der Gestalt der ersten Windungen wesentlich von der
acula des Mannsfelder Salzsees unterscheidet, sie gehört in
die,von Ferd. Schmidt und Frauenfeld als Paludinella
bezeichnete Gruppe der kleinen Süsswasserpaludinen , deren
bekannteste die ächten und unächten viridis sind, und welche
bis jetzt nur in Quellwasser lebend gefunden wurden. Herr
J. P. E. Fr. Stein, durch seine Arbeit über die Mollusken
der Umgegend Berlins in unserem Fache bekannt, fand ein
solches, noch glashelles und mehrere ausgebleichte Exem-
plare am Ufer des Tegelsees zwischen Berlin und Spandau,
namenllich auch an Phryganeengehäusen ; lebende zu finden
ist noch nicht geglückt. Prof. Troschel fand ein Exem-
plar in der Havel bei Pichelsberg *).
Bythinia acula (non Drap.) Stein die Schnecken und Mu-
scheln der Umgegend Berlins 1850. S. 95. 3, 5. (Diese
Figur erscheint weit spilziger, als alle die vom Verf.
mir freundlichst geliehenen Originalexemplare.)
Unter den von Frauenfeld in den Silzungsberichten
der Wiener Akademie 1857 beschriebenen Arten stimmt cy-
lindrica Parr. in der Form am meisten mit der Stein’schen
überein, unterscheidet sich aber durch das frei vortrelende
obere Eck der Mündung; austriaca hat die letzte Windung
weit schmächtiger, Dunkeri zeigt andere Proportionen, die
letzte Windung viel zu stark überwiegend. Die ebenfalls nahe
Hydrobia brevis Dr. und abbreviala Mich. mit mehreren an-
deren, welche Dupuy unterschieden hat, Moquin-Tan-
don als Varietäten betrachtet, unterscheiden sich alle durch
eine seichtere Nath, H. Reyniesi Dupuy durch die nahe der
Nath verlaufende stumpfe Kante.
*) Ich habe dasselbe tagelang lebend beobachtet; es liegt im
Berliner zool, Museum. Das Thier war grau, mit kurzen stumpfen
Fühlern. Troschel,
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 185
10. Hydrobia Preissii Phil.
Schale 3 Mill. lang, eiförmig-konisch, stumpf-
lich, aus 41, schwach gewölblen Windungen bestehend;
Nath seicht; Tangentenwinkel 40°. Verhältniss der Länge
zur Breite = 3:2. Die Windung nimmt 2/, der ganzen
Länge ein, sie steht schiefer als bei den übrigen, und man
bemerkt die Herabbiegung der Nalh vor derselben deutlich;
sie ist ebenfalls oval, ihr oberes Eck an die vorhergehende
Windung angelegt; der Aussenrand gerade, der Columellar-
rand fast geradlinig zurückgebogen, ein deutliches, aber
enges Nabelloch übriglassend. Ich kenne sie nur nach Einem
vollständigen Exemplare, das ich von Preiss selbst erhielt;
es ist ausgebleicht, wie alle bis jelzt bekannlen, milchweiss
und glasarlig glänzend, mit deutlichen Anwachsstreifen und
auf der Hälfte der letzten Windung findet sich ein wulsliger
Absatz, an Hydrobia gibba Dr. erinnernd, der auch eine Ein-
knickung der Nalh nach unten an dieser Stelle veranlasst hat.
Aus weissem Quarzsand bei Point Belcher am Schwanenflusse
ausgelesen.
Paludina acula (non Dr.) Menke moll. nov. Holl. p.8 ohne
Beschreibung, nach Exemplaren von Preiss, wie die fol-
gende.
Paludina Preissii Philippi icones. Bd. Il. Heft 13. S.137. Palud.
Taf.Il. Fig. 12. 1846. Mit Ausnahme des Ausdruckes
imperforata passt Beschreibung und Abbildung vollkom-
men aul das mir vorliegende Exemplar.
11. Hydrobia Tasmanica M.
Taf. V. Fig. 12.
Schale 2'/, bis 3 Mill. lang, konisch, spitzig, aus 4/,-—-5
gewölbten regelmässig abnehmenden Umgängen
bestehend; Nath mässig tief. (Tangentenwinkel ungefähr 35%).
Verhältniss der Länge zur Breite = 5:2, Die Mündung
nimmt ebenfalls ?/, der Länge ein (bei jüngeren noch mehr),
steht nahezu senkrecht ; der obere Winkel derselben legt sich
an die vorhergehende Windung an und ist abgerundet; der
Mundsaum verdickt, gerade; der Columellarrand gebogen an-
186 v. Martens:
gelegt den Nabelritz ganz ‘(bei jüngeren fast ganz)
schliessend. Dünnschalig, glänzend mit deutlichen Wachs-
thumsstreifen, braun wie Helix lucida oder bräunlich-
roth. Mundsaum weiss. In der Form zwischen Ihermalis
und acuta die Mitte haltend , durch Grösse und Farbe von
beiden abweichend. (Deckel spiral.) An Chara macropogon
A. Br. aus Vandiemensland von Prof. Braun in grosser An-
zahl gefunden.
b) Nahe damit übereinstimmend finde ich eine Anzahl
Exemplare, welcheEhrenberg am Ufer des rothen Meeres
gefunden hat, sie zeigen sich der Mehrzalıl nach bei einer
bedeutenderen Grösse (4 Mill. Höhe) breiler und konischer,
oft ist die Breite die Hälfte der Höhe, andere gleichen hierin
der vorigen, die Windungen sind weniger gewölbt, die Fär-
bung gelbbraun, der Glanz geringer. Mehrere derselben zei-
gen dem Auge ein punklirtes Ansehen, was aber von einer
fremden Auflagerung herzurühren scheint. Sie sind Taf. V.
Fig. 11 abgebildet und mögen Hydrobia Erythraea heissen,
es bleibt dem subjekliven Urlheile und weiteren Nachfor-
schungen an zwischenliegenden Lokaliläten überlassen, ob
sie als eigene Art oder als Lokalvarielät (Subspecies) zu be-
trachten sei, jedenfalls ist sie ein weiteres Beispiel dafür,
dass die Fauna des rothes Meeres der der Südsee näher
steht, als derjenigen des Mittelmeers.
12. Hydrobia? ferruginea Menke.
Taf. V. Fig. 13.
Schale 11,—1%., Mill. lang, konisch, regelmässig
abgesluft, stumpf, aus 3',—4 starkgewölbten Win-
dungen mit tiefer Nath bestehend. Tangentenwinkel 420,
Verhältniss der Länge zur Breite = 4:3, indem die Mün-
dung stark vorgezogen ist; dieselbe steht schief, (der
untere Theil mehr vortretend) und nimmt ®%/, bis ’/, von. der
ganzen Länge ein, ist nahezu kreisrund, doch nach oben in
ein spilzes Eck auslaufend , welches sich an die vorberge-
hende Windung anlegt. Der Mundsaum ist verdickt, und lässt
einen „deutlichen Nabelritz ‚offen.
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 187
Die Schale ist glatt, durchsichtig, blass rothbraun, va-
riirt etwas in der Länge und Zuspitzung des Gewindes; ich
besitze ein Exemplar von 1'/, Mill., welches spilziger als die
andern ist; stumpfere und kleinere wurden von meinem Va-
ter in seiner Sammlung als Paludina oblusa bezeichnet und
wohl auch unler diesem Namen milgetheilt. Im Helminthochor-
ton der Apotheken aus Corsica.
Paludina ferruginea Menke synops. ed. 2. 1830. S. 133 nach
von meinem Valer erhaltenen Exemplaren aus dem Hel-
ıninthochorlon.
Paludina ferruginea A. var. Anton Verzeichniss 1839. S. 52
Sardinien. (? die von demselben als Typus betrachtete
dalmalische Schnecke — vulgalissima Küst. kenne ich
noch nicht, auch fehlt dieser Name bei Küster selbst).
Rissoa soluta Philippi moll. sicil. II. p. 130 Taf. 23. 13, der
Text passt vollkommen, die Figur elwas spilziger.
Die englische sog. solula (Forbes und Hanley Ill. p. 131.
IV. 75, 3. 4) ist durch die Sculplur und raschere Zunahme
der Windungen verschieden.
Was Jie Genusfrage betrifft, so wurden diese klei-
men Schnecken früher bald als gelhürnite Paludinen, bald —
wenigstens die meerbewohnenden — als glatte Rissoen be-
Irachtet und eingereiht.. Die Schale allein bietet allerdings
kein durchgreifend ‚unterscheidendes Merkmal gegen jene
zwei Gallungen, ‚doch steht sie als dünn und glatt, mit ein-
fachem Mundsaume in auffallendem Habilusgegensatze, gegen
die Mehrzahl der Rissoen, ‚wenn ‚gleich anzuerkennen ist,
dass auch unler diesen den gerippten sehr ähnliche, vielleicht
nicht, einmal. specifisch davon zu. Irennende glatte Formen
vorkommen, z. B. R. parva da Costa var. interrupla Adams.
Eine Spindelfalte, welche Küster in seiner Monographie der
Paludinen S. 71 als wesentliches Kennzeichen der Rissoen
ängiebt, fehlt sehr vielen derselben und gerade den typischen
wie R. coslata Desm. *). Die Weichtheile geben weilere Un-
ee —
*) Derselbe ist auch im Unrecht, wenn er I, c., Menke vor-
188 v. Martens:
terschiede an die Hand, indem die ächten Rissoen das Ende
der Sohle. sehr spitzig und am Deckellappen eine kleine
fadenarlige Verlängerung zeigen, während bei den erwähn-
ten Brackwasserarten, soweit deren Weichtheile bekannt,
jene abgerundet ist und diese fehlt, vgl. Forbes und Han-
ley Vol.1. Taf. J. J. Fig. 3 und 8. Die Bewaffnung der Zunge
oder Reibplatte stimmt allerdings im Wesentlichsten bei bei-
den überein, aber ebenso mit den kleinen Süsswasser-Hydro-
bien; Prof. Troschel fand jedoch einen Unterschied in der
Stellung der Basalzähne der Mittelplatte zwischen Hydrobia
und Rissoa, wie derselbe in dem gegenwärtig in der Aus-
arbeitung begriffenen dritten Hefte seines Werkes über das
Gebiss der Schnecken zeigen wird, (bei Hydrobia auf der
Fläche der Platte aufsitzend, bei Rissoa am seillichen Rande,
Verlängerungen desselben bildend) , und hierin stellen sich
unsere Brackwasserformen entschieden auf die Seite der Süss-
wasser-Hydrobien. Prof. Troschel halte auf meine Bitte die
Güte, selbst einige derselben, namentlich die stagnalis von
Malamocco, von Capo d’Isiria, ferner H. baltica von Stral-
sund, H. Ammonis aus der Oase zu untersuchen; sie stimmen
alle unter sich überein und ebenso mit der Schnecke von
Abano, welche derselbe schon in der zweiten Lieferung sei-
nes Werkes S. 108. Taf. 8. Fig. 6 beschrieben und abgebildet
hat; kleine Differenzen in der relativen Grösse und der Zahl
der Zähnelungen der verschiedenen Platten, wie sie theil-
weise oben angegeben sind, können nur als specifisch be-
trachtet werden. Die sogenannte H. viridis von München
(von der französischen verschieden, aber auch zu keiner der
von Frauenfeld unterschiedenen' "genau passend), wurde
des Vergleichs halber auch untersucht und zeigte bei son-
stiger Uebereinstiimmung an der Mittelplatte jederseils‘ zwei
Basalzähne; dass dieses aber nicht den Süsswasserformen
eigenthümlich sei, zeigt z. B. H. Sayana aus dem Ohio
wirft, Nilsson’s Beschreibung des Thiers von Pal. octona nicht be-
rücksichtigt zu haben; Nilsson sagt p.92 nur: Animal .... non-
dum examinavimus, beschreibt dagegen auf der vorhergehenden Seite
das von balthica. Küster scheint übrigens wie Malm Rissoa labiosa
für.Nilsson’s octona zu nehmen.
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 189
(Troschell.e. 8, 1), die auch nur einen Basalzahn jeder-
seils hal, und ebenso fand ich es bei H. abbreviala Dr. von
St. Paul in den Pyrenäen, bei welcher dieser eine Zahn übri-
gens ziemlich breit und stumpf ist. In der Bildung des
Deckels, aus wenigen Windungen gebildet, stimmen Hydro-
bien und Rissoen überein, weichen aber darin stark von den
ächlen Paludinen und Bylhinien mit concentrischem Deckel
ab, daher die Engländer sie jetzt von diesen trennen und mit
Litorina in eine Familie zusammenfassen. ' Assiminea Gra-
yana Leach, eine andere Brackwasserform aus England, im
Deckel: mit Hydrobia zusammenslimmend, unterseheidet sich
wesentlich durch die Stellung der Augen und das Gebiss *).
Lithoglyphus, 'vou' den meisten Auloren auch zu den Paludi-
nen mit Spiraldeckel gezogen, zeigt eine auffallend andere,
den Nerilinen verwandte Schalenform, grossmündig, mit
schwieligem Innenrande, welche übrigens durch Uebergänge,
z. B. die sog. Pal. Fluminensis (von Fiume) u. a. mit den
Hydrobien vermittelt wird; einen wichligeren Unterschied wird
das Vorhandensein eines Kiemenfadens, wie .bei Valvala, er-
geben, wenn sich diese Eigenthümlichkeit bei den lypischen
Arten aus der Donau, nalicoides Mhlild. und fusca Ziegl. be-
stäligt (s. Pfeiffer ‚Weichth. Deutschl. Th. ll); dann gehören
aber die amerikanischen piscium und lapidum Orb., welche
Adams und Gray als Beispiele von Lithoglyphus anführen,
nicht ‚hieher ; auch in der Schale stimmen diese mit Hydro-
bia, eine verdickie Lippe findet sich z. B. bei H. expansila-
bris Mhlild. u. a. Nahe verwandt scheint auch die oslindi-
sche Gallung Nemalura oder Stenolhyra Bens., aber durch
die festere (kalkige) Beschaffenheit des ebenfalls gewunde-
nen Deckels und die auffallend kleine Mündung verschieden;
nach diesem Kennzeichen dürften ‚auch einige Schnecken
der deutschen Terliärbecken zu Stenothyra zu gehören; z.B.
die belgische H. pupa Nyst., diese Galtung scheint auch das
*) Die von Lov&n gelieferte Abbildung gehört nicht der Assi.
minea Grayana an, wie Prof. Troschel schon in dem zweiten Hefte
seiner Schrift: „Gebiss der Schnecken“ 8.105 angegeben hat, Letz-
terer giebt Taf. 7. Fig. 13 eine Abbildung der Radula von A. Grayana
und Fig. 14 derjenigen der ostindischen Francisci,
190 v. Martens:
Brackwasser zu lieben (8. deltae Bens. im Gangesdelta, S.
venlricosa @. G. in Lagunen von Java). ‚Die. Gallungen,
welche theilweise nebeneinander, öfter sich durehkreuzend
und alle mehr oder weniger synonym, für die in Rede ste-
henden Schnecken vorgeschlagen wurden, sind in chronolo-
gischer Ordnung folgende:
Sabanaea Leach handschriftl. 1818 (vgl. Menke u. ‚Pfeif-
fer’s Zeitschr. f. Malakozoologie 1849. S.53) für die
glatten marinen Arten, welche früher zu Turbo, später
zu Rissoa gezählt wurden.
Hydrobia Hartmann in Sturm’s Fauna, Heft V. 1821. 8.47,
in der systematischen Uebersicht der deutschen Land-
und Süsswasserschnecken, also zunächst nur als solche
betrachtet. Von Paludina damals nur durch die ge-
Ihürmte Form der Schale unterschieden, daher nur acuta
und vitrea, nicht viridis als Arten angeführt. Vom spi-
ralen Deckel ist noch nicht die Rede, derselbe wurde
aber später nach Rossmässler’s Andeutungen bei Phi-
lippi, Dupuy u. A. der unterscheidende Charakter und
so dieses Genus wesentlich erweiter. Frauenfeld
(Sitzungsberichte d. Wiener Akademie 1857) beschränkt
den Namen auf die kegelförmig zugespilzten gelhünmten
Arten, und so könnte man auch bei eliwaiger weiterer
Zerfällung H. vitrea als ächte Süsswasserschneeke zum
Typus wählen, da ohnedies zweifelhaft bleibt, was
Hartmann unter acula sich dachte. Woodward be-
nutzt ihn umgekehrt als Bezeichnung für die Brackwas-
serschnecken, ohne der Arten des süssen Wassers ir-
gendwo zu gedenken.
Cingula Rleming hist..'of brit. animals 1828 für glatte, ge-
gitterte und gerippte Rissoen, wie auch für unsere
Brackwasserschnecken aufgestellt, auf welche. letztere
Gould (invertebr. of Massachusetts: 18%1) diesen: Na-
men beschränkt, sie durch den einfachen Mündungssaum
von Rissoa unterscheidend.
Pyrgula Jan. calalog. 1832 für eine durch Spiralkanten aus-
gezeichnele Art des Gardasees, die aber, so lange we-
der Weichtheile. noch Deckel bekannt, kein Recht auf
generische Trennung hat.
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 191
Leachia Risso hist. nat. de l’Europe merid. Bd. 1V. 1836.
p. 101. Süss- und Brackwasserschnecken mit gelhürm-
ter, dünner Schale und einfachem Mundsaume aus der
Familie der Paludinen (sonderbarer Weise aber mit die-
sen als Pulmones opereules betrachtet; Risso konnte
sich nicht entschliessen, sie weit von den Cyclostomen
zu trennen). Die abgebildete Art dürfte unsere slag-
nalis L. sein, die anderen sind nicht sicher zu enizif-
fern. Der Name mag daher für die Brackwasserschnek-
ken benutzt werden, wenn man sie von denen des süs-
sen Wassers trennen wollte, und hiezu empfiehlt er sich
auch als Seitenstück zu Rissoa.
Paludinella von L. Pfeiffer in Wiegmann’s Archiv 1841
für Meerschnecken, Philippi’s rundschalige Truncatellen
aufgestellt, von denen Gebiss und Deckel noch nicht
näher beschrieben, also ihre Einreihung zweifelhaft ist;
der Schale nach könnte man sie mil Jeffreysia vereinigen,
diese charakterisirt sich aber durch einen Fortsatz am
Deckel, ähnlich wie Neritina hat; die scheibenförmige
T. atomus Phil. dürfte zu Skenea gehören. Beck (bei
Möller index moll. 'grönl. 1842 Oersted de regionibus
marinis 1844) übertrug nun diesen Namen auf die eben-
falls glatten und marinen, aber in der Schalenform ab-
weichenden stagnalis und ballica; Rossmässler be-
nulzte ihn daher (handschriftlich 1846. s. Zeitschr. f. Ma-
lakool. 1856. S. 116) für alle Süsswasserpaludinen mit Spi-
raldeckel, J. C. Schmidt in seinem Verzeichnisse der
Conchylien von Krain 1847 vorzugsweise und ihm fol-
gend Frauenfeld («l. c.) ausschliesslich für die ei-
förmigen oben stumpfen Süsswasserpaludinen aus der
Gruppe der viridis.
Amnicola Gould und Haldeman 1841 ebenfalls für Flusspa-
ludinen mit spiralem Deckel, zunächst für 'porala Say,
also kürzere, konische Formen, von Woodward für
eine Schnecke aus der Verwandtschaft der Melanien in
Anspruch genommen,
Paludestrina Orbigny (moll. eub. 1841?) voy. am. mer.
1847. Süss- und Brackwasserarten, wesentlich auf den
Spiraldeckel gestützt.
192 v. Martens:
Litorinella Alexander Braun in dem amtlichen Berichte der
Nalurforscherversammlung in Mainz 1842, für Paludinen
mit Spiraldeckel aus süssem und salzigem Wasser, zu-
nächst für die acula aus dem Mainzer Becken.
Subulina Adolf Schmidt für die sogenannle Ihermalis von
Abano, (Aponensis), collidirt mit der gleichnamigen aus
Achalina abgezweiglen Gallung von Gray 1847.
Bythinella Moquin-Tandon moll. france. 1855. Untergaltung
von Bylhinia, durch den spiralen Deckel charakterisirt.
Bemerkung. Die Galtung Fidelis Risso, von demsel-
ben in eine ganz andere Ordnung gestellt, dürfte sich nach
Beschreibung und Abbildung nicht von Leachia- Hydrobia
unterscheiden lassen, ich vermulhe aber nach einer vorlie-
genden noch unbeschriebenen Odostomia des Mittelmeers,
welche in der ganzen Form, namentlich der schlanken letz-
ten Windung der Risso’schen Fidelis Theresa gleicht, dass
er, wenn nicht dieselbe, doch eine ähnliche Art vor sich
halle, dann müsste er aber die Spiralfalte ganz übersehen
haben.
Mit Berücksichtigung der Schalenform und des Aufent-
halts dürften sich die Hydrobien in folgende Gruppen ver-
theilen. i
I. Amnicolae Haldem. (Hydrobia Fräuenf.). Schale ko-
nisch, zugespilzt, mässig breit, meist: braun und un-
durchsichtig, Mündung nicht selten umgeschlagen. In
fliessendem Wasser. Hieher Fluminensis Ziegl., porata
Say, similis Dr. und expansilabris Mhifld.
II. Pyrgulae Jan. Länglich-eiförmig mit spiralverlaufen-
den Kanten. Hieher annulala Jan., bicarinata Desmou-
lins, coronala Pf. und cisternina Morelet; In süssem
Wasser.
Ill. EFonticotae (Paludinella im Sinne von Schmidt und
Frauenfeld). Schale eiförmig, stumpf, glasartig,
die obere Ecke der Mündung meist abstehend. In Quel-
len und kleinen Bächen. Hieher viridis Dr., abbre-
viala Mich., gibbaDr., Parreyssi Pf. , psiltacina Schmidt
so wie alle von Frauenfeld |. .c. behandelten Ar-
ten. H. vitrea führt durch ihre gelhürmte Gestalt zu
den folgenden hinüber.
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 193
IV. Leachiae Risso. Gethürmt, meist braun, mit einfachem
Mundsaume, ohne vorstehende Ecke. Im Brackwasser.
V. Eine fünfte Unterabtheilung könnten die rundlichen Ar-
ten des Salzwassers, die eigentlichen Paludinellen Pfeif-
fer’s und die neuholländische Paludina granum Menke
bilden, wenn dieselben überhaupt hieher gehören; Ris-
soa analina Forbes und Hanley, welche nach den An-
gaben über die Weichtheile zu Hydrobia gehört, ver-
bindet diese mit der vorhergehenden Gruppe.
Soweit aus den Untersuchungen einzelner Arten geschlos-
sen werden darf, zeigt die Radula, bei der vierten Gruppe
an der Zwischenplalte stets einen der ersten Zähne, den zwei-
ten oder dritten, je nachdem 6 oder 7 vorhanden, grösser als
die anderen und die äussere Seitenplatte nur schwach ge-
zähnelt; die drilte öfters zwei Basalzähne an der Miltelplatte
(doch finde ich bei abbreviata Mich. aus den Pyrenäen nur
einen breiten), die Zähne der Zwischenplatte annähernd gleich
oder doch gleichmässig abgestuft; die erste lauter grosse
Zähne an der Mittelplatte, an der Zwischenplalte den zweiten
sehr gross, die äussere Seitenplatte deutlich gezähnelt. Eine
weitere Gruppe, durch die geringe Zahl der Zähne an jeder
Platte bezeichnet , dürfte die langgestreckte cylindrische H.
Sayana aus den Flüssen Nordamerikas bilden, an welche sich
vermulhlich auch H. lapidaria Say anschliesst.
Zugleich als Namenregister für die besprochenen Ar-
ten und als ergänzende Erwähnung ihrer wirklich oder schein-
bar nächsten Verwandten in Europa, mögen hier deren
sämmtliche Speciesnamen in alphabetischer Ordnung aufge-
zählt und soweit möglich an den gehörigen Ort verwiesen
werden; die beigefügten römischen Ziffern deuten die oben
bezeichneten Unterabtheilungen von Hydrobia an.
acicula (Paludina) Held — vitrea Drap.
aculeus (Cingula) Gould, (Paludina) Küst.; amerikanisch; IV.
Middendorf[s Paludinella aculeus von der Küste des rus-
sischen Lapplands soll Rissoa striala Adams sein.
acula (Cyclostoma) Drap. elc. = ventrosa Mont. No. 7.
— «(Paludina) Menke moll. nov. Holl. — Preissii Phil.
No, 10.
— (Bythinia) Stein = Steinii M. No. 9.
Archiv f. Naturgesch. XXIV. Jahrg. 1. Bd. 13
194 v. Martens:
Ammonis s. No.4.
analina (Bulimus) Poiret, (Cycelostoma) Drap., (Paludina)
Michaud, mir unbekannt, nach Drap. aus dem süssen
Wasser, von Moquin-Tandon dagegen mit der bestimm-
ten Angabe „mollusque marin“ ausgeschlossen; doch
scheint sie mir verschieden von der englischen.
analina (Rissoa) Forbes und Hanley brit. moll. Ill. p. 134.
Taf.87. Fig. 3. 4. Diese letziere gehört in die Reihe
unserer Brackwasserschnecken. V. In manchen Samm-
lungen findet sich übrigens unter dem Namen Pal. ana-
tina die gewöhnliche stagnalis.
Aponensis s. oben No. 3. IV. Uebergang zu III.
atomus (Bulimus) Brongniart Ann. Mus. XV. 1810. 23,2 ver-
wandt mit baltica III.
atomus (Truncatella) Phil., (Paludinella) Pfeiffer , vielleicht
eine Skenea ?
Baltica s. No. 6. IV.
— Menke = stagnalis L.
Barleei (Rissoa) Jeffr., vgl. oben stagnalis No. 2.
castanea (Paludinella) Beck mser., Middendorf, (Rissoa)
Möller, (Paludina) Küst., in Grönland und Lappland,
durch Spiralstreifen charakterisirt, IV.
cingillata (Rissoa) Macgillivray, (Cingula) Thorpe = ist die
folgende.
eingillus (Turbo) Montagu, (Rissoa) Michaud, Forbes et
Hanley. Nordsee. Synonym ist villata (Turbo) Donovan
(Rissoa) Recluz. IV.
ceoerulescens (Helix) Gmel. unbekannt; (Paludina) Höning-
haus — ventrosa var. Mont.
cornea (Leachia) Risso = stagnalis L, s.No. 1; von Menke
mit Unrecht zu brevis Drap., einer Süsswasserschnecke,
eilirt. | h
Desnoyersii (Paludina ) Payr, ist eine junge Truncatella
truncalula.
diaphana (Paludina) Michaud = vitrea Drap.
— (Rissoa) Alder — Jeffreysia d., Forbes et Han-
ley 76, 1.
disjuncta (Turbo) Laskey, Montagu, (Rissoa) Brown ist
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 195
auch Forbes und Hanley unbekannt geblieben. Was
mein Vater für dieselbe hielt:
disjuneta (Turbo) Georg v. Martens Reise nach Venedig
1824. Bd. Il. S. 450. — (Paludina) Menke synopsis p. 41
ist verschieden von Fidelis Theresa Risso, nahe mil Aclis
nitidissima Mont. (Forbes und Hanley 20, 6. 7.) ver-
wandt und ohne Zweifel diesem Genus zuzurechnen;
die obersten Windungen ähnlich wie bei einigen Volu
ten, um einen rechten Winkel aufwärts gedreht.
elongata (Rissoa) Philippi moll. sicil. I. p. 154. Taf. X. Fig,
16. Sicilien. Zweifelhaft ob Rissoa oder Hydrobia IV,
vielleicht eher zu Gray’s Hyala gehörig.
elongata (Bulimus) Faujas, Münster — ventrosa Mont.
Erythraea s. No. 11b. IV.
exilis (Paludina) Schlüter — ventrosa Mont,
ferruginea (Paludinay) Menke s. No. 12. V.
fulgida (Helix) Adams, (Rissoa) Brown, Forbes et Hanley
brit. moll. Il. p. 128 u. 169. Taf. 81. Fig. 1. 2. Eng-
land. V.
fulva (Rissoa) Michaud ist Rissoa rubra Adams.
fusca (Truncatella) Philippi, (Paludinella) Pfeiffer. Palermo.
V.? Nicht zu verwechseln mit (Paludestrina) fusca Orb.
von Peru.
glabrata (Helix) Mhlfld., (Rissoa) Philippi moll. sieil. II.
R. punctulum Phil. ibid. I, vielleicht eine Jeffreysia.
globularis (Rissoa) Metcalfe. — litorina (Forbes et Hanley).
granulum (Rissoa) Philippi moll. sicil. Il. p. 130. Taf. 23.
Fig. 24. 1V?
graphica (Turbo) Turton, (Rissoa) Brown = viltata var.
hyalina (Turbo) Georg v. Martens Reise nach Venedig 1324.
Bd. Il. S.451. Taf. 3. Fig. 6 aus dem Sande der Lidi
von Venedig, also vermulhlich eine Meerschnecke, und
vielleicht zu Gray’s Genus Hyala gehörig; von Menke
(synopsis p. 41) als Paludina vilrea aufgeführt, weil er
sie für dieselbe mit Cyclostoma v. Drap. und Leachia
vitrea Risso hält; erstere ist bestimmt verschieden und
eine Süsswasserschnecke , letztere ohne Abbildung und
nur mit kurzer Diagnose mir unbekannt.
196 v. Martens:
interrupta (Turbo) Adams, Montagu etc. ist die glatte Va-
rielät von Rissoa parva Adams.
leverana (Helix) Mhlfld. = stagnalis L.
Kiloönsis (Hydrobia) Dunker — stagnalis L. var. C.
laevis (Cingula) Dekay soll nach von Middendorf = ulvae
Penn. sein.
lineata (Turbo) Georg v. Martens Reise nach Venedig 1824.
S. 451. Taf.3. Fig. 7 von Menke |. c. als Paludina striala
aufgeführt und als identisch mit Leachia lineolata Risso
(1826) bezeichnet; ist eine Chemnilzia aus dem Mu-
schelsande der Lid# von Venedig.
lineolata (Leachia) Risso ungenügend beschrieben, vgl. die
vorhergehende.
litorina (Helix) Audouin in Deseript. de l’Egypte Taf. 3.
Fig. 4; Chiaje mem. Ill. 49, 36—833; (Truncatella) Phil.
in Wiegm. Archiv 1841. 5, 7 und moll. sicil. II. 244;
(Rissoa) Forbes und Hanley brit. moll. 81, 67 und IV.
p- 265; hiernach würde sie eine Assiminea sein; Typus
des Genus Paludinella Pf.; es ist aber zu bemerken, dass
diese verschiedenen Abbildungen nicht genau zusam-
menpassen und möglicherweise Jeder eine andere Art
vor sich hatte.
minula (Nerita) Müll. ist ein Limnaeus, (Turbo) Totten etc.
s. No. 5.
murialica (Turbo) Beudant etc, —= slagnalis L.
nitida (Paludina) Menke — vitrea Drap.
nivosa (Turbo) Mont. etc. ist Odostomia cylindrica Alder
Forbes et Hanley 96, 7.
oblusa (Paludina), handschriftlicher Name für eine Abart
der oben erwähnlen ferruginea.
octona (Helix) Linne, (Paludina) Nilsson, nach Malm eine
junge Rissoa labiosa Mont.
octona (Helix) Penn. = minula Tolten,
opalina (Rissoa?) Jeffreys ist Jeffreysia opal.; Forbes und
Hanl. 76, 3. 4.
paludinaria (Helicites) Schlothein — ventrosa Mont,
pellucida (Rissoa) Bean, Forb. u. Hanl. 75, 9 soll’ nach
denselben eine Abart von venlrosa sein.
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 197
pellucida (Paludina) Benz handschriftlicher Name für vi-
trea Drap.
Preissii s. No. 10.
-s proxima (Rissoa) Alder, Forb. et Hanl. 75, 8. vergl. vi-
trea Mont.
pulcherrima (Rissoa) Jeffreys, Forb. u. Hanl. 75, 1. 2. V?
purpurascens (Paludina) Benz handschriltlicher Name für
Rissoa rubra Adams aus Algen von Biariz.
pusilla (Paludina) Ferussac, Eichwald = ventrosa Mont.
— (Bulimus) Brongniart, verschieden von ventrosa.
pygmaea (Bulimus) Brongniart Ann. Mus. XV. 1810. 23,1.
scheint mit Aponensis nahe verwandt zu sein.
rubra (Turbo) Adams, (Rissoa) Macgillivray, ıForb., Hanl.
78, 4. 5; synonym sind unifasciala (Turbo) Mont., Ris-
soa) Recluz, Brown und vielleicht R. fulva Mich., Phi-
lippi. Obwohl ganz glatt, doch nach Troschel’s Un-
tersuchung des Gebisses eine ächle Rissoa, hiezu stimmt
die Dicke ihrer Schale und ihr Vorkommen in den Algen
von Biariz zusammen mit der geripplen Rissoa parva
Adams (obscura Phil. , plicata Benz mscer.) und einem
Trochus; Hydrobien fanden sich daselbst nicht.
rupestris (Rissoa) Forbes ist eine Varielät von cingillus
Montagu.
salinae (Paludina) Küster — stagnalis L.
saxalilis (Rissoa) Möller vgl. stagnalis No. 2.
simplex (Rissoa) Philippi moll. sicil. Il. 23, 17, der hyalina
ähnlich, aber weit spitziger.
solula (Rissoa) Philippi moll. sieil. 11. 23, 18. V? vgl. fer-
ruginea.
solula (Rissoa) Jeffreys, Forb. u. Hanl.75, 3. 4, ist davon
verschieden. V.
spica (Paludina) Eichwald Nouv. Mem. soc. imp. nat. Moscou
X1. 1855. aus dem kaspischen Meere, nahe mit venlrosa
Mont. verwandt und vielleicht nur Abart derselben.
stagnalis (Helix) L. s. oben No. I. 2. IV.
stagnorum (Helix) Gmel., (Paludina) Turt. ist dieselbe.
Steinii s. No. 9. 11.
siriata (Paludina) Menke siehe lineata Martens.
198 v. Martens:
striata (Paludestrina) Orbigny aus Patagonien davon ver-
schieden.
striatella (Trochus) Fabr. vgl. stagnalis No. 2.
striatula (Rissoa) Jeffreys — proxima Alder, nicht: zu ver-
wechseln mit Turbo striatulus Montagu, einer ächten
Rissoa.
subumbilicala (Turbo) Mont. etc. = minuta Tolten. No,5?
Tasmanica s. No. 11.
thermalis (Turbo) L. unbekannt.
_ — 0Olivi, Georg v. Martens, (Paludina) Menke,
Philippi = Aponensis und stagnalis.
trifasciala (Turbo) Adams = cingillus Mont.
turgida (Helix) Gmelin = ventrosa Mont.
turrita (Paludina) Menke = Pupa fallax Say?
_ — Küster 8, 23—25, verwandt mit slagna-
lis L. IV.
ulvae (Helix) Pennant etc, —= ventrosa Mont.
— (Turbo) Mont. etc. = stagnalis L.
unifasciata (Turbo) Mont. etc. = Rissoa rubra Adams.
ventricosa (Pyramis) Brown, (Rissoa) Macgillivray = ven-
trosa Montagu. !
viridescens (Leachia) Risso wahrscheinlich — stagnalis.
ventrosa (Turbo) Mont. etc. s. oben No. 7. IV,
vitrea (Turbo) Montagu, (Rissoa) Macgillivray, Forbes u.
Hanley III. p. 125. 75, 5. 6. IV. p.265. Eine ächte
Meerschnecke, durch die Schiefheit ihrer Nälhe auffal-
lend; kein fadenförmiger Forlsalz am Fusse, Auge oben
an der Basis der kurzen Fühler, daher von Gray (guide
of the systemalie distribution of Mollusca in the British
Museum I. 1857) als eigenes Genus Hyala neben Eu-
lima etc. gestell. Der Schale nach zu urlheilen, ist
proxima Alder und glabrata Philippi ganz nahe verwandt.
vitrea (Cyclostoma) Drap. etc. s. oben No. 8.
— (Leachia) Risso, vielleicht = ventrosa Mont.
vittata (Turbo) Donovan — cingillus Mont.
vulgaris (Paludinella) Oersted — slagnalis L.
vulgalissima (Paludina) Küster nach Anton’s Verzeichniss
p-52 zu ferruginea Menke gehörig,
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs, 199
II. Einige Bemerkungen über Brackwasserbewohner
überhaupt.
Wir haben oben zu zeigen versucht, dass Cyprinodon
(in unserer Erdhälfte) nur in salzigem Wasser, sei es an
der Küste oder im Binnenlande, vorkomme; Hydrobia stag-
nalis zeigte sich uns als ausschliesslich im Brackwasser vor-
kommend und einer Arlengruppe angehörig, welche ebenso
salzige Binnenseen, wie das Meer bewohnt. Bei Enteromor-
pha intestinalis, der drilten Bewohnerin jenes Grabens von
Malamocco, wiederholt sich dasselbe. Ohne mich auf die
vielfältigen, jedenfalls schwierig zu unterscheidenden Arten,
welche Kützing in dieser Algengallung annimmt, näher
einzulassen, möge es genügen daran zu erinnern, dass E.
intestinalis L. auch im genannten Mannsfelder Salzsee vor-
kommt, so gut wie in der Ostsee, der Nordsee und dem Mit-
telmeer und eine von Kützing als eigene Art salina ge-
nannte (s. dessen labulae phycologicae 1850. 8. Bd.VI. Taf. 36.
Fig. 1) in den Salzlachen bei Hildesheim. Mein Vater be-
sitzt dieselbe E. inteslinalis ferner noch aus einem Graben
an dem Gradirwerke bei Gross- Salza ohnweit Magdeburg,
von L. Rabenhorst gesammelt, aus der Bühler bei Vell-
berg unweit Schwäbisch-Hall, eine geogr. Meile östlich von
den Salzquellen, denen die Stadt Entstehung und Namen
verdankt (s. Jahreshefte des Vereins f. Naturkunde in Würt-
temberg 1858. S. 11 u. 12), ferner aus dem kaspischen Meere
bei Derbend durch Eichwald. An vielen dieser Fundorte,
namentlich z.B. im Mannsfelder Salzsee und bei Schwäbisch-
Hall findet sie sich in der schlankeren und in der breiteren
Form (oder Alterszustand ? « capillaris, y tubulosa Külzing
spec. alg.), wie gleichfalls bei Malamocco, bei Boston u. s. w.
Dieselbe Art scheint auch in wirklich süssem Wasser vorzu-
kommen, so in der Umgebung von Berlin, wo sie de Bary
im Kalksee bei Rüdersdorf fand, ferner im süssen Wasser
bei Otranto in Unterilalien nach Rabenhorst, in rasch-
fliessendem Wasser der Euganeen und in den Reisfeldern um
Mailand. (Meneghini, er bestimmte sie als E. clathrata
Greville, eine marine Art, mein Vater hält aber die mitge-
200 v. Martens:
theilten Exemplare für intestinalis), dann wird sie z.B. von
Nordhausen (spermatoidea Külzing), Wiesbaden, Würzburg,
Wertheim, Mergentheim angegeben; ich kenne ihr näheres
Vorkommen daselbst nicht, es fällt aber auf, dass zwei die-
ser Orte wiederum bekannte salinische Mineralquellen besit-
zen. Ein schwacher Salzgehalt kann leicht übersehen wer-
den, konnte ich doch selbst den des Salzsees, der darnach
heisst und den ich eigens desshalb besuchte, in der Nähe
von Rollsdorf anfangs durch Kosten nicht erkennen und
überzeugte mich erst durch eingelauchles Brod deutlicher
davon. Endlich hat der verstorbene Lechler sie vom Ti-
licacasee eingesandi, und es ist wieder ein merkwürdiges
Zusammenlreffen, dass in demselben See Orbigny auch
zwei kleine zu Hydrobia gehörige Schnecken (Paludestrina
culminea und andecola Orb.) gelunden hat. Uebrigens mö-
gen auch hier, bei der Schwierigkeit der Speciesunter-
scheidung, leicht der allgemeine Eindruck der Aehnlichkeit
ausländischer Formen zur Annahme der Identität verlei-
ten, und doch kleine unterscheidende Merkmale vorhanden
sein, ähnlich wie es unter den oben erörterten Schnecken
mit der angeblichen Ihermalis aus dem rolhen Meere und
acula aus Neuholland sich verhält. Ohne daher das Vorkom-
men im süssen Wasser geradezu abzusprechen, wird sich
doch herausstellen, dass Enteromorpha inteslinalis im Bin-
nenlande hauptsächlich in salzhalligen Gegenden sich findel,
wie umgekehrt an den Küsten meist in schwächer gesalzenem
Wasser; so fand ich sie als die einzige, wenigsiens häufigere
Alge bei Christiania und Bergen, im Innern der langen Fjade,
in letzterer Stadt auch an der Mündung eines Bächleins kaum
einen Fuss über dem Meere, während meiner Anwesenheit
ganz im fliessenden süssen Wasser, aber wahrscheinlich zeil-
weise vom Meere erreicht; - ebenso in einer ganz anderen
Zone, im Sebelo bei Neapel, vielleicht 50 Schritt von seiner
Mündung im fliessenden Wasser, an beiden Stellen ganz
allein. Aehnliche Verhältnisse mögen mancher Angabe ihres
Vorkommens in süssem Wasser in Küstengegenden zu Grunde
liegen. In den Lagunen sehr häufig, scheint sie im offenen
Meere weit seltener zu sein, so fand ich sie nicht auf der
Insel Sarlerö an der norwegischen Küste, wohin man uns in
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 201
Bergen zu gehen rielh, um die eigentliche Meerfauna kennen
zu lernen, und ebensowenig auf Helgoland, aber dafür dort
elathrata Greville, hier complanata Kütz. Zwischen diesen bei-
den und intestinalis dürfte E. compressa Link in Bezug auf
das Vorkommen die Mitte halten, sie findet sich im Brack-
wasser mit inteslinalis, folgt ihr aber nicht in das Binnen-
land, und findet sich auch im offenen Meere, z. B. Helgo-
land. Eine ähnliche Verbreitung zeigt eine andere crypto-
gamische Pflanze und zwar aus einer Süsswasserfamilie, Chara
erinita Wallroth; siehe hierüber A. Brauns lehrreiche Ab-
handlung: „Ueber Parthenogenesis bei Pflanzen“ in den Ab-
handlungen der Berliner Akademie Jahrg. 1856. S. 342 u. ff.
Diese begleitet unsere Hydrobia ventrosa im Mannsfelder Salz-
see, die baltica im Brackwasser der Ostsee, die stagnalis in
Südfrankreich, die spica Eichwald im kaspischen und kehrt
wieder am rolhen Meere, von wo wir auch eine Schnecke
anzuführen hatten; es wäre in der That ganz gerechiferligt, an
allen ihren Standorten nach einer Hydrobia und an allen jener
Hydrobien nach Chara crinita zu suchen. Dass dieselben
auch mit Enteromorpha und innerhalb der subtropischen Zone
mit Cyprinodon oft an gleichen Orten zusammentreffen mö-
gen, ergiebt sich aus den bis jetzt bekannten Standorten mit
grosser Wahrscheinlichkeit. Aus dem südlichen Amerika
führt Orbigny mehrere Hydrobien im Brackwasser und
eine, P. Parchappii, in einem salzhalligen Flusse der Pam-
pas auf.
Wir haben demnach in all den genannten zusammen,
einem Fisch, einer Schnecke *) und zwei eryptogamen Pflan-
zen die Repräsentanten eines Vorkommens, welches zwischen
den beiden grossen Categorieen, Süsswasser und Meer, mit-
*) In den Tropenländern kommen noch manche andere Schnek-
ken hinzu, so namentlich die von Defrance als Potamides zusam.
mengefassten, die sich theils an Melania, theils an Cerithium an-
schliessen, wie Pirena atra s. terebralis, Melania (Vibex) aurita, Ce-
rithium palustre und muricatum; neben diesen stellt sich auch das
södeuropäische Cerithium mamillatum Risso (Pirena nigra Jan.), das
nebst einer Corbula (mediterranen Costa, Lentidium maculatum Jan.)
in den sardinischen Lagunen den Cyprinodonten Gesellschaft leistet.
202 v. Martens:
ten inne steht, indem es Lagunen und salzige Binnenwasser
umfasst; dieses wollte ich mit der Aufschrift „Brackwasser-
bewohner“ bezeichnen. Die einen davon finden ihre Familien-
verwandten im süssen Wasser (Cyprinodon, Characeen), die
anderen im Meere (Ulvaceen) wieder, Hydrobia allein in
beiden (sowohl Rissoa und Litorina als Süsswasserhydrobien).
Entsprechend der Reichhaltigkeit specifischer Unterscheidungs-
charaklere gelten die beiden Cryplogamenpflanzen an den
verschiedensten Standpunkten als dieselben Arten; unter den
Schnecken zeigen sich zahlreiche bis jetzt auf engem Woh-
nungsgebiete beschränkte und nur eine, H. ventrosa sowohl
im Binnenlande als an den Küsten; unter den Fischen ist die-
ses bei keiner Art mehr der Fall. Ist diese Stufenleiter in
der Natur begründet oder nur dem Standpunkle, der Trag-
weite unserer Erkenniniss zuzuschreiben? Jedenfalls ergiebt
sich, dass auf unsere Schnecken wörtlich anzuwenden ist,
was A. Braun in Bezug auf Chara sagt: die weite geo-
graphische Verbreitung dieser Wasserbewohner, ansich rich-
tig, ist durch Mangel an genauer Unterscheidung der Arten
mehrfach übertrieben worden.
Eine andere, ebenso schwer zu beantwortende Frage
ist die nach den wesentlichen Bedingungen ihrer Existenz.
Sie sind hierin nicht enge beschränkt, sondern greifen in
jene beide Kategorieen über, beginnen, ehe die Süsswasser-
thiere aufhören und bleiben noch, wo schon Meerthiere vor-
handen sind, wie ein Blick auf das Zusammenvorkommen
mit anderen Thieren zeigt. Im Mannsfelder Salzsee z. B.
wird unsere Hydrobia ventrosa, falls sie wirklich dort lebend
vorkommt, von lauter guten Süsswasserconchylien begleitet,
Limnaeus stagnalis L, var. [ragilis Hartm. und L. ovalus Drap.,
Bylhinia tentaculata L. (impuraDrap.), Valvata piscinalis Müll.
und Nerilina fluvialilis L., ferner einer Anodonta und einer
Cyclas, aus anderen Thierklassen sind namentlich die zahl-
reichen grünen Frösche, von Fischen Hechte, Rothfedern
und Plötzen (Leuciscus rulilus und erylhrophihalmus L. ver-
muthlich) zu nennen, und dass es auch an Wasserinsekten
nicht fehle, zeigte mir die daselbst zahlreiche Naucoris cimi-
coides L. Ebenso wird Chara crinila und Enteromorpha in-
testinalis hier von zahlreichen Süsswasserpflanzen begleitet,
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 203
wovon ich nur Myriophyllum spicatum L., Ceratophyllum de-
mersum L., Potamogelton peclinatus L., Chara contraria A.
Braun erwähne. Alles sieht noch ganz wie sonst im süssen
Wasser aus, nur in den stärker gesalzenen Tümpeln (Döm-
meken) hinter Wansleben erscheinen die sehr häufigen Lim-
naen auffallend dünnschalig und namentlich von L. ovalus
zeigen schon ganz kleine Exemplare einen umgebogenen Mund-
saum, als hätten sie ihr Wachsthum schon vollendet; dieser
Limnaeus ovatus entspricht ganz den Figuren vonSchröter
(Flussconchylien Taf. 6. Fig.3) und Draparnaud (Moll,
frane. 2, 30. 31) oder dem L. pereger var. ovata von For-
bes und Hanley (brit. moll. 123, 5.); er zeigt auf 22 Milli-
meter Höhe nur 15 Mill. im (schiefen) Durchmesser; noch
schlankere Formen finden sich übrigens in einigen Süsswas-
serseen Oberitaliens, wie der sogenannte L. membranaceus
Porro im lago d’Alserio und L. solidulus Spinelli im lago
d’Idro.
Wie im Salzsee, so sind auch in der Ostsee Limnäen
und Neritinen vorzugsweise die Begleiter unserer Hydrobien,
sie treffen aber hier schon mit einzelnen Meereonchylien,
namentlich Tellina solidula und Cardium edule zusammen,
die Hydrobien finden sich noch im Sund mit Lacunen und
Nassa reticulata zusammen. Doch scheinen sie in offenem
Meere nieht leicht vorzukommen, bei Helgoland traf ich keine
(sollte die mir ganz unbekannte Rissoa pedicularis Menke
Mal. Zeitschr. 1845 eine solche sein?) und Montagu sagt
ausdrücklich, wo Turbo ulvae (unsere H. stagnalis) in Menge
lebe, seien kaum andere Schnecken zu sehen, höchstens ein
paar Litorinen (lest. brit. p. 318).
Ueber den Salzgehalt der einzelnen Stellen ihres Vor-
kommens sind mir leider keine speciellen Angaben möglich,
nicht einmal über den des Mannsfelder Sees konnte ich etwas
Zuverlässiges erfahren , er dürfte aber selbst an verschiede-
nen Stellen des Sees verschieden sein, da z. B. ein Bach,
der Ausfluss des „süssen Sees“ denselben durchsetzt, ohne
ihn seiner ganzen Länge nach zu durchziehen. Bär’s Beob-
achlungen am kaspischen Meere haben gezeigt, dass in ein-
zelnen Buchten der Salzgehalt ein wesentlich anderer sein
kann, als in dem damit noch in offener Verbindung stehenden
204 v. Martens:
Mcere, und dasselbe ist im Grossen von der Ostsee längst
bekannt. Die Analysen des Meerwassers haben daher für
unsere Frage nach den Grenzen des Salzgehaltes für das
Vorkommen einzelner Arten nur dann einen Werth, wenn
wir wüsslen, dass das dazu benutzte Wasser an dem Fund-
orte der Hydrobien oder Enteromorpha geschöpft ist.
Beachtenswerlh ist noch das Vorkommen mancher der
genannten Thiere in heissen Quellen; schon oben wurde die-
ses von Cyprinodonten erwähnt und in den Thermen von
Abano findet sich neben der Hydrobia, wenn auch keine En-
teromorpha, doch eine Ulva Aponina (Kützing Tabl. phycol.
VI. 11, 2), während sonst die Ulven marin sind. Auch hier
ist mit der Angabe, es lebt in der Quelle und diese hat so
und soviel Grad Wärme, noch nichts ganz Genaues gesagt,
denn die Temperaturangabe bezieht sich meist auf die heis-
sesle Stelle, die des Hervorbrechens, die Thiere mögen: aber
nicht selten gerade diese vermeiden, wie z. B. in den Ther-
men von Abano, worüber genauere Angaben in den oben
angeführten Schriften von Vandelli und Andrejewsky
sich finden; Hydrobia Aponensis lebt hiernach behaglich in
einer Wärme von 35° R., giebt aber schon bei 42° kein Le-
benszeichen mehr von sich; damit stimmen Steenstrup’s
Beobachtungen an isländischen Limnäen, er fand sie noch in
Wasser von 34, nicht mehr aber in solchem von 48° R., in
diesen nur noch Pflanzen (Bericht d. Naturforscherversammlung
in Kiel 1846). Nach Berthold’s bekannten Versuchen kön-
nen Reptilien einen längeren Aufenthalt in Wasser über 22—
29° R. nicht mehr ertragen. - Die Schnecken dürften also
auch hierin, wie in ihrem Verhalten gegen die Kälte, die
Mitte zwischen beiden halten. Die gemeinschaftlichen Züge
der Thermenfauna und der des Brackwassers erklären sich
daraus, dass einerseits die meisten Thermen einen nicht un-
bedeutenden Salzgehalt zeigen, z. B. Abano, das uns hier
vorzüglich interessirt, elwa !/, %, (ungefähr wie die Oslsee
bei Dübbelin und Pernau), andererseits das stehende Wasser
der Lagunen an seichten Stellen einer weit stärkeren Erhit-
zung durch die Sonnenstrahlen ausgesetzt ist, als das des
offenen Meeres oder der fliessenden Gewässer; jenes entzieht
sich durch seine Masse einer slärkeren Einwirkung , in ge-
Ueber einige Brackwassertbewohner Venedigs. 205
ringerem Grade auch die Flüsse, die Bäche sind durch die
niedere Quellentemperatur geschützt, und beide bieten durch
ihre Fortbewegung dem einzelnen Wasserlheilchen mehr
Chancen wieder in Schalten zu kommen.
Die Thermenbewohner können durch eine kleine Orts-
veränderung in ziemlich verschiedene Temperaturen gelan-
gen, auch die Schnecke von Abano ist kein verwöhntes Kind
der Wärme, denn sie erstarrt nach Andrejewsky erst bei
einer Temperaturabnahme von 6°R., bei welcher auch uns
schon die Finger steif werden, während die Tropenmenschen
bei 20° über Starrwerden vor Kälte klagen, und stirbt erst
bei — 8°, erlrägt also die Kälte so gut wie andere Schnek-
ken. Die Brackwasserthiere können ebenfalls oft durch ge-
ringe Ortsveränderungen in Wasser, von verschiedenem Salz-
gehalte kommen, und selbst an derselben Stelle kann dieser
bedeutend wechseln, theils durch stärkere Verdunstung, theils
durch heftige Regen und dadurch erhöhte Stärke der Süss-
wasserzuflüsse. Es ist vielleicht mehr noch dieser Wechsel
einer wichtigen Lebensbedingung, als das Maass des Salzge-
haltes an sich, welcher die Flora und Fauna des Brackwas-
sers zu einer artenarmen aber eigenthümlichen macht, eine
bis zu gewissen Graden gehende Unabhängigkeit von diesem
Wechsel , welche diese Arten charakterisirt. Allerdings ent-
steht bei dieser Annahme die Frage, warum dieselben dann
nicht zugleich in Binnengewässern und im Meere leben, sie
beantworlet sich dadurch, dass bei einzelnen dieses in der
That der Fall ist, im Allgemeinen aber bei Verbreitung und
Vorkommen eines Thieres es sich nicht allein darum handelt,
wo physikalische und chemische Bedingungen seine Existenz
überhaupt ermöglichen, sondern auch, in wie weit Concur-
renien, die es vom Plalze verdrängen oder gar sein Material
zum ihrigen machen, vorhanden sind; je günstiger diesen
die Lokalität, desto eher können sie die schwächere Gallung
verlilgen oder gar nicht aufkommen lassen; je mehr aber das
Gedeihen und die Vermehrung der letzteren begünsligt ist,
desto eher wird sie sich Irolz der Gegner behaupten und aus-
breiten. Nur, so erklärt sich die reiche Abwechselung im
Vorkommen und Vorherrschen von Thieren und Pflanzen nach
306 v. Martens: y
Raum und Zeit, bei oft nur geringer Veränderung der phy-
sikalischen Elemente.
Es sei mir erlaubt, die Ergebnisse obiger Untersuchun-
gen im Folgenden zusammenzustellen.
1) Cyprinodonten kommen im Mittelmeergebiete und den
angrenzenden Ländern (nur) in salzhalligen Wasser vor, in
Europa nur in unmiltelbarer Nähe des Meeres.
2) Die Hydrobia der venelianischen Lagunen ist ver-
schieden von derjenigen von Abano, dagegen an allen euro-
päischen Küsten verbreitet, H. slagnalis L.
3) Doch giebt es eine Schnecke und zwar aus der Gat-
tung Hydrobia, welche den Meeresküsten und einzelnen (sal-
zigen) Binnengewässern gemeinschaftlich ist, H. ventrosa
Mont.; die Angaben und das Vorkommen derselben Artin süs-
sem Wasser aber beruhen auf Verwechselung mit anderen
allerdings verwandten Arten (H. Steinii).
4) Dieselbe Art ist von der Nordsee bis in das Mittel-
meer, von der Tertiärzeit zur Gegenwart, also in Raum und
Zeit weit verbreitet; das Vorkommen der genannten zwei Ar-
ten in der Tropenzone ist jedoch eine Uebertreibung,, die
betreffenden Schnecken sind verschiedene Arten, wenn auch
nahe verwandt (H. Erythraea und Preissii).
5) Die genannten Brackwasserschnecken lassen sich ge-
nerisch von den Rissoen des Meeres, aber (vorerst) nicht
von den Hydrobien der fliessenden süssen Gewässer unter-
scheiden ; diese Galtung lässt sich jedoch nach dem Habitus
der Schalen in Artengruppen, die dem süssen Wasser, und
solche, die dem Salzwasser eigen sind, eintheilen.
6) Es giebt unter den Fischen, Schnecken und crypto-
gamen Pflanzen eigenthümliche Formen (systematische Einhei-
ten), welche in schwach gesalzenen Gewässern , wie in sal-
zigen Binnenseen und in Lagunenbildungen, leben, theils in
das süsse Wasser, theils in das Meer übergreifen und bald
nur unter sich, bald in Gesellschaft von Süsswasserthieren
oder Meerbewohnern vorkommen. Sie bilden eine beide vermit-
telnde Brackwasserfauna und Flora (Cyprinodon, die Gruppe
der stagnalis in Hydrobia, die sogenannten Potamides, Chara
erinita, Enteromorpha inteslinalis).
Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs. 307
7) Dieselben sind von den nächstverwandten entschie-
denen Süsswasser- oder Meerthieren in der Klasse der Fi-
sche (innerhalb Europa) generisch, bei den Schnecken (nur)
specifisch, bei den Cryplogamen nicht einmal durchgreifend
specifisch verschieden. Der systemalische Werth des Unter-
schiedes dürfte also mit dem Absteigen in der Reihe der
Organismen abnehmen.
8) Die Bewohner der heissen Quellen sind vielfach mit
denen des Brackwassers verwandt (Cyprinodon, Hydrobia
Aponensis, Ulva Aponina).
9) Es dürfte nicht sowohl ein bestimmtes Maass als ein
bestimmter Spielraum in Salzgehalt und Temperatur eigen-
thümlich für die Brackwasserfauna sein.
Erklärung der Abbildungen.
Taf, IV.
Fig. 4. Cyprinodon fasciatus Val. nach einem Exemplare des Berli-
ner Museums (aus Sardinien), die Farben nach einer in
Venedig gemachten Skizze eines jüngeren Exemplares von
Malamocco.
4b. Eine Schuppe desselben, von der oberen Körperhälfte.
» 5. Cyprinodon Ammonis Ehrenb. aus der Oase Siwah, nach den
im Berliner Museum befindlichen Originalexemplaren.
» 5b. Eine Schuppe desselben.
„» de. Eine andere Schuppe desselben, welche die Anastomosen
häufiger zeigt.
Taf. V.
Fig. 1. Hydrobia stagnalis L. var. cornea Risso von Malamocco.
„ 1b» Die Mittelplatte aus der Radula derselben.
„ ic Ihr Deckel.
» 2. Hydrobia stagnalis L. var. ulvae von der schottischen Insel Bute.
er: 2 = Aponensis M. von Abano,
a » Ammonis M. aus der Oase Siwah.
8, 5 minuta Totten von Massachusetts,
208
Fig.
» 33 3
v. Martens: Ueber einige Brackwasserbewohner Venedigs.
6.
de
8.
9.
10.
oe
„12.
13.
Hydrobia baltica Nilss. von Stralsund.
ventrosa Mont. aus dem Mannsfelder Salzsee.
5 von Montpellier.
Steinii M. aus dem Tegelsee bei Berlin.
vitrea Drap. aus einer Höhle beim Walchensee in
Oberbaiern.
Erythraea M. aus dem rothen Meere.
Tasmanica M. von Vandiemensland.
ferruginea Menke aus officinellem Helminthochor-
ton (von Corsica).
Zoologische Notiz.
Von
Dr. ©. Semper.
Hierzu Taf. VII. Fig. A.
Die nachstehende Noliz beansprucht Nichts weiter, als
was ihr Titel erwarten lässt. Durchaus aphoristischer Natur,
verlangt sie kein anderes, als ephemeres Dasein. In jeder
Beziehung würde sie ihren Zweck erreichen, wenn durch sie
zu Untersuchungen angeregt würde, welche jene baldigst ins
Grab der Vergessenheit versenkten.
Ueber den Polypen der Cephea tuberculata.
Bekanntlich wird von den Polypen der höheren Medu-
sen angegeben, dass sie vier Längsgefässe besässen, welche
analog den vier Radiärgefässen der niederen Medusen vom
Grunde des Magens entspringen und der Länge nach verlau-
fend sich oben an einem Ringkanale vereinigen sollten. Dies
muss ich, wenigstens für die Galtung Cephea, als vollkommen
irrig bezeichnen. Der Polyp dieser Qualle wurde schon von
Frantzius genau beschrieben, dessen Darstellung ich, mit
Ausnahme jenes einzigen Punktes, vollkommen beistimmen
kann. Er beschreibt vier Längsgelässe, ohne jedoch über ihr
Lumen elwas zu sagen und ebenso wenig giebt seine Abbil-
dung, welche bei ziemlich schwacher Vergrösserung ange-
ferligt zu sein scheint, Aufschluss darüber. Nach Untersu-
chungen, die ich im Herbste 1856 an demselben Polypen —
gezogen aus den befruchtel erhaltenen Eiern der Cephea tu-
Archiv f. Naturgesch. XXIV. Jahrg. 1. Bd. 14
210 - Semper: Zoologische Notiz.
berculata — anstellte, sind diese sogenannten Gefässe solide
Stränge, welche aus dem die Fussscheibe anfüllenden Paren-
chym ihren Ursprung nehmen und allmählich dünner werdend,
parallel der Längsachse verlaufen, bis sie oben in der Nähe
der Tentakeln durch die starke Pigmentirung der Haut dem
Blicke entzogen werden. Mitunter sieht man auch fünf sol-
cher Stränge. Zwischen ihnen finden sich von Zeit zu Zeit
einzelne Anastomosen , !durch welche ein förmliches, in der
Leibeshöhle frei schwimmendes Netzwerk gebildet wird, wel-
ches den Magen überall umspinnt. Ausserdem entspringen
noch, ebenfalls in ganz unregelmässigen Abständen, von je-
nen grösseren Strängen ausserordentlich feine Fasern, welche
jene sowohl mit dem Magen, als mit der Haut verbinden, an
welche sie sich mil ähnlichen dreieckigen Enden ansetzen,
wie die von Meissner beschriebenen Nervenfasern in der
Haut der Gordiaceen. Welcher Natur nun diese Fasern sind,
ob muskulöser oder nervöser, wage ich nicht zu bestimmen,
jedenfalls aber muss ich mich entschieden gegen ihre Deu-
tung als Gefässe erklären,
Erklärung der Abbildung.
Taf. VII. Fig. A. Netzwerk aus der Leibeshöhle des Polpyen von
Cephea tuberculata.
a. Grössere, für Gefässe gehaltene, solide Stränge.
b. Feinere Anastomosen bildende,
c. Enden der feinsten,
Einiges über die Annelidenfauna der
Insel Santa Catharina an der brasiliani-
schen Küste.
Von
Dr. Fr. Müller.
(Aus einer briefiichen Miltheilung an Prof. Grube.)
Hierzu Taf. Vi und VII.
Die nachfolgenden Bemerkungen über brasilianische von
Herr Dr. Fr. Müller gesammelte Anneliden glaube ich dem
wissenschaftlichen Publikum um so weniger vorenthalten zu
dürfen, da uns von exolischen Thieren dieser Klasse so we-
nig bekannt, die hier besprochenen von Herrn Dr. Müller
lebend beobachtet und darunter viele neue Gatllungen aufge-
stellt sind. Wir entnehmen daraus zugleich, dass die grüne
Blutfarbe bei den Anneliden weiter verbreitet ist, als wir
bisher gewusst, dass auch bei den Polynoön verschiedene
Arten verschieden gefärbtes Blut besilzen, und dass sich die
Zahl der Anneliden mehrt, denen das sonst so allgemein vor-
kommende lebhaft pulsirende Rückengefäss und überhaupt
verzweigle Gefässe fehlen, und bei denen, wie es scheint,
das Blut nur wandungslos in der Leibeshöhle vorkommt, und
zwar ein Blut, dessen Farbstoff nicht an seiner Flüssigkeit,
sondern an den in ihm sehr zahlreich vorkommenden ganz
regelmässig geformten Körperchen haftet. Was an genauerer
Unterscheidung der hier erwähnten Arten noch mangelt, das
werden hoffentlich bald zu erwartende Nachträge ergänzen.
Ed. Grube.
-... Wie zu erwarten stand, sind alle hiesigen Arten
‚neu: ihre Zahl beläuft sich auf etwa 60, die sich, wie folgt,
unler die einzelnen Familien vertheilen:
912 Müller:
Fam. Aphroditea. 4Polyno& (Lepidonote-) und 2 Pal-
myraarten. Letztere dadurch interessant, dass alle Segmente
gleich ausgeslallet sind und Rückencirren tragen, auch das
grüne Blut der P. obscura ist eine bemerkenswerthe Eigen-
thümlichkeit. Von den Polynoön hat die gemeinste Art (P.
fusca) eine grössere Zahl von Elytren als alle übrigen Le-
pidonoten, nämlich 21 Paar *), die auf die 45 Segmente so
verlheilt sind, dass sie dem 2ten, Aten, 5ten, 7ten, Ölen u. S. w.
2östen, 27sten, 28sten, 30sten, 3lsten, 34sten, 36sten, 38sten,
Alsten zukommen.
P. lunifera mit 37 Segmenten trägt ihre 15 Paar Elylren
auf dem 2ten, Aten, öten, 7ten u. s. w., 19ten, 21sten, 24slen,
27sten, 30sten, 33slen Segment.
Bei dieser und P. pallida beobachtet man Flimmerepi-
ihelium auf der Basis der Ruder, wo es auch sonst öfler vor-
kommt.
Fam. Eunicea. 1 Diopatra, 1 Onuphis, 3—4 Eunice,
3 Lumbriconereis und I neue Galtung **).
Die Lumbriconereis sind entschieden nicht blosse Ju-
gendzustände , wie für die eine Art die beobachteten Eier
und Spermatozoiden, für die anderen beiden die sehr eigen-
thümlıche Gebiss - und Borstenbildung beweist.
Diopatra hat grünes Blut. Die Normalzahl der After-
eirren der Euniceen, die ich bei allen unseren Arten finde,
ist 4, selten gleich lang wie bei 2 Lumbriconereis, meist die
untere beträchtlich kürzer und selbst fast verschwindend klein.
Die Borsten in vollzähliger Entwickelung zeigen 6 verschie-
dene Formen an demselben Ruder, von unten nach oben in
folgender Ordnung: 1) Rückenborsten, bisweilen fast gerade
*) Nicht mehr die einzige Art mit 21 Elytrenpaaren. Gr.
##*) Herr Dr. Müller hatte noch nicht das Heft der Videnska-
belige Meddelelser fra den naturhistoriske Forening ii Kjöbenhavn vom
Jahre 1856 in Händen, in welchem ich p. 60 die hier beschriebene Gat-
tung bereits unter dem Namen Anisoceras aufgestellt und darauf auf-
merksam gemacht habe, dass auch delle Chiaie eine zu derselben
gehörige Art unter dem Namen Nereis Rudolphii in seinen Memorie
beschrieben. Die Art, welche Herr Dr. Müller vor Augen gehabt,
scheint mir dieselbe, die Versted bei Puntarenas gefunden und die
wir in der oben genannten Zeitschrift als Anisoceras vitlata be-
schrieben. Gr.
Einiges über d. Annelidenfauna d. Insel St. Catharina. 213
und den Aciculis ähnlich, selten die einzige Bewaffnung des
Ruders bildend; 2) ein Bündel zusammengesetzter Borsten ;
3) Aciculae meist in mehrfacher Zahl, bisweilen mit knopf-
förmiger Spitze, bisweilen in eine haarförmige Spitze auslau-
fend; 4) ein Bündel haarförmiger Borsten, denen sich bis-
weilen paleenähnliche Borsten beigesellen; 6) endlich einige
sehr zarte nach dem Rückenceirrus zu sich erstreckende, nicht
aus der Haut austrelende Borsten.
Vielfache Eigenthümlichkeiten hat die Gattung Aniso-
ceras Gr. (Taf. VI. Fig. 1). Der elliptische Kopflappen trägt
2 Paar Augen, nahe dem Seitenrande 1 Paar geringelter und
daneben 1 zweiles Paar plumper ungeringelter Fühler. Das
zweiringlige Mundsegment, das beiderseits wulstig neben dem
Kopflappen vorspringt, ist anhangslos. Die ziemlich schlan-
ken Ruder mit drei Lippen (Taf. VI. Fig. 2), einer unteren und
zwei oberen, über der unteren ein Büschel sichelförmiger,
zwischen den oberen ein Büschel einfacher Borsten, eine
einzelne Acicula, ein kurzer Bauch- und ein ziemlich langer
zweigliedriger Rückencirrus. Keine Kiemen. Vier Aftereir-
ren. Das abweichendste ist indessen das Gebiss, indem hier
die Kiefer in eine grosse Zahl (gegen 100) einzelner Zähne
zerfallen, die jederseils vier paarweis genäherte gebogene
Längsreihen bilden. Auch die Färbung ist eigenthümlich,
indem der gelbliche Körper auf dem Rücken jedes Segments
zwei braunrothe Querbinden trägt.
Die unteren Fühler scheinen nicht den äusseren Rücken-
fühlern der Eunicen zu entsprechen, sondern ähnliche nur
beträchtlicher entwickelte und an die sogenannten Fühlereir-
ren der Spiodeen erinnernde Organe, wie sie sich bei den
Larven der Onuphis finden.
Fam. Lyeoricea. 6 Arten Nereis, meist aus der Abthei-
lung Nereilepas. Für diese scheint mir die Deutung des gros-
sen oberen Züngelchens als Kieme unzweifelhaft. Eine bis
jetzt nur einmal beobachtete Art hat grünes Blut.
Fam. Phyllododea. Eine kleine Eulalia und eine He-
sione, letztere (H. picta) mit weissen Querbinden auf schwärz-
lichem Grunde und mennigrothem Grundgliede der Rücken -
und Fühlereirren ist vielleicht die schönst gefärbte der be-
kannten Anneliden. Sie ist fühlerlos (Taf. VI. Fig. 3). Ro-
214 Müller:
thes Blut, dicht aneinander liegende Hälften des Nervenstran-
ges und büschelförmige Ovarien enifernen sie von den ei-
gentlichen Phyllodoceen.
Fam. Syllidea. Eine Art Syllis, die vielleicht wegen
der Randpapillen des Rüssels eine eigene Galtung Lalage bil-
den muss, wenn den übrigen Syllis diese Papillen wirklich
fehlen. Wie arm sind hier diese beiden in nordischen Mee-
ren so reichen Familien im Vergleiche mit den Euniceen.
Fam. Glycerea. Eine neue Gallung:
Glycinde.
Mit reichlicher bewaffnetem Rüssel als irgend ein anderer
Wurm (Taf. VI. Fig. 4. 5. 6). Randpapillen und nahe dem
Rande ein Kreis von etwa 20 schwarzen Kieferspitzchen, von
denen die zwei untersten ansehnlich gross sind. Auf der
Rückenseite zwei Längsbinden farbloser aufwärtsgekrümmter
Zähne (mehrere 100), kleinere Zähnchen auf seiner Bauch-
fläche und einzelne flache Plältchen zerstreut an den Seiten,
Kopflappen geringelt, die vier Fühlerchen zweigliedrig, ein
Paar Augen an seiner Basis, ein zweites nahe der Spilze,
Keine Kiemen. Rücken- und Baucheirrus und zwei blattför-
mige Lippen an jedem der beiden Borstenbüschel. Zwei lange
untere und zwei rudimentäre kuglige obere Aftereirren. Ich
vermisse bis jetzt bei diesem Thiere Gefässe. Die Flüssig-
keit der Leibeshöhle hat Blutfarbe, enthält zahlreiche grosse
flache kreisrunde Scheibehen (von !/, Millimeter Durchmes-
ser *) und scheint die Stelle des Blutes zu verlreten ?
* Spec. Glycinde multidens.
Fam. Amytidea?
’Sigambra Grubü. Kopflappen nicht deutlich vom langen
Mundsegmenle geschieden mit zweilappiger Stirne, zwei winzi-
gen Stirn - und drei Nacken-Fühlern (Taf. VI. Fig. 9), jeder-
seits zwei Paar Fühlereirren; der obere des hinteren Paares
sehr lang, zwischen denen des hinteren Paares ein Borstenbün-
*) Wir hätten hier also ein drittes Beispiel von einer frei im
Leibe einer Annelide fluctuirenden an regelmässigen gefärbten Kör-
perchen reichen Flüssigkeit, beim Mangel von Gefässen. An Gly-
cira und Capitella haben Quatrcefages, van Beneden, Ocrsted
und ich ähnliches beobachtet. Gr.
Einiges über d. Annelidenfauna d. Insel St. Catharina. 215
delchen. Ruder einäslig mit einem Bündel einfacher Borsten
und einer Acicula, kurzer fadenförmiger Bauch- und langer
schmalblattförmiger Rückeneirrus, in dessen Basis versteckt
sich eine zweite Acicula, begleitet von einem einzelnen ge-
streckten Häkchen (Taf. VI. Fig.7u.8). Zwei lange After-
cirren; zahlreiche kurze Segmente. Rüssel cylindrisch mit
Randpapillen, Darm mit seitlichen Fortsätzen in die Basis der
Ruder. Blut gelblich.
Fam. Ariciaea. 2 Arten Spio (2), 1 Leucodore, 1 Ma-
gelona (noy. gen.), 1 Gisela n. g., 4.Cirratulus, 1 Aricia, 1
Theodisca n. g., 1 Cherusca n. g., 1 Hermundura. Sie se-
hen, wie reichlich diese Familie oder vielmehr das Gemisch
heterogener nur durch negative Charaktere vereinigter Thiere
hier verireten ist. Ob wirklich Leuckart's Leucodore mu-
tica der sogenannten Fühler entbehrt, möchte ich, beiläufig
bemerkt, bezweifeln; da die Spionen leicht diese Organe
verlieren und nicht selten ohne dieselben angetroffen werden.
Magelona.
Kopflappen flach, häutig, breit herzförmig; zwei sehr
lange mit cylindrischen Papillen besetzte sogenannte Fühler-
eirren, ich sage sognannte, da ich in der That kaum eine
Analogie zwischen diesen Organen und den Fühlereirren an-
derer Rapacia finde.
Vordere Körperablheilung aus 9 Segmenten mit zwei-
zeiligen Bündeln einfacher Borsien, jedes mit einer eirrenar-
tigen Lippe. Die sehr zahlreichen Segmente der ‚hinteren
Körperabtheilung tragen jederseits. eine unlere nnd eine obere
Querreihe gestreckter Häkchen (Taf. VI. Fig. 11) und zwischen
beiden zwei cirrenarlige fadenförmige oder schmal blatiför-
mige Fortsälze. Zwei Aftereirren. Wenig vorslülpbarer Rüssel.
Darm in der hinteren Körperabtheilung zwischen je zwei
Segmenten sehr stark eingeschnürt. Das Blut blassviolet mit
sehr zahlreichen Blutkügelchen. Rücken - und Bauchgefäss;
an der Grenze je zweier Segmente der hinteren Körperab-
Iheilung entspringt aus jedem derselben ein Seitengefäss; diese
laufen neben einander nach aussen, dann geschlängelt nach
hinten und enden in eine gemeinsame contractile Blase (Taf. V1.
Fig. 10). Weilere Gefässe scheinen zu fehlen. Das Blut
216 Müller:
flucluirt sehr lebhaft, doch in stets wechselnder Richtung.
In der vorderen Körperabtheilung scheint das Blut gefässlos
die Leibeshöhle zu füllen, und dringt in den Kopflappen und
die Fühlerecirren.
Spec. Magelona papillicornis.-
Gisela.
Herzförmiger Kopflappen; zwei Paar Augen. Ein Bü-
schel Haarborsten zwischen einer breit blattförmigen unteren
und oberen Lippe, von denen die lelztere in einen cirrus-
ähnlichen Faden ausläuft; auf der Bauchseite eine Querreihe
Hakenborsten, von denen eine einfach S-förmig und stärker
ist, die anderen einen kurzen scharf umgebogenen Schnabel
haben (Taf. VI. Fig. 12). Von der oberen Lippe läuft eine
niedrige häutige Lamelle mit stark flimmerndem Rande quer
über den Rücken und scheint als Kieme zu fungiren. Die
vorderen Segmente sind abweichend ausgestaltet. Zwei Af-
tereirren.
Spec. Gisela heteracantha.
Theodisca.
Theodisca schliesst sich im Baue der seitlichen Forl-
sälze an Aricia an, unterscheidet sich aber durch einen ein-
zig dastehenden Rüssel, der dendrilisch in zahlreiche finger-
förmige mit Flimmerepilhelium bedeckte Lappen zerschlitzt
ist (Taf. VI. Fig. 14).
Ruder der hinteren Segmente Taf. VI. Fig. 13, Afterseg-
ment Taf. VI. Fig. 15.
Spec. Theodisca aurantiaca. -
Hermundur.a.
Kopflappen zweispitzig oder vielmehr in zwei einstülp-
bare Stirnfühler (Taf. VII. Fig. 19) auslaufend. Zweiäslige Ru-
der, der lange untere Ast mit farbloser Acicula und einem
Büschel zahlreicher ziemlich starker einfacher Borsten; der
sehr kurze obere Ast hat ‚als einzige Bewaffnung eine Aci-
eula, kürzer und stärker als die des untern (Taf. VIl. Fig. 21).
Keine Kiemen. Zwei seitlich abstehende und ein kurzer un-
paariger Aflereirrus (Taf. VII. Fig. 20).
) Spec, Hermundura tricuspis.
Einiges über d, Annelidenfauna d. Insel St. Catharina. 217
Cherusca.
Winziger Kopflappen mit unpaarem Fühler, auf seinem
Rücken (oder dem des 1sten Segments ?) ein ästiger Anhang,
fast wie eine Terebellenkieme! Die seitlichen Fortsälze aller
Segmente mit einer oberen und unteren blallförmigen Lippe.
Borsten des Isten Segments ein Bündel gerader und ein Bün-
del schwach S-förmig gebogener Borsten, am 2ten und dten
Segmente einige dieser S-förmigen Haken und ein Bündel
zarter Haarborsien, am 4ten bis 6ten Segmente nur diese
lelzteren, ebenso am Tten bis 13ten, an denen die Enden der
beiden Lippen in spatelförmige Paleen übergehen, Jdie diesen
Weichtheilen nicht ein-, sondern aufgepflanzt sind! (Taf.Vll.
Fig. 18). Die übrigen Segmente mit mehreren Büscheln ver-
schiedener starker Haarborsten und im oberen Theile des
Ruders mit einem Säckchen voll äusserst zahlreicher loser,
in Masse goldglänzender sehr zarter kurzer Borstchen, die
bei jedem Reize in Menge entleert werden und mit dem aus
dem vorderen Theile des Ruders ausiretenden Schleime das
Thier umgeben (Taf. VII. Fig. 16). Drei Aftereirren (Taf. Vll.
Fig. 17). Diese hintere Körperabtheilung ist unendlich lang,
ich habe schon über fusslange Fragmente, aber noch kein
unversehrtes Exemplar des sehr schmalen und flachen äus-
serst zerbrechlichen Thieres gefunden.
Keine dieser sonderbaren Aricieen ist elwa nur Larven-
zustand: ich habe alle mit entwickelten Zeugungsstoffen be-
obachtet,
Familie? Drilidium.
Der kurze rundliche Körper hat gegen 20 undeutlich
geschiedene Segmente; ein deutlicher Kopflappen, zwei Au-
gen, Mund am Vorderende, daneben ein paar längere Pa-
pillen (Fühler), winzige Borstenhöcker mit einer Acicula
und ein zwischen zwei kurzen Lippen vortretender Bündel
von etwa fünf einfachen lanzellförmigen Borsten. Haut mit
kleinen Papillen besetzt. Kurzer muskulöser Schlund und wei-
ter häuliger elwas gebogener Darm, der frei in der Leibes-
höhle liegt. Das Thier, frei im Meerwasser aufgefischt, war
nur 3'/, Millimeter lang, halte aber die Leibeshöhle voll Eier
in verschiedenen Stadien der Entwickelung.
218 Müller:
Fam. Pherusea. Ein Siphonostomum. Die sogenannten
oberen Fühler sind ohne Zweifel Kiemen, das beweist ihr
Blutreichthum und ihr ungewöhnlich lebhaft wimperndes Flim-
merepithelium, auch die sogenannten unteren Fühler scheinen
mir wenig Anspruch auf diesen Namen zu haben.
Fam. Maldania. 1 Clymene und 1 Ammochares viel-
leicht nicht verschieden von A. Oltonis, dessen Beschreibung
mir nicht mehr erinnerlich ist. Clymene hat einen vorstülp-
baren Rüssel. Die zerschlitzte Kopfmembran des Ammocha-
res ist ziemlich blutreich und flimmert, und ist deshalb wohl
als Kieme anzusprechen. Blut roth. Zahlreiche blinde frei
in der Leibeshöhle flotlirende Gefässe.
Fam. Terebellacea. Etwa ein halb Dutzend Terebella,
1 Terebellides, 1. Isolda nov. gen., 1 Sabellides?, 1 Polyeirrus.
V Terebellides anguicomus (Taf. VII. Fig. 22). 17 Paar
Borstenbündel, Hakenborsten gestreckt, fehlen unter dem Isten
bis 4ten Borstenbüschel, unter dem ölen sind sie von abwei-
chender Form (Taf. VIl. Fig.23). Der hintere Körpertheil
mit Flösschen , die sehr winzige Häkchen tragen, ist durch
eine Einschnürung in zwei Abtheilungen geschieden, die vor-
dere mit 11—12 ziemlich langen, die hintere mit gegen 30
sehr kurzen Segmenten. Keine Aftereirren, kein die Fühlfäden
deckendes Blatt, diese zahlreich, zart mit lanzettlich verbrei-
terter Spitze. Kiemen aus vier verwachsenen Blättern be-
stehend, die beiden unteren oder hinteren sehr klein und nur
an der Spitze als schmale Züngelchen vortretend, die obern
mit queren kreisförmigen Lamellen besetzt. Vor dem mus-
kulösen Magen zwei dunkelbraune Drüsen. Einer der gemein-
sten unserer Ringelwürmer.
Isolda.
Ueber dem Lippenblatte wenig zahlreiche kurze Fühl-
fäden, acht Kiemenfäden auf dem Rücken, dicht beisammen,
die vier äussern einfach, die vier innern mit doppelter Reihe
von Nebenfäden (Taf. VII. Fig. 26). Ausser dieser Form der
Kiemen erinnert das Thier auch dadurch bei oberflächlicher
Betrachtung an die Serpulaceen, dass es die Kiemen meist
in der Richtung der Körperachse aus dem häuligen Rohre
vorsireckl. Kiemen und Fühlfäden flimmern. Im hinteren
Einiges über d. Annelidenfauna d. Insel St. Catharina. 219
Theile des Körpers nur Flösschen mit kurzen Häkchen; vorn
Bündel einfacher Borsten und untere Häkchenreihen, an de-
ren Stelle bei den ersten Borstenbüscheln eine dichte Reihe
kurzer, gerader Borsten, die Bewaffnung des ersten Segmenis
beschränkt sich auf einen einzigen starken Stachel mil kur-
zer sichelförmiger Spitze. Blut blassrolh mit einem Stich in’s
Grünliche.
‚spec. Isolda pulchella.
Sabellides? Das Thier, das ich seiner einfachen faden-
förmigen Kiemen wegen vorläufig hieher stelle, hat sonst, so
viel ich mich der Sars’schen Beschreibung erinnere, wenig
Aehnlichkeit mit dessen Art. Das Lippenblatt, %, des Um-
kreises bildend, umgiebt kreisförmig den Mund und trägt am
Rande und darüber die zahlreichen langen und ziemlich star-
ken rölhlichgrauen Fühlfäden, die durch kein Blatt von oben
gedeckt sind. Kiemenfäden sehr zahlreich in sechs Gruppen
den sechs Kiemen der Terebellen entsprechend, können sich
pfropfenzieherarlig zusammenziehen. Körper von gewöhnli-
cher Terebellenform, lang mit Borstenbüscheln und Häkchen-
reihen an allen Segmenten.
Polycirrus? beobachtete ich erst in wenigen unvollslän-
digen Exemplaren. Ein ziemlich langes Blatt über dem Munde
trägt zahlreiche hohle Fäden mit Flimmerepithelium , in de-
nen das rothe Blut mit auffallend grossen Blutkörperchen durch
Contraklion dieser Fäden lebhaft hin und her wogt. Die Quer-
reihen der Häkchen beginnen unter dem ten Borstenbüschel.
Fam. Hermellacea. 1 Sabellaria, 1 Centrocorone.
Fam. Serpulacea. 4 Sabellen *), 1 Protula, 1 Eupoma-
tus und verschiedene Serpula- und Spirorbisröhren.
*) Die von Herrn Dr. Müller hier angeführten von ihm für
neu gehaltenen Arten scheinen mir noch nicht so genau eharakterisirt,
dass man sie mit Sicherheit von allen übrigen unterscheiden könnte;
weshalb ich es im Interesse der Wissenschaft für räthlicher halte,
ihre Namen hier vorläufig noch nicht mitzutheilen.
220 Müller: Einiges über d. Annelidenfauna d. Insel St. Catharina.
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Erklärung der Abbildungen.
Taf. VI
Vorderende von Anisoceras vittata Gr. Oerst.
Ruder derselben.
Kopflappen von Hesione picta.
Zahn von Glycinde multidens.
Grössere Kieferspitzen von Glyeinde multidens.
Kleinere Kieferspitzen von Glycinde multidens.
Ruder von Sigambra Grubii.
Hakenborste von Sigambra Grubii.
Vorderende von Sigambra Grubii.
Gefässschlinge von Magelona papillicornis.
Hakenborste von Magelona papillicornis.
Querreihe von Hakenborsten von Gisela heteracantha.
Ruder der hinteren Segmente von Theodisca aurantiaca.
Rüssel von Theodisca aurantiaca.
Aftersegment von Theodisca aurantiaca.
Taf. VIE.
Ruder der hinteren Körperabtheilung von Cherusca nitens.
a. Säckchen mit losen Borsten. b. Schleimkügelchen.
Aftersegment von Cherusca nitens.
Palee des 7. — 13. Segmentes von Cherusca nitens,
Einstülpbare Stirnfühler von Hermundura tricuspis.
Aftersegment von Hermundura tricuspis.
Ruder von Hermundura tricuspis.
Terebellides anguicomus.
Hakenborste unterm 5. Borstenbüschel von Terebellides an-
guicomus.
Hakenborste unterm 6. bis 17. Borstenbüschel desselben
Thieres.
Hakenborste der Flösschen desselben Thieres.
Vorderende von Isolda pulchella.
Aftersegment von Isolda pulchella.
Borsten vor dem Borstenwechsel von Sabella.
Borsten des ersten Segmentes nach dem Borstenwechsel von
Sabella.
Borsten der hinteren Segmente von Sabella.
Altersegment einer Sabella. »
Augen mehr vergrössert von derselben.
Hakenborsten vor dem Borstenwechsel von derselben.
Neue Schlangenarten in der Sammlung des
britischen Museums.
Von
Dr. A. Günther.
Die Untersuchung und Bestimmung der giftigen und nicht-
giftigen Colubrinen, welche in der Sammlung des Britischen
Museums enthalten sind, ergab, dass dieselbe unter etwa
3100 Exemplaren 60 neue Arten enthielt, welche Zahl etwa
den siebenten Theil der bis jetzt bekannten Species dieser
Abtheilung ausmacht. Ich gebe in folgendem eine Liste der-
selben, da mein „Synoptie Catalogue of Colubrine Snakes in
the Collection of the British Museum. London 1858* nicht
mit derselben Leichtigkeit in Deutschland sich verbreiten
dürfte. In demselben sind die näheren Beschreibungen der
neuen Arten enthalten, und ich begnüge mich hier, die Dia-
gnosen beizufügen. In Belreff neu aufgestellter Genera für
schon publieirte Species, sowie in Betreff einiger neuer im
Appendix des Catalogue enthaltenen Arten verweise ich auf
diesen selbst. .
Je weiter ich in meiner Arbeit fortschritt, desto mehr
gewann ich die Ueberzeugung, dass die Principien zu einer
nalürlichen Eintheilung dieser Thiere in Schlegel’s Essai
niedergelegt sind und aus der Verbindung von Lebensweise
und Körperform, von Beschuppung und jener Geslaltung des
Kopfes, welche Schlegel so trefflich mil dem Namen der
„Physiognomie“ bezeichnele,, hergeleitet werden müssen. Der
Versuch, nach dem einzelnen Charakter der Bezahnung diese
Thiere einzutheilen, führt uns ein eben solches Gesammibild
222 Günther:
vor Augen, wie das Linn@’sche Pflanzensystem, und ich mache
nicht, wie das geschehen ist, der Erpetologie generale den
Vorwurf, dass sie das Bestimmen der Arten erschwere:
im Gegentheile wie jedes künstliche System, erleichtert sie
diesen mechanischen Theil der Arbeit, — sondern dass sie
die nächsten Verwandten auseinanderreisst, und mit den he-
terogensten Formen zusammenmengt. Ein Unterschied in der
Bezahnung tritt nur dann in das Recht systemalischer Bedeu-
tung ein, wenn er von Eigenthümlichkeiten in der Lebens-
weise der Schlange begleitet ist: dann ist er aber auch im-
mer von einem äusseren Charakter gefolgt. Sonst haben die
Zahnunterschiede für die Eintheilung keinen grösseren Werth,
als den einer oft wünschenswerthen übersichtlichen Gruppi-
rung, wenn die Zahl ähnlicher Arten sehr gross ist. Wenn
ich aber glaube, dass der Fortschritt, den die systematische
Herpetologie mit dem 7. Bande jenes Werkes gemacht hat,
nur in einem negativen Resultate zu finden ist: so habe ich
häufig Veranlassung gehabt, von dem absoluten Vortheile Ge-
brauch zu machen, welchen die Bezahnung zur Unterschei-
dung der Species giebt: ein Vorlheil, der uns der Wahrheit
ebenso nahe bringt, als der Versuch, auf den geringlügig-
sten äusseren Charakter eine Species zu begründen , davon
entfernt. Nicht nur aber bin ich in der Anordnung meines
Calalogue dem Systeme Schlegel’s mit den durch Vermeh-
rung unserer Kenntnisse nöthigen Modifikationen gefolgt, son-
dern ich stimme mit ihm auch in der Umgrenzung der Species
vollständig überein, und so belehrend und nothwendig es
ist, eine ununterbrochene Reihenfolge von Varietäten einer
Art darzustellen und selbst in anscheinend verschiedenen Fär-
bungen elc. eine Geselzmässigkeit zu erkennen, so zeitraubend
ist es, Individuen auf darnach angefertigte Pseudospecies zu-
rückzuführen. Ich glaube, dass ich durch kurze Bezeichnung
modificirter Formen innerhalb einer Species die Wissenschaft
mehr gefördert habe, ais durch Belegung derselben mil einem
binären Namen, und ich hoffe auf der anderen Seile, dass
die nachfolgenden neuen Arten als auf natürlich speeifische
Charaktere gegründet erscheinen mögen.
Neue Schlangenarten des britischen Museums. 223
Calamaridae.
Calamaria (Boie) Dum. Bibr.
C. Grayi.
Calal. p. 6.
Schuppen in dreizehn Reihen; Oberlippenschilder fünf;
das erste Paar der Unterlippenschilder bildet keine Sutur ;
kein unpaares Schildchen zwischen den Kinnschildern. Kör-
per cylindrisch, sehr schlank; Schnauze sehr kurz. Jung
rölhlichweiss mit schwarzen Ringen, die in späterem Alter
auf dem Rücken zusammenfliessen, und auf dem Bauche vier-
eckige Bänder bilden. — Philippinen.
Conopsis Günther.
Catal. p. 6.
Habitus von mässigen Dimensionen. Nur ein Paar Stirn-
Schilder; Schnauzen-Schild vorstehend, pyramidal, leicht auf-
wärls gebogen; nur ein Nasenschild, in dessen Milte das
Nasenloch; Zügelschild fehlt oder ist vielmehr mit dem Stirn-
Schild verbunden; ein vorderer, zwei hintere Augen - Schil-
der; sieben Oberlippen-Schilder. Schuppen glatt, mil etwas
abgerundeter Spilze, in siebenzehn Reihen; Analisund Schwanz-
Schienen gespalten. Zähne von gleicher Länge, nicht ge-
furcht.
C. nasus.
Catal. p. 6.
Einfarbig dunkel olivenfarbig; auf dem vorderen Theile
des Rückens einige schwarze kleine Flecken; unten blässer,
dunkel gefleckt. — Californien.
Amblymetopon Günther.
Catal. p. 7.
Rumpf von mässigen Dimensionen, Schwanz kurz ; Kopf
kurz, abgerundet, vom Nacken nicht abgesetzt. Nacken nicht
ausdehnbar; der Schnauzenschild ragt stark vor, ist haken-
förmig aufwärts gekrümmt, oben mit einer scharfen Kante
versehen und ragt so weil rückwärts, dass er mit dem Schei-
tel-Schild eine breite Sutur bildet und die Stirn-Schilder, von
denen nur ein Paar vorhanden ist, von einander trennt. Na-
224 Günther:
senloch zwischen Nasen-Schild und erstem Oberlippen-Schild.
Schuppen glatt, kurz, viereckig, in siebenzehn Reihen.
Schwanz -Schienen doppelt. Zähne in beiden Kiefern von
gleicher Länge, nicht gefurcht. Gaumenzähne.
A. variegatum.
Catal. p. 7.
Weisslich, Rücken mit schwarzen Querflecken; unten
einfach weisslich. — Mexiko.
Rhinostoma Fitz.
Rh. cupreum.
Catal. p. 9.
Schuppen in fünfzehn Reihen. Vordere Stirn- Schilder
von einander getrennt durch einen langen hinteren Forlsatz
des Schnauzen -Schildes,, der den hinteren Stirn-Schild er-
reicht; hintere Stirn -Schilder mit einander verschmolzen.
Kopf dunkelbraun mit weisslichem Scheitel; Körper oben
graulich-kupferfarbig mit zwei Reihen dunkelbrauner Flecken ;
unten einfarbig weisslich. Hintere Oberkieferzähne länger,
nicht gelurcht. — Südafrika.
Rhahbdosoma Dum. Bibr.
Rh. leporinum.
Catal. p. 12.
Oberlippen - Schilder sieben, von denen der vierte und
fünfte das Auge berühren; Schnauzen-Schild mit einer tie-
fen Längsfurche; drei Paar Kinn -Schilder. Körper etwas
schlank, Schwanz von milllerer Länge, sehr schmächlig. Oben
einförmig bleifarbig, unten blässer. — Philippinen.
Rh. microcephalum.
Catal. p. 12.
Oberlippen -Schilder fünf, von denen der zweite und
dritie das Auge berühren; drei oder vier Schläfen-Schilder.
Körperformen gedrungen , Kopf klein. Braun mit dunkleren
Flecken, welche hinten zu Bändern zusammenfliessen. —
Madras.
Neue Schlangenarten des britischen Museums, 225
Rh. maculatum.
Catal. p. 241.
Sieben Oberlippen-Schilder, von denen der drilte und
vierte das Auge berühren ; nur ein Paar Kinn - Schilder;
Schuppen in siebenzehn Reihen. Körperbau gedrungen,
Schwanz kurz. Braun oder weisslich (in Spiritus) mit unre-
gelmässigen schwarzen Querbandern und Flecken. Bauch un-
gefleckt, gelblich. — Rio Janeiro.
Rh. elaps.
Catal. p. 241.
Sechs Oberlippen -Schilder, von denen der dritte und
vierte das Auge berühren; nur ein Paar Kinn-Schilder ; Schup-
pen in fünfzehn Reihen. Körperbau ziemlich schlank, Schwanz
elwas kurz. Gelb mit elwa dreissig breiten schwarzen voll-
ständigen Ringen. Hat ganz das äussere Aussehen einer
Elaps, aber nicht deren Zahnbau. — Guayaquil.
Rh. oxycephalum.
Catal. p. 242.
Fünf Oberlippen - Schilder, von denen der dritte und
vierle das Auge berühren, und der fünfte mit dem Hinter-
haupt-Schild eine lange Sutur bildet, hinter welcher ein ein-
zelner Schläfen - Schild liegt. Kopf schmal mit zugespitzter
Schnauze. — Philippinen.
Haplocereus Günther.
Catal. p. 14.
Körper sehr schlank, cylindrisch; Schwanz von millle-
rer Länge, sich zuspilzend; ein unpaarer vorderer Stirn-
Schild, ein Paar hinterer Stirn-Schilder; zwei kleine Nasen-
Schilder; Zügel-Schild fehlt oder ist vielmehr verschmolzen
mit dem hinteren Stirn- Schild; ein vorderer, zwei hinlere
Augen-Schilder. Schuppen gekielt, lanzetlförmig, in sieben-
zehn Reihen; Analis und Schwanz-Schienen ungespalten.
Zähne gleich, nicht gefurcht,
Archiv f. Naturgesch. XX1V, ‚Jahrg. 1.Bıl 15
226 Günther:
H. ceylonensis.
Catal. p. 15.
Oben schwärzlich oder braun, einfarbig oder mit ver-
waschenen Flecken; unten einfarbig gelblich. — Ceylon.
Arrhyton Günther.
Catal. p. 244.
Habitus von mässigen Dimensionen; Kopf niedergedrückt,
flach; zwei Paar Stirn-Schilder, von denen das vordere viel
kleiner ist, Nasenloch zwischen zwei getrennten Nasal-Schil-
dern; Zügel-Schild fehlt oder ist vielmehr mit dem hinteren
Stirn-Schild verschmolzen ; ein vorderer und zwei hintere
Augen-Schilder; Schuppen glatt, rhombisch, in siebenzehn
Reihen; Analis und Schwanz-Schienen gespalten. Der hin-
terste Zahn des Oberkiefers länger und von den übrigen
durch einen Zwischenraum gelrennt, nicht gefurcht.
A. taeniatum.
Catal. p. 244.
Röthlich-weiss mit drei braunen Längsstreifen; Bauch-
seile weiss. — Cuba.
Trachischium Günther.
Catal. p. 30.
Habilus von mässigen Dimensionen; Kopf elwas klein,
niedergedrückt, etwas spilzig, vom Nacken abgeselzt. Ein
Zügel-Schild,, ein vorderer und ein hinterer Augen -Schild;
Nasenloch zwischen zwei Schildern. Schuppen in dreizehn
Reihen , alle glatt, mit Ausnahme der in der Hüftgegend,
welche mit körnigen Kielen versehen sind. Zähne gleich,
nicht gefurcht.
T. »rugosum.
Catal. p. 30.
Einfarbig schwarz. — Himalaya. Nepal.
Neue Schlangenarten des britischen Museums. 227
Coronellidae.
Ablabes (Dum. Bibr.)
A. oceipitalis.
Catal. p. 29.
Schuppen in fünfzehn Reihen; Oberlippen-Schilder sie-
ben, von denen der dritte und vierte das Auge berühren.
Oben schwarz, auf jeder Seile des Nackens ein gelber Fleck,
der mit dem der anderen Seite sich nicht vereinigt; unten
gelblich mit drei Reihen kleiner schwarzer Flecken. — Mexiko.
A. purpurescauda.
Catal. p. 245.
Schuppen in fünfzehn Reihen; sieben Oberlippen-Schil-
der, von denen der drille und vierte das Auge berühren.
Oben braun mit einem purpur- rostfarbigen Längsbande auf
jeder Seite; Schwanz ganz purpurfarbig gegen das Ende.
Bauch graulich, jede Bauchschiene mit schwarzem Rande.
(Exemplare ohne Epidermis graulich). — Californien.
Coronella (Laur.) Schlegel.
C. decorata.
Catal. p. 35.
Schuppen in siebenzehn Reihen; Analis gespalten ; Ober-
lippen-Schilder acht, von denen der vierte und fünfte das
Auge berühren. Rücken graulich- olivenfarbig ; Seiten mit
dunklerer , scharf abgeschniltener Färbung ; ein schv.arzer
Streifen durch das Auge; auf jeder Seite des Rumpfes ein
kurzes, hochgelbes Band, das hinter dem Auge beginnt, zwei-
mal unterbrochen ist und bald verschwindet. Bauchseite
gelblich, jede Bauchschiene aussen mit einem kleinen schwar-
zen Punkte. Hintere Oberkieferzähne länger, aber in einer
ununterbrochenen Reihe mit den vorderen, nicht gefurcht, —
Mexiko.
C. fissidens.
Catal. p. 36.
Schuppen in einundzwanzig (selten in neunzehn) Rei-
hen; Analis gespalten; Oberlippen-Schilder acht, von denen
223 Günther;
der vierle und fünfte das Auge berühren. Rücken graulich-
olivenfarbig; Seiten mit dunklerer , scharf abgeschniltener
Färbung; ein schwarzer, oft unlen weiss-gesäumter Streifen
durch das Auge; auf jeder Seite des Rumpfes ein kurzes,
weisses Band, das vom Hinterhaupt beginnt und bald ver-
schwindet. Bauch weiss, mit einigen unregelmässigen klei-
nen schwarzen Flecken auf der Seite. Hinterer Oberkiefer-
zahn länger und gefurcht. — Mexiko.
C. bipunctata.
Catal. p. 36.
Schuppen in einundzwanzig Reihen; Analis gespalten.
Rücken braun, Seiten mit dunklerer , scharf abgeschnittener
Färbung ; unten gelblich, entlang der Mittellinie des Bauches
zwei Reihen schwarzer Punkte. Hinterer Oberkieferzahn län-
ger und gelurcht. — Vaterland?
C. Jägeri.
Catal. p. 37.
Schuppen in siebenzehn oder neunzehn Reihen; Analis
gespalten; zwei hintere Augenschilder ; oben einförmig ‚dun-
kel-olivenfarbig, unten blässer. Hinterer Oberkieferzahn län-
ger, in ununlterbrochener Reihe mit den vorderen, nicht ge-
furcht. — Brasilien.
©. anomala.
Catal. p. 37.
Schuppen in neunzehn Reihen ; Analis gespalten. Braun
mit zwei gelben Längslinien , welche eine Reihe schwarzer
Flecken einschliessen; jede Seite mit einer Reihe eben sol-
cher Flecken. Hinterer Oberkieferzahn länger, nicht gefurcht.
(Zügel-Schild verschmolzen mit hinterem Stirn-Schild; ein
unpaarer oblonger Schild zwischen den hinteren Stirn-
Schildern). — Am Parana-SIrom.
C. fuliginoides
Catal. p. 39
Schuppen in siebenzehn Reihen; Analis einfach; drei
hintere Augenschilder. Oben einförmig rauchfarbig mit einem
helleren Halsband oder wenigstens mil einem helleren Fleck
Neue Schlangenarten des britischen Museums. 229
auf dem Nacken; Bauch in der Mittellinie weiss, während
sich die dunkle Farbe der Oberseite auf die Ränder des
Alıdomens hereinerstreckt. Hintere Oberkieferzähne länger,
in ununterbrochener Reihe mit den vorderen, nicht gefurcht.
— West-Afrika.
©. australis.
Catal. p. 40.
Schuppen in siebenzehn Reihen; Analis gespalten, oben
einförmig-olivenfarbig mit wenigen kleinen schwarzen Flek-
ken; unten einfarbig weisslich. Hinterer Zahn länger, in
ununterbrochener Reihe mit den vorderen, nicht gefurcht. —
Australien.
Liophis (Wagl.) Dum. Bibr.
L. conirostris.
Catal. p. 46.
Schnauzenschild vorstehend und etwas zugespitzt, Oben
braun mit undeutlichen schwarzen, unregelmässigen schmalen
Quer-Bändern und zwei helleren Binden enllang der Rücken-
seile; unten weisslich mit grossen schwarzen Flecken. —
Bahia.
Hypsirbhynchus Günther.
Catal. p. 48.
Rumpf und Schwanz von mittlerer Länge, cylindrisch,
gegen den Schwanz hin etwas seitlich zusammengedrückt;
Kopf etwas schlank mit aufgeworfener Schnauze, so dass die
Stirn sallelförmig vertieft ist; ein Zügel-Schild, ein hinterer
und ein vorderer Augen-Schild, zwei Nasen-Schilder mit dem
Nasenloche in der Mitte. Schuppen glatt, in neunzehn Rei-
hen. Analis gespalten. Zähne stark, von gleicher Länge,
der hinterste im Oberkiefer ist wenig grösser, nicht gefurcht.
H. ferox.
Catal. p. 49.
Graulich-braun, mit einer Reihe unregelmässig dreiecki-
ger brauner Flecken auf dem Rücken. — Barbadoes.
230 ! Günther:
Natricidae.
Grayia.
Catal. p. 50.
Erst eine während der Ausarbeilung dieser Liste wie-
derholte sorgfältige Vergleichung hat mich überzeugt, dass
diese westafrikanische Form bereits von Hallowell Proc.
Ac. Nat. Sc. Philad. 1857. p. 67 unter dem Namen Heterono-
tus triangularis beschrieben ist. Mein Irrthum ist um so ver-
zeihlicher, als Hallowell seine Beschreibung beginnt mit
„Dentition of Coronella® und die Schlange in die von Dum.
Bibr. angenommene Familie „Syncraterians“ (nach Hallo-
well’s Schreibart 1. c. p. 66. 67!) einreiht. Dies ist falsch:
unsere Schlange hat alle Zähne im Oberkiefer von gleicher
Länge. Ueberdem ist sie von Coronella eben so weit entfernt, als
Tropidonotus, sie hat weit mehr Aehnlichkeit mit Homalopsis,
ist eine Süsswasserschlange, in deren Magen ich Exem-
plare von Clarias hasselquistii fand, und welcher der lange
Schwanz dazu dient, sich an Gesträuchen am Ufer festzuhal-
ten und den Körper so ins Wasser hängen zu lassen, wie
ich das auch bei unserer Natler beobachtete und Holbrook
es bei Süsswasserschlangen Nord- Amerikas fand. Den von
mir gegebenen Namen sehe ich gerne ganz getilgt, da ich
nicht die ohnedem zu grosse Synonymie zu vermehren wün-
sche. — Hallowell halte überdem dieselbe Wasserschlange
schon früher l. c. 1844. p. 118 als Coluber laevis beschrie-
ben, indem er sie „als den Repräsentanten der Coronella lae-
vis in Westafrika“ ansah.
Tomodon (Dum. Bibr. pt.) Günther,
T. strigatus.
Catal. p. 52.
Braun: auf jeder Seite ein schmaler schwarzer Streifen
vom Nasenloche bis zur Schwanzspitze; ein zweiter auf jeder
Seite der Bauches vom Kinn bis zur Schwanzspitze. — Indien.
Xenodon (Boie) Dum. Bibr,
X. colubrinus.
Catal. p. 55.
Schuppen glalt, in sehr schief verlaufenden, übereinan-
Neue Schlangenarten des britischen Museums. 231
der geschobenen Querreihen ; ein vorderer Augen - Schild,
Analis einfach. Schnauze sehr lang, vorne eckig, Nasenloch
sehr gross. Kopf oben ohne alle Flecken und Streifen. Form
und Färbung der Körpers wie in X. rhabdocephalus. — Para.
X. macrophthalmus,
Catal. p. 58.
Schuppen gekielt, in siebenzehn oder neunzehn sehr
schief verlaufenden Querreihen. Mehr oder weniger dunkel-
braun , entweder einfarbig, oder mit einer Reihe rölhlich-
brauner Flecken auf dem Rücken. Bauch gelblich, vorne mit
grossen schwarzen viereckigen Flecken , hinten braun mar-
morirt. Jung mit gelbem Halsbande, — Ostindischer Continent.
Tropidonotus Kuhl.
T. punetulatus.
Calal. p. 247.
Schuppen in siebenzehn Reihen mit schwachen Kielen;
Analis gespalten; neun Oberlippen-Schilder, von denen der
"vierte und fünfte das Auge berühren; ein vorderer und zwei
hintere Augenschilder. Rückenseite graulich-schwarz, in den
zwei äusseren Schuppenreihen jede Schuppe mit einem weis-
sen Punkte, welche zusammen ein seitliches Band bilden. Die
drei hinteren Zähne in der Oberkieferreihe elwas slärker und
alle in gleicher Entfernung von einander. — Valerland un-
bekannt.
T. medusa.
Catal. p. 78.
Verwandt mit T. leberis. Schuppen in einundzwanzig
Reihen; Oberlippen-Schilder acht, von denen der vierle und
fünfte das Auge berühren; ein vorderer und zwei hintere
Augen-Schilder. Oben dunkel-olivenbraun mit fünf gelblichen
Bändern , von denen das äusserste den Rand der Bauchseite
einschliesst; der Rest der Bauchschienen schwarz, jede in
der Mitte mit einem gelben regelmässigen Dreieck, dessen
Spitze nach vorne gerichtet. ist. Die Dreiecke zusammen bil-
den eine Kelle entlang der Mitte des Bauches. — Texas,
232 Günther:
T. auriculalus.
Catal. p. 80.
Bildet eine besondere Gruppe des Genus. Schuppen in
siebenzehn Reihen; Oberlippen-Schilder acht, von denen der
dritte, vierte und fünfte das Auge berühren; vordere Stlirn-
Schilder vorne abgestumpft. Oben braun mit einem helleren
Rückenstreifen ; ein breiter gelblicher Streif vom Auge zum
Mundwinkel; Bauch weiss mit drei schwarzen Längsbinden,
von denen die miltlere am breitesten ist. — Philippinen.
Colubridae.
Spilotes Wagler.
Sp. poecilonotus.
Catal. p. 100.
Schuppen in ein- oder dreiundzwanzig Reihen; die des
Rückens gekielt. Hintere Augen-Schilder zwei. Oben ein-
farbig braun, einige Schuppen der Vertebrallinie geib mit
schwarzer Spitze; Kopf gelblich mit grossen braunen Flecken.
Bauch vorn einförmig gelblich, nach hinten in reines Schwarz
übergehend. — Centralamerika.
Zamenis Wagl.
Z. caudolineatus.
Catal. p. 104.
Habitus von mitlleren Dimensionen. Schmutziggelb mit
fünf Reihen brauner Flecken, von denen die drei mittleren
zu drei schwarzen Schwanzbinden zusammenfliessen ; die
Flecken der mittelsten Reihe sind die grössten und sind an
jungen Individuen in ein Ziekzackband vereinigt. Die Flecken
der äusseren Reihe sind oft weniger deutlich. Kopf mit sym-
metrischen Zeichnungen. Schuppen gekielt, in ein-, sehr
selten in dreiundzwanzig Reihen; drei vordere und zwei hin-
tere Augen-Schilder; Hinterhauptsschilder hinten abgerundet,
unter einem schiefen Winkel auseinandertretend ; das Paar
srösserer Schuppen, das sich bei anderen Zamenis hinter
Neue Schlangenarten des britischen Museums. 233
den Hinterhauptsschildern findet, fehlt, oder ist vielmehr mit
diesen verschmolzen. Der sechste Oberlippen-Schild bildet
den dritten Theil des hinteren Orbitalrandes. — Kurdistan.
Coryphodon Dum. Bibr.
©. fuscus.
Catal. p. 112,
Alle Schuppen glatt, in vierzehn oder sechszehn Rei-
hen; Oberlippen-Schilder neun. — Borneo.
Dryadidae.,
Herpetodryas (Boie) Dum. Bibr.
H. brunneus.
Catal. p. 116.
Schuppen gekielt, in siebenzehn Reihen; neun Oberlip-
pen-Schilder. Oben einfarbig braun, unlen gelblich. — Gua-
yaquil.
H. Rappü.
Catal. p. 116.
Schuppen glatt, in siebenzehn Reihen; ein vorderer Au-
gen-Schild, neun Oberlippen-Schilder, von denen der vierte,
fünfte, sechste das Auge berühren. Rücken des erwach-
senen Thiers mil einem breiten dunkelbraunen, vorne gelb-
eingelassten Bande; Seiten braun, unregelmässig schwarz
gelleckt; Bauch gelblich, auf den Seiten schwarz gefleckt,
in der Milte kaum sichtbare Längsbinden. — Rücken der
jüngeren Thiere mit viereckigen, bräunlich-olivenfarbigen
Querflecken, welche mit mehr unregelmässigen auf der Seite
abwechseln; Bauch mehr oder weniger schwarz gefleckt, die
Flecken manchmal in Längsstreifen geordnet. — Venezuela.
Berbice.
Cyclophis Günther.
Catal. p. 119.
Habitus schlank, eylindrisch; Kopf eiförmig, vom Nacken
abgeselzl; Kopfschilder regelmässig; ein vorderer und zwei
234 Günther:
hintere Augen- Schilder; Nasenloch in einem einzelnen Na-
sen-Schilde. Schuppen subelliplisch, glatt, in fünfzehn Rei-
hen (in einer Art in siebenzehn und gekiell). Auge eher
gross mit runder Pupille. Zähne gleich, nicht gefurcht. Hie-
her Col. aestivus L., Col. vernalis Dekay, Herpetodr. trico-
lor Schleg. und
C. major.
Calal. p. 120.
C.. vernalis ausserordentlich ähnlich, aber viel grösser.
Oben einfarbig grün, unten blässer; Oberlippen-Schilder acht.
— China.
C. frenatus.
Catal. p. 120.
Oberlippen-Schilder sieben; ein Zügelschild. Olivenfar-
big (in Weingeist); auf jeder Seile des vorderen Rumpftheils
drei schwarze Längsstreifen, von denen der obere am brei-
testen ist und hinter dem Auge beginnt. — Affghanistan.
C. calamaria.
Catal. p. 250.
Zügel-Schild fehlt oder ist vielmehr mit dem Nasal-
Schild verschmolzen. Graulich - braun, auf dem vorderen
Theile des Rückens auf jeder Seite eine Reihe undeutlicher
schwärzlicher Flecken, welche hinten zusammenfliessen und
eine sehr schmale, wellenförmige Linie bilden. Bauchseite
weiss, — Ceylon.
Dryocalamus Günther.
Catal. p. 121.
Leib sehr schlank und zusammengedrückt, so dass die
Bauchschienen, wie in Chrysopelea gekielt erscheinen. Kopf
kurz, mit abgerundeter Schnauze , niedergedrückt. Zügel-
Schild verschmolzen mit vorderem Augen-Schild, hintere Au-
gen-Schilder zwei; Nasenloch in der Milte des einzelnen Na-
sen-Schildes. Schuppen glatt, in fünfzehn Reihen. Auge von
mittlerer Grösse, Zähne gleich, nicht gefurcht, — 'Bildet
eine Mittelform zwischen Calamaridae und Dryadidae.
Neue Schlangenarten des britischen Museums. 235
D. iristrigatus.
Catal. p. 121.
Oben braun mit drei weissen Längsbinden, unten weiss-
lich. — Vaterland ?
Philodryas Wagler. — Dryophylax Dum. Bibr.
Ph. dorsalis.
Catal. p. 126.
Schuppen glatt; Oberlippen-Schilder sieben. Olivenfar-
big, Rücken dunkler oder braun; Bauch hinten schwarz-mar-
morirt, — San Domingo.
Dromicus Bibron.
D. affınis.
Catal. p. 128. 2
Habitus mässig schlank. Schuppen glatt, in siebenzehn
Reihen, ein Zügelschild; sieben Oberlippen-Schilder, von de-
nen der dritte und vierle das Auge berühren. Rücken grau,
lich-olivenfarbig; Seiten mit dunklerer scharf-abgeschnittener
Färbung; ein schwarzer Streifen durch das Auge, der sich
mit einem schwarzen Flecken auf dem Nacken vereinigt.
Hinter dem Auge ein weisslicher Fleck; Bauch gelblich, auf
jeder Seite mit einer Reihe schwarzer Punkte. — Rio Janeiro.
D. rufodorsatus.
Catal. p. 130.
Verwandt mit D. rufiventris. Schuppen glalt, in neun-
zehn Reihen; ein Zügel-Schild, acht Oberlippen-Schilder, von
denen der vierte und fünfte das Auge berühren. Oben braun
mit zwei Reihen dunkler runder Flecken, welche hinten zu
einfachen Querflecken zusammenfliessen; ein dunkler Strei-
fen auf der Schläfe. Bauch graulich, braun-marmorirt. —
West-Indien, |
Psammophidae.
Euophrys Günther.
Catal. p. 139.
Körper von millleren Dimensionen ; Kopf viereckig, hoch,
236 Günther:
mit kurzer, runder, stumpfer Schnauze und flachem Scheitel.
Augenbraun-Schild vorstehend; Gegend vor dem Auge ver-
tieft; Auge gross. Scheitel-Schild von mittlerer Form; ein
Zügel-Schild; zwei Nasen-Schilder; ein vorderer und zwei
hintere Augen-Schilder. Schuppen etwas schmal, glatt, in
neunzehn Reihen. Hinterer Oberkieferzahn länger, gefurcht;
keine andere längere Zähne im Oberkiefer; die vorderen
der Unterkinnlade etwas länger als die anderen.
Eu. modestus.
Catal. p. 139.
Oben gelblich-olivenfarbig, Schuppen etwas heller oder
dunkler gerändert; unten weisslich. — China.
Psammodynastes Günther.
Catal. p. 140.
Habitus etwas gedrungen; Kopf kurz, hoch, oben flach, mit
sich zuspitzender kurzer Schnauze, Lippen aulgeworlen ; Stirn-
Schilder klein, die hinteren hinten abgerundet; Scheitel-
Schild lang und schmal; Zügelschild kurz, oft zwei- oder
dreimal gespalten; ein Nasal -Schild, der vom Nasenloche
durchbohrt ist; ein (ausnahmsweise zwei) vorderer und zwei
hintere Augen-Schilder. Schuppen etwas kurz, rhombisch,
glatt, in siebenzehn Reihen; Analis ungespallen. Pupille
senkrecht, elliptisch. Vordere Oberkiefer- Zähne sehr lang,
glatt, hintere lang, gefurcht, mittlere und die im Gaumen
klein; vordere Unterkiefer-Zähne länger als die hinteren. —
Hieher Psammophis pulverulenla Boie und
Ps. pictus.
Catal. p. 251.
Die drei ersten Paare der Unterlippen - Schilder sehr
gross, ohne Kinn - Schilder zwischen sich zu haben. Kopf
oben mit symmelrischen purpurfarbigen Zeichnungen, Hinter-
hauptisschilder röthlich - weiss. Rücken dunkel - purpurfarbig
mit paarweise gestellten rölhlich- weissen Flecken, auf jeder
Seite des Rückens ein röthlich-weisses Band. — Borneo.
Neue Schlangenarten des britischen Museums. 237
Dryophidae.
Bryophis Schlegel pt.
D. tropidococcyz.
Catal. p. 156.
Habilus mässig schlank; Schnauze nicht sehr verlän-
gert. Schuppen glatt, nur die auf dem hintersten Theile ‚des
Rumpfes gekielt und zwar stark, Die Schuppen der mittel-
sten Reihe nicht grösser als die andern; Oberlippen-Schilder
acht, von denen der drilte und vierte das Auge berühren;
Zügel-Schild fehlt; Schnauzen - Schild ragt weit nach hinten
zurück. Bräunlich-grün, Bauch mil zwei seitlichen weissen
Linien. — Madras.
D. fronticincta.
Catal. p. 157.
Schuppen des Rückens gekielt; sieben oder acht Ober-
lippen-Schilder, von denen gewöhnlich nur einer das Auge
berührt; das vordere Paar der Stirn-Schilder wird vorne ganz
von den Nasen-Schildern, die von beiden Seiten her zusam-
mentrelen und eine Sutur bilden, umgürtetl. Zwei Zügel-
Schilder. Oben einfarbig grün, unten blässer mit zwei seilli-
chen weissen Linien. — West-Indien,
Dipsadidae.
MDipsas Schlegel.
D. boops.
Catal. p. 170.
Körper und Schwanz sehr schlank und stark zusammen-
gedrückt; Kopf schr gross und dick, Auge sehr gross; Schup-
pen in einundzwanzig Reihen. Gelblichbraun, purpurfarbig
marmorirl, mit mehr oder weniger deutlichen Querbändern;
Kopf braun marmorirt; keine Streifen auf der Schläfe. —
Bengalen.
238 Günther:
Dipsadomorphus Fitzinger.
D. ceylonensis.
Catal. p. 176. \
Schuppen in neunzehn Reihen; ein Zügel-Schild. Grau-
lich, sehr fein schwarz punktirt, auf dem Rücken eine Reihe
mehr oder weniger abgerundeter schwarzer Flecken, von de-
nen jeder einen schmalen, schiefen Streifen auf jeder Seite
gegen den Unterleib hin abgiebt; Unterleib braun marmorirt,
auf jeder Seite mit einer Reihe brauner Flecken. — Ceylon.
Tropidodipsas Günther.
Catal. p. 180.
Körper und Schwanz von mässiger Länge, zusammen-
gedrückt; Kopf nicht sehr niedergedrückt, eckig, hinten elwas
breit, vom Nacken abgesetzt, mit stumpfer abgerundeter
Schnauze; Schnauzen-Schild gewöhnlich; ein Zügel-Schild;
zwei vordere und zwei hintere Augen-Schilder. Schuppen
von mittlerer Länge, gekielt in siebenzehn Reihen, die in der
Medianlinie nicht grösser; Schwanz-Schienen in doppelter
Reihe. Auge und Nasenloch mässig gross. Zähne gleich,
nicht gefurcht.
T. fasciata.
Catal. p. 181.
Schwanz mit weissen Querbändern. — Mexiko.
Hemidipsas Günther.
Catal. p. 181.
Habitus von mässigen Dimensionen; Körper elwas zu-
sammengedrückt, Kopf niedergedrückt, dreieckig, hinten
breiter, vom Nacken abgeselzt und mit breiter abgerundeter
Schnauze. Nur ein Nasenschild, Zügelschild verschmolzen
mit dem unteren Vorderaugenschild, über demselben ein
oberer Vorderaugenschild, hinter dem Auge zwei. Schuppen
glatt, in fünfzehn Reihen, die der Vertebrallinie nicht grös-
ser; Analis ungespalten; Schwanz-Schienen zweireihig. Die
Oberkieferzähne nehmen nach hinten an Grösse zu, der lelzte
ist der längste und zusammengedrückt,
Neue Schlangenarten des britischen Museums. 239
H. ocellata.
Catal. p. 182.
Oben gelblich-grau mit grossen, runden, braunen Flek-
ken mit hellerem Rande; unten gelblich. — Tropisches
Amerika ?
Dipsadoboa Günther.
Catal. p. 182.
Körper und Schwanz schlank, zusammengedrückl; Kopf
niedergedrückt, dreieckig, hinten breit, vom Nacken stark
abgeseizt. Ein vorderer und zwei oder drei hintere Augen-
Schilder; ein Zügel-Schild. Schuppen etwas kurz, rhombisch
in siebenzehn oder neunzehn Reihen, glatt, die der Median-
linie nicht grösser. Schwanzschienen ungetheilt. Pupille
elliptisch senkrecht ; Nasenloch zwischen zwei Schildern ; hin-
terer Oberkieferzahn gefurcht.
D. maculata.
Catal. p. 183.
Oberlippen-Schilder acht, von denen der vierte und
fünfte das Auge berühren. Mit kleinen viereckigen schwar-
zen Punkten. — Central-Amerika.
D. unicolor,
Catal. p. 183. \
Oberlippen-Schilder neun, von denen der vierte, fünfte
und sechste das Auge berühren. Oben einförmig-olivenfar-
big, unten weisslich. — West-Afrika.
Seytalidae.
Hologerrhum Günther.
Calal. p. 186.
Habitus von mässigen Dimensionen; Kopf niedergedrückt,
mit flachem Scheitel und etwas kurzer Schnauze, nicht sehr
abgesetzt vom Nacken. Auge von milllerer Grösse und mit
senkrechter Pupille. Schnauzen-Schild gewöhnlich; ein Zü-
gel-Schild; zwei vordere und zwei hintere Augen-Schilder,
240 Günther:
Schuppen glalt in siebenzehn Reihen; Analis und Schwanz-
Schienen ungetheilt. Hinterer Oberkieferzahn länger, ge-
furcht.
H. philippinum.
Catal. p. 186.
Braun, mit wenigen schwarzen oblongen Flecken auf
dem vorderen Theile des Rumpfes. — Philippinen.
Lycodontidae,
Alopecion Dum. Bibr,
A. fascialum.
Catal. p. 196.
Schuppen in siebenzehn Reihen. Auf jeder Seite eine
Reihe schwarzer senkrechter Streifen. — West-Afrika.
Boodon Dum. Bibr.
B. infernalis.
Catal. p. 199.
Schuppen in drei- oder fünfundzwanzig Reihen. Oben
einfarbig schwarz, unten blässer. — Süd-Afrika,
Elapidae.
Gilyphodon Günther.
Calal. p. 210.
Körper und Schwanz von mässiger Länge, gerundet;
Form des Kopfes, wie in Lycodon, niedergedrückt, mit fla-
chem Scheitel und breiter Schnauze; Zügel-Schild mit hinle-
rem Stlirnschild verschmolzen; dieser in unmittelbarer Be-
rührung mit zwei Lippen-Schildern; ein vorderer und zwei
hintere Augen-Schilder; Schuppen glalt, kurz, gross, in
fünfzehn oder siebenzehn Reihen; Analis und Schwanzschie-
nen gelheilt. Hinter dem Furchenzahn eine Reihe glatter Zähne.
In diese zwischen den J,ycodonlidae und Elapidae_ ste-
hende ‚Form gehört Elaps ornala Gray und
Neue Schlangenarten des britischen Museums. 241
G. tristis.
Catal. p. 211.
Oben einfarbig schwärzlichbraun; Schuppen auf den
Seiten mit undeutlichen helleren Rändern. Schuppen in sie-
benzehn Reihen. — Australien.
Diemansia Gray — Pseudelaps (Fitz.) D. B.
D. annulata.
Catal. p. 213.
Bräunlich-olivenfarbig, mil zahlreichen schwarzen schma-
leu Querbändern. »- Neu-Holland.
Hoplocephalus Guy. — Alecto (Wagl.) D. B.
H. pallidiceps.
Catal. p. 214.
Schuppen in fünfzehn Reihen; zweiter und dritter Ober-
lippen-Schild oben abgestulzt, nicht spilzig, Schwärzlich-oli-
venfarbig, Kopf blässer; Schuppen der äusseren Reihen mit
gelblicher Spitze. — Port Essington. (Neuhoiland).
H. coronoides.
Catal, p. 215.
Schuppen in fünfzehn Reihen; Scheitel-Schild mehr als
dreimal so lang als breit; auf jeder Seite des Kopfes ein
schwarzer, unten weissgeränderter Streifen, kein Halsband. —
Vandiemensland.
H. superbus.
Catal. p. 217.
Schuppen in fünfzehn Reihen; Scheitel-Schild schmal,
mehr als zweimal so lang als breit. Oben.'braun ‚oder bräun-
lich-olivenfarbig; Bauch vorne olivenfarbig, nach hinten zu
ins Schwärzliche übergehend. Kein schwarzer Strich am
Kopfe. — Neu-Holland.
Pseudohaje Günther.
Catal. p. 222.
Körper elwas schlank mit abgerundeten Seiten ; Schwanz
Archiv [. Naturgesch. XXIV. Jahrg. 1. Rd, 16
242 Günther:
von mässiger Länge; Kopf eher klein, hoch, viereckig,
mit sphärisch abgerundetem Scheitel und kurzer runder
Schnauze. Obere Kopfschilder gewöhnlich; Augenbrauen-
Schilder gross. Die Stelle des Zügelschildes ist eingenom-
men durch den zusammenstossenden Augen- und hinteren Na-
senschild; zwei Nasen-Schilder ; ein vorderer und drei hintere
Augen - Schilder ; der. dritte Oberlippen-Schild bildet beinahe
die untere Hälfte des vordern Orbitalrandes, Schuppen gross,
stark übereinandergeschoben, in dreizehn Reihen, die der
Medianlinie sehr gross und sechseckig. VordereRippen am
kürzesten. Analis einfach; Schwanzschienen getheilt. Hinter
dem Furchenzahne zwei kleine glatte Zähne.
‚Ps. nigra,
Catal. p. 222.
Einfarbig schwarz. — Vaterland?
Pseudonaja Günther.
Catal. p. 227.
Körper und Schwanz von mässiger Länge; Bauch ab-
geflachl; Kopf hoch, viereckig, nicht deutlich abgeselzt vom
Nacken, mit mässig langer, abgerundeter Schnauze. Schnau-
zen-Schild gross, weit nach hinten umgebogen; vordere
Stirn-Schilder kleiner, als die hintern; Scheitel-Schild gewöhn-
lich. Die Stelle des Zügelschildes ist ersetzt durch die zu-
sammenstossenden Winkel des hinteren Stirn -, vorderen Au-
gen- und hinteren Nasen-Schildes und zweier Oberlippen-
Schilder; ein vorderer und zwei hintere Augen - Schilder ;
zwei Nasen - Schilder. Schuppen glalt, sich wenig deckend,
in siebenzehn Reihen ; Analis und Schwanzschienen gelheilt.
Vordere Rippen nicht länger. Hinter dem Furchenzahn eine
Reihe kleinerer Zähne.
P. nuchalis.
Catal. p. 227.
Bräunlich - olivenfarbig mit sehr breiten dunkeln Quer-
bändern, die oft undeutlich werden mit Ausnahme des ohne-
dem immer dunkleren Nackenbandes. — Australien.
Neue Schlangenarten des britischen Museums. 243
Elaps (Schneider) Dum. Bibr.
E. univirgatus.
Catal. p. 231.
Scheitel und Nacken schwarz, mil einem breiten gelben
Querband hinter den Augen. Rölhlich-braun mit einer schma-
len schwarzen Vertebrallinie. Bauchseite mit schwarzen Quer-
bändern, die sich manchmal auf die Seiten ersirecken. (Zwei
Varietäten). — Nepal.
E. maculiceps.
Catal. p. 232.
Im Habitus ähnlich dem Elaps intestinalis; Scheitel und
Nacken schwarz mit symmetrischen gelben Flecken und Stri-
chen; oben einfarbig röthlich- weiss oder mit zwei Reihen
kleiner schwarzer Flecken. Bauchseite einfarbig weiss;
Schwanz mit zwei schwarzen Ringen. — Ostindien.
Endlich füge ich noch die Diagnose einer neuen Schlange
bei, welche ich im zweiten Appendix meines Calaloges be-
schrieben habe, und welche in die Duimeril’sche Familie
der Platyrhiniens gehört.
Elapocephalus Günther.
Catal. p. 276.
Kopf niedergedrückt, in einer Flucht mit dem Körper:
Schuppen glatt, in fünfzehn Reihen; obere Kopfschilder re-
gelmässig ; vordere Stirn-Schilder in unmittelbarer Berührung
mit dem Schnauzen-Schild ; ein einziger Nasal -Schild: Zü-
gel-Schild fehlt; ein vorderer und zwei hintere Augenschil-
der. Analis und Schwanzschienen gespalten. Zwei oder drei
hintere Oberkieferzähne sehr lang, stark und gefurcht.
E. taeniatus.
Catal. p. 276.
Oben mit drei schwarzen, weiss-geränderten Längsbin-
den; Bauchseite weiss, an den Rändern mit einigen unregel-
mässigen dunklen kleinen Flecken.
Enthelminthica No. V.
Ueber Amphilina foliacea mihi (Monostoma folia-
ceum Rud.), Gyrocotyle Diesing und Amphipty-
ches Gr. W.
Briefliche Mittheilung an Hrn. Prof. R. Leuckart.
Von
Dr. &G. BR. Wagener,
Assistent am K. Anatomischen Museum in Berlin.
Vorgetragen in der Sitzung der naturforschenden Freunde
in Berlin d. 15. December 1857.
Hierzu Taf. VII.
Monostoma foliaceum Rud. wurde von Bremser an
Rudolphi gesandt, der es in seiner Synopsis Entozoorum
p. 340 und 83 zuerst beschrieb. Obgleich er es zu den Tre-
matoden stellt, so geht doch aus dem Schlusse seiner Be-
schreibung hervor, dass ihm das Fremdartige in diesem Mo-
nostoma nicht entgangen war.
Bremser bildete das Thier Icon. helminth. tab. VII.
fig. 3—7 ab, scheint aber über das, was er Kopftheil nennen
sollte, zweifelhaft gewesen zu sein, da er das Monoslom in
einer Lage darstellt, aus der sich für diese Frage Nichts
entnehmen lässt.
Dujardin (Hist; nat. des helminth. p.364) glaubt nach
der Untersuchung eines von Wien nach Paris gesandien Spi-
ritusexemplares in dem Thiere eine Proglotlis zu erkennen.
in neuester Zeit ist das in Rede stehende Thier in fri-
schem Zustande von Wedl untersucht worden. (Helmintho-
Wagener: Enthelminthica No.V. 245
logische Notizen Maiheft 1855 Sitzungsberichte der Wiener
Akademie Bd. 16. p.318). Er sieht ebenfalls in dem Thiere
ein Monostom und glaubt einen Schlund nebst Schlundkopf
bei der Untersuchung in ihm wahrgenommen zu haben.
Ich habe das.Thier ebenfalls frisch in Triest geschen.
Die Thatsachen, die sich mir bei der höchst schwierigen Un-
tersuchung dieses sehr undurchsichligen Helminthen ergaben,
sind, wenn auch sehr unvollständig, doch hinreichend, um
das Thier nicht zu Monostomen, sondern zu den Cestoden
zu stellen; denn es hat einen undurchbohrten Kopf-
napf und entschieden keinen Darm. Wedl nahm den
Kopftheil für den Schwanz.
Die Gestalt des Thieres ist bekannt. Der Rücken ist
gewölbt, der Schwanz meist etwas auf die Bauchseite gebo-
gen, Letztere ist meist concav, da die scharfen Seitenrän-
der des Leibes nach dem Bauche zu sich etwas umschlagen.
Die Haut zeigt unter der Lupe die schon von Ru-
dolphi bemerkte netzförmige Zeichnung. Diese entsteht
durch ein System von meist rechteckigen Waben, deren
Längsdurchmesser quer auf das Thier steht. Die Waben
werden nach dem Kopfende zu kleiner. Sie sind am &röss-
ten, wo der Querdurchmesser des Thieres am breitesten ist.
— Drückt man das Thier zwischen zwei Glasplatten und be-
trachtet es bei durchfallendem Lichte, so glaubt‘ man die
Hoden eines Cestoden zu sehen. Dujardin erwähnt wohl
diese lelzteren Organe, ohne jedoch von dem genetzten An-
sehen der Haut zu reden. — Es versteht sich von selbst,
dass durch den jeweiligen Contractionszustand des Thieres die
Form der Waben sich verändert. Ebenso erscheint die Gontur
des Thieres zuweilen gezackt, zuweilen ganz glatt.
Die Muskeln sind Längs- und Querfasern. Die ge-
genseilige Lagerung dieser Organe gelang nicht ins Klare
zu bringen. Die Undurchsichtigkeit selbst ganz junger Thiere
durch Einsprengung von Fetltropfen und Körnchen konnte
nur durch einen Druck bewältigt werden, der das Thier zer-
sprengle. Ebenso wenig liess sich mit dem Messer und der
Scheere arbeiten.
Der Kopfnapf des Thieres zeichnete sich dureh braune
Färbung aus. Die Fasern in.ihm verliefen radial. Mit sei-
246 Wagener:
nem, Boden, stand ein Faserbündel in Verbindung, der nach
dem Inneren. des Thieres pinselförmig auseinanderfuhr. —
Bei mässigem Drucke schon trat der Saugnapf in Form einer
braunen Papille hervor, die häufig noch von seinem äusseren
Rande umwallt war. Diese Papille ist‘ von Bremser und
Wedl abgebildet,
Beim Zerreissen namentlich älterer Thiere begegnet man
sparsam in den Fasern ziemlich fest eingefilztie zuweilen gal-
lengelb gefärblen concenlrisch gestreiften Kugeln,
oder Knollen. Sie sind anscheinend nicht glatt. Ich habe sie
nicht mil. Säuren untersucht. _ Aussehen und Vorkommen un-
terscheiden sie nicht von Kalkkörpern der Cestoden.
An den Rändern des Thieres liegt jederseits ein schma-
ler Streif dunkler Follikel ganz analog dem Dotterstocke
der Cestoden. Sie sind schon von Dujardin gesehen und
auch von Wedl. Auf Querdurchschnilten bilden sie eine
Figur wie (). Ob die Ränder dieser Figur sich in Form
einer dünnen Lage über Bauch und Rücken fortselzen, weiss
ich nicht.
Der Eier enthaltende Schlauch ist in einzelnen
Theilen schon von Rudolphi, Dujardin und Wedl ge-
sehen. — Er entsteht in der Mittellinie des Thieres nicht weit
von der Schwanzspilze in einer bis jetzt für mich noch unklaren
Weise ‚an der Stelle, wo noch zwei später zu erwähnende
Organe ebenfalls ihren Ursprung nehmen. — Nach einer
Reihe, von kurzen häufig sich deckenden Windungen, welche
einen sehr durchsichligen Inhalt einschliessen, Irilt er an die
Seite.des Thieres, sleigl in kurzen sich oft deckenden Schlei-
fen nach dem Kopfe, biegt sodann schnell um, läuft diesseils
der Mittellinie mit ähnlichem Verlaufe wieder zum Schwanze
hinab bis fast zu seiner Ursprungsstelle. Hier trilt er mit einer
grossen quer durch das Thier sich legenden Schlinge zum
anderen Rande des Leibes. Nach 8-10 grossen Querschlei-
fen begiebt sich der Schlauch in verhältnissmässig gestreck-
tem Laufe bis dicht zum Kopfnapfe, an dessen Seite er aus-
mündet. — Die Zahl der. secundären Windungen steigt mit
der Grösse des Thieres.
Dicht. ‚über der‘ Stelle, wo der Eierschlauch entsteht,
hefindet sich ein ‚rosellenförmiges Organ, was ganz .dem
|
|
Enthelminthica No. V. 247
Keimstocke der Cestoden ähnelt. Von ihm scheint ein
Schlauch zu entspringen, der sogleich einen anderen aus dem
Zusammenflusse von zwei Schläuchen entstandenen aufnimmt.
Dicht hinter dieser Stelle schwillt der gemeinsame Ausführ-
gang in eine Blase an und bricht seitlich vom Schwanze
schräg nach unten sich wendend, mil einer Oeffnung durch
den scharfen Rand des Thieres. Ich glaube sagen zu kön-
nen, dass die Ausmündung des Eierschlauches und. dieses
Organes auf ein und derselben Seite des Thieres sich be-
finden.
Gerade auf der Schwanzspilze mündet ein anderer
Schlauch aus, der ziemlich gerade in die Höhe steigt. Dicht
vor seiner Kreuzung mit dem vorigen, auf dessen Bauchseite
er zu liegen scheint, wird er auch zu einer Blase, in deren
Grund ein spiralgewundener von der Seite herkommender
Schlauch eintrit. — Diese Anschwellung sah Wedl als
Schlundkopf an, und in dem an der Schwanzspilze ausmün-
denden Schlauch glaubte er den Schlund zu sehen, Letzte-
rer Schlauch scheint zum männlichen Geschlechtsapparate zu
gehören.
Die Eier des Thieres sind sehr gross eiförmig mit
elwas abgesiumpflem spitzerem Pole. Sie enthalten Dolter-
kugeln. — Gefässe habe ich nur ‘zu. beiden Seiten des
Thieres gesehen.
Da durch die Organisation das Thier sich wesentlich
von einer Ligula unterscheidet, so erscheint es zweckmässig
eine besondere Gallung zu machen. Es mag Amphilina fo-
liacea heissen.
Die Verwandien dieses Thieres sind unter dem von Die-
sing als Gyrocolyle und von mir als Amphiplyches beschrie-
benen Thiere zu suchen.
Ueber Gyrocotyle und Amphiptyches.
Diesing (Systema Helminthum 1. :p. 408) gab eine
kurze Diagnose von Gyrocotyle, einer neuen Gallung, angeb-
lich aus einer Antilope pygarga stammend.
Fünf Jahre später (1855) veröffentlichte Diesing im
ten Bande der Denkschrillen der Wiener Akademie 16 Gat-
348 Wagener)"
tungen von Bifhenwürmern, deren drilte Galtung Gyrocotyle
er Taf. I. Fig. 17—21 abbildete. In der Abbildung erkenne
ich eine dem Amphiptyches verwandte Species derselben Art,
welche sich äusserlich nur durch den Mangel der Seitenkrause
und der kleineren Schwanzkrause unterscheidet. — Da der
Name Gyrocotyle eher gedruckt wurde, so mag der von mir
und Herrn Prof. Grube gegebene Name eingehn und Gyro-
cotyle bleiben.
In Betreff des Fundortes ist hervorzuheben, dass die
vielen Muschelfragmente im Darme von Chimaera den von
Kröyer angegebenen Fundort, nämlich Mactra edulis zu
bevorzugen scheinen.
Gyrocotyle und Amphilina ähneln sich durch den undurch-
bohrten Kopfnapf. Bei beiden münden zwei wahrscheinlich
zum Geschlechtsapparate gehörige Schläuche isolirt aus, bei
Gyrocotyle am Koplende, bei Amphilina am Schwanze. Fer-
ner lrill bei beiden der Eierstock für sich allein nach aussen.
Dagegen ist bei Gyrocotyle das Gefässsystem anscheinend
entwickelter und die Durchsichtigkeit der Gewebe grösser.
Erklärungsder Abbildungen.
Taf. VER,
Fig. 1. 'Amphilina foliacea von der Bauchseite, natürliche Grösse.
ai Ein grösseres:
b. Ein kleineres Thier.
Ein Thier 6mal 'vergrössert, um die netzförmige Zeichnung
zu zeigen.
Fig. 3. Das Ei leicht bräunlich gefärbt, 450mal vergrössert. Die
Schale ist dick, der obere Pol abgeplattet, die Dotterkugeln
sind gross,
Fig. 4. Schema der Organisation, von der Bauchseite gesehen.
a. Der Kopfnapf. — a. Die pinselförmig ausstrablen-
den Muskelbündel desselben.
d. Der Dotterstock.
e. Der Eiergang oder Eierschlauch, der in drei grossen
Windungen das Thier durchzieht.
e‘, Sein Anhang.
1. Seine Oefinung nach aussen.
Ic}
on
»
re ur nnd DEE EU um un. Fu
Enthelminthica No. V. 249
Keimstock ?
x. Der unten fortgehende Schlauch.
x. Seine Anschwellung. — x”. Sein weiterer Verlauf.
y. Der mitm anscheinend zusammenhängende Schlauch.
y. Seine Anschwellung.
Fig. 5. Das Verhältniss von x und y 2u einander vergrössert, von
der Bauchseite gesehen.
m. Keimstock ?
c. Die äussere Contur des Schwanztheiles des Thieres.
y“. Die beiden in einen zusammenfliessenden Schläuche,
welche in
y‘ münden.
x. Der auf der Schwanzspitze mündende Schlauch.
x. Seine Anschwellung.
x”. Sein weiterer Verlauf.
Fig. 6. Kalkkörperartige Körper aus dem Thiere, 450mal vergrös-
sert, mit concentrischer Schichtung. Es scheinen sich öfter
kleinere den grösseren anzukleben.
Berlin den 27. März 1858.
Enthelminthica No. VE.
Ueber Distoma campanula (Gasterostoma fimbriatum
Siebold) Duj. und Monostoma bipartitunn Wedl.
Briefliche Mittheilung an Hrn. Prof. R. Leuckart.
Von
Dr. & R. Wageuer,
Assistent um K. Anatomischen Museum in Berlin.
Vorgetragen in der Silzung der nalurforschenden Freunde
in Berlin d. 15. December 1857.
Hierzu Taf. IX.
Dujardin führt in seiner Histoire nalurelle des Hel-
minthes p. 435 ein Distom unter dem Namen D. campanula
auf, welches er im Darme des Hechles frei und an den Kie-
men von Cyprinus idus incyslirt fand.
In den Berichten der Wiener Akademie 1857. Bd. 26.
p- 243 wird von Wedl die Dujardin’sche Species von neuem
beschrieben. In der beigegebenen Figur ist das im Hechte
hier in Berlin sehr häufige Gaslerostoma fimbriatum wieder-
zuerkennen.
Die wenn auch unvollständigen Angaben beider Au-
toren lassen kaum noch einen Zweifel übrig, dass Distoma _
campanula mil dem von v. Siebold schon 1831 an Ru-
dolphi gesendeten Gasterostoma fimbrialum idenlisch ist.
v. Siebold giebt diesem Tremaloden den Namen in
seinem Lehrbuche der vergleichenden Anatomie p. 129 und
hebt an selbigem Orte auch die Aehnlichkeit dieses Thieres in
Bezug der auf dem Bauche sich befindenden Mundöffnung mit
Wagener: Enthelminthica No, VI. 251
Bucephalus polymorphus hervor. v. Siebold fand das er-
wachsene Gasterostom in Lucioperca und in Perca. Ich kenne
aus eigener Anschauung diese Gasterostomen nicht allein
im frischen Zustande, sondern habe auch die an Rudolphi
1831 geschickten Exemplare mit denen vom Hechte vergli-
chen. — Es gehören diese nebst dem häufig an den Kiemen
verschiedener Cyprinus- Arten in Cysten vorkommenden Ga-
sterostomen ohne Eier , alle zu Gasterost. fimbrialum v. Sie-
bold, was zweifelsohne ein schwanzloser geschlechllich ent-
wickelter Bucephalus ist,
Die drei bis jelzt bekannten Gasterostomenspecies sind
folgende:
1) Gasterost. minimum mihi Intest. Triglae microlepidotae.
2) Gaslerost. gracilescens mihi Intest. Lophii piscalorii.
Syn.: Distoma gracilescens Rud,
3) Gast. fimbriatum v. Siebold Intest. Esocis lucii, Percae
fluviatilis, Luciopercae Sandrae, Cyst. Branchiarum spec.
Cyprinorum quarundam.
Syn.: Distoma campanula Duj.
Die beiden ersten Arten sind aus dem Miltelmeere, wo
auch Bueephalus Haimeanus gefunden ist. — Die letztere ist
im Süsswasser zu Hause, wo auch Bucephalus polymor-
phus lebt.
Alle drei Species kommen in ihrer Organisation in fol-
genden Dingen überein:
Die Mundöffnung befindet sich bei allen im Bauch-
napfe.
Die Geschlechtsöffnung ist bei allen hinten am
Schwanze auf der Bauchseile.
Der Penis ist bei allen mit mehr oder minder langen
haar- oder warzenförmigen Verlängerungen beselzt. Die Haare
dieses Besalzes sind am längsten bei G. gracilescens, am
kürzesten bei Gast. minimum.
Der Darm ist bei allen ein einfacher Blindsack, der
am längslen bei Gaslerost. fimbriatum ist.
Der Eierschlauch entsteht zwischen s. g. Keimstock
und Hoden (welche Organe immer in einer Reihe herab
seillich unter dem Rücken Jiegen) , und giebt sodann eine
lange Schlinge nach unten ab, steigt wieder auf mit vielen
252 Wagener:
Querwindungen und geht dann, um auszumünden, nach dem
Schwanze hin. Der Eierstock macht also bei allen drei Spe-
cies drei Hauplzüge. n
Der s. g. Dotterstock bildet jederseits eine trauben-
förmige Anhäufung , deren Ausführgänge seitlich unter dem
Rücken herabsteigen und in «der Höhe des Hoden und s. @.
Keimstockes nach innen einlenken und dort sich vereinigen.
Der 5. g. Keimstock liegt bei allen Species anschei-
nend oben. ’
Der Stamm desExcrelionsorganes scheint bei allen
drei Arten einen einfachen Blindsack zu bilden.
Noch wäre Jie Richtung des Darmes bemerkenswerth.
Bei Gasterost. minimum steht er mil seinem Grutde unter
dem Rücken.
Bei Gast. fimbrialum biegt er sich nach dem Kopfe um.
Bei Gast. gracilescens biegt er sich nach dem Schwanze
zu um; er hängt herab.
Die Haut ist bei allen drei Species mehr oder minder
bestachelt und enthält namentlich am Kopftheile Zotten.
Die Unterschiede der Species liegen besonders in der
relativen Grösse - der beiden Saugnäpfe und in’ der Grösse
der Eier.
Gasterostoma zeichnet sich namentlich durch seinen
Kopfputz aus, der in meiner Abhandlung «Beilräge zur Ent-
wickelungsgeschichte der Eingeweidewürmer, Haarlem' 1857,
Tab. 24) abgebildet ist, Es sind fünf oder sechs fingerarlige
Fortsätze, deren jeder zurückziehbar ist. An der Basis eines
jeden befindet sich noch ein kleinerer. Die Muskeln lür
diesen Apparat befinden sich in Scheiden, welche im Grunde
des Kopfnapfes verlaufen. — Im Kopfe von Bucephalus sieht
man Organe, die unverkennbar hierauf Bezug haben, s. En-
Ihelminthica No, Il. Müllers Archiv 1852. p. 556.
Ueber Monostoma bipartitum Wedl.
Wedl beschrieb im Maiheft der Wiener Akademiebe-
richte 1855. Bd. 16. p. 38"ein Monostom, das er M. biparti-
tum nennt. Er fand es inCysten an den Kiemenbogen! eines
Thunfisches.
Enthelminthica No. VI. 253
x
Da in diesem Berichte eine bis jetzi noch wenig ge-
kannte Erscheinung nicht erwähnt wird, welche diesen Tre-
matoden charakterisirt, so theile ich hiemit Notizen mit, wel-
che ich über dies Thier in Nizza 1851 niederschrieb.
Innerhalb der an den Kiemenbögen und der’ Schleimhaut
des Zungenbeins vorkommenden Cysten finden sich immer zwei
Monosiomen, welche anfangs noch zu trennen sind, spälerhin
aber derarlig mit einander‘ vereint sich finden, dass ein Thier
zwei Köpfe zu haben scheint. In Wahrheit aber hat das
grössere Monostom das kleiner gebliebene derartig umwach-
sen, dass nur eine kleine Oeffnung blieb, ‚welche‘ beide: als
Austrilisstelle für ihre Köpfe benutzen.
Das grösste in diesem Zustande gesehene Exemplar halte
die Grösse einer Kirsche. — Der eine Pol des fast kugligen
Thieres war in einen kurzen stumpfen konischen Fortsalz
ausgezogen. — Betrachtele man den anderen Pol, so sah man
dort drei Einschnille zusammentreffen, welche sich bis zur
Spilze kinauf ersireckten. Sie lheillen den kugligen Körper
in drei nicht ganz gleiche Abschuitte.
Neben einer von diesen. drei Linien oder Meridianen
befand sich ein.Loch, aus dem zwei fadenförmige über 10 Mm.
lange Hälse mit löffelförmig,. verbreiterlem etwas angeschwol-
lenen Kopfende hervorraglen, I
Die Oberfläche des Thieres war glatt, Die Spitze des
kugligen Körpers war weiss. Ebenso die Umgebung der
Oeffnung für die Köpfe.
Der übrige Theil des Thieres war gelb durch eine
Menge von Schläuchen, welche als mehr oder minder S-för-
mige Züge unter der Haut des Thieres zu sehen waren, Sie
enthielten Eier.
Unter diesen Schläuchen kamen ‚ganz weisse vor, welche
öfters unter einander anastomosirlen. W e dl hält sie für zum
Eierkeimsiocke gehörig. Man kann sie auch als zum Dolter-
stock oder zum Exerelionsorgan gehörig betrachten.
Da Ziehen mit der Pinzelle an dem einen oder ande-
deren Halse des Thieres nicht den gewünschlen Erfolg halte,
so wurde das Loch mit der Scheere erweitert. ‚So gelang
es den einen Hals mit dem daranhängenden kleinen ‚Leibe
aus dem grösseren herauszunehmen.
254 Wagener:
Das freigemachte kleinere Monostom hatte die Ge-
stalt ungefähr wie das Blatt einer Nymphäe. Der Stiel ent-
spräche dem Halse, das Blatt selber dem Leibe.
Im löffelförmigen Kopfe sah man den Mundnapf. Die-
sem folgte unmittelbar ein muskulöser Schlundkopf, dem sich
ein Oesophagus anschloss, der unmittelbar in den zweischenk-
ligen Darm überging. — Die beiden Arme des Darms durch-
zogen den Hals, sich des geringen Raumes halber fast
deckend.
In dem mehr dicken als platten Leibe angekommen
bogen sich die beiden Darmschenkel aufwärts nach den Sei-
ten und endeten blind,
Der Darm war mit rosenrolher Flüssigkeit gefüllt.
In dem schon etwas trübe gewordenen Thiere sah man
ausser Körnchen und Fetttröpfehen nur unbestimmbare Ku-
geln, in denen man sich wohl samenbereitende Organe vor-
stellen konnte. Von Eiern fand sich nicht eine Spur.
Das grosse Monostoın, welches das kleinere gefangen ge-
halten halte, strolzte von Eiern, zwischen deren Behältern auch
zuweilen die weiten Windungen eines eine rosenrothe Flüs-
sigkeit enthaltenden Schlauches sichtbar waren.
Die Zartheit des Thieres machte den Versuch durch
Präparation über die Organisation ins Klare zu kommen, ver-
geblich.
Der Kopf des Thieres zeigte dieselben Verhältnisse wie
der vorige. Nur sah man ausser dem Darme und seinem Zu-
behöre noch einen dieken wenig gewundenen Schlauch, der
Eier enthielt, bis unter den Kopf aufsteigen, unter dem er
ausmündete.
Ausser diesem waren in dem eingeschlossenen kleine-
ren Thiere noch zwei andere ziemlich gerade verlaufende
Schläuche im Kopfe sichtbar, deren einer in der Höhe des
Darmanfanges auf der Bauchseite auszumünden schien.
Die zweite in einer Cyste gefundene Form zeigte die
beiden Monostomen noch isolirt.
Das kleinere Monostom war so beschaffen wie das oben
geschilderle. Es lag noch lose in der von drei Wülsten
gebildeten Ausbuchlung des grösseren, was schon ganz
von Eierschläuchen mit den sie begleitenden weissen Fäden
Enthelminthica No. VI. 255
erfüllt war, zwischen denen sich hie und da der rosenrolhe
Darmschlauch zeigte,
Die dritte Form bildete zwei ganz gleichgeslaltete Mo-
nostomen, in denen sich ausser dem oben geschilderten Ver-
dauungsapparate, seinen Anhängseln und einigen anderen un-
klaren Organen im Leibe nichts weiler auflinden liess. Keins
von beiden Thieren enthielt Eier.
Die Lagerung beider Thiere in der sie umschliessenden
einen Cysle, bot aber zur Aufklärung der zuerst geschilder-
ten Form Anhaltspunkte.
Jedes der Thiere halte eine pfeilförmige Gestalt. Zwi-
schen den beiden, den Widerhaken. entsprechenden, Lappen
war der dünne lange Hals eingefügt.
Der Leib war seitlich zusammengedrückt und auf den
Rand gebogen. — In der Cyste lag der Schwanziheil des
einen in der durch die beiden seitlichen Lappen gebildete
Spalte des anderen. — Die Köpfe beider Thiere sahen zwi-
schen den beiden Leibern hervor.
Durch Vergrösserung der beiden seitlichen schullerar-
tigen Lappen ‘und des Schwanzes kann man sich leicht die
zweite Form hergestellt denken.
Verwachsen nun noch die drei Spilzen des Leibes unter
einander, so hat man die erste Form.
Dass ‚das Loch für den Austrill der beiden Köpfe an
der Seite und nicht in den von dem Verwachsen der Ränder
übriggebliebenen Furchen sich befindet, geht aus der Lage
der Köpfe in der dritten Form hervor.
Die Spitze, welche sich in der ersten Form bemerkbar
macht, findet ihre Entstehung in dem Umstande, dass der
convexe Rücken der drilten Form sich elwas über die Basis
der schulterarligen Seitenlappen hinaus verlängert.
Erklärung der Abbildungen.
Taf. IX.
Fig. 1. Monostoma bipartitum (erste Form) in natürlicher Grösse mit
den zwei fadenartigen Köpfen b und c, die aus dem Loche
a hervorireten,
256
Fig. 2.
Fig. 3.
Fig. 4.
Fig. 5.
Fig. 6.
Fig. 7.
Fig. 8.
Fig. 9.
Fig. 10.
Wagener: Enthelminthica No, VI
Die zweite Form 10mal vergrössert. — d. Der Kopfnapf,. —
e. Die Eierschläuche.
Der Kopf des in der ersten Form eingeschlossenen Thieres
200mal vergrössert.
f. Kopfnapf.
g. Schlundkopf.
h. Schlund.
i, i.. Die Darmschenkel.
k. Ein Schlauch, der bei den eierhaltigen Thieren Eier
enthält und bei beiden in
] mündet,
m, Der andere Schlauch, anscheinend in
n mündend.
l. Ein dritter unklarer Schlauch.
Eier 500mal vergrössert.
Die dritte Form, 10mal vergrössert.
a. Scehwanztheil, — b, die beiden Seitentheile,
ce. Der zwischen den beiden Thierleibern hervorragende
Kopf des einen Thieres.
Das kleinste gefundene Thier, 10mal vergrössert.
Dasselbe 16mal vergrössert.
Es lag mit einem ebenso gestalteten Thiere in einer Cyste.
Die geringe Entwickelung der beiden schulterartigen Sei-
tentheile b ist bemerkenswerth.
Ein eierhaltiges Thier in verschiedenen Lagen, 10mal ver-
grössert. Bezeichnung wie in Fig. 5.
Ein kleines Monostom aus der Cyste von Fig. 2.
f. Kopfnapf. — b—b. Die beiden seitlichen Lappen. —
ec. Hals.
Ein eben solches aus einem Thiere wie Fig. 1 (nur um ein
Viertel kleineres) herausgenommen. Bezeichnung wie in
Fig. 3.
Berlin den 27. März 1858.
Ueber die Hcktokotylenbildung der
Cephalopoden.
Von
Br, €. Claus.
Hierzu Taf. X.
Die Millheilungen Steenstrup’s*) über die Hektoko-
tylen der Cephalopoden sind von allen Seiten mit grossem
Interesse aufgenommen. Abweichungen in der Gestalt be-
stlimmler Arme, welche früher theils übersehen, theils als
abnorme Bildungen einer nähern Beachtung nicht gewürdigt
waren, erhielten durch Steenstrup’s Scharlblick Sinn und
Bedeulung und wurden in ihrem geselzmässigen Zusammen-
hange als constanle Merkmale des männlichen Geschlechles
erkannt, In diesem Sinne erwiesen sich die umgeformlen
Arme als morphologische Zwischenslufen zu den scheinbar
paradoxen Hektokotylen, welche man bei Argonaula und Tre-
moclopus schon längst kennen gelerm halle, und durflen als
vermillelnde Uebergänge zu jenen mit um so grösserem Rechte
betrachtet werden, als sich eine Reihe auffallender Analogien
in Form und Bau beobachten liess. Aber auch dadurch er-
langlen die Beobachlungen des berühmten Nalurforschers
einen besonderen Werlh , dass dieselben mit historischen
Thatsachen verknüpft wurden. Mit Beslimmtheit liefert Steen-
strup den Beweis, dass ein Theil seiner Funde schon von
Aristoteles gekannt war, und als Entdeckungen des Begrün-
ders unserer Wissenschaft auf die erste Zeil der Nalurfor-
®) Siehe die deutsche Uebersetzung der Steenstrup’schen Ar-
beit von Troschel in diescm Archiv 1856, p. 211.
Archiv f. Naturgesch. XXIV. Jahrg 1. Bd. 17
258 Claus:
schung zurückzuführen ist. Nur durch Unkenntniss thalsäch-
licher Verhältnisse waren die Angaben des Aristoleles über
die Arme der männlichen Cephalopoden missverstanden und
falsch gedeutet, eine abermalige Mahnung zu vorsichliger
und bescheidener Auslegung jenes grossen Werkes.
Schon die Bedeutung der neuenldeckten Thatsachen
rechtferligt zur Genüge, ‚dass ich die. Zeit meines -Nizzaer
Aufenthaltes nicht vorübergehen liess, ohne den heklokotyli-
sirlen Armen der lebenden Thiere einige Aufmerksamkeit zu
schenken. Freilich war das Material, welches mir zur Un-
tersuchung zu Gebote stand, nicht so reichhallig und umfas-
send, als man es wohl vermulhen sollte. Der ungünstige
Winter dieses Jahres üble auch auf das Auftreten der Ce-
phalopoden seinen nachtheiligen Einfluss aus, und so kam
es, dass ich mir nur die häufigsten Formen lebend verschaf-
fen konnte. Indessen fand ich durch Verany’s Freund-
schaft Gelegenheit, eine Reihe seltener Cephalopoden zu un-
tersuchen, welche in Weingeist im dorligen Museum aufbe-
wahrt werden; die Beobachtungen, welche ich über die
Hektokotylenbildung der Oigopsiden gemacht, habe ich aus-
schliesslich der Güte des genannten Nalurforschers zu ver-
danken.
Bei allen Cephalopoden aus der Familie der Myopsidae
fand ich die Umformung des bestimmten Armes in derselben
Weise ausgeführt, wie sie von Steenstrup dargestellt wird.
Ohne im Speciellen auf die Armbildung einzugehen, welche
ja inzwischen durch Troschel *) bestätigt worden ist,
möchte ich nur auf einen Umstand die Aufmerksamkeit len-
ken, dass nämlich die Umbildung nicht constant mit dem
Saugnaplpaare einer bestimmen Zahl beginnt. Nach Steen-
strup findet an dem Männchen einer Loligo- Art, welche
derselbe mit Loligo vulgaris Lam. für identisch hält, die Ve-
bereinstimmung des rechten und linken Baucharmes bis zum
18. oder 19. Paare der Saugnäpfe statt, von wo nach der
Spilze zu eine merkliche Veränderung des Stieles beginnt.
Diese Zahl ist an der Loligoart, welche ich in Nizza beob-
*) Bemerkungen über die Cephalopoden von Messina in diesem
Archiv 1857., p.41.
Ueber die Hektokotylenbildung der Cephalopoden. 259
achtete und wegen der Gestalt der Tentakeln ebenfalls für
die Loligo vulgaris Lam, halten muss, nicht eingehalten. Im
Durchschnilte 'war es das 30. oder 31. Paar , mit welchem
die Verlängerang des Stieles 'begann, ‚doch: ergaben sich nach
der Grösse und der Entwickelung der Individuen einige Dif-
ferenzen, für welche das 28. und 34. Saugnapfpaar die Gren-
zen bildete. Sehr natürlich erscheinen mir diese Abweichun-
gen, wenn ich den Umstand in Betracht ziehe, dass mit dem
Wachsthume des Körpers auch die Grösse der Arme und die
Zahl der Saugnäpfe entsprechend: zunimmt. Die Grenze der
Stiele mit Näpfehen und der einfachen Papillen, welche über-
haupt durch allmähliche Uebergänge ermittelt wird, scheint
mir nicht an derselben Stelle zu persistiren, sondern mit der
Entwickelung des Geschöpfes und der Grössenzunahme des
Armes hinaufzurücken. Auch bei Sepia olfieinalis war die
Zahl: der Saugnäpfe, welche in die flächenhafte muskulöse
Entwickelung des Basalabschniltes eingeht, verschieden und
bei Individuen beträchllicheren Umfangs bedeutender.
Von Rossia dispar untersuchte ich zwei männliche und
zwei weibliche in Weingeist aufbewahrle Exemplare, welche
Verany von Krohn aus Sicilien erhalten halte. Es trat
sogleich ein Unterschied in den Armen beider Geschlechter
hervor , indem sich die Männchen durch den Besitz dreier
grosser kugliggeslieller Saugnäpfe am dritten Armpaare (Fig.
5 u. 5’) auszeichnelen, wie ja inzwischen auch von Tro-
schel berichtet wurde. Zwei dieser grossen Näpfe gehörten
der oberen, nach dem zweilen Fusspaare gekehrten Reihe an,
der mittlere Saugnapf war dagegen an der entgegengeselz-
ten Seite befestigt und hielt an Umfang das Mittel zwischen
dem grösseren unteren und dem kleineren oberen Nachbar.
Alle waren so gestellt, dass die Höhlung des Napfes nach
der Bauchlläche gerichtet war. Die Differenzen, welche der
letzigenannte Forscher für die beiden oberen Arme angiebt,
habe ich nicht aufgefunden, möglich, dass mir dieselben bei
der Beobachtung der. überaus starren Exemplare entgangen
sind. Indess fand sich bei den Weibchen eine eigenthün-
liche symmetrische Umgestaltung der beiden oberen Arm-
paare vor (Fig.4 u. 4°), die vielleicht als constantes Merkmal
betrach!et werden muss.
260 Claus:
Die äussere Spitze des Rückenarmes (Fig. 4‘) enibehrte
der Saugnäpfe und bot an deren Stelle eine zweifache Reihe
einfacher Erhebungen dar. Noch sichllicher war dieselbe
Eigenthümlichkeit am zweiten Armpaare ausgeprägt, welches
nur bis zur Mille Saugnäpfe trug, denen eine Doppelreihe
perlförmiger Erhebungen folgte. Gegen die ‚nahe liegende
Vermulhung, dass die ganze Umformung auf nichls als einem
zufälligen Ausfallen der Saugnäpfe beruhe, spricht die strenge
Regelmässigkeit der Bildung in beiden Formen, dann aber,
dass nicht die geringsten Spuren einer früheren Befestigung
der Näpfe an den Höckern zu entdecken waren.
In Beziehung auf die Armbildung von Sepiola Rondele-
tii, kann ich mich nur der Darstellung Steenstrup’s an-
schliessen, erlaube mir indess eine nach dem lebenden 'Thiere
entworfene Zeichnung beizufügen, welche in natürlicher Grösse
die fraglichen Verhältnisse zur Anschauung bringt.
Aus der Familie der „Octopidae* eignet sich Oclopus
macropus am besten, um die eigenthümliche Armbildung nach-
zuweisen, nicht nur wegen der bedeutenden Grössendifferenz
des drillen Armpaares, sondern namentlich weil die übrigen
charakteristischen Merkmale am scliärfsien ausgeprägt sind.
Die löffelförmige Greifplalle am äusseren Ende zeigt am le-
benden T'hiere kräftige Contraklionen, die wohl auf eine Thä-
tigkeit bei der Begaltung und der Einführung der Spermalo-
phoren hindeuten. Auffallender Weise waren die Männchen
den ganzen Winter hindurch viel häufiger als die Weibchen,
während ich von allen anderen Cephalopoden und auch von
Octopus vulgaris das Umgekehrte behaupten muss.
Steenstrup gedenkt bei der Beschreibung von Hele-
done moschata einer Doppelreihe ‘von Haulblältern am Ende
der sieben nieht hektokolylisirten Arme des Männchens und
sieht dieselbe vermuthungsweise ‘als eine geschlechtliche Ei-
genthümlichkeit an. In der That finden sich an den bezeichnelen
Stellen nicht 'nur bei Heledone moschala, sondern auch bei
H. Aldrovandi perlförmige Erliebungen vor *), welche sich
.*) Der Ausdruck „Hautblätter“ scheint mir nicht ganz passend
gewählt zu sein, da wir nur kleine Erhebungen beobachten, welche
wie Perlen dem äusseren Ende des Armes aufsitzen.
Ueber die Hektokotylenbildung der Cephalopoden. 261
in doppelter Reihe über die Spitze der männlichen. Arme aus-
breiten. Da ich dieselben bei den Weibchen durchgehends
vermisse, kann die Bedeutung dieser Gebilde für die Unter-
scheidung des Geschlechtes nicht mehr bezweifelt werden.
In der Familie der „Oigopsidae“ wurde bisher kein hekloko-
tylisirter Arm beobachtet. Zwar bemerkt Steenstrup, dass
bei zwei männlichen Ommatostrephes der eine Baucharın eine
eigene Form an der Spitze zeige, welche auf eine Umbildung
hindeuten könnte, da es aber an dem einen Individuum der
linke, an dem anderen der rechte Arın war, und beide Thiere
im Leben an diesen Stellen beschädigt gewesen zu sein schie-
nen, wurden diese Umformungen nicht zu normalen Bildun-
gen gerechnet. Möglich scheint es nıir indess, dass diesel-
ben normale Eigenthümlichkeiten des männlichen Geschlech-
les gewesen sind, um so mehr, da ich in dieser Familie bei
zwei sehr nahe verwandten Arten ebenfalls die Baucharme
und zwar bei der einen den linken, bei der anderen den rech-
ten umgeformt finde. Es wäre selbst denkbar, und liegt die-
ser Fall vielleicht bei Ommalostrephes vor, dass bei derselben
Species bald der linke bald der rechte Arn sich zum Zwecke
geschlechllicher Thäligkeit umformt; aus der Lage ob links
oder rechts würde unler sonst gleichen Bedingungen gewiss
nicht eine so grosse Differenz ler Leistung resulliren *).
Von Enoploteuthis Oweni Ver. (Fig. I, 1%, 1”) werden
im Nizzaer Museum zwei Weingeistexemplare aufbewahrt,
von denen sich das eine bei näherer Untersuchung als weib-
lich ergab, das andere kleinere dagegen als Männchen er-
kannt wurde. Die Arme des ersteren führten durchaus keine
merklichen Abweichungen vor, während hingegen der linke
Baucharm des lelzten in schr charakteristischer Weise ver-
®) Ich glaube kaum, dass man der Lage des hektokotylisirten
Armes allein einen so hohen Werth zuschreiben darf, um sie zur
Aufstellung neuer Genera zu benutzen. Ebenso wenig dürfte man
wohl unbedingt die Hektokotylenbildung zur Entscheidung systemati-
scher Fragen heranziehen., Die Verschiedenheiten in der Umgestal-
tung der Arme steht allerdings mit anderen Abweichungen des Baucs
und der Organisation in nothwenligem Zusammenhange, ist aber mit
Rücksicht auf ihren Werth einer jeden Formdillerenz gleich, durch
welche eine Verschiedenheit einer anderen Leistung bedingt wird.
262 " Claus:
ändert war, so dass an einer hektokotylisirten Bildung des-
selben nicht gezweifel! werden konnte. Auch Verany,
welcher sich an der näheren Untersuchung belheiligte, er-
kannte sofort die eigenthümliche Umformung 'und nahm kei-
nen Anstand, dieselbe in dem bezeichneten Sinne zu deu-
ten. Die Umgestaltung beschränkt sich auf die Spitze des
Armes, Basis und milllerer Abschnilt slimmen mit den Nach-
bararmen überein und sind mit einer Anzahl von Krallennäpfen
versehen, welche in alternirender Weise so gestellt sind, dass
der letzte der äussern, also der dem drilten Arme zugekehr-
ten Seite angehört. Der obere Theil des Armes entbehrt der
Krallennäpfe und hat das Ansehen einer löfelförmigen Greil-
plalte, welcher sich eine zipfelförmige Verlängerung an-
schliesst. _Löffelföürmig wird derselbe durch zwei laterale
Aulwulstungen , von denen die eine durch Verdickung der
inneren scharf hervorlretenden Haulfalle entstanden ist, die
äussere an Umfang beträchllichere eine selbstständige Bil-
dung darzustellen scheint, Das äusserste Ende des Armes
wird durch die dünne Verlängerung der Greifplatte gebildet
und von der innern Haulfalte grösstentheils überdeckt. Wenn
sich auf diese Weise im Baue unseres Armes eine gewisse
Analogie mit dem Arme der Oclopidae herausstellt, so möchte
auch funktionell eine Verwandischaft in der Art der geschlecht-
lichen Leistung bestehen, über welche indess, zur Zeit Ihal-
sächlich begründele Vorstellungen mangeln,
Eine zweile Species des Genus Enoploteulhis, von der
ich eine männliche in Weingeist aufbewahrle Form zur Un-
tersuchung vorfand, ist die Rüppel’sche margarilifera (Fig.
2,2, 2). Schon beim ersten Anblicke bietet dieselbe durch
die allgemeine Körperform und die Gestalt der kräftig ent-
wickelten Arme Merkmale dar, welche eine Verwechselung
mit Enopl. Owenii unmöglich machen, und es möchten wohl
Troschel’s Vermulhungen, dass bei Untersuchung zahlrei-
cherer Exemplare eine Vereinigung der drei bekannten Ar-
ten durch Zwischenformen nachzuweisen sei, keine Bestäli-
gung erfahren. Der hektokolylisirte Arm gehört der rechlen
Seile an und zeigt schon am unteren und millleren Theile eine
Umformung.
Oberhalb der Basis silzen auf der innern Fläche 17 Kral-
Ueber die Hektokotylenbildung der Cephalopoden. 263
lennäpfe in alternirender Stellung auf, so dass 8 grössere
der äussern Reihe zukommen, die 7 andern dagegen am in-
neren Rande befestigt sind. Der Raum zwischen den Kral-
lennäpfen wird von quer sich kreuzenden Haulfallen durch-
zogen, der äussere Rand dagegen von einem Saume gebildet,
der als wellenförmige Haulfalte den äusseren Krallennäpfen
sich anlegt. Der obere Theil des Armes ist eigenlhümlich
nach der Seite verdreht. Eine wulslförmige Auftreibung des
inneren Randes, welche: vielleicht der Verdickung der gleich-
namigen Haulfalte bei Enopl. Owenii entspricht, bedeckt die
Fortselzung der inneren Fläche (Fig. 2‘); schlägt man sie
zurück (Fig. 2°), so kann man. lelztere Fläche weiler ver-
folgen und sich überzeugen, dass dieselbe bis an das äus-
serste Ende mit kleinen Näpfen versehen ist, von denen iclı
nicht entscheiden will, ob sie alle Krallen tragen. In gleicher
Weise lässt sich die Verlängerung des wellenförmigen Sau-
mes fast bis an die äussere Spilze verfolgen.
Es würde somit der Beweis gegeben sein, dass auch
in der Familie der Oigopsiden, in der man bisher keine Hek-
tokolylusbildung fand, die Mänuchen durch die Umformung
eines Armes ausgezeichnet sind, und sich diese eigenthünli-
che Differenz zwischen Männchen und Weibchen durch alle
Familien der Cephalopoden verfolgen lässt.
Erklärung der Abbildungen.
Taf. X,
Fig. 1. Enoploteuthis Owenii Ver. mit dem hektokotylisirten Arme.
Fig. 2. Enoploteuthis margaritifera Rüpp. von der Bauchseite gese-
hes. 2° 2 der umgeformte Arm. _
Fig. 3. Der hektokotylisirte Arm von Sepiola Rondeletii.
Fig. 4 u. 4. Der erste und zweite Arm einer weiblichen Rossia
dispar.
Fig. 5 u. 5. Der dritte Arm der linken Seite einer männlichen Ros-
sia dispar von der Rückenfläche und von der Bauchfläche
betrachtet.
Beschreibung einiger neuen Seesterne aus
dem NMcere von Chiloö.
Von
Br. R. A. Philippi.
Briefliche Mittheilung an den Herausgeber.
Sanliago den 14ten Juni 1858.
Lieber Freund!
Die Reise meines Präparators, des Herrn Philibert
Germain, nach Chilo@ im vergangenen Sommer 1857—58
hal nicht nur eine reiche Ausbeute für unser Museum ge-
liefert, sondern auch eine Menge für die Wissenschaft neuer
Thiere und Pflanzen. Meine Reise über Chiloe und Puerto
Monte zu den Meinigen war zwar nur flüchtig und halle
nicht zum Zwecke Naluralien zu sammeln, dennoch habe ich
auch manches selbst entdeckt, und vieles von meinen Freun-
den, namentlich von Herrn Ludw. Landbeck erhalten.
Anbei erhallen Sie eine Beschreibung der neuen Seesterne;
es wird Sie interessiren, darunter ein Asltrogonium und ein
Astrophyton zu finden. Ich bin noch lange nicht mit dem
Auspacken ferlie, und doch habe ich schon so viel Interes-
sanles gefunden! Unter den Cruslaceen z. B. einen Panda-
lus, eine Cirolana, der C. hirlipes sehr ähnlich u. m. a. Im
Augenblicke bin ich mit-den Flussfischen Valdivia’s beschäf-
tigt. Sie erinnern Sich, Gay führt kein einziges Rundmaul
auf, und hat sogar den alten Heptatretus vergessen, «der doch
sogar in Cuviers Rögne animal steht; zu der grossen Anguilla
der Chilenen kann ich nun noch drei Rundmäuler fügen, zwei
Arten Armocoetes, und ein neues blindes Genus, mit sehr
Philippi: Beschreibung einiger neuen Seesterne. 265
eigenthümlichen Lippen. Gay führt keinen einzigen lachsar-
tigen Fisch auf, ich kann Sie aber versichern, dass das Ge-
nus Farionella gemein in den Bächen von Valdivia ist; in
dem Mühlbache meines Gutes S. Juan: werden viele geangelt.
Es scheint eine von F. Gayi, die aus Brasilien sein soll, ver-
schiedene Art. Herrn Landbeck verdanke ich Exemplare,
die eine zweite Art zu bilden scheinen; sie sind aber in zu
starkem Weingeiste gewesen, und haben vielleicht die Farbe
verloren. Von demselben habe ich ein kleines Fischchen in
zwei Exemplaren erhalten, welches, meiner Meinung nach,
ebenfalls zu den lachsarligen Fischen gehört und ein eigenes
Genus bilden muss. Der Oberkieferknochen ist zahnlos, wie
bei den Hechten, der Zwischenkiefer und Unterkiefer schei-
nen nur eine Reihe dreispitziger Schneidezähne zu haben,
die übrigen Mundtheile sind unbewehrt: eine Fellllosse und
Schuppen. Die gemeinsten Fische in den Flüssen der Provinz
Valdivia sind unslreilig die Galaxias; ich habe zwei Arten,
die beide neu scheinen. Die eine steht zwar dem G. macu-
latus Val. sehr nahe (leider kann ich die Abbildung im Vo-
yage of the Beagle nicht nachsehen) aber die Alterllosse ist
nicht niedriger, sondern entschieden höher als die Rücken-
flosse, die andere ist im Leben fast durchsichtig’ und ist die
Puya der Valdivianer, wie mir versichert ist, die zuweilen zu
Millionen erscheint. Schreiben Sie mir, ob ich Ihnen die vor-
läufigen Beschreibungen derneuen Fische für das Archiv sen-
den soll. Vollendete, gründliche Arbeiten dürfen Sie von
mir nicht erwarten, die muss ich meinem Nachfolger über-
lassen; ich habe keine Zeit dazu. Das Material erdrückt mich;
ich muss mich begnügen, die Arten, welche ich nach mei-
nen hiesigen Hülfsmilteln für unbeschrieben halten muss, zu
laufen, um sie im Museum aufstellen und im Calaloge äuf-
führen zu können, und eine Beschreibung davon zu enlwer-
fen, die meines Erachtens eben hinreicht, die Art wieder zu
erkennen. Leben Sie recht wohl.
Asteracanthion luridum Ph.
Fünf Arme. Das Verhältniss des kleinen Radius zum
grossen fast wie eins zu fünf. Auf jeder die Furche begren-
zenden Platte stehen zwei ziemlich eylindrische, 1'/, Lin.
266 Philippi:
lange Papillen, und bilden zwei Reihen. An sie schliessen sich
jederseits vier Reihen Papillen an, welche eben: so lang aber
doppelt so breit sind ; sowohl die Reihen ‚wie. die Papillen
in jeder Reihe stehen ziemlich gedrängt. ‚Auf dem Rücken
der Arme stehen fünf Reihen ‚Papillen, welche mehr eylin-
drisch“und ein weniges kürzer sind; sie stehen in. jeder
Reihe ebenso gedrängt, wie in den Reihen an den Seilen der
Arme (elwa 1 Lin. von einander), aber die Reihen selbst
stehen viel weiter von einander ab, und sind elwas unregel-
mässig. Im Centrum stehen die Papillen ohne grosse Ord-
nung, ziemlich gedrängt. Die Madreporenplatte ist von einem
dichten Papillenkranze — ich zähle deren 12 — umgeben.
Die Pedicellarien sind ungemein zahlreich und zangenförmig.
— Die Farbe ist im Leben schmulzig grün, nicht wohl zu
beschreiben, trocken: erscheint: das Thier beinahe kirschroth.
Castro; zwei trockene Exemplare; die Arme der gröss-
ten messen 5, Zoll, sie sind in beiden cylindrisch.
Asteracanthion Germaini Ph.
Fünf Arme. Das Verhältniss des kleinen Radius zum
grössen ist wie 1:5. Auf jeder der Platten, welche die Fur-
chen begrenzen, stehen drei, bis. vier dünne, eylindrische,
über eineLinie lange Papillen ; sie sind viel dünner und viel
gedrängter als bei A. rubens, und in dieser Hinsicht denen
der vorigen Art ähnlicher. Neben ihnen sehen wir jeder-
seits ein paar Reihen Papillen von derselben Länge aber
doppelt so dick. Der Rücken,der Arme ist dagegen mit schr
kurzen und sehr zahlreichen Papillen bedeckt, welche keine
Ordnung wahrnehmen lassen. Sie sind jedoch bei weitem
nicht so zahlreich wie bei A. auranliacum, und bilden durch-
aus keine netzförmige Zeichnung. Die Madreporenplalle ist
ebenfalls, wie bei der vorigen Art, von Papillen umgeben,
welche aber. weniger in die Augen fallen, ihre Lamellen
treten wenig hervor.
Wir besitzen nur ein trockenes, bei Castro gefundenes
Exemplar von dunkelrother Farbe. Die Arme sind 31 Linien
lang, ‚durch das Trocknen ziemlich pialt. Die Figur der
Encyecl. method. 116. fig. 2 stellt Gestalt und Grösse sehr gut dar.
Beschreibung einiger neuen Seesterne. 267
Astrogonium Fonki. Ph,
Der Körper ist mässig convex, fünfeckig; das Verhält-
niss des grossenRadius zum kleinen ist wie 3:2. Die Bucht
zwischen den Armen ist eigentlich eckig, erscheint aber im
Umrisse gerundet, weil die Randplatten in der Mille dersel-
ben slärker hervorstehen. Ich zähle deren an jedem Arme
jederseits elwa 17; sie sind in der Richlung des Radius län-
ger als breit, die am Ursprunge der Arme silzenden sind
über zweiLinien lang und über eineLinie breit. Sie tragen
je eine, selten zwei, kurze, breile, etwa eine Linie lange
Papille. Auf der Bauchseile erkennt man deutlich vom Rande
bis zum Munde sechs Reihen Plällchen, welche den Rand-
plältchen älınlich und unbewehrt sind. Sie stehen so regel-
mässig, dass die Bauchseite wie gepflastert erscheint. Die
Platten, welche die Furchen für die Füsse einfassen, tragen
zwei Reihen kurzer, etwa 1—1'/, Lin. langer Papillen. Der
Rücken besteht aus Platten wie die Bauchseite, die aber keine
so regelmässige Ordnung erkennen lassen, und trägt wenig
zahlreiche Papillen, nämlich eine im Centrum, fünf bis sechs
zuweilen gedoppelte Papillen in einem Kreise um den Miltel-
punkt, sechs bis sieben in der Mittellinie jeden Armes, und
gegen die Spitze der Arme hin tritt jederseits noch eine
Reihe von drei bis vier Papillen hinzu; doch ist dies Alles
nicht sehr regelmässig. Die Rückenplalten sind dreieckig,
viereckig, fünfeckig, mit einspringenden Winkeln und ge-
rundeten Ecken.
Die Farbe ist dunkelroth. Durchmesser 38 Linien.
Ich besilze zwei trockene Exemplare von Puerto Monte.
Das eine, entfärbt, zeigt oben und unten strahlenförmige Fur-
chen zwischen den Randlamellen,
Ophiolepis asperula Ph.
Die Scheibe ist dachziegelförmig beschuppt; die Schup-
pen sind nach dem Rande zu mit kleinen, kurzen Stacheln
beselzt, namentlich zwischen den Armen. Die Radialschilder
sind klein, und divergiren nach dem Centrum; die Zwischen-
räume zwischen ihnen sind mit zahlreichen Schüppchen be-
selzt, die nach dem Centrum hin erst drei, dann zwei, zu-
268 Philippi: Beschreibung einiger neuen Seesterne.
leizt eine Reihe bilden. Die Mundschilde sind klein. Die
Arme bestehen aus 60—70 Gliedern , deren Rückenschilde
queroval, höchstens 1'/;mal so breit wie lang sind. Die
Bauchschilde derselben sind beinahe quadralisch. Es sind
drei Reihen stumpfer, eylindrischer Stacheln von fast gleicher
Länge vorhanden, und cine Schuppe an jedem Tentakel-Po-
rus. Die Färbung ist gewöhnlich blassrosenrolh oder fleisch-
rolh, die zehn Radialschilder haben oft jedes einen weissen
Fleck am peripherischen Ende. Einige Exemplare sind fast
schwärzlich.
Diese Art scheint ziemlich häufig zwischen Chilo@ und
dem Festlande zu sein. — Durchmesser der Scheibe vier
Linien. Länge der Arme 14 Linien; Breite derselben ohne
die Stacheln °/, Linien.
Astrophyton chilense Ph.
Der Rücken der Scheibe zeigt zehn hervortretende Rip-
pen; die Arme sind verlängert, nur 5mal gelheilt, und die
letzten Zweige rosenkranzförmig. Die Arme sind nämlich
elwa 32 Linien lang; vier Linien vom Ursprung gabeln sie
sich zuerst: ‚Jeder Hauptarm ist zwar im Allgemeinen. wie-
der gabelförmig gelheilt, aber die Aeste sind nicht gleich;
der erste Ast nach aussen ist nämlich nur zwei Mal verästelt;
und der erste nach innen gerichtete Ast nur ein Mal, wäh-
rend der Hauptarm sich jetzt noch drei Mal gabelt. Die Ma-
dreporenplalte ist klein, wenig in die Augen fallend, der
Durchmesser der Scheibe beträgt 3'/, Linien; ihre Farbe ist
braun, ‚die Arme sind gelblich.
Von dieser interessanten Art fand Herr Germain lei-
der nur ein einziges Exemplar un zwar hei Calbuco.
Beiträge zur Anatoınie und Histologie ein-
zelner Trematoden.
(Amphistomum subelavatlum, Distoma lanceolatum, Distoma
hepaticum.)
Von
Br. Georg Walier,
praätischem Arzte in Euskirchen.
Dierzu Taf. XI—-X11.
Obgleich die Analomie dieser Tremaloden durch die
vorlrefllichen Untersuchungen von Laurer !), Mehlis?),
v. Siebold ®), Blanchard *) und neuerdings Küchen-
meister °) und Pagenslecher °) hinlänglich bekannt
zu sein scheint, so selzten mich doch lortgeselzte Beobach-
tungen in den Stand, manches Neue, sowohl in Bezug auf
ihre histologischen Verhällnisse, als besonders auf die An-
ordnung ihres Nerven- und Gefässsystemes, aufzulinden.
1) Laurer, de Amphistomo. conico.
2) Mehlis, Observaliones anatomicae de Distomate hepatico et
lanceolato. Göltingen 1325.
3) .v. Siebold, Lehrbuch der vergleichenden Anatomie der wir-
beflosen Thiere. Berlin 1848.
4) Blanchard, Annales des sciences naturelles. Zoologie. 1847.
5) Küchenmeister, die in und an dem Körper des Menschen
vorkommenden Parasiten. Leipaig 1555.
6) Pagenstecher, Trematodenlarven und Trematoden. Heidel-
berg 1957,
270 Walter:
Indem ich daher die allgemein morphologischen Ver-
hältnisse dieser Thiere als bekannt vorausselze, wende ich
mich gleich zur Beschreibung der einzelnen Organe und
Systeme.
Nur dieses glaube ich vorher bemerken zu müssen, dass
ich Amphistomum subelavatum (Diplodiscus subclavatus Die-
sing) häufiger noch als in dem Darme der Frösche, bei Tri-
ton alpestris gelunden habe, welchen Fundort ich nirgends
angegeben fand. Andere, weder von Diesing noch Gurlt
angegebene, aber von mir in Triton alpestris gefundene
Helminthen sind: Distoma variegalum und Disloma endo-
lobum.
Hautbedeckung und Muskeln.
Die Cuticula von Amphistomum subclavalum ist struk-
turlos, und besteht aus zwei Schichten: aus einer nur äus-
seren glashellen, welche bei Wassereinsaugung besonders am
vorderen Ende des Thieres blasig abgehoben wird, und einer
inneren fein granulirten Schicht.
Bei Distoma lanceolatum und Dist. hepalicum konnte ich
auch bei längerem Verweilen im Wasser nie ein, bedeuten-
deres Abheben dieser äusseren Cuticularschicht wahrnehmen.
Auch hier ist die liefere Schicht fein granulirt.
Die Granulationen bilden eigenthümliche wirbelarlige Fi-
guren und scheinen mir Oeffnungen von Porenkanälen dar-
zustellen.
Die tiefere Schicht der Culicula dient den später zu be-
schreibenden, die Leibesbewegungen der Thiere bewirken-
den Muskeln zum Ansalze und Ursprunge; auch verlaufen in
ihr die feinsten Endigungen und Nelze des Gefässsyslems.
Hautdrüsen habe ich mit Bestimmtheit nur bei Distoma
hepalicum vorgefunden, Sie liegen dicht gedrängt neben-
einander, besonders im vorderen Ende des Thieres, dicht un-
ter der Haut, als verschieden grosse kuglige Schläuche mit
strukturlosen Wandungen und einem Itheils- glashellen, theils
körnigen, flüssigen Inhalt, in welchem mehr oder weniger
-grosse Zellen mit deutlichem Kerne eingebeltet liegen (s.
Fig. 1.a.). Reichlich sind dieselben von Gefässen umnelzt
Beiträge zur Anatomie einzelner Trematoden. 271
und scheinen daher für ‘die Ernährung des 'Thieres von Be-
‚deulung.. Ob dieselben ganz geschlossen sind’ oder vielleicht
durch Porenöffnungen mit den das Thier umgebenden Flüs-
sigkeilen in Verbindung siehen, habe ich nicht ermilteln
können.
Am genauesien‘ habe ich die Verhältnisse. von. Haut-
und Muskelsystem bei Distoma lanceolalum beobachten können.
Ich unterscheide deutlich dreierlei Muskelzüge:
1) Längsmuskeln. Sie verlaufen meist gerade,
manchmal aber zackig in der Richlung;von vorne nach bin-
ten. Am deutlichsten erscheinen sie auf der Bauchfläche der
Thiere. In der vorderen Hälfte sind sie breiter und meist
ganz gerade. Sie scheinen hier am vorderen Saugnaple zu
enlspringen und nach längerem Verlaufe im Corium zu en-
den. In der hintern Hälfte des Thieres dagegen nehmen sie
ihren Ursprung sowohl wie ihre, Anheflungspunkte im Corium
selbst. — Zum Ansalze im Corium dienen ihnen eigenthüm-
liche, das Licht stark breehende, senkrecht im Corium einge-
beltete Gebilde, gleichsam Zäpfchen mit nach vorn und hin-
ten auslaulenden Spilzen (s. Fig. 2. a, b).
2) Quermuskeln. Sie treten am deutlichsten am
Vorder- und Hinterende der Thiere auf und umgeben hier
ringförmig den Thierleib, vorne hauptsächlich die Saugthä-
tigkeit des Saugnapfes, hinten die Contraklion des Excrelions-
organes unterstützend (s. Fig. 2. c).
3) Die drillen diagonalen Muskelgruppen verlaufen in
doppelter, sieh kreuzender Richlung, und Ireten ebenfalls
meist im Vorder- und Hinterende der Thiere auf,
Die einen halten die Richlung von der Mittellinie des
Körpers in spilzem Winkel nach hinten und aussen; von ihnen
entspringen die vordersien Muskelbündel ebenfalls am vor-
deren Saugnapfe. |
Die anderen entspringen meist am Bauchnapfe und ver-
laufen in umgekehrter Richtung von hier nach vorne und
aussen. Diese lelzteren habe ich im Hinterleibe der Thiere
vermisst.
Diese verschiedenen Muskelbündel werden von meist gleich-
breiten, hellglänzenden, bandarligen Fasern gebildet, welche
theils gerade, theils wellenförmig, theils zackig verlaufen und
272 Walter:
r
durch Anwendung von Essigsäure manchmal Kerne erkennen
lassen. Jm Hinter- und Vorderende liegen die Längsmus-
kelfasern dicht neben einander, ohne besondere Bündel zu
bilden. '
Die Quer- und Diagonalmuskelfasern liegen in mehr
oder weniger grossen Zwischenräumen gelrennl.
»" Veber die Haut und Muskeln von Distoma hepalicum hat
Küchenmeister ') neuerdings Beobachlungen milgetheilt.
Er unterscheidet:
1) „eine Schicht gerade verlaufender, nicht allzu starker
Längsfasern.* Sie wurden mir durch meine Beobachlungen
bestäligt.
9) „Eine Schicht wenig gewundener, sehr dicker und
langer Querfasern“ und '
3) „eine Schicht kurzer oft spindelförmiger dicker, schr
starker S-förmiger Querfasern.“
Beide Schichten gehören zusammen. Ich habe die sub No. 3
erwähnten, im Zustande der Contraklion befindlichen Quer-
fasern sich’ allmählich wieder in No.2 verwandeln sehen.
Dasselbe habe ich auch bei Distoma lanceolatum an den Längs-
muskeln beobachtet und abgebildet (s. Fig.2. a).
(Die allerdings selltneren aber am Vorderende entschie-
den auftretenden, schon vonMehlis ?) angegebenen diago-
nalen Muskelfasern scheinen Küchenmeister entgangen zu
sein.)
4) „Eine Schicht von in gewissen mehr oder weniger
regelmässigen Zwischenräumen gestellten, kurzen, zu einem
stumpfen Conus sich vereinigenden dicken Fasern, die mehr
in schräger oder in senkrechter Richlung zwischen die frü-
heren Schichlen eingeschoben sind.«
Küchenmeister hält dieselben gemäss ihres Ver-
haltens im Wasser für Vacuolen, zu welcher Ansicht ich
mich nicht verstehen kann. Ein solches isolirles Aufirelen
von Vacuolen slände vereinzelt da. Bei Distoma hepalicum
sowohl, wie bei Dist. lanceolatum, bei welchen sich, wie er-
1) L. ce.
2),L.,c. ‚p. 11.
Beiträge zur Anatomie einzelner Tremntoden, 273
wähnt, dieselben Gebilde in etwas veränderter Form vorfin-
den, sah ich dieselben mit den Längsmuskelfasern zusam-
menhängen, und halte ich sie für deren Anheftungspunkt im
Corium , wahrscheinlich gebildet aus chitinisirtem Bindege-
webe, von welchem nach oben und unten die Muskelfibrillen
entspringen; die Structur der Muskelfibrillen ist dieselbe wie
bei Distoma lanceolatum, es vereinigen sich nur bei den Längs-
muskeln ‘die einzelnen Fibrillen zu grössern Bündeln. Bei
Amphistomum subclavalum bieten Haulbedeckung und Muskeln
ähnliche Verhältnisse dar, wie sie Blanchard') bei Am-
phistomum conicum beschrieben.
Blanchard bezeichnet die zweite Culicularschicht als
„formde de granules ou de Ires petiles cellules.“ Wir wer-
den später sehen, dass ein Theil dieser Zellen dem Gefäss-
system angehören.
Die Längsmuskelschicht ist am deutlichsten am Ueber-
gange des Körperrückens zum hinlern Saugnapfe zu erken-
nen. Die Muskelfibrillen zeigen dieselbe Struclur und Anord-
nung wie bei Distoma lanceolatum.
Von den Saugnäpfen.
Den vordern Saugnapf von Amphistomum subclavalum
hat Pagenstecher (l. c. p.26 Taf. Ill. Fig. 10 und 11)
beschrieben und abgebildet, indem er die Cercaria diploco-
Iylea als Entwicklungsform von Amphistomum subclavalum
ansieht, welcher Meinung ich, gemäss eigener Untersuchun-
gen, beislimmen möchle.
Die beiderseiligen Mundanhänge , welche sich an der
Mundhöhle nach hinten erstrecken und mit eirculären und
radiären Muskellagen umgeben sind, hält er für Hülfssaug-
gruben (s. Fig. 5 a‘ Fig. 11a).
Nach meiner Ueberzeugung sind es Speicheldrüsen, wel-
che ich entweder in oder ausserhalb des Saugnapfes fast bei
keinem Trematoden vermisste. Hier konnte ich sie aber aus-
serhalb des Saugnapfs nicht vorfinden. Bei starker Vergrös-
1) L. e. p. 311.
Archiv f. Naturgesch. XXIV. Jahrg. 1: Bd, 18
274 Walter:
serung sieht; man. ihr. Inneres, von einer granulirten ‘Mem-
bran ‚ausgekleidet.
v.. Siebold. beschreibt (Lehrbuch. der: vergl. Anat.
elc..p. 119) im Grunde. des ‚bintern grossen’ Saugnapfes: einen
kleinern, ‚von Diesing fälschlich als. Caudalöffnung: bezeich-
net. „Es ist, wie. auch Pagenstecher angibt (l. ec: p.-50)
die Caudalöffnung, aus welcher ‚das im Hinterende des Thier-
leibes liegende, ‚später näher zu beschreibende, Expulsionsor-
gan seinen ‚Inhalt ‚ausslösst. ‚Dieselbe ‚ist von feinen radiä-
ren und: eirculären Muskeln umgeben., Um. diese Caudalöfl-
nung sowohl wie am äussern ‚Rande ‚des grossen Saugnaples
findet man ‚meist eine gelb-rölhliche. Imbibition , wahrschein-
lich. herstammend vom Blut des diese Thiere beherbergenden
Darmkanals, nicht aber von eigenen drüsigen 'Gebilden, wie
ich Anfangs irrthümlich vermuthete.
Der hintere, Saugnapf Cs. Fig. 5. B.), durch welchen in
Verbindung mit ‚dem vordern, wie bei den Hirudineen, am
meisten die Leibesbewegungen. vermiltelt werden , ‚ist sehr
gross und sowohl von starken radiären und «irculären Mus-
kellagen gebildet, als auch von einem ausgebildelen Gefäss-
nelze durchzogen, von welchem Pagenstecher glaubt, dass
es,blind endige. Wir werden späler das Irrlhümliche seiner
Ansicht nachweisen. , Auch vermisste. ich die von ihm be-
schriebenen, dieMuskelschicht in regelmässigen Reihen. über-
deckenden Zellen, als welche er wahrscheinlich die Muskel-
ansälze der radiären Muskelbündel betrachtet hat. Am kreis-
runden Rande des Saugnapfs gewahrt man hier und da feine
siructurlose Papillen.
Die anatomischen Verhältnise, der Saugnäpfe ,: ‚sowie
der ihre Thäligkeit bewirkenden Muskelgruppen bei beiden Di-
stomen sind hinlänglich bekannt.
Weniger bekannt scheint der Ursprung einzelner der
vorher beschriebenen Muskelgruppen von der den vordern
Saugnapf unschliessenden Kapsel, welche als Fortsetzung der
von der Mundöffnung nach Innen sich umschlagenden innern
Cuticeularschicht zu betrachten ist, während die äussere Schicht
derselben, sich ebenfalls nach Innen umschlagend, die Epithel-
schicht des Darnıs bildet. Zwischen beiden sind die, die Be-
wegung des Saugnapfs hervorrufenden, Muskelgruppen ein-
Beiträge zur Anatomie einzelner Trematoden. 275
gelagerl. Neue, bisher unbekannte Bändergruppen fand ich
bei Distoma lanceolatum in der Umgebung des Bauchnapfes.
Sie enlspringen an der ebenfalls als Fortselzung des Coriums
erscheinenden Kapsel desselben uud: ‚gehen von hier radiär
nach verschiedenen Seiten, besonders sich anheftend theils an
den mit Glimmerlappen versehenen blinden Endigungen des
Gefässsysiems, theils auch am Darmkanal aus den Mündungen
des Uterus (s. Fig. 3.b). Mir scheinen durch sie diese in
der Leibeshöhle befindlichen Organe bei den ‚Bewegungen
des Thieres in ihrer Lage erhalten zu werden. Sie scheinen
mir sowohl in Function als Siruelur von gleicher Bedeulung
wie die von dem Grunde der Rüsselscheide der Echinorhyn-
chen ausgehenden, zu den Geschlechistheilen verlaufenden Li-
gamenla suspensoria.
Vom Nervensystem.
Was bisher von frühern Autoren, so besonders von
Bojanus '), Laurer 2),: Mehlis®), Blanchard»)
ete, über das Nervensystem «ler Tremaloden angegeben ist,
enibehrt jedes histologischen Beweises und kann daher nun-
mehr als blosse, Vermulhung gelten.
Seit aber durch Georg Meissner °) bei den Gordia-
ceen, durch Wedl1°%) bei den Ascariden ein Nervensystem
mit,der grössten Beslimmtheit nachgewiesen, und bis in sei-
ne feinsten histologischen Siruclurverhällnisse verfolgt wor-
den ist, und seit es mir selbst gelungen, auch bei,.andern Ne-
maloden, so besonders bei Oxyuris ornala ’), mich von der
vollendelsten Ausbildung desselben zu überzeugen, gab ich
1) Isis 1821. p. 168. Taf. 2. Fig. 14, 15 u. 19.
AY'L.'c. p: 12.’ Nie. 21 u..26.
3) L. c.'p. 22. Fig. 13:
4) L. e. p. 283. Planches 12, 13 u. 14.
5) Zeitschr. f. wiss. Zoolog. Bd. V. p. 220. Taf, XI. Bd. VII.
p- 20: Taf. 1.
6) Sitzungsberichte Jer Wiener Akademie 1855.
7), Zeitschr. f. wiss, Zoolog. Bd, VII. Taf.,V. Fig. 1.2. 13. 14.
15. 16. Taf. VI. Fig. 17. 18. 19.
276 Walter:
x
mich mit der schönsten Hoffnung an die schwierige Untersu-
chung dieses Gegenstandes bei den Trematoden, mit welcher
ich mich fast mehr als zwei Jahre beschäftigte. Bei vorlie-
genden drei Species der Tremaloden haben denn auch meine
Untersuchungen mir die Existenz eines Nervensystems, wenn
auch in weniger vollendeter Ausbildung als bei den Nemato-
den ausser Zweifel gestellt. Verschiedene andere in dieser
Hinsicht untersuchte Species, wie Distoma eygnoides, elavi-
gerum, variegalum, endolobum, welche ich häufig, theils im
Darm von Pelophylax esculenlus oder Rana temporaria, theils
bei Triton igneus, taenialus cle. vorfand, ergaben eine ana-
loge anatomische Anordnung des Nervensystems, so dass ich
die Ergebnisse meiner Untersuchungen als Typus des Ner-
vensystems der Trematoden betrachten möchte.
Es liegen aber die Centraltheile des Nervensystems nicht,
wie von frühern Autoren, wie Laurer, Mehlis und be-
sonders Blanchard angegeben, zwischen Schlundkopf und
dem Grunde des Mundnapfs, sondern ungefähr in der Mitte
des Oesophagus. Da indessen Blanchard die äussern ana-
tomischen Verhältnisse des Schlundkopfes fälschlich abgebil-
det, so sind seine Angaben am wenigsten zu beachten.
Ich lege meinem Berichte das von mir am meisten beobach-
tele Nervensystem von Amphistomum subelavatum zu Grunde,
werde aber die bei Distoma hepalicum und Dist. lanceolatum
vorkommenden Abweichungen gleichzeitig berücksichtigen.
Das Nervensystem der Trematoden besteht wie bei den
Nemaloden aus einem centralen und peripherischen Theile.
Während aber bei lelztern das Centralnervensystem als aus
zwei gesonderten Hälften bestehend erscheint, von wel-
chen die eine im vordern, die andere im hintern Ende der
Thiere gelegen ist, finden wir bei den Trematoden den für
die meisten wirbellosen Thiere typischen Schlundring mit
seillichen Ganglienmassen, von welchen die peripherischen
Nervengebilde entspringen und von da nach den verschie-
denen Körperregionen verlaufen.
Der Schlundring liegt bei Amphistomum subelavalum in
der Mitte des Oesophagus (8. Fig. 11. %). Der auf der Rücken-
fläche des Thieres gelegene Abschnilt desselben ist der slär-
kere. Zu beiden Seiten des Oesophagus an den Vereinigungs-
Beiträge zur Anatomie einzelner Trematoden. 277
stellen der obern und untern Schlundringhälfte liegen Gan-
glienzellen dicht gedrängt aber ohne gemeinschaftliche Kap-
selmembran (Fig. 11. y).
Aus diesen beiden seitlichen Ganglienmassen entsprin-
gen drei peripherische Haupinervenslämme, von welchen der
vordere (Fig.11. d) zu dem Mundnapf, der mittlere (Fig. 11. 2)
nach Aussen zu Muskeln und Culicula des Halses, und der
hintere stärkste in meist grader Richlung zu den Hinterleibs-
und den innern Organen des Thieres verläuft (Fig 11. 7).
Die vordern mehr isolirt austrelenden Fasern gehen am
hintern Rande des Schlundkopfs in viele hier zerstreut lie-
gende Ganglienzellen über, indem die vom seitlichen Schlund-
ganglion kommenden Nervenfasern sich mit Faser-Ausstrah-
lungen dieser vordern meist multipolaren Ganglienzellen brük-
kenarlig vereinigen (s. Fig. 11. I).
Die von diesen lelztern nach vorne verlaufenden Ner-
venfäden dringen bis zum vordersien Mundende und verlie-
ren sich hier in von der Culicula gebildeten kleinen Pa-
pillen. Bei starker Vergrösserung glauble ich sie in den
Tastkörpern höherer Thiere analoge Gebilde endigen zu se-
hen. Dass aber solche Nervenendigungen bei den Helminthen
vorkommen, davon habe ich mich am entschiedensten bei
Ascaris compar aus dem Darm vonPerdix cinerea überzeugt.
Hier sah ich beim Männchen deutlich aus der an dem Schwanz-
ende um den Mastdarm gelegenen Ganglienmasse Nervenfä-
den hervorlreten und in die, die männliche Geschlechtsöff-
nung umgebenden Papillen eintreten. Die Papillen selbst ber-
gen einen Körper mit hellem Mittelpunkt, welcher mir, bei
Anwendung von verdünnter Chromsäure, als kroplarliges Ende
der Nervenfasern erschien, und so mit einem Pacinischen
Körperchen der höhern Thiere die grösste Aehnlichkeit dar-
bietet. Ich halte daher die Papillen der Tremaloden wie aller
Helminthen für Tastorgane (s. Fig. 16, 17).
Bei Cercaria diplocolylea glaubt Pagenstecher in
dem; Pigmentlleck zu beiden Seilen des Oesophagus Augen
erkennen zu dürfen, und gibt daher der an derselben Stelle
vorkommenden Pigmentmasse bei Amphistomum subelavatum
dieselbe Bedeutung. Ich habe allerdings aus den Ganglien
des Schlundrings Nervenfasern austreten und zu dieser Pi-
275 Walter:
gmentablagerung verlaufen sehen. Dass diese dem Gelässsy-
stem nicht angehört, davon habe ich mich überzeugt und
halte daher Pagenstechers Annahme nicht für unwahr-
scheinlich. ,
Von der an der Seile des Oesophagus gelegenen Gan-
glienmasse entspringen , wie erwähnt, zwei Nervenstämme,
ein seitlicher schwächerer, welcher sich in der Cuticula und
den Muskeln der Vorderhälfte des Thieres verliert, und ein
stärkerer, nach hinten verlaufender Stamm, welchen ich bis
zum hintern Saugnapf verfolgen konnte. Vor diesem schwillt
er nochmals an, birgt einige Ganglienzellen in sich und
scheint sich, in feine Fasern’ zertheilt, im hintern Saugnapfe
zu verlieren (s. Fig. 5. 0).
Histologisch unterscheiden sich diese Hauplstämme we-
senllich von dem der Rundwürmer. Während dieser näm-
lich in ‘seinem Verlauf durch den Körper eine beständig
gleichmässige Dicke zeigt, und nicht aus nebeneinander ver-
laufenden) Fasergängen zusammengeselzt erscheint, kann man
bei den Trematoden ‘die nebeneinander verlaufenden und in
einem spitzen Winkel den Hauptstanım verlassenden einzel-
nen Fibrillen genau erkennen. Dadurch verliert der Haupt-
stamm allmählich an Umfang in Nervenmasse und es würde
vielleicht das noch für den hintern Saugnapf restirende Ner-
venelement für dessen lebhafte Contraclionen nicht genügen,
würde nicht durch neue eingeschobene Ganglienzellen dem
Hauptstamm neue Nervenmasse zugeführt. Bei allen andern
Tremaloden,, bei welchen dieser stark muskulöse Saugnapf
fehlt , habe ich auch diese kleinen Endanschwellungen ver-
misst, Auch in Bezug auf die Endigung der feinsten Nerven-
äsichen in den Geweben zeigt sich ein Unterschied mit den
Nematoden und schliessen sich die Trematoden mehr dem
Typus höherer Thiere an.
Während bei jenen Thieren dieselben nämlich in 'drei-
eckiger Verbreiterung allmählich in die , die Muskeleylinder
umgebende Membran überzugehen und mit dieser zu ver-
schmelzen scheinen, endigen sie hier fein zugespitzt und
entziehen sich so allmählich der Beobachtung. Eingesprengte
Ganglienzellen habe ich bei Amphistomum subelavalum im
Schlundringe, sellner aber und dann nur im Anfangstheile des
ur
Beiträge zur Anatomie einzelner Trematoden. 279
peripherischen Haupinervenstammes gesehen (Ss. Fig. 11). Be-
trachten wir nun die beiden‘ andern Trematoden, so weicht
Distoma hepalicum etwas von den vorgelragenen Verhältnis-
sen ab. Der Schlundring liegt hier zwischen: vorderin ‚Saug-
napf und Schlundkopfe. Es fehlt die. vordere Ganglienmasse,
Dagegen ist. der! Schlundring. selbst Iheils: von. vielen ‚Gan-
glienzellen umgeben, ıtheils: sind. in seinem Verlauf ihrer 'meh-
rere eingesprengt als bei Amphistomum subelavalum. Auch
in dem nach hinten verlaufenden: Hauptnervenstämme finden
sich zahlreiche eingesprengle ‚Ganglienkugeln »@s. Fig: 14),
dagegen fehlt die Endanschwellung des Nervenstammes. Man
mussısich' bei diesem Thiere ‚hüten, zahlreich im Parenchym
und den Organen vorkommende gelblich pigmentirte,‘ einen
deutlich ‚hellglänzenden Kern zeigende Zellen mil:Ganglienku-
geln zu, verwechseln. Ich gestehe ‚es. offen,» dass: ich/mich
sehr lange in diesen Irrihum befand‘, bis das gar zu'häu=
ige, Vorkommen‘ derselben wich zu neuen Untersuchungen
führte. Da fand.ich ‚denn; dass diese dem Gefässsyslein an-
gehören, wo sie»auch, mehr Berücksichligung finden werden:
Die eingesprengten Ganglienkugeln finden sich nur im’Haupt-
nervenslamm, sind sehr fein conlourirt ;. zeigen einen deul-
lichen „Kern mit glänzendem Kernkörper, und hie, und... da
leicht gelbliche Piginentirung ; sie sind ‚slelsı bipoları, indem
die Nervenfaser gleichsam varicos, anschwellend, in ihrem
Innern den :Ganglienzellenkern aufnimmt (sJ-Fig. 15). 7Man
kann sie nurerkennen, wenn ves gelingt, einen Theil des Haupt-
nervenstammes zu isoliren, besonders durch Anwendung ‚von
verdünnter: Chromsäure. Das Schlundganglion liegt nicht wie
bei Amphistomum subelavatum: dieht neben dem Oesophagus,
sondern" von ihm entfernt, ungelähr »in ‘der Mitte‘ zwischen
diesem und dem seillichen Körperrande. Dieselben sind meist
von dem Gefäss-- oder Darmsystem angehörigen' Theilen ver-
deckt, und-daher nur bei künstlicher‘ oder natürlicher Ent-
leerung dieser zu erkennen. Der Verlauf-der: peripherischen
Nervenslämme ist derselbe. Distoma lanceolatum stimmt in
Lage und Richtung der Nervencentren und der peripherischen
Nervenverzweigungen mil Amiphistomum subelavalum fast ganz
überein (s. Fig. 12. Die griechischen Buehstaben haben ‘die.
selbe Deulung, wie bei Amphistomum subelavalum Pig. 119.
280 Walter:
Die Ganglienzellen sind hier kleiner als bei allen andern
von mir beobachteten Trematoden und meist bipolar (s. Fig. 13).
Multipolare konnte ich mit Bestimmtheit nicht wahrnehmen.
Sie entbehren jeden Pigmenles, sind daher schr blass und
fein contourirt und fast nur durch verdünnte Chromsäure
nachzuweisen. Durch Essigsäure gelingt es häufig, den Kern
derselben deutlich darzustellen, man muss sich aber vorher
von ihrer Anwesenheit und Lage überzeugt haben.
Ueberhaupt ist die mikroskopische Untersuchung der
Nervenelemente bei den Trematoden unendlich schwieriger
als bei den Nematoden, bei welchen wegen ihres durchsich-
tigen Parenchyms oft ein scharfes, gut beleuchtetes Instrument
allein zum Ziele führl.
Erleichtert wird bei Distomum lanceolatum sowohl wie
Amphistomum subelavalum die Untersuchung durch die Be-
nutzung lebender Individuen.
Durch die Bewegungen des Oesophagus nämlich wer-
den die ihn umgebenden Ganglienmassen hin und her ge-
schoben , und kommen daher oft hierdurch deutlicher zur
Anschauung, als durch Benutzung irgend eines Reagens, von
welchen ich aber der verdünnten Chromsäure unbedingt den
Vorzug gebe. Glycyrrhin nulzt auch, aber man muss den
richtigen Augenblick zu nutzen wissen, indem zu langes Ver-
weilen in dieser Flüssigkeit durch zu grosse Aufhellung jede
fernere Unterscheidung der feinsten Contouren unmöglich
macht. Bei Distoma hepaticum gelingt es manchmal die Haut
des-Rückens der Thiere fein abzuziehen , und dadurch die
unterliegenden Nervenelemente deutlicher zu machen.
Bei Distoma lanceolatum muss man sich hüten, die Gan-
glienzellen mit den mehrfach erwähnten einzelligen Drüsen
zu verwechseln. Sie unterscheiden sich aber bald durch die
lebhaften Contractionen ihres Zelleninhalts, die vielfach be-
wegten breiten Ausführungsgänge und ihre zwei-, drei- bis
vierfache Grösse (s. Fig. 12).
Von den Verdauungsorganen.
Die anatomische Lage des Darmsystems beider Dislomen
sowohl als auch von Amphistomum subclavalum ist hinläng-
lich bekannt.
Beiträge zur Anatomie einzelner Trematoden. 281
Histologisch ist zu bemerken, dass bei allen von mir
beobachteten Tremaloden der Darmschlauch aus einer struc-
turlosen contraetilen Membran gebildet ist, welche nach In-
nen von einem feinen Epithel ausgekleidet wird, am besten
bei Anwendung von verdünnler Chromsäure zu erkennen.
Auch habe ich bei ihrer Benulzung häufig in der äussern
struelurlosen Hülle Kernrudimente gefunden (s. Fig. 11. d).
Die äussere Hülle ist eine Forstelzung der Kapsel des vor-
dern Saugnapfs, resp. der innern Cutieularschicht, während
die Epithelschicht des Darnıkanals der äussern Culicularschicht
entspricht. Ueber die Gefässverbreitung auf dem Darmkanal
werden wir später berichten.
Bei Amphistomum subelavatum sowohl wie bei Distoma
lanceolatum erscheint der Darm bekanntlich als einfach gabe-
lig getheiller Doppelblindsack, während er bei Distoma he-
palicum viele, das ganze Parenchym des Thieres durchzie-
hende, Verzweigungen zeigt, welche aber schliesslich alle blind
endigen. Später werden wir die. hieraus: sich ergebenden
verschiedenen physiologischen Verhältnisse ‚betrachten.
Auffallend ist, dass, wie erwähnt, Blanchard!!) den
von ihm im Text erwähnten, hinter dem Mundnapf gelegenen
Schlundkopf bei beiden Dislomen in der Zeichnung verges-
sen hat.
Bei Amphistomum subelavalum ist der Schlundkopf als
solcher nicht vorhanden. Dagegen ist der Oesophagus mit
bedeutenden Ringmuskeln umgeben und dadurch lebhafter
Contraclionen fähig (s. Fig. 11. c). An seinem Ursprung in
der Tiefe des Mundes, in der Mitte zwischen den Mündungen
der beiden seitlichen Speicheldrüsen ebenso wie an seiner
Ausmündungsstelle an der Bifurcalion des Darmcanals häu-
fen sich die Ringmuskelfasern zu einem eigenen Sphincter
an, Auch besitzt hier jeder Darmtheil wieder einen eigenen
starken Ringmuskel, so dass sie sich abwechselnd sowohl
wie gleichzeitig öffnen und schliessen und die Speiseflüssig-
keit aus dieser elwas erweilerten Vereinigungsstelle (resp.
Magen) in den Darm gelangen lassen können.
1) L. c. pl. 11, 19.
282 Walter:
Die Speicheldrüsen von Amphistomum subelavalum habe
ich schon vorher erwähnt. Sie sind meist contrahirt, füllen
sich langsam mit einer bläulichen mit runden Kugeln erfüll-
ten Rlüssigkeit , welche sie durch plötzliche Contraclion in
die Mundhöhle ergiessen.
Bei Distoma hepaticum habe ich keine Speicheldrüsen
gefunden. Ob die oben beschriebenen, bei diesen Thieren
unter der Haut des Vordertheiles liegenden Drüsen diese Be-
deulung haben, vermag ich nicht‘ zu entscheiden.
Am schönsten zeigen sich die schon früher von mir
beschriebenen Speicheldrüsen von Distoma lanceolatum 2).
Fig. 12. habe ich dieselben 'mit dem Nervensystem die=
ser Thiere abgebildet.
Vom Excrelions-Gefässsysiem.
Durch van Beneden°) und Aubert?) haben wir in
ncuerer Zeit die Gewissheit erhalten, dass die früher als Ge-
fässsystem und Exerelionsorgan gelrennt beschriebenen Ge-
fässe und Schläuche der Trematoden,, bei einzelnen dieser
Thiere, wie bei Distoma teretieölle,, Aspidogaster conchi-
cola ele. in unmiltelbarem Zusammenhange stehen, und ein
weit verzweigles Gelässsystem bilden, welchem gewiss nicht
mit Unrecht Aubert die Bedeulung eines Excrelionsorgans
beilegt und per analogiam auf alle Tremaloden überträgt.
Meine Untersuchungen geben in Bezug auf den Zusammenhang
der bei diesen Thieren bekannten Gefässe mit den centra-
len Exerelionsorganen bestätigende Resultate. Dagegen fand
ich bei meinen Untersuchungen bei Distoma lanceolatum so-
wohl als Distoma hepalicum, wie bei Amphistomum subela-
valum ein bisher von keinem Forscher erwähntes unendlich
feines, aber oft sehr deutlich entwickeltes und durch viel-
fache Anastomosen unler einander verbundenes Capillärge-
1) Zeitschr. f. wiss. Zoolog. Bd. VII. p. 198.
2) Bull. de l’Academie de Brux. T. XIX. 1. 1852. p. 73. An-
nales de sc. nat. 3. Serie T. XVII. 1852. p. 23. L’Institut 1852. p.305.
3) Zeitschr. f. wiss. Zoolog. Bd. VI. p. 349. Taf, XIV. u. XV.
Beiträge zur Anatomie einzelner Trematoden. 283
fässnelz. Wir werden dasselbe bei den einzelnen Thieren
näher betrachten.
Obgleich bei Amphistomum subelayalum sowohl das Ex-
erelionsorgan,, als auch die längs den Seilen verlaufenden
Gefässe leicht zu erkennen sind, und zwar ersteres durch
seine lebhaften Contraclionen,, letztere durch ihren leicht
bläulich schimmernden Inhalt, so war doch deren Zusam-
menhang bis jetzt unbekannt.
Dr. Pagenstecher (l. c.), der neueste Beobachler
dieses Thieres, beschreibt beide folgendermassen :
„Am Halse sind deutlich die Längsgefässe 0,025 Mm.
breit zu: sehen, die, sich windend und verzweigend, auch auf
dem einen gelblichen Inhalt führenden Darm deutlich erkannt
werden. Ebenfalls sieht: man von vorne nach hinten stark
gewunden, bald anschwellend und gefüllt, bald leer und ver-
schwindend , durchschnittlich dreimal weitere Gelässe mit
dunklem körnigen Inhalt verlaufen, die, hinten sich umbie-
gend, sich gegeneinander wenden und über der Mitte des
Napfes zusammentreten. Die Vereinigung ist selten zu sehen,
aber sicher. Diese Gelässe scheinen vorne mil den hel-
lern in mehrfacher Verbindung zu stehen '). Auch liegt
am Hinterende ein solide anzusehender Körper, zu welchem
hin die verschiedenen Gefässe ihre Richtung nehmen, ohne
dass ich den Zusammenhang desselben mil ‚beiden Arten von
Gefässen sicher behaupten könnte. Meine Untersuchungen
ergeben theils bestätigende, theils abweichende Resultate. Da
aber gerade bei Amphistomum wie vielleicht bei keinem Tre-
maloden das Gefässsystem leicht in seinem ganzen Zusam-
menhange verfolgt werden kann, so habe ich ihm ganz be-
sonders Zeit und Aufmerksamkeit zugewendet.
Gehen wir in der Betrachtung von der Peripherie zu
den Centralorganen, so finden wir, wie schon erwähnt, ein
1) Dr. Pagenstecher citirt Filippi Deuxicme Memoire Taf. 11.
Fig. XVI. und ich schliesse aus diesem Citat, dass von Filippi schon
dieser in der That existirende Zusammenhang behauptet wurde. Lei-
der ist mir diese Arbeit nicht zu Händen gekommen, wie ich auch
Pagenstechers Abhandlung erst erhielt, als ich meine Untersuchung
schon beendet hatte.
284 Walter:
durch das Parenchym der Thiere verbreiletes, besonders die
Eingeweide umspinnendes, vielfach anastomosirendes Gefäss-
nelz. In den Vereinigungsstellen der unter verschiedenem
Winkel zusammentretenden feinsten Gelässe sieht man am
besten nach Anwendung von Essigsäure feine Kerne mit deul-
lichem Kernkörper, und es bietet dieses Capillarnetz mit sei-
nem ‚anastomosirenden Fachwerk und den Kernen in den
Knotenpunkten am meisten Aehnlichkeit dar mit den in gal-
lertigem Bindegewebe ‚(Virchow’s Schleimgewebe) vorkom-
menden Bindegewebskörperchen und ihren Ausstrahlungen
(s. Fig. 10. c).
‘Nach und nach vereinigen sich je zwei bis drei sol-
cher feinsten Gelässröhrchen zu einem grössern Gefässe, wel-
ches nun nach kurzem oder längerm Verlaufe , in welehem
es seillich mehr oder weniger feine Gefässe aufnimmt, 'sei-
nen Inhalt in eines der zur Seile des Thieres von hinten nach
vorne verlaufenden Längsgefässe ergiesst (s. Fig. 5,3. Fig.
10, b). Auf diese Weise sammeln diese Längsgefässe, deren
Stromrichlung, wie erwähnt, von binten nach vorne gerichtet
ist, und in welchen eine Menge jener feinen Gelässe münden,
Flüssigkeit aus allen Theilen des Thierleibes.
Am Halse ergiesst sich ihr Inhalt in einen fast drei-
mal breitern Schlauch, welcher nach vorne zu blind endend,
wieder rückwärts, quer über den Darm, verläuft, sich in der
Gegend der Geschlechlsöffnungen mit einem zweiten kurzen
vom Oesophagus kommenden vereinigt, und nun gemeinschafl-
lich mit diesen an der innern Seile des Darmkanals nach
hinten strebt, am blinden Ende des Darmes erst nach Aus-
sen, dann wieder nach Innen umbiegt, und am hintern Ende
des Thierleibes sich mit dem gleichen Schlauche der andern
Seite in ein gemeinschaltliches Expulsionsorgan 'ausmündel
(s. Fig. 5.3, 1. Fig. 10. a, b, ©).
Letzteres liegt noch auf der Rückenfläche des Thieres,
ist von bedeutenden Ringmuskeln umgeben, dadurch leb-
hafter Contraclion fähig und mündet durch einen engen Aus-
führungsgang im Grunde des Saugnapls nach Aussen (s. Fig.
5, 8). Die Ausmündungsstelle ist ebenfalls von einem kra-
terarligen muskulösen Wall umgeben, welcher von Diesing
irrthümlich als Ausmündungsstelle der weiblichen Geschlechts-
Beiträge zur Anatomie einzelner Trematoden. 285
organe,, von v. Siebold als zweiter Saugnapf bezeichnet
wurde.
Pagenstecher nennt dieselbe Caudalöffnung , ohne
deren Zusammenhang mit den Exeretionsorganen zu erwäh-
nen. In den Expulsionsschlauch münden aber auch die letz-
ten hintern Enden: des seitlichen Gefässstammes , nachdem
sie kurz vorher noch einen nach dem hintern Saugnapfe ver-
laufenden Zweig abgegeben haben (s. Fig. 5,3‘). Bei einigen
Individuen glaubte ich eine Abweichung beobachtet zu ha-
ben, indem das hintere Ende der seillichen Gefässe nicht in
den Expulsionsschlauch mündet, sondern, mit den der andern
Seite zusammenhängend, einen Gefässbogen bildet.
Ein eigenes, sehr bedeutendes Gefässsystem findet sich
aber ausserdem im hintern Saugnapfe , indem derselbe von
zwei bis drei Gefässkränzen durchzogen ist, von welchen der
innerste die in der Tiefe gelegene Mündung des Expulsions-
organes umgürlet, der äussere an den äussersten Rand des
Saugnapfes grenzt. Der mitllere fehlt manchmal (s. Fig. 5,
6, 7). Alle diese ‚Gefässringe sind durch vielfache Ana-
stomosen mit einander verbunden. Die in derselben krei-
sende Flüssigkeit wird zuletzt in zwei breite, lebhafter Con-
traclionen fähige, zu beiden Seiten der Caudalmündung aus
dem innersien Ringe enispringende Gefässe gesammelt und
von hier in den Expulsionsschlauch geleilet (s. Fig. 5, 4).
Capillargefässe habe ich im hintern Saugnapf nicht vorgefun-
den, es hindert aber die starke Muskulatur desselben an einer
klaren Untersuchung seiner feinsten Verhältnisse.
Ich unterscheide also bei Amphistomum subelavalum
dreierlei Gefässe, und zwar:
1) Gefässe erster Ordnung von dem Expulsionsorgan im
Hinterende des Thieres ausgehend und nach vorne sich er-
streckend. Im angefüllten Zustande erreichen sie manchmal,
besonders an ihren blinden Enden, die Dieke des Darmkanals.
Ihr Inhalt ist die bekannte, in den Excrelionsorganen der
Trematoden vorkommende hellglänzende körnige Masse. Ihre
Wandungen sind sehr contraclil, aber vollkommen structurlos.
Durch Essigsäure sind Kerne darzustellen.
2) Gelässe zweiter Ordnung.
Sie entspringen am Halse aus den blinden Enden der
286 Walter:
vorerwähnten Gefässe in drei- bis vierfach geringerer Breite;
laufen meist geschlängelt nach hinten. Ihr Inhalt ist eine
klare, bläulich durchscheinende Flüssigkeit, in welcher aber
besonders an ihren Ausmündungsstellen «dieselben Körnchen
auftreten und sich frei hin und her bewegen, wie wir die-
selben in den erstern Gefässen gefunden. Ich sah sie bei
den Contraclionen der erstern Gefässschläuche häufig ohne
Anwendung von Druck (welches Aubert als Beweis des
Zusammenhangs des Gelässsystems mit den Excrelionsorga-
nen dient), durch die Vereinigungsstelle aus den kleinen 'Ge-
fässen in die grössern sich hin und wieder zurückbewegen.
Auch ihre Wandung ist structurlos, aber besonders bei
den beiden Vereinigungsgefässen des hinlern Saugnapfes sehr
eontractil und erhält hierdurch oft ein quergeringelles Anse-
hen. Flimmerlappen habe ich in ihnen nicht gefunden.
3) Gelässe drilter Ordnung.
Ich begreife hierunler das oben beschriebene Capillar-
nelz , welches in die Gelässe zweiter Ordnung direct über-
geht, Nie sah ich dagegen in einen direclen Zusammenhang
dieser: Capillargefässe mit den Gefässen erster Ordnung.
Bei Distoma lanceolatum kennt man bis jetzt nur die
zu beiden Seiten verlaufenden Gefässe und das am 'hintern
Leibesende liegende, nach Aussen mündende Exeretionsor-
gan, Küchenmeistbert).lässt irrthümlich die beiden seit-
lichen. Gefässe sich erst ‘an der Spitze des Hinterleibes ver-
einigen, während der gemeinschaftliche Expulsionsschlauch
sich fast ein Viertel der Körperlänge von der Spitze des Hin-
terleibes nach vorne erstreckt und dort erst die beiden seit-
lichen Gefässe in sich aufnimmt.
Die Seitengelässe, welche in ihrem Bau und Verhalten
den Gefässen zweiter Ordnung bei Distoma lanceolatum ent-
sprechen, zeigen viellache Veräslelungen, welche aber alle
blind zu endigen scheinen und in ihren blinden Enden eine
deutliche Zelle mit Flimmermembran zeigen (s. Fig. 3. c, Fig. 4 ec.
Fig. 4a, 0.). Der Expulsionsschlauch, welcher die’ Stelle des
Expulsionsschlauches und der Gefässe erster Ordnung bei
Amphistomum subclavalum verlrilt, zeigt nur an der Hinter-
1) L. ep. 210.
Beiträge zur Anatomie einzelner Trematoden. 287
leibsspilze einen Ringmuskel; seine Wandungen sind daher
siructurlos und nur schwacher Contraclionen fähig; nach In-
nen ist derselbe von einem zarten Epithel ausgekleidet.
Blanchard!) glaubt ein geschlossenes: Gefässnetz im
vordern Theile des; Thierkörpers erkannt zu haben.
Es findet sich aber unzweifelhaft bei Distomum lanceo-
latum ein noch deutlicheres, in den oben beschriebenen histo-
logischen Formen ausgeprägles Capillarneiz, welches eben-
falls direct, aber nur an den blinden fimmernden Enden der
grössern Schläuche ‚mit. den Excrelionsorganen : zusammen-
hängt.
Diese, Capillarnetze durchziehen das Parenchym des Thiers
und umgeben den Darmkanal desselben (s. Fig. 4). Sie feh-
len aber im hintern Ende der Thiere oder werden hier we-
nigsiens viel seltner, ebenso wie auch’ dort die blinden En-
digungen des Excrelionsorganes und der Flimmerzellen weg-
fallen, so dass sie in .offenbarem Verhältnisse zu diesen
stehen. Die anatomischen Verhältnisse des Excrelionsorgans
hei Disloma hepalicum haben Blanchard°) undKüchen-
meister ®) so vortrefflich beschrieben und abgebildet, dass
ich nur Bekanntes wiederholen würde. Nur in einem Punkte
ınuss.ich Blanchard widersprechen. Er lässt alle Gefässe
durch‘ Anastomosen in einander übergehen , und so ein all-
gemeines Nelz bilden. ' Allerdings sind solche Anastomosen
sehr häufig ; man findet aber besonders unter der Haut die-
ser Thiere und zwischen den Muskeln ebenso häufig blinde
und kolbig angeschwollene Endigungen (s. Fig. 1. e. Fig. 8).
Das Capillarnetz von Distoma hepalicum ist bisher von
keinem Beobachter erwähnt, Es ist aber schr deutlich ent-
wickelt und unterscheidet sich von dem der vorigen Thiere
dureh die Grösse der in den Anastomosenpunkten befindlichen
Zellen und deren gelbliche Pigmentirung (s. Fig. 1, 1. 6. Fig. 7),
Wie, erwähnt, hielt ich diese Körperchen lange für Gan-
glienzellen,, bis genaue Untersuchung mir ihren Zusammen-
hang. resp, den Uebergang ihrer Ausläufer in ‚die feinsten
1) L. c. p. 294.
2) Lie. p. 2655; Regne animal nouvelle &dition pl. 36. Fig. 1b,
3) L. ‚ec. p. 188, Taf. V,; Fig. 2.
288 Walter:
Gefässe ausser Zweifel stellte. Auch unterscheiden sie sich
von diesen hinlänglich durch ihre verschiedene Grösse, in-
dem sie theils kaum die Hälfte, theils die doppelle Grösse
der Ganglienzellen zeigen, je nachdem sie mehr oder weni-
ger mit gelblichem Inhalte erfüllt sind. Oefter Fig. 6c. fin-
det man in ihnen schon dieselben hellglänzenden Körperchen,
wie in den grössern Gelässen,
Nachdem ich die anatomisch-histologischen Verhältnisse
des Excretionsgefässsystemes bei den Tremaloden, gemäss der
Ergebnisse meiner Untersuchungen, beschrieben, versuche ich,
noch einige physiologische Bemerkungen anzuknüpfen.
Aubert stelll am Schlusse seiner Beschreibung des
Gefässsystems von Aspidogaster conchicola zwei Fragen auf:
1) Was bedeuten die Flimmerlappen ?
2) Was ist das Wassergefässsystem in vergleichend ana-
tomischem und physiologischem Sinne?
Da scheinbar ohne beslimmles Geselz bei vielen Tre-
matoden die Flimmermembranen fehlen , während sie bei
nahverwandten Thieren derselben Gallung vorhanden sind, so
glaubt Aubert denselben keine hohe Bedeutung beilegen
zu können.
„Man könnte glauben, sagl er, „dass sie zur Erhaltung
der Strömung dienen und dafür spricht auch ihre Richtung
von der peripherischen Verbreitung bis zum Exerelionscen-
trum. Wo sieaber fehlen, z. B. bei Distomum tereli-
colle, habe ich aber gerade diese Strömung evi-
denter gesehen cete.“
Grade dieser letzte von ihm angeführle, scheinbar ne-
girende Punkt beweist die Richtigkeit seiner Vermulhung,
dass sie eben nur zur Erhaltung der Strömung dienen und
daher bei denjenigen Thieren,, bei welchen sie vorkommen,
höchst nothwendige Hülfsorgane sind.
Vergleichen wir die anatomischen Verhältnisse des Ex-
cerelionsgefässsystems bei Amphistomum subclavalum, wo die
Flimmerläppchen fehlen , mit denen von Distomum lanceola-
tum, welches dieselben besilzt, so finden wir einen bedeuten-
den Unterschied.
Bei ersterem Thiere wird das Exeretionscentrum von
einem stark muskulösen und beständig zwischen Contraclion
Beiträge zur Anatomie einzelner Trematoden. 289
und Expansion abwechselnde Körper gebildet, welcher, in-
dem während seiner Ausdehnung der an seiner Caudalöffnung
befindliche Sphincter noch geschlossen bleibt, saugpumpen-
arlig auf die Flüssigkeit der in ihn mündenden Gefässe ein-
wirkt und daher die Stromrichlung beständig von der Peri-
pherie nach dem Centrum leitel.
Die Contraction des Parenchyms der Thiere kann zur
Forischaffung des Inhaltes in den feinsten Gefässverzwei-
gungen nicht viel ausrichten, wenigstens nicht, wie Aubert
glaubt, genügen. Die Stromrichtung wird einzig und allein
durch die lebhaften saugenden Bewegungen des Expulsions-
schlauches hervorgerufen und assislirende Flimmerorgane wä-
ren hier unnöthig.
Bei Distoma lanceolatum sind die Verhältnisse andere.
Der Expulsionsschlauch ist ohne Muskeln und von einer con-
tractilen Haut gebildet. Seine Contractionen sind selten und
schwach , die Expansion geschieht langsam, gleichzeitig mit
der Eröffnung der Caudalmündung, welche keinen eigenen
Sphincter besitzt. Etwas untersützt werden diese schwachen
Contraclionen nur durch die im Hinterende des Thieres lie-
genden Ringsmuskeln der Cuticula. Hier würde die Stromkraft
von der Peripherie nach dem Centrum eine mangelhafte sein,
würde sie nicht durch die hier vorkommenden Flimmermem-
brane unterstützt.
Es wäre gewiss nicht uninteressant, diese Verhältnisse
bei einer grössern Reihe von Tremaloden zu verfolgen, wozu
mir leider Zeit und Gelegenheit fehlen. Es wäre hier immer
die grössere oder geringere Contractionsfähigkeit des Expul-
sionsschlauches in Vergleich zu bringen mit der Ab- oder
Anwesenheit der Flimmerorgane. Stellen sich obige, bei bei-
den Thieren bestehenden abweichenden Verhältnisse als all-
gemein heraus, so wäre das hier herrschende Gesetz gefun-
den und die Function der Flimmermembrane enträthselt.
Was die zweite, von Aubert aufgestellte Frage be-
trifft, so slimme ich darin mit ihm überein , dass wir diese
beschriebenen Organe der Tremaloden als ein gemeinschaft-
liches Excretionsgefässsystem bezeichnen müssen. In Bezug
auf das Capillarneiz dieses Gefässsystemes füge ich noch
einige Bemerkungen hinzu.
Archiv f. Naturgesch., XXIV. Jahrg. 1. Bd. 19
290 Walter:
Die Nahrungsaufnahme der Trematoden geschieht nicht
nur durch den oft sehr kurzen Darmkanal , sondern auch
durch die für die umgebende Flüssigkeit aufsaugungsfähige
Haut. Darmkanal und das unter der Haut gelegene Parenchym
der Thiere sehen wir aber am meisten von diesem Capillar-
netz durchzogen, und ich glaube daher dieses als ein mehr
der Ernährung dienendes Gefässsystem bezeichnen zu müs-
sen, indem es die vom Darmkanal und der Haut aufgenom-
menen Flüssigkeiten gleichmässig durch den ganzen Thier-
körper verbreitet. Dem stände allerdings der directe Zusam-
menhang mit den grossen Zweigen des Exerelionsorganes
scheinbar entgegen ; aber finden wir hierfür in der niedern
Thierwelt kein Analogon ?
L. Agassizt) hat nach einer brieflichen Mittheilung
an C. Th. v. Siebold an verschiedenen Gasteropoden und
Acephalen einen directen Uebergang der sogenannten Was-
sergefässe der Mollusken in das Circulationsgefässsystem be-
obachtet und durch vielfache Untersuchungen und Injectio-
nen bewiesen. Ich kann nicht leugnen, dass mir diese schö-
nen Ergebnisse seiner Untersuchungen mit‘ den bei unsern
Thieren vorliegenden Verhältnissen viel Analoges darzubieten
scheinen.
Am Schlusse noch einige Bemerkungen über das Ca-
pillargefässnetz, welches, wie ich erwähnte, eine auffallende
Aehnlichkeit mit dem Netze der Bindegewebszellen und ih-
rer Ausläufer im Schleimgewebe der höhern und niedern
Thiere darbietet.
Wenn auch bei der Beobachtung der feinsten Gefässe,
wie sie in’ der höhern und niedern Thierwelt auftreten, ich
immer mehr noch zur Annahme Leydig’s ?2) hinneigte, dass
die verzweigte Zelle ‘der Bindesubstanz sich unmittelbar zu
den Capillaren der Blut- und Lymphgefässe fortzubilden ver-
mögen, so glaube ich grade in den hier vorliegenden Ver-
hältnissen hierfür einen sichern directen Beweis gefunden zu
haben,
1) Zeitschr. f. wissenschaftl. Zool. Bd. VIL p. 176.
2) Lehrb. der vergl. Histologie. Frankf. 1857, p. 27.
Beiträge zur Anatomie eihzelner Trematoden. 51
Von den Fortpflanzungsorganen.
Die Anatomie der Fortpflanzungsorgane vom Amphisto-
mum subclavalum habe. ich in. ihrem Zusammenhange bei
keinem Autor klar geschildert gefunden. Diesing') begeht
den bekannten Irrthum bei unserem Thiere, welches er eben
auf Grund seines Irrthums als Diplodiscus sübelavalus von
den Amplistomen scheidet, die Caudalöffnung im Gründe des
hintern Saugnapfs, welche wir als Mündung des Excretions-
organes erkannt haben, als weibliche Geschlechtsöffnung zu
bezeichnen. Er beruft sich mit Rudolphi 2) auf die Beob-
ächtung Zeders°), welcher aus der im hinlern Saugnapf
verborgenen Geschlechtsöffnung lebendige Jünge heräuskom-
inen sah.
Was Zeder zu dieser falschen Annahme verleitet, da-
von habe ich mich mehrere Mal überzeugt. Es sind verschie-
dene im Darm der Frösche vorkommende Bursarien , wel-
che sich in def weiten -Saugnapf dieses Amphistomum ver-
bergen, plötzlich hervorkommen und so Zeder zu diesem
irrthum verführten. v. Siebold*) hat daher schon früher mit
Recht diese Ansicht bestritten und die richtige Lage der
beiden Geschlechtsöffnungen angegeben.
Blanchard hat die Geschlechtsorgane dieses Thieres
und ihre Lage nicht berücksichtigt.
Pagenstecher gibt die richtige Lage der Geschlechts-
Öffnungen an, scheitit dagegen den Hoden mit der Keimdrü-
se verwechselt zu haben, indem er diese letztere als mehr
nach vorne zwischen den Enden des Darmes, den Hoden als
mehf nach hinten liegend beschrieben hat, was aber grade
umgekehrt der Fall ist. Die von ihm nahe dem Ausführungs-
gange im Anfang‘ des Eileiters beschriebenen Flimmerlappen
sind die in der innern Saamenblase sich lebhaft bewegenden
Saanienfäden.
1) Annalen des Wiener Museums der Naturg. Bd. I. Abth. II.
1836. 'p. 254.
2) Synopsis Entozoorum p. 359;
3) Erster Nächtr. der Naturg, der Eingeweidewürmer p; 189.
4) Wieginann’s Archiv 1837; Bd. IL, p: 263.
292 Walter:
Die anatomischen Verhältnisse vom Amphistomum sub-
clavalum sind aber in Kürze folgende.
A. Männliche Geschlechtsorgane.
Der einfach runde, meist mit Saamenelementen *) prall
gefüllte Hoden liegt ungefähr in der Mitte des Thierleibes
zwischen den beiden blinden Enden des Darmkanals (Cs. Fig.
5, V. Fig. 18. V). Von ihm gehen zwei Ausführungsgänge
ab. Der eine verläuft nach vorne zum Grunde des Cirrhus-
beutels, wo er sich in die von ihm umschlossene. Vesicula
seminalis exterior ergiesst, welche bei ausgebildeten Thieren
meist von lebhaft schwingenden Saamenfäden angefüllt ist
(s. Fig. 5. IV. Fig. 18. IV.). Der Cirrhusbeutel, von ovaler
Gestalt, birgt nach vorne den starken muskulösen Penis, in
dessen hinteres Ende die Vesicula seminalis exterior ausläuft.
Seine Mündung nach Aussen befindet sich gleich hinter der
gabligen Theilung des Darmkanals , dicht neben der weib-
lichen Geschlechtsmündung , beide von einem gemeinschaft-
lichen muskulösen Wall umgeben. Von der innern Fläche des
Cirrhusbeutels entspringen zweierlei Muskeln, von welchen
die vordern von der vordern innern Fläche des Beutels ent-
springend nach hinten verlaufen und sich am Penis anheften
und diesen nach Aussen ziehen. Die hintern entspringen vom
Grunde des Cirrhusbeutels, verlaufen nach vorne und setzen
sich am hintern Ende des Penis an, denselben nach hinten
ziehend.
Das vom Hoden entspringende zweite Vas deferens läuft
nach hinten zu der Vesicula seminalis exterior (s. Fig. 18. VI.
Fig. 5. Vi.) , welche dicht neben dem weiblichen Keimstock
liegt und von welchem ein Ausführungsgang. zu denjenigen
Stellen der weiblichen Geschlechtsorgane geht, wo sich die
Ausführungsgänge des Dotterstocks und Keimstocks treffen
*) Alle meine Bezeichnungen der verschiedenen Abtheilungen
der Geschlechtsorgane begründen sich nicht auf Vermuthungen, son-
dern auf genaue Erkenntniss der in denselben vorkommenden histo-
logischen Formelemente, als Saamenzellen, Eigebilde etc. Die Fi-
guren 20, 21 u. 22 dienen zu diesem histologischen Beweise.
Beiträge zur Anatomie einzelner Trematoden. 295
und wo unstreitig die den Trematoden eigenthümliche innere
Befruchtung Statt findet.
Diese innere Saamenblase ist ebenfalls meist mit leb-
haft schwingenden Saamenfäden erfüllt.
j
B. Weibliche Geschlechtsorgane.
Der Keimstock, das Bildungsorgan der Eikeime, liegt
hinter dem Hoden als nah ovaler Körper ungefähr zwei Drittel
der Hodengrösse messend, meist dicht, mit rundlichen, einen
deutlichen Kern zeigenden Zellen, den Eikeimen erfüllt (s.
Fig. 18. VII. Fig. 5. VII.). Von ihm geht ein Ausführungs-
gang nach hinten und innen und trifft sich in einem dreiecki-
gen Raume mit den von beiden Seiten kommenden vereinig-
ten Ausführungsgängen der Dotterstöcke und dem einen Aus-
führungsgang der innern Saamenblase. Die Dotterstöcke lie-
gen zu beiden Seiten des Thieres, die ganze Länge desselben
durchziehend (s. Fig. 18.VIll. Fig. 5. VII).
Sie werden von Retorten-ähnlichen Blindschläuchen ge-
bildet, deren Ausführungsgänge sich immer mehr vereinigend,
zuletzt von beiden Seiten zu einem gemeinschaftlichen Dot-
tergange zusammenstossen, welcher mit dem der andern Seite
und dem Vas deferens der innern Saamenblase an der er-
wähnten dreieckigen Stelle ausmündet. Von ihm entspringt
der dünnwandige aber kräftiger peristallischer Bewegungen
fähige Uterus, welcher in vielfachen Windungen im Innern
des Körpers sich lagernd, zuletzt, wie erwähnt, dicht neben
der Penisöffnung ausmündet. Das letzte Ende des Uterus ist
von kräftigen Quermuskeln umgeben und kann daher als Va-
gina belrachtet werden.
Was die Histologie der genannten Organe betrifft, so
werden sie alle von einer struclurlosen, durchsichligen, aber
besonders an den ‚Ausführungsgängen contractilen Membran
gebildet, welche in Hoden, Dotterstock und Keimstock nach
Innen von einem zarten Epithel ausgekleidet ist, aus welchem
wahrscheinlich sowohl Saamenzellen als auch Dotter- und
Keimzellen ihren Ursprung nehmen.
Die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane von
294 Walter:
Distoma lanceolatum hat neuerdings Küchenmeister!) aus-
führlicher geschildert.
Ueber die Geschlechtsorgane von Distoma hepaticum
herrschen immerhin noch einige Meinungsverschiedenheiten,
welche aufzuhellen mir vielleicht gelingen möchte. Indessen
sind meine Untersuchungen hierüber noch nicht beendigt, und
behalte ich mir deren Veröffentlichung, da ich augenblicklich
durch anderweitige Arbeiten zu sehr in Anspruch genommen
bin, einer spätern Zeit vor.
Erklärung der Abbildungen.
(NB. Die Zeichnungen sind alle nach der Natur vermittelst eines
Schiek’schen Instrumentes aus dem Nachlasse des verstorbenen Pro-
fessorsJoh. Müller angefertigt. Frühere verfertigte Zeichnungen habe
ich einer neuen Untersuchung unterworfen.)
Fig. I. (Vergr. 450).
Hautdrüsen-Muskeln und Gefässe von Distoma hepaticum.
a) Hautdrüsen, theilweise mit zelligem Inhalte.
b) Längsmuskeln.
c) Diagonale Muskeln.
d) Quermuskeln,
e) Grössere Gefässstämme.
f) Feinste Gefässverzweigungen, mit Bindegewebskörperchen
ähnlichen Zellen in den Knotenpunkten.,
Fig. 2. (Vergr. 290). -
Muskeln von Distoma lanceolatum aus dem hintern "Theil des
Thieres.
a) Längsmuskeln mit den eigenthümlichen zum. Ansatze. im
Corium dienenden Querkörperchen (b).
c) Quermuskeln,
Fig. 3. (Vergr. 450).
Theil des hintern Saugnapfs von Distoma lanceolatum mit den
nach dem Gefässe laufenden Ligamentis suspensoriis.
a) Saugnapf.
b) Ligamenta suspensoria, von der Kapsel des Saugnapfs ent-
springend,
ce) Schlauchförmige Endigung, des Exeretionsgefässsystems mit
ihren Flimmerzellen.
d) Das von diesen entspringende Capillarnetz.
Li ep: 208.
Beiträge zur Anatomie einzelner Trematoden. 295
Fig, 4. (Vergr. 450).
Excretionsgefässsystem von Distoma hepaticum.
a) In feine Falten zusammengelegtes blindes Ende des Darm-
kanals, umstrickt von
b) dem Capillargefässnetze.
e) Schlauchförmige Endigungen des Excretionsgefässsystems,
von ihnen die Capillargefässe entspringend.
Fig. 4.a. (Vergr. 530).
Letzteres isolirt und mehr vergrössert dargestellt.
Fig. 5. (Vergr. 110).
Amphistomum subclavatum.
A. .Vorderer Saugnapf mit der Mundöffnung,
B, Hinterer Saugnapf mit der Caudalöffnung.
Verdauungsorgane.
a) Trichterförmige Mundöffnung.
a‘) Die beiderseitigen Speicheldrüsen.
b) Oesophagus. c) Magen. d) Darm mit seinen blinden
Enden.
Nervensystem.
a) Vorderste Schlundganglien.
8) Schlundganglion mit dem Schlundring.
y) Peripherischer Nervenstrang mit
d) hinterster Ganglienmasse.
Geschlechtsorgane.
I. Penismündung.
II. Mündung der Vagina.
Ill. Penis mit dem Cirrhusbeutel.
IV. Vesicula seminalis exterior mit dem
IV’. Vas deferens,
V, Hoden.
VI. Vesicula seminalis interior.
VII. Keimstock.
VIIL. Dotterstock.
IX. Uteruswindungen mit Eiern.
Excretionsgelässsystem.
1) Expulsionsschlauch.
2) Von ihm ausgehender seitlicher Schlauch (Gefäss erster
Ordnung).
296 Walter:
3) Die aus diesem am Halse entspringenden und seitlich rück-
wärts verlaufenden Gefässe zweiter Ordnung mit ihren fei-
nen Aestchen.
4) Die beiden Hauptgefässe, welche die am hintern Saugnapf
aufgesogene Flüssigkeit in den Expulsionsschlauch leiten.
5) Vereinigungsstelle der Gefässe des hintern Saugnapfs mit
dem innersten Gefässring.
6) Mittlerer und 7) äusserster Gefässring des hintern Saugnapfs,
8) Caudalöffnung.
Fig. 6. (Vergr. 450).
Gefässe zweiter und dritter Ordnung von Distoma hepaticum.
a) Gefässe zweiter Ordnung mit körnigem Inhalte.
b) Gefässe dritter Ordnung mit Bindegewebskörperchen ähn-
lichen Zellen (c) und den Knotenpunkten. Durch ihre gelb-
liche Pigmentirung hielt ich sie anfangs für Ganglien-
zellen.
Fig. 7. (Vergr. 450). Letztere isolirt mit deutlichem Uebergang ih-
rer Ausläufer in die grösseren Gefässe.
Fig. 8. Blinde Endigungen der Gefässe zweiter Ordnung im Muskel-
gewebe. (Vergr. 290). j
Fig. 9. (Vergr. 450).
Ein Gefäss zweiter Ordnung mit Essigsäure behandelt, wo-
durch die Kerne in den Wandungen hervortreten,
Fig. 10. Gefässe von Amphistomum subelavatum. (Vergr. 310).
a) Halstheil des Gefässes erster Ordnung (s. Fig. 5, 2) mit
dem Ursprung des rückwärts verlaufenden Gefässes zwei-
ter Ordnung b) und dem in dasselbe mündenden Capillar-
netz c.
Fig. 11. Nervensystem von Amphistomum subelavatum. (Vergr.3450).
A. Vorderer Saugnapf. a) Trichterförmige Mundöffnung. b) Oeso-
phagus. c) Magen mit verschiedenen Muskelzügen. d) Darm.
a‘) Speicheldrüsen.
8) Schlundring.
y) Seitlich gelegene Ganglienzellenmassen ; von diesen
entspringend :
d) nach vorn verlaufende, am hintern Rande des Schlund-
kopfs mit der vordern Ganglienmasse (0) sich verei-
nigende isolirte Fasern.
&) Seitliche Hauptnervenstämme.
n) Nach hinten verlaufender Hauptnervenstamm.
$) Eingesprengte Ganglienzellen.
Fig. 12. (Vergr. 450).
Nervensystem und einzelligeSpeicheldrüsen von Distoma lan-
ceolatum.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig-
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Beiträge zur Anatomie einzelner Trematoden. 297
a) Trichterförmige Mundöffnung. b) Oesophagus. c) Schlund-
kopf. d) Einzellige Speicheldrüsen.
Die griechischen Buchstaben haben dieselbe Deutung wie in
Fig. 11.
13. EingesprengteGanglienkugeln aus dem peripherischen Haupt-
nervenstamm von Distoma lanceolatum. (Vergr. 820).
14. Desgl. von Distoma hepaticum. (Vergr. 530).
15. Eine einzelne Ganglienkugel von demselben. (Vergr. 820).
16. Kolbige Nervenendigung in den Papillen an der männlichen
Geschlechtsöffnung von Ascaris compar. (Vergr. 450).
a) Ganglienmassen. b) Die beiden Spicula.
17. Desgl. in denPapillen an dem Mundende von Ascaris clavata
(Vergr. 530).
18. Geschlechtsorgane von Amphistomum. subclavatum. (Vergl.
Fig. 5). (Vergr. 290).
I. Penismündung.
]I. Mündung der Vagina.
III. Penis in dem Cirrhusbeutel und die erstern leitenden
Muskeln.
IV. Vesieula seminalis exterior.
IV-. Vas deferens.
V. Hoden,
VI. Vesicula seminalis interior durch ein zweites Vas deferens
(VI. a.) mit den Hoden verbunden.
VII. Keimstock. VHI. Dotterstock,
IX. Uteruswindungen mit den Eiern,
X. Vereinigungsstelle der 4 letzten Gebilde (Befruchtungs-
stelle).
19. (Vergr. 450).
Ein Theil der Vagina mit Essigsäure behandelt, um die Kerne
in der Umhüllungsmembran deutlich zu machen.
20. (Vergr. 450). Saamenelement aus den Hoden.
21. (Vergr. 450). Keimzellen in ihrer Entwicklung aus dem
Keimstock.
22. (Vergr. 450). Dotterzellen aus dem Dotterstock in ihrer
Entwickelung.
Nachträgliche Bemerkung über die Gattung
Scaeurgus.
Vom
Herausgeber
Im vorigen Jahrgange dieses Archivs I. p. 51 habe ich
zwei Arten der Galtung Octopus als eine besondere Gattung
unter dem Namen Scaeurgus abgetrennt, weil bei ihnen der
hectocolylisirte Arm sich an der linken Seite des dritten Arm-
paares befand, während die Männchen der übrigen Arten,
soweit bisher bekannt , "dieses Organ rechts tragen. Diese
beiden Arten waren Octopus Coccoi und eine neue Art, die
ich Scaeurgus titanotus nannte. Ich hatte beide Arten nicht
selbst mit einander vergleichen können, glaubte sie aber
nicht identificiren zu dürfen. In dieser Meinung wurde ich
hauptsächlich dadurch bestärkt, dass meine neue Art in der
ganzen den.Körper und die Arme überziehenden Haut eine
Menge kleiner Kalkkörperchen enthielt, die ich bei allen ühri-
gen Cephalopoden vermisste. Nur in den Segelarmen .am
Argonaula argo fanden sich Kalkbildungen , die damit ver-
glichen werden konnten.
Ich wundere mich nicht, dass man an der Verschie-
denheit der beiden in Rede stehenden Arten hat zweifeln
können; denn ich habe ja selbst l. c. p. 56 die Möglichkeit
ausgesprochen , dass mein Scaeurgus tilanotus mit Octopus
Coccoi identisch sein könnte. Um diese Frage zur Entschei-
dung zu bringen, hat mir mein Freund Leuckart sein
Exemplar zur Vergleichung zugeschickt. Dieses ist unzwei-
felhaft der echte Octopus Coccoi , denn es ist aus der Hand
{
Hl
N
Troschel: Nachträgliche Bemerkung über die Gattung Scaeurgus. 299
Verany’s selbst in Leuckart’s Besilz gekommen, ‚und
stimm! durchaus mit der Verany’schen Beschreibung sowie
mit dessen Abbildung in Farbe und Grösse überein.
Durch genaue Vergleichung habe ich zu einer unum-
stösslichen Entscheidung nicht kommen können, aber ich bin
in meiner früheren Ansicht dadureh nicht schwankender ge-
worden. Ich halte die ‚beiden Arten auch jetzt noch für ver-
schieden, Definitiv entschieden wird die ‚Frage erst dann
werden können , wenn ein grösseres Material von beiden
Fundorten , Genua und Messina vorliegen wird. Mögen die
Naturforscher an,beiden Orten ihr Augenmerk auf «diese in-
teressanten Thiere richten.
Die Gründe, welche mich auch jetzt; noch die beiden
Arten für verschieden halten lassen, sind folgende :
1...Die Farbe. ist eine durchaus verschiedene. Das
Leuckart’sche Exemplar ist gelblich, mit dunkleren , bräun-
lichen Wärzchen besetzt, und gleicht ‘ganz der Abbildung
von, Verany.. ‚Meine beiden Exemplare sind entschieden
braunroth, oberhalb, sehr intensiv, selbst mit einem Stich ins
Violelte. Indessen theils darf man bei specifischer Unterschei-
dung auf die Färbung überhaupt keinen hohen Werth legen,
theils könnte namentlich bei Cephalopoden, in verschiedenem
Conservalionszusiande die Farbe wohl verschieden sein, ‘selbst
wenn: sie im lebenden, Zustande übereingestimmt hätte.
2,. Ein grösseres Gewicht lege ich auf die. verhält-
nissmässige Länge der Arme. Von S, Coccoi giebt Verany
den zweiten Arm als den längsten an, und ordnet sie nach
der Länge so: 2. 3. 1. 4. Darin stimmt das Giessener Exem-
plar überein. Die Länge der Arme von $. titanotus habe
ich schon |. c, p. 55 ganz richlig angegeben; es findet sich
zwischen heiden Exemplaren einige Differenz. Das Exem-
plar, an welchem es mir zweifelhaft ist, ob es als Männchen
oder Weibchen zu betrachten, hat die Arme bis zu den fein-
sien Spitzen , wenigstens von der einen Seite, völlig unver-
leizt, und hier ist die Reihenfolge nach der Länge 3. 2.1. 4.
Dies halte ich für das richlige; denn an dem Exemplare,
welches sieh. durch die entwickelte Greifplatte des: dritten
Armes als Männchen ausweist, sind an einigen Armen, na-
menllich am dritten reehten Arne, die Spitzen eingeschrumpft,
300 Troschel:
eiwas geschwärzt, und daher offenbar bei einer Gelegenheit
zu trocken geworden. Weitere Beobachtungen werden dar-
über entscheiden müssen, ob die Armlängen wirklich con-
stant sind, und ob es als specifischer Unterschied angesehen
werden kann, dass bei S. Coccoi der zweite, bei S$. titano-
tus der dritte Arm der längste ist.
3. Bei S. titanotus sind die Saugnäpfe an allen Armen
und an beiden Exemplaren verhältnissmässig grösser als bei
S.Coccoi; womit denn auch zusammenhängt, dass die Arme
an der die Saugnäpfe tragenden Unterseite breiter sind. Dies
lässt sich nicht füglich auf eine Verschiedenheit des Conser-
vationszustandes schieben.
4. Der Hinterleib ist bei $. titanotus mehr abgerun-
det, weniger zugespitzt, als bei $. Coccoi.
5. Die Länge des Trichters, von der Basalöffnung bis
zur Spitze gemessen, ist bei S. litanoltus grösser als die
Entfernung seiner Spitze von dem Rande der Flossenhaut
zwischen den beiden Ventralarmen, bei S. Coccoi kleiner.
Diese Differenzen sind alle unabhängig von den in der
Haut des S. titanotus eingebetteten Kalkschüppchen, welche
mir Veranlassung zu dem Speciesnamen gegeben haben. Durch
meinen Freund Leuckart bin ich neuerlich wieder auf die-
selben aufmerksam gemacht worden, in einer Weise , die
mich zu einer mehrmaligen Untersuchung veranlasst hat.
Leuckart ist nämlich bei einigen Cephalopoden auf ähn-
liche Kalktheile in der Haut gestossen , jedoch immer nur
bei einzelnen Exemplaren, und vermuthet nun, diese Bildun-
gen möchten nachträgliche Niederschläge in der Conserva-
tionsflüssigkeit sein. Er hat die Freundlichkeit gehabt, mir
zwei solcher Exemplare, von Eledone, die allerdings in ziem-
lich schlechter Erhaltung waren, zur Ansicht zu schicken,
um diese Theilchen unmittelbar vergleichen zu können. —
Chemisch stimmen sie in sofern mit denen von S. titano-
tus überein, als beide gleichmässig in Säuren brausen und
in Folge davon vollständig aufgelöst werden. Unter dem Mi-
kroskop zeigen sie sich zwar elwas verschieden, indem die
von Eledone aus rundlichen, unregelmässig sphärischen, un-
durchsichtigen Theilchen bestehen, die sich zu ganz unre-
gelmässigen kleinen Massen zusammenhäufen,, oder einzeln
Nachträgliche Bemerkung über die Gattung Scaeurgus. 301
zahlreich auf der Haut liegen, während die Kalktheilchen von
meinem S. titanotus immer flach, im feuchten Zustande durch-
scheinend, polygonal und gestreift sind, und sich zu platten-
arligen Scheiben mosaikartig aneinanderfügen. Indessen da
nun der Beweis vorliegt, dass auf der Haut eines Cephalo-
poden sich Kalkiheilchen bilden können, während diese am
lebenden Thiere nicht vorhanden sind, so muss ich die Mög-
lichkeit anerkennen, dass die Kalktheilchen meines $. titanotus
möglicherweise auch eine spätere Bildung sein könnten.
Meine Exemplare haben bestimmt nur in Weingeisi ge-
legen. Dieser löst kohlensauren Kalk nicht auf. Für die Be-
antworlung der Frage, wie sich an den in Weingeist lie-
genden Cephalopoden der Niederschlag habe bilden können,
scheinen zwei Wege die nächstliegenden. Einmal könnte Es-
sigsäure in dem Weingeist enthalten sein, welche die Kalk-
theile anderer in demselben Gefäss liegenden Thiere auflösl,
und es wäre wohl denkbar, dass dann wieder unter Umstän-
den kohlensaurer Kalk niedergeschlagen würde. Dies möchte
namentlich der Vorgang in den Fällen gewesen sein, wo in
nicht gehörig verschlossenen Gefässen Thiere längere Zeit
in Weingeist gelegen haben, die dann sich selbst in schlech-
tem Conservalionszustande befinden werden. Zweitens könnte
man sich denken, dass das Seewasser, in welchem das Thier
lebte, den Kalk enthält, welcher sich später in dem Wein-
geist niederschlägt. Wie bei meinem S. titanotus dieser Nie-
derschlag entstanden sei, möchte schwer zu ermitteln sein.
Warum haben beide Exemplare die Kalktheilchen ganz gleich-
mässig? Warum kein anderer Cephalopode , der mit jenen
in demselben Weingeist aufbewahrt wurde, warum nicht auch
andere Thiere? Das sind Fragen, die ich nicht zu beant-
worten weiss.
Auf dem Rücken sind die Kalktheilchen zahlreicher als
an der Bauchseite, das möchte vielleicht durch die rauhere
Seite der Oberfläche der Rückenhaut die Erklärung finden.
Genug, die Kalktheilchen in der Haut von Cephalopo-
den, die in Weingeist conservirt sind, sind ihrer Entstehung
nach sehr zweifelhaft, und verdienen die Aufmerksamkeit der
Naturforscher. Möchten aber auch diejenigen, welche hierauf
Untersuchungen an der Meeresküste anstellen, die Thatsache
302 Troschel: Nachträgliche Benierkung über die Gattung Scaeurgus.
nicht ausser Acht lassen , dass sich in den Segelarmen' von
Argonauta , wie in meiner früheren Abhandlung p. 53 er
wälint ist, Kalktheilchen finden, welche denen! der Leuckart’-
schen Eledone sehr ähnlich sind.
Die Anmerkung von Claus, s, oben p. 261, droht
meiner ganzen Gallung Scaeurgus den Todesstoss zir geben.
Als ich sie aufstellte, hatte ich die zahlreichen Beispiele für
mich, wo verwandte Formen, mit dem Hectocotylus oder dem
hectocotylisirten Arme rechts oder links, immer generisch
verschieden waren. In allen vonSteenstrup und mir er-
wähnten Fällen ist der 'umgebildete Arm in’ jeder Galtüng
auf eine bestimmlie Seite‘ verwiesen, und Steenstrup ist
offenbar meiner Ansicht, wie sich aus seiner syslemalischen
Uebersicht 1. e. p. 250 deutlich ersehen lässt. ‘Cönsequenter
Weise musste die Gatlung Scaeurgus 'von Octopus getrennt
werden. Welchen Einfluss auf diese Frage die Cläus’sche
Angabe über die hectocotylisirten Arme bei Enoploteuthis
ausüben wird, wo derselbe bei E. Owenit links, bei'E. mar-
garitifera rechts im vierten Paare sich befinden soll, wird
von weiteren Beobachtungen an reicherem Material abhän-
gen. An meinen Exemplaren der beiden anderen ‘Arten die-
ser Gattung kann ich nichts dergleichen bemerken; vielleicht
habe ich nur weibliche Exemplare. Sehr begierig bin ich zu
erfahren, an welcher Seite O.' Salutii und Defilippi den. hec-
toeotylisirten Arm tragen. ‘Beide haben im Habitus’ und in
den einzelnen: Hautläppchen über dem Auge Aehnlichkeit mit
den beiden Arten von Scaeurgus.
Diese kurze Notiz hat, wie gesagt, nicht den Zweck,
die Sache definitiv zu erledigen , sondern ‘ich beabsichtigte
nur, meine Galtung Scaeurgus der Beachtung derjenigen’Na&
turforscher bestens zu empfehlen, welche an der Küste des
Mittelmeers zu beobachten Gelegenheit haben. Bis jelzt kann
ich mieh noch nieht überzeugen , dass sie’ aufgegeben 'wer-
den müsse. \ -
Beschreibung neuer Wirbelthiere aus Chile.
Von
Dr. R. A. Philippi
in Santiago de Chile.
1. Oxymycterus valdivianus Ph:
Der ganze Pelz ist schwarz , beinahe sammlartig. wie
beim Maulwurf, mit Ausnahme von. Brust und Bauch, wel-
che eiwas heller, nämlich dunkel blaugrau sind; die Nasen-
gegend und die obere Seite der Füsse sind schwarzbraun.
Betrachtet man die Haare genauer , so findet man , dass sie
am Grunde bläulich grau, in. der Spitze, tief schwarz, selten
weiss sind; sie messen drei Linien, sind sehr fein ‚und, weich,
stehen dicht, aber nicht sehr anliegend. Die. Ohren sind kurz,
im Haar des Kopfes versteckt, abgerundet, und ziemlich dicht
behaart. Die Schnurrborsten sind wenig zahlreich, schwach,
kaum stärker als das gewöhnliche Haar, und nur kurz, in-
dem sie, kaum bis zum Anfang der Ohren reichen. Die
Schnauze ist ziemlich spitz. Die oberen Schneidezähne sind
blassgelb, an der Spilze grad abgeschnitten, die unteren. gelb-
lich weiss, schmaler , an der Spitze abgerundet. Ueber die
Backenzähne kann ich leider nichts sagen. Mein Präparator,
dem ich, gesagt halte, mich rufen zu lassen, wenn.der Balg
aufgeweicht wäre, damit ich die Backenzähne untersuchen
könnte, fand für gut, dies nicht zu ihun „ sondern entwarf
eine Zeichnung derselben, die nachher abhanden gekommen
ist. Seiner Aussage nach stimmen sie übrigens mit der im
Werk von Gay abgebildeten dieses Geschlechts; überein. —
Die Füsse sind kurz, die Vorderfüsse haben einen deutlichen
304 Philippi:
Daumen, der einen ®/, Linien langen Nagel trägt; die drei
folgenden Zehen sind beinahe gleich lang, und mit Nägeln
bewaffnet, die so lang wie die Zehen selbst sind; die kleine
Zehe ist viel kürzer, so dass die Spitze ihres Nagels kaum
bis an den Anfang des Nagels des vierten Fingers reicht.
Die Hinterfüsse haben viel schwächere Nägel, sonst sind sie
den; Vorderfüssen ähnlich. Sämmtliche Nägel sind sichelför-
mig gekrümmt, nur wenig zusammengedrückt, oben wohl ge-
rundet, unten in eine Kante auslaufend. Die Nägel und die
nackten Theile der Füsse sind weiss, auch ist das Haar auf
dem Daumen und auf der innern Seite des Zeigefingers weiss.
Der Schwanz ist unten und oben braunschwarz, und viel
dichter behaart als bei den eigentlichen Mäusen.
Unsere Art steht offenbar dem Hesperomys megalonyx
Waterh. Zool. Proceed. 1844 p. 154 (übersezt bei Gay Zool.
I. p. 109) sehr nah, da diese Art dieselbe Grösse und das-
selbe Verhältnis des Schwanzes und der Ohren hat. Ich
finde nur bei megalonyx die Tarsen etwas länger, und die
Entfernung von der Schnauzenspitze bis zum Anfang der
Ohren ebenfalls etwas länger angegeben. Allein die Färbung
ist so verschieden, dass man schwerlich eine Identität der
Arten annehmen kann. Bei megalonyx ist nämlich die Ober-
seite des Körpers graubraun (grey brown), die Unterseite
grauweiss (grey white), mit einem braunen Fleck auf der Brust,
with a brownish mark on the chest.
Dimensionen valdivianus megalonyx
Länge von der Schnauzenspitze bis
zur Basis des Schwanzes . . 4 34 au gu
» des Schwanzes. „ .. 2 10 6 10640
„ von der Schnauzenspitze bis zum
vordern Rand der Augen . — 6yY,ı _ —
„ von der Schnauzenspitze bis zum
Anfang der Ohren . . .. MU — ana
EINHENOLFENEENOHORG DD, nl Hamm" garen ae A
„ des Handtellers bis zur Spitze
ueR Nagerinan Oman si. OESAIN7E/B Ne ==
„ des Fusstelers . » 2.2020 10000 113,0
„ der Nägel der Vorderfüse . — U — —
„ der Nägel der Hinterffüse . — WW, — —
Beschreibung neuer Wirbelthiere aus Chile. 305
Dieser interessante Nager ist von Herrn Ludw. Landbeck
bei Valdivia gefunden ; er lebt unter der Erde, und kommt
nur des Nachts an die Oberfläche derselben, daher es schwer
hält, seiner habhaft zu werden.
2. Graculus elegans Ph.
Gr. corpore supra nigro, sublus albo; parte dorsali
colli splendore metallico caeruleo -violaceo, dorso alisque
splendore viridi intenlibus, macula alba in medio dorsi; fascia
alba supra alas; capite cristato, rosiro nigro, pedibus fuscis ;
parle nuda ad basin rostri verrucosa, olivacea, regione ocu-
lorum azurea.
Die Befiederung des Kopfes fängt zwischen den Nasen-
löchern an, und wird durch eine Linie begränzt,, die erst
schräg aufsteigt, dann horizontal bis etwas hinter die Augen
verläuft, sich dort beinahe rechtwinklig umbiegt, dicht hin-
ter der Schnabelöffnung fortgeht, und unten, wo sie mit der
der andern Seite zusammenstösst , wieder elwas nach vorn
umgebogen ist. Die nackte Stelle an der Basis des Schna-
bels, welche dergestalt begränzt ist, ist olivengrün, und
warzig, namentlich gegen die Nasenlöcher hin, mit Ausnahme
einer querovalen,, 7'/, Linie langen , und 51/, Linie hohen
Stelle um das Auge, welche glatt und azurblau ist. Der
Schnabel selbst, welcher nichts Merkwürdiges darbietet, ist
grau, Die obere Seite des Kopfes ist tiefschwarz mit metal-
lischem grünblauem Schimmer, und trägt eine Holle von
schmalen, zwei Zoll langen Federn. Die Oberseite des Nak-
kens ist liefschwarz mit purpurblauem Metallschimmer; die-
ses Schwarz selzt scharf gegen die schneeweisse Farbe der
Seiten und des untern Theiles des Halses ab, und 'nimmt kaum
den vierten Theil des Umfanges des Halses ein. Dieselbe
tiefschwarze Färbung erstreckt sich über den ganzen Rücken
mit Ausnahme eines schneeweissen Fleckes in der Mitte des-
selben, schimmert aber mehr blaugrün. Die Schwanzfedern,
zwölf an der Zahl, sind grauschwarz, mit hellgrauen ins
Grünliche fallenden Schäften. Der Schwanz ist abgerundet.
Die Flügel sind schwarz mit grünem: Metallschimmer ; eine
schmale weisse Binde selzt sie vom Rücken in der Färbung
ab. Die äussere Hälfte der Unterschenkel ist tief blauschwarz,
Archiv [. Naturgesch. XXIV. Jahrg. 1 Da, 20
306 Philippi:
aber die vordere Seite derselben so wie die ganze Brust
und der Bauch bis zum Schwanze schneeweiss. Die Füsse
sind hellbraun.
Das Weibchen unterscheidet sich in der Färbung nicht
vom Männchen. Die Jungen sind an den Stellen , wo die
Alten schwarz sind, graubraun, und haben keine Holle.
Dimensionen.
Länge des Schnabels von den Nasenlöchern bis
zur Spitze . . . Ba SO < 23
„ des Körpers von der Bohmkhelwniel bi zur
Schwanzspitze längs des Rückens gemessen 29" —
„, des''Schwanzes en vn m VE LEN
des" Tarsusn WR ER N ET
1 "der, AuSsenzeh IM. Mn az
4 02 der HMTLLElZe AN EEE N EIER A
„u 1destZeigeiingers an al EB ET EEND TE
„ des!Daumenst. 7. ur a a, 05
Diese Art wurde im verkängönen Sommer vom Conser-
vator des Museums bei Chilo& erlegt, und scheint mir noch
unbeschrieben. Von den-bei Gay aufgeführlen Arten, von
denen ich mehrere noch nicht kenne, scheint ihm Gr. sar-
mentosus King am nächsten zu stehen. Von diesem weiss
ich nur, was Gay nach King davon sagt, und was sehr
wenig ist. Er hat keine Holle und der Hals selbst scheint
schwarz zu sein, da von ihm gesagt wird: collo ... . atro-
purpureo ... . pectore, abdomineque . ... gula, genisque al-
bis. Sollte Graculus albiventer, von dem beiGay weiter nichts
gesagt ist als: „superne brunneus, sublus albus“ unser Vo-
gel im Jugendkleide sein ?
3. Ammocoeles caeruleus Ph, *).
A. dorso caeruleus, ventre lateribusque albidus; pinna
*) Obgleich ohne Zweifel diese sogenannten Ammocoetes-Arten
nur Jugendzustände von anderen Cyclostomen Chile’s sind, so ist es
doch interessant die Verschiedenheiten derselben hervorgehoben zu
sehen. Möchte es dem Verf., welchem bei Absendung des Manu-
scriptes offenbar die Entdeckung Aug. Müller’s über die Beziehun-
gen von Ammocoetes zu Petromyzon noch unbekannt war, gelingen,
die Zugehörigkeit dieser Larvenformen festzustellen.
Der Herausgeber.
Beschreibung neuer Wirbelthiere aus Chile. 307
caudali spathulata; oculis argenteis.' — Longit. 3%, poll., altit‘
2'/, lin., crass. 1°/, lin.
Der Körper ist schwach zusammengedrückt , auf dem
Rücken wie auf dem Bauch wohl gerundet. Die erste Rük-
kenflosse beginnt nach */, der Körperlänge, , ist vier Linien
lang, und in der Mitte, von wo sie nach beiden Seiten gleich-
mässig abfällt, 5/, Linien hoch. Nach einem Zwischenraume
von 2'/, Linien beginnt eine zweite Rückenflosse, die fünf
Linien lang, im dritten Theil ihrer Länge fast 11/, Linien
hoch, und hinten elwas abgestutzt ist; sie ist deutlich von
der Schwanzflosse getrennt, welche eine Linie dahinter an-
fängt, beinahe spatelförmig, oben 3!/,, unten 4 Linien lang,
und 2 Linien hoch ist. Der After liegt zwischen dem vier-
ten und fünften Theil der Körperlänge. Das s. g. Spritzloch
ist sehr klein, 12/, Linien von der Schnauze entfernt, hinter
demselben ist in der Mittellinie und grade zwischen den Au-
gen ein weisslicher, opaker Punkt. Die Augen sind gross,
und haben eine weisse Iris; ihr Vorderrand ist 2‘, Linie
von der Schnauze entfernt. Der Kopf ist von der Augenge-
gend an nach vorn etwas zugespitzt, hinter den Augen nicht
aufgetrieben. Die sieben Kiemenlöcher haben keine Furche
unter sich, das erste liegt 4'/, Linie von der Schnauze
entfernt, das letzte 7'/, Linie. Die Mundöffnung ist länglich,
longitudinal, mit wulstigen Rändern, aber ohne eigentliche
Lippen. Die ganze Mundhöhle ist bis an den Rand mit
fleischigen Papillen bewachsen. Die Färbung ist oben blau,
unten bläulich weiss.
In den süssen Gewässern von Valdivia,
4. Ammocoetes Landbecki Ph.
A. dorso olivaceo-nigricans, ventre lateribusque ar-
genleus, pinna caudali lineari, oblusiuscula ; oculis nigris.
Der Körper ist 3'/, Zoll lang, 2'/, Linie hoch, 2 Linien
dick, mässig zusammengedrückt, am Rücken und am Bauch
gleichmässig gerundet, Die erste Rückenflosse beginnt nach-
dem der Körper drei Fünftel seiner Länge erreicht hat, und
ist elwa 4'/, Linie lang. Nach einem etwa eben so langen
Zwischenraum beginnt die zweile Rückenflosse, welche mit
der Schwanzflosse zusammeniliesst und ihre grösste Höhe
308 Philippi:
bald hinter ihrem Anfang erreicht. Die Schwanzflosse ist
linealisch, stumpflich, und reicht unten nicht bis zur Mitte
der Entfernung zwischen Schwanzspitze und Alter. Dieser
liegt zwischen dem vierten und fünften Theil der Körper-
länge. Das s. g. Spritzloch ist eine.schwer zu sehende Ver-
tiefung, und steht 1‘), Linie von der Schnauze entfernt. Da-
hinter befindet sich, wie bei der vorigen Art, in der Mittel-
linie und grade zwischen den Augen ein weisser , matter
Punkt. Die schwarzen Augen sind von verhältnissmässiger
Grösse und stehen 2 Linien von der Schnauzenspitze ent-
fernt. Nach vorn verschmälert sich der Kopf allmählich von
der Augengegend an, während er hinter den Augen etwas
angeschwollen ist. Die Kiemenlöcher fangen unmittelbar
hinter dieser Auftreibung an; es sind deren sieben, und
von jedem verläuft eine kleine Furche schräg nach unten
und hinten, um in einer horizontalen , flachen und breiten
Furche zu enden. Der Mund liegt auf der untern Seite der
Schnauze, und ist länglich und longiludinal. Seine dicken
und fleischigen Ränder vertreten die Stelle der Lippen; in-
wendig ist er mil fleischigen Papillen besetzt. Die Farbe
ist olivengrün, ins Graue ziehend; der Bauch ist weiss, der
Kopf von den Augen nach vorn weisslich ; der Mundrand
vorn und an den Seiten schwärzlich.
In den süssen Gewässern von Valdivia.
5. Chilopterus Ph.
novum genus Piscium cyclostomaceorum.
Corpus vermiforme, coecum. Os edentulum. Labia duo
distincta, inferius formam tubi dimidiali brevis referens ; su-
perius maius, transversum, semiorbiculare , lateribus liberis
involutis labrum inferius amplectens. Pinna dorsalis unica
cum candali confluens.
Der Körper ist drei Zoll lang, 2 Linien hoch, andert-
halb Linien dick , also schwach zusammengedrückt , oben
und unten gerundet, nach der Schnauze hin etwas verschmä-
lert. Die Rückenflosse beginnt nachdem der Körper drei Vier-
Iheile seiner Länge erreicht hat und fliesst mit der Schwanz-
flosse zusammen ; die Schwanzflosse hat eine abgerundete
Spitze und nimmt auf der untern Seite des Körpers den
Beschreibung neuer Wirbelthiere aus Chile. 309
sechsten Theil der Länge desselben ein. Der After liegt dem
Anfang der Rückenflosse gegenüber. In 2'/, Linien Entfer-
nung von der Schnauze fängt jederseits elwa in der halben
Höhe des Körpers eine Furche an, welche schwach gebogen
ist, und sich nach hinten etwas senkt; sie ist 41/, Linien
lang und enthält die 7 Kiemenlöcher. Von Augen ist we-
nigstens äusserlich keine Spur vorhanden. Das s. g. Spritz-
loch liegt 1',, Linie von der Schnauze entfernt, und bildet
eine trichterförmig erweiterte Röhre. Etwas unter demselben
erblickt man jederseits eine zwei Linien lange, horizontal
nach hinten sich ersireckende Furche , und eine senkrecht
vom Ursprung derselben herabgehende kürzere Furche. Wenn
man die gewöhnlich mit den Rändern eingeschlagene Ober-
lippe ausbreitet, so erscheint sie beinahe kreisförmig, 2 Li-
nien breit und 1‘, Linien lang; ihre Seiten sind frei und
abgerundet. Die von der Oberlippe umfasste Unterlippe hat
die Gestalt eines in der Mitte der Länge nach durchgeschnit-
tenen Cylinders und ist ®/, Linien lang. Der mittlere Theil
der Oberlippe ist innen mit Papillen dicht beselzt, welche
nach der Mitte hin am grössten sind. Zähne sind nicht vor-
handen. Die Farbe ist durchweg olivengrün, auf der Ober-
seite des Kopfes etwas dunkler, auf dem Bauch kaum hel-
ler; die Flossen sind farblos.
In den süssen Gewässern von Valdivia.
Ich verdanke die Kenntniss dieser drei Arten Herrn
Ludwig Landbeck.
6. Galaxias minuuus Ph.
G. parvus, gracilis, pellucidus,, punelis nigris in linea
dorsali, in linea laterali, ad basin pinnae caudalis et in ca-
pite; pinna anali dorsalis altitudinem aequante.
Dieser kleine Fisch ist in Valdivia unter dem Namen
Puye bekannt, und wird bisweilen in unsäglicher Menge ge-
fangen und gegessen. Er ist sehr schlank, nämlich bei einer
Länge von 2 Zoll vier Linien, nur 2'/, Linie hoch und 1'/,
Linie dick. Im Leben ist er wasserhell und beinah durch-
sichtig, in Spiritus geworfen wird er nalürlich weiss. Schwärz-
liche Pigmentflecke in Gestalt feiner Punkte nehmen den Rük-
ken, die Seitenlinie und die Basis der Afterflosse ein, und
310 Philippi:
bilden auf dem Kopf ein paar grössere Flecke. Gewöhnlich
unterscheidet man einen rundlichen Fleck zwischen den Au-
gen, und dahinter einen andern in Gestalt eines nach vorn
offenen V, auch die Oberlippe ist schwärzlich. Die Rücken-
flosse ist nicht so hoch wie lang , die Afterflosse ist etwas
länger, aber durchaus nicht niedriger. Die Rückenflosse hat
10, die Schwanzflosse 16, die Afterflosse 14 Strahlen.
7. Galaxias punctulatus Ph.
G. griseus, in dorso et lateribus nigro-punclulalus et
marmoralus ; linea laterali nigropunctata; pinnis omnibus hya-
linis, anali altitudine dorsalem aequante.
Dieser Fisch ist vom Conservator des Museums, Herrn
Germain , bei Puerto Monte unter Rucus gefunden, kommt
aber auch häufig in den Flüssen von Valdivia vor. Er ist
2 Zoll 6 Linien lang, 4 Linien hoch, 2'/, Linie dick. Der
Rücken und die Seiten sind grau, und mil schwärzlichen
Punkten übersäet, welche gewöhnlich an einzelnen Stellen dich-
ter stehen, so dass dadurch ein marmorirtes oder geflecktes
Ansehn entsteht. Die Seitenlinie ist durch grössere schwarze
Punkte sehr ausgezeichnet. Sämmtliche Flossen sind farblos.
Afterflosse und Rückenflosse sind gleich hoch; die Schwanz-
flosse ist gegabelt u. s. w. Die Zahl der Strahlen in den
Flossen ist wie bei der vorigen Art.
Ich habe diese Art erst für @. maculatus Jenyns ge-
halten , allein bei dieser soll die Afterflosse niedriger sein
als die Rückenflosse ; auch ist die Färbung etwas verschie-
den, namentlich scheint gegenwärtige Art durch die schwarze
Seitenlinie sehr ausgezeichnel zu sein. Leider kann ich die
Originalbeschreibung von Jenyns nicht nachsehen. Mit der
vorigen Art ist G. punctulatus nicht zu verwechseln , da er
bei fast gleicher Länge sehr viel höher und dicker ist.
8 Farionella fasciata Ph.
Die Exemplare dieses Fisches sind zwar in Folge eines
zu starken Weingeistes nicht so wohl erhalten, als zu wün-
schen ist; dennoch will ich die Existenz dieses inleressanten
Geschlechtes in den Bächen von Valdivia constaliren, da die
einzige bisher bekannte Art, F. Gayi, aus Brasilien stammen
Beschreibung neuer Wirbelthiere aus Chile. sı1
soll. Mein Fisch ist 3 Zoll 8 Linien lang, 6—7 Linien hoch,
und in der Kopfgegend 5 Linien dick. Die Schnauze ist ziem-
lich stumpf. Bauch und Rücken verlaufen beinahe parallel,
und nähern sich einander allmählich bis zur Schwanzilosse.
Die Flossen haben dieselbe Lage und ziemlich dieselbe Grösse
und Gestalt wie bei F. Gayi Valenc. Die Rückenflosse hat
10—11 Strahlen, und ist etwas grösser als bei jener. Die
Schwanzflosse, deren beide Aeste gleich sind, hat 16 Sirah-
len, ohne die kleinen jederseits , die auch auf der untern
Seite weit über den Anfang der Schwanzflosse fortlaufen.
Die Afterflosse hat 13-—14 Strahlen, die Bauchflosse 7, die
Brustflosse 13 Strahlen. Die Farbe ist auf dem Rücken und
den Seiten hellbraun mit etwa 10 schwarzen, unregelmässi-
gen, schmalen Querbinden ; der Bauch ist gelblich, die Flos-
sen schwärzlich. Ich hoffe im nächsten Sommer den Fisch
nach dem Leben beschreiben zu können , da er in den Bä-
chen meines Gutes S. Juan vorkommt. Ich bemerke einen
Widerspruch zwischen der Beschreibung und Zeichnung der
F. Gayi. In der Beschreibung bei Valenciennes Vol. XXIl.
p- 510 heisst es: couleur gris !plombe de bleuätre sur le
dos,-il y a de nombreuses bandelettes brunes verticales,
aber die Figur T. 649 zeigt keine handelettes, sondern einen
über und über mit schwärzlichen Flecken gesprenkelten Kör-
per. Variirt die Färbung? Sollte die Angabe des Vaterlan-
des irrig sein? Aus welchem Theile Brasiliens ist der Fisch ?
Bemerkungen über den Schädel von Gavialis
Schlegelii und Crocodilus raninus.
Von
Geh. Rath Prof. Dr, Mayer
in Bonn.
Oben genannte zwei Krokodil-Schädel, welche das ana-
tomische Museum zu Bonn neuerlich von Herrn Ihne v. E.
zum Geschenk erhalten hatte, verdienen wohl wegen ihrer Grösse
und Seltenheit eine nähere Besprechung in dieser Zeitschrift,
Der eine Schädel gehört dem Geschlechte der Gaviale,
Rhamphostoma oder Crocodilus longirostris , an. 'Cuvier
kannte nur eine Species hiervon, die des Ganges-Krokodil
cCrocodilus gangelicus): denn eine kleinere Species dieses
im Ganges lebenden! Krokodils war er selbst geneigt nur für
eine Alters-Varielät zu halten. Später hat aber der hollän-
dische Naturforscher Sal. Müller eine zweite Spezies in
Borneo entdeckt, welche er, zu Ehren des berühmten Amphi-
biologen in Leyden, mit dem Namen Gavialis Schlegelü be-
legte. Nach den in den Verhandlungen over de natuurlyke
Geschiedenis, Leyden 1840 mitgelheilten Abbildung Tab. Il.
Fig. 2. von einem niet geheel volwassen vorwerp zu schlies-
sen, bei welcher '/, der ganzen Länge des Schädels dieses
Gavials zum Maass genommen wurde, scheint unser Schädel
über einen halben Fuss grösser als jener zu sein.
Die auf Tab. Ill. Fig. 1. gegebene Abbildung ist die
des Schädels eines alten (een zeer oud) Thieres. Sie ergibt
die Grösse von 2 Fuss 3Y, Zoll. Unser Schädel, welcher we-
gen den noch ganz deutlich vorhandenen und unterscheid-
baren Nähten, den vielen noch ungebrauchten Zähnen, nicht
als sehr alt, und nicht als ausgewachsen zu halten ist, ist
dennoch (jetzt schon) 1Y/, Zoll grösser als der l.c. abgebil-
dete. Das Charakteristische des Schädels von Gavialis Schle-
gelü, wodurch sich dieser Gavial vom Ganges-Krokodil we-
. senllich unterscheidet , besteht vornämlich darin, dass die
Mayer: Bemerk. über den Schädel von Gavialis Schlegelii ete. 313
Nasenbeine bei diesem nur kurz sind, ungefähr /, der Länge
der Schnauze betragen und von der obern Gränze der Interma-
xillarbeine noch weit abstehen; dagegen bei den Gavialen der
Sunda-Inseln die Nasenbeine über die, Hälfte der Länge der
Schnauze ausmachen , und sich zwischen die Intermaxillar-
knochen hineinschieben — anderer Punkte nicht zu geden-
ken. Wenn ich nun zu dem Uebergewichle der Grösse un-
seres Schädels noch den der bedeutenderen Schmalheit des
Oberkiefers, die Breite, Länge und Doppelheit des Vomer
hinzufüge, ausserdem den Aufenthalt des Gavialis Schlegelii
in dem Lamoeda-See, also in dem Binnenland von Borneo,
den des unsrigen in dem Sundameer der Westküste von Bor-
neo selbst in Anschlag bringe, so möchte vielleicht unser
Gavial-Schädel als eine Varielät der Gavialis Schlegelü anzu-
sehen sein.
Der andere, eben so enorme Schädel ist zwar elwas
kürzer, hat aber durch seine Breite ein noch mächligeres
Ansehen. Er gehört, vermöge der Orbital-Leisten dem Genus
Crocodilus biporcatus an; zeichnet sich aber eben durch eine
grosse Breite aus. Es ist unser grosser Schädel ebenfalls
ein-Bewohner der Sundasee und an der Küste von Surabaya
der Insel Java gefangen. Unser anatomisches Museum be-
silzt schon , als ein Geschenk meines im Jahre 1819 hier
studirenden Assistenten, des Herrn Dr. Zellerer, leider als
Schiffsarzt in der Südsee zu früh gestorben , sechs Schädel
von Crocodilus biporcalus von der Länge von 1 Fuss 2 Zoll.
Die beiden genannten berühmten Zoologen bilden in
ihrem so schönen Werke nun ebenfalls einen ganz grossen
Schädel von Crocodilus biporcalus ab, welchen sie Crocodi-
lus biporcalus raninus nennen, und als dessen Aufenthalt Bor-
neo angegeben wird. Mit diesem stimmt unser Schädel auch
ganz überein, ausgenommen elwa die Grösse , welche bei
dem unsrigen ebenfalls bedeutender zu sein scheint. Die
Nähte sind schon sehr undeutlich und verwachsen , auch die
Zähne merklich abgenutzt , wie ersteres aber auch bei den
vier jüngern Schädeln von 1 Fuss 2 Zoll Statt findet.
Der Schädel der Krokodile zeichnet sich bekanntlich
mehr noch als der der Vögel und der Chelonier etc. durch
das Zerfallen ganzer Knochen in einzelne Stücke oder Frag-
314 Mayer:
mente aus. Es konnte daher nicht fehlen, dass die Zootomen
über die Benennung dieser einzelnen Stücke, ihrer von dem
Typus der höhern Thiere’ abweichenden Form wegen und über
die Analogie dieser Schädelknochen überhaupt, untereinan-
der nicht einverstanden waren. Die paradoxen Deutungen
und Benennungen derselben von Oken, Spix und Andern
hat man wohl verlassen dürfen und sich analomisch richtiger
an die von Cuvier und an die von ihm mit dem ihm eige-
nen Scharfblicke vorgeschlagenen Deutungen angeschlossen.
Was nun aber diese Deutung überhaupt und namentlich die
der Knochen des Kopfes der Krokodile (Saurier) betrifft‘, so
glaubt der Verfasser dieses sich von der von Cuvier den-
noch in einigem Detail entfernen zu müssen und seine eige-
nen. Benennungen vorziehen zu dürfen.
Es ist hier nicht der Ort, sich darüber weitläufig zu
verbreiten. Ich will daher nur die Hauptdifferenzen kurz an-
deuten, worin ich von der Cuvier’schen Benennung der
Kopfknochen, und hier speciell von der des Krokodils, ab-
weiche. Cuvier’s os palalinum nenne ich os palalinum an-
licum mit seinem proc. frontalis; sein os pterygoideum in-
ternum bleibt als solches, sein os pterygoideum externum
(transversum) dagegen nenne ich pars palalto-orbitalis ossis
palatini , das eigentliche os plerygoideum externum finde ich
noch vorhanden als einen besonderen dünnen Knochen mit
seiner noch deutlich markirten fossa pterygoidea. Cuvier's
os mastoideum ist mir os parietale laterale; sein os quadra-
tum , os condylo - temporale‘, sein temporal-ecailleux , os
zygo-temporale. Im Uebrigen stimme ich der Bezeichnung
Cuvier’s bei und bemerke nur, dass, ausser den Conchae
in der Nase zwei Conchae als os ethmoideum an der Stelle
des Ganglions des Nerv. olfactorius vorkommen.
Als merkwürdig verdienen noch in dem Bau der Kopf-
knochen der Krokodile die, nicht ganz bekannten, grossen Höh-
len oder Sinus darin erwähnt zu werden, welche theils mit
der Trommelhöhle und dadurch nach Aussen mittelst der Ohr-
trompete, theils untereinander in Verbindung stehen. Selbst
in dem Gaumenbein, hier in Form einer grossen Bulla, wel-
che mehr oder minder verknöchert, ferner im Vomer u. =. f.
befinden sich solche Sinusse, wahrscheinlich zu dem Zwecke
Bemerk. über den Schädel von Gavialis Schlegelii ete 315
das Gewicht des Schädels hehufs des Schwimmens zu ver-
mindern und dieses zu erleichtern.
Ich erlaube mir hier noch ganz kurz meine Einthei-
lung der Familie der Krokodile und die Benennung der ein-
zelnen Arten zu erwähnen. Ich stelle nämlich folgende drei
Species des Genus unieum, Crocodilus, auf.
Familia Crocodilini.
l. Crocodilus Alligator.
Hierzu gehören Cr. brevirostris, All. Sclerops, All. Lu-
cius, A. palpebrosus, et A. fissipes.
Character : Dens primus et quarlus inframaxillaris in foveam
propriam maxillae superioris inlrant.
ll. Crocodilus Champse (Herodot) seu Crocodilus la-
tirostris.
Hieher gehören: Champse nilolicus, biporcalus, raninus,
rhombifer, acutus.
Character: Dens primus inframaxillaris per foramen maxillae
superioris alque culis externae labii penetrat, dens quar-
tus vero in sulco proprio max. sup. decurrit.
Ill. Crocodilus Gavialis s. tenuirostris.
Hierzu : Gav. gangelicus, G. Schlegelii (und vielleicht
unser G. sundaicus ?).
Character: Dens primus et quartus inframaxillaris in sulco
iis proprio maxillae superioris decurrunt.
‚ Ich knüpfe endlich hieran noch einige Bemerkungen
über die alte Frage oder Behauptung von der Bewegung des
Oberkiefers während des Maulaufsperrens beim Krokodil. Be-
kanntlich datirt sich diese Angabe von Herodot her (ll. 68).
Nach ihm sagt auch Aristoteles (de part. anim. I. 11.
und Ill. 7), dass alle Thiere den unternKiefer bewegen, das
Flusskrokodil allein nur den oberu #), Scaliger vergleicht
diese Beweglichkeit des Oberkiefers beim Krokodil mit der
des Oberschnabels beim Papagey. In neuester Zeit noch
stimmt Geoffroy St. Hilaire, welcher das Nil-Krokodil
*) S$. über Aristoteles Thiergeschichte ein sehr gut geschrie-
benes Programm des Gymnasiallehrers Sonnenburg. Bonn 1857.
316 Mayert
in Aegypten selbst beobachtete, mit Herodot überein, des-
sen Angabe er „rigoureusement vraie*“ nennt. Cuvier (Re-
gne animal Tom. Il. p. 18) sagt jedoch schon bestimmter, ob-
wohl nicht näher in die Frage eingehend: il semble que la
mächoire superieure soit mobile et les anciens l’ont deerit
ainsi, mais elle ne se meut qu’avec la tete toute entiere.
In der Erpetologie general vonDumeril (111.25) wird
diese Behauptung so modificirt, dass nicht der Oberkiefer
allein, sondern vielmehr der ganze obere Theil des Schädels
sich auf dem Unterkiefer bewegen könne , wenn dieser auf
einer festen Fläche aufruhe. Da aber solches Aufruhen beim
Krokodil im Wasser nicht statt findet, so fällt auch der Vor-
dersatz hinweg und ist Dumeril’s Ausspruch als nichtssa-
gend anzusehen. Wird der Unterkiefer beim menschlichen
Schädel, wie bei dem der Säugethiere, Vögel und Amphibien
festgestellt, auf einer Fläche angeheftet, so kann man den-
selben, somit den ganzen Oberschädel auf dem Gelenkkopfe
des Unterkiefers, wie sich von selbst ergiebt, bewegen, aber
solche Fixirung findet während des Lebens oder überhaupt
nicht statt.
Es ist nun die Frage eine doppelte, nämlich: 1) findet
beim Krokodil eine eigne selbstständige Bewegung des Ober-
kiefers statt? oder 2) bewegt sich der Oberkiefer beim Maul-
aufsperren nicht isolirt, sondern nur mit dem ganzen Ober-
kopfe? Die erste Frage ist von vorn herein zu verneinen,
weil beim Krokodil der Oberkiefer von den frühesten Zeiten
an, den Föluszustand ausgenommen, mit den anliegenden Ge-
sichts- und Schädel-Knochen fest verwachsen ist.
Dagegen findet bei einigen Thieren wirklich eine Be-
weglichkeit und Bewegung des Oberkiefers für sich beim
Rachenaufsperren statt und zwar:
1. Unter den Vögeln bei Vögeln von zartem Knochen-
bau des Schädels, bei den kleinen Vögeln, den Sangvögeln,
ferner bei den Papageyen und Andern, jedoch aber nur im
lebenden Zustande, nach getrocknetem Schädel nicht mehr,
oder auch nur im jugendlichen Alter.
Es rührt nämlich diese Beweglichkeit des Oberschna-
bels iheils davon her , dass der Oberschnabel an dem dün-
nen elastischen Nasenbein sich einbiegen lässt, theils davon,
Bemerk. über den Schädel von Gavialis Schlegelii ete. 317
dass derselbe mit dem Flügelbein verbunden an dem Gelenk-
knopf des Grundtheils des Keilbeins und mit dem Gaumen-
bein an dem Gelenkknopf des Schläfenbeins artikulirt.
Unter den Reptilien ist der freie Oberkieferknochen selbst-
ständig entweder ganz oder nur sein os intermaxillare be-
weglich bei Allen, deren Kopfknochen getrennt und durch
Syneurosis zusammenhängen (Ossa capitis discreta) , weni-
ger bei den Balrachii und den Lacerlinae, besonders aber
bei den Colubrinae, Pythonideae unter den Ophidii ; dagegen
nicht bei den Chelonii und nicht bei den sogenannten Wurm-
schlangen. Bei den Lelztern, wo Ossa concrela stalt finden
z. B. bei dem Genus Amphisbaena , ist der Kopf felsen-
hart und der Schädel im Kleinen dem eines Carnivoren-Säu-
gethieres ähnlich. Da diese Schlangen meistens in die Erde
sich einbohren, so ist solcher harter Knochenbau des Schä-
dels wohl erforderlich. Ich habe früher auch in Betreff die-
ses Knochenbaues die Ophidii in O. Chondrocephali und O.
Osteocephali geschieden.
2. Was die Fische betrifft, so ist der Oberkieferkno-
ehen bei den meisten isolirt beweglich, oder es ist dies we-
uigstens das os intermaxillare, bei andern knorpelartig und
elastisch ; bei einigen Familien und Gattungen aber verwach-
sen und fest. Die sogenannten Knorpelfische, Chondropterygiü
Cuvier’s sind es nicht eigentlich, sind es nur in der Ju-
gendzeit, im Alter nicht mehr, und die Wirbel, die enormen
Zähne der Hayen hälten schon eines Bessern belehren kön-
nen. Es besteht zwischen Osleopterygii und Chondropterygii
kein wesentlicher Unterschied der Knochensubstanz.
Was nun die Antwort auf die zweite Frage betrifft, so
ist sie die, dass bei dem Krokodil nicht mehr und nicht min-
der, wie bei dem Menschen, den Säugelhieren und den
Stereocephali der Amphibien und Fische der Oberkiefer nur
mit dem ganzen Kopfe zugleich auf- und abwärts, beim off-
nen Maule sowohl wie beim geschlossenen, bewegt oder zu-
rückgebeugt wird und zwar auf der Gelenkgrube des Atlas
und zugleich auf dem Condylus maxillae inferioris oder zugleich
auf dem Kiefer- und im Kopfatlas - Gelenke, durch die Mus-
keln des Nackens, den Musc. trapezius, splenius, complexus et
biventer und durch dieMM. recli capilis. Dieses geschieht bei
318 Mayer: Bemerk. üb. d. Schädel Gavialis Schlegelii etc.
ruhendem oder unbewegtem Unterkiefer , der nun dabei der
Bewegung des Kopfes folgt, d. i. ebenfalls, wie der Ober-
kiefer nach aufwärts steigt oder mit gezogen wird, wobei
die Maulöffnung aber unverändert bleibt.
Wenn aber, bei dem Krokodil, gleich wie bei den Säu-
gelhieren etc. und dem Menschen gleichzeitig, so wie
der Kopf durch die genannten Nackenmuskeln nach hinten,
d. i. der Oberkiefer nach aufwärts gezogen , auch der Un-
terkiefer kräftig nach abwärts bewegt wird, was hauptsäch-
lich durch den M. digastricus maxillae geschieht, wie es bei
dem Rachenaufsperren der Fall ist, so entfernen sich beide
Kiefer gleichzeitig ‘von einander , der Unterkiefer wird im
Gelenke festgestellt und es wirken nun der M. digastricus,
der am Hinterkopfe hinter den processus masloideus ent-
springt, mit den Nackenmuskeln, welche etwas weiter hinten
an’s Occiput sich anselzen, als Musculi socii gemeinschaft-
lich zusammen. Diese Bewegung des Unterkiefers dauert aber
nur einen Moment und es tritt bei ganz aufgesperrtem Maul
oder Rachen sogleich die Auf- und Rückwärts-Beugung des
Oberkopfes ein, welche also dabei das wesentliche Moment j
ist. Dieses ist die richlige Deutung des Phänomens und die
detaillirte Beantwortung obiger Frage, welche man wohl, da
sie noch nie gehörig besprochen worden, nicht als eine
müssige ansehen wird.
Noch möchte ich eine andere Stelle im Herodot, die
auch noch in Aristoteles vorkommt, berühren, welche
aussagt , dass die Aegypter ihrem Krokodil die Zunge ab-
sprechen. Sie ist aber vorhanden, nur an den Boden der
Mundhöhle fester angewachsen , daher kaum vorstreckbar ;
dabei nicht weich und nackt, sondern mit quadratischen Schup-
pen, wie die der äussern Haut, bedeckt, in deren Mitte aber
kleine Wärzchen sichtbar sind, welche, wenn nicht Geschmacks-
wärzchen, doch Gefühls- oder Tast-Wärzchen sind, so dass
die Geschmacksempfindung etwa erst in den zahlreichen fei-
nen Wärzchen der Schleimhaut hinter der Zunge und im
Rachen stattfinden wird. (S. Mayer über die Zunge Nov.
Act, Acad. Leopold. Vol. XX. P. I1.).
Neue Batrachier in der Sammlung des
Britischen Museurms.
Von
Dr. A. Günther.
Ich gebe in Folgendem eine Liste der neuen Arten der
Batrachia Anura, welche ich beim Ordnen der Thiere die-
ser Classe im Britischen Museum vorfand und benannte. Die
vollen Beschreibungen und Abbildungen derselben sind in
meinem nunmehr erschienenen „Synoptie Catalogue of the
Batrachia Salientia in the Collection of the British Museum.
London 1858“ enthalten. In Betreff des Systemes, nach wel-
chem ich diese Unter-Ordnung eintheilte , verweise ich auf
eine in den Proceedings of Ihe zoological Society 1858 ent-
haltene Abhandlung, in welcher ich dasselbe näher begrün-
dele. Die Sammlung, welche die Basis dieser Arbeiten bil-
dete, enthält etwa 1000 dieser Thiere.
Ranina.
Pseudis Wagler.
Ps. minuta.
Catal. p. 6.
Schnauze niedergedrückt , breit und vorne abgerundet.
Ein schiefer weisser Sireif vom Auge zum Mundwinkel, und
ein zweiter von der Schulter zu der Seite des Bauchs. Halb
so gross als Ps. paradoxa. Südamerika.
Ozxyglossus Tschudi.
O. laevis.
Catal. p. 7. pl. 1. fig. A.
Bedeckungen glatt, mit wenigen, kleinen, sehr flachen
Warzen; Zunge oval und hinten nicht zugespitzt; Metatarsus
320 Günther:
mit einem einzigen Höcker. Braun, dunkler gewölbt, mit
oder ohne weissen Rückenstreifen. Körper 12/,‘ lang. Phi-
lippinen. b
Rana.
R. supereiliaris.
Catal. p.17. pl. 1. fig. B.
Schnauze sehr verlängert und zugespitzt; Choanen
klein, weil entfernt vom Schnauzenende; Tympanum beinahe
so gross wie dasAuge; Rücken mit hohen Längsfalten; das
obere Augenlid vorne und hinten mit einer Falte, so dass
hinten ein freier, vorstehender Rand entsteht. Die Schwimm-
haut reicht nicht bis zum Ende der Zehen; der vierte ist
ein drittel länger als der dritte; Metatarsus mit nur einem
kleinen Tuberkel. Gaumenzähne in zwei kurzen Reihen, nahe
am vordern Rande der Choanen. Hinterseile der Schenkel
mil weissen und schwarzen Längsstreifen. Verwandt mit Rana
Bibronii. Sierra Leone.
R. occipitalis.
Catal. p. 130. pl. 11.
Im Habitus R. tigrina ähnlich. Körper bedeckt mit
kleinen Tuberkeln und kurzen Falten; keine deutlichen Po-
ren. Augenlid-Falten, wie in der vorigen Art, aber die hin-
tere zieht sich quer über das ganze Hinterhaupt herüber
und ist von einem weisslichen Streifen begleitet. Zehen von
mittlerer Länge, jede mil knopfförmigem Ende; dieSchwimm-
haut reicht bis zum äussersten Ende und ist nicht ausge-
schnitten ; die vierte Zehe ist nicht viel länger als die dritte.
Grünlichbraun, dunkler marmorirt. Körper 4° lang. West-
Afrika.
Limnodynastes Filzinger.
Habitus gedrungen. Finger ganz frei; Zehen frei oder
nur mit einem leichten Rudimente einer Schwimmhaut. Haut
desRumpfes ohne grosse Drüse. Gaumenzähne hinten an den
Choanen in einer geraden Reihe, welche kaum in der Milte
unterbrochen ist. Zunge rund, hinten beinahe ganzrandig.
Choanen und eustachische Röhren mässig weit; Tympanum
Neue Batrachier in der Sammlung des Britischen Museums. 321
verborgen. Männchen mit 'unpaarem äusseren Stimmsack.
Australien. Hierher Cyslignalhus dorsalis Gray,. Cyst. Pe-
ronii .D..B., Discoglossus ornatus Gray und
L. tasmaniensis.
Catal. 'p. 33. pl. 2. fig. B.
Ohne Waden-Drüse. Schnauze von mässiger Länge,
niedergedrückt und flach. Oben olivenfarbig mit dunkleren
Flecken und einem weissen Rückenstreifen. In alten Weib-
chen sind die beiden innern Finger breit gesäumt. Körper-
länge 1?/,“. Van Diemens Land.
Brachycephalina.
Phryniscus Wiegmann.
Ph. laevıs.
Catal. p.43. pl. Ill. fig. A.
‚„ Rückenseilte ‚ganz glatt oder mit flachen Warzen; ohne
Dornen., Schnauze vorstehend , die verlängerten Linien des
Canthus rostralis würden einen: spitzen Winkel bilden. , Can-
thus rostralis ‚aufgelrieben, ‚Stirn, concav. ; Die Unterfläche
von, Hand und Fuss mit flachen, glatten Warzen. , Tarsus mi
einer Haulfalte,, der erste und zweile Finger mit halber
Schwimmhaul. Oben schwarz-braun, unten weisslich; After-
gegend bräunlich. Grösse von Bombinator igneus. ; Chili.
Panama.
Bufonina,
Bufo.
B. Kelaartii.
'Catal. p. 139, pl. 10. fig..A.
Kopf platt, ohne knöchernen Wulst; canthus rostralis
rechtwinklig und mit Tuberkeln besetzt; ' Rand des Augen-
lieds mit einer Reihe Tuberkel. Obere Theile warzig; Paro-
is sehr schmal und verlängert. Zehen mit breiter Schwimm-
haut. Tympanum undeutlich. ' Oben braun, mit einem‘'hellen
Querband zwischen den Augen. Bauchseite gelblich, braun-
gelleckt. Ceylon.
Archiv f. Naturgesch. XXIV, Jahrg. 1.Bd 21
322 Günther:
B. intermedius.
Catal. p. 140. pl. 9. tig. A.
Ueber der Orbita ein knöcherner Wulst, von dem hin-
ten ein zweiter, zwischen Orbita und Parotis rechtwinklig,
abgeht, aber unter der Haut verborgen ist. Parotis elliptisch,
von nıiltlerer Grösse; Tympanum mehr oder weniger ‚undeut-
lich; der erste Finger länger und dicker als ‚der, zweite. Me-
tatarsus ohne Hautfalte, mit zwei hornigen, braunen; Höckern ;
Zehen mit halber Schwimmhaut. Oben bräunlich oder grün-
lich-olivenfarbig , unregelmässig braun gefleckt; kein Rük-
kenstreifen; Flecken zwischen. den Augen unsymmetrisch.
Körper 3!/,° lang. Anden von Ecuador.
B. anomalus.
Catal. p. 57.
Kopf platt, ohne knöchernen Wulst. Parotiden mässig
gross, vierseitig; der innere Rand des Tarsus mit einer Reihe
kleiner Höcker; Metatarsus mit einer schwarzen, 'scheiben-
artigen Hervorragung wie in Pelobates cultripes und mit einer
zweiten auf der andern Seite, die aber viel kleiier und rund
ist und 'eine schwarze Spitze hat. Zehen mit halber Schwimm-
haut; der dritte Finger länger als der vierte, die dritte Zehe
länger als die fünfte. Oben mit kleinen dornigen Warzen.
Tympanum undeullich und sehr klein.‘ Körperlänge 12/44",
Mexiko. AUTBRITWUSR
Der Name ist nicht von mir gegeben, ich fand ihn auf
der Weingeistflasche ohne weitere Notiz. Da aber die'Spe-
cies noch nicht beschrieben ist, so betrachte ich sie als neu
mit Beibehaltung des Namens, der mir passend erschien.
B. tuberosus.
Catal. p.60. pl. Ill. fig. €:
Kopf oben etwas concav, breit, ohne knöchernenWulst.
Parotiden oval, schief ‚gelagert und: ohne schwarzen,’ Rand;
keine. Schenkeldrüse; "Iympantum. deutlich, ., klein, ‚rund.
Schwimmhaut reicht nicht bis zur Hälfte ‚der Zehen; Finger
dünn, lang, der dritte viel länger als der vierte... Bedeckt
mit grossen, 'dornigen Warzen. | Oben einfarbig, braun mit
verwischten dunklen Flecken; unten schmutzig-gelb, .‚braun-
geflecktl. Grösse von B. viridis. Fernando, Po,
Neue Batrachier in der Sammlung des Britischen Museums. 323
\!B.. ocellatus.
Catal. p. 64.
Kopf oben in der Mitte abgeflacht, aber, mit zwei ‚knö-
chernen Längswülsten , ‚welche an der Schnauze beginnen,
stark diyergiren und hinten ‚gabelig sich, theilen. ‚Schnauze
elwas. zugespilzt, vorstehend. Paroliden nicht vortretend,
undeutlich; Tympanum sehr. deutlich, viel ‚höher, als. breit.
Oben warzig, unten körnig. Zehen mit halber Schwimnmmhaut;
Tarsus ohne seitliche Hautfalte'; Metatarsus mit zwei Höckern.
Rücken braun mit einem gelben Längsstreifen und vier, oder
fünf paarigen schwarzen, gelb-eingefassten Flecken. ‚Seiten
gelh-, Bauch schwarz- gelüpfelt. _ Grösse von ‚B, viridis. —
Brasilien.
Sen B. sternosignatus.
Catal. p. 68. pl. V. fig. C. 0%.
Kopf oben abgeflacht, mit einem knöchernen Wulst rings
um den obern Rand der orbita; in jungen Individuen ist'er
hinten gabelig,, in ‚alten, erstreckt,er sich. bis über. das Tym-
panum.,. Schnauze zugespilzt,. vorne senkrecht abgeschnitten;
vor dem; Auge eine ‚seichte Verliefung;;. Tympanum ‚deutlich.
Zehen mit halber Schwimmhaut;: Innenrand, ‚des Tarsus mit
einer Reihe Höcker; unten braungefleckt, dichter in jungen
Thieren, in-alten ein gelbes Kreuz über die Mitte der Brust.
— Central-Amerika.
Unterscheidet sich von B. granulosus (pl. V. fig. A.)
durch dessen schief abgestutzte Schnauze und ungelleckte
weisse Färbung des Bauches.
"> "ünterscheidet sich von B. gutturosus (pl. V. fig. B.)
durch‘ ‚dessen abgeruhdete Schnauze und Tarsalfalte.
-J25] Iıloi
Hylina,
Hylarana (Tschudi) Gihr. — Limnodyles Dum. Bibr.
H. macrodactyla.
„„atal. ‚p-72. pl. 11. fig. C.
Schnauze stark verlängert und zugespitzt; Zehen lang
mit halber Sc hwimmhaut; ‚die, vierte ‚zwei Drittel, der Länge
des, Leibes; auf jeder Seite des Rückens ‚eine ‚weisse drüsige
Hautfalte ; ein weisser Rücken- und ein weisslicher Oberlip-
pen-Streifen. Körperlänge 1'/, — China.
324 Günther:
Izalus Dum. 'Bibr.
I. variabilis.
Catal. p. 74. pl. IV. fig. A. B.
Haftscheiben ziemlich gross; Rücken ganz glatt. ‚Die
Schwimmhaut reicht über zwei Drittel der Zehen ; oben ein-
farbig oder mit röthlich-grauen Flecken; keine Querstreifen
an der Seite. Körperlänge 1'/,”. — Ceylon.
I. natator.
Catal. p. 75. pl. IV. fie. C.
Hafischeiben etwas gross; Schwimmhaut reicht bis zur
äussersten Zehenspitze. Oberseite fein körnig. Bräunlich-
aschfarben, hie und da mit rundlichen weisslichen Flecken.
Körperlänge 1%/,”. Philippinen.
1, guttatus.
Catal. p. 76. pl. IV. fig.D.
Haftscheiben etwas gross; Schwimmhaut reicht bis zur
äussersten Zehenspitze. Oberseite körnig; Schnauze etwas
verlängert und zugespitz. Oben braun mit ee
Flecken. Körperlänge 1'/,. — Borneo.
Polypedates (Tschudi) Dum. Bibr.
P. microtympanum,
Catal. p. 77. pl. VI. fig. A.
Finger mit sehr schwach angedeuteter Schwimmhaut;
Gaumenzähne in zwei kurzen schiefen Reihen zwischen den
Choanen ; Rücken beinahe ganz glatt. , 'Tympanum klein, ‚oyal,
nur ein Drittel so gross wie das Auge; Kopfhaut nicht fest-
gewachsen. — Körperlänge 92/3, — Ceylon.
P. appendiculatus.
Catal. p. 79.
Die Schwimmhaut reicht bis zu einem Drittel der Länge
an den Fingern; Gaumenzähne in zwei schiefen Reihen, wel-
che vom vordern Winkel der Choanen ausgehen. Rücken-
theile mit häutigen Hervorragungen; eben solche faltige Aus-
wüchse auch unter dem After und an der Ferse; Vorderarm
und Tarsus mit einem häutigen Saum; Tympanum ründ, halb
Neue Batrachier in der Sammlung des Britischen Museums. 325
so gross wie das Auge. Steht in der Mitte zwischen Poly-
pedates und Rhacophorus. 13, lang. Philippinen.
P. eques.
Catal. p. 80. pl. VI. fig. B.
Finger mit sehr schwach angedeuteter Schwimmhaut.
Gaumenzähne in zwei etwas schiefen Reihen zwischen den
Choanen.., Schnauze spitz. Ferse mit einem "häutigen An-
hängsel; Tympanum oval, halb so gross wie das Auge; Vor-
derarm und Tarsus mit einer weissen Hautfalte; Rücken glatt;
ein weisses Oberlippenband reicht bis zum Oberarm. 1/5”.
— Ceylon.
P. Schlegel.
Catal. p. 81. pl. VI: fig.C.
Die Schwimmhaut reicht bis zu einem Drittel der Länpe
an den Fingern. Gaumenzähne in zwei schiefen Reihen,
welche vom vordern Winkel der Choanen ausgehen. Zunge
mit einem tiefen Ausschnitt. Rücken, einfarbig grün. 2'/,
lang. -— Japan.
P. afghana.
Catal. p. 81. r
Finger ganz frei. Gaumenzähne in einer geraden Linie
zwischen dem hintern Choanenrande, in der Mitte’ unterbro-
chen. Haut glatt. Tympanum sehr klein, so gross wie eine
Haftscheibe. Schwimmhaut der Zehen vollständig. - 3% lang.
— Afghanistan.
Rhacophorus Kuhl.
Rh. mazximus.
Catal. p. 83.
Oben einfarbig dunkel violett, unten einfarbig braun;
Schwimmhaut ohne Flecken. Gaumenzähne in zwei schwach
gekrümmten Reihen mit einem grossen freien Raum dazwi-
schen. 32/4‘ lang. Nepal. "Afghanistan. x
Rh. pardalis.
Catal. p, 83. pl. VI. fig. D.
Oben: schmutzig-olivenfarbig (in Spiritus) , braun mar-
morirt; Füsse mit braunen Querbändern; Schwimmhaut ohne
326 Günther: \ j “A aa
Flecken. , Gaumenzähne ‚in zwei,,etwas, schief verlaufenden
und schwach 'gekrümmten Reihen. 21/,*“ langs«; Philippinen,
Borneo.
Hyperolius,Rapp.
‚H.. parallelus. TC
Catal. p. 86. pl. VIII. fie. A. ösadmusz)
Tympanum nicht sichtbar! Zunge herzlörmig.mititie-
fem Einschnitt, Kopf und Schnaüze kurz. "Oben schwarzbraun
mit' drei weissen parallelen Bändern; In ea gelblichs 1=&
Süd-Afrika. ndO : "ia
H. guttulatus. nolys‘)
Catal. p.86. pl. VII. fig. As
Tympanum nicht sichtbar. _Fingerimit halber. Schwimm-
haut. : Rücken glatt; Kopf’breit, von mässiger Länge, Schnauze
abgerundet. , Obere Theile braun, ‚weiss 'getüpfelt. «+ ‚Afrika.
H. ocellatus.
Catal. p. 88. pl. VII. fie.B. h
Tympanum nicht sichtbar ; Zunge herzlörmig ; Schwimm-
haut an den Zehen breit, an.den Fingern bis zu zwei Drittel
ihrer Länge reichend; Schnauze von mässiger Länge und
vorne rund; alle,obern Theile. hell. röthlieh-grau mit, ‚kleinen
schwarzen, weiss-eingefassten runden Flecken ;., Seiten! dun-
kelbraun, mit, weissen ‚Flecken... ‚Oben | ganz, glatt. \ — ‚Fer-
nando Po. Angola. |
H. plicatus.
Catal. p. 88. pl. VIl. fig.C.
Tympanum nicht sichtbar; Zunge keilförmig mit tiefem
Einschnitt; Kopf etwas verlängerl; Rücken mit, zwei ‚halb-
mondförmigen drüsigen Haulfalten. Zwischen den Augen
ein brauner Fleck, und vor demselben ein helleres Querband.
— Guinea,
Hylodes Fitzinger. .
H. conspicillatus.
Catal. p. 92. d..g 16189
Habitus wie;bei einer halbgewachsenen Ranaveseulenta.
Schnauze etwas verlängert und’ zugespitzt. 'Gaumenzähnevin
Neue Batrachier in der: Sammlung des Britischen Museums. 327
zwei sehr: schiefen Reihen, die. vom innern Rande der Choa-
nen bis: hinter. deren Niveau reichen. Zunge mit sehr seich-
tem "Ausschnitt; 'Tympanum halb so gross wie das Auge;
Haftscheiben sehr! deutlich entwickelt. Oben braun, Zügelge-
gend tiel-braun ; ein ‚schwärzlicher ‚Streif zwischen den Au-
gen, ein zweiter vom Auge zum Tympanum und»ein dritter
unter dem Auge. Hinterschenkel schwarz, weiss marmorirt;
untere Seite graulich, mit braunen verwischten Flecken. —
127, lang. Von den Anden von Ecuador.
Platymantis Günlbher.
Gaumenzähne. ‘Haut glatt oder mit.'Falten, ohne, Paro-
tiden. ' Haftscheiben nicht sehr entwickelt ; Finger und. Ze-
hen frei. Tympanum sichtbar; Zunge gross, hinten frei und
mit tiefem Einschnitt. Männchen ohne Stimmsack.. Hieher
Hylodes vitianus Bibr. und
P. plicifera,
.„.Catal. p- 95. pl. VII. fig. B.
Gaumenzähne: in zwei schief gestellten Gruppen: hinter
deın Niveau. der Choanen. Rückenhaut mit: schmalen ' Fal-
ten; Seiten des Kopfes schwärzlich. 14 lang. Philippinen.
Hyla (Laur.) Dum. Bibr.
H. fasciata.
Catal. p. 100. pl. VII. fig. D.
Gaumenzähne in zwei:convexen Reihen, welche zusam-
men einen Bogen bilden. Schwimmhaut ‚zwischen den. Fin-
gern sehr kurz; ein kurzes Hautanhängsel 'an der Ferse.
Kopf wie in H. maxima, kurz, mit vorragender Schnauze,
einer Vertiefung vor dem Auge und ausgeschweiften can-
(hus rostralis. Tyinpanum oval, ‘nicht ganz halb so gross
wie das Auge. Rücken bräunlich-olivenfarbig (in Weingeist)
mit einem schwarzen Rückenstreifen. Seiten des Bauches,
vordere und hintere Seite der hinteren Extremität mit ab-
wechselnden schwarzen und weissen Querbinden. — Anden
von Ecuador,
H. lichenosa.
Catal. p. 102, pl. VII. fig. C.
Gaumenzähne in zwei Reihen. von welchen ‘jede einen
328 Günther: Neue Batrachier in d. Sammlung d. Britischen Museums
selbstständigen Bogen ‘nach ' vorne‘ bildet, und die: auf dem
Niveau ‚des hintern 'Randes der Choanen liegen. ' 'Tympanum
ist nur ein Drittel der Grösse des Auges; Haut’ bedeckt mit
grossen flachen Warzen; die Schwimmhaut' reicht zu einem
Viertel der Finger. Keine 'Hautanhängsel. — Mexico.‘ Ama-
zonen-Strom.
H. arborea var. chinensis.
Catal. p. 108. pl.IX. fig. C.
Climalische Varielät unseres Laubfrosches, verschieden
von der Varietät in Japan; ist ausgezeichnet durch deutlicher
ausgesprochene Schwimmhaut zwischen den Fingern und
etwas grössere Haftscheiben; einige dunkel-schwarze Flecke
in der Seile und auf dem hintern Theile des‘ Oberschen-
kels. -- China.
H. euphorbiacea.
Catal. p. 109. pl. X. figC.
Repräsentant unseres Laubfrosches in Central-Amerika.
Gaumenzähne in zwei getrennten "Gruppen ‘zwischen den
Choanen. Finger frei, nur'zwischen dem ersten und zwei-
len "ist eine rudimenläre- Schwimmhaut; die Schwimmhaut
zwischen den Zehen reicht nur zu einem Drittel. Tympa-
num ein Drittel der Grösse des Auges; Zunge abgerundet,
hinten mit einem sehr seichten Einschnitt. Oben grünlich-
grau mit einem grauen Streifen entlang des Canthus rostralis,
durch das Auge, bis in die Lendengegend. Hintere Fläche
des Oberschenkels weiss gefleckt. — Mexico.
H. rhodopepla.
Catal. p. 112.
Gaumenzähne wie; in voriger Art. Schwimmhaut reicht
bis zu einem Drittel, der Fivgerlänge, und ist zwischen den
Zehen vollständig, Rücken glatt. Zunge wie in voriger Art.
Rücken. und die obere Seite des Unterschenkels rosenrolh,
der erstere mit einigen violetten :Fleckchen; ein. bräunlich-
purpurfarbiges Band um die Schnauze und durch. das Auge
zu der Seite des Körpers. _ Obere Seite des Armes und
Schenkels ungefärbt, unten weiss. ‚Körperlänge, 1'/g”. , An-
den von Ecuador.
Einiges über die Acanthopterygiens a joue
cuirassde Cuv.
Von
Kaup
Ehe man sich mit dieser an sich schon zahlreichen
Familie ‚befassen kann, ist es nolhwendig einige Genera aus
ihr zu enlfernen. Zu diesen ‘gehört vor allen Monocentris,
das wie Peristelhus unter den Triglinae oder Agonus unter
den Cottinae den Knochenfisch unter den Scomberidae dar-
stellt; ferner gehört‘ nicht hierher ‘Hoplostethus, das zu den
Holocentrinae ‘zu stellen ist. Diese; Unterfamilie stellt sich
wie folgt: Holocentrinae. 1. Holocentrum, 2. Trachichthys *),
3. Rhynchichthys, 4. Beryx, 5. Myripristis. :Holocentrum steht
mit Rhynchichthys und Myripristis, und Trachichthys mit Be-
ryx in überspringender Verwandtschaft.
Monocentris unterscheidet sich namentlich durch 3 wei-
che Ventralstrahlen, die auf Kosten des ungeheuren Ventral-
stachels in der Zahl und Länge verkürzt sind.
Dass Hoplostethus zu den Holocentrinae gehört, geben
Cuvier und Valenciennes selbst zu, indem sie dieses
Genus für identisch mit Trachichthys erklären.
Nach besser erhaltenen Exemplaren hat Dr. Schlegel
in der Fauna japonica mit Recht Hoplichthys Cuv. entfernt
und es zu der Unterfamilie Callionymmae gebracht. Ausser
diesen ınuss nicht allein Platycephalus, sondern auch 'Bem-
bras aus dieser Familie entfernt und ersteres zu den Ac.
®) Dass der Trachichthys den Öhrfisch, d. h. in seiner Unter-
familie den Vogeltypus darstellt, hat man nur das zu lesen, was Cu-
vier p. 478 über das Ohr dieses Genus gesagt hat.
330 Kaup:
abdominalis Cuv. und letzteres zu den Percoidei Cuv. ge-
bracht werden.
So sehr wir mit in das allgemeine Lob über Cuvier
und Valenciennes vortreffliches Werk, was kritische Sich-
tung des vorhandenen Materials, scharfe Begränzung der
Genera, und höchst genaue Beschreibungen betrifft, mit Ver-
gnügen und Ueberzeugung ‚einstimmen;. so können. wir, es
weniger, was die systematische Anordnung angeht. In die-
ser ist nur ein Anfang gemacht, indem die Herren Autoren
sich begnügt haben, in einzelnen Capiteln die verwandteren
Formen zusammenzustellen. _Es finden sich daher in diesem
Werke vorlreffliche Bausteine zu einem natürlichen System
genug, allein sie sind ohne Princip aneinander gereiht, und
es.'ist daher diesem Werk ‘der Haupivorwurf zu machen, dass
die: Autoren sich von dem alten Sauerteig früherer Systema-
tiker nicht gereinigt und diesem‘ leider noch zu viel Rech-
nung getragen haben.
Von der Idee, dass in allen Ordnungen, Familien’ ete.
5 gewisse Grundformen auftreten, davon findet ‘sich in dem
ganzen Werke keine Spur, obgleich es Genera genug gibt,
die diese Idee: glänzend manifestiren.
So sehen wir ‚in dieser Familie, die wir kurzweg Tri-
glidae nennen! wollen, |die grösstmöglichste Entwickelmg der
Brusiflossen, mit denen sich einige Formen aus‘ ‚dem Wasser
erheben‘ und über demselben auf einige Augenblicke durch
die-Luft sich‘ fortbewegen, um ‘den Verfolgungen ihr‘ Feinde
zu entgehen.
Bei solchen lang geflügelten Formen wie Polemius \(Api-
stus' alatus),Pterois, Dactyloptera sind alle »Strahlen einfach
und dieser Charakter findet‘ sich ‚ebenfalls bei Blepsias und
Cottus); bei letzteren gibt es Arten, die alle Pectoralstrahlen
einfach haben, während nur wenige Arten einzelne Strahlen
veräslelt zeigen.
In diesen meist lang geflügelten Formen ist der Vogel-
iypus: vorgebildet'-und' ich ‚gebe diesen 'wie: der Classe ‘der
Vögel in ihrer Familie den zweiten Rang. Die 1—3 artiku-
lirten zur Fortbewegung dienlichen freien Finger, welche wir
in -Choridactylus, Polemius, Minous, Pelor, Peristethus, Prio-
notus und Trigla, vor der Pectoral sehen, scheinen mir einige
Einiges über die Acanthopterygiens a joue ceuirassee Cuv. 331
Analogien mit „den 1—2, freien‘,Fingern der, Chiropteren zu
haben; ‚die, ebenfalls: auf ‚dem Boden „zur. Fortbewegung. die-
nen. Auch -dass/ sichi bei einer ‚Art, ‚Gasterosteus;\ein. Nest-
bau ‚findet; undı'dass.das. Männchen: die, Eier .beschülzt, sehe
ich,als. keineientfernte ‚Analogie mit den, Vögeln, an.
Die Zähne, sind in’ keinem: Genus.|stark entwickelt, (denn
es sind meist nur feine, hechelartig gestellte auf den Kie-
fern, seltner auf-dem’ Vomer oder'Palatinknochen; es sind
daher fast alle nur, Cruslaceen- ,‚Laich- und Insektenfresser
„und ‚unter ihnen; findet sich.‚kein: eigentlicher Raubfisch. ‚Alle
sind echte Brustflosser, und nur bei wenigen ist die Ventral-
..flosse ‚etwas ‚hinter ‚dem Ursprung der Pectoral.
„av
Obeleich die Ventral stets vorhanden ist, so ist sie
doch häufig sehr wenig ‚entwickelt im Vergleich zur Pecto-
ral. Achnliches seien wir bei den Chiropteren, den wah-
ren Vögeln (Fissirostres) und den Pterodactylidae der Am-
phibien, wo die Flügel ebenfalls auf Kosten der Füsse ent-
wickelt sind.
" Eine ändere Gründform bildet der Knochenfisch, der
sich auch äusserlich durch seine Bedeckung verrälh. Da
das Knochensystem den öten Rang unter den analomischen
Systemen und die Repräsentanten desselben, die Amphibien
gleiche Stellung einnehmen, so gebe ich den Genera Oreo-
soma, Peristethus, Agonus und Gasterosteus in ihren Unter-
familien als den Vertretern des Knochenfisches die 3te Stel-
lung. Den mehr räuberischen Formen mit Gaumenzähnen und
mittellangen Pectoral gebe ich als den eigentlichen Fischen
den 4ten Rang.
Den kleinsten Fornien, häufig mit grossem stumpf ab-
fallenden Kopf, oder grossen Augen gebe ich als dem ner-
vöseh Typus den 1sten und den nackten oder mit vielen
Schleimporen bedeckten Arten (wie die letzte Abtheilung des
Genus Trigla) gebe ich den letzten Rang. Dass Cocotropus
tiefer als Choridactylus, Synanceia niedriger als Pelor, Tri-
gla (lineata, Cuculüs) Tiefer 'als Cephalacanthus , Aploactus
ünfer Trichopleura steht, diess einzusehen, dazu bedarf es we-
nie Einsicht, 'so klär liegt es aufder Hand!
Auf diese Weise habe ieh den Triglidae, wie den Schwal-
ben (Fissirosires); den«Chiropterenete.«in ihren'Classen den
332 ‘ Kaup:
2ten Rang’ in der‘ 2ten Ordnung der Fische gegeben und
ebenso den einzelnen Unterfamilien und Genera ihren 'entspre-
chenden Rang. ' So und nur 'auf diese Weise ist die nun
folgende Uebersicht entstanden; ob "sie vollkommen fehler-
frei ist, wage ich nicht zu behaupten; möglich, dass’ sie in
der Hauptsache sich als richtig bewähren wird.
Il. Familie Triglidae.
I. Subfamilie Choridactylinae.
1) Choridactylus. 2) Polemius. 3) Minous. 4) Apistus. 5) Cocotropus
II. Subfamilie Scorpaeninae.
1) Pelor. 2) Pferois. 3) Oreosoma. 4)Scorpaena. 5) Synanceia.
IN. Subfamilie Triglinae.
1) Cephalacanthus. 2) Dactylopterus. 3) Peristelhus. 4) Prionotus. 5) Trigla.
IV. Subfamilie Cottinae.
1) Trichopleura. _ 2) Cottus. 3) Agonus. 4) Hoplocottus. 5) Aploactus.
V. Subfamilie Agriopodinae.
1) Trichodon. 2) Blepsias, 3) Gasterosteus. 4) Taenianotus..5) Agriopus.
Die Genera, in welchen der Charakter der Subfamilie
am deutlichsten sich. darstellt, nenne ich die Grundtypen und
sie sind in dieser Uebersicht mit fetter Schrift gedruckt. Es
sind die Genera, Choridactylus, Pterois, Peristelhus, Hoplo-
cottus und Agriopus,
In dieser Uebersicht fehlen die Genera: Scorpaenopsis
Heck., Acanthocottus Gir., Triglopsis Gir., Trachydermis Heck.,
Podabrus Rich., Hemilepidotus Cuv. und Hemitrepterus Cuv.,
die keine wirkliche Genera, sondern Subgenera bereils ge-
nannter Genera sind, wie es sich deutlicher später ‚heraus-
stellen wird.
I. Subfamilie Choridactylinae.
Kleine Formen, alle aus den indischen Meeren mit, be-
weglichem nach hinten gerichtetem Stachel an dem vorderen
unteren Augenrandknochen. Alle haben 1.5 Ventralstrahlen,
1. Genus Choridactylus Rich.
Mit ‘3 freien Fingern vor‘ der mässig langen Pectoral.
Einiges über die Acanthopterygiens a joue cuirassee Cuv. 833
Gezackte Barbeln über dem Auge und: am Unterkiefer. Nackt.
Zwei, Analstacheln.
Ch. multibarbus Rich. Sam. Pl. II. f. 1—3.
2. Genus Polemius Kp.
Mit einem langen freien Finger vor der sehr langen
Pectoral. 8 einfache Bartfäden am Unterkiefer. Geschuppt.
Drei Analstacheln. Gaumenzähne. j
Polemius alatus Kp., Apistus 'Cuv. 'Fn. jap. XXI. A. f. 2.
3. ‚Genus 'Minous Cuv.
Corythobalus, Cantor (unnöthige Umtaufung).
Mit stark bedorntem Kopf, einem kürzeren’ freien Fin-
ger vor der kurzen Pectoral. Keine Barbeln.: Ein ‘Analsta-
chel. Keine Schuppen noch Gaumenzähne.
M.'Blochi Kp. M. monodactylus Cuv. Val.
4. Genus Apistus Cuv.
Prosopodasys Cant. (Nicht zu billigende Umtaufung).
Ohne freie Finger vor der mässig langen Pectoral. 3
Analstacheln. Gaumenzähne. Steht in überspringender Ver-
wandtschaft zu Polemius.
A. trachinoides C. V., Samarang Ill. f.3—5.
Ausser den Arten von Cuvier sind noch die: Arten von
Richardson, Schlegel und ‚Bleeker zu beachten.
5. Genus Cocotropus Kp.
Corythobatus Cant.
Ohne freien Finger vor der Pectoral wie Apistus und
Ohne Palatinzähne wie Minous. Haut mit Rauheiten wie Tra-
chydermis, Aploactus und Blepsias.
C. echinatas Kp.
Coryth. echinatus Cant. Cat. Pl. XI.
2te Unterfamilie Scorpaeninae.
Ohne Dorn am "untern Augenrand. Die Kopfknochen
mit keinem zusammenhängenden Helmbedeckt.' Kiemenhaut
mit‘7, ‚Ventral'mit:6 Strahlen. Meist grosse Arten, unter
denen sich die hässlichsten Formen’ befinden *).
”) Wie bei den Chiropteren unter den Säugethieren und den
Cypselinae unter den Vögeln.
334 ' Kaup« fü zoyinifl
1.’ Genus Pelor 'Cuv.. lanxse)
Zwei freie Finger vor der Pectoral. 2/23 Analstachel.
Haut nackt. ‚Der 'dornige Theil der Dorsal mit'tief'ausge-
schnittenen Membranen. Kopf, und Unterkiefer, mit-Hautläpp-
chen.; Keine Gaumenzähne. J
Pelor, filamentosum ıC. V. ‚Pl. 94. japonicum, GC. V.ı RA aD}
XV. f 2. R Mi
2. Genus. Pterois' Guy. islod
Ohne freien Finger vor .der Pectoral:'Drei‘schwache
Analstacheln...;Haut‘ geschuppts . 1ste Dorsal' häufig‘ bis zur
Wurzel ‘ohne, Membranen;
Man kann .'sie : weiter eintheilen ‚ a) in 'solche, ‘wo ‘die
Membranen der ersten‘Dorsal bis ‚auf die ‚Wurzel geirenht
sind und alle Pectoralstrahlen einfach, und ‚ihre, Membranen
tief ausgeschnitten sind. Hierher: ‚volitans. ‚C..V.,‘antennata
C. V.,. lunulata ‚Schleg, Fn.. jap. t. XIX. , b) in ‚solche, wo
nicht all Pectoralstrahlen einfach sind: zebra, brachyptera.
Scorpaenopsis Heck., ohne Gaumenzähne und wohin H.; ne-
sogallica und neglecta (Heck. nec Schleg.) zählt, Beh}
ebenfalls hierher.
3... Genus Or eosoma ‚Cuv,
Mit Gaumenzähnen; . ohne; freie: Finger! vor der.) Peetö-
ral.° Erste Dorsal klein, niedrig, übersehbar,) 2te wie die
Anal nach hinten gedrängt. Anal ohne ‚Stachel. ‚Körper fast
so ‚hoch wie lang, ‚nackt, ‚an den Rändern ‚mit grossen; kegel-
förmigen Auswüchsen verunslaltet..,, Rachen nach oben Sr
richtet.
O. atlanticum seu coniferum C. V. pl.,99. Vielleicht e ein
sehr junges Thier?, ur Kr
4. Genus Scorpaena C. (Linn.)
Mit Gaumenzälinen;\ Keine freie'Finget ‘vor der Pecto-
ral,.Körpen regelrecht‘ beschuppt.\.. 3 ‚starke. Analstacheln,
nanientlich! dexr.imitlleres mono Yin
a). Kopf und Körper‘ beschuppt “ohne Läppchen ‚Kopf
sehr ‚stumpf; i\ Augen: sehr‘ gross. Isia sunb
Scorpaena Bougainvillei (Sebastes Cuy.)
b) Kopf und Körper beschuppt ohne Läppchen. Kopf
Einiges über die Acanthopterygiens a joue cuirassee Cuv. 335
zugespitzt, Augen mittelmässig, 7—9 einfache Strah-
len in der Pectoral.
Sc. norvegica, dactyloptera etc. (Sebastes Cuv.' Val.)
c) Mit Schuppen auf dem Praeoperkel und Operkel; Haut-
läppchen am Kopfe und Körper. S. diabolus, picta etc.
d) Mit nacktem Kopf ohne; Schuppen ; Hautläppchen am
Kopf und Körper. S. scropha, porcus etc.
5. Genus Synanceia Bl. Schn.
Ohne Gaumenzähne; ohne freien Finger vor der Pecto-
ral, deren Strahlen alle ästig sind. 2—3 kleine ;Analstacheln.
Haut nackt und schleimig:
8. horrida Bl. etc.
öte Unterfamilie Triglinae.
Auf sie passt nur der Cuvier’sche Name ä joue cui-
rassee, denn alle Kopfknochen bilden zusammen einen’ Helm
mit rauhen Erhabenheiten besetzt.
1. Genus ‚Cephalacanthus Lac.
Mit nur drei Kiemenstrahlen. ,, Die kurze Pectoral. theilt
sich in zwei gleiche ‚Hälften, wovon. ‚der, obere aus 8 einfa-
chen, ‘getrennten Strahlen ‚besteht. , Am,Praeoperkel ein lan-
ger gezähnelter Stachel, fast. das; Ende, der; Pectoral' er-
reichend,
C.\spinarella Lac, Pungitius pusillus, ‚seu Gasterosteus
spinarella Linn.
2. Genus Dactylopterus Lac.
Mit ungewöhnlich langer Pectoral mit lauter einfachen
Strahlen, die sich in 2 ungleiche Hälften getrennt "hat, wo-
von die untere vordere aus 5 Strahlen besteht.
Die Ventral nur aus 1.4 Strahlen bestehend. Mit Aus-
nahme der Caudal haben alle Strahlen keine Neigung sich zu
verästeln ünd man (sieht! verästelte, nur einzeln in. der 2ten
Dorsal und Anal. Wie. bei. Cephalacanthus: ist; .der, Prae-
operkelstachel sehr verlängert und der Körper \ist regelmäs-
sig, geschuppt.
Die Abbildung in der Fauna japonica weicht in Manchem
336 Kaup:;:
von der ab, die Cuvier. von. der orientalis, gegeben hat.
Von der europäischen haben wir: bis dahin 'keine,gute Dar-
stellung.
Die indischen Meere scheinen noch einige neue Arten
zu besitzen,
3. Genus Peristethus.
Peristedion Lac., Peristethidium Ag.
Ohne eine Spur von Zähnen, Unterkiefer mit 'zerfaser-
ten Barbeln.
Körper in einen achtseitigen Panzer mit acht vorsprin-
genden Dornenreihen eingehülll. Nur zwei gegliederte freie
Finger vor der mässig langen Pectoral mit fast lauter ver-
ästelten Strahlen.
Die Männchen haben die erste Dorsal mit dünnen ver-
längerten fast, freien Strahlen versehen. _ Ausser cataphra-
ctus, orientalis Schleg. habe ich noch eine ‚chinesische Art
mit sehr grossem niedergedrücktem Kopf und langem Prae-
operkelstachel unterschieden, die ich nach meinem allzufrüh
vollendeten Freunde Freiherrn v. Riefel genannt habe, der
sich um unser Museum und unsere Universität die grössten
Verdienste erworben hat. Ich habe diese interessante "Art
in den neuesten Nummern der zoologischen Gesellschaft in
London abgebildet und beschrieben. &
Die über drei Fuss lange Art, die Valentyn unter dem
Namen Ikan Scythän Merah, d.h. Rother Teufelsfisch, ab-
bildet, habe ich Peristelhus gigas und die-von Vlaming
(No. 165—166) abgebildete Art, mit kurzer Schnauzengabel
habe ich P. brevifurcatus genannt.
Cuvier vermulhet noch eine andere im indischen Meere,
allein diese scheint Schlegels orientalis oder meine Riefeli
zu sein.
4. Genus Prionotus. Lac.
Haben wie die wahren Triglen drei freie Finger vor
der Pectoral, allein unterscheiden sich, dass sie Gaumenzähne
haben, die allen übrigen Genera fehlen. ‘Nur amerikanische
\
Formen.
Pr. carolinus, Cuv. et Val., tribulus C. V. etc.
Einiges über die Acanthopterygiens ä joue cuirassee Cuv. 337
5. Genus Trigla Lac. (Linn. part.)
Gleichen den vorigen, allein ihnen mangeln die Gaumen-
zähne.
Ueber alle Meere verbreitet; sie zerfallen in 5 kleinere
Sectionen, die sich mit den 5 Genera der Triglinae verglei-
chen lassen.
a) Cavillonen.
Die kleinsten mit rauhen Laterallinien und Schuppen.
Der Kopf fällt steil ab, zeigt ziemlich spitze Stacheln, allein
weder der des Operkel noch der Pectoralstachel ist über-
trieben verlängert.
Tr. aspera V., phalaena C. V., papilio »C.V., sphinx C.V.,
pleuracanthica Rich.
bh) Seehähne.
Grössere mit schief abfallendem Kopf, ohne auffallende
Dornen am Operkel und Brustring, langer entwickelter Pec-
toral. Laterallinie aus langen glatten Tuben bestehend.
Tr. hirundo Linn., garrulus Riss. seu poeciloptera ist
die Jugend nach Dr. Rüppels richtiger Beobachtung.
Tr. mierolepidota Risso (corax Bp.) Fn. it. Tr. Kumu,
Less. et Garn. 5
Tr. Peroni C. V. Tr. capensis C. V.
c) Lyren.
Tr. Iyra Linn. Tr. polyommata Rich. (hemisticta Schleg.).
Tr. vanessa Rich. Tr. Burgeri Schleg. Fn. jap. XIV. *)
. d) Meerhähne.
Tr. milvus Lac. (euculus Bl, Blochi, Yarr). Tr. lucerna
Brunn. (obscura Linn., cuculus Riss., filiaris Olto). Tr. gur-
nardus Linn.
e) Wahre oder Porentriglen. Die Grundformen
des ganzen Genus.
Tr. lineata Linn. Tr. cuculus Linn. (pini Bl.? hirundo Riss.)
4te Unterfamilie Cottinae,
Mit nur 6 Kiemenstrahlen und weniger als sechs in der
Bauchflosse.
°*) Die Trigla pauciradiata Benett kenne ich nicht und weiss
nicht sie zu stellen; vielleicht gehört sie zu den Lyren.
Archiv f, Naturgesch. XX1V, Jabrg. 1.Bd, 22
338 Kaup:
Kopf ohne Stachel an dem unteren Augenknochen;
Körper niemals regelmässig vollständig beschuppt, sondern
entweder nackt, oder mit rauhen Dörnchen, oder gepanzert,
oder mit Streifen Schuppen.
1. Genus Trichopleura Kaup.
Sthenopus Rich. (vergebener Name).
Der ungewöhnlich grosse Kopf verhält sich zum Körper
wie 1:1°/, und zeigt keine Spur von Dornen. Ohne Gau-
menzähne. Drei Ventralstrahlen. Haarähnliche Hautläppchen
über den ganzen Körper. Die Dorsal beginnt über dem Auge
und ist daselbst in zwei getrennt.
Tr. mollis (Sthenopus mollis Rich. Sam, Pl. Il. fie. 6. 7.)
2. Genus Cotius Linn.
Kopf '/, des Rumpfes mit einem oder mehreren Stacheln
am Praeoperkel. Ohne Gaumenzähne. 2 regelmässig gestellte
Dorsalflossen. 4- 5 Ventralstrahlen. Haut glatt ohne Dörn-
chen noch Schildschuppen. Strahlen mit Ausnahme der Cau-
dal meist einfach.
a) Cottus Linn.
Mit einem kleinen nach oben gerichteten, schwach ge-
krümmten Stachel am Praeoperkel, normal hohe 2te Dorsal.
Hierher gehören die Arten von Heckel und die 12
von Girard vorlrelflich unterschiedenen Arten aus Ame-
rika. Ueber dieselben vergleiche man die Annalen des Wie-
ner Museums und a Monograph of Ihe Cottoids von Girard
in den Smilhs. Inst.
Man theilt sie nach der Zahl der Ventralstrahlen in 2
Sectionen.
b) Triglopsis Gir.
Mehrere kleine strahlenförmig gestellte Stacheln am Prae-
operkel. 2te Dorsal ungewöhnlich hoch.
C. Thompsoni Gir. Pl.lI. fig. 9—11.
c) Acanthocottus Gir.
Mit normal gestellten Dorsalflossen, allein mit Stacheln
vor dem Auge, am Praeoperkel und Hinterkopf von der ver-
schiedensten Gestalt.
Meeresbewohner,
Einiges über die Acanthopterygiens ä joue cuirassee Cuv. 339
Viele Arten der nördlichen Zonen beider Welten.
Von dem Cottus cephaloides Gray seu ventralis C. V.
gab in neuester Zeit Storer unter der Benennung palris
eine ganz vortreffliche Abbildung.
3. Genus Agonus Bl. Schn.
Aspidophorus Lac. Cuy.
Körper ähnlich wie Peristelhus gepanzert.
A. cataphractus etc.
4. Genus Hoplocottus Kp.
Es sind Cottus mit vollständig deutlichem Vomer und
Gaumenzähnen.
Sie zerfallen nach äusseren weniger wesentlichen Cha-
racteren in mehrere kleinere Sectionen, welche die Ichthyo-
logen benannt haben.
a) Podabrus Rich.
Glatt und nackt, ohne Stacheln oder Schuppenstreifen.
Drei Ventralstrahlen.
Hopl. coltoides und H. centropomus Rich. Sam. Pl. I.
fig. 1—11.
b) Trachydermis Heckel.
Wie bei Coltus mit kurzem gebogenem nach oben ge-
richteten Praeoperkelstachel, und 3 stumpfen Zähnen am un-
tern Theil desselben. Haut rauh durch kleine Stacheln. 5
Ventralstrahlen.
H. fasciatus Heck. Wien. Mus. t. IX. fig. 1. 2.
Cottus uncinatus Schleg. Fn. jap.
Girard bildet aus dem C. asper Rich. sein Genus Cot-
topsis, allein mir ist es nicht klar, wodurch asper, den Hec-
kel zu Trachydermis rechnet, sich generisch oder subgene-
risch unterscheiden soll. Ich traue diesem Genus um so we-
niger, daGirard es nach Abbildungen kreirt hat.
c) Hemilepidotus Cuv. Val. Chalycelepidotus Ayr.
Wie Acanthocottus mit mehreren Stacheln am Praeoper-
kel. 4 Ventralstrahlen. Seitlich mit Längsstreifen, die ge-
schuppt sind.
Cottus hemilepidotus Til., trachurus Pall,
d) Hemitrepterus Cuv. Val,
340 Kaup:
Am Kopf und der ersten Dorsal eine Menge Hautläpp-
chen; olıne spitze Dornen am Praeoperkel. 4 Ventralstrahlen.
Körper nackt mit kleinen Wärzchen.
H. americanus. Cuv. Val. IV. Bd. Pl. 84.
Hässlich wie eine Synanceia.
5. Genus Aploactus Schleg.
Kopf !/, der Totallänge. Keine Gaumenzähne. Aufwärts
gerichteter Mund. 5 stumpfe Zähne am Praeoperkel. Fort-
laufende Dorsal, an der der weiche Theil höher ist. Alle
Flossen (Caudal ausgenommen) mit einfachen Strahlen. Ven-
tral mit 3 Strahlen. Haut mit spitzen Wärzchen. Nach
Schlegel mit 5 Kiemenstrahlen.
Apl. Sieboldi Kp. Fn. jap. XXIl. fig. 3.
5te und letzte Unterfamilie Agriopodinae.
Mit 3 oder 5 Kiemenstrahlen; ohne Dornen am Kopfe.
2. Genus Blepsias Cuv.
Pectoral sehr entwickelt und wie alle Flossen mit ein-
fachen Strahlen. Gaumenzähne. Hohe Dorsal in zwei oder
drei ungleiche Parlieen getheilt. Ventral hinter der Wur-
zel der Pectoral, sehr klein mit vier Strahlen. Körper nackt
mit Rauheiten.
Bl. trilobus €. V. pl. 90.
3. Genus Gasterosteus Linn.
Mit nur 3 Kiemenstrahlen, 1. 1. Ventralstrahlen. Freie
Stacheln stalt der ersten Dorsal. Pectoral mit geästelten
Strahlen und ziemlich fern von der Kiemenspalte, Ventral
hinter der Mitte der Pectoral. Brust und ‚Seitenlinie mehr
oder minder stark gepanzert. Mund klein. Enthält die al-
lerkleinsten Fische, Meist Süsswasserfische.
G. aculealus Linn.
Nach Yarrel sind die Arten trachurus, semiarmatus,
leiurus und brachycentrus nur Varietäten.
4. Genus Taenianotus Lac.
Fein geschuppt. Kopf stumpf abfallend, Skorpaenenähn-
lich. Pectoral klein mit einfachen Strahlen. Dorsal hoch,
Einiges über die Acanthopterygiens a joue cuirassee Cuv. 341
gleich hinter den Augen beginnend, fast gleich hoch und
mit der Caudal durch eine Zwischenhaut verbunden. Drei
Stacheln in der Anal wie Pterois und’Scorpaena. Man kennt
die Zahl der Kiemenstrahlen und die Anwesenheit von Palalin-
zähnen nicht.
T. Iriacanthus Lac. Cuv. Val. pl. 89.
5. Genus Agriopus C.
Nur mit Spuren von Zähnchen auf den Kiefern. Kopf
an den Augen steil abfallend mit vorgestreckter Schnauze.
Um die Augen ein rauher Knochenring, der mit rauhen Schup-
pen hinter denselben verbunden ist. Weder am Operkel noch
Praeoperkel Stacheln oder Zähne. Dorsal über dem Auge
entspringend; vorn höher als in der Mitte. Pectoral klein
mit 8—9 einfachen Strahlen. Ventral mit 1.5 Strahlen und
steht hinter der Wurzel der Pectoral zurück. Anal klein mit
1.7 oder 8 geästelten Strahlen. Haut total nackt oder mit
Wärzchen. Gehören mit zu den grössten der ganzen Familie.
A. torvus Cuv.
Die Natur scheint, was Classification betrifft, sich wenig
um uns Menschen bekümmert zu haben, so scheinbar will-
kürlich fügt sie öfters die Genera zusammen, nicht fragend
nach irgend einem anatomischen Kennzeichen, das wir mit
grosser Mühe aufgefunden, um nach diesem die Familie etc,
zu kennzeichnen. Wie konnte es auch anders sein, da die
Schöpfung in jedem Genus einer jeden Unterfamilie den Re-
präsenlanten einer ganzen Classe hinstellt und jeder dersel-
ben ihm nur eigenthümliche Charaktere darbietet. Es ist
sicher ein Grundfehler der Systematiker nach mehr oder we-
niger liefem Studium irgend äussere oder innere Kennzei-
chen zu erwählen, um nach denselben die Formen zu ord-
nen; die nalürliche Folge von solchen Anordnungen ist slalt
dem Schöpfungsplan sich zu nähern, dass wir uns immer
weiler und weiler von demselben entfernen und ein mehr
oder minder künstliches System kreiren.
Eine Hauptregel bleibt wohl die, dass wir die Genera in
natürliche Subfamilien zusammenstellen und dann erst zuse-
hen, wie sich dieselbe als Subfamilie charakterisiren lasse,
allein nicht umgekehrt. Eine nalürliche Unterfamilie ist
342 Kanp:
Cuvier’s Genus Trigla, das derselbe in die Untergenera:
Trigla, Prionotus, Peristedion, Dactylopterus und Cephalacan-.
ihus eingelheilt hat. Ich habe die ganze Anordnung nur
herumgedreht und Cephalacanthus an die Spitze und Trigla
an’s Ende gestellt, indem ich in Cephalacanthus als den Ner-
ven-, Augen- und Kopffisch, den Säugethiertypus, in Dacty-
lopterus den Alhmungs-, Ohr- und Brustfisch, d: h. den Vo-
geltypus, in Peristelhys den Knochen-, Nase- und Rumpffisch,
d. h. den Amphibien!ypus, in Prionotus den Ernährungs-,
Zungen- und Bauchlisch, d. h. den eigentlichen Fischtypus,
und endlich in den Triglae, namentlich in der öten Section
(lineatus, cuculus), den Haut-, Sexual- und Beckenfisch, d.h.
den schleiniabsondernden Molluskentypus erkannt habe.
Betrachten wir diese Genera, so stellt sich Cephalacan-
thus mit seinen drei Kiemendeckelrippen an die Spitze, Da-
ctylopterus zeigt nur sechs Kiemenstrahlen und die etwas
zurückgestellte Ventral lässt nur einen Dorn mit 4 weichen
Strahlen sehen. Alle übrigen Genera haben 7 Kiemenstrah-
len und 5 weiche Strahlen in der Ventral. Diese Unterfa-
milie zeigt demnach deutlich, dass weder die Zahl der Kie-
menstrahlen noch die der Ventral einen Einfluss auf die Cha-
raklerisirung der Unterfamilie haben können; ebenso wenig
die An- oder Abwesenheit einer Schwimmblase, denn Ce-
phalacanthus zeigt keine.
Bei allen diesen Abweichungen ist es nur zu verwun-
dern, däss man die Genera so gestellt gelassen hat, wie sie
bei Cuvier gestellt sind.
Obgleich wir in dieser Unterfamilie sehen, dass die Pa-
latinzähne hauptsächlich Prionotus von Trigla unterscheiden,
so zeigen sich diese in andern Genera vollkommen zur Be-
zeichnung von Genera als sehr unwesentlich und nach den-
selben müsste das Genus Upeneus in weilere 2 Genera zer-
fällt werden. Upeneus ist und bleibt eine künstliche Abtren-
nung von Mullus, das nach Ab- oder Anwesenheit der Vo-
mer- und Palatinzähne in 5 Seclionen zerfällt, die so wenig
wie bei Trigla benannt zu werden brauchen.
Bleiben wie bei Mullus stehen, die Cuvier als einen
Appendix seiner Percoides betrachtet und abhandelt und B o-
naparte als eigene Familie zwischen die Mugilidae und
Einiges über die Acanthopterygiens ä joue cuirassee Cuv. 343
Triglidae versetzt hat, so bleibt die Anordnung beider Ge-
lehrten eine fehlerhafte, denn in der Natur giebt es keine
Appendices, noch bilden die Mullidae für sich, ebenso wenig
die Mugilidae eine Familie, sondern beide sind Glieder von
einer und derselben Unterfamilie.
Die Genera dieser Unterfamilie stellen sich wie folgt:
Mullinae: a) Mullus, b) Pomatomus, c) Mugil, d) Cheilodi-
pterus und e) Apogon.
Bei der Charakterisirung dieser Unterfamilie werden
fast alle anatomischen Kennzeichen zu Schänden und eben so
viele äussere, wie die Zähnelung und Bewaffnung des Kie-
mendeckels. Mullus zeigt nur 4, Mugil 6 und die übrigen
7 Kiemenstrahlen. Bei meiner Anordnung kommen wiederum
die Ansichten der älteren Autoren, wie Willughby, Artedi
und Linne zu Ehren, die die Verwändtschaft des Apogon mit
Mullus richtig erkannt und ihn Mullus imberbis genannt ha-
ben. Der Tadel, den CGuvier über den Lacepede'schen Namen
Apogon ausgesprochen hat, fällt ebenfalls weg.
Was nun die Merkmale dieser Unterfamilie betrifft, so
sind es walıre Fischerkennzeichen, d. h. sie sind so leicht,
dass sie jedes Kind und jeder Laie fassen kann: zwei kleine
weit von einander getrennte Rückentlossen mit geringer Zahl
von Strahlen; grosse Schuppen bis über die Wangen, die
leicht abfallen. Die Ventrals kleiner als die Pectorals, die
normal gebildet sind.
Die Genera lassen sich mit wenigen Worten bezeichnen:
%) Pomatomus. Anal hinter der 2ten Dorsal stehend.
3) Mugil. Vier Strahlen in der ersten Dorsal.
4) Cheilodiplerus. Die feineren Zähne zeigen untermischt
längere Hakenzähne.
/ 1) Mullus. Zwei Kinnbarbeln.
| 5) Apogon. Pracoperkel mit 2 Reihen Zähnelungen.
Ich könnte noch viele solcher Unterfamilien aufführen,
deren Glieder nach einseilig aufgefassten Merkmalen in an-
deren Abtheilungen herumirren und bis jelzt nicht zur sy-
stemalischen Ruhe gelangt sind, allein ich werde mir diese
aufheben und bei gelegener Zeit auf sie zurückkommen.
Darmstadt im März 1859.
Kritische Bemerkungen über Castelnau’s
Siluroiden.
Von
Prof. Dr. Rud. Kner
in Wien.
Briefliche Mittheilung an den Herausgeber.
Ich erlaube mir nach langem Stillschweigen mich mit
dieser Zuschrift wieder einmal in Ihre geneigte Erinnerung
zu bringen. Sie bezieht sich auf Castelna u’s Reisewerk *),
in dessen Besitz ich erst in jüngster Zeit gelangen konnte.
Ich habe den ichthyologischen Theil mit aller Sorgfalt durch-
gemacht, in der Absicht, das System möglichst von unnöthi-
gem Synonymen-Balaste zu befreien und seine mit mei-
nen neuen Arten krilisch zu vergleichen. Da Sie selbst im
Jahresberichte über die Leistungen im Gebiete der Ichthyolo-
gie w. d. J. 1856 auf S.96 Ihr Bedauern äussern, dass 0 a-
stelnau meine Arbeit über die Siluroiden nicht kannte, so
glaube ich, dass die Mittheilung des Resultates meiner Ver-
gleichung für Sie nicht ganz ohne Interesse sein dürfte. Vor
allem kann ich jedoch die Klage nicht unterdrücken, dass
Castelnaws Werk zu einer strengen krilischen Verglei-
chung, wie ich sie im Auge hatte, sehr wenig geeignet er-
scheint. Die Abbildungen nehmen sich zwar malerisch be-
züglich der Colorirung recht gefällig aus und mögen in die-
ser Hinsicht auch ganz nalurgetreu sein, aber gerade über
wesentliche Punkte, die entscheidend wären betrefls der Art-
bestimmung, bleibt man leider meist im Dunklen. Da über-
=) Expedition dans les parties centrales de l’Amerique du Sud,
de Rio de Janeiro ä Lime, et de Lima au Para, execnlee sous la di-
rection du Comte Francis de Castelnau.
Kner: Kritische Bemerkungen über Castelnau’s Siluroiden. 345
diess jede Beschreibung fehlt und für di@ neuen Arten auch
keine brauchbaren Diagnosen aufgestellt sind, so blieb ich
bei den meisten der neuen Arten Caslelnau’s unsicher, ob
und mit welchen von den durch mich veröffentlichten sie
etwa übereinstimmen. Ich erlaube mir nun in Kürze das Er-
gebniss meiner Vergleichung nach den einzelnen Tafeln fol-
gen zu lassen; vielleicht sind Sie glücklicher als ich, falls
Sie Zeit finden sollten, eine ähnliche Vergleichung vorzuneh-
men, die sich wohl lohnen würde, da ich es stets für ein
Verdienst halte, wenn der Wissenschaft unnöthige Arten er-
spart werden.
Pl. 13. Die beiden Arten Bagrus Valenciennei und flavicans
sind mir nicht vorgekommen, erstere dürfte aber
wohl einer der von Valenciennes nur flüch-
tig skizzirten amerikanischen Arten mit Helm
entsprechen, nur fragt sich’s: welcher?
Pl. 14. fig. 1. Bagr. Rousseauxii; mir unbekannt.
fig. 2. Bagr. punctulatus. Ist von meinem B. punclu-
latus verschieden, welcher runde schwarze Flek-
ken besilzt, während jener dicht weissgelb
punklirt ist. Da die Priorität Castelnau zu ge-
bühren scheint, so schlage ich die Aenderung
des Namens meiner Art in B. nigropunctatus vor.
Pl. 15. fig. 2. Arius longibarbus. Scheint meinem Pimelod.
multiradiatus nahe zu stehen, Fig. 2 a. zeigt
aber 2 kleine getrennte Zahnbinden am Vomer,
die ich bei meinem Pimelodus vermisse. Die
Angabe von D. 12 ist aber jedenfalls auffallend;
die Eckbarbeln sind allerdings auch länger als
bei Pim. multiradiatus.
Pl. 16. fig. 1. Genidens granulosus, Mir unbekannt; würde
dem Zahnbau nach dem Subgenus Ariodes Mll.
Tr. zunächst stehen. In Färbung mahnt er an
meinen Pimel. ornatus fig. 18.
fig. 2. Pimelod. bahianus. Dem P, gracilis und mei-
nem breviceps nahe, unterscheidet sich aber
durch zu niedrige Dorsale und zu kurze Eck-
barbeln.
fig. 3. Pimelod. versicolor. Ist der Bezahnung nach
PL 17. fig 1.
fig. 2.
Kner:
(ig.3 a.) ein Bagrus und steht daher nicht,
wie Castelnau meint, dem Arius Milberti
zunächst.
Doras Weddelii. Ist nicht zu eruiren, in 'meh-
reren Punkten mahnt er an meinen D. alffinis:
der nicht gesägte Dorsal-Stachel, die Barteln
und Färbung stimmen gut, auch scheint er breite
Brustplatten zu besitzen. Dagegen pässt aber
nicht: die dicke Schnauze, die tief stehenden
Augen, der Scapulardorn , die gablige Caudale
mit den so derben Pseudostrahlen und die klei-
nen Schmetterlingsschilder längs den Seiten. —
Castelnau hatte übrigens nuu eine schlecht
eonservirte Haut und eine Zeichnung von Weddel
vor sich, suf welche sich diese Art basirt.
(NB. Bei dieser Gelegenheit bemerke ich, dass
die von de Filippi in der Rev. de Zool. 1853.
p. 164 als Dor. papilionatus angezeigte Art von
Dor. dorsalis Val. schwerlich verschieden sein
dürfte (vid. meine Beiträge S.40). De Filippi’s
Diagnose reicht aber nicht aus, um diess mit
Sicherheit zu behaupten.)
Ageneiosus ucalayensis. Scheint, wenn wirk-
lich ein Ageneiosus, neu zu sein. Der beider-
seits gesägte Dorsal- und Pectoral-Stachel, die
Strahlenzahl der A. 46 und die tief gablige
Caudale bringen ihn meinem Ag. dentatus nahe;
da aber Castelnau über die Bezahnung, die Bar-
teln u. s. w. gänzlich schweigt und auch keine
Punkte oder Flecken am Körper angiebt, so
bleibt die Entscheidung fraglich.
fig. 3. Galeichthys araguayensis. Die ausnehinend lange
Pl. 18. fig. 1.
Fettflosse, der Mangel des Fadens an der Dor-
sale und der grasblatt-förmigen Barleln zeich-
nen diese Art leicht aus, sin! aber zugleich so
auffallend, dass sich derZweifel regt, ob diese
Art wirklich der Gatt. Galeichthys angehört.
Gal. bahiensis. Die angegebenen Merkmale sind
zu unwesentlich, um den Verdacht zu heben, ob
Kritische Bemerkungen über Castelnau's Siluroiden. 347
Pl. 20. fig.
fig. 2.
Pl, 21. fig. 1.
nicht diese Art mit Gal. Parräe zusammenfällt;
von G. Gronovii unterscheidet sie schon die
Strahlenzahl der A. 30 allein.
. Callichthys chiquitos; ist nicht zu ermitteln.
. Callichthys splendens; mir unbekannt.
. Callichthys taiosh. Jedenfalls nov. spec.; aus-
gezeichnet durch die breiten Querschienen an
Schnauze und Stirn und die vielstrahlige Dor-
sale (1. 11).
. Platystoma punctifer. Dürfte wohl nur Farben-
Varietät von Plat. pardale Val. sein; s. hierüber
meine Beiträge II. Abih. $. 32.
. Hypostomus alatus. Ein Inermis mit so hoher
mächtiger Dorsale und dichten gelben Punkten
ist mir allerdings nicht vorgekommen.
Hypostomus asperalus. Die ausdrückliche An-
gabe, dass der Kopfumriss breit und abgerun-
det sei, slimmt zunächst auf meinen Hyp. au-
rogutlatus, dem er auch übrigens so sehr äh-
nelt, dass ich an der Gleichartigkeit beider
kaum zweille.
. Hyp. pardalis. Ist entweder neu oder entspricht
dem H. duodeeimalis Val., wenigstens steht er
diesem nahe und ist der einzige Inermis mit
Dors. '/,- In diesem Falle wäre aber dann
Valenciennes’ Figur pl. 454 schlecht, nämlich
viel zu hoch und gedrungen. Castelnau’s Ab-
bildung überzeugt mich aber, dass Hyp. duode-
eimalis Val. und Hyp. etentaculatum Spix nicht
synonym sein können und dass die von mir
l. c. auf S. 31 fraglich als Hyp. duodecimalis
Val. bezeichnete Art nicht diesem, sondern
vielmehr dem wahren Hyp. etentaculatum Spix
entspricht. Ich erlaube mir daher die Aufmerk-
samkeit der Ichthyologen auf die Vergleichung
dieser beiden Arten nochmals zu lenken.
Hypost. subcarinatus. Steht in der Mitte zwi-
schen H, punctalus Val. und Commersonii, lelz-
348
fig. 2,
PI.22, tig. 1.
Kner:
terem jedoch durch Mangel einer Oececipital-
erista näher.
Hyp. aurantiacus. Gehört bereits meinen Lic-
toren (Acanlhoden Cast.) an und zwar den
Wenigstrahligen (D. /,) mit langen dünnen
Haken; eine so äusserst gedrungene und kurze
Gestalt mit grossem Kopfe und sehr kleinen Au-
gen, bei der überdiess die Dorsale in die Fett-
flosse (2te Dors.) sich unmittelbar forlsetzt, ist
mir nicht vorgekommen.
. Hyp. niveatus. Scheint neu, wie lässt sich aber
hierüber Gewissheit verschaffen, wenn aus der
Abbildung nicht einmal ersichtlich wird, wie
der Mund aussieht, ob der Bauch nackt ist?
u. Ss. w. und wenn überdiess jede brauchbare
Beschreibung fehlt?
Hyp. nigricans. Auch hier legt sich wie bei
H. auranliacus die 1. Dors. mittelst Hautverbin-
dung an den Stachel der 2.Dors. an, mit wel-
cher Eigenheit mir keine Art bekannt ist.
- Hyp. pietus. Ist nicht auszumitteln ; Castelnau
gesteht übrigens selbst, dass er diesen Fisch nur
in sehr schlechtem Zustande besass.
Hyp. spinosus. Ich glaube mich nicht zu irren,
wenn ich in dieser Art den Acanthicus hystrix
Spix tab. 1 (Rhinelepis acanthieus Val.) aner-
kenne, und verweise hierbei auf die Note $.4
in meinen Hypostomiden. -Die Autopsie des
Münchener Exemplars brachte mich damals schon
auf die Vermulhung, dass die zweite Dorsale
nur zufällig mangle und hier ein Hypostomus
vorliege. Vergleicht man die Figur von Spix
mit dieser Art Castelnau’s, so springt die Aehn-
lichkeit in die Augen. Die Abweichungen sind
theils dem schlechten Erhaltungszustande des
Münchener Exemplars, theils dem Umstande zu-
zuschreiben, dass jenes Individuum offenbar ein
altes, das von Castelnau hingegen ein junges
war; vielleicht gehört jedes auch einem andern
Kritische Bemerkungen über Castelnau’s Siluroiden. 349
Pl. 23. fig. 1.
fig. 2.
fig. 3.
fig. 4.
nn,
Pl. 24. fig. 1.
fig. 2.
fig. 3.
Sexus an und es dürfte dann das Exemplar von
Spix ein Männchen (etwa überdiess noch zur
Laichzeit) und jenes von Castelnau ein Weib-
chen sein, Der verlängerte Pectoralstachel und
der sehr lange Caudalfaden an jedem Lappen,
den Spix’s Figur zeigt, kann ebenfalls auf Rech-
nung des Alters oder Geschlechtes fallen. Dass
Spix keine schwarze Punktirung des Rumpfes
angibt, erklärt der schlechte Zustand seines
Exemplars zur Genüge. So viel steht fest, dass,
wenn beide nicht wirklich gleichartig sind
(woran ich aber kaum zweifle), sich selbe min-
destens zunächst stehen.
Hypost. vieinus. Es liegt hier abermals ein Fall
vor, wo die 2. Dorsale abnorm fehlt; s.l. c«.
S.4. Uebrigens ist mir diese Art unbekannt.
Loricaria amazonica. Castelnau hält ihn selbst
für sehr ähnlich der Lor. maculata Bl. — d’Orb.
pl. 6. fig.5 und geht nur von der Ansicht aus,
dass im Amazonenstrome keine Species vor-
komme, die im La Plata lebe. Vielleicht könnte
sie jedoch auch der Lor. laeviuscula entspre-
chen; Figur sowohl wie Text lassen aber völ-
lig im Unklaren. Eben so wenig ist die fol-
gende Art
Lor. carinata zu ermitteln. Zufolge der 4 Kiele
am Vurderrücken könnte sie sowohl L. cata-
phracla als macrodon sein; wer vermag aber
hierüber ohne Autopsie zu entscheiden, da we-
der über die Bauchschilder, noch die Bezah-
nung, Bildung der Mundsegel u. s. w. irgend
eine Angabe vorliegt.
Lor. castanea. Ist von Lor. rostrata Spix aller-
dings verschieden, schwerlich aber vonL. acula,
so weit sich nach Figur und Text entnehmen lässt.
Trichomycterus Pentlandi und
Trichomyeterus piclus sind mir nicht vorge-
kommen.
Trichomyeterus punctatissimus. Ist wohl kaum
350 Kner: Kritische Bemerkungen über Castelnau’s Siluroiden.
von Trich. punctulatus specifisch verschieden.
Uebrigens ist auch Castelnau der Ansicht, dass
Pygidium dispar Tschudi und Trichom. punctu-
latus nur auf einer Geschlechisverschiedenheit
beruhen ; s. hierüber meine ichthyol. Beitr. I. S.71.
fig. 4. Trich. pusillus. Die schlanke, langgestreckte
Gestalt, tief gablige Caudale und die helle un-
gefleckte Färbung, wie auch die Stellung der
Dorsale gänzlich hinter den Ventralen und vor
der Analflosse machen mich geneigt zu glauben,
dass hier mein Pareiodon microps vorliegt; doch
ist allerdings in der Zeichnung nur eine ein-
fache Reihe von Haken vor der Kiemenspalte
angegeben und die Brusiflossen erscheinen zu
gross.
Diess das magere Ergebniss der Vergleichung meiner
Siluroiden mit jenen Castelnau’s. Nicht viel lohnender war
selbe bezüglich der Characinen, deren Bearbeitung ich so
eben vollendete.
Schliesslich füge ich noch bei, dass ich unter den von
de Filippi in der Revue de Zool.1853. p. 164 seq. angezeig-
ten Fischen nachträglich meinen Centromochlus megalops
(8.60. fig. 24) auffand; ich zweifle nämlich nicht, dass de
Filippi’s Auchenipterus Heckelii derselbe Fisch ist, doch glaube
ich den von mir ihm verliehenen Namen nicht aufgeben zu
müssen, wenngleich de Filippi vor mir diese Art zu Gesichte
bekam und als neu erkannte; denn er liess ihn noch als Au-
chenipterus gelten, obschon er bemerkt, dass er füglich nicht
bei dieser Gattung belassen werden könne.
Wien, den 5. December 1858.
Bonn, Druck von Carl Georgi.
ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE.
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHSON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. Dr. LEUCKART IN GIESSEN.
HERAUSGEGEBEN
voN
Di. F. H. TROSCHEL,
PROFESSOR AN DER FNRIEDRICH-WILHELMS-UNIVERSITÄT ZU BONN,
VIER UND ZWANZIGSTER JAHRGANG.
‚Zweiter Band,
Berlin,
Nicolaische Verlagsbuchhandlung.
(6. Parthey,)
1858. Ta
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Inhalt des zweiten Bandes.
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Vögel
während des Jahres 1857. Von Dr. @. Hartlaub
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Säuge-
thiere während des Jahres 1857. Vom Herausgeber
Bericht über die Leistungen in der Herpetologie während des
Jahres 1857. Vom Herausgeber
Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie während des
Jahres 1857. Vom Herausgeber
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der niedern
Thiere während des Jahres 1857. Von Prof. Leuckart
Vermes n 6 ö A - : = .
Chaetopods . . .
Nematodes .
Acanthocephala .
Hirudinei
Trematodes
Cestodes
Turbellarii n . ”
Rotiferi
Bryozou
Echinodermata
Coelenterata
Ctenophora
Hydrasmedusae .
Polypi
Porifera
Protozoa
Infusoria .
Rhizopoda a
Gregarinae Et ee
Seite
103
110
110
123
140
146
153
154
155
164
175
178
181
190
192
IV Inhalt.
Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen im Gebiete der
Entomologie während des Jahres 1857. Von Dr. A. Ger-
staecker.
Insekten
Myriapoden
Crustaceen
Arachniden
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Mol-
lusken während des Jahres 1857. Vom Herausgeber
Cephalopoden
Cephalophoren .
Acephalen .
Seite
Bericht über die Leistungen in der Natur-
geschichte der Vögel während des
.Jahres 1857.
Von
Bir. & Hartiaub
in
bremen.
In die kleine aber stattliche Phalanx der Männer, wel-
che uns seit einer Reihe von Jahren gerechte Würdigung
und Gewohnheit als die Zierden und Säulen des ornithologi-
schen Forums zu verehren gelehri haben, hat seit: Abfassung
unseres leizien Jahresberichtes der unerbittliche Tod Lücken
gerissen , welche auszufüllen wohl noch lange der fromme
Wunsch der Nachgeborenen bleiben wird. Bonaparte,
Lichtenstein, Naumann, Temmink! Scheint es nicht,
als knüpfte sich an diese vier Namen die ganze neuere Ent-
wiekelungsgeschichte der Ornithologie, als schliesse mit ih-
nen eine grosse und glänzende, vielleicht die grösseste und
glänzendste Epoche derselben ab? Wohl ist hier nicht der
Ort, auch nur einigermaassen erschöpfend alles dessen zu
gedenken , was diese Forscher, jeder in seiner Weise und
nach sehr verschiedenem Maasstabe zur Förderung unserer
Wissenschaft beigetragen haben. Noch weniger kann es in
unserer Absicht liegen, die Erinnerung an ihre Namen durch
ein sogenanntes „Eloge* zu verunglimpfen. Wohl aber ist
es eine der Aufgaben, welche sich dieser Jahresbericht ge-
stellt hat, mit einigen Worten. der Anerkennung die Dahin-
geschiedenen zu ehren, welchen es zu irgend einer Zeit ih-
res Lebens um die Förderung der Ornithologie Ernst gewe-
sen ist.
Archiv [. Naturgesch, XXIV. Jabrg. 2.84, A
2 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Naumann’s grossarlige Stellung zu der vaterländi-
schen Vögelkunde allseitig und ihrem vollen Gewichte nach
zu beleuchten , überlasse ich geübteren und berechtigteren
Federn, als es die meinige ist. Aber etwas rein menschli-
ches mag ich nicht zurückhalten, dass nämlich mir, wie
wohl Jedem, der das Glück halle, Naumann persönlich zu
kennen, die Erscheinung dieses ächt deutschen und bei al-
ler Tüchtigkeit so anspruchlosen Gelehrten unvergesslich
bleiben wird. Lichtenstein’s Verdienste um die Orni-
thologie scheinen mir der Hauptsache nach darin zu liegen,
dass er zu einer Zeit, wo der famose Stossseulzer Tem-
mink’s „tout Je monde s’en mele“ noch keine Geltung halte,
eifrig und erfolgreich schrifistellerisch für dieselbe thälig
war; dass er Azara's auscezeichnetes Werk über die Vögel
Paraguay’s zuerst nach Verdienst gewürdigt und wissenschalt-
lich ausgebeutet hat; dass er ferner das fast in Vergessen-
heit geralhene und doch so wichtige Manuseript der, beiden
Forster über die von ihnen während ihrer Weltfahrt mil
Cook beobachteten Thiere in geeigneter Form zur Veröffent-
lichung brachte ; mehr noch aber darin, dass er viele Jahre
hindurch‘ vom Lehrstuhle herab durch gehaltvolle und anzie-
hende Vorträge Theilnahme für das Studium der Vögel: zu
erwecken gewusst hat, und endlich darin, dass die unver-
gleichliche Sammlung, welche. wir heulzulage in Berlin be-
wundern‘, einen grossen Theil ihres Glanzes seinem, Eiler,
seiner Sachkenniniss , seiner umsichligen Leitung verdankt.
Bleibt mun auch die Summe dessen, was Lichtenstein
schriftstellerisch für die Ornithologie gelhan, sehr gering ge-
genüber der reichen Fülle unverarbeiteten Materials, welche
ihn umgab , so hal doch derselhe diese Unterlassungssünde
dadurch abzubüssen gesucht, dass er die Benulzung jener
Schätze Anderen mit grösster Liberalilät gestattele ,. ja die-
selbe in jeder Weise zu erleichtern suchte. — Temmink's
Verdienste um die exolische Vögelkunde sind so unbestrillen,
so ganz allgemein anerkannl, dass es hier eben nur der Hin-
deutung auf dieselben bedarf. Aber seine grösseste That war
und bleibt das „Manuel d’Ormithologie ,“ und dieses Buch ist
es, welches den Namen seines Verfassers über die bewohnte
Erde getragen ,„ und in beispiellos seltenem Grade ‚populär
der Vögel während des Jahres 1857. 3
gemacht hal. Und doch war die Gestalt des alten reichen
und vornehmen Mynheer selbst so wenig populär! Mit auto-
kratischer Willkühr beherrschte er das grossarlige unter sei-
ne Leitung gestellte Institut, das Reichsmuseum zu Leiden,
und wohl mochte einer vor Glück sagen , wenn es ihm ge-
lungen, die während mehrerer Monate im Jahre hermetisch
verschlossenen Schränke für seine Zwecke geöffnet zu er-
halten! Obgleich mit eifersüchtiger Strenge über dem Mein
und Dein m litterarischen Beziehungen wachend, und des
eigenen Werthes sich nur zu wohl bewusst, war Temmink
doch jeder Zeit willig und gerechtfühlend genug, fremdes
Verdienst anzuerkennen, eine Wahrheit, mit welcher die
von ihm so bekannt gewordene alrabiläre Aeusserung, es mi-
sche sich heutigen Tages ein Jeder darein, nur scheinbar in
Widerspruch steht. Hochgeehr! und den Besten beigezählt
bleibe der Name eines Mannes, dessen nahezu 40jähriger
schriftstellerischer Thätigkeit neben anderen Zweigen des
Wissens die Ornilhologie einen Theil ihrer schönsten Erfolge
dankt. — Schwer ist es, für die Beurtheilung einer so aus-
serordenllich angelegten Persönlichkeit, wie dieBonaparte’s
es war, den richtigen Maasstab zu finden. Uns hier nolh-
gedrungen darauf beschröänkend, seiner als Ornithologen zu
gedenken, möchten wir sagen, dass Bonaparte in dieser
Hinsicht geleistet hat, was ein unablässiges enthusiastisches
Interesse für die Sache, eine Arbeitslust und Arbeilskrait
sonder Gleichen, die ungewöhnlichste und umfassendste Spe-
eialkenntniss und ein hervorragendes Talent für Systemalik,
dies Alles aber im Verein mit den Vorzügen der reichsten
geistigen Ausstallung sowohl als auch glänzender äusserer
Verhältnisse, wahrend eines Zeilraums von länger als 30 Jah-
ren eben nur zu leisten vermochten. Das heisst viel — ist
aber nicht zu viel gesagt. Vor der Grösse oder den Schwie-
rigkeiten einer wissenschaftlichen Arbeit zurück zu schrek-
ken, lag nicht in Bonaparte’s Character , mochten diese
immerhin jedem Andern unüberwindlich erscheinen. Und so
konnte denn auch nur von ihm ausgehen, was längst in Aller
Wünschen gelegen, ein kritisches Speeialwerk über sämmt-
liche bekannte Vögelarten. Dieses Werk, mehr bescheiden
als zutreffend, „Uonspeelus generum avium“ betitelt, bildet,
4 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Nalurgeschichte
wenngleich nicht frei, von zahlreichen Irrthümern und die er-
strebte Vollständigkeit nicht völlig erreichend, doch ganz
eigentlich den Gipfelpunkt von Bonaparte's litterarischer
Thätigkeit. Dass es ibm nicht vergönnt gewesen, dasselbe
zu vollenden, ist um so mehr zu beklagen , als gerade die
jüngsten Abschnitte des Werkes jene gleicharlig sichere Be-
handlung und Durchführung zeigen, deren Mangel dem ersten
Theile desselben wesentlichen Abbruch thut. Der Vorwurf
der Flüchtigkeit, von welchem die späteren Arbeiten Bona-
parte's nicht freizusprechen sind, findet seine Erklärung
zum Theil wenigstens in der Nalur der furchtbaren Krank-
heit, welcher dieser riesige Organismus erlag. Sie liess ihr
Opfer während der letzten Lebensjahre zu keiner Ruhe, we-
der körperlicher noch geistiger mehr gelangen; mit unheim-
licher Hast von kaum begonnenen Arbeiten ab zu anderen
treibend, heizte sie dasselbe trotz colossalen Widerstandes
qualvoll zu Tode. „Je mehr ich auszuhalten habe, desto
mehr arbeile ich,* sagte Bonaparte, als ich ihn bei einem
meiner letzten Besuche im Bade schreibend antraf.
Eine nicht geringe Anzahl nützlicher Beiträge bezeich-
net im verflossenen Jahre den fortschreitenden Entwickelungs-
gang der Ornithologie. Als von hervorragender Wichtigkeit
heben wir hervor die slelig weiter geführten Arbeiten P. L.
Scelater's über die Vögel Südamerika’s; Arbeiten, welche
schon jelzt einen so imposanten Umfang gewonnen haben,
dass sie die Hoffnung auf ein krilisches Gesammlwerk über
die Ormithologie dieses so ausgedehnten Theiles unserer
Erde zu rechlferligen scheinen. Dass ein solches in der be-
stimmten Absicht Selater's liegt, ja, dass der Zeitpunkt des
Zustandekommens desselben keineswegs in weiler Ferne zu
suchen, können wir unsern Lesern als gewiss mittheilen. Von
ungewöhnlichem Interesse sind ferner die zoologischen For-
schungen-des geübten und sehr befähiglen englischen Rei-
senden Wallace in Neuguinea und auf den benachbarten
Gruppen der Ke- und Arruinseln. Hoffentlich wird es die-
sem gelingen, das noch von keines Europäers Fusse belrc-
tene Innere des Papualandes zu erreichen, Seine Absicht
der Vögel während des Jahres 1857. 5
geht dahin, volle drei Jahre auf die Bereisung desselben zu
verwenden. Was bis jeizt von Wallace’s Sammlungen nach
Europa gelang! ist, berechtigt zu den grössten Erwarlungen.
Ref. versuchte die Ergebnisse seiner Studien über die
Ornithologie Westafrika’s, d. h. Senegambiens und Guinea’s
im älteren und weitesten Sinne des Wortes, in einem Spe-
cialwerke zusammengefasst, zum Abschluss zu bringen. Noch
immer giebt es Ornithologen, welche auf neue systematische
Versuche Zeit verwenden.
Von L. Reichenbachs „Handbuch der Ornithologie“
erschienen zahlreiche Tafeln, Trochiliden abbildend, und
eine die Spechte behandelnde Abtheilung des Textes. Der
Verleger verspricht rasche Förderung dieses grossarligen und
im hohen Grade verdienstlichen Unternehmens. Die, grosse
Mehrzahl der Abbildungen verdient in sofern Lob, als sich
ein Vogel danach leicht und mit Sicherheit bestimmen lässt;
der Text ist mil einer gewissenhaften Ausführlichkeit behan-
delt, und verdient der Flüchligkeit ähnlicher Arbeiten gegen-
über besondere Anerkennung. Möchte doch das zoologische
Publikum den ebenso gelehrten als unermüdlich fleissigen Ver-
fasser zur Fortsetzung des so nützlichen und doch so wenig
kosispieligen Werkes ermuthigen !
J. Cabanis „Journal für Ornithologie* wurde ohne
erhebliche Unterbrechung weiter gefördert.
Es enthält von hier zu Erwähnendem: 1) Systematisches von
Er. Boie. 2) Zur Nahrungsmittellehre der Vögel. von Pfarrer F. H.
Snell, p.151..3) Das Wandern der Vögel über Wasser, von €. Glo-
zer. Es seien allerdings lange Wanderungen möglich, da ja der Vo-
zel auf dem Meere ruhen. unter gewissen Umständen eine wenn
auch kurze Zeit schwimmen und sich wieder erheben könne. Wir
möchten auch glauben. dass es so ist. 4) Veber P. M. G. Möh-
rines Vorelnamen in „Avium eenera“ von €. Sundevall. Sehr
interessante lateinisch geschriebene Arbeit des gelehrten: Verfassers
p. 242. 5) Ueber das periodische Verschwinden vieler Vögel: zur
Herbstzeit von Dr. Hieronymus in Treysa p.3°%5. In dieser hühb-
schen Arbeit des leider verstorbenen Verfassers werden alle Motive
jener noch immer nieht vollständig erklärten Erscheinung scharfsin-
wie beleuchtet und wird schliesslich der Wärme die Hauptrolle dabei
6 Hartlanb: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
eingeräumt. 6) „Das Leben der Vögel“ von A. Brehm. Auszug
daraus: Liebe und Ehe.
Auch unser zweites valerländisches Organ für Ormitho-
logie, die „Naumannia“, hält sich in gutem Gedeihen und
bringt werthvolle Beiträge. Als solche heben wir hervor von
hierher Gehörigem :
1) Baldamus „Ueber die Präparation der Vogeleier und über
die Einrichtung von Eiersammlungen.* 2) Leon Olph-Gaillard
„Versuch eines natürlichen Systems der Vögel.“ Der Verfasser möchte,
von der Ansicht ausgehend, dass die weniger vollkommenen Wesen
zuerst erschaffen wurden, mit den Schwimmvögeln beginnen. Aus-
führliche Arbeit. 3) J. H. Blasius „Aphorismen über den Bau des
Vogelflügels“ p. 266—305. 4) J. Hoffmann. „Ueber fossile Eier“
p- 305.
P. L. Sclater „Notes on Ihe birds in Ihe Museum of
the Academy of Nalural Sciences at Philadelphia and olher
collections of the United states. Proc. Z. S. 1817, p. 1.
Selater berichtet hier über seinen ormnilhologischen Ausflug
nach Nordamerika, und giebt kritische Bemerkungen über verschie-
dene seltnere Arten. Sein Thryothorus albigularis sei T. fascialiven-
tris Lafr. ; Turdus naevius sei keineswegs den Taeniopterinen bei-
zuzählen , sondern gehöre als ächte Drossel neben T. migratorius;
Audubon’s Alanda Spraguei sei Typus einer eigenen Gattung : Neo-
corys; Pastor nigroeinctus, Cass. sei gleich Sericulus anais, Less. ;
Emberiza Bellii und bilineata Cass. seien beide Poospizae; Strulhus
eaniceps Woodh. sei gleich Wagler's Junco cinereus; St. alri-
mentalis, Couch, sei = Spinites atrigularis, Cab.; Grus hoyiana sei
eine gute Art, (was ich nach wie vor auf das entschiedenste be-
zweille) u. s. w.
E. Crisp „Ueber das Vorhandensein oder Nichlvor-
handensein von Luft in den Vogelknochen.* Proc. Zool. Soe.
p- 9 und 215. Nur wenige Knochen enthalten Luft, die mei-
sten, von denen dies angenommen wurde, Mark. Bei den
meisten britlischen Vögeln seien keine Luftbehälter mit den
Lungen in Verbindung. Selbst bei den weilest Jliegenden
Vögeln sei das Vorhandensein von Luft in den Knochen nicht
erforderlich. Die einzigen Knochen, in welchen Crisp über-
haupt Luft fand, waren humerus und femur.
M, T. Hardy „Note sur la forme des oeuls des oi-
seaux.* Rev. et Mag. de Zool. p. 253. Die Alten berück-
sichligten die Form der Eier fast mehr als die Neueren. Der
der Vögel während des Jahres 1857. 7
Verfasser geht die verschiedenen Klassen der Vögel in Be-
zug aul sein Thema durch, und gelangt zu dem Schlusssatze:
La position de P’oiseau dans le repos ou dans l’aclion de-
termine, avant tout, la forme de son oeuf. Was sagen dazu
unsere Oologen ?
E. Blanchard „De la determination ‘de quelques oi-
scaux fossiles et des characleres osteologiques des Gallina-
cees.* Acad. des Sc. natur. Juli 27. Wichtig, aber keines
Auszugs fähig.
Georg Buist in Bombay sprach in der Royal Sociely
über die Ursachen und Erscheinungen der Repulsion des Was-
sers von den Federn der Wasservögel und den Blältern der
Pflanzen: Ann. andMag. Nat. Hist. p. 148. Man schreibe dies
mit Unrecht der Anwesenheit von Feit oder Oel in den Fe-
dern zu. Wie bei gewissen Wasserpllanzen, so sei es beim
Vogel eine dünne Luftschicht, welche das Wasser so zurück-
halte‘oder abstosse, dass es gar nicht mil den Federn in
“ Berührung komme. Das Ordnen und Putzen des Gefieders,
wie man es bei Wasservögeln bemerke, geschehe vermulh-
lich in der Absicht, durch die Application von Oel oder Feu
die kleinen Fibern der Federn geschickt zu machen „to
entangle Ihe air.“
A. Bogdanoff „Note sur le pigment des plumes d’oi-
seaux.* Bullet. Soc. J. Nat, Mose. Tome, 29, p. 459—62.
Ü. Giebel „Ueber den Selerotikalring, den Fächer und
die Hardersche Drüse im Auge der Vögel.“ Zeilschr. für die
gesammten Naturwissenschaften, 1857, 'p. 388. mit’ zahlreichen
Abbildungen auf Tafel 7—12. ‚Sehr lleissige ausführliche Ar-
beit, aber keines Auszugs fähig. Giebel untersuchte zahl-
reiche Arten aus allen Ordnungen. Es scheint , dass die
Funetionen dieser drei Theile physiologisch noch keineswegs
völlig aufgehellt sind.
Vietor Chatel „Nouvelles observalions sur l’utilite
de la conservalion des oiseaux dans linteröt de Vagriculture,
8. Brochüre von 8 Seiten. Paris.“
Ch. Joubert „La chasse aux oiseaux. Manuel de
Poiseleur ou lart de prendre , d’elever, d’insiruire les oiz
seaux, soil en volicre, en cage ou en liberte, suivi de Yart
8 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
d’empailler les oiseaux et de la loi sur la chasse, Paris. 16.*
Mit Kupfern. *
J.Michelet „l’Oiseau.*“ Dritte vermehrte und verbes-
serte Ausgabe. Paris. 331 S. (ins Holländische und Deulsche
übersetzt).
Mss. Wright „What is a bird ? the forms of birds,
!heir instincts and use in creation considered. London. 18.*
320 S.
L. Brehm „Ueber den Instinct der Vögel.“ Mittheilun-
gen aus der Werkstätte der Natur. 1. p. 26.
Cassell „Natural History ol the feathered tribes. With
woodcuts. London.“ Selbstverlag. Kenne ich nicht.
Ch. Giraud „Etudes ornilhologiques. Angers. 18.“
214 5.
„Seriplure Birds conlaining a deseriplion of Ihe Birds
mentioned in IheBible. With col. illustralions. London. 16.% 628.
Europa
Cabanis „Journal für Ornithologie* bringt: 1) Wiese
„Beiträge zur Ornithologie Pommerns.* 2) „Uebersicht der
europäischen Vögel in Bezug auf ihr Herbst- und Frühlings-
kleid, von Past. L. Brehm.* 3) W. Hintz „Tabellarische
Uebersicht der Ankunft und des Wegzuges der Vögel Ponı-
merns.* 4) „Beobachtungen über ziehende und brütende Vö-
gel in Anhalt im Frühjahr 1857“ von W. Pässler. y
Und die „Naumannia“: 1) W. Hintz „Beobachtungen
über den Wegzug der Zugvögel im Jahre 1855.* 2) Dr.
Th. Krüper „Der Myvatn und seine Umgebung“ (Island).
Sehr hübsche ausführliche Arbeit, mit zahlreichen und wich-
tigen Bemerkungen über Lebensweise und Verbreitung der
einzelnen Arten. 3) Dr. Rohnert „Nolizen über südeuro-
päische Vögel.“ 4) A. Thiele „Nidologische und‘ oologi-
sche Beobachtungen.“ 5) Th. Holland „Vögelfauna der
Umgegend Stetlins.* 6) A.:Raln. „Brutvögel der Insel Sylt.“
7) v. Preen „Beobachtungen über den Zug der Vögel in
der Umgegend Schwerins.* 8) Guido v. Gonzenbach
„Auszüge aus meinem ormilhologischen Tagebuche.* 9) C.
F. Wiepken „Notizen über den Herbst- und Frühlingszug
-
der Vögel während des Jahres 1857. 9
der Zugvögel in Oldenburg.“ 10) v. Münchhausen „Ex-
eursion auf die Meklenburgischen Binnenwässer.* 11) Luigi
Althammer „Vögel Tyrols.“ u. s. w.
„Catalogue des oiseaux d’Europe offert en 1856 aux
Ornilhologistes par M. E. Parzudaki, suivie d'une enume-
meralion supplementaire des especes algeriennes, non euro-
peennes, d’une liste des especes acclimatees, el d’une aulre
de celles donnees & lort comme d’Europe ; redige apres la
derniere classificalion de S. A. le Prince Ch. Bonaparte.“
Rev. et Mag. de Zoo]. p.117. Auch separat erschienen. Nülz-
liche Zusammenstellung.
C. T. Keitel „Verzeichniss der europäischen Vögel
nach den neuesten Ermittelungen und Prüfungen mit Anga-
ben der wichtigsten Synonymen und deutschen Namen.“ Ber-
lin. Brochüre von 16 Seiten. Ebenfalls ganz brauchbar, aber
ziemlich überflüssig.
„Oiseaux d’Europe el d’Alecrie, par le Prince Ch. L.
Röndparte Rev. et Mag. de Zool. p. 55. Critische Bemer-
kungen über zahlreiche Arten.
L. Brelim „(Characterbilder europäischer Vögel“ in
Mittheil. aus der Werkstätte der Natur. I. p. 24.
Moquin Tandon „Noles ornithologiques.* Rev. el
Mag. de Zool. p. 489. Eine interessante, namentlich die
Eier und Nester der Vögel Südfrankreichs behandelnde
ausführliche Arbeit. Mit Vergnügen werden unsere Oologen
lesen, was über Neophron perenoplerus, Circaelos gallicus,
Aeccipiter nisus, Strix flammea und 'Scops europaeus beige-
bracht ist. Hoffentlich wird die Arbeit fortgesetzt.
Anatole Docteur „Catalogue des Oiseaux du depar-
tement de la Gironde.* Bordeaux. 47 S. (Aus den Acles de
la Soc. Linneenne de Bordeaux abgedruckt.)
British Land Birds „Religious tract. Sociely,* London.
282.5. 12.
IH. G. Adams „Nesis and Eggs of familiar British
Birds, described and illustrated,, with an account of the
haunts and habils of the featbered architecis ele., second
series.“ 16. 60 S. (Young naluralist’s library).
R. Laishley „A popular history of British Birds
Eggs.“ 16. London. 3108,
10 Hartlaub: Bericht über die Leistungen ‚in der Naturgeschichte
J. G. Wood „My feathered friends.“ London. 12. 400 S.
Blasius Hanf „Verzeichniss der in der Umgebung
des Furlteiches bei Mariahoff in Obersteiermark vorkommen-
den Vögel, mit Bemerkungen über die Lebensweise, Fort-
pflanzung und Jagd derselben.“ Verhandl. des zool. botan.
Vereins in Wien, Band 6, p. 671—700.
G. A. Kornhuber „Die Vögel Ungarns in systemali-
scher Uebersicht , nebst kurzen Angaben über ihre unter-
scheidenden Charaktere.“ Ein Beitrag zu einer künftigen
ornilhologischen Siyrs, des Landes. Presburg 1856. 36 S.
H. Schlegel „Fauna van Nederland. Vogels.“ Leiden.
Von diesem aa Kupferwerke erschienen Zaflreiche neue
Lieferungen, und es unterliegt kaum einem Zweifel , dass
dasselbe in ununterbrochener Folge zum Schlusse gelangen
wird. Auch der Text, leider holländisch, schreitet fort.
C. Sundevall „Svenska Foglarna“ med Text. Stock-
holm. Querfolio. Erste Lieferung. Die von Akerlund gezeich-
nelen und in Farbendruck recht gut colorirten Abbildungen
zählen jedenfalls zu den gelungenen , wenigslens die grosse
Mehrzahl derselben. Der Text ist populär , aber doch nicht
unwissenschaftlich gehalten. Die Figuren sind häufig in Le-
bensgrösse. Die erste uns vorliegende Lieferung enthält Frin-
eilliden, und zwar fünf bis sechs Figuren auf einer Tafel.
Wir meinen , dieses neue Werk des berühmten Verfassers
verdiene die volle Aufmerksamkeit der Sachkundigen.
T. Hammargren „Bemerkungen über Wermlands Vo-
gelfauna.“ Naum, p 221—28.
J. F. Brandt „Bemerkungen über die Wirbelthiere des
nördlichen europäischen Russlands, besonders des nördlichen
Ural@ in dem Werke: Der nördliche Ural und das Küsten-
gebirge Pai-Choi, untersucht und beschrieben von einer in
1847—50 durch die Kaiserl. geograph. Gesellschaft ausge-
rüstelen Expedition. 2 vol. 4. — Jedenfalls einer der wich-
ligeren Beiträge, deren dieser Jahresbericht zu gedenken hat.
A. Mejakoff „Catalogue des oiseaux observes dans
le gouvernement de Wologda.“ in Bullet. Soc. Imp. Natur.
Mösk. tome 20, p. 625 - 55. :
‚Catalogue raisonne de la collection a Oiseaux d’Europe
u
der Vögel während des Jahres 1857. 11
de Maquet-Degland, acquise par la ville de Lille.< avec
5 pl. Lille 8. 390 8.
Capt. Watkins „The Birds of Andalusia,“ in: The Zoo-
logist, Nov. 1856—57.
Lieut. Thomas Blackiston „Birds of Crimea*“ in:
The Zoologist 1857, p.5348 u. s. w.
Lieut. L. H. Irby „List of Birds observed in the Cri-
mea“, ib. p. 5353 u. Ss. W.
Asien
Von Gould’s „The Birds of Asia* erschien das 9. Heft.
Es enthält die schönen Abbildungen von Phasianus versicolor,
Perdix Hodgsoniae, Pericrocolus speciosus, P. Nammens., P. peregri-
nus, P. roseus, P. cinereus, Cissa venatoria, Xiphorhamphus super-
ciliaris, Pieus Cahanisii, Palaeornis Luciani, P. caniceps, P. nicoba-
rieus, Parus xanlhogenys. P. spilonotus, P. Jerdoni. — Es ist wahrhaft
zu bedauern, dass das Fortschreiten dieses grossarligen Prachtwerkes
ein so langsames ist.
Rev. T. Phillips „Notes on the habits of some birds
observed in Ihe plains of Northern india.“ Proceed. Zool.
Soc. p. 85.
Diese vonFrederik Moore mitgetheilte Arbeit bereichert in
anziehender Weise unsere kenntniss von den Sitten indischer Vögel.
Ausführlicher wird von Haleyon smyrnensis. Dierurus macrocereus,
Lanius lahtora, Malacocerens caudatus, Pyenonotus pygaeus, Plo-
ceus baja, Corvus splendens. Eudynamis orientalis ete. berichtet.
Zahlreiche Angaben des Verfassers sind neu, und verrathen den ge-
übten Beobachter. >
Capt. H. W. Hadfield „Notes and remarks on a few
Birds , in Southern India“ in fhe Zoologist. 1857 , p. 5745.
Weniger wichtig.
C. Blyth „British Birds in India“ in Calculta Review
Nr. 55, p. 120. Ohne Widerspruch eine der besten Arbeiten,
deren dieser Bericht zu gedenken hal, und sicher auch eine
der besten aus der Feder des: um die Ornithologie Indiens
so hochverdienten Verfassers.
Es lehnt sich dieselbe an den Catalog britischer Vögel in der
drilten Ausgabe von Yarrell’s History of British Bird, indem jede
12 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Art besonders aufgeführt und mit Bemerkungen über ihr Vorkommen
oder ihre Verbreitung in Indien und den angrenzenden Ländern aus-
gestaltet wird. Eine nicht ganz geringe Anzahl brittischer Vögel
ist östlich bis Afganistan verbreitet, aber nicht darüber hinaus, oder
höchstens noch bis zun Thale von Peshäwur und dessen Umgebung,
Dies gilt z. B. von Corvus comix und corone. von Mone:lula tur-
rium, von Cypselus apus. Coracias garrula und Merops apiaster (beide
in Sindh und dem Puujab), von Pterocles alchata, von Rallus aqua-
ticus, von Stummus vulgaris ete. Der Versuch, eine statistische Ueber-
sicht der zugleich in Europa und Indien vorkommenden Arten zu
geben. wird für jetzt dadurch fast unmöglich, dass über die Feststel-
lung der Begrifls der Art noch immer die widersprechendsten An-
sichten bestehen. Blyth unterscheidet hier scharf die bestrittene
und die allgemein angenommene Gleichartigheit. Wir mussten dabei
der Thatsache gedenken, dass kaum eine Vogelart der brittischen
Inseln, den Sperling nicht ausgenommen. in der Färbung mit Conti-
nentalen ganz übereinstimmt. Blyth stimmt übrigens sehr entschie-
den mit der augenblicklich von Blasius so siegreich vertheidiglen
Ansicht von einer weiter zu umgrenzenden Fassung der Art über-
ein.— Dann berührt aber diese Arbeit von Blyth eine Menge ande-
rer auf die Ornithologie Indiens bezüglicher Fragen. so die ausser-
ordentliche vertikale Verbreitung mancher Arten. die Brütcolonien
von Grus anligone. und zahllosen Wasservögeln auf den Höhen des
Tibet, den Gesang der indischen Vögel, das Wandern und Streichen
derselben. die Falknerei der asiatischen Höfe u. s. w. Wie bei uns
Schwalben , 'so sieht man in Indien Coracias indica und Edolius ma-
erocereus auf den Drähten der elecetrischen Telegraphen hocken.
E. Eversmann „Kurze Bemerkungen über das Vor-
kommen und die Verbreitung einiger Säugthiere und Vögel
in den wolgo-uralischen Gegenden, und denSieppen der Kir-
gisen jenseils des Uralflusses.* Mem. Soc. Imper, Natur. Mosc.
tome X, p. 265—81.
Afnika
Th. v. Heuglin’s „Reisen in Nordostalrika. Tagebuch
einer Reise von Chartum nach Abyssinien mit besonderer
Rücksicht auf Zoologie und Geographie.“ 1. B. Gotha. Der
bekannte Verfasser zählt in diesem Werkcehen die Vögel aul,
welche er an den verschiedenen Hauptstationen seiner Reise
erlegte. An Mittheilungen über ‚die Lebensweise derselben
fehlt es leider gänzlich. Nur für die geographische Ver-
breitung der einzelnen Arten ist durch diese Arbeit, elwas
der Vögel während des Jahres 1857. 13 ,
gewonnen, indem mehrere der berührten Lokaliläten bis jelzt
zoologisch unausgebeutet waren.
Dr. L. Buvry’s „Streilzüge in Algerien“ in briefli-
chen Mittheilungen an C. Cabanis. Journ. f. Ornith. p. 62
und 120,
Die erste derselben behandelt in der anziehendsten Weise eine
wissenschaftliche Excursion des Verfassers auf das höchst aufsteigende
Gebirge der Provinz Constantine, den Djebel Edugh, und insbeson-
dere die Thierwelt dieses reichen Gebietes. die zweite, eben so an-
sprechend geschrieben. den Fetzarasee in derselben Provinz. Trotz
der ausserordentlichen Hindernisse, welche dem Jäger in jenen Ge-
genden das Vordringen erschweren. gelang es Buvry doch, manche
hübsche Beobachtung zu sammeln, so über Merops apiaster. Ibis fal-
einellus. Cygnus olor und musieus, Erismatura mersa, Glarevla tor-
quata, Carlo pygmaeus u. s. w. Wir schen mit Ungeduld den ver-
sprochenen weiteren Mittheilungen des Verfassers über seine Jagden
im alten Lambessa entgegen.
Auch die „Mittheilungen aus Algerien“ desselben Ver-
fassers in der Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, April 1857,
p- 308 sind ornithologisch wichtig.
Es wird eine Uebersicht der Vögel der algerischen Sahara ge-
geben. Sehr zahlreich an Individuen sind gewisse Gallinaceen. Man
trillt Ketten von 5—400 Stück. Von Saxicolen werden namhaft ge-
macht: oenanthe. stapazina. leucura. sallatrix, monacha, lugens unıl
gutturalis.
A. Brehm’s ornithologisches Tagebuch wird in ‚Caba-
nis Journal für Ornithologie in weileren Auszügen milge-
theill. Wir bedauern, dass es nicht möglich geworden ist,
die zoologischen Früchte seiner Reisen im nordöstlichen
Afrika, also die Arbeiten Brehm’s, Vierthaler’s und von
Müller’s in einem Gesammtwerke vor das Publikum zu
bringen.
„Catalogue of Birds collecled at Cap Lopez in We-
stern Alrica, by P. DB. du Chaillu, with notes and descrip-
lions of new species by J. Cassin.“ Proceed. Acad. Nat.
Sc, of Philad.
Dieses Verzeichniss ist schon darum besonders zu beachten,
weil es über die ornithologische Ausbeute auf einem bisher uner-
forsehten Terrain berichtet. Ausser verschiedenen neuen Arten be-
gegnen wir darin manchen bekannten, deren Vorkommen hier unter
dem Aequator beiremdlich genug erscheint, so z. B. unserem Nacht-
14 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
reiher, der nordöstlichen Sylvietla mieroura .„ dem südlichen Merops
bullockioides. der indischen Cisticola ‚ceursitans, der Fringillaria ta-
hapisi. u. s. w.
Livingstone’s berühmies Werk „Missionary Iravels
in South - Africa® enthält ornithologische Bemerkungen von
grossem Interesse eingesireut.
Als solche möchten hervorzuheben sein die Angaben über das
Brüten des Korwe-Vogels (Buceros erythrorkynchus) „ über die aus-
serordentliche Mannigfaltiskeit der befiederten Bewohner des Zam-
bese; über den Gesang der südafrikanischen Vögel. an verschiedenen
Stellen des Werkes; über den Strauss in sehr ausführlicher Weise ;
über ein wunderbar kunstvoll gearbeitetes Nest, u. s. w.
Dr. G. Hartlaub „System der Ornithologie Westalri-
ka’s“ 1. B. 8, Bremen. Ref. hofft in diesem Buche, zu des-
sen Herausgabe ihn mehrjährige Vorarbeiten und Studien
ermulhigen konnten, die Summe unserer Kenntnisse von den
Vögeln des “vestlichen Afrika, d. h. des Küstengebieles von
Senegal bis Benguela, gehoben zu haben. Die Zahl der be-
schriebenen Arten beträgt 758, mit wenigen Ausnahmen von
uns selbst untersucht, beschrieben und gemessen, Mit beson-
derer Vorliebe wurde der die geographische Verbreitung be-
handelnde Theil des Werkes gearbeitet. An 80 Arten euro-
päischer Vögel kommen häufiger oder seltener auch in West-
afrika vor. Tabellarische Zusammenstellungen erläutern das
Verhällniss der westlichen Arifauna zu der Südafrika’s und
der nordöstlichen Provinzen. Der synonymische Theil der
Arbeit ist ecleclisch behandelt. Zu einer Ueberarbeitung des
Buches liegen bereits zahlreiche und wichtige Materialien vor.
Dr. €. Bolle „Mein zweiter Beilrag zur Vogelkunde
der canarischen Inseln“ in Caban. Journ. für Ornithol. p.258
und 305. Nicht minder anziehend geschrieben, als die frü-
her besprochenen Mitlheilungen des Verfassers über densel-
ben Gegenstand, enthält dieser zweite Beitrag zahlreiche Zu-
sälze und Berichtigungen von grossem Interesse. Wir wünsch-
len sehr diese schönen Arbeiten Bolle’s in zusammenhän-
gender Geslall zu besilzen, und gedenken gern nochmals des
Vergnügens, mit welchem wir dieselben gelesen haben.
„Verzeichniss centralafrikanischer und nordalvikanischer
Vögel, abgebildet in des Herzog Paul Wilh. von Würtemberg's
der Vögel während des Jahres 1857. 15
Ieones inedilae und im Jahre 1842 aufgestellt.“ Bald. Naum.
1857, Heft 6, p. 432—35. 73 Arten mit grösstentheils unpu-
blieirten neuen Namen, aber sämmtlich inzwischen beschrie-
ben von Anderen und nalürlich unter anderen jetzt allein
gültigen Namen. Es war in der That eine höchst unglück-
liche Idee, dieses uns seit langer Zeit wohlbekannle ziem-
lich werlthlos gewordene Verzeichniss zu publieiren, und wir
möchlen dem Herausgeber der Naumannia den wohlgemein-
ten Rath ertheilen, in solchen Fällen eigener Incompetenz
Sachverständige zu consultiren.
Am evı.ka
„Nalurhistoriske Bidrag til en Beskrivelse al Grönland.“
Besonders abgedruckt aus Rink’s Werk über Grönland. Darin
die Vögel von J. Reinhardt. I Vol. Kopenhagen 1857. Ein
Namenscatalog mit Aninerkungen zu einzelnen Arten. Rein-
hardt kennt 111 Vögel als in Grönland erlegt; unter ihnen
ist elwa der 4te Theil amerikanisch. Jedenfalls ein wichtiger
Beitrag.
„Liste complete des especes d’oiseaux recueillies par
l’expedition du Prinee Napoleon Bonaparte vers les re-
gions exiremes du nord de l’Europe, par E. Fairmaire.
Edinb. new Phil. Journ. 6, p. 191. Nur die bekannten Arten.
Dr. 7, M. Brewer „North American Ovlogy* being
an account of Ihe geographieal distribution of Ihe birds of
North America, during their breading season, wilh ligures
and descriptions of their eggs. Part 1. Rapaces and Fissiros-
tres. 1 vol. 4 Ein treffliches Originalwerk, höchst wissen-
schaftlich und ausführlich behandelt, und, wie zu erwarlen
stand, des Neuen viel bietend. Kupterlafeln sahen wir noch
nieht. DieSmithsonische Instilulion in Washington giebt die-
ses Werk heraus, welches sich in würdigster Weise an Baird’s
umfassende Arbeit über die Vögel Nordamerika’s schliesst.
Dr.RufusHaymond „Birds of South-eastern Indiana.“
Proceed. Acad. Nat. Sc. of Philadelphia, 1856, p. 286. Ganz
angemessen aber kurz behandelt.
Fr, Brendel „Vögel der Umgegend Peoria's in Hli-
nois“ in Giebel Zeitschr. für Naturk, p. 420. Mit Messungen
16 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
an frischen Exemplaren. Von Grus cinerea will der Verfas-
ser Männchen und Weibchen erlegt haben!! Kein amerika-
nischer Autor erwähnt dieses Vogels.
Dr. F. A.L. Thienemann „Ueber die von Dr. Gund-
lach eingesendeten Eier und Nester eubanischer Vögel.“ Ca-
han. Journ. f. Ornith.
Dr. Gundlach's „Beiträge zur Ornithologie Cuha’s,
mitgelheilt und wit Anmerkungen von Dr. J. Cabanis.*
Journ. für Ornithol. Es werden in dieser ungemein wich-
tigen Arbeit nicht weniger als 251 Arten kritisch behandelt.
Natürlich ist der die Feststellung der Art umfassende syste-
malische Theil Cabanis Verdienst; aber zahlreiche und
zum Theil sehr interessante Beobachtungen Gundlach’s über
das Leben der Vögel Cuba’s verleihen dieser Zusammenstel-
lung besonderen Reiz. Jedenfalls zu den besten Documenlen
über westindische Ornithologie zählend.
Dr. G. Hartlaub „Zur Omithologie Südamerika’s“ in
Cabanis Journ. p. 36. Diese Zusammenstellung stützt sich
zunächst auf Burmeister’s Werk über die Vögel Brasi-
liens, auf Cassin’s Bearbeilung des ornilhologischen Theils
der Chileexpedilion der vereinigten Staaten, auf Desmur's
Bearbeitung der Vögel Castelnau's und auf P. L. Sela-
ter’s immer mächtiger anwäachsende Arbeiten über die Vö-
gel Südamerika’s.
P. L. Sclater fährt fort uns mit. wichligen Beiträgen
zu unserer Kenntniss der Vögel Südamerika’s zu beschen-
ken. Sein Verzeichniss der Vögel St. Fe de Bogola’s erlährt
fortwährend Nachträge und Berichligungen und ist jelzt auf
510 Arten angewachsen; unter diesen liguriren die Colihri’s
mit mehr als 70 Arten. Proceed. Zool. Soc. p. 15.
P. L. Sclater „List of Birds collected by Th. Brid-
ges in Ihe valley of St. Jose in California.“ Proceed. Zool.
Soe. p. 121.
Es werden hier 33 Arten aufgeführt, unter diesen Glaueidium
ealifornieum Sel. (infuscatum Cass.). Lanins exeubitorides, Toxostonma
redivivum, Sitta acnleata Cass.. Pipilo oregonus, Pieus Gairdneri. Pi-
eus Nutallii (Wilsoni, Malh.), Callipepla pieta u. s. w.
P. L. Sclater „List of additional species of Mexican
der Vögel während des Jahres 1857, 17
Birds, obtained by A. Salle& from the environs of Jalappa
and St. Andres Tuxtla.* Proceed. p. 201.
Noch 22 Arten. Neu ist nur Complosoma imberbe mil fig. cap.
(Unserem Ornithion inerme verwandt, wie es scheint). Auch der von
C. pumilio ganz verschiedene Cyanveorax nanus ist dabei.
P. L. Sclater „On a collection of Birds made by Si-
gnor Matteo Botteri in the vieinity of Orizaba in Soutlı
Mexico,“ Proc. Zool. Soc. p. 210.
Zählt-35 Arten auf, darunter den sehr seltenen Vireolanius me-
litophrys , Spiza versicolor, Picus Tardinei, Cotyle flavigaster, Neo-
chloe rufipennis n.’sp., Zonotrichia Boltevii u. s. w.
P. L. Selater „On a collection of Birds received by
M. Salle from Southern Mexico“ ib. p. 226.
Behandelt 80 von Ad. Boncard gesammelte Arten. Unter die-
sen erscheint zum ersten Male als mexicanisch Sarcorhamphus papa;
ferner Ciccaba torquata, Buteo Ghiesbrechtii, Attila eitreopygia, Ocya-
lus Waglerii, Goniaphea conereta, Euphone Gouldii , Diplopterus ex-
cellens n. sp.. Conurus Pelzii, Canceroma cochlearia von Caleman
1.8. W.
P. L. Sclater „On a collection of Birds transmitted
by Mr. H. W. Bates from the Upper Amazon.“ Proceed.
p- 261.
Die Mehrzahl dieser Vögel wurde am Rio Javarri gesammelt,
so Chiroxiphia regina, Jodopleura Isabella, Eubuceo aurantiicollis
u.'s. w. Das Gebiet des oberen Amazonenflusses zählt, ornitholo-
gisch betrachtet, zu den reichsten. der Erde.
A. Sall& „Liste des Oiseaux rapportes et observes
dans la republigue Dominicaine (ancienne partie espagnole
de l'ile St. Domingo).“ Proceed. p. 230.
Die grosse Mehrzahl dieser namhaft, gemachten 61 Arten be-
wohnt zugleich Nordamerika. Spindalis multicolor ist selten, ebenso
Loxigilla violacea (sehr verschieden von L. portoricensis). Numida
meleagris wird als völlig verwildert mit aufgeführt, Sehr werthvolle
Beobachtungen über die Lebensweise einzelner Arten, so über Todus
dominicensis, welchen Salle für gleichartig mit subulatus und an-
gustirostris hält, über Columba leucocephala und Geotrygon montana ;
über Trogon roseigaster,. Conurus chloropterus u. s. w. y
Ch. L. Bonaparte „Catalogue des Oiseaux receueillis
ü Cajenne par M. Desplanches.«
In dieser namentlich in Hinsicht auf geographische Verbrei-
tung und Sicherheit des Fundortes wichtigen Arbeit werden 130 Ar-
Archiv f. Naturgesch, XXIV, Jahrg. 2. Bd. B
15 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
ten aufgezählt, unter ihnen Accipiter tinus, Syleicola chryseola n. sp-
von Bonaparte als speeifiseh verschieden yon der aestiva Nord-
america's betrachtet, Planchesia fuliginosa (Gm.), Ortygometra Schom-
burgkii u. s. w. —,Von allen Abhandlungen Bonaparte's im Sepa-
ratabdruck die seltenste!
Ks taalı en,
M. Elsey „Brief an Gould vom Victoriaflusse in Nord-
australien datirt und viel Interessantes enthaltend.“ Proceed,
Zool. Soc. p.23. Hübsch über die Lebensweise von Plotus.
SamuelHannaford „Joltings in Australia or notes
on Ihe Flora and Fauna of Victoria.“ 1 vol. im 8. 100 S.
Melbourne 1856. Hauptsächlich botanisch, aber mit eingestreu-
ten Bemerkungen über einzelne Vögel, so über Pelroica
multicolor, über Malurus eyaneus, über den Fairy Marlin
u.s. w. Ziemlich unbedeutendes Büchlein von einem frommen
und gefühlvollen Naturfreunde geschrieben,
H. Wallace „On the Natural History of Ihe Aru-is-
lands.“ Ann. and Mag. of Nat, Hist. p, 475. Wir machten
bereits aufmerksam auf die hervorragende Wichligkeit der
endlichen naturwissenschaftlichen Durchforschung der Papua-
länder durch einen Reisenden von so bewährter Tüchligkeit,
als Wallace es ist.
Von Macassar aus erreichte dieser als erste Station seiner Un-
ternehmung. die Gruppe der kleinen Ke-Inseln . wo ihm bereits die
Gattungen Megapodius, Carpopbaga, Ptilinopus, Macropygia, Dieru-
rus, Tropidorhynchus, Zosterops, Nectarinia, Rhipidura und Lorius
begegnen. Aber eine ungleich reichere ornithologische Fauna er-
wartete ihn auf den grösseren Aru-Inseln.» Hier wurden 116 Arten
gesammelt, nämlich 11 Alcediniden. 13 Museicapiden, 10 Psittaciden,
9 Meliphagiden, 2 Paradiseae und 12 Tauben. Weder Pieiden noch
Bueerotiden. Viele Arten nicht verschieden von schon bekannten Neu-
guinea's. Eurylaimiden und Meropiden scheinen ebenfalls zu fehlen.
Der Casuar ist häufig. Phonygama wurde beobachtet. Ein Rabe mit
blauer Iris wird neu sein. Von interessanten Neuguinea-Vögeln fand
Wallace auf den Aru-Inseln z. B. noch Microglossus aterrimus.
Arses chrysomela und telescophthalma.
Accipitres.
Geier. Nitzsch „Beobachtungen zur Naturgeschichte des
der Vögel während (des Jahres 1857. n 19
fahlen Geiers* (Vultut fulaus) in Giebel, Zeitschr. tür die ges: Na-
turk, 1857. _p. 364.
Dr. €. Bolle ,Der californische Condor,“ nach. Taylor aus
dem Zoologist übersetzt. Ein prachtvolles Weibchen wurde am Strande
bei Monterey 'erlegt. Bei, diesen Art’ ist.‚das, Weibchen entschieden
kleiner als das Männchen. .
P. L. Sclater erklärt sieh für. die specilische Verschiedenheit
von Cathartes burrowianus. Proceed. Z. S. p. 3.
Falken. Ueber die Archibuteo-Arten Nordamerika's schreibt
ausführlich J. Cassin: Proceed. Acad. N. Sc. Philad. p.211. A. lago-
pus und A. St. Iohannis sind östliche Arten, während ‘A. ferrugineus
der Westküste angehört. . ll |
„Aphorismen über Falken,“ von J. MH) Blasius. Naum. p.'266
305. ai wi N
J. H. Blasius „Die Weihen Europa's.“ Naum. p. 307—324,, .,
Ausführlich über Aster palumbarius Pfarrer, Snell..Jahrb. des
Vereins für Naturk. im Herzogth. Nassau. Heft 12. \
„Der ‚Jagdfalke, und die Falkenbeize“ -von Baron v. Müller.
Cab. Journ. für, Ornith.. V. p. 169.
Ueber Buteo rufinus schreibt, A. v, Pelzeln. Sitzungsber.’ma-
them.-naturw. Klass. Wien. Acad. Wissensch. Bd. 24. p. 380.
P. LE. Sclater erklärt Cymindis. Wilsoni, nach Untersuchung
des Originalexemplars für eine ‚gute vom uneinata: specifisch verschie-
dene Art. Gundlach soll kürzlich neue Exemplare: erhalten-haben.
Proceed. Z. S. p. 3.
Neue, Arten: Spilunis rufipeetus Gould. Von Wallace aus
Celebes eingesandt. Proceed. 2. S. p. 222. — Aquila, Desmuri, Verr.
Hartl. Syst. Westafr. .p.4. Bissao. — Cireuetos melanotis, Verr. Hartl.
ib. p.7. Bissao. — Nisus Hartlaubii, Verr.| ib. p.16. Casamanse.
Eulen. John Wolley üben Nest und Eier von Strix lap-
poniba in Lappland, Proceed., Z..S. p. 56-
Für die kleine, unserer passerina ähnliche, von Cassin iır-
thümlich für Temmink's Str. infuscata gehaltene Eule Californiens
schlägtSelaten den Namen Glaueidium californicum. vor. Proceed. p. 4.
1 "a 'Passeres.
;Ubservalions sur les Passereaux“ ‚par. Mens. Puche-
ran. Extr; du«Bullet, Soc. philom. de, Paris..1856. .p.40.
Nicht unwichtige kritische Berichtigungen über Pachyrhamphus
Spixii Sw., über Dryocopus ieburneirostris, welchen Pucheran für
nicht gleichärtig mit Xiphorh. Mavigaster Sw. hält; ferner über Nyc-
tibius leucopterns, welches der Uruton Azara’s , also‘ N. cornutus
20 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Vieill: sein soll; über Azara's Ibijou, der mit Nyetidromus erallarius
sehndi's sei gleich
gleichartig erklärt wird: Caprimulgus ocellatus
C.brasilianus Pr. Wied n.) sw. © Cassin’s Ansichten über die ge-
nannten Caprimulgiden lauten bekanntlich abweichend.
C. L. Bonaparte „Parallelismo fra la triba' dei can-
tori fissirostri e quella dei volueri hianti e dei nollurni ©
vero insidenti.“ (Estratto dalle Rivista Contemporanea. Febr.
1857). Fleissige Arbeil, wie wir deren verschiedene ähn-
liche des Verfassers besilzen.
Dr. Th. Forster „On Ihe irregularity of the ‚return
of swallows and olher vernal migratory tribes in 1857.* Journ.
Linn. Soc. Proceed. vol. I. p. 40.
Caprimulgidae. Neu ist: Caprimulgus Fossii. Verr. von
Gabon. Hartl. Syst. Westafr. p. 23.
Cypselidae. W. \. Bernstein „Beiträge zur Kenntniss
der Gattung Collocalia.“ Separatabdruck aus den Verh. Kuis. Leo-
pold. Acad. Natwf. 218. Behandelt Collocalia eseulenta undtnidihien.
Zuv Anatomie der Mauerschwalbe (Cypselus apus). Nach Chr.
L. Nitzseh Untersuehungen. Gieb. Zeitschr. für die ges. Naturw.
1857. p. 257.
ist: Oypselus borealis Kennerly. Proe. Ac. N. Se. Philad.
1557. pP. 202 von Puget Sound. Auch €. Vauxi wurde dort erlegt.
Hirundinidae. Hirundo eiris Pall. wurde nach Brandt
am Amnr wiedergefunden.
Pässler berichtet über Nest md Eier von Hirundo rulula,
welche Schrader in Griechenland beobachtete. nnd zwar in den
Gebirgen um Missolounghi. Das Nest ist geformt wie bei Sitta syriaea.
Eier schneeweiss. Caban. Journ. .f. Ornith. p. 116.
Neu ist: Altieora nitens Cass. Proc. Ac. Philad. p. 28. Munilluss.
Coraciadae. Zur Anatomie der Blauracke (ÜCoracias gar-
muila). Nach Chr. L. Nitzseh Untersuchungen im Gieh. Zeitschr. ges.
Naturw. 1857. p. 318. Taf.
Trogonidae. Neu: Trogon Eytoni, Fras. Proe. Zool, Soc.
p.568. Vielleicht nn Varietät von Tr. collaris.
Meropidac. Neu ist Meropiscus Mülleri Cass. Proc. Ace. Phi-
lad. p. 57. Munilluss.
Alcedinidae. Neu: Halcyon fulgidus Gould. Insel Lom-
bock. Proe. 2. Soe. 1857. p. 65. — Ispidine vufceps Hartl. Syst. Westafr;
ps 262. Aguapim.
Momotidae, Sclater gab eine sehr hübsche monographi-
sche Uebersieht der 'bis jetzt bekannten Arten ‚dieser Familie in, deu
Proceed. Zool. Soc. p.248. Er unterscheidet die Gattungen Homotus
s der Vögel während des Jahres 1857. 21
mit den 12 Arten brasiliensis. aequatorialis, mierostephanus; Natlereri.
subrufeseens. bahameusis. Lessonii „ caeruleiceps. mexicanus., casla-
neiceps, semirufus und eyanogaster:; dann die Gattung, Aylomanes mit
den Arten momotula und gularis; ferner die Gattung Prionirhynehus
ınit den Arten platyrhynchus und carinatus. und endlich die Gattung
Eumomota mit der schönen Art supereiliaris. — Levaillant's Moi-
mot Dombe hält Selater für nicht wissenschaftlich begründet. und
M. psalurus Pucher. für wahrscheinlich gleichartig mit Lessonii. Eine
beigefügte tabellarische Uebersicht erläutert die geographische Ver-
hreitung dieser speeifisch südamerikanischen Form. Proe. Zool. Sor.
p- 248.
Neu sind: Momotus nequatorialis Gould. Proc. Z. Soc. p. 223:
Rio Napo. — 4. semirufus Jardine. Edinb. New Philos. Journ. V.
p- 256. Quito. — M. mierostephanos Sclat. |. e. Neugranada. — M.
Nattereri Sclat. I. e. Yungas-Gojaz in Brasilien.
Ahgebildet: Prionirhynchus carinatus inProc. Zool. Soc. 1857.
pl. 128. |
Bucconidae. Ueher die Lebensweise von Tetragonops rham-
phastinus vergl. Jardine nach Jameson Edinh. N. Ph. Journ. p. 2
HKhamphastidae. Neu ist: Selenidera spectabilis Cass. Proc.
Ac. Philad. 1857. p. 214. Coenjos de Veragua.
Tenuirostres.
Upupidae. C. Giebel zur Anatomie von Upupa -epops.
nach Chr, L. Nitzsch Untersuchungen mitgetheilt. Zeitschr. I. ges.
Nalturwiss. p. 2506.
Nectariniadac. Neu: X. Jardinei Verr. Hartl. Syst. Westafr.
p. 47. Gabon. — N. Hartlaubii Verr. ib. p.50.. Angola. — N. Reichen-
bachii Hartl. ib. Gabon.
Trochilidae. Ueber das Nest von Trochilus gigas schreibt
Sir W. Jardine. New Edinb. Phil. Journ. p:257.
Neu sind: Phaetornis viridieaudala Gould. Proc. Z. 8. p. 14.
io Janeiro. — Ph. episcopus G. ib. Demerara. — Ph. obscura 6.
Rio de Janeiro.
Gould's Prachtwerk über dieColibri's nimmt einen wenn auch
langsamen Fortzung.
Certhidae. Oratio Antinori „Leber das Nest von Sitte
syriaca. Naum. p. 429.
Eine monographische Notiz über Campylorkynehus sieht V. L.
Selater. Proc. Ac. Phil. 56. p. 265. Er kennt 13 Arten.
Neu sind: Campylorhynehus humilis Se). Mazatlan. — €. stria-
22 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
vcollis Scl. Neugranada. — ©. pardus Sel. ib. Proc. Zool. Soe. pl:
130. St. Martha. — 4A. gittulatus Sel. Proc: 2001. Soc. pl. 130.
Weitere Beiträge zur Fortpflanzungsgeschichte von Maenuru su-
perba giebt L. Becker in Melbourne. Cab. Journ. V. p. 293. "Nest,
Ei und Junge werden beschrieben. Das Ei ist von der Grösse des
Entenei’s, hellaschgrau mit schwach bräunlicher Fleckung.
Dentirostres,
Lusciniadae. Die Sylvien der Insel Sardinien von A.Hans-
mann. Naum. p. 404—429. Schr instructiv und anziehend geschrie-
ben, 25 Arten.
W. Pässler schreibt sehi instruetiv "über Nest und Eier von
Sylvia eisticola. Caban. Johrn. Ornith. p. 115. Die Farbe der "Bier
scheint merkwürdig wechselnd zu sein: +
Pastor L. Brehn „Die Mauser und die daraus heivorgehende
Verfärbung der Bach- und Schaafstelzen.“ Cab. Journ. p. 25.
C. Käsermaänn „Einige Beobachtungen über Anthns "Aquati-
eus.“ Naum. j
| Ueber Parus meridionalis schreibt ScelabemPröceed- 2061. Soc.
p- 421. El Jacale. Die Artist ünzweifelhaft verschieden von Pati
capillus Nordamerika's.
Neu sind: Orthotomus Hügelii. v. Pelzeln Sitzungsber. Wien.
Acad. Wissensch. XXIV: p. 369.’ Steht ©. flaroviridis zunächst. —
Prinia striolata v. Pelzeln ib. Caschmir. — Drymoeca naeria nob.
Syst. Ormnith. 'westafr, pP. 56. "Senegal. —-'D. erythrops hob NdeR p. 58.
Calabar. — Eremomela pusilla nob. ib. Senegambien. — E. viridi-
flava nob. ih. Senegambien. — Chloropeta moesta nob. ib. Gabon.
Bradyornis vuficauda Verr., Hartl. ‚Syst Westaft; © ps 66: ) Gabon. -
Parinia letcophaca nob. ib. p. 71. Gabon. — Malarus coronatus Gould.
Proceed. Z. Soc. p. 221. Vietorialluss in Nordaustralien.
Turdidae. Mönographisch-bearbeiteten‘ die Gattung Oreo-
eincla Prinz €. L. Bonaparte Guen. Rev. et Mag. Zool. p-20& und
€. Sundevall. Cab, Journ, p. 157... Ersterer unterscheidet als Ar-
ten:.1) O. aurea Bp. Nordasien, Europa. 2) 0, Horsfieldii ,Bp..Java,
3) 0. lunulata Gould. Australien. 4) 0. Heinei Cab. Japan. 5) 0,
dauma Bl. Centralasien. 6): 0. mollissim« Centvalasien, und 7) 0.
spiloptera Bl. Ceylon. Letzterer dagegen 1) raria, Pall. 2) dauma,
3) malajana Sund. (Hovslieldii Bp.) 4) lunulata Lath. wei
Als neu wurden heschrieben: Pitta eoncinna Gould. Tosel Loni-
back, (Wallace) (= P. mathildae J. Verr. Rey. et Mag. de Zool. p.
303. pl. 2. fig. med.) — Turdus fulviventris Sclat. Proceed.Zool. Soc.
p- 273. Neugranada. — T., ignobilis Scl. ib. Neugranada. — Cinclus
leuconotus Scl. ib. Ecuador. Neugranada. — Melunoptila glabrirostris
der Vögel während des Jahres 1857. 23
Scl. ib. 275. Honduras c. fig. cap. Höchst interessante neue Form.
Ganz schwarz. — Crateropus apicalis (Licht) Senegal Hartl. Syst.
Westafr. p. 76. — Cossypha pyrrhöpyyia Hartl. Westaft. 1. c. p. 78.
— Ortiolus erassirostris nob. ib. p. 266. Instel St. Thome. — Tricho-
phorus canicapillus nob. ib. p. 84. — Xenocichla pallescens nob. ib.
p- 86. Gambia. — Trichoph. tricolor Cass.’ ib. 265. Munifluss. — An-
dropadus virens Cass. Procced, Ac. Philad. 57. p. 34. Munifluss. —
Ferner :
(Formieariinae.) Formicarius tricittatus Sel. Pröceed.
2: Soc. p. 46. Amazonas. — Grallaria ferrugineipectus Sel. ib. p.
126. pl. 126. Venezuela. — G. loricata Sel. ib. Caraccas.. — Co-
nopophaga castaniceps Sel. ib. Neugran:da. Ostperu (ardesiaca Tsch.)
— Hypöchemis elegans Sel. ib, Bogola., — H. melanopogon Sel. ib.
Chamieuros. — Myrmeciz« hemimeluena Sel. ib. Bolivien. — Formi-
eicora hkaematonota Sel. ib. Chamiceuros. —F. melaena Sel. ib, Neu-
granada. — F. urostiete Sel. ib. pl. 126. fig. 1. Oestliches Brasilien.
F. Hawzwellii Sel. ib. p. 131. pl. 126. fig. 2. -— F. cinerascens Secl.
ib. Chamicuros. — Herpsilochmus pectoralis Sel. ib. Patria? — Thau-
mophilus melanothorax Set. ib.
Vergleiche ebendas. Selater über Dasythamnus zanthopte-
rus Burmeist. Vög. Bras. II. p. SI. und über Thamnophilus melano-
ceps Spix. j
Tyrannidae. Die beste Arbeit, deren wir unter dieser Ru-
brik zu gedenken haben. ist Sclater's „Review of the species of
South American subfamily Tityrinae.“ Proceed. Zool. Soe. "pP. 67—80.
Selater will die Tityrinen im System zwischen den Tyranniden und
Cotingiden gestellt wissen. Er unterscheidet die Gattungen Tityra mit
6 Arten und Pachyrhamphus mit 16 Arten , welche in die Subgenera
Platypsaris, Pachyrhamphus, Callopsaris und Bathmidurus vertheilt wer-
den. Ein angehängtes Schema erläntert schr zweckmässig die geo-
graphische Verbreitung.
Als neu wurden beschrieben: Pachyrhamphus albo - griseus
Solat. Proc. Z. Soc. p. 78. Nengranada. — Tyrannus atrifrous Selat.
ih. p. 274. Ecuador. — Camptostoma imberbe Sel. ib. p. 203. fig. ca-
pit. Steht meiner Form Ornithion nahe. — Neochloe rufipennis Sel.
ib. p. 213. Orizaba (ob den Vireoninen beizuzählen?) — Todirostrum
calopterum Sel. Proc, p.82. pl. 125. fig. 1. Rio Napo. — T. capitale
Sch ib. fig. 2. Rio Napo. — T. exile Sel. ih. fig. 3. Neugranada.
Selater giebt dann eine Vebersicht der 22 ihm bekannten Todiro-
strum-Arten.
Muscienpidae. Neue Arten: Peiroica cerciniventris Gould.
Vroceed. Z. Soc. p. 221. Vietorialluss in Nordanstralien. — Schet-
neria eueruleata Bp. Rev. et Mag. de Zool. p. 49. pl. 5. —— Myiagra
caledonica Bonap. ib. Neucaledonien.: — Tehitrea melampyra Vevr.
24 Hartlaub: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Hartl. Syst. Ovn.. Westalr. p.90 Gabon. — Myiopkila cönerera Temm.
Hartl. ib. p-95. Guinea. — Muscicapa Rüsii Hartl. ib. 96. Aguapim
— MM. modesta nob. ib. 96. Gabon. — M. comitata Cass. Proc. Ac.
Philad. März 1357. Munilluss.
Bonaparte über Moquinus albicaudus (Stwickl.) Rey. zool.
p. 49. pl. 5: fig. bon. ; y
Ampelidae. Ucher Nest und Eier von Bombyeilla 'garrula
schrieb sehr instrucliv John Wolley. Proceed. Zool. Soc. p. 95.
pl. 122. Er beobachtete die Fortpflanzung dieses Vogels in Lappland.
Neue Arten: Cotinga amabilis Gould. Proceed. Z. Soc. p. 61.
pl. 123. Guatemala. — Lipauges rufescens Sel. ib. p. 276. Coban.
Eaniadae. John Cassin schreibt über die Lanius- Arten
Nordamerika’s. Proceed. Ac. Nat. Sc. of Philad. p. 212. Er unter-
scheidet 1) L. borealis Vieill. Nördl. und West. 2) septentrionalis
(im. Mittlere und nördl. Staaten. 3) Tudoricianus IL. Südl. Staaten.
4) exeubitorides Sw. Westliche und nördl. Staaten. 5) elegans Sw.
Westlich und Nordwestil.
Als neu wurden beschrieben: Fraseria cinerascens (Temm.)
Hartl. Syst. Ornith. Westafr. p. 102. Ashantee. — Dryoscopus ceueul-
latus (Temm.) Hartl. ib. p. 111. Senegal. — D. bicolor Verr. Hartl.
ib. p. 112. Gabon. — Sigelus senegalensis nob. ib. p. 112.
Conirostres.
Corvidae, Neu ist: Garrulus minor J. Verr. Rev: et Mag.
de Zool. p.439. pl. 14. fig. bon. ist @. obseurus A. Brehm. Algerien.
Spanien. Allerdings kleiner und dunkler ‚gefärbt als unser Heher.
Im übrigen kaum verschieden (g' und 2 in der Bremer Sammlung).
Paradiseidae. A. Wallace schreibt ungemein interes-
sant über den grossen Paradiesvogel der Arrn-Inseln (Paradisea apoda).
Ann. and Mag. Nat. Mist. p. 411. Er ist der Burong-mati der Ma-
layen, der Fanehan der Arru-Bewohner. Am prachtvollsten erscheint
der Vogel bei verticaler Ausbreitung der Federzier über dem Rücken:
Wir hatten übrigens von dieser ausserordentlichen sonnenartigen Um-
hüllung des Vogels bereits Kenntniss ‘durch eine Mittheilung La-
Irenaye's.
Sturnidae. Neu: /uida Eytoni Fraser, Proceed. Zool. Soc.
p: 368. Nordostafrika. — Lamprocolins cupreocauda (Temm.) Hartl.
Syst. Ornith. Westafr. p. 119.
Friugillidae, Neu sind: Pyrrhnla aurantiaca Gould. Pro-
veed. Zool. Soc. 1857. pP. 222. Gebirge westlich von Caslhimin — Zo-
notrichia BotteriSelat. ib p. 214. Orizaba. — Syeobius Rachelliae
Cass. Proc. Acad. Philad. 1857. p.36.. Munifluss (Du Chaillu). — Hy-
phantornis magnirostris Verr. Hartl. Westafr. p. 127. — Estrelda vwi-
der Vögel während des Jahres 1857. 25
naceer Hartl. Westalr. p. 143. Casamanse. — Ortygospisa lunulatatTemm.)
Hartl. Westafr. p. 148. ‚Senegal.
Nach Selater fällt Bonapartes Passereulus zonarins mit
Peucaea Lincolni —- und Coturniculus Henslowii mit C. passerinns
zusammen.
€. Gloger „Ueber Schnabelabweichungen hei Körnerfressern.“
Cab. Journ,
Alaudinae. Neu dürfte sein : Megalophonns oceidentalis
Hartl. Westafr. p. 155. Gabon.
Emberizinae. Ueber verschiedene Ammern 'äussert sich
Prinz ©. L. Bonaparte in Rev. et Mag. de Zool. p. 160. Pleetro-
phanes Macownii „Lawrence, aus dem westlichen Texas wird für der
Gruppe der Montilvingillen verwandt und Rhodopec
nahe stehend erklärt. Emberiza albida Blyth sei ein junger Vogel
von! E.. pithyornis und E. scotala Bononi . abgeb. pl. 7, sei ein Jün-
seres Männchen derselben Art (? wäre ein sehr ungewöhnliches Far-
benkleid). Die Vermuthung , dass Strickland's Emb. cinere«a
(Smyrnd) ein junger Hypocentov sei, scheint uns gänzlich falsch.
phoenicoptera
Neu ist wohl: Emberiza Buchanani Blyth. Rev. ct Mag. de
4001. p.163. Himalaja. Bonaparte vertheilt die ächten Ammern in
die Gattungen Synehramus, Pleetrophanes, Centrophanes, Onychospina.
Hypocentor,. Fringillaria, Hortulanus. Schoenicola. Emberiza und
Busearla.
Tanagridae. Von P. 1. Sclater's „Monograph ol the
Birds forming the genus Calliste* erschien part 2, enthaltend. die
zrösstentheils wohlgelungenen Abbildungen von Calliste pulchra, €.
Arthusi, C. vilriolina. C. eajana, C. Nlava, C. pretiosa, Ü. eyanoplera,
C. Desmarestii, C.Schrankii, C. gultata, C. punctata und C, graminea.
Das, Werk zählt; wie schon gesagt, zu den besten und gelungensten
in seiner Art, und der Preis wurde so gestellt. dass dasselbe nicht bloss
den grossen Bibliotheken zugänglich ist.
Neu: Euphonia Gouldi Sclat. Proceed. Zool. Soc. 1857. p. 66.
pl. 124 di 2... (Wir wollen bier ‚bemerken, dass das Roth der Stivn
in der Abbildung entschieden zu deeidirt roh ‚geratlien ist. Es ist
vielmehr nur ein lebhaftes braunroth). Guatemala.
Sceansores.
Buccrotidne. Neu ist: Tockhus camurus Cass. Vroceed.
Acad. Nat., Se. Philad.Dee.. 1856. Cap Lopez. Ich sah diese kleinste
Art, der Nashornvögel kürzlich in London.
Psittacidae, Charles de Souanee „leonographie des
Verroqueis non figures dans les publications deLevaillant et de Bour-
jot St. Hilaive, avec Ja cooperation de 8.,A. le Prince Ch. L. Bo-
26 Hartlaub: Bericht über die Leistimgen in der Naturgeschichte
naparte erde M. E Blanchard. livr. 1—5. dto maj. Paris. (livr.
a 16 fr.) Was wir bis jetzt von diesem Werke gesehen haben, scheint
uns im hoben Grade Lob zu verdienen.
„Des characteres osteologiques chez les oiseaux de la famille
de Psittacidae, par E. Blanchard,“ und
„Remarques ä propos des observations de M. E. Blanchard,
sur les char. osteol. chez les Psittacidae et tableau des genves des
Perroquets etc. par s. A. le Prince Ch. L. Bonaparte. Acad. des
Se. de Paris. Mars 16. Rev. et Mag. de Zool. 1857. p. 113. — In
der Sitzung der Academie vom 23. März legte Bonapante,ein „Ta-
bleau des genres de Perroquets dispose en series paralleles“ vor.
Sehr ausführlich und instruetiv schreibt Prinz Max zu Neu-
wied über den einzigen Papageien Nordamerika's Conurus carolinen-
sis, Caban. Journ: für Ornith. p. 98.
P. S. Selater verbreitet sich kritisch über verschiedene Pa-
pageien. Proceed. 2. S. p. 224. Mit grossem Rechte, wie uns scheint,
wird der weissstirnige Papagei Domingo’s inter dem Namen Chryso-
tis Sallaei von dem älmlichen Vogel Cuba’s (C. leucocephala) 'ge-
trennt. Cuba eigenthümlich istz Chr. leucocephala und Conurus gu-
Junensis, Jamaica besitzt Chr. vinaceicollis und Con. nanus, Portorico
Ohr. vittate und Con, Maugaei und Domingo Chrys. Sallaei und Con.
chloropterus. Gewiss ein interessantes Verhältniss. — Bonaparte's
Bolborhynchus catharina sei M. lineola Cass. — Für die ächten grü-
nen Lori’s (sinensis, inlermedius und Westermami) schlägt Selater
die generische Benennung Polychlorus vor.
Neu sind: Psephotus ehrysopterygius Gould. Proc. Zool. Soe.
p. 220. Victorialluss in Nordaustralien. — Conurus astee de Sowanck.
Rev. ‘et Mag. Zool. p. 97. Mexiev. — Pyrrhura haematotis Id. ib.
p. 06. Venezuela. — Cyenorkamphus Malherbii Id. ib. Vaterland ? (im
Museum zu Metz).
Abgeb. Psittacodis Westermanni. Ilustr. Proceed. Zool. Soc.
pl. 127. fig. opt.
Picidae. Reichenbach beschreibt als nen» Campephi-
Ins lewcopterylus. Picid. p. 392. fig. 451920. Mexico. — €. lenco-
rhamphus ib. p.393. fig. 4527—28. Mexico. — C. mesoleiets (Lichtst.)
ib. fig. 4329—30. Foem. Columbien. — €. regius (Lichtst.) ib. fig.
4331—32. Mexico. — Brachypternusistriaticeps R. fig. 4351. p. 398.
Centralasien. — Chrysocolaptes bacha R. fig. 4353—54. p. 399. Cen-
tralasien. — Hemicereus coceometopus R. fig. 4664-265. p.401. Cele-
bes, Sumatra. — Meiglyptes sordidus R. p. 402. Tenasserim. — M.
loricatus R. fig. 4495—96. Pegu. — Celeus semicinnamomens R. fig.
1397. p. 407. Südamerika. — Centurus sulfuriventer R. ig. 4411—12.
Mexico. — Colaptes einereicapillus R. fig.4489—90. p. 416. Peru. —
Chrysoptilüs perurianus R. ig. 4493-94. p. 419. ist atricollis Malh:
der Vogel während des Jahres 1857. 9
Chr. quitifer R. p. 420. Mexico. — Chlorönerpes Warsewiezit R. fig.
4491—92. Peru. — Campephilus albifrenatus R. p. 431. Neugranada.
Malherbe wird diese sämmilichen Arten einer näheren Cri-
tik unterwerfen. Schwerlich wird ihr Bestehen unangefochten bleiben:
Der in meinem System der Ormithologie Westafrika’s ls neu
beschriebene Dendromus Meriani hat, sich, Malherbe's ,Kenner-
blick als Artefact erwiesen. ‚und, D, nigriguttatus ist nach ihm foem.
von gabonensis. - .
" Cuculidae. Nach Graells legt Ozylophus glandarius in
Spanien in die Nester von Prca candata und die Eier beider Vogel
zeigen in der Färbung äuflallende Uebereinstimmung.
Musophagidae. E. Blanchärd über die Osteologie der
Musophagiden. Rev. et Mag. de Zool. p. 458. -Deutliche Verwandtschaft
zu den Trogoniden und Gallinaceen, Familie, ganz ‚für sich.
Columbae.
Reichenbach’s „Handbuch der speciellen Ornitho-
logie.“ behandelt auf Seite 1-64 den Anfang des den Tau-
ben gewidmelen Theils.
C. L. Bonaparte „leönographie des Pigeons non
figures par Madame Knip (de Courcelles) dans les deux vo-
lumes de Mss. Temmink et Fl. Prevost.* 1—7 livr. fol. (a
20 fr.). Habe ich noch nicht gesehen.
E. Blyth „Bemerkungen über die Columbiden mit Beschreibung
einer neuen indischen Taube.“ Jon. Asiat.,Soc, of Bengal, Nr. 3.
1857. Die neue Art ist Columba venicapilla Blyth (ob Eversmanni
Bp. 2). Gute Beschreibungen verschiedener indischer Tauben. Schliess-
lich über die grünen Tauben Ceylon’s. Interessante Arbeit.
Chr. L. Brehm, „Die Naturgeschichte und Zucht der Tauben.“
u. s. w. Weimar. 177 8: (für Taubenzüchter und Ormithologen.)
Gallinne.
Neu sind; Cereornis Caboti Gould. Proeded. Zool. Soc. p. 161.
und Ann. and Mag. N. Hist. p. 521. China. Gute Art, — Odonto-
phorus hyperythrus Gould. |. c. 223. St. Fe de Bogota. — Tinamus
castaneus Selat. Proceed. Z. Sp. 277, Nengranala.
„Observations on Ihe wild Turkey or Gallopavo sylvestris“ by
John Leconte. Unser ’zahmer Puter stamme. «keineswegs vom
wilden ab. Dieser letztere sei niemals gezähmt worden,
Domink Geyer „Die Auerhahnsbalz.* Wien 1856. 8.
28 Hartlaub: Bericht über die Leistunzen in der Naturzeschichte
J. Baily: „Pheasant and Pheasantries.* «London 18,
290.8.
Martin Doyle „The illustrated book of domestic
poultry.* new edit. Routledge. 8. 100 8.
F. Dreessler „Nachrichten aus dem Verein für Hüh-
nerzucht. Dresden. Mit 20 color. Abbild. 1 f.
H. Lichtenstein und E. Winkler „Die veredelte
Hühnerzucht. Anleitung zur Behandlung u. s..w, nach den
im zoologischen Garten gemachten Erlfahrungen.* Heft 1. Berlin.
Carl Löffler „Die Zucht der, ausländischen Hühner
in Deutschland.“ Berlin. 1288. mit 25. Abbild. color.
Baron E. Peers „Oiseaux de Basse-cour.“ Les pou-
les. avee 20 planches. Bruxelles.
Don Ramon .Adame „Tratado de los gallos ingle-
ses.“ Madrid. 8. 24 8.
W. Hamm „Die rationelle Zucht der Hähner u, s. w.*
Leipzig. 1488. Mit vielen Holzschnilten.
C. F. Wiepken „Ein brütendes Männchen von Calli-
pepla californica.“ in Baldam. Naum. p. 324—2%6.
Struthiones.
he Eine neue Art Casuar von der Insel Neuirland (C. Bennettii)
beschreibt Gonld Proceed. Zool. Soc. Lond. p. 268. pl. 129. fig. opt.
Diesen merkwürdigen Moruck genannten Vogel habe ich kürzlich
lebend im zoologischen Garten in London gesehen und kann somil
nach eigener Untersuchung dessen speeilische Verschiedenheit bestä-
tigen. Auch die Farbe” des Ei’s weicht wesentlich von der des ge-
wöhnlichen Casırar ab. — Auch der neuholländische Caswar vonCap
York scheint eine gute Art zu sein. €. australis Gould.
Man vergleiche über den alrikanischen Strauss Livinestone
Miss. Tray. in South Afı. pag. 155— 56. und Andersson Beise See
N\gami 1. p. 272 bis 288.
Wallace traf Casswardes galeatus zahlreich auf den Arru-
Inseln. i
&rallae.
Ardeidae. Zwei neue Psophia-Arten beschreibt A. v. Pel-
zeln nach Exemplaren der Wiener Sammlung. Sitzungsber. der Wie-
ner Acad. Wissensch. Bd. 24. pP. 871. Psophia ochroptera J. Natterer.
der Vögel während des Jahres 1857. 29
Rio Negro, und Ps. obseura Natter. ib. 9.374. Inneres Brasilien. Mit
handschr. Anmerkungen von Johann Natterer.
Scolopacidae. \v. Benherg „Die Waldschnepfe und
ihre Jagd.“ 8. 1318. Berlin.
Neu ist: Aumenins haesitatas. Hartl. Syst. Westafr. Orn. p. 233.
J. Jäckel Veber das Meckern> der Bekassine in. Naumannia.
1557. Heft 1. Schr ausführliche Mittheilung. Nach ihm wären es die
Flügel, welche den sonderbaren Laut hervorbringen.
Rallidae. Neue Arten wären: Zapornia umbrata Cass. Pro-
eced. Acad. Nat. Sc. Philad. Oct. 1856. Fejee-Inseln. — Porzana
marginalis Hartl. Syst. Ornith. Westafr. p. 241. Gabon. — Corethrura
Bonapartei Nartl. \. ce, p. 242. Gabon.
Anseres.
Anas galerienlata soll in wilden Zustande am Amur gefunden
seim. Brandt,
P. L. Selater „Note on the Upland Goose* in Proceed. Zool.
Soe, pag. 128. Synonymische Auseinandersetzung von Chloephaga
inagellanica (6m.) und \Chl. poliogephala G.R. Gray (oder inornala).
Diese beide sowie Bernicla antarctica und B. melanoptera belinden
sich Jebend im zoologischen Garten in London.
Leon Olph-Gaillard Ueber Frligula Homeyeri gegen Glo-
ger u. s. w. Naumannia 1857. Heft 1. — Unbegreiflich. wie man nur
daran deuken konnte. diesen Vogel für eine selbständiee Art aus-
zugeben.
Laridne. Einen Nachtrag zu seiner Revision ‘der Lariden
giebt Bruch Caban. Journ. für Ornithol. pP. 23. Larus columbinus
hält Bruch für eine nene Art, Ein zweiter Nachtrag steht auf
Seite. 113.
Peiecanidae. Sehr auslührlich und. instruetiv schreibt Ü.
Gloger über Halieus Desmarestii Yayraud. und HM. lexcogaster Cara.
Caban. Journ. 57. p.4. Gloger liefert den Beweis, dass HM. Des-
marestii eine wirklich gute Art sci. Ob auch H. leucogaster, bleibt
zunächst dahingestellt. da Gloger nicht selbst Exemplare uniersu-
chen konnte. Ist indessen gar nicht unwahrscheinlich. Das Ganze
ist eine sehr dankenswerthe kritische Erörterung.
Bericht über die Leistungen in der Natur-
geschichte der Säugeihiere während des
Jahres 1857.
Vom
Heoerausgeben
Beim BEingange in meinen. diesjährigen Bericht will ich
nicht versäumen eines grossarligen Unternehmens Erwähnung
zu than, welches Agassiz, zwar. ‚ohne ‚Jahreszahl, aber
wenn ich nicht sehr irre, in Jahre. 1857, begonnen hatı
„Contributions lo the natural history of the united states ‚of
North-America.* Von diesem Werke, das aus 12 Bänden
bestehen wird, ist mir bisher nur der erste Theil des ersten
Bandes bekannt. geworden, der eine Einleitung enthält, und
sich mit. „den ‚Classification. der Thiere_ im,Allgemeinen be-
sehäftigt. Ich enthalte mich eines näheren Eingehens, da
bereits Leuekantı im vorjährigen Bericht ‚p. 167. Mütheilun-
gen darüber gemacht: hat.
Von Dahlboms „Zoologiska Studier* (vergl. vor, Be-
richt p. 2) erschienen Lund 1857 Heft 2 und 5 und das erste
Heft eines Atlas. Darin werden die Affen abgehandelt, und
wir werden unten darauf zurückkommen,
Es ist mir bisher nicht möglich gewesen, auf die Bul-
letins, welche die Sociele,;zoologique W’acelimalion seit 1854
herausgiebt, Rücksicht zu nehmen. ‘Freilich ist der, Inhalt
nicht dazu bestimmt, von den Thieren, die. darin bespzochen
werden, die wissenschaftliche Kunde zu vermehren, sondern
er bezieht sich auf die Domesticirung und den Nutzen, den
sie dem Menschen zu gewähren vermögen; indessen finden
sich in den bisher vorliegenden Jahrgängen doch Schilde-
rungen einzelner Arten oder Rassen vor, die wir als eine
Troschel: Bericht über die Leistungen in den Naturgeschichte etc. 1
Bereicherung der Wissenschaft begrüssen müssen , und aul
die in diesem Berichte wenigstens kurz hingewiesen wer-
den soll.
Im zweitenBande 1855 sind es von Säugethieren besonders die
Angora-Ziege und der Halbesel (Equus hemionus), welche geschil-
dert wurden, der zahlreichen kleineren Besprechungen nicht zu ge-
denken. — Im 3ten Bande 1856 möchte eine Arbeit von Sace über
die Ziegen hervorzuheben sein. — Im vierten Bande 1857 ist die
letztere fortgesetzt: Dareste handelt über die projectirte Einführung
des Dromedars in Brasilien; Davin über die Verwendung der Ka-
meelhaare: Dutrone über das normannische Rind ‚ohne Hörner; R i-
chard über die Pferde, Esel und Schweine Algeriens; Albert
Geoffroy Saint-Hilaire über die Schafe und Ziegen Algeriens;
Davelouis über den Büffel; Bourlier über die Angora-Ziege.
Owen hat seine Grundsätze für die Eintheilung der
Klasse der Säugethiere auseinandergeselzt: Journal of the
proceedings of the Linnean society of London. I. No. 5.
p. 1-37:
Für den Charakter ersten Ranges nimmt Verf. das Gehirn. und
unterscheidet darnach vier Unterklassen, die dann wieder in Ord-
nungen zerlallen, deren Namen bereits bekannt sind.
I. Eyencephala. Die unterste Gruppe, wo die Hemi-
sphären so liegen, dass sie die olfactorischen Ganglien, das kleine
Gehirn, und mehr oder weniger die optischen Lappen unbedeckk
lassen; ihre Oberfläche ist im Allgemeinen glatt. die Windungen,
wenn vorhanden, sind wenige und einfach.
II. Lissencephala. Das Corpus callosum ist vorhanden.
aber verbindet die Hemisphären so wenig massig entwickelt, dass
es kaum zu einem äusserlichen Charakter wird; das Gehirm lässt die
olfactorischen Lappen und das Cerebellum unbedeckt und ist im All-
gemeinen glatt oder mit wenigen und einfachen Windungen.
II. Gyrencephala, Das Gehirn ist so gross, dass es sich
mehr oder weniger über das Cerebellum und die olfactorischen Lap-
pen erstreckt. Mit Ausnahme der kleineren Formen von Quadruma-
nen sind melr oder weniger zahlreiche Windungen vorhanden.
IV. 'Archencephala. Hier bedecken die Hemisphären
nicht nur die olfactorischen Lappen und das kleine Gehirn, sondern
sie überragen dieselben sogar ; die Windungen sind aufs Höchste ent-
wickelt.
Durch die Einreihung der Orduungen in ‘diese höheren Grup-
pen ergiebt sich dann das folgende $chema.
32 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
x
Ordo
Bimana
Subelassis
Archencephala
(Andre
Ungnienlata
Carnivora
Artiodaetyla
ng Fin BEL
Gyren- Ungulata it
cephnis
Proboseidia
Toxodontia
(Sirenia
_Mutilata
Cetacen
beuli
Cheiroptera
Lissencephala .
Inseelivora
‘ Rodentia
Marsupialia
Lyeuccphala \
“ Monotremata
Homo
Catarrhina
Platyrehina
(Strepsichi na
Digiligrada
Plantigrada
(Pinntggauh
Ta ora
Ruminantia
(Solidungula
|Multungula
Elephas
Dinotherium
\Toxodon
INesodon
|Manatus
nalieore
\Delphinidae
[Balaenidae
‚Bradypodlidae
Dasypodidae
Edentula
ae vona
Inseclivora
‚Talpidae
Erinaceidae
Sorieidae
(Non -elavieulata
Clavieulata
Rlizophaga
Poephaga
Carpophaga
(Entomophaga
\Echidna
(Ornithorhynchus
der Säugethiere während des Jahres 1857. 33
Nachträglich zu erwähnen sind:
Principes d’Osteologie compar&e ou recherches sur l’Ar-
chetype et les homologies du squelette vertebre. Par Ri-
chard Owen. Avec 15 planches et 3 tableaux. Paris
1855. 8.
The principal forms of the skeleton and the teeth as
the basis for a system of nalural history and comparalive
anatomy by Professor Owen. London 1855. Mit in den
Text gedruckten Holzschnitten.
Huzard sucht durch Beispiele an Schafen, Rindern,
Pferden, Schweinen und andern Hausthieren nachzuweisen,
dass dieselben durch Befruchtungen in nächster Verwandt-
schaft keinesweges degeneriren, sondern dass dies das beste
Mittel sei, die Rassen mit ihren Qualitäten und Formen zu
erhalten, vorausgesetzt‘, dass man eine strenge Wahl treffe,
und die Individuen von schwächlicher Constitution , und die
von den gewünschten Qualitäten abweichen, entferne; so wie
dass eine gute Gesundheitspflege gehandhabt werde. Ueberall
dagegen, wo Sorgfalt fehlt, oder eine ungesunde oder unzu-
reichende Nahrung, schlechte Wohnung oder übermässige
Arbeiten stattfinden, sei Degeneration zu befürchten , oder
es sei doch eine Amelioration unmöglich. Rev. et Mag. de
Zool. 1857. p. 145. |
Martin St. Ange hat seine Studien über den Ge-
schlechtsapparat in den 5 Klassen der Wirbelthiere veröffent-
licht. Mem. presentes par divers savants. Paris. 1856. p. 1.
Mit 16 Tafeln Abbildungen.
Im ersten Kapitel beschreibt Verf. diese Organe vom Kanin-
chen, der Beutelratte, der|Taube, der grünen Eidechse, der Natter, dem
Wassermolch, dem Karpfen, dem Hai, der Lamprete und von Myxine.
— Im zweiten Kapitel bespricht er die Analogie der Theile, welche
die Geschlechtsorgane beider Geschlechter bei den Wirbelthieren zei-
gen, und zieht eine Parallele zwischen den männlichen und weibli-
chen Reproductionsapparaten , und den Gang ihrer Degradation. —
Das dritte Kapitel ist überschrieben: Deduetions anatomiques, physio-
logiques et zoologiques que l’on peut tirer de l’einde de l’appareil
reproducteur dans les 5 elasses d’animaux vertebres.
Martins betrachtet den Humerus der Wirbelthiere als
einen um seine Axe gedrehten Knochen, der beimMenschen,
Archiv .f, Naturgesch. XXIV. Jahrg. 2.Rd C
34 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
den Quadrumanen , den Quadrupeden und Cetaceen um 180°,
bei den Chiropteren,, Vögeln und Reptilien nur, um '90° ge-
dreht ist (Comptes rendus XLIV. p. 144). In Verfolgung die-
ses Gegenstandes ist derselbe Verf. zu dem Resultate ge-
kommen, dass der Anblick der Schulter und des Humerus
eines Thieres über die Art seiner Bewegung und seine Stel-
lung im System entscheiden könne. (ib. p. 1027). — Ebenda
findet sich XLV. p. 65 eine Notiz: De la coalescence des
tetes du radius et du cubitus pour former, le chapiteau ‚du
tibia dans les Mammiferes monodelphes. — Die ausführliche
Abhandlung steht Annales des sciences nat. VIII. p.45.
Hannover gab eine Uebersicht ‘über seine Untersu-
chungen in Betreff der, Entwickelung und. den.Bau der'Zähne
bei den Säugethieren mit in, den Text eingedruckten Holz-
schnitten. ‚Oversigt over det kongelige danske Videnskaber-
nes Selskabs Forhandlinger i Aaret 1856. p. 53,488. Er 'be-
handelt im ersten Abschnilte die histologische Entwickelungs-
geschichle der Säugethierzähne,, im. zweiten die Histologie
derselben.
Mit Beziehung auf frühere Mitiheilungen im 7. und '9.
Jahrgange der Würtembergischen naturwissenschaftlichen Jah-
reshefte machte v. Jaeger Bemerkungen über ‘die Verän-
derung der Zähne von Säugethieren im Laufe ihrer Entwicke-
lung , namentlich , bei dem Narwhal ‚(Monodon ‚monoceros),
und dem Cachalot (Physeter maerocephalus). Bulletin de’ la
soc. imp. des naturalistes de Moscou. 1857 p.571.
Valenciennes und Fremy haben sich mit der Un-
tersuchung der chemischen Zusammensetzung ‚der Krystall-
linse bei den Thieren beschäftigt, und ihre Resultate der
Pariser Academie am 1. Juni 1857 vorgetragen (Comptes
rendus XLIV. p. 1122; Rey. et Mag. de Zool. 1857. p. 254;
Atlantis I. p. 229).
Wyman hatte eine Maus durch den Biss einer Klap-
perschlange tödten lassen. Der Tod erfolgte nach 2 Minuten.
Bei der Section fand sich, dass es ein hochträchtiges Weib-
chen war, und dass die Jungen noch 14 Minuten nach dem
Biss lebten. Proc. Boston soc. VI. p. 56.
Sonnenburg hat zoologisch - kritische Bemerkungen
der 'Säugethiere während des Jahres 1857. 35
zu Aristoteles Thiergeschichte in dem Programm des Gym-
nasiums zu Bonn geliefert. Er behauptet, dass in den Fäl-
len, wo Aristoteles Falsches oder Unsimniges sagt, entweder
eine Verfälschung des Textes vorliegt, meist aber ein blosses
Missverstehen unsererseits. Um das Letztere zu beweisen
erklärt er einige Stellen in sinnreicher und unzweifelhaft rich-
iger Weise; z. B. dass der Hinterkopf hohl und leer sei,
wird auf die äussere Form des Nackens bezogen; dass die
Zehen nur ein Gelenk haben, wird so gedeutet, dass sie alle
gleichmässige Beugung haben , im Gegensatz zu den Fin-
gern, unter denen, der Daumen eine eigenthümliche Beugung
hat u. s. w.
In Beireff der einzelnen Faunen sind die folgenden
Schriften zu erwähnen. .
Europa. Als erster Band der Fauna. der Wirbelthiere
Deutschlands erschien von Blasius die Naturgeschichte der
Säugethiere Deutschlands und der angrenzenden Länder von
Mitteleuropa ; mit 200 Abbildungen im: Texte. Braunschweig
1857.'8.' Wir erhielten durch‘ dasselbe eine auf: gründlich-
ster Sachkenniniss gestülzte Bearbeitung der einheimischen
Thiere. Dr. v. Martens hat bereits in unserem Archiv 1858
I. p. 111 sich ausführlich über dieses Werk geäussert, na-
mentlich in Beziehung auf die geographische Begrenzung
dieser Fauna. Ich will mich also hier darauf beschränken,
hervorzuheben, dass durch dasselbe die sichere Unterschei-
dung der Arten gefördert ist und dass demjenigen, welcher
‚die deutschen Säugelhiere kennen lernen will, kein besseres
‚Buch empfohlen werden kann,
oo,Die Zahl der ‚abgehandelten Arten beläuft sich auf 123. Es
sind 4 Rhinolophus, 1 Pleeotus, 1.Synotus, 1 Miniopterus, 9 Vespe-
rugo, 8 Vespertilio, zusammen 24 Fledermäuse; — 2 Talpa, 1 Cros-
sopus, 3 Sorex, 3 Crocidura, 1 Erinaceus, zusammen 10 Insecti-
voren; — 3 Felis, 4 Canis, 1 Ursus, 1 Meles, 1 Gulo, 2 Mustela,
5 Foetorius, 1 Lutra, zusammen 18 Carnivoren 5; — 1 Pelagius, 3
Phoca, 1 Halichoerus, 1. Cystophora, 1 Trichechus, zusammen 7 Pin-
nipedia; — 1 Pteromys, 1 Seiurus, 1 Spermophilus,, 2 Arctomys,
4 Myoxus, 1 Sminthus, 1 Crieetus, 7 ‚Mus, 9 Aryicola, 1 Spalax, 1 Ca-
stor, 3 Lepus, ] Cavia, zusammen: 33. Nager; — 1 Alces, 2 Cervus,
1 Capreolus, 1 Ovis, 2 Capra, 1 Capella, 3 Bos, zusammen 11 Wie-
derkäuer; — 2 Einhufer; — 1: Vielhufer; — 4 Delphinus, 5 Pho-
36 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
caena, 1 Ceratodon, 2 Hyperoodon, 1 Physeter, 3 Balaenoptera, 1 Ba-
laena, zusammen '17 Walle. R
Guido Sandberger hat in den Verhandl. des natur-
hist. Vereins der preuss. Rheinlande und Wesiphalens XIV.
p. 69 über die Säugethiere und Vögel des Herzogthums Nas-
sau geschrieben: „Vergleichender Beitrag zur Fauna der
warmblütigen Wirbelthiere des Mittelrheins.“
Nach ihm finden sich mit Ausschluss der Hausthiere im Herzog-
thum Nassau mindestens 41 Säugethiere in 18 Galtungen,, welche
in sechs Ordnungen vertheilt sind, nämlieh 10 Fledermäuse, 5 Insec-
tivoren, 10 Carnivoren, 14 Nagethiere, 1 Dickhäuter, 2 Wiederkäuer.
Als Säugethiere, welche auf Gottland vorkommen, wer-
den von Mewes, Öfversigt af kongl. Vetenskaps acad. För-
handl. Jahrg. 1856 p. 282 die folgenden angegeben:
Vespertilio auritus L,, V. pipistrellus Daub., Canis vulpes L.,
Mustela erminea L., Phoca vitulina L., Halichoerus grypus Nills.
Fabr., Erinaceus europaeus L., eine Art Sorex, Lepus canescens Nills.,
Sceiurus vulgaris L., Mus deeumanus Pall., Mus musculus L.
Assmuss schrieb Beobachtungen über die Mammife-
ren einiger Provinzen Russlands, namentlich (der Gouverne-
ments Moskau, Kaluga und -Tambow. Allg. deutsche natur-
hist. Zeitung 11. p. 180.
Das Verzeichniss enthält 2 Hippocrepis, 3 Vesperugo, 1 Ves-
pertilio, 1 Plecotus, 1: Synotus, — 1 Erinaceus, 4 Sorex. 1 Talpa, —
1 Ursus, 1 Meles, 2 Mustela, 4 Putorius, 1 Lutra, 2 Canis, 1 Felis,
1 Seiurus, 1 Spermophilus, 6 Mus (wovon Mus rattus seit 5 Jahren
verschwunden), 1 Cricetus, 3 Hypudaeus, 1 Cavia, 3 Lepus, 1 Equus
(asinus), 1 Cervus (Alces).
Eversmann hat, wie hier nachträglich zu bemerken
ist, in den Nouveaux memoires de la soc. imp. des Natura-
listes de Moscou Vol. X. 1855 p.267 „kurze Bemerkungen
über das Vorkommen und die Verbreitung einiger Säugethiere
und Vögel in den Volgo-uralischen Gegenden und den Step-
pen der Kirgisen jenseit des Uralflusses“ geliefert.
Soweit sie die Klasse der Säugethiere betreffen, werden daselbst
zur Sprache gebracht: die Katzenarten, wilde Schweine, Wolf, Canis
melanotus, Corsac und aureus, Dachs, Erinaceus europaeus, einige
Fledermäuse, Hamster, Maulwurf, Wanderratte (Mus rattus inden Wol-
gagegenden nicht mehr zu finden), Mus minutus, Arvicola amphibins,
aryalis, Glareola und obscura, Lemmus lutens Eversm. (wird als ver-
schieden von L. obensis festgehalten). Myodes lagurus Pall., ‚Chtho-
der Säugethiere während des Jahres 1857. 37
noergus talpinus Pall., Spalax Typhlus Pall., Dipus Jaculus, Acontion;
sagitla, lagopus und platurus Licht. (dessen Schwanz nicht platt lau-
zettförmig, sondern rund kolbig ist), Lepus variabilis und timidus,
Lagomys pusillus.
Africa. Mares hat im Süden der Provinz Oran fol-
gende Säugelhiere beobachtet: Antilope addax, die in Nubien
lebt, Lepus isabellinus bisher nur in der Egyptischen Sahara
bekannt, Vulpes fennecus und Musimon musmon. Rey. et mag.
de zool. 1857. p. 330.
Brehm schilderte die Säugethierfauna der tropischen
Wälder von Nordost-Africa in der Allg. deutschen naturh.
Zeitung 1. 1855. p. 234.
J. Th. v. Heuglin’s Reisen in Nordost- Africa, Gotha
1857 ist p.74 ein systematisches Verzeichniss der in Simen
beobachteten Säugethiere und Vögel. enthalten.
Von ersteren sind aufgeführt: Macacus Gelada Rüpp,, Antilope
montana Rüpp. (wahrscheinlich auch A. Oreotragus, Medoqua und
andere Arten), Ibex Waalia Rüpp., Rhizomys splendens Rüpp., Canis
simensis Rüpp., eine nicht näher bestimmte Hundeart , Hyaena Cro-
euta, eine kleine Katzenart, ’eine Ratte mit stachelähnlicher Bedeckung,
eine kleine Fledermaus.
Reisen in Südwest-Afrika bis zum See Ngami in den
Jahren 1850—54 von Anderson. Aus dem Schwedischen
übersetzt von Lolze 2 Bände. Leipzig 1858. Dieses Werk
darf hier genannt werden, weil Manches darin geschildert
wird, was sich auf die Thierwelt Africa’s' bezieht. 'Lebens-
weise, Jagd und dergl. ist, wenn gleich nicht in streng" wis-
senschaftlicher Weise, doch lebendig und belehrend in den
Text eingestreut.
In Livingstone’s Missionary travels and researches
in south Africa London 1857. 8. sind manche auf‘ Thier-
schilderung bezügliche Stellen enthalten, so über die Thiere
von Kalahari p. 101, über den Löwen p. 137, ‚über Schlan-
gen p-143, den Strauss p. 153, das Nilpferd p. 241, den Ele-
phanten p. 560, das Rhinoceros p. 611 und viele andere,
Natürlich kann hier nur darauf im Allgemeinen hingewiesen
werden.
Asien. Horsfield lieferte ein Verzeichniss der
Säugelhiere von Nepal, Sikim und Tibet, welche von Hodg-
335 Troschel: Bericht über die, Leistungen in der Naturgeschichte
son ‚der Ostindischen Compagnie eingesandt: waren. ‚Proc.
zoo]. soc. 1856. p. 303.
Es enthält 105 Arten, nämlich 2 Affen, 13 Fledermäuse , 34
Raubthiere, 9 Insectenfresser, 23 Nager, 18 Wiederkäuer, 1 Einhufer,
2 Schweine und 1 Manis.
Rosenberg fordert auf, die Frage mit 'Sieherheit zu
entscheiden, ob Elephanten und Tiger auf Borneo vorkom-
men. Natuurk. Tydschr. voor Nederlandsch Indie XII. p. 469.
Australien. Von Gould’s The Mammals of Austra-
lia erschien 1857 Part IX. Derselbe enthält in meisterhaf-
ter Ausführung die folgenden Arten abgebildet: Macropus
major Shaw., Halmaturus ualabatus (Kangurus ualabatus Less.
Garn.), Halmaturus agilis Gould, Halmaturus dorsalis Gray,
Halmaturus Thetidis F. Cuv. et Geoffr. , Petrogale' lateralis
Gould, Hapalotis hirsutus Gould, Mus lineolatus Gould, Scoto-
philus pumilus Gray.
Tancered, welcher in Jameson New Edinburgh Jour-
nal 60 p.5 Nachrichten über: die Naturgeschichte, ‚der; Pro-
vinz Canterbury in der Mittel-Insel von. Neu- Seeland veröl-
fentlicht hat, hebt p. 13 hervor, dass von Land-Säugethieren
nur, eine kleine Ratte vorkomme;, /die von: der dureh Schiffe
eingeführten Norwegischen Ratte (Norway rat): verdrängt
wird. Klima und: Vegetalion seien der Einführung von Wie-
derkäuern, Pferden, Hunden, Hasen u. s.\'w. günstig: Als
Cook diese Insel entdeckte, waren die ‚Einwohner bereits in
Besitz. von Hunden ; Schweine hat. er eingeführt.
Amerika. Spencer Baird hat einen Catalogue of
North american mammals, chiefly in the museum’ of the
Smithsonian institution. Washington 1857. 4. veröffentlicht,
in welchem 256 Arten verzeichnet sind , die sich’ in! 56 Geu
nera vertheilen, l
Im „Naturhistoriske Bidrag til en Beskrivelse af" Grön-
land af Reinhardt, Schiödte, Mörch, -Lütken,
Lange, Rink“, besonderer Abdruck des Anhanges'"zu
„Grönland, geographisch und statistisch "beschrieben "von
Rink“ Kjöbenhavn 1857 findet sich p. 3 ein Verzeichniss
der Säugelhiere von Reinhardt.
Es enthält folgende 27 Arten : Ursus maritimüus'L., Gulo borea-
der Säugethiere während des Jahres 1857. 39
lis, Retz, Canis familiaris L., C. lagopus L. , Trichechus rosmarus L.
Cystophora cristata Fabr., Phoca barbata Fabr., Ph. vitulina L., Ph.
groenlandica Müll., «Ph. hispida, Erxl., Hypudaeus groenlandieus Tr.,
Lepus glacialis Leach, Cervus tarandus L., Balaenoptera musculus
F. Cuv., B. gigas Eschr., B. rostrata Fahr., B. boops Fabr., Balaena
mysticetus L., Physeter macrocephalus L., Chaenocetus rostratus Müll.,
Monodon monoceros L., Delphinapterus leucas Pall., Delphinus glo-
bieeps Cuv., D. phocaena L., D. orca L., D. albirostris Gray, D. Hol-
böllii Eschr. — also 4 Carnivora, 6 Pinnipedia, 2 Nager, 1 Wieder-
käuer , 14 Cetaceen. Hierzu kommen ‚noch Felis domestica, Mus
decumanus, M. musculus, Sus scrofa, Capra hircus, Ovis aries und
Bos taurus als eingeführte Hausthiere.
Quadrumana.
Dahlbom hat im 2. und 3. Hefte seiner Zoologiska
studier die Ordnung der Affen bearbeitet, denen er auch
die Galtung Daubentonia Geoflr. (Chiromys Cuv.) als beson-
dere dritte Unterordnung zuzählt. Ein Heft eines Atlasses
mit 13 Tafeln gehört zu dieser Ordnung. Die Eintheilung
des Verf. gründet sich theils auf die bekannten Charaktere,
theils werden weniger gebräuchliche Merkmale herbeigezo-
gen, um die ganze Ordnung in 12 Familien zu zerfällen.
Diese sind unter den Affen der alten Welt: Anthropomor-
phae (5 Arten), Ilylobatae (8 Arten), Semnopithecae (21 Arten),
Pithecae (32 Arten), Cynocephalae (9 Arten) ; unter den Affen der
neuen Welt: Prensilicaudae (44 Arten), Pitheeiformes (8 Arten),
Arctopithecae (24 Arten); unter den Halbaflen Brachytarsae (3 Ar-
ten). Isotarsae (24 Arten), Macrotarsae (6 Arten). Die 12te Familie
Glirisimiae bildet endlich die Gattung Chiromys mit 1 Art. — So hat
Verf. die sämmtlichen Affen des Pariser Museums bearbeitet, zum
Theil beschrieben, zum Thnil nur kurz charakterisirt. Es sind im
Ganzen 186 Arten.
Bemerkt mag noch werden, dass Hylobates hoolok Mus. par.
vom Verf. p. 76 als neue Art aufgeführt wird; — dass der Nasen-
alfe unter dem Namen Rhynchopithecus larvatus als eigene 6at-
tung behandelt wird. und tab. IV. abgebildet ist; — dass Ceropithe-
eus Erzlebeni Dahlb. et Pucheran ausführlich beschrieben und tab. V.
eolorirt abgebildet ist. — Kerner trennt Verf. den Galago Demidoffi
als eigene Gattung ab, die er Hemigalago nennt. Dieselbe wür-
de sich von Galago durch kleinere Gestalt, sehr langen Schwanz,
conische Schnauze, zarte Finger; von Mierocebus durch grössere ab-
40 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
stehende Ohren und sparsam mit abstehenden Haaren behaarten Schwanz
unterscheiden.
Wie im vorigen Jahre über die Delphine, so hat Pu-
cheran im Jahre 1857 in der Revue etMag. de zool. p. 195,
241, 289, 337 Bemerkungen über die Affen des Pariser Mu-
seums veröffentlicht. Er hat seine Aufmerksamkeit den ver-
schiedenen Typen zugewendet, welche, neuerlich seiner
Prüfung zugänglich, zum Theil die Zweifel beseitigen möch-
ten , welche bei den Zoologen in Betreff der Artgültigkeit
auftauchen könnten.
Von Affen der alten Welt beziehen sich die Bemerkungen auf
folgende Arten : 1) Colobus Satanas Waterh, 2) Miopithecus tala-
poin [Geoffr. 3) Cercopitheeus cephus Erxl. Ein junges Exemplar
hatte einen regelmässig dreieckigen weissen Nasenfleck. 4) C. sa-
mango Wahlb. ist synonym mit C. Jabiatus Geoflr. 5) C. Erxlebenii
Dahlbom et Puch. ist in zoologiska Studier des ersteren s. oben
ausführlich beschrieben und abgebildet. 6) C. pygerythrus Geoflr. Ein
neues Exemplar der Menagerie hält die Mitte zwischen €. rufo-viri-
dis und €. pygerythrus, nnd Verf. stellt die Möglichkeit auf, dass
diese beiden Arten Altersverschiedenheiten seien. 7) Cercocebus al-
bigena Puch. Gray's Presbytes albigena konnte an einem jungen Ex-
emplare untersucht werden, und wird wegen des einfachen Magens
und der Schädelform zu Cercocebus gestellt. 8) Cercocebus collaris
Gr. lebt jetzt in der Menagerie. 9) Inuus pithecus Geoflr. Pseudo-
Albino. 10) Theropitheens senex Schimp. eine für neu gehaltene Art
aus Abyssinien. 11) Cynocephalus anubis Fr. Cuv. , gewöhnlich für
Var. von ©. babouin genommen, scheint doch selbstständige Art zu
sein, wie an Färbung und Schädel gezeigt wird. 12) Cynocephalus
Doguera Puch. et Schimp. (vergl. vor. Ber. p.10) ist näher beschrie-
ben und wird mit ©. porcarius verglichen.
Die Unterscheidung der Arten wmter den Affen der neuen Welt
findet Verf, noch schwieriger als die der alten Welt, wofür die un-
sicheren Angaben über die Fundorte, so wie der oft schlechte Con-
servationszustand in den Sammlungen als Grund angegeben werden.
— Unter den zehn Exemplaren der Gattung Lagothrix des Pariser
Museums unterscheidet Verf. vier Arten: 1) L. canus Geoffr. von
Brasilien, kurzhaarig, olivengrau mit röthlichgrauem Kopf und Hän-
den; 2) L. Humboldtii Geoflr. von Neugranada, langhaarig, grau mit
schwarzen Haarspitzen; 3) L. Tschudii Puch. von Peru, grau mit
schwarzen Händen, und 4) L. Geoffroyi Pucher. von Cayenne, kurz-
haarig, rothbraun, weiss gesprenkelt mit schwärzlichen Händen. —
Von der Gattung Cebus Erxl. werden 7, Arten näher besprochen. —
Eine neue Art Nyetipithecus Spixii wird beschrieben. Sie unter-
der Säugethiere während des Jahres 1857. 41
scheidet sich von N. trivirgatus dadurch , dass der Schwanz auf der
unteren Endhälfte schwarz ist, und dass die seitlichen Kopfbinden ge-
gen die mittlere convergiren ; von Oseryi unterscheidet sie sich durch
die graue Farbe. Das nähere Vaterland ist unbekannt. — Ueber die
Lemuriden wird nur kurz bemerkt, dass das Pariser Museum Pero-
dieticus Potto , Galago Alleni und Otolienus Peli von Gabon erhal-
ten habe.
Owen lieferte einen fünften osteologischen Beitrag zur
Naturgeschichte des Chimpanse (Troglodytes) und des Orangs
(Pithecus), indem er eine Vergleichung des Unterkiefers und
der Wirbelsäule von Troglodytes Gorilla, Troglodytes niger,
Pithecus Satyrus und verschiedene Rassen des Menschen an-
stellte. Transactions of Ihe zoological society of London Vol.
IV. p.89—115 mit Tafel 31—36. Gelesen war die Abhand-
lung bereits im Jahre 1851.
Leconte beschrieb kurz in Proc. Philadelphia 1857
p-10 folgende drei Affen aus Westafrika als neu:
Semnopithecus anthracinus. (Ganz schwarz, Haar etwas glän-
zend, 2 bis 3 Zoll lang, über den Augen und am Scheitel grob und
borstig. Tragus breit. Daumen an den Vorderhänden bloss ein läng-
licher Höcker. Nägel, mit Ausnahme des hintern Daumens lang und
schmal. Schwanz sehr lang, gegen die Spitze ein wenig verschmä-
lert. Länge 2° 2“, Schwanz 2% 7“. Gleicht Colobus satanas Wat.
Cercopilhecus buccalis. Haar oben und an den Seiten dunkel-
grau, unten rothbraun geringelt, und an den inneren Theilen der
Schenkel grau; am Kopfe schwarz, geringelt. Wangen mit grossem
gelben Fleck, der sich bis hinter das Ohr erstreckt; hinter dem Auge
erscheint dieser Fleck oben schwarz begrenzt. Arme und Hände
schwarz, die Haare mehr oder weniger mit röthlichen Spitzen ; unter-
halb, ausser an den Händen sind sie grau. Schwanz auf ein Drittel
seiner Länge oben wie der Rücken gefärbt, unten grau ; der Rest des
Schwanzes ist oben und unten hell rothbraun, nach dem Ende greller
werdend. Nägel lang, schmal uhd comprimirt. (Wenn no callosities
on Ihe rump heissen soll, keine Gefässschwielen, so ist diese Angabe
jedenfalls irrthümlich) Länge 1’ 8°; Schwanz 2° 5.
Mierocebus elegantulus. Haar weich, dunkelgrau, mit rothbrau-
nem Gipfel, unten weisslichgrau; die letztere Farbe erstreckt sich
elwas gegen den Rücken von den Achseln und den Weichen, und
nach dem Vorderrande derSchenkel ; Schwanz länger als der Körper,
eylindrisch, buschig, das Haar mit grauen Spitzen , und an der Wur-
zel etwa einen Zoll lang röthlich. Nase ziemlich spitz. Ohren gross,
42 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
länglich. mit Ausnahme der Basis nackt; untere Vorderzähne fast ho-
rizontali;. Nägel der Vorderhände und mit einer, Zuspitzung, an.den
hintern Daumen flach, an dem ersten. Finger krallenartig und scharf;
an den‘ anderen Fingern: gleich. denen der Vorderhände. | Länge 8%
Schwanz 12“,
Pyeheran bezeichnet ‘eine ,neue Art Nyetfipithecus Spixii,
welche in der Pariser Menagerie gelebt hat, durch folgende Diagnose:
Simillimus N. Oseryi, sed pilis laterum griseo-argenteis. Rev. et mag.
de zool. 1857 p. 335.
Volitantia.
Kolenati hat sich der Bearbeitung der Europäischen
Chiropteren. hingegeben. Allg.. deutsche Naturhistorische Zei-
tung Il. 1856 p. 121—133 und 161—192.
Den, ersten. Abschnitt nennt Verf., Synopsis der Europäischen
Chiroptern. Es wird zunächst angegeben, dass Europa 27 (davon
Deutschland 18), Astien 71, Afrika 45, Nordamerika 11, Südamerika
72 und Neuholland 5 wahrhaft. constatirte Arten besitze, was eine
Summe. von 231 Arten ergiebt. Nach einem alphabetischen Verzeich-
nisse der Schriften über Fledermäuse , worin natürlich die neuesten
Werke, z. B. Castelnau’s Reise noch fehlen , werden dann (die: Euro-
päischen 27. Arten in einer symoptischen Tabelle zusammengestellt,
und die durchschnittlichen Maasse (Körperlänge, Schwanzlänge und
Flugweite) yon denselben angegeben. — In dem zweiten Abschnitte
werden dann die 27 Arten beschrieben. — DieGattung Vesperus wird
vom Verf, in zwni Untergattungen getheilt, je nachdem der Ohrdeckel
die grösste Breite unter der Mitte des Aussenrandes erreicht C a teo-
rus Kol. (V. serotinus), oder über der Mitte des Aussenrandes Me-
teorus Kol. (V. Nilssonii, discolor, Savii, Leueippe, Aristippe). —
Die Gattung Vesperugo zerfällt in drei Untergattungen; das Plagio-
potagium reicht bis zur Zehenwurzel , und dann erreicht der Tragus
die grösste Breite in der Mitte Hypswg.o Kol. (V. Maurus) oder
unter der Mitte Nannugo Kol. (V. Nathusii, pipistrellus, Kuhlii)
oder das Plagiopotagium reicht bis zur Fusswurzel und der Tragus
erreicht die grösste Breite über der Mitte Panugo Kol. (V. Leisleri
und Noctula). — Auch die Gattung Vespertilio wird in drei Unter-
gattungen zerlegt; die Ohren sind kürzer als der Kopf Brachy o-
tus Kol. (V. mystacinus, Daubentonii, Dasyenemus), oder ebensolang
wie der Kopf Isotus Kol. (V. Nattereri, ciliatus), oder länger als
der Kopf Myotus Gray (V. Bechsteinii. murinus). — Die übrigen
Gattungen werden nicht weiter gespalten. Miniopterus Schreibersii,
Pleeotus auritus, Dysopes Cestonii, Synotus barbastellus und Rhino-
der Säugethiere während des Jahres 1857. 43
lophus elivosus, Euryale, hippoerepis ound: ferrum equinunm: sind die
beschriebenen Arten. Die andersnamigen Atten! verschiedener Schrift-
steller sind als ‚Synonyıne ‚untergebracht. — Bei den einzelnen Ar-
ten ‚sind auch die Eingeweidewürmer und die Schmarotzer namhaft
gemacht.
Im II. Bande der Allgemeinen deutschen Naturhistori-
schen Zeitung p.1—24 und p.41—68 hat Kolenati unter
dem Titel: Beiträge zur Nalurgeschichte ‚der europäischen
Chiropteren, den allgemeinen Theil der Naturgeschichte die-
ser Thiere, d. h. ihre Anatomie, Lebensweise und dergl..be-
handelt. Auf sechs Taleln sind Skelet, ‚Museulatur, Haare
und Zähne abgebildet.
Ein Auszug der bereits im vorigen Berichte p. 11 be-
sprochenen Arbeit von Gervais über die südamerikanischen
Fledermäuse findet sich in den Memoires de l’acad. de Mont-
pellier I]. p. 143—162.
Fairholm e machte Bemerkungen ‚über den. Pteropus
von Australien. Proc. 'zool. -soc. 1856. p. 311; vergl. auch
Annals nat. hist. XIX. p.346 , dessen Lebensweise er in der
Gegend von Moreton Bay an der Südküste von Australien
beobachtet hatte,
Man bemerkt sie beim »Schwinden des’ Tageslichts‘ an dem
schwerfällig klappenden Geräusch - ihren Flügel, wenu sie in: grossen
Schaaren alle,nach derselben Richtung hinlliegen, ‘Diese Züge dauern
oft stundenlang, und richten sich nach den Fressplätzen an den Fluss-
üfern, wo die unter dem Namen Flooded-gum bekannten Bäume wach-
sen, von deren Blättern sie sich nähren. Während der Tageshitze bringen
sie alle miteinander zu. Verf. kannte zwei, solcheuSammelplätze. Der
eine bestand aus ‚Gestrüpp‘, übersagl. vom riesigen ‚Araucaria. Cun-
ninghami, ' An den Zweigen derselben, sowie. im niedrigen ‚Gestrüpp
hingen die fliegenden Füchse in gewaltigen. Mengen, die Köpfe ‚nach
abwärts ‚gewichtet; ihn @eschrei wird dem junger Krähen verglichen,
Alle die,sich nicht verwiekelt,‚katten und um Platz. kämpften, fächel-
ten. sich mit halbausgebreiteten Flügeln. Bei der Annäherung flohen
sie von Baum. zur Baum, , Nach einem Schuss: wuchs das Getöse , und
Verf, war froh , als ‚er für die Eingehornen genug erlegt halte, den
Platz, verlassen zu können. Diese, Flucht kommt einige Tage auf den-
selben Platz, und, verschwindet dann. Das Fleisch hat das Ansehen
von Kaninchenfleisch. In den; kälteren Monaten wandern; sie in die
tropischen Breiten.
"+ Die bereits: im» vorigen Berichte p. 14 erwähnte Abhand=
44 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
lung von Peters über Mormops ist mit Abbildungen in den
Abh. der Acad. zu Berlin p.287 erschienen.
Eine neue Art Vampyrus auritus ist daselbst beschrieben und
abgebildet. Sie hat folgende Diagnose: V. maximus, cauda bre-
vissima , prosthemate auriculisque longissimis; dentibus molaribus
3-12 2.3 Jalt £ 8 ..
San Ya 2a >, Sburig inferiore secundo minutulo ; patagiis lumbali-
bus digitorum basi affıxis ; supra fuscobrunneus , subtus cinereus.
Long. corp. tot. 0,12; caudae 0,009; antibrachii 0,08 ; auriculae
0,042; prosthemalis 0,018; expans. alar. 0,55. — Hab. Mexico et
Guiana.
Tomes hat Proc. zool. 1857 p. 34, Annals nat. hist.
XX. p.215 die Arten der Gattung Lasiurus mit ihrer Syno-
nymie auseinandergesetzt.
Er unterscheidet; 1) L. noveboracensis Erxl. mit zahlreichen
Synonymen und drei Varietäten, deren zwei Nordamerika, eine Süd-
amerika angehören; 2) L. pruinosus Say; 3) L. Grayi n. sp. Nahe
verwandt mit pruinosus, aber kleiner und durch einige andere Cha-
raktere unterschieden , namentlich erstrecken sich die Flughäute, et-
was über das Ende der Tibia, aber erreichen nicht die Hälfte der
Fusslänge. Chili. 4) L. caudatus n. sp. Durch den sehr langen
Schwanz, der Kopf und Körper übertrifft, und durch die beträchtliche
Länge der Hinterbeine ausgezeichnet. Pernambuco und Chili. 5) L.
Aga, Nycticejus Aga Gerv. vom Amazonenstrom bei Ega. Schliess-
lich ist noch von einigen minder sicheren Arten die Rede.
Tomes hat ferner vier neue Arten von Fledermäusen
beschrieben , und durch folgende Diagnosen unterschieden.
Proc. zool. soc. 1857 p. 50, Annals nat. hist. XX. p. 227.
1. Scotophilus‘pachyomus, Schnauze ziemlich stumpf; Ohren
eiförmig; Tragus kurz, fast gleich breit und am Ende abgerundet.
Flughäute reichen bis zur Basis der Zehen. Haar zweifarbig. Etwas
grösser als S. noctula. Indien.
2. Scotophilus pumiloides, Schnauze stumpf; Ohren klein, breit
eiförmig, nicht ausgerandet, mit den Spitzen etwas nach auswärts ge-
richtet; Tragus fast gleich breit, am Ende rund und einwärts ge-
krümmt; Flughäute reichen zur Basis der Zehen. China.
3. Vespertilio chinensis, Scheitel des Kopfes sehr schwach
erhaben; Schnauze ziemlich dick; Ohren schmal, eiförmig ; Tragns
schmal, fast gerade und spitz; Flughäute reichen bis zur Basis der
Zehen; Zehen länger als der übrige Theil des Fusses. China.
4. Vespertilio Blythii, Ohren eiförmig , etwas spitz, mit den
Enden etwas auswärts geneigt; Tragus schmal, und zu einer ziem-
der Säugethiere während des Jahres 1857. 45
lich spitzen Spitze verschmälert; Scheitel mässig erhaben; Füsse
gross, ganz ausser der Flughaut. Nassenabad in Indien.
Ebenso hat Tomes über drei Gatlungen von Vesper-
lilioniden, Furipterus, Natalus und Hyonycteris (Proc. zool.
soc. p. 172; Annals nat. hist. XIX. p. 333) eine Abhandlung
geliefert, und zwei neue Arten beschrieben.
Für die Gattung Furia F. Cuy. wird der vom Prinzen Bona-
parte vorgeschlagene Name Furipterus angenommen. Nachdem! die
generischen Merkmale festgestellt, wird neben F. horrens eine zweite
Art F. coerulescens von St. Catharine in Brasilien beschrieben und
abgebildet, und die Maasse beider verglichen. Diese neue Art hat
einen sehr hohen Kopf, flaches, stark behaartes Gesicht, nur die Na-
senspitze und die Lippenränder nackt. Ohren so breit wie hoch,
rundlich mit winkligen Spitzen. Tragus kurz, gestützt auf einem
schmalen Stiele, dicht über welchem jederseits ein absteigender Fort-
satz ist; von da verschmälert er sich schnell zu einer schmalen aber
rundlichen Spitze, welche ein wenig nach innen gerichtet ist. Die
Behaarung ist überall lang und seidenartig; sie ist oberhalb schie-
ferblau an der Basis mit dunkelbraunen Spitzen; Kopf etwas heller,
Seiten dunkler und nicht so blau, Lippen aschfarbig , Kinn einförmig
graubraun, Brust blaugrau mit weisslich grauen Spitzen; Bauch weiss-
lichgrau. — Von Natalus Gray werden die Charaktere angegeben und
N. stramineus beschrieben und abgebildet. — Von Hyonycteris Licht.
Pet. wird eine zweite Art H. albiventer vom River Napo bei Quito
beschrieben. Der Wirbel des Kopfes sehr hoch, Gesicht. sehr con-
cav , Schnauze etwas verlängert; Ohren kaum so breit wie hoch,
Innenrand sehr gerundet, die Endspitze nach aussen geneigt; der
Aussenrand ist beträchtlich ausgehöhlt fast in ganzer Länge, aber mit
einem rundlichen Vorsprunge an der Basis; Gesicht sehr haarig, Ober-
lippe mit deutlichem Bart. Farbe oben rothbraun, unten rein weiss
mit röthlichem Anflug an Schultern und Kinn.
Tomes beschrieb (Proc. zool. soc. 1857. p. 134; An-
nals nat. hist, XX. p.388) auch zwei Neu-Seeländische Fle-
dermäuse ausführlich , die er als Scotophilus tubereulatus
Forster und Mystacina luberculata Gray bestimmte.
Krauss fand hinter einer Fensterlade eines vermauer-
ten Fensters 300 Stück Speckmäuse, Vespertilio noctula, die
also gesellig zu leben scheinen, ohne andere Arten unter
sich zu leiden. Würtembergische naturw. Jahreshefte 1857,
p- 109,
Eine Notiz über Vesperlilio Noctula Schrb. von Dehne
s. Allg. deutsche Naturh. Zeitung. I. 1855. p. 240. — Eben
46 "Troschel: Bericht über die Leistungen in‘ der Naturgeschichte
so über Vespertilio‘ (Vesperus) discolor ibs''p. 485, Vespe-
rugo Aleythoe 'Bonap: p. 437 und Vesperugo Savii Bonap.
p- 438.
Leconte stellte Proc. Philadelphia 1857 p. 10 eine
neue Fledermaus von Westafrika auf.
Vespertilio pusillus, schwarz, unten eiwas mil grau gemischt.
Kopf kurz und klein. "Vier obere Vorderzähne‘, paarweis getrennt,
einfach; tnten ' sechs ' dreilappigei; Nase nicht "ausgerandet. Ohren
klein, oval, Ohrdeckel lanzettförmig und ziemlich stumpf Schenkel-
'flüghaut mit Ausnahme der Basis nackt; Schwanz ‘einwenig die Haut
überragend! Länge 1,3%, Spannung 6, 9%.
Insectivora.
Brandt hat Bemerkungen über die Verwandtschaften
der biologischen. Haupttypen . der. .Kerffresser ‚(Mammalia'in-
sectivora) und ihre Verbreitung , in besonderer Beziehung
auf die Fauna des Russischen Reiches im Bulletin de l’Acad.
de St. Petersbourg XV. p. 17 niedergelegt.
Indem wir die Leser auf diese kleine Abhandlung, die. nicht
wohl eines kurzen Auszuges fähig ‚ist, selbst verweisen, ‚sei hier nur
bemerkt, dass Verf, in Europa nur 12 sichere Arten annimmt, (Eri-
naceus europaeus und auritus, Talpa,europaea, ‚Crocidura leucodon,
©. aranea, Pachyura etrusca, Sorex vulgaris, S. pygmaeus, S. alpinus,
Crossopus fodiens, Myogale moschata und M. pyrenaica), ‚wogegen
Russland nur 11 haltbare Arten ‚besitze, indem ihm von, oben ge-
nannten Arten Pachyura etrusca, Sorex alpinus und Myogale pyrenaica
fehle, dagegen Diplomesodon pulchellus und Erinaceus, hypomelas
eigenthümlich zukomme, Zum Schluss , werden ‚noch „einige Worte
über ‘die Verbreitungsgrenzen der einzelnen Arten, der Insektivoren
Russlands“ "beigefügt. "Crossopus fodiens, Sorex vulgaris und auch ‚der
Maulwurf gehören zu den weitest verbreiteten Inseklivoren, indem
sie sich vom Süden bis in den äussersten Osten "erstrecken; den bei-
den Igeln Erinaceus europaeus und anritus „'s0/wie Crocidura aranca
und, leucodon. wird nun eine. mittlere, Verbrieitungssphäre zugeschrie-
ben; Diplomesodon pulchellus und Erinaceus;hypomelas ‚endlich weı-
den als Thiere beschränkten Vorkommens bezeichnet.
_ Sorex chrysothorax Dehne n. sp. Allg. Deutsche Naturh. Lei-
tung 1. 1855 p. 241 hält Reichenbach ib. p. 242 für Crocidura
thoracica Bonap. Darüber hat sich Blasius in unserem Archiv 1856
1:1 p. 266 deullichgenug' geäussert \ und) ‘wird die vermeintliche Art
nach letztgenanntem Forscher zu; 8; leucodon ‘zu ziehen sein,
N
der Säugethiere während des Jahres 1857. 47
Sorez odoratus von Westafrika wurde von Leconte als neue
Art in Proc, Philadelphia 1857 p.11 kurz beschrieben. ‚Oben dunkel
graubraun ins kastanienbraune, unten wenig heller. Schnauze rüssel-
förmig,, an der Spitze tief ausgerandet, ‚und an der Unterseite ge-
fureht. Ohren gross, nackt, mit zwei ziemlich grossen Lappen darin,
deren unterer der Antitragus zu sein scheint. Schwanz lang, drei-
eckig. Länge 5”, Schwanz 2, 6“. Riecht stark nach Moschus.
Dehne unterschied 5 Varietäten des Maulwurfs, Talpa euro-
paea L. Allg. deutsche Naturh. Zeitung 1. 1855 p. 239.
Carnivora.
Severtzow gab in der Rey. et mag. de zool. 1857.
p- 387 und 433 (vergl. Comptes rendus XLIV. p. 707) den
Anfang einer Notiz über die Classification der Carnivoren,
welche in einem noch nicht veröffentlichten Werke Recher-
ches sur la classification naturelle et ses rapporls ‘avec’ la
distribution geographique des Carnivores, specialement des
Felides, niedergelegt werden soll.
Verf. geht von dem Grundsatze aus , dass in den verschiede-
nen Erdgegenden analoge Reihen vonFormen gefunden werden, wo-
von die Affen, Geier und Riesenschlangen der alten und neuen Welt
als schlagende Beispiele angeführt werden, und dass eine gesetzmäs-
sige Beziehung zwischen der Organisation und der geographischen
Verbreitung statt finde. 'Er sieht hierin ein Mittel zur Controle , 'ob
die Classification eine natürliche ‚sei oder nicht. In diesem Sinne
betrachtet er die Säugethiere, und zunächst die Carnivoren. Wir
müssen um so mehr unsere Leser auf ‚die Abhandlung selbst verwei-
sen, die auch auf den Begriff! der ‚Species u. dgl. eingeht,, als, sie
theils nicht gut in der Kürze excerpirt werden ‘kann, theils noch
nicht beendigt ist.
Von dem Prinzen Max von Wied erhielten ‚wir.in
Nova acta Acad. caes. Leopoldino-Carolinae naturae’ curio-
sorum XXVIl. I. p. 33 den Nachweis über die Selbstständig-
keit. der Species des Ursus ferox Desm. Er unterscheidet
sich ‚yon U. arctos vornehmlich durch kürzere Ohren und
bogenförmige Krallen, die länger als an allen amerikanischen
und europäischen Bären sind. Mehrere Exemplare sind aus-
führlich. beschrieben. Mayer hat die Schädel und Skelete
derselben: untersucht und die Bemerkungen darüber ib. p. 52
bekannt gemacht. Es sind die Dimensionen des Schädels,
der Extremitäten und des Beckens verglichen; die Oeffnun-
48 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
gen aın Schädel beschrieben, die Geschlechtsdifferenzen an
Schädel und Skelet hervorgehoben, so wie Beobachtungen
über den innern Bau des Bären hinzugefügt. Ursus ferox ist
abgebildet; ebenso Schädel und Penisknochen von U. ferox
und americanus.
Reinhardt hat das unter dem Namen Jaratataca in
den Provinzen Minas und Bahia vorkommende Stinkthier für
eine neue noch unbeschriebene Art, die wie alle bekannten
südamerikanischen Stinkthiere zu der Untergattung Thiosmus
gehört, erkannt. Verf. erhielt das Thier auf seiner Reise in
Brasilien zu Lagoa Santa im November 1854. Er verglich
den Gestank mit einer Mischung von ausserordentlich poten-
zirtem Knoblauchs- und Moschus - Geruch, der Kopfschmerz
erzeugte. Er giebt davon in Overs. over det kongelige danske
Vidensp. Selskabs Forhandl. i Aaret 1856 p. 271 folgende
Diagnose:
. Mephitis Westermanni fusco-nigra, vittis duabus latis pallide
isabellinis ad caudam usque productis, per dorsum stria media angu-
stissima nigra sejunctis, in vertice et collo confluentibus; cauda pal-
lide isabellina, basi subtus nigra. Longitudo corporis 332° Mm., cau-
dae 310 Mm., stirpis caudae 200 Mm.
Hodgson stellte eine neue Art Mustela Temon aus
dem Norden von Sikim auf. Journ. of the Asiatie Soc. of
Bengal. Calcutta 1857. p. 207.
Sie ist 9%, Zoll lang, der Schwanz ausserdem 6'% Zoll. Die
Behaarung ist kurz, weich, am Schwanze kaum länger als am Körper.
Farbe oben, seitlich und am ganzen Schwanze rehfarbig, unten ganz
blass rein gelb; Unterseite des Kopfes, Rand der Oberlippen und
Schenkel weissgrau, letztere jedoch vorn und aussen mehr oder we-
niger mit einem bräunlichen Ton. '
Nach Rainer ist der Nörz (Foetorius Lutreola L., Lu-
treola minor Erxl.) in den karpathischen Gewässern, wo er
sich sonst nicht selten fand, gänzlich ausgerottet. Verh. des
Vereins für Naturk. zu Presburg 1856. Sitzungsberichte p. 100.
In derRevue et mag. de zool. 1857 p. 385 ist vonLoche
eine neue Geneltkatze von Algerien abgebildet und Genetta
Bonaparti genannt. Sie soll am nächsten derG. afra stehen,
sich jedoch von ihr und den Verwandten durch die Zeich-
nung unterscheiden , welche aus Linien und nicht aus Flek-
ken besteht.
der Säugethiere während des Jahres 1857. 49
Belke hat sich, Bulletin de la soc. imp. des Naturali-
stes de Moscou 1857 p.458, auf die Frage von der Abstam-
mung der Hauskatze eingelassen, als deren Stammeltern er
die Felis maniculata zwar annimmt, aber einige Varietäten
für anderen Ursprunges hält. So sei F. angorensis Briss. zu
F. Manul Pall., Temmink’s Chat de Chypre oder Chat zebre
und F. hispaniea Erxl. zu F. Catus gehörig. Demnach will
er natürlich die Felis domestica als specifische Bezeichnung
nicht mehr gelten lassen. Er spricht dann von dem Vorkom-
men der wilden Katzen in Russland, und beschreibt ein in
Podolien erlegtes Exemplar. Daselbst sollen wilde Katzen seit
undenklichen Zeiten nicht gesehen worden sein,
Ueber den Luchs und seine Jagd in Skandinavien fin-
den sich einige Angaben in „Blätter über Pferde und Jagd
1857 p.:187.* Das Fleisch soll Aehnlichkeit mit Kalbfleisch
haben ; sie lassen sich leicht zähmen.
Marsupialia.
Gervais hat Didelphys derbiana Waterh. in den Me-
moires de l’acad. de Montpellier III. p. 249 abgebildet und
beschrieben. Die Art zeichnet sich durch die geringe Grösse
der Backenzähne und die eigenthümliche Gestalt des Schä-
dels aus, und ist identisch mit D. ornata Tschudi.
Bodentia.
Dehne schrieb in der Allg. deutschen naturhist. Zei-
tung. 1. 1855 p. 169 fg. über mehrere deutsche Nagethiere
und machte Mittheilungen über ihre Lebensweise.
Es sind: Mus decumanus Pall., Mus musculus L., Arvicola sub-
terraneus Selys. Myorus speeiosus n. sp. (= MN. avellanarius nach
Blasius in diesem Archiv 1856. I. p. 275) „ Mus sylvatieus L. —
Ferner ib. p. 237 und III. p.35. Micromys agilis (= Mus minutus
nach Blasius in diesem Archiv 1856. I. p. 272). — Ferner ib. p. 443
über Musculus mollissimus n. sp. (nach Blasius dies Archiv 1856.
I. 9.277 sehr wahrscheinlich eine weisse Hausmaus). — Ferner ib.
p- 476 über Croeidura ayanea Wagl. und p. 478 Crossopus fodiens
Wagl.
Archiv f. Naturgesch. XXIV. Jahrk. 2. Nd. D
50 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
J. E. Gray beschrieb ein neues Eichhörnchen Seiurus
macrotis von Borneo, welches durch Wallace von Sara-
wak eingesandt war. Proc. zool. soc. 1856 p. 341; Annals
nat, hist. XIX. p. 411.
Es hat grosse Ohren mit langen Haarbüscheln; dunkel kasta-
nienbraun mit hellen Haarspitzen; Steiss, Schenkel und Schwanzwur-
zel röthlicher ; Spitze der Schenkel hellbraun; Füsse schwärzlich;
oben an den Seiten ein breiter blasser Streifen; Wangen und Innen-
seite der Beine heller; Kinn, Kehle und Unterseite weiss; Schwanz
sehr breit mit sehr langen weissspitzigen Haaren. Länge des Kör-
pers 13, des Schwanzes 11 Zoll.
Von Leconte wurden drei Arten derselben Gattung
von Westafrika, Proc. Philadelphia 1857 p. 11, aufgestellt.
Sciurus subviridescens, Oben schwarz, mit hellbraunen Haar-
spitzen, in gewisser Richtung grünlich; unten hellgelblich grau;
Schwanz länger als der Körper; oben und unten von denselben Far-
ben, nicht zweireihig. Kopf klein. Ohren rundlich und sehr kurz
ohne Büschel. Länge 6, 7“, Schwanz 7, 5".
Sciurus lemniscatus, Oben am Kopf, oberer Theil des Rückens
und Schenkel röthlich braun, dunkler und schwarz gemischt. Rücken
mit vier schwarzen Streifen von den Schultern zu den hinteren Kör-
pertheilen, und zwei gelbliche und ein rother Streifen unter der Mitte
des Rückens. Die Haare des Kopfes mit Schwarz geringelt, die der
Seiten dunkelgrau mit hellrothen Spitzen. Unterseite des Kopfes, des
Körpers und der Schenkel weiss. Kopf rundlich; Nase spitz; untere
Vorderzähne dünn; Ohren klein und rund. Schwanz zweizeilig. Länge
7, 5°; Schwanz 6, 5".
Sciurus pumilio, Haare kurz und weich, dunkelgrau, mit röth-
lichbraunen Spitzen, an Kehle uud Bauch viel heller. Kopf kurz,
rundlich; Ohren klein, Schwanz kürzer als der Körper ; zweizeilig;
Haar röthlichbraun am Grunde und an der Spitze, schwarz in der
Mitte, scheint daher braun gerandet; die vier Zehen an jedem Fuss
gleich. Länge 5, 4, Schwanz 2, 3".
Kornhuber beobachtete ein im Winterschlafe befind-
liches Murmelthier (Arctomys marmota Schr.) und machte
darüber eine kurze Mittheilung. Verhandl. des Vereins für
Naturk. zu Presburg 1857. Sitzungsberichte p. 54.
Schlenzig veröffentlichte einige Actenstücke über
einen 1774 zu Lindenau gefundenen Rattenkönig von 16 Stük-
ken. Allg. deutsche naturhistorische Zeitung p. 453.
Gaskoin beschrieb eine Varietät von Mus musculus als Var.
der Säugethiere während des Jahres 1857. 51
nudo-plicatus. Proc. zool. soc. 1856 p. 38; vergl. Annals nat. hist.
XIX. p. 93.
Peach schildert die Ernte-Mäuse (Mus messorius = M. minu-
tus Pall.) als sehr häufig in Cornwall vorkommend. Annals nat. hist.
XX. p. 77.
Ueber Arvicola neglectus Thompson vergl.Dehne in der Allg.
deutschen naturhistorischen Zeitung II. p. 222.
Dehne beschrieb ein lebendes Männchen von Psammomys obe-
sus Rüpp. Allg. deutsche Naturh. Zeitung I. 1855. p. 163. — Später
(p.432) fügte er Bemerkungen über die in der Gefangenschaft gebo-
renen Jungen hinzu. Vier Stunden nach der Geburt ging das Weib-
chen einen Coitus ein, wurde dann abgesperrt, und gebar nach 36
Tagen wieder fünf Junge. — Vergl. ferner ib. II. p. 224.
In Edinburgh new philos. Journal New Series II. p. 1 ist
der bereits im vorigen Berichte p.21 erwähnte Meriones acadieus von
Dawson auf Tafel I. abgebildet und beschrieben.
Bartlett beschrieb ein Kaninchen vom Himalaya, welches
kleiner ist als das Hauskaninchen, und von weisser Farbe, mit Nase,
Ohren, Beinen und Schwanz von dunkel braunschwarzer Farbe und
mit dankelrothen Augen. Sıe sind seit längerer Zeit im Pelzhandel
und gleichen sehr dem Hermelin. Für den Fall, dass die Untersu-
chung des Schädels eine specifische Differenz ergeben sollte, will ihr
Verf. den Namen Lepus nigripes beilegen. Proc. zool. soc. 1857. p.
159; Annals nat. hist. XX. p. 520.
Lagomys Curzoniae ist eine neue Art von Hodgson. Journ.
of the Asiatie Soc. of Bengal. Calcutta 1857. p. 207 aus dem District
Chumbi im Norden von Sikim. 7% Zoll von der Schnauze zum Af-
ter; mäusefarbig, blasser und grauweiss auf der Unterseite und an
den Extremitäten. Pelz ausserordentlich weich und voll, und zweier-
lei Art, wollig und haarig, aber beide seidenartig, innerlich schiefer-
blau, äusserlich rehfarbig, mehr oder weniger durch die innere Farbe
verdunkelt.
Edentata.
Alessandrini hat Dasypus minimus Desm. anato-
misch untersucht: Cenni sull’ anatomia del Dasipo minimo
Desm., Dasypus sexeinctus et octodecim-einctus Linn. Me-
morie della accademia delle scienze dell’ istituto di Bologna
Tomo VII. 1856. p.285—340. Tav. 11—17. Eine schöne Ar-
beit, wovon ein Auszug hier nicht füglich gegeben werden
kann.
52 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
J. E. Gray hat das Becken von Chlamyphorus trun-
calus untersuchen können. Das hintere Schild ist vermittelst
zweier Paare hinterer Fortsätze und mitten durch die ver-
längerten Ränder des hintern Kreuzwirbels unbeweglich mit
dem Becken verwachsen. Proc. zool. soc. 1857. p.8; An-
nals nat. hist. XIX. p.492. Mit Abbildung in Holzschnitt.
In den Transactions of the zoolog. soc. ofLondon IV.
p. 117—140 erschien der Anfang der Anatomie des grossen
Ameisenbären (Myrmecophagn jubataL.) von Owen mit 4 Ta-
feln. Vergl. den Ber. über 1855 p. 54 und eine fernere Mit-
theilung Proc. zool. soc. 1857 p. 22; Annals nat. hist. XIX. p. 59.
Verf. hatte Gelegenheit ein weibliches und ein männliches
Exemplar zu untersuchen; über das erstere hat er schon 1854 berich-
tet. Hier werden die Hautmuskeln, die allgemeine Lage der Einge-
weide, die Speicheldrüsen, die Muskeln der Unterkiefer und der
Zunge, die Muskeln der Nase, der Ohren und der Lippen abgehandelt.
Ruminantia.
Antinori erwähntBulletin de la soc. d’acelimatation III. 1856
p- 555, dass Camelus dromedarius in Anatolien von den Türken Loco
genannt wird, und dass man dort das Weibchen desselben mit €. bac-
trianus kreuzt, wodurch eine sehr grosse kräftige Rasse mit einem
Höcker, von den Türken Tuilhe genannt, erzeugt wird, die meist un-
fruchtbar ist. Diesen Bastard braucht man zum Transport im Winter;
und er würde nach des Verf. Meinung sich zur Einführung in Frank-
reich eignen.
Jaeger machte Bemerkungen über die Hörner und Epiphysen:
sowie über die Sinus des Schädels bei der Giraffe in Vergleichung
mit anderen Wiederkäuern. Nova acta Acad. Leop. Carol. XXV. IL
p-102. Ferner ib. p.114 Bemerkungen über die Epiphysen und einige
Theile des Skelets, insbesondere den von Eichwald beschriebenen
Gesichtsknochen und den Uterus des Auers.
Nach einem alten ‚Volksglauben soil die Ursache der einseiti-
gen Verkümmerung der Hirschgeweihe von der einseitigen Krankheit
eines Hoden oder einer Niere herrühren. Gray hat solche Fälle
untersucht umd die genannten Organe völlig gesund gefunden, ‚so dass
der alte Volksglaube unberechtigt sei. Proc. zool. soc. 1856. p. 151.
Philippi bemerkt in «diesem Archiv 1857 p. 135, dass der
Guemul. des Molina der Cervus chilensis von Gay und identisch ‚mit
Ceryus antisiensis d’Orb. sei. Ihm muss also der ältere d’Orbigny'-
sche Name verbleiben.
der Säugethiere während des Jahres 1857. 53
Pucheran hat die Kenntniss des Cervus philippinus H. Smith
(vergl. den Bericht über 1855 p.56) vervollständigt und eine Abbil-
dung von ihm geliefert. Rev. et mag. de zool. 1857. p. 481. pl.15.
Nach Lichtenstein (Monatsberichte der Berliner Academie
1556. p.617) sind Cervus mexieanus und C. virginianus nicht speci-
fisch verschieden. Eine dritte Art, die nur dem äussersten Westen
des Gebietes der vereinigten Staaten angehört, und unter dem Namen
„the blak-tailed deer“ bekannt ist, wird als eigene Art anerkannt,
und wird alsC. Richardsonii in den Verzeichnissen beizubehalten sein.
J. E. Gray hat in Proc. zool. soc. 1857. p. 157 pl. 55 eine
neue Antilope Oryz beatrix beschrieben, welche die geraden Hörner
von 0. gazella und die volle Färbung von A. lencoryx hat und sich
durch dunkle Schenkel und weisse Füsse von beiden unterscheidet.
— Ihre Hörner sind schlank, gerade oder nur sehr schwach an der
Spitze gekrümmt, weiss, mit einem Fleck mitten auf dem Gesicht,
einem kleineren Fleck zwischen der Basis der Hörner, einem grossen
Fleck an jeder Wange von den Augen bis unter die Kehle ; die Knie
und die Vorderseite der Vorder- und Ilinterschenkel und ein grosser
Fleck an der Brust dunkel schwarzbraun; Ende des Schwanzes schwarz.
Fundort: Bombay, aber wahrscheinlich. von den Küsten des rothen
Meeres.
Sace hat im Bulletin de la soc. imp. d’acclimatation III.
1556. p. 513 und 561, IV. p.3, 137 und 227 eine Art Monographie
der Ziegen geliefert, in welcher er riese Thiergruppe lebendig
schildert, so wie die einzelnen Arten (7 Steinböcke und 2 Ziegen)
bespricht, und die verschiedenen Varietäten der Hausziege abhandelt
u. 8. W. .
Betrachtungen über die Angora-Ziege wurden von de Tchi-
hatchef Bulletin de la soc. d’acclimatation II. 1855. p. 305 u. 411
veröffentlicht.
Bartlett beschrieb die chinesischen Schafe, welche dem Prin-
zen Albert von Shangai durch den Viceconsul Aleock gesendet wor-
den sind. Proc. zool. soc. 1857. p.104; Annals nat. hist. XX. p.386,
Diese Schafe haben keine äusseren Ohren, grobe mit langen Haa-
ren untermischte Wolle, keine Hörner, breiten kurzen an der
Spitze aufgekrümmten Schwanz, und zeichnen sich durch grosse
Fruchtbarkeit aus, denn sie werfen zweimal jährlich vier bis fünf
Junge. Wegen ihrer Fruchtbarkeit möchte es zweckmässig sein,
diese Varielät zu cultiviren und zu veredeln.
De Bray, welcher an der:Expedition zur Auffindung von
Franklin unter Kapitain Kellet Theil genommen , schilderte der Pari-
ser Academie den Bos moschatus als ein schönes und wildes Thier.
Comptes rendus XLV. p. 173; Rev. et mag. de zool. 1857. p. 362.
54 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Davelouis hat die Büffel zum Gegenstande einer lebendigen
Schilderung gewählt. Bulletin de la soc, d’acclimatation IV. 1857.
p- 461, 519.
Solidungula.
Luigi Mucci berichtete über den Abortus einer Maulthier-
stute, welche von einem Esel belegt war, nach 5monatlicher Träch-
tigkeit. Annali eivili del regno delle due sieilie. 1857 p. 63.
Eine Notiz über den Equus Hemionus von Dussumier fin-
det sich im Bulletin de la soc. d’acclimation II. 1855. p. 260.
Multungula.
Owen beschrieb die Fötalhäute und die Placenta des
Elephanten (Elephas indicus Cuv.) und machte Bemerkungen
über den Werth der Charaktere der Placenta für die Clas-
sification der Säugethiere. Philosophical Trancactions of the
Royal Sociely of London for the Year 1857 Vol. 147. p. 347.
— Vergl. auch Proc. Royal soc. May 1857, und Annals nat.
hist. XX. p. 147.
Verf. hält die Combination zweier Formen der Placenta beim
Elephanten, nämlich die ringförmige und die ausgebreitete (diffused),
welche bei den anderen Säugethieren auf verschiedene Arten be-
schränkt sind, für entscheidend, dass die Modificationen der Placenta
zur Charakterisirung der oberen Gruppen der Säugethiere nicht an-
wendbar seien. ;
Jaeger hat die Schneidezähne des Rhinoceros java-
nicus mit denen des fossilen Acerotherium incisivum Kaup
und den aborliven Schneidezähnen des Rhinoceros bicornis
vom Kap verglichen, sowie über die Ausdehnung der Sinus
des letztern und einiger anderer Säugethiere Bemerkungen
gemacht. Darauf folgen Bemerkungen über die Entwickelung
der Zähne des Hippopotamus amphibius. Nova acta acad.
Caes. Leop. Carol. XXVII. 1. p. 118—134.
Bataille giebt von dem amerikanischen Tapir an, dass sein
Fleisch gesund und von gutem Geschmacke sei, auch vielfach in den
Handel käme. Das junge Männchen folgt der Mutter bis es erwach-
sen ist, während die jungen Weibchen sich bald von ihr trennen.
Bulletin de la soc. imp. d’acclimatation IV. 1857. p.1.
der Säugelhiere während des’ Jahres 1857. 55
Pinnipedia.
Captain Belcher gab eine kurze Notiz über das Wall-
ross, schilderte die Hülfe, welche die Jungen der verwun-
deten Mutter leisteten und die Art seiner Bewegung. Edin-
burgh new phil. Journ. New Series III. 1856. p. 360.
Cetacea.
Shaw theilte die Uebersetzung einer Beschreibung des
Ajuh, einer Art Walle, welche Dr. Vogel in dem Fluss
Benue oder Chadda in Centralafrika gefunden hatte, mit. Re-
port of the 26 meeting of the british association for the ad-
vancement of science held at Cheltenham p. 98.
Das Individuum war 5 Fuss lang, hatte an jeder Flosse 3 Nü-
gel , die Augen dicht hinter den halbmondförmigen Naslöchern ; 5 sechs-
spitzige dreiwurzelige Backenzähne, keine Vorderzähne; Farbe oben
dunkelgrau, Bauch weisslich. Wird bis 10Fuss lang. Owen urtheilt
aus dieser unvollständigen Beschreibung, dass das Thier nahe ver-
wandt mit Manatus senegalensis sei, sich jedoch von dieser Art, na-
mentlich durch die geringe Entfernung der Augen von den Naslö-
chern unterscheide, und nennt die Art Manatus Vogelüi.
Von derselben Species von Thieren, die er übrigens Ayu schreibt,
untersuchte auch Balfour Baikie einen Schädel, und obgleich
er nicht zur Ueberzeugung gekommen , neigt er doch zur Owen'-
schen Ansicht, es möge eine eigene Art sein, und die drei nun be-
kannten Arten würden sich geographisch so verhalten, dass M. austra-
lis Tiles. in Westindien und an der Nordostküste von Südamerika lebe,
M. senegalensis Desm. in den Afrikanischen Flüssen vom Senegal bis
Gambia, M. Vogelii Owen in den Flüssen, die sich in die Biafra-Bai
münden. Die Individuen, welche zuweilen an den britischen Küsten
sich gezeigt haben, glaubt er für M. australis halten zu müssen, die
quer durch den Ocean gekommen seien, zumal sie immer an der
Westküste beobachtet worden. Ueber die Artgültigkeit von M. nasu-
tus Wyman und M. latirostris Harl. enthält er sich desUrtheils. Proc.
zool. soc. 1857. p.29; Annals nat, hist, XX. p.66; vergl. auch Edin-
burgh new phil. Journ. N. 5. IV. 1856. p. 345.
Derselbe Schädel veranlasste J.E.Gray (Proc. zool. soc. 1857.
p-59; Annals nat. hist. XX. p. 312) die Schädel der Manati’s des Bri-
tisch Museums zu vergleichen. Auch er kommt nicht zu einer: de-
finitiven Entscheidung und will noch weitere Materialien erwarten,
ob M. australis von Cayenne und latirostris von Ostllorida , Jamaica
und Cuba, sowie M.Senegalensis Blainv. (nicht Cuv., welches austra-
lis sei) und M, Vogelii verschiedene Arten seien,
56 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Jaeger konnte vier Schädel des amerikanischen Manati und
das Skelet eines erwachsenen und eines jungen Thieres vergleichen.
An einem derselben fand er in der etwas erhöhteren Mitte der Stirn-
beine eine linsengrosse Oelfnung. Eine solche Oelfnung fand. Verf.
auch an dem Schädel eines jungen Dugong. Vergleichungshalber wird
denn auch eine solche Oelfnung bei einer jungen Giralle beschrie-
ben. Nova acta Acad. Leop. Carol. XXVI. I. p. 91.
v. Rapp machte anatomische Untersuchungen über Manatus
latirostris Harl. in den Würtembergischen naturw. Jahresheften 1857
p- 37 bekannt, Die Untersuchungen beziehen sich auf die Zunge,
Luftröhre,, Lunge, Herz, Speiseröhre, Magen, Milz, weibliche Fort-
pflanzungswerkzeuge, Gehörknochen und Auge. Abgebildet sind Lunge,
Magen und Gehörknochen. .
Nach Fairholme ist Halicore australis in Moreton Bay in
Südaustralien noch häufig, obgleich von den Eingeborenen auf sie
stark Jagd gemacht wird. Sie lieben das Fleisch sehr, und schrei-
ben dem Thran ähnliche Eigenschaften zu, wie dem Leberthran.
Ihr Name ist Yungan. Sie wird 9—10 Fuss lang und hat 5—8 Gal-
lonen Thran. Sie frisst Seetang. Früher wurden sie mit Netzen ge-
fangen, jetzt mit Harpunen. Proc. zool. soc. 1856. p. 353.
Jonathan Couch hat die Wallfisch - Arien bespro-
chen, welche an den Küsten von Cornwall beobachtet wor-
den sind. Annals nat. hist. XX. p.424.
Verf. schildert zunächst die Schwierigkeiten, welche. die rich-
tige Bestimmung der Exemplare verhindern, giebt Rathschläge , auf
welche Punkte die Fischer achten, ‘und die sie notiren möchten,
und zählt dann die einzelnen Arten auf: Balaenoptera musculus Flem,,
B. rostrata Gray, Megaptera longimana Gray, Physeter macrocephalus
L., Ph. Tursio Flem., Hyperoodon rostratum Gray, Delphinus delphis
L., D. Tursio Bell, D. Mongitori Raf.?, Phocaena Deductor Seoresby,
Ph. orca Bell, Ph. communis Bell, Ph. albieans, also im Ganzen 13
Arten.
Heddle berichtete über einen Wallfisch der Gattung Physalus,
welcher an den Orkney - Inseln am 9. März 1856 strandete. Es war
ein Weibchen und 50 Fuss lang. Zu derselben Zeit 'strandete auch
ein anderes Exemplar, ein Männchen. Maasse sind genommen, und
manche Organe beschrieben. Verf. fand, dass diese Wallfische zwi-
schen Physalus boops und antiquorum ständen, beide Sectionen mit
einander verbindend, aber näher an boops. Proc. zool. soc. 1856.
p- 187.
Van Beneden beschrieb das Skelet des Wallfisches, welcher
im Jahre 1851 bei der Insel Vlieland von Fischern der Insel Urk todt
gefunden wurde, und welches nunmehr im zoologischen Garten zu
der Säugethiere während des Jahres 1857. 57
Antwerpen unter einem Zinkdach aufgestellt ist. Während der Wall-
fisch eine Länge von 22 Metres hatte, misst das Skelet nur 21 Me-
tres, also ein Metre weniger. Es besitzt 61 Wirbel und 14 Rippen-
paare. Verf. bestimmt dasselbe als den gemeinen Finnfisch Pteroba-
laena communis Eschricht, der an den Küsten von Grönland und Is-
land lebt. und die Nordsee, den Kanal La Manche und das Mittelmeer
besucht. Bulletins de !’Academie royal de Belgique. 2 Serie I. p. 390.
In der Revue et Mag. de zoologie 1857 p.94 wird noch
einmal auf die Frage über die Lage der Barten bei den
Wallfischen eingegangen (vergl. den vor. Ber. p. 25) und
auch durch einen Brief Eschricht’s zu Gunsten E. Rousseau’s
entschieden.
Wyman hat das Auge des Kaschelots (Sperm whale)
untersucht. Proc. Boston Soc. VI. p. 125.
Prosch erklärte sich für das Ausspritzen wirklicher
Wassersäulen aus den Spritzlöchern bei den eigentlichen
Walltischen. Förhandlingar vid de skand. Naturf. sjette möte.
Stockholm 1855. p. 145. übersetzt von Creplin in der Zeil-
schrift für die allg. Naturw. von Giebel und Heintz.
Bericht über die Leistungen in der Herpeto-
logie während des Jahres 1857.
Vom
Herausgeber.
In Emile Blanchard’s Prachtwerke „l’Organisalion
du regne animal“, von welchen seit 1852 bisher 23 Liefe-
rungen erschienen sind, die ich leider für unsere Berichte
bisher nicht benutzen konnte, sind sieben Lieferungen (3, 5,
8, 11, 14, 17, 19) den Reptilien gewidmet. Der Text in die-
sen Lieferungen enthält einen sehr ins Einzelne gehenden
historischen Bericht über die bisherigen Leistungen in der
Herpetologie, soweit sie sich auf die Organisationsverhält-
nisse beziehen. Der specielle Theil des Textes steht noch zu
erwarten.
Die bereits erschienenen Abbildungen stellen die Skelete ünd
osteologischen Details von Testudo ibera Pall., Alligator mississipen-
sis Daud, Chamaeleo africanus, Phrynosoma cornulum, Varanus aegyp-
tius, Gecko mauritanicus, Stellio vulgaris, Iguana tubereulata und La-
certa viridis dar. Auf taf. 19 ist der Circulationsapparat von Stellio
vulgaris abgebildet.
Jan hat ein Verzeichniss der im Museum zu Mailand
aufbewahrten Reptilien veröffentlicht: Cenni sul Museo civico
di Milano ed indice sistimatico dei Rettili ed Anfibi esposili
nel medesimo. Milano 1857. 8. Obgleich ein blosses Namen-
verzeichniss mit Angabe der Fundorte lässt es uns doch
einen Blick in das System dieses Gelehrten, von dem wir
hoffentlich bald ein Werk über die Schlangen erwarten dür-
fen, thun. Im Ganzen der Anordnung von Dumeril und
Bibron folgend finden sich doch in der Begrenzung der
Familien einige Aenderungen.
Troschel: Bericht über die Leistungen in derHerpetologie ete. 59
A. Dumeril machte eine kurze Anzeige von dem Ca-
taloge der Reptilien des Pariser Museums, den er beim An-
iritte seiner Professur als Nachfolger seines Vaters angefer-
tigt hat. Während 1790 von Lacepede 292 Arten, 1803
von Daudin 556 Arten, 1834 von Dumeril und Bibron
846 Arten, 1854 beimSchlusse von deren Erpetologie generale
1310 Arten aufgezählt wurden, enthält der gegenwärtige
Catalog 1393 Arten; nämlich 126 Schildkröten, 504 Eidech-
sen, 523 Schlangen, 240 Batrachier. Rev. et mag. de zoolo-
gie 1857. p. 188.
Nach einer Angabe desselben Verfassers ib. p.470 be-
finden sich in der Menagerie des Pariser Museums 3012
Reptilien in 174 Arten, nämlich 45 Schildkröten, 38 Eidech-
sen, 59 Schlangen, 32 Batrachier, darunter auch Pipa ame-
ricana.
Als Amphibien, die der Fauna von Gollland angehö-
ren, führt Mewes in Öfversigt af kongl. vetenskaps-akade-
miens Förhandlingar Jahrg. 1856. p. 232 die folgenden an:
Lacerta vivipara Jacg., Coluber natrix L., Vipera berus L.,
Runa temporaria L., Rana arvalis Nils., Pelobates fuscus Wagl., Bufo
vulgaris Laur., Bufo variabilis Merr., Triton eristatus Laur.
Mijakoff machte Bemerkungen über die Reptilien des
Gouvernement Wologda. Bulletin de la soc. imp. des natu-
ralistes de Moscau 1857 p. 581.
Während unter dem 40. Grade des südlichen Russland 3 Che-
lonier, 16 Saurier, 17 Ophidier und 4 Batrachier, also zusammen 40
Arten, unter dem 50. Grade 1 Chelonier, 6 Saurier, 6 Ophidier,, 12
Batrachier, also zusammen 25 Arten vorkommen, leben nach der An-
gabe des Verf. unter dem 60, Grade, wo seine Untersuchungen ange-
stellt wurden, nur 1 Saurier, 1 Ophidier und 3 Batrachier, also zu-
sammen 5 Arten. Diese sind Lacerta vivipara Jacq., Vipera berus,
Rana temporaria L., Bufo vulgaris Laur. und Triton taeniatus.
Ein Verzeichniss derjenigen Reptilien, welche Raben-
horst im Jahre 1847 in Italien gefunden hatte , lieferte
Dehne in der Allg. deutschen naturhistorischen Zeitung 1.
p- 212.
In einer Schilderung der tropischen Wälder und ihrer
Fauna aus Breh m’shandschriftlichen Reiseskizzen aus Nordost-
60 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
afrika, Allg. deutsche nalurh. Zeitung I. 1855, finden sich
auch p. 220 Angaben über die Reptilien von Sudahn.
Hallowell machte Bemerkungen über eine Sammlung
Reptilien von Gaboon in Westafrika, welche durch Dr. Ford
der Academie zn Philadelphia geschenkt wurde. Am Schlusse
ist ein Verzeichniss der Amphibien, welche von Liberia (18)
und von Gaboon (36) bekannt sind. Proc. Philadelphia 1857
p- 48.
v. Baer hat in seinen Kaspischen Studien, Bulletin de
l’Acad. de St. Petersbourg XV. p. 193. einen Blick auf die
Fauna der Naphtha-Insel geworfen, und erwähnt namentlich
einige Arten der Gattung Phrynocephalus, unter denen ihm
eine für die Caspische Fauna neu schien. Sie wird jedoch
nur erwähnt.
Der durch seine ichthyologischen Arbeiten berühmte
Bleeker in Batavia hat in diesem Jahre auch mehrere Bei-
träge über die Amphibien der Inseln des Indischen Archi-
pels geliefert, die in der Nalurkuundig Tydschrift voor Ne-
derlandsch Indi@ abgedruckt sind.
Im 13. Bande dieser Zeitschrift p. 470 findet ‚sich ein
Bericht über einige Reptilien von Sumatra, Borneo, Batjan
und Buru. }
Das Verzeichniss der durch Ludeking von ‚der. Westküste
Sumatra’s gesammelten Reptilien enthält 16 Arten, von Sumatra kennt
er im Ganzen 58 Arten. Eine kleine Sammlung von Batjan durch
Bernelot Moens bestand aus 9 Arten. Durch Hoedt erhielt er 4 Ar-
ten von Buru. Durch Roelandt erhielt er 19 Arten Schlangen von
der Westküste Borneo's, von welcher Insel er 55 Arten in seiner
Sammlung besitzt (2 Schildkröten , ‘10 Eidechsen, 37 Schlangen und
6 Frösche), während die Zahl der von Bormeo bekannten Amphibien
etwa 78 betragen soll. ‘Die neuen Arten sollen anderen Orts be-
schrieben werden.
Im 14. Bande derselben Zeitschrift, der mir noch nicht
zu Händen gekommen, aber auch 1857 erschienen sein muss,
sind höchst wahrscheinlich die folgenden mir in Separatab-
drücken vom Verf. gütigst übersandten Abhandlungen 'er-
schienen, da sie vom Jahre 1857 datirt sind.
1. „Aufzählung der Reptilien, die bisher von der Insel Java
bekannt ‘geworden sind.“ Die Zahl dieser Arten ist 173, nämlich
=
während des Jahres 1857. 61
12 Schildkröten, 34 Eidechsen,, 102 Schlangen (63 giftlose, 18 ver-
dächtige und 24 giftige; von letzteren 13 Land- und 11 Seeschlan-
gen), 25 Batrachier.
2. „Ueber einige Reptilien von der Insel Banka.“ Hiernach
kommen dort 34 Arten vor, nämlich 14 Eidechsen, 17 Schlangen
und 3 Batraehier. Verf. vermuthet einen viel grösseren Reichthum.
3. „Ueber einige Reptilien von Celebes.“ Von da sind 3 Schild-
kröten, 9 Eidechsen, 31 Schlangen und 5 Batrachier, zusammen 48
Arten bekannt.
4. „Aufzählung der bis jetzt von der Insel Sumatra bekannt
gewordenen Reptilien.“ Es enthält 12 Schildkröten, 27 Eidechsen,
61 Schlangen, 14 Batrachier, zusammen 114 Arten.
Tancred schildert die Amphibienfauna von der Pro-
vinz Canterbury in Neu-Seeland als beschränkt auf eine
kleine Eidechse, und preist es als ein Glück, dass auch
kaum schädliche Raubthiere dort vorkommen. Edinburgh New
phil. Journ. New Series III. 1856. p. 17.
Hallowell erstattete Bericht über eine Sammlung von
Reptilien von Kansas und Nebraska, welche der Academie
zu Philadelphia durch Hammond eingesendet war, begleitete
einige Arten mit Bemerkungen, und beschrieb eine neue
Gattung und mehrere neue Arten. Proc. Philadelphia VII.
p- 238—255.
Ueber eine von Heermann in der Umgebung von
San-Antonio in Texas zusammengebrachte und an die Aca-
demie zu Philadelphia eingesandie Sammlung von Reptilien,
gab gleichfalls Hallowell Nachricht. _Proe., Philadelphia
VII. p. 306. Darunter befindel sich ein neuer Laubfrosch.
Obgleich Fabrieius in der Fauna groenlandica Rana tem-
poraria als in Grönland vorkommend aufführt, zweifelt Rein-
hard an dem Vorkommen eines Frosches in jenem Lande.
Rink’s Groenland, Anhang p. 20.
Chelonia.
Von Agassiz grossartigem Werke. Contributions ‚to
(he natural history of Ihe united states ist bereits der erste
und zweite Band erschienen, in’ denen die Schildkröten be-
handelt worden sind. Das Werk 'selbst ist mir noch nicht
zu Händen gekommen , daher theile ich hier den Auszug
62 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
einer Anzeige aus der Neuen Zeit, einer in New - York er-
scheinenden Zeitung mit, die von Dr. Weinland herrührt.
Der letztere steht mit der Arbeit über Schildkröten, wie dar-
aus hervorgeht, in sehr enger Beziehung. Es heisst daselbst:
In der Charakteristik der Ordnung der Schildkröten im Allge-
meinen, die grossentheils von dem Schreiber dieser Zeilen herrührt,
ist die vergleichende Anatomie der Schildkröten niedergelegt. Der
Anatom wird. hier nicht wenige neue Thatsachen von Interesse auf-
gezeichnet finden, so in Beziehung auf den Bau der Haut der Schild-
kröten, der genau mikroskopisch verfolgt wurde , namentlich mit
Rücksicht auf die Scheidung der knöchernen Büchse dieser Thiere
in das Hautskelet und in das eigentliche animalische Skelet. In dem
Paragraphen über Respiration wird man genaue Messungen über die
Capaeität der Lungen der verschiedenen Arten finden, namentlich hat
sich bei dieser Untersuchung herausgestellt, dass jene Capaeität un-
endlich grösser ist bei denLandschildkröten als bei den Wasserschild-
kröten (Trionyx). Die amphibisch lebenden Sumpfschildkröten ste-
hen in der Mitte zwischen ihnen. — Hierauf folgen die Schilderun-
gen der verschiedenen Familien der nordamerikanischen Schildkröten,
in deren Ausarbeitung Agassiz namentlich von seinem Schüler Mills
unterstützt wurde. Nordamerika zeigt sich als das eigentliche Schild-
krötenland, denn Agassiz zählt 51 Arten in 24 Gattungen. Eier
und Junge der meisten sind abgebildet. Viele Arten sind neu, einige
noch zweifelhaft. Ein schöner Artikel über die geographische Ver-
breitung der Schildkröten schliesst den ersten Band. Der zweite Band
enthält die Embryologie der Schildkröten, worin Ag assiz wesentlich
von einem zweiten Schüler, James Clark, unterstützt wurde. Die
schönen Zeichnungen rühren theils von dem Letzteren, theils von dem
Künstler Sonrel her; es sind 35 Tafeln. Das Ei der Schildkröten
entsteht als ein ausserordentlich kleines Bläschen im Eierstock, klei-
ner als die Zellen selbst, die das Gewebe des Eierstocks zusammen-
setzen. Wir finden in dem Werk eine vollständige Analyse des. Dot-
ter-Inhaltes des reiferen Eis mit Abbildungen. Der Act der Befruch-
tung für jedes Ei findet bei den Schildkröten nicht einmal (?), son-
dern mehreremal statt; von der ersten Begaltung bis zum Legen des
Eies verstreicht ein Zeitraum von nicht weniger als 4 Jahren, und
in diesem Zeitraum finden 8 Begattungen statt. Die Eier werden nur
einmal im Jahre gelegt; das ganze Ei, sagt Agassiz, ist der zu-
künftige Embryo , der ganze Entwickelungsprocess des Embryo ist
ein continuirlicher; jedoch unterscheidet Agassiz der Uebersicht hal-
ber 31 Stufen der Entwickelung vom ersten Auftreten des Eies im
Eierstock bis zum Ausschlüpfen des Embryo.
C. Müller schilderte das Leben der Schildkröten im
während des Jahres 1857. 63
Nordosten der vereinigten Staaten und zählte 11. dort vor-
kommende Arten auf, denen Reichenbach einen Zusatz
widmete. Allg. deutsche naturh. Zeitung I. 1855 p. 82.
Mills hat die Familiencharaktere der Schildkröten ge-
prüft, und meint sieben Familien unter den Nordamerikani-
schen unterscheiden zu können, die in zwei natürliche Grup-
pen zerfallen, Seeschildkröten und Emyden; die ersteren
bewegen sich vermittelst der Vorderfüsse wie die Vögel, die
letzteren mittelst aller vier Gliedmassen, wie die Säugelhiere.
Proc. zool. soc. VI. p. 64.
J. E. Gray gab Notizen über einige Indische Schildkröten, mit
Beschreibung einer neuen Art Testudo elongata Oldham. Proc. zool.
soc. 1856. p.181; Annals nat. hist. XIX. p. 342,
Miram ‚hat im Bulletin de la soc. imp. des Naturalistes de
Moscou 1857. p. 482 Beiträge zur Naturgeschichte der Sumpfschild-
kröte (Emys europaea) geliefert, und namentlich nach eigenen Beob-
achtungen die Art und Weise geschildert, wie diese Thiere ihre Eier
legen und in die Erde einscharren. Er hat auch die eben ausgekro-
chenen Jungen drei Monate lang lebend erhalten, und findet, dass sie
sehr langsam wachsen.
J. E. Gray stellte eine neue Chelodina expansa von Austra-
lien auf. Proc. zool. soc. 1856. p. 369 pl.XIl; Annals nat. hist. XIX.
p- 485.
Brandt unterscheidet zwei nahe verwandte Arten von Trio-
nyx javanicus Geoflv. als T. Maackii n. sp. aus dem Amur und T.
Schlegelii (Trionyx stellatus seu javanieus Var; japonica Schlegel
Fauna jap.) aus dem nördlichen China und Japan. Bulletin de l’acad.
de St. Petersbourg XVI. p. 110.
Crocodilini. Balfour Baikie beschrieb einen Schädel
von Mecistops aus den Flüssen Binue und Tsadda in Centralafrika,
den er für M. calaphractus hält, Das Thier soll dort äusserst selten
sein, und Verf, hält es für einen Repräsentanten der Gaviale in
Alrika. Proc. zool. soe. 1857. p. 57; Annals nat. hist. XX. p. 312.
Derselbe hat aus dem Niger und Tsadda mehrere Krokodil-
schädel mitgebracht , die ihm von ©. vulgaris und marginaltus ver-
schieden scheinen, und die er für den Fall, dass die Thiere sich als
neu ergeben sollten, Crocodilus binuensis nennt. Proc. zool. soc. 1857
p- 48; Annals nat. hist. XX. p. 380.
64 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
Geckones. Hemidactylus praesignis Hallowell. Proc. Phila-
delphia VIII. p. 222 von Jamaica.
Egnanini. Hallowell beschrieb Proe. PhiladelphiaVIIT. p. 222
folgende neue Arten dieser Familie: Morops muacrodactylus von Neu-
granada, Anolis (Draconura) tropidogaster von Neugranada, A. pun-
etalissimus von Jamaica, A. leucocephalus (=Nlacopsis ocellata Gosse)
ebendaher, A. sericeus aus Mexico, A. acutus, angusticeps und hete-
rolepis von Cuba, Brachysaurus (n.gen.) erylhrogaster von Neu-
Granada, Proctotretus niger von Quinquina Island. Schliesslich stellt
Verf. die auf Cuba, Jamaica und Martinique vorkommenden Arten
nach Dumeril und'Bibron, Gray und Gosse zusammen, woraus
eine grosse Verschiedenheit der Amphibienfauna dieser drei Inseln
ersichtlich wird. (Vergl. auch Silliman Amer. Journ. XXVIT. p. 282).
Lacertini. Die schwarze Varietät von Zootoca vivipara ist
bei Eastbourn in Sussex von Mackay gefunden worden, wo sie bis-
her nicht bekannt war. Annals nat. hist. XIX. p. 107.
Paulus hat Beobachtungen über die Verbreitung der Lacerta
muralis in Würtemberg angestellt. Würtembergische naturw. Jahres-
hefte 1857 p.54.
Tachydromus Fordii Hallowell von Gaboon. Proc. Philadelphia
1857 p. 48.
Ptychopleuri. Gerrkosaurus nigrolineatus Hallowell von
Gaboon. Proc. Philadelphia 1857. p. 49.
Scincoidei. Notice of some new and rare species of
Scineidae in the collection of the academy of natural scien-
ces of Philadelphia. By Edward Hallowell Transactions of the
Amer. phil. soc. held at Philadelphia for promoting useful
knowledge. Vol. XI. Part. I. p. 71.
In diesem Aufsatze sind folgende Arten beschrieben; Eumeces
quadrilineatus Hallow., Euprepis 'striata Hallow., Euprepis Harlani
(Plestiodon Narlani Hall.), Euprepis Blandigii Hallow., Euprepis
longicaudata n. sp. von Siam , Euprepis dissimilis n. sp. von Benga-
len, Euprepis microcephalus Hall. (Seineus ventralis Peale et Green),
Euprepis surimanensis n. sp. von Surinam, Plestiodon sinense Dum.
Bibr. — Euprepis striata und Harlani sind abgebildet.
Plestiodon wittigerum Hallowell. Proc. Philadelphia VIIT. p. 310
aus Michigan.
Euprepis frenatus von Liberia und albilabris Nallowell von
Gaboon. Proc. Philadelphia 1857. p. 50.
Ranken schilderte den Bau und die Lebensweise der Blind-
schleiche (Anguis fragilis) in Edinburgh new phil. Journ. N. S. V. 1857.
- während des Jahres 1857. 65
p- 102—117. Namentlich wird die Form, die Farbe, die Hautbedek-
kung und ihre Häutung beschrieben. Ferner wird über ihre Zer-
brechlichkeit und die Reproduction des abgebrochenen Schwanzes
gehandelt. Wirbel werden nicht reprodueirt. Die Tragezeit wird auf
4 Monate angenommen; ‚über den Winterschlaf konnten keine Beob-
achtungen angestellt werden u. s. w.
In den Proc. Philadelphia 1857 p.51 erklärt Hallowell die
früher von ihm ib. VI. p. 616 beschriebene Art Acontias elegans für
generisch verschieden, und schlägt für sie den Gattungsnamen Sphe-
norhina vor.
Ophidia.
Opoterodonta. Peters stellte vier neue amerikanische
Schlangen aus der Familie der Typhlopinen auf, und las in der Aca-
demie über dieselben. Monatsberichte der Berliner Academie 1857.
p. 402 und 508. Die vier neuen Arten heissen: Rhinotyphlops
albirostris n. gen. von Veragua, Typhlops flavoterminatus von Cara-
cas, Stenostoma macrolepis ebendaher und Stenostoma fallaxz von La-
guayra. — Von der neuen Gattung wird später p.509 angegeben, der
Unterschied von Typhlops bestehe nur in dem Vorhandensein dop-
pelter Nasenschildchen, und T. flavoterminatus gehöre ebenfalls dahin.
Gervais bildete die Köpfe einiger Schlangen von Algier,
welche von Paul Mares eingesendet waren, ab. Mem. de l’acad. de
Montpellier II. p.511 pl. V. Die abgebildeten Arten sind : Hetero-
don diadema Dum., Lycognathus cueullatus Dum,, Psammophis puncta-
tus Dum., Zamenis llorulentus Dum., und eine neue Art Coelopeltis
productus, welche zuerst in den Comptes rendus Juillet 1857 vom
Verf. aufgestellt war.
Ueber die Structur der Knochen von Python hat Green Proc.
Boston soc. VI. p.55 eine Bemerkung gemacht.
Dehne beschrieb Chilobothrus inornatus Dum. Bibr., welche
in der Höhlung eines Stückes Bauholz aus Valparaiso beim Durch-
sägen gefunden war. Allg. deutsche Naturh. Zeitung II. p.221.
Im Verfolg seiner Beobachtungen über Zamenis Aeseulapii (vgl.
vor. Ber. p. 72) setzte Erber das Verzeichniss der Mahlzeiten sei-
ner Thiere fort. Ein Exemplar hat 14 Monate hindurch keine Nah-
rung zu sich genommen, ohne besonders abgemagert zu sein, frass
dann zwei Mäuse mit ihren sieben Jungen, später noch acht andere
Mäuse, ist aber dann gestorben.
Wir haben hier ferner eine ganze Reihe von neuen
Gattungen und Arten zu erwähnen, welche Hallowell auf-
gestellt hat. Da jedoch diese grössere Anzahl neuer Gattun-
Archiv f, Naturgesch. XXIV, Jahrg. 2. Bd. E
66 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
gen wohl noch der Sichtung bedürfen wird, die den spe-
eiellen Studien eines Ophiologen zu überlassen ist, so ver-
zichte ich auf die Angabe der meist längeren Gattungs-
Diagnosen.
In der Familie Doidae ist Notophis bicarinatus von Cuba
aufgestellt, Transactions of the American philosophical society, held
at Philadelphia for promoting useful knowledge Vol. XI. Part I. p. 65.
Die Familie Calamaridae bereicherte er Proc. Philadelphia VII.
p-240 um eine neue Galtung Microps lineatus vonKansas, die sich
von Homalosoma durch die gekielten Schuppen, die spitze Schnauze
und die Form des Stirnschildes unterscheiden soll.
Aus Rhinostoma oceipitale wird ib. p.310 eine neue Gattung
Lamprosoma gebildet, die nahe mit Simotes verwandt sei, sich
aber durch die Lage der Naslöcher in einer Platte und die gerun-
dete Schnauze von ihr unterscheide; die Art lebt in Californien.
Tropidonotus obliquus wird ib. p. 248 als eine neue Art be-
schrieben.
Chlorophis heterodermus von Gaboon wird als Typus einer
neuen Gattung angesehen. Proc. Philadelphia 1857 p. 53.
Ebenso gründet derselbe auf seine Dendrophis flavigularis eine
neue Gattung Thrasops ib. p. 67. Desgleichen auf Coronella trian-
gularis die Gattung Heteronotus.
In der Familie Lycodonta stellte Hallowell zwei neue Arten
und eine neue Gattung auf, Proc. Philadelphia 1857. p. 54; Boaedon
quadrivittatum von der Insel de Los. Die früher vom Verf. beschrie-
bene Coelopeltis virgata wird zur Gattung Boaedon gezogen. — Hor-
monotus n. gen. soll sich durch die Gestalt des Kopfes , die ver-
schiedenen Verhältnisse der Internasalia und Praefrontalia, sowie die
Form des Frontale von Lycognathus unterscheiden. Die Art heisst
H. audax von Gaboon. — Lycophidion laterale von Gaboon.
Opisthoglypha. Peters gründete auf Calamaria miero-
phthalma Bianconi eine neue Schlangen-Gattung Amblyodipsas in
der Ordnung Opisthoglypha, die ein Bindeglied zwischen den Familien
Stenocephali und Platyrhini bilden soll. Maxillae superiores subbre-
ves, apice introrsum curvalae; dentes maxillares paueci laeves, recur-
vali, retrorsum longitudine crescentes, diastemate a dentibus duobus
postieis juxtapositis sulcatis sejuncli. Dentes palatini recurvati, lon-
gitudine fere aequales, pterygoidei minores; dentes mandibulares re-
eurvali, primores disereli, versus medium longitudine sensim crescen-
tes; corpus teres; cauda brevis. conica; eaput depressum , rostro
brevi, obtiso; oculi minimi, superi; nares minimae, anlicae, utrinque
in scutelli nasalis medio apertae ; scutella praefrontalia labialia tan-
gentia ; frenalia, internasalia et anteorbitalia nulla; postorbitalia sim-
während des Jahres 1857. 67
pliecia; scuta abdominalia subangusta subeaudalia divisa; squamae
laevissimae. A. microphthalma (Calamaria mierophthalma Bianconi),
von Inhambane. Monats-Berichte der Berliner Academie 1856 p. 593.
Hallo well erklärt Proc. Philadelphia 1857. p. 59 Oxybelis
Lecomptei Dum. Bibr. für identisch mit seiner Leptophis Kirtlandii,
die daher Oxybelis Kirtlandii heissen müsse. — Derselbe gründet
daselbst auf Dipsas Blandingii eine neue Gallung Tozicodryas,
die nur einen grossen Furchenzahn hinten im Oberkiefer hat, und
dadurch von Triglyphodon unterschieden ist.
Batrachia.
Ueber Entwickelung der Muskelfasern der Batrachier
vergl. Kölliker in der Zeitschr. für wissensch. Zoologie
IX. p. 141.
Stricker, Untersuchungen über die Papillen in der
Mundhöhle der Froschlarven. Mit 1 Tafel. Sitzungsberichte
der Wiener Academie XXVI. p. 3.
Nachdem Oscar Schmidt in den Sitzungsberichten
der Wiener Academie XXIV. p. 10 die Diagnosen von 17
neuen ungeschwänzten Batrachiern, die er, von Warszewicz
in Neugranada und Bolivia gesammelt , für das Museum zu
Krakau erworben , veröffentlicht hatte, ist die Abhandlung
über denselben Gegenstand in den Denkschriften , derselben
Academie XIV. p.237 unter dem Titel: „Deliciae herpetolo-
gieae Musei zoologici Cracoviensis“ erschienen. Dazu ge-
hören drei Tafeln mit Abbildungen.
Die meisten dieser Frösche leben in bedeutenden Höhen, bis
8000 Fuss in milder und feuchter Temperatur. Ueber die Benutzung
der Schwimmhäute und der Gaumenzähne zur Charakteristik hat sich
Verf. in der Einleitung geäussert. Die neuen Arten sowie die zwei
neuen Gallungen sind unten näher bezeichnet; ich citire dort bloss
die Abhandlung in den Denkschriften.
Manae. Schiess Versuch einer speciellen Neurolo-
gie der Rana esculenta mit 4 Tafeln 4. ist mir nicht zu Ge-
sicht gekommen,
Hallowell stellte eine neue Gattung Proc. Philadelphia VIII
p- 298 auf, welche mit Ceratophrys ‚zunächst verwandk ist: Trigo-
nophrys, Kopf sehr gross, deprimirt, oberes Augenlied dreieckig;
Zunge gross, rundlich, vorn und hinten eingeschnitten, vorn ange-
heftet, seitlich und in der hintern Hälfte frei; obere Kieferzähne gross,
68 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Heırpetologie
konisch, gekrümmt, scharfspitzig; zwei Gruppen Vomerzähne in einer
Linie mit dem vorderen Rande der hinteren Naslöcher, näher diesen
als einander; die hinteren Naslöcher gross, rundlich, die eustachischen
Oeffnungen mässig, ziemlich gross; keine Stimmblasen; Trommelfell
nicht sichtbar ; vier völlig freie Finger; Zehen nur an der Basis mit
Schwimmhäuten; das erste Os cuneiforme bildet einen äusseren Vor-
sprung; die Querfortsätze der Heiligen- Wirbel nicht erweitert. Die
neue Art T. rugiceps lebt am Flusse Parana.
Desgleichen ib. 1857 p. 64 die Gattung Heteroglosäa. Sie
hat keine Gaumenzähne, und eine Zunge, die hinten tief eingeschnit-
ten, und mittelst eines eylindrischen Stieles in der Mitte angeheftet
und vorne in der Mittellinie durch Zellgewebe befestigt ist. H. afri-
cana n. sp. von Gaboon.
Leiuperus sagittifer O. Schmidt von Neugranada. Wiener Denk-
schriften XIV. p. 240.
Hylae. Oscar Schmidt stellte ib. p.241 folgende neue
Arten aus dieser Familie auf: Izalus Warschewitschii Taf. I. Fig. 1—4
aus der Nähe des Vulkans Chiriqui zwischen ‚6000‘ und 7000‘ Höhe;
Hyla pugnaz Taf. I. Fig. 5—6, H. splendens ib. fig. 7, H. molitor
fig. 8. 9, H. molitor Var. marmorata an noy. spec. Alle vier vom
Chiriqui-Flusse unweit Bocca del toro; Hylodes Fitzingeri fig.10 von
den Cordilleren Neugranada’s in einer Höhe von gegen 4000‘,
Hyla semifasciata Hallowell Proc. Philadelphia VII. p. 307.
Bufones. Unter den Kröten sind von Oscar Schmidt 10
neue Arten in den Wiener Denkschriften XIV. p. 248 beschrieben
worden, unter denen 3 zwei neuen Galtungen angehören : Dendrobu-
tes speciosus Taf. I. Fig. 11, Taf. II. Fig. 12, D. pumilio Fig. 13, D.
lugubris Fig. 14, alle drei auf Blättern und Blumen der immergrünen
Regionen zwischen 5000 und 6000° Höhe auf dem Grenzgebiet zwi-
schen Neu-Granada und Costa rica; Bufo margaritifer Daud. ? (Bufo
nasutus Schn. (an nova species?) Taf. Il. Fig. 15. 16 auf dem Grenz-
gebiet von Bolivia gegen Peru in 3000° Höhe ; Bufo pleuropterus Taf.
II. Fig. 17. 18. 19, lebt mit dem Vorigen; Bufo veraguensis Taf. 1.
Fig. 20, Taf. II. Fig. 21. Provinz Veragua; Bufo simus Fig. 23. in
Mengen an seichten Stellen des Chiriquiflusses; Hylaemorphus
Dumerilii Fig. 23. 24 Provinz Veragua bis gegen 8000°, Hylaemor-
phus Bibronii Fig. 25 unweit Panama zwischen 2000 und 3000*,
Phiriz pachydermus Fig. 26. im Westen von Neu-Granada, bei Bo-
naventura in einer Höhe von 5000. — Die beiden neuen Gattungen
haben folgende Diagnosen:
Hylaemorphus. Fitzinger. Habitus corporis gracilior et
qualis esse solet Hylarum; lingua elongata, angusta, integra, dimidia
parte libera; dentes palatini nulli; tympanum non visibile ; parotides
nullae, digiti pedum anticorum fissi, posticorum semipalmati; planta
während des Jahres 1857. 69
latior; protuberantiae in tarso nullae aut vix visibiles; processus
transversi vertebrae sacralis dilatati. Dahin ausser den beiden oben-
genannten Arten, eine gleichfalls neue des Wiener Museums, die Fit-
zinger H. Pluto genannt hat.
Phiriz. MHabitus corporis robustus et qualis reperitur in Bu-
fonibus; lingua, dentes palatini,membrana tympani, parotides, proces-
sus lransversi vertebrae sacralis ut in Hylaemorpho; digiti pedum an-
ticorum fissi, posticorum semipalmati et quidem conjuncti membrana
crassa, quae a reliqui corporis integuhentis non differt, qui fit ut
plantae latiores reddantur et minus flexiles, quam solent esse in cete-
ris Batrachiis ecaudatis; tubereula paulum elata et in carpo et in tarso
obvia. Nur die eine obengenannte Art.
Engystoma olivaceum. Hallowell n. sp. Proc. Philadelphia VII.
p- 252.
Caudata. Matthes handelte in der Allg. deutschen natur-
hist. Zeitung I. 1855. p.249—280 über die ‚Hemibatrachier (Salaman-
drinen) im Allgemeinen, und beschrieb als in Nordamerika vorkom-
mend 21 Arten Salamandra, unter denen S. Texana vom Rio Colorado
und S. phoca von Kentucky als neu bezeichnet werden, und 4 Arten
Triton.
_Kneeland beschrieb als neue Art Siredon hyemalis aus dem
Ober-See. Proc. Boston soc. VI. p.152. Dieselbe soll sich nur wäh-
rend des Winters zeigen, und ist durch Pumpen aufgesogen worden.
Bericht über die Leistungen in der Ichthyo-
logie während des Jahres 1857.
Vom
Herausgeber
Dumeril hat im XXVIl. Bande der M&moires de l’aca-
demie des sciences Paris 1856 eine „Ichthyologie analytique
ou essai d’une classification naturelle des poissons, a l’aide
de tableaux synopliques“ veröffentlicht. Diese grosse Arbeit
nimmt den ganzen Band em und umfasst 507 Seiten,
Verf. hat versucht seine analytische Methode auf die ganze
Klasse der Fische auszudehnen, und beabsichtigt dadurch den Zweck
zu erreichen, mit Leichtigkeit die Genera zu bestimmen, Ob dieser
Zweck erreieht ist, darüber wird man erst urtheilen können, wenn
man das Buch mehrfach für diesen Zweck versucht hat. Gegen die
Natürlichkeit der Familien möchte sich hervorheben lassen , dass die
anerkannt wichtigen Untersuchungen J. Müller's kaum berücksich-
tigt sind. So sind, um nur ein Beispiel anzuführen, in der Familie
der Pomacentriden, die Gaumenzähne besitzen sollen, die Sciaenoiden
mit einer Rückenllosse mit den Labroidei etenoidei vereinigt. Verf.
erkennt freilich selbst an, dass nur wegen .der Leichtigkeit, die
Cuvier'schen Gattungen zu unterscheiden, die Familie so aufgefasst
sei. Ueberhaupt scheint das aufgestellte System, welches eine Menge
neue Namen für die Ordnungen , Familien u. s. w. anführt, weniger
dazu bestimmt, einen Ausdruck der Organisationsverhältnisse zu lie-
fern, sondern ein Mittel zur leichten Bestimmung zu bieten. Da es
nicht möglich ist, in diesem Berichte die Ansichten des Verf. bis ins
Einzelne wiederzugeben , so begnüge ich mich mit der Angabe der
Hauptabtheilungen.
1. Zahlreiche Kiemenlöcher, ohne Kiemendeckel, Polyclides. 1.
Unterklasse Chondrichthes oder Trematopnes (Fam. Endo-
tremes, Exotremes, Hypotremes, Pleurotremes).
II. Zwei Kiemenlöcher, Kiemendeckel Dielides.
A. Skelett ibro-cartilaginös. 2. UnterklasseChondrostichthes
oderChondrostes. Fam. Hypostomates (Störe); Gymnogna-
Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie ete. 71
thes, Pteropodes (Gobiesox, Lepadogaster, Cyclopterus und Cu-
vier's Pedieulati), Lophobranches,, Sclerodermes.
B. Skelett
A.
Zwischen diese und die folgende Unterklasse wird Lepi-
dosiren gestellt.
knöchern. 3. Unterklasse Ostichthes oderlcehthyostes.
Bauchflossen fehlen oder sind verkümmert. 1. Ordnung
Apodes oder Acatopes. Fam. Ophichtes, Pteropteres, Pan-
topteres. 5
Bauchflossen an der Kehle. 2. Ordnung Propodes oder
Anteropes. Fam. Gadoides, Blennoides, Trachinoides.
Bauchflossen unter den Brustflossen. 3. Ordnung Hemi-
sopodes oder Mediopodes, diese zerfallen in 4 Gruppen.
@. Glyphopomes. Körper dick von gewöhnlicher Form
mit gezähntem Kiemendeckel. Fam. Percoides, An-
thiadides, Pomacentrides, Sciaenoides, Holocentrides.
ß. Leiopomes. Ebenso aber mit glattem Kiemendeckel.
Fam. Sarcodontes (Labroiden). Gymnodontes (Spa-
. roiden). Osteodontes (Scarus).
y. Omalotes. Körper sehr zusammengedrückt. Fam,
Petalosomes (Bandlfische), Leptosomes (Squamipennes,
Teuthyes, Scomberoiden z. Th.) und Heterosomes
(Schollen).
d, Idiomorphes. Körper dick von absonderlicher Form
oder eigenthümlichen Organen. Fam. Gongylosomes
(Gobioiden ). Atractosomes ( Scomberoiden z. Th.),
Lophionotes (z. B. Coryphaena, Agriopus), Hydrota-
mies (Labyrinthlische), Dactyles (Trigla), Cephalotes
(Cottus, Scorpaena ct.).
Bauchllossen hinter den Brustflossen. 4. Ordnung Opi-
sthopeodes oder Posteropes. Fam. Cyprinoides, Clupeides,
Pogonophores (Cyprinoiden z. Th.) , Opisthopteres (Lepi-
dosteus, Belone, Esox,. Sphyraena ct.) , Lepidopomes
(Mugil. Exocoetus, Polynemus, Hydrargyra ct.), Salmo-
nides, Characins, Siluroides, Dipteronotes (Siluroiden
z. Th.). Seutocephales (Amia, Erythrinus, Osteoglossum,
Butirinus,, Mormyrus) , Aphyostomes (Aulostoma, Fistu-
laria, Centriseus ct.).
Dieser Auszug wird genügen, um die wunderliche Zusammen-
setzung der Familien nach künstlichen Charakteren zu zeigen.
A. Dumeril gab in der Rev. et mag. de zool. 1858.
p- 370 Nachricht von dem Stande der Pariser ichthyologi-
schen Sammlung beim Abtritte seines Vaters, der die Di-
reclion der Amphibien und Fische hatte. Hiernach besteht
dieselbe aus 4145 Species.
72 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Eine sehr gelehrte Abhandlung über die Fische, wel-
che Töne von sich geben, und die Entstehung dieser Töne
schrieb J. Müller, dessen zu frühen Verlust wir zu bewei-
nen haben, in seinem Archiv für Anatomie 1857. p. 249.
Nach einer Aufzählung der aus dem Alterthum bekannten Pi-
sces vocales, und einem Versuche, dieselben zu bestimmen, folgt eine
systematische Uebersicht der bis jetzt- bekannten Pisces vocales, deren
Zahl eine ziemlich grosse ist. Die hier aufgezählten Arten gehören
den Familien Cataphracti, Sciaenoidei, Scomberoidei, Pedieulati, Gym-
nodontes, Sclerodermi, Siluroidei, Cyprinoidei an. Eine Beobach-
tung von Richard Schomburgk über Töne, welche von Hypo-
stoma in der Tiefe des Wassers ausgehen, ist vergessen worden, ob-
gleich sie in dessen Reisen in Britisch Guiana in dem vom Verfasser
selbst in Verbindung mit dem Ref. gearbeiteten Abschnitte über die
Fische vorkommt. — Endlich wird die Entstehung der Töne weiter
erörtert, und in den meisten Fällen einem vibrirenden Reiben der
Gelenkflächen der festen Kiemendeckelstücke oder Flossenstacheln
zugeschrieben.
Nardo hat bereits 18544 eine Abhandlung über die
Haut der Fische im Istituto Veneto gelesen; dieselbe ist im
5ten Bande der Memorie dell’ J. R. Istituto Veneto di scienze,
lettere ed arti, Venezia 1855. p. 243—276 erschienen: Sunto
di alcune osservazioni anatomiche sull’ intima struttura della
eute de’ pesci comparativamente considerata e sulle cause
fisiologiche e fisico-chimiche della loro colorazione e deco-
lorazione.
Kölliker veröffentlichte Untersuchungen zur verglei-
chenden Gewebelehre in den Verhandl. der phys. med. Ge-
sellsch. in Würzburg VIM. p. 1 und handelt darin, so weit
es die Klasse der Fische betrifft:
1. „Ueber die Endigungen der Nerven im elektrischen Organe
der Zitterrochen.“ 2, „Ueber das Schwanzorgan der gewöhnlichen
Rochen ‚“ dessen physiologische Bedeutung er zwar noch nicht für
sicher entscheidbar hält, das er jedoch für ein electrisches Organ zu
deuten geneigt ist. 3. „Ueber das Schwanzorgan der Zitterrochen,*
welches dem Schwanzorgane der gewöhnlichen Rochen nicht paral-
lelisirt werden könne. 4. „Sayi’s appareil follieulaire nerveux,“ den
er für ein Sinnesorgan betrachtet, dessen Function wahrscheinlich
dem Tastsinne (Drucksinne) am nächsten verwandt sei. 5. „Nerven-
körperchen in der Haut von Stomias barbatus ,“ die sich an die vom
Verf. beschriebenen Körperchen von Chauliodus anschliessen, und die
er unter die so mannichfachen Sinnesapparate der Haut einreiht.
ü
während des Jahres 1857. 73
6. „Ausbreitung der Nerven in der Geruchsschleimhaut von Plagio-
stomen.“ — Ferner bezieht sich auch in der folgenden Abhandlung
„über secundäre Zellmembranen, Cutieularbildungen und Porenkanäle
in Zellmembranen“ ein Abschnitt p. 35 auf die Zellenausscheidungen
und Cutieularbildungen im Darme der Fische. — Endlich p. 80 „über
die porösen Eihüllen der Fische.* Verf. bestätigt die Beobachtungen
der Eier der Scomberesoces von Haeckel, zeigt aber, dass die
Fasern nicht von der Innenfläche der Dotterhaut ausgehen, sondern
aussen auf derselben sitzen. Es werden dann die Untersuchungen an
den Eiern zahlreicher Süsswasserfische mitgetheilt.
Hyrtl schrieb über den Amphibienkreislauf von Am-
phipnous und Monopterus eine Abhandlung, welche in den
Schriften der Wiener Academie zu erscheinen bestimmt ist.
Eine vorläufige Anzeige des Inhalts findet sich Sitzungsbe-
richte XX1V. p. 118.
John Davy hat Untersuchungen über die Harnabson-
derung der Fische mit einigen Bemerkungen über diese Ab-
sonderung bei anderen Thierklassen veröffentlicht. Trans-
aclions of the Royal society of Edinburgh XXI. p. 543; Edin-
burgh New phil. Journ. N. S. VI. 1857. p. 152.
In dem Bulletin mensuel de la soc. imp. zoologique
d’acclimatation finden sich ziemlich zahlreiche Artikel, die auf
Fischzucht Bezug haben. Da ein Auszug derselben hier
nicht gegeben werden kann, so erscheint es auch überflüs-
sig, die besonderen Cilate in den. einzelnen Bänden aufzu-
zählen.
Jardine, Fleming und Ashworth berichteten
über die Experimente, welche bei Stormontfield beiPerth für
die künstliche Befruchtung der Lachse angestellt wurden.
Report of the 26. meeting of the British association held at
Cheltenham p. 451.
Baird sieht als eine hauptsächliche Nahrung der Süss-
wasserlische, namentlich der Vendace und der Forelle kleine
Entomostraceen an. Edinburgh new phil. Journ. N. S. VI.
1857, p. 17.
In Betreff der einzelnen Faunen sind die folgenden
Schriften zu erwähnen:
DeFilippi und Verany haben eine Anzahl neuer
oder wenig bekannter Fische des Mittelmeeres beschrieben.
Sopra aleuni pesci nuovi o poco noli del Mediterraneo,
74 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Memorie della R. Accademia delle scienze di Torino serie Il.
tom. XVII.
Sie gehören den Gattungen Netacanthus, Novarchus n. gen. aus
der Familie der Scomberoiden , Clinus, Seyllium, Pelamys. Exocetus,
Pteridium an und sind meist abgebildet. Die einzelnen sind unten
namhaft gemacht.
E. v. Martens schrieb in unserem Archiv p. 149 über
einige Fische und Crustaceen der süssen Gewässer Italiens.
Diese Abhandlung gewährt theils in geographischer Bezie-
hung, theils für die Sicherstellung der Species ein Interesse.
Wir enthalten uns des näheren Eingehens auf dieselbe, weil
sie allen unseren Lesern vorliegt.
Die Süsswasserfische der österreichischen Monarchie mit
Rücksicht auf die angrenzenden Länder bearbeitet von Ja-
cob Heckel und Rudolf Kner. Mit 204 Holzschnitten.
Leipzig 1858. 8.
Die beiden Verf., von denen der erstere das Erscheinen des
vorliegenden Werkes leider nicht erlebt hat, haben mit langjährigem
Fleisse die Fische des österreichischen Staates untersucht, und nun
ein, wie es scheint, vollständiges Verzeichniss geliefert. Hervorzu-
heben ist, dass die Gattung Abramis dem Süden der Monarchie fehlt,
während die Gattung Leucos nur diesem angehört. Barbus, Scardi-
nius, Squalius sind zwar nord- und südwärts der Alpen, aber durch
verschiedene Arten vertreten. Salmo hucho und Pelecus cultratus
finden sich nur im Donaugebiete, dem wieder Anguilla fuviatilis und
Gasterosteus fehlen. Umbra Crameri und Coregonus acronius sind
auf bestimmte Localitäten beschränkt. Besonders interessant ist Dal-
matien, welches eigenthümliche Arten , die jenseits der Bosnischen
Grenze sich fortsetzend , nach Osten an Syrische Formen sich an-
schliessen, und durch diese den vermittelnden Uebergang zu den in-
dischen finden. — Fast alle Arten sind in sehr hübschen Holzschnit-
ten abgebildet, ausführlich beschrieben mit Angaben über Verbreitung,
Lebensweise, Fang u. dgl. Vertreten sind unter den Acanthopteri die
Familien Percoidei mit 1 Perca, 2 Lucioperca, 2 Aspro, 2 Acerina,
1 Percarina, — die Familie Cataphracti durch 4 Cottus mit einer neuen
Art, — die Gattung Gasterosteus, vertreten durch 2 Arten, wird hier
den Scomberoiden zugezählt, wobei namentlich die Schilder an der Sei-
tenlinie, die sonst keiner Familie zukommen, hervorgehoben werden,
— die Blennioiden durch 1 Blennius, die Gobioiden durch 1 Gobius.
— Viel reicher vertreten sind die Malacopteriz; die Cyprinoidei durch
4 Cyprinus , 1 Carpio. 4 Carassius, 1 Tinca, 5 Barbus , 2 Gobio, 1
Aulopyge,, 1 Khodgus, 7 Abramis, 2 Blieca, 1 Pelecus, 6 Alburnus,
1 Aspius, 1 Leucaspius, 2 Idus, 5 Scardinius, 4 Leucos, 5 Leueiscus,
während des Jahres 1857. 75
15 Squalius, 2 Telestes, 1 Phoxinus, 1 Phoxinellus, 5 Chondrostomus,
— die Clupeoidei durch 1 Alausa, indem die Verf. fälschlich noch
immer Alausa vulgaris und finta nur für Altersunterschiede halten, —
die Salmonoidei durch 3 Coregonus,, 1 Thymallus , 7 Salar, 2 Fario,
5 Salmo, — die Esocini durch 1 Esox, 1 Umbra, — die Acantho-
psides, eine auf Cobitis gegründete eigene Familie (s. unten) durch
4 Cobitis, — die Siluroidei durch 1 Silurus, — die Gadoidei durch
1 Lota, — die Muraenoidei durch 2 Anguilla. — Aus der Ordnung
Ganoidei kommen 12 Acipenser vor. — Von Cyclostomi endlich sind
3 Petromyzon und 1 Ammocoetes aufgezählt.
Nach einer kurzen Notiz von Glatz, Verhandl. des
Vereins für Naturkunde in Presburg 1857. Sitzungsberichte
p- 47, sollen in Ungarn 65 Gattungen Süsswasserfische vor-
kommen. Von Knorpelfischen 2 Gattungen, Petromyzon in
2 Arten und Acipenser iu 5 Arten. Von Grätenfischen er-
scheinen 63 Gattungen, unter denen Salmo mit 12 und Cy-
prinus mit 30 Arten. (Was Verf. hier Gattung nennt, wird
wohl aus den zu erwartenden weiteren Mittheilungen klar
werden). Aufmerksam gemacht wird noch darauf, dass das
Männchen von Cyprinus Brama in der Laichzeit porenar-
tige Auswüchse besitze, die sich vom Schwanze zu beiden
Seiten bis zum Kopfe hinziehen, wo sie sich am Schädel zu
einem kleinen Kranze vereinigen.
Kessler lieferte Bullet. deMoscou 1857. p. 453 Nach-
träge zur Ichthyologie des südwestlichen Russlands.
Verf. hat das Dnjestr-Gebiet untersucht, welches von dem des
Dnjepr in mehrfacher Beziehung abweicht, namentlich darin, dass
nirgends die Anschwemmung eines flachen Thalgrundes gestattet
war, und keine Seen sich bilden konnten. So müssen Fische, die
ruhige und klare Gewässer, oder schlammigen Boden lieben, den
Dnjestr meiden. Barsche, Schleyen, Karauschen, Rothaugen , Roth-
federn , Brachsen und llechte sind daher nur spärlich vertreten oder
fehlen ganz, wogegen der Döbel, Barbe und Sterlett in Menge im
Dnjestr vorkommen. — Es werden dann 52 Arten aufgezählt mit
Bemerkungen über das Vorkommen. Es sind 1 Perca, 1 Aspro,
2 Lucioperea, 2 Acerina, 1 Cottus, 5 Gobius unter denen zwei neu,
1 Lota, 1 Silurus, 3 Cobitis, 2 Gobio, 1 Barbus, 1 Tinca, 4 Cypri-
nus, 1 Rhodeus, 1 Chondrostoma, 5 Leuciscus, 4 Aspius, 1 Pelecus,
6 Abramis, 1 Salar, 1 Esox, 1 Clupea, 1 Anguilla, 5 Acipenser. —
Zweitens werden zur Vervollständigung des Verzeichnisses des Dnjepr
31 Fische aufgezählt mit Angaben über die Verbreitung, Laichzeit
und Grösse.
76 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Czernay machte auf’ das Variiren der Artkennzei-
chen der Süsswasserfische in der Umgegend von Charkow
aufmerksam, und führt namentlich die Verschiedenheiten in
der Zahl der Flossenstrahlen, und in der Zahl der Schuppen
in Tabellen-Form von 17 Arten der Karpfenfamilie aus. Er
glaubt dadurch die sich widersprechenden Angaben der
Ichthyologen erklären zu können. Bulletin de la soc. imp.
de Moscou 1857. 1. p. 227.
Richardson schrieb Proc. zool. soc. 1856. p. 37;
Annals nat. hist. XIX. p.486 über einige Fische aus Klein-
asien und Palästina. Daselbst ist von Cyprinodon Hammonis
die Rede und ausserdem werden drei neue Cyprinoiden be-
schrieben.
Von Basilewsky erschien bereits im Jahre 1855
eine Ichthyographia Chinae borealis im Tome X. der Nou-
veaux Memoires de la soc. imp. des Naturalistes de Moscou
p- 215—263. Mit 9 Tafeln.
Zunächst werden 56 Fische verschiedener Familien beschrie-
ben, von denen Verf, die meisten als neu anzusehen scheint. Dann
folgt ein Verzeichniss der Fische aus einem chinesischen Werke
Ben-zao-gan-ınu ; worin 31 Arten schuppige, 28 Arten nackte Fische
beschrieben sind. Zu den nackten Fischen rechnen die Chinesen
die Cetaceen, Crustaceen und Mollusken. In vorliegendem Verzeich-
sisse sind 19 Schuppenfische und 7 nackte Fische erwähnt, von de-
nen einige auf die oben beschriebenen Fische zurückgeführt sind.
— In einem Anhange endlich werden noch acht Fische beschrieben,
wodurch sich die ganze Zahl auf 64 erhöht.
Bleeker setzte auch im Jahre 1857 seine ichthyolo-
gischen Studien mit Eifer fort. Von ihm erschienen in Na-
tuurkundig Tijdschrift voor Nederlandsch Indi@ uitgegeven
door de natuurkundig vereeniging in nederlandsch Indie die
folgenden Abhandlungen :
Deel XII. p.291: Nieuwe Bijdrage tot de kennis der
ichthyologische Fauna van Bali.
Nachdem Verf. die 29 Arten eines früheren Beitrages zur Fauna
dieser Insel auf die seitdem von ihm angenommenen Namen zurück-
geführt hat, folgt ein Verzeichniss von 78 Arten, die ihm neuerlich
von dortdurch Van Bloemen Waanders gesandt waren, wodurch
die Zahl der von Bali bekannten Arten auf 106 stieg. Hierdurch
wurde auch das erste Licht auf die Süsswasserfauna von Bali gewor-
fen. Bisher war von den Inseln, welche östlich von den drei gros-
während des Jahres 1857. Zur)
sen Sundainseln gelegen sind, noch keine einzige Karpfenart bekannt
geworden, selbst nicht von Celebes, wo doch Flüsse von ansehnlicher
Grösse vorhanden sind. Es finden sich nun zwei Cyprinoiden in der
Sammlung von Bali, die auf Java schr gemein sind ; dadurch ist die
Grenze der Cyprinoiden ein wenig mehr nach Osten geschoben. Es
bleibt nun noch fraglich, ob auch auf Lombok, Sumbawa , Flores ct.
dergleichen vorkommen. Einige neue Arten und eine neue Gattung
sind unten namhaft gemacht.
Deel XII. p. 508: Bericht über einige Fische, die neu
für die Kenntniss der Fauna von der Insel Ceram . sind. 22
Arten, wodurch die ganze Zahl auf 208 gebracht ist.
Deel XII. p. 55. Tweede Bijdrage tot de kennis der
ichthyologische Fauna van Boero.
Durch eine neue Zusendung wurde die Zahl der von Buro be-
kannten Fische auf 238 erhöht. Die darunter befindlichen 8 neuen
Arten sind unten genannt.
Deel XIII. p. 283: Ueber einigeFische, die neu für die
Fauna von Biliton sind. Die Zahl der Arten erhöht sich
dadurch auf 61. ‚
Deel XIII. p. 322: Descriptiones specierum piscium Ja-
vanensium novarum vel minus cognilarum diagnoslicae. Aus-
ser einer grösseren Zahl von Arten, welche bereits von an-
deren Ichthyologen aufgestellt, hier nochmals beschrieben
werden, sind unten 18 neue Arten zu vermerken.
Deel XIII. p. 369: Bijdrage tot de kennis der ichthyolo-
gische Fauna van de Sangi-Eilanden.
Verf. erhielt von Jansen eine Sammlung von Fischen von
den Sangi - Inseln, die sich im Norden von Celebes, zwischen dem
2ten und 4ten Grade nördlicher Breite erstrecken, und also zu den
nördlichsten niederländischen Besitzungen gehören. Bisher war von
der Fauna dieser Inseln noch nichts bekannt. Das Verzeichniss ent-
hält 133 Arten, unter denen drei neue.
Deel XIII. p.381. Bericht über eine neue Sammlung
Fische von Batjan, die durch Moens eingesendel wurden.
1135 Arten, so dass nunmehr von Baljan 218, Arten bekannt
sind. Darunter keine neue.
Deel XIll. p. 387. Bericht über einige Fische von Ti-
mor-Koepang und Timor-Delhi. Verf. kennt nun von Timor
126 Arten. Keine neu.
Deel XIII. p. 475: Ueber einige Fischsammlungen von
verschiedenen Theilen Java’s.
73 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Es sind hier verzeichnet: 1) 27 Süsswasserfische von Lebak,
2) 14 Süsswasserfische von Bantam, 3) 11 Süsswasserfische von Bui-
tenzorg, 4) 6 Süsswasserfische von Tjikoppo, 5) 19 Süsswasserlische
von Tjipannas, 6) 27 Süsswasserfische von Tjiandjoer, 7) 19 See-
fische von Karangbollong an der Südküste, 8) 60 Fische ebendaher,
9) 73 Seefische von Prigi an der Südküste.
Im II. Bande der Acta societatis scientiarum Indo-
Neerlandicae 1857 sind ferner die folgenden ichthyologischen
Abhandlungen von Bleeker enthalten:
1. Conspectus specierum piscium Molluccensium hucus-
que cognitarum.
Von 906 hier aufgezälten Arten sind 44 ohne nähere Fundorts-
angabe; 87 sind von Halmaheira, 283 von Ternate , 146 von Batjan,
30 von Obi, 182 von Buro, 191 von Ceram, 639 von Amboina, 18
von Saparna, 172 von Banda, 55 von Wagen, 10 von Rawak be-
kannt, endlich kommen 746 auch ausserhalb des molukkischen Ar-
chipels vor.
2. Tiende Bijdrage tot de kennis der ichthyologische
Fauna van Borneo. Visschen van de Rivieren Barito, Kaha-
jan en Kapoeas. !
Verf. erhielt Zusendungen aus dem Kapuas bei Sintang und bei
Pontianak, aus dem Barito bei Bandjermasin und aus dem Kahajan.
Dadurch sind jetzt von Borneo 258 Arten bekannt; davon sind 14
ohne näher bezeichneten Fundort, 65 von Sambas, 30 von Pamangkat,
73 von Pontianak, 11 von Sintang, 36 von Sampit, 8 von Kahajan,
126 von Bandjermasin, 23 von Pengaron und 10 von Prabukarta.
Einige neue Arten s. unten.
3. Achtste Bijdrage tot de kennis der Vischfauna van
Amboina.
Die Zahl der Arten von Amboina ist durch diesen Beitrag auf
782 gestiegen; darunter befinden sich 41 neue Arten, die unten ver-
zeichnet sind.
Essai sur la faune de !’ile de Woodlark ou Maiou par
le P. Montrouzier, missionnaire. Partie ichthyologique,
revue par M. Thiolliere. 8. Lyon. Extrait de la soc.
d’agrieulture et d’histoire nat. de Lyon — ist mir noch nicht
vor Augen gekommen.
Tancred bezeichnet (Edinburgh new phil. Journal
New Series III. 1856. p. 17) die Fischfauna der süssen Ge-
wässer von der Provinz Canterbury inNeu-Seeland als wenig
zahlreich und erklärt dies durch die reissenden Ströme, in denen
während des Jahres 1857. 79
weder Fische noch Nahrung für sie gedeihen können. In
anderen Flüssen, die tiefer sind, giebt es viele Aale bis 20
Pfund schwer , welche von den Eingebornen gefangen und
für den Winter getrocknet werden. Einge andere Fische
werden nach ihren englischen Benennungen genannt.
Von Holbrook ist bereits seit dem Jahre 1855 eine
„Iehthyology of South-Carolina“ erschienen. Ausser den be-
reits vorliegenden 10 Lieferungen von je drei schön illumi-
nirten Tafem und einigen Bogen Text, dürfen wir keine
fernere mehr erwarten, da der Verfasser gestorben ist.
Bei den einzelnen Arten ist zuerst eine Diagnose gegeben,
dann folgen die Synonyme, die weitere Beschreibung, Farbe, Dimen-
sionen. Bemerkungen über die Eingeweide, Lebensweise, geographi-
sche Verbreitung und allgemeine Bemerkungen. Es ist dadurch die
Kenntniss der besprochenen Arten wesentlich gefördert. Aufgeführt
sind: 14 Percoiden, 3 Sparoiden, 11 Scomberoiden, 1 Echeneis, die
Verf. zu den Scomberoiden zählt, 2 Squamipennen, 18 Sciaenoiden,
1 Elops. Mehrere neue Gattungen und Arten sind unten näher be-
zeichnet.
Richarson hat eine kleine Sammlung von Fischen be-
schrieben, welche von Wellington Sound durch Capt. Bel-
cher, heimgebracht worden sind. The last of the arctie
'voyages, being a naralive of the expedition in H.M.S. As-
sislance unter Captain Sir Edward Belcher in search of
Sir John Franklin during Ihe years 1852 —54. Vol. II. 1855.
p- 347—376. Es sind 9 Arten, von denen acht abgebildet
sind. Die 4 darunter befindlichen neuen Arten sind unten
namhaft gemacht.
Eine Aufzählung der grönländischen Fische vonRein-
hardt in Rink’s Groenland enthält 69 Arten.
Dipnoi.
Die Schilderung eines lebenden afrikanischen Lepidosiren,
welcher im Krystlallpalaste ausgestellt ist, von J.E.Gray Proc.
zool.soc. 1856. p.342, Annals nat. hist. XIX. p. 412, ist in unse-
rem Archiv 1857. I. p.330 in der Uebersetzung mitgetheilt,
obgleich ich die Gründe des Verf., dieses Thier den Amphibien
zuzuzählen, nicht ausreichend finde,
80 ‚Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Teleostei.
Acanthopteri.
Percoidei. Auf Serranus fasciolaris hat Holbrook Ich-
thyology of South-Carolina p. 32 eine eigene Gattung Diplectron
gegründet, dieer so charakterisirt: Vordeckel mit zwei abgerundeten
Gruppen strahliger Dornen , Subopereulum hinten mit häutiger Ver-
längerung, Kiefern ohne Schuppen, Kiefer-, Zwischenkiefer-, Gau-
men- und Vomerzähne klein und sammetartig, einige grössere Zähne
im Unter- und Zwischenkiefer, Körper langstreckig, comprimirt,
eine sehr lange Rückenflosse, sieben Kiemenhautstrahlen.
Derselbe beschrieb ib. als neue Arten: Serranus nigritus p. 173
und Rypticus maculatus p. 39. ]
Basilewski beschrieb 1. ec. Perca Chua-tsi tab.1. fig. 1 und
Perca Chuan-tsi tab.2. fig.1, die beide offenbar der Gattung Serra-
nus angehören, ferner Labrax Ly-iuy.
Bleeker stellte aus dieser Familie folgende neue Arten auf:
Apogon sangiensis Natuurk. Tijdschr. Ned. Indie XIII. p.375 von
den Sangi-Inseln; Bogoda macrolepis Borneo 10.1. c. aus dem Flusse
Kapuas; Serranus Iansenii Natuurk. Tijdschr. Ned. Indie XIII. p. 376
von den Sangi-Inseln: Serranus amblycephalus und melanotaenia Am-
boina 8. 1. ec. p.32; Anthias pleurotaenia, cheirospilos, lepidolepis
und Huchti ib. p. 34.
Bleeker sieht die Gattungen Cirrhites, Cirrhitichthys und
Cheilodactylus als besondere Familie Cirrhiteoideian, die sich durch
die unverzweigten unteren Brustilossenstrahlen, die hinter den Brust-
flossen angefügten Bauchflossen, die Cycloidschuppen u. s. w. unter-
scheiden, und fügt ihnen Amboina 8. l. c. p.39 eine neue Gattung
Ozycirrhites mit folgender Diagnose hinzu: Ossa intermaxillaria
maxime evoluta, longe ante rostrum producta, ramis descendente et
adscendente dentala; os quasi in tubum productum; dentes maxillis
pluriseriati serie externa aequales seriebus ceteris maiores, vomerini
pluriseriati in vittam semilunarem dispositi, palatini nulli ; praeoper-
eulum dentatum; operculum spina plana armatum; pseudobranchiae;
membrana branchiostega radiis 6; spinae dorsi 10. 0. typus von
Amboina.
Cirrhites amblycephalus Bleeker Natuurk. Tijdschr. Ned. Indie
XII. p. 378 von den Sangi-Inseln. s
Cataphracti. Von Richardson wurden Cottus glacialis
und Gasterosteus insculptus 1. c. als neue Arten von Wellington Sound
beschrieben.
Cottus ferrugineus n. sp. Heckel und Kner 1. ec. aus dem Gar-
dasee, Mailand, Treviso, Dalmatien. j
während des Jahres 1857. - 8
Pseudochromides. Pseudochromis cyanotaenia Bleeker
Natuurk. Tijdschr. XII. p. 72.
Seiaenoidei. BeiBasilewski in der Ichthyographia Chi-
nae borealis finden sich folgende Arten beschrieben: Sciaena ten-lo
tab. 1. fig. 3, Sc. arcuata, Mi-iuy, Chuan-chua, Mey-gun.
In der Sciaenoiden-Familie stellte Holbrook Ichthyology of
South-Carolina p. 168 eine neue Gattung Homoprion auf, die
nahe verwandt mit Micropogon ist, aber sich von ihr durch den
Mangel der Bartfäden am Kinn unterscheidet. Ihre Charaktere lau-
ten: kleine hechelförmige Zähne in beiden Kiefern, im Oberkiefer
eine Reihe grösserer, konischer , spitzer Zähne , Schlundzähne nicht
pflasterartig; Vordeckel mit grossen strahligen Dornen am Winkel;
sieben Strahlen in der Kiemenhaut, Dahin Leiostomus xanthurus und
eine neue Art H. lanceolatus.
Derselbe stellte ib. einige neue Arten auf: Otolirhus thalassi-
nus p. 132, O. nothus p.134, Umbrina littoralis p. 142, Larimus fa-
sciatus p. 153.
Sparoidei. Sargus rhomboides und unimaculatus trennte
Holbrook Ichthyology of South-Carolina p.56 als neue Gattung
Lagodon von Sargus ab, weil sie ein vorstreckbares Maul besitzen.
Basilewski bildete ]. c. tab. 3. fig. 1 einen Fisch unter dem
Namen Pagrus macrocephalus ab; die Beschreibung passt nicht zur
Abbildung, welche letztere gar keinen Sparoiden, eher einen Sciae-
noiden darstellt.
Dentez nemurus und metopias Bleeker Amboina 8. 1. c. p. 49
und 51.
Squamipennes. Neue Arten von Bleeker Amboina 8.
l. c. p.53: Chaetodon zanthurus und polylepis, Holacanthus melano-
spilos und diacanthus.
Labyrinthici. Anabas microcephalus bleeker n. sp. Am-
boina 8. 1. c. p. 58.
Ophicephalus Pekinensis Basilewski ist ].c. tab. 9. fig. 3 abgebildet.
Scomberoidei. (Cybium Bonaparte Verany ist von De
Filippi et Verany Mem. Accad. di Torino XVII. als Pelamys
Bonaparte beschrieben und abgebildet.
Basilewski beschrieb 1. c. Stromateus echinogaster, Trichiu-
rus lepturus L. und Scomber Pa-iuy.
Carangoides plagiotaenia Bleeker Amboina 8. 1. ce. p. 59.
Aus Trachinotus pampanus bildete Holbrook Ichthyology of
South-Carolina p. 80 eine eigene neue Gattung Bothrolaemus,
die sich von Lichia und Trachinotus durch völligen Mangel der Zähne
unterscheidet. ;
Derselbe beschrieb ib. als neu: Seriola carolinensis p. 70, Ca-
ranz falcatus p.92 und Caranz Richardi p. 94.
Archiv [. Naturgesch. XAIV, Jahrg. 2 Rd. F
82 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Novarchus nov. gen. De Filippi et Verany Mem. Accad. di
Torino 1. c. Habitus Seriolae; caput undique squamosum, poris non-
nullis in regione nasali; dentes intermaxillares et mandibulares gra-
ciles, elongati, serie unica pectinalim dispositi; palatini et linguales
minimi, conferti; pinna dorsalis radiis spinosis numerosis, pectorales
elongatae, caudalis a basi perfecte divisa,.lobis aequalibus. N. sulca-
tus n. sp. Mittelmeer.
Notacanthini. Nach De Filippi und Verany Mem.
Acad.,di Torino 1. ce. besteht jetzt die Gattung Notacanthus aus 5 Spe-
cies, Inäiilich N. Bibi Bloch, sexpinnis Richard., mediterraneus n.
sp., Bonaparte Risso und Rissoanus n. sp.
Teuthyes. Acanthurus chrysocoma Bleeker Natuurk. Tijd-
schr. Ned. Indie XIll. p. 67 von Buro.
Mugiloidei.; Neue Arten: Mugil So-iuy Basilewski 1. c.
tab. 4. fig. 3; — Mugil belanak Bleeker Natuurk. Tijdschr. Ned. In-
die XIII. p.337 von Batavia.
Gobioidei. Neue Arten von Bleeker: Sicydium zosteropho-
rum und balinense Nat. Tijdschr. Ned. Indie XI. p. 296 von Boleling im
nördlichen Bali ; Eleotris taenionotopterus ib. p. 298 in süssem Wasser
bei Boleling; Culius macrocephalus ib. XII. p. 70.
Bleeker erhebt ib. XII. p. 300 Eleotris belobrancha Cuy. Val.
zu einer eigenen Gattung, indem er sie Belobranchus Quoyi
nennt, und ihr eine neue Art B. taenioplterus aus dem süssen Wasser
von Bali hinzufügt. Die Gattungscharaktere lauten : Pinnae dorsales
2; dentes maxillares pluriseriati; palatum totum edentulum; nares
oculo approximatae, anteriores tubulatae; praeöperculum anacanthum ;
radiis membrana branchiostega 6, quorum 1 vel plures spina antror-
sum spectanle.
Echeneis lineata Holbrook 1. c. p.101. Diese Gattung wird von
dem Verf. zu den Scomberoiden gestellt.
Murray hat Edinburgh new philos. Journ. New Series IV. 1856
p- 287 eine neue Art der Gattung Echeneis beschrieben (vergl. auch
Bibl. univers. de Geneve T. 33. p. 247), wobei er Bemerkungen über
die Lebensweise der Schiflshalter überhaupt mittheilte. Namentlich
hat er versucht, die Art, wie diese Fische sich an bewegten Gegen-
ständen befestigen, zu erklären, Der Saugapparat besteht aus einem
freien fleischigen Rande, der geeignet ist als Saugnapf zu. wirken
und aus zwei Reihen knorpliger Querplatten, die mit drei Reihen
von Zähnen besetzt sind, welche sich nach hinten niederlegen. Verf.
meint nun, wenn ein Wallfisch oder Haifisch über diesen Apparat von
hinten her fortschwimme,, so müsse er den Schiffshalter mitziehen,
und er könne sich nun festsaugen. Um sich wieder los zu machen,
müsse er schneller nach vorn schwimmen, als sein Träger. Die Art,
während des Jahres 1857. 83
Echeneis tropicus, hat nur 17 Platten in der Kopfscheibe, welche
hinten nicht breiter ist als vorn; der Körper verschmälert sich nach
hinten allmählicher als bei remora, auch schien dem Verf. die Haut
weicher als bei der genannten Art.
Blennioidei. Richardson beschrieb |. e. zwei neue Ar-
sen von Wellington Sound: Lumpenus nubilus und Lycodes mucosus.
Bleeker verdanken wir folgende nene Arten: Salarias inter-
ruptus und diproktopterus Nat. Tydschr. Ned. Indie XII. p. 68 von
Buro; Clinus zanthosoma ib. p.340 vom südlichen Java; Petroskir-
tes amblyrhynchus und tapeinosoma Amboina 8. 1: c. p. 64; Salarias
heteropterus, chrysospilos und amboinensis ib. p: 65.
Clinus Veranyi De Filippi Mem. Acad. diTorino 1. c. aus dem
Golf von Cagliari.
Genypterus wird von Philippi als neue Gattung der Blen-
nioiden in unserem Archiv p. 268 aufgestellt. G. nigricans ist Gay’s
Conger chilensis, der also die Stellung dieses Fisches arg verkannte.
Pediculati. Neue Arten von Bleeker: Antennarius le-
prosus, phymatodes, melas, oligospilos Amboina 8. 1. c. p.68.
Anacanthini.
Gadoidei. De Filippi und Verany haben Pteridium
atrum Swains. (Oligopus ater et niger Risso, Gadopsis De Filippi),
namentlich auch die Schwimmblase näher beschrieben, und sind der
Ansicht, dass dieser Fisch die Verbindung der Gadidi und Ophidini
bilde, und eine Vereinigung beider genannten Familien fordere, Mem.
Accad. di Torino XVII. I. e. (Vergl. den Bericht über 1855 p. 79).
Ophidini. Bei Basilewski l. c. findet sich ein Ophidium
aculealum beschrieben.
Pleuronectae. Basilewski beschreibt ib. ferner Pla-
tessa percocephala und Achirus Plagusia, so wie ib. im Anhange
Platessa bicolorata, Solea fasciata und anonyma.
Pharyngognathi.
Labroidei cycloidei. Neue Arten von Bleeker: Julis
(Julis) oxyrhynchos Nat. Tijdschr. Ned. Indie XIl. p.74 von Buto;
Julis (Halichoeres) javanicus ib. p. 341 vom südlichen Java; Scarus
bataviensis ib. p. 342 von Bataviaz — ferner Amboina 8.1. e. p. Tösq.:
Cossyphus zosterophorus, Julis (Julis) melanochir, Julis (Halichoe-
res) heleropterus. Anampses melanurus, amboinensis pterophthalmus,
Novacula melanopus, spilonotus, Cheilinus herataenia.
Labroidei ctenoidei. Glyphisodon nemurus Bleeker Nat.
Tijdschr. Ned. Indie XIII. p. 73 von Buro; Gl. amboinensis Bleeker
Amboina 8. 1. &. p.72.
34, Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
na R ;
Chromides. Peters stellte Monatsber. der Berliner Acad.
1857 p.403 eine neue Gattung der Chromiden auf , die sich durch
eyeloidische Schuppen und einfache conische Zähne unterscheiden
soll. Hemichromis. Genae opereulaque glabra squamata; squa-
mae cycloideae, linea lateralis interrupla; radii branchiostegi quin-
que, branchiae quatuor; nares simplices; os protractile; dentes co-
niei, apice nigri, in mandibula uniseriales, in osse intermaxillari bi-
seriales, seriebus divaricatis. H. fasciatus von Guinea.
Scomberesoces. Bei Basilewski Il. e. finden sich im
Anhange Belone esocina und microstoma beschrieben.
Exocetus (Cyprilurus) procne De Filippi et Verany Mem. Ac-
cad. di Torino XVII. 1. c. von Nizza.
Physostomi.
Siluroidei. Kner hat in den Wiener Sitzungsberich-
tenXXVI, p. 373—448. tab. I—IX. „Ichthyologische Beiträge
ll. Abth.“ geliefert. Dieselben beziehen sich auf diejenigen
Südamerikanischen Welse, die in seinen früheren Arbeiten
nicht berücksichtigt waren. Verf. behält sich eine natürliche
Gruppirung der Familie noch vor, bis er reicheres Material
auch aus Asien und Afrika wird bearbeiten können, und
geht für jetzt nur darauf aus, die Kenntniss der Gattungen
und Species zu fördern. Im Allgemeinen schliesst er sich
an die Valenciennes’schen Gattungen ohne sie gut zu heis-
sen, und spöttelt über die von J. Müller und Referenten in-
nerhalb der grossen Gattung Bagrus gebildeten Untergattun-
gen. Er spricht sich überhaupt gegen die Einführung. soge-
nannter Untergattungen aus. Heferenten scheint es bei dem
gegenwärligen Stande unserer Wissenschaft nicht möglich,
mit den Begriffen Klasse, Ordnung, Familie, Gattung und
Art auszureichen. Man ist oft gezwungen, der leichtern
Uebersicht wegen, in. der Gattung zu theilen und naturge-
mäss zu unterscheiden, ohne dass diese entstandenen Grup-
pen als+Gattungen aufzufassen wären, dann wird man sie
Untergattungen nennen können. Als ich mit meinem ver-
ewigten Freunde die Horae ichthyologicae ausarbeitete, wa-
ren wir der Ansicht, dass Bagrus im weiteren Sinne ein
bestimmt zu charakterisirender Begriff sei, während Arius
Bagrus s. str., Galeichthys, Platystoma und dergl. zwar ver-
schieden sind, aber nach verschiedener Definition theils ver-
während des Jahres 1857. 85
schieden begrenzt worden sind, theils bei consequenter An-
wendung der Charaktere sich noch stark mehren werden.
Deshalb nahmen wir Bagrus als Gattung, die anderen ge-
nannten als Untergattungen. Der Begriff Gattung (Genus)
hat freilich seit Linne sich sehr geändert, und wird auch
heute noch sehr verschieden aufgefasst. Verf. wird wenig-
stens zugeben müssen, dass in unserem Falle durch Einfüh-
rung von Untergattungen einige Uebersicht in die Fülle von
Arten komme. — Es folgen hier die vom Verf. vorgeschla-
genen neuen Arten und Gallungen:
Bagrus reticulatus aus dem Araguay, B. Goliath Heck. Ms. eben-
daher, B. punctulatus aus dem Rio Guapor& und Rio branco, B. pi-
ramuta aus dem Rio negro und Rio Madeira.
Platystoma sturio von Rio branco nebst Beschreibungen von 5
bereits bekannten Arten dieser Gattung.
Asterophysus n. gen. Kopf nackthäutig, gleich breit und
lang, Unterkiefer vorstehend , Mundspalte sehr weit , breite Binden
grober Sammtzähne in den Kiefern und an der ganzen Länge der
Gaumenbeine, Vomerplatte zahnlos; 6 Barteln, Dorsale nackenständig,
Fettflosse klein, Zahl der Kiemenstrahlen gering (4—5), Kiemenspalte
nur bis an die Basis der Brustllossen offen; die Urogenitalmündung’
bei Männchen an der Spitze des ersten Analstrahles ; die rundltche
Schwimmblase ringsum mit fast gleichlangen Blinddärmchen behängt.
A. batrachus von Marabitanos.
Cetopsis gobioides von Trisanga.
Pimelodus ornatus von Surinam, Rio megro und Cujaba; P.
multiradiatus aus dem Rio Madeira und Rio Facutu; P. breviceps
vom Marabitanos ; P. laticaudus lleck. Ms. aus dem Cujabafluss.
Auchenipterus thoracatus aus dem Rio Guapore, A. ceratophy-
sus aus dem Rio Guapor&, Rio branco und Rio negro.
Centromochlus n. gen. Mit freiem körnigen Helme, vier
sehr kurzen Kehlbarteln, kleiner Fettllosse und wenig strahliger Anale,
einfache, nicht zellige Schwimmblase mit Muskelbeleg; — sonst sehr
ähnlich mit Auchenipterus. €. megalops aus Bogota. C. aulopygius
aus dem Guapore.
Trachelyopterus taeniatus aus dem Rio Guapore.
Ageneiosus dentatus aus Surinam, A. quadrifilis aus dem Rio
Guapore.
Hypophthalmus fimbriatus aus dem Rio negro.
Bei Basilewski sind I. c. Silurus Arotus Linn. tab. 3. fig. 4.
ünd Silurus Calrarius tab. 9., der ein Pimelodus ist, abgebildet.
Clarias Teijsmanni ist von Bleeker aufgestellt Natuurk. Tijd-
86 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
schr. Ned. Indie XIII. p. 344 von Tijkoppo, Provinz Buitenzorg in
Java, 900 Metres über dem Meere.
H yrt] hat Clarotes Heuglini anatomisch untersucht, und weist
ihm seine Stellung im System zwischen Pimelodus und Synodus an.
Sitzungsberichte der Wiener Academie XXVI. p. 371. Die Abhand-
lung wird in den Denkschriften erscheinen.
Bilharz hat nun seine Beobachtungen über „Das elec-
trische Organ des Zitterwelses* in einer besondern Schrift
Leipzig 1857 fol. veröffentlicht, über die schon früher ein-
zelne Berichte bekannt geworden waren. Die Abhandlung
ist von vier Tafeln begleitet.
Nach einer historischen Einleitung wird zunächst das osteolo-
gische Verhalten, dann die Bauchhöhle, ferner das Gehirn und Rük-
kenmark beschrieben. Darauf folgt die Schilderung des electrischen
Nerven und des electrischen Organes als Haupttheil des Werkes. Den
Schluss macht eine vergleichende Beschreibung der electrischen Or-
gane des Zitteraales und des Zitterrochen.
Waddell beobachtete das Verhalten « eines electrischen
Fisches, Malapterurus Beninensis Murr. gegen andere Fische.
Edinburgh new phil. Journ. New Series IV. 1856. p. 164.
Du Bois-Reymond konnte zu Berlin Versuche an
einem lebenden Exemplare von Malapterurus Beninensis an-
stellen. Berliner Monatsber. 1857. p. 424.
Cyprinoidei. Diese artenreiche Familie ist wiederum durch
zahlreiche neue Arten bereichert worden.
Basilewski hat l. c. folgende Arten beschrieben, die er we-
nigstens zum Theil als neu ansieht: Cyprinus chinensis tab. 2. fig. 3,
C. obesus tab. 1. fig. 2; Carassius Pekinensis tab. 3. fig. 3, C. coe-
ruleus tab. 9 fig. 2, C. discolor; Cyprinus auratus Linn. tab. 5. fig.4.
(Dazu gehören als Varietäten C. macrophthalmus Bl., C. quadriloba-
tus tab. 5. fig. 5. und ferner die Abbildungen tab. 5. fig. 1-3);
Gobio rivularis; Leuciscus argenleus, teretiusculus tab. 4. fig: 1,
Tschiliensis, Aethiops tab. 6. fig. 1; Nasus dahuricus tab. 7. fig. 1
(hat keine Aehnlichkeit mit Cypr. nasus Linn.); Leptocephalus mon-
golicus tab. 4. fig. 2; Cephalus mantschuricus tab. 7. fig. 3, Cullter
alburnus tab. 8. fig. 3, erythropterus tab. 8. fig. 1. mongolicus, Pe-
kinensis, exiguus, leucisculus; Abramis Pekinensis tab.6. fig. 2; man-
tschuricus; Cobitis decemeirrosus tab. 7. fig. 2
Bleeker hat folgende Cyprinviden, aufgestellt: Barbus, koi-
lometopon Nat. Tjidschr, Ned, Indie XIN. p.347 von Batavia, B: bun-
ter ib. p. 350 aus dem Fluss Tjidani in Westjava, B: polyspilos ib.
p.351 aus der Provinz Bantam in Westjava, B. Hasselti ib, p. 355
während des Jahres 1857. 87
nach einer Zeichnung von Kuhl und van Hasselt; Labeobarbus tam-
bra (Barbus tambra C. V.) ib. p. 356 von Java; Gobio microcephalus
und javanicus ib. p. 357 von Batavia; Rohita koilogeneion ib. p. 359
von Batavia; Lobocheilos lucas und rohitoides ib. p. 362 von Bata-
via. — Derselbe stellte ferner Borneo 10 1. e. auf: Barbus tetrazona
aus dem Kehajan im südlichen Borneo , Leueiscus Helfrichii ebenda-
her, Rohita borneensis und Kappenii aus dem Kapuas, R. kahajanen-
sis aus dem Kahajan.
Richardson beschrieb Proc. zool, soc. 1856 p. 371, Annals
nat. hist. XIX. p. 486 drei Arten als neu: Cyprinus bithynicus und
Leueiscus Apollinitis aus dem See Apollinitis, Leueiscus Cii aus dem
Gemlek, dem Cius der Alten. =
"ünther hat Abramis dobuloides aus dem Neckar als neue
Art erkannt und beschrieben. Würtembergische Naturw. Jahreshefte
1857 p. 50.
Heckel und Kner haben in „Süsswasserfische der Oestrei-
chischen Monarchie“ auch eine Anzahl neuer Cyprinoiden beschrie-
ben: Cyprinus acuminatus Donau, Neusiedler- und Plattensee, Caras-
sius oblongus aus Galizien, Alburnus breviceps, Alburnus fracchia aus
Treviso, Idus miniatus im Teiche des Kais. Hofgartens der Burg in
Wien, Scardinius dergle aus Dalmatien und Bosnien, Sc. plotizza aus
Dalmatien. Se. macrophthalmus aus Tirol, Squalius illyrieus und
seallize aus Dalmatien.
Dieselben gründeten ib. p.145 auch eine neue Gattung Leu-
caspius. Schlundzähne mit compressen, gekerbten Kronen (Drück-
zähne, dentes contusorii), jederseits 5 in einfacher Reihe, Unterkie-
fer vorstehend, Bauch wie bei Alburnus gekielt, Analbasis verlängert;
Schuppen gross, leicht abfallend, ohne Radien. Steht in Bezug auf
die Schlundzähne der Gattung Leucos zunächst, schliesst sich aber
in allen übrigen Eigenthümlichkeiten den Alburnus-Arten an. L. ab-
ruptus n. sp. aus der Umgebung von Lemberg. i
Unter dem Namen Acanthopsides sehen Heckel und Kner
ib. p. 296 die Gattung Cobitis nebst Verwandten als besondere zwi-
schen Cyprinoiden und Siluroiden stehende Familie an, der aus der
Valeneiennes’schen Siluroidenfamilie auch die Gattungen Üetopsis,
Pareiodon und Trichomycterus einzuverleiben seien. Als Charaktere
dieser Familie werden folgende gesetzt : Totalgestalt lang gestreckt,
Kopf klein, bis zur engen Kiemenspalte überhäutet; der Suborbital-
ring und öfters auch die Deckelstücke in einen oder mehrere Dor-
nen auslaufend, Mund von Sauglippen und Barteln umgeben, die
kurze Rückenflosse ohne Knochenstrahl, über den Bauchflossen ste-
hend ; Rumpf klein beschuppt.
Eine neue Art Cobitis elongata aus der Sala bei Idria in Krain
ist ib: p. 305 beschrieben.
88 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
Chamoin hat die Pariser Academie darauf aufmerksam ge-
macht, dass Phoxinus laevis sehr begierig die Eier anderer Fische
frisst, und dadurch der Fischzucht sehr nachtheilig wird. Rev. et
mag. de zoologie 1857 p. 234.
Cyprinodontes. Bellotti giebt an, Cyprinodon calari-
tanus und €. fasciatus Val. gehören derselben Species an, von der
ersterer das Weibchen , letzterer das Männchen sei. Ebenso sei Hy-
drargyra hispanica Val. das Weibchen von Cyprinodon iberus Val.
Gazzetta Piemontese del 1857 No. 280.
Salmones. Salar genivitiatus Heckel und Kner Süss-
wasserfische der Oestreich. Monarchie p.260, aus der Sala, Neben-
fluss des Isonzo.
Eperlanus chinensis Basilewski Ichthyographia Chinae bor.
Clupeacei. Aus dieser Familie sind nur Cl/upea inermis,
Pristigaster chinensis und Osteoglossum prionostoma bei Basilewski
l. e. zu erwähnen.
Mormyri. Ueber die Nerven-Endigungen im electrischen
Organ der Mormyri schrieb Ecker, Untersuchungen zur Ichthyologie,
Jubelschrift der Universität Freiburg in B. 1857. p. 29.
Heteropygii. Wyman hat Beobachtungen an dem blinden
Fisch der Mammouth-Höhle angestellt. Er fand, dass die Streifen am
Kopfe aus einerReihe von Papillen bestehen, die eng aneinander liegen,
und unter ihnen einen Zweig des fünften Nervenpaares, der kleinere
Zweige zuden Papillen sendet. Die grösseren Fische zeigen dieselben
Streifen mit. derselben Structur längs dem Körper zwischen Kopf und
Schwanz. Er fand auch die rudimentären Augen und Muskelbündel
an jeder Seite des Auges. Der Magen enthielt einen Fisch mit gros-
sen Augen, das erste Beispiel eines Fisches mit Augen aus der Höhle.
Proc. Boston soc. VI. p. 72.
Muraenacei. Anguilla eurystoma Heckel und Kner |. c.
p- 325 aus Dalmatien.
Bleeker beschrieb Muraena buroensis Natuurk. Tijdschr. Ned.
Indie XIII. p. 79 von Buro und Conger Noordziekii Amboina 8.1. c.
p- 86 als neu.
Basilewski |. c. beschrieb Muraena Pekinensis, Apterygia
saccogularis tab. 8. fig. 2. und A. nigromaculata tab. 2. fig. 2.
Ophisuridae. Bellotti hat eine neue Art Ophisurus hi-
spanus von Barcelona beschrieben. Accademia fisico-medico - statistica
di Milano 23. dicembre 1857.
Bleeker desgleichen: Muraenichthys Schultzii Nat. Tijdschr.
Ned. Indie XIII. p. 366 von Süd-Java; Ophisurus cirrocheilos Am-
boina8. l.c. p- 89; Muraenichthys gymnotus und macropterus ib. p. 90.
Gymnotini. In den Nachrichten von der Universität
und der Königl. Ges. der Wissensch. zu Göttingen 1857 No. 19
während des Jahres 1857. 89
haben Kupfer und Keferstein „über den feineren Bau
des elektrischen Organs beim Zitter- Aal (Gymnotus electri-
cus) mit Rücksicht auf den Bau bei andern elektrischen Fi-
schen, insbesondere bei Mormyrus oxyrhynchus“ geschrie-
ben, wozu Rud. Wagner nachträgliche Bemerkungen über
die Endigungen der Nerven im Allgemeinen hinzufügte.
Plectognathi.
©Ostracionidae. Von Hollard erschien eine Mono-
graphie der Familie der Ostracioniden in den Annales des
sc. nat. VII. p. 121- 170, mit.einer Tafel, auf welcher die
Struktur der Schuppen dargestellt ist.
Verf. stellt die allgemeinen Charaktere auf, und beschreibt dann
die Hautbedeckung und das Skelett. Die Schuppen der Östracioniden sind
polygonale Platten, diedurch Eingreifen von Zahnvorsprüngen verei-
nigt sind, und die auf einer Schicht von Fasergewebe ruhen, wel-
ches in die Verbindungslinien eindringt, und so einige Ausdehnbar-
keit möglich macht. Die einzelnen Platten sind aussen convex, in-
nen concay und zeigen hier in der Mitte einen Raum, in welchem
mehrere kleine Löcher sichtbar sind, durch welche die Gefässe in die
Platte eindringen. Von dem mittleren Raum ziehen sich Linien nach
den Ecken der Platte und theilen so die Unterseite in Dreiecke, welche
parallel dem Platterrande gestreift sind. Ein näheres Eingehen auf
die interessante Darstellung der feineren Organisation der Schuppen
gestattet uns leider der Raum nicht. — Verf. nimmt nur zwei Gat-
tungen an, nämlich Aracana Gray mit 3 Arten und Ostracion Gray
mit 16 Arten, die alle charakterisirt und beschrieben sind.
Ostracion pentacanthus ist eine nene Art von Bleeker Am-
boina 8. 1. c. p. 98.
Gymnodontes. Hollard hat sich nunmehr auch mit
der Familie der Gymnodonten beschäftigt und findet sie in
Betreff der Körperbedeckung weniger von den Balistes und
Ortraeion entfernt, als man bisher geglaubt hat. Das Skelett
bietet dem Verf. Grund, die Gymnodonten in zwei Familien
zu spalten: Spherosomes und Ellipsosomes (Orthragoriscus).
Erstere zerfällt wieder in zwei Tribus , Tetrodoniens und
Diodoniens, unter deren ersterer sich osteologisch vier Gat-
tungen begründen lassen: Rhynchosus, Xenopterus, Tetro-
don und Batrachops. Comptes rendus XLV. p. 796; Rev. et
mag. de zoologie 1857. p. 517.
90 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
In der über diesen Gegenstand veröffentlichten vollstän-
digen Abhandlung von Hollard Annales des sc. nat. VIll.
p-275— 828, „Eludes sur les Gymnodontes et em partieulier
sur leur osteologie et sur les indications qu’elle peut four-
nir pour leur classification“, ist das Skelett in ausführlicher
Weise beschrieben, und in seinen einzelnen Theilen abge-
bildet. Die Eintheilung weicht etwas von der vorhin erwähn-
ten ab. Hier zerfällt die Ordnung der Gymnodonten in drei
Familien: Loganiasomes(Triodon), Spherosomes und
Ellipsosomes(Orthagoriscus). Zu den Spherosomes gehören
die beiden Tribus Tetrodoniens und Diodoniens. Die erstere
derselben enthält die Gattungen Rhynchotus Bibr., Xenopte-
rus Bibr., Batrachops Bibr., Apsicephalus Hollard, Brachyce-
phalus Hollard, Monotreta Bibr. Die Species sind nicht aul-
gezählt.
Tetrodon Basilewskianus bei Basilewski |. c. im Anhange,
von China.
Balistini. Balistes unicornu Basilewski ib. im Anhange,
von China.
Monacanthus isogrumma Bleeker Nat. Tijdschr. Ned. Indie
XIII. p.367 von Batavia.
Lophobranchii.
Neue Arten: Syngnathus bicoarctatus Bleeker Amboina 8. 1. c.
yng
p- 99. — Hippocumpus chinensis Basilewski Ichthyogr. Chinae borealis.
&anoidei.
Agassiz machte eine Bemerkung über die Jungen des
Lepidosteus aus dem Ontario-See. Bei ihnen war die Ver-
längerung der Wirbelsäule in Form: eines fleischigen Fadens
deutlich von: der Schwanzflosse getrennt. Proc. Boston Soc.
VI. p- 47.
Derselbe fand ib. p. 63 eine Aehnlichkeit zwischen den
Stören und: Lepidosteus in der Entwickelung der Schuppen.
Der jüngste: von ihm beobachtete Lepidosteus hatte eine Reihe
Schuppen: längs: der Mittellinie des Körpers; bei einem etwas
älteren fand: sich auch eine Schuppenreihe über und unter
der Mittellinie; gegen den Schwanz waren die Schuppen zu-
sammengedrängt und von rhombischer Form, Aehnlich. ist
während des Jahres 1857. 9
es beim Stör. Er erwartet bei den Embryonen von Lepido-
steus den Mund unterhalb der Schnauze zu finden.
Golowatschow hat, Bulleliin de la so«. imp. des
naturalistes de Moscou 1857 p. 530 die Arten der russischen
Störe kritisch untersucht.
Er ist der Ansicht, dass die Altersverschiedenheiten, die Local-
varieläten und die individuellen Abweichungen‘, so wie die Bastard-
formen bisher nicht hinlängliche Berücksichtigung gefunden haben.
Er hält Güldenstädt's Acipenser Schipa für gute Art, A. Heckeli
Fitz. identisch mit A. Güldenstädtii Brandt, A. glaber Heck. für glatte
Varietät von A. Schipa, und A. Gmelini Fitz für Varietät von A.
Ruthenus ct.
Acipenser Mantschuricus Basilewski ]. c. aus China.
Ich will nicht unterlassen auf die gründliche Auseinanderset-
zung der europäischen Störe inlleckel und Kner’s mehrerwähn-
tem Buche „Süsswasserfische der östreichischen Monarchie“ aufmerk-
sam zu machen. Daselbst sind 12 Arten beschrieben und nebst De-
tail der Köpfe abgebildet. Die Eintheilung der Gattung von Fit-
zinger und Heckel in den Wiener Annalen I. in sechs Gruppen,
die sich besonders auf die Beschuppung, die Bartfäden und die
_Unterlippe stützt,! ist beibehalten. Danach vertheilen sich die be-
schriebenen Arten folgendermassen: LLionisci; 1, Ac.glaber Heck.
U. Acipenseres: 2, A. ruthenus L., 3, A. Gmelini Fitz. IH. He-
Lopes: 4, A. stellatus Pall. IV. Antacei: 5, A. schypa Güld..
6, A. Güldenstaedtii Brandt, 7,A. Naccarii Bonap., 8, A. Nardoi Heck.
9, A. Heckelii Fitz., 10, A. nasus Heck. V. Sturiones: 11, A.
Sturio Linn. VI. Husones: 12, A. huso Linn.
Selachii.
Squali. Scyllium acanthonotum de Kilippi und Verany ist
Mem. Accad. di Torino XVII. Fig. 2. abgebildet worden.
Majae. Hyrtl gab vorläufige Kenntniss von einer
für die Denkschriften bestimmten Abhandlung über das ar-
terielle Gefäss- System der Rochen in den Wiener Sitzungs-
berichten XXV. p. 236.
Green beobachtete am, Mundrande von Pristis sagittata Zähne
unmittelbar neben den Placoidschuppen , welche den Körper des Fi-
sches bedecken. Beide waren sehr ähnlich gebildet, nur dass die
Zähne zwei- bis dreimal grösser und dreieckig sind. Proc. Boston.
Soc. VI. p. 67. 3
Malm beschrieb Raja eireularis Couch als neu für die Skan-
dinavische Fauna sehr ausführlich. Öfversigt af kongl. Vetenskaps-
akad. förhandlingar. 1857. p. 187.
92 Troschel: Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie etc.
Indem Philippi in unserem Archive p. 270 die Identität von
tay’s Raja chilensis mit Poeppig’s Raja lima hervorhebt, beschreibt
er zugleich eine neue Art Raja scobina von der Küste der Provinz
Valparaiso, die in die Abtheilung Uraptera gehört.
Raja chinensis Basilewski ]. e.
»Rhynchobatis ist der Name, welchen Philippi einer
neuen Rochengattung mit langem linealischen platten Schnabel giebt
Archiv für Naturgesch. p. 271.
Cyelostomi.
Hubert Reich untersuchte den feinern Bau des Ge-
hörorgans von Petromyzon und Ammocoetes. Untersuchun-
gen zur Ichthyologie, Jubelschrift der UniversitätFreiburg im
Br. 1857.
Van Beneden bestätigt die interessante Entdeckung von Aug.
Müller von der Verwandlung der Petromyzon vollkommen und be-
schreibt als neue Art Petromyzon Omalii, die sich durch ihre Länge,
und durch die Anordnung der Zähne von P. Planeri unterscheidet.
Ist abgebildet. Bulletin de l'acad. de Belgique 2. Serie. Il. p. 549.
Es verdient erwähnt zu werden, dass Heckel und Kner in
ihrem schönen Werke „Die Süsswasserfische der Oestreichischen Mo-
narchie“ die Beobachtungen Aug. Müller’s, Ammocoetes sei der Ju-
gendzustand von Petromyzon Planeri , noch nicht für abgeschlossen
halten, sondern vermuthen, der Larvenzustand von P. Planeri möge
nur Aehnlichkeit mit Ammocoetes haben. Sie: berufen sich vorzüg-
lich auf die Angabe A. Müller's, dass Ammocoetes durchsichtige Eier
habe, die doch bei einer Larve nicht vorkommen könnten. Natürlich
sind die Eierstocks-Eier gemeint.
Die Beschreibung von Velasia chilensis Gray von Philippi s.
in diesem Archiv p. 266.
Leptocardii.
Lindsay berichtet, dass im August in der Nähe von Portin-
cross an der Küste von Ayrshire eine grössere Anzahl Exemplare von
Amphioxus lanceolatus mit dem Schleppnetz gefangen sei. Er lobt
Glycerin als eine gute Conservations- Flüssigkeit. Annals nat. hist.
XX. p. 339.
Bericht über die. Leistungen in der Natur-
geschichte der niedern Thiere während des
Jahres 1857.
Von
Dr. Rud. Leuckart,
Professor in Giessen.
Allgemeines.
Dana publicirt (Silliman’s Amer. Journ. 1857. Vol. XXIV.
p- 3083—316, Annals and Mag. nat. hist. Vol. XX. p. 485)
„Thoughts on species“ und behandelt darin die Fragen nach
der Natur, der Stabitilät und den Abänderungen der Art von
einem allgemein naturwissenschaftlichen Standpunkte.
Jäger unterwirft die Symmetrie und Regularität der
Thierformen einer schärferen mathematischen Betrachtung
und glaubt den Nachweis liefern zu können, dass die sym-
metrischen („zweiachsigen“) und radiären („einachsigen* )
Thiere zweien principiell verschiedenen Bildungsiypen ange-
hören. Daraufhin wird eine Eintheilung des Thierreichs in
axenlose (Protozoen), einachsige und zweiachsige Formen
als natürlich empfohlen.
Die von V. Carus herausgegebenen , in erster Hälfte
(Tab. I—-XXIll) vorliegenden Icones zootomicae, Leipz. 1857
enthalten zahlreiche Originalbeiträge von Allmann, Ge-
genbaur, Huxley, Kölliker, H. Müller, Schultze,
v. Siebold und Stein und liefern durch eine grosse Menge
Irefflich ausgeführter Zeichnungen eine ziemlich vollständige
Uebersicht über unsere heutigen Kenntnisse von den Organi-
salionsverhältnissen der wirbellosen Thiere. Format und Aus-
führung erinnert, wie auch der Titel, in. unverkennbarer
Weise an R, Wagner’s vorlreffllichen, für die niedern Thiere
freilich meist veralteten Handatlas, der unserem Verf. offen-
94 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
bar zum Vorbilde gedient hat. Wir werden später noch
mehrfache Gelegenheit haben, auf dieses zeitgemässe Untler-
nehmen zurückzukommen und erwähnen hier nur noch so
viel, dass Verf. in den den Tafeln vorausgehenden „einleiten-
den Bemerkungen“ die verschiedenen Haupttypen des Thier-
reiches bespricht und deren Bau durch schematische Zeich-
nungen erläutert. Verf. unterscheidet dieselben sieben Haupt-
abtheilungen des Thierreiches, die zuerst Ref. aufgestellt hat
— Verf. verweist dabei freilich nur auf seine eigene Mor-
phologie und Huxley’s Lectures —:Protozoa, Coelenterata,
Echinodermata, Vermes , Arthropoda, Mollusca, Vertebrata,
und schildert deren gegenseitige Beziehungen in folgenden
Worten: „Den Anfang der ganzen Reihe bilden einzellige
Wesen mit kaum beginnender Organisalion (Protozoa) und
solche, welche ohne einen von der Leibeshöhle durch be-
sondere Membranen getrennten Darn zu besitzen, einen
strahligen, einfach von Hohlräumen durchzogenen Körper
haben (Coelenterata). Mit dem Auftreten eines Darmes und
des damit nothwendigen Gefässsystemes spalten sich die For-
men in zwei Reihen, deren eine dadurch ausgezeichnet ist,
dass sich bei gestreckter Körperform (zuerst noch in An-
schluss an den strahligen Bau) alle Organensysteme allmäh-
lich in zunächst gleichwerlhige hinter einander liegende
Abschnitte sondern (Echinodermata, Vermes, Arthropoda),
während in der andern die Form des Körpers von einer
räumlichen Trennung der Organe nach ihrer physiologischen
Bedeutung abhängt (Mollusca). Das Endglied der ganzen
Reihe bilden Thiere, welche neben der Anordnung der Or-
gane in dem letzteren Sinne noch eine Anordnung. der ani-
malischen Thierhälfte in hinter einander liegende Abschnitte
aufweisen (Vertebrata).“
Kölliker’s „Untersuchungen zur vergleichenden Ge-
webslehre“ (aus den Verhandl. des med. physik. Vereins zu
Würzburg vom Jahre 1857 bes. abgedruckt, 125 Seiten mit
2 Tafeln) machen uns mit zahlreichen neuen Strukturver-
hältnissen höherer und niederer Thiere bekannt und behan-
deln namentlich in dem Abschnitte über secundäre Zellen-
membranen und Cuticularbildungen ($. 37—109) einen Ge-
genstand, der für die richtige Auffassung der bei dei Wir-
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 95
bellosen so häufigen äusseren Skeletbildungen von höchster
Wichtigkeit ist. Die meisten dieser Bildungen lernen wir hier
als Zellenabscheidungen kennen, die an sich structurlos sind,
durch Abmodelliren der darunter liegenden Zellen und an-
dere Vorgänge aber nicht selten ein zierliches Ansehen ge-
winnen. Eine sehr häufige Auszeichnung dieser sog. Cuticu-
larschichten sind mehr oder minder feine und zahlreiche,
senkrecht stehende Poren. Ebendas. macht Verf. (S. 1099—
113) auf die grosse Verbreitung der contractilen Faserzellen
bei den Wirbellosen (Scheibenquallen , Schalthieren, Mollus-
ken) aufmerksam , so wie weiter darauf, dass diese Gebilde
an gewissen Stellen eine Structur darbieten (Querstreifen,
reihenweis gestellte interslitielle Körnchen, ungemeine Länge,
bedeutende Breite, eine besondere Hülle), welche derjenigen
der quergestreiften Fasern der Wirbelthiere sehr nahe steht.
Williams tritt mit einer Anzahl aphoristischer Sätze
der Annahme von der Existenz eines sog. Wassergefässsy-
stemes entgegen und sucht die verschiedenen, mit diesem
Namen bezeichneten Organe in anderweitiger Weise zu deu-
ten. (Annal. and Mag. nat. hist. Vol. XIX. p. 133.) Verf.
verspricht seine darauf bezüglichen Beobachtungen in einer
besondern Monographie der Respiralionsorgane ausführlich zu
publiciren, so dass es billig erscheint, etwaige weitere Be-
merkungen über die vorliegenden Notizen bis dahin zu ver-
schieben. Ref. kann übrigens die Bemerkung nicht unter-
lassen, dass er in der Hauptsache mit Williams derselben
Ansicht ist und solches auch schon vor längerer Zeit (Berg-
mann und Leuckart vergl. Physiol. S. 284) öffentlich
dargelegt hat,
Lancaster hält in der British Assoc. 1857 einen
Vortrag über die Fortpflanzung der organischen Wesen und
sucht die verschiedenen Formen derselben, mit Einschluss
des Generationswechsels und der Parthenogenesis, unter
gewisse gemeinschaftliche Gesichtspunkte zusammenzufassen.
(Der kurze Bericht in l’Instit. 1858. p. 140, der Ref. bis jetzt
allein vorliegt, lässt keine weitere Mittheilung über den Inhalt
des Vorlrages zu.)
Von Sars erhielten wir den zweiten Theil seines „Bi-
drag til kundskaben om Middelhavets Littoral-Fauna, Reise-
96 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
bemaerkingen fra Italien“, Nyt Mag. for Naturvidensk. X.
p- 59-155 (ec. 2 tabb.) mit Beobachtungen über Akalephen
und Echinodernen, die später noch besonders anzuzie-
hen sind.
Der Prodromus descriptionis animalium evertebratorum,
quae in expedit. ad oceanum septentr. Joh. Rodgers duce
observ. et descrips. Stimpson (Proc. Ac. nat. sc. Philad.
1857) bezieht sich, soweit er hier zu berücksichtigen ist
(Pars 1 u. 2), ausschliesslich auf die Gruppe der Turbella-
rien, auf die wir hier hinweisen.
I. Vermes.
0.Schmidt publieirt einen zweiten Beilrag „zur Kennt-
niss der Turbellaria rhabdocoela und einiger anderer Wür-
mer des Mitlelmeeres« Wien 1857, mit 5 Tafeln (Sitzungsber.
der k. k. Akad. der Wissenschaften Bd. XXI. S. 347 fl).
Die Beobachtungen des. Verl. werden an der betreffenden
Stelle von uns berücksichtigt werden.
Die „Beiträge zur Entwickelungsgeschichte der Eingewei-
dewürmer“*) von G. Wagener, eine von der holländischen
Societät der Wissenschaften zu Harlem im Jahre 1855 ge-
krönte und in dem 13. Bande der Naturkundige Verhande-
lingen 1857 veröffentlichte Preisschrift, sind in gleicher
Weise durch den Reichthum an Beobachtungen, wie durch
die vollendete Schönheit der vom Verf. selbst entworfenen
Abbildungen (27 Tafeln in Quart) ausgezeichnet. Sie bilden
eine besondere Zierde unserer helminthologischen Litteratur
®) Ref. benutzt diese Gelegenheit, einen Irrthum des vergange-
genen Jahresberichtes zu verbessern. Die auf $. 172 eitirteNote von
Retzius, die Ref. nach einem nordamerikanischen Journal noch
nachträglich, nachdem er die betreffenden Reports nicht mehr zu Hän-
den hatte, seinem Berichte hinzufügte, handelt nicht, wie angeführt
„über die Entwickelung von Würmern in dem Gehirne eines Alba-
tros,“ sondern vielmehr über die Entwickelung des Wurmes (vermis
cerebelli) im lirne des Albatros, also über einen Gegenstand, der
unserem Berichte ganz fern liegt.
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 97
und werden späler, besonders bei den Trematoden, noch
ausführlich von uns angezogen werden.
Die hauptsächlichsten Resultate dieser Beobachtungen
sind mit einigen anderen vom Verf. in einem Sendschreiben
an C. Th. v. Siebold zusammengestellt und durch zwei
Tafeln neuer, nicht minder schöner Abbildungen erläutert,
Zeitschr. für wissensch. Zoologie IX. S.73—90. Taf. V. u. VI.
„nelminthologische Bemerkungen.“
Virchow’s „helminthologische Notizen * (Arch. für
pathol. Anat. XI. S. 79—86) handeln über Verbreitung der
Entozoen und über die Kalkkörperchen der Tänioiden.
In dem ersten Aufsatze hebt der Verf. die Verschiedenheiten
in der Häufigkeit des Vorkommens gewisser Parasiten an verschiede-
nen Localitäten hervor. .So finden sich z.B. Tänien und Cysticercen
bei dem Menschen ungleich häufiger in Berlin (Norddeutschland),
als in Würzburg (Franken). Ebenso auch eingekapselte Pentastomen,
während in Betreff der Ruhdwürmer das umgekehrte Verhältniss ob-
waltet. Wenn Verf. zur Erklärung dieser Verschiedenheiten auf die
Eigenthümlichheiten der Nahrung und Lebensweise hindeutet, ist der-
selbe gewiss in vollem Rechte ; dass dabei aber der Genuss von Wür-
sten und Schinken in der vom Verf. hervorgehobenen Weise in Be-
tracht komme, ist für Ref. im höchsten Grade unwahrscheinlich, da
diese Substanzen gekocht oder geräuchert, wie sie allein gegessen
werden, bestimmt niemals lebendige oder lebensfähige Helminthen
enthalten.
Für Willshire’s „klinische, Vorlesungen über Hel-
minthiasis“ (Lancet 1856. I. 14) verweisen wir auf das Re-
ferat in Schmidt’s Jahrbüchern 1858. No. 7.
Giebel macht (Zischr. f. die ges. Naturwiss. Bd. IX. S.264
— 269) nach den in seinen Händen befindlichen Collectanen
Nitzsch’s einige Mittheilungen über die helminthologischen
Untersuchungen dieses ausgezeichneten Forschers und ver-
öffentlicht namentlich eine Uebersicht der von demselben un-
tersuchten (189) Eingeweidewürmer, unter denen zahlrei-
che, zum Theil auch wohl jetzt noch unbekannte Formen
vorkommen. Auch fär die Kenntniss der Helminthenwirthe
enthält die vorliegende Mittheilung manche interessante
Angabe.
Archiv f. Naturgesch. XXIV. Jahrg. 2. Bd. G
98 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
2 Annelides
Chaetopodes,
Von Lockhart Clarke erhiellen wir eine sehr de-
taillirte Darstellung von dem anatomischen Baue und dem
histologischen Verhalten des Nervensystems bei Lumbricus
terrestris, aus der wir hier nur so viel hervorheben, dass der
sehr zierlich entwickelte Nervus sympathicus jederseits mit vier
Wurzeln aus den Conmmissuren des Nervenhalsbandes ent-
springt und auf dem Pharynx ein reiches Netzwerk mit deut-
lichen Ganglien bildet. Gelegentlich erwähnt Verf. auch die
Anwesenheit von zwei oder drei Gruppen Speicheldrüsen,
die aus zusammengewundenen Röhren bestehen und in die
Seitentheile des Mundes und Pharynx einmünden. Proc. roy.
Soc. 1857. Jan. oder Annal. and Mag. nat. hist. T. XIX.
p- 250—257.
Meissner giebt an (Zeitschr. für rat. Medicin 1857.
S. 633 Anm.), dass die Gehörbläschen von Arenicola durch
einen dünnen Canal auf der Hautoberfläche ausmünden, dass
also hier dieselbe Communication mit der Aussenwelt besteht,
die neuerdings von mehreren Seiten für die Gehörkapseln
der Schnecken nachgewiesen wurde.
Grube spricht auf der Bonner Naturforscherversamm-
lung (Tageblatt $. 52) über die Lage des Afters bei den
Anneliden und hebt ein Paar Fälle hervor, in denen derselbe
von dem hinteren Leibesende auf den Rücken emporrücke
(einige Sabellen, Notopygos Gr.), so dass dadurch eine An-
knüpfung zu den Sipunculiden gegeben werde.
Kölliker fand im Darme von Arenicola einen mässig
verdickten Epithelsaum ohne wahrnehmbare Streifen, bei Si-
punculus ausserdem auch noch kurze Flimmerhaare. Bei
Cirratulus wurden merkwürdige keulenförmige Wimperorgane
im Darme gesehen. Unters. zur vergl. Gewebslehre S. 57.
Die cylindrischen oder pflasterförmigen Epidermoidalzellen
der Chaetopoden sind constant mit einer Outicularschicht be-
deckt, die in manchen Fällen ganz homogen ist, aber ge-
wöhnlich — wie das übrigens von Ref. in Wagner’s Zoo-
tomie Il. S. 270 schon längst hervorgehoben wurde — durch
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 99
kreuzende Streifen wie gegittert aussieht. BeiHermione hy-
strix ist die Cuticula mosaikartig gezeichnet. Porenkanäle
sind häufig vorhanden. Bei Cirratulus wurde in einem Falle
die merkwürdige Beobachtung gemacht, dass der Cuticular-
saum nach Kalizusatz in flimmernde Härchen zerfiel. Köl-
liker, ebendas. S. 66.
Wright untersucht die Tentakel von Spio seticornis
und findet die Oberfläche derselben mit zahlreichen kleinen
Fühlpapillen besetzt, die in eine Spitze auslaufen und einen
Sack im Innern einschliessen, dessen Inhalt aus zahllosen
kleinen nadelförmigen Körperchen besteht. Verf. vergleicht
diese Kapseln mit Nesselfäden. Edinb. new phil. Journ. VI.
p. 9%.
Kölliker liefert eine detaillirte Beschreibung von dem
festen Kiemengerüste der Sabellen und nimmt dasselbe (was
freilich auch schon von anderer Seite geschehen ist) als ein
Knorpelskelet in Anspruch. Nach den Beobachtungen des
Verf. (Untersuchungen zur vergl. Gewebslehre S. 113—119)
steckt im Kopfe dieser Thiere ein fest geschlossener, ziem-
lich dicker Ring von Knorpelsubstanz, der in der Höhe des
Halskragens sich mit verdünntem Rande in die Muskelmasse
hinein verliert, vorn aber in zwei grosse dünnere Knor-
pelblätter sich fortsetzt, die sich vielfach spalten und in
dünne, den einzelnen Kiemenfäden zur Stülze dienende Stäbe
auflösen.
Williams lenkt die Aufmerksamkeit der Zoologen auf
die in den Seilentheilen der einzelnen Segmente bei den Rin-
gelwürmern gelegenen schlauchförmigen Organe (segmental
organs), die, seiner Meinung nach, dazu dienen , theils den
Inhalt der Leibeshöhle nach Aussen zu entleeren, theils auch
die Samenkörperchen und Eier abzusondern. Verf. glaubt,
dass analoge Gebilde sehr weit unter den niederen Thieren
verbreitet seien und vindieirt dieselben namentlich auch den
Roliferen, Echinodermen und Actinien (Mesenterialfilamente).
Proc. roy. Soc. 1857. Febr. oder Ann. and Mag. nat. hist.
T. XIX. p. 392.
Für die Einzelnheiten verweist Ref. auf die Arbeit selbst, doch
muss derselbe gestehen, dass ihm, wie in den früheren Arbeiten
des Verf., so auch hier, zahlreiche Irrthümer untergelaufen schei-
100 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
nen. So sollen z. B. die Geschlechtsstoffe nur bei Arenicola und
Terebella frei in der Leibeshöhle getroffen werden, in die sie zu-
nächst ‚aus den „segmental organs* gelangten; Glycera , Cirratulus
und die Aphroditen sollen Hermaphroditen sein, dabei, auch des Blut-
gefässsystemes völlig entbehren u. s. w.
In einer zweiten Mittheilung desselben Verf. (26. Meet.
Br. Assoc., l’Instit. 1857. p. 61) wird wiederholt, dass in der
Familie der Aphroditeen das Blutgefässsystem fehle. Auch
sollen die betreffenden Thiere die grösseste Verwandtschaft
mit den Echinodermen haben.
Hering theilt einen Querschnitt durch den Körper
von Lumbricus und den Bau der Geschlechisorgane dessel-
ben in einer Abbildung mit. Carus, Icon. zoot. Tab. IX.
Fig. 5 u. 24.
Die bekannten, um eine grössere Centralkugel gruppirten
Zellenagglomerate aus dem Hoden der Regenwürmer und an-
derer Anneliden entstehen nach Meissner (Zeitschr. für
rationelle Medicin 1857. S. 622) ‚durch Kospung, aus der cen-
tralen Mutterzelle. Die Samenfäden entwickeln sich durch
Metamorphose des Kernes.
Van Beneden macht die Oersted’sche Lumbriconais
marina (Capitella capitata. v. B.) zum Gegenstande einer be-
sonderen anatomischen und embryologischen Untersuchung
und gewinnt ‚dabei dieUeberzeugung, dass dieses Thier nicht
zu den Lumbricinen,, sönden, (trotz der Abwesenheit beson-
derer Kiemen ) zu den Kiemenwürmern zu rechnen sei.
Aus den. vorläufigen Mittheilungen unseres , Verf. ( Bullet.
Acad. Belg. 1857. Oct. , lU’Inst. 1857. p. 443) heben wir her-
vor, dass die betreffenden Würmer nicht bloss, wie schon
früher bekannt war, getrennten Geschlechts sind, sondern auch,
wie die Kiemenwürmer, durch eine Metamorphose sich ent-
wickeln. Die neugeborenen Larven tragen Augen und zwei
Flimmerkränze. Die männliche Geschlechtsöffnung liegt im
vordern Körperdrittlheil und ist von einem ‚Borstenkranze
umgeben. Ein Blutgelässsystem fehlt, dafür aber ist, in, der
Leibeshöhle eine Flüssigkeit mit grossen rolhen. Blutkör-
perchen vorhanden. Eine zweite von d’Ukedem entdeckte
Art ist seitlich und hinten am Körper mit Zotten besetzt:
©. fimbriata n. sp.
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 101
Krohn spricht in der Bonner Naturforscherversamm-
lung über Actinotrocha "und hebt hervor, dass sich dieselbe
nach Verlust des Schirmes zu einem wahrscheinlich den Tu-
bicolen zugehörenden Wurme entwickle. Tageblatt der Bon-
ner Naturforscherversammlung S. 52.
Von Kinberg erhielten wir die Fortsetzung seiner
„neuen Gattungen und Arten von Annulaten“ (Öfvers. af k.
Vet. Akad. Förhandling. Aarg. XIV. p. 11—14) mit Beschrei-
bungen folgender Arten:
Fam. Amphinomea. Trib. 1. Amphinomacea: Chloeia candida
n. sp, St. Thomas; Notopygus crinitus Gr. St. Helena, Lirione (n.
gen.) maculata n. sp. Panama; Amphinome rostrata Pall., A. vagans
Sav., A. Luzoniae n. sp. Luzon, Hermodice (n. gen.) caruncu-
lata Pall., H. striata n. sp. Stiller Ocean, Eurythoe. (n. gen.)
Hedeborgi n.sp. hab.?,.E. syriaca.n. sp. syr. Küste; E. chilensis n.sp:
Valparaiso; E. capensis n. sp. Cap b. sp., E. pacifica n. sp. Südsee;
E. corallina n. sp. ebendah. ; Trib. 2. Euphrosynea: Euphrosyne ca-
pensis n. sp. Cap b. sp. (Die Diagnosen der neuen Arten sollen
nachgeliefert werden.)
Ebenso publieirt Grube die Fortsetzung seiner „An-
nulata Oerstediana“, denen jetzt ‘auch die Beschreibung eini-
ger von Kroyer in Centralamerika gesammelten Arten zu-
gefügt ist. (Vidensk. Meddel. for 1857. p. 158—186.)
Die beschriebenen Arten gehören zu den Familien der Euniceen,
Lyecorideen, Nephthydeen, Phyllodoceen, Glycereen und Syllideen, und
sind ‚wiederum sämmtlich neu:
Lumbriconereis longissima Valparaiso , L. brasiliensis Rio - Ja-
neiro, Nereis vallata Valpar., N. marginata St. Jean, N. Krebsii St.
Croix, A. rigida Puntarenas, N. Rüsei St. Croix, N. puncturata hab. ?,
N. debilis hab.?, N. (Nereilepas Blainv.) variegata Callao, N. Cal-
laona ibid., N. (Heteronereis Verst.) caudipunetata St. Croix, N. pan-
nosa Callao, Nephthys imbricata Valparaiso, Phyllodoce macrophthalma
Realejo, Ph. Puntarenae Puntarenas, Ph. Callaona Callao, Ph. longicor-
nis Realejo, Ph. lavescens Puntaren., Ozxydromus, longisetis St. Croix,
0. flaceidus ibid., Pisione (n. gen.), Oerstedii Valpar., Glycera cir-
rata Rio-Jan., Gl. papillosa Valpar., Gl. simpler Valpar,, Syllis lati-
frons Callao, 8. brachyeirris St. Croix, 8. breviarticulata ibid., 8.
rubra ibid., S. obscura ibid., S. streptocephala ibid.,, S. zonata ibid.,
8. valida Valpar.. S. longesegmentata St. Croix, 8. macroceras ibid.,
Amblyosyllis (n. gen.) rhombeata St. Croix.
Char. gen. n. Pisione Gr. Corpus vermiforme, segmentis
numerosis. , Lobus capitalis ovalis tentaculis frontalibus utrimque
duobus, oculis duobus. Segmentum buccale supra brevissimum vel vix
102 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
distinguendum, ceirro tentaculari utrimque uno laterali pinnaque ad-
umbrata munitum ; pharynx exsertilis longa, cylindrata, corona papil-
larum ‚maxillisque quatuor uncinatis armata, superioribus inferioribus
adversis. Segmentum secundum cirro dorsali pinnaque similibus in-
structum. Pinnae segmentorum caeterorum paulo productae, in lobnlos
exeuntes, cirro dorsali et ventrali basilaribus,, cirroque altero cen-
trali sub apice munitae ; selae compositae. Cirri ani nulli. Pisione
genus a Phyllodoceis ad Glycerea transiens cum illis lobi capitalis
conformatione, cum his pharyngis armatura consenlit; pinnae singu-
lares ab utrisque differentes.
Char. gen. n. Amblyosyllis Gr. Corpus, pinnae, cirri,
setae Syllidis generis, lobus capitalis cum segmento buccali coalitus;
toris frontalibus nullis. Tentacula tria, eirri tentaculares duo, oculi duo.
Die Beschreibung des von Fr. Müller in Brasilien
entdeckten Lumbricus corethrurus, dessen wir bereits im
letzten Jahresberichte (S. 180) Erwähnung thaten, ist jetzt
auch in dieses Arch. 1857. S.113, so wie in die Ann. and
Mag. nat. hist. 1857. T.XX. p. 13 übergegangen.
0. Schmidt entdeckte im Mittelmeere eine neue pro-
liferirende Naide: Parthenope cn. gen.) serrala, die sich
besonders durch einen tonnenförmigen, vorstülpbaren Schlund,
Mangel der Augen und Zähnelung der Borsten auszeichnet.
Sitzungsber. der Wiener Akad. Bd. XXIII. S. 363. Tab. V.
Fig. 13.
Ob die ebend. S. 361. Fig. 12 beschriebenen T’hysanoplea
(n. gen.) luctuosa gleichfalls den Naiden zugehöre, müssen wir
unentschieden lassen ; Verf. hebt mit Recht hervor, dass der
mit diesem Namen bezeichnete kleine Borstenwurm, der in
Neapel nicht selten in Gesellschaft von Turbellarien gefun-
den wurde, ‚ein seltsames Aussehen besilze und von allen be-
kannten Gattungen abweiche. Der Körper ist im hohen Grade
contraetil, fast ohne Spuren. einer Segmentirung und in gan-
zer Ausdehnung mit Hautpapillen bedeckt. Am Vorderende
ein Paar Fühler und zwei Augen. 16 Paar schwache, li-
neare Borstenbüschel, von denen jedes in einer grösseren,
am Bauche befindlichen Papille steckt, die mit einigen klei-
neren Papillen besetzt ist. Geschlechtsorgane einfach, wie
bei den Polychaeten. Ein Gefässsystem wurde ‘nicht be-
obachtet.
Nicht minder merkwürdig ist das von Wright Edinb. new
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 103
\
philos. Journ. TV. Oct. entdeckte Gen. n. Phoronis, das durch
die Abwesenheit von Borsten und Segmenten an die Sipunculiden
sich anschliesst und auch durch Aufenthalt in Felsspalten diesen
Thieren verwandt scheint. Die wesentlichste Auszeichnung der
beobachteten Art (Ph. hippocrepia n. sp.) besteht in der An-
wesenheit eines hufeisenförmigen Tentakelapparates, wie er
sonst nur bei den Süsswasserbryozoen vorkommt.
Auch Allman beobachtet dieses interessante Thierchen
und liefert gleichfalls davon eine Bescheibung und Abbildung.
A monograph of ihe fresh-water Polyzoa p. 55. Note.
Körper ohne Ringelung und Fusshöckern, ein einfacher Cy-
linder, dessen vorderes Ende mit einem zweischenklichen,, tentakel-
tragenden Kopfschirme versehen ist. Mund von einer Oberlippe über-
deckt. After dicht neben dem Munde, in dem Ausschnitte des Kopf-
schirmes. Im Innern ein Darm mit ansehnlich entwickelten pulsiren-
den Gefässen, die ein rothes Blut führen. Eine Leibeshöhle fehlt.
Die von Trask (Proc. Calif, Acad. Volll. p.99. Pl. VI)
unter dem Genusnamen Leptosiagon beschriebenen mikrosko-
pischen Organismen, von denen Verf. es ungewiss lässt, ob
sie den Krebsen, ob den Zoophyten oder Dialomeen zuge-
hören, sind nach dem Berichterstatter in Silliman’s Am. Journ.
1858. T. XXVl. p. 205 —Ref. ist das Vol. II der betr. Proc.
noch nicht zugekommen -— Nichts als Annelidborsten.
Nematodes,
Nach den Beobachtungen von G. Wagener sieht man
bei Stiongylus auricularis und anderen Nematoden nach dem
Zerdrücken neben den in etwas körnige Masse eingehüll-
ten, glatten und hohlen Bändern der beiden Seitenlinien zwei
helle, leicht geschlängelte Streifen, welche mit eigenen Wan-
dungen versehen sind und in sehr weiten Abständen hier und
da einen gefässarlig verlaufenden Zweig aufnehmen, der sich
in den benachbarten Geweben bald den Blicken entzieht. Ar-
chiv für Anat. und Physiol. 1857. S. 363.
Williams betrachtet die bekaunten, in der Leibes-
höhle der Ascariden gelegenen drüsenartigen Beutel als Ab-
sorptionsapparate und lässt sie an der äussern Körperfläche
sich öffnen. Wasser- und Blutgefässe werden dagegen in
Abrede gestellt. Rep. br. Assoc. 26. Meet. p.101. l’Inst. 1857.
p. 82.
104 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Nach ‚Kölliker besitzen die Ascariden im, Darme
einen mehr oder minder dicken Epithelialsaum mit einer, bei
den grösseren Arten deutlichen Streifung. Die Epithelialzellen,
die diesen Saum tragen, sind. cylindrisch und werden von
einer äusseren dicken Darmhaut umhüllt, die keine Spur eines
besonderen Baues zeigt. Unters. zur vgl. Gewebslehre S. 42.
@ei Asc. lumbricoides zeigt diese äussere dicke Darmhaut
deutliche Porenkanäle. Ref.)
Auch die äussere elastische Haut der Nematoden ist
nach Kölliker (ebendas. S.60) eine Cuticula, jedoch liess
sich das zur Abscheidung dienende Epithelium nur unvoll-
ständig und immer nur in Spuren nachweisen.
Claparede handelt (Zeitschr. für wissensch. Zoologie
IX. S. 106-128) ‘„über Eibildung und Befruchtung bei den
Nematoden“ und sucht dabei die widersprechenden Angaben
früherer Forscher zur Einigung zu bringen,
Die Bischofl’schen Epithelialzäpfchen sind nach unserem Verf.
die wirklichen Samenkörperchen, die in manchen Fäilen, wie z. B.
bei Ascaris suilla bereits in den männlichen Organen ihre spätere ke-
gelförinige Bildung annehmen. Dass diese Gebilde in vielen Nema-
toden eine sehr eigenthümliche amoebenartige Bewegung besitzen, ist
bereits von Schneider (J.B. XXI. S. 187) beobachtet, und dürfte
für den Befruchtungsprocess nicht ohne Bedeutung sein. Ein Ein-
dringen der Samenkörperchen in die Eier, wie Meissner es be-
hauptet, konnte, nicht beobachtet werden. Eben so wird die An-
gabe. dieses Forschers über die Fettmetamorphose der erstern in Zwei-
fel gezogen. Fetttropfen, wie sie Meissner von den eingedrunge-
nen Samenkörperchen ableitet, finden sich ganz in derselben Weise
auch in den Eiern unbefruchteter Weibehen. Eine Micropyle fehlt
den Nematodeneiern; die desfallsigen Angaben Meissner's beruhen
auf einem Irrthume,, wie das auch von Ref. immer behauptet ist.
Ebenso fehlt zur Zeit der Befruchtung- eine eigentliche Eihaut, wäh-
rend die Rhachis dafür eine wirkliche Rhachis ist. Die Entwickelung
der Eier geht ganz auf dem gewöhnlichen Wege durch allmähliche
Umlagerung, von Dotter um das Keimbläschen vor sich.
Ueber die Vorgänge der Ei- und Spermatozoenbildung
bei den Nematoden vergl. man auch V. Carus, Icon. zool.
Tab. VIIL, Fig. 1-3, wo dieselben durch M. Schultze und
v.Siebold bei verschiedenen Arten bildlich dargestellt sind.
Die Samenkörperchen entwickeln sich nach den hier mitge-
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 105
theilten Beobachtungen durch eine Art Furchung aus den
männlichen Keinmzellen.
Weiter findet sich daselbst von Max Schultze eine
Abbildung von Diplogaster micans n. gen. et n.sp. g' und
Rhabditis oculata n. sp. 2 mit vollständiger Anatomie, so wie
die der vordern Körperhälfte eines Enoplus n. sp. aus Triest.
Die schon im Jahresberichte für 1855 (Bd. XXll. S. 353)
erwähnten und ausgezogenen Untersuchungen von Davaine
über Vibrio tritiei sind inzwischen in einem selbstständigen
Werke erschienen: Rech. sur l’anguillule du ble nielle. Paris
1857. Avec 3 pl.
Nach den Beobachtungen Kühn’s ist auch die sg. Kern-
fäule der Weberkarde durch den Parasitismus einer Anguillula
bedingt, die theils in den Körnern und dem Pappus, theils
auch am Fruchtboden und im Marke des Blüthenkopfes haust,
und in ganz ähnlicher Weise, wie A.trilici, an erster Stelle
eine abnorme Bildung, an letzterer ein allmähliches Absterben
und Braunwerden des Gewebes zür Folge hat. Die Lebens-
geschichte dieser A. dipsaci n. sp. scheint überhaupt die
grösste Achnlichkeit mit der von A. tritiei zu. besitzen , mit
welcher Art dieselbe auch die Fähigkeit des Austrocknens
und Wiederauflebens nach Wasserzusatz theilt. Männliche
und weibliche Oeffnung liegt im hintern Körperende, die
letztere etwas höher, aber doch noch weit von der Mitte
entfernt, wo die weibliche Oeffnung bei den frei lebenden
viviparen Anguilluliden gefunden wird. Das Männchen hat
neben der Geschlechtsöffnung bis zur Schwanzspitze eine
senkrechte Hautfalte.
Krabbe fand in der Leber von Triton eristalus fast
bei allen Individuen (Mai, Juni) zahlreiche freie Exemplare
eines weiblichen Trichosomum, zum Theil so vollständig mit
Eiern gefüllt, dass sie einem einfachen Eierschlauche gli-
chen. Ausser diesen Parasiten enthielt die Leber noch eine
Menge eingekapseller Eierhaufen, meist schon mit Embryonen,
die von jenen Trichosomen abstammten. In einigen Kapseln
waren die Körperwandungen des abgestorbenen Wurmes
noch deutlich zu erkennen, in anderen war derselbe zer-
fallen, so dass die Eier dann frei in der Kapsel zu liegen
schienen. Mitunter wurden zugleich in Darme Trichosomen
106 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
gefunden, aber fast immer nur unreife Exemplare. Auch die
Muskeln der Bauchwand enthielten hie und da freie Nema-
toden von sehr unbedeutender Grösse (Sitzungsber. der k. k.
Akad. zu Wien, Bd. XXV. S. 520-523).
Miescher’s Filaria piscium ist nach G. Wagener
(Beitr. zur Entwickelungsgesch. der Eingeweidew. $.4) keine
Filaria, noch viel weniger aber der Jugendzustand eines Te-
trarhynchus, sondern vielmehr. eine Collectivbenennung ver-
schiedener junger Ascarisarten, die alle drei Lippen tragen,
von denen die eine gewöhnlich mit einem geflügelten Häk-
chen versehen ist. Die Gestalt des Häkchens richtet sich
nach der Art, zu der die betreffende Form gehört. Uebrigens
geht dasselbe späterhin verloren.
Ebendaselbst giebt Verf. eine Beschreibung der Filaria
globiceps Rud., die im Ovarium (nicht Peritonäum) vom Ura-
noscopus scaber lebt. Interessant ist der gewaltige Grössen-
unterschied von Mann (6Lin.) und Weib (200Lin.), der auf
ähnliche Verhältnisse bei Fil. medinensis zurückschliessen
lässt, mit welcher unsere Art überhaupt eine gewisse Aehn-
lichkeit hat. Ein After wurde nicht gefunden. Der einfache
Penis liegt in der Mitte des abgerundeten Schwanzendes.
Das Junge, das in den Geschlechtsorganen der Mutter zur
vollen Entwickelung kommt, unterscheidet sich von seinen
Eltern durch den feinen, langen Schwanz, der sich allmählich
in eine scharfe Spitze auszieht, während beide Geschlechter im
erwachsenen Zustande einen kurz abgerundeten Schwanz haben.
Ueber den inneren Bau von Filaria horrida berichtet
Diesing, sechszehn Arten Nematoden in den Denkschriften
der Wiener Akad. 1857 S. 19. Tab. IV. ;
Die eben citirte Abhandlung, die vierte der von unse-
reın Wiener Helminthologen herausgegebenen und den Denk-
schriften der k..k. Akad. (1857. S. 6—23 mit 4 Tafeln) ein-
verleibten Monographien handelt über:
Oxyuris obesa aus dem Blinddarm von Hydrochoerus Capybara
Ascaris heteroptera aus verschiedenen Ibisarten, A. lonchoptera aus
den Gallengängen und dem Darm von Elephas indicus, A. macroptera
aus dem Magen von Champsa nigra, A. hystrix aus dem Mastdarm von
Podocnemis erythrocephala, Spiroptera hamulosa aus der Magenwand
von Phasianus gallus, Sp. serpentulus aus den Sehnenscheiden der
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 107
Extremitäten bei verschiedenen Brasilianischen Falken, Sp. echinata
aus dem Oesophagus von Mergus albellus, Physaloptera mucronata
aus dem Magen von Champsa nigra, Ophiostomum amphiacanthum
aus dem Dünndarm von Lemnus dasytrichus,, Trichocephalus subspi-
ralis aus dem Blinddarm verschiedener Dasypusarten, Filaria bispi-
nosa aus der Leibeshöhle verschiedener Brasilianischer Schlangen,
F. horrida aus der Brusthöhle von Rhea americana, Sclerostomum
dispar aus der Luftröhre von Felis eoncolor, Sc. monostichum aus
dem Blinddarm von Tapirus americanus, Strongylus longevaginatus
(Filaria hominis bronchialis Rud.?) aus den Lungen des Menschen.
Der letzte, durch die besondere Länge der Penisscheide so ausge-
zeichnete Rundwurm wurde bis jetzt nur einmal (zu Klausenburg)
in der Lungensubstanz derLeiche eines sechsjährigen Knaben in vie-
len Exemplaren angetroffen. Die übrigen Arten sind ‚grösstentheils
aus Brasilien, wo sie von Nattner gesammelt wurden. Bei dem
besonderen Interesse, das der Str. longevaginatus in Anspruch nimmt,
lassen wir hier die von unserem Verf. entworfene Diagnose folgen:
Caput truncato conicum, haud alatum ; oris limbo papillis 4—6
eineto. Corpus subaequale rectum, albo-fuscum, maris antrorsum,
feminae ulrimque parum attenuatum, extremitate caudali maris in-
lea; bursa subcampanulata biloba, lobo singulo triradiato, radiis
externis simplicibus, medianis interdum bipartitis; vaginae penis pe-
talis longissimis linearibus, dimidiae fere corporis longitudinis, au-
rantiacis, transverse tenuissime striatis; feminae apice mucronata,
aperlura genitali supra caudae apicem. Viviparus. Long. maris 6— 7“,
erassitudo */4, fem. ad 1”, crassit. 14.
Auch Leidy beschreibt (Proc. Acad. Phil. 1856, VIII p.49 — wie
schon früher ibid. V p. 102) eine Anzahl neuer Rundwürmer: An-
guillula socialis aus Acheta abbreviala, Ascaris columnaris aus Me-
phitis Chinga, A. laeris aus Arctomys monax, A. longa aus Tan-
talus loculaior, A. entomelas aus Rana halecina, A. nuda ans Crotalus
adamanteus, A. humilis aus Tropidonotus sirtalis, A. neglecta aus
Diodon maeulo-striatus, Ozyuris compar aus Felis Catus, Oryuris (?)
dubia atıs Bufo americana und Salamandra rubra, Physaloptera turgida
aus Didelphys virginiana, ‚Ph. limbata aus Scalops canadensis, Ph,
objeeta aus Psammophis Nagelliformis, Ph, constriet« aus Tropidonotus
sipedon, Ph. contorta aus verschiedenen nordamerikanischen Schild-
kröten, Filaria immitis aus Canis familiaris, Filaria (2?) dubia aus
Diomedea exulans, F. solitaria aus Emys serrata, F. Cistudinis caro-
linae, F. nitida aus Rana pipiens, F. Amphiumae meantis, F. rubra
aus Lahrax lineatus, F. quingue tuberculata aus Anguilla vulgaris.
Diesing hält die von Györy (J. B. XXIII. S. 185) aufge-
fundene Oxyuris spirotheca für den Repräsentanten‘ eines eignen
Genus und schlägt dafür den Gattungsnamen Pseudonymus vor
108 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
(Sechszehn Arten von Nematoden a. a. 0. S. 10. Anm.). Der Gat-
tungscharakter stellt sich nach Verf. folgendermaassen heraus:
Corpus eylindricum, antrorsum limbo lato reflexo einctum. Ca-
put subglobosum antice plieis quinque e centro radiantibus. Os in
plicarum centro. Extremitas caudalis maris obtusa mucrone terminali,
pene seliformi infra apicem caudalem; femina subulata; apentura
genitalis in postica tertia corporis parte ; uterusbicornis (2). Vivipara,
In coleopterorum intestino 'reeto endoparasita.
Kolenati's Nematoideum miniopteri (Parasiten der Chiropteren
1857) ist nicht zu entziffern.
Marcel beschreibt einen neuen 5—10‘“ langen Spuhlwurm
aus dem Darme des Ouistiti, mit Hautfalte am Kopfende (wie bei
Asc. mystax) und zwei ungleich entwickelte Spiculis. Bull.-Soc. Vaud.
des sc. nat. 1857. V. p. 340.
Prestel berichtet (Allgem. deutsche naturh. Ztg. 1857. 111.
S. 353) von einer Taube, deren Tractus intestinalis mit. zahllosen
Exemplaren von Ascaris teres so vollständig erfüllt war, „dass kein
fremder Gegenstand noch Platz neben ihnen finden konnte.“
Assmus beobachtete an den Drohnen seiner Bienenstöcke (Gou-
vernement Moscau bei Podolsk) eine Epidemie, die durch den Para-
sitismus von Mermis albicans bedingt war. Allgem. deutsche natur-
hist. Ztg. 1857. III. S. 353.
Leidy’s Notes on Gordius (Proc. Acad. Philad. 1857. p. 205)
sind Ref. bis jetzt noch nicht zu Gesicht gekonmen.
Acanthocephala.
In den „Beiträgen zur Entwickelungsgeschichte der Ein-
geweidewürmer* von G. Wagener ($. 79—84) und de-
taillirter in dessen „helminthologischen Bemerkungen“ (a. a. O.
S. 77—83. Tab. VI) findet sich eine Darstellung von Embryo-
nen verschiedener Echinorhynchen mit Beobachtungen über
Entwickelung derselben und Bildung der Eier, denen an letz-
terem Orte auch eine vortreflliche Abbildung der ausführen-
den weiblichen Organe, des Rüssels mit Rüsselscheide u. s. w.
zugefügt ist. Wir heben daraus folgende Angaben hervor:
Die schon im Ei sich bewegenden jungen Echinorhynchen haben
bei allen Species dieselbe Gestalt und zeigen eine unverkennbare äus-
sere Aehnlichkeit mit ihren Eltern. Am Kopfende besitzen dieselben
eine schlitzförmige Grube, die mit einem daran sich anschliessenden
Sacke in Verbindung zu stehen scheint. Der ganze Leib ist mit rück-
wärts gerichteten Stacheln bekleidet. die nach dem Kopfe zu meist
grösser werden, sonst aber mancherlei Unterschiede in Stärke u. s. w.
besitzen. Oftmals gesellen sich zu diesen grösseren Kopfstacheln noch
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 109
besondere Haken, bald zwei Paar, bald deren nur eins. Die Eier
unsrer Echinorhynchen sind bekanntlich Anfangs zu scheibenförmigen
Ballen zusamniengehäuft und frei (als sg. lose Ovarien) in der Lei-
beshöhle enthalten. Verf. beobachtete nun, dass diese Ballen sich aus
Zellen entwickeln, die einzeln in dem sg. Lig. suspensorium einge-
bettet sind, sich aber nach einiger Zeit mit körnigem Inhalt füllen
und dann statt des früher einfachen Kernes eine grosse Menge von
Kernen erkennen lassen. In diesem Zustande lösen sich die Körner-
haufen aus dem Verbande mit dem Ligamentum suspensorium, einer
nach dem andern, bis letzteres ganz zerfetzt ist und schliesslich in eine
schleimige Masse sich auflöst. Die Körnerhaufen unterliegen nun von
ihrer Peripherie her einer Klüftung; die einzelnen Klüftungskugeln
isoliren sich, umgeben sich mit einer Haut und stellen dann Eier dar,
in denen man mitunter einen deutlichen ‚Kern mit Kernkörperchen
unterscheiden kann. (Ref. erinnert diese Darstellung an einen Vor-
gang der Eibildung, den er in Gemeinschaft mit Dr. Pagenstecher
jüngst bei Tomopteris beobachtet hat. Bei diesem Wurme entstehen
durch Knospung an der Innenwand der hohlen Fusshöker Zellen, die
durch Theilung des Inhaltes meist vier Tochterzellen bilden und sich
dann ablösen, um frei in der Leibeshöhle umherzutreiben. Die Toch-
terzellen gelangen eine nach der andern zu einer stärkern Entwick-
lung und schliesslich zur Isolation, und erscheinen dann als unver-
kennbare Eier mit Dotter, Keimbläschen und Keimfleck). Die Em-
bryonalentwicklung geschieht unter beständiger Grössenzunahme des Eies,
nach vorhergegangener Dotterklüftung. Die Eihaut ist Anfangs ein-
fach, während der Entwicklung werden aber auf der Oberfläche des
Dotters noch zwei oder drei andere, festere Häute abgeschieden. Die
Organisation der weiblichen Ausführungsgänge ist ziemlich zusam-
mengeselzt, und finden sich namentlich an den Enden des muskulösen
Geschlechtsganges, wo dieser in den glockenförmigen Schluckapparat
übergeht und nach aussen ausmündet, eine Anzahl kugliger, zum Theil
einfach zelliger Anhangsgebilde von unbekannter Bedeutung. Haut
(unterhalb der Chitindecken) und Lemnisken bestehen in wesentlich
übereinstimmender Weise aus einer blasig zelligen Masse, in die
hie und da eigenthümliche zellenartige Körper eingelagert sind. Von
den im Grunde der Rüsselscheide gelegenen Ganglion entspringen
jederseits ein Paar Fäden. die in der anliegenden Muskelschicht
hinlaufen.
Stein liefert (in Carus, Icon. zoot. Tab.VIl. Fig. 2—10)
eine Reihe von Originalabbildungen über den Bau der Echi-
norhynchen, auch über den weiblichen Geschlechtsapparat,
doch bleiben dieselben an Schönheit und Detailzeichnung weit
hinter den eben erwähnten Abbildungen Wagener’s zurück.
110 Leuckart: Berichtüber die Leistungen in der Naturgeschichte
2. Platodes
Hirudinei,
Leconte et Faivre publiciren Etudes sur la consli-
tution chimique des elements et des tissus nerveux: chez le
sangsue medicale, Arch. gener. de Medecine 1857. p. 666 sq.,
Cpt. rend. 1857.
Nach Stölter geniesst der medicinische Blutegel aus-
schliesslich Blut und niemals Infusorien oder dergl. Im freien
Zustande ernährt er» sich vorzugsweise von nackten Am-
phibien, deren Blut ihn aber nur langsam wachsen macht,
während das Blut der Warmblüter weit nahrhafter ist und
so lange vorhält, dassman noch zwei Jahre nach dem Saugen
die unverdauten Reste desselben im Magen vorfindet. Schwei-
zerische Zeitschrift für Pharmacie 1857. S. 152.
Trematodes,
Pagenstecher publieirt eine Abhandlung über „Tre-
matodenlarven und Trematoden; ein helminthologischer Bei-
trag“ 56 Seiten mit 6 Tafeln in Farbendruck, Heidelberg 1857.
Der Geschichte unserer Kenntnisse von den Trematodenlarven (S.1—
12) folgt eine Beschreibung von Cercaria ornata, C. armata, C. sub-
ulo n. sp. aus Paludina vivipara, C. pugnax (= (. microcolylea de
Fil.), C. vesiculosa, C. magna, C. fallax, C. ephemera, C. diplocotylea,
Bucephalus polymorphus, Distoma duplicatum, D. echiniferum Palu-
dinae, D. echinatoides Anodontae n.sp., Tetracotyle Lymnaei, Distoma
luteum, D. flavescens n. sp. aus Bulimus radiatus, Aspidogaster con-
chicola, sämmtlich aus Mollusken und mit Ausnahme von Aspidogaster
unreif, so wie ferner eine Beschreibung von Tylodelphis rhachidis,
Distoma erystallinum, D. clavigerum, D. endolobum n. sp., D. varie-
gatum, D. cylindraceum, D. cygnoides, Polystoma integerrimum, Am-
phistoma subelavatum, sämmtlich aus Fröschen und mit Ausnahme der
zwei ersten in Geschlechtsreife. Zahlreiche zum Theil sehr schöne
Abbildungen erläutern die Angaben des Verf., die uns mit mancherlei
neuen Beobachtungen über Anatomie und Entwicklung bekannt machen,
auch die Unterscheidung einzelner Arten, z. B. der bestachelten Cer-
carien durch Berücksichtigung der Stachelform, auf eine sichere Grund-
lage zurückführen. Uns können natürlich hier zunächst nur die all-
gemeinen Resultate der vorliegenden Arbeit interessiren und aus
diesen heben wir Folgendes hervor. Während man gewöhnlich an-
nimmt, dass die einzelnen Arten entweder nur durch Sporocysten
oder durch Redien sich fortpflanzen, glaubt Verf. bei manchen Arten
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 111
(z.B. C. ornata, armata) beiderlei Ammenformen neben einander gefunden,
hie und da auch Sporocysten mit Spuren einer höheren Organisation
beobachtet zu haben. Ebenso sind nach unserm Verf. die Grenzen
zwischen den Cercarien und Redien nicht so gar schroff; Verf. be-
schreibt nicht bloss Redien mit gespaltenem Darme (C. ornata, €.
ephemera), sondern lässt auch Cercarien, deren Entwicklung eine be-
stimmte Stufe noch nicht überschritten hat (C. pugnax), unter gewis-
sen Verhältnissen durch Production von Keimen sich in Redien ver-
wandeln. Bei Bucephalus beobachtete derselbe die Neubildung von
Keimen in den sich allmählich abtrennenden Schwänzen, mit andern
Worten also eine Umwandlung der Schwänze in Keimschläuche. Dasselbe
suchtunser Verf. auch für D. duplicatum und andere Cercarien glaublich
zu machen. Die Flimmergefässe der Amme und die von de la Va-
lette entdeckten seitlichen Oellnungen zum Durchtritt der in den
Redien sich entwickelnden Cercarien sind nicht beobachtet; der
Durchtritt der letztern soll am Hinterleibsende erfolgen. Von beson-
derem Werthe sind die von unserm Verf. angestellten zahlreichen
Fütterungsversuche, nach deren Resultaten die bewaffneten Cercarien
als Larven bestachelter Amphibiendistomen erscheinen. So gelang es
namentlich mit ziemlicher Bestimmtheit die C. ornata als Larve von
Distomum clavigerum, die C. armata als solche zu D. endolobum n.sp.
nachzuweisen, wie denn auch die Versuche mit €. diplocotylea für
die de Filippi’sche Ansicht der Identität mit Amphistomum clava-
tum sprachen. Auch Dist. duplicatum lebt nach abgeworfenem Schwanz
eine Zeitlang im Froschdarme, doch dürfte die Vermuthung, dass
sich dasselbe zu D. cygnoides entwickle, durch Wagener's Beob-
achtungen (s. u.) ihre Widerlegung finden. Interessant ist die wei-
tere Bemerkung, dass sich bei den jungen Trematoden nach ihrer
Uebersiedelung an den rechten Ort zunächst die männlichen Organe
mit ihren Producten entwickeln, dass also auch hier (wie es Ref.
in ganz übereinstimmender Weise für gewisse Cestoden nachgewiesen
hat) die männliche Reife vorausgeht. Die Production von Eiern
beginnt erst später, nimmt dann aber allmählich in solchem Ueber-
maasse zu, dass Form und Organisation des Thieres darüber schliess-
lich zu Grunde geht.
Ein weiterer Aufsalz desselben Verf. „über Erziehung
von Distomum echinatum durch Fütterung“ (Archiv für Na-
turgesch. 1857. I. S. 246), und zwar durch Fülterung mit
dem eingekapselten Dist. echiniferum Paludinae bildet gewis-
sermassen eine Ergänzung der voranstehenden Abhandlung.
Zwei junge zahme Enten wurden mit etwa 8--10,000 Stück
Distomenkapseln gefüttert und enthielten 15 resp. 18 Tage nach Füt-
terung die eine etwa 50, die andere etwa 200 geschlechtsreife Di-
stomen von 4—5 Mm., die vorzugsweise an der Insertionsstelle der
112 Leuekart: Berichtüber die Leistungen in der Naturgeschichte
Blinddärme ansassen. (Ref., der durch die Freundlichkeit P.'s mit
den hier fehlenden Paludinen versorgt wurde, hat den Versuch gleich-
falls mit zwei zahmen Enten wiederholt. Das eine Versuchsthier, das
14 Tage nach der Fütterung untersucht wurde, zeigte vielleicht 25
Exemplare von 3—4 Mm., die nur zum Theil mit reifen Eiern ver-
sehen waren; das andere, dessen Untersuchung erst nach einem Mo-
nate vorgenommen wurde, enthielt deren nur zwei von mehr als
1 Cm. Länge. Dabei darf _ wohl bemerkt werden, dass D. echi-
natum hierin bisher von Ref. nur selten, und bei zahmen Enten noch
niemals gefunden ist.) Gleichzeitig macht Verfasser darauf aufmerk-
sam, dass bei den behufs der Eneystirung von den Cercarien vorge-
nommenen Wanderungen eine grössere Freiheit herrsche, als auf an-
deren Entwicklungsstufen der Trematoden. Er erwähnt zum Belege
dieser Annahme, dass er z. B. Cysten von Cercaria ormata in Hy-
drachna eoncharum, sowie Tetracotylecysten nicht nur in verschiede-
nen Mollusken, sondern auch in den Halsmuskeln der wilden Ente
und den Darmhäuten verschiedener Fische gefunden habe.
Die Mittheilungen, die uns Wagener (Beiträge zur
Entwickelungsgeschichte der Eingeweidewürmer S. 19—76
Tab. IX—XXVI, sowie helminthologische Bemerkungen a. a. O.
Ss. 83—90 Tab. V) über Trematoden macht, zerfallen in
zwei Rubriken, über Distomeen, besonders Entwicklung von
D. cygnoides Ranae, und über Gyrodactylus. Wir berück-
sichtigen hier zunächst die auf ersteren Punkt sich beziehen-
den Untersuchungen, deren Hauptresultate schon bei einer
früheren Gelegenheit (J. B. XXIl. S. 366) von uns hervor-
gehoben wurden.
Die bis jetzt aufgefundenen Distomeenembryonen (10 Spec.,
von denen 4 zum ersten Male vom Verf. beschrieben sind) zerfallen
in zwei Klassen, in bewimperte und unbewimperte Formen. Die er-
steren sind sehr einfach gebaut und nur am Kopfende mit gewissen
Auszeichnungen, mitunter mit Stacheln versehen ; sie verwandeln sich
durch einfache Vergrösserung (D. duplicatum, wahrscheinlich = D.
tereticolle), selten auch durch gleichzeitige Verästelung (Bucephalus,
wahrscheinlich = Gasterostomum fimbriatum) in eine Amme. Die be-
wimperten Embryonen enthalten Flimmercanäle im Innern, öfters auch
eine Mundöffnung mit blind geendigtem Magensacke (Amphistomum
subelavatum, Monostomum capitellum) und mitunter selbst schon die
für das Ausschlüpfen der später gebildeten Keime bestimmte Oeffnung.
Noch eomplieirter ist der Bau bei den wimpernden Embryonen von
Monostomum mutabile und M. flavum, die nicht bloss einen mit bre-
chenden Medien versehenen Augenlleck tragen, sondern namentlich
auch statt des Magensackes einen mit selbstständigem Darmapparat und
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 113
Flimmergefässen versehenen Thierkörper in sich einschliessen, der
nach dem Abstreifen der umgebenden Embryonalhülle als Amme zu
fungiren hat. Steenstrup betrachtet diese Amme bekanntlich als
Abkömmling des fimmernden Embryo, doch ist dabei zu bemerken,
dass Amme und Embryo zu gleicher Zeit sich bilden und stets im
gleichen Stadium der Entwicklung stehen. Bei den übrigen Flimmer-
embryonen geht während der Umwandlung in die Amme nur das
Wimperepithelium verloren, so dass der Embryonalkörper setbst als
Amme zu betrachten ist (D. cygnoides). Die Bildung des Embryonal-
körpers geht von dem Keimbläschen aus, indem dieses, ohne directe
Theilnahme des körnigen Dotters, durch fortgesetzte Theilung_ die
Embryonalzellen liefert. Ebenso entstehen auch die Zeugungspro-
duete der Ammen durch fortgesetzte Theilung der einzelnen hie und
da in den körnigen Belag der innern Körperfläche eingesprengten
Keimzellen.
Die Entwicklungsgeschichte von D. eygnoides konnte von un-
serm Verf. Schritt für Schritt bis zur Auswanderung der Cercarien
(C. maerocerca de Fil.) verfolgt werden, nachdem der Verf., geleitet
durch die Aehnlichkeit der in Cyclas und Pisidium aufgefundenen Cer-
carien mit dem betreffenden Distomum, eine Anzahl dieser Bivalven
mit reifen Eiern und ausgeschlüpften Embryonen von D..eygnoides
in demselben Gefässe zusammengebracht hatte. Die bewimperten
“ ‚(magenlosen) Embryonen setzten sich mit ihrem beweglichen Kopf-
ende ‘an den Kiemen der Muscheln fest, verloren ihre Wimpern und
wurden zu Ammen, die Gefässe mit Wimpern enthielten, sonst aber
einfach schlauchartig waren. In diesen Ammen entstanden neue Am-
men, die den Mutterthieren ähnlich waren, aber — wie die aus un-
bewimperten Embryonen hervorgehenden Ammen — der Gefässe zu
entbehren schienen und statt der Ammen Cercarien producirten. Eine
Einkapselung wurde bei diesen Cercarien niemals beobachtet; Verf.
vermuthet, dass dieselben direct in den After des Frosches einwan-
dern und in die Harnblase gelangen, obwohl die hier aufgefundenen
Distomen, selbst die kleinsten, die kaum grösser waren, als die Cer-
earienkörper, beständig schwanzlos erschienen.
In Betreff des Cercarienbaues wollen wir noch soviel hervor-
heben, dass in der Art, wie das Gefässsystem derselben nach aussen
ausmündet — bei den Ammen mit Wimpergelässen konnte bisjetzt
noch keine Ausmündung nachgewiesen werden — mancherlei Diffe-
renzen stattfinden. Bei vielen Cercarien mündet dasselbe nach vor-
hergegangener Spaltung zu beiden Seiten des Schwanzes, entweder
an der Spitze oder nicht weit von der Schwanzwurzel aus. Bei an-
dern scheint der dem spätern Porus exerelorius aufsitzende und von
besondern Zellen ausgekleidete Centralkanal des Schwanzes die Stelle
einer Ausmündung nach Aussen zu vertreten.
Archiv [, Naturgesch.XXTV. Jabıg. 2. Rd H
114 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Unter den sehr zahlreichen, mit bekannter Meisterschaft aus-
geführten Abbildungen erwähnen wir — ausser den zu Dist. cygnoi-
desgehörenden — noch besonders die Zeichnungen von Aspidogaster
eonchicola Embryo, von Amphistomum subelavatum (Tab. XVI) mit
Cercaria ‘(Diplodiscus de Fil. Tab. XVIII), Amme (Tab. XIX) und Em-
bryo (Tab. XVII), von Distomum Conus Crepl., D. xanthosomum Cr. ?
(Tab. XXI), Gasterostomum fimbriatum v. Sieb. (Tab. XXIV), Cer-
caria echinifera (Tab. XVIII), eine sehr auffallende fureocerce Cer-
caria aus Planorbis marginatus (Tab. XXX), C. Leucochloridii (wohl
zu Dist. holostomum gehörig, Tab. XXXII), Dist. duplicatum (Tab.
XXXIV), Amme mit Dist. Lymnaei aurieularis de Fil. (Tab. XXXVI).
Dazu in den helminthologischen Bemerkungen (a. a. O0. Tab. V)
noch die Embryonen und Ammen von Monostomum flavum, sowie ein
sehr merkwürdiges hammerförmiges Ei mit wimperndem Embryo von
unbekannter Herkunft (aus Anas boschas).
Von de Filippi erhielten wir eine dritte Abhandlung
über die Entwickelung der Trematoden (troisieme memoire
pour servir ä l'histoire genetique des Trematodes, 34 S. in
Quart, 3 Kupfertafeln, aus dem XVllIl. Bande der Mem. de
l’Acad. des scienc. de Turin 1857), in der die schon früher
im letzten J. B. XXIll S. 195 nach einer vorläufigen Mit-
theilung unseres Verf. angezogenen, neuerdings auch in die
Ann. and Mag. nat. hist. XX. p. 129 übergegangenen Beob-
achtungen mit andern neueren zusammengestellt worden sind.
Die Arbeit handelt über Cercaria triloba n. sp. aus Lymnaeus
stagnalis, C. agilis n.sp. ebendaher, C. lophocerca n.sp. (Larve eines
Monostomum) aus Paludina impura, C. mierura n. sp. ebendaher,
C. virgula ebendaher, C. ceristata aus verschiedenen Schneckenarten,
C. tuberculata n. sp. aus Paludina impura, Distoma (Cercaria) Palu-
dinae impurae inerme et armatum n.sp., D. (Cerc.) planorbis cari-
nati, Cercaria (?) Coni mediteranei n. sp., Ü. vesiculosa aus Palu-
dina vivipara und achatina, sowie schliesslich über Tetracotyle. Die
schwanzlose C. armata Paludinae wird in einer Redia aufgenannt —
die erste dem Verf. bekannte Ausnahme von dem Gesetze, dass die
bewaffneten Cercarien in Sporocysten ihren Ursprung nehmen. Für
die Beschreibung der einzelnen Formen von Cercarien und Ammen
(Sporocysten, Redien und Sporocystophoren) verweisen wir auf das
Original, das, wie die vorhergehenden zwei Abhandlungen, des
Interessanten viel enthält. Wir heben hier nur hervor, dass Verf. bei
den Sporocysten von €. virgula, wie früher bei denen von C. micro-
cotyla, in einzelnen Fällen eine Quertheilung beobachtete. Die schwanz-
losen Cercarien der Pal. impura scheinen nicht zu schwärmen ; Verf.
sah wenigstens (p. 10), dass dieselben unmittelbar im Körper ihres
“der niederen Thiere während des Jahres 1857. 115
Wirthes sich einkapselten und im eneystirten Zustande vielfach aus-
geworfen wurden. Fütterungsversuche, die Verf. mit solchen Cysten
vornahm, schienen dafür zu sprechen, dass die betreffenden Parasiten
in Fischen zur Reife kommen, die bewalfnete Form in der Forelle, die
unbewaflnete in der Schleihe. Die letztere dürfte wahrscheinlich mit
D. perlatum identisch sein. Die Redien, in denen diese Cercarien sich
entwickeln, beginnen die Keimbildung bereits vor ihrer vollkommenen
Ausbildung, zu einer Zeit, in der dieselben noch nicht einmal mit
völlig entwickelten Tractus versehen sind.
In Betreff der Tetracotyle (p.15) verharrt Verf. bei seiner frü-
heren Ansicht, nach der dieser merkwürdige Schmarotzer ein directer
Abkömmling verschiedener Sporocysten sei. Er glaubt diese Ansicht
jetzt sogar beweisen zu können und schildert die allmähliche Ent-
wicklung derselben aus einer Spore der Sporocystis Cerc. vesicu-
losae. Die Cyste, in welche die Tetracotyle nach ihrer Eutwicklung
sich einschliesst, zeigt an den Saugnäpfen und der Excretionsöllnung
Löcher. (Nach 6. Wagener und Pagenstecher ist diese Cyste,
wie bei Dist. Leucöchloridii, die abgestossene Körperhaut selbst.)
Ganz anders urtheilt Pagenstecher (a. a. 0. S. 32) und
Claparede (Zeitschrift für wiss. Zool. IX. S.103), die beide, wie
Moulinie, die Tetracotyle für einen zufälligen Insassen der
Cercarienammen halten. Letzterer möchte die entsprechenden reifen
Zustände, wie auch die der Diplostomen, unter den Holostomeen su-
chen und macht darauf aufmerksam, dass die in verschiedenen Wohn-
thieren lebenden Tetracotylen wahrscheinlicher Weise auch verschie-
“denen Arten angehören.
G. Wagener nennt die Tetracotyle geradezu Holostomum und
glaubt die in Schnecken vorkommende Form auf H. macrocephalum
beziehen zu dürfen (helminthol. Beiträge a. a. O. S. 90 mit Berich-
tigung S. 306).
Auch Lespe&s liefert einen Beitrag zur Kenntniss der
Cercarien und deren Entwickelungsgeschichte (Annales des
sc. natur. 1857. T. VII. p. 113— 118). Seine Beobachtungen
sind um so interessanter, als sie an Seemollusken angestellt
sind, die bisher noch so wenig auf Helminthen untersucht
wurden, im Ganzen aber auch sehr viel ärmer daran zu sein
scheinen, als unsere Süsswasserschnecken.
Die untersuchten Arten sind vom Verf. unter folgenden provi-
sorischen Namen beschrieben und abgebildet: Cercaria sagittata aus
Nassa retionlata,; C. lata aus Venus deeussata, C, prorima aus Littorina
linorea, Cerc. brachyura aus Trochus cinereus, C. linearis aus Lit-
torina littorea. Die erste und dritte Korm entwickeln sich in einer
Bedia, die übrigen in Sporoeysten, doch entbehrt die zweite trotz-
116 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
dem der Stacheln und der Speicheldrüsen. Die drei ersten Formen
tragen an ihrem Schwanze einen Seitenkamm, die zweite auch noch
jederseits eine Reihe gekrümmter Häkchen, während die zwei letzten
Arten einen kurzen und unbeweglichen, stummelförmigen Schwanz
besitzen, wie die von Mulinie bei Jimax entdeckte Form (J.-B.
XXIII. S. 194) und ©. mierura de Fil. Das Excretionsorgan durch-
bohrt bei €. lata den Schwanz, um auf der Spitze desselben auszu-
münden. Auch in Buceinum wurde eine Redia mit grossen Cercarien
aufgefunden, deren Schwanz tief gespalten war.
Die „anatomischen Beobachtungen über Trematoden von
Wedl« (Sitzungber. der Wiener Akad. 1857. Bd. XXVl.
S. 241—278 mit 4 Taf.) enthalten Bemerkungen über den
innern und äussern Bau von Distoma ovatum Rud., D. auri-
culatum n. sp. aus Acipenser Ruthenus, D. campanula Duj.
(nach Beschreibung und Abbildung wohl = Gastrostomum
fimbriatum), D. erassiusculum Rud., D. echinatum Zed. aus
Haliaeus Carbo, D. bilobum Rud., D. sp.? (geschlechtlich un-
reif, in Cysten am Oesophagus von Ardea purpurea), Mo-
nostoma verrucosum Zed., M. lanceolatum n. sp. aus der
Bauchhöhle von Himantopus rubropterus, Holostoma varia-
bile Nitzsch, H. cornu Nitzsch, H. trilobum Dies., Hemistoma
spathula Dies., so wie ferner Untersuchungen über Gyro-
dactylus, welche letztere später noch unser besonderes In-
teresse in Anspruch nehmen werden. Von Wichtigkeit für
die Kenntniss der Helminthen sind aus dem ersten Theile
dieser Beobachtungen namentlich die Angaben über D. bilo-
bum, Monostomum verrucosum und Hemistomum (H. spatula
besonders in Vergleich mit Tetracotyle).
Stein liefert in der Icon. zoot. von Carus Tab. Vll.
Fig. 23 eine Zeichnung von Distoma polymorphum mit einer
Darstellung der Genitalien, des Darmes und des Porus ex-
cretorius. Die sog. hintere Samenblase empfängt ihren In-
halt von der Vagina und steht keineswegs mit dem Hoden °
in Zusammenhang. (Da dieses Receptaculum bei dem aus-
gewachsenen Thiere wegen der bedeutenden Länge des über-
diess mit zahllosen Eiern angefüllten Uterus kaum zugäng-
lich sein dürfte, so liegt die Vermuthung nahe, dass die Fül-
lung desselben — wie das Ref. auch für die Cestoden und
Pentastomen direct beobachtet hat — vor dem Eintritte der
weiblichen Geschlechtsreife geschehe.)
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 117
Nach den Untersuchungen von Claparede sind die
bei manchen Trematoden (Diplostomum , Teiracotyle Percae
et Acerinae) zerstreut im Leibe vorkommenden Kalkkörper
nicht, wie man früher annahm, frei im Körperparenchym ge-
legen, sondern in die kolbenförmig erweiterten Endigungen
des verästelten Excrelionsorganes eingelagert, demnach also
denjenigen Kalkkörperchen vollkommen vergleichbar, die bei
vielen Cercarien und gewissen Distomeen in den Haupt-
stämmen des Excrelionsapparates gefunden werden. Die
chemische Zusammensetzung dieser Kalkkörper ist übrigens
noch ziemlich dunkel und scheint bei den einzelnen Arten
auch manche Verschiedenheit zu bieten, wie schon das Ver-
halten gegen Säuren, bei deren Zusatz sie bald brausen,
bald anch nicht — ganz wie die Kalkkörperchen der Cesto-
den — zur Genüge beweist. Zeitschr. für wissensch. Zool.
IX. S. 98. Tab. VII.
Ref. hat schon im letzten Jahresberichte (S. 198) als
Resultat seiner eigenen, in extenso freilich nicht veröffent-
lichten Untersuchungen hervorgehoben, dass das Gen. Gyro-
dactylus keineswegs , wie v. Siebold behauptete, aus ge-
schlechtslosen Thieren bestehe, „deren geschlechtlich ent-
wickelte Formen unter den Polystomeen, Octobothrien oder
ähnlichen Trematoden zu suchen seien“, sondern ein selbst-
ständiges Genus repräsenlire, das ausser Gyr. elegans auch eine
ganze Anzahl ausgebildeter Geschlechisthiere mit zwitter-
haften Genitalien enthalte. Zu ganz denselben Resultaten
sind, unabhängig von einander, wie von Ref., auchnoch zwei
andere Helminthologen gelangt, G. Wagener und Wedl,
aus deren Untersuchungen wir Nachstehendes hervorheben.
G. Wagener, dem wir die umfassendsten und detail-
lirtesten Angaben über diese Thiere verdanken (Beiträge zur
Entwickelungsgeschichte der Eingeweidewürmer S. 49 — 9.
Tab, XI—XVI, auch helminthologische Bemerkungen a. a. O.
8.83, 84) kennt ausser Gyrod. elegans, für den er die be-
kannten v. Siebold’schen Angaben vollkommen bestäligen
konnte, noch 14 andere Species, die alle geschlechtsreif sind
und sich ausserdem noch dadurch von Gyr. elegans unler-
scheiden, dass die grossen Haken ihrer Schwanzscheibe nicht
nach dem Bauche, sondern nach dem Rücken zu sehen.
118 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Verf. glaubt desshalb auch berechtigt zu sein, diese letztern
generisch von Gyr. elegans zu trennen und bedient sich zu
ihrer Bezeichnung, wie Diesing, des Genusnamens Da-
cetylogyrus.
Die Species unseres Verf. sind theils von Süsswasserfischen, theils
aber auch von Seefischen abgelesen und unterscheiden sich vorzugsweise
durch die Bewaffnung der Schwanzscheibe, so wie weiter durch die
Bildung der mit den Geschlechtsorganen in Zusammenhang stehenden
Bauchhaken (Legscheidev. Sieb. = Penis). Ihre Namen sind folgende: D.
monenteron n. sp. vom Hecht, D. uncinatus von Perca fluviatilis, D.
erucifer n. sp. von Cyprinus erythrophthalmus, D. minor n. sp. von
Cypr= alburnus, D. megastoma n. sp. von Cypr. amarus, D. difformis
n. sp. von Cypr. erythrophthalmus, D. anchoratus Duj. (=D. aurieu-
latus Nordm.?), D. major n. sp. von Gobio fluviatilis, D. trigono-
stoma n. sp. von Cypr. rutilus, D. amphibothrium von Acerina cernua,
D. pedatus n. sp. von Julis?, D. echeneis n. sp. von Chrysophrys
aurata, D. aequans n. sp. von Labrax lupus. Die sieben ersten Spe-
cies hat Verf. durch Abbildung der unterscheidenden Hautgebilde
zur Genüge charakterisirt, die übrigen Arten jedoch nur namentlich
angeführt, obwohl einzelne gelegentliche Angaben (besonders in den
„helminthologischen Bemerkungen“) die eine oder andere derselben
kenntlich machen, die Haken der Schwanzscheibe bestehen aus
zweierlei durch Grösse und Form, besonders auch Entwickelung der
Wurzelfortsätze verschiedenen Gebilden. Die kleinen sind zum gröss-
jen Theile (meist zu 10) an der Peripherie der Schwanzscheibe ein-
gepflanzt, zum kleinern aber auch auf der Fläche der Scheibe befe-
stigt. Zwischen ihnen findet sich oftmals noch, im Centrun der
Scheibe, ein sehr verschieden entwickelter stäbchenförmiger Hornap-
parat (Gerüst der Centralscheibe, das Verf. freilich nur bei drei Spe-
cies aufland , das nach den Beobachtungen des Ref. jedoch viel häu-
figer vorkommt, wenngleich bisweilen nur in minimaler Entwicke-
lung). Von grossen Haken findet sich in der Regel nur ein einziges
Paar, zwischen deren zweischenklichen Wurzelfortsätzen ein balken-
förmiges Querstück (Klammer Verf., Schloss Wedl) sich ausspannt.
Mitunter sind die grossen Haken aber auch in zwei Paaren vorhan-
den, die in verschiedener Weise beim Festhalten zusammenwirken.
So namentlich bei D. monenteron und D. uncinatus (denen Ref. noch
eine von ihm beobachtete neue Species D. forceps von Üypr. nasus
und €. dobula anreiht, bei dem freilich der eine dieser grösseren Ha-
ken nur eine einfache Wurzel hat). Bei den- oceanischen Formen
scheint die Bildung dieser Klammerapparate noch mannichfaltiger zu
sein. D. echeneis hat auf der Innenfläche der Schwanzscheibe eine
rosettenartig in Falten gelegte, feste Haut, während D. aequans und
D. pedatus statt einer Schwanzscheibe deren sogar zwei besitzen, die
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 119
durch einen besondern, den zwei grossen Hakenpaaren anhängenden,
dreigliedrigen Apparat getrennt und auf der Innenfläche mit concen-
trisch angeordneten Stäbchen bekleidet sind.
Das Körperparenchym unserer Thiere besteht aus einer weichen,
sarkodeartigen Masse, in der man nur hier und da, besonders gegen
die Schwanzscheibe zu, einzelne muskulöse Faserzüge unterscheidet.
In den sehr beweglichen Kopfspitzen finden sich eigenthümliche braun-
gefärbte Canäle, die Verf. als Drüsen ansehen möchte, deren Sekret
möglicher Weise zum Festhalten und Fadenspinnen diene. (Ref. sah bei
einer vielleicht mit Gyr. tenuisWedl übereinstimmenden Art aus der Spitze
der stark, zu fingerförmigen Forlsätzen ausgestreckten und tastenden
Kopfzipfel den Inhalt der betreffenden Schläuche in Tropfenform her-
vortreten.) Der Darmapparat besteht aus einem fast kugligen, pro-
tractilen Schlundkopfe und einem meist zweischenklichen nur bei D.
monenteron einfachen Magen ohne After. (Ref. glaubt einige Male
bei der oben erwähnten G. teruis u. a. eine schlingenförmige Verei-
nigung der beiden Darmschenkel beobachtet zu haben.) Die hier und
da flimmernden Gefässe entspringen aus vier durch Queranastomosen
verbundenen Längsstämmen, die sich zu einem kurzen Stamme verei-
nigen und dicht über der Schwanzscheibe auf dem Rücken ausmün-
den. In den vier Augenflecken wurde bei D. monenteron ein lin-
senartiger heller Körper gefunden. (Ref. hat bei D. forceps gleich-
falls eine solche Linse aufgefunden, in anderen Arten aber vergebens
darnach gesucht.) Als Nervensystem möchte Verf. ein schmales Quer-
band in Anspruch nehmen, das er dem Anfangstheile des Darmes auf-
liegen sah (während Ref. glaubt, dasselbe in Form einer zweilappi-
gen Ganglienmasse unterhalb der Augenflecke aufgefunden zu haben).
Die weiblichen Geschlechtsorgane zerfallen in Dotterstock, Keimstock
und Eiergang. Die ersten sind von sehr ansehnlicher Entwickelung
und umhüllen im ausgewachsenen Thiere fast sämmtliche übrigen
Organe. Sie bestehen aus zweien unregelmässig ausgebuchteten Schläu-
chen, die sich jederseits am Rücken und Bauche wiederholen, später
aber so zusammenfliessen, dass überhaupt nur ein rechter und- ein
linker Schlauch zu unterscheiden ist. Die Ausführungsgänge verlau-
fen quer und trefilen am vordern Ende des einfachen sackförmigen
Keimstockes, etwas vor der Körpermitte, auf einander. An dieser
Stelle entspringt der Eiergang, der sich nach vorn verfolgen lässt
und auf der Bauchseite, nicht weit vom Munde, nach Aussen öffnet.
Es bildet sich immer nur, und zwar im untern Ende des Eierganges,
ein Ei, das bei den oceanischen Formen mit einem längern Stiele
versehen ist. Der Hoden liegt dicht hinter dem Keim- oder Eier-
stocke und ist einfach, wie dieser. Ein Ausführungsgang desselben
verläuft an der Rückenfläche bis zu den Bauchhaken und steht mit
einer ovalen Vesicula seminalis in Verbindung. Ein zweiter Aus-
120 Leuckart: Berichtüber die Leistungen in der Naturgeschichte
führungsgang mündet, gleichfalls mittelst einer, freilich nicht immer
deutlichen Ves. seminalis neben den Dotter- und Keimgängen in den
Anfang des Fruchthälters. Neben der Ves. seminalis externa liegen
an der Basis der Bauchhaken noch zwei sackförmige Anhangsorgane,
die mit brauner zäher Masse gefüllt sind und ganz in derselben Weise
auch bei andern verwandten Arten (Tristomum , Polystomum) vor-
kommen. Bei D. monenteron scheinen dieselben zu fehlen. Der Bauch-
hakenapparat ist schwer zu verstehen , doch scheint seine Grundform
die eines Doppelhakens zu sein. (Nach den Untersuchungen des Ref.
besteht dieser Apparat durchgehends "aus einer hohlsondenartigen,
theilweise geschlossenen Scheide und einem dünnen Cirrus, dessen
unteres Ende in ein plattes Basalstück ausläuft und den Ausführungs-
gang der vordern Ves. seminalis aufnimmt. Zwischen dem Basal-
stücke des Cirrus und der sehr verschieden gestalteten, meist mit
Fortsätzen versehenen Scheide sind Muskeln ausgespannt, durch deren
Thätigkeit der Cirrus in der Scheide auf- und absteigt. Bei man-
chen Arten konnte auch das Hervortreten des Cirrus aus dem Körper
deutlich gesehen werden. Ref. trägt kein Bedenken, den Cirrus als
Penis zu beanspruchen und glaubt, dass zur Aufnahme dieses Cirrus
eine kleine Oeffnung diene, die oberhalb des Keimstockes zur Lin-
ken der Medianlinie vorkommt und von einen kleinen, aber ver-
schieden gestalteten hornigen Mundstücke umgeben ist. Die Oeffnung
führt in einen ziemlich weiten Hohlraum, der mit dem unteren Theile
des Fruchthälters zusammeozuhängen scheint und bei D. fallax wahr-
scheinlich auch, mit Samenfäden gefüllt, vom Verf. gesehen wurde.)
Die Entwickelung der an Fischkiemen abgelegten Eier geht ohne
Dotterfurchung vor sich und liefert einen Embryo, der im Wesent-
lichen den Mutterthieren gleicht, d. h. wie diese flimmerlos ist
und bereits die mit Hakenanfängen besetzte Saugscheibe, so wie die
Anlagen der Bauchhaken erkennen lässt. Von innern Organen ist
besonders der Schlundkopf und eine Reihe von Exceretkörnern in
seitlichen Schläuchen deutlich. Welche Beziehungen der Gyr. elegans
zu Dactyglogyrus habe, muss einstweilen noch unentschieden bleiben,
ebenso die Frage, ob unter ersterem Namen sich vielleicht mehrere
verschiedene Formen verstecken.
Die Angaben vonWedl (Anatomische Untersuchungen
über Trematoden a. a. 0. S. 258—278) sind im Wesentlichen
mit den Untersuchungen Wagener’s übereinstimmend und
auch da, wo sie, wie mitunter in Einzelnheiten, abweichen,
mit ihnen leicht zu vereinigen.
Ausser dem von unserem Verf. wieder aufgefundenen, wahr-
scheinlich echten Gyrodactylus auricularis Nordm. — bei dem unser
Verf. auch die oben erwähnte Lage der grossen Scheibenhaken auf
der Rückenfläche, sah und zeichnete — ‘wurden noch sechs andere
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 121
neue Arten beobachtet, die aber zum Theil mit Wagener'schen Arten
zusammenfallen: @. cochlea n. sp. vom Hechte (= N. monenteron G.
Wag.), G. crassiusculus n. sp. von Lucioperea Sandra (=D. uncinatus
G. W.), @. tenuis n.sp. von Perca fluviatilis, @. erweiatus n.sp. von
Cobitis, @. falcatus n. sp. von Cyptinus sp. ? (=D. megastoma G. W.)
und G. mollis n. sp. von Cyprinus Carpio (= D. crucifer G. W.).
Bei G. erassiusculus wurden die kleinen Häkchen übersehen, ebenso
auch wahrscheinlicher Weise bei dem gleichfalls mit zwei grossen
Hakenpaaren versehenen G. cruciatus. Der Magensack wird nach
Analogie von G. monenteron überall für einfach gehalten, doch be-
merkt Verf. ausdrücklich, dass er sich davon nirgends mit gleicher
Bestimmtheit überzeugt habe. Der Zusammenhang der vorderen Sa-
menblase mit dem Penis wurde auch vom Verf. beobachtet, indessen
scheint es, dass derselbe die Penisscheide allein als Penis betrachtet,
während er den wahren Penis als eine Art Fang- oder Adhäsionsor-
gan für die Vagina deuten möchte. Ein Hoden wurde nicht mit
Bestimmtheit nachgewiesen, obwohl Samenfäden deutlich erkannt
werden könnten.
Heller beschreibt ein interessantes Exemplar von Di-
plozoon paradoxum, bei dem die Verwachsung der beiden
Diporpen sich über die ganze vordere Körperhälfte ausge-
dehnt hatte. Gleichzeitig macht derselbe einige Angaben
über den Gefässverlauf der Diplozoen. Sitzungsber. der k.
Akad. in Wien XXV. S.109. Mit Abbild.
Ueber das merkwürdige, seiner systematischen Stellung
nach immer noch ziemlich problematische Schmarotzergenus
Myzostomum Li. haben wir im Laufe des vergangenen Jah-
res gleichfalls zwei Mittheilungen erhalten, von Semper
(zur Anatomie und Entwickelungsgeschichte der Gattung
Myzostoma , Zeitschrift für wissensch. Zool. IX. S. 48—64
mit 2 Tafeln) und von 0. Schmidt (über die Schmaro-
Izergallung Myzostoma in den Sitzungsber. der Wiener Akad.
XXIll. S. 15—17). Beide untersuchten ausser dem besonders
durch Thomson bekannt gewordenen M. cirriferum Lt.
noch eine zweite Art, Schmidt das M. glabrum Lt., Sem-
per das an seinen 20 Randpapillen und seinen zahlreichen
gelb pigmentirten Rückentuberkeln leicht zu unterscheidende
M. tuberculosum n. sp. (wohl identisch mit Max Schultze's
M. glabrum),, das fast ausschliesslich auf der gesprenkelten
Varietät von Comatula mediterranea lebt. Besonders wichtig
sind die Angaben Semper’s, der eine fast vollständige
122 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Anatomie liefert, während die Mittheilungen von Schmidt
sich mehr auf einzelne Notizen beschränken. Im Wesentli-
chen enthält Semper’s Darstellung übrigens nur eine Be-
stätigung der Untersuchungen, die schon im Jahre 1853 von
M. Schultze publieirt sind (J. B. XXII. S. 356), unserem
Verf. jedoch bei Abfassung seiner Arbeit unbekannt waren.
Die Wimpern der Epidermis stehen, wie schon Schultze
fand , in unregelmässigen Büscheln. Das Nervensystem, das Schultze
vermisste, ist ganz in der von Lov&n beschriebenen Weise vorhan-
den. Es liegt auf der Bauchseite des Thiers zwischen Magen und
centralem Muskelsystem , das Sch. irrthümlich an den Rücken ver-
legte. Die peripherischen Muskeln treten an die Haken, deren Bildung
und Bewegung Verf. genau erörtert. Der Darmapparat ist vonLoven
sehr richtig beschrieben; mit verästelten Anhangsschläuchen, die trotz
der Abwesenheit einer Muskelhaut eine selbstständige Contractilität
besitzen, so wie mit Mastdarm und After, welcher letzterer aber auch
zugleich weibliche Geschlechtsöffnung ist (wodurch sich die Angaben
von Schultze und Schmidt, von denen der eine wohl den After,
aber keine Vulva, der andere jedoch umgekehrt eine weibliche Oeff-
nung, aber keinen After fand, gegenseitig ausgleichen). Eine Leibes-
höhle fehlt; die männlichen und weiblichen Keimdrüsen, die in jedem
Individuum neben einander vorkommen, sind mit den Blindschläuchen
des Magens so dicht verpackt und verschlungen , dass es sehr schwer
ist, über das Verhältniss derselben eine überzeugende Ansicht zu
gewinnen. Bei M. tuberculosum lassen sich zahlreiche längliche
Hodenfollikel entdecken, die den Verästelungen des Samenleiter auf-
sitzen. Der letztere mündet jederseits zwischen dem 3. und 4.
Fusspaare auf einer kleinen Papille nach Aussen und theilt sich sehr
bald (Schmidt lässt ihn einfach bleiben) in einen doppelten, vor-
dem und hintern Canal. Bei M. cirriferum sollen eigentliche Ho-
denvollikel fehlen; Verf. vermuthet, dass die Hoden hier nach
dem Typus der sog. einzelligen Drüsen entwickelt seien, und lässt diese
je mit einem besondern Ausführungsgange in die blasig erweiterten
Enden des Samenleiters einmünden. Auch die Eier scheinen sich nicht
eigentlich in Follikeln zu entwickeln. Trotzdem aber gelangen diesel-
ben gleichfalls in einen deutlichen Eileiter, die beide sich in die
Cloake inseriren. Die Begattung wurde nicht beobachtet; jedoch sah
Verf. einmal eine Anzahl zusammengeballter Samenfäden in der
Cloake. Die männliche Brunst scheint, nach einer Beobachtung des
Verf. zu schliessen, früher, als die weibliche einzutreten. Ein paar
Junge von Y%s— Yo“, die Verf. einmal auf einem grossen M. tuber-
culatum in der Nähe des Schlundes sitzen sah, glichen im äussern Aus-
sehen bereits ganz den alten, hatten jedoch weder Magenanhänge, noch
Geschlechtsorgane; auch waren bei ihnen die Haken der Fusshöcker
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 123
nur etwa %% so gross, als bei den ausgewachsenen Exemplaren. In-
teressanter durch die abweichende äussere Form war ein Junges,
welche Verf. auf einem ausgewachsenen M. cirriferum sitzend fand.
Dasselbe hatte (*,“) eine längliche, vorn etwas schmälere, hinten
abgerundete Gestalt und besass nur vier Beine, die weit prominirten
und bereits mit Krallen versehen waren. Das Thierchen glich eher
einem Tardigraden, als einem Myzostomum , liess sich aber doch an
Fusshaken und Rüssel mit Bestimmtheit als solches erkennen. Welche
Zwischenstufen zwischen dem Ei und dieser Form liegen , musste
Verf. leider unbekannt lassen; wir bedauern das um so mehr, als die-
selben möglicher Weise ein bestimmteres Licht auf die Verwandtschafts-
verhältnisse unserer merkwürdigen Schmarotzer würden geworfen haben.
Cestodes,
Carus, Icon. zoot. Tab. Vll. Fig 11 enthält eine sehr
instructive Zeichnung von Caryophyllaeus mit vollständig
analysirtem Geschlechtsapparate und (Fig. 12) Ausmündung
der acht Längskanäle am hinteren Körperende, die, wie
Fig. 13, das hintere Leibesende von Taenia ocellata juv. mit
eontractiler Blase, von M. Schultze mitgetheilt sind. Ei-
nige weitere Originalien von Stein und v. Siebold er-
läutern den Bau der Eier mit dem sechshakigen Embryo,
sind aber theilweise (so weit sie Taenia Solium betreffen)
als ziemlich misslungen zu bezeichnen.
Virchow schildert die Entwickelungsgeschichte der
Kalkkörperchen bei den Cestoden und nimmt dieselben als
verkalkte Zellgewebskörperchen in Anspruch. Arch. für path.
Anat. XI. S. 82. Mit Abbild.
Die oben erwähnten Untersuchungen Claparede’s
über die Kalkkörperchen der Trematoden machen es sehr
glaublich, dass diese Gebilde bei den Cestoden die glei-
chen Beziehungen zu den Excretionsorganen haben, obwohl
die Untersuchungen, die Cl. zur Unterscheidung dieser Frage
bei Echinococeus anstellte, bisher noch kein positives Re-
sullat geliefert haben. A. a. O. S. 104. (Ref. darf wohl
hinzufügen, dass es ihm und Dr. Pagenstecher bei ge-
meinschaftlicher Untersuchung des Cysticercus Echinobothrii
seitdem gelungen ist, sich von der Richtigkeit dieser Ver-
muthung zu überzeugen.)
Kölliker bestätigt — wie das früher auch schon Rel,
124 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
gelhan hatte, Blasenbandwürmer S. 134 — die Existenz der
von Wagener beschriebenen seitlichen Ausmündungen am
Gefässsysteme der Cestoden (Zeitschrift für wiss. Zool. IX.
S. 139). Bei einem unbewaffneten Scolex wurden jederseits
viellicht 30—33 Oeffnungen gezählt, die durch kurze Quer-
zweige mit den Längsgefässen communieirten. Die letztern
standen ausserdem noch durch den pulsirenden Endschlauch
mit der Aussenwelt in Verbindung.
G. Wagener liefert (in seinen Beiträgen a. a. 0. S.
5—17) eine Uebersicht über dieEntwickelungsgeschichte der
Cestoden nach seinen bereits früher publieirten zahlreichen
Beobachtungen (J. B. XXI. S.379) und erfäutert dieselben
durch eine Reihe von Abbildungen, die zum Theil schema-
tischer Natur sind.
Der Embryo entsteht, wie es scheint durchgehends, durch Thei-
lung des Keimbläschens schon im Bandwurmgliede und stellt, im
ausgebildeten Zustande, eine überaus contractile Kugel mit drei, sel-
tener zwei Paar Haken dar. Nach der Uebertragung der Eier in einen
Wirth schlüpft der Embryo aus, um sodann an eihem zusagenden
Orte eine structurlose, mitunter von kleinen Stacheln oder Härchen
besetzte Haut zu bekommen und im Innern ein Gefässsystem mit Flim-
merläppchen und pulsirendem Endschlauch zu entwickeln. Bis da-
hin scheinen sich alle Cestoden mit unwesentlichen Differenzen gleich
zu verhalten — später aber weichen dieselben nach sechs verschie-
denen Typen aus einander.
Bei den Ligulaarten und Caryophyllaeus scheint die Metamor-
phose schon auf dieser Stufe beendigt. Die Schwanzöffnung des Ge-
fässsystemes bleibt und das Kopfende erleidet nur geringe oder gar
keine Modifikationen. k
Triaenophorus entwickelt am Kopfende des Embryo Haken und
zwei flache Gruben, während das Schwanzende mit dem Porus ex-
eretorius abgeworfen wird (vielleicht aber auch in einigen Fällen
nach Oblitteration des pulsirenden Schlauches persistirt).
Bei der Taeniae inermes soll sich das eingezogene Kopfende
des Embryo ganz einfach mit Saugnäpfen und Rüsseln versehn, worauf
dann durch Abschnürung am Halsende sogleich die Gliederbildung
beginnt. Das Schwanzende des Embryo mit dem Porus erscheint
demnach als letztes Glied, das zuerst abgeworfen wird. (Nach An-
sicht des Ref. dürften sich die T. inermes trotz diesen Angaben im
Wesentlichen wie die T. armatae verhalten, zumal bei diesen ja bis-
weilen gleichfalls, z. B. bei T. erassicollis — auch nach Beobach-
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 125
tungen von Pagenstecher und Ref. bei Echinobothrium — die
Gliederbildung vor Abstossung der Schwanzblase vor sich geht.)
Der Embryo der Tetrabothrien erhält an seinem vorderen Ende
vier Gruben oder Saugnäpfe mit einem Stirnnapfe (Scolex Rud.);
die vier Gruben vergrössern sich, oftmals nach vorhergegangener
Einziehung, sie theilen sich nicht selten auch in dieser oder jener
Richtung, bis sich schliesslich, nach Ausbildung des Kopfes, das Schwanz-
ende mit seinem pulsirenden Schlauche abtrennt und zu Grunde geht.
Die Taeniae armatae bilden den Kopf in der Weise, dass sich
das meist sehr durchsichtige und mit einer dünnen structurlosen
Haut überzogene Kopfende der embryonalen Cestodenblase einzieht.
Der Boden des Kopfsackes hebt sich; die Seitenwände bauchen sich
aus und bilden die Saugnäpfe, die allmählich auf den sich immer höher
hebenden Grund des Sackes, den späteren Kopf, übergehen. (Ref.
glaubt bei seinen Untersuchungen zu der Ueberzeugung gekommen
zu sein, dass die Bildung des Kopfes bei den Blasenbandwürmern
ohne Erhebung des Bodens dadurch vor sich gehe, dass die
Wände des Kopfsackes sich unmittelbar in die Wände des völlig ein-
gestülpten Kopfes metamorphosirten. Die Möglichkeit einer seeun-
dären Erhebung ist dabei nicht ausgeschlossen, vielmehr direkt zu-
gestanden, und somit ist denn der Unterschied zwischen den beiderlei
Auffassungen nicht eben allzu bedeutend, Ob das freilich zu der
Behauptung genügt, dass die vom Ref. gegebene Darstellung sich be-
reits beim Verf. — in dem grossen, oben erwähnten Cestodenwerke
— vorfinde (helminthol. Bemerkungen a. a. 0. S. 77), will Ref.
hier nicht weiter erörtern. Der Rückblick auf Steinbuch kann
dabei nichts entscheiden, schon desshalb nicht, weil es sich bei die-
sem überhaupt nicht um Entwicklungsvorgänge handelt. Ueberdiess
giebt St. ausdrücklich an, dass das rüsseltragende Vorderende auch
bei zurückgezogenem Kopfe „nicht umgestülpt“ sei, obgleich dasselbe
doch gleichfalls „im umgestülpten Zustande“ seinen Ursprung nimmt.
Der Vergleich des retractilen Cysticercuskopfes mit den Tentakeln der
Schnecken ist übrigens schon älter und schon von Malpighi in An-
wendung gezogen.)
Ganz eben so verhält sich eine Anzahl von Tetrarhynchen,
während andere dieser Thiere, wie auch einige Dibothrien, in sofern
abweichen, als sich bei ihnen der emporgehobene Kopf nach völliger
Ausbildung von seiner Blase ablöst und dann frei im Innern dersel-
ben gelegen ist.
In den beiden letzten Fällen erreicht die Cestodenblase offen-
bar ihre höchste Entwickelung; sie erscheint als ein mit deutlichen
Organen versehenes Thier, das den späteren Kopf als Knospe her-
vortreibt.
Die v. Siebold’sche Annahme von der Verirrung und Hydropsie
126 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der sog. Blasenwürmer wird als eine jetzt genügend widerlegte und
erledigte Hypothese bezeichnet.
Unter den beigegebenen Abbildungen heben wir besonders die
schöne Zeichnung von Gyporhynchus pusillus Norm. (Tab. VI) hervor,
so wie die Abbildung des bei Tetrarhynchus gefundenen muthniass-
lichen Nervensystems (Tab. IV. u. V).
In den „helminthologischen Bemerkungen“ (a.a.0. 8.74) wird
hervorgehoben, dass Verf. in der Leibeshöhle von Nais elinguis einst
einen noch mit seinen Embryonalhaken versehenen Cestodenembryo
fand ; es wird dann ferner der Embryo von Dibothrium rugosum mit
und ohne Eihüllen durch treffliche Abbildungen erläutert und schliess-
lich die schon oben erwähnte Prioritätsfrage in Betreff der Kopfent-
wickelung bei den Blasenbandwürmern erörtert. (Wenn Ref. hier
auf diese Angelegenheit nochmals zurückkam, so geschah das nicht
in der Absicht, mit dem so hoch geehrten Forscher um persönliche
Ansprüche zu mäkeln, sondern lediglich aus dem Wunsche, sich von
dem Verdachte zu rechtfertigen, als habe er wissentlich die Verdienste
desselben um unsere Kenntnisse von der Entwickelungsgeschichte der
Cestoden schmäleım wollen.)
Nach den Mittheilungen von Verloren bezieht sich
die bekannte (aber mehrfach bezweifelte Beobachtung) Schu-
barts von dem Vorkommen eines Flimmerüberzuges bei
Cestodenembryonen auf Bothriocephalus latus. Verloren
legte in der Bonner Naturforscherversammlung die darauf
bezüglichen Abbildungen Schubart’s vor, und aus diesen
geht hervor, dass die sechshakigen Embryonen des genann-
ten Bandwurmes von einer eigenen, locker anliegenden Flim-
merhülle umgeben sind, wie etwa die Ammen von Monosto-
mum mutabile. Tageblatt der Naturf. und Aerzte 1857. $.19.
Lespes fand in derLeber vonNassa reticulata einige
Male einen Cysticercus, der dem Gen. Echinobothrium zuge-
hörte und wegen der Abwesenheit der Halsstacheln als E.
levicolle n. sp. beschrieben wurde (Ann. des sc. nat. 1857.
T. VII. p. 118). Die Benennung ist unpassend, denn nach
den Beobachtungen von Ref. und Dr. Pagenstecher ent-
wickelt auch das Echin. typus seine Halsstacheln erst nach
dem Freiwerden aus der Cysticercusblase. Der Cysticercus
der letzten Art lebt in Krebsen und wird nicht selten im
Magen verschiedener nordischer Rochen zwischen den Ue-
berresten seiner früheren Wirthe angetroffen. Ob übrigens
die von L. beobachtete Art vonE. typus wirklich. verschie-
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 127
den ist, dürfte schwer zu entscheiden sein, zumal auch der am
Ende der Schwanzblase vom Verf. beschriebene bewegliche
Saugnapf, der bei E. typus nicht aufgefunden wurde, möglicher
Weise nichts Anderes, als die Einstülpungsstelle der Cysti-
cercusblase darstellt.
Nachträglich mag hier auch noch bemerkt sein, dass
Gegenbaur schon vor einigen Jahren (Unters. über Pe-
teropoden und Heteropoden 1855. S. 59. Anm.) in dem die
Schale überziehenden Manteltheile von Tiedemannia fast con-
stant eine Anzahl „encystirter Tänienammen“ auffand, die
„ganz nach der durch v.Siebold, Stein und Meissner
beschriebenen Weise“ beschaffen waren. Die Embryonal-
häkchen werden vom Verf. nicht erwähnt, dagegen am. vor-
deren Pole des Tänienkopfs ein dichter Kranz kleiner Häkchen.
Die schon im letzten Jahresberichte ($. 205) nach einer
verläufigen Mittheilung erwähnten Untersuchungen von Rai-
ney „on the structure and developement of the Cysticercus
cellulosae“ liegen jetzt,ausführlich, in den Transact. roy. soc.
1857. 1. p. 111—127 mit zwei Abbildungen, vor.
Ref. kann das damals ausgesprochene Urtheil über diese Ab-
handlung nur wiederholen. Es unterliegt für ihn keinem Zweifel,
dass sich Verf. über die ersten Zustände des Cysticercus völlig ge-
täuscht, und auch in seinen weiteren Beobachtungen nicht bloss man-
che Lücke gelassen, sondern auch manchen Fehlgriff gethan hat. Was
Verf. als die ersten Anfänge des Cysticereus beschreibt, gehört oflen-
bar in die Reihe jener sonderbaren parasitischen Bildungen, von de-
ren Vorkommen wir zuerst durch Miescher’s Untersuchungen in den
Muskelfasern der Hausmaus Kenntniss bekommen haben , die mit der
Entwickelungsgeschichte der Cestoden aber bestimmt in keinerlei
Zusammenhang stehen. f
Ueber das Vorkommen des Cysticercus cellulosae am und
im Auge des lebenden Menschen vergleiche man die zahlreichen
Beobachtungen von v. Graefe in Zeitschr. für Ophthalmo-
logie , bes. 1857. $. 308, so wie Berthold, de Cysticercis
cellulosae in oculo hom. Dissert. Berol. 1857 und Nagel,
med. Zeitung des Vereins für Heilk. in Preussen 1858. No. 29.
Nach den Mittheilungen von Dr. Anderson und Dr.
Gordon ist der Bandwurm in Indien so häufig, dass in ge-
wissen Gegenden jeder dritte Soldat daran leidet. Ausge-
nommen sind diejenigen Naliv-Regimenter und Diener , die
128 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
sich ausschliesslich von Pflanzenkost nähren, wie denn über-
haupt der Fleischgenuss, je nachdem er mehr oder minder
vorwaltend ist, ein Maass für die Häufigkeit des Bandwurms
abgiebt. Med. Times and Gaz. 1857. No. 357. Mai. (Phar-
maceutical Journ. and Transact. 1858. Vol. XVII. p. 409.)
Delafond in Alfort beobachtete das (bekanntlich sehr
seltene) Vorkommen eines Coenurus im Rückenmarke eines
Lammes und schildert die dadurch bedingten krankhaften
Erscheinungen (Cpt. rend. Vol. XLV. p.452). Der Blasen-
wurm lag in derGegend des dritten Lendenwirbels. Gleich-
zeitig fand sich auch ein zweiter Coenurus im Hirne.
Kreuder berichtet in der Zeitschrift für die land-
wirthschaftl. Vereine des Grossherz. Hessen 1857. No. 35
über einige vom Ref. in seinen Vorlesungen zur Aufklärung
über die Natur der Drehkrankheit vorgenommene Experi-
mente und hebt dabei namentlich einen Fall hervor, in dem
sich die (freilich auch sehr grossen) Scoleces Coenuri inner-
halb 10 Tagen zu völlig ausgebildeten, infectionsfähigen Band-
würmern entwickelt. hatten.
van Beneden verfülterte Echinococcen an zwei neu-
geborene Hunde und fand nach drei resp. vier Wochen
Hunderte von reifen Taenia Echinococcus. I’Inst. 1857. p. 287.
Levison macht uns mit einem Falle von Echinococ-
cus hominis aus der Milz bekannt, der durch seinen Bau
(Anwesenheit von Tochterblasen) an den Küchenmeister’schen
E. altricipariens sich anschliesst, durch Form, Grösse und Zahl
der Haken aber die Charaktere des E. scolecipariens Küchm.
besitzt. Eine zweite Echinococeusblase war ohne ausgebildete
Tochterblase und Tänien — eine sog. Acephalocystis. Ver-
suche, im Darmkanale des Hundes die Tänienköpfe der er-
sten Blase zur Entwickelung zu bringen schlugen fehl, eben
so auch — was freilich vorauszuselzen war — die mit T.
cucumerina bei Kaninchen angestellten Fütterungsversuche.
Disquisit. nonnullae de Echinococeis Dissert. inaug. Gryph.
1857. (Ob die Untersuchungen des Verf. zu dem Resultate
berechtigen, dass die’Echinococcen überhaupt nur eine ein-
zige Species bildeten, steht dahin. Man könnte darin eben
so gut auch einen Grund für die Annahme einer noch grös-
seren Menge von Arten finden. Die Entscheidung über diese
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 129
Frage bleibt späteren genaueren Untersuchungen und nament-
lich auch dem Experimente vorbehalten.)
Steenstrup brachte eine Reihe von Beobachtungen,
aus denen hervorgeht, dass der Schistocephalus solidus re-
gelmässig auf einer bestimmten Entwickelungsstufe und zu
bestimmter Zeit (Juni— August) die Leibeshöhle der Stich-
linge, die er anfangs bewohnt, nach Durchbohrung. der Kör-
perwandung verlässt und in das Wasser auswandert. \ Der
Stichling. geht durch die Verletzung des auswandernden Band-
wurmes zu Grunde, während der letztere eine längere Zeit
(wie schon Linne wusste und v. Bäer bestätigte) frei im
Wasser lebt und in der Mehrzahl der Fälle auch wohl erst
von da in den Darmkanal der Wasservögel gelangt. Die
von Abilgaard schon im vergangenen Jahrhundert expe-
rimentell festgestellte Einwanderung des Schistocephalus mit-
sammt. seinem Wirthe scheint weit seltener zu sein. Nach
einigen, zum Theil schon von Götze herrührenden Beob-
achtungen ist es Verf. wahrscheinlich, dass auch die Ligu-
laarten in activer Weise durch die Körperwandungen der sie
beherbergenden Fische auswandern. Overs. kongl. danske
Videnskab. Selsk. Forhandl. 1857. p. 186—196.
Kolenati erwähnt in seiner Abhandlung über die Pa-
rasilen der Chiropteren (Wien 1857) eines Cysticercus mi-
niopteri, vielleicht C. fasciolaris.
Turbellarii.
Pharyngocoela. M. Schultze veröffentlicht in den Icon.
zoot. von Carus Tab. VIll. Fig. 18 eine Abbildung von Pla-
naria torva, die zur Erläuterung der schon früher von un-
serem Verf. (J.. B. XX. S.343) gegebenen Darstellung der
Geschlechtsorgane dient. Die Keimstöcke sind doppelt, sehr
weit nach vorn gelegen, die Hoden zur Zeit der Geschlechts-
reife durch den ganzen Körper verbreitet. Der Samen wird
in eine Sperinatophore eingeschlossen und in dieser Form
in die kurze Vagina eingeführt. Neben der Vagina noch ein
ovales Säckchen von unbekannter Bedeutung.
Ebenso auch eine Abbildung von Prostomum lineare
mit vollständiger innerer Organisation. Ebendas. Tab. VII.
Fig. 16.
Archiv f. Naturgesch. XXIV. Jahrg. 2 Bd. I
130 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
0. Schmidt giebt eine vorläufige Uebersicht über die
„Ergebnisse der Untersuchung der bei Krakau vorkommen-
den Turbellarien,* Sitzungsber. der Wiener Akad. Bd. XXV.
S. 87, auf die wir bei einer späteren Gelegenheit, nach Ver-
öffentlichung der ausführlichen, in den Denkschriften der
Akademie abgedruckten Arbeit, zurückkommen werden. Wir
beschränken uns hier auf die Bemerkung, dass die Unter-
suchungen des Verf.'s sich besonders auf Vortex, Mesosto-
mum und Proporus beziehen und manche interessante ana-
tomische Thatsache theils neu feststellten, theils bestätigten.
Von neuen Arten (unter 20) werden aufgeführt: Vortex sco-
parius, V. coronarius,, Derostomum galizianum, Mesostomum
Craci, M. cyathus, M. Wandae, M. fallax, M. trunculum,
M. hirudo, Prostomum furiosum.
Unsere Kenntnisse über die Systematik und die einzel-
nen Formen der Dendrocolen sind im Laufe des verflossenen
Jahres besonders durch Stimpson gefördert worden, der in
dem ersten Theile seines Prodromus (Proc. Acad. Philad. 1857.
p- 19 sq.) nicht bloss eine Uebersicht über die bei Weitem
grössere Mehrzahl der bisher beschriebenen Thiere dieser
Gruppe giebt, sondern auch noch 52 neue Arten, die er in
dem stillen Oceane sammelte, denselben hinzufügt. Genera
und Familien sind dabei nach eigener Untersuchung kurz
charakterisirt worden. Wir tragen die neuen Arten in die
folgende Synopsis ein.
Subtrib. I. Digonopora. Aperturae genitales duae.
Fam. Euryleptidae. Corpus planum, dilatatum laeve vel papil-
losum. Caput plieis tentacularibus duabus frontalibus. Os ante me-
dium situm. Ocelli numerosi prope extremilatem anteriorem siti,
Maricolae.
Thysanozoon Grube. Corpus supra papillis ubique obsessum.
Caput discretum, tentaculis mediocribus. Ocelli frontales aut cervi-
cales. Os subcentrale. Apertura genitalis mascula subcentralis, femi-
nea retrorsum sita. 6 Species, unter denen neu: Th. australe.
Planeolis (n. gen.). Corpus papillis sparsis, seriebus dua-
bus lateralibus dispositis. Caput grande, discretum, tentaculis magnis,
Ocelli capitales et tentaculares. Os subcentrale. Sp. P. Panormus
Quatref.
Proceros Quatref. Corpus laeve, caput subdiscretum, tentaculis
subdistantibus. Ocelli cervicales vel tentaculares. Os subterminale;
aperturae genitales retrorsum sitae. 3sp. unter denen P. albicornis neu,
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 131
Eurylepta Hempr. et Ehrbg. Corpus laeve, tenue. Caput vix
subdiscretum. Plicae tentaculares marginales approximatae. Ocelli in
acervum minutum cervicalem.. Os ab apice ecirciter quartam corpo-
vis partem remotum. Apertura genitalis mascula ante, feminea post
os sita (an semper?). N.sp.: E. fulminata, E. nigra, -E. interrupta,
E. guttatomarginata, E. japonica und E. coceinea. Ausserdem noch
6 bereits bekannte Species.
Fam. Nautiloplanidae. Corpus planum, hyalinum. Caput par-
vum, diseretum , auriculis duabus. Ocelli nulli. Os post-mediale,
oesophago protractili multilobo. Aperturae genitales antrorsum sitae.
Pelagicae.
Nautiloplan«a gen.n. uniec. mit 1Art: Planaria (Euryleptla)
oceanica-Darv. \
Fanı. Cephaloleptidae. Corpus planum dilatatum. Caput discere-
tum, extremitate acetabuliformi. Ocelli duo. Os subcentrale, oeso-
phago valde protractili. Aperturae genitales ante os sitae. Aquarum
subsalinarum incolae.
Cephaloptera Dies. Gen. unicum. Sp. E. macrostoma Darv
Fam. Typhloleptidae. Corpus planum v. depressum, capite con-
tinuo, tentaculis nullis. Ocelli nulli. Os subcentrale, ante vel post me-
dium situm. Aperturae genitales retrorsum sitae (an semper ?). Ma-
ricolae.
Typhlolepta Oerst. Corpus plano-depressum, oblongum, dilata-
tum. Os pone medium situm. „Penis absque stylo calcareo.“ 3sp.
Cryptocoelum (n. gen.). Corpus planum, crassiusculum,
latum, utrimque rotundatum. Os ante medium situm. Parasiticae. Sp.
n. Cr. opacum. Schmarotzt auf einem Echinarachnius.
Typhlocolaz (n. gen.). Corpus oblongum, depressum, utrim-
que attenuatum. (s post medium situm. Parasiticae. T. acuminatus
sp. n. von einer Chirodota, T. (Typhlolepta) acutus Gir., T. (Typhlo-
plana) marinus Oerst.?
Fam. Leptoplanidae. Corpus planum, dilatatum, Jaeve, saepius
tenerrimum. Caput continuum, tentaculis nullis. Ocelli plus minusve
numerosi, occipitales v. oceipitales et marginales . Os ante medium
situm. Aperturae genitales pone os, saepius pone medium sitae. Ma-
ricolae.
Centrostomum Dies. Ocelli in acervos duos parallelos dispo-
siti. Os centrale, oesophago protractili, multilobo. Aperturae genita-
les retrorsum sitae. €. lichenoides Mert.
Elasmodes Le Conte. Corpus oblongum, tenerrimum. Ocelli oc-
eipitales in acervos duos saepius lineares et parallelos dispositi. Os
ante medium situm. Apertura mascula centralis, feminea retrorsum
sita. 8, früher zum Theil andern Genera (Polycelis s. s. w.) zuge-
rechnete Species, worunter 2 neue: E. acutus und E. tenellus,
132 Leuckart:Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Leptoplana Hempr. etEhrbg. Corpus planum, dilatatum, tener-
rimum. Ocelli omnes oceipitales, formarum duarum: primarii maio-
res, angulares, nigri, conferti, in acervos duos saepius in umbonibus
aggregati; secundarii minuti in acervos nebuliformes dispositi. Os
subeentrale, ante medium. Aperturae genitales retrorsum sitae. 6
bekannte, 9 neue Species: L. humilis, L. oblonga, L. delicatula, L.
maculosa, L. patellarum, L. punctata, L. Schoenbornü, L. trullaefor-
mis, L. fusca.
Dioncus Stimps. Corpus planum, dilatatum. Ocelli in umbones
duos subdistantes, occipitales dispositi. Ocelli marginales nulli. Os
subcentrale. 2 Sp.
Pachyplana (n. gen.). Corpus latum, crassiusculum. Ocelli
primarii in umbones duos parvos oceipitales aggregati; secundarii in
margine anteriore dispositi. Os subcentrale. Sp. n. P. lactea.
Prothiostomum Quatref. Corpus oblongum. Ocelli numerosi,
quidam in acervum unicum saepe bipartitum oceipitalem, reliqui
anteriores, marginales aut submarginales, arcuatim dipositi. Apertu-
rae genitales subcentrales. 11 Species, von denen neu: P. affine, P.
tenebrosum, P. constipatum, P. eribrarium, P. crassiusculum, P. spar-
sum, P. grande, P. collare, P. obscurum.
Diplonchus (n. gen.). Corpus oblongum, crassiusculum et
maculatum ut in Stylochis. Caput papilla oceipitali, bilobata ocelli-
fera instructum. Ocelli numerosi, minuti, ad papillam etiam saepe
ad eiusdem basin dispositi. Ocelli marginales nulli. Sp.n. D. marmoratus.
Fam. Stylochidae. Corpus planum, saepius erassiusculum. Ten-
tacula duo parva, brevia, oceipitalia. Ocelli numerosi ad tentacula,
vel in acervos capitales aggregati. Os subcentrale. Aperturae geni-
tales approximalae, retrorsum sitae. Maricolae.
Stylochus Hempa et Ehrbg. Corpus laeve. Tentacula subdi-
stantia. Ocelli numerosi, minuti, conferti in tentaculorum superficie,
marginales nulli. 3 Arten mit 2 neuen: St. corniculatus u. obscurus.
Stylochoplana (n. gen.). Corpus laeve. Tentacula sub-
approximata. Ocelli ad basin tentaculorum v. in acervos vicinos ag-
gregali; marginales nulli. Ausser St. folium Gr. und St. maculata
Quatrf. noch St. reticulata und St. tenuis nn. sp.
Callioplana (n. gen.). Corpus tenue, laeve. Tentacula
elongato-conica, gracilia, approximata in areola alba. Ocelli ad ten-
tacula et in areola inter tentacula ; marginales nulli. Sp. n. €. marginata.
Trachyplana (n. gen.). Corpus erassiusculun, supra tuber-
culatum. Tentacula parva, inconspicua, hyalina. Ocelli ad tentacula;
marginales nulli. Sp. n. Tr. tuberculosa. i
Stylochopsis (n. gen.). Corpus suberassum, molle. Ten-
tacula distantia, obtusa. Ocelli magni ad tentacula et minuti ad mar-
ginem anteriorem; interdum quoque in acervum oceipitalem. Sp, nn.
St. limosus und St. conglomeratus.
ver
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 133
“ Imogine Gir. Corpus laeve. Tentacula brevia. Ocelli duo ma-
gni, ad apicem tentaculorum, el numerosi minuti in corporis margine.
I. oculifera Gir.
Fam. Planoceridae. Corpus planum, latum, laeve. Tentacula duo
elongata, subfiliformia, retractilia. Ocelli nulli. Os subeentrale. Aper-
turae genitales retrorsum sitae. Maricolae.
Planocera Blainv. Gen. un. mit 2 Sp.
Subtr. II. Monogonopora. Apertura genitalis unica.
Fam. Planariadae. Corpus oblongum, depressum v. subplanum,
antice auriculatum v. subaurieulatum, capite raro tentaculato. Ocelli
duo globulis vitreis instrweti; rarissime plures vel nulli. Os post
medium situm, interdum centrale. Stomachus amplus, postmedialis.
Apertura genitalis pone os. Aquarium dulcium vel marinarum incolae.
Procotyla Leidy (n. gen.). Corpus elongatum, antice vix
auriculatum. Caput absque tentaculis. Frons disco evertibili aceta-
buliformi praedita. Ocelli duo distantes. Tubus eibarius ramis parum
divisis. Fluviatiles. P. fluviatilisLeidy (=Dendrocoelum superbumL.).
Galeocephala (n. gen.). Corpus oblongum, antice subau-
rienlatum ; tentaculis ab auriculis distinctis. Ocelli duo subdistantes.
Os postmediale. Tubus eibarius ramis arbusenliformibus. G. superba
Gir. und G.(?) tentaculata Müll.
Dendrocoelum Oerst. Corpus antice aurieulatum, aurieulis ten-
taculiformibus. Caput antice excavatum v. bilabiatum, absque tentaculis.
Ocelli duo. Os subeentrale, oesophago protraetili eylindrico. Tubus
eibarius ramis arbuseuliformibus. Fluviatiles. 3 sp.
Planaria Müll. (= Dugesia Gir.). Corpus depressum, oblongum,
eapite saepius subdiscreto, triangulari, nee labiis, nec acetabulo prae-
dito. Ocelli duo subapproximati. Os subcentrale, oesophago pro-
tractili eylindrico. Fluviatile. Ausser zahlreichen bekannten Arten
neu: Pl. sinensis aus Hong-kong, Pl. einerea aus Ousima und Pl.
radia aus Loo Choo.
Phagocata Leidy. Corpus antice subaurieulatum, tentaculis nul-
lis. Ocelli duo. Os post medium situm, oesophago protractili multi-
partito. Fluviatiles. Pl. graeilis Leidy.
Procerodes Gir. Corpus depressum, antice truncatum, tentaculis
aurieularibus duobus. Ocelli duo distantes. „Tubi ceibarii rami indi-
visi“. Maricolae. Pr. ulvae Oerst., Pr. Wheatlandii Gir., Pr. frequens Leidy.
Fovia Gir. Corpus depressum, antice subtruncatum ; fronte sae-
pius in medio produeta v. acuta. Ocelli duo subapproximati. Tubus
eibasus ramis indivisis. Maricolae. Ausser F. littoralis Oerst., F.
affınis Oerst., F. Warrenii Gir. als neu: F, gwaeilipes und F.trilobata.
Bdelloura Leidy. Corpus depressum, anlice acutum v. subacu-
tum, cauda subdisereta, dilatata. Ocelli duo. Os centrale, oesophago
eylindrieo. Stomachus latus. Coeca indivisa. Apertura genitalis ...
Maricolae. 3 sp.
134 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Anocelis (n. gen.). Corpus depressum, elongato-ovale, saepe
antice iruncalum. Os post medium, subcentrale. Ocelli nulli. Flu-
viatiles. A. coeca Duj. und A. fuliginosa Leidy.
Oligocelis (n. gen.). Corpus oblongum, depressum, antice
aurieulatum. Ocelli sex in acervos duos parallelos subterminales dis-
positi. Os post medium, subcentrale. Tubus eibarius ramis arbu-
seuliformibus. Fluviatiles. 0. pulcherrima Gir.
Fam. Polycelidae. Corpus oblongum, planum, dilatatum. Ocelli
numerosi marginaless Os post medium subcentrale, oesophago cylin-
drico, longe protractili. Apertura genitalis retrorsum sita. Fluviatiles.
Polycelis Hempr. et Ehrbg. Gen. unie. P. nigra Müll., P. brun-
nea Müll., P. Viganensis Duj.
Fam. Geoplanidae. Corpus elongatum, depressum v. depressiu-
sculum, subtus pede sat distinceto. Caput continuum v. diseretum. Ocelli
duo v. plurimi, in capite dispositi. Os postmediale. Oesophagus pro-
tractilis campanulatus, margine saepius sinuoso. Apertura genitalis
pone os. Terricolae.
Geoplana (n. geu.). Corpus depressum v. depressiusculum,
elongatum v. lineare, capite continuo. Ocelli numerosi marginales
“ vel in acervos submarginales, in capite dispositi. 7 sp., unter denen
eine neue: @. lapidicola aus Loo Choo.
Bipalium (n. gen.). Corpus lineare, depressiusculum. Ca-
put diseretum, lunatum, transversum, aurieulis sat longis retrorsum
tendentibus. Ocelli numerosi, minuli, in capite, plerumque in eius
margine dispositi. Os centrale vel postcentrale. Apertura genitalis
inter os et extremilatem posleriorem, saepius ad dimidium distantiae.
Sp.nn. B. maculatum QOusima, B. fuscatum Japan, B. trilineatum Jesso,
B. virgatum Loo Choo. .
Rhynchodesmus Leidy. Corpus elongatum, subdepressum, an-
trorsum attenuatum, utrimque obtusum. Ocelli duo subterminales. 2sp.
Fam. Polycladidae. Corpus planum v. depressum, oblongum,
dilatatum, capite continuo. Ocelli nulli. Os subcentrale. Apertura
genitalis ante os (?Ref.). Terricolae.
Polycladus Blanch. Gen. un. Hieher ausser Pl. Gayi Bl. noch
3 Darwinsche Species P. maculatus, P. semilineatus und P. elongatus.
Die Annals and Mag. of nat. hist. T.XX. p. 1 sq. pu-
bliciren eine Ueberselzung der schon im letzten Jahresbe-
richte (Bd. XXIII. S. 209) von uns berücksichtigten Arbeit
von M. S. Schultze über Landplanarien.
0. Schmidt liefert in seinen Beiträgen zur Kenntniss
der Turbellaria rhabdocoela (Sitzungsber. der Wiener Akad.
XXI. S. 351 ff.) Beschreibung und Abbildung einiger nea-
politanischer Arten:
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 135
Vortex Girardi n. sp.. V. penicillatus n. sp., V. reticulatus
Schmidt (?). Mesostomum solea n. sp., M.(?) chlorostichum n. sp.,
Prostomum immundum n. sp., Spiroclytus (n. gen.) Nisus n. sp.,
Monocelis anguilla n. sp., die letztere durch Anwesenheit zweier
Augenflecke vor der Gehörkapsel von den übrigen Arten der Gen.
Monocelis verschieden. Das neue Gen. Spiroclytus ist mit dem
früher nach einem irrthümlich ansenommenen Charakter von dems.
Verf. aufgestellten Gen. Trigonostomum (J. B. XX. S. 348, Trigonosto-
mum setigerum = Sp.Euryalus Schm.) identisch und dürfte nach den
gegenwärtigen Untersuchungen folgende Charaktere besitzen. „Die
hellere Grundfarbe ist an keine wahrnehmbaren Pigmentkörner
gebunden, während längs des Rückens dieselbe Farbe in einem weit
intensiveren Tone in einem unregelmässigen Maschenwerke von Pig-
ment sich ausbreitet. Das Kopfende trägt eine Anzahl steifer und
langer Wimpern (kann wohl kaum als Genuscharakter angeführt
werden, da solche steife Borsten sehr weit unter den Turbellarien,
auch bei Dendrocoelen, wie Prothiostomum aretum, und überhaupt
den frei lebenden Würmern verbreitet sind Ref.). Die Generationsorgane
sind durch einen merkwürdigen penisartigen Theil von horniger Be-
schaffenheit ausgezeichnet, der in mehrere Spiralwindungen und ein
gerades Endstück zerfällt.“
Eine neue von Schmidt (ebendas. S. 348) entdeckte
Art des Gen. Dinophilus (J. B. XX. S. 351) ist durch eine
grössere Anzahl von Wimperkränzen ausgezeichnet. Der sg.
Schlund liegt wahrscheinlicher Weise oberhalb des Oeso-
phagus, wie der Rüssel der Neinertinen und der vordere sg.
Pharynx der Prostomeen, den Verf. jetzt gleichfalls als Ana-
logon des Nemertlinenrüssels erkannt hat (a. a. 0. S. 356, eben-
das. XXV. S. 88).
Rhynchocoela. Aus der schönen von M. Schultze in
Carus, lcon, zoot. Tab. VIII. Fig. 10 veröffentlichten Abbil-
“dung von Tetrastemma obscurum ersehen wir, dass dieser
Forscher sich jetzt auch von der Anwesenheit eines beson-
dern, geschlossenen Blutgefässsystemes bei den Nemertinen
überzeugt hat. Dasselbe besteht aus einem Rücken- und
zwei Seitengefässen, die schlingenförmig in einander über-
gehen und sich abwechselnd contrahiren. (Die Anwesen-
heit eines contractilen Rückengefässes ist auch Ref. schon
seit längerer Zeit bekannt gewesen.) Das Wassergefäss-
sysiem ist ohne Zusammenhang mit diesen Längsstämmen
und bei der betr. Art in der Mitte des Körpers nach Aussen
136 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
geöffnet. Andere Originalzeichnungen desselben Verf. be-
handeln den Bau des Stachelapparates, der Geschlechts-
organe und Flimmerläppchen in den peripherisehen Verbrei-
tungen des Wassergefässsystemes.
Eine Abbildung von Nemertes olivacea mit Eierschlauch
im Umkreis des Körpers, ebendas. Fig. 14, gleichfalls von
M. Schultze.
‘Der zweite Theil des Prodromus descriptionis anima-
lium, quae observ. Stimpson (l. c.) handelt über Nemer-
linen, deren Verf. mit Einschluss der schon J. B. XXI.
S.389 erwähnten Arten — 33 neue Species (aus 17 Genera)
beobachtete.
A. Apertura ventralis (os Ref.) infra caput v. cervicem sita, Ocelli
nulli (ob immer ? Ref.)
a. Fissurae laterales in capitis marginibus.
1. Corpus normale,
Lineus Sowerby. Corpus depressum, lineare, longissimum. Ca-
put vix subdiseretum, quadratum, antice late truncatum, apertura prro-
boseidis terminali ampla. Apertura ventralis ante fissurarum finem
posteriorem sita, saepius subterminalis. L. piperatus St. Japan (auch
L. longissimus Sow. = Meckelia Borlasii Dies.)
Cerebratulus Ren. (= Meckelia p. p.) Corpus depressum‘ v.
teretiusculum, poslice saepius plus minusve dilatatum, longitudine
medioere. Caput, corpori continuum 'y. subdiseretum , oblongum v.
elongatum ; apertura proboscidisterminaliminuta. Apertura ventralissae-
pius minoret fine posteriore fissurarum lateralium opposita. Fissurae ad
cervicem productae. Species erranles, nonfossores. Sp.nn. C. impressus
Berings Str.,; €. palrdieosus Canton, €. oleaginus Cap der guten Hoff-
nung, C.albo-viltatus Loo Choo, C. eingulatus Hong-kong, C. fasciatus
Jeddo, €. bellus ibid., C,niger Hong-kong, C. sinensis ibid., C.nigro-
fusceus Ousima.
Meckelia Auect. limit. Corpus depressum, vetrorsum dilatatum, in-
terdum subplanum, marginibus acutis. Caput lanceolatum, apertura
posboseidis terminali minuta. Apertura ventralis ampla, saepius paulo
hina. „Sp fissurarum lateralium sita. Fossores in limo vel arena ma-
Port Jackson‘; M- subacuta Loo Choo, M. albula China, M. australis
Serpenlavia |, 4 3 h
iore, infra caput „0045, Meckeliae affinis, sed apertura 'ventrali ma-
Hong-kong. nte cervicem sita. Fossores. S. rubella n. sp.
2. Corpus later
t 5 later., ; N
; ibus involulis.
Diplopleura
ribus (pone ei 5 nn in). Corpus elongatum, dilata'tum , late-
p NYoolutis, marginibus in linea dorsali me-
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 137
diana vix convenientibus. Caput subdiseretum, triangulare vel sub-
cordatum, fissura longitudinali in utroque margine ad cervicem pro-
ducta. Apertura proboseidis terminalis minuta. Apertura ventralis
parvula, infra corpus, post cervieem sita, subdistans. Ocelli nulli.
Maricolae. Sp. n. D. Japonica.
b. Fissurae laterales nullae.
1. Apertura probosecidis terminalis.
Taeniosoma (n. gen.). Corpus grande longissimum, lineare,
depressum, ut plurimum supra infraque lineatum. Caput vix discre-
tum, breve, sulco indistineto (rima obsoleta v. linea impressa inco-
lorata) longitudinali in utroque margine. Apertura ventralis parvula
posteervicalis. Species in maribus orientalibus habitantes. Sp. nn.
T. septemlineatum Strasse Gaspar, T. aequale Ousima.
2. Apertura proboseidis infra caput.
Valeneinia Quatref. Sp. n. Y. annulata Cap d. g. Hoffnung.
B. Apertura ventralis nulla (? parum eonspieua ? Ref.). Ocelli duo
vel plurimi.
a. Fissurae v. foveae in capitis marginibus.
Dichilus (n. gen.). Corpus lineare, depressum, longitndine
mediocre. Caput corpori continuum, subquadratum, plica transversa
terminali bilabiatum, labio inferiore emarginato. Ocelli duo subter-
minales. Cervix supra rimis obsoletis (pseudorimis) impressa. Mari-
colae. Sp. n. D. obscurus Ousima.
Tetrastemma Hempr, et Ehrbg. Corpus filiforme teretiusculum
v. lineare depressum ; longitudine medioere. Caput diseretum v. sub-
discretum, fovea transversa in medio utriusque lateris; fronte truncata ;
apertura proboscidis in rima Iransversa terminali. Ocelli quatuor, duo
post frontales ante foveas, duo oceipitales. Maricolae. Sp.nn. T. sti-
gmatum-Jesso, T. incisum Cap b. sp.
Cephalonema (nm. gen.). Corpus teretiusculum filiforme.
Caput rhomboidale, antrorsum subeonieum; strietura discrelum; fovea
transversa in ulroque latere. Apertura proboscidis terminalis. Ocelli
duo occipilales. Maricolae. Sp. n. C. brunniceps Hong-kong.
Emplectonema (n.gen.). Corpus longissimum, subfiliforme,
depressum, protenm. Caput subdiscretum, strieturis nullis; fovea longi-
tudinali in utroque margine antero-laterali. Ocelli plurimi. Maricolae.
N. sp. E. riride San Francisco.
b. Foveis nullis.
* Ocelli duo.
Diplomma (n. gen.). Corpus depressiuseulum. Caput dis-
eretum, fronte emarginala, apertura proboscidis terminali. Fissurae
laterales nullae. Ocelli duo; singulus bilobatus, quasi ex duobus
eompositus. (Cerebella cervienlia, valde remota. Cavum intestinale
ongustius; cava genitalia ampla.) Maricolae. Sp. n. D. serpentina
Loo Choo.
138 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Dicelts (n. gen.). Corpus lineare, depressiusculum, utrim-
que obtusum. Caput continuum v. subdiscretum, fronte emarginata,
apertura proboscidis terminali. Ocelli duo simplices, rotundati, sub-
terminales. Maricolae. Sp. n. D. rubra Japan.
*= Ocelli plurimi.
Polystemma lempr. et Ehrbg. Caput strietura a corpore dis-
eretum, parte anteriore subeontracla, valde extensibili, extremitate ob-
tusa, apertura proboseidis terminali. (Cauda saepius non dilatata.)
Sp. n. P. sinuosum Hong-kong.
Polina (n. gen.). Corpus valde contractile, depressiusculum,
longitudine mediocre. Caput discretum v.subdiseretum, strietura nulla;;
apertura-proboscidis terminali in margine frontali inferiore. Pro-
boseis laevis. Ocelli in acervos qualuor aggregati. Maricolae. Sp. nn.
P. rhomboidalis Port Jackson, P. grisea Norfolk, P. cervicalis Japan.
Tatsnoskia (n. gen.). Corpus depressum. Caput subdisere-
tum. Apertura proboseidis terminalis eruciata. Ocelli in acervos duos
lineares, antice convergentes ; posteriores usque maiores. Maricolae.
Sp. n. T. depressa Jesso.
Cosmocephala (n. gen.). Caput depressum, longitudine me-
dioere, minus contractile. Caput continaum vel subdiscretum, macu-
lis angularibus v. fasciis saepius ornatum. Apertura probosecidis in
margine frontali inferiore sita. Proboseis laevis. Cervix utrimque
pseudorimis inconspieuis (lineis impressis incoloratis) instruetus. Ocelli
minus conspieui, ut plurimum in margine capitis antero - laterali dis-
positi. Species maricolae, maxima ex parte boreales. Sp. nn. €. Be-
ringiana, C. Japanica.
3. Ciliati.
Rotiferi.
Gosse’s Abhandlung „on the dioecious character of
the Rotifera® (Transact. roy. Soc. 1857. II. p. 313—325, mit
2 Tafeln) enthält die schon im letzten Jahresberichte ($. 212)
erwähnten Beobachtungen unsers Verf.’s über die Zwergmänn-
chen zahlreicher Rotiferen.
Wir ersehen daraus u. a., dass auch die von Leydig als Ju-
gendzustände einiger Brachionusarten (B. rubens und Backeri) be-
schriebenen Individuen, wie schon Cohn früher vermuthet hatte,
solche männliche Thiere darstellen (eine Thatsache, die wir um so
mehr hervorheben müssen , als die betr. Abbildungen Leydig’s mit
ihrer Interpretation auch in V. Carus, Icon. zoot. Tab. VIIL, Fig. 35
übergegangen sind). Es scheint übrigens, als wenn die Männchen
von Brachionus — und Gleiches gilt auch von einigen andern For-
men — sehr wenig vollständig organisirt wären, und namentlich auch
der ‚Flimmergefässe entbehrten. Eine besondere Auszeichnung der
männlichen Rotiferen besteht in der stärkeren Entwickelung des
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 139
Räderorganes; auch die Bewegungen derselben sind schneller und
ungestümer, als die der Weibchen. Die Thatsache, dass bei den mit
anhängenden Eiern verschenen Weibchen entweder nur männliche
oder nur weibliche Eier gefunden werden, findet auch bei unsern
Verf. ihre Bestätigung, doch lässt es derselbe unentschieden, ob diese
beiderlei Eier immer nur von verschiedenen Individuen gelegt wer-
den. Es sei ja auch möglich, dass die Begattung auf die Natur der
Eier influire. Die meisten der vom Verf. beobachteten Männchen
wurden aus solchen, den Weibchen anhängenden Eiern erzogen ; auch
wurde bei einigen Formen, wie schon früher, der Coitus beobachtet.
Unter den beschriebenen und abgebildeten männlichen Formen gehört
eine zu einer neuen Art desGen. Brachionus. Br. angularis Gosse. Die
Notommata Sieboldii Leyd. rechnet Verf. zu seinem Gen. Asplanchna
(J. B. XXI. S. 364). Ebenso wird gelegentlich die Identität des
Gen. Saceulus Gosse (ibid.) mit Ascomorpha Perty (ibid.) hervor-
gehoben.
Leydig publieirt (Archiv für Anat. u. Physiol. 1857.
S. 404, Taf. XVI, Ann. and Mag. nat. hist. T. XX. p. 288)
einen Aufsatz „über Hydatina senta und deren Männchen
(Enteroplea hydatina) mit Bemerkungen über die äusscre
und innere Organisation dieser Thiere“, durch welche die
Angaben von Cohn (J. B. XXIl. S. 392) in manchen Ein-
zelnheiten berichtigt werden.
Besonders hervorzuheben sind die Bemerkungen Verf.'s über
den Bau des Räderorganes und die männlichen Organe. Den schon
von Cohn beschriebenen Suspensor testis, der sich bis zur Stirnwand
fortsetzt, nimmt Verf. — und allem Anschein nach mit Recht — als
Rudiment des Darmkanals in Anspruch. Die „Harnconeremente“ liegen
im Innern dieses stranglörmigen Rudimentes, dem der Hoden ange-
wachsen ist, und keinesweges in einem besonderen sackförmigen Be-
hälter; eine Thatsache, die wohl geeignet erscheint, denselben die
Bedeutung von Excretionsstoflen zu sichern. f
Ehrenberg fand in den von Gebr. Schlagintweit
auf der Höhe des Himalaya (18000°) gesammelten Erdspuren
u. a. auch augenlose Callidien, die mit denen der Monte-
Rosa-Spitzen meist identisch zu sein scheinen. Berl. Monals-
ber. 1857. S 585.
Leidy giebt eine kurze Notiz über ein eigenthümliches
C/s‘” grosses) Thierchen, Dictyophora (n. gen.) voraz
n, sp., das durch die Bildung und die beständige Bewegung
seiner Schlundkiefer, wie durch andere Charaktere den Ro-
tiferen verwandt scheint, statt des Räderorganes jedoch am
140 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
abgestutzten Vorderleibsende ein becherförmiges Greiforgan
trägt, das nach hinten in die Mundöffnung hineinführt und
in den Körper zurückgezogen werden kann. Es lebt im flies-
senden Süsswasser Nord- Amerikas (Delaware) und ist an
Steinen und abgestorbenen Stämmen befestigt. Proc. Acad.
Philad. 1857. p. 204.
Nach einer vorläufigen Mittheilung von Semper ist
der von Ehrenberg als Rotifere beschriebene Cyphonau-
tes compressus die Larve einer Lamellibranchiate. Bull. Ac.
de Belg. 1857. Dec. (l’Inst. 1858. p. 98). Ref. halte in Hel-
goland Gelegenheit, dieses Thier gleichfalls zu beobachten
und kann wenigstens so viel bestätigen, dass es mit einem
Räderthiere nicht das Geringste gemein hat. Der Körper ist
von einer förmlichen Schale bedeckt, die bei Druck leicht
in ihre zwei Seitentheile zerfällt und nach Aussehen und
Festigkeit an einen Kieselpanzer erinnert.
Bryozoa.
Die schon im letzten Jahresberichte beiläufig erwähnte
Abhandlung von Allman, a monograph of the fresh-water
Polyzoa. London 1856 (119 Seiten in Fol. mit 11 Tafeln)
liefert nicht bloss eine sorgfältige, auf langjährige eigne
Untersuchungen basirte Beschreibung aller bis jetzt bekannt
gewordenen Arten dieser interessanten Thiergruppe, sondern
behandelt auch in möglichst vollständiger Darstellung deren
Organisation, Fortpflanzung, Lebensweise u. s. w. (Für die
früheren Mittheilungen unsers Verf. über denselben Gegen-
stand verweist Ref. auf J. B. Bd. XX. S. 366.) Die Ray
Society hat sich durch Publication dieses classischen Werkes
ein ganz besonderes Verdienst erworben.
Die Körperwand der Süsswasser-Bryozoen besteht überall, mit
Ausnahme der frei beweglichen Cristatella, aus zwei über einander
liegenden Schichten, einer äussern, meist erhärteten (nur bei Lopho-
pus gallertartigen) Chitinschicht und einer zelligen, von Muskelfa-
sern (2?) durchsetzten Innenlage, die an manchen Stellen, wie nament-
lich im vordern Körperende, vielleicht selbst in ganzer Ausdehnung,
-mit Flimmerhaaren versehen ist. Scheidewände zwischen den ein-
zelnen Thierzellen sind nicht bloss bei Paludicella, sondern auch sonst
nicht selten nachzuweisen, nur erscheinen dieselben meist viel weni-
ger vegelmässig und vollständig. Ein Pharynx findet sich unter den
Süsswasserbryozoen nur bei Paludicella, bei der auch das Pylorialende
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 141
des Magens flimmert, während sonst die Wimperung nur auf den
Mund und den anliegenden Theil des Oesophagus beschränkt ist.
Paludicella (und Urnatella?) ist auch die einzige Süsswasserart, bei
der die Mundklappe (epistome) und die bilaterale Bildung des Ten-
takelapparates, die auch bei Fredericella noch deutlich nachweisbar
ist, vermisst wird. Die Tentakel, deren Wimperhaare bekanntlich nur
in einer einzigen Reihe stehen, sind hohl und enthalten eine Flüs-
sigkeit, die von der Leibeshöhle in dieselbe übertritt und wohl als
Blutflüssigkeit gedeutet werden muss. Eine Oeflnung der Leibeshöhle
nach Aussen, wie sie von andern Forschern angenommen worden,
konnte nicht nachgewiesen werden. Die Muskeln dienen vorzugs-
weise zum Vorstossen und Zurückziehen des Kopfendes. Sie sind
kräftig entwickelt, zum Theil selbst mit quergestreiften Fasern ver-
sehen. Paludicella, die sich durch Zahl und Verlauf der Muskeln
mehrfach von den übrigen Arten unterscheidet, differirt von denselben
auch durch die Invagination des Kopfendes. Das Ganglion ist ein-
fach oder gelappt. Es entsendet jederseits einen deutlichen Nerven
an die hufeisenförmige Kopfscheibe mit zahlreichen Zweigen für die
einzelnen Tentakel und ausserdem noch einen Nerven an den Oeso-
phagus. Männliche und weibliche Geschlechtsorgane sind (Alcyonella
und Paludicella) in derselben Zelle mit einander vereinigt; unsere
Süsswasserbryozoen sind also Hermaphroditen. Die mit zahlreichen
Eikeimen erfüllten Ovarien sind an der Innenfläche der vorderen Kör-
perwand befestigt, während die Hoden mit ihren Samenkapseln ent-
weder auf einem von dem Magengrunde abgehenden Bande aufsitzen
(Aleyonella) oder sich an der Insertionsstelle dieses Bandes gleich-
falls der inneren Körperfläche anheften. Im letzten Falle (Paludicella)
geht auch von dem Ovarium ein strangförmiges Ligament an den Car-
diacaltheil des Magens. Samenfäden und Eier gelangen nach ihrer
Reife in die Leibeshöhle, wo auch (Aleyonella fungosa) die Befruch-
tung und Entwicklung vor sich geht. Das befruchtete Ei unterliegt
den Furchungsprocesse und verwandelt sich in einen flimmernden Em-
bryo, der noch eine längere Zeit von der ursprünglichen Dotterhaut
umhüllt bleibt. Nach der Entwickelung der Flimmerhaare entsteht im
Innern des ovalen Embryo ein lichter Hohlraum, der an dem einen
Pole nach Aussen hindurchbricht. Die innere Auskleidung dieses
Hohlraums erhebt sich sodann in Form eines ansehnlichen Zapfens,
der aus der Oeflnung des llimniernden Körpers hervorwächst, Anfangs
aber auch gelegentlich wieder in denselben zurückgezogen wird und
schliesslich in seinem vordern Ende durch eine Art Knospung das
eigentliche Thier (polypide) mit Tentakelapparat und Darmkanal ent-
wickelt. Gewöhnlich folgt der Entwicklung dieses einen Thieres als-
bald auch noch die eines zweiten, das dann neben dem ersten in den
Innenraum des Zapfens hineinhängt, ganz wie der gewöhnliche Knos-
142 Leucekart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
pensprössling in seine Zelle, die vor ihm aus dem gemeinschaftlichen
Stamm (coenoecium) hervorkam. Ueberhaupt scheint die Bildung dieser
beiderlei Sprösslinge in einer wesentlich übereinstimmenden Weise
zu geschehen und zwar durch Verdickung und Metamorphose der
zelligen innern Leibeswand (endocyst).
Die sog. hartschaligen Eier (statoblasts) hält Verf. für abfal-
lende Knospen, die keiner Befruchtung bedürften (p.57). Sie ent-
stehen zu gewissen Zeiten an dem von dem Magenblindsacke abge-
henden Strange und erscheinen von Anfang an als Zellenhaufen ohne
Keimfleck und Keimbläschen, die man an den wahren, erst von Verf.
entdeckten Eiern mit Bestimmtheit nachweisen kann. Eine Dotter-
klüftung scheint bei diesen Fortpflanzungskörpern nicht vorzukom-
men, wie denn auch weiter die jungen Thiere, die aus den klaffen-
den Schalen derselben hervorbrechen, bekanntlich gleich von Anfang
an ihre spätere Bildung haben. Bei einigen Arten findet sich ausser
den gewöhnlichen, frei in der Leibeshöhle enthaltenen Statoblasten
auch noch eine zweite Form dieser Körper an der Innenfläche der
Körperwand befestigt.
Wenn Verf. aus seinen Beobachtungen über die Entwickelung
der Bryozoen den Schluss zieht, dass diese Thiere (p. 41) keine so
einfache morphologische Individualität besitzen, wie man gewöhnlich
annahm, so ist er dazu gewiss vollkommen berechtigt. Aus dem be-
fruchteten Ei entsteht zunächst nur der flimmernde Embryo, der sich
durch Ausscheidung einer äusseren Chitindecke in die Thierzelle ver-
wandelt und erst durch Knospung in seinem Innern das Polypid d.h.
das tentakeltragende Thier mit Verdauungsapparat entwickelt. Es
sind also zwei Generationen polymorpher Individuen, die das Bryozoon
im gewöhnlichen Sinne des Wortes zusammensetzen, ganz ähnliche
Verhältnisse also, wie sie auch bei den Blasenwürmern vorkommen.
(Verf. hätte zur Unterstützung seiner Ansicht hier auch auf die sog.
Avicularien verweisen können , deren” individuelle Natur an einem
anderen Orte, S. 54 ausdrücklich anerkannt wird.) Aber Verf. bleibt
dabei nicht stehen. Er glaubt sich berechtigt, auch das Ovarium,
das in einer dem Polypiden -wesentlich gleichen Weise an dem En-
docyst entsteht, als eine individuelle Bildung in Anspruch zu neh-
men und möchte dieselbe Auflassung sogar auf den Hoden übertragen,
obwohl dieser nicht an der Thierzelle, sondern vielmehr am Polypi-
den hervorknospet.
Was die systematischen Beziehungen der Bryozoen betrifft, so
entscheidet sich Verf. mit aller Bestimmtheit für die Molluskenna-
tur derselben. Er legt dabei das Hauptgewicht auf die Aehnlichkeit
der Bryozoen mit den Ascidien und glaubt eine vollständige Homo-
logie beider Gruppen nachweisen zu können (p. 43sq.), wie er das
auch schon früher (J. B. XX. S. 356) versucht hat.
ut
1 a ne nn
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 143
Eine besondere eingehende Behandlung findet auch die Ge-
schichte unserer Kenntnisse über die Süsswasserbryozoen (p.56—75).
Die Mittheilungen desselben Verf’. „on the signifi-
calion of the so called ova of the hippocrepian Polyzoa
and on the development of the proper Embryo in Ihese ani-
mals“ (Rep. br. Assoc. at Glascov. Lond. 1556. p. 118) enthal-
ten, den vorstehenden Beobachtungen gegenüber, nichts Neues.
In Carus, Icon. zoot. Tab. XV1l. Fig. 1—6 sind gleich-
falls von demselben Verf. einige Abbildungen über Bryo-
zoen publieirt, von denen wir namentlich die Fig.1, Plu-
matella repens in ihrer Zelle, als eben so gelungen, wie
instructiv hervorheben.
Allman liefert auch einige Notizen über denBau von
Pedicellina und macht darauf aufmerksam, dass sich dieselbe
durch den Bau des Tentakelapparats, durch Anwesenheit der
Mundklappe und Mangel des Pharynx weit mehr den Süss-
wasserbryozoen mit hufeisenförmiger Kopfscheibe, als den
übrigen marinen Formen anschliesse. Der Bau des Ten-
takelapparates ist aber insofern eigenthümlich, als die bei-
den Schenkel des Hufeisens hier den After umfassen, und
dieser dadurch auf die Kopfscheibe zu liegen kommt. Der
Leberbelag des Magens ist in der kleinen Curvatur zu einer
ansehnlichen Drüsenmasse entwickelt. Zwischen Oesophagus
und Ganglion öffnet sich ein Flimmerkanal, dessen weiterer
Verlauf nicht verfolgt werden konnte, vielleicht der Stamm
eines Wassergefässsystems. A monograph etc. p. 19 sq. Note
Coder Edinb. new phil. Journ. VI. p. 155; Proc. Edinb.
Soc. 1857).
Redfern hält auf der Brittischen Naturforscherver-
sammlung in Dublin einen Vortrag über den Bau von Fru-
sirella, ohne seineBeobachtungen jedoch in detaillirter Weise
zu publieiren. Journ. mier. Sc. VI. p. 79.
Allman proponirt in der oben schon angezogenen Monogra-
phie (p. 10) folgende Eintheilung der Bryozoen :
A. Phylactolaemata. (Nippocrepia Gerv. p. p.) Lophophore bila-
teral; mouth with an epistome.
1. Lophopea. Arms of lophophore free or obsolete.
2. Pedicellinea. Arms of lophophore united at the extremities,
B. Gymnolaemata. (Infundibulata Gerv. p. p.).
3. Urnatellea. Polypide only partially vetractile ?
144 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
4. Paludicellea. Polypide completely retractile; evagination of
tentacular sheath imperfect.
5. Cycelostomata. Polypide completely retractile; evagination
perfect; orifice of cell destitute of moveable appendage.
(Adde: Position of the orifice of the cell terminal. Cells
arise by gemmation one from the other.)
6. Ctenostomata. Polypide completely retractile; evagination
perfect; a circle of setae attached to the invertible por-
tion and acting as an opereulum in the retracted state.
(Adde: orifice terminal. Cells arise each separately from
a common tubular stam, with whose cavity that of the cells
communicates.)
7. Cheilostomata. Polypide completely retractile ; eyagination
perfect; orifice of the cell with a moyeable lip. (Adde:
Position of the orifice of the cell sub-terminal. Cells arise
by: gemmation one from another.)
(Die Zusätze sind nach den Bemerkungen des Recensenten in
dem Journ. mier. Sc. VI. p. 36 hinzugefügt.)
Die Süsswasserformen vertheilen sich dabei folgendermaassen :
Lophopea:
Fam. Cristatellidae. Conoeeium free, locomolive.
Gen. Cristatella Cuv. Conoecium sacciform, hyaline, with
a common flattened dise adapted for locomotion; orifices placed on
the surface opposide to the disc, and arranged in several concentrie
marginal series. Statoblasts orbicular, with an annulus and marginal
spines.
Sp. Cr. mucedo Cuyv. (= Cr. mirabilis Dal.)
Fam. Plumatellidae. Conoecium rooted.
Gen. Pectinatella Leidy. Lophophore with two long arms,
Conoecium massive; ectocyst gelatinoid ; statohlast orbieular, with
marginal spines.
Sp. P. magnilica Leidy.
Gen. Lophopus Dum. Lophophore with two long arms,
Conoecium saceiform; ectocyst gelatinoid; statoblasts oval, destitute
of spines.
Sp. L. erystallinus Pall,
Gen. Aleyonella Lam. Lophophore with two long arms.
Conoecium tubular, tubes united ; ectocyst pergamentaceous.
Sp. Alec. fungosa Pall., Alec. Benedeni Allm., Alc. fabellum
van Ben.
Gen. Plumatella Lam. Lophophore with two long arms.
Conoecium tubular, tubes distinet; ectocyst pergamentaceous.
Sp. Pl. repens Linn, (= Pl. nitida Leidy ?) Pl. strieta Allm.
(= Pl. repens van Ben.), Pl. punctata Hank. ,, Pl. vesieularis Leidy,
Pu
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 145
Pl. fruticosa Allm., Pl. coralloides Allm., Pl. emarginata Allm., Pl.
diffusa Leidy, Pl. Allmanni Hank., Pl. elegans Allm., PI. Dumortieri
Allm., Pl. jugalis Allm.
Gen. Fredericella Gerv. Arms of lophophore obsolete.
Sp. Fr. sultana Blumenb.
Urnatellea.
Fam. Urnatellidae.
Gen. Urnatella Leidy (J. B. XXII. p. 405).
Sp. U. gracilis Leidy.
'Paludicellea.
Fam. Paludicellidae.
Gen. Paludicella Gerv. Conoecium membrano - corneous
branched; branches composed of a series of claviform celles placed
end to end and separated from one another by complets septa;
orifices tubular, lateral, placed near the wide extremity of each
eell. Lophophore orbicular, no epistome or calyx. Statoblasts no
observed. Sp. P. Ehrenbergi van Bened. (= P. procumbens Hank. ?)-
Alle 21 Arten sind auf der nördlichen Halbkugel zu Hause.
Alder beschreibt in dem Quarterly Journ. mier. Se. V. p. 247
folgende Bryozoen der engl. Küste:
Membranipora membranacea Linn. , M. lineata Linn., M. spini-
fera Johnst., M. eraticula n. sp., M. Pouilletii Aud., M. unicornis
Flem., Bugula fastigata Fab., Salicornia sinuosa Hass., Alcyonidium
mamillatum n. sp., A. albidum n. sp., Farella pedicellata n. sp. (Die
drei letzten Species sind — nach Alder — schon früher von Busk
beschrieben. Ibid. p. 24., J. B. XXIII. S. 213).
Derselbe liefert ferner Beschreibung und Abbildung einer
neuen Art des Gen. Bugula, B. turbinata Ald. Ibid. p. 174.
Auch Hinks veröffentlicht Beobachtungen über einige neue
brittische Bryozoen: Sceruparia clavata und Alcyonidium hexagonum.
Ibid. p. 175, mit Bemerkungen über Farella elongata (Laguneula cl.
van Bened.). Ibid. p. 250.
Weitere neue Bryozoen werden von Bu sk beschrieben (ibid.
V. p.172): Onchopora Sinclairii Neu- Seeland, Lepralia Ihyreophora
ebendaher.
Macdonald handelt (Ann. and Mag. nat. hist. T. XIX. p. 390)
über ein mit Vesicularia und Bowerbankia verwandies neues Bryo-
z00n der Australischen Küste,
Alder's Verzeichniss der an der Küste von Northumberland
vorkommenden 86 Bryozoen (Transact. Tyneside Natur. Field Club
18567) ist Ref; nicht zu Gesicht gekommen. Ebenso wenig Trask
über Californische Bryozoen Proc, Cal, Acad. Vol...
Archiv f. Naturgesch. XXIV. Jahrg. 2. Bd K
146 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
< HE. Echinodermata.
Nach den Beobachtungen Kölliker’s (Untersuch. zur
vergl. Gewebslehre S. 40) tragen die Cylinderzellen des Tra-
etus intestinalis bei den Echinodermen mehr oder minder
stark verdickte Epithelialsäume und Flimmerhaare, doch scheint
es, dass diese Bildungen mitunter auf verschiedene Zellen
vertheilt sind. (Bei Holothuria tubulosa konnte keine Flim-
merung gefunden werden.) Ganz ebenso verhalten sich auch
die Epithelialzellen der Magenanhänge bei den Asteriden.
Auch auf der äusseren Körperhaut der Echinodermen
liess sich an vielen Stellen, besonders den Füsschen und Pe-
dicellarien, eine zarte Cuticula nachweisen. Ebendas. $.50.
Williams überzeugt sich durch Beobachtungen und
Experimente davon , dass der Madreporenkanal der Echino-
dermen nicht, wie man bisher annahm, zur Wassereinfuhr,
sondern vielmehr zur Ausscheidung diene. Ann. and Mag.
nat. hist. T. XIX. p.55.
Verf. brachte einen lebenskräftigen Seestern in ein Gefäss, das
er sodann bis an die Madreporenplalte mit Wasser füllte und sah nun,
wie die Oberfläche des Wassers von Zeit zu Zeit durch Wellen, die
von der Madreporenplatte ausgingen, in Bewegung gerieth. Ein Ein-
strömen des Wassers konnte nicht beobachtet werden. (Auch bei den
Nemertinen soll durch die seitlichen Spaltöflnungen das Wasser aus-
treten und keineswegs einströmen.)
Lütken publicirt (Separalabdruck aus den Vedenskab.
Meddelelser for 1857. p. 1 f.) „Oversigt over Grönlands Echi-
nodermata samt over denne Dyreklasses geographiske og ba-
thymetriske Udbredningsforhold i de nordiske Have“, Kjöben-
havn 1857 (109 Seiten in 8. mit 1 Karte), und liefert darin
ausser einer sorgfältigen, mit zahlreichen kritischen Bemer-
kungen durchwebten Beschreibung der bisher an der Grön-
ländischen Küste beobachteten Echinodermen (p. 1—56) eine
Abhandlung über die geographische (p. 56—99) und bathy-
metrische Verbreitung dieser Geschöpfe, die in vielfacher
Beziehung, nicht bloss als Beitrag zur Kenntniss der nordi-
schen Fauna, unser Interesse in Anspruch nimmt.
Wir heben daraus die Bemerkung hervor, dass die Seesterne
(Ophiuren und Asteriden) das arctische Clima besser ertragen, als, die
der niederen Thiere während des Jahres 71857. 147
Seeigel und Holothurien und einen weit grösseren Theil der nordischen
Fauna ausmachen, als das in den tropischen Gewässern der Fall ist.
Die grösste geographische Ausbreitung besitzen: Cucumaria frondosa,
Psolus phantopus, Echinus dröbachiensis, Cribrella sanguinolenta, So-
laster endeca, S$. papposus und Ophiopholis aculeata, von denen
einige sogar circumpolar sind, während die mehr südlich vorkom-
menden Arten entweder nur der westlichen oder der östlichen Hemi-
sphäre angehören. Die genannten Arten leben alle in einer nur we-
nig beträchtlichen Tiefe, wie denn Verf, überhaupt der Ansicht ist,
dass die Bewohner der grösseren Meerestiefen eine geringere geo-
graphische Verbreitung besitzen, als die mit Temperaturdifferenzen
mehr vertrauten höher lebenden Arten.
Philippi giebt ein Verzeichniss der bis jetzt von Chili
bekannten (9) Seeigel und (7) Seesterne und beschreibt dabei
zugleich „vier neue Echinodermen des Chilesischen Meeres.“
Dieses Archiv 1857. I. S. 130.
Ebenso M’Andrew und Barrett über die von ihnen
zwischen Drontheim und dem Nordkap mittelst des Schlepp-
netzes gefischten Echinodermen: 6 Holothurien, 8 Seeigel,
12 Asteriden und 7 ‚Ophiuren. Die neuen Arten (1 Holo-
thurie und 3 Asteriden) sind von Barrett beschrieben. Ann,
and Mag. nat. hist. T.XX. p.43 ff. Tab. IV.
Stimpson zählt in „the Crustacea and Echinodermata
of Ihe pacific shores of North America.“ Cambridge (92. mit
6 Tafeln, Separatabdruck aus Journ. Bost. Soc. nat. hist.
Vol. VI) 12 Holothurien, 9 Seeigel und 10 Asteriden auf,
unter denen mehrere neue Arten, für die wir auf die ein-
zelnen Gruppen verweisen. Zwei Ophiurenarten, die dersel-
ben Fauna angehören, konnten nicht näher bestimmt werden,
41. Scytodermata.
Kölliker beschreibt eigenthümliche runde Körper-
chen von '/,’, die an den Darın- und Lungengelässen der
Holothuria tubulosa ansitzen und je zwei keimbläschenartige
Gebilde in sich einschliessen. (Sind nach neueren Untersu-
chungen Gregarinen.) Zeitschrift für wissensch. Zoologie IX.
S. 138.
Derselbe berichtet (Unters. zur Gewebslehre $. 78)
über die Eier dieses Thiers und giebt an, dass die Micropyle
148 Leuckart: Berichtüber die Leistungen in der Naturgeschichte
hier nicht: durch Abschnürung der Eikapsel entstehe, son-
dern sich oftmals an dem der Anheftungsstelle gegenüberlie-
genden Pole bilde.
Von Held erhielten wir eine genaue Beschreibung und
Abbildung der in der Haut der Synapten vorkommenden
Kalkkörperchen. Nach Untersuchungen an S. Duvernaea, S. di-
gitata, $S. Rappardi, $. Zebrina, S. Raynaldi, S. intestinalis,
S. Beselii und $. Astrolabi, die in mancherlei Weise durch
Grösse und Form des Ankers, wie durch die Bildung der
Platte mit ihrem Bügel von einander abweichen. (Viertel-
jahresheft der naturf. Gesellsch. in Zürich 1857. $. 243— 272.
Tab. I.)
Sars liefert (Middelh. Litt. Fauna l. c. p. 120—155.
Tab. 1u. 2.) eine sorgfältige, auf genaue Untersuchung und
Vergleichung mit verwandten Arten gegründete Beschreibung
folgender Miltelmeerischen Holothurien:
Cucumaria doliolum Grube, €. syracusana Gr., C. Diequemarii
Cuv., ©. tergestin« n. sp., C. cucumis Risso?, C. elongata Dub. et
Kor., Thyone fusus Müll. , Phyllophorus urna Gr. (= Hol. peniecillus
delle Ch.), Ph. granulalus Gr., Holothuria tubulosa Gmel., H. vegalis
Cuv., Synapta digitata Mont. Eine besondere Berücksichtigung finden
dabei die für unsere Thiere so charakteristischen Kalkkörperchen, die
bei jeder Art untersucht und abgebildet wurden. Der Beschriebung
folgt fast überall eine in lateinischer Sprache abgefasste Diagnose,
die, nach des Verf’s Untersuchungen, hier auch von Neuem, und zwar
in folgender Weise, für das Grube’sche Gen. Phyllophorus aufge-
stellt wird:
Gen. Phyllophorus Gr. Coıpus elongatum subeylindricum vel
fusiforme , pedibus per tolam superficiem sparsis. Tentacula 12—16,
frondoso-ramosa, saepius inaequalia, et intra ca eirculus tentaculorum
5—6 (saepissime 5) longe minorum. Annulus calcareus oris obconi-
ceus, e laminis 10 eonstans, quarum 5 alternantes latiores deorsum
appendicibus duabus longis ornatae sunt. In cute corporis et laterum
pedum laminae calcareae ant rarae, sparsae, saepius fere nullae, aut
in lateribus pedum dense accumulatae; in apice pedum semper discus
calcareus reticulatus, in tentaculis aciculae sparsae oceurrunt. Tubi
genitalessimplices; apertura genitalis in papilla conica in medio collo.
Ebenso beschreibt Lütken in seiner systematischen
Uebersicht der Grönländischen Echinodermen folgende Holo-
thurien (p. 1—24):
Cucumaria frondosa Gunn. (= Holothuria pentactes Fabr.), C.
Korenii n. sp., C. minuta Fabr, (= Ocnus Ayresii Stimps. J. B. XXIII.
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 149
5.405). Oreula Barthii Trosch., Psolus phantapus Fabr., Ps. Fabricii
Dub. et Kor. (= Cuvieria squamata Auct.), Chirodota laevis Fabr.,
Myriotrochus Rinkii Steenstr.. Eupyrgus scaber n. gen. et. n. sp.
Das letzte neue Genus charakterisirt sich durch seinen kzulenförmi-
gen, fusslosen Körper, dessen vorderes Ende mit einem Kranze unver-
ästelter/Fühler besetzt ist. In der Haut eine dichte Lage durchlöcher-
ter Kalkplatten, deren Ränder sich in eine kegelförmige rauhe Spitze
erheben. Bei Cucumaria minuta und Chirodota laevis sind die in
Kopenhagen vorhandenen Handzeichnungen von 0. Fabricius in
Holzschnitt wiedergegeben.
In einer Nachsehrift (Vidensk. Meddel. p. 338) wird hervorge-
hoben, dass Chirodota discolor Eschsch. nicht, wie Verf. ursprünglich
vermuthet hatte, mit Ch. laevis identisch sei, und sich besonders durch
die beträchtlichen Grössenunterschiede der Kalkrädchen als selbststän-
dige Species erweise,
Ayres macht einige Bemerkungen über mehrere früher von
ihm beschriebene Holothurien (J. B. Bd. XX. 8.359) und erklärt Bo-
thryodactyla grandis jetzt für identisch mit Pentacta frondosa, so wie
Selerodactyla briareus für identisch mit Anaperus carolinus Troschl.
Duasmodactyla Ayr. soll nicht mit Thyonidium , sondern zumeist mit
Oreula Troschl. übereinkommen, ohne Veränderung der Charakteristik
damit aber nicht vereinigt werden können. Proceed. Califormian Acad.
nat. sc. Vol.I. (1854 u. 1855) p: 98.
Von neuen Arten ist weiter noch zu erwähnen:
Cuvieria antaretica Philippi, a. a. 0. S. 133.
Holothuria. califormica und Liosoma arenicola Stimpson,
l. ce. p. 84.
Eupyrgus hispidus von Norwegen, Barrett, Annals and Mag.
nat, hist. T. XX. p. 46.
2. Aectinozoa.
Echinida,
M. de Serres überzeugt sich, dass Echinus lividus
auch im Mittelmeere mitunter, freilich nur selten, Höhlen im
Gesteine bildet und glaubt, wie Cailliaud, dass solches
mittelst des Zahnapparates geschehe. Cpt. rend. T.XLIV.
p- 72 (vgl. J. B. Bd. XXXII. S. 218.)
Aus den weiteren Berichten von Cailliaud (ibid.
T.XLV. p.474) scheint in der: That hervorzugehen,, dass
diese Bohrfähigkeit sehr allgemein unter den Echinen ver-
breitet sei. $o namentlich ‘bei’ Eehinus Dalandii und E.
Blanchardii Mus, Par, vom Cap und aus Neu-Holland, E, tri-
150 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
gonarius von Isle Maur. , Helicocidaris mexicana und Dia-
dema turcarum. '
Für die Kenntniss der mittelmeerischen Echiniden und
deren Unterscheidung von verwandten Arten besonders wich-
tig sind die Bemerkungen von Sars in dem Nyt Mag. for
Naturvidenskab. 1. c. p. 109—120.
Verf. beobachtete während eines längern Anfenthaltes in Triest,
Messina und Neapel folgende Arten: Cidaris hystrix Lamk. (von der
nordischen €. papillata Flem. wohl zu unterscheiden), €. affınis Phil.
= C. Stokesii Ag.), Echinocidaris aequitubereulatus (= E. neapoli-
tanus delle Ch.) , Echinus melo Lamk. (von dem nordischen E. escu-
lentus L. = C. melo Müll. verschieden). E. Flemingii Forb., E. bre-
vispinosus Risso (dem E. granularis Lamk. nur mit Unrecht als Va-
rietät zugerechnet wird), Echinus lividus Lam, Forb. (keineswegs
mit dem nordischen E. dröbachiensis Müll. = E. neglectus Lamk.
identisch), E. microtubereulatus Bl. (von dem nordischen E. miliaris
verschieden), Echinoceyamus pusillus Müll., Brissus Seillae Ag. (=
Spatangus carinatus Gr.), Amphidotus mediterraneus Forb. (nicht =
dem nordischen A. cordatus Penn.), Schizaster canaliferus Lamk.,
Spatangus meridionalis Risso (von dem nordischen 8. purpureus Müll.
verschieden).
Ueber Echinns dröbachiensis Müll. und dessen Vorkommen in
Grönland vergl. Lütken, Oversicht over Grönl. Echinod. p. 24.
Echinus purpuratus n.sp. San Franzisko, Stimpson, ]. c. p. 86.
Echinus magellanieus n.sp. und Arbacia (Echinocidaris) Schy-
thei n. sp. beide aus der Magallans-Str., Philippi, a. a. O. 8.131.
Ebendas. Bemerkungen über Echinocidaris spathuliger Gay. 4
Barrett veröffentlicht einige Notizen über Amphidotus gibbo-
sus Ag. Ann. and Mag. nat. hist. T. XIX. p.83. Pl. VII. Fig. 2.
Grube über Brissus panis n.sp., dieses Arch. 1857. I. 8.344.
Asterida.
Nach Krohn geht bei den unter dem Namen Brachio-
laria und Bipinnaria (von Triest und Marseille) bekannten
Asteridenlarven der Larvenrest durch allmähliche Resorption
und nicht durch Abstossung verloren. Archiv für Anat. und
Physiolog. 1857. S. 374. Anm.
Mad. Power berichtet über die Nahrungsaufnahme der
Asterias aurantiaca und giebt an, dass dieselbe grosse Quan-
titäten von Gasteropoden verzehre. Ann. and Mag. nat. hist.
T.XX. p. 335.
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 151
Nach den Untersuchungen von Williams sollen die
sog. Tracheen der Asteriden in gleicher Weise, wie die im
Umkreise desMundes bei den Echinen stehenden sog. Kiemen,
trotz den widersprechenden Angaben anderer Beobachter,
als Respiralionsorgane dienen. Rep. br. Assoc. 26. Meet.
p- 101, Y’Instit. 1857. p. 62.
Sars liefert ein Verzeichniss der von ihm im Mittel-
meere beobachteten Arten und macht dabei zahlreiche Be-
merkungen kritischer und diagnostischer Natur (Middelh. Lit-
tor. Fauna ]. c. p. 100 - 109).
So besonders über Luidia Savignyi M. etTr. und die nahe ver-
wandte nordische L. Sarsii Dub. et Kor., über Astropecten bispinosus
MN, et Tr., A. spinulosus M. et Tr., A. pentacanthus M. et Tr., A.
subinermis M. et T., Ophidiaster ophidianus M. et Tr., Asteracanthion
tenuispinus M. et Tr.
In ähnlicher Weise handelt Lütken über folgende
Grönländische Seesterne:
Asteracanthion polaris M. et Tr., A. grönlandicus Steenst., A.
problema Steenstr., Cribrella sanguinolenta Müll. (= Echinaster Sarsii
M. et Tr. mit zahlreichen Synonymen), Solaster endeca L., $. pappo-
sus L.. Pteraster militaris Müll., Ctenodiscus erispatus Retz. (= Ct.
polaris et pygmaeus M. et Tr.). Overs. over Grönland’s Echinod.
p- 27—48.
Stimpson beschreibt vier neue Asteriden aus Californien:
Asterias (Asteracanthion M. et Tr.) brevispina , A. gigantea, Linckia
leriuseula und Mediaster (n. gen.) aequalis. L. ce, p.87 ff. (Das
neue Gen. Mediaster, das übrigens nicht näher charakterisirt wird,
scheint zunächst mit Ophrdiaster Ag. verwandt zu sein und dürfte sich
davon vielleicht nicht einmal generisch abtrennen lassen.)
Grube diagnostieirt (Archiv für Naturgesch. 1857. I. S. 340)
folgende neue Asteriden: Astropecten eiliatus Gr. von Puerto Cabello,
Asteropsis imbricata Gr. von Sitcha, Sceytaster cancellatus Asm. Gr.,
Echinaster deplanatus Asm. Gr., Ech. rigidus Asm. Gr., Ech. lacuno-
sus Gr. , Oreaster lapidarius Gr. , die fünf letzten von unbekanntem
Fundorte.
Ebenso Barrett (Ann. andMag. nat. hist. T.XX. p. 46. Tab. IV)
Astropeceten Lutkeni, Astrogonium aculeatum und A. boreale, alle drei
von der Norwegischen Küste,
Goniodisceus verrucosus n. sp. Philippi, a. a. 0. S. 132.
Ophiurida.
Nach Krohn’s interessanter Entdeckung (über einen
152 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
neuen Entwickelungsmodus der Ophiuren, Archiv für Anat.
und Physiol. 1857. S. 369, Taf. XIV) giebt es Ophiuren, die
sich in einer dem Gen. Asteracanthion und Echinaster ganz
analogen Weise entwickeln.
Verf. beobachtete diese jEntwickelungsweise bei zwei Arten,
deren flimmernde Embryonen auf hoher See bei Madeira gefangen
wurden. Der Embryo ist bei beiden Arten keulenförmig, gegen das
eine Ende hin verschmächtigt und abgerundet, an dem andern ent-
gegengesetzten Ende abgestutzt. Der hintere massige Leibesabschnitt
wird immer grösser und verwandelt sich in den Seestern, dem dann
das vordere Ende zapfenartig zwischen zweien Ecken aufsitzt. See-
stern und Zapfen liegen übrigens nicht in derselben Ebene; sie ste-
hen vielmehr unter einem bestimmten Winkel auf einander und zwar
so, dass der Zapfen der Rückenfläche aufsitzt. Bei der einen Art
wächst dieser Zapfen noch eine Strecke weit über die Anlage des
‚ Seesterns hinaus, so dass man denselben noch in einer späteren
Zeit in Gestalt zweier ungleich langer Anhänge über den Rand des
Pentagons hervorragen sieht. Die Mundöffnung entsteht sehr frühe,
noch vor Abflachung des Sternes, am hinteren Ende des Embryo. Die
Zapfen schwinden bei weiterer Ausbildung des Sterns und werden
keineswegs abgeworfen.
Für die von J. Müller beobachtete „wurmförmige Asteriden-
larve“ (J. B.;XX. 8.397) vermuthet Verf., trotz der abweichenden
Körperform, dieselbe Entwickelungsweise und ein gleiches Endziel
der Metamorphose.
Sars liefert eine Reihe systemalisch wichtiger Bemer-
kungen über die von ihm im Mittelmeere aufgefundenen Ophiu-
riden und beschreibt dabei zugleich einige neue Arten (Mid-
delhav. Littor. Fauna |. c. p. 74—100. Mit Abbild.).
Die. beobachteten Arten sind folgende: Astrophyton arborescens
Müll. et Tr., Ophiothrix fragilis 0. Fr. Müll. mit Var. (0. tenuispina
Sars), Ophiavantha scabra n. sp. (mit O0. setosa M. et Tr. nahe ver-
wandt), Ophianoplus annulosus n. gen. et n. sp., O. marmoreus
n. sp. von Tanger , Ophiolepis squamata delle Ch. (= 0. negleeta
Forb.), Amphiura filiformis 0. Fr. Müll., A. Chiajae Forb. (von der
nahe verwandten A. Sundevallii M. et Tr. = A. Holböllii Lütk. spe-
eifisch verschieden), A. (Ophiactis Lütk.) neapolitana u. Sp., A.
(Ophiactis) virens Sars = Ophiolepis Ballii M. et Tr. (nicht Tomp-
son, dessen 0. Ballii eine andere, selbstständige Art ist), Ophjura
eiliata Retz., 0. albida Forb. und Ophioderma longicauda MN. et Tr.
Den vom Verf. schärfer unterschiedenen Artenı sind lateinische Diu-
gnosen beigefügt. Ebenso dem neuen Gen. Ophianoplus, das folgen-
dermaassen charakterisirt ist.
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 153
Gen. n. Ophianoplus Sars. Rimae genitales inter brachia
binae. Fissurae orales ad partem aboralem papillis duris instructae ;
acervus papillarum dentalium sub columnis dentium. Discus omnino
nudus et cute molli tectus, absque seutis radialibus. Brachia scutata,
absque omni molliore integumento, spinis lateralibus laevibus. Pa-
pillae spiniformes ad poros tentaculares.
Für die Grönländischen Ophiuren verweisen wir auf
Lütken, der diese Thiere schon früher einmal (J.B.XX11.5.409)
untersuchle, jetzt aber weitere Bemerkungen mittheilt über:
Ophiura Sarsii Lütk. (dazu auch 0. coriacea Lütk.), O0. squa-
mosa Lütk., O. nodosa Lütk., ©. Stweitzii n. sp., Ophiocten Kroyeri
Lütk.. Amphiura Nolbölli Lütk., Ophiopholis aculeata Müll. (= Oph.
scolopendrica M. et Tr.). Ophiacantha spinulosa Müll. et Tr. (syno-
nym mit O0. grönlandica und 0. arctica M. et Tı.), Ophioscolex sp.,
Astrophyton eucnemisM.et Tr. Overs. over Grönl. Echinod. p. 48—54.
Weitere neue Arten beschreibt Grube (dieses Arch. 1857. 1.
5.343): Ophiocoma variabilis von Woahu, Ophiolepis limbata von
Rio Janeiro, O. sexradia von Honululu, Ophiothriz alba aus der Südsee.
3 Crinoidena.
Beyrich handelt „über die Crinoideen des Muschel-
kalkes“ (Abh. der Berl. Akad. aus dem Jahre 1857. S. 1—51,
mit 2 Taf.) und liefert dabei eine sehr detaillirte Beschrei-
bung des Encrinus liliiformis.
Barrett beschreibt eine neue schöne und grosse Co-
matula: C. Woodwardiü n. sp. Englische Küste. Ann. and
Mag. nat. hist. T. XIX. p. 33. Pl. VIl. fig. 1.
Ueber Comatula europaeaLeach (C. mediterranea Lam.)
und besonders deren Unterschiede von der nahe verwandten
nordischen C. petasus Düb. et Kor. vgl. Sars, Middelh. Litt.
Fauna ].c. p.73.
Lütken giebt einige Notizen über die Grönländische
Alecto Eschrichtii Müll. Overs. over Grönl. Echin. p. 55.
HI. Coelenterata.
Schon der letzte Jahresbericht hat den Beweis gelie-
fert, dass die natürliche Verwandtschaft der Akalephen und
Polypen in immer weiteren Kreisen Würdigung und Aner-
154 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
kennung findet. Wir freuen uns, diesesMal ein Gleiches be-
richten zu können.
Sars spricht (Middelhavets Littoral Fauna l. c. p. 72)
von einem Kreise der Coelenteraten und der Echinodermen als
natürlichen grossen Abtheilungen und Milne Edwards
(bist. natur. des Coralliaires I. p.4) unterscheidet in ähnli-
cher Weise Echinodermen und Coelenteraten als Unterahthei-
lungen der Radiaten, die ihrerseits mit der „Sarcodaires®
(den Spongien und Rhizopoden) zusammen die Gruppe der
Zoophyten ausmachten. Die Coelenteraten zerfallen nach
Milne Edwards am natürlichsten in zwei Gruppen: 1) die
Akalephen mit den Classen der Medusen, Siphonophoren und
Hydren, welche letztere von den hydroiden Medusenammen
wohl zu trennen sind — wo die Ctenophoren oder Acale-
phes ciliogrades M. Edw. bleiben, ist nicht gesagt — und
2) die Corallen oder Polypen, welchen letzten Namen Verf,
jedoch verwirft oder vielmehr nur in einem anderen Sinne,
zur Bezeichnung der Weichtheile (Köpfchen) bei den Bryo-
zoen, Hydroiden, Corallen, kurz allen früheren sog. „Poly-
pen“, gebraucht wissen will.
V. Carus unterscheidet in der Abtheilung der Coelen-
teraten, jetzt gleichfalls, wie Ref., als Gruppen die Hydrome-
dusen, Anthozoen und Ctenophoren, staluirt aber wegen des
— freilich keineswegs constant vorhandenen — Magen-
schlauches zwischen den beiden letztern eine engere Bezie-
hung. Icones zootomicae, einleitende Bemerkungen.
In Betreff der äusseren Bedeckungen der Coelenteraten
ist die Bemerkung von Kölliker (Unters. zur vergl. Ge-
webslehre $. 80) hervorzuheben, dass die meisten dieser
Thiere im ausgebildeten Zustande (Akalephen, Polypen) der
Cuticula entbehrten und ein einfaches Epithel trügen, das
nur bei den Quallenpolypen eine dicke und feste, geschich-
tete Cuticula absondere. (Auch das Achsenskelt der Gor-
goniden dürfte wohl hieher gehören -Ref.)
4: Ctenophorma
Kölliker liefert eine Abbildung der von ihm schon
bei früherer Gelegenheit beschriebenen jungen Rippenquallen,
Icon Zoot. von Carus, Tab. IV. Fig. 27 -29.
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 155
Milne Edwards handelt über den Gastro-Vascular-
apparat der Ctenophoren, besonders der Chiaja Palermitana
n. Sp., Cestum Veneris und Cydippe sp., deren Gefässsystem
ausführlich beschrieben und durch vortreffliche Abbildungen
erläutert wird. (Ref., der über denselben Gegenstand spe-
cielle Studien gemacht hat, sieht sich im Stande, den An-
gaben des Verf. fast bis in’s Detail hinein beistimmen zu
können.) Verf. erklärt den betreffenden ‘Apparat, wohl in
Uebereinstimmung mit der grössten Mehrzahl der Anatomen,
für ein Blutgefässsystem und sucht die entgegenstehenden
Angaben von Will — wie das übrigens nicht Forbes,
sondeh Ref. zuerst geihan hatte — als irrthünlich nach-
zuweisen. Bei Cestum soll übrigens neben den oberen Rip-
pengefässen in Wirklichkeit ein Canal vorkommen, der sich
von Zeit zu Zeil durch einen Seitenast nach Aussen öffne,
jedoch wird dieser Canal als ein Excrelionsorgan in An-
spruch genommen. Annal. des sc. nat. 1857. T. VIl. p. 285
— 298. Tab. 14—16.
Ebendas. spricht Milne Edwards gelegentlich über
das Gen. Chiaja Less. (— Leucothoe Mert.) und dessen drei
bis jetzt bekannte Arten: Ch. papillosa delle Chiaje , Ch.
multicornis Will und Ch. Palermitana n. sp. 1. c. p. 286.
Sars berichtet über die von ihm in Messina beobach-
teten Ctenophoren (Middelhav. Litt. Fauna |. c. p. 70) und
beschreibt als neu: Mnemia elegans (= Eurhamphaea vexilli-
gera Gegenb. J.B. XXIV. S. 229) und Cydippe plumosa (=
C. hemiphora Gegenb.).
2, Hydrasmedusae.
Gegenbaur liefert in den einleitenden Bemerkungen
zu V. Carus, Icon. zoot. eine sehr übersichtliche schema-
tische Darstellung der Morphologie und des Generationswech-
sels bei den Hydrasmedusen. Wir eihpfehlen diese Darstel-
lung namentlich denjenigen, die noch immer an der mor-
phologischen Identität der sg. Geschlechtskapseln mit den sehr
hoch organisirten, selbstständigen Medusen zweifeln. Auch die
über Hydrasmedusen handelnden Tafeln (Ilund III) sind, mit
Ausnahme weniger Figuren , nach Gegen baur’schen, theil-
weise noch unedirten Zeichnungen zusammengestellt.
156 Leucekart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Acalephae.
Nach den Beobachiungen Kölliker's zeigen die in
der Gallertscheibe von Cassiopeia borbonica vorkommen-
den Bindegewebskörperehen deutliche, aber nur langsame
Contractionserscheinungen. Unters. zur vergl. Gewebslehre
S. 121. Dasselbe sah Huxley auch an den Bindegewebs-
körperchen von Cyanea (engl. Uebersetzung von Kölliker’s
mikr. Anat. I. p.- 46. Anm.).
Gegenbaur liefert auf Tab. 1. Fig. 17 der Icones
zoot. von Carus eine Abbildung von Nausithoe albida Ggbr.
CGorbetterklärt die Geschlechtsorgane der phanerocarpen
Medusen für Respirationsorgane und behauptet, dass @iesel-
ben durch besondere centripetale Gefässe versorgt würden.
Rep. br. Assoc. 26. Meet. p. 91.
Sars bespricht in der Versammlung der skandinavischen
Naturforscher in Christiania (dieses Archiv 1857. 1. S. 117,
Nyt Mag. for Naturvidensk. IX. p. 334) die zwischen De-
sor und ihm in Betreff der Medusenentwicklung (Strobila-
Scyphistoma) obwaltenden Differenzen und findet den Grund
derselben, wie Gegenbaur c)J. B. XXIll. S. 234) und
auch früher schon Ref. (J. B. XXII. S. 417), in dem Um-
stande, dass Desor nur ältere Entwickelungsstadien mit be-
reits abgelösten oberen Medusenscheiben vor Augen ge-
habt habe.
Sars giebt ein Verzeichniss der von ihm in Messina
beobachteten Medusen (Middelhavet’s Littoral-Fauna l. c. p. 57)
und macht dabei auf das zwischen bestimmten kleinen Fischen
und gewissen Medusenarten stattfindende Verhältniss aufmerk-
sam, das er als eine Art Parasitismus auffassen möchte. Er
fand unter der Scheibe von Cassiopeia borbonica drei Mal
ein Paar kleine Fischchen, die als Schedophilus medusophagus
Cocco erkannt wurden und bemerkt, dass Malm schon bei
früherer Gelegenheit das Vorkommen junger Individuen von
Caranx trachurus unter Cyanea capillata beobachtet habe.
(Ebenso Peach, J. B. XXII. S. 412, der dieses Verhältniss
freilich in etwas andrer Weise deutet. Ref. hat während
seines letzten Aufenthaltes in Helgoland dieselbe Beobachtung
gemacht und unter den grössern Exemplaren von Chrysaora
isoscela fast regelmässig einige kleine Fische gefunden),
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 157
die nach Troschel's Untersuchung gleichfalls junge Indi-
viduen von Caranx trachurus sein dürften.
Hydroideae.
Proles medusiformis. Sars beobachtete bei Geryonia pro-
boscidalis die vonGegenbaur entdeckten centripetalen Gefäs-
sanhänge des Ringkanales (J.B. XXIII S. 239) und giebtan, dass
die Zahl derselben mit dem Alter — zwischen je 2 Radialgefässen
— von Ibis aufd steige. Middelhav. Littor. Fauna Il. c. p.58.
Bei einer frühern Gelegenheit hat Gegenbaur be-
hauptet, dass der Stiel der Geryonia von einem einfachen
canalförmigen Hohlraum durchzogen sei (J. B. XXIII S. 240);
gegenwärtig publicirt derselbe dagegen eine Abbildung (in
den Icon. zoot. von V. Carus Tab. Il. Fig. 9), in welcher
der Verlauf der aus dem Magengrunde entspringenden sechs
Stielgefässerichtig angegeben ist. Auch die oben erwähnten cen-
tripetalen Gefässanhänger des Ringkanals sind deutlich zu sehen.
Ebendas. liefert Gegenbaur (Fig. 6, 7) auch eine
Abbildung von Cunina globosa Eschsch.
Cobbold liefert Beschreibung und Abbildung einer
neuen Thaumantiasart (Eucope Gegenb. Phialidium Lt.): Th.
achroa Cobb. mit 5 Otolithen in jedem Randbläschen. Journ.
mier. Sc. VI. p. 1—5. Pl. I.
Ueber die gleichfalls dem Gen. Eucope zugehörenden
Medusensprösslinge von Laomodea acuminata und Campanu-
laria Johnstoni vergl. die weiter unten ausgezogenen Beob-
achtungen von Wright.
Proles hydriformis. Schon in einem frühern Berichte
haben 'wir (Bd. XX. 8.431) der von Allman über die Fort-
pflanzungsverhältnisse der Hydraspolypen publicirten Arbeiten
Erwähnung gelhan und hervorgehoben, dass derselbe einer
der ersten Zoologen gewesen sei, welche die morphologische
Uebereinstiimmung der bei vielen dieser Thiere vorkommen-
den sg. Geschlechtskapseln mit den sonst von denselben auf-
geammten Medusen erkannt haben. Eine neue Arbeit unseres
Verf. ist demselben Gegenstande gewidmet: on the repro-
ductive Organs in cerlain hydroid polypes, new Edinb. phil.
Journ. Vol. VII. p. 294—303,
Verf. sucht zunächst den neu gewonnenen Anschauungen eine,
neue Terminologie zu substituiren ; er benennt die Geschlechtsknospen
158 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Hydraspolypen, ganz abgesehen von deren speeifischer Entwick-
lung, als Gonophoren und unterscheidet dieselben bald als, Sporosaes
(Geschlechtskapseln, sessile Geschlechtsthiere), bald als Medusen (freie
Geschlechtsthiere). Wo diese Geschlechtsknospen einzeln vorkom-
men, da spricht er von einer Gonophora simplex, wo sie aber in
grösserer Anzahl einem gemeinschaftlichen Stanıme („blastostyle*) an-
hängen, von einer Gonoph. composita. Der letztere ist bald nackt,
wie z. B. bei Tubularia, bald auch von einer besondren Kapsel um-
schlossen, z. B. bei Campanularia. (Verf. scheint hier zu übersehen,
dass beiderlei Bildungen in morphologischer Beziehung schwerlich
übereinstimmen, indem die von einer Kapsel umgebene Säule einem
Polypenleibe entspricht, während der nackte Stiel an der Geschlechts-
knospe der Tubularien nur eine strangarlige Verlängerung an der
Insertionsstelle des Geschlechtsthieres darstellt. Auch Gegenbaur's
„monomere Kapseln“ sind. in morphologischer Hinsicht vom Verf.
nicht gehörig gewürdigt.) Für den sg. Mundstiel der Medusen und
das entsprechende Achsenorgan vieler Geschlechtskapseln schlägt Verf,
die Bezeichnung Manubrium vor. — Nach diesen Präliminarien schil-
dert Verf. die Fortpflanzungskörper von Iydraetinia echinata, Coryne
ramıosa, Clava multicornis, Tubularia coronata, Laomedea llexuosa,
Antennularia antennina, Campanularia calieulata, Plumularia pinnata
und Plumularia eristata, worauf er sodann die Resultate seiner Beob-
achtungen in folgenden Sätzen zusanimenfasst. Die Gonophoren der
beobachteten Arten zeigen einen dreifachen Typus; sie sind 1) ein-
fach (Hydractinia, Cordylophora u. 5. w.), 2) zusammengesetzt mit
nacktem Stamm (Tubularia und. Clava) und. 3) zusammengesetzt mit
eingekapselten Stamm (Campanularia, Laomedea u. s. w.). Bei Plu-
mularia cristala sind die einfachen Gonophoren in grösserer Menge
Zusammengruppirt und von einer gemeinschaäftlichen durch Zweigme-
tamorphose entstandenen Kapsel eingeschlossen. Das Manubrium der
Sporosaecs erscheint unter vierfacher Form: 1) als einfaches Divertikel
(Hydıaetinia, Laomedea u. s. w.), 2) unregelmässig gelappt (Plumu-
laria pinnata), 3) mit vollständigen Gastovaseularcanälen (Cordylo-
phora), 4) als Gastovascularapparat ohne Centraltheil (Campanularia
caliculata). Bei Tubularia soll die Entwicklung des Embryo nicht
von dem ganzen Ei, sondern nur von einem Theile des Dotters aus-
gehen; doch dürfte es sehr zweifelhaft sein, ob Verf. nicht den im
Umkreis des Manubrium gelegenen Eierstock für Dottermasse ge-
halten hat. (Beiläufig will Ref. auch bemerken, dass Tub. eoronata
van Ben. nach seinen Untersuchungen sich durch Bildung der männ-
lichen und weiblichen Kapseln genau an die von Gegenbaur be-
schriebene Tubnlaria anschliesst. Vergl. Gegenbaur, Zur Lehre
vom Generalionswechsel u. s. w. S. 33. Die Embryonen entstehen
einzeln. liegen aber doch nicht selten zu zweien oder dreien neben
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 159
einander in derselben Kapsel, dann aber immer von verschiedener
Entwicklung und Grösse.)
Van Beneden schliesst sich jetzt gleichfalls der An-
sicht an, dass die Geschlechtskapseln der Hydraspolypen und
die Hydrasmedusen morphologische Aequivalente sind. Tage-
blatt der Bonner Naturforscherversammlung. S. 43.
Von Wright erhielten wir eine sehr genaue und aus-
führliche Darstellung von dem Bau der Hydractinia echinata
(Edinb. new philos. Journ. V. p. 299--313 c. tab.), durch
die unsere Kenntnisse über dieses Thier in mehrfacher Be-
ziehung beträchtlich erweitert werden.
Besonders interessant sind des Verf.'s Angaben über die dem
gemeinschaftlichen Mantel aufsitzenden Anhänge, die eine viel grössere
Mannichfaltigkeit darbieten, als man früher wusste, und nach den hier
vorliegenden Untersuchungen aus fünf verschiedenen Formen sich
zusammensetzen: 1) aus den bekannten sterilen Polypenköpfen mit
Mund und ausgebildeten Tentakeln (alimentary polyps), 2) den proli-
ferirenden Polypen ohne Mund und ausgebildete Tentakel, aber mit
männlichen und weiblichen Geschlechtsknospen (reproduetive polyps),
3) aus besondern sessilen männlichen oder weiblichen Geschlechts-
knospen, die ohne Weiteres auf dem gemeinschaftlichen Mantel auf-
sitzen, 4) aus cylindrischen langen Polypen ohne Mund und ausge-
bildete Tentakel, die wahrscheinlich zur Vertheidigung dienen und
sich bei Berührung in Spirallouren zusammenlegen (ophidian or spi-
ral polyps) und 5) aus noch längeren, einfach ceylindrischen Tenta-
keln (tentacular polyps). Dje beiden letztern Formen haben eine
beschränktere Verbreitung , als die übrigen, denn die Spiralpolypen
finden sich nur in der Nähe der Schalenöflnung, an der unsere Hy+
dractinien bekanntlich am liebsten ihren Wohnsitz aufschlagen, und
‚ebenso die Tentakelanhänge nur an der Peripherie des Mantels.
Dieser letztere wird in einer wesentlich mit Krohn übereinstimmen-
den Weise beschrieben, obwohl dem Verf. die Untersuchungen
dieses Forschers (dies. Arch. 1851. I. S. 263) unbekannt geblieben
sind. In histologischer Beziehung unterscheidet Verf. mit Allman,
Huxley u. A. bei den einzelnen Theilen der Hydractinen ein Endo-
derm und ein Ectoderm, zwischen welche beide Schichten sich in
vielen Fällen noch eine Lage glatter Muskelfasern einschiebt, Der
hormige Polypenstiel bildet nur eine Ausscheidung des Ectoderm.
Einen Zellenbau Konnte Verf, übrigens nirgends auffinden, er glaubt
die Gewebe unseres Thieres als Sarcode bezeichnen zu dürfen. Aus
den Eiern entwickelt sich, nachdem dieselben ihre Eikapseln ver-
lassen haben, zunächst ein fimmernder Embryo, der bereils die spä-
teren zwei Parenchymlagen erkennen lässt, auch eine Leibeshöhle im
160 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Innern einschliesst. Wie es auch von andern Hyderoiden bekannt ist, ver-
wandelt sich dieser Embryo sodann in einen Polypen mit Mundölfnung
und (vier) Tentakeln, dessen unteres basales Ende durch: Stolonenbil-
dung sich zu dem sg. Mantel entwickelt. Trotz allen diesen That-
sachen trägt Verf. übrigens kein Bedenken, die ausgewachsene Hy-
dractiniencolonie als ein einziges Individuum in Anspruch zu nehmen,
dessen Körper durch den gemeinschaftlichen Mantel repräsentirt werde
und mit besonderen Organen für Ernährung, Fortpflanzung , Verthei-
digung und Fang versehen sei. Die Richtigkeit dieser Auffassung
sucht Verf. noch dadurch besonders zu beweisen, dass er unsre Hy-
droideolonie mit einer Scheibenqualle vergleicht, und hervorhebt,
dass bei dieser der Schirm ja gleichfalls einen Mantel darstelle, dem
ein Ernährungsorgan (Mundstiel), Geschlechtskapsel und Tentakel in
ähnlicher Weise aufsitze. (Eine noch weitere Ausführung dieser An-
sichten giebt Verf. an einer spätern Stelle: 1. ec. VI. p. 87.)
Derselbe liefert auch eine Reihe von Beobachtungen
über Britlische Zoophyten („observations on british Zoophy-
tes“). Die ersten dieser Beobachtungen handeln über Clava
und Eudendrium und enthalten die Beschreibungen einiger
neuer Arten mit besonderer Berücksichtigung der Fortpflan-
zungsverhältnisse (Edinb. new phil. Journ. VI. p. 79 sq.
Tab. II u. ID.
Von Clava (Coryne) beschreibt der Verf. drei neue, Arten: Cl.
repens, Cl. membranacea und Cl. cornea, die alle drei einen gemein-
schaftlichen hornigen Polypenstiel besitzen, der auf Steinen oder Fu-
eoiden hinkriecht, in seiner speciellen Bildung jedoch mancherlei
Verschiedenheiten zeigt. Ihre Geschlechtskapseln stehen in grösseren
Gruppen neben einander und enthalten meist je zwei Eier im Innern,
die noch an ihrer Bildungsstätte in fimmernde Embryonen (planulae)
sich verwandeln. Zwei kleine und unscheinbare neue Arten des Gen.
Eudendrium, E. pusillum und E.sessile, beide mit einem kriechenden
Stamme, produeiven frei schwimmende Akalephen, die Verf. übrigens
nicht als besondere Individuen und Nachkömmlinge des Polypenstocks,
sondern blos als besondere Entwicklungen desselben („as a free and
independent extension of the polypary part of Eudendrium“) betrachtet
wissen will.
Eine zweite Mittheilung (Ibid. T. VII. p. 108—117. Pl.
I—III) handelt über Laomedea acuminata Ald., Triethydra
pudica (n. gen. et n. sp.) und Tubularia indivisa.
Die proliferirenden Kapseln von Laomedea enthalten stets nur
einen einzigen Sprössling, der als Meduse (Eucope) mit zwei langen
und zwei stummelförmigen Tentakeln vor Auftreten der Geschlechts-
organe geboren wird. Während der Entwicklung dieser Meduse geht
m
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 161
der Achsenkanal der Kapsel. an dem die Knospung geschieht, all-
mählich durch Resorption verloren (wie es wahrscheinlich bei allen
„monomeren Kapseln“ Gegenbaur's der Fall ist). Dabei ist die
proliferirende Amme von Anfang an ohne Arme und Mundöffnung. —
Triehydra pudica ist ein kleiner und zierlicher Corynoidpolyp mit
kriechendem Stamme, dem von Zeit zu Zeit Becherchen aufsitzen, in
die sich die mit 4—-12 Tentakeln versehenen sehr dehnbaren Thier-
chen zurückziehen können. Ueber die Fortpflanzungsverhältnisse
konnte nichts eruirt werden. — Die Stiele von Tubularia sind nicht,
wie man bisher ganz allgemein annahm, von einem einfachen Kanale
durchsetzt, sondern von acht Kanälen, die in radiärer Anordnung neben
einander stehen und in die Höhle der Polypenköpfchen ausmünden.
Die zwischen den beiden Tentakelkränzen gelegene Mundpapille zeigt
bei lebenskräftigen Individuen ziemlich regelmässige Contraclionen,
die auf die Bewegung der Flüssigkeit im Innern dieses Röhrensystenis
nicht ohne Einfluss sind. In der Gefangenschaft gehen die Köpfchen
meist verloren, aber nur, um sich nach vier oder fünf Tagen von Neuem
zu bilden, wobei sich der Stiel zugleich um ein deutlich abgesetztes
Stückchen verlängert. Männliche und weibliche Kapseln finden sich
beständig an verschiedenen Stämmen, wie schon früher bekannt war.
In einer dritten Abhandlung über Brittische Zoophyten
(Ibid. p. 231—237. Pl. VII) beschreibt Verf. Corvue gravata
n. sp., Stauridia producta n. sp. und die Medusenbrut von
Campanularia Johnstoni.
Die erste hat durch Bau und Bildung der Medusensprösslinge
eine auflallende Aehnlichkeit mit Loven's Syncoryne ramosa, unter-
scheidet sich von dieser aber durch die Glätte ihres Stammes. Die
Medusen, die immer nur in einfacher Anzahl vorhanden sind, erschei-
nen (') völlig geschlechtsreif und bleiben vielleicht, trotz Anwesen-
heit einer eignen Mundölfnung, beständig mit dem Mutterthier in
Zusammenhang, wie Verf. daraus erschliesst, dass letzteres nicht
selten einem vollständigen Resorptionsprocesse unterliegt. — Für
Stauridia stellt Verf. nach seinen Beobachtungen folgende Charakte-
ristik auf: Polypary sheathed in a tubular corallum or polypidom
(branched, the apices of the branches) bearing polyps furnished with
Iwo or more whorls of dissimilar tentacles; the upper whorl or whorls
eapitate, the lower whorl filiform, four in number. Thread-cells very
large, many-barbed. Die Tentakel sind mit langen und feinen Sta-
cheln versehen, die einem rundlichen weichen Körper aufsitzen und
von Verf. für Gefühlswerkzeuge (palpoeils) gehalten werden. Die End-
anschwellung der oberen Fühler, die bei St. producta in zwei oder drei
Kreisen stehen, sind gleichfalls stachlig, aber die Stacheln sind hier
kürzer und dieker und je mit einem Angelorgan in Verbindung. Verf.
Archiv f. Naturresch. XXIV. Jahrg. 2. Dd. L
162 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
betrachtet dieselben als Greifapparate. — Die dem Gen. Eucope
Gegenb. angehörenden Medusensprösslinge von Campanularia John-
stoni zeigen in alternirender Reihenfolge vier grosse und vier kleine
stummelförmige Tentakel, sowie acht Gehörkapseln. Sie sind schon
bei ihrer Geburt mit Geschlechtsorganen versehen, deren Producte
sich nach acht Tagen zu einer Campanularia entwickeln.
Gosse beschreibt (Transact. Linn. Soc. 1857. Vol.
XXIl. Part 2. p. 113—116 cum Tab.) unter dem neuen Ge-
nusnamen Lar einen interessanten kleinen Corynoidpolypen
mit zwei Armen und einem saugnapfartig sich entfaltenden
Köpfchen, der durch Form und Bewegung an einen gesticu-
lirenden Menschen erinnert. Der Stamm bildet ein kriechen-
des Netzwerk und wurde auf dem Gehäuse einer Sabella
beobachtet.
Diagn. gen. n. Lar Gosse. Zoophytum e familia Corynidarum
nudum, associatum sed seiunctum, erectum, e filo vadicali repente
reliformi saliens, tentaculis duobus simplieibus filiformibus instructum.
Sp. n. Lar Sabellarum Gosse. (Scheint zunächst mit der oben erwähn-
ten Trichydra Wright verwandt und vorzugsweise nur durch diegerin-
gere Zahl der Tentakel verschieden.)
Eine Abbildung von Eudendrium ramosum mit Medu-
senköpfen s. Gegenbaur in Carus, Icon. zoot. Tab. Il.
Fig. 3. Ebendas. Fig. 1 auch die schon früher — ungenü-
gend — publicirte Abbildung einer neuen Campanularia mit
polymeren Medusenkapseln und Thaumantiasartigem Ab-
kömmling.
Alder liefert ein Verzeichniss der an der Küste von
Norihumberland und Durham vorkommenden Zoophylen
(Transact. of the Tyneside Naturalist's Field Club) mit 65 Hy-
droiden, unter denen als neu beschrieben werden (vgl. Journ.
mier. Sc. T. V. p. 245 ff):
Vorticlava humilis, Eudendrium confertum, E. capillare, Tubu-
laria implera, Sertularia trieuspidata, S. tenella, Laomedea neglecta,
L. acuminata, Campanularia Johnstoni, C. Hincksii, C. gracillima,
Grammaria ramosa.
Cryptolaria (n. gen.) prima n. sp. Busk, Quarterly Journ.
univ. Se. V. p. 173 c. Tab.
Char. gen. n. Cryptolaria e fam. Sertular. Cells completely
immersed in a cylindrical polypidom, composed of numerous tubes.
Sp. Cr. prima Busk. Neu Seeland.
Die in den Proc. Cal. Soc. Vol. II. enthaltene Abhand-
EEE
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 163
lung von Trask über Californische Sertuluriaden ist Ref.
noch nicht zu Gesicht gekommen.
Siphonophorae.
Sars macht einige Miltheilungen über die von ihm
bei Neapel und Messina beobachteten Siphonophoren, beson-
ders über Physophora hydrostalica, Athorybia rosacea, Rhi-
zophysa filiformis, Diphyes quadrivalvis. Bei der ersteren
fand er an den Tastern fadenförmige, eben nicht lange Ten-
takel, die bisher übersehen ‚waren. Auch möchte er den
Stamm derselben nicht als Blase, sondern, mit Vogt, als
einen horizontal gewundenen kurzen und dicken Cylinder
betrachtet wissen. Die von Kölliker bei Athorybia be-
schriebene zweite Form von Nesselknöpfen wurde mitunter
vermisst, wie denn auch bei Physophora nur zwei Formen
dieser Anhänge aufgefunden werden konnten. Kölliker's
Forskalia Edwardsii hält Verf. für identisch mit F. ophiura Lt.
(was freilich die Annahme in sich schliesst, dass Kölliker
manche Organisalionsverhällnisse, z. B. die Schuppenbildung
an den Polypenslielen, irrthünlich dargestellt hat). Der vom
Ref. beschriebene Zusammenhang der beiden Schwimm-
glocken bei Diphyes quadrivalvis wird bestätigt, doch glaubt
Verf., dass dieser Umstand zur Aufstellung eines besondern
Gen. (Galeolaria) nicht ausreiche. Middelh. Littor. Fauna
l. c. p. 60-69.
Unter den vonGegenbaur in Carus, Icon. zoot.
Tab. III. publicirten Siphonophorenzeichnungen heben wir
hervor: Fig. 2 Abbildung von Agalma rubrum, Fig.3 von
Praya diphyes, deren specifische Differenz von Pr. maxima
Gegenb. für Ref. noch immer etwas problematisch ist.
(Auch Sars scheint Pr. diphyes als eigene Species nicht
anzuerkennen.) Die übrigen Abbildungen betreffen, so weit
sie Originalien sind, die Bildung der einzelnen Anhänge des
Siphonophorenstockes, ohne für diese jedoch Neues zu bie-
ten. Bei Fig. 13 sind die Nesselknöpfe von Agalma rubrum
irrihümlich als Fangfäden gedeutet und mit viel zu zahlrei-
chen Windungen abgebildet. Ebenso fehlt bei den Nessel-
knöpfen von Agalma Sarsii (Fig. 10) die für diese Art cha-
rakteristische mantelförmige Uinhüllung des Nesselfadens.
164 Leuekart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Nach neueren Untersuchungen von Kölliker (Zeitschr.
für wissenschaftl. Zoologie IX. 8.138) entspringen die Luft-
gefässe von Velella entschieden nicht bloss aus der Central-
kammer der Schale , sondern aus mehreren Kammern. Die
Ursprungsstämmchen, deren Zahl bis 16 erreichen kann,
verästeln sich theils nahe an ihrem Anfange, theils später
1, 2, 3 Mal, so dass schliesslich einige 60 Kanälchen ent-
stehen , die mit freien Oeffnungen am Rande und an der
untern Fläche der Leber zwischen den kleinen Polypen aus-
münden.
3 Polypi.
Von Milne Edwards erhielten wir die beiden ersten
Bände eines umfangreichen Werkes über die Naturgeschichte
der Polypen:: hist. nat, des Coralliaires ou Polypes proprement
dits Paris 1857 (XXXVI 326 und 633 Seiten in Octav mit
Atlas). Dasselbe bildet einen Theil der bekannten Suites a
Buffon und ist in wesentlich derselben Weise abgefasst, wie
die gleichfalls demselben Unternehmen zugehörende hist.
natur. des Cruslacees unseres Verf. Ein dritter und letzter
Band steht in nächster Zeit zu erwarten. Die vorliegenden
Bände enthalten ausser einer sehr sorgfältig gearbeiteten
historischen Einleitung und einer Darstellung vom äusseren
und inneren Baue der Polypen und des Polypenstockes, die Clas-
sifikalion und Beschreibung sämmtlicher bis jelzt bekannt ge-
wordenen Arten aus den Gruppen der Alcyonaires (Octleetinien),
Zoanthaires malacodermas (Actlinien und Verwandte), Zoan-
thaires sclerobasiques (Antipahinen) und den zu der Gruppe der
Zoanthaires selerodermes (Madreporinen) gehörenden Familien
der Turbinoliden, Dasmiden, Oculiniden und Astreiden. Der
wesentliche Charakter des Buches ist compilatorisch, und
sind dabei vorzugsweise die eigenen anatomischen und z00-
logischen Arbeiten des Verf’s, so wie die mit J. Haime ge-
meinschaftlich publieirten Monographieen (vergl. J. B. XX.
S. 257, 465 1.) zu Grunde gelegt. Uebrigens ist der Lelz-
tere auch bei dem vorliegenden Unternehmen vielfach thätig
gewesen, bis der Tod ihn übereilte; die historische Einlei-
tung, so wie der ganze zweite Band, die Madreporen enlhal-
tend , ist wohl vorzugsweise das Werk dieses jungen, für
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 165
die Wissenschaft viel zu früh verstorbenen Forschers. Wir
werden später noch Gelegenheit haben, auf dieses, für die
Kenntniss und Bestimmung der Arten gewiss sehr wichtige
Werk zurückzukommen und begnügen uns desshalb hier mit
einigen wenigen Bemerkungen.
Den Hauptcharakter der Polypen oder, wie Milne
Edwards lieber will, der Corallen, sucht Verf. theils in
der sessilen Lebensweise der von Anwesenheit und Tenta-
keln im Umkreise des Mundes, theils auch in der Lage der
Geschlechtsorgane im Innern der Leibeshöhle, durch welchen
letztern Charakter sich dieselben von allen übrigen Coelen-
teraten unterscheiden sollen.
Die Darstellung des innern Baues repräsenlirt im We-
sentlichen den Zustand unserer heuligen Kenntnisse über
diese Verhältnisse, bietet aber, bis auf einzelne wenige Be-
merkungen (über Nesselorgane, Hautbedeckung u. s.w.) kaum
etwas Neues. Die Mesenlerialfilamente (cordons pelotonnes)
werden als Anhangsorgane des Magens von unbekannter Be-
deutung beschrieben und ebenso die sog. Pigmenthöcker
gewisser Actinien als Hautdrüsen. Die Taschen der Lei-
beshöhle sollen mit einem Systeme capillärer Lacunen oder
Gänge in Verbindung stehen, die in den Wandungen des
Körpers sich verzweigen und oftmals zu zierlichen Netzen
zusammentreten. Was Verf. über den Skeletbau und die
typischen Wachsthumsverhältnisse der Lamellen bei den Ma-
droporen mittheilt, ist eine ausführliche Wiederholung seiner
älteren Darstellungen.
Verf. theilt die Klasse der Polypen, wie Ref., in zwei Un-
terklassen, die Lucernarien und Anthozoen, nur dass diese
hier als Podacliniaires und Cnidaires bezeichnet und — wie
es Ref. scheint, in unzulänglicher und unrichliger Weise —
also unterschieden werden:
Cnidaires, ayant les tenlacules tubulaires, disposes en
couronne et communiquant librement avec la chambre vis-
cerale;
Podactiniaires, ayant les tenlacules non tubulaires (?),
disposes par groupes isoles et ne communiquant pas librement
avec la chambre viscerale (2?) (p- 94.
166 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Calycozon.
Der dem ersten Bande von Milne Edwards:hist.
nat. des Coralliaires beigegebene Atlas enthält auf Pl. A. 6.
eine Anzahl von Abbildungen zur Anatomie der Lucerna-
rien, die von J. Haime gezeichnet sind. _Die Hauptlgur
(L. quadricornis) zeigt eine Ansicht, die mit den älteren
Darstellungen von Sars und Ref. völlig übereinstimmt. (Die
abweichende Darstellung, die Owen von der innern Orga-
nisation der Luc. inauriculata gab, vergl. J.B. XXI. 5.421,
ist übrigens nicht minder begründet, wie Ref. sich neuer-
lich durch Untersuchungen lebender Exemplare dieser Art
überzeugt hat. Die verschiedenen Arten des Gen. Lucer-
naria sind auffallender Weise nach zweien verschiedenen
Typen organisirt, einem einfachern und einem zusammenge-
setztern, von denen der erstere sich an den Bau der Schei-
benquallen, der andere sich mehr an den der Anthozoen
anschliesst. Ref. wird darauf an einem andern Orte zurück-
kommen.)
Eine sehr ähnliche Durchschnittszeichnung von Lucer-
naria quadricornis findet sich bei Carus, Icon. zoot. Tab. IV.
fig. 2.
Anthozoa,
Der Atlas von Milne Edwards, hist. nat. des Co-
ralliaires enthält von der Hand J. Haime’s einige Abbil-
dungen zur Anatomie von Saccanthus n. gen. (Pl. A. 3)
und Cladocora cespitosa (Pl. A.4). Die erste Form schliesst
sich in ihrem innern Baue an den sehr nahe verwandten
Cerianthus an (J. B. XX. S. 422), unterscheidet sich von
demselben aber durch Abwesenheit der Magenwülste und die
gleichmässige Entwickelung aller Mesenterialfalten CT. TI.
p.310). Die Abbildungen von Cladocora beziehen sich vor-
zugsweise auf die Organisation der äusseren Bedeckungen
mil ihren Angelorganen, doch findet sich im Texte dl. ce. II.
p- 589) eine ziemlich vollständige Beschreibung dieses Thie-
res, aug der wir hier so viel hervorheben , dass die Tenta-
kel an der Spitze von einer weiten Oeffnung durchbohrt
sind, dass ferner der Magen ganz ausserordentlich kurz und
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 167
kaum von dem Lippensaume zu unterscheiden ist. Die Me-
senterialfilamente sind von sehr einfacher Bildung und wie
bei den Actinien. fast ausschliesslich von Angelorganen zu-
sammengesetzi.
Hogg macht die Beobachtung, dass isolirte Stücke vom
Fusse der Actinia dianthus zu neuen Actinien auswachsen.
Quarterly Journ. microsp. Sc. V. p. 238.
M'’Donnell glaubt nach seinen Beobachtungen und
nach Experimenten mit dem galvanoscopischen,Frosehschenkel
den Aclinien den Besitz elektrischer Kräfte vindiciren zu dür-
fen. New Edinb. phil. Journ. VIl. p. 328.
Alder liefert ein Verzeichniss der an der Küste von
Northumberland und Durham vorkommenden 14 Anthozoen
(Transact. of the Thyneside Naturalist’s field Club 1856 2).
Polyactinia. Milne Edwards stellt nach dem Vor-
gange von Dana die bisher den Gorgoniden zugerechneten
Antipalhesarten mit ihren sechs cylindrischen Tentakeln zu
den sog. Polyactinien oder „Zoanthaires“ und unterschei-
det in der Abtheilung dieser Polypen drei Hauptgruppen (hist.
nat. des Corall. I. p.224):
Zoanthaires malacodermes ou Acliniaires, dont les leguments
communs conservent toujours leur mollesse primilive et ne se
transforment jamais en un polypier soit selerenchymateux soil Epi-
thelique.
Zoanthaires scolerobasiques ou Antipathaires, dont le scleren-
chyme ne se solidifie pas et constitue senlement un tissu coriace par-
seme de spieules ou de filaments mineraux €@pars, mais donne nais-
sance a un lissu sclerobasique qui se superpose par couche et forme
une lige solide dans l’axe du polypieroide , constitue par le coe-
nenchyme.
Zoanthaires selerodermes ou Madreporaires, dont l’appareil te-
gumentaire se solidifie de manicre a donner naissance ä un polypier
proprement dit.
Holosarca Burm. (Actiniaires M. Edw.) die Gruppe der
Fleischpolypen trennt Milne Edwards (dl. c. p.225) nach
der Stellung der Fühler in zwei Familien:
Actinidae, dont les tentacules de differents eycles alternent
entre eux et correspondent chacun a une loge perigastrique par-
tieuliere.
Cerianthidae, dont les tentacules sont disposes d'une
168 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
maniere opposee, sur deux cercles eoncentriques, et naissent ainsi
au nombrede deux (un interne et un externe) sur chaque loge pe-
rigastrique.
Zu der letztern Familie gehören nur zwei Geschlech-
ter: Cerianthus und Saccanthus n.gen., während die er-
stere in fünf Unterfamilie (Myniadinae, Actininae, Tha-
lassianthinae , Phyllactinae und Zoanthinae) zerfällt und eine
sehr beträchtliche Menge von Genera einschliesst. Nur die
eine Unterfamilie der Actininen, allerdings von allen die um-
fangreichste, enthält deren 23, die von unserem Verf. theils
neu aufgestellt, theils auch neu umgrenzt sind. Wir geben
im Folgenden eine Uebersicht dieser Genera.
Subfam. Myniadinae, mit blasig aufgetriebenem, hydrostati-
schem Fusse. I
Gen. Mynias Cuy. Tentakel einfach, Leib warzig (2 Arten).
Gen. Plotactis M. Edw. Tentakel einfach, Leib glatt (P.
flava Les.).
Gen. Nautactis M. Edw. Tentakel kurz, mit Auswüchsen be-
setzt (N. olivacea Les.).
Subfam. Actininae, mit scheibenförmigem, mitunter rudi-
mentairem Fusse und einfachen Tentakeln.
1. Fuss scheibenförmig, zur Befestigung dienend.
A. Seitliche Körperwände ohne Poren
U. und glatt;
a. Tentakel nicht zurückziehbar und
a. verlängert.
+ Rand der Kopfscheibe mit Pigmenthöckern ;
* Tentakel konisch . . Anemonia Risso (6Sp.)
++ Tentakel spindelförmig . Eumenides Less. (1Sp.)
++ Rand der Kopfscheibe ohne Pigmenthöcker.
« Körper kurz und eylindrisch Comactis Edw. (2Sp.)
(In die Nähe von Comactis
auch. . » 2»... Siphonaclinia Kor. Dan.)
»* Körper lang und konisch Ceratactis Edw.(2Sp.)
ß. sehr kurz und papillenförmig,
+ ungleichartig; Kopfscheibe
gelappt - - » . . .. Metridium Ok. (7 Sp.)
+7 gleichartig; Kopfscheibe
einfach 2 Discosoma Lt. (8 Sp.)
b. Tentakel zurückziehbar ,
a, zugespitzt und
+ ziemlich gleichartig,
» Körper nackt,
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 169
Kopfscheibe mit Pigment-
höckern . . ... . Aetinia L. (26 Sp.)
Kopfscheibe ohne Pig-
menthöcker +. Paractis Edw. (15 Sp.)
»* Körper incrustirt . . . Capnea Forb. (1Sp.)
ir sehr ungleicharlig . . . Dysactis Edw. (4 Sp.)
ß. ohne zugespitztes Ende,
7 mit Köpfchen versehen ,
» Mund vorspringend . .. Melactis Edw. (2 Sp.)
»« Mund eingezogen . . . Lorynaetis Allm. (5 >p.)
+r geringelt . ... . . . Heteractis Edw. (2 Sp.)
®. und uneben,
a. warzig;
«. Kopfscheibenrand ohne Pig-
höcker .,11=..% reinen, Gereus.Ok. (30'Sp.)
ß. Kopfscheibenrand mit Pig-
menthöckern . . . Phymactis Edw. (7 Sp.)
b. mittentakelartigen Anhängen, die
«. an der obern Körperhälfte
konisch, unten gerundet sind Echinactis Edw. (2 Sp.)
P- in ganzer Ausdehnung aul-
getrieben erscheinen . . . Cystiactis Edw. (3 Sp.)
B. Seitenwände mit Oeflnungen zum
Durchtritt von Nesselfäden:
U. an der obern Körperfläche . . . Nemactis Edw. (3 Sp.)
®. an dem Basilartheile. . . . . AdamsiaForb. (9 Sp.)
2. Fuss rudimentär, frei.
A. Ohne Oellnung am Körperende.
U. Aecussere Bedeckungen gleichmäs-
sig entwickelt.
a. Körper hinten verjüngt . . . Ilyanthus Forb. (3 Sp.)
b. Körper hinten zusammenge-
gedrückt. . . . „ . . Spenopus Stnstrp. (1 Sp.)
B. Aeussere Bedeckungen in der obern
Körperhälfte lederartig . . . . Edwardsia Qtrf, (4 Sp.)
B. Mit. Oeffnung am hintern Körperende Peachia Gosse (2 Sp.)
Neu unter den hier aufgezählten Arten sind folgende: Cera-
factis clavata von Bombay (p. 238), Cystiactis Eydouzi von Chili,
€. Gaudichaudi von Rio, €. Reynaudi vom Cap d. g. H. (p. 276).
Subfam. Phyllaectinae, mit einfachen und zusammengeselz-
ten Tentakeln.
Gen. Phyllactis Edw. Zusammengesetzte Tentakel am Rande
der Kopfscheibe, Körperbedeckung glatt (Ph. praetexta Dana).
Gen. Oulactis Edw. Ebenso, aber mit warziger Haut (4 Sp.).
170 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Gen. Rhodactis Edw. Zusammengesetzte Tentakel zwischen
zwei einfachen Tentakelkränzen (Rh. rhodostoma Ehrbg.).
Subfam. Thalassianthinae, ausschliesslich mit zusammen-
gesetzten, verästelten oder papilliferen Tentakeln.
A. Tentakel gleichartig,
A. verzweigt,
a, Zweige schlank und vierfach ge-
fiedert . . ... 22.202, ThassianthusLt.(1Sp.)
ß. Zweige verdickt, mit zevstreuten
Papillen besetzt . . . Actinodendron Blainy. (2 Sp.)
B. unverzweigt,
@. besetzt mit isolirt stehenden, ver-
ästelten Fäden . . . . . . Actineria Bl. (1 Sp.)
ß. mit abgerundeten, haufenweis zu-
sammengruppirten Papillen. . Phymanthus Edw.
(Ph. loligo Ehbg.)
B. Tentakel von zweierlei Art,
X. die innern mit rundlichen Papillen
besetzt, die äussern gezackt Sarcophianthus Less. (1.Sp.)
®. die innern gezackt, die äussern mit
Höcken. . - 2 2... . Heterodactyla Ehbg. (1 Sp.)
Subfam. Zoanthinae, in Kolonieen lebend , mit lederartigem
Skelet.
Gen. Zoanthus Cuv. mit isolirten Stolonen (4 Sp.).
Gen. Palythoa Lamour. mit flächenhaft entwickeltem Polypen-
stocke (12 Sp.).
Das schon oben erwähnte neue Gen. Saccanthus unterschei-
det sich von Cerianthus theils durch die Abwesenheit des hintern
Porus und gewisse anatomische Charaktere, theils auch durch eine
kürzere und gedrungene Gestalt. Sp. n. $S. purpurascens von Nizza
(p- 309).
Gosse’s history of Ihe british Sea-Anemones and Ma-
drepores, deren erster Theil London 1857 erschienen, ist
Ref. unbekannt geblieben.
Madreporaria. Nach dem Systeme von Milne Ed-
wards und Jules Haime (Hist. nat. des Corall. II. p. 5)
zerfallen die hieher gehörenden Formen zunächst in fünf
Sectionen:
M. apores, dont la chambre viscerale est libre ou subdivisee
transversalement par des traverses irregulieres; appareil cloisonnaire
bien developp&; sclerenchyme compacte.
M. perfores, dontla chambre ... 2... ... bien developpe;
sclerenchyme perfore.
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 171
M. tubules, dont la chambre ...... appareil cloisonnaire
rudinientaire.
M. tabules, dont la chambrer viscerale est subdivisee en elages
par des planchers; appareil eloisonnaire rudimentaire et appartenant
au type hexameral.
M. rugeux, dont la chambre ....... . appareil cloisonnaire bien
developpe et appartenant au type tetramcral.
Die erste dieser Gruppen, die einzige, die bisher (l. e. T. II)
zur Untersuchung kam, zerfällt nach folgendem Schema in Familien:
A. Loges entierement libres;
a. Cloisons independantes . . . » .».. . Turbinolides.
b. Cloisons trigeminees . - » - 2 2... Dasnides.
B. Loges plus ou moins divisdes transversalement ;
a. diviseces par des traverses lamelleuses;
@. cavite viscerale s’obliterant de‘bas en haut Oculinides.
ß. cavite viscerale ne s’obliterant pas mais
se subdivisant seulement;
-.
coelenchyme bien distinct formant une
masse empätante . = 2.*. 2... Stylophorines.
jr eoelenchyme bien distinet formant un
plateau basilaire foliac&. . » . . Echinoporines.
+rr pas de coelenchyme;
» murailles imperforees . . » . . . Astreides.
»* murailles perfores . . 2... .. Merulinacees.
b. divisces par des synaptieules . . » . . Fongides.
(So nach der synoptischen Uebersicht unseres Verfs. Später, in
der speciellen Ausführung. wird die kleine Gruppe der Stylopho-
riens als Unterfamilie den Oculiniden und die ebenfalls nur kleine
Gruppe der Echinoporiens und M&rulinacees als Unterfamilie den
Astreiden zugerechnet.) Man sieht, dass sich diese Gruppirung in
mehrfacher Beziehung von dem früheren Systeme unseres Forschers
(J. B. XX. S.465) unterscheidet. Auch in der weiteren Eintheilung
finden sich solche Differenzen; selbst die Genera sind hier und da
anders umgrenzt, alte zusammengezogen, neue aufgestellt. Es würde
uns jedoch zu weit führen, wenn wir hier auf alle diese Verände-
rungen speecieller eingehen wollten; dieselben mögen im Originale,
das bei dem speciellern Studium der Madreporinen nicht zu entbehren
ist, selbst nachgesehen werden. Wir fügen nur noch hinzu, dass der
Inhalt an einzelnen Arten so ziemlich derselbe geblieben und nur
hier und da mit einer neuen lebenden oder fossilen Form berei-
chert ist. >
Die in den Proc. Bost. Soc. Vol. VI enthaltenen Aufsätze
über Corallen sollen im nächsten Jahresberichte noch nach-
träglich besprochen werden.
172 Leuekart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Antipatharia Edw. Nach den Untersuchungen von‘ Gray
sind die harten Einlagerungen in das Rindenskelet von Anti-
pathes (CA. spiralis?) durch Gestalt und chemische Reactionen
von den gewöhnlichen Kalknadeln der Gorgoniden auffallend
verschieden. Wie Verf. vermuthet, dürften dieselben aus
Kieselsäure bestehen. Ann. and Mag. nat. hist. T. XX. p.
460 :0d. Proc. Zool. Soc. 1857. May. (Bekanntlich hat schon
Haime die Kieselsäure als Hauptbestandtheil des Rindenske-
lets bei einem Antipathes nachgewiesen, J. B. XXIl. S. 460.)
Milne Edwards unterscheidet in dieser Gruppe der
Antipatharier 6 Genera, von denen 3 neu sind:
Arachnopathes mit buschartig verschmolzenen Zweigen
(Ant. erieoides u. A. clathrata Auct.), Rhipidipathes mit fächer-
förmig verschmolzenen Zweigen (A. llabellum u. A. reticulata Auct.),
Hyalopathes mit halbdurchsichtigem, glasartigem Achsenskelet (A.
pyramidata Auct. u. a.)
In die Gruppe der Edwardsischen Zoanthaires sclerodermes ge-
hört sonder Zweifel auch das Gray'sche Gen. Hyalonenıa, dessen Ach-
senskelet aus feinen Kieselnadeln besteht, so wie das nahe verwandte,
vielleicht damit identische Gen. n. Hyalochaeta Brdt., das gleich-
falls ein aus Kieselfasern zusammengesetztes Achsenskelet hat und
mit grossen zwölfarmigen Polypen besetzt ist. Die von Brandt
beobachtete Art trägt den Namen H. Possieti (ohne Charakteristik)
und ist an der Japanischen Küste gefischt. Melang. biol. Acad. St.
Petersbg. 1857. T. II. Mai. (Extr. d’un mem. ayant le titre: de nova
polyporum classis familia Hyalochaetidum nomine designanda.)
Octactinia. Die achlarmigen Polypen (Alcyonaires) zer-
fallen bei Milne Edwards (]. c. I. p. 102) in 3 Familien:
Alcyonides, a polypieroide adherant sans axe £pithelique,
Gorgonides, ä polypieroide adherant, muni d’un axe Epi-
thelique corne ou calcaire,
Pennatulides, a polypieroide libre, creuse d’une cavite cen-
trale, qui renferme presque toujours un axe form& par
du tissu Epithelique,
und diese wieder in eine grössere Anzahl von Unterfamilien, für die
wir auf das Original selbst verweisen müssen. Von neuen Arten
werden aufgezählt: aus der Familie der Aleyoniden die zunächst mit
Cornularia verwandte, solitäre Heimeia (n. gen.) funebris von der
Algerischen Küste, (p. 104), aus der Familie der Gorgoniden Primnoa
plumatilis von Isle Bourben und Pr. gracilis von den Antillen (p. 141),
Muricea echinata Val. von Panama, M. fungifera Val. von Neu Hol-
land (p. 143), Eunicea intermedia und E. Castelnaudi von Bahia,
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 173
Eunicea crassa Lam. von unbekanntem Fundort (p. 148), 'E. aspe-
rula Val. von Martinique, C. Rousseawi ebendah., Plexaura racemosa
Val. von den canarischen Inseln (p. 153). Pl..salicornoides von Mar-
tinique, Pl. flezuosa Val. von Guadeloupe, Pl. rkipidalis Val. von den
Antillen, Pl. friabilis ebendah.; Gorgon’a vatricosa Val. vom Archi-
pel Bizagos (p. 155), G. arida Val. von Neu Holland, @. miniata
Val. von den Antillen, @. pumicea Val. von Brasilien, @. ramulus
Val. von Panama, @. diseolor Val. von Java, @. papillifera Val. von
Archipel Bizagos, @. eitrina Val. ebendah.; Leptogorgis caulieulus
Val. Algier (p. 163), L. porosissima von unbek. Fundort, L. auran-
tiaca Val. von Calloa, L. Boryana Val. von Isle Bourbon, L. virgea
Val. von den Antillen, Pterogorgia Ellisiana von Guadeloupe (= Gorg.
pinnata EIl. et Sol.), Pt. betulina Val. von Senegal (p. 171), Rhipi-
digorgia occatoria Val. von Guadeloupe (p. 175). Rh. plagalis, Rh.
coarctala Val. von Isle Bourbon, Phyllogorgia foliata Val. von Gua-
deloupe (p. 181). Gorgonella verriculata von Isle de France (p. 183),
Verrucella gemmacea vom Rothen Meere (p. 185), Juncella hystrix
Val. von Bahia (p. 196); Coelogorgia (n. gen.) palmosa von Tran-
quebar (p. 191); Iris coralloides aus der Südsee (p. 195), aus der
Familieder Pennatuliden das neue Gen. Lituaria mitL.phalloides
Pall. und Cavernularia (n. zen.) obesa aus Indien (p. 219.)
Zur Charakteristik der neuen Genera mag folgende Diagnose
dienen:
Haimeia M. Edw. Coralliaire ä polypieroide eylindrique, fixe
par sa base et ne donnant naissance ni ä des stolons, ni ä des ex-
pansions encroülantes, ni a des bourgeons quelconques.
Coelogorgia M. Edw. Polypieroide arborescent, dont l’axe est
occupe par une cavite cylindrique commune au lieu d'une tige scl&-
robasique, comme si le tissu epithelique etait avorte. Gehört zu
der kleinen Gruppe der mit unvollständigem Achsenskelet versehenen
Gorgoniden, zu den Gen. Briareum Blainv. Solanderia Wuchassain et
Michelin und Paragorgia M. Edw., das letztere aus dem alten Aleyo-
nium arboreum Lin. gebildet und folgendermaassen charakterisirt:
Paragorgia M. Edw. Polypieroide arborescent, compos& d’une
eouche scelerenchymateuse corticale, mince et dislincte, dans l’&paisseur
de laquelle se trouve limitce la cavite viscerale des polypes et d'un
axe fistnleux Ires-gros, forme d'un tissu spongieux, tres-riche en
spieules calcaires. Volypes reunis par groupes a l’extremile des bran-
ches, ou sur des tubereules lateraux Ir&s-Ecartes entre eux et disposds
irregulierement.
Lituaria M. Edw. Polypieroide presque eylindrique, gros et
court, avec les polypes dispos&s irregulierement tout autour de la
portion moyenne et supörieure ; la portion basilaire nue. Axe sclero-
174 Leuckart:Berichtüber die Leistungen in der Naturgeschichte
basique tres-develloppe. (Sehr nahe verwandt dem Gen. Kophobelem-
non, J. B. XXIII. S. 250.)
Cavernularia M. Edw. Pennatuliens qui ressemblent aux Vere-
tilles, mais qui manquent completement d’axe sclerobasique et ont le
centre du polypieroide occupe par un large tube fistuleux divise
longitudinalement en quatre cavites.
Unter den der Familie der Gorgoniden zugehörenden neuen
Arten sind viele schon von Valenciennes (J. B. XXIL. S. 427)
unterschieden, bis jetzt aber noch unbeschrieben geblieben.
Auch Gray charakterisirt einige neue Genera aus der
Familie der Gorgoniden :
Acanthogorgia. Coral branchy; branches free, cylindrical,
slender, both of them almost entirely composed of transparent spicula ;
cells elegantly bell-shaped, contracted at the bottom, and less so rather
below the aperture, spinulose, with eight equidistant lines of two or
three series of diverging short spines; the mouth of the cell surroun-
ded with numerons diverging, very slender, transparent, elongate
spines, nearly as long as the cell. Axis horny, black, more slender
and brown near the tips.
Sp. n. A. hirsuta. Gray, Ann. and Mag. nat. hist. P. XX.
p. 461. (Proc. Zool. Soc. 1857. June.)
Sarcogorgia. The coral rather irregularly furcately branched
on a single plane. The axis black, ceylindrical, thick at the base,
with slender flexible branchlets. The bark fleshy; in the dry state
thin, like a continuous skin, smooth, without spicula, with rather close,
more or less raised cells, strengthened with a quantity of sandlike,
granular spieula.
Sp. n. S. Phidippus. Gray.
Subergorgia. Coral furcately branched, rather compressed, with
a continued sunken groove up the middle of each side. Cells rather
prominent convex, in {two or three somewhat irregular series up
each edge. Axis pale brown, wart-like, formed of rather loosely con-
centric fibrous laminae, containing a large quantity of calcareous
matter and efferveseing wilh muriatic acid. The bark when dry is
rather thin, smooth, hard and granular within.
Sp. n. S. suberosa. Gray, ibid. p. 519. Alle drei von unbe-
kanntem Fundort.
Ebenso erhielten wir auch von Macdonald eine Mit-
theilung über einen neuen Polypen aus der Familie der Al-
eyoniden, der sich durch einen dichotomisch verästelten Stanım
auszeichnet und zunächst mit Sarcodyction verwandt zu sein
scheint. Ann. and Mag. nat. hist. Vol. XIX. p. 391.
der nlederen Thiere während des Jahres 1857. 175
Porifera.
Lieberkühn’s „Beiträge zur Anatomie der Spongien“
(Archiv für Anat. und Physiol. 1857. S. 376—403 Taf. XV)
enthalten die Fortsetzung der Untersuchungen unseres Verfs
über den Bau der Spongillen mit einer kritischen Analyse der
Angaben älterer Forscher, besonders von Laurent (Voy.
autour du monde 1844), sowie einige Bemerkungen über
Spongia limbosa, die trotz ihrer Unvollständigkeit doch we-
nigstens so viel beweisen, dass die Spongillen und Spongien
in den wesentlichsten Organisationsverhältnissen mit einander
übereinstimmen, dass die Spongillen, mit den Worten unsers
Verfs, Spongien sind. Nach diesen neuen Untersuchungen
ist der gesammte Leib der Spongillen von einer abstehenden
äusseren Haut bekleidet, die von den Spitzen des Nadelge-
rüstes getragen wird und nur an den kegelförnig vorsprin-
genden Osculis mit dem Körperparenchym zusammenhängt.
Die histologischen Elemente dieser Umhüllungshaut sind die
gewöhnlichen contractilen Zellen, wie denn überhaupt die
ganze Masse des Spongillenkörpers denselben Zellenbau be-
silzt. Zwischen den Zellen der Haut bleiben feine, bald dichte,
bald auch in grösseren Zwischenräumen stehende Poren,
durch die das Wasser zunächst in die zwischen Körperhaut
und Parenchym gelegene weite und sackförmige Höhlung
hineintritt. Aus dieser gelangt das Wasser sodann erst in
das Canalsystem der Spongille und zwar wiederum durch
eine Anzahl kleiner Poren, die im ganzen Umfange des Kör-
pers angebracht sind. In grösserer oder geringerer Entfer-
nung von diesen Poren sind die Canäle mit besonderen Wim-
perorganen verschen, deren Thätigkeit die Strömung des
Wassers unterhält. Es sind das besondere, den Canälen an-
hängende kuglige Räume, deren Innenfläche mit dichtstehenden
Cilien besetzt ist. Die fremden Körper, die durch die Was-
serströmung mit fortgerissen werden, bleiben eine Zeitlang
in diesen Wimperräumen stecken, um dann von da entweder
wieder in die gewöhnliche Strömung überzutreten und durch
die röhrenförmigen Zapfen schliesslich ausgeführt zu wer-
den; oder sie gelangen in das Zellenparenchym des Körpers,
wo sie dann, von allen Seiten eng umschlossen, eine lange
176 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Zeit verweilen. Zuweilen wurden auch Infusorien durch die
Poren in den Körper eingeführt; sie gerielhen, nachdem sie
eine Weile in der sackförmigen Höhle umhergeschwommen
waren, gleichfalls zwischen die Zellen des Körperparenchyms.
Noch etwa eine halbe Stunde lang sah man hier das Spiel
der contractilen Blase; einige Stunden später war das In-
fusorium so vollständig zerfallen, dass sich nichts mehr von
ihm wahrnehmen liess. „Der Vorgang sieht in jeder Be-
ziehung so aus, wie wenn ein Actinophrys sol ein Infuso-
rium gefressen hat.“ Uebrigens ist das Canalsystem kein
System von Gefässen mit eigenthümlichem Bau, sondern nur
durch eine eigenthümliche Lagerung des gewöhnlichen
Körperparenchyms gebildet. Die schon früher von Bower-
bank (J. B. XXI. S. 255) beschriebene Verschmelzung
zweier oder mehrer Exemplare ist jetzt auch von unserm
Verf. beobachtet; es bleibt vielleicht nur noch zu bemerken,
dass dabei nicht selten eine Reduction in der Zahl der Aus-
fuhröffnungen stattfindet, dass letztere also keineswegs etwa
für die Zahl der in einer Colonie vereinigten Individuen
maassgebend ist. Bei Spongia limbosa liessen sich zwischen
den contaclilen Parenchymzellen gleichfalls die kugligen Wim-
perapparate an den Canälen, und zweierlei, bewimperte und
unbewimperle Fortpflanzungskörper unterscheiden.
Die Beobachtungen von Lieberkühn finden in fast
allen Punkten eine Bestätigung durch die neuesten Unter-
suchungen von Carter, der uns in seiner Abhandlung „on
Ihe ultimate structure of Spongilla® (Ann. and Mag. nat. hist.
Tome XX. p. 21 sq. Tab. I) eine vollständige Anatomie der
Sp. alba n. sp. aus Bombay geliefert hat, Verf. beschreibt
die Umhüllungshaut mit ihren Poren und dem darunter lie-
genden Hohlraum, die Entwicklung der Kieselnadeln im In-
nern der Zellen, das Canalsystem des Körperparenchyms mit
den Wimperorganen. Die einzige wichligere Differenz zwi-
schen ihm und Lieberkühn besteht darin, dass er den
Canalapparat des Spongillenkörpers in zwei Systeme zerfällt,
in das System der einführenden und das der ausführenden
Canäle, die beide keinen directen Zusammenhang besässen.
Die einführenden Canäle sollen in die Wimperorgane
hineinleiten und hier endigen, während die ausführenden im
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 177
Umkreise dieser Gebilde selbstständig ihren Ursprung neh-
men. Die Wimperorgane betrachtet Verf. als Mägen oder
vielmehr als Thiere, die nach Art der Polypen in eine ge-
meinschaflliche Leibessubstanz eingesenkt wären. Er glaubt
auch beobachtet zu haben, dass dieselben durch Metamor-
phose einer einzigen Zelle ihren Ursprung nehmen und will
diese Metamorphose mitunter selbst an isolirten Schwamm-
zellen gesehen haben. Ebenso giebt er an, dass diese Ge-
bilde nach ihrer zufälligen Trennung von dem Schwamm-
körper allmählich zu einem amöbenarligen Wesen sich ent-
wickelt hätten. (Bedeutet wohl ‘nur so viel, dass Verf. die
amöbenarligen Bewegungen isolirter Schwammzellen beobach-
tete.) Die Einfuhr ‚des mit Nahrungsstoffen imprägnirten
Wassers geschieht nach Verf.’ durch die Thätigkeit der
Flimmerhaare, die je einzeln: einer Zelle aufsilzen, während
der Uebertritt in das ausführende Kanalsystem durch die ge-
meinschaftliche Action der von ihm in den cilientragenden
Zellen entdeckten pulsirenden Bläschen bedingt sein soll. Die
Nahrungsstoffe gelangen in ‘das Innere der einzelnen Zellen
hinein, wie in das Innere eines Rhizopodenkörpers. Sind
die Wimpersäcke mit Nahrung angefüllt, so schliesst die
Spongille für einige Zeit die Oscula, so wie die Oeffnungen
der Umhüllungshaut , die gleichzeitig dicht auf das Körper-
parenchym zurückgezogen wird. Von Fortpflanzungskörpern
wurden nur die Gemmulae beobachtet, die nach Verf. gleich-
falls das Entwickelungsprodukt einer einzigen. Zelle sind.
Die Untersuchungen von Bowerbank „on the anatomy
and physiology of Ihe spongiadae“ liegen einstweilen bloss
im Auszuge vor, Ann. and Mag. nat. hist. Vol. XX. p. 298—
301 (Proc. Roy. Soc. 1857. June). Verf. hebt darin na-
mentlich hervor, dass eine sichere Diagnostik und Systematik
der Spongiaden nur durch genaue Berücksichtigung der Ske-
letbildung (der bald hornigen, bald auch aus Kieselsäure be-
stehenden Fasern , so wie der Kieselnadeln) ermöglicht werde,
so wie ferner den Umstand, dass die Kieselnadeln an den
verschiedenen Stellen des Körpers auch bei derselben Spe-
cies sehr allgemein die verschiedensten Formen besitzen.
Tethea, Geodia und Dysidea hält Verf. fast für die einzigen
nalürlichen Genera unter den bis jetzt aufgestellten. Die
Archiv f. Naturgesch. XXIV. Jahrg. 2 Bd. M
4178 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Kieselnadeln vertheilt Verf. nach ihrer Bildung in sechs Grup-
pen: Spicula of the sceleton , connecting spicula, defensive
spieula, spicula ‚of the membranes, spicula of the sarcode
und spicula of Ihe gemmules, die alle sechs einzeln besehrie-
ben werden.
Meissner giebt an, dass er an einer kleinen Helgo-
ländischen Spongie auf mechanische Reize oftmals entschie-
dene Zusammenziehungen bemerkt habe. Zeitschrift für rat.
Med. 1857. I, S. 612. Anm
Leidy beobachtete (Proc. Acad. nat. sc. Philad. VII.
p-162 oder Silliman’s Journ. Vol. XXIIl. p. 281) einen ‘dem
Gen. Clione zugehörigen Bohrschwamm, der die Schalen von
Ostrea virginiana und Venus mercenaria zwischen äusserer
und innerer Fläche nach verschiedenen Richtungen durch-
setzt, und leiztere an einzelnen Stellen mit seinen Fortsätzen
durchbricht, Diese Fortsälze sind zweierlei Art, die einen
zum Eintritle, die andern zum Austritte des Wassers bestimmt,
beide in auffallender Weise contractil.
Owen beschreibt eine neue, sehr eigenthümliche Art
des schon früher (1841, Transact. Zool. Soc. III. p.205) von
ihm aufgestellten Spongiadengenus Euplectella, E. cucumer,
- und .definirt das belreffende Gen. jetzt folgendermaassen:
Körper cylindrisch , hohl, an dem einen weiteren Ende mit
einem 'unregelmässigen Netzwerk verschlossen, an dem an-
dern 'dünnern Ende miltelst eines Schopfes seidenartiger
dünner Fäden, in welche die Fasern der Seitenwände sich
auflösen, an fremden Gegenständen’ befestigt. Transact. Linn.
Soc. Vol. XXI. P.2. p. 117—123 cum tab. (Die alte Art
trägt den Namen E. aspergillum und stammt von den Phi-
lippinen, während E. cucumer ein Geschenk des Königs der
Seychellen an einen englischen Schiffscapitain ist.)
IV. Protozoa.
Cienkowsky’s Abhandlung sur les algues inferieures
et les Infusoires (Petersbg. 1856. Avec planches) behandelt
ausser den Conferven und 'einzelligen Algen auch den, Bau
der niederen Thiere während des Jahres 1557. 179
und die Entwickelungsgeschichte der echten Infusorien und
Rhizopoden. Verf. hebt mit besonderem Nachdruck die Ana-
logie in den Lebenserscheinungen dieser. beiderlei Organis-
men hervor und kommt schliesslich zu dem Resultate, dass
eine feste Grenze zwischen Thier und Pflanze überhaupt
nicht existire. Die eingekapselten Zustände der Infusorien
werden den Algensporen parellelisirt. (Ref. bedauert, diese
in ihren ‚Einzelnheiten gewiss recht interessante Abhandlung
bis, jetzt nur nach einem der Petersburger Akademie erstat-
teten‘ Berichte zu kennen.)
Carter’s Zusätze zu der im vorhergehenden Jahres-
berichte. .($S. 275) angezogenen Abhandlung über die Süss-
wasserinfusorien von Bombay handeln vorzugsweise über die
eontractile Blase und die sg. Ovula von Euglena. In den letzten
sah, Verf. (wie auch früher schon Itzigson, Bot. Zeitung
1853. 8. 879) die Entwickelung eines spiraligen Fadens, den
er für eine junge Euglena zu halten geneigt ist. Die Schwärm-
sprösslinge von Acineten sah Verf., wie Lachmann und
Cienkowsky (J. B. XXIl. S. 432) immer nur wieder zu
Acinelen werden; nichts destoweniger hält derselbe einst-
weilen, noch Stein’s Acinetentheorie, für wohl berechtigt.
Ann. and Mag. nat. hist. T. XX. p. 34—38.
Wir. haben schon im vorigen Jahresberichte (Bd. XXIII.
8.258) auf eine Reihe von Beobachtungen aufmerksam ge-
macht, nach denen sich im Innern gewissen Pflanzen 'und
Pflanzenzellen infusorienarlige Gebilde entwickeln. Die Er-
klärung: dieser Erscheinung ‚war ‚eine verschiedene. Bald
sollte hier eine abnorme Metamorphose des. Zelleninhaltes
stallgefunden haben, bald auch der infusorienarlige Körper
das Entwickelungsprodukt eines fremden Eindringlings sein.
Die Beobachtungen dieser merkwürdigen Erscheinung haben
sich gemehrt; der Zwiespalt ist derselbe geblieben. Cien-
kowsky, der hier vielleicht als bedeutendste Autorität an-
zusehen sein dürfte, glaubt die ganze Entwickelungsgeschichte
dieser sonderbaren Wesen erkannt zu haben und steht nicht
an, die betreffenden Bildungen. für selbstständige, parasiti-
sche Geschöpfe zu halten. Derselbe beobachlete (Bot. Zig.
1857. 8. 787; vergl. auch Pringsheim’s Jahrbücher für
wisssBotanik 1. 8. 371. 1.), wie monadenartige Geschöpfe
150 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
mit Durchbohrung der Zellwand in das Innere von 'Spiro-
gyren eindrangen, hier amöbenartig umherkrochen, auch 'Chlo-
rophyli aufnahmen und sich schliesslich einkapselten. ‘Die ein-
gekapselte Monade bildet sodann Schwärmsprösslinge, "die
bis auf ihre Grösse der Mutter gleichen (sog. Pseudogoni-
dien), nach ihrer Entwickelung auskriechen und durch’ die
Wand der Spirogyra hindurch in’s Freie gelangen.
Ganz anders dagegen Carter (Ann. nat. hist. Vol. XIX.
p- 259), der früher allerdings gleichfalls an eine Einwande-
rung dachte , neuerdings sich aber — und zwar wiederum
bei Spirogyra — auf das Bestimmteste von der Umwande-
lung des Proloplasma in Rhizopoden überzeugt habeii' will.
Die Schicksale dieser Rhizopoden sollen nach den Unistänt
den verschieden sein; nur bei einem Theile derselben wurde
eine Fortpflanzung durch amöbenartige Schwärmsprösslinge
beobachtet. Diese letzteren sollen sich nach dem Ausschlü-
pfen in Actinophrys sol verwandeln.
Hoffmann hal nach dem Berichte der Bot. Zig. 1857.
S. 762 gleichfalls eine Umwandelung des aus Pilzspören her-
vorquellenden Inhaltes in amöbenartige Gelilde beobachtet.
Uebrigens lässt es derselbe zur Zeit unentschieden, ob die-
selben nicht etwa auf absterbende Infusorien zurückzuführen
seien. Dieselben kommen in mehreren verschiedenen /Grös-
sen und bei Pilzen ganz verschiedener Abtheilungen vor, so
bei Uredo Carieis u. s. w. Durch Zerdrücken ‘der Sporen
kann ınan zwar ‘das Sporenplasnıa, wenn auch nicht'sgaiiz
unversehrt, austreten machen; in diesem Falle aber‘ treten
nur sehr schwache Bewegungen von amöbenarligem Cha-
rakler ein.
Ehrenberg selzt seine Untersuchungen von Erd= und
Meeresgrundproben fort und überzeugt sich von Neuem, | dass
letztere vorherrschend aus organischen, hauptsächlich ani-
malischen Substanzen bestehen. Unter ‚den hier 'aufgefunde-
nen, mitunter noch mit ihren Weichtheilen sehr wohl: erhal-
tenen Schalen und Skelettheilen befinden sich zahlreiche ı neue
Formen, besonders aus den Gruppen der Polythalamien, 'Poly-
eystinen und Poriferen , die Verf. grösstentheils als Reprä-
sentanten einer besondern Fauna der. Meerestiefe in. An-
spruch nimmt. Wir verweisen in: dieser Beziehung |näment-
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 181
lich auf die Mittheilungen unseres Verf’s in den Berliner Mo-
natsberichten von 1857. S. 142 und 538 ff.
Infusoria,
Lachmann’ vortreffliche Abhandlung über die Orga-
nisalion der Infusorien (J. B.XXIl. 8. 431) ist in’s Englische
übersetzt. Ann. and Mag. nat. hist. T.XIX. p. 115 ff.
Zwei andere grössere Arbeiten über denselben Gegen-
stand , die eine von Claparede und Lachmann, die
andere von Lieberkühn sind von der französischen Aka-
demie, ‚der sie seit Ende 1855 vorlagen, mit, dem grossen
Preise für Naturwissenschaften gekrönt worden «(Cpt. rend.
T.XLVI. p. 279) und werden sobald, als der Stich der zahl-
reichen Tafeln es zulässt, publiecirt werden. Da hierüber
jedoch noch eine längere Zeit vergehen dürfte, so ist es
doppelt erfreulich, dass Clapar&ede und Lachmann uns
bereits jetzt mit einer Uebersicht über die hauptsächlichsten
Resultate ihrer Untersuchungen, so weit diese die Fortpflan-
zung ‚der Infusorien betreffen, bekannt machen. Note sur la
reproduclion des ‚Infusoires, Ann. des sc. natur. T. VII.
p- 221— 244.
Besonders zahlreich und wichtig sind die Untersuchungen unserer
Verff. über Acinetinen, die (nach einer Kritik der bekannten Stein’-
schen Theorie) als selbstständige Formen in Anspruch genommen
werden. Schwärmsprösslinge wurden bei eilf Arten beobachtet. Die-
selben sind bei den einzelnen Species keineswegs übereinstimmend
gebaut, bald nur mit einem einfachen Flimmerstreifen oder einer
Wimperkappe verschen, bald auch in ganzer Ausdehnung mit Cilien
bekleidet. Bei Podophrya quadripartita liess der Embryo nach sei-
ner Befestigung auf den Stielen von Epistylis plieatilis von vorn
herein die spätern Saugarme erkennen. wenn auch anfangs nur in
starker Verkürzung; ja ein Mal beobachtete man bereits im Leibe
der. Mutter statt eines Schwärmsprösslings ‚eine förmliche, kleine, ge-
stielte Podophrya. ‚Die Cysten «ler Epistylis plicatilis, die Stein in
Acineten übergeben lässt, enthalten bald, blosse eingekapselte Köpl-
chen, die unter gewissen Verhältnissen nach Aussen wieder durchbre-
chen und dann aus der Tiefe der Cyste ein neues Stielchen trei-
ben, bald aber auch einen über und über flimmernden Amphileptus
(= Trachelius Meleagris Ehrbg.?), der auf den Stöcken dieser In-
fusorien lebt und sich einkapselt, sobald er die noch auf ihren Stie-
len befestigten Köpfchen durch seine gewaltige Mundöflnung ver-
182 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
schluckt hat. Uebrigens wurde auch bei Epistylis und zahlreichen
andern freischwimmenden Infusorien (Stentor, Paramaecium u. s. w.)
eine Keimbildung beobachtet. In allen Fällen geht dieser Vorgang
von dem Kerne aus, von dem sich ein Stückchen abschnürt, das
dann entweder selbst zum Embryo wird oder auch eine grössere
Menge kleinerer Embryonen in sich erzeugt. Auch bei der Theilung
geht eine Abschürung des Kerns vor sich, während bei der Knospen-
bildung, die jedoch sonstnur durch unwesentliche Merkmalexvon der
Theilung verschieden ist, der Kern der Knospe durch Neubildung
entstehen dürfte. Uebrigens scheint es, als wenn ein bestimmter
Wechsel in diesen verschiedenen Fortpflanzungsarten stattfände, indem
Theilung (oder Knospenbildung) mehr den jungen Individuen, Keim-
bildung dagegen mehr den älteren zukommt. Verfasser halten es'auch
nicht für unmöglich, dass die letztere erst Folge einer geschlecht-
lichen Entwickelung sei, müssen diese Frage jedoch ‚einstweilen
noch aus Mangel entscheidender Beobachtungen offen lassen. Ebenso
wenig lässt sich schon jetzt mit Bestimmtheit darüber, entscheiden,
ob die von unsern Verfl. mehrfach , auch bei Carchesium , beobach-
tete Copulation zweier und mehrerer Individuen mit der Fortpflanzung
irgendwie einen direkten Zusammenhang habe.
In einer Nachschrift (aus dem Frühlinge 1857) heben die Verf,
hervor, dass sie, wie J. Müller (J.B. XXIII. S. 261), und zum Theil
schon vor demselben, bei einigen Infusorien, besonders Chilodon 'und
Paramaecium , im Innern des Kernes zahlreiche Stäbchen oder Fäden
gesehen hätten, die trotz ihrer Bewegungslosigkeit möglicher Weise
Samenfäden sein könnten. Aehnliche Fäden wurden auch bei Sten-
tor gesehen und zwar beweglich, doch blieb deren Beziehung zum
Thiere unbekannt, da dieselben, wie es schien, frei im Innern lagen,
Uebrigens kommen auch Paramaecien vor, bei denen die Fäden ent-
weder alle, oder theilweise gleichfalls in der Leibeshöhle gefun-
den werden. Lieberkühn, der dieselbe Beobachtung machte,
glaubt diese Fäden bei Paramaecium auch im Innern des sog. Nu-
cleolus gesehen zu haben.
Auch von d’Udekem erhielten wir eine Abhandlung
über die Entwickelung der Infusorien, gleichfalls vorzugs-
weise nach Beobachtungen an Epistylis plicatilis (Rech. sur
le developpement des Infusoires in den M&em. de l’Acad.
roy. de Belg. T. XXX. 1857.) Ref. kennt dieselbe bis jetzt
nur aus dem von der Belgischen Akademie darüber abge-
stattelen Berichte, Bull. Acad. Belg. 1856. Aoüt; l’Instit. 1857.
p- 99.
Verf. glaubt auf das Bestimmteste sich von der Richtigkeit der
Stein’schen Angabe über ‘die genetischen Beziehungen zwischen
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 183
Vorticellinen und Acineten überzeugt zu haben, lässt aber die letz-
tern nicht direkt aus den erstern hervorgehen, sondern schiebt zwi-
schen beide noch ein Mittelglied ein, ein flinnmerndes Infusorium, das
einer Opalina verglichen wird. Diese Opalina soll aus den auf’ ihren
Stielen sich einkapselnden Epistilisköpfchen sich bilden, nach ihrer
Bildung ausschwärmen und später nach Verlust ihrer Cilien in eine
Acinete auswachsen. (Es scheint Ref., dass dem ersten Theile dieser
Angabe jene Thatsachen zu Grunde liegen, die durch die Beobachtun-
gen von Lachmann und Claparede ihre Erledigung gefunden
haben.) Die Schwärmsprösslinge der Acineten entstehen nach Verf.
durch Umwandlung des Kerns, geben aber, wie das auch von ande-
ren Seiten constatirt ist, keine Vorticellinen, sondern neue Actineten.
Die dem Journ. .de Med. de Bruxelles 1857. Oct. inse-
rirte Abhandlung desselben Verf. über die‘ Metamor-
phosen der Vorticellinen ist Ref. eben so wenig zu Gesicht
gekommen, dürfte aber vielleicht bloss. eine Wiederholung
der voranstehenden Miltheilungen sein.
Die Infusorien auf der Protozoentafel (Tab. I) der Ico-
nes zoolomicae von Carus sind theils Copien des bekann-
ten Stein’schen Werkes, theils auch nach Originalien dieses
Forschers bearbeitet. Unter den letztern erwähnen wir die
Abbildungen von Prorodon teres mit Kern und ansitzendem
Kernkörperchen, Stylonychia mylilus, von Vorticella micro-
stoma in verschiedenen Entwickelungszusländen, von Vagi-
nicola erystallina, Opercularia arliculata und deren vermeint-
lichen Acinetenzuständen. Als neu erscheint dabei die An-
gabe, dass der Schlundtrichter von Prorodon eine längsge-
fallete Röhre darstelle und keineswegs aus getrennten Stäb-
chen zusammengesetzt sei.
Cohn macht einige Mittheilungen über Nassula elegans,
besonders die bei derselben vorkommenden Pigmentanhäu-
fungen (die nach dem Verf. aus Phykochrom bestehen und
wahrscheinlich von den gefressenen Oscillatorien herrühren)
und die Fortpflanzung. Letztere,wird durch einen oder zwei
Sprösslinge vermittelt, die im Innern einer nach Aussen of-
fenen Höhle liegen, statt der Wimpern aber bloss ‚einige
strahlenarlige Fortsätze tragen. ' Verf. erinnert dabei an die
Behauptung von Stein (J. B. XXIll. $. 362), dass die
Schwärmsprösslinge verwandter Formen sich in Acineten
184 Leuckart: Bericht über dieLeissungen in dev Naturgeschichte
verwandelten. Zeitschr. für wissenschaftl. Zoologie IX. S. 143.
Mit Abbild.
Nach den Beobachtungen von Lieberkühn (Arch.
für Anat. und Phys. 1857. S. 403) findet sich bei den Sten-
toren unterhalb der eigenthümlich gestreifen äusseren Be-
deckung ein System scharf contourirter körnchenfreier Fa-
sern, die sich in der Längsrichtung des Körpers zwischen
der Wimperscheibe und dem Saugnapfe ausspannen und ihrer
physiologischen Action nach als Muskelfasern gedeutet wer-
den müssen.
Gegenbaur macht einige Mittheilungen über den Bau
von. Trachelius ovum (Archiv für Anat. und Physiolog. 1857.
S. 309, Ann. and Mag. nat. hist. T. XX. p. 201) die, so weit sie
den sog. Darm und die contractilen Blasen betreffen, genau
mit den — dem Verf., wie es scheint, unbekannt gebliebenen —
Angaben von Cohn (Ztschr. für wissenschaftl. Zool. IV. 8.266,
Jahresbr. XXI. S. 94) übereinstimmen. Der sg.Darm besteht
aus feinkörnigen Strängen oder Fäden, die Cohn sehr rich-
tig mit den Plasmafäden in den Zellen der Tradeskantienhaare
vergleicht, also aus einer ‚soliden Masse, in die sich die ge-
nossene Nahrung aus der Mundöffnung hineindrückt. (Lach-
mann ist, geneigt, diesen Apparat als einen verzweiglen
Darnkanal anzusehen ;, Müller’s Arch. 1856. S. 360; eine
Annahme, die. wohl eben: so irrig ist, , wie. die im leiz-
ten Jahresberichte S. 435 erwähnte Beschreibung von dem
Darmkanale der Nocliluca, der sich ‚nach den. Untersuchun-
gen des Ref. genau so verhält, wie bei Trachelius.) Der
Zwischenraum zwischen diesen Sarcodesträngen ist. nach
Gegenbaur von Wasser erfüllt, das wahrscheinlicher Weise
durch eine besondere, vor dem Munde gelegene Flimmer-
öffnung eintritt und gelegentlich auch, bei einer Kräftigen
Contraclion der Körperwände, nach aussen entleert wird.
J. Samuelson hat sich jetzt (vgl. J. B. XXI1l. S.262)
davon überzeugt, dass auch bei Glaucoma u. a. Infusorien
eine Rolation der Nahrungsballen vorkommt, die freilich
sehr viel langsamer sei als bei Nassula u. s. w. Gleichzei-
tig bestätigt derselbe die Anwesenheit eines mit der con-
traclilen Blase zusammenhängenden Gefässsystems, das be-
sonders bei Amphileptus sehr deutlich sei. Bei Glaucoma
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 185
bilden sich nach der Entleerung der (überall ) sehr ober-
flächlich gebogenen Blase in der Tiefe des Körpers mehrere
kleinere Hülfsbläschen (auxiliary vesicles). Quarterly Journ. V.
p- 104— 106.
Derselbe glaubt behaupten zu dürfen, dass Kerone
eine höhere Entwickelungsform von Glaucoma darstelle und
sich in eneyslirten Glaucomen ausbilde. Zugleich hebt ‘der-
selbe hervor, dass der ‚Einfluss gelfärbter Lichistrahlen auf
das infusoriglle Leben ein sehr verschiedener sei, dass na-
mentlich blaue und rothe Strahlen dasselbe heben, gelbe
Strahlen aber herabdrücken. Rep. br. Assoc. 26. Meet. p. 98.
Brigtwell publieirt Beobachtungen des Lieutenant
Colonel Baddeley, durch welche die Annahme, dass sich
Noctiluca durch Theilung vermehre,, bestätigt und bewiesen
wird. Aller Wahrscheinlichkeit nach geht die Theilung zu-
nächst von dem Kerne aus, In einem Anhange von Tuffen
West wird das Bewegungsorgan der Noctilucen als eine
quergestreifte Muskelfaser in Anspruch genommen. Quarterly
Journ. mier. Sc. V. p.185—191.
G. Wagener liefert (Beiträge zur Entwickelungsge-
schichte der Eingeweidewürmer Tab.XXV) eine ausgezeich-
nete Abbidung von dem in Anodonta schmarotzenden Pa-
ramaecium compressum Ehrbg.? und macht darauf aufmerk-
sam, dass dieses und andere schmarotzende Infusorien, auch
die Opalinen, durch Anwesenheit von contractilen Räumen
und.den in ihnen vorkommenden Infusorienkern von den
wimpernden Trematodenembryonen wesentlich verschieden
seien (helminthologische Bemerkungen a. a. 0. S. 89).
In Betreff der Bursarien des Froschdarmes hält es da-
gegen Pagenstecher (Trematoden und Trematodenlarven
5.37) für wahrscheinlich, dass sie der Entwickelungsreihe
gewisser Trematoden zugehören.
Ebendaselbst handelt Pagenstecher auch über an-
dere. parasilische Infusorien des Frosches, besonders über
Amöben und stiellose Vorticellen (d. h. Trichodinen).
Durch Malmsten’s Beobachtungen wird der Nachweis
geliefert, dass bei gewissen pathologischen Zuständen , bei
chronischen Diarrhöen mit Ulceralion der Schleimhaut, in dem
Dickdarme des Menschen. mitunter ungeheure Mengen von
186 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
unzweifelhaft echten Infusorien auftreten.‘ Verf. bezeichnet die
Form als Paramaecium (2) coli; nach den beigegebenen Abbil-
dungen dürfte man darin wohl eine Bursaria oder Leucophrys
erkennen, deren Arten bekanntlich auch sonst als Darmschmaro-
tzer leben. In dem entleerten Kothe gehen die Thiere schon
nach wenigen Stunden zu Grunde, wie denn überhaupt der
Darmkanal der genuine Aufenthaltsort unserer Thierchen zu
sein scheint. Verf. vermuthet sogar eine causale Beziehung
zwischen ihnen und den begleitenden Krankheitserscheinun-
gen. Virchow’s Arch. für pathol. Anat. XII. S.'302. Mit Ab-
bild. (Aus ‚schwedischen .Mittheilungen ‘auch im Auszuge
übergegangen in Bibl. univ. de Geneve T.XXXIV. p. 371.)
Glaparede und Lachmann erwähnen in der oben
bereits angezogenen Miltheilung über die Fortpflanzung der
Infusorien (]. c.) eine ganze Anzahl neuer und doch wenig-
stens noch unbenannter Arten, besonders aus den Gen. Po-
dophrya und Acineta.
Podophrya cyclopum, P. carchesii, P. quadripartita (= Acineta
Epistylidis St.), P. pyrum, P. cothurnata (= diademartige Acinete $t.),
P. Trold, A. patula und A. cucullus, die drei letzten Arten von der
Norwegischen Küste. Die genannten Genera, die früher nur unvoll-
ständig charakterisirt wurden, unterscheiden sich nach unsern Verf.
durch die Anwesenheit (Acineta) oder den Mangel eines Panzers
(eoque). Ein driltes verwandtes Genus wird von unsern Verff. als
Ophryodendron neu aufgestellt, O. abietinum n. sp. auf Campa-
nularien der norwegischen Küste. Ebenso Paramaecium putridum n. sp.
Dieselben Beobachter machen darauf aufmerksam (Ibid.
p. 233), dass die von Ehrenberg zur Unterscheidung der
Stentorarten hervorgehobenen Charaktere — Farbe, Bildung
des Nucleus und Anwesenheit oder Mangel des wimpernden
Längskaınmes — keineswegs beständig seien und nach dem
Entwicklungszustande derselben Individuen vielfach wechseln.
Auch von Wright erhielten wir Beschreibungen einiger
neuer wmariner Infusorien: Lagotia (mn. gen.) viridis, L.
hyalina, L. atro-purpurea, Vaginicola valvata, Ephelota
(n. gen.) coronata. Edinb. new phil. Journ. Vol. VIII. p. 277
c. tab.
Die erste vom Verf. den Ophrydinen zugerechnete Form —
Ref. möchte dieselbe wegen Anwesenheit eines uniformen Flimmer-
kleides eher den Stentoren anreihen — zeichnet sich namentlich durch
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 187
Anwesenheit eines hufeisenförmig entwickelten Flimmerapparates 'aus,
und bietet dadurch ein interessantes Gegenstück zu der oben (S. 103)
erwähnten Annelidform Phoronis. Der überall flimmernde Körper steckt
in einem retortenförmig gekrümmten hellen Gehäuse und ist mittelst
des letzteren auf Muschelschalen. befestigt.
Vaginicola valvata trägt hinter der Oeflnung des Gehäuses einen
klappenartig beweglichen, an der Wand befestigten Deckel, der beim
Hervorstrecken des Thieres sich aufhebt, beim Zurückziehen aber den
untern Raum des Gehäuses mit dem Insassen abschliesst.
Ephelota ist schon früher von Alder beobachtet und (Ann.
nat. hist. 1851) mit einigen andern verwandten, theils auf Sertularia,
theils auf Paludicella lebenden Arten (Podophrya ovata und pyrifor-
mis) beschrieben, auch von Prichard später mit einem neuen, aber
bereits vergebenen Genusnamen (Alderia apiculosa) in die zweite Auf-
lage seines Infusorienwerkes aufgenommen. Ephelota coronata hat
eine becherförmige Gestalt und ist mittelst eines langen und dicken,
glashellen Stieles an fremden Körpern (in der Oeflnung der von Pa-
gurus bewohnten Schneckenschalen) befestigt. Der vordere Körper-
raum trägt einen Kranz von dicken und spitzen Tentakeln, die ein
Bündel fester Haarfäden in sich einschliessen und eine nur geringe
Beweglichkeit besitzen.
Huxley beschreibt, unter dem Namen Dysderia
(n. gen.) armala ein sehr: ausgezeichneles mit Euplotes (bes.
O. macrostylus Ehbg.)und Chlamidodon verwandtes pelagisches
Infusorium, dessen wesentlichster Charakter in dem Besitze
eines zweiklappigen, aber unsymmetrisch entwickelten Scha-
lenapparaltes, eines zapfenförmigen, von der Bauchfläche ab-
gehenden Fusses und eines sehr, mächtigen und complicirten
Masticationsapparats besteht. Ein Nucleus konnte nicht auf-
gefunden werden, dagegen sah Verf. ein Mal ein Exemplar
im Zustande der Zweitheilung (wobei der Masticationsapparat
verschwunden war). Quarterly Journ. mier. Sc. V. p. 78
—82. c. tab.
Gosse, der dasselbe Thier beobachtete und es mög-
licherweise für identisch mit Ehrenberg’s Chlamidodon
Mnemosyne hält, stellt dessen Infusoriennatur in Abrede und
glaubt es den Rotatorien überweisen zu müssen. Dabei giebt
er dem Gen. Dysderia folgende Diagnose:
Lorica bivalvis, inaequalis, fere tota margine hiante. Corporis
facies capitales et ventrales eiliatae. Apparatus mastieatorius valde
elongatus, in. mastace diagnoscenda non inelusus. (Cavitas digestiva
188 Leuckart: Berichtüber die Leistungen in der Naturgeschichte
amplissima, simplex ?) Pes inarticulatus, indivisus, spathulatus, com-
pressus, Ibid. p. 138.
Anhangsweise erwähnen wir hier auch die merkwür-
digen, in früherer Zeit mehrfach, besonders von Erd] und
Kölliker, untersuchten Parasiten an den Venenanhängen der
Gephalopoden, Dicyema Köll., die vielleicht am: besten ‚den
Infusorien 'angereiht werden können und von G Wagener
(Archiv für Anat. u. Physiol. 1857. S. 354-368 mit’Abbild.)
sehr sorgfältig beschrieben sind.
“Die Diceyemen sind bekanntlich -langgestreckte, flimmernde
Schläuche mit einem deutlich abgesetzten, zur Befestigung an den
Venenanhängen dienenden Kopfende. Die Leibeshöhle enthält zweier-
leiKeime, bald „infusorienartige Embryonen“, bald auch wurmförmige,
den Mutterthieren identische Junge, die aber niemals beide zusam-
men,,‚sondern immer nur ‚jede Art für ‚sich, in ‚besonderen Individuen
zu treffen sind (Kölliker). Verf. beobachtete zwei Formen. dieser
merkwürdigen Thiere, die eine, D. Eledones (= D. paradoxum Köll. ?)
aus Eledone moschata, die andre, D. gracile n. sp. aus Sepia ofli-
einalis, beide durch eine abweichende Bildung ihres Kopfendes und
die Gestalt ihrer infusorienartigen Embryonen leicht von einander zu
unterscheiden. Die äussere Körperwand derselben besteht aus drei
von einander verschiedenen’ Schichten, zweien, 'wie es'scheint, stru-
eturlosen Grenzschichten und leiner dazwischen liegenden Körner- oder
Zellenschicht, die freilich bei den einzelnen Individuen eine sehr
verschiedene ‚Dicke hat. Die Körnermasse dieser letzten Schicht
sammelt sich ‚nicht selten, besonders bei D. Eledones, an einzelnen
Stellen zu warzenförmigen Mervorragungen an, die leicht abfal-
len und sich dann schnell auflösen (Knospen Köll.) In den Sei-
tentheilen des Leibes bemerkt man zwei. helle und durchsichtige
Streifen, die sich an’ den. Körperenden yerlieren und weder Verbin-
dungen mit einander, noch ‚Contractionen ‚erkennen lassen. Bei den
jüngern,, besonders den noch im, Mutterleibe befindlichen ‚Diceyemen,
den sg. wurmförmigen Embryonen, ist der Körper völlig solide. Die
Leibeshöhle wird hier von einem eigenthümlichen „Kerne“ ausge-
füllt, einem festen, von Querscheidewänden durchsetzten Gebilde. Spä-
ter lösen sieh die beiden Enden dieses Kernes in'einen traubig verbunde+
nen Haufen von Kugeln auf, die aus einander fallen und sich sodann dusch
Furchung und eine weitere, daran sich anschliessende Metamorphose
in die beiderlei Keime verwandeln. Die infusorienartigen Embryonen
zeigen einen Kopf und einen kurzen stummelförmigen Hinterleib, von
denen bei D. Eledones (wie D. paradoxum) nur der letztere flimmert,
während bei D. gratile die ganze Oberfläche mit Cilien besetzt ist.
Dafür aber enthält der Kopf bei D, Eledones (wie D. paradoxum) im
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 189
Innern ein sehr eigenthümiliches schalenartiges Organ (Blase Köll.),
dessen Concavität nach. dem Bauche zu gekehrt ist, und oberhalb des-
selben, dem Rücken zugewandt, zwei (oder mehrere) scharf contourirte
Kalkkörperchen. Die völlig ausgebildeten Embryonen bohren sich ein-
zeln durch die Leibeswand der Mutter hindurch, ohne dass diese da-
durch in merklicher Weise verändert wird.
Eine dritte Form von Dieyema, D. Mälleri n. sp., wurde von
Claparede an den: Venenanhängen von Eledone eirrosa beobachtet
und in einem Zusatze zu der ‚voranstehenden Abhandlung mit ihren
Embryonen beschrieben. A. a: 0. 8. 364.
Von einem Kern wurde: nichts wahrgenomnen‘; ‘das schalen-
artige Organ, der infusorienförmig, wie bei D.'Eledones gestalteten
Embryonen als ein: von durchsichtiger Hülle umgebenes rundes Ge-
bilde gedeutet. Statt zweier Kalkkörper findet sich ein ganzer Hau-
fen runder stark lichtbrechender Körner. Die wurmförmigen Embryo-
nen 'erschienen vollkommen starr ‘und unbeweglich und niemals be-
wimpert, auch von etwas abweichender, zugespitzter Gestalt und mit
gleichmässigem: Inhalt.
In ‚der Leibeshöhle: von Hydatina beobachtete Leydig
einen mit Distigma tenax verwandten Parasiten, ‘der fast
keinem einzigen Exemplare fehlte. Im Innern des gallert-
arligen weichen Körpers fanden sich viele fettarlig glänzende
Kugeln, die nach Druck mit dem Deckgläschen eine ziemlich
intensive indigoblaue Färbung annahmen, ausserdem im Vor-
derende ein oder zwei helle kernarlige Körper und ganz vorn
endlich ein röthlicher Augentleck. Die Bewegungen waren
sehr ‚lebhaft, doch liess sich kein Flimmerhaar entdecken.
Müller’s Arch. für Anat. u. Physiol. 1857. S. 415 (Ob die
im,Monat März nicht selten gleichfalls bei Hydatinen beob-
äachteten parasitischen Bildungen, deren Verf., a. a.0. S.410,
als „scharf eontourirte kuglige Körper nit feinem Haarbesatze*
Erwähnung thut, vielleicht in den Entwicklungskreis dieser
Geschöpfe gehören ?)
Ciliata. Cohn handelt über Keimung und Entwicklung
der Volvocinen (Bot. Zig. 1857. $.764) und beruft sich dabei
auf Beobachtungen über Stephanosphacra .pluvialis, die seit-
dem in den Verhandl, der K. Leopold. Carol. Akademie Vol.
XXVL P.1 ausführlich veröffentlicht sind. Wir heben daraus
Folgendes hervor:
Es folgen bei Stephanosphaera immer ‘mehrere Generationen
beweglicher Familien, bevor eine rahende Generation eintritt; ; Diese
190 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
entsteht, indem die einzelnen Primordialzellen ihre fimmernden Fäden
verlieren und sich mit einer derben, dicht anliegenden Cellulosemem-
bran umgeben, so dass sie dann den’ gewöhnlichen Protococcuszellen
gleichen. In diesem Zustande der Ruhe sind die Zellen auch eines
bedeutenden Wachsthums fähig. Sind dieselben ausgewachsen, wobei
sich ihre grüne Farbe gewöhnlich in Roth umwandelt, so entwickeln
sie sich nicht weiter, es müsste denn sein, dass sie durch Verdun-
stung ‘des umgebenden Wassers einem völligen Austrocknen unter-
lägen. Geschieht letzteres und werden die Zellen ‘dann auf's Neue
mit Wasser übergossen, so beginnt 'in ihnen nach wenigen Stunden
die Entwickelung ‘beweglicher Generationen. ' Der Inhalt der ruhen-
den Zellen theilt sich nämlich successiv nach bestimmten Richtungen
in 2, 4, wohl ‚auch in 8 Portionen, während die Membran sich auf-
löst. Die einzelnen Abtheilungen werden frei und bewegen sich mit
Hülfe von zwei Flimmerfäden, umgeben sich sodann mit einer zarten
Cellulosemembran. und verwandeln sich durch Theilung des Inhalts
schliesslich in die bekannten achtzelligen Familien.
Stein giebt Abbildungen von Euglena viridis im freien
und eingekapselten Zustand, in letzterm auch mit Zwei- und
Viertheilung. Carus, Icon. zoot. Tab. I. Fig. 11—16.
Pick liefert (Verh. des zoolog. bot. Vereins in Wien
v11.'S. 35-38) „einige Mittheilungen über die lebenden Rhi-
zopoden Wiens“ und schildert dabei den seit Rösel nicht
wieder gesehenen Theilungsprocess von Amoeba diffluens,
der Verf, übrigens auch die A. princeps und A. verrucosa
Ehrbg.’s anreihen möchte.
Lachmann und Clapar&de beobachteten bei einem
zu den Rhizopoden gehörenden neuen Thiere, das als Parasit
auf Epistylis plicatilis lebt, Urnula Epistylidisydieselbe Keim-
bildung aus dem Kern, wie bei den echten Infusorien. L« c.
p- 233. Auch Theilung findet sich bei Urnula, aber dieser
Vorgang ist dadurch ausgezeichnet, dass sich das eine Theil-
stück dabei (was auch für Acinela mystaeina gilt) mit Wim-
perhaaren bedeckt. Ibid. p. 235 Note.
Carus theilt' auf Tab. seiner Icones zoolomicae zwei
von Stein gezeichnete Abbildungen von Arcella vulgaris und
Difflugia oblonga mit (Fig. 57 u. 58). In beiden ist ein Kern,
bei ersterer sogar constant ein doppelter Kern mit zahlreichen
contractilen Blasen vorhanden.
der niederen Thiere während des Jahres 1857. 191
Macdonald liefert auf zwei Tafeln die Abbildungen
der von ihm bei den Feejee-Inseln aus Grundproben (Tiefe
von 1020 und resp. 440 Faden) zusammengelesenen Polythala-
mien und beschreibt bei einigen lebend von ihm beobach-
teten Operculinen und Nummulinen einen förmlichen Stiel,
mittelst dessen Hülfe dieselben (wie schon früher einmal von
Clark behauptet ist, J. B, XX1, S. 106) bewegungslos auf
fremden Gegenständen befestigt seien, Der Stiel soll in man-
chen Fällen durch Farbe und Aussehen dem Stiele junger
Lepaden gleichen, öfters aber auch nur kurz und mit Kalk-
körnchen durchsetzt sein. Ann. and Mag. nat. hist. XX. p. 193.
An einer andern Stelle (Ibid. p. 266) bemerkt der-
selbe Verfasser, dass er niemals bei einer Polythalamie
die nach Aussen hervorgestreckten sg. Pseudopodien, noch
eine Ortsbewegung beobachtet habe, wogegen jedoch Gosse
Gibid.p- 365) mil Recht hervorhebt, dass bei der grössern Mehr-
zahl der betreffenden Thiere die Existenz sowohl einer Orts-
bewegung wie auch, der Pseudopodien nicht bezweifelt wer-
den könne.
Von Parker und R. Jones erhielten wir Beschrei-
bungen und Abbildungen zahlreicher norwegischer Polytha-
lamien, die, nach den Bestimmungen unserer Verff., zum
Theil mit fossilen Formen identisch sind (Ann. and Mag. nat.
hist. T. XIX. p. 273—304. Tab. X u. XD). Die beschriebe-
nen Arten sind folgende: :
Lagena laevis Walk. und Mont., Entosalenia globosa Mont. (in
4 Varietäten), Nodosaria laevigata d’Orb., N. communis d’Orb., Poly-
morphina communis d’Orb., Spirillina vivipara Ehrbg. (= Cornuspira
perforata Schultze), Operceulina complanata Basterot, Nonionina erassula
Mont., N. communis d’Orb.. N. bulloides d’Orb., N, asterisans Fichte
u. Moll, N. striato-punctata Fichte u. Moll, Polystomella erispa Linn.,
Cristellaria calear Linn., Globigerina bulloides d’Orb., Rosalina vesi-
eularis Lam., Truncatulina lobatula d’Orb., Anomalina coronata n.sp.,
Valvulina triangularis d’Orb., Bulimina marginata d’Orb., Uvigerina
pygmaca d’Orb., Textularia sagittula Sold., Biloculina ringens Lam.,
Quinqueloeulina seminulum Linn., Triloeulina(?) oblonga Mont., Pla-
eopsilina canariensis d’Orb.
Ehrenberg entdeckt in mittelmeerischen, aus bedeu-
tender Tiefe aufgehobenen Grundproben 101 verschiedene
Polythalamienformen, von denen etwa die Hälfte neu ist,
192 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte etc.
einstweilen aber bloss dem Namen nach aufgeführt wird.
Monatsber. der Berl. Akad. 1857. S. 555.
Ebenso 36 verschiedene Polycystinen mit 12 Sp. n.
Ebendas. S. 559. .
Auch die von Bailey vorgenommenen mikroscopischen
Untersuchungen bestätigen das häufige, zum Theil selbst
massenhafte Vorkommen von Polythalamien und Polyeyslinen
in Grundproben. Silliman’s Journ. Art. and Sc. 1857. Vol.
XXIII. p. 153—157.
Macdonald untersucht den Darminhalt der Salpen
und findet darin. eine Menge von Thier- und Pflanzengerüsten,
die sich nach den beigegebenen Abbildungen zum Theil auf
Polythalamien (Globigerina) und Polycystinen (Eueyrtidium,
Acanthometra u. s, w.) zurückführen lassen. Annals and Mag.
nat. hist. T. XX. p. 264. Tab. VII.
Gregarinae.
Stein'liefert in Carus, Icon. zoot. Tab. I. Fig. 1—4
vier Abbildungen von Didymophyes gigantea St., Monoeystis
agilis St., Stylorhynchus oligacanthus v. Sieb., Didymophyes
paradoxa St.
Die von Kölliker an den Darm- und Lungengefässen
von Holothuria tubulosa aufgefundenen parasitischen Bildungen
(Zischr. für wiss. Zool. IX. S. 138) sind nach Schneider's
Untersuchungen Gregarinen mit zwei Kernen, die in beson-
deren Aussackungen der Gefässe liegen.
In der Nicolaischen Verlagsbuchhandlung in Berlin sind erschienen:
Berliner
Entomologische Zeitschrift.
Herausgegeben von dem
Entomologischen Vereine in Berlin.
(Redacteur Dr. G. Kraatz.)
Erster Jahrgang (1857) mit Kupfern 2 Thlr.
Zweiter Jahrgang (1858) 4 Hefte mit Kupfern 3 Thlr.
Dritter Jahrgang (1859) 4 Hefte mit Kupfern 3 Thlr.
Naturgeschichte
der
Inseceten Deutschlands.
Begonnen von
Dr. W. F. Erichson.
Fortgesetzt von
Prof. Dr. H. Schaum, Dr. G. Kraatz und H. v. Kiesenwetter.
Erste Abtheilung: Toleoptera.
Band I. Bearbeitet von H. Schaum. Lief. 1—3. Geh. 3 Thlr.
Band II. Bearbeitet von G. Kraatz. (vollständig) 6 Thlr.
Band III. Bearbeitet von W. F. Erichson. (vollständig) 5 Thlr.
Band IV. Bearbeitet von H. v. Kiesenwetter. Lief. 1. 2. Geh. 2 Tlilr.
Die Fortsetzungen vom ersten und vierten Bande sollen in
möglichst rascher Folge geliefert werden. —
Das Gebiss der Schnecken,
zur
Begründung einer natürlichen Classification der Schnecken,
untersucht von
Dr. F. H. Troschel.
Professor an der Friedrich-Wilhelms - Universität in Bonn.
Dritte Lieferung in grolßs Quarto mit 4 Kupfertafeln., —
Preis 2 Thlr. 20 Sgr.
Die vierte Lieferung erscheint im Laufe d. J.
Berendt, Dr. &. ©., Die im Bernstein befindlichen organischen
Reste der Vorwelt, gesammelt, in Verbindung mit Mehreren bearbeitet
und herausgegeben. Isten Bandes Iste Abtheilung. (Auch unter dem
Titel: Der Bernstein und die in ihm befindlichen Pflanzenreste der
Vorwelt, bearbeitet von H. R. Göppert und G. C. Berendt.) Mit
7 lithographirten Tafeln. 4 Thlr. 20 Sgr.
—— Desselben Buches Isten Bandes 2te Abtheilung. (!Auch unter dem
Titel: Die im Bernstein befindlichen Crustaceen, Myriapoden, Arachni-
den und Apteren der Vorwelt, bearbeitet von C. L. Koch und Dr. 6.
€. Berendt.) Mit 17 lithographirten Tafeln. 4 Thlr. 20 Sgr.
Bouche, P. F., Naturgeschichte der Insekten, besonders in Hinsicht
ihrer ersten Zustände als Larven und Puppen. Iste Lieferung. Mit 10
Kupfertafeln. 1 Thlr. =
Dahlhom, A. &., Hymenoptera europaea praecipue Borealia, for-
mis typieis nonnullis specierum generumye exoticorum propter nexum
systematicum associalis per familias, genera, species et varietates. To-
mus I: Sphex, in sensu Linnaeano. Cum tabula lithogr. 3 Thlr. 10 Sgr.
Tom. II: Chrysis, in sensu Linn. Acced. 12 Tab. aeri ineis. 4 Thlr.
Erichson, WW. F., Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1838—1847. (8! Thlr.)
Herabg. Preis 4 Thlr.
Sehausmmn, Prof. E9., Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1848—1852. 5 Helte.
(Fortsetzung der Erichson’schen Berichte.) 5 Thlr. 10 Sgr.
Gersiäcker, Dr. A., Bericht über die wissenschaftlichen Leistun-
gen im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1853 — 1856.
(Fortsetzung der Erichson- und Schaum’schen Berichte) 54 Thlr.
Gerstäcker, Dr. A., Rhipiphoridum coleopterorum familiae dispo-
sitio systematica, accedit tabula aeri ineisa. 25 Sgr.
Gorski, S. B., Prof, Analecta ad Entomographiam provinciarum
oceidentali-meridionalium Imperii Rossiei. Fasc. I. cum tribus tabulis
coloratis aeri ineisis. 2 Thlr.
Leuckart, R., Zur näheren Kenniniss der Siphonophoren von Nizza.
Mit 3 Kupfertafeln. 1 Thlr. 10 Sgr.
—— Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen in der Naturge-
schichte der niederen Thiere, während des Jahres 1857. 1 Thlr.
Schaum, EX., Catalogus Coleopterorum Europae. In Verbindung mit
Dr. G. Kraatz und H. v. Kiesenwetter herausgegeben. 1859. 15 Sgr.
Bericht über die wissenschaftlichen Lei-
stungen im Gebiete der Entomologie wäh-
rend des Jahres 1857.
Von
Dr. A. Gerstaecker,
Privatdocenten an der Universität in Berlin.
I. Insekten.
Die Entwiekelungsgeschichte der Insekten mit vollkom-
mener Metamorphose bot während der verschiedenen Perio-
den. des Eies, der Larve und Puppe nach den bisherigen
Erfahrungen. mit, wenigen Ausnahmen (Pupiparen) eine so
vollständige Uebereinstimmung und Gleichförmigkeit dar, dass
ein so. paradoxer: Vorgang, wie er von Fabre (Memoire
sur l’'hypermetamorphose et les moeurs; des Meloides , Anna-
les des sciences naturelles, 4. ser. VIl. p. 299-365) in der
Entwickelung der Larven von Sitaris und Melo& beobachtet
und. in äusserst scharfsinniger Weise erläutert worden ist, die
grösste Beachtung verdient. Zwar waren schon von New-
port.in seiner Entwickelungsgeschichte des Melo@_ecicatri-
eosus (Transaet. Linnean soc. Vol. XX) einige Andeutungen
über die hier obwaltenden Verhältnisse gegeben worden,
indem durch ihn festgestellt wurde, dass die junge Larve,
wie sie aus dem Ei schlüpfe, eine von der erwachsenen durch-
aus verschiedene Form darbiele; dagegen war einerseits der
Uebergang dieser ersten Form in die spätere, andererseits
die verschiedenen, Metamorphosen, welche der letzteren vor-
behalten sind, völlig unbekannt geblieben. Fabre hat da-
gegen die ganze Entwickelungsgeschichte der Sitaris hume-
ralis vom Ei bis zum Ausschlüpfen des Insekles und in fast
ebenso erschöpfender Weise die von Melo@ beobachtet und
dargestell. Aus dem Ei der Silaris humeralis schlüpft die
Archiv f. Naturgesch. XXIV, Jahrg. 2. Bd, N
194 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
erste Form der Larve (larve primitive), ein kleines, schlan-
kes, horniges, mit sechs schlanken Beinen, langen, fadenför-
migen Fühlern und vier Ocellen versehenes Insekt , welches
der bekannten jungen Melo@-Larve (Pediculus apis Lin.)
gleicht. Dieselbe kriecht im Herbst aus, überwintert ohne
Nahrung zu sich zu nehmen, klammert sich im Frühjahre
an die Haare des Halsschildes der Männchen von Anthophora
pilipes fest, geht bei der Begattung dieser Biene auf den
Körper des Weibchens über, lässt sich von diesem in eine
seiner Zellen tragen und setzt sich in dem Augenblicke, wo
das Bienen-Weibchen die Zelle mit einem Ei belegt, auf die-
sem fest. Nachdem die Biene die Zelle verschlossen hat,
beisst sich die junge Larve in das Bienen-Ei ein, saugt sei-
nen Inhalt aus, schwimmt nach einiger Zeit auf der dem Honig
aufliegenden Eihaut und verwandelt sich sodann nach Ber-
stung ihrer hornigen Körperbedeckung in eine weiche, plumpe
Made, welche eine von der ersten ganz verschiedene Körperform
zeigt; die Fühler und Fusspaare sind ganz kurz, stummel-
arlig, die Augen fehlen. Während !der ersten Larve jede
Berührung mit dem in der Bienenzelle angesammelten Honig
tödtlich ist, nährt sich die jetzt entstandene einzig und allein
von demselben und erreicht durch Aufnahme desselben’ in
ihren Körper ihr vollendetes Wachsthum; Fabre nennt diese
Entwickelungsstufe „seconde larve.* Nach kurzer Zeit hebt
sich von dieser Larve die sehr dünne Körperhaut, ohne
jedoch zu bersten, ab und in ihrem Innern zeigt sich eine
hornige, puppenartige Form, welche mit der vorhergehenden
Larve zwar Aehnlichkeit hat, sich aber dadurch unlerschei-
det, dass an der Stelle der drei Fusspaare nur warzenartige
Erhöhungen, an der des Kopfes nur ein kleiner, kugliger
Wulst übrig bleibt: diese Form (pseudo-chrysalide) ist voll-
kommen unbeweglich. Auch die Hülle dieser Entwickelungs-
form hebt sich von ihrem Inhalte als hornige Kapsel ab und
umschliesst nunmehr abermals eine Larve (troisieme larve),
welche der „seconde larve“ fast in jeder Beziehung , mit
Ausnahme der abgeflachten Bauchseite, ähnlich ist. Diese
letzte Form der Larve verwandelt sich in gewohnter Weise
in eine Puppe, welche den Coleopteren-Puppen ganz analog
ist und das vollkommene Insekt liefert.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 195
Zur richtigen Auffassung dieser sonderbaren Vorgänge ist zu-
vörderst eines Umstandes zu erwähnen, welcher schon in der vor-
jährigen Notiz des Verf. (vergl. Jahresbericht 1856. p.12) von ihm
angedeutet, aber in irreleitender Weise aufgefasst worden ist; Fa-
bre fand nämlich die dritte Form der Larve bald mit dem Kopf-,
bald mit dem After-Ende gegen den Kopfpol der „pseudo-chrysalide*
hin gewendet, was den Ref. verleitete, in ihr einen der zweiten
Larve fremden Organismus zu vermuthen. Dieses Räthsel hat sich nun
aber durch fernere Untersuchungen des Verf. dahin aufgelöst, dass bei
regelrechter lage der „pseudo-chrysalide“ in den Zellen der Antho-
phora eine solche verschiedenartige Einbettung der „troisieme larve“
niemals vorkommt, sondern dass sie nur durch Umdrehung der Larve
um ihre eigene Achse in solchen „pseudo -chrysalides* bewirkt
wurde, welche zur Beobachtung vom Verf. aus den Bienenzellen
herausgenommen und zufällig auf ihrem Kopfende zu stehen gekom-
men waren. Trotzdem bleibt aber die Verwandelung der ausgewach-
senen Larve in eine tonnenartige Puppe und die Bildung einer drit-
ten, der vorhergehenden ähnlichen Larve innerhalb dieser Puppe eine
so paradoxe Erscheinung, dass eine Erklärung aus der Analogie
gänzlich wegfallen muss, vielmehr nur aus den speziellen hier ob-
waltenden Verhältnissen vorgenommen werden kann. Zuerst glaubte
Fabre dabei an eine Metagenese, besonders durch die früher irrig
aufgelasste Lage der dritten Larve in der „pseudo-chrysalide“ veran-
lasst; er wollte für die Dauer der Entwickelung vom Ei bis zum
ausgebildeten Insekte zwei Individualitäten annehmen, eine unge-
schlechtliche, welche mit der „pseudo -chrysalide “ abgeschlossen
wäre und eine darauf folgende geschlechtliche, die durch Keimung
innerhalb der Puppe entstände und durch die „troisieme larve“ re-
präsentirt würde. Einer solchen Annahme widersprach jedoch die
Untersuchung der anatomischen Verhältnisse der „pseudo-chrysalide,“
welche sich in Betreff des Mangels von Geschlechtsorganen als ganz
übereinstimmend sowohl mit der zweiten als dritten Larvenform zu
erkennen gab. Es blieb daher nur übrig, die verschiedenen Ver-
wandlungen, welche die Meloiden-Larven durchmachen, mit den ge-
wöbnlichen Häutungen der Insekten-Larven in Vergleich zu bringen
und die sehr beträchtlichen Form-Verschiedenheiten der ersten, und
zweiten Altersstufe als nothwendige Folge von den sehr heterogenen
äusseren Lebensbedingungen (auf dem Bienenkörper und nachher in
der ınit Honig gefüllten Zelle) anzusehen; freilich bleibt dabei der
Zweck der „pseudo-chrysalide* und der daraus entstehenden dritten
Larvenform unerklärt, denn man kann wohl nicht annehmen, dass so
wesentliche Veränderungen der Körperbedeekung unbedingt
nothwendig seien, um so geringe Unterschiede in der Körperform,
wie sie die zweite und dritte Larvenform darbieten, hervorzubringen.
196 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Wenn man also auch‘die Häutung der zweiten Larvenform ‚und das
Abheben der Puppenhülle von der dritten als die Analoga der spä-
teren Häutungen bei den regulären Insekten - Larven ansehen. wollte,
so könnte dies eben nur in Betreff der Aufeinanderfolge, aber nicht
in Rücksicht auf den dadurch erzielten Zweck geschehen, da das bei
der‘ regulären Larven- Häutung zu Grunde liegende Wachsthum im
gegenwärtigen Falle mangelt. Bei Melo&, deren Entwickelungsge-
schichte von Fabre (a. a. O. p. 344) ebenfalls in den Hauptstadien
genau‘ verfolgt worden ist, zeigen ‘sich übrigens die bei Sitaris .be-
obachteten Erscheinungen schon etwas modificirt, indem hier sowohl
die Larvenhaut der „deuxieme larve“ beim Uebergange zu der „pseu-
do-chrysalide,“ als auch die Kapsel der letzteren bei dem Erscheinen
der eigentlichen Käferpuppe bersten und ihren neu gebildeten Inhalt
zum grossen Theile frei. hervortreten lassen. Zu bemerken ist hierbei,
dass das; was Newport die Pseudolarve von Melo& nennt, die
Pseudo -chrysalide Fabre's ist, während ersterer ‚die eigentliche
(zweite) 'Larve gar nicht gekannt ‚hat; die „troisieme larve“ von
Melo& ist keinem von beiden Autoren bekannt geworden, doch hat
Fabre’ aus ihrer der Puppe noch ansitzenden Haut erkennen können,
dass sie wie ‚bei Sitaris der zweiten Form im Wesentlichen ähnlich
ist. - (Näheres über die Meloe-Larven ‚siehe unter Vesicantia.) — Die
verschiedenen Entwickelungsstufen der Sitaris- und Melo& -Larven
sind auf der die Fabre’sche Abhandlung begleitenden pl. 17. fig. 2—9
abgebildet.
Dass die v. Siebold’sche Arbeit über Parthenogenesis
bei den Insekten das Interesse der Forscher in hohem Grade
in Anspruch nehmen würde, liess sich bei der Wichtigkeit
des Gegenstandes von vorn herein erwarten; wie sehr die-
selbe die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat,
ergiebt sich nicht nur aus den zahlreichen Auszügen, welche
das, Werk in allen wissenschaftlichen Journalen des Auslan-
des erfahren hat, und aus einer Uebersetzung ins Englische
„On atrue Parthenogenesis in moths and bees, a contribution
to the history of reproduction in animals, by C. v. Sie-
bold, translated by W. S. Dallas. (London, van Voorst
1857. 8), sondern auch aus dem Umstande, dass von ver-
schiedenen Seiten Mittheilungen über ähnliche Fälle unge-
schlechtlicher Fortpflanzung oder über Insekten , wo. eine
solche zu vermuthen steht, gemacht worden sind. Von ver-
schiedenen Mitgliedern der Entomologieal society in London
wurden z. B. mehrere Lepidopteren, wie Lasiocampa quer-
cus, Orgyia antiqua, Psyche fusca, Fumea nitidella, Arctia
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 197
Caja, Liparis dispar als solche bezeichnet, bei denen man
aus unbefruchteten Eiern sich Raupen entwicken sah (Pro-
ceed. entom. soc. IV. p. 37) und Haliday nahm Gelegen-
heit, in der Natural history review (Vol. IV. Proceed. of soc.
p- 166 ff.) auf die eigenthümliche Bildung der. weiblichen
Geschlechisorgane bei der Diapriden-Gattung Labolips, von
der ihm überdies nur weibliche Individuen bekannt gewor-
den sind, als solche hinzuweisen, welche eine Fortpflanzung
auf ungeschlechtlichem Wege mit Wahrscheinlichkeit vermu-
then lasse. Die Eierstöcke zeigen nämlich bei dieser ‚Gal-
lung eine eigenthümliche, sphärische Form, enthalten eine
grosse Anzahl mit einem,Kern versehener,, gleich grosser
Bläschen (Eier ?), welche ihrer Oberfläche ein körniges An-
sehn verleihen und ein Receptaculum seminis wird an dem
gemeinschafllichen Ausführungsgang vermisst.
Als Beitrag zur Parthenogenesis der Psychiden mag auch
noch ein Aufsatz von Milliere „Creation d’un genre nou-
veau Apterona et histoire des Insectes, qui le composent*
(Annales de la soc. Linnedenne de Lyon IV. 1857. p. 181 ff.)
erwähnt werden, der, wenn er auch sonst sich keineswegs
dem Standpunkte der Wissenschaft in dieser Frage anpasst,
doch eine interessante Beobachtung enthält, nämlich. die,
dass Psyche helicinella, von welcher der Verf. ebenfalls nur
Weiber gekannt und diese in der Regel zahlreiche Eier hal
ablegen gesehen, ausnahmsweise auch lebendige Larven ge-
bären kann.
Von zahlreichen Puppen - Gespinnsten der genannten und einer
zweiten Art (Apterona pinastrella Mill.) , die behufs genauer Beob-
achtung in einzelne Glasbehälter vertheilt worden. waren, blieben
einige zurück, ohne dass das Weibchen daraus hervorkam ; die Ge-
spinnste wurden aufgeschnitten, darin das entwickelte Weibchen vor-
gefunden und bei der Sektion desselben zahlreiche lebende Larven
in seinem Abdomen angetrollen. — Wenn der Verf. aus seinen Be-
obachtungen, die mit den seit längerer Zeit bekannten über. das, Ab-
legen unbefruchteter , ‚aber entwickelungslähiger Eier ‚bei; den Psy-
chiden genau übereinkommen, den Schluss ziehen will, dass hier ein
Hermaphroditismus vorliege, so braucht auf das Unzureichende
dieser Folgerung nach der über die sexuellen Verhältnisse der Psy-
ehiden durch wissenschaftliche, Untersuchungen festgestellten Thatsachen
nicht weiter hingewiesen zu werden; wie bei vielen anderen Arten
198 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistunge ı
wird wahrscheinlich auch bei Psyche helicinella das Männchen einen
sehr verschiedengeformten Sack haben und daher der Beobachtung
bisher entgangen sein. In sofern ist auch natürlich die Begründung
einer eigenen Gattung auf drei Psyche -Arten, die der Verf. für her-
maphroditisch oder nur in einem Geschlechte existirend ansieht, durch-
aus unbegründet.
Als Beitrag zur Fortpflanzungsgeschiche der Blattläuse
erwähnte C. von Heyden (Entomol. Zeitung p. 83 f.) eine
interessante Beobachtung, die auf den ersten Blick die Ue-
berzeugung gewähren könnte, dass dasselbe Individuum,
welches eine Zeit lang als Amme lebendige Junge zur Welt
gebracht hat, im Herbste sich zum wirklichen Weibchen,
welches Eier legt, umwandeln kann. Der Verf. fand im
Oktober unter Eichenrinde eine 20 Individuen starke Colonie
von Lachnus quercus, sämmtlich Weibchen; eins derselben
gebar im Beisein des Beobachters ein kleines (ebenfalls un-
geflügeltes) Männchen, während die übrigen ein eben sol-
ches Männchen , mit dem sie in Begattung waren, auf dem
Rücken trugen; letztere legten während der Begaltung Eier
ab, deren Entwickelung aber nicht abgewartet wurde. Aus
dieser Beobachtung zieht v. Heyden den allerdings sehr
nahe liegenden Schluss, dass die Männchen, welche mit den
Weibchen in Begattung gelunden wurden, von diesen selbst
geboren worden seien, oder, was dasselbe ist, dass das von
dem einzelnen Weibchen geborene Männchen sich ohne Zwei-
fel später mit seiner eigenen Mutter begattet haben würde,
wie es die übrigen thaten.
So täuschend diese Beobachtung erscheinen mag und so sehr sie
für das Zusammenfallen des Ammengebärens und Eierlegens bei einem
und demselben Individuum sprechen könnte, ist sie doch keineswegs
geeignet, ein solches Faktum sicher hinzustellen; denn es fehlt die
direkte Beobachtung, dass das vom Weibchen geborene Männchen
sich mit ersterem begattet habe und ebenso , dass die mit den Weih-
chen in Begattung gefundenen Männchen von diesen geboren worden
seien. Vielmehr liegt die Vermuthung nahe, dass die in Copula be-
troflenen Individuen die geschlechtlich entwickelte Nachkommenschaft
einer Amme seien, und dass andererseits als Amme das Weibchen
anzusehen sei, welches unter den Augen des Beobachters das ein-
zelne Männchen gebar. Die äussere Uebereinstimmung im Körperbau
zwischen dem einzelnen Weibchen (der muthmasslichen Amme) und
den geschlechtlichen (in Copula getroffenen) Weibchen kommt hier
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 199
nicht- weiter in Betracht, da beide nach Burnett (vergl. Jahresbe-
richt 1854. p. 160) bei gewissen Blattläusen keine in die Augen fal-
lenden Unterschiede zeigen. Dass aber eine Blattlaus- Amme sich
mit der Zeit in ein eierlegendes Weibchen verwandle, ist nach den
von v. Siebold und Leydig nachgewiesenen Unterschieden in der
Bildung der Genitalapparate beider Formen nicht gut denkbar. Ref.
Ueber die Copulation verschiedener aber nahe ver-
wandter Insekten - Arten einer und derselben Gattung, wie
sie schon vielfach bekannt geworden ist, wurden auch in
diesem Jahre verschiedene Mittheilungen gemacht, und zwar
betreffen zwei derselben die fruchtbare Vermischung von
Smerinthus populi und ocellatus. In einem Falle (Th.Hagne
in „The Entomologist’s weekly intelligencer for 1857,“ Vol. Il.
p- 188 und 197) ergab die Zucht der daraus entsprungenen
Raupen eine Anzahl von Bastarden, welche die verschiedenen
Form - und Färbungsverhältnisse beider Arten in allen mög-
lichen Combinationen und Abstufungen zeigten. In dem an-
deren Falle, von A. de Roo van Westmaas „Eene hy-
bride sort uit het genus Smerinthus“ (Memoires d’entomolo-
gie, publies par la soc. entom. des Pays -Bas I. p. 154 ff.)
mitgetheilt, fand zwar nach der Begattung eines Männchens
von Smer. ocellatus mit einem Weibchen von Smer. populi
ebenfalls ein Ablegen von zahlreichen Eiern, so wie die Zucht
einer Anzahl von Raupen bis zur Verpuppung. statt, indessen
kamen aus den Puppen, welche denen von Smer. populi. gli-
chen, keine Schmetterlinge zum Vorschein; beim Oeffnen der-
selben fanden sich darin die Imagines vollständig entwickelt
aber todt vor, stimmten übrigens dem Anscheine nach voll-
kommen mit der Mutter (Sın. populi) überein.
Eine Copulation, die zu den aussergewöhnlicheren ge-
hört, wurde zwischen einer Eule, Noctua vaccinii, und einem
Spanner, Hibernia progemmaria, beobachtet und im Bulletin
de la soc. entomol. V. p. XLI zur Sprache gebracht. Bei der
Trennung beider Arten blieb das männliche Begattungsorgan
im Abdomen des Weibchens zurück, ein Ablegen von Eiern
erfolgte nicht, — Diese Mittheilung gab (ebenda) zur Er-
wähnung ähnlicher Fälle Veranlassung: Bombyx dispar wurde
mit Pieris brassicae, ein Elater mit einem Telephorus,
Otiorhynchus_ unicolor mit Oreina senecionis in coitu an-
getroffen.
200 Gerstaeceker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Eine gewiss seltene Zwitterbildung hat Ruthe (Ento-
mol. Zeitung p. 160) bei einem Braconiden, dem Blacus ma-
culipes Wesm. beobachtet und Notizen darüber mitgetheilt;
das Thier ist nach der Bildung der Fühler, Flügel und des
Körpers auf der linken Seite männlich , auf der rechten
weiblich.
Eine andere Abnormität legte Smith (Proceed. of the
entomol. society IV. p.34) der Entomologischen Gesellschaft
zu London in einem Exemplar von Cybister limbatus vor,
welches einen Larven- Kopf hatte und mit diesem lebendig
bei Hongkong schwimmend gefangen wurde. Westwood
bemerkte hierzu, dass dieser Fall bei den Coleopteren bisher
nicht bekannt geworden sei, dagegen wäre von Schmetter-
lingen schon 'eine Nymphalis populi vorgekommen, welche
ebenfalls den Kopf einer Raupe gehabt hätte.
Yersin hät seine im vorigen Jahresberichte p. 13 er-
wähnten Untersuchungen über die Funktionen des Nerven-
systems bei den Gliederthieren weiter fortgesetzt und die
Resultate derselben jetzt in ausführlicherer Weise im Bulletin
de la societe Vaudoise des sciences naturelles No. 41 (im
Separat-Abdruck 23 pag. in 8.) mitgetheilt.
Der Verf. bringt die von ihm angestellten Versuche unter vier
Categorieen und beschreibt darunter die dabei erhaltenen Resultate:
1) Eine einzelne Durchschneidung beider Nervenstränge in gleicher
Höhe und zwar a) eine einzelne Durchschneidung, wodurch die Gang-
lienkette nur in zwei Theile getrennt wird (hierunter «) Durchschnei-
dung zwischen dem Ganglion supra- und suboesophageum , ß) zwi-
schen dem zweiten Kopf- und dem ersten Thoraxganglion, Y) zwi-
schen den Ganglien des Thorax oder denen des Hinterleibs). — b)
Zwei Schnitte durch beide Stränge auf einmal, um ein Ganglion voll-
ständig von der übrigen Kette zu isoliren (das letzte Hinterleibs-
ganglion, das Ganglion suboesophageum, die Thoraxganglien werden
isolirt). — e) Durchschneidungen der beiden Stränge in der Art,
dass zwei oder mehrere Ganglien zugleich von der übrigen Kette
isolirt werden. 2) Verletzung der Kopfganglien. 3) Durchschneidung
eines einzelnen Stranges an einer einzigen Stelle der Ganglienkette
(zwischen den Kopfganglien, zwischen Kopf und Thorax, zwischen
Pro- und Mesothorax, zwischen Meso- und Metathorax, zwischen
Metathorax und Hinterleib). 4) Vereinigungen von Schnitten durch
einen einzelnen und durch beide Stränge, in verschiedener Weise
angestellt.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 201
Auch Faivre legte der Akademie der Wissenschaften
zu Paris (Comptes rendus, 6. Avril 1857, Rev. et Magas. de
Zoologie IX. p. 185) eine Noliz über das Gehirn der Dyti-
scen, in ‘Bezug auf die Ortsbewegung betrachtet, vor. Die
Ganglia supra- und suboesophagea und die sie verbindenden
Stränge repräsentiren nach ihm das Gehirn und üben einen
deutlichen Einfluss auf die Ortsbewegung aus; der über dem
Oesophagus liegende Theil des Gehirns soll der Sitz des Wil-
lens und der Bestimmung der Bewegungen sein ‚: der unter
demselben liegende der Sitz der erregenden Ursache und der
eoordinirenden Kraft.
Ein vortrefflichesHandbuch der vergleichenden Physiologie
und Anatomie des Menschen und der Thiere hat Milne Ed-
wards unter dem Titel: „Legons sur la physiologie et l’anato-
mie comparee de l’'homme et des animaux“ (Paris, Masson 1857.
8.) begonnen. Dasselbe hat zum Zweck, den gegenwärtigen Um-
fang unserer Kenntnisse auf diesem Gebiete, welches dem Verf.
selbst zahlreiche und wichtige Beiträge zu verdanken hat, hin-
zustellen und erfüllt‘denselben in der vollständigsten und ein-
gehendsten Weise. Wie sich aus den bis jetzt vorliegenden
Abschnitten des Werkes, von dem im J. 1857 der erste und
zweite, im J. 1858 der dritte Theil erschienen ist, ersehen lässt,
ist dasselbe auf eine grössere Anzahl von Bänden berechnet,
als man gewöhnlich an Handbüchern gewohnt ist. Was die
Hauptanlage desselben betrifft, ‚so geht der Verf. von den
einzelnen physiologischen und anatomischen Organsystemen,
also dem der Cirkulation, Respiration u. s. w. als den Haupt-
abschnitten aus und handelt unter diesen jedesmal nach den
allgemeinen Eigenschaften und Funktionen diejenigen der
einzelnen Thierklassen und Gruppen ab. Dass unter letzte-
ren gerade den Artikulaten eine besondere Aufmerksamkeit
geschenkt ist, braucht bei den bekannten Forschungen des
Verf. im Bereiche der Crustaceen kaum erwähnt zu werden
und es sind die den Arlikulaten gewidmeten Abschnitte‘ des
Werkes für den wissenschaftlichen Entomologen von ebenso
grosser Wichtigkeit, wie das’ Ganze dem Zoologen unent-
behrlich ist. -- Der erste Band handelt von der histologi-
schen und chemischen Zusammensetzung des Blutes, seiner
quantitativen Analyse und der Blutmenge im Körper, ferner
202 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
vom Processe der Respiration und den dazu dienenden Or-
ganen im Allgemeinen; der zweite Band geht auf die Art
der Respiration bei den einzelnen Thierklassen und die Struk-
tur der Athmungswerkzeuge derselben ein und zwar ist in
demselben die 11. und 12. Vorlesung (p. 116—198) den
Crustaceen, Arachniden, Insekten und Myriapoden gewidmet;
der dritte endlich beschäftigt sich mit der Circulation des
Blutes, zuerst im Allgemeinen, dann bei den einzelnen Thier-
klassen und hier ist es die 23. und 24. Vorlesung (p. 178—
232), welche auf den Kreislauf der Arthropoden eingeht.
Die von V. Carus in Verbindung mit anderen nam-
haften Zootomen herausgegebenen lcones zootomicae enthal-
ten in. ihrem ersten, den wirbellosen Thieren gewidmeten
Theile (Leipzig, Engelmann 1857. fol., 23 tab.) zahlreiche
Erläuterungen des inneren und äusseren Baues der Arthro-
poden auf Taf. X—XVl. Für die Crustaceen sind 2, für die
Myriapoden und Arachniden ebenfalls 2, für die Hexapoden
3 Tafeln verwandt; die Abbildungen sind zum grössten Theil
den besten Spezial- Arbeiten früherer Autoren entlehnt und
mit Einsicht, ausgewählt, eine kleinere Anzahl ist jedoch auch
nach Originalzeichnungen von Stein angeferligt. Zu letz-
teren gehören u. a. die Mundtheile der Myriapoden und Co-
leopteren und ganz besonders die Darstellung der Genital-
apparate beider Geschlechter von Insekten der verschieden-
sten Ordnungen, ‚leiztere gleichsam als Supplement zu. der
bekannten Arbeit, des Verf. über die weiblichen Genitalien
der Käfer, — Im: Verhältnisse zu anderen Systemen scheint
dem Ref. die Darstellung des Hautskelettes der Insekten, be-
sonders aber des Thorax und der Mundtheile der saugenden
Insekten etwas gar zu dürftig ausgefallen zu sein; für letz-
tere wären genau angefertigte Abbildungen um so zweck-
mässiger gewesen, als deren in fast allen Lehrbüchern ein
grosser Mangel ist, und besonders erscheint die Copie von
so wenig instruktiven und noch dazu unrichtigen, wie z. B.
die Newport’sche von Eristalis (Tab. XIV. fig. 40) ist, un-
zweckmässig. — Die Ausslattung des Werkes und die Aus-
führung der Tafeln sind in jeder Beziehung vortrefflich und
sorgsam,
Durch F. Leydig’s „Lehrbuch der Histologie, des Men-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 203
schen und der Thiere“ (Frankfurt a. M., Meidinger 1857.
gr. 8., 551 pag. mit zahlreichen in den Text eingedruckten
Holzschnitten) ist eine der wesentlichsten Lücken in der wis-
senschaftlichen Zoologie, die in dem Mangel einer übersicht-
lich abgefassten Darstellung der vergleichenden Gewebelehre
bestand, in ausgezeichneter Weise beseitigt worden , indem
anerkannter Maassen wohl Niemand zu einem solchen Unter-
nehmen in gleicher Weise befähigt war, wie der durch seine
zahlreichen in dieses Feld einschlagenden Arbeiten bewährte
Verfasser. Was das Werk besonders werthvoll macht und
wodurch es sich von zahlreichen Handbüchern über ver-
wandten Zweige der Wissenschaft unterscheidet, ist, dass der
Verf. sich nicht auf die Beobachtungen früherer Autoren
stützt, sondern fast durchweg seine eigenen Untersuchungen
vorlegt und zwar neben denjenigen, die schon in speziellen
Abhandlungen von ihm bekannt gemacht worden sind, auch
sehr zahlreiche, zur Herausgabe des vorliegenden Werkes
eigens angestellte neue. Das Buch zerfällt in einen allge-
meinen und einen speziellen Theil, von denen der erstere sich
mit der Untersuchung der Zelle und der Gewebe im Allge-
meinen beschäftigt, der letztere auf die einzelnen Organe
und Organsysteme eingeht und deren histologische Zusam-
menselzung bei den verschiedenen Thierklassen darstellt.
Als besonders zweckmässig ist die Einrichtung zu rühmen,
dass die Darstellung des Gegenstandes nirgends durch An-
merkungen und Citate unterbrochen wird, diese vielmehr an
das Ende eines jeden Abschniltes verwiesen sind, wo sie
sich gleich durch abweichenden Schriftsatz kenntlich ma-
chen ; überhaupt ist die Ausstattung des Werkes und beson-
ders die Erläuterung des Dargestellten durch zahlreiche, vor-
trefflich ausgeführte Holzschnitte nur zu rühmen. — Natür-
lich muss Ref, darauf verzichten, die zahlreichen Beobach-
tungen des Verf. im Bereiche der Arthropoden hier vollstän-
dig anzuführen, kann sich indessen nicht versagen, auf
einzelne besonders interessante Einzelnheiten , die ihm bei
Durchsicht des Werkes aulfielen , in Kurzem hinzuweisen.
Zu diesen gehören z. B. die Untersuchungen Leydig's über
die sogenannten „Rektaldrüsen“ im Mastdarnıe der Insekten (p. 337 11.),
welche er an einer Reihe von Insekten verschiedener Ordnungen an-
204 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
gestellt hat; der Verf. hält dieselben nicht für Drüsen, sondern für
eigenthümlich gebildete Papillen und Falten des Darms, indem sie
sich mit Bestimmtheit als Einstülpungen des Darmrohrs, nach innen
herausstellen. Besonders in den Fällen, wo sie, wie bei Gryllus,
Locusta u. a., länglich. gestaltet sind , lässt sich ihre Analogie mit
den auch sonst vorkommenden Längsfalten des Dickdarmes erkennen;
dagegen spricht gegen ihre Drüsennatur nicht nur der Mangel einer
Oeffnung auf ihrer Oberfläche, sondern auch das Faktum, dass sie
durch Einstülpung der Darmwand hervorgebracht sind , was bei Drü-
sen nie der Fall ist, — endlich auch die Anwesenheit eines im Hohl-
raume.der Einstülpung gelegenen Zapfens, der nur aus Bindesubstanz
und einem dichten Tracheen-Netze besteht. Einen besonders glücklichen
Wurf für die Aufklärung der Natur jener Rektalgebilde hat der Verf.
aber jedenfalls durch die Untersuchung ihrer Struktur bei Phryganea
gemacht, indem dieselben hier eine Art Uebergang zu den Mastdarm-
Kiemen der Libellenlarven erkennen lassen; sie sind nämlich von
bedeutendem Umfange und ‚länglicher Gestalt, zeigen regelmässig ge-
stellte häutige Septen, die von beiden Seiten her in das Innere her-
vorspringen und zum Tragen von Tracheenausbreitungen dienen. Es
ist daher, wie dies schon die Analogie der Lage und oft auch der
Form muthmassen lässt, sehr wahrscheinlich, dass die sogenannten
Rektaldrüsen mit der Respiration durch die Darmfläche in naher Be-
ziehung stehen. — Die bisherigen Angaben über die Zusammenset-
zung der Tracheen aus einer äusseren Peritonealhülle, einer inneren
Schleimhaut und dem zwischen beiden liegenden Spiralfaden weist L.
als unrichtig nach; es existiren nur zwei Häute, eine äussere „ die
durch ‘das Verwachsen derselben Zellen , welche den Fettkörper bil-
den, entstanden ist und einer inneren, einer homogenen Chitinhaut,
die den Spiralfaden ihrerseits erzeugt, so dass er nicht als selbststän-
diges Gebilde zu betrachten ist; diese Chitinhaut ist irriger Weise
als eine aus Pflasterepithelium bestehende Schleimhaut angesehen und
die auf ihr zuweilen vorkonmmenden Stachelborsten, welche wie die
Spirale nur Auswüchse und Verdickungen der Chitinhaut sind, sogar
als Flimmer-Organe angesprochen worden. Wenn bei den Arachni-
den-Tracheen der Spiralfaden bisher geleugnet worden ist, so existirt
doch wenigstens ein Analogon desselben darin, dass die Chitinmem-
bran innerhalb ringförmig vorspringende Leisten bildet, zwischen
denen sich abermals feine Plättchen erheben. (p. 3861.) — Von ganz
besonderer Wichtigkeit scheint mir in Rücksicht auf die divergiren-
den Ansichten, welche noch immer über die Natur der Vasa Malpighi
obwalten, die Entdeckung des Verf. zu sein, dass unter denselben
zwei heterogene Elemente vorkommen, von denen die einen als Harn-
gefässe, die anderen als Gallengefässe anzusehen sind (p. 472). Er-
stere sind weisslich, bei Gryllotalpa in Minderzahl vorhanden, und
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 205
lassen in ihrem Lumen ziemlich grosse Concretionen erkennen; die ge-
gen die Mündung hin an Umfang zunehmen; letztere sind gelblich,
bei Gryllotalpa an Zahl sehr überwiegend, bei Melolontha ‚gefiedert mit
gabligen Seitenästen, ihre Sekretionszellen schliessen einen gelbkör-
nigen Inhalt ein, es fehlt jede Spur von Concretionen im Lumen. Bei
der Raupe einer Gastropacha hat Verf. die beiderlei Canäle in Con-
tinuität mit einander gesehen, bei Carabus überhaupt nur eine Art
Malpighi’scher Gefässe beobachtet, in denen jedoch ganz deutlich zwei-
erlei Sekrete, ein röthlich braunes und ein aus schwarzen Körnchen
bestehendes, zu erkennen waren.
Ueber die Leuchtorgane der Lampyriden machte Köl-
liker (Monatsberichte der Akad. der Wissensch. zu Berlin
p- 392) die Bemerkung, dass sich Nerven in dieselben er-
strecken und dass das Leuchten derselben ganz unter dem
Einflusse des Willens und des Nervensystems stehe; alle
Nervenreize brächten nämlich helles Leuchten zu Wege,
Narcotica dagegen machten es verschwinden. Es sei also
kein Leuchtstoff vorhanden, der chemisch das Leuchten erzeuge.
Die Leuchtorgane sind nach K. zartwandige Kapseln, welche
mit polygonalen Zellen ausgefüllt sind, von denen die einen, welche
leuchten, durchsichtig, blass und mit, feiner Molekularmasse. ange-
fällt, die anderen mit weissen Körnchen vollgepfropft erscheinen ;
zwischen ihnen verästeln sich zahlreiche Tracheen. Der Fettkörper
der Lampyriden leuchtet nicht: und die in demselben. beschriebenen
Leuchikörner (Leydig) sind nicht. Phosphor, sondern. harnsaures
Ammoniak.
Hicks hat in den Halteren der Dipteren ein eigenthümli-
ches Organ aufgefunden, von dem er vermuthet, dass es dem
Geruchssinne als Substrat diene. („On a new organ in Insects“
by John Braxton Hicks, Journ. of the Procedings of the
Linnean sociely, Zoology I. p. 136 ff. pl. 5.) Bei Rhingia ro-
strata beobachlete der Verf. zuerst an der Basis der Halte-
ren jederseits ein an einer Erhabenheit liegendes längliches
Organ, welches aus etwa zwanzig Reihen kleiner Bläschen,
die nur durch geringe Zwischenräume und feine Borstenhaare
getrennt waren, bestand; die Bläschen -Reihen verlaufen in
querer Richlung gegen die Längsaxe der Halteren, die Bläs-
chen selbst sind durchsichtig, häulig und die zwischen ihnen
stehenden Häärchen so angeordnet, dass je zwei einem der
Bläschen entsprechen. Eine, gleiche oder nahe übereinstim-
mende Bildung zeigte sich an den Halteren anderer. Dipteren
206 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
der verschiedensten Familien; ’ähnliche Bläschen‘, ‘obwohl
nicht in derselben Weise angeordnet, sondern viel verein-
zeiter zeigten sich ferner in den Vorderflügeln der Dipte-
ren, nahe der Basis der Subcostal-Vene und ebenso an der
Basis der Flügel bei den übrigen Insekten - Ordnungen, be-
sonders deutlich bei Bombyciden und Noctuen. . Auf der
beifolgenden Tafel sind die bezeichneten Bildungen, wie sie
sich bei verschiedenen Dipteren und anderen Insekten gezeigt
haben, stark vergrössert dargestellt.
Was die von Hicks aufgefundenen Organe selbst betrifft, so
lassen sie sich z. B. bei Rhingia campestris, welche Ref. darauf zu
untersuchen Gelegenheit nahm, an der Basis der Halteren sehr deutlich
und leicht erkennen; sie liegen übrigens nicht, wie aus der H.'schen
Beschreibung hervorzugehen scheint, frei auf der Oberfläche der Hal-
teren, sondern von der Lederhaut derselben bedeckt und dieser schei-
nen auch die oben erwähnten Borstenhaare anzugehören , welche bei
Zerreissung der Haut an den freigelegten Bläschen-Reihen nicht zu
bemerken sind. Dass die an der Basis der Vorderflügel von Rhingia
sichtbaren Bläschen mit denen der Halteren- Organe irgend welche
Analogie erkennen liessen , glaubt Ref. bestreiten zu müssen ; weder
ihre Form noch ganz besonders ihre Anordnung bieten nur die ge-
ringste Aehnlichkeit mit jenen dar. — Für die Annahme, jene Bläs-
chengruppen der Halteren seien Geruchsorgane, bringt der Verf. wohl
nicht einen einzigen genügenden Grund vor; sein Schluss, dass der
aus dem Thoraxganglion zu den Halteren verlaufende starke Nerv ein
sensitiver und kein motorischer sein könne, da die Halteren keine
Muskeln besässen , ist gewiss nicht zutreffend, denn wie sollten die
Halteren ohne Muskeln ihre äusserst schnellen Schwingungen ausfüh-
ren können. Dass der Halteren-Nerv zu dem beschriebenen Organe
in irgend welcher Beziehung stehe, ist nicht nachgewiesen und es
ist eine solche auch nicht in die Augen fallend. Dass die Halteren
bei ihren lebhaften Bewegungen sehr geeignet für die Aufnahme von
Gerüchen seien, mag wohl zugegeben werden können; es würden
indessen dann eigenthümliche Bildungen auf der Oberfläche des
Schwingerkolbens, von welchen der Verf. nichts erwähnt, die aber
bei Rhingia campestris sehr deutlich wahzunehmen sind, sowohl ihrer
Struktur als Lage nach sich weit eher als Geruchsorgane anpreisen
lassen. Es zeigen sich nämlich auf den Kolben der Halteren in
ziemlich weiten Zwischenräumen grosse Poren, die von einem erha-
benen, hornigen Ringe eingefasst sind, an dessen Aussenrand jedes-
mal eine starke, dornähnliche Borste entspringt. Ref.
Weitere Beobachtungen über diesen Gegenstand hat
derselbe Verf. in den Transaclions of the Linnean society of
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 207
London, Vol. XXI. pt. 2. p. 141 ff. c. tab. 17. 18. („Further
remarks on the organs found on the bases of the halteres
and wings of Insects,< by J. B. Hicks) mitgetheilt. Er geht
hier nur auf die Bläschen an der Basis der Flügel verschie-
dener Insekten (Strangalia, Melolontha, Carabus, Ophion,
Tenthredo) ein, welche er stark vergrössert darstellt und
durch einen Nerv mit feinen Aestchen versehen lässt. Die
Flügel sind mit Terpentinspiritus und Canada-Balsam behan-
delt, wodurch die Verästelungen des Nerven an die bewuss-
ten Bläschen deutlich hervorireten sollen.
Auch an den Fühlern der Insekten will Hicks eine
angeblich neue Struktur aufgefunden haben. („On a new
structure in the antennae of Insects,“ Transact. Linn. soc.
of London XXIl. pt. 2. p. 147 ff. c. tab. 29, 30.) Er beschreibt
an einer Reihe von Insekten verschiedener Ordnungen die
sehon vor zehn Jahren von Erichson (de fabrica et usu
antennarum) nachgewiesenen, von einem Ringe eingefassten
und mil einer zarten Membran bedeckten Poren an den End-
gliedern der Insektenfühler,, will aber ausserdem gefunden
haben, dass sich im Innern des Fühlers an jede solche
Pore ein rückwärts erweiterter Sack anschliesst, an den der
Fühlernery jedesmal ein Aestchen abgiebt, und: der mit Flüs-
sigkeit angelüllt ist. Der Verf. muthmasst in diesen Organen
ein Analogon der Gehörwerkzeuge der Crustaceen und glaubt
ihnen daher vorläufig ebenfalls die Function des Hörens zu-
sprechen zu können. Von Interesse sind die Abbildungen,
die der Verf. von diesen angeblichen Gehörwerkzeugen bei
einer grösseren Anzahl verschiedener Insekten giebt, und
besonders ist auch die Mannichfaltigkeit, welche nach seinen
Zeichnungen die Form der hinter den Poren liegenden Säck-
chen darbietet , bemerkenswerth; überhaupt würden seine
Beobachtungen die früheren von Erichson in mehrfacher
Beziehung vervollständigen.
Murray gab in einer Abhandlung „On Insect-vision and
blind Insects“ (Edinburgh new philosoph, journal, new ser; VI,
p. 120 — 138) eine durch in den Text eingedruckte Holz-
schnitte erläuterte Darstellung der verschiedenen Modifikatio-
nen des Insekten- Auges nach den Beobachtungen früherer
Autoren und ging dabei zugleich auf die in den unterirdi-
208 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
schen Höhlen lebenden augenlosen Insekten ein, von denen
er eine (übrigens unvollständige) Aufzählung liefert. Um fest-
zustellen, ob nicht bei diesen augenlosen Thieren diejenigen
Stellen des Kopfes, welche sonst die Augen einnehmen, eine
Struktur zeigten, welche auf die Möglichkeit einer Lichtem-
pfindung hinwiesen, hat der Verf. vorzugsweise die ‚Chitin-
bedeckung der Kopfseiten und des Thorax von Anophthalmus
untersucht und ihre Struktur im Holzschnitte dargestellt. Die
hexagonalen Zellen erscheinen auf dem Thorax und der Mitte
des Kopfes 'sehr in die Quere gezogen, je näher aber dem
Centrum der Augenwülste, desto mehr nehmen sie die re-
gelmässige, hexagonale Form der Cornea-Facetten an; ob
dies nur von der stärkeren Wölbung der Augenwülste 'ab-
hängt, oder aufein atrophirtes Gesichtsorgan hindeutet, "bleibt
dahingestellt. Die inneren Theile des Kopfes konnten nicht un-
tersucht: werden, da dem Verf. nur ein ausgetrocknetes Ex-
emplar zur Untersuchung vorlag.
Ein Artikel von Lubbock „How Insects breathe« (En-
tomologist’s Annual for 1857. p. 135-153) liefert eine kurz
gefasste Darstellung der verschiedenen Respirations-Modi bei
den Insekten und der ihnen zu Grunde liegenden ‘Organe,
wie sie durch ‘die bisherigen Untersuchungen bekannt ge-
worden sind; Neues ist darin nicht enthalten.
Dasselbe ist mit einem Aufsatze von Westwood
„Notes on the wingveins of Insects“ (Transact. of the 'ento-
mol. soc. Ill. p. 225 ff.) der Fall, dessen Zweck nur ist, die
von Newman vertretenen Ansichten über‘ die Bedeutung
und das Wesen der Flügeladern der Insekten zu widerlegen.
Mikroskopische Untersuchungen über die Struktur der
Insektenhaut hat Maslowsky im Bulletin de la soc. imp.
des naturalistes de Moscou 1857. 111. p. 161—173. Tab. IV
veröffentlicht; dieselben enthalten ergänzende Beobachtungen
zu den früheren Arbeiten von Meyer, Leuckart, Ley-
dig u. a. über denselben Gegenstand und betreffen die ver-
schiedenen Schichten der Insektenhaut (Epidermis, Cultis,
innerste Schicht) nebst ihren Anhängen (Haare, Schuppen).
In der Struktur der Epidermis hat der Verf. zehn verschiedene
Modifikationen angetroffen, die übrigens zum Theil mit einander sehr
nahe verwandt sind und sich unter folgende Categorieen bringen
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 209
lassen: a) Die Epidermis besteht aus einer Schicht platter, aneinan-
derliegender, polygonaler Zellen, in denen entweder undeutliche Kerne
vorhanden sind, oder in denen solche fehlen. (No. 1 u. 2 des Verf.)
b) Die Zellen der Epidermis liegen nicht aneinander, sondern in Reihen
dachziegelartig übereinander und sind entweder von einander getrennt
(No. 3, 6,7 des Verf.) oder fliessen zu Längsreihen zusammen (No. 4,
5u. 8). ce) Die Epidermis erscheint amorph , ist jedoch in diesem
Falle noch zuweilen mit heivorragenden Papillen besetzt (No. 9 u. 10
des Verf.). Diese verschiedenen Modifikationen der Epidermis bilden
allmählige Uebergänge an demselben Insekte und zeigen daher, dass
die Oberhaut im Allgemeinen aus Zellen entsteht; für die Mehrzahl
der Fälle nimmt der Verf. an, dass dieselbe chitinisirtes Epithelium
sei, wogegen sie nur selten als Cuticula, d. h. als ein Produkt der
unter ihr liegenden Hautschicht, anzusehen ist. — Bei der Cutis er-
örtert der Verf. die verschiedenen Modilikationen, welche sich in der
gegenseitigen Lagerung der sie zusammensetzenden Schichten und fer-
ner in der Lagerung der diese Schichten bildenden Prismen. kund-
geben und stellt die merkwürdigsten dieser Bildungen auf Taf. IV.
Fig. 9—14 dar. An den oberen Schichten der Cutis von Cleonus
kreuzen sich die Prismen, welche je in Mehrzahl zu Bändern ver-
einigt sind, in den verschiedenartigsten Richtungen; nicht selten
liegen die Schichten nicht dicht aneinander, sondern lassen zwischen
sich Höhlungen frei, in welchen oft hohle Körper, die aus mehreren
concentrischen Schichten zusammengesetzt sind, liegen (Fig.12, Nepa).
Die Canäle, welche die Cutis durchsetzen, ‚öffnen sich auf den Flü-
geldecken nur an ihrer oberen Fläche, erreichen auch zuweilen (Le-
thrus) nicht ihre Aussenfläche; bei Anwesenheit von Haaren öflnen
sich die Canäle nicht immer an deren Basis. Auch über die Anheftung
der Haare und Schuppen macht der Verf. einige Bemerkungen.
Sehr interessante Beobachtungen über die Bildung der
Flügel, Schuppen und Haare bei den Lepidopteren hat C.
Semper «Zeitschrift für wissenschaftlliche Zoologie VIII.
p- 326 ff. Taf. XV) bekannt gemacht. Der Verf. hat seine
Untersuchungen an Puppen von Saturnia carpini und Sphinx
pinaslri angestellt; indem es hauptsächlich sein Zweck war,
das Verhältniss der verschiedenen äusseren Anhänge (Flü-
gel, Schuppen, Haare) zu der Epidermis festzustellen, musste
eine Untersuchung der ersten Anfänge dieser Gebilde wäh-
rend der Ausbildung des Schmetterlings in der Puppe vor-
genommen werden. Die Flügel selbst entstehen in einem
Hohlraume, der sich zwischen den beiden Flügelscheiden,
welche aus einer äusseren , nicht chilinisirten, einer inneren
Archiv [ Naturgesch. XXIV. Jahrg, 2. Bd. Ö
210 Gerstaeeker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
chitinisirten Lage und aus einer der letzteren nach innen
anliegenden Zellenlage zusammengeselzt sind, befindet. In
diesem Hohlraume befinden sich Feitkörper, Nerven und
Tracheen ; der Fettkörper wird durch einzelne, grosse Zel-
len repräsentirt, aus denen allmählig das Fett verschwindet,
die sich durch Theilung vermehren und dann einen homo-
genen , durchsichtigen Inhalt haben. Durch die Verbindung
solcher Zellen zu soliden Strängen,, welche allmählig hohl
werden, entstehen die grossen Tracheenstämme , welche die
Grundlage für das Flügelgeäder abgeben. Der erste An-
fang zur Bildung des Flügels selbst zeigt sich in der Ent-
stehung einer Membran, welche alle Nerven, Tracheen und
Bildungszellen einschliesst und dadurch von Wichtigkeit ist,
dass sie später der Epidermis als Stütze dient; diese hebt
sich nämlich, nachdem jene Membran durch allmählig dich-
tere Verstrickung ihrer ursprünglichen Zellen homogen ge-
worden ist, von der inneren Flügelscheide ab und legt sich
derselben fest an. Zu dieser Zeit zeigen sich auch die er-
sten Anfänge der Rippen, welche im Anfange weite Röhren,
aus einer einzigen Lage plalter, polygonaler Zellen beste-
hend, darstellen und in ihrem Lumen einen feinen Strang,
der offenbar ein Nerv ist, erkennen lassen; diese Rippen
legen sich stets äusserlich an die grossen Tracheenstämme,
welche ihren Verlauf bestimmen, an. Nachdem sich die
Grundmembran mit der Epidermis, deren Zellen sich zu gros-
sen Cylinderzellen ausgebildet- haben, vereinigt hat, zieht
sie sich später wieder von ihr zurück und es entsteht so
zwischen beiden ein Hohlraum, in dem sich grosse Kernzel-
len vorfinden; diese setzen sich in einen feinen , langen Stiel
fort, der sich durch die Epidermiszellen hindurchdrängt und
ausserhalb in eine grosse Blase endigt, welche die Grundlage
der späteren Schuppen abgiebt. Letztere bilden sich aus die-
ser Blase durch Zerschlitzen des Vorderrandes derselben
und durch Verkürzung des Stieles, welcher zwischen den
Epidermis-Zellen eingefügt bleibt. Ganz analog ist die, Bil-
dung der Haare, welche der Verf. z. B. an den männlichen
Fühlern von Saturnia carpini beobachtet und dargestellt ‚hat;
durch Ausscheidung der Cuticula an ihrer Oberfläche und
zugleich an derjenigen der Epidermis gewinnen dieselben
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 211
nach ihrer Entstehung an Festigkeit der Verbindung mit
letzterer. — Die Bildung der beiden Chitinmembranen des
Flügels, welche von der Epidermis ausgeschieden werden,
erfolgt erst zu der Zeit, wo die Schuppen schon ihre blei-
bende Form erlangt haben; sie legt sich wegen Mangel an
Raum in der Flügelscheide in zahlreiche Falten, die beim
Auskriechen sich allmählig verwischen. Mit der Abschei-
dung der Chitinhäute geht zugleich die fernere Ausbildung
der Flügelrippen vor sich , indem die Zellen, aus denen ihre
Wand besteht, auswendig mit den Epitelzellen der sie begleiten-
den Tracheen verschmelzen und inwendig eine Culicula aus-
scheiden. Das schnelle Wachsthum der Flügel nach dem Aus-
schlüpfen des Schmetterlings wird zugleich durch den Ein-
tritt des Blutes in die Gefässe und der Luft in die Tracheen
bewirkt.
Als von besonderem Interesse sind noch folgende Einzelnhei-
ten aus der Abhandlung des Verf. hervorzuheben: Was den Schmet-
terlingspuppen die dunkelbraune oder schwärzliche Färbung giebt
(der Verf. hat die Sphingiden, Bombyeiden u.s. w. im Sinne), ist ein
eigenthümlicher Stoll, der erst nach dem Abstreifen der Raupenhaut
ausgeschieden wird und zuerst farblos und weich erscheint; er zeigt
in seiner Ausbildung ein ganz verschiedenes Verhalten gegen Reagen-
lien vom Chitin, indem er sich beim Kochen in Schwefel- und Sal-
petersäure auflöst und dieselben färbt, dagegen in Salzsäure durch Ko-
chen vollständig unlöslich ist. — Eigenthümliche Bildungen zeigen
die feinsten Tracheenzweige während der ersten Anlage des Schmet- hi
terlingsflügels, indem sie zu Knäueln zusammengeschlungen und von
einer feinen , strukturlosen Membran umgeben sind; wahrscheinlich
werden sie erst bei der Entfaltung des Flügels durch den Eintritt der
Luft vollständig nach ihrer ganzen Länge ausgedehnt; auch bei eini-
gen Raupen (Bomb. chrysorrhoea) kommen ‚solche Knotenbildungen
am Ende der Tracheenäste vor, doch fehlt hier die umhüllende Mem-
bran. — Am Schlusse seiner Abhandlung unterwirft der Verf. noch
die von Newport, Hollard und Menzel veröffentlichten Unter-
suchungen über die Epidermoidalgebilde einer Beurtheilung und weist
die von ihnen begangenen Irrthümer nach.
Ein Verzeichniss der Thiere, auf welchen Schmarotzer-
Insekten leben, stellte Gurlt (dies. Archiv f. Naturgesch.
AAII. 1. p. 276-511) zusammen; Vervollständigungen er-
hielt dasselbe ausserdem durch Schilling. — Dies Ver-
zeichniss erstreckt sich vorläufig nur auf die Galtungen und
212 Gerstaeeker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Arten der Säugethiere und Vögel, welche in alphabetischer
Ordnung aufgeführt und unter denen jedesmal die betreffen-
den Parasiten verzeichnet sind. Am Schlusse ist ein alpha-
betisches Register der Schmarotzer selbst nach den Gattun-
gen’ gegeben.
So nützlich und dankenswerth «iese Zusammenstellung der
Schmarotzer-Insekten ist, ermangelt sie doch in vielen Theilen der
Vollständigkeit. Im Grunde sind nur die Pedieulinen, Philopteriden,
Liotheiden und Pulieiden in Betracht gezogen. die parasitischen Di-
pteren dagegen mit einigen Ausnahmen ganz unberücksichtigt geblie-
ben. Als von Oestraceen bewohnt hätten z.B. Cervus Tarandus (Ce-
phenemyia trompe, Oedemagena tarandi), die Amerikanischen Hasen
und Kaninchen (Cuterebrae spec.) angeführt werden müssen; auch
fehlen die Oestraceen des Edelhirsches (Cephenemyia auribarbis, picta,
Oestrus lineatus) u. s. w. Von Coriaceen ist z. B. die Gattung Hip-
pobosca (verschiedene Arten auf Einhufern) ganz weggeblieben, die
Ornithomyien und Nycteribien (von letzteren sind zahlreiche Arten
durch Westwood bekannt gemacht worden) sehr dürftig vertreten ;
die Gattungen Strebla, Raymondia, Camus u. a, wären ebenfalls nach-
zutragen. — Es wird demnach der durch Troschel ergangenen
Aufforderung, das Verzeichniss dürch Nachträge zu vervollständigen,
leicht nachgekommen werden können. .
Die auf Fledermäusen parasilisch lebenden Arthropoden
hat Kolenati in einem selbstständigen Werkchen, betitelt:
„Die Parasiten der Chiropteren von Prof. Dr. Kolenati,
nebst 4 Tafeln. Dresden 1857.* 8. 5l pag. zusammengestellt
und beschrieben. Der Verf. erstreckt sich in seinen Unter-
suchungen auf sämmtliche in und am Körper der Fledermäuse
lebenden Parasiten, daher ausser den Insekten und Arach-
niden auch auf die Eingeweidewürmer. Was die Insekten
betrifft, so gehören sie mit Ausnahme eines Hemipteron
(Acanlhia pipistrelli Jenyns) sämmtlich den Dipteren und
zwar den Familien der Coriaceen und Aphanipteren an; die
parasilischen Arachniden fallen sämmtlich der Ordnung Aca-
rina zu. Auffallend ist das gänzliche Fehlen der Anopluren
bei den Fledermäusen. Wie bekanntlich unter den Goriaceen
die Galtung Nycleribia ausschliesslich auf die Fledermäuse
beschränkt ist, so ist es in Gleichen unter den Acarinen mit
der Gattung Pteroptus der Fall; während erstere den Pelz
bewohnen, beschränken sich letztere auf die Flughäute, und
beide Gattungen machen ihre ganze Metamorphose an den
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 213
von ihnen bewohnten Chiropteren durch, welchen sie dem
Verf. zufolge Lymphe , Blut und das Excret der Hautbälge
absaugen.
Was die Vertheilung der einzelnen Parasiten-Gattungen auf die
Wohnthiere betrifft, so finden sich die Pteroptus - Arten an den mei-
sten Chiropteren, Ancystropus nur an Rhinopoma, Ixodes an Rhinolo-
phus, Nycteribia an Vespertilio, Rhinolophus,. Rhinopoma u. a., auch
an Pteropus, die Aphanipteren an den meisten Vespertilionen. — Die
Zahl der von Chiropteren bekannt gewordenen parasitischen Insekten
und Arachniden ist sehr bedeutend. von ersteren nämlich 25. von letz-
teren 44; wenn unter den Coriaceen es an unbekannten und neu zu
beschreibenden Formen nicht fehlte, so boten die Aphanipteren und
Acarinen einen so grossen Reichthum, dass das früher Bekannte unter
dem neu Entdeckten fast verschwindet. Bei den betreffenden Familien
ist auf dasselbe näher eingegangen worden. — Die vier beifolgenden
lithographirten Tafeln geben eine Darstellung einiger Hauptformen
von Fledermaus-Parasiten.
Während die Nycteribien ausschliesslich eine parasiti-
rende Lebensweise führen , sind sie ihrerseits ebenfalls von
Parasiten heimgesucht. Kolenati (Wiener Entomol. Mo-
nalsschrift I. p. 66) fand am Thorax derselben kleine Ein-
geweidewürmer haflen, welche er als neue Gattung der Acan-
Ihocephalen unter dem Namen Arthrorhynchus beschreibt; er
unterscheidet deren zwei Arten: A. Westrumbii (an Nyet.
Westwoodii) und Diesingi (an Nyct. Montagui). Ob sich
diese Würmer in. die Nycteribien selbst einbohren, ist dem
Verf. nicht bekannt geworden.
Auch in der Entomologischen Gesellschaft zu Paris wur-
den einige Fälle, wo Eingeweidewürmer (Filarien) in voll-
kommen entwickelten Insekten beobachtet wurdeir, milge-
theilt (Bulletin de la soc. entomol. p. CXLILf.). Rattet er-
hielt eine Filaria aus Vanessa prorsa, var. porima (der Fall
ist in seiner Richtigkeit jedoch zu beanstanden, da der Wurm
an einem seit langer Zeit getrockneten Exemplare, das wahr-
scheinlich auf feuchtem Sande aufgeweicht wurde, vorkam),
Boisduval aus Noctua Desyllesi, Migneaux aus einem
Harpalus, Gu&rin aus Melolontha vulgaris, Laboulbene
fünf Mermis aus Asilus erabroniformis; letzterer fand auch
kleine fadenförmige Würmer im Innern des Darmkanals von
Geotrupes.
214 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Die Erforschung derjenigen pflanzlichen Parasiten, wel-
che bei Krankheiten des Thier- und Pflanzenreichs eine Rolle
spielen, sei es, dass sie zur Erzeugung derselben beitragen
oder als Produkt derselben auftreten, hat in neuerer Zeit
die Naturforscher vielfach beschäftigt und es wurde bereits
im vorigen Jahresbericht p. 30 und p. 136 der Untersuchun-
gen von Frey und Lebert über die Krankheit der Seiden-
raupe und der von Cohn über die Pilzbildungen bei der
Stubenfliege erwähnt. Eine Abhandlung, die ebenfalls auf
diese beiden Krankheiten näher eingeht und zugleich eine
Uebersicht der an Insekten bekannt gewordenen Pilzbildun-
gen enthält, ist von Lebert in Virchow’s Archiv für pa-
thologische Anatomie und Physiologie XIl. p. 69—79 und
p- 144—171. c. tab. VI unter dem Titel: „Ueber die Pilz-
krankheit der Fliegen und die neueste in Oberitalien herr-
schende Krankheit der Seidenraupen mit Parasitenbildung,
nebst einer Zusammenstellung der wichtigsten pflanzlich-pa-
. rasitischen Krankheiten, welche von Insekten und Myriapoden
bekannt sind“ veröffentlicht worden. Die Pilzkrankheit der
Fliesen hat derselbe Verf. ausserdem noch in einer ausführ-
licheren Arbeit, welche hier nur im Auszuge mitgetheilt ist,
in den Denkschriften der allgemeinen Schweizerischen Ge-
sellschaft für Naturwissenschaften, deren neuester Band dem
Ref. noch nicht zur Einsicht vorliegt, abgehandelt; der die-
selbe erzeugende Pilz, von Cohn als Empusa Muscae be-
zeichnet, wird von Lebert mit dem Namen Myiophylon
Cohnii belegt. Die übrigen bekannt gewordenen Pilzkrank-
heiten der Insekten, welche der Verf. mit denjenigen der
Stubenfliege in Vergleich stellt, sondert er in Ectophylen und
Entophyten lebender Insekten; ein näheres Eingehen auf die-
selben ist hier nicht am Orte, da der Gegenstand nicht in
das Bereich der Entomologie gehört.
Ueber die Krankheit der Seidenraupe handelte derselbe Verf.
zugleich in einem Aufsatze „Esquisse de la vie du ver ä soie et l’'hi-
stoire de la s@rieiculture* (Biblioth. univers. de Geneve XXXV. p. 221
— 248), in welchem zugleich von der Entwickelung der Seidenraupe.‘
der Bildung der Seide und der Geschichte der Seidenkultur die
Rede ist.
Ueberhaupt beschäftigt die jetzt weit verbreitete Krank-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 215
heit der Seidenraupe sowohl die Praktiker als die Naturfor-
scher in allen Ländern und besonders ist man in Frankreich
mit verschiedenen Vorschlägen zur Abwehr des Uebels und
zur Verbesserung der Seidenzucht hervorgetreten. Besonders
viel hierauf Bezügliches findet sich in den Comptes rendus
de l’acad. imper. de’ l’Institut de France v. J. 1857 und in
Gu&rin’s Revue et Magas. de Zoologie IX. p. 109 ff. Mar-
tin schlägt hier die Zucht im Freien auf Maulbeerbäumen,
die mit grossmaschigem, dünnen Zeuge zu umspannen seien,
vor; im Departement de l’Herault wenigstens hätten die Rau-
pen jeden Witterungswechsel gut ertragen, die Schmetterlinge
seien besonders lebhaft gewesen und die Graines vorzüglich
ausgefallen (Rev. et Magas. p. 109). Barthelemy räth
an, die Erziehung der Schmetterlinge in den Herbst zu ver-
legen , indem zu dieser Zeit die Männchen zahlreicher und
kräftiger entwickelt aufträten und die Lebensdauer. beider
Geschlechter eine längere sei (ebenda p. 459 u. 585 fR); auch
Quatrefages setzt die Vortheile einer beschleunigten Zucht
auseinander.
In der Abhandlung von Barthelemy „Observations et expe-
riences sur l’educations du Ver ä soie et sur la conservation de la
graine par les educations d’automne“ findet sich die Bemerkung, dass
der Grund, weshalb die Anzahl der Männchen im Herbste eine be-
deutend grössere sei, darin liege, dass nur im Sommer eine Fortpllan-
zung durch Parthenogenesis erfolge. im Herbste hingegen die Be-
fruchtung durch das Männchen stets notwendig sei, um Raupen aus
den abgelegten Eiern zu erhalten; er nimmt also als eine Thatsache
an, was nach v. Siebold noch keineswegs festgestellt ist, dass die
im Sommer ausschlüpfenden männlichen Raupen. welche die Herbst-
genevation liefern, aus unbefruchteten Eiern hervorgegangen sind und
bringt «die Häufigkeit der männlichen Individuen im Herbste mit. der
analogen Erscheinung bei den Daphnien in. Vergleich.
Andere Abhandlungen, welche sich mit demselben Ge-
genslande beschäftigen, sind: Dumas, Remarques sur la com-
position ei la temperature de l’air des chambres et des li-
lieres pendant l’education des vers ä soie (Rev. elMagas. de
Zool. p.412). — Dumas, Second rapport sur la maladie
des Vers ä soie (Comptes rendus, 20. Avril., Rev. et Magas.
p- 186). — QYualrefages, Resultals d'une Education hä-
live des vers ä soie (Rev, et Magas. p. 584). — Gu&£rin,
216 Gerstaecker: bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Note sur les educations pour graine qu’il conviendrait de faire
aujourd’hui pour attenuer les desastreux effets de l’epizootie
des vers a soie (ebenda p. 172 ff.J). — Guerin, Note sur
les educations des vers a soie destinees a la confection de
la graine faite en 1857 dans la Suisse, les montagnes des
Basses- Alpes et d’autres localites, ou l’epidemie. n’a pas
paru (ebenda p. 325 ff.).
Wenn man immer mehr darnach trachtet, neben der
Cultur der Bombyx mori noch die einiger Asiatischen Satur-
nien in Europa einzuführen, so liegt diesem Beginnen gewiss
nicht allein die Sucht nach Neuerungen, sondern zum Theil
wenigstens auch die Befürchtung zu Grunde , es möchte die
alte Seidenwurm-Race, welche das cultivirte Europa so lange
Zeit mit seinem Produkte versehen hat, durch die unter dersel-
ben grassirenden Epidemieen allmählig ihrem Verderben ent-
gegengeführt werden. Besonders ist es die unter dem Na-
men Bombyx ricini bekannt ‘gewordene Art, deren Zucht
gegenwärlig von vielen Privatmännern und den zahlreichen
Acclimatisalionsvereinen, welche die neuere Zeit hervorge-
rufen hat, eifrig betrieben wird. Isid. Geoffroy St. Hi-
laire staltele der Pariser Akademie der Wissenschaften
(Comptes rendus, 19. Octbre, Revue et Magasin de Zoologie
IX. p.453 ff.) einen Bericht über die Fortschritte ab, welche
die Zucht dieser Art in den verschiedenen Ländern gemacht
hat; ausser in verschiedenen Theilen (besonders des südli-
chen) Europa’s wird die Cultur der Raupe auch in Algier,
Aegypten und sogar in Brasilien, wohin sie aus Europa 'ein-
geführt worden ist, mit Erfolg betrieben. Die Cocons sind
leicht zu bearbeiten, der Faden ist glatt, weiss, glänzend,
stark und geschmeidig, die Seide wird ohne Zweifel allen
Färbungsversuchen entsprechen. — Gu&rin (Comptes ren-
dus, 16. Novbre, Rey. et Magas. de Zoologie IX. p. 521 f.)
theilte auch die Resultate seiner Untersuchungen über den
Seidengehalt der Cocons der Bomb. rieini mit: Auf ein Ki-
logramm kommen durchschnittlich 700 Cocons (von Bomb.
mori elwa 600); das Cocon enthält circa 9,4 Proc. Seiden-
stoff, bei B. mori 11—14 Proc. Die einzelnen Cocons wiegen
bei der ersteren Art etwa 1'/, Centigramm, bei B. mori 1?/;.
(Vergl. auch Bulletin de la soc. entomol. p. CAXXVIIN.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 217
Uebrigens ist nach Guerin (ebenda p. CXVII) die Saturnia
Cynthia ans China von derjenigen aus Bengalen wahrscheinlich spe-
zifisch verschieden; die Raupe frisst nicht Rieinus - Blätter , sondern
Aylanthus glandulosa, womit sie in Turin gefüttert worden ist; auch
die Coceons zeigen Unterschiede in der Farbe. Die Chinesische Art
hält G. für die wirkliche Sat. Cynthia der Autoren, wogegen die aus
Bengalen staminende den von Milne Edwards gegebenen Namen
Sat. Arrindia erhalten soll.
Ueber die Seidenzucht in China machten endlich noch
Gaschkewitsch und v. Motschulsky in den Etudes
entomologiques VI. p. 82 ff, („Sur la sericiculture en Chine*)
Mittheilungen.
Virlet dAoust und Gu&@rin haben in der Akademie
der Wissenschaften zu Paris Mittheilungen über massenhafte
Ablagerungen von Corisa-Eiern in Mexiko gemacht, welche
dort von den Eingebornen als Nahrungsmittel benutzt werden
und die nach dem ersten der beiden Verf. zur Oolithen-
Bildung in den Kalklagern der Sümpfe Mexiko's Anlass ge-
geben haben. (Comptes rendus de l’acad. de l'Institut de
France, 23. Novbre et 7. Dechbre. Revue et Magasin. de
Zoologie IX. p. 522 ff. u. 582. Bulletin de la soc. entomol.
p- CXLVIL ff. Annales des scienc. natur. 4. ser. Vll. p. 366.)
Es sind zwei Corisa-Arten, welche ihre Eier in stehenden Ge-
wässern auf einer Binsen-Art, die von den Mexikanern „Toule* genannt
wird, in grosser Menge ablegen; die eine ist Corisa mercenaria Say,
die andere eine neue Art, welche von Gu&rin als Corisa femo-
rata bezeichnet wird. Mit ihnen zugleich legt auch eine Notonecta-
Art (Not. unifasciata Guer. nov. spec.) ihre bei weitem grösseren Eier
ab. Die Insekten selbst heissen bei den Mexikanern „Moschitos,“ wer-
den getrocknet und als Vogelfutter benutzt; die mit Eier belegten
Binsen werden gesammelt, getrocknet und geklopft, um die Eier da-
von abzulösen. Letztere reinigt und siebt man aus, thut sie in Beu-
tel und verkauft sie an das Volk, welches sich davon Kuchen, welche
„hautle* genannt werden, backt; dieselben ‘sollen wohlschmeckend
sein, übrigens eine Art Fisch-Geschmack haben.
Als ein in Iherapeutischer Beziehung wichtiges Insekt
pries Gu&rin der Akademie der Wissenschaften in Paris
die Cetonia aurala an, welche er nach mehreren ihm mitge-
theilten Fällen als ein ausserordentlich wirksames Mittel ge-
gen die Hundswulh ansieht. (Comptes rendus, 24. Aoüt et
9. Novbre, Revue et Magas. de Zool. IX. p. 367 u. 473 ff.)
218 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Die Mittheilungen, welche Gu&rin. über die spezifische Wirksam-
keit der Cetonien gegen Rabies canina erhalten hat, beschränken sich
darauf, dass Jagdliebhaber in Russland ihren Hunden als Präservativ
gegen die Krankheit zuweilen eine halbe Cetonia, zu Pulver zerstossen
und mit Wein oder Brod vermengt, eingeben und ferner, dass ein Mensch
in einem Falle von Hundswuth mit Pillen geheilt worden sei, die aus
Pflanzen und einem Pulver, das wahrscheinlich (!) das einer
zerstossenen Cetonia gewesen , bestanden haben. Dass die Akademie
auf die eindringlichen Vorstellungen &u &rin’s, über die Wirksam-
keit dieses für das Wohl der Menschheit so wichtigen Mittels Ver-
suche anzustellen, nicht hat eingehen wollen , wie dies aus der Be-
richterstattung Dume&ril’s (Comptes rendus, 9. Octbre, Rev. et Magas.
de Zool. IX. p. 457) hervorgeht, ist in Rücksicht auf die von G. an-
geführten, für die Wirkung des Mittels nichts beweisenden Fälle wohl
mehr als begreillich. Dergleichen mittelalterliche Spezifika sind dem
heutigen rationellen Standpunkte der Therapie nicht mehr angemessen
und überdies kann. das Mittel nicht einmal als neu angesehen werden,
da die Canthariden längst gegen die Hundswuth angewendet werden,
diese aber das Cantharidin, welches in den Cetonien allein wirksam
sein kann, bekanntlich in viel grösserer Menge enthalten.
Ueber die Erzeuger der Harzgallen an Pinus picea und
sylvestris und ihre Schmarotzer machte L. Kirchner (Lo-
tos, 6. Jahrg. p. 9.) Mittheilungen; der Aufsatz ist betitelt:
„Die Harzgallen der Nadelhölzer um Kaplitz.“
Die Erzeuger der Harzgallen sind Tortrix resinana und cosmo-
phorana und Cecidomyia pini: bemerkenswerth ist die Gesetzmässig-
keit, nach welcher die von ihnen gebildeten Gallen durch Parasiten
angegangen werden, indem, so lange sie noch klein sind, nur kleine
Schmarotzer,, wie Platygaster „ Pteromalus, Entedon dieselben 'anste-
chen; bei forschreitender Grösse geschieht dies von Campoplex, Aphi-
dius und Rogas, bei vollkommener Ausbildung von grossen Schlupf-
wespen, wie Pimpla, Lissonotus und Glypta. Aus den Gallen der
Tortrix resinana erzog der Verf. während ihrer verchiedenen Ent-
wickelungsstufen 18 verschiedene Schmarotzer, aus denen der Tortrix
cosmophorana 2, aus denen der Cecidomyia pini ebensoviele ; diese
Schmarotzer werden einzeln namhaft gemacht.
Eine Beobachtung über massenhaftes Auftreten von Ei-
chengallen bei Elberfeld, zuweilen 17—20 auf einem Blatte,
theilte Cornelius (Entomol. Zeitung p. 410) mit.
Sehr interessante Mitth eilungen über springende Cynips-
Gallen von Quercus Cerris machte Koll&r in den Verhand-
lungen des zoolog.-botan. Vereins in Wien VIl. p. 513 1.
Die Gallen sind kaum über eine Linie lang, oval, beiderseits
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 219
zugespitzt und sitzen an der Unterseite der Mittelrippe des
Blattes fest; sind sie vollkommen ausgebildet, so rennen sie
sich selbst und zwar mit ziemlicher Gewalt von ihrer An-
salzstelle, indem sie einen förmlichen Sprung in die Höhe
und zur Seite des Blattes machen. Abgelöste Gallen beweg-
ten sich auf einem Tische theils durch Rollen, theils durch
Sprünge von 1 Zoll Weite und 3 Linien Höhe weiter, bis
sie sich vom Rande der Tischplatte auf die Erde schnellten.
Die darin enthaltene Cynips-Larve liegt kreisförmig zusam-
mengerollt und äussert, von ihrer Hülle befreit, nicht die
geringste Bewegung; das vollkommene Insekt ist vorläufig
nicht bekannt, doch schlägt K. dafür den Namen Cynips sa-
liens vor. Eine Abbildung der Gallen und der Larve ist
auf Taf. XI gegeben.
A. Costa hat eine grössere Abhandlung über die Ita-
lienischen Insekten, welche dem Olivenbaum, den Obstbäu-
men, dem Weinstock, den Hülsenfrüchten und dem Getreide
schädlich werden, unter folgendem Titel veröffentlicht: Degl’
Insetti che attaccano l’albero ed il frutto dell’ Olivo, del Ci-
liegio, del Pero, del Melo, del Castagno e della Vite e le
semenze del Pisello, della Lenticchia, dellaFava e del Grano,
loro descrizione e biologia, danni che arrecano e mezzi per
distruggerli, per Achille Costa. Opera coronata. Napoli
1857. (4. 197 pag. ec. tab. X color.) — Der Verf. handelt in
dieser mit vielem Fleisse abgefassten und durch zahlreiche
Abbildungen sehr instruktiven Arbeit die einzelnen Insek-
ten-Arlen nach den Gewächsen , welche sie zerstören, ab,
giebt eine Darstellung ihrer Lebensweise in den verschiede-
nen Entwiekelungsperioden, geht auf die Merkmale ein, wel-
che die Pflanzen als Zeichen der Anwesenheit jener Insekten
darbieten und verbreitet sich endlich über die Mittel und
Wege, um die Pflanzen von ihnen zu befreien. Die Tafeln
gehen in allen diesen Beziehungen mit dem Texte Hand in
Hand, indem sie die verschiedenen Lebenszustände der In-
sekten vom Ei bis zum ausgebildeten Thier in stark ver-
grösseriem Massstabe und ausserdem die von ihnen abge-
fressenen Theile der Pflanzen darstellen. — Wenn die Ar-
beit auch im Ganzen wenig Neues enthält, so ist sie doch
schon wegen der Zusammenstellung der im Süden Europa’s
220 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
als schädlich auftretenden Arten von Interesse und verdient
wegen der darauf verwandten Mühe Anerkennung; die darin
abgehandelten Insekten sind, nach ihren Nahrungspflanzen
aneinandergereiht, folgende:
Auf dem Oelbaum: Phloeotribus oleae Fab., Hylesinus oleiperda
Fab., Psylla oleae Fonsc. , oecophora oleaella Fab., Dacus oleae Fab.,
Cocceus oleae Oliv.,. Coccus Pollini, Thrips oleae. — Auf dem Kirsch-
baum: Trypeta cerasi Lin. — Auf Birn- und Aepfelbäumen: Iypono-
meuta ‚malinella Zell., Carpocapsa pomonana Tr., Tingis pyri Lin. —
Auf der Kastanie: Ein Cureulionide, nur im Larvenzustande bekannt;
Carpocapsa splendana Hübn. — Auf dem Weinstock: Rhynchites. be-
tuleti Fab., Procris ampelophaga Hübn., Sinoxylon muricatum Fab. —
Auf Hülsenfrüchten: Bruchus pisi Lin.. Bruchus signaticornis Schh.,
Bruchus rufimanus Schh. — Auf dem Getreide: Bruchus granarius
Lin., Sitophilus granarius Lin., Sitophilus oryzae Lin., Trogosita
mauritanica- Lin. , Sylvanıs frumentarius Fab. , Anacampsis cerealella
Oliv., Tinea granella Lin.
Notes pour servir‘ a l’histoire des Insectes nuisibles ä
l’agriculture dans le departement de la Moselle , par J. B.
Gehin. No. 2. Insectes qui attaquent les bles. Metz 1857.
(8. 35 pag.). — Die Schrift handelt in ausführlicher Weise
über den beträchtlichen Schaden, welche eine Cecidomyien-
Art, die der Verf. für verschieden von Cecid. trieiti hält und
in Ermangelung einer sicheren Bestimmung vorläufig. mit
dem Namen Cecidomyia mosellana belegt, im Departement
de la Moselle dem Getreide auf den Feldern zugefügt hat.
Vorausgeschickt wird eine Zusammenstellung von 44 Insek-
ten von verschiedenen Ordnungen, welche nach Angabe ver-
schiedener Autoren dem Getreide auf dem Felde und in Ma-
gazinen schädlich sind. (In einer dritten erschienenen Num-
mer, ebenfalls v. J. 1857, die dem Ref. nicht vorliegt, be-
handelt der Verf. die dem Birnbaume schädlichen Käfer,
deren Verzeichniss im Thomson’s Archives entomologiques I.
p. 389 ff. abgedruckt ist; die Zahl der dort angeführten Ar-
ten beläuft sich auf 52.)
Auch Goureau (Bulletin dela soc. entomol. V. p. X11)
erwähnt einer Cecidomyia, nach ihm Cecid. tritiei, welche
drei Jahre lang in verschiedenen Gegenden Frankreichs in
soleher Menge auftrat, dass ein Vierttheil bis ein Dritttheil
der Erndte an Getreide verloren ging; im letzten Jahre wurde
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 221
eine Verminderung ihrer Schädlicbkeit dadurch bewirkt, dass
die Larven der Fliege von zahlreichen Parasiten heimgesucht
wurden.
Die Parasiten der Ceeidomyien-Larven waren besonders Platy-
gaster scutellaris Nees (fem. P. muticus Nees ) oder auch andere
Arten derselben Gattung, wie Plat. punctiger Nees. deren Larven nur
jedesmal eine Cecidomyia-Larve verzehren; ausserdem eine von Gra-
venhorst nicht beschriebene Art seiner Gattung Colocentrus , wel-
che thätiger eingrifl, indem ihren Larven je circa 20 Larven der Ce-
eidomyia zur Nahrung dienten. — Ueber das Verhältniss der Parasi-
ten- und Cecidomyien-Larven zu einander-bemerkte Aube (ebenda
p- XIV), dass die Platygaster-Arten nicht ihre Eier in die Larven der
Ceeidomyien legten , sondern dass die Eier beider in die Pflanze ab-
gelegt würden ; die früher sich entwickelnde Ceceidomyia-Larve wird
von der später ausschlüpfenden der Parasiten angegrillen.
Goureau machte ferner (ebenda p. XXVIII Mitthei-
lungen über die Verwüstungen, welche Hylotoma enodei an
Berberis vulgaris und Nematus ribis an Ribes grossularia
anrichteten, deren Blätter von den Larven derselben in einem
Jahre zweimal gänzlich abgeweidet wurden.
Während erstere Art sich in zwei auleinanderfolgenden Jahren
in gleicher Menge zeigte, verschwand letztere im zweiten Jahre gänz-
lich; sie wurde durch drei Parasiten: Tryphon armillatorius Grav.,
Pigostolus sticlicus Halid. und Degeeria flavicans G. vollständig be-
seitigt.
Waga (Bullet. de la soc. entomol. p. CXXVL ff. )
theilte Beobachtungen über einige in Polen als schädlich auf-
tretende Insekten mit; es sind Jassus 6-nolatus Herr. -Sch.
für Hafer und Gerste, Agrolis trilici für Weizen, Noctua
gilvago Lin. für Kartoffeln, letztere in den Stengeln der
Pflanze lebend und durch ihre Menge eine vollständige Ver-
nichlung der Erndte in einigen Gegenden bewirkend. Be-
sonders grosser Schaden wurde auch im J. 1850 durch das
massenhafte Auftreten von Pezotetlix pedestris Fisch. an-
gerichtet.
In Betrell' der beiden erwähnten Noctuen machte Boisduval
(ebenda p. CXXIX) die Bemerkung, dass die dem Weizen schädliche
nicht Agrotis tritici. somdern A. basilinea, infesta oder eine diesen
verwandte Art sei; ebenso sei die den Kartolfeln schädliche Art nicht
N. gilvago, sondern N. llavago. deren Raupe im Stengel sehr ver-
schiedener Pflanzen lebe.
222 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Zur Vertilgung der unter der Erde lebenden, dem Ge-
treide und den Feldfrüchten schädlichen Raupen und Larven
schlug Mocquerys (ebenda, p. LXX]) eine Verbreitung: der
Maulwürfe vor.
Als schädlich für Kartoffel- und Maisfelder erwies sich
in der Gegend von Presburg auch Epicauta dubia, indem sie
durch Abfressen der Blätter den grössten Theil der Erndte
vernichtete. (Verhandl. d. Vereins für Naturkunde zu Pres-
burg Il. Jahrg. 2. Heft p. 24.)
Ueber den Schaden, welchen Cylas turcipennis Schh.
und andere Insekten in den Pflanzungen von Ceylon anrich-
ten, machte J. Nietner (Entomol. Zeitung XVII. p. 36 ff.)
nähere Miltheilungen. j
N. beobachtete den Cylas turcipennis als den Verwüster aus-
gedehnter Felder von Batatas edulis, deren Knollen von den Larven
des Käfers in grosser Anzahl bewohnt und im Innern gänzlich zer-
stört wurden; der Verlust, welchen dies Insekt an der Erndte verur-
sachte, betrug t%. — Die Reisfelder in Ceylon wurden durch ge-
wisse Hemipteren aus der Familie Coreodes, eine andere Getreide-
Art, Eleysine Caracana durch schwarze Aphiden angegriffen; Calandra
oryzae findet sich häufig im aufgespeicherten Getreide aller Art. Phy-
malea punctata zerstörte gelegentlich den Tabak und frass einmal die
gigantischen Blätter des Cocos-Baums, die sich unter ihrer Last neig-
ten, bis auf die Rippen gänzlich ab; die schlimmsten Feinde dieses
Baumes sind aber die Larven des Sphenophorus planipennis Schh.
und Oryctes Rhinoceros, unter deren Angriffen ziemlich fünf Procent
der Bäume zu Grunde gehen. — Der Schaden, welcher durch alle
diese Insekten hervorgerufen wird, ist übrigens gering gegen den,
welchen eine Coccus-Art „Coffeebug“* (von N. sonderbarer Weise als
„Filzlaus“ bezeichnet) den Kaffeeplantagen zufügt; durch Aussaugen
der Säfte schwächt das Insekt den Strauch und giebt zugleich zur
Bildung eines schwarzen Pilzes Veranlassung , an dem ganze Felder
zu Grunde gehen; aus diesen Coccus entwickelten sich kleine Chal-
eidier.
v. Motschulsky ınachte in einem Artikel „Entomo-
gie appliquee, Insectes utiles et nuisibles“ (Etudes entomol.VI.
p. 76 ff.) Bemerkungen über die Nützlichkeit und Schädlich-
keit folgender Insekten:
Anisoplia austriaca, fruticola, Euphoria melancholica (Neu-Or-
leans) , Leucoscelis stictica, Epicauta erythrocephala, ambusta, lem-
niscata (Nord-Amerika), Xyletinus chinensis, Anobium paniceum, Apate
frumentaria, Anthrenus museorum, Cassida nebulosa, Oedipoda migra- _
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 223
toria, Agrotis valligera, Ennomos subsignaria (Neu-York), Hypono-
meuta cognatella und padella, Tortrix Bergmanniana, Butalis Zea-Mais,
Coccus ceriferus, Phora spec. (aus Polyphylla fullo erzogen).
Leon Dufour gab (Annales de la soc. entomol. V.
p. 49) eine Aufzählung der Insekten, welche im Innern der
Blülhenköpfe von Cenltaurea nigra leben; es sind theils sol-
che, welche sich von den Blüthentheilen selbst nähren, theils
solche, die in letzteren parasiliren, im Ganzen 17 Arten:
Rhinocyllus latirostris, Tephritis jaceae, Urophora quadrifasciata,
Acinia-laticauda, eluta, Tinea spee., Diplolepis spec., Chirocera ab-
rotani. Misocampus saphyrinus Walk.., Cynips acutiventris und brevis
Duf., Eurytoma (?) exilis und pubicornis Duf., Bracon 2 spec., Ho-
malura tarsata (2) Meig. und Thrips spec.
Laboulbene, „Note sur les siliques de Colza, atta-
quees par des insectes“ (Annales de la soc. entomol. V. p. 791
—797) beobachtete vier verschiedene BEkEg in den Scho-
ten von Brassica campestris.
1) Eine dicke , weissliche Cureulionen-Larve, welche das In-
nere der Körner ausfrisst und an der dem Korne entsprechenden
Stelle die Schote durchbohrt; der Käfer ist nicht genau bekannt, doch
glaubt der Verf. nicht, dass es Ceutorhynchus assimilis sei. 2) Eine
grüne Raupe mit schwarzen Haaren , welche fast die ganzen Körner
mit der Epidermis auffrisst und oft an einer anderen Stelle, als wo
sie gelebt, herausgeht; es entwickelte sich daraus Tinea xylostella
Lin. 3) Eine weisse Dipteren-Larve, welche ein Extravasat des Sal-
tes hervorruft und die Körner verhindert, sich zu entwickeln; es ist
die Larve der Cecidomyia brassicae Winn. 4) Insekten, welche die
Cutieula und das äussere Parenchym der Schoten annagen , sind ver-
schiedene Haltica-Arten.
Der Bericht, welchen Guerin der Sociele imperiale
et centrale d’agriculture im Namen der Sektion für land-
wirthschaftliche Naturgeschichte über die Arbeiten entomo-
logischen Inhalts, die während der Jahre 1856—57 einge-
sandt worden sind, abstattete, enthält zum Theil ebenfalls
Beobachtungen über schädliche Insekten und die von ihnen
angerichteten Verwüslungen; derselbe ist in der Revue et
Magasin de Zoologie IX. p. 317—325 abgedruckt.
Die erste Arbeit „Rapport sur le Taraudeur des eannes,“ von
Bojer und Fropier, betriflt die Verwüstungen,, welche der soge-
nannte „Borer“ in den Zuckerplantagen. auf der Insel Mauritius an-
richtet und giebt die Mittel zu seiner Vertilgung an die Hand. Der
Schmetterling, der sich aus dieser Raupe entwickelt, ist nach Bojer
224 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
eine Art der Gattung Proceras Hübn. (Proceras sacchariphagus Bojer)
— wurde jedoch nach Westwood (siehe Jahresbericht 1856. p. 177)
schon von Fabricius als Phalaena saccharalis beschrieben. Ref.
Der Schaden, den diese Art auf der, Insel Mauritius angerichtet hat,
ist so gross, dass an einigen Orten zwei Dritttheile der Erndte durch
sie verloren gegangen sind, und dass der Gouverneur der Insel einen
Preis von 50,000 Frances für ein wirksames Mittel gegen diese Plage
ausgesetzt hat. — Eine zweite Arbeit von Th. Bruand „Notice sur
une chenille de Tineide, qui devaste le mais dans le canton d’Audeux
(Doubs)“ giebt Nachricht von den Verwüstungen, welche eine Schmet-
terlingsraupe durch das Durchbohren und Ausfressen der Stengel
und Trauben des Mais anrichtet; sie hat ebenfalls an einigen Orten
die Erndte bis auf ein Drititheil der früheren Jahre herabgedrückt.
Der Schmetterling ist von Bruand bis jetzt nicht gezogen worden,
doch glaubt er, dass derselbe zu den Crambiden gehören wird, da
die Raupe viele Aehnlichkeit mit der von Myelophila pusilla hat.
Sollte die Raupe mit derjenigen, welche in; Italien den Mais verwü-
stet hat, identisch sein, so würde sie zu Botys silacealis (nach Pas-
serini) gehören. — Von A. Bernede ist eine dritte Abhandlung
„Notice sur les papillons diurnes, Pieris brassicae et minor (letztere
ist Pieris napi) et sur les ravages que les chenilles de ces lepido-
pteres ont excerees en 1855 et 56 sur les choux dans les departe-
ments de l’Ouest. — Die vierte Arbeit ist von Antoine in Rheims
über das Eingraben der Bienenstöcke zur Ueberwinterung der Bie-
nen; der Verf. hat festgestellt, dass bei Ausübung dieses Verfahrens
wenigstens im Norden Frankreichs man sehr wenig Bienen verliert,
dass sie weniger verzehren und dass die Königin früher mit, der
Brutablegung beginnt. (Ueber dieses Verfahren hat auch Guerin
in den Annales de la societe entomol. V. p.33 f. eine „Note sur le
proced& d’enfouissement des ruches, pratique depuis plusieures ann&es
par M. Antoine pour l’'hibernation des Abeilles“ veröffentlicht.)
Als schädliche Insekten sind während des Russischen
Feldzuges in der Krim gewissermassen auch Sirex- Larven
aufgetreten, indem dieselben in Kartätschen-Schüssen und
Kugeln eingebohrt gefunden wurden. Der MarschallVaillant
zeigte eine Kugel mit darin befindlichen Insektenlarven. in
der Akademie der Wissenschaften zu Paris vor ‚und zugleich
die Imagines, welche sich daraus entwickelt‘ hatten; Dume-
ril wies lelztere in seinem über diesen Fall abgestalteten
Bericht als eine Art der Gattung Urocerus nach. “(Comptes
rendus, 7. et 14. Septbre, Rev. et Magas. de Zoologie IX.
p- 416— 420).
im Gebiete‘ der Entomologie während des Jahres 1857. 225
Nach‘ dem von Guerin (Rev. et Magas. p. 415) gegebenen
Bericht scheint es, als sei Dum&ril der Ansicht, diese Insekten ha-
ben.das Blei der Kugeln mit ihrer Legeröhre angebohrt und auf diese
Art seien aus den hineingelegten Eiern die Larven in die Kugeln
gekommen. Dass diese Erklärung alle Wahrscheinlichkeit wider sich
habe, hebt Gu&rin ganz richtig hervor und vermuthet seinerseits,
dass in den Wänden der Holzkisten, welche die Kugeln enthielten,
sich schon Urocerus-Larven befunden haben, die sich nur nach in-
nen durchgefressen hälten und so in die Kugeln gelangt seien.
Einen analogen Fall, wo die Larven von Sirex gigas
Bleiplatten von 1'/, Zoll Dieke durchbohrten, theilte Kollar
(Sitzungberichte des zoolog. - botan. Vereins in Wien VII.
p. 155) mit.
Dass sich Insektenlarven übrigens ausnahmsweise in
‚Substanzen und Organismen begeben, welche ihnen ursprüng-
lich nicht zum Wohnorte und zur Nahrung dienen, ist schon
in mehreren Fällen nachgewiesen worden; es gehören dazu
auch diejenigen, wo Larven als Eindringlinge in den gesun-
den oder kranken menschlichen Organismus beobachtet wur-
den. «In: Paris sind neuerdings wieder zwei solche Fälle
zur Kenutniss gekommen: Sichel «Bullet. de la soc. ento-
mol. V. p: XLIX) berichtete über eine Fliegenmade, wahr-
scheinlich der Sarcophaga carnaria angehörig, welche aus
der Conjunetiva eines menschlichen Auges herausgezogen
wurde undLegrand du Saulle (Comptes rendus de l’acad.
de France, 19. Octbre, Revue: et Magas. de Zoologie IX.
p- 458) theilte eine „Observation de larves vivantes dans les
sinus frontaux d’une jeune fille de neuf' ans“ mit.
Der letztere Fall zeigte folgenden Verlauf: Nach mehreren
Wochen heftigen Stirnschmerzes entleerte ein junges Mädchen durch
Schnauben aus der Nase mehrere Insektenlarven und wiederholte das-
selbe nach einigen Monaten. Abermals nach drei Monaten traten erneu-
ter heftiger Kopfschmerz, Besinnungslosigkeit und epileptische Zufälle
ein und unter Erscheinungen von Wahnsinn wurden zum dritten Male
Larven ausgeleert. Durch die Anwendung arsenieirter Cigarren, deren
Rauch durch die Nase getrieben werden musste, gingen schliesslich
die übrigen Larven todt mit dem Nasenschleime ab und es wat völ-
lige Genesung ein,
‚Eine lesenswerthe Abhandlung vonMaeklin ist dessen
„Beitrag zur Kenniniss der geographischen Verbreitung der
Insekten im Norden, mit besonderer Berücksichtigung der
Archiv f, Naturgesch. XXIV. Jahrg. 2. Bd pP
226 Gerstaecker: Bericht über die wissensehaftlichen Leistungen
Fauna Skandinaviens und Finlands,“ welche ursprünglich in
schwedischer Sprache (Helsingfors 1853) geschrieben, ge-
genwärlig in deutscher Uebersetzung von v. Osten-Sa-
cken in der Entomolog. Zeitung p. 171—192 abgedruckt
worden ist. Der Verf. entwickelt darin zuvörderst ‚die Gründe
für die bekannte Thatsache, dass die geographische, Ver-
breitung der Thiere im Norden allgemein eine weil grös-
sere sei als in den wärmeren Strichen der Erdoberfläche;
sie lassen sich in der 'grösseren Gleichförmigkeit des Ter-
rains, in der geringeren Mannigfaltigkeit der Vegetation und
endlich ‘auch darin suchen, dass die- Ländermassen hier
mehr zusammenhängende Strecken (der Breite nach) bilden;
als dies gegen den Aequator hin der Fall ist: Daher ist in
den Polargegenden die Verbreitung einer und derselben Art
von Island, Skandinavien oder Lappland über ganz Sibirien
bis Grönland, Canada und Labrador nichts Ungewöhnliches;
und zwar sind es einerseits spezifisch nordische Thierformen,
welche sich in dieser Art ausbreiten, andererseits aber’ auch
solche, die eine bedeutende Verbreitung bis gegen den südli-
chen Theil: Europa’s erkennen lassen. Der Verf. weist die
Allgemeinheit dieser Thatsache im; Vorübergehen an einigen
Beispielen ‘aus den Wirbelthieren , den Mollusken und Cru-
staceen nach und geht sodann ausführlicher auf die Insekten
ein, für deren Verbreitung im Norden ihm ein werthvolles
und ausgedehntes. Material: zu Gebote steht. _ In Betreff’ der
Fauna. Skandinaviens kommt‘ die von Nilsson angeregte
Frage in Betracht, ob der südliche Theil dieses Landes 'be-
reits nach der Zerstörungsperiode, welche diese Halbinsel
heimsuchte , mit Norddeutschland verbunden war und von
dort seine jetzige Fauna erhalten hatte, während ‘der nörd-
liche Theil damals nicht von lebenden Wesen bewohnt sein
konnte, sondern diese erst in einer späteren Periode aus
Russland und Sibirien durch Einwanderung erhalten habe.
Der Umstand, dass sich gerade in den nördlichen Theilen
Skandinaviens und Finlands eine grosse Anzahl von Insekten
nachweisen lässt, welche über Russland und Sibirien weit
verbreitet sind, erhebt diese Annahme zur grössten Wahr-
scheinlichkeit; diese Arten sind gerade solche, welche frü-
her als spezifisch Skandinavische, d. h. ‘dem miltleren
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 227
Europa fremde angesehen wurden. Auf der anderen Seite ist
hervorzuheben, dass sich von denjenigen Europäischen Ar-
ten, welche im nördlichen Skandinavien, Finland und Lapp-
land fehlen, äusserst wenige bis nach dem nördlichen Sibi-
rien hinein erstrecken. Nachdem der Verf. die Insekten-
Fauna Skandinaviens und Finlands einerseits in ihren Eigen-
thümlichkeiten, andererseits in ihren Uebereinstimmungen
sowohl mit Europäischen als Asiatischen Verbreitungsbezir-
ken durch Anführung der auffallendsten Arten charakterisirt
hat, geht er dazu über, diejenigen Insekten aufzuzählen, wel-
che für Lappland oder Finland und zugleich für Nord- Ame-
rika als gemeinschaftlich festgestellt worden sind. Es sind
dies. 79 Coleoptera , 16 Lepidoptera , 2 Neuroptera, mehrere
Hymenoptera, 15 Diptera (nach Zetterstedt). Hierauf
folgt noch ein sehr ausgedehntes Verzeichniss von Coleo-
pieren, welche von Nord-Europa bis in das östliche Sibirien
(rkutsk, Kiachta) sich hineinerstrecken, und ‚dieses wird
abermals noch mit. ungefähr 300 solchen Arten vermehrt,
welche sich nur bis, in das westliche Sibirien hinein aus-
dehnen.
Eine zweite Abhandlung desselben Verfassers, „Beitrag
zur Kenntniss der sogenannten vicariirenden Formen unter
den Coleopteren des Nordens“ v. J. 1855 (ebenda p. 321—
348 in deutscher Uebersetzung von v. Osten - Sacken
mitgetheilt) bildet gleichsam eine Fortselzung der vorigen
und kann hier um so mehr gleich mit in Betracht gezogen
werden, als auch in jener die Coleopteren das hauptsäch-
lichste Material für die Betrachtungen des Verf. abgeben. —
Unter vicariirenden Formen versteht der Verf. nur solche
Arten, welche wie z. B. manche Sibirische und Nord-Ame-
rikanische einzelnen Europäischen Arten auf den ersten Blick
täuschend ähnlich sehen, sich aber bei genauer Betrachtung
als in mehreren Punkten verschieden herausstellen. Inter-
essant ist das Verhältniss dieser vicariirenden Formen zu
der geographischen Verbreitung der einzelnen Arten, indem
im westlichen Sibirien, wo noch zahlreiche Europäische Ar-
len unverändert vorkommen, die vicariirenden Formen sel-
ten sind, indem ihre Zahl im östlichen Sibirien schon be-
trächtlich zunimmt und indem in Nord-Amerika, wo die Zahl
228 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
der ‚Europäischen Arten schon eine viel geringere ist, (die
der vicariirenden sich in demselben Maasse steigert. Es 'bil-
den daher in dem speciellen Theil der Arbeit, in welchem
der Verfasser die einzelnen Arten, welche er als vieariirende
Formen ansieht, 'aufzählt und bespricht, "auch vorzüglich‘ die
des östlichen 'Sibiriens und 'Nordamerika’s im Vergleich mit
den Europäischen den ‚Gegenstand der Betrachtung und zwar
ist es ganz besonders‘ die Familie der Carabieinen, welche
der ‘Verf. in ‘recht ausführlicher ‘und eingehender‘ Weise
behandelt.» Die zahlreichen Notizen, welche der Verf. hier-
bei über viele Sibirische ‘Arten, die ‘zum Theil ‘wegen
der ungenügenden Beschreibungen den‘ Deutschen Ento-
mologen wenig bekannt sind, einflicht, ‘sind von um‘ 'so
grösseren Interesse, 'als sie ' keineswegs dem’ Verfahren
derjenigen, welche ähnliche und schwer zu unterscheidende
Arten als unbedeutende Local-Varietäten abzufertigen suchen;
das Wort reden. / |
Dass bei der Besprechung vicariirender Formen vor Allem eine
sichere Feststellung von Arten und Varietäten nöthig ist, versteht sich
von selbst, da eine solche der ganzen Betrachtung zur Grundlage
dienen muss; daher spricht sich denn der Verf. auch ‚ganz besonders
gegen die Leichtfertigkeit, mit, der heut zu Tage selbstständige Arten
zu lokalen Abänderungen degradirt werden, aus. „Man vermengt oft
vollkommen verschiedene und unähnliche Thierarten, um den Grund
ihrer Unähnlichkeit in der Verschiedenheit ihrer Wohnplätze nachzu-
weisen.“ — „Ueberhaupt wird mit den sogenannten geographischen
Varietäten und lokalen Artverönderungen oft Unfug getrieben.“ -— „Die
meisten nordeuropäischen Thierarten, welche‘ bis zum Baikal-See,: bis
Kamtschatka und noch weiter vordringen, zeigen nämlich. überhaupt
keine Formveränderung. weder unter verschiedenen Breitegraden,
noch an physisch ungleichen Wohnorten; es. wäre demnach etwas ganz
Besonderes, wenn gerade der Baikal-See oder die ziemlich schmale
Behrings-Strasse das Vermögen besässen, die Form einer Thierart auf
einmal wesentlich zu ändern, nachdem dieselbe ihre eigenthümliche
Beschaffenheit in ihrer Ausbreitung von dem nördlichen Theile Schott-
lands oder Skandinaviens bis zum. östlichen Sibirien behalten’ hatte.
Ich habe Gelegenheit gehabt, manche ‚Amerikanische ‚Repräsentanten
von entsprechenden Europäischen Arten in mehreren Hunderten, von
Exemplaren aus verschiedenen Lokalitäten der Russischen Besitzungen
in Nordamerika zu untersuchen und zu vergleichen, ohne dabei die
geringste Andeutung eines Uebergangs von einer Europäischen zu
einer Asiatischen oder Amerikanischen Form finden zu können.“
im’ Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 229
„Nimmt man’ dagegen an, dass diese den nordeuropäischen: Thierarten
verwandten Repräsentanten in, den nördlichen Theilen von Asien und
Amerika keine geographischen Varietäten, sonderu ursprünglich be-
sondere in verschiedenen Welttheilen, aber unter ziemlich gleichen
klimatischen und anderen äusseren Naturverhältnissen entstandene Arten
sind. so braucht man keine dem bekannten Verhalten in der Natur
widerstreitende Hypothese zu Hülfe zu nehmen.“ — Diese und zahl-
reiche andre Stellen ans der äusserst gediegenen Abhandlung des
Verf. möchten dem unbefangenen Beurtheiler wohl jedenfalls licht-
voller erscheinen, ‚als diejenigen, auf welche in derselben Zeitschrift
p- 308. durch renommistische „Eingesandts“ zu wiederholten Malen
hingewiesen wird.
Ueber das ‚schaarenweise Ziehen von Insekten und ‚die
dasselbe bedingenden oder begünstigenden Umstände hat
van Bemmelen (Handelingen der Nederlandsche Entomo-
logische Vereeniging 1. Dee], 3. Stuk, Leyden 1857, p. 1—23)
unter dem Titel „Waarnemingen over het trekken van Insek-
ten“ Mittheilungen gemacht. Der Verf. beschreibt mehrere
Fälle, wo Libellula. quadrimaculata in Holland zu grossen
Schwärmen und zwar zuweilen über das Meer hin Züge un-
ternommen habe, und reiht hieran eine Zusammenstellung
der Beobachlungen früherer Autoren, welche dasselbe Phä-
nomen theils ebenfalls an Libellen, theils an anderen Insekten
und zwar besonders Schmetterlingen (Pieris brassicae, Va-
nessa cardui u. a.) wahrgenommen. Beim Vergleich der
Jahreszahlen, die für dergleichen Erscheinungen bisher ‚an-
gemerkt worden waren, stellte sich. eine etwaige, Perio-
dieität für solche Insektenzüge nicht heraus, nur kam, mehr-
mals. der Fallıvor, dass sie in zwei aufeinander folgenden
Jahren stattgefunden halten. _ Dagegen stimmten alle Be-
obachtungen, welche, mit einiger Genauigkeit und mit. Be-
rücksichligung der. Willerungsverhältnisse angestellt worden
waren, darin überein, dass die Richtung der Schwärme
stels; mit der augenblicklichen Windrichtung correspon-
dirte; auch wurden die meisten Libellen-Züge im Monat Juni
beobachtet.
Doengking erörterte, in einer „Uebersicht periodi-
scher Erscheinungen aus dem Thierreiche der Umgegend
Kischinew’s (Bullet. de la soc. des natur. de Moscou 1857, Ill.
‚p-249 ff.) auch das Auftreten einiger Insekten während der
230 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Jahre 1845 — 56. Es sind: Cetonia hirta, Gryllus migra-
torius, Lethrus cephalotes, Lylta vesicatoria und Melolontha
vulgaris.
J. Thomson hat unter dem Titel „Archives entomo-
logiques, ou recueil contenant des illustrations d’inseetes nou-
veaux ou rares“ (Paris 1857, gr.8. planch. color.) ein Pracht-
werk begonnen, welches‘ vorzüglich zur Bekanntmachung
ausgezeichneter neuer exotischer Insekten, unter denen die
Käfer eine besonders ausgedehnte Berücksichtigung erfahren
haben, bestimmt ist. Das Werk ist wie die Westwood’schen
Arcana entomologica auf zwei starke Bände berechnet, welche
in Lieferungen von zwei bis drei Bogen Text und einigen
Kupfertafeln erscheinen. Von dem ersten Bande, welcher
die Jahreszahl 1857 trägt, ist die Hälfte des Textes übrigens
erst im folgenden Jahre und die dazu gehörigen Kupfertafeln
sogar bis jetzt noch nicht vollständig herausgegeben. Wenn
die Publicationen des Herausgebers, der sich mit besonderer
Vorliebe der Familie der Cerambycinen zugewandt hat, gleich
den grössten Theil des Werkes in Anspruch nehmen, so sind
doch andre Pariser Entomologen nicht ganz ohne Theilnahme
an demselben geblieben, und ausser Beschreibungen einzelner
neuer Arten durch Buquet, Chabrillac, Chevrolat,
Guerin u.s.w. finden sich darin sogar einige anatomische
Darstellungen von Laboulb&ne und L. Dufour. In Be-
ireff der Fülle des darin bekannt gemachten Materials und
in Rücksicht auf den Reichthum an ausgezeichneten und sel-
tenen neuen Formen, die in ihm enthalten sind, wird sich
das Werk nolhwendig als eine reiche Fundgrube bei der
Determination grösserer Sammlungen herausstellen und diesen
daher unentbehrlich werden; auch stellen es seine vorzüglich
schön ausgeführten Abbildungen ohne Frage in die Reihe
der iconographischen Werke ersten Ranges, a sogar über
die meisten bisher erschienenen. Wie es aber vielen Wer-
ken der Art eigen ist, dass nämlich in Rücksicht auf die
Hülfe, welche die Abbildungen beim Beslimmen gewähren
können, die Beschreibungen nur nebenbei und damit’sie nicht
fehlen, entworfen sind, so hat auch bei dem vorliegenden
unter der glänzenden Ausstattung der Tafeln die Brauchbar-
keit des Textes gelitten und bei Bestimmung ‘von Arten,
im' Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 231
welche nur durch Beschreibungen bekannt gemacht sind, wird
man nicht selten in Ungewissheit über dieselben bleiben. Ref.,
der‘in dem vorliegenden Jahresbericht den ersten, im Text
vollständigen Theil des Werkes berücksichtigt, und die ein-
zelnen. Abhandlungen desselben gehörigen Orts näher be-
sprochen hat, nahm hierbei Veranlassung, die als neu be-
schriebenen Gattungen und Arten des Verf. auf die hiesige
Königl. Sammlung zu prüfen; in manchen Fällen stellte sich
eine Identität mit bereits: bekannten heraus, in viel. zahlrei-
cheren aber die Unmöglichkeit, nach den Beschreibungen des
Verf. eine sichere Bestimmung zutreffen, so dass man ihm
fast ralhen möchte, alle seine Publicationen durch so zahl-
reiche, und schöne Abbildungen, wie. er sie z. B. bei Tra-
gocephala, Anacolus und Compsosoma gegeben hat, zu illu-
siriren. Das Werk gewährt übrigens noch dadurch ein
besonderes Interesse, dass es die interessantesten und neuesten
Entdeckungen verschiedener Englischer und Französischer
Reisenden, wie Wallace, Fortune,Bates, Deyrolleu.a.,
deren beste Ausbeute der Verf. stels zu acquiriren scheint,
in verhältnissmässig kurzer Zeit zur Kenntniss bringt.
Eine) zweite periodische Publication, welche u. a. die
Bekanntmachung der. reichen Entomologischen Schätze des
Leydener Museums in Aussicht stellt, ist unter dem Titel :
Memoires d’Entomologie, publies par la societ& entomologique
des Pays-Bas sous la direclion de J. van der Hoeven,
€, Verloren et Snellen van Vollenhoven (l. Vol.
La Haye 1857, 8°. 194 pag. c. tab. 12 color.) erschienen.
Der erste vorliegende.Band enthält ausser der Beschreibung
und Darstellung interessanter exolischer Insektenformen, die
meist den Niederländischen Besitzungen auf den Sunda-Inseln
angehören, auch mehrfache werthvolle Beiträge zur Biologie
und Metamorphose, einem Felde, welches von den Nieder-
ländischen Entomologen von je her mit Glück cultivirt wor-
den ist. Die Zeitschrift beschränkt sich nicht nur auf. die
eigentlichen Insekten, sondern nimmt auch Arbeiten im Bereich
der übrigen Arthropoden-Classen auf.
Ausserdem haben sich auch in Brüssel, Berlin und Wien
Liebhaber und Sammler 'inländischer Insekten dazu vereinigt,
durch Herausgabe. periodischer Schriften „die Wissenschaft
'
232 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
zu fördern.“ Zusammenstellungen von Lokalfaunen, Beschrei-
bungen einzelner neuer Arten und Gattungen, Uebersetzungen
und Auszüge aus ausländischen Publicationen, Referate über
einzelne Werke und Zeitschriften machen ihren Inhalt aus.
Die Titel dieser Zeitschriften sind: Annales de la societe
entomologique Belge (Tome I. Bruxelles 1857. 8%. 173 pag.).
— Berliner Entomologische Zeitschrift, herausgegeben vom
Entomologischen Verein in Berlin. (1. Jahrg. 1857. Berlin, 8°.
206 pag. 1 Taf.) — Wiener Entomologische Monatsschrift.
dl. Bd. Wien 1857. 8°. 194 pag. 1 Taf.)
Staudinger machte (Entomol. Zeit. p. 209— 289)
ausführliche Mittheilungen über seine im Jahre 1856 zu en-
tomologischen Zwecken unternommene Reise nach Island,
welche in so fern die grösste Beachtung verdienen, als von
den Insekten Islands bis jetzt so gut wie Nichts bekannt war.
Aus den vom Verf. vorausgeschickten Bemerkungen über die
elimatischen und geognostischen Verhältnisse des Landes ist
hervorzuheben, dass die zwischen dem 63° 35° und 66° 30°
liegende Insel im Süden eine mittlere Temperatur von 4°, im
Norden von 0°R. besitzt, dass ihre Witterung im Allgemeinen
sowohl nach den Jahren als nach den einzelnen Lokalitäten
eine sehr veränderliche ist, dass der Sommer sich aber im
Ganzen durch ausserordentlich vielen Regen hervorthut; nicht
selten regnet es im Juni und Juli vier volle Wochen hinter-
einander, in manchen Jahren sogar den grössten Theil des
Sommers hindurch. Der Verf. selbst hat im Süden Islands
einen besonders milden und trocknen Sommer angetroffen,
aber Irolzdem von Ende Mai bis Ende Juni jeden Tag Regen
gehabt; die Temperatur war im Mai und Juni des Morgens
4°—6° und stieg im Laufe des Tages bis auf 10°; zu Ende
Juli’s und im August zeigte das Thermomeler im Schatten
15°— 16°. Der Aufenthaltsort des Verf. war Thingvellir,
acht Meilen im Innern von der an der Südküste gelegenen
Hauptstadt Reykjavik entfernt, an dem etwa 5 Meilen im
Umfang messenden See Thingvalla vatn gelegen; die Vege-
tation war hier reichhaltig, wie aus der Zusammenstellung,
welche der Verf. von den dort beobachteten ‚Pflanzen giebt,
hervorgeht, bestand aber ausser zwei Birken- und einigen
Weidenarten nur. aus einjährigen Gewächsen; ‚sehr allgemein
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 233
verbreitet und oft ausschliesslich grosse Strecken des Bodens
bedeckend, sind die Laubmose (Sphagnum), aus denen sich
hin und wieder Gramineen hervorarbeiten. Weit ausgedehnte
Wiesen mit üppigem Graswuchs und Torfmoore wechseln mit
blosliegendem vulkanischen Gestein, hin und wieder mit
Lagen gelben Lehmes bedeckt, ab; das Terrain ist durch
liefe Klüfte eigenthümlich zerrissen und steigt allmählig bis
zur Höhe von 2500° 3000° an, wo auf den ausgebrannten
Vulkanen der Schnee erst im August schmilzt. — Die von
Staudinger (in Verbindung mit zwei gleichzeitig im Nor-
den der Insel reisenden Sammlern) auf Island gemachte en-
tomologische Ausbeute beläuft sich im Ganzen auf 312 In-
sekten-Arten der verschiedenen Ordnungen; dass diese Zahl,
wenn auch keine absolut vollständige, doch der in Wirklich-
keit existirenden wenigstens nahe kommt, ist aus zwei Grün-
den anzunehmen, indem 1) von St. alle Insekten, die ihm
überhaupt vorkamen, mitgenomnen worden sind, und 2) die
im Norden veranstalteten Sammlungen überhaupt nur 12 nicht
im Süden aufgefundene Arlen enthielten, woraus hervorzu-
gehen scheint, dass die Fauna der Insel überall eine grosse
Gleichförmigkeit darbietet. Was die einzelnen Ordnungen
betrifft, so sind die Dipteren mit 110 Arten am zahlreichsten
vertreten ; ihnen zunächst stehen die Coleopteren mit 81 Arten,
dann folgen die Hymenopteren mit 61, die Lepidopteren mit
33, die Neuropteren mit 9, die Hemipteren mit 8, die Para-
siten mit 6, die Poduren mit 3—6 Arten; die Orthopteren
fehlen gänzlich. Die grösste Anzahl der Arten ist zugleich
im nördlichen und mittleren Europa vertreten, einige stimmen
mit Grönländischen, Labradorischen und Lappländischen über-
ein, andre sind zugleich auf den hohen Gebirgen Miltel-
Europa’s heimisch, der geringste Theil endlich ist neu, viel-
leicht auch specilisch Isländisch. Charakteristisch ist für viele
Arten (besonders Lepidopteren und Dipteren) eine starke Ver-
änderlichkeit in Farbe und Zeichnung und vorzüglich eine sehr
hervortrelende Neigung zur Melanose, wie denn überhaupt
eine düstere Färbung vorwaltet: Den climalischen Verhält-
nissen angemessen ist das vollständige Fehlen der Tagfalter
und Schwärmer (übrigens auch der Bombyciden) unter den
Lepidopteren.
234 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Nach diesen Vorbemerkungen über. die: Insektenfauna Islands
im Allgemeinen geht der Verf. (a. a.0.p. 2281.) auf eine ausführliche
Beschreibung der von ihm daselbst aufgefundenen 33 Lepidopteren
ein. Von denselben gehören 9 zur Familie der Noctuen (Episema
graminis, Agrotis islandica n. sp., rava, Noctua conflua, Triphaena
pronuba, Hadena exulis, Sommeri, Mamestra pisi und Plusia interro-
gationis), 10 zur Familie der Geometriden (Cidaria trııncata, munitata,
propugnata, caesiata, thulearia, alchemillata, Eupithecia scoriata n. sp.,
satyrata und valerianata), 3 zu den Tortrices (Teras maccana, TDortrix
pratana und Penthina betuletana), 9 zu den Tineiden (Crambus pa-
scuellus, eztinctellus n. sp., Pempelia carbonariella, Tinea rusticella,
Plutella cruciferarum, Dalella, septentrionum n. sp., Gelechia Thule-
ella n. sp., Endrosis lacteella) und 1 (Pterophorus Islandicus n. sp.)
zu den Pterophoriden. Neben der Charakteristik der neuen oder un-
vollständig bekannten Arten, so wie ihrer zahlreichen Farben-Abän-
derungen werden Notizen. über ihr Vorkommen, die Zeit ihres Er-
scheinens, se wie über die ersten Stände mehrerer gegeben. — Sodann
folgt (pag. 282 fl.) eine Aufzählung der Coleopteren Islands mit An-
gaben über ihr Vorkommen; sie vertheilen sich auf die einzelnen
Familien folgendermassen: 11 Carabicinen, 3 Dytisciden, 3 Palpicornen,
1 Silphide, 35 Staphylinen, 6 Cryptophagen, 1 Mycetophagide (Typhaea),
3 Byrrhii, 1 Lamellicorne (Aphodius), 1 Elateride (Cryptohypnus),
2 Malthinen, 1 Ptinus, 9 Curculionen, 2 Chrysomelinen, 2 Lathridier,
1 Mycetaea. Davon sind neu 3 Staphylinen, die hier charakterisirt
werden. — Ueber die Hemipteren ist p.228 eine kurze Notiz gegeben;
es sind drei Heteropteren (Anthocoris, Salda, Corisa) und von Homo-
pteren 1 Jassus, 1 Dorthesia und einige Aphis-Arten. — Ueber die
ihm zur Ansicht vorliegenden Dipteren kann Ref. vorläufig mittheilen,
dass unter circa 40 Nemoceren die Gattungen Tipula, Limnobia,
Erioptera, Trichocera, Maerocera, Sciophila, Mycetophila, Tanypus,
Chironomus, Thaumalea, Scatopse, Ceratopogon, Psychoda, Simulia,
Bibio und Sciara vertreten sind; von den übrigen Familien kommen
auf die Empiden 3, Dolichopoden 2,, Syrphiden 13, Muscarien 45,
Pupiparen 2 Arten. Von den einzelnen Gattungen sind am, stärksten
Chironomus (12), Syrphus (10). Anthomyia (18 Arten) vertreten ; unter
den Acalypteren sind besonders die Gattungen Coelopa und Orygma
erwähnenswerth. k
Hagen (Entomol. Zeit. p. 381) bemerkt zu der vorstehenden
Abhandlung über die Insektenfauna Islands, dass in Th. Gliemann's
„Geographische Beschreibung von Island“, Altona 1824, 8°. ein Ver-
zeichniss dort lebender Insekten enthalten sei, welches 82 Arten ver-
schiedener Ordnungen enthält; dieselben werden von H! einzeln nam-
haft gemacht. \
in: Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 235
Ueber. die ‚Insektenfauna der im Südosten von Neu-
Guinea liegenden Insel Woodlark (westlich von den Salomons-
Inseln) hat der Missionär Montrouzier eine grössere Ab-
handlung „Essai sur la faune de l’ile de Woodlark ou Moiou“
in den Annales des sciences physiques et naturelles, publiees
par la societe d’agrieulture de Lyon VII, 1. p. 1—114 und
VI. p. 393—411 veröffentlicht, deren bis jetzt vorliegender
Theil sich auf die Ordnungen der Coleopteren, Orthopteren,
Hemipteren, Lepidopteren und einige Hymenopteren erstreckt.
Der Verf. liefert eine systematische Aufzählung säinmtlicher
von ihm auf der Insel Woodlark gesammelten Arten , eine
in einzelnen Fällen genügende, meist aber sehr kurze und
unzureichende Charakteristik derjenigen, welche er für neu
ansieht und ergänzende Bemerkungen zu einzelnen von Fa-
brieius und Boiduval beschriebenen Species. Da die
beiden genannten Autoren überhaupt fast die einzigen sind,
welche der Verf. bei der Prüfung der ihm vorliegenden Ar-
ten gekannt und berücksichtigt hat, so versteht es sich bei
den umfangreichen Publicationen der Neuzeit über die ento-
mologische Fauna der Inseln des stillen Oceans von selbst,
dass seine Arbeit auch nach der literarischen Seite hin viel
zu wünschen übrig lässt, und es.lässt sich eine Identität der
von ihm als neu aufgestellten Arten mit bereits bekannten in
vielen Fällen um so eher vermuthen,, als es durch die Er-
fahrung festgestellt ist, dass nicht nur jene Inseln unter sich,
sondern auch zum Theil mit dem Festlande Neu - Holland’s
eine grosse Uebereinstimmung in ihrer Fauna darbieten. Mit
diesem Mangel an einer genügenden Durcharbeitung der
vorhandenen Literatur hängt auch die Nomenklatur des Verf.
zusanımen, in welcher sich mehrfach Gattungs- und Artnamen
nachweisen lassen, die schon anderweitig verwendet worden
sind. Es giebt kaum eine Fauna, die in entomologischer Be-
ziehung einer gründlicheren Bearbeitung bedürfte, als die
des stillen Oceans, da durch mehrere französische Werke,
welche dieselbe behandeln, schon ohnehin viel verschen
worden ist: und andrerseils ist kaum eine zweite in Rücksicht
auf die Reichhaltigkeit an interessanten und uhlokrdiges
Formen einer gründlichen Bearbeitung so werth, als gerade
diese. Es kann daher nur bedauert werden, dass die hier
236 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
in Rede stehende Fauna der Insel Woodlark nicht 'eine ein-
gehendere Behandlung erfahren hat. x
Was den Charakter der Insektenfauna der Insel Woodlark im
Allgemeinen betrifft, so giebt der Verf. darüber in einer Einleitung
einige Andeutungen. Die Insel ist klein, niedrig, die Vegetation im
Ganzen mager, die Regenmenge gering, die Temperatur mässig, indem
sie selten auf 36° Cels. steigt; der Mangel an vierfüssigen Thieren
bedingt z.B. das Fehlen. der meisten Insektenformen , welche von
Cadaveın leben, und überhaupt ist die Fauna nicht als eine besonders
reichhaltige zu bezeichnen. Als besonders bemerkenswerth sind
einige ausgezeichnete Phasmoden - Formen (Euryacantha Boisd.) her-
vorzuheben; auch unter den Schmetterlingen kommen einige ausge-
zeichnete neue, besonders farbenprächtige Arten vor. "Unter ’den
Coleopteren überwiegen an Menge ganz besonders die Curculionen,
und: ihnen schliessen sich als die artenreichsten Familien die Lamelli-
cornen, Cerambyeiden und Tenebrioniten an.
Einen kleineren Beitrag. zur Kenntniss der Australischen
Insektenfauna hat Newman „Characters of a few apparently
undeseribed Insects collected by James Gibbon ‚at More-
ton - Bay“ (Transact. of the entomol. soc. IV. p. 51—57)
geliefert. , Derselbe enthält. Beschreibungen einer Anzahl
neuer Arten aus den Ordnungen der Coleopteren, Dipteren
und Lepidopteren.
Ferner machle P. Edwards (Edinburgh new philosoph.
Journ., new ser. V. p.. 351 ff.) in einem Briefe an Jones
Mittheilungen über die Insektenfauna von Melbourne in Neu-
Holland. „Entomology of the vieinity of Melbourne, Australia;
communicated in a letter to Mr. Jones, by P. Edwards.“
— Der Verf. giebt darin eine gedrängte Uebersicht der Haupt-
formen aus den verschiedenen Insekten-Ordnungen, die bei
Melbourne einheimisch sind ; für die Coleopteren,, ‘die noch
am eingehendsten: behandelt sind, ist bemerkenswerth, dass
die Zahl der Individuen, in der sie auftreten, zuweilen enorm
ist, wie z. B. ‚für Schizorrhina punctata‘' und Australasiae,
welche der Verl. zu Tausenden beisammen traf.
Zur Kenntniss der Japanischen Insekten-Fauna lieferte
v. Motschulsky (Etudes entomol. VI, p.25—-41) Beiträge.
Von 'Coleopteren ‘werden 24 neue Arten, die zum Theil auch
eignen Gattungen angehören, beschrieben , ausserdem eine
Anzahl’schon bekannter namentlich aufgeführt; vos Hymeno-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 237
pteren: ist nur’ eine neue Vespa charakterisirt, von Lepido-
pteren werden 44 bereits bekannte Arten aufgezählt.
Der zoologische Theil von Ramon de la Sagra’s
Werk über die Insel Cuba, von dem bisher mehrere Bände,
welche die Wirbel- und Weichthiere enthalten, erschienen
waren, ist im Jahre 1857 mit dem 7. Bande, die Artikulaten
umfassend , fortgesetzt worden. Der Titel heisst: Historia
fisica, politica y natural de la Isla de Cuba, por D. Ramon
de la Sagra. Secunda Parte: Historia natural. Tomo VI.
Crustaceos, Aragnides & Insectos. Paris, en la libreria' de
Arthus Bertrand. 1856. — Der vorliegende Folio-Band um-
fasst XXXII und 371 Seiten Text und 20 colorirte Tafeln; der
Text ist in Spanischer Sprache abgefasst, die Diagnosen der
bereits beschriebenen Arten sowohl als der neu aufgestellten
jedoch lateinisch. Wie der Titel besagt, umfasst das Werk
nicht nur die Insecta hexapoda, sondern auch die übrigen
Arthropoden, nämlich die Crustaceen, Myriapoden und Arach-
niden. Ein Vorwort von Guerin-M&neville benachrich-
tigt uns davon ‚ dass ihm die Redaction dieses Theiles der
Zoologie vom Herausgeber des Werkes übertragen worden
sei, und eine Nachschrift des letzieren(Ramon de laSagra),
vom September 1857 datirt, deutet darauf hin, dass das Er-
scheinen des Bandes nicht in das Jahr 1856, wie der Titel
angiebt, sondern in das folgende und zwar in das Ende desselben
fällt. An der Bearbeitung der einzelnen Classen und Ordnungen
der Gliederthiere haben sich ausser Gu@rin mehrere der
französischen Entomologen betheiligt, wie dies aus folgender
Uebersicht des Inhalts hervorgeht: pag. V—-XAIII Crustaceen,
von Guerin; p. XXIV—XXXII Arachniden und Myriapoden
von Lucas; pag. 1—136 Coleoptera von Jacquelin. du
Val; pag. 136—148 Orthoptera von Gu&rin; pag. 149-—182
Hemiptera von Gu&rin; pag. 183 — 201 Neuroptera (fast
ausschliesslich Libellulinen) von de Selys-Longchamps;
pag. 202— 313 Lepidoptera von Lucas (mit Benulzung eines
Manuscripts über Cubensische Schmetterlinge vonLefebvre,
dessen Beschreibungen darin aufgenommen sind) ; pag. 314—
327 Hymenoptera von Lucas, die Vesparien jedoch von
de Saussure; pag. 328—349 Diptera von Bigot. — Was
das Materil betrifft, welches der Ausarbeitung des Werkes zu
,
238 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Grunde gelegt worden ist, so ist ausser dem von dela Sagra
bei seiner Durchforschung der Insel Cuba zusammengebrachten
auch Manches von Poey in Habana eingeschickt worden und
ausserdem haben mehrere der bedeutenderen Pariser Samm-
lungen das Ihrige zur Vermehrung beigetragen. Trotzdem
ist die Zahl der aufgeführten und beschriebenen Arten im
Verhältniss zu den aus Cuba bisher bekannten und z.B. auch
zu den in der hiesigen Königl. Sammlung befindlichen eine
sehr geringe, und während in letzterer die Zahl der unbe-
schriebenen Arten nicht unbeträchtlich ‘die der bereits be-
kannten übertreffen möchte, bleibt sie in der vorliegenden
Fauna weit hinter den lelzteren zurück. — Die: beifolgenden
Tafeln sind sowohl in der Zeichnung als im: Colorit ‚gut
ausgeführt und enthalten neben der ‚bildlichen Darstellung
der als neu beschriebenen Formen nebst den sie 'erläuternden
Detail - Zeichnungen auch zahlreiche schon früher bekannt
gemachte Arten; den Crustaceen sind 3, den Arachniden 2,
den ‚Coleopteren 6, den Orthopteren und Hemipteren je 1,
den Lepidopteren 4, den Hymenopteren 2 und den Dipteren 1
gewidmet; die erste Hymenopteren - Tafel enthält zugleich
die Abbildung von 2 Agrioniden.
Um auf die einzelnen Theile des Werkes specieller einzugehen,
so beschränken sich die aufgeführten Crustaceen fast ausschliesslich
auf die Abtheilung der Decapoden, indem ausser diesen nur 3 Stoma-
topoden, 1 Isopode und 1 Limulus die einzigen Vertreter der um-
fangreichen übrigen Ordnungen sind; unter den Decapoden sind von
Interesse die schon früher von Gu&rin beschriebene Gattung Hypo-
concha und einige Larven-Formen ‚von Brachyuren, die unter den
Galtungen Zo&a und Zoeides beschrieben und abgebildet werden. —
Unter den Arachniden befinden sich einige Scorpioniden und Solifugen,
die übrigen gehören der Abtheilung der Araneiden an, — Von My-
riapoden: 1Spirobolus und 2Scolopendren, sämmtlich bereits bekannt.
— Von Coleopteren sind nahe an 100 neue Arten beschrieben, welche
durchweg in bereits bekannten Gattungen untergebracht sind, wenn
auch zum Theil in solchen, die (wie mehrere der inDejean's Catalog
aufgeführten) noch nicht näher begründet wurden. Ueberhaupt hat
hier für den Verf. öfter der Dejean’sche Catalog als genügende Auto-
rität für Gattungen gegolten, die seitdem von Anderen charakterisirt
worden sind, so wie er sich auch öfter damit begnügt hat, Arten unter
unrichtigen Gattungen, denen sie zuertheilt worden sind, zu belassen;
2. B. Eriphus Lanieri, dimidiatus und dimidiatipennis, welche alle drei
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 239
mit der Gattung Eriphus nichts gemein haben. — Unter den Ortho-
pteren sind 8 Arten aus den Forficularien und Blattinen als neu 'be-
schrieben, die übrigen bekannte, — Grösser ist die Zahl der neuen
Arten unter den Hemipteren, wo sie sich gegen 50 beläuft; bei weitem
die meisten derselben fallen den Heteropteren zu und auf einige in-
teressantere Formen derselben wurden auch neue Gattungen begründet
(Coreodes, Capsini). — Die Neuropteren (Pseudo-Neuropteren), sämmt-
lich Libellulinen, sind mit 14 neuen Arten bereichert; von ächten
Neuropteren sind nur 2 Ascalaphus-Arten angeführt — Von besonderem
Interesse ist das Verzeichniss der. Lepidopteren, welches durch Lucas’
Zusammenstellung recht reichhaltig erscheint; es sind in dasselbe die
zahlreichen Cubensischen Lepidopteren, welche von Poey in zwei
Werken (Memorias sobre la historia natural de la Isla de Cuba I. und
Centurie des Lepidopteres de l’ile de Cuba, beide wenigstens in Deutsch-
land nicht bekannt geworden) beschrieben und abgebildet worden sind,
nach ihren Diagnosen aufgenommen, so dass dieselben jetzt zur all-
gemeinen Kenntniss kommen: Die Fülle an Rhopaloceren ist nach
dieser Aufzählung sehr gross und in faunistischer Hinsicht ist dieser
Theil des Werkes daher ohne Zweifel der interessanteste ; auch die
Zygaeniden und Sphingiden sind noch reichhaltig ver'reten, die übri-
gen Familien dagegen sehr dürftig und die Microlepidopteren fehlen
gänzlich. Die als neu beschriebenen Arten, deren grösster Theil von
einem Manuscript Lefebvre’s herrührt, belaufen sich auf 34: die mei-
sten gehören zu den Rhopaloceren, einige den Zygaeniden, 1 den
Sphingiden und 1 den Bombyeiden an. — Die Hymenopteren sind
wieder schwach vertreten und mit Ausnahme zweier neuer Apiarien
hereits bekannt. Am dürftigsten sind jedoch sowohl in Betreff, der
Artenzahl als in Rücksicht auf die ungenügende Beschreibung der
neuen die Dipteren davongekommen ; die Zahl der letzteren beträgt
23 und bei den bereits bekannten hat sich der Bearbeiter nicht einmal
die Mühe gegeben, die Bände, in welchen sie von Macquart und
Wiedemann beschrieben worden sind, anzuführen. — In Bezug auf
die Ausstattung des Werkes ist zu bedauern, dass der Text von den
gröbsten Druckfehlern förmlich wimmelt, besonders in einzelnen Thei-
len; auf p. 113 ist z. B. in einer Diagnose der Passus „altera ante
apicem magis obliqua“ statt einmal dreimal nach einander gedruckt;
Citate von Autoren mit Auslassung der pag. oder tab. und fig., wie
z. B. anf p. 110 wiederholen sich ebenfalls öfter.
Ueber einzelne Faunengebiete Europa’s wurden folgende
kleinere Mittheilungen, welche theils allgemeiner, theils spe-
eieller Natur sind, gemacht:
u Dohrn (Entomol. Zeitung p. 555-372) berichtete über
eine zu entomologischen Zwecken nach Italien bis Neapel
von ihm unternommene Reise; die Notizen, welche der Verf.
240 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
giebt, betreffen einerseits die in verschiedenen Städten Italiens
befindlichen öffentlichen und Privatsammlungen, andrerseits
die Lebensweise und das Vorkommen einzelner interessanter
Insekten, besonders Coleopteren, welche er selbst zu sammeln
und zu beobachten Gelegenheit hatte.
A. Costa, De quibusdam novis Insectorum, generibus
descriptis iconibusque illustratis (Memorie della Reale Acca-
demia delle seienze di Napoli, Vol. Il.p. 219—233, c. tab. I). —
Der Verf. liefert Beschreibungen und Abbildungen einiger
interessanter neuer Gattungen aus den Ordnungen der Co-
leopteren, Neuropteren, Hymenopteren, Hemipteren und Di-
pteren, sämmtllich aus dem Königreich Neapel stannmend. Die-
selben sind gehörigen Orts einzeln aufgeführt worden.
Six erörlterte in einem Aufsalze, betitelt: „Eene' ento-
mologische wandeling in Augustus in de omstreken van
Driebergen“ (Memoires d’entomologie publ. p.]. soc. entom.
des Pays-Bas I. p. 14) die interessantesten Insekten der
Umgegend von Driebergen, welche er im August daselbst
gesammell und beobachtet hat; besonders sind es die Ord-
nungen der Coleopteren, Dipteren und Hymenopteren, aus
denen die bemerkenswerlheren und seltneren Arten hervor-
gehoben und besprochen werden.
Boheman (Oefversigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl.
XIV, p. 15—24) behandelte in gleicher Weise die von ihm
auf einer Reise nach Umeä-Lappmarken erbeuteten und be-
obachteten Insekten.
Perris hat (Annales de la soc. Linneenne de Lyon IV,
1857, p. 83—180) unter dem Titel: „Nouvelles excursions
dans les Grandes Landes“ seinen früheren Mittheilungen über
die an jener Lokalilät vorkommenden Insekten eine dritte
(in Briefform an Mulsant abgefasst) hinzugefügt, welche wie
die vorhergehenden ein interessantes Bild der dortigen In-
sektenfauna liefert und mannigfache werihvolle Beobachtungen
über Biologie einzelner Arten u. s. w. enthält. ‚Der; allge-
meinen Darstellung lässt der Verf. eine Aufzählung der, von
ihm gesammelten Insekten aus den Ordnungen der Coleopieren,
Orthopteren, Neuropteren, Hymenopteren ‚. Hemipteren und
Dipteren nebst: Bemerkungen über ihre Lebensweise ‚und ihr
Vorkommen folgen «vom Lepidopteren sind nur ‚wenige, sel-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 241
tenere Arten angeführt); von Coleopteren und Hemipteren
sind zugleich diejenigen, welche sich als neu ergeben haben,
beschrieben worden.
Fairmaire (Annales d.]. soc. entom. V. p. 619--647)
machte Mittheilungen über eine von der Societe entomologique
nach Montpellier unternommene Excursion und gab eine
Aufzählung der daselbst von mehreren Mitgliedern gesammelten
Insekten aus den Ordnungen der Coleopteren (567 Arten),
Hemipteren (28 A.) und Lepidopteren (97 A.); von Coleo-
pteren werden einige Arten zugleich als neu beschrieben.
„Entomological notes“ by H.Haliday (Natural history
review, IV. Proceed. of societ. p. 31 ff.) enthalten Bemerkungen
über das Vorkommen und die Lebensweise der seltneren und
interessanteren Insekten verschiedener Ordnungen aus der
Umgegend von Dublin.
In Bielz's „Handbuch der Landeskunde Siebenbürgens,
eine physikalisch - statistisch - topographische Beschreibung
dieses Landes“ (Hermannstadt 1857, 8°.) findet sich p. 118 ff.
bei der Erörterung der Fauna Siebenbürgens auch eine Zu-
sammenstellung der seltneren und zum Theil dem Lande
eigenthümlichen Insekten, besonders aus den Ordnungen der
Coleopteren und Lepidopteren ; die aufgeführten Arten sind
mit Angaben über ihre speciellen Fundorte versehen, bei
einzelnen (Carabus) die geographische Verbreitung erörtert.
Schmidl gab in seiner Beschreibung der Baradla-Höhle
in Ungarn auch Nachrichten über die in derselben vorkom-
menden Thiere (Sitzungsberichte der malhemat. nalurwiss.
Classe der Akad. d. Wissensch. zu Wien XXII. p. 579 ff.).
' Von Gliederthieren (p. 592) werden 2 Dipteren, 1 Staphylin,
2 Acarinen und I Isopode, sämmtlich schon aus anderen Höhlen
bekannt und beschrieben, namhaft gemacht.
Von A. Becker ist im Bulletin de la soc. imp. des
naluralistes de Moscou 1857, I. p. 250—272 ein „Naturhisto-
rischer Bericht aus der Umgegend von Sarepta v. J. 1855
und einige Bemerkungen über das Tödten der Insekten“ er-
schienen. Der Verf, giebt darin Nachricht über die Erschei-
nungszeit von Insekten aller Ordnungen und macht mannig-
faehe Mitiheilungen über ihr Vorkommen und ihre Lebens-
weise bei Sarepta;; auch die vorzüglichsten Raupenfeinde aus
Archiv (, Naturgesch. XXIV, Jahrg. 2. Bd, 9)
242 Gerstaeeker: Bericht über die’wissenschaftlichen Leistungen
der Ordnung der Hymenopteren werden besonders'berücksich-
tigt. Der Aufsatz ist sehr inhaltreich und für die geographische
Verbreitung der Insekten von besonderem Interesse, voraus-
geselzt, dass man sich auf die richtige Determination der
angeführten Arten verlassen darf |
Notizen über die Lebensweise verschiedener Insekten,
die zum Theil nicht ohne Interesse sind‘, lieferte von
Motschulsky (Etudes entomol. VI. p. 74 1).
Die erwähnten Arten sind: Ludius germanus, Lampyris splen-
didula, Serropalpus barbatus, Gibbium scotias, Acheronlia atropos,
Harpyia vinula, Micana sparsana, Heliothis seutosa, Acarus lattucae.
Boie theilte (Entomol. Zeitung p. 192—200) Beobach-
tungen und Bemerkungen über die Lebensweise und Ent-
wicklungsgeschichle verschiedener Insekten mit, die an ihrem
Ort einzeln vermerkt worden sind.
Heeger setzte seine Beiträge zur Nalurgeschichte der
Insekten (Sitzungsberichte der malhem. nalurwiss. Classe der
Akad. d. Wissensch. zu Wien XXIV, p. 315—334, mit 6 Taf.)
mit einem 16. Theile fort, welcher sich diesmal auf die Ord-
nung der Coleopteren beschränkt; wie gewöhnlich sind darin
die ersten Stände und die Verw andlungsgeschichte von 6Arten
erörtert.
Als Handbuch für das Anfänger-Studium der Entomo-
logie ist ‚zu nennen: Elements of Entomology, an oulline of
the natural history and classificalion of Brilish Insects,, by
W. Dallas. London, J. van Voorst 1857. (8°. 424 pag.).
Der Verf. beabsichtigt mit diesem Werk eineLücke auszufüllen,
die darin bestehe, dass bisher kein Werk über Entomologie ‚existire,
in welchem eine Uebersicht der Gruppen der einheimischen Insekten
in populärer Weise gegeben sei; mag dem sein, wie ihm will, so
ist die vorliegende Arbeit von Dallas jedenfalls eine sehr brauch-
bare, sei es um Anfänger in das wissenschäftliche Studium der Ento-
mologie einzuführen, sei es um‘ dem Laien die nöthigsten Kenntnisse
auf diesem Felde zu. verschaffen. Der; Verf. beginnt mitleiner ge-
drängten Darstellung des: gesammten Körperbaues ‚der Insekten, und
ihrer Metamorphose (p. 1—50), lässt dann eine Eintheilung, in Ord-
nungen, welche er in die Abtheilungen der Metabola, Hemimetabola
und Ametabola bringt, folgen (p. 51—59). Unter der ersten Abthei-
lung begreift der Verf. sechs Ordnungen, nämlich ausser den Coleo-
pleren, Hymenopteren, Lepidopteren’ und Dipteren die als gleich erthikt
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 243
hingestellten Strepsipteren und Aphänipteren‘ die Strepsipteren werden
als ‚zunächst mit den-Cöleopteren, verwandt nebem diesen abgehandelt,
obwohl sie bei gründlicher Abwägung; ihrer ‚Charaktere unter 'allen
Insekten gerade mit diesen am wenigsten, Verwandtschaft darbieten.
Unter die Hemimetabola rechnet der Verf. noch die gesamnıten Neu-
ropteren inı Sinne der älteren Autoren, sowohl die mit vollkommener
als mit unvollköimmener Metamorphose. — Bei den einzelnen Ord-
numgen geht der Verf. 'auf die Charaktere und die Naturgeschichte
der, einheimischen ‚Familien ein'und erwähnt unter denselben ‚jedes-
mal.die bekannteren Gattungen. und Arten.
In paläontographischer Beziehung ' sind zwei -Libellen-
Reste aus dem lithographischen Schiefer’ von Solenhofen zu
erwähnen, welche von Giebel (Zeitschrift f. d: gesammt.
Naturwiss. IX. p. 373 f.) bekannt gemacht wurden. Der
eine besteht: in einem vollständig erhaltenen Vorderflügel
einer Aeschna, welche Aeschna multicellulosa genannt, der
zweite in den noch am Körper haftenden vier Flügeln eines
Insekles, das als Calopteryxz lilhographica bezeichnet wird;
letzterer Abdruck ist nach der auf Taf. 5 gegebenen Abbildung
nur undeutlich und könnte wohl zu verschiedenen Deutungen
Anlass ‚geben.
Von Wichtigkeit für die Entomologische Bibliographie
ist die von Hagen (Entomol. Zeitung XVill. p. 5—12 und
p- 200 ff.) gelieferte Zusammenstellung der Entomologischen
Arbeiten Thunberg’s, welche in den meisten Bibliotheken
fehlend, nur wenig Berücksichligung von den ausserschwe-
dischen ‚Autoren erfahren, haben. „Mit der. Aufzählung‘ der
zahlreichen Werke. Thunberg’s, welche H.: selbst zu
durehmustern Gelegenheit hatte, wird eine genaue‘ An-
gabe des Inhalts bis auf die beschriebenen Arten herab
verbunden.
Thomson (Archives entomol. I. p. 91—104) schrieb
eine „Histoire d’Aristote et de ses; oeuyres“, in welcher er
die Insekten-Namen des Aristoteles (aufzählt und bespricht.
Ueber die Enlomologischen Arbeiten: v. J. 1853—-54 hat
Boheman der Akademie der Wissenschaften’ zu Stockholm
einen Bericht abgestättet: Berättelse om främstegen i Insek-
ternas, Myriapodernas och Arachnidernas Naturalhistoria för
1853 och 1854 till Kongl. Vetenskaps Akademien. afgifven af
C. H. Boheman (Stockholm 1857, .8°. 295, pag.).
244 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Coleoptera.
Leon Dufour hat in den Annales des sciences na-
turelles, 4. ser. VIll. p. 11—17 und p. 365—376, pl. I. und
VIII. „Fragments d’anatomie enlomologique“ veröffentlicht, in
denen er anatomische Untersuchungen über einzelne Organ-
systeme verschiedener Coleopteren mittheilt. Von Brachyderes
lusitanicus ist das Nervensystem, welches nach der Auffas-
sung des Verf. mehrfache Eigenthümlichkeiten darbietet, er-
örtert (p. 11 ff.), von einigen Elateriden der weibliche Genital-
apparat (p. 365 ff.), von Melandrya serrata der Digestionsapparat
und ebenfalls die weiblichen Genitalien (p. 373), von Cebrio
Carrenoi der Digestionsapparat und die männlichen Geschlechts-
theile (p- 374 £.).
Das Nervensystem des Brachyderes lusitanicus zeigt, wie dies
bereits von anderen Curculionen bekannt geworden ist, die Eigen-
thümlichkeit, dass die Thorax- und Abdominal-Ganglien stark concentrirt
sind, ein Umstand, der dem Verf. nicht bekannt zu sein scheint
und der ihn zu unrichtigen Deutungen verleitet hat. Das erste auf das
Gehirn folgende Ganglion bezeichnet er als erstes Thoraxganglion (es
liegt nach ihm im Prothorax eingeschlossen), obwohl es augenscheinlich
als Ganglion infraoesophageun anzusprechen ist, was schon daraus
hervorgeht, dass es nicht die Nerven an das erste Beinpaar abgiebt.
Das zweite Thoraxganglion (nach Dufour), in Wirklichkeit aber das
erste, ist in den Mesothorax gerückt, schickt jedoch zwei Schenkel-
nerven zum ersten beinpaar; das dritte und vierte, mit einander ver-
schmolzen und die Nerven zu den beiden hinteren Beinpaaren abgebend,
sind als zweites und drittes Thoraxganglion anzusehen und der ausser
den Beinnerven daraus entspringende Nerv, dessen Natur dem Verf,
unklar ist, gehört offenbar den Flügeldecken an. Sowohl diese beiden
verschmolzenen Ganglien, als zwei sich ihnen eng anschliessende
liegen nach Duf. im Metathorax; die letzteren beiden sind, wie aus
der Zeichnung hervorgeht, die nach vorn gerückten und verschmol-
zenen Abdominalganglien, welche also nicht, wie der Verf. es glauben
möchte, bei Brachyderes fehlen, sondern sich wie gewöhnlich bei den
Cureulionen den Thoraxganglien nähern.
Die Elateriden, deren weiblichen Genitalapparat der Verf. beschreibt
und auf Taf.8 abbildet, sind Elater sanguineus, L,udius ferrugineus und
Lacon murinus. Während bei letzterem die Ovarien je zwei gesonderte
Bündel von Eiröhren besitzen, haben die der ersteren sie zu einem
einzigen Bündel (wie gewöhnlich) vereinigt. (Bei der Beschreibung
der einzelnen Theile der Ovarien setzt der Verf. seine frühere Ter-
minologie v.J.1824 auseinander, was wenigstens in sofern zweckmässig
ist, als sie sonst wenig verständlich wäre; die Vorzüge derselben vor
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 245
der von Stein und v.Siebold angewandten, die der Verf. als un-
zweckmässig bezeichnet, möchten wohl Niemanden als ihm selbst ein-
leuchten !).— Von besonderem Interesse sind die sehr eigenthümlichen
Formen der Anhangsdrüse der Bursa copulatrix (Receptaculum seminis ?)
bei den genannten drei Arten, welche untereinander sehr verschieden
sind; bei Elater sanguineus besteht diese Drüse aus zahlreichen, ein-
fach verästelten Schläuchen, welche alle dicht neben einander in das
äusserste Ende der „Bursa copulatrix“ münden, bei Ludius ferrugineus
ist sie dreilappig, jeder Lappen mit. kleinen Blinddärmchen wie ge-
franzt, und durch einen gemeinsamen Ausführungsgang mit der „Bursa
copulatrix* verbunden. Die ganz absonderliche Form derselben bei
Lacon murinus, schon aus den früheren Untersuchungen des Verf.
bekannt, wird hier nochmals erörtert und abgebildet.
Bei Melandrya serrata sind Speicheldrüsen in Form eines dünnen,
capillaren Gefässes jederseits vorhanden; der Üesophagus ist sehr kurz,
der Chylusmagen cylindrisch, fast gerade; am Darm sind Intestinum,
Coecum und Rectum unterschieden, letztere beide von gleicher Länge;
von Gallengefässen sind sechs vorhanden. — Die Ovarien sind ver-
hältnissmässig gross, aus sehr zahlreichen und viellappigen Eiröhren
bestehend; am Ovidukt sitzt linker Hand eine ovale Bursa copulatrix,
rechts eine gestielte „glande sebifique* (?) an. — Die Tracheen sind
durchweg röhrenförmig.
Bei Cebrio Carrenoi finden sich röhrenförmige Tracheen, drei
Thorax- und sechs Abdominal - Ganglien; der Tractus intestinalis ist
etwa doppelt so lang als das Insekt, der Oesophagus kurz und dünn,
der Chylusmagen fast gerade, eylindrisch, der Darm capillarisch dünn
und schlingenförmig zurückgebogen ; nur vier Vasa Malpighi vorhan-
den. Die Mittheilungen über den männlichen Geschlechtsapparat sind
nur fragmentarisch; zwei „vesiculae seminales“, eine grössere, keu-
lenförmige, kürzere und dickere, eine zweite kleinere, nach hinten
gebogene, sind vorhanden; der Ductus ejaculatorius ist ziemlich dick,
eylindrisch und von mässiger Länge.
Der vierte Band von Th. Lacordaire’s „Genera des
Coleopteres“ (Paris, Roret 1857) behandelt in der bei Gele-
genheit der früheren Theile näher bezeichneten Weise die
auf die Lamellicornen folgenden Familien der Buprestiden,
Throseiden, Eucnemiden, Elateriden, Cebrioniden, Cerophy-
tiden, Rhipiceriden, Dascylliden, Malacodermen, Cleriden,
Lymexylonen, Cupesiden, Ptinioren, Bostrichiden und Cissiden.
— Wenn sich schon bei den früheren Theilen des Werkes der
üngemeine Nutzen, welchen die systematische Kenntniss der
Coleopteren durch diese ebenso mühsame als in ihrer Aus-
führung vortreflliche Arbeit des Verf. erhält, genugsam her-
246 Gerstaeckev;/Bericht,über die ‚wissenschaftlichen Leistungen
ausstellte, ‚so ‚wird ‚derselbe. erst'in' ‚seiner‘ vollen Bedeutung
an dem vorliegenden vierten Bande’ klar, in'welchem der Verf.
sich zum grossen Theile solchen Familien zuwenden musste,
die entweder einer zusammenhängenden systematischen Be-
arbeitung noch ganz entbehrten oder durch vollständig un-
berufene Hände: eine ‚derartige ‚erfahren hatten , welche, wie
z. B. die Laporle,und Gory’sche ‚der Buprestiden, «noch viel
schlimmer\als gar 'keine ist.''«Dergleichen dilettantische Ver-
suche in eine »wissenschaftliche Form zu bringen, ist ent-
schieden der mühevollste, undankbarste und zeitraubendste
Theil eines Werkes, wie das vorliegende; um so höher ist
aber die Consequenz und Arbeitskraft seines Verf. anzuschlagen,
durch welche ein so, glückliches Ueberwinden dieser Klippen
in. so kurzer Zeit zu. Stande gebracht werden.konnte: ‚Schon
aus: den ‘Namen der oben angeführten Familien, unter‘ denen
einerseits ‘mehrere bisher nicht als solche aufgestellte figu-
riren,, andrerseits einige, die längere Zeit üblich gewesen‘
sind, fehlen, lässt sich zur'Genüge ersehen, wie weit sich
der Verf. in das Studium des ihm für diesen Band vorlie-
genden Materials verlieft hat: ganz abgesehen davon, dass
innerhalb. dieser. Familien das systematische Skelett‘ von «den
Gatlungen aufwärts‘ fast ganz und gar seine Arbeit war, für
die ihm nur hier und da in früheren Werken einzelne
Bruchstücke vorlagen.
Um in Kurzem auf,die Hauptzüge der Systematik. des, Verf. in
Betreff des Umfangs und. der weiteren Gliederung, der einzelnen Fa-
milien einzugehen „so sei bemerkt, dass er für die Eintheilung ‚der
Buprestiden in sehr glücklicher Weise die von Erichson zuerst her-
vorgehobenen Nedificationen in der Porenbildung der Fühler (bekannt-
lich als Geruchsorgane angesprochen) verwerthet hal; es stellen sich
darnach drei Gruppen: Julodides, bei denen die Poren zerstreut und
durch eine eigenthümliche Pubescenz bedeckt sind, Chalcophorides,
bei denen | dieselben "ebenfalls zerstreut, aber an beiden Seiten der
Fühlerglieder: deutlich sichtbar und wahre'Buprestiden, bei denen'die
Poren in einer, Grube jedes Fühlergliedes eöncentrirt: sind, ‚heraus., Zu
den‘ Iulodiden, gehören ‚hiermach nur die Gattungen Stemocera, und
Julodis, ‚zu «en Chaleophoriden die ‚Gattungen Steraspis,, Caloxantha,
Chrysochroa, Cyvia (Untergruppe der Chrysochroiden), — Euchroma,
Chaleophora, Halecia, Pelecopselaphus, Chrysesthes (Untergruppe der
eigentliclien Chaleophoriden), — PSiloptera, Latipalpis, Capnodis und
Eyplosoma!l@Untergruppe der Psilopleriden), zu den eigentlichen Bu-
im! Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 247
prestiden endlich alle übrigen Gattungen. — Die Familie der Throseiden
hat, den, Verf, für die/beiden Gattungen Throseus und Lissomus (wo-
mibDrapetes zusammenfällt)' festgehalten: -- Aüs der Familie der
Eucnemiden schliesst der Verf.nach Latreille's Vorgang die Gat-
tung, Cerophytum, auf die erreine eigne Familie Cerophytides (zwischen
CGebrioniden und Rhipieeriden eingeschaltet) gründet, aus und theilt
dieselbe sodann in drei Gruppen; Melasides (Gattungen Melasis und
Tharops), Euenemides vrais (die übrigen der Familie angehörigen
Gattungen umschliessend) und Perothopides (für die Gattung Perothops
Esch., die bisher ‘den Elateriden beigezählt wurde, errichtet). In
Betreil der Nomenklatur der Gattung Pterotarsus Esch. sei erwähnt,
dass auf, sie der Name Ptilodactyla Ulig. zu beziehen ist, indem die
Ptilodactyla elaterina Illig. nach Ausweis des hiesigen Musei mit der
Melasis ‚tubereulata Dalm. zusammenfällt; mit.der Gattung Ptilodactyla
Latr. hat, wie schon Erichson erwähnt, die Iligersche Wattung
gleiches Namens nichts gemein. (Vgl. Lacordaire, Genera IV.
p. 279. Anmerkung.) — Durch lange fortgesetztes Studium der Ela-
teren - Familie ist: der Verf. zu dein Resultat gelangt, dass wesentliche
Charaktere zur Begründung einer rationellen Eintheilung derselben
nieht aufzufinden sind; er nimmt, acht Gruppen an, welche von
Ca ndeze in seiner Ponneranhig dieser Familie (siehe Elaterides!)
feitgehalten worden sind. Die Cebrioniden trennt L. mit Recht
als Familie von den Eihteriden ab, indem er die Gattung Physoda-
etylus nach Latreille's Vorgang dazu heranzieht. — Die Rhipiceriden
sind in dem von Laporte und Gu&6rin festgestellten Umfang ge-
blieben. — Die Daseylliden zerfallen in 5 Gruppen: Artematopiden
(Gattung Artematopus), eigentliche Dascylliden, Ptilodactyliden, Euci-
netiden (Gatt. Eueinetus) und Eubriaden (Gatt. Eubria). — Unter dem
Latreille’'schen Familiennamen Malacodermata (mit Ausschluss einiger
fremden Elemente) vereinigt der Verf. die in Deutschland seit längerer
Zeit getrennten Familien der Lyeiden, Lampyriden, Telephoriden,
Driliden und Melyriden, indem er denselben nur den Rang von Grup-
pen’ einer und derselben Familie zuertheilt; ein wie grosses und un-
brauchbares literarisches Material der Verf. u. a. auch hier zu be-
wältigen hatte ‚,ergiebt, die. Notiz, dass er die 64 von von Mot-
schulsky unter den Lampyriden. aufgestellten Gattungen geprüft,
aber davon nur zwei als begründet befunden hat, — Für die Ein-
theilung der Clerier in zwei Gruppen : eigentliche Clerier und Enopliiden
hilhmt' der Verf. das von Klug zuerst hervorgehobene Merkmal der
Pentaihierisehen oder tetramerischen Tarsen an und zieht zur Begrün-
dung (dieser Gruppen den von Spinola angegebenen Unterschied
in Bezug auf die mit dem Pronotuni verwachsenen (Clerier) oder die
von demselben \‚geivennten, Vleuren (Enopliiden) heran, — Auf die
Heine Familie der Lymexylonen folgt (ebenfalls nach Latreille's
248 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Beispiel) die der Cupesiden, auch jetzt noch auf die einzige Gattung
Cupes beschränkt. — Die TPtiniores theilen sich nach der Einfügung
der Fühler auf der Stirn oder am Vorderrand der Augen in die Grup-
pen der Ptinides und Anobiides; getrennt werden von denselben als
eigne Familie unter dem Namen Bostrichides die mit Apate verwandten
Gattungen; den Schluss des Bandes bildet die Familie der Cissiden.
Von monographischen Arbeiten über ganze Familien der
Coleopteren ist de Marseul’s „Essai monographique sur la
famille des Histerides“, welcher die letzten Jahrgänge der
Annales de la sociele entomologique gefüllt hat, nunmehr im
5. Bande p. 109 und 397 ff. durch einen allgemeinen Theil
und nachträgliche Berichtigungen und Zusätze abgeschlossen
worden. Zugleich sind in diesem Jahre zwei andre ähnliche
Arbeiten begonnen worden, von denen
M. E.Cand&ze’s „Monographie des Elaterides« (Tome I.
Liege 1857, 8°. 400 pag. 7 tab. lith.) in durchaus wissen-
schaftlichem Sinne angelegt, sich den trefflichsten systema-
tischen Werken, besonders denen von Lacordaire über
die Phylophagen und Erotylenen würdig zur Seile stellt. Das
Werk ist in den Memoires de la soc. royale des sciences de
Liege (Tome XII.) publicirt, unter obigem Titel jedoch auch
selbstständig erschienen; dasselbe wird mindestens drei Bände
füllen.
Die zweite Arbeit von J) Thomson, „Monographie
des Cieindelides ou expose methodique et critique des tribus,
genres et especes de cette famille“ (Paris, gr. 40, 1.—8.
Livr. 1857) ist ein iconographisches Prachtwerk, welches’in
ähnlicher Weise wie die früheren Französischen von Laporte
und Gory über die Buprestiden und Clytus, von Gory und
Percheron über die Melitophilen u. a. hauptsächlich eine
bildliche Darstellung der Arten zum Zweck hat, jene aber an
Volkommenheit der Abbildungen weit überragt.
Jacquelin du Val „Note sur les familles des Cucujides,
Cryptophagides et suivantes“(Ann. d. 1], soc. entom, V.p. 100 ff.)
machte Bemerkungen über die Abgränzung der von ihm. als
verwandte Familien angeschenen Passandriden , Cucujiden,
Brontiden, Silvaniden, Mycetaeiden, Mycetophagiden, La-
thridier und Cryptophagiden. Die Ansichten des Verf. über
den Umfang dieser Familien weichen von denen Erichson’s
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 249
in mehrfacher Beziehung wesentlich ab, sind aber keineswegs
der Art, dass sie durch ihre Abweichungen Beifall gewinnen
könnten, ganz abgesehen davon, dass nur auf die wenigen
inländischen Formen Rücksicht genommen worden ist.
Die Passandriden des Verf. beschränken sich auf die Gattung
Prostomis, die Cucujiden auf Cucujus und Laemophloeus; zu den
Brontiden wird ausser den bisher dazu gerechneten Formen Lyctus
gebracht: die Silvaniden umfassen ausser Silvanus und Psammoecus
die Gattungen Telmatophilus, Byturus, Diphyllus, Diplocoelus und
Orestia (Byturus gehört entschieden zu den Melyriden, Orestia ist eine
Chrysomeline. Ref.); die Mycetaeiden bestehen aus Mycetaea, Symbiotes,
Leiestes, Myrmechixenus und Lithophilus (die drei ersten Gattungen
sind Endomychiden, L.ithophilus gehört zu den Coceinellinen. Ref.).
Die von der Regierung der Vereinigten Staaten veröf-
fentlichten „Reports of Explorations and Surveys for a Rail-
road route from the Missisippi River to the Pacific Ocean*
enthalten in ihrem 9. Bande (Vol. 9. printed in June, 1857)
einen von J. LeConte verfassten „Entomological Report on
route adjacent to 47th parallel.“, der eigentlich nur die von
Dr. Cooper und Suckley auf der bezeichneten Expedition
in das Oregon-Gebiet gesammelten Arten enthalten: sollte,
Der Verf. hat seine 72 pag. in gr. 4. umfassende und mit
2 Tafeln ausgestattete Arbeit, die gegenwärlig sich ausschliess-
lich auf die Ordnung der Coleopteren beschränkt, jedoch
hahin erweitert, dass er ein Verzeichniss der von der ganzen
Westküste Nord-Amerika's, von den Russischen Besitzungen
bis nach Californien hin, bekannt gewordenen Käfer zusam-
mengestellt hat und diesem dann die Beschreibung der neuen
Arten, die ihm sowohl aus dem Oregon-Gebiet als auch aus
verschiedenen Theilen Californiens zugekommen sind, folgen
lässt. Zur Feststellung vieler Arten haben dem Verf. zahl-
reiche typische Exemplare der von Mannerheim und
Eschscholtz aus dem Russischen Nord-Amerika und Ca-
lifornien beschriebenen Arten gedient und er hat diese einer-
seits zu synonymischen Berichtigungen, andrerseils zu einer
erneuten Beschreibung, wo diese nölhig war, benutzt. — In
einer Einleitung zu dieser Arbeit geht der Verf. noch einmal,
wie er es schon in den Proceced. of Ihe American associat.
1851 gelhan, auf die geographische Verbreitung der Arten
250 Gerstaeckeir: Beriehtüber die wissenschäftlichen ‚Leistungen
und»Gattungenan der. Westküste Nord = Amerika’sı\einıund
erläutert: dieselbe in 4tabellarischen Uebersichten, in welchen
das '‚Zahlenverhällniss der Amerikanischen : Formen "unter
einander: (in Russisch-Amerika, im Oregon-Gebiet und Cäli-
fornien) und zweitens im Vergleich zu den auf Amerika
übergehenden Arten der östlichen Hemisphäre ‚dargestellt
wird.
Die Zahl ‚der ‘von. der Westküste Nord - Amerika’s bekannten
Coleopteren heläuft sich nach dem von Le Conte gegebenen Verzeich-
niss gegenwärtig auf 1168 Arten, welche auf die einzelnen: Familien
folgendermassen vertheilt sind: Cieindelidae 8, Carabieini 254, Amphi-
zoidae 1, Dytisci 46, Gyrini 2, Hydrophilidae 21, Silphales' 39, ‚Seyd-
maenidae 7, Pselaphidae S, Staphylinidae 109, Trichopterygidae..6,
Scaphidii 1, Histerini 18, Phalacri 4, Nitidulariae 23, Trogositidae 6,
Golydii 2, Cuenjides 8, 'Cryptophagides 17, Lathridii 24, Mycetopha-
gidae 2, Dermestini 10, Byrrhii 9, Parnidae 1, Heteroceridae 1, La-
mellicornia28, Buprestidae 17, Elaterides 78, Atopidae 1, Cyphonidae 2;
Lampyrides 2, Telephoridae 11, Lycides 2, Melyrides S, Clevii 15,
Ptiniores 12, Tenebrionites 71, Melandryadae 7, ‚Pyrochroidae 2,
Mordellonae 5, Anthicini 13, Oedemeritae 5, Salpingidae 3, Cureu-
lionides 89, Gerambyeini 68, Chrysomelinae 68, Coceinellina 27,
Endomychidae 1. — Die zahlreichen neuen Staphylinen-Arten sind in
dieses Verzeichniss nicht aufgenommen und auch in der nachfolgenden
Beschreibung ‘der newen Arten vorläufig‘ nicht charakterisirt‘ worden,
da der.Verf. sie in einer zusammenhängenden Synopsis der,Staphylinen
Nordamerika’s mit in Betracht zu ziehen gedenkt;,,ebenso, sind die
Cureulioniden nur in dem,Fall beschrieben, wo sich die Gattung
nach Schönherr genau feststellen liess. Die übrigen von LeConte
als neu beschriebenen Arten sind an ihrem Orte aufgeführt worden.
A. Murray, Descriptions of new Coleoptera from the
Western-Andes and Ihe neighbourhood of Quito (Edinburgh
new philosoph. journ. new ser. V. p .220—234, pl. 11). Die
hier beschriebenen Arten aus der Gegend von Quito gehören
den Lamellicornen an und sind zum Theil recht ausgezeich-
nete Formen. "
Rojas machte Mittheilungen über die Lebensweise und
das Vorkommen einiger Käfer aus Venezi:cla. (Observalions
sur quelques Col&optöres de la republique de Venezuela, in den
Annales de la soc. entomol. V. p. 329—339.)
Steirastoma depressa Fabr. findet sich in grosser Anzahl an den
Stämmnien des Cacao-Baumes, dessen Rinde sie durehbohrt und’ unter
dieselbe ihre Eier 'ablegt; durch den Frass der Larven beginneh' die
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 251
Bäume zu vertrocknen und sterben endlich ab. Die entwickelten
Käfer werden durch die 'reifen Früchte, deren öligen Saft sie lieben,
angelockt; in ‚anderen kälteren Gegenden, wo der Cacaobaum ganz
fehlt, findet man sie auf frisch geschlagenem Holze. — An Lixus vit-
tatus und Euchroma columbica hat der Verf. die Beobachtung ge-
macht, dass sich der puderartige Staub der Oberfläche an solchen
Exemplaren, die ihn verloren haben, schnell wiederersetzt, wenn man
dieselben einer erhöhten Temperatur aussetzt, natürlich nur, so lange
die Insekten leben. — Acrocinus longimanus bewohnt nur. kältere
Gegenden und lebt auf Fieus glabrata, deren Saft er leckt und in.de-
ren Stamm die Larve frisst. Psalidognathus Friendii findet sich auf
einer Cedrelacea-Art, von der sich auch die Larve nährt; der Käfer
fliegt in der Dämmerung auf Bergen um die Wohnungen herum, im
Mai und Juni. — Scarabaeus Neptunus findet sich auf einer alme,
jedoch nur alle zwei Jahre, woraus R. schliesst, dass die Larve so
lange zur Entwickelung bedürfe. Golofa Porteri lebt im Norden und
Nord-Osten von Caracas auf einer Graminee , im Süden in Mais-Pflan-
zungen. Trachyderes succinclus lebt bei Caracas vom Harz der Her-
mesia castaneifolia, an der Küste von La Guayra vom Mais, in ande-
ren Gegenden vom Harz der Erythrina umbrosa und velutina. Ca-
landra palmarum findet sich in kälteren Gegenden auf einer Palme,
Carica papaya, deren Saft sie leckt; in La Guayra (sehr heiss) lebt
sie an den Stämmen von Cocos nucifera. Allorrhina scabriuscula
nährt sich bald vom Harz der Hermesia castaneifolia, anderwärts
(an der Küste von La Guayra) vom Mais. Scarabaeus Hercules (Dy-
nastes Agelaus?) bewohnt am Orinoco eine Graminee (Juajua ge-
nannt),, im Osten von Caracas auf den Stämmen des Cacao-Baumes.
— Der Verf. führt diese Beispiele an, um zu zeigen, dass gewisse
Arten sich nur von bestimmten Pflanzen ernähren, während andere je
nach der Lokalität verschiedene zu ihrer Nahrung wählen.
Boheman’s Bearbeitung der vonWahlberg in Süd-
Afrika gesammelten Coleopteren (Insecta Caffrariac, 'annis
1838—1845 a J. A. Wahlberg collecta, amiei auxilio suf-
fultus deseripsit Carolus H. Boheman. Pars Il. cum
tab. 1. Coleoptera. Scarabaeides. Holmiae 1857. 8. 395 pag.)
ist nach sechsjähriger Unterbrechung mit dem zweiten Theile
fortgesetzt worden , welcher die Beschreibung ‘der Lamelli-
eornen enthält. Der Verf. hat sich, wie früher, in’ der Be-
schreibung der Arten mit Fahraeus, dem‘ dieser Band
zugleich gewidmet ist, gelheilt. ‘Während die Familie der
Lamellicornen durch die vorliegende Arbeit keinen besonde-
ren Zuwachs an neuen Iypischen Formen erhält — es sind
im Ganzen nur vier neue Gattungen darin aufgestellt, — so
252 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
ist die Anzahl‘ der neuen Arten eine desto grössere, nämlich
unter 396 überhaupt aufgezählten 284 bisher nicht beschrie-
bene. Wie im ersten Bande sind die bekannten Arten mit
einer Diagnose und Synonymen aufgeführt, zum Theil jedoch
auch, wenn die früheren Beschreibungen sich nicht als ge-
nügend herausstellten, gleich wie die neuen ausführlich be-
schrieben; dasselbe ist auch in den Fällen geschehen, wo
die Bestimmung einer Art nur mit Zweifel zu bewerkstelligen
wär. Die neu aufgestellten Gattungen sind auf einer beifol-
genden Tafel nebst ihren charakteristischen Theilen darge-
stellt worden.
Die aufgeführten 596 Arten vertheilen sich auf die einzel-
nen Gruppen der Lamellicornen folgendermassen: Dynastiden 14
(5 neu), Cetonien 70 (24 neu), Ruteliden 23 (18 neu), Melo-
lonthiden 84 (74 neu), Copriden 150 (120 neu), Aphodiiden 37 (28
neu), Orphniden 1 (neu), Hybosoriden 2 (1 neu), Geotrupiden 5
(neu), Trogiden S (7 neu), Lucaniden 3 (1 neu). Von den bereits
bekannten Arten gehört die grosse Mehrzahl dem Cap an oder hat
überhaupt eine weite Verbreitung in Afrika; doch fanden sich auch
mehrfach Arten, die nur von Abyssinien, Mossambique und Angola
bekannt waren, im Caffernlande wieder. Am auffallendsten ist der
Artenreichthum bei den Melolonthiden, von denen sich ’% als neu
herausstellten, obwohl diese Gruppe kürzlich in zwei Monographien
bearbeitet worden war; dass sich unter den Copriden ebenfalls %% der
Arten als neu erwiesen, ist bei dem grossen Reichthum der tropischen
Formen und dem Mangel einer Bearbeitung der Gruppe erklärlicher.
A. Murray, „List of Coleoptera received from Old-
Calabar, on the West-Coast of Afrika“ (Annals and maga-
zine of nat. hist. XIX. p. 153, 313 und 443 fl., pl. 12.13.
XX. p. 117 ff.) begann damit, eine Aufzählung der ihm’ von
Old-Calabar in Guinea zugesandten Coleopteren zu geben,
von denen er die bereits bekannten mit Diagnosen und Be-
merkungen über ihr Vorkommen u. s. w. versieht, die neuen
dagegen ausführlich beschreibt, Die bemerkenswertheren
Arten sind ‚ausserdem auf zwei beifolgenden Tafeln , andere
durch Umrisse in Holzschnitte dargestellt. Die Aufzählung
erfolgt in ‘systematischer Reihenfolge und die vorliegenden
Theile der Arbeit behandeln die Cicindelen und einen Theil
der Carabicinen.
V. Wollaston machte CAnnals and magaz. of natur,
hist. XX. .p. 503— 506) Miltheilungen ‚über. einige auf ‘den
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 253
Cap Verdischen Inseln gesammelten Coleopteren: „On cer-
tain Coleopterous Insecis from the Cape de Verde Islands.“
Es sind im Ganzen 15 Arten, welche auf St. Vincent im De-
cember 1856 währen. eines eintägigen Aufenthalts von J. Gray und
H. Clark gesammelt wurden, und zwar gehören von den drei dar-
unter befindlichen neuen Arten 1 den Staphylinen, 1 den Elateren
und 1 den Melasomen an; von den übrigen sind 7 Melasomen (Opa-
trum fuscun Herbst, 2 Oxyura spec. , Hegeter elongatus Oliv., 3 mit
Cerandria, Opatrum und Pedinus verwandte Formen), 1 Histeride
(Saprinus equestris Er.), 1 der Dermestes lupinus Esch., 2 Carabiei-
nen (Cicindela littoralis Fab. und Amblystomus viridnlus Er.) und 1
Cureulionide (Brachytarsus).
Ein Verzeichniss der im British Museum befindlichen
Coleopteren Madeira’s ist vom Vorstande dieses Instituts ver-
öffentlicht worden: Catalogue of the Coleopterous Insects of
Madeira in the collection of the British Museum, by T. Ver-
non Wollaston. London, printed by order of Ihe Tru-
stees. 1857. (8. 234 pag. c. tab. 1.) Dieses Verzeichniss ent-
hält eine in ınehrfacher Beziehung berichtigte Aufzählung
sämmtlicher von Wollaston in seinen „Insecta Maderen-
sia“ beschriebenen Coleopteren nebst Hinzufügung von 100
ferneren Arten, welche seit der Veröffentlichung jenes Wer-
kes von verschiedenen Sammlern entdeckt worden sind und
hier sorgsam beschrieben werden. Mit Hinzufügung dieser
100 Arten, von denen 63 sich als neu herausgestellt haben,
und andererseits nach Abzug einiger Arten, die gegenwärtig
vom Verf. als Abänderungen anderer angesehen werden,
stellt sich die Zahl der überhaupt bekannt gewordenen Ma-
derenser Coleopteren auf 580. Der Verf. hat sich damit
beschäftigt, zu ergründen, welche von diesen Arten auf Ma-
deira eigentliche Aulochihonen, und welche dahin eingeführt
sind; das Resultat dieser Untersuchungen ist dahin ausge-
fallen, dass von den 580 Arten 45 entschieden in neuerer
Zeit imporlirt, mindestens 75 durch verschiedene zufällige
Ursachen seit der Colonisation der Insel auf dieselbe über-
tragen und die übrigen 460 eigentliche Eingeborne dersel-
ben sind; von diesen können abermals 194 Arten möglicher
Weise auf natürlichem Wege von den benachbarten Ländern
eingewandert sein, so dass als entschiedene Ureinwohner
von Madeira 266 Arten übrig bleiben. — In der Aufzählung
254 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
der Arten schliesst sich ‘das vorliegende: Werk ‘genau an
das erste des Verf. an und ihm entsprechend werden auch
die hinzugekommenen Arten, gleichviel ob bereits bekannt
oder neu, ausführlich charakterisirt und in ihrer Synonymie
erörlert. Die bereits im ersten Werke beschriebenen Arten
werden nur namentlich mit Hinzufügung der vollständigen
Citate aufgeführt und mit Bemerkungen über ihre Verbreitung
und ihr Vorkommen begleitet. Unter den als neu charakte-
risirten Arten stellten sich einige als Repräsentanten eigener
Gattungen heraus; dieselben sind auf einer von Westwood
gezeichneten Tafel dargestellt.
Lucas (Bullet, de la soc. entomol. p. LV) gab vor-
läufige Notizen über einige neue‘, südlich von Algier in der
Sahara von Mares gesammelte Käfer, deren Charaktere er
kurz hervöorhebt und denen er auch provisorische Namen
beilegt; eine ausführliche Charakteristik derselben: bereitet
der Verf. für die Annales de la soc. entomol. vor.
Die erwähnten Arten heissen: Oxythyrea deserticola, Cleonus
Maresii, Pimelia liliputana und Cirsa (neue Gattung bei Micipsa)
striaticollis.
J. Nietner’s „Entomological papers, being descriptions
of new Ceylon Coleoptera“ sind mit einer 5. Nummer fort-
gesetzt worden, die mit den vier. vorhergehenden jetzt ein
zusammenhängendes Heft (Colombo , Ceylon 1857, veprinted
from: Ihe Journal of the Ceylon branch of the Royal Asialic
sociely. for 1856-97) bilden; der Inhalt der. vier, ’erslen
Nummern. ist in dieser neuen Ausgabe in so fern modifieirt,
als.eine Anzahl von Arten, die vom Ref. als bereits ander-
weilig. beschrieben nachgewiesen worden waren., jetzt, weg-
gelassen sind. Die Zahl der im Vorliegenden überhaupt
charakterisirten Ceylonesischen: Coleopteren beläuft sich ‚auf
68, die letzte (5. Nummer) enthält deren 27, die sämmtlich
der Familie der Carabicinen. angehören. — Die Beschreibun-
gen des ‘Verf. sind ausser in dem oben bezeichneten Sepa-
rathefte auch‘ im Journal of the Asiatie. society ‘of, Bengal
Vol, XXV. Caleutta 1857, und in den: Annals and magazine
of.natural history 1857 und, 1858 abgedruckt worden.
Die. von Wallace'auf ‚seinen Reisen im Asialischen Ar-
chipel (Sunda-Inseln, Molukken u. s, w.): gesammelten: Käfer '
{ im’ Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 255
hat! Thomson in’ den Archives entomologiques 1. p.425—
458 nach Familien zu verzeichnen und zu 'beschreiben ‚be-
gonnen: („Wallace, Voyage dans l’Asie orientale. Frag-
menis enlomologiques renfermant la description de Col&opte-
res: nouveaux ou Fares.*) Von‘den Lamellicornen sind die
Cetonien, von ‘den Cerambyceinen die Lamien, von den Cur-
eulionen die Anthribiden und die Eupholus -artigen Formen,
ausserdem auch einige Buprestiden abgehandelt.
Reiche und de Saulcy haben die Beschreibung der
von leizterem im Orient gesammelten Coleopteren mit den
Familien ‘der Malacodermen , Melyriden , Ptinioren, Hetero-
meren und Curculionen in den Annales de la soc. entomol.V.
p- 169—276 und p. 649-605 fortgesetzt; ein Theil der als
neu beschriebenen ‚Arten ist auf pl. 5 abgebildet. („Especes
nouvelles ou peu connues de Col&opteres, recueillies par M.
Fude Saulcy dans son voyage en Orient et decrites par
Ls Reiche et F. de Saule y.*)
Von Jacequelin du Val und J. Migneaux’s „Ge-
nera des Coleopleres d’Europe“ (Paris, Deyrolle, gr. 8.) ist
im Jahre 1857 der zweile Band mit der Familie der Staphy-
linen begonnen worden, welche die 45. bis 54. Lieferung
ausmacht und auf 12 Bogen Text und 28 colorirten Kupfer-
tafeln abgehandelt ist. ‘Wenn eine hübsche Ausstattung des
Werkes in Betreff der dasselbe begleitenden Tafeln schon an
den früheren Lieferungen gerühmt werden konnte, so gilt
dasselbe in noch höherem Maasse von den jetzt vorliegen-
den, in'denen die Abbildungen der Staphylinen-Galtungen als
ganz. besonders ‘gelungen bezeichnet werden dürfen; eine
sehr exakte Wiedergabe der Form und des eigenthümlichen
Habitus; verbindet sich hier fast durchweg mit dem’sauber-
sten Golorit Die ‚beifolgenden Detailzeichnungen beschrän-
ken\sieh. hier, ‚ausschliesslich auf die Mundtheile und zwar
besonders auf.die Unterlippe und Maxillen.‘ — Für die Cha-
rakterislik der Gallungen, den eigentlichen Zweck des Wer-
kes,.hat der Verf. eingehende Studien gemacht und weicht
dalier auch in“ manchen Spezialangaben von den früheren
Autoren ab; das Bestreben, nur wirklich ‘begründete Gat-
lungen aufrecht zu erhalten , zeigt sich ‘darin, dass er die
neuerdings auf Kosten von’ Silusa, Lomechusa , Oxypoda,
256 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Calodera, Phloeopora u. a. errichteten Aleocharinen - Gatlun-
gen, deren differentielle Charaktere nach seiner Ansicht nicht
stichhallig oder von unlergeordneter Bedeulung sind, verwirft
und jene Erichson’schen Gattungen in ihrem früheren Um-
fange beibehält. Nur in einzelnen Fällen hat sich der Verf.
selbst zur Aufstellung neuer Gallungen in den Abtheilungen
der Tachyporinen, Staphylinen u. s. w. veranlasst ‘gefunden,
welche, wie die wenigen als neu beschriebenen Arten, an
ihrem Orte aufgeführt worden sind. Am Schlusse des die
Familie behandelnden Textes folgt, wie früher, eine synopti-
sche Tabelle der Gruppen und Gattungen, welche zur leich-
teren Bestimmung derselben dienen soll; das Verzeichniss der
Arten liegt dem Ref. bis jetzt noch nicht vor.
Derselbe (Annales de la soc. entom. V. p. 94 ff.) machte
synonymische Mittheilungen über eine Anzahl Coleopteren,
welche von Costa in einer 1827 erschienenen Abhandlung
„Degl’ Insetli nuovi e rari della provincia di terra d’Otranto«
beschrieben worden sind; mehrere in dieser Abhandlung be-
schriebene Arten werden als idenlisch mit denen früherer
Autoren nachgewiesen,
L. Redtenbacher hat von seiner „Fauna Austriaca,
die Käfer nach der analylischen Methode bearbeitet,“ deren
erste im Jahr 1849 erschienene Auflage vollständig vergrif-
fen war, eine zweile, vielfach veränderte und vermehrte her-
auszugeben begonnen, welche im Augenblicke dem Ref. zwar
schon abgeschlossen vorliegt, deren zweite Hälfte jedoch
ihrem Erscheinen nach erst in das Jahr 1858 fällt. Das
Werk hat sich einer so weiten Verbreitung und eines so
allgemeinen Beifalls zu erfreuen gehabt, dass ein nochmali-
ges Hinweisen auf seine Vorzüge beim Erscheinen der zwei-
ten Auflage überflüssig sein würde; es wird daher die Be-
merkung genügen, dass der Verf. auf die Bearbeitung der-
selben Alles verwandt hat, um ihr eine gleich grosse Brauch-
barkeit für die Gegenwart, wie sie die erste für ihre Zeit
hatte, zu verleihen. In dieser Beziehung ist nicht nur die
veränderte Reihenfolge der Familien nach einem natürliche-
ren, jetzt allgemein angenommenen Systeme, sondern auch
die Einschaltung der ausserhalb Oesterreich vorkommenden
Deutschen Arten bei den einzelnen Gattungen und die bei-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 257
gefügle Charakteristik sämmtlicher Europäischen Gattungen,
die der Deutschen Fauna abgehen, hervorzuheben. Alle Ver-
mehrungen, welche die einheimische Coleopteren-Fauna seit
dem Erscheinen der ersten Auflage erfahren hat, und die
vielfachen Notizen, welche für die Feststellung der Arten
und ihrer Synonymie in dieser Zwischenzeit bekannt gemacht
worden sind, hat der Verf. mit Sorgfalt und in möglichster
Vollständigkeit für die Verbesserung und Bereicherung seines
Werkes verwerthet, ausserdem aber auch die verbessernde
Hand vielfach da eingreifen lassen, wo seine früheren An-
gaben ihm Ungenauigkeiten oder Lücken zu enthalten schie-
nen; letzteres zeigt sich ganz besonders in der oft wesent-
lich modificirten oder vervollständigten Charakteristik der
Galtungen. Ein gleiches Fortschreiten mit den Ergebnissen
der Wissenschaft wäre vielleicht auch für die Abgränzung
der einzelnen Familien, die nach des Ref. Ansicht zum Theil
(Cryptophagidae, Dermestini u.a.) recht heterogene Elemente
enthalten, vortheilhaft gewesen, wenngleich die Systematik
von den Gattungen aufwärts für Handbücher, wie das vor-
liegende, im Ganzen von geringerer Wichtigkeit ist. — Dass
die Oesterreichische Fauna bei ihrem besonderen Reichthum
an Arten und der eifrigen Nachforschung vieler Sammler,
die dem Verf. ihr Material zu Gebote gestellt haben, durch
manche ‘neue Arten in dieser zweiten Auflage bereichert
worden ist, braucht kaum erwähnt zu werden; in Gleichem
hat‘ der Verf. auch. mehrfach Gelegenheit gefunden , neue
Gallungen einzuführen, sei es, dass dieselben sich überhaupt
erst bei genauerer Untersuchung wenig beachteter Arten er-
gaben, sei es, dass solche, die bisher nur dem Namen nach
(aus Catalogen und Sammlungen) bekannt gewesen waren,
dureli. ihn zuerst eine ‚Charakteristik erfahren haben. — Die
vier ersten im Jahre 1857 ausgegebenen Hefte des in gleich
vortheilhafter Ausstaltung, wie bei der ersten Auflage, er-
scheinenden Werkes enthalten die Bearbeitung der Familien
von den ‚Carabieinen bis. zum Schlusse der Elateriden ; die
analytischen Tabellen zur Bestimmung der Familien und Gat-
tungen «hat der Verf. ‚bis zum Schlüsse des Werkes auf-
gespart.
- 0 Non .der'Forlselzung ‚der Erichson’schen Naturgeschichte
Archiv ( Naturgesch XXIV. Jahrg, 2, Dd« R
258 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
der Insekten Deutschlands, Coleoptera, sind im J. 1857 neue
Lieferungen. erschienen: I. Band, 2. Lief. (Schaum) enthält
die Fortsetzung der Carabiecinen mit den Gruppen der Sca-
ritiden, Brachiniden, Dryptiden, Odacanthiden, Lebiiden, Lo-
riceriden, Panagaeiden, Chlaeniiden und Liciniden. — 11. Bd.,
3.u. 4. Lief. (Kraatz) die der Staphylinen mit den Gruppen
der Tachyporini, Staphylinini, Paederini und Stenini (Anfang).
— IV. Band, 1. Lief. (v. Kiesenwetter) beginnt mit der
Familie der Buprestiden, welche darin zugleich abgeschlos-
sen wird.
J. Sturm’s „Deutschlands Fauna in Abbildungen nach
der Natur mit Beschreibungen“ ist in der Abtheilung der In-
sekten mit dem 23. Bändchen der Käfer (Nürnberg 1857)
fortgesetzt worden. Es enthält Tafel 409—424, welche, wie
früher , in äusserst sorgsamer und sauberer Manier ausge-
führt, die Abbildung von 14 Arten der Gattung Elmis, 1
Stenelmis, 1 Macronychus, 14 Heterocerus, 1 Osmoderma,
1 Gnorimus, 2 Trichius und 1 Valgus enthalten. ‘Die einzel-
nen Gattungen sind stets durch Darstellung ihrer charakte-
ristischen Körpertheile, so wie auch der Larve und Puppe,
wo dieselben bekannt sind, erläutert.
Ein neues Verzeichniss der bisher in Oberschlesien auf-
gefundenen Käferarten stellte Roger (Breslauer Zeitschrift
für d. Entomologie X.) zusammen; dasselbe ist auch im Se-
parat-Abdrucke (132pag. 8., Breslau 1857) erschienen. Durch
die eifrigen Nachforschungen des Verf. ist in diesem Ver-
zeichnisse die Zahl der Ober-Schlesischen Käfer um mehr
als 400 Arten gegen das im J. 1846 von Kelch herausge-
gebene vermehrt worden, und zwar betrifft dieser Zuwachs
hauptsächlich die schwierigen Gattungen der Microcoleopteren.
Der Verf. hat für eine sichere Bestimmung der Arten nach
den besten Quellen Sorge getragen und bei jeder einzelnen
Notizen über ihre Fundorte, Fulterpflanzen, Seltenheit u. s. w.
gegeben. Das Verzeichniss enthält auch die ‚Beschreibung
einer neuen Curculionen-Gatlung und einer Art der Gattung
Hister.
Ein entsprechendes Unternehmen für die Provinz Preus-
sen ist ein von Lentz herausgegebenes „Neues Verzeichniss
der Preussischen Käfer“ in den Neuen Preussischen Provin-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 259
zial-Blättern X]. Heft 1, 2 u. 4, auf Kosten des Vereins für
die Fauna der Provinz Preussen auch besonders abgedruckt
(170 pag. 8., Königsberg 1857). Dasselbe weist die bedeu-
tende Anzahl von 2674 Arten auf, die also seit d. J. 1847,
in welchem das v. Siebold’sche Verzeichniss erschien, um
906 vermehrt worden ist. Auch in diesem Verzeichnisse
sind die einzelnen Arten mit speziellen Angaben über Fund-
orle, so wie mit synonymischen Bemerkungen versehen
worden.
Ueber die Käferfauna Ost- und Westpreussens hat auch
0. Pfeil (Entomol. Zeitung p. 52—60) Mittheilungen ge-
macht; die Eigenthümlichkeit derselben besteht darin, dass
sie neben den Fornen des’ nördlichen Deutschlands auch
solehe enthält, welche theils dem höheren Norden (Schwe-
den, nördl. Russland), theils Süddeutschland und selbst Un-
garn eigen sind. Der Grund hiervon liegt zum Theil in der
Bodenbeschaffenheit (grosse Waldstrecken, ausgedehnte Sümpfe
und Viehtriften), anderentheils in den Temperaturverhältnis-
sen (besonders sehr heisse Sommer). Der Verf. stellt die
den Preussischen Provinzen eigenthümlichen, ferner die sonst
nur dem höheren Norden oder dem Süden zukommenden,
endlich auch die seltneren und bemerkenswertheren Arten
zusammen.
Die Käfer des Steigerwaldes verzeichnete J. Kress
(Dritter Jahresbericht des Naturhistor. Vereins zu Bamberg,
P- 49—68) ; es werden im Ganzen 1182 Arten aufgezählt,
die mit Bemerkungen über ihr Vorkommen versehen sind.
.ı Clasen setzte seine Uebersicht der Käfer Meklenburgs
mit einer dritten Abtheilung (Archiv d, Vereins d. Freunde
der Naturgesch. in Meklenburg XI. 1857. p- 96—118) fort,
welche, wie früher , in einer Aufzählung der Arten nebst
Angaben über ihr Vorkommen, Nahrungspflanzen u. s. w.
besteht. Es werden hier, die Familien der Cerambycinen‘ und
Chrysomelinen abgehandelt, ‚welche zusammen durch 213 Ar-
ten verlreten sind.
Märkel (Allgem. Deutsche Naturhist. Zeitung 1857.
P- 164 #1.) machte Mittheilungen über die Lebensweise und
das Vorkommen einer Anzahl interessanter Käfer der Säch-
260 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
sischen Schweiz, unter denen auch einige als neu hervorge-
hoben, andere in ihren früheren Ständen crörtert werden.
Dietrich „Einiges aus dem Gebiete der Schweizerischen
Käferfauna* (Entom. Zeit. p. 117—133) machte gründliche
Untersuchungen über eine Reihe Schweizerischer Käfer, be-
sonders aus den Galtungen Telephorus und Apion bekannt.
V. Gredler verzeichnete (Zeitschrift des Ferdinan-
deums , Nalurgeschichlliche Abtheilung, Insbruck 1857) die
Käfer von Passeier nach Familien, welche ohne Ordnung auf
einander folgen; einen Theil dieses Verzeichnisses hat der
Verf. schon im J. 1854 veröffentlicht, ein dritter noch her-
auszugebender soll dasselbe beschliessen. Die leinzelnen
Arten sind mit Bemerkungen über Lebensweise, Vorkom-
men u. s. w. versehen, einige als neu angesehene werden
beschrieben. N
Snellen van Vollenhoven, Naamlijst van Neder-
landsche Schildvleugelige Insekten (Bouwstoffen voor eene
Fauna van Nederland II. p. 1—70) lieferte eine systematische
Zusammenstellung der in den Niederlanden vorkommenden
Coleopteren; die Arten sind mit einigen Cilaten aus den
gangbarsten Werken, die seltneren mit Angabe des näheren
Fundoris versehen. Die Gesamnitzahl der bis jetzt bekann-
ten Arten ist 1185; einige als neu angesehene werden im
Anhang kurz beschrieben.
Ein Verzeichniss der Coleopteren Belgien’s hat die En-
tomologische Gesellschaft dieses Landes in den von ihr her-
ausgegebenen Annales de la societE enlomologique Belge I.
p- 113—170 zu veröffentlichen begonnen. Bei der Zusam-
menstellung der daselbst aufgefundenen Arten sind u.a. be-
sonders die von Putzeys hierfür gesammelten Notizen ver-
werthet worden und vorläufig die Familien der Cieindelen,
Caraben, Dyliscen und Gyrinen abgehandelt. Die erste die-
ser Familien ist durch 5, die zweite durch 326, die dritte
durch 104, die vierte durch 10 Arten vertreten, welche mit
Synonymen und Angaben über Fundorte versehen sind.
C.G. Thomson, Skandinaviens Coleoptera, synopliskt
bearbetade. Häftet I. Carabiei. Lund, 1857. (8. 64 pag.) —
Der Verf. hat hiermit eine Bearbeitung der Skandinavischen
Coleopteren: in der Art begonnen, dass ''er eine'änälylische
im‘ Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 261
Charakteristik der Gruppen und Gattungen der einzelnen Fa-
milien- in Lateinischer, eine ergänzende Beschreibung der-
selben in Schwedischer Sprache giebt und unter den Gat-
tungen. jedesmal die in Schweden vorkommenden Arten mit
Hinzufügung eines oder einiger ‘Citate aufführt; eine Be-
schreibung oder Diagnosticirung der Arten erfolgt nur in
dem Falle, wo. sie unbekannt ‚oder von früheren Autoren un-
richtig‘ beurtheilt ‚sind. Das erste vorliegende Heft, welches
eine Bearbeitung der Carabieinen (mit Einschluss der Ciein-
deleny enthält, ist in. Beireff einiger systemalischer Abwei-
chungen, mehrerer ‚syponymischer Ergänzungen und der Be-
schreibung, einiger neuer Arten der Beachtung zu empfehlen.
(Siehe Carabieini!)
Janson (Entomologist's Annual 1857. p. 69—84) zälılte
54 in, England neu aufgefundene Käfer auf, unter denen
eine Art der Galtung Adelops, die als neu beschrieben wird,
hervorzuheben ist. — Derselbe „Observations on ihe Myrme-
cophilous Coleoptera or Ants-nest ‚beelles of Britain (ebenda
p- 85—95) berichtete über seine Ausbeute an Myrmecophilen
und. zählte. die in England aufgefundenen Arten (36 an Zahl)
mit: Angabe der Ameisen-Art, bei der sie leben, auf.
„.Mulsant's Histoire nalurelle des Col&opteres de France
ist im Jahre 1857 mit einem neuen Hefte fortgeselzt wor-
den, in welchem der Verf. die Familie der Vesicantia bear-
beitet, hat; die Arbeit umfasst 200 pag. in 8., mit 1 Tafel
und ist ein Separalabdruck aus dem Aten Bande der Anna-
les de la soc. Linneenne de Lyon (Annee 1857), p. 209—409.
Auch die Bearbeitung dieser Familie ist ganz nach dem Bei-
spiele der bisher vom Verf. herausgegebenen ausgeführt und
zeichnet sich, wie jene, durch eben so sorgfällige und aus-
führliche Beschreibung der Gruppen , Gatlungen und Arlen,
als auch ganz besonders durch umfassende Verwerthung der
früheren; Literatur aus. Ueber den näheren Inhalt des vor-
liegenden Heftes vergl. Vesicantia !
Eine Aufzählung von 86 in den Basses-Alpes bei Larche
gesammelten Käfern lieferten Fairmaire undReiche (An-
nales de la soc. entomol. V. p. 597 ff.).
Fairmaire, Miscellanea.: entomologica, 2. partie (An-
nales de la soc. entomol. V. p. 725—745) fährt fort, neue
262 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Arten ‚aus Südfrankreich ‘und zum Theil auch’ aus anderen
Gegenden Süd - Europa’s zu beschreiben; ebenso Peyron,
„Description de quelques Coleopteres nouveaux et observa-
tions diverses“ (ebenda p. 715-723) und Levrat, „De-
scription de Col&opteres nouveaux® (Annales de la soc. Lin-
neenne de Lyon IV. p. 417 ff.).
Einen Beitrag zur Käferfauna Griechenlands durch Zu-
sammenstellung der dort bis jetzt aufgefundenen Arten mit
synonymischen Bemerkungen und Beschreibung der als neu
angesehenen lieferte Schaum (Berlin. Entom. Zeitschr. I.
p- 116—158). Abgehandelt sind die Familien der Cieindelen
(9 A.), Carabieinen (210 A.), Dytisciden (31 A.), und Gy-
rinen (3 A.).
K. Fuss hat (Programm des Gymnasiums zu Hermann-
stadt v. J. 1857. p. 1—36) eine Bearbeitung der Käfer Sie-
benbürgens begonnen, in welcher er für die Bestimmung der
Gattungen sowohl wie der Arten die analytische Methode
anwendet. Der erste Theil dieser Siebenbürgischen Käferfauna
erstreckt sich auf den Anfang der Carabicinen und umfasst
die Gattungen Cicindela, Odacantha, Drypta, Cymindis, Deme-
trias, Dromius, Lebia, Brachinus, Clivina, Dyschirius, Cy-
chrus, Procrustes, Carabus, Calosoma, Leistus und Nebria. —
Eine Fortsetzung dieser Arbeit (in einem entsprechenden
Programm v. J. 1858. p. 1—65), welche dem Ref. gegenwär-
tig ebenfalls schon vorliegt, mag hier zugleich mit erwähnt
werden : sie führt die Bearbeitung der Carabicinen zu Ende,
indem sie die Gruppen der Elaphrini, Licinini, Anchomenini,
Pterostichini, Harpalini und Trechini umfasst.
H. Müller machte ausführliche und interessante Mit-
theilungen über die Lebensweise der augenlosen Käfer in
den Krainer Höhlen (Entomol. Zeitung p. 65—74), welche
er auf einer Reise durch Kärnthen, Krain und Istrien in aus-
gedehnter Weise zu beobachten Gelegenheit nahm. Die Gat-
tungen, welche der Verf. einer Besprechung in Betreff ihres
Vorkommens und ihrer Eigenthümlichkeiten während des
lebens unterwirft, sind Leptoderus , Adelops, Anophlhalmus,
Troglorhynchus, Glyptomerus und Anommatus.
Die beiden Leptoderus-Arten (L. Hohenwarlii und angustatus)
fand M. nicht an den Stalaktiten emporkriechend, sondern in grösse-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 263
rer Anzahl (gegen 30 Exemplare an einem Tage) etwa eine Spanne
hoch über dem Boden an der Wand von Tropfsteinkammern, welche
jedesmal das Ende einer Höhle bildeten und ganz vom Lichte abge-
schlossen waren; sie krochen aus einem Verstecke, der sich am Bo-
den in unmittelbarer Nähe der Wand befand. nach einander hervor;
der Boden war hier feucht und mit zahlreichen Stücken verfaulten
Holzes bedeckt. Ein frisch entwickeltes Exemplar fand sich in der
vorderen Abtheilung einer Höhle, in welche schon das Tageslicht ein-
drang, unter einem grossen Steine auf feuchter schwarzer Erde sitzend.
Keins der Thiere zeigte irgend welche Empfindlichkeit gegen das
Lieht. — Von Adelops fand M. 4 Arten, darunter besonders A. mon-
tanus, Khevenhülleri und pilosus; letztere Art war sehr häufig an
Fledermauskoth, der von den an der Höhlendecke haftenden Fledermäu-
sen in grosser Menge herabgeworfen wurde; A. Khevenhülleri fand
sich in grosser Anzahl unter Steinen auf feuchter Erde, welche mit
verfaulten Holzstückchen bedeckt war. — Die Anophthalmus- Arten
leben in Grotten mit grossem Eingange, in welchen Rinder und Pferde
Ruhe zu halten pflegen und deren Boden daher vom Miste dieser
Thiere bedeckt ist; unter den dabei liegenden Steinen liessen sich
in einigen Stunden über 100 Exemplare sammeln. Sie entfliehen
beim Aufheben der Steine mit grosser Schnelligkeit, um sich einen
neuen Schlupfwinkel zu suchen ; Lichtempfindung scheinen sie jedoch
ebenfalls nicht zu besitzen , wie sich dies schon in der Planlosigkeit
ihres Laufens bemerkbar macht. — Troglorhynchus fand sich in einem
Exemplare an der Unterseite eines Steines, welcher auf feuchter Erde
lag, während die übrigen Theile derselben Höhle, deren Boden steinig
war, keine Exemplare des Thieres lieferten; die Art ist übrigens von
Kokeil auch in der Zwergkiefer-Region unter altem Holze gefun-
den worden.
Von Perris’ „Histoire des Insectes du pin maritime« ist
in den Annales de la soc. entomol. V. p. 341—39. pl. 8 u. 9
eine neue Fortsetzung erschienen, in welcher die Familien
der Melasomen, Melandryaden und Oedemeriten abgehandelt
und die Kenntniss ihrer Entwickelungsgeschichte so wie das
genauere Studium ihrer Larven vom Verf. in gewohnter
Weise wesentlich gefördert worden sind. Von Melasomen
leben in Pinus maritlima: 1 Platydema, I Uloma, 1 Phthora,
2 Hypophloeus, 1 Tenebrio, 1 Helops, 1 Prionychus, von
Melandryaden: 2 Hallomenus, von Oedemeriten: 1 Xantho-
chroa, 3 Nacerdes. Das Nähere siehe bei den einzelnen
Familien.
v. Motschulsky setzte seine Notizen „sur les col-
leetions col&opterologiques de Linne et de Fabricius“ in den
264 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Etudes entomologiques VI. p. 44 ff. mit. den Familien der Paus-
siden, Staphylinen, Pselaphiden und Scydmaeniden fort,
Synonymische Mittheilungen über einige Käfer mach-
ten Schaum und Kraatz (Berlin. Entomol. Zeitschrift I.
p- 175 ff.).
Ciciudeletae. J. Thomson, Monographie des Cicindeli-
des ou expos& methodique 'et critique des tribus, genres' et ‚esp&ces
de cette famille. (Paris, 4. pl. color.). Von diesem Prachtwerk: Jie-
gen dem Ref, am Schlusse des Jahres 1858 die ersten drei Lieferun-
gen vor, welche sämmtlich mit. der Jahreszahl 1857 versehen sind,
von denen jedoch die. beiden ‚letzten erst, im folgenden. Jahre: in.den
Buchhandel gekommen zu sein scheinen. ‚Sie enthalten zusammen 10
Bogen Text und eben so viele ‚colorirte Kupfertafeln, ersteren ‚mit, be-
sonderer Eleganz gedruckt , letztere von ebenso meisterhafter Zeich-
nung als Colorit; diese Tafeln übertreffen in gleicher-Weise wie die
der Archives entomologiques des Verf. an Sauberkeit der, Ausführung
so wie an Treue der Auffassung alle bisher publicirten iconogra-
phischen Werke über Coleopteren. die dem Ref. bekannt sind. In
Rücksicht auf die Vollendung dieser Abbildungen und darauf‘, dass
fast sämmtliche in den Text aufgenommene Arten auf den Tafeln re-
präsentirt sind, lässt sich die Kürze der Art-Charakteristiken, wie sie
der Verf. in dieser Monographie eingeführt hat, wohl:rechtfertigen,
wenn auch ein näheres Eingehen auf die charakteristischen Merk-
male keineswegs der Arbeit geschadet hätte; unumgänglich nothwen-
dig wäre jedoch ein solches zur Erkennung derjenigen Arten gewe-
sen, welche nicht abgebildet worden sind. Ausführlicher hat sich
der Verf. auf die Gattungen eingelassen, deren Charaktere theils nach
früheren Autoren, theils nach eigenen Untersuchungen auseinanderge-
setzt und durch Detail-Zeichnungen auf den Tafeln erläutert werden.
Auch die Familien-Charaktere haben zu Anfang des Werkes eine kurze
Darstellung erfahren , die jedoch wohl Manches zu wünschen übrig
lässt; Angaben von „sechs Tastern“ und, „viergliedrigen Lippenta-
stern“ sind nur so bedingt richtig, dass sie eher als unrichtig be-
zeichnet werden könnten. denn weder ist die äussere tasterförmige
Lade der Maxillen als Taster, noch sind die freigewordenen Fulcra
der Lippentaster als erste Glieder der letzteren anzusprechen, indem
sich beide Bildungen bei einem Vergleiche mit der den beissenden
Insekten im Allgemeinen zukommenden Construktion der Mundtheile
nur als vereinzelte Modifikationen des constanten Typus herausstellen.
Auch irrt der Verf. darin, wenn er angiebt, Erichson habe in den
„Käfern der Mark Brandenburg“ die Lippentaster der Cieindelen als
viergliedrig angenommen, indem er gerade diese von Latreille
gebrauchte Terminologie als eine zu modificirende bezeichnet. — Der
spezielle Theil beginnt mit der Gruppe der Manticoriden, die aus
im ‘Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 265
fünf Gattungen : Manticora, Agrius, Platychile, Amblycheila und Omus
besteht. Unter Manticora zieht der Verf. Mant. granulata Klug als
Weibchen zu M. tuberceulata, und hereuleana Kl. als grosse Varietät
zu M. scabra Kl., eine Ansicht, mit der sich Ref. nach Untersuchung
der Original-Exemplare nur einverstanden erklären kann. Eine neue
Artist M. Sichelii vom Caflernlande. — Die Art, welche der Verf. als
Platychile pallida Fab. beschreibt und abbildet, ist offenbar eine neue
Art, die von der Fabricius’schen (in der hiesigen Königl. Sanımlung
in einem männlichen Exemplare vorhanden) durch die ausserordent-
lich langgedornten Ninterecken des Thorax und breiteren Körperbau
sehr wesentlich abweicht. Fabricius’ Angabe „thoracis angulis po-
stieis porrectis, subspinosis“ würde auf das Exemplar des hiesigen
Museimis, bei dem die Hinterecken kurz gedornt sind, aber nicht auf
die Thomson’sche Art ‚passen. — Die zweite Gruppe der Megace-
phaliden umfasst die Gattungen Megacephala mit 4, Tetracha mit 39,
Metriocheila n. g. (auf Tetr. nigricollis Reiche, suceincta Erichs. be-
gründet) mit J, Aniara mit 1, Raminagrobis n. g. (auf Oxych. oxyo-
mus Chaud. begründet) mit 2, Pseudoxycheila mit 1 und Oxycheila
mit 8 Arten. Letztere drei Gattungen werden von den vorhergehen-
den als eigene Unterabtheilung „Oxycheilites* abgegränzt. Dass die
Arten der schwierigen Gattung Tetracha besonders in synonymischer
Hinsicht vom Verf. vollständig aufgeklärt sind, scheint dem Ref.
zweifelhaft; die Tetr. oceidentalis Klug führt derselbe z. B. einmal
als Synonym von Tetr. carolina, ein zweites Mal unter Tetr. acuti-
pennis Dej. an, während sie von beiden ganz verschieden ist; da-
gegen beschreibt er diese Art von Neuem als Tetr. virgula Thoms.,
die daher den Klug’schen Namen wieder erhalten muss. Ausser die-
ser sind 6 neue Arten der Gattung beschrieben, die zum Theil sehr
ausgezeichnet und charakteristisch gefärbt sind.
In den Archives entomol. I. p. 129 If. beschrieb derselbe aus-
serdem folgende neue Arten: Cicindela Myrrha von Borneo, afrita
von Pt. Natal, Egaensis und Odontocheila Trilbyana vom Amazonen-
strome, Collyris albitarsis, Serawackensis und eribripennis von Borneo.
v. Motschulsky (Etudes entomolog. VI. p. 108 ff.) : Habro-
scelis obliquata und Cicindela calochroides aus Nicaragua, Japana aus.
Japan, Myriochila Dohrnii aus Ostindien , Tricondyla granulifera von
Ceylon, Collyris gibbicollis aus Assam. Die Arten sind auf einer bei-
folgenden Tafel im Umrisse dargestellt.
Murray (Annals and magaz. of nat. hist. XIX. p. 154 If.) aus
Old-Calabar: Cieindela Lowei u. A. und unter dem Namen Cie. con-
fusa und obliteranda zwei Varietäten der Cie. vicina Dej.
Montrouzier (Annales d. sciene. phys. de la soc. d’agricult.
de Lyon Vll. 1. p. 6 f.): Cieindela Cristorallensis und hemicycla von
der Insel Woodlark.
266 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Le Conte (Entomol. Report p.27) gab nochmalige verglei-
chende Diagnosen der drei Arten der Gattung Omus und RGEESER Ab-
bildungen derselben auf Taf. I. Fig. 1—3.
Von Laboulbene ist (Archives entomol. I. p 105 ff.) eine
Mittheilung über den Aufenthalt und die Lebensweise der Larve von
Cicindela hybrida gemacht worden. Die Gänge, welche die Larve
im Sande gegraben hatte, waren senkrecht, bis 1%, Fuss tief; bei
den Larven fanden sich Ueberbleibsel von Käfern, die ihnen zur
Nahrung gedient hatten, besonders Flügeldecken von Cocecinellen.
Carabieini. v. Chaudoir hat sein Memoire sur la famille
des Carabiques im Bulletin de la soc. imp. des naturalistes de Moscou
1857. III. p.1—64 mit einem 6. Theile fortgesetzt, in welchem er
zunächst die im vorigen Jahre begonnene Bearbeitung der Chlaenier-
Gruppe zu Ende führt. Die hier abgehandelten Gattungen sind:
1) Harpostomusn.g., auf Chlaen. opulentus Gory begründet. 2) Ano-
moglossus n. g., auf die beiden Nord- Amerikanischen Arten Chlaen.
emarginatus Say und pusillus Say beschränkt. 3) Ceroglossus n. g.
auf Chlaen. laevigatus Dej. errichtet, ausserdem noch drei neue Ar-
ten enthaltend: C. politus (Chl. lugubris Dej.?) aus Kordofan, opa-
cus aus Nord-Indien,, obseurus aus Ober - Egypten. 4) Hololeius Laf.
2 A. (H. punctulatus aus China n. A.). 5) Rhopalopalpus Laf. 1 A.
— Der Gruppe der Chlaenier folgt in gleicher Weise eine Bearbei-
tung der „Oodiens,“ deren Charaktere vom Verf, ausführlich bespro-
chen werden, und von welchen er den Oodes bipustulatus Dej. aus-
schliesst. (Auf diese Art, welche die männliche Tarsenbildung der
Feroniens zeigt und auch in der Anlage der äusseren Flügeldecken-
Streifen abweicht, wird im Anhang eine neue Gattung Metazys ge-
gründet, welche ausführlich charakterisirt und mit einer zweiten neuen
Art, M. bisignatus vom Senegal bereichert wird.) Unter den „Oodiens“
nimmt v. Chaudoir zehn Gattungen an, deren Charaktere in einer
Tabelle analysirt werden: 1) Anatrichis LeC. 1 Art. 2) Systolocra-
nius n. g. auf Oodes giganteus Chaud. , Goryi Buq., grandis Dej. und
sulcatus Laf. begründet. 3) Oodes Bon. 21 Arten, davon neu: 0.
.submetallicus vom Senegal, chalceus aus Ostindien, vilis aus China,
madagascariensis aus Madagascar, moerens ebendaher, sulcatulus von
den Neelgherries. 4) Stenous n. g. auf Oodes cupreus Chaud. und
tibialis Chevr. begründet, mit 10 Arten; davon sind neu: St. Lecon-
tei aus Louisiana, flavipes vom Amazonenstrome, veloz (fuscipes Dej. ?).
5) Stenoerepis n. g., für Oodes egregius Chaud., robustus Brulle,
Leprieuri Buq. errichtet, mit 6 Arten, wovon $. Sahlbergii von Rio
Janeiro und pauper aus Columbien neu sind. 6) Chaeloerepis n. g:,
von der vorigen Gattung durch die mit den Paraglossen bis zur
Spitze verwachsene Zunge und die Form der erweiterten Tarsenglie-
der des Männchens unterschieden; die drei ersten Glieder der Vor-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 267
dertarsen sind schwächer erweitert, das erste sehr langgestreckt drei-
eckig, unten kaum an der äussersten Spitze schwammig , das zweite
und dritte länger viereckig, das vierte breiter, unten schwammig, mit
langen Borsten besetzt, an der Spitze gespalten. Eine Art: Ch. Bes-
ekii von Neu-Freiburg in Brasilien. 7) Crossocrepis n. g. auf Oodes
14-striatus Chaud. (pieipes LeC., stenocephalus Laf.) begründet. 8)
Dereylus Lap. 1 A. 9) Hoplolenus Laf. 1 A. 10) Coptocarpus nıg.,
für Oodes australis Dej. errichtet. — Zum Schlusse liefert der Verf.
noch einen Nachtrag zu seiner Bearbeitung der Scaritiden, in wel-
chem er Ozylobus asperulus n. A. aus Ceylon, Coptolobus n. g: (mit
Haplotrachelus verwandt, von dem er durch die Form der Lappen
des Kinnes, der Mandibeln u. s. w. abweicht) mit einer Art: C. gla-
briculus von Ceylon und Macromorphus n. g., auf Scarites elongatus
Klug, Laf. errichtet, charakterisirt.
Derselbe hat in der Entomol. Zeitung XVIII. p. 75—82 „Ei-
nige Bemerkungen“ zu der von Schaum gelieferten Bearbeitung der
Deutschen Laufkäfer (Insekten Deutschlands I, 1.) veröffentlicht, in
welchen er abweichende Ansichten über die richtige Auffassung einer
Reihe von Arten und Gattungen kundgiebt. Einzelne Arten werden
aus -den Gattungen Cicindela , Notiophilus , Blethisa, Leistus, Nebria,
Carabus und Procrustes besprochen, von letzterer Gattung Procrustes
anatolicus von Brussa und obtritus aus Griechenland als neue Arten
beschrieben. Von Gattungen will v.Chaudoir die auf Blethisa arctica
begründete Diachila Motsch. als zwischen Elaphrus und Blethisa die
Mitte haltend aufrecht erhalten wissen, ebenso die Gattung Trachypa-
chus Motsch., von welcher er eine genaue Charakteristik liefert; letz-
tere weicht von Blethisa sehr wesentlich durch die Zunge mit den
Paraglossen , die Oberlippe, die Fühler, die Tarsen und den Kopf ab
und schliesst sich vielmehr an Pelophila, Metrius und Brachycaelus an.
Die Gattung Brachycaelus würde am passendsten zwischen Nebria und
Metrius zu stellen sein; Pelophila und Nebria sind nach v. Chau-
doir als selbstständige Gattungen festzuhalten. Von Carabus ist die
auf ©. glyptopterus Fisch. begründete Gattung Eupachys Chaud. 'zu
trennen, indem ihre Charaktere, welche der Verf. auseinandersetzt,
mehr different sind als die zwischen Carabus und Calosoma beste-
henden.
Auf diese Bemerkungen v.Chaudoir's hatSchaum (ebenda
p. 348— 355) Erwiderungen gemacht, die a. a. O0. nachgelesen wer-
den mögen.
Murray (Annals of nat. hist. XIX und XX) beschrieb folgende
neue Galtungen und Arten von Old-Calabar: 1) Rhaphidognatha n. g.
aus der Gruppe der Pericallidae; Körper flachgedrückt , Thorax hin-
fen stumpf abgeschnitten; Mandibeln und Oberlippe vorgestreckt,
Maxillen an der Spitze spindelförmig, Fühler kurz, fadenförnig, leicht
268 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
zusanmengedrückt, ihr zweites Glied kaum kürzer als das dritte;
Kinn ohne Zahn, Paraglossen mit der Ligula verbunden; Augen her-
vorragend; Tarsen mit einfachem vierten Gliede, die Klauen'nicht
gekämmt; Flügeldecken- an der Basis rechtwinklig , kaum breiter als
der Thorax, seitlich gleich breit. Art: Rh. trimaculara (pl. 12. fig.'2).
2) Stereosioma n.g., mit der folgenden Gattung zur Gruppe'der Mo-
rionidae gehörend; Oberlippe kurz, quer, Mandibeln kräftig, spitz,
ohne Zahn am Innenrande, Endglied der Kiefertaster cylindrisch-ei-
förmig, der Lippentaster dick, beilförmig, Kinn kurz, ‘quer, tiel aus-
geschnilten, mit einfachem Mittelzahn, Ligula kurz, schmal, abgestutzt,
keine Paraglossen. Fühler kurz, perlschnurartig, ‘die Glieder an der
Spitze befilzt, zusammengedrückt; Vorderschienen erweitert; unten
ausgehöhlt, Tarsen kurz mit queren Gliedern; Abdomen: mit; fünf ‚sicht-
baren Ringen, die beiden ersten verschmolzen. Zwei Arten: St. Whi-
tei (pl. 13. fig.6) und solidum. — 3) Buderes n. g. von. breiterer
Körperform als die vorige Gattung, mit quadratischem ‚Halsschilde,
das den Flügeldecken an Breite gleich kommt; durch das längliche;
schmale Endglied der Lippentaster, den zweispitzigen Mittelzahn des
Kinnes u. s. w. verschieden. Art: B. Oberti. — Neue Arten sind
ausserdem; Tefflus planifrons, Dendrocellus (Drypta) pectoralis, Ga-
lerita femoralis, gracilis ,, Pheropsophus minor, Lebia. bisbinotata,
elavicornis (pl. 12. fig. 1) Nycteis Championi, Belonognathu rugiceps,
obesa, quadrinotata (pl. 12. fig. 3), Catascopus, compressus, Nycleis
intermedia, Goniotropis Wyliei, Scarites Hercules (pl.12, ‚fig. 4),
Ajax (fig.5), Patroclus, rotundicollis, elivinoides, Craspedophorus
conicus, strangulatus, arcualocollis, Lafertei, Symei, vicinus. — Die
Gattungen Nycteis und Belonognatha betrachtet Verf, als Gruppen einer
und derselben Gattung, die er Nycteis nennt und die er von Copto-
dera durch den Mangel des Mittelzahnes am Kinne unterscheidet,
(a.a. 0. XIX. p.443,) Auch über einige andere Gattungen und die sie
charakterisirenden Merkmale werden Bemerkungen beigebracht.
Thomson beschrieb (Archives entomol. I): Agra ceytherea
vom Amazonenstrome und Helluomorpha:. (2?) Batesii aus Neu- Hol-
land (p.134), Carabus Tientei und Hienfoungi aus Nord-China (p.165);
Herinnis.n. g. mit einer neuen Art Her. Chabrillacii von Rio-Janeiro
(p- 166); diese Gattung wird .den Helluoniten beigezählt, von.denen
sie sich übrigens durch die Form der Taster unterscheidet, indem das
Endglied derselben weder beilförmig, noch angeschwollen , noch
dreieckig, sondern allmählig zugespitzt und länger als das vorherge-
hende ist. — Pericalus presidens von Celebes, eupripennis von Sin-
gapore, Catascopus Celebensis von Celebes, Cycloloba ucuticollis von
Pt. Natal (p. 2811.) — Piezia pilosovittata von Port Natal (p. 395).
— Agra Megaera und formicaria vom Amazonenstrome, Aulacinia n. g-,
eine der aysgezeichnetsten und merkwürdigsten bis jetzt bekannt gez
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 269
wordenen Carabicinen-Formen. in Gestalt und Skulptur gewissen Coly-
diern gleichend, durch die fingerförmig gezähnten Vorderschienen,
die perlschnurartigen Fühler und den flachgedrückten Körper zu den
Searitinen gehörend und hier mit Cryplomma zunächst verwandt.
Der Kopf erscheint dadurch sehr eigenthünlich , dass die Wangen-
theile hinter den Augen stark angeschwollen und nach hinten ver-
breitert sind, so dass ihre Breite hier die des Halsschildes über-
trifft; Thorax mit vier Längsreihen von Tuberkeln, zwei mittleren und
zwei seitlichen, gezieit. Art: Aul. rhysodoides (pl. 21. fig. 2) aus
Brasilien (p: 399 1. ).
Von Nietner (Entomological papers p. 58.) wurden folgende
neue Gattungen und Arten von Ceylon beschrieben: Distrigus costatus
(ist nach Original- Exemplaren des Verf. vollständig identisch mit
D. atratus Dej.), submetallicus, rufo-piceus, aeneus, Dejeani, Dri-
mostoma Ceylanicum, Casnonia punctata , pilifera.— Symphyus n.g.,
zur Gruppe der Feroniens vom Verf. gestellt, ist die bekannte Gattung
Rembus Latr.; die Art: Symph. wnicolor scheint neu zu sein und
würde sich dem R. politus Dej. (von welcher Art R. politus Fahr.
specifisch verschieden ist) zunächst an die Seite stellen,— Calodromus
n. g. aus der Harpalinen-Gruppe ist ebenfalls eine schon bekannte
Gattung, nämlich Bradybaenus Dej., wie dies nicht nur der Habitus
und die Färbung der Ceylonesischen Art: Calodr. exornalus, die sich
hierin den Afrikanischen ganz eng anschliesst, sondern auch die
Uebereinsiimmung aller Körpertheile mit Einschluss der Unterlippe,
die Nietner zufolge abweichen soll) leicht erkennen lässt. — Zu-
plium pubescens, Bembidium opulentum, truncatum, tropieum, triangu-
lare, Ceylanicum, Klugii, ebeninum, orientale, emarginalum, ornatum,
scydmaenoides. — Megaristerus n. g. aus der Harpalinen-Gruppe: mit
Amblystomus nahe verwandt, von dieser Gattung sowohl als von
Acupalpus dadurch unterschieden, dass das erste Glied an den vier
vorderen Tarsen des Männchens unten unbefilzt, dass die linke
Mandibel bedeutend plumper und stärker als die rechte ist und daher
vor der Öberlippe hervorragt, während die rechte darunter verborgen
ist; Oberlippe vorn tief ausgerandet, Fühler kaum über die Schultern
hinausreichend, fadenförmig, das zweite Glied wenig kürzer als das
dritte. — Drei Arten: M. mandibularis, stenolophoides und Indicus. —
Spathinus n. g. zur Pogonus-Gruppe vom Verf. gebracht, in der Bil-
dung der Unterlippe mit Bembidium übereinstimmend, die Endglieder
beider Tasterpaare aber konisch zugespitzt, die vorderen Tarsen beim
Männehen leicht. erweitert und unten mit Schüppchen besetzt. Art:
Spath. nigriceps. — Euplynes Dohrnüi.
v. Motschulsky (Etudes entomologiques VI. p. 25 ff.) er-
richtete auf zwei Japanesische Carabicinen zwei neue ‚Galtungen :
Trigonognatha.n.g. zu Catadromus gestellt ; Zunge sehr hervortretend,
270 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
an der Spitze frei, dreieckig, vorn gerade abgestutzt, Paraglossen so
lang als die Zunge, dreieckig, zugespitzt; Kinn stark ausgerandet mit
stumpfem Mittelzahn, Mandibeln dreieckig, ohne Zähnelung, Maxillen
schmal, in einen starken Zahn endigend, Oberlippe quer, nicht aus-
gerandet, Lippentaster mit stark beilförmigem Endglied; Maxillartaster
ziemlich kurz mit cylindrischem, an der Spitze abgestutzten Endglied;
Fühler mit diekem Basalglied , das etwas kürzer als die beiden fol-
genden zusammengenommen ist; Körper wie bei Poecilus verlängert
und flachgedrückt, die drei ersten Tarsenglieder beim Männchen er-
weitert. Art: Trig. cuprescens, 8'% lin. — Megrammus n. g. zur
Harpalinen-Gruppe gehörig; Tarsen an der Unterseite mit langen
Haaren bekleidet, die mittleren beim Männchen erweitert, vorletztes
Glied bei beiden Geschlechtern an den Vorder- und Milteltarsen stark
zweilappig; Kopf klein, dreieckig, Kinn ohne Mittelzahn, Zunge frei,
vorspringend, schmal, abgerundet und mit zwei langen Endborsten,
Paraglossen etwas länger, schmal, an der Spitze abgerundet; Maxil-
len schmal, gekrümmt mit langem Endhaken , Mandibeln stark gebo-
gen, ohne Zähne , Palpen mit langem, verbreiterten und gebogenen
zweiten Gliede, das dritte schmal, lang eiförmig, schwach abgestutzt;
Fühler schlank, länger als Kopf und Thorax zusammengenommen;
Körperform wie Stenolophus. Art: Meg. circumeinctus von Japan.
Derselbe (ebenda p.'110) beschrieb unter dem Namen Selina
Westermanni eine neue Gattung und Art aus Ostindien, die mit Cas-
nonia und Ega in nächster Verwandtschaft steht; die Gestalt des klei-
nen Thierchens erhält etwas Eigenthümliches durch den in einen
dünnen, stielförmigen Hals endigenden Kopf, die kuglige Gestalt des
Thorax nnd die länglich viereckigen, gewölbten Flügeldecken ; die
Fühler verdicken sich gegen die Spitze und die Glieder sind hier
beträchtlich länger als an der Basis (eine Eigenthümlichkeit, die in
der Beschreibung nicht erwähnt wird); das vorletzte Glied der Kie-
fertaster kegelförmig , erweitert, kürzer als das zweite, das letzte
beilförmig, kurz ; das vorletzte Glied der Lippentaster kurz, fast ku-
gelförmig angeschwollen, das letzte beilförmig, sehr dünn und fast so
lang als das vorhergehende. — Die Art hat die Grösse der Ega Sallei
und ist von Westermann mehrfach verschickt worden. — Eine
zweite Gattung und Art aus Chile ist Notiozenus bilunulatus genannt
und soll Notiophilus mit Trachypachus verbinden, indem sie mit letz-
terer Gattung die kurze, gedrungene Form, mit ersterer die Punkti-
rung, Form der Palpen und der Füsse gemein hat; Vorderschienen
stark gezähnelt am Aussenrande, Fühler mit allmählig gegen die Spitze
verdickten Gliedern, ohne indessen perlschnurartig zu sein, wie bei
Trachypachus. — Carabus japonieus neue Art aus Japan, wie die bei-
den vorhergehenden auf der beifolgenden Tafel abgebildet.
Derselbe (ebenda p. 94 ff.) besprach die von v. Chaudoir
im‘ Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. , 271
aufgestellten Scaritinen- Gattungen und zerfällte dieselben als in dem
ihnen gegebenen Umfang nicht haltbar noch weiter; auf diese Art
werden aus der früheren Gattung Scarites neunzehn Gattungen ge-
macht, die der Verf. auf analytischem Wege charakterisirt; die neuen
sind: Pleurogenius (Taeniolobus eircumduetus Chaud.) , Stigmapterus
(madagascariensis Motsch.) , Glyptomorphus (Scar. excavatus Kirby),
Scallophorites (Scar. striatus Dej.), Harpalites (Scar. laevigatus Fab.),
Distichus (Scar. planus Bon.), Lophogenius (Scar. 8-punctatus Dej.),
Broscomorphus (Scar. arenarius Dej.), Parallelomorphus (Scar. eury-
tus Fisch.), Paramecomorphus (Scar. eylindrinotus Fald.). Dass die-
sen Galtungen keine generellen Charaktere zu Grunde liegen, braucht
wohl nicht erst erwähnt zu werden.
Le Conte (Proceed. of the acad. of natur. scienc. of Phila-
delphia 1857. p. 75—83) lieferte eine „Synopsis of the species of Clivina
and allied genera inhabiting the United States.“ Der Verf. giebt da-
rin analytische Tabellen für die Arten der Gattungen Dyschirius (28 A.),
Acephorus Le C. (1 A.), Ardistomis Putz. (4 A.), Aspidoglossa Putz.
(1 A.), Clivina (27 A.) und Schizogenius Putz. (6 A.). Am Schlusse
jeder Gattung wird die Synonymie einiger Arten erörtert und folgende
als neu beschrieben: Dyschirius basalis und gibbipennis aus Califor-
nien, truncalus aus Illinois, erythrocerus aus Pensylvanien, sellatus von
New-Versey, filiformis und dentiger von New-York, rufiventris aus
Louisiana, setosus aus Massachusetts, pilosus von New-Orleans, Ardi-
stomis Schaumii aus Louisiana.
Derselbe (ebenda p. 2 ff.) stellte einen „Catalogue of the
species of Bembidium found in the United States and contiguous Nor-
thern Regions“ zusammen, hauptsächlich aus dem Grunde, mehrere
früher von ihm aufgestellte Arten einzuziehen und die zahlreichen
Nord-Amerikanischen Bembidien in Gruppen zu vertheilen. Ein Ver-
such , dieselben den von den Europäischen Autoren angenommenen
Abtheilungen, u. a. auch denen von Jacquelin du Val unterzu-
ordnen, ist dem Verf. missglückt; er stellt daher seinerseits 19 auf
die Hauptunterschiede der Arten gegründete Gruppen auf, unter wel-
chen er die 75 ihm bekannten Bembidien Nord - Amerika’s aufzählt
und dieselben in ihrer Synonymie erörtert. Von den früher von
Bembidium abgezweigten Gattungen hält Le Conte jetzt nur noch
Pericompsus fest, zieht dagegen Hydrium und Ochthedromus wieder
ein. ‘Am Schusse folgt die Beschreibung von drei neuen Arten: Bem-
bidium lugubre, fraternum und pedicellatum.
Derselbe (Entomol. Report p. 281f.) beschrieb als neue Ar-
ten aus Californien und dem Oregon - Gebiete: Stenolophus limbalis,
anceps, tener und Californicus, Calosoma discors und Notiophilus
nitens, stellte den Anchomenus lenis Mann, zur Gattung Pristodactyla
Chaud, und gab Abbildungen (Taf. I. fig. 4—10) von Agaosoma cali-
272 Gerstaeeker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
fornieum Men. (welches er ohne Grund als von Stenomorphus Dej.
generisch verschieden ansieht), Promecognathus laevissimus Dej., Cy-
chrus tubereulatus Narr., Carab. tnedatus Fab. (baccivorus Fisch.),
Calosoma cancellatum Esch. (aenescens Le C.), discors Le C. und Tra-
chypacbys inermis (Holmbergi Mann.).
Eine neue Gattung Acanthophthalmus errichtete Montronu-
zier (Annales d. scienc. phys. de la soc. d’agriculture de Lyon VII, 1.
p- 8) für eine Carabieinen- Form des stillen Oceans (von St. Cristo-
val), welche in der Gestalt Achnlichkeit mit Helluo und Anthia hat,
die sich aber durch die nicht abgestutzten Flügeldecken und die nicht
verlängerten Palpen von ersterer unterscheidet. Ihre Charaktere wer-
den folgendermassen angegeben: Kopf länger als das Halsschild,
Mandibeln kräftig , hervortretend , zweizähnig, Oberlippe breit, quer
viereckig, Taster fast von gleicher Länge, kurz, Endglied länglich
und fast cylindrisch, Fühler die Flügeldecken erreichend , ihre Glie-
der umgekehrt kegelförmig, kurz, fast knopfartig, das zweite kürzer
als das dritte; Augen hervorspringend, der Kopfrand neben ihnen
zahnarlig ausgezogen, Flügeldecken parallel, hinten abgerundet, Vor-
derschienen tief ausgeschnitten, Tarsen ohne Sohlenbürsten, mit sehr
langem Endgliede. Art: A. tricostatus, 7‘ lin.
Thomson (Skandinaviens Coleoptera, Häftet I. Carabici) theilt
die Schwedischen Carabieinen in drei Hauptgruppen : Cicindelides
Carabides und Harpalides und unterscheidet die beiden letztern,
die von den ersteren sich durch die Insertion der Fühler abgrän-
zen, dadurch, dass bei den Carabides (mit den Tribus der Omophro-
nini , Trachypachini , Carabini, Nebriini und Cychrini) das Mesoster-
num ‚vorn leistenartig zusammengedrückt, bei den Harpalides (mit
den Tribus der Clivinini , Elaphrini, Trechini, Lieinini , Feroniini,
Panagaeini, Lebiini, Brachinini, Broseini, Loricerini, Chlaeniini und
Harpalini) dagegen vorn abgeflacht und nicht carinirt. ist, Die Schwe-
dische Carabicinen-Fauna umfasst im Ganzen 262 Arten, die zum
grössten Theile nur namentlich aufgeführt werden und mit Bemerkun-
gen über Fundorte versehen sind; weniger bekannte Arten werden mit
Diagnosen versehen und in ihrer Synonymie erörtert, für einige auch
ältere, von Schwedischen Autoren aufgestellte Namen wieder 'einge-
führt. , Als neue Arten werden beschrieben: Dyschirius lapponieus
(Clivina thoracica Zett.), sylvatieus,, Bembidium lapponicum ‚(impres-
sum var. Zett.), Patrobus elavipes, rubripennis (Harp. pieicornis var.
b. Zett.), Amara littorea,, cyanocnemis , nigricornis (Harp. vulgaris
var. b. Zett.); für Blethisa arctica Gyll, wird eine eigene Gattung
Arctobia errichtet.
Jacquelin du Val (Historia fisica de Ja isla de Cuba VII.
p-4# ff.) beschrieb Cymindis suleicollis, Dromius Poeyi, 'Dyschirius
insularis,, Clivina limbipennis, Oodes insulanus , Bembidium apicale
im Gebiete der. Entomologie während des Jahres 1857. 273
als neue Arten von der Insel Cuba; einige derselben so wie von be-
reits bekannten Arten Galerita erythrodera, Calleida rubricollis und
Clivina bipustulata sind auf Taf. VI abgebildet.
Derselbe (Annales d. ]. soc. entomol. V. p. 103 ff.)!: Bembi-
dium inustum von den Alpen Piemont’s, bipartitum aus Sardinien und
brevicorne Chaud. aus Piemont.
Wollaston (Catal. of Coleopt. Ins. of Madeira p. 1 f.): Ta-
rus Maderae (lineatus Woll. antea), Dromius alutaceus, Leistus elli-
pticus, Olisthopus acutangulus, Trechus laevis, signatus und Bembi-
dium dubium als neue Arten von Madeira.
Als neue Arten aus Griechenland wurden von Schaum (Berl.
Entomol. Zeitschr. I. p. 121 ff.) beschrieben: Nebria Heldreichü, Cli-
vina lernaea, Dyschirius bacillus, importunus, Blechrus exilis, Apri-
stus reticulatus, opacus, Singilis fuscipennis, Chlaenius fuseitarsis,
Pogonus reticulatus, Agonum lueidulum , Platysma protensa, Omaseus
Zebei,' Zabrus brevicollis, Acupalpus longicornis, pumilio, planicollis,
Trechus pallidipennis, Bembidium subtile, inoptatum. —- Ausserdem
sind die synonymischen Bemerkungen über bekannte Arten einzusehen.
Einzelne als neu aufgestellte Arten sind ferner folgende:
Von Fairmaire (Annales d.]. soc. entomol. p. 725 ff.): Dro-
mius capitalis von Beziers in Frankreich, mit Dr. longiceps ver-
wandt, Carabus Thomsonii aus Sicilien, (zur Gruppe des C. morbillo-
sus gehörend und von Dahl unter dem Namen C. extensus Koll. ver-
sandt, Ref.), trabuccarius aus Südfrankreich von der Catalonischen
Gränze, zur Gruppe des C. helluo gehörend, Feronia sicana aus Si-
eilien; Abbildung der beiden Carabus - Arten auf pl. 14. — Carabus
eyehrocephalus aus Marocco, vorläufig durch Diagnose bekannt ge-
macht im Bullet. d. I. soc. entomol. p. CLVII.
Von L. Dufour (Archives entomol.I.p. 382. pl. XV): Cychrus
spinicollis, ausgezeichnete neue Art aus Spanien.
Von Friwaldszky (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins in
Wien VII. p. 44): Anophthalmus Redtenbacheri n. A. aus der Igritzer
Grotte in Ungarn.
Von Levrat (Annales d.l. soc. Linneenne de Lyon IV. p. 417):
Argutor siculus n. A. aus Sicilien.
Von:Peyron (Annales d. l. soc. entomol. p. 715): Bembidium
(Tachys) metallicum n. A. von Cairo.
Von Reiche (Bullet. d. l. soc. entomol. p. VIII): Patrobus
Napoleonis von der Insel Feroe, Platysma arctica aus Island und
Lappland.
Von Delarouze&e (ebenda p. XCIV): Anophthalmus gallicus
und Pterostichus microphthalmus aus einer Grotte bei Betharram in
den Basses-Pyrentes.
Archiv f Naturgesch. XXIV. Jahrg. 2. Bd. Ss
274 Gerstaecker:Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Von Gautier des Gottes (ebenda p. OXXXV):' Anchomenus
ruficollis n. A. von Beziers.
Eine Notiz über.’ das bisher unbekannte Weibchen: von Carabus
(Macrothorax) 'Aumontii, von. Tanger. in, Nord-Afrika gab Luicas im
Bullet. d. 1. soc, entomol. p. CLVI.
Seriba (Entomol. Zeitung p. 578 ff.) sieht Carabus an lass
und purpurascens als zwei eigene Arten an, die durch äussere Merk-
male und Lebensweise sicher unterschieden seien.
Nach Jacquelin du Val (Annales d. l. soc. entomol. p,96)
ist Harpalus erassiusculus Fairm. Laboulb. auf ein abnormes Exemplar
des Harp. cribicollis Dej. gegründet. 2
Nach Schaum’s Meinung, (Bullet. .d-l: soc.; entomol, p.LXX&)
wäre Brachinus hebraicus Reiche = Br. caspicus ‘Dej.,. was ‚von
Reiche ebenda p.) CLXII ‚nach. Vergleich beider Arten. widerlegt
wird, und Cymindis., Osiridis Peyron = C..tessellata 'Dej.,, wası von
Peyron ebenda p. CX. ebenfalls. zurückgewiesen, wird.. — Dagegen
ist nach Reiche (ebenda p.XCV). der von ihm. beschriebene‘ Oli-
sthopus. orientalis =,0; Graeens. Brull& und: derselbe; Verf. bestätigt
(ebenda p- CLXII) ‚die Vermuthung Schaum’s, dass,Nomius grae-
eus Lap. kein Europäisches Insekt, sondern mit. der Nord - Amerika-
nischen Haplodrile (Morio) pygmaea, Dej. identisch sei.
Dawson „Notes on British. Geodephaga with descriptions, of
four new species“ (Entomologist’s Annual 1857. p-,69—84) besprach
und beschrieb einige für England neue Carabicinen.
v. Motschulsky (Etudes entomol.,VI.‚p.73) auchle auf dir
gelben Flecke; am Hinterleibe von Scarites laevigatus;,/arenarius und
terricola aufmerksam ‚und warf, die ‚Frage auf; ob dieselben, nicht
Leuchtorgane seien. N
Overdijk. machte briefliche Mittheilungen über die en:
weise der Mormolyce phyllodes, welche in ‚den M&moires d’entomol.
publ. p. l. soc. entomol. des Pays-Bas I. p. 41 ff. abgedruckt sind.
Das Thier hält sich in Java ausschliesslich in bergigen Gegenden
von 2000—4000° Höhe auf; es wurde im Fluge beobachtet und "wie
es sich auf einen Schwamm, der häufig auf verschiedenen Bäumen
vorkommt und von den Eingebornen „Grammoer“ genannt wird, nie- #
derliess.. In diesem Schwamm lebt die Larve und Puppe, erstere
offenbar anderen darin befindlichen Insekten-Larven nachstellend: die
Larve lebt 8—0 Monate, der Puppenzustand‘ dauert‘& bis 10 Wochen.
Die Imago erscheint meist vom August bis November 'undvheisst bei
den Jayanesen „Bibiolah'an.“
VonFr. Loew (Sitzungsberichte der mathem.-naturwissi"Classe
der Akad. d. Wissensch. zu Wien XXI. p. 298 —305) wurde eine
Charakteristik der vom ihm’ entdeckten‘ Larve der Nebria »pieicornis
geliefert und dieser zugleich eine vergleichende Schilderung‘ der be=-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 275
reits bekannten Larven dieser Gattung angeschlossen. : Die Larve der
N. pieicornis wurden anfangs April am Ufer der Donan mit grosser
Schnelligkeit im Wellsande zwischen Steinen umherlaufend, ein
Exemplar auch unter Steinen im Wasser gefunden; am Leben erhalten
grub sich eine Larve Mitte Aprils einen Gang in den Sand hinein
und entwickelte sich am 20. Mai zum Käfer. Abbildungen der Larve
und ihrer einzelnen Theile aufbeifolgender Tafel, nach Zeichnungen
von F. Brauer: |
"Amphizoidae. Le Conte (Entomological Report p. 32 ff.)
gab eine verbesserte Charakteristik der von ihm aufgestellten, ab-
normen Californischen Gattung Amphizoa (vergl, Jahresbericht 1859.
p-18) und bildete die Art A. insolens auf Taf. I. Fig. 11 ab. Seine
frühere Ansicht, dass Ampbizoa eine eigene Gruppe unter den Dylis-
eiden zu bilden habe, ‚hat der Verf. jetzt dahin geändert, dass die
Gattung einerseits wegen ihrer Abweichungen von dieser, Familie
und andererseits wegen ihrer Analogieen mit den Carabieinen zwi-
schen beiden als eigene Familie einzuschalten sei. Die Charaktere
derselben stellt er folgendermassen fest: „Coleoptera pentamera, pe-
dibus ambulatoriis, antennis filiformibus; prothoracis episternis a noto
sutura divisis, ‚acetabulis! antieis poslice hientibus; coxis antieis et
mediis globosis, postieis transversis ad 'marginem corporis extensis,
contiguis, antice truncatis, postice ad insertionem pedum elevatis;
mento magno, emarginato, cum gula omnino connato (sutura, nulla);
- maxillis lobo interno curvato, acuto, intus parce spinoso, galea elon-
gata, palpiformi , exarticulata; abdomine sex-articulato, articulis an-
terioribus tribus connatis.“ Reelle Verwandtschalten der Gattung mit
den Tenebrioniten, welche von anıerer Seite her geltend gemacht
worden sind, bat der Verf, nicht auffinden können, vielmehr reduci-
ren sich dieselben nach ihm auf oberllächliche Aehnlichkeiten in der
Bildung einzelner Theile. Die fünf dem Verf. vorliegenden Exem-
plare der Gattung zeigten keine äusseren sexuellen Unterschiede.
Dytiscidae. Neue Arten dieser Familie sind: Colymbetes
frivitiatus und hamatus Montrouzier (Annales d. science. phys. de la
soc. d’agrieulture de Lyon VII. 1. p- Sf.) von Woodlark, Agabus
brevicallis, Acilius latiusceulus und Dytiseus sublimbatus Le Conte
(Entomol. Report p. 34) aus dem. Oregon-Gebiete und Californien,
Hydroporus Lyellii Wollaston (Catal. of Coleopt. Ins. of Madeira
p-. 26) von Madeira, Haliplus rubidus Perris (Annales soc. Linndenne
de Lyon IV. p. 117) aus den Grandes- Landes, Agabus serualis Reiche
(Bullet. soc. entomol. p. IX) aus Island und ‚Schottland , Haliplus py-
renaeus Delarouzee (ebenda p. XCIV) aus Südfrankreich, Hydroporus
lernaeus und saginatus Schaum. (Berl. Entomol, Zeitschr. 1. p. 158)
aus Griechenland. — Nach letzterem (Bullet. ‚soe. entom. p.LXXX)
ist Hydrocanthus diophthalmus. Reiche identisch mit H. notula Er.
276 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Gyrinites. Ueber die Larven von Gyrinus natator und ihre
Lebensweise machte Mulder (Memoires d’entomol., publ. p. 1. soc.
entom. des Pays-Bas I. p. 35 f.) einige Mittheilungen: Die Begattung.
der Käfer findet in der ersten Hälfte des April, auch etwas später
statt, die Eier werden vom Weibchen in Reihen dicht an einander
gelegt, die Larven sind in der Jugend beinahe farblos, später auf
dem Rücken gefleckt; sie frassen Würmer, auch in das Wasser ge-
worfene Tortrix-Raupen; ifre Schwimmbewegung ist sehr schnell.
Palpicornia. Als neue Arten wurden aufgestellt: Hydro-
philus intermedius, violaceo-nitens und Hydrous tenebrioides Jacquelin
du Val (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 22 ff.) von Cuba,
Ochthebius rugulosus, subpictus und Hydrobius Marchantiae Wollaston
(Catal. of Coleopt. Ins. of Madeira p. 28 ff.) von Madeira, Sphaeridium
melanopterum Montrouzier (Annales d. 1. soc. d’agriculture de Lyon
VII. 1. p.19) von Woodlark.
Jacquelin du Val (Annales soc. entom. de France p.88$f.)
setzte noch einmal die differentiellen Merkmale von Hydrophilus pi-
ceus und pistaceus Cast. (inermis Luc.) auseinander und führte gegen
Reiche im Bullet. d. l. soc. entom. p. LIV ‚Gründe für die Verei-
nigung der Gattungen Helochares und Philhydrus an; Reiche er-
widerte darauf ebenda p. LXXVII.
Silphales. Lespes, Note sur quelques insectes des grottes
de l’Ariege (Annales des sciene. natur. 4. ser. VII. p. 278—284. p1.17)
entwarf eine Schilderung der unterirdischen Höhlen in der Umgegend
von Tarascon und beschrieb zwei in denselben aufgefundene augen-
lose Käfer, Adelops pyrenaeus, eine auffallend grosse Art von 3%, —4
mill. Länge, welche sich am Boden unter den weggeworfenen Ueber-
bleibseln von Strohfackeln fand und Leptoderus Querilhaci, 3% mill.
lang, an den Stalaktiten heraufkriechend gefunden. Dass letztere Art
nicht der Gattung Leptoderus angehört, sondera zu Pholeuon Hampe,
zu bringen sei, liess sich schon aus der von Lespes gegebenen
Beschreibung und Abbildung ersehen; gegenwärtig findet Ref. dies
durch ein der hiesigen Königl. Sammlung zugekommenes Exemplar
bestätigt.
Friwaldszky (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins in Wien
VII. p. 44 ff.) beschrieb Pholeuon leptodirum und Drimeotus Kraatzii
als neue Arten aus den unterirdischen Grotten [im Biharer Comitate
Ungarn’s.
Fairmaire (Annales d. 1. soc. entomol. V. p. 729 f.): Cato-
psimorphus Marquetü, Colon confusus und Adelops asperulus aus
Frankreich.
Peyron (ebenda p. 717): Choleva formicetorum von Marseille,
mit Ch. alpina Gyll. verwandt.
Delarouze&e (Bullet. d. 1. soc. entomol. p. CXIV): Adelops
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 277
speluncarum n. A. aan einer Grotte bei Betharram in den Basses-
Pyrenees.
Janson (Entomologist's Annual, 1857. p. 70): Adelops Wol-
lastonii n. A. aus England, auf der beifolgenden Tafel Fig. 8 ab-
gebildet.
Waga (Bullet. d. l. soc. entomol. p. CXXV) fing eine lebende
Spitzmaus (Sorex tetragonurus) und fand, als er sie in ein Glas ein-
gesperrt hatte, zugleich einen Leptinus testaceus in demselben vor;
derselbe verbarg sich tief zwischen den Haaren des Felles der Spitz-
maus in der Nähe des Afters und lief, da er von dort aufgestört
wurde, mit grosser Schnelligkeit auf dem Thiere herum.
Rouget „Note sur l’habitat et les differences sexuelles du
Catopsimorphus arenarius Hampe“ (Annales de la soc. entomol.
p-756 if.) machte Mittheilungen über das Vorkommen dieser Art in
der Umgegend von Dijon. Das erste Exemplar wurde im Juli des
Abends im Fluge gefangen, eine grosse Anzahl im Frühjahre unter
Steinen in Gesellschaft der Atta structor; im Herbste findet sich der
Käfer ebenfalls auf diese Art, obwohl in geringerer Menge. Das
Männchen ist viel seltener als das Weibchen und unterscheidet sich
. ausser der Erweiterung der Vordertarsen und der Krümmung der Mit-
telschienen durch einen scharfen Dorn an den Mitteltrochanteren und
einen kleinen Zahn in der Mitte des Hinterrandes des dritten Abdo-
minalsegmentes. — Nach den vom Verf. angestellten Beobachtungen
lebt der Catopsimorphus durchaus im Frieden mit den Ameisen und
Stückchen Fleisch, die in den Bau gelegt wurden , verzehrten beide
unbekümmert um- und miteinander.
Sceriba (Entomol. Zeitung p. 377) charakterisirte Colon latus
im männlichen Geschlechte.
Die Gruppe der Anisotomiden bereicherte Wollaston (Catal.
of Coleopt. Insects of Madeira p. 148) mit einer neuen Gattung Ste-
reus, die mit Triarthron in der dreigliedrigen Fühlerkeule , dem un-
gekielten Mesosternunı und den fünfgliedrigen Tarsen in beiden Ge-
schlechtern übereinstimmt, sonst aber in mehrfacher Beziehung davon
abweicht. Der Körper ist fast kuglig wie bei Cercyon, die Beine
sehr kurz und kräftig, die Schienen erweitert, stachlig,, die Mandi-
beln sehr stark entwickelt, frei hervortretend, die rechte an der In-
nenseite mit zwei, die linke mit einem Zahne bewaffnet. Art: Ster.
cercyonoides (Taf. I. Fig 1 abgebildet) %—1 lin. aus Madeira.
Pselaphidae. Fairmaire (Aunales d. l. soc. entomol.V.
p- 7351.) beschrieb Bryazis nigropygialis, Bythinus laevicollis und
Euplectus nitidus als neue Arten aus‘ Frankreich.
Wollaston (Catal. of Coleopt. Insects of Madeira p. 168):
Euplectus intermedius n. A. von Madeira.
Rouget (Annales d. ]. soc. entomol. p. 757) fand Centrotoma
278 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
lucifuga Heyden und Chennium bitubereulatum Latr. unter Steinen. in
Gesellschaft der Myrmica caespitum bei Dijon.
Paussidae. Westwood (Journal of proceed. of the Lin-
nean soc., Zoology I: p. 74 ff.) beschrieb Paussus Murrayi als neue
Art von Old-Calabar, zur Abtheilung mit getheiltem Thorax und aus-
gehöhlter Fühlerkeule gehörend.
Thomson (Archives entomol. I. p.403. pl. 21) machte Paus-
sus Aristotelii (sie!) und Plinii als neue Arten vonPort Natal durch
Abbildungen bekannt.
Staphylini. Jacquelin du Val (Genera des Coleopt. 11.
p- 25.) errichtete eine neue Gattung Ciles auf den Tachyporus sil-
phoides auct., eine fernere Atrecus auf Othius pilicornis Er., zweigte
von Leptacinus vorläufig als Untergattungen den Lept. brevicornis Er.
unter dem Namen Zeleotomus und den Lept. nothus Er. unter dem
Namen Stenistoderus ab, vereinigte dagegen die Gattung Ocypus als
unhaltbar mit Staphylinus Er. — Für Acrognathus palpalis Er. wird
die Gattung Planeustomus errichtet, deren Hauptcharakter in’ den: drei-
gliedrigen Tarsen besteht, die Gattung Micropeplus mit zwei neuen
Arten: Microp. Margaritae aus Frankreich ‚und Marietti aus‘ Italien
bereichert.
Derselbe (Historia fisica de la isla de Cuba p. 15f.) be-
‚schrieb Tachinus infimus, NXantholinus puncticeps ,„ Ocypus Cubae,
Lathrobium margipallens (!), Platystethus exiguus, Trogophloeus ari-
dus und aequalis’ als neue Arten aus Cuba.
v. Motschulsky setzte seine im Jahre 1851 begonnene „Enu-
meration des nouvelles especes de Col&opteres rapportes de ses voyages“
im Bulletin de la soc. imp. des natur. de Moscou 1857, IV, pag. 490 —
517 mit einem zweiten Theil fort, welcher die Beschreibung einer
beträchtlichen Anzahl neuer, oder wenigstens vom Verf. für neu ge-
haltener Staphylinen enthält. Aus der Gruppe der Omalini: Anthobium
alpestre aus den Krainer Alpen, Rhododendri ebendaher, Omalium
cortieinum aus Tyrol, Phloeonomus praeustus aus Columbien, flavescens
vom Cap, wlmi aus Fontainebleau, Acidota pulchra aus Steyermark,
Arpedium? pallens von Bombay, Lesteva oblonga aus Bayern und An-
thophagus Iransversus von den Krainer Alpen. — Aus der Gruppe der
Proteinini: Glyptoma cicatrieosa aus Columbien, zweimal so gross
als Gl. corticinum. — Aus der Gruppe der Piestini: Lispinus fulvus
und impressicollis, Holotrochus? fossulatus und foveolatus, sämmtlich
aus Ostindien,, Holosus n. g., mit den beiden vorigen Gattungen veı-
wandt, aber von der hinten verschmälerten Form der Tachpyorinen;
Maxillartaster wie bei Holotrochus, aber ihr. letztes Glied Jänger und
konischer ; Fühler von Kopf- und Thoraxlänge zusammen; die fünf
Endglieder eine Art Keule bildend, das ‚erste Glied gross, ‚fast so, breit
wie lang, das zweite klein, gerundet, das ‚dritte breiter und zweimal
osann im! Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 279
länger, das vierte bis sechste fast kuglig; Halsschild mit hervorsprin-
genden Hinterecken, Flügeldecken fast gerade ahgestutzt, mit einge-
drückter Linie zu jeder Seite der Naht, Hinterleib ungerandet, hinten
zugespilzt. Von den 5 neuen Arten der Gattung, sämmtlich aus Ost-
indien stammend, haben zwei: Holvsus tachyporiformis und tachini-
formis die Vorderhüften wenig hervortretend, zwei: H. conuriformis
und myceloporiformis dieselben quer oval, die fünfte: H. olisthaeri-
formis dieselben kuglig und deutlich hervortretend. — Leptochirus
quadridens, sanguinosus, Iridens, excavatus aus Ostindien. — Die Gat-
tung, Zonoptilus,Motsch. wird in ihren Unterschieden von Coprophilus
auseinandergesetzt-— Aus der Gruppe der Oxytelini: Ozytelus lividus,
ineisus und thoracicus aus Oslindien, ezcavatus aus Algier, Trogo-
phloeus lunatus, pallipes und simplex aus Ostindien, fossulatus von Paris,
Platystethus erassicornis und testaceus aus Ostindien, aegyptiacus aus
Egypien. Bledius Dama aus Algier, grandicollis aus Steyermark, diluti-
pennis aus Ostindien. — Aus der Gruppe der Osoriides: Osorius ru-
fipes, punctulatus und rufipennis aus Ostindien, Megalops robustus aus
Columbien. — Aus der Gruppe der Stenini: Stenus lateralis aus Co-
lumbien, flavitarsis aus Egypten, elevatus von Paris, bituberculatus
von Marseille, gilvipes von Laybach und aus der Schweiz, carinifrons
bei Paris, picipes aus der Schweiz und Krain, cariniger, bivulneralus,
piliferus, bispinus, cribellatus, fulvescens und ‚pictus aus Ostindien. —
Aus der Gruppe der Pinophiliden: Pinophilus pilicollis, melanocephalus
und morio aus Östindien. — Die Beschreibungen des Verf. sind hier
zuuı Teil eingehender und ausführlicher abgefasst, als dies gewöhn-
lich bei ihm der Fall ist, zum Theil jedoch auch sehr aphoristisch
und es werden mindestens die einheimischen Arten noch einer genauen
Critik zu unterwerfen sein.
Derselbe (Etudes entomol. VI, p. 59 11.) veröffentlichte die im
Nachlasse Mannerheim’s. befindlichen ‚Bestimmungen und Notizen
Erichson’s zu den von: Mannerheim in seinem „Preeis d'un
nouyel arrangement des Brachelytres“ beschriebenen Staphylinen, welche
erst nach der Herausgabe der Erichson’schen Genera et Species
Staphylinorum gemacht und nur theilweise veröffentlicht worden sind.
Nach ‚den gegebenen Bestimmungen sind die von Mannerheim be-
schriebenen Arten zum‘ grossen Theil von Erichson unter anderen
Namen aufgeführt worden.
eo Wollaston (Catal.'of Coleopt. Insects of Madeira p. 172 11.)
machte eine Reihe neuer Arten von Madeira bekannt: Homalota frun-
eorum. haliyena , montiragans, alutaria, Oxrypoda, turida, rugifrons
(itigiosa Woll, antea), Othius vestitus. brericornis, Philonthus prowi-
mus, simulans, punctipennis, Lithocharis indigena, debilicornis, Stenus
hydropathieus ; fulveseens (Heerii var. . Woll. antea), Trogophloeus
Wansversalis, nigrita, simplieicollis und Omalium clavivorne.
280 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Coleoptera quaedam e Staphylinorum familia nova vel minus
cognita cum obseryationibus, auct. Flam. Baudi. (Berl. Entomol.
Zeitschr. I. p.97 ff.) Als neue Arten werden darin beschrieben: Fa-
lagria elegans von Cypern, Ocalea picipennis, Aleochara maculipennis,
Ocypus olympicus und Lathrobium apicale ebendaher, Scopaeus scitu-
lus aus Piemont, Sunius thoracicus und biguttatus ‚von Cypeın, Pae-
derus lusitanicus (Aube ?),-Stenus viridans aus Piemont, Bledius haedus
von Cypern, Platystethus brevipennis aus Sardinien, Anthobium procerum
und nitidicolle aus Piemont. Ausserdem mehrfache Bemerkungen über
schon beschriebene Arten.
C. G. Thomson, „Ofversigt af de arter inom Insektengruppen
Stenini, som blifvit funna i Sverige“ (Öfversigt af Kongl. Vetensk.
Akad. Förhandl. XIV.p.219—235) gab eine Uebersicht der in Schwe-
den einheimischen Arten der Gruppe Stenini. Alle Arten sind mit
Diagnosen und Bemerkungen über Vorkommen und Fundorten, einige
mit kritischen Anmerkungen und berichtigenden Zusätzen versehen,
die neuen beschrieben. Als Schwedische Arten sind 1 Dianous, 53
Stenus und 2 Euaestethus aufgezählt, davon Stenus bipustulatus, lon-
gitarsis, grandiceps, argentellus (buphthalmus Gyll., carbonarius Er.)
nigripalpis, erassiventris (nigritulus Er.), littoralis (nigritulus var. Er.),
“ brevicollis (bifoveolatus Er. nec Gyll.) und Euaestethus pullus als neue
Arten beschrieben. Von Erichson’schen Benennungen hat der Verf.
einige ändern müssen, da die darunter beschriebenen Arten von den
Gyllenhal’schen gleichen Namens verschieden waren.
Einzeln beschriebene neue Arten sind ausserdem folgende:
Lithocharis brevicornis Allard (Annales d.1, soc. entomol. p. 747)
aus Frankreich, in Schaafställen aufgefunden, pl. 14 abgebildet, Li-
thocharis pocofera Peyron (ebenda p. 718) aus Marseille, Aleochara
major, Myrmedonia Erichsonis und Quedius Monspeliensis Fairmaire
(ebenda p. 737 und 635 If.) aus Frankreich. — Der Verf. beschreibt
zugleich das bisher unbekannte- Männchen von Omalium atrum Heer
auf p. 737. — Ocypus Sauleyi Reiche (Bullet. d. ]. soc. entomol. V.
p-. VII) aus dem Norden ‘Schottlands, Stenus testaceicornis Perris
(Annales d. I. soc. Linneenne de Lyon IV. p. 121) aus den Grandes-
Landes, Staphylinus pygmaeus-und Stenus roscidus Snellen van Vol-
lenhoven (Bouwstoffen voor eene Fauna van Nederland II. p. 70)
aus den Niederlanden , Anthobium signatum Märkel (Allgem. Natur-
hist. Deutsche Zeitung 1857. p. 172) aus der Sächsischen Schweiz,
Homalota und Ozypoda islandica, Omalium fucicola Kraatz (Entomol.
Zeitung p. 284 ff.) aus Island, Oligota abdominalis Seriba (ebenda
p: 378) aus Hessen , Isomalus Hesperidum Wollaston (Annals of na-
tur. history XX. p. 504) von den Cap Verdischen Inseln,
Eine erneute Charakteristik der Gatlung Boreaphilus Sahlb.,
mit welcher Chevrieria Heer vereinigt wird, hat Kraatz (Berl. En-
tomol. Zeitschr. I. p. 35.) geliefert und auch die beiden Arten B.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 281
Henningianus und velox nochmals beschrieben. Die Gattung Cory-
phium Steph., womit Macropalpus Cuss. identisch ist, wird von Bore-
aphilus als generisch verschieden betrachtet. Die beifolgende Tafel
bringt Abbildungen des Coryphium, des Boreaphilus und des Eudectus
Giraudi Redt.
Derselbe erging sich (ehenda p. 45) in Betrachtungen über
den Umfang der Gruppe Proteinini Er., welche er nur auf Proteinus,
Megarthrus, Phloeobium und Metopsia Woll. auszudehnen gedenkt,
dagegen Glyptoma zu den Piestini, Pseudopsis zu den Phloeocharini,
Euphanias zu den Oxytelini und Micropeplus zu einer besonderen
Gruppe Micropeplini bringen will. i
„Zur Terminologie der Paraglossen“ (d.h. nur der Paraglossen
der Staphylinen) machte derselbe ebenda p.54 Bemerkungen, be-
sonders’ um nachzuweisen, dass Erichson sowohl bei den verschie-
denen Gattungen der Staphylinen als auch bei dieser Familie und
den Carabicinen ganz verschiedene Theile als Paraglossen angespro-
chen habe und sich daher über das Wesen derselben nicht klar geworden
sei. Es ist darüber zunächst zu bemerken, dass wenn Erichson auch
vielleicht bei den Staphylinen nicht durchweg mit der Deutung der Pa-
raglossen consequent verfahren ist, er doch wenigstens, wie es sich
bei einem so gründlichen und wissenschaftlichen Kenner aller Insek-
ten-Ordnungen von selbst versteht, und wie es auch sowohl aus sei
ner Beschreibung des Organs, welches er (Gen. et Spec. Staphyl.
p- 10) als Seitentheile des vordersten Segments der Unterlippe an-
giebt, als auch aus seinen Figuren (z. B. Taf. III. Fig. 1--4) hervor-
geht, sehr wohl wusste, was Paraglossen überhaupt bei den Insekten
sind: dass dagegen der Verf. der vorliegenden Abhandlung, wenn er
als Paraglossen „zwei schmale von der Basis des Zungenkörpers aus-
gehende Leisten“ ansieht, über den Begriff dieser Organe sehr falsch
unterrichtet ist. Es ist dies in sofern auch nicht zu verwundern, als
man aus den Staphylinen allein das Wesen der Paraglossen nicht
wohl erkennen kann, sondern sich hierzu eine genaue Kenntniss der
Mundtheile der übrigen Gliederthiere verschaffen muss. Da die Un-
terlippe, wie man aus den Crustaceen, aus der Entwickelung der In-
sektenlarve im Ei und aus den Orthopteren deutlich sieht, ein in der
Mittellinie verwachsenes zweites Unterkieferpaar ist, so ist das Kinn
(Mentum) das Analogon des Cardo, das Fulerum (mit den Lippenta-
stern) das Analogon des Stipes und der Squama und die Ligula (mit
den Paraglossen, wo sie vorhanden sind) das Analogon der beiden
Laden der Maxillen. Bei den Orthopteren lässt die vierlappige
Ligula die Laden der beiden ursprünglichen Maxillen noch ganz deut-
lich erkennen, bei den Hymenopteren und Coleopteren sind die bei-
den inneren Laden zur Ligula verwachsen, während die beiden äus-
seren als Paraglossen frei bleiben (oder ebenfalls m it. zur Ligula ge-
282 Gerstaecker: Bericht über (die wissenschaftliehen Leistungen
zogen werden, wenn‘Paraglossen fehlen). Hieraus, nämlich (dass
Paraglessen nur Theile der eigentlichen, Ligula, d.’ h. 'modificirte
äussere Laden der ursprünglichen Maxillen sind, geht deutlich hervor,
dass Jemand, der Seitentheile des tastertragenden Abschnittes der Un-
terlippe (Fulerum Kirby, Analogon des Stipes und der'Squama ‘der
Maxillen) für Paraglossen ansieht, keine Idee von der Bedeutung der
einzelnen Theile der Unterlippe der Insekten hat und sich daher mit
Abhandlungen, wie es die vorliegende gegen Erichson gerichtete
ist, ‚lieber nicht ‚befassen sollte. Wenn der Verf. ‚des vorliegenden
Anfsatzes behauptet, dass das, was. er selbst bei den Staphylinen la-
raglossen nennt, nicht analog mit den Paraglossen der Carabieinen
ist, so hat er darin vollkommen Recht, weil seine Staphylinen-Para-
glossen eben keine sind; was dagegen Erichson Paraglossen, nennt,
(Gen. et Spee. Staphyl. p. 10. Taf, Il. Fig. 1—4) ist vollständig üher-
einstimmend z. B. mit den, Paraglossen, von, Carabus und ganz) beson-
ders auch mit den Paraglossen der Bienen, bei denen dies Organ, von,
Kirby und Illiger zuerst so benannt worden ist. — Wir ‚könnten
hiernach füglich die ebenfalls auf Unkenntniss beruhende Terminolo-
gie des Verf. für die einzelnen Theile, der Unterlippe übergehen, -in
der z. B. „die Zungensubstanz“ (? unverständlich) mit der Form des
Brustkastens (!) verglichen wird, wenn wir nicht bemerken müssten,
dass die „sehr bezeichnende“ Benennung Fulerum nicht für die hor-
nige Ligula der Carabicinen angewandt werden kann, da dieser Ter-
minus schon vor mehr als fünfzig Jahren von Kirby für den taster-
tragenden Basaltheil der Zunge eingeführt worden ist. Schliesslich
diene dem Verf. zur Notiz, dass er nicht von Paraglossen „der übri-
gen Insektenordnungen“ _ reden kann, da ‚diese Organe bisher nur
noch bei einer Insektenordnung, den Hymenopteren, aufgefunden und
also benannt worden sind.
Eine nochmalige Diagnose und eine Abbildung des schönen
Tinopinus pietus Le ©... (= Trichocanthus variegatus Motsch.) ;gah
Le Conte im Entomological Report p. 35. tab. I. fig. 12.
Dietrich ‚(Entomol. Zeitung p. 136) sieht jetzt den von ihm
aufgestellten Paederus genieulatus als identisch mit P. brevipennis Er!
und Paed. palustris Dietr. als mit P. caligatus Er., übereinstimmend an.
— Nach Jacquelin du‘ Val (Bullet. d. 1.'soc. entomol. p. LI)
ist Stenus carinifrons Fairm. Laboulb. identisch‘ mit St. impressipennis
Jaeq. d. Val.
Die ersten Stände und deren Entwickelungsgeschichte von Fa-
lagria suleatula Payk. beschrieb Heeger (Sitzungsberichte der ma-
them. -naturwiss. Classe der Akad. d. Wissensch. "zu Wien NXIV.
p- 315 1.) 5; die Larve macht binnen acht bis zehn Tagen ihre drei
Häutungen ‘durch ‚ nährt‘ sich von todten oder kranken Lärven ande-
rer Insekten "und verpuppt ‘sich acht Tage nach "der’ dritten Häutung
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 283
ohne Umhüllung. Es finden zwei Generationen statt. (Abbildungen
auf Taf. 1.)
Trichopterygii. Neue Arten dieser Familie sind: Ptilium
dentieolle und angulicolle Fairmaire (Annales d. 1. soc. entomol. V.
p- 732 f.) aus Frankreich und Acratrichis obscoena Wollaston (Catal.
of Cöleopt. Insects of Madeira p.35) von Madeira.
Hoffmann (Entomol. Zeitung p. 409) machte abermals‘ Be-
merkungen über die Mundwerkzeuge des Sphaerius acaroides und gab
eine Abbildung derselben bei 400facher Vergrösserung.
Phalacrides. Heeger (Sitzungsberichte der mathem.-na-
turw. Classe der Akad. d. Wissensch. zu Wien XXIV. p. 330 ff.) machte
die Naturgeschichte der ersten Stände von Olibrus tricolor Fab. be-
kannt. Die Eier werden vom Weibchen im ersten Frühjahre einzeln
oder zu zweien in die jungen Blüthenknospen von Leontodon Taraxa-
cum, Tussilago und anderen Syngenesisten gelegt und die nach acht bis
vierzehn Tagen auskriechenden Larven nähren sich anfangs von den
unteren Theilen der Blüthenblätter , später von den mittlerweile ent-
standenen unreifen Samen. Die Larven häuten sich dreimal nach je
sechs bis acht Tagen, gehen durch den Fruchtboden in den hohlen
Stengel, beissen sich von hier durch in die Erde und verpuppen
sich daselbst in einem tonnenartigen Erdgespinnst. (Abbildung auf
Taf. 6.)
Histerini. de Marseu] hat in den Annales de la soc. ento-
mol. V. p. 109--167 und 397—516 seine monographische Bearbeitung
dieser Familie durch Hinzufügung eines allgemeinen Theiles so wie
durch die nachträgliche Beschreibung einer Anzahl neuer Arten ver-
vollständigt und hiermit abgeschlossen. Nach einer Zusammenstellung
der Familien- Charaktere werden die Verwandtschaften der Histeren
mit den Staphylinen, Pselaphiden , Nitidularien u. a. erörtert und so-
dann die Modifikationen, welchen sämmtliche Theile des Körpers je
nach den Gattungen unterworfen sind, aufgezählt. Die Charaktere
der ersten Stände , bisher nur von fünf Arten bekannt, werden nach
Perris angegeben. Eine Notiz über die geographische Verbreitung
der Familie ergiebt im Ganzen 746 Arten (620 vom Verf. beschrie-
ben, 120 ihm unbekannt); ‘von diesen kommen 92 auf Europa, 107-
auf Afrika, 64 auf Asien, 294 auf Amerika und nur 16 auf Austra-
lien. Europa und Afrika haben 13, Europa und Asien 10, Afrika
und Asien 4 Arten gemein; 12 Arten sind über den ganzen alten
Continent verbreitet und 8 finden sich zugleich in der ‘alten und
neuen Welt. Von den 43 Gattungen der Familie sind Hololepta,
Platysoma und Saprinus in allen Welttheilen vertreten, Paromalus;,
Teretrius, Onthophilus und Abraeus über alle Theile des alten Con-
linents verbreitet; .10 Gattungen sind ausschliesslich amerikanisch,
1 (Glymma) europäisch, ‚9 afrikanisch, 3 asiatisch, 1 (Aulacosternus)
284 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Afrika und Australien gemein, 1 (Margarinotus) den beiden Küsten
des Mittelmeers eigenthümlich. — Von p. 130—147 giebt der Verf.
eine Uebersicht über die frühere Literatur und ein Verzeichniss der
von ihm benutzten Autoren, wobei jedoch noch die eine oder andere
Lücke auszufüllen wäre; z. B. ist der Conspectus Insect. Coleopt.
Peruan. von Erichson, in welchem 1 Omalodes, 2 Hister, 1 Sa-
prinus und 1 Teretrius diagnostieirt sind, unberücksichtigt geblieben
und die bezeichneten Arten daher auch von Marseul übergangen
worden: der von ihm beschriebene Saprinus lepidus wird daher auch
seinen Namen wegen der so benannten Erichson’schen Art ändern
müssen. — Es folgt nun eine synoptische Tabelle der Tribus und
Gattungen und eine Aufnahme mehrerer Arten nach den Beschreibun-
gen anderer Autoren, welche in der Monographie ausgelassen und
dem Verf. selbst unbekannt geblieben sind. Diesen schliesst sich ein
Supplement zu dem speziellen Theile der Arbeit an, welches die Be-
schreibung einer neuen Gattung und einer Anzahl neuer Arten
(p: 397 ff.) enthält, welche, wie früher, auf pl.10 und 11 sämmtlich
abgebildet sind. Es sind folgende: Hololepta Perraudieri von Tene-
rilfa und Baulnyi aus Ostindien, Trypaneus breviculus und Carthage-
nus aus Columbien, Platysoma Murrayi von Old-Calabar, Confucii
aus China, Hister Assamensis, lamaecola und Thibetanus aus Ostin-
dien, montanus aus Abyssinien, Calabaricus von Old-Calabar, 'coele-
stis aus China, Jekelii von Shangai, Kurdistanus aus Kurdistan, Pey-
ronii aus Syrien, Sennevillei aus Californien. Coeloeraera n. g. eine
kurz eiförmige, gewölbte Form von nicht besonders auffallendem Ha-
bitus, die an einer tiefen Grube des Scheitels und stark gerieften
Flügeldecken nach Art der Onthophilus-Arten kenntlich ist. Die Gat-
tung wird vom Verf. in die Nähe von Monoplius, Pelorus u. s. w.
gestellt; eine Art: C. costifera von Old-Calabar. — Hetaerius brun-
nipennis von Nord-Amerika, Tribalus miztus vom Cap, Saprinus Tur-
cicus aus der Türkey, Tyrius und Mersinae aus Syrien, desertorum
aus Nord -Amerika, fugaz und Boudista aus Ostindien, barbipes aus
Californien und Plegaderus Barani von Toulon. — Ein. alphabeti-
sches Verzeichniss der Arten so wie eine systematische Uebersicht
der Tribus, Genera und Species mit Angabe der Autoren und des
Vaterlands beschliesst die sehr werthvolle Arbeit.
Le Conte (Entomol. Report p.35f.) beschrieb Hister sella-
tus, Saprinus estriatus und Teretrius obliquulus als neue Arten aus
Californien und dem Oregon-Gebiet.
Jacquelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba VII.
p- 46 1f.): Epierus Antillarum, Paromalus productus, Saprinus Cava-
lieri, cubaecola und viator (de Marsceul) als n. A. aus Cuba.
Derselbe theilte eine Notiz über die Bildung der Unterlippe
bei den Histeren mit im Bullet. d. I. soc. entomol. p. LV.
im Gebiete der Entomologie wahrend des Jahres 1857. 285
Roger (Verzeichniss der Käfer Oberschlesien p.53)_ stellte
Hister silesiacus von Rauden als neue Art auf, Wollaston (Catal.
of Coleopt. Insects of Madeira p.77) Acritus homoeopathicus n. A.
von Madeira.
Nitidulariae. Eine eigenthümliche neue Gattung Calone-
erus stellte Thomson (Archives entomol. I. p. 117. pl.10. fig. 3)
auf, ohne jedoch ihre wesentlichen Merkmale näher hervorzuheben.
Die Fühler sind nach einem Exemplar des hiesigen Museums nicht
zehn-, sondern elfgliedrig, nur dass die beiden letzten Glieder zu
einem kugligen Knopfe verwachsen sind; das vorhergehende neunte
Glied ist stark in die Quere gezogen, fast dreimal so breit als das
achte. Ein sehr auffallendes Merkmal, welches der Verf. ebenfalls
übersehen hat, bieten die Flügeldecken dar, indem sie an der Spitze
nahe dem Aussenrande einen tiefen Schlitz zeigen, durch den sich
ein äusserer kleiner Lappen absondert. Die Gattung tritt durch die
sehr flachgedrückte Körperform an Lordites Er. heran, von der sie
sonst habituell sehr abweicht. Art: C. Wallacei von Borneo (im
hiesigen Museum von Java).
Neue Arten sind ausserdem: Trogosita elongatula, soror, suleifrons
und transversicollis Jacquelin du Val (Historia fisica de la isla de
Cuba VII. p.104 ff.) von Cuba, Epuraea nubila, Omosita inversa,
Meligethes rufimanus, moerens und seminulum Le Conte (Entomol.
Report p.36f.) ausCalifornien und dem Oregon-Gebiete, Ips japonica
Motschulsky (Etudes entomol. VI. p.28) aus Japan, Cercus spiraeae
Märkel (Allgem. Deutsche Naturhist. Zeitung 1857. p. 177) aus der
Sächsischen Schweiz.
Jacquwelin du Val hat die Identität seiner den Clambiden
beigezählten neuen Gattung Phantazomerus (vergl. Jahresbericht 1854.
p-89) mit Cybocephalus Er. und seiner Art Ph. aeneiceps mit Cyboc.
pulchellus Er. anerkannt. (Annales d. ]. soc. entomol. V. p. 97).
Colydii. Neue Arten sind: Tarphius formosus, sculptipennis,
ereisus und ezplicatus Wollaston (Catal. of Coleopt. Ins. of Madeira
p-44 1.) von Madeira, Eulachus costatus (Erichs. i. lit.) Thomson
(Archives entomol. I. p. 422) von Cayenne, Nematidium costipenne
Jacquelin du Val ‘(Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 103) von
Cuba und Cerylon simplex Le Conte (Entomological Report p. 39) aus
Californien.
Seriba berichtete (Entomolog. Zeitung p. 380) über das Vor-
kommen des Oxylaemus caesus Er. Er fand ihn in grosser Anzahl
in Löchern, welche er dicht an einer alten Eiche, in der Bostrichus
villosus und monographus hausten, in die Erde gegraben und mit
Moos ausgefüllt hatte. $. glaubt, dass die Larve des Oxylaemus von
den Bostrichen -Larven lebe und sich zur Verwandelung unter. die
Erde begebe. (Letzteres ist unwahrscheinlich, da sich wenigstens
286 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Oxyl. eylindricus unter ganz fest anliegender Eichenrinde findet, wo
er schon seine Verwandlung durchgemacht haben muss. Ref.).
Cuenjides. Silvanus gemellatus von Cuba wurde von Jac-
quelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 104) als
neue Art aufgestellt.
Lathridii. Wollaston (Catal. of Coleopt. Ins. of Madeira
p- 67 f.) beschrieb Monotoma spinifera und congener als n. A. von
Madeira.
Thorictidae. Die Arten der Gattung Thorictus Germ. sind
von Peyron („Note monographique sur le genre Thorictus de Ger-
mar,“ Annales d. la soc. entomol. V. p. 697—714) sorgsam untersucht
und beschrieben worden. Der Verf. liefert zuvörderst eine nochma-
lige ausführliche Charakteristik der Gattung und giebt über die Le-
bensweise der Arten, welche er selbst an mehreren hat beobachten
können, an, dass sie sich unter Steinen, am Fusse von Bäumen und
alten Mauern, meist in Gesellschaft von Tagenien , Opatrum, Rhytir-
rhinus und Acalles aufhalten. (Von Staudinger sind sie in Anda-
lusien in Gesellschaft von Ameisen unter Steinen gefunden worden.
Ref.) Die zehn dem Verf. bekannt gewordenen Arten stammen sämnt-
lich aus den Ländern des Mittelmeerbeckens, nämlich aus Süd - Eu-
ropa, Algier, Aegypten und Syrien; sie werden in einer analytischen
Tabelle auseinandergesetzt und in zwei Hauptabtheilungen gebracht,
je nachdem die Flügeldecken bei den Schultern mit einer Falte ver-
sehen sind oder dieser ermangeln ; das Vorhandensein oder der Man-
gel von Gruben auf dem Prothorax giebt ein ferneres Merkmal zur
Unterscheidung der Arten ab. Diese sind : Thorictus castaneus Germ.
aus Syrien, Nubien und Aegypten , pilosus aus Caramanien, maurita-
nicus Luc. aus Sicilien, Spanien und Algier, puneticollis Luc. aus
Algier, orientalis aus Caramanien, dimidiatus ebendaher, grandicollis
Germ. aus Algier, Sicilien, Süd-Frankreich und der Türkey, loricatus
(Dej.) = Sphaerophorus castaneus Waltl aus Spanien, laticollisMotsch.
aus der Türkey, dem Caucasus und Caramanien, gallicus aus Süd-
Frankreich.
Cryptophagides. Wollaston hat die in England einhei-
mischen Arten der Gattung Atomaria einem genauen Studium unter-
worfen und besonders auch die in’der Stephens’schen Sammlung be-
findlichen Typen zu dessen Beschreibungen mit den Arten der con-
tinentalen Autoren in Vergleich gebracht. („Revision ‘of the British
Atomariae, with observations on the genus.“ Transact. entom.soe.IV.
p. 64-82.) In Bezug auf die Gattung bemerkt 'Wollaston, dass
ihre Uebereinstimmung mit Ephistemus so gross sei; dass nur zwei
Merkmale von einiger Haltbarkeit zwischen beiden ‚aufgestellt‘ werden
könnten. Bei Atomaria findet sich ‚unmittelbar vor der Spitze der
Mandibeln ein kleiner Zahn und die Fühlerglieder sind (wenn auch
im (Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 287
nicht stets sehr 'hervortretend) abwechselnd lang und kurz; der Ha+
bitus,, ‚die kurze, kuglige Körperform‘ und die 'kürzeren'Beine von
Ephistemus seien wenig massgebend, indem einige Atomarien, z.B.
eine von Madeira stammende, die Wollaston selbst auch als Ephi-
stemus beschrieben habe , dieser Form ganz nahe träten. — Die in
England vorkommenden Arten, welche von W. aufgezählt und be-
schrieben werden, belaufen sich auf 23; es sind At. ferruginea Sahlh.
(pallida Woll.), fimetarii Hbst., linearis Steph., elongatula, Erichs.,
umbrina Gyll. (nigrirostris Steph.), nigriventris Steph, (nanaEr.), pel-
tata Kraatz, fuscipes Gyll. (carbonaria Steph.), pusilla Payk., atrica-
pilla Steph. (nigriceps Er.), Berolinensis Kraatz, fuscata Schönh.
(castanea et rufipes Steph.), gulta Steph., atra Hbst., mesomelas Hbst.
(dimidiata 'Steph.), basalis Er., munda Er., nigripennis Payk., Hislopi
nov., spec., apicalis Er., analis Er, (testacea et atra Steph.), ruficornis
Steph., versicolor Er. — In der Stephens’schen Sammlung fanden sich
öfters unter einer Benennung mehrere Arten vereinigt, so dass die
typischen Exemplare nicht herauszufinden waren; nur in einigen Fäl-
len liessen sich Erichson’sche Arten auf die früheren vonStephens
zurückführen
Derselbe (Catal. of Coleopt. Insects of Madeira p.59) be-
schrieb Paramecosoma simplex und Atomaria insecta als neue Arten
von Madeira. i
L.e Conte (Entomol. Report p.39) Atomaria laetula aus Ca-
lifornien.
. Mycetophagidae. _Litargus pilosus Wollaston (Catal. of
Coleopt. Insects of Madeira p. 71) ist eine neue Art von Madeira,
Dermestini. Peyron (Annales‘ de la soc, ‚entomol. VW.
p- 719 #.) beschrieb Attagenus‘ Redtenbacheri n. A., ‚aus „Caramanien,
zur Gruppe.des Attag. maritimus, Gene, ‚dispar Redt. und obtusus Schönh.
gehörend, für welche Arten der, Verf. die :Gattung, Telopes Redt, auf-
recht erhalten wissen will. Ausserdem, Anthrenus albidus (Dej. Cat.)
n... A, aus ‚Masseille.
Azambıre (Bullet. d. 1..soc. entomol., p, XVII) fand‘ Derme-
stes - arlige ‚Larven in. Nestern ‚geselliger, Ilymenopteren (Apiarien),
aus deren ‚einer, sich, Megatoma. undata entwickelte; leider hat der
Verf, die Charaktere dieser noch unbekannten Larve nicht angegeben.
Byrrbii. Nach Märkel (Allgem. Deutsche Naturhist. Zei-
tung 1857. p.178) sind die Byrrhus-Arten pflanzenfressende Thiere und
zwar nährt sich Byrrhus ornatus: von Moos an "feuchten Felsen; Byr-
shus ‚arietinus ‚Stell, sieht M..als ‚eine von B. ‚pillula verschiedene
Art an,
"u lbamellicornia. Description de quelques especes nouvel-
les de Col&optöres Lamellicornes par Snellen van Vollenhoven
(Memoires d'entomologie, publ. p. 1. soc. entom. des‘ Pays - Bas T,
288 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
p- 20--27. pl. II); enthält Beschreibungen und Abbildungen einiger
ausgezeichneten Arten, der Dynastiden- und Cetoniarien-Gruppe aus
dem Leydener Museum,
Dynastidae. — Oryetes cristatus und Polyphemus n. A. von
Snellen van Vollenhoven (a. a. 0. p. 21. pl. II) aus Guinea.
Trionychus castaneipennis, Pentodon contractus, Syrichthus eri-
bratus, Heteronychus paradozus und Iristis n. A. aus dem Caffern-
lande von Boheman (Insect. Caffrar. II. p. 2 f.).
Xylotrupes Mac Leayi, Scarabaeus dubius, Woodlarkianus, ex-
cavatus, triangularis, Cyclocephala bimaculata und Montargisii n. A.
von der Insel Woodlark, von Montrouzier (Annales de la soc.
d’agrieult. de Lyon V11. 1. p. 19 ff.).
Ancognatha Jamesonii und crassimanus n. A. aus Quito von
Murray (Edinburgh new philosoph. journal, new ser. V. p.230. pl. IH.
fig. 3. 4).
Cetoniariae. — Thomson (Archives entomol. I. p. 162)
eharakterisirte die Gattung Incala White, deren Unterschiede von der
Süd-Amerikanischen Gattung Inca er in den unbewaffneten Vorder-
schenkeln, der Form des Kopfschildes, welches beim Weibchen stär-
ker verlängert, bein Männchen schmaler und vorn breiter und abge-
rundet ist, und in der abweichenden Form des Prothorax findet. Eine
als neu beschriebene Art von Gabon ist, Incala Quimalanca; vielleicht
gehört 'auch Inca lineola Westw. dieser Gattung an. — Neue Arten
sind: Trichius Bowringii von Shangai (p. 118), Cotinis Amazonica und
Gymnetis Batesii (= G. schistazea Burm.) vom Amazonenstrome
(p-135), Bombodes Westwoodii (pl. 14. fig.2) aus Nord-Indien, Ma-
cronota venerea von Celebes, Euryomia (Gametis) dulcinea, lasciva
und Natalensis von Pt. Natal (p. 283 ff.) — Lomaptera Wallacei, va-
lidipes, adelpha, Arouensis und Schizorrhina Emiliae (White?) von
den Arou-Inseln, auf pl.16 abgebildet.
Snellen van Vollenhoven (Memoires d’entomologie, publ.
p- 1. soc. entom. des Pays-Bas I. p.23 f. pl. II) gab Beschreibungen
uud Abbildungen von Chalcothea affınis von Borneo, Macronota For-
steri von Üelebes, suturalis von Sumatra, lueluosa von Amboina und
aurantiaca von Sumatra, sämmtlich ausgezeichnete neue Arten.
Montrouzier (Annales de la soc. d’agriculture de Lyon VII.
1. p- 24 ff.) beschrieb Cetonia Marceani, humeralis, Kirbyi und Loma-
ptera punctata als n. A. von $.Cristoval und Woodlark, -
Boheman (Insecta Caffrariae II. p. 10 ff.) beschrieb zahl-
reiche neue Arten vom Caffernlande: Goliath albosignatus, Genyodonta
egregia, Discopeltis bellula, Trichostetha placida, Tephraea collaris,
Ozythyrea dysenterica, vitticollis, Anoplochilus ‚figuratus, Protaetia
amakosa, Pachnoda albopicta, Elaphinis latecostata, nigritula, pu-
mila, Diplognatha variegata, Macroma emarginicollis, Ptychophorus
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 289
margaritiferus, .hilaris, Hoplostomus platycephalus, Coenochilus gla-
bratus, Genuchus nigrieclavus, Scaptobius Natalensis , Trogodes rotun-
dieollis, Lissogenius luteovarius und Valgus plumatus.
Salle „Description d'une Gymnetide provenant des environs
de Santa-F& de Bogotä (Annales de la soc. entomol. V. p. 617 f.)
machte unter dem Namen Allorhina Lansbergei eine sehr ausgezeich-
nete neue Gymnetiden-Form bekannt, welche mit der Gattung Allo-
rhina in keiner näheren Beziehung steht, sondern, falls sie nicht zu
einer eigenen Gattung erhoben werden soll, eine viel grössere An-
näherung an Gymnetis darbietet. In der allgemeinen Körperform und
der Bekleidung der Oberfläche mit letzterer Gattung übereinkommend,
unterscheidet sie sich davon durch eigenthümlichen Goliathiden -
ähnlichen Kopfschmuck ; der Scheitel ist nämlich tief ausgehöhlt, die
Seiten des Kopfes zu einer hohen , scharfen, winkligen Kante erho-
ben, der Vorderrand des Thorax vorgezogen und in einen den Kopf
überragenden , hakenartigen Fortsatz endigend. Die Art (pl.13 ab-
gebildet) ist oberhalb matt lehmgelb, schwarz gesprenkelt, unten
atlasglänzend blau.
Cremastochilus angularis ist eine neue Art von Le Conte
(Entomolog. Report p. 37) aus Californien.
v. Motschulsky (Etudes entomol. VI. p. 112) bringt die frü-
her von ihm als Cremastochilus scabrosus beschriebene Art zur Gal-
tung Clinterocera; er giebt zugleich an, dass diese Art heterome-
risch sei.
Rutelidae. — Neue Arten aus dem Caffernlande von Bo -
heman (Insecta Caffrariae II. p.59 f.) sind: Popilia limbata, Ano-
mala resplendens, castanea, fusciceps , dorsata, viltipennis, Bohemani,
Adoretus punctipennis, maculatus, laticeps, testaceus, impurus, nasu-
tus, pieinus, pecticollis, nigriceps, flaveolus und fusculus.
Von Murray (Edinburgh new philosoph. journal, new. ser. V.
P-226. 1.) : Chlorota lineata, euchloroides und Leucothyreus gigas n.
A. von Quito, letztere auf pl. III. fig. 5 abgebildet.
Von v. Motschulsky (Etudes entomol. VI. p. 32): Mimela
Guschkewitschii aus Japan.
Melolonthidae. — Von Boheman (Insecta Caffrariae I.
pP. 77.) wurden folgende neue Arten und Gattungen beschrieben:
Clitopa fervida, Leontochaeta fusciventris, Onocheta Natalensis, rufi=
ventris. Haplobrachium n. g. Kopf vorn quer eingedrückt, an der
‚Spitze fast abgestützt, mit stark aufgebogenem Rande; Lippentaster
viergliedrig, das letzte Glied dicker als die beiden vorhergehenden,
ihnen zusammen fast an Länge gleich; Augen gross, rund, mit erha-
bener Linie, die von der Vorderseite bis zur Mitte geht; Fühler zehn-
gliedrig, das 4. bis 6. Glied etwas länger als die übrigen, die Keule
sehr lang, dreiblättrig. Brustbein vorn scharf gedornt; Beine lang,
Archiv f. Naturgesch. XXIV, Jahrg. 2. Bd. m
290 ;Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
alle Schienen aussen wenig erweitert, unbewehrt, Tarsen lang, kräftig
mit langgestrecktem Endgliede, Klauen an der Basis gezähnt. Schild-
chen gross, dreieckig, Flügeldecken mit fast gleichbreiten Seiten,
gewölbt, vielrielig. Zwei Arten: Haplobrachium costipenne und sulei-
penne. — Coniopholis ferruginea, decora, pilosicollis, costicollis, Hy-
popholis vittata, suleicollis, Apogonia ovala, - Ancylonycha adspersa,
Schizonycha valida , rufina, puncticollis, carbonaria, russula, neglecta,
oblonga, affinis. — Diplotropis n.g. Kopf mit zwei Stirnleisten, vorn
jäh verengt, an der Spitze tief dreieckig ausgeschnilten; Lippenta-
ster eingliediig. das 2. Glied länglich, das 3. kurz, das 4. dicker,
den beiden vorhergehenden an Länge fast gleich; Augen klein, Füh-
ler zehngliedrig, Keule länglich, siebenblättrig. Beine ziemlich lang,
zart, Schenkel mässig verdickt, Vorderschienen aussen mit zwei schar-
fen Zähnen, der an der Spitze kräftiger, Hinterschienen stachlig; Tar-
sen lang, zart, die vier ersten Glieder untereinander gleich, das
fünfte doppelt so lang; Klauen klein, stumpf- gezähnt. Gestalt fast
wie von Schizonycha, Drei Arten: Dipl. nigrina, rufina und casta-
nea, alle drei 7'%A mill. lang. — Ferner: Ablabera castanea, inno-
cua, verticalis, rufipennis, vufina, unicolor, testacea, pallidula, pilosa,
apicalis, variabilis, morio, flavipennis , pulicaria , pilosula, Camenta
rufiventris, Pleophylla maculipennis, pilosa, Trochalus picipes, fer-
rugineus. oblusus , byrrhinus, splendidulus, fulgidus, aeneus, chloris,
erassus, breviusculus , pallidipennis, Serica puberula, curtula, Trio-
donta caffra , sericans, tenella, Anisonyz pilosus, lanatus, Peritrichia
suleicollis, Eriesthis variegata, hoplioides, Goniaspidius lepidus, livi-
dipennis, Dichelus sulphureus, armipes, caffer , contractus, pruinosus,
Gymnoloma elegantula, Microplus luctuosus, pumilus.
Thomson gab (Archives entomol. I. p. 148. pl. 10. fig.4) die
Beschreibung und Abbildung einer Mexikanischen Melolonthiden-
Form, die er irriger Weise der Gattung Chrysina beizählt und Chrys.
Truquii nennt. Die Gattung, der diese Art angehört, ist neu und
wärde in die Nähe von Plectris Burm. zu stellen sein, obwohl ihre
habituelle Aehnlichkeit mit den Ruteliden leicht dazu verleiten könnte,
sie diesen beizuzählen. Nach dem hiesigen Museum kommen in Me-
xiko mehrere Arten dieser Gattung vor.
v. Motschulsky (Etudes entomol. VI. p.32) charakterisirte
eine neue Gattung Heptophylla, im Habitus mit Schizonycha verwandt;
Parapleuren des Metathorax schmal. Epimeren sehr klein , Oberlippe
tief ausgerandet, Lippentaster auf der Aussenseite des Kinns einge-
fügt; Fühler I1gliedrig mit kurzem 4. Gliede und 7gliedriger Keule ;
Stirnleisten wenig ausgeprägt und unterbrechen; Klauen zweitheilig
oder selbst bis auf den Grund gespalten. Art: Hept. picea aus Japan.
— Serica orientalis, Hoplia obducta und sabulicola n. A. ebendaher.
Fernere neug Arten sind: Tryssus comatus. Diplotaxis brevi-
im: Gebiete, der Entomologie während des Jahres 1857., 291
collis, Dichelonycha valida , fulgida, Serica anthracina, Camptorhina
serotina und Hoplia irrorata Le Conte (Entomol. Report p.38 ff.)
aus Californien und dem Oregon-Gebiete, Ancylonycha puberula,
confusa, subsericans und bifoveolata Jacquelin du Val (Historia fisica
de la isla de Cuba VII. p.55) von Cuba, Rhizotrogus punctatissimus
Montrouzier (Annales dela soc. d’agricult. deLyoun VI, 1. p.24) von
Woodlark und Rhizotrogus Guyonii Lucas (Bullet. d. I. soc. entomol.
p- LXXXV]) aus Algier, mit Rhiz. Guerardi Bug. zunächst verwandt.
Hybosoridae. — Jaequelin du Val charakterisirte. (Hi-
storia fisica de la isla. de Cuba VII. pP. 57) Trichops testaceus (Dej-
i.. lit.) von Cuba; die Gattung ist übrigens unter dem ‚Namen ‚Hapa-
lonychus beschrieben und muss daher so benannt werden, — Bohe-
man (Insect. Caffrar. 11. p. 369) : Hybosorus ruficornis n. A. aus dem
Caffernlande.
Geotrupini. — Geotrupes laevistriatus und auratus aus Ja-
pan wurden von v. Motschulsky (Etudes entomol. VI. p. 31) be-
schrieben, Bolboceras caffer, consocius , rufolestaceus, maculieollis
und dorsualis aus dem Caffernlande vonBoheman (Insect. Caffvar. I.
p- 3711).
Aphodiidae. — Boheman (Insecta Caffrariae II. p. 329 ff.)
stellte eine Gattung Sybaz auf, bei welcher der Kopf mehr denn
doppelt so breit als lang, der Thorax um die Hälfte breiter als lang,
an der Spitze abgestutzt, in der Mitte der Basis etwas dreieckig nach
hinten hervortretend, das Schildehen verlängert, abgerundet, die Flü-
geldecken mässig gewölbt, dreikielig, an der Spitze ausgezogen, die
Unterseite des Körpers flach, die Vorderschienen aussen sehr stark
erweitert, dreizähnig, innen mit einem Längskiele versehen, die hin-
teren fast drehrund. aussen zweikantig, innen kurz und dicht be-
haar! sind. Die Gattung scheint mit Rhyparus zunächst verwandt zu
sein; zwei Arten: S. suleicollis und impressicollis. Ausserdem wer-
den folgende neue Arten aus dem Caffernlande beschrieben: Aphodius
produetus, ferrugineus, amabilis, rubrieosus, nigritulus, luc’dulus,
eonsimilis, granulatus, graeilis, timidus, discoidalis, postieus, haema-
tieius, Wahlbergii, peregrinus, calcaratus (humilis Roth. ?), amoenus,
misellus, badius, pygmaeus, evanescens, vestitus, puberulus, costipennis,
suleipennis und Amoecius lugubris.
Le Conte (Entomol. Report p. 41 f.) beschrieb Aphodius pe-
etoralis, rubidus, pardalis, subaeneus, Aegialia erassa und \caelata
aus Californien, Jaequelin du Val (Historia fisica de la isla de
Cuba VII. p.51) Psammodius gracilis von Cuba.
Orphbnidae. — Orphnus rufulus Boheman (Inseet, Caflrar. II.
p-368) ist eine neue Art aus dem Caflernlande.
Coprides. — Eine neue Gattung und zahlveiche neue Arten
aus Süd-Afrika wurden vonBoheman (Insecta Callrariae II. p. 162 ff.)
292 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
bekanntgemacht: Ateuchus (Heliocantharus) profanus, cupreus, metal-
licus, nigroaeneus, Clericus , (Actinophorus) caffer , paradozus, inter-
stitialis, ambiguus, microcephalus, (Sebasteos) rusticus, funebris, cica-
tricosus, (Pachylomera?) horridus, Pachysoma validum, Gymnopleurus
caffer, unicolor, Wahlbergii, subcupratus, coracinus , Lichtensteinii
(humeralis Klug?), smaragdinus, cupreus, Sisyphus appendiculatus,
fascieulatus, rubripes, sordidus, caffer, Chalconotus convezus, pumilus,
Epirhinus suleipennis, oblusus, armatus, Epilissus subtilis. — Odonto-
loma n.g. Kopf breit und kurz, scharf vierzähnig, die beiden Mittel-
zähne weiter auseinander stehend, der Vorderrand kaum ausgebuchtet ;
Thorax quer, doppelt so breit als lang, fast gleich breit, in der Quere
gewölbt, Schildchen fehlend ; Flügeldecken eiförmig, vorn ausgeschnit-
ten; Schenkel unbewehrt, Vorderschienen dreizähnig, Mittelschienen
dicht und lang geborstet , Tarsen kurz, dünn. Art: Odontoloma pau-
zillum, 2% mill. lang. — Ferner: Paedaria cosiata, tuberculata,
picea , eylindrica, Coptorhina nitidipennis, obtusicornis, Delopleurus
pullus, Heliocopris Neptunus, Faunus, Catharsius obtusicornis, Ulysses,
laticeps, areolatus, vitulus, troglodytes, Copris laticornis, urus, Victo-
rini, contracta, obesa, mutica, confusa, modesta, puncticollis, Onitis
paradozus, robustus, perplezus, fodiens, caffer, viridulus, pieticollis,
porculus, Onthophagus metallicus, aulicus, collaris (loricatus Klug 2),
naso, praeustus, columella, aciculatus, stercorarius, sapphirinus, pa-
rumnolatus, trinodosus, gracilicornis, interstitialis, moestus, glaber,
pugionatus, lugubris, obtusicornis, lugens , monodon, setosus, opacus,
impietus, pilosus, costipennis, scabrosus, pedestris, apicalis, obesus,
intermedius, lulpa, piceus, histerinus, pallidipennis, signatus, hybri-
dus , quadrinodosus, verticalis, ferrugineus, chalcostomus, pusio, pu-
sillus, obtusus, inconspicuus, brevicornis, viridicollis, Oniticellus pla-
natus, militaris, variegatus, Depranocerus ambiyuus, impressicollis,
dispar und laticollis.
Fernere neue Arten sind: Phanaeus velutinus Murray (Edin-
burgh new philosoph. journal, new ser. V_ p. 225) von Quito, Pha-
naeus Chabrillacii Thomson (Archives entomol.I. p.115) aus Brasi-
ien, Onthophagus Apustulatus (Fab.?) und sezstriatus Montrouzier
(Annales de la soc. d’agrieulture de Lyon VII,1. p. 22) von Woodlark,
Canthon simplexz Le Conte (Entomol. Report p. 41) aus dem Oregon-
Gebiete.
Trogidae. — Boheman (Insecta Caffrariae II. p. 3771.)
beschrieb Troz incultus, melancholicus, variolosus, rusficus, talpa,
angulatus und penicillatus als neue Arten aus dem Caffernlande.
Lucanini. — Mırfrray (Edinburgh new philosoph. journal,
new ser. V. p. 221 ff.) machte eine neue Art der Gattung Sphenogna- -
thus unter dem Namen Sphen. Lindenii (pl. III. fig.1. 2.) von Quito
bekannt, die sich von Sph. prionoides Buq. durch stärkeren Erz-
im: Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 293
glanz, längere Mandibeln beim Männchen u. s; w. unterscheidet; ‚beide
Geschlechter beschrieben und abgebildet.
Fernere nene Arten sind: Hexarthrus Mniszechii Thomson (Ar-
chives entomol. I. p. 396. pl. 14) aus Sylhet, in beiden Geschlechtern
abgebildet, Figulus Woodlarkianus, Cladognathus cinetus und chelifer
(M. Leay?) Montrouzier (Annales d. 1. soc. d’agrieult. de Lyon VII. 1.
p-26 ff.) von Woodlark, Lucanus (Hexarthrius?) inclinatus und Psa-
lidostomus (2) rectus v. Motschulsky (Etudes entomol. VI. p. 29) aus
Japan, Dorcus adspersus Boheman (Insect. Caffrar. II. p. 384) aus dem
Caffernlande.
Le Conte beschrieb (Entomol. Report p. 42) Sinodendron ru-
gosum Mannerh. nach beiden Geschlechtern und gab eine Abbildung
derselben auf Taf. I. Fig. 15.
Passalidae. — Enumeration des especes mexicaines du genre
Passalus, avec un tableau synoptique de toutes les especes et la de-
seription de celles qui sont nouvelles, par M. E. Truqui (Revue et
Magas. de Zoologie IX. p. 258—269 und p. 308—317). Der Verf. hat
aus verschiedenen grösseren Sammlungen im Ganzen 26 Mexikanische
Passalus-Arten zusammengebracht, deren Charaktere er in einer ana-
lytischen Tabelle darstellt; eine Anzahl neuer Arten wird beschrieben
und zu mehreren bereits bekannten sind erläuternde Notizen beigebracht.
Die neuen Arten sind: Pass. heros, brevis, hirtus, rimator , incisus,
erosus, inops, cognatus, corlicicola, eclipticus,, sodiacus, euspidatus,
Astecus, Mezicanus, laticornis und bicornis.
Zwei neue Arten aus Guatemala machte Thomson (Archives
entomol. I. p.420 f. pl. 21) bekannt: Passalus opacipennis, eine durch
breite Körperform und matt schwarze Flügeldecken sehr ausgezeich-
nete Art, und Pass. Goryi Melly i, lit.
Von der Insel Woodlark sind Passalus foveicollis und furci-
cornis durch NMontrouzier (Annales de la soc. d’agriculture de
Lyon VII, 1. p. 28 f.) zur Kenntniss gekommen.
Buprestides. Dice anatomischen Verhältnisse der Buprestiden
sind vonLaboulbene undDufour in Thomson’s Archives entomol. I,
p- 206, 373 und 465 If. in drei Abhandlungen sorgfältig erläutert wor-
den. Die erste derselben von Laboulbene „Recherches sur les
appareils de la digestion et de la reproduction du Buprestis (Anthaxia)
manca* (a. a. 0. p. 206—233. pl. XI—XIT) behandelt den Tractus in-
testinalis und die Geschlechtsorgane von Anthaxia manca. In den
dünnen Oesophagus mündet jederseits eine voluminöse birnförmige
Tasche mit sehr kurzem Ausführungsgange,, die zuweilen mit einer
hellbraunen Pulpa angefüllt war; der Magen verlängert sich bei sei-
nem Beginne und zu jeder Seite von der Einmündung der Speisc-
röhre in zwei lange blinde Fortsätze, die sich nach vorn in den
Thorax hineinerstrecken, gekerbte Ränder besitzen und offenbar sehr
294 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
drüsenreich sind. Eine gleiche diüsig-gelappte Oberfläche zeigt übri-
gens der darmförmige Magen bis zum letzten Drititheil seiner Länge;
an seinem hinteren Ende münden sechs sehr kurze Vasa Malpighi
ein und der darauf folgende sehr kurze Darm erscheint in der Mitte
seiner Länge durch vier kurze, sackartige Ausstülpungen, ‘welche
im Kreise neben einander liegen, in einen Dünn- und Mastdarm ge-
schieden. An den männlichen Genitalien sind die Hoden fast ku-
gelrund, von einer gelben Hülle umgeben, ihre Ausführungsgänge
bis zu ihrer Vereinigung halb so lang als der aus ihnen entstehende
Duetus excretorius; in letzteren mündet eine weisse, nierenförmige
Drüse mit einem kurzen Canale, in erstere vor ihrer Vereinigung
lange, fadenförmige Glandulae accessorige. Anden weiblichen Ge-
schlechtsorganen bestehen die Ovarien aus sechs Eiröhren‘, die Bursa
copulatrix und ‚das Receptaculum, seminis münden fast, an gleicher
Stelle in den gemeinsamen Eileiter, wo dieser durch Vereinigung der
beiden Tuben seinen Ursprung nimmt. Der Verf, erörtert ausser den
plastischen Eigenthümlichkeiten dieser beiden Organsysteme auch ihre
feinere, histologische Beschaffenheit; und fügt am Schlusse noch einige
Bemerkungen über die Struktur der Antennen und des Athmungsap-
parats hinzu. — Der zweite Artikel von L. Dufour „Fragments
d’anatomie entomologique sur les Buprestides“ (ebenda p. 373—380.
pl.XV) weist an Capnodis tenebrionis mehrere wesentliche Ahwei-
chungen in der Struktur des Tractus intestinalis von der bei Anthaxia
beobachteten nach; der Oesophagus ist ausserordentlich kurz, nimmt
aber ebenfalls zwei seitliche Taschen, die hier jedoch sehr langge-
streckt, dornartig, fast von 2/4 der Magenlänge und '/. des Querdurch-
messers des Mägens sind, auf; der Verf. bezeichnet sie als „panse“
und vermuthet, dass sie vielleicht zur Aufnahme nicht gehörig ver-
dauter Substanzen dienen, auch wohl gar ein Wiederkäuen zu Wege
bıingen. Der Darm von Capnodis ist von beträchtlicher Länge, sogar
läuger als der Magen, eine Gränze zwischen Dünn- und Mastdarm
nicht bemerkbar, letzterer aber durch beträchtliche Weite ausgezeich-
net. Besonders bemerkenswerth ist das Vorhandensein von zwei sehr
langen Speicheldrüsen, die mit einem kurzen Ausführungsgange ne-
ben der Speiseröhre in den Kopf eintreten. Bei Dicerca aenea weist
der Verf. zwei ähnliche hörnerartige Fortsätze des Magens nach, wie
sie sich bei Anthaxia vorfanden, während dieselben bei Capnodis
mangeln. Die männlichen Geschlechtsorgane von Caraebus bifaseia-
tus, welche der Verf. ebenfalls zum Gegenstande seiner Darstellung
macht, stimmen mit denen von Anthaxia im Wesentlichen überein. —
Die dritte Arbeit, wieder von Laboulbene, enthält Untersuchungen
über die Anatomie der Buprestis gigantea Lin. (ebenda p. 465--484.
pl.XV) und zwar 1) über die Stigmen, 2) über die weiblichen Geni-
talien und 3) über den Tractus intestinalis. Die weitläufige Abhand-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 295
lung über die Stigmen, in welcher der Nachweis geliefert wird, dass
am Hinterrande der drei Thoraxringe je ein Stigmenpaar liege, von
denen das Dritte eigentlich als erstes Abdominalstigma anzusprechen
sei, enthält nichts Neues, da diese Anordnung der Stigmata allen In-
sekten zukommt und längst genügend bekannt ist. Interessant ist die
Bildung der zum Schutze der Stigmenöflnung auf dem Peritrema sil-
zenden Haare, welche hier auf der einen Seite gabelförmig gespal-
ten, auf der anderen dick, dornenartig und mit Seitendornen bewall-
net sind (Fig. 11—15). Von den weiblichen Genitalien ist zu eı-
wähnen, dass die Ovarien aus zwölf Eiröhren bestehen, dass das Re-
ceptaculum seminis (ob Fettdrüse ?) lang und dünn, darmförmig ist,
und dass die Bursa copulatrix als tassenförmige Ausstülpung des Ovi-
ductus bei der Vereinigung der beiden Tuben erscheint. Den Ver-
bindungsapparat betreffend, so sind die beiden taschenförmigen An-
hänge des Oesophagus bei Bupr. gigantea klein, eiförmig, die Vasa
Malpighi nur zu vieren vorhanden.
Eine Reihe neuer Arten und Galtungen wurde von, Tho m-
son (Archives entomol. I) charakterisirt; p. 109 f.: Chalcophora
(Erides) Wallacei, flammea und sexspinosa von Borneo, Stigmo-
dera rugosipennis , secularis, Daphnis, latithorax, coelesta, acu-
tithorax, auricollis, lilipulanı und mustela maior aus Neu - Hol-
land, pantherina von Borneo. —- p. 116: Tetragonöschema n. g. nach
der Abbildung (pl. 10. fig. 2) von Cryptocephalus-ähnlicher Körper-
form, indem die Flügeldecken zusammen fast ein Quadrat bilden und
den Hinterleib nicht ganz bedecken; Thorax quer viereckig , seitlich
gerundet, nach vorn verschmälert; Clypeus vorn wenig ausgerandet,
mit gerundeten Lappen; Fühlergruben mässig gross, das zweite und
vierte Fühlerglied am grössten, die folgenden stark gesägt. Art:
T. chrysomelina, 4%, mill. lang, schön dunkelblau, von Haiti (ist =
Anthaxia quadrata Buq.). — p. 168: Tyndaris n. g. für die Chileni-
sche Ptosima planata Gory, welche Lacordaire als generisch ver-
schieden bezeichnet, errichtet. — p.430 I. Chrysodema callepyga,
venerea, Chalcophora Stevensii, Arouensis von den Arou-Inseln, auf
pl. 16 abgebildet,
Neue Arten von Montrouzier (Annales de la soc. d’agri-
eult. de Lyon VII, 1. p.9 1.) sind: Buprestis Lottinii, Evides Cri-
storallensis, Woodlarkiana, Buprestis Boisduvalii, Wallisii, Chryso-
bothrys serpunctata und Agrilus hibisci von den Inseln Woodlark und
San Cristovall.
Von Jacequelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba
VI, 1. p.26 1.): Acmaeodera pulcherrima, cubaecola, Buprestis (An-
eylochira) chalcoptera, Polycesta angulosa aus Cuba.
Von Le Conte (Entomol. Report p. 42 1.): Aneylochira Gibb-
sit, laeviventris, Buprestis angulicollis, Melanophila consputa, Antha-
296 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
zia erpansa, Dicerca pectorosa und crassicollis, Polycesta californica
aus dem Oregon-Gebiete und Californien.
Derselbe stellte (Proceed. of the acad. of nat. science. of
Philadelphia 1857. p. 6 ff.) einen „Index to the Buprestidae of the
United States, described in the work of Laporte and Gory, with no-
tes“ zusammen, bei denjenigen Arten, welche ihm aus eigener An-
schauung bekannt sind, die Namen vermerkend, unter denen sie an-
derweitig, besonders von Nord - Amerikanischen Autoren beschrieben
worden sind. :
Agrilus Darwinii wurde endlich noch von Wollaston (Ca-
tal. of Coleopt. Insects of Madeira p. 82) als neue Art von Madeira
aufgestellt.
Bemerkungen über Lacordaire’s Buprestiden -System lieferte v.
Kiesenwetter (Berliner Entomol. Zeitschr. I. p. 169 f.); Ref. kann
darüber nur bemerken, dass für die Systematik einer Familie, welche,
wie die der Buprestiden, in ihren Hauptformen exotisch ist, die Eu-
ropäische Fauna gar keinen Anhalt gewähren kann.
Dumeril las in der Akad. d. Wissensch. zu Paris (Comptes
rendus 16. Feyr., Revue et Magas. de Zoologie IX. p. 85 Il.) einen
Bericht über eine Arbeit von Leprieur, welcher die Larven der Tra-
chys pygmaea im Parenchym der Blätter von Malva sylvestris, rotun-
difolia und Alcaea rosea aufgefunden hat. Auf den Blättern der Mal-
ven finden sich gelbe, blasenartige Flecke, in welchen die Larve
lebt und sich binnen zwei bis drei Wochen zur Nymplıe umbildet ;
beide sollen von sehr eigenthümlicher Form sein. Schon Reau-
mur habe*die Nymphe und den Käfer, aber nicht die Larve ge-
kannt. (In neuerer Zeit ist das Factum des Blaltminirens der Tra-
chys-Larven übrigens schon durch Heeger im J. 1851 an Trachys
nana festgestellt worden. Ref.)
Throscidae. Drei neue Arten von Cuba wurden von Jac-
quelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p.29 1.)
unter den Namen Drapetes nigripennis , cyanipennis und azureus be-
kannt gemacht. Der Dr. cyanipennis des Verf. ist jedoch mit Lisso-
mus bicolor Lap. identisch.
Eucnemides. Neue Arten sind: Galba dichroa und tomen-
tosa Montrouzier (Annales de la soc. d’agrieult. de Lyon VII, }. p.12)
von Woodlark, Perothops Witticki Le Conte (Entomol, Report p. 45)
aus Californien nud Microrhagus Emyi Rouzet (Annales de la soc.
entomol. V. p. 749) von Dijon in Frankreich.
Cussac gab (Annales de la soc. entomol. pl. 12, Bulletin
p- LXXIV) eine Abbildung und Beschreibung der Nymphe von Eu-
enemis capueina, die er im Holze von Populus alba aufgefunden hat.
Elaterides. Eine monographische Bearbeitung dieser schwie-
rigen und artenreichen Familie hat M. E. Cand&ze unternommen
und den ersten Theil derselben unter dem Titel: Monographie des
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 297
Elaterides par M. E. Candeze, Tome I. Liege 1857 (Memoires de
la soc. royale des sciences de Liege, Tome XII) veröffentlicht, Der
Verf. hat alle Mittel angewandt, um seinem Werke eineıseits die grösst-
mögliche Vollständigkeit in Betrefl des in dasselbe eintretenden Ma-
terials, andererseits eine sichere Bestimmung der von früheren Auto-
ren aufgestellten Gattungen und Arten zuzuwenden :er hat dies nicht
nur durch die Benutzung fast aller ihm zu Gebote gestellten grösseren
Europäischen und Nord - Amerikanischen Sammlungen, sondern auch
durch den Vergleich aller ihm zugänglichen Typen seiner Vorgänger zu
bewerkstelligen, gewusst. Unter letzteren waren ausser den von fran-
zösischen Autoren beschriebenen Arten ganz besonders die von Esch-
scholtz, Germar, Erichson, Klug, Boheman und Le Conte
von besonderer Wichtigkeit. — Der Verf. beginnt sein Werk mit
einer kurzen Erörterung des äusseren Körperbaues und der Hauptmo-
difikationen, denen die verschiedenen Theile unterworfen sind, schliesst
hieran eine Uebersicht der vonEschscholtz und Le Conte auf-
gestellten systematischen Eintheilungen der Familie und geht dann so-
gleich zu der Feststellung der acht Gruppen, in welche er, sich genau
an Lacordaire anschliessend , die Familie zerlegt, über. Diese
Gruppen sind: die Agrypniden, Melanactiden, Hemirrhipiden, Chalco-
lepidiiden, Oxynopteriden, Tetralobiden, die eigentlichen Elateriden
und die Campyliden, letztere von allen vorhergehenden durch das
nach vorn zugespitzte Mesosternum und das nicht über das Kinn her-
vorgezogene Prosternum scharf unterschieden. In Betreff ihres Um-
fangs sind diese Gruppen äusserst ungleich; während die der eigent-
lichen Elateriden den bei weitem grössten Theil aller bekannten Ar-
ten umfasst, zeigen sich die übrigen verhältnissmässig arm an Gat-
tangen sowohl wie an Arten, übertreffen aber jene durch Eigenthüm-
lichkeiten in der Form und durch Schönheit, so wie meist auch an
Grösse der Arten. Im vorliegenden ersten Bande sind die sechs er-
sten Gruppen abgehandelt, womit der interessantere und freilich auch
der leichtere Theil der Monographie beendet ist; möge dem Verf.
die nöthige Ausdauer zur Seite stehen, um den noch übrig bleiben-
den, durch die ungeheure Masse und die ermüdende Gleichförmigkeit
der Arten bei weitem schwierigeren Theil, in ebenso glücklicher
Weise zu überwältigen! — Die Gruppe der Agrypniden zerfällt der
Verf, in 14 Gattungen, die er, je nachdem die Tarsenglieder ohne
lamellenartige Anhänge an der Unterseite oder mit solehen versehen
sind, in zwei Abtheilungen bringt. Von diesen Gattungen sind neu
aufgestellte: Scaphoderus mit 1 Art aus Chile, Ocneus mit 1 Art aus
Brasilien, Optaleus (auf Agrypnus punctipennis Dej., Lacon cribratus
Blanch. gegründet) mit 4 Arten aus Brasilien, Meristus (Typus: Ela-
ter lepidotus Palis.) mit 4 winzigen Arten der alten und neuen Welt,
Agraeus mit 1 Art aus Java, Pericus mit 1 Art aus Ostindien, Myr-
298 Gerstaeeker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
modes mit 1-Art aus Neu-Holland , Eidolus mit 1 Art aus Brasilien,
Hemicleus mit 1 Art aus dem Caffernlande. Die Gruppe umfasst im
Ganzen 186 Arten aller Welttheile. — Die Gruppe der Melanactiden
enthält 7 Gattungen, von denen Aphileus mit 2 Arten aus Australien,
Anaissus mit 1 Art aus Neu-Granada, Ischius mit 1 Art aus Guyana,
Aliteus (Typus: Elat. adspersus Herbst) mit 2 Arten vom Cap neu
aufgestellt sind; nur‘ 12 Arten treten in diese Gruppe ein. — Die
Gruppe der Hemirrhipiden umfasst 8 Gattungen, von denen nur Chal-
colepis mit 1 Art aus Cayenne und Tetrigus mit 2 Arten aus Ostin-
dien neu sind; ausserdem hat der Verf. den Gattungsnamen Iphis Lap.
für die prachtvollen Madagascaresischen Arten in Lycoreus umgeän-
dert. Die Gruppe enthält 58 Arten, mit die schönsten und seltensten
der ganzen Familie. — Die Gruppe der Chalcolepidier theilt sich in
4 Gattungen: Chalcolepidius mit 31, Semiotus mit 47, Oistus n. g. mit
2 Mexikanischen Arten und Campsosternus mit 17A. — Die Oxyno-
pteriden-Gruppe enthält 4 Gattungen mit 7 Arten und zwar bringt der
Verf. die Gattung Beliophorus Esch., die nach des Ref. Ansicht in
nächster Verwandtschaft mit Ludius steht, hier unter. — Die Gruppe
der Tetralobiden endlich beschränkt sich auf die einzige Gattung Te-
tralobus, von der gegenwärtig 18 Arten bekannt sind. — Das Werk
ist mit 7 vom Verf. selbst gezeichneten und in Steindruck sauber
ausgeführten Tafeln ausgestattet, welche Repräsentanten sämmtlicher
Gattungen (bei artenreichen die verschiedensten und interessantesten
Formen) in selır naturgetreuer Weise darstellen; ausserdem sind auch
einzelne, systematisch wichtige Körpertheile wiedergegeben. — Was
den wissenschaltlichen Werth der vorliegenden Arbeit betrifft, so
trägt Ref., der sie in allen einzelnen Theilen einer genauen Prüfung
mit Hinzuziehung der hiesigen Königl. Sammlung , die jetzt darnach
bestimmt und geordnet ist, unterworfen hat, kein Bedenken, sie für
eine der vorzüglichsten unter der neueren systematisch-entomologischen
Literatur zu bezeichnen. Der Verf. hat sich einer Methode für die
Charakteristik der Gattungen und Arten’ belleissigt, die nur Beifall
verdienen kann ; die Beschreibungen geben ein leicht fassliches Bild,
heben stets die wesentlichen Charaktere scharf hervor und enthalten
nichts Ueberflüssiges, zeichnen sich also in allen diesen Bezie-
hungen vor der Mehrzahl der täglich erscheinenden Beschreibungen
sehr vortheilhaft aus. In Betreff der Gattungen hat der Verf. eben-
falls den sehr zu empfehlenden Grundsatz festgehalten , für die Ab-
gränzung und Aufstellung derselben nur wesentliche, unveränderliche
Charaktere zu Hülfe zu nehmen, nicht aber nach der Zersplitterungs-
methode der Neuzeit spezifische Charaktere zu generellen zu erheben
und so eine natürliche Gattung künstlich zu zerstückeln. Die Lite-
ratur ist mit, einer Umsicht und Oritik behandelt, wie es von einem
Schüler Lacordaire's zu erwarten war und nur sehr vereinzelte
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 299
Irrthümer und Auslassungen liessen sich in dieser Beziehung nach-
weisen; zu diesen gehören: Alaus senegalensis Lap. (p. 220) ist
offenbar der Elater‘ excavatus Fabr.; unter der Gattung Alaus fehlt
der Elater appendiculatus Herbst; Calais patricia Cand. (p. 242) ist
der Elater luscus Oliv. pl. 6. fig. 64 b.; Lacon cylindrieus Cand,
(p. 121)) ist nach Vergleich mit den Typen der hiesigen Sammlung
der Elater truncatus Herbst Taf. 166. Fig. 12; unter Lacon fehlt L. cer-
vinus Erichs. von Manilla; Tilotarsus Boieldieui Cand. (p. 176) ist der
wirkliche L. cuspidatus Klug, dagegen Til. ‚cuspidatus Cand. als Til.
einctipes Germ. aufzuführen,
Thomson (Archives entomol. I. p.. 164) beschrieb, unter dem
Namen Julodischema Lacordairei eine neue Gattung und Art aus Bor-
neo, welche das Ansehn einer Julodis haben und zur Gruppe der
Oxynopteriden gehören soll. Augen sehr gross , erstes Fühlerglied
dick, die folgenden mit Ausnahme des abgerundeten letzten gekämmt;
Maxillartäster sehr viel länger als die Lippentaster, das vorletzte Glied
das längste, das letzte abgestutzt, an den Lippentastern beilförmig ; Pro-
sternalstachel gross, verlängert, Schildchen kreisrund, Flügeldecken
sehr gewölbt, im hinteren Drittheil etwas breiter als im vorderen,
an der Spitze abgerundet,
Als neue Arten wurden ausserdem beschrieben:
Von Le Conte (Entomol. Report p. 45 .): Athous scissus,
Limonius ornatulus. Corymbites Suckleyi und festivus, Agriotes macer,
Elater rhodopus, caprella und Adelocera aurorata aus Californien und
dem Oregon-Gebiete.
Von Jacequelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba VI.
p-31 11.) : Dicrepidius Sagranianus, venustus und Alası patricius (ist
der Elater lusceus Oliv.) von Cuba.
Von Montrouzier (Annales de la soe. d’agrieulture de Lyon
VII, 1. p. 14 f.): Agrypnus tomentosus, Elater tuberculatus, Makiren-
sis, melanopterus (Cryptochile melanoptera Latr.?) und variabilis von
Woodlark.
Von Newman (Transact. of the entomol. soc. IV. p.51l):
Elater (Alaus) Gibboni und (Dorcostoma) Jansonii von der Moreton-
Bay in Neu-Holland.
Von Wollaston (Annals and magaz. of nat. hist. XX. p. 505):
Monverepidius (?) Grayii von den Cap Verdischen Inseln.
Brauer (Sitzungsberichte des zoolog.-botan. Vereins in Wien
VIl. p. 132) erzog aus der früher von ihm beschriebenen Larve, welche
er (Zoolog.-botan. Verein Il. p. 33) als muthmassliche Neuropteren-
Larve ansprach, den Elater equiseti Herbst. Erwähnenswerth ist, dass
die im Sande lebende Raupe eine Fliege, die ihr in den Behälter ge-
setzt wurde, verzehrte; sie zog dieselbe mit dem Maule unter ‘den
Sand, frass sie aus und liess nur die harten Theile derselben übrig.
300 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Ein lebender Pyrophorus wurde durch ein Schiff aus Bahia mit
nach Hamburg gebracht; derselbe nahm Nahrung zu sich und gab im
Dunkeln ein helles, grünliches Licht aus den beiden Thoraxflecken
von sich. (Archiv d. Vereins d. Freunde der Naturgesch. in Meklen-
burg XI. p. 151.)
Mhipicerides. Callirhkipis impressus Montronzier (Annales
de la soc. d’agrieulture de Lyon VII,1. p.13) ist eine neue Art von
der Insel Woodlark.
Dascillidae. Cyphon Hausmanni wurde von Gredler (Kä-
fer von Passeier) als n. A. aus Tyrol aufgestellt.
Malacodermata, Melyrides. — Neue Arten sind: Ma-
lachius miniatus, humeralis, Anthocomus citrinoquttatus, Charopus
formicarius und Zygia rostrata Reiche (Annales d. 1. soc. entomol.V.
p- 178 ff. pl.5) aus Syrien und Palästina, Ebaeus congressarius Fair-
maire (ebenda p. 637) aus der Gegend von Montpellier, Troglops
Dufourii Perris, (Annales de la soc. Linneenne de Lyon IV. p. 128)
aus den Grandes-Landes, Malachius gracilis Miller (Wiener Entomol.
Monatsschr. I. p. 138) aus Oesterreich, Melyrosoma abdominale Wol-
laston (Catal. of Coleopt. Insects of Madeira p. 87) von Madeira.
Jacquelin du Val (Annales de la soc. entomol. V. p. 93)
glaubt, dass Charopus grandicollis Kiesenw. mit Char. pallipes Oliv.
identisch sei und ‚will dagegen den Char. pallipes Er. mit Char. fla-
vipes Payk. vereinigt wissen. Erstere Art sei in ganz Frankreich
und auch um Paris sehr häufig, letztere dagegen fehle ganz und
scheine auf Schweden und Deutschland beschränkt zu sein.
Heeger (Sitzungsberichte der mathem.-naturw. Classe der
Akad. d. Wissensch. zu Wien XXIV. p. 320 ff.) gab Nachricht über die
ersten Stände des Malachius bipustulatus Fabr. und 'ihre Lebensweise.
Die Larven überwintern unter Baumrinde oder an anderen geschütz-
ten Orten und leben hier von todten Larven und Puppen verschiede-
ner Insekten; sie verpuppen sich im Mai oder Juni in einem Gehäuse
von Holzspänchen. (Abbildung auf Taf. 3.)
Telephorides. — Dietrich gab eine Aufzählung und Cha-
rakteristik der bei Zürich von ihm aufgefundenen Telephorus-Arten,
von denen er einige für neu hält und beschreibt. (Entomol. Zeitung
p- 118—132.) Von den zwanzig vom Verf. aufgeführten Aıten wer-
den T. tigurinus, cyaneus , nigritulus, rotundicollis und desertus als
neu aufgestellt, T. lividus Lin. und dispar Fab. als Varietäten dersel-
ben Art nachgewiesen, T. lituratus Gyll. (pro parte) als var. zu T.
rufas Lin. gezogen; von bekannten Arten kommen ausserdem bei Zürich
vor und werden vom Verf. meist ausführlich charakterisirt: T. vio-
laceus Payk., fuscus Lin., wustieus Fall., obscurus Lin-, nigricans Fab.,
pellueidus Fab., bicolor Gyll., rufeseens Letzn. , lituratus Gyll., ely-
peatus Illig., sudeticus Letzn., assimilis Payk. und albomarginatus
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 301
Märk. — Den in Bremi’s Catalog der Schweizerischen Coleopteren
von ihm aufgestellten Malthodes obseuriusculus hält Dietrich ge-
genwärtig für identisch mit M. mysticus Kies. (ebenda p. 132).
v. Motschulsky (Etudes entomol. VI. p.27) stellte eine neue
Gattung Themus auf, die mit Podabrus in der Form übereinstimmt,
sich aber durch einfache Klauen unterscheidet; Endglied der Taster
beilförmig und zusammengedrückt, Kopf hervortretend, Augen wenig
hervorspringend, mehr vorn als seitlich stehend. Art: Th. eyanipen-
nis aus Japah.
Neue Arten sind ferner: Telephorus marginiventris, dimidiatipes,
Iripunetatus und Malthodes Berytensis Reiche (Annales de la soc. en-
tomol. V. p. 169 ff.) aus Beirut, Telephorus haemorrhoidalis und api-
calis Reiche (ebenda) aus Athen, Telephorus puncticollis Levrat (An-
nales d. la soc. Linneenne de Lyon IV. p. 418) aus Sicilien, Telepho-
rus (Cantharis) Meisteri Gredler (Käfer von Passeier) aus Tyrol, Te-
lephorus larvalis Le Conte (Entomol. Report p. 48) aus dem Oregon-
Gebiete, Silis marginella Jacquelin du Val (Historia fisica de la isla
de Cuba VII. p. 39) von Cuba.
Lyeides. — A. Costa (Memorie della Reale Accademia delle
scienze di Napoli II. p. 220) machte eine neue Gattung Phaeopterus
mit einer Art: Ph. unicolor aus Neapel bekannt, welche mit Homa-
lisus nahe verwandt, von dieser durch abweichenden Habitus, die
Längsverhältnisse der Fühlerglieder, von denen das dritte kürzer als
das zweite ist, durch kürzere Maxillartaster, kleine Mandibeln u. s. w.
sich unterscheidet. Als Charaktere der Gattung sind aufgestellt: „Ca-
put detectum, infra minime protractum , fronte in medio impressa, ac
utringue in gibberem antenniferum elevata. Antennae articulatae (?),
artieulis primis tribus magnitudine decrescentibus. Pronotum utrinque
linea longitudinali elevata, antice subtruncatum, angulis postieis acute
productis. Tarsi artienlo quarto profunde bilobo.“ Die Art ist auf
der beifolgenden Tafel Fig. 1 dargestellt, ist 1'/% lin. lang und zeich-
net sich durch sehr dicht und lang behaarte Fühlhörner aus.
Als neue Arten von Cuba wurden von Jacquelin du Val
(Historia fisica de la isla de Cuba Vll. p. 34 M.) Calopteron aulicum,
elegantulum, distinguendum, suave und amabile beschrieben, von M on-
trouzier (Annales de la soc. d’agrieulture de Lyon VII, 1. p. 16)
Lycus Woodlarkianus als n. A. von der Insel Woodlark.
Lampyrides. — Von Montrouzier (Annales de la soc.
d’agrieulture de Lyon VII, 1. p. 78) wurde eine neue Gattung Lyeoi-
des mit einer Art L. chrysomelas von der Insel Woodlark beschrie-
ben, welche mit dem MHabitus eines Lycus die Charaktere der Lampy-
riden verbindet; Halsschild convex, fast kuglig, das 2. und 3. Fühler-
glied viel kürzer als die folgenden, die übrigen gesägt.
Neue Arten sind ferner: Lychnuris janthinipennis, dimidiati-
1
302 Gerstaecker; Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
pennis, Photinus gamma,, limbipennis, blandus, Photuris brunnipennis
Jacquelin du Val (Historia fisica de la,.isla de Cuba VII. p. 87 ff),
Ellychnia facula., Le ‚Conte (Entomol, Report. p.. 48) vom Oregon,
Luciola lueifer Reiche (Annales de la soc. entomol..V. p. 169 ff.) von
Beirut und Luciola dispar Fairmaire (ebenda p. 739) vom Bosporus.
In Newport's schviftlichem Nachlasse fanden sich werthvolle
Beobachtungen über die Naturgeschichte der Lampyris noctiluea vor;
welche von Prof. Ellis zusammengestellt und im Journal of the, pro-
ceedings of the Linnean society, Zoology I. p.40—71 veröffentlicht
worden sind. („On the natural history of the Glowworm ,,Lampyris
noetiluca, by the late George Newport, prepared from the au-
thor's Mscpt. by George Viner Ellis. Communicated by the Se-
eretary,“) — Die sehr ausführliche Newport'sche Darstellung der Na-
turgeschichte des Leuchtkäfers erstreckt sich auf alle Stadien der
Entwickelung vom Erscheinen des Eies bis zur Ausbildung der Imago
und enthält, zahlreiche ebenso interessante als werthvolle Beobach-
tungen, welche vollständig ‚mitzutheilen der hier zustehende Raum
nicht gestattet. Indem wir daher auf die Abhandlung als eine, für
Insektenbiologie besonders wichtige und interessante hinweisen, be-
schränken wir uns darauf, die wesentlichsten Punkte in Kurzem her-
vorzuheben. In dem Abschnitte, welcher die Lebensweise der Imago
behandelt, geht der Verf. besonders auf die Art und die Intensität
des Leuchtens ein; letztere zeigt ihre beträchtlichste Steigerung bei
Weibchen am zweiten oder dritten Tage nach dem Ausschlüpfen aus
der Puppe und zwar bei solehen. die noch, nicht begattet ‚worden
sind; nach dem Coitus dagegen nimmt die Leuchtkraft sehr ab.: Das
Männkhen stirbt bald nach der Paarung, das Weibchen, nachdem es
zuvor seine Eier abgelegt hat; Weibchen, nie nicht befruchtet wer-
den, — was bei der Seltenheit und der kurzen Erscheinungsperiode
der Männchen sehr häufig vorkommt ‚— leben dagegen ziemlich lange
und nehmen von Abend zu Abend an Leuchtkraft zu. Die Paarung
der beiden Geschlechter , welche von Newport an Individuen, die
aus Puppen erzogen worden waren, beobachtet wurde, dauert ‚andert-
halb Stunden und das Männchen beginnt damit 24 Stunden nach. sei-
ner Ausbildung; übrigens wird sie oft noch später, während das
Weibchen schon Eier ablegt, wiederholt, so dass es scheint, als ge-
nüge eine einmalige Befruchtung nicht, um alle Eier. zur Entwicke-
lung zu bringen, Auch die unbefruchteten Weibchen legen mehrere
Tage nach ihrer Entwickelung aus der Puppe Eier ab, jedoch immer
nur eins oder zwei; ihr Leib erreicht ebenfalls durch die herange-
reiften Eier eine beträchliche Ausdehnung. Die Eier werden seltner
an Grasstengel, meistens an die Wurzelfasern abgesetzt, jedoch stets
über der Erde; durch eine klebrige Masse, mit der sie im Momente
des Austrittes überzogen sind, werden sie an die Graswurzeln oder
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 303
Halme befestigt. Das Leuchten der Eier, welches von einigen Beob-
achtern bestritten wird, findet nach Newport.allerdings statt, ist
indessen, sobald sie das Ovarium verlassen haben, sehr schwach und
scheint von dem Klehestoffe , mit dem sie überzogen sind, herzurüh-
ren; während sie noch vom Ovarium umschlossen sind, ist das Leuch-
ten deutlicher sichtbar und wird beim Eintauchen in Wasser. ver-
stärkt. Die Entwickelung der Larve im Ei ist nicht beobachtet wor-
den; die Larve schlüpft aus demselben nach 35 bis 45 Tagen, je
nach der obwaltenden Temperalur, aus; sie ist im ersten Augenblicke
weisslich, wird aber binnen einigen Stunden zuerst grau und dann
dunkelschwarz und bewegt sich bald sehr lebhaft. Die Nahrung der
Larven besteht bekanntlich in lebendigen Schnecken (Helix), welche
sie-mit grosser Gier verzehren; sie beissen zuerst in die Fühlhörner
und es scheint, als wenn die in Folge dessen eintretende Schwä-
chung der Schnecken nicht allein durch die mechanische Wirkung
des Bisses hervorgerufen würde, sondern dass dabei eine Art von
Vergiftung im Spiele ist; wenigstens tritt während des Bisses eine
Flüssigkeit aus dem Munde der Larve hervor. Nach angestellten Ver-
suchen, die auf p. 53—59 ausführlich beschrieben werden, stirbt eine
kleine Helix durch den einmaligen Biss der Lanıpyris-Larve binnen zwei
Stunden, eine grössere wenigstens in Folge von zwei bis drei Bis-
sen, die dann zuerst am Fusse und erst nachher an den Fühlhörnern
der Schnecke ausgeübt werden. Die erste Häutung der Larven er-
folgt nach achtzehn, die zweite nach ebenso viel Tagen; ihre Ge-
frässigkeit ist ausserordentlich, indem sie nach Tödtung einer Schnecke
dieselbe nicht eher verlassen, als bis sie völlig verzehrt ist; sodann
reinigen sie sich mittelst des von Maille beschriebenen Apparates
am Ende des letzten Körperringes von dem ihrem Körper anhaftenden
Schleime. Die Leuchtfähigkeit besitzen die Larven nicht nur , wie
allgemein bekannt, im späteren Alter, sondern von ihrem Austritte
aus dem Eie an; ja dieses selbst lässt in seiner letzten Periode einen
deutlichen Schimmer, der offenbar von dem leuchtenden Embryo her-
rührt, erkennen. Auch der Larve ist die Fähigkeit eigen. das Leuch-
ten zu verstärken und zu vermindern; besonders durch Mangel an
Frass oder in der ersten Minute nach einer plötzlichen Beunruhigung
der Larve wird das Licht auflällig schwächer; es verschwindet fast
ganz bei stark vermindeiter Temperatur während des Winters, in
welcher Jahreszeit die Larven zugleich zu fressen aufhören und sich
in einem Zustande von Erstarrung befinden. Bei allmählig zunehmen-
der Wärme im Frühjahre beginnen die Larven wieder herumzukrie-
ehen und zu fressen, bis sie zu Anfang Juni sich zur Nymphe ver-
wandeln, welche besonders hell leuchtet; ats dieser entwickelten
sich die Weibchen nach ‘sieben, die Männchen nach elf Tagen zur
Imago. Durch gewisse äussere Umstände veranlasst, kann übrigens
304 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
die Entwickelung der Larven so verzögert werden, dass sie erst im
zweiten Jahre ihr vollständiges Wachsthum erreichen.
Cleriice. Montrouzier (Annales d. science. phys. de la soc.
d’agrieulture de Lyon VII, 1. p. 17) errichtete eine neue Gattung Bo-
strichoides, vom Ansehn eines Bostrichus, und von Cylidrus, dem
sie durch das verlängerte Halsschild und den gleich breiten Hin-
terleib gleicht, durch nicht ausgerandete Augen und die nicht ver-
längerten ersten Glieder der Fühler unterschieden. Die Fühler ver-
dicken- sich unmerklich und endigen in eine Keule von 4 oder 5
Gliedern; sie sind vor den Augen von einander entfernt eingelenkt;
Augen oval, Kopf, Halsschild und Hinterleib gleich breit, Halsschild
verlängert, Flügeldecken am Ende abgestutzt; Körperform linear. Art:
B. angustatus von Woodlark. Neue Arten: Cylidrus villosus und
Tillus ? variegatus ebendaher. u
Le Conte (Entomol. Report p. 48) beschrieb Enoplium di-
chroum als n. A. aus Californien, Thomson (Archives entomol. 1.
p. 115) Pallenis sanguineus vom (abon.
Jaequelin du Val (Annales soc. entomol. V. p. 93) machte
Bemerkungen über die von Reaumur bezeichnete Trichodes- Larve,
welche er gegen Perris für die des Trich. alvearius hält,
Ptiniores, Neue Arten sind: Ptinus interruptus, Sinorylon
declive und Exops ovicollis Le Conte (Entomol, Report p.48f.) aus
Californien, Apate destrwuetor Montrouzier (Annales de’ la soe. d’agri-
eulture de Lyon VII, 1. p.55) von der Insel Woodlark , Ptinus ni-
grescens Wollaston (Catal. of Coleopt. Insects of Madeira p. 91) von
Madeira, Gibbium Boieldieui Levrat (Annales de la soc. Linneenne de
Lyon IV: p.419) aus der Türkei und Xyletinus striatipennis Fairmaire
(Annales de la soc. entomol.V. p.635) von Montpellier.
Andre&e (Bullet. de la soc. entomol, p. CXI) erzog Ptinus Aubei
Boield. in grösserer Anzahl aus abgefallenen Eichengallen, die schon
in Fäulniss übergegangen waren; er fand im Innern derselben auch
die Larven und Nymphen des Käfers.
Cissidae. Jacquelin du Val (Historia fisica de la isla
de Cuba VII. p. 100) beschrieb Cis hirtellus , bipartitus, Ennearthron
delicatulum und taurulus als neue Arten von Cuba.
Melasoma. Zahlreiche neue Arten aus dem Orient wurden
von Reiche und de Saulcy (Annales de la soc. entomol. V.
p- 186— 271) durch ausführliche Beschreibungen und zum Theil durch
Abbildungen bekannt gemacht: Arthrodeis globosus (Latr.) von Beirut,
Anodesis giganteus aus Natolien und Syrien, Melanerus (Dej.) n. g-,
aul den Mel. compactus Dej. beschränkt, während die übrigen dar-
unter gestellten Arten zu Oxycara und Gnophota gehören; von Oxy-
cara unterscheidet sich Melanerus durch die kürzere, mehr aufgetrie-
bene Form des Körpers, das sichtbare Scutellum und den weniger
ee U
a de
im Gebiete der Entomologie während: des Jahres 1857. 305
scharfen Prosternalfortsatz, welcher nicht in den Vorsprung des Meso-
sternum eindringt; von Gnophota durch die Bildung des Pro- und
Mesosternum, welche in letzterer Gattung keinen Vorsprung zeigen.
Drei Arten: Melancerus laevigatus von Beirut, hegetericus vom todten
Meere und aus Egypten und pygmaeus (Waltl) ebendaher. — Dai-
lognatha erenata von Nablus, Calyptopsis Jeremias von Jericho, So-
lieri von Jerusalem, Dichomma Chevrolatii aus Syrien , Tentyria sub-
sulcata von Nablus, Herculeana von Jericho, Solieri und discicollis
vom Rothen Meere, collatina von Jerusalem, acuminata aus dem Pe-
loponnes, Mesostena parvula von Beirut, Micipsa philistina von Nab-
lus, Trachydama philistina und Gomorrhana aus Palaestina, Thriptera
asphaltidis vom todten Meere. Gedeon n. g. zur Pimelien- Gruppe
gehörend und den Uebergang von Pachyscelis und den vorhergehen-
den Gattungen zu Pimelia vermittelnd, von allen Gattungen dieser
Gruppe durch seine einfachen, nicht gespaltenen Mandibeln, das kurze
Endglied der Maxillartaster und die hervorragende Oberlippe abwei-
chend; von Trachyderma durch die Vorderschienen, welche die Form
eines langgezogenen Dreiecks zeigen, sich entfernend. Art: Gedeon
hierichonticus von Jericho. — Adesmia arca und Olivieri aus Palä-
stina, Microfelus careniceps von Beirut, Tagenia comala und fulvipes
aus Palästina, Blaps longula von Nablus, indagator von Jerusalem,
rotundicollis aus dem Peloponnes, tibialis aus Griechenland, convexa
von Beirut, crassa und angulata vom rothen Meere, sodalis aus Syrien,
Bioplanes impressus von Jerusalem, viduus und Syriacus aus Syrien,
Opatrum soricinum vom todten Meere, Scleron abbreviatum und Ery-
pticus inflatus aus dem Peloponnes, longulus aus Syrien, Helops tu-
bereuliger von Athen, fuleipes und acutipennis aus Palästina , Steno-
chia saracena von Beirut. (Abbildung der neuen Gattungen und
mehrerer neuen Arten auf pl.5.) Den Beschreibungen sind zahlreiche
synonymische Bemerkungen über verwandte Arten beigefügt und diese
von einigen Gattungen (Dichomma p. 202, Trachyderma p. 217, Ades-
mia p. 227) aufgezählt; die in letzterer Gattung von Solier be-
schriebenen Arten führt Reiche auf die der früheren Autoren, wie
Klug u.a. zurück.
Von Montrouzier (Annales d. science. phys. de la soc.
d’agrieulture de Lyon VII, 1. p.29 1.) wurden folgende Arten von
der Insel Woodlark bekannt gemacht: Opatrum australe (Boisd.?),
Cristovallense, Toricum Richesianum, Cherrolati, Upis Lottinii (Dup.),
Tenebrio rugulosus, emarginalus, Diaperis viridipennis, Uloma ferru-
ginea, Helops aeneus, azureus, striatopunclatus. Eine neue Gattung
ist Macrophthalmus, zwischen den Helopiern und den Cistelinen in
der Mitte stehend ; Insertion der Fühler kaum bedeckt, diese länger
als der Kopf und das Halsschild, fadenförmig, mit langgestreckten
Gliedern; Kopf schmaler als das Halsschild, Augen sehr gross, sich
Archiv f Naturgesch XXIV. Jahrg 2. Id. U
306 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
fast berührend, Halsschild fast viereckig, quer, Flügeldecken convex,
verlängert; Schienen gerade, ohne Dorn, Vorderschenkel weder‘ an-
geschwollen, noch gezähnt. Art: M. coeruleus 5 lin.
Von v. Motschulsky (Etudes entomol. VI. p. 34) wurde eine
neue Gattung Plesiophthalmus aufgestellt, die mit Amarygmus und
Misolampus zunächst verwandt sein soll; Angen gross, sehr genähert,
die Stirn concav, Fühler länger als der halbe Körper, 3. Glied drei-
mal so lang als die beiden folgenden zusammengenommen, 4. kürzer
als das 5. und dem 11. an Länge gleich; Vorderschenkel über der
Mitte erweitert, Vorderschienen etwas gebogen, die hinteren gerade,
1. Tarsenglied der Hinterfüsse so lang als die drei folgenden zusanımen-
genommen, Vordertarsen nicht erweitert; Lippentaster kurz, mit er-
weitertem und fast viereckigen letzten Gliede, Maxillartaster sehr her-
vorspringend, mit beilförmigem letzten Gliede; Körper oval, sehr ge-
Mitte erweitert, vorn und hinten zugespitzt. Art: Ples. nigrocyaneus
wölbt; in der aus Japan; ebendaher Gonocephalum coriaceum n. A.
Wollaston (Catalogue of the Coleopterous Insects of Madeira
p. 154) charakterisirte die Gattung Autocera Melly mscpt., von Opa-
trum durch nicht ausgerandeten Kopf, die Verhältnisse der Fühler-
glieder, welche vom zweiten bis achten gleich gross sind, während
die drei letzten eine wohl abgegränzte Kenle bilden, durch das ovale
Endglied der Maxillartaster, durch die grosse , breite, vorn ganzran-
dige Unterlippe, die stark erweiterten und zusammengedrückten, an
der Spitze mit zwei grossen Sporen bewaffneten Vorderschienen und
die sehr kurzen Tarsen unterschieden. Art: Auf. laticeps (pl.1. fig. 2)
von Madeira, auch der Mittelmeerfauna angehörend, 1'% lin. lang. —
Neue Arten sind ferner: Ellipsodes oblongior (glabratus var. Wollast.
antea), Hypophloeus ambiguus, Helops subdepressus.
Derselbe (Annals and magaz. of nat. hist. XX. p. 505) be-
schrieb Phaleria Clarkii als n. A. von den Cap Verdischen Inseln.
Le Conte (Entomol. Report p.461l,): Nyctoporis galeata,
Eleodes connexa, sulcipennis, granulata, humeralis, rolundipennis,
strieta, subligata (letztere drei mit El. cordata Esch. nahe verwandt,
und nach Le €. selbst vielleicht nur Formen dieser Art), Helops
laetus. Platydema Oregonense, Phaleria globosa aus Californien und
dem Oregon-Gebiete.
Jaequelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba VII.
p. 60 1.): Nosoderma echinatum Dej. Cat., Opatrinus punctulatus Dej.
Cat., Helops azurescens, granulipennis , Stenochia amethystina, Tala-
mus cerilvarius, Allecula flavipes Dej. Cat. aus Cuba.
E. Truqui, „Generis Iphthimi characteres“ (Entomol. Zeitung
p.’92—94) lieferte eine ausführliche Charakteristik der neben Upis
und Nyctobates stehenden Gattung Iphthimus Dej. Cat. und beschrieb
darunter folgende Arten: Iphthimus italicus aus Eirurien, Croaticus
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 307
aus Ungarn, Croatien umd Griechenland, Bellardii aus Cypern und
serratus (Nyctobates) Mannerh. aus Californien.
Lucas „Note sur les metamorphoses de l’Alphitobius maurita-
mieus Lin., precedee de quelques remarques synonymiques sur les
especes de ce genre, Qui ont et& rencontrees dans les possessions
frangaises du nord de l’Afrique* (Annales de la soc. entomol. V.
p- 71—84) gab eine ausführliche Beschreibung und auf pl. 4 eine
Abbildung der ersten Stände des Alphitobius mauritanicus Lin. Die
Larve, welche sich früher in grosser Anzahl in den Reptrlien-Behäl-
tern des Jardin des plantes fand‘, wo sie zusammen mit den Tene-
brio-Larven zur Fütterung der Amphibien benutzt wurde, hat mit dem
gewöhnlichen Mehlwurm grosse Aehnlichkeit, weicht aber durch ein-
fach zugespitztes, dreieckiges Endsegment ab. Die Synonymie der
beiden in Algier vorkommenden Arten: Alph. diaperinus und mauri-
tanicus wird von Lucas ausführlich erörtert.
Ueber die ersten Stände mehrerer Melasomen - Gattungen und
Arten hat,Perris (Insectes du pin maritime, Annales de la soc. ento-
mol. V. p. 343—377. pl. 8 u. 9) ausführliche Mittheilungen gemacht
und dieselben auf zwei beifolgenden Tafeln abgebildet; die in allen
drei Entwickelungsstufen beschriebenen Arten leben sämmtlich in Pi-
nus maritima. Es sind folgende: 1) Platydema europaea Lap. Die
Larve lebt unter der Rinde von den sich hier bildenden Schwäm-
men und spinut sich zur Verwandlung in den Einkerbungen der
Rinde ein rothgelbes elliptisches Gewebe; sie ist lederartig, glatt, fast
linear, oben matt braun und convex, mit röthlichen Einschnitten, un-
ten blasser, flachgedrückt; das letzte Segment endigt wie bei Scaphi-
dema bicolor und Platydema violacea in zwei kurze Dornen. 2) Uloma
Perroudi Muls. Die Larve ist rostroth, hornig, linear und vollkom-
men cylindrisch mit Ausnahme einer leichten Abplattung am Sternum ;
sie lebt im August in alten Fichtenstöcken, die von den Larven des
Ergates durchfressen sind und liefert im Juni des nächsten Jahres den
Käfer. Perris hält die Mulsant'sche Art von Uloma culinaris für voll-
kommen specilisch verschieden. 3) Phthora crenata Muls. Die Larve
ist ganz weiss, mehr von lederartiger als horniger Consistenz, voll-
kommen glatt, glänzend , fadenförmig und cylindrisch ; sie lebt vom
Holze verfaulender Fichtenstöücke, in welche sie tiefe und schmale
Gänge nach allen Richtungen hineingräbt und braucht zu ihrer Ent-
wickelung nicht ein volles Jahr. Die Nymphe ist am Thorgx mit
Borsten, an den Seiten der Hinterleibssegmente mit zweizackigen
Warzen besetzt, deren obere Zacke fast horizontal, die untere stark
nach hinten gekrümmt ist. 4) Hypophloeus ferrugineus Creutz. Die
Larve gleicht der des H. bicolor, welche von Westwood abgebildet
ist, ist glatt, linear, fast von horniger Consistenz, ziemlich convex
auf der Oberseite und etwas schwächer gewölbt auf der Unterseite.
308 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Sie ist nicht holzfressend, sondern ein Feind des Tomicus stenogra-
phus, dessen Larven sie verzehrt; der Käfer legt nämlich seine Eier
in die Galerieen des letzteren, wo die Larven beider fast gleichzeitig
ausschlüpfen; da die Hypophloeus-Larven langsamer wachsen als die
des Bostrichus , so entkommt von letzteren eine Anzahl den Angriffen
der ersteren und entwickelt sich zum Käfer. 5) Hypophloeus linearis.
Die Larve unterscheidet sich von der vorhergehenden durch mehr
eylindrischen , nur am Sternum etwas abgeflachten Körper; sie führt
einen entsprechenden Vernichtungskrieg gegen die Larve des Tomi-
cus bidens. 6) Tenebrio curvipes Fabr. Die Larve ist fast von hor-
niger Consistenz , glänzend, parallel , sehr gewölbt auf der Ober-,
schwächer auf der Unterseite, in der Brustgegend abgeflacht. Sie
zeigt mehrere wesentliche Unterschiede von den Larven des Tenebrio
molitor und obscurus, welche denen des Käfers entsprechen, so dass
Perris die Abtrennung der Art zu einer eigenen Gattung (Mene-
philus Muls.) gut heisst; unter anderen fehlen den Larven der beiden
genannten Arten die Ocellen und das dritte Glied der Fühler ist
(umgekehrt wie bei T. curvipes) länger als das zweite. 7) Helops
striatus Geoflr. Die Larve gleicht ausserordentlich der des Tenebrio
eurvipes, hat jedoch nur zwei Ocellen und der Raum zwischen den
beiden Haken des letzten Körpersegmentes ist einfach ausgeschnitten,
ohne Zähne und Apophysen. Sie lebt wie die der vorigen Art ein
oder zwei Jahre lang in den verwesten Fichtenstöcken, welche schon
von Leptura, Criocephalus oder Ergates angegriffen sind, und nährt
sich theils von den Excrementen der letzteren, theils vom Holze.
8) Prionychus ater Fabr. Die Larve ist schon von Kyber, Water-
house und Perris beschrieben worden; sie lebt sowohl in vielen
Laub-Bäumen als in Pinus maritima. — Die Tenebrioniden -Larven
im Allgemeinen zeigen im Aeusseren eine grosse Aehnlichkeit mit
denen der Elateriden, unterscheiden sich aber von diesen durch das
nicht mit der Stirn verwachsene Kopfschild und Oberlippe, durch die
gegen das Kinn beweglichen Maxillen, einfache Maxillarlade, drei-
gliedrige Kiefertaster, längere Fühler, nicht gefurchte und gewöhn-
lich weniger dormige Füsse. Eigenthümlich ist die Ortsbewegung der
Melasomen-Larven , welche ohne die wellenförmige Bewegung der
weichleibigen Larven vor sich geht; nur die Beine vermitteln die-
selbe und die Haken am hinteren Körperende verhindern das Zurück-
gleiten. Besonders auffallend ist der Unterschied zwischen der Form
der Larven (sehr langgestreckt und schmal) und derjenigen der Nymphe
und des Küfers (oft sehr breit und kurz). Ihre Nahrung ist sehr ver-
schieden: einige leben im Humus und faulem Holze, andere von Ex-
erementen, wieder andere von Pilzen und endlich fehlen auch (Hy-
pophloeus) nicht carnivore,
Melandryadae. Perris (Insectes du pin maritime, An-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 309
nales de la soc. entomol. V. p. 378—387) hat die Larven und Ver-
wandlungsgeschichte von Hallomenus flexuosus Payk. und humeralis
Fabr. beschrieben und durch Abbildungen auf pl.9 erläutert. Die
Larve des ersteren ist weiss, weich, ceylindrisch-elliptisch, oben mit
Warzen, seitlich mit Borsten versehen, auf den ersten Blick einer
jungen Larve eines Longicornen ähnlich; sie lebt in Boletus, in den
sie unregelmässige Gänge frisst, welche sie jedoch vor der Verwand-
lung stets nach der Aussenseite hin richtet, so dass der Käfer beim
Ausschlüpfen nur eine dünne Wand zu durchbrechen hat. Der Nym-
phenzustand dauert nur acht bis zehn Tage; die Begattung dauert
eine Stunde und gleich nach dieser legt das Weibchen seine weissen,
sphärischen Eier in den Pilz, indem cs seine Legeröhre in die oberste
Lage desselben einführt. — Die Larve des Hall. humeralis ist etwas
niedergedrückt, ziemlich lederartig , glänzend , wenig behaart und
linear; sie frisst Gänge in Polyporus maximus und erreicht in 1
Monaten ihre vollständige Grösse. In dieser Periode lässt sie sich
aus dem Pilz heraus auf die Erde fallen, in welche sie sich einbohrt
und erst im nächsten Sommer ihre Verwandelung eingeht; in einem
Falle verwandelten sich jedoch die Larven im Pilze selbst. Die
Larve zeigt sehr auffallende generische Verschiedenheiten von der
vorhergehenden , weshalb Perris auch eine Trennung der beiden
Arten in Vorschlag bringt (was jetzt durch Mulsant auch schon
geschehen ist. Ref.).
Mulsant und Guillebeau (Annales de la soc. Linneenne
de Lyon IV. p. 414) beschrieben Orchesia luteipalpis n. A. von Lyon,
mit O. sepicola verwandt.
Anthicidae. Wollaston (Catal. of Coleopt. Insects of
Madeira p. 166) beschrieb Anthicus Lubbockii (tristis Woll. antea) n.
A. von Madeira.
Boie, Notizen über das Vorkommen des Anthicus ater, anthe-
rinus und rufipes in Holstein (Entomol. Zeitung p. 193).
Mordellonae. Mordella 9-guttata , teztilis, Cristovallen-
sis, 8-qultata, selacea, Pelecotoma holosericeum Montrouzier (Anna-
les de la soc. d’agrieulture de Lyon VII, 1. p. 33 ff.) n. A. von Wood-
lark, Mordellistena flexipes Mulsant und Rey (Annales de la soc. Lin-
neenne de Lyon IV. p.411) n. A. von Hyeres, Anaspis assimilis und
testacea Snellen van Vollenhoven (Bouwstoffen voor eene Fauna
van Nederland II. p. 70) aus den Niederlanden.
Vesicantia. Auf die interessante Abhandlung von Fabre
„Mömoire sur l’hypermetamorphose et les moeurs des Meloides“
(Annales des sciences naturelles, 4. ser. VII. p. 299—365. pl. 17) ist
schon im allgemeinen Theile dieses Berichtes ausführlich eingegan-
gen und dort die in physiologischer Beziehung bemerkenswerthen
Thatsachen hervorgehoben worden; es bleibt hier noch übrig, die
310 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
werthvollen Beobachtungen des Verf. über die Naturgeschichte von
Sitaris humeralis und Melo& cicatricosus in Kurzem mitzutheilen. So-
bald sich von Sitaris Männchen und Weibchen aus den Zellen von
Anthophora pilipes entwickeln, gehen sie sofort an die Begattung,
welche im Innern der Erdhöhle, in der sich das Bienennest befindet,
vorgenommen wird ; überhaupt scheinen die Käfer ihren unterirdischen
Aufenthaltsort gar nicht zu verlassen, indem man sie nirgends im
Freien, etwa auf Blumen oder dgl. antrifft. Die Männchen sind so
hitzig, dass sie oft dem Weibchen beim Ausschlüpfen aus ihrer Pup-
penhülse behülflich sind, ja oft dasselbe befruchten, während es noch
halb darinnen steckt; einige Tage nach der Begattung sterben beide
Theile, das Weibchen, nachdem es unmittelbar nach derselben seine
Eier abgelegt hat. Die Eier werden etwa 2000 an Zahl binnen 36
Stunden in einem unförmlichen Häufchen innerhalb des Bienenbaues
und zwar nicht weit von der Oeflnung, welche ins Freie führt, ab-
gesetzt. Nach Verlauf eines Monats, nämlich Ende Septembers oder
Anfang Oktobers schlüpfen die jungen Larven aus, welche schwarz
gefärbt sind und in der Körperform den jungen Meloö-Larven glei-
chen (Abbildung pl. 17. fig. 2); sie bleiben während des ganzen
Winters bis Ende Aprils des folgenden Jahres zusammen auf einem
Fleck, und zwar zwischen den verlassenen Eihäuten sitzen, ohne
irgend welche Nahrung zu sich zu nehmen und ohne sich zu verän-
dern oder zu wachsen. Sobald im Frühjahre des folgenden Jahres
die männlichen Anthophoren auszufliegen beginnen, findet man sie
meist zu mehreren auf dem Thorax derselben, an dessen Haaren sie
sich festklammern , sitzen; dass sie von diesen auf die Weibchen
(wahrscheinlich während der Begattung) übergehen, hat Fabre
durch Versuche festgestellt, indem er Männchen, die mit Sitaris-Lar-
ven besetzt waren, mit Weibchen in Berührung brachte und hierbei
die Larven auf letztere sich begeben sah. Bevor F. die Lebensweise
der jungen Larven und die Art, wie sie in die Bienenzellen gelangen,
kannte, versuchte er ihnen sowohl Zellen mit Bienenlaryen als auch
solche, in denen nur Honig angesammelt war, vorzulegen; sie ver-
schmähten beides und kamen, wenn sie auf den Honig gesetzt wur-
den, in diesem stets um. Ihre Einführung in die Bienenzellen konnte
nur auf die Art vor sich gehen, dass sie in dem Momente, wo die
Biene ein Ei in die Zelle und zwar auf die Oberfläche des Honigs
legt, von dem Hinterleibe derselben auf das Ei übergingen, um sich
auf dessen Oberfläche vor dem Ertrinken im Honig zu bewahren. Dass
sich dies also verhält, ist von F. ebenfalls durch direkte Beobachtung
bestätigt worden ; er fand sowohl Bienenzellen unmittelbar nach dem
Verschluss derselben mit einem Ei und der darauf sitzenden jungen
Sitaris-Larve besetzt, als auch glückte es ihm, Zeuge davon zu sein,
wie letztere mit ihren Mandibeln sich in das Ei einbiss und die in
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 311
demselben enthaltene Flüssigkeit verzehrte. Binnen acht Tagen ist
der ganze Inhalt des Bienen -Eies verzehrt und nur noch die Hülle
übrig, welche dazu dient, die junge Larve über dem Niveau des
Honigs zu halten, dessen Berührung ihr zu dieser Zeit schädlich sein
würde; zu dieser Zeit ist sie um das Doppelte ihres ursprünglichen
Umfangs gewachsen und nachdem ihre Haut auf dem Rücken gebor-
sten ist, erscheint sie unter der Form einer weissen, weichen Made,
in welcher sie befähigt ist mit dem Honig in Berührung zu treten,
der jetzt ihre Nahrung bildet, Nachdem sie ihre vollkommene Grösse
erreicht, treten die eigenthümlichen Verwandlungen ein, welche oben
erörtert worden sind; zuweilen ist die Periode der „pseudo - chıysa-
lide* nur von kurzer Dauer und das ausgebildete Insekt erscheint
dann zu Anfang Septembers; in den meisten Fällen dagegen währt .
jener Zustand der Ruhe den Winter über und erst im Juni des fol-
genden Jahres beginnen die Umwandlungen zu der dritten Larven-
form, der Nymphe und dem Käfer, der sich in 24 Stunden ausfärbt,
jedoch noch 14 Tage länger in der bis dahin unversehrten Puppen-
hülle verbleibt, welche er gegen Mitte August durchbricht.
Die Entwickelungsgeschichte von Melo@ hat Fabre zwar nicht
in gleich erschöpfender Weise behandelt, jedoch wenigstens die be-
deutendsten Lücken, welche sich in der Newport’schen Darstellung
dieses Gegenstandes vorfanden , beseitigen können. Ueber das Eier-
legen, das Ausschlüpfen der jungen Larven und ihren Uebergang auf
den Körper der Biene stehen dem Verf. keine eigenen Beobachtungen
zu Gebote (vergl. darüber Newport Transact. Linnean. soc. XX);
als die Bienen-Arten, welche er bei Avignon mit Meloe-Larven be-
setzt fand, führt F. an: vier Halietus- Arten (sowohl Männchen als
Weibchen), Nomada fulvicornis Männchen und Andrena thoracica
Männchen, ferner von grabenden Hymenopteren die Männchen von
Scolia haemorrhoidalis und 4-punctata. Wie die auf letzteren be-
findlichen Larven zu einer ferneren Metamorphose gelangen können,
ist nicht gut einzusehen, ebensowenig was mit denjenigen, die sich
auf Eristalis-Arten begeben, geschieht; von den Volucellen, auf de-
nen man ebenfalls die Larven findet, können sie begreillicher Weise
leicht in Hummelnester und -Zellen gelangen. — Die Bienen-Nester,
in denen Fabre die Meloö-Larven selbst beobachtete, gehörten eben-
falls der Antlophora pilipes an; die kleine sechsbeinige Larvenform
fand er einmal ganz ebenso wie die der Sitaris auf dem Bienen - Eie
sitzend in einer eben geschlossenen Zelle vor, die zweite plumpe
und weiche Form in verschiedenen Grössen und in entsprechender
Weise in den Honig der Zelle, von dem sie sich nährte, eingebettet.
Diese zweite Larvenform von Melo@, welche Newport gar nicht
gekannt hat, weicht in ihrer Gestalt sehr wesentlich von der ent-
sprechenden Sitaris-Larve ab; sie ist langgestreckt, wurstförmig, nach
312 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
hinten allmählig verdünnt, halbkreisförmig gebogen, mit grossem
Kopfe, kräftigen Mandibeln und drei wohl ausgebildeten Fusspaaren.
F. hat diese zweite Form in drei verschiedenen Entwickelungsstufen
beobachtet, einmal in einerlLänge von 4mill., also gleich nach ihrer
Entstehung aus der ersten Form, das zweite Mal in der llälfte ihres
Wachsthums und eine dritte, welche fast den ganzen Honig-Vorrath
verzehrt hatte und sich darauf zur „pseudo-chrysalide“ verwandelte.
Der Zeitraum, in welchem sich diese zweite Form bis zu ihrer voll-
ständigen Grösse entwickelt, dauert etwa 4—5 Wochen (Ende Mai
bis Ende Juni), um welche Zeit sich nach Berstung ihrer Oberhaut
die „pseudo-chrysalide“ entwickelt. (Beide Entwickelungsstufen sind
auf pl. 17. fig. 7 und 8 abgebildet.) Zu Ende des August fand F.
eine „pseudo- chrysalide* von Melo& bis zum Stadium der Nymphe
vorgeschrilten, welche letztere sich aus der geborstenen Hülle der
ersteren theilweise herausdrängte ; da F. die dritte Larvenform in
dor pseudo- chrysalide nicht beobachtet hatte, glaubte er zuerst, sie
fehle bei Melo& überhaupt; dies ist jedoch nicht der Fall, sondern
sie fand sich zusammengeschrumpft am Ende der Nymphe hängend
und zeigte bei näherer Untersuchung eine grosse Uebereinstimmung
mit der zweiten Form. Uebrigens glaubt F. annehmen zu dürfen,
dass die Entwickelung der Melo& in der Regel erst im Frühjahre des
folgenden Jahres s!attfindet, wofür auch ihr Erscheinen im Freien um
diese Zeit spricht. >
Von einer dritten Meloiden-Form (F. vermuthet darunter Zo-
nitis) fand der Verf. nur eine todte pseudo-chrysalide in einem Neste
der Chalicodoma muraria (auf pl. 17. fig. 9 dargesellt), welche eine
grosse Form-Aehnlichkeit mit der gleichen Entwickelungsstufe von
Sitaris halte; sie war nicht von einem Hautsacke umgeben, wie jene,
doch konnte derselbe leicht zerstört worden sein, da die Zelle, in
welcher sie sich befand, sehr beschädigt war. v
Eine Beobachtung von Lareynie über das Eierlegen der My-
labris armeniaca Fabr. wurde von Jacquelin du Val (Annales de
la soc. entomol. V. p.96) mitgetheilt. Gegen Ende des Juli und zu
Anfang des August wählt sich das Weibchen einen sandigen Ort, in
welchen es mit den Mandibeln eine Höhlung von der Form eines
Fingerhutes eingräbt ; sodann legt es die Spitze des Hinterleibs auf
den Rand der Oeffnung und lässt nach und nach etwa dreissig dicke,
gelblichweisse Eier hineingleiten. Nach Ablegung der Eier wird der
ausgegrabene Sand’ wieder in das Loch hineingeschüttet und die Oefl-
nung dem Boden gleich gemacht. Lareynie glaubt nieht daran,
dass die Larven in Bienen- und Wespennestern erzogen werden, da
er die Mylabris nur an den Orten fand, wo das Jahr vorher die
Weibchen Eier abgelegt hatten und viele derselben an ihren Flügel-
decken noch deutliche Spuren eines Aufenthaltes unter der Erde tru-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 313
gen. (Beides würde nicht gegen die Entwickelung der Käfer in
Hymenopteren -Nestern , die ebenfalls oft in die Erde hineingebaut
sind, sprechen. Ref.)
Mulsant theilte in seiner Bearbeitung der in Frankreich ein-
heimischen Vesicantien (Histoire naturelle des Coleopteres de France,
Vesicants und Annales de la soc. Linn@enne de Lyon IV. Annede 1857.
p- 209—409) diese Familie in drei Gruppen (die er Familien nennt),
nämlich in Meloidiens, Mylabriens und Cantharidiens. Als Charaktere
der Meloiden stellt er die sich an der Naht kreuzenden, weiter hin-
ten klaffenden, sich nach unten um den Körper herumschlagenden und
meist abgekürzten Flügeldecken, das Fehlen der Flügel u. s. w. auf;
die Mylabriden unterscheidet er von den Canthariden durch die an
der Spitze gekeulten Fühlhörner, deren Endglied länger und merk-
lich dicker als die übrigen ist, während bei letzteren die Fühler fast
fadenförmig, sei es dass sie allmählig und kaum merklich an Dicke
zunehmen , sei es dass sie gegen die Spitze hin dünner werden, er-
scheinen. Die Gruppe der Meloiden beschränkt sich auf die Gattung
Melo@, welche in Frankreich durch 15 Arten vertreten ist; ausser
diesen werden’ anhangsweise noch 4 andere Europäische Arten, sämmt-
lich bereits bekannt, charakterisirt. — Die Gruppe der Mylabriden
zerfällt in die Cerocomaires, bei denen die Fühler vor der Stirnnaht
eingefügt und die Oberlippe länger als breit ist (Gattung Cerocoma
mit 3 französischen und 2 sonst in Europa vorkommenden, sämmtlich
bekannten Arten) und in die Mylabraires, bei denen die Fühler hin-
ter der Stirnnaht entspringen und die Oberlippe breiter als lang ist;
hierher gehören Hycleus mit 1 und Mylabris mit 7 französischen Ar-
ten (von zwei ausserfranzösischen Arten ist Mylabris Forti Muls. eine
neue Art). — Die Gruppe der Canthariden theilt der Verf. in Can-
tharidiaires und Zonitaires, erstere wieder in Alosimates und Can-
tharidiates; die neue Galtung Alosimus ist auf Lylta syriaca begrün-
det, die Gattungen Cantharis und Epicauta je auf 1 Art beschränkt.
Die Zonitaires zerfallen in Zonitates (Gattungen Zonitis 3 Arten, Ne-
mognatha 2, Apalus 1 A.) und Sitarates mit den Gattungen Stenoria
(auf Sitaris apicalis basirt) und Sitaris mit 2 Arten. — Die beifol-
gende Tafel giebt Darstellungen verschiedener Gattungsrepräsentanten,
ihrer Larven und systematisch wichtiger Körpertheile. In dem vor-
angeschickten allgemeinen Theile der Arbeit geht der Verf. beson-
ders ausführlich auf die früheren Eintheilungen der Familie in Gat-
tungen, von Linne bis auf die neuesten Autoren, ein und stellt die
früheren Beobachtungen über die Entwickelungsgeschichte der ersten
Stände (welche in neuester Zeit freilich sehr erweitert worden sind)
sorgsam zusammen.
Rojas, „Description d’une nouvelle espece de Col&opteres de
la republique de Venezuela“ (Revue etMagas. de Zoologie IX. p. 441 ff.)
314 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
beschrieb Epicauta caustica als neue Art aus Venezuela, welche sich
durch starke vesikatorische Eigenschaften auszeichnet. Der Käfer
setzt sich, in der Nacht durch Licht angezogen, oft auf den mensch-
lichen Körper und lässt hier einen Saft fallen, der heftiges Brennen,
Röthe und Blasen verursacht. Eine Cauterisation der Haut mit dem
lebenden Insekt lässt bis auf acht Tage Spuren zurück; in Alkohol
aufbewahrt, behält dasselbe seine vesikatorischen Eigenschaften noch
nach drei bis vier Monaten, nach einem Jahre ging die Wirkung je-
doch verloren. Die Art lebt auf Lycopersicum esculentum Kunth.
Einzeln beschriebene neue Arten sind ferner: Meloe caelatus,
sericellus, Mylabris intersecta Reiche (Annales de la soc. entomol. V,
p- 271.) aus Palästina, Klein-Asien und Athen, Meloe coarctatus v.
Motschulsky (Etudes entomol. VI. p. 35), Lytta Childii Le Conte
(Entomol. Report p. 52) aus Californien, Nemognatha Cubueeola Jac-
quelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 68. pl. 8. fig, 18)
von Cuba.
Peyron (Annales de la soc. entomol.V. p.723) stellte die
Synonymie der Zonitis mutica Fabr. folgendermassen fest: Zonitis
immaculata ist der älteste Name, indem das Insekt vor Fabricius
durch Olivier als Apalus immaculatus beschrieben worden ist; Syno-
nyme sind: Zonitis mutica Fabr., Mylabris fulva Rossi.
®edemeritae. Perris beschrieb (Insectes du pin mari-
time , Annales de la soc. entomol. V. p. 337—395. pl. 9) die Larven
und deren Lebensweise von Xanthochroa carniolica und Nacerdes
melanura. Beide sind kaum von einander zu unterscheiden, nach
vorn stark keulenförmig erweitert, besonders der Kopf und das erste
Segment des Thorax sehr gross, quer viereckig, die Abdominalringe
etwas länger, aber merklich schmaler als die beiden letzten des Tho-
rax. Die Larven leben in den Pinus- Stämmen jedes Alters, welche
von der Rinde entblösst uud fast ganz in einen schwammigen Zu-
stand übergegangen sind; zur Verwandlung machen sie eine läng-
liche Zelle nahe der Oberfläche.
Le Co,nte (Entomol. Report p. 52) beschrieb Ditylus vestitus
als neue Art vom Oregon, Jacquelin du Val (Historia fisica de,
la isla de Cuba VII. p.67) Asclera testaceicollis von Cuba.
Rhinosimi. Salpingus impressus Wollaston (Catal. of Co-
leopt. Insects of Madeira p. 161) ist eine neue Art von Madeira, Rhi-
nosimus australis Montrouzier (Annales de la soc. d’agrieulture de
Lyon VII, 1. p.56) n. A, von der Insel Woodlark.
Bruchetae, Zur Anthribiden - Gruppe wurden von Mon-
trouzier (Annales des scienc. phys. de la soc. d’agriculture de
Lyon VII, 1. p.40 ff.) folgende neue Arten und Gattungen von der
Insel Woodlark bekannt gemacht: Stenocerus quadrituberculatus, pla-'
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857, 315
tipennis, macrophthalmus, punctatus; Cerambyrhynchus n. g. soll mit
Mecocerus in naher Verwandtschaft stehen, sich aber dadurch unter-
“ scheiden, dass der Rüssel nicht plötzlich am Ende erweitert ist, dass
die Leiste, welche das Halsschild theilt, nicht in zwei Dornen endigt,
und dass die Tarsen kürzer als die Schienen sind. Art: C. Schön-
herri 7 lin. — Xenocerus speracerus, anthriboides, Eucorynus mar-
moratus, Anthribus griseus (Fabr.); Oedecerus n. g. neben Anthribus
zu stellen; Fühler kurz und dick, vor den Augen entspringend, das
dritte Glied beim Männchen angeschwollen und so dick wie die Keule;
diese durch vier wenig deutliche Glieder gebildet, in eine Spitze
endigend; Rüssel sehr kurz und breit, vorn ausgerandet. Art: Oed.
bipunctatus.
Thomson (Archives entomol. I. p. 434 ff.) errichtete eine
neue Gattung Eugigas auf Dolichocera Childreni Gray und beschrieb
Eug. Schönherri von der Insel Arou und Goliathus von Java, beide
auf Taf. 17 abgebildet. Fernere neue Arten sind: Mecocerus? pan-
therinus, parvulus und Xenocerus laerymans won der Insel Arou.
Neue Arten der Gattung Bruchus sind: Bruchus plagiatus Reiche
(Annales de la soc. entomol. V. p. 649) aus dem Peloponnes, pauper-
eulus Le Conte (Entomol. Report p. 52) aus Californien. — Spermo-
phagus simulatus von Cuba wurde von Jacquelin du Val (Hi-
storia fisica de la isla de Cuba VII. p. 70. pl. 8. fig.19) beschrieben
und abgebildet.
Cnrculionides. Fairmaire(Annal. dela soc. entom. V.p.
740 ff.) beschrieb eine neue Gattung Choerorkinus, die einen Uebergang
zwischen den Dryophthoriten und Cossoniten machen soll, indem sie
mit ersteren im äusseren Habitus und der viergliedrigen Fühlergeissel,
mit letzteren in der Tarsenbildung übereinstimmt. Körper länglich,
ziemlich gewölbt, Augen rund , hervortretend, Rüssel kurz , fast so
breit wie der Kopf, Fühlergrube kurz, tief, geschwungen, die Glie-
der der Fühlergeissel sehr verbreitet, so dass die Keule nicht deut-
‚lich abgesetzt erscheint; Schildchen nicht sichtbar, Beine kurz und
kräftig, Schienen aussen an der Spitze mit einem starken, gebogenen
Zahne bewaffnet. Art: Ch. squalidus aus Sieilien, pl.14. fig. 3 ab-
gebildet. — Neue Art: Lignyodes rudesquamosus von Beziers in
Frankreich. — Bagous severopolinus Duf. ist = Erirhinus pilumnus
Sehh. und Cotaster littoralis Motsch. = Trachodes exsculptus Germ.
Wollaston (Catalogue of the Coleopterous Insects of Madeira
p. 100) machte eine merkwürdige neue Gattung Leipommata aus der
Cossonen - Gruppe bekannt, welche sich durch den Mangel der Augen
und durch eigenthümliche Schienen- und Tarsenbildung auszeichnet;
die Schienen sind fast gerade, an der Spitze nach aussen in einen
grossen, gekrümmten Haken, innen in einen grossen Enddorn ver-
längert, die Vorderschienen nach der Spitze zu lang behaart; an den
316 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Tarsen ist das 1. Glied länglich, das 2. und 3. kleiner, untereinander
fast gleich, das letzte fast von der Länge des ersten; die Flügeldecken
fast verwachsen, die Fühlergeissel siebengliedrig. Die Art: Leip.
calcaratum, 1‘, lin. lang, lebt bis 1'% Fuss tief unter der Erde,
offenbar an Pflanzenwurzeln. — Andere neue Arten von Madeira sind:
Acalles histrionicus, coarctalus, festivus, Omias angustulus, Apion
delicatulum.
Von Roger (Verzeichniss der Käfer Oberschlesiens p. 103,
Stettiner Entomol. Zeitung p. 60 ff.) wurde unter dem Namen Euryom-
matus Mariae eine in Schlesien aufgefundene neue Gattung und Art
charakterisirt, die der Verf. als mit Coryssomerus zunächst verwandt
bezeichnet. Die Augen sind nach oben so weit ausgedehnt, dass sie
in der Mittellinie nur durch eine feine Stirmnaht getrennt werden,
die Fühler mit siebengliedriger Geissel, deren beide ersten Glieder
beträchtlich länger als die folgenden sind, der Rüssel so lang als
Kopf und Halsschild, nicht in die Brust einschlagbar, da die Vorder-
hüften aneinanderstossen; die Vorderschenkel stark keulenförmig ver-
dickt, mit einem starken Zahne hinter der Mitte, die mittleren und
hinteren schwächer verdickt und nur sehr fein gezähnt, das erste Tar-
senglied stark verlängert. (Die Gattung zeigt weder mit Copturus
noch mit Coryssomerus eine nähere Verwandischaft, sondern würde
sich der Gattung Phytophilus Schh. sehr eng anschliessen; man könnte
sogar aus der Aehnlichkeit der Art mit dieser in Afrika und Ostin-
dien einheimischen Gatlung vermuthen, dass sie ebenfalls exotisch
und nur nach Europa eingeführt worden sei. Ref.)
Thomson (Archives entomol. I. p.287) stellte eine neue Gat-
tung Celebia für eine schöne Art C, azureipes von Celebes (pl. 14.
fig.3 abgebildet) auf, die nach der Abbildung entschieden der Gat-
tung Geonemus Schh. angehört. (Diese Gattung, welche bei Schön-
herr heterogene Elemente in sich schliesst, muss auf die Arten der
Asiatischen Inseln und von Neu-Guinea beschränkt werden, dagegen
sind sowohl die Europäischen Arten als die Süd-Amerikanischen da-
von auszuschliessen; von letzteren sind u.a Geon. 4 -nodosus und
4-tuberenlatus zur Gattung Cypbus zu verweisen. Ref.) — Andere
neue Arten des Verf. (ebenda p. 442 fl.) sind: Eupholus Linnei und
Geonemus Fabricii von der Insel Arou.
Jekel hat (Fabrieia entomologica, 2. livr. Paris 1857) seine
Revision der Gattung Hypsonotus fortgesetzt und eine Reihe neuer
Arten, die er mehreren auf Kosten jener gegründeten Gattungen un-
terordnet, beschrieben : Alocorhinus virescens aus Brasilien, Acan-
thobrachis Germari aus Brasilien, Eudinetus cinereus, poslicatus, ni-
gromaculatus aus Columbien , Merodontus derosus von Cayenne,
fornicatus und setosulus vom Amazonenstrome, aurulans von Rio-Ne-
gro, vetustus, cordifer und alophoides von Chyenne, Orthocnemus
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 317
Lebasii aus Bogotä, heilipoides von Quito, Hypsonotus Stevensit, ro-
tundipennis, albofasciatus, selectus aus Brasilien, apicatus aus Colum-
bien. morio aus Venezuela, subscutellaris und callosicollis von der
Insel St. Catharina, albopietus und ineludens aus Brasilien.
Eine Reihe neuer Arten aus Califoımien und dem Oregon-
Gebiete machte Le Conte (Entomol. Report p. 52 ff.) bekannt:
Rhynchites gelastinus, Apion crassinasum , proclive, eribricolle, ca-
vifrons, protensum, Sitones vittatus und sordidus, Alophus con-
sirietus, Listroderes teretirostris und Oregonensis, Hylobius? tae-
nialtus und torpidus, Ptochus saccalus und globiventris, Otiorkynchus
segnis und (?) naso, Tyloderes gemmalus, Lizus auctus, Magdalinus
imbellis und gracilis, Balaninus uniformis, Baridius macer und seria-
tus, Analeis morbillosus, Rhynchophorus asperulus und Sphenophorus
gentilis.
Eine beträchtliche Anzahl neuer Arten aus dem Orient wurde
von Reiche und de Saulcy (Annales d. l. soc. entomol. V. p.651
—695) bekannt gemacht: Apion Truqui, zur Gruppe des A. dilforme
gehörend und durch sehr verbreiterte Fühlerglieder beim Männchen
besonders ausgezeichnet, von Damascus, Brachycerus argillaceus von
Beirut, orbipennis, ornalus, nodulosus aus Syrien, Psalidium pactolum
von Nablus, forcipatum von Beirut, Lerratii von Rhodus, Thylacites
seriepunctatus von Beirut, Strophosomus albarius aus dem Peloponnes,
Sitones bisphaericus von Beirut, Cleonus Samaritanus aus Palästina,
ornatus von Beirut, Hylobius alpheus aus dem Peloponnes, Procas
Sauleyi von Cypern, Phytonomus cypris ebendaher,, Limobius globi-
ecollis und Phyllobius lateralis aus dem Peloponnes, Rhytirrhinus hor-
ridus und atticus von Athen, Otiorhynchus cypricola von Cypern,
nitidus, bisphaericus und graniger aus Griechenland.
Neue von Montrouzier (Annales des sciene. phys. de la soc.
d’agrieulture de Lyon VII, 1. p.46 ff.) beschriebene Arten und Gattun-
gen von der Insel Woodlark sind: Pachyrrhynchus chrysomelas, Geo-
nemus Cristovallensis, Rhinoscapha n. g., vom Ansehn der Galtung
Aegorhinus Er., aber darin unterschieden, dass das Basalglied der
Fühler mehr als den dritten Theil der ganzen Fühlerlänge misst, dass
das dritte Glied länger als das zweite, der lange und dicke Rüssel
oberhalb gefurcht, die Fühlerfurche desselben schief ist, dass die
Leiste über dem Aure und das Zähnchen an den Schenkeln fehlt.
Art: Rh. bieineta, 12 lin. — Ferner: Alcides? rufipennis, Otiorhyn-
chus oxygaster,, bicristatus, ineisus (die Arten der letzteren Gattung
gehören vermuthlich zu Elytrurus oder Isomerinthus Schh, Ref.),
Orthorhinus rugosus, Tylodes griseus, megapoda, ater , cinclus, pul-
terulentus, oedothorax, Imhoffii, Cryptorhynchus Gyllenhali, ficus,
Guerinii, Woodlarkianus, Cleogonus pumilus, Calandra bilineata und
cincta.
318 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Jacquelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba VII.
p- 77 ff.) beschrieb Lachnopus Guerinii, seriepunctatus, niveo-irrora-
tus, multipunctatus, sublinealus, Geonemus aureosquamosus, Anthono-
mus varipes, Peridinetus Poeyi, Diorymerus pellos, Cryptorhynchus
bufonius, Tylodes quadriplicatus und Rhina oblita als neue Arten
von Cuba.
Perris' (Annales de la soc. Linneenne de Lyon IV. p.135f.):
Apion laticolle, stenocephalum , eribricolle, Anisorhynchus eurtus,
Trachyphloeus Larraldi, Anthonomus ruber, Baridius vestitus, Bagous
setiger, dorsalis, Ceutorhynchus contusus, carneus, Rhyncolus crassi-
rostris Dej. Cat. als neue Arten aus dem Grandes-Landes. — Auf
p- 139 beschreibt der Verf. auch die Larve des Coniatus chrysochlora
Luc., welche ganz den Phyionomus-Larven gleicht und in verschiede-
nen Gegenden auf verschiedenen Tamarix-Arten (T. africana, gallica
anglica) lebt.
Einzelne ‘als neu beschriebene Arten sind ferner: Ceutorhyn-
chus chlorophanus Rouget (Annales de la soc. entomol. V. p. 752) von
Dijon, zur Gruppe des C. Erysimi gehörend und auf Erysimum lan-
ceolatum lebend, Ceutorhynchus acalloides und albohispidus Fairmaire
(ebenda p. 639 ff.) von Montpellier, Amomphus Cottyi Lucas (Bullet.
de la soc. entomol. p. CXXIV) aus Algier, Peritelus Marquetii Gau-
tier des Cottes (ebenda p. CXXXVI) von Beziers in Frankreich, Me-
tallites Pirazzolüi Stierlin aus Italien und Dichotrachelus Imhoffii Stier-
lin aus der Schweiz (Entomol. Zeitung p.62 ff.), Apion bicolor und
Dichotrachelus Stierlini mit einer var. ? vulpinus Gredler (Käfer von
Passeier) aus Tyrol.
„Die Apione» der Wiener Gegend“ verzeichnete L. Miller
(Wiener Entomol. Monatsschrift I. p. 10—25 und p. 56—59). Der
Verf. hat im Ganzen 81 Arten der Gattung Apion bei Wien aufgefun-
den, die er nach ihren natürlichen Verwandtschaften aneinanderreiht
und mit kurzen Beschreibungen, welche die hervortretendsten Unter-
scheidungsmerkmale enthalten, versieht; auch ‚wird stets die Futter-
pflanze, so weit sie bekannt, und das Vorkommen erörtert. Als neue
Arten werden beschrieben: Apion pulchellum, zwischen A. penetrans
und aciculare Germ. gestellt, amethystinum und Schmidtii (Märk. i.
lit.), beide dem A. punctigerum ähnlich; letztere Art ist jedoch schon
von Bach unter diesem Namen beschrieben worden. Die bereits
vielfach erörterte Synonymie der Arten ist nach ihrer früheren Fest-
stellung beibehalten worden; mit Recht bezieht der Verf. das Ap.
opeticum Bach auf A., Marshami Schönh. , da in der Schönherr’schen
Beschreibung die Unterschiede dieser Art nach dem Weibchen deut-
lich und unverkennbar auseinandergesetzt werden und derselben auch
der Stephens’sche Name verbleiben kann, indem das Ap. Marshami
Steph. mit A. subulatum identisch ist.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 319
Ueber die Apionen der Schweiz machte Dietrich (Entomol.
Zeitung p.133 ff.) mehrfache Mittheilungen, die sich besonders auf
die Nahrungspflanzen solcher Arten beziehen, deren Lebensweise
bisher nicht bekannt war. Als neue Arten beschrieb derselbe Apion
Dietrichi Bremi i. lit., auf Orobus vernus lebend, nach den Original-
Exemplaren des Verf. jedoch identisch mit Ap. Marshami Schönh.
(= A. opelicum Bach) und Apion gracilipes, aus den Blüthenköpfen
von Trifolium medium erzogen, von A. flavipes u. a. durch die Fär-
bung der Fühler unterschieden.
Jaequelin du Val (Annales de la soc. entomol.V. p. 85 ff.)
hat sich nachträglich jetzt auch davon überzeugt, dass von Rhino-
macer attelaboides beide Geschlechter vorhanden seien, und dass Dio-
dyrhynchus austriacus nicht als Weibchen zu dieser Art gehöre; die
äusseren Unterschiede der beiden Geschlechter des Rhinomacer (vergl.
Jahresbericht 1855. p.75) scheinen ihm aber unbekannt geblieben zu
sein. — Derselbe (ebenda p. 89) bestreitet die von Jekel behauptete
Identität seiner Gattung Mitomermus mit Cathormiocerus Schönh., die
des Cath, variegatus mit Mit. hystrix und des Barypeithus rufipes mit
Umias suleifrons Schönh., ohne jedoch gültige Beweise dafür vorzu-
bringen. — Nach demselben (Bullet. de la soc. entomol. p. LIIT) ist
Strophosomus subnudus Fairm. ein Metallites, welcher Ansicht von
Fairmaire (ebenda p. LIX) widersprochen wird.
Nach Heeger (Sitzungsberichte der mathem.-naturwiss. Classe
der Akad. d. Wissensch. zu Wien XXIV. p.317 ff.) lebt die Larve
des Apion basicorne lllig. in den holzigen Wurzeln der einheimischen
Kletten-Arten, an denen sie zwar keine Galle, aber eine knotenartige
Verkrüppelung und ein Zerplatzen derselben erzeugt. Abbildung der
ersten Stände auf Taf. 2.
Märkel (Allgem. Deutsche Naturhist. Zeitung 1857. p. 180)
fand die Larve des Plinthus Fischeri in den Wurzelstöcken von Aspi-
dium spinulosum; sie ist weiss mit gelblichem Kopfe und verwandelt
sich im September zum Käfer, welcher überwintert.
Stollwerk (Verhandl. d. Naturhist. Vereins d. Preuss. Rheinl.
u. Westphal. XIV. p.125) erzog Bracdniden aus den Blattdüten des
Rhynchites betulae, betuleti und populi(die meisten aus ersterer Art),
Poropoea Stollwerkii häufig aus denen des Attelabus cureulionoides.
Scriba (Entomol. Zeitung p. 377) fand den ursprünglich Ame-
tikanischen Sitophilus oryzae in Hessen unter der Rinde abgehauener
Rüstern in Mehrzahl; nach seiner Angabe weichen diese Exemplare
von den importirten durch beträchtlich schmaleren Körperbau ab.
In den Sitzungsberichten des zoolog.-botan. Vereins in Wien VII.
P-135 ist eine Schrift von T. Prada, „Cureulioniti del agro Pavese,*
Pavia 1857 angezeigt, welche dem Ref. nicht zur Ansicht vorgele-
gen hat.
320 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Brenthides. Montrouzier (Annales de la soc. d’agri-
culture de Lyon VII, 1. p. 36 ff.) stellte eine neue Gattung Megacerus
auf, die sich von allen Schönherr’schen Gattungen durch das letzte
Fühlerglied, welches beträchtlich länger als das vorhergehende ist,
unterscheiden soll; von Belophorus, der einzigen Gattung, mit der
sie’ verwechselt werden könnte, weicht sie darin ab, dass bei dieser
das zweite Fühlerglied kürzer als das dritte ist und die Fühler selbst
kaum zweimal so lang als das Halsschild sind. Art: Megacerus de-
cemmaculatus von Woodlark, 8 lin. lang. — Fernere neue Arten,
ebendaher: Belophorus pogonocerus, Cephalobarus pumilus, Leptorkyn-
chus curvidens, Guerinü, Arrhenodes unicolor und punctatus.
Culodromus eyrtotrachelus von Borneo ist eine neue Art von
Thomson (Archives entomol. TI. p. 119).
Bostrichini. Als neue Arten wurden beschrieben: Den-
droctonus valens, similis, Bostrichus pubipennis , Corthylus scutellaris
l.e Conte (Entomol. Report p. 59) aus Californien und dem Oregon-
Gebiete, Platypus subcostatus Jacquelin du Val (Historia fisica de la
isla de Cuha VII. p. 99) von Cuba, Platypus Wallacei Thomson (Ar-
chives entomol.I. p. 343) von Borneo, Tomicus erosus und perforans
Wollaston (Catal. of Coleopt. Inseets of Madeira p.95) von Madeira.
Nach Kollar (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins in Wien VII.
p. 187) griff Bostrichus curvidens Ratz., bisher nur an Weisstannen
als schädlich beobachtet, im botanischen Garten zu Wien auch eine
Ceder, eine Pinus Pichta und eine Larix an, welche er sämmtlich
von Grund aus zerstörte. An der Ceder fand sich in seiner Gesell-
schaft Hypophloeus pini Panz.
Longicornia. A. Chevrolat setzte (Revue et Magas. de
Zool. IX. p. 74, 107 und 166) seine Beschreibungen der Cerambyeinen
Old-Calabar's fort und machte ausserdem („Description de trois Lon-
gicornes nouveaux,“ ebenda p. 103 ff.) und in Thomson’s Archives
entomol. I. p. 414 ff. einige neue Arten, besonders von den Indischen
und Südsee-Inseln bekannt.
F. Pascoe, On new genera and species of Longicorn Co-
leoptera, Part. II. (Transact. of the entomol. soc. IV. p. 89—112.
pl. 22. 23). — Der Verf. fährt damit fort, neue Cerambyeinen - For-
men aus den verschiedenen Gruppen durch aphoristische Beschrei-
bungen bekannt zu machen und zum Theil abzubilden; wenngleich
die meisten, wie früher, dem südlichen Asien angehören, sind doch
solche aus anderen Welttheilen nicht ganz ausgeschlossen.
Die ausgedehnteste Bereicherung hat diese Familie jedoch durch
den ersten Theil von Thomson's Archives entomologiques erfahren,
in welchem neben Buquet, Chabrillac u.a. der Herausgeber selbst
vorzugsweise sich damit abgegeben hat, ausgezeichnete und seltene
.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 321
Gattungen und Arten bekannt zu machen und zwar besonders durch
vorzüglich ausgeführte Abbildungen; ausserdem ist es auch sein Be-
streben gewesen, eine grössere Anzahl der von Dejean anfgestell-
ten und bisher nicht charakterisirten Gattungen zu beschreiben , zu-
weilen freilich ohne Hinzufügung von Arten, die dazu gehören, und
meist auch ohne Berücksichtigung ihrer Verwandtschaften und ob sie
überhaupt begründet seien. In einem „Abrege de l’histoire des Ceram-
bycides et revue des divisions primaires et secondaires etablies dans
cette famille (a. a. O. p.81—89) hebt der Verf. die Systeme einiger
Autoren , die sich mit der Eintheilung der Familie befasst haben,
hervor, lässt aber die wichtigsten, wie z. B. die Le Conte’sche fort.
Um neue Benennungen einzuführen , stellt er für die Cerambycinen
mit ausgerandeten Augen den Namen „Ectemnopsites,“ für die mit
ganzen Augen (Lepturiden) den Namen „Strongulopsites“ auf, frei-
lich ohne zu bedenken, dass auch in der Gruppe der Cerambyces ge-
nuini Gattungen mit nicht ausgerandeten Augen vorkommen.
Prionii. — Von Pascoe wurden (Transact. entom. soc. IV.
p- 90—92) folgende neue Gattungen und Arten bekannt gemacht: Dy-
namostes n.g., eine sehr eigenthümliche Form, deren Kopf vorn brei-
ter als der Thorax und hinter den Augen halsförmig verlängert ist;
Fühler von 2% der Körperlänge, einander genähert, haarig, das erste
Glied fast doppelt so lang als das dritte und verdickt, die folgenden
vom vierten an fast von der Länge des ersten, unter einander fast
gleich ; die Endglieder beider Taster verkehrt kegelförmig; Flügel-
decken niedergedrückt, breiter als der Thorax, die Beine mit sehr
kräftigen, verdickten Schenkeln. Aıt: D. audax aus Ostindien, auf
pl. 22. fig. 1 abgebildet. — Neostenus n. g., mit Aphanasium und
Philus verwandt; Kopf schmal, Augen nierenförmig, Palpen schlank,
ungleich; Fühler ziemlich von Körperlänge, ihr erstes Glied kürzer
als das dritte, mit welchem die folgenden fast von gleicher Länge
sind; Thorax seitlich gerundet, einfach , Flügeldecken sehr lang und
schmal, aber kürzer als der Hinterleib; Beine kurz, mit einfachen
Schienen. Art: N. Saundersii (pl.22. fig.2) aus Neu-Cambria. —
Prionus fossatus und hydropicus neue Arten aus Nord-China.
Unter den zahlreichen von Thomson in den Archives ento-
mologiques I. beschriebenen und zum Theil abgebildeten neuen Ce-
rambyeinen-Formen gehören folgende der Prionier-Gruppe an : Unter
dem Titel „Monographie de la tribu des Anacolites“ (p. 7—20. pl. 1—-3)
giebt der Verf. eine Beschreibung und Abbildung der Gattungen My-
zomorphus, Anacolus und einer neuen Namens Oedeterus, die er mit
Hervorhebung einiger ihnen gemeinsamen (Charaktere als eigene
Gruppe „Anacolites“ hinstellt und die wiederum in Vereinigung mit
mehreren anderen Gattungen nach ihm eine eigene Abtheilung der
Prionier als „Prioniens plaxoleptes“ (!!) bilden sollen; die Aufstel-
Archiv (. Naturgesch. XXIV, ‚Jahrg. 2. Bd. V
322 Gerstaeeker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
lung solcher Gruppen in der Art, wie es der Verf. thut, ist aller-
dings sehr leicht, doch müssten zu ihrer Begründung wohl einge-
hendere Untersuchungen angestellt werden als es hier geschehen ist.
— Von den drei Gattungen ist Myzomorphus, die nach dem Vorgange
von Dejean angenommen und charakterisirt wird, durch zwei Ar-
ten: M. seutellatus Sall& und quadrinotatus Menelr. (4-maculatus Gory,
4-punclatus Gray, pygmaeus Buq.) vertreten. Die Vereinigung des
Anac. 4-maculatus Gory nebst der Var. 4-punctalus Gray mit dem A.
4-nolalus Menetr. ist jedoch durchaus unbegründet, da bei der letz-
teren Art die beiden vorderen Flecke der Flügeldecken dicht an der
Basis stehen und die Vorder- und Mittelschienen an der Spitze gelb
sind, während bei A. 4-maeulatus Gory die beiden vorderen Flecken,
abgesehen von ihren Grössenverschiedenheiten, stets vor der Mitte
stehen und alle Schienen schwarz gefärbt sind; ausserdem sind auch
die Fühler beider Arten in der Länge und Dicke der Glieder merk-
lich verschieden. (Das hiesige Museum besitzt ausser diesen drei
Arten eine sehr ausgezeichnete vierte, die neu ist.) — Die neue Gat-
tung Oedeterus ist auf ein hübsches Insekt gegründet, welches sich
im Habitus mehr den männlichen Anacolus nähert, sich durch sehr
schlanke, dünne Fühler, deren drittes Glied (nicht das vierte, wie
angegeben wird) fast den beiden folgenden zusammen an Länge
gleich kommt und deren folgende Glieder in einen dünnen, abste-
henden Ast auslaufen, auszeichnet und bei dem der Prosternalfortsatz
langgestreckt ist, so dass er bis zwischen die Mittelhüften reicht.
Art: O. Buquetii ‚aus Columbien. — Die Gattung Anacolus umfasst
nur eine Art, die A. lugubris Lepell. genannt wird, und zu der die
sämmtlichen übrigen von Men&tri&s, Buquet,Lepelletier, Perty
und White aufgestellten Arten als Weibchen und Färbungsvarietäten
gezogen werden, eine Ansicht, die nach den Exemplaren des hiesi-
gen Museums dem Ref. begründet scheint.
Der Monographie der Anacoliten schliesst sich (ebenda p. 20—23.
pl. 9) die Beschreibung und Abbildung zweier ausgezeichneten neuen
Gattungen an , welche der Verf. mit jener Gruppe für nahe verwandt
ansieht. 1) Georgia n.g. An den Fühlern ist das erste Glied (nicht
das zweite, wie angegeben wird) das längste und dickste, die fol-
genden vom dritten an innen dreieckig erweitert beim Männchen,
nur die vier vorletzten erweitert beim Weibchen; Thorax in der Mitte
der Seiten zu einem starken Dorn erweitert, Flügeldecken breit und
gedrungen, beim Männchen hinten allmählig zugerundet, beim Weib-
chen viel stumpfer endigend, schön goldgelb gefärbt, mit dunklem
Mittellleck und breiter Spitze. Art: G. citrina von Cayenne und vom
Amazonenstrome. 2) Hamadryades n. g. in Form und Färbung der
vorigen Gattung sehr nahe stehend, beim Männchen (?) ebenfalls die
(fünf) vorletzten Glieder, aber nach aussen dreieckig. erweitert, der
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 323
Prothorax ohne Mitteldorn, nach hinten trapezoidal erweitert. Art: H.
alurnoides von Cayenne. (Der Gattungsname wird später p. 136 als
schon vergeben in Nicias umgeändert.)
Ebenda p. 120 wird auf Prionus mordax White eine eigene
Gattung Priolyrannus errichtet, deren Charaktere auseinandergesetzt
und die auf pl. 10. fig. 1 abgebildet wird.
Ebenda p. 341 wird eine neue Gattung Baralipton charakteri-
sirt, die mit Aegosoma in nächster Verwandtschaft steht und mit die-
ser Gattung auch in den Längsverhältnissen der Fühler übereinstimmt ;
das erste Glied ist jedoch am Ende mit einem starken Dorne bewall-
net, das dritte das längste von allen und beim Weibchen den sechs
folgenden zusammengenommen gleich. Das Halsschild ist sehr kurz
und quer und weicht von Aegosoma durch die Bewaffnung des Sei-
tenrandes ab; sowohl der Vorder- als Hinterrand endigen jeder-
seits in einen Dorn und ein drittes Paar zeigt sich am hinteren Dritt-
theile des Seitenrandes. Die sehr prächtige und grosse Art: B. ma-
culosum, durch seidenartige Behaarung der Flügeldecken und schöne
Zeichnung bemerkenswerth (pl. 14. fig. 1 abgebildet), wird mit der
Vaterlandsangabe „Asie orientale“ belegt; ein Exemplar des hiesigen
Museums stammt von Calcutta. R
Ebenda p. 404 eine neue Gattung Diploschema, welche der Verf.
mit Torneutes und Coptocephalus in Verbindung bringt und zu den
Prioniern rechnet, die aber offenbar den Cerambyces genuini beizu-
zählen ist und in nächster Verwandtschaft mit Criodion steht; (hier-
her ist übrigens auch die Gattung Coptocephalus Griffith, für welche
der Name Metopocoelus einzuführen ist, zu stellen. Ref.). Die Gat-
tung unterscheidet sich von letzterer durch ungetheilte Augen,
schlanke und in beiden Geschlechtern fast gleiche Fühler von zwei
Dritttheilen der Körperlänge, schmalen, eylindrischen , gleichbreiten
Körper und schmalen, spitz dreieckigen Prosternalfortsatz; der Tho-
rax ist beim Männchen länger als beim Weibchen und seitlich nicht
gerundet. Art: Dipl. flavipennis, im hiesigen Museum aus Brasilien.
Montrouzier (Annales de la soc. d’agrieulture de Lyon VII,
1. p.56) beschrieb Mallodon costatus als neue Art von der Insel
Woodlark.
Le Conte (Entomol. Report p. 59) vereinigt jetzt die von ihm
aufgestellte Gattung Trichocnemis, deren Art Tr. spiculatus nur auf
ein Weibchen gegründet war, nach 'Kenntniss des männlichen Ge-
schlechtes mit der Gattung Ergates Serv.
v. Motschulsky (Etudes entomol. VI, p. 36) beschrieb Prio-
mus insularis als neue Art aus Japan.
Nach Fairmaire (Archives entomol. I. p. 38) wurden, Mäl-
loderes mierocephalus und Amallopodes scabrosus in Chile mit ein-
324 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
ander in Begattung angetroffen ; dass sie die beiden Geschlechter einer
und derselben Art seien, ergiebt sich aus ihren mehrfachen Ueber-
einstimmungen und aus dem Umstande, dass von jeder nur ein Ge-
schlecht bekannt: ist.
Cerambyces genuini. — Neue Gattungen, von Pascoe
(Transact. entomol. soc. IV. p. 92 ff.) aufgestellt, sind: 1) Xoano-
dera n. g. nebst den beiden folgenden mit Cerambyx (Hammaticherus)
nahe verwandt; Kopf schmal, mit grossen, weit ausgerandeten Augen,
Palpen verlängert, die der Kiefertaster länger, mit abgestutztem End-
gliede ; Fühler länger als der Körper, das vierte Glied beträchtlich
kürzer als das dritte und fünfte; Thorax länglich, mit starken Längs-
riefen, Flügeldecken an der Spitze schief abgestutzt, der Aussenwin-
kel über die Naht heraustretend. — Zwei Arlen: X. trigona (pl. 23.
fig. 1.) von Malacca, magister von Borneo. — 2) Calpazia n. g., der
vorigen Gattung sehr ähnlich, die Fühler aber viel länger als der
Körper, das siebente Glied am längsten, die Palpen ziemlich gleich,
das letzte Glied der Maxillarpalpen fast dreieckig; Thorax fast ellip-
tisch, unbewaflnet, querriefig, Flügeldecken an der Spitze fast zuge-
rundet. Art: C. vermicularis (pl. 23. fig.2) von Borneo. — 3) Za-
trephus n. g., von viel kräftigerem Baue als die beiden vorigen, die
Fühler auseinanderstehend, kürzer als der Körper, die Glieder bis
zum fünften an der Spitze gerundet, die folgenden eckig erweitert;
die Palpen fast gleich, kurz, das Endglied fast so lang als die ühri-
gen zusammen; Thorax nach vorn verschmälert, stark gerunzelt, Flü-
geldecken ziemlich breit, an der Spitze leicht abgestutzt. Zwei Ar-
ten: Z. pannosus (pl. 23. fig.3) und inscitus von Borneo. — 4) No-
serius n. g-, mit Stromatium zunächst verwandt; Kopf bei den Au-
gen breit, nach hinten verlängert, Palpen gleich, die der Maxillen
dicker , Fühler länger als der Körper, ihr drittes Glied am längsten,
Thorax breiter als lang, leicht niedergedrückt, seitlich gehöckert,
Flügeldecken lang, an der Spitze abgerundet. Art: N. tibialis (pl. 23.
fig. 4) von Borneo. — 5) Pyrestes n.g., mit Erythrus verwandt, aber
durch den sehr verlängerten, fast cylindrischen Prothorax abweichend;
Kopf vorgezogen, Fühler kurz, die Glieder nach der Spitze hin stark
erweitert, die Maxillarpalpen länger als die Lippentaster, die Flügel-
decken hinter den Schultern etwas ausgerandet, hinten erweitert und
breit abgerundet. Drei Arten: P. erimius (pl. 22. fig.3) von Borneo,
miniatus aus Nord- Indien und haematicus aus Nord-China. — 6)
Deuteromma n. g. mit borstenförmigen Fühlern von doppelter Kör-
perlänge, deren Glieder mit Ausnahme der beiden kurzen ersten fast
gleich lang sind; Augen vier (d. h. in zwei Theile getrennt) , Pal-
pen kurz, Thorax niedergedrückt, seitlich gerundet, leicht gezähnt,
hinten eingeschnürt, Flügeldecken parallel, flach, Beine lang, zusam-
mengedrückt. Art: D. callidioides (pl. 23. fig. 6) von Borneo. (Eine
im Gebiete der Entomologie während des Jalıres 1857. 325
zweite Art wird p.111 als Deuteromma testacea von Borneo diagno-
sticirt.} Die (ebenda) beschriebenen neuen Arten sind: Cerambyz (?)
morosus von Borneo, Sternacanthus picticornis von Para, Stromatium
alienum aus Brasilien, Pachylocerus plumiferus (pl. 23. fig.5) aus
Ostindien, Clytellus Westwoodii von Borneo, Didymocantha thoracica
von der Moreton-Bay, Blemmya humeralis von Malacca, Tmesisternus
gratiosus (pl. 22. fig. 4) von der Fichten-Insel.
Eine grössere Anzahl neuer Formen dieser Gruppe wurde auch
von Thomson (Archives entomol. I) bekannt gemacht; p.121 f.:
Sclerocerus priapicus, Chabrillacii und cylindrieus aus Brasilien, Ce-
rambyxz Puscoei aus Ostindien, Xestia Chabrillacii aus Brasilien, Odon-
tocera (?) Singaporensis von Singapore, Odontocera (?) Sarawacken-
sis von Borneo. — p.288: Chlorida curta von Cayenne. — p. 291
wird für die Gattung Leptocera Serv. (der Name soll von Schön-
herr hei den Curculionen vergeben sein) die neue Benennung Ire-
sioides vorgeschlagen. — p.316: Distenia peregrina aus Brasilien
(wird später p. 394 als zur Gattung Phelocalocera Blanch. gehörend
und wahrscheinlich als aus Madagascar herstammend angegeben). —
p-.404. Gattung Diploschema , zu den Prioniern gerechnet, aber der
gegenwärtigen Gruppe angehörend, siehe Prionii! — p.406. Sibylla
n. g- für Phaedinus Coemeterii Thoms. (Magasin de Zoologie 1856)
errichtet. — Gonyacantha n.g. von Rhachidion durch gedornte Schen-
kelspitze, die Fühler, an denen das dritte Glied das längste, das
6.—11. erweitert sind, die Bildung des Pro- und Mesosternal-Fort-
salzes, welche mit einem Tuberkel besetzt sind und die Beine unter-
schieden; das hinterste Paar ist sehr lang und die Schenkel an die-
sem weniger stark hinter der Mitte aufgeschwollen als an den bei-
den vorderen. Art: Gon. rubronigra, 18 mill. aus Brasilien. — p. 423.
Iresioides ferox als neue Art von Madagascar beschrieben.
Sıäl, „Nägra nya arter of Longicornia* (Öfversigt af Kongl.
Vetensk. Akad. Förhandl. XIV. p. 63) charakterisirte eine neue Gat-
tung Cluvia, neben Elaphidium zu stellen; Körper langgestreckt, Kopf
hervorgezogen, Fühler länger als der Körper, ungedornt, drittes Glied
den beiden ersten an Länge gleich, Thorax um %; länger als breit,
seitlich leicht gerundet, vorn quer eingedrückt, auf der Scheibe mit
Längsfurchen; Schildchen gefurcht, Flügeldecken gleich breit, hin-
ten abgerundet, unbewehrt, Schenkel gegen die Spitze hin etwas
dicker, ohne Stacheln. Art: Cl. Chevrolatii aus Tunis, 11 mill. lang.
— Neue Art: Eburia triocellata aus Neu-Granada.
Buquwet, Notice suppl&mentaire sur le genre Euryprosopus,
suivie de la description de deux especes nouvelles (Revue et Magas.
de Zool. IX. p. 409 1l.). Der Verf. hat sich nach Vergleich eines
grösseren Materials an Arten der Gattung Euryprosopus davon über-
zeugt, dass die von ihm in seiner Monographie der Gattung (vergl.
326 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
‚Jahresbericht 1853. p. 50) angegebenen Gruppen - Merkmale, nämlich
die Ausrandung des ersten Fühlergliedes und die halbeylindrische
Form der Flügeldecken Charaktere des Männchens, dagegen der Man=
gel jener Ausrandung des ersten Fühlergliedes und abgeflachte Flü-
geldecken Charaktere des Weibchens seien. WUebrigens sind sämmt-
liche damals von ihm anfgestellte Arten selbstständige; von Eurypros.
dardanus wird nachträglich das Weibchen und ausserdem zwei neue
Arten: Eur. Chabrillacei und angustissimus aus Brasilien beschrieben.
Derselbe (Archives entomol. I. p. 137 und 332) beschrieb
Ancylocera curricollis neue Art aus Brasilien und Sallei n. Art aus_
Mexiko.
Chevrolat (ebenda p. 414 ff.): Tmesisternus viridicollis, Na-
vomorpha? albocincta, sanguinicollis aus Neu-Caledonien, Macrocyrta
macilenta von Singapore, — Ferner (Revue et Magas. de Zool. IX.
p- 103 f.): Crioprosopus Nieti aus Mexiko, Distenia Pilati von Cor-
dova, auf pl.6. fig. 1. 2 abgebildet.
Montrouzier (Annales de lasoc. d’agriculture deLyon VII, 1.
p. 57.) machte folgende Arten von der Insel Woodlark bekannt:
Stenocorus biguttatus (Boisd.), inermis, Callidium punctatum, affine,
Tmesisternus? dubius, Ichthyosoma mirabile (Boisd.), Dejeani, arma-
tum, Purpuricenus variabilis und Cerambyz Mulsanti.
Chabrillaec (Archives entom. I. p.194 ff.) beschrieb folgende
Arten aus Brasilien: Xestia Thomsoniü, Javeti, de Rourei, fulyurata,
Ibidion quadrifoveolatum, Thomsonii, Armandinae, Rhachidion gra-
nulicollis (ist nach den Exemplaren des hiesigen Museums offenbar
das Männchen von Rhach., obesum Newm.), Lophonocerus tuberculicol-
lis und Chrysoprasis armatus.
Le Conte (Entom. Report p. 601.) aus Californien: Callidium
vulneratum, decussatum, Mannerheimii (dimidiatum Mannerh., nec
Kirby) und Clytus conjunctus.
v. Motschulsky (Etudes entomol. VI. p. 36) aus Japan: Pur-
puricenus spectabilis und Japanus (letztere Art ist schon von Gu&-
rin als Sternoplistes Temminckii beschrieben worden). R
Wollaston (Catal. ‚of Coleopt. Insects of Madeira p. 126):
Blabinotus Bewickii von Madeira.
Lucas „Note sur un nouveau genre de ih famille des Longi-
cornes (lcosium tomentosum), qui habite les possessions frangaises du
nord de l’Afrique“ (Annales de la soc. entomol. V. p. 609—615) be-
schrieb die schon‘ im Jahresberichte 1854. p.82 erwähnte und vom
Verf. ‘im: Bullet. de la soc. entomol. 1554. p. 82 vorläufig diagnosti-
eirte Gattung und ‚Art Jcosium tomentosum aus Algier jetzt ausführ-
lich und gab auf Pl. 13 eine Abbildung derselben nach beiden Ge-
‘schlechtern.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 327
Derselbe (Bullet. de la soc. entomol. p. XLVII) machte Mit-
theilungen über das Männchen des Clytus Hartwegii White aus Me-
xiko in Betreff der Unterschiede, die es von dem bis jetzt allein be-
kannten Weibchen darbietet.
Kollar (Verhandl.d. zoolog.-botan. Vereins in Wien VII. p.185)
handelte über die geographische Verbreitung und den Haushalt des
Callidium russicum Fabr. Dasselbe findet sich in Russland, Oester-
reich, Rlein-Asien und Nord-Amerika; in Wien entwickelte es sich
mehrere Jahre hindurch aus einem Stamme von Juniperus drupacea,
welcher aus Syrien mitgebracht wurde. ;
Heeger (Sitzungsberichte der mathem. - naturwiss. Classe der
Akad. der Wissensch. in Wien XXIV. p. 323 ff.) beschrieb die ersten
Stände des Hylotrupes bajulus Lin. und ihre Lebensweise. Die
Larven sind in Dachstühlen von Gebäuden sehr schädlich ; die männ-
lichen sind nur von 24 der Grösse der weiblichen; trotz mehrjähri-
ger Beobachtungen hat der Verf. niemals eine Häutung an ihnen be-
merkt. Abbildungen auf ‚Taf. 4.
Lamiariae. — Von Pascoö wurden (Transact. entomol. soc.
IV. p. 100 ff.) folgende neue Gattungen und Arten bekannt gemacht:
1) Stegenus n.g. mit Actophora Newm. nahe verwandt, jedoch durch
die Fühler unterschieden; diese sind genähert, wenig länger als der Kör-
per, die ersten vier Glieder dicht mit kurzen Bürstenhaaren besetzt;
Thorax unbewehrt, länger als breit, vorn und hinten eingezogen,
Flügeldecken beträchtlich ‘ breiter als der Thorax. Art: St. dactylon
(p. 22. fig. 6) von Borneo. — 2) Aconodes n. g. eine Dorcadion -
ähnliche Form, mit Hoplopterus nahe verwandt; Fühler schlank, kürzer
als der Körper, das dritte Glied am längsten, das Endglied der Maxil-
lartaster eiförmig, zugespitzt, Augen klein, weit ausgeraudet; Thorax
breiter als der Kopf, länglich, seitlich schwach erweitert, Flügeldecken
gewölbt, nach hinten erweitert, jede in eine auswärts gewandte Spitze
endigend. Art: A. montanus (pl. 23. fig. 7) vom Himalaya. — 5)
Ectatosia n. g., eine eigenthümliche schmale Saperdenform , mit Te-
traglenes Newm. verwandt; Kopf klein, Augen vollständig getheilt,
die obere Hälfte auf dem Scheitel liegend , klein; Fühler kurz, von
halber Körperlänge , ihr drittes und viertes Glied sehr lang, die fol-
genden zusammen an Länge übertreffend; Thorax lang , fast cylin-
drisch, Flügeldecken lang und schmal, hinten in divergirende Spitzen
endigend. Art: E.Moorei (pl.23. fig. 9) von Java. — 4) Eris n.g.
von Anthribus-ähnlicher Gestalt, neben Ölenocamptus zu stellen;
Kopf breiter als der Thorax, Palpen kurz, fadenförmig, Fühler län-
ger als der Körper, von einander entfernt eingefügt, ihr erstes und
viertes Glied gleich lang, das dritte viel länger; Thorax länger als
breit, unbewehrt, Flügeldecken beträchtlich breiter, niedergedrückt.
Art: E. anthriboides (pl. 22. fig. 7) von Borneo. — 5) Scopadus n. g.,
328 Gerstaeeker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
mit Leptoplia Dej. nahe verwandt, von dieser Gattung jedoch durch
die Bildung des Thorax und der Schenkel abweichend. Der Kopf ist
gross, die Fühler länger als der Körper, gewimpert, der Thorax
schmaler als der Kopf, länger als breit, gewölbt, die Flügeldecken
mit einem hohen Buckel: hinter den Schultern, an der Spitze stark
convex und abgerundet, die Schenkel keulenförmig , die Tarsen sehr
kurz. Art: Sec. ciliatus (pl. 22. fig. 5) vom Amazonenstrome. —
Neue Arten sind ferner: Agelasta irrorata von Java, Cacia concinna
von Borneo, setulosa von Java, confusa von Malacca, inculta von
Borneo, Newmani von Malacca , Penthea Saundersii vom Schwanen-
Flusse , Monohummus hilaris aus Nord- China, permutans ebendaher,
carissimus von Burmah, Cereopsius marmoreus von Malacca, exoletus
von Borneo, Phymasterna concreta von Port Natal , Praonetha posti-
calis von Ceylon, melanura von Malacca, Hathlia Buckleyi aus Nord-
Indien, Apomecyna frenata von Malacca, Entelopes ionoptera (pl. 23.
fig.8) von Borneo, Asthates straminea, von Burmah, purpurea und
terminata von Malacca, Nemotragus cinclicornis von Port Natal.
Von Thomson (Archives entomologiques I) wurden folgende
neue Gattungen und Arten beschrieben und zum Theil abgebildet:
Batocera Victoriana, eine schöne Art von Borneo (p. 24, Abbildung
auf dem Titelkupfer). — Einige mit Tragocephala in naher Verwandt-
schaft stehende Gattungen wurden unter dem Titel: „Monographie du
groupe des Tragocephalites“ durch Beschreibung und Abbildung der
ihnen zugehörigen Arten abgehandelt (p. 25—38. pl. 4—6). Die Gruppe
der Tragocephalites soll 5 Gattungen umfassen: Phosphorus n. g., auf
Ceramb. angolator Oliv. begründet, Tragocephala, Tragiseus n. g. mit
2 neuen Arten, Poimenesperus n.g. mit 1 neuen Art und Callimation
Dej- — Die Gattung Tragocephala umfasst hier 11 Arten (einige be-
reits beschriebene sind übergangen worden), von denen als neu auf-
gestellt sind: Tr. heteroclita von Pı. Natal, Boerensis (ist = Tr. du-
calis White) ebendaher, venusta Klug (ist von Bertoloni als Tr.
variegata beschrieben worden und muss daher so genannt werden)
von Mossambique, Castnia vom Senegal, Buquetii von Gabon, Bow-
ringii (ist = Tr. Chevrolatii White) von Pt. Natal, Mniszechi eben- '
daher, Gorilla von Guinea. — Die Gattung Tragiscus, deren Name
später p.67, als schon von Klug vergehen, in Tragiscoschema um-
gewandelt wird, scheint nach der Abbildung der beiden Arten T. Ber-
tolonii aus Mossambique und Zascivus von Port Natal mit der Gattung
Rhaphidopsis des Ref. zusammenzufallen. — Die Gattung Poimenes-
perus ist von kürzerer Form als die vorhergehenden, die Fühler
dicker, das dritte Glied (nicht das vierte, welches irrthümlich bei
allen diesen Gattungen als das längste bezeichnet wird) am läng-
sten, die übrigen vom sechsten an undeutlich gegliedert; der Vor-
sprung (der Prosternum verlängert, an der Spitze zweilappig, der des
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 329
Mesosternum fast oval, stark hervortretend. Art: P. voluptuosus
von Port Natal. — Callimation mit drei Arten: €. callipygum (ve-
nustum Dej.) von Madagascar, pontifceum von Guinea und pyrgopoly-
nicum vom Senegal. — Sämmtliche Arten der Gruppe sind durch sehr
schöne Abbildungen erläutert.
Unter einem entsprechenden Titel: „Monographie du groupe
des Tapeinites“ beschrieb derselbe (ebenda p. 39—44. pl.7) die vier
ihm bekannten Arten ‘der Gattung Tapeina, für welche er die Gruppe
Tapeinites errichtet. Was der Verf. als T. erectifrons beschreibt, ist
offenbar die T. coronata Serv. (picea Serv. Perty), schon weil es die
in Brasilien gemeinere Art ist; dagegen ist T. coronata des Verf., im
hiesigen Museum aus Columbien, von der Serville’schen Art gleiches
Namens verschieden. Eine neue Art aus Mexiko ist ausserdem noch
T. transversifrons.
Ebenda p. 45—67 giebt der Verf. einen „Essai monographique
sur Je groupe des Tetraophthalmites,“ zu welchem keine Abbildungen
gegeben werden und der daher wegen der Oberflächlichkeit der Be-
schreibungen für die Bestimmung fast vollständig unbrauchbar ist.
Die abgehandelten Gattungen sind: 1) Tetraophthalmus Blanch. (wo-
für der ältere Name Astathes Newm. einzuführen ist) mit 10 beschrie-
benen Arten, von denen T. Daldorfii des Verf. nicht mit der Nliger’-
schen Art gleiches Namens identisch sein kann, da diese auf der Un-
terseite stets hell rostroth gefärbt ist. Neue Arten sind: T. Mniszechii
von den Philippinen, Japonicus aus Japan, ignorantinus (Kuhlii Dalm. ?)
von Java, violaceipennis Dej. aus Nord-Indien, episcopalis (Chevrol. ?)
aus Shangai und testaceus aus Java. (Die drei von Newman be-
schriebenen Arten sind dem Verf. unbekannt und werden daher des-
sen Diagnosen abgedruckt, ebenso dessen Gattung Tetraglenes.) 2)
Plazomierus n.g. von der vorigen Gattung dadurch abweichend, dass
das dritte Fühlerglied nicht so lang als die beiden folgenden zusam-
men ist, ferner durch den schmaleren Prothorax, die mehr genäherten
Vorderhüften und den fehlenden Fortsatz des Mesosternum. Zwei
Arten: Pl. Fortunei und ellipticus von Shangai. 3) Hecphora n. g.,
für L. testator Fab. Oliv. vom Senegal errichtet. 4) Tetraopes Dalm.
Es werden nur T. varicornis Klug und 11 punctatus Dej. aus Mexiko
beschrieben, die übrigen aus Nord-Amerika beschriebenen Arten von
Say und Le Conte nach diesen angeführt. 5) Lamprocleptes n. g.
von Tetrops durch den Prothorax unterschieden , der einen dicken,
kreisrunden Vorsprung in der Mitte zeigt; der Prosternalfortsatz ist
gegabelt, der Mesosternal-Vorsprung verlängert, die männlichen Füh-
ler überragen ein wenig die Körperlänge. Art: L. entomologorum
aus Brasilien (?). 6) Tetrops, ohne nene Arten. — Die Gattung Lam-
procleptes wird später (p.152) als mit Phaca Newm. identisch an-
gegeben.
330 Gerstaeeker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Ebenda (p. 68—77. pl. 9) „Essai synoptique sur les Compsoso-
mites ‚“ mit einer ausgezeichnet schönen Tafel , welche Abbildungen
der beschriebenen Arten liefert, ausgestattet. Der Verf. nimmt drei
Gattungen an: Pythais n. g. für Lam. scutigera Vigors errichtet,
Compsosoma Serv. mit 9 Arten, wovon €. Mniszechii vom Amazo-
nenstrome, Chabrillacii von Rio, franciscum aus Brasilien neu sind,
und Tessarecpkora n. g. mit einer Art T. arachnoides aus Brasilien,
eine Gattung , die nur auf einen spezifischen Charakter , die etwas
abweichende Fühlerbildung, gegründet ist; die auch im hiesigen Mu-
seum befindliche Art zeigt in Form und Zeichnung eine ‚so auffal-
lende Aehnlichkeit mit Comps. variegatum Serv., dass sie schon hier-
nach schr wohl mit Conıpsosoma vereinigt bleiben kann.
Ebenda (p. 79) „Description d’un genre nouveau des Ceramby-
eides.“ Der Verf. errichtet für Monohammus blattoides Pascoe eine
neue Gattung Hotarionomus, deren Charaktere er auseinandersetzt;
sie ist mit Monohanmus und Triammatus verwandt und scheint durch
den verlängerten Thorax sich Taeniotes zu nähern.
Ebenda (p. 124 ff.) neue Arten: Monohammus Nicoletii von Sin-
gapore, Ceroplesis callipyga von Pt. Natal, Javetii aus Ostindien (im
hiesigen Museum von Madras) und Sternodonta philosophica vom Se-
negal (= St. ducalis Klug var.).
Ebenda (p.127) eine neue Gattung Clythraschema , nach dem
Verf. mit Tetraopes und Cryptocranium verwandt, die freilich weit
auseinander stehen; nach der Abbildung eine Lamien-Form von
ziemlich gedrungenem Baue, mit fast getheilten Augen, deren beide
Theile nur durch eine schmale Brücke zusammenhängen; Fühler fast
von Körperlänge , ihr erstes Glied gross, angeschwollen; Endglied
beider Taster konisch, Oberlippe gerundet, Mandibeln wenig verlän-
gert; Thorax seitlich leicht gerundet, Flügeldecken zusammen fast
doppelt so breit, parallel, an der Basis gerade abgeschnitten, hinten
stumpf zugerundet, "Art: Cl. Chabrillacii von Rio-Janeiro, schwarz,
mit goldgelben Flügeldecken,, die auf der Scheibe je einen grossen
braunen Fleck zeigen: Basalglied der Fühler roth.
Ebenda (p. 139—147) gab derselbe eine Uebersicht der Stibara-
Arten seiner Sammlung, deren Zahl sich auf 30 beläuft, wobei jedoch
zu bemerken ist, dass der Verf. die Gattungen Glenea Newm. und
Sphenura Cheyr. mit Stibara Hope vereinigt. Als neu werden fol-
gende beschrieben: Stibara Indiana aus Ostindien,, St. Mariae aus
Sylhet, funerula aus-Indien, caprieiosa ebendaher, anticepunctata von
Java, obsoletepunctata aus Indien, Oudetera von Borneo , arithmetica
von Ceylon (auch von Nietner dort aufgefunden), algebraica von
Java und Borneo , mathematica und illuminata von Singapore, ana
von Java, obesa von Sylhet, Argus aus Indien, sanguinaria von Java
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 331
(scheint = ochracea Guer. zu sein) carinata von Java (ist. = costata
Wied.), cosmopolita, annulata und bicolor aus Indien. Bei der Ober-
flächlichkeit der Beschreibung dieser Arten, welche nicht abgebildet
werden, ist eine Bestimmung in den meisten Fällen unmöglich.
Ebenda (p.151) Dorcadion Fairmairei n. sp. ans Griechenland,
auf pl. 10. fig. 6 abgebildet, eine sehr robust gebaute, glänzend
schwarze Art, die neuerdings viel aus Griechenland zu uns 'ge-
langt ist.
Ebenda (p. 169—194) Diagnosen einer grösseren Reihe neuer
Gattungen und Arten: Lubentia n. g. von Ancylonotus Cast. durch den
Mangel der Dornen auf der Oberfläche, dicke Fühler, deren drittes
Glied nicht geschwungen ist, unbewaffneten Thorax, starken Vor-
sprung des Mesosternum, gedornte Flügeldeckenspitze u. s. w. un-
terschieden, mit einer Art: L. voluptuosa von Manilla. — Batocera
Chinensis n. A. aus China (im hiesigen Museum auch aus Japan, von
wo sie de Haan unter dem Namen L. catenator verbreitet hat),
Chlorinda aus Ostindien, Taeniotes‘ insularis von Cuba, Amazonum
aus Brasilien, suturalis (Dej.) ans Mexiko (diese beiden Arten schei-
nen einerlei zu sein, da die Exemplare des hiesigen Museuns aus
Mexiko, Costa-Rica und Columbien übereinstimmen und zugleich auf
beide passen), inquinatus (Dej.) aus Columbien, inermis (Chevr.?)
aus Mexiko. — Rhodopis n. g., vom Ansehn der Gattungen Hota-
rionomus und Triammatus, doch nur das ‚dritte Fühlerglied an der
Spitze stark angeschwollen, der Thorax undeutlich an den Seiten ge-
dornt, die Vorderbeine so kurz wie die übrigen. Art: Rh. pubera
aus Sylhet, pl. 10. fig. 7. — Monohammus eylindrieus n. A. von Java.
— Rhamses n.g., auf Monoh. bipunctatus Schönh. begründet. — Die
Gattung Leprodera Dej. Cat. wird charakterisirt und folgende Arten
derselben beschrieben: Lepr. elongata von Java, fimbriata Chevr.,
plagiata von Java (scheint nach der Beschreibung = L. trimacnlata
Chevr. zu sein), spinosa von Java, pleuricosta von Java (ist = L.
maculatrix Perty = Carcelii Guer. ; der Name pleuricosta ist offenbar
aus pleurocausta verunstaltet, unter welchem die Art von Hagen-
bach verbreitet wurde). -— Phryneta hecphora aus Guinea, Senegam-
biae, pallida von Pt. Natal. — Hecyra n. g., mit einer Gattung Psy-
cholupes in Vergleich gestellt, die vorläufig noch nicht charakterisirt
ist (!). Art: H. improba von Pt. Natal. — Hechinoschema n. g. (der
Igel heisst nicht Hechinus, sondern Echinus, Ref.), Fühler um die
Hälfte länger als der Körper, das dritte und vierte Glied gleich lang,
das letzte das längste von allen; Thorax mit einem Seitendorn, Flü-
geldecken hinten abgerundet, mit einem Schulterdorn und mit stach-
liger Scheibe. Art: M. spinosa aus Sylhet. — Morimus lethalis n.A.
aus Shangai. — Morimopsis n. g., von Morimus durch das zweite
nicht geschwungene Fühlerglied (?), den Thorax, der länger als breit
332 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
und (hinten schmaler. ist, breitere und convexere Flügeldecken, ver-
längerte Hinterbeine unterschieden. Art: M. lacrymans aus Ostindien.
— Gattung Diastocera Dej. charakterisirt. — Ceroplesis zonaria n.A.
von Port Natal. — Entaenia n.g.; auf Ceroplesis Javetii (p. 125) ge-
gründet, ‚Pycnoptera n. g. ebenso für Cerosterna brachyptera Boh.
von Pt. Natal. — Tragocephala Bassamensis, ‚Prosopocera Belzebuth
(Chevr. ?), aus Senegambien, Apocoptoma Chabrillacii aus Brasilien,
Taurorcus n.g. mit Dorcadion verwandt und mit einer Brasilianischen
Art: T. Chabrillacii. Plativmopsis (Blanch.) n. g. für Lamia obliqua
Donoy. errichtet, Mallonia, neue Benennung für Mastigocera Dej.,
welche Gattung ebenso wie Zygocera und Imantocera Dej. charakte-
risirt wird; Moneilema carinata und albotessellata n. A. aus Mexiko,
Zygocera pallidicornis aus Neu-Holland, mortalis aus Java; Anauxesis
n. g. für Hippopsis eincticornis Pascoe,, Authades n. g. Indianus aus
Ostindien und Psathyrus n. g. Aeolis vom Cap, beides schlanke La-
mienformen vom llabitus der Gattung Nemotragus Klug und Canidia
neue Gattung, deren Verwandtschaft nicht weiter bezeichnet wird,
mit einer Art: C. cincticornis von Costa-Rica. (Die Gattung Psathy-
rus wird nachher als identisch mit Listrocerum Chevr. bezeichnet.)
Ehenda (p. 2839) Astynomus Celebensis n. A. von Celebes. —
p: 292 M.: Embryon n. g. wird als mit Brachychilus Gay verwandt
angegeben, von kleinem, robusten Körper, die Fühler sich gegen
die Spitze hin verdickend, indem die Glieder vom achten an erwei-
tert sind; Thorax abgerundet , im hinteren Dritttheil etwas breiter,
dann plötzlich scharf abgeschnitten und am Hinterrande zugeschärft;
Schildchen abgerundet, Flügeldecken kurz oval, abgerundet; Tarsen-
glieder breit, quer. Art: E. griseovillosum aus Brasilien, 4—5 mill.
Monohammus subluscus und adamitus von Singapore, subgemmatus
aus Sylhet, desperatus aus Neu-Holland, Dejeanii aus Java, grisei-
pennis aus Indien, Gnoma stieticollis von Celebes und Java (scheint
auf kleine Exemplare von Gnoma longicollis Fahr. gegründet zu
sein), Cerosterna laevigator aus Nord-China (eine hübsche, von C.
punctata wohl unterschiedene Art), Rhamses Alcanor Newm. von Ce-
lebes. — Die Gattung Aerenea Dej. Cat. wird charakterisirt und Aer.
posticalis als n. A. aus Brasilien beschrieben, ebenso Alphitopola Dej.
mit A. lactea vom Senegal, Mycerinus neuer Name für Hathlia Dej.,
mit Myc. dorcadioides vom Senegal, Almodes neuer Name für Mylo-
thris Dej. , Agennopsis ebenso für Talaepora Dej., mit Ag. mutica n.
A. aus Brasilien, Hebestola Dej. Cat. mit Heb. comata aus Bra-
silien, Phaula Dej. Cat. mit Ph. anliqua und melancholica aus
Brasilien, Onocephala Dej. Cat. mit Onoceph. rugicollis aus Brasi-
lien (wohl = 0. diophthalma Perty), Clinia n. g. eine schmale, fast
gleich breite Saperden- Form mit dünnen Fühlern von Körperlänge,
unbewehrtem, hinten beiderseits gerundetem, vorn stark halsförmig
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 333
verengtem Thorax und an der Spitze ausgerandeten, zweidornigen
Flügeldecken. Art: Cl. senegalensis pl. 10. fig.9, vom Senegal. (Die
Gattung ist identisch. mit Proctocera Chevr.) — Rondibilis n. g. mit
Psathyrus (Listrocerum) verwandt, mit einer Art A. bispinosa aus
Indien. — Cirrkicera n. g. auf einige Amphionycha- Arten begrün-
det, bei denen nur das 5. und 6. Fühlerglied mit einem Haarschopfe
versehen ist, wie Cirrh. leueronota (sie!) aus Mexiko, eine Art, die
schon von Castelnau als Hemilophus leuconotus beschrieben wor-
den ist, nigrina aus Venezuela, Sallei aus Mexiko; den Gattungs-
Namen Amphionycha Dej. will der Verf. auf solche Arten beschränken,
welche gar keine Haarbüschel haben. (Es scheint jedoch als wenn diese
Behaarung der Fühler von gar keiner generischen Bedeutung ist, beson-
ders auch deshalb, weil alle Uebergänge zwischen dicht behaarten, dünn
behaarten und gebüschelten Fühlern bei Hemilophus, Amphionycha,
Spathoptera und Cirrhicera vorkommen , wonach diese Gattungen. zu-
gleich wegen der übereinstimmenden Bildung der Fussklauen am be-
sten vereinigt werden. Ref.) — Die Gattungen Aerenica Dej. Cat.
und Amillarus (geänderter Name für Aphies Dej.) werden charakte-
risirt, jedoch keine dazu gehörige Art beschrieben, so dass die Cha-
raktere unverständlich sind ; Frizus n. g. mit Oberea verwandt, eine
Art: Fr. variegatus aus Indien, Nyctimene n. g. aus derselben Ver-
wandtschaft , Art: N. agriloides von Java, Aglaophis n. g. aus der
Verwandtschaft von Hastatis, mit einer Art: A. fasciata aus Indien.
Ebenda (p. 343) Apomecyna tigrina als neue Art von Java
beschrieben. — p. 384 ff. Uebersicht der Arten der Gattung Trachyso-
mus; es werden fünf beschriebene aufgeführt (von denen Trach. ele-
phas Bug. auf die Lam. verrucosa Oliv. zu redueiren wäre, Ref.) und
zwei neue: Trachysomus Buquetii und peregrinus aus Brasilien be-
schrieben.
Ebenda (p. 409) Thryallis n. g. im Habitus mit Anisocerus
verwandt, auf Önychocerus undatus Chevr. aus Mexiko begründet, mit
einer neuen Art: Thryallis maculosus, ebenfalls aus Mexiko.
Ebenda (p. 444 1f.) Monohammus longicornis, rarus, Rhamses
Arouensis, Batocera Wallacei und Laena von der Insel Arou, Cele-
biana von ÜCelebes, Sarawakensis von Borneo, Ajax und Hector Dej.
Cat. von Java, ferruginea (Blanch.?) von Ceylon,, Glenea Arouensis
und cyanipennis von der Insel Arou.
Chevrolat (Revue et Magas. de Zool. IX. p. 105) beschrieb
eine neue Gattung Triammatus, welche in der Körperform, Schienen-
bildung u. s. w. mit Monohammus zunächst verwandt ist, aber durch
den verlängerten, vorn dreieckig verengten Kopf und besonders durch
die Fühler, an denen das 3. und 4. Glied an der Spitze stark kno-
fenartig angeschwollen, das 5. in der Mitte spindelförmig verdickt,
an der Basis und Spitze aber eingeschnürt ist, abweicht. Art: Triam
334 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Saundersii von Bomeo, Taf.6. Fig.3 abgebildet. — Das von Che-
vrolat nicht beschriebene Weibchen, welches sich vom Männchen
durch die Fühler- und Prosternalbildung unterscheidet, wurde von
Thomson „Remarques sur le genre Triammatus de la famille des
Cerambycides“ (Annales de la soc. entomol. p. 107, Archives entomol.
I. p. 149) bekannt gemacht.
Derselbe machte (Revue et Magas. de Zoologie IX. p.74,
107 und 166 ff.) folgende neue Arten von Old-Calabar bekannt: Mo-
nohammus basalis, Phryneta coeca, Prosopocera ocellata, (?) pietiven-
tris, Temnoscelis taeniolatus, Sthenias verticalis, Nylorrhisa biapicata,
Acmocera subundata, Saperda apicalis, Sphenura lineigera, sexpun-
etala, impunctata, oceipitalis und Oberea (?) dimidiaticornis.
Derselbe (Archives entomol. I. p. 417 f.) beschrieb Scopo-
dus? bieuspis unbekannten Vaterlands und Stegenus denticornis n. A.
aus Java.
Buquet (ebenda p. 327 ff.) gab eine Charakteristik der Gat-
tung Hemicladus Nej. Cat. und beschrieb drei derselben angehörende
Arten: Hem. Dejeanii von Cayenne, Thomsonii und callipus aus Bra-
silien , letztere beiden auf pl. 14. fig. 4. 5 abgebildet. Die Gattung
ist unter den Lamien-Formen Brasiliens durch die Bildung der Füh-
ler, an denen das 4. bis 7. Glied in Form einer flachgedrückten La-
melle verbreitert ist, sehr ausgezeichnet. — Ferner charakterisirte
derselbe (p. 333 1.) die Gattung Atelodesmis Dej. Cat. mit fünf Ar-
ten: Alel. hirticornis und vestita aus Brasilien, unicolor aus Mexiko,
octomaeulata und viridescens aus Bvasilien. Die dichte Behaarung
der vier ersten Fühlerglieder ist kein charakteristisches Merkmal der
Gattung, sondern kommt nur den beiden ersten Arten zu. — Ebenda
p: 833 ll. wird die Gattung Hastatis Dej. Cat. mit drei Arten: Hast.
denticollis und auricollis aus Brasilien, signaticornis aus Cayenne
beschrieben. — Tragocephala Blutelii ist eine neue Art desselben Verf.
vom Gabon (ebenda p. 202).
" Chabrillac (ebenda p.199f.) neue Arten aus Brasilien :
Onychocerus hammatus, Hemilophus divus und Mniszechii,
Javet (ebenda p. 412): Batocera Thomsonii n. A. aus Borneo.
Montrouzier (Annales de la soc. d’agriculture de Lyon VII, 1.
p- 611.) neue Arten von der Insel Woodlark: Lamia (Batocera)
Woodlarkiana, Monohammus Lessonii, fasciatus, Apomecyna porphy-
rea, Penthea undata, Woodlarkiana, assimilis, adspersa, Saperda
punctata (vergebener Name!) und melancholica.
Jacquelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba VII.
p- 112 ff.) neue Arten von Cuba: Acanthoderes eircumflezus (Klug i.
lit.), Probatius umbraticus (Klug i. lit.), Amniscus sagiltatus (Klug
i. lit.), Iransversatus Klug i. lit. (diese Art ist im Doubletten - Ver-
zeichnisse von Klug unter dem Namen A. incrassatus Dej. diagno-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 385
stieirt worden. Ref.), argentatus Dej. Cat. und dealbatus Dej. Cat. —
Die Gattung Eutheia Dej. tauft der Verf. in Euthuorus um, da erste-
rer Name schon vergeben ist, rechnet dieselbe aber irriger Weise zu
den Leptureten, während sie zu den Saperden gehört; die Art E.
filum ist übrigens schon von Gu&rin in der Iconographie beschrie-
ben worden.
Zwei als neu beschriebene inländische Arten sind: Pogonoche-
rus multipunclatus Georg (Entomol. Zeitung p. 64) aus Hannover und
Oberea melanura Gredler (Käfer von Passeier) aus Tyrol.
Lepturetae. — Pascoe (Transact. entomol. soc. IV. p.111.
pl. 22. fig. 8) gab die Beschreibung und Abbildung einer neuen Gat-
tung Noömia, die er mit Stenoderus nahe verwandt hält, von der es
aber wohl zweifelhaft ist, ob sie nicht der Gruppe der Cerambyces
genuini beizuzählen ist. Der Kopf ist zwischen den Augen bucklig,
die Fühler sehr lang, von mehr als doppelter Körperlänge, unterhalb
der Augen entspringend , mit Jangen Haarbüscheln an der Innenseite
der einzelnen Glieder; die Augen gerundet, ganzrandig, die Lippen-
taster klein, die Kiefertaster mit längerem und eiförmigem Endgliede.
Thorax schmal , seitlich mit einem Dorne; Flügeldecken linear, an
der Spitze abgerundet; Beine schlank, von mässiger Länge, mit kur-
zen Tarsen. Art: N. flavicornis von Malacca.
Thomson (Archives entomol. I. p. 317 ff.) charakterisirte fol-
gende neue Gattungen der Leplureten-Gruppe: Pachyticon n. g., vom
Ansehn der Gattung Pachyta; Augen sehr gross, ausgerandet, auf
dem Scheitel stark genähert, Fühler ähnlich wie bei Distenia, faden-
förmig, dreimal so lang als der Körper, das dritte Glied kaum länger
als das vierte, die folgenden fast gleich gross, das letzte so lang
als die drei vorhergehenden zusammen; Palpen sehr gross, kräftig,
mit ovalem Endgliede; Thorax wie bei Vesperus, unbewehrt, Flü-
geldecken an der Basis breiter als der Thorax, nach der [ast schar-
fen Spitze hin allmählig verengt. Art: P. brunneum vom Cap. —
Ferner werden die Gattungen Mostododera Blanch. (Typus Toxotus
basalis d’Urv.), Ophistomis Dej. Cat. und Oedecnema Dej. Cat. mit
Charakteren versehen, jedoch keine ihnen angehörige Art be-
schrieben.
Le Conte (Entomol. Report p. 62 ff.) beschrieb als neue Ar-
ten aus Californien und dem Oregon-Gebiete: Acmaeops fusca, lugens,
subeyanea, tumida, Toxotus spureus, Leptura impura, laeta, amabilis,
valida, erassipes und fuseicollis.
Newman (Transact, of the entomol. soc. IV. p. 53): Stenoderus
quietus n. A. von Moreton-Bay.
Chrysomelinae. Sagrides. — Thomson (Archives
entomol. I. p.896 und 411) beschrieb Sagra Natalensis von Pt. Na-
336 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
tal und Lacordairei von der Westafrikanischen Küste, Montrouzier
(Annales de la soc. d’agriculture de Lyon VII, 1. p. 66): Orsodacna
splendida von der Insel Woodlark.
Donacides. — Als neue Arten aus dem Oregon -Gebiete wur-
den von Le Conte (Entomol. Report p.66) Donacia pyritosa, Syneta
albida und simplex beschrieben.
Criocerides. — Montrouzier (Annales dela soc. d’agri-
culture de Lyon VII, 1. p. 68) beschrieb Lema bipustulata n. A. von
Woodlark.
Clythrides. — Sazinis saucia Le Conte (Entomol. ‚Begurs
p.66) n. A. aus Californien und dem Oregon-Gebicte.
Cryptocephalides. — Stäl „Till kännedomen af Phyto-
phaga“ (Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. XIV. p.60.ff.)
machte eine Reihe Süd-Amerikanischer Arten dieser Gruppe und dar-
unter auch zwei neue Gattungen durch Diagnosen bekannt. Mylassa
n. g. mit Cryptocephalus zunächst verwandt: „Corpus oblongo-qua-
dratum, antennae filiformes, oculi integri, haud sinuati, thorax postice
ante scutellum triangulariter retrorsum productus et huius partem
dimidiam basalem tegens, elytris aequilatus; elytra thorace fere duplo
longiora.“ Zwei Arten: M. fascialipennis und socia aus Chile. —
Monachus cyanoplerus, luteicollis, ochropus, pustulipennis, genicula-
tus, pallipes, rubropustulatus von Rio - Janeiro, rubrosignatus aus
Chile. — Mecostethus n. g. mit Monachus zunächst verwandt: „Cor-
pus eylindricum, subelongatum, latitudine plus 1'/%, longius; antennae
filiformes , ärticulo basali subelongalo, oeuli valde sinuati, basi con-
tigui; thorax posterius transversim depressus, ante scutellum levis-
sime sinuatus, basi elytris aequilatus et ea fere amplectens; scutel-
lum parvum; elytra thorace plus duplo longiora, convexa; proster-
num anterius pone caput dellexo -productum, postice medio im-
pressum aut incisum.“ Art: M. Sahlbergii von Rio-Janeiro. — Pa-
chybrachys humeralis aus Neu- Granada, signifer aus Minas Geraös,
pustuliger, flavopustulatus, nigro-ornatus, limbiventris, pallididorsis
von Rio-Janeiro, pallidilabris und moerens aus Brasilien.
Perris (Insectes du pin maritime, Annales de lasoc. entom.V.
p-341 ff.) machte Mittheilungen über die Naturgeschichte des Disopus
pini, dessen ersten Stände noch völlig unbekannt geblieben sind; er
erscheint in Südfrankreich von Anfang Oktober an und ist bis zu
Ende dieses Monats und selbst bis zum November und December sehr
gemein. Er hält sich stets auf Fichten von sechs bis fünfzehn Jahren
auf und zwar mehr auf sparsam stehenden ‘oder am Rande von Ge-
hölzen ; er ernährt sich von den Nadeln, in die er eine lineare Furche,
oft über die ganze Länge hin einfrisst. P. glaubte zuerst, dass diese
Furche zum Hineinlegen der Eier gemacht würde, doch haben ihn
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 337
wiederholte Beobachtungen belehrt , dass dem nicht so sei. Er traf
die Insekten häufig in Begattuug und die Weibchen legten auch in der
Gefangenschaft längliche, hellgelbe Eier; wohin dieselben im Freien
gelegt werden, ist dem Verf. unbekannt geblieben.
Eumolpidae. Neue Arten sind: Eumolpus smaragdulus Le
Conte (Entomol. Report p. 67) aus Californien, Heteraspis Japana
Motschulsky (Etudes entomol. VI. p.37) aus Japan und Eumolpus in-
testinarum Thomson (Archives entomol. I. p.126) aus Brasilien.
Chrysomelae genuinae. — Sehr werthvolle Beiträge zur
Kenntniss der ersten Stände und der Entwickelungsgeschichte mehre-
rer einheimischer Chrysomelinen lieferte Cornelius (Entomol. Zeit.
p- 162—171 und p. 392—405) in einer Abhandlung: „Ernährung und
Entwickelung einiger Blattkäfer.“ Die Tüchtigkeit der Beobachtungen
des Verf., welche schon aus seinen früheren Untersuchungen über die
Larven der Cassiden u. s. w. bekannt ist, bestätigt sich in der vor-
liegenden Arbeit von Neuem und letztere liefert zugleich den spre-
chendsten Beweis , wie wichtig für die Unterscheidung mancher Ar-
ten die Kenntniss der Larven und die Beobachtung ihrer Lebensweise
ist. Bekanntlich sind die verschiedenen Autoren über die Artrechte
der Phratora vitellinae und vulgatissima abweichender Ansicht gewe-
sen, bis Suffrian dieselben nicht nur als Arten anerkannte, son-
dern auch ausserdem zwei andere, ebenfalls sehr ähnliche als Phr.
tibialis und laticollis abtrennte.e Cornelius hat sich nun bemüht,
die Larven dieser Arten zu beobachten und die Käfer daraus zu er-
ziehen, wobei sich nicht nur die vier von Suffrian angenonm-
menen Arten als sicher herausstellten, sondern sogar noch eine fünfte
zum Vorschein kam, welche der Verf. als Phratora atrovirens cha-
rakterisirt. DieLarven unterscheiden sich zum Theil schon durch die
Futterpflanzen, indem Phr. latieollis und atrovirens z. B. nur von
Espen, Phr. vulgatissima nur auf Wollweiden, Ph. tibialis auf Salix
purpurea lebt, während Phr. vitellinae verschiedene Weiden- und
Pappelarten frisst. Auflallendere Unterschiede bieten dieLarven selbst
dar, wie z. B. bei ‚denen der Phr. vitellinae, tibialis und atrovirens
die Unterseite gelleckt, bei den beiden andern dagegen ungelleckt
ist. Nebst einer genauen dilferentiellen Beschreibung der Larven
aller fünf Arten giebt der Verf. auch eine solche von den Käfern
und zwar hebt er besonders die Unterschiede der neuen Phr. atrovi-
rens von Phr. vulgatissima und laticollis hervor. — Feinere Arten,
deren erste Stände vom Verf. ausführlich beschrieben werden, sind
Hellodes phellandrii (Larve auf, Cieuta virosa), hannoverana (auf
Caltha palustris), marginella und aucta (auf Ranuneulus - Arten);
während die Larven der drei letzteren Arten äusserst ähnlich und
selbst bei genauer Betrachtung kaum von einander zu unterscheiden
sind, zeigen die Puppen auflallende Unterschiede, die vom Verf. in
Archiv [ Naturgesch XXIV. Jahrg, 2. Bd. W
338 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
einer "Tabelle auseinandergesetzt werden. —- Von den drei übrigen
von Cornelius beschriebenen Larven lebt die der Lina cuprea auf
Salix triandra ; die der Gonioctena viminalis und Plagiodera armora-
ciae sind durch Letzmer schon kurz zuvor zur Kenntniss gekommen,
die C.’schen Beschreibungen enthalten jedoch vervollständigende und
berichtigende Angaben über dieselben.
Die Larven des Phaedon camiolicus und der Lina lapponica
sind durch Märkel (Allgem. Dentsche Naturhist, ‚Zeitung 1857.
p-171. und 174 ff.) bekannt gemacht ‚worden; ‚die der ersteren Art
nährt sich ‘von Stellaria nemorum, ‚hängt sich zur Verwandlung
nicht an, sondern verpuppt sich liegend; die der zweiten lebt auf
Weiden, deren Blätter sie skelettirt, indem sie alle Blattrippen, selbst
die feinsten, verschont und hängt: sich zur. Verpuppung gestürzt auf.
Der Verf. hebt mit Recht hervor, dass die Larven der Chrysomelen
für die Systematik und besonders für‘ die Abgränzung der Gattungen
von. Wichtigkeit. seien; so z. B. zeichnen sich, die Larven der Gat-
tung ‚Lina dadurch aus, dass sie auf dem zweiten und dritten Kör-
perringe zwei Warzen führen, aus denen beim Drucke ein. Tropfen
Flüssigkeit hervordringt; auch die Art des Frasses und der Verpup-
pung würden hier in Betracht komwen,
Stäl „Till kännedomen af Phytophaga* (Öfversigt af Kongl. Ve-
tensk. Akad. Förhandl. XIV. p. 53 fl.) machte als Vorläufer zu einer
monographischen Bearbeitung der Gattung Doryphora 49 neue Arten
derselben durch Diagnosen bekannt, welche hier namentlich aufzu-
führen überflüssig sein würde. . Ferner zwei neue Ostindische Chry-
somelinen-Gattungen: Lycaria n.g. „Corpus ovale, valde convexum;
palpi apice oblongo-clavali, articulo apicali praecedenti aequilongo,
sed graciliore, eylindrico; oculi oblongi, anterius sinualti; antennae
apicem versus sensim erassiores; thorax elylrorum tertiae parti aequi-
longus , transversus , antrorsum angustatus, anguste marginatus; scu-
tellum utringue et apice late rotunditum; unguieuli tarsorum. fissi.“
Mit Chalcomela Baly verwandt. Art: L. Westermanni aus, Assam. —
Phyllophila n. g. „Corpus oblongo - subovatum , modice convexum;
palpi eylindrici, articulo penultimo apice ultimo nonnihil latiore;
antennae ‚thorace cum capite dimidio longiores , apicem versus vix
erassiores, anticulo apieali fusiformi; tibiae simplices, unguieuli tar-
sorum.a basi, ultra medium paralleli, aequicrassi, dein subito angu-
stiores.“ Mit Goniociena zunächst verwandt. Art: Ph. sedecimpustu-
lata von Pulo Penang. — Neue Aıten sind ausserdem: Chrysomela
stictica von Java, Mellyi aus Thybet, pyrrhopyga aus Ostindien, Lina
elata ebendaher, discolor und Entomoscelis ochroptera vom Cap.
Baly, „Description of two insects belonging to Pseudomela, a
new genus of ‚Chrysomelidae“ ( Transact. of the entomol. soe. IV.
pP. 87 f.) errichtete eine neue Gattung Pseudomela, an welcher er ‚die
»
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 339
habituelle Aehnlichkeit mit Eumolpus hervorhebt, die aber nach der
Bildung des dritten Tarsengliedes und der Fussklauen zu den eigent-
lichen Chrysomelen gehöre. Diese Gattung fällt mit der vom Ref.
aufgestellten Ceralces (Jahresbericht f. 1855. p. 84) zusammen; die
beiden von Baly beschriebenen Arten sind Pseudom. Murrayi von
Old-Calabar und Natalensis .aus Süd-Afrika.
Neue Arten sind ausserdem: Chrysomela Duperreyi Montrou-
zier (Annales de la soc. d’agriculture de Lyon VII, 1. p.68) von der
Insel Woodlark, Chrysomela insulana und Lina eruentipennis Jac-
quelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p.125f.) von
Cuba, Chrysuchus cobaltinus Le Conte (Entomol. Report p. 67) und
Cyrtonus punetipennis Fairmaire (Annales de lasoe. entom. V. p. 744)
aus den östlichen Pyrenäen.
Dietrich (Entomol. Zeitung p. 135) beschrieb eine von ihm
früher als eigene Art angesehene Varietät der Chrysomela fucata (Chr.
subseriepunctata Bremi Catal.).
Gallerucariae. — Eine Reihe neuer Arten aus Californien
und dem Oregon-Gebiete machte Le Conte (Entom. Report p. 67 ff.)
bekannt: Haltica puncticollis, limbicollis, prasina, obolina, lazulina,
cerina, aereola, subcrinita, ligata, subaenea, albionica, lepidula, Psyl-
liodes parvicollis, convezior, Chaetocnema irregularis, Luperus va-
ripes, longulus, Galleruca rudis, conspula, guttulata und morosa.
Jacquelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba VN.
p-126 ff.) folgende von Cuba: Coelomera opacipennis, Phyllobrotica
pulchella Dej. Cat., Monomacra costipennis, religata Klug i. lit.,
Strabala intermedia Dej. Cat., Systena basalis und Crepidodera uscata
Dej. Cat.
Montrouzier (Annales de la soc. d’agrieulture de Lyon VII, 1.
p-69 ff.) folgende von Woodlark: Galleruca fieus, Cristovallensis,
macropoda, bicincta, flavescens, affinis, 4-maculata (Fabr.?) , Bois-
duvalia (nov. subgen. „Halsschild fast so breit als die Basis der
Flügeldecken“), sezlineata, circumdata und Haltica azurea (Latr.).
Eine neue Gattung Arthrotus stellte, v. Motschulsky (Etudes
entomol. VI. p. 38) auf; Fühler lang, 2. und 3. Glied kurz, das 4. ‘
fast so lang als die drei ersten zusammengenommen; Maxillartaster
mit dreieckigem, zugespitzten Endgliede, Lippentaster mit ovalem
Endgliede, welches länger als das quer mondförmige vorhergehende
Glied ist; Kopf stark quer mit hervortretenden Augen, Thorax quer.
seitlich bei den zuhnförmigen Vorder - und Hinterecken ausgebuch-
tet; Flügeldecken fast gleich breit, stark punktirt, mit deutlichen
Schulterecken; erstes Tarsenglied breiter als das 2. und so lang als
die beiden folgenden zusammengenommen. Art: Arthr, niger aus
Japan. — Rhaphidopalpa femoralis, Aulacophora nigripennis neue
Arten ebendaher.
340 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
‚Wollaston (Catal, of Coleopt. Insects of Madeira p.132 ff.)
beschrieb. Longitarsus consanguineus, fractus und ezcurvus' als neue
Arten vonMadeira, Fairmaire (Annales de la soc. entom. V. p. 641)
Psylliodes erassicollis n. A. von Montpellier. Gredler (Käfer von
Passeier) Luperus gularis aus Tyrol.
Thomson (Archives entomol. I. pl. 10. fig. 5) lieferte eine
nochmalige Abbildung des Loxoprosopus ceramboides Guer. mas.
Hispariae. — Alurnus Dryas Thomson (Archives entomol:1.
p.127) n. A. aus Columbien, Odontota azillaris (Dej. Cat.) Jac-
quelin du Val (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 130) n.
A. von Cuba.
Cassidariae. — Cassida testudinaria, aurata und strigula
Montrouzier (Annales de la soc. d’agrieulture de Lyon VII, 1. p.67)
n. A. von Woodlark , Cassida Rossii Wollaston (Catal. of Coleopt.
Inseets of Madeira p.130) n. A. von Madeira.
Erotylenae. Thomson (Archives entomol. I. p. 410) be-
schrieb Omoiotelus spinifer als neue Art vom Amazonenstrome.
Montrouzier (Annales de la soc. d’agricnlture de Lyon VII, 1.
p- 73 f.): Triplaz 4-vittata, 4-maculata, A4-pustulata, parallela, rhom-
boides und angustala als neue Arten von Woodlark.
Endomychidae. Ref. hat (dies. Archiv für Naturgesch.
XXI, 1. p.211—243) als Vorarbeit zu einer (jetzt erschienenen)
Monographie dieser Familie die alten Gattungen Eumorphus und En-
domychus einer näheren Untersuchung unterworfen, die unter ihnen
enthaltenen Gattungen (im neueren Sinne) auseinandergesetzt und die
gegenwärtig bekannten Arten durch Diagnosen festgestellt. („Versuch
einer’ ‚systematischen Auseinandersetzung der Gattungen Eumorphus
Web. und Endomychus Payk.“). Nach Feststellung der Charaktere der
Familie, besonders im Gegensatz zu den nahe verwandten Coccinel-
linen, wird eine Eintheilung in zwei Hauptgruppen: Endomychidae
genuini und adseiti vorgenommen; bei ersteren ist das dritte Tarsen-
glied wie bei den Coceinellinen klein und im Grunde des vierten
verborgen, bei letzteren dagegen frei entwickelt und aus dem vor-
hergehenden heryortretend. Die beiden Gruppen Eumorphini und En-
domychini, den eben genannten älteren Gattungen entsprechend, +ge-
hören der ersteren Abtheilung der Endomychidae genuini an. Die
Eumorphini zeichnen sich durch verlängertes drittes Fühlerglied und
blattartig flachgedrückte Fühlerkeule, ausserdem durch die besonders
prägnante Geschlechtsdifferenz aus. Sie umfassen 10 Gattungen: 1)
Ampbisternus Germ., von.allen folgenden durch das gabelförmig ge-
spaltene Prosternum unterschieden; 10 Arten, sämmtlich von den
Sunda-Inseln, davon 7 neu. 2) Spathomeles n. g., mit fast ver-
wachsenen Gliedern der Fühlerkewle, innen gezähnten und lang zu-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 341
gespitzten Mandibeln, querem Endgliede der Lippentaster und stark
gekeulten Schenkeln; die Männchen mit hakenartigem Fortsatz auf
der Scheibe der Flügeldecken; 4 sämmtlich neue Arten von den
Sunda-Inseln. 3) Engonius n.g. von der vorigen Gattung durch die
durchblätterte Fühlerkeule, die kurze Spitze der Mandibeln und den
Mange! des Hakens auf den männlichen Flügeldecken unterschieden;
6 nene Arten von den Sunda-Inseln und Ceylon. 4) Trycherus n.g.
(Olenus Dej.)- mit am Innenrande gezähnten, an der Spitze gespalte-
nen Mandibeln, querem Endgliede der Lippentaster und nicht gekeul-
ten Schenkeln ; 5 neue Arten, aus dem tropischen Afrika. 5) Eu-
morphus Web., auf die Ostindischen Arten mit lanzettlichem Proster-
num, am Innenrande ungezähnten und an der Spitze abgestutzten Man-
dibeln, querem Endgliede der Lippentaster und zusammengedrückten
Schenkeln beschränkt; 22 Ostindische Arten, wovon 17 neu. 6) Pe-
danus n. g. kleinere Arten mit ganz stumpf abgerundeten Mandibeln
umfassend; 3 neue Ostindische Arten. 7) Dioedes n. g. (Aploscelis
Dej.) auf Eumorphus atratus Klug begründet, ausser dieser noch eine
zweite Art von Madagascar umfassend. 8) Encymon n.g., durch ganz
lineares, zwischen den Vorderhüften eingesenktes Prosternun von den
vorhergehenden unterschieden; Mandibeln kurz, innen gezähnt, mit
sehr scharfer Spitze, Lippentaster mit sehr breitem Endgliede; 1 neue
Art von Sumatra. 9) Cymbachus n. g. Prosternum die Vorderhüften
nicht überragend, eingeschnitten, Mandibeln schmal, innen gezähnt,
mit verlängerter, ungetheilter Spitze, Lippentaster mit ovalem End-
gliede; 1 neue Art von Java. 10) Corynomalus (Dej.) die Süd-Ame-
rikanischen Eumorphiden umfassend, z. B. Aegithus marginatus und
discoideus Fab. u. a., mit 16 Arten, von denen jedoch 2 als Varie-
täten einzuziehen sind. — Die Gruppe der Endomychini, welche sich
durch nicht verlängertes drittes Fühlerglied, ungezähnte Mandibeln,
hornige äussere Maxillarlade, gerundete Unterlippe und mangelnde
Geschlechtsdifferenz an den Beinen auszeichnet, zerfällt in 4 Gattun-
gen: 1) Eucteanus n.g. eine grosse, im Habitus den Eumorpben ver-
wandte Form, mit sehr breitem Prosternum , langen, schlanken Bei-
nen und schr breiter, blattartiger Fühlerkeule; 1 neue Art vom Hi-
malaya. 2) Meilichius n. g. von Endomychus durch verbreitertes
Prosternum und schmale, schief abgestutzte Mandibeln unterschieden:
1 Ostindische Art. 3) Endomychus Payk. mit 4 Arten. 4) Panomoea
n. g. ganz von der Form einer Coceinella, von der sie sich durch
nicht beilförmiges Endglied der Kiefertaster und den Mangel der
Schenkelfurchen des Hinterleibes unterscheidet; 1 Art von den Phi-
lippinen.
Thomson, Description d'un genre nouveau de la famille ‘des
Eumorphides et de plusieures especes, qui rentrent dans cette divi-
sion (Archives entomol. I. p. 153—157). Die als neu angesehene
342 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Gattung Cacodaemon, welche die Eumorphen mit gabelförmig. getheil-
tem Prosternalfortsatz umfassen soll, fällt mit Amphisternus Germ. zu-
sammen. Von den darunter beschriebenen 5 Arten gehören Cac. Ho-
pei und hamatus nicht zu dieser Gattung, sondern zu Spathomeles des
Ref., und zwar ist Cac. Hopei = Spathomeles anaglyptus, Cac. ha-
matus nicht der Eum. hamatus Dej. Gu£r., sondern Spath. decoratus
des Ref. — Zu Amphisternus Germ. gehören; Cac. lucifer (= Amph.
aculeatus G.) von Borneo, Cerberus (= Amph. spinicollis G.) von Java
und der schon im vorigen Jahre beschriebene Euın. satanas. — Aus-
serdem glaubt der Verf. durch Hinzusetzung seines Namens zu den
Gattungen Olenus Dej., Quirinus Dej., Orestia und Leiestes und durch
Hinzufügung einiger allgemein gültiger Charaktere sich die Autor-‘
schaft für diese Gattungen zu erwerben, ohne jedoch darauf Rücksicht
zu nehmen, dass die beiden letzteren schon von Germar und Red-
tenbacher charakterisirt worden sind; von den beiden ersten ist
Olenus = Trycherus des Ref., Quirinus mit Stenotarsus Perty identisch,
Ebenda (p. 237—280. pl. 13) hat auch Gu&rin unter dem
Titel: „Materiaux pour une monographie des Coleopteres du groupe
des Eumorphides et plus specialement du genre Eumorphus“ eine von
ihm im J. 1834 verfasste Arbeit über diese Familie abdrucken lassen,
welche eine Beschreibung der ihm bekannten Eumorphus-Arten und
ausserdem aphoristische Notizen über die von Dejean in seinem
Cataloge aufgestellten übrigen Gattungen nebst einzelnen Arten der-
selben enthält. Unter Eumorphus sind 19 Arten vereinigt, deren Be-
schreibungen gründlich abgefasst sind, so dass sie mit Sicherheit er-
kannt werden können, die der Verf. auf ihre generischen Abwei-
chungen aber nicht näher untersucht hat; so gehört z. B. sein Eum.
Kirbyanus weder dieser Galtung, noch überhaupt der Gruppe der Eu-
morphbini an (Gattung Indalmus des Ref.), Eum,. Westermanni muss
ebenlalls eine eigene Gattung bilden, für Eum. hamatus hat schon
Germar eine eigene Gattung Amphisternus errichtet, die dem Verf.
nebst den zwei darunter beschriebenen Arten ganz unbekannt geblie-
ben ist; Eum. Ilopei und quadrisignatus bilden die Gattung Spatho-
meles des Ref. und fallen mit den darunter beschriebenen Arten zu-
sammen, wogegen Eum. Herklotsii Guer. eine Art zu sein scheint,
die dem Ref. nicht bekannt geworden ist. Die übrig bleibenden 12
Arten gehören der Gattung Eumorphus Web. an und sind sämmtlich
vom Ref. ebenfalls, zum Theil unter anderen Namen beschrieben wor-
den. Für die Galtung Olenus Dej. führt Guerin den Namen Balius
ein (= Trycherus Gerst.) und beschreibt ausser B. Senegalensis noch
eine Ostindische Art: B. minutus. — Was die übrigen kurzen und
unzusammenhängenden Notizen des Verf. über die folgenden Dejean’-
schen Gallungen und Arten betrifft, so sind sie durchaus werthlos, da
sie einerseits ohne Berücksichtigung der vorhandenen Literatur zu-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 343
sammengeschrieben, andrerseits nicht derartig abgefasst sind, dass sich
für die Bestimmung der Gattungen und Arten etwas daraus ersehen
liesse. Die von Redtenbacher, Germar, Say, Le Conte u.A.
aufgestellten Gattungen und Arten. werden als neu angesehen und
ohne deren Citate beschrieben (z. B. Epipocus, Leiest»s, Rhanis),
andere Gattungen, wie Orestia Germ. , die der Familie ganz fremd
sind, ebenfalls mit abgehandelt; in gleicher Weise werden auch die
älteren Fabricius’schen Arten, welche Dejean nicht erkanntThatte,
unter des letzteren Namen aufgeführt und mit kurzen Diagnosen ver-
sehen. Von Interesse dürfte die Notiz sein, dass die Gattung Pelinus
Dej. nicht dieser Familie, sondern den Heteromeren angehört. — Eine
die Abhandlung erläuternde Tafel enthält die Darstellung von 20 Ar-
ten und zahlreiche Detail-Zeichnungen.
Derselbe hat zugleich unter obigem Titel im Decemberhefte
der Revue et Magasin de Zoologie IX. p. 565—581 (erst_im Februar
1858 ausgegeben) eine Streitschrift gegen Thomson veröffentlicht,
in welcher er diesem den Vorwurf macht, einige der von ihm be-
schriebenen Eumorphiden unter anderen Namen vorweg publicirt zu
haben und zwar ohne bei dieser Publikation die Arbeiten früherer
Autoren ‚(z. B. in Betreff der Gattung Amphisternus diejenige von
Germar) berücksichtigt zu haben. Letzteren Vorwurf hätte Gu&-
rin jedoch kluger Weise lieber bei Seite lassen sollen, da er seine
eigene Arbeit in viel ausgedehnteren Maasse trifft. Als Zugabe zu
dieser Broschüre und als Nachtrag zu seiner oben erwähnten Bear-
beitung der Eumorphen nimmt der Verf. eine Vertheilung der von
ihm beschriebenen Arten unter eine Anzahl Gattungen (oder Unter-
galtungen , genres secondaires) vor, deren Charaktere er in einer
analytischen Tabelle entwickelt, die aber zum Theil verfehlt sind.
Seine Gattungen Eumorphus, Eumorphoides, Enaisimus, Haplomorphus
und Heterandrus sind nämlich nur auf spezifische Eigenthümlichkei-
ten verschiedener Arten derselben Gattung , welche Eumorphus We-
ber heissen muss, begründet und können um so weniger Geltung er-
langen, als sie nicht einmal auf den natürlichen Gruppen dieser Gat-
tung basiren, ausserdem auch ganz fremde Elemente, wie den Eum.
Kirbyanus, der in die Verwandtschaft von Ancylopus gehört, einschlies-
sen. Von den übrigen Guerin’schen Gattungen fällt Rhachidophorus
mit Spathomeles des Ref., Amphisternus mit der gleichnamigen Ger-
mar'schen Gattung zusammen und Homalosternus scheint mit Euctea-
nus des Ref. identisch zu sein, in welchem Falle sie gar nicht der
Eumorphen- Gruppe angehört, sondern zu Endomychus zu verwei-
sen ist.
Montrouzier (Annales des science. phys. de la soc. d’agri-
oulture de Lyon VII, 1. p. 74) beschrieb Eumorphus immaculatus von
der Insel Woodlark, mit rothem Halsschild und violetten Flügeldecken,
344 Gerstaecker: Bericht über. die wissenschaftlichen Leistungen
ohne Flecken. Die Art gehört offenbar nicht zur Gattung Eumorphus,
doch ist über ihre Stellung aus der kurzen Beschreibung nichts Nä-
heres zu ersehen.
Guerin (Rev. et Magas. de Zool. IX. p.191) beschrieb Tro-
choideus? Goudotii als neue Art aus Columbien, welche jedoch nur
das längst bekannte Weibehen des Troch. Americanus Bug. ist; die
Angabe von fünf Fühlergliedern beruht auf einem Irrthume.
Coceinellinae. Neue Arten sind: Coccinella 28-punctata,
cyanoptera, Richesiana, Musae (ist Coelophora patrualis Muls.), tri-
eincta, cassidioides (ist Sunia melanaria Muls.), Cristovallensis und
Laportei Montrouzier (Annales de la soc. d’agriculture de Lyon VII, 1.
p-75 ff.) von der Insel Woodlark, Epilachna 2S-maculata Motschulsky
(Etudes entomol. VI. p.40) aus Japan, Psyllobora taedata und Chilo-
corus fraternus Le Conte (Entomol. Report p. 70 f.) aus Californien,
Scymnus decemplagiatus und Rhizobius oculatissimus Wollaston (Ca-
tal. of Coleopt. Insects of Madeira p. 1371.) aus Madeira und Cocci-
nella ambigua Gredler (Käfer von Passeier) aus Tyrol.
Heeger (Sitzungsberichte der mathem.-naturwiss. Classe der
Akad. d. Wissensch. in Wien XXIV. p. 326 ff.) machte die ersten
Stände des Sceymnus arcuatus Rossi und ihre Entwickelungsgeschichte
bekannt. Die weissbestäubte kleine Larve lebt auf Epheu , wo sie
sich von den Larven und Eiern des Aleurodes immaculatus ernährt.
Abbildung des Käfers sowohl wie der Larve und Puppe auf Taf. 5.
Ciypeastres, Jacquelin du Val („Note sur les caracteres
et la composition de la famille des Olypeastrides,“ Annales de la soec.
entomol. de France V. p. 98 1.) will mit Redtenbacher diese Fa-
milie gegen Erichson aufrecht erhalten, modifieirt aber ihren Um-
fang und glaubt nach der Verwandtschaft ihrer Larven mit denen. der
Lathridier, nach der Form der Hüften u. s. w. letztere als ihre näch-
sten Verwandten betrachten zu müssen. Er stellt die Familien-Cha-
raktere vorläufig folgendermassen fest: Maxillen nur mit einer schma-
len, hornigen Lade, Palpen verschieden, Fühler mit 9 bis 11 Gliedern,
die letzten eine sehr deutliche Keule bildend; Flügeldecken vollständig
oder an der Spitze etwas abgestutzt, Flügel ringsherum gewimpert
oder fehlend, Hinterleib meist sechsringlig, Vorderhüften hervortre-
tend, die hinteren quer, schr weit auseinanderstehend ; Tarsen schmal,
drei- oder viergliedrig, oder etwas erweitert und subtetramer. . Die
Familie soll sich in zwei Gruppen theilen: 1) Clyp£astrites mit den
Gattungen Clypeaster, Sericoderus und Corylophus. 2) Orthoperites
mit den Gattungen Orthoperus, Moronillus und Alexia, ausserdem auch
Sphaeıius.
Nach Peyron (Bulletin de la soc. entomol. p. CXIV) sind. die
Hinterflügel der Gattung Orthoperus Steph. lang und stark gewimpert
im’ Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 345
(bei Orth. atomus und brunnipes ‚untersucht),, weshalb er dieselbe zu
der Familie der Trichopterygii bringen zu müssen glaubt.
Wollaston (Catal. of Coleopt. Insects of Madeira p. 140) be-
schrieb Artkrolips aequale als neue Art von Madeira.
Orthoptera.
Yersin theilte im, Bulletin de la soc. Vaudoise des
science. natur. No. 41 mikroskopische Beobachtungen über
das Rückengefäss der Orthopteren mit, welche von ihm an
frisch gehäutelen und dadurch hinreichend durchsichtigen
Individuen von Blatta orientalis angestellt wurden. Es ist
darin nichts wesentlich Neues enthalten; das Rückengefäss
mit seinen Klappen-Einrichtungen, der dasselbe umgebende
Sinus, die Bewegung der Blutflüssigkeit in letzterem, endlich
die Blutkörperchen, wie sie sich bei verschiedenen Vergrös-
serungen darstellen, werden beschrieben.
Fischer, Ueber die Deutung der Orthopteren in Sco-
poli’s Entomologia carniolica (Entomol. Zeitung p. 100). Verf.
zählt die 18 von Scopoli beschriebenen Orthopteren auf
und fügt die Namen der’ modernen Gattungen, denen sie an-
gehören, bei; die Art- Nomenklatur stimmt mit zwei Aus-
nahmen (Blalta sylvestrisScop. —= lapponica auct. und Gryl-
lus lunulatus Scop. = Stenobolhrus variabilis auct.) mit der
allgemein angenommenen überein.
Assmuss (Sitzungsberichte des zoolog.-botan. Vereins
in Wien VII. p. 146 f.) publicirte ein Verzeichniss der Or-
thopteren des Gouvernement Kaluga (Russland). Die Be-
stimmung der Arten ist nach Fischer’s Orthoptera Euro-
paea gemacht und im Ganzen werden 34 aufgezählt: 4 For-
fieulina, 5 Blattina, 3 Gryllodea, 5 Locustina und 17 Acri-
diodea.
Einige bei Larche in den Basses- Alpes gesammelte Orthopte-
ren verzeichnete Brisout de Barneville (Annales de la soc.
entomol. V. p. 599). Es sind 2 Forficula, 5 Stenobothrus, 1 Pezotettix
und 1 Pachytylus.
Acridiodea. )J. Nieto, Note sur une nouvelle espece d’Or-
thoptere du Mexique (Revue et Magas. de Zoologie IX. p. 359 ff.)
gab eine Beschreibung und Abbildung einer von ihm für neu gehäl-
tenen Art: Acridium Velasquezii aus Vera-Cruz, mit lebhaft grünen
346 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Flügeldecken und rosenrothen Hinterflügen, dem Gryll. favicornis
Fabr. nahe verwandt. Diese Art ist jedoch schon von Erichson
(Schomburg, Reisen in British Guyana) als Acridium praetor be-
schrieben worden.
Montrouzier (Annales de lasoc. d’agriculture de Lyon VII, 1.
p- 90) beschrieb Truzalis Oceanicus und sylvaticus, ausserdem ein
unbenanntes Acridium als neue Arten von der Insel Woodlark.
Nach. Lucas (Bulletin de la soc. entomol. p. CVI) ist Ere-
mobia Jaminii Luc. (1854) mit Eremobia (Oedipoda) insignis Luc.
identisch.
Locustina. Neue Arten von der Insel Woodlark sind; Lo-
custa bilineata, macrocephala, pogonopoda, Conocephalus Cristoval-
lensis, Thunbergi Montrouzier (Annales de la soc. d’agriculture de
Lyon VII, 1. p.87 ff.). Ebenda wird Hyperomala virescens Boisd.
nochmals beschrieben.
Yersin (Bullet. de la soc. entomol. p. CLXI) gab die Diagnose
einer neuen Art Ptero'epis.alpina nach beiden Geschlechtern, 16—22
mill. lang, von der Spitze der Alpen,
Gryllodea. A. Yersin, Obseryations sur le Gryllus Hey-
denii (Annales de la soc. entomol. V. p. 761—779) hat ausführliche
Mittheilungen über die Lebensweise dieser Art gemacht. Zuerst be-
. schreibt der Verf. das noch unbekannte Männchen derselben, welches
zugleich auf pl. 15 in vergrössertem Maassstabe abgebildet ist. So-
dann unterwirft er den Gesang des Gryllus Heydenii einer ausführ-
lichen Erörterung, macht Mittheilungen über seine Nahrung (mehr
vegetabilisch als animalisch), beschreibt die Gänge, welche er in die
Erde gıäbt, ferner die Begattung, welche nur des Abends vor sich
geht, die Spermatophoren, welche aus einer kugligen Blase und einem
dünnen, gebogenen Stiele bestehen, und die in denselben befindlichen
Spermatozoön. Zum Eierlegen erwählt das Weibchen einen feuch-
ten Ort, bringt seine Legeröhre in die Erde hinein und legt nur im-
mer ein oder zwei Eier auf einmal. Die jungen Larven (ebenfalls
auf pl.15. fig.9 abgebildet) sind 1 mill. lang, grau, durchsichtig
und zeichnen sich durch sehr grossen und breiten Kopf aus; die Hin-
terleibszangen sind so lang wie Thorax und Abdomen zusammenge-
nommen.
Phasmodea. Laboulbene (Bullet. de la soc. entomol.
p- CXXXVIl) machte einige Mittheilungen über die anatomischen Ver-
hältnisse von Bacillus gallicus, welchen er zusammen mit L. Du-
four untersucht hat. Der Tractus intestinalis ist gerade, der Oeso-
phagus verlängert, die Speicheldrüsen sehr kurz, traubenförmig, der
Kropfmagen fehlt, der Chylusmagen ist ähnlich dem von Tridactylus,
nämlich an einer Seite vierlappig. Die Eiröhren sind auf eine Seite
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 347
beschränkt und münden, fast wie bei Mantis, in einen gemeinsamen
Stamm; es existirt eine, vielleicht auch zwei Anhangsdrüsen. Die
Eier sind gross und in jeder Eiröhre ist nur eins vollständig ent-
wickelt, darüber noch eins oder zwei sehr kleine; im Abdomen sind
sie gelb, nach dem Ablegen schwarz oder schwarzbraun, hart, runz-
lig, ähnlich denen von Blatta.
Montrouzier (Annales de la soc. d’agrieulture deLyon VII, 1.
p- 80 ff.) beschrieb Bacteria Servillei, Tropidoderus viridis, Pachymor-
pha Grayi, longipennis, Karabidion micracanthum, scorpionoides und
australe als neue Arten von der Insel Woodlark. Für die Gattung
Euryacantha Boisd., deren Art Eur. horrida Boisd. nach beiden Ge-
schlechtern wiederholt beschrieben wird, stellt der Verf. einen neuen
Namen Karabidion auf, und zwar erstens, weil er den Boisduval’schen
nicht für die übrigen Arten der Gattung als bezeichnend hält, zwei-
tens weil die Einwohner von Woodlark diese Insekten „Karabok“
nennen;,er glaubt zugleich, dass dieser Name desselben Ursprungs
wie Carabus sei.
Schaum (Monatsberichte der Berl. Akad. d. Wissensch. p. 423)
beschrieb Bacteria bitubereulata als neue Art von Mossambique.
Lucas (Bullet. de la soc. entomol. p. CXLVII) stellte Phyllim
Magdelainei als neue Art von Sumatra auf und hob ihre Unterschiede
von Phyl. siecifolium und Scytha kurz hervor.
Mantodea. Lucas, Note sur les caracteres que l’on peut
tirer du developpement des organes du vol pour distinguer l'etat
parfait ou non parfait des especes composant le genre Eremiaphila.
(Annales de lasoc. entomol. V. p. 321—327.) Verf. hat die von Yer-
sin hervorgehobene Lage und Faltung der Flügeldecken und Hin-
terflügel der Orthopteren bei Larven und Imagines auch an der Gat-
tung Eremiaphila bestätigt gefunden und weist nach, dass die aus
den Genilalien für die vollständige Entwickelung eines Individuums
entlehnten Kennzeichen stets mit der Ausbildung der Flügel Hand in
Hand gehen.
Mantis monochroa Montrouzier (Annales de la soc. d’agrieul-
ture deLyon VII, 1. p. 79) ist eine neue Art von der Insel Woodlark.
Blattina. Waga, Observations sur quelques partieularites
des moeurs de la petite Blatte des euisines (Blalta germanica auct.)
et sur les ellets de la poudre persane comme moyen de destruction
de cet insecte incommode. (Revue et Magas. de Zoologie IX. p. 444,
505 11.) Verf. berichtet über die Wirkungen des Persischen Insekten-
pulvers (aus den Blüthen von Pyrethrum roseum bestehend) auf Blatta
germanica, welche er in einer Polnischen Meierei, wo sich Schaaren
dieses Insektes in einem Wohnzimmer fanden, erprobte. Eine Schabe,
die in ein Glas gesetzt und mit Pulver bestreut wurde, starb in drei
Minuten; am Abend wurde um den Ofen des Zimmers, in dessen Nähe
348. Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
sich die meisten dieser Thiere der Wärme wegen aufhielten, Insekten-
pulver gestreut und die augenblickliche Folge war, dass alle augen-
blieklich die Flucht ergriffen , am nächsten Morgen aber schaaren-
weise todt oder dem Tode nahe rücklings auf dem Boden lagen,
Gegen Sphodrus planus, der in Gemeinschaft mit Pristonychus subeya-
neus den Blatten nachstellte, ferner gegen Povrcellionen , Wanzen,
Flöhe u. s. w. hat sich das Pulver gleichfalls wirksam erwiesen. —
Von den übrigen Mittheilungen des Verf. über Blatta germanica ist
hervorzuheben, dass die Kälte sie schnell tödtet; in einem Glase dem
Froste ausgesetzt, starben sie und zwar ausgebildete Exemplare und
Männchen viel schneller als junge Larven und Weibchen; die jungen
Larven lebten, nachdem sie für todt gehalten worden waren, am
nächsten Tage wieder auf. Wo Blatten häufig sind, treten auch
Krankheiten unter ihnen auf und zwar werden die kranken Indivi-
duen von den gesunden aufgefvessen, während ein Gleiches unter ge-
sunden niemals stattfindet.
Neue Arten sind: Blatta pellucida und quadripustuluta Mon-
trouzier (Annales de la soc. d’agriculture de Lyon VII, 1. p.79) von
Woodlark, Blatta (Holocompsa) collaris, Blabera Sulzeri (Surinamen-
sis Sulzer), fumigata, Monachoda Thunbergii, Phyllodromia Burmei-
steri und delicatula Gu@rin (Historia fisica de la isla de Cuba VII.
p- 138 If.) von Cuba.
Termitina. Cornelius hielt in der Generalversammlung
des Naturhist. Vereins d. Preuss. Rheinl. und Westphalens einen Vor-
trag über Termiten, welcher in den Verhandlungen des Vereins XIV.
p- 20—44 abgedruckt ist.
Libellulinae, Hagen (The Entomologist's Annual 1857.
p. 39—60) gab eine Uebersicht der in England vorkommenden Libel-
len (A synopsis of the British Dragon-Flies), deren Zahl sich im
Ganzen auf 46 stellt. Sowohl die Gruppen und Gattungen als die Ar-
ten sind mit kurzen Diagnosen versehen, so dass diese Uebersicht
zugleich dem angehenden Sammler Britischer Libellen als Anleitung
bei der Bestimmung seiner Arten dienen kann; auch sind einige Ar-
ten mit aufgenommen, deren Vorkommen zwar in England noch nicht
festgestellt ist, die aber, nach ihrer sonstigen Verbreitung zu schlies-
sen, wohl daselbst noch aufgefunden werden dürften. Die Englischen
Libellen-Arten vertheilen sich auf die einzelnen Gattungen folgen-
dermassen: Libellula 13, Cordulia 4, Gomphus 3, Cordulegaster 1,
Aeschna 7, Anax 1, Calopteryx 2, Platycnemis 1. Lestes 5, Agrion 9.
Herklots, „Eerste Opgave van inlandsche Waternimfen“
(Bouwstoffen voor eene Fauna van Nederland I. p. 119-122) stellte
eine Namenliste der in den Niederlanden beobachteten Libellulinen
mit Citaten ihrer Beschreibung in Selys und Rambur und Anga-
ben ihrer Fundorte zusammen. Von Libellula werden 10, von Cor-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 349
dulia 1, von Aeschna 5, von Calopteryx 2, von Lestes 6 und von
Agrion 7 Arten aufgeführt, ausserdem noch 3 Arten erwähnt, die von
Selys als in Holland einheimisch angegeben werden.
Mehrere neue Nord - Amerikanische Libellulinen beschrieb
Uhler, Contributions to the Neuropterology of the United States,
No. 1 (Proceedings of the acad. of nat. science. of Philadeiphia 1857.
p-87f.): Nannophya bella (fem.), Libellula bistigma (mas), plumbea
und confusa von Baltimore, saturata von San Diego, Julia aus dem
Oregon-Gebiete, assimilata von Nebraska. Die Libellula confusa des
Verf. ist identisch mit L. pulchella Drury (L. versicolor Fabr.)
Selys-Longcehamps (Historia fisica de la isla de Cuba VII.
p- 187 1.): Libellula Attala (annulata Ramb. pro parte), mithra (ebenso),
Justina, Justiniana (minuscula Ramb. pro parte), Metella, didyma
(Phryne Ramb., nec Perty), Celeno, Aphilla, Caraiba, Gynacantha
seplima, Trichocnemis minuta, Agrion (Nehalenia) macrogaster, (Pyr-
rhosoma) discolor Burm. ?, dominicanum, (Ischnura) tuberculatum als
neue Arten von Cuba.
Perlariae. Brauer (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins
in Wien VII. p. 205) machte „Bemerkungen über die kurzflügligen
Formen einiger Perliden-Arten.“ Verf. fand von Perla cephalotes,
deren Männchen von Curtis und Pictet als kurzflüglig angegeben
wird, zahlreiche langflüglige Männchen mit den Weibchen in copula,
dagegen zusammen mit diesen nur ein einziges kurzllügliges; ebenso
besitzt er lang- und kurzflüglige Männchen von Dictyopteryx micro-
cephala Pict. und von Taeniopteryx trifasciata Pict. Es scheint dem-
nach eine Schwankung in der Ausbildung der Flügel bei den Perli-
den-Männchen mehr oder weniger allgemein zu sein, gerade wie es
bei vielen Formen der Locustinen ete. der Fall ist; die Häufigkeit
der einen oder der anderen Form scheint nach den Lokalitäten zu
variiren.
Forficulina. Guerin (Historia fisica de la isla de Cuba
VII. p. 136 ff.) beschrieb Forficula (Forficesila) distincta un affınis
als neue Arten von Cuba.
Podurellac. Ilerklots (Memoires d’entomol., publ- p. 1.
soc. entom. des Pays-Bas I. p.94f.) gab eine genaue Beschreibung
der Podura arborea grisea de Geer (= Podura campestris cinerearde
Geer), welche gewöhnlich, aber unrichtiger Weise, mit Podura niva-
lis Lin. als synonym vereinigt wird. Die Unterschiede der de Geer'-
schen Art, welche der Verf. mit einem neuen Namen Degeeria (ver-
gebener Gattungs-Name bei den Tachinen!) pi, nach einer z-förmigen
Zeichnung der Körpersegmente belegt, werden gegen Podura nivalis
auseinandergesetzt.
350 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Wright (Natural history review IV., Proceed. of societ. p.231)
untersuchte die Mitchelstown- Höhlen in Irland und fand darin eine
Poduren-Art, welche der von Schiödte aus den Krainer Höhlen als
Anurophorus stillieidii beschriebenen sehr ähnlich ist, sich aber durch
mehrere Merkmale, die von Haliday p. 2351. erörtert werden, da-
von. unterscheidet.
J. Papon (Jahresbericht d. naturforsch. Gesellsch. Graubünd-
ten's I. p. 67—70. Taf. 2) machte Mittheilungen über eine im Februar
1855 bei Chur beobachtete Desoria, welche in grossen Schwärmen
den Schnee streckenweise ganz bedeckle. Er hält die Art für neu
und beschreibt sie als Desoria nivalis; sie ist aber nach Heer iden-
tisch mit Podura arborea nigra de Geer, nach Voigt dagegen mit
Desoria viatica Nicolet.
Neuroptera.
Neuroptera auslriaca. Die im Erzherzogihum Ocster-
reich bis jetzt aufgefundenen Neuropteren nach der analyli-
schen Methode zusammengestellt, nebst einer kurzen Cha-
rakteristik aller Europäischen Neuropteren - Galtungen, von
Friedrich Brauer, unter Mitarbeitung von Franz Löw.
Mit fünf lithographirten Tafeln. Wien, €. Gerold 1857.
(lex. 8. 74 pag.). — Eine nach dem Vorbilde von Redten-
bacher’s Oesterreichischer Käferfauna vorgenommene über-
sichtliche Bearbeitung der Neurofteren Oesterreichs hätte
wohl von Niemanden in glücklicherer Weise bewerkstelligt
werden können als von dem durch seine vielfachen interes-
santen Entdeckungen auf diesem Felde vortheilhaft bekannten
Verf. So gering der Umfang des hier zu behandelnden Ma-
terials im Vergleiche zu anderen Ordnungen war, so waren
doch der Schwierigkeiten in weniger durchgearbeiteten Fa-
milien, wie z. B. bei einem Theil der Phryganiden, nicht
geringe zu überwälligen und selbst eine dem vorliegenden
Zwecke angepasste Zusammenstellung und Behandlung des
über die anderen Familien Bekannten bedurfte einer ebenso
grossen Umsicht, als dieselbe für die Erweckung eines grös-
seren und mehrseitigeren Interesses an diesem Zweige der
Entomologie nur vortheilhaft wirken konnte. Der Verf. hat
in dem vorliegenden Werkchen die Neuropieren im Sinne der
älteren Systematiker bearbeitet, d. h. ausser den eigentlichen
Neuropteren mit vollkommener Verwandlung auch diejenigen,
im: Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 351
welche wir gegenwärtig den Orthopteren beizählen, mit. auf-
genommen, also-ganz in dem Umfange, wie er von Ram-
bur'in seiner Hist. nat. d. Neuropteres angenommen worden
ist; dass trotzdem die Pseudoneuropteren als eine len Or-
ihopteren angehörende Abtheilung, die sich von den eigent-
lichen Neuropteren . scharf abgränzt , vom Verf. angesehen
werden, braucht kaum erwähnt zu werden. Den analytischen
Tabellen zur Bestimmung der Familien, Gattungen und Ar-
ten sind einige einleitende Abschnitte vorausgeschickt,, in
welchen über die äusseren Körpertheile der Neuropteren, über
die im speziellen Theile angewandte Terminologie und ganz
besonders eingehend über die Larven der verschiedenen Fa-
milien und Gattungen gehandelt wird. Bei der Anfertigung
der analylischen Tabellen hat sich der Verf. durchaus zweck-
mässig an solche Charaktere gehalten, welche leicht fasslich
sind, gleichviel ob dieselben wesentlich und durchgreifend
sind, oder nicht; so z. B. benutzt er das Vorhandensein
oder Fehlen der Flügel als ein auffallendes Merkmal, und
führt dann die Familien und Gattungen, wo beide Modifika-
tionen vorkommen, nalürlich zweimal in der Tabelle auf.
Die eigentliche Charakteristik der Familien und Gattungen
erfolgt erst in der dritten Tabelle, welche zur Bestimmung
der Art dient und hier sind zugleich diejenigen Europäischen
Gattungen, welche in Oesterreich fehlen, aufgenommen,
Wollte man an der Arbeit des Verf. etwas anders wünschen,
als es eben gegeben ist, so könnte es in Bezug auf diese
Charakteristik der Familien und Gatlungen 'sein, welche im
Ganzen etwas zu aphorislisch und oft mit Uebergehung von
besonders interessanten Merkmalen, z. B. der Bildung der
Mundtheile, abgefasst sind; für den Anfänger wäre auch
vielleicht eine bildliche Darstellung derselben in ihren Haupt-
typen von Nutzen gewesen. Die Abbildungen, welche der
Verf. auf den beifolgenden fünf Tafeln gegeben hat, dienen
zur Erläuterung des Flügelgeäders und ganz besonders der
Analsegmente der Phryganiden,, welche für die sichere Be-
stimmung der Arten von grossem Werthe sind; die ebenso
zahlreichen als sorgfältigen Zeichnungen , welche der Verf.
von denselben gegeben hat, zeugen dafür, dass er sich das
Studium dieser Familie für das vorliegende Werk besonders
352 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
hat angelegen sein lassen. Dieselbe ist zugleich die’ einzige,
welche mit einer Anzahl neuer Arten bereichert ‘worden
ist, während bei den übrigen nur die Artnamen früherer
Autoren fisuriren.
Was die Abgränzung und Aneinanderreihung der Familien und
Gruppen der eigentlichen Neuropteren betrifft, so gesteht Ref. jetzt
dem Verf. gern die Verbindung von Rhaphidia, mit den Sialiden als
in der Natur begründet zu und widerruft demgemäss seine hierüber
im Jahresberichte 1855. p. 97 kundgegebene Ansicht als eine irrige.
Dagegen erscheint ihm die Trennung der Panorpatae vom den Megalo-
pteren und Sialiden durch die dazwischen eingeschobenen Tricho-
pteren etwos zu künstlich, da‘erstere, wenn sie auch nicht mit Bur-
meister zu den Planipennien selbst gezogen werden können , mit
diesen doch jedenfalls in engerer Beziehung als mit den Trichopte-
ren stehen, an welche sie sich doch nur durch die Verwachsung der
beiden Unterkieferpaare anschliessen könnten. — Ob die Galtung Ne-
moptera passender unter den Hemerobiden oder unter den Myrmeleo-
nen steht, mag vorläufig dahingestellt bleiben, da die Larve, welche
ihr muthmasslich angehört, doch nicht mit absoluter Sicherheit als
solche festgestellt ist; die Stellung von Dilar Ramb. zwischen Sisyra
und Drepanopteryx ist aber in jedem Falle aufzugeben , da sie als
sehr abweichende Form zwei ganz eng verbundene Gattungen trennt.
Wenn Rambur diese Gattung auf Grund der )gekämmten Fühler
des Männchens zu den, Sialiden bringt, könnte ihre habituelle Aehn-
lichkeit mit den Hemerobiden allerdings zum Einspruche gegen diese
Stellung berechtigen, obwohl die grossen im Dreieck gestellten Ocel-
len dieselbe andererseits wieder zu rechtfertigen scheinen; jedenfalls
müsste aber Dilar, unter die Hemerobiden versetzt, ausser der Reihe
aller ‚übrigen bekannten Gattungen Platz nehmen.
{ Hemerobini. L. Dufour machte in seinen „Fragments
d’anatomie entomologique“ (Annales des sciene. natur. 4. ser. VIIL
p- 6—10. pl. I) die Resultate seiner Untersuchungen über den. Ver-
dauungsapparat und die Ovarien der Nemoptera lusitanica bekannt.
(„Sur l’appareil digestif et les ovaires du Nemoptera lusitanica“). Spei-
cheldrüsen, wie sie bei Myrmeleon, Hemerobius und Osmylus vor-
kommen, liessen sich bei Nemoptera nicht auffinden. Der Tractus in-
testinalis geht in gerader Richtung zum hinteren Ende des Körpers
und ist der Länge desselben gleich; die vorn sehr feine Speiseröhre
erweitert sich nach hinten kropfartig, nimmt an ihrem hinteren Ende
einen darmartigen Schlundanhang, („panse“) auf und setzt sich als-
dann in den langgezogenen, cylindrischen Chylus-Magen fort, von
dessen hinterer Mündung jederseils vier lange, vielfach gewundene
und verhältnissmässig starke Vasa Malpighi ausgehen. Der Dünndarm
zeigt bis zum After keine Theilung oder Abschnürung, ist etwa zwei
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 353
Dritttheilen der Magenlänge gleich und von beträchtlich geringerem
Lumen. —- Jedes der beiden Ovarien besteht „aus einem länglichen
Centralsack mit feinen, durchsichtigen, fast membranösen Wänden,
an dessen Peripherie sich in sehr lockerer Weise etwa zehn kurze
Eierstocksröhren anheften.“ Jede Eiröhre enthält an ihrem unteren
Ende nur ein entwickeltes Ei, welches dann frei in den Centralsack
herabfällt, aus dem es auf dem Verf. unbekannte ‚Weise abgelegt
wird. Die Beschaffenheit des ‚Ausführungsganges dieser Ovarien- ist
der Untersuchung entgangen. — Die Tracheen, über welche ebenfalls
kurze Angaben gemacht werden, sind sparsam und überall cylindrisch
und mit dem Spiralfaden versehen; im Thorax allein kommen einige
Erweiterungen an ihnen vor, ohne indessen die Form von Luftsäcken
anzunelımen. — Das früher von Duf. vergebens gesuchte Nervensy-
stem ist ihm trotz wiederholter Untersuchungen auch jetzt noch un-
sichtbar geblieben.
Die schon von Westwood (Introduct. mod. elassif. of In-
sectsll. p. 55) ausgesprochene Vermuthung, dass der von Roux ab-
gebildete Necrophilus arenarius die Larve von Nemoptera sei, wurde
durch die nähere Beschreibung dieses interessanten Thieres von
Schaum (Berl. Entomol. Zeitschrift I. p. 1—9) nahebei zur Gewiss-
heit erhoben. Die zu Saugzangen organisirten Mandibeln und Maxil-
len finden sich bei dieser Larve in ganz analoger Weise wie bei den
Megalopteren- Larven vor und die seitwärts hinter den Kiefern her-
vortretenden Lippentaster bekunden ihre nahe Verwandtschaft mit
den Myrmeleonen-Larven. Abweichend ist der Mangel der Zähne am
Innenrande der Mandibeln, die sehr langen und dünnen Beine und
ganz besonders der aus zwei Stücken bestehende Prothorax, von de-
nen das vordere dünn, stielförmig und so lang als der ganze übrige
Körper ist. Von inneren Organen ist der Tractus intestinalis unter-
sucht, welcher sich ebenfalls in seiner Bildung derjenigen der Myr-
meleonen - Larven genau anschliesst; der sehr deutliche Nervenstrang
mit seinen grossen Ganglien ist wenigstens zum Theil präparirt wor-
den. — Obwohl die Verwandlung der in Aegypten,vom Verf. auf-
gelundenen Larven nicht beobachtet wurde, scheint ihre Zugehörig-
keit zu Nemoptera kaum zweifelhaft, da dies die einzige Gattung der
Familie ist, deren Larve man nicht kennt und deren Eigenthümlich-
keiten auf eine ebenfalls sehr heterogene Larve schliessen lassen ;
auch kommen in Aegypten zwei Nemoptera-Arten vor. — Eine ge-
treue Abbildung dieses Thieres durch Wagenschieber, so wie
eine Darstellung des Darmkanals. und Nervenstranges findet sich auf
der beifolgenden Tafel,
Brauen (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu Wien VII.
P- 201) verglich die yon ihm im vorigen Jahre beschriebene Chıy-
sopa tricolor mit Chr. gracilis und stenoptila Schneid. und glaubt,
Archiv f. Naturgesch. XXIV. Jahrz. 2. Bd. X
354 Gerstaecker: Bericht über die wissenschäftlichen Leistungen
dass alle drei zu einer und derselben Art ‚gehören; die letzte Schnei-
der’sche Art scheint auf ein unausgefärbtes, die erste auf ein altes,
verfärbtes Exemplar begründet zu sein.
Einige Mittheilungen über die Lebensweise der Larve: von
Acanthaclisis oceitanieca in Süd-Frankreich machte Perris in seinen
„Nouvelles exeursions dans les Grandes-Landes“ '(Annales de’ la soc.
Linneenne de Lyon IV. 1857. p. 88 £)5; seine Beobachtungen stimmen
mit denen am Ostseestrande gemachten darin überein, dass die Larve
keine Trichter im Sande gräbt.
Panorpatae. Von Brauer wurde (Verhandl. d. zoolog.-
botan. Vereins zu Wien VII. p. 69 f.) die muthmassliche Larve des
Boreus hiemalis nach ausgewachsenen Exemplaren , welche sich im
Januar in mit Schneewasser getränktem Moose an Steinen vorfanden
und ganz denjenigen glichen, die der Verf. schon im Jahre 1855 aus
den Eiern, welche von einem in der Gefangenschaft begatteten Bo-
reus-Weibehen gelegt worden waren, erhalten zu haben glaubte, be-
schrieben. Obwohl die Zucht der Imago aus den Larven nicht ge-
lang, scheint die Zugehörigkeit der letzteren zu Boreus dadurch ge-
sichert, dass sich im Herbste Nymphe und Imago an denselben Orten i
vorfanden, erstere in ausgetrockneter Erde unter Moos. Die Larve
bewegt sich raupenartig, beisst beständig um sich und höhlt mit
ihren grossen Kiefern in feuchter Erde Gänge aus ; die Nymphe gleicht
in der Gestalt fast der Imago, die Mundtheile sind jedoch kürzer und
dicker, die Farbe blass grüngelb mit schwarzem Scheitel und Prono-
tum, — Eine Abbildung der Nymphe so wie des’ Kopfes und der
Mundtheile der Larve ist auf Taf. 4 gegeben.
In einer nachträglichen Mittheilung (Sitzungsberichte des 200-
log.-botan. Vereins VI. p.133) bestätigt der Verf. die Richtigkeit
seiner Vermuthung, dass die beschriebene Larve dem Boreus hiemalis
angehöre; aus Larven, die im August in vermodernden Baumstämmen
(auf dem Schneeberge in Steyermark) gefunden wurden, entwickelte
sich Anfangs Oktober ein Exemplar des Boreus.
Trichoptera, Von A. Costa (Memorie della Reale Acca-
demia delle scienze di Napoli 11. p. 222) wurde eine Gattung Lasio-
cephala mit einer Art: Las. faurus aus Neapel beschrieben und ab-
gebildet, die mit Pogonostoma und Lasiostoma Ramb. im Habitus zu-
nächst übereinstimmen soll. Die auffallendsten Charaktere geben sich
in der Bildung der männlichen Fühler und Maxillartaster kund; letz-
tere sind zweigliedrig, das erste Glied sehr kurz, das zweite sehr
verlängert, drehrund, fast halbkreisförmig gebogen , nach unten ge-
dreht und lang behaart, die Lippentaster kürzer, dreigliedrig, das
erste Glied sehr kurz, das 2. und 3. gleich gross. Die männlichen
Fühler sind borstenförmig, das erste Glied lang, kräftig, anfgerich-
‚ fast lederartig, vor der Mitle zusammengeschnürt, Tanghäärig, die
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 355
übrigen vom sechsten an unterhalb lang gebartet. Beim Weibchen
sind ‚die Maxillartaster fünfgliedrig, das 1. Glied sehr kurz, das 2. bis
4. gleich gross, das 5. länger, dünner und zugespitzt; an den Füh-
lern die Glieder vom sechsten an nackt. Die Flügel haben bei bei-
den Geschlechtern keine Queradern, die vier hinteren Schienen mit
vier Sporen bewaffnet. Die Gattung ist auf der beifolgenden Tafel,
Fig.2 und 3 abgebildet.
Neue Oesterreichische Arten, von Brauer (Neuroptera au-
striaca, p. 37 1.) beschrieben, sind: Rhyacophila aurata, Philopota-
mus tigrinus , Hydropsyche Danubii, mazima, vwersicolor, Aspatherium
piceum, Dasystoma nigrum, Enoicyla limnophiloides, Frauenfeldi,
Chaetopteryz fusca, Halesus uncatus, Anabolia gigantea, rotundipen-
nis und Limnophilus tuberculatus.
Strepsiptera.
F. Smith, Observations on the difficulties attending
the discerimination of Ihe species of the genus Stylops (Trans-
act. entom. soc. IV. p. 115—118. pl. 24). Der Verf. liefert
eine nach dem Leben angeferligte Zeichnung eines männli-
chen Stylops, der sich aus einer Andrena Trimmerana ent-
wickelt hat und kommt bei dem Versuche, denselben nach
den bisher exislirenden Englischen Abbildungen zu bestim-
men, zu dem Resultate, dass wahrscheinlich überhaupt nur
eine Stylops- Art in England existire. Die Unterschiede,
welche die Abbildungen des Stylops melittae Kirby, Chil-
dreni Gray, Kirbyi Sowerby,, aterrima Newport und Dalii
Curtis zeigen, beruhen auf Ungenauigkeiten und den Verän-
derungen, welche nach dem Tode des Thieres schnell und
in hohem Grade eintreten. Auf der beifolgenden Tafel hat
Smith Zeichnungen von einigen Typen der genannten Arten,
die im British Museum exisliren, geliefert.
„Ich erinnere nur an die Strepsipteren, welche Coleopteren
sind“ (1?) sagt Burmeister (Zeitschrift f. wissensch. Zoologie VIII.
p- 153), um für den Nachweis, dass die Rotatorien zu den Crustaceen
gebracht werden müssen, eine Stütze zu haben.
Hymenoptera.
Die Verzeichnisse der Hymenopteren des British Mu-
seum sind mit einem fünften Bändchen, welches die Vespa-
rien enthält und von .F. Smith zusammengestellt ist, fort-
356 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
gesetzt worden: Catalogue of Hymenopterous Insects in the
collection of the British Museum by Fred. Smith. Part V.
Vespidae. London, printed by order of the Trustees. 1857.
(12., 147 pag. c. tab. VI.) — Es sind in diesem Verzeich-
nisse, wie gewöhnlich, sämmtliche bis jelzt bekannt gewor-
dene Gattungen und Arten der Familie aufgezählt, mit voll-
ständiger Synonymie versehen, die im British Museum vor-
handenen eigens bezeichnet und die als neu erkannten Arten
beschrieben. Da für die Bestimmung dieser Familie eine
neuere, sehr reichhaltige Monographie vorlag, so ist die An-
zahl der als neu beschriebenen Arten. begreiflicher Weise
eine weit geringere als in den Catalogen über die Apiarien,
Heterogynen und Crabroniten; neue Gattungen sind gar nicht
darin aufgestellt. In synonymischer Hinsicht ist das Ver-
zeichniss nicht ohne Interesse, da der gründliche Verf. die-
selbe öfters von Neuem untersucht und hin und wieder mit
Berücksichtigung älterer Autoren geändert hat, zuweilen
auch Saussure’sche Arten als Abänderungen anderer hinstellt.
Die neuen Arten sind an ihrem Orte einzeln namhaft gemacht
worden; die sechs das Bändchen begleitenden Kupferlafeln
liefern Abbildungen von 23 theils bekannten, theils neuen
Arten im Umrisse, die letzte einige Nester socialer Wespen.
H. de Saussure hat seine Eludes sur la famille des
Vespides, welche im J. 1855 mit dem dritten Theil vorläufig
abgeschlossen worden waren, von Neuem aufgenommen. Wie
in dem zuletzt. erschienenen Bande neben der Monographie
des Masariens reichhaltige Nachlräge und Verbesserungen zu
der Monographie des Guepes solitaires (Tome I. 1852) ge-
liefert wurden, so ist der jelzt begonnene vierte, von dem
die drei ersten Lieferungen (Cah. 8—10. Paris 1856—57)
vorliegen, in entsprechender Weise dazu bestimmt, die Mo-
nographie des Guepes sociales (Tome Il. 1853) durch neues
Material zu bereichern und zu ergänzen. (Näheres siehe
unter Vespariae!)
A. Förster’s „Hymenoplerologische Studien,“ von
denen im Jahre 1850 das erste Heft (Formicariae) erschie-
nen war, sind jeizt mit einem zweiten Hefte (Chaleidiae et
Proclolrupii, Aachen 1856. 4. 152 pag.) fortgesetzt worden.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 357
Der Verf. beschäftigt sich in dieser ebenso umfangreichen als
gehaltvollen Arbeit zunächst mit einer Feststellung der Gruppen
und Galtungen der durch ihre überraschenden Formen so
interessanten Familien der Chaleidier und Proctotrupier, in-
dem er die Beschreibung der Arten für das nächste Heft,
welches ebenfalls bald erscheinen soll, verspricht. Als Ein-
leitung (p- 1—8) dient eine historische Uebersicht der über
beide Familien erschienenen systematischen Arbeiten vonLinne
bis auf die Autoren des Entomological Magazine und Nees
v. Esenbeck; sodann folgt ein Eingehen auf die systema-
tische Stellung und den Charakter beider Familien, eine Dar-
stellung ihrer natürlichen Merkmale und ihrer Verwandtschaft
mit anderen Familien und Gruppen. Bei der Feststellung
der zahlreichen Gruppen (vom Verf. nicht passend als Fami-
lien bezeichnet), in welche die Chalcidier und Proctotrupier
(diese sind Familien!) zerfallen, folgt F. im Ganzen den von
Haliday und Walker aufgestellten Systemen, ohne sich
jedoch im Einzelnen an dieselben zu binden, wie dies die
Errichtung einer Anzahl neuer Gruppen (Myinoidae, Perilam-
poidae, Ormyroidae, Elasmoidae, Elachistoidae, Entedonoi-
dae, Tetrastichoidae und Trichogrammaloidae unter den Chal-
cidiern, Platygasteroidae, Belyloidae, Heloroidae unter den
Proctotrupiern) zeigt. In weit höherem Grade entfernt sich
der Verf. von seinen Vorgängern in der Feststellung der
Gattungen, die in der vorliegenden Arbeit eine sehr beträcht-
liche Bereicherung erfahren haben, so dass das Werk für die
Systematik der genannten Familien eines der bedeutendsten
ist und in der Literatur derselben mit den ersten Rang ein-
nimmt. Auf die systemalischen Einzelnheiten der Arbeit ist
bei den betreffenden Familien, so weit es der Raum gestaltet,
eingegangen worden.
Vom Ref. sind die in Mossambique durch Peters ge-
sammelten Hymenopteren bearbeitet worden und ein Ver-
zeichniss derselben nebst den Diagnosen der neuen Gallun-
gen und Arten vorläufig in den Monatsberichten der Aka-
demie der Wissenschaften zu Berlin vom J. 1857. p. 460 —
464 und p. 500-513 veröffentlicht. Es finden sich hier
zunächst die Familien der Apiariae , Vespariae, Crabronites,
Sphegidae, Pompilidae und Helerogyna abgehandelt.
3535 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Die Familie der Apiariae ist durch 11 Gattungen mit 25 Arten
vertreten, von denen nur fünf bereits bekannt, die übrigen neu sind;
auf zwei derselben wurden besondere Gattungen gegründet. — Die
17 Arten der Vesparien, gehören 6 bereits bekannten Gattungen an
und enthalten 11 neue. — Von 9 Crabroniten war nur eine Art (Li-
ris haemorrhoidalis Fabr.) bekannt, die übrigen neu, wogegen von
6 Sphegiden nur 3, und von 7 Pompiliden ebenfalls nur 3 sich als
unbeschrieben herausstellten; von 15 Heterogynen-Arten endlich wa-
ren 5 bereits bekannt, die 10 übrigen wurden als neu diagnostieirt
und auf eine der letzteren auch eine neue Gattung errichtet.
Eversmann hat seine „Fauna hymenopterologica
Volgo-Uralensis“ im Bulletin de la soc. imper. des naturali-
stes de Moscou 1857. IV. p. 544—567 mit einer Aufzählung
der zwischen der Wolga und dem Ural einheimischen Chry-
siden fortgeselzt. (Siehe diese Familie!)
Giraud, Description de quelques Hymenopteres nou-
veaux ou rares (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins in Wien
VIl. p. 163—184). Der Verf. giebt darin Beschreibungen
einiger neuen Ichneumoniden, Braconiden , Tenthredinelen
und Apiarien aus Oesterreich und den angränzenden Ländern.
F. Smith’s „Notes and observalions of Ihe aculeate
Hymenoptera“ (Entomologist's Annual 1857. p. 27—38) ent-
halten Notizen über die Lebensweise und das Vorkommen
einiger sellneren und zum Theil in England neu aufgefun-
denen Arten aus den Familien der Apiarien, Vesparien, Cra-
broniten,, Pompiliden etc. und ausserdem interessante Be-
merkungen über das Variiren gewisser Arten, die über einen
grösseren Theil von Europa und zum Theil auch bis nach
Nord-Amerika verbreitet sind. Als Arten, die, beiden Welt-
theilen gemein sind, werden z. B. angeführt: Halictus fa-
vipes, Andrena Clarkella, Megachile centuneularis, Nomada
ruficornis, Bombus hortorum; von anderen wird ein gemein-
sames Vorkommen in Europa und verschiedenen , Theilen
Afrikas (Canarische Inseln, Cap der guten Hoffnung) nach-
gewiesen.
Ein Verzeichniss der in den Niederlanden vorkommen-
den Hymenopteren stellte Snellen van Vollenhoven
in Herklots’ Bouwstoffen voor eene Fauna van Nederland,
ll. Deel, p. 221—283 unter dem Titel: „Naamlijst van Ne=
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 359
derlandsche vliesvleugelige Insekten (Hymenoptera)“ zusam-
men und reihte daran die Beschreibung einer Anzahl von
ihm für neu gehaltener Arten. Das Verzeichniss, welches
mit den Blattwespen beginnt und mit den Apiarien endigt,
erstreckt sich auf sämmtliche Familien der Hymenopteren,
deren Gattungen und Arten in systematischer Reihenfolge
aufgezählt werden; die letzteren sind mit Citaten aus den
wichtigsten allgemeinen ‚Werken über die ganze Ordnung
und aus ‘den bedeutendsten Monographieen einzelner Fami-
lien und Gruppen, so wie mit Angaben über Fundorte, Flug-
- zeit u. s. w. versehen. Die zwölf als neu beschriebenen
Arten gehören den Familien der Blattwespen, Schlupfwespen
und Bienen an.
Das Artverzeichniss, in welches nach dem Vorworte des Verf.
die Braconiden, Pteromalinen u. a. nur unvollständig aufgenommen
sind (aus Mangel an sicheren Bestimmungen), erreicht die Zahl 633;
davon kommen auf die Tenthredinetae 147 A., auf die Urocerata 6,
Eynipidea 18, Evaniales 1, Ichneumonidea 172, Braconidea 53, Chal-
ciditae 2, Pteromalina 38, Chrysidides 12, Formicariae 10, Mutilli-
dae 5, 'Scoliidae 5, Sphegidae 6, Pompilidae 17, Larridae 3, Nyssoni-
dae 4, Bembecidae 2, Philanthidae4, Mellinidae 2, Pemphredonidae 7,
Crabronidae 23, Eumenidae 10, Vespariae 4, Andrenidae 25 und
Apiariae 57.
Schenk hat seine seit einer Reihe von Jahren veröf-
fentlichte Bearbeitung der Hymenopteren des Herzogihums
Nassau im J, 1857 mit einer umfangreicheren Abhandlung
„Die Grabwespen des Herzogthunıs Nassau“ (Jahrbücher des
Vereins für Naturkunde im Herzogihum Nassau XII. p. 1—341),
ausserdem auch im Separatabdrucke (Wiesbaden 1857. 8.
343pag. 2 tab. lith.) erschienen, fortgesetzt. Wie in seinen
früheren Arbeiten verbindet der Verf. auch in der vorlie-
genden mit der Feststellung der Nassauischen Hymenopteren-
Fauna zugleich den Zweck, durch kurze Beschreibungen der
Familien, Gallungen und Arten, so wie durch analylische
Tabellen denjenigen Sammlern, welchen die Literatur nicht
vollständig zu Hand ist, ein Hülfsmittel zur Bestimmung ihrer
Arten zu geben. Die Benennung „Grabwespen“ gebraucht
der Verf, im weilesten Sinne des Wortes, indem er darunter
die Hymenoptera aculeata ınit Ausnahme der Apiarien und
360 Gerstaecker: Bericht über die, wissenschaftlichen Leistungen
Vesparien,, (d.h. ausser den’ eigentlichen Crabroniten. die'Fa-
nilien der Heterogyna «Mutillaria, Scolietae, Sapygidae),
Pompilidae und Sphegidae begreift, sich 'also den, Umfange;
welchen Dahlb om (Hymenopt. Europ.) dieser Gruppe ge-
geben hat, anschliesst und’ sie nur noch durch Aufnahme
der Heterogynen erweitert; überhaupt hat. ‚der Verf. die
Dahlbom’sche Arbeit für die Anlage der. seinigen zum, Mu-
ster genommen und überall benutzt. ‚Ueber die, Lebensweise
und Endwicklungsgeschichle der einzelnen Gruppen und. ‚Gat-
tungen ist das bereils Bekannte ‚zweckmässig., verwerlhet
und zusammengestellt worden, so dass der Leser sich neben
der Kenntniss der Arten auch über ihre Naturgeschichte ‚be-
lehren kann. Eine Anzahl Arten verschiedener ‚Gattungen, .
die dem Verf. neu scheinen, sind als solche aufgelührt und
beschrieben worden. |
Die Gesammtzahl der im Nassauischen nach Schenk aufge-
fundenen Arten der Hymenoptera fossoria beträgt 166. Die Gattun-
gen der einzelnen Familien und Gruppen sind folgendermassen ver-
treten: 1) Crabronites; Crabro 2 A., Solenius 4, Ectemnius 7, Thy-
reopus 2, Ceratocolus 2, Crossocerus 15, Blepharipus 1, Lindenius3,
Entomognathus 1, Nitela 1, Oxybelus 8, Rhopalum 1... — 2) l’em-
phredonidae: Tıypoxylon 2, Pemphredon 1, Cemonus 3, Diodontus 2,
Vassaloecus 5, Stigmus 1, Celia 1. — 3) Philanthidae: Philanthus 1,
Cerceris 5. — 4) Nyssonidae: Nysson. 7, Gorytes 2, Hoplisus 4, Har-
pactes 3, Stizus 1, Alyson 2. — 5) Bembecidae: Bembex 2. — 6)
Mellinidae: Mellinus 2. — 7) Larridae: Astata 1, Tachytes 5, Misco-
phus 2, Dinetus 1. — 8) Sphegidae: Sphex1, Ammophila 1, Miscus1,
Psammophila 1, Mimesa 4, Dahlbomia 1, Psen 7. — 9) Pompilidae;
Aporus 2, Salius 1, Pompilus 16, Priocnemis 11, Agenia 2, Pogo-
nius 2, Ceropales 2. — 10) Sapygidae: Sapyga 2, Polochrum (?) 1.
— 11) Scoliadae: Scolia 1, Tiphia 3, Meria (Myzine) 1. — 12) Mu-
tillidae: Mutilla 4, Myrmosa 1, Methoca 1.
Ruthe und Stein stellten (Entomol. Zeitung p. 311—
316) die Sphegiden und Chrysiden der Umgegend Berlins zu-
sammen; in die erste der beiden Familien sind die Pompi-
liden und Crabroniten mit inbegriffen.
Die einzelnen: Gattungen ‚sind in, folgender Weise durch Arten
vertreten: 1) Sphegidae: Mimesa 3, Dahlbomia 1, Psen 3, Miscus 1,
Ammophila 1, Psammophila 2, Sphex 1, Enodia 1 (E. chrysoptera
kurz charakterisirt). — 2) Pompilidae: Ceropales 1, Salius 3 (8. tae-
niatus Ziegl. i. 1. und germanieus Mus. Ber, kurz charakterisirt),
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 361
Aporus 2, Pompilus 12, Pogonius 4, (eine Art als P. notatus cha-
rakterisirt), Agenia 1, Priocnemis 10. — 3) Crabronites: Tachytes 5,
Astata 3, Alyson 1, Harpactes 4, Stizus 2 (St. Perrisii Duf. beschrie-
ben), Hoplisus 2, Gorytes 2, Nysson 5, Bembex 1, Philanthus 1, Cer-
eeris 5, Mellinus 2, Dinetus 1, Miscophus 4, Celia 1, Stigmus 1,
Passaloecus 6, Diodontus 4, Cemonus 2, Ceratophorus 1, Pemphre-
don 3, Oxybelus 9, Trypoxylon 2, Rhopalum 2, Entomognathus 1,
Nitela 1, Lindenius 5, Crossocerus 7, Blepharipus 2, Thyreopus 3,
Ceratocolus 4, Ectemnius 3, Solenius 1, Crabro 1. — 4) Chiysidides:
Cleptes 2, Omalus 4, Elampus 4, Holopyga 1, Hedychrum 10, Chry-
sis 16, Euchroeus 2 und Parnopes 1.
Kirchner stellte (Lotos 6. Jahrg. p. 28 ff.) „die durch
die Zucht blattlausartiger Insekten gewonnenen Schmarolzer-
Hymenopleren der Kaplitzer Gegend“ zusammen. Es sind 8
Braconiden, 22 Chalcidier und 8 Proctolrupier; die Arten
sind namentlich aufgeführt und bei jeder die Blattlaus - Art,
aus der sie erzogen wurden, angegeben.
Derselbe verzeichnete (ebenda p. 33, 63, 107 u. s. w.)
die von ihm erzogenen Ichneumonen der Umgegend von
Kaplitz; die Arbeit ist auch im Separatabdrucke unter dem
Titel: „die Ichneumonen der Umgegend von Kaplitz, eine
systematische Zusammenstellung der dort gezogenen Arten,
mit kurzen Charakleristiken der Gallungen, von L. Kirch-
ner“ (Prag .1856. 8. 63 pag. 1 tab. lith.) erschienen. — Der.
Verf. hat ausser angestochenen Raupen und Puppen auch den
Blatt-Taschen, Harzgallen, Pflanzenauswüchsen und Nadelholz-
zapfen seine Aufmerksamkeit zugewandt und sie behufs der
Zucht von Schmarotzern eingesammelt. Er geht in der Ein-
leitung auf die Kennzeichen der angeslochenen Wirthe ein,
macht eine Mittheilung über das. Anstechen der Puppe der
Vanessa Polychloros durch Pteromalus puparum ‚ bringt Be-
merkungen über die Gastvertheilung bei und zählt dann die
von ihm erzogenen Schmarolzer in systemalischer Reihen-
folge nach Familien und Gattungen auf, bei jeder einzelnen
genaue Angaben über ihre Lebensweise, ihre ersten Stände,
ihre Wirthe u. s. w. beifügend. Von Cynipiden werden 11,
von, Eyanialen 4, von Ichneumoniden 147, von Braconiden 60,
von Chaleidiern 114, von Proclotrupiern 46: aufgeführt.
Apisrine. Die vom Ref. (Monatsberichte der Akad. d. Wis-
senschY zu‘ Berlin p. 460 AM) durch Diagnosen bekannt. gemachten
362 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
neuen Gattungen und Arten aus Mossambique sind folgende: Aylo-
copa lugubris,, Anthophora flavicollis, Lipotriches n..g., mit Epeolus
und Phileremus verwandt, folgendermassen festgestellt: „Ocelli'in
tubercnlo. verticis positi; ‚alac anticae cellulis submarginalibus tri-
bus, tertia elongata'; femora poslica dentata; palpi maxillares 6-, la-
biales 4-articulati, Jigula et paraglossae lanceolatae, hirsutae.“ Art:
Lipotriches abdominalis. — ‚Coelioxys pusilla, Allodape facialis, He-
riades argenlata, phthisica , Anthidium niveocinctum, Euaspis n. g.
auf Thynnus abdominalis Fab. und die folgende neue Art begründet:
Elypeus convexus, 2 vötundatus , J\ truncatus; palpi maxillares exi-
-gui, biartieulati; ligula nuda, labio terminali lentieulari; palpi la-
biales ligula longiores, artieulo primo admodum elongato, basi in-
crassato, tertio quartoque brevissimis; scutellum d. truncatum, 2 bi-
lobum; corpus fere nudum, g' breve , 2 elongatum; tegulae 2 dila-
tatae, alae elongatae.“ Art: Euaspis rufiventris. — Megachile felina,
bombiformis, larvata , chrysorrhoea , zanthopus, curtula, graliosa,
Nomia vulpina, anthidioides und hylaeoides. — Von bereits beschrie-
benen Arten wurden in Mossambique gesammelt: Apis mellifica, var.
fasciata Latr., Xylocopa flavorufa Deg., lateritia Smith, caffra Kin. und
Allodape variegata Smith.
Lucas (Historia. fisica de la isla de Cuba VI. p- 314 1].) be-
schrieb Andrena Poeyi und Xylocopa cubaecola als neue Arten von
der Insel Cuba.
Giraud (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins zu Wien VI,
p- 179 .) Panurgus fasciatus aus Ungarn, Anthidium quadridentatum
bei Wien , Osmia cylindrica von Gastein, spiniventris aus Oesterreich,
Italien und Ungarn. 8
Snellen van Vollenhoven (Bouwstoffen voor eene Fauna
van Nederland II. p.283): Nomada Batava als neue Art aus den Nie-
derlanden. \
Von Smith (Proceed. of the entomol. soc. IV. p. 31) wurde
eine ausgezeichnete neue Art der Gattung Lamprocolletes aus Austra-
lien (von Sidney) unter dem Namen Lampr. bipectinatus bekannt ge-
macht, welche sich durch doppelt gekämmte Fühler auszeichnet; es
ist dies der erste Fall einer derartigen Fühlerbildung unter ‚den Apia-
rien, welche der Verf. für sexuell hält.
Derselbe (Transact. of the entomol. soc. IV. p. 116) glaubt
sich überzeugt zu haben, dass Andrena helvola und varians nur Va-
rietäten einer und derselben Art seien, zwischen denen sich die all-
mähligsten Uebergänge nachweisen lassen.
Beobachtungen von Wahlberg über die nordischen Hummeln
aus dem J. 1851 theilte Creplin (Zeitschrift f. d. gesammten Natur-
wissensch. IX. p. 132 ff.) in deutscher Uebersetzung, mit... Dandiesel-
ben schon in einem späteren Aufsatze desselben Verf. in der Ofvers.
\im (Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 363
af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. 1854 (vergl. Jahresbericht 1854.
p: 100) ihre weitere Ausführung gefunden haben, so wird ein Hin-
weis auf jene Abhandlung allein genügen.
Fabre (Annales des sciences naturelles, 4. ser. VII. p. 229) hat
sehr interessante Mittheilungen über das Schmarotzen der Melecta ar-
mata in den Nestern der Anthophora pilipes gemacht. Er beobachtete,
dass erstere Biene sich in grosser Anzahl aus den Zellen der Antho-
phora entwickelte und sah, wie sie in die Zellen derselben des Eier-
legens halber eindrang, ohne von der Anthophora daran gehindert
zu werden. Nach seinen Beobachtungen bestreitet F. die Richtig-
keit der Annahme Lepelletier’s, dass die parasitirende Melecta ihr
Ei in die Anthophora- Zelle lege, bevor diese vollständig mit Honig
gefüllt sei, und dass sobald dies geschehen , die Anthophora ihrer-
seits vor dem Schlusse der Zelle ebenfalls ein Ei hineinlege; er hat
nämlich bei Untersuchung zahlreicher Zellen niemals zwei Eier in
einer einzelnen gefunden, was hiernach der Fall sein müsste. F. ist
vielmehr der Ansicht, dass Melecta erst in die Anthophora-Zelle ein-
dringe, wenn sie mit einem Eie von Seiten der Besitzerin belegt
sei, dieses mit den Mandibeln zerbeisse und nun ihr eigenes Ei hin-
einlege, welches dann von der Anthophora durch Anfertigung des
Deckels eingeschlossen würde; für diese Vermuthung spricht die
Beobachtung des Verf., dass Melecta öfters in die Zellen der Antho-
phora eindringen gesehen wurde, während letztere Biene schon mit
der Anfertigung des Deckels beschäftigt war.
Ueber zahlreiches Vorkommen von Fadenwürmern (Mermis albi-
cans) in Apis mellifica und zwar ausschliesslich in Drohnen, welche
dadurch in grosser Anzahl starben, machte Assmuss (Allgem. deut-
sche Naturhist. Zeitung III. p. 353) eine Mittheilung.
Vesparine. H. de Saussure, Nouveaux Vespides du Me-
xique et de l’Amerique septentrionale. (Revue et Magasin de Zoo-
logie IX. 1857. p.269—280.) Der Verf. macht hier eine grössere
Anzahl neuer Vesparien aus Mexiko und Nord-Amerika, die von ihm
selbst gesammelt sind, vorläufig durch Diagnosen bekannt; die aus-
führliche Charakteristik derselben soll in einem Werk, welches 'die
Resultate seiner Reise zusammenfasst, erfolgen. Die Namen der Ar-
ten sind folgende: Zethus Aztecus, spinosus, Montezuma, Gurlemolzin
(zur Abtheilung Zethusculus gehörig) , Poeyi (von Cuba), Chiconten-
eatl und Matzicatzin (zur Abtheilung Didymogastra); mit Ausnahme
der einen Art alle aus Mexiko. — Montezunia huasteca, Eumenes
Iturbide und aztecus (zur Divisio n.), mezicanus und regulus (zur
Divisio o), Pachymenes Santanna, Odynerus (Protodynerus) Philadel-
phiae aus Pensylvanien, (Aneistroverus) capra aus den Vereinigten
Staaten und Canada, Santa Anna, Bustamente, tigris (Pensylvanien),
Parrcdes, prowimus (New-York), Bravo, Farias, vecidentalis, Arista,
364 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Sumichrasti, Guzmani, Aztecus, Hidalgo, Iturbide, Alvarado, flavopietus
(Vereinigte Staaten), Morelios, Guerrero , Toltecus , vagus und peren-
nis (Vereinigte Staaten), Huastecus, Otomitus, sobrinus , Peyroti, To-
tonacus, Tacubayae, Maya, Victoria, Mystecus, Tapanecus , Chichime-
cus, Acolhuus und Nectarinia Asteca. Die Arten, welche nicht .be-
sonders bezeichnet sind, stammen aus Mexiko.
Derselbe sprach sich in einer „Note sur les Polistes Ameri-
enins“ (Annales de la soc. entomol. V. p. 309—314) über die grosse
Veränderlichkeit der Färbung bei den Polistes- Arten überhaupt ‚aus
und ging speciell auf die Amerikanischen Arten ein, welehe von ihm
in seiner Monographie des gu&pes sociales zwar schon auf eine ge-
ringe Anzahl von Arten redueirt worden seien, aber trotzdem nach
den von ihm an Ort und Stelle gemachten Beobachtungen noch wei-
ter eingezogen werden müssen. Im Ganzen sind dem Verf. nur elf
nordamerikanische Arten als selbstständige bekannt , nämlich: a) mit
konischem, nach hinten zusammengedrückten Hinterleib :: Polistes ca-
nadensis Lin., annularis Lin., cavapyta Sauss. und americanus Fabr.
(wozu P lineatus und instabilis Sauss. als Varietäten gehören. — b)
mit niedergedrücktem, an der Spitze zusammengedrückten Hinter-
leib: P. carnifex Fab., aurifer Sauss. und comunchus n. sp. aus Neu-
Mexiko, durch Diagnose festgestelll. — c) mit niedergedrücktem,
mehr ovalen Hinterleib: P. rubiginosus Lepell.,, fuscatus Fab. (wozu
P. exilis, pacificus, instabilis var. und einerascens Sauss. als Varietä-
ten gehören), minor Pallis. urd apachus n. sp. aus Neu-Mexiko, hier
diagnosticirt.
Derselbe („Description de quelques Vespides nouveaux,“ An-
nales de la soc. entomol. V. p.315--319) beschrieb folgende neue
Arten: Ischnogaster Drewseni von Pulo Penang, Mischocyttarus Drew-
seni aus Brasilien, Rhynchium carbonarium von Tranquebar und Ody-
nerus Drewseni aus Neu-Holland.
Desselben „Bemerkungen über die Gattung Vespa, besonders
über die Amerikanischen Arten“ (Entomol. Zeitung p. 114— 117) han-
deln über die Veränderlichkeit der Färbung bei den überdem sehr
ähnlich gezeichneten Arten Europa’s und Amerika’s, für welche
hauptsächlich die Flecke des Clypeus, die Färbung der Fühler und
besonders die Stellung der Augen als charakteristische Merkmale zur
Art-Unterscheidung hervorgehoben werden. Was die Amerikanischen
Arten betrifft, so ist zu bemerken, dass dieselben in Nord - Amerika
zahlreich vertreten sind, gegen Mexiko hin abnehmen und weiter
südlich ganz zu fehlen scheinen; überall sind die Individuen selten,
wogegen die Polistes-Arten häufig, also gerade umgekehrt als in Eu-
xopa. Saussure kennt elf Nord-Amerikanische Vespa-Arten, näm-
lich: a) mit nicht bis zu den Mandibeln reichenden Augen: V..'ma-
eulata_Lin:, diabolina und, infernalis Sauss.;, b) mit.ganz, oder, bei=
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 365
nahe an die Mandibeln reichenden Augen: V. carolina Fab., sulphu-
rea Sauss., cuneataFab., arenaria Fab., marginata Kirby, vidua Sauss.,
communis Sauss. und pensylvanica Sauss. — Der Verf. bringt diese
Arten in eine analytische Tabelle, zieht V. consobrina Sauss. als
identisch zu V. arenaria Fab. und arenaria Sauss. zu marginata Kirby,
und diagnostieirt V. communis und pensylvanica als neue Arten.
Ref. machte (Monatsberichte der Akad. d. Wissensch. zu Berlin
p- 462 11.) folgende neue Arten aus Mossambique durch Diagnosen
bekannt: Eumenes longirostris, phthisica , sanquinolenta, Rhynchium
histrionieum, pulchellum, luctuosum, Belonogaster lateritius, elegans,
Iecaria nobilis, distigma und tomentosa. Von bekannten Arten wur-
den in Mossambique aufgefunden: Eumenes tinctor, Synagris xanthura
Sauss., Rhynchium rubens Sauss., Belonogaster junceus Fab., Polistes
Smithii und fastidiosus Sauss.
Eine Reihe neuer Arten aus verschiedenen Ländern, im British
Museum befindlich, machteSmith (Catalogue of Hymenopt. Insects in the
eollection of thie British Museum, Pt. V. Vespidae, London 1857) be-
kannt. Aus der Masariden-Gruppe: Paragia pictifrons aus Australien.
— Aus der Eumeniden -Gruppe: Rhaphiglossa Natalensis und Zethus
pubescens von Pt. Natal, Zethus carbonarius, pallidus, sculpturalis, dubius,
carinatus aus Brasilien, albopietus von St. Domingo, gracilis, laevi-
nodus aus Mexiko, Fumenes sublaevis von Borneo, fulvipennis von
Celebes, imperatriz aus Nord-China, insularis von den Salomons-In-
seln, auropilosa aus Brasilien, pieta von St. Domingo, Pachymenes
obseura aus Mexico, Abispa australis von Port Essington , Odynerus
basalis aus der Ukraine , intricatus von Bombay , flavolineatus von
Java, confluwentus von Sumatra, rufescens von Ceram, fragilis von
Borneo, nigrifrons aus Shanghai, flavoeinetus aus Neu-Holland, 4-tu-
berculatus und eumenoides von Pt. Natal, combustus und instabilis
vom Gambia, pruinosus von St. Domingo, similis von Mexiko, Ala-
stor argenlifrons und carinaltus aus Neu-Holland, albocinetus aus
Tasmanien. — Von socialen Wespen: Ischnogaster cilipennis von
Malacca, Jearia pendula aus Ostindien, opulenta und flavopicta aus
Borneo, Polistes lateritius von Ceram, oculatus aus Mexiko, Vespa
Iyrannica von Singapore, Polybia pallidipectus aus Mexiko. cordata,
albopieta, bicolor , diligens aus Brasilien, flavifrons aus Venezuela,
Chartergus luctuosus aus Brasilien.
v. Motschulsky (Etudes entomol. VI. p. 40) beschrieb Vespa
Japonica (Radaschkowsky i. lit.) alsneue Art aus Japan, 20 lin. lang.
NH. de Saussure, Etndes’sur la famille des Vespides. Mo-
nographie des Guepes sociales ou de la tribu des Vespiens, Cah. 8—10.
Paris 1656—57. (8., CXLIV pag., pl. 35—37.) — Der. Verf. beginnt
seine Nachträge und Ergänzungen zu der Monographie der socialen
Wespen mit einem allgemeinen Theile, in welchem er auf die sy-
366 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
stematische Eintheilung der Gruppe in Gattungen, auf die sexuellen
Unterschiede, auf die geographische Verbreitung der Gattungen und
Arten, endlich mit besonderer Ausführlichkeit auf die Wespenbauten
eingeht; der letztere Abschnitt nimmt den bei weitem grössten Theil
der vorliegenden drei Hefte, von p.19—138 ein. Nach Betrachtung
der Wespennester und ihrer Elemente, der Waben und Zellen im
Allgemeinen geht der Verf. zu einer Classification der Bauten über,
welche bereits in einer besonderen Abhandlung (siehe Jahresbericht
1855. p. 106 ff.) veröffentlicht worden ist; das dort aufgeführte Sy-
stem wird hier unverändert wiedergegeben, jedoch in seinen Ein-
zelnheiten weiter ausgeführt und erläutert. Auf die von Moebius
(siehe Jahresbericht 1856. p. 116) gegen die Natürlichkeit dieses Sy-
stems gemachten Einwendungen geht der Verf. p. 65.1. in einem Ca-
pitel: „Rapport entre la classification des nids etcelle de ses artisans*
nur indirekt ein und noch dazu, ohne die vortreflliche Arbeit jenes
Autors auch nur mit einem Worte zu erwähnen , obwohl er ihr au-
genscheinlich mannigfache Modifikationen seiner früheren Ansichten
zu verdanken hat. Seine Meinung, dass Arten einer und derselben
Gattung nicht zugleich zu den Phragmocyttaren und Stelocyltaren ge-
hören können, hat $. in Hinsicht auf die Gattungen Chartergus und
Polybia allerdings aufgegeben ; er stellt jedoch das Vorkommen be-
gränzter und unbegränzter Nester bei Chartergus nur als Ausnahme
hin, während er sich bei Polybia damit hilft, dass diese Gattung ein
Gemisch verschiedenartiger Elemente sei und daher der Theorie kei-
nen Eintrag thue. Dass unter Polistes einige Arten zu den „Rectini-
des,“ die meisten dagegen zu den „Laterinides“ gehören, erkennt er
ebenfalls an, während er für die übrigen Gattungen bis aul Weiteres
die Ansischt, dass die Arten derselben stets Nester von gleicher Ca-
tegorie bauen, festhält. In dem speziellen Theile dieses Abschnit-
tes beschäftigt sich der Verf. mit einer eingehenden Charakteristik
der Nester einer grösseren Anzahl verschiedener Arten.
In einer „Note sur les organes buccaux des Masaris“ (Annales
des scienc. natur., 4. ser. VII. p. 107—-112. pl. I.) unterwarf H. de
Saussure die sehr complieirte und abweichende Bildung der Un-
terlippe bei den Masariden einer genauen Darstellung. Am meisten
stimmt dieselbe bei der Gattung Paragia ‚mit der den Eumeniden
eigenthümlichen Form überein, den abweichendsten Typus zeigt sie
dagegen bei Masaris selbst; einen Uebergang zwischen beiden Formen
vermittelt die Bildung der Lippe bei der Gattung Ceramius. Auf der
beifolgenden Tafel hat der Verf., die Bildung der Lippe bei Paragia,
Masaris und Celonites nochmals durch mehrere Figuren erläutert.
Crabronites. Ref. (Monatsberichte der Berlin. Akad. der
Wissensch. 1857. p. 509.) machte folgende neue Arten von Mos-
sambique durch Diagnosen bekannt: Philanthus stygius, frontalis,
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 367
Cerceris pietiventris, trivialis, rufocincta, Lyrops quadricolor, fluctuata
und sepulchralis.
Schenck (Jahrbücher des Vereins f. Naturk. im Herzogthum
Nassau XII. p. 62 ff.) beschrieb als angeblich neue Deutsche Arten:
Solenius argenteus, Ectemnius pictus, Crossocerus elypeatus, Nysson
lineolatus (ist offenbar auf eine Varietät des weiblichen Nyssom ma-
eulatus Fab. gegründet), Tachytes obscuripennis, Psen intermedius,
laerigatus, ambiyuus und fulvicornis. Der Verf. ist bei mehreren
dieser Arten selbst im Zweifel, ob sie nicht als Varietäten von bereits
bekannten anzusehen seien.
Goureau (Bulletin de la soc. entomol. p. CLVII) machte Mit-
theilungen über die Brutstätte von Passaloecus gracilis Dahlb. oder
einer ihm nahe verwandten, neuen Art. Die Zellen waren zu fünf
in einem Rosenstocke angelegt, in dessen Stengel ein Gang von 5
bis 6 centim. Länge eingegraben war. In jeder Zelle fand sich eine
nackte Nymphe von gelber Farbe; es war keine Spur von Ueber-
bleibseln verzehrter Insekten darin zu finden, ein Zeichen, dass der
Raub der Larven von weicher Consistenz sei, also wahrscheinlich
wie bei den übrigen Pemphredoniden in Blattläusen bestehe.
Sphegidae. Neue Arten des Ref. aus Mossambique (Mo-
natsberichte der Berlin. Akad. d. Wissensch. 1857. p. 510 f.) sind:
Ammophila lugubris, Chlorion fulvipes und subcyaneum; von bekann-
ten Arten wurden aufgezählt: Sphex albifrvons Fab. , Ammophila fer-
rugineipes Lepell. und Pelopoeus spirifex Latr.
Sıäl, Nya arter al Sphegidae (Öfversigt af Kongl. Vetensk.
Akad. Förhandl. 1857. p. 63 ff.) gab Diagnosen von Ampuler amoena
n. A. aus China und renusta aus dem Callernlande.
Pompilidae. Pompilus vespertilio, fatalis und irpex sind
neue Arten des Ref. aus Mossambique (Monatsberichte der Berlin.
Akad. d. Wissensch. 1857. p.511); von bekannten wurden daselbst
aufgezählt: Pompilus Tamisieri Guer., morosus Smith, Brentonii Guer.
und pulcher Fab.
Von Stäl (Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. Förhandl. 1857.
p. 631.) wurden diagnostieirt: Pepsis colossica aus Columbien, Dahl-
bomii aus dem Caffernland, Mildei und Hemipepsis ochroptera aus Ca-
lifornien, iodoptera aus dem Caffernland, ochropus aus Sierra-Leona
und Sphecius lanio aus Neu-Holland,
Von Schenek (Jahrbücher d. Vereins f. Naturk, im Herzogth.
Nassau XII, p. 235 11.) folgende Deutsche Arten als neu beschrieben:
Pompilus intermedius, distinguendus, Priocnemis maculipennis. clari-
pennis und Agenia canaliculata.
\nMleterogyna, Ref. errichtete (Monatsberichte der Akad,
d. Wissensch. zu Berlin p. 511 1.) eine neue Gattung: ‚(oder Unter-
368 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
gattung) Pseudomeria auf eine aus Mossambique stammende neue Art:
Ps. semirufa, welche sich von den übrigen bekannten Arten der Gat-
tung Meria dadurch unterscheidet, dass in den Vorderflügeln die zweite
Submarginalzelle verkümmert ist, wodurch sich die dritte verlängert
und beide Nervi recurrentes aufnimmt; ausser dem auffallend flachge-
drückten Körper und dem langgestreckten, gleichbreiten Abdomen
sind auch an den Fühlern das 2. bis 4. Glied nicht an der Spitze an-
geschwollen und stark verkürzt. — Als neue Arten aus Mossambique
wurden ferner (ebenda) diagnostieirt: Mutilla aestuans, Tettensis, bi-
lunata, Guineensis Fabr. mas, Tiphia pedestris, scabrosa, Myzine cin-
gulata, Scolia pardalina , mansueta. — Von bereits bekannten Arten
werden als in Mossambique einheimisch aufgeführt: Scolia rulficornis
Fabr., melanaria Burm., cyanea Lepell., thoracica Fahr. und fascia-
tella Klug.
H. de Saussure, Notes sur les Scolietes et diagnoses de di-
verses especes nouvelles. (Revue et Magasin de Zoologie IX. 1857,
p. 280—282.) Die neuen hier durch Diagnosen bekannt gemachten
Arten sind : Scolia Azteca und Montezumae, ‚Elis Tolteca und Ameri-
cana aus Mexiko. Als Synonyma werden bezeichnet: Scolia coro-
nata Smith = frontalis Sauss., pulchra Smith = Picteti Sauss., insta-
bilis Smith = Jurinei Sauss., personata Smith = fulvifrons Sauss.,
aulica Burm. Smith — dubia Say, Sauss., dubia Smith —= haematodes
Burm., Scol. bimaculata Smith = Elis consanguinea Sauss., Scol. ir-
regularis Smith = Elis lativentris Sauss.
Schenck (Jahrbücher d. Vereins f. Naturk. im Herzogthum
Nassau XIl. p. 278) beschrieb Polochrum (?) cylindricum als neue
Dentsche Art. Nach den Angaben über die Form der Cubitalzellen
gehört diese Art nicht zu Polochrum ; nach denjenigen über die Bil-
dung der Fühler und die Zeichnung des Hinterleibs würde man eher
auf eine Sapyga schliessen, von welcher Gattung die vorliegende Art
jedoch dem Verf. zufolge abweichen soll.
Formicarine. Roger (Berl. Entom. Zeitschr. I. p. 10 ff.)
charakterisirte unter dem Namen Tetrogmus caldarius eine neue Gat-
tung und Art aus der Abtheilung der Myrmicinen, welche mit Lepto-
thorax Mayr zunächst verwandt ist; die Kiefertaster sind drei-, die
Lippentaster zweigliedrig, das Metanotum ist rinnenartig ausgehöhlt,
mit scharf erhabenem Rändern, in der Mitte mit zwei kurzen aufge-
richteten Dornen und zwei gleichen am unteren Ende zur Seite der
Einlenkungsstelle des Pedunculus. — Die Art, welche in Arbeitern
und Weibchen beschrieben ist, findet sich in grosser Anzahl in Ana-
nashäusern bei Rauden in Schlesien und ist wahrscheinlich impor-
tirt. — Ein Zwilter dieser Art, links Männchen, rechts Weibchen,
ist ebenda p. 15 ff. ausführlich Weschrichen und auf der a
Tafel abgebildet.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 369
Derselbe (ebenda p.17 ff.) gab interessante Aufschlüsse über
Formica capsincola Schilling. Letzterer wollte beobachtet haben, dass
die genannte Ameise ihre Eier einzeln an die Rinde der Eichen ab-
"legt und die ausschlüpfenden Larven zum Schutze mit einem kapsel-
förmigen Gewebe umgiebt, welches nach der Entwickelung von der
herauskommenden Ameise durchbrochen wird. R. hat dieselbe Art
an derselben Lokalität nebst den erwähnten Kapseln aufgesucht und
gefunden, dass letztere keine angefertigten Kapseln, sondern trächtige
Weibehen von Lecanium Cambii sind, aus denen die Ameisen auch
nicht ausgeschlüpft sind, sondern welche nur des Saftes wegen von
den Ameisen heimgesucht werden. Vielleicht ist F. capsincola Schill.
nichts Anderes als F. nigra Lin.
L. Dufour (Annales de la soc. entomol. V. p. 60 ff.) errich-
tete auf Formica pygmaea Latr., von welcher er eine Beschreibung
und auf pl. 4 eine Abbildung giebt, eine neue Gattung Mieromyrma,
deren wesentlicher Charakter besonders in der Form des Hinterleibs-
stieles liegt. „Abdominis petiolum simplieissimum , breve, eylindri-
cum, thorax inermis seu muticus, postice truncato -vetusus, mandibu-
lae inaequidentatae.“ Da die Form. pygmaea Latr. zur Gattung Ta-
pinoma Foerst. gehört, so würde die Gattung Mieromyrma Duf. mit
der Förster'schen zusammenfallen; übrigens giebt Duf. "abweichend
von Nylander bei den Arbeitern seiner Art zwölfgliedrige Fühler
an und ist daher über die Identität derselben mit der vonNylander
als F. pygmaea Latr. angesehenen im Zweifel.
„Ungarn’'s Ameisen von. Dr. G. Mayr“ (22 pag. in 4., ohne
Titel und Jahreszahl erschienen) ist eine Schrift, in welcher der Verf.
die ihm aus Ungarn bekannt gewordenen Ameisen in analytischen Ta-
bellen kurz nach den Arbeitern beschreibt und über ihre Lehensweise
Notizen giebt; sie ist vorzüglich darauf berechnet, Anfänger in das
Studium dieser Familie einzuführen, giebt übrigens zugleich ein Bild
der dortigen Fauna. Die einzelnen Gattungen sind in folgender
Weise vertreten: Formica 25, Tapinoma 3, Hypoclinea 1, Polyer-
gus 1, Ponera 1, Myrmica 3, Myrmecina 1, Tetramorium 2, Strongy-
lognathus 1, Leptothorax 2, Diplorhoptrum 1 und Atta 2 Arten.
Chrysidides. Die zwischen der Wolga und dem Ural vor-
kommenden Arten dieser Familie hat Eversmann (Bullet. de la
soc. imp. des naturalistes de Moscou 1857. IV. p. 544—567) zusam-
mengestellt, die einzelnen Gattungen und Arten mit lateinischen Dia-
gnosen versehen und die darunter belindliehen neuen charakterisirt.
Die Zahl derselben stellt sich folgendermassen heraus: Cleptes 2 A.,
Omalus 3, Ellampus 7, CE. femoralis n. A.), Holopyga 1, Hedy-
chrum 5, (H. flavipes n. A.), Chrysis 18, (Chr. eylindrica n. A. mit
ganzrandigem Endsegmente des Hinterleibs, Chr. amoena n. A. mit
vierzähnigem Endringe; alle übrigen Arten der Gattung sind eben-
Archiv [. Naturgesch. XXIV, ‚Jahrg. 2. Bd. N
370 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
falls ausführlich charakterisirt.) Stilbum 2 A., Euchroeus 3, Parno-
pes 2, (P. Popovii n. A.). In der Nomenklatur der Arten ist der
Verf. überall Dahlbom gefolgt, daher er auch die Synonymie nicht
weiter erörtert.
Ichneumonides, Wesmael hat unter dem Titel: „Ich-
neumonologica otia* in den Bulletins de l’academie royaie des scien-
ces de Belgique XXIV. 2. p.355—426 seinen Arbeiten über die ein-
heimischen Ichneumoniden abermals einen neuen Nachtrag hinzuge-
fügt, in welchem er eine grössere Anzahl neuer Arten beschreibt
und die Kenntniss früher beschriebener durch ergänzende Bemerkun-
gen vervollständigt. 1) Ichneumones oxypygi. Neue Arten sind:
Chasmodes paludicola (Ch. motatorius var. Wesm. antea) von Paris,
Ichneumon tentator ebendaher , imperiosus aus Ungarn, nobilis aus
Piemont, perspicuus aus Frankreich, eburnifrons aus Belgien, ery-
thromerus (insidiosus var. Wesm. antea), albicollis, phaeosligmus.,
eumerus (vaptorius var. Wesm. antea), ezilicornis (raptorius var.
Wesm.), firmipes aus der Schweiz, Dahlbomi aus Schweden, sezcin-
ctus aus Piemont, humilis aus Deutschland, torpidus aus Piemont,
eitrinops aus der Schweiz, zephyrus, comis, leucoerepis aus Italien,
pseudocryplus aus Belgien. — Hoplismenus lamprolabus. — 2) Ichneu-
mones amblypygi. Neue Art: Amblyteles longimanus. — 3) Ichneu-
mones platyuri. Neue Art: Platylabus varipedulis aus Ungarn. — 4)
Ichneumones pneustici. Neue Arten: Hemichneumon subdolus aus Un-
garn, suspeclus aus Belgien, Gnathoxys nasutus aus Ungarn und Deutsch-
land, Phaeogenes rubripietus von Paris, Aethecerus regius, Ischnus
anomalus aus Belgien. — Für die vervollständigten Beschreibungen
bereits bekannter Arten so wie für die synonymischen Berichtigungen,
welche der Verf. giebt, verweisen wir auf die Arbeit selbst.
Auch Boie (Beobachtungen und Bemerkungen, Entomol. Zeit.
p- 192 ff.) theilte fernere Beobachtungen über die Zucht von Ichneu-
moniden aus verschiedenen Raupen u. s. w. mit und beschreibt die-
jenigen, welche er für neu hält: Ichneumon nitidulus aus Noctua pi-
niperda, Campoplezx facialis aus Noctua ripae, Phytodiaetus muritimus
aus der Puppe einer Scatophaga, Pimpla eryptocampi aus Weiden-
Gallen (von Blattwespen). Ausführliche Angaben über die Verän-
derlichkeit des Ichn. incubitor Grav. und die Abweichungen der
beiden Geschlechter von einander auf p. 195 ff.
A. E. Holmgren, Monographia Tryphonidum Sueciae. Hol-
miae, 1856.4. 300 pag. c.tab. 2. lith. (Acta Regiae Academiae scien-
tiarum Holmiae I. 1855. p. 91—894). Der Verf. liefert in dieser sehr
umfangreichen Abhandlung eine monographische Bearbeitung der in
Schweden einheimischen Arten der Ichneumoniden -Gruppe Trypho-
nides, welche nicht nur für die Kenntniss der Arten, sondern auch
in Rücksicht auf die systematische Gliederung der Gruppe von beson-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 371
derer Bedeutung ist. Nachdem der Verf. für die fünf Hauptgruppen
der Ichneumonen, die Ichneumonides, Crypti, Ophionides, Tryphoni-
des und Pimplariae die wesentlichen Charaktere festgestellt hat, zei-
fällt er die Tryphonides zunächst in vier Abtheilungen: Tryph. ho-
malopi, prosopi, schizodonti und aspidopi. Während in den drei
ersten Abtheilungen das Scutellum mehr oder weniger erhaben, nach
hinten verengt und an der Spitze abgerundet ist, zeigt es sich bei
der vierten abgestutzt und seine Ecken vorgezogen. Bei den Tryph.
schizodonti ist der obere Zahn der Mandibeln zweispitzig und unter
demselben erscheinen die Mandibeln dreizähnig; bei den Tryph. pro-
sopi und homalopi ist der obere Zahn der Mandibeln dagegen unge-
theilt. Letztere beiden unterscheiden sich durch den Clypeus, der
bei den Tryph. homalopi abgetrennt, bei der Tryph. prosopi mit der
Stirn verschmolzen, durch das Gesicht, welches bei ersteren wenig
hervortretend, bei letzteren stark vorgequollen ist, durch die Lüngs-
verhältnisse des ersten Gliedes der Fühlergeissel, welches bei den
Tryph. homalopi länger als das zweite, bei den Tıyph. prosopi meist
ebenso lang als das zweite ist, durch die !Spiracula des Metathorax,
die bei den einen gerundet, bei den anderen länglich oder oval sind.
— Die Tryphonides homalopi umfassen 20 Gattungen, die je nach-
dem die Hinterschienen mit zwei Dornen bewaffnet oder unbewehrt
sind, in zwei Sektionen zerfallen. Unbewehrte Schienen haben drei
Gattungen: Acrotomus n. g., Exenterus Hart. und Exyston Schiödte.
Zweidornige Hinterschienen kommen 17 Gattungen zu , welche dev
Verf. nach den Verschiedenheiten einzelner Körpertheile abermals
in fünf Divisionen zerfällt: a) Mesoleptus Grav., Catoglyptus Först.,
Euryproctus n. g- und Notopygus n. g. b). Ctenopelma n. g-, Prio-
nopoda Holmgr. ce) Perilissus Först., Eelytus, n. g. d) Megastylus
Schiödte. ‘e) Mesoleius Holm,, Trematopygus n. g., Tryphon Fall.,
Grypocentrus Ruthe, Adelognathusın. g., Euceros Gray. , Polyblastus
Hart. und Erromenus n. g. — Die Trypbonides prosopi zerfallen in
7 Gattungen: Monoplectron Holm., Ischyrocnemis n. g-, Colpotrochia
Holm., ExochusGrav., Chorinaeus n.g., Hyperacmus n.g. und Ortho-
centrus Grav. — Die Tryphonides schizodonti beschränken sich auf
die einzige Gattung Bassus Fall., die Tr. aspidopi auf Metopius Panz.
— Die Zahl der in der vorliegenden Arbeit beschriebenen neuen Ar-
ten ist sehr beträchtlich und die überhaupt darin enthaltenen betra-
gen mehr als fünfbundert; die artenreichsten Gattungen sind: Meso-
leius 112, Tryphon 21, Polyblastus 46, Exenterus 47, Exochus 29,
Orthocentrus 55 und Bassus 4]. In artenreichen Gattungen giebt der
Verf, ausser den Beschreibungen der einzelnen Arten eine analytische
Tabelle zur leichteren Bestimmung derselben. Der Verf. hat eine
ebenso grosse Sorgfalt auf die Beschreibung des ihm vorliegenden
Materials als auf die Durcharbeitung der früheren Literatur verwandt,
372 Gerstaeeker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
so dass sowohl "aus, diesem Grunde als, auch wegen der Reichhal-
tigkeit (der. Schwedischen Fauna an Tryphoniden die Arbeit als’ eine
besonders wichtige in der’ ichneumonologischen Literatur, zu 'bezeich-
nen ist. Zwei .beifolgende Tafeln geben eine Darstellung von:%5
Gattungs-Repräsentanten.
Derselbe, „Ophionidslägtet Anomalon“ (Öfversigt af Kongl.
Vetensk. Akad. Förhandl. XIV. p. 157—-186) lieferte eine Aufzählung
und ausführliche Beschreibung der in Schweden einheimischen Arten
der früheren Gattung Anomalon Grav., in welcher er mit Wesmael
vier Untergattungen annimmt. Von diesen ist Schizoloma Wesm,,
Exochilum Wesm. und Heterochilum Wesm. je durch 1, Anomalon
sens. striet. durch 19 Arten vertreten. Unter letzteren sind als neu
zu erwähnen: Anomalon Wesmaeli (tulicorne Grav.?, bellicosum
var. Wesm.), rufum, affıne, septemtrionale und geniculatum. Die Ab-
handlung ist von einer Tafel begleitet.
Giraud (Verhandl. des zoolog.-botan. Vereins in Wien VI.
p-136 ff.) beschrieb Euceros erassicornis Grav. und albitarsis Curt.
nach beiden Geschlechtern, Metopius nasutus (ob = M. micralorius
Grav.?). Mesostenus nubeculator, Pezomachus tricolor als neue Arten
aus Oesterreich, Anromalon fasciatum aus Sicilien, Dalmatien und Sy-
rien. Abbildungen auf Taf. 3.
Snellen van Vollenhoven (Bouwstoffen voor eene Fauna
van Nederland Il. p. 281f.) 2 Lissonota eruenta, Exetastes Cimbicis
und Anomalon bucephalum als neue Arten aus den Niederlanden.
Nach Sichel (Bullet. de la soc. entomol. p. XCVI) ist der von
Doumerce aus Hemerobius perla erzogene Ichneumonide kein Acoe-
nites, wie früher von 'ihm angegeben (vergl. Jahresbericht 1855.
p. 118), sondern ein Hemiteles; die Ant ist entweder eine Varietät
von Hem. florieolator Grav. oder eine damit verwandte neue Art.
Agriotypus armatus Walk., von v. Siebold neuerdings als
Schmarotzer von Phryganiden-Larven (Aspatherium pieicorne Kol.)
nachgewiesen, kommt nach Kollar (Verhandl. d. zoolog.-botan. Ver-
eins in Wien VII. p.189) auch in Bayern und Steyermark vor; die
Art war bisher nur aus England bekannt.
Kawall (Entomol. Zeitung p- 121.) wies auf eine von Thun-
berg im IX. Bande der Petersburger Akademie-Schriften (1824) er-
schienene Arbeit über Ichneumonen hin, welche von Gravenhorst
und den späteren Autoren nicht berücksichtigt worden ist, aber die
Beschreibung einer beträchtlichen Anzahl neuer Arten (206 Europäi-
sche und zwar meist Schwedische, 31 ausländische) enthält. Ohne
Frage sind hier viele von Gravenhorst und nach ihm beschrie-
bene Arten schon charakterisirt und müssen für diese die früheren
Thunberg’schen Namen wiederhergestellt werden; Kawall hat sogar
im Gebiete der Entomolögie während! des Jahres 1857... 373
einige Arten nach Thunb erg bestimmen’ können, die, von Gra ven-
borstund Wesma&l gar nicht beschrieben‘ worden sind.
Evaniales, Montrouzier (Annales de la soc. d’agricul-
ture de Lyon VI, 1. p.113) beschrieb Stephanus haematipoda als
neue Art von der Insel Woodlark, mit Steph. coronator Boisd. nahe
verwandt.
Braconides. Giraud (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins
in Wien VII. p. 172 ff.) beschrieb Paxyiomma buccala Eneyel. (= Hy-
brizon latebricola Nees) nach dem männlichen Geschlechte, P. Cre-
mieri de Romand , Ischiogonus longicaudis als neue Art aus Oester-
reich, Aleiodes formosus, carbonarius und grandis aus der Wiener
Gegend. Abbildungen dieser Arten auf Taf. III und IV.
Phylaz aestivalis Snellen van, Vollenhoven ‚(Bouwstoffen voor
eene Fauna van Nederland II. :p. 282) ist ‚eine als neu beschriebene
Art aus den Niederlanden,
Boie (Entomol. Zeitung p.194) bestätigt die Angabe von
Bouche&l, dass Spathius clavatus Nees sich aus Anobium striatum
entwickele.
Chaleidiae. Förster (Hymenopterologische Studien I.
Heft) errichtete in dieser Familie folgende neue Gruppen: Myinoidae,
zwischen die Chaleididen und Eupelmiden Walker's gestellt, für die
Gattungen Agonioneurus Westw. (Myina Nees), Coccophagus Westw.
und Mesidia n. g. errichtet; letztere Gattung unterscheidet sich von
Myina Nees dadurch, dass die drei dem Endgliede der Fühler vor-
ausgehenden Geisselglieder von gleicher Grösse sind. — Perilampoi-
dae zwischen Euchäroiden und Ormyroiden, für die Gattungen Peri-
lampus Latr., Lamprostylus no. g. und Elatus Walk. errichtet; die
neue Gatlung Lamprostylus hat, wie Elatus Walk., einen deutlich
gestielten Hinterleib, unterscheidet sich aber von derselben durch
tief grubig punktirtes Mesonotum. und. Schildehen. — Ormyroidae für
Ormyrus Westw. (Periglyphus Boh., Siphonura Nees, Cystosoma Perty.)
— Elasmoidae für Elasmus (Aneure Nees). — Elachistoidae enthält
die Gattungen Eupleetrus Westw., Elachistus Spin. und drei neue:
Aulogymnus, Furchen des Parapsiden auf das Schildchen stossend,
Fühler mit zwei Ringeln; Olynz, Furchen der Parapsiden weit vom
Schildehen ab auf die Achseln stossend, Fühler mit einem Ringel,
achtgliedrig; Telcogmus ebenso, aber die Fühler neungliedrie. —
Entedonoidae mit 13 Gattungen: Epiclerus Hal., Rhopalotus, Astichus,
Holeopelte, Euderus Walk., Secodes, Pleuropachys Westw., Pleurotro-
pis, Entedon Dalm., Asecodes, Omphale Hal., Chrysocharis und Dero-
stenus Westw. Die Gattung Rhopalotus mit keulförmigen, weniger
als zwölfgliedrigen Fühlern, Astichus mit nicht keulförmigen Füh-
lern, deren &eissel beim Männehen stark gesägt und wirtelhaarig ist,
374 Gerstaeceker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Holcopelte: Fühlergeissel beim Männchen nicht gesägt, Schildchen
mit Mittelfurche; Secodes von Euderus Walk. durch den Mangel der
Haarreihen auf den Flügeln unterschieden, mit einer unvollkommenen
Randzelle; Pleurotropis von Pleuropachys Westw. dadurch unter-
schieden, dass die Unterrandader nicht stark verdickt ist; das Meta-
notum mit Seitenkielen. Asecodes von Entedon Dalm. durch glattes
Schildchen unterschieden, Chrysocharis von Derostenus Westw. durch
achtgliedrige Fühler abweichend. — Tetrastickoidae mit acht Gattun-
gen: Triphasius, Anozus, Plerothrix Westw., Trichaporus, Ceranisus
Walk., Baryscapus, Hyperteles und Tetrastichus Halid. Die Gattung
Triphasius hat keine Furchen auf dem Schildchen und scheinbar drei-
gliedrige Fühler, Anosus mehrgliedrige Fühler, Flügel ohne Ramus
stigmaticus; Trichaporus von Pterothrix durch den Mangel langer
Wimperhaare am Vorderrande des Flügels unterschieden, Baryscapus
von Ceranisus Walk. dadurch abweichend, dass der Vorderrand der
Vorderflügel nicht lang gewimpert ist, sondern dass sich lange Wim-
perborsten nur auf dem Ramus marginalis vorfinden; Hyperteles von
Tetrastichus Halid. durch zehngliedrige Fühler in beiden Geschlechtern
abweichend. — Trichogrammatoidae, ein Gruppe die für die trimeri-
schen Chaleidier errichtet ist und acht Gattungen umschliesst: Poro-
poea Först., Trichogramma Westw., Chaetosticha Walk., Lathromeris,
Centrobia, Asynacta, Brachysticha (Brachista Walk.) und Oligosita
Halid. Bei Lathromeris und Centrobia sind die Vorderflügel reihen-
weise behaart, die Unterrandader bildet keinen Bogen, die Flügel
sind hinter dem Ramus marginalis bis zur Spitze nur mit einem kur-
zen Haarsaume besetzt; bei ersterer Gattung sind die Fühler sieben-,
bei letzterer sechsgliedrig. Asynacta hat nicht reihenweise behaarte
Flügel und siebengliedrige Fühler.
Auch die bereits früher festgestellten Gruppen der Chaleidier
hat Förster (a. a. 0.) mit zahlreichen neuen Gattungen bereichert,
nämlich die Eupelmoiden mit Halidea (vergebener Name), Polymoria,
Ratzeburgia und Charitopus, die Encyrtoiden mit Eucomys, Discodes,
Anusia, Euryscapus, Aglyptus, Echthroplexis, Sterrhocoma, Dinocarsis,
Rhopus, Leptomastix (Leptomastax gen. Coleopt.!), Habrolepis und
Sceptrophorus, die Torymoiden mit Cryptopristus , Glyphomerus, Syn-
tomaspis und Lochites, die Cleonymoiden mit Tricoryphus, Heydenia,
Plutothriz und Tetracampe, die Miscogastriden mit’ Pachyerepis, Hy-
psicamara, Sphaeripalpus, Arthrolysis, Dichalysis, Cryptoprymna und
Isoeratus , die Hormoceroiden mit Anogmus, Tripedias und Isoplata,
die Pteromalinen mit Megapelte, Oxyglypta, Stictonotus, Caenacis,
Xenocrepis, Peridesmia, Simopterus, Dibrachys, Coelopisthia, Diglo-
chis, Metacolus, Pandelus, Dinotus, Rhopalicus und Acrocormus, die
Eulophoiden mit Solenotus und Sympiesis.. Die Charaktere der ein-
zelnen Gattungen sind stets gruppenweise in analytischen Tabellen
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 375
entwickelt und ausserdem noch näher erörtert; ein Gleiches hat mit
den Gruppen statt.
A. Costa (Memorie della Reale Accademia delle seienze di
Napoli II. p.223) machte eine neue Gattung Bactyrischion aus der
Gruppe der Pteromalinen bekannt und stellte für dieselbe folgende
Charaktere auf: Fühler gebrochen, in der Mitte der Stirn eingefügt,
13-gliedrig, die Geissel in eine länglich spindelförmige, solide Keule
endigend; Vorderflügel mit einem sehr kurzen vom Submarginal-Ner-
ven ausgehenden Aestchen und einigen obliterirten Aederchen. Mit-
telbeine mit geraden Schenkeln, die an der Basis dünner, an der
Spitze leicht gekeult sind; Hinterhüften gross, verlängert, frei, Hin-
terschenkel dick, unterhalb reihenweise gezähnelt, Hinterschienen
gebogen, an der Spitze schief abgestutzt und in einen kräftigen Dorn
ausgezogen, ohne beweglichen Dorn. Hinterleib fast sitzend, zusam-
mengedrückt, mit langer Legeröhre. Nur im weiblichen Geschlechte
bekannt. Art: Bact. bicoloratum , fig. 4 abgebildet, aus Neapel, 11%
lin. lang.
Dahlbom hat in der Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. For-
handl. XIV. p.289—298 unter dem Titel: „Svenska Smä - Ichneumo-
nernas familjer och slägten“ eine Uebersicht der in Schweden vor-
kommenden Gattungen der Chaleidier und Proctotrupier gegeben und
dieselben in Gruppen vertheilt, die in ihrem Umfange von denen der
Englischen Autoren mehrfach abweichen. Sowohl diese Gruppen als
die darunter aufgeführten Gattungen sind mit kurzen Charakteristiken
in Schwedischer Sprache versehen, unter letzteren jedoch keine Ar-
ten eitirt oder beschrieben, selbst da nicht, wo die Gattungen als
neue aufgestellt werden. Eine Uebersicht des Inhalts der Arbeit ist
folgende: 1) Psilidae Dahlb. (Diapria, Psilus). 2) Codrinidae Dhlb.
(Codrus). 3) Heloridae Dahlb. (Agenophorus n. g., Helorus).. 4)
Sparasionidae Dhlb. (Platygaster, Teleas, Sparasion). 5) Ceraphron-
tidae Dhlb. (Mierops, Telospilus n. g., Megaspilus, Ceraphron). 6)
Dryinidae Halid. (Bethylus, Dryinus, Gonatopus). 7) Entedontidae
Dhib. (Entedon mit 6 Untergattungen). 8) Encyrtidae Walk. (Lon-
chocerus n. g-, Eupelmus, Copidosoma , Chorcius, Coccophagus, Eu-
semion n. g., Stenocera und Encyrtus mit 4 Untergattungen). 9) To-
rymidae Walk. (Sciatheras, Spalangia, Periglyphus, Torymus). 10)
Eurytomidae Walk. (Pteromalodes n. g,, Megastigmus, Decatoma, Eu-
rytoma). 11) Pteromalini Dalm. mit 2Gruppen: Chrysolampidae Dhlb.
(Cyeloneuron n. g., Notopodion n. g., Chrysolampus) und Pteromalini
Dhlb. (Cleonymus, Caratomus, Perilampus). 12) Chalcididae Walk.
(Hookeria, Haltichella, Brachymeria, Eucharis, Chaleis).
Reinhard (Berlin. Entom. Zeitschr. I. p. 70 ff.) erörterte die
Synonymie von 12 Arten aus verschiedenen Pteromalinen - Gattun-
gen, welche sich ihm beim Vergleiche der Englischen und Deutschen
376 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Autoren, ‚von letzteren besonders Förster und Ratzeburg, ergeben
haben. r
Boie (Entomol. Zeitung p- 194) lieferte 'eine nochmalige Be-
schreibung von Telegraphus maculipennis Ratzeb., von ihm in einem
Exemplare auch bei Kiel aufgefunden.
Stollwerk (Verhandl. d. naturhist. Vereins. d. Preuss. Rheinl.
und Westphalens XIV. p. 113—125) machte umständliche Mittheilun-
gen über die Lebensweise der Poropoea Stollwerkii Först.. Der Pa-
rasit sticht die Eier von Attelabus eureulionoides an und entwickelt
sich aus den von diesem gebildeten Blattdüten; es wird nur je ein
Ei des Parasiten in das Ei des Attelabus” gelegt, dessen Inhalt der
Larve des ersteren zur Nahrung dient.
Proctotrupii. Förster (Hymenopterologische Studien II,
Heft) errichtete in dieser Familie drei neue Gruppen: 1) Platygaste-
roidae für die Gattungen Iphitrachelus, Inostemma Halid. und Platy-
gaster Latr., denen hier ausserdem noch achtzehn neue unter dem
Namen Allotropa, Metaclisis, Monocrita, Isostasius, Acerota, Catillus,
Xestonotus, Amblyaspis, Leptacis, Isorhombus, Ectadius, Sactogaster,
Synopeas, Anopedias, Isocybus, Trichacis, Hypocampsis und Polygno-
tus hinzugefügt werden. 2) Belytoidae mit 19 Gattungen: Ismarus
Halid., Psilomma, Oxylabis, Belyta Jur., Synacra, Pantolyta, Zygota,
Aclista, Acropiesta, Anectata, Pantoclis, Macrohynnis, Xenotoma,
Leptorhaptus , Cinetus Jur., Anommatium, Diphora, Zelotypa und
Miota. 3) Heloroidae für Helorus Latr. — Zu den bisherigen Grup-
pen kommen ausserdem als neue Gattungen: Myctrophorus zu den
Diyinen, Trichosteresis und Lygocerus zu den Ceraphroniden, Acolus,
Baeoneura, Anteris, Baryconus, Trimorus, Apegus, Hadronotus und
Idris zu den Scelioniden, Camptoptera, Limacis, Doriclytus, Cosmo-
coma und Stichothrix zu den Mymariden, Entomacis, Idiotypa, Hemi-
lewis, Lozotropa , Glyptonota, Monelata und Polypezsa zu den Dia-
prioiden.
Haliday (Natural history review IV., Proceed. of societies
p- 166 f., pl. X) machte eine neue Gattung Labolips aus der Gruppe
der Diapridae bekannt, von welcher, nach seiner Meinung, nur Weib-
chen vorkommen, die sich durch jeine eigenthümliche Bildung der
Eierstöcke (siehe oben unter Insecta!) auszeichnen. Die Fühler sind
auf der hervorragenden Stirn eingefügt und zwölfgliedrig, die Ma-
xillen und Unterlippe zurückgezogen, die Kiefertaster obsolet, die
Lippentaster klein, ungegliedert, die Flügel fast ohne Adeın; Ocel-
len fehlen, die Mandibeln sind innerhalb mit einem Zahne bewaffnet,
die Fühler mit verlängertem Schafte, die Geissel durchblättert, der
Hinterleib an der Basis des zweiten Segmentes ausgehöhlt. Art: La-
bolips innupta, 2 lin. lang aus Irland, auf pl. X abgebildet. — Mit
der Charakteristik dieser Gattung verbindet der Verf. eine Auseinan-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 377
dersetzung der Gattungen der Diapriden, und theilt die bisher beste-
henden in eine Anzahl von ÜUntergattungen, die zum Theil neu sind.
Helorus Latr. mit einer neuen Art H. corruscus bleibt in der frühe-
ren Abgränzung, Ismarus Hal. zerfällt in Ismarus sens. striet. und
Entomius Herr.-Sch., Belita Jur. in 4 Untergattungen : Acoretus (für
Belyta rufo-petiolata Nees) mit kreuzweisen , langen, sichelförmigen
Mandibeln, Cinetus (CE. gracilipes Curt.), Belita (Bel. bicolor Jur.) und
Opazon mit abwärts gebogenen, rüsselförmigen Mandibeln. Die Gat-
tung Diapria Latr. umschliesst die Untergattungen Diapria sens. striet.,
Basalys, Spilomierus, Paramesius und Aneurhynchus Westw., Galesus
Curt. und drei neue: 1) Corynopria „Antennae maris artieulis 14,
quarto integro, feminae articulis 13, ultimo longe maximo ; alae vena
unica capitala; abdominis segmentum secundum laeve,, summa basi
leviter tomentosum.“ Arten: C. petiolaris Nees und cincta n. sp.
2) Glyphidopria. „Antennae 13 articulatae , maris articulo secundo
minuto; vena subeostalis, qua marginem alae allingit, angulatim reflexa
in ramulum radialem; abdominis segmentum. seeundum basi media
breviter canaliculatum.“ Zwei neue Arten: Gl. platyptera und per-
plexra. 3) Mionopria. „Antennae maris 13 arliculatae, feminae 12
articulatae; vena subcostalis cum costali coneurrens in lineolam stig-
maticalem medio appendiculatam; abdominis segmentum ‚secundum
basi impressum; mesonoli scutum bisuleum.“ Art: Diapr. maritima
Halid. — Die Gattung Platymischus zerfällt in Platymischus Westw.
und Artibolus (Chlidoniz Herr. - Sch.) , letztere für Diapria brachia-
lis Nees.
Cynipidae. „On the quantity of Tannin in the galls of Cy-
nips quereus-petioli,* by Edw. Hart Vinen (Journ. of the pro-
ceed. of the Linnean soec., Zoology 1. p. 72). Verf. hat einheimische
Gallen (aus England) chemisch untersucht, um ihren Gehalt an Tannin
im Vergleiche mit den im Handel befindlichen Aleppo-Gallen festzu-
stellen. Das durch Maceration der Englischen Galleh in Aether und
Wasser erhaltene Residuum enthielt nur 24 Tannin- und Gallen-Säure,
das von Aleppo-Gallen dagegen fast %,; dies Resultat ist aber nicht
massgebend. da die Englischen Gallen nach dem Ausschlüpfen der Cy-
nips, die Aleppanischen dagegen vor demselben, zur Zeit ihrer gröss-
ten Entwickelung untersucht wurden. Uebrigens schwanken auch 'die
von verschiedenen Chemikern angestellten Untersuchungen über den
Tannin-Gehalt der Gallen zwischen 26 und 77 Procent.
Urocerata, Snellen van Vollenhoven (Bouwstoffen
voor eene Fauna van Nederland Al. p. 280) beschrieb Cephus elonga-
tus als neue Art aus den Niederlanden, Giraud (Verhandl. d. zoolog-
botan. Vereins in Wien VII. p. 1811.) Cephus luteomarginatus aus
Ungarn.
Tenthredinetae, Taschenberg, „Schlüssel zur Bestim-
378 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
mung unserer einheimischen Blatt- und Holzwespen- Gattungen und
Verzeichniss der bisher in der Umgegend von Halle aufgefundenen
Arten“ (Zeitschrift f. d. gesammt. Naturwiss. X. p. 113—118). Der
Verf. entwickelt in dieser kleinen Abhandlung”die Charaktere der bei
Halle vorkommenden Tenthredineten- und Uroceraten - Gattungen in
einer analytischen Tabelle und lässt dieser eine systematische Aul-
zählung der von ihm bei Halle aufgefundenen Arten mit Hinzufügung
des Datums und Fundortes folgen. Dieselben vertheilen sich auf die
einzelnen Gattungen folgendermassen:: Cimbex 5,-Hylotoma 9, Schi-
zocera 1, Lophyrus 7, Cladius 4, Nematus 8, Diphadnus 1 (unbe-
nannt, durch Diagnose festgestellt), Dineura 1, Dolerus 16, Emphy-
tus 6, Phyllotoma 1, Selandria 20, Athalia 3, Allantus 17, Ten-
thredo 22, Tarpa 2, Lyda 6. — Urocerata: Cephus 3, Xiphydria 2,
Sirex 5.
Snellen van Vollenhoven hat unter dem Titel: „De in-
landsche Bladwespen in hare gedaanteverwisselingen en lebenswijze
beschreven door Sn. v. Voll.“ (Memoires d’entomologie publies par la
soe. ent. des Pays-Bas 1. p. 133—154 und p. 171—194. pl. 5—7 und
pl. 9—12) eine Arbeit über die Verwandlung und Lebensweise der
Holländischen Blattwespen begonnen, in welcher er die einzelnen
Arten ohne systematische Reihenfolge, sondern je nachdem ihm die
Naturgeschichte derselben bekannt geworden ist, abhandelt. Während
das vollkommene Insekt, sobald es genugsam bekannt ist, nicht wei-
ter beschrieben, sondern nur durch eine lateinische Diagnose und
Anführung der darüber vorhandenen Literatur festgestellt wird, wer-
f)
den die ersten Stände einer ausführlichen Charakteristik unterworfen,
ihre Lebensweise, Verwandlung , Futterpflanze und ihre Parasiten
genau erörtert. Ausser der Beschreibung ist jede einzelne Art durch
eine beifolgende Tafel, welche Abbildungen der Larve, Puppe und
Imago, der Futterpflanze der ersteren so wie einzelner charakteristi-
scher Theile der letzteren enthält, erläutert; die Ausführung dieser
Tafeln sowohl in Zeichnung als Colorit ist ganz vortrefllich. — Die
in dem gegenwärtig vorliegenden Theile der Arbeit abgehandelten
Arten sind folgende: Abia aenea Klug, Nematus coeruleocarpus Hart.,
hortensis Hart., Allantus trieinetus Fab., Cladius viminalis Fall., Lo-
phyrus pini Lin., Nematus vallator n. sp. , Larve auf Populus italica.
— Der Verf. beginnt seine Arbeit mit einer Darlegung der über Blatt-
wespen-Larven bestehenden Literatur in chronologischer Reihenfolge.
Derselbe (Bouwstoffen voor eene Fauna van Nederland I.
p- 276 ff.) beschrieb Lophyrus catocalus, Dolerus Busaei, Selandria
albomarginata, Sizii , Lyda maculifrons, nigricornis als neue Arten
aus den Niederlanden.
Giraud (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins in Wien VII.
p- 1811.) beschrieb Tenthredo (Allantus)- Frauenfeldi und. Idriensis
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 379
aus Krain, Lyda aurantiaca aus Tyrol und Krain als neue Arten und
brachte Tenthr. intermedia Klug als Männchen zu Tenthr. coryli Fab.;
beide wurden in Begattung gefangen.
Diptera.
Insecta Saundersiana, or characters of undescribed In-
sects in the collection of W.W. Saunders. Vol. I. Diptera,
by F. Walker. London, J. van Voorst, 1856. (8. 474 pag.
ce. tab. VIII). — Unter vorstehendem Titel liegt jetzt der 1.
Band des Werkes, dessen frühere Lieferungen in die Jahre
1851 —53 fallen, mit dem fünften Ilefte abgeschlossen
vor; während sich der Verf. in jenen mit der Beschreibung
der in der Saunders’schen Sammlung befindlichen neuen Gat-
tungen und Arten aus den verschiedenen Familien der Di-
ptera brachycera beschäftigt hatte, geht er in dem Schluss-
hefte auf die Nemoceren ein, welche durch lateinische Dia-
gnosen, denen in der Regel eine fast wörtliche Uebersetzung
ins Englische folgt, festgestellt werden. Von neuen Gattun-
gen findet sich nur eine, mit Ceratopogon verwandte, aufge-
stellt. Es folgen ausserdem noch Nachträge, in denen ein-
zelne neue Arten aus den Familien der Tabanii, Xylotomae
und Asilici beschrieben werden. Der Band wird durch ein
systemalisch geordnetes Namensverzeichniss der Familien, Gat-
tungen und Arten abgeschlossen ; Abbildungen sind für die
Abtheilung der Nemoceren nicht beigegeben worden.
Als eine fernere Ergänzung des eben bezeichneten
Werkes sind die Beschreibungen einer grösseren Anzahl aus-
ländischer Arten aus verschiedenen Familien der Diptera
brachycera anzusehen, welche F. Walker unter dem Titel:
„Characters of undeseribed Diptera in the collection of W.
W. Saunders“ (Transact. of Ihe entomol. soc. IV. p. 119—
158) veröffentlicht hat; die hier bekannt gemachten Arten
stammen aus Nord-Amerika, vom Amazonenstrome, von Port
Natal und aus Neu-Holland.
Ein Verzeichniss der von R. Wallace zu Sarawak auf
Borneo gesammelten Dipteren lieferte derselbe im Journal of
the proceed. of Ihe Linnean soc., Zoology 1. p. 105—136;
„Catalogue of Ihe Dipterous Inseets collected at Sarawak,
Borneo, by Mr. A. R. Wallace, with descriplions of new
330 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
species.* Die hier verzeichneten Arten, deren Zähl’sich auf
170 beläuft, vertheilen sich auf fast alle Familien der Dipte-
ren; bei weitem die grösste Anzahl derselben wird als neu
angesehen und durch kurze;lateinische und englische Be-
schreibungen, beide dem Inhalte nach fast gleichlautend, be-
kannt gemacht. Diejenigen, auf welche der Verf. neue Gal-
tungen gründet, sind von Westwood auf pl. VI durch
schöne Abbildungen und durch Darstellung ihrer charakte-
ristischen Merkmale zur näheren Kenntniss gebracht worden.
J. Bigot, Essai d’une classification generale et syno-
plique de l’ordre des Insectes Dipteres. 5. Memoire. (Anna-
les ‚de la soc. entomol. V. p. 517—564.) — Der Verf. beginnt
diese Forlselzung seiner systematischen Versuche damit,
Nachlräge zu den früher behandelten Familien zu liefern, d.
h. die von ihm dort übersehenen und die seit jener Zeit
aufgestellten Gattungen gehörigen Orts einzuschalten, resp.
ihre Selbstsländigkeit zu bestreiten. Auch werden zugleich
einige der von ihm begangenen, Irrihümer wieder gut ge-
macht, indem z. B. die Gatlung Chauna Loew den Stralio-
myiden, Philopota den Henopiern wieder zurückgegeben wer-
‚den. Wenn der Verf. bei diesen hätte zu der Einsicht, kom-
men müssen, dass, um Aenderungen vorzunehmen, eine
genaue Prüfung des Vorhandenen nothwendig sei,, fährt er
nichtsdestoweniger über andere ihm unbekannte Formen in
gleich leichtferliger Weise zu urtheilen fort, ein Verfahren,
welches die Sache selbst natürlich nicht fördern kann; es
erscheint daher auch unnölhig , auf die zahlreichen, kurz
hingeworfenen Bemerkungen: des Verf. hier speziell einzu-
gehen. — Der zweite Theil der Arbeit euthält eine synopti-
sche Tabelle der Gattungen der Asiliden und Empiden, in
welcher, wie bei den früheren Familien, die dem Verf. un-
bekannten Gattungen. fehlen; sowohl diese als auch solche,
welche ihm nicht gehörig begründet erscheinen, werden zu-
vor ‚einzeln namhaft, gemacht. , Die auf: einzelne bereits
bekannte Arten begründeten neuen, Galiungen so. wie die
Hauptmomente, auf welche ‚der Verf.' seine Eintheilung der
genannten Familien. basirt, sind bei diesen in Betracht gezo-
gen worden.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 381
- Derselbe, „Dipteres nouveaux ‚provenant. du Chili“
(Annales de la soc. entomol. V. p.277—308) lieferte Be-
sebreibungen und schöne colorirte Abbildungen von ımeh-
reren neuen Chilenischen Dipteren verschiedener Fami-
lien, auf welche zum Theil auch neue Gattungen errichtet
wurden.
Camillo Rondani, Dipterologiae Italicae prodro-
mus. Vol. Tet II. Parma 1856 — 57. — Der durch seine
zahlreichen Beiträge zur Kenntniss der Italienischen Dipte-
ren-Fauna bekannte Verf. beabsichtigt mit dem vorliegenden
Werke, wie sich aus dessen Anlage ergiebt, weniger eine
eingehende und umfassende Bearbeitung der Italienischen
Zweiflügler im streng wissenschaftlichen Sinne, als vielmehr
neben der Feststellung der dortigen Fauna hauptsächlich dem
Sammler ein Hülfsmittel an die Hand zu geben, die daselbst
vorkommenden Gallungen und Arten bestimmen zu können.
Dies resultirt schon aus der von ihm in Anwendung gebrach-
ten analylischen Meihode zur Unterscheidung der Familien,
Gruppen, Gallungen und Arten, bei welcher ein Eingehen
auf die wesentlichen und natürlichen Charaktere .oft wegfal-
len oder wenigstens in den Hintergrund treien muss, während
ein Hervorheben der rein unterscheidenden Merkmale die
Hauptsache bildet. Nach dem Beispiele anderer nach der-
selben Methode abgefasster Faunen , beginnt der Verf. sein
Werk mit einer analytischen Tabelle zur Feststellung der
Familien, deren er im Ganzen 32 annimmt (Vol. I. p. 10—18),
schliesst hieran eine gleiche für die innerhalb der Familien
von ihm angenommenen Gruppen (ebenda p.19—41), welche
übrigens wohl zweckmässiger ‘mit der drilten Tabelle zur
Bestimmung der Gattungen (p. 42 If) , die den übrigen und
bei weitem grössten Theil’ des ersten Bandes einnimmt, ver-
einigt worden wäre. Dieser erste Theil des Werkes: führt
auch den besonderen Titel : „Genera Italica ordinis Diptero-
rum, ordinatim disposita el distineta, et in familias ‚et, stirpes
aggregala* (Parma, 1856. 8. 226 pag.); während der zweile,
welcher den Anfang des speziellen Abschnittes enthält, die
Bezeichnung: „Species llalicae ordinis Dipterorum, in genera
characteribus delinita, ordinalim collectae, methodo analylica
3382 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
distinctae et novis vel minus cognitis descriptis. Pars I. Oe-
stridae, Syrphidae, Conopidae.“ (Parma, 1857. 8. 264 pag.)
erhalten hat. In letzterem werden die drei bezeichneten
Familien so wie die unter ihnen vereinigten Gattungen, die
im ersten Theile nur durch die in die Tabelle aufgenomme-
nen Unterscheidungsmerkmale definirt und je mit dem Citat
einer einzelnen, entweder bereits bekannten, oder (wie es
oft vorkommt) auch vom Verf. als neu bezeichneten Art be-
gleitet worden sind, mit kurz gefassten Charakterisliken ver-
sehen und die ihnen angehörigen Arten nun ebenfalls auf
analylischem Wege auseinandergeselzt; dieser letzten Ta-
belle zur Bestimmung der Art folgt dann unter jeder Gattung
eine nochmalige Aufzählung der Species mit Hinzufügung
der wichtigsten Synonyme, Bemerkungen über ihr Vorkom-
men, ihre Häufigkeit und die Zeit ihres Erscheinens, bei den
als neu aufgestellten aber auch eine Aufzählung der Merk-
male, durch welche sie sich von den ihnen zunächst stehen-
den unterscheiden. — Sowohl der Zuwachs an neuen Arten,
welchen die Süd-Europäische Fauna durch das Werk des
Verf. erhält, als auch die sehr beträchtliche Anzahl der darin
neu: aufgestellten Gattungen sichern demselben nothwendig
die Beachtung der sich für die Ordnung der Dipteren inter-
essirenden Entomologen. Da Ref. bisher nicht Zeit gefun-
den hat, sich mit der Arbeit bis in ihre Einzelnheiten näher
bekannt zu machen, muss er sich natürlich eines Urtheils
über den Gesammiwerth derselben enthalten; aus den Cha-
rakteren, welche der Verf. oft zur Aufstellung neuer Gat-
tungen benutzt, so wie aus den darunter eilirten Arten, lässt
sich jedoch soviel mit Bestimmtheit ersehen, dass vielen sei-
ner Schöpfungen eine kurze Lebensfrist bestimmt ist, was
z. B. für die auf Kosten der Gatlungen Laphria, Conops,
einiger Syrphiden - Gattungen u. a. gebildeten gelten kann.
Für andere, z. B. Mycelina wird wenigstens der Name als
bereits vergeben nicht bestehen können, um ganz von denen
abzusehen, deren Benennung sprachlich unrichtig gebildet
ist; mit den meisten in Italien erscheinenden naturwissen-
schaftlichen Werken theilt das vorliegende ausserdem zahl-
reiche Druckfehler, incorrekte Schreibweise der Eigennamen,
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 383
sowohl von Autoren als Gattungen und nichts weniger als
ansprechende Ausstattung.
Loew’s „Neue Beiträge zur Kenntniss der Dipteren“
sind mit einem fünften Beitrage, enthalten im Programm der
Königl. Realschule zu Meseritz vom J. 1857. (4.. 56 pag.)
fortgeseizt worden; derselbe enthält eine Abhandlung über
die Familie der Dolichopoden. (Siehe diese Familie!)
Desselben „Dipterologische Notizen“ und „Diptero-
logische Mittheilungen* (Wiener Entomol. Monaisschrift I.
p- 1—-10 und p. 33—56) enthalten Beschreibungen und Ab-
bildungen einzelner neuer Gattungen und Arten verschiede-
ner Familien, so wie krilische Bemerkungen über schon be-
kannle.
Derselbe (Verhandlungen des zoolog,-bolan. Vereins
in Wien VII. p. 79-86) zählte 37 in Syrien gesammelte
Dipteren auf, die zum grösseren Theile den Familien der
Bombylier, Asilen und Syrphiden angehören; sechs derselben
werden als neue Arten beschrieben. {
Derselbe lieferte (Zeitschrift für die gesammien Na-
turwissenschaften X. p.97—112) einen Beitrag zur Dipteren-
Fauna des Harzes durch Aufzählung von 247 bei Wernige-
rode von ihm gesammelten Diptera brachycera. An einige
der verzeichneten Arten knüpft der Verf. synonymische Be-
merkungen; sieben derselben, zu den Dolichopoden, Antho-
myziden und Acalypteren gehörend, werden als neu: be-
schrieben.
Ebenda (IX. Bd. p. 553) wird eines reichhaltigen Ver-
zeichnisses Graubündtner Dipteren erwähnt, welches Am
Stein zusammengestellt und im Jahresberichte der Naturf.
Gesellsch. Graubündtens 1855. I. p. 89—111 veröffentlicht
hat; die aufgeführten Arten sollen nach Meigen angeordnet,
mit Orts- und Zeitangaben versehen sein. Dem Ref. hat die-
ses Verzeichniss nicht zur Einsicht vorgelegen.
Snellen van Vollenhoven’s „Notes dipetrologi-
ques“ (Memoires d’enlomologie, publies par la soc. entomol.
des Pays-Bas I. p. 88—03) enthalten Bemerkungen über ei-
nige Tipularien und Straliomyiden von den Sunda-Inseln und
die Beschreibung einiger der letzteren Familie angehörenden
neuen Arten.
384 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen ‚Leistungen
van der Wulp und Snellen vam Vollenhoven
haben ihre schon im Jahre 1852 begonnene: '„Naamlijst van
inlandsche Diptera“ in Herklots „Bouwstoffen voor eene Fauna
van Nederland, II. Deel, p.89—117 mit einem. dritten Theile
fortgesetzt und beschlossen ; da die Arbeit in ihren ‚ersten
Theilen für die entsprechenden Jahresberichte nicht benutzt
worden ist, mag über dieselbe ein kurzer Gesammtbericht
abgestattet werden. Die von den beiden Verf. gegebene
Aufzählung der Niederländischen Dipteren erfolgt in: syste-
matischer Reihenfolge nach Meigen; dem Namen jeder
Art sind Citate aus Meigen und Macquwart, zuweilen aus
den Werken der älteren Autoren, falls diese die Art zuerst
beschrieben haben, ausserdem aus den neuesten Monogra-
phieen, wo solche vorhanden waren, beigefügt; ebenso sind
die Fundorte und die Zeit des Vorkommens bemerkt. Der
erste Theil des Verzeichnisses (Bouwstoffen voor eene Fauna
van Nederland I. p. 138—153) erstreckt sich auf die Familie
der Tipularien mit 178 Arten; der zweite (ebenda I. p. 188—
206) enthält die Familien der Tabanen, Stratiomyiden, Asi-
liden, Empiden, Bombylier, Thereviden, Leptiden, Dolichopo-
den und Syrphiden und schliesst mit der 372. Art; der dritte
ebenda II. p.89—117) bringt die übrigen Familien der Pi-
punculinen, Platypezinen, Conopiden, Oestriden, Muscarier
und Coriaceen zum Abschlusse und stellt als die Gesammtzahl
der bis jetzt in den Niederlanden aufgefundenen und deter-
minirten Dipteren 694 fest.
Schiner, „Dipterologische Fragmente V.“ (Verhand-
lungen des zoolog. -botan. Vereins in Wien VII. p. 3—20)
machte Mittheilungen über die von ihm in Triest gesammel-
ten und beobachteten Dipteren aus den Familien der Asilen
“und Straliomyiden, so wie über einzelne bemerkenswerthe
Arten anderer Abtheilungen; am Schlusse werden zwei Arten
als neu beschrieben.
Derselbe seizte seine Aufzählung der im Kaiserlhum
Oesterreich bisher aufgefundenen Zweiflügler mit der Familie
der Syrphiden ebenda p. 275—506 fort. (Siehe diese Familie!).
Haliday lieferte in der Natural history review IV.
p- 180 — 196 eine Zusammenstellung derjenigen Britischen
im! Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 385
Dipteren, von denen die Naturgeschichte der ersten Stände
und diese selbst in mehr oder weniger erschöpfender Weise
bis jelzt bekannt gemacht worden sind. „List of Ihe genera
and species of British Diptera, Ihe earlier stages of which
are more or less perfectly known, with references to the
prineipal authorilies.* Die Aufzählung der Arten erfolgt in
systematischer Reihenfolge, bei jeder einzelnen werden die
Autoren und Werke, in welchen die Beschreibung der Larve
und Puppe niedergelegt ist, citirt, die Charakteristik derscl-
ben jedoch nicht wiedergegeben; nur die Merkmale, welche
den ersten Ständen der ganzen Familie eigen sind, werden
bei dieser kurz erörtert. Ausser den in England einheimi-
schen Arten sind auch einige dem übrigen Europa angehö-
rige aufgenommen worden und zwar in dem Falle, wo sie
eigene Galtungen repräsentirten. Der Verf. hat sich durch
diese Zusammenstellung um die Förderung der Naturgeschichte
der Dipleren ein grosses Verdienst erworben und seine Ar-
beit wird hoffentlich zu einer sehr wünschenswerthen aus-
führlicheren Darstellung sämmtlicher bekannter Larven der
Ordnung, in der Art wie es durch Chapuis und Candeze
für die Coleopteren geschehen ist, Anregung geben. Als
Anhang fügt der Verf, die Beschreibung und bildliche Dar-
stellung der noch unbekannten ersten Stände einiger einhei-
mischen Arten bei.
Leon Dufour (Annales de la soc. entomol. V. p. 39
—59) erläuterte in seinen „Melanges entomologiques“ die
ersten Stände und die Nalurgeschichte einiger Dipleren, wel-
che der Gruppe der Acalypteren angehören.
Barthelemy, Etudes anatomiques et physiologiques sur
un Diplere Tachinaire, parasite de la chenille du Sphinx Eu-
phorbiae, et sur ses me&tamorphoses. (Annales des sciend.
natur. 4. ser. VIII. p. 111—124.) Nach den Angaben des
Verf. wird die Raupe der Sphinx Euphorbiae von einer Ta-
chine heimgesucht, die zur Gallung Senomelopia gehört und
der Sen. atropivora nahe verwandt ist; dieselbe ist vivipar
und setzt, während sie auf dem Rücken der Raupe entlang
läuft, zehn bis zwölf junge Larven auf derselben ab, die sich
sogleich in die Haut einbohren und sich auf Kosten der Raupe
Archiv [ Naturgesch XXIV. Jalrg. 2. Ad. 7
3386 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlicherLeistungen
ernähren. Nach dreimaliger Abstreifung der Haut greifen
die Larven mit grosser Gefrässigkeit die tiefer liegenden Or-
gane der Raupe an, lödten diese dadurch und fressen sich
durch die Haut hindurch, um sich zu verpuppen. Die Anga-
ben, welche der Verf. über die analomischen Verhältnisse
der Larve, über die Verwandlung derselben und den Nym-
phenzustand macht, sind eingehend, ohne indessen Neues über
diesen Gegenstand beizubringen.
Tipulariae. Walker (Insecta Saundersiana, Diptera Pt. V.
p- 415 ff.) beschrieb folgende Arten verschiedener Länder aus der
Saunders’schen Sammlung. Aus der Gruppe der Mycetophilidae: My-
cetophila aequalis und Leia fulva Vandiemensländ, Bolelina helvetica
und Seiophila diversa aus der Schweiz, Sciophila par von Vandiemens-
land, Mycetobia divergens aus Nord-Amerika, Sciara primogenita von
Cayenne ?, antica und fasciala aus Brasilien, indica aus Ostindien,
reciproca von Vandiemensland,, confusa vom Cap, Platyura venusta
aus Ostindien. — Aus der Gruppe der Cecidomyien: Ceeid. umbra
aus Süd-Amerika; aus der der Bibioniden: Plecia bimaculata aus den
Vereinigten Staaten und costalis aus Columbien; aus der der Chiro-
nomiden: Chironomus redeuns (!) aus den Vereinigten Staaten, vica-
rius aus Ostindien, alternans aus Neu-Süd-Wales, applicatus, duplex,
imitans, opposilus und conjunctus aus Vandiemensland , Pachyleptus
n. g. mit Ceratopogon nahe verwandt; Körper schlank, Kopf klein,
rundlich, Palpen mässig lang, Thorax gewölbt, Hinterleib schlank, fast
cylindrisch, an der Basis etwas eingeschnürt, doppelt so lang als der
Thorax, hintere Beine etwas verlängert, dünn, mit leicht gekeulten
Schenkeln , die vorderen zu Raubbeinen umgestaltet, mit ‚dicken
Schenkeln und gebogenen Schienen; Flügel schmal. Art: Pach. fa-
sciatus aus Süd-Amerika. — Aus der Gruppe der Culiciden: Culexr
conterrens, sollicilans, perlurbans und territans aus den Vereinigten
Staaten, excrucians aus Neu-Schottland, terrens, discrucians und per-
terrens aus Süd-Amerika, eragitans von Parä, flavicosta vom Amazo-
nenstrome, commovens aus Neu- Holland, cerucians und Anopheles an-
nulipes von Vandiemensland. Aus der Gruppe der Tipuliden: Tri-
chocera ocellata aus Östindien, Limnobia basalis von Vandiemensland,
turpis aus Canada, aterrima aus Östindien, prominens aus den Ver-
einigten Staaten , /anuginipes vom Cap, biterminata und ignobilis aus
Nord-Amerika, chrysöptera, calopus und tenebrosa aus Süd-Amerika,
Geranömyia pilipes vom Amazonenstrome, Tipul& simulata und platy-
mera aus Canada, disjuncta und dejecta aus den Vereinigten; Staaten,
selicornis und filigera aus Columbien, tincta von Pt. Natal, vicaria
und delta aus Ostindien , viridis aus Neu-Seeland, Prilogyna. par aus
Neu-Süd-Wales,, simplex aus Süd -Amerika, Gynoplistia elegans aus
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 387
Neu-Süd-Wales, apicalis und fumipennis von Vandiemensland, Cteno-
phora succedens aus Canada, constans Vaterland unbekannt, fumi-
plena (!!) aus China. — Aus der Gruppe der Rhyphiden: Rhyphus bre-
vis aus Vandiemensland.
Neue Arten aus Borneo, von Walker (Journal of the pro-
ceed. of the Linnean soc., Zoology I. p.105 ff.) beschrieben, sind:
Sciara lalicornis, solita, Cecidomyia deferenda, Plecia subvarians,
Limnobia impressa, rubrescens, pyrrhochroma, argenlocincla, Ptero-
cosmus lunigerus, infirus, oplabilis, combinatus, dilutus, Tipula vilis.
Bigot (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 329) beschrieb
Culex Cubensis als neue Art aus Cuba.
Snellen vanVollenhoven (M&moires d’entomol., publ. p.
l. soc. entomol. des Pays-Bas I. p. 89) bemerkte , dass während die
Ctenophora -Arten sonst in solche mit gestielter und mit sitzender
zweiter Hinterrandszelle zerfallen, eine Art von Celebes im Leidener
Museum hierin nach den Geschlechtern auflallende Unterschiede zeige,
indem beim Männchen diese Zelle lang gestielt, beim Weibchen da-
gegen sitzend sei. Die Art wird charakterisirt, aber nicht mit einem
Namen belegt, da die vorliegenden Exemplare mangelhaft sind. — Von
Tipula praepotens Wied. wird eine Varietät aus Japan in ihren Ab-
weichungen von der Javanischen Stammart erörtert.
van der Wulp (ebenda p.15f., pl.I.) gab eine Beschrei-
bung und Abbildung der Puppe von Ptychoptera eontaminata Fahr.
(„lets betreffende de ontwikkeling van een tweelal soorten van
Diptera.“)
Nach v. Osten-Sacken (Entomol. Zeitung p. 90) ist Lim-
nobia imperialis Loew identisch mit Tipula annulata Lin., wie dies
die Untersuehung des noch erhaltenen Linne'schen Original - Exem-
plars ergab.
Laboulbene, „Metamorphoses de la Cecidomyia papaveris
et remarques sur plusieures especes du genre Cecidomyia.“ (Anna-
les de la soc. entomol. V. p. 565—583). Die Larven der Cecidomyia
papaveris leben im Innern der Köpfe von Papaver Rhoeas, sind fuss-
los, orangegelb, glatt, mit zweigliedrigen Fühlern, ausgerandeten letz-
ten Körpersegmente und neun gleichen Stigmen. An der Nymphe ist
der Kopf mit zwei langen und steifen Borsten, der Thorax mit zwei
Dornen bewaffnet; in letztere hat der Verf. eine feine Röhre eintre-
ten sehen, die er für eine Trachee ansieht (und die auch nach der
Anulogie mit anderen Larven gewiss eine solche ist). Das ausgebil-
dete Insekt wird ebenfalls beschrieben und nebst den ersten Ständen
auf pl. 12 abgebildet; der Verf. zieht bei Beschreibung der einzelnen
Körpertheile andere bereits bekannte Arten mit in Vergleich.
J. Couch, „A few remarks on the midge fly, which infests the
whent,“ (Report of the Royal Cornwall Polytechnie society for 1856
388 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Annals and magaz. of nat. hist. XX. p. 399 f£.) handelte über die Le-
bensweise der Cecidomyia tritici und den Schaden, welchen die Larve
derselben dem Weizen zufügt.
Mittheilungen über die Golumbacser-Fliege (Simulia Columbac-
sensis Fab.) machte Kornhuber (Verhandl. d. Vereins für Natur-
kunde zu Presburg 1. Jahrg., Sitzungsberichte p. 47 1.); dieselben
rühren von einem Augenzeugen, der die Art mehrere Jahre hindurch
zwischen Moldova und Orsova, ihrer ausschliesslichen Heimath, zu
beobachten Gelegenheit hatte, her, enthalten jedoch Nichts, was nicht
schon anderweitig über dieselbe bekannt geworden ist.
Bemerkungen über Clunio adriatiens und seine Unterschiede
von Cl. marinus Halid. machte Schiner (Verhandl. d. zoolog.-botan.
Vereins VII. p. 14).
Eine Notiz über eine Erscheinung des Heerwurms gab Lorez
(Vierteljahrsschrift der Naturf. Gesellsch. in Zürich II. p. 88 ff.). —
Hohmann: Ueber den Heerwurm (Programm der Realschule zu Tilsit,
1857), mit einer Tafel Abbildungen.
Asiliecie Bigot(Annales de la soc. entom. V. p. 526 ff.) hat
in seiner analytischen Tabelle zur Bestimmung der Gattungen dieser Fa-
milie für einzelne Arten früherer Autoren eigene Galtungsnamen aufge-
stellt, denen zwar jede wissenschaftliche Bedeutung abgeht, die aber der
Vollständigkeit halber hier erwähnt werden mögen. Es sind folgende:
Megaphorus (2?!) für Malloptera heteroptera Macqg., Eichoichemus (?!)
für Erax flavianalis Maeq. , Trupanea für Erax completus Macq- , Ce-
rozodus für Asilus nodicornis Wied., Pachychaeta für Erax annulipes
Maeq., Eicherax (?!) für Erax simplex Maeq., Achanthodelphia (?!)
für diejenigen Proctacanthus-Arten, welche an der Basis der Gabe-
lung der zweiten Submarginal-Ader keine merkliche Biegung zeigen,
Megadrillus für Lophonotus heteroneurus Macq. , Macronyz (vergebe-
ner Name!) für Dasypogon longiungulatusMacq. — Was den Umfang
der Familie betrifft, so zieht B. die Mydasii und Apioceridae, deren
nahe Verwandtschaft mit den Asilen schon von Westwood hervoı-
gehoben worden ist, dazu, indem er sie als zwei gleichwerthige
Gruppen den Laphrien, Asilen und Dasypogonen coordinirt.
Derselbe errichtete (ebenda p. 288 fl. pl.6. fig. 3) eine an-
geblich neue Gattung Lycomya, welche nach seiner Ansicht einen
Uebergang „zwischen den Asilen einerseits und den Laphrien und Da-
sypogonen andererseits“ darbietet, und die er für verwandt mit La-
phystia Loew ansieht. Mit den Dasypogonen hat diese Gattung nach
der Abbildung in Rücksicht auf die Mündung der ersten Längsader
der Flügel gar nichts gemein, von den Laphrien weicht sie durch
die Bildung der Fühler ab, mit den Asilen stimmt ‘sie nicht nur im
Habitus, sondern auch in allen wesentlichen Merkmalen überein; als
Eigenthümlichkeit würde daher nur übrigbleiben, dass das Unterge-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 389
sicht mit sparsamen , steifen Borsten besetzt ist. (Man sieht daraus
abermals, welches Vertrauen den Angaben des Verf. zu zollen ist!)
— Die Art: L. Germainii stammt aus Chile.
Derselbe (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 330 ff.)
beschrieb: Atomosia similis, Dasypogon parvus, Senobasis annu-
latus, Mallophora scopifera und Gonypes Cubensis als neue Arten
von Cuba.
Walker (Journal of proceed. of the Linnean soc., Zoology I.
« p- 112 ff.) charakterisirte folgende neue Arten von Borneo: Dasypogon
(Mierostylum) incomptus, Discocephalus dorsalis, Laphria unifascia,
comptissima, rudis, producta, lepida, completa, incivilis, partita, in-
terrupta, cingulifera, detecta, Trupanea inserens, Asilus flagrans, con-
tortus, Leptogaster tricolor und inutilis; letztere Benennung könnte
der Verf. mit gutem Grunde vielen seiner Arten beilegen.
Derselbe (Insecta Saundersiana, Diptera Pt. V. p. 455 f.):
Dasypogon subcontractus vom Amazonenstrome, torridus von Port Na-
tal, Microstylum partitum aus Afrika, Discocephala fervida von Port
Natal und Laphria purpurascens vom Amazonenstrome.
Derselbe (Transact. of the entomol. soc. IV. p. 127 f.): Da-
sypogon aequalis von Pt. Natal, suavis aus Australien, Laphria fortipes
von Pt. Natal, Lampria cilipes vom Amazonenstrome, Trupanea vene-
rabilis von Pt. Natal, leucopyga aus China, Asilus sericans vom Ama-
zonenstrome, firmatus von Pt. Natal, mendax von Celebes, Shalumus
aus China und Leptogaster cingulipes vom Amazonenstrome.
Dasypogon Grantii Newman (ebenda p. 57) ist eine neue Art von
der Moreton-Bay. - 2
Neue Arten von Loew sind ferner: Saropogon aberrans aus dem
südlichen Spanien (Entomol. Zeitung p. 19), Promachus microlabis
aus Syrien (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins in Wien VII. p.84),
Saropogon atricolor aus Rhodus und Cyrtopogon longibarbus aus der
Schweiz (Wiener Entomol. Monatsschrift I. p. 3 und 36).
Mydasii. Mydas igniticornis Bigot ist eine neue Art aus
Chile (Annales de la soc. entomol. V. p. 288), Mydas effracta und
signata Walker (Transact. of the entomol. soc. IV. p. 126) aus
Australien ; letztere Art ist wohl mit Mydas coneinnus Macq. identisch.
Empidae. Bigot (Annales de la soc. entom. V. p. 553 ff.)
sprach sich über die Charaktere und den Umfang, welche nach seiner
Ansicht der Familie der Empiden beizulegen seien, aus und meint,
dass dieselbe nicht ferner in der Weise, wie sie von den früheren
Autoren aufgefasst worden sei, festgehalten werden könne. Seinem
vielbesprochenen Pelottensystem gemäss will er diejenigen Gattungen,
welche eine ausgebildete dritte (mittlere) Pelotte haben, von der Fa-
milie ausschliessen und zu den Leptiden bringen ; dagegen will er auf
die Insertion des Fühlergriffels, der bei einigen Gattungen (Drapetis,
390 Gerstaecker: Bericht über die wissenschafllichen Leistungen
Ocydromia) eher dorsal als terminal genannt werden muss, kein
besonderes Gewicht: legen, sondern diese Gattungen vorläufig. den
Empiden beizählen. Die Gattung Hemerodromia will er in’ mehrere
zerlegen und die Meigen’sche Benennung auf diejenigen Arten be-
schränken, bei denen eine Diskoidal- und eine Analzelle gleichzeitig
vorhanden ist; die Arten, denen letztere fehlt, sollen Polydromya,
diejenigen, denen erstere fehlt, Lepidomya, diejenigen endlich, wel-
chen beide fehlen, Mierodromya heissen. Für Platypalpus ambiguus
Macq. schlägt er die Benennung Crossopalpus vor, und gränzt, von
Cyrtoma diejenigen Arten, welche vier Hinterrandszellen haben, als
eigene Gattung Microcyrta ab. — Die Familie der Empiden umfasst
nach Bigot drei Gruppen : die Ilybotiden, die Erıpiden und die Lam-
promyiden, letztere aus der einzigen Gatlung Lampromyia Macq. be-
stehend. .
Derselbe (ebenda p.291) beschrieb Empis variabilis als neue
Art aus Chile.
Neue Arten aus den Vereinigten Staaten Nord-Amerikas sind:
Empis reciproca, Hilara plebeja, Rhamphomyia expulsa , tristis, pla-
typalpus vicarius, Tachydromia postica und vittipennis Walker (Trans-
act. of the entomol. soe. IV. p. 147 1).
Dolichopodides, Die Kenntniss der einheimischen Formen
dieser Familie ist durch eine inbaltreiche Arbeit von Loew „die
Familie der Dolichopoden“ (Neue Beiträge zur Kenntniss der Dipte-
ren, 5. Beitrag , Meseritz 1857.) sehr wesentlich gefördert worden.
Der Verf, giebt darin seine Ansichten ‚über die Feststellung und den
Umfang der in dieser Familie oft sehr unsicher begränzten Gattungen
kund, besprieht die weniger bekannten Arten und ‘beschreibt eine
grössere Anzahl ihm vorliegender neuer. Der Inhalt der Arbeit ist
folgender : 1) Psilopus. Yon bekannten Arten werden Ps. platypte-
rus, nervosus, Wiedemanni, lobipes, albifrons (= contristans Meig.),
eontristans Wied. (regalis Meig. 2) und longulus näher besprochen,
Psilopus flavieinetus aus Constantinopel, albonotatus von Rhodus,
tenuinervis und euchromus ohne Angabe des Fundorts, robustus von
Triest als neue Arten beschrieben, 2) Sybistroma. Mit Einschluss
von zwei neuen Arten: Sybisir. longiventris und disians aus Steyer-
mark sind dem Verf. im Ganzen 12 Arten bekannt, welche so auffal-
lende plastische Unterschiede darbieten, dass man versucht werden
könnte, ebenso viele Gattungen darauf zu gründen; in Rücksicht auf
die wesentlichsten Abweichungen nimmt der Verf. drei Gattungen:
Sybistroma (auf S. nodieornis beschränkt), Hercostomus (S. longiven-
tris, fulvicaudus und cretifer) und Hypophylius Halid. (die übrigen
Arten umfassend) an. 3) Dolichopus. Die hierunter vereinigten Ar-
ten sondert der Verf. in vier Gattungen, von denen Dolichopus sens,
stiiet. diejenigen umfasst, bei denen der Metatarsus de: linterfüsse
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 391
bewehrt, Gymnopternus dagegen diejenigen, wo derselbe unbewehrt
ist; von letzteren wird die Gattung Tachytrechus Stann. für die Arten
mit bis unter die Augen herabsteigendem Gesicht abgezweigt , und
von diesen wieder Dol, latipennis, rotundipennis und diadema als ei-
gene Gattung Hygroceleuthus getrennt. Ueber einige Arten der Gat-
tung «Dolichopus im engeren Sinne macht der Verf. synonymische
Bemerkungen, unterscheidet unter Dol. nigripes Fall. zwei verschie-
dene Arten D. Fallenii und Meigenii und beschrieb Dol. ornatipes
als n. A. vom Harz, mit D. signatus (pennatus Meig.) nahe verwandt;
auch Bemerkungen über die geographische Verbreitung der Arten in
Europa werden eingellochten. — Von Tachytrechus wird eine neue
Art: T. ripieola aus Italien ‘beschrieben. — Ausführlich geht der
Verf. auf die Gymnopternus-Arten ein, von denen er einerseits meh-
rere der bereits beschriebenen näher erörtert, andererseits ihre Zahl
durch die Beschreibung neuer vermehrt: G. ducalis aus Sicilien,
pulchriceps von Triest, conformis aus Schlesien, plagialus vom
Nensiedler-Sce, convergens ebendaher und aus Sicilien, angustus
aus Klein -Asien, exarticulatus von Triest, costatus aus Klein- Asien,
viraz aus dem. nördlichen Deutschland , fugaxz aus Süd - Deutsch-
land, inornatus von Triest. 4) Orthochile, nichts Neues. 5) Hydro-
'phorus. Die Gattung wird in drei Untergaltungen zerfällt: Liancalus
(Anoplomerus Rond.) für die Arten mit nicht verdickten und unbe-
dornten Vorderschenkeln, Scellus für Hydr. notalus und spinimanus er-
riehtet und Hydrophorus sens. striet. für die übrigen Arten. Ausführ-
lich beschrieben werden Hydroph. viridis Meig., inaequalipes Macq.,
brunnicosus n.sp. von Posen, callostomus aus Sibirien. 6) Campsicene-
mus, in dem von Walker festgestellten Umfang angenommen. Neue
Arten sind: Camps. compeditus von Posen, platypus von Ancona, lum-
batus, marginatus und dasyenemus von Posen. 7) Ihinophilus. Zu
den drei bekannten Arten fügt der Verf. eine durch das schmale und
nach" oben noch etwas verengte Gesicht abweichende Art aus Schle-
sien, für die er deshalb eine eigene Gattung Peodes errichtet; die Art
wird P. forcipatus genannt. 8) Rhaphium. Von der Gattung in ihrem
bisherigen Umfange werden zunächst drei Arten mit subapicaler
Stellung der Fühlerborste, nämlich Rh. flavicolle, cinereum und tar-
satum als eigene Gattung Achaleus abgesondert, Rhaph. Hofllmeisteri
boew zur Galtung Argyra gebracht, über die Synonymie mehrerer
Arten der Gattung Rhaphium sens. striet, Bemerkungen beigebracht
und Rhaph. auctum, quadrifilatum, spicatum, metathesis und adpropin-
quans als neue Deutsche Arten beschrieben. Durch diese wird die Zahl
der dem Verf, bekannten Arten auf 35 erhoben, welche er nach den
Unterschieden in der Bildung einzelner Theile in mehrere Untergattun-
gen Systenus, Syntormon, Synarthrus, Porphyrops, Rhaphium und
Xiphandrium vertbeilt.. 9) Machaerium. Der Name wird als schon
392 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
an eine Pflanzen-Gattung vergeben (was die Zoologie übrigens nichts
angeht, Ref.) in Smiliotus umgeändert und eine zweite neue Art als
Smil. thinophilus von Triest beschrieben. 10) Argyra. Neue Arten
sind: Arg. atriceps, grata aus dem Harz, Für Arg. vestita, welche
sich durch die Nacktheit der Oberseite des ersten Fühlergliedes aus-
zeichnet, wird eine eigene Gattung Leucostola, für Arg. annulata
Macg. die Gattung Nematoproctus errichtet, zu der gleichzeitig eine
neue deutsche Art N. longiflus kommt. 11) Porphyrops. Für keine
der bisher hierhin gezogenen Arten wird der Name aufrecht erhalten,
diese aber, da sie manniglache Verschiedenheiten darbieten, ebenfalls
in mehrere Gattungen vertheilt: Sawcropus für Porph. 4-fasciatus,
Erichsonii, suturalis und pallidus (ochracens Meig.), Xanthochlorus für
Porph. ornatus und tenellus, Sympyenus für Porph. annulipes und die
ihm verwandten Arten, worunter S. brevimanus aus Kärnthen neu; Teu-
chophorus für Porph. spinigerellus und calcaratus Macq. (Medeterus),
Anepsius für Porph. flaviventris Meig. und Eutarsus für Porph. au-
licus Meig. 12) Diaphorus. Neben Bemerkungen über bekannte Ar-
ten findet sich die Beschreibung folgender neuen: Diaph. .lugubris
von Rhodus, disjunctus von Cassel, latifrons aus Schlesien, tripilus
aus Steyermark. 13) Chrysotus. Für die zum Theil hellgefärbten Ar-
ten errichtet der Verf. eine eigene Gattung Chrysotimus und fügt den
übrigen unter Chrysotus verbleibenden, deren mehrere in ihren Cha-
rakteren erläutert werden , folgende neue hinzus Chr. melampodius
aus Sieilien, swavis vom Rhein und Neusiedler- See , albibarbus aus
Klein-Asien. 14) Medeterus. Neue Arten sind: Med. signaticornis,
infumalus, melanopleurus , tenuicauda und micaceus, letzterer aus
Schweden, Wien und Sieilien. 15) Aphrosylus. Eine neue Art ist:
Aphr. venator aus Italien.
Derselbe (Wiener Entomol. Monatsschrift I. p. 37 ff.) machte
auch einige neue exotische Formen derselben Familie durch Beschrei-
bungen und Abbildungen bekannt: Lyroneurus n. g., von Diaphorus
durch das anch beim Männchen verhältnissmässig breite Gesicht, die
apicale Fühlerborste, die tiefere Einsenkung des Hypopygiums, den
Mangel der vier starken Borsten desselben und der äusseren Anhänge,
so wie durch das abweichende Flügelgeäder unterschieden; auf Chry-
sotus annulatus Macqg. gegründet. Zwei neue Arten: Lyr. coerule-
scens aus Mexiko und swavis aus Surinam. Ferner: Gymnopternus
leucospilus aus Surinam, Plagioneurus n. g., mit Gymnopternus in der
Fühlerbildung übereinstimmend, aber das erste Glied auf der Ober-
seite nackt; Untergesicht breit, nicht bis zum unteren Augenrande
hinabreichend, Rüssel ziemlich dick, Taster mässig gross, Borsten-
kranz am hinteren Augenrande sehr kurz, Scheitel sehr wenig ver-
tieft, Beine ziemlich schlank, erstes Glied der Hinterfüsse unbewehrt
und sehr verkürzt. Art: Plag. univittatus von Cuba. — Die Fühler-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 393
und Flügelbildung der beschriebenen Arten ist auf Taf. I. fig. 9—17
abgebildet.
Derselbe beschrieb (Zeitschrift f. d. gesammt. Naturwiss. X.
p- 102) Tachytrechus genualis als neue Art aus dem Harz.
Als neue Arten von Borneo beschrieb Walker (Journal of the
proceed. of the Linnean soe., Zool. I. p.119 f.): Psilopus allectans,
alliciens, illiciens , delectans, proliciens , prolectans, collucens, dere-
Tictus, Dolichopus electus, alligatus, collectus, Diaphorus delegatus.
Eine neue Art desselben (Transact. of the entomol. soc. IV. p.149)
ist ferner Psilopus ungulivena aus den Vereinigten Staaten.
Leptidae. Walker (Transact. of the entom. soc.1V. p. 132)
stellte die elf bekannten Gattungen der Leptiden in einer analytischen
Tabelle zusammen; die Gattung Lampromyia Macq. hält er für näher
mit den Bombyliern verwandt.
Derselbe (Journal of the proceed. of theLinnean soc., Zoo-
logy 1. p. 118) stellte Chrysopila ‚maculipennis als neue Art von
Borneo auf.
Loew (Wiener Entomol. Monatsschr. I. p.2) beschrieb Leptis
chrysostigma als n. A. von Triest, durch die Färbung des Stigma mit
Lept. maculata Fall. und immaculata Meig. zunächst verwandt.
XKylotomne. Walker brachte (Transact. of the entomol.
soec. IV. p. 132 f.) die sechs bekannten Gattungen der Thereviten,
welche er als Unterfamilie der Bombylier ansieht, unter cine analy-
tische Tabelle nnd beschrieb Thereva arida aus Australien und scu-
tellaris vom Amazonenstrome als neue Arten.
Thereva praecedens desselben (Journal of the proceed. of the
Linnean soc., Zoology I. p. 118) ist eine neue Art von Borneo, The-
reva innolata (Insecta Saundersiana, Diptera Pt. V. p.455) von Neu-
Seeland.
Scenopini, Loew (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins in
Wien VII. p.87—90) handelte über die bis jetzt bekannt gewordenen
Arten der Gattung Scenopinus, welche sich nach ihm sämmtlich nur
auf vier Europäische redueiren: 1) Scen. niger de Geer (rugosus et
fenestralis Fab., tarsatus Panz., ater Fall., nigripes Meig., fasciatus
Walk.). 2) Scen. fenestralis Lin. (saltitans et spoliatus Scop. , seni-
lis Fab,, suleicollis, vitripennis, domesticus et rufitarsis Meig,, furci-
nervis Zeller). 3) Scen. laevifrons Meig. (halteratus et orbita Meig.).
4) Scen. Zelleri Loew. — Als neue Art beschreibt der Verf. : Sceno-
pinus pygmaeus aus Surinam.
Bombyliarii. Bigot' charakterisirte (Annales de la soc.
entomol. V. p.292 1.) eine neue Galtung Cyrtophorus, zur Gruppe von
Ploas, Amictus, Cyllenia u. s. w. gehörend; an den Fühlern die bei-
den ersten Glieder eylindrisch, nach der Spitze hin allmählig dicker
werdend, dicht behaart, das erste doppelt so lang als das zweite, das
394 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
dritte spindelförmig, glatt, fast von der Länge des ersten; Rüssel vor-
gestreckt, Palpen verlängert, fadenförmig, von halber Länge ‘des
Rüssels; Gesicht und Stirn mit steifen und langen Borsten besetzt;
Thorax bucklig, an den Seiten mit sparsamen Borsten bekleidet, Hin-
terleib konisch, hinten stumpf, herabgesenkt. Art: ‚€. pietipennis
(pl.7. fig. 1) aus Chile. — Als neue Art wird ausserdem beschrieben:
Oyllenia elegantula aus Chile.
Derselbe beschrieb (Annales de la soc. entomol. V. p. 280 ff.)
Hirmoneura 'brevirostrata (pl.6. fig. 1), barbarossa und niveibarbis aus
Chile und (Historia fisiea de la isla de Cuba VII. p. 332 £.) Bombylius
insularis und Anthraz connexa von Cuba.
Walker (Transact. of the entomol. soec. IV. p. 1331.) gab
eine analytische Uebersicht der bis jetzt bekannten Bombylier-Gat-
tungen, die er in drei Gruppen oder Unterfamilien: Therevites’, Ne-
mestrinites und Anthracites vertheilt. Unter den Nemestrinites nimmt
er vier Gallungen an, indem er Triehophthalma mit Hirmoneura ver-
einigt; den Anthracites konmen gegenwärtig 35 Galtungen zu. Als
neue Arten werden beschrieben: Trichophthalma laetilinea, albibasis,
primitiva und bivitta aus Australien, Anthraxz convera , dorsalis, de-
cemmacula, conclusa, lucida, lineata, solita, ineracl« vom Amazo-
nenstrome, commiles und argentilatus von Pt. Natal, latifaseia und
combinala aus China, albirufa, (Neuria) subsenex, serobieula aus
Australien, Lomatia faseicularis von Pt. Natal, Bombylius areolatus
aus Australien, Lepidophora vetusta und secutor vom Amazonenstrome,
Phthiria lurida von Parä, lineifera aus Australien, Geron albidum
von Amazonenstrome und Geron (?) tenue unbek. Vaterl. — Unter
Anthrax giebt der Verf. für die einzelnen Welttheile und grösseren
Inselgruppen die Zahl der bis jetzt bekannten Arten und der durch
sie vertretenen Gruppen an.
Derselbe stellte (Journal of the proceed. of theLinnean soc.,
Zoology I. p. 118.) Anthrax semiscita und satellitia als neue Arten
von Borneo auf.
Loew beschrieb (Entomol. Zeitung p. 17 ff.) Dischistus multi-
setosus aus dem südlichen Spanien, (Verhandlungen des zoolog.-botan.
Vereins in Wien VII, p. 80 I.) Anthrax clarissima, brunnescens, for-
nicata und Bombylius floccosus als neue Arten aus Syrien.
A. Laboulbene, Note sur Ja nymphe de l’Anthrax sinuata
(Annales de la soc. entomol. V. p. 781—-790) erzog aus einen Hyme-
nopteren-Neste, welches er für das der Megachile muraria hält, zwei
Anthrax sinuata, deren Puppen in den Zellen des Nestes eingeschlos-
sen waren und deren Larven sich daher von den Larven der Bie-
nen hatten ernähren müssen. Er beschreibt die Puppe ausführlich
und giebt eine Abbildung davon auf pl. 15. fig. 2. Sie hat in der
Form Aehnlichkeit mit Tagfalter- Puppen, ist au den Seiten des Hin-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 39%
terleibs mit Büscheln langer Haare versehen, amKopfe und Schwanz-
ende mit hornigen Spitzen bewaffnet; auf dem Rücken des zweiten
bis fünften Hinterleibssegments zeigen sich je 11 bis 13 in Querrei-
hen gestellte hornige Haken, deren beide Enden frei hervorragen.
— Der Verf. stellt die früheren Beobachtungen über die Lebensweise
der ersten Stände von Anthrax und Bombylius zusammen, bat aber
übersehen, dass (was schon Westwood, Introduction 11. p. 544 an-
führt) bereits Schäffer das Parasitiren von Anthrax in den Nestern
der Megachile muraria gekannt. hat.
Die Puppe derselben Art (Anthrax sinuala) ist auch von Fabre
in den’Annales des sciences naturelles , 4. ser. VII. ‘pl. 17 abgebildet
und p.302 f. beschrieben worden. Fabre fand Jieselbe in grosser
Anzahl in den Zellen der Osmia tricornis und zwar in gleicher Art
eingesponnen, wie dies von den Osmia-Larven mit sich selbst ge-
schieht; das vollkommene Dipteron wurde sowohl aus den Puppen
erzogen als auch beim Abiegen seiner Eier in die Osmien - Zellen
beobachtet. .
Pipunculini, Pipunculus translatus Walker (Transact., of
the entomol. soc. IV. p. 150) ist eine neue Art aus Nord-Amerika.
Henopii., Loew (Wiener Entomol. Monatsschrift I. p. 33 ff.)
charakterisirte eine neue Gattung Pitkogaster mit folgenden Charak-
teren: „Vroboseis brevissima, fere nulla, antennae vertici insertae,
oculi hirti, contigui, ocelli duo laterales, tertins anterior indi-
slinetus, prothoracis lobi dorsales distantes; nervi alarıım. distincti,
completi, tertius furcatus, cellula prima posterior longissima, discoi-
dalis parum lata; abdomen 5 annulatum.* Art: Pith, inflatus aus
Spanien, 2 lin. lang, auf Taf. I. Fig. 1—8 nebst Acrocera trigramma
Loew abgebildet.
A. Costa hat in einem Aufsatze „Nola sul genere Opsebius
fra i Ditteri Enopidei* (in Briefform anRondani im Journ. „l’Iride,
Anno Il. No. 22 veröffentlicht) nachgewiesen, dass die Gattung Pitho-
gaster Loew mit seiner im J. 1856 aufgestellten Gattung Opsebius
(siehe Jahresbericht 1856. p. 141) zusammenfällt, dass jedoch die Art
von der seinigen zu unterscheiden sei; er nennt die von Loew be-
schriebene daher Opsebius inflatus. — Die ausführliche Beschreibung
und Abbildung des Costa’schen Opsebius perspieillaris aus Neapel ist
im J. 1857 im zweiten Bande der Memorie della Reale Accademia
delle scienze di Napoli, 'p.231, (Abbildung auf beifolgender Tafel,
Fig.7) erschienen.
_ Philipota limosa Walker (Transact. of the entomol. soc. IV, p. 125)
ist eine neue Art vom Amazonensirome.
Tabanii. Eine von Bigot (Annales de Ja soc. entomol. Y.
P-286.11.) aufgestellte neue Gattung Coenura, welche der Verf. mit
’ Zweifel seiner Abtheilung der Coenomyidae zuweisen will, ist der
396 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
gegenwärtigen Familie zuzurechnen, indem sie nach der Abbildung
im Flügelgeäder mit Pangonia übereinstimmt. Die Fühler sind pfrig-
menförmig zugespitzt, elfgliedrig, an der Spitze mit einigen feinen
Borsten endigend, die beiden ersten Glieder breit, quer, behaart; der
Rüssel nicht hervorgestreckt, die Palpen kurz; Thorax und Abdomen
breit, aufgeschwollen , letzterer aus vier breiten und fünf schmalen
Ringen bestehend, von denen die letzteren eine Jegeröhrenförmige
Verlängerung bilden; Hinter - und Mittelschienen in zwei kurze Dor-
nen endigend. Art: C. longicauda aus Chile, auf pl.6. fig. 2 abge-
bildet. — Pangonia conica neue Art aus Chile, ebenda pl. 6. fig. 4.
Von Walker (Insecta Saundersiana, Diptera Pt. V. p. 450 f.)
wurden Tabanus inlereuns (!) von Rio-Grande, temperatus und bi-
partitus von Pt. Natal, signifer aus China, Chrysops Sinensis aus
China, Haematopota ruficornis und decora von Port Natal als neue
Arten beschrieben.
Neue Arten desselben Verf. von Borneo (Journal of the pro-
ceed. of the Linnean soc., Zoology1I. p. 110 ff.) sind: Tabanus nexus,
[umifer, optatus, simplicissimus, Chrysops fixissimus und Haematopota
alomaria.
Tabanus imponens von Para, unicinctus und bitinetus ebendaher,
eingulifer und mallophoroides vom Amazonenstrome, humillimus von
Celebes und Silvius nitescens aus Australien machte derselbe (Transact.
of the entomol, soc. IV. p. 122 ff.) bekannt.
Pangonia Walkeri Newman (ebenda p.56) ist eine neue Art
von der Moreton-Bay.
Schiner (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins in Wien VII.
p. 19) lieferte eine genauere Beschreibung des Chrysops (Tabanus)
marmoratus Rossi.
Stratiomyidae. Von Walker (Journal of the proceed.
of the Linnean soc., Zoology I. p. 108 ff.) wurden ausser einigen
neuen Arten von Sarawak auf Borneo auch zwei neue Gattungen be-
kannt gemacht: 1) Culcua n. g. Flügeladerung wie bei Clitellaria,
die Flügel selbst ziemlich schmal; Kopf klein, mit abschüssiger Stirn,
Augen beim Männchen zusammenstossend; Fühler kurz, mit gerunde-
tem dritten Gliede und langer, dünner Endborste ; ‘Thorax vorgezo-
gen, länglich konisch, Schildchen mit vier Dornen, Hinterleib dick,
fast rund, breiter und kürzer als der Thorax; Beine kurz und ein-
fach. Art: C. simulans von Malacca. — 2) Evaza n.g. Flügel lang,
nicht besonders breit, Aderung wie bei Clitellaria; Körper flach, fast
glatt; Kopf von der Breite des Thorax, Fühler kurz, erstes Glied läng-
lich, drittes rund mit langer, dünner Endborste; Thorax elliptisch,
Schildchen mit vier Dornen, Abdomen fast elliptisch, etwas länger als
der Thorax, kaum breiter, Augen beim Männchen gross, zusammen-
stossend. Art: Z. bipars von Borneo. '‘— Ne:ie Arten: Clitellaria
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 397
notabilis , Cyclogaster detracta, infera, Sargus latifascia, sämmtlich
von Borneo. Die beiden neuen Gattungen sind auf pl.6. fig.1 u. 2
abgebildet. j
Derselbe beschrieb (Transact. of the entomol. soc. IV. p. 120 11.) .
als neue Arten: Acanthina porcata und longicornis vom Amazonen-
strome, Stratiomys inanimis aus China, Xylophagus basipunctatus nus
Australien.
Bigot charakterisirte (Annales de la soc. entomol. V. p.283 ff.)
eine neue Gattung Heterostomus aus der Xylophagiden-Gruppe, wel-
che einige habituelle Aehnlichkeit mit einer Sesia (nicht wie der
Verf. angiebt mit Zygaena) hat. An den Fühlern sind die beiden
ersten kurzen und dicken Glieder mit dichten Borsten besetzt, das
dritte lang pfriemförmig , achtringlig; von auflallender Form ist das
zweite grosse Tasterglied, welches bis zur Mitte seiner Länge sehr
dick, eylindrisch, sodann sehr schief und breit abgestutzt und stark
nach unten gebogen ist. Ocellen fehlen, die Augen vorn, vor den
Fühlern zusammenstossend. Thorax oben gewölbt, Abdomen langge-
streckt, fast cylindrisch, nach hinten etwas verdickt und wie abge-
stutzt, aus sechs sichtbaren Segmenten bestehend; Flügel schmal, den
Hinterleib nicht merklich überragend, mit zwei Submarginalzellen und
einer ovalen Diskoidalzelle. Beine ziemlich lang, Schienen in zwei
lange Dornen endigend, das Basalglied der Tarsen verlängert. Eine
Art: H. curvipalpis (pl.6. fig. 5) aus Chile.
Loew (Berl. Entomol. Zeitschr. I. p. 21—34) machte abermals
Mittheilungen über die Europäischen Arten der Gattung Oxycera, in
welchen er sich ausführlich über die Synonymie der bisher beschrie-
benen Arten auslässt und die Namen einiger ändert, andere, die in
Deutschland weniger bekannt sind, auch nochmals beschreibt. So
wird z. B. die als Str. muscaria Fab. zweifelhaft bestimmte Art aus
Dalmatien unter den Namen Ozye. flavipes eingeführt, Oxye. longi-
cornis Dale näher charakterisirt; zwei neue Arten, die beschrieben
werden, sind Ozycera locuples von den Schweizer Alpen und amoena
aus Oesterreich, letztere von Z etterstedt vielleicht als O. pardalina,
von Macquart als O. formosa var. beschrieben.
Schiner (Verhandl. d. zoolog.-botan. Vereins in Wien VII.
p- 6 11.) theilte Bemerkungen über die bei Triest von ihm gesammel-
ten Stratiomyiden mit, die zum Theil für die Feststellung der Arten
von Belang sind; als neue Arten werden Oxycera Ranzonii und Ne-
motelus plagiatus von dorther beschrieben.
Snellen van Vollenhoven (Memoires d’entomologie, publ.
P- 1. soc. entomol. des Pays-Bas I. p. 91 1f.) beschrieb neben Ptilocera
quadridentata Wied. von Sumatra und Java zwei ihr sehr ähnliche
Arten, die sich aber durch constante Merkmale unterscheiden: Ptil,
amethystina von Java und Celebes und smaragdina von Celebes; die
398 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Beschreibung der letzteren Art passt mit Ausnahme der Färbung des
letzten Fühlergliedes vollständig auf die Pıil. fastwosa des Ref. von
Ceylon, mit der sie vielleicht identisch ist. — Rhaphiocera spinitho-
rax Macq. hält der Verf. für nichts als Clitellaria bivittata Wied.
Haliday (Natural history review IV. p. 193) beschrieb die
Larve einer Oxycera, die vermuthlich der an gleicher Stelle mit ihr
vorkommenden Oxycera Morrisii angehört und bildete dieselbe auf
pl. XI ab. Der Verf. lässt sich auf eine specielle Erörterung derje-
nigen Merkmale ein, welche sie von den beiden durch Heeger be-
kannt gemachten Larven der Gattung unterscheiden. — Eine ausführ-
liche Schilderung des inneren und äusseren Baues der Larve von
Nemotelus uliginosus gab derselbe ebenda p. 194 und eine Abbildung
auf pl. XI. Die Larve ist mehr gleichbreit als die von Oxycera, ihr
Kopf schmaler, das letzte Abdominalsegment mit vier Zähnen, wel-
che einzelne lange Borsten tragen, besetzt; die Borsten der Tracheen-
mündung am hinteren Körperende sind kurz, unterhalb nahe der bei-
den mittleren Zähne gelegen.
Syrphici. Walker (Transact. entom. soc. IV, p. 150 ff.) be-
schrieb eine Anzahl neuer Arten aus der Saunders’schen Sammlung,
von denen zwei neue Gattungen bilden: 1) Lycastris n. g. mit vor-
gestiecktem , lanzettlichen Epistom fast von der Länge des Thorax,
der Mund selbst kaum kürzer als der Körper; Fühler auf einem Pe-
tiolus sitzend, ihr erstes und zweites Glied kurz, das dritte breit,
fast elliptisch, mit nackter Borste; Thorax und Hinterleib haarig,
Füsse einfach, die Vena transversa praebrachialis lang, geschwungen
und sehr schräg. ‘Art: L. albipes aus Hindostan. — 2) Rhoga n. g:
mit Paragus verwandt; Kopf schmal, Augen oben nicht zusamnien-
stossend; erstes Fühlerglied lang, drittes kürzer, etwas gekeult, mit
nackter Borste; Hinterleib sitzend, verkehrt lanzettlich, kaum dop-
pelt so lang als der Thorax; Hinterschienen etwas erweitert, gewim-
pert, an den Hinterfüssen der Metatarsus erweitert, Art: Rh. Iutescens
von Para. — Die übrigen neuen Arten sind: Ceratophya luridescens
vom Amaäzonenstrome, bicolor von Parä, Ceria dirisa und Microdon
testaceus von Port Natal, Helophilus strenuus ohne Angabe des Vater-
landes, seitus und auratus vom Amazonenstrome, Merodon torpidus
ohne Angabe des Vaterlandes, Syritta transtersa vom Amazonenstrome,
Temnocera trifascia von Parä, circumdata und integra vom Amazo-
nenstrome, Pipiza pieca und dolosa ebendaher, divisa von Vera-Cruz;
Syrphus subchalybaeus vom Amazonenstrome.
Derselbe (Dipteren von Borneo, Journal of the proceed. of
the Linnean soc. Zoologyl. p. 122 ff.) charakterisirte” zwei neue Gat-
tungen: 1) Baryterocera n. g. von fast linearem Körper, Kopf etwas
breiter als der Thorax, Gesicht flach; Fühler mit zwei kurzen Basal-
und sehr. langem, erweiterten, gebogenen Endgliede mit nackter Borste
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 399
am Grunde; Abdomen fast eiförmig, sitzend, etwas breiter und kür-
zer als der Thorax; Beine kurz und hräftig, Flügel kurz mit gera-
den, fast rechtwinklig gegen die Längsnerven verlaufenden Queradern.
Art: B. inclusa von Borneo. — 2) Citibaena n. g. mit linearem, sehr
haarigen Körper; Kopf kaum breiter als der Thorax , Gesicht flach,
Augen dicht behaart, Fühler kurz, die beiden ersten Glieder quer,
das dritte verkehrt kegelförmig , etwas länger und breiter als jene;
Fühlerborste nackt, an der Basis entspringend, doppelt so lang als
das dritte Glied. Hinterleib viel länger als der Thorax, Beine ein-
fach, zart, Flügel schmal, die äussere Querader zwischen der Cubital-
und Präbrachialader gebrochen und daselbst einen kleinen Ast aussen-
dend. Die Gattung ist mit Chrysochlamys verwandt. Art: C. aurata
von Borneo. Andere neue Arten sind: Merodon varicolor, Milesia
Zamiel, Syrphus divertens, eyalhifer von Bormeo. Die beiden neuen
Gattangen sind auf pl. 6 fig. 3 u. 4 dargestellt.
Neue Arten aus Chile, von Bigot (Annales de la soc. ento-
mol. V.p. 295 1.) beschrieben, sind: Phalaeromyia nigripes, Helophilus
luctuosus, Cheilosia aurantipes.
Syrphus quadrifasciatus und radiatus Bigot (Historia fisica de
la isla de Cuba VII. p. 337) sind zwei neue Arten aus Cuba.
Die Europäischen Arten der Gattung Cheilosia nach ihren we-
sentlichen Charakteıen auseinanderzusetzen hat Lo ew” (Verhandl. d.
zoolog.-boltan. Vereins in Wien VII. p.579—616) begonnen. Der
Verf. verbreitet sich zunächst in ausführlicher Weise über die Cha-
raktere, welche zur Unterscheidung der Arten benutzt werden können
und geht besonders auch auf diejenigen ein, welche durchaus trüge-
risch und daher für die Aufstellung von Arten verwerllich sind. Von
der Gattung im Macquart'schen und Meigen’scheu Sinne werden die
mit Syrph. ruficornis verwandten Arten (Chrysochlamys Rond.) ausge-
schlossen; die zurüchbleibenden zerfällt der Verf. in drei Gruppen:
1) in solche mit behaarter Gesichtsfläche, 2) in solche mit unbehaar-
ter Gesichtslläche und nackten Augen und 3) in solche mit nackter
Gesichtsfläche und behaarten Augen. Der vorliegende Theil der Ar-
beit erstreckt sich auf eine Beschreibung der den beiden ersten Grüp-
pen ängehörenden Arten, 8 in der ersten und 27 in der zweiten; in
der ersten Gruppe werden als neu beschrieben: Ch. barbata Mittel-
europa, frontalis Deutschland, intonsa (fraterna Zeit.) ganz Europa,
griseiventris Sieilien; in der zweiten: Ch. latifacies Brussa, Hercy-
niae Harz, Oesterreich, pulchripes (means Zeit.) ganz Europa, plumu-
lifera Gebirge Mittel - Enropas, gagätea Steyermark, laeviventris, ve-
nosa, sparsa, derasa , personala und insignis Oesterreich. — Zur
leichteren Bestinimung der Arten hat der Verf. ihre Hauptcharaktere
in Tabellen analysirt, die den einzelnen Gruppen vorangestellt sind.
Zahlreiche von Meigen und Maecquart aufgestellte Arten sind
400 Gerstaecker:; Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
wegen ihrer mangelhaften Charakteristik dem Verf. unenträthselbar
gewesen.
Der Verf, schliesst hieran (ebenda p. 617—620) eine Auseinan-
dersetzung der drei Europäischen Arten der Gattung Chrysochlamys
Rond., nämlich Ch. ruficornis Fab., cuprea Scop. und aurea Rond.
Ueber die Gattungen Chrysogaster und Orthoneura schrieb der-
selbe (Wiener Entomol. Monatsschrift I. p. 4 ff.). Er unserscheidet
als Chrysogaster basalis eine neue zwischen Chr, coemeteriorum Fab.
und :chalybeata Meig. in der Mitte stehende Art aus Deutschland, die
sich von Chr. eupraria Maeq. durch dunkelbraun gefärbtes Randmal
der Flügel unterscheidet; es folgen ausserdem einige. Bemerkungen
über die Synonymie und das Vorkommen anderer Arten der Gattung.
Von Orthoneura brevicormis und frontalis werden die bisher unbe-
kannten Weibchen charakterisirt.
Eumerus punctifrons n. A. aus Syrien beschrieb derselbe (Ver-
handl. d. zoolog.-botan. Vereins in Wien VII. p. 85).
Ein Verzeichniss der Oesterreichischen Syrphiden hat Schi-
ner (Verhandlungen des zoolog.-botan. Vereins in Wien VII. p. 279—
447) zusammengestellt und hieran, wie bei den vorhergehenden Ver-
zeichnissen, Tabellen zur Bestimmung der Galtungen und Arten ge-
reiht. Wenn die Arbeit gleich zum grössten Theile nur eine Zusam-
menstellung von bereits Bekanntem ist, so verdient doch die darauf
verwandte Mühe und Sorgsanıkeit alle Anerkennung. Dass einzelne
Theile, welche in neuerdings erschienenen Monographieen von Loew
eine gründliche Durcharbeitung erfahren haben, eine grössere Voll-
ständigkeit und Sicherheit in der angeführten Synonymie bekunden
als andere, wo der Verf. auf seine eigenen Forschungen angewiesen
war, liegt in der Natur der Sache; indessen ist auch bei letzteren
das Streben nach Erkenntniss des Richtigen nicht zu verkennen. Da
der Verf. neben den Oesterreichischen Arten auch die des übrigen
Europa mit aufführt, würde es für die Berichtigung der Synonymie
besonders der südlichen Arten, welche oft eine weitere Verbreitung
haben, zweckmässig sein, auch die Beschreibungen der Algerischen,
Klein-Asiatischen Arten u. s. w. zu vergleichen; z. B. müsste für
Volucella analis Maeq. der frühere Name Vol. liquida Erichs. (Wag-
ner, Reisen in Algier 1840) eingeführt werden, — Die einzelnen
Syrphiden - Gattungen sind in Oesterreich folgendermassen vertreten
(die Zahl der Europäischen Arten ist in Klaminern beigefügt): Calli-
cera 1 (5), Microdon 2 (3), Chrysotoxum 11 (12), Psarus 1 (1), Pa-
ragus 8 (8), Pipiza 23 (50), (Triglyphus 1), Chrysogaster, 15 (30),
Psilota 1 (4), Cheilosia 56 (88), Syrphus 57 (106), Pelecocera 2 (4),
Didea 3 (4), Doros 3 (4), Melithreptus 9 (19), Spazigaster 1 (1),
Myolepta 1 (1), Rhingia 3 (8), Brachyopa 4 (9), Ascia 8 (11), Sphe-
gina 1 (6), Büccha 3 (4), Volucella 5,(8), Eristalis 14 (26), Mallota
im |Gebiete! der Entomologie während des Jahres 1857. 401
3: (5), Helophilus 10 (18), (Platynochoetus 1), Merodon 15 (29), Tro-
pidia 2 (4), Xylota 13 (13), Syritta 1 (2), Eumerus 12 (32), Chryso-
chlamys 2 (3), Spilomyia 7 (7), Sericomyia 4 (4), Criorrhina 6 (10),
Brachypalpus 3 (4), Milesia 2 (2), (Sphecomyia 1), Ceria 2 (4).
van der Wulp (Memoires d’entomol., publ. p. l. soc. entom.
des Pays-Bas I. p.18. pl.1) gab eine Beschreibung und Abbildung
der Larve und Puppe von Eristalis sepulchralisLin. Aus einer Puppe
dieser Fliege entwickelte sich ein Cryptus migratorius.
Conopidae. Conöops Ramondi wurde von Bigot (Historia
fiiica de la isla de Cuba VII. p. 339)ı als nene Art von Cuba
aufgestellt.
Nach Schiner’s Beobachtungen ist die bei Triest vorkommende
Dalmania (Stachynia) meridionalis Macq. das Weibchen der D. au-
stralis Macq., letztere aber nach Loew identisch mit Conops acu-
leata Lin.
©esiracea. Leidy (Proceed. ofthe acad. of nat. scienc. of
Philadelphia 1857. p.204) machte die Mittheilung, dass eine Oestrus-
Larve in Mehrzahl unter der Haut des Rückens, Bauches und der Len-
den von einer Taschenmaus (Tomomys borealis) gefunden worden
sei; die grössten Exemplare derselben massen 9 Linien an Länge.
Muscariae. Zahlreiche neue Arten aus den verschiedenen
Gruppen dieser Familie, von Wallace auf Borneo gesammelt, wur-
den von Walker (Journ. of proceed. of the Linnean soc., Zoology 1.
p- 125 1.) bekannt gemacht. Aus der Tachinen - Gruppe: Eurygaster
subferrifera; aus der Dexien-Gruppe: Dezxia munda und extendens;
aus der Sarcophagiden- und Musciden-Gruppe: Cynomyia fortis, Sar-
cophaga indicata, Idia bivittala, Musca exempla. Von Acalypteren:
Aricia inaperta, illocata, Caenosia insurgens, Helomyza fuscicostata,
aequala, limbata, protecla, invicta; Gauzania n. g. von schlanken,
fast eylindrischen, borstigen Körper, mit nackten Augen, kurzen Füh-
lern, deren drittes Glied lang konisch und mit behaarter Borste ver-
sehen ist ; Hinterleib verkehrt lanzettlich, kaum länger, aber schmaler
als der Thorax; Beine nicht borstig, Flügel schmal , mit parallelen
Adern. Art: @. derecta (Abbildung auf pl. 6. fig. 5). — Lamprogaster
basilutea, divisa, punctala, gutlala, Sophira concinna, Rioxa confinis,
Dacus determinatus, figuratus, Noeeta latiuscula, Trypela rudis,
Urophora fasciata , Diopsis discrepans, Calobata strenua, cedens,
Curdiacephala longicollis, Gymnopa (?) guttieosta und Gymnopa (?)
infusa.
Bigot (Annales de la soc. entomol. V. p.299 F.) beschrieb
folgende Arten aus Chile, die zugleich auf pl. 7 abgebildet sind: Ju-
rinea callipyga, Sarconesia n. g. auf Sarcophaga chlorogaster Wied.
welche bei Maequart unter Onesia steht, gegründet (die Art wir
hier nochmals beschrieben und auf pl. 7. fg. b’abgebildet), nebst einer
Arebiv f Naturgesch. XXIV, Jahrg. 2. Bd. AA
A0R: Geistäeckler : Ierioht \üher die wissenschaftlichen Leistungen
zweiten’ Anti Sardanesia \versicolon., ‚„Ferner:) Pegomyia, univittata,
Amethyjsa calligyna, ‚Unophora flecuosa. .
Als. neue; Arten aus Cuba ‚(Historia fisica de la isla de Cuba VIk,
p- 340 ff) stellte) derselbe ‚auf 2. ‚Tuchina 'elegans, Eurygasten \obscurus,
modestus,, Scopelia migraı,, Sarcophaga muscoides,,, pusilla, incerta,
Sepsüs Guerinii, discoler,, Aeinia pieciola,, Ulidia; metallica, Sciomyza
obsewripennis. und Phora, cornula,
_ Loew (Wiener Entomol. Monatsschrift L p, 44—56) erörterte
die ‚mit,Cyrtoneura hortorum Wied. ‚verwandten Europäischen Arten
nach, beiden ‚Geschlechtern, nämlich Cyrt. simplex (importuna Halid.),
eine von England bis Italien, Griechenland und Klein-Asien; verbrei-
tete. Art, und Cyrt: podagrica n. A,, aus, Steyermark,, und ‚Kärnthen ;
gründete ferner, ‚eine, neue Gattung Anaphalantus auf, eine von W ahl-
berg.im Callernlande aufgefundene,, mit, Coenosia verwandte Aut,
welche sich durch etwas breitgedrückte, beiderseits lang und dicht
gefiederte Vorderschienen schr, auszeichnet; sie weicht von Coenosia
ferner durch den Mangel der. Borsten an der Schienenspilze, den Bau
des Hinterleibs, der beim Männchen stark von oben, nach unten zu-
sammengedrückt ist, die kurzen Stirnborsten, den Mangel der Kne-
belborsten, das mehr zurückgehende Untergesicht, u, s. w. ab. Die
Art ist Anaph. pennalus genannt und auf Taf. I. fig, 21 abgebildet. —
Ferner ‚besprach derselbe, die deutschen Arten der Galtung Hetero-
neura, deren ihm fünf bekannt, gew orden sind: Het. spurca Halid.,,
albimana Meig., rulicollis Meig., alpina n, ‚sp. aus, dem ee
und «geomyzina Fall. — und beschrieb endlich eine ausgezeichnete
neue Phoriden-Gattung Psyllomyia testacea, von Wahlberg im Caf-
fernlande aufgefunden, nur %/ lin. lang (Taf, 1. Fig. 32 abgebildet),
durch Jinsenlförmig. gewölbten, homigen ‚Kopf, sehr kleine Augen,
zweigliedrige Fühler mit dicht behaarter Borste,, vorstehende Taster,
langen und,geknieten Rüssel, abgerundeten Thorax, besonders ‚stark
entwickelte Beine, ‚mit, sehr, kräftigen Hinterschenkeln und verkürzte,
lederartige,, den Hinterleib an ‚der Basis bedeckende, Flügel bemeır-
kenswerth.
Derselbe (Zeitschrift f, d. gesammt. Naturwiss. X, p. 104 1)
beschrieb Anthomyia pulchripes, Hydrotaea sylvicola, brevipennis, Sa-
promyza ‚decaspila, modesta und nana als neue Arten aus dem Harz.,
Anthomyia impudica,Reiche (Bullet. de la soc. entomol. V. p. IX)
ist,eine neue Art von Grönland,
Sehr werthvolle und interessante Beiträge zur Naturgeschichte
der. Trypetem lieferte 6. Fnawenfeld in\den Sitzungsberichten der
mathem. = naturwiss;, Glasse: der, Akad. .d. Wissensch,.. in, Wien XXIRk
p4528—557,, in, welchen) er, seine, langjährigen Erfahrungen über. die
Nahrungspllanzen;, dieser Fliegen; so,ı wie über, ‚die, Lebensweise, der
Laxven. in, denselben | mittheilt, ‚Um, .die,, Ventheilung der, einzelnen
!
im ‘Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 403
Trypeta-Arten auf die verschiedenen Familien, Gruppen und Gattun-
gen der einheimischen Compositen darzustellen, welche bekanntlich
vorwiegend den Wohnsitz für ihre Entwickelung abgeben, stellt der
Verf. die einheimischen Corymbiferen, Cynarocephalen und Cichora-
ceen in systematischer Reihenfolge zusanımen und vermerkt bei den
einzelnen Gattungen und Arten die aus ihnen erzogenen Trypeten.
Es stellt sich dabei heraus, dass unter den Corymbiferen die Eupato-
rieen und Calendulaceen, beide arm an Gattungen, bisher nicht als
Wohnsitz von Trypeten nachgewiesen worden sind; dass dagegen die
Inuleen, Anthemideen und Senecioneen reich an solchen sind; dass
unter den Cynarocephalen die Carduineen und die Centaurieen über-
haupt die meisten Arten (erstere 41, letztere 20) ernähren, während
von den Echinopsideen, Carlineen und Xeranthemeen bisher keine
Art zur Kenntniss gekommen ist; dass sich endlich unter den Cicho-
raceen die Trypeten auf die Gruppen der Leontodonteen , Scorzone-
reen , Hypochoerideen, Chondrilleen, Lactuceen und Crepideen be-
schränken, Interessant ist auch das Verhältniss, in welchem die von
der ‚Trypeten -Larve verursachten Veränderungen in der Pflanze zu
den genannten Familien stehen; während nämlich in den Blüthen-
köpfen bei einem grossen Theile der Cynarocephalen durch den An-
stich der Fliegen Anschwellungen erzeugt werden, fehlen diese ganz
allgemein bei den Cichoraceen, deren Achenen nur von den Larven
ausgehöhlt werden, Während ferner die meisten Trypeta-Arten an
eine bestimmte Gattung‘ und Art gebunden sind, erscheinen andere
polyphag und zwar nicht nur in verschiedenen Arten einer und derselben
Gruppe, sondern auch in Pflanzen verschiedener Gruppen. — Der
Aufzählung der Compositen und ihrer Bewohner lässt der Verf. zahl-
reiche Bemerkungen über die Lebensweise der einzelnen , von ihm
erzogenen Arten so wie über die von denselben an den Pflanzen
verursachten Veränderungen folgen und giebt sodann eine Zusammen-
stellung der aus Compositen erzogenen Trypeten, 59 an Zahl, mit
Hinzufügung ihrer Nahrungspllanzen. Von diesen 59 Arten kommen
32 nach den bisherigen Erfahrungen nur an einer einzelnen Pflanze
vor, die übrigen an mehreren zugleich; z. B. Tr. arctii an 5 Arten
und 4 Gattungen von Pflanzen, flava an 4 Arten (2 Gattungen), inulae
ebenso, marginata an 7 Arten (3 Gattungen), onotrophes an 10 Arten
(5 Galtungen), solstitialis an 6 Arten (3 Gattungen), sonchi an 8 Arten
(6 Gattungen), stellata an 5 Arten (4 Gattungen). — Zuletzt geht der
Verf, zu der Beschreibung einer Anzahl neuer Arten über: Tr. affinis
aus Centaurea panieulata, amoen« aus Lactuca-Arten (in Dalmatien
auch aus Picris hieraeioides), Eggeri aus Doronieum pardalianches
(Steyermark), intermedia aus Tragopogon pratense, Mamulae aus
Blätterrosen von Gnaphalium angustifolium von Zara, maura aus Inula
hirta und britannica , Schaefferi aus Centäuren miontana , Conyzue aus
404 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Conyza, aegyptiaca. in Aegypten und augur aus Zygophylium album
in, der Sinaitischen Halbinsel , sämmtlich in ihren Flügelzeiehnungen
auf der beifolgenden Tafel abgebildet. Ebenda stellt der'Verf.zu-
gleich den. Kopf einer, männlichen Trypeta dar, welcher mit zwei
langen Hörnern, die je vier geknöpfte Fäden tragen, geziert ist ;die
Art. zeigt in der Flügelzeichnung grosse Aehnlichkeit mit Tr. 'abro-
tani, Meig., für ‚deren Männchen der Verf. sie zu halten geneigt ist. —
Neben diesen neuen Arten 'bespricht der Verf. eine grössere Anzahl
bereits bekannter in Bezug auf ihre Synonymie, ihre Abänderungen,
Nahrungspflanzen u. s. w. und liefert damit auch für diese mannig-
fache und: schätzenswerthe Beiträge. N
L. Dufour (,Melanges entomologiques, Annales de la soc.
entomol. p. 39.) machte Phytomyza tropaeoli als n. A. aus Südfrank-
reich bekannt, ‚deren .Larve die Blätter‘ von Tropaeolum 'aduncum
minirt; die Larve,, Puppe und das ausgebildete Insekt werden aus-
führlich beschrieben und auf Taf. 3 dargestellt. — Ebenda p.50 be-
schreibt der Verf. die ersten Stände von Tephritis jaceae Robin.,
welche in den. Köpfen von Centaurea nigra leben; die Fliege, von
der er ebenfalls eine Beschreibung giebt, ist von Tryp. Wiedemanni
Meig., mit der sie Maecquart fraglicher Weise zusammenzieht, sehr
verschieden ; ebenso ist Tr. florescentiae Meig., deren Larve in den
Köpfen von Onopordon illyrieum lebt, eine verschiedene Art. — Uro-
phora quadrifaseiata. (p. 53 1.) bildet harte Gallen in den Blüthen-
köpfen der Centaurea nigra, welche aus zwei bis fünf verschmolzenen
Samenkapseln bestehen, in deren jeder eine Larve lebt, welche nebst
der; Puppe und Fliege beschrieben wird. Abbildungen der Larven
und Puppen . beider Arten nebst den von ihnen 'bewohnten Blüthen-
theilen auf pl..3. No. II.
Haliday. (Natural history review IV. p.195. pl. XI) beschrieb
die ersten Stände der Anthomyia riparia Fall. und bildete dieselben
nebst einzelnen ‚charakteristischen Merkmalen ab.
Einen Fall‘ von massenhaflem Auftreten ‘der Chlorops nasuta
Meig. während. des. Spätsommers in der Oberlausitz, wo dieselbe
dichte Wolken über den Dächern der Häuser bildete, theilte v. Kie-
senwetter (Berl. Entomol. Zeitschr. I. p. 172) mit.
Coriacea, Kolenati «(Die Parasiten der Chiropteren,
p. 31-48) gab eine Zusammenstellung der auf Fledermäusen leben--
den Coriaceen, von denen er die ihm’ aus eigener Anschauung 'be-
kannten beschreibt, ‚die übrigen nach den von den Autoren gegebenen
Charakteristiken auführt. ' Die acht Arten, welche der Verf. selbst
untersucht hat, ‚gehören sämmtlich der Gattung Nyeteribia an und unter
diesen ‘werden vier unter den Namen: Nyet-"Westwoodii, Blasüi,
Hyrtlii und Fitzingeri als neu beschrieben. Die früher ‘von ihm be-
schriebene Art. N. Frauenfeldii hält der Verf. jetzt für wahrschein-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 405
lich identisch mit N. pedieularia Latr:Westw., die Namen der N.
biartieulata Herm. und vexata Westw. ändert er ohne Grund in N.
Hermänni Leach und Montaguei Kol. um. Ebenso wird bei Anfüh-
rung, der,übrigen Fledermaus-Parasiten die Gattung Raymondia Frauenf.
sehr unkritisch mit, Strebla_ Wied., vonder sie durch die’ auffallend-
sten, Charaktere abweicht, vereinigt.
Derselbe „Synopsis prodroma der ‚Nycteribien“ (Wieden En-
tomol. Monatsschr. I. p. 61) stellte eine analytische Tabelle für die
Bestimmung von 16 Nycteribia-Arten, die in dem vorstehend er-
wähnten Werke von ihm beschrieben sind, zusammen und vertheilte
zugleich diese Arten in 5 Gattungen Megistopoda, Eucampsipoda, Sty-
lidia, Acrocholidia, und Listropoda.., (Die Gattung Nycteribia ist aber
eine, durchaus natürliche ‚und da bis jetzt sogar, die Kenntnissı ihrer
Arten noch im, höchsten Grade ‚mangelhaft ist, ‚hat die Zerspaltung
weder kam einen Grund noch Nutzen. Ref.)
. Frauenfeld wies in einer Abhandlung „Ueber Raymon-
dia A Strebla Wd. und Brachytarsina Meq.“ (Sitzungsberichte der
mäthenı,-naturwiss. Classe der Akad. d. Wissensch. in Wien XXII.
pP. 468—478) gegen Kolenati und Loew die generische Verschie-
denheit seiner Gattung Raymondia_ von Strebla und 'Brachytarsina
nach, obwohl es in Rücksicht auf die sehr ausgesprochenen 'Unter=
schiede , welche zwischen denselben existiren, eines solchen Nach-
weises gar nicht bedurlt hätte. Als neue Art, wird anhangsweise Ray-
mondia diversa aus Aegypten, auf Pteropus aegyptiacus aufgefunden,
charakterisirt.
Loew unterschied (Wiener Entomol. Monatsschr. I. p. 8) von
Ornithomyia avieularia Lin. (viridis Leach, viridula Meig.) eine neue
Deutsche Art, die er als Ornitkomyia ptenoletis beschreibt.
Aphaniptera, Kolenati (Parasiten der Chiropteren p. 31 ff.)
führte sechs Arten von Puliciden als Parasiten der Fledermäuse auf
und beschrieb dieselben; fünf davon gehören zur Gattung ÜCerato-
psyllus Curt., nämlich: C. octactenus, hexactenus, pentactenus, tetra-
etenus und dictenus (letzterer gleich Pulex vespertilionis Dug.) und
eine zur Gattung Pulex Lin., nämlich: Puler metallescens, auf Ptero-
pus aegyptiacus lebend.
Desselben „Synopsis prodroma der auf Vespertilionen Eu-
ropa’s lebenden Ceratopsyllen“ (Wiener Entomol. Monatsschr, 1. p. 65)
ist ein nochmaliger Abdruck der Namen der im Obigen, beschriebe-
nen fünf Arten.
„Nederlandsche Insekten uit de orde der Siphonaptera, door
R. T. Maitland“ (Bouwstolfen voor eene Fauna varı Nederland II.
p. 310 f.). Eine Aufzählung von 12 Arten der Gattung Pulex, die an
verschiedenen Säugethieren und Vögeln in den Niederlanden beob-
achtet worden: sind.
406 Gerstaeceker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Lepidoptera.
Als die bedeutendste Publikation im Gebiete der Lepi-
dopterologie während des Jahres 1857 ist die in den Suites
ä'Buffon erschienene Fortetzung des „Species general des
Lepidopteres par Mm. Boisduval et Guene&e«“ mit dem
9. und 10. Bande, welche eine systematische Bearbeitung der
Familien der „Uranides et Phalenites par M. A. Guene&e«
enthalten‘, zu bezeichnen. Das leider in seinem Erscheinen
allzulange unterbrochene Unternehmen Boisduval’s hat
durch den ebenso thätigen als gründlichen Verfasser der
beiden vorliegenden Bände binnen Kurzem eine so rüslige
Fortführung erfahren, dass für die auf die Noctuen, Geome-
triden und Pyraliden folgenden Familien eine in entsprechen-
der Weise umfassende Bearbeitung wohl nun ebenfalls in
Aussicht gestellt werden darf, während für die ihnen. voran-
gehenden Heteroceren nach dem Erscheinen der sie behan-
delnden Cataloge des British Museum ein Gleiches wohl kaum
zu erwarten steht. Ganz besonders diesen vom British Mu-
seum ausgehenden Publikationen gegenüber, welche allen
ferneren wissenschaftlichen Bearbeitungen unüberwindliche
Hindernisse entgegensetzen und dieselben fast unmöglich ma-
chen, muss jede Arbeit, welche einen dort noch nicht be-
handelten Abschnitt der systematischen Entomologie in An-
griff nimmt, als besonders erwünscht angesehen werden. —
Die Guenee’sche Bearbeitung der „Uranides et" Phalnites“
(Tome I et Il, Paris, Roret, 8,) umfasst zwei starke Bände
von 514 und 584 pag. nebst einem Atlas von 24 Tafeln. Dem
ersten Bande ist eine Einleitung von LVI pag. vorangeschickt,
in welcher der Verf. zunächt auf die natürlichen Charaktere
der Geomelriden und ihre Unterschiede von den übrigen
Familien der Lepidopteren in ‚umfassender Weise eingeht ;
die Familie ist durch die eigenthümliche Form der Raupe
in so scharfer Weise abgegränzt, dass über ihren Umfang
in keinem Falle Zweifel entstehen können, wenn auch ge-
rade diese Gleichförmigkeit, die sich nicht nur auf den Bau
und die Lebensweise ‚der ersten Stände, sondern auch auf
die gleichen Verhältnisse bei der Imago erstreckt, ‚anderer-
seits es ist, welche die Classifikation äusserst schwierig macht.
im’ Gebiete der Eutomiologie während’Hes Jahres 1857. ' 407
Nachdem der Verf. die Charaktere der Raupe, Puppe und der
Imago, bei letzterer besonders auch das Flügelgeäder in 'aus-
führlicher Weise erörtert hat, geht er in einem zweiten Ab-
schnitte, betitelt‘: "One et Bibliographie des’ Phale=
nites« zu einer köglen Zusanimenstellung der von früheren
Autoren gelieferten Arbeiten über die Geometriden "über,
dasjenige daraus hervorhebend, was auf die allmählige Ent-
wickelung der Systemalik Einfluss ausgeübt hat. Aus den
Eintheilungen. seiner Vorgänger, unter, denen ‚besonders, die
von.Herrich- Schäffer ‚und Lederer näher berück-
sichtigt werden ‚Alles schöpfend , was für) seine Arbeit.im
Betracht kam, konnte sich der Verf. den Systemen derselben
dennoch nur in beschränkter Weise anlehnen, da wie überall
die vergleichende Untersuchung des reichhaltigen und man-
nigfaltigeren.exolischen Materials den auf,Europäische Arten
ausschliesslich gegründeten, Systemen mannigfache, Irrthümer
und Mängel nachweisen musste. Uebrigens scheint der. Verf.
von’ einer übersichtlichen Eintheilung der Familie, in welcher
die "einzelnen Gruppen durch Charaktere analysirt' werden,
wie er sie z. B. bei seiner Bearbeitung der Noctuen vorge-
nommen hat, hier wohl in gerechter Würdigung der sich
ihm enigegenstellenden Schwierigkeiten, abgeslanden zu ha-
ben, denn, indem ‚er nur die von ihm vorgenommenen ‚Ab-
änderungen an den‘ Eintheilungen ‚seiner. Vorgänger kurz
erwähnt, geht er sogleich zu dem: speziellen Thieil der -Arbeib
über, in welchem die einzelnen von ihm aufgestellten Grup-
pen jedesmal nur an der Spitze der unter ihnen vereinigten
Gatlungen und Arten für sich charaklerisirt werden. , Die
Zahl, der vom Verf. beschriebenen Arten ist,eine schr be-
deutende, indem ihm nicht,nur die. bedeutenderen Französi-
schen, ‘sondern auch einige Sammlungen: des » Auslandes für!
die Ausarbeitung seines Werkes zu Gebote gestanden habem;
sie beträgt für die Familie der Uranidae 20, für die der Pha-
laenidae 1780. — Der (mit colorirten und schwarzen Abbil-
dungen herausgegebene), Atlas beschränkt sich wie bei den
vorhergehenden Bänden auf. die Darstellung ‚typischer Formen,
indem die meisten Gattungen nur durch eine, selten durch
inehr Arien repräsentirt werden; eine Tafel'ist den Urani=
408 Gewstaeeker:, Bericht‘ über die, wissenschaftlichen, Leistungen
den, eine, den; (im, Texte nicht; berücksichtigten): Siculiden,
die übrigen ‚zwei und zwanzig den Phalaeniden, gewidmet;
von lelzteren ‚sind, zwei für, die Erläuterung .des Flügeloe-
ädersund die: Darstellung von Raupen verwendet worden.
.ı!Die Familie der Uranidae..theilt;; der, Verf.,' in ‚vier Gruppen:
Cydimonidae, (Gattung, Cydimon;,6 Arten), ‚Uranidae (Urania 1, A.),
Nyctalemonidae,,(Alcidis 1 A., Nyctalemon 2 A.) und ‚Sematuridae
(Sematura 5 A.,, Coronis 5 A.)., Die Familie der Phalaenidae zer-
fallt in 26 Gruppen: 1) Urapterydae (muss Urapterygidae heissen!)
mit den Gattungen Urapteryx, Ripula n. g., Choerodes n. g., Idio-
des n. g., Cirsodes n. g., Sabulodes 'n. g., Eutrapela, Mueroönodes n.'g%
Cimicodes n.'g., Clysia n.'g. , Ozydia ın.’g. und ‚Cyelidia ng. —
2) Ennomidae ‚mit| Drepanodes. n, g.,, Crocopteryx, n. g..,|Cratoptera,
Gynopteryz,n. g., Tetragonodes n.g., Periclina n. g: , Apicia n. g%,
Scardamia n. g.,,Melinodes, Priocycla n. g;, Iherapis, Drepanoyy-
nis n. g. ,, Synnomos n. g., Epione, Hyperythra n. g., Sicya n. g-,
Heterolocha, Rumia, Caustoloma, Venilia, Angerona, Hyperetis n. g.,
Nematocampa n. g., Endropia n. g., Metrocampa, Ellopia, Leueula n.g.,
Caberodes n. g., Tetracis n.g., Onycodesn. g:, Prionia, Eurymene, Peri=
callia, Erosina n.g:, Selenia, Azelina n.'g., Synemia n, g., Odontoptera;
Crocallis, Entomopteryz ın. g.,, Metanema n. g., Ennomos und Himera,
— 3) Oenochromidae mit Monoctenia n.g., Oenochroma n. g., Arho-
dia n. g., Phallaria n. g-, Gastrophora n. g., Sareinodes n. g. und
Hypographa n. g. — 4) Amphidasydae mit Metieulodes n. g., Cera-
tonyz n. g-, Phigalia, Chondrosoma , Nyssia, Apocheima, Biston, Am-
phidasys, Lophodes n. g. — 5) Boarmidae mit Amblychia n. @., Ay-
lopteryx n. g., Hemerophila, Nychiodes, Melanodes n. g., Smyrio-
des n. g., Gastrina n. g., Synopsia, Phaselia n: g. ; Calamodes:\n.g:;
Cleora, Boarmia, Tephrosia, Paraphia n.'g., Bryoptera ‚n, g.; Hypo-
chroma .n. g., Pachyodes n, g.,: Ophthalmodes n, g., Cerotricha n. g-,
Elphos n. g., Bronchelia n. g., Stenotrachelys n. g., Xerodes n. g.,
Gnophos, Dasydia n. g., Psodos, Dichromodes n. g- , Pygmaena,
Exelis n. g. und Mniophila. — 6) Boletobidae mit Stellidia n. g.,
Xyliodes n. g. und Boletobia. — 7) Geometridae mit Achlora n. g.,
Pseudoterpna, Geometra, Nemoria, Trimetopia n.'g., Jodis; Thalasso-
desn. g., Dyspteris, Chlorochroma, Eucrostis, Omphaz n. g., Phorodesma,
Rhacheospila n.g-, Synchlora n, g-., Aplodes n. g-, Thetidia, Chloro-
des n.g., Phyle, Agathia n. g., Hemithea und Amaurinia n. g.,— 8)
Mecoceridae, mit, Ametris, Mecoceras,n, g. und Almodes n. g. — 9)
Palyadae mit Eumelea, Palyas n. g., Ophthalmophora n.g. und Bys-
sodes n. g. — 10) Ephyridae mit Numia n. g., Cyphopteryz n. g.,
Ephyra, Anisodes n. g. — 11)'Acidalidae mit Synegia n. g., Drape-
todes n. g., Asellodes n. g-, Trygodes m. g., 'Pomasia n. g., Hyria,
im Gebiete der. Entomologie 'während ‚des Jahres 1857.., 409
Cambogia n. g-;.Asthena ‚‚Eupisteria , Venusia,, Cleta, Acidalia,, Ti-
mandra, Odysia n. g.,,Cnemodes n. g., Pellonia, Somatina, n.g.,,
Argyris n. g., Zanclopteryx, Berberodes n. g., Cassyma n. g-, Pi-
gia n.g. —- 12) Micronidae mit Micronia n. g-, Nedusia, Syngria n.g.,
Faleinodes n. g., Erosia n. g., Schidax und Molybdophora n. g. —
13) Caberidae mit Stegania 'n.'g., Syllezis n. g., Thamnonoma, Ca-
bera, Acratodes n. g., Coiycia und Aleueis n. g. — 14) Macaridae
mit Amildpis n..g:, Eilierinia, Macaria, und Halia. — 15) Fidonidae
mit Tephrina n. g-, Aplasta, Psamatodes n. g., Strenia, Cinglis n. 19.
Rhoptria n. g., Sphacelodes u. g., Plutodes n. g., Neritodes n. g.,
Liodes n. g-, Spartopleryz n.g., Egea, Cyclomia n. g., Rhinodia n.g.,
Panagra n.g., Ploseria, Numeria, Pachydia n.g., Scodiona, Eusarca,
Selidosema, Hyposidra n. g.,° Fidonia, Heliothea, Cleogene, Antho-
metra,'Minoa, Neurophana n. g., Scoria, Phyletis n. g., Haematopis,
Lythria, Sterrha, Osteodes n. g-, Hypoplectis, Gorytodes n. g., Aspila-
tes und ‚Conchylia ın. 'g.,— 16) Hazidae mit Hazis. — 17) Zerenidae
mit Panaethia n. g., Rhyparia, Pantherodes, Abraxas, Ligdia n. g,,
Lomaspilis, Stalagmia n. g., Fulgurodes n. g., Perigramma n. 8
Percnia n. g., Bombycodes n. g., Orthostixis, Zerene, Nipteria n. g.,
Cosnietodes n. g. und Absyrtes n. g. — 18) Ligidae mit Timia, Ar-
gyrophora n. g., Doryodes n. g., Ligia, Chlenvas n. g., Pachycnemia
und Chemerina. — 19) Hybernidae mit Acalia n. g., Hybernia und
Anisopteryx. — 20) Larentidae mit Cheimatobia, Oporabia, l.arentia,
Enimelesia, Microdes n. g., Eupithecia, Collix n. g., Lepiodes n. g:,
Rhopalodes n. g., Sauris n. g., Remodes n. g., Lobophora, Thera,
Polyelysta n. g., Ypsipetes, Melanthia, Scordylia n. g., Melanippe,
Anticlea, Coremia n. g., Camptogramma, Phibalapteryx, Scotosia, Po-
Iysemia n. g., Syrtodes n. g., Spargania n. g., Cidaria, Pelurga, Di-
neurodes n. g., Sybarites n. g., Psaliodes n. g. — 21) Eubolidae mit
Eubolia, Carsia, Anaitis, Lithostege und Chesias. — 22) Sionidae mit
Terenodes n. g., Heteropsis n. g., Siona, Gypsochroa , Heterophlebs,
Callipia n. g., Stamnodes n..g., Polythrena n. g., Tanagra und Ode-
zia. — 23) Hedylidae mit Hedyle n. g., Venodes n.'g. und Phellino-=
des n. g. — 24) Erateinidae mit Erateina ‚und Trochiodes n. g. —
25) Emplocidae mit Emplocia. — 26) Hypochrosidae mit Hypochro-
sis n. g. und Achrosis n. g.
J. C.Sepp’s „Nederlandsche Insecten,“ fortgesetzt von
Snellen van Vollenhoven, sind im J. 1857 mit No. XI
—AXII. des 8. Bandes weitergeführt worden; jede Nummer
besteht aus einem Blatte Text und einer colorirten Tafel.
Die darin beschriebenen und abgebildeten Arten sind: Tortrix
laevigana, Noctua festiva, Nonagria typhae, sparganii, Noctua triangu-
lum, Herminia barbalis, Xylina exoleta, Cidaria derivata, Lasiocampa
populifolia, Lithocolletis (alnifoliella und quercifoliella.
410 Gerstaecker: Bericht über) die wissenschafilichen Leistungen
Freyer’s „Neuere Beiträge zur Schmetterlingskunde mit
Abbildungen nach der Natur“ sind im J. 1857 mit dem 116.
—120. Hefte fortgeselzt worden, welche die Schlussliefe-
rungen, des nunmehr vollendelen siebenten. Bandes ausma-
chen. »Derselbe (Augsburg, beim ‚Verfasser und. in. der M;
Rieger’schen Buchhandlung, '1858.' 4)’ umfasst 178 Seiten
Text und 100 colorirte Tafeln (Taf.'601—700), welche’ wie
bekannt stets die verschiedenen Entwickelungsstadien von 1
bis 2 Arten nebst der Nahrungspflanze der Raupe darstellen.
— Eine Fortselzung seiner Beiträge in der ‚bisherigen Art
und. Weise beabsichtigt, der, ‚Verf. nach ‚einer ıdem..leizten
Hefte angehängten Schlussbemerkung nicht mehr, wenigstens
sollen dieselben nicht bandweise. und unter dem bisherigen
Titel erscheinen; vielleicht werden noch Ergänzungen zu
den erschienenen Bänden in einzelnen jährlichen Heften ge-
liefert werden.
Der Inhalt der 5 letzten Lieferungen des Werkes ist folgender;
Heft 116: l,ycaena, Alexius,, Papilio Podalirius var, Bombyx sordida,
Noctua plecta, musiya, Acidalia sabaudiaria, Nymphula lemnalis, Sco-,
pula. alpinalis..— Heft 117: Hipparchia Medea, Pharte, Psyche grami>
nella,, Caradrina palustris, Larentia psittacala, coraciata, pimpinellata
und. absiuthiata, — Heft 118: Hipparchia Euryale, Lithosia complana;
lurideola, Noctua candelisequa, Cidaria derivata, berberata, luctuata,
-—. Heft 119: Hesperia Sylvius, Thyris fenestrina, Lithosia eborina;
Erastria ‚candidula, atratula,, Cidaria reticulata, Larenlia cassjata,.re-
ctangulata ‘und ‚debiliata, — Heft 120: Melitaca. Aphaea ‚,, Hesperia
Sylvanus, Agrotis obotritica n. sp. Noctua montana ‚(Standluss),.Idaea
remutala, compararia, Alucita graphodactyla und megadactyla.
Von Herrich-Schäffer’s „Neue Schmelterlinge aus
Europa und den angränzenden Ländern“ (vergl. Jahresbe-'
richt 1856. p. 161) ist bis jetzt kein ferneres Heft erschie-
nen. Ebenso wenig ist nach dem Wissen des Ref. der noch
nicht abgeschlossene Text zu den, „Lepidopterorum exolico-
rum species novae aul minus cognilae“ desselben Verf, Wein
tergeführt worden.
Von Hewitson’s Exotic Bulterflies, being Ilusirations
of new species ‚ist im J. 1857 der zweite Band begonnen
worden ; es liegen von demselben die, vier, ersten Hefte, (Pt.21
— 24 des ganzes Werkes) vor. Siehe, Rhopalocera! mut
Saun ders',On»the transformations of Natal -Lepido=
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. ı 411
ptera® (Transact. of {he entomol. soc. IV, p. 58. pl. 13—15)
lieferte Abbildungen: der ersten Stände einiger Schmetterlinge
von Port Natal, die zum Theil von sehr interessanter Erschei-
nung sind; von zweien dieser Raupen sind auch die Ima-
gines abgebildet worden. Beschreibungen der Raupen und
Nachrichten über ihre Lebensweise sind nicht gegeben worden.
Die Cataloge derLepidopteren des British Museum sind
im J. 1857 mit drei neuen Bändchen , welche eine Fortsel-
zung der im vorigen Jahre begonnenen Aufzählung und: Be-
sehreibung der Noetuinen enthalten, weiter geführt worden:
List of the specimens of Lepidopterous Insects in the colle-
etion of the British Museum, by Francis Walker. Part XI.
X. XII. Noctuidae. Printed by order of the trustees. Lon-
don 1857. (8. p. 493—1236). — Der elfte Band bringt zu-
nächst den Abschluss der Trifidae genuinae mit den Grup-
pen der Hadenidae, Xylinidae und Heliothidae (p. 493—706);
der zwölfte Band ‚enthält die Trifidae minores (— p. 842)
und von den Quadrifidae die Abtheilungen der Sericeae und
Variegalae, lelztere bis zur Gruppe der Gonopteridae; der drei-
zehnte Band endlich handelt ausser dem Schlusse der Qua-
drifidae variegatae die Intrusae, Extensae und Limbalae ab, so
dass noch die drei letzten Gruppen der Quadrifidae für den
Schlussband übrig bleiben. An die Spitze jeder Hauptab-
theilung stellt der Verf. eine analylische Tabelle der ihr un-
tergeordnelen Gruppen, an die Spitze jeder Gruppe eine
gleiche für die ihr zukommenden Gattungen ; unter letzteren
findet sich wieder eine sehr beträchtliche Anzahl neu auf-
gestellter, so wie auch das hier verarbeitete Material aus-
serordentlich reich an neuen ausländischen Arten ist. Es
sind daher für die Artkenntniss der Noctuinen die vorlie-
genden drei Bände ebenso wichlig, wie es die übrigen Ca-
taloge des British Museum wegen des ausserordentlich rei-
chen Materials, welches in diesem Institut angehäuft ist, für
jede andere Abtheilung sein müssen; über die Mängel, wel-
che allen von Walker bearbeiteten Catalogen’anbhaften, ist
schon so oft in diesen Berichten geredet worden, dass eins!
abermalige. Herzählung derselben überflüssig sein würde,
Eine Arbeit, 'welche ebenfalls die Familie der Noctinen
412 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
speziell behandelt, jedoch"als Fortsetzung von einer in die=
sen: Berichten ‘früher erwähnten allgemeinen Arbeit "über
Europäische'Lepidopteren, nämlich Lederer’s „Versuch, ‘die
Europäischen Schmetterlinge in möglichst natürliche Reihen-
folge zu stellen,“ anzusehen ist, liegt unter dem Titel: „Die
Noctuinen Europa’s mit Zuziehung "einiger bisher meist dazu
gezählten Arten des asiatischen ‚Russlands , ‚Klein - Asiens,
Syriens,und Labrador’s, systematisch bearbeitet von J. Le-
derer“ (Wien 1857. 8. 251 pag: 4 tab,) vor. ‚Während die
früheren Theile der erwähnten Arbeit des Verf. in. den Ver-
handlungen des zoologisch-botanischen Vereins abgedruckt wa=
ren, ist: der. vorliegende als selbstständiges Werk erschienen.
Der ı Verf. geht, in, ‚einer Einleitung, ‚auf (die differentiellen
Merkmale ‚der Eulen: von den übrigen Familien der Lepido-
pteren, auf ihre natürlichen (Charaktere und auf die Abgrän-
zung. der unter ihnen aufzustellenden Gruppen. ein); ‚sodann
folgt ein systematisches Namens - Verzeichniss der in Europa
und den ‚angränzenden Theilen Asiens vorkommenden Gat-
tungen und Arten und: eine analylische Tabelle zur Bestim-
mung ‚der Gattungen. ‘, Den folgenden ‘grössten Theil: ‚des
Werkes verwendet der Verf.; auf eine: eingehende Charakte-
ristik ‚der Gattungen, denen er,zum. Theil‘ einen.'von den
früheren Autoren wesentlich verschiedenen Umfang . beimisst
und deren ‘Zahl durch: ihn abermals vermehrt wird (Gwe-
nee hat. deren 145 Europäsche, .L. dagegen 161); die Ar-
ten werden hier zwar auch nur namentlich aufgeführt, jedoch
besonders in artenreichen oder solchen Gattungen „ wo 'ein-
zelne Körpertheile auffallende Verschiedenheiten zeigen, nach
diesen. in, Gruppen: gebracht. Den, Schluss bilden Bemer-
kungen über einzelne Arten , welche ‚über Synonymie, Ab-
änderungen, ‚geographische Verbreitung u. s. w. handeln. ‚Die
vier. das; Werk begleitenden Tafeln enthzlten Darstellungen,
des Flügelgeäders, der Kopf-, Palpen- und Fühlerbildung, der
Körperbedeckung, der Beine und Afterklappen.
Einen‘ Nachtrag zur Schmetterlings- Fauna’ von Beirut
lieferte derselbe (Wiener Entomol. Zeitschr. I. p.90—102)
durch Aufzählung von 47 ferner daselbst aufgefundenen 'Ar-
ten, ‚nebst‘ Beschreibung der ‚darunter, befindlichen neuen;
im! Gebiete der Entomologie während des: Jahres 1857, ı 413
letztere gehören ‚den Familien der, Noctuen,,/Pyraliden und
Tineinen‘ an.
Hopffer hatin den Monalsberichten der Berliner Aka-
demie der Wissenschaften 1857. p. 421 f. diewvon Peters
in’ Mossambique gesammelten Lepidoptera heterocera, 11 Ar-
ten umfassend, vorläufig, durch Diagnosen bekannt; gemacht:
Von Staudinger erschien (Entomol. Zeitung p. 299
— 308) ein „Beilrag zur Lepidopteren-Fauna Grönland’s,* in
welchem er zwanzig mil Sicherheit aus Grönland herstam-
mende, in der Westermann’schen, den Copenhagener 'und
Berliner Sammlungen sich vorfindende Arten von 'Lepidople-
ren aufzählt, dieselben mit kritischen Bemerkungen 'be-
gleitet und die darunter befindlichen neuen beschreibt. Die
von Französischen Autoren als grönländisch angegebenen
Arten stammen oft nicht von dort her; die neun von’ Fa-
bricius in seiner Fauna grönlandica angeführten, Arten
sind zum grössten Theile unrichtig bestimmt, so dass ‚also
sichere Nachrichten über die Lepidopteren Grönlands bisher
nicht vorliegen und der hier gegebene Beitrag zur Kenntniss
derselben von besonderem Belang ist.
Von den aufgezählten Arten gehören 2 (Argynnis Charielea und
Colias;Boolhii) den Rhopaloceren, 15 den: Noctuen (Episema’grami-
nis, Agrotis isländiea , rava, Dreiseniü n.sp., Westermanni..n..sp.,
Sommeri, exulis, Polia, occulta, Plusia parilis, diasema, gamma,
Groenlandica n. sp. (ob Pl. interrogalionis var.?), Anarta amissa,
leucocyela und algida), 2 den Geometren (Cidaria polata, Chimatobia
brumata) und 1 (Pempelia carbonariella) den Tineen an.
A Manual of British Butterflies and Moths, by H. T:
Stainton. Vol. I. (Comprising the butterflies and stout-
bodied moths). London, I. van Voorst. 1857. (8. 338 pag.).
Dieses sowohl in seiner Ausstallung als Abfassung sehr
zweckmässige und gelällige Handbuch, von dem im vorigen
Jahresbericht nur die erste-bis dahin’ erschienene Lieferung
angezeigt wurde, ist in seinem Erscheigen so rüstig' fortge-
schritten, dass in dem gegenwärlig abgeschlossen vorliegen-
den ersten Bändchen schon ‘die Familien’ der’Rhopalocera,
Sphingides, Bombyees und Noctuae vollständig abgehandelt
sind. - Die eben so sauber ausgeführten als sehr 'charakteri-
stischen Holzschnilte ; welche “dem Texte eingedruckt sind
414 Gerstaeceker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
und von der Mehrzahl der Gattungen einen Repräsentanten
darstellen, werden dem angehenden Lepidopterologen die Be-
stimmung seiner Arten gewiss in hohem Grade erleichtern
und die kurz gefasste Charakteristik der Arten mit; beson-
ders scharfer‘ Hervorhebung ihrer unterscheidenden Merk-
‚ male so wie’ auch die den Beschreibungen vorangehenden
analytischen Tabellen sind nur geeignet, demselben das Stu-
dium der. heimischen 'Lepidopteren in bester Weise zugäng-
lich zu machen. . Am wenigsten dem Zwecke des Buches an-
gemessen erscheint wohl die Annahme ‚der zahlreichen neue-
ren: Galtungen z,, B, unter den Bombyeiden, die bei Berück-
sichtigung der exotischen Formen zum Theil sich nicht ein-
mal als gehörig begründet erweisen und welche, da sie meist
nur eine oder zwei inländische Arten umfassen, dem Anfän-
ger nur die Uebersicht erschweren können,
In seinem Entomologist’s Annual 1857, p. 97—130 gab
derselbe Verf. Beschreibungen von 17 in England neu auf-
gefundenen Arten, welche mit Ausnahme einer Noctua (Leu-
eania'Vitellina) den Tortrices und Tineinen angehören; die
meisten sind neue Arten und zum Theil auf beifolgender
Tafel abgebildet. Dieser Publikalion schliesst sich wie bisher
eine Aufzählung 'sellnerer Arten an, die im J. 1856 in ver-
schiedenen Gegenden England's gefangen worden sind.
Von der Belgischen Entomologischen Gesellschaft ist in
ihren Annales de la soc. entomol. Belge I. pr. 1—110 ein
neues Verzeichniss der Schmelterlinge Belgiens veröffentlicht
worden, welches gegen das von Selys-Longchamps im
J. 1845 'herausgegebene um eine Anzahl von Arten vermehrt
ist. Die Aufzählung ist wie dort nach der Reihenfolge des
Boisduval’schen Calalogs der Europäischen Lepidopteren vor-
genommen, die einzelnen Arten mit Notizen über Vorkom-
men, Fulterpflanze der Raupe u. s.w.. versehen. Bis jetzt
liegen nur die MacroJepidoptera bis zum Schlusse der Noctuen
vor und zwar kommen auf ‘die Rhopaloceren 94, ‚die Sphin-
giden.'38, die. Bombyciden 113 und die Noctuen 232 Arten.
Snellen van Vollenhoven theille, in den Memoi-
res ‚d’entomologie, 'publies par la soc.|entom. ‚des, Pays-Bas I,
p«99—131 Beobachtungen, über | die, ersten. Slände und die
im! Gebiete der Entomologie während. des. Jahres 1857.) 415
Lebensweise einer Anzahl: inländischer Lepidopteren' aus den
Familien der Rhopaloceren, Sphingiden, Bombyciden, Noctuen
und. Geometriden' mit... („Eenige ‚opmerkingen ‚omtrent de
eerste toestanden en leelwijze van sommige soorten onzer
inlandsche ‚Maerolepidoptera.*) | Da ‚der Raum ‚es nicht ge-
stattet, auf.die einzelnen Beobachtungen: des Verf. näher
einzugehen, dieselben auch wenigstens zum Theil nur von
untergeordnelem Interesse sind, so beschränkt sich Ref. auf
die. Anführung der einzelnen Arten, über welche Mittheilun-
gen’ gemacht werdenih
11517, Diese’ sind: Vanessa Cardui,, Hipparchia 'Egeria, Sesia apifor-
mis,)Deilepbila,,Celerio,, Saturnia Carpini, Notodonta ‚Camelina,'He-
pialus sylvinus, Lithosia eborina, Pygaera reclusa, Euprepia.urticae,
Cymatophora oclogesima, Agrolis segetum, exclamationis, valligera,
tenebrosa, Noctua augur, baja, brunnea, festiva, bella, C-nigrunı,
triangulum , ditrapezium , plecta, Triphaena comes, fimbria, janthina,
Polia herbida, Apamea didyma, strigilis, testacea, basilinea, Mithymna
xanthographa, Orthosia instabilis, gracilis, Caradrina Morpheus, cubi-
eularis, alsines, Simyra venosa, Leucania pallens, straminea, obsoleta,
lithargyrea , Nonagria paludicola, typhae, Gortyna micacea, Xanthia
fertuginea, Cosmia subtusa, Xylina putris, polyodon, Cleophana pi-
nastri, Abrostola uılicae , triplasia, Plusia festucae, chıysitis, jota,
Heliothis marginata, Fidonia aescularia, Acidalia bilineata, Eupithecia
subnotata , Cidaria ligustraria , montanaria,’ Zerene' rubiginata ' und
marginata,
VerHuell, „Eigenschappen van, twee exotische Lepidoptera*
(ebenda p. 131 1.). Der Veıf. berichtet über die eigenthümliche Flug-
art der Brasilianischen Nymphalis Feronia Cramer und bemerkt, dass
rania Patroclus Cram, an der Küste von Borneo in mehreren Exem-
plaren auf einem Schiffe gefangen worden sei.
„Nederlandsche schubvleugelige Insekten , Lepidoptera,
medegedeeld door H. W. de Graaf, te Leiden.“ (Bouwstoflen
voor eene Fauna van Nederland I. p. 1-50.) | Der Verf: giebt
ein systemalisches Verzeichniss der in Holland als’ einheil
misch "bekannt gewordenen Lepidopteren mit Citaten von
Abbildungen und Beschreibungen der einzelnen Arten ,; so
wie auch mit Angaben | über ihre speziellen Fundorte. —
Rhopalocera 61, Sphingides 18, Chelonaride ‚et Bombyces: 9,
Noctune 216, Geomelrae. 176, : Pyralides 48, Tortrices 85,
MTineina, 148, Pterophoridae' 13, im Ganzen #64 Arten.
Desselben „Aanyulling der Nederlandsche schubvleuge-
416 Gerstaeeker: Bericht über die wissenschaftlichen’Leistungen
lige Insekten , Lepidoptera* «ebenda 1. 'p. 215-269) ish'ein
durch fernere Entdeckungen bereichertes Verzeichniss der
Holländischen Maerolepidoptera bis zum Schlusse‘ der Noctuen,
mit''steter Angabe aller dem Verl, bekannt gewordenen Fund-
orte der'einzelnen Arten in Holland, so wie mit kurzen An-
gaben über die Erscheinungszeit und die Nahrungspflanze
der Raupe.
In gleicher Weise abgefasst ist auch die „Tweede Aan-
vulling der Nederlandsche schubvleugelige Insekten“ dessel-
ben Verf.’s (ebenda II. p. 143—204), die sich von der vor-
hergehenden ausser der Hinzufügung einzelner neuer Arten
noch durch die angefügte Aufzählung der Geometrae unter-
scheidet.
Desselben „Dierkundige Verscheidenheden, Opmerkingen over
Lepidoptera (ebenda Il. p.71—73) handeln über I,ycaena Aegon, Sa-
tyrus Statilinus, Colias Hyale und die Raupe von lasiocampa quer-
eifolia.
Ein Verzeichniss der inRoesel von Rosenhof’s „De na-
turlijke historie der Insekten“ abgebildeten Europäischen Schmetter-
linge stellte Metzner (Bouwstoffen voor eene Faunavan Nederland I,
p- 112 ff.) zusammen.
Ein sehr. 'reichhalliges Verzeichniss der in der Umge-
gend von Fiume vorkommenden , von ihm selbst gesammel-
ten Lepidopteren stellte Mann (Wiener Entomol. Monatsschr.
I. p. 143—189) zusammen; dasselbe erstreckt sich auf alle
Familien der Macro- und Microlepidoptera und enthält An-
gaben über die Flugzeit und die speciellen Fundorte der
einzelnen Arten; einige darunter befindliche neue werden
kurz _charaklerisirt.
Lepidopteren-Fauna von Mährisch-Trübau, systematisch
zusammengestellt von R. Czerny (Verhandl. des zoolog.-
botan. Vereins in Wien VIl. p.217—224). — Es sind darin
die Macrolepidopteren mit Einschluss der Geometriden verzeich-
net, deren Artenzahl 586 beträgt.
J. Müller, Prodromus der: Lepidopteren - Fauna von
Brünn (Lotos, 6. Jahrg» p. 143—166 ff.) — Ein Namensver-
zeichniss der um Brünn: vorkommenden ‘Schmetterlinge aus
den Familien der Rhopaloceren, Sphingiden, Bombyciden und
Noctuen.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 417
J. Mayburger, die Schmetterlinge der Umgebung
Salzburg’s (Jahresbericht der K. K. Unter-Realschule in Salz-
burg 185657) ist im Literaturblatte der Allgem. Deutschen
Naturhist. Zeitung Ill. No. 12 angezeigt. Hiernach sind von
dem Verf. die in der Umgebung von Salzburg vorkommen-
den Schmetterlinge nach Ochsenheimer systematisch zu-
sammengestellt und zwar die Rhopaloceren durch 113, die
Sphingiden durch 34, die Bombyeiden durch? (die Angabe
fehlt hier), die Noctuen durch 135 und die Geomelriden durch
103. Arten vertreten.
„Lepidopterologische Beobachtungen“ von LaRoquette
(Allgem. Deutsche Naturhist. Zeitung Ill. p. 296 — 312 und
p.343—350) enthalten Mittheilungen über die ersten Stände
einer Anzahl einheimischer Heteroceren, ihre Lebensweise
und Verwandlungsgeschichlte,
Assmuss lieferte (Entom. Zeitung p. 381—391) einen
„Beitrag zu einer Aufzählung der Lepidopteren in den Mos-
kau’schen, Kaluga’schen und Tambov’schen Gouvernements.
Diese Aufzählung erstreckt sich vorläufig auf die Rhopalocera
und enthält Angaben über die speziellen Fundorte, die Häu-
figkeit und die Flugzeit der einzelnen Arten.
Melitaea 7, Argynnis 13, Vanessa 10, Limenitis 2, Apatura 1,
Hipparchia 16, Lycaena 13, Polyommatus 7, Thecla 5, Pieris 7, Co-
lias 6, Papilio 2, Doritis 1, Hesperia 12 Arten.
Bellier de la Chavignerie, Observations sur les
Lepidopteres des Basses-Alpes (Annal. de la soc. entom. V.
p- 587-597). Diesmal wird ‚hauptsächlich eine Aufzählung der
vom. Verf. in den Basses-Alpes gesammelten Noctuen nebst
Bemerkungen über ihr Vorkommen gegeben; ausserdem wer-
den auch einige Geometriden und Microlepidopteren erwähnt.
Derselbe, Observalions sur quelques Lepidopteres
d’Islande (ebenda p. 5—12). — Bemerkungen über 17 Arten
Lepidopteren (Noctuen, Geomelriden und Microlepidopteren),
die von Staudinger in Island gesammelt worden sind,
und über welche letzterer selbst ‘(siehe oben unter Insck-
ten!) in viel umfassenderer und gründlicherer Weise Aus-
kunft gegeben hat.
Der Verf. glaubt Agrotis Islandica Staud. für A. obelisca W. V.
Archiv f, Naturgesch. XXIV. Jahrg. 2 Bd. BB
418 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen' Leistungen
var. halten zu müssen; Hadena borea ?, Staud; ist mach ihm nicht mit
Had. borea Boisd. identisch, ‚sondern wahrscheinlich gleich ‚Had,
adusta var.
Bruand (Bullet. de la soc. entomol. p. CVI ff.) gab
eine Aufzählung der von ihm in der Umgegend von la Grande-
Chartreuse gesammelten Lepidopteren.
F#hopalocera. Hewitson's Exotic Butterflies, being Ilu-
strations of new species Pt. 21—24 bringen abermals die Beschreibung
und Abbildung einer grösseren Anzahl newer Süd - Amerikanischer
Arten dieser Familie; neben dem schon früher behandelten Gruppen
der Heliconier, Nymphaliden, Satyriden, Eryciniden' und Pieriden ist
diesmal auch mit den Hesperien , denen ‚zwei Tafeln, gewidmet sind,
begonnen worden. ioull.A)
Fr. Moore hat (Proceed. of.the zoolog.,soc. of London 1857,
p- 102 if. pl. 44. 45 — auch abgedruckt in den Annals and magaz. of
nat. hist. XX. p. 383 1.) einige neue Tagfalter aus Nord-Indien be-
kannt gemacht: „Deseriptions of some new Species 6f bepidapterots
Insects from Northern. India“. ..Dieselben gehören den: Gruppen der
Equites und Pieriden anı ji
Salle ‚(Annales de la, soc. ‚entomol., V: p. 20 1l,) gab _eine-No-
tiz über die ‚schon von v. Humboldt ‚erwähnten sackartigen Rau-
pennester aus Mexiko, welche unter dem Namen Capullo de Madrogno
bekannt sind. Die Schmetterlinge, deren Raupen diese Säcke verfer-
tigen, gehören nicht zu den Bombyeiden, wie v. Humboldt’an-
giebt, sondern zu.den. Rhopaloceren. 'Salle, glanbt, dass;;nach den
Puppen eine Hesperia darunter »zu..vermuthen sei, (Schmetterlinge sind
nicht ausgekommen), Boisduval.giebt\aber an, dass es die Gattung
Euterpe sei und weist auf Westw.ood’s Mittheilung über den Ge-
genstand in den Transaef., of the entomo). soc. I. p. 38 hin. ”
Standfuss hat seine „Bemerkungen über einige an deh Kal
sten von Spanien und Sicilien Nidgende Falter“ in der Entonrol. Zeit
tung XVIM. p.21-35 zu Ende geführt: + Es’werden darin folgende
Arten mehr ader: wenigen ‚ausführliehi abgehändelt:j; TheelayAeseuli
(deren Artrechte von Tli,,Tlieis (dem Verf; zufolge vielleicht zu bean-
standen sind); Leucophasia Sinapis , .Pieris Brassicae, rapae „ Antho-
charis Daplidice, Cardamines, Colias Edusa, Rhodocera Cleopatra,, Pa-
pilio Podalirius (Feisthamelii), Machaon, Syrichthus nalvanım, imarl
rubii (wobei zugleich die Artrechte Yon Syr. altheae asfah rd Del
gründet werden), lavaterae, Proto, Sertorits, /Thünaos Tages; Hes-
peria lineola,; Actaeom und: pumilio; I sılhlovr add Bm
Tb. Sendtndr theilte, (ebenda, p 46 11,) Notizen. über ,das Vor-
kommen von Alpenfaltern im Bayerischen Hochgebirge mit; ‚bei der
Beschreibung von lepidopterologischen Excursionen auf die Allgäuer
Berge im Bayerischen Schwaben geht der Verf. auf die vertikale Ver-
"200" im|Gebietel\ der: Entomologie während‘ des Jahres: 1857.) 419
breitung einer Anzahl Tagfalter, besonders aus‘den Gruppen. der Hip-
parehien, Lycaeniden und der Gattung Colias ein; für welche er ihr
niedrigstes und: höchstes. Vorkommen vermerkt.
Equites. — Montrouzier beschrieb in seiner Fauna der
Insel Woodlark (Annales de la soc, d’agrieulture de I,yom VHL p. 3941):
Ornithoplera Boisduralii (6—6'% Zoll Flügelspannung), Papilio Or-
menhus Boisd. fem., Dunali, Severus (Cram.?); Godartii, Aegistus und
Telemachus als neue oder weniger, gekannte Arten aus dem 'Neuhol-
ländischen Archipel.
‚ Papilio Janaka Moore (Proceed., zoolog. soc. 1857. p.102 ff.
pl. 45) ist eine neue,Art von Darjeeling; sie ist 5 Zoll, breit, mit Pap.
Bootes zunächst verwandt.
Die, Larye ‚und ‚Puppe, ‚des Papilio Policenes Cram, ‚yon Port
Natal, wurden, dureh Saun ders, (Transact., of the ‚entomol. soc. IV.
pl..13. fig. 1) abgebildet.
& Pieridae. — Leptalis ‚Rhetes Boisd.; i. ,- wurde, von Hewit-
son, (Exotic Butterflies, pt. 24) alsı n.;A. aus Columbia beschrieben
und abgebildet, ebenso Leptalis Orise, Boisd. ,,
en Nama (Doubleday mscpt.), Seta, Sanaca ‚ Indra und Dur-
vasa Moore (Proceed. z00log. soec., of, London 1857. p. 102 f., pl.44.,
Annals and magaz. of nat. hist. XX. p- 383 If.) sind, neue ‚Arten, aus
Nord- Indien. R
‚Terias Arabella (Lefebyre, Mscpt.) wurde von, Lucas (Historia
fisica de, la isla. de Cuba VII, ‚p. 220) als ‚neue, Art ‚yon Cuba be-
schrieben.
& Bellien.de ha siamarie (Annales de ia soc., entomol.
Y, Br 600), machte die ‚Raupe,\der, Anthochawis Simplonia.bekannt;,sie
lebt in den Basses-Alpes, auf, einer.llöhe von; 1800 bis 1900 Metres, auf
mehreren, ‚Cruciferen - Arten, zu ‚Ende, des Juli, \überwintert (als Puppe
und giebt im April und Mai ‚des, folgenden Jahres ‚den ‚Schmetterling.
Eraa W- Amerling, „luteressante Wanderung, der,;Kohlraupe ‚am
Smichow ‚bei, Prag“ (Lotos ‚6, Jahrg, p. ‚496) ;handelt,über massenhal-
tea, Auftreten dieser; Art...
li Damaidae, nn.Euploea transfiza, re haiadı en > Vitella
(Cram.?) wurden, vom, Montrouziem\(Annales,de ‚Ja,soc. d’agrieul=
ture ‚de Lyon NILL ‚p..404)ı als Artenı,von der (Insel Woodlark he-
schrieben. ud) u
ooulHelisonidae.,ni re et nr Pb.21) gnb
Beschreibungen ud Abbildungen von, sechs neuen, Auten, aus! Neu-
Granada ;; Jtkomia Alemu, Amalda, Cidonii, Rawena; Ulla umd Zabina,
,Nymphalidae, —, Neue ‚Arten, aus, ‚Süd Amgyika , von Ile
Wilson (Exotic, Butterllies, pt. 21-24). beschrieben ‚und abgebildet;
sind: Cybdehis ‚Capenas vom, Amazonenstrom,, Caralis, Canesaz,Canias;
Catagramma,Yeba und Tryphena aus Neu-Granada, | Aretas aus Vene-
420 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
zuela (Pt.21). — Epiphile Epimenes, Epicaste und Eriopis aus Neu
Granada (Pt.22), Callithea Markii und Eubagis Gisella aus Neu Gra-
nada, Onias vom Amazonenstrom, Callithea Batesii Hew. nochmals
abgebildet (Pt. 23), Eresia Emerantia und Eranites aus Neu Granada,
Esora aus Brasilien (ist = Eresia Eunica Boisd. nec Hübn.) und Ezo-
rias (ist = Eresia Phillyra Hew. mas) aus Mexico.
Montrouzier (Annales de la soe. d’agriculture de Lyon VIII.
p. 406) beschrieb Limenitis Woodlarkiana als neue Art von der Insel
Woodlark und ausserdem Diadema Lassinassa Boisd.
Megalura Poeyi (Lefebvre mscept.) wurde von Lucas als neue
Art von Cuba bekannt gemacht (Historia fisica de la isla de Cuba VII.
p- 241).
Morphidae. — Ueber die prachtvollen Ostindischen Arten
dieser Gruppe hat Westwood in einem Aufsatze: „On the oriental
species of Butterflies related to the genus Morpho“ (Transact. of the
entomol. soc. IV. p.158—189. pl. 17—21) gehandelt. Der Verf. disku-
tirt in einer umfangreichen Einleitung die Merkmale, nach denen
überhaupt die Tagfalter zu classifieiren sind und geht auf die Ansichten
der früheren Autoren (Swainson, Horsfield u.a.) über die Stellung der
Morphiden zu den übrigen Gruppen der Lepidoptera diurna, unter An-
derem auch auf den Vergleich, den sie mit den Gallinaceen unter den
Vögeln und den Hufern unter den Säugethieren haben aushalten müssen,
näher ein. Besonders sind es die Raupen der in ihren ersten Ständen
bekannt gewordenen Arten, welche mit denen der verwandten Nym-
phaliden und Hipparchien in Vergleich gebracht werden; wenn nach
diesen die Morphiden eine entschiedene Verwandtschaft mit den Hip-
parchien zeigen (wozu ausserdem noch die Ocellen auf der Unter-
seite der Flügel bei der Imago kommen), so nähert sich der ausge-
bildete Schmetterling doch entschieden mehr der Nymphaliden-Form ;
sie bilden daher am passendsten eine eigene Gruppe, die zwischen
jene beiden einzuschalten ist. Uebrigens lassen sich nach West-
wood die Gattungen Discophora, Zeuxidia, Amathusia, Dyctis und
Kallima von den Morphiden durch keine auch nicht einmal künstli-
liche Demarkationslinie trennen. — Die drei Ostindischen Morphiden-
Gattungen, deren Arten im folgenden Theil der Arbeit beschrieben
und zum Theil abgebildet werden, sind Thaumantis Hübn., Drusilla
Swains. und Clerome Boisd. Die Arten der ersten Gattung sind!
Thaumantis Odana God. (Morpho Klugius Zinken pro’ parte), Diores
Doubl., Ramdeo n. sp. von Darjeeling (ob Varietät'der'vorigen Art’?),
Klugius Zinken, Lucipor Westw. (auf pl. 19 in beiden Geschlechtern
abgebildet), Noureddin Westw. (auf pl.20 in beiden Geschlechtern
abgebildet), Aliris n. sp., eine prachtvolle Art, deren Weib auf pl.17
abgebildet wird, Camadeva Westw., Howqua Westw. (Abbildung auf
pl. 18), Nourmahal Westw. (Weibchen auf pl.18 abgebildet). — Zu
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 421
den fünf bekannten Arten der Gattung PDrusilla (Urania Lin., Hors-
heldii Swains., Catops Boisd., Selene Boisd. und Mylaecha Westw.)
wird eine neue unter dem Namen Drusilla Phorcas (Abbildung auf
pl.21) hinzugefügt, deren Fundort nicht bekannt ist. — Die Gattung
Clerome umfasst ausser den bekannten Arten (Arcesilaus Fab., Eu-
meus Drury, Fhaon Er. und Faunula Westw.) noch zwei neue: Cle-
rome Stomphaz (pl. 21. fig..3 und 4) von Borneo und (Xunthotaenia)
Busiris von Malacca. — Die bisher den Nymphaliden beigezählte
Gattung Discophora wird ebenfalls mit einer neuen Art: Discopkora
Zal (pl.21. fig. 5 u. 6) aus Ostindien bereichert.
Satyridae. — Pronophila Prosymna und Propylea sind zwei
neue Arten aus Neu-Granada von Hewitson (Exotic Butterflies pt.23) ;
ebenda wird Pron. Zapatoza Westw. nochmals abgebildet.
Haetera diaphana Boisd. i. lit, wurde als neue Art aus Cuba
von Lucas (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 252) be-
schrieben.
Eryceinidae. — Hewitson (Exotic Butterflies, pt.24) gab
Abbildungen nnd Beschreibungen von Mesosemia Mevania n. A. aus
Neu-Granada, Lamachus Boisd. i. ]. aus Honduras und Moesia aus
Brasilien; ausserdem wird Mesosemia Telegone Boisd. nochmals be-
schrieben und abgebildet.
Lycaenidae. — In der Historia fisica de la isla de Cuba VII.
p- 257 ff. wurden von Lucas folgende neue Arten von Cuba bekannt
gemacht: Thecla Marius Boisd. i.1., Paseo Lefeb. mscpt., Aon Lefeb.
mscpt., Celida Boisd. i.1., Tollus Boisd. i.1., Lycaena Theonus Lefeb.
mscept., Ammon Lefeb. mscpt. und Astenida Boisd. i. 1.
Als neue Art aus Spanien wurde Polyommatus Miegii , mit P.
Virgaureae zunächst verwandt, von Vogel (Allgem. Deutsche Na-
turhist. Zeitung III. 1857. p. 201) beschrieben und auf einer beifol-
genden Tafel in beiden Geschlechtern abgebildet.
Lederer (Wiener Entomol. Monatsschr. I. p. 25—32) schrieb
„über die Lycaeniden-Gattungen der Europäischen Fauna.“ Er giebt
ein berichtigtes Namensverzeichniss der Europäischen und Klein-Asia-
tischen Lycaeniden-Arten mit Hinzufügung der hauptsächlichsten Sy-
nonyme und der Varietäten, ordnet dieselben in natürliche Gruppen
nach der Bildung der Flügel, der Färbung u. s. w. und modificirt
den Umfang der bisher angenonımenen Gattungen in so fern, als er
nur Arten mit nackten und mit behaarten Augen vereinigt lässt
(jedenfalls ein Gattungsmerkmal von sehr prekärer Bedeutung, dessen
Haltbarkeit mindestens erst durch die zahlreichen exotischen Arten be-
stätigt werden müsste). Gattungen mit nackten Augen sind Cigarites Luc.
(einzige Art L. Acamas Klug) und Polyommatus Latr. (ausser den gold-
rothen Arten auch zahlreiche Bläulinge einschliessend); mit behaarten
Augen: Lycaena Fab. mit normal gebildeten Beinen (die übrigen
422 Gerstaecke nn Bericht/über dieowissenschaftlichen' Leistungen
Bläulinge 'undi.die!Thecla- Arten: der’ Autoren umfassend) und) Thestor
Hübn., mit, kolbigen (Vorderschenkeln, sehrokurzen Vorder - nnd: Mit=
telschierien, ‘von. denen\ entweder erstere oder auch beide: durch eine
starke'honnige Kralle ausgezeichnet'sind «(Ballus Fab;, Callimachus Ev;
und Nogellii, Hers-Schfl.): 101319
Hesp eria dae; — Hewi bvson (Exotic Butterflies pt.’22) machte
folgende‘ mewe Arten «durch Abbildungen und Beschreibungen: bekannt:
Pyrrkopyga Patrobas aus Neu-Granada, Papias vom Amazonenstrome,
Praecia‘ und Plutie' ebendaheri," Paseas aus Brasilien „0 Pityusa und
Pionia aus Neu-Granada, Pieria vom Amazonenstrome und. Pialia aus
Brasilien. /
Von’ Lwcas (Historia fisicarde la isla) de Cuba/VIl: p!267.8.)
wurden folgende neue: Arten» won Cuba » (von) Lie febvrie' in Mscpt
benannt) beschrieben: Budamus| Santiago, Habana, Batabano, Su-
madue , capucinus, Trinidad,\-San- Antonia‘, Maysi,'\Jagua,, ‚Thanuos
Velasquez, Potrillo, Jarucco, Hesperia Alamada, Misera ‚ı Banacoa
und radians,
„Die körperlichen. Auszeichnungen. ‚der ‚Europäischen Hospenik
den“ ‚erörterte,Ledenen ‘(Wiener Entomol. Monatsschr. I: ‚p: 75--80).
Die Arten, zerfallen‘ zunächst‘ im ‚zwei. Gruppen; ‚1) llinterschienen
mit Mittel- und Endspornen — hierzu gehören alle ‚schwarz‘ ‚und
weiss ;gewürfelten Anten, ‚die Arten der ‚Gruppe H. lineola, comma etc.
und H.‚Steropes,, 2) Hinterschienen nur mit, Endspornen, Mittelschie-
nen mit Dornborsten , — 'bierher nur, H. Paniseus,,Sylvius und argy-
rostigma Eversm. _— Die, Arten. der ersten Gruppe ‚zerfallen wieder
in solche, deren Männchen ‚die ‚Uinterschienen mit einem Haarpinsel
und den. Hinterleib mit. zwei convergirenden häuligen Stielen über
einer tiefen Grube ‚besetzt haben, und in solehe,, wo diese Merkmale
fehlen. Unter diesen und, weiteren Unterabtheilungen sind die Euror
päischen und Klein-Asiatischen Arten ‚namentlich aufgeführt und mit
Bemerkungen über ihre, Varietäten, versehen.
Die Raupe, der, Hesperia, lineola Ochs. wurde von.de Graaf
(Bouwstoflen voor eene Fauna van Nederland 1. p. 187), beschrieben.
Sphingides» Als neue Arten wurden ‚bekannt gemacht;
Von HopifLler: (Monatsberichte der Berlin. Akad, d. Wissensch.
1857. p. 421); Nephele comma, n, A. aus Mossambique.
VonLucas: (Annales.de la soc. entomol. V.p: 601-608. pl; 13);
Zonilia, Schimperi, und Smerinthus abyssinieus, n. A. von ‚Chartum ;
erstere ist mit Zon. Morpheus Cram., verwandt, letztere, nur im ı weib-
lichen : Gesehllechte ‚beschrieben „scheint! nach ‚dem im hiesigen 'Mu+
seum aus Grinea befindlichen Männchen von Smerinthus generisch ‚ab-
zuweichen. ‚)
Von,demselben ‚(Historia fisica de la isla.de Cuba VII. p. 20:
Macroglossu. Lefebvrei n.. A; aus Cuba.
PER RE. VE
y
im Gebiete ‚der Entomologie während des Jahres 1857. 423
Von Newman (Transact. of the entomol. soc. IV. p.54):
Deilephila Dalii und Maeroglossa‘ Nox von Moreton-Bay.
Saunders gab (ebenda pl.13. fig. 2) die Abbildung einer
schönen Sphinx-Raupe von Port Natal , 'aus der Verwandtschaft der
Sph. 'Nerii, deren Schmetterling bis jetzt nicht bekannt ist.
Kirtland (Proceed. of the acad. of nat. scienc. of Philadel-
phia 1857. p. 148) beschrieb die von Swainson unrichtig abgebil-
dete Raupe des Thyreus Abbotii, welche von den Blättern der Am-
pelopsis quinquefolia lebt und ihre vollständige Grösse im August
erreicht.
Nach Boie (Entom. Zeitung p. 192) lebt die Raupe von Sphinx
Elpenor bei Kiel auf Epilobium angustifolium und Impatiens noli me
tangere. — Laubenheimer (Sechster Bericht der Oberhessisch.
Gesellsch. f. Natur- und Heilkunde 1857. p. 82) fand die Raupe der
Deilephila Euphorbiae auf Polygonum aviculare und ernährte sie damit
bis zur Verwandlung.
Mittheilungen über die Lebensweise der Raupe von Sesia co-
nopiformis Esp. machte Libbach (Berlin. Entomol. Zeitschr. 1.
p- 159).
Chelonarine. Von Hopffer (Monatsberichte der Berlin.
Akad. d. Wissensch. 1857. p.421f.) wurden Arniocera (n. g.) auri-
gultala, Syntomis bifasciala, Crocota unicolor und Aletis Lihyssa
als neue Arten aus Mossambique vorläufig durch Diagnosen bekannt
gemacht.
Von Montrouzier (Annales de la soc. d’agriculture de Lyon
VIIL p. 409 I.) : Glaucopis Boisduvalii, Leptosoma bimaculatum, Hazis
translucida, Lithosia leucomelas und formosa als neue Arten von der
Insel Woodlark beschrieben.
Von Lucas (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 283 1f.):
Glaucopis syntomoides Boisd, i. ]., Amphitrite Boisd. i. l., Thomae
Boisd. i. 1., Glaucopis? mors Lefeb. und Ctenucha virgo Boisd. i, |,
als neue Arten von Cuba aufgestellt.
Derselbe erwähnte (Bulletin de la soc. entomol.V. p. XIX)
eine Farben-Varietät der Arctia fulginosa von Tanger, deren klima-
tische Abweichungen von den Europäischen Individuen er erörtert.
Bellierde la Chavignerie (Annales de la soc. entom. V.
p- 600) beschrieb die Raupe der Arctia sordida Hübn. Sie erinnert
an die der A. menthastri, ist bei Larche in den Basses-Alpes sehr häufig
und lebt auf verschiedenen niederen Pflanzen.
Pfaffenzeller (Entomol. Zeitung p. 84—90) machte interes-
sante Mittheilungen über die Lebensweise der seltenen Euprepia lla-
via, welche aul einer beifolgenden Tafel in ihren drei Entwicke-
lungsstadien abgebildet wird. Die Raupe lebt im Ober-Engadin 6000‘
424 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen' Leistungen
hoch auf Felsen, wo sie sich von Mespilus' cotoneaster ernährt; sie
ist schwarz, mit sehr langen, grünlich ‚gelben Haaren gürtelweise 'be-
setzt, überwintert zweimal und ist ausgewachsen fast vier, Zoll lang.
Sie verpuppt sich in ‚einem Gespinnst tief zwischen ‚Felsenspalten
gegen Ende Juni’s; der Falter, erscheint zu Ende Juli und Anfang
August's.
Dieselbe Art wurde auch von G. Bischoff (Zehnter Bericht
des Naturhist. Vereins in Augsburg 1857. p.43 ff.) nach allen drei
Ständen beschrieben und auf,einer, beifolgenden Tafel durch Geyer
sehr schön abgebildet; der Verf. giebt ausführliche Mittheilungen über
die Zucht der Raupe, die er mit niederen Pflanzen, (Leontodon, Plan-
tago, Euphorbia, ‚Alsine) fütterte.
J. Müller (Wiener Entomol. Monatsschr. I. p. 88) fütterte die
Raupen der Pleretes matronula mit Lonicera und brachte sie binnen
zwei Monaten. (Juli und August) zum vollendeten Wachsthume; sie
überwinterten, verspannen sich Anfangs April und lieferten binnen
vier Wochen den Schmetterling.
Hepialini. Assmuss (Wiener Entom. Monatsschr. I, p.137)
beschrieb die Raupe von Hepialus sylvinus, welche in den Wurzeln
von Lavatera communis, ausserdem auch in denen von Malva und
Alcea lebt; nach 22 Tagen im August entwickelt sich daraus der
Spinner.
Bompbyceides. Neue Arten sind: Nyctemera Leuconoe und
Lacipa gracilis Hopffer (Monatsberichte der Akad. d. Wissensch. zu
Berlin 1857. p. 422) aus Mossambique, Castulo Doubledayi Newman
(Transact. of the entomol. soc. IV. p. 55) von der Moreton-Bay, Oike-
ticus Poeyi Lucas (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 303. pl.17.
fig. 6) aus Cuba, Lebeda cuneilinea Walker (Transact. of the entom.
soc. IV. p.58. pl. 15) von Port Natal, Bombyz psidii Salle (Annales
de la soe. entomol. V. p.15 ff.) aus Mexiko; letztere Art ist eine
Gastropacha, welche unseren einheimischen G. quereus, rubi und tri-
folii nahe steht.
Salle, Note sur la soie sauvage du Mexique et description du
Bombyx, qui la produit (Annales soc. entomol. p. 15—19) machte
ausser dem Schmetterlinge in beiden Geschlechtern auch die Raupe
der Bombyx psidii bekannt (Abbildung auf Taf. I); sie ist der Raupe
der B. rubi sehr ähnlich, lebt auf Psidium pyriferum in Vera-Cruz
und fertigt ein Cocon an, welches, wie schon v. Humboldt er-
wähnt, zum Spinnen von Seide in Mexiko benutzt wird.
Die ersten Stände einiger Bombyciden von Port Natal bildete
Saunders (Transact. of the entomol. soc. IV. pl.13—15) ab; von
Attacus Mythimna Westw. Raupe und Gespinnst pl. 13; von Anthona
arata Westw. Raupe und Puppe, von Egybolia Vaillantina Boisd. die
ersten Stände und den Schmetterling, ausserdem eine Raupe, die mit
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 425
den beiden vorigen nahe verwandt scheint, pl. 14; die drei Entwicke-
lungszustände der Lebeda cuneilinea Walk. und eine Raupe nebst
Puppe von einer unbekannten Art, die aber den Gastropachen. nahe
verwandt sein muss, pl. 15.
Lucas (Bullet. d. ]. soc. entomol. p.XXXIV) machte Mitthei-
lungen über eine aus Nord- Afrika stammende Varietät der Clostera
reclusa Fabr.
Psychidae. — Milliere, „Creation d’un genre nouveau
Apterona et historie des insectes, qui le composent.“ (Annales de la
soc. Linneenne de Lyon IV. 1857. p. 181 ff.) theilte (bereits bekannte)
Beobachtungen über die Entwickelung von Raupen aus unbefruchte-
ten Eiern dreier Psychiden mit, die er in Rücksicht darauf, dass ihm
die Männchen derselben nicht bekannt geworden sind (weshalb er
meint, sie existirten überhaupt nicht), zu einer eigenen Gattung Apte-
rona erhebt. Die eine dieser Arten ist Psyche helicinella, die beiden
anderen werden als neu beschrieben und Apterona subtriquetrella
und pinastrella genannt; letztere soll in der Form ihres Sackes
grosse Aehnlichkeit mit Solenobia pineti Zell. haben, von der sie der
Verf. hauptsächlich aus dem Grunde trennen will, dass von letzterer
das Männchen als gellügelt bekannt sei, während ein solches von sei-
ner Art nicht existire (?). — Die Raupen und Säcke aller drei Arten
sind auf zwei beifolgenden Tafeln stark vergrössert dargestellt.
Einige Bemerkungen über das Vorkommen von Psyche atra
Freyer theilte Sched] (Wiener Entomol. Monatsschr. I. p.73 ff.) mit;
er fand die männlichen Raupensäcke, die sonst äusserst selten sind,
in grosser Menge, jedoch einerseits anders angesponnen als die weib-
lichen, andererseits die Säcke beider Geschlechter an verschiedenen
Lokalitäten.
Psyche Kahri Lederer (ebenda p. 80) ist eine neue Art aus
Neapel.
Noctune. Hopffer (Monatsberichte der Akad. der Wis-
sensch. 'zu Berlin 1857. p. 422) machte Aganais Aphidas, Acontia di-
scoidea, Spirama Pyrula und Ophiodes Teitensis als neue Arten aus
Mossambique durch Diagnosen bekannt.
Die schöne Gattung Phyllodes Guende bereicherte Snellen
van Vollenhoven (M&moires d’entomol. des Pays-Bas I. p- 159 ff.)
mit einer neuen Art Phyllodes Verhuelli von Java; nach der auf pl.8
gegebenen colorirten Abbildung schliesst sich diese Art, welche mit
den bereits bekannten in Färbung und Zeichnung wesentlich über-
einstimmend gebildet ist, zunächst an Ph. inspieillator Guence an.
Aspilates Duponchelii Montrouzier (Annales de la soc. d’agri-
eulture del,yon VIII. p. 410) ist eine neue Art von der Insel Woodlark.
l,ederer (Wiener Entomol. Monatsschr. I. p. 88 u. p. 92 fl.)
426 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
beschrieb Orrhodia (Cerastis) torrida von Palermo, Bryophila \con+
tristans, Amphipyra micans, Calophasia producla und: Mddopainqui-
nata von Beirut. {
Desselben „Die Noctuinen Europa's“ sind oben unter Lepidoptera
berücksichtigt. {
Staudinger (Entomol. Zeitung ‘p.289—298) lieferte "einen!
„Beitrag zur Kenntniss der nordischen Anarta- Arten ,* in welchem er
die 9: im Norden vorkommenden und ihm bekannt gewordenen! Arten
der Gattung Anarta in ihren Charakteren und ihrer Synonymie fest-
stellt. Es sind folgende: Anarla myrtilli, “cordigera, melaleuea
Thunb., melanopa Thunb. (vidua, tristis et rupestris Hübn., 'nigrita
Herr.-Sch.), amissa Lef, (lapponica Thunb. 2), Zetterstedtii Staud. N. sp:
aus Lappland, funesta Payk. (funebris Treitschke , amissa. fem. Lef,),
lencocyela 'Staud, n. sp. aus: Grönland und. 'algida ' Lef. ‚(Schön-
herri. Zett, 2). won
Derselbe (Lepidopteren Islands, Entomol. Zeitung ‚p..232 #.)
beschrieb Agrotis: Islandica n. sp. nebst ihrer. Raupe, welche auf
Plantago latifolia lebt; setzte ferner die Synonymie der Hadena exu-
lis Lef., deren zahlreiche Farbenyarietäten zur Aufstellung mehrerer
Arten‘ Anlass gegeben haben, auseinander (Synonyme derselben sind«
Hadena gelata Lef., Groenlandica Dup., borea Boisd., cervina 'Germ.,
diflua Hübn., gelida Guen., poli Guen., marmorata Zett.?) und 'be-
schrieb. die Raupen von Hadena exulis und Sommeri.
Derselbe (ebenda p: 302 If.) beschrieb Agrotis Drewsenii und
Westermanni als neue Arten aus Grönland; von Plusia interrogatio-
nis wird. eine fragliche Varietät (vielleicht eigene Art), unter dem
Namen Plusia Groenlandica beschrieben.
Bellier de la Chavignerie (Annales de la soc. entom,\V.
p- 13) ‚beschrieb Cleophana Ferrieri als neue Art. aus Piemont, im
Juni, der subalpinen Region angehörend ; Abbildung auf pl. 1.
Eversmann hat seine Aufzählung und Beschreibung der Rus-
sischen Noctuen (Les Noctuclites de la Russie, par le Dr. Evers-
mann) im Bulletin de la soc. imp. des naturalistes de Moscou 1857.
I. p. 45—150 und IV. p. 355—439 fortgesetzt und beendigt. Die in
den beiden vorliegenden Theilen der Arbeit abgehandelten Gattun-
gen sind nach der vom Verf, angenommenen Peihenfolge mit Hin-
zusetzung der Artzahlen folgende: Xylinidae: Cucullia 31, Xylina 14,
Clcophana 4. — Plusiidae: Abrostola 3, Plusia 30. — Heliothidae:
Heliothis 13, Anarta 13. — Acontidae: Acontia 4, Catephia 2. —
Ophiusidae : Catocala 19, Ophiodes 2, Toxocampa 5, Ophiusa 12. —
Anthophilidae: Anthophila 23, Hydrelia 3, Erastria 4. — Goniatidae:
Euclidia 6. — Brephidae: Brephos 2. — Als neu sind folgende Ar-
ten zu erwähnen: Cuecullia Inderiensis von Ural, Aylina scenica vom
Altai und Ural, Cleophana senescens Nordm. aus Georgien, Plusia
im Gebieteder Entomologie während des: Jahres"1857..' 427
siderifera Nordm. von Sarepta, Catocala' Helena. von Kiachtha, Ophio-
des'profana Nordm. aus dem Uaucasus , Ophiusa Astrida Nordm. aus
Armenien.
Diejenigen Europäischen Noctuen, welche sieh auch in andere"
Welttheilen vorfinden, stellte v. Prittwitz (Entomol. Zeitung
p-138—142) aus Guende’s Werk zusammen und erweiterte die über
ihre Verbreitung von Guende gemachten Angaben durch Hinzufügung
neuer Fundorte.
Nach Lucas (Bullet. d. 1. soe. entomol. p. XII) kommen Acro-
myota tridens, Gonoptera libatrix, Abrostola 'triplasia und Catocala
elocata ganz ülereinstimmend mit den Europäischen Exemplaren auch
bei Tanger in Nord-Afrika vor, ebenso (Bullet. p. COXXXVIII) Agrotis
püta Hübn. und Glottula Pancratii Duf. in Algier.
v. Prittwitz (Entomol. Zeitung p. 142) beschrieb die Raupe
von Caradrina uliginosa Boisd. und setzte ihre Unterschiede von der-
jenigen der ©. Morpheus auseinander; sie überwintert im Moos von
Kieferwäldern und verpuppt sich im März. — Ebenda p. 372 1. die
Raupe von Cucullia fraudatrix Eversm., welche auf Artenisia vulga-
ris lebt und neuerdings auch in Schlesien gefunden worden ist.
Boie (Entomol. Zeitung p.192), Notiz über die Raupe von
Noctua Haworthii, welche er zur Gattung Orlhosia bringen will.
Ueber das Vorkommen der Noctua basilinea (Raupe) an Wei-
zen, Mais u. s. w. schrieb Roessler (Jahrbücher d. Vereins f. Na-
turk. im Ilerzogthum Nassau XII. p. 392); über dieselbe als dem Ge-
treide schädlich: v. Prittwitz (Entomol. Zeitung p. 372 M.).
Uranidae. Urania Mac Leayi Montrouzier (Annales de la
soc. d’agriculture de Lyon VIII. p. 410) ist eine neue Art von der
Insel Woodlark.
Geometrae, Staudinger (Lepidopteren Islands, Entom.
Zeitung p. 25211.) beschrieb als neue Art: Eupithecia scoriata und
gab eine Charakteristik der Raupen von Cidaria munitata Hübn., cae-
siata W. V., Thulearia Herr, -Sch., elutata Hübn., Eupitheeia scoriata
und satyrata Hühn.
Acidalia praeustaria Mann (Wiener Entomel,. Monatsschr. 1.
p-155) ist eine neue Art von Fiume.
Urapteryz bimaculata (equestraria Boisd.?) n. A. von der Insel
Woodlark, von Montrouzier (Annales d. l, soe. d’agriculture de
Lyon VIII. p. 411) beschrieben.
a Rössler, Veber Acidalia straminaria Tr. und Acidalia olord-
ria.n. sp, (Jahrbücher des Vereins f. Naturk. im Ierzogth. Nassatı XII;
p- 398 MM.) glaubt, dass unter der A, straminaria der Autoren‘ zwei
verschiedene Arten vermengt seien, deren Charaktere er auseinander-
selzt; indem er der von Treitschke beschriebenen Art den Namen
428 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
A. straminaria belässt, stellt er für die zweite, die vielleicht mit der
Herrich-Schäffer'schen Art gleiches Namens identisch ist, die Benen-
nung A. oloraria auf. Von beiden Arten sind dem Verf. die Raupen
bekannt; die der letzteren Art, welche auf Chenopodium, Thymus u. a.
lebt, wird ebenfalls beschrieben.
Derselbe lieferte (ebenda p. 383—392) in seinen „Beiträgen zur
Naturgeschichte einiger Lepidopteren“ eine Beschreibung der ersten
Stände und ihrer Lebensweise von einer Reihe von Arten dieser Fa-
milie. . Es. sind folgende: Larentia luetuaria (Raupe auf Epilobium
montanum), Larenlia suffumaria (Raupe auf Galium), Larentia rivaria,
molluginaria. und galiaria (Raupen auf Galium), Larentia silacearia
(Raupe auf Epilobium montanum), Larentia capitaria und quadrifas-
ciaria (Raupen auf Impatiens noli: me tangere), Larentia tersaria, vit-
talbaria und undularia, (Raupe der letzteren Art auf Saalweiden),
Boarmia abietaria (die Raupe lebt abweichend von anderen Angaben
auf jungen Eichen), cinctaria (Raupe auf Galium), Ploseria diversa-
ria, Acidalia silvestraria (Raupe auf Hauswurz,, Salat u. a.), Acidalia
suffusaria (ebenso), Hemithea bupleuraria und Acidalia mutaria (Raupe
auf Thymus).
v- Hornig (Wiener Entom. Monatsschr. I. p. 69) beschrieb die
ersten Stände der Gnophos ophthalmicata Led.; die aus dem Ei er-
zogene Raupe wurde mit Salat gefültert und lebte vom Mai bis zum
April; des nächsten Jahres,
Kropp (Entomol. Zeitung p. 41 ff.) fand die Raupe der Laren-
tia strobilata, von welcher de Geer angiebt, dass sie in grünen
Tannenzapfen lebe, in den an Fichten vorkommenden Gallen von
Chermes viridis und sanguineus. Diese Gallen werden von den Rau-
pen oft ganz ausgefressen und erst zur Zeit der Verpuppung verlassen.
Ueber das Weibchen der Fidonia progemmaria Hübn. handelte
Snellen van Vollenhoven in einem Aufsatze: „Over het wijfje
van Fidonia progemmaria Hübn.“ in den Me&moires d’entomol. , publ.
p- 1. soc. entomol. d. Pays-Bas I. p.28. Dasselbe ist schon von
Kleemann in der Fortsetzung zu Rösel abgebildet, aber von den
späteren Autoren verkannt worden.
Pyralides. Hercyna lugubralis aus dem Berner Oberland,
Botys concoloralis und Spilomela? rectinalis ans Beirut wurden von
Lederer als neue Arten (Wiener Entomol. Monatsschr. I. p. 82 und
p- 100 bekannt gemacht.
Tortrices,. Milliere, Description d’un Platyomide nouveau
et histoire des melamorphoses de la larve (Annales de la soc. ento-
mol. V. p. 799—805. pl.14). — Der Verf. fand in der Gegend von
llyeres in den Stengeln von Asphodelus ramosus kleine Schmetter-
lingsraupen, welche sich zur Verwandlung durch eine runde Oeffnung
des Stengels aus der Pflanze herausbegaben und zwischen Moos ein-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 429
spannen. Aus den Puppen erhielt er eine mit Tortrix palleana und
ilavana verwandte Art, die er für neu hält und unter dem Namen Hastula
hyerana beschreibt und abbildet. Er theilt diese Art einer besonde-
ren Gattung Hastula zu, weil das Männchen gewimperte Fühler be-
sitzt; von der Gattung Amphisa Curt., die diesen Charakter theilt,
unterscheidet sie der Flügelschnilt, so dass sie zwischen Tortrix und
Amphisa zu stehen kommt.
Stainton (Entomologist's Annual for 1857. p. 100 ff.) beschrieb
Tortrix latiorana und Dierorhampha tanaceti als neue Arten aus Eng-
land, Lederer (Wiener Entomol. Monatsschr. I. p. 83): Cochylis in-
erelana vom unteren Ural.
v. Hornig (ebenda p.72) gab von den ersten Ständen der
Grapholitha ‚ Hornigiana Led. Nachricht; die Raupe lebt in den Blü-
thenköpfen der Inula oculus Christi und ist Anfangs Juni erwachsen;
sie verferligt sich einen festgeleimten, ovalen Cocon, der sich seiner
Zähigkeit wegen schwer zerreissen lässt.
Staudinger (Entomol. Zeitung p. 268) beschrieb die Raupen
von Teras maccana und Tortrix pratana.
Tineina,. Stainton's Prachtwerk „The natural history of
the Tineina,“ über welches im Jahresberichte 1855. p. 165 nähere
Mittheilungen gemacht wurden , ist im J. 1857 mit einem zweiten
Bande fortgesetzt worden, welcher die Naturgeschichte von 24 Arten
der Gattung Lithocolletis enthält. Der Verf. hat hier wie im ersten
Bande vorläufig nur solche Arten herangezogen, die ihm nach allen
verschiedenen Entwickelungszuständen bekannt geworden sind, und
deren Naturgeschichte er daher in durchaus erschöpfender Weise be-
handeln konnte; die Art, in welcher dies geschehen, ist bereits bei
Besprechung des ersten Bandes dargelegt worden. Die acht beifol-
genden, sehr sauber ausgeführten Tafeln bringen je drei Arten nebst
den ihnen angehörenden Raupen und einem von diesen minirten Blatt
ihrer Futterpllanze zur Anschauung, entsprechen also in ihrer Anlage
ganz denen des ersten Bandes oder der von Douglas in den Trans-
act. of the entomol. soc, 1853 veröffentlichten. Die in dem’ vorlie-
genden Bande dargestellten Arten sind: Lithocolletis viminetorum,
salicicolella, viminiella, corylifoliella, coryli, carpinicolella, torminella,
spinicolellä , faginella, lantanella, vacciniella, Bremiella, Stettinensis,
Schreberella, alnifoliella, sylvella, Messaniella, ulmifoliella, populifo-
liella, Staintoniella, quinquenotella, trifasciella, scabiosella, emberi-
zaepenella. 1
Eine Aufzählung und Beschreibung der in den Niederlanden
vorkommenden Depressarien, 15 an Zahl, lieferte de Graaf in den
Memoires d’Entomologie publies par la soc. enton. des Pays-Bas 1.
p- 46—63. In den Beschreibungen wird besonders auf die unterschei-
denden Charaktere der einzelnen Arten von den zunächst verwandten,
430 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
ausserdem auch auf die ersten Stände, wo sie bekannt sind, ‚einge-
gangen! Die erörterten Arten sind: Depressaria costosa,. pallorella,
assimilella, arenella, propinquella, Alstıoemeriana , conterminella,
ocellana, Yeatinna, applana, angelicella, cnicella, heracleana, pul-
cherrimella und nervosa. Ialia
Desselben „Bijdrage tot de soortkennis der Iyponomeutae of
Stippelmotten“ (Bouwstoffen voor eene Fauna van Nederland I. p. 123
— 137) enthält eine Aufzählung und Charakteristik von 9 in Holland
einheimischen IHyponomeuta-Arten, nämlich: H. rufimitrella, 20-pnn=
etata, plumbella, irrorella, variabilis, vrorella, malinella,, evonymi
und padi.
Mühlig und Frey, Beitrag, zur. Naturgeschichte ‚der ‚Coleo-
phoren (Vierteljahrsschrift.d. Naturf. Gesellsch. inZürich I. p: 10—28).
— Die. beiden, Verf. erläutern ‚die Naturgeschichte einiger bein, Frauk-
furt;a, M. aufgefundenen Coleophora-Arten durch eingehende Beschrei-
bungen der verschiedenen Entwickelungsstufen. Es sind, folgende:
Coleoph. silenella H.-Seh., (Raupe auf Silene otites), nutantelle n. sp.
(Raupe auf Silene nulans), dianthi 1.-Sch, (Raupe auf Dianthus Car-
thusianorum), virgaureae Staint, (Raupe auf Solidago virgaurca,ll.-Sch.)
succursella H.-Sch. (Raupe auf Artemisia campestris), odorariella n. sp.
(Raupe auf Serratula cyanoides).
Zeller beschrieb (Entomol. Zeitung p: 271 ff.) folgende von
Staudinger in Island gesammelte neue Arten: Crambus extinctellus,
Plutella septentrionum, Gelechia Thuleella und Coleophora algidella.
Stainton (Entomologist's Annual for 1857. p. 104 fl.); Coleo-
phora genistae, inflatae, virgaureae, vilisella, Elachista taeniatella;,
Neptieula \luetella, ‚und ‚atricollis als , neue ‚Arten, aus ‚England. —
Ebenda p:121—130, theilte ‚ derselbe eine Reihe von Beobachtungen
über, Britische Tineinen, ‚mit, welche, sich auf das: Vorkommen der
Arten, die Futterpflanzen der, Raupen ‚u. s., w. beziehen. ;
Als neue Arten ‚von Fiume wurden von Mann. (Wiener. Entom.
Monatssehr. I, p- 171 1) durch, kurze, Diagnosen. bekannt, ‚gemachts
Ephestia, wapidella,; Gelechia Iutilabrella Zeil. i.1., 'patzuella Zells i.l;
campieolella, Koll.is.l,, Choreutis micalis, Koll: ic. 1; ne In
viella; und, drymidis.
‚Chimabacche? ‚syriaca Ledever ‚(ebenda p. 102), neue Ast ve
Beirut,
Goureau, (Bullet. de ‚la soc. entpmel p- XXV]). hat ‚ans er
nen Schmetterlingsraupen, die in den Köpfen der Carlina vulgaris
fressen, eine neue Art der Gattung Parasia Dup. gezogen, welche er
Parasia, carlinella nennt Ausserdem machte derselbe Mittheilungen
über die ersten Stände und deren Lebensweise von Lita Vigeliella Dups
Bruand, „Classification des Tincides et examen des caracteres
ei de leur importance relative d’apres la methode naturelle«“ (Anna-
j
i
{
\
.
im: Gebiete ‚der Entomologie während des; Jahres. 1857. 431
les de la 'soe. entomol. V..p. 807—526). Unter diesem vielverspre-
chenden Titel. giebt der Verf., nachdem er seine Ansichten über Clas-
sifikation überhaupt dargelegt hat und auf einige Hauptmodifikationen
der einzelnen Körpertheile der Lepidopteren eingegangen ist, eine
kurze Charakteristik der Tineen im Allgemeinen und sodann der Grup-
pen „Diurnetae“ mit den Gattungen Diurnea Kirby, Lemmatophila Tr.,
Epigraphia St. und der „Yponomeutidae“ mit den Gattungen Myelo-
phila Tr., Aedia Dup. und Yponomenta. Unter den Gattungen sind
diejenigen Arten, dem Namen nach aufgeführt;, welche der Verf. als
zu; denselben. ‚gehörig ansieht. —, Was mit dieser Probe bezweckt
werden soll, hat der Verf. weder angegeben, noch lässt es sich aus
derselben ersehen.
z Herrich - Schäffer hat (Correspondenzblatt, des zoolög.-
mineralog. Vereins in Regensburg XT. 1857. p. 33—67) die von
Stainton und Frey verfassten Arbeiten über Tineen einer ausführ-
liehen Bespviechimg unterworfen und iin denselben über 'eine' grössere
Anzalıl sihter Arten ‚sein Urtheil abgegeben; ‚ebenso diskutirt,, er den
Umfang der ‚von, ihnen angenommenen‘ Gruppen und stellt eine „Ver-
wandischaftstafel der ‚Tineinen“ auf, in welcher er die Beziehungen
der, von ihm selbst aufgestellten Gruppen zu einander erörtent.
10 „Pterophoridae. Plerophorus Islandieus Staudinger ist eine
neue Art aus Island (Entomol, Zeitung p. 280).
Pol
Hemiptera.
“0 Ausser den schön erwähnten faunistischen Arbeiten ‘von
Montrouzier'(Faune: de Pile de Woodlark), 'Guerin(in
Ramon de la Sagra’s Historia fisica de ‚la isla de@Cuba) und
Perris (Nouvelles excursions "dans les'-Grandes= Ländes),
in welchen neben anderen Insekten-Ordnungen auch beson-
ders die Hemipteren eine Bereicherung an neuen Formen
erfahren, haben, ist für die vorliegende Ordnung speziell nur
noch zu nennen: «r
© Catalogue. of Ihe. ‚Homopterous. Insecls ‚collected at, Sa,
rawak, Borneo by A: R. Wallace, with deseriptions 'of/ new
species, by F. Walker (Journal of’ the" procked! "of the
Linneati society, Zoology 1. p.' 141-175. pl! 7 u! 8). Das
hier gelieferte Verzeichniss der von Wallace äuf Borneo
gesammelten Homopteren umfasst im Ganzen 184 Arlen, wel-
che den verschiedenen ‚Familien dieser, Abtheilung mil Aus-
nahme der, Pllauzenläuse angehören und. zum grössten; Theil
432 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
als neu beschrieben werden. Es findet sich darunter auch
eine beträchtliche Anzahl ausgezeichneter Formen, welche
zur Begründung neuer Gattungen Veranlassung gaben und
von Westwood auf zwei sehr schön lithographirten Tafeln
nebst ihren charakteristischen Körperlheilen dargestellt sind.
Eine nähere Berücksichtigung finden dieselben bei den ein-
zelnen Familien, denen sie angehören.
Kolenati’s Meletemata entomologica, von denen im
Bullet. de la soc. imp. des natur. de Moscou 1857. No. Il.
p. 399—444 der 7. Fascikel erschienen ist, welcher die Ho-
moptera stridulanlia des Caukasus enthält, sind ebenfalls
bei dieser Familie in Betracht gezogen worden. (Vgl. Stri-
dulantia!)
Als Nachtrag zu den früheren Jahresberichten mag. hier
noch der von de Graaf und Snellen van Vollenho-
ven in Herklots’ Bouwstoffen voor eene Fauna van Neder-
land I. p. 169— 185 gelieferten systematischen Zusammen-
stellung der in Holland vorkommenden Hemipteren erwähnt
werden. Das Verzeichniss, in welchem die einzelnen Arten mit
Citaten aus den bekanntesten Handbüchern und mit Angaben
über ihr Vorkommen versehen sind, weist im Ganzen 169
Species auf: Pentatomidae 24, Coreodes 7, Lygaeodes 26,
Capsini 32, Membranacei 9, Reduvini 6, Riparii 2, Hydro-
dromici 7, Nepini 3, Notonectici 3, Fulgorina 8, Cicadel-
lina 12, Aphidina 29, Coceina 1.
Pentwtomidae. Montrouzier (Annales d. scienc. phys,
d. l. soe. d’agrieulture de Lyon VII, 1. p. 91 ff.) beschrieb folgende,
meist neue Arten von der Insel Woodlark: Scutellera Banksii (cyani-
poda Boisd.) wird nach ihren zahlreichen Varietäten charakterisirt,
Scutellera variabilis, melallica, splendida, leucocyanea, Pentatoma
tricolor, erythraspis Boisd. var., polychroa, lugubris, marmoratum (!),
glaucomelas, bimaculatum, sulcatum, viride, Tesseratoma ostraciopte-
rum; und dilatatum.‘, ‚Ausserdem folgen Bemerkungen über |Megyme-
num jaffine Boisd. und Agapophyla bipunctata | Guer.
Von Gu&rin;(Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 151.)
wurden, Pentatoma ‚ (Brochymena) Poeyi , (Mecistorhinus) variegata,
(Cathecona) Gundlachii als neue Arten von Cuba und anhangsweise
Prooxyjs brevispinis als n. A. von New-Orleans beschrieben.
Menaccarus pallidus Perris (Annales d. 1. soc. Linndenne de
Lyon IV. p.158) ist eine neue Art aus den Grandes-Landes.
en
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 433
Coreodes. Anisoscelis bidentatus (sehr nahe mit A. australis
Fabr. verwandt), Alydus erythromelas, Astacops Boisduvalü, variega-
tus, ficus und viridis Montrouzier (Annales d. l. soc. d’agrieulture de
Lyon VII, 1. p. 101 M.) sind n. A. von der Insel Woodlark.
Aus Cuba beschrieb Gu &@rin (a. a. O0. p: 156 ff.) folgende neue
Arten nebst einer neuen Gattung: Sephina Gundlachii, Archimerus
affınis, Gonocerus Andresii, Zieca delicatula, Paryphes Whitei, Aniso-
scelis thoracieus, Leptoscelis annulipes (und anhangsweise Leptoscelis
venfralis n. A. aus Cayenne). Ferner: Petalotoma n. g. mit Lepto-
scelis nahe verwandt, die Fühlerglieder aber unbehaart, flachgedrückt,
das zweite etwas kürzer als das erste und dritte; Thorax mit schar-
fen Ecken am Seitenrand, die durch eine erhabene Qnerleiste auf der
Oberfläche verbunden werden ; Beine schlank und dünn , auch die
Schenkel, die ohne alle Dornen sind: Hinterschienen in ihrer ganzen
Länge blattförmig erweitert. Art: Pet. unicolor von Cuba, auf pl. XIII.
fig. 8 dargestellt. — Leptocorisa geniculata n. A. aus Cuba.
Lygaeodes. Signoret hat in den Annales de la soc. en-
tomol. de France V. p. 23—32. pl.2 einen „Essai monographique du
genre Micropus Spinola“ veröffentlicht, in welchem er zunächst die
von Spinola nur oberflächlich berührten Charaktere der Gattung
genauer feststellt, und sodann die Beschreibung von 13 ihm bekannt
gewordenen Arten folgen lässt; 10 derselben sind zugleich auf der
beifolgenden pl.2 in vergrössertem Maassstabe colorirt dargestellt. Es
sind folgende: Micropus collaris aus Venezuela, Sallei aus Mexiko,
fulvipes de Geer, variegatus von Neu-Granada, Gayi Spin., falicus Say,
agilis Spin., sabuleti Fall., Genei, Spin., Spinolae aus Frankreich,
leucopterus Say, pusillus Dall. und brunnipennis Germ.; letztere beide
Ärten sind dem Verf. nicht in natura bekannt gewesen. (Ausserdem
wären vier von Stäl aus dem Caffernlande im J. 1855 beschriebene
Arten, die dem Verf. entgangen sind, hier anzureihen. Ref.)
Leon Dufour, Sur quelques especes algeriennes du genre
Ophthalmieus, (Annales de la soc. entomol. V. p. 68 ff.) führt sechs in
Algier vorkommende Arten dieser Gattung auf, von denen er drei
als nen beschreibt: Ophthalmiceus erythrops , boops , oceipitalis. Die
bereits bekannten Arten sind: 0. albipennis, pallidipennis und (nach
Lucas, Explor. de l’Algerie) erythrocephalus.
v. Baerensprung, Myrmedobia und Lichenobia, zwei neue
einheimische Rhynchoten-Gattungen (Berl. Entom. Zeitschr. I. p.161 1).
Die erste dieser Galtungen Myrmedobia wird auf Mierophysa myrme-
eobia Märk. Germ. errichtet, welche mit Salda coleoptrata Fall. iden-
tisch ist und von Microphysa pselaphiformis Westw. durch die Bil-
dung der Oberllügel und Schnabelscheide abweicht. “Der genauen
Auseinandersetzung der Gattungscharaktere lässt der Verf. die Beschrei-
bung der Fallen’'schen und einer neuen Art: M. rufoseutellata aus
Archiv [ Naturgesch XXIV. Jahrg. 2. Bd. 66
434 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Süddeutschland folgen. Die zweite Gattung Lichenobi«a ist auf eine
kleine, mit der vorigen nahe verwandte Art gegründet, die für neu
angesehen und als L. ferruginea beschrieben wird. Sie ist jedoch
nach A. Dohrn (Entomol. Zeitung 1858. p. 163) mit Ceratocombus
Mulsanti Sign. und Bryocoris muscorum Fall. identisch und muss den
Namen Ceratocombus Sign. muscorum Fall. erhalten. -——- Des Verglei-
ches halber lässt der Verf. am Schlusse eine nochmalige Charakteri-
stik der Gattung Micropbysa Westw. folgen.
Neue Arten, von Montrouzier (Annales d. scienc. phys. de
la soc. d'agrieulture de Lyon VII, 1. p. 105.) beschrieben und von
der Insel Woodlark stammend, sind: Lygaeus Woodlarkianus, dichroa,
erucialus, Fabrieii, lugubris und violaceus.
Von Gu&rin (Historia fisiea de la islade Cuba VII. p. 164 fl.):
Lygaeus Dallasii, Platygaster Signoretii, Beosus Burmeisteri, abdo-
minalis, minimus, Plociomerus Servillei, Dohrnii, Amyoti, trigutta-
tus, Pterotmetus stenoides und Largus sellatus n. A. von Cuba.
Von Perris (Annales de la soc. Linneenne de Lyon IV. p.159 f.):
Heterogaster typhae, Anthocoris testaceus, crassicornis und Mierophysa
bipunctata aus den Grandes-Landes.
Capsini. Gu&rin (Historia fisica de la isla de Cuba VII.
p: 168 ff.) stellte zwei neue Gatlungen in dieser Familie auf: Hete-
rocoris n. g. ‚Körper elliptisch, Kopf kurz, stumpf dreieckig, zweites
Fühlerglied einfach, ohne Erweiterung an der Spitze, Flügeldecken
mit eigenthümlichen Erweiternngen am Aussenrande, die erste wink-
lig gelappt, die zweite abgerundet und von der ersten sowohl als
von der Spitze durch einen Einschnitt abgesondert. Art: Het. dilatata,
pl. XIII. fig. 11 abgebildet. — Pycnoderes n. g., mit der vorigen
Gattung in den wesentlichsten Charakteren übereinstimmend, aber mit
einfachen, nicht erweiterten Flügeldecken und eigenthümlich geform-
tem, am Ninterrande vierlappigem Halsschilde. Art: Pyen. quadri-
maculatus, auf pl. XIll. fig. 12 abgebildet. — Eine neue Art aus Caba
ist ferner: Capsus dimidiatus.
Perris (Annales de la soc. Linneenne de Lyon IV. p. 162 ff.)
charakterisirte Phytocoris irroratus, Signoretü, Capsus obesus, limba-
tus, adenocarpi, palliatus, tamarisci , delicatus und crwentatus als
neue Arten aus den Grandes-Landes.
Membranacei. NeueArten sind: Aradus thoracoceras Mon-
trouzier (lugubris Boisd.?) von der Insel Woodlark (Annales de la
soc. d’agrieulture de Lyon VII, 1. p.107) und Syrtis (Macrocephalus)
rugosipes, Westwoodii, Phymata emarginata und acutangula Guerin
(Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 169 1.) von Cuba.
Beduvini. Ueber die Gattung Prostemma Lap. (Metastemma
Am. Serv.) schrieb F. Stein in der Berl. Entomol. Zeitschr. I. p. 81
—96. Nach eingehender Erörterung der Gattungscharaktere und der
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 435
den meisten Arten zukommenden Eigenthümlichkeit, nicht selten eine
unvollständige Ausbildung der beiden Flügelpaare zu zeigen, geht
der Verf. zur Beschreibung von acht ihm bekannten Arten über; von
diesen sind neu: P. aeneicolle aus Ungarn und Italien, 7-guitatum
aus Süd-Afrika, fuscum aus Pensylvanien, alle drei mit ganz schwar-
zem Prothorax; albimacula aus Portugal und ruficolle vom Cap mit
zum Theil oder ganz rothem Prothorax. Diesen Arten folgt dann
noch die Anführung von vier dem Verf. unbekannt gebliebenen. —
Zur Feststellung der Synonymie von P. lucidulum Spin. , bicolor Ramb.
und der verwandten Arten wäre noch P. Jucidulum Costa (in dessen
Cimicum Regni Neapolitani Centuria p. 18 beschrieben) zu verglei-
chen gewesen, da dieses von der Spinola’schen Art in mehreren
Punkten abzuweichen scheint.
Von Montrouzier (Annales d. scienc. phys. de la soc. d’agri-
eulture de Lyon VII, 1. p. 108 ff.) wurden folgende neue Arten von
der Insel Woodlark beschrieben: Reduvius armatus,, megagaster,
acanthifer, leucomelas, polyacanthus, Zelus marginatus und Ploiaria
. pallida.
Von Gu&rin (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. 171f.):
Apiomerus Burmeister®'tind Zelus clavatus als n. A. von Cuba.
Riparii. Salda Signoretii Guerin (ebenda p. 167) ist eine
neue Art von Cuba.
Ploteres. Hydrometra Caraiba, Velia Fieberi und Microvelia
capitata Guerin (ebenda p.173 ff.) n. A. von Cuba.
Galgulini. Galgulus macrothoraxz Montrouzier (Annales de
la soc. d’agrieulture de Lyon VII, 1. p.110) neue Art von der Insel
Woodlark.
Nepini. Belostoma medium, curtum, capilatum, angustatum
und Kanatra Fabricii Guerin (Historia fisica de la isla de Cuba VII.
p- 175 ff.) sind neue Arten von Cuba.
Notonectiei. Corisa reticulata Guerin (ebenda p.177) eine
neue Art von Cuba.
Stridulantia. Neue Arten aus Borneo, von Walker (Jour-
nal of the proceed. of the Linn. soc., Zoology I. p. 141 1.) beschrie-
ben, sind: Dundubia decem, duarum und Huechys facialis.
Von Gu&rin (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p.178):
Cicada (Platypleura) Poeyi, Sagrae und Walkerii von Cuba.
Hartwig (Allgem. Deutsche Naturhist. Zeitung II. 1857. p. 313)
stellte unter dem Namen Cicada sazonica eine angeblich neue (?), in
einem Exemplare in der Sächsischen Schweiz gefundene Art auf; ihre
Körperlänge misst 24 mill.; sie soll sich mit keiner der bis jetzt be-
schriebenen Arten identifieiren lassen.
Hagen (Etudes entomol. VI. p.42) gab eine Aufzählung der
436 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Cicaden Russlands nebst Bemerkungen über die Verbreitung der ein-
zelnen Arten. Es sind im Ganzen zehn: Cic. haematodes, plebeja,
orni, querula, hyalina, atra, montana, adusta, prasina und tibialis.
Kolenati (Bullet. d. l.soc. d. natur. de Moscou 1857. No.II,
p: 399—444) zählte zehn im Caucasus vorkommende Cicaden auf und
gab auf zwei beifolgenden Tafeln colorirte Abbildungen von densel-
ben; in den Beschreibungen und der Feststellung der Synonymie hat
sich der Verf. genau an Hagen’s Monographie gehalten, von der er
sich nur durch die Aufnahme der (nichtssagenden) Amyot'schen Sub-
genera entfernt.
Fulgorellae. Eine wesentliche Bereicherung an ausgezeich-
neten neuen Formen erhielt diese Familie abermals durch die Beschrei-
bung der von Wallace auf Borneo gesammelten Homopteren F.Wal-
ker’s im Journal of the proc. of the Linnean soc., Zool. 1. p. 142 f. —
Zur Gruppe Fulgoroides gehören: Hotinus intricatus und cultellatus.
— Zur Gruppe der Lystroides: Aphuena saturala, veris-amor und uni-
formis. — Zur Gruppe der Dictyophoroides: 1) Leusaba n. g. (pl. 7.
fig. 1) mit Dietyophora verwandt; Kopf kurz, mit gerandetem Schei-
tel, flacher, länglich viereckiger, vorn breiterer Stirn und lanzettli-
chem Gesichte, welches etwas kürzer als die Stirn ist. Prothorax
gerandet, vorn stark bogenförmig gerundet, mit ausgehöhltem und
innen gewickeltem Hinterrande; Mesothorax dreiriefig, Beine lang,
Vorderflügel aussen breiter, mit sehr langen Basalzellen, kürzeren
Scheiben- und Randzellen; einzelne Randadern gegabelt, kleine quere
Costal - und Submarginal-Adern fehlen. Art: L. marginalis. 2) Ispo-
Yisa n.g. (pl. 7. fig. 2), der vorigen Gattung nahe stehend; Kopf kurz,
stark bogenförmig hervortretend, der Scheitel hinten ausgehöhlt und
gerandet, Stirn und Gesicht gerandet und in der Mitte gekielt, die Stirn
fast quadratisch, vorn breiter, das Gesicht dreieckig. Thorax kurz,
Pro- und Mesothorax dreiriefig, die Seitenkiele sehr schräg verlau-
fend ; Vorderflügel schmal, die Basalzellen sehr lang, die Diskal- und
Marginalzellen kürzer, die Randadern einfach ; einige äussere quere
Costaladern, aber keine Submarginal-Queradern vorhanden. Art: I.
apicalis. 3) Epora n. g. (pl. 7. fig. 3) mit Dictyophora verwandt;
Kopf dreikielig, quer, Scheitel konisch, Stirn schr lang, linear, Ge-
sicht kürzer, lanzettlich. Prothorax vierkielig, stark geschwungen,
Mesothorax dreikielig, Beine ziemlich. lang. Vorderflügel ziemlich
schmal, die Basalzellen sehr lang, fast die beiden ersten Dritttheile
der Länge einnehmend, die Diskal- und Marginalzellen fast gleich
gross, die queren Rippenadern schräg, parallel, die submarginalen
fehlen. Art: E. subtilis. — Neue Arten sind ferner: Dictyophora spei-
carina und Daradar acris. — Zur Gruppe der Cixioides kommen:
4) Ostama n. g. (pl. 7. fig.4). Kopf kurz, Scheitel fast quadratisch
mit etwas erhabenen Seiten, Stirn flach, länglich viereckig, vorn
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im ‚Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 437
breiter, Gesicht lanzettlich; Fühler länglich, fadenförmig, ihr zweites
Glied nicht länger als das erste, die Borste kurz. Mesothorax drei-
kielig; auf den Vorderflügeln die Basalzellen viel länger als die Mar-
ginalzellen, die Randadern zahlreich, einige gegabelt. Art: O. juncta.
5) Erana n. g. (pl. 7. fig. 5). Kopf mit erhabenen Seiten und milt-
lerem Kiele, Scheitel fast konisch, Stirn ziemlich quadratisch, gegen
das Gesicht hin breiter, dieses lanzettlich, Fühler lang, derb, faden-
förmig, das erste Glied kurz, das zweite lang, die Borste fehlt; Me-
sothorax mit drei parallelen Kielen; die Basalzellen der Vorderflügel
dreimal länger als die Diskal- und Marginalzellen , quere Costal-
adern in geringer Anzahl und sehr schräg verlaufend. Art: E. ope-
rosa. 6) Rhotala n. eg. (pl. 7. fig.6). Kopf oben konisch, mit er-
habenen Seiten, Stirn und Gesicht flach, verlängert, punktirt; Fühler
kurz, fadenförmig, das zweite Glied länger als das erste, die Borste
lang, zart. Prothorax ziemlich gross, das Mittelfeld konisch, dreikie-
.Jig; Vorderflügel mit sehr langen Basalzellen , äussere Queradern
zahlreich, Rippen-Queradern sparsam. Art: Rh. delineata. — Neue
Arten: Cizius ferreus, diffinis, guttifer, aequus, perplezus, inclinatus,
simplex, vwilis, modicus, nezus, despectus, deductus, munitus, trahens,
pallens, finitus, dilectus, dotatus, insuetus, Bidis pietula, punctifrons
und contigua. — Zur Gruppe der Issites: 7) Hiracia n.g. (pl.7. fig. 7).
Körper elliptisch, convex, Kopf mit kaum erhabenen Rändern, Schei-
tel konisch, dreikielig, Stirn und Gesicht mit drei wenig deutlichen
Kielen, letzteres lanzettlich, erstere verkehrt kegelförmig, vorn aus-
gehöhlt. Prothorax quer, fünfkielig, vorn schmaler, Mesothorax drei-
eckig, dreikielig, hinten scharf zugespitzt. Vorderflügel mit scharfer
Spitze, die Adern und Queräderchen zahlreich und erhaben. Art:
H. ignava. — Neue Arten sind: Issus praecedens, composilus, retra-
etus, furlivus, patulus, iners, gravis, arctatus , sohrinus, ovalis, lite-
rosus, lineatus, Hemisphaerius niger, iypicus , torpidus, Eurybrachys
conserla, vetusla, inlercepla und surreeta. — Zur Gruppe der Flatoi-
des: 8) Serida n. g. (pl.7. fig. 8). Kopf etwas ansteigend, mit er-
habenen Seiten, welche beiderseits einen spitzen Winkel bilden,
Scheitel linear, Stirn schmal, gekielt, vorn erweitert, Gesicht lanzelt-
lich, leicht gekielt. Thorax dreikielig, Vorderflügel mit abgerunde-
ten Ecken, die Rippen- und Randadern zahlreich. Zwei Arten: 8.
latens und fervens. 9) Paricana n. g. (pl. 8. fig. 1). Kopf glatt, eben,
Scheitel kurz, Stirn länglich viereckig, Gesicht lanzetilich; Fühler
mit langer, zarter Borste. Thorax dreikielig, Vorderfllügel am der
Spitze breit gerundet, die mittleren und Randzellen an Länge gleich.
Art: P. dilatipennis. 10) Nicerta n.g. (pl. 8. fig. 2). Körper schlank,
Kopf zusammengedrückt, sehr schmal, Scheitel mit stark erhabenen
Seiten, Stirn messerförmig, Gesicht lanzettlich; Fühler mit langen,
eylindrischen zweiten Gliede. Flügel schmal, die vorderen mit weni-
438 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
gen Adern und einigen äusseren und hinteren Queradern. Drei Arten:
N. submentiens, flammula und fervens. 11) Eucarpia n. g. (pl.8.
fig. 3). Kopf kurz, mit stark erhabenen Rändern, Scheitel quer, fast
quadratisch, Gesicht und Stirn gekielt, ersteres lanzettlich, letztere fast
quadratisch. Thorax kurz, zweikielig; Beine kurz, dünn; Flügel
schmal, die vorderen mit sehr wenigen Diskal- und zahlreichen
Randzellen. Art: E. univitta. 12) Rhotana n.g. (pl. 8. fig. 5). Schei-
tel messerförmig, Stirn dreieckig, Gesicht lanzettlich; Prothorax sehr
kurz, Mesothorax mit‘zwei kaum sichtbaren Kielen und erhabenen
Seiten; Flügel breit, die vorderen mit wenigen Längs- und Quer-
adern, Art: Rh. latipennis. 13) Ficarasa n. g. (pl. 8. fig. 4). Kopf
mit erhabenen Seiten, Scheitel geschwungen, Stirn leicht gekielt, mit
winkligen Seiten, Gesicht lanzettlich, Prothorax mit stark geschwun-
genem Vorderrande, Mesothorax dreikielig; Vorderflügel mit sehr
langen Basal- und gleich langen Mittel- und Randzellen , die äusse-
ren und Rippen -Queradern zahlreich. Art: F. pallida. — Neue Ar-
ten: Flatoides veterator, posterus, limitaris, stupidus, Ricania osmy-
loides, subacta, Benna canescens, clarescens, praestans, Pochazia con-
vergens, Nephesa grata, guttularis, volens, lutew, deducta, tripars,
Poeciloptera rorida, deplana, Eupilis hebes.
A. Costa (Memorie della Reale Accademia delle scienze di
Napoli II. p. 227) beschrieb eine mit Caliscelis Lap. zunächst ver-
wandte neue Gattung Homocnemia aus der Issiden-Gruppe, für welche
er folgende Charaktere aufstellt: Stirn vertikal, mit dem horizonta-
len Scheitel einen rechten Winkel bildend, beim Weibchen leicht ge-
wölbt; Fühler dreigliedrig, das 3. Glied in einer Spalte des vorher-
gehenden eingefügt und in eine lange Borste endigend; Ocellen nicht
bemerkbar; Deckflügel kurz, das erste Abdominalsegment nicht oder
kaum überragend, hinten abgestutzt, ohne Areolae, der einzige Sub-
cubital-Nerv deltaförmig, ausserdem mit einem inneren Suturalnerv
und zwei äusseren, die an der Schulter zusammenstossen; Vorderbeine
drehrund, den mittleren ähnlich. Art: Homocn. albovittata, fig.5 u. 6
abgebildet, 1 lin. lang, aus Neapel.
C. Stäl, Description du genre Copicerus Swartz (Annales de
la soc. entomol. V. p. 337—339. pl 12). — Der Verf. giebt eine Cha-
yakteristik der von Swartz in den Acta Holmiae 1802 aufgestell-
ten, aber von den späteren Autoren nicht gekannten Gattung Copice-
rus, die mit Asiraca und Araeopus in nächster Verwandtschaft steht,
von beiden aber durch die Fühler-, Kopf - und Fussbildung abweicht.
Die von Swartz beschriebene Art C. irroratus von Jamaica wird
hier nochmals charakterisirt und die Beschreibung einer neuen von
Rio-Janeiro, Copicerus Swartzii ‘auf pl. 12 abgebildet, beigefügt. —
Eine Diagnose beider Arten hat der Verf. auch in einem kurzen Ar-
ee
EEE
TEE ATTEEE
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857.) 439
tikel' „Ny art afCopicerus Swartz“ (Öfversigt af. Kongl. Vetensk. Akad.
Förhandl. XIV. 1857. p. 53) gegeben.
Guerin (Historia fisiew de la’isla de Cuba VII. p. 179 ff. pl. XIIl)
eharakterisirte folgende neue Arten von Cuba: Poiocera constellata,
Fulgora (Pseudophana?) Spinolae,:sponsa, Holotus n. g., aus. der Ver-
wandtschaft von Asiraca Latr. und Araeopus Spin., mit weit über die
Augen nach vorn hervortretender Stirn, ausgerandeten Augen, fehlen-
den Öcellen, verlängerten Fühlern, die.zwei Drititheilen der Körper-
länge gleichkommen, aus zwei langen, unterhalb angeschwollenen
Gliedern und einer feinen Endborste bestehen und in der Ausrandung
der Augen: eingelenkt sind ; Schienen mit. langem Enddorne. Art:
Hol. thoracicus, pl. XIII. fig. 17. — Acanonia Servillei und Phalae-
nomorpha tortrie. — Anhangsweise wird ausserdem Holotus obscurus
als n. A. aus Brasilien diagnostieirt. (Die Gattung, Holotus fällt mit
Copicerus Swartz zusammen.)
Montrouzier (Annales des science. phys- de la soc. d'agri-
eulture de Lyon VII, 1. p. 111) beschrieb Flata rubra, flava und ro-
strata als:neue Arten von der Insel Woodlark.
Perris (Annales de la soc. Linneenne de Lyon IV. p. 170 #.):
Delphaz Fairmairei, Aubei und lineata n. A. aus den Grandes-Landes.
Kolenati (Bullet. d.]. soc. imp. des natur. de Moseou 1857. IL)
beschrieb unter dem Namen Tettigometra hexaspina eine neue Art aus
dem Cancasus; Abbildung tab. VI. fig.13.
Membraecina. Neue Arten sind: Centrotus subsimilis, lim-
batus, latimargo, densus,, paripes, cicadiformis, consocius und Mi-
ereune metuenda Walker (Journal of proceed. of the Linn. soe., Zoo-
logy I. p. 163.) aus Borneo, Hoplophora Fairmairei Guerin (Histo-
ria fisica de la isla de Cuba VII. p. 181) von Cuba.
Cicadellina. Zahlreiche neue Arten dieser Familie, auf
Borneo (Sarawak) von Wallace gesammelt, wurden von F. Wal-
ker (Journal of proceed. of the Linnean soc., Zoology T. p.165 fl.)
beschrieben; auf zweı derselben wurden neue Gattungen errichtet
— Zur Gruppe Cereopides gehören: Cercopis semipardalis, delineata,
semirosea , undulifera,, subdolens. — Zur Gruppe Aphrophorides: 1)
Amarusa n. g- (pl.8. fig. 6). Kopf kurz, mit gebogenen Vorderrande,
an den Seiten von gleicher Länge wie in der Mittellinie, die Stirn mit
Querfurchen; das Rückenschild vorn eingedrückt, mit tief ausgebuch-
tetem Hinterrande , das Schildchen verkehrt lanzettlich; Beine sehr
kurz, Flügel spindelförmig. Art: A. picea. Neue Arten: Piyelus in-
effectus, Perinola erelamans, signifera, erpressa. — Zur Gruppe Serri-
pedes: Tettigonia elongata, lineolata, angularis, invadens, scitipenmis,
lepidipennis, eburnea , signifera , polita, glabra, inelinans , diffieilis,
Ledra tubereulifrons , dilatifrons, tenuifrons, longifrons , conieifrons,
planifrons, areuatifrons, ranifrons, obtusifrons, truneatifrons, Epieli-
440 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
nes obliqua. — 2) Isaca n-g. (pl. 8. fig. 7). Körper kurz, Kopf quer,
convex, Stirn quer, Gesicht quer, dreieckig; Fühler sehr kurz mit
langer Borste von mehr als halber Körperlänge; Vorder- und Mit-
telbeine kurz, die hinteren lang mit sehr‘ stachligen Schienen; Flügel
schmal mit sparsamen Adern. Art: J. bipars. — Ferner: Acocepha-
lus discigutta, Coelidia dirigens, pardalis, albisigna, cupraria, Bytho-
scopus, testaceus, metallicus, lateralis, cephalotes, biarcuatus, laeti-
signa, nigrilinea und ignicans.
Montrouzier (Annäles des science. phys. de la soc. d’agri-
eulture de Lyon VII, 1. p. 112) beschrieb Cercopis Boitardi, Centro-
tus rugosus und Tettigonia flavescens als neue Arten von der Insel
Woodlark.
Perris (Annales de la soc. Linndenne de Lyon IV. p. 172 f.)
beschrieb Athysanus maritimus, cinctus , conspurcatus, ornatus, nym-
pheae und Laboulbenei als neue Arten aus den Grandes - Landes. —
An einigen Exemplaren des Athysanus maritimus bemerkte Perris
zwischen den Hinterleibssegmenten einen kleinen, sphärischen, brau-
nen Körper, der nach Art der Strepsipteren-Puppen mit seinem einen
Ende in die Gelenkhaut zweier Segmente eingebohrt war; es eni-
wickelte sich daraus nach Berstung des freien Endes eine Larve, die
später den Gonatopus pedestris als Imago ergab. Nach P.’s Ansicht
ist dieser Gonatopus erst der Parasit eines "anderen Parasiten von
Athysanus, denn abgesehen von dem puppenartigen Körper, aus wel-
chem die Larve hervorging, hatte dieselbe innerhalb jenes noch eine
gespinnstartige Hülle zu durchbrechen.
Aphidina. Das von Herrich-Schäffer herausgegebene
Werk von €. L. Koch: „Die Pflanzenläuse, Aphiden, getreu nach
dem Leben abgebildet und beschrieben, mit 54 fein ausgemalten Ku-
pfertafeln. Nürnberg 1857“ (8. 335 pag.) liegt gegenwärtig abgeschlos-
sen vor. Neben der ausführlichen Beschreibung eines sehr reichhal-
tigen, Materials an einheimischen Aphiden liefert das Buch zugleich
eine bildliche Darstellung sämmtlicher dem Verf. bekannt gewordenen
Arten in stark vergrösserten, colorirten Abbildungen, die zur Deter-
mination dieser schwierigen und ausserdem in brauchbarer Weise
kaum zu conservirenden Geschöpfe gewiss von bedeutendem Nutzen
sein werden, so dass, da der systematische Theil der Arbeit offenbar der
bei weitem unbedentendere ist, die Species-Kenntniss wenigstens da-
durch an Ausdehnung gewonnen hat. Dass in literarischer Beziehung
die Arbeit des Verf. mehrfache Lücken erkennen lässt, indem z. B.
sämmtliche neuere Publikationen von Walker, Westwood, Dahl-
bom u.A., die für die Kenntniss der einheimischen Arten von Wich-
tigkeit sind, darin keine Berücksichtigung erfahren haben, ist schon
früher in diesen Berichten bemerklich gemacht worden; es erklärt
ich diese Unvollständigkeit zur Genüge aus dem Umstande, dass eine
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 441
seit 12 Jahren liegende Arbeit zum grössten Theile unverändert dem
Drucke übergeben worden ist. Was den: Inhalt der in diesen Be-
richten noch nicht näher berücksichtigten letzten Lieferungen des
Werkes (Lief. 8 If., p. 237—335) betrifft, so sind darin folgende Gat-
tungen abgehandelt: Lachnus 9 A., Asipkum (Aphis populi Fab.) 2 A.,
Phyllaphis (Aph. fagi Lin.) 1A., Cladobius (Aph. populea Kalt.) 1A.,
Tozoptera 1 A., Vucuna Heyd. 1A., Glyphina 1 A. (betulae Kalt.),
Schizoneura 4 A., Pachypappa 2 A., Anoecia (Aph. comi Fab.) 1 A.
Mindarus 1A., Prociphilus (Aph. bumeliae Schr.) 3A., Stagona (Aph.
xylostei de Geer) 1 A., Tetraneura Hart. 1A., Pemphigus 2A., Theca-
bius 1A., Tychea 2 A., Amycla 3 A., Trama Heyd. 3 A., Forda Heyd.
2 A., Endeis 2 A., Chermes 2 A., Anisophleba 2 A. (Anhangsweise
folgen am Schlusse noch 4 Aleurodes-Arten). — Kaltenbach, dem
das Manuskript der Koch’schen Arbeit zur Durchsicht vorgelegt wor-
den ist und der dasselbe zum Theil mit synonymischen Bemerkungen
versehen hat, giebt am Schlusse derselben noch eine Reihe nach-
träglicher Bemerkungen, in denen er eine Anzahl von Koch als neu
aufgestellter Arten mit den seinigen identificirt.
R. Neumann (Achter Bericht des Vereins für die Fauna der
Provinz Preussen, Neue Preuss. Provinz. Blätter XI. 1857) hat ein
Verzeichniss der Blattläuse der Provinz Preussen zusammengestellt,
welches 59 Arten der Galtung Aphis, 4 Lachnus, 1 Schizoneura,
I Vacuna, 2 Pemphigus, 1 Tetraneura und 2 Chermes enthält; bei
jeder Art ist die Erscheinungszeit und die Wohnpflanze angegeben.
Gli Afidi, Memoria del Prof. G. Passerini (Estratto dal
giornale J Giardini XI. Giugno 1857. 20 pag- in 8.) ist eine populär
abgefasste Darstellung der Naturgeschichte der Blattläuse, in welcher
über ihre Lebensweise, Fortpflanzung, ihren Schaden, ihre Vertil-
gung u. 5. w. gehandelt wird.
Mittheilungen über die Naturgeschichte der Aphis cerealis Kalt.
machte Kollar (Sitzungsberichte des zoolog.-botan. Vereins VI.
p- 155) ; die Eier wurden zur Ueberwinterung zu 100 in die Stoppeln
der Gerstenfelder gelegt, so dass die ganze Höhlung derselben von
der oberen Oellnung bis zum nächstfolgenden Knoten davon angefüllt
waren,
Parasita.
Aub& (Bullet. de la soc. entomol. V. p. CLVIII) fand
auf einer mit Phthiriasis behaftelen Elster eine Ornithomyia,
welche auf ihrem Körper eine Anzahl Anopluren (die Gal-
tung und Art ist nicht angegeben) trug; er glaubt daraus
442 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen) Leistungen
schliessen zu: dürfen, dass die Ornithomyia. die ‚Vermitllerin
ist, um jene Parasiten auf andere Elstern, die'sich‘in. glei-
chem krankhaften Zustande befinden, zu übertragen, und dass
die Krankheit des Vogels eine nothwendige Bedingung für
die, Existenz der Parasiten abgebe. ,
Der Verf. führt zur Begründung dieser sehr einleuchtenden An-
nahme ein zweites Factum an, welches dieselbe noch mehr bekräf-
ügt; von fünf in einem Stalle befindlichen Kühen, welche mit ande-
ren ihres Gleichen nie zusammenkamen , wurde eine von, der Läuse-
sucht befallen und zu gleicher Zeit von Myriaden von Flöhen heim-
gesucht, ohne dass nur, ein einziger derselben sich auf den übrigen
Kühen auffinden liess. Diese Parasiten wurden nach Aube offenbar
ebenfalls durch Dipteren (Hippobosca, Tabanus, Oestrus) auf die Kuh
übertragen und vermehrten sich, durch die für ihre Existenz günstigen
Bedingungen der Hautkrankheit, in ausserordentlicher Weise. Aehn-
liches lässt sich oft bei jungen Hunden beobachten ; sowohl bei die-
sen als in dem eben angeführten Falle sind die Flöhe offenbar nicht
als, Ursache, sondern als Folge der Krankheit anzusehen ; der eigen-
thümliche, Geruch, der durch die Hautaffektion bewirkt wird, lockt
die Parasiten an.
Eine in Chr. Nitzsch’s handschriftlichem Nachlasse
befindliche Charakteristik der Federlinge, Philopterus, hat Gie-
bel in der Zeitschrift für die gesammt. Naturwiss. IX. p. 249
— 263 abdrucken lassen. Sie liefert eine ausführliche Schil-
derung des äusseren Körperbaues der Philopteriden, deren
Kenntnissnahme zu einpfehlen ist.
„Parasilica in Nederland waargenomen door R. T.Mait-
land,“ (Bouwstoffen voor eene Fauna van Nederland Il.
p- 303—309.) Verf. liefert eine Zusammenstellung der von
ihm: in den Niederlanden beobachteten Parasiten, welche er
nach Nitzsch, Walekenaer und Denny bestimmt hat
und die er mit deren Citaten aufführt. Von Pediculinen wer-
den 1 Phthirius, 8 Haematopinus und 3 Pediculus, von Mal-
lophagen 1 Ornithobius , 2 Goniocotes, 3 Goniodes, 10 Li-
peurus, 6 Nirmus, 15 Docophorus, 5 Trichodectes, 7 Colpo-
cephalum, 2 Menopon, 4 Trinotum, 2 Laemobothrium, 1 Phy-
sostomum, und 1 Gyropus angeführt.
im. Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 443
2. Myriapoden.
Das weiter unten (siehe. Crustaceen) nochmals er-
wähnte „Beschreibende Verzeichniss, der Myriapoden und Cru-
staceen Graubündtens“ von Am Stein (Jahresbericht d. na-
turforsch, Gesellsch. Graubündten’s 1855. 1. p. 112—148) lie-
fert nach den von Giebel in der Zeitschr. f. d. gesammt,
Naturwiss. IX. p. 552 gegebenen Mittheilungen eine Aufzäh-
lung und Beschreibung der dort, einheimischen Myriapoden,
unter denen mehrere als neu angesehen werden.
Die einzelnen Gattungen sind folgendermassen vertreten: Po-
lyxenus 1, Glomeris 4, Julus 8, Blanniulus 2, Craspedosoma 4, Chor-
deuma 1, Polydesmus 2, Lithobius 8, Cryptops 1, Geophilus 3, Pa-
chymerium 1, Stenotaenia 1, Linotaenia 2, Von diesen sind folgende
Arten neu: Glomeris alpina, Julus transversosulcatus, Blanniulus
fuscus, Craspedosoma rhaeticum, angulosulcatum, gibbosum, Lithobius
pilosus.
Die in den Niederlanden vorkommenden Myriapoden
verzeichnete F. Maitland („Nederlandsche veelpootige In-
sekten“ in Herklots’ Bouwstoffen voor eene Fauna van Ne-
derland Il. p. 284—286). Aus der Familie der Juliden wer-
den 1 Polyxenus, 3 Polydesmus, 5 Julus und 2 Glomeris,
aus der Familie der Scolopendren: I Scutigera, 4 Lithobius,
2 Cryptops und 6Geophilus aufgezählt, mit Citaten aus Wal-
ekenaer und Koch und mit Bemerkungen über ihr Vor-
kommen versehen,
Chilognätha. Waga (Annales de la soc. entomol. V.
p. 829 M.) beschrieb unter dem Namen Gervaisia costata eine neue
Gattung und Art aus den Karpathen, welche sich von Glomeris nur
durch die Anzahl der conglomerirten Augen, fünf jederseits, unter-
scheidet. Die! kreideweiss gefärbte Art hat durch die. rauhe Ober-
fläche und die verdickten , aufgebogenen Ränder der Körpersegmente
ein sehr zierliches Ansehn; sie, ist auf pl. 14, No. 4 abgebildet.
3. Crustaceen.
Burmeister behandelte in seinen „Zoonomischen
Briefen“ (Leipzig, Wigand 1856, 2 Theile 8.), in welchen
er eine allgemeine Darstellung der thierischen Organisation
444 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
zu geben versucht, von den Gliederthieren (Th. Il. p. 326—
451) nur die Crustaceen, Arachniden und Myriapoden, wäh-
rend die eigentlichen Insekten, wenn das Werk überhaupt
weiter fortgesetzt wird, für den dritten Band ‘aufgespart sind.
Die Arthropoden bilden nach der Ansicht des Verf., wie er
dies schon in früheren Werken kund gegeben hat, zusam-
men mit den Würmern die grosse Abtheilung der Glieder-
thiere und sind im Gegensatze zu jenen als „heteronome
Gliederthiere mit constantem Numerus“ anzusehen. Als Cha-
raktere der Crustaceen hält er auch hier noch die von ihm
als constant angenommene Zahlenverhältnisse der Brustka-
stenringe fest, „welche niemals die einfache Grundzahl der
Ringe enthalten dürfen, sondern stets ein Multiplum dersel-
ben sind,“ wobei freilich für die Malacostraceen als Grund-
zahl 5, für die Entomostraceen dagegen 3 angenommen wird,
und wo beide nicht zutreffen, das supponirte Eingehen des
einen oder anderen Ringes als Aushülfe dienen muss. Ge-
wiss ist der Nachweis einer Gesetzmässigkeit in Zahlenver-
hältnissen von grossem Werth, wenn er sich überzeugend
führen lässt; ihn jedoch durch Addition oder Subtraktion,
je nach Bedürfniss , herbeizuführen, ist gewiss misslich, da
dann natürlich die Gültigkeit des Prinzips in Frage gestellt
wird; wenn der Verf. z. B. den siebenten Ring des Hinter-
leibs bei den Malacostraceen als einen solchen ansieht, der
nicht mitgezählt werden darf, nur um die Zahl 5 als allge-
meingültige Grundzahl für die Hinterleibsringe der Arthro-
poden aufzustellen, so kann man gewiss mit Recht Zweifel
an der Gültigkeit dieser Zahl überhaupt erheben, abgesehen
davon, dass sie auch in vielen anderen Fällen (die Libellen
haben z. B. abweichend von der sehr verbreiteten Zahl 9
der Hinterleibsringe der Insekten 11 solcher) sich keines-
wegs conslant erweist. — Die Myriapoden sieht der Verf.
bekanntlich als eine besondere Abtheilung |der Arachniden -
an, eine Ansicht, die er auch in dem vorliegenden Werke
von Neuem geltend zu machen sucht; er stellt sie den ei-
gentlichen Arachniden als „homonome Gliederthiere mit ge-
gliederlen, nur fussartligen Bewegungsorganen und innerer
Tracheen-Respiralion“ gegenüber.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 445
Derselbe verfocht in einem Aufsatze „Noch einige
Worte über die systematische Stellung,‘ der Räderthiere*
(Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie VIII. p. 152 ff)
nochmals die zuerst von ihm aufgestellte Ansicht, dass die
Rotatorien der Classe der Crustaceen beizuzählen seien, be-
sonders durch den von Vogt gegen Leydig geäusserten
Widerspruch veranlasst. Von dem Grundsatze ausgehend,
dass es in der Systematik keinen Charakter gebe, von dem
nicht bis zu einem gewissen Grade Ausnahmen vorkommen
könnten und unter den Insekten als analoges Beispiel die
Strepsipteren anführend, welche Coleopteren seien (zu denen
sie aber unter allen Insektenordnungen gewiss am wenigsten
gehören), sucht der Verf. die Rotatorien nur als einen in
mehrfacher Hinsicht aberrirenden Typus der Crustaceen dar-
zustellen. Entscheidende Charaktere für ihre Krebsthier-Na-
iur findet er zuvörderst in der Zahl 6 der Thoraxringe, die
bei den Entomostraceen Iypisch sei, sodann in der Lage der
Genilalöffnung beim Beginne des Hinterleibs; der mit zwei
Kiefern bewaffnete Schlundkopf der Rotatorien entspreche
dem Mundkieferpaare der Entomostraceen. Was an den Ro-
tatorien der Crustaceen - Natur widerspricht, wie die Lage
der Räderorgane am Kopftheile , die Flimmerbewegung an
mehreren Organen u. s. w., spricht er dagegen als Charak-
lere von geringer systematischer Bedeutung an. — Jeden-
falls kann eine Frage, wie die vorliegende, durch so exclu-
siv subjective Beurlheilung der entscheidenden Punkte nicht
zum Abschlusse gebracht werden.
Ein Artikel von Dana über die Olassifikalion der Cru-
staceen ist aus seinem grossen Werke in der United - States
exploring Expedition nochmals einzeln in Silliman’s Ameri-
can Journal of science and arts, Vol. XXI. p. 14—29 ver-
öffentlicht worden. („A review of Ihe classification of Cru-
stacea wilh reference to certain principles of classification,
by James D. Dana.“) Der Verf. legt seiner Classifikalion
die Idee zu Grunde, dass bei.den höchst entwickelten For-
men eine Centralisation, bei den niedrigeren dagegen eine
allmählig grössere Entfernung der Hauptkräfte (wohl besser
Organe) von einander sich kundgebe. Wenigstens sucht er
446 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
die Verwirklichung dieser Idee bei dem ersten Haupitypus
der Crustaceen, den Decapoden nachzuweisen und er glaubt
die Centralisalion der Kräfte hier eine „Cephalisalion“ nen-
nen zu können , indem der grössere Theil der Organe sich
den Funktionen des Kopfes (Mund- und Sinneswerkzeuge)
accomodire.
Insofern stellt er als den höchst entwickelten Typus die
Majaceen- Gruppe auf, bei welcher durch die Annäherung der Füh-
ler und der Augen auf einen möglichst engen Raum die stärkste
Centralisation bewirkt ist. Eine verminderte Centralisation tritt
nun zuerst durch die Erweiterung des Raumes zwischen den Füh-
lern (Parthenopiden, Cancriden) auf, eine zweite in einer Erweite-
rung der äusseren Maxillarfüsse (Cancer, Lupea, Corystoiden), eine
dritte in der Verlängerung der Fühler (Corystoiden ); dazu kom-
men als fernere Kennzeichen einer verminderten Centralisation die
Verbreiterung des Sternum und Abdomen (Grapsoiden), der ver-
minderte Anschluss des Hinterleibs an den Cephalothorax (Cory-
stoiden), die ‚grössere Entfernung der Vulvae von einander (Dro-
mia), das Schwinden der innern Fühlergruben (Latreillia) u. s. w.
Bei den Anomuren zeigt sich sodann in dem Mangel der Augengru-
ben, dem Treten des zweiten Fühlerpaares auf die Aussenseite der
Augen, der fussähnlichen Bildung der äusseren Maxillarfüsse, der Ver-
längerung des Hinterleibs cine weitere Decentralisation der Organe,
welche bei den Macrouren und den Squillen ihre weitere Ausbildung
erreicht. — Bei den übrigen von Dana angenommenen Primaer-Ty-
pen der Crustaceen, den Tetradecapoden, Entomostraceen, Cirrhipedien
und Rotatorien versucht der Verf. einen ähnlichen Nachweis, stösst
jedoch hier (besonders bei den Entomostraceen, wo die Mannigfal-
tigkeit der Körperbildung eine viel grössere ist) auf bedeutende
Schwierigkeiten, wie sie bei dergleichen theoretischen Versuchen sehr
natürlich sind.
Claus (dies. Archiv. f. Naturgesch. XXIII, 1. p.3 f.)
machte einige Bemerkungen über „das System der Crusta-
teen so wie über die Stellung der Cyclopiden in demselben.“
Der Hermaphroditismus der Cirrhipedien scheint dem Verf.
keinen Grund abzugeben, sie nicht als mit den übrigen En-
tomostraceen nahe verwandt anzusehen (Zenker), da der-
selbe augenscheinlich durch die festsitzende Lebensweise
der entwickelten Individuen bedingt werde. Die Annäherung
von Argulus an die Branchiopoden (Zenker) missbilligt
er, glaubt vielmehr eine nähere Verwandtschaft mit den hö-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857., 447
heren Parasiten (d. h. Caligiden u. s. w;) nachweisen zu
können ; dagegen schliesst er sich der Zenker’schen Verei-
nigung der Copepoden mit den Siphonostomen an, will’jedoch
beide zusammen den Lernaeen gegenüberstellen, indem, wie
er meint, die höheren Siphonostomen nur temporär , die
Lernaeen dagegen zeitlebens schmarotzten (als wenn die Lar-
ven der Lernaeen nicht eben so frei herumschwömmen wie
die der Caligiden! Ref.), erstere auch durch. den Besitz
von Ruderfüssen ausgezeichnet seien (die, nach Brühl’s
jüngster Entdeckung aber den Lernaeen ‘auch nicht feh-
len! Ref.).
Der um die Kenntniss der Wirbelthier - Fauna des In-
dischen Archipels hochverdiente Dr. P. Bleeker hat jetzt
damit begonnen, auch den Crustaceen der Sunda-Inseln seine
Aufmerksamkeit zuzuwenden und im zweiten Theile der Acta
Soecietalis Scientiarum Indo-Neerlandicae (Verhandelingen der
Natuurkundige Vereeniging in Nederlandsch Indiö, Deel I.
Batavia 1857) unter dem Titel: „Recherches sur les Crusta-
ces de l’Inde archipelagique“ zwei Abhandlungen veröffent-
licht, von denen die eine „Sur les Decapodes oxyrhinques
de l’Archipel Indien“ eine Aufzählung und Beschreibung der
den Sunda-Inseln eigenthümlichen Majaceen, die andere „Sur
les Isopodes Cymothoadiens de l’Archipel Indien“ ein Glei-
ches für die parasilischen Isopoden , welche Bleeker wäh-
rend seiner langjährigen ichthyologischen Studien ‚auf ver-
schiedenen Fischen gefunden und gesammelt hat, liefert. Wenn
es in der ersten Abhandlung an neuen Arten, die hier zu-
erst beschrieben werden, nicht fehlt, so ist die letzte ganz
besonders reich daran, indem von den siebzehn aufgezählten
Cymolhoaden überhaupt nur eine bisher bekannt war; die-
selben werden auf zwei beifolgenden Tafeln zugleich sämmt-
lich abgebildet,
W. Stimpson hat in seinen „Prodromus descriptio-
nis animalium evertebratorum, quae in expedilione ad Ocea-
num Pacificum septentrionalem, a Republica Federata missa,
observavit* (Proceed. of the acad. of natur. science. of Phi-
ladelphia 1857. p. 216 ff.) auch die auf der Expedition ge-
sammelten Crustaceen aufzuzählen und zu beschreiben be-
448 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
gonnen; der bis jetzt. vorliegende Theil der Arbeit erstreckt
sich auf die Brachyura oxyrrhyncha.
Derselbe lieferte in einer zweiten Arbeit: „The Cru-
stacea and Echinodermata of the Pacific shores of North-Ame-
rica, by W. Stimpson,“ (Cambridge 1857. 8. 92 pag. c.
tab. 6; auch enthalten im Journal of the Boston society of
natural history, Vol. VI) eine Aufzählung der an der West-
küste Nord-Amerika’s aufgefundenen Crustaceen, nebst einer
Beschreibung und Abbildung der darunter enthaltenen neuen
Gattungen und Arten. Die verzeichneten Arten gehören fast
ausschliesslich den Ordnungen der Decapoden, Isopoden und
Amphipoden an und vertheilen sich auf die einzelnen Grup-
pen folgendermassen: Brachyura 38, Anomura 26, Macroura
31, Stomatopoda 1, Isopoda 19, Amphipoda 20 und Poecilo-
poda 1. Auch viele der früher beschriebenen Arten werden
nochmals ausführlicher charakterisirt und zum Theil mit Be-
merkungen über ihre Synonymie versehen; besonders gilt
dies auch von mehreren Arten, welche vom Verf. schon im
Jahre 1855 in den Proceedings of the Californian Academy
of natur. scienc. (einer dem Ref. bisher unzugänglichen Zeit-
schrift) bekannt gemacht worden sind. Die neu aufgestellten
Gattungen und Arten sind zum grössten Theile auf sechs
beifolgenden Tafeln abgebildet worden.
Desselben Verf.’s „Notices of new species of Crustacea
of Western North America“ in den Proceedings of Ihe Bo-
ston society of natural history VI. p. 84—89 enthalten nur
vorläufige Charakterisliken der in der oben erwähnten Arbeit
ausführlicher beschriebenen Arten.
In dem schon oben (Insekten) erwähnten 7. Theil der
von Ramon de la Sagra herausgegebenen Historia fisica,
politica y nalural de la isla de Cuba (Crustaceos, Aragnides
& Insectos. Paris 1857. lol.) sind die Crustaceen (p. VI—
XXIN. tab. 1—3) von Gu&rin-Meneville bearbeitet wor-
den. Näheres siehe unter Insekten!
Eine grössere Anzahl von Crustaceen verschiedener Fa-
milien (Decapoden, Amphipoden und Isopoden) aus Mittel-
Amerika machteH. de Saussure (Rev. et Magas. de Zoo-
logie IX. p, 99—102. p. 304—308 und p. 501—505) vorläufig
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 449
durch Diagnosen bekannt. „Diagnoses de quelques Crustaces
nouveaux de l’Amerique tropicale* und „Diagnoses de quel-
ques Crustaces nouveaux des Antilles et du Mexique.“
Philippi hat (dies. Archiv f. Naturgesch. XXIII, 1.
p. 124—129 und p. 319—329. Taf. 8 und 14) mehrere zum
Theil sehr interessante neue Crustaceen-Formen von der
Küste Chile’s beschrieben und abgebildet. Dieselben gehö-
ren hauptsächlich den Stomatopoden, zum Theil auch den
Decapoden an.
v. Martens machte interessante Mittheilungen über
einige (Fische und) Crustaceen Italiens (dies. Archiv f. Na-
turgesch. XXIII, 1. p. 149—204. Taf. 10); dieselben enthal-
ten Beobachtungen über lebende Telphusa fluviatilis (p. 160),
Beschreibungen einer neuen Caride und eines Isopoden
(p. 158 ff.) und Bemerkungen über das Vorkommen mariner
Crustaceen-Formen im süssen Wasser (p. 188 u. 192).
Burgersdijk, „Land- en Zoetwaler -Schaaldieren“
(in Herklots’ Bouwstoffen voor eene Fauna van Nederland 1.
p- 164—167) lieferte eine systematische Aufzählung der bis-
her in den Niederlanden aufgefundenen Crustaceen. Im Gan-
zen sind 31 Arten genannt, und zwar 1 Decapode, 2 Am-
pbipoden, 8 Isopoden, 1 Phyllopode, 10 Cladoceren, 3 Ostra-
coden, 2 Copepoden, 2 Siphonostomen und 1 Lernaeide.
Ein beschreibendes Verzeichniss der Myriapoden und Cru-
staceen Graubündtens lieferte Aım Stein im Jahresberichte
der nalurforsch. Gesellsch. Graubündtens 1855. I. p. 112—148.
Da dem Ref. die Arbeit nicht selbst vorgelegen hat, muss
er sich darauf beschränken, den von Giebel (Zeitschrift f.
d. gesammt. Naturwiss. IX. p. 552) gegebenen Bericht hier
mitzutheilen.
Nach diesem liefert der Verf. eine Aufzählung der in Grau-
bündten einheimischen Crustaceen nach der Koch'schen Nomenklatur,
indem er, zugleich von jeder Art eine Beschreibung entwirft. Die
Arten gehören folgenden Galtungen an: Astacus 2, Gammarus 1, Ar-
madillo 3, Itia 1, Trichoniseus 1, Porcellio 9, Oniscus 1. Neue Ar-
ten sind nicht beschrieben.
„Museum of natural history. — List of British Crusta-
cea“ (Journal of the Royal society of Dublin ]. p. 104—110).
— Ein Namens-Verzeichniss der (im Dubliner Museum belind-
Archiv f. Naturgesch. XXIV. Jahrg. 2. Bd, DD
450 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
lichen?) Englischen Decapoden und Stomatopoden; ist /ohne
Interesse.
A. White, A popular history of ‚British Crustacea,
comprising a familiar account of their classification ‚and ha-
bits, (London, Reeve 1857. 12.) ist in den Annals and magaz,
of nat. hist. XX. p. 141 angezeigt.
Fossile Crustaceen.
Den Brachyuren angehörig ist eine von de Berville
(Bullet. de la soc. geologique de France XIV. p. 108 ff. pl. 1)
beschriebene und abgebildete Art, aus dem Grobkalke des
Pariser Beckens, welcher der Name Pseudocarcinus Chauvinü
beigelegt wird.
Zu denNotopoden würden „Einige neue Krebse aus der
Mästrichter Tuffkreide,* von v. Binkhorst (Verhandl. des
Naturhist. Vereins der’Preuss. Rheinl. und Wesiphalens XIV.
p. 107—110. Taf. 6, 7) beschrieben und abgebildet, zu rech-
nen sein.
Es sind Notopocorystes Mülleri, Eumorphocorystes (n. g.) scul-
ptus, mit der vorhergehenden Gattung zu denjenigen Formen ge-
hörend , welche zwischen Corystes und Homola die Mitte halten,
übrigens von Notopocorystes wenig verschieden, indem nur die brei-
ten , stumpfen Zähne des Stirnrandes und die eigenthümliche Skulptur
der Oberfläche (der Abbildung nach) sie davon abtrennen. Die; dritte
beschriebene und abgebildete Art ist Dromilites Ubaghü.
Eine neue Macrouren- Form ist der von C. Gould
(Quarterly Journal of the geolog. soc. of London XJII. p. 360 ff.)
beschriebene und abgebildete Tropifer laevis.. „Description
of anew fossil Crustacean from the Lias Bone-bed ,* by
Charles Gould.
Von dem auf p. 361 im Holzschnitte dargestellten Fossil ist der
Cephalothorax und die drei ersten Abdominalsegmente bekannt ge-
worden, welche allerdings von so eigenthümlicher Bildung sind, dass
man mit dem Verf. über die systematische Stellung des Thieres in
Zweifel bleiben kann. Nach der Form des Cephalothorax und den
seitlich stehenden Augen tritt es in Beziehung zu den Loricaten
(Scyllarus), von denen es durch den Mangel der verbreiterien An-
tennen abweicht; unter den Astaciden zeigt Nephröps in der Furchen-
bildung der Oberfläche einige Aehnlichkeit. “Die Gattungsdiagnose
des Verf. lautet: „Carapace Haltened, keeled, slightly donger' than
i3
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857: 451
hroad, truncate in front, and having the ‘posterior angles slightly
produced; eyes large, remote; abdomen somewhat flattened, sculp-
tured,“
E. v. Otto, „Callianassa 'antigua aus dem unteren Quader
von Malter in Sachsen“ (Allgem, Deutsche Naturhist. Zeitung Ill. 1857.
p- 212f.). Der Verf. stellt das Vorkommen des Fossils im unteren
Quader fest und beschreibt die zum Theil sehr schön erhaltenen, da-
selbst aufgefundenen Reste.
Als wahrscheinlich den Stomatopoden angehörig bezeich-
net Huxley ein von ihm (Quarterly Journal of Ihe geo-
log. soc. of London XIII. p. 363— 369. pl. XIII) beschriebe-
nes und abgebildetes Crustaceum von sehr absonderlicher
Form, welches er Pygocephalus Cooperi nennt. „Description
of a new Crustacean from the Coal Measures.*
Das Fossil zeigt sieben kurze Thoraxsegmente, an deren Sei-
ten deutliche Krebsbeine eingelenkt sind und die allmählig an Breite
abnehmen ; an das breiteste reiht sich ein grosses, dreilappiges Schild,
einigermassen an den Thorax der Trilobiten erinnernd, an, wogegen
sich nach der Seite des schmalsten Ringes hin fühler- und scheeren-
artige Organe bemerkbar machen. Das grosse dreilappige Schild,
welches der Verf. zuerst für den Vordertheil (Cephalothorax) zu hal-
ten geneigt war, spricht er nach näherer Untersuchung von drei Exem-
plaren als stark erweitertes Endstück des Schwanzes an, wie es bei
den Squillen vorkommt; überhaupt glaubt er diese und Mysis als die
nächsten Verwandten des nach seiner Ansicht zu den Pödophthalmen
gehörenden Thieres annehmen zu müssen.
Symonds machte Mitiheilungen über eine neue Art
von Eurypterus aus dem älteren rolhen Sandstein in Here=-
fordshire (British Associat. for Ihe advanc. of science 1857,
Edinburgh new philosoph. Journ. new ser. VI. p. 257), wel-
che zusammen mit Silurischen Fischen und Muscheln aufge-
funden wurde und von Salter als Eurypterus Symondsü
beschrieben werden soll.
Neue Trilobiten wurden von W. Thomson ,On some
species of Acidaspis from Ihe Lower Silurian Beds of the
soulh of Scotland“ und J. W. Salter „On two Silurian
species of Acidaspis, from: Shropshire* (Quarterly Journal
of the geolog. soc. of London Älll. p-206—211. pl. 6), be
kannt gemacht.
Von Thomson wurden beschrieben und abgebildet: Acidaspis
Laläge, hystriz, cullipareos, unica, von Salter: Acidaspis coronala
452 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
(A. Brightii Salter antea) und die schon früher ‘bekannt gemachte
Acidaspis Caractaci.
J. W. Kirby (ebenda p. 213 ff. „On some Permian Fossils
from Durham“) beschrieb einige Exemplare des Prosoponiscus pro-
blematieus (Trilob. problem. Schloth.) und bildete dieselben auf pl.7
ab ; nach einer dem Verf. zugekommenen Mittheilung von Bates will
dieser das Thier den Isopoden beizählen.
Im Journal of the Royal society of Dublin I. pl. 6 werden Ab-
bildungen verschiedener Exemplare von Cromus areticus Haughton, die
vom Capt. M'Clintock aus den arktischen Gegenden mitgebracht
wurden, gegeben.
Den schon von Linne aus Schweden beschriebenen Paradoxi-
des Tessini fand Römer auch in silurischem Quarzfels bei Freiburg
in Schlesien (Zeitschr. d. deutsch. geolog. Gesellsch. IX. p. 511).
Giebel (Zeitschr. f. d. gesammt, Naturwiss. IX. p.382 fF
Taf. 6) machte unter dem Namen Buria rugosa eine neue
fossile Crustaceen -Fornı bekannt, die mit Sculda pinnata
Münst. Achnlichkeit hat und die der Verf. zu den Isopoden
rechnen will. (Ob nicht Decapode ?)
R. Jones „Note on the Estheria minuta“ (Quart. Jour-
nal of the geolog. soc. of London, Novbr. 1856, Annals and
Magaz. of nat. hist. XIX. p. 104). Der Verf. hat sich davon
überzeugt, dass das genannle kleine Fossil der Triasforma-
tion nicht zu den Mollusken, sondern zu den bivalven Phyl-
lopoden gehört und mit Limnadia. nahe verwandt ist. Er
erörtert. die ‚geographische Verbreilung der Gallung, die
nicht’ nur ‘in’ England, sondern auch in Nord- Amerika und
Indien aufgefunden worden ist,
Desselben Monographie ‘der Britischen tertiären Ento-
mostraceen (in den Schriften der Palaeontograph. society: of
London 1856), worin'54 Arten beschrieben sein sollen, liegt
dem Ref. nicht zur Einsicht vor.
Entomostraceen aus der Trias Thüringen’s machte v.
Seebach (Zeitschr. der Deutsch. Geolog. Gesellsch. ‚IX.
p- 198—206. Taf.8) bekannt; sie. sind bisher nur'in den'bei-
den oberen ‘Formationen ‚der Trias, dem Muschelkalk und
Keuper aufgefunden worden.
Als Ostracoden des Keupers werden beschrieben und abgebil-
det: Bairdia Pirus, procera, teres und ‚Cythere dispar; die’erstere
dieser Arten scheint auch im ‚Muschelkalk vorzukommen. Ebenfalls
Fl En 400
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 453
aus dem Keuper stammt eine neue Art der Poeeilopoden-Gattung Ha-
lieyne, welche unter dem Namen Hal. plana bekannt gemacht wird;
zugleich werden die Charaktere der Gattung näher erörtert.
Boll (ebenda VII. p.321—324) beschrieb Beyrichia Jonesii,
spinulosa und hians als neue Arten, in den silurischen Geröllen Mek-
lenburgs aufgefunden.
Decapoda.
Haeckel, de telis quibusdam Astaci fluvialilis. Dis-
sert. inaug. _ Berolini 1857, liegt dem Ref. augenblicklich
nicht zur näheren Einsicht vor.
Remarks on the habits and distribution of Marine Cru-
slacea on the eastern shores of Port Philip, Victoria, Au-
stralia; with descriplions of undescribed species and genera,
by J. R. Kinahan (Journal of the Royal Dublin society 1.
p-. 111-134. pl. 3,4). Der Verf., welcher sich während eines
sechswöchentlichen Aufenthalts in Port Philip mit dem Sam-
meln und Beobachten der daselbst vorkommenden Decapoden
beschäftigt hat, giebt in der vorliegenden Abhandlung eine
Zusammenstellung und Beschreibung der von ihm aufgefun-
denen Arten, 16 an Zahl, welche zum grössten Theile den
Brachyuren angehören. Von den fünf darunter befindlichen
neuen Arten werden zwei zu besonderen Gattungen (den
Catomelopa und Oxystomata angehörig) erhoben; sowohl
diese als einige andere bisher nicht abgebildete Arten sind
auf den zwei beifolgenden Tafeln dargestellt.
Desselben „Remarks on Crustacea collected in Peru, the
High-Seas and Soulh- Australia, with descriptions of unde-
scribed species“ (ebenda p. 328—352. pl. 14) erstrecken sich
in gleicher Weise nur auf die Ordnung der Decapoden, von
denen im Ganzen 27 an den genannten Lokaliläten gesam-
melte Arten aufgezählt, mit Bemerkungen begleitet und die
darunter befindlichen fünf neuen Arten eingehend beschrieben
und auf der beifolgenden Tafel abgebildet werden.
Derselbe „On a Crangon new lo science, wilh noli-
ces of olher nondeseript Crustacea and observalions of the
distribution of the Crustacea Podophthalına of the Eastern or
Dublin marine distriet of Ireland“ (Natural history review,
Proceed. of societ. p. 80 ff.) zählte 29 an der Irischen Küste
454 Gerstaecker: Bericht über ‚die wissenschaftlichen Leistungen
bei: Dublin vorkommende Decapoden auf, von denen er drei
ci Crangon, 1 Pagurus und 1 Porcellana) für neu hält und
beschreibt. In einem zweiten Artikel „On Xantho rivulosa
and other Decapodous Crustacea oceurring at Valentia Island«
(ebenda p. 58—69) zählt derselbe ebenfalls eine grössere Reihe
Irischer Arten aus der Ordnung der Decapoden auf, welche er
mit Nolizen über ihre Verbreitung‘ s. w. begleitet.
Spence Bate („Onthe development of Carcinus Mae-
nas,® Proceedings of Ihe Royal society of London, June 1857,
Annals and magaz. of nat. hist. XX. p.297) wies die zuerst
von Thompson gemachte Beobachtung, dass die Gattung
Zoöa (in der Milne Edwards eine Jugendform von Ano-
muren vermulhet) der Larvenzustand von Carcinus sei, durch
Darlegung der allmähligen Uebergangsstufen zwischen Zo&a
und Megalopa einerseits und zwischen Megalopa und Carci-
nus andererseits, als begründet nach. Beim Ausschlüpfen
aus dem Eie fehlt, dem Verf. zufolge , den Brachyuren das
letzte (siebente) Segment des Kopfes, eins oder mehrere des
Thorax und das vorletzte des Hinterleibs; je mehr abwärts
in der Reihe der Formen ein Cruslaceum steht, desto mehr
nähert sich die Larvenform der des ausgebildeten Thieres.
(Gegen die Richtigkeit dieser Theorie liessen sich nach bei-
den Seiten hin mehrfache Beispiele anführen. Ref.) Die An-
hängsel, welche die wesentlichen Theile der Larve ausmachen,
werden zu secundären Theilen der entsprechenden Organe
beim erwachsenen Thier, wie z. B. die unteren Antennen der
Larve durch den Fühleranhang des ausgebildeten Krebses re-
präsentirt werden; der wirkliche Fühler des letzteren ent-
wickelt sich aus der Basis des Embryo-Fühlers, welche nach-
her als schuppenförmiger oder dornartiger Anhang bei den
Macrouren auftritt. Die Rudimente der künftigen Beine hat
der Verf. kurz nach dem Ausschlüpfen der Larve be-
obachtet.
In Rücksicht auf den von Spence Bate gelieferten Nachweis
des Zusammenfallens von Zoöa und Megalopa als Jugendformen mit
Cartinus sieht sich Ref. veranlasst, hier zugleich einige von Guerin
und Philippi hunter jenen Gattungen beschriebene und abgebildete
Fornien aufzuführen. Gu&rin (Historia fisica de la isla de Cuba VII.
p. XX ff. Tab. III) machte Zoea Leachii, Souleyetii, Boscii und West-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 455
woodii alsın. A. von Cuba bekannt und fügt denselben unter dem
Namen Zoeides Guepratii zugleich eine neue Gattung bei, die sich von
Zo&a durch die hornige Consistenz des Cephalothorax, welcher glok-
kenförmig ist und in einen langen, geraden Schnabel endigt (und
daher in seiner Form einigermassen an einen Gänseschädel erinnert),
unterscheidet. ‘Das erste und zweite Fusspaar ist mit einem geissel-
artigen Anhang versehen, der in einenBüschel langer Borsten endigt;
das’ letzte Abdominalsegment ist gross, rund, scheibenförmig, (das letzte
Abdominalfasspaar in zwei Lamellen auslaufend. Abbildung Tab. IN.
Fig: 8.
Philippi beschrieb (dies. Archiv für Naturgesch. XXIII, 1.
p-828. Taf; 14. Fig. 5) als neue Art von der Chilenischen Küste:
Megalopa Valdiviana, die demnach wahrscheinlich die Larve einer
mit Careinus nahe verwandten Gattung ist.
Eine der merkwürdigsten und interessantesten von den
bis jetzt bekannt gewordenen Larven-Formen der Decapoden
ist die von Couch (Natural history review IV., Proceed. of
societ. p. 251. pl. XVII) beschriebene und abgebildete der Gat-
tung Palinurus, welche nach der Abbildung gewissermassen
an Phyllosoma erinnert. Der Cephalothorax der aus dem Ei
geschlüpften Palinurus- Larve ist kurz eiförmig, halbkuglig
gewölbt, vorn in einen kurzen, stumpfen Fortsatz 'endigend;
die Augenstiele, zu beiden Seiten dieses Stirnfortsatzes ent-
springend, sind so lang wie der Cephalothorax selbst. Der
Hinterleib ist schmal, sechsringlig, die vier ersten Ringe je-
derseils einen langen, peitschenartigen Anhang, der vielglie-
drig und bald nach dem Ursprunge zweitheilig ist, tragend;
jeder dieser Theile endigt in eine lange Borste.
Brachyura, Oxyrrhyncha. — Ueber die den Sunda-
Inseln eigenthümlichen Majaceen hat P. Bleeker „Sur les Decapo-
des oxyrhinques de l’Archipel Indien“ (Acta societ. scient. Indo-Neer-
landicae, Vol. II) nähere Auskunft gegeben. Durch die früheren Au-
toren, wie Latreille, Leach, Gu&rin, Milne Edwards und
White waren im Ganzen 15 Arten von dorther bekannt geworden;
diesen werden von Bleeker Sandere hinzugefügt, von denen zwei
schon anderweitig aufgefunden worden waren, die sechs übrigen als
neu beschrieben werden. Diese Arten vertheilen sich auf die Grup-
pen und Gattungen folgendermassen: 1) Inachoiden: Camposcia 1,
Egeria 1, Doclea 6. 2) Majoiden: Micippe 1, Chorinus1, Criocarei-
nus 1, Zebrida 1. 3) Parthenopiden: Lambrus 6, Parthenope 2, Go-
natonotus I, Ceratocareinus1, Oethra 1. Im Ganzen 12 Gattungen mit
28 Arten. Die Verbreitung dieser Arten erläutert der Verf. dadurch,
456 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
dass er für jede der grösseren Inseln (Java, Sumatra, Borneo, Cele-
bes) oder der Insel-Gruppen (Molukken) die ihnen‘ zukommenden
aufzählt. — Als neue Arten werden beschrieben: Doclea hybridoidea
von der Westküste Sumatra’s, macracanthus von Amboina, microchir
von der Westküste Sumatra’s, Sebae (Araneus seu Cancer marinus ro-
tundus Seba) von Sumatra und Amboina, brachyrrhynchos von der
Westküste Sumatra’s, Lambrus Rumphii (Cancer longimanus minor
Rumph) von’ Amboina. Die bereits beschriebenen Arten sind mit aus-
führlicher Synonymie aufgeführt und werden mit Bemerkungen über
Vorkommen, besondere Eigenthümlichkeiten der dem Verf. vorliegen-
den Exemplare u. s. w. begleitet.
Die auf einer von den Vereinigten Staaten veranstalteten Welt-
umsegeltng erbeuteten Majaceen hat W. Stimpson (Proceed. of the
acad. of natur. science. of Philadelphia 1857. p. 216—221) aufgezählt
und die darunter befindlichen neuen Gattungen und Arten charakte-
risirt., Die Zahl der aufgeführten Arten beträgt 40; davon sind neu:
Doclea gracilipes und canalifera von Hongkong, Hyas, latifrons, von
der Berings-Strasse, Micropsia n. g. „Carapax late oyatus, paulo con-
vexus, vix spinosus, rostro bifido, spina praeorbitali sat valida; orbita
supra unifissa, subtus aperta, oculi retractiles , non latentes; anten-
nae externae articulo primo apice externo dentigero, parte mobili
aperta; manus maris adulti digitis hiantibus, ad apices denticulatos
solum contiguis, Pisae Syraeque affinis.* Art: M. ovata von den
Cap Verdischen Inseln. — Tiarinia depressa aus Japan, spinigera von
den Inseln Ousima und Tanegasima, Micippa spinosa von Port Jack-
son, Scyra compressipes aus Japan, Mithrax suborbicularis aus dem
Hafen Gaspar, Achaeus lacertosus von Port Jackson. — Achaeopsis n.g-
„Carapax ovato-triangularis, convexus, spinulosus; rostrum breve, bi-
fidum; spina praeocularis acuta; oculi longi, ad carapacis latus re-
tractiles, orbitis carentes, spina parvula postoculari. Antennae ex-
ternae apertae, articulo basali angustissimo curvato. Fossae antennu-
lariae amplae. Hectognathopoda eleganter granulosa vel spinulosa;
mero articnlo quinto ad angulum externum gerente. Chelopoda sat
longa. Pedes ambulatorii graciles. Dactyli pedum sex posticorum
faleiformes. Abdomen in femina sexarticulatum. Eurypodio Achaeo-
que affinis.“ Art: A. spinulosus vom Cap. — Stenorhynchus faleifer
vom Cap, Menaethius dentatus von den Amakirrima-Inseln, Eurynome
longimana vom Cap, Lambrus rugosus von den Cap Verdischen In-
seln, tuberculosus von Hongkong, Cryptopodia contracta aus China,
Ceratocareinus albolineatus (Harrovia albolineata Ad. und White) von
Hongkong, Oncinopus subpellucidus von Port Jackson.
Derselbe (Crustacea of the Pacific shores of North-America
p- 8 1.) beschrieb folgende neue Gattungen und Arten: Chionoecetes
Behringianus aus der Behrings-Strasse (= Peloplastus Pallasii des Ref.),
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 457
Lozorhynchus n. g. mit birnförmigem Cephalothorax und mehr oder
weniger stachliger, haariger Oberfläche; von Pisa durch weniger aus-
gehöhlte Orbitae, eine einzelne obere Fissur derselben, den Mangel
der Dornen an ‘den Tarsen und das breitere Basalglied der äusseren
Fühler unterschieden; durch letzteres Merkmal zugleich von Herb-
stia und Halimus abweichend, von den Chorininae durch kürzeren und
breiteren Rüssel und das Freiliegen der äusseren Fühler, von Para-
micippa, mit der sie durch den herabgebogenen Rüssel übereinstimmt,
dureh längeres Epistom und die tiefere Stellung der äusseren Fühler
abweichend. — Zwei Arten: Lox. grandis von >. Franeisco und ceri-
spatus, ebenfalls von Californien.
Guerin (in Ramon de la Sagra, Historia fisica de la isla de
Cuba VII. p. XII) beschrieb Libinia distincta als neue Art von Cuba.
Kinahan (Journal of the Royal society of Dublin I. p. 334):
Acanthonyz concamerata von den Chinchas-Inseln, auf pl. XIV. fig.1
abgebildet und p. 117 Halimus auritus (M. Edw.?) von Port Philip.
H. de Saussure (Rev. et Magas. de Zoologie IX. p. 501)
diagnosticirte Pericera spinosissima , bicornis, Mithrax cornulus und
Lambrus erenulatus als neue Arten von den Antillen.
Cyelometopa. — Kinahan (Journal of the Royal society
of Dublin I. p. 116) charakterisirte eine neue Gattung Litocheira mit
einer von Port Philip stammenden Art Lit. bispinosa, welche nach der
auf pl. Ill. fig. I. gegebenen Abbildung in der Form auffallend an
Galene bispinosa de Haan erinn®rt. Der Cephalothorax ist quer. qua-
dratisch, gewölbt, die Stirn von der halben Körperbreite , in der
Mitte seicht gebuchtet, die Seiten hinter dem äusseren Augenhöhlen-
zahn mit einem zweiten. scharfen. Zahne besetzt, von dem sich eine
erhabene Kante nach hinten zieht; die inneren Fühler quer gestellt,
die äusseren unter den Augen inserirt und den Spalt der Augenhöhle
einnehmend , das Epistom von grosser Ausdehnung. Hinterleib des
Männchens mit durchweg getrennten Ringen, die Beine zusammenge-
drückt, das letzte Tarsenglied des fünften Paares eiwas erweitert,
flachgedrückt und behaart. — Derselbe beschrieb ferner folgende
Arten: Ozius (?) serratifrons n. sp. von Port Philip, pl. IV. fig. 1,
Pilumnoides perlatus Edw. ebendaher, Pilumnoides Danai n. sp. von
den Chinchas-Inseln (Peru) pl. XIV. fig. 2, perlatus Poepp. von Calao,
Lupa Sayi (Gibbes ?) vom 23. Grad nördl. Breite.
de Saussure (Rev. et Magas. de Zool. IX. p. 502 ff.) gab
Diagnosen von folgenden neuen Arten: Panopeus occidentalis, ser-
ratus, americanus und Portunus Guadalupensis von Guadeloupe, Lu-
pea anceps von Cuba. — Ebenda p. 304 von Chlorodius Americanus
von Haiti.
Stimpson (Crustacea of the Pacific shores of .Nortlv- America
458 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
p: 18 ff.) beschrieb Cancer 'antennarius n. A. von San Franeiseo; Ab-
bildung: pl: 18.
Portunus careinoides wurde von Kinahan (Natural history
review IV. Proceed. of societ. p. 66) als fragliche‘ neue: Arb von’ der
Irischen ‘Küste beschrieben: sie ist’ mit! P. corrugatxs nahe, verwandt.
Farran, On the oceurrence of the‘ marbled 'swimming -'erab,
Portunus marmorens, at Birterbie-Bay (ebenda p. 58).
Catometopa. — de Saussure (Rev. etMagas: de Zool IX.
p: 505) stellte eine neue Galtung Pseudotelphusa auf, deren Schale
wie) bei’Boseia geformt ist aber der Crista postfrontalis und der Zäh-
nelung entbehrt; Kieferfüsse wie bei Telphusa, doch das (dritte. Glied
fast dreieckig; Regiones jugales glatt; Mundöffnung von filzigem Ue-
berzuge umgeben, Art: Pseudotelphusa americana von Haiti. — Neue
Arten sind ferner: Sesarma americana und miniata von St. Thomas,
Gecarcinus depressus und Cardisoma quadrala von Haiti, (p. 502)
Metopograpsus gracilis und miniatus von St. Thomas.
Kinahan (Journal of the Royal society of Dublin I. p.123 f.)
machte ausführliche Mittheilungen über die Lebensweise des Myctiris
subverrucatus White bei Port Philip und gab Beschreibungen (p. 341 ff.)
von Goniograpsus simplex Dana, Cyclograpsus punctatus M. Edw. und
Cyelograpsus ynatherion n. A. von Peru.
Öxystomata. — Stimpson (Crustacea of the Pacifie shores
of North-America p. 382 1.) beschrieb eine neue Gattung Randallia,
welche auf llia ornata Rand. bedründet ist und sich von Ilia dureh
folgende Charaktere unterscheidet: Cephalothorax oval, fast kuglig,
glatt , hinten mit zwei Zähnen bewehrt, die seitlichen Mundgegenden
gewinkelt, die Stirn schmal aber dick, in der Mitte concay, die Au-
genhöhlen dreispaltig, die Fühlergruben klein, schief, sehr hoch ; das
Basalglied der inneren Fühler deckelförmig, die Grube schliessend
und den zurückgeschlagenen Theil des Fühlers verbergend. Abbildung
der Art auf pl. XX.
Eine zweite Gattung Bellidilia begründete Kinahan (Journal
of'the Royal society of Dublin I. p. 117) auf eine bei Port Philip
vorkommende Art: Bellid. 11 - spinosa, welche nach der Abbildung
pl. II. fig. 2 ganz das Ansehn einer Ilia hat. Cephalothorax fast
kreisrund, hinten mit drei Dornen besetzt, von denen der mittlere
länger ist und höher steht; Augenhöhlen offen, oben mit zwei Fis-
suren, Fühlergruben fast quer, mit den Augenhöhlen nicht commu-
nieirend, Stirn kürzer als das Epistom; dieses sehr schmal ; am Ab-
domen beider Geschlechter das dritte bis sechste Segment verwachsen,
von den Beinen das erste Paar verlängert, mit zusammengedrückter
Scheere,, deren Finger schmal , blattartig dünn , am Innenrande cre-
nulirt sind.
Notopoda. R.A.Philippi, „Abrote, ein neues Geschlecht
Ay UL u U
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 459
der Crustaceen aus’ der Familie‘ der Hippaceen* (in diesem Archiv
f. Naturgesch. XXIII, 1. p. 124—129. Taf. 8). — Die Gattung und Art,
welche der Verf, hier unter dem Namen Abrote spiniman« als neu
beschreibt und abbildet, ist bereits von Milne Edwards und Lucas
(Archives du museum d’hist. nat. II. 1841. p. 474, pl: 28) als Albunhippa
spinosa ohne Angabe «les Vaterlandes ‚beschrieben, und abgebildet
worden; das ;hiesige Museum ‚eıhielt dieselbe aus Peru dureh v.
Tschudi, während Philippi seine Exemplare an der Chilenischen
Küste auffand.
Remipes Cubensis n. A. von Cuba wurde von de Saussure
(Rey. et’ Mugas. de Zoologie IX. p. 502 diagnosticirt,
Pagurini. Folgende neue Arten dieser Familie wurden be-
schrieben :
Von Stimpson (Crustacea of the Pacific shores of North-
America p. 42 .): Eupagurus Samuelis aus der Tomales-Bay und
Clibanarius turgidus pl. 21. fig. 1. aus dem Puget-Sund.
Von Gu&rin (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. XIV):
Pagurus cinctipes von Cuba.
Von de Saussure (Rey. et Magas. de Zoologie IX. p. 503):
Pagurus insignis von Guadeloupe.
Von Kinahan (Natural history review IV. p. 84): Pagurus
Eblanensis aus Irland und (Journal of the Royal society of Dublin J.
p- 350 IT.) Paguristes Weddellii Edw. (hirtus Dana?) und Clibanarius
tomentosus (M. Edw.?) von den Chinchas-Inseln.
Galntheidae, Guerin (Historia fisica de la isla de Cuba
VIT. p. XVI) stellte die in Cuba einheimischen Arten der Gattung Por-
cellana in einer analytischen Tabelle zusammen, in dieser ihre unter-
scheidenden Merkmale entwickelnd. Die Arten sind folgende: ‚Por-
cellana violacea, laevigata, granulosa (striata M. Edw.), Poeyi, angu-
losa, punctata (eristata M. Edw.), Sagrae, Gundlachi, Desmarestiü,
amoena, galathina Bosc., tuberculata (lobifrons M. Edw.), tuberculata
N. Edw. (affinis Guer.), grossimana und Parrai. Diese Arten sind
zum Theil schon von Gu&rin 1835 im Bullet. de la soc. des science.
natur, beschrieben worden und später von Milne Edwards in sei-
ner Hist. nat. des Crust, unter anderen Namen aufgeführt.
Kinahan (Journal of the Royal society of Dublin I. ‚p. 345 ff.)
beschrieb Porcellana granulosa Guer. (striata M. Edw.), violacea Guer,
oarinata n. A. von den Chinchas-Inseln bei Peru, pl. XIV. fig. 3 ab-
gebildet, und dubia n. A. von Callao (Peru), pl. XIV. fig. 4.
Derselbe (Natural history review IV... Proceed. of societ,
P+84): Porcellana priocheles und. (p. 228) Galathea Andrewsii neue
Arten aus Irland.
‚Btimpson (Crustacea of the Pacific ahores of Nortki- America
460 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
p- 40): Porcellana rupicola n. A. von der Californischen Küste,’ auf
pl. XX. fig. 2 abgebildet. j
Lorienta. Couch (Natural history review IV), Ueber‘ die
karve der Gattung Palinurus. ‘Siehe oben Decapoda!
Astacini. H.deSaussure, „Note careinologique sur la famille
des Thalassides et sur celle des Astacides.“ (Rev. etMagas. de Zoolo-
gie IX. p. 99—102). — Der Verf. bespricht zuerst die nahe Verwandt-
schaft der Thalassiniden mit den Astaciden, in Betreff deren er sich
der Ansicht de Haan’s und des Ref. anschliesst, ohne indess beide
Gruppen vereinigen zu wollen. Als einen Uebergang zwischen bei-
den sieht er eine neue Gattung Halopsyche mit einer Art Hal. lutaria
von Cuba, die hier ‚charakterisirt wird, an. Der‘Verf,,hat, sichsjedoch
mit dieser Gattung geirrt, welche, wie er selbst in einer brieflichen
Mittheilung an den Ref. anerkannt hat, mit,Alpheus identisch ist und
also den: Cariden zugehört. — Ferner beschreibt.der Verf. zwei. neue
Amerikanische Astacus- (Cambarus) ‚Arten: C. consobrinus von Cuba
mit. zwei seitlichen Dornen am Schnabel und C. Montezumae aus Me-
xiko, ohne solche Dornen.
Ebenda p. 503. diagnostieirt, de Saussure: Cambarus Astecus
als neue Art aus Mexiko.
Kinahan (Journal of the Royal society of Dublin I. p. 130)
beschrieb Trypaea porcellana n. A. von Port Philip, auf pl.4. fig.2
abgebildet.
Stimpson (Crustacea of the Pacific shores of North-America
p-50M.): Callianassa longimana von Fort Steilacoom pl. 21. fig. 5,
Astacus nigrescens aus Californien, Trowbridgii von Astoria ünd Kla-
mathensis aus dem Klamath-See. 4
Carides, Als neue Arten wurden in ‘diese Familie auf-
gestellt:
Von Guerin (Historia fisica dela isla de Cuba VII. p. XVII f.):
Atya Poeyi, Alpheus Saulcyi, Candei, Poeyi, simus, Pontonia mewicana,
Caridina americana, Gnathophyllum americanum uud Hippolyte elon-
galus (sic!) von Cuba.
Von Stimpson (Crustacea of the Pacific shores of North-
America p. 55 l.): Crangon Franciscorum aus dem Puget-Sund (pl. 22.
fig.5), nigricauda (vulgaris Owen) von San Francisco, Hippolyte Tay-
lori aus Californien und Pandalus Danae aus dem Puget-Sund pl. 21.
fig: 6 u. 7 abgebildet.
Von de Saussure (Rey. et Magas. de Zoologie IX. p. 504)
durch Diagnosen folgende Palaemon-Arten bekannt gemacht: 1) Schee-
ren eylindrisch, dünn. a) Carpus kürzer als die Finger: Palaemon
Aztecus und Montezumae von Vera-Cruz. b) Carpus länger als die
Finger: Pal. mexicanus von Cuba und Mexico, consobrinus von Vera-
Cruz. — b) Schneidenrand der Scheeren concav , Füsse des zweiten
SM Ve u BE, EEE VE
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 461
Paares sehr ungleich: Pal. Faustinus von Haiti. — Ferner: Caridina
mezicana von Vera - Cruz. — Ebenda p. 306: Sieyonia eristata
von Cuba.
Von Herklots (Memoires d’entomologie publ. p. 1. soc. en-
tom. des Pays-Bas I. p.96): Palaemon Vollenhovii von der Küste
Guinea’s.
Von Kinahan (Journal ofthe Royal society ofDublin I. p. 181):
Hippolyte ignobilis von Port Philip und (Natural history veview IV.,
Proceed. of societ. p. Sl): Crangon Allmanni aus Irland, im Holz-
schnitte abgebildet.
Von v. Martens (in dies. Archiv f. Naturgesch. XXIII. p. 183):
Palaemon lacustris aus dem Albaner-See, auf Taf. 10 abgebildet.
Cumacea. Spence Bate, „On the genus Cuma“ (Annals
and magaz. of nat. hist. XIX. p. 106) erwiderte auf Agassiz’s Behaup-
tung, dass gewisse Cumaceen trotz der bei anderen nachgewiesenen
Geschlechtsreife dennoch Larven von Macrouren seien: Ag. habe
wohl Goodsir's Nachweis von dem Vorhandensein von Eiern bei
Cuma scorpioides übersehen. Auch theilt er einen Brief von Couch
mit, der sich mit den Larvenformen der Englischen Macrouren viel
beschäftigt, aber niemals Cumaceen darunter wahrgenommen hat.
Stomatopoda.
Philippi machte (in dies. Archiv f. Naturgesch. XXIII, 1.
p- 320 IT. Taf. 14) eine neue Gattung /Hoplites (mehrfach vergebener
Name!) aus dem Atlantischen Ocean bekannt, die zur Familie der
Caridioiden und in die nähere Verwandtschaft von Mysis gehört. Der
Cephalothorax endigt nach vorn in einen langen, scharf zugespitzten,
an der Basis mit einem grossen Stirnzahn bewaffneten Schnabel; die
oberen Fühler erreichen nur drei Viertheile des Schnabels, bestehen
aus einem, dicken Stiele von 2% der Fühlerlänge und zwei kurzen,
gleich gebildeten Geisseln. Die unteren Fühler sind von halber Kör-
perlänge, ihre Schuppe länger als der Stiel der oberen, ihr Stiel aus
zwei kurzen Basal- und einem langen, linearen Endgliede bestehend,
ihre Geissel doppelt so lang als der Stiel. Hinterleib aus sechs freien
Segmenten bestehend, von denen das zweite (die beiden ersten rech-
wet, Philippi zum Cephalothorax) oben in einen langen, schräg nach
binten gerichteten Dorn endigt,. Die ‚Art: H, longirosiris wurde un-
ter 25° N. B., 22° W. L. im Atlantischen Ocean gefangen. — Eine neue
Art der ‚Gattung Thysanopus wird als Th. australis von der Chileni-
schen Küste beschrieben (p. 319), ebenso Leueifer Zybrantsii n.sp. aus
dem Atlantischen Ocean , 25° N. B., 22° W. L. (p. 323).
Die Gruppe der Erichthinen bereicherte derselbe (ebenda p. 824 ff.)
mit zwei neuen Arten der Gattung’Alima, die unter dem Namen Alina
462 Gerstaecker: Bericht über die, wissenschaftlichen Leistungen
Valdiviana und. etenura beschrieben und auf, Taf. 14 abgebildet wer-
den; beide wurden vor dem. Hafen von Valdivia gefangen. Eine .ei-
genthümliche neue Galtung, wie der Verf. glaubt, mit Evichthus | ver-
wandt, wird unter dem Namen Euwacanthus beschrieben und auf Taf. 14
abgebildet; ihre geringe Grösse ‚(6% Lin.) verbunden mit ‚der sehr
abweichenden Körperbildung giebt der Vermuthung Raum , dass man
es’ hier, nur, mit einer Larvenform ‘zu, thun hat. Der (von oben be-
trachtet) , eiförmige Cephalothorax endigt vorn in einen sehr langen
Stachel, dreimal so lang als der Cephalothorax selbst; hinten läuft
er in zwei ebenfalls sehr lange und dünne, gerade Stacheln aus, die
ihn selbst an Länge etwas übertreffen. Der Hinterleib ist vom Ce-
phalothorax zum grössten Theile überdeckt, sechsringlig und endigt
in eine breite Schwanzflosse, die am Hinterrande mit dreizehn lan-
gen, gefiederten Borsten besetzt ist. Die Augen sind gross, kurz
gestielt, die ersten Fühler dreigliedrig, nur doppelt so lang als die
Augen, die zweiten Fühler zweiästig, die beiden Aeste gleich lang.
Nur zwei Paar Brustfüsse vorhanden, welche zweiästig und am End-
gliede des längeren Astes mit fünf langen, steifen Borsten besetzt
sind; drei Paar stummelartige Abdominallüsse, aus zwei Gliedern be-
stehend, — Art: Euacanthus longispinus von der Chilenischen Küste,
Guerin (Historia fisica de la isla de Cuba VII. p. XXI. pl. III)
beschrieb und bildete ab: Smerdis d’Orbignyi uud Alimerichthus cy-
lindricus als neue Arten von Cuba.
Amphipoda.,
Eine systematische Eintheilung. der in England einhei-
mischen Amphipoden hat C. Spence Bate unter dem Titel:
„A Synopsis of the Brilish Edriophthalıous Crustacea, Part:
Amphipoda“ in den Annals and magaz. of nat. hist. XIX.
p. 135—152 veröffentlicht. Die Arbeit ist eine weilere Aus-
führung der schon im Jahresberichte 1856. p. 203 erwähn-
ten analylischen Tabelle der Familien, Unterfamilien und Gat-
tungen der Englischen Amphipoden ‚und ist vom Verf. in
Gemeinschaft ‘mit Westwood ausgearbeitet. Sowohl die
Familien , Gruppen und Gattungen als die Arten sind durch
Diagnosen festgestellt, bei letzteren, die zum grössten Theil
neu sind, die speciellen Fundorte angegeben. — Für die
einzelnen Körpertheile bringt der Verf. zum Theil neue Ter-
mini in Anwendung, indem er die sieben Thoraxsegmente,
welche, auf den Kopf folgen, als; „Pereion“ und zwar die bei-
den: ersten. als „Anterior. Pereion,“: die ‚fünf. hinteren: als
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 463
„Posterior' Pereion“ bezeichnet; ebenso wird für das Abdo-
men (Postabdomen) die Bezeichnung „Pleon“ und zwar „An-
terior Pleon“ für die drei ersten Segmente, „Posterior Pleon@
für die folgenden gebraucht. Die dem „Anterior Pereion®
ansitzenden Beine heissen „Gnathopoda,“ die dem „Posterior
Pereion“ ‚angehörigen „Pereiopoda ,* die des Postabdomen
„Pleopoda;* letztere zerfallenıwieder in „Anterior und Poste-
rior Pleopoda.* — Die vom Verf. gegebene Eintheilung. ist
folgende:
I. Gruppe. Amphipoda normalia.
Divisio 1. Gammarina,
Subdivisio I. Vagantia. Bauen keine Wohnhüllen.
Tribus 1. Saltatoria.
1. Fam. Orchestidae. Obere Antennen kürzer als die unteren;
Hüften stark ausgebildet; die hinteren Abdominalfüsse kurz und kräf-
tig, die letzten unpnarig. — Gattungen: 1) Orchestia, darunter Tali-
trus, Talorchestia und Orchestia als Untergattungen vereinigt. Vier
Englische Arten. — 2) Allorchestes Dana, zwei neue Arten. — 3)
Galanthis n. g. Untere Antennen kaum länger als die oberen, Man-
diheln ohne Palp, hintere Abdominalfüsse wie bei Orchestia. : Eine
neue Art.
Tribus 2. Natatoria.
2. Fam. Gammaridae. Körper zusammengedrückt, Beine lang
und schlank, hintere Abdominalfüsse stark entwickelt, die letzten
in der Regel die längsten. a) Subfam. Stegocephalides.'' Fühler fast
gleich, Hüften der vier Vorderbeine schr stark entwickelt. — Gat-
tungen: 1) Montagua n: g. Obere Fühler ohne Anhang , Mandibeln
ohne Palp, beide Gnathopoden mit‘ fast scheerenförmigen ‚Fingern,
hintere Abdominalfüsse einästig. Vier Arten, z. B. M. monoculoides
Montagu. — 2) Danaiu n.g. Erstes Gnathopoden-Paär einfach, leiz+
tes Paar der Abdominalfüsse mit einfachem Stachel. Eine. Art, —
b) Subfam. Lysianassides. Obere Fühler kurz, birnförmig , zweites
Gnathopoden - Paar lang, schwach , verkümmert scheerenförmig. 8)
Lysionassa. M. Edw. 4 Arten. — 4) Scopelocheirus.n. g. ‚Obere Füh+
ler mit Anhang, erstes Gnathopoden-»Paar in einen Pinsel endigend,
zweites scheerenförmig. ‚Eine Art. — 5) Anonyx Kroyer ‚5 Arten,
— ce) Subfam. Tetromatides. Vier Augen, obere Fühler. vor den un-
teren enlspringend.. 6)’ Tetromatus n..g: Kopf schnauzenförmig vor»
gezogen, ‚obere Fühler von der Spitze- entspringend ‚ untere ‚weiter
hinten, Mandibeln mit Palp, Gnathopoden unvollkommen zum Grei-
fen. 2 Arten. — d) Subfam. Pontoporeides. : Kopf vorn kappenartig
entwickelt, obere Fühler vor den unteren entspringend. 7) West+
464 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
woodia n. g. Kopf in eine Spitze ausgezogen , obere Fühler ohne
Anhang. ‚Eine Art. — 8) Kroyeria n. g. Kopf wie bei der vorigen
Gattung, Carpus der Gnathopoden bis zur Spitze des Fingers vorge-
zogen.. Eine Art. — 9) Phoxus Kroyer. 3 Arten. — 10) Sulcator
Bate. 2 Arten. — e) Subfam. Gammarides. Obere Fühler nicht vor
den unteren und niemals rudimentär, Gnathopoden in der Regel zum
Greifen, letztes Paar der Abdominalfüsse in zwei Stacheln endigend,
die mehr oder weniger gewimpert sind. 11) Darwinia n.g. Thorax
aufgeschwollen, obere Fühler ohne Anhang, alle Füsse in einen ein-
fachen Haken endigend. Eine Art. — 12) Iphimedia Rathke mit einer
Art. — 13) AcanthonotusOwen mit einer Art. — 14) Dexamine Leach,
4 Arten. - 15) Calliope Leach, 1 Art. — 16) Isaca M. Edw. 1 Art.
— 17) Lembos n.g. Obere Fühler mit kleinem Anhang, erstes Gna-
!hopoden-Paar grösser als das zweite, erstes l’aar der hinteren Abdo-
minalfüsse kurz, das letzte sehr lang. 4 Arten. — 18) Lonchomerus n. g.
von der vorigen Gattung durch die in einen langen Dorn ausgezo-
genen Schenkel des ersten Gnathopoden - Paares unterschieden. 1 Art.
— 19) Eurytheus n. g. Erstes Gnathopoden- Paar kleiner als das
zweite, obere Fühler mit Anhang. 1 Art. — 20) Gammarella n. g:
Fühler wie bei Gammarus, die oberen mit Anhang , letztes Abdomi-
nal-Fusspaar mit einfachem Ast. 1 Art. — 21) Amathia Rathke 1 Art,
22) Gammarus auct. 17 Arten. — 23) Urotho& Dana. 1 Art. — 24) Ni-
phargus Schioedte. 1A. — 25) Thersites n.g. Das zweite Glied der
oberen Fühler tritt vor der Unterseite des ersten hervor, zweites Gna-
thopoden-Paar in einen Pinsel endigend. 2 Arten. — f) Subfam. Leu-
cothoides mit der einzigen Gattung: 26) Leucotho@ Leach, 2 Arten.
Subdivisio II. Domicola. Leben in selbstgebauten Wohnungen,
3. Fam. Corophiidae. Die linterleibssegmente nicht mit ein-
ander verschmolzen. a) Sublam. Podocerides (Nidifica) bauen sich
ihre eigenen Nester; Pedunculus der oberen Fühler viel kürzer als
der der unteren, letztere sehr kräftig, zum Stützen anwendbar; letz-
tes Paar der Abdominalfüsse in starke kurze llaken endigend., —
Gattungen: 1) Pleonezes n. g. Obere Fühler ohne Anhängsel, Pe-
dunenlus der unteren Fühler fast bis zur Spitze der oberen reichend,
Gnathopoden fast scheerenförnig, hintere Thoraxfüsse zum Greifen.
Eine Art: P. gammaroides. — 2) Amphithoe Leach, 2 Arten. — 3)
Sunamphithoe n. g. Gnathopoden des zweiten Paares grösser als die
des ersten, hintere Abdominalfüsse mit einem schuppenförmigen Ast,
der andere in zwei Haken endigend. 2 Arten. — 4) Podocerus Leach.
4 Arten. — 5) Cyrtophium Dana 1 A. — b) Subfam. Cerapides woh-
nen in Röhren, die sie aus verschiedenen Stoffen zusammenbauen,
6) Erichthonius M. Edw. 1 Art. — Siphonoecetus Kroyer 2 Arten. —
ec) Subfam. Corophides mit der einzigen Gattung 8) Corophium Latr.
1 Art.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 465
4. Fam. Cheluridae. Die drei letzten Hinterleibssegmente in
Eins zusammengeschmolzen. Gattung: 1) Chelura Phil. 1+Art.
Divisio 2. Hyperina.
5. Fam. Hyperidae mit der einzigen Gattung Hyperia Latr.
2 Arten.
6. Fam. Phronomidae. Gattung Phronoma Latr. 1 Art.
7. Fam. Typhidae. Gattung Typhis Risso. 1 Art.
II. Gruppe. Amphipoda aberrantia.
8. Fan! Dyopedidae. Letztes Thorax- und Abdominalsegment
fehlt, die Hüften der beiden letzten Thoraxfusspaare mit dem Körper
verschmolzen. Gattung: Dyopedos n. g. 6tes und Ttes Fusspaar am
sechsten Throraxsegmente befestigt, letztes Abdominalfusspaar fehlt.
2 Arten.
9. Fam. 'Caprellidae. Abdomen rudimentär, Hüften mit dem
Körper verwachsen. Gattungen: 1) Proto Leach 2 Arten. — 2) Pro-
tella Dana 1 Art. — 3) Caprella Lam. 5 Arten. — 4) Cyamus Latr,
4 Arten.
Die Englische Amphipoden-Fauna ist hiernach eine sehr reich-
haltige, sie umfasst 104 Arten in 46 Gattungen ; ein Ergebniss, wel-
ches keineswegs auffallend ist, da bekanntlich die Amphipoden der
gemässigten und nördlichen Zone vorzüglich zukommen.
Als neue Arten verschiedener Familien wurden beschrieben :
Von Stimpson (Crustacea of the Pacific shores of North-
America p. 731f.: Caprella californica, Corophium spinicorne, Salmo-
nis, Erichthonius rapaz, Orchestia Traskiana , Allorchestes seminuda,
plumulosus, Gammarus confervicolus (!) und Phozus grandis von San
Francisco.
Von de Saussure (Rev. et Mägas. de Zoologie IX. p. 505):
Amphithoe Aztecus von Vera-Cruz.
Von Spence Bate (Natur. history review IV., Proceed. of
Porter p. 229. pl. XVI): Iphimedia Eblanae n. A. aus Ira!
In einer Inaugural-Dissertation „De Gammaro puteano* (Bero-
lini 1857. fol. 14 pag. 'e. tab. 2) erörterte A. de la Valette St.
George einige spezielle anatomische Verhältnisse ler genannten Art.
Eigenthümliche, kurz gestielte, eylindrische Organe hat derselbe an
den Geisseln der’ vorderen Fühler, besonders zahlreich an ihrem Ende
beobachtet (ob Gernchs- oder Tastorgane ?). Von inneren Organen
wird’ auf den Traetus intestinalig, das Gefässsysten und die Genitalien
kurz eingegangen ; am Schluss folgt eine Angabe der Längsverhält-
nisse aller Körpertheile. "Als fragliches Synonym zu Ganimarus pu-
teanus zieht der Verf. Gammarus stygius Schiödte.
\
‚Isopoda.
" Ydotseidae. Die schon im Jahresbericht für HB5QuUBg; p- 95
Archiv f. Naturgesch. XXIV. Jahrg. 2. Bd. EE
466 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
erwähnte, durch ihre enorme Grösse ausgezeichnete Idotaeiden-Form
aus dem Antarktischen Meere, Glyptonotus antarchieus Eights, ist
jetzt auch in Silliman’s American Journal of science and arts, Vol.
XXI. p. 391—394 ausführlich beschrieben und auf pl.2 u. 3 in Le-
bensgrösse von der Ober- und Unterseite abgebildet worden. :So-
wohl durch ihre Form als Grösse, welche (3' Zoll lang) diejenige
von mittelgrossen Decapoden erreicht, ist diese Gattung eine der
ausgezeichnetsten bisher bekannt gewordenen Crustaceen-Formen.
Idotaea consolidata und resecatz Stimpson (Crustacea of the
Pacifie shores of North- America p. 63 ff. pl. XXI. fig. 7) sind zwei
neue Arten von San Francisco.
Oniscodea, Ueber die in Irland einheimischen Gattungen
und Arten dieser Familie liegt eine Arbeit von J. Kinahan (Natu-
ral history review IV, Proceed. of societ. p. 258—282. pl. XIX—XXU)
unter dem Titel: „Analysis of certain allied genera of terrestrial Iso-
poda, with descriptions of a new genus and a detailed list of Ihe
British species ofLigia, Philougria, Philoscia, Porcellio, Oniscus und
Armadillidium“ vor. Der Verf. unterwirft darin die Classifikation der
Familie durch Brandt, Milne Edwards u.A. einer näheren Be-
sprechung, erörtert sodann diejenigen Charaktere, welche nach sei-
ner Ansicht zur Abgränzung der Gruppen und Gattungen von Belang
sind, wie die Entwickelung der Epimeren, die Form des Kopfes, die
Fühlerbildung, die Form und das Verhältniss des letzten Abdominal-
segments zu seinen Anhängen u. s. w. und geht sodann zur Charak-
teristik der in Irland vorkommenden Gattungen und Arten über. Diese
sind: Armadillidium 1Art, Oniscus 2 A., Porcellio 7 A., davon Porec.
eingendus als neue Art aufgestellt, Ligia 1A., Philoscia 1 A. und Phi-
lougria n. g., nach der Abbildung dem einheimischen Ligidium Per-
soonii Br. nahe stehend und mit diesem in eine und dieselbe Abthei-
lung (aber nicht zu Trichoniscus) gehörend. Die Charaktere sind:
Kopf rundlich, ohne Lappen, innere Fühler verborgen, dreigliedrig,
äussere Fühler mit rundem, nicht gelappten zweiten Gliede und fünf-
gliedriger Endgeissel, letztes Abdominalsegment quer, in der Mitte
des Hinterrandes ausgebuchtet, seine Anhänge (letztes Abdominal-
Fusspaar) mit gablig getheiltem Basalglied, welches zwei dornarlige
Endglieder trägt], deren äusseres scheinbar gegliedert ist. Art: Phil.
celer aus Irland und England. —- Die beifolgenden Tafeln enthalten
stark vergrösserte Abbildungen einiger Arten und zahlreiche Detail-
Darstellungen der charakteristischen Körpertheile.
H. de Saussure (Rey. et Magas. de Zoologie IX. p. 306 ff.)
machte mehrere neue Arten und eine neue Gattung aus Cuba und
Mexiko durch Diagnosen bekannt: Armadillo Cubensis, Porcellio Poeyi,
Cubensis, Sumichrasti und Cotillai aus Cuba, Porcellio Aztecus, me-
zicanus und Montesumae aus Mexiko. — Pseudarmadillo u. gs Kopf-
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 467
bildung zwischen Armadillo und Armadillidium die Mitte haltend, der
Vorderrand des Kopfes mit drei Hervorragungen, von denen aber
die seitlichen den Fühlern nicht als Stütze dienen ; das zweite Glied
des letzten falschen Abdominal- Fusspaares füllt die Lücke zwischen
den:beiden letzten Segmenten aus und: trägt: an seinem. ‚Hinterwinkel
ein rudimentäres‘ drittes Glied. Der Körper ist missgestaltet; alle
Thoraxsegmente haben ihren unteren Rand nach. hinten verlängert,
das Abdomen ist dachförmig gekerbt und, die Augen. scheinen zu
fehlen. Art: Ps. carinulatus aus Mexico oder ‚Cuba (?).
Waga (Annales de la soc. entomol. V.. p. 827 {l.), beschrieb
Philoscia nolata als neue Art von ‚den Karpathen und bildete die-
selbe auf pl. 14. No. 4 ab; sie ist nicht ganz so gross wie Phil. mu-
seorum, schwarz, mit gelbgelleckten Seiten der vorderen Abdomi-
nalringe.
Lygia dilatata Stimpson (a. a. 0. p.63 lf,, pl. XXII. fig. 8) ist
eine neue Art von Fort, Steilacoom.
Cymothoadae. VonP.Bleeker ist in den Acta societatis
scientiarum Indo-Neerlandicae Vol. II eine Abhandlung “sur les Iso-
podes Cymothoadiens de l’archipel Indien“ erschienen, in welcher er
die von ihm auf verschiedenen Fischen des Sunda-Archipels gefun-
denen parasitischen Isopoden dieser Familie beschreibt und auf zwei
beifolgenden Tafeln abbilde. Die 16 Arten, welche der Verf. auf-
führt sind sämmtlich neu; die einzige bisher beschriebene Art, Li-
voneca indica M. Edw. von Sumatra, ist ihm unbekannt geblieben.
Aega macronema auf der Haut verschiedener Fische von Batavia,
Nerocila trivittata mit drei braunen Längsbinden, phaiopleura mit
zwei seitlich braunen Längsbinden, sundaica ohne dunkle Längs-
binden, erstere Art von Amboina, die beiden letzteren von Batavia.
Livoneca emarginata, Renardii (Zee-Luys, Pou de mer Renard) und
Boscii von Batavia; bei den ersten Arten ist der Kopf deutlich vom
ersten Thoraxring eingeschachtelt, beiL. emarginata die Stirn concav
und weit über die Basis der inneren Fühler hervortretend, bei L. Re-
nardii convex und nicht über die Basis der Fühler heraustretend ; 'bei
k. Boscii ist der Kopf nicht merklich vom ersten Thoraxringe einge-
schlossen. — Anilocra leptosoma, rhodotaenia und dimidiata, von
Batavia; die Arten gehören zur Gruppe Canolira heach,, die erste
ist viermal so lang als breit, die äusseren Fühler erreichen das erste
Thoraxsegment, die zweite ist fast dreimal so lang,als breit, die äus-
seren Fühler erreichen das zweite Thoraxsegment, die dritte ist weni-
ger denn dreimal so lang als breit, die äusseren Fühler erreichen das
zweite Thoraxsegment. — Cymothoa irregularis von Amboina, Edward-
sit, Stromalei, marginata und rhinoceros von Batavia;’bei den vier
ersten Arten sind die inneren Fühler durch die Stimm getrennt, bei der
letzien berühren sie sich mit ihrer Basis;) — Lobothoraz n. g,, mit
468 Gerstaeeker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Cymothoa nahe verwandt, der Kopf ist jedoch ebenso lang: als breit,
die Thoraxringe in der Mitte des Hinterrandes eingeschnitten, die
Verlängerungen des ersten Ringes an der ‚Basis verengt, der fünfte
Ring fast ganz vom vierten bedeckt, der fünfte bis: siebente''zusam-
mengenommen kaum so lang als der vierte, der letzte Abdominalring
quer, viel breiter als lang. Art: Lob. typus von Batavia.
de Saussure (Rev. et Magas. de Zoologie IX. p. 306 u..505)
beschrieb Cymothoa parasita von Cuba und Anilocra mezicana aus
Mexiko als neue Arten.
Stimpson (Crustacea of the Pacific shores of North - America
p: 63 .): Livoneca vulgaris von San Francisco, pl. XXI. fig.9 ab-
gebildet.
Sphaeromidae. Neue Arten sind: Sphaeroma amplicauda
Stimpson (Crustacea of the Paeific shores of North-America p. 63 M.,
pl. XXIII. fie. 1) aus der Tomales-Bay und Sphaeromu fossarum v.
Martens (dies. Archiv f. Naturgesch. XXIII. p.186. Taf. 10) aus den
Pontinischen Sümpfen.
Bopyrini. Von Stimpson (a. a. O. p. 71 ff.) wurde aus-
ser einer neuen Art: Argeia pauperata, welche parasitisch auf Cran-
gon Franeiscorum an der Californischen Küste vorkommt, eine Gat-
tung Phyllodurus charakterisirt, deren Weibchen ziemlich kräftige,
ankerförmige Thoraxbeine mit Klauen, aber ohne Kiemenanhänge be-
sitzt. Der Hinterleib ist mit Kiemenanhängen versehen, von denen die
oberen seitlich, mit zwei gleichen, verlängerten Lamellen, die unte-
ren warzenförmig sind; erster Hinterleibsring mit klauenförmigen
Rückenborsten versehen. Art: Phyll. abdominalis,, auf Gebia-Arten
in Californien parasitirend.
Branchiopoda.
J. Lubbock, An account of the two methods of re-
production in Daphnia and of the structure of the ephippium,
(Philosoph. Transact. ‚of !he Royal soc. of London, ‚Vol. 147.
Pt. 1. p. 79—100. pl. 6, 7). — Der Verf. ‘hat auf .die seit
Strauss und Jurine bekannte zwiefache Forlpflanzungs-
weise der Daphnien durch freie und durch die im Ephippium
eingekapsellen Eier von Neuem sein Augenmerk gerichtet
und dieselbe vorzüglich in Rücksicht aufeine etwa auch hier
statlhabende Parthenogenesis geprüft. Er nennt in der vor-
liegenden, viele. interessante Beobachtungen enthaltenden Ab-
handlung die ‚sich frei, in ‚der Bruthöhle entwickelnden ‚Eier
„agamic' egg5 ,* freilich allein auf die ‚schon: den ältesten
wir Er DEREN WURST
im Gebiete der'Entomologie während des Jahres: 1857. 469
Autoren bekannte und von ihm selbst wiederholt beobachtete
Thatsache sich slützend, dass dieselben ohne unmittelbar
vorhergegangene erneute. Befruchtung zu wiederholten Ma-
len zur Reife gelangen und abgelegt werden können, ohne
jedoch mit Sicherheit in Abrede stellen zu können, dass eine
Befruchtung überhaupt stattgefunden habe; denn da die Ent-
wickelung von Eiern nicht an solchen Individuen festgestellt
worden ist, welche von ihrem Ausschlüpfen an isolirt ge-
halten worden sind, kann wohl die einfache Annahme, dass
beim Mangel eines Receptaculum seminis (welches bei nähe-
rer Untersuchung doch vielleicht nachzuweisen wäre) , eine
etwa früher staltgefundene Befruchtung keine nachhaltige Wir-
kung kaben könne, nicht als beweisend für eine ungeschlecht-
liche Fortpflanzung erachtet werden. Ebenso wenig hat der
Verf. mit Sicherheit nachgewiesen, dass Ephippialeier nur
nach vorangegangenem Coitus sich entwickeln können, wenn
er sie auch besonders zahlreich bei Anwesenheit vieler Männ-
chen vorfand und sie zu wiederholten Malen nach beobach-
tetem Coitus auftreten sah; vielmehr möchte man sich durch
seine Beobachtung, dass Weibchen nach Ablegung von Ephip-
pialeiern, ohne inzwischen erfolgte Begattung abwechselnd
freie Eier und dann abermals Ephippien erzeugten, zur An-
nahme . veranlasst fühlen , es exsislire zwischen den Eiern
beider Arten selbst kein Unterschied, am wenigsten aber ein
solcher, der dem zwischen den Keimen und Eiern der Aphi-
den bestehenden entspräche. Ist hiernach das Dunkel, wel-
ches über der Fortpflanzungsweise der Daplnnien bisher
ruhte, noch keineswegs vollständig durch die Untersuchun-
gen des Verf. gehoben, so werden wir durch dieselben doch
über manche interessante Punkte, sowohl was die Entwik-
kelung der Eier in den Ovarien als die eigentliche Natur
des Ephippium betrifft, sehr eingehend belehrt. Für die in-
nere Kapsel des Ephippium, deren Verhältniss zu der äusse-
ren, die eine Verdickung der beiden Schalen ist, noch un-
bekannt war, hat der Verf. nämlich nachgewiesen, dass sie
eine Fortselzung der sich ablösenden alten Haut, mit der sie
sich zu gleicher Zeit vom Körper trennt, darstellt; dem frei
werdenden Ephippium haftet daher noch die abgeworfene
Körperhaut an. ‘Für die übrigen speziellen Beobachtungen
470 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaltlichen Leistungen
des Verf. müssen wir auf die interessante Abhandlung selbst
verweisen.
Phyliopoda, Eine äusserst interessante Entdeckung ist die
des seit hundert Jahren vergeblich gesuchten Männchen des Apus
eancriformis Schäff., welche von Kozubowski („Ueber den männ-
lichen Apus cancriformis,“ dies. Archiv für Naturgesch. XXIII, 1.
p.-312—318. Taf. 13). bekannt gemacht wurde. Der Verf. fand bei
Krakau im Juli unter 160 Exemplaren des Apus 16 ohne Eiertaschen
am 1I1ten Fusspaare, welches im Gegentheil mit den zunächstliegen-
den von ganz übereinstimmender Bildung war. Das Männchen ist
durchschnittlich um ein Dritttheil kleiner als das Weibchen, sein
Rumpf. schmaler, sein Cephalothorax mehr flachgedrückt; es ist von
grösserer Lebenskraft, indem esiin der Gefangenschaft weniger schnell
stirbt und schwimmt im Wasser ununterbrochen und schnell auf der
Oberfläche umher, indem es den Weibchen nachjagt. Die Untersu-
chung der inneren Geschlechtsorgane hat diese Thiere (Exemplare
von Krakau liegen dem Ref. jetzt ebenfalls vor) unzweifelhaft als
Männchen bestätigt. Die Hoden verzweigen sich ähnlich wie die
Eierstöcke, haben dieselbe Lage zu beiden Seiten des Darms und
werden. von zahlreichen warzenförmigen Muskeln durchstrickt. Der
Ausführungsgang. der Samenkanälchen mündet mit einer sehr feinen
Oeflnung an der hinteren Fläche des elften Fusspaares, aus welcher,
wenn man ein Haar hineinschiebt, sogleich die weissliche Samenflüs-
sigkeit hervortritt. Die Spermatozoen haben die Form von rundli-
chen Zellen mit körnigem Inhalt. — Auf Taf. 13 hat der Verf. eine
vergrösserte Darstellung des Hodens und Eierstocks gegeben.
Lophyropoda.
Copepoda. (. Claus, „Das Genus Cyclops und seine ein-
heimischen Arten,“ mit einer Fortsetzung : „Weitere Mittheilungen über
die einheimischen Cyclopiden“ (dies. Archiv f. Naturgesch. XXI, 1.
p. 1-40 und 205—210. Taf. 1—3 und Taf. 11). Der Verf. unter-
wirft zunächst den Körperbau der Cyelopiden einer genauen Beschrei-
bung und berichtigt dabei manche von früheren Autoren gemachten
Angaben. Er weist z.B. nach, dass sowohl beim Mäunchen als beim
Weibchen das Abdomen aus sechs Ringen bestehe; bei letzterem, dem
Fischer und Liljeborg nur fünf Segmente 'zuschreiben, ist das
erste verkürzt und mit dem folgenden am Hinterrande verwachsen ;
dass es als’ selbstständiges Segment ursprünglich vorhanden ist, Zei-
gen die früheren Entwickelungsperioden. Die vorderen grossen An-
tennen bestehen aus 17, 14, 12 oder 10 Gliedern, je nach den Arten;
elfgliedrige Antennen, wie sie von Fischer bei einer Art angege-
ben werden, erkennt der Verf. bei vollständig entwickelten, Formen
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 471
nicht an, sondern sieht die damit begabten Thiere als jüngere For-
men solcher an, die bei vollständiger Ausbildung 17gliedrige Fühler
besitzen. Die Mundtheile bestehen aus zwei Kieferpaaren und zwei
Paaren Maxillarfüsse, nicht wie Milne Edwards angiebt aus dreien
von jeder Art. Von inneren Organen werden die Kittdrüsen beider
Geschlechter näher erläutert; die männlichen sondern einen Klebe-
stoff zur Bildung der Spermatophoren ab, welche jedoch nicht durch
die Vulva in die Eierstöcke hineingeschoben werden (Zenker),
sondern an der unteren Seite des zweiten Abdominalsegments des
Weibchens befestigt werden. — In dem folgenden speciellen Theile
bat der Verf. einen Versuch gemacht, den Cyclops quadricornis der
Autoren in eine Anzahl verschiedener Arten aufzulösen, die er nach
constant wiederkehrenden Charakteren in der Form der einzelnen Kör-
pertheile (Antennen, Füsse, Hinterleib, Schwanzanhänge, Endborsten)
feststellt. Mit 17gliedrigen Fühlern: Cyclops coronatus, tenuicornis,
brevicornis (vergebener Name in der Gattung !), Leuckartii, pennatus,
giyas, furcifer, bicuspidatus; mit l4gliedrigen Fühlern: Cyclops insi-
gnis. (Die beiden Fischer'schen Arten: C. serrulatus und canthocar-
poides werden ebenfalls beschrieben.) Die frühere Literatur ist bei
der Sichtung dieser Arten nicht herangezogen worden, eine Sache,
die freilich bei der ungenauen Beschreibung z. B. der Koch’schen
Arten ihre Schwierigkeiten hatte. Die charakteristischen Merkmale
der vom Verf. aufgestellten Species sind auf den vier beifolgenden
Tafeln stark vergrössert dargestellt.
Ein Auszug dieser Arbeit („Die einheimischen Copepoden, eine
kurze Notiz zur Lokalfauna Giessen’s“) findet sich im 6. Bericht der
Oberhessischen Gesellschaft für Natur- u. Heilkunde, 1857. p. 117 ff.
abgedruckt.
J. Lubbock, Description of eight new species of Entomostraca
found at Weymouth. (Annals and magaz. of nat. hist. XX. p. 401—410.
pl. X u. XI.) Die Copepoden-Formen , welche der Verf. durch Be-
schreibungen und Abbildungen zur Kenntniss bringt, sind für die
geographische Verbreitung der niederen Crustaceen von Interesse,
indem drei derselben zu Gattungen gehören, die bisher noch nicht
aus den Nord-Europäischen Meeren bekannt geworden sind; zwei sind
sogar Repräsentanten von Unterfamilien, die noch nicht als der Eng-
lischen Fanna angehörig nachgewiesen wurden. Die Arten sind fol-
gende: Calanus Euchaeta, anglicus, Diaptomus Bateanus, longicau-
datus, Pontella Wollastoni, Pontellina brevicornis, Corycaeus anglicus,
Monstrilla anglica. — Auf den beifolgenden Tafeln sind einzelne
charakteristische Körpertheile der beschriebenen Arten , wie Fühler,
Füsse, Abdominalsegmente u. s. w. im Umrisse dargestellt.
Siphonostomata.
Lernaeadae, Van Beneden, sur un Lernanthrope nou-
472 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
veau du Serranus Goliath. (Bulletins de l’academie royale des scien-
ces de Belgique XXIV, 1. p.51—62. 'c. tab.) Die hier beschriebene
und abgebildete Art, welche an den Kiemen von Serranus Goliath in
Mossambique aufgefunden wurde, wird ‘Lernanthropus Petersi, ge-
nannt; sie ist in beiden Geschlechtern‘ bekannt geworden, welche
sich wie gewöhnlich durch die Grösse des Körpers von einander un-
terscheiden. in der Form dagegen wesentlich übereinstimmen. Beim
Männchen fehlt jedoch die grosse kreisrunde Rückenplatte des letz-
ten Cephalothoraxringes so wie zwei seitliche Blätter an der Bauch-
seite des vorletzten Ringes, welche zwischen sich die Eiertrauben
einschliessen ; letztere hängen nicht frei herunter, sondern sind schlei-
fenartig zusammengerollt. Von eigenthümlicher Form sind die schma-
len, bandförmigen Anhänge der hinteren Cephalothoraxringe, welche,
was der Verf. übersehen zu haben scheint, offenbar die verwandelten
Schwitinmfüsse sind. L
Caligina. Derselbe, Sur un nouyeau Dinemoure prove-
nant du Scinnus glacialis* (ebendaXXIV, 1. p. 226— 234. c. tab.) lie-
ferte eine ausführliche Beschreibung und eine Abbildung einer neuen
Art: Dinemura elongata, von der Haut des Scimnus glacialis, nur im
weiblichen Geschlechte bekannt. Das Thier ist von besonders lang-
gestreckter Form und dadurch ausgezeichnet, dass der letzte grosse
Cephalothoraxring nicht die kleinen Abdominalringe mit ihren blatt-
artigen Anhängen von oben her bedeckt.
Eine nochmalige ausführliche Beschreibung und Abbildung von
Cecrops Latreillei Leach und Laemargus muricatus Kroyer nach bei-
den Geschlechtern veröffentlichte van der Hoeven in einer Ab-
handlung: „Over Cecrops en Laemargus, twee geslachten van parasi-
tische schaaldieren“ (Memoires d’entomologie publies par la soc. en-
tom. des Pays-Bas I. p. 67—-87. pl.3 u. 4). Die an den Geschlechts-
öffnungen des Weibchens der letzteren Art haftenden gestielten Bla-
sen weist er als Spermatophoren nach, die bei der Begaltung vom
Männchen daselbst angeheftet werden. Beide Arten fand der Verf.
parasitisch an den Kiemen von Orthagoriscus mola. Die beiden Ta-
feln enthalten vergrösserte Abbildungen der Thiere selbst nach bei-
den Geschlechtern so wie der verschiedenen Fusspaare und Mund-
werkzeuge.
Argulina. Durch Heller („Beiträge zur Kenntniss der Si-
phonostomen,“ Sitzungsberichte der mathem, - naturwiss. Classe der
Akad. der Wissensch. zu Wien XXV. p.89—108. Taf. I—-IlI) wurde
diese bis jetzt nur auf eine Gattung und wenige Arten beschränkte
Familie durch einige interessante neue Formen bereichert: Gyropeltis
nov. gen., von Argulus durch das Vorhandensein zweier grossen Haken-
füsse an der Stelle der vorderen grossen Saugnäpfe, den Mangel des
vor dem Munde liegenden, von einer besonderen Scheide einge-
VE \
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 473
schlossenen Stachels und das mit einem Ruderanhange in gleicher
Weise wie die beiden ersten versehene. dritte Schwimmfusspaar un-
terschieden. Der schildförmige Cephalothorax läuft nach hinten in
zwei runde seitliche Lappen aus, in deren Mitte das Abdomen liegt;
auf der Oberseite zwei von einander entfernte Augen; Mund in einen
kurzen Rüssel ausgezogen, die Mandibeln am Vorderrande gesägt; Fühler
viergliedrig, zweites Maxillarfusspaar dicht neben dem Munde gele-
gen, mit kräftigem Endhaken ; Schwanz zweilappig. Zwei Arten:
Gyropeltis longicauda auf den Kiemen von Hydrocyon brevidens in
Brasilien und Kollari ebenfalls aus Brasilien, Wohnthier unbekannt.
— Zwei neue Arten von Argulus sind: Argulus Nattereri und elon-
galus ebenfalls aus Brasilien, erstere Art mit Gyropeltis longicauda
zusammen auf Hydrocyon (Riemen und Körperoberlläche). Alle diese
Arten unterwirft der Verf. einer sehr gründlichen und ausführlichen
Beschreibung sowohl nach ihren zoologischen als anatomischen Cha-
rakteren und zwar ist es besonders die erste Gattung Gyropeltis, über
welche in Betreff ihrer Hautbedeckung, ihres Muskel- und Nerven-
systems , ihrer Circulations-, Respiralions-, Verdauungs- und Ge-
schlechtsorgane eingehende Beobachtungen mitgetheilt werden. Ab-
bildungen der einzelnen Arten so wie ihrer charakteristischen Kör-
pertheile sind auf 3 Tafeln gegeben.
4. Arachniden.
Blanchard legte der Akademie der Wissenschaften
zu Paris (Comptes rendus, 6. Avril 1857, Rev. et Magas. de
Zoologie IX. p. 185) „Observations relalives ä la generation
des Arachnides“ vor. Der Verf. hal Untersuchungen üver
die Fähigkeit der weiblichen Spinnen, ohne vorangegangene
Befruchtung entwickelungsfähige Eier hervorzubringen, wo-
für mehrere vorliegende Beobachtungen zu sprechen schie-
nen, angestellt, ist jedoch dabei zu dem Resultate gekom-
men, dass eine solche Fähigkeit nicht angenommen werden
könne, dass jedoch eine einmalige Befruchtung hinreiche,
um zu wiederholten Malen fruchtbare Eier abzulegen.
In Ramon de la Sagra’s Historia fisica,, politica Y
natural de la isla de Cuba, 2. Parte: Historia nalural, Tom. VII.
Crustaceos, Aragnides & Insectos (Paris 1857. fol.) sind die
Arachniden von Lucas (p. XXIV ff. tab. 4, 5) bearbeitet
worden. Näheres ist bei der obigen Berücksichtigung des
Werkes (siehe Insekten!) mitgetheilt worden.
474 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Eine zweite in faunistischer Beziehung wichtige Arbeit
ist der in der Natuurk. Tijdschr. voor Nederland. Indie XI.
p. 399—434 nebst zwei Tafeln, erschienene „Bijdrage tot de
kennis der Arachniden van den Indischen Archipel,“ door
C. L. Doleschall. Der Verf. beschreibt darin eine be-
trächtliche Anzahl neuer Arachniden meist von Amboina,
die mit wenigen Ausnahmen der Ordnung Araneidea ange-
hören. Ausser den neuen Arten sind auch diejenigen, wel-
che sich nach den früheren Autoren bestimmen liessen, auf-
geführt und mit Bemerkungen über ihr Vorkommen verse-
hen worden. Von den beifolgenden Tafeln enthält die erste
Abbildungen zweier merkwürdigen neuen Formen, die zweile
erläutert die Augenstellung von einer Reihe der beschriebe-
nen Arten.
Endlich hat auch Kolenati (Bullet. de la soc. imp.
des naluralistes de Moscou 1857. ll. p. 430 ff.) einige Arach-
niden verschiedener Ordnungen, den Araneiden, Pseudoscor-
pionen und Acarinen angehörend, aus den Caucasus-Ländern
und anderen Gegenden beschrieben.
Araneidea.
Ueber die Spinnen der Umgebung Presburg’s machte
G. Boeckh (Verhandlungen des Vereins für Naturkunde zu
Presburg Il. Jahrg., 2. Heft, p. 72—86) nähere Mittheilungen
und stellte ein Verzeichniss der daselbst bisher aufgefunde-
nen Araneiden in systematischer Reihenfolge zusammen, In
demselben sind die Familien und Gaitungen kurz charakte-
risirt, die Arten mit Notizen über Vorkommen und Lebens-
weise und mit der Synonymie aus den älteren und neueren
Hauptwerken versehen.
Die aufgezählten Arten, im Ganzen 88 an Zahl, vertheilen sich
auf die einzelnen Gattungen folgendermassen: Dybderal, Clusiona 2,
Segestria 2, Amaurobius 2, Drassus 4, Melanophora 2, Lycosa5, Dolo-
medes2, Ocyalel, Sphasus 1, Eresus 1, Attus 5, Calliethera 2, Tho-
misus 10, Artamus 1, Philodromus 2, Sparassus 2, Epeira 12, Singa 3,
Zylla 4, Mithras 2, Tetragnatha 1, Linyphia 3, Theridium 11, Tege-
naria 4, Agelena 1, Argyroneta 1 und Pholens 1. — Neue Arten
sind nicht beschrieben , doch wird eine Publikation solcher in Aus-
sicht gestellt.
im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 475
G. A. Six, Lijst van Spinnen in de Provincie Utrecht
gevonden en getetermineerd (Bouwstoffen voor eene Fauna
van Nederland 1. p. 292—302). Der Verf. zählt die in der
Provinz Utrecht von ihm aufgefundenen Araneiden in syste-
matischer Reihenfolge mit Citaten vonWalckenaer, Koch
und Hahn und mit Angaben über ihr Vorkommen auf, Ihre
Gesammizahl beträgt 113 und zwar kommen auf die Epeiri-
den 15, Theridiiden 41, Ageleniden 5, Drassiden 6, Lycosi-
den 17, Thomisiden 11, Altiden 15 und Dysderiden 3 Ar-
ten. Ein Theridium, welches der Verf. für neu hält, wird
diagnoslicirt.
Supplement to a Catalogue of British Spiders, including
remarks on their structure, functions, economy and systema-
lic arrangement, by J. Blackwall (Annals and magaz. of
nal. hist. XX. p. 497— 503). Der Verf. vervollständigt hier
abermals sein Verzeichniss der Britischen Araneiden (siehe
Jahresbericht 1854. p. 197) durch Aufzählung der neuerlich
entdeckten Arten, giebt zugleich Berichtigungen und Vervoll-
sländigungen zur Synonymie früher beschriebener und führt
für sellnere Arten neue Fundorle an.
Recensio crilica Aranearum Suecicarum, quas descri-
pserunt Clerckius, Linnaeus, de Geerus. Scripsit T. Thorell.
Upsaliae 1856. — Ist dem Ref. nur dem Titel nach bekannt
geworden.
Kirsch theilte (Entomol. Zeitung p. 318) eine Beob-
achlung über den Spinnenfaden mit, nach welcher eine grosse
grüne Spinne (die Art ist nicht näher bezeichnet), welche
mit einem Holzstäbchen vom Boden aufgenommen wurde,
einen 2%, Ellen langen Faden in schräger Richtung nach
aufwärts gegen einen anderen festen Gegenstand aussprilzle
und an dem Faden emporlief, nachdem sie sich durch Anzie-
hen desselben überzeugt halte, dass er erstarrt sei und dort
festhafte.
Lucas legte der Akademie der Wissenschaften zu Paris
(Comptes rendus, 28. Dechre 1857, Rev. et Magas. de Zoo-
logie IX. p. 587 ff.) eine Abhandlung „Sur la retraclilit& ou la
non-r£lractilit& des ongles dans les tarses des Araneides du
genre Mygale“ vor, in welcher er nachweist, dass bei einigen
476 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Mygale-Arten (M. Blondii und nigra), die er lebend beobachtet
hat, die Klauen der Füsse nach Art der Katzen zurückzieh-
bar, dagegen die Haken der Mandibeln.wenig beweglich und
nicht hervorstreckbar seien. Bei anderen Arten (den Alge-
rischen M. barbara, gracilipes und africana) dagegen sind
die Fussklauen nicht zurückziehbar, ‚dafür aber die Haken
der Mandibeln aufschlagbar und zum Furchengraben in: der
Erde dienlich. L. schlägt vor, die zahlreichen und einander
sehr ähnlichen Mygale-Arten nach diesem Charakter in zwei
Hauptabtheilungen zu bringen.
Derselbe beschrieb folgende neue Arten aus Ouba: Filistata
cubaecola, Sphasus Poeyi, Drassus insularis, Salticus Sagraeus (Hi-
storia fisica de la isla de Cuba VII. p. XXVIf. tab, IV), und. diagno-
sticirte (Bullet. de la soc. entomol. p. CLX) als zwei neue Nord-Afri-
kanische Arten: Olios geniculatus aus der Algerischen Sahara und
annulipes aus der Gegend von Tanger.
Von Kolenati (Bulletin de la soc. imp. des naturalistes de
Moscou 1857. Il. p. 440 ff.) wurde Lycosa Singoriensis Laxm. (taran-
tula et Latreillei Hahn) aus den Kirgisensteppen und Lycosa albidorsa
als neue Art aus Sibirien beschrieben.
Doleschall (Bijdrage tot de Kennis der Arachniden van den
Indischen Archipel, Natuurk. Tijdschr. voor Nederl. Indi@ XII. p.406 ff.)
beschrieb folgende neue Arten von Amboina: Tegenaria urgenlata,
Theridion miniaceum, Pholcus sisyphoides , Tetragnatha serra, rubri-
ventris, Ariadne n. g. wahrscheinlich in die Nähe von Tetragnatha
gehörig, folgendermassen charakterisirt: „Oculi octo, in antica cepha-
lothoracis parte elevatione conica in series duas dispositi, prima ex
oculis duobus, reliquis paullo maioribus, secunda antrorsum deflexa,
ex ocellis sex constaus. Mandibulae parvae, conicae, perpendicula-
res. Abdomen filiforme, longissimum, cephalothoracem longitudine
multoties superans, sensim in processum flagelliformem exiens, orga-
nis telariis in ventris antica parte sitis. Palpi tenues, thoracis lon-
gitudine. Pedes tenues, antici reliquis paullulum longiores et for-
tiores, pare terlio brevissimo.“ — Art: Ariadne flagellum von Am-
hoina auf Taf. I abgebildet. — Epeira (Nephila) Walckenaeri, peni-
cillum, imperialis, (Argyopes) crenulata, striata,, Irifasciata, Epeira
radja, moluccensis, unicolor, manipa, malabarica, orichalcea, coccinea,
thomisoides, Plectana brevispina, Bleekeri, Sturii, centrum, argoides,
Olios mygalinus, malayanus, javensis und lunula von Java, Thomisus
amboinensis, Sparassus psillacinus , Sphasus striatus, Attus alfurus,
cornutus und obisioides.
J. Blackwall, Descriptions of the male of Lycosa tarentu-
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im Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857. 477
loides Maderiana Walck. and of three newly discovered species of the
genus Lycosa. (Annals and magaz. of nat. hist. XX. p. 282—287.) Das
Männchen der Lycosa tarentuloides Maderiana, welches der Verf. einer
ausführlichen Beschreibung unterzieht, stammt von Porto Santo; die
als neu beschriebenen Arten sind: Lycosa ingens von den Desertas
(bei Madeira), herbigrada aus England und pallipes aus Algier.
Six (Bouwstolfen voor eene Fauna van Nederland 1]. p. 294)
beschrieb Theridium Henricae n. A. aus den Niederlanden.
Derselbe „Opmerkingen omtrent de kleurverandering van
Epeira Heerii Hahn en eenige andere spinnen“ (Memoires d’entomol.
publ. p. l. soc. entom. des Pays-Bas IT. p. 168 ff.) beobachtete, dass
Singa nitidula Koch mit weissen Streifen in Singa trifasciata Koch
mit gelben und endlich auch in Singa uigrifrons Koch mit orange-
rothen Streifen durch Verfärbung übergeht, so dass die Vereinigung
dieser drei Arten zu S. Heerii Walck. gerechtfertigt erscheint., Auch
bei einigen anderen Arten hat der Verf. eine ähnliche Schwankung
in der Farbe beobachtet.
van Hasselt (ebenda I. p. 164) „Over huid- en kleurverwis-
seling van Dolomedes fimbriatus Hahn, in verband mit zijne soort-
bepaling en die van andere spinnen uit dit geslacht* beobachtete
ähnliche Haut- und Farben - Veränderungen an einigen Dolomedes-
Arten. Dolomedes limbatus Hahn verwandelte sich in Dol. fimbriatus
während des Sommevs, letztere Form dagegen in erstere wieder wäh-
rend des Winters. Walckenaä@r und Koch gaben zwar schon die
Identität beider Arten an, betrachten sie aber als Varietäten. Auch
Dolomedes plantarius und riparius Hahn hält der Verf. mit Walcke-
naer für dieselbe Art, ebenso D. sacer und oblongus.
Pedipalpi.
Phrynides. Lucas (Historia fisica de la isla de Cuba VII:
p. XXV. pl. 5. fig. 4) gab Beschreibung und Abbildung einer neuen
Art: Telyphonus Antillianus von Cuba. i
Doleschall (Natuurk. Tijdschr. voor Nederl. Indie XIII. p. 404)
machte Telyphonus selicauda n. A. von Amboina bekannt.
Solifugae.
Galeodea, Leon Dufour (Annales de lasoc. entomol, V;
P- 641.) gab eine Beschveibung des Weibehens. von Galeodes phalan-
gista Savigny aus Algier und. bildete dasselbe, auf pl. 4 ab.
Pseudoscorpiones.
i Pseudoscorpiones. Von Kolenati (Bulletin de Moscou
1857. 11. p' 43011.) beschrieb’ Chelifer brevimanus vals neue Art aus
478 Gerstaeeker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
dem Caucasus, wo sie in Häusern und unter Baumrinde lebt; die Un-
terschiede von Chel, cancroides werden auseinandergesetzt. — Fer-
ner: Obisium pusio n. A. von Calcutta.
Phalangita.
Phalangita. Phalangium Amboinense n. A. von Dole-
schal' (Natuurk. Tijdschr. voor Nederl. Indie XIII. p. 403) aus Am-
boina beschrieben.
Acarina.
Krätze und Räude, entomologisch und klinisch bear-
beitet von A. C. Gerlach. Mit 8 Tafeln Abbildungen, Ber-
lin 1857. (8., 178 pag.) — Der Verf. hat in dieser Arbeit
die ‘Ergebnisse seiner mehrjährigen Studien über die den
Krätz- und Räude - Ausschlag des Menschen und der Haus-
thiere bedingenden Sarcopliden niedergelegt und die Kennt-
niss dieser Thiere selbst so wie besonders ihre Naturge-
schichte in ausgezeichneter und umfassender Weise gefördert.
Hauptsächlich stellt er darin zuerst fest, dass die Haulkrank-
heit der Hausthiere durch zwei sowohl im äusseren Körper-
bau als in der Lebensweise ganz verschiedene Milben her-
vorgerufen wird, indem nur die Gallung Sarcoptes sich in
die Haut eingräbt und in derselben die bekannten Gänge er-
zeugt, zwei andere dagegen, welche Dermalodectes und Sym-
bioles genannt werden, dies niemals ihun, auch ihrem Kör-
perbaue nach nicht dazu ‚geeignet sind.
Während bei Sarcoptes die Rückenfläche des Körpers mit Pa-
pillen besetzt ist, die zwei vorderen Beinpaare sehr kurz sind, die
hinteren fast in der Mitte der Unterseite des Körpers entspringen,
fehlen bei Dermatodectes und Symbiotes (der Name ist bei den Co-
leopteren vergeben!) die Papillen der Oberseite, die Beine sind lang-
gestreckt und die beiden hinteren Paare dicht am Seitenrande des
Körpers eingelenkt. Bei Dermatodectes kann der spitze Rüssel per-
spektivarlig eingezogen und vorgeschoben werden und der Stiel der
Haftscheibe an den Füssen ist deutlich gegliedert; bei Symbiotes ist
der Kopf kürzer und nicht perspektivartig ausschiebbar, ohne Rüssel,
die Stiele der sehr grossen Haftscheibe kurz und nicht gegliedert. — Von
Sarcoptes sind dem Verf. 6 Arten bekannt geworden, welche er nach
den Wohnthieren Sarcoptes hominis, equi, suis, Canis, cali und cani-
euli nennt und nach beiden Geschlechtern. in.;starker Vergrösserung
abbildet; nach den Abbildungen möchten jedoch. die vier ersten einer
im ‘Gebiete der Entomologie während des Jahres 1857, ' 479
“und derselben und die beiden letzten ebenfalls einer (zweiten) Art
angehören. (In Anerkennung des Mangels unterscheidender Merk-
male hält der Verf. sie auch selbst nur deshalb für verschiedene Ar-
ten, weil sie nur auf demselben Wohnthiere fortkommen, dagegen
auf andere übersiedelt umkommen sollen.) Auch an den drei Der-
matodectes- Arten, D. equi, bovis und ovis möchten sich wohl kaum
- spezifische Differenzen nachweisen lassen , ebenso wenig an Symbio-
tes equi und bovis. -—— Eine Milbe, die an einer Maus Räudeausschlag
am Ohr erzeugte, ist auf Taf. 8 ebenfalls abgebildet.
Die auf dem Körper der Fledermäuse lebenden Schma-
rotzer-Milben hatKolenati (die Parasiten der Chiropteren,
Dresden 1857) einer speziellen Untersuchung unterworfen
und auf p. 15- 30 ausführlich beschrieben. Es sind ihm im
Ganzen 44 Arten, die sich auf 8 Gattungen vertheilen, be-
kannt geworden und zwar sind dieselben mit wenigen Aus-
“nahmen .als neu angesehen und aufgestellt worden. Von den
Gattungen gehören zwei den Microphthiren, vier den Ixodi-
nen und zwei den Gammasiden an.
Von Microphthiren ist die Gattung Caris Latr. durch vier Arten
vertreten, welche C. elliptica (Caris Vespertilionis Latr.), longimana,
decussala und inermis genannt werden. Die zweite Gattung Otonis-
sus Kolen., deren Arten die Ohrränder und einzeln auch die Flug-
haut der Fledermäuse bewohnen, hat einen ovalen, walzigen, weichen
Körper, zwei Augenpunkte am Vorderrande der Brust, perlschnurartig
gegliederte Beine, die Tarsen ohne Haftlappen, zurückschlagbare oder
nicht retraktile Krallen, ein scheerenförmiges Endglied der Taster ır. s. w.
Es werden davon 7 Arten unter den Namen 0. aurantiacus, flavus,
puniceus, pinnipes, amplificatus, monela und seminulum beschrieben.
— Die vier Gattungen der Ixodinen sind: 1) Dermanissus Dug. mit
acht Arten: D. flavus, granulosus, rubiginosus, lobatus, brunneus,
glutinosus, scutatus und setosus. 2) Sarconissus Kolen. auf Ixodes
flavipes Koch begründet, ausser dieser mit fünf Arten: $. brevipes,
hispidulus, eraratus, Kochii (Vespertilionis Koch) und fluvidus. 3)
Haemalastor Koch mit einer bekannten Art. 4) Ixodes Latr. mit 1 Art
(holsatus Fab.). — Zu den Gammasiden gehören: 1) Ancystropus Ko-
len:, eine schr merkwürdige Form mit ovalem, plattgedrückten , le-
derartigen Körper und sehr kräftig entwiekeltem vorderen Beinpaar,
welches in zwei sehr starke, divergirende Klauen endigt. Art: A.
Zeleborii von der Flughaut des Rhinopoma microphyllum. 2) Pte-
roptus Duf. mit 14 Arten von verschiedenen Fledermäusen: Pt. ar-
euatus Koch, myoti, dasycnemi, barbastelli, transversus , discolor,
emarginatus, carnifex Koch, punctolyra, psi, interruptus, hipposideros,
lateralis und conspersus. ;’
480 Gerstaecker: Bericht üb. die wissenschaftl. Leistungen etc.
Derselbe (Bullet. .d.1. soc. imp. des natural. de Moscou, 1857.
No.Il. p. 432 ff.) beschrieb Ixodes cornuger. (!) , pl. VI. fig.52 abge-,
bildet, aus den Steppen beim Aral -See, wo er am Grase sitzt und
häufig auf Schafe, Pferde und Kameele übergeht, Ixodes hispanusFabr.
und holsatus Fabr., beide ebenfalls in den Kirgisensteppen vorkom-
mend, Haemalastor erassipes n. sp., in Aegypten auf Rhinolophus
elivosus vorkommend.
Desselben „Synopsis prodroma der Flughaut-Milben (Pteroptida)
der Fledermäuse“ (Wiener Entomol. Monatsschr. 1. p. 59) enthält eine
Zusammenstellung ‚und. Unterscheidung der 25 dem Verf, bekannten
Pteroptus-Arten, von denen 16 bereits in den „Parasiten der Chiro-
pteren“ beschrieben sind, in einer analytischen Tabelle und eine ver-
suchte Trennung derselben in mehrere Gattungen, welche Perigli-
schus, Tinoglischus, Leiostaspis, Meristaspis, Tristaspis, Diplostaspis
und Monostaspis genannt werden.
A. Scheuten, „Einiges über Milben“ (in dies. Archiv f. Na-
turgesch. XXI11, 1. p. 104—112. Taf. 6 u. 7). Verf. fand in schwar-
zen, pustelartig aufgetriebenen Flecken von Birnbaumblättern; ‚unter
der Epidermis kleine längliche Milbenlarven mit. zwei Fusspaaren
jederseits nahe an der Mundöffnung, und zugleich auf denselben
Blättern ausgebildete Milben mit vier Fusspaaren; da sich Uebergänge
zwischen beiden Formen auffinden liessen, hält er dieselben nur für
Entwickelungsstufen einer und derselben Art, welche er für neu hält
und Typhlodromus pyri (Abbildung Taf. 6) nennt. Zu einer anderen
Milbenlarve von Birnbaumblättern, die sich von der ersten durch ko-
nischen Körper (Taf. 6. Fig. 8) unterscheidet, ist die erwachsene Form
noch nicht aufgefunden worden. — Eine zweite sowohl in der Lar-
ven - als ausgebildeten Form bekannte Milbe, ebenfalls von Linden-
blättern, wird auf Taf. 7 abgebildet und mit dem Namen Flezipalpus
tiliae belegt; der Verf. rechnet sie zusammen mit Typhlodromus den
Gammasiden Dug. zu. Zu den Trombidien bringt er eine dritte schön
grün gefärbte Milbe mit rothen Augen (Taf. 7. Fig. 13, 14) die er
Sannio rubrioculus nennt.
Ueber massenhaftes Auftreten von Tetranychus telarius Lin. an
den Lindenbäumen in Bautzen berichtete v. Kiesenwetter (Berl,
Entom. Zeitschr. 1. p. 172).
A. Bernstein (Acta societatis scientiarum Indo - Neerlandi-
eae 1I) in seinem „Bijdrage tot de nadere kennis van het geslacht
Collocalia Gr.“ ‚bildete eine auf Collocalia (Cypselus), .esculenta ge-
fundene Milbe ‚unter dem Namen Acarus: Collocaliae ab, ohne die-
selbe; jedoch ‚zu. beschreiben.
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Bericht über die Leistungen in der Natur-
geschichte der Mollusken während des
Jahres 1857.
Vom
Herausgeber
Von Pfeiffer’s „Novitates conchologicae, Abbildung
und Beschreibung neuer Conchylien“ erschienen 1857 die Lie-
ferungen 8 und 9. Die darin abgebildeten Arten gehören
den Gattungen Clausilia, Bulimus, Achatina, Trochatella, He-
lieina, Cyrena, Schasicheila, Pterocyclos, — ferner Cataulus,
Chondropoma, Ceres, Helix, Ctenopoma, Megalomastoma an,
wo sie unten näher bezeichnet sind.
Das Jahr 1857 brachte von der Küster’schen Aus-
gabe des Martini- Chemnitz’schen Conchylien-Cabinets
die Lieferungen 153—160. In-ihnen sind die Gattungen Bu-
limus (No. 366—373 Schluss), Partula mit 23 Arten, Acha-
tinella mit 15 Arten abgehandelt, Clausilia ist von No. 149—
169, Achatina von 1—15 fortgeführt. ‚Ferner sind. Cassis
mit 35, Cassidaria mit 3, Oniscia mit 7, Dolium mit 18, Eburna
mit ‘9, Harpa mit 11 Arten abgeschlossen. ‚Einige neue Ar-
len s. unten,
Die „Conchologia iconica, ‚or figures and descriptions of
ihe shells of Molluscous animals, with critical remarks on their
synonymes , alffinities and eircunistances of habitalion“ by
Lovell Reeve: hat ihren Forlgang gehabt. Im Jahre 1857
sind die Lieferungen 163—170 erschienen. Dieselben 'ent-
halten die Gattungen Solelellina: ‚mit: 21 Arten, Capsula mit
16 Arten, Psammobia mit 60 Arten, Sanguinolaria mit’5 Ar-
ten, Psammotella Desh. nov. gen. mit 7 neuen Arten, Avi-
eula mit 75 Arten, Littorina mit 91 Arten, Mylilus mit 29
Arten, noch nicht vollendet, Modiola mit 48 Arten, Litho-
Archiv [. Naturgesch. XXIV. Jahr;. 2 Bd. FF
482 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
domus noch nicht vollendet. Aus genannten Gattungen sind
meist zahlreiche neue Arlen unten namhaft zu machen.
Part XVII von Sowerby’s Thesaurus Conchyliorum,
welcher 1857 erschien, enthält den Anfang einer Monogra-
phie der Gattung Conus, nämlich 15 Tafeln mit Abbildun-
gen. Der Text wird in dem folgenden Theile enthalten sein.
Von Maria Emma Gray's Werke „Figures of Mol-
luscous animals, selected from various aulhors, etched for
the use of students“ hat der‘ fünfte Band, London 1857, die
Conchiferen und Brachiopoden gebracht. „.Er besteht aus 69
Tafeln mit 49 Seiten Text. In letzterem ist eine Erklärung
der Abbildungen mit Angabe der Werke, aus denen sie co-
pirb' sind’, enthalten, so wie eine systematische Anordnung
der Figuren. ‘Letztere kann zugleich als Schlüssel zu dem
System des Dr, Gray betrachtet werden. Der Hauptwerth
des Werkes, welches hiermit wohl abgeschlossen sein dürfte,
liegt in 'der Vereinigung, einer. überaus grossen Anzahl von
Abbildungen der Thiere, welche zerstreut in vielen oft theu-
ren Werken nur Wenigen in der hier vorliegenden: Voll
sländigkeit in ‚den Originalen zugänglich sein ınöchten. Das
ganze. Werk umfasst nunmehr 381 Tafeln , für, deren |Anfer-
ligung, wir ‚der Verfasserin zu Dank verpflichlet sind,
Ueber das Werk von Henry und Arthur Adamıs
„Shells and their Inhabitants; the genera of recent Mollusca,
arranged according to their 'organization. ‘London, - Van
Voorst. 8. können wir ‚leider immer noch nicht nach eige-
ner Einsicht ‘berichten, da es uns selbst auf buchhändleri-
schem Wege nicht zugänglich geworden ist. Wir entnehmen
aus ‘einer Anzeige in’ den Annals nat. hist. XIX; p. 74, dass
die'Zahl der Gattungen unter .den Schnecken 680, ‘der 'Unter-
gattimgen 437, der aufgezählten Species 13000 beträgt. Bei
allem 'Lobe, welches deın Werke wegen der’ Ausslallung’ er+
theilt wird, wird jedoch’ gewarnt, das Buch‘ nur mit Vorsicht
und nicht ohne Kritik zu benutzen. vi wo
Von dem‘ bekannten‘ Werke „The terrestrial ‚air-brea-
thing -Mollusks of the united states and Ihe adjäcent terri-
tories’of'Norih-America, described and illustrated by Amös
Binney; edited by Augustus: Gould« ‘ist ‘der’ dritte Band
der Mollusken während des Jahres 1857, 433
erschienen. Er enthält. 74 Tafeln sehr, zierlich ausgeführter
eolorirter Abbildungen zu dem bereils in den ‚ersten ‚beiden
Bänden enthaltenen Texte nebst der Erklärung. Einige 'spä-
ter in den Proceedings Boston Soc. nat. hist. aufgestellte
Arlen, so wie einige Arten von Shuttleworth und Redfield
sind; beschrieben. Durch die Herausgabe ‚dieser schönen
Abbildungen hat. sich . der Verf. ‚ein. grosses ‚Verdienst um
die‘ Kenntniss der 'Nordamerikanischen Landeonchylien,, er-
worben.
Ein „Verzeichniss der Conchylien - Sammlung des ver-
storbenen Herrn Consul Gruner, welche im Ganzen ver-
kauft werden soll. Bremen 18574 giebt Zeugniss“ von der
Reichhaltigkeit' derselben.
Calalogus Conchyliorum , quae, reliquit Suenson ; scri-
psit O0. A. L. Mörsch. Hafniae 1857,, verdient deshalb. Er-
wähnung, weil hier einige, wie ich glaube, neue Namen für
grössere Gastropodenablheilungen vorkommen. Unter. dem
Namen Mustioglossata sind die Pulmonaten mit den'Si-
phonarien, Tectibranchiafen,, Pyramidellen , 'Eulimen, Scala-
rien und Janlhinen vereinigt; sie scheinen also wohl alle
Schnecken mit zahlreichen Platten in jeder, Querreihe der
Radula umfassen zu. sollen. Die zweite Ablheilung Ar !hr.o-
glossata begreift dann die Taenioglossala, Ancistroglossala
mit drei Platten in ‚jedem: Gliede, jedoch mit. Einschluss ‚der
Volutäceen, und die Toroglossata in 'sich. Ihnen folgen dann
die Rhipidoglossata und Cephalopoda.
J. E. Gray hat unter, ‚dem Titel: „Guide to Ihe syste-
malic distribution of Mollusca in the british Museum Part 1.
London 1857“ von Neuem ein System der Mollusken gelie-
fert, welches ‚gegen sein. Früheres ‚manche ‚Veränderungen
und jedenfalls den Vorzug bietet, ‘dass alle Gruppen bis’ auf
die sehr zahlreichen Gattungen herab‘ 'charakterisirt. sind.
Als Zierde des Buches figuriren besonders ‘die Abbildungen
der Zahnplalten in Copien nach Loven, denen einige Ori-
ginalzeichnungen hinzugefügt sind; eine Zierde, die das Ver-
ständniss sehr, erleichtert, Offenbar hat Verk, den grössten
Theil der Gattungen nicht selbst untersucht, und es wird
deshalb noch mancher Prüfstein angelegt werden müssen.
484 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Naehdem Verf, fünf Klassen von Mollusken unterschieden hat,
indem die Gasteropoda und Conchifera als Pedifera zu einer, die
Brachiopoda, Pteropoda und Cephalopoda als Apoda zur anderen
Gruppe unnatürlich genug vereinigt. werden , bringt der vorliegende
Band die Ausführung der Gasteropoden mit Ausnahme der Lungen-
schnecken. Die Gasteropoden zerfallen in Pectinibranchiata,, Seuti-
branchiata, Pleurobranchiata, Gymnobranchiata und Pneumobranchiata,
wobei es auffällt, dass Verf. noch immer die Seutibranchiata für Zwit-
ter mit Selbstbefruchtung hält, eine längst beseitigte Vorstellung.
Die weitere Eintheilung ist folgende :
Pectinibranchiata.
1. Tozifera. (Fam. Conusidae, Acusidae, Pleurotomidae).
2. Proboscidifera. ]. Edriophthalma. a. Hamiglossa; (Fam.
Cassidulidae, Muricidae, Buccinidae, Pusionelladae, Turritidae, Can-
. cellariadae, Olividae, Lamellariadae). b. Odontoglossa (Fam. Fascio-
lariadae, Turbinellidae). c. Rachiglossa (Fam. Volutidae). d. Taenio-
glossa (Fam. Cassididae, Doliidae, Tritoniadae, Verenadae ; Sycoty-
pidae; Velutinidae ; Naticidae , Neritopsidae). e. Pienoglossa (Fam.
Ianthinidae, Scalaridae). — II. Iniophthalma. a. Ptenoglossa (Fam.
Acteonidae). b. Taenioglossa (Fam. Cerithiopsidae). c. Gymnoylossa
(Fam. Pyramidellidae, Architectomidae, Tylodinidae).
3. Rostrifera. 1. Platypoda. a. Podophthalına (Fam. Am-
pullaridae). b. Edriophthalma (Fam. Amphiperasidae, Cypraeadae,
Pediculariadae, Aporrhaidae , Cyclophoridae, Oligyridae, Proserpini-
dae, Littorinidae, J.acunidae, Truncatellidae, Planaxidae, Rissoadae,
Caecidae, Melaniadae, Cerithiadae, Turritelladae, Barleeiadae, Vivipa-
ridae, Calyptraeadae, Capulidae, Vanicoroidae, Valvatidae). c. Opi-
sophthalma (Fam. Aciculidae, Rissoellidae). — II. Protopoda (Fam.
Vermetidae). — III. Leptopoda (Fam. Strombidae, Phoridae). — IV.
Heteropoda (Fam. Pterotracheidae, Atlantidae).
Scatibranchiata.
1. Rhipidoglossa. I. Pseudobranchia (Fam. Proserpinadae).
-- II. Scutibranchia (Fam. Neritinidae, Rotelladae, Turbinidae, Lio-
tiadae, Trochidae, Stomatellidae), — Ill. Schismatobranchia (Fam.
Seissurellidae, Haliotidae). — IV. Dieranobranchia (Fam. Fissu-
rellidae).
2. Heteroglossa. I. Cirrhobranchia (Fam. Dentaliadae). —
ll. Cervicobranchia (Fam. Tecturidae, Gadiniadae, Lepetidae). — III,
Cyclobranchia (Fam. Patellidae). — IV. Polyplacophora (Fam. Chi-
tonidae). |
der Mollusken während des Jahres 1857. 485
Pleurobranchiata.
I. Tectibranchia (Fam. Philinidae, Amphisphyridae, Bulli-
nadae, Bullidae, Amplustridae, Aplysiadae,, Lophocercidae). — II.
(kein Name) (Fam. Pleurobranchidae, Tylodinidae, Umbrelladae, Run-
einadae).
Gymnobranchiata.
I. Pygobranchia (Fam. Onchidoridae, Dorididae, Goniodo-
ridae, Polyceradae, Triopidae, Ceratosomidae). — II. Inferobran-
chia (Fam. Phyllidiadae, Diphyllidiadae). — II. Polybranchia
(Fam. Tritoniadae, Scyllaeidae, Tethyadae). — IV. Cerabranchia
(Fam. Dendronotidae, Froctonotidae, Heroidae, Dotonidae, Glaucidae,
Eolididae, Fionidae, Hermaeidae). — V. Placobranchia (Fam. Ely-
siadae). — VI. Pellibranchia (Fam. Limapontiadae, Phyllirhoidae).
In Betreff einzelner Faunen sind folgende Schriften zu
erwähnen:
Mac Andrew erstattete in Report of the 26. Meeting
of the British Association for the advancement of science,
held at Cheltenham in August 1856. London 1857. p. 101
Bericht über seine Untersuchungen mit dem Schleppnetz über
die marinen Mollusken des nordöstlichen atlantischen Oceans
und der benachbarten Meere.
Seine Nachforschungen erstreckten sich während 12 Jahre von
den Canarischen Inseln bis zum Nord-Cap , also etwa 43 Grad Breite.
— Die Arten sind nun in einer Tabelle mit 7 Columnen verzeich-
net; die erste Columne enthält den Namen, die zweite die geogra-
phische Verbreitung, die dritte die Tiefe, die vierte die Lokalität der
häufigsten Entwickelung, die fünfte die Beschaffenheit des Grundes,
die sechste die Häufigkeit, die siebente Anmerkungen. Dann folgen
p- 134 Bemerkungen über einzelne Arten; ferner p. 137 eine Tabelle
um die Verbreitung übersichtlicher zu machen, worin Nordscandina-
vien, Drontheim, Schottland, Kanal, Nordspanien, Portugal, Mittel-
meer, Mogador, Kanarische Inseln , Madeira, und Azoren als Faunen
angesehen sind. — Im Ganzen sind 750 Arten, 275 Acephalen, 14
Pteropoden , 460 Gasteropoden aufgezählt. Davon wurden erhalten
188 Arten (88 Acephalen, 100 Gasteropoden ) im Norddistrikt, 176
Arten (83 Acephalen, 93 Gasteropoden) an der Küste von Nord-Dront-
heim, 260 Arten (117 Acephalen , 1 Pteropode, 142 Gasteropoden)
an den Küsten Schottlands, 258 Arten (122 Acephalen, 136 Gastero-
poden) an der Südküste von England , 217 Arten (94 Acephalen, 123
Gasteropoden) an der Nordküste von Spanien, 164 Arten (90 Acepha-
len, 74 Gasteropoden) an der Küste von Portugal, 425 Arten (184
486 Troschelt Bericht 'üb.ld! Leistungen‘ im di Naturgeschichte
Acephalen, 7 Pteropoden, 233, Gasteropoden, 1 Cephalopode) in Süd-
spanien und im Mittelmeer, 108 Arten (44 Acephalen, 64 Gasteropo-
deh)' zu Möogador, 267 Arten (78 Acephalen, «9 Pteropoden,, 179 Gastero-
poden, -1’Cephalopode) ‚an den Ciinarischen «Inseln , 169 ‚Arten, (6
Acephalen,''6 Pteropoden,: 107 Gasteropoden) ‚bei Madeira. — Ueberall
sind die Zahlen der Arten, welche zugleich an den übrigen Locali-
täten gefunden sind, verzeichnet.
Ueber die Mollusken, welche an der Küste von Nord-
Wales vorkommen und über die Perlen von Unio margari-
tifer im Conway,,‚River findet , sich eine, Noliz von Robert
Garner‘Report of Ihe 26. meeling of the british assoeialion
held at''Cheltenham. p. 92.
Macdonald hat eine Notiz über die Schnecken und
Muscheln ‚von, Conway Reef gegeben, danach scheint die
Fauna sehr dürftig. Annals nat. hist. XX. p. 259.
Greville und Miles erstatteten Bericht über den
Schleppnetzfang bei Holy Island, Lamlash Bay, den sie wäh-
rend einiger Wochen im Sommer 1856 erlangt halten. , Es
sind 96 Arten von Mollusken verzeichnel. Report of the
26. meeling of Ihe brilish associalion held at Cheltenham.
London 1857. p. 47.
Patterson berichtete über die Mollusken von Erranke
ford Loush und eines Theils des Irischen Kanals.. Es waren
100 Arten. mit dem Schleppnelze ‚erhalten, 57 Bivalven.und
45 Univalven. British Association 1857; Edinburgh new phil.
Journ. N. S. VI. 1857. p. 331.
Fischer hat Journ. de Conchyl. 1857. p. 350 durch
ein Supplement sein Verzeichniss der Muscheln, welche an
den Küsten Frankreichs leben (ib. 1851. p p- 274 u. 373) ver-
vollständigt.
M’Andrew und Barrett haben Untersuchungen über
die Tiefenverbreilung derMollusken an den Küsten von Nord-
land und Finmark angestellt. Die Verf. heilen den Raum
zwischen der höchsten Flutlh und 200 Faden in vier Zonen;
die. erste oder, Liltoralzone liegt. zwischen dem: Hochwasser
und Tiefwasser; die Laminarienzone vom Tiefwasser' bis zu
20 Faden; die Korallinenzone zwischen 20 und 60 Faden;
und die Tiefseezone zwischen 60 Faden und der grössten
der Mollusken während des Jahres 1857. 487
erforschten' Tiefe.» Von jeder Zone: sind. die, beobachteten
Arten verzeichnet. Annals nat hist. XX. p. 267.
Zetterstedt machte der Schwedischen Academie eine
Mittheilung über einige Schnecken, welche er im Sommer
1856 in der Umgebung von Bagneres de Luchon und Saint
Beat, im südlichen Theile des Departements Haule-Garonne
oefunden‘, und verzeichnete dieselben. Es sind: 1 Succinea,
12 Helix, 1 Clausilia, 1 Balea, 1 Pupa, 1 Planorbis, 1 Physa,
4 Lymnaeus, 1 Cyclostoma, 1 Pomalias. ‘Ölversigt af Kongl.
Vetenskaps akad. Förhandlingar 1857. p: 273. Diese Mit-
theilung ist von Creplin in der Zeitschr. für die ges. Natur-
wiss. von Giebel und Heintz IX. p. 482 übersetzt.
Adolf Schmidt veröffentlichte ein Verzeichniss der
Binnenmollusken Norddeutschlands mit kritischen Bemerkun-
gen. Zeitschr. für die Gesammten Naturwissenschaften von
Giebel und Heintz VII. p. 120.
Zunächst spricht sich Verf. gegen die neuerlich Mode gewor-
dene Neigung, den ältesten Namen unbedingt wieder herzustellen,
aus; und ich stimme seiner Ansicht vollkonmen bei. Als südlichste
Grenze des hier berücksichtigten Gebietes ist ungefähr der 50. Brei-
tengrad angenommen, Das Verzeichniss enthält 2 Daudebardia, 6
Arion, 7 Limax, 5 Vitrina, 12 Zonites, 38 Helix, 1 Azeca, 14 Pupa
(mit Einschluss von 4 Vertigo), 1 Balea, 22 Clausilia, 4 Succinea,
1 Carychium, 10 Limnaeus, I] Amphipeplea, 2 Physa, 16 Planorbis,
2 Ancylus, 1 Acicula, 1 Cyclostomus, 2 Paludina, 2 Bythinia, 4 Hy-
drobia, 6 Valvata, 1 Neritina, 4 Pisidium, 6 Cyclas, 8 Unio, 5 Ano-
donta, 1 Tichogonia; also zusammen 194 Arten in 30 Gattungen, 167
Schnecken und 27 Muscheln.
Reibisch zählte in der Allg. deutschen naturh. Zei-
tung 1. 1855. p. 409 die „Mollusken, welche bis jetzt im
Königreich Sachsen aufgefunden wurden, nebst Angabe ihres
Vorkommens und ihrer Fundorte“ auf.
Es besteht aus 4 Arion, 2 Limax, 2 Daudebardia, 3 Vitrina,
3 Suecinea, 31 Helix (unter denen H. fruticun Müll. 1774 als H. car-
duelis Schulze figurirt, weil dieser die Schnecke zuerst im 7. Bande
des Neuen Hamburgischen Magazins von 1770 beschrieben hatte),
3 Bulimus, 2 Achatina (Jubrica und acicula), 7 Pupa (einschliesslich
Vertigo), 1 Balea, 11 Clausilia, 1 Carychium, 8 Limnaeus (mit Ein-
schluss von Amphipeplea), 11 Planorbis, 2 Physa, 2 Ancylus, 2 Palu-
dina, 1 Bythinia, 3 Valvata, 1 Neritina, 6 Cyclos (mit Einschluss
von Pisidium), 6 Unio, 6 Anodonta, 1 Congeria; also 100 Schnecken,
4835 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
19 Muscheln, zusammen 119 Arten. — Dass es U. patavus heisst,
ist wohl als Druckfehler auf Rechnung der sächsischen: Aussprache
des Setzers zu bringen.
Bielz gab in den Verhandlungen des Siebenbürgischen
Vereines für Naturw. 1856. No. 12 „Malacologische Notizen
aus Siebenbürgen.“ Den Schluss bildet ein Verzeichniss der
siebenbürgischen Land- und Süsswasser -Mollusken, — Von
letzterem erschien im März 1857 eine zweite, berichtigte und
vermehrte Ausgabe. Danach kommen in Siebenbürgen vor:
4 Arion, 2 Limax, 1 Daudebardia, 3 Vitrina, 3 Succinea,
42 Helix, 6 Bulimus, 2 Achatina, 15 Pupa einschliesslich
Vertigo, 3 Balea, ‚34 Clausilia, 1 Carychium,. 8 Limnaea,
2 Physa, 10 Planorbis, 2 Ancylus, 1 Cyclostoma, 1 Acme,
1 Valvata, 4 Paludina, 1 Neritina, 4 Anodonta, 4 Unio, 3 Cy-
clas, 4 Pisidium.
Auf die Reisebemerkungen über einige Binnenschnecken
Italiens von E. v. Martens in den Malakoz. Blättern p. 120
—155 muss ich den Leser selbst verweisen, da sie eines
Auszuges nicht wohl fähig sind. Verf. beobachtete in den
Gegenden nördlich der Wasserscheide der Alpen mit Ein-
schluss des Thals des Inn und der Saone 40 Land- und 3
Süsswassermollusken ; — in Oberitalien bis zur Wasserscheide
der Apenninen und im mittleren Rhonelhal 40 Land- und 17
Süsswassermollusken; -- in Unteritalien, einschliesslich Ge-
nua und der Küste Südfrankreichs 59 Land- und 14 Süss-
wassermollusken. Darunter leben auf Kalbboden 81 Land- und
12 Süsswasser -Mollusken; auf vulkanischem Boden 29 Land-
und 9 Süsswasser -Mollusken ; auf Urgebirge und Sandstein 42
Land- und 3 Süsswasser-Mollusken; auf Alluvium .( Tief-
ebenen) 22 Land- und 19 Süsswassermollusken.
lllustrazione sistemalica, critica, iconografica de Testa-
cei extramarini della Sicilia ulteriore i delle isole eircostanti,
di Luigi Benoil. Napoli 1857. 4. Nach der Anzeige im
Journ. de Conchyl. 1857. p. 289 ein Prachtiwerk mit Ab-
bildungen, von dem bereits 2 Lieferungen erschienen sind, die
die Galtungen Testacella, Daudebardia, Vilrina, Succinea,
Helix enthalten.
Descrizione di alcuni nuovi testacei vivanti nel medi-
terraneo di Nic. Tiberi. Napoli 16pag. ist eine andere
der Mollusken während des Jahres 1857. 489
Schrift, diemir aus einer Anzeige im Journ. de Conchyl. 1857
p- 291 bekannt geworden ist. Es sind darin 8 neue Arten be-
schrieben, die unten genannt sind.
In der Vierteljahrsschrift der nalurforschenden Gesell-
schaft in Zürich 1856 p. 395 findet sich ein Verzeichniss der
von Schäfli eingekommenen zweiten malakologischen Sen-
dung von Mousson. Es sind vier Arten von Sinope, 17
Arten von Trapezunt, 3 Arten von Batum in Gurien, 8 Ar-
ten von Chysirkaleh, 28 von Reduktaleh, 1 Art von Jeniba-
zar zwischen Varna und Schumla, 5 Arten von Schumla,
Darunter sind sieben neue Arten, die jedoch nur sehr ober-
flächlich charakterisirt sind; s. unten.
Mousson hat bei Gelegenheit einer Zusendung von
Schnecken von den Azoren die von diesen Inseln bekann-
ten Arten zusammengestellt. Das Verzeichniss enthält: 4 Zo-
nites, { Patula, 12 Helix, 8 Bulimus, 1 Zua, 1 Pupa, 1 Ba-
lea, 1 Craspedopoma. Darunter ist ein Bulimus und eine
Balea neu. Verf. erkennt hieraus einige interessante Be-
ziehungen, die in der Noliz selbst nachgesehen werden mö-
gen. Vierteljahrsschrift der Naturf. Gesellsch. in Zürich II.
p- 163.
Morelet hat im Journ. de Conchyl. 2. Ser. I. p. 349.
II. p. 39 und p. 369 Beiträge zur Conchyliologie von Algerien
geliefert.
In einem neunten Fascikel der Specimina mosambicana
stellte Bianconi einige neue Muscheln auf. Memorie della
accademia delle scienze dell’ istituto di Bologna VII. 1856.
p- 403—411. Es werden in dieser Schrift Arten aus den
Gattungen Avicula, Arca, Venus, Cytherea, Mytilus, Tridacna,
Cardium, Mactra und Dolium besprochen. Die neuen Arten
sind unten genannt,
Traill hat auf einer Reise von England nach Madras
während der Monate April bis Juni 1856 pelagischen Mollus-
ken seine Aufmerksamkeit geschenkt und darüber in The
Madras Journal of literature and science, edited by the com-
mittee of Ihe Madras literary society and auxiliary royal
asialic sociely. Vol I. new series. Madras 1857. p. 147. be-
richtet,
490 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Auf einer Karte 'sind die verschiedenen Punkte‘ verzeichnet, am
denen‘ Verf, die Thiere gelangen und ‚beobachtet hat. ‚Alle beobach-
teten Thiere sind auf drei Tafeln abgebildet, sie gehören zu den: Gat-
tungen Argonauta, Janthina und den Heteropoden und Pteropoden.
Die über sie gegebenen Notizen, würden noch mehr Interesse haben,
wenn die, Species bestimmt wären. Verf. hat sich jedoch wegen
Mangels an literarischen Hülfsmitteln ausser Stande gesehen, dies
zu thun.
Eichwald hat einen Beitrag zur Naturgeschichte des
Kaspischen Meeres geliefert. Nouveaux Mem. de la soc. imp.
des Naturälistes de Moscou X. p. 285—-323.
Nach geognostischen und physikalischen Betrachtungen über
die frühere Gestaltung der- russischen Gewässer, ‘worin zugleich die
Ursachen für die Eigenthümlichkeiten der Faunen angenommen wer-
den, wird die Fauna des Kaspischen mit der des Schwarzen Meeres
verglichen. — Zuletzt folgen einige speciell zoologische Beschrei-
bungen von Schalthieren des Meeres. Im Ganzen 12 Arten, von de-
nen mehrere ausgestorben. - Einige neue Arten s. unten.
Theobald hat im Journal of Ihe asiatic soeiety of Ben-
gal 1857. p. 245 einen ersten Theil eines Verzeichnisses der
indischen Land- und Süsswasser-Mollusken geliefert.
Das Verzeichniss besteht aus 31 Cycelostomiden, 60 Helieeen,
3 Auriculaceen, die sich folgendermassen in Gattungen vertheilen +
2 Pteroeyclos, 13 Cyclophorus mit zwei, neuen Arten,.2 Leptopoma,
5 Alycaeus, 2 Megalomastoma, 1 Raphaulus, 2 Pupina, 1 Otopoma,
3 Hydrocaena, 43 Helix, 1 Hypsolostoma Benson, 1 Streptaxis, 1 Vi-
trina, 1 Cryptosoma nov. gen. s. unten, 2 Suceinea, 7 Bulimus, 1
Achatina, 1 Pupa, 2 Clausilia, 2 Aurieula, 1 Pythia.
Zollinger hat über die Höhenverbreitung und das
Vorkommen der Land- und Süsswasser-Mollusken auf Java
und den Sundainseln Bemerkungen gemacht. Vierteljahrs-
schrift der nalurforschenden Gesellschaft in Zürich Il. 1857.
p- 300. s
Er unterscheidet folgende Regionen: 1. Die eigentliche Strand-
region, in der die Mollusken bald in der Luft, bald im Wasser leben
und 'zwar a. marine Mollusken, welche zur Fluthzeit im Salzwasser
sind, mehrere Arten Auricula, Scarabus und Nematura; b. die eigent-
lichen Amphibien, welche bald im Salzwasser, bald im süssen Was-
ser, zur Zeit der niedrigsten Ebbe in der Luft leben, Navicella ma-
eulifera, manche Neritinen und Cerithien. — 2. Die Ebene, nicht
bloss die niedrig gelegenen Flächen des Landes, sondern auch höhere
bis 1200 Fuss über dem Meere, ist am reichsten an Arten; die’ Gat-
2 ee ee
FT zz
der Mollusken während des Jahres 1857. 491
füngen Nanina, Helix, Bulimus, Clausilia, Limnaeus , Planorbis,, Cy-
elostoma, Ampullaria, Paludina, Pirena, Melanopsis, Melania, Neritina,
Navicella, Cyrena, Unio, Margaritana und Anodonta sind vertreten. —
3. Die Hügelregion 500° bis 2000‘; die getrennten Vorberge der
eigentlichen Vulkane und die wellenförmigen Hügel der Kalkbildung.
Die Zahl der Arten nimmt schon ausserordentlich ab, es sind 17 Arten
genannt. — 4. Eigentliches Gebirge von 2000° bis 11000‘. Die Zahl der
Arten wird nach der Höhe immer geringer, 9 Arten sind genannt. —
Ganz wngewisse 5 Arten. — Die Trockenheit hat in Indien dieselben
Folgen wie die Kälte in Europa; die Schnecken graben sich bis 1%
Fuss tief in Erde und Schlamm ein.
Gassies ist durch die Sammlung eines Herrn Eugene
Magen in den Stand gesetzt worden, einen Beitrag zur
Molluskenfauna von Neu- Caledonien zu liefern. Er zählt
3 Helix, 7 Bulimus, 3 Physa, 1 Melanopsis, 6 Nerilina, 1 Cy-
rena, zusammen 21 Arten auf. Die neuen sind unten nam-
haft gemacht. Journ. de Conchyl. 1857. p. 270.
Durch eine kleine Schrift von Morelet, Testacea nova
Australiae, Metz 1857. 8 pag. ist gleichfalls ein Beitrag zur
Molluskenfauna von Neu-Caledonien gegeben, darin werden
18 neue Arten beschrieben. Bei Gelegenheit einer Anzeige
im Journ. de Conchyl. 1857. p. 300 ist eine Art B. Souvillei
abgebildet.
Philip Carpenter hat die Mollusken der Westküste
Nordamerika’s zum Gegenstände seiner Untersuchungen ge-
macht, und einen Bericht über den gegenwärtigen Stand un-
serer Kenntnisse derselben in Report of Ihe 26. meeting of
the british association for Ihe advancement of science , held
at Cheltenham im August 1856. London 1857. p. 159—368
veröffentlicht.
Verf. hält die Westküste Amerika’s besonders geeignet für das
Studium der geographischen Verbreitung der Mollusken , da sie ab-
geschlossen durch den grossen Ocean von der Indo-pacilischen Fauna
und durch Amerika selbst von dem Karaiben-Meere die am mindesten
eingeschnittene Küstenlinie der Welt bildet, die von dem Eise, des
Nordens bis zu einem südlichen Vorgebirge sich erstreckt, . welches
die Südspitze der alten Welt noch um 20° überragt. Er weiset auf
die Irrthümer hin, denen die Vaterlandsangaben unterworfen sind,
und malnt zur grössten Vorsicht. Die Küste wird folgendermassen
in Faunendistrikte getheilt: I. Nördliche Fauna: a) der circumpolare,
- b)ider asiatische und c) amerikanische Distrikt, II. Gemässigte Fauna :
492 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
a) Oregon, b) Ober-Californien, ce) Unter-Californien. III. Tropische
Fauna: a) Der Golf von Californien, b) Mexiko oder Centralamerika,
ce) Panama, d) Ecuador, e) Gallapagos. — Nun werden die zahlrei-
chen Quellen durchgenommen, d. h. die Verzeichnisse der Arten sind
abgedruckt, welche von den verschiedenen Schriftstellern bis in die
neueste Zeit bekannt gemacht worden sind. Dann folgt das Gene-
ralverzeichniss in Form einer Tabelle, in der die einzelnen Arten in
die Distrikts-Columnen eingetragen sind. Vom Eis-Cap (Icy-Cape)
sind 13 A. bekannt, von Sitcha 102 A., von Oregon 144 A., von Ober-
Californien 202 A., von Unter - Californien 137 A., aus dem Golf von
Californien 808A., von Panama 667 Arten. Die Summe der tropischen
Fauna Nordamerikas ist 1416 Arten. Für das Weitere müssen wir auf die
fleissige und interessante Arbeit selbst verweisen. — Hierzu gehören
vier Tafeln mit Abbildungen, welche dazu bestimmt sind auffallende
Variationen der Form darzustellen, welche bei Individuen derselben
Art vorkommen, und die wohl als verschiedene Species beschrieben
sind. Dargestellt sind Arca grandis, Cyrena mexicana, Avicula sterna,
Gadinia pentagoniostoma, Glyphis inaequalis (mit Einschluss von Fis-
surella pica Sow. und mus Reeve),. Fissurella rugosa Sow. (chloro-
trema Mke, humilis Mke, viminea Mke), Crepidula nivea Adams (Ca-
Iyptr. squama Brod., Lessonii Brod., Crep. striolata Mke), Crepidula
unguiformis Lam. juv., Crepidula aculeata Gmel (Cal. echinus Brod.,
hystrix Brod., Crep. californica Nutt., costata Mke), Lophyrus articu-
latus Sow., Fissurella virescens Sow. monstr., Crueibulum imbrica-
tum Sow., Crepidula dorsata Brod., Crucibulum spinosum Sow. (Ca-
lypeopsis tenuis, hispida, maculata Brod.), Caecum undatum (C. dimi-
nutum, pygmaeum, monstrosum, eburneum, firmatum Adams), Neritina
erassiculum Sow.
Carpenter's Catalogue of the Reigen collection of
Mazatlan Mollusca in the British Museum. London 1857.
552 pag. ist mir nicht zugänglich geworden.
Die von Captain Sir Edward Belcher im Norden von
Beechey's Insel gesammelten Conchylien hatLovell Reeve
beschrieben. The last of the arctic voyages, being a nar-
rative of the expedition in H. M. S. Assistance Vol. II. 1855.
p- 392—399. Von den 45 Arten sind 12 neu, und kaum die
Hälfte ist bisher als von Grönland stammend bekannt. Die
neuen Arten s. unten.
In dem naturhistorischen Beitrag zu „Grönland, geo-
graphisk og slalistisk beskrevet af H. Rink. Kjöbenhavn 1857
ist p. 75—94 eine Aufzählung der grönländischen Mollusken
von Mörch enthalten, welches aus 201 Arten in 87 Gat-
der Mollusken während des Jahres 1857. 493
tungen besteht. Einige neue Arten sind nicht oder doch nur
ganz kurz charakterisirt, und nur zwei, eine Helicella und
eine Aeolis, die mit Namen versehen sind, können unten
namhaft gemacht werden.
Lewis hat ein Verzeichniss der Mollusken aus kleinen
Seen in der Nähe von Mohawk, Otsego,. New-York gegeben,
wo dieselben so zahlreich vorkommen, dass sie Schichten
bis 20 Fuss Tiefe bilden. Es sind 29 Arten, worunter eine
neue Valvata. Proc. Philadelphia VIII. p. 259.
In Reports of explorations and surveys to ascertain the
most practicable route for a railroad Vol. V. 1856. p. 330 ist
ein Verzeichniss der Conchylien enthalten, theils Süsswas-
serschalen vom Colorado, theils marine Formen von der Kü-
ste zwischen San Francisco und San Diego. Es ist bear-
beitet von Gould, und enthält 44 Arten. Die neuen Ar-
ten sind abgebildet. Die neuen Süsswasserschnecken sind
bereits in Proc. Boston. Soc. 1855 aufgestellt worden, und in
dem entsprechenden Berichte namhaft gemacht; die marinen
sind gleichfalls bereits 1855 aufgestellt, im Appendix to Pre-
lim. Geol. Report of W. P. Blake und damals von uns über-
sehen, daher führen wir sie jetzt unten auf; sie gehören
den Gattungen Potamis, Phasianella, Bulla, Cardium und Ta-
pes an.
Deshayes hat eine vorläufige Notiz über die von
Schramm in Guadeloupe zusammengebrachte Sammlung von
Mollusken gegeben, die bei der Ausstellung von 1855 in Paris
aufgelegt war. Einige neue Arten und eine neue mit Tritonia
verglichene Gattung Tridachia werden wohl später noch
gründlicher bekannt gemacht werden. Journ. de Conchyl.
1857. p. 137.
Von der Zoologie der „Expedition dans les parties cen-
trales de l’Amerique du Sud, de Rio de Janeiro & Lima, et
de Lima au Para, ex&cute& par ordre du Gouvernement fran-
gais pendant les annees 1843—1847 sous la direction du
Comte Francis de Castelnau“ ist in den Lieferungen 21—24
der Abschnitt über Mollusken auf 12 Bogen Text und mit
20 Tafeln vollständig erschienen. Er ist von H u pe be-
arbeitet.
494 Troschel: Besicht üb. d. Leistungen: in d.»Naturgeschichte
Die auf.dieser Expedition theils in Brasilien, theils in. Bolivien
und Peru, gesammelten Mollusken sind vorzugsweise Land - und Süss-
wassermollusken, die ersteren besonders Heliceen. Von Cephalopo-
den sind nur 2 Arten L. hrasiliensis und brevis Blainv. beobachtet.
Von Landschnecken sind 2 Vaginulus, 4 Vitrina, 2 Succinea aufge-
führt; unter den 47 Arten der Gattung Helix sind 11 Arten der Gruppe
H. pellis serpentis charakteristisch, unter denen einige neue bereits
in der Rey. et Mag. de zool. 1853 beschrieben sind; ferner gehören
11 Streptaxis, 4 Tomigerus, 5 Anostoma, 250 Bulimus, 2 Pupa, 2 Tor-
natellina, 1 Limnacus, 1 Physa, 6 Planorbis, 1 Antylus, 5 Cyelöstoma
(2 Cyelotus, 2 Cyclophorus, I Cistula) und 12 Helicina dieser Fauna
än. Ampullaria ist reich an Arten, 6 Melania, 6 Aplysia, 2 Doris,
1 Glaueus. Unter den Muscheln sind die Gattungen Castalia, Hyria
und Mycetopus für die Fauna charakteristisch,
Philippi lieferte in der Zeitschrift für ‚die gesammten
Nalurwissenschaften von Giebel und Heintz p. 89 Bemerkun-
gen über die in Chile’einheimischen Arten Helix, so: wie ps 94
über ‚die Conchylien.der Magellanstrasse.
Pfeiffer hat in ‘den Malakoz. Blättern‘ 1857..'ps 29
kritische Bemerkungen über die in Gould’s Expedition Shells
beschriebenen ‚und abgebildeten Landschnecken gegeben.
Sie beziehen sich auf mehrere ‘Arten Vitrina, Suceinea, Helix
und andere Heliceen, so wie über einige Helieinen. Von folgenden
Arten''bat Verf. nach, sicheren Exemplaren neue Diagnosen entwor-
fen: Suceinea caduca Mighels, Helix strigosa Gould, Helix pauxillus
Gould, Helicina multicolor Gould und Helicina; trochlea Gould.
Fischer hat Journ. de Conchyl. 1857. p. 258 Betrach-
tungen: über, die, Symmetrie, der Mollusken angestellt,
Mit ‚den‘ Euticularbildungen im. Darme: der Thiere.be-
schäfligt, ‚hat! Kölliker auch»die Magenzähne) von Aplysia,
die'Kiefer von Aplysia, Pleurobränchaea, 'Diphyllidia und eini-
ger Cephalopoden, so wie die Reibmembran von 'Carinaria
und: Loligo . histologisch: untersucht., Verh;. der phys.- med.
Gesellsch. in; Würzburg; VIII. p. 43. banal
Er erkläit’ alle diese Bildungen für von’ Zellen ausgeschigdene
Massen, und»tritt der früher von ihm vertretenen. Ansicht ausdrück-
lich entgegen, namentlich |bei den: Kiefern, dass dieselben aus. Zellen
zusammengesetzte Horngebilde seien. ‚— Die Bildung der Reibmem-
bran hinten ‚in der Zungenscheide erklärt er dureh einen Zungen-
keim (matrix), der von der oberen Mittellinie der Zungenscheide als
ein besonderes Gebilde in ihre Höhlung hineinhängt, und’ der'die
u Ta er I ELEMENT
der Mollusken ‚während des Jahres: 1857. 495
Form eines mit. longitudinalen Blättern versehenen und. mit, blattför-
miger dünner Basis aufsilzenden Lüngswulstes hat, der in der ganzen
Länge der Zungenscheide sich erstreckt, hinten niedrig beginnt, ‚und
vorn ‘wie abgestutzt aufhört. In den Zwischenräumeu dieser anhän-
genden Blätter würde dann, wenn ich es recht verstanden habe, ‘von
dem sie überziehenden Epithel die Zahnmasse ausgeschieden werden,
die dann die Zwischenräume, gleichsam die Form, ausfüllte. Wenn
an dem sogenannten Längswulste longitudinale Blätter anhingen , die
dann doch nach allen Seiten Zahnsubstanz um sich herum ausschei-
den. mussten, so scheint es mir, als wenn eine compacte Substanz
gebildet werden müsste, in der die Blätter Vertiefungen. darstellen
würden; da aber die einzelnen Zungenplalten von einander völlig
getrennt sind, so möchte ich vielmehr aus ‚der Darstellung des Verf.
mir den Zungenkeim als eine das hintere Ende der Zungenscheide ein-
nehmende Walze denken, welche mit regelmässig angeordneten Ver-
tiefungen Versehen wäre, die dann mit der Zahnsubstanz ausgefüllt
würden, und so die Form für die einzelnen Zahnplatten abgäben.
Ein Querschnitt solcher Walze, wenn er gerade die Zahnformen trifft,
muss‘ nolhwendig dasselbe Bild geben, welches Verf, ahgebildet hat.
— An. den Platten, namentlich bei den Heteropoden , hat Verf. Ka-
nälchen gesehen, welche quer von einem Seitenrande zum anderen
verlaufen, und die mit kleinen deutlichen Mündungen ausgehen.
Auch auf «die secundären Zellenausscheidungen: und
Cutieularbildungen auf der äusseren Haut haben sich ib. p. 61
die Untersuchungen in Betreff der Mollusken erstreckt. Die
Schalen der Mollusken und die Saugnäpfe der Cephalopoden
bildeten hier das Object. In Betreff des Näheren verweise
ich auf die Abhandlung selbst.
Ueber das Gehörorgan der Mollusken hat A. Schmidt
Untersuchungen augestellt, und seine gewonnenen inleres-
santen Resultate in. der Zeitschr. für die ges. Naturw, von
Giebel und Heinz VIII. p. 389 mit 8 Tafeln veröffentlicht.
Verf. hat auf die verschiedene Zahl und Gestalt der Otolithen
sein Augenmerk gerichtet. Nach ihm haben die Gattungen Littorina,
Bythinia, Hydrobia, Lithoglyphus, Trumneatella, "Cyelostomus und Leo-
hia nur cinen Ötolithen; Neritina hat ungemein zahlreiche, Melanopsis
ünd Melania haben cinen colossalen unter zahlreichen kleineren Oto-
litien; Hydrocena und Valvata nähern sich in der Beschaffenheit der
Otolithen mehr den Stylommatophoren, von denen die verschiedenen
Formen aubgebildet sind. Für die chemische Beschalfenheit der Ge-
hörsteinchen, die man für kohlensauren Kalk gehalten hat,’ ist’ die
Erfahrung des Verf. wichtig, dass die in Glycerin’ aufbewahrten Ot0-
496 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
lithen sich bei höherer Temperatur auflösten, während dies in der
Kälte weniger geschah. Die Bewegung der Ötolithen durch Flim-
mern der Kapselwand bezweifelt Verf. Er möchte sie durch den Ein-
fluss einer unsichtbaren Kraft des Organismus deuten (? !). Als die
wichtigste Entdeckung bezeichnet Verf. mit Recht einen von der
Kapsel nach aussen führenden Gehörgang, der sich am besten bei
Plysa fontinalis beobachten lassen soll. Ich stimme dem Verf. gem
darin bei, dass die nähere Kenntniss der Gehörorgane ein wichtiges
Moment für die Classification der Mollusken bieten könne, bin aber
nicht der Meinung, dass die Bildung dieser Organe für den Beweis
in die Waagschale falle, dass die Mollusken höher stehen als die
Insekten.
Carpenter hat sich von Neuem über die Entwicke-
lung von Purpura lapillus geäussert , und beharrt bei seiner
früheren Ansicht. Namentlich hebt er hervor, dass Busk
durch unabhängige Beobachtungen zu gleichen Resultaten
gekommen sei, und sich von dem wesenllichsten Punkte des
Streites mit Koren und Danielssen überzeugt habe, dass näm-
lich ein Mund mit Schlund bei den jungen, aus einzelnen
Eiern entstandenen Embryonen vorhanden sei. Annals nat.
hist. XX. — Ib. p. 127 bringt Carpenter ferner das Zeugniss
von Dysten für seine Ansicht bei.
Marcel deSerres hat wieder auf die Modifikationen
aufmerksam gemacht, welche die Muscheln und Schnecken
während ihres Lebens eingehen. Mem. de l'acad. de Mont-
pellier III. p. 413.
Verf, spricht von dem Abreiben der Wirbel bei den ersteren,
von der Abnutzung der ersten Windungen bei den letzteren. Die
Localität hat darauf Einfluss, indem die Süsswassermollusken mehr
Beispiele liefern, als die marinen. Das Abreiben der Wirbel schiebt
er ‘auf eine Folge mechanischer Reibung, um die Schalen leichter
zu machen, die Abnutzung der ersten Windungen bei den Schnecken
darauf, dass das Thier keinen Platz mehr darin habe, und daher diese
Theile der Schale keinen Antheil mehr an dem allgemeinen Lebens-
processe nehmen. Bereils in urweltlichen Zeiten haben dieselben
Erscheinungen stattgefunden, selbst bei den Cephalopoden, an denen
dergleichen in der Jetztwelt nicht mehr beobachtet wird. — An dem-
selben Orte p.424 hat Verf. die Beschaffenheit der Flüssigkeit zu
untersuchen unternommen, mittelst welcher die Schnecken die ersten
Windungen ihrer Schale zerstören. Er fand den Schleim bei Bulimus
decollatus bald ein wenig alkalisch, bald neutral, bald ein wenig
u un ur en ee ee ur ee
2
der Mollusken während des Jahres 1857. 497
sauer, und glaubt gefunden zu haben, dass der Schleim des vorderen
Körpertheils alkalisch, der des hinteren Theiles sauer (acide urique)
sei. Das Material zur Untersuchung scheint jedoch ziemlich roh ge-
schieden zu sein, indem Verf. nicht die einzelnen Organe berück-
sichligt hat , sondern das Thier in eine vordere und eine hintere
Hälfte zerschnitten zu haben scheint. Er hält die Harnsäure der hin-
teren Hälfte seltsamer Weise für ein genügendes Mittel für das Thier.
um sich der ersten Schalenwindungen zu entledigen.
Weinland hat bei allen von ihm untersuchten Ano-
donten kleine runde Löcher gefunden, welche die Epidermis
durchbohren , und zuweilen in den Höhlungen kleine Wür-
mer. Er selzt voraus, dass diese Anbohrung der in dem
Wasser enthaltenen Kohlensäure den Weg bahne, um die
Wirbel, und selbst oft die ganze Schale anzulressen. Proc,
Boston Soc. VI. p. 57.
- Durch die eben erwähnte Notiz veranlasst, hat sich auch
Lewis in Mohawk über diesen Gegenstand ib. p. 150 ge-
äussert.
Er leugnet nicht den Einfluss parasitischer Würmer, glaubt
jedoch beobachtet zu haben, dass in solchen Gewässern, welche grosse
Mengen yon Kalksalzen aufgelöst enthalten, die Muscheln sich wenig
zum Zerfvessen cignen; während da, wo wenig Kalk ist, und viele
Alkalien und Eisensalze aufgelöst sind, dieselben stark angefressen
werden. Namentlich wird ein langsam fliessendes Wasser bei dem
Orte Mohawk angeführt, in welchem die Muscheln im Allgemeinen
sehr wenig zerfressen vorkonımen ; weiter unten jedoch, nachdem
bei jeden Regen die weggeworfene Asche einer Anstalt ausgelaugt,
und so Mengen von Alkalien in das fliessende Wasser gebracht wer-
den, finden sich alle Schalen mehr oder weniger .angefressen, welche
Erscheinung noch weiter unten wieder aufhört.
Koehler hat die Platten von der Zunge der Helix
pomalia chemisch untersucht, und will gefunden haben, dass
sie nicht aus Chilinsubstanz, sondern aus, Horngewebe be-
stehen. Giebel und Heiniz Zeitschrift für die gesammten Na-
turwissenschaften VIII. p. 112. i
Ueber die milchige Gährung der Austern schrieb Bi-
zio: Ferinentazione latlica dei corpi delle ostriche. ‚(Ostrea
edulis L.) e separazione del principio produttore dell’ acido,
chiamato Ostreina. Memorie del” J. R. Istituto Veneto di
scienze, lellere ed arli VI. Venezia 1856. p. 25.
Archiv f. Naturgesch. XXIV, Jahrg. 2. Bd, GG
498 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Natürgeschichte
In einer kleinen Schrift „Essai sur les animaux dome-
stiques des ordres inferieurs. Bruxelles et Paris 1857“ hat
Phipson p. 21—27 auch einen Abschnitt über die Mollus-
ken. Er spricht von dem Nutzen der Cephalopoden, Schnek-
ken und Muscheln, und scheint sie zu einer Art Domestici-
rung empfehlen zu wollen.
Neue Bemerkungen über. das Einsammeln von Mollus-
ken von Petit finden sich im Journ. de Conchyl. 1857. p. 61.
Derselbe empfiehlt das Einsenken von Körben mit gewissem
Köder in grössere Tiefen, das Aufbrechen von Seeigeln,
und das Aufheben grosser Steine bei der Ebbe, — Mar-
tin empfiehlt ib. p. 165 das Oeffnen des Magens gewisser
Fische, namentlich Trigla, und der Asterien, um Conchylien,
die in grosser Tiefe leben, zu erlangen, — Petit erinnert
ferner ib. p. 269 an ein von Jeffreys angewendetes Ver-
fahren; derselbe legte die durch das Schleppnetz aufge-
brachten Pflanzen in süsses Wasser, um die kleinen. Con-
chylien zu tödten, und sonderte sie dann aus.
Rossmaessler hat einen sehr einfachen aber recht
sinnreichen Verhältniss- Maassstab zum Messen relativer Län-
gen am Molluskengehäuse in den Malakoz. Blättern p. 117 an-
gegeben, und durch eine Abbildung erläutert.
Cephalopoda.
Schlossberger hat das Blut der Cephalopoden che-
misch untersucht. Annalen der Chemie und Pharmacie April
1857. p. 86; Bibl. univ. de Geneve 36. p. 373.
Williams hat Annals nat. hist. XIX. p. 193 den Schluss
seiner Untersuchungen über den Mechanismus der Wasser-
Respiration und über die Struktur der Athmungsorgane bei
den Wirbellosen geliefert, indem er die Cephalopoden ab-
handelt.
Das Wasser wird in die innere Achse der Kiemen durch die
Zwischenräame: der Kiemenläppcheh eingesogen. ' Bei Octopus und
Sepia faltet sich die Kieme; so um sich ‚selbst; dass sie eine eylindri-
sche Achse einschliesst,, was beilLoligo und Loligepsis nicht so der
Fall ist; Verf. möchte daher die Ordnung der Dibranchiaten in zwei
Unterordnungen theilen, bei deren einer die Kieme einen Cylinder,
|
|
der Mollusken während des Jahres 1857. 499
bei deren anderer sie einen Halbeylinder bildet. Verf. empfiehlt diese
interessante Thatsache solchen Beobachtern, denen ein reicheres Ma-
terial zu Gebote steht. Die Abbildungen erläutern die klare Darstel-
lung des Textes vortrefflich.
Die „Bemerkungen über die Cephalopoden von Messina“
des Referenten in diesem Archiv p. 41 hatten hauptsäch-
lich den Zweck die von Steenstrup beobachteten That-
sachen in Betreff des Hectocotylismus zu bestätigen und zu
erweilern, zugleich aber auch dieselben für die Classification
zu verwerlhen.
Philonexidne. Ref. hat Philonexis microstomus d'Orb.
bei Messina beobachtet und ihn beschrieben. Bei dieser, Gelegenheit
liess sich der junge Cephalopode der Südsee (Souleyet Voy. ‚de la
Bonite) mit grosser Wahrscheinlichkeit als ein jugendlicher Philo-
nexis bestimmen. Dies Archiv p. 44.
Octopidae. Octopus vulgaris ist, wie Madame Jeanette
Power Annals nat. hist. XX. p. 336 berichtet, ungemein gefrässig.
Sie beobachtete einmal, wie ein solcher Octopus eine. Pinna nobilis
belauerte, ihr, als sie die Schale geöllnet halte, einen Stein dazwi-
schen schob, dadurch das Schliessen der Schale verhinderte, und sie
verzehrte.
Die neue Gattung $Scaeurgus des Ref., welche den hectocoty-
lisirten Arm an der linken Seite hal, s. dies Archiv. p.51.
Myopsidae. Die Verany'sche Angabe, dass die Weibchen
von Rossia dispar mit grossen Saugnäpfen versehen sind, hat Ref.
dahin berichtigt, dass diese den Männchen zukommen. Dies Ar-
chiv p. 62.
Die von Couch als britisch angegebenen Schalstücke von Se-
pia biserialis (vergl. vor. Bericht p. 123) möchte Adler vielmehr
der Sepia elegans zugehörig vermuthen. Annals nat. hist. XIX. p. 474.
Oigopsidae. Enoploteuthis polyonyx Trosch. dies Archiv
p. 67 von Messina.
1 Thysanoteuthis n. gen. Trosch. dies Archiv p.69 mit zwei
neuen Arten Th. Rhombus und elegans von Messina.
j . . Nautilacea. Gould hat Proc. zool. soc. 1857. p.20; An-
nals nat. hist. XX. p. 57 bemerkt, dass unter dem Namen Nautilus um-
bilicalus zwei verschiedene Arten’ verwechselt werden, die sich be-
slimmt unterscheiden lassen. Den Namen umbilicatus wendet er für
die von Lister abgebildete Art an, den Solandeir’schen Namen N.
scrobiculatus für die Art, welche von sämmitlichen späteren Schrilt-
stellern als umbilicatus beschrieben ist. Er ünteischeidet sie durch
folgende Diugnosen: .
500 Troschel: Bericht üb. 'd. Leistungen in d. Naturgeschichte
N. umbilicatus testa suborbicularis , ventricosa, striis confertis
volventibus insculpta, utrinque late umbilicata; marginibus umbilico-
rum vix rotundatis; umbilico pervio, infundibuliformi, nigro, margine
externo vix rolundato; rufescens, postice radiatim ferrugineo strigata,
strigis angustis, confertis.
N. scrobiculatus testa suborbicularis, subdepressa, laevis, nitida,
lateribus radiatim fluclualis, utrinque late umbilicata, umbilico crate-
riformi, margine externo rotundato , late flavescens, postice radiatim
ferrugineo strigata, strigis latis, remolis.
Weitere Beobachtungen über Nautilus von Macdonald (Proc.
Royal soc. 1857. Febr.; Annals nat. hist. XIX. p. 379) beziehen sich
auf das Gehörorgan und auf den grossen Seitenmuskel. Die Art, an
welcher seine Beobachtungen angestellt sind , und welche Verf. frü-
her für N. umbilicatus hielt, wird als N. macromphalus berichtigt,
und Verf. ist der Vermuthung geneigt, diese Art möge das Männchen
von N. umbilicatus sein.
Cephalophora.
Von des Referenten „Gebiss der Schnecken , zur
Begründung einer nalürlichen Classification€ erschien im
Jahre 1857 die zweite Lieferung. Sie behandelt den Schluss
der mit Deckel versehenen Lungenschnecken, nämlich die
Cyclostomaceen, Helicinaceen, Hydrocaenaceen, Proserpina-
ceen, Truncatellaceen und Ampullariaceen, so wie den An-
fang der Kammkiemer, nämlich die Valvaten, Paludinen, By-
thinien, Lithoglyphen, Hydrobien, Ancyloten und Thiaren.
Aus diesen speciellen Untersuchungen mag als Hauptresultat
hervorgehoben werden, dass die Helicinaceen,, Hydrocaenaceen und
Proserpinaceen wirkliche Rhipidoglossen sind, also sich unmittelbar
an die Neritaceen anschliessen , während die Cyelostomaceen, Trun-
catellaceen und Ampellariaceen dem Gebisse nach sich den Kamm-
kiemern nähern. Es lässt sich schon jetzt übersehen, dass auf die
Lungenathmung weniger Werth zu legen sein wird, als man bisher
annahm, und dass man die Lungenschnecken in mehrere Ordnungen
wird verlheilen müssen. In derin Rede stehenden Lieferung ist dies
noch nicht so scharf ausgesprochen. Bemerkenswerth bleibt dabei
immer der Uebergang von den Cyclostomaceen zu den Helicinaceen,
durch die tief kammförmig eingeschnittenen äusseren Seitenplalten.
Die oben genannten Gruppen der Kammkiemer sind durch die Be-
schaffenheit ihrer Radula bestinımt verschieden, worüber das Specielle
in dem Buche selbst nachgesehen werden möge. ’
Allgemeine Bemerkungen über die Zungenbewaffnung
Nr ee En.
der Mollusken während des Jahres 1857. 501
der Mollusken hat Fischer Journ. deConchyl. 1857. p. 120
gemacht. Sie sind keines Auszuges fähig. Es sei jedoch
bemerkt, dass ich in manchen Punkten den Ansichten des
Verf, widersprechen muss. So hält er jede Mittelplatte für
eine Fusion zweier seillichen, was gewiss, wenigstens in
den meisten Fällen, nicht richtig ist. Verf. scheint beson-
ders die Land - und Süsswasserschnecken im Auge zu haben.
Gray hat Nolizen über Thier und Gebiss einiger
Schnecken, jedoch ohne Abbildungen in den Annals nat.
hist. XIX. p. 96 gegeben.
Sie beziehen sich auf folgende Arten: Fusus pallidus, Typhis
tetrapterus, Pisania elegans, Triumphis distorta, Cyclope (Nassa) ne-
ritinea; Cuma sulcata, Fasciolaria salmo, Leucozonia angulata, Malea
ringens, Ranella caelata, Imperator n. sp., Callopoma saxosum, Te-
gula pellis serpentis, Aplysia depilans, Tylodina punctulata, Umbrella
mediterranea und Proserpina.
Heteropoda.
Krohn hat weitere Beobachtungen über die Entwicke-
lungsgeschichte der Heteropoden in Messina angestellt. (Mül-
ler’s Archiv für Anat. 1857. p. 466; vergl. den vor. Bericht
p- 124.
Die Larven der Pterotracheen sind mit Fühlern versehen, wäh-
rend unmittelbar nach der Metamorphose keine Spur mehr von diesen
‚anzutrellen ist, auch das fühlerlose Weibchen der von ihm beobach-
teten Firoloidesart, besitzt sie als Larve. Die früher von Krohn als
Carinaria angesprochene Larye ist gleichfalls eine Pterotracheenlarve.
— Die Larye von Carinaria hatte eine Schale von 2%, Windungen
und ein Velum mit 3 Wimpelpaaren; die Fühler waren sehr lang.
Sie zeigt schon eine Combination der Charaktere der Atlanten und
Firoloiden.
Arthur Adams beschreibt eine neue Art Macgillivraya echi-
nata von den Capyerdischen Inseln, die wohl ebenso wie ihre Ver-
wandten, einem Larvenzustande irgend einer Schneckengaltung zuzu-
schreiben sein wird. Annals nat. hist, XIX. p-373.. Dasselbe gilt
von zwei neuen Heteropoden, die derselbe Verf. ib. p. 461 unter dem
Namen. Sinusigera d’Orbignyi und Macegillivraya setigera beschrie-
‚ben hat.
Gasteropoda.
Macdonald hat seine Ansichten über. die natürlichen
502 Troschel: Bericht üb..d; Leistungen ind. Naturgeschichte
Verwandtschaften ‚und die. ‚Olassification: der ‚Gasteropoden
geäussert. Proceedings .of ‚tihe,Royal Society of London Febr,
1857, Annals nat. hist: XIX. ‚p. 398.
Verf. verwirft die’ von ‘der‘Schale ‚und ‘den: Athmungsorganen
hergenommenen Merkmale als Charaktere ersten. Ranges... Vorzüglich
wichtig erscheinen ihm die Geschlechtsorgane, ob zwittrig. oder ge-
trennten Geschlechts, und demnächst die Gehörorgane, und. die Mund-
und Magenzähne. Die Gehörsteinchen sind entweder einzeln (Otoli-
then) oder Gruppen kleiner Granula (Otoconia). Die Zungenplatten
stehen entweder auf einer kurzen und breiten Membran (Pflaster, pa-
vement) oder auf einem schmalen langen Bande (Riemen , ribbon or
strap). Bei letzteren ist ‚eine Rhachis und eine Pleura zu unterschei-
den, von denen die eine oder die andere fehlen kann, Die Kiefer
nennt Verf. Lippenplatten (labial plates). — Die Vorstellungen des
Verf, über die Entwickelung der Zunge sind nur im Allgemeinen
bezeichnet. Er sagt, zuerst entstehen einige Platten der Rhachis,
dann die ihr zunächst liegenden Platten, so verbreitere und verläu-
gere sich die Zungenmembran. Der Vorstellung, die Glieder der
Zunge rücken allmählich von hinten nach vorn vor, schenkt er nicht
seinen Beifall. Die Tabellen, welche nur als Proben der Anordnung
folgen, sind ziemlich unvollständig, und scheinen mir auch Irrthümer
zu enthalten. So steht z.B. Patella und Dentalium unter den Zwitter-
schnecken! ' Um die Litteratur scheint sich Verf. nicht viel beküm-
mert zu haben.
Fischer machte auf den Unterschied beim Höfechen
der Schnecken aufmerksam , und bemerkt, dass die einen
ohne Hülfe des Kopfes auf der Sohle gleiten, wie Helix, Li-
max, Limnaeus, Buccinum, Voluta ct., während die andern
mit Hülfe des Kopfes spannen, wie Cyclostoma, Truncatella,
Strombus , Xenophora ct. Journ. de Conchyl. 1857, p. 34.
— Ueber das Kriechen von Chondropoma crenulatum und
Cyclophorus Beauianum vergl. ib. p. 113.
Pulmonata operculata.
Pomnatiacea. In der unten zu besprechenden Schrift von
Claparede über Cyclostoma elegans ist beiläufig auch die Radula
von Pomatias maculatus, so wie deren Kiefer beschrieben und ab-
gebildet. Auffallend ist es, dass Verf. zuweilen Exemplare antraf,
bei denen die Mittelplatten fast ganz verkümmert waren. Die Kiefer
will Verf. nicht als solche anerkennen, sondern nennt sie lorica pa-
latina; dies kommt nur auf einen Wortstreit hinaus. ' Ich nenne die
we
GE ne
|
der Mollusken während des Jahres 1857. 503
Theile der die Mundhöhle auskleidenden zarten Chitinmembran, wel-
che eine festere Beschaffenheit haben, aus schuppenartigen Elemen-
ten zusammengesetzt sind, und am Eingange der Mundhöhle liegen,
Kiefer, und finde durchaus, dass diese Theile von Pomatias dasselbe
sind, wie die Kiefer von Helix,
Cyclotacea. Die auf Jamaica vorkommenden Arten der
Gattung Cyelotus hat Chitty studiert, Proc, zool. soc. 1857. p. 142.
Er fand innerhalb derselben sechs verschiedene Formen des Deckels,
wonach die Arten geordnet ‚werden: 1) mit einer erhabenen nach
aussen gebogenen, abstehenden Lamelle; der obere Rand ausgebreitet
und der Fläche des Deckels parallel ohne die folgende Windung zu
berühren ; Ebene des Deckels flach: C. corrugatus, Portlandicus, no-
tatior, nolalus, novae spei, cycloatus, dubiosus Ad., suturalis Sow.;
2) mit vorragenden Windungen, deren obere Ränder verdickt und
herabgebogen sind und die folgende Windung berühren ; Ebene des
Deckels flach: C. varians Ad., subrugosus Sow., corrugaltior, gemma,
ziezac; 3) mit schwach erhabenen, stumpf verdickten und ausgehrei-
teten Windungen, deren Ränder ganz an die Ebene angedrückt sind:
C. seminudus Ad., burghaeanus, rudis-planusque, pretiosus, Bairdia-
nus, ruber; 4) mit schmalen Windungen, welche flach und stumpf an
den Rändern und schmal nach aussen ausgedehnt sind; die Fläche
des Deckels überall excentrisch und scharf gestreift: C, Jamaicensis
Chemn., dentistigmalus, novus-sallus, cerassus Ad., inutilis; 5) mit er-
hahenen Windungen, welche scharf am Raude sind und last senkrecht
auf der Fläche stehen, der Rand kaum umgebogen: C. rupisfontis,
eorrugatissimus; 6) mit hoch erhabenen Windungen, deren Ränder
scharf und herabgebogen sind, innen convex und aussen concav: Ü.
jugosus Ad., pallescens Ad., Westmorelandensis, nodosus, Beswicki,
perpallidus.
Benson stellte Annals nat. hist. XIX. p.201 eine neue Gat-
tung Streptaulus aul; Testa umbilicata, pupinilormis, nitens; pe-
ristoma eirculare, non conlinuum, superne tubulo suturali interno et
externo, conlinuo, ad extremitates ambas aperto, siphonem mentiente,
perforatum. Opere.? Eine neue Art: St. Blanfordi von Darjiling im
Himalaja. 7
Derselbe beschrieb ib. folgende neue Arten: Diplommatina di-
plocheilus vom Khasia-Gebirge, pachycheilos von Darjiling, polypleu-
ris von Nanelai; Alycaeus proseelus von Teria-Ghat, stylifer von
Darjiling, hebes von Teria-Ghat; Leptopoma eybeus von Nanclai; Cy-
clophorus pinnulifer von Teria-Ghat, tomotrema von Teria-Ghat, ery-
ptomphalus von Ava in Burmah, Theobaldianus von Ihyet-Myo , bal-
teatus von Pegu, scurra ebendaher,
Cyelophorus Haughtoni und affınis sind neue Arten von Theo-
bald von Maulmein in Indien. Journ. Asiatic »oc. of Bengal 1857.
50& Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
p. 246. — Ebenso C. aequivocum von Madagascar und lignarium von
Nenseeland von Pfeiffer Proc. 1857. p.112. — C. Courdertii Fi-
scher et Bernardi Journ. de Conchyl. p. 299. pl. 10. Fig.3—5 von
Neu-Caledonien.
Megalomastoma digitale Gundlach Malak. Bl. p. 114. von Tri-
nidad auf Cuba.
Leptopoma Wallacei Pfeiffer Proc. zool. soc. 1857. p. 112 von
Borneo. +»
Pupina Moulinsiana Fischer et Bernardi Journ, de Conchyl.
2. Ser. Tom. I. p.299. pl.10. Fig. 6—-7 von Neu-Caledonien.
Aulopoma sphaeroideum Wohrn Malak. Bl. p. 85 von Ceylan.
Ein kritischer Versuch über einige Arten der Gattung Cyclo-
stoma von Shuttleworth hat den Zweck C. distinetum Sow., C.
orbella Lam. und C. solutum Richard aufzuklären. Hierbei werden
Cyclotus granadensis von der Insel Granada, martinicensis von Mar-
tinique, /floccosum von Haiti und Cyclophorus Schrammi von Guade-
loupe als neue Arten unterschieden. Journ. de Conchyl. 2. Ser. Tom. 1.
p: 261.
Bei Pfeiffer Novit. conchol. sind abgebildet: Pterocyclos
tener Menke Taf. 25. Fig. 13—15, Cataulus Cumingi Pfr. Fig. 16—17,
Megalomastoma Gundlachi Pfr. Taf. 26. Fig. 20—-22 und M. leoninum
Pfr. Fig. 23—25.
Cyclostomacea, Einen werthvollen Beitrag zur Ana-
tomie von Cyclostoma elegans hat Claparede als Inaugu-
ral-Dissertalion geliefert „Cyclostomatis elegantis anatome.
Berolini 1857. 4.«
Das Nervensystem mit den Gehörkapseln ist genau beschrieben
und abgebildet. Den Mundtheilen ist besondere Aufmerksamkeit ge-
schenkt. Die Radula ist abgebildet. Die Speicheldrüsen, die Leber,
die Cireulationsorgane und die Niere sind auf ihre feinere Structur
untersucht. Dann ist ein Organ beschrieben , welches Verf. für den
Cyclostoma eigenthümlich hält; es ist eine grosse Drüse zwischen
den Windungen des Darmes, die sich auch bis zwischen Niere, Herz
und Lungenhöhle erstreckt, und wird muthmasslich für eine accessori-
sche Niere gehalten. Endlich wird noch ein Organ hervorgehoben,
das zwischen Mund und Fuss liegt, und von dem Verf. vermuthet,
dass es die Substanz liefere, um den Weg schlüpfrig zu machen. So-
wohl die männlichen als die weiblichen Geschlechtsorgane sind be-
schrieben und abgebildet.
Cyelostoma tubulum unbekannten Vaterlandes und C. Eugeniae
von Mauritius sind von Ree ve aufgestellt. Erstere ist verwandt mit
C. Belairi und Boivini also wohl zur. Gattung. Cyclosiomus gehörig;
der Mollusken während des Jahres 1857. 505
letztere verwandt mit C, filosum , also wohl gleichfalls ein Cyclosto-
mus. Annals nat. hist. XX. p. 524.
Gundlach beschrieb drei neue Arten von Cuba: Chondro-
poma perlatum, Ctenopoma deficiens und Ctenopoma immersum, alle
aus der Umgegend von Matanzas. Malak. Bl. p.41.
Derselbe beschreibt das Thier von Cyclostoma Agassizi Charp.
ib. p. 47.
Gundlach stellte auf: Ctenopoma echinatum, Ct., sculptum,
Choanopoma Arangianum, Ch. perplicatum, Chondropoma revocatum
Malak. Bl. p. 176.
Chondropoma Tortolense Pfr. von der Insel Tortola ib. p. 158.
Bei Pfeiffer Novit. conch. sind abgebildet Chondropoma Cor-
dovanum Pfr. Taf. 25. Fig. 18—19, Ch. egregium Gundl. Taf. 26.
Fig.1—5, Ch. Shuttleworthi Pfr. Fig. 6 —11, Ch. dissolutum Pfr.
Fig. 12—16, Ctenopoma coronatum Poey Fig. 17—19.
Aeciculacea. Nach der Beobachtung des Thieres von Trun-
catella dubiosa Adams hält Fischer dafür, dass diese Art in die Fa-
milie der Aciculaceen gehöre. Journ. de Conchyl. 2. Ser. Tom. 1.
p- 232.
Truncatella californica Pfeiffer Proc. zool. soc. 1857. p. 111 von
San Diego in Californien,
Ampullariacea, v. Martens hat die Ampullarien des
Berliner Museums einer Revision unterworfen, und namentlich ver-
sucht die Synonymie der Philippi’'schen und der Reeve’schen Arbeit
festzustellen. Die in jener Sammlung befindlichen Arten sind in 12
Gruppen getheilt, Eine Art A. pomatia aus der achten Gruppe He-
lieiformes wird für neu gehalten. Malak. Bl. p. 181—213.
Ampullaria ormophora Morelet von Neu-Caledonien Test. nov.
Austral. |. c.
Ueber das Athmungsorgan der Ampullarien hat Hupe im Ca-
stelnau’schen Reisewerke p.63 eine von der bisher allgemeinen ab-
weichende Ansicht ausgesprochen; er hält die über der Kiemenhöhle
gelegene Tasche nicht für eine Lunge, sondern nur für einen Was-
serbehälter, um zur Zeit der Trockenheit auszuhelfen. In Rücksicht
auf die positiven Angaben früherer Reisenden, dass diese Schnecken
Luft athmen, und auf die anatomischen Verhältnisse, scheint diese
Angabe vorsichtig aufgenommen werden zu müssen. — Neue Arten
dieser Gattung sind: A. Castelnaudi pl. 11. fig. 1 aus dem Amazonen-
flusse, Sıainsoni (Amp. fasiata Swains. Illustr. pl. 103. fig.2) aus
Brasilien, physis pl. 12. fig. 2 aus dem Amazonenflusse, prunella pl.12.
fig. 4, armeniacum pl: 13. fig.5 aus dem Amazonenflusse,
}
506 Troschel; Bericht üb. 'd. Leistungen in d. Naturgeschichte
Ctenobranchiata.
Taenioglossata,
Potamophila. YValvala exigua Adolf Schmidt aus Grie-
chenland Zeitschr. für d. Allg. Naturw. von Giebel und Heintz p. 160
in der Anmerkung. — V. striata Lewis aus dem Staate New-York
Proc. Philadelphia VIII. p. 260.
H. Dohrn stellte 13 neue Arten von Ceylon aus der Cuming'-
schen Sammlung auf, Proc. zool. soc. 1857. p. 123, nämlich: Paludina
ceylonica; Bithynia stenothyroides , inconspicua; Paludomus fulgura-
tus, nasulus, sphaericus, solidus, distinguendus, Cumingianus, drome-
darius, Skinneri, Swainsoni, nodulosus.
Frauenfeld bat die Paludinen aus der Gruppe der Paludina
viridis untersucht, und verglichen. Wiener Sitzungsberichte XXII.
p- 569—578. In einem Schema werden die Gattungen unterschieden,
welche aus der alten Gattung Paludina Lam. hervorgegangen sind,
und unter ihnen auch Amnicola Gld., Hydrobia Hartm. und Paludinella
für generisch verschieden anerkannt , indem bei Amnicola die Mün-
dung die Hälfte der Schale einnimmt, bei Hydrobia und Paludinella
weniger als die Hälfte; bei ersterer ist dann die Schale kegelförmig
zugespilzt, bei letzterer cylindrisch-eiförmig abgestutzt. Ob diesen
Differenzen generischer Werth beizulegen sei, muss ich bezweifeln.
P. viridis gehört in die Abtheilung Paludinella, aus der 35 Arten an-
geführt werden. Von ihnen sind abgebildet: Pal. viridis Poir., au-
striaca, compressa, eylindrica Parr., Dunkeri und opaca Ziegl.
Paludina seminium Morelet Journ. de Conchyl. 1857. p. 576
von Algerien. — P. spica Eichwald M&m. de Moscou X. tab. 10.
fig. 8-9 aus dem Caspischen Meere.
Melania rustica, digilalis, arctecava, granospira, monile Mous-
son Journ. de Conchyl. 1857. p. 160 von Java. — M. maerospira und .
speciosa Morelet Test. nov. Austral. ]. ce.
Melanopsis lineolata Gassies von Neu-Caledonien Journ. de Con-
chyl. 1857. p. 276. pl. 9. fig.9—10. — M. brevis, variegata und fru-
stulum Morelet von Neu-Caledonien Test. noy. Austral. 1. c.
Littorinacea, Clark hatte Gelegenheit das Tbier von Ris-
soa pulcherrima lebend zu beobachten, und hält sie für eine der zahl-
reichen Varietäten von Rissoa inconspieua. Annals nat. hist, XX.
p- 262.
Patterson sprach in der British Association über die Quan-
titäten von Littorina, welche zu Belfast während der Jahre 1853—56
- verladen wurden. Edinburgh new phil. Journ, N. 5.1857. VI. p. 332.
In den Lief. 166—168 von Reeve's Conchol. iconica sind 16
der Mollusken während des Jahres 1857. 507
Tafeln der Gattung Littorina gewidmet. Unter. den 91 Arten sind als
neu abgebildet: L. ahenea Senegal, Philppinea Philippinen, arbori-
cola Singapore, Newcombi Sandwich, Fortunei China, Fraseri West-
afrika, glans, simplex Cap Verd, ambigua Nuttall, MS. Sandwich, lu-
etuosa Neu-Seeland,, balteata China, Novae Zelandiae Neu - Seeland,
thersites Valparaiso, granocostata Australien, feejeensis Feeje-Inseln,
picea, paludinella Tasmania, Adamsüi (puchella Adams MS.) Jamaica,
rufa Recluz MS.
Die vorgeblich neue Skenea tricarinata (vergl. vor. Bericht
p: 132) wird nun von Webster als Varietät von S. rota. bezeichnet.
Annals nat. hist. XIX. p. 269.
Fischer sieht Journ. de Conchyl. 1857. p-42, 168, 284 eine
kleine Gruppe von Galtungen, nämlich: Skenea Flem, Spira. Brown,
Cyclostrema Marryat, Adeorbis Wood und Pseudorotella Fischer als
der Familie der Trochoiden angehörig an, zählt die zahlreichen Ar-
ten nach ihrer geographischen Vertheilung auf und giebt die Be-
schreibung und Abbildung folgender neuen Arten: Adeorbis Ver-
reauzii von Californien, Adeorbis Beauii von Guadeloupe, Adeorbis
Orbignyi von Cuba, Adeorbis Adamsii von Guadeloupe, Cyclostrema
Schrammii von Guadeloupe und Skenea Petitii ebendaher. — (Falls
die genannten Gattungen wirklich alle zu derselben Gruppe gehö-
ren, dürfen sie nicht den Trochoiden, sondern vielmehr den Rissoen
zugezählt werden. Von Skenea planorbis wenigstens habe ich durch
die Untersuchung der Mundtheile aufs Entscheidendste nachgewiesen,
dass sie in die Nähe von Rissoa gehört. Vgl. mein Gebiss der Schnek-
ken Ill. p. 128. Taf. X. Fig. 10, welche leider auf der Tafel 'fälschlich
als Fig. 9 bezeichnet ist, indem eine Verwechselung der Ziffern 10
und 9 stattgefunden hat.)
Cerithiacea. Potamis pullatus Gould Reports of explora-
tiops and surveys V. p. 233. pl. 11. Fig. 23, 24 von San Diego.
Baudon beschrieb Journ. de Conchyl. 1857. p. 347 als neue
Art Fossarus Lanoei von Jalla im Syrischen Meere.
Marseniadae., Bergl lieferte in Meddelelser naturh. Fo-
ren. Kjöbenhayn 1857. p-110 einen Beitrag zu einer anatomischen
Untersuchung von Marsenina prodita Lov. Die drei Arten der Gat-
tung Marsenina gehören dem nördlichen Theile der östlichen Halb-
kugel an, M. prodita Lov., M. micromphala Bgh. (Oithonella mierom-
phala Mörch) und M. groenlandica Möll. Die Untersuchung bezieht
sich auf die erstere dieser Arten. Ausser der Schilderung der äusse-
ren Beschaffenheit des Thieres und der Schale hat besonders das
Gebiss mit Kiefern und Zungenbewallnung die Aufmerksamkeit des
Verf. angezogen, auch der Schlundring mit seinen vier Ganglien ist
auf der beigegebenen Tafel abgebildet,
7 XKenophorea, Fischer machte bei Gelegenheit der Be-
508 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
schreibung einer neuen Art Xenophora caribaea von den Antillen Be-
merkungen über die Stellung dieser Gattung, ohne jedoch zu einem
Resultate zu kommen. X. caperata Phil. ist auch abgebildet. Die
Zahl der bekannten lebenden Arten beläuft sich auf 12. Journ. de
Conchyl. 2. Ser. Tom. I. p. 243. — Vergl. eine spätere Notiz ib.
Tom. II. p. 24.
Das Thier von Onustus trochiformis (Phorus exustus) beschrieb
Mörch Journ. de Conchyl. 1857. p.304, bildete es auch pl. 13.
fig. 1—3 ab. Er möchte die "Gattung in die Nähe der Heteropoden
bringen, und sie als einen litoralen Heteropoden bezeichnen, rn
sich zugleich der Mangel des Kieles erklären soll. \
Alata. Strombus taurus Reeve Annals nat. hist. XX. p. 522
von den Amiranten.
Banellacea. Triton Barthelemyi Bernardi Journ. de Con-
chyl. 1857. p.54. pl. 1. fig. 1.
Cassidea. Dolium luteostomum aus dem Indischen Ocean
und D. Lischkeanum von Manila Küster Conch. Cab.
Cassis nucleus Küster Conch. Cab. p. 43 ist nach einer alten
Chemnitz’schen Zeichnung aufgestellt.
Involuta. Cypraea Barclayi Reeve Annals nat. hist. XX.
p: 522 von der Insel Diego-Garcia bei Mauritius.
Toxoglossata.
Conoidea. Conus Villepinii Fischer et Bernardi Journ. de
Conchyl. 2. Ser. Tom. I. p. 292 von Marie - Galante. — C. Macarae
Bernardi ib. II. p.56. pl.2. Fig.2. — C. Chenui Crosse ib. p. 381.
pl.11. Fig. 3.4 von Neu-Caledonien. — C. Pazii Bernardi. ib..p. 385.
pl. 11. Fig. 1. 2.
Terebracea. Deshayes beschrieb 36 neue Arten der
Gattung Terebra im Journ. de Conchyl. 1857. p.65. Sie sind auf
drei Tafeln abgebildet: T. formosa von Panama, Cumingii China,
regina Senegal, lima China, insignis Panama, fimbriata, eonsobrina
Rothes Meer, splendens China, festiva Senegal, decorata Sumatra,
histrio, circumeinela Rothes Meer, solida Japan, Fortunei China,
Hindsi China, pura Zanzibar, virginea Zanzibar, Bernardii Austra-
lien, Petiveriana Panama, marginata Gambia, pallida Marquisen,
Reevei Molukken, trochlea Zanzibar, Gouldi Sandwich, tiarella Natal,
buccinulum Australien, Sowerbyana Gambia, pulchella China, Ver-
reauzi, Jukesi Port-Essington, plicatella Vandiemensland, ustulata
Vandiemensland, concinna Japan, circinnata China, acuta China, gla-
bra China.
Terebra Hupei unbekannten Vaterlandes und T.. Bermonti von
der Mollusken während des Jahres 1857. 509
Taiti Journ. de Conchyl.'1857. p. 388. pl.12. fig.1 und fig. 2 sind
neue Arten von Lorois.
Pleurotomacea. Pleurotoma (Turris) Rembergii Moerch
von Realejo Meddelelser nat. Forening 1857. p- 340; Journ. de Con-
chyl. 1857. p. 281. — P. nuperrimum Tiberi 1. c.
Rhachiglossata.
Volutacea. Marginella Loroisii Bernardi Journ. de Con-
chyl. 2. Ser. Tom. I. p. 290. pl. 8. fig. 6—7.
Voluta Beauii Fischer et Bernardi Journ. de Conchyl. 2. Ser.
Tom. I. p. 296. pl. 10. fig. 1—2.
Olivacea. Eine Arbeit von Ducros de Saint-Germain
„Revue critique du genre Oliva, Clermont 1857. 8. 120 pages, 3 plan-
ches, ist mir leider nur aus einer Anzeige in Journ. de Conchyl;
p- 302 bekannt gewe:den. Daselbst werden die Ansichten des Verf.
über die Species angefochten. Er hat die Duclos’sche Samnlung zur
Benutzung gehabt, und schon deshalb ist der Arbeit ein Werth bei-
zulegen. Er nimmt 119 Arten an. Als neu darunter sind folgende
beschrieben: 0. Verreauzii von Marie-Galante pl. 3. fig. 86, Sower-
byi pl. 3. fig. 103 ebendaher, Deshayesiana pl. 3. fig. 67 von Califor-
nien, Barthelemyi pl. 3. fig. 58 von Java, Jayana pl. 3. fig. 44 von
Oceanien, Broderipi pl.2. fig.39, Maria pl. 2. fig. 16 von Califor-
nien, Lecoequiana pl.2. fig. 20 von China, Fabrei pl.2. fig. 18, ma-
gnifica pl. 1. fig.4 von Mindanao.
Cannalifera. Columbella Lafresnayi Fischer et Bernardi
Journ. de Conchyl. 2. Ser. Tom. I. p. 357. pl. 12. fig. 4—5 von Ma-
rie-Galante.
Fusus arthriticus Bernardi Journ. de Conchyl. 1857. p. 386.
pl. 12. Fig. 3 von Japan. — F. tortuosus und spitzbergensis Lovell
Reeve von Beechey’s-Insel |. c. p. 394. pl.32. Fig. 5. 6. -—- F. (Vo-
lutopsius) castaneus und karpa Moerch Meddelelser nat. Forening
1857. p. 340 von Sitka.
Pyrula (Rhizochilus) De Burghiae Reeve Annals nat. hist. XX.
p.523 von China.
Muricen. Murez Barclayi Reeve Annals nat. hist. XX. p. 523
von St. Brandon-Shoal bei Mauritius, — M. Beauii Fischer et Ber-
nardi Journ. de, Conchyl. 2, Ser. Tom. I. p. 295. pl: 8. fig. 1 von
Marie-Galante. — M. Benoiti Fiberi.]..c. ist. nach Fischer Journ. de
Conchyl. 1857. p.291 =M. tectum sinense,
>, Buccinea, Buccinum Belcheri Lovell Reeve von Beechey’s
Insel 1. c. p. 894. pl. 32. fig. 7.
“0 Phos Beawii Fischer et Bernardi Journ. de Conchyl. 2. Ser.
Tom. I. p. 358. pl. 12. fig. 8-9 von Narie-Galante.
510 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Natargeschichte
Eine Note von Fischer über Purpura melones Duclos, die
nach dem Deckel eine wirkliche Purpnra sei s. Journ. de Conchyl.
1857. p. 164.
Pienoglossata.
Scalarina. Scalaria pernobilis Fischer et Bernandi Journ.
de Conchyl. 2. Ser. Tom. I. pl. 8. fig. 2—3 Marie-Galante.
Rhipidoglossata.
Stonstomidae. Chilty hat in Proc. zool. -soc. 1857.
p- 162 über diese Familie Mittheilungen gemacht. Er theilt
sie in sieben Gattungen und beschreibt 61 neue Arten, sämmt-
lich von Jamaica, wodurch die Zahl der von Jamaica be-
kannlen Arten auf 80 steigt; dazu kommt eine Art von Po-
Iynesien. Stoastoma pisum ist in Holzschnilt abgebildet.
Die Genera sind folgende, bei denen zugleich die neuen Arten
genannt,werden: 1) Lewisia die Schale hat gleichsam zwei Mün-
dungen, dahin L. Agassiziana Ad., Philippiana Ad., Woodwardiana und
Macandrewiana. 2) Wilkinsonuea. Letzte Windung weit vorge-
zogen; Schale scheibenförmig, mit einigen starken Querlinien, zwi-
schen denen viele feinere. Dahin W. Wilkinsonaeana Ad., Goul-
diana Ad., Schomburghkiana, Abboltiana, Jardineiana, Greenwoodiana,
Laidlawiana , Tappaniana, Hollandiana, Dysoniana, Hanleyana, Ben-
soniana, Moussoniana. 3) Fadyenia. Spira etwas deprimirt, wink-
lig an dem oberen Theile der letzten Windung, gerade oder flach an
dem Umfange nnd wieder winklig an der Basis. Dahin F. Fadye-
niana Ad., Bowerbankiana, Grayana. 4) Stoastoma. Kuglig. Da-
hin St. pisum Ad., Pfeillerianum Ad., Livesayanum, succineum Sow.
5) Metcalfeia. Niedrig kegelförmig. Dahin M. Metcalfeiana,
Chittyana Ad., Baequieana, Sulherlundiana, Moerchiana, Verreauzxiana,
Sinclairiana, Mitchelliana, Dohrniana, Layardiana, Swiftiana. 6)
Petitia. Kuglig scheibenförmig. Dahin P. Petitiana Ad., Cumin-
giana Ad., Anthoniana Ad., Stevensiana, Fortuneana, Adamsiana, Tay-
loriana, Stricklandiana, Stokesiana, Grevilleana, Carpenteriana, Bar-
roriana. 7) Lindsleya. Kuglig kegelförmig. -Dahin L. Linds-
teyana Ad., Pickeringiana, Redfieldiana Ad., Jayana Ad., Leana Ad.,
Denisoniana, Polyblankiana, Albersiana, Fischeriana, Moricandiana Ad.,
Reeveana, Shuttleworthiana, Boissieriana, Gaskoiniana, Netrcombiana,
Riiseana, Poeyana, Henryana, Alderiana, Bridgesiana, Sallecana, Ar-
thuriana, Gutiereziana, Oweniuna, Wollastoniana. 8) Blandia.
Fast scheibenförmig. Dahin B. Blandiana Ad., Jeyffreysiana, Bair-
diana, Mac Gillivrayana, Troscheliana, Hilliana, Trailliana, Luke-
siana, Loweana. b.mno?
ET
der Mollusken während des Jahres 1857. 511
Helicinacea. Trochatella petrosa Gundl., rubieunda Gundl.
und capillacea Pfr. von Trinidad auf Cuba, Malak. Bl. p. 111.
Helicina Sprucei von den Anden in Peru, merguensis von Mer-
gui, Pfeiffer Proc. zool. soc. 1852. p. 111. — H. concinna Gund-
lach Malak. Bl. p. 178. — H. togatula Morelet von Neu-Caledonien
Test. nov. Austr. |. c
Alcadia capar Gundlach von Trinidad auf Cuba Malak. Bl. p. 113.
Lucidella nana Pfeiffer ib. von Jamaica.
Pfeiffer bildete in seinen Novit. conchol. folgende Arten
dieser Familie ab: Trochatella Taf. 23. Fig. 7. 8; Helicina cataliensis
Fig. 1—3, denticulata Fig. 9—10, columellaris Gundl. Fig. 11—13,
Blandiana Gundl. Fig. 14—16, rubromarginata Gundl. Fig. 17—19,
granum Fig. 20—23, phasianella Sow. Fig. 24—27, Hjahmarsoni Fig.
25—31; hanciehe Nicoleti Shuttl. Taf. 25. Fig. 7—9, alata Menke
ib. Fig. 10—12.
Proserpinacea. Ceres eolina Duclos und Salleana Cuming
sind bei Pfeiffer Nov. conchol. Taf. 25. Fig. 1—6 abgebildet und
beschrieben.
Hiydrocaenacea. Hydrocaena chinensis von China, vul-
pina von den Fuchsinseln, ferner H. (Omphalotropis) cerea von den
Norfolk-Inseln, guamensis von Guam und narigatorum von den
Schifferinseln sind neue Arten von Pfeiffer Proc. zool. soc. 1857.
p- 112.
Neritacea, Eine sehr gründliche Arbeit über die Ana-
tomie und Entwickelungsgeschichte der Neritina. fluviatilis
hat Claparede in Müller’s Archiv für Analomie 1857. p.
109—248 geliefert.
In dem anatomischen Theile handelt der Verf. 1) von der Haut-
bedeckung und der Struktur der Schale. In letzterer kommen sehr
enge Kanäle vor, welche für das Produkt eines schmarotzenden We-
sens gehalten werden. Der Deckel ist seiner mikroskopischen Struk-
tur nach von der Schale durchaus verschieden, was für ein Argument
gegen die Ansicht, als sei der Deckel aba eine zweile Schale,
ungeschen wird. 2) Der Schlundring besteht aus zwei oberen Gan-
glien, die durch eine lange und ziemlich dicke Conımissur verbunden
sind, die zur unteren Ganglienmasse verlaufenden Schenkel sind jeder-
seits doppelt, die untere Ganglienmasse besteht aus zwei Ganglien-
paaren, die einen Ring bilden. 3) Als Sinnesorgane werden die
Fühler als Tastorgane, die gestielten Hörbläschen und die Augen be-
schrieben. 4) Beim Verdanungsapparat haben besonders die Zungen-
knorpel des Verf. Aufmerksamkeit in Anspruch genommen, von denen
er meint sie seien ebenso gut zum Zweck der Classification zu ver-
werihen wie die Reibmembran. Zunächst wird hervorgehoben, dass
512 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Neritina, wie viele andere Schnecken, vier Knorpel besitzen, indem
hinter dem Knorpel jederseits sich noch ein besonderer kleinerer
Knorpel anfüge; dann aber wird besonderes Gewicht darauf gelegt,
dass der mikroskopische Bau der Knoıpel drei Formen zeige, näm-
lich erstens, dass er aus grossen Zellen besteht, die sich durch Schei-
dewände in Abtheilungen theilen, wie bei Neritina, Cyclostoma, Po-
matias (und den allermeisten Schnecken, wenigstens allen bisher
näher untersuchten), — zweitens, dass die Zellen kleiner und von
abgeflachter Gestalt sind, wie bei Vitrina, — driltens, dass eine mit
zahlreichen Knorpelkörperchen besäete Grundsubstanz vorhanden ist,
wie bei vielen Pulmonaten, namentlich Heliceen. Interessant ist fer-
ner die Angabe, dass bei allen vom Verf. untersuchten Pulmonaten
nur ein einziges nach hinten gegabeltes Knorpelstück vorhanden sei.
Von der Zungenscheide wird behauptet, dass ihrem Ende eine Papille
angehöre, die die neuen Platten der Reibmenbran bilde (ich muss
dabei beharren,, dass diese Papille mit der Radula aus der Zungen-
scheide, namentlich bei grossen Schnecken hervorgezogen wird, also
nicht der Zungenscheide angehört, sondern der Radula selbst). 5) Bei
den Circulationsorganen wurde es wahrscheinlich gemacht, dass ein
vom Darme durchbohrtes Organ am Grunde der Kieme das Herz sei,
. Jedoch lasse sich eine Vorkammer und eine Herzkammer nicht unter-
scheiden. — Die Neritinen sind getrennten Geschlechts; sowohl die
männlichen Organe, die aus Hoden, Samenleiter,, einer sogenannten
männlichen Nebendrüse und Penis bestehen, als auch die weiblichen,
Eierstock, Eileiter, weibliche Nebendrüse , Samentasche und Uterus,
sind sehr. sorgfältig untersucht und abgebildet worden. In ‚der ku-
gelförmigen Endanschwellung des Uterus werde ein Stoff gefunden,
den Verf. für Myelin erklärt. Die Zoospermien bilden sich als Fäden
ohne Knopf in einzelnen Bildungszellen, in welche die Mutterzellen
vor der Bildung der Zoospermien zerfallen, so dass die sonst ge-
wöhnlichen schopfartigen Büschel niemals gefunden werden. — Be-
sonders wichtig ist der Abschnitt über die Entwickelungsgeschichte,
da wir ja bisher nur durch die kurze Mittheilung von Lindström
überhaupt etwas von der Entwickelung der Nerilinen wissen. Ich
finde in der Claparede’schen Schilderung keinen Widerspruch gegen
die Lindström’schen Angaben, aber die Vorgänge sind detaillirter er-
forscht. Dass sich bis 60 Eier in jeder Eihülle finden, von denen
sich immer nur eins zu einem Embryo entwickelt, wird bestätigt.
Die Beobachtungen des Verf. sprechen gegen die Aullassung von
Koren und Danielssen und durchaus für die von Carpenter,
dass nämlich alle dem einen zur Nahrung dienen; es wurde beob-
achtet, dass der Embryo an den übrigen Eiern lecke, und die auf der
Oberfläche befindlichen Dotterkörnchen in den Schlund einwandern.
Dies geschieht bereits zu einer Zeit, wo noch keine Spur einer Schale
der Mollusken während des Jahres 1857. 513
vorhanden ist. Die Larven haben Wimpersegel am Kopfe, machen
aber die Entwickelung so weit in der Eikapsel durch, dass die pro-
visorischen Organe bereits vor dem Ausschlüpfen aus deıselben ver-
schwinden. Mit dem Anfange des freien Lebens fällt etwa die Bil-
dung des Herzens und der Kieme zusammen, während die Geschlechts-
organe erst viel später zur Entwickelung kommen.
Einen Auszug aus der eben besprochenen Arbeit, soweit sie
die Entwickelung von Neritina betriflt, findet man in Annals nat. hist.
XX. p. 196.
Neritina ruida und emergens von Java, pulcherrima von Ce-
lebes Mousson Journ. de Conchyl. 1857. p.162. — N. nucleolus Mo-
relet Test. nov. Austral. 1. ce. von Neu-Caledonien.
Navicella caledonica Morelet von Neu- Caledonien Test. nov.
Austral. ]. c.
Trochoidea. Trochus (Euchele) alabastrum Reeve Annals
nat. hist. XX. p. 523 von Diego-Garcia bei Mauritius.
Arthur Adams hat eine Notiz über das Thier von Turbo sar-
maticus, so wie über drei Arten der Gattung Oxystele und einige
andere Schnecken des Cap veröffentlicht. Annals nat. hist.XX. p.41.
Turbo Cailleti Fischer et Bernardi Journ. de Conchyl. 2. Ser.
Tom, 1. p. 294. pl.10. fig. 10—11 von Guadeloupe.
Phasianella compta Gould Reports of explorations and surveys V,
p- 333. pl. 11. fig. 25. 26 von San Diego.
Fissureilacea. Fischer hat mehrere Arten der Gattung
Fissurella auf das Thier untersucht, und findet eine grosse Verschie-
denheit in Beziehung auf den Rand des Mantels. Ob man diese als
generische Dilferenzen anerkennen soll, will er davon abhängig ma-
chen, ob sich auch anatomische Dilferenzen finden möchten. Am er-
sten möchte er noch die Trennung’in zwei Gattungen zulassen, je
nachdem die Schale eine äussere ist (Fissurella) , oder mehr oder
weniger vom Mantel bedeckt wird (Fissurellidaea). Journ. de Con-
chyl. 2. Ser, Tom. 1. p. 233. — Vergl. ib. II. p. 115.
Fissurella Schrammii Fischer ib. II. p. 383 von Guadeloupe.
Fischer hat ferner die Gattung Subemarginula anatomisch un-
tersucht, und findet sie verwandt mit Emarginula und Fissurella. Thier
und Zunge sind abgebildet, jedoch ist mir letztere unverständlich.
Ib. Tome 1. p. 224.
Emarginula Rollandii Fischer ib. p. 356 von Guadeloupe. —
E. Costae Fischer ib. Tom. Il. p. 38. pl. 2. fig.5 von Neapel,
j Fischer spricht sich ib. I. p. 237 gegen die Anwendung des
Namens Anatomus Montf. anstatt Scissurella aus.
Arebiv ( Naturgesch. XXIV. Jahrr. 2. Bd. HH
514 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Cyclobranchiata.
Patellina. Murray bezeichnete eine Varietät von Patella
vulgata als Var. intermedia. Edinburgh new phil. Journ. N. S. VI.
1857. p. 164; Annals nat. hist. XIX. p. 211.
Acmaea Hamillei Fischer Journ. de Conchyl. 2. Ser.I. p.276 von
Guadeloupe.
Gadinia excentrica Tiberi Journ. de Conchyl. 1857. p. 37. pl. 2.
lig. 6 von Sardinien.
Chitonidae. Schiff hat Beiträge zur Analomie von’
Chiton piceus geliefert, die als eine werthvolle Bereicherung
der Kenntniss dieser interessanten Schnecken anzuerkennen
sind. v. Siebold und Kölliker Zeitschr. f. wiss. Zool. IX. p. 12
mit zwei Tafeln.
Sehr ausführlich ist das Herz beschrieben , welches aus einer
Herzkammer und zwei Vorkammern besteht, welche letzteren aber an
ihrem Hinterende vereinigt sind, so dass sie gleichsam nur eine huf-
eisenförmige Vorkammer darstellen, die das Blut durch 4 Oeffnungen in
die llerzkammer ergiesst. Von den Geschlechtsorganen sind unr die
weiblichen beschrieben worden. Den Zweck der Zungenknorpel setzt
Verf. in dem Festhalten der Radula, wenn dieselbe sich zurückbe-
wegl; sie sollen verhindern, dass die Radula, welche bekanntlich
ganz lose in der Zungenscheide steckt, sich nicht beim Fressen
herausschiebe, und er möchte daher diese Knorpel, deren blasige Na-
tur er bei Chiton piceus bestätigt, nicht mit Middendorff Bewe-
gungsblasen, sondern vielmehr Fixitungsblasen nennen. Von
der Reibplatte ist eine Abbildung gegeben, die ein hübsches Bild von
dem Eindruck unter dem Mikroskop giebt, aber weder Beschreibung
noch ALbildung sind für die Vergleichung mit verwandten Galtungen
und Species berechnet. Ausserdem sind noch der Schlund mit seinen
Blindsäcken, Magen, Darm, Leber, Nieren, die ihrer Function nach
zweifelhaft sind, Nervensystem und Kiemen beschrieben.
Cirrobranchinta. Die schöne Arbeit von Lacaze-
Duthiers über die Organisalion und Entwickelung von
Dentalium, verg. vor. Bericht p. 139, ist in den Annales des
seiences nat. Tome VII und VIII fortgesetzt und beendet wor-
den. Der zweite Theil Tome VII p. 170—255 handelt von
den Geschlechtsorganen und der Embryogenie; der dritte
Tome VIII. p. 18—28 von der Lebensweise; der vierte ib.
p. 23—44 von den zoologischen Beziehungen.
Die Dentalien sind gelrennten Geschlechts, aber Hoden und
Eierstock sind in beiden Geschlechtern von gleicher Gestalt. Sie lie-
der Mollusken während des Jahres 1857. 515
gen im hinteren Körpertheile am Rücken, und münden vermittelst
eines kurzen Ausführungsganges in die rechte Hälfte des Bojanus’-
schen Organes. Dieses letztere ist doppelt und umgiebt den After;
jede Seite öffnet sich in einer Oellnung nach aussen, und Verf. nimmt
es für ein Absonderungsorgan, eine Niere. — Die Befruchtung findet
ausserhalb des Mutterkörpers statt. Verf, hat zahlreiche Spermatozoi-
den aussen an den Eiern angeheftet, mehrere durch die Mikropyle in
das Ei eingedrungen gesehen, und vermuthet, dass sie auch durch
eine zweite Mikropyle in das Innere des Dotters eindringen. Nach
Vollendung des Furchungsprocesses beginnt die zweite Periode der
Entwickelung, in welcher der Embryo schwimnit. Etwa 16 Stunden
nach der Befruchtung erscheinen auf der Oberfläche des Embryo Wim-
pern, der Körper verlängert sich ein wenig und trägt am Vorder-
ende ein Büschel Wimpern, während sich auf dem Körper die Wim-
pern zu Reifen ordnen, die sich demnächst auf die Zahl vier ver-
einfachen; der Embryo erscheint ganz ähnlich einem Anneliden-Em-
bryo. Die Reifen nähern sich und vereinigen sich zu einem breiten
Reifen. Dahinter bildet sich eine ringförmige Wulst und am llin-
terende entseht eine Furche, in welcher einige Wimpern erscheinen,
Schon nach 48 Stunden erscheint die Schale, mit ihr beginnt die
dritte Periode. Der hintere Theil des Körpers verlängert sich, der
vordere senkt sich ein, so dass der Wimperreifen die Bewegungs-
scheibe darstellt. Auch in dieser Periode schwimmt der Embryo noch,
die Scheibe nach oben. Die vierte Periode beginnt am 5. oder 6.
Tage, indem nun das Thierchen kriecht. Der Fuss entwickelt sich
und wird zum einzigen Bewegungsorgan. Verf. hat sie bis zum 40.
Tage beobachtet, wo der Embryo schon die grösste Analogie mit dem
vollständigen Thier hat. Die Ausbildung der einzelnen Organe wird
hierauf ausführlich geschildert. — Bei einer ausführlichen Bespre-
chung der zoologischen Beziehungen kommt Verf. zu dem Resultate,
Dentalium müsse wegen der Symmetrie des Körpers, wegen des Ner-
vensystems, des Fusses, des Mundes, Lage des Afters, wegen der
Bojanus’schen Organe, der Geschlechtsorgane und wegen der Em-
bryonen zu den Acephalen gestellt werden, während die Gattung
durch den Embryo und die Zunge mit Chiton, wegen der Zunge und
der Struktur der Schale mit Patella Verwandtschaft zeige. Ref. für
seinen Theil, muss gestehen, dass ihm ein Acephale mit Zunge, ein
Widerspruch zu sein scheint. Da nun Dentalium natürlich nicht ge-
radezu in die Ordnung der Lamellibranchen und Brachiopoden ge-
setzt werden kann, so bildet Verf. für dasselbe eine eigene neue
Ordnung, die er Solenoconchae nennt.
Ueber das Nervensystem von Dentalium entalis von Lacaze-
Duthiers vergl. Comptes rendus 1857. p. 864; Annals nat. hist. XX.
p- 236.
516 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Pulmonata.
Fischer hat Studien über die Spermalophoren der
Lungenschnecken bekannt gemacht, Annales des sciences
nat. Tome Vll. p. 367.
Nach einer historischen Einleitung werden die Spermatopho-
ren (Lister's Capreolus) von folgenden Arten beschrieben: Arion
rufus, Parmacella Deshayesii und Valenciennii, Limax maximus, Pel-
tella palliolum, Helix aspersa, pomatia, nemoralis, arbustorum, Buli-
mus aculus. Ganz ohne Spermatophore sollen sein: Helix pisana,
rotundala, lenticula, fruticum. — Unter den bisher beobachteten For-
men ergeben sich folgende Verschiedenheiten: die Erweiterung (no-
dus) liegt in der Mitte (Helix) , oder vorn (Varmacella, Peltella 7),
oder es ist kein deutlicher Nodus vorhanden, aber eine Reihe dorsaler
Zähnelungen (Arion, Bulimus). — Die Spermatophoren bestehen aus
eoagulirtem Eiweiss mit etwas kohlensaurem Kalk. — Die Bedeutung
dieses Organs wird darin gesetzt, dass es die plötzliche Lösung der
Individuen bei der Begattung hindere und den Samen in die Samen-
tasche befördere. Die Bildung der Spermatophoren ist Verf. geneigt
der sogenannten Eiweissdrüse zuzuschreiben.
Limacea. Limaz (Megapelta) semiteclus Moerch aus Cen-
tralamerika Meddelelser nat. Forening 1857. p. 340; Journ. de Con-
chyl. 1857. p. 282.
Philomycus (Tebennophorus ) costaricensis Moerch Meddelelser
nat. Forening 1857. p. 341 von Costa rica.
Nachdem Deshayes in Journ. de Conchyl. 2. Ser. I. p. 283
eine neue Limax-artige Gattung Viqueneslia nach fossilen Stücken
aus Rumelien aufgestellt hatte, deren Schalenrudiment mit einem
ziemlich dieken senkrecht umgeschlagenen Rande versehen ist, und
an welchem sich zwei Windungen an der oberen Seite erkennen
lassen, während die ventrale Seite schwielig und ohne Spur einer
Windung ist, — beschreibt Fischer in einen Anhange auch eine
lebende Art dieser Gattung, die zwischen Limax und Parmacella ste-
hen soll. Dieselbe heisst V. Dussumieri und stamnıt von Mahe.
Eine „Monographie du genre Testacelle, von Gassies und
Fischer,“ Abdruck aus den Actes de la soc. Linn. de Bordeaux.
Tome XX1. 1856 mit 2 Tafeln ist nachträglich zu erwähnen. Vergl.
die Anzeige von Pfeiffer in den Malak. Bl. p. 74.
Helicen. Gundlach hat die Thiere von dreissig Heliceen-
Arten, besonders in Beziehung auf die Farbe beschrieben. Die Ar-
ten gehören den Gattungen Succinea, Helix, Bulimus, Stenogyra,
Subulina, Achatina, Spiraxis, Pupa und Cylindrella an. Malak. Bl. p.42.
der Mollusken während des Jahres 1857. 517
In einem Berichte von Pfeiffer ib. p.100 über Dr. Gund-
lach’s Reise nach Trinidad auf Cuba sind 43 Arten dort lebender
Schnecken aufgezählt, und Notizen über die Thiere beigefügt. Die
neuen Arten sind unten namhaft gemacht.
Fischer giebt einige Notizen über Daudebardia sieula; er
stellt diese Gattung in die Familie der Testacellidae. Journ. de Con-
chyl. 1857. p. 28.
Auf Vitrina praestans Gould gründete Theobald Journ. Asiat.
soe. 1857. p. 252 eine neue Gattung Cryptosoma, testa Vitrinae
simile, sed robustiore; peristomate obtuso haud tenue; animal peni-
tus intra testam relraclile. et in aeslivationis tempore, solido epi-
phragmate obtecto. Verf. hat die Art generisch von Vitrina getrennt,
weil das Thier sich vollständig in die Schale verbergen kann, und
weil der Mundsaum dicker als bei Vitrina ist.
Suceinea lineata W. G. Binney Proc. Boston Soc. VI. p. 155;
Proe. Philadelphia 1857. p-19 aus der Nähe von Fort Union. — S.
guamensis von Guam, chinensis von China, Bermudensis von Bermuda
Pfeiffer Proc. zool. soc. 1857. p. 110.
Anostoma Deshayesianum Fischer aus Brasilien und A. Ver-
reauzianum Hupe von Amazonenflusse sind zwei neue Arten, wo-
durch die Zahl der Arten dieser Gattung auf fünf erhoben wird. Journ.
de Conchyl. 2. Ser. Tom.I. p.350. Letztere ist in Castelnau’s Reise-
werk p. 22. pl.3. fig.5 abgebildet.
Nanina eycloidea Albers aus Ostindien Malakoz. Bl. p. 89, bei
welcher Gelegenheit eine neue Diagnose von N. splendens gegeben
ist, — N. Waandersiana, Baliensis, sparsa, clypeus, corrosa, mena-
densis Mousson von Java, Balie und Celebes Journ. de Conchyl. 1857.
p- 154.
Indem Albers Malak. Bl. p. 91 sich nur insofern für die An-
nahme der Gattung Zonites ausspricht, als dieselbe auf H. verticillus,
algirus und verwandte zu beschränken sei, erhebt er die Gruppe
Hyalina zur eigenen Gattung, die er folgendermassen charakteri-
sirt: Testa umbilicata vel yerforata, depressa, tenuis, nitens, vitrea
vel fusco-cornea; anfractus 5—7 regulariter acerescentes, ultimus non
descendens, saepe anlice dilatatus; spira depressa, rarissime orbiculato-
eonica; apertura rotundato-lunaris ; peristoma tenue, aculum rectum.
Maxilla simplex, (nee sulcata nec denlata) arcuata, margine inferiori
seula, medio prominente; apertura respiraloria latere dextro supra
collare, genitalis ad basin colli; systema sexuale simplex, bursa ha-
slae amaloriae et hasta ipsa, Nlagellum et follieuli mucosi omnino
desunt; museulus retractor penis brevissimus; saccus conımunis sexua-
lis glandulis mucosis obsitus. Die Gattung zerfällt in drei Gruppen:
Euhyalina, Typus H. cellaria; Mesomphixz: Typus H.. oliveto-
518 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
rum; Gastrodonta, Typus H. interna Say. — Zur ersteren Gruppe
gehört eine neue Art H. natolia von Sputari.
Zonites deilus Bourguignat Revue de zoologie 1857. p.9 von
Sebastopol. — Z. micula Mousson von der Insel Balie Journ. de Con-
chyl. 1857. p.158.
Helicella Steenstrupii Moerch in Rink's Grönland Anh. p. 75.
(Helix nitida Fabr., Helix alliaria Forbes.)
Anatomische Bemerkungen über Helix retirugis und Moquiniana
machte Fischer Journ. de Conchyl. 1857. p. 26 und p.29. — Da-
selbst p. 31 beschreibt derselbe die Spermatophoren von H. ne-
moralis.
Ueber die Varietäten der Helix nemoralis L. und hortensis
Müll. hat Reibisch geschrieben. In Betreff der linksgewundenen
Arten stellt er die Hypothese auf, sie entständen dadurch, dass zwei
Dotter in einem Ei vorhanden seien, und dass dann, wenn der eine
sich zu drehen beginnt, der andere gezwungen würde, sich in ent-
gegengesetzter Richtung zu drehen. Allg. Deutsche Naturh. Zeitung l.
1855. p. 283.
W. 6. Binney hält Proc. Boston soc. VI. p.128 Helix thy-
roidus Say für eine Bewohnerin aller Staaten im Osten der Rocky
mountains, vielleicht mit Ausnahme der Halbinsel Florida. Er sieht
H. bucenlenta Gould als Varietät und Repräsentanten in den südwest-
lichen Staaten an.
Thienemann weist nach, dass die Linn@'sche Helix albella
der Jugendzustand von H. crystallina Müll. sei, und giebt dem letz-
teren Namen den Vorzug. Malak. Bl. p. 214.
Redfield beschrieb Helix Elliotti aus den Gebirgen von Geor-
gia und Nordcarolina und H. barbigera aus Georgia. Annals Lyceum
New-York VI. p. 170.
Helix stenogyra ist Taf. 25. Fig. 20—22, H. Arecibensis Taf. 28.
Fig. 22—24 bei Pfeiffer Novit. conchol. beschrieben und ab-
gebildet.
v. Martens machte eine nachträgliche Bemerkung über Helix
olivetorum Malak. Bl. p. 213.
Bourguignat hat in der Revue de zoologie 1857. p.1 von
der echten Helix Codringtoni Jan eine neue Beschreibung gegeben,
ihre Synonymie zusammengetragen und einige nene oder bisher mit
ihr verwechselte Arten aufgestellt, nämlich: H. parnassia, eucinela,
eupaecilia, euchromia.
Ebenda p.8 H. sphaeriostoma aus Thessalien und H. Grelloisii
von den Inseln des Griechischen Archipels.
Ebenda p. 545 H. Dschulfensii Dubois aus Armenien und H. Co-
mephora Dourguignat (septipila Bourg. olim) von der Krim. }
der Mollusken während des Jahres 1857. 519
Helix asteriscus Morse Proc. Boston soe. VI. p. 128 von Bethel
Me. — H. intereisa W. G. Binney (H. Nickliniana Lea var. Binney
Terrest. Moll. II. p. 120) von Oregon, Proc. Boston Soc. VI. p. 156;
Proc. Philadelphia 1857. p. 18.
Pfeiffer stellte Proc. zool. soc. 1857. p.107 auf: H. subde-
cussata Bombay, granum Neuseeland, futua Neuseeland, birmana Mer-
gui, decidua Neuseeland, venulata Neuseeland, sciadium Neuseeland,
niphas Azoren, lutaceu —?, exarata Californien? , mormonum Mor-
mon-Insel in Californien, propiagua Bombay, bicruris Mexiko. — H.
Langi Parreiss vom Parnass ist von Rossmaessler Malak. Bl. p. 41
charakterisirt worden. — H.Schotti Zelebor aus Syrien, infecta Parr.
aus Canada, Iuteauta Parr, aus Portugal, coraz Parr. vom Taurus, re-
ticulata Pfr. aus Californien ib. p.85.— H. rubra von Arrow -Island,
prosper« von Ceylon, Tollini vom Cap, platygyra aus Columbien
sind neue Arten von Albers ib. p. 93; die beiden ersteren sind ab-
gebildet. — Helix suavis Gundlach und Letranensis Pfeilfer aus der
Nähe von Trinidad auf Cuba ib. p.105. — H. monolacca Pfeiffer ib.
p- 155 von Surinam. — H. comta Gundlach von Cabo de Cruz auf
Cuba ib. p. 172. — H. Fricki Pfr. ib. p. 229 von den Sandwichinseln.
-— H. Boyerii Fischer et Bernardi Journ. de Conchy]l. 2. Ser. Tom. 1.
p- 297. pl. 70. fig. 8—9 von den Admiralitäts-Inseln. ——- H. hierroen-
sis, Perraudierei und Guamartemes Grasset von den Canarischen In-
seln ib. p.345. — H. Berlieri Morelet von Algerien ib. Tom. II.
p-39. — H. pascalia Cailliaud ib. p.102. pl. 2. fig. 3 aus Brasilien.
— HH. Vidaliana, atlantica, brumalis, horripila, caldeirarum Morelet
et Drouet ib. p. 148 von den Azoren. — H. transversalis Mousson
von der Insel Balie ib. p. 158. — H. tigri Fischer ib. p. 189. pl. 6.
fie.8 von Oran. — H. Fischeri und multisulcata Gassies von Neu-
Caledonien ib. p. 271.—H. cespitoides Fischer ib. p. 278 von Neu-Ca-
ledonien. — H. Cazenavettii Fischer et Bernardi von Madagaskar ib.
p- 280. — H. modica und hipponensis Morelet ib. p. 373 von Alge-
rien. — H. squamulosa Mousson Vierteljahrsschr. der Ges. zu Zürich
p-396 von Trapezunt.
Streptazis intermedia Albers aus Brasilien, zwischen candida
Spix und Wagneri Pfr, Malakoz. Bl. p. 95. — St. Rollandii Bernardi
Journ. de Conchyl. p. 187. pl. 6. fig.2 aus Brasilien.
Pupa caucasica Parr. vom Caucasus Malak. Bl. p. 88. — P.
Moreletiana Grasset von Teneriffa Journ. de Conchyl. 2. Ser. I. p. 348.
— P. Schaeflii und trifilaris Mousson von Reduktaleh Vierteljahrsschr.
Ges. Zürich 1856. p. 398.
Von dem echten Bulimus pudicus Müll. gab Pfeiffer Malak.
Bl. p. 179. Taf.4. Fig. 1. 2 eine Beschreibung und Abbildung. Sie
ist von der in den Sammlungen unter diesem Namen häufigen Art,
die nun Bul. Alıneida Spix heissen muss, verschieden.
520 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Benson beschrieb folgende Arten der Gattung Bulimus aus
Indien, Burma und Mauritius in Annals nat. hist. XIX. p. 327: B. Do-
mina aus Caschmir, salsicola von den Salzbergen von Pentepotamien,
Estellus und Pertica aus dem Sind-Staate, sanguineus Barclay NS.
von Mauritius, Physalis vom Nilgherri - Gebirge, pleurophorus vom
Khasia-Gebirge, Theobaldianus von Tenasserim, Putus von Tavoy.
Unter den 250 Arten Bulimus, welche in dem Castelnau’schen
Werke aufgezählt sind, sind folgende Arten neu: B. Castelnaudi Peru,
regalis (Achatina perversa Spix, regina Var. auct.) Brasilien, Laroi-
sianus, incisus (regina d’Orb. pl. 29. fig.4. 5) Bolivia, Boussingaultii
(regina Reeve Icon. 168b.), alauda (thamnoicus d’Orb. pl. 37. fig. 6.7)
Peru, revinctus (thamnoicus d’Orb. pl. 37. fig. 8. 9) Peru, Weddelii
See Titicaca, Beyerleanus Peru, simplez Peru.
An sonstigen neuen Arten sind zu nennen : Bulimus Fairbanki
Pfeiffer Proc. Zool. soc. 1857. p. 109 von Ahmednugger in Indien. —
B. episomus und pseudoepisomus aus Syrien, so wie B. Humberti von
Sebastopol Bourguignat Revue de zoologie 1857. p.10. — B. exi-
mius von Neu-Caledonien , tripietus von Costa rica, asperalus von
den Gallapagos-Inseln sind von Albers aufgestellt. Malak. BJ. p. 96.
— Bulimus angulosus Gundlach von Trinidad auf Cuba ib. p. 107. —
B. micans von Natal, B. malabaricus von Malabar, B. acervalus aus
Brasilien, B. Hector ebendaher, B. sarcochilus ebendaher, B. eques
von Cochinchina Pfeiffer ]. c. p.156. — B. (Melaniella) Manza-
nillensis Gundlach von Manzanillo auf Cuba ib. p. 172. — B. Bin-
neyanus von den Anden der Provinz Patas in Pern und Mejillonensis
aus der Wüste Atacama Pfeiffer ib. p.229. — B. Gruereanus, anaga
und Tarnieranus Grasset von den Canarischen Inseln Journ. de Con-
chyl. 2. Ser. Tom. I. p. 347. — B. Cirtanus Morelet aus Algerien ib.
p- 349. — B. Lherminieri Fischer ib. p. 355. pl. 12. fig. 6-7 von
Guadeloupe. — B. todillus Morelet ib. Tom. II. p.40 von Algerien.
— B. Sanctae-Mariae, vulgaris, Hartungi, delibutus, Forbesianus
Morelet et Dronet ib. p. 150 von den Azoren. — B. aculissimus und
densespiratus Mousson ib. p. 159 von Java. — B. Souvillei und sin-
qularis Morelet von Neu-Caledonien Test. nov. Australiae. — B. tre-
mulans Mousson Vierteljahrsschr. der Ges. zu Zürich III. p. 167 von
den Azoren.
Bulimus coaretatus Pfr. ist bei Pfeiffer Novit. conchol. Taf. 22.
fig. 22. 23 abgebildet.
Partula Mastersi Pfeiffer Proc. zool. soc. 1857. p. 110 von
Guam. — P. ceinerea Albers Malak. Bl. von den Salomons- Inseln,
wobei zur Vergl. eine Diagnose von P. grisea Lesson gegeben ist.
Cylindrella macrostoma Pfeiffer Proc. zool. soc. 1857. p- 111
von Jamaica. — C. producta Gundlach Malak. Bl. p.110 von Trinidad
u TEERERN E EREREAT Web ei
der Mollusken während des Jahres 1857. 521
auf Cuba. -—- €. ventricosa und interrupta Gundlach von Manzanillo
auf Cuba ib. p. 175. —- €. ezimia Pfr. ib. p. 232.
Nach de Sauley werden die grossen Achatinen (A. bicari-
nata) von der Prinzeninsel im Busen von Guinea nach England ver-
sandt, als Mittel gegen die Schwindsucht. Revue et mag. de zoolo-
gie 1857. p. 542. — Bei Pfeiffer Nov. conchol. sind A. Darnaudi,
Shiplayi, Wallacei und Texasiana auf Taf. XXII. fig. 7—14, so wie
A. Rodatzi Dkr. auf Taf. XXVII abgebildet. — A. Poeyana Pfr. Mal.
Bl. p. 173.
Subulina elata Gundlach von Cuba Mal. Bl. p. 173.
An dem Thier von Achatina (Stenogyra) octona, welches einen
Kiefer und die Zunge einer herbivoren Helicee besitzt, zeigt Fi-
scher die Schwierigkeit, unter den Landschnecken sichere Gattun-
gen festzustellen. Journ. de Conchyl. 2. Ser. Tom. I. p. 239. Vergl.
ebenda p. 241 eine Bemerkung über das Thier von Achatina lamel-
lata, welche Art Pfeiffer zur Gattung Tornatellina gestellt hatte.
Petit de la Saussaye macht Prioritätsansprüche auf seinen Namen
Elasmatina geltend ib. p. 329.
Oleacina cyanozoaria, Irinitaria und regularis Gundlach sind
neue Arten von Trinidad auf Cuba. Malak. Bl. p. 108.
Glaundina saturata Gundlach Mal. Bl. p. 174 von Cuba. — G.
gracilenta Morelet. Journ. de Conchyl. 1857. p. 41 von Algerien. —
G. Pazensis Arcas von Cuba ib. p. 282. pl. 10. fig. 8-9.
Bourguignat beschrieb die ihm in seiner früheren Mono-
graphie der Gattung Caeecilianella noch unbekannte C. acienloides
(Columna acieuloides Jan), und eine neue Art C. aglena aus Frank-
reich. Revue de zoologie 1857. p. 13.
Von Gulick wurden 49 neue Arten der Gattung Achatinella
von den Hawaischen Inseln in den Annals Lyc. New-York VI. p. 173
beschrieben und auf 2 Tafeln abgebildet. Ihre Namen sind: A.leucochila,
resinula, lagena , lacrima, costulata, striatella, marginata, fuscula,
fumida, gummea , fragilis, triticea , granifera, erystallina, sazatilis,
erilis, pelila, octogyrata, subula. turrila, lerebralis. stiria, vitreola,
parvula, platystila, pera, lactea, eburnea, ampulla, fasciata, Bai-
leyana, pyramidalis , undosa, induta, lignaria, erocea, ustulata, tal-
pina, plumbea , phaeozona, plumata, diversa, varia, versipellis, cucu-
mis, trilincata, analoga , papyracea, juncea. Auch Pfeiffer stellte
eine neue Art A. Philippiana von den Sandwichinseln auf. Malak.
Bl. p. 89. — Ebenso A. einnamomea, gemma, sulcata, minuscula ib.
p- 230. -—- A. Deshayesii Morelet von den Sandwichinseln Test. nov.
Austral. 1. c.
Bourguignat hat in Revue de zool. 1857. p. 548 eine Art
Monographie der Gattung Balia geliefert. Er zählt dahin nur die Ar-
522 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
ten, welche bei Pfeiffer die Section Baleastra bilden , nämlich: 'B,
perversa, pyrenaica n. sp. und Rayana n. sp., welche einen Höcker
auf der Mündungswand haben, und B. Sarsii Phil., Deshayesiana,
lueifuga Leach MS., Fischeriana, Tristensis Leach, ventricosa Leach.
— Die übrigen zu Balia gezogenen Arten werden den Gattungen Te-
mesa Adams, Megaspira, Paxillus, Clausilia, Cylindrella, Bulimus und
Tornatellina zugewiesen.
Balea? Canteroiana Gundlach aus der Nähe von Trinidad auf
Cuba, Malak. Bl. p. 107. — B. nitida Mousson Vierteljahrsschr. Ges.
zu Zürich III. p. 168 von den Azoren.
Die Grenze zwischen der Gattung Balea und Clausilia fand A.
Schmidt, Zeitschr. für die gesammien Naturw. von Giebel und
Heintz VIII. p. 407 nicht mehr haltbar, indem er die Charaktere bei
Varietäten einer und derselben Art so verwischt fand, das diese
Varietäten in verschiedene Gattungen zu stellen sein würden, wenn
man an deren bisherigen Charakteren festhalten wollte. Er ordnet
nun die siebenbürger baleenartigen Clausilien folgendermassen. A.
rechtsgewundene: Cl. Bielzi Parr., Madensis Fuss, Lischkeana Parr.,
pruinosa Parr., livida Mke. B. linksgewundene: Cl. glorifica Parr.,
glauca Bielz, canescens »arr., elegans Bielz, intercedens A. Schmidt
n. sp., regalis Parr., straminicollis Parr., plumbea Rossm.
Clausilia bogatensis Bielz Verhandl. des siebenbürgischen Ver-
eins für Naturw. 1856. No. 12 aus dem bogater Thale im Geister-
walde. — Cl. Blandiana Pfr., Cl. Cyclostoma Pfr. und Cl. thermo-
pylarum Roth sind bei Pfeiffer Novit. conchol. Taf. XXI abgebil-
det. — Cl. bitorquata Friv. MS., vesicalis Friv., porrecta Friv., fau-
ciata sämmtlich aus Syrien, Cl. clathrata Friv. aus Ungarn und Cl.
clandestina Parr. aus Böolien hat Rossmaessler Malak. Bl. p.38
beschrieben. — Cl. colchica Parr. ib. p. 88. — Cl. mitylena Albers von
Lesbos ib. p.99. — Cl. Lanzai Dunker ih. p. 232. — Cl. funiculum
von Trapezunt, wnilamellata von Chysirkaleh, multilamellat« und
firmata von Reduktaleh sind neue Arten von Mousson Viertel-
jahrsschr. Ges. in Zürich 1856. p. 396. — Cl. nana Küster Conchyl.
Cab. p. 150 aus dem südlichen Frankreich, ochracea (rugicollis Var.
Rossm. Pfr.) ib. p. 170 aus dem Banat, hasta (rugicollis Var. Rossm.)
ib. aus dem südlichen Ungarn.
Auriculacea. Im Journ. de Conchyl. 1857. p-310 findet
sich eine posthume Abhandlung von Mittre über die Lebensweise
und die Athmungsorgane der Auricula myosotis. Nach den Beob-
achtungen des Verf. ist sie eine wahre Lungıuschnecke, hat auch
einstülpbare Fühler, Ueber die Gruppe Conovulus hat Verf. keine
Beobachtungen gemacht.
Die Gattung Blauneria Shuttl. erklärt Fischer nach Untersu-
chung des Thieres für der Familie der Auriculaceen angebörig, und
der Mollusken während des Jahres 1857. 523
stimmt also der Pfeiffer’schen Ansicht bei. Journ. de Conchyl. 2. Ser.
Tom. I. p. 231.
Bourguignat hat eine Monographie der Gattung Carychium
in Revue de zoologie 1857. p. 209 geliefert. Er nimmt 16 Arten an,
von denen 1 in Asien, 3 in Amerika, 12 in Europa vorkommen, und
von denen 6 nur fossil sind. Neu sind darunter folgende lebende
Arten: C. striolatum aus Frankreich (Aube), Rayanım ebenda, exi-
stelium aus Nordamerika, euphaeum aus Nordamerika. Den Beschluss
macht ein ziemlich grosses Verzeichniss von Arten, welche als Ca-
rychien beschrieben sind, aber anderen Gattungen angehören.
Limnaeacea. Physa auriculata und Ph. kanakina Gassies
von Neu-Caledonien. Journ. de Conchyl. 1857. p.274. pl.9. — Ph.
nasula, oblusa, hispida, caledonica, telrica, circumlineala Morelet von
Neu-Caledonien Test. nov. Austr. ]. c.
Planorbis ingenuus Morelet von Neu-Caledonien ib.
Notobranchiata.
Aeolidine, Moser hat mit dem Schleppnetze an der Küste
von Morecambe -Bay Aeolis Landsburgii gefangen. Annals nat. hist.
XIX. p. 498.
Aeolis Olrikii Mörch in Rink’s Grönland Anh. p. 78.
Rud. Bergh hatanalomische Untersuchungen an Fiona
atlanlica angestellt, und dieselben in Meddelelser fra den
naturhist. Forening i Kjöbenhavn 1857. p. 273—337 ver-
öffentlicht.
Die Gattung war ursprünglich von Hancock und Embleton Oi-
thona genannt, später in Fiona umgelauft worden. Sie ist besonders
kenntlich an den durch eine Membran gleichsam gellügelten Kiemen-
papillen, und gehört in die Gruppe der Aeolidier, welche den After
auf dem Rücken haben; die Radula besteht aus einer Reihe gezähnter
Platten. Verf. zieht hierher drei Arten: F. nobilis Hanck. Emb.,
atlantica n. sp. aus dem atlantischen Ocean südlich von Neufundland,
wo sie massenhaft an einer leeren Tonne sitzend aufgelfischt waren,
und pinnata Eschsch. Von der genannten neuen Art ist dann eine
sehr ausführliche Anatomie gegeben, wovon hier ein Auszug nicht
füglich gegeben werden kann, auf die aber als arl eine gründliche
und sehr schätzhare Arbeit hingewiesen werden muss. Zwei Tafelu
erläutern den Text. -
Acera. Nach der Beobachtung von Madame Jeanette Po-
wer in Messina, Annals nat. hist. XX. p. 334 besteht die Nahrung
von Bulla lignaria vorzüglich in Dentalium entale, welche schnell
verdaut werden.
524 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Bulla scalpta, nucleola und semen hat Lovell Reevel. ec;
p- 392 von Beechey's-Insel beschrieben und pl. 32. fig. 2—4 abge-
bildet, — B. (Tornatina) inculta und B. (Haminea) vesicula Gould
Reports of explorations and surveys V. p. 334. pl. 11. fig. 27”—29 von
San Diego.
Fischer gründete eine neue Gattung Cylindrobulla in
der Familie der Bullaceen. Testa eylindrica, bullata, tenuis, fragilis;
spira minutissima; sutura incisa, margine columellari postice reflexo
et produclo, spiram tegente ; margine dextro involuto , aperturam in-
eludente. Die Gattung würde sich vorzüglich durch die völlige Ver-
schliessung von 24 der Schalenöllnung auszeichnen. Die Art €.
Beauii ist von Guadeloupe. Journ. de Conchyl. 2. Ser. I. p. 275. pl. 8.
fig. 8. 9.
Lobiger Sourerbii Fischer von Guadeloupe ib. p.273. pl. 11.
fig. 7—10.
Monopleurobranchiata.
Ancyloidea. Ancylus Sallei Bourguignat Revue de zoolo-
gie 1857. p. 16 aus Mexiko.
Pteropoda.
J. Müller hat seine‘ Aufmerksamkeit nochmals der
Entwickelungsgeschichte der Pteropoden zugewendet, na-
mentlich um einige Punkte, in denen seine früheren Angaben
mit denen Gegenbaur’s nicht übereinstiimmten, zur Ent-
scheidung zu bringen. Monatsberichte der Berliner Acad. 1857.
p- 180.
Der erste Punkt betrifft die poche pyriforme und die Athmungs-
organe, welchen letzteren das Wimperschild der Hyalaeaceen zuge-
rechnet wird, wozu der trifligste Grund in dem Verhalten der Blut-
gefässe gefunden wird. — Der zweite Punkt behandelt die Entwicke-
lung der Leber bei Creseis acieula. Gegenbaur's Ansicht, der
Blinddarm sei die Leber, wird widerlegt, vielmehr entwickelt sich
die Leber am Grunde des Blinddarms; auch ist}. nicht geneigt, den
Blinddarm als Gallenblase zu deuten. — Drittens wird nochmals her-
vorgehoben, dass die Wimpersegel keinerlei Antheil an der Bildung
der Flossen haben. — Viertens endlich spricht NM. über die Pneu-
modermonlarven, ihre Zungenbewallnung, ihre Wimperkränze u. s. w.
Die fortgeselzten Beobachtungen von Krohn über die
Entwickelungsgeschichte der Pteropoden,, Müller’s Archiv
1857. p. 459 beziehen sich auf die Cymbuliaden und Clioiden.
an
der Mollusken während des Jahres 1857. 525
Von Tiedemannia ist namentlich die Entwickelung des Rüssels
geschildert. Die T. Seyllae und Charybdis des Ref. erklärt Verf. für
noch nicht völlig ausgebildete Individuen der T. neapolitana. — Von
nackten Pteropoden wurden fünf verschiedene Larven beobachtet
und beschrieben, ohne dass deren Zugehörigkeit festgestellt wer-
den konnte.
Acephala.
Brachiopoda,
Albany Hancock gab einige Bemerkungen zur Ana-
tomie der Brachiopoden (Report of the 26. meeting of the
brilish associalion for Ihe advancement of science held at
Cheltenham p. 94.
Die sogenannten lerzen, deren die Terebratuliden zwei, Rhyn-
chonella nach Huxley vier besitzen, sieht Verf. als Oviducte an
und ist der Huxley'schen Ansicht, dass sie auch als Nieren fungiven,
nicht abhold. Bei Waldheinia, Terebratulina und Rhynchonella endet
der Darm blind, ohne Alteröllnung. Die birnförmigen Bläschen, wel-
che Huxley beschrieben hat, und deren Waldheimia australis fünf
hat, während andere Arten sie in geringerer Zahl besitzen und de-
ren wenigstens eine vorhanden ist, betrachtet Verf. als dem Circu-
lations-Apparate angehörig, und die grösseste an der dorsalen Ober-
fläche des Magens angeheftete als das Herz. Nach Beobachtungen
an Waldheimia australis und Lingula hält Verf. diese Thiere für
zwilterig, indem die Geschlechtsdrüsen aus zwei verschiedenen Thei-
len bestehen, in deren einem er bei Waldheimia Eier, in dem ande-
ren bei Lingula Spermatophoren mit Spermatozoen gefüllt gefunden
haben will. Eine auslührlichere Arbeit über diesen Gegenstand mit
Abbildungen ist in Aussicht gestellt.
Derselbe Verf. giebt in Proc, Royal society May, An-
nals nal. hist. XX. p. 141 eine fernere Darstellung der Or-
ganisation der Brachiopoden, die auf der Section der fol-
genden Arten beruht: Waldheimia australis, Waldh. Cranium,
Terebralulina caput serpenlis, Rhynchonella psitlacea und
Lingula analina.
Gratiolel hat im Journ. de Conchyl. 1857. p. 209—
258 eine Arbeit über die Anatomie der Terebratula austra-
lis bekannt gemacht, die durch Holzschnilte im Texte und
eine Tafel erläutert ist. Schale, Muskeln, Stiel, Mantel, Arme,
Verdauungsapparal, Leber, Geschlechisorgane, Gefäss- und
Nervensystem sind geschildert,
526 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Carpenter behauptet bestimmt gegen King, die Schale von
Rhynchonella Geinitziana sei nicht durchbohrt. Annals XIX. p. 214.
Lamellibranchiata.
In Emile Blanchard’s grossem Werke, „l’Organi-
sation du regne animal,“ welches seit 1852 erscheint, aber
mir noch nicht zugänglich geworden war, sind die 1. 9. und
15. Lieferung den Muscheln gewidmet. In denselben ist das
Haut-, Muskel - und Nervensystem der Pholaden abgehan-
delt und an Pholas dactylus erläutert. Die Tafeln sind vom
Verf. selbst gezeichnet und sehr sauber ausgeführt.
0. Schmidt weist das Vorhandensein eines Körper-
chens in der Mikropyle der Najadeneier nach, und giebt also
in diesem Punkte Keber Recht. Wiener Silzungsberichte
XXI. p. 314 und durch Abbildungen erläutert.
Semper hat sich in einem Briefe an van Beneden
dahin ausgesprochen, Cyphonautes compressus Ehrbg. sei die
Larve einer Muschel. Er halte die Absicht weitere Milthei-
lungen in unserem Archiv zu machen , dieselben aber zu-
rückgenommen. Bulletin de l’acad. de Belgique. 2. Ser. II.
p- 353.
Schlossberger untersuchte die chemische Beschaf-
fenheit der Muschelschalen. Er fand an den Austernschalen
die innerste Perlmutterschicht, die braunen harten Schuppen,
und die kreideweisse Masse verschieden zusammengeseizt.
Die organische Substanz der Muschelschalen ist nach Schloss-
berger nicht Chitin, wie Kost gemeint hat. Auch den
Byssus von Pinna nobilis hat er untersucht; ebenso zwei
Steinchen aus dem Bojanus’schen Organ von Pinna nobilis.
Würltembergische naturw. Jahreshefte 1857. p. 29.
Ein Aufsatz über Perlen und die Anfertigung dersel-
ben in China von Macgowan ist durch Van der Hoe-
ven im Album der Natuur 1857. p. 244 mitgetheilt worden.
Verf. hat in Gemeinschaft mit Hague die durch Einschie-
ben von Körpern zwischen Mantel und Schale der Muscheln
erzeugten Perlen untersucht und beschreibt sie in Ueberein-
stimmung mit den bekannten Mittheilungen von Hague. Be-
achtung verdienen die interessanten Notizen von den ältesten
der Mollusken während des Jahres 1857. 527
Nachrichten über Perlen bei den Chinesen, so wie über die
grössten Perlen, deren von den ältesten Schriftstellern Er-
wähnung gelhan ist, u. dgl. mehr.
Mit deutscher Gründlichkeit und umfassender Gelehr-
samkeit schrieb Möbius über die Perlen im Michaelis-Pro-
gramm der Realschule in Hamburg und im 4. Bande der
Abhandlungen des nalurwissenschaftlichen Vereins zu Ham-
burg. „Die echten Perlen, ein Beitrag zur Luxus-, Han-
dels- und Naturgeschichte derselben.“ Mit einer Kupfertafel.
Der erste Abschnitt handelt von den Beispielen von Perlen-
luxus in verschiedenen Ländern und Zeiten; der zweite von der Per-
lenfischerei und vom Perlenhandel; der dritte von den chemischen
und optischen Eigenschaften , der Structur und Entstehung der Per-
len. Verf. hat mehrüch Entozoen in Perlen gefunden; alle bisheri-
gen Versuche, die Perlenbildung künstlich zu vermehren, werden für
unvollkommen und namentlich bei Seemuscheln für unanwendbar erklärt.
Ostracea. Eyton berechnete den Laich von drei Austern
auf 3 Millionen Junge. Sie scheinen je nach der Tiefe des Wassers
zu verschiedener Zeit zu laichen. Annual of scientific discovery 1857.
p- 365.
Derselbe hat sich mit der Untersuchung der Austernbänke an
den britischen Küsten beschäftigt, und über sie wie über die Austern
selbst beabsichtigt er nach einem vorläufigen Berichte in Report of
the 26. meeting of the british associaton of Ihe advancement of
science p. 368, Edinburgh new phil. Journ. N. S. IV. 1856. p. 354.
weitere Beobachtungen anzustellen.
Ostrea Iriangularis Holmes von der Mündung des Edisto-River
an der Küste von Südcarolina, soll sich von O. edulis durch die re-
gelmässig dreieckige Form und grossen Muskeleindruck unterschei-
den. Elliot Society in Charleston 1856. June p. 29.
Pectinena. Pecten inaequisculptus Tiberi |. c. ist nach Fi-
scher Journ. de Conchyl. p. 291 = Pecten Actoni.
Aviculacea, In Reeve's Conchologia iconica Lief. 165
und 168 ist die Gattung Avicula auf 18 Tafeln in 75 Arten darge-
stellt. Als neue Arten werden angesehen: A. fleruosa Nordaustra-
lien, lata Australien, Cümingii Lord Hood’s- Insel, flabellum Vene-
zuela, barbata Panama, ala perdicis Westindien, imbricata Philippinen,
muricata Vhilippinen, /entiginosa Molukken, praetexta Philippinen,
tegulata Australien, hysirie, rutila Australien, perriridis Australien,
pulchella Philippinen, radula, occa Rothes Meer, fimbriata Australien,
anomioides,, sugillata Nordaustralien, cefra, lacunata Australien,
irrasa, aerata Australien, irradians Australien, zebra Australien,
528 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
flammata Philippinen, scalpta Australien, pernoides, assula West-
indien, chamoides, punctulata , electrina Molukken, smaragdina Mo-
lukken, malloides Australien, iridescens Molukken, castanea Philip-
pinen, fibrosa Philippinen, trochilus Philippinen , aquatilis Moluk-
ken, peruvians Peru, scabriuscula Australien, prodweta Rothes Meer,
siynala,, marmorata, spectrum Philippinen, formosa , inquinata Sin-
gapore, eximia, gregata Samoa-Inseln, argentea, placunoides Au-
stralien , libella China, vezillum Ceylon , maura Sidney , cornea Ja-
maica, vitrea Westlindien, reliculata Australien.
Arcacen. Als Fortsetzung seiner Revision der Gat-
tungen einiger Muschellamilien hat Gray in den Annals nat.
hist. XIX. p. 366 die Familie, der Archen behandelt,
Er unterscheidet zwei Tribus: 1. Arcaina mit den Gattungen
Litharca Gray, Arca Gray, Trisis Oken, Barbatia Gray, Cuenllaea Lam.,
Seaphula Bens., Senilia Gray, Anadara Gray, Scapharca Gray, Noetia
Gray, Argina Gray, Lunarca Gray; 2. Peetunculina mit den Gat-
tungen Axinea = lectuneulus Lam., Limopsis, Limaea. Diese 15
Gattungen sind characterisirt und bei jeder eine oder einige typische
Arten angeführt.
Arca mosambican« Bianconi Mem. acc. Bologna VII. tab. 23.
(Eneyel. pl. 306. fig. 1. x, b) von antiquata verschieden aus Mo-
sambique.
Nuculacea. Nucula siliqua, suleifera, erpansa Lovell Reeve
von Beechey’s-Insel |. c. p- 396. pl. 33. fig. 1, 2 und 4.
Najades. Den zweiten Theil von Drouet Eiudes
sur, les Nayades de la France, avec neuf planches noires.
Troyes 1857 kenne ich nur aus den Anzeigen von Ross-
maessler in den Malak. Bl. p.225 und von Fischer in
dem Journ. de Conchyl. p. 195.
Lea beobachtete, dass einige Unionen, namentlich Unio
radialus Zeichen von Lichtempfindung gäben, und dass die
weiblichen Exemplare hierin empfindlicher wären, als die männ-
lichen. Er vermuthet die Augen in den abgerundelen Spit-
zen der Tentakelchen, welche die Oeffnungen der Siphonen
umgeben. Proc. Philadelphia 1857. p. 17. Vgl. auch Journ. de
Conchyl. 1857. p. 203.
Nachdem schon vor längeren Jahren Kirtland bei
einigen Arten der Gattung Unio im jugendlichen Alter einen
Byssus beobachtet halte, fand nun Lea auch bei zwei er-
wachsenen Arten dieser Galtung, U. aculissimus und U. con-
radicus Byssus-Fäden. Proc. Philadelphia VIII. p. 213.
der Mollusken während des Jahres 1857. 529
Isaac Lea charakterisirte Proc. Philadelphia VIII. p. 262 elf
neue Unionen von Georgia: Unio Elliottü, gracilior, pullatis, favo-
sus, rulilans, errans, vicinus, subellipsis, geminus, rostraeformis,
Blandianus. — Ferner ebendaher ib. 1857. p.31: Unio concestator,
extensus, pyriformis, Columbensis, fallax, intercedens, excaratus, ra-
dians, rubellinus. umbrosus, apicinus, Othcaloogensis. — Ferner 6
Arten von Alabama ib. p. 83: U. propinguus, florentinus , bimargina-
tus, mundus, Thorntoni, Mooresianus. — Ib. p. 84 fünf Arten aus
verschiedenen Theilen der vereinigten Staaten : U. pinguis ‚St. Peters-
River, Higginsi von Jowa, Abbevillensis Südcarolina, Jumesianus Mis-
sissippi, Texasianus Texas. — Ib. p.85 zwei exotische Arten : U.
Poeyinus aus Mexiko und Canadensis aus dem St. Lawrence - River
bei Montreal. — Ih. p. 85 elf Arten aus Nordearolina : U. Wheatleyi,
percoarclalus, gracilenlus. micans , Genthi, Emmonsü, spadiceus, in-
sulsus, striatulus, macer, contraclus.
Unio Gontierii Bourguignat Revue de zoologie 1857. p. 16 aus
der Krim. — U. Churchillianus, euceyphus und eweirrus ib. p. 18 aus
Anatolien. — Bourguignat bezeichnet ib. p. 21 Küster's Unio na-
tolicus als identisch mit seinem ein Jahr früher beschriebenen
U. Hueti.
Folgende Anodonten stellte Lea Proc. Philadelphia 1857 auf:
p-84 A. Lewisii aus dem Erie- Kanal und Mohawk -River,, lacustris
von New-York , modesta von Michigan, — p.85 A. Holtonis aus der
Provinz Popayan, — pP.86 A. virgulata aus dem Roanoke-River in
Nordcarolina. — A. Vescoiana Bourguignat Revue de Zoologie 1857.
p-18 aus Anatolien. =
b Castelnau hat.in seinem Reisewerke aus der Naja-
denfamilie folgende südamerikanische Arten erwähnt:
7 Castalia, worunter als neu angesehen werden: C. retusa pl. 14.
fig. 2 aus Guyana, multisulcata ib. fig. 4, turgida fig. 1, acuticosta
fig. 3, die drei letzteren aus Brasilien.
7 Uyria, worunter neu: H. transversa pl.15. fig 1 aus Brasilien,
complanata pl.15. lig.2 aus Guyana, Castelnaudi pl. 16 fig. 1 aus
Brasilien, (Meine H. humilis ist dem Verf. nicht bekannt; sie wird
wohl mit Castelnaudi zusammenfallen, so wie leicht diese mit com-
planata identisch sein könnte, da die Formen der ‘Schalen sehr zu
variiren scheinen.)
16 Unionen, worunter neu: U. (Alasmodonta) jaspidea aus dem
Amazonentilusse pl. 17,
1 Monocondylea.
19 Anodonta, worunter neu: A. obtusula aus Bolivia, Weddellii
aus Brasilien , Castelnaudii aus dem Amazonenflusse , lingulata von
Corumba, Paragnay.
Archiv (, Naturgesch, XXIV, ‚Jahrg, 2. Dd. 1
530 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
6 Leila Gray, einer Gattung , deren Arten früher mit Anodonta
und ‚Iridina verwechselt waren, und die sich durch die Gegenwart
einer Mantelbucht und durch ein Klaffen am Vorderende auszeichnet;
darunter neu: L. pulvinata. pl. 20. fig. 1 von Rio-Janeiro, L. Castel-
naudi pl.'19. fig. 1 von Paraguay.
5 Mycetopus, 'worunter neu: M. Weddellii pl. 20. fig. 2 von
Santa Anna de Chiquitos und pygmaeus (Anodon pygmaeum Spix)
pl: 19. fig.2 von Brasilien.
Mytilacen. Bei Lovell Reeve Iconographia icon. Lief.
168 und 169 ist die Gattung Mytilus auf 7 Tafeln in 29 Arten abge-
bildet. Neue Arten darunter sind: M. compressus Philippi MS., atro-
purpureus Dunker Guinea, rostratws Dkr. Tasmania, sinuatus Dkr.
Philippinen, Dunkeri Philippinen, cuneiformis Guayaquil, pallio-pun-
ctatus Dkr. Californien, Grunerianus Dkr. Island.
Der Gattung Modiola sind ebenda Lief. 169 und 170 acht Tafeln
gewidmet mit 48 Arten, unter denen neu: Modiola nitida Port Es-
sington ‚ arata Dkr. MS. Nordaustralien, Traillii Malacca, Senhausii
Chusan, speciosa Dkr. Peru, verillum Australien, magellanica Dkr. Ma-
gellanstrasse.
Die Gattung Lithodomus ist bei Lovell Reeve Lief.170 mit
4 Tafeln begonnen. Darauf finden sich an neuen Arten: L. Cumin-
gianus Dkr. Nordaustralien, Mazatlan, stramineus Dkr. Westindren,
Gruneri Philippi MS. Neu-Seeland, coarctata Dkr. Gallapagos, casta-
neus Dir: , rugiferus Dkr., Hanleyanus Dkr. Suez, Malaccanus Ma-
lacea, 'biezcawatus St. Thomas, pessulatus, subula.
Nachträglich müssen wir einer Abhandlung von Dun-
ker „de Septiferis genere Mylilaceorum et de Dreisseniis“ er-
wähnen, die freilich schon 1855 als academische Gelegen-
heitsschrift zu Marburg erschienen, uns aber in dem dama-
ligen Berichte entgangen war. /
Aus der Gattung Septifer beschrieb Verf. fünf Arten ohne Bor-
“sten mit einem Randzahne, 6 Arten mit Borsten, ohne Randzahn.
Unter ersteren sind S. furcatus von China und S. Grayanus von den
Molukken, unter letzteren S. Cumingii Recluz von Panama und S.
Forskalii aus dem rothen Meere als neu beschrieben. — Aus der
Gattung Dreissenia kennt Verf. 28 Arten, von denen 8 (3 lebende
und 5 fossile) ein einfaches Septum, 20 (11 lebende und 9 fossile)
ein mit einer kleinen Lamelle versehenes Septum besitzen. Aus der
ersten Gruppe ist D. Cumingiana aus dem Mississippi, aus der zwei-
ten sind D. Küsteri, Gundlachii von Cuba, Mörchiana von St. Thomas
als neu’ beschrieben.
Dreissena cäüspia Bichwald' Mem. de Moscou X. tab. 10. fig.
19—21. ir
der Mollusken: während des Jahres’ 1857: 551
Chamacea. ‘Macdonald hat der. Royal Society of
London, Proc. June 1857 eine Mittheilung über ‘die Anatomie von
Tridacna gemacht. Vergl. auch Annals nat. hist. XX. p- 302.
Tridacna elongatissima Bianconi Menı. Acc. Bologna VIl. tab. 25.
fig.2 von Mosambique.
Cardiacea. Cardium Guichardi Bernardi Journ. de Con-
chyl. 1857. p. 53. pl. 2. fig. 4 von Neu - Caledonien. — C: ornatum
Eichwald Mem. de Moscou tab. 10. fig. 5—7 aus dem Caspischen
Meere. — C. eruentatum Gould Reports of explorations and surveys V.
p- 334. pl.11. fig.21. 22 von San Pedro. — C. Fornasinianum: Bian-
coni Meın. Acc. Bologna Vil. tab. 25. üig.1 von Mosambique wird
mit apertum Chemn. verglichen.
Cyciadea. Essai monographique sur les Pisidies frangaises
par Baudon. Paris 1857. 56pag. 5pl. — ist mir nur aus einer
Anzeige im Journ. de Conchyl. p.296 bekannt geworden. Danach
hat sich Verf. auch mit der Anatomie des Thiers befasst. Er nimmt
im Ganzen nur 8 [ranzösische Arten an, unter denen eine P. coni-
cum neu.
Cyrena caledonica Gassies von Neu-Caledonien. Journ. de Con-
chyl. 1857. p. 277.
Cyrena ezimia Dkr. ist bei Pfeiffer Novit. Conchol. Taf. 24
abgebildet. )
Galatea Bernardii Dunker Journ. de Conchyl. 2.Ser. Tom. I.
p- 338. pl. 12. fig. 3 von Cap Lopez. — Ebenda p.339 zählt Fischer
die Arten der Gattung Galatea auf, deren Zahl sich auf 8 beläuft.
Astarte Richardsoni, fabula , globosa Lovell Reeve Beechey’s-
Insel 1. e. p. 398. pl. 33.
Lucinacea. Lucina Voorhoerei Deshayes Journ. de Con-
chyl. 1857. p.106. pl. 2. fig..1 wird mit der fossilen L. Defvancei
verglichen.
Recluz beschrieb ib. p. 340. pl.12. fig.4. 5 eine neue Art
Kellia Cailliaudi von der französischen Küste nach Schale und Thier.
Conchae, In einer besonderen kleinen Schrift „Kri-
tische Untersuchung der Arten des Molluskengeschlechts Ve-
nus bei Linn€e und Gmelin mit Berücksichtigung der spä-
ter beschriebenen Arten. Cassel 1857. 8. 135 Seiten“ hat
E. Römer einen werthvollen Beitrag zur Kenntniss der Gat=
lung Venus im weiteren Sinne geliefert.
, Verf. theilt die Gattung Venus in acht Subgenera und diese
wieder in Familien, wobei also den Familien eine andere Bedeutung
beigelegt wird, als es in den beschreibenden Naturwissenschalten
sonst allgemein zu geschehen pflegt. Es werden dann 145 Arten von
Linn und Gmelin kritisch behandelt, meist «uch mit ausführlichen
532 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Diagnosen versehen. Da mehrere Familien vom Verf. neu gegründet
sind, so erscheint es angemessen, um diese unseren Lesern verständ-
lich zu machen, hier das ganze Schema des Verf. mitzutheilen:
A. Dentibus 3 in valva dextra, quatuor in sinistra.
I. Subgenus: Cytherea Lam.
1. Fam, Meretrix Lam. T. cordata laevigata, sinu palliari mi-
nimo, rotundato ; margine interno laevi, dente postico erenulato. €,
meretrix L.
2. Fam. Tivela Link (Trigona Mühlf.) T. trigona, laevigata,
sinu palliari mediocri, rotundato; margine interno laevi ; dente late-
rali remoto, postico erenulato. ©. tripla L.
3. Fam. Callista Poli. T. cordato-ovata; sinu palliari tra-
peziali, mediocri, margine interno laevi. C. eryeina L., C. Chione L.
4. Fam, Pitar Römer. T. trigono-cordata, transversim striata;
sinu palliari profundo, obtuso-triangulari ; dente laterali papilliformi ;
margine interno laevi. C. tumens Gmel. (le Pitar Adans.)
5. Fam. Lioconcha Mörch. T. rolundato - cordata, laevigata
vel subtiliter transversim striata; sinn palliari eximie parvo, margine
inteıno laevi. Ü. castrensis L.
6. Fam. Dione Gray. T. cordata, lamellis transversis instru-
cta; sinu palliari mediocri, triangulari; dentibus mediis lamellifor-
mibus; margine interno laevi. C. dione L.
7. Fam. Cirece Schum. T. rotundala vel trigono-rotundala,
compressa, lentiformi; natibus complanatis, angustis; rugis lransver-
sis; sinu palliari rudimentario; dentibus cardinalibus linearibus, com-
pressis, dente laterali remoto, Jato; margine interno laevi. C. scripta L.
8. Fam. Crista Römer. T.ovata, striis longitudinalibus ; sinu
palliari minimo; dente laterali cardinibus proximo, papilliformi; mar-
gine interno cerenulato. €. pectinata L.
II. Subgenus: SunettaLink (Cuneus Mühlf.) V. MeroeL.
B. Dentibus tribus in utraque valva.
III. Subgenus: Tapes Mühlf. (Pullastra Sow.).
1. Fam. Tertriz Römer. T. ovato-oblonga, utrinque rotundata;
sinu palliari mediocri, tapeziali vel ovato; margine interno glaber-
rimo. V. textrix Chemn. (textile Gmel.).
2. Fam. Parembola Römer. T. ovata, antice rolundala, postlice
angulala; sinu palliari parvo, Iriangulari; margine interno. glaber-
rimo. V. litterata L.
3. Fam, Amygdala Römer. T. oblongo-cordata, üntice rotun-
data, postice angulata; sinu palliari magno, ovato; margine interno
integro. V. decussala L.
IV. Subgenus: Mercenaria Schum,. V. mercenaria L.
V. Subgenus: Gomphina Mörch, V. undulosa. Lam,
der Mollusken während. des Jahres 1857. 533
VI. Subgenus: Anaitis Römer.
1. Fam. Clausina Brown. T. subcordata vel trigono-cordata,
ealcarea; sinu palliari parvo, triangulari. V. tiara. Dillw.
2. Fam. Chiona Mühlf. T. cordata; sinu palliari parvo, ro-
tundato-trigona. V. plicata Gmel.
VII. Subgenus: Cyelina Desh. V. chinensis Chemn.
VII. Subgenus: Murcia Römer.
1. Fam. Antigona Schum. T. cordata vel rotundato - cordata,
lamellis vel suleis transversis; sinu palliari mediocri, acute triangu-
lari; margine interno crenulato. V. puerpera L.
2. Fam. Chamelea Klein. T. cordato-Lrigona, liris transversis;
sinu palliari minimo; margine interno erenulato. V. gallina L.
3. Fam. Leucoma Römer. T. cordata vel cordato - rotundata,
decussalim striata; sinu palliari parvo, obtuse triangulari; margine
interno erenulato. V. granulata Gmel., V. marica L.
4. Fam. Anomalocardia Schum. T. cordato-trigona, area ma-
gna, subplana, marginem dorsalem posticum totum occupante; rugis
transversis; dente cardinali postico areae parallelo; sinu palliari vix
signato; margine interno denticulato. V. llexuosa L.
5. Fam. Katelysia Römer. T. ovata, complanata, suleis trans-
versis; sinu palliari mediocri, ovato - triangulari ; margine interno
laevi. V. scalarina Lam., V. exalbida Chemn.
Circe Robillardi Bernardi Journ. de Conchyl. 1857. p. 387.
pl. 11. fig. 9.
‚ Tapes gracilis Gould Reports of explorations and surveys V.
p- 335. pl. 11. fig. 19. 20 von San Pedro.
Venus Deshayesiana Bianconi Mem. Acc. Bologna VII. tab. 24
von Mosambique.
Tellinacen. Bei Lovell Reeve Conchol. icon. ist Lief.
163 die Gattung Soletellina auf 4 Tafeln in 21 Arten abgehandelt,
Neu sind: S. consobrina Desh. MS. Philippinen, nymphalis Desh. Au-
stralien, epidermia D. Adelaide, Cumingiana D. Philippinen, Adamsii
D. Philippinen, nitida Gray Neuseeland, truncata Molukken, siligua
Neuseeland, donacioides Adelaide, acuminata Desh. Philippinen, in-
certa D. Neuseeland, atrata D. Philippinen, planulata Molukken,
japonica D. Japan, reversa Malacca, tumens D. Philippinen, ob-
scurala D.
Die Gattung Capsula Desh. besteht ib. auf 2 Tafeln aus 16 Arten,
darunter neu: C, solidaMalacca, violacea Manila, candida Philippinen.
Als Schluss von Psammobia sind ib. noch die Tafeln 6—8 er-
schienen. Die Gattung enthält daselbst im Ganzen 60 Arten. Neu:
Ps. eburnea Malacca, malaccana Malacca, Menkeana Australien, suf=
534 Troschel: Berichtüb. d. Leistungen in’ d.’Naturgeschichte
[usa Malacca, casta Guatemala, parvula, vaginoides, lineolata Gray MS.
Neuseeland; comvexa.
In den. Lief. 164. 165 ist ib. die Gatttung Sanguinolaria auf
einer Tafel mit 5 Arten enthalten, worunter S. oralis von Central-
amerika neu.
Desgleichen eine neue Gattung Psammotella Deshayes
testa ovato-transversa, convexiuscula, subaequilateralis, utrinque hians,
antice rolundala, postice longior, truncata vel subrostrata, concen-
trice striata, aut Jutea aut violacea, epidermide tenui deeidua cor-
nea; .cardo dentibus parvis centralibus ereclis in valva sinistra, in
valya dexira unica, callosilate oblonga in ambabus; ligamentum ex-
ternum; impressio muscularis pallii sinu oblongo peramplo. Sieben
neue Arten von Deshayes: Ps. philippinensis Philippinen, malac-
censis Malacca, Skinneri Ceylon , Rüppelliana Rothes Meer, ambigua,
subradiata Philippinen, oblonga.
Die Gattung Capsa gehört nach den anatomischen Untersuchun-
gen von Fischer Journ. de Conchyl. 1857. p. 327 in die Familie
der Psammobien.
Lithophaga. lRecluz sucht nachzuweisen, dass die Familie
Lithophages von Lamarck keine natürliche sei, und bildet eine
eigene Gruppe Pullastridae aus den Galtungen Petricola und Tapes,
mit welchen letzteren er Venerupis generisch vereinigt wissen will.
Journ. de Conchyl. p. 15.
Fischer hat ib. 2. Ser. I. p.321 anatomische Bemerkungen
über mehrere Petricola- Arten gemacht, und findet die Gattung Cho-
ristodon Jonas gerechifertigt.
Mactraceun. Deshayes hat das Thier von Cumingia un-
tersucht und gefunden, dass die Gattung in die Familie der Lavignons
gehört. Er beschreibt zugleich eine neue Art €. gtandis von Chile.
Journ. de Conchyl. 2. Ser. I. p. 278. — C. parthenopaea Tiberi |. c.
Das Thier von Amphidesma hat Fischer Journ. de Conchyl.
1857. p. 334 beschrieben.
Annatinacea, Osteodesma Orbignyi Fischer Journ. de Con-
ehyl. 1857. p. 382. pl. 11. fig. 7- 8 von Martinique.
Cochlodesma Cumingiana Fischer ib. p. 384. pl. 10. fig.3—5.
Corbulacea. Neaera renovata Tiberi 1. e.
Pholudea. In Folge einer kritischen Anzeige der von
der Holländischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Harlem
gekrönten Schrift Cailliaud’s über die bohrenden Mollusken,
welche Fischer im Journ. de Conchyl. 2. Ser. I. p. 395 ver-
öffenllicht halte, verlheidigt Cailliaud in derselben Zeit-
schrift II. p- 130 seine Ansichten gegen die dort gemachten
Ausstellungen.
der Mollusken während des Jahres 1857. 535
Cailliaud, der sich schon so grosses Verdienst um
die Kenniniss von der Art und Weise erworben hat, wie die
Muscheln in das Gestein bohren, hat nun auch das Bohren
der lebenden Pholaden wirklich beobachtet. Revue de zoo-
logie 1857. p. 64. Es geschieht durch Raspeln mit der Schale,
indem sie sich mit dem Fusse im Grunde der Höhlung fest-
heften, und mit der Schale bald nach links bald nach rechts
drehen. Sie arbeiten nur bei Tage nicht bei Nacht. Sie
bohren ziemlich schnell.
Jarvis hat seit 1849 Beobachtungen über die Ver-
wüstungen des Bohrwurms (Teredo) in den amerikanischen
Gewässern angestellt; ein Auszug seiner im National -Insti-
tut zu Washington gelesenen Abhandlung findet sich in Wells
Annual or scientific discovery or year-book of facts in science
and art for 1857. Boston 1857. p. 359.
Die Thiere können das Holz des Schiffes nur erreichen, wo es
nackt ist, aber ein kleiner Riss in dem Ueberzuge, ein ausgefallener
Nagel oder dergl. sind hinreichend den Feind eindringen zu lassen,
was zu bestimmter Jahreszeit geschieht. Ein guter Ueberzug von
Kupfer verdient den Vorzug vor Allem, nächstdem hält Verf. einen
dreifachen Anstrich von weisser Zinkfarbe für das Beste.
Das Verzeichuiss der Arten der Gattung Teredo (vergl. den
vor. Bericht p. 164) ist von Fischer Joum. de Conchyl. 2. Ser.
Tom.1I. p.254 beschlossen und enthält 18 Arten, von denen 10 im
atlantischen, 8 im indischen Ocean leben.
Bonn, Druck von Carl Georgi
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