ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE.
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHSON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. Dr. LEUCKART IN GIESSEN
UND
PROF. Dr. R. WAGENER IN GÖTTINGEN
HERAUSGEGEBEN
von
Dı. & H., TROSCHEL,
PROFESSOR AN DER FRIEDRICH-WILHELMS-UNIVERSITÄT ZU BONN,
SECHS UND ZWANZIGSTER JAHRGANG.
Erster Band.
Mit dreizehn Ta Aa
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Nicolaische Verlagsbuchhandlung.
(G. Parthey.)
1860.
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Inhalt des ersten Bandes.
Beobachtungen über die Entwickelung der Cirripedien. Von Dr.
August Krohn. Hierzu Taf. I. Fig. 1—3 .
Beschreibung einer Oestridenlarve aus der Haut des Menschen.
Von Dr. Ed. Grube. Hierzu Taf. I. Fig.4. 5
Ueber eine neue Art Trigla aus China, welche in die Abthei-
lung der Lyren gehört. Beschrieben von Prof. Dr. Kaup
Ueber zwei vermuthlich neue Chilenische Enten und über Frin-
gilla barbata Mol. Von Dr. R.A. Philippi
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. Von Dr.
Albert Günther. I. Die kaltblütigen Wirbelthiere
Polypen und Quallen von Santa Catharina. Philomedusa Vog-
tii n. sp. Von Fritz Müller. Hierzu Taf. II. Fig. 1.
Ueber die Schale und die Larven des Gasteropteron Meckelii.
Von Dr. August Krohn. Hierzu Taf. II. Fig. 2 und 3
Tetrapedos, neue Sauriergattung. Von Prof. Jan in Mailand.
Briefliche Mittheilung an den Herausgeber. Hierzu Taf. II.
Fig. 4—12 s
Beschreibung neuer oder wenig a nein Yon Dr.
Ed. Grube. Fünfter Beitrag. Hierzu Taf. III—V. (Poly-
noe, Spinther, Amphinome, Staurocephalus, Phyllodoce,
Syllis, Sylline, Spiophanes, Heterocirrus, Cirratulus, Cly-
mene, Maldane, Terebella, Amphicteis, Polycirrus, Sabella,
Serpula, Saenuris - n n a .
Ueber einen neuen Fisch. Briefliche Mittheilung an den Her-
ausgeber. Vom Fürsten zu Salm-Horstmar
Alepidosaurus, ein Meerwels. Von Dr. A. Günther
Anabas trifoliatus n. sp. Von Prof. J. zarn Hierzu Taf. v1.
Fig. A. : .
Hoplarchus, neues Genus der Familie Leltridası, Beicheiihen
und abgebildet von Prof. J. Kaup. Hierzu Taf. VI. Fig. 1.
Ueber die Chaetodontidae. Von Prof. J. Kaup
Seite
1
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17
24
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57
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69
1
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133
Ueber Kalkablagerung in der Haut der Insekten. Von Franz
Leydig in Tübingen. Hierzu Taf. VII. Fig. 1—3
Bithynis, ein neues Genus der langschwänzigen Krebse von Dr.
R. A. Philippi in Santiago . . 5
Ueber Distoma appendiculatum R. Von Dr. G. R. Wagener.
Briefliche Mittheilung an Prof. Dr. R. Leuckart. Hierzu
Taf. VIII und IX 2
Beitrag zur Phyllopoden- Fauna der nee Berlin, nebst
kurzen Bemerkungen über Cancer paludosus Müll. Von
Dr. B. v. Dybowski. Hierzu Taf. X H n
Leptopterygius, neue Gattung der Discoboli. Vom Heraus-
geber. Hierzu Taf. VII. Fig. a—d
Uebersicht der bis jetzt bekannten Arten der Kulborineh - Gat-
tung Poiocera Lap. Von Dr. A. Gerstaecker. Hierzu
Taf. XI und XII i & ; . £
Ueber die l.ocustinen - Gattung Gryllacris Serv. Von Dr. A.
Gerstaecker : - R c r
Beschreibung zweier neuen Chilenischen Vögel aus den Ge-
schlechtern Procellaria und Caprimulgus. Von Dr. R. A.
Philippi und Ludw. Landbeck in Santiago .
Notiz über eine neue Antilope. Von Dr. J. E. Gray.
Die Gattung Cornuspira unter den Monothalamien und Bemer-
kungen über die Organisation .und Fortpflanzung der Po-
Iythalamien. Von Prof. Max Schultze in Bonn
Das Kolonialnervensystem der Moosthiere, nachgewiesen an Se-
rialaria Coutinhii n.sp. Von Fritz Müller in Desterro.
Hierzu Taf. XIII - 5 e E 5
Ueber Oxybeles gracilis Blkr. Von Dr. €. L. Doleschall.
Uebersetzt vom Herausgeber -
Auszug aus den Untersuchungen am Mittelmeere. (Sipinnekhe
ren, Sipuneulus, Doliolum). Von Dr. W. Keferstein und
E. Ehlers . 5
Ueber das Ammengeschlecht RR: und seine RE TanE nobst
den von diesen aufgeammten Medusen. Von N. Sars.
Uebersetzt vom Herausgeber
Seite
157
165
195
205
210
+
279
285
287
311
319
324
341
Pa
Beobachtungen über die Entwickelung der
Cirripedien.
Yon
Dr. August Krohn.
(Hierzu Taf. 1. Fig. 1-3).
Die Resultate, die wir in neuerer Zeit, Dank sei es
den Arbeiten von Burmeister !), Spence Bate?)
und Darwin ®), über die Entwickelung der Cirripedien
erhalten haben, sind so erfreulich, dass wir uns schon jelzt
eines Ueberblickes der mannichfalligen Umwandlungen, die
das Junge von der Geburt bis zur vollendeten Gestalt er-
fährt, rühmen könnten, wäre nicht eine fühlbare Lücke noch
unausgefüllt. Es ist nämlich noch immer nicht bekannt,
durch welehe Zwischenstufen die während der ersten Ent-
wickelungszeit mit den Jugendformen der Entomostraceen,
namentlich der Copepoden, in so vielen Beziehungen über-
einstiimmende Larve, in die spätere eyprisähnliche Gestalt
übergeht. Es war mir während meines Aufenthaltes in
Funchal, so wie später in Messina vergönnt , einigen Auf-
schluss über diese noch unaufgeklärten Verhältnisse zu er-
halten. Ehe ich meine Beobachtungen darüber mittheile,
halte ich es für nöthig, zuvörderst die Gestalt, in welcher
die Larve während der ersten Entwickelungsperiode er-
scheint, zu beschreiben , und hierauf noch einzelne Organe,
die ihr in der spätern eyprisähnlichen Form eigen, näher
zu besprechen.
Auf einer gewissen Entwickelungsstufe, nachdem die
1) Beiträge zur Naturgesch. der Rankenfüsser. 1548.
2) Onsthe development of Ihe Cirripedia in Annals of natural
history, Vol. 8. 2. ser., 1851. p. 324.
3) Monograph on Ihe sub-elass Cirripedia 2 Vol. 1851 eı 1854.
Archiv 1. Naturg. Jahrg. XXVL. 1. Bd, 1
2 Krohn:
Larve seit dem Ausschlüpfen aus dem Ei, an zwei- bis
dreimal sich gehäutet, unterscheidet man an ihr einen brei-
ten, vorne häufig abgestutzten, nach hinten zu sich ver-
schmächtigenden Vorderleib, auf den zwei über einan-
der nach hinten sich erstreckende schmächtige Fortsätze
folgen (Fig. 1). Der obere Fortsatz hat die Form eines
gerade gestreckten, oft schr langen Stachels, der untere
stärkere läuft allmählich verjüngt in ein gabelförmig ge-
theiltes Ende aus, und ist, namentlich in späteren Stadien,
einer Beugung und Streckung fähig. Ich bezeichne ihn
vorläufig als schwanzlörmigen Anhang '). Der Leib ist auf
der Rückseite von einem Panzer oder Schilde bedeckt, des-
sen Vorderecken in zwei dünne, an den Spilzen mil ein-
zelnen gekrümmten Borsten versehene Hörner ausgezogen
sind ?). An der Unterseiie ist der Leib mit drei Paar Ru-
derlfüssen und einem milten zwischen den letzteren frei vor-
springenden rüsselarligen Forlsatze versehen. Dicht hinter
dem Vorderrande des Rückenschildes schimmert aus der
Tiefe ein kleines, von dunkelem Pigment umhülltes , mit
einer vorragenden Linse versehenes Auge hindurch. Es
ruht dieser Ocellus mitten aul dem Vorderrande eines deul-
lich demarkirten, dicht an der Bauchfläche gelagerten, den
Oesophagus ringlörmig umfassenden Gebildes (Fig. 3), das
ich für nichts anderes als für die Centralmasse des Nerven-
systems oder für den Schlundring halten kann. Die Ru-
derbeine, von denen das vorderste Paar einfach, das milt-
lere und hinlerste in zwei Aeste gelheilt sind, sind reich-
lich mil langen theils einfachen, lheils zierlich geliederten
Borsten besetzt (Fig. 2). Mitten auf dem Ende des rüssel-
förmigen Fortsalzes ist der Mund angebracht, der in einen
engen, durch die Achse des Fortsalzes sich ersireckenden,
und durch die Oeffnung des Schlundringes in den Vorder-
leib sich einsenkenden Oesophagus führt. Der übrige Theil
1) Nach den Figuren zu Bate’s Abhandlung muss ich glauben,
dass dieser Forscher den Stachelfortsatz für eine Verlängerung des
gleich zu erwähnenden Rückenschildes ansieht, was gewiss unrichlig.
2) Burmeister und Darwin halten diese Hörner für Fühler,
aber mit Unrecht, wie sich später ergeben wird.
Beobachtungen über die Entwickelung der Cirripedien. 3
des Nahrungskanals durchzieht den Leib in gerader Rich-
tung, schwillt mitten in diesem Verlaufe zu einer rundlichen
Erweiterung an, und endet mit einem rückseits am Anfange
des schwanzförmigen Anhangs gelegenen After (Fig 2) !).
In der zweiten Entwickelungsperiode ist die Larve
bekanntlich in ähnlicher Weise wie die Gattung Cypris,
von einem zweiklappigen Panzer oder einer Schale umhüllt.
Sie besitzt zwei zusammengeselzte und ein einfaches Auge,
und ist an der Unterseite des hinteren, dem Thorax im aus-
gebildeten Thiere entsprechenden Leibestheils, mit sechs
Paar in zwei Aeste gespallener Schwimmfüsse versehen.
Dem Ende dieses Leibestheils sitzt ein sehr kurzer schwanz-
arliger Fortsatz (Abdomen Darw.) an, der mit zweien den
Aesten der Schwimmbeine ähnlichen Anhängseln versehen
ist. Besonders erwähnenswerth sind noch zwei stark ent-
wickelle Gliedmassen, die vorne am Leibe, in der Nähe
der zusammengesetzien Augen, entspringen. Mit ihrer Hülfe
schreitet die Larve zu Zeiten einher, und miltelst ihrer
selzt sie sich zuleizt, wenn der Zeitpunkt ihrer letzten Me-
tamorphose herangerückt ist, auf fremden Körpern lest ?).
Die beiden zusammengesetzten Augen liegen ganz seil-
wärls, dicht unter den entsprechenden Klappen der Schale,
in der vorderen, bei den Lepadiden später grössientheils
1) Die Hörner des Rückenschildes und den Stachelfortsatz ab-
gerechnet, kommen sonach die Cirripedienlarven sowohl im Aeussern
als auch im innern Baue mit den Jugendgestalten der Cyelopiden, wie
selbige uns durch die trelfliche Abhandlung von Claus (Zur Anit-
tomie und Entwickelungsgeschichte der Copepoden, dies Arch. 1858.
p- 1) bekannt geworden sind, nahe überein. Es zeigt sich diese Ueber-
einstimmung nicht nur in der gleichen Zahl und einer analogen Be-
schalfeubeit der Ruderfüsse, sondern auch in der Structur des Auges
(vergl. Claus. ec. Fig. 64 u. 66), in der Anordnung des Nahrungs-
schlauches und in der Anwesenheit einer dem rüsselförmigen Fort-
satze gleichzustellenden sogenannten Mundkappe. Dem schwanzför-
migen Anhange der Cirripedienlarven aber entspricht der hintere Lei-
besabschnitt der Naupliusform der Copepodenlarven, wie sich später
herausstellen wird.
2) Veber diese Periode vergl. die äusserst genaue und gründ-
liche Darstellung von Darwin, (Vol. 2, p. 110—123).
4 Krohn:
in den Stiel auswachsenden Leibesportion. Sie bestehen aus
einer dunkelen Pigmentmasse, in welche mehrere rundliche
Krystallkörper tief eingesenkt sind, und einer äussern Hülle,
die in Form einer Cornea über die Krystallkörper sich hin-
überzieht, stimmen also im Baue mit dem Auge der Daphnia-
den überein.
Das einfache Auge liegt in der Mittellinie, höher ge-
gen den Rücken hin und etwas hinter den zusammengesetz-
ten Augen. Es ist, wie sich später ergeben wird, der von
der früheren Periode her stammende Ocellus. Es besteht
aus einer derben, von einer schwarzbraunen Pigmentmasse
ausgefüllten Kapsel, enthält aber, wie es scheint, keine Linse
mehr und ist so auf ein bloss Licht und Dunkel unter-
scheidendes Organ reducirt. Bei der letzten Metamorphose
geht es in die junge Cirripedie über, wie es denn bekannt-
lich selbst bei völlig ausgewachsenen Cirripedien, nament-
lich den Lepadiden, immer leicht nachzuweisen ist.
Die sechs Paare später zu den Ranken sich umgestal-
tender Schwimmfüsse bestehen aus einem Stiele, von dem
die beiden schon erwähnten Aeste abgehen, deren Endglied
mehrere sehr lange, zweizeilig gelfiederte Borsten trägt.
Die beiden Anhängsel des Caudalfortsatzes oder Abdomens,
sind an den Enden mit ganz ähnlichen Borsten besetzt.
Die beiden Gang- oder Haftbeine bestehen aus vier
Gliedern, von welchen das dritte zu einer Scheibe verbrei-
tert ist, während das sehr kurze Endglied der oberen Fläche
des scheibenförmigen Gliedes und zwar ganz seitwärls
unter einem rechten Winkel ansitzt (siehe Darwin Pl. 30.
Fig. 8). Beim Gehen, wobei die Beine abwechselnd bald
vorgestreckt, bald nachgezogen werden, drückt sich das
scheibenförmige Glied, gleich einem Saugnapfe, dem Ge-
genstande so fest an, dass selbst das Hinaufkriechen längs
polirten Flächen, wie die Wände eines Glases, dadurch
ermöglicht wird. Mittelst derselben scheibenförmigen Glie-
der heftet sich das junge Thier, wenn es sich zu seiner
letzten Metamorphose anschickt, auf fremden Körpern fest !).
1) Wie schon Darwin nachgewiesen hat, findet bei dieser
Anheftung eine förmliche Verkittung mit dem fremden Körper mil-
Beobachtungen über die Entwickelung der Cirripedien. 5
Nach diesen Erörterungen gehe ich nun zu meinen
Beobachtungen über.
Den Uebergang in die eyprisähnliche Form habe ich
an zwei Larvenarten beobachtet, von welchen die eine mir
während meines Aufenthaltes auf Madeira, in verschiedenen
Entwickelungsstadien zur Ansicht kam. Sie stammt wahr-
scheinlich von einer Balanide.
Bei älteren Larven dieser Art (Fig. 1) ist der Vor-
derleib von ansehnlichem Umfange , der Rückenschild am
Vorderrande mit zwei mässig langen Hörnern , am Hinter-
rande mit zwei schräge aufwärts gerichteten, bei jüngeren
Larven noch fehlenden Stacheln ausgerüstet. Der schwanz-
förmige Anhang ist halbweges etwa gegen sein Ende hin,
mit vier ansehnlichen, seitlichen, paarig vertheilten Dornen
bewehrt, und übertrifft, namentlich in seiner vorderen nun
verdickten Hälfte, den Stachelfortsatz um ein Ansehnliches
an Stärke. Bei noch weiter vorgerückten Larven erscheint
der Rückenschild vergrössert und stark gewölbt.
Eines Tages wurde eine grössere, noch weiter ent-
wickelte Larve derselben Art eingefangen, deren nähere
Untersuchung Folgendes ergab. Der Rückenschild zeigte
sich gegen früher in so weit verändert, als er nun tiefer
nach unten hinabreichte, und so von beiden Seiten aus den
Leib umhüllte. Der schwanzförmige Anhang erschien in
seinem vorderen längeren, etwas über die erwähnten paa-
rigen Dornen hinausreichenden Abschnitte stark aufgetrie-
ben. An der Unterseite dieses Abschnittes liessen sich
telst einer leimarlig zähen, aus den Haftscheiben hervordringenden
Substanz statt. Dieser kittartige Stoll oder das Cement wird den
Haftscheiben von zwei Kanälen (den Cementgängen) zugeführt, die
sieh durch die Achse der Gangbeine bis zu zwei im Leibe gelegenen
wurstlörmigen Massen, dieDarwin für die das Cement bereitenden
Drüsen ansicht, verfolgen lassen (siehe Darwin p. 116 u. 122). Dar-
win's Untersuchungen lehren ferner, dass die Verkittung während
des Wachsthums der Cirripedien ununterbrochen vor sich geht, und
dass in dem Maasse als die Anheltungsflläche (unteres Stielende der
Lepadiden oder Schalenbasis der Balaniden) sich vergrössert, auch der
Cementapparat sich immer weiter ausbildet.
6, Krohn:
dureh die Haub hindurch sechs dicht hinter einander
gereihete Paare Fortsätze, von denen jeder aus einem
verhältnissmässig langen Stiele und zwei von diesem ab-
gehenden kurzen, abgerundet endigenden Aesten bestand,
unterscheiden. Dicht hinter dem letzten Paare schimmerte
noch ein. viel kürzerer Fortsalz mit zwei den Aesten der
längeren Fortsätze ähnlichen Vorsprüngen hindurch. Beide
Vorsprünge so wie die erwähnten Aeste zeigten sich mit
dünnen Ausläufern oder Fäden: besetzt, die sich als die
Anlagen eben so vieler Borsten zu erkennen gaben. Weber
die Bedeulung dieser Fortsätze konnte ich nicht lange in
Zweifel bleiben; es waren offenbar die in der Entwicke-
lung begriffenen Schwimmfüsse und die Anlage des Cau-
dalforisalzes der späteren cyprisähnlichen Form. Es er-
gab sich sonach „ dass der ganze aulgetriebene Theil des
schwanzförmigen Anhangs als die Anlage des künfligen
Thorax zu betrachten sei. Jederseits in. gleicher Linie
mit dem früheren, nun. grösser gewordenen , von einem
sehr dunkeln Pigment umhüllten einfachen Auge, wurde
ein zundliches Gebilde unterschieden, das mehrere zer-
streute gelbrölhliche Pigmentablagerungen enthielt. Es
drängte sich mir sogleich die Vermuthung auf, dass beide
Gebilde wohl nichts anderes sein. könnten, als die Anlagen
der zusammengeselzten Augen, was sich; auch: hald bestä-
liste, indem es gerade an derselben Larve glückte , die
allmähliche Umbildung in die ceyprisähnliche Gestalt zu
beobachten:
Am dritten Tage nach dem Einlangen der Larve, sah
ich den Rückenschild nach hinten zu so weit verlängert,
dass er nun auch die ganze vordere Abtheilung des schwanz-
förmigen Anhangs überdachte. Das einfache Auge zeigte
sich von noch grösserem Umfange „ während die Pigmeni-
ablagerungen in den Anlagen der zusammengesetzten Augen,
nun dichter zusammengedrängt und von dunkler, schwärz-
licher Farbe erschienen. Die Schwimmfüsse hatten sich
weiter ausgebildet.
Am Mor gen des vierten Tages fand ich das T hierchen
bereits umgewandelt, was, wie zu: erwarten , nicht ohne
Abstreilung der früheren Larvenhülle erfolgt: war.
EEE
Beobachtungen über die Entwickelung der Cirripedien. 7
Hatte sich nun’ nach diesen Beobachtungen mit Evi-
denz herausgestellt, dass beim Uebergange in die zweite
Entwickelungsperiode der Rückenschild in den zweiklap-
pigen Panzer, der ganze vordere Abschnitt des schwanz-
förmigen Anhangs in den Thorax sich umwandele , so blieb
es doch noch ganz ungewiss, aus welchen Theilen wohl
die Gang- oder Hafibeine sich hervorgebildet haben moch-
ten. Den näheren Aufschluss hierüber erhielt ich erst
später in Messina, an der Larve einer anderen nahe ver-
wandten Art, die in einem sehr weit vorgerückten Stadium
eingefangen wurde und deren Umwandlung schon am Abend
desselben Tages erfolgte. An dieser Larve, in deren zu-
Sammengeselzten Augen bereits die einzelnen in die Pig-
mentmasse eingebelteten Krystallkörper deutlich zu erkennen
waren, glaube ich mich bestimmt überzeugt zu haben, dass
die Haftbeine aus dem vordersten Paare der Ruderlüsse
hervorgehen. Das Ende jedes dieser Füsse zeigte sich
nämlich zu einer Scheibe -verflacht, der ein Endglied ganz
in der Weise wie es an den Haftbeinen der Fall, anzusitzen
schien !).
Nach den eben mitgetheilten Ergebnissen kann eine
von Burmeister beobachtete Lepaslarve (l. c. p. 16. Tab. 1.
Fig.3 et 4), die sowohl von diesem Forscher als auch von
Darwin (l. ce. p. 109) für den Repräsentanten einer der
eyprisähnlichen Form unmittelbar vorausgehende Entwicke-
lungsstufe angesehen wird, nicht mehr als solcher gelten.
Sie ist bereits, wie Burmeister’s dritte Figur deutlich zeigt,
mittelst der Haftfüsse angeheltet, besitzt eine zweiklappige
Schale, weicht aber dadurch wesentlich ab, dass sie slalt
sechs nur drei Paar Schwimmfüsse hat, von welchen das
vorderste angeblich ungespalten ist. Ich kann demnach
diese Larve für nichts weiter als für ein verstümmelltes
1) Es erweist sieh demnach die Ansicht von Burmeister
und Darwin, nach welcher die Hörner des Rückenschildes zu den
Haftbeinen (prehensile antennae Darw.) sich umbilden sollen, als
irrthümlieh, Die Hörner werden, wie ich mich überzeugt, unverän-
dert mit der Larvenhülle abgeworlen. Was bei der Umwandlung aus
den beiden hintern Ruderfusspanren wird, ist mir gänzlich unbekannt.
2} Krohn: Beobacht. üb. d. Entwickel. d. Cirripedien.
oder, was noch wahrscheinlicher, für ein monströses Exem-
plar halten.
Ich erlaube mir am Schlusse auf eine in Messina be-
obachtete noch junge Cirripedienlarve, die wahrscheinlich
einer Lepadide angehört, aufmerksam zu machen. Der
Rückenschild ist, wie Fig. 2 zeigt, fünfeckig, auf der Ober-
seile mit einem starken, mit der Spitze nach hinten ge-
krümmten Stachel, an den Rändern mit mehreren symmetri-
schen, theils längeren, theils kürzeren Zacken bewehrt. Der
Stachelfortsatz des Leibes ist ungemein lang, der noch we-
nig entwickelte schwanzförmige Anhang läuft in ein spitzes,
nach oben umgebogenes Ende aus. Die Länge der Larve
beträgt 3 Mllm.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1. Muthmasslich von einer Balanide stammende Larve, von der
Rückseite. Von den Ruderfüssen sieht man nur das mittlere
Paar und den einen Vorderfuss vorgestreckt.
a. Rückenschild. — b, b. Hörner des Rückenschildes. — c.
Auge. — d. Stachelfortsatz des Leibes. — e. schwanzlör-
miger Leibesanhang.
Fig. 2. Sehr junge Cirripedienlarve, der Herkunft nach wahrschein-
lich eine Lepadide. Von der Rückseite.
a bis e wie in Fig. 1. — f. Nahrungskanal.
=
[J6}
Ein Theil des Vorderleibes der Larve von Lepas analilera,
nach der ersten Häutung. Starke Vergrösserung.
a. die Centralmasse des Nervensystems. — b. der Ocellus. —
e, ce. die beiden Hörner des Rückenschildes.
Bonn, den 19. September 1859.
Beschreibung einer Oestridenlarve aus der Haut
des Menschen.
Von
Dr. Ed. Grube.
(Hierzu Taf. I. Fig. 4 u. 5).
Nachdem die Frage über die Existenz eines Oestrus
hominis ausführlich von Keferstein erörtert *) und durch
Sammlung und Prüfung der darauf bezüglichen Beläge da-
hin entschieden ist, dass es in Südamerika in der That Oe-
striden giebt, die nicht selten auch auf die Haut des Men-
schen ihre Eier absetzen, und deren Maden in ihr sich
weiter entwickeln, war es nun zunächst wünschenswerth,
dergleichen Larven genauer kennen zu lernen. Goudot
ist meines Wissens der einzige, der eine solche und zwar
einer Cuterebra angehörige beschrieben hat: die Beschrei-
bung ist nur kurz, nicht denen entsprechend, die wir von den
europäischen Gattungen besitzen und von keiner Abbildung
begleitet: ich werde später darauf zurückkommen, zunächst
aber, da ich so glücklich gewesen bin, eine aus der Haut
eines Menschen geschnittene Oestridenlarve , in Weingeist
zu erhalten, das Historische über diesen Fall berichten und
durch eine genauere Beschreibung den Anforderungen der
Wissenschaft zu entsprechen versuchen. Es ist Herr Dr.
von Frantzius dessen in Breslau unternommene Arbei-
ten der wissenschaftlichen Welt wohl bekannt sind, und der
nun in St. Jose in Costa rieca lebend und von dort aus
sein lebhaftes Interesse an der Zoologie bethätigend, die-
°) Verhandlungen des zoologisch-botanischen Vereins in Wien
14 5
Bd. IV. 1856. p. 637.
10 Grube:
ses in jenen Gegenden nicht seltene Thier meinem hochge-
schätzten Collegen, Herrn Professor vonMiddeldorpfd.j.
eingeschickt hat. Indem ich darüber berichte und den.
Brief des Herrn Dr. v. Frantzius mittheile , entspreche
ich der gefälligen Aufforderung des ersteren.
„Den 24. Juli 1858, schreibt Dr. v. Frantzius, hatle
ich zum ersten Male Gelegenheit die Dasselbeule bei einem
Menschen zu beobachten. Ein zwanzigjähriger junger Mensch,
der vor fünf Wochen eine Reise nach dem Hafen Puntare-
nas gemacht halte, bemerkte sogleich nach seiner Rückkehr
eine kleine röthliche bohnengrosse Geschwulst in der Ge-
gend der linken falschen Rippen. Diese Geschwulst ver-
grösserte sich “allmählich, und ‚öffnete sich 8 Tage nach
seiner Ankunft in Alhalzuela, worauf beständig eine wäs-
serige Flüssigkeit heraussickerle (diese Flüssigkeit soll ge-
impft eine den Schutzblattern ähnliche Pustel erzeugen:
leider erfuhr ich dies zu späl, um diese Angabe durch den
Versuch zu prüfen). Erst vor einer Woche erkannte der
Vater des jungen Menschen, dass es eine Dasselbeule sei.
Letzterer hatte während der ganzen Zeit die Bewegungen
der Made deutlich gefühlt und ausserdem nur etwas Jucken
empfunden. Man konnte jetzt sehr deutlich in der Oell-
nung das spitze Hintertheil der Made erkennen, die sich
schnell zurückzog, wenn man die Stelle berührte und nach
einiger Zeit wieder zum Vorschein kam.
Um das Thier unverletzt herauszuschaffen, führte ich
in die Oeflnung eine Hohlsonde ein, und schlitzte die beinahe
hühnereigrosse , harle, ziemlich geröthete Hautgeschwulst
mit einem gekrümmten spitzen Bistouris auf. Obgleich die
Oeflnung ungefähr einen Zoll lang war, so sass das Thier
miltelst seinem Borstenringe so fest in seiner Höhle, dass
ich einen ziemlich starken Druck zu beiden Seiten der Ge-
schwulst ausüben musste, um dasselbe vollständig heraus-
ziehen zu können. Die gewöhnliche Methode der Einge-
bornen, die Thiere zu entfernen, besteht darin, dass sie,
ohne vorher die Oeflnung zu erweitern, durch blosses slar-
kes Drücken die Geschwulst oder zugleich die Made zum
Zerbersten bringen, wobei entweder die Made selbst, wenn
sie noch klein ist, oder deren Eingeweide weit herausschnel-
|
Beschr. einer Oestridenlarve aus der Haut d. Menschen 11
len. In meinem Falle heilte die von mir gemachte Wunde
in wenigen Tagen wieder zu.
Nachdem ich die Made herausgezogen hatte , Konnte
ich mich leicht überzeugen, dass es eine wahre Oestriden-
larve war. (Die Larve anderer Dipteren habe ich sehr
häufig in: zahlreicher Menge in vernachlässigten eiternden
und übelriechenden Wunden beobachtet.) Sie hatte 9 Linien
Länge: im zusammengezogenen Zustande nach dem Tode und
4 Linien Breite an der dicksten Stelle.
Der Name bei den Eingebornen für das Thier , wel-
ches die Dasselbeule erzeugt, ist Torcel (sprich: Torssel),
wahrscheinlich von dem speeifischen Worte „toreer, sich
drehen, winden“ abgeleitet „ da die Larve sich in der
Beule beständig hin - und herwindet.
Das Vorkommen der Dasselbeule bei Menschen ist hier
eine so, gewöhnliche Erscheinung, dass sich fast ein jeder
Eingeborne derartige Fälle gesehen zu haben: erinnert., In-
dessen ist der Verbreitungskreis des Thieres ein auf die
wärmeren ,„ niedrigen und feucht gelegenen Gegenden be-
schränkter‘, besonders in der Nähe grosser Viehheerden;
jedoch findet sich dasselbe auch mitten im Urwalde, in
grosser Entfernung von Rindviehheerden. Leute aus hie-
siger Gegend haben an verschiedenen Orten Dasselbeulen
bekommen „ sowohl jenseits: der Gebirgskette am Sarasiqui
und'San Carlosflusse, als auch in den niedrigen Thalebenen
des Rio grande und auf dem Wege nach Puntarenas. Die
Leute wissen hier sehr wohl, dass es; eine Fliege ist, die
ihr Ei unter die Haut legt, woraus die Torcel entsteht. Bei
wiederholten Nachfragen bei Personen, die viel mit Rind-
vieh’ in Berührung kommen , was besonders bei den Be-
wohnern der an Viehweiden reichen Provinz Guanacaste
der Fall ist, hörte ich einstimmig die Meinung äussern,
dass dieselbe Fliege, welehe das Rindvieh angreift und
hier die so häufig vorkommenden Dasselbeulen erzeugt,
auch den Menschen verfolgt. Es ist daher unwahrschein-
lich, dass es eine besondere Art von Dasselfliegen giebt,
die ausschliesslich, auf Menschen schmarotzb, und der der
Nume Oestrus: hominis zukommen sollte ,, besonders, da es
auch anderweitig bekannt ist, dass Oestruslarven, die auf
12 Grube:
bestimmten Thieren, wie z. B. beim Pferde oder Rind schma-
rotzen, ausnahmsweise auch auf anderen Thieren vorkom-
men und sich sogar auch bis auf den Menschen verirren,
was in Europa freilich nur selten beobachtet wurde, wozu
aber in Amerika, wo die Dasselfliegen überhaupt‘ häufiger
sind, weit mehr Gelegenheit gegeben ist wegen der leichten
und unvollkommenen Bekleidung und der offenen Wohnun-
gen der Eingebornen. Auch mag der Umstand viel dazu
beitragen, das ungestörte Eierlegen dem Thiere zu erleich-
tern, dass in den hiesigen Gegenden die Leute während
der heissesten Tagesstunden in ihren Hängematten zu schla-
fen pflegen.
Was die Körperstellen betrifft , die vorzugsweise von
der Fliege zum Eierlegen gesucht werden, so ist es be-
sonders der Rumpf und Kopf. Bei einem Eingebornen ent-
stand an der Nasenspitze eine Dasselbeule, die einen wü-
thenden Schmerz verursachte, der ihn 14 Tage lang kein
Auge zulthun liess und von dem der Gequälte erst erlöst
wurde, nachdem man die Torcel entfernt hatte.“
Die Made, wie sie jetzt vor mir liegt, ist stumpfspin-
delförmig, hinten länger ausgezogen, etwas bauchlings ein-
gekrümmt, mit flachem Bauche und sehr gewölbtem Rücken,
und hat eine schmutzig weisse Farbe mil etwas bräunlichem
Anfluge. Sie misst gerade gestreckt 9%, Linien und an
der breitesten Stelle, am 5len und 6ten Segmente 317, Linie
rhein. An dem winzigen Kopfe kann 'man zwei kleine mit
horniger Kuppe versehene Stummelchen an jeder Seite der
Stirn als Fühler betrachten, viel mehr fallen die schwarzen
hakigen abwärts gebogenen Kiefer ins Auge, zwischen de-
nen unter einer schwachen Wulst die Mundöffnung. Aus-
ser dem Kopfe unterscheidet man nur 10 freie Segmente,
das 11te hinterste ist eingezogen. Von diesen "Segmenten
sind das 1ste, den Kopf an Grösse kaum übertreffende, und
die hinteren 3 (resp. 4) stachellos, die übrigen 7 gürtel-
weise mil schwarzen gekrümmten Stacheln besetzt. Das 2te
und 3te Segment ist einfach und trägt bloss am Vorderrande
Stacheln, das 4te bis (inel.) Tie Segment aber durch eine Rük-
kenquerfurche in ihrer oberen Hälfte 2-ringelig; und jeder
Ring trägt Stacheln und zwar der hintere des 4ten Seg-
%
Beschr. einer Oestridenlarve aus der Haut d. Menschen. 13
ments entschieden grössere, am 5ten und 6ten beide gleich
grosse. Es ist immer nur der vordere Halbgürtel , der
sich an der Bauchseite fortsetzt, und hier wie oben aus 2
Reihen von Stacheln besteht, während der hintere ein Halb-
gürtel bleibt und seine Stacheln mehr 1- als 2reihig aus-
sehen. Hinter ihm bemerkt man am 4ten, 5ten und 6ten
Segmente noch eine weniger ausgebreilete Querreihe von
Rückenstachelchen ganz nahe der hinteren Segmentgrenze,
welche unbedeutender sind und sich durch die Richtung
der Spitze unterscheiden: bei den Gürteln und Halbgürteln
ist dieselbe nach hinten, bei diesen Querreihen hingegen
nach vorn gerichtet. Dem ten Segmente fehlt der hintere
Halbgürtel: es hat nur den vorderen vollen Gürtel und die
hinterste Querreihe. Der Körper verdickt sich rasch bis gegen
das te Segment und verjüngt sich vom 6ten an wieder
langsamer , indem namentlich das 10te Segment eine ganz
eylindrische Form annimmt und eben so lang als breit wird.
Segment II bis IX inel. tragen eine schr in’s Auge
fallende Auszeichnung, nämlich Rückenschilder von
meist querovaler Form und braunschwarzer Farbe, und zwar
Segment II bis VI inel. und IX nur eines, die andern aber
‚deren zwei, eines hinter dem anderen. Bei Segment II bis
V inel. sitzt das Rückenschild auf der vorderen Partie des
Rückens, bei V auf dem vorderen Ringel , bei den übrigen
dagegen, auf denen zwei vorkommen, befindet sich das
stärkere dunklere ringsum deutlicher abgesetzte querovale
auf dem hinteren Ringel , während auf dem vorderen ein
lichterbraunes mehr kreisrundes und nicht so breites auftritt.
Am 4ten, Ölen, 6ten Segmente sehe ich ferner an der
Bauchwand je eine Querneihe von vier dunkelbraunen nie-
drigen Querhöckerchen, deren beide miltelste einander nä-
her als den äusseren stehen: an den übrigen Segmenten
sind sie nur angedeulet und ganz blass und klein wie
blosse Male. An der Rückenhälfte jederseits von den oben-
beschriebenen Schildern finden sich zwei ähnliche, weil
auseinander gerückte Male und an der Randkante der Nla-
chen Bauchseite wiederum eins, das an Segment VI und VII
grösser und brauner ist, so dass ausser den Rückenschil-
dern also jederseits fünf hornige Stellen an jedem Segmente
14 Grube:
vorkommen; sie erheben sich meist auf kleinen Beulen und
machen die Oberfläche uneben. Die des Rückens stehen
auf den vorderen Ringeln der Segmente.
Hintere Athemöffnungen sind jetzt gar nicht. wahrzu-
nehmen: das Segment, das sie sonst trägt, ist hier ganz
eingezogen und zeigt nur eine quere, sternförmig gefaltete
von einer ansehnlichen Wulst umgebene Oeffnung, die ich
nicht zu erweitern im Stande bin, so bleiben die mn dem da-
hinter befindlichen Raume gelegenen Stigmen und der After
verborgen: übrigens sind sowohl der Ringwulst der Oeff-
nung als der Rand des Endsegments von winzigen Spilzchen
yauh. — Vordere Alhemöflnungen glaube ich auf der hin-
teren Grenze des Isten Segments zu sehen: ich linde hier
zu beiden Seiten des Rückens eine liefe halbmondförmige
Querfurche oder Grube, auf deren Boden eine versleckte
von gelben Körnchen eingelasste Querspalle liegt. Auch
diese Partie lässt sich weder durch Hervorziehen noch durch
Erweiterung genauer untersuchen.
Nach der von Brauer gegebenen ‘gründlichen Aus-
einanderselzung der verschiedenen Madenformen der Oe-
striden ®) würde unsere Larve zu denen zu bringen sein,
welche mit deutlichen Kielferhaken bewaffnet sind, kann
also kein Hypoderma sein, mit deren Arlen sie doch den
Aufenthalt in der Haut theill. Unter den mit solchen Kie-
ferhaken versehenen, haben die Cephalomyien und Cephe-
nomyien freiliegende hornige Stigmenplalten an der abge-
stutzten Endfläche des letzten Segments, und unler dieser
springt noch ein dicker kurzer und stumpfer Zapfen nach
hinten vor, an welchem die Afleröffnung , Gastrus hinge-
gen versteckle Stigmen, allein der Raum, in dem diese
sich befinden, ist durch eine Querspalle mil glatten ziem-
lich harten Lippen geöflnel, bei unserem Thiere ist sie eng
zusammengezogen und von weicher strahlig gefalteter Haut
umgeben. So bleiben noch die ebenfalls in der Haut le-
benden und mit Kieferhaken versehenen Larven der Gattung
*) Verhandlungen der zoologisch - botanischen Gesellschaft in
Wien 1558. p. 401.
Beschr. einer Oestridenlarve aus der Haut d. Menschen. 15
Cuterebra zur Vergleichung übrig: wir besitzen von Gou-
dot *) die Beschreibung der Made von Cuterebra nozialis,
doch hat er das Hinterende nicht näher in’s Auge gefasst,
ebensowenig die Beschaffenheit der vorderen Stigmen, wel-
che nur bei Gasirus versteckter, bei den anderen an der
Oberfläche liegen. Auch die Gestalt ist nicht genauer be-
schrieben : unsere Larve ist weder nach hinten verdickt
wie bei den Gasirus und Cephalomyien, noch vorn dieker
als hinten und dabei gestreckt und walzig wie bei den Ce-
phenomyien, wo sich die grösste Breite zur Länge wie
1:4 bis 5 verhält, sondern ähnelt mehr den Hypodermen
in ihrer Gedrungenheit, nur mit dem Unterschiede, dass sie
nicht so kurz tonnenförmig, sondern hinten ausgezogen ist;
und mit einem cylindrischen Segmente endet. Ueber die
Gestalt und Vertheilung der Stacheln lässt sich Goudot
dahin aus, dass die drei ersten Segmente mit schwarzen
Rauhigkeiten und sehr kleinen Häkchen besetzt seien , die
drei folgenden Segmente je 2 Gürtel von ebenfalls schwar-
zen aber stärkeren nach hinten gerichteten Häkchen tragen,
die 5 hinteren vollkommen glatt seien. Dies stimmt mit
unserer obigen Beschreibung durchaus nicht überein, und
was man besonders erwägen muss, würden wohl, wenn bei
der Made der Cuterebra nozxialis hornige schwarze Rücken-
platten vorhanden gewesen wären, diese mit Stillschweigen
übergangen sein? Dies lässt sich um so weniger anneh-
men, da sie bei keiner einzigen Larve der anderen Gattun-
gen beobachtet, also doppelt auffallend sind. Nur darin
scheinen noch beide übereinzustimmen , dass die Stachel-
chen nicht sowohl wie bei den Gastrus, Cephalomyien und
Cephenomyien harte gelbliche Papillen mit schwarzer hor-
niger Spilze, sondern durchweg hormig und schwarzge-
färbt sind.
Aus allem Angeführten geht hervor, dass unsere
Larve nicht zu Cuterebra noxialis gehört , dass also ausser
dieser (dem eigentlichen Gusano oder Nuche) , noch eine
andere südamerikanische, vielleicht nicht auf Costa ricca
*) Annales des sciences naturelles III. serie Zoologie 1845. II.
p. 221.
16 Grube: Beschr, einer Oestridenlarve u.s. w.
beschränkte Oestride leben muss, die in der Haut von Rin-
dern und Menschen schmarotzt, und nach der Verschieden-
heit der Larve zu urtheilen, wohl gar einer anderen Gal-
tung angehört. Das Recht, sie zu benennen, wird dem
Entdecker der betreffenden Fliege zustehen, ich muss mich
begnügen Abbildung und Beschreibung der Larve gegeben
zu haben.
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 4. Die Made unserer Oestride von der Rückenseile, ver-
grössert.
Dieselbe von der Bauchseite, vergrössert.
u}
ss
[S11
Breslau im August 1859.
Ueber eine neue Art Trigla aus China,
welche in die Abtheilung der Lyren gehört.
Beschrieben von
Prof. Dr. Kaup.
Ich theile die Triglen in folgende Abtheilungen:
A. Cavillonen.
Kleine Arten, welche die Länge von 4—5 Zoll nicht
überschreiten. Ihre Lateral wie die ziemlich grossen Schup-
pen rauh. Der Kopf fällt steil ab, allein weder der Brust-
ring noch der Operkelstachel ist übertrieben lang.
Hierher: aspera, phalaena,, papilio, sphinx, vanessa,
Richardson.
B. Seehähne oder Seeschwalben.
Gleichen alle der Hirundo, zeigen einen schief abfal-
lenden Kopf, keine auffallende Stacheln am Praeoperkel,
Operkel und Brustring. Die Pectoral lang und breit, dunkel
mit lichteren' Strahlen auf der Aussenseite ; auf’ der inneren
Seite nach den unteren Strahlen hin ‚häufig auf der Innen-
seite mit einem dunklen 'weissgetüpfelten Fleck. Die La-
teral aus längeren glatten Tuben bestehend. Schuppen des
Körpers: klein.
Hierher: hirundo *), microlepidota, Kumu, Peroni,
capensis.
C. Lyren.
Der Kopf fällt schief ab und die Schnauze ist mehr
oder weniger tief in zwei Lappen gespalten. Der Pecto-
ralring zeigt einen mehr oder minder dolchartig verlänger-
ten Stachel.
*) Dr. Rüppel hält den garrulus Risso seu poeciloptera Val.
für den’ jungen Fisch von: hirundo, worin ich demselben. beistimme.
Arch. für Naturg. Jahrg. XXVI. 1 Bd. 2
18 Kaup:
Hierher: armata, Lyra, hemisticta Schleg. Fn. jap.
t.XIVB und t. XIV. 3 et 4, Bürgeri Schleg.
Da unter diesen meine neue Art sich befindet, so will
ich sämmtliche diagnosiren.
1) Die operkelstachlichte Lyre. Trigla armata Kaup.
Diagnose. Der dünne runde spitze Stachel des Oper-
kels so lang als der erste Stachel der ersten Dorsal.
Beschreibung. Eine kurze gedrängte Form mit gros-
sen Augen -und stark gewölbten dornlosen Augendecken,
wodurch die Stirn sehr concav wird. Beide Schnauzen-
lappen wenig entwickelt, am Rande rauh wie eine Feile.
Das Praeoperkel nach unten mit zwei Dornen , wovon der
obere noch einen Abschnitt an dem unteren Theil der Wur-
zel hat. Brustringstachel kaum sichtbar. Die Hinterhaupts-
dornen sehr lang und nadelspitz.
Zwischen diese fast zum Hinterkopf gehend reichen
die Schilder, auf welchen die Stacheln der ersten Dorsal
stehen; sie sind rauh, das erste convex, die folgenden in
der Mitte concav und sind vorn breiter als nach den hin-
teren zu. Auf den sechs vorderen stehen die 7 Stacheln.
Der 2te und 3te steht auf der 2ten Knochenschuppe. Die
vier hinteren Knochenschuppen ohne Stacheln reichen bis
zum ersten Strahl der zweiten Dorsal, die wie bei der Tr.
polyommata keine Spur von seitlicher Bewaffnung zeigt.
Alle 7 Stacheln der ersten Dorsal sind gerade. Der
erste so lang als der Operkelstachel, der zweite '/, länger
und der dritte der längste und stärkste, von dem 4ten bis
Tten werden sie allmählich kürzer. Der Stachel des Brust-
rings sehr kurz, allein spitz.
Die Pectoral scheint bis zu den ersten Strahlen der
2ten Dorsal gereicht zu haben. Die vorderen oder oberen
6 Strahlen waren hellfarbig mit dunklen, braunpunktirten
Membranen , allein die unteren Strahlen wie Membranen
sind schwarz unregelmässig weiss gefleckt.
Die Lateral wie bei polyommata ohne einen Bogen
wie bei Iyra zu bilden.
Die Farbe scheint röthlich gewesen zu sein, allein
die schmälere ‚obere Hälfte längs der Lateral war dunkler,
Ueber eine neue Art Trigla aus China. 19
als die lichtere untere Hälfte. Es zeigen sich weder Flecken
auf den Dorsalen noch auf dem Körper.
Ich kenne nur ein getrocknetes Exemplar von 90 Mm.
Länge aus einer chinesischen Insektenschachtel, in der
sich viele junge und kleine Fische aus China befanden.
Steht der hemistieta Schleg. am nächsten durch die
seitlich dornenlose Rückenkante nächst der 2ten Dorsal, von
der sie sich jedoch wesentlich schon durch die Diagnose
D run 2
terscheidet. 7 —,
unterscheide WE
2) Europäische oder brustdornige Lyre. Trigla Lyra Linn.
Diagnose. Der Brustring verlängert in einen dreikan-
tigen dolchähnlichen oben fast durchaus gezähnelten Dorn,
der halb so lang als die Pectoral ist.
Bechreibung. Die gegabelte Schnauze auf jedem Lap-
pen mit 5—6 Iransparenten vorstehenden Dornen besetzt.
Augendecke schwach convex mit flacher Stirne, vorn und
hinten mit einem Dorne. Augen gross. Praeoperkel mit
einer gezähnelten Leiste, die in einen kurzen Dorn aus-
läuft. Dorn des Operkels '/, der Länge des Pectoraldorns.
Die Schilder der Dorsalen beginnen hinter den Dornen des
Hinterkopfes, sind alle tief concav und begleiten als 26
nach hinten gerichlete Dornen beide Dorsalen. Zwischen
beiden ein unbedeutender leerer strahlenloser Raum. Die erste
Dorsal zeigt den ersten Stachel gezähnelt, ebenso allein ge-
ringer den 2ten und 3ten; letzterer der längste. Von die-
sem nehmen die folgenden an Länge ab, bleiben jedoch bis
zum. Tten ungewöhnlich lang.
Die Lalteral entspringt unter dem Hinterhauptsdorn,
fällt von da in einem Bogen abwärts und geht sodann ge-
rade bis zur Mitte des Schwanzes. Schuppen klein mit
3—4 Stacheln.
Roth (im Tode schmutzig strohgelb) mit schwarzen
Flecken auf der ersten Dorsal, die ich jedoch selbst nie
D.9 — 10 + 17
A.16— 17
ganze Länge über 3’/ymal. Gemein im Mittelmeer und der
Nordsee.
beobachtet habe. Der Kopf geht in die
20 Kaup:
3) Die grossäugige Lyre. Trigla hemistieta Schleg.
Fn. jap. p- 36. Tab. XIV. Il und Ill Köpfe. Tab. XIV B
ganze Figur. s
Diagnose. Der Stachel des Operkels ist breit durch
die flügelförmigen Anhänge, etwas gekrümmt gewunden und
länger als der breite Pectoralstachel. Der Diameter des
grossen Auges hat fast die Länge des Operkelstachels oder
des 2ten Stachels der ersten Dorsal.
Beschreibung. Gleich der armata durch den Mangel
der Stacheln der 2ten Dorsal längs der Rückenkante, durch
die vorgerückten Schildchen der ersten Dorsal zwischen
die Dornen des Hinterkopfes, weicht jedoch durch die Bil-
dung des Operkelstachels, durch die zwei des Praeoperkels
und Färbung der Pectoral u. s. w. ab.
Der Kopf von den Schnauzenlappen bis zum Hinter-
hauptdorn gemessen, gehl in die ganze Länge dreimal, wäh-
rend er bei armata nur 21/, misst.
Die Schnauzenlappen feilartig rauh am Rande, sprin-
gen von oben gesehen nicht über die Contur des Kopfes
vor. Die obere Augendecke ohne Dornen und ohne Leiste
auf dem unteren Augenknochen. Der Praeoperkel mit einem
Dorne und unter diesem runde granulirte Ausschnitte ohne
Dornen zu bilden. Der Brustringdorn durchaus breit mit kur-
zer Spilze. Die Schildehen der ersten Dorsal und der Hin-
terkopf lassen einen Raum zwischen sich, der der Länge
des ersten Dorsalstachels gleich ist und das erste Schild-
chen überreicht nur elwas die Spitzen des Hinterkopfs. Die
Stacheln der ersten Dorsal ungewöhnlich stark, namentlich
die 2te bis 5te. Die 4te ist die stärkste und längste. Zwi-
schen dem letzten Strahl und dem ersten der 2ten ein
dornloser Raum von fast der Länge des ersten Dorns, ‚wahr-
scheinlich ebenfalls wie beiarmata mit vier Schildehen ver-
sehen.
Lateral mit schwachen Kielen, die sich rauh anfühlen,
zieht sich ohne einen Bogen zu bilden, längs des Rü-
ckens hin,
Beide Dorsale schwarz gefleckt , ebenso der obere
Theil der Körperseiten. Pectoral in der Mitte mit schwärz-
lichen Membranen, sonst strohgelblich. Ventral, Anal und
Ueber eine neue Art Trigla aus China. 21
Caudal einfarbig weisslich. Körper oben rothbraun untere
: DEM
Hälfte gelblich. — —__—.
a ı A.11
Japan nach Schlegel und Temmink.
4) Breitschnauzige Lyre. Trigla Bürgeri Schleg.
Fn. jap. tab. XIV. fig.1 et 2.
Diagnose. Die breiten rauhen Schnauzenlappen un-
gewöhnlich breit , springen nach aussen vor und sind von
oben gesehen fast so weit nach aussen als die Contur der
Wangen. Augen klein.
Beschreibung. Diese Art gleicht .Iyra mehr als der
armala und heniisticta, indem beide Dorsale zusammenstos-
sen und regelmässig mit Dornen längs der Rückenkante
versehen sind.
Die obern Augendecken, wie bei allen exotischen, ohne
Stacheln, und lassen zwischen sich einen breiten Raum, der
breiter ist als der Längsdurchmesser des ganzen Auges. Der
Operkelstachel klein und unbedeutend ohne freien transpa-
renten Dorn. Der Stachel des Brustrings dagegen entwi-
ckelter, jedoch nicht so stark als bei Iyra.
Die erste Dorsal rag! zwischen die Dornen des Oc-
eiput hinein, was bei Iyra nicht der Fall ist. Die Dorn-
strahlen sind schlank, mässig diek und keine ist am vorde-
ren Rande gezähnelt. Der erste ist sehr lang und der
zweite der Längste. Zwischen der ersten und zweiten Dor-
sal ein höchst unbedeutender leerer Raum , der mit einem
gedornten Schildehen, wie bei Iyra ausgefüllt ist. Die
Pectoral klein, so lang als der Körper über dem Anus hoch
ist. Wie armata und hemisticta sich in der Zahl der Dorsal
und Anal gleichen, so zeigen Iyra und Bürgeri in dieser
fast keine Dillerenz.
Die gerade Lateral hat wie der Körper grössere Schup-
pen und zeigt 3—5 kleinere Kiele. Der Kopf geht fast
dreimal in die Totallänge.
Die Farbe ist roth, Bauch, Anal und Ventral weisslich.
pu94 16 J
— Janan:
[2
wD
Kaup:
5) Trigla polyommata Richardson.
Proceeding 1839. p. 96.
Diese Art hat Aehnlichkeit mit armata und hemislicla,
indem die Dornen der 2ten Dorsal fehlen, allein ist zu
skizzenarlig beschrieben, um deutlich die Differenz von bei-
den zu sehen.
Die Beschreibung lautet: Tr. polyommata has minute
cycloid scales, an unarmed lateral line and the dorsal pla-
tes confined to the first dorsal, there being no dilatation
whatever of the interspinous bones of the second dorsal.
All the spines of the head are stilettoshaped, and one
whose base oceupies the whole anterior end of the infraor-
bitar on each side, projects boldly beyond the snout, and
gives the fish a very different aspect from any other known
gurnard. — Van Diemensland.
Letzteres Kennzeichen von vorstehenden Schnauzen-
lappen scheint auf eine Form zu deuten, die diese noch
entwickelter als Bürgeri hat. Bei allen übrigen sind sie
nicht auffallender entwickelt als die der Tr. Iyra. Diese
Art bedarf einer genaueren Beschreibung.
D. Meerhähne.
Zeigen wie die Seehähne und Lyren einen schief
abfallenden Kopf und eine dornige Seitenlinie. Rumpf ohne
quere Reihen von Poren.
Hierher: 1) Trigla milvus Lac. (eueulus Bloch, Blochi
Yarr., rodinogaster Nardo).
2) Iucerna Brunn. (obscura Linn. Bonap., cuculus
Risso, filiaris Otto).
3) gurnardus Linn.
E. Porentriglen.
Zeichnen sich durch eine Menge von vertikalen Linien
aus, die nach hinten, wie die Zweige einer Fichte, kleine
Porentuben haben.
Trigla lineata Linn. (adrialica Gm., lastoviza Br.).
Trigla cuculus Linne (pini Bl., lineata Mont., hirundo
Risso. (Die Radienformel passt jedoch nicht.)
we 1 ae
Ueber eine neue Art Trigla aus China. 23
Ich weiss nicht, wohin die pauciradiata Benn. von
Trebizond gehört. Sie soll nur sechs Dornstrahlen in der
ersten Dorsal haben. Da die letzte häufig sehr klein ist,
so fragt es sich, ob diese nicht übersehen wurde. Hätte
sie nur 6, so wäre dies allerdings die geringste Zahl, die
unter Triglen vorkommt. In der Zahl der Radien der 2ten
Dorsal und Anal kommt sie mit hirundo überein. Ich habe
Ursache zu zweifeln, ob diese Art als Art existirt und
nicht eine zufällige Monstrosität ist.
Darmstadt, den 19. August 1859.
Ueber zwei vermuthlich neue Chilenische Enten und
über Fringilla barbata Mol.
Von
Dr. R. A. Philippi,
Prof. der Zool. und Botanik in Santiago.
Zwei in diesem Winter erhaltene Enten finde ich in
den mir hier zugänglichen Büchern nicht beschrieben,
1. Anas iopareia Ph. *).
Dimensionen.
Länge des Vogels von des Spitze des Schnabels bis
zum Ende des Schwanzes mit dem Bandmaass ge-
messen . 2 : = : 22 Zoll.
Länge des Oberschnkbels C . - 251/, Linie.
Breite desselben am Grunde - e SU
Ar 5 am breitesten Theile 10 en
n seines Nagels 5 : : 4), kn
Höhe desselben am Grunde : & 13 n
Länge des Tarsus . 23 &
„ der Mittelzehe (mit en Nagel) 27 n
„ der Aussenzehe . a : 26 a
„ der Hinterzehe . ß N SUSE
Die ganze Körperbildung stellt diese Ente zwischen
A. specularis King und A. oxyura Licht. Der Schnabel ist
fast genau wie bei, A. specularis nur weit höher, so dass
er beinahe eine gerade Linie mit der Stirn bildet; vorn
ist er nur wenig breiter als hinten; die Firste ist schwach
concav, und der schmale Nagel greift an der Spitze hakenarlig
über den Unterkiefer über. Die Firste bildet am Grunde mit
*) 2ös Rost, zragsıa Wange.
Philippi: Ueb. zwei vermuthlich neue Chilenische Enten. 25
den Seitentheilen beinahe einen rechten Winkel, und die
letzteren sind hier vollkommen eben. Die Nasenlöcher sind
oval, wie bei den genannten Arten beschaffen. Die Beine
stehen mässig weit nach hinten, und die Hinterzehe hat
einen breiten Hautsaum. Der Schwanz ist kurz und spitz,
etwas länger und spilzer als bei A. specularis, aber kür-
zer und stumpler als bei A. oxyura. Was nun die Färbung
betrifft, so haben die Federn meist einen braunen oder
schwarzen Grund mit einem mehr oder weniger breiten
rostbraunen Rand, der oft noch weiss gesäumt ist, an den
einzelnen Körpertheilen ist bald mehr der schwarze, bald
mehr der rostfarbene, bald mehr der weisse Theil über-
wiegend. Die Oberseite des Kopfes und Nackens ist braun,
doch unterscheidet man deutlich den rostgelben Rand der
Federn; die Seiten derselben sind 'rostbraun, und die Fe-
dern der Wangen zeigen jede einen schwarzen Fleck.
Kehle undSeiten des Halses sind blass rostfarben und
ungelleckt; der untere Theil des Nackens etwas dunkler
aber heller als der obere Theil. Die Augenlieder und ein
schmales Halssband am unlerern Ende des Halses, welches
wenig aufallend ist, sind weiss. Die Brust ist rosthraun
und schwarz gefleckt, der Bauch anfangs weiss mit schwar-
zen Flecken, später fast ganz weiss, und gehen diese Fär-
bungen allmählich in einander über, indem der anfangs
schmale weisse Saum der Federn allmählich immer breiter
wird, und den rostbraunen Theil und zuletzt selbst den
schwarzen der Federn zurückdrängt. Die Seiten der Brust
sind dunkelbraun, fast schwarzbraun, mit rostgelbem Saume
der Federn. Die Seiten des Leibes bis zum Schwanze sind
schwarz und weiss gesprenkelt, Jede Feder ist nämlich
schwarz mit einer weissen schwarz gesprenkelten Quer-
binde und einem eben solchen Rande. Die Federn des
Rückens sind schwarz, metallisch glänzend, nach dem Na-
cken hin mit schmalem rostgelben Saume. Dieser hat die
Färbung der oberen Seite des Kopfes. Die Schwanzfedern sind
oben braunschwarz mit schmalem rostgelben Saume , unten
grau; die äusseren haben einen helleren bräunlichen Saum.
Die unteren Deckfedern des Schwanzes so wie die letzten
Federn des Unterleibes sind weiss, in der Mitte schwarz, mit
26 Philippi:
weissen Sprenkeln. Die Schwungfedern der ersten Ordnung
sind braunschwarz, die der zweiten Ordnung sind grün
schillernd und ein Paar derselben haben einen schmalen,
weissen Saum. Ein vigentlicher Spiegel fehlt. Der Ober-
schnabel ist im Leben braungelb mit schwärzlichem Nagel,
der Unterschnabel gelbroth. Die Füsse sind ebenfalls gelb-
roth mit schwarzen Nägeln. Das beschriebene Exemplar
ist ein Männchen.
2. Erismatura vittata Ph.
Dimensionen.
Länge von der Spitze des Schnabels bis zum Ende
des Schwanzes - : - - 172/, Zoll.
Länge des Oberschnabels . i : 17%/, Linie.
Breite desselben am Grunde : E 9 5
P 5 am breitesten Theile nahe 10 55
„ seines Nagels . B - k IV
Höhe des Schnabels am Grunde :
„ des Tarsus 2 > ! ; 15 2
Länge der Mittelzehe . 3 } : 26 2
Die Bildung und Verhältnisse des Körpers, sind ziem-
lich wie bei E. ferruginea Eyton bei Gay Vol. I. p. 458,
welche Ente in hiesiger Gegend Pato. tripoca heisst (nach
Gay soll ihr Name Pato pimpillo sein). Unsere Art hat
aber einen etwas kürzeren Schnabel, und die Kante, welche
am Grunde die Firste von den Seitentheilen trennt, ist ab-
gerundet. Die Färbung des Oberkoples ‚ist braun, doch
haben die Federn des Hinterkopfes einen rostgelben Rand
und ist diese braune Färbung durch eine horizontale, von
der unteren Seite des Schnabels beginnende Linie scharf
nach unten begrenzt. Eine weissliche fein grau gewellte
Binde verläuft horizontal von der halben Höhe des Ober-
schnabels dicht unter dem Auge fort nach dem Nacken hin,
vereinigt sich jedoch nicht mit der der entgegengesetzten
Seite; sie ist so breit wie der braune Streifen unter der-
selben. Die Kehle ist weisslich, mit feinen graubraunen
Wellen, die an den Seiten des Halses breiter werden, und
eben so viel Raum einnehmen als der weisse Grund, auf
dem Nacken dagegen die weisse Farbe ganz verdrängen. Der
el
m.
Ueber zwei vermuthlich neue Chilenische Enten. 27
untere Theil des Halses ist hellbraun mit feinen weissen
Wellen. Brust und Bauch erscheinen hell rostgelb mit
schwarzen Wellen, indem jede einzelne Feder grau, gegen
die Spitze hin schwarz und mit einer breiten rostgelben
Franze versehen ist. Der Unterleib ist heller, fast weiss-
lich, indem die schwarze Färbung an der Spitze der Fe-
dern allmählich verschwindet, und auch der rostfarbene
Saum weniger auffallend ist. Die Seiten sind schwarz und
braungelb gewässert, ähnlich wie die Brust. Der Rücken ist
schwarzbraun mit feinen weissen Punkten gesprenkelt. Die
Schwungfedern und die Deckfedern derselben sind einfach
schwarzbraun, ohne anders gefärbte Ränder, mit tiel schwar-
zem Schafte, und so sind auch die Schwanzfedern einfarbig
braun, mit schwarzem Schaft jedoch etwas blasser ; sie sind
3'/% Linie breit. Die letzten unteren Deckfedern sind ganz
weiss. — Der Schnabel ist oben schwarz , unten roth; die
Füsse sind schwarz. — Das beschriebene Exemplar ist ein
Männchen.
Der bedeutend kürzere Schnabel und die weisse Binde
unter den Augen unterscheidet diesen Vogel sogleich von
der jungen nicht ausgefärbten E. ferruginea.
Ueber Fringilla barbata Mol.
Wenige Vögel sind in Chile so gemein wie der sog.
lilguero oder Silguero *), der Repräsentant unseres deut-
schen Zeisigs; man hält ihn auch überall in der Gefangen-
schaft, und führt viele Vögel nach Peru aus. Molina hat
diesen Vogel Fringella barbata genannt, s. dessen Saggio
sulla storia naturale del Chili. Bologna 1782. p. 247, wo frei-
lich die Beschreibung falsch genug ist. Bei Gay Vol. 1.
p- 352 finden. wir diesen Vogel als Chrysomitris campestris
Gould aufgeführt; aber nur das Männchen, welches sich
durch das schwarze Kinn vom Weibchen unterscheidet, kurz
beschrieben. Dieses schwarze Kinn hat unstreitig Molina
*) In Spanien wird dieser Namen dem Stieglitz beigelegt,
und der Zeisig heisst dort Verderol.
23 Philippi: Ueb. zwei vermuthlich neue Chilenische Enten.
Veranlassung zum Namen barbata gegeben; der Spanier
hat nämlich, um Kinn und Bart zu bezeichnen, nur das
eine Wort: barba.. Nach Desmurs a. a. 0. bei Gay
(Herr Desmurs hat bekanntlich die Vögel bei Gay be-
arbeitet) ist dieser Vogel die Fringilla campesiris Spix Av.
bras. tab. 59, welches Werk ich nicht nachsehen kann. Als
Synonym eitirt er Fr. barbata Mol. Warum hat er nicht
der Priorität folgend, die Art Chrysomitris barbata genannt?
— Herr Hartlaub hat in der Naumania für 1853, welches
Werk mir im Mai Herr Celebor in Valparaiso auf kurze
Zeit borgte, die von mir aus Voldivia gesendeten lilgueros
für eine verschiedene Art gehalten, und a. a. O. als Gri-
ihagra flavospecularis beschrieben, indem wahrscheinlich der
schlechte Zustand, in welchem meine Vögel in Deutschland
ankamen, ihm nicht erlaubt hat, die Identität mit Molina’s
Fringilla barbata oder Spixens Fr. campestris zu erkennen.
Ebenso wenig hat Herr Cassin diesen Vogel erkannt, er
beschreibt ihn U. S. Naval Astron. Exped. Vol. II. p. 181
als Chrysomitris marginalis Bonap., und bildet tab. XVII
Männchen und Weibchen ab. Es ist ihm nicht in den Sinn
gekommen, dass dies der so gemeine lilguero sein könnte.
Wenn nun, wie sich wohl voraussehen lässt, seine Abbil-
dung und Beschreibung wirklich die Chr. marginalis Bonap.
darstellt, so stellt sich die Synonymie des Iilguero so heraus:
Chrysomitris barbata.
Fringilla barbata Mol. 1782.
Fringilla caımpestris Spix.
Chrysomitris campestris Gould, Desmurs bei Gay |. c.
Chrysomitris marginalis Bonap., wenigstens bei Cas-
sin:l..@:
Grithagra flavospecularis Hartlaub 1. c.
Santiago, den 31. Juli 1859.
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London.
Von
Dr. Albert &ünther.
I. Die kaltblütigen Wirbelthiere.
Als im Jahre 1849 der erste Versuch in der Menage-
rie der zoologischen Gesellschaft in London gemacht wurde,
diese an Artenzahl so reichen Thierklassen durch eine um-
fassendere Sammlung zu repräsenliren, stellte es sich bald
heraus, dass ein grosser Theil derselben mit grösserer Leich-
tigkeit die Gefangenschaft ertragen könne, als man anfangs
erwarten zu dürfen glaubte. Anfängliche Verluste an Thie-
ren wurden so viele Gewinne an Erfahrungen, nahmen an
Häufigkeit ab, und waren zuletzt auf den gewöhnlichen Ab-
gang, der-sich in jeder Menagerie in den Classen der Säu-
gethiere und Vögel herausstellt, reducirt *). Viele Thiere;
welche ich bei einem früheren Besuche in London vor. fünf
Jahren gesehen, fand ich später wieder, und manche von
ihnen befinden sich noch im. besten Wohlsein. Die Samm-
lung erweckte die lebhafte Theilnahme von Naturforschern
und auswärtigen Sammlern. Das Publikum selbst findet
bei der zweckmässigen Ausstellung, ein grosses Interesse
*) Selbst dieses Verhältniss halte ich für ein noch zu ungün-
stiges. Reptilien erfordern bei weitem nicht dieselbe Sorgfalt in der
Art und Zeit der Fütterung, oder denselben ausgedehnten Raum wie
Säugethiere und Vögel. Der Trieb nach freier Bewegung ist in schr
beschränktem Grade vorhanden. Die erste und wichtigste Bedingung
zu ihrem Wohlbefinden ist eine Temperatur, die dem Clima, welchem
sie entstammen, möglichst angepasst ist. Ich werde später noch Ge-
legenheit haben, auf darauf bezügliche Unvollkommenheiten des Gar-
tens zurückzukommen.
30 Günther:
an Thieren, deren Leben ihm sonst mehr oder weniger
völlig verborgen, oder nur aus der Erinnerung von den
Erzählungen der Kinderschriften bekannt ist, und die Be-
sucher überfüllen das Lokal zur Zeit der allwöchentlichen
Fütterungen. Welchen Werth eine solche Sammlung für
den Naturforscher hat, brauche ich nicht auseinanderzuset-
zen, und um das Interesse der Leser des Archivs in An-
spruch zu nehmen, glaube ich nur eine Liste der gegen-
wärligen Sammlung geben zu dürfen.
Schildkröten.
Chelydra serpentina. Emys guttata.
Testudo graeca. Emys rubriventris.
Emys mobiliensis. Emys decussala.
Emys pieta. Malacoclemmys concentriea.
Saurier.
Crocodilus americanus. Ascalabates mauritanicus.
Alligator mississipensis. Scincus oflicinalis.
Grmmatophora barbala. Pseudopus Pallasii.
Iguana rhinolophus. Clothonia Johnii. u
Cyelodus gigas. Trogonophis Wiegmanni. y
Lacerta ocellata. Seps Iridactylus. 3
Lacerta viridis. Anguis fragilis.
Podarcis muralis. i
Schlangen. 4
Python Sebae. Zamenis hippocrepis. N
Python ‚regius. Coluber gultatus.
Python molurus. Coluber quadrivittatus. |
Python reticulatus. Coluber Blumenbachii.
Boa constrictor. Tropidonotus fasciatus.
Chilabothrius inornatus. Tropidonotus viperinus. 1
Corallus hortulanus. Tropidonotus natrix. |
Crotalus durissus. Tropidonotus 'ordinatus. 4
Clotho arietans. Philodryas viridissimus.
Vipera berus. Oxyrhopus trigeminus.
Naja haje. Calopisma Reinwardlii. \
Cenchris piscivorus.
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 31
Batrachier.
Bufo viridis. Salamandra atra.
Bufo calamita. Amblystoma luridum.
Bufo pantherinus. Triton cristatus.
Alytes obstetricans. Triton taeniatus.
Rana esculenta. Amphiuma tridactylum.
Rana mugiens. ——
Ceratophrys cornuta. Lepidosiren.
Salamandra maculosa.
Fische.
Gasterosteus. Salmo fario.
Mugil capito. Pleuronectes platessa.
Perca fluviatilis. Pleuronectes flesus.
Blennius palmicornis. Rhombus maximus.
Blennius pholis. Conger vulgaris.
Crenilabrus cornubicus. Hippocampus.
Zoarces viviparus. Die gewöhnlichen Cyprinoi-
Motella vulgaris. den Englands.
Esox lucius.
Diese Thiere sind in zwei Gebäuden untergebracht:
dem Reptilienhause, das für diesen Zweck allein her-
gerichtet ist, und dem Wasserthierhause, das neben
Fischen und Wasserreptilien noch die Salzwasser-Aquarien
für niedere Thiere enthält. Betreten wir das erstere, so
befinden wir uns in einem länglich-viereckigen Raume von
etwa 50° Länge, 24° Breite und 15° Höhe; eine Reihe Be-
hälter von ihren Bewohnern entsprechender Grösse nimmt
drei Seiten desselben ein. Die Temperatur soll durch heis-
ses Wasser, dass mit einer Dampfmaschine in vielfach ge-
wundenen Röhren durch den Boden der Käfige geleitet wird,
auf demselben Stande von 70° F. erhalten werden *). Das
#) Diese Temperatur ist an und für sich zu niedrig für tropi-
sche Thiere; allein sie bleibt in den Käfigen gar nicht auf diesem
Grade stehen, da, namentlich während des Winters, eine beträchtliche
Abkühlung an den freien Raum des Gebäudes, der nicht geheizt ist,
stattfindet. Die erstrebte gleichmässige Temperatur selbst aber ist an-
32 Günther:
Licht fällt von oben herein. Die Käfige sind vom Boden
vier Fuss entfernt, und haben alle eine gleiche Höhe von
fünf Fuss. Ihre vordere Seite ist durch eine einzige Glas-
scheibe abgeschlossen, welche dick genug ist, um nicht nur
einen Druck von Seiten grösserer Schlangen, (welchen diese
Thiere in der That nie versuchen), sondern auch einen
etwaigen Stoss von aussen aushalten und die vollständigste
Besichtigung der Thiere gestattet. Der Zugang zu den Kä-
figen ist verschieden hergerichtet; die grossen Behälter ha-
ben auf der hinteren Wand eine grössere und eine kleinere
Fallthüre, durch welche der Wärter hineingehen oder das
Futter u.s. w. ohne die geringste Störung für das Thier hin-
einbringen kann. Bei den kleineren Käfigen vertritt die
Glasscheibe die Stelle der Falllhüre. In den Behältern end-
lich, welche die giftigen Schlangen enthalten, bleibt die
Glasscheibe fest verschlossen und ihre Thüren sind’ seitlieh
angebracht, d. h. ein solcher Behälter ist nur durch seinen
Nachbarbehälter zugänglich. Dadurch ist einem etwaigen
Entschlüpfen der Schlange vorgebeugt. Durch ein anderes
kleines Loch auf dem Dache des Behälters , das für die
Schlange unzugänglich ist, wird das Futter hineingebracht,
oder, wie das z. B. beim Reinigen der Käfige nothwendig
ist, die Schlange veranlasst, sich in, den Nachbarbehälter
zu begeben. Ein Wasserbehälter, der einen halben, Fuss
tief ist und dessen Wasser durch darunter befindliche Röh-
ren Winters erwärmt wird, nimmt, etwa ein Drittel des Bo-
dens ein; der Rest ist mit einer Schicht feinen Kieses *)
belegt. Die Schlangen haben ‚einen wollenen Teppich (bei
zufechten, indem, von ‘den natürlichen Verhältnissen ‚aus zu schlies-
sen, es, viel zweckmässiger erscheint, die Temperatur während des
Tages zu erhöhen und in der Nacht sinken, zu Jassen.. Thatsache ist,
dass die Sterblichkeit während ‚des Winters eine Dreifache zu der
des Sommers ist. Der Zoologe kann in dieser Beziehung im bota-
nischen Garten vieles lernen.
*) Dieser Kies hat schon viele der Thiere getödtet: in mehr
als der Hälfte der Schlangen, die ich untersuchte, fand ich die Cloake
damit verstopft, sie müssen ihn mit der Beute zugleich verschlingen.
Bei anderen Vortheilen, ‚die der Kies als Bedeckung ‚des Bodens ge-
währt, weiss ich kein‘besseres Material vorzuschlagen.
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 33
weitem das Reinlichste), unter den sie sich verkriechen
können, die Saurier und Betrachier einen Haufen Moos.
Der hintere Raum des Gebäudes enthält ein kleines
Zimmer für den Wärter *). Die allgemeine Fütterung der
Thiere dieses Hauses findet einmal wöchentlich gegen Abend
statt: das Futter besteht in Fröschen, Eidechsen, Sperlin-
gen, Enten, weissen Mäusen (besonders jungen), Meer-
schweinchen und Kaninchen. Die Abendfütterung hat man-
che Vortheile; nicht nur ist diese Zeit dem Publikum die
gelegenste, sondern manche der Thiere ergreifen oft ihre
Beute erst in der Nacht, oder einige tödten sie zwar, aber
nur um sie erst mit Einbruch der Dunkelheit zu verschlingen.
Wir wenden uns nach diesem allgemeinen Ueberblick
zu den Bewohnern des Hauses und beginnen mit dem er-
sten Behälter der Reihe links bei unserem Eintritte. Die
Etiketten belehren uns, dass darin Chilabothrius inornatus
und Corallus hortulanus, Landsleute von den westlindischen
Inseln, hausen, obwohl zunächst nichts von ihnen zu sehen
ist. Es ist kein Teppich im Behälter, worunter sie sich
verkrochen haben könnten, und so suchen wir endlich in
den Verzweigungen der Aeste, von welchen einige in den
Käfig gestellt sind. Da ist denn auch im obersten und
dunkelsten Winkel ein runder Knäuel von einer Grösse,
dass er offenbar nicht von einer Schlange gebildet sein
kann. Er bleibt aber unbeweglich, und nicht einmal der
einzige Kopf, welcher zwischen der compakten Masse von
Windungen hervorsiehl, giebt das geringste Lebenszeichen
auf unser ungestümes Klopfen gegen das Glas. So, und
an demselben Platze lagen sie schon vor fünf Jahren, heute
jedoch wollen wir den Knoten sich entwirren lassen. Kaum
hat der Wärter den Schieber, um ihn zu öffnen, berührt, so
beginnt der zuerst sichtbare Kopf sein Spiel mit der Zunge,
eine zweite und drilte spielt zwischen den Windungen
durch, ein Heben und Sinken des Klumpens durch das
*) Die zoologische Gesellschaft hat das Glück Wärter in ihrem
Dienste herangezogen zu haben, die durch ihre Beobachtungsgabe,
durch ihre Vorliebe zu der Abtheilung, die sie bedienen, ja durch
ihre wirklichen Kenntnisse den Besucher in Erstaunen selzen,
Arch, für Naturg. Jahrg. XXVL. 1 Bd, 3
34 Günther:
nun aufgeregte Athmen wird sichtbar und lässt das bald fol-
gende Gegenbild gegen jenen trägen Klumpen ahnen; denn,
kaum hat der Wärter mit seinem Stöckchen eine der Schlan-
gen berührt, so entwirrt sich der Knäuel mit einer Schnel-
ligkeit, dass das Auge nicht zu folgen im Stande ist; an
jedem Aste gleiten sechs bis sieben Fuss lange Schlangen
herunter, lautlos und nicht zischend, wie wir es von an-
deren Arten gewohnt sind, und zertheilen sich durch den
Käfig; es sind sechse *) an der Zahl, unter denen jedoch
der Corallus hortulanus nicht ist. Dieser bleibt ruhig auf-
gerollt in einer anderen Ecke, geschieden von der anderen
Species, deren Ruheplatz er immer mied, und welche auch
ihn zu vermeiden scheint, da selbst bei Gelegenheit einer
Aufregung, wie die eben beschriebene, sich nie ein Chi-
labothrius auf den Ast verirrt, den er sich zum Ruheplatze
auserwählt hat. — Nach Verfluss von elwa einer halben
Stunde fängt eine Schlange an, langsam zum alten Ruheort
zurückzukehren; ihr folgt eine zweite, dritte und sofort,
bis in kurzer Zeit derselbe Klumpen, in dem wir sie ge-
troffen haben, wieder gebildet ist. Beide Species ruhen
nie auf dem Boden aus: es sind offenbar Baum - Boiden.
Dass sie zusammenliegen, ist ein Beweis, dass die Tempe-
ratur des Käfigs für sie zu nieder ist, obgleich hoch ge-
nug , um ihnen ihre Gesundheit zu erhalten. Sie werden
mit Sperlingen gefüttert, und aller Wahrscheinlichkeit nach
sind Vögel ihre gewöhnliche Nahrung im freien Zustande.
Bei einer mehr angemessenen Temperatur würden sie ge-
wiss regelmässiger fressen: selten fängt mehr als eine
während des Tages einen Sperling; während der Nacht
werden zwei oder drei weitere gefressen, so dass die Hälfte
*) Vor wenigen Tagen hat der Knäuel durch den Tod einer
Schlange, um ein paar Windungen abgenommen. Das Thier starb
an einer sehr gewöhnlichen Krankheit unter den Schlangen, wobei
die Zahnränder mit übel aussehenden und leicht blutenden Geschwü-
ren bedeckt sind. Solche Thiere sterben gewöhnlich, und da die
Krankheit sehr häufig ist, so ist es beim Ankaufen einer Schlange im-
mer gerathen, das Maul zu untersuchen. Eine der Schlangen hat vor
einigen Jahren gegen 30 lebendige Jungen geboren, die aber bald
starben.
s 2
ua
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 35
der Schlangen immer vierzehn Tage oder drei Wochen
fastet. Sie saufen sehr wenig, und häuten sich , wie alle
Boiden, viermal des Jahres.
Die Bewohner des zweiten Käfigs sind ein Boa con-
sirietor vom südamerikanischen Continent und eine Zamenis
hippocrepis von Nord- Afrika. Die erste ist das schönste
Exemplar, das ich gesehen, und über acht Fuss lang. Seine '
und der übrigen Pythonen Lebensart im freien Zustande
und ihr indolentes Benehmen in der Gefangenschaft sind zu
wohl bekannt, um hier eines weiteren Berichtes zu bedür-
fen. Zamenis hippocrepis ist am Bauche schön dunkel ro-
senrolh, was man an Weingeistexemplaren nicht mehr zu
sehen bekömmt; sie nährt sich ziemlich regelmässig von
Sperlingen, beisst gerne, und versucht nie zu klettern.
Im dritten Käfig sind mehrere Exemplare von Python
regius.
Der vierte und grösste Behälter des Hauses enthält
ein Paar Python Sebae. Das Männchen ist acht Fuss lang,
das Weibchen neunzehn, und schon seit Jahren in der Me-
nagerie. In den zwei letzten Jahren, während des Monats
August, begatteten sie sich beinahe täglich. Die Folge,
in diesem Jahre, war eine beträchtliche Anschwellung des
Weibchens, die jedoch mehr tympanilischer Natur gewesen
zu sein scheint. Sie fressen sehr unregelmässig , sowohl
was die Zeit, als die Quanlität betrifft: das Weibchen’ frass
einmal von selbst neun Enten bei einer Fütterung; frisst
es nach einer langen Zeit zum ersten Male wieder, so be-
festigt der Wärter an das Thier, welches die Schlange zu
verschlingen beschäftigt ist, ein oder zwei andere frisch
getödtete. Sie lässt, sich dadurch nicht stören , und fährt
ruhig zu schlingen fort, bis sie am Ende der Reihe ange-
kommen ist. Bei keiner der Schlangen bemerkte ich eine
Einspeichelung der Beute. Nie werden sie aul' gewaltsame
Weise zum Fressen genöthigt , wie man dieses in vielen
Menagerieen sieht, auch wäre dieses bei dem Weibchen
nicht ralhsam, da es zu Zeiten ziemlich wild ist. Als eines
Tages der Wärter mit einem Arbeiter in den Behälter stieg,
um eine Reparatur vorzunehmen, schien das Geräusch und
die Gegenwart von zwei Menschen den Schlangen zu un-
36 Günther:
bequem zu werden. Das Männchen verkroch sich unter
grässlichem Zischen unter den Teppich, während das Weib-
chen sich zum Angriffe anschickte. und unglücklicherweise
neben der Thüre seine zum Sprunge fertige Stellung ein-
nahm, so dass der Rückzug von vorne herein abgeschnil-
ten war. Die beiden Gefangenen verhielten sich unbeweg-
lich in ihrer Ecke , und entgingen dadurch einem Kampfe,
der, in Betracht der Werkzeuge, die sie bei sich hatten,
wahrscheinlich in dem Tode der Schlange geendigt hätte.
So jedoch begnügte sich diese, mehreremal den Kopf nach
ihnen zu schnellen, und nach einer halben Stunde zog sie
sich ganz zurück.
Die beiden letzten Käfige dieser Reihe enthalten Sau-
rier von sehr verschiedener Verwandtschaft : Clothonia
johnii , Cyelodus gigas, Scincus olfieinalis, Grammatophora
barbata , Lacerta ocellata und viridis, Chamacleo vulgaris.
Für alle ist in einem Gefässe ein beständiger Vorrath von
Mehlwürmern vorhanden, der Winters wie Sommers täglich
erneuert werden muss, da sie nicht, wie die Schlangen, sich
einem freiwilligen Fasten unterziehen. Die Clothonia,, wie
die Sceineus sind während des Tages stets unter dem Kies;
da die erstere jedoch noch einer substantielleren Nahrung,
als der von Insekten, bedürfen, so werden sie zur Zeit der
allgemeinen Fütterung hervorgeholt. Sehr junge Mäuse
ergreifen sie sofort, ähnlich wie wir es nachher bei Pseu-
dopus finden werden. Der Wärter sagte mir jedoch, dass
sie hie und da dieselben vor dem Verschlingen vollständig
mit Speichel überziehen, ich selbst habe es nie gesehen.
Der Cyelodus gigas befindet sich nun schon seit drei Jah-
ren in der Menagerie und hat in dieser Zeit an Länge und
besonders an Umfang ersichtlich zugenommen; er ist nun
über fünfzehn Zoll lang. An trüben Tagen ist er meist
unter dem Moose verborgen, während er bei Sonnenschein
langsam und mit leicht wellenförmiger Biegung des Lei-
bes im Käfig herumkriecht und öftere Mahlzeiten an Mehl-
würmern und klein gehacktem Fleische hält. Er beisst
nicht, selbst wenn man ihn in der Hand hält, und sucht nur
durch Drehen des Schwanzes, in dem er eine beträchtliche
Kraft besitzt, und der nicht bricht, zu entkommen. Im Kiese
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 37
sah ich ihn nie graben. Das Exemplar der neuholländi-
schen Grammatophora barbata ist über achtzehn Zoll lang;
bei trübem Wetter leistet es dem Cyclodus unter dem Moose
Gesellschaft , bei heiterem spazirt es ziemlich schwerfällig
im Käfig herum, um sich zuletzt am sonnigsten Platze
durchwärmen zu lassen; dabei richtet es den vorderen
Theil seines Körpers hoch auf den Hinterbeinen auf und
spreitet den Halskragen aus, um ihn in seiner ganzen
Weite den Sonnenstrahlen auszusetzen; der Kragen wird
mit Hülfe der Zungenbein-Hörner ausgedehnt.
Will man es fangen, so schlägt es den Halskragen
ein und sucht in einer Art von nichts weniger als schnel-
lem Trabe zu entgehen. Es scheint nicht auf Bäume zu
klettern, und eher auf felsigem Grunde zu leben ; höchstens
richtet es sich an einem Aste etwas in die Höhe; in einer
solchen Stellung sah ich es auch einmal den Kragen im
Affekte aufrichten. Ein Chamäleon war im Begriffe, auf
den Boden herabzusteigen und entschlossen , den nächsten
Weg zu dem Gelässe mit den Mehlwürmern zu nehmen,
schritt es bedächtig mit einer Hand auf den Nacken der
Grammatophora. Diese suchle zuerst durch Bewegungen
des Kopfes das Chamäleon wegzudrängen, das aber ruhig
mit der zweiten Hand sich an dem Kragen selbst festhielt. Die
Grammatophora gerieth dadurch in die grösste Aufregung:
sie warf die Kopf rechts und links, entfaltete bald die eine
Seite ihres Kragens, bald die andere, und setzte diese Be-
wegungen noch fort, nachdem das Chamäleon längst seines
Weges gegangen war. — Von dem Faulthiere unter den
Sauriern, dem Chamäleon, sind immer einige Exemplare in
der Menagerie; sie gehören der gemeinen Species an *).
*) So bekannt die Lebensart des Chamäleons ist, so wenig Ge-
legenheit hat man in Deutschland, dieses Thier im Leben zu sehen,
was bei der Leichtigkeit der Anschaffung und dem Interesse, wel-
ches das Thier gewiss verdient, wirklich zu verwundern ist. Nach
London werden jedes Jahr vielleicht hundert dieser Thiere impor-
tirt, meist von Mogador, und ebenfalls nach Liverpool, und das Stück
zu fünf Schilling verkauft. Zum Transporte ist die kleinste Schachtel
geeignet, Abgezehrte Thiere, bei denen die Muskeln an der Seite
38 Günther:
Die Seite dem Eingange in das Haus gegenüber, ist
von zwei grösseren Behältern eingenommen, deren Haupt-
bewohner eine ganze Reihe von halbgewachsenen Boa con-
strietor sind. Sie wurden vom verstorbenen Secretär in
Paris gekauft, und ihre Abkunft von Westindien ist keines-
wegs sicher. Sie haben alle eine blassere Färbung, als
das oben erwähnte grosse Exemplar, und eine geringere
Anzahl der Schildchen um das Auge liesse in einigen von
ihnen die Boa imperator des Daudin vermuthen. Allein
diese Art scheint mir nach den Exemplaren, die ich hier
davon gesehen, eine höchst zweifelhafte zu sein. Dem sei
wie ihm wolle , die gegenwärtigen unterscheiden sich von
der wahren Boa constrietor nicht im geringsten im Beneh-
men: träge, selbst wenn sie gereizt werden, langsam im
Verschlingen ihrer Beute *), ungesellig bilden sie einen
auffallenden Gegensatz gegen Chilabothrius. Unbelästigt
von ihnen sind in denselben Behältern Exemplare der ge-
wöhnlichen Ringelnatter und ein Leguan. Den letz-
teren habe ich vorläufig als Iguana rhinolopus bestimmt;
er ist über drei Fuss lang und ein Weibchen, wie man aus
den Eiern, welche sich durch die Bauchdecken durchfüh-
len lassen, ersieht.
Er kam auf einem Westindienfahrer, was jedoch noch
kein Beweis für das Vaterland sein kann. Trotz dem, dass
er voll gewachsen ist, ist die hornartige Schuppe auf der
des Knochenkammes auf dem Kopfe geschwunden sind, erholen sich
nie wieder, während die anderen jahrelang aushalten, wenn man sie
Winters in einem Treibhause unterbringt. Sie fressen viel und oft.
*) Die verminderte Fresslust dieser Rieseuschlaugen ist viel-
leicht Folge der Einsperrung in einem engen Raume. Ein fünf Fuss
langes Exemplar einer Boa constrietor entwischte im Hause eines
hiesigen Thierhändlers, und war gegen sechs Monate verschwunden.
Eines Tages entdeckte man sie hinter einer Kiste in einem Raume,
wo eine Menge kleiner tropischer‘ Vögel frei fliegt. Sie erschien
auf's beste genährt, und die ihren Exerementen beigemengten Federn
bewiesen, wie ein schon lange bemerkbarer Abgang der Vögel ent-
standen war; der Händler schätzte ihn auf über 40 Stück. Dasselbe
Thier kaufte ich unmittelbar nachher; es frass aber dann nur wenig»
trotzdem, dass es öfters frei im Zimmer herumkriechen konnte.
Dun
A
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 39
Schnauze nur wenig erhöht; ich weiss nicht ob das ein
Geschlechtsunterschied ist. Die Unterscheidung der Species
dieses Genus ist noch eine selır unvollkommene, und ge-
naue Bestimmung des Fundortes und Geschlechts der In-
dividuen in den verschiedenen Sammlungen ist unerläss-
lich. Da dieses Exemplar noch nicht lange gefangen scheint,
so ist es schr störrig, und eine Verletzung am Fusse
scheint es am Klettern zu hindern ; um es bei Kräften zu
erhalten, ist man genöthigt, es zum Fressen der Weintrau-
ben, mit denen man die Leguane gewöhnlich hier füttert,
zu zwingen; dabei hat sich der Wärter besonders vor dem
Schwanze in Acht zu nehmen , mit dem er sichere und
tüchtige Schläge versetzen kann. — Tropidonotus natrix
ist bis jetzt die einzige Schlange, deren Eier erfolgreich
bis zum Ausschlüpfen der Jungen erhalten wurden.
Entlang der dritten Seite des Hauses steht eine Reihe
kleinerer Behälter, von denen der erste zwei Exemplare
der grünen Varietät von Ceratophrys cornuta beherbergt.
Sie gehen nicht häufig in das Wasser, und liegen den
grössten Theil des Tages ruhig im Kiese,*in den sie sich
‘- einwühlen, so dass nur der Kopf von ihnen sichtbar ist.
Stört man sie heraus, so blasen sie sich zu einer grossen
Kugel auf, für deren Fortbewegung die schon ohnedem
krötenartigen Beine zu kurz sind, weshalb ein weiterer
Stoss sie ganz aus dem Gleichgewichte bringt, und sie
sich über und über kollern. Eine Fortsetzung dieser Be-
handlung lassen sie sich jedoch nicht lange stillschweigend
gefallen, sie stossen ein lange anhaltendes Wehegeschrei
aus, ähnlich dem, das man unter ähnlichen Umständen von
Pelobates fuscus hört; sie sperren dabei ihren ungeheuren
Rachen unter demselben stumpfen Winkel auf, wie es ein
Hippopotamus zu thun im Stande ist, und beissen in einen
vorgehaltenen Stock mit einer solchen Kraft, dass, wie schon
Tilesius erzählt, Spuren der Zähne zu sehen sind. Wie
alle grossen Frösche finden sie ihre Hauptnahrung in ihren
nächsten Verwandten, und eine Rana temporaria, zwei Drit-
tel ihrer eigenen Grösse, wird, sobald sie sie mit einem
einzigen Rucke ihres Körpers ergreifen können, gefasst
und in wenigen Minuten verschlungen. Ich kenne keinen
40 Günther:
anderen Frosch, der einen so weiten Schlund und Ma-
gen hätte.
Im nächsten Behälter sind einige Bewohner der Kü-
sten des Mittelmeers: Ascalabotes mauritanicus, Trogono-
phis Wiegmanni, Seps tridactylus und Tropidonotus viperi-
nus. Während der erstere mit wunderbarer Geschwindig-
keit an den Wänden herumläuft, sind die zwei nächsten
immer unter dem Kiese verborgen, so dass für die Schlan-
gen ein unbestrittener Theil des Territoriums übrig bleibt.
Diese haben ganz die Lebensweise unserer Ringelnatter,
scheinen aber weniger oft ins Wasser zu gehen : sie wer-
den mit Fröschen gefüttert. Es istein Paar: das Männchen
ist sehr dunkel gefärbt, beinahe schwarz, während das
grössere Weibchen eine hellbraune Farbe mit den charak-
teristischen Flecken hat. Sie vollzogen beinahe täglich
die Begattung während der Monate Juli, August bis in den
September. Die Rumpfe beider lagen in gerader Linie hart
neben einander, und nur der hintere Theil war so ge-
krümmt, dass sich die Cloaken berührten. Eine lebhafte
wellenförmige Bewegung in der Richtung vou vorne nach
hinten war entlang der Seite des Männchens bemerkbar,
während das Weibchen regungslos dalag. Die Begattung
erwies sich nicht fruchtbar.
Der dritte Käfig enthält Saurier, die sich unter allen
Thieren des Hauses am besten befinden, da für sie der Tem-
peraturgrad der richtige zu sein scheint: vier Exemplare
von Pseudopus pallasii aus Ungarn von zwei bis drei Fuss
Länge. Sie sind auch bei weitem am gefrässigsten ; um sie
aus dem Kiese oder unter dem Teppiche, unter dem sie
gewöhnlich. verborgen liegen, hervorzulocken, ist nur das
geringste Geräusch am Käfige nöthig ; sofort strecken sie
ihre Köpfe hervor und bewegen ihre lebhaften Augen nach
allen Seiten, um zu sehen, ob die Stunde der Fütterung da
ist. Zeigt man ihnen nun irgend einen kleinen weissen
Gegenstand , den sie aus der Ferne für eine weisse Maus,
ihr gewöhnliches Futter halten können, so gerathen sie
schon in eine grössere Aufregung, indem sie theilweise
hervorkommen und sich gegenseitig wegzudıängen suchen,
wenn sie einander im Wege sind. Der Genuss der Fülte-
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 41
rung wird ihnen jedoch nur einmal wöchentlich zu Theil,
was ganz genug ist, da sie jedesmal unglaubliches leisten,
obgleich ich noch nie eine gesätligt sah, Sie stürzen sich
auf die Hand des Wärters, die ein Dutzend junger Mäuse
oder Vögel hält, und reissen sie ihm heraus, bevor er Zeit
hat, sie fallen zu lassen. Dabei ereignet es sich, dass eine
Maus von zwei Pseudopus ergriffen wird: keiner lässt los,
der eine reisst nach rechts, der andere nach links, der eine
erhebt sich, um dann mit dem Gewichte seines Körpers
dem anderen das Stück zu entreissen:: vergebens, sie zer-
ren und zerren bis die Maus in zwei Theile zerreisst, und
nun jeder das seinige mit der grössten Eile verschlingt.
Beide sind jedoch bei diesem Streite zu kurz gekommen,
da unterdessen die anderen rasch aufgeräumt haben; hat
aber einer seine Beute noch nicht ganz verschlungen und
ragt ein Theil derselben aus dem Maule hervor, so wird
er von den übrigen verfolgt und jener Kampf kann noch
einmal beginnen, ja sogar zwischen dreien geführt wer-
den. Lange nachdem alles verschlungen ist, suchen sie.
noch im Käfige herum, ob nicht noch etwas übrig geblie-
ben, oder richten sich am Glase auf, um nach den Bewe-
gungen des Wärters zu sehen, der durch das Bitten der
Zuschauer oft zu einer nachträglichen Mahlzeit bewogen
wird. Das Bild ist nicht unähnlich dem einer Familie jun-
ger Hunde oder Füchse, die man für Vertheilung ihres
Futters selbst sorgen lässt und hätte die Natur dem Pseu-
dopus eine Stimme gegeben, so ginge es gewiss auch nicht
ohne starkes Gekläffe ab. Sie ergreifen übrigens ihre Nah-
rung wie eine Eidechse, unterwerfen sie einem hastigen
kräftigen Beissen, um die Knochen zu zerbrechen, und ver-
schlucken sie ganz. Sperlinge, die etwa eine Woche alt
sind, sind das grösste Thier, das sie verschlucken können,
In der Mitte dieses Sommers wurden zwei Philodryas
viridissimus dem Garten zum Kaufe angeboten. Trotz der
gerade herrschenden sehr hohen Temperatur zeigten sie
sich äusserst indolent und stellten sich so steif, dass jede
starke Berührung den schlanken Körper zerbrechen zu kön-
nen schien. In den Käfig gebracht, bewegten sie sich Jang-
sam, bis sie eine Ecke erreichten, wo sie dann den Kopf
42 Günther:
und den vorderen Theil des Körpers in die Höhe richteten
und unbeweglich liegen blieben. „Die grünen Schlangen
sterben alle,“ war die Meinung des Wärters, der schon
viele der verwandten indischen Arten gehabt zu haben
schien. Er hatte denselben immer Zweige und Reiser in
den Käfig gegeben, ohne dass sie sie zu ihrem gewöhnlichen
Ruheplatze gewählt hätten. Da jedoch schon das grüne
Kleid der Schlangen vermuthen liess, dass sie sich nur auf
lebenden und belaubten Pflanzen wohl befinden werden, so
gab man ihnen diesesmal zwei starke Hortensien in den
Käfig. Kaum war die Störung vorüber, als eine der Schlan-
gen den Kopf nach den Pflanzen wendete, und Zweig lür
Zweig , Blatt für Blatt zu betrachten schien. Plötzlich —
und das Auge hatte kaum Zeit zu folgen — schoss sie in
die Pflanze, wand sich einigemal durch die Zweige und
rollte sich endlich an einem Orte zusammen, wo ihr Kör-
per beinahe ganz auf grüner Unterlage ruhen konnte. Die
ganze Bewegung war so schnell und unerwartet, dass,
während ich auf diese Schlange mein Augenmerk gerichtet
hatte, ich nicht bemerkte, dass die andere dasselbe Manöver
gemacht, und nun musste ich selbst auf diesem kleinen.
Raume erst suchen, bis ich sie im Laubwerke unterschei-
den konnte. Seitdem befinden sich beide aufs beste, und
nie mehr hat man sie auf dem Boden gesehen; nur hie und
da streckt eine den vorderen Theil ihres Körpers über die
Pflanze heraus, und ist dann einem grünen unbelaubten
Zweige sehr ähnlich. Der Versuch, sie mit kleinen Frö-
schen zu füttern, war ohne Erfolg, weshalb man ihnen kleine
Eidechsen (Lacerta vivipara) geben musste: ein im repli-
lienarmen England etwas seltenes und theures Futter. Ob-
gleich man sie bis jetzt noch nicht fressen sah , so kann
man doch nicht daran zweifeln, dass ihnen diese Nahrung
zusagt, da die Eidechsen von Zeit zu Zeit verschwinden,
während der Magen der Schlangen beträchtlich ausgedehnt
ist. Wahrscheinlich waren sie im freien Zustande an Sau-
rier-Kost gewöhnt, an die von Baum-Eidechsen (Anolis).
Andere Exemplare mögen Baum-Frösche, andere Vögel vor-
ziehen. Ich habe oft an unseren Schlangen eine indivi-
duelle Vorliebe für eine besondere Art der Nahrung beob-
av
a
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 43
achtet, und es scheint mir als ob dieses von der Lokalität,
an der die Schlange lebte, und wo sie besonders eine ge-
wisse Thierart als Nahrung vorfand,, abhänge *). Seit
kurzem theilt mit diesen prächtigen Schlangen ein Oxyrho-
pus trigeminus die Wohnung, von dem ich glaube, dass er
sich mehr auf dem Boden aufhalten, und desshalb die an-
deren wenig stören werde.
Die Geschichte von Crotalus durissus ist zu wohl be-
kannt, als dass wir sie hier weiter zu betrachten nöthig
hätten. Ueber den Wechsel der Zahl der Ringe fehlt mir
noch alle Erfahrung. — Von Cenchris piscivorus sind fünf
Exemplare in der Sammlung, von welchen vier ganz schwarz
‘sind, während das fünfte und kleinste braun und gefleckt
ist. Sie sind ausserordentlich träge, so dass man selten
eine in Bewegung sieht; sie liegen zusammengerollt und
vereinzelt; sie fressen wenig, durchschnittlich alle vierzehn
Tage einen Frosch, sehen aber nichts desto weniger ziem-
lich wohl beleibt aus. Manchmal beissen sie einen Frosch,
ohne ihn zu ergreifen, und der Tod desselben erfolgt in
kurzer Zeit; gewöhnlich aber fangen sie ihre Beute nach
Art der nicht-giftigen Schlangen, und verschlingen sie
sogleich, ohne das Thier vorher sterben zu lassen; hier
*) Unbedeutendere Abweichungen oder Modifikationen in der
Lebensweise können auch ganz auf zufälligen Umständen beruhen.
Die grösste Coronella laevis, die ich besass und wegen ihrer Zahm-
heit lange behielt, frass nur Eidechsen, nie eine Maus oder einen
Frosch, obwohl sie nach ihnen, wie nach jedem anderen Thiere biss.
Nachdem ich sie lange mit Eidechsen von gewöhnlicher Grösse ge-
füttert halte, gab ich ihr, um ihre ungewöhnliche Kraft zu prüfen»
ein ungemein grosses und starkes Exeniplar von Lac. agilis. Sie er-
grilf es sogleich , allein nach einem langen Kampfe, wobei die Ei-
dechse durch die Windungen der Schlange mehreremal ersticktschien,
und doch immer wieder ihren schon zum Verschlingen erfassten
Kopf losriss — änderte sie die Art des Angrills und packte die
Eidechse am Schwanze; dieser brach ab und wurde gefressen. Von
dieser Zeit an begnügte sich diese Schlange immer nur den Schwanz
der Eidechsen abzubrechen, ohne einen weiteren Angrilf auf die
schwanzlosen Thiere zu machen; Thiere, die mit abgebrochenem
Schwanze in ihren Käfig gebracht wurden. beachtete sie nicht mehr,
44 Günther:
also ist das Gift augenscheinlich nicht wesentliches Hülfs-
mittel zum Ergreifen der Beute. Ich habe bei Klapper-
schlangen und bei Puff-Addern oft zu beobachten versucht,
ob der Giftzahn beim Verschlingen der Beute noch in Thä-
tigkeit sei oder nicht; bei den letzteren konnte ich nicht
darüber ins Reine kommen, allein bei den ersteren sah ich
mehreremal auf’s deutlichste (namentlich wenn sie grössere
Thiere, wie Meerschweinchen, verschlangen) , dass dieser
Zahn wirklich, wenn auch nicht ganz aufgerichtet, doch
in das Thier eindrang, und wesentliche Dienste beim Hin-
unterwürgen desselben leistete. Es ist aber dann, bei der
lebhaften Thätigkeit aller Muskeln des Kopfes, kaum anders
möglich, als dass auch noch eine beträchtliche Quantität
Gift durch den Zahn ausfliesst, und durch diese Beimischung
wird der Verdauungsprecess ungemein befördert: ja, diese
nachträgliche Beimischung des Giftes wird ebenso noth-
wendig sein, als die des Speichels in anderen Thieren.
Es kann uns also nicht wundern, in Cenchris piscivorus
eine Giftschlange zu finden, deren Giftapparat nicht dieselbe
Bestimmung hat, die uns zunächst bei den eigentlichen
Vipern aufällt.
Einen auflallenden Gegensatz zu diesen trägen „Was-
ser-Vipern“ bilden ihre gefährlichen Nachbarn, zwei pracht-
volle Exemplare der schwarzen Varietäl von Naja haje. Bei
ihrer Bebhaftigkeit und Grösse (sie sind nahezu 6° lang)
bedürfen sie eines ziemlich grossen Raumes; die Gläser
des Käfigs sind bis zu einem Drittel der Höhe mit Oelfarbe
undurchsichtig gemacht, sowohl um den Schlangen, die bei
ihrer Reizbarkeit in beständiger Aufregung erhalten sein
würden, mehr Ruhe zu verschaffen, als auch um sie, wenn
sie aufgeregt werden sollen, eher zu veranlassen, sich in
die Höhe zu richten und über den dunkeln Theil des Gla-
ses herauszusehen. Das thun sie nun auch immer auf die
geringste Veranlassung; kommen sie bei einer solchen Ge-
legenheit oder bei der Fütterung einander zu nahe, so fan-
gen sie an mit einander zu kämpfen: sie wenden sich ge-
gen einander mit aufgerichtetem Körper, dehnen ihre Hälse
so weit als möglich aus, und eine suchte sich immer höher
als die andere aufzurichten, während sie stets gegeneinan-
Skizzen ans dem zoologischen Garten in London. 45
der beissen; auffallenderweise verwunden sich diese bei-
den nie; als aber ein drittes Exemplar vor einiger Zeit zu
ihnen gebracht wurde, entspann sich ein Kampf, in wel-
chem dieses gebissen worden sein musste, denn es war den
folgenden Morgen todt. Von den Thieren, die zu ihnen
gebracht werden, tödten sie alles, selbst wenn sie nichts
davon fressen. ‘Die Bewegung zu beissen wird mit einer
ausserordentlichen Schnelligkeit ausgeführt, und obwohl
man die Schlange das Thier berühren sah, so kann man
doch nicht glauben, das es wirklich gebissen sei, bis es
nach wenigen Secunden in kurz dauernde Convulsionen
verfällt. Das Maul wird dabei nur sehr wenig geöffnet,
und die Verwundung wird mehr in der Art eines Ritzens,
als eines Einstechens zugefügt, wie wenn man etwa mit
einer senkrecht gehaltenen Nadel an der Seite eines Thie-
res herunterführe, statt dieselbe in den Körper desselben
einzustechen; ebenso verhält es sich bei den Klapperschlan-
gen, während die Viper und die Puff-Adder das Thier mit
den Kiefern fasst, und so die Giftzähne eindrückt. Sie lie-
gen oft und lange im Wasser, gehen aber nur Winters ganz
unter die Teppiche.
Von der gemeinsten indischen Schlange, Coluber Blu-
menbachii, ist nur ein Exemplar in der Menagerie, es ist
über 6‘ lang, scheu und bissig und hält sich meist unter
dem Teppiche verborgen. Ich glaube aus seinem schlanken
Körperbaue schliessen zu müssen , dass es sich in seiner
Lebensweise sehr den Herpelodryas nähert, und es wäre
passend, ihm auch in der Gefangenschaft Gelegenheit zum
Klettern zu geben. Obgleich seine ganze Färbung mehr
glänzend ist, ist sie doch nicht verschieden von der, wel-
che wir an Weingeistexemplaren beobachten.
Die unschädlichen nordamerikanischen Schlangen sind
mit Ausnahme eines einzigen grossen Tropidonotus fascia-
tus, welcher sich durchaus nicht mit anderen vertragen
will, und förmlich Jagd auf Schlangen von seiner eigenen
Grösse macht, in einem Behälter zusammen. In einer Tem-
teralur, welche die ihres Vaterlandes eher übersteigt, als
ihr gleich kommt, befinden sie sich ausserordentlich wohl,
fressen regelmässig und häuten sich alle 3—4 Wochen. An
46 Günther:
trüben Tagen liegen die verschiedenen Species: Coluber
guttatus und quadrivitiatus, Tropidonotus ordinatus und
fasciatus und hie und da Calopisma Reinwardtii friedlich
zusammen. Bei der Fütterung ist es interessant zu sehen,
wie jede Art ihr Lieblingsfutier sich fängt: die Tropidono-
tus die Frösche, die C. gultalus die Mäuse, die C. quadri-
vittatus #) die Mäuse und Sperlinge. Alle jagen ihrer Beute
nach, ohne zu warten, bis sie ihnen nahe genug kommt,
um sie ergreifen zu können. Die Tropidonotus verschlin-
gen die Frösche lebendig, unmittelbar nach dem Ergreifen,
während die beiden Coluber- Arten die gefangenen Thiere
mit einer oder zwei Windungen des vorderen Theils ihres
Körpers erwürgen und nicht zu schlingen anfangen , bis
jedes Lebenszeichen aufgehört hat. Man sieht auch hie
und da einen Tropidonotus einen Frosch umschlingen, allein
dieses geschieht nur, um ihn festzuhalten, wenn er an
einem ungeschickten Platze gepackt ist, und die Schlange
ihn entweder von vorne oder von hinten zu verschlingen
anfangen will. Diese Verschiedenheit in der Art sich der
Beute zu bemächtigen , steht im Zusammenhange mit der
verschiedenen Natur derselben: selbst wenn es für die
Schlange möglich wäre einen Frosch durch Erstieken zu
tödten, wäre dieses gar nicht nothwendig, da die Nackt-
heit seiner Haut das Festhalten mit den Zähnen , und die
Schlüpfrigkeit derselben das Hinabgleiten durch den Schlund
*) Diese beiden Coluber-Arten müssen ausserordentlich nützli-
che Thiere in ihrem Vaterlande sein: die erstere nährt sich beinahe
ausschliesslich von Mäusen und ist zu klein, um oft Vögel fangen zu
können, während sie die erstern so gierig verfolgt, dass sie einer
Maus hinter einen Schrank nachlief, sie rückwärts hervorzog und dann
verzehrte. Ein C. quadrivillatus frass bei mir sieben Mäuse hinter-
einander in weniger als einer halben Stunde; er ist schr zahm und
nimmt das Thier aus der Hand; lasse ich ihn es nicht sogleich er-
greifen, so folgt er mir durch das ganze Zimmer. Da ich später
leichter Vögel als Mäuse für ihn bekommen konnte, so gewöhnte er
sich so an dieses Fuller, dass er jetzt im zoologischen Garten, wohin
er für einige Zeit gebracht wurde, immer zuerst auf die Sperlinge
Jagd macht, und oft zwei nach einander frisst.
|
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 47
erleichtert, während die Schlange weder vor Bissen , noch
vor gewaltigen Bewegungen des Thieres elwas zu befürch-
ten hat. Ganz anders verhält es sich mit einem warmblü-
tigen Thiere, das von einer Schlange gefangen wird: seine
Bedeckung mit Haaren und Federn erschwert nicht nur das
Festhalten mit den Zähnen, sondern besonders auch das
Schlingen; dabei macht es energische muskulöse Anstren-
gungen, sich den Griffen der Schlange zu entwinden, und
viele würden mit Leichtigkeit durch Beissen ihre Freilas-
sung bewerkstelligen, wenn nicht die Umschnürung der
Schlange ihr Alımen und jeden Versuch zu Beissen unter-
bräche. Calopisma Reinwardtii ist nur gelegentlich mit den
anderen Schlangen unter dem Teppiche; die meiste Zeit
liegt er auf dem Boden des Wasser-Behälters, wo er ge-
wiss mehrere Stunden aushalten kann, ohne an die Ober-
fläche des Wassers kommen zu müssen, um Athem zu ho-
len. Die Grundfarbe seines Bauches ist ein prächtiges dunk-
les Rosen-Roth. Er ist sehr träge und war gegen 6 Wo-
chen in der Menagerie, bevor er zum ersten Male frass.
Er nährt sich von Fröschen, deren er sich, wie die Tropi-
donotus, bemächtigt, und um die er mit diesen oft sehr
heftig kämpft.
In dem anstossenden Käfige ist ein sehr grosses Exem-
plar der nordafrikanischen Puff-Adder (Echidna mauri-
tanica), das einzige, welches viele andere, die ihm zur Ge-
sellschaft gegeben wurden, überlebt hat. Derjenige, wel-
cher die Vipern die Kröten unter den Schlangen genannt
hat, ist gewiss gerechtferligt, wenn er dieses Bild von der
Puff- Adder entlehnte: in einen flachen Knäuel aufgerollt,
liegt sie tagelang bewegungslos an derselben Stelle, und
ist aus einiger Entfernung in der Farbe kaum von dem
Kiese, auf dem sie liegt, zu unterscheiden. Der Versuch,
sie durch Lärm an ihrem Kälige aufzuregen, hat höchstens
den Erfolg, dass sie ihren ohnedem schon unförmlich dicken
Leib zu der Dicke einer Mannesfaust aufblässt. Fängt man
an, sie mit einem Stocke zu reizen, so zischt sie fürchter-
lich, und erhebt dabei ihren Kopf so, dass sein vorderer
Theil schief nach unten geneigt ist. Ohne je ihren Ruhe-
platz gänzlich zu verlassen, schnellt sie dabei hie und da,
48 Günther;
aber selten genug, ihren Kopf einige Zoll weit vor *). Die
Meerschweinchen, welche man ihr zum Futter giebt, sind
oft stundenlang mit ihr zusammen, bis sie zuletzt alles Miss-
trauen gegen die Schlange aufgeben , und durch einen
kaum bemerkbaren Biss ihren augenblicklichen Tod finden.
Die getödteten Thiere bleiben den Abend über liegen und
werden erst des Nachts gefressen.
Der letzte Behälter des Hauses ist beinahe ganz zu
einem Wasserbehäller umgeschaffen, und nur ein kleiner
Raum um denselben bleibt trocken; er dient besonders
zum Aufenthalte einer Reihe Wasserschildkröten, deren
scheinbar einförmige Lebensweise bis jetzt keine Veran-
lassung bot, ihrer Pflege eine besondere Aufmerksamkeit
zu widmen **). Bei weitem mehr, als durch sie, findet sich
*) Die Puff-Adder ist die trägste Giftschlange, welche ich zu
beobachten Gelegenheit gehabt habe, und ihre Gefährlichkeit im
freien Zustande wird dadurch bedeutend gemindert, dass sie weder
angreilt, noch im Stande ist, sich weit voızuschnellen. Ich besich-
tigte einst die ganz frisch eingelangenen Thiere an Bord eines Schif-
fes von Mogador; eine der Kisten, welche neben anderen Schlangen
noch eine Naja haje enthielt, musste sogleich wieder geschlossen
werden, da diese durch die erste Oellnung einen Angrill! versuchte;
in einer anderen Kiste waren zwanzig bis dreissig Pull-Addern, von
diesen machte nicht eine einen Versuch zu beissen oder zu entwi-
schen, während ich die grössten mit einem Stocke herausholte,
#®) Schildkröten werden mit Ausnahme solcher Species, die durch
Grösse oder ein besonderes Aussehen sich auszeichnen, nie eine be-
deutende Rolle in Menagerien spielen, selbst in solchen nicht, wo
der Geschmack des Publikums nicht allein zu Rathe gezogen wird.
Doch dürfte selbst ein geringes Material, wenigstens im zoologischen
Garten, eine bessere Verwendung finden, als nur die einer Ausstel-
lung, wobei man nicht mehr lernt als in einem Museum. Es wäre
ein billiger Versuch, die nordamerikanischen Species in einem der
vielen kleinen Teiche des Londoner Gartens auszusetzen, wo sie bei
einigermassen zweckmässiger Einrichtung der Beobachtung ebenfalls
zugänglich wären. Dort könnten sie sich ihr Winterquartier selbst
bereiten , stalt dass sie, wie jetzt, weder schlafend noch vollständig
wach erhalten werden. Ich sehe noch keinen Grund, warum nicht
wenigstens die nördlichen Arten hier ebenso wie in Nord-Amerika
mit Erfolg versucht worden ist, zur Fortpflanzung gebracht werden
könnten. Zur Erhaltung tropischer Arten während eines oder meh-
ee ee ee
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 49
das Publikum durch einen riesenhaften Ochsenfrosch an-
gezogen, der sich in einer Ecke in ein Stück weichen Ra-
sens eingebettet hat. Er behauptet diesen Platz mit grosser
Hartnäckigkeit, selbst gegen den Wärter, wenn er ihm den
Rasen wechseln will; eine Schildkröte, welche ihn belä-
stigt, schiebt er unwillig mit dem Vorderarme bei Seite;
sinkt die Temperatur, so geht er ins Wasser. Seine Nah-
rung bilden andere Frösche und Sperlinge, welche er dem
Wärter aus der Hand nimmt und noch lebend hinunter-
schlingt. Da es ein Weibchen ist, so hat man von ihm nie
eine Stimme gehört.
Das Reptilienhaus, welches die erwähnten Thiere
enthält, bildet einen Anbau zu einem grösseren Gebäude,
dem früheren Museum der zoologischen Gesellschaft; ein
zweiter Anbau ist auf der anderen Seite dieses Gebäudes,
und etwa die Hälfte davon wird von zwei grossen Behäl-
tern eingenommen, die zum Aufenthalte für Python molurus
und reticulatus hergerichtet sind; beide Behälter sind mit
dicken Baumzweigen ausgefüllt , wodurch den Thieren die
vollere Benutzung ihres Raumes ermöglicht wird. Der Bo-
den der einen ist ganz mit Wasser gefüllt, der des anderen
trocken. Der Python reticulatus von Ceylon ist eines der
ältesten Thiere in derMenagerie. Vor 14 Jahren von Cey-
lon gebracht, hatte er nur die Hälfte einser jetzigen Länge,
die 21 Fuss beträgt. Der Wärter sagt, dass er schon seit
mehreren Jahren kein Wachsthum mehr an ihm bemerkt
habe; sicher ist, dass er in dieser Zeit nicht mehr mit
derselben Regelmässigkeit gefressen hat, und bevor seiner
letzten Mahlzeit, welche in drei Enten bestand, hat er neun
Monate gelastet: die, so viel ich weiss, längste Periode, in
der eine Schlange futterlos blieb, ohne darunter zu leiden.
Obgleich diese Riesenschlange ebenfalls im gereizten Zu-
stande heisst, ist sie bei weitem nicht so wild, als Py-
thon Sebae; sie geht häufig ins Wasser und verweilt tage-
lang darin.
rerer Winter ist ihre Uebersiedelung in ein Treibhaus oder in ein
Gebäude mit den Bedingungen eines solchen unumgänglich noth-
wendig.
Archiv f. Naturg. Jahrg. XXVI. 1. Bd, 4
50 Günther:
In einem kleinen Glaskasien, in demselben Zimmer,
sind die verschiedenen Species unserer europäischen Frösche,
Kröten, Salamander u. s. w. untergebracht; ihre Lebens-
weise ist hinlänglich dureh die deutschen Beobachter auf-
gehellt *).
Um den Rest der Reptilien und die Fische zu besich-
tigen, müssen wir in einen anderen Theil des Gartens, zu
dem Wasserthier - Hause gehen; da wir auf dieses
Gebäude voraussichtlich später noch einmal zurückkommen
werden, so genüge es hier zu sagen, dass es ein Glasge-
bäude etwa von der Grösse des Reptilienhauses ist, und
dass es nebst einigen anderen Behältern die Salz- und
Süsswasser - Aquarien (sechszehn an Zahl) enthält. Eine
seiner kürzeren Seiten ist durch ein Gitter abgeschlossen,
hinter dem wir um und in einem grossen Bassin ein halbes
Dutzend Alligatoren und viele Wasserschildkröten träge her-
umliegen oder schwimmen sehen. Unter den letzteren fällt
uns besonders eine 3° lange Chelydra serpentina auf, die
jedoch, nach ihrem indolenten Benehmen zu schliessen, wohl
nicht lange eine Chelonia mydas überleben wird. Die Al-
ligatoren stammen alle von demselben Transport und zei-
gen schon den allmählichen Uebergang von der gesireck-
ten Schnauze der jüngeren Individuen zu der breiten der
älteren: das kleinste ist etwa 2° lang, das grösste 6‘. An
sonnigen Tagen liegen sie mit geschlossener Pupille über
und neben einander, indem der Klumpen wie ein Ganzes
nach und nach dem fortschreitenden Schatten zu entgehen
sucht, und der Sonne durch den Behälter folgt. Kleineren
Störungen oder den Zuschauern schenken sie nicht die ge-
ringste Aufmerksamkeit, es bedarf des Wärters, der dicht
an sie herantritt und sich stellt als ob er einen ergreifen
wollte. Dann stürzen sie sich mit, einem höchst eigenthüm-
lichen Geräusche, das die Mitte zwischen Grunzen und
Bellen hält, in das Wasser, und setzen dasselbe noch so
*) Bei der Farbenpracht tropischer Frösche, der Leichtigkeit
ihrer Anschaffung und Transports ist man in der That erstaunt, auch
nicht eine jener niedlichen Hylae von Süd-Amerika in der Mena-
gerie zu finden.
{
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 51
lange fort, bis jede Störung aufgehört hat. Dasselbe Ge-
räusch hörte ich von Alligatoren, die eben über den Ocean
herübergebracht worden waren und in ihren Behältern ans
Land gebracht wurden. Sie sind ziemlich zahm, d. h. sie
versuchen nicht zu beissen, höchstens mit dem Schwanze
zu schlagen. Frösche und Fische fangen sie gierig des
Morgens oder Abends, belästigen aber die Schildkröten
nicht. Beinahe den ganzen Winter bringen sie im Wasser
zu, das auf 60° F. erhalten wird.
Eines der Aquarien enthält die beiden englischen Spe-
cies von Triton: T. eristatus und palmatus. Die letztere
Art ist jedoch gewiss identisch mit dem deutschen T. tae-
niatus, denn als eine Sendung von mehreren Exemplaren
des T. cristatus und taeniatus die in der Umgebung von
Bonn gesammelt worden waren, ankam und zu den ande-
ren gebracht wurde, waren die englischen T. palmatus
nicht mehr von den deutschen zu unterscheiden. Beide Ar-
ten pflanzen sich im Aquarium fort, einige Dytiscus haben
jedoch unter der Nachkommenschaft stark aufgeräumt.
Die seltensten Reptilien der ganzen Sammlung sind
zwei Amphiuma tridactylum. Das Schiff, auf welchem ein
Matrose die beiden Thiere in einem Kästchen, dessen Boden
etwas Wasser hielt, mitbrachte, kam, wie ich mich selbst
überzeugte, von Süd-Carolina. Trotz dieser scheinbar un-
zweckmässigen Behandlung kamen zwei in ganz gutem Zu-
stande an, während ein drittes kurz vor Beendigung der
Reise starb. Sie wurden in ein gewöhnliches Aquarium
gebracht, in welchem sie lange herumschwammen , oft an
die Oberfläche kamen und Luftblasen ausstiessen. In der
Nacht fingen sie zwei Goldfische, von denen jeder etwa
vier Zoll Länge gehabt haben mochte, worauf sie in das
Aquarium des zoologischen Gartens gebracht wurden, in
dem sie sich noch , nach beinahe zwei Jahren, auf’s beste
befinden. Die Länge beider beträgt zwei Fuss wenigstens,
ein Wachsthum in der Länge ist nicht bemerklich , wohl
‚aber in der Dicke. Ihr Aquarium ist 5’ lang, 2'/,* tief und
2 breit ; der Grund ist mit Kies belegt, und mit einer nöthigen
Anzahl der gewöhnlichen Wasserpflanzen bewachsen; an bei-
den Enden sind grosse Steine angebracht, zwischen welchen
52 Günther:
die Amphiuma den Tag über liegen. Von selbst kommen
sie nur des Nachts aus ihren Schlupfwinkeln, um langsam
ihrer Nahrung nachzugehen; hie und da steigen sie auch
in die Höhe, und versuchen aus dem Aquarium herauszu-
kommen, was auch einem einmal gelang; das Thier be-
gnügte sich jedoch in ein anderes Aquarium hinüberzu-
steigen und auf die darin befindlichen Goldfische Jagd zu
machen. Während des Sommers kann man sie stets mit
Leichtigkeit hervorholen: der Wärter befestigt einen Wurm
in die Gabel eines Stocks und lässt ihn vor dem Loche, in
dem er das Thier vermuthet, spielen. Dieses ist immer
zur Fütterung bereit und kommt auch sogleich hervor; in-
dem es verschiedene Mal danach schnappt, wird es in sei-
ner ganzen Länge sichtbar, hat es aber den Wurm einmal
gefasst, so kehrt es sogleich an seinen früheren Ort zu-
rück. Die Bewegungen beim Schwimmen sind die eines
Aales, wobei zugleich die Füsschen mit zur Hülfe gebraucht
werden; kriecht es langsam auf dem Boden des Wassers,
so werden die Füsschen als Stütze und als Bewegungsor-
gane benutzt. Trotzdem, dass ich sie oft und lange beob-
achtet habe, konnte ich nie zur Ueberzeugung gelangen,
dass sie beim Aufsuchen ihrer Nahrung durch den Tastsinn
oder den Gesichtssinn allein geleitet würden; ich glaube
dass sie den letzteren jedenfalls, wenn auch in unterge-
ordnetem Grade besitzen. Täuscht man sie z. B. indem
man mit dem Stocke allein eine Bewegung vor ihrem Loche
macht, so strecken sie zwar den Kopf heraus, ziehen ihn
aber sogleich zurück, wenn sie sehen, dass kein Wurm
an dem Stocke befestigt ist. Der oben erwähnte Versuch
des einen Thieres, aus dem Aquarium herauszusteigen, blieb
vereinzelt und fiel in die erste Zeit seines Aufenthalts im
Behälter, an den es sich noch nicht gewöhnt hatte: er be-
weist aber doch (wie auch die Art des Transportes) , dass
diese Thiere eine Zeit lang ausser dem Wasser, oder bei
einem sehr dürftigen Vorrathe aushalten können. Bei ihren
gewöhnlichen abendlichen Excursionen suchen sie meist
nach Nahrung, verfolgen die Fische und steigen in unre-
gelmässigen Zwischenräumen für einen Moment an die
Oberfläche augenscheinlich nicht um Luft einzunehmen, son-
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 53
dern um welche auszustossen, was sie auch hie und da
unter dem Wasser thun. Oft ist eine Luftblase an ihrer
Kiemenöffnung bemerkbar. Während des Winters verber-
gen sie sich, ohne an die Oberfläche zu kommen oder zu
fressen. Ihre Hauptnahrung sind Regenwürmer, von denen
sie ein Dutzend der grössten auf einmal verzehren; auf
Fische sind sie sehr begierig, und ihre Kiefer und ihr
Schlund sind so ausdehnbar , dass sie, wie oben erwähnt,
Goldüsche von vier Zoll Länge verschlucken können. Die
Barsche , welche mit ihnen zusammen sind, sind zu ge-
wandt und kennen die Gefahr zu wohl, als dass sie von
ihnen ergriffen würden. Die Thiere sind gegen einander
sehr gleichgültig, befinden sich aber oft zusammen in dem-
selben Schlupfwinkel. Da noch mehrere Exemplare durch
dieselbe Quelle zu erwarten sind, und die vegetativen Ver-
hältnisse dieser Thiere vollständig geordnet erscheinen,
so ist nicht zu viel verlangt, dass in dem gegenwärtigen
Aquarium das Dunkel ihrer Fortpflanzungsgeschichte etwas
aufgehellt werden sollte.
Der Proteus, der jahrelang im Besitze der zoologi-
schen Gesellschaft war, starb vor kurzem, beinahe zum
Skelette abgezehrt; er hatte jedoch, da er in einem dunklen
Raume aufbewahrt war, seine Farbe vollkommen erhalten.
Für die Ueberwinterung der Lepidosiren, deren nun nach
und nach gegen ein Dutzend ankam, sind beide Häuser
zu kalt.
Es wäre überflüssig, einen vollen Bericht über die
verschiedenen Fische des Gartens zu geben, da sie Species
angehören, die ein jeder in seinem Aquarium beobachten
kann, oder über welche bereits die genauesten Berichte
gegeben sind *), und ich be&nüge mich die folgenden Be-
®) Es ist zu bedauern, dass von Seiten der zoologischen Ge-
sellschaft noch kein Versuch gemacht worden ist, ausländische Fische
einzuführen, der für den ersten Anfang auf ihrem eigenen Grund
und Boden und in ihren ausgedehnten Aquarien gemacht werden
könnte. England ist zwar reich genug an Süsswasser- und See-
fischen, allein bei der grossen Vorliebe der Engländer für den Fisch-
fung wäre es als ein schöner Gewinn für ‚ihre Seen zu betrachten,
wenn es gelänge, unseren Wels dahin zu verpllanzen,
54 Günther:
obachtungen mitzutheilen. Trotz dem, dass Gasterosteus
trachurus ebensowohl als liurus in England sich finden, ist
die letztere Varietät allein in dem Aquarium. Im Früh-
jahre bekamen die älteren Männchen ihre lebhaften Farben
und kämpften heftig um bestimmte Plätze; von einem Nesi-
bau, wozu Material genug vorhanden gewesen wäre, war
jedoch nichts zu sehen. Englische Beobachter schweigen
auch gänzlich über diesen Gegenstand. Die Weibchen setz-
ten ihre Eier vereinzelt ab, und diese verschwanden, be-
vor sich der Embryo entwickelte. Die Barsche laichen
regelmässig jedes Jahr, doch kommen aus unbekannten Ur-
sachen, die Jungen nicht immer zum Vorschein. Am zwei-
ten oder dritten Tage sinkt der Laich zu Boden; was oben
sich schwimmend erhält, ist nicht befruchtet; die Zeit des
Auskriechens des Embryo variirt nach der Gunst oder Un-
gunst der Witterung von 9—17 Tagen; die Jungen haben
anfangs durch ihre eigenen Aeltern viel zu leiden, doch
entkommen noch so viele, dass später eine Versetzung
nothwendig wird. So sind nun Barsche, die in vier auf-
einander folgenden Jahren gezogen wurden, in den Aqua-
rien; die einjährigen sind zwei Zoll lang, die zweijähri-
gen variiren bereits von vier bis sechs Zoll, so dass von
dieser Zeit an die Jahresunterschiede in der Grösse sich
verwischen und von dieser allein nicht mehr auf das Alter
des Fisches geschlossen werden kann. Der Wärter ver-
sichert mich auch, dass sowohl die Männchen als Weibchen
im 2ten Jahre fortpflanzungsfähig seien.
Die verschiedenen Arten von Blennius sind die un-
terhaltendsten und angenehmsten Fische in einem Seewas-
ser-Aquarium ; kaum hat man sie in ein solches gesetzt,
so suchen sie sich eine bequeme Nische oder Höhlung zu
ihrer künftigen Residenz aus; sie untersuchen dieselbe
von allen Seiten, bewegen sich eilends herum, halb schwim-
mend, halb mit Hülfe ihrer Bauchflossen gehend, kopf-
aufwärts oder kopf-abwärts,, mit dem Bauche aber immer
gegen die Wand gekehrt, wobei es gleichgültig ist, ob die
Wand senkrecht oder überhangend ist. Erscheint ihnen
der Platz passend, so leven sie sich recht eigentlich darin
auf die Lauer: kein anderes Thier darf sich ihm nähern,
-
Skizzen aus dem zoologischen Garten in London. 55
ohne dass es angegriffen und mit kräftigen Bissen verjagt
wird, so dass die Garneelen (Crangon vulgaris und Palae-
mon squilla) von nun an in weitem Umkreise den gelähr-
lichen Platz zu umschwimmen genölhigt sind. Da es zu
unbequem wäre, für sie immer einen Vorrath von kleinen
Crustaceen (Talitrus und Gammarus), ihre Hauptnahrung
im freien Zustande, zu halten, so füttert man sie mit klein
gehacktem Fleische. Sie sind aber ausserordentlich ge-
frässig und erfordern täglich eine ein- oder zweimalige
Fütterung; ihre lebhaften Augen sind in steter Bewegung,
und sobald man sie einige Male gefüttert hat, nehmen sie
das Futter vom Finger weg oder beissen in diesen so ener-
gisch, dass man die Zähnchen fühlen kann. Blennius pal-
mieornis scheint nicht ganz so zahm zu werden, als pho-
lis, ersetzt aber dieses durch buntere Farben ; die Hörnchen
über den Augen stehen im Wasser ganz aufrecht und un-
beweglich.
Crenilabrus cornubieus (und tinca) erscheint nach dem,
was ich in zwei aufeinanderfolgenden Jahren gesehen, nur
im Monat August an der Küste, um später wieder in grös-
sere Tiefen zurückzukehren. Um diese Zeit sieht man ihn
dann auch alle Aquarien durch seine Farbenpracht und
durch die Lebhaftigkeit, mit welcher er kleine Seethierchen
verfolgt, beleben; leider aber erhält er sich nicht lange
darin, da ihm wenigstens ein gewisser Vorrath lebenden
Futters nothwendig zu sein scheint, und er nie längere
Zeit ohne Futter sein kann *). Im freien Zustande, und
besonders in den Aquarien, wird er sehr leicht eine Beute
der Actinien, während die Blennius selbst der Anthea ce-
reus immer entschlüpfen; der sehr schleimige Ueberzug
der letzteren Fischarl scheint das Anhaften der Tentakeln
zu verhindern.
*) Die Seelische (wenigstens die Fleischfresser unter ihnen)
fressen im Allgemeinen mehr als Süsswasserfische und dauern nur
viel kürzere Zeit ohne Nahrung aus. Crenilabrus zeigt schon nach
einem Tage sich sehr hungrig, und in meinem Aquarium frassen sie
einer Trigla gurnardus die Brustllossen ab, als ich es eines Tages
unterliess, sie zu füttern.
56 Günther: Skizzen aus dem zool. Garten in London.
Die Hippocampus brevirostris wurden von Lissabon
gebracht und sind in einem kleinen Aquarium für sich zu-
sammen. Mit ihrem Schwanzende um einen Zweig ge-
klammert, haben sie das Ansehen von dürren knotigen
Aesten. Zuweilen lösen sie sich ab, ringeln den Schwanz
krampfhaft ein, und bewegen sich langsam, in bginahe auf-
rechter Stellung, mit einer vibrirenden Bewegung ihrer
Flossen durch das Wasser. Finden sie nicht bald einen
anderen Zweig, um sich daran zu befestigen, so sinken sie
matt zu Boden, auf dem sie unbehülflich fortkriechen.
Ihre Nahrung besteht wahrscheinlich in kleinen Thieren,
welche sie mit ihrem röhrenförmigen Maule unter Seegras
oder aus Felsenritzen hervorholen. Da sie mehr zur Be-
quemlichkeit der Zuschauer, als zu ihrer eigenen ausge-
stellt sind, so dürften sie in ihrer Gefangenschaft nicht
lange leben.
Polypen und Quallen von Santa Catharina.
Philomeduso Vogtii n. sp.
Von
Fritz Müller.
(Hierzu Taf. II. Fig. 1.)
Die Schirmquallen werden von den mannichfachsten
Schmarotzerthieren heimgesucht. Infusorien wimmeln in
den Hoden der Tamoya; Trematoden und andere Einge-
weidewürmer finden sich oft in Menge in der Gallertsub-
stanz verschiedener Arten; Asseln, Amphipoden und ein
glasheller Palaemon bewegen sich in dem Schleime der
Scheibe und der Arme, deren Nesselfäden anderen Kru-
stern raschen Tod bringen, und eine im Verhältniss zum
Wohnthiere riesige Krabbe (Libinia?) pflegt zwischen den
vier die Armplatte der Rhizostomiden tragenden Säulen zu
sitzen. Vor allen merkwürdig aber unter diesen Schma-
rotzern und wohl werth einer besonderen Beschreibung er-
schien mir der actinienähnliche Polyp, dem die folgenden
Zeilen gewidmet sind, theils als das erste parasitisch lebende
Thier dieser Gruppe, theils weil seine fast quallenartige
Durchsichtigkeit einen leichten und sicheren Einblick in
seine übrigens sehr einfachen anatomischen Verhältnisse
gestattet.
Philomedusa Vogti, wie ich das Thier benenne *), er-
*) Den Gattungsnamen wählte ich nach der Lebensweise ; durch
den Artnamen sei es mir gestattet, meine Hochachtung Hrn. C. Vogt
zu bezeigen, in dem ich neben dem geistvollen Naturforscher zu-
gleich den rüstigen Kämpfer für die Principien verehre, deren Unter-
drückung auch mich aus der alten Heimath scheuchte und eine neue
#n den gastlichen Gestaden von Santa Catharina suchen liess,
58 Müller:
scheint, wenn sie die Leibeshöhle mit Wasser aufgeschwellt
hat, als eylindrischer Schlauch von etwa 30 Mm. (selten bis
über 50 Mm.) Länge und etwa 5 Mm. Dicke. Das Hinter-
ende ist in der Regel schwach verjüngt, kuglig abgerun-
det oder mehr weniger trichterförmig eingezogen. Am
vorderen Ende steht ein Kranz von zwölf kurzen (gegen
4 Mm. langen), plumpen, eylindrischen Tentakeln mit
abgerundeter geschlossener Spitze, die bald in einer Ebene
ausgebreitet, bald schief nach vorn gestreckt, besonders häufig
aber nach hinten zurück gebogen getragen werden. Die
Tentakel sind sämmtlich von nahezu gleicher Länge ; doch
kann man, obschon diese Ungleichheit oft durch verschie-
denen Contractionszustand derselben verwischt wird, sechs
längere und sechs mit ihnen abwechselnde etwas kürzere
unterscheiden. Zwischen je zwei Tentakeln beginnend
durchziehen zwölf seichte Längsfurchen die Oberfläche
des Körpers und stossen in der Mitte des Hinterendes strah-
lig zusammen. Die Färbung des Thieres beschränkt sich in
diesem Zustande auf eine weissliche Trübung; bei stärkster
Contraction, die ihm die Gestalt einer Feige mit zwölf Längs-
furchen und zahlreichen Querrunzeln zu geben pflegt, con-
centrirt sie sich zu einem schmutzigen, mehr oder weniger
ins Röthliche ziehenden Gelb. Die Fühler erscheinen biswei-
len schwach röthlich gefärbt, und innen an ihrer Basis pflegt
ein undurchsichtiger, hellgelber Ring zu liegen; weniger
constant finden sich ähnliche Flecken aussen an ihrer Basis
und bräunliche Flecken zwischen ihnen.
Die ganze Oberfläche des Körpers trägt einen kurz-
haarigen Flimmerüberzug, sowie auch überall, in be-
sonderer Menge jedoch an den Tentakeln, länglich schmale
Nesselzellen von 0,012 bis 0,016 Mm. Länge sich finden.
Die Form des Mundes ist eine sehr wechselnde.
Wem die Tentakel schief hinterwärts gebogen sind, pflegt
er als weit offener Trichter zu erscheinen, umgeben von
elf durch scharfe Furchen geschiedenen Wülsten, die ebenso
vie] Tentakeln vorliegen. Einer der kürzeren Tentakel bleibt
dabei ohne vorliegende Wulst, während die den beiden be-
nachbarten, entsprechenden. Wülste sich durch ihre Breite
auszeichnen‘, wie denn überhaupt: den längeren Tentakeln
Polypen und Quallen von Santa Catharina. 59
breitere, den kürzeren schmälere Wülste entsprechen. Der
Mund erscheint selten fast rund, meist in dieLänge gezo-
gen in der Richtung des durch den wulstlosen Tentakel
gehenden Durchmessers. Diesem Tentakel entsprechend
bleibt zwischen den beiden anliegenden Wülsten eine ziem-
lich tiefe Rinne, an deren äusserem Ende jede dieser Wülste
sich in einen kleinen zungenförmigen Fortsatz auszieht.
Ein dritter ähnlicher Fortsatz liegt zwischen diesen beiden,
dem wulstlosen Tentakel gegenüber. Diese drei Fortsälze,
meist weiss und undurchsichtig, fallen besonders ins Auge,
wenn bei schief vorwärts gerichteten Tentakeln der Mund
fast geschlossen ist; die Wülste, die nichts sind, als eigen-
thümliche Aufblähungen der Leibeshöhle, sind dann ziem-
lich abgeflacht und die zungenförmigen Fortsätze erheben
sich, gerade vorgestreckt, über deren Niveau.
Die Mundwülste, die sie trennenden Furchen und die
an den zungenförmigen Fortsätzen beginnende Rinne zie-
hen sich fort in den kurzen, etwa die doppelte Länge der
Tentakel erreichendenMagen, die unmittelbare Fortsetzung
des Mundtrichters. Die Ränder der Rinne scheinen sich
in der ganzen Länge des Magens zu einer vollständigen
Röhre zusammenlegen zu können. ‘Im Grunde steht der
Magen durch eine weite Oeffnung in Verbindung mit der
Leibeshöhle, in die man nicht selten vom Munde ans hin-
einsehen kann. Wenn er sich schliesst durch Aneinander-
legen seiner Wände, erscheint er platt; schmal in der Rich-
tung des durch die Rinne gelegten Durchmessers, breit in
darauf senkrechter Richtung gesehen. In letzterer seitli-
cher Ansicht sieht man, dass er auf der Seite der Rinne
weiter in die Leibeshöhle hineinragt, als auf der entgegen-
geselzien.
Die weiteLeibeshöhle ist durchweg mit Flimmer-
eilien bekleidet. Um den Magen herum ist sie durch mus-
eulöse Wände in 12 Kammern getheilt, die den Tentakeln
entsprechen und in deren Höhle sich fortsetzen. Die Schei-
dewände reichen nicht vollständig bis zum Vorderende,
vielmehr bleibt hier in jeder ein rundes Loch als Commu-
nicalion zwischen je zwei benachbarten Kammern. Auf
diese Weise wird an der Basis der Tentakel eine Art Ring-
60 Müller:
canal um den Mund hergestellt. Selten sieht man an an-
deren Stellen die Scheidewände von Lücken durchbrochen.
— Nach hinten setzen sich die Scheidewände, den Längs-
furchen folgend, fort bis ans Ende des Körpers, bilden aber
jenseils des Magens nur sehr niedrige Vorsprünge in die
weite Leibeshöhle. Sie scheinen aus zwei Lamellen gebil-
det; wenigstens erscheinen sie, gerade von aussen beirach-
tet, als zwei dunkle durch einen hellen, schmalen, mittle-
ren geschiedene Streifen.
Von der Insertion am Magen bis zu Anfang des hin-
tersten Drittels oder Viertels der Länge sind die Schei-
dewände eingefasst von einem breiten wellig oder krau-
senarlig gelalteten gelblichen, ziemlich undurchsichtigen
Saume, dessen frei in der Leibeshöhle flottirender Rand
wulstig verdickt ist. An diesem etwa 0,1 Mm. breiten Rande,
den eine hellere Linie scharf gegen die Krause absetzt, ist
die Flimmerbewegung besonders lebhaft und es sind ihm
reichliche Nesselzellen von doppelter Länge und Dicke der
in der äusseren Haut sich findenden eingelagert. Diese
zwölf Krausen verhalten sich verschieden in ihrer Er-
streckung nach vorn und hinten und zeigen dabei in noch
deutlicherer Ausprägung die schon in der Bildung des
Mundes angedeutete bilaterale Symmetrie in Bezug auf eine
durch die Achse des Körpers und die Mundrinne gelegte
Ebene. In ihrer Erstreckung nach hinten betrachtet er-
scheinen, wenn man von der Seite der Mundrinne aus zählt,
constant als die längsten das 1ste, te und 5te Paar der
Krausen, von mittlerer Länge das 6te Paar, als die kürze-
sten das 2te und 4te Paar. Diese beiden letzten Paare da-
gegen reichen am weitesten nach vorn, indem die betref-
fenden Scheidewände am Magen nur etwa bis zu dessen
Mitte herabsteigen; das 3te, 5te und 6te Paar inseriren sich
am Magengrunde, während die beiden Scheidewände des
ersten Paares noch über den Magen hinaus eine nach innen
geschlossene Kammer bilden. — Die verdickten Ränder der
Krausen glaube ich als Analoga der Mesenterialfäden der
Actinien betrachten zu dürfen, die hier nur die Eigenthüm-
lichkeit haben, in ihrer ganzen Länge angeheftet zu sein.
Die Krausen selbst dürften sich als Bildungsstätten der Ge-
EIER
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Polypen und Quallen von Santa Catharina. 61
schlechtsstoffe ausweisen, von denen ich bis jetzt an zahl-
reichen, seit fast einem Jahre untersuchten Thieren noch
keine unzweideutigen Spuren auffand.
Bei grösseren Actinien pflegt nur das Hervorspritzen
feiner Wasserstrahlen beim Anfassen die Anwesenheit klei-
ner Oeffnungen der Leibeshöhle zu verralhen; bei unserem
Thiere sind diese Oefinungen selbst mit Leichtigkeit wahr-
zunehmen. Sie zeigen sich schon dem blossen Auge als
12 radiäre Reihen heller Punkte am hintersten
Theile desKörpers, die mit den Längsfurchen abwech-
seln. Ihre Zahl wächst mit dem Alter und stiegt bei den
grössten Exemplaren bis gegen 20 in einer Reihe. Ihr
Durchmesser ist verschieden ; die grösste Oeflnung, die mir
vorkam, war 0,1 Mm. lang und halb so breit. Unter dem
Mikroskope kann man die durch die Flimmercilien der Lei-
beshöhle umhergetriebenen Partikelchen bisweilen aus ihnen
austreten sehen. Durch Contraclion der Leibeswand wer-
den sie natürlich geschlossen, sind aber auch selbständiger
Verengerung und Schliessung fähig; sich verengend er-
scheinen sie von einem hellen Hofe umgeben ; sind sie ge-
schlossen, so zeigt sich an ihrer Stelle ein heller Fleck.
Die Mitte des Hinterendes ist bei dem wassergefüll-
ten Thiere vollkommen geschlossen; bei rascher Contraclion
verschliesst sich dagegen hier eine weite Oeffnung
zum Austritte desWassers*), durch die dabei nicht
selten Theile der Krausen vorfallen. Bei einem grossen
Exemplare, das ich zu bequemerer Beobachtung in ein
Reagensgläschen brachte, sah ich, nachdem es sich wieder
aufgeschwellt hatte, einen schmalen Strang vom Ende einer
®) Ebenso bei Cerianthus (vergl. Jules Hain:e in den Annales
des sciences nat. 4. ser, Tom. I. p. 341), mit welchem Polypen der
obenbeschriebene manche Verwandtschaft hat. Freilich stimmt die Zahl
und besonders die Stellung der Tentakeln nicht, deren Cerianthus eine
doppelte , Philomedusa eine einfache Reihe besitzt. Uebrigens wäre
in Betreff der systematischen Stellung zu berücksichtigen, düss die
Thiere, wie oben steht, noch nicht geschlechtsreif beobachtet sind.
Max Schultze.
62 Müller:
der längeren Krausen straff nach der Mitte des Hinteren-
des herübergespannt, der, wie ich wusste , vorher nicht
vorhanden gewesen war. Nach einer durch Erschütterung
des Glases bewirkten neuen leichten Conlraction des Thie-
res begann der Strang sich vom Hinterende zu entfernen
und mit ausserordentlicher Langsamkeit und unter Bewah-
rung Seiner geradlinigen Form sich zusammenzuziehen; er
erwies sich so als ein bei der ersten Contraction einge-
klemmtes, bei der durch die neue Contraction bewirkten
Erschliessung der Endöffnung wieder frei gewordenes Stück
der betreffenden Krause.
Ich fand die Philomedusa Vogtii zuerst vereinzelt an
Olindias (nov. gen. Eucopidarum) an der Unterfläche der
Scheibe sitzen , später in Menge an Chrysaora, wo sie an
den Armen, in den Geschlechtshöhlen, im Magen und seinen
Nebentaschen sich aufhält. Von einer einzigen Qualle der
letzteren Gatlung habe ich schon über 20 unserer Polypen
abgelesen. — Die den Quallen eninommenen Thiere pflegen
Stücke der Fangfäden, der Genitalien, der Magenfäden u. s. w.
des Wohnthiers im Magen zu haben und in ihrer Leibes-
höhle trifft man oft Nesselzellen der Qualle an. Sie ver-
tragen, wie die Actinien, gut die Gefangenschaft, können
monatelang hungern und lassen sich auch andere als Qual-
lenkost, namentlich Anneliden, schmecken. Hat man eine
grössere Zahl in demselben Gefässe,, so werden bisweilen
kleinere von grösseren verschluckt und leben in deren
Leibeshöhle wenigstens wochenlang weiter, wie es scheint
ohne gegenseitige Störung des Befindens.
Die Thiere vermögen mit jeder beliebigen Stelle des
Leibes sich anzuhelten ,„ wahrscheinlich mittelst der Nes-
selfäden, die überhaupt auch in den Fangfäden der Quallen
grössere Dienste als Haftorgane, wie durch ihr Gift zu lei-
sten scheinen. Sie klellern nicht selten an der Wand der
Glasgefässe empor und pflegen sich dann mit dem Munde
anzusaugen. Ehe sie zu behaglicher Ruhe sich aufgeschwellt,
ist ihre Gestalt eine sehr wechselnde, je nachdem dieser
oder jener Körpertheil stärker contrahirt ist, je nachdem die
Tentakel eingezogen oder vorgestreckt sind u. s. w. —
Alle ihre Bewegungen sind sehr träge; sie bleiben, in
Polypen und Quallen von Santa Catharina. 63
Ruhe gelassen, Tage lang auf dem Boden des Glases lie-
gen oder an derselben Stelle der Wand hängen, ohne an-
dere Bewegungen als Contractionen der Ringmuskeln, die
von Zeit zu Zeit in langsam fortschreitenden Wellen von
vorn nach hinten verlaufen.
Erklärung der Abbildung.
Taf. Il. Fig. 1.
Philomedusa Vogtii in ausgedehntem Zustande, 3mal ver-
grössert.
Desterro, im Mai 1859.
Ueber die Schale und die Larven des
Gasteropteron Meckelii.
Von
Dr. August Krohn.
(Hierzu Taf. II. Fig. 2 u..3).
Mit Ausnahme delle Chiaje’s, der dem Gasteropte-
ron ein Schalenrudiment zuschreibt, sind wohl die meisten
neueren Zoologen, sei es, dass sie delle Chiaje’s Ent-
deckung übersehen oder nicht haben bestätigen können, der
Ansicht, dass diese Gattung im Gegensatze zu den übrigen
Aceren ohne Schale sei *). In der That, zur Stütze ihrer
Ansicht können sie sich noch auf das Zeugniss eines so
ausgezeichneten Beobachters wie Souleyet berufen , der
sich mit Entschiedenheit dahin ausgesprochen, dass nicht
die geringste Spur einer Schale bei Gasteropteron anzu-
Ireffen sei. (Voy. de la Bonite. Zoolog. T. 2. p. 465).
Dass d. Chiaje trotzdem Recht hat, kann ich nach
Untersuchungen, die ich schon vor mehreren Jahren an
frischen Thieren in Neapel angestellt, bezeugen. Ich bin
nun kürzlich durch die Güte meines geehrten Freundes
Prof. Troschel, der so gefällig war, mır einige wohler-
haltene Weingeistexemplare zu weiterer Untersuchung zu
überlassen, in den Stand gesetzt worden, nicht nur die
Anwesenheit der Schale von neuem zu besläligen , sondern
auch die früheren Beobachtungen bedeutend zu vervoll-
ständigen.
*) In Philippi’s Handbuche der Conchyliol. und Malakozool.
(p. 232) findet sich die auffallende Angabe, dass Doridium keine
Schale besitze, während doch schon d. Chiaje ein Rudiment der-
selben bei allen Arten dieser Gattung nachgewiesen hat.
Krohn: Ueb. d. Schale u. d. Larve v. Gasteropt. Meck. 65
Was d. Chiaje über das von ihm entdeckte Scha-
lenrudiment anführt, beschränkt sich auf dıe kurze Angabe,
dass es als zartes, schwach schillerndes Häutchen den Bo-
den eines Hohlraums von ovalem Contour überzieht, der
sich auf der Rückseite des Abdomen, dicht unter der die
Visceralmasse umhüllenden Haut- oder Manteldecke findet.
(Deserizione degli animali invertebrati d. Sieil. eiter. T. 2.
p- 86. Tab. 55. Fig. 4). Ferner wird im Abschnitte über
die Entwickelung der Argonauta desselben Schalenrudi-
ments gelegentlich gedacht, nnd seine häutige Consistenz
den kalkigen Kiemenschildern der Aplysien, Dolabellen etc.
gegenüber hervorgehoben (T. 1. p. 46).
Die Schale des Gasteropteron ist in der That von
membranöser Beschaffenheit, durchaus homogen, einem Chi-
tinhäutchen ähnlich und so äusserst fein, dass sie sich im
Wasser bei der geringsten Erschütterung,, in unzählige
zarte Fältchen wirft, woraus denn ihr Irisiren bei aufal-
lendem Lichte zu erklären. Sie liegt, wie schon aus den
obigen Angaben d. Chiaje’s zu erschen,, zwischen dem
Mantel und der Ueberzugshaut der Eingeweide, ist also
gleich der Schale der dem Gasteropteron nächst verwand-
ten Gattung Doridium , eine innere. Indess ist sie nicht
auf den engen Bezirk beschränkt, den ihr d. Chiaje an-
weist, indem sie vielmehr in ‚fast continuirlicher Ausbrei-
tung die ganze Visceralmasse umhüllt und nach vorn gegen
den Kopf zu, genau so weit wie der Mantel zu reichen
schein. Da nun der Mantel auf der Rückseite bis zur
Basis des Fühlerlappens sich erstreckt, auf der Bauchseite
dagegen schon in einiger Entfernung hinter dem Kopfe,
sich der Ueberzugshaut der Eingeweide dicht anlegt, so
muss wohl die Mündungsebene der häutigen Schale in einer
gegen die Achse des Kopfes geneigten Richtung, von oben
und vorn nach unten und hinten herabsteigen.
Ueberraschend ist nun, dass diese in einem so gros-
sen Bezirke als bloss zarte Membran erscheinende Schale,
zuletzt plötzlich in eine äusserst kleine, gewundene, kal-
kige Spitze ausläuft. Es liegt diese Spira rechterseits auf
der Visceralmasse und zwar der Bauchseite näher, in einer
Linie etwa, die in senkrechter Fortsetzung nach oben, auf
Archiv f. Naturg. Jahrg. XXVI. Bd. 1. 5
66 Krohn:
den After treffen würde. Sie besteht aus circa anderthalb
Umläufen mit rascher Erweiterung gegen die Mündung hin
(s. Fig.1 u. 2), ist von der Durchsichtigkeit eines leicht
angeschliffenen Glases, durch die Anwachsstreifen zierlich
quergestreift, und misst ihrem längeren Durchmesser nach,
ungefähr einen halben Millimeter. Ihre Stellung ist so,
dass der Mündungstheil nach oben, die Rückseite nach hin-
ten sieht *).
Dicht hinter der Spira liegt der nach vorne umge-
schlagene Endlappen der Leber, in der Gestalt eines nie-
drigen pyramidalen, über die Oberfläche des Eingeweide-
pakets vorspringenden Wulstes, dessen Spitze nach vorn
und etwas nach oben gewendet ist. Es ist das, wie mir
scheint, eine schwache Andeutung jener spiraligen Drehung,
die der Visceralmasse bei den übrigen Aceren in höherem
Grade eigen.
Gelegentlich sei hier angeführt, dass dicht unter dem
After eine sehr deutliche, bisher übersehene kleine Oeff-
nung sich findet. Sie scheint direkt in einen weiten, auf
der Rückseite der Visceralmasse, und zwar rechterseits über
den übrigen Eingeweiden gelagerten Sack zu führen, der
nach vorne zu bis in die Gegend des Herzens reicht und
dessen obere Wandung mit zahlreichen, niedrigen, in die
Höhle vorspringenden Querfalten versehen ist. Souleyet
erwähnt dieses Sackes als eines Organs von noch unbe-
kannter Bedeutung (l. c. p. 468. Pl. 26. Fig. 4 et 15. y).
Meiner Meinung nach, kann es nach seinem Baue und sei-
ner mulhmasslichen Ausmündung in der Nähe des Afters,
nur die Niere sein, während Souleyet eine verästelte
rothe Drüse, deren Function zu ermitteln bleibt, für die
Niere angesprochen hat.
Bekanntlich hatGegenbaur eine von Vogt in Nizza
*) Bei aller Verschiedenheit kommt die Schale von Doridium
mit der des Gasteropteron doch darin überein, dass ihre hinterste ge-
wundene Partie kalkig, die vordere grössere ganz häutig und nach
vorne hin gerade so weit als der Mantel, unter welchem sie verbor-
gen, zu reichen scheint (Cantraine, Malacol. mediterran. p. 73. Tab. 2.
Fig. 2. Mem. d. l’Acad. d. Bruxelles. Tom. 13).
%
Ueber die Schale und die Larve von Gasteropteron Meckelii. 67
beobachtete junge Schnecke, deren Entwickelung vom Ei
bis zum Verschwinden des Segels verfolgt werden konnte,
auf Gasteropteron gedeutet. (Zeilschr. für wissensch. Zool.
Bd. 7. p. 162.) Diese Vermuthung ist, trotz des darauf ver-
wendeten Scharfsinnes , jetzt nicht mehr haltbar, aus dem
einfachen Grunde, weil die Schalenspilze von Gasteropte-
ron, wie oben nachgewiesen , spiralig eingerollt ist, wäh-
rend das von Vogt beobachtete Thierchen im Larvenzu-
stande, eine ganz gerade, konische Schale besitzt. Ich kann
nun noch weiter hinzufügen, dass die Larve von Gastero-
pteron auch in ihrer übrigen Bildung sehr abweicht.
Für die Larve eines Gasteropteron nämlich muss ich
jetzt, nachdem ich längere Zeit geschwankt, eine Cephalo-
phorenlarve halten, die mir in Messina im Winter 1853,
zweimal zur Ansicht kam, beide Male auf derselben schon
weit vorgerückten Entwickelungsstufe. Folgendes ist eine
treue Zusammenstellung dessen, was meine damaligen No-
tizen über dieselbe enthalten.
Der lebhaft rothgefärbte Leib ist mit einer spiraligen,
aus anderthalb Windungen etwa bestehenden, glashellen,
dünnen Conchylie bekleidet. Am Kopfe lassen sich ausser
dem aus zwei länglichen; Hälften bestehenden Velum, die
beiden schwärzlichen Augen und im Vorderleibe die Hör-
kapseln, jede einen einzigen grossen, sphärischen Otolithen
enthaltend, unterscheiden. Die Radula des Zungenvor-
sprungs scheint mit vier Längsreihen hakenförmig umge-
bogener Zahnplältchen bewehrt. Vor allem aber fällt an
der, Bauchseite ein mächtiger, rundlicher , flacher: Lappen,
der zu den Seiten und hinten weit über den Leib vorragt,
in die Augen. Er ist gelblich gesprenkell, sonst aber
farblos, und läuft am äussersten Hinterende in einen ganz
kurzen Zapfen oder Zipfel aus, dessen Spitze einzelne län-
gere Cilien trägt, während der ganze Lappenrand mit fei-
neren Wimpern besäumt ist. Obwohl dieser Lappen aus-
ser in der Geslall auch in Bezug auf die Anordnung der
Muskulatur, mit der Flosse der Pteropoden, namentlich der
Gallung Tiedemannia, übereinzukommen scheint, so sahe
ich ihn doch nie nach Art.der Flossenflügel sich bewegen.
Gewöhnlich ist er so um die Schale herumgeschlagen, dass
68 Krohn: Ueb. d. Schale u. d. Larve von Gasteropt. Meck.
er sie verdeckt, und nur selten sieht man ihn wagerecht
ausgespannt. Die Larve bewegt sich nur mittelst des Segels.
Hiernach wird man wohl nicht anstehen, meiner An-
sicht, dass diese Larve ein Gasteropteron sei, beizupflich-
ten. Es sprechen zu ihren Gunsten, um nur das Haupi-
sächlichste hervorzuheben , der bereits stark ausgebildete,
wenngleich noch unthätige Schwimmfuss, ferner die in Ge-
stalt und Beschaffenheit mit der Schalenspitze ausgewach-
sener Thiere übereinstimmende Schale, endlich die rothe
Leibesfarbe *).
Somit ist denn die Abkunft des überaus merkwürdi-
gen Nizzaer Weichthiers, das nicht nur die Schale vor dem
Erscheinen der inneren Organe abstreift, sondern auch
seine ganze Entwickelung noch innerhalb der Eihülle durch-
läuft, wiederum in Frage gestellt.
Erklärung der Abbildungen.
Fig.1. Schalenspitze oder Larvenschale des Gasteropteron, grössten-
theils Profilansicht.
»„ 2. Dieselbe, grösstentheils in der Rückenlage.
Bonn, den 6. Februar 1860.
*) Die oben mit so vielem Nachdruck betonte Nichibetheiligung
des Schwimmfusses an der Locomotion mag doch wohl nur temporär
sein. Denn bei allen Cephalophoren ist das spätere, meiner Ueber-
zeugung nachüberall homologe Locomotionsorgan, sei es Kriech-
fuss oder Flosse, in den vorgerückteren Entwickelungsstadien schon
befähigt, zu Zeiten in Function zu treten.
Tetrapedos, neue Sauriergattung.
Von
Prof. Jan
in Mailand.
Briefliche Mittheilung an den Herausgeber.
(Hierzu Taf. Il. Fig. 4—12).
Die beifolgende Zeichnung stellt einen höchst interes-
santen Saurier dar, der unbezweifelt ein neues Genus bildet,
welches in die Nähe von Hysteropus zu stellen ist. Da
dasselbe vier ruderförmig gebildete Füsse hat, so nenne
ich dasselbe Tetrapedos *), und die Art, dem Dr. An-
drew Smith zu Ehren, Tetrapedos Smithü, da derselbe
im Sinne hatte die Ceylonischen Reptilien zu bearbeiten,
wie aus der Vorrede von Kelaart’s Prodromus Faunae zey-
lanicae p. V hervorgeht.
Die Abbildung, welche ich liefere, ist so genau, dass
eigentlich jede Beschreibung überflüssig ist. Ich beschränke
mich daher darauf, die Gattungscharaktere hervorzuheben,
welche zum Unterschiede von Hysteropus folgendermassen
gestellt werden können:
Tetrapedos. Vier zehenlose, kurze, ruderförmige
Füsse; Schuppen glatt; vor dem After keine Poren; zwei
sehr kleine Ohröffnungen; unten ein deutliches Augenlied,
welches sich über das Auge zieht, das obere Augenlied
kaum angedeutet; die mit dichten Schuppen besetzte Zunge
legt sich in eine Vertiefung des Gaumens, welcher an die-
ser Stelle rhomboidal erscheint; keine Gaumenzähne.
*) zundög palmula remi, gubernaculum.
70 Jan: Tetrapedos, neue Sauriergattung.
Die Farbe dieser Echse ist eisengrau, unten lichter
ins Gelbliche spielend; die Schuppen haben dunklere Schat-
tirungen. Am Körper sind 24, am Schwanze 20 Schuppen-
reihen vorhanden.
Fig. 4 stellt ein Exemplar in natürlicher Grösse dar.
Der im Verhältniss zur Grösse des Thieres sehr lange
Schwanz zeichnet Sich durch seine cylindrische Form und
sein stumpfes Ende aus, und unterscheidet die Gattung von
Heteropus, bei welcher Gattung der Schwanz spitz zuläuft.
Bei einem anderen Exemplare ist der Schwanz viel kürzer,
weil der Schwanz nachgewachsen ist, wie man deutlich an
der Beschuppung desselben erkennt.
Fig. 5 zeigt den Kopf im Profile mit Mundspalte, Nas-
loch, Auge und Ohröffnung.‘ Es sind eigentlich nur drei
Labialschilder vorhanden, wovon das erste sehr lang ist.
Fig. 6 zeigt die Beschildung der Oberseite des Kopfes.
Fig. 7 ebenso die Unterseite‘ des Kopfes.
In Fig. 8 sind die Schuppen vergrössert. abgebildet,
um die Schatlirung derselben. anzudeuten.
Fig. 9 stellt den geöffneten Mund ‚mit der, schuppigen
Zunge und dem 'rhombisch vertieften Gaumen dar.
Fid. 10 zeigt die Afterspalte nebst den beiden Hin-
terfüsschen. |
Fig. 11 giebtiein deutliches Bild von einem Vorder-
füsschen. |
Fig. 12 ebenso von einem Hinterfüsschen.
Alle diese Figuren sind, mit Ausnahme von Fig. 4 ver-
grössert ; die daneben befindlichen Linien zeigen die na-
türliche Grösse an.
Das Vaterland dieser Eidechse ist Ceylon. ; Exemplare
werden im Museum zu Mailand aufbewahrt.
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden.
Von
Prof. Dr. Bd. Grube
in Breslau,
Fünfter Beitrag (s. dieses Archiv Jahrg. 1846. 1848
und 1855).
(Hierzu Taf. III—V.)
Polynoe Sav.
R P. clypeata Gr. Taf. III. Fig. 1.
Eumolpe squamata delle Chiaie Memor. IV. tab. LVI.
fig. 8. 17.
Corpus oblongum, posteriora versus haud attenuatum,
margaritaceum, segmentis 27 supra stria media transversa
fusca vel brunnea, in confiniis macula minuta ornatis. Ely-
tra utrinque 12 ovalia, obsoleta, limbala, nitida, vix velnihil
imbricata, dorso medio anoque semper libero, papillis minu-
lissimis sparsa, pluribus maioribus rotundalis, saepe fuseis
nunquam fimbriata, e. primum ceteris paulo minus. Lobus
capitalis suborbiculatus , Sronte bifida, tentacula 3 ferente,
oculis ad marginem lateralem setis salis magnis, anlerioribus
a poslerioribus diamelros 2 distantibus. Tentaculum impar et
media tenuia, sub apice filiformi inflata, annulo fusco ornala,
impar arliculo basilari brevi, media processibus frontis insi-
dentia, illud dupla lobi capitalis longitudine vel longius,
haee lobo capitali paulo longiora, t. lateralia impari magis vel
multo magis prominentia, erassa (subtus dimidia lobi capi-
talis latitudine), sensim attenuata, papillis fililformibus e lon-
72 Grube:
gitudine ordinatis obsita. Cirri tentaculares, dorsuales, ana-
les t. mediis similes, superiores tenlacularium aeque ac t.
lateralia prominentes vel breviores, c. dorsuales articulo
basilari crasso insidentes setas vertrales plus minus exce-
dentes, c. ventrales sub apice tumiduli marginem pinnae
haud attingentes , c. anales dorsualibus proximis longiores,
longitudine tentaculi imparis. Setae dorsuales , fascieulum
minutum componentes pallidae, brevis, lineares, leniter ceur-
valae, seriebus arctis spicularum minimarum asperulae, s.
ventrales allerum tanlum magis prominentes, fulvae, duplo
forliores, rectae, sub apice antrorsum incurvo, satis longo,
simpliei, paulo sinuatae, dentibus longioribus utrinque fere
12nis, arctis servatae.
Long. 9 lin. (interdum 18 lin.), lat. max. cum setis
3,5 lin. (5 lin.).
Vorkommen im Mittel- und adriatischen Meere und bei
den Seilly-Inseln.
Diese Art, die bisher mit P. squamala zusammenge-
worfen ist, unterscheidet sich von ihr durch die beständig
ungefranzten, gleichmässig ovalen Elytren, die am ge-
streckten lebenden Thiere nicht einmal immer die vor und
hinter ihnen gelegenen erreichen, an Weingeistexemplaren
letztere gewöhnlich überdecken. Lepidonotus Wahlbergi,
L. Johnstoni und L. striatus Kinb. haben zwar ungefranzte
Elytren, sollen aber glatte seitliche Fühler besitzen , wäh-
rend sie bei unserer Art mit feinen meist in 6 oder meh-
reren Längsreihen stehenden Fäserchen besetzt sind. Die
Länge der Fühler variirt bei verschiedenen Exemplaren,
ja sogar die Form der äusseren Fühler, die mitunter schlank
und gleich den anderen unter der Spitze angeschwollen
sind; jedenfalls aber würde unsere Art zu der Gattung
Lepidonotus Kinb. zu rechnen sein. Oersted’s sogenann-
ter innerer Baucheirrus hat bei unserer Art die Form einer
ganz kurzen stumpfen Papille und fehlt den vordersten 7
oder 8 Rudern.
u P. areolata_Gr. Taf. III. Fig. 2.
Corpus oblongum, posteriora versus attenuatum, seg-
menlis 57, supra carneis, sublus coeruleo griseis, stria me-
ur
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 73
dia longitudinali maxime splendente. Elytra utrinque 15
imbricata, dorsum omnino, selas magna ex parte tegentia,
ex reniformi subtetragona, margine posteriore et externo
dense fimbriatis, parte anteriore supra albida, margine ex-
cepto dense verruculala, posteriore (libera) fusca, areolata
areolis rhombieis et hexagonis, marginem versus magnitu-
dine erescenlibus, crista humili in spinam exeunte armalis,
e. posirema angustiora, minus spinosa, e. primum orbicula-
tum , circumeirca spinosum et fimbriatum. Lobus capitalis
suborbiculatus, fronte bifida , tentacula 3 ferente, oculis ad
marginem lateralem sitis, anterioribus a posterioribus plus
diametros 3 distantibus. Tentacula sub apice haud tumida,
media sub processibus frontis et impari alfıxa, Jaevia, lon-
gitudine lobi capitalis, dimidia imparis, impar floccosum,
lateralia fusca vix floccosa, aeque cum impari prominentia,
subtus dimidia lobi capitalis latitudine angustiora. Cirri dor-
suales floccosi, forma t. imparis, selas paulo excedentes, ar-
ticulo basilari nigro, ventrales tenuissimi. Selae dorsuales
numerosae vix curvalae, divaricalae, pectinibus spinularum
obsilae, saepe sorde tomentosae, s. venlrales vix fortiores
sub apice brevi bidente paulo latiores dentibus utrinque
12nis, minus arclis serrulatae dorsualibus paulo magis pro-
minentes.
Long. 9 lin., lat. max. cum setis plus 3 lin.
Vorkommen im Mittel - und adriatischen Meere.
An keinem Exemplare waren die Fühler- und After-
eirren, selten ein Rückeneirrus oder der unpaare Fühler
erhalten. Diese Art würde zur Gallung Harmothoe Kinb.
gehören, ähnelt mehr der H. scabra als der H. spinosa Kinb.,
welcher die flockigen Rückeneirren und der flockige un-
paare Fühler fehlt, unterscheidet sich aber von beiden
durch die gefelderten mit spitzen Kielen versehenen Ely-
tren. Von allen Arten des Mittelmeers scheint die Eumolpe
scutellata Risso’s *) die einzige nahe stehende, sie soll aber
nur 12 Paar Elytren besitzen, diese die Mitte des Rückens
*) Hist, naturelle des produetions de l’Europe möridionale Tom.
IV. p. 414.
74 Grube:
nicht‘ decken, die Farbe des Körpers soll braunroth schwarz-
gefleckt sein.
Der innere Baucheirrus verhält sich wie bei der vo-
rigen Art.
Spinther Johnst. Char. emend.
Corpus ovale dorso plus minus convexo, segmenlis mi-
nus numerosis. Lobus capitalis ironte incisa ut cetera
segmenta ulrinque serie setarum dorsuali et processu late-
rali, setas uncinalas gerente munilus. Cirri, branchiae nulla.
Ocul 4 circa lubereulum tentaculumve, segmento buccali
insidens, collocali. Os inferum , prope marginem anlicum
silum, parvum; pharynx ewsertilis brevis, semitubulosa, sub-
tus cava. Anus poslicus.
Intestinum vectum planatum.
7 Sp. miniaceus Gr. Taf. Ill. Fig. 3.
Corpus ovale, postice paulo magis attenuatum, minia-
ceum vel einnabarinum cute tenuissima, segmentis minus
dislinctis 18 ad 22. Setae dorsuales tenerrimae, antrorsum
curvatae, simplices apice truncato-bicuspide, ordines trans-
versos simplices componentes, a dorso medio usque ad
marginem pertinentes, membrana tenerrima quasi muco con-
iunctae, marginem versus longiores, processus segmentorum
laterales teretes, obtusi, subeoniei, longiores quam crassi,
setis compositis uncigeris 2 forlioribus armati, unco ma-
xime curvalo. dUirri, branchiae nulla. Oculi 4 circa ten-
taculum brevissimum locali, segmento buccali insidentes.
Os inlerum, prope marginem anticum situm, parvum, pharynz
exsertilis semitubulosa , subtus cava, apicem versus paulo
attenuala, longiludine segmentorum 3 Anus poslicus.
Long. 2 ad 3 lin., lat. cum selis 1 lin.
Bei Triest an rothen Schwämmen gefunden.
Die Gattung Spinther wurde von Johnston 1845 *)
(Ann. of nat. hist. Vol. XVl. p. 9) aufgestellt und eine Art
Sp. oniscoides nach einem einzigen in der Belfastbay ge-
fundenen und ihm in Weingeist zugeschickten Exemplare
ebenda beschrieben und pl. Il. fig. 7—12 abgebildet.
Be
e-
b
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 75
Er sagt selbst, dass seine Beschreibung nicht vollständig
sein könne, und ich darf daher weder auf alle seine ein-
zelnen Angaben noch alle seine Figuren ein zu grosses
Gewicht legen; so giebt er zwar die Form der Borsten
übereinstimmend mit seinen Nachfolgern, aber weder Au-
gen noch Fühler an; er beschreibt den Borstenhöcker des
Seitenrandes so auflallend anders , dass man vermulhen
muss, er habe eine andere Art vor sich gehabt, oder an-
nehmen, dass das von mir beschriebene Thier nur zu einer
verwandten Gattung gehöre. Fünf Jahre später führte Sars*)
in seiner Ausbeute von der Lofodenreise eine Annelide
unter dem Namen Oniscosoma arcticum auf, welche so
sehr mit der meinigen übereinstimmt, dass ich beide für
identisch halten müsste, wenn auch an ihm die intensiv-
rothe Färbung wie an dem meinigen beobachtet wäre, doch
schweigt gerade darüber die Beschreibung gänzlich **), Sars
giebt 20 Borstenreihen und nur 2 Formen 'von Borsten an,
zweizackige und sichelförmige, ohne sich näher darüber
auszulassen, ob letztere zusammengesetzt oder einfach
seien. Die haarförmigen von Johnston abgebildeten wer-
den nicht erwähnt, die Grösse des Thiers nicht angeführt.
Vor kurzem endlich lehrt uns Stimpson in seinen Marine
Invertebrata of grand Manan ***) einen neuen Ringelwurm
kennen , für den er die Gattung Cryplonota errichtet, in
dem ich aber wiederum einen Spinther oder ein Onisco-
soma erkenne, obwohl er nur zwei Augen gesehen hat
und auf die Form der Rückenborsten nicht näher eingeht.
Stimpson'’s Arl Cryptonota citrina ist wohl entschie-
den, auch wenn man von der Zahl der Augen absieht, nicht
die meinige, sie ist citronengelb gefärbt wie die Schwämme,
an denen sie vorkommt, hat eine Länge von 0,45 Zoll,
wogegen meine grössten schon mit Eiern angefüllten Exem-
plare nur 3 Lin. massen, und der Mund soll um Y/, der
Länge vom Vorderende abstehen. Johnston’s Spinther
®) Magazin for Naturvidenskaberne. 1850.
®#) Oniscosoma arclieum ist, wie ich so eben von Hm. Prof.
Sars erfahren habe, licht strohgelb, und daher wohl eine andere Art.
#*#) Smithsonian Contributions to knowledge. 1853,
76 x Grube:
oniscoides ist !/, Zoll lang und (ob erst im Weingeist so
geworden?) sahnegelb, hat etwa 30 Borstenreihen und
dreierlei Borsten, und eine sehr auffallende Form von un-
teren Borstenhöckern mit einem Cirrus, wenn dies anders
ein wirklicher Cirrus ist.
Von meiner Art kann ich nur sagen,.dass sie schwer
zu untersuchen und namentlich darüber schwer ins Reine
zu kommen ist, ob die Reihe der Rückenborsten durch eine
wirkliche Membran oder nur durch den zähen Schleim, der
auch den Körper bedeckt, verbunden ist. In diesen Rei-
hen habe ich durchaus keine haarförmigen Borsten auffin-
den können, wohl aber entdecke ich ein Paar etwas stär-
ker als haarförmige gerade in den Fortsätzen des Seiten-
randes, welche die zusammengesetzten Borsten mit krumm-
hakigem Anhange tragen; von letzteren ragt immer nur
eine und oft recht lang hervor, eine zweite kürzere ist im
Innern verborgen, Auch die Verhältnisse der Augen und
des äusserst kurzen Fühlers treten nicht immer gleich deut-
lich hervor, die Leibeswand ist so dünn, dass man'sie bei
der Untersuchung nur zu leicht verletzt und das Thier
zerstört, aus dessen Leibeshöhle dann eine Menge mennig-
rother Eierchen hervordrangen. Indem ich die Leibeswan-
dungen nun vollends auseinander zerrte, gelangte ich zu
der interessanten Entdeckung, dass das gerade Darmrohr,
dem wahrscheinlich ein kurzer Magen vorhergeht und das
erst im 6. oder 7. Segment beginnt, durch eine Menge ein-
facher dünner nicht ganz der halben Körperbreite entspre-
chender Coeca gefiedert ist; ich konnte jederseits deren 16
heraus präpariren, und zwar vereinten sich die vordersien
4 jederseits zu einem gemeinsamen in den Darm münden-
den Gange. Wenn dies Verhalten des Darmkanals ganz an
die Aphroditen und Polynoön erinnert, so weicht der Bau
des Rüssels, den ich nur einmal ausgestreckt gesehen habe,
entschieden davon ab; ich kenne kaum einen ähnlichen,
denn er ist wie eine und zwar auf der Unterseite offene
Halbrinne gestaltet, durchaus ohne Kiefer und ohne Papil-
len. Die. Eierchen, welche die Leibeshöhle vollkommen
erfüllten, waren mitunter in die Höhlung der borstenfüh-
renden Fortsätze. ‚des Seitenrandes getreten, und schienen
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 77
dort durch eine Oeffnung entweichen zu können. Sollten
die kuglig aufgeschwollenen Cirren, die Johnston ab-
bildet, vielleicht in irgend einer Beziehung dazu stehen ?
Wenn endlich die länglich runde vorn hinter der Mundöff-
nung ausgeschnittene, sich nach hinten bis etwa in’s 6te
Segment erstreckende weissliche Masse, welche sich hier
in zwei lange bis fast ans Ende des Körpers laufende Fä-
den auseinander begiebt, und welche ich nur bei einem
Thiere durch die Bauchwand durchschimmern sah, wie ich
vermuthen muss, das Nervensystem ist, so lernen wir hier
eine für die Anneliden ganz neue Form kennen, welche
durch die ungemeine Verkürzung an das Nervensystem ge-
wisser Insektenlarven aber auch an die Dendrocoelen erin-
nert. Johnston stellt seine Gattung Spinther ohne Be-
denken zu den Aphroditeen, Sars möchte sie Euphrosyne
annähern, wenn ihr nicht die Kiemen fehlten. Ich würde
in dem blossen Mangel der Athmungsorgane, da wir doch
auch die Lumbriconereis nicht von den Eunicen und Dio-
palren trennen, kein Hinderniss erblicken, mich aber we-
gen dieser Form des vermuthlichen Nervensystems und
Darms dafür entscheiden, doch nur vorläufig diese Anne-
liden den Amphinomeen anzureihen, bei denen sonst nirgends
zusammengesetzte Borsten vorkommen, denen sie aber am
meisten im ganzen Habitus entsprechen.
Amphinome Brug.
A. incarunculata Peters.
Corpus vermiforme, gracilius, sordide carneum, fere
alterum tantum Jatius quam altum, segmentis 119, supra in
longitudinem striatis, fere alterum tantum latioribus quam
longis. Lobus capitalis ex pentagono rotundatus, subtus os
versus sulco medio bipartitus, fronte integra truncata ; ten-
taculum impar longitudine lobi capitalis, proxime marginem
frontalem inter oculis anteriores oriens, eum longe exce-
dens, t. posteriora (inferiora) impari breviora, anteriora
brevissima limbo frontali coniuncta. Caruncula minima, ova-
lis, margine integro, parti postremae lobi capitalis insidens,
ne primum quidem segmentum tegens, Segmenta buccalia 4.
78 Grube:
Setae albae apice simplici, nec bidente, nec crenulato, s.
fasciculi dorsualis plus minus sursum vergentes, ventralibus
paulo tenuiores, multo longiores, magis numerosae, ventra-
les a latere protentae, paucae. (irri dorsuales branchiis
alterum tantum longiores, setis suis paulo breviores, ec. ven-
trales brevissimi, verrucaeformes. Branchiae cirratae filis
brevibus simplieibus vel a basi bifureis, nec medium dor-
sum nec proximas atlingentes, a segmento 3io ineipientes.
Long. 3 une. 7,5 lin., lat. cum tuberculo setarum ven-
tral. 2,5 lin.
Das untersuchte Exemplar, das dem Wiener Univer-
sitätsmuseum gehört und aus Westafrika stammt, weicht in
einigen Stücken von Peters’ Beschreibung ab, unterstützt
aber di®Aulstellung seiner Art. Die Karunkel ist so win-
zig, dass sie wenig in’s Auge fällt.
A. stylifera_Gr.
Corpus vermilorme, angustum, allerum tantum latius
quam altum, carneum, segmentis 142, mediis duplo latiori-
bus quam longis. _Tentacula paene aeque longa. Carun-
cula ovalis, ut A. complanatae segmenla 3 legens. Segmenta
buccalia 4. Setae nec crenulatae nec denliculatae: s. fasci-
culi dorsualis numerosae, breves cirrum suum circumdantes,
sursum spectantes, flavidae apice simplici ; ventrales paulo
crassiores, a latere protentae, parallelae, fasciculum tenuem
styliformem componentes, albae apice, bidente fusco corneo.
Cirri dorsuales fusei, selis suis multo longiores, saepe gy-
ris 2adscendentes, c. ventrales dimidia setarum ‚suarum lon-
gitudine. Branchiae fuscae,, ut in A. complanata_ confor-
matae, ramosae slirpe brevissima, setis dorsualibus longio-
res, cirro breviores, segmenti lmi nullae. ‚
Long. 10,7 unc. lat. max. 3,5 lin., cum setis 4,5 lin.
‚ Das Exemplar , das dieser Beschreibung zu Grunde
liegt, gehört dem Wiener Universitätsmuseum, dem es. ‚ohne‘
Angabe des Fundortes zugekommen ist. Besonders eigen-
thümlich ist das Ansehen der unteren Borstenbündel.
Staurocephalus Gr. Char. emend.
Corpus vermiforme, segmentis' minus numerosis, eir-
A a TEE TE
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 79
ris ani 4. Lobus capitalis ex quadrangulo vel pentagono
rotundatus, oculorum paribus 2, tentacula lateralia utrinque
2, inferiora laliora, apiee rotundato. Segmentum buccale
nudum, pharynz exsertilis maxillis maioribus 2, planilie lata
fundo oris adiacentibus, sese tangenlibus, ordinibus longi-
tudinalibus minorum 4 armata. Pinnae uniremes, in lingu-
las 2 exeuntes, cirro dorsuali el ventrali munilae, faseicu-
lis setarum 2; selae simplices et compositae. Branchiae
nullae.
7 St. rubr ovittatus Gr. Char. emend.
Corpus brevius vermilorme, supra leniter convexum,
subtus planum , segmentis 52—10 vitta dupliei coceinea or-
nalis, mediis 5-es vel 6-es latioribus quam longis. Lo-
bus capitalis ex quadrato rolundalus, fronte arcuata, lon-
giludine segmentorum proximorum 2, Jatitudine '/, eorum
zequanle, ocul fusci rotundi, quadrali (antice dilatati) in-
star locali, anteriores maioris; tenlacula 4, utrinque 2, an-
teriora margini laterali aflixa, maiora, lata, lobiformia apice
rolundalo, latitudine lobi capitalis longiora, posteriora a
margine paulo remola, superiora, breviora, angusliora, basi
ab oculis anterioribus ad posteriores patente. Segmentum
buccale nudum, proximo paulo longius, plus minus distinete
biannulum; mazillae maiores inferiores 2, elongatae subtri-
angulae margine anteriore interiore teniter rolundato sub-
tilissime serrulato, maxillae alteri adiacente, postice longe
acuminalae, divergentes, m. celerae minulae utrinque series
longitudinales 2. componentes ereclae, triangulae, altiores
quam latae marginibus longis dentibus 2 acute serralis, se-
riei interioris 28, exterioris, poslice in laminam oblongam
transeuntis, 21. Pinnae uniremes, cum cirris %,—'/, lati-
tudinis corporis aequantes, in lingulam superiorem et infe-
riorem exeurrentes fascieulis setarum 2; selae tenerrimae
fr superioris pawsae (5nae ad 8nas) capillares, tum aculis-
simae lum oblusae, inferioris numerosae (ad 24nas) brevio-
res, compositoe, faleigerae, appendice quasi faleiformi an-
guslissima, acie recla, apice bidente limbalo; acicula 1.
Cirrus dorsualis lingulam superiorem paulo excedens, inter-
dum subnodulosus , ventralis pinnae magis appressus, ea
80 Grube:
paulo brevior, illo crassior. Cirri ani 4, superiores longio-
res, latitudinem segmenti postremi aequantes.
Long. 0,55 unc. (speciminis contracti segmentorum fere
70) lat. 0,55, cum setis 0,12.
Exemplare von 0,1 Zoll Länge hatten nur 25 Segmente.
Im adriatischen Meere bei Triest, Fiume und Cherso
gefunden.
Die zuerst von mir im Archiv für Naturgeschichte
Jahrg. XXI. p. 97 gegebene Beschreibung dieser Annelide
war nach einem unvollständigen Exemplare entworfen und
enthält mehrere unrichtige Charaktere. Indem diese hie-
durch beseitigt werden und nun auch die Beschaffenheit
der Kiefer ermittelt ist, unterliegt keinem Zweifel, dass
letztere uns bestimmen muss, die Gattung Staurocephalus den
Euniceen anzureihen. Ihr ganz nahe steht Anisoceras Gr.
Oerst. *), vielleicht nur als Untergattung aufzustellen, und
nicht mehr generisch zu trennen; der Bau der Ruder, des
Kopflappens, die Gestalt der Borsten ist dieselbe, nur sind
die Fühler länger, die unteren waren bei Anisoceras rubra
spiralig aufgerollt, die oberen bei A. vittata und bioculata
nach aussen von den vorderen Augen sitzenden rosenkranz-
förmig gegliedert, aber auch bei einigen Individuen meines
Staurocephalus, bei dem die oberen Fühler hinter den vor-
deren Augen sitzen, zeigt sich mindestens eine Andeutung
davon, obwohl bei der Kürze dieser Organe nur zwei Ein-
schnürungen wahrnehmbar sind; etwas ähnliches nur in
noch schwächerem Grade zeigen manche Rückencirren von
St. rubrovittalus, wenigstens setzt sich die Spitze etwas ab:
in den Oersted’schen Handzeichnungen von A. vittata und
bioculata tritt dies deutlicher hervor. Jedenfalls aber liegt
in der Anordnung des Kieferapparates eine Verschiedenheit.
Zwar finden wir überall ein Paar auf dem Boden des Rüs-
sels liegende plattgedrückte, am Innenrande theilweise ein-
ander berührende, mit dem schneidenden Rande nach vorn
gerichtete Stücke, l&vre inferieure Aud. und. Edw. bei Eu-
nice, Onuphis u. a., aber ausser dieser kommen bei St. ru-
*) Videnskabelige Meddelelser fra den naturhistoriske Forening-
1857. p. 34.
ein u
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 81
brovittatus vier Längsreihen kurzer emporgerichteter säge-
zähniger Kiefer vor, während bei Anisoceras rubra, soviel
ich erkennen konnte, statt dieser zwei schmale lange ge-
sägte Laden existiren; die Oersted’sche Zeichnung dieser
Theile von. A. bioculata ist nicht ganz entscheidend. Die
Abbildung Fr. Müller’s im, Archiv für Naturgeschichle
1858. tab. VI, die ich mir als Anisoceras zu bezeichnen er-
laube,; ähnelt den beiden von Oersted abgebildeten Arten
dieser Gattung: von dem dazu gehörigen Thier bemerkt
jedoch der Verfasser, dass seine Kiefer in etwa 100 ein-
zelne Zähne zerfallen, die in, vier Längsreihen geordnet
seien, ohne ‚jedoch anzugeben, ob die Ränder derselben
glatt, wie auf der Zeichnung von A. striata, oder sägeför-
mig, wie bei St. rubrooittatus sind. Was endlich delle
‚Chiaie’s Nereis Rudolphi betrifft, so habe ich schon an dem
oben erwähnten ‚Orte (p. 35) darauf aufmerksam gemacht,
dass sie sich den Anisoceras anschliesse; er spricht nur
von zwei Paar Kiefern, die man auch in der Abbildung
durch die Rückenwand des Vordertheils durchschimmern
sieht, und nennt die einen „gli uneini superiori ‚“ die an-
dern „mascelle inferiori;“* es wäre aber wohl möglich, dass
jene aus je zwei dicht an einander liegenden Bögen von
einzelnen auf einander folgenden Platten bestehen *).
Schliesslich muss ich noch hinzufügen, dass ich eine
Annelide von 0,1 Zoll Länge bei Triest erhalten habe, wel-
che so sehr mit Staurocephalus übereinstimmt, dass ich sie
für eine Jugendform dieser Gattung halten möchte, obschon
sie mancherlei abweichendes besitzt: namentlich waren die
vier Fühler gleich beschaffen und die unteren im Verhält-
nisse zum Kopflappen viel kleiner, letzterer so breit als
das Mundsegment mit breit gerundeter Stirn, an der wie an
den Fühlern einzelne zarte Haare sassen, — ich zähle an
dem Stirnrande etwa 15 —, von den Augen konnte ich
nur die hinteren erkennen, und diese standen weit hinter
den oberen Fühlern , die Kiefer schimmerten als schwarze
Bogenlinien dureh, von den 21 Ruderpaaren schienen dem
*) Memorie su la storia e nolom, degli anim. senz. vert. del
regni di Napoli. Vol, Ill. 1828. tab. XLII. fig. 19.
Arch, für Naturg. Jahrg. XXVI. 1 Bd, 6
82 Grube:
ersten die Borsten gänzlich 'zu fehlen, an allen vermisste
ich die Rückeneirren. Flimmerbewegung war an mehreren
Stellen des durchweg weisslichen Körpers sichtbar, näm-
lich in der Nähe der Ruder, am Stirnrande und an den
Fühlern, bei den ausgewachsenen Thieren habe ich sie
bloss am Vorderrande der unteren Fühler bemerkt. Eine
ähnliche Thierform bildet anch Oersted als Junges der
Anisoceras bioculata ab: auch hier fallen die Stirnhaare
und der Mangel der Rückencirren auf, doch sehe ich nur
zwei Fühlerchen.
Von der inneren Organisation der erwachsenen Stau-
rocephalus kann ich angeben, dass der Darm ein gerades
an den Segmentgrenzen etwas eingeschnürtes Rohr ist, und
dass es wenigstens drei Längsgefässe giebt, ein contracli-
les Bauchgefäss und zwei contraclile seitliche über der Ba-
sis der huder hinlaufende, welche mit jenem in jedem Seg-
mente durch Queräste in Verbindung zu stehen scheinen.
Die Farbe des Blutes war roth.
Phyllodoce Sars.
Ph. (Eulalia) macroceros Gr. Taf. Ill:
Fig. 4.
Corpus prasinum, utrinque valde attenuatum, segmen-
tis plus 88, triplo fere latioribus quam longis, linea trans-
versa subdivisis, mediis dupla fere longitudine et latitudine
ceterorum. Lobus capitalis suborbiculatus, fronte paulo pro-
ducta attenuata,, oculis area magna ovali fusca circumda-
tis 2. Tentacula 5 longitudine insignia, illo dimidio fere
longiora, impar in fronte ante oculos insertum, longitudine
segmentorum anteriorum fere 8, cetera haud breviora. Seg-
mentum buccale supra vix distinguendum. Cirri tentacula-
res utrinqgue 4, ei proximisque 2 albidis affıxi, artieulis ba-
silaribus crassis insidentes, inferiores s. 2di ceteris latiores,
oblique lanceolali , longitudine segmentorum 7 , (superiores
eiusdem segmenti haud conservati), ceteri filiformes, s. buc-
calis breviores, s. 3ii longiores, segmenta 11 aequantes,
pinna minima subiacente. Pharynz exertilis, quantum vi-
dere licuit, papillis filiformibus dense obsita. Pinnae (cum
.
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 85
selis) segmentorum anteriorum et posteriorum latitudinem
eorporis paene aequantes, mediorum ea breviores, cirri dor-
suales ex oblique cordiformi lanceolati, extrorsum inclinati,
e. ventrales horizontales reniformes extrorsum in apicem
producti, pharetrae setarum late lanceolatae, in apices 2 ex-
euntes, eirros ventrales vix excedentes, fasciculo setarum
bipartito, flabelliformi, setae fere 25-nae vel 30-nae, spi-
nilerae, stipite supra vix incrassato, spina sublus haud an-
gustiore, longa, leniter curvala.
Long. speciminis minoris 0,35 unc., longioris haud
completi (segment. 71) fere 1 unc. lat. cum setis 0,155 unc.
Gefunden im Quarnero.
Die Beschreibung ist, abgesehen von der Färbung, erst
nach der Aufbewahrung im Weingeiste gemacht. Diese Art
erinnert durch die Grösse der dunkeln Area der Augen,
an der vorn die eigentliche Pupille zu sitzen scheint, an
Ph. macrophthalmos Gr. Oerst., durch die grössere Breite
des einen Fühlereirrus an Ph. flavescens Oerst., doch sind
Beides Phyllodocen im engern Sinne, nicht Eulalien, be-
sitzen nur vier Fühler. Die Aftercirren waren nicht er-
halten.
»/ Ph. (Eulalia) punctifera Gr. Taf. III. Fig. 5.
Corpus albidum supra olivaceo -griseo vittatum, me-
dium versus fulvescens, viridi villalum, segmentis plus 105,
anterioribus triplo, medüs duplo fere latioribus quam longis,
his alterum tantum longioribus et latioribus quam illis. Lobus
capitalis ex cordiformi rotundatus, antice pellueidior, punctis
fuscis 2 ornatus, poslice vix ineisus, oculis 2 orbieulatis, dia-
metro Y/, latitudinis eius aequante, pupilla distincta ; tentacula
5 subulata, paria latiludinem eius aequanlia, impar paulo
brevius, frontem paululum excedens, inter oculos insertum.
Segmentum buccale supra vix distinguendum. Cirri tenta-
eulares utrinqgue 4, segmento buccali proximisque 2 affıxi,
albido hyalini, medio stria brunnea '/, longiludinis aequante,
ornati; longissimi (superiores s. 2di) duplam latitudinem
corporis vel longitudinem segmentorum 5 animalis vivi (9
alcohole servati) aequantes, ceteri dimidio fere iis breviores,
pinna ‚minuta posiremis subiacente. Pinnae (cum setis) la-
34 Grube:
titudine corporis dimidio fere breviores, cirris albidis, ple-
rumque puncto medio olivaceo ornatis. Cirri dorsuales
oblique cordiformes vel late lanceolati, vix petiolali, exiror-
sum spectantes. c. ventrales oblique lanceolati ; setae flabelli
instar expansae, spinigerae, ad 30-nas, stipite supra vix in-
crassato, spina subtus haud angustiore, longa, laevi, leni-
ter curvata, c. ani brevissimi, Jongitudine segmentorum
postremorum 2.
Long. vivae 1,2 unc., lat. max. cum eirris sitisque
0,1 unc.
Gefunden bei Cherso. {
Unter den bekannten Eulalien finden wir bloss noch
bei E. sanguinea herzförmige Rückencirren, über die Länge
ihrer Rückeneirren, die auch auf drei Segmente vertheilt
sind und die Gestalt ihrer Borsten ist nichts bekannt, doch
scheint die blutrothe Farbe sie hinlänglich zu unterschei-
den. Von den anderen Arten liegt die Vergleichung mit Ph.
(Eul.) sazicola Qfg.*) am nächsten; sie ist grünlich oder
röthlichweiss, vorn mitunter selbst braunroth, aber die Rü-
ckeneirren nicht herz-, sondern stumpf- und breitblatt-
förmig und deutlich gestielt, die Fühler viel kürzer als der
Kopflappen breit, der unpaare weit vor den Augen ange-
setzt und äusserst kurz, endlich die Grätenanhänge der
Borsten ‘an der Schneide fein gesägt.
x Ph. albo-vittata Gr.
Corpus supra albo et brunneo transverse vittatum,
linea media longitudinali fusca, albo interrupta, subtus fus-
cum, segmenlis c. 60 triplo fere latioribus quam longis, me-
dium versus magniludine crescentibus. Lobus capitalis sub-
orbiculatus, fronte late rotundata, postice vix ineisus, OCU-
lis ovalibus nigris 2, diametro */, fere latitudinis eius.
Tentacula 4 alba, longitudine lobi capitalis. Segmentum buc-
cale supra vix distinguendum. Cirri tentaculares utrinque 4,
ei et segmento 2do alffıxi, albi, articulo basilari brunneo,
ut tentacula anguste-lanceolati, longe acuminali, superiores
longiores latitudinem paene duplum segmenti sui aequantes.
Pinnae cum setis dimidiam fere segmentorum latitudinem
*) Guerin Mag. de Zoolog. 1843. Annelid. p.2. pl.1.
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 85
aequantes. Cirri dorsuales ex cordiformi ovales erecli,
dorsum liberum linquentes, brunnei , apice obtuse albido,
c. ventrales obtuse trigoni, iis multo minores, albidi, pha-
retras setarum paulo excedentes; setae haud numerosae,
fere 8nae, spinigerae, stipite supra incrassato, spina bre-
vissima, angustissima. Cirri ani lanceolati, tentacularibus
minus acuminali.
Long. 0,3 unc., lat. cum setis 0,1 unc.
Gefunden bei Martinsica (Fiume), 1 Exemplar.
Phyllodocen mit herzförmigen Rückeneirren sind sonst
noch Ph. laminosa, Ph. Rathkii und Ph. flavescens Oerst.
(Parelti), bei allen dreien sitzen die Fühlereirren an drei
Segmenten und haben eine fadenförmige, nicht eine schmal
lanzett- oder spindelförmige Gestalt, bei Ph. flavescens sind
sie weniger zusammengedrängt, der obere des 2ten Seg-
ments ebenfalls schmal lanzettförmig, aber der Handzeich-
nung nach, aus der ich die Art allein kenne, fast viermal
so lang als sein Segment breit, die andere fadenförmig und
fast dreimal so lang als die übrigen breit, Leib und Rük-
kencirren sind hellgelb , Fühler und Fühlereirren grünlich,
die Basis des hintern Fühlereirrus und die ersten drei Rük-
keneirren braun.
Syllis Sav.
/S. variegata Gr. Taf. III. Fig. 6.
Corpus ex griseo brunnescens, nitens, cute crassiore,
segmentis fere 120, nonnullis anteriorum supra figura trans-
versa rotundata, brunneo limbata, medio coarctala ornalis,
mediis (animalis alcohole servati) 5-plo , celeris 4-plo et
3-plo latioribus quam longis. Lobus capitalis rotundato-tri-
angulus, segmentis proximis nunc quidem haud angustior;
tori frontalis ad basin coniuncti, eo '/, vel '%, longiores,
cum eo segmenta 5 aequantes, oculi 4 figuram lale telrago-
nam exhibentes anteriores paulo maiores, paulo latius di-
stantes; tentacula ut cirri tentaculares et dorsuales monili-
formes, impar dupla tororum longitudine, inter oculos an-
teriores inserlum, a fronte remotum articulis fere 24, pa-
ria eo 'y, fere breviora, articulis 15 vel 17. Cirri tentacu-
lares superiores et dorsuales segmenti 2Ji impari haud minus
86 Grube:
prominentes, illi articulis fere 22, hi, omnium longissimi 27.
Cirrorum dorsualium singuli tantum anteriores et posteriores
latitudinem segmentorum aequantes, medii plerumque lali-
tudine dimidia breviores. articulis fere 15. Pinnae cum
setis /, fere latitudinis corporis aequantes vel breviores,
selae 8-nae, quasi faleigerae, falei rectaacie haud concava,
apice simplici, haud bidente. |
Long. (animalis alcohole servati) 0,5 unc., lat. cum se-
tis 0,04 unc.
Gefunden bei Cherso, 1. Exemplar.
Die Rückenzeichnungen, die man freilich nur an eini-
gen vorderen Segmenten sieht, stellen ein braunumschrie-
benes breitgezogenes in der Mitte stark eingezogenes Oval,
fast von Brilenform, dar.
IS. sebraGr. Taf. II. Fig. 7.
Corpus ut tentacula eirrique albicans , segmentis plus
190, anterioribus supra stria iransversa brunnea dupliei
ornatis, altera in confinio sita, margines laterales atlingente,
altera media, breviore, s. anterioribus et mediüs 6- vel 7-plo,
posterioribus 3-plo latioribus quam longis, haud breviori-
bus quam illis. Lobus capitalis ex orbiculato trapezoideus,
postice angustior excavatus segmento 2do fere Y, angu-
stior, longitudine proximorum 3; tori frontalis eadem fere
longitudine, longiores quam lali, a radice divergentes, oculi
4 trapezii lati instar locati, rotundi,' anteriores alterum tan-
tum maiores, vix latius distantes, posteriores paene tangen-
tes; tentacula arcte annulata, paria dupla tororum longitu-
dine, impar paribus 'paulo longius , inter oculos anteriores
insertum , artieulis ‚fere 30. Cirri tentaculares superiores
aeque ac t. impar, eirri. dorsuales segmenti 2di longius pro-
minentes, proximos longitudine non: superantes,, artieulis
plus 40. Cirri dorsuales, dimidia segmenti sui crassitudine,
arcte annulati, anteriores latitudine eius longiores, prozimi
eam aeyuantes vel breviores; posteriores , (latitudine, seg-
mentorum per ‚se decrescente) iterum: longiores plerumque
cum brevioribus (fere, 20-articulis) sine lege alternanles:
Pinnae anleriores cum setis vix 1/; latitudinis' corporis ae-
quantes, posteriores paulo longiores, eirrö venlrales phare-
tram setarum paulo excedentes,, dimidia crassitudine eius,
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 87
selae sub-Snae, quasi falcigerae, falce brevi, acie recta,
apice bidente.
Long. 1,9 une. (segmenta postrema desunt), lat. max.
ad segm. 33mum cum setis 0,8 une.
Gefunden bei Cherso, 1 Exemplar.
Die Fühler, Fühlereirren und Rückeneirren sind so
kurzgegliedert, dass man höchstens noch die Spitze rosen-
kranzförmig nennen kann. Die Rückenzeichnung dieser
Art unterscheidet sie von der ebenfalls quergestreiften mit
dichtgegliederten Cirren versehenen S$. viltata, bei der an
den Segmentgrenzen selbst immer zwei lineare Querstreifen
dicht hintereinander und in der Mitte des Segments ein mit-
ten etwas verdiekter ebenso die ganze Rückenbreite ein-
nehmender vorkommen.
SA Sylline Gr.
Corpus, numerus tentaculorum, lobus capilalis, pinnae,
selae Syllidis generis, sed tori frontales inter se omnino
eoaliti, tentacula cirrique tentaculares et dorsuales haud ar-
ticulati, c. ventrales nulli.
u. rubropunctata Gr. Taf. Ill. Fig. 8.
Corpus vermiforme, gracile, vivae albidum , maculis
dorsi minutis laete aurantiacis per series longitudinales 2
vel 4 disposilis, segmentis 110—:124 triplo fere latioribus
quam longis. Lobus capitalis iransverse ovalis, sulco lon-
gitudinali divisus, maculis mediis 3, trianguli instar locatis,
auranliacis; tori frontales inter se omnino coaliti, subtus
tantum sulco lineari divisi, longitudine et latitudine lobi
capilalis, cum eo longitudinem segmentorum 3 aequantes,
oculi 4 nigri, rectanguli lali instar dispositi, anteriores paulo
maiores, vix paulo magis dislantes ‚ 'posteriores paene tan-
gentes; tenlacula ul cirri minime arliculata, anle oculos in-
serla , paria longiludine segmenlorum 9, impar non bre-
vius (?). Segmentum buccale supra vix dislinguendum :
eirri tentaculares dimidia tenlaculorum longitudine, inferio-
res haud visi. Cirri dorsuales pinnarum illos aequantes vel
breviores dimidiam corporis lalitudinem, pharetrae pinnae
fere '/, eius aequantes, c. ventrales nulli. Setae sub 12-nae,
flabellum componentes, tenerrimae, brevissimae quasi falci-
88 Grube:
gerae, stipite supra incrassato , curvato, falce paene recta,
minima, apice simplici.
Long. speeiminis segmentorum 110 fere 14 lin., (nunc
quidem 11 lin.), lat. max. cum setis 1 lin.
Gefunden bei Porto re. 2 Exemplare.
An beiden Exemplaren waren nicht alle vorderen An-
hänge erhalten, und der Ursprung der erhaltenen wegen
ihrer Brüchigkeit schwer zu unsersuchen, so dass hier eine
spätere Beobachtung leicht etwas zu verbessern hätte. Ein
Rüssel schimmert durch und zwar reichte der hintere hart-
wandige Theil vom 12ten bis 17ten Segmente. Der gänz-
liche Mangel der Baucheirren, verbunden mit der Verwach-
sung der Stirnlappen und dem Mangel der Gliederung an
den Cirren rechtfertigen die Sonderung' von den eigentli-
chen Syllis. Die Syllis macrocerus Gr. Oersd. *) könnte auch
dahin gezogen werden, wenn sie nicht deutliche Baucheir-
ren besässe.
Das eine Exemplar der S. rubropunctata zeigte vier,
das andere zwei Längsreihen von hoch orangerothen Fleck-
chen, sie kamen, soviel ich mich erinnere auf jedem, we-
nigstens der vorderen Segmente vor.
Spiophanes Gr.
Corpus vermiforme, subteres, segmentis brevibus. Lo-
bus capilalis segmento buccali penitus impressus, postice
altenuatus, tentaculo postico brevi 1, oculis nullis. Seg-
mentum buccale setis nudum, cirris tentacularibus 2 dor-
sualibus , labo capitali distentis. Pharynx exsertilis bre-
vis (2). Fascicui setarum utrinque distichi, e basi labii
foliacei progerminantes , segmentorum omnium subaequales,
nec vero in omnibus pariter locati, in prioribus dorsuales,
in ceteris ad latera descendentes. Setae simplices, un-
eini nulli.
Sp. Kroyeri Gr. ‚Taf. V. Fig. 1.
Corpus vermiforme, subteres, (animalis alcohole ‚ser-
vati) colore carneo, segmentis plus 66, duplo fere latioribus
*) Videnskab. Meddelelser fra.d. naturhist. Farening. 1857. p.’185.
rn u
Dre
Bu
Te
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 89
quam longis, anterioribus 5 longitudine et latitudine minore
inter se convenientibus, a ceteris differentibus. Lobus ca-
pitalis segmento buccali penitus impressus, s. 2dum attin-
gens, fronte truncata utrinque in processum brevem obtu-
sum exeunte, tenlaculum posticum 1, lobo capitali paulo bre-
vius, styliforme; oculi nulli. Segmentum buccale setis nu-
dum, proximis 2 (iunctis) paulo brevius; cirritentaculares 2,
dorsuales , parte lobi capitalis posteriore distenti , crassi,
longitudine segmentorum fere 3, sulco longitudinali exarati.
Fasciculi setarum utrinque distichi, e basi labii foliacei pro-
venientes, f. segmenti 2di et proximorum 3 utrinque omnino
dorsuales , labiis interioribus minoribus late lanceolatis, di-
midia latitudine inter se distantibus, exterioribus supra in
laciniam acuminatam. excurrentibus, f. ceteri ad parietem
corporis lateralem provecti, dorso latius libero, labiis utrin-
que sese tangentibus, superiore maiore, late lanceolato, in-
feriore in cristam humilem mutato, fasciculi superiores seg-
menti 19ni et sequentium plica dorsuali transversa coniuncli.
Setae simplices, fasciculi superioris capillares, leniter‘ cur-
vatae, altitudinem labii sui 'vix excedentes, flabelli instar
expansae, ad 7-nas , s. inferiores magis numerosae 'seriem
transversam componentes, breviores, paulo fortiores, fuscio-
res, 'splendidae, sinuatae.
Long. ad 0,750 unc. , lat. max. 0,055 une. (segmenta
postrema deerant).
Aus dem Meere von Grönland.
Die Beschreibung ganz nach einem Weingeistexemplare,
dessen Körper nicht vollständig war , woher die Frage, ob
er hinten in einige Fädchen, einen Kranz von Papillen oder
einen Napf ausläuft, nicht beantwortet werden konnte. Diese
neue. Gattung gehört jedenfalls in die Nähe, von Nerine
und Spio.
Heterocirrus Gr.
/B. frontifilis Gr. Taf. IV. Fig. 1.
‚Corpus vermilorme, subleres, segmentis plus 34, aeque la-
tis, Jongitudine erescentibus, anterioribus 15 vitellinis, ceteris
supra et subtus viridibus, latere vitellinis, aeque, latis ac
90 Grube:
longis, vel longioribus. Lobus capitalis rotundato-rhomboi-
deus, segmento buccali penitus impressus; oculi 4, anterio-
res maiores transversi subreniformes, posteriores punctifor-
nes, vix minus:distantes, illos paene tangentes. Segmentum
buccale frontem: lobi capitalis excedens, eirri tentaculares,
ante frontem allixi, basi sese tangentes, virides vase rubro
perlucente, longissimi, crassi, sulco exarati, in spiram laxe
adscendentem contorti, segmentis 14 longiores. Segmenta
proxima 3 branchifera, alterum tantum latiora quam longa.
Fila branchialia utrinque 3, margini laterati affıxa, paene
aeque longa, longitudine segmentorum fere 7, viridia, an-
teriora 4 basin versus vitellina. Tubercula seligera utrinque
disticha, minutissima ; sefae superioris capillares, anteriores
latitudinem corporis superantes, 3-nae, inter papillam supe-
riorem et inferiorem prodeuntes, setae t. inferioris breves,
duplo fortiores, leniter curvatae, 2-nae ad 6-nas, flabellum
componentes, 'papillis similibus, 4 adiacentibus, setae supe-
riores a segmento 5to, inferiores iam a 3io (i. e. 2do bran-
chifero) incipientes.
Long. animalis postice mutilati segmentorum 34 fere
0,8 unce., lat. sine setis 0,05 une.
Gefunden an Steinen bei Cherso. 1 Exemplar:
Unterscheidet sich schon durch den Ansatz der Füh-
lereirren von H. saxicola Gr. *).
Cirratulus Lam.
0. tenuisetis Gr. Taf. IV. Fig. 2.
Corpus vermiforme ex quadrangulo subteres, dorso
convexo, ventre plano angustiore brunneum, segmentis c. 270,
parte laterali setifera tori inslar incrassato, mediüs 5-plo fere
latioribus quam longis. Lobus capitalis a segmento buceali
sulco paulo separatus, cum eo conum obtusum componens,
oculis nullis. Segmentum 2dum nudum, longitudine 3-pla,
3ium (jam setigerum) dupla proximorum. Fila branchialia
*) S. Archiv, für Naturgesch. 1855. p. 108. In Bezug auf Hete-
roeirrus saricola muss ich noch hinzufügen, dass die Zahl der Kie-
menpaare zwar gewöhnlich auch auf drei beschränkt ist, bei man-
chen Exemplaren aber'auf vier und fünf steigt. aqu
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 9
in nullo segmento seriem transversam componentia, in sin-
gulis tantum (Anis — 1Onis nudis interiectis) vel in binis
ternisve visa alba, vase rubro perlucente; longiora (segmen-
torum 22di ad 38mum) 0,2 une. longa, cetera plerumque
dimidia tantum longitudine vel breviora. Setae superiores
et inferiores capillares, tenerrimae, fasciculos tenuissimos
componentes, ad confinia segmentorum posteriora prodeun-
tes, cum toris sensim descendentes, denique utraeque omnino
ventrales; s. superiores longiores, nunquam latitudinem seg-
menlorum superantes 12-nae, inferiores dimidio breviores,
3-nae ad 4-nas, initio in media tororum altitudine insertae;
uneini nulli.
Long. specim. aleohole servati 1,65 unc., lat. paene
0,5 (sine setis).
Cherso. 1 Exemplar.
Die Beschreibung ganz nach dem Weingeistexemplare.
Die Angabe der Färbung nach dem Leben.
Clymene Sav.
Sei leiopygos Gr. Taf. IV. Fig. 3.
Corpus vermiforme, subteres, utrinque attenuatum, ex-
tremitate poslica ipsa ilerum incrassala, segmentis plus 25,
ex subfusco carneis , ambitu horizontali 6-g0n0, zona setas
continente alba, omnibus (buecali et extremo excepto) setas
eapillares et uncinos aculeosve gerentibus, Iongitudine seg-
mentorum usque ad 3ium repente crescente, a4to ad 6tum
imminula ceterorum subaequali paulo maiore quam 6ti, po-
siremis 3 brevissimis, trapezoideis, latitudine maxima in
segmento 6lo et proximis 5 observata, sequentibus ad confinia
maxime coarctalis. Segmentum buccale paulo longius quam
latum, convexo-conicum nudum, Jabio oris poslico profunde
sulcato. Lamina fronlalis (lobus capitalis) eo multo angu-
slior, a latere haud prominens, '/; brevior, ovalis, integra,
minus dislincte eircumseripta, suleis longitudinalibus 2, po-
slico transverso iunclis. Fasciculi setarum capillarium et
lori uncinigeri segmenlorum anteriorum 8 ante medium, po-
steriorum 15 pone medium inserli; selae capillares tener-
rimae, fasciculos tenues componentes, dimidiam corporis la-
92 Grube:
titudinem aequantes, f. anteriores et posteriores ea paulo
longiores, uncini rostrati angulum rectum exhibentes, rostro
simplici, peclines componentes; segmentum 2dum pro uneinis
aculeo brevi singulo, 3ium aculeis 2 armatum, postremum
patelliforme, margine integro, ano coni medii instar pro-
minente.
Long. 1 une., lat. max. 0,055.
Cherso. 1 Exemplar. ;
Ich besitze von dieser Clymene zwei Bruchstücke, die
nicht ganz zusammen passen, so dass wahrscheinlich noch
ein kleines Mittelstück fehlt, das vordere hatte 9 Segmente
und mass 0,4 Zoll in der Länge, das hintere 16 und mass
0,6 Zoll.
Maldane Gr.
Corpus vermiforme, fasciculis setarum inferioribus to-
risque uncinigeris superioribus munitum , segmentis minus
numerosis, longioribus, ut Clymenes, medium versus lon-
gitudine crescentibus. Lobus capitalis a segmento buccali
minus distinctus, laminam frontalem referens. Segmentum
buccale nudum; pharynz exsertilis crassa ovata vel incras-
sata. Segmentum postremum nudum , haud infundibuli in-
star expansum, lamina ventrali instructum, ano dorsuali.
“ _M. glebifex Gr. Taf. IV. Fig. 4.
Corpus vermiforme, teres, posteriora versus sensim
attenuatum, pallide carneum, nitens, paulo iricolor, interdum
subtus brunneo adspersum, segmentis 21, (setigeris 19), prio-
ribus 5 aeque longis, %, tantum longioribus quam latis,
proximis subito longitudine crescentibus, alterum tantum et
duplo longioribus quam latis, posterioribus (a 15to) deere-
scentibus, biannulis ;, postremis 2 paulo tantum longioribus
quam latis. Segmentum buccale cum lobo capitali (laminam
superam frontalem referente) coalitum, nudum; lamina frontalis
valde inclinata, suborbieularis, anguste limbata, limbo utrinque
ineisura media bipartito, parte anteriore integra, posteriore
subtiliter crenulata, suleis longitudinalibus nullis. Pharynz
exertilis ovata vel antice incrassata, longitudine segmento-
rum priorum 2. Segmentum postremum in cuneum subtus
paulo convexum,, lamina' ventrali limbata munitum exiens,
e
i
;
METER GREEN
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 93
limbo utrinque semel inciso, ano dorsuali. Ordo setarum
et uncinorum inversus: lori uncinigeri superiores, faseiculi
setarum inleriores, deorsum spectantes. Tori oblongi, ante-
riores ceteris magis prominuli, uncini seriem simplicem com-
ponentes, rostrati, rostro simplici fusco, segmentorum me-
diorum ad 20-nas, ceterorum pauciores, Ss. penultimi et ultimi
nulli; setae capillares tenerrimae 4-nae ad 6-nas, ciliari-
serratae ex loris ipsis progerminantes, longiores latitudinem
eorporis aequantes, supra subtilissime serrulatae, breviores
laeves, segmenti ultimi nullae.
Long. maiorum 1,4 unc. ad 1,9 unc., lat. 0,05—-0,06.
Tubi membranacei , gracilitati corporis respondentes,
limo agglutinato valde incrassati, glebulas fusiformes vel
eylindratas ad 2 unc. longas, 8 lin. crassas referentes.
Bei Martinsica und Portore (2 Stunden von Fiume) hin
und wieder zahlreich auf schlammigem Meeresboden.
Kleinere Exemplare von 1 Zoll Länge hatten nur 15
Paar Borstenbündel, bei einigen war die Färbung mehr kup-
ferroth,, die Flecken der Bauchseite dunkler und zahlrei-
cher, besonders auf der Afterplatte.
So sehr diese Annelide das Gepräge der Clymenen an
sich trägt, musste ich sie doch schon wegen der Stellung
der Borsten zu einer besonderen Gattung erheben. Bei
allen Clymenen und Ammochares, wie bei den Terebellen,
Pectinarien, Arenicolen und ihren Verwandten, bilden die
Bündel der Haarborsten die obere, die Kämmchen der Haar-
borsten die untere Zeile, bei den Sabellen, Serpulen und
Sabellarien findet dies nur in dem vorderen Körpertheile
statt, während in dem hinteren längeren das Umgekehrte
eintritt, und bei Maldane finden wir den bisher noch bei
keiner Annelide beobachteten Fall, dass in der ganzen Länge
des Körpers die Haarborsten über den Hakenborsten stehen,
ja sogar nach unten gerichtet sind. Ausserdem bestimmt
mich dazu die dem Kopftheile ganz analoge Bildung des
Endsegments, an welchem nur umgekehrt die der Stirn-
platte entsprechende Platte an der Bauchseite liegt und den
an der Rückenseite befindlichen After von unten her nach
hinten überragt. Auch diese Platte ist schmal gesäumt und
ihr Saum mitten am Seitenrande etwas eingeschnilten.
94 Grube:
Ueber die innere Organisation kann ich folgendes mit-
theilen: Der verdauende Kanal ist ein gerades Rohr, an
dem. man einen vorderen nur drei Segmente einnehmenden,
den Rüssel, und einen hinteren ungleich längeren Abschnitt,
den eigentlichen Darm unterscheidet; jener wiederum be-
steht aus zwei Theilen, von denen sich beim Hervortreten
aus der Mundöffnung der erste umstülpt, und so. die Aus-
senwand des Rüssels bildet, der zweite in den ersten hin-
einschiebt, das innere Rohr des Rüssels darstellend.. Der
ausgestülpte Rüssel ist dicker als der Vordertheil des Kör-
pers, aussen durchaus glatt und ohne Wimperbesatz, das
Innenrohr dünn und von der Aussenwand bedeutend ab-
stehend, eingezogen erscheint er längsgeslreift und blutroth
gefärbt: Der eigentliche Darm. sieht gelb aus, nimmt im
leeren Zustande etwa ', der Leibesdicke ein und befestigt
sich hin und wieder durch fadenförmige Ligamente an die
Leibeswand. Man sieht an, seiner Wandung zwei bis zu
dem 'sechstletzten Segment. verfolgbare bläulich. rosenrothe
contractile Längsgefässe, die ansehnlichsten Stämme: .des
ganzen Gefässsystems , ein Rücken- und ein Bauchgefäss,
an denen aber keine Aeste in’s Auge fallen. Jenes con-
trahirt sich in. der Richtung von hinten nach vorn, dieses
umgekehrt, die Contractionen waren bei schwach gedrück-
ten Exemplaren nur; sehr langsam, dem Darme fehlte ebenso
das grobmaschige Gefässnetz als die beiden seitlichen leb-
haft pulsirenden herzarlig erweiterten Gefässäste der Are-
nicolen und Terebellen. Das Rückengefäss Lheilt sich hin-
ter der Stirnplatte in zwei Aeste, welche unter derselben
bis an den Vorderrand laufen und hier scharf nach ‚aussen
umbiegen. An den Seitenwänden des Körpers zeigt sich
ein kaum halb so dicker geschlängelter verästelter Längs-
stamm: er ‚spaltet sich vor jedem Borstenwulste gablig und
die Aeste der Gabel vereinen sich. wieder hinter demsel-
ben. Die Seitenzweige dieses Längsstammes bilden ein zar-
tes Gefässnetz für die Körperwandung, während einzelne
herabsteigende in ein zweites unterhalb des. ersten be-
findliches noch dünneres Längsstämmehen münden; der-
gleichen entspringen sowohl ‚von dem: ungetheilten Seiten-
stamme,.,als von ‚seinen Gabelästen. Ausserdem bemerke
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 95
ich noch zwei ganz: feine den ganz durchscheinenden Ner-
venstrang einfassende Längsgefässe ; doch konnte ich über
den Zusammenhang derselben mit den anderen, so wie über
das Verhältniss des grossen Bauch- und Rückengefässes
zu den übrigen aus Mangel an Zeit keine direkten Beob-
achtungen mehr anstellen. Dagegen sah ich noch in der
Leibeshöhle kleine graulich weisse Körnchen, deren Durch-
messer etwa !/, des oberen Seitengefässes der Wandung
gleichkam, theils einzeln, theils in Massen wie ein Gerinn-
sel hin- und herfliessen, ähnlich denen in den Fühlern der
Terebellen. Viel grösser sind die Eierchen,, die ich bei
mehreren Exemplaren ebenfalls in der Leibeshöhle 'antraf,
und von denen die ansehnlicheren im Durchmesser etwa
1/, des leeren Darms massen, an ihnen 'konnte ich eine
äussere Dotterhaut, Dotterkörnchen und Keimbläschen un-
terscheiden.
Auch die bei den Terebellen und ihren Verwandten
vorkommenden an der Bauchwand mündenden Blindsäck-
ehen fehlen nicht; sie hatten hier‘ die Gestalt eines engen
am blinden Ende stark angeschwollenen, mitunter dick keu-
lenförmigen Kanals von dunkelrothbrauner Farbe, zeig-
ten sich an den vier ersten und ein paar hinteren der’ bor-:
stentragenden Segmente und schienen nahe dem Nerven-
strang zu münden. Den Nervenstrang' konnte ich vorn
nicht verfolgen, doch habe ich einmal am vorderen Rande
der Stirnplalte einen queren weisslichen Körper durchschei-
nen gesehen, den ich für das vordere Ganglion eines Mund-
ringes halten möchte.
Die meisten Exemplare bewegten: sich, aus ihren
Röhren genommen, nur langsam, einige aber krümmten sich
slärker; wenn sie in der Röhre steckten, war diese vorn
durch die Stirn-, hinten durch die Afterplatte vollständig
geschlossen,
Terebella L. Sav.
IT. cretacea Gr. Tal. IV, Fig. 5,
Corpus vermilorme, ‚anlice minus lumidum, sectione
anleriore, selas capillares gerente, supra'el subtus ex brun-
neo, grisea, dorso plus minus sanguineo imbuto, lateribus
96 Grube:
einereis supra incrassalis, toris uncinigeris ipsis albido ci-
nereis, limbo brunneo-coceineo cinclis , seclione posteriore
subtus ex griseo brunnea dorso gyris areolato, albido, quasi
eretaceo; segmentis plus 37, anterioribus triplo vel quadruplo
latioribus quam longis , s. 2do et 3io lobo laterali munilis,
s. posterioribus (unde a 17mo) sensim brevioribus. ‚Scuta
ventralia sectionis anterioris minus distincete circumseripta,
a toris paulo distanlia, lobi segmenti 2di minores 3tä duplo
altiores altiusque alfixi, laliores, sordide sanguinei, margine
supero paulo excavato. Tentacula pallide ochracea, maxime
numerosa, circa Y, vel '/; longitudinis corporis aequanlia.
Fasciculi selarum capillarium utrinque 16, a segmenlo 4to,
tori uncinigeri a 5to incipientes, crassi, usque ad s. 1Omum
altitudine crescentes, tum sensim deerescentes descendentes;
pectine uneinorum duplici a 22to dimidio humiliores; unecini
pinnulae haud visae rostro simplici muniti. Branchiae utrin-
que 3, segmento 2do, 3io, 4to insidentes pallide ochraceae,
sisanguine vacuae, lalitudine corporis vix longiores, ra-
mosae eirralae slirpe brevi biparlita, ramo utroque breyi
bifurco, 'ramis ‚secundi ordinis longioribus iterum bifureis
vel simplieibus, vel elongalis serieque ramulorum. bifureo-
rum: obsitis. vl
Long. animalis postice mutili segmentorum 37. feret
unc., lat. max. sine setis fere 0,1 unc.
Gefunden bei Cherso; nur 1 Exemplar.
Die, felderartige Zerklüftung des Rückens an der hin-
teren Körperhälfte ist: auch im Weingeiste. noch sehr
deutlich.
/T.turrita Gr. Taf. 1V. Fig. 6.
Corpus vermiforme, anlice haud tumidum , sectione
anteriore, setas capillares gerente, ex carneo pallide brun-
nea , toris uneinigeris limbo subtus acuminato , supra in
arcum dilatato cinnamomeo cinctis, arcu paene cireulari,
fasciculum setarum amplectente, sectione posteriore fulva;
segmentis plus 57 brevibus, medium versus longioribus, s.
20mo et proximis 7 paene aeque longis ac lalis. Scuta ven-
tralia 15, satis distincta fusco marginata, a toris uncinige-
ris dimidia fere latitudine distantia, media aeque fere lata
ac longa, anteriora latiora , breviora, posteriora longiora,
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 97
angustiora. ' Tentacula alba plus 20, extensa segmentis 40
longiora. ' Fasciculi setarum capillarium utrinque 17, tenuis-
simi styliformes, ut tori, a segmento 4to incipientes, selae
leviter geniculatae, anguste limbatae ; tori uncinigeri sectio-
nis anterioris ampli nec vero tumidi, fasciculos attingentes,
breviorum quoque segmentorum nunquam sese tangentes,
tori sectionis posterioris in pinnulas mutati; uncini minimi,
rostro simplici. Branchiae lucide brunneae , vasis minus
rubro perlucentibus, utrinqgue 2, segmento 2do et 3io in-
sidentes, anterior altior longitudine segmentorum 7 vel 8
(animalis vivi), quasi turritae, stirpe alta ramis, spiram ad-
scendentem gyrorum fere 4 componentibus, brevibus dicho-
tomis vel trichotomis, in ramulos simplices vel bifurcos ex-
euntibus.
Long. animalis postice mutili segmentorum 57 fere
0,99 unc., lat. max. 0,05 une.
Gefunden bei Cherso, nur 1 Exemplar.
An dem lebenden Thiere waren die Kiemen sehr auf-
fallend: ‚ihre im Verhältnisse zu der Höhe des Stammes
ziemlich kurzen in einer Spira an ihm aufsteigenden Aeste
bildeten mehrere Kreise übereinander: an dem 0,15 Zoll
hohen Stamme der vorderen unterschied ich vier solcher
Astkreise oder Etagen, von denen der Radius der untersten
etwa '/, der Stammhöhe mass, die übrigen immer kleiner
wurden. Bei der Aufbewahrung in Weingeist hat sich .die-
ses Ansehen nicht erhalten, auch sind die Zeichnungen des
Vorderkörpers verschwunden. Die Hakenborsten stehen an
einem der vorderen Wülste, den ich mikroskopisch unter-
sucht habes in zwei Reihen.
on oT spiralis Gr.
' Corpus vermiforme, plerumque in spiram gyrorum plu-
rium contortum , parte anteriore minus tumida, ex brunneo
carnea flavicante, posteriore alba: segmentis plus 110 bre-
vibus, toris uneinigeris priorum (corpore' contracto) 'sese
tangentibus,, ceterorum crassiludine sua vel paulo minus
distantibus. Sceuta ventralia 13; priora aequa latitudine
oelera sensim angusliora. Tentacula alba, numerosa (plus 20)
dimidio corpore plerumque breviora. Fascieuli setarum ca-
pillarium utrinque 22 ad 25, a segmento 4to incipientes an-
Archiv f. Naturg. Jahrg. XXVI. Bd. 1. 7
98 1 Grube:
teriores aliquot subfusci, ceteri argenteiy Zorö uncinigeri as:
öto ineipientes, tumidi sensim descendentes, anteriores (prio-
ribus 4 exceptis) scuta 'ventralia tangentes , 5= vel 6-plos,
sequentes. 2-plo ; posteriores alterum tantum. altiores (quam
latiy uncin: minimi : pinnulae nullae.. Branchiae ulrinque,2;
segmento 2do et io insidentes, ‚latitudinem corporis dimi=
dio superanles, maxime contractiles, sanguineo-rubrae, ra=
mosae , stirpe ‚brevissima , bipartita,,ramis brevibus iterum
dichotomis, ramis secundi ordinis praelongis seriem ramu-
lorum bifurcorum: vel simplicium brevium 'emittentibus.
Long. animalis maioris vivi contracti 2,5. une., lat. ımax.
0,06 une.
Gefunden bei Cherso, 2 Exemplare.
Zwischen den Borstenhöckern und Wülsten der Hä-
kenborsten des ten bis 17ten Segments (inel.)' war eine
kleine Papille sichtbar.
T. zostericola Oersd.?
Oersd. de regionibus marinis p. 68.
Corpus vermiforme, gracile, antice vix tumidulum,
(alcohole servatum, pallide carneum) pariete laterali paulu=
lum incrassato, segmentorum priorum 4 cum dorsuali con-
fluente, inde discedente, dorsum liberum linquente, dorso
medio initio angustissimo, mox latitudine erescenle, segmen-
tis fere 51, prioribus 3 brevissimis , ceteris aeque longis;
anterioribus earum alterum tanlum latioribus quam longis,
posterioribus aeque latis ac longis. Scuta ventralia' satis
distineta 12, rectangula, latitudine deerescente,, longitu-
dine a 9no (aeque lato ac longo) erescente. Tentacula' ma-
xime numerosa , dimidio corpore 'longiora. Fasoicuk 'seta=
rum capillarium tenuissimi utrinque 15, a. segmento 4to ;
tori uncinigeri a 5to incipientes, scuta ventralia paene tan-
gentes,, altitudine deerescentes , anteriores ‚alterum ‚tantum
altiores quam lati, segmenti' 19ni et ceterorum in 'pinnulas
minus extensas mutali. Selae capillares anguste limbatae,
uncini minimi' rostro bidente, Branchiae utrinque 2, seg-
mente 2do et 3io affıxae, minutae, brevissimae, saepe dimi-
diam ‚ segmenti. sui latitudinem. haud excedentes, ramosae,
stirpe., brevissima ‚in ramos 2. multo. longiores. divisa ; ulro4
que ramulos 3 vel plures raro simplices: plerumque..brevis-
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 99
sime ‚bifurcos vel, magis ‚divisos; emittente;,branchia secunda
multo ‚brevior quam. prima.
Long: animalium (aleohole ‚seryatorum) minorum 7; ad
9lin., maioris mutilati, segmentorum 23, 9lin. , lat, ‚0,1, unc.
Dänemark, mehrere. Exemplare. .
Für diese Art ist sehr ‚charakteristisch, das, Verhalten
der etwas verdickten Seitenwände, welcheıanfangs, sich, auf
dem ‚Rücken, vereinigen, dann hinter dem letzten, kiemen-
tragenden Segmente sich unter einem, sehr spitzen Winkel
auseinander begeben , und so den Mittelrücken frei lassen.
Die Beschreibung nur nach Weingeistexemplaren.
/ T. gracilis Gr. Y
Corpus vermiforme , gracile antice paulo inflatum (al-
cohole servalum albidum) segmentis fere 126 , supra lrans-
verse dense striatis, diffieile distinguendis, partis tumidae
4-plo et 5-plo latioribus quam longis, medis (pone 3imum)
elongalis aeque latis ac longis, vix longioribus quam illis,
dimidio angustioribus, postremis brevissimis. Scula ventra-
la 13, paene aegque lata, posteriora 5 repente anguslata,
postremum quadratum. Tentacula plus 20, '/, corporis lon-
giora. Fasciculi selarum. capillarium utrinque 17 vel 18 a
segmento 4to, peclines uncinorum a 5to incipienles, cum
illis toris communibus planis inserli, torulis angustis supe-
rioribus interieelis, scula venlralia haud langentes, in, seg-
mentis prioribus aliquot a faseiculo selarum papilla minufa
separali usque ad p. 6tum longitudine crescenles, a 13m
decrescentes, sensim descendentes, in segmento 19no iam
omnino ventrales, ad lineam ventris mediam accedentes, a Ss.
11mo duplices. Uneini minimi. Branchiae ulrinque 2, segmento
2do et 3io aflixae, ramosae , $tirpe brevi, bipartita, ramis
longis simplieibus vel dichotomis’ seriem ramulorum sim-
Ei vel apice extrema’bifüreorum 'emittentibus, 'anterior
altior (eöntracta dimidiam’dorsi Jatitudinemexeedens).
Long. 3 une. 8 Im. ) Tat. ’0,1 une.) "parlis) tuinidae
0,155 une.
Von den Seilly@Inseln, wo sie Prof. V.! Oarws in'zwei
Exemplaren gefunden.
ou Jeh ‚war zweifelhaft, ob, ich sa Tihier für einerlei
mit, der sonst; äusserst ähnlichen, T. ;pectinat@, halten ‚sollte,
100 Grube:
bei der, wie ich mich jetzt überzeugt habe, die Hakenbor-
sten auch in doppelten Reihen vorkommen , aber entweder
gleich anfangs oder doch wenigstens vom 5ten Wulste an,
so auftreten; doch kann ich bei dem hier beschriebenen
Thiere hinter dem 22ten Segmente an keinem der Borsten-
wülste oben noch ein Bündelchen Haarborsten entdecken,
auch sind seine Kiemen sehr viel zusammengesetzer, frei-
lich beide Exemplare auch merklich grösser als das eine,
das ich von T. pectinata besitze.
T. rosea Gr.
Corpus vermiforme , minus elongatum, roseum, ante-
riora versus paulo tumidum, segmentis plus 90 brevissimis,
toris uncinigeris plerumque sese tangentibus, partis lumi-
dulae crassitudine sua inter se distantibus. Scuta ventralia
omnia toros tangentia, 4-plo vel 5-plo latiora quam longa,
a segmento 13ıno subito angustissima, magis distantia, lum
in sulcum ventralem transeunlia. Tentacula alba, linea
paene miniacea percurrente numerosa (plus 20), longiora
dimidium corpus aequantia. Fasciculi setarum capillarium a
segmento 3io incipientes, usque ad postremum patentes, ar-
gentei,, tori uncinigeri minus tumidi, a segmento 4to inci-
pientes, altitudine sensim decrescentes , descendentes, a
3 fere 30mo omnino ventrales, solo sulco vertrali separali
(hic 4-plo fere latiores quam longi); series uncinorum du-
plices. Branchiae utringque 2, segmento 2do et 3io insi-
dentes, sanguineae, graciles, frutescentes, ramosae, ramis
stirpis spira ad apicem adscendentibus, serie simili ramu-
lorum brevium plerumque simplicium obsitis.
Long. 0,75 unc., lat. maxima 0,1 unc.
Gefunden bei Cherso.
Diese Art gehört zu den wenigen mit zwei Paar Kie-
men versehenen, deren Haarborstenbündel bis an das Ende
des Körpers fortlaufen, ist aber auch nach der Aufbewah-
rung in Weingeist von den anderen Arten durch die Kürze
sämmtlicher Segmente zu unterscheiden.
\ T. pustulosa Gr. Taf. IV. Fig. 7.
Corpus vermiforme, antice tumidulum, ceroceum, ex qua-
drangulo cylindratum, dorso pustuloso, pariete laterali incras-
=
Erir
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 101
sato sulco longitudinali lineali a ventrali separato ; segmentis
plus 31, prioribus brevibus 4-plo, posterioribus alterum tan-
tum latioribus quam longis, paulo longioribus quam illis,
sulco ventrali munitis. Scula ventralia per totam latitudi-
nem et longitudinem segmentorum patentia, vix hoc nomine
designanda, plerumque sulco transverso lineari bipartita,
sensim angustiora, a segmento 19no fere haud distinguenda.
Lobus 'capitalis parvus minime sinuosus, tentacula crocea
plus 24, (contracta) longitudine segmentorum fere 20, seg-
mentum buccale punctis ocularibus plurimis ornatum. Fas-
cieuli selarum capillarium a s. 3io ineipientes, usque ad
postremum s. conservatorum patentes , tori uncinigeri a Ss.
5to ineipientes, in 4to adumbrati, oblongi, angusti, scuta
ventralia langentes, inler se distantes, sensim minores ova-
les a faseiculis setarum minus remoli, paene in pinnulas mu-
tati, semper laterales, pectine uncinorum simplici. Bran-
chiae croceae, vasis sanguineis perlucentibus, utrinque 2,
segmento 2do et 3io insidentes, cirratae, fasciculo filorum
simplicium constantes, fila e dorso ipso progerminanlia, 10co
insertionis minimo transverso, oblongo vel lineari, contracta
longitudinem segmentorum 7 haud superanlia (in aliis multo
breviora), */, diametri tentaculorum, branchiae imae ad
10-na, 2dae ad 7-na.
Long. animalis maioris postice mutili segmentorum 31
alcohole servati 0,8 unc., lat. max. 0,1 unc.
Gefunden im Quarnero bei Porto re und Martinsica. 3
Exemplare, keins vollständig.
Sehr ausgezeichnet durch die Form der Kiemen und
die Farbe des Körpers, von T. lutea durch Zahl und Form
der ersteren verschieden. Ein kleines Exemplar besitzt
nur vier Fäden in der vorderen und drei in der hinteren
Kieme. Weniger auffallend am lebenden Thiere waren mir
die kleinen Pustelchen, mit denen der Rücken bedeckt ist,
und die ich bei der Nachuntersuchung an den Weingeist-
exemplaren, theils vorragend, theils eingesunken, ganz deut-
lich erkenne.
Eine lappländische Terebella, von viel ansehnliche-
rer Grösse, 2,5 Zoll lang, obwohl nur 41 Segmente erhal-
ten waren, welche Professor v. Baer bei Triostrowa ge-
102 1iunnasd IGrWb 8r
sammelt” hätte‘, "über "deren Färbıme' ich "aber! keine An-
gäbe erhalten‘, stimmt‘ mit der! oben beschriebenen ‚so sehr
überein ‚dass ich sie für keine’ andere"Art halten möchte.
Dasselbe ‘gilt von) einer‘ grönländischen Terebella,' von der
kleine"aber vollständige Exemplare von‘ etwas über 1 Zoll
Länge 70 'bis"'89 Segmente besitzen; an den letzten sind
Haarborsten nicht mehr erkennbar'aber von ihrem 'Höcker-
chen' noch’ eine Andeutung vorhanden, ‘auch ‘die Pustelchen
des Rückens verschwinden gegen das Ende ‘des Körpers,
sind dafür'aber an' den‘ vorderen’um so ausgeprägter); der
Rücken dieser‘ 'Segmente ist’ durch'eine Querfurche'in 'zwei
Ringel"getheilt, die Bauchschilder gehen, indem ihre 'Grenz-
furche meist ‘ganz verschwindet‘, ‘unmittelbar in die'dicke
polsterartige' Seitenwand "über ‚an deren 'hinterster Partie
der" lang und! schmalgezogene ''Wulst ‘der ‘Hakenborsten
seinen Platz findet!" Der After erscheint (durch sechs Ein-
kerbungen' strahlig' gefurcht:
T. flexuosa Gr. Oersd.' Taf. V. Fig. 2.
Corpus 'vermiforme, antice paulo latius, 'segmentis fere
60, anterioribus 6 brevissimis’ 5-plo vel‘4-plo latioribus
quam' longis’;, seguentibus 'longitudine sensim "erescentibus
19mo 'et prowimis'fere'aeque latis ae longis,. ceteris iterum
brevioribus; 30mo iam duplo fere latiore quam longo.'Seg-
mentum buccale utringue' lobo\/magno ovali cum altero sub-
tus coalito , antrorsum vergente, s.' 3ium |minore appresso,
triangulo, 'supra”latiore allius in’ dorso ineipiente, ventrem
vix atlingente munitum. Scuta ventralia 16, albida tetra-
gona,'atoris " lateralibus vix’ distantin,, media 'paulo' latiora
quam lata, anteriora sensim latiora et: breviora, laminae la-
terales 16 albidae'ovales, subtus angustatae, fascien]os setarum
torosque uneinigeros amplectentes, anteriores sese langentes;
posteriores inter se distantes. Tentacula plus 23, brevia, stirpe
branchiarum ‘dimidio ' tenuiores , "longitudine' segmentorum
fere 10. : Fasciculi‘setarum capillarium utrinque 15, a'seg-
mento 4to, tori uneinigeri a 5to''ineipientes, ut illi, usque
ad 6lum descendentes, aeque parvi, 15tus et ceteri in pin-
nulas'breves, 'satis 'distantes mutati.'Setae fasciculorum bre-
ves, 'haud! numerosae, 'peclines uncinorum ubique 'simplices;
uncind rostratii, rostro) ‚ud parte. infera bidente. _Branchiae
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 103
ramosae utrinque 1, segmento 2do affıxa longitudine seg-
mentorum fere 6, stirpe crassa diametro 1 tantum ab altera
distante, dimidia branchiae ipsius altitudine, in ramos 2 di-
viso, rami longiores statim in ramos secundi ordinis 2 bre-
viores divisi, hi in fascieulos 2 ramulorum in 4 ad 6 sim-
plicium vel apice extrema bifurcorum , aeque longe promi-
nentium exeuntes, rami stirpis in 'nonnullis animalibus sim-
pliciores , ramulos 3 ad 4 plerumque simplices emittentes.
Tubus animalis 'ex limo confectus, einereus, maxime singu-
laris: compaclus, depressus, in aequo procurrens, flexuosus,
flexibus 6 arctis, aequalibus, latitudine sensim crescentibus-
Long. animalis aleohole servati 1,5 une., lat. max. O,1
unc., long. tubi (ad lineam rectam) 1,7 une., lat. 0,15 unc.,
lat. flexuum maximorum 0,5 une.
Aus dem Meere bei Grönland.
Die Röhre dieser merkwürdigen nur mit einem Kie-
menpaare versehenen Terebella ist aus so fein geschlämm-
tem Materiale verfertigt und so compact, dass sie an die
Röhren mancher Sabellen erinnert, doch ohne deren Bieg-
samkeit, überdies ganz breitgedrückt, sehr verschieden von
der, welche O. Fr. Müller von T. ceristata abbildet, auch
besitzt letztere Art 17 Borstenbündel, unsere Art nur 15.
j Ampbhicteis Gr.
Corpus vermilorme, antice tumidulum, posteriora ver-
sus sensim altenualtum, segmentis minus numerosis. Lobus
capitalis tenlacula subtus alfıxa plus minus tegens, tenlacula
plura seriem transversam componenlia. Segmentum buccale
nudum, s. 2dum utringue flebello setarum maiorum prover-
sarum, 3ium dorso branchiis ornalum; 3ium, Atum et sequen-
tia, faseiculo selarum breyiorum laterali et plerumque pin-
nula uncinigera sub eo posila, posteriora sola pinnula mu-
nila. Setae capillares simplices, uncini minutissimi dentati.
Branchiae filiformes. Cirri anales in nonnullis visi. Vermes
tubifices, tubus ex limo confectus #).
®) Die Gattung Crossostoma Gosse (Ann. of nat. hist. Second
series Vol. XVI, 1855. p. 810) ist mit Amphieteis identisch, letzterer
104 Grube:
Die Gattung Amphicteis hatte ich *) nach‘ der‘ 'Be-
schreibung der Amphitrite Gunneri von Sars'**) 'errich-
tet; mittlerweile ist mir auch die Gelegenheit zu Theil ge-
worden, ein Thier aus dem Meere von Grönland selbst zu
untersuchen, welches ich für eben jene Art zu halten geneigt
gewesen wäre, wenn nicht Sars über die Anwesenheit
von Flösschen im vorderen Körpertheil schwiege. Leichter
würde ich darüber hinwegkommen, dass an den Flösschen
des hinteren Körpertheils die er knuder- nennt, die Form
etwas anders dargestellt und der Häkchen nicht Erwäh-
nung gethan wird, mit denen auch ihr Rand besetzt ist,
diese Häkchen sind so klein, dass wenn man sie nicht be-
sonders beachtet und stärkere Vergrösserungen anwendet, sie
wohl übersehen werden können. Jedenfalls hat mir dieses
Exemplar, dessen Beschreibung ich der Sicherheit wegen
und weil ich mehrere Arten zu unterscheiden habe, unter
dem Namen A. groenlandica sogleich hier folgen lasse, vor-
treffliche Dienste für die Beurtheilung' der vordersten 'Kör-
persegmente und ihrer Anhänge geleislet, die ich früher in
grösserer Uebereinstimmung mit Pectinaria glaubte: ‚Das
weit vorspringende Blatt des Vorderendes (Tab. Ill. Fig. 3LL“)
entspricht allerdings dem am Rande gezälmten. Lappen’ der
Pectinarien, den Rathke als „Schirm der Tentakeln* be-
zeichnet, und der nach ihm das’ vorderste Ganglienpaar des
Mundringes enthält, doch ist die hintere Hälfte L’ nicht
scharf gegen das Mundsegment und namentlich dessen Un-
Name aber der ältere (Arch. für Naturgesch. 1850. p. 330 und Fami-
lien der Anneliden 1851. p. 137). Die Species, welche Gosse;he-
schreibt (l. ce. p. 310. pl. VIII. Fig. 7—12), Crossostoma Midas scheint
am ähnlichsten meiner A. groenlandica, unterscheidet sich aber von
ihr durch die Bildung des Kopflappens, des kiementragenden Seg-
ments und des Köchers der Haarborsten, der oben in einen stumpfen
eirrusartigen Fortsatz ausläuft, Sie hat ebenfalls acht Kiemenfäden
und zwei Altereirren.
*) Familien der Anneliden p. 82. 137.
**) Beskrivelser og jagltagelser over nogle i havet ved den Ber-
genske kyst levende dyr p.50. pl. 11. Fig. 50.
###*) Rathke Beiträge zur vergleichenden Anatomie, Urne
1842. p.56. Tab. V. Fig. 2, a. Fig. 3, b. |
u
ee ne
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 105
terlippe abgegrenzt.: Bei beiden Gattungen bedeckt dieser
Kopflappen die an seiner unteren Fläche sitzenden Fühler
und den Mund. Auf den Kopflappen folgt bei Pectinaria
sogleich das Segment, das auf dem Rücken die bei-
den starken nach vorn gerichteten Stachelkämme und nach
aussen von jedem einen fühlerförmigen Zipfel trägt und
mit seiner schmäleren Bauchwand die Mundöffnung von un-
ten begrenzt, das Mundsegment (]. ce. Fig.1 cc, Fig. 3 c, e); bei
meiner Amphicteis aber, wo man geneigt sein würde, das
mit den grossen nach vorn gerichteten Borstenfächern ver-
sehene Segment, jenem gleich zu stellen, schiebt sich zwi-
schen diesem und dem Kopflappen noch ein oben breiter
und eben gegen den Kopflappen nicht überall scharf abge-
grenzter, an der Bauchfläche noch breiterer Ring ein, in-
dem hier eine durch eine Querfurche abgesetzte Unterlippe
von ihm abgeht, und dies wäre bei Amphicteis das Mund-
segment. Seinen mittleren Rückentheil muss man zwischen
dem Kopflappen L und den beiden Köchern der grossen Bor-
stenfächer suchen, es ist die vorn ausgeschnittene drei-
eckige Fläche (Fig. 3.51). Die Seitentheile des 2ten Seg-
ments verdicken sich zu ansehnlichen Wülsten und bilden
die Köcher für jene ansehnlichen nach vorn gerichteten
Borstenfächer oder Borstenbündel; letztere breiten sich
nemlich bei einigen Amphicteis in der That scheinbar mehr
fächerförmig aus (wie Fig.6), obwohl die Basis des Fä-
chers immer eine gekrümmte Linie ist, während sie bei
anderen ein mitien hohles Bündel darstellen und die Linie,
die die Ursprünge ihrer Borsten beschreiben, ein in sich
geschlossenes Oval ist (wie Fig.3). Hinter jedem dieser
Köcher entspringen die vier Kiemenfäden, von denen man,
da sie abgerissen waren , in unserer Figur 3 nur die An-
satzstellen wahrnimmt, ein Zufall, der , so unangenehm er
sonst ist, hier doch die Uebersicht der anderen Theile er-
leichtert. Zwischen beiden Gruppen der Kiemenfäden be-
merkt man eine fast’ quadratische Fläche (Fig. 3. pl), nicht
elwa, wie ich anfangs glaubte, ein Stück der Rückenwand
des 3ten Segmentes selbst, welches beide Gruppen von
einander trennt, sondern vielmehr eine nach vorn sich über-
legende breite Falte, welche sie verbindet und dabei zu-
106 Grube:
gleich einen Theil des 2ten Segmentes und namentlich des-+
sen hintere Grenzfurche verdeckt. Nach aussen von den
Kiemenfäden sitzt ein kleines seitlich fortgestrecktes' Bor-
stenbündel, an welchem man dieses 3te Segment: am leich-
testen erkennt, während es nach innen davon und an der
Bauchseite wenig abgegrenzt ist. Viel schwerer‘ sind‘ diese
Verhältnisse bei den winzigen nur 3 bis 4 Linien‘langen
sehr zarten Arten des kaspischen Meeres zu untersuchen,
mit denen ich gerade den Anfang gemacht hatte. — Was
die Flösschen (Pinnulae) betriflt, so konnte 'bei A. groenlan-
dica: auch ihre Gestalt mit grösserer Sicherheil erkannt 'wer-
den. Sie sind abgestutzt dreieckig oder trapezisch (der
breitere Rand der freie mit Häkchen besetzte), sitzen nahe
unter ‘den Borstenbündeln , etwa nur um die Breite ihrer
Köcher abstehend und sind der Seitenwand des Körpers
anliegend nach hinten gerichtet, weiterhin, wo die Borsten-
bündel aufhören, fallen sie leichter in’s Auge, obwohl‘ sie
schmäler werden, sie rücken mehr an die Bauchseite, 'be-
halten im Allgemeinen ihre Form, laufen aber 'an ihrem
oberen Rande in ein abgeselztes sie wenig überragendes
spitzes Fädchen aus. :Die Uneini, die längs dem freien
Rande der Flösschen sitzen, sind ovale an dem einen Längs-
rande kammzähnig eingeschnittene Plättchen.
JA. groenlandica Gr. Taf. V. Fig.3.
Corpus vermiforme, anlice subfusiformi-dilatatum, po-
steriora versus productum, sensim attenualum, nunc‘ quidem
pallide carneum;, dorso utrinque margine ventris "latioris
tumido limbato, limbo partis anterioris utrinque '/; latitudinis
aequante, segmenlis 34, longitudine 15mum versus crescenti-
bus, a 20mo decrescentibus,, intermediis fere alterum tan-
tum latioribus quam longis, Tmo. 8vo 9no lalissimis, 5-plo
fere' latioribus quam longis, ventre segmenti 18mi et cete-
rorum sulco longitudinali bipartito, s. anteriorum stria trans-
versa alba’ ornato.' ' Lobus capitalis magnus trapezoides po-
stice.rotundatus, anlice latior , taeniis tumidis transversis 2
bipartitus, parte frontali suleis seposita, 5-gona, antice
truncata‘ (fovea media longitudinali angusta); tentacula 11
visa, longiora illo haud breviora. ' Segmentum buccale haud
italatius, labio oris inferiore sulco seposito, s.,2dum latius,
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 107
äntice! profunde excavatum‘, partem s. buccalis medium
reeipiens, pharetris flabellorun setarum validis oblique pro-
tinus versis, selae spiniformes, complanatae , fragiles, utrin-
que ad 24, ünteriores longiores, fronte paulo minus promi-
nentes s. 3ium cum secundo paene coalitum, quarto brevius;
branchias utriusque | faseieuli plica quadrata coniungens;
faseieulo setarum laterali parvo marginem lateralem paulu-
Jum excedente. Segmentum 3ium, Atum, 5tum utrinque fa=
scioulo setarum s. Ötum et proxima 13 et hoc et pinnula un=
cinigera ‚inferiore, s. 20dum et cetera solis pinnules minuta.
Setae fascieulorum ad 15nas, spinis flabellorum similes, minus
rigidae, dimidio vel'%/, tenuiores '/, minus prominentes, pınnu-
lae trapezoideae ad basin angustiores, subventrales, lacinia
inferiore longiore , anteriores latiores, a pharetra setarum
diametro eius distantes, posteriores paulo magis prominen-
les, -e; margine supero cirrum parvum acultum emittentes ;
uneini; winutissimi 4-dentati, dentibus lonvis acutissimis,'p:
anteriorum ad 100-nos vel plures. Segmentum posiremum
eirros anales 2 gerens, cirri dorsuales, longitudine seg-
mentorum proximorum 3.
Long. 1,5 unc., lat. max. 0,2 une, (sine setis).
Aus dem ‚Meere von Grönland, nur 1 Exemplar, des-
sen Kiemen leider nicht erhalten waren.
Mit der Abtheilung von Amphitrite Gunneri von Sars
verglichen erscheint der Körper weniger spindelförmig, am
kieinentragenden Segmente weniger eingeschnürt, die mitt-
leren Segmente im Verhältnisse restreckter, der Randwulst
breiter, die Aftereirren kürzer, die Flösschen der hinteren
Segmente mehr heruntergerückt , so dass der Cirrus ihres
Rückenrändes weit weniger in’s Auge fällt, vor allem aber
ist es der durchgehende Mangel der Flösschen unter den
Bündeln der Haarborsten bei A. Gunneri, der beide Arten
unterscheidet.
in 7 A.invalida Gr. Tal. V. Fig. 4.
Corpus brevius vermiforme, antice tumidulum, nunc
quidem albidum, pellucens, posteriora versus minus produ-
etum, limbis dorsi Interalibus saepe minus tumidis, segmen-
tis A0—48, brevius, latioribus (Tmo, 8vo, 9no) longitudinem
fere 5 aequantibus, posterioribus a 19no sensim angusliori-
108 Grube:
bus 'et.brevioribus. Lobus capitalis cum segmento buccali
longitudinem proximorum 2 aequans,, parte frontali (quan-
tum videre licuil) angustiore, antice truncata vel paulo cava 5
tentacula 8 visa, brevia. Segmentum 2dum septimo '/; fere
angustius, seiae flabelli utriusque 16—30, frontem longe ex-
cedentes, tenerae, ceteris vix dimidio latiores, flexiles, pal-
lidae, vix splendidulae. Filia branchialia utriusque fasci-
euli £, plica alta maxime pellucida cum altero coniuncta,
extensa setis flabellorum longiora, longitudine segmentorum
fere 11, crassitudine longitudinem segmenti aequante. Seg-
mentum 3ium Atum 5tum utrinque fasciculo setarum s. 6tum
et proxima 12 et hoc et pinnula uncinigera, s. 19mum et ce-
tera solis pinnulis munita. Setae capillares interdum di-
midia corporis latiludine haud breviores, pallidae, tenerri-
mae ad 8-nas vel plures, pinnulae anteriores humillimae
(potius paene plicae appellandae) diffieile distinguendae,
uncini ovales acie dentibus 4 acutis serrata, p. anteriorum
ad 30-nos, posteriorum pauciores. Cirri anales haud visi.
Tubi teretes membranacei, crusta limi grisea obducti,
posteriora versus haud attenuati aperti.
Long. 0,4 unc., lat. max. (ad segmentum 17mum)
0,055 une. (sine setis); long. tubi 1,5 unc., lat. 0,75 unc.
Von Herrn Professor v. Baer im kaspischen Meere
entdeckt.
Die Segmente von A. invalida sind alle kurz, nicht
einige mittlere gestreckter wie bei A. Gunneri, Kopflappen
und Mundsegment kürzer, die Borsten der Fächer entschie-
den viel weiter vorragend, sehr zart, nicht goldig und stark
glänzend. Man müsste von A. Gunneri jüngere Exemplare
haben , um die Vergleichung noch erfolgreicher anzustel-
len ;.es ist aber leicht möglich, dass A. invalida keine be-
deutendere Grösse erreicht, wenigstens bemerkte ich in
dem einen Exemplare dieser Art ovaleKörperchen mit einem
hellen Fleck in der Leibeshöhle, die ich nur für Eier hal-
ten kann, wonach denn Thiere dieser Grösse wenigstens
schon geschlechtsreif wären. Der durchschimmernde Darm-
kanal zeigte einen vorderen weiteren Abschnitt, der am
vorletzten Borstenbündel aufhörte, und einen hinteren en-
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 109
gen, am letzten Borstenbündel in eine Schlinge gelegten,
weiterhin geraden.
A. brivispinis Gr. Taf. V. Fig. 5.
Corpus brevius vermiforme , A. invalidae simile, se-
etione anteriore 1/, longiore quam posteriore (solis pinnulis
munila). Lobus capitalis et segmentum buccale 2dum et
3ium A. invalidae haud dissimilia, eadem longitudine, ten-
tacula haud observata. Setae flabellorum maxime differen-
tes: paucae, 8-nae tantum, frontem haud excedentes, aureae,
rigidae, latius spiniformes , breviter avuminalae , radiantes,
protinus versae. Fila branchialia ulrinque 4, plica nulla (?)
eoniuneta, spinis multo longiora , longitudine segmentorum
fere 8, crassitudine longitudinem segmenti aequante. Seg-
mentum 3ium Atum 5tum utrinque fasciculo setarum, s. 6tum
et prozima 13 et hoc et pinnula minuta uneinigera, s. 20dum
et cetera solis pinnulis munita. Setae capillares tenerrimae,
pallidae, latitudine ‘corporis dimidia minus prominentes ad
8-nas vel plures; eirri anales haud visi.
Tubus animalis teres materie et magnitudine cum A.
invalida congruens.
Long. 0,3 unc., lat. max. 0,05 unc. (sine setis).
Ebenfalls von Professor v.Baer im kaspischen Meere
entdeckt.
In der Zartheit des Körpers mit A. invalida überein-
slimmend, von ihr wie von A. groenlandica durch die kurze
breite Gestalt und die geringe Zahl der strahlig auseinan-
der laufenden stachelförmigen Paleen des 2ten Segments,
welche überdies so sehr gegen die haarförmig-feinen Bor-
sten der seitlichen Bündel der anderen Segmente abstechen,
auf den ersten Blick zu unterscheiden.
/ A. acutifrons Gr. Taf. V. Fig. 6.
Corpus vermiforme, nune quidem fuscius carneum, an-
fice paulo dilatatum, posteriora versus producium, sensim
allenualum dorso angustius limbalo, ventre inde a segmento
16mo suleo longitudinali diviso , segmentis 28, anterioribus
mediisque longitudine haud ila differentibus, triplo fere la-
tioribus quam longis, s. 1610 aeque fere lalo ac longo, pro-
ximis 4 paulo longioribus quam lalis, ceteris longiludine
decrescentibus, latitudine vix unguam duplam longitudinem
110 ; Gruben!
adaequante. Lobus capitalis ironte late acuminata, tentacula
plura. Segmentum buccale illo paulo longius;. biannuluny
latitudine crescens , longitudine. proxima. 2 aequans , labio
utrinque. in lobulum curvatum exeunte. Setae flabellorum seg-
menti.2di spiniformes, sensim acuminatae , splendentes, ‚au-
reae, lobum capitalem atlingentes , dimidiam ‚segmenti ‚sui
latitudinem aequantes, ulrinque 12,ad 16 ; pharetrae' eorum
multo minus quam,,A.. groenlandicae prominentes: ‚Branchiae
haud ‚conservalae, bases utrinque plica transversa alta pel-
lucida voniunclae. ‚ Segmenlum 3ium, et Alum utrinque solo
fasciculo selarum, s; Slum et proxima 11 et hoc, et-pinnula
uneinigera, cetera 11 solis pinnulis munila', postremum: in
processus 2, pinnulas mentienlibus eirrosque 8 exiens;' cirri
segmento,suo paulo longiores. ‚Selae haud.iba teneraeg, spi-
nis\anlerioribus fere ?/, angusliores, vix 'breviores, flavae;
splendentes, plerumque 6-nae, flabelli instar expansae,
Long. 0,4 unc., lat. max. 0,06 (sine selis).
Aus dem Meere ‘von Grönland.
Diese Art, von der nur 1 durch den Weingeist stark
contrahirtes Exemplar vorliegt, weicht von allen durch die
breit dreieckige Stirn des Kopflappens und durch die &rosse
Zahl der Aftereirren ab, erinnert durch die Kürze der Sta-
chelfächer und geringere Zahl ihrer Stacheln an A. brevi-
spinis, wird aber in beidem von ihr noch übertroffen. Ich
kann übrigens mit Sicherheit jederseils nur die Ansätze von
zwei Kiemenlädeh unterscheiden, vielleicht besitzt diese‘ Art
weniger Kiemen.
Polyeirrus' Gr. | h irslR
116
P. auranliacus Gr. Taf. IV. Fig.,8
Corpus auranliacum, vermiforme, anlice maxime ‚infla-
tum, posteriora versus sensim allenualum, segmenlis direiter
83 minime sulcis annularibus separalis, medium versus lon-
gitudine ‚crescentibus , duplo fere ‚latioribus quam longis,
prioribus 20. scutis lorisve ventralibus paribus munitis. Scu-
tum ventrale segmenti buccalis impar, oblongum, antice Irun-
catum, ceteris longius, celera paria transversa, anleriora 8,
primo excepto, ‚paene alterum tantum laliora quam longa,
ee.
Beschreibung neuer oder, wenig bekannter Anneliden. 111
utrinque sese proxima ‚vel tangentia , spatio medio-paulo
angustiore distenta, toros parietis lateralis tangentia,,,se-
quentia repente. decrescentia, a linea ventris media, multo-
que magis inter se distantia; postrema minima, a segmento
21mo omnino nulla. Lobus capitalis valde flexuosus,' mi-
nus,. quam P.. Medusae extensus. Tentacula ‚maxime nu-
merosa, comam magnam componentia,.plurima tenuissima;
nonnulla paulo crassiora sulco longitudinali munita. ‚Fasci-
culi selarum capillarium utrinque 40 , a segmento 2do inci-
pientes, tenuissimi, priores 8 ex, pharelra, margine tororum
lateralium superiore inserta prodeuntes, tori sculis, ventra-
libus minores, orificio adumbrato munili ; fascicul proximi 11
pharetrae paulo maiori inferli, pinnula minimä uneinigera a
seulis venlralibus separati, prioribus saepius paulo longio-
res, latitudinem ventris hie aequantes, ceteri 21 brevissimi,
vix, distinguendi, ex pinnula uncinigera orti ; ‚pinnulae unci=
nigerae ‚utrinque. 72, a segmento 21mo usque. ad. sextre-
mum visae, minulae; selae capillares lineares, uncini Tostro
simpliei.
Long: ad 3 vnce., lat. max. 0,5 une.
Nicht selten bei Porto r& und Cherso in Steinlöchern.
Hüllt sich in einen durchsichtigen Schleim ‚ phospho-
reseirt mit glänzend violeltem Lichle.
Der, sehr dünnwandige Körper zerreisst so leicht, und
geht so leicht in Fäulniss über, dass ich kaum zwei voll-
ständige Exemplare mit nach Hause gebracht habe. Der
Darmkanal beginnt mit einem dünnen, nur im Mundsegmente
selbst erweiterten Rohre, welches durch die ersten 7 bor-
stentragenden Segmente hindurchgeht, im ‚8ten vergrösserl
sich der Durchmesser ‘des; Kanals um das Zweifache, er
bekommt eine gelbe Farbe und diese, rührt von,einem aus
_ unregelmässigen mit einander zusammenhängenden Klümp-
chen bestehenden, ihn umkleidenden Fettgewebe her. Von
solcher Beschaffenkeit ist der Darmkanal in den nächsten fünf
Segmenten, darnach wird er allmählich, dünner und läuft
80, ohne jedoch weiter jenes Gewebe zu zeigen, in gerä-
der Linie bis: zum Ende des Körpers fort. Der: vordere
Theil des Darmkanals ist nicht bloss an den Grenzen ‘der
Segmente, sondern auch dazwischen durch Fäden an.die
112 Grube:
Rückenwand befestigt. Gefässe vermag ich nirgends zu
erkennen , wohl aber farblose spindelförmige Körperchen,
die durch die ganze Leibeshöhle wie auch durch die Füh-
ler hin und her strömen. ‘Im Isten, 2ten und ten der
borstentragenden Segmente befindet sich je 1 Paar dünner
einfacher Blindschläuche, welche etwa die Länge von drei
Segmenten haben, mit ihrem vorderen Ende an der Bauch-
wandung befestigt sind, und dort wahrscheinlich münden.
So wiederholt sich auch hierin die Organisation der Tere-
. bellen, an die schon der erste Anblick eines Polyeirrus so
lebhaft‘ erinnert.
Die hier angeführten Beobachtungen habe ich an sehr
jungen und durchsichtigen Individuen von 0,2 und 0,15
Zoll Leibeslänge gemacht, an denen die Zahl der (in dieses
Mass nicht hineingerechneten) Fühler noch nicht mehr als
24 betrug, und die sich dieser Organe auch zum Empor-
krieschen an der Wand von Gläsern bedienen konnten. Viele
derselben lösten sich beim Sterben ab, an grossen kräfti-
gen Thieren spielen sie meist fortwährend, sich verlängernd,
verkürzend, verdünnend, verdickend, hin und her pendelnd,
sich wellenförmig hin und her schlängelnd. der eine so,
der andere anders sich bewegend. Was das Aufblähen des
Körpers betrifft, so beschränkt sich dieses zwar nicht aus-
schliesslich aber doch vorzugsweise auf die vordersten 13
Segmente und findet jedenfalls hier am stärksten statt.
Sabella L. Sav.
t
/
)S.brevibarbis Gr.
Corpus vermiforme, gracilius, latitudine anteriore fere
7, Jongitudinis aequante (branchiis exceptis), teres, ex Vi-
ridi' album, segmentis eirciter 70, inter setas capillares pe-
ctinemque uneinorum puncto nigro ornatis, sectionis ante-
rioris iunctis longioribus quam latis. Branchiae aeque lon-
gae, 1/4 totius animalis vel segmenta fere 23 aequantes,
albae, viridi imbutae, vittis anguslis 6 ex aureo brunneis
piclae, supra basin brunnescentes: fila branchialia utrin-
que 15, semiorbem componentia, usque ad apicem brevis-
sime: barbata, paene dentata, longitudine barbularum duplam
Beschreibung neuer oJler wenig bekannter Anneliden. 113
filorum latitudinem non excedente, saepius minore , mem-
brana basilari,. (fila eoniungente) humillima , pinnulis dor-
sualibus oeulisve nullis; filum supremum (i. e. Imum dor-
suale) brunneum. Tentacula 2 alba, longitudine °/, fere
filorum branchialium aequante. Collare ex viridi album,
brunneo limbatum, bipartitum, utrinque bilobum, lobo ven-
trali altiore , animalis vivi mobilissimo. Anus postremus.
Setae capillares argenteae , angustissime limbatae; paleae
nullae. Tori uncinigeri sectionis anterioris transversae ob-
longae, posterioris sulco longitudinali biparlitae, ovales,
priores horum, singuli alterum tantum latiores quam longi,
ceteri per se breviores. Mutatio setarum in segmento 9no
observata- (m. s. ®/,). Sanguis viridis.
Long. 1 unc., branchiarum 0,4 unc., corporis 0,8 une. ;
lat. ant. 0,05 unc.
Tubus animalis 2,5 unc. longus, diametro 0,1 unc., pa-
riete haud ita crasso, ex limo confecto, extremitate acumi-
nala cauli Zosterae affıxus. 4
Gefunden bei Pischio, nahe Cherso; nur 1 Exemplar.
Serpula L. Phil.
ur S. (Vermilia) galeata Gr. Taf. IV. Fig. 9.
Corpus vermiforme, gracilius, subgriseum,, lateribus
ferrugineis pallio ‚pallidius aurantiaco,, segmentis fere 107,
sectione anteriore, /, corporis excedente. Branchiae ae que
longae, pallide puniceae, vitlis 3 ex violaceo albescenlibus
ornalae , longitudinem seetionis anlerioris aequantes; fila
branchialia dextrae 20, sinistrae 21, siylus operculi sinister,
pallide aurantiacus, processibus nullis armalus. Operculum
quasi glandiforme, dimidio superiore recte imposilo, semi-
globoso, in apicem uncinatum exeunte, olivaceo, d. inferiore
pallide aurantiaco paulo breviore (?)., Setae capillares haud
limbatae, segmenlorum ‚posiremorum , produclae, seclionis
anlerioris flavae, fascieulos magnos componentes. Muta-
_fio selarum in segmento vo observala.
Long. 1,55 unc. branchiarum 0,255 unc., corporis 1,29;
lat. 0,095, long. opereuli cum stylo 0,35 une.
Gefunden bei Porto re, nur 1 Exemplar.
Arch. für Naturg. Jahrg. XXVL. 1 Bd. 8
114 Grube:
Die Röhre dieser Vermilia war leider nicht erhalten.
Der Deckel ähnelt am ersten V. multicristata, doch ist seine
obere Hälfte nicht conisch zugespilzt, sondern helmförmig
gerundet mit plötzlich abgesetzter Spitze, in der Mitte der
Höhe des Deckels ist er von zwei Ringfurchen umgeben,
die die Grenze der oberen und unteren Hälfte unbestimm
machen. :
Saenuris Hoflmr.
/ 8. barbata Gr. Taf. IV. Fig. 10.
Corpus filiforme, utrinque attenuatum, pellueidum, san-
guine laete rubro, segmentis lere 90, medüs paulo latioribus
quam ceteris, conlractis plus allerum tantum latioribus quam
longis. Lobus capilalis ex triangulo rolundatus. Setae seg-
menlorum anteriorum 9 superiores capillares, inferiores un-
eini, s. ceierorum superiores et inferiores uncini; sefae ca-
pillares lineares, 3-nae, latitudine corporis haud ita brevio-
res, uncini infra cornei, subfusci, supra pellucidi, acumine
bidente, haud limbato, superiores singuli, inferiores 2-ni.
Long. ad 2,15 unc., lat. 0,03 unc.
Lebt in dem schlammigen Boden des Vranasees auf
der Insel Cherso, in einer Tiefe von 31 Faden.
Erklärung der Abbildungen.
Alle Figuren sind vergrössert.
Tafel I.
Fig. 1. Der vorderste Theil von Polyno& clypeata, von unten. ge-
sehen.
1. a. Eine der Elytren, von oben gesehen.
1. b. Ein Stück von einem der beiden äusseren Fühler, stärker
vergrössert, um deutlicher die Reihen von fadenförmigen
Papillchen zu zeigen, mit denen sie besetzt sind.
1.c. Ein Ruder desselben Thieres.
Fig. 2. Eine der mittleren Elytren der rechten Seite von Polynoe
areolata, von oben: gesehen.
Fig. 3. Horizontaler Durchschnitt von Spinther miniaceus (nach ein-
zelnen Beobachtungen zusammengesetzt).
Fig.
Fig.
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden. 115
p- Der aus der Mundöffnung herausgestreckte halbrinnenför-
mige Rüssel, von unten gesehen.
s. Die unteren stumpf-conischen Borstenhöcker mit je zwei
Hakenborsten (von denen aber nur die eine stärker her-
vortritt), dahinter treten die haarförmigen Borsten des
oberen breit ausgespannten und bis fast an die Mittellinie
des Rückens tretenden Borstenfächers hervor.
n. Das Organ, das ich für den Centraltheil des Nervensystems
halte mit zwei aus seinen hinteren Ecken hervortretenden
langen Fäden.
i. Der hintere längere durch Blindsäcke gefiederte Theil des
Darmkanals, (der vordere nicht erhaltene ist durch punc-
tirte Conture angedeutet).
3.a. Verticaler Querdurchschnitt von einem der mittleren Seg-
mente desselben Thieres. Die Leibeshöhle rings um den
Darm ist mit Eierchen erfüllt, die sogar bis in die Höh-
lung der unteren Borstenhöcker treten.
3.b. «a. Eine der zusammengeselzten Hakenborsten dieser Anne-
lide, 8. eine der gabligen, dem Rücken angehörigen.
4. Vordertheil von Phyllodoce (Eulalia) macroceros, von oben
gesehen.
Von den vier Fühlercirren der linken Seite sind ausser
dem auffallend breiten blattförmigen noch der erste dem
Mundsegmente augehörige und der hinterste dem ten
Segmente angehörende erhalten, von dem oberen des
2ten Segments sieht man nur das dicke Grundglied.
4.a. Einer der blattförmigen Rücken - und Baucheirren des-
selben Thieres.
4.b. Eine seiner Borsten.
5. Vordertheil von Phyllodoce (Eulalia) punctifera, von oben
gesehen.
5.a. Eines ihrer mittleren Ruder.
6. Vordertheil von Syllis variegata, von oben gesehen.
6.a. Einige der nächstfolgenden Segmente mit ihrer charakte-
ristischen Rückenzeichnung.
6.b. Eine der Borsten.
- 7. Vordertheil von Syllis zebra, von oben gesehen.
7.a. Ein paar Borsten derselben Annelide.
8. Vordertheil von Sylline longoeirrata, von oben gesehen.
8.0. Derselbe von unten gesehen, um die Verwachsung der
durch ein blosse Längsfurche getrennten Stirmposter zu
zeigen.
8.b. Eine der Borsten dieser Annelide.
116
Fig.
Fig.
Fig.
Grube:
Tafel IV.
1. Vordertheil von Heterocirrus frontifilis, von oben gesehen.
e. Die beiden Fühlereirren.
b. Die drei Kiemenfäden jeder Seite.
1.a. Der obere und untere Borstenhöcker eines Segmentes mit
den ihnen eigenthümlichen Papillen.
2. Ein verticaler Querdurchschnitt von einem der vorderen
Segmente von Cirralulus tenuisetis: die beiden Borstenbün-
del jederseits treten aus der Seitenwand hervor.
2.a. Ein ähnlicher Durchschnitt von einem der hinteren Seg-
mente: die Borstenbündel treten an der Bauchwand hervor.
3. Vordertheil von Clymene leiopygos, von oben gesehen.
3.a. Das Hinterende derselben Clymene, von unten gesehen.
p- Das glattrandige schüsselförmijge Endsegment, aus des-
sen Hohlfläche der kegelförmige After hervortritt.
3.b. Ein paar Hakenborsten aus einem der Hakenkämme.
g. 4. Vordertheil von Maldane glebifex mit ausgestrecktem Rüssel,
von der linken Seite.
4.a. Hinterende derselben Annelide, von unten gesehen. a.
Der After.
4.b. Das Endsegment allein halb seitlich und von oben, um
seine Rückenplatte zu zeigen. a. Der After.
4.c. Eine der Hakenborsten dieser Annelide aus ihrem Wulste
herausgenonmen.
5. Ein paar Segmente aus der hinteren Leibesabtheilung der
Terebella cretacea, der durch Furchen gefelderte Rücken ist
in der Zeichnung nach unten gekehrt, die nach der Bauch-
seite laufenden Platten mit den Wülsten der Hakenborsten
nach oben.
6. Ein paar Segmente der vorderen Leibesabtheilung der Te-
rebella turrita, seitlich gesehen.
7. Vordertheil von Terebella pustulosa, von der Seite und obeu
gesehen.
b.b. Die aus einfachen Fäden bestehenden Kiemen, | die
polsterartig verdickte den Rücken einfassende Seilen-
wand, aus der die Borstenhöcker und Wülste der Ha-
kenborsten u hervortreten.
8. Vordertheil von Polycirrus aurantiacus, von der Bauchseite.
. 9. Deckel von Serpula (Vermilia) galeata.
Fig.10. Vordertheil von Saenuris barbata, von oben gesehen. yd
das vorn in zwei Aeste gespaltene Rückengefäss auf dem
Darme.
10.a. Ein paar Hakenborsten dieser Annelide.
|
|
j
sun
Beschreibung neuer oder wenig bekannter Anneliden 117
Tafel V.
Fig. 1! Vordertheil von Spiopkanes Kroyeri, von der Rückenseite.
et Die Fühlercirren des Mundsegments, L der in dasselbe
eingedrückte, zwischen ihnen befindliche Kopflappen, t
sein Fühler, Svı das 6te Segment, mit welchem der
Körper breiter und die Stellung der Borstenbündel und
ihrer blattartigen Lippen eine andere wird.
Fig. 2. Terebella fleruosa, Vordertheil von der Rückenseite.
1“ Die seitlichen an der Bauchfläche verbundenen Lappen
des Mundsegments, 1? die seitlichen Lappen des 3ten Seg-
ments, Sıı der Mitteltheil des 2ten Segments, auf dem die
Kiemen sitzen.
2.a. Die flach gedrückte aus gleichartigem Schlamme gemachte
in einer Ebene hin und her gewundene Röhre dieser Te-
rebella in natürlicher Grösse.
Fig. 3. Amphieteis groenlandica, Vordertheil von der Rückenseite.
L. Der vordere (Stirn-) Theil des Kopflappens, über den
die an seiner Unterfläche sitzenden Fühler t hinausra-
gen, L’ der hintere Theil desselben; auf der Grenze bei-
der Theile der beiden wulstigen queren Falten. Sı das
Mundsegment, Sır das zweite Segment mit seinen ge-
waltigen Borstenköchern, b die Ansätze der zum 3ten
Segmente gehörenden Kiemen, pl die durchsichtige nach
vorn überliegende Falte, die die beiden Gruppen der
Kiemenfäden mit einander verbindet, ft das Borstenbü-
schelchen desselben Segments.
3.a. Ansicht des Vordertheils von der linken Seite, weniger
vergrössert.
l. Die Unterlippe des 1sten oder Mundsegments, durch eine
Furche von ihm abgesetzt, Svı das 6te Segment, das-
jenige, an welchem zuerst unter dem seitlichen Bor-
stenbündel ein Flösschen (Pinnula) auftritt.
3.b. Die Segmente der hinteren Körperabtheilung, die nur Pin-
nulae trägt, von der linken Seite gesehen : an jeder die-
ser Pinnulen läuft der obere Rand in ein Fädchen aus.
3.c. Die hintersten Segmente und das Endsegment mit seinen
zwei Cirren.
Fig. 4. Amphicteis invalida, Vordertheil von oben gesehen.
b. Die vier Kiemen jeder Seite, pl die sie verbindende
durchsichtige Falte,
4.a. Dasselbe Thier, ganze Figur, minder vergrössert von oben.
4.b. Ein paar Uneini ihrer Pinnulen sehr stark vergrössert.
113 Grube: Besch. neuer od. wenig bekannter Anneliden.
Fig. 5. Amphicteis brevispinis, von oben gesehen, vergrössert.
sp. Die acht auffallehnd''kurzen stark glänzenden Stacheln
an jeder Hälfte der Vorderseite des 2ten Segments.
Bei A. invalida und irevispinis kann die breitere Körper-
gestalt theils davon herrühren, dass diese Arten zartere
Wandungen besitzen , theils davon, dass sie in minder
starkem Weingeiste gelegen haben mögen.
5.a. Röhre von A. brevispinis in natürlicher ‚Grösse.
g. 6. Amphicteis acutifrons, Vordertheil von unten gesehen, ver-
grössert, j
6.a. Die letzten Segmente der hinteren. Körperabtheilung und
das Endsegment mit seinen zwei seitlichen (den Pinnulen
entsprechenden) Fortsatzen und acht Cirren,
F
Ueber einen neuen Fisch.
Briefliche Mittheilung an den Herausgeber.
Vom
Fürsten zu Salm-Horstmar.
Ich habe in einem kleinen Bache bei Coesfeld, genannt
der Hühner-Bach (der in der Quelle im Sükerhok entspringt
und oberhalb Coesfeld in die Berkel mündet) einen merk-
würdigen Fisch entdeckt; — dieser kleine Fisch hat die
Grösse eines Stichlings Gasterosteus aculeatus und ober-
flächlich betrachtet auch das Ansehen eines Stichlings. —
Er unterscheidet sich aber sehr specilisch vom Stichling,
indem
1) sein Unterkiefer oder dessen Spitze weit zurücksteht
im Verhältnisse zur Spitze des Oberkiefers; der Un-
terkiefer ganz anders ist;
2) sich an der Spitze des Unterkiefers ein merk-
würdiger meisselförmiger Zahn befindet, dessen
Schärfe fein gekärbt unter der Lupe erscheint. Im
Profile ist der Zahn so 1.
Ich fand diesen Fisch todt auf dem Sande des Baches
liegen, vor einigen Jahren. Ich habe das Exemplar aber
leider nicht aufbewahrt, weil ich zur Zeit diesen
Fisch für einen Stichling hielt und mir vornahm
gleich lebende Exemplare zu verschaffen, denn ich kannte
die Anatomie des Stichlings nicht. Wie gross war
meine Ueberraschung, als ich lebende Stichlinge untersuchte
und bei ihnen weder den meissellörmigen Zahn noch das
Verhältniss von Ober- und Unter-Kiefer fand. — Ich gab
dem Fischer Auftrag einen solchen Fisch unter den Stich-
lingen zu suchen. Er brachte mir eine Masse Slichlinge,
erklärte aber, dass er keinen solchen, wie ich ihn ver-
120 Salm-Horstmar: Ueber einen neuen Fisch,
langte, finden könne. Ich gab mich nun selbst an die Ar-
beit, allein mit gleichem Erfolge wie der Fischer, und aus
sehr einfachen Gründen , denn die Zahl der Stichlinge ist
ungeheuer und wenn sich also diese neue Fischart nur
in wenigenExemplaren darunter findet, so kann man
nur durch einen'glücklichen Zufall diesen Fisch finden, da
Grösse und‘ Ansehen so gleich sind, besonders; bei der
Kleinheit Beider.
Ich werde mir aber alle Mühe geben, diesen merk-
würdigen Fisch noch einmal ‚zu bekommen, ihn dann in
Spiritus setzen und gleich an Sie schicken.
Ich bitte aber einstweilen diese Notiz in einem zoolo-
gischen Journale mitzutheilen, damit das; Factum wenigstens
nicht verloren geht für die Wissenschaft. |
Coesfeld bei Münster, d. 26. Febr. 1860.
ae ge
Alepidosaurus, ein Meerwels.
Von
Dr. Albert Günther.
Cuvier hat in seiner Familie Scomberoidei viele ver-
schiedenartige Fische zusammengestellt, während er andere,
die den typischen Formen sehr nahe stehen, daraus weg-
liess. Andere Geschlechter, die von späteren Zoologen ent-
deckt wurden, und in diesem oder jenem Punkte eine Ue-
bereinstimmuug mit einem Scomberoiden zeigten, mussten
die unnatürlicht Gruppirung vermehren. Zu den letzteren
gehört Alepidosaurus ferox, der durchLowe beschrieben
wurde (Proceed. Zoolog. Soc. 1833. p. 104. Transact. Zool.
Soc. I. p. 124. pl.19 et p. 395. pl. 59. Vol. II. p. 181). Die-
ser gründliche Naturforscher, dem wir die zuverlässigsten
Nachrichten über die Fauna Madeira’s verdanken, täuschte
sich in diesem Falle über den Bau der Rückenflossen-Strah-
len. Dieselben sind nicht die ungegliederten Knochen der
Acanthopterygier, sondern sie sind weich, und ihre Glie-
derung erscheint nur darum undeutlich, weil die einzelnen
Gelenke durch grosse Zwischenräume von einander ge-
trennt sind, und jeder Strahl, trotz seiner Länge, nur aus
wenigen Gliedern besteht. Die Abwesenheit der Stachel-
flosse wäre zwar an und für sich noch kein Beweis für
die Stellung unseres Fisches unter den Weichflossern ; meh-
rere ächte Acanthopterygier entbehren einer solchen, aber
andere Charaktere helfen uns dann, die natürliche Stellung
derselben zu erkennen, und der Platz, wo die Stachel-Flosse
stehen sollte, ist nicht von der weichen Dorsalis einge-.
nommen, wie "dies bei Alepidosaurus der Fall ist. Die
Stachelflosse ist in jenen nur verkümmert, (Brama).
Nehmen wir nun noch hiezu die Gegenwart der Feit-
122 Günther: %
flosse in Alepidosaurus, und die abdominale Stellung seiner
Bauchflossen, welche aus einem unverzweigten und neun
verzweigten Strahlen bestehen, so können wir nur zu dem
Schlusse kommen, dass dieser Fisch ein ächter Weichflos-
ser ist. Die Schwimmblase "fehlt, wie vielen anderen Phy-
sostomi.
Den Aufschluss, zu welcher Familie der Physostomi
Alepidosaurus zu stellen sei, habe ich an seinem Skelete *)
gewonnen. 1) Das Subopereulum fehlt; es ist er-
setzt durch den Zwischendeckel, der an Grösse dem Oper-
eulum gleiehkommt. 2) Der Rand der Oberkinnlade
ist allein durch das Zwischenkieferbein gebil-.
det; es ist seiner ganzen Länge nach mit einer Reihe klei-
ner Zähne bewaffnet, es ist sehr schwach und nur vorne
erweitert es sich zu einer beinahe durchsichtigen Lamelle.
3) Das Oberkieferbein ist verkümmert: während
es 'in Süsswässer-Welsen mit kurzem Schädel im Längs-
durchmesser verkürzt ist, ahmt es hier, in Alepidosaurus,
die langgestreckte Form der Schädelknochen zwar nach,
isb aber nicht dicker als eine Nadel und bleibt nur bei
sorgfältiger Präparation des Schädels erhalten.
Diese osteologischen Charaktere weisen, trotz aller
Verschiedenheit der Form, ganz entschieden auf eine nahe
Verwandtschaft unseres Fisches mit den Siluroiden hin; dazu
kommt noch, dass er schuppenlos und ein Raubfisch ist,
dass er, wie ‘die meisten Arten dieser Familie, eine Feti-
flosse hat, und dass er, wie alle, der Blinddärme entbehrt.
Die Verwandtschaft giebt sich sogar in einigen weniger
bedeutenden Merkmalen zu erkennen, z.B. durch den äus-
seren Brustflossenstrahl, welcher verstärkt und gezähnelt
ist. Wir haben also in Alepidosaurus das erste Beispiel
eines Meer-Welses; und will man nicht die Einheit der
Süsswasserwelse durch die Beifügung von Alepidosaurus
*) Eine ausführliche Beschreibung: des Skelets, werde ich im
Verlaufe meines „Catalogue of fishes“, geben. Im Allgemeinen zeich-
net es sich üurch einen auffallenden Mangelder erdigen Bestandtheile
aus, wie die Muskeln durch die Aue geringe Entwickelung des
Bindegewebes.
a ee ea
Alepidosaurus, ein Meerwels. 123
stören, so mag man eine eigene Familie — Alepidosauri-
dae — mit den Charateren des Geschlechtes bilden, welche
dann ihren Platz unmittelbar neben den Siluroiden einneh-
men wird.
Es ist zu erwarten, dass Alepidosaurus ferox nicht
die einzige Art dieser Gruppe bleiben wird. Der Fisch,
welchen Richardson nach einem Schädelfragment von
Van-Diemens-Land als Alepisaurus sp.? beschrieben hat
(Voy. Ereb. et Terror. Ichthyol. p. 34. pl. 22. fig. 14) ist
identisch mit dem von Madeira, wie ich mich durch eigene
Untersuchung überzeugt habe, und so weit sich die Cha-
raktere aus dem vorhandenen Materiale ermitteln lassen.
Seine Behauptung, dass Alepidosaurus zu den Sphyraeni-
dae gehöre“, beruht auf einer sehr oberflächlichen ‘Unter-
suchung. — Allein Herr Lowe erzählt mir von einer
anderen, unserem Fische sehr ähnlichen Art, welche die
Fischer in Madeira nicht selten in ‚grosser Tiefe‘ an der
Angel fangen. Die Verbindung der Wirbel , der Knochen
des Schädels und der Muskel-Segmente ist jedoch so: lose,
dass der Fisch durch seine eigenen Anstrengungen sich
zu befreien, in Stücke zerbricht, und die Fragmente, welche
man von ihm an die Oberfläche zu bringen im Stande ist
an der Luft zerfallen, wie wenn sie durch Kochen aufge-
löst worden wären.
London im März 1860.
Anabas trifoliatus n. sp.
Von
Prof. J. Kaup.
(Hierzu Taf. VI. Fig. A).
Wenn man angiebt, dass ein Süsswasserfisch zugleich
auf dem Festlande und auf seinen weit entfernten Inseln
vorkomme, so darf man woll so lange zweifeln, bis die
Identität äusserlich und innerlich nachgewiesen ist. ' Die
Grossherzogliche Sammlung erhielt in diesem Jahre von
Java zwei Anabas scandens durch den Herrn Militärarzt Dr.
Wienecke, die auch ich für A. scandens ansah. Um
den merkwürdigen Ohrapparat zu sehen, entfernte ich den
ganzen Kiemendeckel und einen Theil des Kopfes und fand
zu meinem Erstaunen, dass dieser Apparat bedeutend einfacher
bei dem javanischen scandens, als an dem Indischen des
Festlandes ist, wie er C. V. pl. 205 abgebildet ist *). Meine
zwei Exemplare können nicht zu dem macrotephalus' Blkr.
gehören, der ebenfalls auf Java vorkommt, weil sie in den
Kopfdimensionen von der Abbildung nicht abweichen , die
Cuvier und Valeniennes in dem VII. Bande auf Pl. 193
gegeben haben.
Meine Angabe, das der javanische scandens von dem in-
dischen anatomisch verschieden ist, stellt alle Angaben, was
Verbreitung betrifft, in grosse Frage und es ist anzunehmen,
dass alle Exemplare auf Inseln, nahe oder weit entfernt vom
indischen Festlande, nicht zu dem eigentlichen scandens
*) Ob dieser Kopf mit Anabates sennal bezeichnet der wirkli-
chen Perca scandens Daldorf angehört, bleibt vorderhand fraglich,
da Cuvier und Valenciennes nicht erwähnen , dass sie Indivi-
duen aus der Nähe von Tranquebar gehabt haben.
Kaup: Anabas trifoliatus. 125
Daldorf gehören; ja es ist sogar erlaubt zu zweifeln, ob
der chinesische scandens nicht ebenfalls einer anderen Art
zugerechnet werden kann.
Alles dies lasse ich aus Mangel an Exemplaren einst-
weilen auf sich beruhen und gehe auf den javanischen scan-.
dens zurück. Aeusserlich sind beide Exemplare dem scan-
dens täuschend ähnlich und die Strahlenformel selbst: D.
17—18/9. A. 10/9. P. 15. C. 20 zeigt sehr unwesentliche
Abweichungen. Meine Angabe der Caudal könnte sich eben-
falls auf 16 reduciren lassen, allein ich habe nach oben
wie unten zwei rudimentäre Strahlen, die unter Haut und
Schuppen verborgen liegen, dazu gezählt. Das einzige
wesentliche Kennzeichen, das ich fand, ist, dass-der Körper
verlikal etwas höher ist und vom ersten Analdorn aufwärts
15 Schuppen zählt, während bei dem indischen nur 12—13
zu zählen sind. Bei meinen Exemplaren geht die Late-
ral des Schwanzes nicht oder nur bis zu der Schuppen-
reihe, auf welcher die grössere Lateral sich endigt. Bei
dem indischen geht die Lateral des Schwanzes zwei Schup-
pen weiter unler der eigentlichen Lateral nach vorn hin.
Ob dieses ein festes Kennzeichen ist, bezweifle ich, da die
Länge oder Kürze der Schwanzlateral Variationen unterwor-
fen zu sein scheint.
Vergleicht man hingegen das labyrinthförmige Blätter-
organ über den Kiemen mit dem, welches Cuvier und Va-
leneiennes auf Pl.205 mit der Bezeichnung Anabas sen-
nal gegeben haben, so stellt es sich heraus, dass dieses
bedeutend einfacher, weniger gefaltet und nur mit drei ein-
fachen Blättern, wovon das kleinste auf dem zweiten und
dieses auf dem äten liegt, verschen ist. Bei den indischen
sind vier solcher übereinander liegender Blätter, die kom-
plieirtere und an den Rändern viel zahlreichere Falten und
Buchten zeigen.
Bei dieser Gelegenheit muss ich darauf aufmerksam
machen, dass man das Faktum, welches v. Daldorf und
John in Tranquebar an der Perca scandens beobachtet
haben, dass dieselbe Bäume erkleltert, um in dem ange-
sammelten Wasser der Blätter eine Zeit lang zu leben,
vielfach bestritten hat.
126 Kaup:
Hamilton in seinen Fischen des Ganges läugnet es
sogar und sagt, dass es eine Zufälligkeit gewesen sei, dass
Daldorf den Fisch fünf Fuss hoch an dem Stamme eines
Borassus flabelliformis gefunden habe *). Daldorf er-
zählt jedoch die Art und Weise, wie er klettert und sagt,
dass, ehe er den Fisch aus einer Spalte der Rinde genom-
men habe, er sich anstrengte noch weiter zu klettern. Aehn-
liches erzählt John, der sagt, dass man ihn in der Tamul-
sprache Pannei-eri nenne, was Baumkletterer bedeute. In
Pondichery wird er noch heute nach Leschenault Pane
er& genannt. Unter den neueren Reisenden erwähnen Cu-
vier und Valenciennes, die nicht abgeneigt sind, die
Daldorf’sche Angabe für wahr zu halten, auch Reinwardt
und sagen von ihm, dass dieser nichls Aehnliches von dem
javanischen Anabas scandens erwähnt habe, ebenso wenig
Leschenault bei den Exemplaren, die er in Pondichery
gefunden hal.
Da die zwei Arlen, mein Anabas trifoliatus und ma-
crocephalus Blkr., die in Java vorkommen, nicht zu Anabas
scandens gehören, so fällt der Gewährsmann Reinwardt von
selbst weg, denn es ist eine Möglichkeit, dass nur eine
Art, die vorzugsweise ausgerüslet mit sehr komplieirtem
Labyrinthorgane ist, die Eigenschalt hat, Bäume zu besteigen.
Zu bedauern ist es, dass weder Daldorf noch John
sagen konnten, dass sie diesen Fisch ausserhalb des Was-
sers mehrmals auf den Teichen nahestehenden Palmen haben
klettern gesehen; allein ich glaube, dass sie die Beobach-
*) Man könnte sich das Auffinden eines Fisches an der Rinde
einer Palme, 5 Fuss hoch über dem Spiegel des Teiches, nur durch
eine vorhergegangene 5 Fuss hohe Ueberschwemmung erklären, von
der jedoch die Erzählung von Daldorf keine Silbe erwähnt. Eine
5 Fuss tiefe Ueberfluthung ist jedoch nicht so schnell, wie ein Re-
genguss verlaufen, um einen Anabates trotz seines Apparats lebend
zu erhalten. Hier ist von keinem Zufall die Rede und wenn Hamil-
ton oi/en gegen Daldorf auftreten wollte, so hätte er ihn unum-
wunden beschuldigen müssen, dass er der Welt ein Märchen aufge-
bunden hat. Gegen dieses würde jedoch der Tamul'sche und Mala-
barische Name Pannei-eri und Pan&-ere streiten. Ohne allen Zweifel
klettert der Anabes scandens in der Nähe von ranquebar.
Anabas trifoliatus. 127
tung nicht wiederholen wollten, weil es bei Tranquebar ein
bekanntes Factum ist und das Volk diesen Fisch ja den
Kletterfisch nennt.
Um einen Reisenden einer Unwahrheit zu bezüchligen,
namentlich wenn seine Erzählung ans Wunderbare streift,
dazu gehört die grösste Vorsicht, namentlich, wenn man
ihn nicht durch eigene Beobachtung widerlegen kann. Ist
der Ganges Anabates anatomisch von der Perca scandens
Daldorf bei Tranquebar verschieden, etwa wie der javani-
sche von dem, welchen Cuvier undValenciennes un-
ter dem Namen A. scandens abgebildet haben, so fällt die
Beschuldigung von Hamilton, dass John und Daldorf
eine einseilige und zufällige Beobachtung gemacht hätten,
auf ihn selbst zurück. Bis dahin sind die Akten leider
nicht geschlossen und die Exemplare aus den verschiede-
nen Flüssen Indiens und Chinas nicht genau genug
untersucht *).
Berichte von sonst glaubwürdigen Männern zu be-
zweifeln, ist selbst bei der Lebensweise einer und dersel-
ben Art nicht gut zu heissen, denn es giebt Arten, die
sich den Verhältnissen der verschiedenen Länder eines Welt-
theils anpassen. So ist unsere scheuste Taube, die Rin-
geltaube, Columba palumbus, in Paris und den holländischen
Städten fast halbes Hausthier, die sich bis auf wenige Schritte
nahe kommen lässt, während bei uns sie auf tausend Schritte
entflieht. Ich habe sie von höheren Häusern auf ihren
Nestern brütend gesehen, während sie in unseren Waldun-
gen, einigemal am Neste gestört, dieses sogleich verlässt.
Die Entgegnungen des Reisenden Tschudi gegen die Be-
obachtungen des liebenswürdigen Schomburgk, dass der
Vultur papa in Peru in Gesellschaft mit den kleineren Geiern
auf einem und demselben Aas sich nähre, und dass die
Schomburgk’sche Erzählungen längst vor ihm von vielen Or-
nithologen angelührt, Indianer-Märchen seien, nach welchen
®) Bleeker unterscheidet bereits: 1) seandens mein trifolia-
tus ; 2) macrocephalus, Java, Sumatra, Bintang et Borneo ; 3) oligo-
lepis, Borneo ; 4) mierocephalus, Amboina ; 5) variegatus, Celebes,,
128 Kaup: Hoplarchus, neues Genus der Familie Labridae.
n
der Vultur papa sich zuerst sättige und später erlaube, dass
auch diese ihren Hunger stillen, werden sich sicher als
ungerecht herausstellen. Landessitte — Landesart kann
man auch bei vielen Vogelspecies sagen. Selbst wenn der
Ganges Anabates identisch mit dem von Tranquebar wäre,
so könnte doch zwischen beiden ein Unterschied in der
Lebensart sein.
Darmstadt im März 1860.
Hoplarchus, neues Genus der Familie Labridae.
Beschrieben und abgebildet
von
Prof. J. Kaup.
(Hierzu Taf. VI. Fig. ]).
Diagnose. Zähne in mehreren Reihen, die klein, kurz
und konisch sind. Die vordere Reihe besteht aus Zähnen,
die alle von gleicher Grösse und etwas stärker und
an den Spitzen gebräunt sind; die oberen etwas länger
als die unteren. Die Schlundzähne gleichen einer Katzen-
kralle und sind ebenfalls am Ende gebräunt. Lateral deut-
lich unterbrochen mit einfachen Porenröhren.
Beschreibung. Schon allein diese vorangesandte Diag-
nose unterscheidet dieses Genus von allen bis jetzt bekann-
ten Genera, bei denen bis jetzt kein Genus unterschieden
worden ist, bei welchen nicht grössere Zähne am Anfange
des Kiefers sich zeigen. Zu obigen Charakteren kommt
jedoch noch eine Summe von Kennzeichen, die dieses Ge-
nus auszeichnet. So fällt der Kopf nach der Schnauze hin
plötzlich ab, ohne jedoch die schneidende Stirnkante der
Novacula und Xyrichthys anzunehmen, die Stirn ist viel-
mehr so breit oder noch breiter als der Diameter des Au-
ges. Der Präoperkel ohne alle Zähnlung ist vor seinem
Kaup: Hoplarchus, neues Genus der Familie Labridae. 129
unteren Winkel schwach oder sehr bedeutend ausgebuchtet
mit 2 bis 3 Gruben. Wangen und der ganze Operkel mit
Schuppen bedeckt. Schnauze von den Augen an, so wie
der Unterkiefer nackt. Das hintere Nasenloch, grösser als
das vordere, sitzt nahe hinter demselben und beide stehen
dem Schnauzenrande näher als dem Auge. Ihre Körperge-
stalt scheint bei allen Arten ziemlich hoch zu sein. Die
Lateral mit einfachen nicht verästelten Porenkanälen zieht
bis gegen das Ende der weichen Dorsal, bricht hier plötz-
lich ab und setzt sich auf dem Schwanze fort. Die Sta-
cheln der Dorsal und Anal zeigen kleine Läppchen an den
Membranen, die über die Stacheln vorragen; die Stacheln
sind meist stark, namentlich die der Anal. Alle weiche
Flossen und Flossentheile ungewöhnlich verlängert. Die
Schuppen am Rande rauh und schr fein gezähnelt. Ich
kenne in natura nur zwei Arten des Münchener Museum,
von denen jedoch leider Nichts bekannt ist, und von wel-
chen man nicht weiss , in welchem Meere sie gefangen
wurden.
1. Hoplarchus penlacanthus Kp.
Taf. VI. Fig. I.
.Mit fünf Stacheln in der Anal, wovon der 5te fast so
lang ist, als die halbe Körperhöhe. Diese Art hat durch
die fünf Stacheln der Anal einige, jedoch nur weit entfernte
Aehnlichkeit mit einigen Acantholabri, bei welchen die
Stacheln nicht so entwickelt vorkommen , denn bei Palloni
hat der 5te Stachel die Länge von einem Drittel der Kör-
perhöhe, während er bei dieser Arl fast die Hälfte beträgt.
Die Stirn ist schwach convex. Augen gross und ihr
Diameter ist gleich der Breite der Stirn und gleich der
Länge vom Augenwinkel bis zum Rande des Zwischenkie-
fers in gerader Linie gemessen. Die Wangen sind mit
10 bis 11 Reilien kleiner Schuppen bedeckt und lassen die
untere Hälfte unbedeckt. Der Präoperkel zeigt am Rande
Spuren von Schuppen, ist vor dem Winkel deutlich ausge-
buchtet und mit 3 nach unten offenen Narben versehen,
wovon die obere an der Bucht und die 2 unteren an dem
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. 9
130 Kaup:
rund vorspringenden Winkel stehen. Zwei Närbehen am
Rande einer faltigen Erhöhung nächst den Lippen.
Der Zwischenoperkel mit einer oder zwei Reihen Schup-
pen. Operkel höher als breit mit 12 Reihen, 6 bis 11 in
einer jeden, scharf von oben nach vorn laufender kleiner
Schuppen und kleinem häutigen Läppchen am winkeligen
Ende. In vertikaler Höhe mögen etwa 24 und in der ho-
rizontalen Richtung gegen 40 gewesen sein. Ihre Zahl
konnte nicht ganz genau ermittelt werden, da der grösste
Theil der Schuppen fehlt und die Zahl nur nach den Zel-
len, worin das Wurzelende steckt,- gegeben werden konnte. '
Die Lateral kann aus 18 bestanden haben. Die letzte der-
selben steht unter dem 3ten weichen Strahle der Dorsal.
Auf dem Schwanze haben sich alle 5 Schuppen der Late-
ral erhalten.
Die Dorsalstacheln nehmen von vorn nach hinten an
Länge zu, so dass der 15te der längste von allen ist; er
zeigt eine Länge gleich dem doppelten Diameter des Au-
ges. Der 4te Strahl der weichen Dorsal ist mit dem 5ten
der längste und hat eine Länge, die fast der Körperhöhe
gleich ist. Von der 6ten nehmen sie schrittweise bis zur
letzten an Länge ab. ;
Die Analstacheln sind sehr entwickelt und aın vorde-
ren Rande gefurcht; die erste hat etwa ein Drittel der
Länge vom letzten. Die weichen Strahlen derselben, die an
den Spitzen sich nicht erhalten haben, werden wahrschein-
lich ähnlich wie die der weichen Dorsal verlängert gewe-
sen Sein.
Die Caudal, lang und zugespitzt, hatte eine Länge gleich
der Höhe des Körpers unter dem ersten Strahle der wei-
chen Dorsal gemessen. “, ihrer Länge war beschuppt.
Die Ventral zeigt den isten und 2ten Strahl spitz
verlängert, so dass die Spitze des ersten Strahls den 4ten »
Stachel der Anal erreicht; sie ist an’ der Wurzel gelblich
und gegen das Ende hin schwarz. Die schwarze Pectoral
scheint halbe Rumpflänge gehabt zu haben.
Die Grundfarbe scheint schmutzig gelbbraun gewesen
zu sein, während Kopf und Flossen schwarz erscheinen. Vom
Hoplarchus, neues Genus der Familie Labridae. 131
Auge über die Wange eine breite lichtere grau violette
Binde.
D. 15/12. A. 5/9. P. 16. C. 10/8. Vaterland ? Süd-
Amerika.
2. Hoplarchus planifrons Kp.
Diagnose: Stirn breiter als der Diameter des Auges
und vollkommen eben. Drei Analstacheln von normaler
Länge.
Beschreibung : Diese Art weicht weniger von der all-
gemeinen Bildung der Labridae ab, allein gehört nach der
Zahnbildung , dem steilabfallenden Kopfe und der deutlich
unterbrochenen Lateral mit einfachen Porenkanälen in die
Nähe der Art, die hier unter dem Namen pentacanthus be-
schrieben ist.
Ausser den Kennzeichen der Art unterscheidet sich
dieselbe durch folgende Kennzeichen:
1) Da die Stirn flach ist, so scheinen die kleineren
Augen noch höher zu stehen, indem sie sich am Rande der
Stirn befinden, die etwas breiter als der Diameter des Au-
ges ist; auch fällt das Profil steiler ab.
2) Die Schuppen des Kopfes sind wie die des Kör-
pers grösser, so dass auf den ganzen Wangen nur drei
Reihen Schuppen zu sehen sind; noch grösser sind die
Schuppen des eigentlichen Kiemendeckels, der mit etwa
10 Schuppen bedeckt ist, zu welchen etwa noch 7 kommen,
die auf dem Inter- und Suboperkel liegen. Die grösseren
zeigen unzählige concentrische feine Ringe. Der Präoper-
kel zeigt nur auf dem unteren horizontalen Rande zwei
deutliche Narben in der Nähe des schwach vorspringenden
Winkels. Der vertikale Rand zeigt zwei minder deutliche,
die weit von einander stehen.
3) Die Zahl der Schuppen in einer vertikalen Reihe
ist 10 und die in horizontaler Richtung ist etwa 22.
4) Die vertikale Höhe geht dreimal in die Körper-Länge.
| 5) Weder die Dorsal- noch Analstacheln sind so ent-
wickelt, wie bei der vorigen Art, auch sind die weichen
Flossen nicht so verlängert, denn weder die Pectoral noch
die Ventral erreicht den Anus und der weiche Theil der
132 Kaup: Hoplarchus, neues Genus der Familie Labridae.
Dorsal und Anal überreicht kaum Y, der Caudal, die wahr-
scheinlich schwach ausgeschnitten war.
Die Grundfarbe ist dunkelbraun, gegen den Rücken
hin schwarzbraun und gegen den Kopf hin lichtbraun. Wei-
cher Theil der Dorsal und der Caudal mit dunklen und
lichteren Flecken. Pectoral und Ventral lichtbraun, letztere
nach den Spitzen hin dunkler. D. 15/10. A. 3/8. P. 14.
C. 10/8.
In dieses Genus scheinen noch zwei Bloch’sche Arten
aus Surinam zu gehören, die ich in dem grösseren Fisch-
werke von Cuvier und Valenciennes nicht aufgenom-
men finde. Es sind die Arten:
3. Labrus punctatus Bloch 295. fig.1.
Bloch et Sch. Syst. p. 251. nr. 37.
Diese Art gleicht noch am meisten meiner ersten Art
durch die Verlängerungen aller weichen Flossentheile und
Flossen, allein unterscheidet sich wesentlich durch die Ra-
dienformel. D. 15/10. A 4/8 und durch die Zeichnung.
4. Labrus melagaster Bl. 296. fig.1.
wi N. BiochVet’Sch.Syst, p.'246\ nr. 16)
Sie gleicht am meisten meiner zweiten Art planilrons
und die Radienformel ist folgende : D. 15/10. A. 3/7. P. 12.
C. 19.
Auf den Bloch’schen Charakter, dass der Operkel,
Zwischen - und Unteroperkel ohne alle Schuppen sind, kann
man kein grosses Gewicht legen, weil die grossgeschupp-
ten Labridae leicht die Schuppen verlieren. Die linke Seite
meines planifrons zeigt den eigentlichen Operkel vollkom-
men glatt und durchsichtig, so dass auch nicht die Spur
von Schuppen mehr wahrzunehmen ist, während derselbe
auf der rechten Seite deutlich mit Schuppen versehen ist.
Ich würde unbedingt diese Art mit meinem planifrons für
identisch halten, wenn bei letzterer das Profil nicht steiler
abfiele, die Wangen nicht mit einer geringeren Zahl von
Schuppen versehen und die Färbung eine andere wäre. Bei
melagaster geht das Schwarz des Bauchs bis zum Anfange
Kaup: Ueber die Chaetodontidae. 133
der weichen Analstrahlen und erstreckt sich nicht bis zum
Rücken, während bei planifrons Brust, Bauch und Seiten
deutlich gelblichbraün sind. Ist die Angabe des Vaterlan-
des Surinam richtig, so scheint es mehr als wahrscheinlich,
dass die zwei Arten des Münchner Museums cbenfalls aus
den süd-amerikanischen Meeren stammen.
Ueber die Chaetodontidae.
Von
Prof. J. Kaup.
Die Unlerfamilie Chaelodontinae der Familie Chaeto-
donlidae besteht grösstentheils aus dem Genus Chaelodon,
wie es Cuvier und Valenciennes aufgefasst haben
wollten. Dieses Genus umfasst 61 Arten, die man genau
untersuchen muss, um einzusehen, dass sie kein einziges
Genus, sonders dass sie vielmehr Glieder von verschiede-
nen Genera sind. Ehe ich an die Ausscheidung der Nö-
minalspecies gehe, sind vor allen Dingen folgende drei
Arten zu entfernen: Die erste Art ist Ch. strigatus Langs-
dorf, aus welcher ich das Genus Therapaina bilde, das ich
durch grosses Auge, deutlich gezähnelten Präoperkel, hohe
Dorsaldornen ohne Schuppenbekleidung, deutliche schwach
gebogene Lateral bis zur Schwanzflosse reichend, charak-
terisire. Die zweite Art ist Ch. Kleini Bl. t. 218. Herr
Professor Peters schrieb mir, dass er den Chaetodon Klei-
nii Bl. für identisch mit melastomus Bl. und Schneider halte,
und dass sich von letzterem zwei Exemplare, ein grösse-
res und kleineres , noch in der Bloch’schen Sammlung be-
linden, wovon das kleinere mit dem Namen Kleinii bezeich-
net sei. Da es nur halb so gross als die Bloch’sche Ab-
bildung ist, so passt es nicht zu derselben.
; Die Abbildung von Bloch ist genau so gross wie die,
welche Klein von seinem Rhombotides dentalus, Taf. X. fig.2
gegeben und es ist daher wahrscheinlich, dass Bloch das.
134 Kaup:
kleine Exemplar vergrössern, und dass er zu den 13 Sta-
cheln der Dorsal nach dem Muster der Klein’schen Abbil-
dung noch vier weitere Stacheln dazu fabriciren liess.
Die 17 Stacheln der Dorsal sind zwar von Klein in
der Beschreibung wie Abbildung angegeben, allein es ist
die Frage, ob nicht die Abbildung von einem schlechten
Zeichner gemacht und nach dieser erst später die Beschrei-
bung gebildet ist *).
Was für die Peters’sche Annahme spricht, ist, dass der
Totalhabitus und die Zahl der Stacheln und Strahlen der
Analflosse vollkommen mit der des melastomus überein-
stimmt.
Was nun die Lateral betrifft, diebeiBloch zur Cau-
dal geht, bei Klein wie bei melastomus gegen das ‚Ende
der Dorsal hin sich verliert, so glaube ich nicht, dass man
diesem Kennzeichen grossen Werth beilegen kann, da sie
bei Bloch fehlerhaft gezeichnet sein kann.
Ch. Kleinii Bloch ist desshalb mit der grössten Wahr-
scheinlichkeit zu streichen und der Name melastomus Bl.
et Schn. dieser Benennung Kleinii vorzuziehen.
In der Berliner Sammlung befand sich nach Herrn
Peters der chrysozonus Kuhl et van Hasselt unter der
Benennung ocellatus, nach der Eliquette und weil Lich-
tenstein diesen in seinem Verzeichnisse von 1822 nicht
erwähnt, soist er nicht durch Bloch, sondern später durch
den Grafen v. Borck in das Berliner Museum gekommen.
Der chrysozonus hat allerdings Aehnlichkeit in der
Lateral mit dem Bloch’schen ocellatus, zeigt ähnliche dicke
Lippen, ähnlichen Augenfleck auf dem weichen Theile der
Dorsal, allein chrysozonus hat 9 Dorsalstacheln und ver-
längerte zugespitzte schwarze Ventrale. Sollte der eigent-
liche ocellatus Bloch in die Nähe als Art zu chrysozonus
gehören ? oder ist es eine ebenso fabricirte Art wie der
Kleinii ?!
*) Dem vagabundus giebt Klein Tab. IX. fig. 2 ebenfalls 17
Stacheln in der Abbildung wie Beschreibung, und diess belegt meine
Angabe, dass Klein nach schlechten Abbildungen seine Beschrei-
bungen gemacht hat.
rn ä . RE 2 -
Ueber die Chaetodontidae. 135
Bloch citirt Seba 25. fig11, aus welchem Cuvier
seinen sebanus gemacht hat und der der junge von auriga
ist. Wäre es wohl möglich, dass Bloch einem einfarbigen
Chaetodon, wie melastomus , den er nach dem Muster von
Seba 25. fig. 11. zustutzen liess, die Ocelle noch drein gab ?
Bloch mag in seiner Zeit diess Verbesserungen ge-
nannt haben, die man streng genommen in jetziger Zeit an-
ders laufen würde.
Die dritte Art ist die häufig mit capistratus verwech-
selte ocellatus Bloch, die eine unterbrochene Lateral und
dicke Lippen zeigt. Seit Bloch sie beschrieben und ab-
gebildet hat, ist sie nicht wieder aufgefunden worden. Bei
beiden letzteren Arten wird es nöthig sein, sobald sie wie-
der aufgefunden sind, sie auf die Schlundzähne hin zu un-
tersuchen, ob sie nicht zu den Labridae gehören,
Zu diesen kommen noch folgende Arten, die doppelt
und dreifach als Arten aufgeführt, allein keine wirkliche
sind, sondern zu Species gehören, die längst beschrieben
"waren.
1) Ch. vireseens C. V. — melastomus Bl. et Schn. nach
Dr. Peters in seinen Fischen von Mosambique ; die näm-
liche Art ist in den Proceed. 1831 als flavescens von Ben-
nett aufgeführt.
2) Ch. reliculatus C.V. — Ch. collaris Bloch. Er-
sterer Name bezeichnet frische Spiritus- und letzterer ge-
trocknete Exemplare.
3) } semilarvatus ei lunatus —= lineolatus Quoy et
4) | Gaimard.
2) baronessa €. V., larvatus Ehr., Karraf C. V. = tri-
7) angulum K. etH.
8) Sebae €. V. = vagabundus Linn. nach Bleeker
und mir.
9) deceussalus C.V. = pictus Forsk.
10) ) marginatus Ehr., Abhortani C. V., dorsalis Rwdt.
11) ) = melanotus Bloch et Schn. Rüppell und Bleeker
12) ) vereinigen schon die 2 ersten mit dorsalis Reinw.
13) lunula C. V. = fascialus Forsk.
136 Kaup:
14) ) sebanus, setifer — auriga Forsk. nach Rüppel,
15) | Bleeker und mir.
16) / labiatus K. et H., melanopus €. V. = chrysozo-
17) \ nus K. et H. nach Bleeker.
Von diesen 17 sind 16 doppelte, ja mitunter dreifache
Aufführungen von bekannten Arten. Diese 16 und die 3
oben erwähnlen machen 19 Arten, die von den 61 Cuvier’-
schen Arten abzuziehen sind.
Es bleiben demnach noch 42 Cuvier-Valenciennes’sche
Arten.
Zu diesen 42 Arten kommen noch folgende 12, die die
Herrn Desjardins, Bennett in den Proceedings,
Schlegel in der Fauna japonica und Bleeker in den
Nat. T. Ned. Ind. beschrieben haben.
1) Ch. zoster Benn. Proc. 1831. Mauritius.
2) Ch. xanthocephalus Benn. Proc. 1832.
3) Ch. festivus Desj. Benn. Proc. 1833. Mauritius.
4) Ch. chrysurus Desj. Benn. Proc. 1833.
5) Ch. aureus Schleg. Faun. jap. 42. fie. 1.
6) Ch. oligacanthus Blkr. Java ete.
7) Ch. oxycephalus Blkr. Ternale.
8) Ch. polylepis Blkr. Amboina.
9) Ch. selene Blkr. Solor.
10) Ch. semeion Blkr. Cocos, Celebes cle.
11) Ch. Talii Blkr. Banda.
12) Ch. xanthurus Blkr. Amboina.
Diese 12 Arten, von welchen ich nur den aureus nach
der schönen Abbildung der Fauna japonica kenne, sind fer-
ner noch in die Unterfamilie Chaetodonlinae unlerzubrin-
gen, was ich später bei näherer Kenntniss dieser Arten
ihun werde, wenn es nicht von den Autoren dieser Arlen
selbst geschieht.
Die Chaetodontinae zerfallen in folgende leicht auf-
zufindende und zu charakterisirende Genera:
ltes Genus Cilharoedus Kp.
Zwei Bündel Zähne am vorderen Rande des Ober-
und Unterkiefers, wovon die unteren höher und mehr ent-
wickelt sind. Beide Reihen lasse@ den Mundwinkel völlig
Ueber die Chaetodontidae. 137
frei, ohne dass sie sich über diesen in den Mund hinein
ziehen. Mehr als 10 Dorsalstacheln und nur 3 Stacheln
in der Anal. Cith. Meyeri, ornatissimus etc.
2les Genus Coradion Kp.
Rudimentäre kaum sichtbare Zähnchen auf einer run-
den Stelle vorn im Gaumen. Die im Unterkiefer ebenfalls
sehr kurz, stehen in einem Winkel mit der Spitze nach
vorn. Lippen dick. Lateral bis zur Caudal. Weni-
ger als 11 Dorsaldornen (9—10). Coradion chrysozonus et
Bennelti.
öles Genus Eteira Kp.
Vier Stacheln in der Anal. Grosse Zahl Dorsaldornen
und sehr geringe Zahl weicher Dorsal- und Analstrahlen.
Et. triangularis, Taunayi, Leachi, plebeja.
4tes Genus Chaetodon Kp.
Zähnchen bis zum und über den Mundwinkel hinaus
in den Mund hinein. Mehr als 10 Dorsalstacheln, nur 3 in
der Anal. Ch. striatus Linn. etc.
dles Genus Linophora Kp.
Ecke der Dorsalllosse fadenförmig verlängert. Schnauze
gestreckt. 3 Analdornen. Körper oval. L. auriga, ephip-
pium, prinecipalis.
Um der Unterfamilie Chaelodonlinae ihren Rang an-
zuweisen, ist es nothwendig die ganze Familie Chaetodon-
lidae oder Cuvier’s grösseren Theil der Squammipennes
zu betrachten. Diese Familie charaklerisirt sich durch en-
gen Mund nicht bis zu den Augen geöllnet, durch die feinen
borstenarligen Zähnchen in vielen Reihen, und dass die ver-
likalen Flossen mehr oder weniger mit Schuppen bedeckt
sind. Durch diese Charaktere zusammengenommen, fallen
die Genera Brama , Pempheris und Toxotes als nicht hier-
her gehörig hinweg, da sie den Mund bis unter die Augen
geöffnet und Palatinzähne haben. Auch in dieser Familie
beginnt, wie bei so vielen niedrig stehenden , die letzte
Subfamilie mit einer ventrallosen Form, denn der Stachel
von Pseltus und die äusserst rudimenlären Ventral-Strahlen
können kaum für eine Ventralllosse angesehen werden, denn
138 Kaup:
Psettusarten, denen bei allen übrigen Charakteren der Dorn
vollkommen mangeln würde, müssten trotzdem in dieses Ge-
nus versetzt werden. In diesem Genus ist die Dorsal und
noch mehr die Anal ganz abnorm entwickelt und diese ma-
chen die Arten viel höher als lang.
An diese typische Form schliesst sich Platax unmittel-
bar an, bei welcher jedoch die Ventral plötzlich und über-
trieben entwickelt ist. 5
In natürlicher Reihenfolge schliessen sich an Platax
Pomacanthus *) und Holacanikus an. Platax und Holacan-
thus unterbreche ich durch das Genus Centropyge, das ich
aus H. tibicen mit 4 Analstacheln bilde.
Betrachten wir diese 5 Genera, so ist in den Hola-
canthusarten und namentlich in den mehr ovalen, wie dux,
mit nicht utrirten Dorsal- und Analflossen, die höchste Form
erstrebt, die in dieser Unterfamilie erreicht werden konnte.
Psettus als niedrigste Forın zieht alle übrigen Genera
zu sich herab ; ich nenne die Unterfamilie Pselttinae.
Die nächste Subfamilie, die am meisten Verwandtschaft
mit Holacanthus zeigt, sind die Chaetodon Cuv. oder meine
Chaetodontinae. Die Beweglichkeit der Dorsaldornen, nicht
mehr anliegend und unbeweglich, und dass diese in einem
sanften Bogen längs des Rückens, mit Membranen verse-
hen, stehen, ist schon bei Holacanthus erreicht und bleibt
auch in dieser Unterfamilie als eine Errungenschaft stehen.
Nur das Genus Linophora mit seiner fadenförmig endigen-
den Dorsal erinnert an die niederen Formen von Holacan-
thus, Pomacanthus und Platax, ebenso einige Arten des Ge-
nus Eteira, wie E. triangularis und Leachi. Bei allen Chae-
todontlinae ist die Schnauze vorspringend und nur bei den
höchsten Arten des Genus Cilharoedus fällt die Stirn, wie
bei Ephippus und Dipterodon, steil ab und die Schnauze
tritt zurück. So unwichtig die Zahl der Analdornen bei
anderen Genera, wie z.B. bei Centrarchus Cuy. ist, so zeigt
doch Eteira und später das Genus Scalophagus, dass sie im
*) baltealus, cingulatus und quinquecinclus €. V. sind Varietäten
von Paru.
Ueber die Chaetodontidae. 139
Verbande mit anderen Kennzeichen ein gutes Genusmerk-
mal in dieser Familie abgeben.
In der nun folgenden Unterfamilie, deren intimere
Verwandtschaft unter sich einleuchten muss, und die aus
den Genera Therapaina (strigatus Langsd.), Chelmon, Hen-
jochus und Zanclus besteht, schen wir ebenfalls wenig
Streben, den gestachelten Theil der Dorsal von der weichen
Flosse zu trennen; am wenigsten in dem Genus Zanclus,
wo ausser den vorderen zwei Stacheln der abnorm verlän-
gerte te und die 4 folgenden fast in der Weichheit den
übrigen weichen Strahlen gleichen und sich nur durch ihre
Einfachheit und ungegliedertes Wesen unterscheiden.
Die chagrinartige Haut, die abnorme Höhe des Kör-
pers und die Einfachheit der Dorsalstrahlen stellt Zan-
elus als die Psettus ähnlichste Form ans Ende seiner Un-
terfamilie.
Nächst diesem Genus stellen sich die Henjochusarten
als die Formen, welche den Chaetodon sehr ähnlich sehen
und sich durch die mehr oder mindere Verlängerung des
4ten Dorsalstachels auszeichnen. In diesen Formen ist
schon deutlicher der gestachelte Theil der Dorsal von den
weichen Strahlen getrennt. Von diesem Genus bin ich
nicht vermögend die Taurichthys €. V. zu trennen, die sich
nur unterscheiden, dass der 4te Stachel der Dorsal unbe-
deutend länger als die folgenden ist.
Der Stachel über den Augen ist kein generisches Kenn-
zeichen, da er auch bei Henjochus vorkommt.
Das 3te Genus, das wie Centropyge, Eleira und der
später zu erwähnende Scatophagus 4 Stacheln in der Anal-
Nlosse hätte, ist bis jetzt noch nicht bekannt.
Bei dem 2ten Genus Chelmon mit mehr ovalem Kör-
per sind die Stacheln der Dorsal gleichmässiger entwickelt
und stehen bei longirostris in einem schwachen Bogen,
während die quergebänderten, wie rostratus und Iruncatus
(Chaet. truncatus Kner), steiler aufsteigen, überhaupt hin-
ten höher sind und steiler zur Caudal abfallen.
Bei allen genannten Genera, wie Chelmon, Henjo-
chus und Zanclus, sind Arten, welche die obere Augen-
140 Kaup:
kreise gestachelt oder mit einem Hörnchen versehen ha-
ben. Chelmon zeigt Analogieen in der Zahnbildung, in der
geringen Zahl der Dorsalstacheln mit dem Genus Coradion
(Ch. chrysozonus K. etH.) Die Länge des Rüssels und die
zugespilzte Pectoral der Chelmons erinnert an den Vogel-
typus und seine Industrie mit Wassertropfen Insekten her-
abzuschiessen an die Larven des Myrmeleon.
In dem ersten Genus Therapaina (strigatus Langsd.)
ist der gestachelte Theil mit wohl entwickelten Stacheln
versehen, die frei von Schuppen und mit deutlichen Mem-
branen versehen sind.
Ich nenne diese Subfamilie einstweilen, bis das na-
mengebende öte Genus entdeckt ist, Henjochinae.
Die 2te Unterfamilie bilden die Genera Ephippus, Dre-
pane und Scatophagus. Ich nenne sie Drepaninae.
Scatophagus zeigt wie Centropyge und Eteira 4 Sta-
cheln in der Anal, Drepane die längste Pectpral in der gan-
zen Familie und bei Ephippus mit gewölbter Slirn und steil
abfallendem Profile ist die Dorsalllosse in zwei deutlich
gelrennt.
Die erste Unterfamilie, die ich Dipterodonlinae nenne,
zeigen ebenfalls freie Dorsalstacheln mit schuppenlosen Mem-
branen. Bei Dipterodon mit Sargus-ähnlichen Schneide-
zähnen und Ephippus-ähnlicher Stirn und Profil ist die,Dor-
sal deutlich geirennt, was bei Pimelepterus nicht der Fall
ist. Diese Unterfamilie ist die mangelhaftest bekannte von
allen, denn sie zeigt nur 2 Genera.
Nach diesen Voraussendungen wage ich es die Chac-
todonlidae wie folgt zu ordnen:
I. Subfamilia. Dipterodonlinae : 1. Dipterodon. 2..... :
Bag rue Aa ee: 5. Pimelepterus.
II. Subf. Drepaninae: 1. Ephippus. 2. Drepane. 3. Sca-
tophagus. 4. .... Eee ae ch
III. Subf. Henjochinae: 1. Therapaina. 2. Chelmon.
Ben 5 Se A 4. Henjochus. 5. Zanclus.
IV. Subf. Chaetodonlinae: 1. Citharoedus. 2. Coradion.
3. Eteira. 4. Chaelodon. 5. Linophora. I
V. Subf. Psettinae: 1. Holacanthus. 2. Pomacanlhus. |
3. Centropyge. 4. Platax. 5. Psettus.
Ueber die Chaetodontidae. 141
Die Ichthyologen , welche nicht glauben können oder
wollen, dass eine jede Familie u. s. w. ein in sich abge-
schlossenes Ganzes bildet‘, das in sich und durch sich ge-
ordnet werden könne, die leider nicht zugeben, dass jede
Familie u. s. w. ihr Wurzel- und Blütheglied besitzt, und
dass in allen Formen einer Unterfamilie, Familie ein Stre-
ben von niederer zur höheren Gestaltung zu erkennen ist,
und die lieber zugeben, dass die Natur spiele und ohne
feste Gesetze agire — wollen und können meine Versuche
als nutzlose Spielereien betrachten und mögen sich an die
kritische Ausscheidungen der Nominalspecies halten, an de-
nen ich wenigstens beweise, dass ich die Arten zu unter-
scheiden verstehe. Möglich, dass die Zoologen, wenn die
Lücken später ausgefüllt werden, den Glauben erhalten, dass
die Natur nicht spielt.
IV. Subfamilie Chaetodontinae.
Erstes Genus Citharoedus Kp.
Zähne in zwei Bündeln im vorderen Theile des Ober-
und Unterkiefers, die den Mundwinkel frei lassen. Die des
Unterkiefers bedeutend länger als die des Oberkiefers , die
kurz und mehr rudimentär sind. Die Stirn fällt in diesem
Genus am steilsten ab und die Schnauze springt selten vor.
Die Lateral endigt in der Nähe des Endes der Dorsal, die
mehr als 10 Stacheln besitzt und sich stets stumpf und nie-
mals fadenförmig verlängert. In der Anal nur 3 Stacheln.
Durch letzteren Charakter unterscheiden sie sich von Eteira,
durch stumpfen Kopf und Dorsalflosse von Linophora und
durch die Zahnbildung von Coradion und Chaetodon.
Man kann sie, wie später die Chaetodon, nach der
Zeichnung weiler eintheilen:
a) Mit Längs- oder schief von unten nach oben und
hinten gehenden Streifen.
1) C. Meyeri Bl. Syst. p. 223.
Operkel violett mit weissem vertikalen Streifen. Keine
parallele orange Streifen zwischen Pectoral und der Kehle.
D. 12/26. A. 3/21. Molukken.
142 Kaup:
2) C. ornatissimus Sol. Cuv. p. 22.
Operkel orangefarbig. Drei parallele Streifen zwischen
Pectoral und der Kehle. D. 12/26. A. 3/19. Olaheite.
Var. Mit mehr wagerecht gehenden Längsstreifen. Au-
genstreifen nur bis zur Spitze der Brust, 2ter nur zum Rande
des Operkels. D. 13/21. A. 3/20.
3) C. vittatus Bl.
Ende des Rückens mit keilförmigem gelbbegränzlen
schwarzen fast vertikalen Fleck, der sich etwas auf den
Schwanzrücken fortsetzt. Auf der weichen Dorsal selbst, die
strohgelb ist, zwei fast parallele Linien vor dem breiten gelb-
lichen Rande. Auf der Mitte der Caudal ein breites schwar-
zes gelbbegränztes Band. Auf der bräunlichen Anal eine
schwarze gelbbegränzte Schleife. Rand schwarz und weiss
gesäumt.
4) C. austriacus Rüpp. Wirbelth. t. 9. fig. 2.
Dorsal schwarz auf beiden Seiten gelbbegränzt. Anal
schwarz mit gelbem Rande. Caudal schwarz, gelbbegränzt
und mit zwei gelben Flecken auf beiden Kanten und weiss-
lichem Endsaume. Afrika.
5) C. luctuosus C. V. p. 37.
Fast schwarz mit der Streifung der vorigen. D. 14/17.
A. 3/16.
6) €. taunigrum C. V. p. 38. A
Zwei schwarze Streifen der Caudal bilden die Form
eines liegenden T oder Hammers. Alle übrigen Flossen
bleich. D. 13/21. A. 3/20.
b. Mit senkrechten Linien oder Querbinden.
7) C. octofasciatus Bl. 215. fig. 1.
Ueber die Slirn zu den Lippen ein schwarzer Längs-
streifen. Augenstreifen in die Brust hinein, 2ter über den
Operkel und Brust zur Ventral. Der öte vor, der 4te hin-
ter dem Anus, der 5te, 6te und Tte über die hintern Theile
der Dorsal und Anal. Der te über die Schwanzwurzel.
Der Ste bildet den Rand der an der Dorsal nach innen
weiss gesäumt ist. Hinter der schmalen 2ten schwarzen
Schwanzbinde eine bräunliche. D. 11/22. A. 3/17.
Ueber die Chaetodontidae. 143
c. Seiten mit Chevrons geziert.
8) C. triangulum K. et H.
Mit kurzer plötzlich vorspringender Schnauze. Diese
ist wie Stirn und Kinn schwarz. Lippen bräunlich. Augen-
streifen auf beiden Seiten weiss begränzt, zieht sich bis zur
Ventral. Sein vorderer weisser Streifen als schmales Streif-
chen zur halben Brust. Sein hinterer noch breiterer weisser
Streifen von dem 2ten Dorsalstachel bis zur Ventral. Die-
sen begränzt ein dunkler Streifen, der vom 3ten Dorsal-
stachel über den Operkel zur Ventral zieht. Er ist von
der Pectoral herab mit gelbem Streifen begleitet, der später
horizontal bis über die Analdornen zieht. Auf diese auf-
fallende Kopfzeichnung folgen die Chevrons, die nach oben
zu der Dorsal hin nach hinten sich brechen und in Punkte
sich auflösen ; die nach hinten sich erhebende Dorsal bildet
einen steil abfallenden Winkel und hat eine schwarze und
gelbe Linie vor dem grauen Rande. Das schiefe von hin-
ten nach vorn gehende schmale hellbräunliche Schwanz-
band zieht sich als senkrechte Linie in das obere Drittel
der Caudal. Anal mit zackiger schwarzer Randlinie, die
gelb umrandet ist und weisslichen Endsaum hat. Die hohe
Caudal fast gerade abgestutzt zeigt am Rande zwei schwarze
Linien, dann ein strohgelbliches Band und am Rande einen
grauen Saum. Die Grundfarbe des Körpers ist nach hinten
hin olivenfarbig. Pectoral hellbräunlich. Ventral gelblich.
D. 11/26—27. A. 3/21—22. Java, Afrika.
Es ist mir räthselhaft, wie Herr v. Bleeker diese
- Art mit collaris Bloch zusammenbringen konnte und? hier
ist ein Fehler von Kuhl uud Hasselt früher begangen
zu vermulhen.
9) €. Mertensi C. V. p. 47.
Die Schnauze noch etwas mehr vorspringend. Nur
einen Augenstreifen, der schmal ist. Ein breites oranges
Band über den hinteren Theil des Körpers, das sich ver-
schmälernd in die Anal hineinzieht, die schwärzlich be-
gränzt ist. Ueber die Mitte der Caudal eine gelbe Binde.
Der hintere Winkel der Dorsal etwas spitzer.
d. Mit halbrunden Flecken in Reihen über der Pecto-
ral, Ventral und Analgegend.
D
144 Kaup:
10) C. punctatofasciatus C. V. p. 28.
Mit ungewöhnlich kleinem Munde und sehr starken
Anal- und Dorsalstacheln. Oberlippe schwarz. Augenstrei-
fen unvollständig, in der Mitie gelb, am Rande schwarz be-
gränzt. Der obere läuft spitzwinkelig zu und ist von aussen
gelb begränzt. Der untere schmalere selzt sich, am Auge
breiter werdend, in dieses fort. Vor dem ersten Dorsal-
dorne ein schwarzer gelbbegränzter Fleck. Dorsal und
Anal mit schwarzem , schwefelgelbem und orangelarbigem
Saume. Caudal gelb mit schwarzem, schmalen halbmond-
lörmigen Bande vor der hinteren neutralfarbigen Hälfte.
Sieben breite vertikale Binden bis zu den Punklreihen.
D. 13—14/22—24. A. 3/19—20. Amboina.
e. Einfarbig ohne Streifung oder wo die Schuppen
nur mit dunklen Rändern umgeben sind und Maschen eines
Neizes bilden.
Zu letzteren gehört:
11) €. collaris Bl., reticulatus C. V. pl. 171.
Schnauze schwarz, ebenso ein breites Stirnband, wel-
ches eine graue Binde zwischen beiden Augen freilässt.
Unter den Augen eine breite zur Ventral ziehende Binde.
Dorsal linienarlig, Anal breiter, schwarz gesäumt. Schwanz-
wurzel schwarz. Vor dem Rande der Caudal mit zwei pa-
rallelen Linien. D. 12/27. A. 3/22. Otaheite.
Zu den fast einfarbigen ohne Streifung und Punktrei-
hen gehört:
12) C. melastomus Bl. Sch. Syst. p. 224.
Der Augenstreifen zieht vom ersten Dorsaldorne bis
zu den schwarzen Ventralen. Dorsal und Anal am Rande
mit feinem schwarzen weiss gerändertem Saume. Schwanz
gelblich mit breitem schwärzlichen Endsaume. Lippen
schwarz. Slirn convex, so breit wie der Diameler des Au-
ges. Bei manchen Exemplaren sieht man nach dem Schwanze
hin erloschene Punkte auf jeder Schuppe einen, die Reihen
bilden und bei anderen zwei erloschene dunklere Binden
über die vordere und mittlere Hälfte des Rumpfes.
D. 13/21—22. A. 3/17—20.
Wäre die -Angabe von 3/14 Analstrahlen nicht, so
| Ueber die Chaetodontidae- 145
wäre ich geneigt melamystax Bl. Sch. p. 224 hier zu die-
ser Art zu ziehen. Molukken und Mosambique.
Unter diesen fast streifenlosen Formen giebt es schliess-
lich Formen, die einen grossen schwarzen, runden oder
ovalen Fleck unter den Dorsaldornen haben, durch den die
_ Lateral zieht.
Die am längsten bekannte Art ist:
Cith. unimaculatus Bl. 201. fig. 1.
Kürzer, allein etwas höher als melastomus. Der runde
schwarze Fleck unter dem 9ten — 12ten Dorsalstachel.
Augenstreilen geht nicht ganz bis zur Ventral, die gelb-
lich ist. U@ber den Augen ein lichterer Winkelstreifen,
der die schwarze Farbe von der bräunlichen der Schnauze
scheidet. Ueber den Augen ist die Stirn concav und vor
dem ersten Stachel convex. Alle Schuppen in der Mitte
mit erhabenen Punkten. Der senkrecht abfallende Theil der
Dorsal, der«eWurzel des Schwanzes und die Anal mit brei-
ter schwarzer Borde. Caudal bräunlich ohne Binden.
C. speculum K. et H., C.V. p. 73.
Gleicht nach Valenciennes dem vorigen sehr, ist
jedoch brillant goldgelb und zeigt den schwarzen Fleck viel
grösser. Ihr fehlt die schwarze Schwanzbinde und der
schwarze Rand der Dorsal und Anal. D.13/? A. 3/? Java.
C. spilopleura Reinw. Cuv. Val. p. 74.
Diagnose. 14/17 Dorsalstrahlen.
Beschreibung. Gestreckter und mehr oval, als die drei
vorhergehenden. Der Kopf fällt steiler ab und die Schnauze
springt nicht vor. Lie Stirn ist breiter als der Diameter des
Auges. Der schmale Augenstreifen, fein lichter begränzt,
geht nicht zum ersten Dorsaldorn und endigt am Rande des
Kiemendeckels. Praeoperkel deutlicher am vertikalen Rande
gezähnelt und am horizontalen deutlicher fallig gekerbt.
Der schwarze ovale Fleck steht weiter nach hinten. Die
Schuppen sind länger als hoch mit etwa 7 erhabenen Ripp-
chen auf dem Fächer der Wurzel, der bei unimaculatus, wo
‚die Schuppen höher als lang sind, 15 zeigt. Vertikal zeigt
‚der Körper 24 und horizontal gegen 45 Schuppenreihen.
Den Schuppen fehlen die glänzenden Punkte in der Mitte,
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd, 10
146 Kaup:
die den unimaculatus auszeichnen. Bei hellem Lichteinfalle
sieht man unter der Lateral über der Mitte jeder Schuppe
ein dunkles Streifchen, die zusammen dunkle Längsstreifen
bis zum Schwanze hin bilden. Valenciennes beschreibt
noch einen schwarzen Fleck in der Dorsal, den mein
Exemplar von Mosambique aus dem Hamburger Museum
nicht besitzt. Es zeigt, wie das von den Molukken, weder
an der Dorsal, Caudal, Anal noch Schwanzwurzel schwarze
Borden oder Bänder, allein die Schuppenränder der Pecto-
ral- und Ventralregion sind schwärzlich. Operkel mehr
silberfarbig. Pectoral mehr bräunlich als die Caudal. Die
Ventral ist an den Wurzeln der Strahlen gelbläch mit lich-
teren gelblich an den Rändern und bläulichen Membranen.
Molukken und Mosambique.
Es kommen so viele Arten in dieser Familie vor, die
Indien und Afrika zugleich angehören, dass ich glaube, dass
man später alle indische Arten in Afrika und umgekehrt
finden wird.
Zweites Genus Coradion Kp.
Kurze, kaum sichtbare Zähnchen hinter den dicken
Lippen, die im Unterkiefer einen spitzen Winkel nach vorn
hin bilden. Hinteres Nasenloch hoch am Rande der dorni-
gen Augendecke gelegen. Praeoperkel deutlich gezähnelt.
Die Lateral mit deullichen Porenröhren bricht sich winke-
lig unter dem 6len Stachel, geht längs des Rückens herab
und zieht über die Mitte des Schwanzes zur Caudal. Zeigt
unter allen Chaetodontinae die geringste Zahl Dorsalstacheln
und die grösste Zahl weicher Strahlen. Ventral sehr lang
bis zum 2ten Analstachel reichend.
1) Coradion chrysozonus Kp. -
Chaetodon chrysozonus et labiatus K. el H., C.V.
p- 82. 83.
Chaetodon melanopus C. V. p. 84.
Lippen und Stirnstreifen, wie Augenstreilen bis zur
Brust und der Ventral schwarz. Fast so hoch als lang. Auf
der Mitte des Sten bis 12ten Strahls der weichen Dorsal
eine schwarze licht begränzte und dunkel eingefasste Ocelle.
|
3
Ueber die Chaetodontidae. 147
Auf dem Ende des Schwanzes eine schwärzliche Binde.
Ventral schwarz mit komprimirtem bläulichen Stachel.
D. 9/29. A. 3/20—21. Java.
Dr. v. Bleeker sieht den chrysozonus mit unzähli-
‘gen gelben Punklstreifen der Länge nach, den labiatus mit
zwei vertikalen gelben Bändern und den melanopus mit
einer Ocelle auf der Anal für eine und dieselbe Art an und
wir müssen ihm als einem so vorlrefflichen Beobachter fol
gen, obgleich wir nicht alle Belegstücke für diese Behaup-
tung haben.
2) Coradion Bennelti Kp.
Chaetodon Bennelli C. V. p. 84.
Chaetodon vinctus Bennetti.
Fast zweimal so lang als hoch. Die schwarze blau-
begränzte Ocelle gross, oval und erstreckt sich über das
hintere Drittel des Rückens. Ueber und unter der Pectoral
zwei blaue nach hinten schief aufsteigende Streifen. Zeigt
ebenfalls nur 9 Stacheln. Sumatra.
Drittes Genus Eteira kp.
Megaprotodon Guich. (part.).
Diagnose. Vier Stacheln in der Anal.
Beschreibung. Oblonge Gestalten mit grosser Zahl
Dornen in der Dorsal und Anal und ungewöhnlich gerin-
ger Zahl weicher Strahlen. Die Zahnbildung wie bei Ci-
tharoedus und die Ecke der Dorsal meist ungewöhnlich: ver-
längert, wie bei Linophora. Durch beide Charaktere kom-
men die vier bis jelzt bekannten Arten in überspringende
Verwandischaft zu beiden Geschlechtern.
Die Schuppen des Körpers sind höher als lang. Die
Caudal breitet sich -am Rande sehr aus und ist daselbst
schwach bogenförmig.
Nur den heissen Meeren der alten Welt angehörig.
Cuvier und Valenciennes bringen die Arten unter drei
verschiedene Abtheilungen.
1) Eleiria Iriangularis,
Chaetodon triangularis Rüpp. All. pl. 9. fig. 3 mit
guter Abbildung.
148 Kaup:
Chaetodon strigangulus Sol. C.V. p. 42. Pl. 172,
Manuscriptname.
Diagnose. Dorsal am Winkel zugespitzt, allein die
Schwanzspitze nicht erreichend, und ohne Ocelle. Seiten
mit Chevrons. Caudal schwarz mit gelber Einfassung und
schwarzer Linie vor dem weisslichen Rande.
Beschreibung. Stirn schief abfallend und grünlich.
Von dem grösseren vorderen Nasenloche mit Läppchen nach
hinten ein gelbliches Streifchen zur Oberlippe hin. Der
breite Stirnstreifen zur Brust reichend , breit gelblichweiss
begränzt. Gegen 20 Chevrons auf den Seiten.
Varirt. Die Cuvier-Valenciennes’sche Abbildung zeigt
schwarze Flecken; ein Exemplar von den Molukken zeigt
zwei längliche gelbliche Flecken nächst der Lateral; bei
dem von Valenciennes abgebildeten Exemplare ist die
schwarze Einfassung in der weichen Dorsal und Anal brei-
ter, während sie bei meinen Exemplaren feine Linien dar-
stellen; auch die Gestalt der Chevrons namentlich nach dem
Schwanze hin variirt.
Ich ziehe den Rüppell’schen Namen vor, da dieser
Reisende zuerst eine gute Abbildung und Beschreibung
gegeben hat und dieser nicht wissen konnte, dass Solan-
der ihn im Manuskripte bereits beschrieben hatte. Etwas
anderes wäre es, wenn dieser strigangulus irgendwo dia-
gnosirt wäre. Die alleinige Anführung des Namens kann
nicht massgebend sein. D. 14/15. A. 4/14.
Die Angabe von 5/14 Analstachel scheint auf einem
Fehler zu beruhen, da’ die von Valenciennes gefertigte
Abbildung ebenfalls nur vier zeigt.
2) Eteira Taunayi Kp.
Ch. Taunay Q. etG. Freyc. voy. T. 62. fig. 5.
Ch. trifascialis Q. et G. nach Bleeker.
Ch. bifascialis C. V. p. 48.
Megaprotodon bifascialis Guichen. nach Bleeker.
Ein breites verlikales Band von der hinteren Hälfte der
weichen Flosse zieht bis zum Rande der hinteren Hälfte der
Anal herab. D. 14/16. A. 4/16. Insel Guam.
Die Abbildung von Q. et G. ist nicht genau und die
Chevrons sind vergessen.
Ueber die Chaetodontidae. 149
3) Eteira Leachi Kp.
Chaet. Leachi C. V. p. 49.
Das zugespilzte hintere Ende der Dorsal erreicht fast
das Schwanzende. Es ist der 5te Strahl, der so verlängert
ist, Zeichnung nicht anzugeben.
Von beiden Arten sagt Valenciennes, dass die
unteren vorderen Zähnchen viel länger und in Häkchen
vorn verlängert sind, was nicht bei triangularis der Fall
ist, wo zwar die unteren Zähnchen, wie bei allen Citharoedi
verlängert, allein keine eigentlichen Häkchen bilden. Es ist
diess sicherlich kein Hauptcharakter dieses Genus.
4) Eteira plebeja Kp.
Ch. plebejus Brouss. C. V.
Eine schwarze weiss umgränzte Ocelle auf der obe-
ren Hälfte der weichen Dorsal. Dorsal und Anal an den
Enden abgerundet. Ohne Cheyrons. D. 14/17. A. 4/15.
Südsee.
Viertes Genus Chaetodon Kp.
Die Schnauze springt stets rüsselartig vor. Die be-
deutend kürzern Zähnchen stehen zwar aufrecht, allein ge-
hen bis zum Mundwinkel und häulig über ihn hinaus in den
Mund hinein. Die Lateral endigt gegen das Ende des wei-
chen Theils der Dorsal. Diese wie die Anal endigen in einen
stumpfen Winkel. Die Anal, wie bei den meisten Genera,
zeigt nur drei Stacheln. Mehr als 10 Stacheln in der Dorsal.
Die Ventral erreicht den Anus.
Sie sind mit Ausnahme von Europa über alle Meere
heisser Länder verbreitet.
Man kann sie wie die Citharoedi eintheilen:
a. Mit Längs- oder schief von unten nach oben und
hinten gehenden Streifen.
1) Chaetodon Frehmli Bennetti C.V, p. 24.
Mit 7 blauen etwas schiefen Linien, von welchen die
ersle mit der öten vor dem Ende der 2ten sich wieder ver-
bindet. Auf dem Nacken vor dem ersten Dorsaldorne ein
schwarzer Fleck. Ein breites schwarzes Band zieht vom
hinteren Theile der Dorsal zur Basis des Schwanzes. Die
Caudal mit zwei vertikalen schwarzen Linien und weisser
Borde. Sandwich-Inseln.
150 Kaup:
2) Chaetodon fasciatus Forsk., IunulaC.V. t. 173,
biocellatus C.V.
Der breite Stirnstreifen geht über die Augen zum ho-
rizontalen Rande des Praeoperkels und ist nach oben hin
mit breiter weissen Binde eingefasst. Unter den 6—-7 ersten
Stacheln ein schwarzer Fleck mit zwei weissen Streifen
und weisser Einfassung, der zuweilen fehlt (Rüpp. All.
t.9. fig. 1.).
Auf den Seiten braun aufsteigende Streifen. Auf dem
weichen Theile der Dorsal mit zwei schwarzen Streifen
und schwarzem Saume. Anal mit schwärzlichem Saume
und lichterem Rande. Caudal vor dem Ende mit schmaler
schwärzlicher Binde. Ch. biocellatus, wahrscheinlich das
Männchen, zeigt auf dem weichen Theile der Dorsal und
auf der Schwanzwurzel zwei weiss oder gelb umgebene
Ocellen. D. 12/24. A. 3/18—19.
3) Chaetodon ocellicaudus C.V. p. 69.
Augenstreifen gehtbis zur Kehle ; nur auf dem Schwanze
eine weiss umgebene Ocelle. D. 12/20. A. 3/17.
4) Chaetodon melanotus Bloch Schn. Syst. p. 224.
Ch. dorsalis Reinw. Rüpp. All. T.9. fig. 1,
marginalus Ehrenb. €. V. p.57, Abhortani
C. V. p. 58.
Mit schmalem schwarzen Augenstreifen und schwar-
zem Kehlflecke. Rücken nach der Dorsal hin schwarz.
Auf der Wurzel des Schwanzes zwei schwarze Flecken;
vor der neutralfarbigen hinteren Hälfte der Caudal eine
schwarze Linie. Ueber der Anal ein schwarzer Fleck. Dor-
sal und Anal feurig orange mit dunklerer Einfassung vor
dem lichteren Rande. D. 12/20—23. A. 3/18—19. Indien
und Afrika.
5) Chaetodon Reinwardti Kp., Ch. melanotus
Reinw. C.V. p. 71.
Gleieht dem vorigen, allein zeigt schwarze Ventralen
und geringe Zahl weicher Analstrahlen. D. 12/25. A. 3/13 (?).
Valenciennes vergleicht ihn in der mehr senkrechten
Stirn mit eollaris, was man bei melanotus Bloch mit mehr
schiefer Stirn nicht kann. Molukken. Bleeker hat ihn
leider bis jetzt nicht wieder aufgefunden. Leydener Mus.
Ueber die Chaetodonlidae. 151
b. Mit senkrechten Linien oder Querbändern.
«. Mit senkrechten schmalen Linien auf den verti-
kalen Rändern der Basis der grossen Schuppen-
reihen.
6) Chaetodon faleula Bl. pl.426. fig. 2. C.V. p. 4.
Gelb. Augenstreifen geht bis zum Rande des Kiemen-
deckels. Auf dem Rücken zwei schwarze fast dreieckige
Flecken. Erster vom 1sten bis 5ten Stachel, zweiter von
den drei letzten Dorsalstacheln in ein Drittel des Rückens
ziehend. Zwischen diesen Flecken 11—12 schwarze fast
senkrechte Linien. Auf der Schwanzwurzel eine schwarze
Binde; weicher Theil der Dorsal schwarz gesäumt. Anal
ähnlich gesäumt mit schwarzer Linie näher dem Schwanze
zu, die nicht zur Hälfte der Anal geht. Zeigt den längsten
Rüssel, der etwas mehr als zweimal so lang ist als der
Diameter des Auges.
Bloch wie sein Zeichner haben sich nicht die Mühe
genommen, diese Art aus der Flasche herauszunehmen, um
sie zu beschreiben oder abzubilden; daher lässt es sich
erklären, dass die Beschreibung wie Abbildung so höchst
fehlerhaft sind. D. 12/25. A. 3/30. Coromandel, Mosambi-
que. Der irrig gezähnelte Praeoperkel bewog Lac&pede
ihn zu Pomacentrus zu stellen.
7) Chaetodon mesoleucus Forsk., hadjan Bl. et
Schn. Rüpp. Neue Wirbelth. Tab. 9. fig. 1.
C:Vs B-56:
Weiss, vom 4ten Dorsalstachel abgeschnitten schwärz-
lich mit 12—14 schwarzen Linien. Augenstreifen schmal,
reicht nur bis unler das Auge. Caudal mit weissen halb-
mondähnlichem Querband und Saum. 13/22—24. A. 3/19—22.
Alrika; bis dahin nicht in indischen Meeren aufgefunden,
was jedoch später der Fall sein wird.
8) Chaetodon lineolatus Q. et G., lunalus et se-
milarvatus Ehr. C. V. 40. 57. 39. Rüpp. Neue
Wirbelth. tab. 9. 3,
Bläulichweiss mit 10 violetten Linien vom 3ten Dor-
salstachel an. Augenstreifen sehr breit bis zum Rande des
Kiemendeckels. Auf dem vorderen Rande des Augenstrei-
fens über den Augen ein dreieckiger weisser Fleck. Dorsal,
152 Kaup:
Anal und Caudal gelb. Ein schwarzer Streifen vom 6ten
Dorsalstachel, auf beiden Seiten gelb begränzt, zieht längs
des Rückens über die Schwanzwurzel etwas in die Anal
hinein. Caudal vor der lichten Borde mit zwei schwarzen
Linien. Afrika und Molukken. D.. 12/25—27. A. 3/21. Eh-
renberg gab bei lunatus die Zahl (15) der weichen Anal-
strahlen sicher zu gering an.
Hierher gehört noch 9) Ch. dizoster C. V. von der
Insel Bourbon nach einer Zeichnung beschrieben. VII. p. 527.
10) Chaetodon ulietensis €. V. p. 40.
Mit gestreckter und spitzer Schnauze ; hinterer Theil
der Dorsal am höchsten. Ausser den linienartigen Streifen
zwei wenig markirte Binden. Eine von der Mitte der
Stacheln, die andere auf den weichen Strahlen der Dorsal
beginnend. Schwanzwurzel mit einem Bandflecke. Der Au-
genstreifen schief und die Stirn hat lichte Querstreifchen.
Nach einer Zeichnung von Parkinson. Insel Ulietea.
ß. Mit breiten und weniger zahlreichen Band-
streifen.
11) Chaetodon striatus Linn. Seba 25. fig. 9. Bl.
205. fig. 1.
Weiss mit zwei breiten schwarzen Binden; die erste
vom ersten bis vierten Dorsaldorne, die zweite unter dem
8—10ten Dorsaldorne bis zum Anus und in die Anal hin-
einziehend. Der Augenstreifen schmal, schief bis fast zum
ersten Dorsaldorne und bis zum Rande des Operkels. Dor-
sal braun mit dem hinteren Querslreifen zusammenfliessend,
gegen das Ende hin mit weissen Streifen und breitem,
zackigen, schwärzlichen Bande, das weiss gesäumt ist.
Anal ähnlich gefärbt, allein der äussere weisse Saum ist
gelblich gesäumt. Die Caudal an der Wurzel mit bräunli- |
chem Bande, als Fortsetzung der bräunlichen Dorsalfarbe,
auf diese folgen bei meinem Exemplare drei Buchstaben -
ähnliche rothbräunliche Figuren, auf diese die weisse Grund-
farbe des Schwanzes, auf diese das breite nach hinten
schwarzbegränzte Band, das nach vorn hin zackig ist; auf
dieses Band folgt eine gelbliche Binde mit grauer Borde.
Ventral schwarz, nach der Wurzel hin weisslich. Ueber
die lichteren Theile graue und über die Bänder schwärz-
u ee EI. cur ee
Ueber die Chaetodontidae. 153
liche Streifen der Länge nach bald nach oben, bald nach
unten hin gerichtet, bald durchlaufend, häufig unterbrochen
und Gabelform annehmend. D. 12/20. A 3/16. Antillen.
12) Chaetodon modestus Schleg. Fn. jap. 41. 2.
Mit schwarzem Fleck auf den ‘oberen Strahlen der
weichen Dorsal. Noch höher als striatus mit stärkeren und
längeren Dorsaldornen;; der mittlere Analdorn jedoch schwä-
cher und kürzer. Farbe weiss ohne longitudinale Linien
mit zwei breiten gelbbraunen Bändern und einer schmäle-
ren und blässeren Augen- und Schwanzbinde. Die erste
breite Binde geht von dem 2ten bis Tten Dorsalstachel zur
Ventral, die 2te geht vom Sten Dorsalstachel herab und
bedeckt bis auf die weisse Borde der Dorsal und Anal den
ganzen Hinterkörper. Die Caudal schwach gabelförmig aus-
geschnitten. D. 11/22. A. 3/18. Japan und China, aus
letzterem erhielt ich zwei getrocknete Exemplare. Sollte
wohl Bloch diesen gekannt und ihn mit striatus verwech-
selt haben, indem er bei letzterem auch Japan als Vater-
Jand angiebt ?
.e. Mit Winkelstreifen, wovon die oberen nach oben
und die übrigen nach unten gerichtet sind.
@. Mehr rund mit entwickelteren Dorsalstacheln, wo-
durch sie sich den vorhergehenden annähern und
namentlich dem -striatus, bei dem die Chevrons
nur unregelmässig sind.
13) Chaetodon capistratus Linn. Bloch 205. 2.
Seba 25. lig. 16.
Vor der Wurzel des Schwanzes, halb auf dem Schwanze,
halb auf der Dorsal ein grosser, runder, schwarzer, breit und
deutlich weiss umgränzter Fleck. Durch diesen Fleck zeich-
net sich diese Art von allen aus. Die schwärzlichen zum
Theil Punktstreifen stossen spitze Winkel bildend nach vorn
zusammen, mit Ausnahme von den oberen und unteren, die
einfach nach vorn hinlaufen. Eine braune Linie, begleitet
von weissem Rande, umgiebt den weichen Theil der Dorsal
und Anal. In der Mitte des Schwanzes zwei zackige pa-
_ rallele braune Linien. Der schmale Augenstreif braun, weiss-
lich begränzt. Antillen. D. 12—13/19. A. 3/17.
P. Mit Linien, die schief vom Kopfe nach den Dor-
154 Kaup:
saldornen hinziehen. An die hinlerslte stossen
die von der Anal aufwärts sleigenden.
14) Chaetodon vagabundus Linn. Bloch 204. fig. 2.
Mit 6 Streifen vom Kopfe ausgehend, an die 6te schlies-
sen sich 11 von unten und hinten her kommend winkelig
an. Vom $ten Dorne ein schwarzer Streifen, der sich naclı
hinten verbreitet, über den Schwanz herabzieht und sich
zum Theil in die Anal versenkt; nächst diesem Streifen
ist die Dorsal gelb mit schwarzer in der Mitte bläulicher
Borde vom Sten Dorne an bis zur Ecke der weichen Dor-
sal. Die ebenfalls spilzwinklige Anal mit schwarzer Borde,
die durch eine gelbe Linie von dem blassen Rande geschie-
den ist. Schwanz in der Mitte mit mondförmigem Fleck und
vor dem weisslichen Rande mit schwarzer Binde. D. 13/25.
A. 3/22. Afrika, Molukken, Otaheite.
15) Chaetodon pictus Forsk.
Mit schwarzen weichen Dorsal- und Analstrahlen.
Diese Art verhält sich zu vagabundus wie Rüppel’s au-
striacus zu viltatus. Die lichteren Querstreifen auf der
Stirn, die im Spiritus leicht verschwinden, können diese
Art nicht von decussalus unterscheiden, indem der vaga-
bundus ebenfalls mit lichteren Stirnslreifen abgebildet wird.
Renard 1. fig. 126. D. 13/25. A. 3/21. Afrika, Asien, Mo-
lukken, Otaheile.
16) Ch. nesogallieus C.V. p. 69.
Gleich! sehr dem vagabundus, allein hat auf der Mitte
der weichen schwarzen Dorsal eine schwarze weiss umfassle
Ocelle. Nur eine wenig markirte schwarze Linie auf der
Basis des Schwanzes. D. 13/24. A. 3/22. Bourbon.
d. Mit Längsslreifen schwarzer Punkte.
17) Ch. miliaris Q. et G. Voy. de Freye. pl. 62. fig.D.
C..V.ıp.,26;
Schnauze wenig verlängert. Mit Reihen von grösse-
ren und kleineren Flecken auf gelblich weissem Grunde.
D. 12/22. A. 3/19. Sandwich-Inseln.
18) Chaetodon citrinellus Brouss. C. V. p. 27.
Renard I. fig. 59.
Der Augenstreifen liegt viel schiefer, als bei der vo-
rigen und auf beiden Seiten weiss begränzt. Längs den
een u
Ueber die Chaetodontidae. 155
Dorsaldornen ist der Rücken rothbraun. Die Anal mit
schwarzer Borde und einem gelben Streifen auf dem inne-
ren Rande der schwarzen Borde. Weder auf der weichen
Dorsal noch Schwanz mit Zeichnung. D. 14/21. A. 3/16.
Insel Guam, Otaheite, Molukken.
e. Fast einfarbig.
19) Chaetodon princeps C. V. p. 53. Ren. fig. 58.
Mit sehr vorspringender oben concaver Schnauze.
Grundfarbe gelblich. Alle Schuppen gross und rhomboidal
und der Reflex der Ränder bildet ein Neiz von breiten Ma-
schen. Die Augenstreifen fast senkrecht. Ein breites Band
auf dem weichen Theile der Dorsal zwischen zwei weissen
Linien. Anal mit weisser Borde vor einer schwarzen Linie.
Caudal mit schwarzem Bande, auf das ein weisses folgt mit
schwarzer Einfassung und grauem Rande. D. 13/21. A. 3/19.
Neu-Irland, Molukken.
20) Chaetodon bimaculatus Bl. pl. 219. 1.
Silberfarbig mit grauen Reflexen an den höheren als
breiten Schuppen. Der schmale Augenstreifen, Rücken
der Oberlippe, runder Fleck über der Lateral auf den er-
sten Strahlen der weichen Dorsal, eckiger Fleck am Win-
kel und Rande derselben schwarz. Augenstreifen oberhalb
der Augen an den Rändern, seitliche Oberlippe , Streifchen
bis zu den Nasenlöchern, Membran des Operkels, Wurzel
der Pectoral, von dem Ende der schwarzen Augenslreifen
an längs den Stacheln bis zu den weichen Dorsalstrahlen,
Schwanz, Caudal, Anal, Ventral schön hochgelb. Auf der
Caudal eine bläuliche Querlinie und grauer Rand. Auf der
Anal vor dem Rande eine bläuliche von beiden Seiten dun-
kel begränzte Linie. Nur die Pectoral neutralfarbig und
transparent. D. 12—13/21. A. 3/17. Süd- Amerika. Ein
prachtvoll erhaltenes Exemplar im Hamburger Museum.
Fünftes Genus Linophora Kp.
Mit der gestreckten oben concaven Schnauze und der
Zahnbildung der üächten Chaelodon zeigen sie einen mehr
oblongen Körper und haben die ersten Strahlen der wei-
chen Dorsal bis über den Schwanz hinaus fadenförmig ver-
längert. Von Eteira unterscheidet sie die Zahnstellung und
h die drei Stacheln der Anal.
156 Kaup: Ueber die Chaetodontidae.
1) Chaetodon auriga Forsk., selifer Bl. 425,
sebanus C.V. Seba 25. 11.
Mit sehr breitem Augenstreifen namentlich unter dem
Auge, wo er nach vorn weiss begränzt ist. Vom Kopfe
steigen 5 nach oben hin sich verbreitende schwarze Strei-
fen. Von der Anal aus steigen 8—9 schwarze Streifen auf-
wärts und schliessen sich wie bei vagabundus winkelig an
die letzte obere Linie an. Nach dem hinteren Theile hin
bilden sich noch durch kürzere Streifen vom Rücken und hin-
ten her kommend und durch längere Streifen vom Schwanze
her zwei mehr spitze Winkel. Der Rand der oberen
Strahlen der weichen Dorsal wie der abfallende Rand der-
selben schwarz. Fast im Winkel der weichen Dorsal die
ovale schwarze lichtblau begränzte Ocelle ; die fadenförmige
Verlängerung grossentheils gelb. Anal mit feiner schwarzer
und einer weissen Linie vor der gelblichen Borde, die die
Grundfarbe der ganzen Anal hat. Caudal gelb mit drei
schwärzlichen Linien vor der grauen Borde. D. 13/24.
A. 3/21.
Forskal beschrieb seine auriga ohne Ocelle und auf
der Stirn mit 4 gelben Querbindchen. Er giebt 6 Streifen
statt 5 vom Kopfe ausgehend an. Afrika, Molukken.
Ich habe bis jetzt noch kein Exemplar ohne Ocelle
gesehen.
2) Chaetodon ephippium €.V. fig. 174.
Ohne Augenstreifen, schwarzer Fleck am oberen Rande
des Operkels. Vom 6ten Stachel an ein grosser schwarzer
Sattelfleck, der breit lichtbegränzt ist. Fünf parallel lau-
fende Streifen auf der Bauchseite. Den Faden bildet der
öte, 4te und 5te weiche Dorsalstrahl, den bei der vorigen
der 5te allein bildet. Anal und Dorsal nach dem Rande hin
mit schwarzen Linien. Caudal ohne Zeichnung. Molukken,
Otaheite. Zeigt dieselbe Radienformel.
3) Chaetodon prineipalis €. V. Ren. Il. fig. 239.
Nach einer höchst rohen Zeichnung von Renard,
welche auf der weichen Dorsal und Anal einen grossen
weissgetüpfelten Fleck und auf dem Bauche Längsstreifen
zeigt. Bis dahin nicht wieder aufgefunden.
Ueber Kalkablagerung in der Haut der Insecten.
Von
Franz Leydig
in Tübingen.
(Hierzu Taf. VII. Fig. 1, 2, 3.)
In der grossen Abtheilung der Arthropoden enthält
die Haut der meisten Crustenthiere in bedeutender oder ge-
-ringerer Menge Kalk, wodurch die Härte und Festigkeit
- ihres Panzers in besonderem Maasse erhöht wird. Man be-
_ trachtet auch vom systematischen Gesichtspunkte aus diese
kalkige Beschaffenheit der Haut mit als ein wichtiges Un-
terscheidungsmerkmal zwischen Krebsen und Insecten; den
letzteren so wie den Spinnen scheinen solche mineralische
Einlagerungen durchaus zu fehlen. Ich habe indessen eine
recht merkwürdige Ausnahme kennen gelernt, von der ich
der Insecten beschäftigt hat, der weiss von Fliegenlarven,
welche im Wasser lebend, eine fernrohrarlig aus- und
einstülpbare, mit einem Borstenkranze versehene Athem-
röhre besitzen. Die bekannteste und wegen ihrer Grösse
zu Demonstrationen sich gut eignende Larve ist die von
Siratiomys chamaeleon; sie ist auch der Gegenstand unserer
Mittheilung. Die Larve lebt während des ganzen Sommers
_ in Pfützen und Wassergräben, namentlich in solehen gern,
welche mit vielen Pflanzen durchwachsen sind. Der trefl-
{
k
hier Anzeige zu machen mir erlaube.
Wer sich auch nur einigermassen mit der Athmung
| liche Swammerdamm *) hat eine sehr vollständige
*) Bibel der Natur. Uebersetzung, Leipzig 1752. S. 258—275.
Taf, XXXIX—XLII.
158 Leydig:
Naturgeschichte von der Larve, Puppe und dem vollkom-
menen Insecte gegeben , trotzdem, dass er das Thier als
„eine Art von Geschöpfen“ ansieht, „die mit der dunkeln
Decke des Fluchs umhüllt sind.* Wenn unser holländischer
Zergliederer in der Einleitung zu der „sonderbaren Ge-
schichte“ der abzuhandelnden Fliege auf „gar seltene und
unerhörte Dinge,“ welche hier vorkommen , hindeutet, so
möchte sich das auch auf die Structur der Haut beziehen
lassen, zu der ich vorderhand bei Insecten kein weiteres
Beispiel kenne.
Beim Einschneiden in die Larve fiel es mir auf, dass
unter der Scheere die Haut schwach knirschle, wie wenn
sie kalkig incrustirt wäre: dies bestätigte-sich schon inso-
fern, als ich zu einem abgetrennten Haulstücke Essigsäure
brachte und eine starke Gasentwickelung darauf erfolgte.
Unter dem Mikroskope nahm sich nun die Haut sehr eigen-
arlig aus: sie war übersät mit scharf und dunkel gerande-
ten Höckera, die sofort nach ihrem Aussehen das Recht in
Anspruch nehmen konnten, für Kalkeoncretionen zu
gelten (fig. 1). Es lässt sich unter dem Mikroskope wahr-
nehmen, dass sie es sind, welche bei Zusatz von Essig-
säure Luftbläschen entwickeln, während sie dabei nach und
nach vollständig verschwinden. Die unversehrien Kalkcon-
eremente (fig. 1 a) sind 0,0057 —0,00856““ gross; dazwischen
stehen da und dort einzelne grössere, welche etwa 0,0171
—0,02 im Durchmesser haben. An der Bauchseite schei-
nen sie im Allgemeinen etwas kleiner zu sein als an der
Rückenfläche und fehlen sogar an den weichen Gelenk-
stellen der Körpersegmente; hingegen ist der Kopf um vie-
les hartschaliger geworden als der übrige Leib, da hier,
indem Concerement an Concerement stösst, gleichsam eine
zusammenhängende Incrustation erzeugt wird.
Sehen wir uns die Kalkconcremente näher an, so Zei-
gen sie ein schaliges Gefüge, wobei die Blätter so geord-
net sind, dass jedes Concrement einen mittleren Fleck auf-
zeigt (vergl. fig.1), der eine Art Krater oder Lücke zwi-
schen den hier zusammenstossenden Kalklamellen vorstellt.
Hat man den Rand eines umgeschlagenen Hautstückes zur
Ansicht (fig. 3), so zeigen die über die Haul vorspringen-
-
ee s
|
|
Ueber Kalkablagerung in der Haut der Insecten. 159
den Kalkhöcker (a) in ihrer Lage eine Richtung nach hin-
ten, ganz ähnlich wie Schuppen; auch scheinen bei dieser
Ansicht die Kalkhöcker einfach geschichtet. Betrachtet man
ein Hautstück von der inneren Seite, so tritt an den Kalk-
eonerementen ausser ihrer schaligen Zusammensetzung noch
ein gewisses slrahliges Gefüge hervor. Ferner ist anzu-
geben, dass auch in den von den bisher ins Auge gefassten
grossen Kalkconerementen freigelassenen Zwischenräumen
noch kleine körnige Kalkablagerungen sich vorhanden zeigen.
Natürlich musste man sich fragen, in welcher näheren
Beziehung die Kalkkörner zu den Elementen der Haut ste-
hen, ob Theile der letztern selbst verkalkt seien oder ob
die Höcker sich nur auflagern u. dergl. Hierüber erhielt
ich folgenden Aufschluss. Hautstücke, welche einen Tag
lang in Essigsäure gelegen waren, hatten keine Spur mehr
von den Kalkhöckern (fig. 2), sondern anstatt derselben
überzog eine zellige Zeichnung die Oberfläche ; man glaubte
auf den ersten Blick zweifellose meist sechseckige Zellen
zu sehen mit Kern und Kernkörperchen. Prüft man aber
durch verschiedene Einstellung des Mikroskops die anschei-
nenden Zellen, so ergiebt sich, dass es Vertiefungen sind ;
der Ring, welcher den Nucleus (b) vorgespiegelt halte, war
gewissermassen ein zweiter Absatz in der trichterförmigen
Vertiefung und der Nucleolus (c) war die Stelle, wo die
Grube sich zum Porenkanale verengt halte. Denn an Quer-
schnitten (fig.3) wurde es klar, dass die geschichtete Cu-
ticula (b) auch hier von starken Kanälen durchsetzt sei,
welche nach der freien Fläche hin sich erweiternd die
zellige Zeichnung hervorgerufen hatten, Die Kalkconere-
mente sassen unmittelbar in diesen Gruben, füllten sie
nicht nur aus, sondern überragten sie noch, die Hautfläche
zahn- oder schuppenarlig bedeckend.
Zum Schlusse dieser Mittheilung kann ich mir das
Vergnügen nicht versagen, wörtlich anzuführen, was unser
Swammerdamm über die Haut der obigen Larve ge-
sagt hat, da auch daraus von Neuem hervorgeht, ein wie
sorgfältiger Beobachter dieser Mann war. Seine Worte
sind: „die Haut kommt mehr mit den schäligen Thieren,
_ als mit der Würmer und Raupen ihrer überein. Sie ist
160 Leydig: Ueber Kalkablagerung in d. Haut der Insecten.
ziemlich hart, und sieht wie Chagrinleder aus; folglich ist
sie mit unzählig vielen sehr kleinen und beinahe gleich
grossen Körngen wie besäet. Diese stehen so dichte an-
einander, dass man beynahe keinen leeren Zwischenraum
gewahr wird. Sie sind da merklich kleiner, wo die Ringel
des Bauchs zusammenlaufen,, als auf der Mitten. Dieses
verursacht, dass das Fell daselbst schmeidiger ist und der
Wurm kann sich desto gemächlicher beugen und bewegen.
Betrachtet man diese Körngen aber mit einem Glase, das
die Vorwürfe am allermeisten vergrössert, so wird man erst
recht ihres Baues inne. Ich stelle ihn an einem kleinen
Stückgen besonders vor fig. 4a. Man sieht daselbst das
Fell zwischen dem einen und dem andern Körngen mitten
inne, auf der Mitte sind sie am dicksten und ragen am
meisten hervor. Auf den Seiten oder Rändern scheint es,
als ob sie aus kleinen zusammengefügten Ringeln bestün-
den, die mit verschiedenen unregelmässigen Spitzgen zu-
sammenslossen. Solches giebt ihnen eine grosse Feslig-
keit. Sie sind hornbeinig und sehr stark, so dass ich ganz
nicht zweifle, man könne recht festes Holz, als z. E. Eben-
oder Palmenholz, im Drechseln mit diesem Fell poliren, so
wie man besagte Arten von Holz und Helfenbein mit Cha-
grinleder sehr wohl poliren kann.“
Erklärung der Abbildungen.
“Taf. VI.
Fig. 1. Hautstück der Larve von Stratiomys chamaeleon im frischen
Zustande und von oben, Vergrösserung 300mal.
a. Die Kalkkörner.
Fig. 2. Hautstück desselben Thiers von oben nach dem Auszug des
Kalkes durch Essigsäure, Vergrösserung 300mal.
a. Zellige Sculptur, welche eigentlich aus trichterförmi-
gen Vertiefungen besteht, so dass
b. einen Absatz oder Wulst in der Vertiefung vorstellt und
c. die Oeffnung des Porenkanals.
Fig. 3. Halbschematischer Durchschnitt durch die Haut.
a. Die Kalkkörner.
b. Die Cuticula, in ihr die nach oben trichterartig erwei-
terten Porenkanäle.
Bithynis *), ein neues Genus der langschwänzigen
Krebse.
Von
Dr. R. A. Philippi
in Santiago.
Vor einigen Tagen fand ich bei einem Freunde einen
Korb voll getrockneter Krebse , welche man ihm von dem
Flusse la Ligua her geschickt hatte, und auf den ersten
Blick erkannte ich zu meinem Erstaunen, dass diese Krebse
noch nicht beschrieben sind, und einem neuen Geschlechte
angehören müssen. Ein grosser Theil der Beine, die Spitzen
der Fühler u. s. w. waren zwar abgebrochen, doch liess
sich das Thier noch vollständig untersuchen.
Der ganze Krebs ist hart, wie ein Astacus, das Kopf-
bruststück ist auf dem Rücken von vorn nach hinten
mässig gewölbt, ziemlich stark punktirt, übrigens glatt. Der
vordere Rand ist abgestutzt; die Stirn ragt in Gestalt einer
an den Seiten ganzrandigen, oben gekielten Spitze hervor,
welche so lang ist, wie das erste Glied der inneren Füh-
ler; der erwähnte Kiel hat oben 5 bis 6 stumpfe Zähnchen.
Zwischen der Augenhöhle und dem Ursprunge der äusseren
Fühler steht jederseits noch ein kurzer Dorn. Das erste
Glied der inneren Fühler ist platt gedrückt etwa an-
derthalb Mal so breit wie lang; sein äusserer Rand ist grad-
linigt; hat etwas vor der Mitte einen kleinen Zahn und
endigt mit einem spitzen Zahne, der ziemlich weit über den
Ursprung des zweiten Gliedes hervorsteht. Dieses ist in der
inneren Hälfte des Vorderrandes und in einer Wölbung des-
selben eingefügt; es hat nach aussen und innen einen
®) Bıdvvts, eine Nymphe.
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 1. Bd, 11
162 Philippi:
langen Zahn und ist mit Einschluss dieser Zähne fast so
lang wie der innere Theil des ersten Gliedes. Das dritte
Glied ist etwas kürzer als das zweite, und trägt die innere
Geissel auf einem Vorsprunge. Die äussere Geissel ist an
ihrem Ursprunge von einer dreieckigen Schuppe begleitet, und
in einer Strecke, etwa so lang wie das dritte Glied, einfach,
dann theilt sie sich aber in zwei Aeste, von denen der innere
(der mittlere der drei Geisseln) der schwächere ist. Die
äusseren Fühler sind zur Seite der inneren und nur
wenig tiefer eingelenkt. Ihr erstes Glied trägt eine zwei-
gliedrige Schuppe, welche etwa zweimal so lang wie der
Stiel der äusseren, und den dritten oder vierten Theil län-
ger als der Stiel der inneren Fühler ist; das untere Glied
dieser Schuppe hat auf der Oberseite eine breite, seichte
Furche. Das zweite und dritte Glied dieses Stieles sind
kurz, beinah so breit wie lang. Die Geissel muss — nach
der Dicke ihres unteren Theiles zu urtheilen — wenig-
stens die Körperlänge erreicht haben. Die Augen sind
kurz gestielt und können sich nicht in die Augenhöhle zu-
rückziehen.
Die beiden ersten Fusspaare tragen Scheeren. Das
erste ist das dünnste und kleinste; die vier ersten Glie-
der sind so lang, dass sie fast die Spitze der Schuppe der
äusseren Fühler erreichen, und entsteht diese Länge na-
mentlich durch das vierte Glied; die drei folgenden Glie-
der, welche das Thier — wie es scheint — zurückgeschla-
gen trägt, sind zusammengenommen ein wenig länger als
die vorhergehenden, und zwar ist das fünfte Glied so lang
wie das vierte mit dem halben dritten zusammen, die bei-
den letzten Glieder bilden eine kleine Scheere, deren Dau-
men und Index gerade sind. Die ersten vier Glieder sind
dicht mit spitzen Warzen besetzt, die folgenden glatter, die
Scheere stark behaart. Das zweite Fusspaar ist das
grösste von allen und ungleich : die linke Scheere ist län-
ger als der ganze Körper, die rechte etwa so lang wie der
hinter ihrer Insertion liegende Theil desselben; im übrigen
sind beide gleich gebildet und überall dicht mit stumpfen
Dörnchen besetzt. Bis zum vierten Gliede nimmt die Länge
und Dicke der Glieder allmählich zu; das fünfte Glied ist
Bithynis, ein neues Genus der langschwänzigen Krebse. 163
das dickste, beinah verkehrt kegelförmig, jedoch aussen
mehr grade, innen mehr convex. Die linke Hand ist bis
zum Ursprunge des Daumens so lang wie das Kopfbrust-
stück und ziemlich walzenförmig; die Finger sind wenig
kürzer, gleich dick, cylindrisch, aber innen mit einer Reihe
entfernter, stumpfer, kurzer, ceylindrischer Höcker, etwa
5—7 an der Zahl, besetzt, die sich beim Schliessen der
Scheere nicht berühren, indem die Spitzen der Finger sich
nach innen hakenarlig umbiegen. Die Dornen, welche die
ganze Scheere bedecken, verwandeln sich gegen die Spitze
derselben in schief nach vorn gerichtete, stumpfe Höcker.
Die rechte Scheere ist kaum halb so lang wie die linke,
sonst ähnlich gebildet. Die folgenden Fusspaare
nehmen allmählich an Länge ab und enden mit einer ein-
fachen Klaue; sind ebenfalls dicht mit scharfen Höckern
besetzt, welche auf der inneren Kante des zweiten, dritten
und vierten Gliedes länger und spitzer und daher wahre
Dornen zu nennen sind. Der Hinterleib ist unbedeu-
tend länger als das Kopfbruststück, nicht zusammengedrückt,
sondern halbeylindrisch, und wenn er nach unten umgebo-
gen ist, zeigt er von vorn nach hinten eine gleichmässige
Rundung. Er ist glatt, ohne alle Furchen und Höcker ; das
Endglied ist stumpflich, so lang wie das vorhergehende
Glied, über der Basis mit einem Grübchen versehen, in
dem kurze Haare stehen, nach der Spitze hin stehen zwei
Paar Zähnchen. Die Flossen sind länglich oval, wie es
scheint nur kurz gewimpert, grobpunktirt; die äussere
zweigliedrig. Die äussern Kaufüsse reichen bis an
das Ende der Schuppe der äusseren Fühler; sie sind beinah
eylindrisch, mit Bündeln von Borsten besetzt und enden in
eine spitze, schwach gekrümmte Klaue; ihr zweites Glied
ist so lang wie die folgenden zusammengenommen und nach
innen gebogen, so dass die übrigen Mundtheile frei gese-
hen werden können. Die Geissel ist platt und so lang wie
dieses zweite Glied. Beim zweiten Kaufusse ist das vor-
letzte Glied in zwei gleiche Lappen getheilt. Der obere
ist nach innen gewimpert und dem letzten Gliede ähnlich,
aber mit schneidender Kante, während dieses eine abge-
slutzte, breite Kante trägt; sein Taster ist breit und beinah
164 Philippi: Bithynis, ein neues Genus d. langschw. Krebse.
röhrenförmig. Die übrigen Mundtheile haben mir nichts
Auffallendes dargeboten.
Länge des Kopfbruststücks der Bithynis 3 Zoll; Breite des-
selben 1'/, Zoll.
» » Hinterleibes 3 Zoll 4 Linien; Breite desselben
13 Linien.
» „ ersten Fusses 3 Zoll.
» » zweiten Fusses der linken Seite 9 Zoll 3 Linien.
„. der Hand allein 5 Zoll; Breite derselben 1 Zoll 4 Li-
nien; Länge der Finger 2 Zoll 8 Linien.
„ des zweiten Fusses der rechten Seite 4 Zoll 6 Linien.
„ dritten Fusses c. 4 Zoll.
Ich bekenne, dass ich nicht weiss, in welche Abthei-
lung der langschwänzigen Krebse ich dies Thier bringen
soll. Grösse, Härte der Schale, Stirn des Kopfbruststückes
erinnern an die Astaciden, von denen unsere Bithynis sich
durch die grosse Schuppe des Stieles der äusseren Fühler
unterscheidet. Von den Crangoniden unterscheidet es
sich durch die Bildung der ersten Fusspaare, von den Pa-
lämoniden durch die Bildung des Stirnschnabels, von
den Penäiden durch die des Hinterleibesu.s.w. Zu den
Alpheiden kann man sie aber auch nicht wohl rechnen.
Ich muss es den Naturforschern, denen eine reiche geordnete
Sammlung und mehr Literatur zu Gebote steht, überlassen,
die Stellung dieses neuen Krebses im Systeme genauer zu
bestimmen. Vielleicht gelingt es mir, besser erhaltene und
sogar frische oder in Weingeist aufbewahrte Exemplare zu
untersuchen.
Der Art habe ich vorläufig den Namen Bithynis lon-
gimana gegeben.
Santiago de Chile, den 20sten April 1860.
Ueber Distoma appendiculatum R.
Von
Dr. 6. R. Wagener.
Briefliche Mittheilung an Prof. Dr. R. Leuckart.
-(Hierzu Taf. VIII und IX.)
Die Angaben über Distoma appendiculatum, unter wel-
chem Artnamen sehr verschiedene Species von den Auto-
ren verstanden werden, sind sehr lückenhaft.
In den nachfolgenden Zeilen soll versucht werden,
die Arten genauer zu bestimmen, woraus sich von selbst
ergeben wird, dass der einziehbare Schwanztheil dieser
Thiere *) in allen bis jetzt bekannten Arten in nichts einem
Cercarienschwanze ähnlich sieht, und da sich bis jetzt im-
mer mit seinem Auftreten eine grosse Gleichförmigkeit in
der Organisation dieser Distomenarten vorfand, man füg-
lich diese merkwürdigen Formen im Systeme zu einer
Gruppe vereinigen kann, wie es vonDujardin (Hist. nat.
des helminthes pag. 420) schon geschehen ist (jedoch mit
Ausschluss von Dist. exeisum (l. c. p. 430), das er mit D.
nodulosum, laureatum, Gasterostoma fimbriatum (= D. cam-
panula) in die Untergattung Crossodera stellt).
Die nachstehenden Angaben beruhen theils auf Un-
tersuchung ganz frischer Exemplare theils auf Vergleichung
der in der Rudolphi’schen Sammlung sich vorfindenden Spe-
cies, welche letztere mit dankenswerther Bereitwilligkeit
vom Director des hiesigen zoologischen Museums, Prof. Dr.
Peters, mir zu diesem Zwecke überlassen wurden.
“ ®) Diesing benutzt ilin hicht als Eintheilungsgrund in seinem
Syst. helminthum.
-
166 Wagener:
Es sind bis jetzt nur vier Distomenspecies mit zu-
rückziehbarem Schwanze bekannt:
1) Distoma ventricosum R.
2) Dist. excisum R.
3) Dist. tornatum R.
4) Dist. rufoviride R.
Alle übrigen, welche noch von Rudolphi und Du-
jardin als Distomen mit zurückziehbarem Schwanze auf-
geführt werden, sind entweder auf die oben genannten zu-
rückzuführen oder aber sie haben gar nichts mit dieser
Thiergruppe zu thun.
1. Distoma ventricosum R.
Fundort. Der Magen vieler Clupeiden.
Leeuwenhoek fand es dort zuerst, später auch
Herrmann. — Von Rudolphi ist es als Distoma appen-
diculatum, ocreatum, cerenatum , ventricosum beschrieben
worden. In seiner Synopsis liess er den vorletzten Namen
eingehn, das darunter bezeichnete Thier auf D. appendicu-
latum beziehend.
Dujardin (1845 1. c.) beschreibt dasselbe Thier un-
ter Dist. appendiculatum , unter Dist. ocreatum dagegen
giebt er die Charakteristik Rudolph is.
Mayer (Beiträge zur Anatomie der Entozoen 1841)
beschreibt das Thier ebenfalls unter dem Namen von D.
appendiculatum.
Eysenhardt (Verhandl. d. Gesellsch. naturf. Freunde
in Berlin 1829. p. 148) will dies Distom mit den anderen
Appendiculaten, welche er zusammen as eine Species D.
varium ansieht, identiliciren.
Von Busch (Beobachtungen über niedere Seethiere
p: 99. Taf. XV. fig. 13) ist in neuerer Zeit eines Distomes
unter dem Namen D. crassicaudatum in Sagitta lebend er-
wähnt. Das noch nicht geschlechtlich entwickelte Thier »
sieht in der Abbildung einem Dist. ventricosum, das seinen
Schwanz eingezogen hat, in allen Beziehungen sehr ähnlich.
Grösse des erwachsenen Thieres ungefähr 5 Mm.
Die Form seines Körpers ist cylindrisch. Vollstän-
Ueber Distoma appendiculatum. 167
dig ausgestreckt, setzt sich der Schwanz des Thieres durch
einen Einschnitt vom Körper ab. — Mit eingezogenem
Schwanze erscheint der Hinterleib des Thieres geschwol-
len und dunkel. — Der Hals des Thieres spitzt sich nach
dem Kopfe hin zu. Die Bauchseite zwischen den beiden
Saugnäpfen ist ausgehöhlt.
Die Farbe des frischen Thieres ist bei durchfallen-
dem Lichte grünlich.
Die Saugnäpfe. Der Kopfnapf ist bedeutend klei-
ner als der Bauchnapf. Letzterer ist am Rande von einer
Reihe kleiner Erhabenheiten umgeben, welche von der äus-
seren structurlosen Haut gebildet werden.
Die Haut des Thieres ist dick. Sie ist in etwas sich
deckende Querfalten mit scharfem freien Rande gelegt, da-
her erscheinen die Conturen des Thieres gezackt.
Die Querfalten werden nach dem Hinterleibsende zu
immer kleiner. Auf dem einziehbaren Schwanze sind sie
ganz verschwunden. Die Haut des Thieres erscheint dort glatt.
Die Haut selber erscheint ganz structurlos. Selbst
die feine epitelartige gder netzförmige Zeichnung, die man
sehr schön auf der Haut von Dist. megastomum und tere-
ticolle sieht, die sich auch vielleicht auf stumpfe kurze Pa-
pillen beziehen lässt, liess sich nicht aufweisen.
Unter der Haut liegt noch eine Schicht von schief
sich durchkreuzenden Fasern, welche den Falten
der Oberhaut nicht folgt.
Dieser von v.Siebold Corium genannten Schicht folgt:
Die Muskulatur. Als erste Schicht derselben er-
scheint eine slarke Lage von Querfasern, worauf eine nicht
ganz so starke Schicht von Längsfasern folgt.
Diese beiden Schichten bilden einen Schlauch, der die
Eingeweide enthält und im Schwanze öfters stark querge-
runzelt ist.
Dieser Schlauch enthält bei vielen Trematoden eine
klare Flüssigkeit, in welcher die Eingeweide zu schweben
scheinen. In diesen Fällen sieht man häufig zellenartige
Körper mit Ausläufern nach allen Richtungen , welche sich
an die Eingeweide und an das Gefässsystem befestigen. Die
Form dieses Gewebes erinnert an junges Bindegewebe. Nach
163 Wagener:
dem Vorgange Virchow’s fasstWalter (Archiv für Natur-
gesch. 1858. Beiträge zur Anatomie und Histologie einzel-
ner Trematoden I. Bd. p. 287) diese s. g. Saftzellen als ein
Canalsystem auf, in dem Circulation stattfindet und erwei-
tert noch diese Anschauung dadurch , dass er das Ange-
heftetsein der Ausläufer dieser Bindesubstanzzellen an das
Excretionsorgan für eine Communication mit demsel-
ben ansieht *).
Bei Dist. ventricosum gehen innerhalb des Schlauches
nicht weit unterhalb des Bauchnapfes beginnend, viele Bün-
del von Muskelfäden von der ganzen Peripherie herkom-
mend ab, welche sich nach unten hin begeben und die Zu-
rückzieher des Schwanzes zu sein scheinen. Sie verlieren
sich nämlich gerade an der Einschnürung, welche den zu-
rückziehbaren Schwanz vom Körper des Thieres abgrenzt.
Sie scheinen losgelöste Faserzüge der zu innerst gelegenen
Längsmuskelschicht zu sein.
Die Verdauungsorgane. Der kuglige Schlund-
kopf geht unmittelbar in den Kopfnapf über.
Der dickwandige Schlund (den» Dujardin übersah)
theilt sich nach kurzem Verlaufe dicht über dem Bauch-
napfe in die leicht wellig zu beiden Seiten des Thieres her-
ablaufenden Blinddärme. Diese folgen genau den äusseren
Conturen des Thieres, indem sie auch beim Schwanzan-
satze wie diese eine Einbiegung in ihrem Verlaufe erfah-
ren. Im Schwanze selber erreichen sie nicht ganz die
Schwanzspitze.
DasExcretionsorgan besteht aus einem langen auf
der Schwanzspitze ausmündenden Stamme, der etwas über
der Hälfte des Thieres sich in zwei Arme theilt, welche
mehrere Biegungen machend sich auf der Rückseite des
*) In der eben citirten Mittheilung Walters ‘wird die Aus-
mündung des Excretionsorgans als in der Mitte des Schwanznapfes
liegend angegeben. Dass sie auf dem Rücken des Thieres dicht
über dem Rande des Sch wanznapfes liegt, geht allein schon
daraus hervor, dass bei der Cerkarie dort der Schwanz sich anfügt.
Am erwachsenen Thiere lässt sich dort auch die Oeflnung mit einer
starken Lupe aufweisen. . R
Pu TE 7
Ueber Distoma appendieulatum. 169
Schlundkopfes zu einer Schleife vereinigen, wie schon
v. Siebold hervorhob.
Die Wandungen des Excretionsorganes haben, wie die
des Darmes, deutliche Doppelconturen. Ihre Innenfläche
ist häufig mit dunklen Körnern dicht besetzt, welche fest
ihnen anhaften, während andere frei in der das Excretions-
organ ausfüllenden durehsichtigen Flüssigkeit schweben und
durch die Contractionen des Thieres bewegt werden.
Eigenthümlich ist dem Stamme des Excretionsorganes
das Vermögen entweder regelmässige Varicositäten zu bil-
den oder seine Wandungen in feine sehr regelmässig lie-
gende Falten zu legen.
DieLage des Excretionsorganes. Im Schwanze
verläuft es in der Mittellinie desselben. Im Körper dage-
gen tritt es der Bauchseite sehr nahe, so dass fast alle
Windungen des Eileiters auf seiner Rückseite zu liegen
kommen. Wo er sich theilt nehmen die beiden Arme wieder
die Richtung nach der Rückseite des Thieres, so dass die
beiden Arme die letzten Glieder des Geschlechtsapparates
umfassen.
Die Geschlechtsorgane.
Die Eiweissdrüse früher Dotterstock genannt.
Sie erscheint in Form zweier dunkler oder weisser (je
nach der Beleuchtungsart) quer liegender ovaler Säcke, die
ziemlich in der Mitte des Thieres auf der Bauchseite zu
sehen sind. In der Mittellinie des Thieres berühren sie
sich fast.
Ihr Inhalt besteht aus Zellen, deren Kerne ziemlich
dicht mit fetttropfenartigen Bildungen bedeckt ist.
Die sehr kurzen Ausführgänge dieser Drüsen gehen
etwas nach der Rückenseite des Thieres hin. Dort verei-
nigen sie sich sogleich mit dem Ausführungsgange des
durchsichtigen kugligen Eierstockes.
Der Eierstock ist ebenfalls ein ovaler mit Zellen
gefüllter Sack, fast von der Grösse des halben Eiweissor-
ganes. In seinem dem Rücken des Thieres zugekehrten
Grunde sieht man die "kleinsten Zellen seiner Wand zu-
nächst liegen. Der helle den Keimfleck umgebende Hof
erscheint am spätesten. Er liegt gerade in der Mittellinie
170 Wagener:
des Thieres dicht über und auf der Rückseite der Eiweiss-
stöcke.
Bei anderen Distomen findet sich am Zusammenflusse
dieser Organe die s. g. Vesica seminalis externa, die man
als eine Aussackung des Eileiteranfangs ansehen kann. Bei
dieser Distomenspecies und ihren bis jetzt bekannten Ver-
wandten fehlt diese Aussackung stets. Man sieht Zoosper-
men an der Stelle des Zusammenflusses des Eiweissstockes *)
mit dem Eierstocke lebhaft die Produkte beider Drüsen
durcheinander treiben.
Der Eileiter oder Eiergang ist als der gemein-
schaftliche Ausführgang aller zum Geschlechtsorgansysteme
wesentlichen Drüsen anzusehen. Er enthält das befruchtete
Ei mit allem für die Entwickelung des Embryo nöthigen
Zubehör.
In neuerer Zeit ist von R. Leuckart der direkte
Zusammenhang der Hoden mit dem Anfange des Eileiters
in Abrede gestellt.
Es ist nicht zu leugnen, dass dieser Anschauung die
Verbindung der Hoden mit der Vesica seminalis externa
und das Vorhandensein eines Penis, einen wesentlichen
Stützpunkt bietet im Vergleiche zu der von v. Siebold
vorgetragenen Ansicht in der für die Erkenntniss der Or-
ganisalionsverhältnisse der Trematoden Epoche machenden
Anatomie des Distoma globiporum.
Es ist die Möglichkeit zuzugeben, dass es so, wie R.
Leuckart angiebt, in vielen Fällen sein kann.
So wie v. Siebold den Zusammenhang der Hoden
mit dem Anfange des Eileiters bei D. globiporum darstellt,
sah ich ihn auch bei einem Distom, was Rudolphi schon
gesehen hat und unsicher auf Distoma fallax bezog. Mit
diesem hat es indess nur eine sehr geringe Aehnlichkeit,
da ihm der den Kopfnapf des D. fallax umgebende Stachel-
kranz fehlt. Beide Distomen kommen in Uranoscopus scaber
zuweilen zusammen vor und zwar besonders im oberen
Theile des Darmes.
*) Diesen Namen gab Reichert diesem Organe, das mit dem
Namen Dotterstock nicht mehr belegt werden kann.
Ueber Distoma appendiculatum. 171
Der Verlauf des Eileiters ist folgender: das
Rohr entsteht etwa in der Längsaxe des Thieres, wie schon
gesagt, zwischen den Eiweissdrüsen und dem Eierstocke. Es
wendet sich sodann, je nach seiner Anfüllung, in mehr oder
minder zahlreichen kurzen Windungen zur Seite ziemlich
dieht an der unteren Grenze der Eiweissdrüse hinge-
hend, kehrt sodann wieder nach der Mittellinie zurück und
steigt jetzt häufig secundäre Schleifen bildend zum Schwanze
herab.
Bis hieher liegt der Eileiter der Bauchseite des Thie-
res sehr nahe.
Nachdem das Rohr ungefähr das erste Drittel der
Schwanzlänge durchwandert ist, wendet es sich aufsteigend
auf die andere Seite des Thieres, den Stamm des Excre-
tionsorganes auf seiner Rückseite liegen lassend.
Immer secundäre Schleifen bildend, nähert der Eileiter
sich immer mehr der Rückseite des Thieres, bis er über
den Eiweissstock zu liegen kommt.
Hier geht er plötzlich mit einer grossen Windung an
der unteren Seite des Eierstockes vorbei zur anderen Thier-
hälfte über und füllt in kurzen quer durch das Thier ge-
lagerten zahlreichen Windungen den ganzen Raum aus, der
ihm vom Darme, den unter dem Rücken liegenden Hoden
und dem der Bauchseitle anliegenden Stamme des Excre-
tionsorganes gelassen wird.
Unter dem oberen Hoden steigen seine Windungen
wieder in die Höhe. Auf seiner Rückseite ruht die Vesica
seminalis externa. Nach und nach werden seine Windun-
gen kürzer und bald dicht unter dem Rücken des Thieres
sich hinziehend, wendet er sich kurz vor der auf der Bauch-
seite liegenden Geschlechtsöffnung herab. Dort mündet er-
aus unter der Schleife des Excrelionsorganes mit dem Penis
zusammen sich hinziehend.
Die Hoden sind zwei kuglige schief nach innen und
dicht über einander liegende Organe, welche sich unter
dem Rücken lagern.
Ihnen schliesst sich eng die über ihnen liegende Ve-
sica seminalis exierna an, welche, zuweilen in zwei Theile
172 Wagener:
geschnürt, mit dem Penis zusammen in einem Beutel sich
befindet *).
Der Penis ist sehr fang und macht in seinem Ver-
laufe zahlreiche Schleifen.
Der Sack, in dem er liegt, folgt ihm in seinen Win-
dungen nicht, sondern überbrückt direkt die welligen Aus-
weichungen.
Die dadurch entstehenden Zwischenräume sind von
einer fasrigen , zuweilen zellig erscheinenden Masse aus-
gefüllt, deren Bedeutung unerklärt blieb. Es findet sich
dieses Gewebe, das oft an s. g. einzellige Drüsen erinnert,
in dem Cirrusbeutel einer Menge Distomen.
Den Penis ausgestülpt zu sehen, ist bis jetzt nicht ge-
lungen. Seine Oberfläche ist mit glänzenden schon von
Dujardin bemerkten Knötchen besetzt, deren ich ungefähr
sechs Längsreihen zählte. Sie werden nach der Spitze des
Penis zu kleiner. Kurz vor dem Austritte des Penis und der
Geschlechtspapille, die dicht am unteren Rande des
Kopfnapfes sich befindet, hören die Knötchen auf. Es tre-
ten an deren Statt feine Querstreifen. Dann schemt der
Eileiter mit ihm in einen gemeinschaftlichen Vorhof auszu-
münden, dessen Wand fein punktirt erscheint. f
Dieser Vorhof hat seine Ausmündung in der Ge-
schlechtspapille.
Die Eier des Distoms sind, wie die seiner Verwand-
ten, sehr klein. Einzeln erscheinen sie fast farblos mit
leichtem gelblichen Anfluge. In Massen sind sie schön
röthlich gefärbt.
2. Distoma exzcisum R.
Fundort. Dieser Trematode findet sich im Magen
verschiedener Scomberarten. Er ist von Rudolphi zu-
erst gefunden und beschrieben worden.
*) v. Siebold giebt p.143 Anm. 9. seines Lehrbuchs der vergl.
Anatomie bei D. appendiculatum mehrere Hoden als vorhanden an.
Dies jst sicher nicht der Fall. Keins der mir bekannten Appendicula
hat mehr wie zwei Hoden. J
Ueber Distoma appendiculatum. 173
Die Grösse des Thieres erreicht etwa 11 Mm. Sein
Querdurchmesser noch nicht 1 Mm.
Die Form des Körpers ist im Allgemeinen cylindrisch.
Bei vollständiger Streckung setzt sich, wie bei der vorigen
Art, der Schwanz durch einen tiefen Einschnitt vom übri-
gen Körper ab. Der Hals ist rund, ohne Aushöhlung auf
der Bauchseite.
Der Körper des Thieres ist durch drei Anschwellun-
gen ausgezeichnet. Die oberste umfasst den Raum zwi-
schen den beiden Saugnäpfen ; die mittlere ist dicht unter
dem Bauchnapfe am slärksten; die leizte und unlerste ist
am meisten entwickelt. Sie umlasst das letzte Drittel des
Leibes bis zum Ansatze des Schwanzes. Ist letzterer einge-
zogen, so ist die Anschwellung sehr slark.
Die Farbe des frischen Thieres ist grünlich, wie bei
Dist. ventricosum geben die Windungen des stark mit Eiern
erfüllten Eileiters dem Thiere ein rothgelbes Ansehn. Es
ist möglich, dass die grünliche Farbe durch die letztere
erscheint.
Die Saugnäpfe. Der Kopfnapf ist noch einmal so
gross als der Bauchnapf. Er zeichnet sich durch zwei
Einschnitte an seiner Bauchseite aus, welche einen koni-
schen Zapfen begrenzen, dessen Spitze die Geschlechtsöff-
nung trägt.
Die Haut des Thieres zeigte ebenfalls keine Structur,
doch ähnelt sie durch die etwas sich deckenden scharf ge-
randeten Falten, wodurch die Ränder des Distomes wie ge-
sägt erscheinen, sehr der Haut von Distoma ventricosum.
Diese Falten finden sich bei dieser Species auch auf dem
Schwanze, wenn auch weniger ausgeprägt.
Die Muskulatur ist ebenfalls der vorigen Species
sehr ähnlich. !
Die Verdauungsorgane. Der Schlundkopf ist
sehr stark, lang und fast eylindrisch.
Legt man die lebendigen Thiere ins Wasser, so springt
meist mit einem Rucke der Kopfnapf los und an ihm hängt,
wie ein Stift, der herausgerissene Schlundkopf.
Ein Schlund war nie sichtbar. Die beiden Darmschen-
kel schliessen sich unmittelbar dem starken Schlundkopfe
174 Wagener:
an. Sie steigen seitlich neben dem Schlundkopfe wie zwei
hohe Schultern in die Höhe, den Raum zwischen Schlund-
kopf und Leibeswand ausfüllend.. Dann erst gehen sie
herab mit leisen Schwankungen in ihrem Verlaufe der Kör-
percontur folgend.
Die Wände des Darmes bilden so wenig wie die der
vorigen Species Anschwellungen und Ausbuchtungen, wie
sie der Darm verschiedener anderen Distomen, so Distoma
veliporum, zeigt *). Die blinden Enden des Darmes er-
reichen fast die Schwanzspitze.
Das Excretionsorgan bildet auch bei dieser Art
einen Stamm mit zwei zu einer Schleife sich vereinigen-
den Armen. Seine Ausmündung liegt auf der Schwanz-
spitze. Sein Stamm steigt in der Axe des Schwanzes ge-
rade in die Höhe. Seine Wandungen zeigen meist eine
Menge dicht und ziemlich regelmässig angeordneter kleiner
Ausbuchtungen, welche ihm das Aussehen eines knorrigen
Stockes geben. An seinen Wänden sitzen dunkle kleine
Körnchen fest, welche ihn bei auffallendem Lichte schnee-
weiss erscheinen lassen.
Sobald der Stanım den Schwanz verlässt, wendet er
sich in seinem weiteren Verlaufe der Rückseite des Thie-
res zu. Seine Ausbuchtungen der Wände werden gerin-
ger und hören endlich ganz auf. Die Theilung tritt unge-
fähr am Ende des ersten Drittels der ganzen Thierlänge
ein. Die Schleife liegt auf der Rückseite des Kopfnapfes.
Die Geschlechtsorgane. Auf der Bauchseite
fallen gleich acht mannigfach ‘gewundene unverzweigte
weisse Schläuche auf, die aufeinen Punkt sich vereinigen.
Dies ist die Eiweissdrüse. Sie liegt dicht unter den Bauch-
decken. Unter denselben sich hinwindend, umgreifen diese
Schläuche nach beiden Seiten hin symmetrisch sich verthei-
lend den Darm und von einigen lassen sich die blinden
Enden bis unter die Rückenhaut verfolgen. Ihren Inhalt
bilden fetttropfenartige meist um blasse Kerne vereinte
*) Der bluthaltige Darm von 'Dist. nigroflavum zeigt so starke
Ausbuchtungen, dass man an den verzweigien Darm von Dist. hepa-
ticum 'erinnert wird, oder.an den der Polystomeen.
EI BEE Dee
TR
Ueber Distoma appendiculatum. 175
Gebilde, wie man es gewöhnlich in diesem Organe auch bei
anderen Trematoden findet.
Der Eierstock liegt gleich hinter der Vereinigungs-
stelle dieser Schläuche; er ist kuglig und der Axe des
Thieres mehr genähert.
Der Eileiter hat ebenfalls keine Vesica sem. interna,
obgleich man Zoospermen in seinem Ursprunge sich be-
wegen sieht. Sein Verlauf ist im Wesentlichen genau so,
wie er oben bei Dist. ventricosum auseinandergesetzt wurde.
Abgesehen von den secundären Windungen, welche je
nach der Anfüllung des Eileiters mannigfachen Schwankun-
gen unterliegen, steigt er erst nach unten herab bis un-
gelähr zur halben Länge des Schwanzes. Er hält sich da-
bei dicht an die Bauchseite, dem Stamme des Excretions-
organes seine Rückseite zuwendend. Dann geht er den
Weg auf der anderen Seite des Thieres wieder zurück.
Kaum hat er den Schwanz verlassen, so wendet er sich der
Rückseite des Thieres zu. Seine kurzen quergelagerten
Windungen lassen Eier- und Keimstock auf ihrer Bauch-
seite liegen.
Zwischen Hoden und Eierstock füllen sie den leerge-
bliebenen Raum nicht ganz aus, weichen an beiden Hoden
seitlich aus und gehen in immer kürzer werdenden Win-
dungen nach oben immer an der Rückenseite des Thieres
sich haltend.
In der Höhe des Schlundkopfes tritt der Eileiter zwi-
schen den Darmschenkeln herab zur Bauchseite, den Darm
auf der Rückseite lassend und steigt zum Bauchrande des
Kopfnapfes empor, wo er in der oben bezeichneten Ge-
schlechtspapille mit sammt dem Penis ausmündet. Kurz
vor seiner Ausmündung scheint der Eierschlauch seine
Structur zu verändern. Eine deutliche Längsfaserschicht
tritt an seiner äusseren Fläche auf und auf der Innenfläche
seines Rohres erscheinen Knötchen, ähnlich denen Jes Pe-
nis von Dist. ventricosum. Dieser Schlauch mündet in
einen anderen sehr dickwandigen ein, der mit dem des
Penis sich verbindet und der stark gerunzelt ist. So schien
es zu sein.
Die beiden Hoden sind kuglig. Sie liegen schief
176 Wagener:
übereinander der Mittellinie des Thieres zu geneigt und dicht
unter dem Rücken.
Wie bei so vielen anderen Distomen entwickeln sich
die in der Mitte des Organes gelegenen Zellen zuerst zu
Samenfäden. Es entsteht hiedurch der Anschein, als hätten
die Hoden ein Epitel.
Der Penis ist sehr lang. Seine Samenblase ist bei-
nahe so gross wie die Hälfte des Penis, der Grund dersel-
ben liegt auf dem ersten Hoden. Der Sack, der den Penis
und die Samenblase umhüllt, schliesst sich gewöhnlich nicht
dicht an letztere an und enthält auch zellenartige Körper.
Der Penis liegt in seinem ganzen Verlaufe der Rückenseite
sehr nahe. Er tritt zwischen die Darmschenkel hindurch
zur Geschlechtspapille.
Die Eier von D. excisum sind sehr klein, einzeln
wenig gefärbt, in Massen übereinander liegend stark rothgelb.
3. Distoma tornatum Rudolphi *).
Rudolphi erhielt diese Art zuerst von Olfers aus
Coryphaena equiselis, späterhin von Natterer aus Cory-
phaena hippuris.
Fundort. Wie seine Verwandten im Magen von
Coryphaena-Arten.
Die Grösse des erwachsenen Thieres ist 12 Mm. bei
einer Breite von ungefähr 1 Mm.
Die Form des Körpers ist cylindrisch. Der Hals ver-
jüngt sich nach dem Kopfe zu. Der Interporalraum **) ist
etwas ausgehöhlt. Der zurückziehbare Schwanztheil ist fast
noch einmal so lang als der eigentliche Körper. Etwas’
über seiner Mitte wird er durch eine Ringfurche in zwei
Theile getheilt.
Farbe im frischen Zustande ist nicht bekannt.
Die Saugnäpfe. Der Bauchnapf ist noch einmal so
gross als der Kopfnapf.
*) Ist nur an Weingeistexemplaren untersucht worden.
*#) So nenne ich in der Kürze denjenigen Theil der Bauchseite,
der zwischen den Saugnäpfen liegt.
R
Ueber Distonıa appendiculatum. 177
Die Haut des Thieres ist dick und in scharfgeran-
dete sich etwas deckende Falten gelegt. Sie hören plötz-
lich an der Schwanzöffnung des Oberkörpers auf. Der
lange Schwanziheil erscheint ganz glatt.
Die Muskulatur bot Nichts bemerkenswerthes.
Die Verdauungsorgane beginnen mit einem ver-
hältnissmässig kleinen kugligen Schlundkopfe, der sich un-
mittelbar dem Kopfnapfe anschliesst. Hierauf folgt ein kur-
zer ihn an Länge nicht übertreffender Schlund. Die bei-
den Darmschenkel, in die er leilet, sind weite Röhren mit
zuweilen unregelmässig ausgebuchteten Wandungen. Sie
folgen in ihrem Verlaufe den Körperconturen, immer der
Rückseite näher liegend. Wo die Hauptmasse der Gene-
ralionsorgane liegt, weichen sie mit drei Windungen, de-
ren oberste die slärkste ist, nach dem Rücken hin aus. So
wie die beiden Blinddärme in den Schwanz des Thieres
eintreten, bietet ihr Verlauf nur geringe Schwankungen dar.
Ihre blinden Enden gehen bis in die äusserste Schwanzspitze
hinein.
Das Exeretionsorgan bildet einen langen dünnen
Stamm, der sich deutlich, in der Längsaxe des Thieres ver-
laufend, bis an den Körper des Thieres verfolgen liess.
Dort verdeckten ihn die zum Geschlechtsapparate gehörigen
Organe. Doch liess sich zwischen Vesica sem. exlerna
und dem ersten Hoden bei vielen Exemplaren ein starker
durchsichliger sich theilender Schlauch sehen, der auf der
Rückseile des Darmes zu liegen schien und zum Kopfe
aufstieg. Jedenfalls bezieht dieser Schlauch sich auf das
Excretionsorgan.
Die Geschlechtsorgane. Auf der Bauchseile,
dicht über der Einzugsslelle für den Schwanz, sieht man
eine Figur, welche an eine Ophiure errinnert. Es sind
sechs lange unverästelte mannigfach,sich windende Schläu-
che, welche von einem Punkte in der Miltellinie des Thie-
res ausgehen.
Es ist dies die, Eiweissdrüse. Drei ihrer Schläu-
che ziehen weit hinab in den Schwanz, während die ande-
ren dicht unter der Haut hinweggleitend über den Darm
nach dem Rücken sich hin begeben,
Archiv f. Naturg. XX VI. Jahrg. 1. Ba. 12
178 Wagener:
Der Eierstock ist ein kugliges Organ. Er liegl der
Rückseite näher. An der Berührungsstelle dieser beiden
Organe entspringt der Eileiter. In kurzen nicht sehr
eng an einander liegenden Schleifen steigt er in den Schwanz
hinab. In der Mitte desselben wendet er, sich auf die an-
dere Seite begebend, wieder nach oben. Im Körper des
Thieres angekommen, streicht er mit verhällnissmässig ge-
ringen Biegungen unter dem Rücken hin. Ueber dem un-
teren Bauchnapfrande macht er seine letzte Windung. Durch
die Darmschenkel hindurch tretend, geht er geraden Wegs
in die Geschlechtspapille, welche sich dicht am un-
teren Rande des Kopfnapfes auf der Bauchseite befindet.
Die beiden kugligen Hoden liegen unter der
Rückseite dicht übereinander, der obere der Mittellinie des
Thieres näher als der andere.
Der Penis ist lang und auf eine kurze Strecke hin
mit breiten kurzen Papillen besetzt.
Seine Samenblase ist gross, oval und öfter durch
Abschnürungen in mehrere Abtheilungen getheilt. Penis
und Samenblase umschliesst ein Sack. Ob Eiergang und
Penis in einem Vorhofe zusammenmünden ?
Wie der Eiergang so trilt auch der Penis zwischen
den Darmschenkeln zur Geschlechtspapille.
Die Eier sind leicht bräunlich gefärbt.
4. Distoma rufovirideR.
Fundort. Rudolphi entdeckte das Distom im Ma-
gen von verschiedenen Congerarten. Einige Specimina fand
er auf und in anderenFischen. Er bezog diese jedoch auf
Distoma appendiculatum und nicht auf D. rufoviride.
Man findet öfters in Cephalopoden und anderen nie-
deren Seethieren kleine noch nicht geschlechtsreife Indi-
viduen dieser Trematodenart, welche durch das Zurückzie-
hen des Schwanzes sich unkenntlich machen. Nähere Be-
sichligung lässt sie indess bald erkennen.
Grösse. Das Thier erreicht in der Länge 9Mm.,
in der Breite fast 2 Mm. Seine kurze gedrungene Gestalt
Ueber Distoma appendiculatum, 179
zeichnet es vor seinen meist sehr schlanken Verwand-
ten aus.
Form. Das Tbier ist im Allgemeinen eylindrisch.
Der Hinterleib ist stärker als der einem Kegel mehr äh-
nelnde Hals. Bei ganz zurückgezogenem Schwanze ist der
Hinterleib um das Zweifache stärker als der Hals.
Die Farbe des frischen Thieres ist grünlich , die
übereinanderliegenden Schlingen des Eierleiters , welche
sich namentlich hinter dem Bauchnapfe anhäufen, schimmern
als orangegelber Fleck durch die Bedeckungen des Thieres,
daher der Rudolphi’sche Name.
Die Saugnäpfe. Der Kopfnapf des Thieres ist der
kleinere. Sein oberer Rand bildet eine fingernagelförmige
Lippe, mit welcher das Thier tastende Bewegungen aus-
führt. Der sehr tiefe Bauchnapf ragt fast gar nicht über
die Bauchfläche hervor. Der Interporalraum ist nicht aus-
gehöhlt.
Die Haut ist durchsichlig, structurlos so weit wie sie
hat untersucht werden können. Sie ist dick und auf dem
Körper unregelmässig quer gerunzelt. Die Falten bilden
keine Ringe um den Leib ,,- sondern sind kurz. Auf dem
zurückziehbaren verhällnissmässig kurzen Schwanze fehlen
sie ganz.
Die Muskulatur ist der von Dist. ventricosum sehr
ähnlich, doch sind die Schwanzretractoren weit feiner und
anscheinend weniger zahlreich. Sie entspringen von der
inneren Peripherie des Muskelschlauches in der Höhe des
Dotterstockes.
Die Verdauungsorgane beginnen mit einem ver-
hältnissmässig kleinen kugligen Schlundkopfe, der unmit-
telbar mit der Kopfnapfhöhle in Verbindung steht. Ein
kurzer, ihn an Länge nicht übertreffender Schlund setzt iln
mit dem Darme in Verbindung. Der Darm ist sehr ent-
wickelt, anfangs von geringerer aber sonst gleichmässiger
Weite. In seinem Verlaufe folgt er den Körpergrenzen,
weicht jedoch den Geschlechtsorganen mil einer weiten
Biegung nach dem Rücken zu aus. Die blinden Enden des
Darmes hören an der Einzugsstelle für den Schwanz auf,
ohne in diesen weiter einzudringen.
180 Wagener:
Das Exceretionsorgan bildet ein Schlauch, dessen
Wandungen in viele feine Querfalten gelegt sind. Zuweilen
sind seine Wandungen auch mit dunklen feinen Körnchen
belegt. Sein Stamm mündet an der Spitze des retraclilen
Schwanzes aus. in dessen Axe er sich hält. Bei seinem
Eintritte in den Körper des Thieres zieht er sich bald an
die Bauchseite. Er theilt sich in zwei Arme elwas unter
dem Bauchnapfe, geht über die innere Seile der beiden
Hoden hin zum Rücken, wo sie über dem Kopfnapfe sich
zu einer Schleife vereinigen.
Die Geschlechtsorgane. Ungefähr in der Mitte
zwischen Bauchnapf und Schwanz liegt abseits von der
Mittellinie unter den Bauchdecken die Eiweissdrüse.
Sie besteht aus 6 bis 8 kurzen dicken, am Ende kolbig an-
geschwollenen Blindschläuchen. Sie sind etwas gewunden
in ihrem Verlaufe. Drückt man das Thier zwischen zwei
Glasplatten, so erscheint die Eiweissdrüse wie eine Roselle.
Fast von ihr bedeckt mehr nach dem Rücken zu liegt der
kuglige Eierstock. Zwischen heiden entspringt der Ei-
leiter, ohne, wie schon in den drei früher beschriebenen
Arten, eine Vesica seminalis interna zu bilden.
Der Verlauf dieses Organes ist im Wesentlichen der
schon bei den drei vorher beschriebenen Arten angegebene.
Die ersten Windungen steigen herab bis fast zum Beginne
des Schwanzes, wenden sich dann, ohne in diesen einzu-
dringen, hinter das Excrelionsorgan auf die andere Seite
des Thieres hinüber, wo das Eirohr die Bauchseile verlässt
und zur Rückseite sich wendet. Vom Rücken her häufen
sich die Windungen zwischen den Hoden und dem Eier-
stocke an. In der Höhe des unteren Bauchnapfrandes löst
sich die letzte Windung los und dicht unter dem Rücken
fortziehend senkt sie sich in die Geschlechtspapille,
welche sich in der Mitte des Interporalraumes belindet.
Die beiden kugligen Hoden liegen auf der Bauch-
seite zu beiden Seiten des unteren Bauchnapfrandes. Hin-
ter ihnen gehen die Arme des Excretionsorganes vorbei.
Der Penis ist weit kürzer als in den drei anderen
Species. ErJist mil kurzen Papillen besetzt, ungefähr sechs
in einer Querreihe. Er steckt in einem Cirrusbeutel, der
ch de u re ee Me ee en
Ueber Distoma appendiculatum. 181
mit einer bald faserigen, bald zelligen Masse erfüllt ist.
Eierschlauch und Penis münden in einem Vorhofe aus. Die-
ser erst öffnet sich in der Geschlechtspapille.
Die Eier sind klein. Einzeln schwach gelb gefärbt
erscheinen sie in Massen gelblichroth.
Aus den angeführten Thatsachen ergiebt sich:
Dass allen diesen Distomen ein relractiler, vom Kör-
per durch eine Furche abgeselzter Schwanz zukomnt.
Dass drei von ihnen mit Sicherheit (Dist. tornatum
höchst wahrscheinlich, ein Exeretionsorgan haben, dessen
Stamm sich in zwei über dem Kopfnapfe sich zu einer Schleife
vereinigende Arme theilt.
Dass der Verlauf des Eileiters bei allen derselbe ist,
d. h. er wendet sich erst nach unten und zieht von daher
direkt zur Geschlechtsöffnung hinauf.
Dass allen nur eine Eiweissdrüse zukommt (welche
nicht über das ganze Thier verbreitet ist, sondern eine aus
zwei bis acht in einem Punkte auf der Banchseite sich ver-
einigenden Blindschläuchen bestehende Drüse ist).
Dass ihnen allen eine Ves. seminal. interna fehlt.
Für die nachfolgenden Bemerkungen sind die von
Rudolphi selbst bezeichneten Exemplare seiner Sammlung
benutzt worden.
Da manche der von Rudolphi aufD. appendiculatum
bezogenen Species nur in einem oder wenigen Exemplaren
vorhanden waren, so musste in Rücksicht auf das Interesse
der Sammlung vorsichlig verfahren werden. Es musste
deshalb von näheren Angaben in Bezug auf: Organisation
abgesehen werden. In jedem Falle aber liess sich mit Si-
cherheit angeben , ob man es mit einem appendieulalum oder
nicht zu thun halte.
1) Distoma caudiporum Ent. Zeus faber. Dies Distom
wurde schon von Rudolphi selber auf Dist. rufoviride
bezogen. Die nähere Untersuchung ergab die Richtigkeit
der Vermuthung Rudolphi's.
182 Wagener:
2) D. clavatum Ventrie. Scomber pelamys von Cha-
misso gefunden und an Rudolphi gegeben.
Grösse. 25 Mm. lang, am kuglig aufgelriebenen
Schwanze 4 Mm. breit, am Leibe 2 Mm. breit, der grosse
Bauchnapf 3 Mm. breit, der Kopfnapf 1 Mm. breit.
Farbe. Das Thier war durch den Weingeist weiss
geworden. Der zu den Seiten des Thieres verlaufende Darm
schimmert roth durch. Eine Darmerweiterung muss das
ganze kuglige Hinterleibsende ausfüllen, da dies ganz pur-
purfarben erschien.
Die Form des Körpers ist cylindrisch, an der Bauch-
seite verschmächtigt. Der Interporalraum ausgehöhlt, das
Schwanzende kuglig aufgelrieben. Eine schwächere Aufl-
treibung befindet sich da, wo der Bauchnapf aulsitzt.
Die Haut ist glatt, stark doch nicht regelmässig in
quere Falten gelegt.
Verdauungsorgane. Der Schlundkopf ist klein un-
mittelbar dem Darme und Kopinapfe ansitzend. Der Darm
verläuft zu beiden Seiten desBauches in vielen Windungen.
Im Schwanze bis zu dessen Spilze scheinen seine blinden
Enden sehr stark anzuschwellen. Es liessen sich keine
Grenzen zwischen den Blinddärmen mehr auffinden. Auf
der Schwanzspitze befand sich ein länglicher Schlitz, muth-
masslich die Ocffnung des Excrelionsorganes.
Von Geschlechtsorganen und eingezogenem Schwanze
war keine Spur zu finden.
5) Dist. appendiculutum Int. Ophidium Vasalli. Die
mit dieser Aufschrift bezeichnete Flasche enthielt :
a) eine jugendliche Tetrarhynchen-Form noch ohne
Saugeruben und Stacheln auf dem Rüssel mit spitzem
Schwanze;
b) einen querdurchrissenen Tetrarhynchenrüssel;
ec) zwei noch geschlechtslose Distomen.
Grösse. Länge 2 Mm. Breite ungelähr 0,3 Mm.
Form plait. Die grösste Breite des Leibes fiel in die
Gegend des Bauchnapfes, der um die Hälfte grösser als der
Kopfnapf war. Leizterer hatte eine kleine lippenförmige
Verbreiterung an seinem oberen Rande.
Haut glatt.
Be
Ucber Distoma appendiculatum. 183
Verdauungsorgane. Der kleine kuglige Schlund-
kopf geht unmittelbar in den Kopfnapf und Darm über. Der
weite Darm geht mit seinen beiden Blindsäcken bis in die
Schwanzspilze hinein. Das unter dem Rücken liegende
Excretionsorgan bildet eine Schleife, deren Aeste aus
dem Stamme ungefähr in der Mitte des Thieres entspringen.
Worauf diese Species zu beziehen ist, weiss ich nicht.
4) Dist. ocreatum und appendiculatum,
beide Ventric. Clupea Alosa.
5) Dist. crenatum Int. Gasterosteus aculeatus.
6) Dist. appendiculatum Int. Salmo salar,
sind: Dist. ventricosum.
Als Distoma rufoviride erwiesen sich folgende :
Distoma appendiculatum aus Intest. Trigla hirundo.
Stom. Aceipenser slurio.
Intest. Pleuronectes maximus.
Intest. Osmerus saurus.
Intest. Ophidium barbatum.
Dorsum Raja clavata.
Dies ist jedenfalls, wie schon Rudolphi vermuthele,
aus todten Fischen oder aus deren Eingeweiden auf Raja
zufällig gekommen.
Stom. Raja marmorala.
Intest. Centronolus glaucus.
Intest. Zeus aper.
Dist. appendieulatum Intest. Pleuronecles passer und
Pleuronectes linguatula ist kein Distom mit zurückziehbarem
Schwanze.
In den Seilenschwimmern sind mit Sicherheit drei Ar-
ten von Dislomen vorgefunden.
Eine Art von diesen ist von Rudolphi Dist. alomon
genannt, Ueber sie folgendes :
Die von Rudolphi selbst bezeichnete Flasche eni-
hielt sechs schon vom Weingeiste stark gebräunte Exeniplare.
Länge 2Mm.
Form stark abgeplattet, woran vielleicht frühere mit
154 Wagener:
dem Pressschieber gemachte Untersuchungen schuld sind.
Der Hals ist nach dem Kopfe zu etwas zugespitzt.
Saugnäpfle. DerBauchnapf ist noch einmal so gross
als der Kopfnapf. 5
Die Geschlechtspapille liegt ziemlich in derMilte
des Interporalrauınes.
Die Haut erscheint ganz glatt, weshalb sie doch
früher Stacheln gehabt haben kann.
Verdauungsorgane. Der Schlundkopf erschien
sehr gross und fügte sich unmittelbar dem Kopfnapfe an.
Ihm schliesst sich ein kurzer Schlund an, der in der Höhe
des Bauchnapfes in die bis an das Schwanzende reichenden
Darmblindsäcke einmündet.
Vom Excretionsorgane salı ich nur die Ausmün-
dung an der Schwanzspilze.
Geschlechtsorgane. Die Eiweissdrüse ist in Form
von ziemlich grossen dunklen Kugeln über Rücken und
Bauch ausgebreitet, lässt aber den Hals frei.
Die Hoden sind gross, eiförmig, liegen in der Mittel-
linie des Thieres übereinander in der unteren Thierhälfte.
Der Eierstock ist rund und liegt unter dem Rücken
über den ersten Hoden. Zwischen ihnen entsteht der Ei-
leiter. Er macht anfangs unter dem Rücken viele kleine
Windungen, Iritt dann in drei grossen schief zu der Quer-
axe des Thieres liegenden an die Bauchseite in die Höhe.
Die letzte derselben steigt gerade auf unter die Rückseite
sich von dort in die Geschlechtsöffnung einsenkend.
Einen Penis sah ich nicht.
Die Eier sind auffällig gross und schwach gelblich
gelärbt.
Es ist möglich, dass diese Species mit der von Du-
jardin gefundenen Dist. Soleae identisch ist, indem die
Maasse, die Lage der Hoden und die Grösse der Eier un-
gefähr übereinstimmen.
Die zweile sichere Art ist von mir in Pleuronectes
flesus gefunden.
Grösse. Ungefähr 1 Min. lang, 0,5 Mm. breit.
Form. Der Körper ist eine dünne ovale Scheibe.
Ueber Distoma appendiculatum. 185
Die Saugnäpfe von ganz gleicher Grösse. Der
Bauchnapf liegt ungefähr in der Hälfte des Thieres.
Die Haut ganz mit kleinen Stacheln bedeckt.
Verdauungsorgane. Der kuglige Schlundkopf
setzt sich direkt an den Kopfnapf an. Der Schlund erreicht
die Mitte des Interporalraums, der dann folgende zwei-
schenklige Darın ist weit und endet in der Höhe des
Bauchnapfes.
Vom Excretionsorgane ist nur die Mündung auf
der Schwanzspitze gesehen.
Geschlechtsorgane. Die Eiweissdrüse be-
steht aus einer Menge kleiner Säckchen, die in Forın von
zersireuten dunklen Flecken Rücken und Bauchseite des
Halses einnehmen. Sie hören auf in der Höhe wo der Darm
anfängt.
Der Eierstock ist kuglig, kleiner als der Hoden.
Er liegt unter dem Rücken am Rande des Thieres mit sei-
ner Innenseite den einen Darmschenkel berührend.
Der Eileiter entsteht gerade hinter dem Bauchnapfe.
Seine kurzen Windungen füllen den ganzen Hinterleib des
platten Thieres aus. Seine Hauptrichlungen liessen sich
nicht mil Sicherheit erkennen.
Die beiden kugligen Hoden liegen am Rande des
Thieres zu beiden Seiten des Bauchnapfes in einer Höhe
mit ihm. Der eine von ihnen liegt gleich unter dem
Eierslocke.
Zwei dunkle Linien laufen convergirend von den bei-
den Dolterstlöcken zum Bauchnaple herab. Man kann sie
für die Ausführgänge der Eiweissdrüse halten. Sie liegen
unter dem Rücken.
Die Eier sind klein und hellgelb.
Vom Penis habe ich nichts bemerken können.
Die dritte Art ist von Rudolphi 1817 in Pleuro-
necles manca gelunden. Er nannte sie D. areolalum.
Die untersuchten Weingeistexemplare waren sehr wohl
erhalten.
Die Grösse 4 Mm. in der Länge, in der Breite 1 Mm.
Die Form. Das Thier ist platt nach dem Kopfe zu sich
186 Wagener:
elwas verjüngend, die Seilenränder des Thieres schärfen sich
etwas zu. In gleicher Höhe mit dem Bauchnapfe und in
der Mitte des Hinterleibes verbreitert sich der Leib etwas.
Saugnäpfe. Der Kopfnapf ist halb so gross wie
der Bauchnapf. Dicht über dem letzteren liegt die Ge-
schlechtspapille. Der Interporalraum ist sehr tief aus-
gehöhlt.
Die Haut ist in ihrer ganzen Ausdehnung dicht mit
Stacheln beselzt, deren Basis eine napfförmige Anschwel-
lung, deren Spilze aber einen breiten Pinsel bildet. Das
Fasernelz des Coriums hat sehr breite Querfasern, die im
Allgemeinen den Stachellinien entsprechen.
Verdauungsorgane. Der Schlundkopf ist läng-
lich, ungefähr das erste Drittel des Schlundes bildend. Er
steht unmittelbar mit dem Kopfnapfe in Verbindung.
Der diekwandige Schlund reicht bis zur Geschlechts-
papille. Der zweischenklige Darm reicht bis in die Schwanz-
spitze des Thieres.
Das Excretionsorgan mündet auf der Schwanz-
spilze aus. Der sehr weite Stamm schien bis zur Milte des
Hinterleibes zu reichen.
Die Geschlechtsorgane. Die Eiweissdrüse
ist sehr entwickelt. Sie liegt an beiden Seiten des Thie-
res, den Darın vom Bauchnapfe bis zum Schwanzende ganz
(auf der Bauch- und Rückenseile) umhüllend und die Sei-
ten des Thieres auftreibend. Sie besteht aus grossen dicht
aneinanderliegenden Säckchen, deren gemeinschaftlicher
Ausführgang zwischen Hoden und Keimstock auf dem Rük-
ken sich befindet.
Von den drei kugligen Organen, welche die Körper-
wand etwas hervorlreiben und die über der Mitte des Hin-
terleibes in der Längsaxe des Thieres übereinander gela-
gert sind, ist das oberste der Eierstock. Zwischen ihm
und dem ersten Hoden fängt der Eileiter an, der in drei
bis vier Schleifen schräg die Längsaxe des Thieres schnei-
dend schliesslich vom Rücken her in die Geschlechtsöffnung
einfällt.
Die beiden Hoden liegen über einander von einzel-
ee en
Ueber Distoma appendienlatum. 187
nen nach der Mittellinie vorgeschobenen Trauben des Ei-
weissstockes von einander getrennt.
Eine Vesica sem. interna wurde nicht bemerkt. Die
Ves. sem. externa war sehr gross, lag dicht unter dem
Bauchnapfe unter der Rückseite mit: gewundenem Ausführ-
gange, dessen letzter Theil den Penis enthalten muss, zur
Geschlechtsöffnung gehend.
Die Eier sind sehr gross, haben einen stumpfen und
einen spilzen Pol. Ersterer springt mit einem Deckel aul.
Sie sind kaum etwas gelblich gefärbt.
Ueber Distoma microstomum hat Rudolphi sehr dürl-
tige Angaben hinterlassen. In seiner Sammlung war es
nicht mehr aufzufinden.
Im Darme von Pleuronectes flesus kommt noch ein
Distom vor, das mit einem aus Pleuronecles passer slam-
menden und von Bremser an Rudolphi geschicklen
grosse Aehnlichkeit hat. Rudolphi bezog es auf Dist.
appendiculatum.
Das letztere , was in Weingeist sich befand, war von
dem frischuntersuchten aus Pleuronectes flesus darin un-
terschieden, dass ihm die Stacheln auf der Oberhaut fell-
ten, und dass es nicht gelb gelärbt war.
Grösse. Das frische Thier aus Pleuronectes flesus
war elwa 0,7 Mm. lang.
Die Form seines Körpers glich einem Eie.
Die Saugnäpfe waren auffällig gross und stark.
Der Kopfnapf mochte um ein Drittel kleiner als der Bauch-
napf sein. Letzterer in der Mitte der Thierlänge.
Die Haut war in ihrer ganzen Ausdehnung mit klei-
nen.kurzen schuppenarligen Stacheln bedeckt und von kiei-
nen Pigmentzellen gelb gefärbt. Namentlich um den Kopfnapf
herum befanden sich jene zoltenarligen Körper, welche von
mir schon in der Abhandlung „die Entwickelung der Ce-
stoden“ nach eigenen Untersuchungen beschrieben worden
sind. Leydig führt sie als muthmassliche Hauldrüsen auf.
Sie gehören in ihrer Structur zu den s. g. einzelligen
Drüsen, indem sich nachweisen lässt, dass sie Kern und
Kernkörper besitzen und nach aussen münden. Sie sind
188 Wagener:
bei Cestoden und Trematoden sehr verbreitet, doch giebt
es in diesen beiden Thierklassen auch Species, welche sie
entweder gar nicht oder nur in ihrer Jugend besitzen.
Verdauungsorgane. .Der Schlundkopf ist birn-
förmig unmittelbar dem Kopfnapftrichter ansitzend. Ein bis
zum Bauchnapfe reichender Schlund mit dicken Wandun-
gen mündete in einen eben so beschaffenen Darm, dessen
blinde Enden bis in die Schwanzspitze reichten.
Von Exeretionsorganen war nur die Mündung
auf der Schwanzspitze sichtbar. Vor dieser lag eine dunkle
aus Körnern bestehende Kugel.
Die Geschlechtsorgane. Der Eiweissstock lag
in Form von kleinen Kugeln dicht unter der Haut über die
Seiten des Thieres verbreitet. Er berührle in seiner Aus-
dehnung Kopfnapf und Schwanz, liess auf dem Bauche die
Mittellinie frei, ebenso auf dem Rücken jedoch etwas
weniger.
Der Eierstock lag unter dem Rücken über dem
Bauchnapfe. Er ist kleiner als jeder der Hoden.
Der Eierschlauch füllte den Hinterleib in grossen
wenig zahlreichen Schleifen aus, seinen Lauf vom Rücken
her in die Geschlecehtspapille endend..
Die beidenHoden sind gross. Sie liegen zu beiden
Seiten des Bauchnapfes, der der Keimstockseite indessen
elwas tiefer.
Der Penis war in einem Sacke mit der Ves. sem.
ext. eingeschlossen. Die Vesica seminalis exlerna war'gross
und eingeschnürt und seizte sich unmittelbar an den Pe-
nisanhang an.
Die Geschlechtspapille befand sich in der Mitte
des Inlerporalraumes. -
Der Penis ist kurz und gerade. Hiermit würden die
Angaben Rudolphi’s von Dist. atomon übereinstimmen;
doch stimmt weder Körperform, Lage der Hoden, Grösse
des ganzen Thieres noch die seiner Näpfe und die Lage
des Eileilers von Dist. atomon mit dem in Rede stehenden
überein. Er ist in zwei ziemlich gleich grosse Abtheilun-
gen getheilt, deren untere mit kurzen, breiten, glänzenden,
engstehenden Papillen, deren obere mit Häärchen besetzt ist.
ee
U 2 Zu
Ueber Distoma appendieulatum. 189
Eier habe ich nicht mit Sicherheit in dem frischen
Thiere sehen können. Der Eileiter erschien fast gar nicht
gefärbt. Die in ihm sichtbaren Linien wurden durch die
gelbe Pigmentirung der Haut so undeutlich, dass man sie
auch auf Eileiterwindungen beziehen konnte.
Distoma gracilescens Intest. Lophius piscatorius ist ein
Gasterostoma, wie schon früher nachgewiesen wurde, und
kein D. appendiceulatum, wie Rudolphi anscheinend durch
den an der Schwanzspitze mündenden langen Penis beirrt,
vermuthete.
Dist. apertum Intest. Mullus imberbe, in dem Ru-
dolphi ebenfalls ein Dist. appendieulatum vermuthet, ge-
hört auch nicht dazu.
Die Originalflasche enthielt mehrere Exemplare, deren
eines querdurchschnitten war , auf welches letztere Ru-
dolphi’s Beschreibung passt.
Grösse. Etwas über 1 Mm. lang und an der brei-
testen Stelle des Leibes ungefähr 0,3—0,4 Mm. breit.
Form. Abgeplaltet, besonders nach dem Schwanze
zu. Die Bauchseite ist eben, der Rücken etwas gewölbt.
In der Mitte des Halses verbreitert sich das Thier etwas.
In der Mitte des Hinterleibes kommt noch einmal eine Ver-
breiterung vor, welche nach dem abgerundeten Schwanze
zu wieder bedeutend abfällt.
Die Saugnäpfe sind ziemlich von gleichem Umfange
und ımässiger Grösse.
In der Mitte des Interporalraumes befindet sich die
Geschlechtspapille.
Die Haut ist bestachelt, doch ziemlich weit vor dem
Schwanzende wird dieselbe glatt.
Verdauungsorgane. Der Schlundkopf sitzt nicht
unmittelbar dem Kopfnapfe an, sondern etwas von ihm
entlernt. Der Schlund selber theill sich in die beiden Darm-
schenkel ungelähr in der Mitte des Interporalraumes.
Die Blinddärme folgen in ihrem Verlaufe den äusse-
ren Conturen des Thieres bis fast in das Schwanzende.
Vom Exerelionsorgane war nur die auf der
Schwanzspilze liegende Oeflnung sichtbar.
190 Wagener:
Geschlechtsorgane. Die Eiweissdrüse liegt
in vielen einzelnen dunklen Kugeln über die Rückseite ver-
breitet dicht unter der Haut noch etwas auf die Bauchseile
herübergreifend.
Am llalse fängt die Drüse mit der Bifurcation des Dar-
mes an und hört an den blinden Enden desselben auf.
Die Ausführgänge vereinigen sich unter dem Rücken
zwischen dem Eierstocke und erstem Hoden, dem seitlich
eine kleine Ves. semin. interna anliegt.
Der Eierstock ist bedeutend kleiner als der Hoden.
Er liegt dem obersten Hoden dicht an und über ihm dicht
unter dem Rücken, den Raum zwischen Hoden und Bauch-
napf mit dem Eileiter ganz ausfüllend.
Der Eileiter macht ungefähr vier in der Queraxe
des Thieres liegende Windungen, deren Länge die Breite
des Bauchnapfes nur um ein geringes übertrift. Die
letzte unter dem Rücken liegende Windung steigt in der
Mittellinie des Thieres in die Höhe nach dem Kopfe zu und
senkt sich in die Geschlechtsöffnung ein, die sich genau
über der Darmtüeilungstelle befindet.
Die Hoden sind oval im Querdurchmesser einer auf
dem anderen gelagert und gross. Sie füllen den Raum
zwischen den Darmschenkeln fast ganz aus.
Der Penis ist sehr klein. Ebenso die Ves. seminal.
externa. Beide liegen in einem Sacke.
Distoma affine Int. Perca ceirrhosa Rudolphi ist eben-
falls kein D. appendiculatum, wie Dujardin unrichtiger
Weise vermuthet.
Erklärung der Abbildungen.
Taf. vn. |
Fig. 1—7. Distoma ventricosum aus dem Darme von, Clupea alosa.
1. Angabe der natürlichen Grösse.
„ 2. Das Ei 410mal vergrössert.
„» 83. Das ganze Thier von der Bauchseite gesehen.
a. Der kleine Kopfnapf.
b. Der grössere Bauchnapf.
Schlundkopfe f sitzend.
d. Die aus zwei llälften bestehende Eiweissdrüse unter den
Bauchdecken liegend.
e. Der helle Punkt, in welchem man gewöhnlich Samen-
thiere sich bewegen sieht und der der Ves. seminalis
interna entspricht. Er liegt auch dicht unter den Bauch-
decken.
f. Der Schlundkopf.
f‘. Der Schlund.
f“. Der Darnıschenkel.
g. Der Stanım des Excretionsorganes.
g’. Die beiden unter der Rückseite über dem Kopfnapf sich
vereinigenden Arme desselben.
- Oeffnung des Excretionsorganes am Schwanzende.
h,h. Die beiden lloden. Der untere ist unter den Windungen
des Eileiters versteckt,
i. Der lange Penis, der unter der Rückseite liegt.
Die in zwei Theile geschnürte äussere Samenblase.
k. Das zurückziehbare Schwanzende.
l. DasLoch im Hinterleibe das den zurücktretenden Schwanz
aufnimmt und sich dann schliesst.
In solchen Fällen ercheint der Hinterleib des Thieres
überaus stark, und da hiedurch besonders die in den
Schwanz eintretenden Organe allerlei Knickungen und
Quetschungen erleiden, so ist es in diesem Falle unmög-
lich eine klare Einsicht in die Organisationsverhältnisse
zu bekommen.
m. Die losgelösten Fasern oder Faserbündel der inneren
Längsfaserlage des Muskelsackes, welche zum Zurück-
ziehen des Schwanzes verwendet zu werden scheinen.
Manche dieser Faserbündel entspringen mit zwei Wur-
zeln von der Leibeswand.
0. Der Eierstock.
Ucber Distoma appendiculatum. 191
Fig. 3. c. Die Geschlechtsöffnung auf einer Papille gerade über dem
|
u
u
Fig. 4. Ein Stück des oberen Theiles des eingezogenen Penis. In
der Axe sind die glänzenden Knötchen sichtbar. An seinen
beiden Seiten liegen die vielleicht s. g. einzelligen Drüsen
entsprechenden zelligen Körper. Die vier hellen Linien ent-
sprechen den im Durchschnitte gesehenen Häuten. Ungefähr
200mal vergrössert.
Fig. 5. Schematischer Querschnitt des Thieres dicht über dem Bauch-
nupfe.
B. Bauchseite. Man sieht die Nöhlung des Interporalraumes.
R. Rückseite. Die Buchstaben bedeuten dasselbe.
"192 Wagener:
Fig. 6. Schematischer Querschnitt dicht über der Einzugsstelle des
Schwanzes.
„» 7. Falten der structurlosen Haut.
m‘. Die dickere Quermuskelschicht.
m“. Die dünnere Längsfaserschicht.
Fig. 8—14. Distoma excisum.
„ 8. Natürliche Grösse.
» 9. Das Ei 410mal vergrössert.
„ 10. Das ganze Thier.
a.- Der Kopfnapf.
b. Der Bauchnapf.
c. Die im unteren Rande des Kopfnapfes sich befindende
Geschlechtspapille.
d. Die aus acht Blindschläuchen bestehende Eiweissdrüse.
e‘. Anfang des Eileiters, der hinabsteigt.
e“. Der wiederaufsteigende Theil.
e“'. Dessen weitere Fortsetzung. i
e““. Der zur Geschlechtspapille sich hinbegebende.
f. Der lange Schlundkopf.
f”. Der diesem unmittelbar folgende Darm.
g. Stamm des Exeretionsorganes mit den Varicositäten.
g‘. Seine über dem Kopfnapfe gelegene Schleife.
h.. Die beiden der Bauchseite nahe liegenden Hoden.
i. Der Penis.
i‘. Die Vesica seminal. externa.
k. Der zurückziehbare Schwanz.
1. Das Loch durch das er zurückgezogen wird.
o. Der Eierstock.
Fig. 11. Der ausmündende Theil muthmasslich dem Eierstocke an-
gehörend, doch weist seine Structur auf den Penis hin.
90mal vergrössert,
» 12. Onerdurchschnitt durch den Halstheil.
„ 13. Querdurchschnitt durch den mittleren Theil des Leibes.
» 14. Querdurchschnitt durch das Hlinterleibsende,
Fig. 12—14 sind schematisch.
R. Die Rückenfläche.
B. Die Bauchfläche.
Die Buchstaben wie oben.
Tafel IX. VI
Fig. 1—5. Distoma tornatum.
„» 1. Natürliche Grösse.
» 2. Das Ei 410mal vergrössert.
Fig. 3.
Ueber Distona appendiculatum. 193
Das ganze Thier.
a. Der Kopfnapf.
b. Der Bauchnapf.
c. Die Geschlechtspapille am oberen Ende des ausgehöhlten
Interporalraumes liegend.
d. Der aus sechs Blindschläuchen bestehende Dotterstock.
e‘. Der beginnende absteigende Eierschlauch.
e‘“. Sein wiederaufsteigender Theil.
e"'. Dessen weiterer Verlauf.
e’“, Sein letztes Ende.
f. Der kurze Schlundkopf.
f‘. Der noch kürzere Schlund.
f“. Der Darm mit seinen blinden Enden.
g. Stamm des Excretionsorganes.
g‘. Seine muthmasslichen zwei Arme.
h,h. Die beiden Hoden.
i. Der mit kleinen Knötchen besetzte Penis.
i. Die Vesica seminalis externa.
k. Der lange Schwanz.
l. Das Einzugsloch des Hinterleibes.
l. Die muthmasslich zweite Einzugsstelle im Schwanze selber.
D
o. Ovarium.
Schematischer Querschnitt am Halse.
Schematischer Querschnitt in der Gegend der Dotterstöcke.
R. Rückenfläche.
B. Bauchfläche.
Buchstabenbezeichnung wie in Fig. 3.
Fig. 6—10. Distoma rufoviride.
wiß:
u:
Eı8,
Natürliche Grösse.
Das Ei 410mal vergrössert.
Das ganze Thier.
a. Der Kopfnapf.
a‘. Die nagelförmige Oberlippe.
b. Der Bauchnapf.
c. Die Geschlechtsöffnung.
d. Die aus sechs kurzen dicken Blindschläuchen bestehende
Eiweissdrüse.
e’‘. Der Anfang des Eileiters, der herabsteigt.
e”. Der aufsteigende Theil desselben.
e’”. Weiterer Verlauf desselben.
e”, Letztes Ende zur Geschlechtsöffnung gehend.
f. Schlundkopf.
f. Schlund,
f*, Die beiden Blinddärme, die nicht bis in den zurückzieh-
baren Schwanz eindringen.
4‘
Arch. für Naturg. XXVI. Jahrg. 1. Bd. 13
194
Fig. 9.
RL;
Wagener: Ueber Distoma appendiculatum.
Excretionsorgan.
Die beiden Iloden, die unter der Bauchseite liegen.
Der Penis.
g-
g’. Seine Schleife.
h
i
i’
Die Ves. seminalis externa.
‘. Der Penissack.
k. Der einziehbare Schwanz.
Das Loch am Hinterleibe, wodurch er zurücktritt.
m. Die Zurückzieher des Schwanzes.
.
12
j‘
e
. Der Eierstock.
Der Penis und der Eileiter ungefähr 200mal vergrössert.
Die Geschlechtsöffnung, die in den Vorhof führt.
Der kurze an seiner äusseren Fläche mit Knötchen be-
setzte Penis.
Die Vesica seminalis externa.
*, Der Penissack.
4, Letztes Eierstockende.
Fig. 10. Schematischer Querdurchschnitt in der Gegend der Eiweiss-
drüse.
B. Bauchfläche.
R. Rückenfläche.
Die Buchstaben bedeuten dasselbe wie vorher.
Fig. 11—12. Distoma clavatum Rudolphi aus Scomber pelamys, na-
Fig. 11
türliche Grösse.
Von der Bauchseite gesehen.
Fig. 12. Von der Seite gesehen.
a. Kopfnapf von der Seite und vom Bauche her gesehen.
b. Bauchnapf. -
f”, Der rothgefärbte Darm.
Beitrag zur Phyllopoden - Fauna der Umgegend
Berlins, nebst kurzen Bemerkungen über Cancer
paludosus Müll.
Von
Dr. med. Benediet v, Dybowski.
(Hierzu Taf. X.)
Im Jahre 1859 fand ich während der Osterferien in
der Umgegend Berlins eine Branchipus - Art, welche bis
jetzt noch von Niemand näher beschrieben ist, obgleich sie
schon früher zu wiederholten Malen von verschiedenen
Forschern ebendaselbst eingesammelt und dem zoologischen
bis jetzt vergebens nach ihm gesucht.
Fischer ®).
Museum unter dem Namen Branchipus stagnalis übergeben
wurde. So hat sie unter Anderen Prof. v. Nordmann in
der fossa „Sieboldiana“ des Berliner Thiergartens vor meh-
reren Jahren gefischt '). Der Branchipus stagnalis aber,
obwohl in die Berliner Fauna aufgenommen ?), scheint nicht
mehr darin angetroffen zu werden; wenigstens habe ich
Was die Stellung dieser neuen Species unter den bis
jetzt bekannten anbetrifft, so findet sie ihren Platz unter
denjenigen, welche Prof. Grube) zu der Abtheilung mit
„appendieibus frontis longioribus* rechnet, und zwar ist
sie am nächsten verwandt mit dem Branchipus birostratus
1) Auf der Etiquette des Gläschens im hies. zool. Museum ist
dieser Fundort angegeben.
2) Schödler, die Branchipoden der Umgegend von Berlin. $. 5.
3) Grube, dieses Archiv 1853. $. 148.
4) Fischer, Middendorf's Sibirische Reisen. Bd. Il. Th. 1.
196 v. Dybowski:
Branchipus Grubii nov. sp.t),
Diagnose. Die Basalanhänge der Hörner (Stirn-
fortsätze Grube °) sind bei dem Männchen lang, bandartig,
1) Dankerfüllt über die vielfachen wissenschaftlichen Anregun-
gen und das besondere Wohlwollen, welches mir von Seiten meines
hochverehrten Lehrers, Herrn Staatsraths Prof. Grube stets zu Theil
geworden, gestalte ich mir, diese neue Species unter dessen Namen
in das System einzuführen.
2) Absichtilich habe ich die Bezichnung „Stirnanhang“ vermei-
den wollen, weil man unter dieser Benennung sehr heterogene Ge-
bilde veıstanden hat. Wenn wir z. B. alle Anhänge der Hörner,
welche die Naturforscher von der Stirn entspringen lassen, über-
blicken, so sehen wir bald eio, dass sie unmöglich in eine Kategorie
gestellt, um so weniger also Stirnanhänge genannt werden können.
Bei Branchipus stagnalis ist der hufeisenförmige Anhang zwischen
den Zangen nur ein Appendix der vereinigten Basaltheile der Hör-
ner, dasselbe bei Br. torvicornis; bei Br. Josephinus sind sie pa-
pillenartige Hervorragungen auf der Unterfläche der Hörner ; bei Br.
diaphanus, birostratus, celaviger hinwiederum sind es Anhänge auf der
Oberfläche der Basaltheile der Hörner. Keiner von den bis jetzt ge-
nannten Anhängen kann als Stirnfortsatz angesehen werden, vielmehr
sind sie alle ohne Ausnahme Anhänge der Hörner, die bald an der
Basis derselben , bald in ihren weiteren Verlaufe entspringen. Sie
können nach der Verschiedenheit ihrer Ursprungsstelle in folgende
Kategoriecn eingetheilt werden :
1) Fortsätze, welche von der Oberfläche der Hörner entspringen
(Tentakeln).
Br. diaphanns. Budge: Verhandl. des naturhist. Vereins
des Rheinl. Tab. I. fig. 1.3. (Auct.).
Br. stagnalis (die inneren Fühler. Auct.).
Br. claviger. Fischer |, c. Tab. VII. fig. 12 a. 14.
Br. bırostratus. Fischer ibid. fig. Ih.
Br. torvicornis. Waga, Annal. de la societe entomolog. de
France 1842. Tab. II. fig. 3 g-
Streptocephalus similis. Baird, Ann. of nat. hist. 1854.
Br. Josephinus. Grube l. c. Tab. VIII. fig. 2a. 3.
Br. Grubii.. Fig.1d. 2.
2) Fortsätze, welche an der unteren Fläche der Hörner enl-
springen:
a) von den Basaltheilen: Br. Josephinus. Grube |. c. fig.
2a’, 3a’; E
b) von den Hörnern selbst: Br. birostratus. Fischer. c.
fig. 15. 16.
i
D
Beitrag zur Phyllopoden-Fauna der Umgegend Berlins. 197
mit zahlreichen seitlichen bedornten Fortätzen, 30—34, ver-
sehen und werden zusammengerollt zwischen den Basal-
theilen der Hörner getragen; beim Weibchen sind sie kurz,
spitz, lanzettförmig und liegen halbmondförmig nach aussen
gebogen zwischen den Hörnern. Die Bruttasche ist bei
dem Weibchen kurz und von ungefähr herzförmiger Gestalt.
Beschreibung. In seiner Gestalt ähnelt das Männ-
chen mit dem mächtigen Kopfe bei dem ersten Anblicke
am meisten dem Branchipus diaphanus. Die Grösse des
erwachsenen Individuums beträgt 15, sogar 16 Par. Lin.,
von denen die etwas grössere Hälfte auf den fusslosen Theil
des Körpers kommt.
Der Kopf ist bei beiden Geschlechtern von abgerun-
del-dreieckiger Gestalt. Das einfache Auge hat seine Stel-
lung gegenüber der vordersten Ecke des Dreiecks; die ge-
stiellen Augen nehmen die seitlichen Ecken ein und über
diesen Augen entspringen die Antennen, welche nicht ge-
gliedert sind und ziemlich abgerundet enden; an der Spitze
derselben sieht man kleine dünne stachelartige Fortsätze
und unterhalb derselben drei längere Härchen.
Zu jeder Seite des Kopfes entspringen die Hörner
(modilieirte Antennen), welche aus folgenden Theilen be-
stehen:
Bei dem Münnchen:
a) Das Basalglied (Fig.1.a.), eine mächtige Muskel-
anhäufung, überzogen von einer glatten Chilinhaut. Es in-
serirt sich am seitlichen Theile des Kopfes und verläuft
bogenförmig nach unten. An den unteren Flächen des
Kopfes vereinigen sich die Basalglieder brückenartig mit
einander (Fig. 1. c.); der vordere Rand dieser Verbindung
erhebt sich in einen konischen schief abgestumften Zapfen,
welcher beinahe parallel dem Basaltheile der Hörner ver-
läuft und bei der natürlichen Stellung des lebendigen Thie-
res nach unten und hinten gerichtet ist.
3) Fortsätze, welche von dem vereinigten Theile der Basalglie-
der der Hörner entspringen.
Br. stagnalis (der hufeisenförmige Fortsatz. Auct.)
Br. torvicornis. Wagal. c. fig. 31.
Br. Grubii. Fig. 1. ec.
198 v. Dybowski:
b) Die eigentlichen Zangen (Fig. 1.b; Fig. 3). Sie
sind mit den Basaltheilen gelenkartig verbunden und ver-
laufen bei der natürlichen Lage an dem lebenden Thiere
zunächst in der Richtung der Längenachse des Körpers,
wenden sich dann unter einem stumpfen Winkel nach in-
nen, um von beiden Seiten sich einander so entgegen zu
laufen, dass sie noch theilweise über einander zu liegen
kommen. Die Zangen sind von hornarliger Consistenz, ihre
Form ist in der ersten Hälfte des Verlaufes (Fig. 3. a b)
unregelmässig dreikantig, die innere obere Kante (d) ge-
zähnelt und convex , die untere eingebogen und bildet an
dem Uebergange in die zweite Hälfte (b c) einen knieför-
migen Höcker (b). Die zweite Hälfte ist zusammengedrückt
und endet etwa ähnlich wie bei Branchipus claviger (Fisch.
l. c. tab. VIII. fig. 3.d) mit einem seichten halbmondlörmi-
gen Ausschnitte (e).
c) Die Basalanhänge der Hörner (Stirnfortsätze Grube ;
tentakelförmige Organe Fischer). Diese entspringen über
den Hörnern und bilden (ungefähr ein Fünftel des ganzen
Körpers) lange, bandarlig zusammengedrückte Fortsälze,
welche bei lebenden Thieren in sich selbst eingerollt zwi-
schen den Basallheilen getragen werden; ausgebreitet ver-
laufen diese Fortsätze sichelförmig nach innen (Fig. 1.d.
Fig.2), sie verschmälern sich gegen ihre Enden und lau-
fen in eine krallenförmige Spitze aus (Fig. 2.4). An den
Rändern bemerkt man seitliche Fortsätze, welche lang und
mit kleinen dornarligen Spitzen besetzt sind (Fig. 4. a).
Diese seitlichen Fortsätze sind an dem Aussenrande der
Basalanhänge etwas länger und zahlreicher (Fig.2); denn
die Zahl beträgt daselbst 19—20, an dem Innenrande da-
gegen nur 11—14. (Ihre relalive Länge und das Verhält-
niss zu einander sind in der Abbildung angegeben.) Im
Innern der Anhänge verlaufen von der Basis aus Muskel-
stränge, welche den Tentakeln ein gestreiftes Aussehen
verleihen.
Bei den Weibchen wiederholen sich alle die genann-
ten drei Theile, nur sind sie hier anders gestaltet. Das
Basalglied stellt einen konischen Zapfen dar, statt der mäch-
tigen Zangen findet sich nur ein dünner spitzer Fortsatz
Beitrag zur Phyllopoden-Fauna dcı Umgegend Berlins. 199
und zuletzt vertreten zwei dünne, spitze, sichelförmig ge-
stellte Fortsätze die bandartigen langen Anhänge des Männ-
chens (Fig. 6, 1).
Die Füsse nehmen bis zum siebenten Paare an Grösse
zu, von da fangen sie wieder an kleiner zu werden. Das
erste Paar ist verhältnissmässig am breitesten, das letzte
Paar ist das schmalste. Im Uebrigen bieten die Füsse nichts
Bemerkenswerthes dar. — An den beiden ersten fusslosen
Körpersegmenten findet sich beim Weibchen und Männchen
eine sackförmige Erweiterung „Bruttasche“*, welche bei
beiden Geschlechtern von fast herzlförmiger Gestalt, bei
dem Weibchen aber bedeutend grösser ist; sie dient beim
Männchen zur Aulbewahrung des Receptaculum seminis und
der beiden Penis, beim Weibchen zur Aufbewahrung der
Eileiter und der Drüsentaschen. Die folgenden sieben
Segmenle verschmälern sich allmählich gegen die Schwanz-
flosse zu, welche dicht mit seidenartigen Seitenborsten be-
selzt ist.
Von den inneren Theilen will ich nur die Geschlechts-
organe kurz berühren. Sie bestehen beim Männchen !)
aus keimbereitenden Theilen, Hoden (Fig. 5. a), welche bis
zum vorletzten Segmente zu verfolgen sind; daran schliesst
sich das Receptaculum seminis (Fig.5.b) , eine blasenför-
mige Erweilerung des Samenstranges (c), welcher zuletzt
in den Penis (d) ausläuft. — Die weiblichen Geschlechts-
organe zerfallen in drei Theile: a) die Ovarien, welche
an dem drittleizten Segmente enden, zuweilen aber auch
elwas weiter nach unten hinabsteigen; nach oben hin rei-
chen sie beinahe bis zum letzten fusstragenden Körper-
segmente (Fig.6.a‘a‘). Die Eier in deın Eierstocke sind
weisslich gefärbt, während die reifen dunkelgelb sind. b)
Die Eileiter. Diese entspringen nicht von dem oberen
Ende des Eierstocks, sondern wie es schon Leydig bei
Br. stagnalis (Zeitschrift für die wissensch. Zoologie Bd. Ill.
]) Das Auspräpariren der keimbereitenden Organe im Ganzen
ist beim Männchen unmöglich. Aber die durchsichtigen Integumente
der jüngeren Thiere lassen bei schwachen inikroskopischen Vergrös-
serungen das ganze hier angegebene Verhältniss sehr gut übersehen.
200 v. Dybowski:
S.300) erwähnt hat, etwas unterhalb (Fig. 6. c). Der Ei-
leiter stellt eine flaschenförmige Erweiterung dar, welche
schief nach oben verläuft und in (c) die Drüsentasche, an
deren oberem Ende, mündet. Die beiderseiligen Drüsen-
taschen verlaufen convergirend nach unten, um durch eine
gemeinschaftliche Oeffnung zu münden. An die Drüsen-
taschen setzen sich Muskeln an, welche durch ihre abwech-
selnde Zusammenziehung dieselben in beständiger Bewe-
gung erhalten.
Die Farbe des Weibchens ist im Grundtone grünlich-
gelb, die äusseren Ränder der Füsse und Zangen sind horn-
farbig, der fusslose Theil kupferröthlich und die beiden
Schwanzfortsätze grünlich. Das Männchen ist goldorange-
farbig, alle Ränder der Füsse, der Kopfanhänge und des
Schwanzes sind dunkler tingirt. Die Beschaffenheit des
Wassers übt aber einen merklichen Einfluss auf die Fär-
bung; so fand ich z. B. Exemplare in dem trüben Wasser
eines schlammigen Grabens auf dem Wege nach dem Fin-
kenkruge, welche ganz verblichen aussahen. Ueber ihre
Lebensweise und die Art der Begattung kann ich gar nichts
angeben, da die Thiere in der Gefangenschaft bald un-
tergehen.
Die Zeit des Vorkommens ist April und Mai; der tro-
ckene Sommer von 1859 tödtete sie bald darauf. Im Herbste
habe ich sie vergeblich gesucht, obgleich ich zu derselben
‚Zeit in Breslau den Br. stagnalis massenhaft angetroffen
habe. Sie leben in ziemlich tiefen Gräben; ich habe sie
in der Jungfernheide und beim Finkenkruge gefunden; am
ersten Orte kommen sie mil Limnetis brachyurus und Daplı-
nia pennala zusammen vor.
Branchipus paludosus (Cancer paludosus Müll.).
Es wurden zwei Arten von Branchipus in Grönland
vorkommend angenommen, nämlich Br. stagnalis (Cancer
stagnalis Fabr.) und Br. paludosus (Cancer paludosus Müll.).
Die erstere führte Fabricius an, wenn man aber seine
Beschreibung in der Fauna Grönlandica liest, so kann man
sich bald überzeugen, dass es gar kein Br. slagnalis ist.
Sa - eu
-w
Beitrag zur Phyllopoden-Fauna der Umgegend Berlins. 201
S. 247 des genannten Werkes beschreibt er die Hörner mit
folgenden Worten, die des Weibchens: „de capite versus
os duo styli perpendiculariter pendent“ und S. 248 die des
Männchens: „illius longiores, annulis tribus praeter tubu-
lum et-selam terminalem constantes.“*“ Der genaue Fabri-
cius würde unmöglich die inneren Antennen des Br. sta-
gnalis und den hufeisenförmigen Fortsatz übersehen haben,
wenn er einen solchen vor sich gehabt hätte. Weiler be-
schreibt er die Brutlasche des Weibchens als lang, was für
den stagnalis gar nicht passt. Dieses genügt uns schon,
um. mit Wahrscheinlichkeit die von ihm beschriebene Bran-
chipus-Species nicht für stagnalis zu halten. Die Frage,
welche sich uns nun zunächst aufdrängt, ist die, ob der
Br. stagnalis Fabr. nicht der paludosus Müll. sei. Dieses
kann ich mit ziemlicher Gewissheit bejahen !); es sprechen
nämlich dafür die anhangslosen Hörner, die unter allen
Branchipoden nur bei Br. paludosus und ferox vorkommen,
und die lange Bruttasche des Weibchens, die den ferox
ausschliesst. Der Br. paludosus Müll. Zool. Danica Vol. II.
p-10 und Herbst, Naturgeschichte der Krabben Bd. II.
8.118 wurde bereits von Prof. Grube a.a. 0. zu dem
Middendorlianus hinzugezogen. Ich habe gleichfalls Ge-
legenheit gehabt, drei Exemplare, zwei Weibchen und ein
Männchen, dieser Species aus Grönland zu untersuchen und
kann die Vermulhungen Grube’s bestätigen. Nur muss
ich Folgendes hinzufügen. Fischer beschreibt einen mem-
branarligen Forlsatz an der vorderen Seile des Kopfes, er
sagl aber nur, dass er häufig, also nicht constant, vor-
komme ?); wenn ich nun seine Figur 18, welche den Kopf
1) J. Schiödte in seiner Abhandlung „Uebersicht der Land-
Süsswasser - und Ufer-Arthropoden Grönlands“ führt auch nnr eine
Species, Br. paludos., an und zieht den Cancer stagnalis Fab, zu dem
paludos. MI. (Uebersetzung in der Berl. entom. Zeitschr. 1859. p. 157.)
2) Fischer a. a.0.$.153: „an der Stirne bemerkt man häufig,
besonders beim Männchen, eine vorspringende dreieckige dünne Haut-
falte oder einen Stirnlappen ....... Bei einigen Exemplaren
stellte er sich beim leichten Drucke eines Glasplättchens als eine
dünne nach vorn gerade abgeschniltene Membran dar, die seitwärts
mit je einem Basaltheile der Hörner, nach hinten mit den Seitenthei-
len des Kopfes und der Stivne zusammenhing. |
202 v. Dybowski:
eines Weibchens darstellt, ansehe, so scheint es mir, dass
diese Membran nur durch Abheben des Chitinüberzuges,
verursacht durch Spiritus-Maceralion, entstanden ist. Diese
Vermuthung gewinnt noch mehr an Wahrscheinlichkeit, da
uns kein Fall bekannt ist, in welchem die tentakelförmigen
Anhänge bei Männchen und Weibehen in gleichem Masse
ausgebildel wären und auch kein solcher, wo sie beim
Männchen nicht constant vorkämen. Ich finde weiter die
Gestalt der Hörner bei den grönländischen und die Reihe
von Dornen auf der Unterfläche mit dem Middendorfianus
fast übereinstimmend, so dass ich es schon jetzt wage, den
Middendorfianus zu dem paludosus hinzuziehen. Das Deli-
nilive hierüber überlasse ich späteren Forschungen, weil
dazu die Original - Exemplare von Middendorf noch zu
vergleichen wären.
Branchipus paludosus Müll.
Folgende Synonyme würden auf den paludosus zu be-
ziehen sein.
Syn. Cancer stagnalis Fabr. Fauna Groenlandica.
p- 247.
Cancer paludosus Müll. Zoolog. Danica. Vol. HI.
p- 10.
Cancer paludosus Herbst, Naturgeschichlte der
Krabben. Bd. II. S. 118.
Br. Middendorfianus Fisch. Middendorfs Si-
birische Reisen. Bd. Il. S. 153.
Die Diagnose hat Prof. Grube a. a.0. gegeben. Das
Einzige, was dabei zu ändern sein möchle, wäre, das Vor-
kommen der „Slirnlorlsälze* noch als fraglich zu setzen.
Die Beschreibung werde ich nur auf diejenigen Theile
beschränken, welche als entscheidende diagnoslische Mo-
mente angesehen werden müssen. Diese sind: 1) die Hör-
ner. Sie erreichen bei dem Männchen (Fig. 7) eine bedeu-
tende Länge; der Basaltheil ist nämlich wenig kürzer als
die Hälfte des [usshalligen Körpers. Die Chitinbaut, wel-
che dieselben überzieht, ist glatt; auf der unleren Fläche
gegen den inneren Rand findet sich eine Reike von dorn-
arligen Spilzen, welche schon in dem ersten. Viertel des
Beitrag zur Phyllopoden-Fauna der Unigegend Berlins. 203
Basaltheiles*) anfangen und allmählich grösser werdend
sich bis zum Zangengliede fortsetzen. Ihre Zahl beträgt 21;
die ersten 17 stehen in eine Reihe geordnet, die 4 letzten,
welche die längsien sind, stehen in zwei Reihen neben ein-
ander. Die Zunge (Fig. 7. b) ist hornarlig lief chagrinirt.
Die Hörner der Weibchen stimmen im Baue mit denen des
Br. Middendorf. 1. c. fig. 18 überein, nur sind auf den mir
vorliegenden Exemplaren keine seillichen Zähnelungen
wahrzunehmen , was möglicher Weise darin seinen Grund
lıaben kann, dass jene Exemplare nicht gut erhalten sind.
2) Die Fühler sind nicht gegliedert und tragen an ihren
Spitzen feine Härchen. 3) Die Eruttasche des Weibchens
ist lang, hülsenförmig (Fig. 8). Die Schwanzflossen sind
mit 36 seillichen geliederten Forlsätzen beselzt. ,„
Erklärung der Abbildungen.
Taf. X.
I. Branehipus Grubii. Mänuchen in natürlicher Grösse.
Fig. 1. Der Kopf des Männchens derselben Species. a. Basalglied
der Hörner. b. Zangen. c. Brückenartige Verbindung der
Basalglieder (konischer, schief abgestumpfter Zapfen). d. Ba-
salanhänge der liörner (tentakelförmige Organe; Stirnfort-
sälze).
n 2. Das tentakelförmige Organ; der Basalanhang; vergrössert.
n © Die Zange der Hörner. a. Einlenkungsstelle. b. Knieför-
miger Höcker. d. Die gezähnelte Kante. e. Der halbmond-
förmige Einschnitt.
» 4%. Ende des tentakelförmigen Anhanges bein Männchen, stark
vergrössert,
» 5. Der fusslose Theil des Männchens. a. Hoden. b. Recepta-
culum seminis. c. Vas deferens. d. Penis.
» 6. Deiselbe Theil eines Weibehens. a. Eierstock.’ b. Eileiter.
c. Austrilisstelle des Eileiters. d. Drüse der einen Seite;
auf der anderen wurde sie nicht ausgeführt. e. Ohrförmige
seitliche Erweiterung der Bruttasche auf der linken Seite
des Thieres. f. Drüsentasche mit Eiern gefüllt.
}) Nach Fischer a. a.0. 8.153 fangen sie im zweiten Drittel
des Gliedes an.
204 v. Dybowski: Beitrag zur Phyliopoden-Fauna u.8. wi
Fig. 6. 1. Horn eines Weihchens nach einem aufbewahrten Präparate
gezeichnet. a. Basalglied. b. Zangenglied. c. Tentakelför-
miger Anhang.
ll. Branchipus paludosus. Männchen in natürlicher Grösse.
7. Der Kopf eines Männchens. a. Basaltheil der Zungen. b.
Die Zange selbst.
8. Der fusslose Theil eines Weibchens.
Zu Fig. 5. Bei einer Länge des Männchens von 8 Par. Lin.
war die Länge des Bläschens (b) 1,2 Mil., die Breite 0,7 Mil. Die
Breite des Hodens in der Höhe des ersten Schwanzringes beträgt
0,3 Mil.
Zu Fig. 6. Die grösste Breite des Eileiters in dessen Mitte bei
einem 7 Par. Lin. langen Weibchen betrug 0,5 Mil.; die grösste
Breite der Drüsentasche, in welcher nur drei Eier vorhanden waren,
1,25 Mil.
Leptopterygius, neue Gattung der Discoboli.
Vom
lerausgeber.
(Hierzu Taf. VII. Fig. a—d.)
Zähne im Zwischen- und Unterkiefer hechelförmig, in
der äusseren Reihe etwas grössere. Fleischige Lippen. Drei
und eine halbe Kieme. Die Kiemenöffnungen sind klein und
durch eine breite häutige, durchsichtige Brücke getrennt.
Die Kiemenhaut enthält vier Strahlen. Die Saugscheibe am
Bauche wie bei Lepadogaster. Rückenflosse und Af-
terflosse bilden longitudinale Leisten, die sich mit der
Schwanzflosse vereinigen, ohne deutliche Strahlen.
Als ich den kleinenFisch, das einzige mir zu Gesicht
gekommene Exemplar dieser merkwürdigen kleinen Gattung,
in Messina am 30. August 1853 lebend erhielt, bewegte sich
derselbe sehr lebhaft und schnell in der mit Seewasser ge-
füllten Schale umher. Seine Bewegungen waren mehr krie-
chend als schwimmend;; denn er benutzle stels seinen Schei-
benapparat am Bauche um sich darauf schnell fortzuschie-
ben. Der Fisch betrug sich so sellsam, dass er sogleich
meine Aufmerksamkeit erregle. Auch Prof. Cocco, der
damals noch lebte, und der die Fischfauna Messina’s vor-
trelflich kannte, staunte über das kleine Thier, und erklärte
es für neu, da er niemals seines Gleichen gesehen halte.
Ebenso interessirte sich Johannes Müller dafür, und
kat mich später mehrmals gemahnt, den neuen Fisch zu be-
schreiben. Erst jetzt komme ich dazu, ihn in die Wissen-
schaft einzuführen. e
Die obige Gallungsdiagnose, welche ich nach dem
Schema der von Müller und mir in den Horae ichtholo-
206 Troschel:
gicae von Lepadogaster gegebenen entworfen habe, zeigt,
dass unser Fisch in den meisten wesentlichen Punkten mit
Lepadogaster übereinstimmt, und sich nur durch die Ver-
kümmerung von Rücken - und Afterflosse unterscheidet.
Diese Abweichung ist aber allerdings so gross, dass es
keinem Zweifel unterliegen kann, der Fisch müsse eine
neue Gattung bilden, die ich Leptopterygius nenne.
Nur ein einziger Fisch ist bisher beschrieben worden,
von dem ich es für möglich halte, dass er mit dem unse-
rigen congenerisch sei, nämlich Lepadogaster Willdenowii
Risso. Derselbe ist aber, wie es scheint, seitRisso nicht
wieder gefunden worden, wenigstens ist mir in der ichthyo-
logischen Literatur über ihn nichts bekannt geworden. Da-
her lässt sich wohl annehmen, dass er wie die von mir
beobachtete: Art sehr selten sei. — Ich muss es dahin ge-
stellt sein lassen, wie genau oder ungenau Beschreibung
und Abbildung Risso’s seien. Vorausselzen lässt sich wohl,
dass wir der Beschreibung mehr trauen dürfen, als der mit
dieser nicht ganz übereinsiimmenden Abbildung.. Zur Ver-
gleichung mit unserem Fische wiederhole ich hier die Ris-
so’sche Beschreibung.
L. Willdenowii.
Lepadogaster Willdenowi Risso Ichthyologie de Nice
p: 75. PlAIVI AEIAO, Da!
L. luleo virescens, rubro punctalus; pinnis imparibus
connexis.
Point d’appendices sur les narines. La couleur de
ce Lepadogasiere, sans lre riche et brillante, n’offre pas
moins un agreable ensemble. Le dessus du corps est feuille
morle, plus ou moins fonce par des undulations sur les-
quelles sont‘ semes assez regulierement des points rouges
tres fin, Le museau est arrondi, et aussi Jarge que la
töte. ‘La bouche ample, les mächoires garnies de dents
aigues. La langue rude, couverte d’asperiles. Les yeux
d’un brun rougeätre, la prunelle noire. Les nageoires pe-
etorales ont six rayons chaque; les peclothoraciques rou-
geätres, qualre chacune; la dorsale petite en a dix-huit;
l’anale quatorze; ces deux nageoires se rennissent ä la
caudale, qui en a dix. La langueur de ce poisson est de
Leptopterygius, neue Gattung der Discoboli. 207
soixante millimelres, sur dix de largeur. On le trouve sur
les bords de la mer de Nice, dans le mois de juillet.‘
Vergleichen wir diese Beschreibung mit der Abbil-
dung, so fällt sogleich in die Augen, dass die Schnauze
spilz und viel schmaler als der Kopf abgebildet ist, wäh-
rend sie doch nach der Beschreibung rund und ebenso
breit wie der Kopf sein soll, was so ziemlich auf die fol-
gende neue Art passt. Die rothen Punkte, welche in der
Beschreibung sehr fein genannt werden und auf Undula-
tionen angebracht sein sollen, erscheinen auf der Abbildung
ziemlich gross und unregelmässig vertheilt. Ueberhaupt
ist die Abbildung sehr roh und daher verdächtig.
Sieht man hiernach von der Abbildung gänzlich ab,
und hält sich nur an die Beschreibung, so bleiben doch
immer zwei Punkte, die mich bestimmen unseren sogleich
zu beschreibenden Fisch für eine andere Species zu halten,
nämlich der Mangel der Fäden an den vorderen Naslöchern
und die deutlich entwickelten Strahlen in den senkrechten
Flossen, die doch immer so deutlich sein mussten, dass sie
Risso zu zählen vermochte,
L. Cocecoi n. sp.
Ich nenne diesen Fisch zu Ehren des verstorbenen
Professor Cocco in Messina, der sich um die sicilianische
Fischfauna so verdient gemacht hat.
Der Kopf ist wenig länger als breit; die Schnauze
breit abgerundet, der Zwischenkiefer ein wenig über den
Unterkiefer vorragend. Der Kopf ist 4°,;mal in der ganzen
Länge des Fisches enthalten. So messe ich jetzt an dem
in Weingeist aufbewahrten und durch ihn contrahirten
Exemplare; die nach dem lebenden Thiere entworfene Zeich-
nung ergiebt das Verhältniss des Kopfes wie 1 zu nahe 5,
was ich auf die Veränderung im Weingeiste schiebe. Der
Körper wird vom Kopfe an nach hinten allmählich schma-
ler, bewahrt aber überall fast dieselbe Höhe.
Die Augen liegen hinter dem ersten Drittel der Kopf-
länge und sind elwa um drei Augendurchmesser von ein-
ander so wie von der Schwanzspilze entfernt.
Beide Naslöcher bilden niedrige an der Spitze offene
Röhren. Von dem Hinterrande des vorderen erhebt sich
208 Troschel:
ein spitzer Tentakel. Die hinteren Naslöcher liegen zwi-
schen den Augen ; jedes war am lebenden Thiere um einen
Augendurchmesser vom Auge entfernt, am Weingeistexem-
plare ist diese Entfernung geringer.
Die Mundspalte reicht fast bis unter das Auge. Die
Kiefer sind mit fleischigen Lippen versehen. Im Zwischen-
kiefer und im Unterkiefer steht eine schmale Binde he-
chelförmiger Zähne, von denen die der äusseren Reihe ein
wenig grösser erscheinen. Weder am Gaumen noch auf
_ der Zunge kann ich Rauhigkeiten bemerken.
Die Kiemenspalten liegen vor den Brusiflossen wie
bei Lepadogaster, und sind durch eine breite häulige,
durchsichlige Brücke getrennt, in welcher jederseits vier
Kiemenhautstrahlen vorhanden sind. — Es finden sich je-
derseits ganz wie bei Lepadogaster, 3'/, Kiemenstrahlen,
ohne Kiemenspalte hinter dem letzten Kiemenbogen. Die
Kiemenblätichen sind mit zwei Reihen seitlicher Fortsätze
versehen, und gleichen ganz fiederspaltigen Blättern. Ich
habe in Fig. d zwei solche Blättchen von dem letzten Kie-
menbogen abgebildet. Auch hierin stimmt unser Fisch im
Allgemeinen mit Lepadogaster überein. Die Dornfortsätze
an der concaven Seile der Kiemenbogen sind kurze stumpfe
Dörnchen.
Die Saugscheibe am Bauche ist genau so wie bei Le-
padogaster gebildet, und ist doppelt. Der Vorderrand der
vorderen aus der Verwachsung der Bauchflossen entslan-
denen Scheibe bildet einen breiten Vorsprung, der durch
einen Einschnitt jederseits von der Basis der Bauchflossen
abgesetzt ist; der Hinlerrand ist abgerundet, und jederseils
ausgeschweift. Jede Bauchflosse enthält vier breite Strah-
len. Die Brustflossen , welche sich an den Hinterrand der
Bauchflossen anfügen, enthalten gleichfalls Strahlen, die
mir auf etwa 14 sich zu belaufen schienen. Sie sind jedoch
schwierig zu zählen, weil sie in der Haut verborgen lie-
gen. Die zweite Scheibe ist quer oval, mit polygonalen
niedrigen Wärzchen besetzt, und lässt im freien Hinter-
rande Strahlen sehen , die einfach zu sein scheinen, und
sich nicht genau zählen lassen.
Hinter der Bauchscheibe zieht sich eine Längsfurche
Leptopterygius, eine Gattung der Discoboli. 209
bis zum After, die schon am lebenden Thiere sichtbar war,
und die zum Anhängen beizutragen scheint. Hinter dem
After liegt eine Papilla genitalis.
Rücken- und Afterflosse bilden einen häutigen Kamm,
in welchem sich nur hinten Spuren von Strahlen wahr-
nehmen lassen‘, und- vereinigen: sich beide ohne sichtbare
Grenze mit der Schwanzflosse. Die Afterflosse. beginnt so,
dass der After in der Mitte zwischen der Saugscheibe und
dem Anfange der Alterflosse liegt; die Rückenflosse be-
ginnt früher, in der Mitte der ganzen Länge des Fisches
ohne Kopf. Im Ganzen zähle ich 17 bis 18 Strahlen am
Ende des Schwanzes, die vielleicht alle der abgerundeten
Schwanzflosse zuzuzählen sind.
Die Farbe ist gelb mit Querbinden, die aus zahlrei-
chen‘ braunen Punkten bestehen und sich am Schwanze in
eine Art Netzwerk umändern. Die Haut ist glatt und
schuppenlos. Durch den Weingeist hat sich die Haut in
feine ‚senkrechte Falten gelegt, die am lebenden Thiere
z vorhanden waren.
“Ganze Länge des Fisches 37 Mm.
«Länge des Kopfes 8 Mm.
"Breite des Kopfes 6 Mm.
Höhe‘ des Kopfes 4 Mm.
© Höhe des Körpers am Anfange der Rückenflosse 5 Mm.
Naterland: Messina.
h Erklärung der Abbildungen.
Taf. VII.
Fig. a. Leptopterygius Coccoi von der_Seite”gesehen, wenig vergr.
-„ b. DerKopf von oben gesehen, mit den Augen und Naslöchern.
4 el Leptopterygius Coceoi von der Bauchseite gesehen , etwas
jü mehr vergrössert,
„..d. Zwei Kiemenblättchen, stark vergrössert.
Archiv f. Naturg. XXVI, Jahrg. 1. Bd, 14
Uebersicht der bis jetzt bekannten Arten der
Fulgorinen - Gattung Poiocera Lap.
Von
Dr. A. Gerstaecker.
(Hierzu Taf. XI u. XI1.)
Die Bereicherung, welche der ebenso formenreichen als
farbenprächtigen Familie der Leuchizirpen in der letzten
Zeit erwachsen ist, ist so vorwiegend durch Ostindische,
meist in den Englischen Sammlungen befindliche Arten be-
wirkt worden, dass man glauben sollte, Süd-Amerika stehe
in seinem"Reichthum an Arten dieser Familie dem südli-
chen Asien beträchtlich nach; und doch trifft dies, wenn
man die kleineren Formen berücksichtigt, gar nicht und
selbst für die grösseren und ansehnlichen kaum zu, wenn
man den Reichthum solcher Sammlungen aufdeckt, die im
Gegensatz zu den Englischen ihre Schätze vorwiegend aus
der neuen Welt bezogen haben. Die neuerdings an die
hiesige Entomologische Sammlung erfolgte Zusendung meh-
rerer der Gatlung Poiocera Lap. angehörender, zum Theil
sehr ausgezeichneter Arten veranlasste mich zufällig, den
ziemlich ansehnlichen Bestand dieser Gattung specieller auf
die bisher bekannt gemachten Beschreibungen zu prüfen
und es stellte sich dabei das überraschende Resultat heraus,
dass von 34 überhaupt vorhandenen Arten sich fast die
Hälfte als neu erwies. Hätte es sich nun schon an und für
sich verlohnt, eine so ansehnliche Reihe von Novitäten be-
kannt zu machen, so erregte die bei der Durcharbeitung
der bisherigen Literatur gewonnene Erfahrung, dass durch
Doppelbeschreibungen das Artregister in dieser Gattung un-
verhältnissmässig gesteigert worden sei, zugleich den
Gerstaecker: Uebersicht der Fulgorinen-Wattung Poiocera, 211
Wunsch, auch die bereits bekannt gemachten Arten in sy-
nonymischer Beziehung zu sichten und die Gattung über-
haupt, so weit es möglich war, monographisch zu behan-
deln. Leider konnte dies wegen der Unbekanntschaft mit
einer nicht unbelrächtlichen Anzahl der von anderen Au-
toren beschriebenen Arten nur in unvollständiger Weise
geschehen und am wenigsten war es möglich, etwa eine
Eintheilung der Arten in natürliche Gruppen, wie sie sehr
zu wünschen gewesen wäre, vorzunehmen, da hierzu die
meisten der früheren Beschreibungen der erforderlichen
Genauigkeit entbehrten. Da es mir jedoch für jeden Fall
erwünscht schien, die mir in natura nicht bekannt gewor-
denen Arten hier nicht ganz unberücksichtigt zu lassen,
und wäre es auch nur, um eine Uebersicht des gegenwär-
tigen Bestandes der Gattung zu geben, so schien es mir
am geeignetsten, eine Aneinanderreihung der Arten nach
einem leicht fasslichen, sowohl die Bestimmung als das Auf-
finden erleichternden Merkmal, welches andrerseits auch
aus den Beschreibungen der nicht vorliegenden Arten fest-
zustellen war, nämlich nach der Zeichnung; und Färbung
der Hinterflügel vorzunehmen. Dass bei einer auf so un-
tergeordneten Merkmalen basirten, analytischen Gruppirung
der Arten wiederholentlich nahe verwandte getrennt und
heterogene einander genähert werden mussten, versteht
sich von selbst; indessen lässt srch doch so viel zu Gun-
sten des von mir gewählten Eintheilungs-Momentes sagen,
dass es zum grossen Theil wirklich sich nahe stehende
Arten mit einander vereinigen lässt und alle anderen etwa
zu einer nalturgemässen Gruppirung verwendbaren Charak-
tere an Prägnanz übertrifft.
Was den der Gattung Poiocera Lap. zu gebenden Um-
fang betrifft, so sei zunächst erwähnt, dass die von Spi-
nola (Annales d. l. soc. entom. VIII) davon abgetrennte
Gattung Calyptoproctus, welche von Walker (List of Ho-
mopterous Insects in the collection of the British Museum)
und von A. Dohrn (Catalogus Hemipterorum) ebenfalls
angenommen worden ist, als jeder Begründung entbehrend
hier wieder mit Poiocera vereinigt worden ist. Die Ver-
längerung des letzten Abdominalsegments bei den Weibehen
212 Gerstaecker:
mehrerer Arten, welche Spinola zur Begründung, jener
Gattung den alleinigen‘ Anlass gab, ist nämlich. erstens ein
relativer Charakter, indem er bald prägnanter, bald wenig
bemerkbar auftritt; zweitens ein Charakter, der bei einer
nur im. männlichen Geschlecht vorliegenden Art eine Gat-
tungsbestimmung nicht zulässt, da die Männchen der, Ca-
lyptoproctus- Arten denen der Poioceren vollkommen ana-
log geformt sind; drittens endlich ein Merkmal, das schon
deshalb von keiner Bedeutung ist, weil es in nahe ver-
wandten Gattungen, wie Dilobura Spin. ebenfalls sporadisch
auftritt, Das Weibchen der von Stal (Berlin. Entomol.
Zeitschr. III. p. 315. no. 2) freilich sehr ungenau beschrie-
benen Dilobura tosta, einer aus Surinam stammenden und
im hiesigen Museum befindlichen Art, 'zeigt.z.B. ganz das
stark verlängerte, scharf dreikielige letzte Hinterleibsseg-
ment, wie. es bei Calyptoproctus elegans Oliv. vorkommt,
ohne dass der Beschreiber diesen sehr wesentlichen Cha-
rakter erwähnt hätte. -— Auf Grund desselben Charakters
will Schaum (Ersch und Gruber, Allg. Eneyel. d. Wis-
sensch. 51. Bd. p. 66) die von White (Annals of nat. hist.
XVII. p. 25. pl. I) aufgestellte Gattung Paralystra ebenfalls
mit Calyptoproctus, und da er diese Gattung nicht gelten
lässt, mit Poiocera Lap., vereinigt wissen, nach meiner An-
sicht jedoch durchaus mit Unrecht; denn die a.a. O0. und aus-
serdem im List of Homopt»Insects pl. III gegebene Abbildung
der Paralystra. Emma White zeigt weder im ganzen Habitus
noch ‚besonders in der Flügelbildung irgend welche nähere
Uebereinstimmung. mit: einer der mir, bekannten Poiocera-
oder. Calyptoproctus- Arten, bei denen der Vorderrand der
Flügeldecken durchweg gerade verläuft. Soll die White’sche
Gattung mit ‚einer bereits bestehenden vereinigt werden,
so bliebe nur die Wahl, zwischen Episcius- und Dilobura
Spinola, die übrigens unter einander durch keinen wesent-
lichen Charakter abweichen und mit Paralystra nicht nur in
der,Form der Flügeldecken,, deren Vorderrand stark ge-
schwungen ist, sondern auch besonders in der unebenen,
rindenarligen Oberfläche und der eigenthümlichen. Zeich-
nung derselben durchaus übereinstimmen. DieBildung des
letzten ‚Hinterleibssegmentes beim Weibchen ‚würde; ‚nach
ra.
Uebersicht der Fulgorinen-Gattung Poiocera. 213
dem oben angeführten Beispiel dieser Vereinigung nicht
widersprechen und es könnte sich nur darum handeln , ob
die sehr auffallend kurze und breite Form des Kopfes der
Paralystra Emma unter der Gattung Dilobura zulässig wäre.
Da die von Stäl (a. a. O. p. 314. no. 2) beschriebene Dilo-
bura verrucosa von den übrigen Arten der Gattung sich
ebenfalls durch sehr verkürzten, wenngleich nebenbei noch
sehr schmalen Scheitel unterscheidet, möchten nach meiner
Ansicht auch der Aufnahme der White’schen Art keine
gewichtigen Gründe entgegen zu setzen sein; von Poiocera
ist sie aber in jedem Falle auszuschliessen.
Von einzelnen zur Gattung Poiocera gebrachten Arten
glaube ich die von Erichson in Schomburg’s Reisen in
British Guyana beschriebene P. porphyrea sowohl nach
ihrer Flügel- als Kopfbildung davon ausscheiden zu müs-
sen; letztere stimmt am besten mit derjenigen der Asiati-
schen Aphana-Arten überein, während der geschwungene
Vorderrand der Flügeldecken, die Unebenheit und Färbung
ihrer Oberfläche, endlich auch die Form und Färbung der
Hinterflügel die Art zur Gattung Episcius Spin. stellt. Nach
der Aehnlichkeit, welche die Erichson’sche Art mit der von
Stoll fig. 23 abgebildeten Fulgora sanguinea Oliv. aus Su-
rinam darbietet, würde auch letztere aus der Gattung Aphana,
wohin sie Walker und Dohrn stellen, zu entfernen und
der Gattung Episcius einzuverleiben sein, wenn man, wie
mir dies räthlich scheint, kein absonderliches Gewicht auf
“ die Kürze oder Länge des Scheitels legt, welche bei fast
allen Fulgorinen - Gattungen auffallenden Schwankungen un-
terworfen ist. — Von mir in natura unbekannt gebliebenen
Arten habe ich die vom Cap stammende und sich schon
hierdurch von selbst ausschliessende L. eoceinea Oliv., so
wie die von Walker (a. a.0.) beschriebenen P, limpida,
obliqua und setifera, die wohl eher zur Galtung Cladodi-
ptera gehören möchten, nach den für sie aufgestellten Merk-
malen ausgeschieden, dagegen die von Burmeister (Ge-
nera Insect.) der Galtung Lystra beigezählten Arten: L. mul-
tipunctata, costata und ceruenta (letztere mit L. venosa.Germ.
identisch) wegen ihrer augenscheinlich näheren Verwandt-
schaft mit Poiocera nach Schaum?’s Vorgang, unter ‚diese
214 Gerstaecker:
Gattung mit aufgenommen. Bei einer derartigen Abgrän-
zung der Gattung kommen für dieselbe im Ganzen 48 von
verschiedenen Autoren bekannt gemachte Arten in Betracht,
deren Zahl jedoch nach Abrechnung der doppelt und selbst
dreifach beschriebenen auf 35 herabsinkt. Von den 4 von
Guerin in Duperrey, Voyage de la Coquille beschriebe-
nen Arten ist nämlich 1 mit einer Fabrieius’schen Art, von
den 16 von Germar in Thon’s Archiv Il, 2 beschriebe-
nen 2 mit Gu£rin’schen, die von Laporte in den Anna-
les d. l. soc. entom. I beschriebene mit einer Germar’schen,
von den 2 von Perty im Delectus animalium aufgestellten
1 mit einer Germar’schen, von den 5 vonSpinola in den
Annales d. l. soc. entom. VIIl beschriebenen 2 mit Ger-
mar’schen, von den 10 von Walker im List of Homopte-
rous Insects beschriebenen 2 mit Germar’schen, von den
3 von Stäl in der Öfversigt af Kongl. Vetensk. Akad. För-
handl. XII diagnostieirten 2 mit Germar’schen, die eine von
Gu&rin in Ramon de la Sagra’s Historia fisica de la isla
de Cuba mit einer Walker’schen und von den3 von Bur-
meister in den Genera Insectorum aufgestellten 1 mit
einer Germar’schen Art identisch. In der nachfolgenden
Uebersicht, welche sich im Ganzen über 50 Arten erstreckt,
sind demnach 15 ganz neue hinzugekommen, von denen nur
eine vielleicht mit einer Spinola’schen Art identisch sein
könnte; drei andere mussten ausserdem, weil ihre Namen
mit anderen collidirten, neu benannt werden.
I. Hinterflügel dunkel gefärbt, mit glashellem Mondfleck vor :
der Spitze.
1) P. perspiecillata. Capite latiore, abdomine subtus
nigro - fascialo , genubus posticis flavis: alis postieis prope
basin albido -notatis, macula hyalina ovata. Long. corp.
7—8°/, lin., expans. elytr. 18—21 lin. — Patria: Rio (v.
Olfers), Bahia (Gomes), Surinam (Cordua).
Poiocera perspicillata Spinola, Annales d. l. soc. enton. VIII,
p- 277. no. 1. r
Lystra perspieillata Fabricius, Syst. Rhyngot. p.59. no. 13.
Cicada perspicillata Fabricius, Entom. syst. IV. p.27. no. 1.
Fulgora perspieillata Olivier, Encycl. meth. VI. p.574. no. 34.
Cicada atrata Fabricius, Entom. syst. IV. p. 31. no. 19.
Uebersicht der Fulgorinen-Gattung Poiocera. 215
Lystra luctuosa Guerin in Duperrey, Voyage de la Coquille’
Zoologie Il, 2. p. 188.
Stoll, Cigales p.19. pl.1. fig. 5.
Exemplare dieser gemeinen Art mit je jzwei schim-
melgrauen Flecken auf Pro- und Mesonotum, wie sie schon
von Fabricius in der Beschreibung seiner Cicada atrata
hervorgehoben worden, kommen nicht selten vor und schei-
nen sogar die allein gut conservirten zu sein. Die helle
Färbung wird durch kleine dicht stehende und fast das An-
sehn kurzer Härchen darbietende Gebilde hervorgerufen,
von denen es jedoch zweifelhaft sein möchte, ‚ob‘ sie nicht
eher als wachsartige Sekretionen denn als wirkliche Haut-
gebilde anzusprechen wären; auf dem Scheitel und der Ba-
salhälfte der Flügeldecken sind sie gleichfalls, hier jedoch
ganz vereinzelt vorhanden.
2) P. turca, Capite angustiore, abdomine subtus ‚femo-
ribusque posticis totis flavis: alis posticis prope basin 'san-
guineo-notalis, macula hyalina semilunari. Long. corp. 7
lin., expans. elytr..19'/, lin. — Patria : Brasilia (Sello), St.
Catharina (v. Langsdorf).
Cicada turca Fabricius, Entom. syst. IV. p.40. no.56.
Flata turca Fabricius, Syst. Rhyngot. p.51. no. 26.
Lystra Dianae Germar, Thon’s Archiv II, 2. p. 55. no. 28.
Die in den obigen Diagnosen hervorgehobenen Un-
terschiede zwischen den beiden vorstehenden Arten: sind
auffallend genug, um sie trotz ihrer Aehnlichkeil stets leicht
zu unterscheiden; der Kopf von P.turca ist so beträchtlich
schmaler als von P. perspicillata, dass er scheinbar fast nur
der halben Breite des letzteren gleichkommt, während er
in Wirklichkeit zwei Drittheile desselben misst, Der hya-
line Fleck der Hinterflügel ist bei der ersten Art nach aus-
sen stels convex und daher eiförmig; bei der zweiten con-
cav und daher von der Form des Neumonds; die Wurzel
der Hinterflügel, abgesehen von den bei beiden Arten roth
gelärbten Aderschwielen bei P. perspieillata weisslich, bei
P. turca roth gelüncht. Fernere Merkmale für P, turca lie-=
gen in dem viel schmaleren Thorax und den sehr scharf
hervortretenden Winkelleisten auf dem Mesonotum, so wie
auch in dem weiter ausgedehnten, schärfer abgegränzten
216 Gerstaecker:
und lichter braun gefärbten Spitzenfeld der Flügeldecken,
dessen Adern kleine knotenartige Verdickungen in Form
zerstreuter schwarzer Pünktchen darbieten. Bei den vier
mir vorliegenden Exemplaren ist der Hinterleib einfarbig
gelb, nicht wieGermar für seine P. Dianae angiebt, schwarz
und gelb gebändert. Fabricius, dessen Charakteristik
sonst sehr wohl auf die vorliegende Art, dagegen gar nicht
auf die Germar’sche Lystra turca passt, weicht nur durch
die Angabe, dass die Pünktchen an der Spitze der Flügel-
decken weiss seien, ab.
3) P. stoica. Nigra, capite pleurisque obscure rußis,
elytrorum maculis numerosis abdomineque sanguineis: alis
saturate fuscis, macula hyalina ovata. Long. corp. 8 lin.,
expans. elyir. 20%, lin. — Patria: Brasilia (Nernst.). -
Ganz von der Grösse, Gestalt und der breiten Kopf-
form der‘P. perspicillata. Der Kopf mit rothbraunem Schei-
tel und hellerer, fast rostrother Stirn; 'ersterer stark ver-
tieft, mit parallelen Rändern, letztere besonders oben deut-
lich gewölbt, seicht gerunzelt, über dem Clypeus mit stark
erhabener, glatter, in der Mitte leicht gebuchteter Quer-
leiste; von. den drei Stirnleisten fehlt die mittlere ganz,
während die schrägen seitlichen nur sehr schwach ange-
deutet sind. Pro- und Mesonotum schwärzlich und dunkel
blutroth gemischt, fein 'gerunzelt, die Mittelleiste des er-
steren abgekürzt und schwielig erweitert, die beiden Gru-
ben tief; letzteres mit stark ausgeprägten, glatten vorde-
ren Bogenleisten und gleich erhabenem mittleren Längs-
kiel. Mesonotum schwarz, bläulich bereift, jederseits mit
grossem, dunkel 'blutrothen Fleck. Flügeldecken bläulich
schwarz, auf dem Spitzenfelde nicht lichter, mit eirca fünf-
zig grösseren und kleineren, runden, ziemlich gleichmässig
vertheilten, blutrothen Flecken, die auf der Unterseite sich
noch lebhafter ausnehmen, als oben; nahe der Wurzel bil-
den einige dieser Flecke durch Zusammenfliessen eine durch-
gehende, fast gerade Querbinde, welche auf der Oberseite
mit‘ Grün getüncht, unten dagegen rein purpurroth erscheint.
Hinterflügel sehr satt schwarzbraun , besonders über die
Mitte hin, während der Analrand und einige Strahlen nahe
der: Wurzel lichter erscheinen; ‘der durchsichtige Fleck
E
Uebersicht der Fulgorinen-Gattung Poiocera. 217
vor, der Spitze ziemlich klein, länglich ‘oval. . Brust. und
Beine purpurschwarz, pflaumenartig bereift; an ersterer be-
sonders die Schulterblätter, an letzteren die Hinterschen-
kel mehr ins Blutrothe fallend. Hinterleib mit Ausnahme
des schwärzlichen und ebenfalls roth gefleckten Basalrin-
ges hell blutroth.
Aus Brasilien.
4) P. oculata. „Fusco-nigra, abdomine apice flavo,
elytris fascia basali gultisqgue coeruleis,, alis nigris, macula
ocellari albo -hyalina.‘* — Patria: Brasilia.
Lystra oculata Germar, Thon’s Archiv II, 2. p. 55. no. 29.
Von Germar aus der v. Winthem’schen Sammlung
beschrieben, mir unbekannt; sie soll von der Gestalt der
vorhergehenden Arten, jedoch eiwas grösser sein.
5) P. maculata. Capite, thorace elytrisque ochraceo-
nigroque variegalis, abdomine sanguineo, alis nigro-fuscis,
basi pallide coeruleo-notatis, macula hyalina minuta. Long.
corp. 7—8lin., expans. elytr. 17/,—19 lin. — Patria: Ba-
hia (Sello).
Poiocera maculata Spinola, Annal. d.l,soc. entom. VIII. p. 278.
no. 2.
Lystra maculata Guerin in Duperrey, Voyage de la Coquille,
n Zoologie, 11, 2. p. 187. pl. X. fig. 8 (1830).
Lystra spilota® Germar, Thon’s Archiv ll, 2. p. 55. no. 32 (1830).
- Von den vorhergehenden Arten durch‘ den viel län-
geren, vorn stärker als ‚hinten gerundeten Scheitel, dessen
Oberfläche kaum vertieft ist, ziemlich auffallend abweichend.
Der Hinterleib ist unten stets, zuweilen jedoch auch ober-
halb ganz hell blutroth, bei anderen Individuen aber fast
ganz schwarz mit schmalen rothen Spitzenrändern der ein-
zelnen Segmente. Der hyaline Fleck vor der Spitze der
Hinterflügel ist klein, zuweilen selbst sehr klein und scheint
nach Gu@rin’s Beschreibung mitunter sogar fast ganz ein-
Bapehen.
-Im hiesigen Museum von Bahia, bei Gu&rin von Rio
ir Janeiro.
6) P. pallida. „.Flavo-pallida, abdomine rubro, pun-
etulis nigris, infra luteo: elytris pallidis, Navo-nigroque
voriegalis, alis nigricantibus, lunula apicali vitren.“ Long.
218 Gerstaecker:
corp. 8 lin., expans. elytr. 18 lin. — Patria : Brasilia (Rio
de Janeiro).
Poiocera pullida Spinola, Annal. d. l. soc. entom. VIII, p.279.
no. 3.
Lystra pallida Guerin in Duperrey, Voyage de la Coquille,
p: 188.
Aus Brasilien, mir unbekannt.
7) P. specularis. ,„Brunnea, fusco-maculata, abdo-
mine ferrugineo, alis macula ovata albo -hyalina.“ — Pa-
tria: Surinam.
Lystra specularis Germar, Thon’s Archiv II, 2. p.55. n. 30.
Stoll, Cigales, pl. XXIII. fig. 123.
Aus Surinam, mir ebenfalls unbekannt; nach Ger-
mar’s Angabe etwas kleiner, nach Stoll’s Figur beträcht-
lich grösser als P. perspieillata.
8) P. irrorata. „‚Capite thoraceque nigris, elytris pi-
ceis, apice dilutioribus, flavo-irroratis, alis nigris, lunula
vitrea: abdomine flavescente, basi nigro, supra maculis sex
nigris ornalo, pedibus nigris, genubus postieis rubris.“ Long.
corp. 10 lin., expans. elytr. 25'/, lin. — Patria: Bolivia
(Chiquitos).
Poiocera irrorata Blanchard in d’Urbigny, Voyage dans l’Ame-
rique merid. VI, 2. p. 221. no.775, Insect. pl. 31. fig.1.
Aus Bolivia. Der folgenden Art nach der beiBlan-
chard gegebenen Abbildung sehr nahe verwandt, aber
beträchtlich grösser und schon durch den Mangel der gros-
sen Flecke am Vorderrande der Flügeldecken und die Fär-
bung der Hinterbeine hinlänglich unterschieden.
Anmerkung. Die vorstehende Art ist von Blanchard P.
irrorala (P. arrosee) und nicht P, arrosa benannt, wie dies
von Erichson im Jahresberichte irrthümlich angegeben
und von Schaum, Walker und Dohrn nachgeschrieben
worden ist.
9) P. Germari. Capite thoraceque nigris, flavo-ma-
eulatis, elytris rufo-fuscoque variis, marginis antici macu-
lis tribus maioribus apiceque late flavis, hie albo -punctatis:
alis basi sanguineo-notatis, macula hyalina semilunari, an-
gusta, abdomine infra femeribusque posticis totis pallide
Uebersicht der Fulgorinen-Gattung Poiocera. 219
flavis. Long. corp. 7 lin., expans. elytr. 19'/, lin. — Pa-
tria:: Brasilia (v. Olfers).
Lystra turca Germar, Thon’s Archiv Il, 2. p. 55. no.31 (excl.
synonym.).
Von den zunächst stehenden, sehr verwandten Arten
unterscheidet sich die vorliegende durch drei grosse, quer
ovale, schmutzig gelbe Flecken am Vorderrande der Flü-
geldecken, die ziemlich zahlreiche weisse Punktirung auf
dem blass gelbbraunen Spitzenfelde derselben, die roth ge-
waschene Basis und den schmalen Mondfleck Jer Hinter-
flügel, so wie endlich durch die Färbung der Beine. An
den Vorder- und Mittelbeinen sind nämlich die Schenkel
ausserhalb vor der Spitze in weiter Ausdehnung röthlich
gelb, die Schienen mit zwei gelben Ringen gezeichnet; an
den Hinterbeinen sind die Schenkel fast ganz und die Schie-
nen mit Ausnahme der breiten Spitze und der beiden schar-
fen Kanten blass grünlich gelb gefärbt. Nach allen diesen
Merkmalen kann diese von Germar als L. turca Fabr. be-
schriebene Art nicht auf die Fabricius’sche gleiches Na-
mens bezogen werden. — In Brasilien einheimisch.
10) P. pavonina. Capite thoraceque nigris, rufo - ma-
eulatis, abdominis apice, pleuris femoribusque postieis san-
guineis: elytris nigro-viridibus, crebre miniaceo - maculatis,
apice fasciaque arcuala ultra medium sordide flavis, viridi-
venosis: alis basi albo-notatis, macula hyalina semilunari,
maiore. Long. corp. 8 lin., expans. elytr. 20 lin. — Patria:
Caraccas (Gollmer).
Der Kopf kaum breiter, aber im Scheitel deutlich län-
ger als bei der vorigen Art, malt schwarz, dicht wurmar-
lig gerunzelt; der Scheitel leicht concav mit parallelen
Rändern, die drei senkrechten Stirnleisten deutlich erhaben,
fast scharf, die seitlichen nach vorn von einer seichten Fur-
che begränzt; die Querleiste oberhalb des Clypeus scharf,
leicht gebogen. Pro- und Mesonotum matt schwarz, dunkel
blutroth gefleckt, uneben, der Quere nach fein gerunzelt,
ersteres mit glatter Längsleiste und kleiner, punktförmiger
Grube jederseits, letzteres mit sehr feinem mittleren Längs-
kiel und winklig gebrochenen, nur mässig ausgeprägten
Bogenlinien; die Spitze hell rostroth mit weissem Punkte.
220 Gerstaecker:
Die Flügeldecken bis über die Mitte hinaus tief schwarz-
grün mit zahlreichen mennigrothen, grösseren und kleine-
ren runden Flecken und dunkler braunrothen, mitunter
grün angelaufenen Adern; dieses Feld wird nach aussen
durch eine ziemlich breite, stark S-förmig gekrümmte,
weder den Vorder- noch Hinterrand ganz erreichende,
schmutzig gelbe, von hellgrünen Adern durchzogene Quer-
binde begränzt, welche ihrerseits wieder von dem schmut-
zig gelbbraunen Spitzenfeld durch einen schwarzbraunen
Schatten, auf dem einige gelbe Tupfen stehen , abgeschie-
den wird. Die Hinterlügel besonders über die Mitte hin
tief schwarzbraun,, längs des Hinterrandes bis zur Spitze
lichter, nahe der Basis mit einer milchweissen Makel, vor
der Spitze mit grosser, halbmondförmiger Glasmakel. Auf
der Unterseite ist die Färbung der Flügel viel intensiver,
auf der vorderen die Fleckung fast purpurroth, die Quer-
binde mehr grasgrün. Die Brust und Beine schwarz, er-
stere mit blutrothen Pleuren und weissen Flecken, an letz-
teren die Mittelschenkel unterhalb, die hinteren ganz und
heller blutroth. Der Hinterleib ist unterhalb schmutzig
wachsgelb, oberhalb auf den beiden ersten Segmenten tief
schwarz, im Uebrigen blutroth mit je zwei schwarzen
Flecken an der Basis des dritten und vierten Segmentes.
Aus Caraceas.
11) P. undata. „Nigra, ferrugineo-varia, abdomine
apice rufo, subtus fulvo, opereulis fulvis, pedibus nigris,
femoribus ferrugineo-vittalis; alis antieis viridi-nigris, apice
fuscis, fascia undala flava ornatis: alis poslicis nigris, albo-
maculalis et fasciatis.“ Long. corp. 7 lin., expans. elytr.
22 lin. — Patlria: Columbia. -
Poiocera undata Walker, List of Homopterous Insects in the
collection of the British Museum, p. 295. n. 27.
Aus Columbien. Nach der Walker’schen Beschrei-
bung muss diese mir unbekannte Art der vorigen sehr nahe
stehen, von der sie sich durch den Mangel der rothen
Flecke auf den Flügeldecken, durch den rostgelb geran-
deten Scheitel, die Färbung der Schenkel u. a. unter-
scheidet. |
12) P. multifaria. ‚‚Rulva, scutelli lateribus nigro-qua-
et
Uebersicht der Fulgorinen-Gattung Poiocera. 221
drimaculatis, abdominis ‚lateribus fulvis, albo-guttatis,: pe-
dibus fulvis, tibiis anterioribus nigro-maculatis: alis antieis
fuseis, viridi-maculatis, apice fulvis, alis postieis nigro-
fuseis, macula limpida subapicali ornatis.* Long. corg., 8,
lin., expans. elytr. 22 lin. — Patria ignota.
Poiocera multifaria Walker, List. of Homopt, Ins. etc. p. 295.
no. 28.
Eine mir ebenfalls unbekannte Art.
13) P. fastuosa. Capite thoraceque nigris, abdomine
basi excepla pedibusque posticis corallinis : elytris viridi-
nigris, apice dilute brunneis, fasciis duabus maculisque tri-
bus; marginis antiei laete flavis: alis saturate fuscis, basi
albo-notatis, macula hyalina maxima. Long. corp. 8 lin.,
expans. elytr. 21 lin. — Patria: Mexico (Ehrenberg).
Eine durch Färbung und Zeichnung gleich ausgezeich-
nete Art, in Grösse, Form und Kopfbildung der P. per-
spieillata gleichend. Kopf und Thorax tief schwarz, leicht
glänzend, ersterer auf dem Scheitel undeutlich heller ge-
fleckt, auf dem unteren Theil der Stirn ins Pechbraune
übergehend ; der Scheitel stark ausgehöhlt, die Stirn dicht
gerunzelt, mit schwach markirten Seiten- und sehr‘ ver-
kürzter und abgeflachter Mittelleiste, während die Querleiste
oberhalb des Clypeus stark erhaben, fast scharf, glänzend,
stark gebogen und in der Mitte tief eingeschnitten ist. Das
Pronotum ist auf der hinteren Hälfte dicht gerunzelt, vorn
beiderseits von der kurzen, glänzend glatten Mittelleiste
breit grubig vertieft; dasMesonotum innerhalb der schwach
markirten und seitlich gebrochenen Bogenlinien fein nadel-
rissig, malt und merklich vertieft, die Mittellinie erhaben.
glänzend ; die Spitze hat eine rostfarbene Spitze, das Me-
tanolum blutrothe Seitenflecke. Das Basalfeld der Flügel-
decken ist schwarzbraun mit meltallisch grünem Schimmer
und hell strohgelber Binden- und Flecken-Zeichnung, näm-
lich einer schiefen und breiten Querbinde dicht hinter der
Basis, welche den Vorderrand nicht erreicht, sondern vor
diesem quer abgestutzt ist, einer zweiten schmaleren, nach
aussen concaven auf der Grenze zum Spitzenleld, aus einer
Anzahl kleiner zerstreuter Punkte und endlich aus drei gros-
sen Flecken am Vorderrand, von denen der erste (zunächst
222 Gerstaecker:
der Basis) durch die Längsadern eigentlich in drei, die
beiden folgenden in zwei hintereinander stehende Flecke
aufgelöst sind. Auf der Unterseite ist die Färbung matter,
der Grund mehr schwärzlich, die Flecken und Binden fast
weisslich. Die Hinterflügel satt rauchbraun, an der Spitze
lichter, der Analrand durchsichtig grau, die Basis breit
milchweiss gewaschen; der Glasfleck vor der Spitze sehr
gross, dicht an den Vorder- und Hinterrand stossend, fast
halbkreisförmig mit geschwungenem Aussenrande. An der
Brust sind die Pleuren, an den Mittelbeinen die Basis der
Schenkel blutroth, an den Hinterbeinen Schenkel und Schie-
nen grell corallenroth; alles Uebrige schwarz. Der Hinter-
leib unten brennend corallenroth, oberhalb die beiden er-
sten Segmente tief schwarz, die folgenden sattgelb mit ro-
then Spitzenrändern und einem schwarzen Punkt jederseits
der Mittellinie.
Aus Mexico.
14) P. meleagris. Atra, elylris fuscis, elevato - veno-
sis, crebre hyalino-punctatis, alis antrorsum late sanguineis,
macula hyalina elongata gultisque nonnullis dispersis orna-
tis. Long. corp. 6 lin., expans. elytr. 17 lin. — Patria:
Brasilia (v. Olfers).
Merklich kleiner als alle vorgehenden Arten. Kopf
und Thorax bräunlich schwarz, matt, grau bestäubt, erste-
rer im Verhältniss zu seiner nicht bedeutenden Breite mit
ziemlich langem Scheitel, dessen Oberfläche nicht merklich
ausgehöhlt, aber uneben ist; es findet sich nämlich beider-
seits von dem feinen Mittelkiel ein runder Wulst und an
dessen Aussenseite je eine ziemlich tiefe Grube. Die Stirn
ist gleichfalls uneben, fein gerunzelt, über die ganze Mitte
licht braun gefärbt, der mittlere Längskiel stark abgekürzt
und sehr schwach markirt, die seitlichen ganz verstrichen,
die Querleiste ebenfalls sehr schwach, breit unterbrochen.
Am Pronotum ist der mittlere Lappen sehr deutlich abge-
setzt, von der Form eines halben Sechseckes, der feine
Mittelkiel und die Ränder rostfarben; dasMesonotum etwas
grober als jenes, der Quere nach gerunzelt, der Mittelkiel
fein, aber deutlich, ebenfalls rostfarben, die Bogenlinien
undeutlich. Das Metanotum hell blutroth mit schwärzlichem
Uebersicht der Fulgorinen-Gattung Poiocera. 223
Fleck jederseits vom Postscutellum. Die Flügeldecken
schwärzlich braun, gegen die Spitze hin lichter, rippenar-
tig geadert und daher rauh, rindenartig erscheinend; sie
sind mit sehr zahlreichen, zerstreuten, an der Spitze jedoch
dichter stehenden und hier etwas grösseren durchsichtigen,
leicht gelblich gefärbten Punkten besäet. Die Hinterflügel
schwärzlich braun, längs des Vorderrandes bis zum letzten
Drittheil hell blutroth, dahinter mit einigen unregelmässi-
gen glashellen Pünktchen; der Glasfleck vor der Spitze
schmal, langgestreckt, nach hinten etwas verengt, mit leicht
convexem Aussen- und etwas welligem Innenrande. Brust
und Beine schwarzbraun, die Hinterbrust und die Dornen
der Hinterschienen jedoch licht roth, letztere mit dunkeler
Spitze. Der Hinterleib ist unten ganz schwarz, oben hell
blutroth; die beiden ersten Segmente, eine Mittelbinde und
je vier Punkte auf den folgenden ebenfalls schwarz.
Aus Brasilien.
15) P. amoena. Thorace, pedibus elytrisque nigris,
his fascia obliqua ante apicem laete flava: capite, pectoris
lateribus, femoribus posticis, abdomine alarumque basi san-
guineis, his fascia angusta hyalina. Long. corp. 4 lin.,
expans. elytr. 10 lin. — Patria: Salto-grande Brasiliae
(Sello).
Eine der kleinsten Arten der Gattung. Der licht roth-
gelbe Kopf ist von der Breite des Pronotum, der Scheitel
sehr kurz, leicht ausgehöhlt, mit parallelen Rändern; die
Stirn oberhalb so gewölbt, dass sie vor dem Scheitelrand
von oben her sichtbar ist, schmutzig grau gelb, dicht und
fein gekörnt, ohne Spur von erhabenen Linien, der Cly-
peus licht roth. Das Pro- und Mesonotum kurz, tief und
fast matt schwarz, fein querrunzlig, mil feiner , leicht er-
habener, glänzender Mittellinie; die Bogenlinien auf letzte-
rem nur schwach markirt. Die Flügeldecken tief schwarz-
braun, metallisch grün schimmernd , vor der etwas lichte-
ren und rein braunen Spitze mit schmaler, lichtgelber
Querbinde, die etwas schräg von vorn und innen nach hin-
ten und aussen verläuft und hinter ihrer Mitte leicht unter-
brochen ist. Die Hinterflügel satt rauchbraun, am Wurzel-
drittheil hell blutroth, mit graulichem, etwas durchsichtigen
224 Gerstaecker:-
Analrand und schmaler‘, wasserheller Querbinde 'vor!'der
Spitze, die den Vorderrand beinahe erreicht und fast'ge-
rade. verläuft. An der Brust. sind die Schulterblätter, an
den Hinterbeinen die Schenkel. hell blutroth, das Uebrige
schwarz; der Hinterleib oben: und unten lichtroth, an der
Basis fast gelblich. |
Von Salto-grande in Brasilien.
16) P. punicea. Thorace pedibusque nigris, capile,
pectoris lateribus, femoribus postieis alarumque basi cocei-
neis: elytris fuseis, obscurius punctulatis, alis basi albido-
tinctis, macula hyalina parva, ovata. Long. corp. 4%, lin.,
expans. elytr. 12 lin. — Patria: Brasilia (v. Olfers).
Etwas kleiner als die folgende Art, der sie in Form
und Färbung sehr gleicht. Der Kopf wie bei dieser und
der vorigen sehr breit, das Pronotum seitlich fast überra-
gend, der Scheitel kurz, zwischen den parallelen Rändern
leicht concav, die Stirn vor dem Rande derselben etwas
hervortretend , dicht und fein gekörnt, ohne alle Leisten ;
von Farbe licht mennigroth, der Clypeus mehr scharlach-
oder corallenroth. Der Thorax bräunlich-schwarz, fast matt,
dicht und fein querrunzelig; auf dem Pronotum ausser der
stumpfen, schwieligen Mittellinie eine dickere quere Schwiele
nahe dem Vorderrand, beide von bräunlicher Färbung; auf
dem Mesonotum die ganze Mitte fahlbraun, die glatte Mit-
tellinie stumpf, die Bogenlinien verwischt. Das Metanotum
in der Mitte schwärzlich, seitlich corallenroth. Die schma-
len Flügeldecken gleichmässig und licht braun, etwas durch-
scheinend, in den Zwischenräumen der Adern dunkler ge-
tupft; die Hinterflügel satt rauchbraun, mit licht grauem,
an der Wurzel lebhaft roth gefärbtem Analrande, mehr
nach vorn mit weisslich getünchler Basis und kleinem eiför-
migen Glasfleck vor der Spitze. An den Hinterbeinen sind
die Schenkel und ‘die Basis der Schienen, an der Brust
die mittleren Schulterblätter und der grösste Theil der Hin-
terbrust, endlich auch der Hinterleib oben und unten leb-
haft scharlachroth.
II. Hinterflügel ohne glashellen Mondfleck vor der Spitze.
a) Hinterflügel ganz rauchbraun.
17) P..dichroa. Nigra, capite, pectoris lateribus, femo-
vr M
Uebersicht der Fulgorinen-Gattung Poiocera. 225
N
ribus postieis abdomineque corallinis, alis basi fusco-dia-
phanis, sanguineo-tinetis. Long. corp. 5'/, lin., expans.
elytr. 15), lin. — Patria: Brasilia (v. Olfers).
Lystra dichroa Germar, Thon’s Archiv II, 2. p.55. no.24 (1830).
Poiocera rubriceps Stäl, Ofvers. af Vetensk. Akad. Förhandl.
XIT. p. 191. no. 2 (1856).
Aus Brasilien, eine der bekanntesten Arten; der vo-
rigen sehr ähnlich im ganzen Baue, durch beträchtlichere
Grösse, dunklere Färbung der Flügeldecken und den Man-
gel des Glasfleckens in den Hinterflügeln leicht zu un-
terscheiden.
18) P. sepulchralis. „Nigra, pectore postice utrinque
macula albo-mucorea, abdomine flavo, subtus medio longi-
tudinaliter nigro.“ Long. corp. 5lin., expans. elytr. 13'/, lin.
— Patria: Brasilia.
Poiocera sepulchralis Stäl, Öfvers. af Vetensk. Akad. Förhandl.
XI. p.191. no. 3.
Eine mir unbekannte Art aus Brasilien; soviel sich aus
der sehr kurzen Diagnose entnehmen lässt, sind die Hin-
terflügel bei dieser Art ebenfalls ganz dunkel gefärbt.
b) Hinterflügel auf der Basalhälfte tief rauchbraun, auf der
Spitzenhälfte viel lichter, durchscheinend *).
19) P. carbonaria. Nigra, abdomine infra luteo, ely-
tris erebre viridi-punctatis, apice dilutioribus, fuscis, femo-
ribus posterioribus flavo-piclis. Long. corp. 4'/, lin., ex-
pans. elytr. 14 lin. — Patria: Brasilia (Sello, v. Olfers).
Von mittlerer Grösse, oberhalb ganz schwarz gefärbt.
Der Kopf schmaler als der Thorax, mit kurzem Scheitel,
dessen Oberfläche nur leicht vertieft und dessen Ränder
parallel sind, und flacher, wuriarlig gerunzelter Stirn, auf
der nur von der mittleren Längsleiste eine schwache Spur
zu bemerken ist. Auf demPronoium sind nur wenige aber
grobe Querrunzeln und ein feiner, vorn abgekürzter Mittel-
kiel bemerkbar; das Mesonotum innerhalb der sehr deutli-
chen, glänzend glatten Bogenlinien , beiderseits von dem
*) Entweder in diese oder in die nächste Categorie scheint
auch die mir unbekannte Poiocera rufifascia Walker (list of Homopt.
Inseets p. 229. no. 33) zu gehören.
Archiv für Naturg. XXVI. Jahrg. 1. Bd. 15
226 Gerstaecker:
ebenfalls glänzenden Mittelkiel fein nadelrissig., matt, bei-
derseits glatt. Die Flügeldecken schwärzlich braun, bis zu
dem lichteren Spitzenfelde stark rippenartig geadert, Die
Adern bis über die Mitte hinaus durchweg schwarz, auf
der Gränze zum Spitzenfelde jedoch alle Queradern licht
gelb; zwischen diesen gelben Adern und der Wurzel ist
der schwarze Grund überall mit zahlreichen grünen, Pünkt-
chen zerstreut besäet. Auf den Hinterflügeln. ist gewöhn-
lich nur die Basalhälfte dunkel rauchbraun, die Spitzen-
hälfte dagegen durchsichtig.und nur leicht braun, getrübt ;
es kommen jedoch auch Exemplare vor, an denen,.die.Spilze
wieder ziemlich dunkel gefärbt ist-und wo dieselbe nur
durch eine lichtere Binde, auf der überdem auch noch, die
Adern dunkel umflossen sind, von der tiefbraunen Basis
geschieden wird. Die Brust matt schwarz, mit hellgrüner
Säumung der einzelnen Platten und der Hüften; beiderseits
mit weisser Sekretion bedeckt, die auch an der Basis bei-
der Flügelpaare zu bemerken ist. Die Beine schwarz; die
Mittelschenkel an beiden Seiten mit unregelmässigen gel-
ben Längsflecken, die Hinterschenkel aussen ganz gelb,
innen mit zwei schwarzen Längslinien, die Hinterschienen
bis auf die schwarze Spitze grünlich gelb. Der Hinterleib
ist auf der ganzen, Unterseite rothgelb, zuweilen selbst
mennigroth, welche, Farbe zugleich, als schmaler Saum die
Oberseite umzieht; das letzte Segment; ist beim Weibchen
nur wenig länger als das vorhergehende und wie: dies mit
einem feinen Mittelkiel versehen.
In Brasilien, wie ‘es scheint, ziemlich häufig.
20) P. constellata. Capite, thorace pedibusque oliva-
ceis, abdomine miniaceo, elytris fuscis, rulo-venosis palli-
deque maculatis , margine antico viridi, trimaculato, apice
late cervinis, albo-gultatis. Long. corp. 6'/%, lin., expans.
elytr.. 19'/, lin. — Patria; Cuba (Müller).
2. Abdominis segmento ultimo praecedente dimidio lon-
giore, unicarinato. !
Lystra (Poiocera) constellata Guerin in Ramon de la Sagra,
Historia fisica etc. de la isla de Cuba VII. p. 179. (1857).
Poiocera basistella Walker, List of Homopt. Insects p. 297.
no. 30. (1850).
4
Uebersicht der Fulgorinen-Gatiung Poiocera. 927
In Cuba und nach Walker auch in Jamaica einhei-
misch. Die Art würde nach Spinola zu seiner Gatlung
Calyptoproctus gehören, da bei dem Weibchen das letzte
Abdominalsegment um die Hälfte länger als das vorherge-
hende ist und den Genitalring überdeckt; der scharfe Mit-
telkiel desselben erstreckt sich über das ganze vorletzte
und die hintere Hälfte des drittletzten Segmentes.
Anmerkung. Dass die von Gu&rin als L. constellata be-
schriebene mit der Walker’schen Art identisch ist, kann bei der voll-
kommenen Uebereinstimmung aller Merkmale gar nicht zweifelhaft
sein; die einzige abweichende Angabe, der Hinterleib sei bei P. ba-
sistella pechbraun, beruht wohl ohne Zweifel darauf, dass Walker
ein Exemplar mit durch Fäulniss misslarbigem Hinterleib vor sich
gehabt hat. Trotzdem wird der Guerin'sche Name dem sinnlosen
Walker’schen vorzuziehen sein.
ce) Hinterflügel an der Basis und Spitze rauchbraun, mit
durehsichtiger oder hell gefärbter Mittelbinde.
21) P. cribrata. Capite, Ihorace elytrisque obscure.
cervinis, his punctis pallidis crebre adspersis, alis hyalino-
fasciatis, basi coeruleo-notatis, abdomine apice sanguineo,
pedibus flavo-nigroque variis. Long. corp. 4'/, lin., expans.
elytr. 14 lin. — Patria : Brasilia (v. Olfers).
Poiocera venosa Walker, List ofHomopt. Insects p.298. no. 32.
Ein einzelnes Exemplar aus Brasilien. Der Name die-
ser vonWalker ganz kenntlich beschriebenen Art musste
wegen des früher von Germar an eine andere vergebe-
nen geändert werden.
22) P. fuliginosa. Alra, capite flavo-limbato, elytris
apicem versus nervis transversis albidis: alis medio late
hyalinis, basi eyanescenti- notalis, abdomine coceineo, basi
punelisque segmentorum nigris. Long. corp. 4, lin., ex-
pans. elytr. 14 lin. — Patria: Texas (Friedrich).
Fulgora fuliginosa Vlivier, Encyelop. method, VI. p. 574. no.39.
Lystra fuliginosa Germar, Thon's Archiv II, 2. p.52.,no.6. _
Nach Oliviers Angabe in Georgien einheimisch ;
drei dem Museum aus Texas zugesandte Exemplare stim-
men mit der Beschreibung der Eneyclopädie genau überein.
23) P. monacha. Atra, elytris ultra medium usque
subtilissime Navo- punctalis, apice dilutioribus fuseis, alis
228 Gerstaecker:
lacteo-fasciatis. Long. corp. 4'/, lin., expans. elytr. 12 lin.
— Patria : Brasilia (Sello).
Calyptoproctus Iuetuosus Spinola, Annal. d. |. soc. eutom. VII.
p- 272. no. 5.
In Brasilien nicht selten. Beim Weibchen ist das letzte
Hinterleibssegment doppelt so lang als das vorletzte, in
der Mitte des Hinterrandes flach ausgeschnitten, beiderseits
gerundet; die Mittellinie ebenso wie auf den beiden vor-
hergehenden Segmenten scharf gekielt. — Der Spinola’sche
Artname musste, da er schon früher von Gu&rin an eine
andere Art vergeben war, geändert werden.
24) P. marginalis. Atra, abdomine anguste eroceo-
limbato, elytris margine antico gultisque numerosis testaceis,
alis lacteo-fascialis. Long. corp. 4‘, lin., expans. elylr.
121/, lin. — Patria: Brasilia (Virmond).
Mit der vorigen Art in Grösse und Form übereinstim-
mend und derselben überhaupt äusserst ähnlich, so dass ein
Hervorheben der Unterschiede zur Charakteristik genügt.
Die Stirn ist etwas stärker und deutlicher wurmarlig ge-
runzelt, die drei Längskiele schärfer markirt, die Backen-
lappen licht pechbraun. Die Flügeldecken sind weniger ge-
schwärzt, mehr pechbraun, das Spitzenfeld kaum heller als
die grössere Basalhälfte; auf dieser sind die gelben Pünkt-
chen etwas grösser, deutlicher markirt und der ganze Vor-
derrand bis nahe zur ersten Längsader blass knochengelb.
Auf den Hinterflügeln ist der dunkelhraune Basalfleck im
Verhältnisse grösser, der Analrand mit’Ausnahme der Spilze
nicht milchweiss, sondern deutlich grau getrübt. Die drei
letzten Hinterleibssegmente haben rothgelbe Seiten-- und
Spitzenränder, der letzte beim Weibchen einen besonders
breiten hinteren Saum.
Ein einzelnes Exemplar aus Brasilien.
25) P. lugubris. Nigro-olivacea, capite testaceo, ab-
domine subtus miniaceo, nigro-fasciato, alis hyalinis, mar-
gine anali late, poslico anguste nigro. Long. corp. 6 lin.,
expans. elytr. 17Y/, lin. — Patria: Brasilien.
Lystra lugubris Perty, Delect, animal. p. 177. tab. 35. fig. 5.
Calyptoproctus lugubris Spinola, Annales d. I. soc. entom. VIII,
p- 270. no. 3.
Bey
Uebersicht der Fulgorinen-Galtung Poiocera. 229
Diese seltene Brasilianische Art ist mir ebenso wenig
wie Spinola bekannt geworden; sie weicht von den vor-
hergehenden durch den in seiner ganzen Ausdehnung schmal
schwarz gesäumten Hinterrand der Hinterllügel ab. Nach
der Perty’schen Abbildung ist der letzte Hinterleibsring
des Weibchens stark verlängert.
26) P. coleoptrata. Capite thoraceque fusco-olivaceis,
abdomine supra eroceo, vitta maculari nigra, pedibus nigris,
tibiis anterioribus flavo-annulalis: elytris costato - venosis,
fuseis, ferrugineo - adspersis, apice maculis tribus magnis
eervinis: alis area media flavescenti-alba. Long. corp. 4,
—5'/, lin., expans. elylr. 11'/,—13"/y lin. — Patria: Rio-Ja-
neiro (Feldner), La Guayra (Haeberlin), Columbia (Starke).
Var. a. Alis postieis vitta anteapicali pellucida.
Var. b. Elytris abdomineque supra viridibus.
Von eigethünlich gedrungenem Baue und mit breiten,
kurzen Flügeln. Der Kopf ist sehr viel schmaler als der
Thorax, der Seheitel nur schwach vertieft, uneben, mit
fast gerade abgeschnittenem Vorderrande, vor dem der auf-
geworfene obere Stirnrand hervorragt; die Stirn dunkel-
braun, glänzend, sehr grob wurmartig gerunzelt, die drei
Längsleisten scharf markirt. Der Thorax ist wie der Schei-
tel oberhalb bräunlich olivenfarbig, das Pronotum etwas
heller, dicht gerunzelt, mit vorn abgestutzter, ziemlich
stumpfer Miltelleiste und vier runden, schwärzlichen Gru-
ben; das Mesonotum dunkler, fast braun, am Vorderrande
mil sechs rostgelben Punkten, die Mittel- und die beiden
Bogenleisten stark erhaben, glänzend, der Raum zwischen
ihnen nadelrissig. Die Flügeldecken mit stark erhabenen,
Fippenarligen Längsadern, so dass die schmalen Zwischen-
räume derselben wirkliche Furchen bilden, schwärzlich
peehbraun, besonders längs den Rippen mit rostrothen Punk-
ten und Flecken gesprenkelt und in den Zwischenräumen
überall mit diehtem maschigen Adernetz von rostgelber
Farbe gescheckt; beim Beginne des ziemlich schmalen Spit-
zenfeldes erscheinen die Flügeldecken durch das Aufhören
der starken Längsadern wie geknickt und sind hier auf
schwarzbraunem, weisslich punktirten Grunde mit drei gros-
sen rostlarbenen' Flecken‘ geziert, von denen einer den
230 Gerstaecker:
Aussenrand einnimmt, die beiden anderen, hinter einander-
stehenden dem Vorderrande genähert sind. Die Hinterflü-
gel mit querem weissgelben Spiegelfelde, welches an der
Wurzel schmal schwarzbraun getüncht ist, während es nach
hinten und aussen von einer breiten, gleichfalls dunkelbrau-
nen Randbinde eingefasst wird; am Anal- und Hinterrande
ist diese Binde stellenweise lichter gefärbt, mehr durch-
sichtig, nahe der Spitze durch die weiss gesäumten Quer-
äderchen gegiltert. Brust und Beine matt schwarz, erstere
mit gelbgesäumten Schulterblättern und Hüften, letztere an
den Vorder- oder Mittelschienen mit goldgelbem Ringe vor
der Spitze. Der Hinterleib unten ganz schwarz, oben oran-
gefarben mit schwarzen Randflecken und einer aus fünf Fle-
cken bestehenden Mittelbinde, welche auf dem dritten und
vierten Ringe am breitesten ist.
Zwei übereinstimmende Exemplare der eben beschrie-
benen Stammform aus Brasilien.
Bei zwei anderen von La Guayra und Puerto Cabello,
obwohl sie entschieden dieser sehr auffällig gebildeten Art
angehören, zeigen sich Unterschiede in Färbung und Zeich-
nung, wie sie im Ganzen bei den Arten dieser Gattung sel-
ten vorkommen. Das erstere ist auf den Flügeldecken
merklich heller, auch auf dem Wurzelfelde fast rehfarben
und auf den Hinterflügeln wird die breite braune Rand-
binde vor der Spitze durch ein ausgedehntes glashelles
Feld unterbrochen. Letzteres ist in übereinstimmender
Weise auch bei dem zweiten, bedeutend kleineren Exemplar
aus Puerto Cabello der Fall, welches sich jedoch seinerseits
wieder durch graugrüne Färbung des Hinterleibs, stark grün
getünchte Flügeldecken und grünlich weissen Spiegel‘ der
Hinterflügel auszeichnet.
27) P. olivacea. „Pallida, prothorace medio carinato,
elytris pallide olivaceis, striga transversa maculisque mar-
ginalibus et macula terminali nigris: alis nigris, lunula la-
tissima vitrea, virescente, abdomine pallido , medio. nigro,
pedibus nigris.“ Long. corp. 8'/, lin., expans. elytr. 20 lin.
— Patria: Santa Cruz, Boliviae.
Poiocera olivacea Blanchard in d’Orbigny, Voyage dans l’Anıer,
merid, VJ, 2. p. 221. n0.776. pl. XXX. fig. 2.
Uebersicht der Fulgorinen-Gattung Poiocera. 231
In Form, Färbung und Zeichnung nach der von Blan-
chard gegebenen Abblildung mit der vorigen Art so we-
sentlich übereinstimmend , dass man sie für identisch mit
derselben halten könnte; indessen zeigen sich doch, abge-
sehen von der viel bedeutenderen Grösse, hinreichende Un-
terscheidungsmerkmale. Zu diesen gehört erstens die Zeich-
nung der Flügeldeckenspitze, welche von dem Wurzelfelde
nur durch eine sehr schmale, lineare, zweimal eingeknickte
schwarze Binde abgegränzt ist und ausser der kleinen
Spitzenmakel keine weitere dunkele Zeichnung erkennen
lässt; zweitens die viel breitere, nicht in Flecke getheilte
Hinterleibsbinde, endlich auch der stark dreikielige Prothorax
und die Färbung der Beine. — Von Santa Cruz in Bolivia.
28) P. satellitia. „Fulvo- viridis, metathorace nigro,
abdomine rufo, pedibus nigro-fuseis, viridi-vittatis, tibiis
tarsisque posticis ferrugineis: alis antieis viridibus, flavo-
maculalis, apice viridi-flavis, subhyalinis, nigro-5-maculalis,
posticis nigris, fascia arcuata alba ornatis.* Long. corp.
7 lin., expans. elytr. 19 lin. — Patria: Venezuela.
Poiocera satellitia Walker, List of Homopt. Insects p. 296. no. 29.
Eine mir unbekannte Art, die den vorigen beiden, wie
es scheint, verwandt ist.
d) Hinterflügel mit ‚rother Basal- und schwarzer Spitzen-
hälfte.
29) P. imperatoria. Obscure olivacea, fronte, vertieis
märgine, pronoti fascia basali, pectoris macula magna laterali,
femoribus postieis abdonineque miniaceis: elytris fuseis, vi-
ridi-rufoque reticulatis, maculis 19 fasciisque duabus ante-
apicalibus linearibus, arcnatis (interna interrupta) minialis.
Löng. corp. 11'/, lin., expans. elytr. 33 lin. — Patria: Co-
sta Rica (Hoffmann)
Eine riesige Art in dieser Gattung und nicht nur durch
schöne Färbung, sondern auch ganz besonders durch die
auffällerde Form des Scheitels ausgezeichnet. Derselbe ist
nämlich bei mässiger Kopfbreite fast halbkreisförmig, nur
um ein Dritttheil kürzer als das Pronotum, am Innenrande
der Augen gerade abgeschnitten , der bogenförmige, Vor-
derrand erst weit vor den Augen beginnend und sich nach
vorn immer mehr vom Hinterrande entfernend'; die Ober-
232 Gerstaecker:
Nläche. des Scheitels leicht concav, besonders gegen den
aufgebogenen Vorderrand hin, uneben, mit kurzer, ‚vorde-
rer Mittelleiste und darauf folgender breiter Grube. Wäh-
rend die hintere Hälfte des Scheitels die olivengrüne Fär-
bung des Thorax zeigt, ist der breite Spitzensaum gleich
der ganzen Unterseite des Kopfes hell mennigroth ; die mit
ihrem scharfen Rande über den Scheitel hervortretende Stirn
dicht und fein granulirt, matt glänzend , ohne Spuren von
Längsleisten,, dagegen mit stark erhabener, zweitheiliger
unterer Querleiste. Das dunkel olivengrüne Pronotum ist
am Hinterrande mennigroth gesäumt, besonders auf der hin-
teren Hälfte stark querrunzelig, vorn leicht eingedrückt und
beiderseits mit einigen flachen Höckern versehen, längs der
Mitte deutlich gekielt; das Mesonotum mit geglätteter
schwärzlicher Basis, elwas schwächerem Mittelkiel und
wurmarlig gerunzeltem Mittelfeld, welches gegen den Vor-
derrand hin geradlinig abgeschnitten und leicht vertieft ist.
Das Schildchen röthlich mit pechbrauner Spitze, das Meta-
notum tief schwarz. Die Flügeldecken schwarzbraun, mit
mennigrolhem, hier und da grün getünchten Adernetz dicht
durchzogen; auf dem Wurzellelde stehen neunzehn mennig-
rothe Tropfenflecke und zwar vier im Vorderrande, drei
dicht hinter demselben, die übrigen in drei Längsreihen
vertheilt. Das Spitzenfeld, auf dem das Adernelz ausschliess-
lich. mennigroth , fast gelb ist, dessen Spitzenrand jedoch
wie .blauschwarz erscheint, wird von zwei linearen, stark
gekrümmten mennigrothen Querbinden durchzogen, von .de-
nen. die äussere ganz, die innere hinter der Mitte breit
unterbrochen ist und zwar gerade da, wo sie sich unter
einem spitzen Winkel nach innen wendel. Die Hinterlügel
sind auf der Wurzelhälfte satt zinnoberroth,, an der äus-
sersten Wurzel, der. Aussenhälfte und dem Hinterrande tief
schwarzbraun, fast reinschwarz;. der Analrand zeigt eine
Mischung von Roth und Grün, Brust und Beine sind matt
schwarz, an ersterer jederseits ein grosser Fleck, an letz-
teren die ganzen Hinterschenkel und die Basis der Hinter-
schienen ‚mennigroth. Letztere Farbe zeigt auch der, Hin-
terleib, an dem nur oberhalb ‚das erste und die Mitte des
zweiten ‚Segmentes ‚geschwärzt ‘sind ,, während die beiden
Uebersicht der Fulgorinen-Gattung Poiocera. 233
folgenden jederseits am Vorderrande drei schwarze Punkte
führen. Beim Weibehen sind die vier letzten Segmente in
der Mitte gekielt, das letzte von der Länge des vorher-
gehenden.
Von Costa Rica.
30) P. combusta. Viridi-olivacea, capite ferrugineo,
pronoto flavo-limbato, elytris fuscis, rufo-venosis et 'macu-
latis, fasciis duabus anteapicalibus, altera angusta, arcuata,
altera lata, undulala croceis: abdomine basi excepta femo-
ribusque sanguiheis. Long. corp. 9—10 lin., expans. elytr.
25—29 lin. — Patria: Nova Granada (Goudot), La Guayra
(Münter).
Lystra combusta Westwood, Arcana entomol. II. p. 90. pl. 71.
fig. 2.
In der Form des Scheitels der vorigen Art am näch-
sten kommend, indem auch hier der Vorderrand: erst: weit
vor den Augen seine Rundung beginnt; die Ausdehnuug
in der Länge ist jedoch viel geringer, kaum der halben
Prothoraxlänge gleich, die Aushöhlung der Oberfläche be-
trächtlicher. Beim Weibchen ist der letzte Hinterleibsring
von der Länge des vorletzten und wie die drei vorherge-
henden in der Mittellinie gekielt; der, Genitalring ragt frei
hervor.
Beide Geschlechter aus Neu-Granada und La Guayra.
e) Hinterflügel mit breit hellgefärbter, schwärzlich umgür-
teter Basis und durchsichtiger, aber angerauchter Spitze.
31) P. aegrota. Olivacea, pedibus elytrisque pallide
viridibus, his margine antico basi sanguineo :: abdomine ‚su-
pra, (basi nigra excepta) alarumque .basi late, coceineis.
Long. corp. 41/, lin., expans. elytr. 13 lin. — Palria : Co-
lumbia, (Starke).
Kopf und Thorax licht olivenfarbig , etwas glänzend,
ersterer reichlich von der Breite des Thorax, mit ausgehöhl-
tem, parallel gerandeten Scheitel , über dessen Vorderrand
der scharfe obere Stirnrand hervortrilt; die Stirn wurm-
arlig gerunzelt, mit drei deutlichen, fast ganz ‚senkrecht
verlaufenden Längslinien,, von denen die seitlichen in der-
selben. Höhe beginnen ,„ wo die mittlere, endet, und mit
schwacher, dreibuckliger Querleiste oberhalb des an der,
2334 Gerstaticker:
Basis stark zweischwieligen Clypeus. Pronotum mit schar-
fem Mittelkiel, vorn jederseits mil tiefer Grube, hinten seicht
quergerunzelt; Mesonotum mit fein nadelrissigem Mittel-
felde, dessen Mittelkiel hinten zweitheilig und dessen Bo-
genlinien stark erhaben, glänzend und glatt sind; Metano-
tum schwärzlich, mit roth gemischt. Flügeldecken fahl und
fast durchscheinend gelblichgrün, mit spangrünem Geäder
und ziemlich grossen, aber sich schwach markirenden gutt-
gelben Flecken, die jedoch dem Spitzenfelde fehlen; das
Basaldritttheil des breiten Vorderrandes ist lebhaft blutröth,
mit einigen grünen Fleckchen und eine schwächere rothe
Färbung überzieht auch den hinteren Theil der Flügeldecken-
wurzel. Die Hinterflügel sind über die kleinere Basalhälfte
hin hell mennigroth, im Uebrigen licht rauchbraun, jedoch
mit einem dunkleren , bindenförmigen Schatten auf der
Gränze zum Rothen, der den Vorderrand aber nicht er-
reicht. Die Brust, die ganzen Beine, die Unterseite des
Hinterleibs mit Einschluss des Genitalringes sind hell gelb-
lichgrün, die Oberseite des Hinterleibs scharlachroth mit
schwarzer bis zur Mitte des zweiten Ringes ausgedehn-
ter Basis.
Von Puerto Cabello.
32) P. amabilis. Capite thoraceque cervinis, elytris
dilute sanguineis, fascia obliqua pallide fava, nigro-cincta
ornatis, apice dilute brunneis: alis dimidio basali abdomine-
que supra laete coccineis, hoc inlra cum pedibus rufo-ei-
nereo. Long. corp. 4'/, lin., expans. elytr. 12'/,—13 lin. —
Patria: Brasilia (v. Olfers).
Kopf und Thorax licht hirschbraun mit röthlichem An-
fluge, ersterer so breit wie der Thorax, mit kurzem, aus-
gehöhlten, parallel gerandeten Scheitel, vor dessen Vorder-
rand der obere Stirnrand sich dicht anleet; die Stirn fast
rostfarben, fein wurmartig gerunzelt, mit fast ganz verlo-
schenen Längsleisten und kaum angedeuteter Querlinie ober-
halb des Clypeus. Das Pronotum mit feinem Miltelkiele,
ohne merkliche Eindrücke, hinten leicht querrunzlig; das
Mesonotum mit feinen, aber deutlich erhabenen Bogenlinien
und fein cisilirtem Mittelfelde; das Metanotum scharlach-
roth,'in der Mitte geschwärzt. - Die Flügeldecken bis zum
Uebersicht der Fulgorinen-Galtung Poiocera. 235
licht rehfarbenen' und ziemlich durchsichtigen 'Spitzenfelde
hell blutroth , spangrün längsgeädert , auf der Gränze zu
diesem mit einer schmalen, schräg nach aussen und hinten
verlaufenden hellgelben Querbinde, die beiderseits schwärz-
lich begränzt ist, geziert. Die Hinterflügel mit ‚lebhaft
scharlachrothem Wurzelfelde, welches nach hinten und aus-
sen von einem tief schwarzbraunen, vorn abgekürzten und
hier in das Rothe hineingebogenen Bande umgränzt wird;
die Spitzenhälfte lichtbraun, doch auf der Gränze zum
Rothen fast hyalin. Brust, Beine und Unterseite des Hinter-
leibes sehr matt und hell blutroth, leicht grau bereift;
die ‚Oberseite des Hinlerleibes dagegen mit Ausnahme der
schmalen tief schwarzen Basis brennend scharlachroth, an
der ‚Basis jederseits mit drei schneeweissen Punkten.
Diese kleine, sehr schön gefärbte Art stammt aus
Brasilien.
33) P. sanguinolenta. Ferruginea, elytris viridibus,
ante apicem croceo -lascialis, margine antico ad medium
usque sanguineo:: abdomine alarumque basi coceineis. Long.
eorp. 4"; lin., expans. elytr. 10%, lin. — Patria: Santa
Cruz, Boliviae.
Poiocera sanguinolenta Blanchard in d’Orbigny, Voyage dans
l’Amer. merid. Vl, 2. p. 221. pl. XÄXXI. fig. 3. R
Die Diagnose dieser mir unbekannten, aus Santa Cruz
stammenden Art habe ich nach der von Blanchard gege-
benen Abbildung , mil der seine kurze Charakleristik fast
im geraden Gegensalze sieht, angefertigt. ; Nach ersterer
muss P. sanguinolenta der vorigen Art sehr ähnlich sein,
von der sie sich hauptsächlich durch geringere Grösse und
- durch die Färbung der Flügeldecken unterscheidet; diese
sind dunkelgrün mit bis zur Mille blutrothem Vorderrande
und schmaler rothgelber Querbinde vor dem geschwärzlen
Spitzenfelde.
34) P. nuptialis. Capile thoraceque nigris, supra ero-
ceo-variis, pedibus sanguineo-maculalis, elytris auranliacis,
viridi-venosis nigroque maculatis, apice subhyalinis, abdo-
mine alarumque area basali eroceis: Long. corp. 42, Nin.,
expans. elytr. 14 lin, — Patria: Brasilia (Virmond):
Der Kopf ist sehr schmal, kaum von zwei Dritttheilen
236 Gerstaecker:
der Thoraxbreite, schwarz, der kurze und kaum ausgehöhlte
Scheitel schmutzig gelb gefleckt; die Stirn. oberflächlich
wurmartig gerunzelt, mit deutlichen, obwohl nicht scharfen
drei Längsleisten, von denen die beiden seitlichen dicht
über dem Clypeus durch eine feine Querfurche verbunden
werden; der Clypeus mit zwei glatten braunen Längsschwie-
len, dazwischen fein querriefig. Das Pronotum mit glattem
Mittelkiel und erhabener Querleiste ‘vor dem Hinterrande,
im Uebrigen gerunzelt, gelblich‘ gefleckt;' das Mesonotum
mit sehr scharfen ‚und glatten Bogenleisten, gelbgefärbtem
Mittelkiel, dicht gerieftem Mittelfelde und sieben grösseren
rolhgelben Flecken, von denen vier am Vorderrande, drei
an der Spitze stehen; ‘das Metonotum vorn goldgelb, hinten
schwärzlich. Die Flügeldecken bis auf das fast glashelle,
licht braun gewässerte Spitzenfeld lebhaft orangefarben,
die Längsadern überall, die Queradern von der Mitte an
hellgrün; mit grossen, unregelmässigen‘ ‚schwarzbraunen
Flecken: gescheckt, von denen die beiden grössten und in-
tensivsten auf der Gränze zum Spitzenfelde fast eine schiefe,
in der Mitte leicht unterbrochene Querbinde darstellen. Die
Hinterflügel mit grossem , satt goldgelben Wurzelspiegel,
der ringsherum breit und intensiv schwarzbraun eingelasst
ist und der sich in eine gegen die Spitze hin immer mehr
sich verlierende rauchbraune Trübung fortsetzt. Die Brust
und die vorderen Beine matt schwarz, an letzteren die Spitze
der Schenkel und zwei Schienenringe breit corallenroth:
die Hinterschenkel rothgelb mit breiter pechbrauner Basis
an der Aussenseile,, die Hinterschienen grünlichgelb , die
breite Spitze und die Kanten pechbraun. ' Der 'Hinterleib
ist oben und unten einfarbig goldgelb.
Aus Brasilien.
35) P. flaviventris. „Grisea, abdomine supra flavo,
alis hyalinis, fascia media nigra, basi croceis.* — Patria:
Brasilia.
Lystra flaviventris Germar, Thon’s Archiv Il, 2. p. 54. no.22,
Eine mir unbekannte Brasilianische Art, welche nach
Germar’s Angaben der vorigen sehr nahe stehen“muss,
sich aber. durch die den Vorderrand: nicht 'erreichende
schwarze Binde,der. Hinterflügel; ‚die grau und ‚schwarzbraun
Uebevsicht der ‚Fulgorinen-Wattung Poiocera. 257
gescheckten Beine und die olivengrauen Flügeldecken un-
_terscheidet.
36) P. multiguttata. Cervina, abdomine nigricante, ely-
tris basi viridi-venosis flavoque maculatis, ante apicem al-
bosparsum maculis tribus coceineis quartaque basali orna-
tis: alis basi coerulescentibus. Long. corp. 5 lin., expans.
elytr. 16'/, lin. — Patria: Parä (Sieber).
Lystra multiguttata * Burmeister, Genera Insect. p.31. no. 2.
Von Para. — Durch die von Burmeister hervor-
gehobene Leistenbildung der Stirn sehr ausgezeichnet.
f) Hinterflügel mit schwarzer , meist farbig getünchter Ba-
sis und glasheller Spitze.
37) P. pieta. Capite et mesonoto croceis,, nigro-Va-
riis, femoribus abdomineque sanguineis, pronoto elytrorum-
que .basi viridibus, his flavo-maculatis, apice hyalinis,
fusco-linctis: alis basi latius coeruleo-venosis. Long. corp.
8—10 lin. , expans. elytr. 21—30 lin. — Patria : Brasilia
(Virmond), La Guayra (Otto).
2 Abdominis segmento ultimo praecedente triplo lon-
giore, acute unicarinato.
Lystra piela Germar, Thon’s Archiv Il, 2. p. 54. no. 17. (1830).
Lystra flacopunctata Perty. Delectus animal. p. 176. Taf. 35.
fig. 4. (1834).
Poiocera flavopunctata Spinola, Annal. d. |. soc. entom. VI.
p. 279. no. 4.
Eine der bekannteren und mit die grösste Art der
Gattung, aus Brasilien und La Guayra. Wie bei P. multi-
guttata Burm. ist der obere Stirnrand in der Mitte schnep-
penartig zugespitzt, hier aber zugleich der vordere Schei-
telrand in der Mitte stark eingekerbt und spitzig zurück-
gedrängt. Auf der Stirn zeigt sich jederseils von der
durchgehenden, stumpfen mittleren Längsleiste nach unten
eine breite T-förmige Schwiele, beide auf schwarzem Grunde
durch hellgelbe Färbung ausgezeichnet. Eben so abwei-
chend von dem gewöhnlichen Typus ist die Sculptur des
Mesonotum, auf dem ausser der scharf ausgeprägten Mittel-
leiste und den ebenfalls stark erhabenen,, hier fast recht-
winklig gebrochenen Bogenleisten sich noch zwei fernere
Längslinien auf dem Mittelfelde markiren, die hinten gablig
238 Gerstaecker:
gespalten sind und durch den äusseren Gabelast! sich mit
den Bogenleisten verbinden. Am Hinterleibe ist das vor-
letzte Segment seitlich, das letzte am ganzen‘ Spitzenrande
hellgrün gesäumt; dieses beim Weibchen dreimal so lang
als das vorhergehende und nebst diesem und der hinteren
Hälfte des drittletzten in der Mittellinie scharf gekielt.
38) P. bimacula. „Fulva, metathorace piceo, abdo-
mine subtus et apice fulvo, tibiis antieis nigro - maeulatis:
elytris ferrugineis, maculis duabus flavis ad costam ornalis,
apice lulvis: alis fuseis, apice sublimpidis.* Long. corp.
6 lin., expans. elytr. 21 lin. — Patria ignota.
Poiocera bimacula Walker, List of Homopt. Insects p. 300. no0.35.
Bei dieser mir unbekannten Art sind nach Walker’s
Angabe die Hinterfügel bis über die Mitte hinaus braun
gelärbt und schwarz geadert.
39) P. tricolor. Fusco-olivacea, pedibus nigris, flavo-
pietis, abdomine basi excepla coecineo: elytris crebre' vi-
ridi-guttatis, apice cervinis, albo-punclatis, fascia lata hya-
lina, nigro-variegata:: alarum basi coeruleo-venosa. Long.
corp. 6 lin., expans. elytr. 15 lin. — Patria: Mexico (Eh-
renberg).
Kopf und Thorax sind bräunlich olivenfarben, ersterer
ziemlich breit, mit kurzem , ausgehöhlten, parallelkantigen
Scheitel und sehr fein eiselirter, deutlich dreiriefiger Stirn,
ohne Querleiste oberhalb des Clypeus; die Mitte der Stirn
dunkler, fast grau, die Seiten heller, rostgelb. Das Pro-
notum nur sehr stumpf gekielt, fein querrunzlig, das Me-
sonotum mit feinem, glänzenden Kiel auf dem zart nadel-
rissigen Mittelfelde, das nur durch schwache Bogenlinien
begränzt ist; an der Aussenseite derselben jederseits' ein
dunkelbrauner Fleck. Das Metanotum ist tief sammetschwarz
gefärbt. Die Flügeldecken sind im Grunde schwarzbraun,
erscheinen jedoch durch das dichte hellbraune Adernetz,
welches nur wenig von der Grundfarbe übrig lässt, fast
rehfarben; auf der grösseren Wurzelfläche ‘ist der Grund
ausserdem überall mit sehr zahlreichen hellgrünen, auf dem
ganz lichtbraunen Spitzenfelde‘ mit sparsamen 'weisslichen
Punkten gesprenkelt.. Eine sehr breite 'glashelle Querbinde
vor dem‘ Spitzenfelde,, die sich am’ Vorder- und Hinter-
Uebersicht der Fulgorinen-Gattung Poiocera, 259
rande erweitert, ist mit zwei zerschlitzten schwärzlichen
Makeln besetzt. Die glashellen Hinterflügel haben ein satt
schwarzbraunes, himmelblau geadertes Wurzelfeld, von
welchem noch einzelne blaue Adern auf den sonst schwarz
geaderten hyalinen Theil übergehen. Brust und Beine sind
schwarz und rostgelb gescheckt; auf den Schenkeln zeigt
sich diese Scheckung nur in einigen undeutlichen Makeln,
auf «den Vorder- und. Mittelschienen dagegen in zwei scharf
markirten gelben Ringen. Der brennend scharlachrothe
Hinterleib ist unterhalb durchweg breit schwarz bandirt, auf
der; Verbindungshaut jedes Segmentes mit einer‘ schwarzen
Makel versehen und oberhalb ‘vom dritten Ringe an mit
mehreren quergestellten Punkten gezeichnet; eine volumi-
nöse weisse Wachssekretion verhüllt die- Spitze.
Aus Mexiko.
40) P. lepida. Fusco- grisea, abdomine coceineo, ni-
gro-vario, elytris brunneis, coeruleo-punctatis, fascia lata
hyalina, nigro - sparsa : alisıbasi fuseis, eoeruleo- venosis.
Long. corp. 3°/, lin., expans.. elytr. 12 lin! — Patria:
Brasilia.
Poiocera lepida Spinola, Annal. d. I. soe. entom. VII. p. 281.
n0. 7,
Die von Spinola gegebene ‚Beschreibung dieser Art
passt in allen Punkten so genau auf die vorhergehende,
dass man sie recht gut aul' dieselbe beziehen könnte; nur
die Grösse ist zu auffallend abweichend und die Vaterlän-
der beider zu different, um eine Vereinigung ohne Vergleich
des Spinola’schen Exemplares vorzunehmen.
41) P. corallina. Coceinea, capite thoraceque laete
miniaceis, hoe nigro-maculato, elytris dimidio basali testa-
ceo, nigro -punctato, apicali hyalino, fuseo-venoso: abdo-
minis alarumque basi nigro - fusca. Long. ‚corp: 5, in.,
expans. elytr. 15 lin. — Patria: Caraccas (Gollmer).
Der Kopf sehr licht mennig-, fast orangeroth, von
mittlerer ‚Breite, mit verhältnissmässig grossen und. schräg
nach. hinten gerichteten Augen ‚und deutlich ausgehöhltem
Scheitel, der dadurch, dass die Stirn mit starker Wölbung
über seinen Vorderrand hervorragt, weniger kurz erscheint;
die Stirn sehr fein und seicht gerunzelt, ohne alle erha-
240 Gerstaecker:
bene Leisten. Das Pronotum gelblich, stellenweise roth
getüncht, mit zwei vorderen und vier hinteren schwarzen
Punkten, der Mittelkiel fein, glänzend, die Oberfläche quer-
riefig; das Mesonotum mit deutlicher Mittel- und gleichen
Bogenleisten,, im Mittelfelde fein eiselirt, orangefarbig mit
mehr gerötheten Stellen und folgender schwarzer Zeich-
nung: eine Querbinde am Vorderrande, die sich jederseits
fleckig-erweitert, zwei Längsbinden zur Seite des Mittel-
kiels und drei Flecke jederseits vor der Spitze, von denen
die zwei inneren klein, punktförmig, der äussere grösser,
länglich dreieckig ist. Das Metanotum tief schwarz. Die
Flügeldecken kaum ‚bis zur Mitte undurchsichtig, von
schwärzlicher Grundfarbe, welche aber durch die sehr
zahlreichen und starken Adern fast ganz verdeckt und
durch diese licht gelb, mit schwarzen und sparsamen ro-
then Pünktchen gemischt, erscheint; nur am Vorderrande
erstreckt sich die gelbe Färbung über die Mitte hinaus,
während sonst die grössere Spitzenhälfte glashell, jedoch
von braun umflossenen Adern, deren Anzahl auffallend ge-
ring ist, (man zählt nur neun Längsadern) durchzogen und
durch diese angeraucht erscheint. Die Hinterflügel im Ba-
saldritttheile fast dintenschwarz, im Uebrigen glashell, sehr
schwach gebräunt. Brust, Hüften, Schenkel und Unterseite
des Hinterleibes brennend corallenroth; die Vorder- und
Mittelschienen lichtgelb, mit zwei schwachen, pechbraunen
Ringen, die Hinterschienen nur mit gebräunter Spitze. Auf
der Oberseite ist der Hinterleib dunkler, mehr carminroth,
längs der Mitte auf allen Segmenten bis nahe zum Spitzen-
ende tief schwarz; das Endsegment ist beim Weibchen fast
doppelt so lang als das vorhergehende, einkielig, die Spit-
zenhälfte licht grünlichgelb gefärbt.
Aus Caraccas.
42) P. Servillei. Fusco-nigra, elytris sanguineo-tin-
etis, apice hyalinis, alis basi late purpureo-nigroque mixtis:
abdomine infra nigro, croceo -limbato, supra dilute rufo.
Long. corp. 5'y, lin., expans. elytr. 16 lin. —- Patria: Bra-
silia (v. Olfers, v. Langsdorf).
Lysira Servillei Guerin in Duperrey Voyage de la Coquille II, 2.
p. 187. pl.X. fig. 8. (1830).
Pr i
s
,
Uebersicht der Fulgorinen-Gattung Poiocera. 241
Poiocera Servillei Spinola, Annales d. 1. soc. entom. VII. p.23 .
no. 6.
Lystra miniacea * Germar, Thon's Archiv II, 2. p. 54. no. 19,
(1830).
Aus Brasilien. Nach der ziemlich weiten Ausdehnung
der schwärzlich purpurrothen Basis der Hinterflügel mit dem
sie umgebenden schwarzbraunen Bande würde diese Art
ebenso gut oder fast besser in die Nähe von P. nuptialis,
amabilis u. s. w. passen, nur dass die Spitzenhälfte der
Hinterflügel bei ihr vollkommen wasserhell ist.
43) P. semilimpida. „Fulva, capite nigro -trimacu-
lato et unifasciato , mesothoracis scutello nigro - octomacu-
lato: abdomine subtus basi luteo, pedibus fulvis , alis lim-
pidis, basi rufis, elytris dimidio nigris, flavo-bimaculalis et
unifasciatis.*“ Long corp. 6 lin., expans. elytr. 16 lin. Pa-
tria: Para Brasiliae.
Poiocera semilimpida Walker , List of Homopt. Insects p. 300.
no. 36.
Von Para; mir unbekannt.
44) P. conspersa. Fusco-nigra, abdomine coceineo-
limbato, elytris venis transversis maculisque numerosis fla-
vescenlibus, apice hyalino-maculalis , alis basi late fuscis:
femoribus anterioribus compressis, dilatatis. Long. corp.
4, lin., expans. elytr. 11'/, lin. — Patria: Bahia (Gomes).
Lystra eonspersa Germar, Thon’s Archiv II, 2. p.55. no. 23,
(1830).
Poiocera Luezoti Laporte, Annales d. 1. soc. entom. I. p. 222.
pl. 6. fig. 1. (1832).
Poiocera rubrivitta Walker, List of Homopt, Insects p. 299.
n0. 34. (1850).
Von Bahia. Eine durch gedrungenen Bau, breiten
Hinterleib , die an der Basis nach rückwärts ziemlich auf-
fallend erweiterten Hinterflügel , besonders aber durch die
zusammengedrücklen, stark erweiterten Vorder- und Mit-
telschenkel ausgezeichnete und leicht kenntliche Art; die
entsprechenden Schienen sind im Vergleiche mit anderen
Arten ebenfalls deutlich erweitert.
g) Hinterflügel mit hellgelärbter Basis und glasheller Spitze.
45) P. venosa, Pallide olivacea, abdomine supra ely-
trorumque dimidio basali maiore dilute sanguineo , his re-
Archiv. f. Naturg. XXVI, Jalırg. 1. Bd. 16
2423 i Gerstaecker:
mote nigro-venosis, apice hyalinis: alis basi coceinea, an-
gulo anali late fusco, pedibus flavo-nigroque variis, genu-
bus sanguineis. Long. corp. 4—5Y, lin., expans. elytr.
11—14 lin. — Palria: Brasilia (Virmond).
Lystra venosa Germar, Thon’s Archiv II, 2. p. 54. no.20. (1820).
Lysira eruenta * Burmeister, Genera Insect. p. 31. no.1. (1838).
Poiocera divisa Walker, List of Homopt. Insects p. 297. no. 31.
(1850).
In Brasilien eine der häufigeren Arten, welche in
mehrfacher Hinsicht als eine von dem Galtungstypus ab-
errirende anzusehen und vielleicht generisch abzutrennen
ist. ‚Der ausserordentlich schmale, sich nicht um den Pro-
thorax herumlegende, sondern ‘hinten fast gerade abge-
schnittene Kopf und ganz besonders die nirgends eine
Analogie findende, sehr abnorme Aderung der Flügeldecken
zeichnen sie sehr aus. Zur Gallung Lysira, mit der. sie
Burmeister vereinigle, gehört sie noch weniger als zu
Poiocera.
46) P. costala. Capite thoraceque olivaceis, abdomine
alarumque basi coccinea, his angulo anali angusle fusces-
cente: elytris sanguineis, nigro- maculalis, margine anlico
virescenle, apice griseis, nebulosis. Long. corp. 4'/, lin.,
expans. elyIr. 12 lin. — Palria; Surinam (Cordua), Bahia
(Sello).
Lystra costata Fabricius, Syst. Rhyngot. p. 59, no, 10. — * Bur-
meister, Genera Insect, p. 31. no.2.
Stoll, Cigales pl. VI. fig. 30.
Ebenfalls eine der häufigeren und bekannleren Arten,
in Surinam und dem nördlichen Brasilien einheimisch; durch
den der Quere nach lief ausgehöhlten Scheitel sich auf-
fallend den Arten der Gatlung Lystra nähernd, welchen sie
Burmeister auch beizählte.
47) P. elegans. Capite, thorace pedibusque lestaceis,
his nigro-irroralis, abdomine supra nigro, viridi-maculato:
elytris basi purpureis (vel roseis), apice hyalinis, fusco
variegalis, alis basi virescentibus. Long. corp. 5'/, lin.,
expans. elylr. 16 lin. — Patria:: Surinam (Cordua), Brasilia
(Virmond).
Lystra elegans Olivier, Encyclop. method. VI. p. 574. no. 36. —
Germar, Thon’s Archiv II, 2. p. 54. no. 18.
Pr +
Uebersicht der Fulgorinen-Gattung Poiocera. 243
Calyptoproctus elegans et Iystroides Spinola, Annual. d, ]. soc.
entom, VIIT. p. 269. no.1 u. 2. pl. 3. fig. 5.
Stoll, Cigales pl. XXI. fig. 111.
In Surinam und dem nördlichen Brasilien häufig und
besonders in der Intensität und Ausdehnung der rothen
Färbung auf den Flügeldecken sehr schwankend ; während
bei manchen Exemplaren die Basalhälfte tief carminroth
erscheint, finden sich andere mit blass rosenrother und noch
andere mit sehr schmal rothgefärbter Basis, die nach aus-
| sen durch einen schwarzbraunen Fleck begränzt wird. Auf
| Exemplare mit blassrother Basalhälfte scheint mir Spinola’s
Calyptoproctus Iystroides begründet zu sein, der mir sonst
keine spezifischen Unterschiede darzubieten scheint.
48) P. tibialis. Femoribus tibiisque anticis foliaceo-
dilatatis, abdomine viridi, ante apicem croceo-maculato,
elytris retrorsum late ferrugineis, antrorsum hyalinis, ir-
regulariter fusco - vittatis, alis basi Navo-viridibus. Long.
corp. 6'/, lin., expans. elytr. 16 lin. — Patria: Rio-Janeiro
(v. Langsdorf).
Lystra tibialis Germar, Thon’s Archiv II,2. p. 54. no. 21.
Calyptoproctus heteroscelis Spinola, Annal. d.]. soc. entom. VIII.
p- 273. no. 6.
Poiocera semipellucida Sıal, Öfvers. af Kongl. Vetensk. Akad.
Förhandl. XII. p. 191. no. 1.
Im südlichen Brasilien nicht selten und durch die stark
blattförmige Verbreiterung der Vorderschienen die leicht
kenntlichste Art der Gattung, trolzdem aber unter drei ver-
schiedenen Namen beschrieben; zu bemerken ist, dass auch
die Vorderschenkel zusammengedrückt und deutlich ver-
breitert sind, ganz in ähnlicher Weise wie es bei P. con-
spersa hervorgehoben wurde.
49) P. marmorata. Dilute prasina, nigro - maculata,
elytris hyalinis, fusco - variegalis , alis basi flavescentibus.
Long. corp. 5 lin., expans. elytr. 15'/, lin. — Patria: Geor-
gia (Francillon).
Calyptoproctus marmoratus Spinola, Annales d. ]. soc. entom.
VIll. p. 271. no. 4.
Aus dem Nord - Amerikanischen Georgien; durch die
fast ungefärbten Flügel und Flügeldecken von den übrigen
Arten der Gattung merklich abweichend.
244 Gerstaecker: Uebers. d. Fulg.-Gatt. Poiocera.
Als fünfzigste Art, über welche ich ungewiss bin,
welcher der im Obigen aufgestellten Abtheilungen ich sie
zuweisen soll, ist die schon gelegentlich angeführte P. ru-
fifascia Walker zu erwähnen.
50) P. rufifascia. „Nigra, capite et mesothorace flavo-
fuscis, abdomine nigro-vittato et Sasciato, lateribus ventre-
que flavis: pedibus nigris, tibiis flavo-bifasciatis, alis fuseis,
antieis rubro-fasciatis, basi subferrugineis , poslicis apicem
versus limpidis.* Long. corp. 5 lin., expans. elytr. 15lin.
— Patria: Columbia.
Poiocera rufifascia Walker, List of Homopt. Insects p. 299. no. 33.
Aus Columbien. Die Hinterflügel werden als dunkel-
braun mit weisslichgrünen Adern und glasheller Spitze,
deren Rand blassbraun gefärbt ist, angegeben.
Erklärung der Abbildungen
auf Taf, XI u. XI,
1. Poiocera stoica Gerst.
2 — pavonina Gesst.
3 —_ fastuosa Geıst,
4 u meleagris Gerst.
d. - amoena Gerst.
RE: = coleoptrata Gerst.
7 — imperatoria Gerst.
8 = aegrota Gerst.
9 _ nuplialis Gerst,
10 — amabilis Gerst.
il: — tricolor Gerst.
al —_ corallina Gerst.
Ueber die Locustinen - Gattung Gryllacris Serv.
Von
Dr. A. Gerstaecker.
Keine Ordnung der Insekten hat in dem letzten an
systematisch - entomologischen Arbeiten so überaus frucht-
barem Jahrzehnte in Betreff der ausländischen Formen eine
so geringe Berücksichtigung gefunden oder vielmehr eine
so fast absolute Vernachlässigung erfahren, als die der Or-
thopteren im älteren Sinne; ja sie ist die einzige, welche,
man kann sagen, glücklicher Weise den sonst Alles ver-
schlingenden Catalogen des British Museum noch nicht zum
Opfer gefallen ist, um ebenfalls für eine eingehendere Be-
arbeilung unzugänglich gemacht zu werden. Der Grund
für diese Hintansetzung liegt keineswegs in dem Mangel an
unbeschriebenem und neu hinzugekommenem Material, wel-
ches in dieser Ordnung, nalürlich im Verhältnisse zu ihrer
geringeren Artenzahl, ebenso reichlich vorhanden ist. wie
in allen übrigen; vielmehr ist er einerseits in der vielen
Gruppen und Gattungen eigenthümlichen Gleichförmigkeit
der Arten, welche mindestens bei oberflächlicher Betrach-
tung wenig Ausgezeichnetes und zu einer Bearbeitung An-
regendes darbieten, andererseits aber auch in der Art und
Weise zu suchen, wie diese Insekten-Ordnung von einem
ihrer Hauptsystematiker, nämlich von Serville behandelt
worden ist. Wohl selten hat ein und dasselbe Feld der
Entomologie gleichzeilig eine so diametral verschiedene
Bearbeitung erfahren als die Orthopteren in den kurz nach
einander erschienenen Werken von Burmeister und
Serville. Jenes, auf eine nähere Charakteristik der Ar-
ten bekanntlich gar nicht angelegt und berechnet, regt
246 Gerstaecker:
durch die geistvolle Behandlung des Gegenstandes in sei-
nen allgemeineren Verhältnissen, durch die principiell und
streng durchgeführte Betrachtung der Einzelheiten von einem
höheren Gesichtspunkte und in ihrem organischen Zusam-
menhange, endlich auch durch scharfes Hervorheben des
Charakteristischen und Wesentlichen überall zu fernerem
Studium an; dieses, vorzugsweise oder fast ausschliesslich
der Artenbeschreibung gewidmet, leistbt selbst auf jenem
Felde keineswegs überall Befriedigendes und Iritt dem wei-
ter Forschenden eher hindernd als fördernd entgegen. Ser-
ville beschreibt, was ihm gerade an einer Art in die Au-
gen fällt, ohne sich ein Urtheil über die Wesentlichkeit der
von ihm erwähnten Merkmale zu bilden. Für prägnantere
Formen, wie sie.z. B. unter den Mantiden und Phasmiden
vorkommen, deren charakteristische Merkmale meistens der-
art sind, dass sie sich nicht leicht übersehen lassen, rei-
chen seine Beschreibungen in der Regel zu einer sicheren
Bestimmung aus; wo es aber zur sicheren Unterscheidung
einer eingehenderen Untersuchung. solcher Theile bedarf,
die wie z. B. die Genital- und Analringe des Hinterleibes
einerseits nicht immer ganz frei zu Tage liegen, anderer-
seits ihrer Complieirtheit und Mannigfaltigkeit halber erst
auf die Bedeutung ihrer einzelnen Abschnitte näher geprüft
werden müssen, da lässt er den Auskunft suchenden nur
allzuoft im Stiche. Und doch sind es neben zahlreichen
anderen plastischen Merkmalen gerade diese Theile, welche
wegen ihres eben so merkwürdigen als mannigfachen Baues
einer genaueren Untersuchung und Erörterung so werth,
für die sichere Unterscheidung nahe verwandter Arten so
wichtig und oft selbst allein massgebend sind. Gerade bei
den Orthopteren, wo Färbung und Zeichnung, diese die Arl-
unterscheidung so allgemein erleichternden Merkmale, ent-
weder ihrer grossen Schwankungen halber nicht massge-
bend oder durch die nach dem Tode eingetretenen Verän-
derungen unkenntlich geworden sind, bielen diese so über-
aus charakteristisch geformten letzten Hinterleibsringe einen
doppelt willkommenen Anhaltspunkt für den Systematiker
dar. Für die Libellen ist ihre Wichligkeit längst anerkannt,
so dass bei Hagen’s und de Selys’s Artbeschreibungen
ie en ET
Ueber die Locustinen-Gattung Gryllacris. 247
die Charakteristik der Genitalringe einen der wesentlich-
sten Theile bildet; sie mit gleicher Genauigkeit zuerst bei
den inländischen Orthopteren untersucht und dargestellt zu
haben, ist das Verdienst H. Fischer’s, in dessen Ortho-
ptera Europaea eine Reihe von Tafeln mit sorgsamen Ab-
bildungen dieser Organe angefüllt ist, während für die
ausländischen Formen ausser einigen von Burmeister
(Handbuch der Entomol. Il.) und de Haan (Bydragen tot
de Kenniss der Orthoptera) gegebenen Hinweisen noch we-
nig in dieser Beziehung geschehen ist.
Ursprünglich war es ein anderes Interesse, das mich
dazu veranlasste, mir. von der durch Serville (Annales
des science. natur. XXI. p.138) errichteten Locustinen-Gat-
tung Gryllacris eine nähere Kenntniss zu verschaffen, näm-
lich dasjenige, welches sich allgemein an solche Formen
knüpft, die zwischen zwei sonst scharf geschiedenen Fa-
milien gleichsam als eine Art von Verbindungsgliedern auf-
treten. Den eigentlichen Laubheuschrecken durch die Tar-
senbildung und die Form des Kopfes zugesellt, nähert sich
diese Galtung, wie schon Burmeister (Handbuch der
Entomol. Il. p. 717) sehr treffend bemerkt , durch die Bil-
dung der Sterna, den ganzen Habilus und besonders durch
die im Zustande der Ruhe horizontal dem Körper auflie-
genden und sich einander zum grossen Theile bedecken-
den Vorderflügel auffallend den Grabheuschrecken und zwar
zusammen mit der merkwürdigen Gattung Schizodactylus
Brulle,, deren Gryllus -arliges Ansehen Serville sogar
verleilete,, sie den Gryllöden, obwohl ohne Berechtigung
zuzutheilen. Während ihr das Fehlen der Nebenaugen,
deren Stelle indessen fast durchweg durch hellere Stirn-
flecke angedeutet wird, mit der grossen Mehrzahl der Lo-
euslinen gemein ist, bekundet sie sich als abweichende
Form einerseits durch den Mangel der Spaltöffnung: an der
Vorderseite des ersten Schienenpaares , andererseits durch
die stele Abwesenheit des Stimmorganes in beiden Vorder-
flügeln des Männchens. Stellten schon alle diese Eigen-
thümlichkeiten unsere Gattung als eine besonders merkwür-
dige hin, so waren die Ergebnisse, welche die erst in
zweiter Reihe angestellte Betrachtung und Vergleichung
248 Gerstaecker:
ihrer Genital- und Analringe bei den verschiedenen Arten
lieferte, nur geeignet, das Interesse an derselben zu er-
höhen; denn abgesehen von der Brauchbarkeit der sich
hierbei herausstellenden, oft sehr prägnanten Unterschiede
für die Unterscheidung der Species zeigten sich hier zum
Theil so seltsame und auf den. ersten Blick so wenig mit
einander harmonirende Bildungen, dass sie schon an und
für sich der Beachtung äusserst werth schienen. Letz-
teres gilt allerdings nur für die Männchen, während bei
den Weibchen die ganze Anlage dieser Ringe durchaus
uniform ist und sich nur in leichten Modifikationen der Form
an der Lamina subgenitalis und der Legescheide je nach
den Arten ergeht. Die auffallendsten Eigenthümlichkeiten
am männlichen Hinterleibe bieten die hintersten Dorsalringe
dar, und zwar einzelne derselben nicht nur durch sehr ver-
schiedene Form- und Grössenentwickelung, sondern auch
durch ein damit zusammenhängendes eigenthümliches Ver-
hältniss, in welches sie einerseits zum Hinterleibe als Gan-
zem, andererseits zu den ihnen zunächst liegenden Ringen
treten. Bei Gryl. lineolata und pardalina ist z.B. der achte
Dorsalring von ganz ausserordentlicher Grösse, bei ge-
trockneten Exemplaren der ersteren fast allen vorhergehen-
den zusammengenommen an Länge gleich, bei beiden Ar-
ten dadurch, dass er den neunten Ring unter seiner Wöl-
bung verbirgt, den Hinterleib abschliessend. Eine direkt
- entgegengesetzte Bildung zeigt sich bei Gryl. ambulans,
wo der neunte Dorsalring nicht nur ganz frei liegt, son-
dern auch den achten um das Doppelte seiner Länge über-
trifft; Mittelstufen zwischen diesen beiden Extremen end-
lich finden sich bei Gryl. Borneönsis, ruficeps, tibialis u. a.,
wo das neunte Segment zwar ebenfalls frei liegt und den
Abschluss des Hinterleibes bewirkt, aber dem vorhergehen-
den nur an Länge gleich oder kürzer ist. Ebenso auffal-
lenden Verschiedenheiden ist die Grösse und Form der La-
mina supraanalis unterworfen, welche überall, wo sie vor-
handen ist, beim Männchen wenigstens scheinbar vom neun-
ten Segmente entspringt, während sie bekanntlich im Grunde
durch das elfte Segment gebildet wird. Bei einigen Arten
(Gryl. lineolata, pardalina) von auffallender-Grösse und aus-
BETTER
Ueber die Locustinen-Galtung Gryllacris. 249
gezeichneter Form, steigt sie bei anderen (Gryl. nigrilabris,
maculicollis) auf einen geringeren Grad der Entwickelung
herab, bis sie bei wieder anderen (Gryl. ruficeps) ganz
verschwindet oder (Gryl. Borneensis, tibialis) durch eigen-
thümliche paarige Hornhaken ersetzt wird. Es bieten also
hier diese Analringe des Männchens in einer und dersel-
ben Gattung viel auffallendere Unterschiede dar, als man
sie sonst bei ganzen Gruppen der Heuschrecken findet: und
doch hat Serville, der die Männchen von sieben ver-
schiedenen Arten vor sich gehabt hat, keiner dieser Bil-
dungen auch nur mit einem Worte erwähnt.
Die im hiesigen Museum vorhandenen Arten der Gat-
tung Gryliacris mit besonderer Berücksichligung der er-
wähnten Organe darzustellen, ist der Zweck dieser kleinen
Abhandlung, von der ich nur bedauern kann, dass sie so-
wohl in Rücksicht auf das von mehreren Arten fehlende
Männchen als auch auf mehrere mir unbekannt gebliebene
Arten früherer Autoren nur fragmentarisch hat ausfallen
können. Nach dem oben Gesaglen zeigen gerade die Männ-
chen vorzugsweise prägnante, plastische Charaktere, die
das Erkennen der Art erleichtern; da indessen ein Mangel
an auderweitigen, beiden Geschlechtern zukommenden Merk-
malen keineswegs in dem Grade vorhanden ist, als man
es nach den Beschreibungen Serville’s etwa vermuthen
könnte, vielmehr schon die Form, Färbung und Zeichnung
der Hinterfllügel, ganz besonders aber die Färbung und Be-
dornung der Beine, wenn sie nur gehörig beachtet wird,
ziemlich sicheren Aufschluss über die meisten Arten ge-
ben, so habe ich kein Bedenken gelragen, auch die nur im
weiblichen Geschlechte vorliegenden bekannt zu machen.
In Betreff der Bedornung der Beine sei noch erwähnt,
dass dieselben an den Hinterbeinen besonders für die Art-
unlerscheidung von Belang ist, indem hier sowohl die Zahl
der Dornenpaare als ihre Ausdehnung auf einen grösseren
oder kleineren Theil der Schenkel - Unterseite je nach den
Arten Verschiedenheiten darbietet: dass dagegen die Zahl
der beweglich eingelenkten Dornen an Vorder- und Miltel-
schienen mil einen Gruppencharakter bildet, da es sich
herausgestellt hat, dass alle geflügelten Arten stels fünf
250 Gerstaecker:
solcher Dornenpaare, die ungeflügelten dagegen (mit einer
Ausnahme) nur vier besitzen. — Für die geographische
Vertheilung der Arten ist es nicht ohne Interesse , dass
auf dem südasialischen Archipel und den benachbarten Kü-
sten des Festlandes, welchem Gebiete die grosse Mehrzahl
aller bekannten Arten angehört, sich nur geflügelte vor-
finden, während in Neu-Holland, Afrika und Amerika ne-
ben solchen auch Nlügellose vorkommen.
A. Geflügelte Arten mit stets fünf längeren Dornenpaaren an Vor-
der- und Nittelschienen.
I. Arten mit hellgefärbten, meist gelben Hinterflügeln, deren
Queradern beiderseits schwarz gesäumt sind.
a. Auch auf den Fügeldecken sind die Queradern schwarz ge-
färbt.
1) Gryl. lineolata. Testacea, nitida, capite, thorace pe-
dibusque anlicis laete rufo-lerrugineis , fronte flavo-macu-
lata: tibiarum posteriorum basi virescente fuscoque annu-
lata, alis poslicis anguste nigro-lasciatis. Long. corp. 11 lin.,
elytr. 11 lin.; alar. 12 lin. — Palria : Java. 2.
Gryllacris lineolata Serville, Hist. nat. d. Orthopt. p. 396.
n0. 9. (SZ). — *de Haan, Bijdragen tot de Kennis der Or-
thoptera *) p. 219.
Kopf glänzend rothbraun mit etwas lichterem Scheitel
und grossem goldgelben Längsfleck zwischen den Fühlern,
der durch Zusammenfliessen der drei Ocellenflecke enistan-
den ist; das Gesicht unterhalb der Augen bis zum Clypeus
hin deullich zerstreut punklirt und fein quer gerunzelt, die
übrige Oberfläche sehr glatt. Clypeus mit lichtgelber Spitze,
Oberlippe blutroth, Mandibeln rostfarben. An den Fühlern
ist das Basalglied gebräunt, der zunächst folgende Theil
rostrolb, welche Farbe allmählig in ein lichteres Gelb über-
geht. Prothorax sehr glänzend rostroth, von der Breite
des Kopfes und wie dieser nur von mässiger Entwickelung,
so dass das Ansehen des ganzen Thieres ein weniger ge-
drungenes ist. Vorderbeine in ihrer ganzen Ausdehnung
gebräunt, nur die fünf Dornenpaare der Schienen wie an
*) In: Verhandelingen over de natuurlijke geschiedenis der Ne-
derlandsche overzeesche bezittingen. Zoologie. fol. Leiden 1839—44.
Zw
Ueber die Locustinen-Gattung Gryllacris. 251
den mittleren blassgelb; an den Mittel- und Hinterbeinen
sind die Schenkel licht rostgelb, die Kniegelenke licht braun,
die Schienen fast weisslich gelb mit einem bräunlichen
Ringe unterhalb des Kniees,, auf welchen zunächst eine
grünliche Färbung folgt. An der Unterseite der Hinler-
schenkel sind nur vier Paar sehr kurzer Dornen, welche
das Spitzendrilttheil einnehmen, vorhanden, an der Aussen-
seite der Hinterschienen fünf Paar ebenfalls kurzer, welche
die Mille kaum überschreiten; ihre Färbung ist rostroth
mit dunklerer Spitze. Die Flügeldecken sind merklich kür-
zer als die Hinterflügel, gegen die Spitze hin etwas ver-
schmälert; das Vorderfeld durchaus glasarlig mit dicken
schwarzbraunen, aber kaum gesäumlen Queradern, das Hin-
terfeld bis zur Mitte der Länge ziemlich satt gelb, von
hier ab allmählig blasser werdend , die Queradern auf der
Basalhälfte tiefer schwarz und stärker verdickt als gegen
die Spitze hin. Alle Längsadern sind auf dem Hinterfelde
lebhaft gelb gefärbt, auf dem Vorderfelde dagegen, beson-
ders an der Wurzel, stark braun gesprenkelt. Die sehr
lichtgelb gefärbten Hinterflügel haben rostgelbe Längs- und
schwarze, schmal umflossene Queradern; letztere bilden
acht ziemlich regelmässige besonders gegen den Aussen-
rand hin feine Querbinden. An dem blassgelb gefärbten
Hinterleib des Männchens ist das achle Segment fast so
lang als die vorhergehenden zusammengenommen, fast ei-
förmig, an der Basis sehr hoch gewölbt und in der Mittel-
linie stumpf gekielt, an der Spitze quer abgestutzt, bei-
derseils gerundet und elwas lappenarlig hervortretend. Die
von dem neunten Ringe enispringende Lamina supraanalis
ist ausserordentlich gross, von zwei Dritttheilen der Länge
des achten Ringes, senkrecht herabsleigend, von der Form
einer Sanduhr, ihr Endrand jedoch merklich breiter als die
Basis; von diesem Endrande entspringt unter einem rechlen
Winkel eine gegen das Kopfende hin zurücklaufende, ho-
rizontale Platte, welche hinten gerundet, vorn dagegen sehr
tief dreieckig eingeschnillen, also zweilappig ist und die
sich mit ihren beiden Zipfeln wieder stark aufwärts biegt;
die Fläche dieser Platte, welche zwischen dem Hinterrande
und dem vorderen Einschnilte liegt, ist tief ausgehöhlt. Die
252 Gerstaecker: e
Lamina subgenitalis zeigt an ihrem freien Rande zwischen
den beiden Griffeln zwei durch einen halbkreisförmigen
Einschnitt geschiedene stumpfe Spitzen.
Aus Java, von de Haan erhalten.
2) Gryl. pardalina. Testacea, parum nitida, pronoto
lineolis punetisque nigris signato, elytris angustius, alis la-
tius nigro-tessellatis, genubus infuscalis. Long. corp. 14 lin.,
elytr. 12'/, lin. — Patria: Ceylon. 279.
Der ganze Körper ist licht scherbengelb, wenig glän-
zend. Der Kopf plump, beträchtlich breiter als der Vor-
derrand des Prothorax, das Gesicht unterhalb der Augen
beiderseits seicht und lose punktirt; auf der Mitte der Stirn,
etwas unterhalb der Fühlerinserlion ist ein kleiner ovaler,
weisslich gelber Fleck zu bemerken. Die Mandibeln sind
schwarzbraun, der Clypeus und die Oberlippe rostroth, die
Fühler von der Körperfarbe mit lichtbraunem Basalgliede.
Auf dem Pronotum macht sich eine sehr zierliche schwarze
Zeichnung bemerkbar: eine kurze mittlere Längslinie stösst
nach hinten auf zwei noch kürzere und nach hinten ver-
breiterte; jederseits von diesen ein schwarzer Punkt, von
dem eine feine S-förmige Linie nach vorn und etwas nach
aussen geht, um an ihrem vorderen Ende abermals von
drei im Triangel stehenden Punkten begränzt zu werden;
endlich stehen am Vorderrande zwei kleine quere und nahe
am Hinterrand nach aussen von der Mittelfigur zwei Makeln
von der Form eines Winkelmaasses. Die Beine sind in
ihrer ganzen Ausdehnung und mit Einschluss der sehr
langen Dornenpaare an Vorder- und Mittelschienen Jicht
rostgelb; nur das Knieegelenk ist in geringer Ausdehnung
gebräunt und an den Hinterbeinen zeigen die Dornen eine
schwarzbraune Spitze; dieselben sind an den Schenkeln zu
9, an den Schienen zu 7 Paaren vorhanden und reichen bei
ersteren auf /,, bei letzteren auf ®/, der Länge. Die Flü-
geldecken sind gegen die Spitze hin stark verschmälert,
überall mit gelbem Grunde und gleichfarbigen Längsadern;
die schwarzen Queradern sind am stärksten im Vorderfelde,
während sie an der Basis zunächst dem Hinterrande nur
schwach angedeutet sind und hier zum-Theile selbst ganz
ihre Färbung einbüssen. Die Hinterflügel sind so lang wie
a
Be
3
Ueber die Locustinen-Gattung Giyllaeris. 253
die Flügeldecken, etwas matter gelb wie diese, durch breite
Säumung der Queradern dicht schwarz gewürfelt; die Quer-
binden, welche durch diese schwarzen Flecke gebildet
werden, sind nicht ganz regelmässig, acht bis neun an
Zahl, die der Peripherie zunächst gelegene beträchtlich
feiner als die übrigen. Am Hinterleibe des Männchens zeigt
das achte Dorsalsesment eine entsprechende Grössenaus-
dehnung wie bei der vorigen Art, ist 4'/, lin. lang, ebenso
hoch gewölbt, nach hinten aber stärker verengt, so dass es
fast herzförmig erscheint; die Spitze ist abgerundet mit
etwas aufgeworfenem, durch eine Furche abgesetzten Rande.
Die Lamina supraanalis ist bedeutend kleiner als bei der
vorigen Art, quer herzförmig, fast doppelt so breit als
lang, am Grunde stark verengt, am Vorrderrande kurz
dreieckig eingeschnitten; ihre Oberfläche ist mit Ausnahme
einer hinter dem Einschnitte liegenden Grube gewölbt. Die
fast halbkreisförmige Lamina subgenitalis zeigt in der Milte
ihres freien Randes zwei gerundete und etwas wulstige
Vorsprünge.
Das Weibchen dieser Art liest mir nur in einem Lar-
ven-Exemplare von 9 lin. Länge, mit einer 4'/, lin. lan-
gen Legescheide vor; dasselbe stimmt in der Färbung des
Kopfes und Thorax mit der Imago überein, nur dass auf
letzterem die schwarze Zeichnung noch unvollständig ist
und sich auf die Makeln und Punkte beschränkt. Die auf
eine Länge von 3 Linien entwickelten Flügeldecken und
Hinterflügel sind tief schwarz mit schmalem weisslichen
Saume; an sämmtlichen Schenkeln ist nicht nur die Spitze
in grösserer Ausdehnung, sondern auch die ganze untere
Kante gleichfalls schwarz, die Dornen an Vorder- und
Miltelschienen dagegen so wie die Schienenspitze und die
ganzen Tarsen an allen Beinpaaren brennend karminroth.
Die Legescheide ist pechbraun, oberhalb an der Basis ge-
schwärzt.
b. Auf den Fügeldecken sind die Quer- und Längsadeın gelb.
3) Gryl. maculicollis. Weslacea, nilida, capite Ihora-
veque nigro - pielis, alarım nervis lransversis late fusco-
limbatis. Long. corp. 11—12 lin., elytr. 11—-12 lin., va-
gin. 8-10 lin. — Patria: Java, Singapore. 9-
254 Gerstaecker:
Gryllacris maculicollis Serville, Annales d. science. nat. XXI.
(1831). p. 139. no.1. (9). — Mist. nat. d. Orthopt. p. 394.
no. 3. (4 2). — Burmeister, Handb. d. Entom. II. p. 718.
no.1. — de Haan, Bijdragen etc. p. 220. n0.9. (G"):
La porte-enseigne Stoll, Sauterelles p. 26. pl. XI, a. fig. 50.
Die bekannteste und, wie es scheint, die gemeinste
Art der Gallung, welche zwar durch die Angaben der ci-
tirten Autoren hinreichend bestimmt, aber nicht in ihren
Eigenthümlichkeiten beleuchtet worden ist. Form und Ha-
bitus fast wie bei der vorigen Art, der Thorax jedoch
etwas breiter, so dass der Kopf ihn nur wenig an Breite
übertrifft; auf letzterem die Gesichtsfläche und die Basis
des Ciypeus seicht punktirt und dazwischen schr fein ge-
runzelt, die Spitze der Mandibeln, ein Stirn- und vier
Scheitelllecke schwarzbraun, die Oberlippe und die Basis
der Mandibeln rostroth. Die Fühler von der Farbe des
Körpers, nur die Spitze des Basalgliedes leicht geschwärzt.
Die schwarze Zeichnung des Pronotum stimmt der Anlage
uach mit derjenigen der vorigen Art überein, ist aber
dicker und dadurch vermehrt, dass auch die winkligen
Aussenfurchen breit schwarz gefärbt sind; an der Mittel-
figur sind die beiden kleinen Striche zunächst der Basis
meist sowohl untereinander als mit der vor ihnen stehen-
den Einzellinie verbunden, während die beiden divergiren-
den Seitenlinien sich fast zum Vorderrande verlängern und
in der Mitte ihres Verlaufes nur mit einem, aber grös-
seren Fleck zusammenhängen. Die Beine mit Einschluss
der fünf Dornenpaare an Vorder- und Mittelschienen von
Körperfarbe , die Kniee und Fusslappen gebräunt; an den
Hinterschenkeln 9 kurze, an den Hinterschienen 7 etwas
längere, schwarzspitzige Dornenpaare, welche sich an er-
steren auf 24, an letzteren auf ®/, der Länge erstrecken.
Auf den gegen die Spitze hin deutlich verschmälerten Flü-
geldecken sind alle Längs- und Queradern wie die Grund-
farbe rostgelb, nur auf dem Vorderfelde einige gebräunt;
die Färbung und Zeichnung der Hinterflügel wie bei der
vorigen Art, die acht dunkeln Binden ebenso unregelmäs-
sig, beim Weibchen etwas breiter als beim Männchen, das
ungefleckte Feld zunächst der Wurzel grau getrübt. Am
"R
GE a LU an UL LU LLLLLULUUUU lu
Ueber die Locustinen-Gattung Gryllacris. 255
Hinterleibe des Männchens hat das achte Dorsalsegment
dieselbe Form wie bei der vorigen Art, ist jedoch nur 3
Linien lang; sein Hinterrand ist ebenfalls gerundet, etwas
aufgebogen und nach vorn durch eine Randfurche begränzt.
Die Lamina supraanalis ist Frhanmeenikeie klein, übrigens
wie bei der ersten Art sanduhrförmig, oder da die untere
Hälfte dieser Sanduhr sehr klein ist, fast trapezoidal; ihr
Endrand gerade abgeschnitten, scharf. Die untere Fläche
des der Lamina supraanalis vorhergehenden neunten Seg-
mentes, welche gegen diese fast in einem rechten Winkel
und horizontal verläuft, ist leicht muldenartig ausgehöhlt,
mit drei feinen Längsleisten versehen, an ihrem der Lamina
subgenitalis zugewandten freien Ende abwärts gebogen und
am Endrande durch eine weite Ausbuchtung zweizipflig.
Die breite und fast halbmondförmige Lamina subgenitalis
ist in der Mitte ihres freien Randes fast nur eingekerbt,
so dass die beiden dadurch gebildeten Lappen eng beiein-
ander stehen.
Bei dem Weibchen ist die Lamina supraanalis klein,
schmal, stumpf lanzettlich, die Lamina subgenilalis trape-
zoidal, gegen das Ende hin verschmälert und hier in zwei
unter einem rechten Winkel divergirende stumpfe Spitzen,
deren Oberfläche polsterarlig gewölbt ist, auslaufend ; eine
ähnliche mittlere Erhabenheit zeigt auch die Basis der La-
mina. Die Legescheide ist von dem abwärtssteigenden Ba-
Saltheile abgesehen nur sehr flach gekrümmt, nach hinten
allmählig verschmälert, vor der Spilze am oberen Rande
wieder elwas erweitert und dann durch schräge Abstut-
zung stumpf zugespilzt.
Auf Java besonders einheimisch; das hiesige Museum
erhielt auch vor Kurzem ein weibliches Exemplar aus
Singapore.
4) Gryl. fuscifrons. Rulo-lerruginea, nidida, pedibus
pallidioribus, anlennarum basi et fronte ad verlicem usque
nigro-piceis, hac gultis tribus flavis signala; alis postieis
remote nigro-tessellatis. Long. corp. 12 lin., elytr. 12 lin.;
vagin. 8 lin. — Patria: Java. 2.
Gryllacris tessellata? de Iaan, Bijtragen ete. p. 220. no. 10.
Ganz von der Grösse und Gestalt der vorigen Art,
256 Gerstaecker:
von. der sie zunächst durch dunklere Körperfarbe, den Man-
gel der schwarzen Zeichnung. des Pronolum und die Fär-
bung des Kopfes.und der Fühler abweicht. Am Kopfe sind
die Backen lichter, die Mandibeln, der Clypeus und das
Gesicht dunkler rostfarben, letzteres nach unten breit drei-
eckig eingedrückt und hier dichter mit feinen Querrunzeln
bedeckt als gegen die Augen hin, wo fast nur zerstreute
Punkte sichtbar sind; der Clypeus ist grob punklirt, in der
Mitte stumpf gekielt,,, die Oberlippe fast blutrolh gefärbt.
Die Stirn ist bis unter die Inserlion der Fühler hinab und
mit Einschluss deren beider Basalglieder tief pechschwarz
und auf dunklem Grunde mit einem mittleren unteren und
zwei seillichen oberen goldgelben Fleckchen, den Rudimen-
ten der Ocellen, gezeichnet ; auch der Vordertheil des
Scheitels ist noch pechbraun, welche Farbe sich nach hin-
ten gegen den Prolhorax zu allmählig mehr verliert. Die-
ser ist einfarbig satt rostfarben, nach vorn leicht verschmä-
lert, so dass der Kopf ihn mit seinen Backen seitlich elwas
überragt. Die Färbung und Bedornung der Beine so wie
die Form und Färbung der Flügeldecken ganz wie bei
Gryl. maculicollis; die blassgelbe Grundfarbe der Hinter-
flügel erstreckt sich hier auch auf die ungefleckte Basis, die
nicht ‚grau, sondern vielmehr noch intensiver als der übrige
Theil: des Flügels ist; die dunklen Fleckenbinden sind eiwas
schmaler und regelmässiger als bei der vorigen Art, so
dass die gelbe Farbe bedeutend vorherrscht. Die Lege-
scheide des Weibchens ist beträchtlich stärker gekrümmt
als bei Gryl. maeulicollis und vor der Zuschärfung der Spilze
oberhalb schwächer erweitert.
Von Java, aus der Charpentier’schen Sammlung, in
der die Art irriger Weise für Gryl. signatifrons Serv. be-
stimmt war, ohne dass sie sich auf deren Beschreibung
irgend wie beziehen liesse.
Anmerkung. de Haan a.a. O. p.220 beschreibt, wie es
scheint, die vorstehende Art ebenfalls als von Java stammend, eitirt
aber zu derselben Locusta tesseliata Drury II. pl. 42. fig.3 von. der
Insel St. Johanna bei Madagascar. Dass die von de Haan beschrie-
bene von der Drury’schen Art spezifisch verschieden ist, geht aus
dem Vergleiche der Angaben, welche de Haan über die Genitalringe
I et
a m
u
b +
-
Ueber die Locustinen-Gattung Gryllacris. 257
des Männchens mackt, mit der Drury’sche Abbildung schon ganz ent-
schieden hervor; überdem würde ein gleichzeitiges Vorkommen an
der Ostküste Afrika's und auf den Sunda-Inseln , wenn es auch bei
Insekten anderer Ordnungen nicht gerale selten ist, für die vorlie-
gende Gattung kaum angenommen werden können, ein Irrthum in
Betreff des Vaterlandes bei Drury aber um so weniger zu vermuthen
sein, als die Angaben dieses Autors in Betreff der Lokalitäten sich
gerade durch Genauigkeit auszeichnen. Für die Identität der vor-
stehenden Art mit der de Haan'schen 'Gryl.‘tessellata. deren Name
geändert, werden musste, sprechen die vom Autor hervorgehobenen
Merkmale; einen sicheren Aufschluss darüber könnte jedoch nur die
Ansicht des Männchens, welches mir nicht vorliegt, geben.
5) Gryl. heros.. Capite thoraceque validissimis, rufo-
ferrugineis, abdomine pedibusque flavescentibus : ‚elytris
basi albido-venosis, alis saturate flavis, late nigro-tessella-
tis,, basi griseis. ‘Long. corp. 17 lin,, elytr. 18 lin., vagin.
14 lin., — Patria: Amboina., 9:
Kopf sehr gross, mit Einschluss: der Oberlippe, Man-
dibeln und Fühlerbasis dunkel rostroth, fast matt, die Stirn
mit drei kleinen 'hellgelben Ocellenflecken , der Scheitel
heller, mehr scherbengelb; das Gesicht zeigt nur sehr seichte
und zerstreute Punktirung, die kaum wahrzunehmen: ist.
Das Pronotum ist auf seiner ganzen Oberfläche, besonders
dicht aber an den Rändern und Seiten aufrecht gelblich
behaart, trübe rostroth, mit helleren,, fast gelblichen 'Fur-
chen auf der Scheibe; der Vorderrand tritt in der Mitte
stärker als gewöhnlich stumpf schneppenartig hervor. Die
Beine’ wie der Hinterleib viel lichter als Kopf und Thorax
und zwar besonders die Hinterbeine, ‘welche ganz blassgelb
gefärbt sind; die Schiendornen sind an den Vorderschienen
beträchtlich länger als’an den mittleren, der oberste fast’ so
lang als die drei ersten Tarsenglieder zusammengenommen.
An den Hinterbeinen haben die Schenkel 9, die Schienen 7
kurze Dornenpaare mit schwarzbrauner Spitze. Die Flü-
geldeeken sind in der Mitte 7, lin. breit, satt gelb, auf
der Basalhälfte weiss, an der Spitzenhälfte gelb geadert. Die
Hinterflügel ebenfalls lebhaft, fast goldgelb , mit rostgelben
Längs- und tief schwarzen Queradern, welche breit schwarz
umflossen sind; die durch diese Flecke gebildeten Bogen-
Binden: sind ‚wenigstens bis zur sechsten‘ (vom Aussenrande
Archiv für Naturg. XXVI, Jahrg. 1. Bd. 17
258 Gerstaecker:
her gerechnet) fast regelmässig und ununterbrochen.und bis
auf die beiden äussersten breit, so dass das Schwarze fast
vorherrscht; das ungefleckte Feld zunächst der Wurzel ist
grau gefärbt. Die Lamina subgenitalis des Weibchens ist
quer herzförmig, zweilappig, jeder Lappen breit und rund-
lich. _Die Legescheide ist fast gar nicht gebogen, beinahe
gerade, gegen die Spitze hin. deutlich verschmälert ‚am
Ende lang aber stumpf zugespitzt.
Aus Amboina. Auch von’ dieser Art liegt mir’ nur das
Weibchen vor.
6) Gryl. tessellata. (Locusta tessellata Drury, Exotic
Insects II. p. 80. pl. XLII. fig. 3). Diese mir in Natur un-
bekannte Art von der Insel St. Johanna bei Madagascar,
welche von de Haan (a. a. O. p. 220) auf die oben als
Gryl. frontalis beschriebene Javanische Art bezogen, von
Burmeister (Handb. d. Entomol. II. p.'718) als Varietät
mit ungeflecktem Thorax und Kopf von Gryl. maeulicollis
angesehen wurde, ist nach. der von Drury gegebenen Ab-
bildung eine von beiden sicher verschiedene. Der einfar-
bige Thorax scheidet: sie von letzterer, die nicht. braun ge-
färbte Stirn von ersterer; von beiden weicht sie ausserdem
durch die viel zahlreicheren schwarzen Fleckenbinden der
Hinterflügel, ‘deren nach der Abbildung, eirca :12: ziemlich
regelmässige vorhanden sind, ferner dadurch‘, ‘dass auch
das; der Wurzel zunächst gelegene Feld dicht mit kleinen
schwarzen Flecken bedeckt ist, endlich und ganz beson-
ders durch die Form der von Drury sehr gut; dargestell-
ten letzten Abdominalringe des Männchens ab. Nach de
Haan’s Angabe hat das Männchen seiner Gryl.tessellata
kein:verlängertes achtes Dorsalsegment und das letzte: ist
(wie 2. B. bei Gryl. Borneensis) abwärts gekrümmt. und in
der Mitte mit zwei Dornen versehen. Die Drury’sche Ab-
bildung dagegen zeigt bei dem Männchen der: vorliegen-
den Art .der Hauptsache nach ganz dieselbe Bildung der
letzten ‚Hinterleibssegmente , wie sie bei den’ drei ‘ersten
Arten beschrieben worden ist, nämlich das achte ausser-
ordentlich verlängert und die unterhalb seiner 'Spitze frei
hervorragende Lamina supraanalis, ‚letztere jedoch'in einer
von: Gryl..maculicollis' wesentlich verschiedenen Form‘und
Ueber die Locustinen-Gattung Gryllacris. 259
Grösse; in beider Hinsicht hält dieselbe etwa die Mitte
zwischen der Lamina supraanalis von Gryl. lineolata Serv.
und maculicollis Serv.
ec) Auf den Flügeldecken sind die Längs- und Queradern
dunkel gefärbt.
7) Gryl. podocausta. Lutea, capite piceo, antennarum
basi, prothoracis macula dilatata, femoribus apice tibiisque
basi et apice nigris. Long. elytr. 7 lin., vagin. 4 lin. —
Patria: Java.
Gryllacris podocausta Hagenbach i. lit. — de Haan, Bijdra-
gen etc. p. 220. no. 12.
de Haan, der diese Art in beiden Geschlechtern aus
Java besass, giebt folgende Merkmale für dieselbe an : „Klein,
mit kreisrunden, durchsichtigen Flügeln, deren Queradern
schwärzlich gesäumt sind; Flügeldecken abgestumpft, init
schwarzen Längs- und Queradern. Kopf glänzend pech-
braun, sein Hinterrand, ein Mittelfleck zwischen den Füh-
lern und die Taster gelb; ebenso die Fühler, deren Basis
jedoch schwarz ist. Pronotum mit erweitertem schwarzen
Fleck, der Hinterrand breit gelb; Beine gelb, die Spitze
der Schenkel und Schienen so wie die Basis der letzteren
schwarz.“
11. Arten mit dunkelen, bräunlich oder blauschwarz gefärbten
Hinterflügeln.
a) Die Queradern der Hinterflügel sind hell, weisslich
gesäumt,
8) Gryl. ruficeps. Pallide virescens, capite thorace-
que latis, rufo-brunneis, oculis extus nigro-limbatis; pro-
noto tritubereulato, margine apicali erenulato: alis dilute
fuscis, albido -tessellatis. Long. corp. 13—15 lin. , elytr.
15 lin., vagin. 6 lin. — Patria: Java. 2 9-
Gryllaeris ruficeps Serville, Annales d. science. nat. XXI. (1831)
p- 139. no. 2. (9). — Hist. nat. d. Orthopt. p. 394. no.4. (SP).
— Guerin in Belanger, Voyage aux Indes orientales, Zoolo-
gie p. 495. Inseetes pl.4. fig.2. (G): — de Haan, Bijdra-
gen etc. p. 220. no. 8.
Diese von Guerin (a. a. O.) gut abgebildete, von
Serville dagegen ziemlich unkenntlich beschriebene Art,
ist durch die plumpe, dicke Form des Kopfes und Thorax,
260 Gerstaecker:
so wie durch die Sculptur des letzteren leicht kenntlich.
Der Kopf ist mit, Einschluss der Fühler , Mandibeln und
Oberlippe röthlich kastanienbraun, glänzend, die Augen am
ganzen Aussenrande tief schwarz gesäumt, von den drei
gelben Ocellenflecken der untere gross und deutlich, die
oberen linear und kaum markirt. Das Gesicht ist oberhalb
des Clypeus beiderseits sehr tief grubig eingedrückt, ober-
flächlich quergerunzelt und dazwischen zerstreut punktirt.
Der Thorax ist beträchtlich breiter als lang, von der Farbe
des Kopfes, ebenfalls glänzend , die gewöhnlichen Furchen
der Oberfläche sehr tief eingedrückt und diese daher stark
zerklüftet, der Vorderrand aufgewulstet, dicht gekörnt, in
der Milte mit einem kleinen glänzenden Höcker , der mit
zwei grösseren, vor der Mitte der Scheibe gelegenen, kreis-
runden Erhabenheiten ein Dreieck bildet. Die Beine wie
der Hinterleib blass grünlichgelb, die Vorderschienen etwas
dunkler, mehr bräunlich; die fünf Dornenpaare an den
Vorderschienen sind mässig lang, der oberste kaum zwei
Tarsalgliedern an Länge gleichkommend, die an den Mit-
telschienen sehr beträchtlich kürzer; die sehr kurzen und
nur an der äussersten Spitze leicht gebräunten Dornen der
Hinterbeine sind an Schenkeln und Schienen zu sieben
Paaren vorhanden und reichen an ersteren kaum über die
Mitte hinaus. Auf den Flügeldecken ist das vordere Feld
ungefärbt, hyalin, die Adern sämmilich grasgrün ; das hin-
tere Feld nach hinten immer intensiver gelb gefärbt und
gleichfarbig geadert. Die Hinterflügel haben eine wässrig
braune Grundfarbe, von der die weisslich gesäumten Quer-
adern und der blass graugelbe Aussenrand merklich abste-
chen. Beim Männchen ist der achte Hinterleibsring nur
etwa doppelt so lang als der vorhergehende, nicht wie bei
den ersten Arten nach abwärts geneigt und die folgenden
überkuppelnd, sondern horizontal gestellt und nur in der
Mittellinie etwas ‚mehr nach hinten hervortretend als zu
beiden Seiten; der neunte Ring. tritt vollständig frei her-
vor, krümmt sich, indem er gleichsam ein Pygidium dar-
stellt, nach abwärts: und ist unterhalb mit einer Längsspalte
versehen; eine Lamina supraanalis tritt zwischen den bei-
den Reifen nicht. ‚hervor. Die’ Lamina subgenitalis ist quer,
ee,
ut Wr ug,
Ueber die Locustinen-Gattung Gryllaeris. 261
breit herzförmig, ihr Endrand in der Mite nicht besonders
tief, aber weit ausgebuchtet.
Beim Weibchen ist die Lamin., supraanalis klein, rhom-
bisch, mit tiefer Grube auf der Milte ihrer Oberfläche; die
Lamina subgenitalis hat die Form eines gleichseitigen
Dreiecks mit abgestumpfter Spitze; die Legescheide ist kurz
und kräftig, ziemlich gekrümmt, nahe dem Oberrande mit
tiefer Längsfurche, welche vor dem stumpf zugespitzten
Ende aufhört.
In Java einheimisch; das Museum besitzt beide Ge-
schlechter aus der Hagenbach’schen und v. Charpentier’-
schen Sammlung.
9) Gryl. nigripennis. Capite thoraceque angustis, rufo-
ferruginea, elylris elongalis, flavescentibus, alis nigro-
cyaneis, venis transversis extus albido -limbalis, Long.
corp. 13 lin., elytr. 17 lin., vagin. 9 lin. — Patria: Ma-
labar. 2.
Kopf und Thorax sind im direklen Gegensaltze zu der
vorigen Art auffallend schmal, letzterer deutlich länger als
breit, auf der Oberfläche nur mit schwachen Eindrücken;
beide sind glänzend rostfarben, ersterer zugleich mit Ein-
schluss der Fühler, Mandibeln und der Oberlippe. Das Ge-
sicht ist sehr zerstreut punklirt, oberhalb des Clypeus bei-
derseits leicht quer eingedrückt. Die Beine von der Körper-
farbe mil leicht gebräunter Schenkel- und Schienenspilze
und pechbraunem Klauengliede der Tarsen; die Dornen an
Vorder- und Mittelschienen nicht besonders lang und an
beiden fast gleich, die der Hinterschenkel und Hinterschie-
nen je zu 7 Paaren, an der äussersten Spitze braun, an
den Schenkeln die Mitte überschreitend. Flügeldecken und
Flügel auffallend lang, in ruhender Lage die Spitze der
ebenfalls langen Legescheide erreichend; die Flügeldecken
durchweg rostgelb geadert, im Vorderfelde aber mit fast
hyalinem Grunde. Die Flügel im Verhältnisse zu ihrer
Länge schmal, tief schwarzbraun mil lebhaft stahlblauem
Schiller; Längs- und Queradern durchweg schwärzlich,
letztere aber an ihrer Aussenseile (d. h. gegen den Flü-
gelrand hin) mit einer schmalen durchsichtigen Linie ge-
262 Gerstaecker:
säumt. Beim Weibchen: ist die Lamina supraanalis klein,
fast pentagonal, mit ausgehöhlter Oberfläche, die Lamina
subgenilalis halbkreisrund; die Legescheide lang, sehr
kräftig, schwach gekrümmt, gegen die Spitze hin allmählig
verschmälert und stumpf, zungenförmig zugespitzt.
Aus Malabar, von Melly; nur das Weibchen bekannt.
b) Die Grundfarbe ist an den Queradern gerade am dunkel-
sten, während die Mitte jedes Feldes heller, selbst hyalin
erscheint. .
10) Gryl. nigrilabris. Laele ferruginea , nilida, labro
nigro, tarsorum apice infuscalox elytris concoloribus , alis
nigris, dilulius fasciatis gullisque hyalinis adspersis. Long.
corp. 14 lin., elytr. 18 lin., vagin. 14 lin. — Patria: Sin-
gapore. dd’ 2.
Von der kräftigen, etwas gedrungenen Statur der Gryl.
maculicollis, jedoch beträchtlich grösser, besonders auch
mit stärker entwickelten Flügeln; glänzend, licht rosigelb,
mit lief schwarzer Oberlippe und an der Spitze gebräunten
Mandibeln und Tarsen. Der Kopf ist nicht breiter als der
Thorax, das Gesicht fast eben, zerstreut punklirt und sehr
seicht gerunzelt; das Basalglied der Fühler rostroth. Der
Thorax etwas breiter als lang, mit stark aufgewulstetem,
in der Mitte stärker hervortretendem Spitzenrande und be-
sonders nach den Seiten hin slark vertieften Furchen. Die
Dornen der vorderen Schienen rostroth mit hellgelber Spitze,
am ersten Paare etwas länger als an den mittleren; an den
Hinterschenkeln neun, an den Schienen sieben Dornenpaare
mit breiter pechbrauner Spitze, verhältnissmässig lang. Die
Flügeldecken durchweg von saltgelber Grundfarbe, mit
rostgelben Adern; die Hinterflügel dunkelbraun, blau schil-
lernd, mit dunkelbraunen, und nach der Wurzel hin hel-
leren Längs- und schwarzen Queradern; in der Nähe der
letzteren ist die Grundfarbe am dunkelsten , gegen die
Mitte der einzelnen Zellen hin lichter und bei den in der
vierten bis neunten Querreihe liegenden zeigt das Centrum
sogar einen milchweissen Tupfen. Das der Basis zunächst
liegende Feld, in welchem die Queradern fehlen, zeigt eine
gleichmässig wässrig braune Farbe. Am Hinterleibe des
Männchens bildete das vergrösserte, kuppelförmige achte
Ueber die Locustinen-Gattung Gryllaeris. 263
Segment das Pygidium , ohne indessen an Grösse dem der
beiden ersten Arten gleichzukommen; es ist ein wenig län-
ger als breit, hinten stumpf near; in der Milte fast
abgestutzt, mit feinem, aufgebogenen Rande. Die kleine,
senkrecht herabsteigende Lamina supraanalis ist quer vier-
eckig, jederseits in eine scharfe Spitze endigend ; von der
Mittellinie ihrer nach vorn gewandten Fläche setzt sich eine
längliche, scharfkantige Erhabenheit, die sich am Ende
herzförmig- erweitert, auf die Unterseite des neunten Dor-
salringes fort, welche in eine breite , trapezoidale, schräg
aufgerichtete, zweizipfelige Platte ausläuft. Die Lamina sub-
genilalis ist gross, quer viereckig, mit bogenförmigem End-
rande, welcher jederseits von einer mittleren Einkerbung
eine warzenarlige Anschwellung zeigt.
Beim Weibchen ist die Lamina supraanalis klein, quer,
hinten gerundet, oberhalb eingedrückt; die Lamina subge-
nitalis gleichsam aus zwei hinter einander liegenden Plat-
ten, die durch einen kleinen Balken verbunden sind, zu-
sammengesetzt, einer vorderen (oder unteren) kleinen,
trapezoidalen, und einer viel längeren hinteren (oder obe-
ren), welche gegen die Spitze hin verschmälert und am
Ende in zwei zugespilzte, stark polsterarlig aufgetriebene
Zipfel getheilt ist. Die Legescheide ist von ausserordent-
licher Länge, indem sie der Körperlänge ganz gleich kommt,
sehr schlank und bis zu der schräg abgestutzten Spilze
gleich breit, längs des Oberrandes fein gefurcht; rostgelb
mit tief brauner Spitze.
Von Singapore , beide Geschlechter von Jagor ein-
gesandt.
11) Gryl. Servillei. Fulva, capite antennisque fuscis,
illo macula frontali nigra, pronoto nigro , fusco-limbato:
elytris obscure fuscis, maculis tessellatis pellueidis. Long.
elytr. 12/, lin., vagin. 9 lin. — Patria : Borneo. (Doeson).
Gryllacris Servillei de Haan, Bijdragen etc. p. 220. no.7.
Das von de Haan allein gekannte Weibchen dieser
Art wird in folgender Weise charaklerisirt: Kopf und Füh-
ler dunkelbraun, ersterer mit einem ausgedehnten schwar-
zen Fleck zwischen den Fühlern: Vorderrücken schwarz mit
braunem Rande; Hinterleib und Beine gelblich, behaart,
264 Gerstaecker:
die Hinterbeine mit dunkler Spitze. Flügeldecken mit stum-
pfer Spitze, gelb, an der Basis dunkler, Hinterflügel tief
schwarzbraun mit durchsichtigen Flecken gescheckt,, wel-
che in der Mitte in Querreihen gestellt sind. Legescheide
gekrümmt, schmal, schräg zugespitzt.
12) Gryl. fumigata. Flava, capitis fascia laterali pro-
notique fusci margine nigris: pedibus luteis, femoribus
apice, tibiis basi tarsisque extremis nigro-coeruleis, fasciis
transversis pallidioribus. Long. elytr. 18lin. — Patria: Java.
Das von de Haan allein beschriebene Männchen hat
dunkel stahlblaue Hinterflügel mit helleren Querbinden, be-
haarte, gleichbreite und am Ende schief abgestutzte Flü-
geldecken mit dunkelbraunen Adern. Das letzte Dorsal-
segment des Hinterleibs ist beiderseits etwas gebuckelt,
das letzte Ventralsegment sehr kurz mit haarigen Griffeln.
II. Arten mit hell- oder ganz ungefärbten Hinterflügeln, deren
Queradern nicht dunkel umflossen sind.
a) Beine zum Theil schwarz gefärbt,
13) Gryl. Borneensis. Lutea, capite, antennarum basi,
thoracis marginibus, pectoris lateribus, femoribus apice ti-
biisque nigris , labro larsisque laete sanguineis: alis ely-
trisque elongatis, flavescentibus, fusco-venosis, his macula
magna basali, alteram auranliacam includente, atra. Long.
corp. 13lin., elytr. 23 lin. — Patria: Borneo (Sarawak). d‘.
Gryllacris Borneensis de Haan, Bijdragen etc. p. 219. no.1.
pl.19. fig. 7. (S-
Durch die ausserordentliche Entwickelung der Flügel
wie durch die lebhafte Körperfärbung die ausgezeichnetste
aller bis jetzt bekannten Arten der Gattung und durch
beide Merkmale auffallend an gewisse Phaneroptera-Arten
erinnernd. Der kleine, schmale Kopf ist tief und glänzend
schwarz mit goldgelben Ocellenflecken, von denen beson-
ders der untere ovale sich markirt, mennigrothem Clypeus
und blutrother Oberlippe und Mandibeln; an letzteren ist
die Basis und Spitze schwarz, die Maxillartaster schwärz-
lich pechbraun. Das Gesicht ist über dem Clypeus quer
eingedrückt, zerstreut punklirt. Die Fühler von der Basis
bis auf etwa fünf Linien ihrer Länge tief und glänzend
schwarz, dann allmählig pechbraun ‘und in der grösseren
|
|
.
|
Ueber die Locustinen-Gattung Gryllacris. 265
Endhälfte immer lichter rostgelb werdend; sie sind sehr
dicht behaart und lassen besonders längs der Spitzenhälfte
einzelne ihrer kleineren Glieder verdickt und dunkler ge-
färbt erscheinen, so dass es den Anschein hat, als bestän-
den sie wie bei den Cerambyciden aus langgestreckten,
dünnen Gliedern. Der Prothorax ist klein, ein wenig län-
ger als breit, goldgelb, ringsherum schwarz gesäumt, und
zwar besonders breit an der Basis; Meso- und Metathorax
oberhalb, die Pleurae und die Aussenseite der Hültstücke
schwärzlich pechbraun. Die Beine safrangelb, die Spitze
der Schenkel und die Schienen tief blauschwarz, die äus-
serste Spitze der letzteren und die ganzen Tarsen hell
corallenroth; die Dornen an den vorderen Schienen ziemlich
kurz, schwarz mit rostrolher Spitze, das unterste kurze
Paar ganz rostroth; au der Unterseite der Hinterschenkel
innen 5 bis 6, aussen noch weniger sehr kurze schwarze
Dörnchen, die kaum bis zur Mitte reichen, an den Hinter-
schienen acht Paar grössere , welche bis nahe zum Kniee
heraufreichen. Die Flügeldecken im letzten Dritttheile am
breitesten, stumpf abgerundet, sehr licht gelblich getrübt,
am Vorderrande mit gelblichem, ‘sonst mit braunem Geäder;
die das Vorderfeld abgränzende Längsader tief schwarz
und die hinter ihr liegende Zellenreihe dunkel rauchbraun,
die ganze Basis etwa auf ein Drititheil der Länge tief pech-
schwarz mit einem grossen durchsichtigen, goldgelben
Fleck. Die Hinterflügel den Flügeldecken an Länge gleich,
um: mehr als die Hälfte länger als breit, noch heller gelb-
lich getrübt als jene, dicht an der Wurzel schmal pech-
braun, die Längsadern gelb, die Queradern fein, dunkel-
braun, nicht umflossen, wenn auch eine sehr leichte graue
Trübung ihrer Umgebung nicht zu verkennen ist.: An’ dem
blass strohgelben Hinterleibe des Männchens ist das achte
Dorsalsegment nicht länger als das vorhergehende, hinten
in der Mitte leicht ausgeschnilten; das neunte, hinter ihm
frei hervorragende, noch kürzer, nach unten herumgebogen,
hier in der Mittellinie gespalten und am Ende dieses Spal-
tes jederseits mit einem langen, klauenartigen, scharf zu-
gespitzten Dorn bewaffnet. Eine Lamina supraanalis fehlt;
die Lamina subgenitalis kurz, , quer, dreimal so breit als
266 Gerstaecker:
lang, mit flach ausgeschnittenem Endrande und daher stumpf
zweilappig; die Griffel. schmal kegelförmig, kaum halb so
lang als die Raife. Die Seiten der Rückensegmente sind
je mit einer Reihe schmaler, die Ventralplatten mit zwei
Reihen ovaler schwarzbrauner Flecken gezeichnet.
Aus Borneo, von Jagor eingesandt.
14) Gryl. tibialis. Ferruginea, capite supra, pronoto
tibiarumque dimidio basali maiore nigris, his apice cum
tarsis genubusque rufis; elytris hyalinis, basi retrorsum
flavescentibus, alis albidis, flavo-venosis. Long. corp. 10
11 lin., elytr. 15 lin., vagin. 10 lin. — Patria: Java. ' 9.
Gryllaeris tibialis Serville, Hist. nat. d. Orthopt. p.393. no. 2.
(2). — de Haan, Bijdragen etc. p. 219.
Der Kopf überragt den Prothorax beträchtlich an Breite
und ist zugleich von ansehnlicher Länge, sein ganzer von
oben sichtbarer Theil tief pechschwarz, der äussere Augen-
rand und eine von diesem bis zum Ursprunge der Ober-
kiefer herabsteigende Binde jederseits schwärzlich braun;
das langgezogene Gesicht und die Stirn 'bis oberhalb der
Fühler glänzend und hell rostgelb, zuweilen mit zwei bräun-
lichen Makeln, sehr sparsam punklirt, die Oberlippe und
Palpen gleichfarbig, die Mandibeln rostroth mit dunkeler
Spitze. Der Prothorax ist so lang als breit, mit Ausnahme
des schmutzig gelb geileckten Seitenrandes und zweier
rostrolher kleiner Makeln auf der Scheibe tief und glän-
zend schwarz; das Meso- und Metanotum pechbraun, der
Hinterleib und die Schenkel licht rostgelb. An allen drei
Beinpaaren ist die grössere Basalhälfte der Schienen tief
schwarz, die breite Spitze nebst den ganzen Tarsen so wie
auch das Knieegelenk an Schenkel und Schienen in ge-
ringer Ausdehnung sehr lebhaft rostroth. Die Dornen der
vorderen Schienen, welche am ersten Paare beträchtlich
länger sind, erscheinen mit Ausnahme des untersten ganz
rostgelben Paares tief schwarz mit feiner gelber Spitze; an
den Hinterschenkeln sind sieben Paar kurzer schwarzer
Dornen, welche die Mitte ein wenig überschreiten, an den
Hinterschienen acht Paar ziemlich starker vorhanden, von
denen die fünf oberen schwarz, die drei unteren rostroth
gefärbt sind. Die Flügeldecken sind mehr denn doppelt
en.
GE
Ueber die Locustinen-Gattung Gryllacris. 267
so lang als der Hinterleib, mit Ausnahme der intensiv gelb
gefärbten und ebenso geaderien Basis des Hinterfeldes
hyalin und dunkelbraun geadert, ganz besonders im Vor-
derfelde,- gegen welches der Spitzentheil des Hinterfeldes
noch merklich gelb getrübt erscheint. Die Hinterflügel sind
länger als breit, sehr licht gelb, fast weisslich, alle Längs-
und Queradern gelb, nur an der Spitze des Vorderrandes
etwas gebräunt. Am Hinterleibe des Männchens sind das
achte und neunte Dorsalsegment fast gleich lang, von dop-
pelter Länge der vorhergehenden , ersteres schräg nach
hinten, letzteres fast senkrecht nach unten abfallend, kup-
penförmig; in der Milte seines Hinterrandes ist das neunte
Segment etwas zipfelartig ausgezogen, verdickt, leicht ein-
geschlitzt und innerhalb mit einem aus zwei mittleren Lei-
sten und zwei zu ihrer Seite stehenden sehr scharfen und
geraden Dornen zusammengesetzten hornigen Apparat ver-
sehen. Die Lamina subgenitalis verhältnissmässig schr
gross, im Ganzen trapezoidal , doch mit gerundeten Seiten
und Winkeln, am Endrande mit zwei schmalen, zapfenarti-
gen Vorsprüngen versehen ; die Griffel stumpf, länger als die
Hälfte der am Grunde dicken, schmal kegelförmigen Raifen.
Beim Weibchen ist die Lamina subgenitalis gerundet,
etwa halb eiförmig, das ihr vorhergehende Bauchsegment
sehr eigenthümlich gestaltet, nämlich am Vorder- und Hin-
terrande tief winklig ausgeschnitten, so dass seine beiden
Hälften in der Mitte nur durch eine schmale Brücke verbun-
den sind; die Legescheide von Körperlänge, ganz gerade,
sehr schmal, allmählig und stumpf zugespitzt, pechbraun.
In Java einheimisch.
15) Gryl. combusta. Testacea, nitida, capile vittis
duabus flexuosis, in fronte inter se connexis, antennis, man-
dibulis, pronoti marginibus vittaque media nec non tibiis
antieis nigro- fuscis: elytris dilute fuscis, albido - venosis,
alis grisescentibus. Long. corp. 14 lin., vagin. 101%, lin.,
elytr. 17 lin. — Patria: Sidney. 2.
Der Kopf ist auffallend gross, sehr viel breiter als der
Thorax und wie bei der vorigen Art von beträchtlichem
Längsdurchmesser,, licht knochengelb , glänzend; auf dem
Hinterkopfe verläuft jederseits von der oberen Augenspitze
268 Gerstaecker:
eine pechbraune Linie gegen den Vorderrand des Thorax
und zwischen der Insertion der Fühler zwei parallele pech-
schwarze Längsbinden, die ebenfalls am Thoraxrande be-
ginnen, auf der Stirn durch eine ziemlich breite Querbinde
mit einander verbunden werden, sich dann unter der Füh-.
ler Insertion bis zum unteren Augenwinkel nach aussen.bie-
gen und von hier aus bis zur Basis-der Mandibeln abwärts
steigen, indem sie sich oberhalb des Clypeus noch stark
nach innen erweitern. Die ganze Gesichtsfläche, auf wel-
cher zwischen diesen beiden schwarzen Binden ein grosser
dreilappiger Fleck der Grundfarbe übrig bleibt, ist ziem-
lich dicht narbig punclirt und flach gerunzelt; die Ober-
lippe gegen die Spitze hin carminroth, die Mandibeln mit
Ausnahme der Basis an der Aussenseite pechschwarz, die
Palpen blass knochengelb ; an den Fühlern die beiden Ba-
salglieder ebenfalls gelb, das erste jedoch an der Basis mit
schwarzem Fleck, der borstenförmige Theil vom Pechschwar-
zen allmählig in ein lichteres Braun äbergehend. Der Tho-
rax ist breiter als lang, nach hinten stark verengt, schmut-
zig rostgelb, die Mitte des Vorderrandes schmaler, die
ganze Basis und die Seitenränder breiter, so wie endlich
auch eine in der Mitte verbreilerte Rückenbinde schwärz-
lich pechbraun; die Eindrücke und Aufwulstungen der Ober-
fläche sind durchweg stark markirt. Mittel- und Hinter-
brust, Hinterleib und Beine sind licht knochengelb; an den
Vorderbeinen ist die Spilze der Schenkel besonders an der
Innenseite und die ganzen Schienen mit Ausnahme der
hinteren Fläche pechschwarz, an den beiden hinteren Paa-
ren dagegen nur die Hinterseite der Schienen nahe der
Basis und dann wieder unterhalb der Mitte licht pechbraun
bandirt. Die fünf Dornenpaare an Vorder- und Mittel-
schienen licht rostgelb gefärbt, an den vorderen beträcht-
lich länger. An den Hinterschenkeln finden sich im Gan-
zen nur vier Dornen, von denen die beiden hintersten paa-
rigen klein und hellgelärbt sind und auf einen liefen, bo-
gigen Ausschnitt der Unterseite folgen, die beiden übrigen
an der Aussenseile weit von einander enifernt stehen und
schwarzbraun gefärbt sind; die Hinterschienen sind mit
sechs Paar alternirenden, mässig. grossen, gelblichen Dor-
Ueber die Locustinen-Gattung Gryllacris. 269
nen besetzt, welche die unteren zwei Dritttheile der Länge
einnehmen. “Die Flügel überragen den Hinterleib fast um
die Hälfte ihrer Länge, sind fast gleich breit, an der Spitze
schräg abgestutzt, auf der Basalhälfte von wässrig brauner
‚Grundfarbe, welche gegen die Spitze hin immer lichter
wird und durchweg blassgelb, fast weisslich geadert. Die
ebenfalls langgestreckten Hinterflügel sind licht grau, fast
milchig getrübt und haben gelbliche Längs- und sehr feine
weissliche Queradern. Am Hinterleibe des Weibchens ist
die siebente Ventralplatte verlängert, fast um ‘die Hälfte
länger als die vorhergehende und als sie selbst breit ist;
die Lamina subgenitalis sehr viel breiter , fast bis auf den
Grund breit rechtwinklig eingeschnitten und daher zwei-
lappig, die beiden'Lappen scharf dreieckig. Die Legescheide
ist ausserordentlich lang, fast geradlinig, sehr schmal, stumpf
zugespitzt.
Aus Neu-Holland ; nur das Weibchen bekannt.
16) Gryl. brachyplera. Rufo-ferruginea , subnilida,
tibiis omnibus nigris,, basi apiceque cum tarsis laete rulis,
anterioribus spinis ferrugineis: elytris alisque abbrevialis,
fusco-venosis. Long. corp. 12 lin., elytr. 8'/, lin., vagin.
6%, lin. — Patria: Luzon.
Der Kopf ist kurz und nicht breiter als ‚der Thorax,
mit Einschluss der Fühler und Mundtheile ganz rostfarben,
glänzend, das Gesicht nur sehr fein und zerstreut punk-
tirb; der Prothorax fast quadratisch, seitlich hinter der Mitte
etwas erweitert, hell rostfarben,, gelblich behaart, rings-
herum licht roth gerandet, 'mit abgekürzter mittlerer Längs-
furche. Mittel- und Hinterbrust, Abdomen und Schenkel
rostfarben, die Spitze der letzteren , die Basis und Spitze
der Schienen so wie die Tarsen besonders lebhaft und hell
rostroth ‚der ganze mittlere Theil ‘aller Schienen dagegen
tief schwarz. Aufallend ist die Färbung der Dornen der
Vorder- und Mittelschienen, welche trotz ihres Ursprungs
von schwarzem Grunde dennoch licht rostgelb gefärbt und
an den Vorderschienen beträchtlich länger sind; an den
Hinterschenkeln überschreiten die sieben kurzen pechbrau-
nen Dornenpaare kaum die Mitte des Unterrandes, während
die achtziemlich entwickelten der Hinterschienen, von denen
270 \ Gerstaecker:
nur das unterste rostgelb mit dunkler Spitze, die übrigen
schwarz mit röthlich durchscheinender Spitze sind, nur das
oberste Fünftheil der Schienen frei lassen. Die Flügeldecken
und Hinterflügel sind so kurz, dass sie zurückgeschlagen nicht
einmal die Hinterleibsspitze erreichen ; erstere sind stumpf
zugespitzt, sehr leicht graugelb getrübt, grösstentheils rost-
gelb, am Hinterrande jedoch dunkelbraun geadert; letztere
leicht milchig getrübt, fast durchsichtig, an der Wurzel
rostgelb, sonst überall schwarzbraun geadert, die Quer-
adern fein und nicht dunkler gesäumt. Beim Weibchen
ist: die Lamina supraanalis klein, stumpf dreieckig zuge-
spitzt, mit stark gewulstetem Endrande und vertiefter Ober-
seite; ‘die Lamina subgenitalis halbkreisförmig, mit in der °
Mitte lappenarlig hervortretendem Endrande, der sich ge-
gen. die Oberfläche der Plalte zurückschlägt. Die verhält-
nissmässig kurze Legescheide ist leicht gebogen, gleich von
der Basis an allmählig. schmaler werdend,, ziemlich scharf
zugespilzt, satt rothbraun.
Von Luzon , nur im weiblichen Geschlechte . vorlie-
gend; durch die auffallende Kürze der Flügel in Verbindung
mit der sehr markirten Färbung der Beine sehr ausgezeich-
net und leicht kenntlich.
17) Gryl. punicea. Coceinea,.nitida, capite cum an-
tennis, pronoto, femorum apice tibiisque nigris : fronte coc-
ceineo-Irimaculata, elytris dilute fuseis, alis hyalinis. Long.
corp. 8 lin., elytr. 7'/, lin. , vagin. 4 lin. — Patria: Cey-
lon. 9.
Der Kopf ist kaum breiter als der Thorax , ziemlich
kurz, mit Einschluss der Mandibeln und Fühler tief und
glänzend schwarz, wie Ebenholz; der Vorderrand des: Cly-
peus und die Oberlippe dunkel pechbraun, die Tarsen lich-
ter mit rothbraunem Endgliede. Die: drei gleich grossen,
ovalen Ocellenflecke hell carminroth; Gesicht, Clypeus und
Oberlippe' mit ziemlich grossen Punkten zerstreut besetzt.
Der Prothorax breiter als lang, ebenfalls glänzend schwarz,
zu beiden Seiten mit zwei dunkel carminrothen Flecken
und oberhalb nahe der Basis mit einigen dunkelroth durch-
scheinenden Stellen; die beiderseits stark abgekürzte, tiefe
Mittelfurche stösst nach hinten auf eine ebenfalls tiefe, aber
Ueber die Locustinen-Gattung Gryllaeris. 271
feinere Querfurche. Die Mittel- und Hinterbrust, der ganze
Hinterleib, alle Hüften und die Schenkel mit Ausnahme der
Spitze sind hell carmoisinroth; während die Schienen an
allen drei Beinpaaren ‚mit Ausnahme der äussersten Spitze
ganz ı dunkel‘ pechbraun erscheinen, greift, diese Färbung
auf die Schenkel in verschiedener Ausdehnung über, indem
die hintersten. nur am Spitzendritttheile, -die mittleren we-
nigstens oberhalb fast, bis zur Mitte,)'die vorderen innen
sogar bis,nahe, der Basis damit getüncht: sind, jedoch überall
so, dass ‚die Unterseite davon ganz frei bleibt. An den
vorderen Beinpaaren sind die Schiendornen pechbraun mit
gelber ‚Spitze, das unterste Paar ganz rostfarben; die Hin-
- terschenkel sind unterhalb nur mit fünf tiefschwarzen und
kaum die Mitte. erreichenden Dornenpaaren. bewaffnet und
zwar sind die beiden dem Kniee zunächst stehenden: kräftig
und gross, die. drei übrigen sehr, kurz. An: den Hinter-
schienen sieben Dornenpaare von der. Grundfarbe, bis zum
letzten. Vierttheil: der Länge reichend; die Tarsen an allen
Beinen hell carminroth mit; pechbraunen Klauen. Die. den
Hinterleib beträchtlich - überragenden Flügeldecken sind
gleichmässig wässrig braun getrübt, pechschwarz geadert;
die Hinterflügel glashell, längs des Aussenrandes sehr leicht
getrübt, mit sehr feinen braunen Längs- und Queradern.
Weder die’ Lamina supraanalis noch dieL. subgenitalis sind
von den entsprechenden Segmenten deutlich abgesetzt, er-
stere kurz und quer: dreieckig , oberhalb: mit tiefer Grube,
letztere quer rhombisch, mit leichter Einkerbung und Ver-
tiefung in‘ der Mitte ihres Hinterrandes. Die Legescheide
ist kurz, an der Basis sehr. breit „ganz allmählig verengt
und scharf zugespitzt, leicht gekrümmt, mit Ausnahme des
hellrothen Ursprunges dunkel pechbraun.
“ns Aus Ceylon ; nur) das Weibchen von Nietner eingesandt.
b) Beine ganz rostfarben.
18) Gryl. amplipennis. Ferruginea, nitida, capitis ma-
eulis duabus subocularibus, ‚vertice pronotique disco fusco-
brunneis: elytris alisque ‚vitreis, fusco-venosis, his apice
angustius,.illis ad. medium usque. latius infuscatis., Long.
eorp. 13 lin., elytr. 16 ‚lin,,. vagin. 10 lin. — Patria.: Ma-
labar. 9.
272 Gerstaecker:
Der Kopf ist im Verhältnisse zum Thorax gross, brei-
ter als dieser, hell rostfarben, der hochgewölbte Scheitel
in weiter Ausdehnung so wie ein fast viereckiger Fleck
unterhalb der Augen dunkelbraun , die Oberlippe rostroth,
die Mandibeln mit gebräunten Kanten. Der Thorax klein,
besonders kurz, mit Ausnahme zweier grosser, licht gelber
Flecke nahe am Seitenrande ziemlich satt’ und rein braun
gefärbt, auf der Mitte der Scheibe mit drei im Triangel
stehenden rostgelben Punkten, von denen der vordere dop-
pelt ist. Der Mittel- und Hinterrücken des Brustkastens
und die Oberseite des Abdomen sind ebenfalls licht pech-
braun gefärbt, an letzterem jedoch der Spitzenrand der
einzelnen Segmente rostgelb; von letzterer Farbe sind zu-
gleich die Beine, nur dass an den Vorderschienen die Dor-
nen vor der weisslichgelben Spitze breit pechbraun gerin-
gelt sind. An den Hinterschenkeln erreichen die sechs mit
Ausnahme des hintersten sehr kurzen Dornenpaare gerade
die Mitte der Länge, während die sieben Paare an den Hin-
terschienen bis zum letzten Viertheil heraufsteigen; an bei-
den sind die Spitzen stark gebräunt. Die Flügeldecken
sind über das ganze Vorderfeld hin und ebenso längs des
Hinterrandes vollkommen hyalin, dunkelbraun geadert; über
die Mitte hin erstreckt sich eine wässrig braun gefärbte
Längsbinde von der Spitze bis auf zwei Dritttheile' der
Länge. Die Hinterflügel sind länger als breit, ebenfalls
ungefärbt, jedoch gegen den Aussenrand hin leicht ge-
trübt, überall braun geadert; während die 'Queradern’ sonst
überall sehr zart und ‘daher kaum sichtlich ' gefärbt. sind,
nehmen sie am Vorderrande und zwar besonders an der
Spitze desselben ganz die Stärke und dunklere Färbung
der Flügeldecken an. Beim Weibchen ist die Lamina 'su-
praanalis klein, halbkreisrund, verdickt, oberhalb durch eine
Furche getheilt, die Lamina subgenitalis länger als breit,
kurz eiförmig, an der Basis der Quere nach ausgehöhlt; am
Spitzentheile mit einer von zwei zarten Längsleisten 'be-
gränzten Rinne versehen und stumpf abgerundet. :Die Le-
gescheide ist lang und schmal, fast gerade, sehr allmählig
verengt und zugespitzt, rostfarben mit brauner Spitze.
In Malabar einheimisch.
Ueber die locustinen-Gattung Gryllacris. 273
19) Gryl. phryganoides. „Alis elongatis, obtusis, ner-
vis fulvis: elytris apice obtusis, pellucidis, basi luteis:
corpore, antennis, vagina pedibusque luteis, vagina peran-
gusta, elongata.* Long. elytr. 13 lin., vagin. 5'/, lin. —
Patria: Java. 2.
Gryllacris phryganoides de Haan, Bijdragen etc. p. 219. no. 2.
Eine mir unbekannte Art aus Java; dasselbe ist mit
folgenden, von Serville beschriebenen Arten der Fall:
20) Gryl. signatifrons. Rufo-ferruginea, nilida, frontis
macula distincta teslacea, elytris alisque hyalinis, fusco-ve-
nosis. Long. corp. 16 lin. — Patria: Java. 9.
Gryliacris signatifrons Serville, Hist. nat. d. Orthopt. p. 393.
no. 1.
21) Gryl. translucens. Rufo -ferruginea, nitida, ver-
tice, fasciis duabus subocularibus thoraceque nigro-fuseis,
hoc testaceo-variegato: elytris alisque hyalinis, fusco-ve-
nosis. Long. corp. 10 lin! — Patria: Java. 4 2.
Gryllacris translucens Serville, Hist. nat. d. Orthopt. p.39%.
n0.D.
Diese von Java stammende Art scheint der Gryl. am-
plipennis, nach der Beschreibung zu urtheilen, nahe ver-
wandt zu sein, ist jedoch von geringerer Grösse und würde
sich durch das nicht braun gefärbte Mittelfeld der Flügel-
decken, dessen wenigstens Serville nicht erwähnt, un-
terscheiden ; über die Form der letzten Hinterleibsringe des
Männchens sind von Verf. keine Angaben gemacht worden.
22) Gryl. personata. Testacca, capite infra mandibu-
lisque nigris, macula frontali, prothoracis marginibus ma-
eulisque duabus disci approximatis, femoribus elytrorumque
nervis rufescentibus. Long. corp. 9lin. — Patria. Java. Jd‘.
Gryllacris personata Serville, Annal. d. sciene. nat. XXII.
p. 139. no. 3. — Hist. nat. d. Ortkopt. p. 395. no.6. — de
Haan, Bijdragen etc, p. 220. no. 13.
Von Java. Ueber die Grösse dieser Art sind die An-
gaben Serville’s schwankend, indem er sie einmal auf
zwölf, das andere Mal nur auf neun Linien veranschlägt;
die Bildung der männlichen Hinterleibsringe ist unerörtert
geblieben,
23) Gryl. pallidula. Testacea, elytris pellucidis, fusco-
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 1. Bd. 18
274 Gerstaecker:
venosis, basin versus leviter infuscatis, alis hyalinis, roseo-
tinetis. Long. corp. 6%, lin. — Patria: Java. dJ“.
Gryllacris pallidula Serville, Hist. nat. d. Orthopt. p. 395.
no. 7.
24) Gryl. rubrinervosa. Rufo-ferruginea, macula fron-
tali testacea , elytris subpellueidis, rufo - venosis, alis vix
roseo-linelis. Long. eorp. 6—7 lin. — Patria ignota. dd".
Gryllacris rubrinervosa Serville, Hist. nat, d. Orthopt. p. 395.
no. 8.
Von geflügelten Arten, über deren Hinterflügel - Fär-
bung keine näheren Angaben gemacht worden’sind, so däss
sie keiner der obigen Abtheilungen mit Sicherheit zuge-
wiesen werden können, sind noch. folgende aufgestellt
worden:
25) Gryl. verticalis. „Unicolor, vertice capitisque fa-
stigio fusco-nigro, hoe ocellis maculiformibus testaceis: alis
quattuor fusco-reticulatis.* Long. corp. 11 lin., vagin. 12]in.
— Patria: Brasilia. 9.
Gryllacris verticalis Burmeister, Handbuch der Entomol. II.
p- 718. no. 2.
26) Gryl. oceanica. „Pallide rufo-lutea, macula testa-
cea inter oculos minima, labro brunneo-luteo, mandibulis
brunneo -rufis, palpis testaceis: elytris quasi translucidis,
tibiis omnibus in medio infuscatis, abdomine supra infus-
cato, infra testaceo.* Long. corp. 8%, lin. — Patria: In-
sula Hamoa. ‘
Gryllaeris oceanica Le Guillou, Revue zool. p. 1. soc. Cuvier.
1841. p.293. no. 11.
27) Gryl. dubia. „Rulo-lutea, macula media testacea
oculos attingente, Jabro rufo-brunneo, mandibulis testaceis:
elytris crassioribus, tibiis antieis in medio nigris, abdomine
supra et infra testaceo.* Long. corp. 10 lin. — Patria: In-
sula Viti.
Gryllacris dubia J,e Guillou, ibidem p. 293. no 12.
28) Gryl. frontalis. „Unicolor, fronte tota fusco-ni-
gra.“ Long. corp. 15 lin. — Patria ignota.
Gryllacris frontalis Burmeister, Handbuch der Entomol, II.
p- 718. no. 3,
nV
ie
Ueber die Locustinen-Gattung Gryllacris. 275
Eine vollständig unbekannte Art, die von Burmei-
ster nur auf die von Roesel (Insektenbelustigung II.
tab. 18. fig. 7) gelieferte, sehr unvollkommene Abbildung
einer, wie es übrigens scheint, der Gattung sicher angehö-
renden Heuschrecke gegründet worden ist.
29) Gryl.? gladiator. — Burmeister eitirt die Lo-
custa gladiator Fabrieius, Entom. syst. II. p. 42. no. 34 als
fragliches Synonym unter Gryllacris maculicollis Serv., von
der sie wohl durch Fabricius ausdrückliche Angabe:
„Caput testaceum, immaculatum“ ausgeschlossen wird; da
der Prothorax bei einfarbigem Kopfe mit schwarzer Zeich-
nung versehen sein soll, würde noch ‘eher eine Anwen-
dung auf Gryl. pardalina (2. Art) geschehen können, die
aber ebenfalls nur durchaus hypothetisch wäre. Dass übri-
gens die Fabricius’sche Art der Gattung Gryllacris ange-
hört, scheint aus seinen Angaben über dieselbe ziemlich
sicher hervorzugehen. Als Vaterland wird Tranquebar
angegeben.
B. Ungeflügelte Arten mit kürzeren und an Zahl meist vermin-
derten Dornenpaaren an Vorder- und Mittelschienen.
I. Hinterschienen ohne alle Dornen an der Rückseite, dreh-
rund,
30) Gryl. ambulans. Tibiis anterioribus biseriatim
quadrispinosis, testacea, nitida, fronte, prothoracis disco
segmentisque corporis ante apicem fusco-brunneis. Long.
corp. 10—13 lin., vagin. 8 lin. — Patria: Tasmania. 2 9-
Gryllaeris ambulans * Erichson, Wiegmanh’s Archiv f. Na-
turgesch. VIII, 1. p. 249. no. 214.
Der Kopf ist gross, viel breiter als der Thorax, mit
stark gewölbtem und gleich den Backen licht knochengelb
gefärbten Scheitel; die Stirn in weiter Ausdehnung ge-
bräunt, von den goldgelben Ocellenflecken der untere be-
sonders gross, fast kreisrund; die Palpen und die Mandi-
beln an der Basis licht gelb, ihre Spitze jedoch pechbraun.
Ueber die drei Thoraxringe zieht sich eine deutliche mitt-
lere gelbe Längslinie; der Prothorax ist nur in der Mitte
sattbraun und auch hier mit zwei queren gelben Eindrük-
ken versehen, die beiden folgenden Ringe so wie die drei
276 . Gerstaecker:
oder vier ersten des Hinterleibs mit Ausnahme der schma-
len Ränder fast ganz braun; auf den folgenden Ringen
herrscht die gelbe Grundfarbe wieder vor und das Braune
beschränkt sich mehr auf die Mitte des Hinterrandes. An
den licht gefärbten Beinen sind die vorderen Schienen je
mit vier kurzen Dornenpaaren, die kaum bis zur Mitte hin-
aufreichen, besetzt und selbst von diesen geht an den Mit-
telschienen das oberste zuweilen ein, so dass nur drei vor-
handen sind; die Hinterschenkel nur mit zwei bis drei
Paar kurzer Dornen nahe der Spitze, die Hinterschienen ganz
drehrund, derb und verhältnissmässig kurz, ohne irgend
welche Bedornung.
Beim Männchen ist das achte Hinterleibssegment den
vorhergehenden an Länge und Form gleich, das neunte
fast doppelt so lang, mit scharfem und breit abgesetzten
Rande endigend , jederseits ganz nach aussen in einen ab-
wärts gewendeten Lappen auslaufend, unterhalb dessen die
kurzen Raife entspringen; keine Lamina supraanalis vor-
handen , die Lamina subgenitalis dagegen gross, mit breit
gespaltener Basis und aufgerichteter, irapezoidaler, unter-
halb ausgehöhlter, oberhalb dagegen dick vierwulstiger
Endplatte.
Beim Weibchen ist die Lamina supraanalis klein, oval,
ausgehöhlt, die Lamina subgenitalis breit, von der Form
eines halben Achteckes, längs der Mitte gespalten, und
jede Hälfte zwischen dem aufgebogenen Spaltrand und dem
wulstigen Aussenrande tief ausgehöhlt. Die Legescheide
kräftig, leicht gebogen, allmählig und stumpf zugespitzt.
Aus Van-Diemensland, von Schayer.
II. Hinterschienen in gewöhnlicher Weise zweireihig gedornt.
31) Gryl. Carolinensis. Tibiis anterioribus biseriatim
quadrispinosis, ferruginea, nitida , femoribus postieis levi-
ter infuscatis. Long. corp. 7 lin., vagin. 4 lin. — Patria:
Carolina. 2.
Klein, fast vom Habilus einer Pterolepis, licht rost-
gelb, glänzend. Der Kopf nur wenig breiter als der Tho-
rax, mit stark gewölbtem Scheilel, die Stirnhöhe kaum
länger als Clypeus und Oberlippe zusammengenommen.
Fühler und Mundtheile von Körperfarbe, nur die Spitze der
Ueber die Locustinen-Gattung Gryllaeris. 277
Mandibeln gebräunt. Prothorax quer viereckig, nach hin-
ten verengt, mit kleiner Grube auf‘ der Mitte der Scheibe
und den gewöhnlichen Eindrücken. Die Lamina supraana-
lis des Weibchens klein, fast kreisrund, die Lamina sub-
genitalis deckelförmig,, fast von der Form eines Halbkrei-
ses, die Legescheide sehr kräftig und breit, säbelförmig
gekrümmt , scharf zugespitzt. An den Vorder- und Mit-
telschienen reichen die vier Dornenpaare etwas über die
Mitte hinauf; die Hinterschenkel mit drei bis vier sehr
kurzen Dornen jederseits nahe der’Spitze, die Hinterschie-
nen mit sieben Dornenpaaren, die sich auf ?2/ der Länge
erstrecken.
Aus Carolina, von Cabanis.
32) Gryl. glomerina. Tibiis anterioribus biseriatim
quadrispinosis, testacea, capite thoraceque nigro-, femori-
bus brunneo variegatis, abdomine fusco-fasciato. Long. corp.
6 lin., vagin. 4'/, lin. — Patria: Promont. bon. spei. 9.
Kopf und Thorax sind licht gelb, glänzend, ersterer
nicht merklich breiter als der Vorderrand des letzteren, mit
stark gewölbtem Scheitel und einem halbkreisförmigen Ein-
druck am Vorderrande der Stirn; der Clypeus, die Mitte
der Oberlippe und die Spitze der Mandibeln gebräunt, eine
V-förmige Zeichnung zwischen den Fühlern, ein Fleckchen
jederseits unter den Augen und ein Halbkreis auf dem
Hinterkopfe schwärzlich pechbraun. Der Prothorax ist brei-
ter als lang, nach hinten stark verengl, in der Mitte des
Vorderrandes mil einem breiten, trapezoidalen schwärzlichen
Fleck, der einige helle Flecke der Grundfarbe einschliesst,
einer schmalen Querbinde an der Basis und zwei von die-
ser seillich ausgehenden , oberhalb des Seitenrandes nach
vorn verlaufenden Bogenlinien von gleicher Farbe. Meso-
und Metanotum so wie alle Hinterleibsringe sind an der
Basis dunkelbraun, an der ‘Spitzenhälfte licht grünlichgelb
gefärbt, während die Unterseite der ganzen Brust durch-
aus blassgelb erscheint. An den Beinen ist die Oberseite
der Schenkel und die Aussenseite der Schienen hell ge-
bräunt, die Tarsen fast pechbraun gefleckt; die Hinter-
schenkel sind aussen elwa mil neun, innen dagegen mit
zwölf sehr kurzen braunen Zähnchen besetzt, welche min-
278 Gerstaecker: Ueb. d. Locustinen-Gatt. Gryllacris.
destens sich auf %, der Länge erstrecken, die Hinterschie-
nen dagegen nur mit sechs Paaren von gleicher Färbung.
Die fast ganz gerade und auffallend breite Legescheide des
Weibchens ist bräunlich rostfarben , matt, auf der Aussen-
seite mit einem stumpfen Längskiel und zwei tiefen Fur-
chen ober- und unterhalb derselben versehen. Die Spitze
ist von unten her gerundet abgestumpft, und der Oberrand
kurz vor derselben leicht ausgeschweift.
Vom Cap.
33) Gryl. sphinz. Tibiis anterioribus biseriatim quin-
quespinosis, tota flavescens, abdomine pallidiore. Long.
corp. 10 lin., vagin. 7lin. —Patria: Promont. bon. spei. 9.
Der Kopf ist klein, schmal, der Scheitel stark gewölbt,
mehr rostfarbig, das Gesicht blassgelb, zerstreut punktirt ;
der Prothorax nur wenig breiter als lang, nach hinten ver-
engt. An Vorder- und Mittelschienen überschreiten die
fünf Dornenpaare die Mitte der Länge; die Hinterschenkel
sind aussen mit vier, innen mit fünf schr kurzen braunen
Dörnchen längs des Spitzendritttheils bewaffnet, die Hin-
terschienen mit sechs Paaren, welche die Mitte etwas über-
schreiten. Die Legescheide des Weibchens ist lang, fast
bis nahe zu der scharf zugeschliffenen Spitze von gleicher
Breite, nahe dem oberen Rande mit durchgehendem, stum-
pfen Längskiel.
Ebenfalls vom Cap stammend.
Beschreibung zweier neuen Chilenischen Vögel aus
den Geschlechtern Procellaria und Caprimulgus.
Von
Dr. R. A. Philippi und Ludw. Landbeck
in Santiago.
1. Caprimulgus andinus Ph. etL.
Herr Des Murs beschreibt in Gay’s historia fisica
y politica de Chile zwei Arten von Caprimulgus: 1) Ca-
primulgus Gould —= C. parvulus Gould und C. conterminus
Peale nach Cassin; 2) C. exilis Less. — (. acutus Gm.,
C. pruinosus Tschudi und C. peruvianus Peale. Nach Bo-
naparte wäre diese Art mit semitorquatus zu vereinigen.
Peale beschreibt noch einen ©. aequicauda, welcher nach
Cassin (Archiv 1852. 2. p. 19) einerlei mit C. bifascia-
tus ist, während Hartlaub geneigt war, ihn für C. acu-
tus oder exilis zu nehmen. Siehe das. 1851. 1. p. 112.
(Burmeister unterscheidet dagegen in den „Vögel Bra-
siliens“ ©. acutus, pruinosus und semitorquatus als drei ver-
schiedene Arten!) Das Museum von Santiago besitzt von
diesen beiden Arten nur den C. bifaseiatus und eine dritte
Art, die sich von beiden leicht durch die Phrase : torque
ferrugineo, fasciaque ferruginea in remigiis qualuor prima-
riis unterscheidet. Wir unterlassen aber jeden Versuch
einer Diagnose, da eine solche sich —- namentlich bei die-
sem schwierigen Genus — nicht wohl entwerfen lässt, wenn
man nicht die verwandten Arten zur Vergleichung vor Au-
gen hat.
280 Philippi und Landbeck:
Dimensionen.
Länge von der Spitze des Schnabels bis zum Ende des
Schwanzes . . 0.200.202 8Zoll 6 Lin. Par.
Länge des Schnabels : t a N)
Länge des Schwanzes e - . 4 y— y
Flügelspannung ; : . 17, — 5
Länge des Flügels vom Hope bis zur
Spitze . g - 3 u Guyana
Länge des Araianhöina 1 PERROR $
Länge des Tarsus . : : Serge n
Länge der Mittelzehe f ; en (0) 5
Länge der Aussenzehe . - nr ua I
Länge der Innenzehe $ . .—,6 “
Länge der Hinterzehe B ; — „4
Die Flügel enden einen halben Zoll vor der Shane:
spilze.
Der Schnabel ist schwach und niedrig, aber hinten
ziemlich breit, an der Spitze hakenförmig übergebogen;
der Unterschnabel ist im Ganzen etwas abwärts gebogen, mit
der Spitze aber aufwärts gekrümmt. . Die Wurzelhälfte des
Oberschnabels ist mit einer Art Wachshaut bedeckt, auf
welcher einzelne schwarze Borstenfederchen stehen, und
auf jeder Seite des Oberschnabels zeigen sich von der
Wurzel bis zum Mundwinkel acht steife, %, bis 1 Zoll lange,
schwarze Borsten. Die Farbe des Schnabels ist braun. Die
Iris ist dunkelbraun. — Die Grundfarbe der Oberseite ist
ein lichtes Grau, unterbrochen durch schwarze Punkte,
Tüpfel, Striche und Binden, und einige grössere, rostgelbe
Flecke. In der Mitte des Scheitels sind die schwarzen Flecke
zu 'einer Binde gehäuft, welche sich am Genick in zwei
Arme theilt und den Hinterkopf umgiebt. Unmittelbar‘ daran
stossend geht eine rostfarbige Querbinde bogenförmig um
den Hinterkopf und vereinigt sich mit einem breiten, rost-
farbenen Kehlbande. Der grössere Theil der Schulterfe-
dern ist in der Mitte schwarz, so dass zwei breite, schwarze
Längsstreifen entstehen. Die Federn auf dem Rande des Vor-
derarms sind seidenartig, langhaarig und einfarbig rostgelb.
Sämmtliche Deckfedern der Oberseite des Flügels sind gelb-
ich mit schwarzen Tüpfeln und Flecken und auf der Spitze
TE A en
Beschreibung zweier neuen Chilenischen Vögel. 281
der Aussenfahne befindet sich an den grösseren Deckfe-
dern ein dreieckiger, rostgelber Fleck, welcher bei der
grössten Daumenfeder auf beiden Seiten den dritten Theil
der ganzen Länge einnimmt. Die Schwungfedern sind
braunschwarz, auf der breiten Fahne atlasartig behaart, von
der fünften an auf der schmalen Fahne rostroth getüpfelt
und gefleckt, auf der breiten Fahne aber regelmässig rosl-
gelb und schwarz gebändert. Die vier ersten Schwung-
federn haben dagegen auf zwei Fünftel ihrer Länge vor der
Spitze ein zwei Linien breites, etwas bogig nach hinten
sich ziehendes, rothgelbes Querband. Die erste und dritte
Schwungfeder sind gleich lang. Die Unterseite des Flü-
gels ist schwarz und rostgelb gefleckt und gebändert. Die
oberen Deckfedern des Schwanzes und die vier mittelsten
Schwanzfedern sind lichlgrau, schwarz gelüpfelt und un-
deutlich schwarz gebändert. Die übrigen Schwanzfedern
sind an der Spitze ebenso gelüpfelt, haben aber an der
schmalen Fahne elf schwarze und ebenso viele rostfarbige
Querbänder; auf der breiten Fahne zählt man ein Paar we-
niger, so dass nur zwei Bänder über die ganze Breite der
Fahne gehen. Der Schwanz ist jedoch bei dem vorliegen-
den Exemplare nicht ganz gleich gefärbt. Die drei äusser-
sten Schwanzfedern der linken Seite haben nämlich auf der
Innenfahne nahe an der Spitze einen sechs Linien grossen,
silberweissen Fleck, während auf der rechten Seite die
vierte einen solchen Fleck hat und die übrigen schwarz
und rothgelb getüpfelt sind. Letztere Federn sind auch
länger und der Schwanz würde daher eine schwache Gabel
bilden, wenn die andere Seile des Schwanzes nicht abge-
rundet wäre, Vermuthlich ist dies ein Uebergangszustand.
Die Gegend um die Ohren, das Kinn und die Brust sind
graugelblich mit sehr feinen, schwarzen Querbändern; die-
selbe Färbung, nur weil gröber, zeigt sich auf dem Bauche.
Die Schenkel und die unteren Deckfedern des Schwanzes
sind einfach rostgelb. Die Füsse sind hornbraun und der
Nagel der Mittelzehe ist gekämmt.
Dieser Vogel findet sich in der Cordillere der Pro-
vinz Santiago und soll an einigen Stellen derselben nicht
selten sein.
282 Philippi und Landbeck:
2. Thalassidroma Segethi Ph. etL.
Obwohl im Stillen Meere mehrere Arten Thalassidroma
leben, welche der Ornithologie Chile’s angehören dürften,
so ist gleichwohl nur eine Art: Th. oceanica Kuhl im Gay’-
schen Werke als Chilenischer Vogel aufgeführt und be-
schrieben, was sich aus dem Umstande erklären lässt, dass
diese Vögel nur die hohe See.bewohnen, von Schiffen aus
schwer zu fangen sind und nur zuweilen , wenn sie durch
Stürme verschlagen sind, in den Häfen oder selbst im Bin-
nenlande erbeutet werden, weshalb sie auch in den Samm-
lungen verhältnissmässig selten sind. Um so interessanter
ist es uns, nicht nur die Fauna Chile’s, sondern auch die
Wissenschaft mit einer neuen Art dieses Geschlechts be-
reichern zu können. Wir verdanken dieselbe Herrn Dr.
Carl Segeth, und bezeichnen sie kurz folgendermassen :
Thalassidroma Segethi, uropygio, basi caudae abdomi-
neque albis, reliquo corpore omnino nigro-fusco.
Dimensionen .
Länge von der Spitze des Schnabels bis zum Schwanz-
ende . ? J A e 7 Zoll 6 Lin, Par.
Länge des Schriahels E . area 5
0)
Länge des Schwanzes „ud >
Länge des Flügels vom Bug bis zur
Spitze h R B er) u
Länge des Söhlenbeihs - 5 . Irre „68 =
Länge des Tarsus ? Ir „ihs 4
Länge der Mittelzehe . k Een it) >
Länge der Aussenzehe . A 0,10 5
Länge der Innenzehe . > _ Re)
Der nackte Theil des Unterscheiikelß Hekrägtei 7 Linien,
Die Flügel überragen die Schwanzspitze um einen Zoll.
Schnabel und Füsse sind glänzend schwarz, die Iris
braun. Die Zehen sind auffallend breit und flach und die Nägel
glatt und rund; die Hinterzehe ist durch ein rudimenläres,
am Tarsus einwärtsstehendes Nägelchen repräsentirt. — Kopf,
Hals, Rücken , Kehle und Brust, so wie die obern Deckfe-
dern der Flügel sind dunkelschwarzgrau , doch ziehen. die
letzteren etwas ins Bräunliche. Die Rücken- und Mantel-
Beschreibung zweier neuen Chilenischen Vögel. 233
federn haben eine weisse Einfassung, die sich aber wohl
im Verlaufe des Sommers durch Abreiben verliert, die
Schwung- und Schwanzfedern sind tief schwarz. Die In-
nenseite der vier äussersten Schwanzlfedern jederseits ist
an der Wurzel weiss. Dieselbe weisse Farbe haben auch
die oberen Deckfedern des Schwanzes, die Magengegend, der
Bauch, die Weichen und der After. Die untern Deckfedern
des Schwanzes sind an der Wurzel weiss und übrigens
schwarz mit weisser Spilze. Die kleinen Deckfedern auf
der Unterseite der Flügel sind schwarz, so wie der ganze
Flügelrand , alle übrigen Deckfedern sind weiss. Der
Schwanz ist wenig abgerundet und in der Mitte etwas aus-
geschnitten.
Vorstehende Beschreibung ist nach einem sehr gut
erhaltenen Vogel im Winterkleide entworfen. Man wird
leicht aus derselben ersehen, dass keine der Beschreibun-
gen der übrigen Arten damit übereinstimmt. Einige Aehn-
lichkeit hat unsere Art wohl mit Th. fregatta, allein sie
weicht doch so bedeutend von ıhr ab, dass eine Verwechselung
beider unmöglich ist. Grösser ist vielleicht die Aehnlich-
keit mil ein paar von Tschudi und Lesson beschriebenen
Arten, allein eine genauere Unteruchung zeigt bald erheb-
liche Verschiedenheiten. Am nächsten kommt sie wohl der
von Titian Peale in der United States Explor. Exped.
beschriebenen Th. lineata, welche Peale innerhalb der
heissen Zone des Stillen Oceans, namentlich auf der Insel
Upocu in Felslöchern brütend fand. Diese Art stimmt mit
der unserigen in der Grösse, der Form der Füsse und all-
gemeinen Färbung überein, weicht aber darin ab, dass bei
ihr die Kehlfedern weiss mit schwarzer Spitze, die Brust-,
Bauch- und Weichenfedern aber weiss in der Mitte und an
der Spitze schwarz sind , während bei Th. Segethi Brust -
und Keblfedern einfach schieferschwarz, Bauch- und Weichen-
federn aber einfarbig weiss sind, ausserdem sind auch die
oberen Deckfedern des Schwanzes einfach weiss, während
sie bei Th. lineata schwarze Schaltstriche haben.
Ueber die Verbreitung dieses Vogels oder seine nä-
here Heimath können wir keine bestimmte Nachweisung
geben, aber Landbeck glaubt, diesen Vogel mit Bestimmt-
284 Philippi und Landbeck: Beschr. zweier neuen Vögel etc.
heit, am 6ten Mai 1852 in der Nähe von Feuerland unter
55047“ Südl. Br. und 65° 11°Länge in Gesellschaft von Th.
oceanica in ziemlicher Anzahl bemerkt zu haben.
Nach den langen Beinen und der verkümmerten Hinter-
zehe müsste unser Vogel der neuen Galtung Bonaparte’s
„Oceanites* beigezählt werden, es scheint aber eine gene-
rische Trennung nach solchen unbedeutenden Abweichungen
kaum gerechtfertigt.
Ich benutze diese Gelegenheit, um Ihnen mitzutheilen,
dass meine Erismatura vittata wohl nichts weiter als E.
ferruginea ist; es istentweder das Winterkleid dieser Art,
oder dasKleid des zweiten Jahres. Ich habe Männchen und
Weibchen mit dieser sehr abweichenden Färbung, letztere
mit vollkommen ausgebildeten Eiern erhalten. Keiner der
hiesigen Jäger kann mir über das Verhältniss der E. viltata
zur ferruginea Auskunft geben. In diesem Winter haben
wir in Santiago ziemlich häufig die Dalila bahamensis ge-
habt, die sonst sehr selten ist und wohl nicht in jedem
“ Jahre hier vorkommt. Es ist ein Irrthum bei Gay, wenn
es daselbst heisst, dieser Vogel hiesse Pato jergon grande;
diesen Namen führt die Anas pyrrhogasira Meyen, welche
hier gemein ist, und wenn die Jäger die Dafila bezeichnen
wollen, so nennen sie dieselbe „pato jergon de garganta
blanca“ „mit weisser Kehle.* Noch gröber und mir voll-
kommen unbegreiflich ist der Irrthum p. 331: Turdus fus-
coater d’Orb. sei der „Zorzal, einer der gemeinsten Vögel
Chile’s von der Provinz Coquimbo bis Valdivia.< Der Tur-
dus fuscoater kommt vielleicht gar nicht in Chile vor, oder
doch nur in den nördlichen Provinzen Copiapo und Coquimbo;
wir besitzen ihn von Taena in Peru. Dagegenisi Turdus
falklandicus der Zorzal, und dieser ist allerdings ein über-
aus häufiger Vogel in fast ganz Chile. (Philippi.)
Notiz über eine neue Antilope.
Von
Dr. J. E. Gray.
(Im Auszuge mitgelheilt nach Annals and Mag. of nat. hist.
Vol. IV. third series p. 296).
Das britische Museum in London empfing kürzlich durch
Mr. Samuel Stevens eine Anzahl Antilopen-Köpfe und
Hörner von Awan Bahr il Gazal (6° 70‘ N. Br.) in Central-
afrika, welche durch Mr. Petherik nach England gebracht
waren , der in jenen Gegenden Elfenbein und dergl. ge-
sammelt halle.
Die unter denselben befindliche neue Art nennt der
Verf. nach seiner Gemahlin, die ihn in seinen Studien be-
kanntlich vielfach unterstützt hat, und die sich auch der
wissenschaftlichen Welt durch Herausgabe der „Figures of
Molluscous Animals, selected from various authors; etched
for the use of students by Maria Emma Gray“ in fünf
Bänden bekannt gemacht hat,
Kobus Maria,
Auf den Wunsch des Verfassers, der uns den schö-
nen Holzstock für diesen Zweck anvertraut hat, wiederho-
len wir hier die Abbildung des männlichen Kopfes mit den
Hörnern, und fügen die kurze Beschreibung in der Ueber-
setzung hinzu.
286 - Gray: Notiz über eine neue Antilope.
Der Kopf des Männchens ist schwärzlichbraun ; Lippen,
Kinn, Kehle, Augenrand, Umfang der Ohren und die Ohren
weisslich; Seiten der Nase bräunlich; das Haar auf den
Wangen, an der Seite des Unterkiefers, der Kehle und am
oberen Theile des Nackens, so weit es vorhanden ist, lang
und storr; die Hörner lang, ziemlich schlank, breit leier-
förmig, mit starken Querhöckern und gekrümmten Spitzen.
Der Kopf des Weibchens ist braun; Kinn und Kehle,
Basis der Ohren und zwei kleine Flecken (einer über der
Stirn, der andere hinter dem Unterrande des Auges) weiss-
lich ; das Haar am Kopfe schwarz mit braunen Spitzen, an
der Unterseite der Wangen, Unterkiefer und Nacken sehr
lang. Keine Hörner.
Die Gattung Cornuspira unter den Monothala-
mien und Bemerkungen über die Organisation und
Fortpflanzung der Polythalamien.
Von
Prof. Max Schultze.
Die von der Ray society in London herausgegebene
Abhandlung von Williamson „On the recent Foramini-
fera of great Britain“ 1858, veranlasst mich zu einigen Be-
merkungen über die von mir aufgestellte Rhizopoden-Gat-
tung Cornuspira.
Ich habe den Namen einigen bis dahin unbekannten,
wie es scheint in vielen Meeren sehr verbreiteten kalkscha-
ligen Rhizopoden gegeben, deren Gehäuse durchaus einer
kleinen Planorbis-Schale gleicht, und, wie in meinem
Buche „über den Organismus der Polythalamien* Leipzig
1854 auf p. 40 zu lesen, die neue Gattung folgendermas-
sen charakterisirt: „Schale kalkig,, wie ein Planorbis - Ge-
häuse gewunden, solide oder feinporös, scheibenförmig, auf
beiden Seiten gleich, eine einfache, ungetheilte Höh-
lung einschliessend. Eine grosse Oeffnung am Ende der
Windungen.* Die Gallung gehört also wegen des Mangels
jeder Kammerabtheilung den Monothalamien an, wie
ich im Gegensatze zu den Polythalamien diejenigen
unter den beschalten Rhizopoden (Foraminiferen)
nenne, bei denen innere Scheidewände oder Andeutungen
zu solchen fehlen. Ich beschrieb auch zwei Species dieser
Gallung, Cornuspira planorbis und perforata und bildete die-
selben auf Taf. IV. fig. 21 und 22 ab. Mir waren damals
Exemplare von der Küste von Mozambique, von Triest und
288 Schultze:
von den Antillen bekannt. Lebende Exemplare hatte ich
nicht gesehen, aber in Weingeist aufbewahrte liessen
die thierische Erfüllung der Schale, den Rhizopodenkörper,
deutlich erkennen.
Weitere gelegentlich angestellte Nachforschungen ha-
ben mir Exemplare derselben Gattung‘ noch van manchen
anderen Orten zugeführt und habe ich später in Triest auch
zahlreiche lebendige Individuen beobachtet, welche mun-
ter umherkrochen. Man kann sich dieselben fast aus jeder
frisch dem Meere entnommenen Spongie verschaffen, bei
deren Zerzupfen stets massenhaft kleine beschalte und un-
beschalte Rhizopoden zum Vorschein kommen. Es ist gar
nicht nöthig Spongien zu nehmen, die aus dem Grunde
des Meeres stammen, bei denen die Verunreinigung durch
Sand und Schlamm auch die Ursache der gleichzeitig ge-
fundenen Rhizopoden sein könnte, auch die dicht unter der
Oberfläche des Meeres wachsenden Arten, wie z. B. die
an dem Holzwerke der Badeanstalten im Hafen von Triest
häufige Grantia (Sycon eiliatum Risso) liefern beim Zerzu-
pfen grosse Mengen namentlich jugendlicher Mono- und
Polythalamien.
Auch im fossilen Zustande sind Cornuspiren aufge-
funden worden und von Reuss *) beschrieben.
Williamson nun fand auch mehrere Arten an den
englischen Küsten. Er verwirft aber den Namen Cornu-
spira und setzt dafür Spirillina, dahinter als Autor Ehren-
berg. Die Stelle, wo Ehrenberg zuerst eine Spirillina
beschreibt, und welche auch Williamson eitirt, findet
sich in den Abhandlungen der Akademie der Wissenschaf-
ten zu Berlin aus dem Jahre 1841. In der Abhandlung :
„Verbreitung und Einfluss des mikroskopischen Lebens in
Süd- und Nord-Amerika* ist auf p. 402 die Gatlung „Spi-
rillina, Kieselspirale,* den Polygastrica untergeordnet, fol-
gendermassen charakterisirt: „Genus e familia Arcellino-
rum? Lorica tubulosa spiralis silicea, Planorbem referens.
*) Zuletzt in d. Sitzungsb. d. Wiener Akad. d. Wiss. 1860.
Die Foraminiferen der westphälischen Kreideformation , besonderer
Abdruck p. 33.
EEE a Din
“ji zu r
pP.
Die Gattung Cornuspira unter den Monothalamien. 2839
(= Dilflugia loriea silicea);* und weiter unten steht der
Zusatz „Säure wirkte nicht auf die Schale.* Wir haben
es hiernach und nach der auf Taf. IIl. fig. 41 von Eh-
renberg gegebenen Abbildung der einzigen am ange-
führten Orte von ihm beschriebenen Species „Spirillina vi-
vipara,“ mit einer unserer Cornuspira in der Gestalt ähn-
lichen, aber, nach Ehrenberg’s wiederholter Versiche-
rung, kieseligen nicht kalkigen Schale zu thun. Da
meine Gallung Cornuspira aber für Thiere mit Kalkschale
gegründet ist, auch nach Ehrenberg’s Nomenclatur nicht
zu den Polygastricis, sondern zu den Polythalamien
(besser Monothalamien) gehört, so kann dieselbe unmöglich
für idenlisch mit Spirillua Ehrbg. gelten. Und ‘da Wil-
liamson’s Spirillinen Foraminiferen also kalkscha-
lig sind, müssen sie Cornuspira und nicht Spirillina heissen.
= Wenn die angeführte von Ehrenberg gegebene
Abbildung seiner Spirillina vivipara der Art ist, dass W il-
liamson ein gewisses Recht hatte, dieselbe mit meinen
Cornuspira- Abbildungen zusammenzustellen und sich der
Vermuthung hinzugeben, Ehrenberg könnte sich in Be-
irell des Kieselerdegehaltes getäuscht haben, in welchem
Falle auch ich an der Identität beider nicht zweifeln würde;
so muss die Scheidung beider Gattungen doch auf das
Bestimmteste festgehalten werden, seit Ehrenberg neuer-
dings mehrere neue Species seiner Gallung Spirillina be-
schrieben, und dieselbe jeizt den Polyceyslinen, also
wieder Organismen mit Kieselpanzer, untergeordnet
hat *#). Es sind diese Beschreibungen weit späteren Da-
lums als mein Polythalamienbuch, und da Ehrenberg
bei Gelegenheit derselben meine ihm, wie wir gleich se-
hen werden, wohlbekannte Gallung Cornuspira nicht er-
wähnt, so kann darüber kein Zweifel sein, dass er die
Galtung Spirillina als von Cornuspira durchaus verschieden
aufrecht erhält, und dass Williamson daher auf die
Zustimmung Ehrenberg’s nicht rechnen kann, wenn er
®) Monatsbericht der Akad. d. Wiss. zu Berlin 1857. p. 574,
560. 1858. p.35. Vergl. auch ebenda p. 332.
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 1. Bi. 19
290 Schultze:
beide Galtungsnamen als Synonyme nebeneinander stellt. Es
giebt im Meere Planorbis- ähnliche Rhizopodenschalen k al-
kiger Natur, diese sind als Cornuspira mihi von ähnli-
chen Schalen aus Kieselerde, den Spirillinen Ehrbg. zu
trennen. !
Ehrenberg hat allerdings gegen meine Gattung
Cornuspira auch etwas einzuwenden gefunden *), Es sol-
len überall häufige Jugendzustände grösserer
Polythalamien sein, welche ich als neue Gatlung zu-
sammengefasst habe. Dieser wird somit jede Berechtigung
abgesprochen. Und der Leichtsinn, mit dem ich diesen
Fehler begangen , sei um so grösser, als ich selbst einge-
standen habe, dass die Agathistegier in frühester Jugend
von meinen Cornuspiren nicht zu unterscheiden seien.
In der That ist es schwer zu glauben, dass Eh-
renberg es mit dieser, wie wir sehen werden, vollstän-
dig unhaltbaren Behauplung ernstlich gemeint habe. Es
handelt sich hier, wie erhellt, nicht um Deutungen oder
Ansichten über organische Structur, nicht um die Organi-
sation der Rhizopoden oder dergl.., über welche Dinge
Ehrenberg’s und meine Ansichten bekanntlich sehr weit
auseinander gehen, und über welche mit Ehrenberg
zu streiten um so weniger in meiner Absicht liegen kann,
als derselbe neue Beobachtungen über die Weichtheile der
Rhizopoden zur Widerlegung meiner Angaben nie beige-
bracht hat. Hier handelt es sich vielmehr nur um Scha-
lenbildung, hier bewegt sich Ehrenberg auf einem Ge-
biete, in welchem er wirklich fortgesetzt eilrig thälig war
und den Ruf eines bedeutenden Kenners beanspruchen kann.
Um so auffallender und unvorsichtiger ercheint die
Abfertigung, mit welcher die Gattung Üornuspira beseitigt
werden soll. Dieselbe lautet wörtlich: „die kalkschaligen
Planorbis -ähnlichen kleinen Gestalten, welche vielartig und
nicht selten nur in Meeresverhältnissen vorkommen , habe
ich theils als kleine Wurmschalen von Annulaten-Würmern,
wie Serpula Spirorbis, erkannt, theils waren es entschie-
#*) Monatsberichte u.s. w. 1858. p. 332.
*
Die Gattung Cornuspira unter den Monothalamien. 291
dene Jugendzustände von Polythalamien verschiedenster
Geschlechter. Neuerlich hat Hr. Prof. Max Schultze aus
diesen überall häufigen Jugendzuständen der grösseren
Polythalamien das neue Genus Cornuspira gebildet, während
doch der Autor selbst sagt (p. 10), dass die Agathistegier
in frühester Jugend von seinen Cornuspiren nicht zu un-
terscheiden sind, und ein lebendes Thier zu beobachten
nieht Gelegenheit gehabt hat. Sie hätten also fraglich als
junge Agathistegier nicht als neue Gattung verzeichnet wer-
den sollen. Aber — sie vermehrten seine Monothalamier.“
Ehrenberg behauptet also, dass die Cornuspiren
Jugendzustände grösserer Polythalamien verschiedenster Ge-
schlechter seien. Namen dieser Geschlechter sind nicht
genannt mit Ausnahme der Agathistegier, auf die ich selbst
bereits aufmerksam gemacht hatte, also auch wohl Gründe
gehabt haben muss, trotz der Verwandtschaft den Unter-
schied aufrecht zu erhalten. Da zusammenhängende Ent-
wickelungsreilien von Polythalamien bisher erst sehr wenig
bekannt sind, auf die wir bei Prüfung der Behauptung Eh-
renberg’s zurückgehen könnten, so sind wir in Betreff
der Frage nachı der Form der Jugendzuslände grösserer
Polythalamien wesentlich darauf angewiesen, diese aus den
Schalenformen der Erwachsenen abzuleiten, was mit gros-
ser Sicherheit geschehen kann. Meine zahlreichen Beob-
achtungen lebender junger Polythalanien an den Küsten
des adrialischen Meeres und auf Helgoland, das Studium
ihres allmählichen Wachsthumes, ferner zahlreiche ver-
gleichende Messungen der Schalen jüngerer und älterer
Individuen derselben Species haben zu dem Resultate ge-
führt, dass die Gestalt und Grösse namentlich des inne-
ren Raumes der jüngsten Kammern sich später wesent-
lich nicht ändert, und dass also jede Polylthalamie in der
Jugend einmal so aussah, wie später ihre älteste ersle
Kammer oder der Complex mehrerer derselben gefunden
wird. Es brauchte das eigentllich gar nicht besonders be-
wiesen zu werden, sondern folgt aus dem Wachsthums-
vorgange der Polythalamien von selbst, dass man z. B. bei
einer gewundenen Rotalide nur die Form der innersten
ältesten Kammern anzusehen braucht, um die Form des
292 Schultze:
Jugendzustandes zu kennen. ‚ Bei dickschaligen Arten hilft
man sich durch Anschleifen. Es ist ganz dasselbe wie bei
einer gekammerten Nautilusschale oder, wenn man von
den Kammerscheidewänden absieht, wie bei jeder Schnek-
kenschale. ‘Wenn die Cornuspiren also Junge grösserer
Polylhalamien sein sollten, so müssten diese letzteren einen
Anfang der Schalenbildung zeigen wie eine Cornuspira,
das Centrum der Windung grösserer Polylhalamien, und
zwar aus verschiedenen Geschlechtern nach
Ehrenberg, muss einer Cornuspira gleichen. Wie am
angelührten Orte meines Buches über die Polythalamien
angegeben ist, kommen die beiden von mir beschriebenen
Spevies der in Rede stehenden Gattung bis zu einer Grösse
von 6—7 Windungen vor. Es sind Planorbis- ähnliche
Gehäuse ohne alle Kammerabtheilung im Innern.
Giebt es nun gekammerle Rhizopodenschalen, Polythalemien,
deren Centrum eine solche Cornuspira ist? Das halte Eh-
renberg zu beweisen, wenigstens einen einzigen sicher
eonstalirten Fall der Art hatte er anzuführen, wenn er mit
Erfolg gegen die Berechtigung der Gallung Cornuspira
kämpfen wollte. Ehrenberg hat keinen angeführt und
konnte keinen anführen, denn es giebt factisch keine
Polythalamie mit solcher Schale. Das weiss Eh-
renberg so gut wie ich, und es dürfte desshalb zwei-
felhaft sein, ob seine Behauptungen nur „unvorsichtige* zu
nennen seien.
Was nun aber die bereits von mir mil jungen Cor-
nuspiren verglichenen jungen „Agathistegier,“ d. h. Milio-
liden betrifft, so ist Ehrenberg's Verfahren, dieselben zur
Beseitigung der Gattung Cornuspira herbeizuzichen, geradezu
lächerlich. Ich bin es schon gewohnt, dass Ehrenberg
mein Buch über die Polythalamien nur eilirt, wenn er es zu
Angriffen benutzt, meinen Namen aber verschweigt, wenn
seine Untersuchungen eine Bestätigung der meinigen er-
gaben. Ich habe früher schon einmal gegen dieses Ver-
fahren protestlirt, indem ich einige Beispiele von demselben
veröffentlichte #). Das scheint Nichts geholfen zu haben, und
*) Müller’s Archiv u. s. w. 1856. p. 167.
bh. nn,
Die Gattung Cornuspira unter den Monothalamien. 293
will ich den früheren noch eins aus der neuesten Zeit hinzu-
fügen. In den Monatsberichten der Akademie zu Berlin vom
Jahre 1857 p. 690 schreibtEhrenberg, dass durch die von
Herrn Beissel in Aachen entdeckte Methode, künstliche
Kieselsteinkerne zu bilden, Structurverhältnisse der Schale
erkannt seien, „die bisher ungeahnet waren, wie bei
Siderolina calcitrapoides die Stacheln sich als Hüllen für
starke Gelässsysteme ergeben.“ So ganz ungeahnel
waren diese Structurverhältnisse bisher nicht, vielmehr von
nir ganz klar und deutlich bei derselben Species beschrie-
ben. ‚In meinem Buche über die Polythalamien heisst es
p- 13 in dem Capitel, welches über die Structur ‚der Scha-
len handelt und die von innen nach aussen führenden Ca-
näle (GefässsystemEhrenberg) ausführlich berücksichligt:
„Endlich erhalten manche Schalen ein stacheliges oder stern-
förmiges Ansehn dadurch , dass einzelne 'Canäle sich in
Form von langen feinen Röhren über die Oberfläche der
Schale erleben, oder dass ganze Bündel derselben zu
dickeren Fortsälzen der Schale auslaufen. So bei Rosalina
Imperaloria, bei den Calcarinen und besonders aul-
fallend bei Siderolina calcitrapoides dem schon vonWalch
und Knorr abgebildeten zierlichen Stern von Mastrichl.*
Das beiläufig.
Meine Angaben über die Entwickelung der: Milioliden
(Agathistegier d’Orb.) sind so ausführlich und bestimmt,
dass jeder Möglichkeit einer Verwechselung der Jungen mit
Cornuspiren, so bald sie nur ein. gewisses Aller erreicht
haben, vorgebeugt ist. In der ersten Jugend sehen sie sich
sehr älnlich , aber sobald mehr als eine einzige vollslän-
dige Windung ausgebildet ist, treten charakteristische Ver-
schiedenheilen ‚hervor. Bei den Milioliden zeigt sich in
diesem Alter stets die erste oder schon die zweite Kam-
merabtheilung, und die Zahl dieser Abtheilungen nimmt
nun mil jeder halben Windung um eins zu, so dass Mi-
lioliden mit 6—7 Windungen schon aus 12 und mehr Kam-
mern bestehen. Cornuspiren mit so viel Windungen’ haben
dagegen — und das ist das Charakteristische — nicht die
geringste Andeutung von Kammerscheidewänden, und be-
kommen sie auch nicht bei noch mehr Windungen, wie
294 Schultze:
aus der von Reuss beschriebenen Cornuspira crelacca der
westphälischen Kreide erhellt, an welcher 10—15 Windun-
gen gezählt wurden.
Man sieht daraus nach was für Grundsätzen Ehren-
berg Gattungen einzieht,, etwa wie wenn der Conchylio-
loge die Gehäuse von Planorbis und Spirula wegen der
Aehnlichkeit in der Windung in ein Geschlecht zusammen-
fassen wollte, oder wie wenn sich Jemand daran machte
alle die Entomostraca, deren Junge nicht von einander zu
unterscheiden sind, in eine Gallung zu vereinigen. Ich
denke, es leuchtet darnach ein, dass die Zurechtweisung
Ehrenberg’s, ich hätte die Cornuspiren fraglich als
junge Agathistegier nicht als neue Gattung
verzeichnen sollen , jeden Grundes entbehrt, und dass der
Zusatz: „Aber — sie vermehrten seine Monothalamier!“,
welcher beim Leser den Verdacht hervorrufen soll, ich
hätte einer vorgefassten Meinung zu Liebe der Natur Ge-
walt anthun wollen, auf die Wahrheitsliebe seines Urhebers
kein sehr günstiges Licht wirft.
Die gereizte Stimmung, in der sich Ehrenberg ol-
fenbar der ganzen von mir aufgestellten Abtheilung der
Monothalamier gegenüber befindet, drückt sich weiter sehr
deutlich in einer dem Citale meines Buches auf p. 332 der
Monatsberiche u. s. w. v. J. 1858 angehängten Anmerkung
aus. Sie lautet von Anfang an: „Ich kann nur wiederho-
lentlich bedauern *), dass in diesem Werke die Difflugien
und Arcellen der Polygastern mit den Polythalamien ver-
wechselt worden und jede physiologische Basis für eine
Systematik der verwandten Formen dadurch anstatt in Fort-
bau, in Widerspruch (sic!) versetzt wird. Der Name Mi-
lioliden hat auch wieder eine nede unberechligle Anwen-
*) Ein erstes Klagelied über dasselbe Thema steht in der Schrift:
„Ueber den Grünsand und seine Erläuterung des organischen Lebens,“
p-123. Wen es interessirt, den Eindruck kennen zu lernen, den mein
Buch über die Polythalamien auf Ehrenbierg gemacht hat, dem em-
pfehle ich die Seiten 121—127 dieser ‘Schrift als nebenbei recht amü-
sante Lectüre.
i
|
1
nam
Die Gattung Cornuspira unter den Monothalamien. 295
dung daselbst erfahren, da er bei d’Orbigny nur eine
Abtheilung der betreffenden Agathistegier bezeichnet und
was die Monothalamier M. Schultze’s anlangt , 'so lässt
seine Darstellung es völlig ohne Beweis , dass sie nicht
nach Abzug der Polygastern, sämmtlich nur Junge der
übrigen Polythalamien sind, zumal von keiner dieser For-
men die Fortpflanzung ausser Zweifel gestellt ist, und dass
einige von den Jungen anderer nicht zu unterscheiden sind,
ausdrücklich angegeben wird.“
Wenn nun auch Ehrenberg voraussichtlich nicht
erleben wird, seine Ansicht von der Nothwendigkeit einer
Trennung der Arcellen und Difflugien als Polygastern von
Gromia, Lagynis, Euglypha und anderen von mir in der Fa-
milie der Lag yniden zusammengefassten Rhizopodeu zur
Geltung zu bringen, auch die Cornuspiriden wird un-
angetasiel stehen lassen müssen, so kann ich ihm doch
vielleicht durch’ die Anführung folgender interessanten That-
sache bezüglich einer Familie der Monothalanien das Ge-
fühl einer gewissen Genugthuung bereiten. Die Orbuli-
niden, die einzige Gallung Orbulina. umfassend, werden
wahrscheinlich eingezogen werden müssen, aber freilich
nicht weil die Orbulinen, wie Elhrenberg prophezeit,
als Junge von Polylhalamien erkannt sind. Neuere Beob-
achtungen deuten darauf, dass Orbulina eine abgelöste
und selbstständig fortlebende Kammer einer
Globigerina sei. Die ersten hierauf bezüglichen Beobachtungen
hat Pourtales gemacht und in Siliman’s American: Journal
Vol.XAVI. 1858. p. 96 (abgedruckt in den Ann.and Mag. of
nal. history 1858. Vol. II. p.235) publieirt. Nachdem‘ der
genannte Forscher auf die auch von anderen bereils bemerkte
grosse Aehnlichkeit in der Structur der Schalen. von Orbu-
lina und Globigerina aufmerksam gemacht hat, berichtet er,
dass er in Tiefgrundproben des Meeres, welche ‘bekannlich
Polyihalamien aus den beiden genannten Galtungen besonders
zahlreich enthalten ‚(wie solche auch die häufigsten pela-
gisch gefischten, also an der Oberfläche des Meeres schwim-
mend lebenden Arten sind), häufig Orbulinen fand;
welche je eine Globigerina im Innern enthielten.
Und eine Bestätigung dieses Vorkommens_ theilte mir Dr.
296 Schultze:
Aug. Krohn mit, welcher ohne von den Pourtales’schen
Beobachtungen zu wissen, ganz dasselbe in Madeira sah,
und zwar an lebenden Orbulinen, welche mit dem feinen
Netze an der Oberfläche des Meeres gelischt
waren.
Da nun die eine grössere Oeffnung der Orbulina-
Schale, welche Ehrenberg mit d’Orbigny als etwas
Constantes ansieht, auch nach Ehrenberg schwerlich so
gross wird, dass eine Globigerine mit einer ganzen Zahl
von Kammern und langen Stachelfortsälzen der Schale,
welche nach Pourtales bis an die innere Fläche der
Orbulinaschale reichen, hineinspaziren kann, auch die Ein-
wanderung im Jugendzustande und Entwickelung in.der
Orbuline nach Art der Gallwespen für die Polythalamien
unerhört und bei der zweifellos, wie die Schalenstructur
erweist, grossen Verwandtschalt: beider Gattungen höchst
unwahrscheinlich ist; so wird ‘die Globigerine, wie auch
Pourtales und Krohn glauben, in der Orbulina ent-
standen sein! Pourtales lässt eine weitere entwickelungs-
geschichtliche Verbindung beider unerörtert. Mir scheint
die Annahme am wahrscheinlichsten , dass die letzte Kam-
mer der Globigerine, wenn sie ein gewisses Alter, eine
gewisse Grösse erreicht hat, sich ablöse, wie die Proglot-
tide von der Taenie, und nach längerer oder kürzerer Zeit
freien Lebens die Fortpflanzung besorge. So entsteht in
ihrem Innern die Globigerine.
Dass Polythalamien lebendige Junge gebären die der
Muiter gleichen, habe ich nach Gervais’s ersten Mitthei-
lungen an einer Miliolide erwiesen *). Neuerdings habe
ich die gleiche Art der Fortpflanzung an mehreren Exem-
plaren einer Rotalide beobachtet, ‘wie ich unten des Nähe-
ren mittheilen will. Gewöhnlich, so scheint es, gehl die
Fortpflanzung der Polythalamien, das Gebären lebendiger
Jungen, vor sich, ohne dass die einzelnen Kammern selbst-
ständig werden. Bei den Globigerinen aber, deren Kam-
mern von kugliger Gestalt sich nur mit einer kleinen Stelle
der Kugeloberfläche berühren können, an welcher Stelle auch
*) Müller’s Archiv f. Anat. u. Phys. 1856. p. 165.
Die Gattung Cornuspira unter den Monothalamien. 297
durch mechanische Verhältnisse sicher sehr leicht ein Ab-
lösen staltfinden kann, scheint der Fortpflanzung die Isoli-
rung einer oder mehrerer Kammern vorauszugehen. Bei
der vollständig gleichen Structur der Orbulina-
und der Globigerina-Schalen halte ich diese Erklärung
des eigenthümlichen Fundes von Pourtales und Krohn
für die einfachste und natürlichste.
Bei der Annahme einer Abstammung der Orbulinen
von den Globigerinen kommt nun auch Ehrenberg in
Betreff der grösseren Oeflnung der Orbulinenschale zu sei-
nem Rechte. Da die Kammern der Globigerinen wie bei
den Rotaliden durch je eine grössere Oeffnung communi-
eiren, wird die abgelöste Kammer auch eine solche zeigen
müssen. Wenn ich aber an vielen Orbulinen eine grössere
Oeffnung vermisste, worüber sich Ehrenberg so sehr
entsetzt, zumal d’Orbigny dieselbe bereits erkannt und
abgebildet habe, was für mich, beiläufig gesagt, nicht die
geringste Bedeutung hat, so will ich nur andeuten, dass
möglicherweise nach längerem freien Umherschwimmen
der Orbulina die Oeffnung sich verkleinern oder obliteriren
kann, und zweitens dass vielleicht gerade mit der Ablösung
der letzten Kammer der Globigerine eine beginnende Oblitera-
tion der Communicationsöffnung in Verbindung steht. Jeden-
falls kommt, wie ich gegen Ehrenberg bemerken muss,
desshalb nicht viel auf diese, übrigens auch vonAnde-
ren *) vermissteOeflnung an, weil,die ganze Oberfläche
der Orbulina mit zahllosen grösseren un\ kleineren Poren
durchsetzt ist, aus denen die Protoplasmafäden hervortreten,
und weil dieselben, wie Polystomella strigilata lehrt, auch
ohne Aufnahme grosser Bissen ins Innere des Rhizopoden-
körpers Nahrungsstoffe sammeln können. ‘Wem freilich,
wie bei Ehrenberg der Fall zu sein scheint, das Ver-
sländniss für die Natur eines einfacheren Organismus als
seine „vollkommenen Organismen“ sind, abgeht, wer trolz
Opalinen, Taenien u. s.w. vor dem Gedanken eines „mund-
losen Thieres“ sich entsetzt wie etwa vor einem Menschen,
*) Williamson sagt anf p, 2 seiner angeführten Schrift, dass
die Oeffnung oft nicht sichtbar sei.
298 Schultze:
der seinen Kopf unter dem Arme trüge, für den sind solche
Bemerkungen nicht geschrieben.
Ich habe kürzlich einige Beobachtungen über die Na-
tur des Rhizopodenkörpers einem Aulsalze einverleibt, wel-
cher über Zellen und Proloplasma im Thierkörper handelt
und in dem Archiv für Anatomie u. Physiologie herausge-
geben von Reichert und du Bois-Reymond unter
der Aufschrift „über Muskelkörperchen und das was man
eine Zelle zu nennen habe“ in Kurzem erscheinen wird.
Ich glaube in demselben die schwierige Frage nach der
Nätur. der sogenannten „Sarkode des Rhizopoden-
körpers“ bedeutend vereinfacht zu haben, indem ich nach-
wiess, dass diese Substanz als identisch zu betrachten sei mit
dem Protoplasma der Zellen, mit dem sie denn ‘auch den
Namen theilen' müsste. Es dürfte hier der Ort sein, einige
Andeutungen über die Verwandtschaft der genannten Sub-
slanzen zu geben.
Protoplasma ist Zellsubstanz oder wie. die Botaniker
sagen Zelleninbaltssubslanz , aber nicht immer ‚die ganze
Zelleninhaltssubstanz. Es. ist eine diekbreiige Masse,
aus einer homogenen, glasartigen Grundsubstanz und)
aus eingebetteten Körnchen bestehend, seiner ‚chemischen
Beschaffenheit nach eiweissarlig. In vielen namentlich grös-
seren Pflanzenzellen sondert sich das Protoplasma der
Zelle von einem wässerigen anderen Theile des Zellen-
inhaltes scharf ab. Der wässerige Theil tritt zuerst in so-
genannten Vacuolen des Protoplasma auf, bis ‚er bei weite-
rem Wachsthume, der Zelle, bei welchem ‚das Protoplasına,
sich nicht entsprechend mehrt, den grössten Theil: des in-
neren Raumes ausfüllt. Dann bildet. das Protoplasma nur
noch eine ‚dünne Schicht an der inneren Oberfläche der
Cellulosewand , umhüllt den Kern und. zieht. meist in jein-
zelnen Strängen durch die. Zellenhöhle.. Das ‚Protoplasma
ist die wichtigste Substanz der Zelle, in ihm consentriren
sich die Funclionen derselben, in ihm ganz besonders äus-
sern sich\ alle die chemischen und morphologischen Ver-
änderungen, welche die verschiedenen Phasen des Zellen-
lebens bezeichnen. Das Protoplasma ist zugleich, sofern es
an seiner und aus seiner Oberfläche mancherlei membra-
Die Gattung Cornuspira unter den Monothalamien. 299
nöse und andere Stoffe bereiten kann, ganz ausschliesslich
wie es scheint die gewebebildende Substanz. Das Pro-
toplasma ist auch contractil. Nur durch solche An-
nahme lassen sich die Bewegungen desselben im Innern
der Zellen, z.B. der bekannten Tradescantia-Zellen, ja ich
glaube selbst der Charen erklären. Die Natur der Bewe-
gung, die Körnchenströme, das Anastomosiren der Fäden
bei Anwesenheit eines Protoplasmafadennetzes in der Zelle,
Alles spricht dafür, dass der Grund der Bewegung in dem
Protoplasma selbst, nicht aussen liege. Nur durch An-
nahme einer Contraclilität des Proloplasma sind die Ge-
staltveränderungen einzelner Zellen, die amoebenartigen
Bewegungen der Gregarinen, der Lymphkörperchen im
Blute, einzelner Bindegewebszellen, der Herzzellen von
Embryonen u. a. zu verstehen.
Bei dieser Contraclilität des Protoplasma sind Gestalt-
veränderungen der ganzen Zellen durch Anwesenheit einer
starren Zellenmembran natürlich gehindert oder ganz unmög-
lich gemacht. Je weniger vollkommen aber die Oberfläche
des Protoplasma zu einer Membran erhärtet ist, je nä-
her die Zelle dem ursprünglichen membranlosen Zustande
sich befindet #), auf welchem sie nur ein nacktes
Protoplasmaklümpchen mit Kern darstellt, um
so freier und ungehinderter können sich die Bewegungen äus-
sern. Ist eine solche Zelle nun gar ein Organismus für sich,
so Irilt uns die proleische Gestaltveränderung, der in der
Contractilität des Protoplasmaklümpchen bedingte Wechsel
der äusseren Form am auflallendsten entgegen. So kommen
wir zu den Amoeben, deren Einzelligkeit. mindestens
sehr wahrscheinlich ist, da sich Uebergänge zu den Gre-
garinen verfolgen lassen. Man hat die contractile Blase
als ein Hinderniss für diese Anschauungsweise, für die Deu-
lung der Amoeben als einzelliger Wesen anführen wollen.
Ich kann ein principielles Hinderniss darin nicht finden.
Denn ist das Protoplasma contraclil, wie kaum noch be-
*) Siehe über diese Ausdrucks - und Anschauungsweise den er-
wähnten Aufsatz von mir in dem Archiv für Anatomie und Physiolo-
gie „über Muskelkörperchen u. s. w.“
300 Schultze:
zweifelt werden kann, so ist die Möglichkeit der Ausbildung
einer besonders conlractilen Stelle, eines rylhmisch sich
contrahirenden Hohlraumes gegeben *).
Als solches nackles, freies, contractiles Protoplasma
deute ich nun auch die contractile Substanz aller
grösseren Rhizopoden. Öbsie aus einer Zelle oder
aus mehreren Zellen entslanden ist, bleibt zunächst
gleichgültig. Sie ist Protoplasma, und damit ist ihr
Wesen und ihr Ursprung bezeichnet. Es ist gar nicht un-
wahrscheinlich, dass sie in einzelnen Fällen durch zusam-
menfliessen mehrerer ‘nackter Protoplasmaklümpchen mit
Kern, d.h. also aus mehreren Zellen entstanden sei. Aber
dieses Zusammenlliessen ist jedenfalls ein so vollsländiges,
dass nur noch die Zahl der in diesem Falle wahrschein-
lich persistirenden Kerne die der früher dagewesenen be-
sonderen Zellen andeulen könnte, im Protoplasma
selbst ist eine Scheidung in Zellen nicht anzunehmen.
Denn wie das Zusammenlliessen der Fortsätze ausserhalb
der Schale ein vollständiges ist, wie die Beobachtung jeder
Gromie lehrt und seit meinen ersten ausführlichen Angaben
mehrfach bestätigt worden ist, wie dieses Zusammenfliessen
ganz dem der Protoplasmafäden in den Pflanzenzellen gleicht:
*) Auch lässt sich mit dieser Anschauung sehr wohl die That-
sache verbinden, dass es Amoeben giebt, welche nur an einer be-
stimmten Körperstelle Nalırung aufnehmen. Die Rindenschicht des
Protoplasnıa braucht sich nur in Hinneigung zur Membranbildung ein
wenig zu verdichten, so wird die Aufnahme von äusserlich angren-
zenden fremden Körpern ins Innere schon weniger leicht vor sich ge-
hen. Bleibt aber, wie es in solchem Falle geschehen wird, eine
Stelle der Rinde des Protoplasma in der ursprünglichen Weichbeit,
so wird diese nun „Mund.“ Ja .es kann zur. festen Membranbildung
kommen, und die Zelle behält ihren „Mund,“ es bleibt eine Oellnung
in der Zellenmenibran, durch welche Protoplasna mit der Aussen-
welt communicirt, Als solche Zellen mit Membıan und Oellnung in
der letzteren können die Difflugien, Euglyphen und alle Monothala-
mien gedeutet werden. Solche Zellen kommen auch in höheren Or-
ganismen vor, E. Brücke und nach ihm Bretianer und Stei-
nach haben die Darmepithelzellen so aufgefasst, und, wie ich meine,
ganz richtig.
Die Gattung Cornuspira unter den Monothalamien. 301
so würden natürlich, wenn mehrere ursprünglich getrennte
Protoplasmaklümpchen zur Bildung der contractilen Masse
eines Rizopodenkörpers beitragen sollen, diese zu einer
homogenen Masse vollständig verschmelzen müssen.
Denn fliesst überhaupt einmal Protoplasma zusammen, wird
die Selbstständigkeit, die ein Klümpchen oder ein Faden
dieser Substanz während des Lebens besitzt und mit einer
gewissen Hartnäckigkeit nach aussen zu bewahren sucht,
überwunden, so kann nachträglich von einer Selbst-
ständigkeit der einzelnen zusammengeflossenen Proto-
plasmamassen nicht mehr die Rede sein.
Um ein sicher conslalirtes Beispiel von solchem Zu-
sammenfliessen hüllenloser Zellen zu geben, führe ich das
Aelhalium seplicum unter den Myxomycetenan. Nach
de Bary’s*) Angaben, die ich bestätigen kann, bestehen
die in der Lohe sich befindenden Gebilde dieses Namens aus
einer Substanz wie die Amoeben, es sind, wie man sich
vollkommen klar ausdrücken kann, nackte Protoplas-
maklumpen, nalürlich mit den zugehörigen Kernen. Sie
sind bald gross, bald klein, Iheilen sich und fliessen zu-
sammen, wie das Terrain, auf dem sie sich gerade bewe-
gen und innere Zustände der Substanz, die der Beobach-
lung enizogen sind, mit sich bringen. Die amoebenartigen
Bewegungen sind an jedem freien Rande unter dem Mikro-
skope wahrzunehmen, und trifft man es günslig, dass man
recht lebenskräftige Substanz in einem Schälchen mit Was-
ser isuliren kann, so bietet diese das merkwürdigste
Schauspiel von der Welt. Das Klümpchen Protoplasma,
wir wollen es von der Grösse einer Erbse nehmen, breitet
sich bald membranarlig auf dem Glase aus, treibt Fort-
sälze, die sich nelzlörmig verbinden , und überzieht nach
wenigen Viertelstunden eine Fläche von einigen Quadrat-
zollen mit einem Netzwerk, das hier grobmaschiger dort
filigranarlig fein, in steter, wenn auch langsamer Verän-
derung begriffen , den Beobachter mit Staunen erfüllt. So
kriecht das Protoplasmaklümpchen von der Stelle, die man
®) Zeitsehr, f. wissensch. Zoologie. Bd. X. p. 88.
302 Schultze:
ihm angewiesen, selbstständig fort. Dann verschmelzen ein-
zelne Theile des Netzwerkes wieder zu dickeren Ballen,
lösen sich ganz ab, um für sich von Neuem das Spiel zu
beginnen. Oder theilt man künstlich, so stört auch das bei
vorsichtiger Handhabung der Instrumente und wenn die
Substanz recht lebenskrältig ist, die Bewegungen nicht.
Wie schon de Bary angiebt, so fliessen oft getrennte
Acthalien zusammen. Das kann man in kleinen Schälchen
beobachten. Zu einer gewissen Zeit des Lebens kommt
dies Zusammenlliessen in besonders grossarlivem Maass-
stabe vor, wenn es sich nämlich um die Sporenbildung
handelt, zu welcher meist recht grosse Massen von Pro-
toplasma verwandt werden.
Von solchen Massen Proloplasmas, wenn sie auch, wie
sich bei Aethalium direkt erweisen lässt, nicht durch Ver-
grösserung einer einzigen Zelle, sondern durch Zusammen-
fliessen vieler entstanden sind, behaupte ich nun, dass
man nicht sagen dürfe, sie beständen aus Zellen. Sie
sind aus Zellen entstanden aber jelzt bestehen sie nur
aus Protoplasma. Potentlia enthält die Masse Zellen, in-
sofern die Kerne , die in ihr persisliren, zu irgend einer
Zeit einmal zu einer Abtheilung des Protoplasma in wirk-
lich getrennte Zellen Veranlassung geben können (wie bei
Aethalium bei langsamem Eintrocknen); aber re vera sind
keine Zellen in dem Protoplasma zu unterscheiden, denn
die Körnchen desselben können von Kern a zu Kern b und
weiter zu Kern x, y und z wandern, ohne an einen be-
stimmten Kern gebunden zu sein, wie es doch der Fall sein
müsste, wenn man von Zellen als constituirenden Gebilden
der in Rede stehenden Masse sprechen wollte.
So nun, meine ich, verhält es sich auch mit der Pro-
toplasmasubstanz der Rhizopoden. Man hat sie bisher
Sarcode genannt, und in der That hat sie nach dem
Obigen Vieles von dem, was sich Dujardin unter dieser
Substanz dachte. Wenn ich jedoch vorschlage, sie von
jetzt ab Protoplasma zu nennen, so glaube ich auf die
Zustimmung der Fachgenossen rechnen zu dürfen. Das
Wort Sarcode halte sich von vorneherein so sehr in Op-
position mit der Zellentheorie geselzl, dass wir es, wenn
ze
Die Gattung Cornuspira unter den Monothalamien. 303
wir es auch als ein bezeichnendes und für die Rhizopo-
densubstanz nicht schlecht gewähltes anerkennen mussten,
doch gern mit einem anderen vertauschen werden, in wel-
chem der Triumph der Zellentheorie auch über
diese niedersten organischen Gebilde ausge-
drückt liegt. Auf den Namen kommt es zwar eigentlich
nicht an, wenn man denselben aber so wählen kann, dass
derselbe einen dem zu bezeichnenden Gegenstande ent-
sprechenden tiefen inneren Sinn birgt, wie ich das von dem
Worte „Protoplasm a“ behaupte, in welchem das Ge-
heimniss eines ganzen Organismus angedeutet ruht, so wird
inan diesen einem weniger sinnvollen vorzuziehen haben.
Freilich wird mit diesem Tausche Ehrenberg we-
nig gedient sein, welcher sich vor einem aus einem beleb-
ten Protoplasmaklümpchen bestehenden Organismus
ebenso entsetzen wird, wie er es vor einem nach der bis-
herigen Nomenclatur aus Sarcode bestehenden gethan.
Wenn nun nach dem Voranstehenden die contraclile
Rindensubstanz der grossen Rhizopoden so gut wie der
kleinen aus einem in Zellen nicht zerlegbaren, wenn
auch in Betreff seiner Entwickelung auf eine oder mehrere
Zellen zurückzuführenden Protoplasma besteht, so ist damit
noch nicht gesagt, dass nun nothwendig der ganze in der
Schale eingeschlossene innere Theil des Rhizopodenkörpers
auch aus derselben Substanz bestehen müsse. Ich habe
schon in meinem Buche über den Organismus der Polylha-
lumien darauf aufmerksam gemacht, dass man bei allen
grösseren Rhizopoden einen inneren meist gefärbten, mehr
ruhendenTheil von dem äusseren farblosen, ausschliess-
lich Fortsätze treibenden, beweglichen zu unterschei-
den habe, Beide Theile gehen allmählig in einander über
und sind bestimmte Anhaltspunkte über wesentliche Ver-
schiedenheiten der innern Organisation aus meinen Beobach-
lungen nicht gewonnen worden. Farbstoffbläschen, grössere
Körner und Kernchen, welche die Masse undurchsichtig
machen, zeichnen die innere Substanz von der äusseren aus,
aber eine Zusammenselzung aus Zellen oder gar die Diffe-
renzirung bestimmter Organsysteme habe ich auch an die-
sem Theile des Rhizopodenkörpers nicht wahrnehmen kön-
304 Schultze:
nen. Ehrenberg nimmt eine solche Differenzirung an,
spricht z. B. von einem den Rhizopodenkörper durchzie-
henden Darmkanal, der natürlich doch eine besondere
von der umgebenden Substanz verschiedene Wand haben
müsste. Beweise für die Existenz einer solchen sind nie
beigebracht, und muss ich nach häufig und bis in die
neueste Zeit wiederholten Beobachlungen lebender na-
mentlich durchsichtiger Polylhalamien die Existenz
eines solchen auf das Bestimmleste bestreiten.
Auch; davon, dass jüngeren, durchsichligen Formen
von ÜOornuspira, Miliola und Rotalia, wie ich schon früher
behauptet habe, eine contractlile Blase fehle, habe
ich ‘mich wiederholt und wie ich glaube auf das Bestimm-
teste überzeugt.
Dennoch besteht, wie ich anführte, eine auch bei den
Süsswasserrhizopoden,, selbst den Amoeben, angedeutele
Verschiedenheit zwischen Rinden- und Marksubstanz. Die-
selbe könnte, wenn die Organismen aus einer Zelle ent-
standen sind, auf die bei vielen jungen, membranlosen Zel-
len zu beobachtende Verschiedenheit der Rindenschicht des
Protoplasma und der innern Partieen zurückgelührt werden.
Ich meine die Verschiedenheit, welche z. B. bei den von
Remak auf Taf. Xl. fig. 17 seines Werkes über die Ent-
wickelung der Wirbelthiere abgebildeten Embryonalzellen
besteht, dahin gehend, dass die hyaline Grundsubstanz des
Proloplasma sich hier wenigstens stellenweise über den die
Körnchen einschliessenden Theil erhebt. In der That beob-
achtet man dergleichen bei vielen namentlich sich bewe-
genden jungen Zellen (ich erinnere an die von Lieber-
kühn beschriebenen beweglichen Zellen des Blutes). Re-
mak hat in dem angeführten Falle das Hervortreten der
hyalinen Substanz als Abheben einer Membran gedeutet,
in welchem Punkte ich mit dem geehrten Forscher nicht
übereinstimmen kann.
Sind aber mehrere oder viele Zellen zur Bildung
eines Rhizopodenkörpers zusammengelreten, wie wir solchen
Fall als gar nicht unwahrscheinlich bezeichneten (wie also
der Fall sein würde, wenn der Rhizopodenkörper aus einer,
einem sich furchenden Eie ähnlichen, sich Iheilenden Eizelle
Die Gattung Cornuspira unter den Monothalamien. 305
hervorginge), so hätten wir nach unserer neuen Proto-
plasma-Theorie in Betreff des weiteren Verhaltens der Zel-
len folgende Möglichkeit zu constatiren. Ich erinnere wie-
der daran, dass die von mir gegebene Definition der Zelle
lautet: „ein nacktes Protoplasmaklümpchen mit Kern,“ und
dass ich die Membran als etwas zum Begriff der Zelle
durchaus nicht Nothwendiges betrachte. Es ist also ein
Haufen kleiner Zellen gegeben, aus denen ein Rhizopoden-
körper sich bilden soll. So brauchen nur die periphe -
rischen Zellen untereinander zu verschmelzen, um das
später in Zellen nicht mehr zerlegbare, den inneren Kör-
per wie eine Schicht flüssigen Wachses umgebende Proto-
plasma, die sogenannte Sarkode, zu bilden. Nach dem
Centrum zu aber kann sich die Selbstständigkeit der Zellen
in allmähligem Uebergange erhalten, sie können
eine Membran bekommen, Gewebe verschiedener Art bil-
den, wie sie aus den Furchungszellen des Eies eines höheren
Thieres hervorgehen, ja die Theorie erlaubt die An-
nahme, dass Herz, Blutgefässe, Darm, Nieren, Gehirn,
Nerven, kurz Alles, was nur gewünscht wird, innen in voller
Entwickelung funetionirt, während aussen die einfachste
Form lebensfähiger Substanz persistirt — also der ganze
so complicirte Organismus sich wie ein Aetha-
lium auf einem Haufen stinkender Lohe herum-
wälzt. Dass eine in ihren Consequenzen so entsetzliche Ver-
bindung höchster und niederster Organisalion in der Natur
nicht Platz greife, dafür sind die Schranken der Typen aul-
gerichtet. Wir sind weit davon entfernt den Typus der Pro-
lozoen bereits so weit verstanden zu haben, dass wir sagen
könnten: bis hieher und nicht weiter geht innerhalb des-
selben die Differenzirung der Organsysteme. Dass dieselbe
aber eine gewisse und sehr bestimmte niedere
Gränze habe, lässt sich nach der Analogie der übrigen
Typen erschliessen.
So also können sich innerhalb des Protozoentypus
aus den einfachsten, nur aus dem Protoplasma einer
einzigen Zelle bestehenden Thierformen, leicht andere
höhere Formen entwickeln, bei denen eine gewisse oder
ziemlich vollkommene Selbstständigkeit einzelner conslitui-
Archiv für Naturg. XXVI. Jalırg. 1. Bd. 20
306 Schultze:
render Zellen vorhanden ist und auch Andeutungen be-
stimmter Organsysteme auftreten. Aber bei allen Pro-
tozoen, und das möchte ich für charakteristisch halten,
waltet wenigstens in gewissen Bezirken des Körpers und
behufs Erfüllung ‘gewisser Functionen die Neigung. der
Zellen vor, zu einer grösseren’Protoplasmamasse
zusammenzuschmelzen, in welcher dann nur die
Zahl der persistirenden Kerne etwa noch den Ursprung der
Masse aus Zellen andeutet. Bei einigen Formen ist es die
Rinde des Körpers, wo solche Masse vorkommt, — es sind
Rhizopoden, unter denen nach Joh. Müller’s und
namentlich E.Haeckel’s neuen, durch mündliche Mitthei-
lung mir grossentheils bekannt gewordenen wichtigen Un-
tersuchungen die Radiolarien, die Acanthometren und die
Polycystinen den höchsten Platz einnehmen dürften , inso-
fern bei ihnen in der oben angedeuteten Weise wirklich
Zellen persistiren. Bei anderen Protozoen könnte aus-
sen eine geschichtete Lage mehr oder weniger selbststän-
diger Zellen vorhanden sein, wie bei den Infusorien,
während innen der Körper ausgefüllt ist von dem nicht
in Zellen zerlegbaren, aus verschmolzenen Zellen entstan-
denen Protoplasma. Als solches nämlich deute ich die
weiche Centralsubstanz der Infusorien, in welche die Bis-
sen eingedrückt werden. Sie ist der weichste Theil des
Infusorienleibes, gehört aber zu demselben ebenso gut wie
die Rindensubstanz, und kann den Namen Chymus den
Lachmann ihr beilegte, nicht führen.
Von diesem Gesichtspunkte aus möchte ich an die Deulung
der Organisation der Infusorien gehen, und lebe ich der
Ueberzeugung, dass wir so zu einem befriedigenden Abschluss
in der schwierigen Angelegenheit kommen. Doch muss
ich auf eins aufmerksam machen, was nicht
unwichtig ist, dass nämlich. die Theorie auch
die Annahme einzelliger Infusorien erlaubt.
Denn eine Zelle kann auf der Oberfläche Wimpern be-
kommen, eine Zelle kann eine härtere Rindenschicht
und eine weiche Marksubstanz mit Vacuolen, Kern‘, ver-
schiedensten Körperchen, Farbstoffbläschen u. s. w. ent-
halten. In einer Zelle kann, wie die jungen Mus-
Die Gattung Cornuspira unter den Monothalamien. 307
kelfaserzellen lehren, die Peripherie des Protoplasma
in echte Muskelsubstanz umgewandelt sein , wäh-
rend das Centrum der Zelle noch von gewöhnli-
chem Protoplasma eingenommen wird. Dass im Pro-
toplasma einer Zelle eine sogenannte contractile Blase
entstehen könne, bedarf freilich noch weiterer Untersu-
chungen, scheint aber nicht mehr unwahrscheinlich. End-
lich, dass eine Zelle, also hier ein Protoplasmaklümpchen
mit erhärteter und bewimperler Rinde, an einer oder
zwei Stellen seiner Oberfläche der erhärteten Rinde
und der Wimpern entbehren könne, einen „Mund“ habe,
von welchem aus feste Stoffe in die innerste, weichge-
bliebene Protoplasmamasse hineingedrückt werden und einen
„After“ zur Ausleerung derselben ,. diesen Punkt habe ich
oben bereits besprochen, und glaube ich, dass dieMög-
lichkeit solchen Vorkommens zugegeben werden muss.
Zum Schlusse finde nun noch die bereils oben er-
wähnte neue Beobachtung über die Fortpflanzung einer Po-
lythalamie aus der Familie der Rotaliden hier eine Stelle.
In einem Glase mit Meerwasser und etwas Sand, wel-
cher aus einer Tiefe von etwa 20 Fuss bei Helgoland ge-
sammelt worden und gut ausgeschlämmt war, hielt ich seit
dem Herbste 1857 eine kleine Anzahl Gromien (Gromia
Dujardinii) , Milioliden und Rotaliden lebendig. Im Juni 1859,
nachdem das Glas durch meinen kurz vorher von Halle
‚naclı Bonn bewirkten Umzug stark geschüttelt worden und
dann mehrere Wochen dicht verschlossen gestanden hatte,
bemerkte ich unter zahllosen die innere Fläche des Glases
überziehenden Bacillarien einige braungelbe Körper, die
mit der Lupe als kleine Rotaliden erkannt wurden. Die-
selben hatlen früher diese Stellen nicht eingenommen, sas-
sen aber jetzt, wie eine durch einige Tage fortgesetzte
Controlle lehrte , entweder ganz unbeweglich fest , oder
veränderten ihren Anheftungspunkt, der aussen auf dem
Glase mit einem schwarzen Ringe umgeben worden war,
nur um Theile einer Linie. Die Grösse der Thiere betrug
elwa !/,". Ich löste eins der Thiere mit einem Pinsel ab, was
nur mit ziemlicher Gewalt gelang, reinigte es durch wieder-
holtes Abpinseln von den anhängenden kleinen Bacillarien,
308 Schultze:
und konnte jetzt seine Gestalt namentlich bei auffallendem
Lichte deutlich erkennen. Es war eine Rotalide, und am
besten zur Gattung Rotalina zu stellen. Fäden traten an
ihrer Oberfläche auch nach längerem Warten nicht hervor.
Der gelbbraune Inhalt namentlich der grösseren Kammern
zeigte eine eigenthümliche, schon mit einer scharfen Lupe
bemerkbare grobkörnige Beschaffenheit, über dessen
eigentliche Natur der Undurchsichtigkeit der Schale wegen
nicht ins Klare zukommen war. Ich ging daran die Schale,
deren Kammern ich noch zählte, es waren ihrer 10, mit
Nadeln zu zerstückeln, und erslaunte nicht wenig, als nach
dem Ablösen der ersten Schalenbruchstücke, kleine drei-
kammerige Polythalamien zum Vorschein kamen,
deren denn nach möglichst vollständigem Zerdrücken und
Zerzupfen der Mutter ihrer 20—30 ans Licht der Welt ge-
bracht wurden. Sämmtliche kleine Polythalamien waren
von gleicher oder nahezu gleicher Grösse , und bestanden
aus drei untereinander zusammenhängenden fast kugligen
Kammmern, von denen die erste, innerste die grösste und
braungelb war, mit grossen fetttröpfehenähnlichen Farbstoff- N
bläschen erfüllt, die anderen beiden sich farblos zeigten. A
Ihre Schale erschien sehr dünn, brüchig, kalkhaltig , be-
sondere Structur, als regelmässig gestellte Poren, war in
ihr nicht wahrzunehmen. Die künstliche Geburt schien den
Jungen zu früh gekommen zu sein, denn ein Ausstrecken
von Forlsätzen war an denselben trotz stundenlangen War-
tens nicht zu beobachten.
Natürlich war ich auf die Ereignisse an den übrigen
an der Glaswand sitzengebliebenen Rotaliden sehr gespannt.
Dieselben wurden einer strengen Controlle unterworfen,
täglich mit der scharfen Lupe gemustert, und nachdem mir
an einigen derselben die grobkörnige Beschaffenheit des
Inhaltes aufgefallen war, hatte ich die Freude, an zweien
derselben zu beobachten, dass in ihrer Umgebung plötzlich
eine erst dichte dann allmählich sich zerstreuende Ansamm-
lung kleiner Körnchen auftrat, welche mit dem Pinsel ab-
gehoben und unter das Mikroskop gebracht, sich als eben-
falls dreikammerige kleine Polythalamien ergaben,
genau von derselben Gestalt und Grösse, wie die aus dem
Er AT re
Die Gattung. Cornuspira unter den Monothalamien, 309
Mutterthiere herausgelösten, nur dadurch von letzteren
verschieden, dass an allen auch die zweite Kammer bereits
anfing sich gelb zu färben.
Wir haben hier also: einen neuen Beweis dafür, dass
Polythalamien lebendige Junge gebären, und diese zur Zeit
der: Geburt, sich . auf einer, verhältnissmässig hohen Stufe
der Entwickelung befinden. In der That wächst die Span-
nung, wie sich: die Geoponus fortpflanzen mögen, von de-
nen Ehrenberg behauptet, sie trügen ihre Eier in klei-
nen Körbchen mit sich herum.
Noch ist zu bemerken, dass ich vergleichende Mes-
sungen der Kammern der jungen Thiere und der innersten
Kammern der Mutterthiere angestellt habe, und die Maasse
durchaus übereinstimmend fand. Die erste centrale Kam-
mer ist durchaus kuglig und hat einen Durchmesser von
0,0112 — 0,0150 P. L. So varirt sie bei verschiedenen
Individuen, die beiden folgenden sind nichtmehr ganz kuglig,
und ist die dritte, etwas grösser als die zweite, der Durch-
messer variirt zwischen 0,0052 und 0,009 P. L. j
Die Species habe ich nicht benannt, sie steht der Ro-
talina nitida von Williamson (fig. 106, 107 u. 108 sei-
nes oben angeführten Werkes) am nächsten. Grössere
dichtstehende Oeffnungen der Schale fehlen, die Schale
ist ziemlich undurchsichtig, wie) aus lauter kleinen un-
regelmässigen Partikelchen zusammengesetzt, nicht so zwar
wie bei der von mir beschriebenen Rotalina silicea, auch löst
sich die Schale in Säuren, aber es fehlt ihr doch das ho-
mogene, elegante Aussehen der meisten anderen Rotaliden.
Einzelne grössere aber mehr gezacktrandige als scharf runde
Löcherchen durchbohren die ziemlich dicke Schale.
Von grossem Interesse musste es sein den Zustand
der Mutter nach ‚der Geburt zu untersuchen. In dem einen
Falle sah mit der Lupe die Schale wie geplatzt aus und
beim Abheben mit dem Pinsel erhielt ich auch nur Bruch-
stücke. Im anderen Falle dagegen glaubte ich die Schale
ganz und unverletzt erkannt zu haben. Ich brachte sie
auch auf den Objeetträger aber beim Reinigen von den un-
endlich zahlreich aufsitzenden kleinen Diatomeen ging sie
verloren. Doch glaube ich mit Sicherheit eine gelbbraune
310. Schultze: Die Gatt. Cornuspira unt. d. Monothalamien.
Erfüllung in den inneren Kammern erkannt zu haben, wor-
aus zu schliessen wäre, dass nicht der ganze Rhizopo-
denkörper zur Bildung der Jungen verwandt worden sei.
Wir wollen alle weiteren Vermuthungen über das Zustan-
dekommen des Fortpflanzungsgeschäftes unausgesprochen
lassen und mit dem Wunsche schliessen, es möchten Andere
die Gelegenheit aufsuchen, über die Fortpflanzung der Po-
Iythalamien weitere Beobachtungen anzustellen.
Das Kolonialnervensystem der Moosthiere, nachge-
wiesen an Serialaria Coutinhii n. sp.
Von
Fritz Müller
in Desterro.
(Hierzu Taf. XII]).
Bei Thieren, die auf gemeinsamem Thierstock zu Ko-
lonieen vereinigt leben, beobachtet, man häufig Bewegun-
gen des ganzen Stockes oder einzelner Thiere, die zwar
willkührlich, nicht aber vom Willen der Einzelthiere ab-
häugig, sondern von diesen wie auf höheren Befehl aus-
geführt erscheinen. Dies gilt auch von den, Moosthieren.
Bei einer Pedicellina, deren Thierzelle von einem 3'/, Mm.
langen starren auf dickerem beweglichen Sockel stehenden
Stiele getragen wird, dauern die Bewegungen dieses Stie-
les tagelang nach dem Verluste des. Thieres, unverändert
fort; bei einer weit kleineren Art derselben Gattung, die
als Schmarolzer auf Moosthieren und Hydroiden hier sehr
häufig ist, beginnen die in ganzer Länge beweglichen Stiele
schon auf das Lebhafteste sich zır bewegen, wenn das Thier
an ihrer Spitze kaum alsı Knospe angedeutet, ist. Ich er-
innere auch an die. bei. Mimosella gracilis von Hincks
beobachteten gemeinsamen und gleichzeitigen Bewegungen
der doppeltfiedrig angeordneten Thierzellen. Wo nun über-
haupt bei solchen Thieren, wie es bei den Bryozoen der
Fall ist, Nerven sich nachweisen lassen, da ist mit Grund
zu vermulhen, dass nicht nur bei jedem Einzelthiere als
Sitz des Einzelwillens, sondern dass auch in dem Thier-
stocke als Sitz der Kolonialverwaltung ein Nervensystem
312 Müller:
bestehen werde. Der Nachweis freilich dieses Nervensy-
stems wird für die Mehrzahl der Moosthiere von äusserster
Schwierigkeit sein; um so schwieriger, je reducirter, ver-
kalkter, undurchsichtiger, — um so leichter, je entwickel-
ter, weicher, durchsichtiger der Thierstock ist. In dieser
Beziehung nun dürfte nicht leicht eine ausgezeichnetere
Art zu finden sein, als eine im Meere von Santa Catharina
nicht eben seltene Serialaria, deren Thierstock aus bis über
zolllangen , dünnhäutigen fast vollkommen durchsichtigen
Gliedern besteht. Hier ist denn nun auch in der That ein
Kolonialnervensystem so leicht erkennbar , mit so überra-
schender Deutlichkeit in die Augen fallend, wie ich Aehn-
liches sonst nur an dem Nervensysteme der Salpen gesehen
zu haben mich entsinne.
Die Darstellung des Kolonialnervensystems als einzi-
gen Zweck dieses Aufsalzes betrachtend, beschränke ich die
vorauszuschickende Beschreibung des Thieres auf das zum
Erkennen der Art und zum Versländnisse des Folgenden
Nothwendige, und übergehe namentlich den inneren Bau
der Einzelthiere.
Der sparrig verästelte, nach allen Seiten über span-
nenweit zwischen Tangen sich ausbreitende Thierstock der
Serialaria Coutinhii mihi *) besteht aus walzenförmigen
Gliedern, die bis über 40 Mm. Länge bei 1,35 Mm. Dicke
erreichen, und, von Glied zu Glied sich verjüngend, bis zu
0,1 Mm. dicken Endzweigelchen herabsinken. Die Veräste-
lung des Stockes erscheint im Allgemeinen trichotomisch
in der Weise, dass vom Ende jedes Astes drei ungleich
starke Zweige abgehen, die beiden stärkeren nahezu in -
gleicher Ebene mit dem Aste, der dritte schwächere einen
Winkel von etwa 60° mit der Ebene der beiden anderen
bildend. An den äussersten Verzweigungen verfolgt man
leicht die Entstehung dieser Verästelungsweise: am Ende
*) Die Art benannte ich nach Herrn Dr. Joao Jose Cou-
tinho, früheren, Präsidenten den Provinz Santa Catharina, dem ich
die Musse zu wissenschaftlichen Arbeiten, und dem also die Wissen-
schaft dankt, was mir etwa hier zu ihrer Förderung zu leisten ver-
gönnt sein sollte, rs
Das Kolonialnervensystem dei Moosthiere. 313
des Astes tritt zunächst ein einzelner neuer Trieb als ge-
rade Fortsetzung des Astes auf (fig. 1, a‘), wird aber spä-
ter (fig. 1, a“) durch einen zweiten (fig. 1, b‘), der bald
darauf neben ihm entspringt, mehr und mehr zur Seite ge-
drängt, so dass der Winkel zwischen diesen Zweigen oft
bis über, 120° steigt. Der dritte, wieder jüngere. Zweig
(fig. 1, e) zwischen den beiden älteren, in einer auf der
Ebene derselben senkrechten Ebene sich entwickelnd, pflegt
jene Ebene der beiden älteren kaum merklich hinabzu-
drängen, so dass dieselben eben nahezu in gleicher Ebene
mit dem Aste bleiben. Bisweilen, doch immer erst viel
später, und nachdem sich die früheren längst weiter ver-
ästelt haben, tritt dem dritten gegenüber noch ein weit
schwächerer vierter Zweig auf (fig. 1, d); selten selbst ein
fünfter, eine Zahl, die ich noch nicht überschritten sah.
Das relative Alter der Zweige bleibt meist sehr deutlich
ausgeprägt in ihrer Dicke und Länge, so wie in dem Grade
ihrer weiteren Verästelung.
Die Glieder des Stockes sind weich, biegsam, doch dabei
elastisch, etwa wie ein unterbundenes mit Wasser straff
gefülltes Darmstück; ihre in kochender Kalilauge nicht
gelöste, also.wohl aus Chilin bestehende zarte aber dabei
feste Hülle ist, wie der fast flüssige Inhalt, von fast was-
serheller Durchsichtigkeit; eine leichte gelbliche Trübung
wird durch ein unmittelbar unter der Hülle gelegenes Pig-
ment bedingt. Die jüngsten Zweige zeigen sich weniger
durchsichtig, während bei den älteren vielerlei thierische
und pflanzliche Schmarotzer oft den Einblick hindern.
[Späterer Zusatz : Nach Beobachlungen an anderen
elenostomen Bryozoen vermuthe ich, dogs die einzelnen
Glieder durch eine von der Hülle ausgehende quere Schei-
dewand getrennt sind.]
0. Der Stock haftet an Tangen u. s.w. miltelst sehr ver-
einzelter Wurzelläden, die bald am Ende der Aesle an
Stelle der Zweige (fig. 2, a), bald an unbestimmten Stellen
des Stammes, besonders zwischen den Thierzellen ent-
springen (lig. 2, b) und deren Ende sich flächenartig und
lappig auf dem Tange ausbreitet.
Die Thierzellen stehen in Längsreihen am oberen
314 Müller:
Theile der Zweige, deren unterer Theil in verschiedener
Erstreckung leer bleibt, bald’ in ununterbrochener dicht-
gedrängter. Folge, bald mit einzelnen kurzen Lücken, bald
(an den ältesten, bisweilen selbst thierlosen Aesten) nur
in’einzelnen wenig zahlreichen Gruppen. ' Sie erscheinen
einheitswendig (wie bei Serialaria cornuta und lendigera
Lam.) an den jüngsten Endzweigelchen, ‘an den übrigen
aber in zwei mehr oder weniger diametral gegenüberste-
henden Reihen. ‘Es treten nämlich zuerst zwei dicht ne-
beneinanderstehende Reihen auf, nach aussen von’ diesen
bilden sich zwei neue Reihen jüngerer Zellen; ihnen folgt
wieder nach aussen ein dritter, ein vierter Nachwuchs u. s. f.,
während die ältern Thiere absterben und endlich auch ihre
Zellen abfallen. Wenn, wie es an alten Aesten vorkommt,
bei diesem Vorrücken der jungen Brut .der Durchmesser
überschritten wird, schlägt natürlich scheinbar die Ordnung
um, indem nun die Knospen sich nach innen von den bei-
den Reihen reifer Thiere finden. — Die Zellen sind häutig,
in voller Ausdehnung gegen 0,6 Mm. lang und von 0,2 Mm.
auf 0,1 Mm. Durchmesser verjüngt; sie sitzen mit kuglig
abgerundeter Basis schief auf, nach der Spitze des Zwei-
ges zu sich neigend und tragen am Ende, beim Uebergange
in die Tentakelscheide einen Kranz 0,04 bis 0,05 Mm. lan-
ger, zarter, flacher, farbloser Borsten. Bei tiefem Zurück-
ziehen des Thieres wird ein volles Drittel der Zelle ein-
gestülpt, und diese nimmt dann eine mehr eiförmige Ge-
stalt an. Die alten Zellen ohne Thiere, deren Vorderende
stets eingestülpt ist, erscheinen kürzer und dicker und von
ellipsoidischer Form.
Das Thier, das einen Kranz von acht 0,3 Mm. langen
Tentakeln trägt, ist in der Zelle so gelagert, dass die
Darmseite der Spitze, die Schlundseite dem Ursprunge’ des
Zweiges sich zuwendet; bei tiefem Zurückziehen richtet
sich der eingestülpte Zellentheil schief nach der Darmseite,
um hier auf die Mitte der nicht eingestülpten Zellenwand zu
stossen; von da wendet sich die Tentakelscheide quer nach
der Schlündseite und steigt an dieser bis zum Zellen-
grunde nieder. Rt
Die Beachtung dieser Lagerungssverhältnisse, '5o wie
en. Bm gun ga m
Das Kolonialnervensystem der Moosthiere. 315
der Richtung in der sich die neuen Thierknospen bilden,
erleichtert: wesentlich das rasche Zurechtfinden an kleinen
Stückchen, wie sie in den Gesichlskreis des Mikroskops
fallen; die weiteren Verhältnisse der Einzelthiere sind nicht
von Belang für die Auffassung des Kolonialnerven-
systems, zu dessen Darstellung ich jetzt mich‘ wende.
Das Nervensystem jedes Zweiges besteht
aus einem an dessen Ursprung liegenden an-
sehnliehen Ganglion, aus einem von diesem
ausgehenden den Zweig der Länge nach durch-
ziehenden Nervenstamme, der sich am oberen
Endein Aeste theilt für die Ganglien der hier
entspringenden Stengelglieder, und aus einem
reichen Nervenplexus, der dem Stamme auf-
liegt, und diese Ganglien, so wie die Basal-
ganglien der Einzelthiere verbindet.
Die Basalganglien der Zweige (fig. 3—5, G) liegen
genau an der Grenze zwischen Ast und Zweig und in der
Achse des letzteren; sie sind meist von kugliger Form,
oder auch etwas in die Lärfge gezogen und mehr spindel-
förmig und von körnigem (kleinzelligem ?) Gefüge. Blass
und durchscheinend in den jüngsten Zweigelchen, ‚erhalten
sie bald eine schwach gelbliche Färbung und werden un-
durchsichtig. Ihre Grösse steigt von 0,03 Mm. Durchmes-
ser (in einem ganz jungen erst 0,2Mm. langen Zweigel-
chen gemessen) bis über 0,1 Mm. Durchmesser.
Vom Basalganglion läuft in gerader Linie und mit fast
gleichbleibender Dicke (je nach dem Alter 0,01 bis 0,05 Mm.)
ein Nervenstamm bis nahe ans Ende des Zweiges
(fig. 3—5, S), jedoch nicht in der Achse, sondern sich der
Seite der Oberfläche mehr oder weniger nähernd, an wel-
cher die ersten Thierknospen sich bilden, und die ich kurz-
weg als die obere bezeichnen will. Meist ist es ein-
fach, bisweilen in zwei dicht aneinanderliegende oder stel-
lenweise etwas auseinderweichende Stämme getheilt, selten
nur (in alten Aesten) auf kürzere oder längere Strecken
in einen langmaschigen Plexus mit 3 bis 4 Hauptstämmen
aufgelöst. Er ist von blasser Farbe und hat zarte glatte
Contouren.
316 Müller:
Die Basalganglien und die Hauptnervenstämme sind
bei günstiger Beleuchtung oft schon mit der Loupe recht
gut wahrzunehmen. 7
Der oberen Seite des Nervenstammes liegt, bald ihn
dicht überdeckend, bald in weiteren Maschen ihn überspin-
nend, ein Plexus dünnerer Nerven auf (fig. 3—5, P), der sich
seitlich nach der Ursprungslinie der Thierzellen ausbreitet
und besonders reich am Ende des Zweiges zwischen den
Basalganglien der folgenden Stengelglieder entwickelt. In
diesem Endplexus scheint jedoch ausser den Aesten zu den
eben bezeichneten Ganglien auch wenigstens noch eine
bogige Brücke zwischen je zweien derselben dem Systeme
des glatten Hauptnervenstammes anzugehören. Die Nerven
des Plexus unterscheiden sich nämlich von dem Hauptstamme
besonders dadurch, dass ihre Oberfläche durch aufgelagerte
kernhaltige Zellen uneben und mehr oder weniger knotig
oder höckerig erscheint. Chromsäurelösung macht diese
Zellen schwinden: die Nerven erhalten dadurch schärfere
nun gradlinige Contouren , denen noch die Kerne jener
Zellen als kleine stärker lichtbrechende Körnchen aufsitzen.
— Es ist dieser Plexus besonders entwickelt an dem mit
Thierzellen besetzten Theile der Zweige und namentlich
von äusserster Complicalion in älteren Aesten, an denen
schon eine Reihe successiver Generalionen sich gefolgt sind.
Nach dem Ursprunge der Zweige pflegt er seitlich nicht
über den Nervenstamm hinauszugehen und ist dann kaum
von ihm zu unterscheiden; bei der Ansicht von oben er-
scheinen dann beiderseits unebene Contouren, während die
Seitenansicht oben die unebenen Contouren des Plexus,
unten die glatten des Nervenstammes zeigt. ‚In diesem
thierlosen Theile der Zweige vermisst man bald alle, peri-
pherischen Nerven, bald sieht man einzelne meist rücklau-
fende Fäden, bald auch findet sich ein ziemlich. entwickel-
ter Plexus,,. der dann aber vertical vom. Stamme aufwärts
sich ausbreiltet, während die Ausbreitung des Plexus; zwi-
schen den, Thierzellen mehr, oder, weniger horizontal ist.
In: Bezug auf letzteren Plexus ‚sei noch-erwähnt, dass, man
bisweilen, doch nicht constant, seine Fäden unter ‘den’ Ur>
ur
Das Kolonialnervensystem der Moosthiere. 317
sprungslinie der Thierzellen sich zu einem etwas stärke-
rem Grenzstrang zusammenfliessen sieht.
Es bleibt mir der Zusammenhang des eben geschil-
derten Kolonialnervensystems mit den Einzelthieren zu be-
sprechen. Dieser Zusammenhang ist nicht immer leicht zu
erkennen. Damit die zu untersuchende Gegend nicht von
den meist dicht gedrängten Thierzellen verdeckt werde,
müssen diese seitlich liegen; dann aber fällt dieselbe Ge-
gend theils dicht an den Rand des cylindrischen Zweiges,
theils fast in dieselbe Ebene mit dem Haulpigmenle und
wird aus beiden Gründen oft fast undurchsichtig ; ausser-
dem pflegt der Magen des zurückgezogenen 'T'hieres stö-
rend in den Weg zu treten. Indessen lassen sich doch
fast an jedem Zweige ein oder das andere Thier oder
leichter noch Knospen herausfinden , an denen dieser Zu-
sammenhang unzweideutig zu erkennen ist. An der Grenze
zwischen Zweig und Thierzelle, halb in jenen, halb in diese
hineinragend , liegt ein kugliges Ganglion von 0,04 bis
0,05 Mm, Durchmesser (in jungen Knospen kleiner) , das
einerseits mit den Nerven des Plexus in Verbindung steht,
während ich nach der anderen Seite einen von ihm zum
Darme gehenden Nerven beim erwachsenen Thiere einige-
mal gesehen zu haben glaube und bei Knospen mit Be-
stimmtheit gesehen habe. Den vorauszuselzenden Zusam-
menhang dieses Basalganglions mit dem Oesophagealgan-
glion vermochte ich nicht nachzuweisen.
Auch die Wurzeln,-mögen sie nun am Ende der Aeste,
oder in der Reihe der Thierzellen,, oder sonstwo am Asle
entspringen, haben ihr Basalganglion und ihren sie durch-
ziehenden Nervenstamm. Bei ihrem ersten Auftreten sind
die Einzellhiere und die Zweige des Thierstocks durch
nichts Wesentliches ausser dem Orte ihres Ursprungs, die
Wurzeln aber von beiden nicht einmal hierdurch unter-
schieden und es findet Leuckart’s geistvolle Lehre vom
Polymorphismus auf diese drei verschiedenen Gebilde eine
ungezwungene Anwendung.
Es steht zu erwarten, dass ein ähnliches Kolonialner-
vensystem auch andern Moosthieren mit besonderm von den
Thierzellen geschiedenen Stocke zukommen werde, wäh-
318 Müller: Das Colonialnervensystem der Moosthiere,
rend, wo Zelle aus Zelle sprosst, wenigstens ‚im Grunde
der Zellen liegende und durch Nervenfäden mit einander
verbundene Ganglien sich vermuthen lassen. [Späterer Zu-
satz: Die Basalganglien der Zweige und ihren Nervenstamm
habe ich bei verschiedenen Moosthieren mit reusenartigem
Verschlusse der Zellen, Ctenostomata Allm., erkannt; in
keiner der übrigen Abtheilungen vermochte ich aber bis
jetzt unzweideutige Spuren des Kolonialnervensystems auf-
zufinden].
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1. Bruchstück einer Kolonie von Serialaria Coutinhii F. Müll.
6mal vergr. Mit a ist der erste, mitb der zweite, mit c der
dritte, mit d der vierte am Ende des vorhergehenden Sten-
gelgliedes sprossende Zweig bezeichnet. W junge Wurzeln.
Fig. 2. Zweig mit Wurzeln, 12mal vergr. a auf Tang (T) haftende,
b jüngere Wurzeln, ce warzenförmige Wurzelknospe.
Fig. 3.5. Kolonialnervensystem der Serialaria. Fig. 3
u.4 sind 90mal, fig.5 ist 50mal vergr. Fig. 3 stellt das Ner-
vensystem aus dem Gelenk A in fig.1; fig. 4 dasselbe aus
dem Ende eines erst zwei noch unverästelte Endzweige tra-
genden Astes dar. Es bezeichnet in diesen Figuren: G Ba-
salganglion der Zweige, g Basalganglion der Einzelthiere,
S Nervenstamm der Zweige, P Nervenplexus der demselben
aufliegt, R Grenzstrang desselben an der Ursprungslinie der
Einzelthiere. Fig. 4 zeigt Nervenstamm und Plexus von
oben, fig. 5 von unten.
Fıg. 6. Thierknospe von 0,06 Mm. Durchmesser. g Basalganglion.
e Anlage des Thieres.
Fig. 7. Aeltere Thierknospe. g Basalganglion. e Anlage des Thie-
res. n Nerv von jenem zu diesem. P Nerven des Kolonial-
nervenplexus. Fig. 6 u. 7 sind 90mal vergrössert.
Desterro, im Januar 1860.
Ueber Oxybeles gracilis Blkr.
Von
Dr. €. L. Doleschall.
Aus Natuurkundig Tijschrift voor Nederlandsch Indie
Deel XV. p. 163 übersetzt vom Herausgeber.
Aeusserst merkwürdig ist die durch Quoy und Gai-
mard während ihrer Reise auf dem Astrolabe, und später
durch Bleeker beobachtete Erscheinung, dass lebende
Fische in der Magenhöhle anderer Thiere, namentlich in
der Magenhöhle. einiger Strahlthiere vorkommen. Diese
Erscheinung wird um so merkwürdiger für den Zoologen,
als bisher noch kein Beispiel von dem Parasitismus eines
Wirbelthieres bekannt war. Diese ganze Erscheinung klingt,
so lange man sich nicht von der Wirklichkeit überzeugt
hat, sehr räthselhaft, und selbst wenn man die Sache mit
eigenen Augen geschaut hat, bleibt dies Vorkommen sehr
unerklärlich. Während seiner Reise in den Molukken hatte
Bleeker Gelegenheit , zwei dieser Arten von Seesternen
zu finden, in denen sich der genannte Fisch aufzuhalten
pflegt; sie werden aber auch leer gefunden.
Zu Balavia scheinen die beiden Thiere nicht vorzu-
kommen , Grund genug, dass diese geheimnissvolle Sache
50 lange im Dunkel geblieben ist.
Hier in Amboina ist die Thatsache den meisten Fi-
schern bekannt. In der Hoffnung, durch sie in den Besitz
mehrerer dieser Thiere zu kommen, habe ich sowohl selbst
einige Ausflüge auf das Meer gemacht, als auch Preise
ausgeselzt, und habe auch wirklich bald Gelegenheit ge-
funden, viele dieser Seesterne in meinen Besitz zu bringen.
320 Doleschall:
Insofern ist es also kein Zufall, dass ich mit diesen
eigenthümlichen Verhältnissen einigermassen bekannt ge-
worden bin. Obgleich noch unvollständig damit bekannt,
glaube ich doch meine vorläufigen Bemerkungen über den
Oxybeles mittheilen zu müssen.
Dass man auch hier von in Weingeist aufbewahrten
Exemplaren nicht viel Aufklärung erwarlen durfte, verstand
sich von selbst. Das Wasser der Bai ist zwar krystallhell
und gestattet die Thiere selbst in beträchtlicher Tiefe auf
dem Grunde des Meeres zu sehen, aber es ist doch nicht
möglich, hier dem Leben dieser Thiere nachzuforschen.
Ich glaubte die eingesammelten Seesterne zu Hause
in Seewasser längere Zeit beobachten zu können. Aber
ich wurde in meiner Erwarlung getäuscht, da die Seesterne
und mit ihnen auch die Fische bald starben. Von dieser
Art der Beobachtung musste ich also abstehen und es blieb
nur noch ein Weg übrig, nämlich so viele dieser Thiere
lebendig fangen zu lassen, als nur möglich war. Und hierin
habe ich mich nicht getäuscht. Die Bai von Amboina ist
an diesen Thieren so reich, dass man bei schönem Wetter
und stiller See in kurzer Zeit eine beträchtliche Menge
sammeln kann.
Die Resultate meiner Nachforschungen sind in Kurzem
folgende: Der Fisch steht zu dem Seestern in einem be-
stimmten Verhältniss, welches kein Gegenstand der Beob-
achtung werden kann. Warum das Fischehen immer gerade
die Magenhöhe einer und derselben Art von Seesternen
aufsucht, und nicht von verschiedenen Arten, ist ein Ge-
heimniss. Es ist bekannt, dass einige Krebse aus der Gal-
tung Pagurus leere Schneckenhäuser bewohnen, aber man
findet am Strande eine und dieselbe Art des Pagurus in den
Gehäusen der verschiedensten Galtungen und Arten. Oxy-
beles gracilis dagegen habe ich noch nicht in einer ande-
ren Seestern- Art gefunden, als in Culeita discoidea *).
*) Fierasfer Brandesii oder Oxybeles Brandesii Blkr. bewohnt
freilich nicht allein Culcita discoidea, sondern auch mehrere Tripang-
arten, wie Tripang edulis und Tripang ananas. Anmerk. von Bleeker.
F
Weshalb gerade in dieser, und in keiner anderen Art, das
ist ein Rälhsel und wird wohl immer ebenso unbegreiflich
bleiben, als warum in der Nähe der Haifische immer eine
_ Art Fische gefunden wird, warum alle Thiere stets diesel-
_ pen Parasiten ernähren und nur ausnahmsweise andere.
Der Fisch ist durch seine eigenthümliche Organisation ver-
urtheilt den grössten Theil seines Lebens in der Höhle
eines anderen Thieres zuzubringen.
Das Fischehen hatBleeker unter dem Namen Oxybe-
les gracilis in Natuurkundig Tijdschrift VII. p. 162 be-
schrieben.
Niemals ist es mir oder sonst Jemand hier am Orte
gelungen, den genannten Fisch in einem anderen Zustande,
frei im Meere schwimmend zu fangen ®), Um es kennen
zu lernen, muss man also den Seestern selbst geöffnet ha-
ben. (Ob dieselbe Art von Oxybeles auch in Holothurien
gefunden worden ist, ist mir unbekannt.) Soviel ist daher
gewiss, dass dieses Thierchen den grössten Theil seines
Lebens in der Magenhöhle dieser Seesterne zubringt, und
nur selten sich ausser derselben zeigt (wahrscheinlich des
achts). Dass dies aber von Zeit zu Zeit geschieht, ist
mir zweimal deutlich offenbar geworden, zu der Zeit, als
mir viele dieser Thiere lebend gebracht wurden, und ich
zwei in dem Augenblicke beobachtete , wo das Fischchen
mit einem Theile seines Körpers noch ausser der Höhle des
Seesternes und im Begriffe des Einkriechens sich befand.
Hierdureh ist es mir deutlich geworden, dass das Fischchen
nicht immer in der Höhlung des Seesterns verbleibt, aber
zugleich auch, wie und auf welche Weise es hineinkommt.
Dies geschieht längs einer der Furchen, welche sich an
der Unterseite der Arme befinden und nach der Mundöff-
nung führen. Diese Furchen nämlich können sich durch
das Zurückziehen der Füsschen so weit öffnen, das darin
Raum genug für den kleinen Körper des Oxybeles übrig
Ueber Oxybeles gracilis. 321
*) Mehrere meiner Exemplare von Fierasfer Brandesii und alle
von Fierasfer gracilis und Fierasfer lumbricoides sind mir unter an-
deren Fischen zugekommen, und wahrscheinlich im Meere frei schwim-
mend gefangen. Bleeker.
Archiv f, Naturg. XXVI. Jahrg. 1. Bd. 21
24
322 Doleschall:
bleibt. Hierdurch ist zu gleicher Zeit bewiesen, dass das
Fischehen nicht (falls Jemand es behaupten wollte) zufällig
als Nahrung in die Magenhöhle kommt, und durch Zufall
am Leben bleibt. Von einem Zufalle kann hier nicht die
Rede sein.
Schneidet man eine lebende Culcita auf, dann sieht
man, dass das Fischchen frei in der Leibeshöhle des 'Thieres
sich aufhält und sich frei bewest. Nimmt man es heraus,
d. h. aus der Höhle des Seesterns, dann gewahrt man, dass
es sogleich den durch die Sonne beschienenen Ort verlässt
und Schalten sucht. Legt man die beiden noch lebenden
Hälften der Culcita in Seewasser, dann wird man bald se-
hen, dass das Fischchen danach trachlet, um in die Höhle
des. Seesternes zu gelangen. Dem Lichte ausgesetzt, ist
es ängstlich und seine Iris zieht sich aufs höchste zu-
sammen.
Es ist mir niemals vorgekommen, dass ich zwei Fisch-
chen zu gleicher Zeit in einem und demselben Seestern
gefunden hätte.
Bei den meisten Fischehen fand ich die Magenhöhle
leer, nur bei einem angefüll. Der Mageninhalt hatte das
Ansehen eines Fettklumpens und bestand aus halbverdauter
Muskelmasse. Unter dem Mikroskope konnte ich nament-
lich die in Auflösung begriffenen quergestreiften Muskelfa-
sern unterscheiden. Ob diese Muskelfasern von einem
Weichthiere oder von einem Wirbelthiere abstammten, kann
ich nicht mit Bestimmtheit sagen; jedoch bin ich der Mei-
nung, dass es die Muskelsubstanz eines Fisches war, we-
gen der vollkommenen Uebereinstimmung der Elementar-
theile mit den Muskeln derjenigen Fische, welche ich mi-
kroskopisch untersucht habe.
Durch diesen Umstand wird also bewiesen, dass sich
der Fisch nicht von dem Chylus des Seesternes ernährt,
sondern wohl von einer mit der der übrigen Fische analo-
gen Nahrung lebt. Ob er aber die Fischchen verschlingt,
die dem Seesterne selber zur Nahrung dienen, muss noch
durch fernere Untersuchungen ermittelt werden.
Durch meine Beobachtungen ist nun festgestellt:
1. Dass Oxybeles gracilis kein wahrer Parasit ist.
Ueber Oxybeles gracilis. 323
Dass er den grössten Theil seines Lebens in der Ma-
genhöhle von Culeita discoidea zubringt.
3. Hiefür zeugt auch die ungewöhnlich bleiche Farbe des
Fischchens.
4. Dass er aber auch, sei es um Nahrung zu suchen,
oder wegen der Fortflanzung sich nach aussen bege-
ben kann.
5. Dass er sich dann wieder längs der Furche an der
Bauchseite der Arme nach der Mundhöhle begiebt.
6. Dass er sehr empfindlich gegen das Licht ist.
7. Dass er sich von anderen Thieren ernährt. -
Iın süssen Wasser bleiben die Thiere eiwa eine halbe
Stunde aın Leben.
Das Pigment, welches sich auf ihrem Peritoneum be-
findet, zeigt unter dem Mikroskope die schönsten sternför-
migen Pigmentfleckchen, die man sich denken kann.
Ich füge hier noch die Bemerkung hinzu, Jass der
Fisch eine Schwimmblase besitzt.
Auszug aus den Untersuchungen am Nittelmeere.
Von
Dr. W. Keferstein und E. Ehlers.
(Abgedruckt aus den Nachrichten von der Universität und
der Gesellsch. der Wissensch. zu Göttingen 1860. No.23,
25 und 26.)
l. Auszug aus den Beobachtungen über die
Siphonophoren von NeapelundMessina, ange-
stelltim Winter 1859—60.
a. Bau der Siphonophoren.
Alle Theile der Siphonophoren werden von zwei aus
Zellen bestehenden Häuten, einer äusseren und einer
inneren, gebildet, zu denen an einzelnen Theilen noch
eine Zwischensubstanz hinzukommt, welche nicht aus
Zellen besteht, strukturlos ist und als das Ausscheidungs-
produkt der beiden Zellenhäute angesehen werden muss *®).
Diese Grundorganisation lässt sich sowohl bei den jüng-
sten und einfachsten Gebilden, als bei dem allerkomplicir-
testen Nesselknopf nachweisen, und der wahre Bau wird
*) Nachdem wir im Januar 1860 diese Grundorganisation ent-
deckt und auch brieflich nach Deutschland gemeldet hatten, sehen
wir nach unserer Rückkehr, dass Prof, C. Claus schon vor uns
dieselbe Beobachtung angestellt hat (cfr. dessen vorzügliche Abhand-
lung : „Ueber Physophora hydrostatica etc. in v. Siebold und Kölliker
Zeitschr. für wiss. Zoologie. Bd. X. Heft3. April 1860), und machen
desshalb auf die Priorität in keiner Beziehung Anspruch, überdies da
sich auch bei Leuckart (Siphonoph. von Nizza im Archiv f. Na-
turgeschichte 1854. I. p. 369. Note) sehr richtige Angaben über diese
Verhältnisse finden.
An
F'
Keferstein und Ehlers: Auszug a.d. Unters. am Mittelm. 325
bei den zusammengesetzteren Theilen erst klar, wenn man
sich ihre Entstehung aus zwei Bildungshäuten als leitendes
Moment dienen lässt.
Der äusseren Haut allein kommt die Eigenschaft
zu in ihren Zellen Nesselkapseln zu bilden und sie hat
mehr den Charakter einer blossen Decke, obgleich auch die
Geschlechtsprodukte in ihr bereitet werden. In der in-
neren Haut bilden sich Muskelfasern, elastische Bän-
der, Drüsenzellen u.s.w. Aus derZwischensubstanz
bestehen bei weitem zum grössten Theile die festeren und
elastischen Gebilde, wie die Schwimm- und Deckstücke,
die Schwimmglocken der Geschlechtsstücke, die dickere
Region des Stammes; während bei den übrigen Organen
ihr Auftreten auf dünne Lamellen beschränkt ist, oder sie
auch ganz fehlt.
Während wir in Betreff des Baus des Luftsacks der
von Leuckart gegebenen Darstellung anhängen, bemer-
ken wir, dass die Physophora Philippii im Stande ist will-
kürlich aus ihrem Luftsack Luft austreten zu lassen.
Von dieser schönen Siphonophore hatten wir ausser mehre-
ren kleineren zwei sehr grosse und kräftige Exemplare,
die drei Tage in unseren Gläsern lebendig blieben, und
bei diesen sahen wir alsbald wie sehr häufig eine Menge
- Luftblasen aus dem Luftsacke entleert wurden , besonders
wenn man das Thier reizte oder festzuhalten suchte , als
ob es sich dadurch die Flucht erleichtern wollte. Am un-
teren Theile des Luftsacks entstand dann eine ringförmige
Einschnürung , ein Theil der Luft wurde dadurch in das
obere Ende des Stammes gedrängt und gelangte dort gleich
über den jüngsten Knospen der Schwimmstücke nach aus-
sen. Am abgeschnittenen Stammende konnte man unter
dem Simplex an der angegebenen Stelle diese Oeffnung in
Form einer Einziehung der Haut erkennen *).
Die Entwickelung der Schwimmstücke ha-
ben wir bei allen uns vorgekommenen Siphonophoren, mit
Ausnahme von Abyla, wo wir es versäumten, beobachtet,
und sie überall dieselbe gefunden. An der einfach kol-
;
}
.
“ *) Also ganz ähnlich wie bei Physalia.
326 Keferstein und Ehlers:
benförmigen aus jenen zwei Bildungshäuten bestehenden
Knospe, verdickt sich die äussere Haut an der Spitze und
treibt so die innere zu einer Rückeinstülpung vor sich her,
bis vom früheren centralen Hohlraume nur ein ringförmi-
ger Raum übrig bleibt, der aber endlich bis auf das Ring-
geläss und die vier Radiärkanäle ausgefüllt wird. Im
„Knospenkern« (Claus) der also eine Verdickung der
äusseren Haut ist, bildet sich nun der Hohlraum des spä-
teren Schwimmsacks und von ihm existirt später nichts
mehr , als die Epithelauskleidung dieses. Zwischen der
äusseren und inneren Haut am Umfange des Schwimmstücks
beginnt sich nun die strukturlose Zwischensubstanz abzu-
lagern und überwiegt bald die Masse der äusseren und in-
neren Haut, von deren ersterer am reifen Schwimmstücke
nur die Epithelbekleidung noch gebildet wird, während die
Wände des Gelässsystems und die Muskulatur des Schwimm-
sacks von der innern Haut zusammengesetzt werden.
Der Bau und die Entwickelung der Deckstücke
ist ganz wie bei den Schwimmstücken, nur mit den dar-
aus entspringenden Veränderungen, dass bei ihnen keine
Schwimmhöhle gebildet wird.
Die drei Abtheilungen der Polypen, Basalstück,
Magen, Rüssel, werden durch das verschiedene Massen-
verhältniss der äusseren und inneren Haut charakterisirt.
Am Basalstücke verdickt sich die ‚äussere Haut gewaltig
und in ihren Zellen entstehen viele grosse Nesselkapseln,
die aber nie zur Reife gelangen. An der Uebergangsstelle
des Basalstücks in den Magen bildet eine plötzliche Ver-
diekung der inneren Haut die ringförmige Falte, die hier
den Abschluss der Körperhöhle gegen den Magen bewirkt.
Am Magen und Rüssel ist die äussere Haut nur ein dünner
Ueberzug, während im ersteren die innere Haut besonders
dick ist und jene reihenweis gestellten Hohlräume enthält,
deren umgebende Zellen wohl den Verdauungssaft absondern.
Die Entwickelung der Nesselknöpfe an den
Fangfäden, die wir bei allen uns vorgekommenen Si-
phonophoren genau beobachteten, hat uns lange beschäftigt,
doch müssen wir wegen des Specielleren auf die Abhand-
lung selbst verweisen. Die Spiralwindungen des Nessel-
4
Auszug aus den Untersuchungen am. Mittelmeere. 327
strangs und Endfadens sind stets linke (Scäotrope Li-
sting; also wie bei der rechten Schraube der Technik),
während der Stamm selbst bei Forskalia und Rhizophysa
rechts gewunden ist. Die aus der innern Haut bestehen-
den Wände des Centralkanals werden neben dem Nessel-
strange zu dem Systeme der elastischen Bänder, während
sie im Endfaden zu der so wirksamen Muskulatur sich um-
bilden. Bei Agalma Sarsii wächst vom Stielende her über
den Nesselstrang ein glockenförmiger Mantel, der also eine
Bildung der äusseren Haut ist. In einem Stadium der
Entwickelung gleichen die Nesselknöpfe von Physophora
Philippii denen von Agalma Sarsii, da sie auch diesen Man-
tel haben, dann aber bekommt das Stielende an einer Seite
eine Aussackung und wächst ganz am Mantel entlang,
während sich das Ende des Nesselstrangs in die Höhe hebt,
so dass zuletzt der zweilappige Endfaden am oberen Theile
des Nesselkopfes hervorkommt. Darauf bildet sich zwi-
schen den Bildungshäuten jener Stielaussackung die struk-
turlose Zwischensubstanz und umwächst von rechts und
links her den Mantel. bis nur die Endlappeu noch hervor-
ragen, unter denen die schwächste Stelle bleibt, aus wel-
cher der Nesselstrang hervorgeschleudert wird. Ausser
dem Mantel ist hier also noch eine Hülle hinzugekommen,
die aus der Zwischensubstanz besteht, überzogen von einem
Epithel der äusseren Haut.
Bei Agalma Sarsii und rubrum sind grosse Ver-
schiedenheiten zwischen den Nesselknöpfen der
Jugendformen und denen der reifen Thiere beobachtet und
das Agalma minimum von Gräffe mit grosser Wahrschein-
lichkeit als ein Jugendzustand von Ag. rubrum erkannt.
Die Entwickelung der Nesselkapseln in Zellen
ist von Leydig beiHydra entdeckt; bei den Siphonopho-
ren ist das leicht zu verfolgen. Im Zelleninhalte differen-
zirt sich eine ovale Masse, an der man bald eine äussere
Haut bemerkt; von einem Pole her bildet sich ein cylin-
drischer Hohlraum auf etwa 2,, der Länge der Nesselkapsel
und erhält eine besondere Haut: — der. spätere Stiel des
Nesselfadens — und im übrigen noch soliden Theile diffe-
renzirt sich der Nesselfaden selbst. Beim. Hervorschnellen
328 Keferstein und Ehlers:
des Fadens hebt sich von der Kapsel erst ein kleiner Deckel
ab, dann trilt durch völlige Umstülpung der Stiel hervor
und aus diesem wird der Faden hervorgetrieben, nach
dessen Austritt die Kapsel ein bedeutend geringeres Volu-
men, wie vorher, hat. !
In Betreff der Entwickelung der Geschlechts-
stücke, deren morphologische Uebereinstimmung mit der
Medusengeneration der Hydroidpolypen man wohl als aus-
gemacht ansehen darf, erwähnen wir vorerst die Entwicke-
lung einer Meduse aus einer Knospe, die wir wiederholt
am Magen der Cylaeis pusilla Gegenbaur beobachteten,
obwohl wir unsere Bemerkungen über Medusen einer an-
deren Arbeit vorbehalten. Die Entwickelung ist genau so
wie sie oben für die jüngeren Zustände der Schwimmstücke
angegeben ist, wie auch die beiden Bildungshäute dieselbe
Verwendung finden. Nachdem aber der Schwimmsack ge-
bildet ist, erheben sich im Grunde desselben die beiden
Häute zu einer neuen Vorstülpung, die sich endlich an
ihrer Spitze öffnet und den Magen darstellt. Die Entwicke-
lung der Geschlechtsstücke der Siphonophoren geht nun
gerade auf dieselbe Weise vor sich und in der äusseren
Haut des klöppelförmigen Magens bilden sich die Ge-
schlechtsprodukte. Bei Velella öflnet sich dieser Magen an
seiner Spitze und die Geschlechtsstücke sind wahre Medu-
sen (Gegenbaur), während bei den Calycophoriden und
den männlichen Geschlechtsstücken der meisten Physopho-
riden diese Oeffnung nicht eintritt, die Geschlechtsstücke
aber sonst gerade wie Medusen gebildet sind‘ und frei
herumschwimmen können. Auf dem niedersten Zustande
der Entwickelung bleiben die traubenförmig zusammensit-
zenden weiblichen Geschlechisstücke der Physophoriden
stehen, denn hier bildet sich nicht einmal eine Schwimm-
höhle, sondern die Glocke, oft mil einem unregelmässigen
Canalsysteme, umschliesst dicht das einzige Ei und öffnet
sich nur an ihrer Spilze, um das reife Ei befruchten und
dann heraustreten zu lassen.
b. Die beobachteten Siphonophoren.
1) Abyla pentagona (Q. et G.) Eschsch.
2) Diphyes Sieboldii Köll.
Auszug aus den Untersuchungen am Mittelmeere. 329
3) Diphyes turgida Gegenb.
4) Diphyes conoides nov. sp.
Schwimmstücke schlank , das vordere zugespitzt, im
Ganzen von der Form derjenigen von D. Sieboldii. Am
hinteren Schwimmstücke eine Rille für den Austritt des
Stammes, deren Wände hinten sich zu zwei gleich langen
Spitzen verlängern. Der Fortsatz des vorderen Schwimm-
stücks an dem das hintere befestigt ist, solide und kurz,
viel höher als lang. Das hintere Schwimmstück umfasst
eine rundliche Vorwölbung jenes Fortsatzes, so dass die
Zusammenfügung ähnlich wie bei D. quadrivalvis wird. —
Deckstücke trichterförmig. — Stämme eingeschlechtlich.
— Neapel.
5) Diphyes ovata nov. sp.
Schwimmstücke eiförmig,, ohne: Kanten und Spilzen.
Das vordere hat oben hinten eine tiefe Einsenkung zur
Aufnahme des hinteren Schwimmstücks, die Schwimmhöhle
ist lang und eng, so dass im Schwimmslücke ein grosser
Theil solide bleibt. Ein gefässarliger Saftbehälter läuft bis
in die Spitze. — Das hintere Schwimmstück hat an seiner
Unterseite eine tiefe Rille, Lappen am Ende fehlen. Vorne
auch ein kleiner Saftbehälter. — Deckstücke sattelarlig,
ähnlich denen von Praya. — Die Glocken der Geschlechts-
slücke mil einer dicken, auch unten vorspringenden Längs-
rippe. — Messina.
6) Diphyes quadrivalvis (Lesueur) Gegenb.
7) Praya cymbiformis (d. Ch.) Leuck.
8) Praya filiformis (d. Ch.) K. et E. (—=P. Diphyes Aut.)
Schwimmstücke fast gleich gross , das elwas kleinere
liegt in einer flachen Einsenkung des grösseren, und auch
dies nur mil seinem oberen Theile, während unten die
Schwimmstücke auseinander stehen. Der Saftbehälter endet
in jedem Schwimmslücke mil einer runden Blase. Deck-
slücke nierenförmig, an der einen Seite herzförmig und
nicht in zwei Lappen gespalten. Glocken der Geschlechts-
slücke kegelförmig, ohne alle Kanten.
9) Hippopodius gleba (Forsk.) Leuck.
10) Vogtlia pentacantha Köll,
330 Keferstein und Ehlers:
11) Apolemia uvaria (Lesueur) Eschsch.
12) Agalma rubrum C. Vogt.
Als eine Jugendform möchten wir hierher das von Ed.
Gräffe als Agalma minimum. beschriebene Wesen ziehen,
da wir in Messina wiederholt eine kleine Siphonophore
beobachteten, deren jüngere Polypen Fangläden wie Ag.
rubrum hatten, während die älteren solche trugen, wie sie
Gräffe bei seinem Ag. minimum beschreibt.
13) Agalma Sarsii Köll.
14) Forskalia contorta (Edw.) Leuck.
15) Forskalia ophiura (d. Ch.) Leuck.
16) Forskalia Edwardsii Köll.
Schwimmstücke keilförmig, das scharfe Ende breit ab-
gestutzt. Der Stamm macht weite rechte (dexiotrope) Spi-
ralwindungen. Polypen auf langen Stielen, die über vier-
mal: so lang sind als sie selbst und auch die Taster stets
an Länge übertreffen. Nesselknöpfe mit 1Y/, bis 2 Win-
dungen ihres nur blassrothen Nesselstrangs. Stämme von
2—3 Fuss Länge mit einer gewaltigen Fülle von Deck-
stücken. — Messina sehr häufig.
17) Forskalia formosa nov. Sp:
Schwimmstücke am hintern Ende durch einen liefen
Einschnitt in zwei Lappen getheilt, von denen der eine
stets länger als der andere ist. Stamm mit sehr deutlichen
Spiralwindungen. Polypen auf kurzen Stielen, welche die
Länge des Polypen nicht viel übertreffen und stets viel
kürzer als die Taster sind. Taster sehr lang wurmförmig.
Nesselknöpfe mit 2'/,—3 Windungen des brennend rothen
Nesselstrangs. Stämme bis 2 Fuss lang, stets von sehr
zartem Aussehen. — Messina ziemlich selten.
18) Physophora Philippii Köll.
Unterscheidet sich von der Ph. hydrostatica von Nizza
dadurch, dass hier die Polypen an kurzen Stielen sitzen,
und dass an den eiförmigen Nesselknöpfen jederseits oben
ein Seilenlappen sitzt.
Bei jungen Exemplaren ist die Stammerweilerung ein
Stück einer linken Spirale, bei älteren verwischt sich diese
Spiralwindung mehr und sie ist fast sackförmig. — An den
Tastern stets ein Tastfaden.
Auszug aus den Untersuchungen am Mittelmeere. 331 _
Vom Luftaustritt aus dem Luftsack ist oben berichtet.
19) Athorybia rosacea (Forsk.) Eschsch.
20) Rhizophysa filiformis (Forsk.) Lam.
21) Physalia caravella Eschsch.
Nach Spiritusexemplaren dieser Art und der Ph. utri-
culus muss man den grossen Luftsack auch hier wie den
erweiterten Stamm ansehen , dessen weitester Theil noch
Andeutungen eines Stücks einer linken Spiralwindung zeigt
und die Anhänge Irägt, die nach der einen Seite hin an
Alter zunehmen. Der Kamm der Luftblase würde der Ge-
gend des Stammes entsprechen, wo die Schwimmstücke ste-
hen müssten, und nimmt man das Loch oben im Luftsacke
hinzu, so hat man eine sehr grosse Uebereinstimmung mit
dem Bau einer jungen Physophora, die noch ohne Schwimm-
stücke ist.
22) Velella spirans (Forsk.) Lam.
23) Porpita mediterranea Eschsch.
I. Untersuchungen über die Anatomie des
Sipunculus.
Die nachfolgenden Untersuchungen sind besonders
am Sipunculus nudus, der im Sande des Pausilipps bei
Neapel gemein ist, angestellt, und in Messina, wo auch
die schwärmenden Jungen unseres Wurmes zur Beobach-
lung kommen, lieferte der S. tesselatus Raff. *#) viele will-
kommene Ergänzungen. Wie die Anatomie aller Thiere,
die an der Grenze ihrer Classe stehen, so kann auch die
des Sipunculus auf ein besonderes Interesse rechnen.
Unser Verhältniss zu unseren Vorgängern Pallas,
delle Chiaje, Grube, Peters, Krohn findet sich
in der Abhandlung selbst genau dargestellt, hier müssen
*) Von dieser Art haben wir nur ein Exemplar untersuchen
können und dieses erhielten wir in Messina durch die Güte unseres
Freundes Dr. E. Häckel, dem es die Kischerknaben zufällig ge-
bracht hatten.
332 Keferstein und Ehlers:
wir uns der Kürze wegen begnügen, nur die Namen dieser
früheren Beobachter zu nennen.
Die äussere Haut besteht aus einer bindegewebi-
gen Cutis, einem Epithel, in dessen Zellen bei den
pigmentirlen Arten, wie z. B. beim S. tesselatus, das Pig-
ment enthalten ist, und einer mächtigen durch Maceriren
sich leicht ablösenden Cuticula. Die Cuticula ist von
vielen Porenkanälen durchsetzt, welche die Ausfüh-
rungsgänge von eiförmigen in der Cutis liegenden Haut-
drüsen von 0,08 Mm. Grösse bilden. In der Basis der
Hautpapillen des Rüssels liegen diese Hautdrüsen beson-
ders gehäuft.
Unter dieser äusseren Haut liegt die Körpermus-
kulatur, die wie bekannt aus Ring- und Längsmuskeln
in regelmässiger Anordnung zusammengeselzt ist.
Die Leibeshöhle ist von einer trüben weinrothen Lei-
besflüssigkeit erfüllt, welche man, da ein specielles
Circulationssystem fehlt, für das Blut ansehen muss. Diese
Leibesflüssigkeit ist äusserst reich an körperlichen Elemen-
ten, von denen wir fünf Sorten unterscheiden : 1) runde oder
brodförmige Blutkörper, 2) körnige Zellen, die häufig blasse
sternförmige Ausläufer zeigen; 3) Körnerhaufen 0,1 Mm.
gross, aus 0,005 Mm. grossen runden Körnern bestehend ;
4) Zellenhaufen, bis 0,4 Mm. gross, aus 0,04 grossen äus-
serst blassen Zellen zusammengesetzt; 5) topfföürmige Kör-
per, deren Mündung von grossen Wimpern umsäumt ist,
mittelst welcher sie in der Leibesflüssigkeit hin- und her-
schiessen. Krohn hält diese Wesen für Parasiten , wir
haben sie aber, wie auch die übrigen körperlichen Ele-
mente, bei nur 2 Mm. langen Jungen auf etwas niederer
Entwickelungsstufe, gefunden. — Seewasser scheint dem
Blute nicht beigemischt zu sein, denn wenn wir dasselbe
sehr vorsichtig in einem Schälchen aufgefangen hatten,
zeigten sich beim Eintrocknen keine Kochsalzkrystalle. —
Zu gewissen Zeiten sind der Leibesflüssigkeit Eier in sehr
grosser Anzahl beigemengt; wahrscheinlich treten sie durch
den zweilippigenPorus, der sich am Hinterende des Thie-
res findet, ins Freie.
Der so merkwürdige Verlauf des Verdauungs-
Pr
Auszug aus den Untersuchungen am Mittelmeere. 333
traktus ist bereits von J. F. Meckel und von Grube
genau beschrieben. Der ganzen Länge nach verläuft im
Darme eine Wimperfurche, die von aussen als ein
brauner Streifen in der Mitte mit weisser Linie erscheint
und die von delle Chiaje und Grube für ein Blutge-
fäss, von Peters für den Eierstock gehalten wurde, die
wir aber bei den 2 Mm. grossen Jungen besonders deutlich
in ihrer wahren Natur erkannten.
Den vorderen Theil des Darms begleiten die beiden
schlauchförmigen Drüsen, welche delle Chiaje
und Grube für zu einem Wassergefässsysteme gehörige
Polische Blasen beschreiben und die sich durch ihre rothen
in Zellen entstehenden Concretionen deutlich als drüsige
Organe manifestiren. — Etwa 30 Mm. hinter dem Afler sitzt
auf dem Darme ein kleines Divertikel und ganz nahe
der Afteröffnung trägt der Darm die zwei Gruppen bü-
schelförmiger Körper, die vielleicht die Andeutung
der bei Bonellia und den Holothurien hier vorkommenden
Respirationsorgane sind.
Das Nervensystem besteht aus einem dicken der
Körperwand anliegenden Bauchstrang, der im Hinterende
eine ganglienartige Anschwellung hat, und im Vorderende
sich zum weiten Schlundringe theilt, dessen Schenkel in
das obere Schlundganglion oder Gehirn eintreten. Das
‘ Hirn hat eine Bisquitform und an seiner Hinterseite trägt
es räthselhalte kleine cylindrische Läppchen. Vom Hirne
strahlen verschiedene Nerven aus, die besonders zu den
Retracioren des Rüssels treten. Der Bauchstrang giebt
jederseits entsprechend jedem Ringmuskel einen Seitennerv
ab, der mit gleichbleibender Dicke auf dem Ringmuskel
entlang läuft und sich mit dem der anderen Seite zu einem
Nervenringe vereinigt, von welchem die feineren Nerven
austreten und sich zu den Muskeln begeben oder zu den
Hautdrüsen gehen, von denen jede einen Nervenast er-
hält. Der Bauchstrang besteht aus zwei in einander lie-
genden Abtheilungen, die äussere ist nur aus dicht anein-
_ ander stossenden klaren Zellen zusammengeselzt, bei der
_ Innern kommen ausser Körnchen auch noch einige faserige
Elemente hinzu, die Hülle des Ganzen besteht aus platten
a
334 Keferstein und Ehlers:
Zellen und trägt aussen in gesonderten Haufen Büschel
von Cilien. Krohn hält die äussere Abtheilung des Bauch-
strangs für ein Blutgefäss, welches den eigenthünlichen
Nervenstrang völlig umhülle, da aber zwischen der Hülle
und der inneren Abtheilung gar kein Hohlraum , sondern
dicht gedrängt jene Zellen existiren, so können wir dieser
Meinung nicht beistimmen und haben überhaupt von Blut-
gefässen nichts gefunden. i
Was die Geschlechlsverhältnisse betrifft, so
ist der Sipunculus ein Zwilter. Die Hoden sind jene
beiden langen 'schlauchlörmigen Drüsen, welche vor dem
Alter nach aussen münden: die slecknadelförmigen Zoo-
spermien, die einen sehr kleinen Kopf haben, entstehen in
den Hodenzellen auf die gewöhnliche Weise. — Die Eier
entstehen in rundlichen in der Cutis liegenden Schläuchen,
welche an ihrer Oberfläche wimpern. Haben die Eier hier
eine gewisse Grösse erreicht, so durchbrechen sie ihre
Schläuche und treten durch die Oeffnungen der Körpermus-
kulatur, die bei der regelmässigen Kreuzung der Ring-
und Längsmuskeln übrig bleiben , in die Leibesflüssigkeit,
wo sie'ihre Reife erreichen, bis sie wohl durch den Porus
im Hinterende ins umgebende Wasser gelangen. In Betreff
der Entstehung der Eier schliesst sich also der Sipunculus
nahe an jene Würmer an, wie Alciope, Tomopteris, wo die
Eier und bei ersteren, (welche Zwilter sind) auch die Zoo-
spermien als Weiterbildung der Zellen unter der äusseren
Haut entstehen.
Il. Anatomie und Entwickelung von Doliolum.
Die merkwürdigen Thatsachen über die Fortpflan-
zungsweise der vonQuoy und Gaimard entdeckten Tu-
nikatengaltung Doliolum *) sind durch Krohn, ganz
*) Den Namen Doliolum hatte schon vorher A. W. Otto
an ein anderes Wesen aus dem NMittelmeere , seinem Doliolum medi-
terraneum , vergeben, das als das Haus der Phronima sedentaria seit
Forskäl bekannt ist, dessen Abstammung aber mit Sicherheit noch
5
a
er
Auszug aus den Untersuchungen am Mittelmeere. 335
besonders aber durch Gegenbaur bekannt geworden,
während sich mit der Anatomie ausser diesen beiden ge-
nannten Forschern auch noch Huxley und Leuckart
beschäftigten.
Man kann sich den Bau unseres Thiers , das wir in
Messina vom Januar bis April d. J. täglich beobachteten,
dadurch versinnlichen, dass man es sich vorstellt wie ein
an beiden Enden offenes Fässchen mit doppelten Wänden,
deren Zwischenraum von den Eingeweiden und dem Blute
gefüllt ist, und, die unbedeutenden Verbindungsfäden ab-
gerechnet, nur an den Körpermündungen mit einander ver-
bunden sind. Die Athemhöhle, in welche der Mund und
After, wie die Geschlechtswerkzeuge münden und die
durch die darin ausgespannten Kiemen noch beschränkt ist,
wird also von der inneren Haut begränzt, während die
äussere Haut die eigentlich äussere Körperhaut bildet.
Beide Häute haben gleichen analomischen Bau. Bei ganz
jungen Individuen bestehen sie aus mehreren Lagen von
0,01 Mm. grossen runden Zellen, späler bilden diese Zellen
nur eine Lage und im ausgebildeten Zustande findet man
eine dünne durchsichtige Haut mit vielen sternförmigen
und runden Zellen oder Zellenrudimenten.
Die Muskeln sind vollständige Ringe wie Tonnen-
bänder und liegen an der Innenseite der äusseren Haut,
mit dieser nicht verwachsen, sondern nur durch feine Fa-
sern an sie geheftet. Sie bestehen aus mehreren Lagen
einer Menge 0,003 Mm. feiner Fasern, in denen keine Kerne
zu entdecken sind.
Die Kiemen bilden eine doppeltwandige Scheidewand
quer durch die Athemhöhle, ihr Hohlraum communieirt
frei mit dem Blutsinus und jederseits eine Reihe cilienum-
säumter Löcher gestatten dem Wasser-den Durchtritt. Ent-
nicht ausgemacht scheint. Schon delle Chiaje unterschied von
diesem Wesen drei Arten nach der äusseren Skulptur, Uns scheint
es zu einem salpenähnlichen Thiere zu gehören, da es genau den
mikroskopischen Ban wie der Cellulosemantel der Salpen hat, auch
chemisch nur den Gehalt von Spuren von Stickstoff anzeigt und in
Natron ganz unlöslich ist.
336 Keferstein und Ehlers:
weder ist die Kiemenscheidewand eine Ebene und hat je-
derseits fünf Löcher (Dol. Müllerii) oder vier Löcher (Ge-
neration B), oder die Scheidewand bildet eine stark gebo-
gene Fläche, die Convexität nach hinten und hat jederseits
bis über 40 Löcher (Dol. denticulatum und Generation C).
Das Herz und der Herzbeutel sind im Ganzen wie
bei den Salpen gebildet und die Richtung der Contractio-
nen wechselt ebenso wie da. Die Blutkörper sind spär-
lich; sie sind kuglig , 0,010—0,012 Min. gross und zeigen
mit Essigsäure einen Kern. -Bei der Generation B befindet
sich an der Hinterseite des Herzbeutels ein eigenthümliches
frei durch die Bauchwand nach aussen mündendes roset-
tenförmiges Organ. Im ausgebildeten Zustande be-
steht es aus einem Körper, welcher aus sechs der Länge
nach an einander gehefteten Lappen zusammengesetzt wird,
und aus einer Mündung, welche von einem breit abstehen-
den Kragen umgeben ist. Es besteht aus grossen runden
Zellen. Ob der Hohlraum dieses Organs wirklich mit dem
des Herzbeutels im Zusammenhange steht, war nicht aus-
zumachen. Wegen der Funktion könnte man der Analogie
der Lage nach an das bekannte Exerelionsorgan am Herz-
beutel der Pteropoden und Heteropoden denken.
In Betreff des Verdauungsapparats müssen wir
auf die Abhandlung selbst verweisen.
Das Nervensystem besteht aus einem grossen mit
runden Zellen zusammengesetzten Gehirn, über dem bei
Dol. denticulatum häufig ein brennend gelber Pigmentfleck
in der äusseren Haut liegt, und aus den davon ausstrah-
lenden Nerven. Von den letzteren erwähnen wir hier nur
die Endigungen. Ausser den Nerven, die mit den Mus-
keln in einem kleinen dreieckigen Ansatz verschmelzen,
enden eine grosse Zahl frei in der äusseren Haut in run-
den 0,015 Mm. grossen Zellen mit 0,004 Mm. grossem Kern.
Meistens hat die Nervenfaser sich vor diesem Ende in 3—5
Zweige getheilt, die dann alle in nahe zusammenliegenden
Zellen enden. Solche Nervenendigungen sind über
den ganzen Körper verbreitet, aber besonders schön sieht
man sie in den Zacken, welche die vordere und hintere
Körperöffnung umgeben. Der Keimstock der Generation B
En
Auszug aus den Untersuchungen am Mittelmeere. 337
enthält ‚besonders ‚ausgebildete ‘Nervenenden : jederseits
tritt in ihn ein starker Nervenstamm ein, theilt sich einmal
und jeder dieser vier Aeste tritt zu einer Gruppe in der
äusseren Haut liegender Ganglienzellen , die auf ihrer nach
aussen gekelhrten Fläche mit langen steifen Borsten besetzt
sind. Gerade solche wie die zuerst beschriebenen Nerven-
endigungen fanden wir bei Salpa democratica-mucronala.
und ganz. ähnliche auch bei Pterotrachea und Firoloides,
hier die Ganglienzellen auch mit Haaren besetzt.
Als Nase möchten wir eine hohle Verlängerung: des
Gehirns nach vorne ansehen, die sich auf der Rückenseite
im Schlundwimperbande mit einer stark wimpernden Erwei-
terung öffnet. Sie kommt allen Arten und Generationen zu;
dies ist.nicht der Fall mit dem Gehörorgane, das wir
nur bei den verschiedenen Arten der Generation B fanden.
Es ist dies ein hohles Bläschen, eine Einstülpung. der’ äus-
seren Haut, auf dessen Wand eine körnige Verdickung sitzt,
die den runden, festen, aus organischer Substanz bestehen-
den Otolithen Irägt, zu welchem ein starker Nerven-
zweig tritt.
Was die Geschlechtsorgane betrifft, so ist Dolio-
lum ein Zwitter. Die Mündungen des Hodens und Eier-
stocks liegen unmittelbar neben einander; unten an der
linken Seite im vorletzten Zwischenmuskelraum. Der Eier-
stock ist ein rundlicher Körper, der vor seiner Mündung
nach hinten liegt, er enthält bis sechs Eier in allen Ent-
wickelungszuständen. Der Hoden ist länglich , kolben-
förmig und liegt von seiner Mündung nach vorn, neben
dem Endostyl. Häufig waren Eier und Samen in demselben
Individuum zu ‚gleicher Zeit reif. .
Die grössten Merkwürdigkeiten bietet die Entwick e-
lung durch die Aufeinanderfolge verschiedener Genera-
lionen. Aus dem Eie der geschlechtlichen Generation, ‚die
wir mit A bezeichnen, entwickelt sich ein Doliolum, das in
der Jugend an der Bauchseile einen grossen Schwanz trägt,
wie die Larven der Ascidien,, das geschlechtslos ist, aber
än seiner Rückenseite hinten einen grossen Keimstock ent-
wickelt: diese Generation bezeielnen wir mit B. Sie hat
neun Muskelringe, den Otholithen und das roseltenlörmige
Archiv. f. Naturg. XXVI. Jahrg. 1. Bd. 22
338 Keferstein und Ehlers:
Organ am Herzbeutel. An ihrem Keimstock entsteht die
dritte Generation, auch ungeschlechtlich, die wir C nennen.
Diese Generation besteht aber aus zweierlei Wesen,
einmal die Sprossen in der Mittellinie des Keimstocks Cm, die
ähnlich aussehen wie die Generation A, die einen Keim-
stock an der Bauchseite tragen und an diesem Knospen
entwickeln, die Geschlechtstheile haben und eben wieder
die geschlechtliche Generation A sind, und zweitens die
Sprossen der Seiten des Keimstocks Ci, die Gegenbaur
zuerst beschrieb, und die auf den ersten Blick von sehr
verschiedenem Baue von den übrigen Generationen erschei-
nen. Diese Lateralsprossen haben keine Geschlechtstheile
und auch keinen Keimstock und es ist uns unbekannt ge-
blieben, ob sie überhaupt eine weitere Fortpflanzung be-
sitzen.
Von allen Generationen beobachteten wir verschiedene
Arten, die uns bei der Generation B aber nicht gelangen
auf die geschlechtlichen also namengebenden Formen zu
reduciren, wir bezeichnen sie desshalb vorläufig mit ‚B,
„B u. s. w.
Generation A.
Vorn 12, hinten 10 Lappen an der Körperöffnung; 8
Muskelringe. Mündung der Geschlechtstheile im vorletzten
Zwischenmuskelraum, an der linken Seite unten. Gehirn
im dritten Zwischenmuskelraume.
Dol. denticulatum Quoy et Gaimard.
Dol. Ehrenbergii Krohn.
Kiemen in einer stark nach hinten eingeknickten Schei-
dewand, jederseits mit bis 45 Kiemenlöchern. Nase im er-
sten Zwischenmuskelraume. Darm stark nach oben und
rechts gebogen. Messina, Januar bis April. Sehr häufig.
Dol. Müllerii Krohn.
- - ’ ” ” ”
Kiemen in einer ebenen Querscheidewand , jederseits
mit 5 Löchern. Nase im zweiten Zwischenmuskelraume. Darm
wenig gebogen. Messina, Januar bis April. Selten.
ns
u DER un
Auszug aus den Untersuchungen am Mittelmeere. 339
Generation B.
Vorn 10, hinten. 10 Lappen an der Körperöffnung, 9
Muskelringe, Kieme ein ebenes Septum mit jederseits 4
Löchern. Nase im dritten .„ Gehirn im: vierten Zwischen-
muskelraume. Otholith im dritten Zwischenmuskelraume an
der linken Seite. Am Herzbeutel das rosettenförmige Or-
gan. Keimstock an der Rückenseite im siebenten Zwi-
schenmuskelraume entspringend.
Doliolum gen. ‚B.
Bis 10 Mm. lang, langgestreckt , so dass die grösste
Breite nur '/, der Länge beträgt. Ingestionsöffnung trom-
petenförmig erweitert. Muskelringe so breit wie ihre Zwi-
schenräume „ oder breiter. Meistens schlaff und die Haut
faltig. Sehr häufig (ist das Dol. Troschelii Krohn).
Doliolum gen. ‚B.
Bis 4 Mm. lang, von Tonnengestalt. Muskelringe höch-
stens so breit wie ihre Zwischenräume. Das Thier ist
straff. Der Darm läuft gestreckt. After im letzten Zwi-
schenmuskelraume. Sehr häufig.
Doliolum gen. ;B.
Wie ,B, aber mit scharf nach oben gebogenem Darme.
After im sechsten Zwischenmuskelraume. Selten (ist das
Dol. Nordmannii Krohn).
Doliolun gen. ‚B.
Bis 7 Mm. lang, von Tonnengestalt, Muskelringe breiter
als ihre Zwischenräume, bis zur gegenseitigen Berührung.
Darm gestreckt. Selten.
Generation Cm.
In allen Theilen der Generation A ähnlich, nur dass
die Geschlechtstheile fehlen und im sechsten Zwischenmus-
kelraume an der Bauchseite der Keimstock sitzt, dessen
Basaltheil der Stiel selbst ist, an dem das Thier am Keim-
stocke von B befestigt war. Die beiden beobachteten Ar-
ten konnten auf die geschlechtlichen Formen redueirt wer-.
den, da an ihren Keimstöcken hinreichend grosse Knospen
waren, um zu sehen, welche der geschlechtlichen Arten
dies waren,
340 Keferstein u. Ehlers: Auszug a. d. Unters. am Mittelmeere,
Dol. denticulatum gen. Cm.
Kiemen in einer stark geknickten Scheidewand, mit je-
derseits bis über 40 Kiemenlöchern. Nase im ersten, Ge-
hirn im dritten Zwischenmuskelraume. Darm gebogen. Sehr
häufig.
Dol. Müllerii gen. Cm.
Kiemen in einem ebenen Septum, jederseits mit 5 Lö-
chern. Nase im zweiten, Gehirn im dritten Zwischenmus-
kelraume. Selten.
Ueber das Ammengeschlecht Corymorpha und seine
Arten, nebst den von diesen aufgeammten Medusen.
Von
M. Sars.
Uebersetzt aus Forhandl. i Vid. Selsk. i Christiania for
1859 vom Herausgeber.
Im Jahre 1835 machte ich (Beskr. og Jagtt. over Dyr
ved den Bergenske Kyst p. 6—10. Tab. 1. Fig. 3) einen von
mir in der Nähe von Bergen entdeckten kolossalen neuen
Hydroiden unter dem Namen Corymorpha nutans bekannt.
Später wurde dieselbe Form bei den Orkney-Inseln von den
englischen Naturforschern Forbes und Goodsir gefun-
den (Annals of nat. hist. 1840. Vol. V. p. 309).
In einer im Jahre 1853 erschienenen inhaltsreichen
kleinen Schrift (The marine Invertebrata of Grand Manon)
von dem amerikanischen Zoologen und Weltumsegler W.
Stimpson wird berichtet (p. 9), dass meine Corymorpha
nutans in grosser Menge bei Grand-Manan, Fundybay vor-
komme. Da er indessen keine nähere Beschreibung von
dem von ihm beobachteten Thiere giebt, und da sich‘, wie
wir unten zeigen werden, in den nordischen Meeren meh-
rere, einander sehr ähnliche, aber doch specifisch verschie-
dene Formen von Corymorpha finden, muss es noch für
zweifelhaft angesehen werden, ob die amerikanische wirk-
lich mit C. nutans. identisch ist.
Das eben Erwähnte war Alles, was über diese Hy-
droidengattung veröffentlich war, von welcher man dem-
nach annahm, dass sie auf die nordischen Meere beschränkt
342 Sars:
sei, und von welcher nur eine einzige Art bekannt war,
bis Prof. Steenstrup im Jahre 1854 (Vidensk. Meddelelser
fra den naturhist. Forening i Kjöbenhavn, 1854. p. 46) eine
zweite und zwar tropische Art dieser Gattung von Rio-Ja-
neiro unter dem Namen Corymorpha Januari bekannt machte.
Ferner ist ein von O. Schmidt bei Loppen in Fin-
marken beobachteterund in seinem Handatlas.der vergleichen-
den Anatomie , Jena 1854. Tab. 9. Fig. 2 abgebildeter Hy-
droide, welchen er, ohne ihn näher zu beschreiben, zu
einer neuen Gattung unter dem Namen Amalthaea uvifera
macht, ganz sicher eine, und wie es scheint , neue Art
meiner Gattung Corymorpha. Es ist daher nicht richtig,
wenn Leuckart in seinem Jahresberichte (Archiv für Na-
turgeschichte 1854. II. p. 443) ihn mit der von mir (Reise
i Lofoten og Finmarken p. 134) im Jahre 1850 aufgestell-
ten Myriothela arctica identiliciren will, welche nicht allein
speeifisch, sondern auch generisch verschieden ist.
Endlich hat Alder (Catalogue of the Zoophytes of
Northumberland and. Durham 1857, p. 18) nachgewiesen,
dass ein von Johnston (Hist.. ‚of Brit. Zooph. p. 463.
Fig.79a) unvollständig. beschriebener und zur Gattung Hy-
dractynia gebrachter Hydroide eine neue Art Corymorpha,
C. nana.Alder, sei.
Ausser der längst bekannten Cor. nutans habe ich zu
verschiedenen Zeiten an der nordischen Küste noch drei
andere neue Arten gefunden, wodurch also die Artenzahl
der Gattung auf 7 steigt, von.denen 6 nordisch (drei so-
gar arklisch) und eine tropisch sind.
In.Hinsicht auf die Bestimmung der Arten haben: die-
selben soviel Gemeinsames in’ der Form des Körpers und
der Tentakeln, und die Anzahl der letztern scheint so we-
nig bestimmt und dabei nach dem Alter. veränderlich zu
sein, dass es überaus schwierig bleibt diese Formen ge-
nügend zu unterscheiden und zu kennzeichnen. Das beste
und sicherste Merkmal‘, geben nach ‚meiner Erfahrung die
von ihnen producirten Medusensprossen... Nach Form und
Bau von diesen, und mit Hinzufügung 'einiger.anderen frei-
lich minder sicheren Verhältnisse ‚habe. ich versucht, die
von mir beobachteten Arten zu charakterisiren.
Ueber das Ammengeschlecht Corymorpha. 343
1. Corymorpha nutans Sars.
Sars , Beskr. og laglt. over Dyr ved den Bergenske
Kyst 1835. p. 6 Tab. 1. Fig. 3, a—f.
Forbes and Goodsir, Annals of Nat. Hist. 1840.
Vol. 5. p. 309.
Johnston, History of Brit. Zooph. p. 54. Tab.T.
Fig. 3—6.
Proles hydriformis 34 pollicaris , tentaculis inferio-
ribus filiformibus longissimis uniserialibus 40—50, superiori-
bus brevissimis numerosissimis sparsis; pedunculis gemmi-
geris eireiter 15—20, tenuibus, longiusculis, ramosis, ra-
mulis alternantibus apice gemmis medusinis numerosis mi-
nimis dense accumulatis obsitis.
Proles medusiformis decidua, pallio campanulato apice
conico , canales quatuor radiantes exhibente, antice aperto
margine oblique truncato ibique bulbis quatuor marginali-
bus aequidistantibus ornato , quorum unus solummodo in
cirrum cylindricum porrectum evolvitur.
Im Jahre 1830 fand ich zuerst diese Art bei Glesvaer
bei Bergen in einer Tiefe von 30-40 Faden auf schlam-
migem Sande, später bei Manger 8&—10 Faden tief auf Sand-
boden, und endlich auf meiner ersten nordischen Reise im
Jahre 1849 bei Reine auf den Lofoden an Vestfjorden ein
Paar Exemplare, die der folgenden in grosser Menge vor-
kommenden Art beigemengt waren, in 40—50 Faden Tiefe,
auf sandgemischtem Schlamme.
2. Corymorpha Sarsii Steenstrup.
Corymerpha nutans, Sars Reise i Lofoten og Fin-
marken, Nyt Magazin for Naturvid. 1850. Vol. 6. p. 135.
Corymorpha Sarsii, Steenstrup Meddel. fra d. na-
turh. For. i Kjöbenh. 1854. p. 48.
Proles hydriformis 2—3 pollicaris, tentaculis inferiori-
bus filiformibus longissimis uniserialibus 30—40, superiori-
bus numerosissimis brevissimis sparsis; pedunculis gemmi-
geris 8&—10, tenuibus, brevissimis, apice divisis, gemmis
medusinis paucis maximis obsitis.
Proles medusiformis decidua, pallio elongato-campanu-
lato apice rotundato, canales quatuor radiantes exhibente,
antice aperto,, margine recto ibique bulbis seu cirris mar-
344 Sarsı
ginalibus enascentibus quatuor aequidistantibus, omnibus
aequalibus, ornato.
Diese von mir im Jahre 1849 entdeckte Form ist bis-
her nur in Vestfjorden bei den Lofoden gefunden, '/, Meile
ostwärts von Reine (67° 57’ N. B.) in einer Tiefe von 40—50
Faden auf schlammigem Sandboden, wo sie recht häufig
ist, und oft mit den langen Tentakeln in den Maschen des
Schleppnetzes verwickelt heraufgezogen wird.
3. Corymorpha uvifera (Amalthaea) Schmidt.
Amalthaea uvifera, O. Schmidt Handatlas der vergl.
Anat. Tab. 9. Fig. 2.
Bei der Insel Loppen in Finmarken auf 1 Faden Tiefe,
sandigem Grunde. Von den beiden vorhergehenden Arten
unterscheidet sich diese Form durch ihre geringere Grösse
(1“ oder wenig mehr), kürzere untere und weniger obere
Tentakeln. In Beziehung auf ihre Medusensprossen scheint
sie C. Sarsii zunächst zu stehen, da sie nach Schmidt’s
Abbildung vier gleichgrosse Randknoten hat, welche jedoch
hier verhältnissmässig weit grösser sind als bei jener Art,
4. Corymorpha? annulicornis Sars, nov. Spec.
Proles hydriformis 2/, pollicaris, tentaculis inferioribus
fliformibus longioribus annulosis 20, superioribus &—10
uniserialibus brevissimis apice globoso; pedunculis gemmi-
geris brevissimis, gemmis medusinis maioribus et. pauciori-
bus obsilis.
Proles medusiformis decidua, pallio breviter campanu-
lato, canales quatuor radiantes exhibente, anlice aperlo,
margine bulbo seu cirro marginali unico magno, conico
elongato vel cylindrico, introrsum flexo, caeterisque tribus
indistinclis, ornato.
Diese kleine sehr distincte Form , welche ich jedoch
nicht ohne einigen Zweifel in die Gattung Corymorpha stelle,
ist mir nur ein einziges Mal bei Floröe, Bergens Stift in
zwei Exemplaren auf 30—40 Faden Tiefe und schlammigen
Grunde vorgekommen. Sie. weicht in mehreren Rücksich-
ten, nämlich durch die geringelten und mehr contractilen
unteren Tentakeln, die geringe ‚Anzahl der nur einen ein-
zigen Kreis bildenden und in einen Knopf endenden oberen
Ueber das Ammengeschlecht Corymorpha. 345
Tentakeln, ziemlich weit von den übrigen Arten der Gat-
tung ab und nähert sich an Tubularia, so dass sie wirklich
ein verbindendes Glied zwischen diesen Ammengeschlech-
tern zu bilden scheint.
5. Corymorpha nana Alder.
Hydractinia spec., Johnston Hist. of Brit. Zooph.
p- 463. Fig. 79, a.
Corymorpha nana, Alder Catalogue of the Zooph. of
Northumberland and Durham p.18. Tab. 7. fig. 7, 8.
Sehr klein (nur ‘/, Zoll lang), kolbenförmig, nach un-
ten viel schmaler; die unteren langen Tentakeln 15—20 an
Zahl, die oberen kurzen und wenig zahlreichen (nach der
Abbildung etwa 10) in einen einzigen Kreis oder Kranz
gestellt, wie bei meiner C. annulicornis. Medusensprossen
unbekannt. An der Küste von England.
6. Corymorpha Januarü Steenstrup.
.Steenstrup, Vidensk. Meddel. fra d. naturh. For,
i Kjöbenhavn 1854. p.46.
Bei Rio-Janeiro. Dies ist die grösste bekannte Art
der Gattung (6“ lang) und ausgezeichnet durch die grosse
Anzahl der unteren oder langen Tentakeln (etwa 80), und
der sprossentragenden Stiele (elwa 40), deren Medusen-
sprossen durch den schief abgeschnittenen vordersten Rand
ihrer Kuppen denen von Ü. nutans zu gleichen scheinen,
und durch die vier fast gleichgrossen Randknoten den von
C. Sarsii aufgeammten.
7. Corymorpha glacialis Sars, nov. spec.
Proles hydriformis A—5 pollicaris , tentaculis inferiori-
bus filiformibus longissimis uniserialibus 40-50, superiori-
bus numerosissimis brevissimis sparsis; pedunculis gemmi-
geris 30-35, brevioribus, crassis, indivisis aut solummodo
ramulis nonnullis brevissimis, gemmis medusinis paueis mi-
noribus sparsis, singulis aut pluribus accumulalis, obsilis.
Proles medusiformis sessilis (nunquam decidua), pallio
ovali absque canalibus radianlibus et bulbis (cirris) margi-
nalibus, undigqne clauso, in aliis animalibus, altricibus ova,
in aliis spermatozoa includens.
Diese durch ihre Medusensprossen merkwürdige. und
346 Sars:
von allen vorhergehenden abweichende Gestalt ausgezeich-
nete Art fand ich auf meiner letzten nordischen Reise im
Sommer 1857 im Varangerfjorden bei Nadsoe (70°N. B.),
wo sie selten und einzeln in 60—80 Faden Tiefe vor-
kommt, aber ziemlich häufig in 80—120 Faden Tiefe, auf
weichem Thonboden und steinigem Grunde, festgewachsen
mit ihrem unlersten Ende an Sandpartikeln oder zuweilen an
feine rothe Algen.
In Verbindung damit theilte darauf der Verfasser die
Beschreibung einer neuen bei Floröe, Bergens Stift, ge-
fundenen freischwimmenden Meduse mit, welche so grosse
Aehnlichkeit mit einigen der von Corymorpha aufgeammten
Medusensprossen zeigt, dass es ihm wahrscheinlich vor-
kommt, dass sie von einer Art dieses Ammengeschlechles
stammt. Sie gehört zu der von Forbes aufgestellten Gat-
tung Steenstrupia, von deren vier bekannten Arten ($. ru-
bra Forb., S. flaveola Forb., S. lineata Leuck. und die von
Steenslrup beobachtete von Coryne fritillaria Stp. auf-
geammte Art, welche mit dem Namen S. fritillariae be-
zeichnet werden kann) sie durch folgende Charaktere ab-
weicht:
Steenstrupia globosa Sars, nov. spec.
Proles hydriformis ignota.
Proles medusiformis !/; pollicaris , pallio globoso-cam-
panulato, hyalino, margine anteriore oblique truncato, po-
stice rotundato absque appendice; bulbis marginalibus qua-
tuor, rubris, aequidistantibus, de quorum uno prominente
longe maiore cirri marginales tres longissimi, basi bulbosa
connali, de caeteris tribus vero nulli, exeunt; proboscide
eylindrica rubra, extra marginem pallii non porrecta, ore
simplici.
Schlussbemerkungen.
Das Ammengeschlecht Corymorpha bietet in mehreren
Hinsichten ein nicht geringes Interesse dar. Es war einer
Ueber das Ammengeschlecht Corymorpha., 347
der ersten Hydroiden, bei welchem die wichtige physiolo-
gische Thatsache nachgewiesen wurde (1835), dass die zu
dieser Thiergruppe gehörenden Formen nichts Anderes sind,
als eine vorhergehende Generation oder sogenannte Am-
men von Medusen, nämlich von den niederen Medusen
(Cryptocarpae Esch. , Gymnophthalmata Forb., Craspedota
Gegenb.), welche sich also im Wege des Generationswech-
sels entwickeln.
Sie zeichnen sich ferner durch ihre colossale Grösse
im Verhältnisse zu allen anderen bisher bekannten Hydroi-
den aus, so wie dadurch, dass sie immer einzeln oder so-
litär vorkommen, niemals zusammengesetzt, oder mehrere
Individuen zu einer Colonie vereinigt. Die Colonienbildung
scheint nämlich sonst die Regel bei den Hydroiden zu
sein: alle bisher bekannten Galtungen und Arten, selbst
die, welche man lange Zeit für einzelne gehalten hat, sind
durch neuere Untersuchungen als proliferirende und daher
Colonien bildende erkannt werden *).
Die einzigen bisher bekannten beständig solilären (also
niemals proliferirenden oder Colonien bildenden) Hydroi-
den sind die von mir aufgestellten beiden Gattungen Co-
rymorpha und Myriothela (Reise i Lof. og Finm. p.134,
und ausführlich beschrieben in Forhandl. ved de skand.
Naturforskeres Tde Möde i Christiania 1856. p. 194—201).
Die Gattung Hydra (die bekannten Süsswasserpolypen),
welche ausserdem von allen anderen Hydroiden durch das
Vermögen sich von der Stelle zu bewegen, und durch die
Production von hydraförmigen, dem Multerlhiere gleichen-
den, abfallenden Sprossen, abweicht, verbindet auf eine
besondere Weise die solitären mit den coloniebildenden
Hydroiden , indem sie bald, wenn sie nämlich keine Brut
Ich habe so bereits vor mehreren Jahren unsere gewöhnliche,
bisber als ein einzelnes Thier beschriebene Coryne squamala Müll.
(Clava multicornis Forsk.) als proliferirend an ihrer Basis, und somit
Colonien bildend erkannt , eine Beobachtung, welche uuch vor Kur-
zem durch Wright (Edinb, Philos. Journ. 1857. Vol. VI. p.79) be-
stätigt worden ist.
345 Sars:
hat, solitär ist, bald, wenn sie proliferirt oder Knospen
treibt, eine zeitweilige Colonie darstellt, welche sich nach
kurzer Zeit auflöst, indem sich die durch die Prolification
entstandenen hydraförmigen Jungen allmählich von dem
Mutterthiere ablösen.
Aus den oben mitgetheilten Beobachtungen wird man
gesehen haben, dass die Gatlung Corymorpha Medusen von
sehr verschiedener Beschaffenheit aufammt. Fünf von den
bekannten Arten produciren nämlich vollkommen wohl or-
ganisirte Medusen, welche sich von ihrem Ammenthiere
ablösen und ein vollständig umherschwimmendes Leben
führen , in welchem Zustande sie erst Generalionsorgane
entwickeln und sich fortpflanzen. Sie zeigen sich also zu
der grossen Gruppe der sogenannten niederen Medusen
(Cryptocarpae Esch. , Gymnophthalmata Forb., Craspedota
Gegenb.) gehörig. Eine Art dagegen, Corymorpha glacia-
lis, producirt statt dessen Medusen, welche schon sogleich
mit Generationsstoffen ausgerüstet, aber übrigens äusserst
einfach und unvollkommen gebaut und bestimmt sind si-
tzend oder in beständiger Verbindung mit ihrem Ammen-
thiere zu bleiben, bis sie, nachdem sie ihre Geschlechts-
stoffe entwickelt und ausgeleert haben, sich auflösen und
vergehen.
Man sieht hier ein neues Beispiel, wie sehr ähnliche
Ammenthiere eine sehr verschiedene Medusenbrut aufam-
men können. Die Wissenschaft entbehrt nicht anderer ähn-
licher Beispiele. So z. B. producirt nach van Beneden
Tubularia Dumorlieri Vanb. vollkommene abfallende, T. la-
rynx El. et Sol. (T. coronata Vanb.) unvollkommene ses-
sile Medusen. Ebenso ammt nach meinen eigenen Beob-
achtungen Podocoryna carnea Sars und P. Tubulariae Sars
vollkommene abfallende, P. Sarsii Steenstr. und P. fucicola
Sars dagegen unvollkommene sessile Medusen auf. Bei-
derlei sprossen bei allen diesen Hydroiden, wie bei Cory-
morpha, als Knospen von derselben Stelle an den Ammen-
thieren hervor, sie haben dieselbe Entwickelungsweise,
dieselbe Form und Organisation bis zu einem gewissen
Stadium, worauf die, welche bestimmt sind sessil zu blei-
ben, in ihrer Entwickelung stocken, während: die, welche
Ueber das Ammengeschlecht Corymorpha. 349
ein. selbstständiges freies Leben zu führen bestimmt sind,
sich weiter zu dem vollkommenen Medusentypus entwickeln.
Durch diese complicirten Verhältnisse vermehren sich
in hohem Grade die Schwierigkeiten, die Hydroiden nach
ihrer geschlechtlichen Generation zu classiliciren, die Me-
thode, welche allerdings am meisten mit den in der Zoolo-
gie gewöhnlich angenommenen Principien übereinstimmt,
und welche auch von Gegenbaur in seinem übrigens
vortrefflichen „Versuch eines Systems den Medusen“ (Zeil-
schrift f. wiss. Zoologie 1856. Vol.8. p. 202—272) in An-
wendung gebracht ist, indem er zu jedweder Medusenart,
so weit es bekannt ist, die Ammenform (den Hydroiden)
hinzufügt. wovon sie abstammt. Aber, abgesehen davon,
dass eine solche Classification für die Zeit, wo wir noch
nicht die Ammen der mannichfaltigen Medusen, und umge-
kehrt nicht die von vielen Hydroiden aufgeammten Medu-
sen kennen, sich nicht vollständig in der Praxis ausführen
lässt, würden wir durch diese Methode dahin kommen, alle
von Hydroiden aufgeammten sessilen Medusen von den von
ähnlichen Ammen hervorgebrachten frei lebenden zu tren-
nen, und sie in verschiedene Abtheilungen zu slellen, un-
geachtet sie in der Wirklichkeit nahe zusammengehören.
Gegenbaur hat auch nicht versucht die ersteren zu klas-
silieiren, ja er übergeht sie sogar ganz mit Stillschweigen
in der von ihm gegebenen systematischen Uebersicht der
Medusen. Und doch können diese sessilen Medusen in kei-
ner Weise von der grossen Gruppe der freischwimmenden
niederen Medusen geschieden werden, von denen sie nur
niedere Formen sind, die auf einer niederen Stufe der für
beide gemeinschaftlichen Entwickelung stehen geblieben sind.
Als einen schlagenden Beweis für beider Homologie kön-
nen wir endlich anführen, dass sich vollständige Ueber-
gangsformen zwischen ihnen finden. So haben nach Lo-
ven die von Laomedea genieulata Müll., und nach Stre-
thil Wright die von L. dichotoma W. aufgeammten ses-
silen weiblichen Medusensprossen Strahlgefässe und ent-
wickelte, bewegliche (contractile) Randfäden (wogegen die
männlichen bei diesen beiden Arten nach Schultze und
Wright keine Strahlengefässe besitzen und weniger und
350 Sars:
kürzere Randfäden haben); Jie gleichfalls sitzenden von
Syncoryna ramosa Loven aufgeammten Medusensprossen
haben auch Strahlengefässe und Randknoten oder rudimen-
täre Randfäden, und die Kuppen bei den letzten zeigen
noch eigenthümliche Bewegungen von Systole und Diastole.
Diese drei Medusensprossen von Hydroiden stehen also,
obgleich sie sessil sind, auf einer höheren Stufe der Ent-
wickelung als dieselben bei Corymorpha glacialis und die
oben erwähnten Arten von Tubularia und Podocoryna, die
der Strahlgefässe und Randläden ermangeln und unbeweglich
sind. — Durch Classification der Hydroiden allein nach der
geschlechtlichen Generation oder den von ihnen aufgeammien
Medusen würde man gleichfalls auf eine unnatürliche Weise
dazu kommen die ähnlichsten Ammenformen weit von ein-
ander zu trennen, was um so weniger richtig sein würde,
als die Ari bei diesen Thieren offenbar nicht vollständig
durch die geschlechtliche Generation repräsentirt wird, die
oft minder vollkommen organisirt ist, und sozusagen ein
viel kleineres Stück ihrer. Entwickelungsgeschichte um-
fasst als die Ammengeneration. — Wir thun daher unzwei-
felhaft recht, wenn wir das Verfahren aufgeben, welches
wir bei der Classification der höheren Thiere gewohnt sind,
nämlich den Artbegriff als vollständig ausgedrückt in zwei
Einzelwesen, dem geschlechtsreifen Männchen und Weib-
chen, zu betrachten. Sowohl bei den Thieren, die wir hier
behandeln, als auch bei allen anderen, die dem Gesetze des
Gererationswechsels unterworfen, und deren verschiedene
Entwickelungsstufen durch verschiedene mit eigenthümlichen
Eigenschaften begabte Einzelwesen dargestellt sind, wird
der Artbegriff erst vollständig durch Aufnahme der Merk-
male sämmtlicher in eyclischer Entwickelung auf einander
folgender Generationen.
Es wird unzweifelhaft bei dem jetzigen Standpunkte
der Wissenschaft sowohl leichter als zweckmässiger sein,
dieHydroiden (Ammenthiere) für die Classification der nie-
deren Medusen zu Grunde zu legen, und zu jeder Art der-
selben. die von ihr aufgeammten Medusen hinzuzufügen,
aber auch bei dem Artcharakter gebührende Rücksicht auf
Ueber das Ammengeschlecht Corymorpha. 351
beide Generationen, „Proles hydriformis“ sowohl als „Proles
medusiformis,* zu nehmen.
Dass man inzwischen, wie früher, fortfährt, alle neu
beobachteten Ammenformen (Hydroiden) sowohl, als die
freischwimmenden Medusen, oder beide Generationen, jede
mit einem eigenen provisorischen Namen zu bezeichnen,
gereicht keinesweges, so wie leider das ganze übrige Heer
von Synonymen, zu einer weiteren Beschwerde für die Wis-
senschaft. Nichts ist leichter, als später, wenn die andere
zugehörige Generation bekannt wird, beide Formen zusam-
menzutragen, und sie entweder mit einem einzigen defini-
tiven, oder wie man z. B. bei den Salpen thut, mit einem
doppelten Speciesnamen zu bezeichnen.
Bonn, Druck von ©, Georgi,
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Jgrcail. a nor Band „a6 ae
ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE.
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON W. F. ERICHSON.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. Dr. LEUCKART IN GIESSEN
UND
PROF. Dr. R. WAGNER IN GÖTTINGEN
HERAUSGEGEBEN
VoN
Dr. && H., TROSCHEL,
PROFESSOR AN DER FRIEDRICH-WILHELMS-UNIVERSITÄT ZU BONN,
SECHS UND ZWANZIGSTER JAHRGANG.
Zweiter Band.
Berlin,
Nieolaische Verlagsbuchhandlung.
(6. Parthey.)
1861.
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Inhalt des zweiten Bandes.
Bericht über die Arbeiten in der allgemeinen Zoologie und
der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1859, Von
Prof. Dr. Wagner . 5 d - e
Bericht über die Leistungen in ey Watıngeschächen der Säuge-
thiere während des Jahres 1859. Von Dr. Reinh. Hensel
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Vögel
während des Jahres 1859. Von Dr. @. Hartlaub
Bericht über die wiss. Leistungen in der Naturgeschichte der nie-
deren Thiere während des Jahres 1859. Von Prof. Leucka rt
Vermes. ‚ ? 8 s 3 = d P n
1. Annelides & 2 :
Chaetopodes
Gephyrei
Chaetognathi
Nematodes
Acanthocephali .
2. Platodes
Hirudinei
Trematodes
Cestodes . d 4 5 .
Turbellarii : ; P
3. Ziliati . . e 4 n
Rotiferi
Bryozou
Echinodermata .
1. Scytodermata .
2. Actinozoa
Echinida
Asterida
Opiurida
3. Pelmatozoa
Seile
IV Inhalt.
Coelenterata . o
1. Ctenophora . . s - - 3 »
2. Hydrasmedusae
Acalephae . Ö P . “ R .
Hydroidea . £ e H 5 R . e
Siphonophora
3. Polypi . - . -
Calycozoa . 2 - ° . B & 5
Anthozoa . . . o -
Porifera . 5 5 B .
Protozoa & i "
1. Infusoria
2. Rhizopoda
3. Gregarinae . d . ’ . E 3 .
Bericht über die Leistungen in der Herpetologie während des
Jahres 1859. Vom Herausgeber B . P
Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie während des
Jahres 1859. Vom Herausgeber R . 5 2
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Mol-
lusken während des Jahres 1859. Vom Herausgeber
Cephalopoda < . h : .
Gasteropoda 5 . .
Peteropoda . . E - 5 =
, Brachiopoda
Lamellibranchiata .
Tunicata . Q R ’
Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen im Gebiete
der Entomologie während der Jahre 1859 und 60. Von
Dr. A. Gerstaecker 3 e e
Insekten
Orthoptera .
Neuroptera .
Coleoptera . © ® ‘ Y S
I ERBE TEEN
Bericht über die Arbeiten in der allgemeinen
Zoologie und der Naturgeschichte des Menschen
im Jahre 1859.
Von
Rudolph Wagner,
Professor in Göttingen.
Indem ich es unternehme, den bisherigen Berichten
eine weitere jährliche Uebersicht über einen bisher unbe-
rücksichtigt gebliebenen und, wie mir dünkt, immer wich-
tiger werdenden Abschnitt der Zoologie hinzuzufügen, ınag
es vergönnt sein, einige einleitende Worte vorauszuschicken.
Die Naturgeschichte des Menschen wird hier in einem,
der Aufgabe der Zoologie entsprechenden möglichst engen
Rahmen begrenzt. Weder die in die Anatomie und Phy-
siologie fallenden Abschnitte der Somatologie des Menschen,
noch die psychische Anthropologie sollen hier behandelt
werden, auch die geographische Anthropologie oder Ethno-
graphie nur in soferne sie eine Bedeutung für die eigent-
liche Naturgeschichte unserer Gattung hat. Ein Eingehen
in das Detail der Völkerbeschreibung oder der Cullur-Ge-
schichte der Rassen bleibt ausgeschlossen, als zur Geogra-
phie oder zur Weltgeschichte gehörig. Eine solche Aus-
führung, so interessant sie sein mag, würde bei dem spär-
lich zugemessenen Raume ohnediess nicht möglich sein.
Doch sollen in der Folge wenigstens die Titel der ent-
sprechenden, nur einigermassen hicher gehörigen Schriften
und Abhandlungen, wo es nöthig ist mit einer kurzen
Analyse, aufgeführt werden #), Dagegen scheint es pas-
®) Wir stellen die Bitte an sämmtliche Verfasser von solchen
Arbeiten im In- und Auslande, uns Separatabdrücke von denselben
Archiv f. Naturg. XXVIL. Jahrg. 2. Bd. A
2 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
send, auf diejenigen Arbeiten einzugehen, welche sich in
wissenschaftlicher Form durch Auffindung von neuen That-
sachen oder scharfsinnige Combination und Kritik, mit den
allgemeinen Grundsätzen der Classification, mit den Prinzi-
pien der Morphologie, namentlich auch mit den Fragen
nach dem Begriff, Umfang , Ursprung der Arten (Species),
Varietäten, Rassen u. s. w. beschäftigen. Diess sind Auf-
gaben, welche die Zoologie in den ersten Decennien unse-
res Jahrhunderts sich besonders in Deutschland vielfältig
stellte, dann aber wieder wegen des Unzureichenden der
Vorbedingungen im Felde der Erfahrung, seit einer Reihe
von Jahren verlassen oder doch weniger beachtet hat, wel-
che gegenwärtig aber besonders in England und Nord- .
Amerika lebhaft besprochen werden und, wie begreiflich,
ihr besonderes Interesse für die Naturgeschichte des Men-
schengeschlechts haben. Die fast allzugrosse Neigung zur
Detailforschung hat diess Interesse zurückgedräugt; es ist
Zeit, diese Fragen im Sinne einer höheren Natur-Erkennt-
niss wieder aufzunehmen.
Louis Agssiz, an Essay on Classification. London
1859. 8. Diess Werk ist ein vollständiger, mit einem Re-
gister versehener Abdruck der Einleitung zu des Verfas-
sers grossem Werke über die Naturgeschichte Nord-Ame-
rikas. Ein einziges neues Kapitel, über die Kategorieen der
Analogieen ist hinzugekommen.
Das Werk des berühmten Verfassers zeichnet sich aus durch
eine streng theislische Weltbetrachtung , wie er dieselbe bereits frü-
her in einer Reihe von einzelnen Aufsätzen ausgeführt hat. Er hält
es für unmöglich: „dass der ganze Plan, die logische Verbindung,
die wundervolle Harmonie, die unendliche Verschiedenheit in der
Einheit, welche in den Gruppen der Wirbelthiere, der Gliederthiere,
der Weichthiere, der Strahlthiere hindurchgreifen , aus der Wirkung
gedankenloser Kräfte erklärt werden können; sie setzen eine oberste
Behufs dieses Jahresberichts zukommen zu lassen, da wir wünschen,
eine gedrängte Darstellung oder wenigstens Namhaftmachung alles in
einem Jahre erschienenen zu geben, was für diess erste Jahr noch
nicht möglich war.
E
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BR EN ERDE he EEE EEE)
Bu
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1859. 3
Intelligenz, als Urheberin aller dieser Wesen voraus“ Darnach hat
auch der Mensch diese systematische Anordnung in der Natur nicht
erfunden, sondern erforscht. „Dieser Schöpfungsplan“ heisst es, „wel-
cher sich unserem höchsten Wissen enthüllt, ist nicht das Produkt
nothwendiger Wirkungen von physischen Kräften, sondern erscheint
als die freie Conception eines allmächtigen Verstandes,, welche in
dessen Gedanken gereift ist, bevor sich dieselbe in greifbaren äusseren
Formen offenbarte.“ Die nähere Durchführung dieser Ansichten muss
man in dem, wie alle Schriften des Verfasser, sehr anziehend ge-
schriebenen Buche selbst nachsehen. Der Verf. giebt eine Uebersicht
er neueren systematischen Eintheilungen des Thierreichs; er geht von
der Ansicht aus, dass Cuvier und unabhängig von ihm Baer in
seinen embryologischen Forschungen, die typischen Grundlagen des
walıren natürlichen Systems gefunden und festgestellt haben, welche
nur im Einzelnen Abänderungen erfahren können. Bei der Bedeu-
tung des Verfs., seiner grossen Detailkenntniss der lebenden uud
fossilen Formen und seiner Fähigkeit für Verallgemeinerung, will
ich von seinem Systeme eine Uebersicht geben, namentlich in soweit
‚es in den Klassen und Ordnungen doch vielfach abweicht von dem
_ früheren Systeme in den Principles of Zoology. Boston 1848. Agas-
siz hält an der Eintheilung des ganzen Thierreichs in vier grosse
Abtheilungen (Branches, Departments) im Sinne Cuvier's fest. Aber
er zerfällt die Wirbelthiere jetzt statt wie früher in 4 in 8 Klassen:
1) Säugethiere mit 3 Ordnungen: Marsupialia, Herbivora und Car-
nivora. 2) Vögel mit 4 Ordnungen: Natatores, Grallae, Rasores,
Insessores (zugleich mit den Scansores und Acceipitres). 3) Repti-
lien, Ordn.: Serpentes, Saurii, Rhizodontes, Testudinata. 4) Amphi-
bien, Ordn.: Caeciliae, Ichthyodi, Anura. 5) Selachier, Ordn.:
Chimaerae, Galeoden, Batiden. 6) Ganoiden, Ordn.: Coelacanthen,
Acipenseroiden, Sauroiden und zweifelhaft: Siluroiden, Plectognathen,
Lophobranchen. 7) Eigentliche Fische, Ordn.: Ctenoiden, Cy-
eloiden. 8) Myzontes, Ordn.: Myxinoiden, Cyclostomen. Zum
ersten Male erscheint hier die Klasse der Fische in vier Klassen auf-
gelöst. Die zweite grosse Abtheilung der Gliederthiere enthält 3
Klassen. 1) Insekten (3 Ordn.: Myriapoden, Arachniden, eigentli-
che Insekten). 2) Krustenthiere (4 Ordn.: Decapoden, Tetradeca-
poden, Entomostraken (mit den Cirripeden), Rotiferen. 8) Würmer
mit 3 Ordn.: Anneliden, Nematoiden (Acanthocephala und Gordiacei),
Trematoden (Blutegel , Planarien,, Cestoden). Die dritte Abtheilung,
die Mollusken, umfassen 3 Klassen: 1) Cephalopoden (Ordn.: Te-
trabranchiaten, Dibranchiaten). 2) Gasteropoden (Ordn.: Ptero-
poden, Heteropoden , eigentliche Gasteropoden). 8) Acephalen
(4 Ordn.: Lamellibranchien, Tunicaten, Brachiopoden, Bryozoen. Die
vierte Gruppe, die Radiaten, enthulten ebenfalls 8 Klassen : 1) Echi-
4 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zeologie
nodermen mit den allgemein angenommenen 4 Ordnungen. 2) Aca-
lephen: 3 Ordn.: Ctenophoren, Discophoren , Hydroiden mit Ein-
schluss der Siphonophoren. 3) Polypen mit den beiden Ordnungen
Actinoiden und Haleyoniden. Die jetzt sehr allgemein angenommene
fünfte Haupt-Abtheilung der Protozoen löst Agassiz auf und ordnet
sie anderen Klassen unter. Die Infusorien Ehrenberg's u. a. bringt
er theils zu den Algen (so alle Anenteren, namentlich Desmidien und
Volvocinen) ; die Vorticellen stellt Ag. unter die Bryozoen bei den
Acephalen unter die Mollusken; die Gattungen Paramaecium und
Opalina bringt er zu den Würmern, die Rotiferen zu den Krusten-
thieren. Zu den Algen stellt Ag. auch die Rhizopoden. — In einer
Kritik dieser Aufstellungen, welche manchfache Anfechtung hervor-
gerufen haben und noch hervorrufen werden, kann ich hier nicht
weiter eingehen, ebenso wenig in die anderen, auch vielfach kriti-
sirten Ansichten von Ag. Nur der Artbegriff, das Fundament aller
Systemkunde in der Thier- und Pflanzenkunde , verdient noch eine
nähere Erwähnung. Für Agassiz sind die Species gerade so ideale
Entia, wie Genus, Familie, Ordnung , Klasse und dabei , wenn man
will, ebenso wie diese wieder real. Es ist eine gewisse Menge von
Individuen von bestimmter Beschaffenheit, die in engster Beziehung
unter einander stehen, als Repräsentanten der Species. Keines der
zu einer Species gehörigen Individuen bietet alle charakteristischen
Merkmale dieser Species dar. Die Repräsentanten repräsentiren nicht
einfach, was in den Individuen spezifisch ist, sondern sie stellen dar
und repräsentiren von Geschlecht zu Geschlecht in gleicher Weise
alles, was in denselben generisch ist, was die Familie, Ordnung u.s. w.
charakterisirtt — alles in derselben Constanz und Präeision. Die
dauernde sexuale Verbindung als Merkmal und Grundlage der spezi-
fischen Identität verwirft Agas. vollständig; es sei dies eine petitio
prineipii, welche in einer philosophischen Diskussion über den Spe-
ziesbegriff nicht zulässig sei. Dabei hält Agas. fest an dem von Cu-
vier aufgestellten Grundsatz, dass die Arten (Species) fesistehende
Charaktere besässen, welche im Laufe der Zeit nicht änderten. Nicht
bloss die bekannten Untersuchungen Cuvier’s am egyptischen Ibis, die
von Kunth an den in egyptischen Gräbern gefundenen Pflanzen be-
stätigten die Lehre von der Unveränderlichkeit der Species, sondern
auch die Geologie zeige, dass in verschiedenen Perioden der Erd-
entwickelung verschiedene Arten existirten, und dass kein Uebergang
von einer Art der früheren Epoche in einer späteren stattgefun-
den habe.
Derselbe Gegenstand, über den Begriff der Art, ist
sehr ausführlich und gründlich bearbeitet in: De l’espece
et des races dans les &tres organises et specialement de
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1859. 5
V’unil& de l’espece humaine par D. A. Godron Professeur
d’histoire naturelle de la Facult& des sciences de Nancy.
2 Voll. Paris 1859.
Der Verf. kennt im Ganzen gründlich die hier einschlagende
Literatur der verschiedenen Länder, hat ein scharfsinniges Urtheil und
geht auf das Umständlichste in die ganze Breite der Frage ein. Nach-
dem er sich zuerst"in den Prolegomena historisch über die Aulfas-
sung des Artbegrills verbreitet hat, geht er an eine ausführliche kri-
tische Zusammenstellung der Thatsachen, betrachtet Thiere und Pflan-
zen mit gleicher Vollständigkeit im wilden Zustande nach ihrer ge-
genwärtigen Verbreitung, nach den historischen Dokumenten, nach
ihrem fossilen Vorkommen. Auf gleiche Weise wird die Bastard-
zeugung bei Thieren und Pflanzen ausführlich behandelt. Die ge-
naue Schilderung aller einzelnen Hausthiere nach ihren Variationen
schliesst den ersten Band. Es folgt im zweiten eine Kritik der Lehre
von der Rassenbildung bei den Thieren und eine Untersuchung über
die Variationen der Kulturpflanzen. Die hier überall geübten Metho-
den der Untersuchung und die gewonnenen Erfahrungen werden im
dritten Buche auf den Menschen angewendet, wobei alle neuerdings
zur Sprache gekommenen Thatsachen und Controversen zur Sprache
kommen. So weit es der Raum erlaubt und die Faage die allgemeine
Zoologie angeht, können wir die folgenden Sätze als Hauptresultat
herausstellen: Im wilden Zustande behalten die Arten immer distink-
ten, abgeschlossenen Charakter; aber auch bei den Hausthieren und
eultivirten Pflanzen gehen, trotz des mächtigen alterirenden Einflusses
des Menschen auf dieselben, die entstandenen und bleibenden Modi-
fikationen nie so weit, den Art- Charakter zu vernichten. „Les ca-
racteres“ heisst es „de l’espece sont done bien differents des attributs,
qui distinguent les races:
lespece est absolue et permanente; les ra-
ces d'une m&eme espece varient avec les circonstances, elles se nuan-
cent a l'infini et ne pr&sentent pas entre elles de signes distinlivs
speciaux et exclusifs.“ Was die Anwendung auf den Menschen be-
trillt 5. weiter unten.
Ganz entgegengesetzt sind nun in Bezug auf letzte-
ren Punkt die Resultate einer ausführlichen Untersuchung
von Darwin in dem Werke: On the Origin of species by
means of nälural Selection. London 1859. 8., welches in
England so grosses Aufschen erregt hat und nunmehr auch
demnächst in deutscher Bearbeitung von Bronn erschei-
nen, also in Jedermanns Hände gelangen wird.
Der ausgezeichnete englische Naturforscher hat hier ein Werk
geliefert, das auf Detailforschung im ausgedehntesten Maasse beruht.
6 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
Darwin kommt mittelst vieler im Einzelnen sehr scharfsinnigen, oft
aber, wie ich glaube nachweisen zu können , auf völlig (namentlich
in physiologischen Dingen) verfehlten Combinationen zu einem Re-
sultate, das ganz abweichend von den Grund-Ansichten von Cuvier,
R. Owen, Agassiz und a. m. alle vorhandenen Thier-Arten nur
Umwandlung früherer Typen sein lässt, indem in ausserordentlich
langen Zeiträumen, namentlich in Folge nothwendig veränderter Le-
bensweise (natural selection), gewisse Variationen von Stamm-Arten
immer wieder die Stamm -Eltern (progenitors) später in einzelne
Arten auseinander gegangene Formen seien, dass also z. B. jenseits
der silurischen Periode eine Stammform exislirte, aus welcher all-
mählich alle Gattungen und Arten unserer Familie von Tauben, Eulen,
Finken u. s. w. hervorgegangen seien. Ja er geht in seiner Doctrin
von der Modifikation der Species schliesslich so weit, anzunehmen,
dass alle Glieder einer Thier-Klasse von einer Stammform entsprungen
seien. „Ich glaube“ sagt Darwin, „dass die Thiere alle höchstens
von nur 4 oder 5 Progenitoren abstammen und die Pflanzen alle von
einer ähnlichen oder noch geringeren Zahl.“ „Ja die Analogie“ fügt
D. hinzu, „obwohl ein betrügerischer Führer, führe ihn noch einen
Schritt weiter, nämlich zu der Vermuthung , dass alle Thiere und
Pflanzen von einem einzigen Uıbilde (prototype) abstamnıen.“ — „There-
fore“ — um D.'s eigene Worte zu gebrauchen — „I should infer
from analogy that probably all Ihe organie beings which have ever
lived on !his earth have descended from some one primordial form,
into which life was first breathed.“ Indem also Darwin alle Thier-
species aus Variirungen hervorgehen lässt, stellt er den bisherigen
Art- und Varielätenbegrilf geradezu auf den Kopf. Nicht aus den
Arten entstehen Varietäten, sondern aus den Varietäten bilden sich
allmählich neue Arten. Das sehr reiche und geistvolle Detail muss
man in dem Werke selbst nachlesen. Die gezogenen Consequenzen
führen, wie oben ersichtbar, zu den allerkühnsten Hypothesen, die
man sich nur denken kann.
Das Urtheil einer lesenswerthen Anzeige von Dar-
win’s Schrift in den Annals and Magazine of natural hi-
story Febr. 1860, dass mit meiner Ansicht übereinslimmt,
geht schliesslich dahin, dass die Schlussbehauplung des in
vieler Hinsicht so schönen und lesenswerthen Werkes von
einer Art ist, dass sie uns kaum glauben lässt, der Verf.
habe sie im Ernste gemeint. Vom faklischen Standpunkte
scheint mir der Haupt-Einwurf, den Darwin selbst aner-
kennt und der auch in der ebengenannten Anzeige her-
ausgehoben ist, der zu sein, dass unsere ganze Kenntniss
En ee ei
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1859. 7
der fossilen Thier-Reste in allen Gebirgsschichten nicht den
geringsten Anhaltspunkt für die Hypothese giebt. Wir fin-
den keine solche Uebergangsformen, wie sie zur Stütze
dieser Hypothese nöthig sind. Im Gegentheile, die Grund-
formen der verschiedenen thierischen Wesen entsprechen
in den allerältesten Gebirgsformationen ganz denen unserer
heutigen Welt; nirgends existirt ein Uebergang von einer
typischen Hauptgruppe zur anderen.
Immer bleibt es merkwürdig, dass ganz unabhängig
von Darwin der Schöpfer der heutigen Entwickelungs-
geschichte, einer der allergenauesten Kenner der thierischen
Morphologie , K. E. v. Baer, auf eine freilich lange nicht
so weit ausgesponnene, doch einigermassen verwandte An-
sicht gekommen is!. In seiner weiter unten anzuführenden
"Abhandlung über Papuas und Alfurus geht Baer in seiner
bekannten, ebenso gründlichen als geistreichen Weise auf
diese für die Naturgeschichte ‘so allgemein interessanten
Fragen ein.
Ich finde, sagt Baer, „für den Begriff von Art keinen anderen,
als: die Summe von Individuen, welche durch Abstammung verbun-
den sind oder sein könnten.“ Die Betrachtung der geographischen
Verbreitung der Thiere, bringt Baer weiter zur folgenden Ansicht:
„die so häufig gruppenweise Vertheilung der Thiere nach Verwandt-
schaften scheint dafür zu sprechen, dass auch der Grund dieser nicht
gleichmässigen Vertheilung ein verwandtschaftlicher ist, d. h., dass
die einander sehr ähnlichen Arten wirklich gemeinschaftlichen Ur-
sprungs oder auseinander entstanden sind. Ich meine nicht allein
die unnöthig aufgestellten Species, sondern ich meine, die Vertheilung
der Thiere macht es wahrscheinlich, dass auch viele solcher Arten,
die sich jetzt getrennt halten und fortpllanzen, ursprünglich nicht ge-
trennt waren, dass sie also aus Varietäten, nach systematischen Be-
grillen, zu specifisch verschiedenen Species geworden sind. ... Wie
weit diese Entwickelung der Arten aus einander anzunehmen ist,
darüber wage ich mir selbst keine Meinung zu bilden.“
Man sieht, dass wir in ein Stadium der allgemeinen
Naturgeschichte der organischen Körper getreten sind , wo
die Erfahrungen, welche uns nicht bloss die systematische
_ Zoologie und Botanik liefern, sondern auch Physiologie und
Geologie, ausgezeichnete , geistvolle Forscher , welche aus
der Detailforschung nach der Verallgemeinerung, als der
1
R
re
8 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
höchsten Aufgabe jeder empirischen Wissenschaft streben,
antreibt, sich an Fragen zu versuchen, welche nicht bloss
ein höheres theoretisches, sondern selbst ein praktisches
Interesse haben. Diess wird recht deutlich, wenn wir Schril-
ten von grossen Thierzüchtern in die Hand nehmen, wie
die eben erchienene von dem Rittergutsbesilzer Hermann
von Nathusius auf Hundisburg über die Schweinsrassen,
eine an Umfang nur kleine Schrilt, die aber für die Wis-
senschaft von höchster Bedeutung ist und die wir im näch-
sten Jahresberichte besprechen oder zum Gegenslande einer
eigenen Abhandlung in diesem Archive oder anderwärts
machen wollen, da sich dieser wichlige Gegenstand doch
nicht in einem blossen Jahresberichte abthun lässt. Ohne-
diess habe ich denselben nur zur näheren Erörterung ge-
bracht, in soferne er begreiflicher Weise von der grössten
Bedeutung ist für die Frage nach der Art-Einheit oder
Artverschiedenheit des Menschen-Geschlechts und für den
Versuch, den Ursprung der Menschen-Rassen zu erklären.
Nur so viel mag vorläufig gesagt sein, dass meine Ansicht
auf eine mittlere, zwischen die von Agassiz und Dar-
win aufgestellte, hinausgeht und sich am meisten der von
Baer nähert. Vielleicht findet sich auch Raum im nächsten
Jahresberichte auf verschiedene Punkte zurückzukommen,
bei Gelegenheit der Besprechung des für Bastardzeugung
und den physiologischen Artbegrilf so wichtigen, eben er-
schienenen dritten Theils von J. Geoffroy St. Hilai-
re’s hist. generale des regnes örganiques.
Hier haben wir jetzt zunächst von einem Werke’ zu
berichten, das deulschem Fleisse und deutscher Gründlich-
keit die grösste Ehre macht, es ist diess die:
Anthropologie der Naturvölker von Th. Wailz, Prof:
in Marburg. 1. Theil. Leipzig 1859. Ueber die Einheit des
Menschengeschlechts und den Naturzustand des Menschen.
In diesem ersten Baude, welcher die. allgemeinen Grundsätze
für die Methode der Untersuchung aufstellt und auf der breitesten
Basis die naturhistorischen und psychologischen Elemente der auf dem
Titel bezeichneten Aufgabe zusanmenstellt , geht der Verf. mit sehr
grosser Sachkenntniss und Feinheit des Urtheils auf Fragen ein, die
“wir so eben berührt haben. Er giebt eine Kıitik der Lehren von Ant,
N
EEE EEE SE EDEUEGASGL EHEN 0 EEE WE EEE NETTE TEE
Br 2
2
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1859. 9
Varietät, Rasse und des Variationskreises aller dieser Abtheilungen,
in welche wir nicht näher eingehen können, die wir aber allen Na-
turforschern auf das lebhafteste empfehlen *). Der Verf. kommt
schliesslich zu dem Resultate, in welchem wir ihm vollkommen bei-
pllichten: dass aus Einheit der Abstammung Einheit der Art folge, dass
aber gesonderte Abstammung kein ausreichender Beweis für Artver-
schiedenheit sei. Annalıme von Stammes-Einheit aus Achnlichkeit
des Typus für sich allein, hält er für unsicher, ebenso verwirft er die
amerikanische Methode, jede Varietät als ursprüngliche Art zu be-
zeichnen. Spezielle Anwendung dieser ausführlichen naturhistorischen
Untersuchung auf den Menschen, bringt W. zu folgendem Schluss-
Resultate der naturhistorischen Untersuchung: „die bekannten That-
sachen erlauben nicht nur die Annahme der Arteinheit des Menschen-
geschlechts, sondern diese Ansicht ist auch mit geringeren Schwie-
rigkeiten verbunden und hat die grössere innere Consequenz für sich,
als die entgegengesetzte der Artverschiedenlieit, weil jede Anzahl von
Arten, die man aufstellen möchte, als gleich willkührlich erscheint.
Da indessen die Hauptgründe, welche für die Arteinheit sprechen,
auf dem Nachweise der Veränderlichkeit der menschlichen Organisa-
tion durch äussere und innere Einflüsse beruhen und wir bei un-
serer Unbekanntschaft mit den Grenzen der Macht, welche diese letz-
teren besitzen und bei dem Mangel genauer thatsächlicher Angaben,
die sich über lange Zeiträume und annähernd vollständig über alle
Theile der Erde erstrecken, nicht mit Sicherheit zu entscheiden im
Stande sind, ob wir die Wirksamkeit jener Einflüsse so hoch an-
schlagen dürfen, als zur Produktion der bestehenden Verschiedenhei-
ten erforderlich wäre, so ist und bleibt die Frage nach der Arteinheit
des Menschen-Geschlechts eine oflene Frage. Selbst dann aber, wenn
vollständig erwiesen wäre, dass die Grösse der Veränderungen, die
mit demselben Menschenstamme im Laufe der Zeit vor sich gehen
können, der Grösse der Unterschiede zwischen dem Neger und Eu-
ropäer gleichkommt, bliebe es noch ungewiss, ob factisch der eine
vom anderen abstamme, Die Frage nach der Einheit der Art wäre
dann zwar beantwortet, aber damit noch nicht die nach der Einheit
der Abstammung. Für die Lösung der letzteren scheint es an der
erforderlichen thatsächlichen Grundlage so gut als ganz zu fehlen
und wie man sich daher auch entscheiden möge, die Entscheidung
scheint in jedem Falle nur einen sehr geringen Grad von Wahrschein-
lichkeit in Anspruch nehmen zu können.“ Obwohl wir die psycho-
logischen Untersuchungen aus unserem Berichte ausschliessen, so mag
*) Eine vollständigere Besprechung des Werkes habe ich in
ar
den Göttingischen gelehrten Anzeigen von 1860 Stück 33, 34, 55
gegeben,
10 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
hier doch kurz erwähnt werden, dass Waitz zu einem Ergebnisse
kommt, das mit dem aus der physischen Betrachtung gezogenen über-
einstimmt und das er in die Worte fasst: „es giebt wahrscheinlich
keine spezifische Verschiedenheit innerhalb des Menschengeschlechts
in geistiger Rücksicht.“
Diese Fragen hat auch Baer a. a. O. behandelt.
Er sagt: „Man verstehe mich nicht unrecht. Ich sche mich nur
ausser Stande, spezifische Unterschiede unter den Menschen zu er-
kennen, so lange man mir nicht geschwänzte Menschen oder ähnli-
che Unterschiede nachweist, und wenn die jetzigen Stämme der
Menschen sich fruchtbar verbinden , so erlaube man mir wenigstens
zu fragen, was denn eigenlich selbstständige Art ist? Ob etwas, das
der Naturforscher nach Gutdünken sondert oder eine in der Natur
begründete Sonderung und worin diese denn besteht? — Ein Be-
dürfniss, alle Menschen von Einem Paare abzuleiten, beherrscht mich
durchaus nicht... .....- . Ich fühle mich sehr wenig angezogen,
über die Art, wie die Menschen sich ursprünglich verbreiteten, eine
bestimmte und gegliederte Ueberzeugung mir auszubilden und noch
weniger sie zu lehren, weil es mir scheint, dass es — bis jetzt we-
nigstens — ganz an sicherer Grundlage fehlt. Eben, weil ich wohl
nie an eine vollständige Erörterung dieser Frage gehen werde, habe
ich hier einen kleinen Streifzug in das Lager derjenigen mir er-
laubt, welche viele nicht verschiedene Spezies von Men-
schen annehmen zu müssen glauben.“
Ganz im Sinne von Waitz und Baer spricht sich auch Go -
dron in seinem oben angeführten Werke für die Einheit der Art
der verschiedenen Menschenformen aus. Was die Abstammung von
einem Paare betrifft, so schliesst sich der Verfasser an die Meinung
derjenigen an, welche die Elemente der Forschung, worüber die Na-
turgeschichte gebietet, für unzureichend zur Lösung der Frage hal-
ten, ob ein oder mehrere Stammpaare anzunehmen seien. „Toutefois,
dans ce que l’histoire naturelle nous apprend“ sagt der Verf., um uns
seiner eigenen Worte zu bedienen „rien ne s’oppose ä ce qu’il n'y
ait eu a l’origine qu’un couple unique, comme le proclament du
reste les traditions unanimes de tous les peuples.*
Auf den Menschen angewendet, bringen die obenerwähnten
Darwin’schen Schlüsse und Hypothesen die Rassen natürlich wieder
in eine eigenthümliche Stellung zu den Grundfragen. Die Menschen-
rassen sind hiernach nothwendig nicht ursprünglich verschiedene
Stammformen oder Urspezies, sondern erst werdende oder gewordene
Spezies aus einer einfachen Stammform. Man sieht hieraus recht, wie
vieldeulig die oft besprochenen Verschiedenheiten des Menschen-Ge-
schlechts in Bezug auf Ursprung und Stammverwandischaft aufgefasst
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1859. 11
werden können, ein klares Beispiel von der hier waltenden Man-
gelhaftigkeit der Erkenntniss, welche jeden sicheren Abschluss dieses
der Wissenschaft noch völlig unzugänglichen Problems unmöglich
macht. Mag man sich die Entstehung des Menschen unter dem Be-
grilfe der Schöpfung oder der Generatio aequivoca aus blossen Na-
turkräften denken, so wird man gestehen müssen, dass jede der bei-
_ den Annahmen einer naturwissenschaftlichen Analyse, jeder irgend
| klaren Vorstellung, welche Vorgänge man sich dabei zu denken habe,
unnahbar ist.
Unter den allgemeinen Werken, welche im vorigen
Jahre über die Naturgeschichte des Menschen, dieselbe mehr
als einen Theil der Länder- und Völkerkunde behandelnd,
erschienen sind, verdienen genannt zu werden.
Dr. Maximilian Perty, Prof. in Bern, Grundzüge
der Ethnographie. Leipzig und Heidelberg 1859.
Ein recht brauchbarer und übersichtlicher Grundriss mit ein-
zelnen Holzschnitten. Der Verf. geht auch auf die Culturgeschichte
und allgemein statistische Verhältnisse ein.
J. J. d’Omalius d’Halloy des races humaines ou
elements d’ethnographie. 4. edit. Paris 1859.
R.G. Latham, Descriptive Elhnology. Vol. I. Eastern
and Northern Asia, Europe. Vol. II. Europe, Africa, India.
London 1859.
Dr. F. Pruner Bey: Der Mensch im Raume und in
der Zeit (physisch, sprachlich, geschichtlich). Eine ethno-
_ graphische Skizze. München 1859. 4. mit 4 lith. Tafeln.
Diese interessante Schrift ist bei Gelegenheit des 100jährigen
Jubiläums der Akademie der Wissenschaften in München vertheilt
worden (1859). Sie enthält ebenso geistvolle allgemeine Betrach-
tungen, als mehrere neue Einzelnheiten, Erfahrungen, die sich auf
des Verf. langen Aufenthalt im Orient beziehen. So z. B. beobach-
tete der Verf. ähnliche Fettwucherungen am Gesässe, wie man sie von
Hottentottinen kennt, auch bei Frauen vom Dinkastamme und des Cor-
dofan, wie sie Dr. Barth selbst bei vielen Berberfrauen beobachtete.
Ebenso fand Bruner die büschelförmigen Haarquasten der Hotten-
tolten bei vielen Ost- Afrikanern, also allgemeiner, als man bisher
glaubte, Feuerrothes Haar fand B., wenn auch selten, bei Negern
im alten, wie neuen Egypten, olıne den pathologischen Albinismus,
der bei Negern seit lange bekannt ist. Auf die sprachlichen Bemer-
kungen des Verf.'s können wir hier nicht eingehen. Bei Gelegenheit
der geologischen Verbreitung menschlicher Knochen und dem Vorkom-
men eigenthümlicher Schädel in alten Gräbern kommt Verf. noch ein-
12 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
mal auf die physischen Verhältnisse der Kopten und schreibt allen
entschieden gekräuseltes, nicht schlichtes Haar zu und hält, der allge-
meinen Ansicht gegenüber, die christlichen Kopten für weniger ge-
mischt, als die islamitischen Landbebauer, die entschieden mehr ara-
bisches Blut haben, als jene. „Fest steht“ sagt der Verf. S.44 „durch
den monumentalen Befund , dass, so weit die Denkmäler einzelner
Nationen zurückreichen, jede durch ein eigenthümliches physisches
Gepräge sich kennzeichnet, und dass von einer jeden sich noch
Nachkommen finden, welche ihren Stammältern ähnlich. Der Anhang
bringt mit Abbildungen einen Fund aus Stein - Särgen im alten allo-
brogisch-keltischen Gebiete, einem Kieshügel am Genfer-See; es fand
sich hier ein schiefzähniger rachenförmiger Langschädel (doch
ist der Prognathismus nach der Abbildung zu urtheilen nicht auf-
fallend, Ref.), ein Kurzschädel und ein Mischlingsschädel, bra-
chycephalisch ‚aber prognathisch nach Angabe des Verf. (Ref. kann
nach der Abbildung einen aullallenden Prognathismus nicht finden).
Maasse in Millimetern sind beigefügt. Als Schlussfolgerungen stellt
der Verf. zuletzt fünf Sätze zusammen, als Ergebnisse seiner Unter-
suchungen. Es sind folgende in etwas abgekürzter Mittheilung : 1)
Der Mensch bildet durch sein Aeusseres, seine Sprache, seine Ge-
schichte ein eigenes Reich. 2) Die sogenannten Menschenrassen müs-
sen als Varietäten betrachtet werden. 3) Die Species des Thierrei-
ches hat eine ganz verschiedene Unterlage und ihr Begriff ist auf
den Menschen nicht anwendbar. 4) Je weiter man in die Vergan-
genheit zurückgeht, desto mehr gleichen sich die menschlichen Ty-
pen. 5) Der arische, mit dem ovalen Schädel ist wohl geschichtlich
der jüngste.
Der seildem verstorbene Direktor des statistischen
Bureaus in Berlin, Professor Dieterici hat als letzte Ar-
beit eine Statistik über: Die Bevölkerung der Erde nach
ihren Totalsummen, Rassenverschiedenheiten und Glaubens-
bekenntnissen in Petermanns geographischen Mittheilungen
für 1859. Heft. 1 publicirt.
Darnach befinden sich unter den etwa 1300 Millionen Menschen
der Erde 1026 Millionen Dolichocephalen und 262 Millionen Brachy-
cephalen, wenn man die Völker nach dem Retzius’schen Prinzipe
klassifizirt. Nach der Blumenbach’schen Eintheilung gehören 522 Mil-
lionen zur Kaukasischen, 522 Millionen zur Mongolischen, 196 Mil-
lionen zur Aelhiopischen, 1 Million zur Amerikanischen, 200 Mil-
lionen zur Malayischen Kasse oder in Prozenten sind von der Bevöl-
kerung der Erde: 28,85 Kaukasisch, 40,61 Mongolisch, 15,38 Malayisch,
15,08 Afrikanisch, 0,08 Amerikanisch. Begreiliicher Weise können
solehe Angaben, namentlich über fremde Erdtheile nur sehr unsicher
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1859. 13
sein. Einige Angaben sind aber so handgreiflich unrichtig, wie die
viel zu geringe Zahlen-Annahmen für die Amerikanische Rasse, dass
man nicht begreift, wie der Verf. sie aufstellen konnte.
Als von allgemeinem Interesse nennen wir auch:
Wappaeus, Prof. in Göttingen, Allgemeine Bevöl-
kerungsslatistik. Leipzig 1859.
Von dem reichen Material, was die österreichische
Novara-Expedition von ihrer Welt-Umsegelung, vorzüglich
durch die Verdienste Dr. Carl Scherzer’s, beobachtet
oder mitgebracht hat, und wovon eine im nächsten Jahres-
berichte zu erwähnende eben jetzt stattfindende Ausstellung
zu Triest eine Uebersicht giebt, ist zunächst veröffentlicht
worden: Ueber Körper -Messungen als Behelf zur Dia-
gnostik der Menschen - Ragen von Dr. Carl Scherzer
und Dr. Eduard Schwarz in den Mittheilungen der K.
K. geographischen Gesellschaft f. 1859.
Diese kleine Schrift enthält interessante einleitende Bemerkun-
gen über das trügerische der äusseren Merkmale beim blossen An-
blick fremder Völker, wo solche Verhältnisse, wie Kleidung, Art das
llaar zu tragen u. s. w. die grössten Täuschungen bringen. Die der
Zöpfe beraubten Chinesen in den Gefängnissen von Hongkong, na-
mentlich vom Stamme der Hakkas, mit ihrem gedrungenen kräftigen
Körperbaue, den schön geformten, gebogenen (langen, geraden) Nasen
und einer fast gar nicht spezifisch chinesischen Augenstellung glichen
so gewissen plebejischen Figuren aus unseren unteren Ständen, dass
„sie, europäisch gekleidet, sich mit den meisten Menschen in Berüh-
rung setzen könnten , ohne jemals für Chinesen erkannt zu werden.
Bei den schöner geformten Tartaren war die Täuschung noch frappan-
ter. Umgekehrt fanden beide Mitglieder der nautischen Expedition
katholische und protestantische Missionare, mit chinesischem Kopf-
haar und Zapf, so wie chinesischer Kleidung, häufig von eigentlichen
Chinesen nicht unterscheidbar. Dr.Medhurst reiste auf diese Weise
viele Monate im Inneren China's, ohne erkannt zu werden oder
den geringsten Verdacht zu erregen. — Was die Prinzipien der Mes-
sung betrifft, so bedienten sich die Verff. des Bandmaasses, des Ta-
ster-Cirkels und anderer einfachen Instrumente und sie führten an
jedem Individuum 78 Messungen aus, von denen sich 30 auf den
Kopf, 19 auf den Stamm, 21 auf die oberen und unteren Extremitä-
ten beziehen, welche in der Schrift einzeln verzeichnet sind. Aus-
serdem stellten sie allgemeine Beobachtungen nach folgenden Rubri-
ken zusammen: Name, Geschlecht, Geburtsland, Beschäftigung, Art und
14 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
Stärke des Bartes, Alter, Farbe der Haare, der Augen, Zahl der Puls-
schläge, Gewicht, Dynamometer (für Druck- und Hebekraft), Höhe.
Es wäre schon sehr viel für die vergleichende Anthropologie gewon-
nen, wenn bei den Reisen in fremde Erdtheile die Erforschung die-
ser Elemente der Völkerbeschreibung ernstlich in Angrilf genommen
werden würde.
Von grosser Wichtigkeit ist auch die Anwendung der
Photographie für die Rassenbilder.
In Petermann’s geographischen Mittheilungen für 1859
Heft 4 sind drei recht gute Photographieen von Eingebor-
nen von Süd-Australien gegeben.
Noch wichtiger ist die Abnahme von Gypsmasken.
Die Gebrüder Schlagintweit haben auf ihren ostindi-
schen Reisen solche Abgüsse bei Eingebornen gemacht und
davon verkäufliche galvanoplastische Abformungen anferti-
gen lassen. Noch ist von den Schlagintweit’schen For-
schungen in Bezug auf Ethnographie uns nichts näheres
bekannt geworden, was wir für diesen Jahresbericht ver-
werthen könnten.
Von der grössten Bedeutung für die Rassenlehre über-
haupt und insbesondere die schwarzen Rassen Australiens
und der Südsee sind die beiden bereits oben benutzten Ab-
handlungen von K. E. von Baer in den Memoires de
l’Academie de St. Petersbourg, Sc. nat. Tom. VIII, die auch
einzeln im Buchhandel zu haben sind:
Crania selecta ex thesauris anthropologicis academiae
imperialis petropolitanae cum tab. XVI lithogr.
Vortreffliche Abbildungen, meist von mehreren Seiten von
Schädeln von Papuas, Alfuren, Kalmücken, Chinesen, Bewohnern von
Unalaschka.
Ueber Papuas und Alfuren. Ein Commentar zu den
beiden ersten Abschnitten der vorigen Abhandlung.
Eine meisterhafte Kritik und Zusammenstellung alles dessen,
was wir in Betreff der schwarzen Rassen der Südsee wissen, wobei
die anmuthige Skepsis und der Humor des Verfassers, den wir aus
seinen Studien am Caspischen Meere kennen, Licht und Ordnung in
das Chaos der Mittheilungen von Seefahrern und Naturforschern bringt,
so weit diess in einem so mangelhaft durchforschten Gebiete möglich
ist. Ehe eine irgend begründete Ueberzeugung über Ursprung und
Verbreitung der Südsee-Neger zu gewinnen ist, erscheint es noth-
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1859. 15
wendig, die dunklen Völkerreste in Indien, aber auch die Bewohner
von Ost-Afrika und besonders von Madagascar genauer zu beob-
achten, sowohl in Hinsicht der Körper- Bildung als der Sitten und
Sprachen. Des Verfassers Untersuchungen führen zunächst auf zweierlei
Typen, die ihren Ausgangspunkt in Neu-Guinea haben, von denen
der erste oder der eigenliche Papua-Stamm entschiedenere Neger-
Aehnlichkeit hat, als der zweite, der sich, besonders im Schädelbaue,
aber auch im Gesichte, sehr den Neuholländern nähert und von ihnen
beinahe nur durch das krause Haar auffallend sich unterscheidet, das
man nur in benachbarten und sehr beschränkten Gegenden Neuhollands,
wo man Einwanderungen von den Torres-Inseln vermuthet, in ge-
drehten Troddeln herabhängen sieht. „Wir bleiben also, sagt der
Verf., bei unseren zwei Typen stehen. Dem ersteren wird man wohl
den Namen Papua bewahren müssen, weil dieser Name ursprünglich
dem westlichen Küstenyolke gegeben und diesem nicht entzogen ist.
Für den anderen Typus müsste man einen eigenen Namen erfinden,
wenn man nicht den der Alfuren beibehalten will. Ich schlage die
Beibehaltung desselben vor, denn man hat doch lange genug die Be-
wohner des Inneren der Westhälfte von Neu-Guinea Alfuren genannt.
Um sie von anderen Volksresten im Indischen Archipel zu unter-
scheiden, kann man sie Alfuren von Neu-Guinea oder Alfuren-Papuas
nennen. Auch würde man sich darin dem in Batavia noch fortge-
henden Gebrauche anschliessen. Man hätte nur die lange für richtig
gehaltene Meinung, dass die Alfuren schlichtes Haar haben als
falsch anzuerkennen und zu berücksichtigen , dass viele der Papua-
Sklaven in der Indischen Welt Alfuren-Papuas sind. Die von Les-
son und Hombron gebrauchte Benennung Andamanen, würde ich
verwerfen, so lange nicht erwiesen ist, dass die Küsten-Papuas ihre
Nachbaren vom Innern so nennen, wie Lesson andeutet, was aber
kein anderer Beobachter erfahren hat, oder bis nachgewiesen ist, dass
die Bewohner der Andamanischen Inseln diesem Typus angehören.
Eine solche Uebereinstimmung mit jenen Insulanern geht aber aus
keiner der mir zugänglichen Beschreibungen der letzteren bestimmt
hervor, obgieich sie auch nicht für das Gegentheil sprechen. Es ist
dagegen ein anderer Rest eines schwarzen kraushaarigen Volkes,
Orang-Samang oder Semang genannt, das im Innern der Halbinsel Ma-
lakka lebt und in mehrere Tribus sich theilt, in neuerer Zeit so be-
schrieben, dass ich dieses Volk für übereinstimmend mit den Alfuren
_ Neu-Guineas zu erklären sehr geneigt bin. Herr Logan (bei Earl,
the Papuans), der Samang’s beobachtete, sagt: „der Kopf ist klein,
dachförmig (ridged, mit Firste verschen), das heisst, er erhebt sich
über der Stirn in Form eines stumpfen Keils, der Hinterkopf ist ge-
rundet und etwas anschwellend (swelling) ; die Stirn klein, niedrig (?)
und merklich schmaler, als die Wangengegend, die Augenbraunbogen
3
16 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie
stark. Das Haar ist spiralig, nicht wollig und wächst dicht in Bü-
scheln.*“ Der rücken- oder dachförmige Scheitel ist es besonders,
wodurch unser zweiter Typus charakterisirt wird. Dieselbe Form
des Schädels charakterisirt auch den Schädel der Neu-Holländer und
bei diesen läuft nicht selten eine wirkliche Firste oder ein scharfer
Kiel der Länge nach dem Scheitel fort. Die Neuholländer haben aber
nach übereinstimmenden Berichten schlichtes Haar oder ganz schwach
gelocktes — mit einziger Ausnahme einiger kleinen Stämme der
Nordküste, z. B. der Kowraregas und ähnlicher, welche man deshalb
als von einer Vermischung der Papuas mit den Neuholländern ab-
stammend betrachtet. Deswegen wird man die Binnenvölker von
Neu-Guinea, für welche wir den Namen Alfuren beizubehalten vor-
schlagen, ungeachtet der Achnlichkeit ihres Schädelbaues mit den Be-
wohnern von Neuholland, dennoch zum Hauptstamme der Papuas zu
rechnen haben.“
Von besooderem Interesse ist Baer’s Kritik der Haare der Pa-
puas, wo er zeigt, wie unbestimmt die Angaben und Begriffe über
das „Wollhaar“ sind. Baer stellt das Schlussresultat über das Pe-
rückenhaar der Papuas in folgender Weise zusammen: „Der grosse
Quasten-Kopf, durch den die Küstenpapuas so auffallend sind, beruht
nur darauf, dass dieses in viele Spiralen gedrehte Haar ausgekämmt
wird, und dass die einzelnen Locken gelöst werden. Natürlich giebt
diess nun einen ganzen Ballon von Haaren, die sich gegenseitig hal-
ten. Man kann die Merino-Wolle ebenso auskämmen.*
Ueber den Schädelbau der Rhätischen Romanen von K.
E. v. Baer, gelesen am 24. Juni 1859 in der St. Peters-
burger Akademie (Bulletin. Neue Reihe Tome I. p. 38).
Ein Graubündtner Schädel in der Sammlung des anatomischen
Museums in Basel von ausserordentlicher Kürze und Breite des Hin-
terhaupts erregt des Verf.'s Aufmerksamkeit im hohen Grade; die
grösste Breite des Schädels war nur um 3 Linien geringer, als die
grösste Länge. Diess bewog v. Baer, selbst nach Graubündten zu
reisen. Schon auf der Reise nach der Schweiz fiel ihm auf, dass der
Schädel des Allemanischen Stammes im Allgemeinen breiter erscheint,
als der des Franken oder Sachsen. Im Dorfe Churwalden, vielmehr
aber noch im Dorfe Ems fand B. in den Beinhäusern der Kirchhöfe
zum Theil ungemein breite Schädel, mit weit hinter den Ohr-Oell-
nungen liegenden tubera parietalia, welche B. ungemischten Roma-
nen zuschreibt; darunter kommen aber Mischungen mit germanischem
Typus vor. B. benutzt diesen Fund zu einer umfangreicheren ethno-
graphischen Untersuchung mit vorzüglicher Rücksicht auf die mögliche
Lösung einer grossen und tiefgreifenden historischen Frage, der näm-
lich: über die ursprünglichen Bewohner Europa’s vor dem Einrücken
und der Naturgeschichte des Menschen im Jahre 1859. 17
der Indo-Europäischen oder Arischen Völker. Der Verf. geht auf
die Frage zunächst ein, in wie ferne man die Rhätier, nach einer
Stelle bei Plinius, als eine Colonie oder einen Zweig der alten Etru-
rier betrachten könne, die Retzius unter die Brachycephalen zählt,
während die Schädel aus Etruskischen Gräbern in der Blumenbach’-
schen Sammlung, in Paris undrdie neuerdings von Maggionari in
Rom abgebildeten dolichocephalisch sind. Er zeigt schliesslich, dass
schon in Etrurien sich zwei ursprünglich heterogene Nationalitäten
mischten, wie die alten stammverwandten Rhätier Mischungen mit
Kelten eingingen ; Keltische Stämme drangen höchst wahrscheinlich
unter Gallischer Herrschaft, wie in Nord-Italien,, so auch unter die
benachbarten uralten Gebirgsvölker vor.
Von dem mit sehr schönen lithographirten Tafeln ver-
sehenen Werke : Crania britannica, delineations and descri-
ptions of the Skulls of the aboriginal and early inhabitants
of the british Islands, together with notices of their other
remains by Joseph Barnard Davis and John Thur-
nam. London printed for the Subscribers only by Taylor
and Francis. Red Lion Court, fleet Street, das 1856 be-
gonnen wurde und auf 10 Decaden berechnet und seitdem
fortgesetzt ist, werden wir eine Uebersicht geben, wenn
sich der Inhalt mehr nach seinen allgemeinen Resultaten
übersehen lässt.
Ueber die Wogulen östlich vom millleren Ural zwi-
schen dem 59° und 69° Breitengrade giebt A. Ahlquist
Mittheilungen im Bulletin de l’Acad. de St. Petersbourg XVI.
1859, davon ein Auszug in der Zeitschr. f. allg. Erdkunde.
N. Folge. Bd. 6. S. 222.
Enthält nur wenige für uns wichtige Notizen. Die Wogulen
sind von miltlerer Körpergrösse, meist gedrungen und kräftig ge-
baut, mit wenig verstehenden Wangenknochen, breiter, nicht platter
Nase, durkelbraunen, nicht selten ganz hellen Haaren.
Die Schoho’s und die Beduan bei Massaua von Wer-
ner Munzinger Zeitschr. f. allg. Erdkunde, N.F. Bd. 6.
8.89.
Interessant, weil cs die Bewohner der Trümmer zweier alten
Reiche sind, das des äthiopisch- christlichen der Königin von Saba
und des mohamedanischen der Völker von Adel , das diesem folgte.
Die Ursitze dieser abyssinischen Volksreste kennt man nicht. Die
Soho's sind ihrer Sprache nach den Somaulis und Gallas verwandt,
ihre Farbe dunkelbraun bis schwarz, ihre Physiognomie wenig neger-
Archiv. f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. B
18 Wagner: Bericht üb. d. Arbeiten in d. allg. Zoologie etc.
artig, nur die Haare wie grobe Schafwolle. Die anstossenden, nörd-
licher wohnenden Beduan geben ein rechtes Bild von einem Misch-
lingsvolk. Sie sind der Farbe nach Afrikaner, im Ganzen schwarz
doch mit vielen Nüancen, ohne je die ächte Negerfarbe zu erreichen ;
der Physiognomie nach sind es Kaukasier, der Sprache nach Semiten.
Sie haben lange gerade Nasen mit hoher Stirne; besonders die Frauen
haben sehr regelmässige, schöne Gesichtszüge — ganz griechische
Formen. — Form der Haare wird nicht angegeben.
Notes’sur lesj negres de l’Ethiopie Ecrites dememoire et
adressees parM. Antoine d’Abbadie aM.de Quatre-
fages. Bulletin de la Soc. de Geographie Tome XVII. p. 170.
Das Studium des Ursprungs der Neger veranlasste den Verf.
zur Reise, deren wenigstens hier niedergelegte ungemein dürftige
Resultate sich nur auf einige Mittheilungen über die Farben der Ne-
ger beziehen, über deren Formen er später zusammenhängendere
Mittheilungen verspricht.
Wir schliessen diesen Bericht mit einer museographi-
schen Abhandlung: Nachrichten über die ethnographisch-
craniologische Sammlung der Kaiserlichen Akademie der
Wissenschaften zu St. Petersburg vom Akademiker v. Baer.
Bulletin de la Classe physico - mathematique de l’Ac. etc.
Tom. XVII. No. 12, 13, 14.
Wie alles, was aus dieser Feder kommt, immer viel vortreffli-
ches enthält, so auch dieser Aufsatz, der die anziehendsten Bemer-
kungen über die Grundprinzipien der vergleichenden Anthropologie,
deren Beziehung zur Geschichte, den Werth der craniologischen
Sammlungen u. s. w. enthält. ‘Die Sammlung ist vorzüglich angelegt
worden, um Studien über die Völker des weiten russischen Reiches
und deren Ursprung möglich zu machen; sie dehnt sich, aber natür-
lich auch auf andere Völker aus. Die Sammlung enthält bereits über
vierthalbhundert Schädel, welche geographisch geordnet und aufge-
stellt sind, nicht nach einem craniologischen Prinzipe, unstreitig die
zweckmässigste Art, welche ich auch für die Blumenbach’sche Samm-
lung gewählt habe. Der Verf. spricht sich vorzüglich über die Noth-
wendigkeit eines gemeinsamen Messungsprinzips aus, zu welchem
Ende er im Sinne hatte, einen Congress nach Göttingen , als der
Wiege der wissenschaftlichen Naturgeschichte des Menschen auszu-
schreiben, worüber ich einiges in der oben angeführten Anzeige des
Werkes von Waitz mitgetheilt habe. Die Ausführung dieses Planes
dürfte von Wichtigkeit für die Fortschritte der gesammten Naturge-
schichte des Menschen werden.
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Säugethiere während des Jahres 1859.
Von
Dr. Reinhold Hensel
in Berlin.
In Folge einer Aufforderung des Herausgebers hat
Referent es unternommen , nachstehenden Bericht für das
Jahr 1859 zu liefern. Liegt es schon in der Natur der
Sache, dass jeder erste Bericht mehr oder weniger lücken-
haft sein wird, so kann der gegenwärtige um so weniger
einem solchen Vorwurfe entgehen, als in Berlin leider ein
fühlbarer Mangel an der hierher gehörigen Literatur herrscht.
Manche wichtige Arbeiten mussten daher dem Ref. ganz
unbekannt bleiben, namentlich wenn sie in auswärtigen
Zeitschriften erschienen waren, und von anderen konnten
nur die Titel angeführt werden, da Ref. noch nicht Gele-
genheit gehabt hatte, sich mit ihrem Inhalte bekannt zu
machen. Das Uebergangene soll jedoch, so weit es mög-
lich ist, im nächsten Berichte berücksichtigt werden, gleich
wie auch jetzt einige Nachträge aus dem Jahre 1858 ge-
macht worden sind, ohne aber die systematische Anord-
nung des ganzen Referates zu stören. Gerne hätte Ref.,
gemäss den Forderungen der Wissenschaft, auch die fos-
silen Säugethiere in denKreis seines Jahresberichtes gezo-
gen, allein der diesem vorgeschriebene Raum ist zu be-
schränkt, um eine solche Ausdehnung zu gestalten. Es
wird daher der Bericht über die Fortschritte in der Natur-
geschichte derselben, von dem gegenwärtigen Referate ge-
irennt, an einem anderen Orte erscheinen.
20 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Als das seiner Anlage nach für die Kenntniss der
Säugethiere wichtigste Werk aus vergangenem Jahre sind
„Mammals of North America. Philadelphia 1859“ von Spen-
cer F. Baird zu nennen.
Das Werk zerfällt in zwei Theile, deren erster bereits im
Jahre 1857 unter dem ‚Titel: General report upon the mammals ‚of
the several pacific railroad routes, Washington ‚1857 erschienen und
jetzt wieder abgedruckt ist. Da dieser Theil bereits im vorjährigen
Berichte besprochen ist, so kann bloss auf diesen hingewiesen wer-
den. Der zweite Theil führt auch den besonderen Titel: Special re-
port upon Ihe mammals ‚of the Mexican Boundary. Washington 1859.
Die in diesem Theile behandelten Thiere sind: 2 Fledermäuse Ma-
crotus californica (?) Baird, Vespertilio pallidus Leconte. — 2 Insectiv:
Blanira Berlandieri Baird, Bl. exilipes Baird. — 22 Carnivor: Felis
concolor Linn., F. onza, F. pardalis, F. Eyra Desm., F. Yaguarundi
Desm., Lynx rufus Raf. var. maculatus, Canis occidentalis var. mexi-
canus und var. rufus, C,. latrans, Vulpes virginianus Rich. , Bassaris
astuta Licht. , Putorius frenatus Aud. et Bach., Mephitis mesoleuca
Licht. , M. varians Gray, M. bicolor Gray, Taxidea Berlandieri Baird,
Procyon Hernandezii Wagl. var. mexicana St. Hilaire, Ursus horribilis
var. horriaeus Baird, Ursus cinnamomeus, Didelphys virginiana, ‚D.
californica Bennet. — 34 Nagethiere.: Sciurus limitis Baird. S. Judo-
vieianus Custis, $. carolinensis?, S. castanonotus, Tamias dorsalis
Baird, Spermophilus grammurus Bach., Sp. Couchii Baird, Sp. tereti-
cauda Baird, Sp. mexicanus Wagner, Sp. spilosoma Bennett, Cyno-
mys ludoviciamus Baird,, Castor canadensis Kuhl, Geomys Clarkii
Baird, Thomomys umbrinus Baird, Th. fulvus Baird, Dipodomys Ordii
Woöodhouse,, D. agilis Gambel, Perognathus penicillatus Woodhouse,
P. hispidus Baird, P. flavus Baird, Mus tectorum Savi, Reithrodon
megalotis Baird, Hesperomys texanus Woodhouse, H. sonoriensis Le-
conte, H. eremicus Baird, Neotoma mexicana Baird, N. micropus
Baird, Sigmodon Benlandiere Baird, Fiber zibethicus Cuv., Lepus
callotis Wagl., L. californicus Gray, L. sylvaticus Bachm., L. Artemi-
sia Bachm., L. Bachmani Waterh. — 1 Edent. Dasypus novemeinctus
Linn. — 7 Hufthiere : Dicotyles torquatus Cuv. , Cervus virginianus
Boddaert, C. mexicanus Gmel., C. macrotis Say, Antilocapra americana
Ord., Ovis montana, Bos americanus Gmel. Von den hier aufgezähl-
ten Thieren sind bloss die Fledermäuse im ersten Theile noch nicht
genannt worden. (Ungeachtet seines grossen Fleisses muss man dem
Verf. den Vorwurf machen, die Literatur und Fauna der alten Welt
zu wenig berücksichtigt zu haben. Daher auch die Diagnosen na-
mentlich der Thiere , bei denen eine Vergleichung mit Formen der
alten Welt hätte stattfinden müssen, trotz der langen und sorgfältigen
2
der Säugethiere während des Jahres 1859. 21
Beschreibungen an einer Unbestimmtheit leiden, die sie unbrauchbar
macht. Sie sind in vielen Fällen eigentlich bloss kurze Beschrei-
bungen der äusseren Erscheinung. Hätte z. B. der Verf. für die Dia-
gnose des Vulpes fulvus nicht bloss eine schottische Füchsin, sondern
die zahlreichen Exemplare in den Europäischen Museen verglichen
oder auch nur das gekannt, was durch Pallas und Andere über die
rothen Füchse Sibiriens gesagt worden ist, so wäre er sicher zu dem
Resultate gelangt, dass bedeutendere Grösse, dichter Pelz und rothe
Farbe nicht unterscheidende Merkmale für V. fulvus sind. Ja bei
Lupus occidentalis hat der Verf. sogar die Diagnose ganz weggelas-
sen, weil ihm doch vielleicht bekannt gewesen sein mag, dass bei
dem Wolf der alten Welt genau dieselben Farbenunterschiede vom
dunkelsten Schwarz bis zum reinsten Weiss wie bei dem Amerika-
schen Wolfe vorkommen. /
Viel geringer an Umfang aber durch die wissenschaft-
lichen Resultate wichtiger für die Säugethierkunde sind die
„Reisen und Forschungen im Amur-Lande von Leop. v.
Schrenck. Bd.I. Lief.1. St. Petersburg 1858.“
Der Verf. hat sich im Sinne der Middendorff’schen Schule we-
niger um Aufstellung neuer Species als vielmehr um Ermittelung der
Grenzen bemüht, innerhalb deren die Individuen einer Species in
Bezug auf Farbe u. s. w. variiren können, Ebenso ist die geogra-
phische Verbreitung der Säugethiere mit mustergültiger Gründlichkeit
bearbeitet. Die einzelnen mehr oder weniger ausführlich behandel-
ten Species sind: Ursus arctos L., Ursus maritimus L., Meles Taxus
Schreb., Gulo borealis Nilss., Mustela zibellina L., Mustela sibirica
Pall., Mustela erminea L., Mustela vulgaris Briss., Lutra vulgaris Erxleb.,
Lutra (?) aterrima Pall., Enhydris marina Schreb., Canis lupus L,,
Canis alpinus Pall., Canis vulpes L., Canis lagopus L., Canis procyo-
noides Gray, Canis familiaris L., Felis Lynx L,, Felis Tigeis L., Felis
Irbis Müll., Felis domestica Briss., Erinaceus europaeus L., Erinaceus
aurilus Gmel., Sorex vulgaris L., Sorex pygmaeus l,axm., Vespe-
rugo borealis Nilss., Vespertilio mystacinus Leisl., Vespertilio Dau-
bentonii Leisl., Plecotus auritusL., Pteromys volans L., Sciurus vul-
garis L., Tamias striatus L., Tamias uthensis Pall., Arctomys Bobac
Schreb,, Mus decumanus Pall., Mus musculus L., Arvicola amurensis
nov. spec. Schrenck, Arvicola rutilus Pall., Arvicola amphibius L.
Arvicola saxatilis Pall., Arvicola Maximowiezii nov. spec. Schrenck,
Siphneus Aspalax Pall., Castor Fiber L., Lepus variabilis Pall., La-
gomys hyperboreus Pall., Sus scrofa L., ferus und domesticus, Ovis
montana Desm., Ovis aries L., Antilope crispa Temm., Bos taurüs L.,
Moschus moschiferus L., Cervus capreolus L., Cervus Tarandus L,,
- Corvus Elaphus L., Cervus Alces L., Equus caballus L., Equus asi-
22 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
nus L., Trichechus Rosmarus L., Phoca nummularis Schleg., Phoca
barbata Müll., Phoca ochotensis Pall., Phoca equestris Pall., Otaria
ursina L., Delphinapterus Leucas Pall., Balaenoptera longimana Ru-
dolphi, Balaena australis Desmoul. Die wichtigsten Resultate werden
im speciellen Theile unseres Berichtes bei den einzelnen Arten auf-
geführt werden.
Tennent hat auf Ceylon (Ceylon an Account of the
island ete. Vol. I. 160. London 1859) folgende Säugethiere
beobachtet und interessante Mittheilungen über deren Vor-
kommen und Lebensweise gemacht.
Presbytes cephalopterus Zimm., P. ursinus Blyth, P. Priamus
Elliot und Blyth, P. Thersites Blyth, Macacus pileatus Shaw und Desm.,
Loris gracilis Geoff., Pteropus Edwardsii Geoff., P. Leschenaultii Dum,,
Cynopterus marginatus Hamilt., Megaderma spasma Linn., M. Iyra Geoff.,
Rhinolophus affinis Horsf., Hipposideros murinus Elliot, H. speoris
Elliot, H. armiger Hodgs., H. vulgaris Horsf., Kerivoula picta Pall.,
Taphozous longimanus Hardw., Scotophilus Coromandelicus F. Cuv.,
S. adversus Horsf., S. Temminkii Horsf., S. Tickelii Blyth, S. Heathii,
Sorex coerulescens Shaw. , S. ferrugineus Kelaart, $S. serpentarius Is.
Geoff., S. montanus Kelaart, Fenoculus macropus Kelaart, Ursus labia-
tus Blainv., Lutra nair F. Cuy., Canis aureus Linn., Viverra indica
Geoff. Hodgs. , Cynictis Maccarthiae Gray, Herpestes vitticollis Benn.,
H. griseus Gm., H. Smithii Gray, H. fulvescens Kelaart, Paradoxurus
typus F. Cuv., P. ceylonicus Pall., Felis pardusLinn., F. chaus Güld.,
F. viverrinus Benn., Sciurus macrurus Forst., S. Tennentii Layard,
$. penicillatus Leach, S. trilineatus Waterh., Sciuropterus Layandii
Kelaart, Pteromys petaurista Pall., Mus bandicota Bechst., M. kok
Gray, M. rufescens Gray, M. nemoralis Blyth, M. indicus Geoff., M.
fulvidiventris Blyth, Nesokia Hardwickii Gray, Golunda neueraKelaart,
G. Ellioti Gray, Gerbillus indicus Hardw., Lepus nigricollis F. Cuv.,
Hystrix leucurus Sykes, Manis pentadactyla Linn., Elephas indicus
Linn., Sus indicus Gray, S. ceylonicus Blyth, Moschus meminna Eerxl,,
Stylocerus muntjac Horsf., Axis maculata H. Smith, Rusa Aristotelis
F. Cuv., Halicore Dugung F. Cuv.
Ueber die Lebensweise mehrerer Säugethiere aus Hin-
dostan und dem westlichen HimalayaberichtetL eith Adams.
(Edinb. philos. Journ. VIII. 1858. p. 253—263.)
Behandelt werden Felis tigris, F. pardus L., unter dessen Va-
rietäten auch F. uncia erwähnt wird, Felis pardachrous Hodgson, F.
ehaus Güld., Cuon primaevus Hodgs., Vulpes montanus Gray, — eine
ihm verwandte aber, wenn nicht V. flavescens, wahrscheinlich neue
Art glaubt der Verf. in Kaschmir gefunden zu haben. — Martes fla-
Er
der Säugethiere während des Jahres 1859. 23
vigula Bodd., Must. Putorius, Ursus isabellinus Horsf., Ursus labiatus,
Helarctus tibetanus, eine kleinere Varietät desselben findet sich in
Pendschab ; Arctomys bobac, Kemas Hodgsoni, Capricornis bubalina, Ca-
pra jemlaica, Ham. Smith, Capra (Ibex) himalayana Blyth, Capra me-
gaceros Hutton., Ovis Vignei Blyth, Ovis ammon Linn., Ovis nahoor
Hodgs., Moschus moschiferus, Poephagus grunniens, Cervus caschme-
viensis Fale., Cervus Muntjac und Asinus Kiang.
Aus einer von Baka in Süd-Malabar gemachten Samm-
lung beschreibt oder erwähnt Blyth folgende Säugethiere.
(Journ. Asiat. Soc. Bengal. 1859. p. 283—292).
Presbytes cueullatus, Loris gracilis, Rhinolophus affınis (?)
Hersf., Nyticejus Temminkii, Viverricula malaccensis, Herpestes fus-
eus, H. griseus, F. celidogaster, F. bengalensis, F. chaus, Lutra Nair,
Sorex serpenlarius Is. Geolfr., S. (2?) viridescens n. sp., eine unbestimmte
Talpa, Pteromys petaurista Pall. und Seiuroptera fuscocapilla Jerdon,
Seiurus maximus (?) Schreber, S. albipes n. sp., Platacanihomys
lasiurus n. gen. etsp., eine Maus, vielleicht eine var. von M. in-
dieus, Lepus ruficaudatus und L. nigricollis, Ceryus oryzae Kelaart,
Kemas hylocrius Cyilby.
Ueber Säugethiere aus Tenasserim von Berdmore
gesammelt berichtet Blyth (l. ce. p. 293—298).
Erwähnt sind: Macroglossus minimus Geoflr., Scotophilus ful-
vidus n. sp., S. coromandelicus F. Cuv., Myotissp.?, Rhinolophus
affınis Horsf., Hylomys peguensis n. sp., Talpa leucura Blyth, Sorex
nudipes Blyth, Sciurus Keraudrenii Lesson, S. Belangeri Lesson, Rhi-
zomys sumatrensis Rafll., Mus robustulus n. sp., M. cinnamomeus n. sp.,
N. flavescens Gray (var.?2), Mus sp.?, M. nitidulus n. sp., M. con-
color n. sp., M. badius n. sp., M. peguensis n. sp., Hapalomys
longieaudatus n. gen. et sp., Cervus sp.? (C. frontalis Cantor).
Die neuen Arten sind im speciellen Theile beschrieben,
Nach einem Berichte von Blyth (Journ. Asiat. soc.
Bengal 1859. p. 275) wurden von Atkinson auf einer
Reise nach Moulwein folgende Säugethiere gesammelt;
Macacus carbonarius Cuv. (eine örtliche Varietät desselben ist
M. auratus Geoffr.), der sich vielfach von Crustaceen nährt. Tupaja
ferruginea var, peguensis, Sciurus bicolor Sparm., $. chrysonotus
Blyıh, S. Phayrei Blyth‘, S. atrodorsalis Gray, $. Barbei Blyth, Pte-
romys eineraceus Blyth.
Ueber die Verbreitung der Säugethiere auf dem Ma-
laischen Archipel berichtet Wallace (Proc. Linn. Soc.
z00log. Vol. IV. p. 172).
u u De Mr en ei er
24 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Die australische und indische Region sind streng geschieden,
in der einen bilden Beutelthiere den grössten Theil der Säugethiere,
in der anderen findet sich nicht ein einziges. Auf den Molukken und
Celebes, nicht aber auf Java und Borneo, finden sich wenigstens zwei
Beutelthiergattungen (Cuscus und Belideus). Von allen Affen, Car-
nivoren, Insektivoren und Wiederkäuern des Westens finden sich nur
die Gattungen Paradoxurus und Cervus auf den Molukken. Die Sciu-
riden, so zahlreich im Westen, werden auf Celebes nur durch zwei
oder drei Species vertreten, weiter östlich fehlen sie ganz. Süd-
Amerika und Afrika sind in Bezug auf ihre Faunen nicht so verschie-
den wie Asien und Australien.- Macacus cynomolgus, dessen Verbrei-
tung sich bis Lombock und vielleicht bis Timor erstreckt, findet sich
nicht auf Celebes. Der Hirsch der Molukken scheint eine Varietät
des Cervus rufus von Java und Borneo zu sein. Neu-Guinea bildet
die östlichste Grenze für das Gen. Sus. Celebes bildet einen eigen-
thümlichen Distrikt für sich, Cynopithecus, Babirusa und Anoa de-
pressicornis erinnern nicht an Asien, sondern an Afrika. Ein Affe
desselben Genus, vielleicht dieselbe Art, kommt noch auf der kleinen
Insel Batchian vor, welche somit die östlichste Grenze für die Ver-
breitung der Affen bildet. Eine verwandte Species soll sich auch
auf den Philippinen finden.
Ueber die Säugethiere von Kamienietz-Podolski be-
richtet Gustave Belke (Bullet. Soc. imp. de Moscou 1859.
p. 4107).
Folgende Arten werden behandelt: Vesperugo noctula D., V.
serotinus Daub., V. pipistrellus Daub., V. discolor Natt., Plecotus
auritus L., Talpa europaea L., Sorex fodiens Pallas (= S$. leucodon
Herm.), Erinaceus europaeus L., Meles taxus Schrb., Mustela foina L.,
Foetorius putorius L. (=F. vulg. Boisd.), Foet. lutreola L., sehr sel-
ten, Canis lupusL., C. vulpesL., Sciurus vulg. L., Spermophilus gut-
tatus Temm., Myoxus avellanarius Desm., Mus decumenus Pall., Mus
rattus L., sehr selten, Mus musculus L., M. sylvaticus L., M. agrarius
Pall., M. messorius Shaw., Arvicola arvalis Pall., Cricetus vulgaris L.,
Spalax typhlusPall., Lepus timidus L., sehr selten, Cerv. capreolus L,,
Sus scrofa aper L.
Wichtige Nachrichten über die Säugethierfauna Ost-
Sibiriens verdanken wir auch Radde (Bullet. Acad. St. Pe-
tersburg XVII. 1859. p. 170—175 u. 301—303). Da jedoch
die Arbeiten v. Schrenck’s bereits erschienen sind, so
machen sie einen Auszug aus des Verf. Beobachtungen
überflüssig. Zu erwähnen sind bloss die genauen Nach-
sichten über die Eichhörnchen, welche im Ching-gan vom
der Säugelhiere während des Jahres 1859. 25
10. Nov. bis zum 22. Februar (alt. Stil) verschwunden
waren und einen Winterschlaf hielten.
In den Notizen, welche Frauenfeld über die Fauna
Hongkong’s und Schanghai’s gegeben hat, wird von Säu-
gethieren bloss der Kantschil und zwar als auf Hongkong
eingeführt, erwähnt. (Sitzungsberichte d. Wiener Akad.
1859. XXXV. p. 245.)
Als Bewohner der Andamanen werden ausser Sus an-
damanensis noch verschiedene unbestimmte Fledermaus-
arten angeführt, so wie eine Ratte, welche nicht eingeführt
ist, eine Maus, wahrscheinlich die eingeführte indische
Hausmaus, Mus manei, und ein kleines Säugethier, wahr-
scheinlich ein Tupaja. Der Schwanz des Sus andamanensis
ist wie bei Porcula salvania Hodgs. auf einen Höcker re-
dueirt. (Journal ofthe Asiat. soc. of Bengal. 1859. p. 271.)
Von Säugethieren fand der Missionär Furet auf den
Lu-Tschu -Inseln einige Wildschweine und auf der Insel
Kirima eine grosse Menge Hirsche. (L’Institut 27. p. 50.)
Um die Priorität der Entdeckung zu sichern, hat Fit-
zinger eine Notiz über die vonHeuglin inN.-O.-Afrika
gesammelten Säugethiere veröffentlicht. (Sitzungsber. der
Wien. Akad. 1859. XXXVI. p. 345—348.)
Heuglin wird in einer Abhandlung, welche für die Sitzungs-
berichte bestimmt ist, eine systematische Uebersicht der Säugethiere
N.-0.-Afrikas geben, während eine zweite, für die Denkschfriften
d. Akad. bestimmte Abhandlung eine Beschreibung theils der neuen,
theils der nur unvollkommen bekannten Säugethier-Arten jener Län-
der enthalten wird. Die Bestimmung der Arten hat Fitzinger
„einer sorgfältigen Prüfung und Durchsicht unterzogen, und ihre Be-
schreibungen dem neuesten Standpunkte der Wissenschaft gemäss er-
weitert,* doch möchte Ref. wünschen, nicht nach dem Principe, wel-
chem der Verf. bei seinen Untersuchungen über die Rassen der Haus-
thiere gefolgt ist. — Die systematische Uebersicht wird 227 Arten
Säugethiere umfassen und zwar 10 Allen, 1 Halballen, 32 Chiropte-
ren, 58 Raubthiere incl» 4 domesticirten. 48 Nagethiere, 2 Edentaten,
13 Pachydermen incl. 2 domestieirte, 4 Einhufer (2 wilde und 2
zahme), 33 wilde und 20 zahme Zweihufer, 1 Sirene und 4 Wale. —
In der für die Denkschriften bestimmten Abhandlung, welche den Titel
„Beiträge zur Naturgeschichte N. -O.-Alrikas und der Nil- Quellen-
Länder“ führen wird, sollen 18 Säugethier-Arten, 14 neue und 4 we-
DE
26 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
nig bekannte, ausführlich beschrieben werden. Unter den neuen be-
finden sich 1 Affe, 3 Chiropteren, 5 Raubthiere, 3 Nagethiere und
2 Zweihufer. Die 4 wenig bekannten sind Cynocephalus porcarius
Boddaert (bisher irriger Weise mit dem capischen C. ursinus Pen-
nant verwechselt), Crocidura Hedenborgi Sundevall, Orycteropus
aethiopicus Sundevall und Phatages Temminkii Smuts. (Wie durch
eine solche vorläufige Mittheilung, nach der Ansicht ihres Verf., die
Priorität der Entdeckung gesichert werden soll, vermag Ref. nicht
einzusehen, da die Priorität erst mit Publication der Diagnosen be-
ginnt, und hier nicht einmal die Namen der neuen Arten genannt sind.)
A. Murray hat Beiträge zur Naturgeschichte der
Territorien der Hudsonsbai-Compagnie geliefert, den 1sten
Theil New Edinb. Journ. Vol. VII. 1858. p. 189—211, den
2ten 1. c. Vol. IX. 1859. p. 210-220.
Der Verf. beginnt mit dem Renthier, dem eine ausführliche
Beschreibung gewidmet wird. Minder ausführlich sind das Elen und
der Biber, Castor americanus Brandt, behandelt, sehr kurz nur Lepus
glacialis Leach, Arctomys empetra Schreb., Fiber zibethicus Cuv., Mus
leucopus Rafin., Scalops canadensis Cuy. ?, Sorex parvus Say, Sorex
Forsteri Rich. und Lutra canadensis. Die seither erschienenen Arbei-
ten Baird’s machen einen Auszug der Untersuchungen überflüssig,
von denen bloss zu bemerken ist, dass sie ohne hinreichendes Ma-
terial und namentlich ohne Rücksicht auf die entsprechenden alt-
weltlichen Arten unternommen sind, so ist wohl das Renthier Lapp-
lands nirgends aber das viel grössere sibirische in Betracht gezogen
worden.
In einer Liste der Säugethiere Irlands (Journ. Roy.
Dublin Soc. Vol.1I. 1858. p. 145—146) werden 35 aul-
gezählt.
5 Fledermäuse, 4 Insektenfresser, 7 Raubthiere, 3 Phoken, 8
Nager, 1 Hufthier, 7 Cetaceen. Auffallender Weise fehlt Lepus timi-
dus und nur L. variabilis und cuniculus sind vorhanden, doch ver-
dienen die Bestimmungen wenig Vertrauen, da der Baummarder noch
immer als Varietät des Hausmarders betrachtet wird. Man muss alle
osteologischen Unterschiede ignoriren, um einer solchen Ansicht sein
zu können.
Als Säugethiere des Steigerwaldes werden von Kre,ss
in dem 4. Bericht der naturforsch. Gesellschaft zu Bamberg
1859. p. 47 folgende angeführt:
Cervus capreolus, C. Elaphus, Sus scrofa (nur bis 1813 Stand-
wild, das letzte 1829 erlegt), Lepus timidus, Arvicola amphibius, A.
arvalis, A. agrestis (von Blasius bestimmt), A. glareolus, Cricetus
Er
der Säugethiere während des Jahres 1859. 27
frumentarius, Mus decumanus , M. musculus, M. sylvaticus, Myoxus
avellanarius, M. nitela, M. glis, Sciurus vulgaris, Vesperugo noctula,
V. pipistrellus, Vesperus scrotinus, Vespertilio murinus, V. mystaci-
nus, Plecotus auritus, Synotus barbastellus, Rhinolophus ferrum equi-
num, R. hippocrepis, Talpa europaea, Sores fodiens , S. vulgaris, $.
pygmaeus, S. leucodon, S. araneus, Erinaceus europaeus, Felis catus,
Canis yulpes, Meles taxus, Mustela martes, M. foina, Foetorius puto-
rius, F. Ermineus, F. vulgaris, Lutra vulgaris.
Als Bewohner des Reisskofels führt Kohlmayer
(Jahrbuch des Landesmuseums von Kärnthen Heft 4. p. 63)
folgende Säugethiere auf:
Erinaceus europaeus, Talpa europaea, Meles Taxus, Ursus arctos,
Mustela martes, M. vulgaris, Felis catus,, Vulpes, Sciurus vulgaris,
Mus musculus, Hypudaeus arvalis, Lepus timidus, L. variabilis, Myoxus
glis, Ceryus capreolus, Antilope rupicapra.
Als Zeichen der Zeit haben wir das bekannte Werk
Darwin’s zu erwähnen: On the Origin of species by means
of natural seleclion or the preservation of favoured races
in the struggle for life. London 1859, nach der zweiten
Auflage von Bronn „Charles Darwin über die Ent-
stehung der Arten u. s. w. Stultgart 1860% übersetzt. Der
dem Referate hier zugewiesene, beschränkte Raum gestattet
nicht eine noch so kurze Analyse der Epoche machenden
Arbeit zu geben, obgleich vieles Wichtige, die Säugethiere
betreffende darin enthalten ist, worüber der Leser auf das
Werk selbst verwiesen werden muss. Ref. muss sich be-
gnügen, dasselbe als die Opposition des gesunden Men-
schenverstandes gegen das Dogma von der Aufeinander-
folge verschiedener Schöpfungen zu bezeichnen. Es wie-
derholen sich die Zeiten des Leonardo da Vinci, Fracastoro
und Bernard Palissy, welche einst die Kühnheit hatten, den
Gelehrten ihrer Zeit gegenüber den unorganischen Ursprung
der Petrefacten zu läugnen.
Als den vollständigsten Gegensatz zu den Bestrebun-
gen Darwin’s müssen wir den Versuch Fitzinger’s be-
trachten, die Rassen der Hausthiere auf eine Menge ein-
zelner Stammarten zurückzuführen (Sitzungsber. d. Wien.
Akad. 1858 u. 1859).
Der Verf. hat bis jetzt die Rassen des Pferdes, des Schweines,
des Schafes und der Ziege untersucht und ist dabei zu Resultaten
28 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
gelangt, welche im speciellen Theile an den betreffenden Stellen
angeführt werden sollen. Ref. glaubt, dass man nur auf zwei We-
gen das Ziel erreichen kann, welches dem Verf. vorschwebte, ent-
weder durch historische oder zoologisch - anatomische Untersuchun-
gen. Allein der Verf. hat keinen dieser beiden Wege betreten und
giebt auch sonst nicht die geringsten Andeutungen, wie er zu seinen
Resultaten gelangt ist, so dass es den Anschein gewinnt als seien
diese schon vor den Untersuchungen gebildet gewesen. So wird z.B.
vom arabischen Pferde behauptet, es sei als ein Abkömmling der
kurzhaarigen oder braunen Abart des Tarpan zu betrachten , allein
vergebens sucht man nach einem Beweise oder Grunde dafür; zwar
folgt mit dieser Behauptung eine Beschreibung des arabischen Pfer-
des, allein in so allgemeinen Ausdrücken, wie sie leider noch immer
in der systematischen Zoologie vorkommen, und ohne alle Maasse,
so dass es dem Ref. nicht gelungen ist, sich selbst die Gründe für
eine solche Abstammung zu abstrahiren. Desgleichen wird man nicht
wenig überrascht, das sardinische Schwein als einen offenbaren Ab-
kömmling des indischen Sus cristatus dargestellt zu finden, ohne
jedoch auch hier die Lösung dieses Räthsels in der Beschreibung
finden zu können.
Der Naturalist in Bermuda: a Sketch of the Geology,
Zoology and Botany ete. London 1859. 8.
Jardin’s Naturgeschichte der Marquesas-Inseln(Mem.
Acad. Cherbourg).
Newberry’s Reports on the Geology, Botany and
Zoology of Northern California. Washington 1859.
Kennt Ref. aus eigener Ansicht nicht, glaubt sie aber
doch erwähnen zu müssen, da sie ihren Titeln nach wohl
auch Beiträge zur Säugethierkunde der betreffenden Gegen-
den enthalten können.
Dasselbe gilt von: Godron, de l’espece et des races
dans les &tres organises, et principalement de l’unite de
l’espece humaine. Paris 1859.
The instruclive Picture Book vonAdam White, mit
Abbildungen und Beschreibungen der Giraffe, der Ratte,
des Alderney-Rindes u. s. w. ist in einer 3. Auflage Edin-
burg 1859 erschienen.
Als ein neues Unternehmen haben wir die von W ein-
land in Frankfurt a. M. herausgegebene Zeitschrift „der
Zoölogische Garten“ zu begrüssen. Sie hat am 1.
der Säugethiere während des Jahres 1859. 29
Okt. 1859 begonnen und erscheint in monatlichen, einen
Bogen starken Heften. In dem ersten derselben befindet
sich ein Aufsatz des Herausgebers über die Hausthiere
Haiti’s.
Auf den Gebirgen lebt das Schwein verwildert in grösster
Menge, in den Flussniederungen trifft man ganze Rudel verwilderter
Rinder, dasselbe gilt von der Ziege. Und zwar haben alle diese
Thiere an Schönheit und Wuchs nichts verloren, sondern können sich
darin mit den besten unsrigen messen. Als eigentliche Hausthiere
findet man den Esel, das Pferd , etwa zwei Dritttheile so gross wie
das arabische, der Maulesel, dessen Zucht sich aus der Kleinheit der
Pferde erklären lässt, das Rind fast nur bei den wohlhabenden Mulat-
ten, das Schwein überall, die Ziege bei den ärmeren Negern in nichts
von der unsrigen unterschieden. Die Katze, in jeder Beziehung
der unsrigen gleich. Das Schaf ist hochbeinig, häufig dunkelbraun,
hat nur auf dem Schulterblatte und dem Oberschenkel Wolle, die zu
groben, zottigen Klumpen herabhängt. Die Hunde sind dem Schakal
“ähnlicher, als irgend eine unserer Rassen (Ref. kann dies nach einem
Schädel, den ihm der Verf. von Haiti brachte, vollkommen be-
stätigen).
Zu den nicht bloss für den Gelehrten, sondern auch
für das grössere Publikum bestimmten Arbeiten ist „die
Naturgeschichte des Thierreichs von Giebel“ zu rechnen,
deren I. Bd. Leipzig 1859 die Säugethiere behandelt.
Sammelwerke, selbst für einen grösseren Leserkreis bestimmte,
haben immer etwas Verdienstliches, sobald sie nur mit der nöthigen
Sachkenntniss unternommen und ausgeführt sind. Das lässt sich je-
doch nicht immer von dem vorliegenden behaupten. Wir können
nicht mit dem Verf. über Ansichten streiten, so verschieden sie auch
von den unsrigen sein mögen, allein eine grössere Genauigkeit in
der Angabe positiver Thatsachen wäre wohl zu erwarten gewesen.
Wenn z. B. der Verf. p. 181 angiebt, das Gebiss des Fuchses zeichne
sich leicht kenntlich von dem des Wolfes und Hundes durch die
tiefgefurchten Schneidezähne aus, so ist dagegen einzuwenden , dass
gerade das Entgegengesetzte stattfindet, wenn sich nämlich, wie vor-
auszusetzen ist, der Ausdruck „tiefgefurcht“ auf die Einschnitte be-
zieht, welche von dem Körper der Zahnkrone die Seitenspitzen der-
selben abtrennen, denn kaum bemerkbare Eindrücke auf der Vorder-
und Hinterseite der Zahnkronen, namentlich bei den unteren Schnei-
dezähnen, lassen sich nicht wohl als Furchen bezeichnen, sind auch
gleichwohl immer viel undentlicher als heim Hund und Wolf. Aus-
serdem ist aber auch das Werk durch eine grosse Menge Holzschnitte
enistellt, welche oft nach den unglücklichsten Vorbildern gemacht
30 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
(fig. 756) und dem Leser schon anderweitig her bekannt sind. Viel-
leicht trägt der Verleger die Schuld daran, dem es jedenfalls auf
grosse Billigkeit ankam, allein dem Verf. gereicht es zum Vorwurfe,
dass die zuweilen ganz falschen Bezeichnungen der Abbildungen
nicht geändert wurden , so ist in fig. 755 und 756 der Auerochse
stets „gemeiner Büffel“ genannt. In fig. 738 ist als Tragelaphus die
Abbildung eines fabelhaften Thieres gegeben , die, wenn Ref. nicht
irrt, bei Griffith vorkommt und an die Arbeiten Gessner's er-
innert, da sie offenbar erst nach einer Beschreibung gemacht wurde.
Der wirkliche Tragelaphus dagegen ist in fig. 721 als Bezoarziege
bezeichnet.
Der Vollständigkeit wegen führen wir noch die New
American Cyclopaedia etc. edited by George Ripley and
Charles A. Dana New-York 1859 an, welche eine nicht
geringe Anzahl die Säugethiere betreffender Artikel ent-
hält, die, wie es scheint, von Kneeland bearbeitet sind
und zuweilen von grosser Oberflächlichkeit zeugen. So
wird, um nur ein Beispiel anzuführen, in dem Art. Deer
von Cervus americanus Licht., C. nemoralis H. Smith, C.
gymnotis Wiegm. gesagt, es sei allgemein angenommen,
dass sie nur Varietäten des C. virginianus seien.
Wir heben folgende Artikel heraus: Vol. III. Bear, Beaver,
Bison, Bloodhound, Boar. Vol.IV. Buffalo, Bulldog, Camel, Camelo-
pard, Caribon (Cervus tarandus), Carnivora, Cat, Catile. Vol. V. Chim-
panzee, Cougar. Vol. VI. Deer, Dinotherium, Dog, Dolphin, Dormouse
(Myoxus), Dugong. Vol. VII. Eland (Boselaphus), Elephant, EIk,
Fennec, Fisher (Mustela canadensis), Flying squirrel und Fox.
Beiträge zur Anatomie des Gehirns einiger kleinen
Säugelhiere hat Rob. Garner geliefert (Nat. hist. review
1859. Pl. XV u. XVI, auch in Report of the lwenty-eighth
Meeting of the Brit. Ass. etc. 1859).
Das Gehirn des Ornithorbynchus paradoxus wird mit dem der
Echidna hystrix verglichen. Bei 3 oder 4 Species Hyposiprymnus
und Phalangista findet sich gleichfalls kein corpus callosum. Daran
schliesst sich eine Untersuchung der Gehirne einiger Maulwurfarten
inclus. Condylura. Scalops hat ein Gehirn wie Talpa europaea.
Die Nerven und Ganglien des Säugethierdarmes hat
Manz untersucht (Habilitationsschrift. Freiburg i. B. 1859).
Nunneley stellte Untersuchungen über die Form des
Augapfels und die Eintrittsstelle der Sehnerven bei ver-
schiedenen 'Thieren an.
der Säugethiere während des Jahres 1859. 31
British Association for the Advancement of Science. 1858.
N. Edinb. journ. IX. 1859. p. 298.
Rhythmische Zusammenziehungen an der Cardia des
Kaninchenmagens beobachtete Basslinger (Sitzungsberichte
der Wien. Akad. 1859. XXXVIl. p. 569— 575); bei Hunden
fehlen sie.
Ueber einige Theile der Halsmuskeln bei den Säuge-
thieren schrieb Lavocat. (Memoires de l’Acad. de Tou-
louse. Tom. III. 1859.)
Ein besonderes ligamentum conjugale costarum , wel-
ches die entsprechenden Rippen der rechten und linken
Seite verbindet, entdeckte Cleland bei dem Seehunde
_ und fand es auch bei vielen anderen Säugethieren vor. N.
© Edinb. Journ. Vol. IX. 1859. Pl. V. p. 259.
Ueber das Unterkiefergelenk , auch der Säugethiere,
machte J. Smith einige Notizen bekannt (N. Edinb. Journ.
Vol. IX. 1859. p. 206—209).
On the Vomer in Man and the Mammalia and on the
Sphenoidal Spongy Bones etc. ist die Aufschrift einer Arbeit,
die Cleland im N. Edinb. Journ, Vol. X. 1859. p. 142 ver-
öffentlicht hat.
Humphry’s Homologieen des Skeletes sind im L’In-
stitut XXVII. p. 90 aus den Verhandlungen der Brit. Assoc.
for adv. of sc. 1859 mitgetheilt.
Im Auszuge theilt Huxley eine Theorie des Wirbel-
thierschädels mit. (Ann. and mag. nat. hist. III. Ser. Vol. 3.
p- 414); welche hier nur als auch die Säugelhiere berührend
erwähnt werden soll.
Zur Theorie des Schädelbaues finden sich Bemerkun-
‚gen von Hilgald (Transactions of the Acad. of sc. of St.
Louis. Vol: 1. 1859. p. 335).
Brendel hat zoologische Beobachtungen an nordame-
rikanischen Säugelhieren veröffentlicht, welche vorzugs-
weise eine grosse Anzahl Maasse des Skeletes und der
Eingeweide enthalten. Ein überwiegender Theil des Maasse
t in Zullen ausgedrückt, ohne dass jedoch eine Angabe
er die Art derselben gemacht wäre. (Giebel und Heintz
Zeitschrift XIII. 1859. p. 31—388.)
32 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Die untersuchten Säugethiere sind: Scalops aquaticus, Jaculus
labradorius, Tamias Lysteri , Pteromys volucella, Sciurus leucotis,
Spermophilus Hoodi und Arctomys monax.
Einen wichtigen Beitrag zur Entwickelungsgeschichte
der Säugethiere verdanken wir Reichert (Monatsbericht d.
Akad. d. Wissenschaft. Berlin 1859. p. 529—532).
Th. Bischoff glaubte nämlich gefunden zu haben, dass bei
dem Meerschweinchen der Bildungsdotter befruchteter Eier, ohne den
begonnenen Furchungsprocess zu vollenden, sich von Neuem in eine
formlose Masse verwandle, in welcher später bei Entwickelung der
embryonalen Anlagen Zellenbildung auftrete, ein Vorgang, der sehr
wesentlich von der Entwickelung anderer Säugethiere, ja der Thiere
überhaupt abweiche. Der Verf. überzeugte sich jedoch durch das
glückliche Auffinden der Eier des Meerschweinchens am 6ten und
anı Beginne des 7ten Tages nach der Befruchtung , nachdem sie sich
bereits im Uterus zerstreut hatten, so wie durch Beobachtung eines
Eies am 7ten Tage und zwar von der Stelle des Uterus, an welcher
die Verdickung zur Bildung der Decidua - Kapsel bereits begonnen
hatte, dass die Bildungsvorgänge im befruchteten Meerschweincheneie
vor dem Auftreten embryonaler Anlagen sich von denen in den Eiern
anderer Säugelhiere nicht wesentlich unterscheiden , indem bei der
genannten Species der Furchungsprozess nur des verhältnissmässig
langen Zeitraumes von 7 Tagen bedarf, und dass die Befestigung des
Eies im Uterus vor Entwickelung der embryonalen Anlagen und vor
der Bildung der Keimblase stattfindet.
Placentalia
Quadrumana.
Simiae. Den Gorilla hat R. Owen nochmals zum Ge-
genstande einer umfassenden Untersuchung gemacht, welche
vorzugsweise die Verwandtschaft des genannten Affen mit
dem Menschen genauer erörtern will (Ann. and mag. nat.
hist. III. Ser. Vol. IV. p. 377 u. f.) und in den Trans. zool.
Soc. mit Abbildungen erscheinen wird.
Als Resultat ergiebt sich folgende Skala für die Verwandtschaft
mit dem Menschen: Gorilla, Chimpanzee, Orangs, Gibbons.
Bemerkungen über den Gorilla machte J. Wyman
bekannt (Proceed. Bost. Soc. nat. hist. 1859. p. 211).
ET ed 2 & due EN Een
we”
der Säugethiere während des Jahres 1859. 33
Ueber einen Schädel des Troglodytes niger von Alt-
Calabar berichtet John Alex. Smith. (N. Edinb. Journ.
Vol. IX. p. 322.)
Von R. Owen ist unsere Kenntniss der Chimpanzees
und Orangs durch neue Untersuchungen über den Schädel
des männlichen Pithecus Morio und über die Varietäten des
weiblichen P. Satyrus vermehrt worden (Transact. zool. Soc.
of London Vol. IV. Part5. 1858. p. 165—178. Pl. 48—50).
Eine kleinere Species der Orangs mit Eckzähnen , welche im
Verhältnisse zu den Schneidezähnen kleiner sind, als bei dem weib-
lichen P. Satyrus, und mit Backzähnen, die im Verhältnisse zum
S.hädel grösser sind, während die oberen Schneidezähne beinahe so
gross und die unteren völlig so gross sind wie die des männlichen
grossen P. Satyrus, war von dem Verf. P. Morio genannt worden.
Er giebt jetzt genaue Beschreibung eines Schädels des männlichen
P. Morio, 'der auf Pl. 48 und 49 auch abgebildet ist, stellt jedoch
zuletzt die Ansicht auf, der P. Morio möge eine vor langer Zeit ent-
standene, jetzt aber dauernde, zwerghafte Varietät des P. Satyrus sein.
Als Synonyme für Presbytis eucullatus werden von
Blyth angeführt: Semnopitheeus cucullatus Geoffr., S.
jubatus. Wagner, S. Johnii bei Martin, während der
wahre Pr. Johnii synonym ist mit Simia Johnii Fischer,
Semnopithecus hypoleucos Blyth und S. Dussumieri Geoffr.
(Journ. Asiat. Soc. Bengal. 1859. p. 283).
Prosimiae. Eine Abbildung und Beschreibung des Lori
gracilis siehe bei Tennent (l. c.).
Als neu wird Galago murinus von And. Murray
beschrieben (New Edinbg. philos. Journal. Vol.X. 1859.
p-243—251. Pl. XI).
Von der Grösse der Hausmaus. J.E.Gray hielt das Exemplar
für einen jungen Galago senegalensis, doch deutete die Beschaffenheit
‚der Knochen auf ein ausgewachsenes, wenn auch nicht altes Thier.
G. murinus wird nur halb so gross wie G. senegalensis. Dieser ist
lohfarbengelb, jener mäusegrau am Körper, an der Unterseite und den
Füssen heller, jener hat einen Haarpinsel auf den Ohren, dieser
nicht. In der Abbildung des G. senegalensis bei Audebert ist der
dritte Finger der längste, bei G. murinus der zweite. Bei diesem ist
j
%
s
4
»
der Schwanz ähnlich dem des fliegenden Eichhorns, also nahezu zwei-
eilig, bei jenem rund und buschig. Im Unterkiefer 6 Schneidezähne,
die ziemlich lang und schief nach auswärts gerichtet sind; die 4 obe-
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. Ü
34 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
ren sind sehr klein, spitzig und senkrecht, die Zwischenkiefer an
der Symphysis nicht vereinigt. Abgebildet sind das Thier (natürliche
Grösse), die Sohle des Hinterfusses, der Gaumen mit den oberen Zäh-
nen, der Unterkiefer, das Auge und das Gehirn von drei Seiten. Dem
Gehirne nach gehört die Art zu den Scissencephala. (Die Abbildungen
der Zähne sind unbrauchbar.)
Ch. Coquerel fand auf der Insel Agisymbana bei
Zanzibar einen neuen Lemuriden, der den Uebergang von
Chirogalea zu Galogo macht, und für den die Gattung Oto-
lemur gegründet wird. (Revue et magasin de zoologie etc.
Tom. XI. p. 457.)
Die allgemeine Form und der Schwanz wie bei Chirogalea, aber
der Kopf viel weniger sphärisch als bei Chirogalea und selbst bei
Galago, die Ohren denen bei Galago gleich, 36 Zähne jederseits
2.1.2+4
2.1.24%
einen Zwischenraum von dem folgenden und dem starken Eckzahne
gelrennt. Körper dunkelgrau und braun, 0,205 lang, Kopf 0,050,
Schwanz. 0,220. Das Thier auf Pl.17. Der Schädel (in nat. Grösse)
auf Pl. 18 abgebildet. Es folgen Bemerkungen über die Lebensweise
einiger Lemuriden, Indris brevicaudatus Geoffr. auf Madagascar, Ava-
his laniger auf Sainte-Marie, Lemur ruber Peron et Lesueur, sehr ge-
wöhnlich auf Mayotte, Lemur mongoz ? Linn. ebendaselbst, wird im-
ner. seltener.
Der erste obere Backenzahn sehr klein und durch
Chiroptera.
Ch. frugivora. Ueber Pteropus hypomelanus Temm. be-
richtet R. F. Tomes (Proc. zool. soc 23. Nov. 1858. Ann.
and mag. nat. hist. Ill. Ser. Vol. 4. p. 146) nach einem
Exemplare in der Sammlung Dillwyn’s gesammelt von
J. Motley in Labuan.
In der Farbe ähnelt das Exemplar dem P. funereus, den der
Verf. als das Junge des P. edulis ansieht, doch ist es von ihm durch
die verhältnissmässig kurzen und abgerundeten Ohren verschieden.
Für Pachysoma brevicaudatum Geoflr. giebt der Verf. (l. c.) nach zwei
Exemplaren, welche in der hellrothbraunen Färbung an den Seiten des
Halses mit der von Gray Cynopteris Horsfieldii genannten Varietät
übereinstimmen, nach Vergleich zahlreicher Exemplare von verschie-
denen Lokalitäten folgende Synonymen : Pteropus marginatus Horsf.,
Pt. marginatus, Pachysoma marginatum und Pachys. brevicaudatum
Temm,. — Cynopteris marginatus und C. Horsfieldii Gray.
der Säugethiere während des Jahres 1859. 35
Für einen fliegenden Hund von den Fidschi-Inseln er-
richtet J. E. Gray das Genus Notopteris (Ann. and mag.
nat. hist. III. Ser. Vol. 4. p. 307), zunächst mit Macroglos-
sus und Cephalotes verwandt.
Der Daumen ist verlängert, das untere (zweite?) Glied halb so
lang wie das obere, in der Haut verborgen. Der Index mit drei
knöchernen Phalangen, deren letzte kurz und ohne Kralle. Zahn-
formel : = - : - - x2=%6. Die Schneidezähne sind konisch, von
einander getrennt; die oberen sehr klein, rudimentär, die unteren
stärker , stumpf, durch einen breiten, halbmondförmigen Raum von
einander getrennt, nahe an der Vorderseite des Eckzahnes. Der Zwi-
schenkiefer zeigt einen schwachen Eindruck an seinem vorderen
Ende, wo sich vielleicht ein zweiter Schneidezahn entwickeln mag,
der jedoch in keinem Schädel gefunden wurde und vielleicht aus-
gefallen war. Die Mahlzähne sind nierenförmig (?) und werden nach
hinten zu allmählich kleiner. In dem Mangel der Kralle des Zeige-
fingers stimmt Notopteris mit Cephalotes überein, doch stehen bei
dieser Gattung die Schneidezähne dicht beieinander ; die oberen sind
meisselförmig, die untern kegelförmig. Die Species Notopteris Mac-
donaldii ist oberhalb blass rothbraun , an der Unterseite grau; die
hintere Hälfte des Rückens, welche von der Basis der Flughäute
bedeckt wird, ist kahl mit einem schmalen Streifen kurzer Haare auf
der Mittellnie.e Der Rumpf so wie die obere Seite der Basis der
Zwischenschenkelhaut mit Haaren bedeckt. Fundort Viti Leon. Bei
dem /' Kopf und Rumpf 4'%” (Engl.), Schwanz 2“, Vorderarm 24”,
Schenkel 1'%”, das Q ist kleiner, sein Vorderarm 2'g".
Ch. inseetivora. Die Gaumenfalten und Nebenzungen
der Chiropteren wurden von Kolenati einer sorgfältigen
Untersuchung unterworfen (Sitzungsberichte d. Wien. Akad.
1858. Bd. XXIX. p. 329345).
Vorausgeschickt sind Bemerkungen über den Bau der Knochen
des Vorderarmes, der bei Gymnorhinen einen wenig gebogenen Ra-
dius und ein stets mit diesem verwachsenes Ulecranon enthält, wobei
die Ulna auf einen kurzen und fadenförmigen aber freien Fortsatz
desselben reducirt ist, während bei den Phyllorhinen die Speiche
slärker gebogen, das Olecranon frei und ausgebildet und die Ulna
nur bis auf ein Viertheil verkümmert ist. In der Nähe der Lücken-
zähne an der inneren Seite der Ober- und Unterlippe entdeckte der
Verf, eigenthümliche Längswülste und’ Kegelwarzen, welche er Schnapp-
oder Nebenlippen nennt. Ebenso fand der Verf. unter der wahren
Zunge bei allen Chiropteren höchst charakteristische blattartige,
36 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
häutig-knorpelige Organe, welche von ihm Schwirrzungen (in der
Ueberschrift „Nebenzungen“) genannt werden. Diese Schwirrzungen,
Gaumenfalten, obere und untere Schnapplippen, so wie der Afterver-
schluss werden von dem Verf. bei 31 Arten beschrieben und auch
grösstentheils abgebildet, wonach sie sich bei den verschiedenen Ar-
ten gleichfalls als ganz verschieden herausstellen (vorausgesetzt, dass
die genannten Formen verschiedenen Individuen derselben Art nicht
variiren, worüber der» Verf. freilich keine Andeutungen giebt, indem
er nirgends die Zahl der untersuchten Individuen nennt).
Einen neuen Artibeus (Arctibaeus?) (Leach) Gervais
beschreibt Peters (Monatsber. d. Berl. Akad. p. 225).
Artibeus viltatus; supra fuscus, subtus pallidior, striis faciali-
bus mediaque dorsali albis. Long. ab occip. ad marg. pat. infer. 0,075;
cap. 0,034; aur. 0,023; pıosth. 0,0135; antibr. 0,060; crur. 0,022;
pat. interf. 0,003. Puerto Cabello. Zunächst dem A. lineatus und A.
personatus verwandt, jedoch viel grösser. Der untere Rand des Huf-
eifens ragt nicht frei hervor, sondern ist mit der Schnauze ohne Ab-
satz verwachsen.
In Bezug auf Megaderma Geoffroy bemerkt Peters
(l. ce. p. 223), dass die von Gray vorgeschlagene generi-
sche Trennung der afrikanischen Meg. Frons auch durch
das Gebiss gerechtfertigt wird, indem die asiatischen Meg.
Lyra und Meg. Spasma (trifolium) nach einem kleinen, bis-
her übersehenen oberen Lückenzahn besitzen. Ihre Ge-
0.1.2+3
BulL2E 3
verkannten Zwischenkiefer bestehen jederseits aus einer sehr
schmalen aufsteigenden Knochenleiste, welche wie bei Nycti-
cejus u. a. mit dem Oberkiefer sehr früh verwächst.
Als neu wird Phyllorrhina labuensis von Tomes (l. c.
p- 147 u. 148) nach einem Exemplare von Labuan und einem
von Sawarak beschrieben.
Sie ist zunächst Phyll. speoris verwandt, doch sind die obe-
ren Schneidzähne ziemlich breit und berühren einander, ‘die un-
teren Schneidezähne sind klein, regelmässig und dreispitzig. Alle
Eckzänhe sind lang und schlank, die Ohren von mittlerer Grösse,
so breit wie hoch, zugespiszt, der Aussenrand nach der Spitze
zu schwach ausgebuchtet. Der 4te Finger nicht länger als die
beiden Basal- Phalangen des längsten Fingers. Oberhalb ist das
Haar dreifarbig, dunkelgrau an der Basis, darauf gelblichbraun,
die äusserste Spitze etwas blässer. Das Exemplar von Sawarak hat
bissformel ist also X 2= 30. Die bisher
der Säugethiere während des Jahres 1859. 37
lebhaftere Farben. Flugweite des Exemplares von Labuan 12° Engl., des
anderen 11‘ 8. Ph. sepeoris ist dagegen grösser, hat einen grös-
seren Kopf und namentlich grössere Eckzähne. Ihre Tibia ist nicht
bloss absolut, sondern auch relativ grösser, und der freie Theil des
Daumens ist länger, als der in die Haut eingeschlossene.
Als in Irland vorkommend, was bisher noch nicht be-
kannt war, wird Rhinolophus hipposideros genannt (The
nat. hist. review 1859. p. 379).
Ebendaselbst p.381 wird der Anfang einer Mammalogia hi-
bernica mit einer Beschreibung der genannten Species gemacht.
Ueber Rhinopoma Geoflroy bemerkt Peters (Monats-
berichte der Akad. Berlin 1859. p. 222):
Die Spornen fehlen dieser Gattung nicht, sondern sind nur
knorpelig. Sie schliesst sich durch die Gestalt ihrer Füsse und durch
das Vorhandensein zweier knöcherner Fingerglieder am zweiten Vor-
derfinger, so wie durch Bildung ihrer Zwischenkiefer unter allen
Flederthieren mit spitzhöckrigen Backenzähnen am nächsten den Pte-
ropina an.
Rhinopoma Lepsianum n. sp.; supra dilate cinnamomeum, subtus
flavidum; eranium regione interorbitali cordiformi, concava, intumes-
centiis anteorbitalibus nullis. Länge des Kopfes und Rumpfes 0,076,
des Schwanzes 0,066, des Kopfes 0,026, des Vorderarmes 0,070, des
Schenkels 0,026, Spannweite 6,360. Vom blauen Nil.
Peters lieferte Beiträge zur Kenntniss der Gatlung
Nyctophilus im Auszuge (Monatsberichte d. Akad. d. Wiss.
Berlin 1859. p. 127).
Nach Untersuchung des Nyctophilus australis Peters (von N.
Geoffroyi Leach durch beträchtlichere Grösse und auch durch die
Färbung verschieden) ergiebt sich, dass die Zahl der unteren Schnei-
dezähne, entgegen Temminck, sechs ist, wie schon Leach an-
giebt. Untere Backenzähne finden sieh nicht vier, wie bisher alle
Autoren angeben, sondern fünf, so dass die Gebissformel folgende ist:
—ı.1,.38
8.1.2.3
der Eingeweide zeigt diese Galtung die grösste Uebereinstimmung
mit den eigentlichen Vespertilionen, denen sie daher viel näher steht,
als den Nycteris oder Rhinolophus, wie man bisher glaubte. (Es
rechtfertigt sich also die Ansicht, welche Tomes ausgesprochen hat,
der in seiner Monographie der Gattung Nyctophilus — Proc. zool.
oc. Januar 1858 — dieselbe Gebissformel für die Gattung aufstellte
und diese in die Nähe von Plecotus brachte.)
An einer Fledermaus aus Puerto Cabello, welche, mit
.
in Summa= 30. Im Baue des Schädels, des Skelets und
38 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Ausnahme des Unterkiefers, in allen übrigen Stücken mit
Spectrellum macrourum Gervais übereinstimmt, fand Pe-
ters sechs deutlich dreilappige, quer zum Kieferrande
gestellte untere Schneidezähne , so dass die Zahnfor-
mel der Gattung Spectrellum folgendermassen lauten muss
2,71. 968 x 2 = 38, woraus sich eine Verwandtschaft
3.1.3+3 .
nicht mit den Phyllostomen,, sondern mit den ächten Ve-
spertilionen, und zwar mit Nycticellus lepidus, ergiebt.
(Monatsberichte d. Akad. Berlin. 1859. p. 225.)
Plecotus auritus L. stimmt nach Schrenck (I. ce.
p. 115 u. 116), der ein Exemplar von der Küste der Mand-
schurei untersuchen konnte , vollständig mit dem europäi-
schen Thiere überein.
Eine neue Gattung, Otonycteris, wurde von Peters
nach zwei Exemplaren, wahrscheinlich aus Aegypten stam-
mend, aufgestellt (l. c. p. 223).
Sie hat durch den Bau der Ohren und des Ohrdeckels die grösste
Aehnlichkeit mit Plecotus, jedoch sind die Nasenlöcher nicht nach
hinten erweitert, noch auf der oberen Seite gelegen, sondern sichel-
förmig und nach vorn gerichtet wie bei Vespertilio. Im Baue des
Schädels und in der Gestalt und Zahl der Zähne stimmt sie mit Nycti-
1.101,13
3.1.2+3
Otonycteris Hemprichii n. sp. supra albescenti-brunneus, sub-
tus albus, alis dilute brunneis. Totallänge 0,110, Spannweite der
Flughäute 0,320. Der Verf. wirft die Frage auf, ob die Art viel-
leicht mit Plecotus Christii Gray übereinstimme.
Eine kleine Fledermaus aus Aegypten stellte Peters
zu Nycticejus (Monatsberichte d. Akad. d. Wissensch. Ber-
lin 1859. p. 224).
Die Zahnformel
cejus (planirostris Pet.) überein Kar — ll
rn FR}
3.1.2+3
Zahl, sondern auch die Form der einzelnen Zähne, so wie des Zwi-
schenkiefers bringt die Art zur Gattung Nycticejus.
x 2 = 30. Nicht bloss die
N. Schlieffenii n. sp. supra rufescens, subtus ex albo rufescens;
alis fuscis. Long. tota 0,075, cap. 0,015, aur. 0,013, tragi 0,005,
caudae 0,032, antibr. 0,031, exp. alar. 0,200. x
Vesperugo borealis Nils. vom Amur unterscheidet
der Säugethiere während des Jahres 1859. 39
sich nach Schrenck (l.c. p. 108—109) in Nichts von den
europäischen Exemplaren derselben Art.
Als zwei für Oesterreich neue Fledermäuse werden
Nannugo ursula (Vesperugo ursula Wagner) und Nannugo
minutissimus (Vespertil. minut. Schinz) von Kolenati aus-
führlich beschrieben (Sitzungsberichte d. Wien. Akad. 1858.
XXVIII. p. 243—249). Beigefügt ist eine Tabelle, welche
die wichtigsten Merkmale der fünf europäischen Zwergfle-
dermäuse N. Kuhlii, N. ursula, N. Nathusii, N. minutissi-
mus, N. pipistrellus nebst den Abbildungen charakteristi-
scher Theile enthält. Eine den Schluss bildende analytische
Uebersicht sämmtlicher europäischen ek hr zählt de-
ren 28 auf.
Eine unbestimmte MY Fr fer M. pipistrellus an Grösse
und Gestalt gleich, aber von abweichender Färbung, be-
schreibt Blyth von Tenasserim (l. c. p. 293).
Tomes beschreibt den Vespertilio suillus Temm. als
Typus der Genera Murina (Gray) und Ocypetes (Lesson).
(Ann. and mag. nat. hist. III. Ser. Vol. II. p. 154. und Proc.
zoolog. Soc. 13. Juli 1858.)
Gleichzeitig (1842) hatten Gray und Lesson für den Vesper-
tilio suillus Temm., der Erstere das Genus Murina, der Letztere das
Genus Ocypetes gegründet, jener jedoch zugleich mit einer Charak-
teristik des Genus. Der Verf. vergeicht meist in allgemeinen Aus-
drücken den Vesp. suillus mit der Gruppe, welche Vesp. formosus,
V. emarginatus, V. rufo-pietus und V. Pearsonii enthält. Der Schä-
del gleicht in seiner allgemeinen Form sehr dem des V. emargina-
tus, also auch in Gestalt und Verkältniss der Zähne, hat jedoch im
Oberkiefer 1 Lückenzahn mehr und im Unterkiefer einen weniger,
die Zahnformel ist ERIELEK X ’
3.1.2 +3
als Synonym die Noktufinia lasyura- s. hinzu, und giebt ausser den
von Temminck mitgetheilten Maa@en noch solche von 2 Exempla-
ren des V. suillus und des Noctul. Jasyur. Vaterland: Java, Suma-
tra, Indien.
Dass unsere Kenntniss der Mikromammalogie Europas
noch lange nicht vollständig ist, bewies Kolenati durch
die Entdeckung einer neuen Fledermaus, Amblyotus alratus
vom Altvater in österreichisch Schlesien, welche das Ue-
bergangsglied von den Vesperugen zu den Vespertilionen
= 34. Der Verf. zieht noch
40 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
bildet (Sitzungsberichte der Wien. Akademie 1858. XXIX.
p- 250-256).
L. ec. p. 251 sagt der Verf.; Man braucht nur in die Seite 10
(250) der in den Sitzungsber. der k. Akad. sbgedruckten Bestimmungs-
tabelle No. 14 einen dritten Gegensatz: „Im Ganzen 32 Zähne, oder
im Oberkiefer kein, im Unterkiefer ein Lückenzahn, Flugweite 9% 8%,
zu setzen, und diese Art ist bereits eingereiht.“ Aus diesen Worten
scheint hervorzugehen, dass sich in jener Tabelle (l. c. XXVIII. p. 250)
die einzurückenden Worte noch nicht befinden, allein sie stehen
schon daselbst, und hinter ihnen folgt (ohne Gattungsnamen) eine
Art: atratus Kolenati. Wir müssen also annehmen, der Verf. habe
in jener Tabelle bloss den Namen der neuen Art publiceiren wollen
und liefere jetzt nachträglich ihre Beschreibung. Die Zahnformel ist
FA Dr
Sa nE 1722001
des am Spornbeine befindlichen Lappens trennt die Art von Vesperugo
und nähert sie den Vespertilionen, während sie sich durch die Zahl
ihrer Zähne von diesen unterscheidet und an Vesperugo anschliesst.
(Auffallend ist, dass der Verf. selbst Amblyotus als Subgenus bezeich-
net und doch als Genus behandelt.)
Vespertilio mystaeinus Leisl. ist nachSchrenck (l.c.
p. 109 — 114) an der Mündung des Amur die häufigste
Fledermaus.
Unter 5 Exemplaren vom Amur, welche der Verf. untersuchen
konnte, gehörten drei dem V. mystacinus, zwei dem V. Daubentonii,
doch fand sich eine solche Abstufung und ein so grosses Schwanken
der unterscheidenden Charaktere selbst an der Form des Ohres und
der Länge der Glieder des dritten Fingers, dass die Unterscheidung
der genannten Arten zweifelhaft wird.
Einer neuen Art, Scotophilus fuloidus schreibt Blyth
(l. c. p.293) 4 Exemplare eines kleinen Scot. von Tenas-
serim zu.
Farbe durchgehends blass braunroth, Flughäute schwarz. Länge
2%/“ Engl., Schwanz 1“, Flugweite 7%”, Vorderarm 1'%s“, Ohrmu-
schel am Hinterrande °/ıs”.
Scotophilus nitidus n. sp. Tomes (l. c. p. 149—150).
Es ist zunächst mit V. coromandelicus Cuv. verwandt und nur
wenig grösser als dieser. Die Ohren klein und oval mit abgerunde-
ter Spilze und einer kaum bemerkbaren Ausbuchtung am Aussenrande.
Der Tragus ist kurz, beinahe gleichmässig breit, einwärts gekrümmt
und am Ende abgerundet. Der freie Theil des Daumens ist etwas
länger als der eingeschlossene. Die Spitze des Schwanzes ist frei.
x 2 = 32. Der Mangel des Epiblema, d.h.
je DT Le
der Säugethiere während des Jahres 1859. 41
Wie bei Pipistrellus steht ein kleiner Lückenzahn unmittelbar hinter
dem oberen Eckzahne und in gleicher Linie mit den übrigen Zäh-
nen, so dass er von der Aussenseite sichtbar ist. Bei Se. Lralatitius
berührt der zweite Lückenzahn den Eckzahn, und der erste befindet
sich in dem Winkel, den beide bilden, so dass er nur von innen her
sichtbar ist; das wichtigste Merkmal aber liegt in den oberen Schnei-
dezähnen, deren äussere bei Sc. nitidus den Eckzähnen anliegen,
weiter nach vorn gerückt, als die inneren und gänzlich rudimentär
sind. Zahnformel red Ach x 2=34. Spannweite der Flug-
Sala 2 rd
häute 9" Engl.
Hieran knüpft der Verf. folgende Bemerkungen: Vespertilio
tralatitius Temm. ist gänzlich verschieden von der gleichnamigen
Art bei Horsfield und vielmehr ein wahrer Vespertilio, dem V.
mystacinus sehr ähnlich. V. tenuis Temm. kann nur mit Schwierig-
keit von ihr unterschieden werden. Der V. imbricatus Tenım. ent-
spricht ganz dem ächten V. tralatitius und gehört zu ihm, den V.
imbricatus Horsf. kennt der Verf. nur aus einem Exemplar im India
House. V. brachypterus ist das Junge des V. tralatitius Horsf. V.
pachypus ist eine gute Species, ebenso V. Akokumuli, aber Tem-
minck’'s Beschreibung und Abbildung des V. abramus passt so genau
anf Scotophilus lobatus Gray, dass sie als Synonym der letzteren be-
trachtet werden muss.
Einen anderen Scotophilus bringt der Verf. in Verbindung mit
Vespertilio eircumdatus Temm., obgleich er etwas kleiner und sein
Pelz kürzer und einfarbig ist, während der der letzteren nach Tem -
minck lang und zweifarbig sein soll.
Inseetivora,
Ueber die Verbreitung des Erinaceus europaeus er-
halten wir wichtige Aufschlüsse durch Schrenck (l. e.
p. 100-2105).
Der Verf. fand einen Igel, der sich von dem europäischen nur
durch eine dunklere Färbung der Stacheln und ein vielleicht etwas
spiteres Ohr unterscheidet, also nicht als eigene Art angesehen werden
kann, am Amur nur in der Nähe der Stadt Aigun, oberhalb des Burlja-
Gebirges, niemals dagegen im unteren Amurlande , an der Mündung
des Stromes oder auf Sachalin, während er auch im östlichen Sibi-
rien, westlich vom Amurlande ganz unbekannt ist. Er scheint sich
also auch in China, wo sein Vorkommen sicher ist, nach Norden ver-
breitet zu haben. Ob auch Erinaceus auritus im Amur-Lande vor-
komme, liess sich nicht mit Bestimmtheit nachweisen.
42 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Eine Monographie der Russischen Igel ist vonBrandt
zu erwarten (Bullet. de l’Acad. St. Petersbourg Tom. 1.
p- 256-257).
Als neue Art beschreibt Blyth Hylomys peqguensis
(l. c. p. 294).
Er ähnelt dem N. suillus J. Müller, der sich aber durch einen
entwickelteren Schwanz unterscheidet. Totallänge 6” (Engl.), davon
kommen auf den Schwanz 7%“, Kopf 11%”, Hinterrand der Ohrmu-
schel 1%”, Hinterfuss mit Klauen 1”.
Sorieina. Sorex vulgarisL. aus dem Amur-Lande und
von Sachalin weicht nach Schrenck (l. c. p. 106—107) von
den europäischen Exemplaren durch den Mangel des röth-
lichbraunen und gelblichen Farbentones ab, indem die Ober-
seite dunkelgraubraun und die Unterseite heller und weiss-
licher als bei den europäschen Thieren erscheint, ein Ver-
halten, welches nicht, wie Middendorf für die nord-
sibirischen Thiere annimmt, von einem stärkeren Durch-
schimmern der mäusegrauen Farbe des unteren Theiles der
Haare, sondern von einer verschiedenen Färbung der Haar-
spitzen selbst herrührt.
Bemerkungen über Sorex serpentarius Geoffr. machte
Blyth, indem er diese Species mit S. coerulescens und
S. heterodon Blyth verglich. (Journ. Asiat. Soc. Bengal.
1859. p. 284.)
Leider sind diese Bemerkungen, wie gewöhnlich, so allgemein
gehalten, wie „dünnerer Schwanz,“ „geringere Grösse ,“ „kleinere
Zähne“ u. s. w., dass sie zur Erkennung einer Species völlig un-
brauchbar sind. Wir führen bloss an, dass bei S. serpentarius die
Zähne als weiss, bei $. heterodon als röthlichgelb angegeben werden,
Ferner beschreibt Blyth (l. c. p.285) den $. succa-
tus Hodgs. und zwei unbestimmte Arten von Masuri den
S. Swinhoei Blyth von Amoy und als neu von Deyra doon
den S. Tytleri.
Oberhalb röthlichbraun, unten heller, der Schwanz ist dicht
bedeckt mit kurzen Haaren, denen zahlreiche lange untermischt sind,
der Basaltheil des Schwanzes ungewöhnlich dick. Kopf und Rumpf 4*/2“,
Engl, lang, Schwanz 2%”, Sohle des Hinterfusses 7/".
Als neu beschreibt Blyth aus Süd -Malabar einen
der Säugethiere während des Jahres 1859. 43
Sorez viridescens (Journ. Asiat. Soc. Bengal. 1859. p. 285)
nach einem höchst mangelhaften Fell.
Die Art soll sich von S.Sonneratii nicht bloss durch die Farbe
und Beschaffenheit des Pelzes unterscheiden, sondern auch durch
Länge der Sohle des Hinterfusses, welche bis zur Ferse 1'/ıs“ Engl.
misst, bei S. Sonnerati aber '%%s“, Länge bis zur Schwanzwurzel un-
gefähr 5'%”. Farbe sehr dunkel, oberhalb undeutlich, unterhalb sehr
deutlich mit gelblichen Spitzen untermischt, was dem Thiere eine
dunkelgrünliche Färbung verleiht. Das Haar ungewöhnlich kurz und
vom Charakter des Maulwurfhaares.. Vielleicht gehört die Art, wel-
che nach Baker in Süd-Malabar gemein sein soll, einem neuen
Genus der Soriciden an. (Ref. kann nur, wie schon öfters, sein
Bedauern über den Zustand der Zoologie Indiens aussprechen.)
Einen bei Myogale moschata und M. pyrenaica be-
ständig vorkommenden muscutus sterno - clavieularis ent-
deckte Hyrtl als Seltenheit auch bei dem Menschen. (Sit-
zungsberichte d. Wien. Akad. 1858. XXIX. p. 265—268.)
Carnivora,
Ferae.
Felina. Nachdem bereits v. Middendorf höchst
wichtige Nachrichten über das Vorkommen des Tigers in
Sibirien gegeben hat, sind diese durch Schrenck (l. c
p- 90—96) noch weiter vervollständigt worden, der sein
wenn auch seltenes Vorkommen auf der Insel Sachalin nach-
gewiesen hat, in Gegenden, in welchen der Verf., wie auch
am unteren Amur, im Winter zu wiederholten Malen eine
unter dem Gelrierpunkte des Quecksilbers stehende Tem-
peratur beobachtet hat.
Nach Castelnau haben die Tiger in Singapore, seit
die Engländer daselbst sind , bedeutend zugenommen, in-
_ dem sie durch die Aussicht auf Beute angelockt von Ma-
laeea herüberschwimmen (Rev. et mag. de zoolog. etc. Il.
Ser. Tom. XI. 1859. p. 401).
\ Ueber einen Tiger mit doppelten Streifen am Rumpfe
findet sich eine Nachricht Ann. and mag. nat. hist. III. Ser.
° Vol. 3. p. 240. (Overland Hurkarn, Calcutta Dec. 8. 1858.)
44 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Ueber die Verbreitung des auch am Amur seltenen
Irbis berichtet Schrenck (l. ec. p. 96—98).
Einen Jaguar von Mazallan beschreicht Gray als Leo-
pardus Hernandesii. ‚(New Edinb. Journ. Vol. VIII. 1858.
p- 170.)
Er gleicht dem Jaguar in der Form der Beine und des Schwan-
zes, unterscheidet sich aber von ihm durch die grössere Länge des
Kopfes und die Anordnung der Flecken, welche am Vordertheile des
Körpers einzeln und zerstreut sind und nur am Hintertheile desselben
Ringe bilden, während sie bei dem Jaguar überall die letztere An-
ordnung zeigen.
Ueber die Verbreitung der Hauskatze in den Amur-
ländern erhielten wir Nachricht durch Schrenck (l. ce.
p- 98— 100).
Einige Bemerkungen über die Lebensweise der Felis
celidogaster giebt Blyth (Journ. Asiat. Soc. Bengal. 1859.
p- 283).
Der Luchs des Amurlandes gehört nach Schrenck
(l. ce. p. 88—90) der fein- und schwachgefleckten Varielät
F. Lynx Temm. et Nilss. an. Seine Verbreitung ist hier,
wie überall, an hochstämmige Waldungen gebunden. Seine
Südgrenze dürfte auf dem Südende der Insel Sachalin sein.
Viverrina.. Bemerkungen über die Lebensweise der Ga-
lidia concolor und Galidictis vittata Gray werden von
Coquerel (l. c. p.465) mitgetheilt. Der Schädel der
letzteren Art ist Pl. 18. Fig. 2 abgebildet.
Hyaenina. Einen sehr wichtigen Beitrag zur Naturge-
schichte der Hyänen erhielten wir von Nordström in sei-
ner Dissertaiion über die vergleichende Osteologie der ge-
streiften und gefleckten Hyäne. Petersburg 1859 in russi-
scher Sprache erschienen.
Der Verf. vergleicht die Skelete der genannten beiden Hyänen-
arten untereinander und mit. den Skeleten des Hundes, des Leoparden,
des Löwen, des Bären u. s. w. und kommt schliesslich zu folgenden
Resultaten: 1) Der osteologische Bau der Hyänen zeigt eine auffallende
Verschmelzung des Typus der Katzen mit dem der Hunde und zwar
an einem und demselben Knochen. 2) Die gestreifte und die ge-
fleckte Hyäne unterscheiden sich von einander nicht nur durch den
Schädel, sondern auch durch das Skelet. 3) Die Verwandtschaft der
der Säugethiere während des Jahres 1859. 45
Hyänen mit den Hunden ist eben so gross wie die mit den Katzen,
so dass sie weder zu den einen, noch zu den anderen gerechnet
werden dürfen.
Eine Menge schöner Abbildungen begleiten das Werk (zeigen
aber doch, dass die Anwendung der Photographie für Darstellungen
naturhistorischer Objekte eine sehr beschränkte ist).
Canina. Unsere Kenntniss des Canis procyonoides Gray
wurde durch Schrenck (l. ce. p.53—87) ansehnlich be-
reichert. fi
Ein reichhaltiges Material hat den Verf. veranlasst den €. pro-
eyonoides Gray und C. viverrinus Temm. (wie zu erwarten war) in
eine einzige Ast zusammenzuziehen. Durch ihr Vorkommen am Amur
unterscheidet sich die Fauna der betreffenden Länder wesentlich von
der Sibiriens, um sich an die Faunen Chinas und Japans anzuschlies-
sen. Abgebildet sind auf Taf. III—V Farbenvarietäten und das Skelet.
Holland berichtet über Bastarde einer Wölfin mit
Hunden in der Freiheit geboren in den Wäldern von Nouaille.
Compt. rend. de l’Acad. des science. Paris 1859. Tom. 48.
p- 1072.
Die bisher so mangelhaften Nachrichten über den Ca-
nis alpinus Dall. sind sehr vervollständigt worden durch
Schrenck (l. c. p. 48—50).
Dem Verf. gelang es auf seinen Reisen in den Amurländern
nur ein einziges Fell zu erhalten, welches viel dunkler, röther und
mit mehr Schwarz versehen ist, als ein anderes Exemplar aus dem
Altai, welches vielleicht aber auch in Folge langer Aufbewahrung
im Museum zu Petersburg ausgebleicht sein kann. (Dem so seltenen
Vorkommen des C. alpinus in den Sammlungen, so wie dem Dilet-
tantismus, mit welchem die ÖOstindische Säugethierfauna bisher be-
handelt worden ist und noch behandelt wird, ist es zuzuschreiben,
dass der C. alpinus, der C. primaevus aus Ostindien und der C. ru-
tilans von den Sundainseln noch immer als besondere Arten betrachtet
werden, Die Schädel dieser drei Arten sind, wie Ref. gefunden hat,
so scharf getrennt von denen aller anderen Hundearten, untereinander
aber vollständig übereinstimmend, sowohl was die Form betrifft als
auch im Gebisse, Ausserdem lässt sich eine Lücke in Färbung schon
jetzt durch das Exemplar von Amur ausfüllen, so dass sich genü-
gende Uebergänge von den hellen Exemplaren aus dem Altai zu den
dunkelrothen aus Java finden lassen.)
Der Schädel des C. alpinus wurde durch v. Nord-
mann genauer beschrieben und gemessen (Palaeontologie
Südrusslands. Helsingfors 1858, p. 136—137 Anmerk.).
46 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Das gemeinste und am leichtesten zu erlangende Raub-
thier unserer Gegenden ist der Fuchs, und doch fehlt es
noch vollständig an einer ausführlichen Feststellung der
Grenzen, innerhalb deren seine Färbung in verschiede-
nen Theilen der alten Welt variirt. Durch die Arbeiten
Schrenck’s (l.c. p.51—52) sind wir diesem Ziele näher
gerückt. Er fand, dass das Insel- und Küstengebiet im
Nordösten Asiens vorzugsweise die Entwickelung einer
schwarzen Varietät begünstige.
Das Gebiss des Canis vulpes L. im Zahnwechsel hat
v. Nordmann ausführlich beschrieben und Maasse des
Unterkiefers junger und alter Thiere und einzelner Skelet-
theile beigefügt (l. e. p. 140—142).
Dass Canis lagopus auf Sachalin nicht vorkommt, hat
Schrenck (l. c. p.52u.53) nachgewiesen, nachdem be-
reits v. Baer dasselbe für die Russischen Kurilen gethan
hatte. Es müssen also die Angaben v. Siebold’s über
das Vorkommen des Polarfuches auf den südlichen Kurili-
schen Inseln entschieden in Zweifel gezogen werden.
Ueber die Verbreitung des Eisfuchses bemerkt v.
Nordmann gelegentlich (l. ec. p.244 Anmerk.), dass er
im russischen Theile von Karelen nicht selten ist und zu-
weilen bis in die südlichste Provinz Finnlands kommt. Zu-
letzt wurde er 1854 bei der Stadt Lovisa geschossen.
Selbst bei St. Petersburg ist er schon vorgekommen.
Ursina. Der Bär des Amurlandes gehört nach Schrenck
(l. e. p. —16) ohne Zweifel zu der durch den ganzen
Norden beider Welten verbreiteten Art U. arctos L.
Seine Farbe variirt vom reinen Schwarz bis Fablbraun. Auch
findet sich eine Varietät mit weissem Halsbande. Mitgetheilt werden
die Maasse zweier Schädel, der eine hoch, der andere flachförmig.
Die Gesammtlänge des grösseren beträgt 450 Mm., während der bis-
her als der grösste bekannte (bei Middendorf) 418 Mm. misst,
und der grösste Ursus spelaens (bei Nordmann) 488 Mm. lang ist.
Auf Sachalin ist der Bär sehr zahlreich und von derselben Farbe,
doch findet sich im Norden der Insel, nach Erzählung der Giljaken,
eine sehr helle Varietät.
Schilderungen des brauen und Eis-Bären gab Wein-
der Säugethiere während des Jahres 1859. 47
land in seiner Zeitschrift „der Zoologische Garten.“ 1859.
p. 37—46.
Mustelina. Meles Taxus Schreb., bisher bloss bis an
die Lena nach Ossten bekannt, kommt nach Schrenck
(l. e. p. 17) auch am Amur vor.
An acht dem Verf. vorliegenden Dachsfellen aus dem Amur-
lande finden sich alle Uebergänge zum Meles Anakuma Temm. aus
Japan, so dass dieser nicht als eigene Art anzusehen ist. (Dass der
Verf. den Melas Taxus Schreb. vom M. labradoria Say hauptsächlich
durch die Zeichnung des Kopfes unterscheidet, muss uns wundern, da
diese Arten bekanntlich durch ihr Gebiss so von einander entfernt
sind, dass eine generische Trennung durchaus nothwendig ist.)
Gulo borealisNilss. kommt nach Schrenck (l.c.p. 24)
im Amurlande in denselben bald helleren, bald dunkleren
Färbung vor, wie in Europa und Nordasien. Seine Ver-
breitung ist an die des Renthieres geknüpft.
Bei Mustela flavigula Bodd. ist naeh Leith Adams
(l. e.) der Winterpelz so verschieden vom Sommerpelz, dass
Must. Gwalkinsii Jardine vielleicht keine besondere Art ist.
(Die Ansicht des Verf. wird nicht recht klar, da M. Gwalt-
kinsii sich durch dunklere,, fast schwarze Färbung unter-
scheiden soll.)
Mustela zibellina L. istnach Schrenck (}.c. p.27) sehr häufig
im Amurlande und ebenso, ja vielleicht noch häufiger auf Sachalin.
Ihr Haar verliert nach Osten und Süden zu an Schwärze und Dich-
tigkeit. Am unteren Amur finden sich häufig helle Exemplare, eine
helle Varietät kommt aber auf Sachalin vor, die als Mittelform zwi-
schen dem asiatischen und amerikanischen Zobel zu betrachten ist.
Ebenso dürfte auch der Mustela brachyura Temm. von Japan nur eine
hellere Varietät des Zobels sein. Weder M. martes noch M. foina findet
sich im Amurlande.
Mustela sibirica Pall. fehlt auf Sachalin und ist eine ausschliess-
liche Charakterform des continentalen östlichen Sibiriens. Der zuerst
von Wagner erwähnte weisse Fleck an der Unterseite des Halses
ist unwesentlich.
Mustela erminea I... dürfte am Südende der Insel Sachalin ihre
Aequatorialgrenze erreichen; sie gleicht ganz der europäischen.
Mustela vulgaris Briss, in der Gegend von Nikolajew nur in
einem Exemplare gesammelt, ist auf der Unterseite etwas gelblich, so
N
48 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
dass somit der einzige Unterschied zwischen den: gemeinen Wiesel
und M. pusilla De Kay in Nordamerika aufgehoben wird *).
Nach einer Mittheilung von Struck wurde Foetorius
Iutreola bei Ludwigslust in Mecklenburg beobachtet (Archiv.
d. Ver. d. Freunde für Naturg. in Mecklenburg XIII. 1859.
p- 139).
Lutra vulgaris Erxl. kommt nach Schrenck (l. ce.)
bis nach China hinein vor, so dass L. chinensis Gray, L.
indica Gray, L. Nair Cuv. u. a. m. vielleicht nur als Ab-
arten unseres Fischotters zu betrachten sind. Die Viverra
aterrima Pallas liesse sich nirgends finden und dürfte wohl
eine Varietät der L. vulgaris gewesen sein.
Pinnipedia. Enhydris marina Schreb. lebtnachSchrenck
(l. c.) auf der Süd - und Ost-Seite der Insel Sachalin, wird
aber von den Eingebornen nicht gejagt.
Ueber die Verwandtschaft des Walrosses erhielten wir
wichtige Aufschlüsse durch Steenstrup und Sundevall
(Öfversigt af K. V. A. Förh. 1859. p. 441 ff., im Auszuge
mitgetheilt in Giebel und Heintz, Zeitschrift 1860.
p. 270205).
Steenstrup war durch eine Vergleichung der Schädel so
wie der Skelete zu der Ueberzeugung gelangt, dass die Gattung Odo-
baenus (= Trichechus L. Syst. Nat. ed. XII) zunächst mit den Muste-
linen verwandt sei, und dass die Raubthiere ohne Unterbrechung in
die Phoken übergingen, indem das Wallross nicht mehr von Enhydris
abweiche, als diese Gattung von Lutra.. Sundevall ist durch Ver-
gleichung des reichen Materials der Stockholmer Sammlung zu dem-
selben Resultate gelangt und will nur durch Lebensweise und Form
der hinteren Extremitäten eine-Grenze zwischen Lutra und Enhydris
ziehen. Es würde sich danach das Schema folgendermaassen ge-
stalten:
I. Terrestres vel Litorales. a. Melinae, b. Mustelinae, ce. Lu-
trinae (Lutra, Pterura). \
II. Pelagicae, a. Enhydris, b. Odobaenus, c. Otaria, d. Phoca,
*) Bei Baird (l. c. p. 159), dessen bereits im Jahre 1857 er-
schienene Arbeit der Verf. nicht gekannt zu haben scheint, wird dem
Putorius pusillus eine weisse Unterseite zugeschrieben, so dass mithin
durchaus kein Unterschied zwischen dieser Art und dem europäischen
Wiesel aufzufinden ist, und in der That passt die betreffende Diagnose,
wie so manche andere, bei Baird wörtlich auf die altweltliche Art.
der Säugethiere während des Jahres 1859. 49
In einer Beschreibung der Guanoformation und ihrer
Bewohner auf den Chinchas-Inseln theilte Kinahan. schät-
zenswerthe Bemerkungen über die Robben der genannten
Gegend mit. (Journ. Roy. Dublin Soc. Vol. I. 1858. p. 92
und 93.)
Otaria leonina (Gray's Museum Catal.) hat folgende Zahnformel
Butn? : 3 - x{?2= = Der äussere obere Schneidezahn gleicht in
Länge und Gestalt dem Ecekzahn, die hinteren Backenzähne haben
nur einen einfachen Höcker, die übrigen dagegen an der Basis dieses
Höckers noch zwei undeutliche Spitzen. Der letzte Backenzahn in
jedem Kiefer hat eine doppelte Wurzel.‘ Das Haar ist Jang aber sei-
denartig, die Farbe hellbraun. Die Thiere werden oft mehr als 20’
(Eng].) lang. Die Gipfel der Inseln findet man von todten Seelöwen
umgeben, und Köpfe und Skelete liegen in allen denkbaren Lagen
zu Hunderten rings umher. Unter den zahlreichen Schädeln des See-
löwen fand der Verf. nur einen, der (ohne Unterkiefer) jederseits nur
5 Backenzähne hatte, deren letzter eine einfache Wurzel besass. Die-
ser Schädel unterschied sich auch durch andere wesentliche Merk-
male von denen des Seelöwen.
Otaria ursina Linn. kommt nach Schrenck (I. c. p. 189—190)
in den Gewässern der südlichen Hälfte Sachalin’s, im Ochotskischen
und Nord-Japanischen Meere wenigstens bis 47° N.B. vor.
Phoca nummalaris Schleg. ist nach Schrenck (Il. c. p. 180)
für das Amur-Land die wichtigste Robbenart. Sie findet sich an den
Küsten des Amur-Landes im Ochotskischen Meere, im tartarischen
Sund und im Amur selbst vor. In diesem gehen junge Thiere bis
zum Dorfe Yrri, 400 Werst oberhalb der Mündung und nahe dem
51° N. Br. hinauf, In Beziehung auf die Zeichnung des Felles kom-
mei die mannichfachsten Varietäten vor.
Phoca barbata Müll. hat im Amur-Lande dieselbe Verbreitung
wie die vorhergehende Art, doch liess sich nicht ermitteln, wie
weit sie den Amur hinaufgeht.
Phoca ochotensis Pall. geht dagegen nur sehr selten in den
Amur. Eine genauere Beschreibung dieser noch sehr ungenügend
gekannten Art ist von Brandt zu erwarten.
Phoca equestris (Ph. faseinta Shaw.), welche P alias nur nach
einem aus dem Rücken ausgeschnittenen Fellstücke gekannt hat, ist
ihrer Seltenheit wegen von Keyserling und Blasius für synonym
mit Ph. foetida Fabr. oder Ph. annelata Nilss. gehalten, worden, doch
unterscheidet sie sich durch Zeichnung und Zahnbildung wesent-
5
lich. Sie batız X 2 Backenzähne, welche, mit Ausnahme: des ersten,
Arch. für Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. D
50 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
zum Unterschiede von Halichoerus 'Nilss. mit je zwei Wurzeln ver-
sehen sind. Doch nähert sie sich dieser Gattung sehr durch die äus-
sere Form der Zähne und steht gewissermassen zwischen ihr und den
ächten Seehunden mitten inne. Die eigenthümliche Färbung und
Zeichnung, ist durch 3 Abbildungen |]. ce. Taf. IX. fig. 1-3 erläutert.
Ihre Verbreitung beschränkt sich auf das Beringsmeer, die Küsten
Kamschatkas, die Kurilen, des Ochotskische Meer, den Amur-Liman
und den Tartarischen Sund bis nach der Südspitze Sachalin’s.
Rodentia.
Sandwich berichtet über die Lebensweise: des Chi-
romys madagascariensis nach Beobachtungen an einem le-
benden Exemplare. (Annal. des sc. nat. X. 1858. p. 377;
Proceed. Linnean Soc. Zoology IV. p. 23—30.)
Der Verf. hält das Thier für einen Lemur, 1) weil Madagascar
(das Land der Lemure) sein Vaterland ist; 2) weil kein Nagethier die
gleiche Beweglichkeit des Vorderarmes besitzt, wie sie nur dem
Menschen und den Quadrumanen zukommt; und 3) weil kein Nager
einen Daumen an jeder Extremität besitzt. Die Schneidezähne sind
geeignet, das härteste Holz zu zernagen. Sie sind nebst dem Unter-
kiefer wie die entsprechenden Theile der Nager gebaut. Das äus-
serst feine Gehör dient dem Thiere, nach Ansicht der Eingebornen,
um das Arbeiten der Insekten im Holze zu hören, worauf es selbst
das Holz annage bis auf das Insekt und dasselbe hervorziehe. Das
im Zimmer gehaltene Thier brachte durch Anschlagen des Zeigelin-
gers.an das Holz der Möbel und des Fussbodens einen vibiirenden
Ton hervor und versuchte in einem Falle nach dieser Manipulation
das Holz der Matte zu zernagen, so dass jene Ansicht der Eingebor-
nen wahrscheinlich wird. Es wurde übrigens mit Bananen und Dat-
teln ernährt. Um zu trinken, tauchte es den Zeigefinger ins Wasser
und brachte ihn darauf in den Mund, und zwar geschah Alles mit so
grosser Schnelligkeit, dass das Wasser gleichsam aus dem Gefässe in
‚den Mund zu fliessen schien.
Sciurina. Ueber ein weisses Eichhorn aus Würtemberg
berichtet Krauss (Würtemberg. naturw. Jahreshefte 1859.
p- 44). i
Ueber Sciurus vulgaris vom Amurlande, dunkler noch
als Eichhörnchen jenseits des Jenissei, berichtete ausführ-
lich Schrenck (l. c. p. 118—124). {
Ueber ‘den Winterschlaf der Eichhörnchen im Amur-
Lande vergleiche man Radde (I. c.).
rrY
ER ;
der Säugethiere während des Jahres: 1859. 51
Engelmann berichtet über eine schwarze Varietät
des Fuchseichhorns von Missouri. Es ist vonBachmann
als Sciurus Auduboni beschrieben worden, kann aber nicht
von dem gemeinen Fuchseichhorn des Westens, Sciurus
macrourus Say — Sc. Sayi Aud. et Bachm., getrennt wer-
den. Bei Baird findet es sich als Sceiurus ludovieianus
Costis, da dieser es schon lange vor Say beschrieben hat.
Transactions of the Acad. of sc. of St. Louis. Vol. I. p. 329.
Als neu beschreibt Blyth einen Sc. albipes, dessen
Fell und Skelet sich in Calcutta befindet, ohne dass das
Vaterland genauer bekannt wäre (l. c. p. 287).
Er gleicht dem S. macrourus Pennant von Süd-Indien und Cey-
lon, ist aber oberhalb und auf der Aussenseite der Beine bis zu den
Füssen einförmig matibraun, das Wollhaar ist dunkelgrau, weisslich
an der Vorderhäifte des Kopfes; die Pfoten sind weisslich, auf der
Oberseite der Zehen mit untermischten schwarzen Haaren. Die Farbe
der Unterseite ist weiss, scharf abgesetzt gegen die der Obeiseite.
Die Ohrmuscheln sind auf der Aussenseite schwärzlich und /ohne Ohr-
pinsel. Der Schwanz dunkelbraun mit einem mattweissen Längsstrei-
fen auf der Unterseite. Im Uebrigen gleicht die Art dem $. macrou-
rus von Süd-Indien und Ceylon.
Tamias striatus findet sich am Amur und auf Sachalin
nach Schrenck (l. ec. p. 124—125) von ‚derselben con-
stanten Färbung wie in ganz Nordasien, , den schwarzen
Tamias ulhensis Pall. ist Verf. geneigt mit A. Wagner
und Middendorf für eine Abänderung: des T. siriatus zu
halten. '
Eine Zusammenstellung aller fliegenden Eichhornarten
erhielten wir von Blyth (Journ. Asiat. Soc. Bengal. 1859.
p-276—278).
A. Peteromys pentaurista Pall.. (= Pt. philippensis Gray, Pl.
oral Tickell), Pe. eineraceus Blyth (= Pt. petaurista var. 'eineraceus
Blyıh), Pt. philippensis Gray, Pt. elegans 5. Müller, Pt: punetatus
Gray, Pt. inornatus Geollr., vielleicht Pt. albiventer Gray (nicht in
Hardwicks Illustrations) , Pt. griseoventer Gray. Br. Mus. Cat. be-
schrieben?, Pt. melanotis Gray, nicht vollständig. beschrieben , als
Synonym Pt. Diardi Temm. dazu, als zweilelhaftes Pt. nitidus Gray
(Hardw. Illust.), Pt. nitidus Geollrs = Seiurus petaurista: foem. Pall.
(= Pu. albiventer (ray in Hardw, Illustrt.) ; hierzu alsı zweifellafte
Varietät Pt. punctatus Gray , ‚Pt. magnifieus Hodgs., Sciuropterus no-
52 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
bilis Gray (= Pt. chrysotryx Hodgs. ) Pt. leucogenys Temm., Sciuro-
ptera caniceps Gray (= S. senex llodgs.) , Se. Leyardi Kelaart, Se.
Baberi (2) Blyth, S. fuscocapilla Jerdon, S. fimbriata Gray (= Ptero-
mys Leachii (?) Gray, S. albonigra Hodgs. (= Pt. Turnbullii Gray),
S. villosa Blyth, S. Horsfieldii (= Pt. Horsfieldii Waterhouse, Pt. au-
rantiacus Wagler), S, genibarbis Horsf., S. lepida Horsf., S. Phayrei
Blyth n. sp. (= Se. sagitta von Burma), S. spadicea Blyth , S. Mo-
moga Temm. et Schleg., S. volans L. (= Pt. sibiricus Desm., Pt. rus-
sieus Tiedem.), S. volucella Pall. (= Sciurus acrobates Schreber,
Sciuropterus americanus Desm.), S. sabrina Shaw. = Sc. hudsonius
Forster).
Unter dem Namen S. sagitia kommen bei Temminck und
Schlegel 5 Arten vor.
Die osteologischen Verhältnisse des Pieromys volu-
cella nach zwei Skeleten, des P. sagitta und des P. nitidus
nach je einem Skelet hat Giebel zum Gegenstande einer
Untersuchung gemacht. (Giebel u. Heintz Zeitschrift XII.
1859. p- 309—318.)
Bemerkungen über Pteromys petauristaPallas und Sciu-
roptera fuscocapilla Jerdon im Vergleiche zu Sc. fimbriata
Gray gab Blyth (l. c. p.286).
Ueber Pteromys volans vom Amur, nicht verschieden vom si-
birischen, vergleiche manSchrenck (l. c. p. 116—118).
Als neu beschreibt Bl yth Sciuroptera Phayrei (Jour-
nal Asiat. Soc. Bengal. 1859. p. 278).
Aehnlich der Sc. albonigra, aber beträchtlich kleiner, der
Schwanz weniger buschig. Länge 6—6'/,‘“ (Engl.), der Schwanz (die
Wirbel) 5t%, Hinterfuss mit den Klauen 1%“. Rangoon, Mergui.
Zur Osteologie der Murmelthiere hat Giebel Bei-
träge geliefert (Giebel und Hintz Zeitschrift XIII. 1859.
p- 299309).
Durch Brendel in Peoria erhielt der Verf. das vollständige
Skelet eines ausgewachsenen Arctomys monax, welches mit drei Ske-
leten und einem einzelnen Schädel des Alpenmurmelthieres und einem
Schädel des Bobac verglichen werden konnte. Der Verf. findet eine
„überraschende Aehnlichkeit im Schädelbau und Zahnsystem ,* aber
bei Vergleichung der einzelnen Skeleitheile „viel erheblichere Unter-
schiede von hoher systematischer Bedeutung für das europäische Al-
penmurmelthier und den nordamerikanischen Monax.“ Beigefügt sin
viele Maasse des Schädels und des Skeletes, doch muss Ref. hierzu
bemerken, dass die Maasse des Arct. monax von denen, welche be-
Bee"
der Säugethiere während des Jahres 1859. 53
reits Brendel (l.c.) von demselben Skelete mitgetheilt hat, so weit
abweichen, dass eine wissenschaftliche Verwerthung der beiderseiti-
gen Messungen durchaus unmöglich ist. ;
Arctomys Bobac wurde von Schrenck (l. c. p.127)
im Amur-Lande nicht gefunden, doch ist wahrscheinlich,
dass er wenigstens im oberen Theile des Stromgebietes und
in den Prairien desselben sich finden werde. Die Beschrei-
bung einer von Maack bei Nertschinsk gesammelten Va-
rietät durch Brandt sieht zu erwarten.
Spermophilus Erersmanni Brandt ist nach Schrenck ((. c.
p. 126—127) von Transbaikalien ostwärts im ganzen oberen Amur-
Lande und in den Prairieen des Amur verbreitet und scheint also
diejenige Zieselmaus zu sein, welche die grösste Verbreitung über
den asiatischen Kontinent hat.
Myoxina.. AlsMyoxusarten Ungarns werden von Kor n-
huber (Verh. d. Vereins für Naturkunde, Presburg 1858.
p- 56) jedoch ohne Beschreibungen genannt:
M. avellanarius, M. glis, M. Dryas und M. quercinus L. , von
welcher letzteren Art das National-Museum zu Pesth Exemplare aus
Ungarn uud Siebenbürgen besitzt.
Die Familie der Myoxiden wurde von Blyth durch
eine neue Gattung Platacanthomys bereichert (l. ec. p. 288).
Dieses Genus ähnelt in Zahnbau,, Schädel und dem behaarten
Schwanze den Schläfern, aber der Obertheil ist mit flachen Stacheln
dicht bedeckt, denen sehr dünne beigemischt sind. Die Unterwolle
der Oberseite ist elwas gekräuselt. An der Unterseite befinden sich
auch Stacheln, aber sie sind kleiner und dünner (ähnlich den oberen
des M. platytbrix), vorherrschend ist hier eine weiche Unterwolle.
Kopf, Kehle, Schenkel und Hintertheil des Abdomen sind ohne Sta-
cheln, doch ist das Haar am Vorder- und Hinterhaupte voll und bu-
schig. Drei Malılzähne von gleicher Grösse befinden sich oben und
unten, doch ist der letzte obere um '% kleiner als die übrigen.
Jeder Mahlzahn hat 3 oder 4 Querfalten. Der Schädel, nach dem Rest
zu urtheilen, ähnelt dem des Graphiurus, Schneidezähne wie bei Myo-
i xus glis, der Hallux weniger entwickelt und nagellos. Zwei Paar
We
(Abdominal-) Zitzen. Die Art Pl. lasiurus Blyth ist so gross wie
Myoxus glis, doch ist der Kopf kleiner und kürzer. Ein Männchen
5 mass bis zur Basis des Schwanzes 6°. Die Schwanzwirbel 3'/%“, mit
dem Haare 1% mehr. Die Obrmuschel an der Hinterseite Y%; sie
ist eiförmig und ganz nackt; der Hinterfuss bis zur Ferse 1”; die
längsten Schnurrhaanre 2'/,”. Die allgemeine Farbe hell rothbraun, an
R
>
®
4
54 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
der Unterseite blasser. Die Stacheln sind °/' lang. Die Schnurr-
haare sind hauptsächlich schwarz, die unteren Theile schmutzigweiss,
das Haar am Schwanze ist dunklerschwarz, als am Körper, die Schwanz-
spitze ihrer ganzen Länge, nach schmutzigweiss. Die Lebensweise
wird vonBaker geschildert; von Malabar. (Wodurch die Verwandt-
schaft mit den Myoxiden bewiesen werden soll, ist nicht zu erken-
nen, da sich jederseits nur 3 Backenzähne befinden, und eine Unter-
suchung des Darmkanals, wie es scheint, nicht stattgefunden hat.)
Castorina. Vom Biber erhielt Schrenck (l.c. p. 145)
durchaus keine Nachricht im Amur-Lande , so dass wohl
anzunehmen ist, er werde daselbst nirgends vorkommen.
Kornhuber giebt Nachricht über das Vorkommen des Bi-
bers in der Donau bei Presburg (Verhandl. d. Vereins f. Naturk, zu
Presburg III. 1858. Heft 1.)
Ueber das Vorkommen des Bibers in Baiern berichtet Jäckel
(Corespendenz -Blatt des zool.- mineral. Vereins in Regensburg XIII.
p. 1—28).
Ueber das fiühere Vorkommen des Bibers in Schottland so
wie über seine frühere und ‘jetzige Verbreitung in Europa erhalten
wir Nachricht durch Ch. Wilson. (Edinb. philos. Journ. VIII. 1858.
p. 1—41.)
Maasse der unteren Backenzähne des Castor fiber erhielten wir
durch Nordmann (l. c. p. 167).
Murina- Ch. Coquerel (l.c. p.466) theilt Beobach-
tungen über die Lebensweise der Ratten auf Bourbon mit.
Auf Bourbon , wie in allen französischen Colonieen ist der
grösste Theil der Mäusearten eingeführt. M. museulus, M. rattus und
M. decumanus sind sehr häufig. Mus ratlus wanderte früher ein, als
die Wanderratte und vermehrte sich in den Jahren 1548—1664 so
stark, dass die ersten Colonisten zum Verlassen der Insel gezwungen
wurden. Durch die später eingeführte Mus decumanus verdrängt, zog
sie sich in das gebirgige Innere der Insel zurück, wo sie zwar noch
zahlreich ist, aber doch später der nachdringenden Wanderratte un-
terliegen muss.
Die Zahl der Mäuse wurde durch Blyth (l.c. p. 2)
um mehrere neue Arten vermehrt.
Mus robustulus. Der Schwanz nicht völlig so lang wie Kopf
und Rumpf, die zusammen 6° (Engl.) messen. Die Farbe beinahe
wie bei Mus decumanus, die Füsse deutlich weisslich, der Schwanz
mit kurzen Borsten von durchaus gleicher Länge und nicht länger
nach der Spitze zu.
der Säugethiere während des Jahres 1859. 55
Mus cinnamomeus, ähnlich dem MN. flavescens, aber kleiner, mit
verhältnissmässig langem Schwanze. Das weiche Fell ist zimmtfar-
ben wie bei M. oleraceus, mit kaum sichtbaren schwarzen Spitzen.
Die Unterseite weiss, scharf abgesetzt gegen das obere zimmetbraun.
Kopf und Rumpf gegen 6“, Schwanz 7%‘, Hinterfuss 1/4".
Mus spec? ähnlich dem jungen M. nemoralis, aber wie sich aus
den Hoden ergiebt, erwachsen. Kopf und Rumpf 4, Schwanz 4?/,”,
Hinterfuss >46‘.
Mus nitidulus, der Hausmaus ähnlich, der Schwanz so lang wie
Kopf und Körper und gleichförmig mit kurzen Borsten am Ende be-
setzt. Ohren gross und weit. Totallänge 6'%“. Hinterfuss wenig
länger als %“, Hinterrand der Ohrmuschel %,“. Farbe wie bei M.
decumanus, die Unterseite weiss, ziemlich scharf abgestutzt. Zu der-
selben Gruppe wie M. musculus und M. Manei gehörig.
M. concolor , gleichmässig dunkelmäusegrau oben und unten.
Ohren mässig gross, Füsse gross, der Schwanz durchgehends mit kur-
zen Borsten besetzt. Länge 3“, Schwanz 4”, Hinterfuss 7%”.
Mus badius, dem M. oleraceus gleichend, aber die Augen dop-
pelt so gross, Schnurrhaare schwarz, die Oberseite rothbraun oder
zimmetfarben, die Unterseite fast rein weiss. Länge (P) 3“, Schwanz
43/5“, Hinterfuss %‘. Tenasserim.
Mus peguensis. Eine Feldmaus, deren dicht behaarter Schwanz
länger als Kopf und Rumpf ist. Seine Haare werden nach dem Ende
länger. Länge bis zur Basis des Schwanzes 31%”. Schwanz 37%“,
Ohrmuschel %,“ und Hinterfuss %,“, nach einem @ in Spiritus; bei
einem ausgestoplten 5" sind die Schwanzwirbel’4'%“ lang. Der Pelz
ist sehr dicht, blass gelblichbraun auf der Oberseite, etwas gelblich-
weiss an der Unterseite. Die Schnurrhaare auffallend lang. Te-
nasserim.
Mus crassipes, dem M. homourus Hodgs. gleichend, doch ist
der Schwanz etwas länger als Kopf und Rumpf. Länge 2°“, Schwanz
3'%4”, Hinterfuss %,”. Die Füsse sind besonders stark und gleich dem
Schwanze mit starken kurzen Borsten bedeckt, von Masuri (Malabar).
Mus Tytleri. Länge 2%“, ebenso der Schwanz der gegen 24
Wirbel besitzt, Hinterfuss %“. Pelz sehr dicht und lang, oberhalb
blass sandfarben, unterhalb isabellfarben und hell an den dicht be-
harrten Beinen, an der Unterfläche und den Seiten des Schwanzes.
Schnurrhaare sehr fein und weisslich. Aus Deyra doon.
Dabei finden sich noch Bemerkungen über M. niviventer Hodgs.,
M. oleraceus Sykes [? = N. (Vandileuria) dumeticola Hodgs.] und
M. musculus aus England in Vergleiche zu M. manei, die vollständig
verschieden von einander sein sollen.
56 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Eine Maus von Baker in Malabar gesammelt und, nach seiner
Ansicht, in dem Gebirge die Stelle des Mus proidens s. indicus El-
liot (2) vertretend , der nur in der Ebene vorkommen soll, ist nach
Blyth (l. n. p.290) vielleicht nur eine südliche Varietät der ge-
nannten Art.
Ueber die Einwanderung und Verbreitung des Mus
decumanus im Amur-Lande vergleiche man Schrenck
(l. e. p.127—129). Dagegen fehlt in den genannten Ge-
genden Mus musculus, obgleich in Sibirien, Japan und China
zahlreich.
Bei Mus musculus fand Canestrini als Regel eine Durch-
bohrung der Clitoris durch die Harnröhre, ebenso bei M. decumanus
(Verhandl. d. zool.-bot. Gesellsch. in Wien IX. 1859). (Seit langer
Zeit nicht bloss von Mus musculus, sondern auch nahe verwändten
Thieren bekannt.)
Ein Genus Hapalomys verdanken wir Blyth (l. ce.
p- 266). |
Der Pelz ist lang und sehr fein. Der Schwanz ausserordentlich
lang, im Endviertel auffallend flach und mit stärkerer Behaarung als
vielleicht irgend eine andere ächte Mäuseform. _ Die Vorderseite der
Zehen deutlich, runzlig. Der Kopf ist kurz, Ohren klein und nicht
durchscheinend. Der Schädel ähnelt dem des M. indicus, doch sind
die Schneidezähne breiter und flacher. Die Backenzähne sind weni-
ger nach Aussen gewendet, als gewöhnlich.
H. longicaudatus. Länge des 5‘ 5°/4“ (Engl.), Schwanz 7“,
beim 2 5%“ und 7%”, Sohle 1“, Hinterrand des Ohres %/“. Das
Ohr abgerundet und mit langen Haaren schwach gefraust. Der Pelz
lang und weich, auf der Oberseite gegen 5/ lang, glänzendbraun
mit schwarzen Spitzen, zwei Drittel an der Basis der Haare schie-
fergrau, die Unterseite mattweiss, die Schnurrhaare schwarz, lang und
dünn, vor den Ohren ein Büschel schwärzlicher, feiner Haare.
Brandt gab eine Uebersicht der Russischen Hamster-
Arten (Bullet. de l’Acad. St. Petersburg Tom. XVII. p.489
—494).
Die Gattung Circetus zerfällt in 2 Abtheilungen. A) Eigentliche
Hamster mit schwarzer Brust, plattem Scheitel und kleinem, dreiecki-
gem Interparietalbein, C. frumentarius Pall. (= C. vulgaris Desm. und
fuscatus Brandt) und C. nigricans Brandt. B) Mausähnliche Hamster mit
meist weisser Brust und gewölbtem Scheitelbein, Interparietalbein
ziemlich gross, viel breiter als lang, a) ohne schwarze Rückenlinie:
C. accedula Pall., C. phaeus Pall., C. arenarius Pall., C. Eversmanni
der Säugethiere während des Jahres 1859. 57
Brandt (= C. phaeus Evesm.); b) mit schwarzer Rückenlinie: C.
songarus Pall., C. furunculus Pall.
Eine Monographie der Gattung wird vom Verf. in Aussicht
gestellt.
Arvicolina. Als neu wurde Arvicola amurensis durch
Schrenck (l. c. p. 129— 135. Taf. VI. fig. 1 und 2) be-
schrieben.
Der Gesammthabitus, die ziemlich langen Ohren und der ver-
hältnissmässig lange Schwanz stellen die Art in die Untergatiung der
Waldwühlmäuse bei Blasius. Damit stimmt auch die Beschaffen-
heit der stumpfkantigen Schmelzfalten, wie sie denn A. glareolus und
seinen Verwandten eigen ist. Als wesentlich specifischer Charakter,
wie er bei keiner anderen Feldmaus vorkommt, ist eine Schmelz-
falte zu betrachten, die sich am Vorderende des ersten unteren Bak-
kenzahnes und zwar an seiner Vorderseite befindet. Die Farbe der
Oberseite ist rothbraun, schwarz gestichelt, an der Schnauze und unter
den Seiten des Körpers gelblich; die Unterseite und die Extremitäten
sind scharf abgesetzt, schmutzig weiss. Kopf und Rumpf 92 Mm., der
Schwanz ohne Endhaare 37 Mm., das Ohr von der äusseren Ohrbasis
an 15 Mm. lang. Sohle des Hinterfusses bis zur Krallenspitze 18 Mm.
Amur-Mündung.
Arvicola rutilus Pall. vom Amur stimmt mit den sibirischen
und europäischen Thieren (Schrenck |. c. p. 135—136) vollständig
überein. An der Mündung des Amur lag ein bei — 14°R. gefunde-
nes Exemplar im Winterschlaf, wachte jedoch, in die Stube gebracht,
nach kurzer Zeit auf.
Als neu beschreibt Schrenck (l. c. p. 140— 144. Taf. VI.
fig. 4 u. 5) aus dem Amurlande einen Arvicola Mazimowiezii. Nach
Gesammthabitus und Zahnbildung den öchten Mäusen angehörig. Ober-
seite rothbraun, schwarz gestichelt, an den Seiten heller, unten scharf
abgesetzt, gelblich weiss, die Extremitäten sind grau. Der Schwanz
oben schwarzbraun, unten scharf abgesetzt, weisslich. Kopf und
Rumpf 81 Mm., Schwanz ohne Endhaare 26 Mnı., Kopf 26 Mm., Länge
des Ohres von der äusseren Basis an 11 Mm., Sohle des Hinterfusses
bis zur Nagelspitze 19 Mm. Nur 5 Schwielen auf der Sohle des Hin-
terfusses.
Arvicola saxalilis Pall. ist von neuem durchSchrenck
(l. e. p. 137—140. Taf. VI. fig. 3) und zwar vom Amur be-
schrieben worden.
Er gehört zu den ächten Feldmäusen, deren Zähne scharfkantig
und mit nach innen tief einspringenden und meist vollständig ge-
trennten Schmelzschlingen versehen sind. Die grösseren Ohren und
der verhältnissmässig längere, dünn behaarte Schwanz nähern die Art
58 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
den ächten Mäusen. 8 Zitzen, 2 Paar waren zwischen und hinter
den Vordeibeinen und 2 Paar hinten, zwischen und hinter den Hin-
terbeinen. Länge des Kopfes und Rumpfes 103 Mm., der Schwanz
ohne Endhaare 46 Mm., Länge des Ohres von der äusseren Basis an
12 Mnı., Sohle des Hinterfusses bis zur Krallenspitze 20 Mm. Nach
der Zahnbildung, namenlich nach der Anzahl der Schmelzschlingen
im ersten unteren Backenzahne ist A. saxatilis mit A. arvalis Pall., A.
campestris Blas., A. subterraneus Selys und A. Savii Selys verwandt,
von letzteren durch die Körperverhältnisse, durch längere Ohren und
eine grössere Anzahl und verschiedene Lage der Zitzen unterschie-
den. Von den ersteren durch die Zahl der Schwielen an der Sohle
des Hinterfusses verschieden, da diese deren 6 besitzen, A. saxatilis
aber nur 5 hat, obgleich Blasius hier ebenfalls 6 angiebt, allein es
ist zu vermuthen, das er nicht den wirklichen A. saxatilis vor sich
gehabt hat.
Ein Exemplar des Arvicola amphibius aus dem Amur - Lande
gehörte nach Schrenck (l- c. p.136—137) der helleren, kurzschwän-
zigen Varietät A. terrestris Auct. an.
Ueber einen weissen" Arvicola arvalis berichtet Krauss (l. c.
p- 44).
Spalaeina. Siphneus Aspalas Pall. ist vonMaack nach
einer Angabe Schrenck’s (l. c. p. 144) am oberen Amur
gefunden worden, das Exemplar stimmt mit dem sibirischen
Thiere in der Beschreibung bei Pallas überein, nur ist
bei ihm, wie bei 6 altaischen Exemplaren, am Hinterfusse
der 3te Finger der längste, während es nach Pallas der
zweite sein soll.
Die wichtigsten Maasse am Unterkiefer des Spalax
typhlus theilt v. Nordmann mit (l. c. p. 165).
Alex. v. Nordmann beschrieb das Gebiss und den
Schädel des Ellobius (Chthonoergus) talpinus. (Palaeontologie
Südrusslands, Helsingfors 1858. 4. p. 163. Anmerk.)
3
Die Backenzähne, y> sind nicht wie bei Spalax, sondern nach
dem Typus bei den Arvicolinen gebaut, der 1ste obere hat 6 Prismen
und ebenso viele Schmelzschlingen, der 2te 5 Prismen mit 3 äusse-
ren und 2 inneren Schmelzschlingen, der 3te, kleinste, hat 3 Prismen
und ebenso viele Schmelzschlingen, eine kleine nach aussen, eine
grössere, abgerundete nach innen , und eine verlängerte ‚ ebenfalls
abgerundete nach hinten. Der lte untere, zeigt 3 innere und 4 äus-
sere Prismen mit einer vorderen, etwas nach innen gekrümmten
der Säugethiere während des Jahres 1859. 59
Schmelzschlinge; der 2te 3 äussere und 3 innere, einander gegen-
überstehende Prismen, während das vordere 7te Prisma nur klein
bleibt und auch zuweilen ganz fehlt; der öte ist unregelmässig zu-
sammengeselzt aus 2 inneren, einem hinteren und einem äusseren,
schmäleren Prisma, ein zweites äusseres und ein vorderes bleiben
undeutlich.
Nistrieina. Dass Hystrix crislata in Griechenland Ge-
genstand der Jagd ist, erzählt Landerer (Correspd.-Blatt
des zool.-min. Vereins in Regensburg XIII. p. 29.)
Leporina. Die vielfachen Abweichungen in der Farbe
des Lagomys hyperhoreus Pall. sind durch Schrenck
(l. c. p. 147152. Taf. VII. fig. 1 u. 2. Taf. VII. fig. 1u. 2)
genauer beschrieben und durch Abbildungen erläutert
worden.
Der Verf. unterscheidet eine var. norwalis mit der Färbung,
wie sie Pallas beschreibt, eine var. ferruginea mit vorherrschend
rostrother und eine var. cinereo-fusca mit vorherrschend graubrauner
Farbe, eine dritie, var. cinereo-flava steht in der Mitte zwischen den
beiden letzteren.
Lepus variabilis Pall. kommtnachSchrenck (l.c. p. 145—147)
überall im Amurlande so wie auf Sachalin vor.
Ungulata.
Artiodaetyla ruminantia. Ueber den Tarsus der Wieder-
käuer und paarzehigen Pachydermen stellte Bergemann
Untersuchungen an. (Rectoratsprogramm. Rostock 1859),
namentlich in Beziehung auf die Mechanik desselben und
zwar, wie zu erwarten war, vom teleologischen Stand-
punkte aus.
Die Geburt eines Lama zu Paris theilte Ge offroy
Saint-Hilaire mit (Compt. rend, Tom. 49. 1859. p. 62).
P. Panceri hat Untersuchungen über die Anatomie
der. Giraffe mitgetheilt. (Atti dell’ 1. R. Instituto Lombardo
di Scienze etc. Tom. 1. fasc. 15. Milano 1859.)
Hervorzuheben ist grosse Ausstreckbarkeit der Zunge in Folge
grosser Entwickelung der tıansversalen Fasern. Im Pharynx befindet
sich eine besondere Drüse, die an Reichhaltigkeit der Schleimseere-
tion den Tonsillen gleicht. Die cartilines arythenoidei hält der Verf.
für dienlich beim Aufsteigen der Speisen , indem sie die Stimmritze
60 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
in der Weise schützen, wie die Epiglottis während des Hinunterschlin-
gens. Bemerkungen über die Zahl der Luftröhrenringe, der Abwe-
senheit oder Gegenwart der Gallenblase. Die Giraffe ist das einzige
Säugethier ohne Schilddrüse.
Bemerkungen über die Fortpflanzungen einer Giraffe
hat Fitzinger gemacht. (Sitzungsberichte d. Wien. Akad.
1858. XXXI. p. 344—346.)
Eine schon seit 1852 in der kaiserlichen Menagerie zu Schön-
brunn gehaltene Giraffe wurde trächtig und gebar in stehender Stel-
lung. Eine Anhänglichkeit der Mntter an ihr Junges war nicht zu
bemerken. Dieses musste künstlich ernährt werden. 21 Stunden
nach der Geburt betrug die Gesammthöhe bei gestrecktem Halse 4°
8—9” (Wiener?) , vom Stirnzapfen war keine Spur vorhanden; an
ihrer Stelle befand sich ein zolllanges Büschel schwarzer Haare, nach
vorwärts gerichtet und glatt am Scheitel anliegend.
Eine Arbeit über die Anatomie der Giraffe stellte Brandt in
Aussichi. (Bulletin de l’Acad. St. Petersburg. Tom. I. p. 314.)
Für die Geschichte der Giraffe sind wichtig:
Cavedoni: Della camelopardali, o sia girafla rappresenlala
in monumenti antichi (Bulletino dell’ Instituto di corrispondenza ar-
cheologica per l’anno 1858. p. 125 u. If. und
Michaelis: Ponteo rappresentazioni della giralla (l. c.
p-170 u. ff.).
Brandt entscheidet sich in seiner ausführlichen, kritischen
Arbeit dafür, dass der Nabus des Plinius mit seinem Camelopardalis
identisch ist (Bullet. de l’Acad. St. Petersbourg. Tom 1. p. 353—357).
Cavicornia. Ueber ein einjähriges Stierkalb des Bos
gaurus, der als die grösste lebende Rinderspecies geschil-
dert wird , findet sich eine Nachricht Ann. and mag. nat.
hist. III. Ser. Vol.3. p. 240. (Overland Hurkaru, Caleutta -
Dec. 8. 1858.) |
Schätzenswerthe Nachrichten über den Auerochsen des L
Bialowiczer Waldes verdanken wir F. Müller. (Mittheilun-
gen d. k. k. geograph. Gesellschaft zu Wien 1859. p. 155.) |
Ein ausgestopltes Exemplar im Hause des Gouverneurs in Grodno
ist 235 Centim. lang, seine höchste Höhe beträgt 177 Centim, Nach
der letzten Zählung vor drei Jahren *) betrug die Anzahl der Indi- F
viduen über 1200, gegenwärtig wohl 1400. In der Jugend ist der
*) Vor Beendigung der Reise, die der Vcı!. im Oct. 1851 an- ;
trat? Ref. i ö
der Säugethiere während des Jahres 1859. 61
Auer ganz gleichmässig silbergrau *), mit 4—6 Jahren mehr schwärz-
lich, und zwar hat er in diesem Alter ein schönes Aussehen, später
wird er kalfeebraun. Daher glauben selbst in Bialowiez Einige, es
gäbe 2 Species. eine kleinere schwärzlichere und eine grössere braune.
In der Jugend ist er leicht zähmbar. Bastarde mit dem Rind sind
nicht selten. Ob diese sich weiter fortpllanzen , ist noch nicht ver-
sucht. Das Wiener Exemplar der Auer ist 8 lang und 4° 11” (Wie-
ner Maass ?) am Widerrist hoch.
Zahlreiche Bemerkungen über Schädel, Zähne und Skelettheile
des Lithauischen Auerochsen so wie-Maasse derselben verdanken wir
Nordmann (l. c. p. 191—214).
Die Geburt zweier Yaks zu Paris theilte Geoffroy Saint
Hilaire mit (Compt. rend. hebd. 1859. Tom. 49. p. 62).
Notizen über die Ungarische Rinderrasse **) theilte
Beock mit (Archiv für Landeskunde in dem Grossherz.
Mecklenburg. Bd. IX. 1859. p. 90).
Ovis montana Desm. findet sich nach Schrenck (l. c.
p- 156—157) nirgends im Amur- Lande. »Es dürfte daher
das durch Middendorf ermittelte Vorkommen an den
Quellen des Utschur im Stanowoigebirge als die Südgrenze
zu bezeichnen sein.
Oris aries wiıd nur am oberen Ussuri und in grösserer Menge
am Ssungari gezüchtet.
Fitzinger führt die Rassen des zahmen Schafes auf
11 Arten zurück (l. e. Bd. XXXVII. p. 141—222).
Sie werden genannt: Ovis Musimon , O0. steatopyga, 0. pachy-
eerca, O0. brachyura, O. strepsiceros, OÖ. aries, O. platyura, O. doli-
*) Ein ganz junger Bison im hiesigen zoologischen Museum
ist rothgelb. Ref.
#”) Die im Panser der Wiederkäuer, namenlich des Schafes,
aber auch des Rindes zu allen Zeiten in ungeheuren Schaaren vor-
kommenden Infusorien hat Stein, durch Punkyne& aufmerksam ge-
macht, untersucht und vorläufig drei neue Gättungen derselben be-
schrieben. Abhand!. der königl. böhmischen Gesellsch. d. Wissensch.
dte Folge. Bd.X. 1859. p. 69.
Desgleichen beschrieb Wedl ein im Magen des Rindes vor-
kommendes Epiphyt (Sitzungsberichte d. Wien. Akad. 1858. XXIX.
p- 91 f.).
F
u |
62 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Näturgeschichte
chura, O. catotis, O. longipes und O. africana. (Diagnosen dieser
Arten werden nicht gegeben.)
Die Rassen der Hausziegen untersuchte Fitzinger
(l. c. 1859. Bd. XXXVII. p. 289355).
Er führt sie auf 14 zurück: davon 3 noch im wilden Zustande
vorkommen sollen, Hircus Aegagrus, H. villosus und Hemitragus jem-
lahieus, während die 11 übrigen, Hircus capra, H. barbaricus, H. ae-
thiopicus, H. depressus, H. reversus, H. angorensis, H. laniger, H.
arielinus, H. aegypliacus, I. mambrieus und H. thebaicus als voll-
ständig domesticirt zu betrachten sind.
Die Einführung der Angora-Ziege ist Gegenstand vielfacher
Auseiandersetzungen gewesen; ınan vergleiche darüber Buyry in den
„Mittheilungen des Central-Instituts für Akklimatisation in Deutschland.
Berlin 1359. p. 6—9* und Sacc, ebendaselbst p. 41—44, auch im zo0-
logischen Garten 1559. p. 28—33 und p. 47—52.
Bemerkungen über Kemas hylocrius Ogilby (= Capra
warryato Gray) finden sich von Blyth (l. e. p.291), der
bei diesem Thiere nur zwei Zitzen fand, während der Ther
und Goral deren vier und zwar entwickelte besitzen. ’
Aus zwei einzelnen, im unteren Amur-Lande erhal-
tenen Hörnern schliesst Schrenck (l. ce. p. 158&—160) auf
das Vorkommen der Japanischen Antilope crispa Temm.
auch in der Küstenregion der Mandschurei.
Blyth ist geneigt, die Aegyplische Gazelle als G.
Dorcas, die Arabische als G. Cora und die Indische als G.
Bennettii zu unterscheiden. (Journ. Asiat. Soc. Bengal. 1859.
p- 282.)
Eine neue Antilope Kobus Maria aus dem Innern Afrika
beschreibt Gray (Ann. mag. nat. hist. II. Ser. Vol. IV.
p- 296).
Bei dem Männchen ist der Kopf schwarzbraun, Lippen, Kinn,
Kehle, Augengegend, Schläfe und Ohren weiss. Die Seiten der Nase
braun. Das Haar auf den Backen , den Seiten des Unterkiefers , der
Kehle und dem oberen Theile des Nackens verlängert und rauh. Die
Hörner sind ziemlich lang und dünn, breit leierförmig, mit starken
Querwurzeln und einwärts gebogener Spitze. Bei dem Weibchen ist
der Kopf braun, das Kinn, die Kehle, die Basis der Ohren weiss-
lich; ein eben solcher Fleck findet sich über der Stirn und am un-
teren Augenwinkel. Das Haar ist am unteren Theile der Backen, am
Unterkiefer und im Nacken sehr lang. Das Weibchen besitzt keine
F
i
der Säugethiere während des Jahres 1859. 63
Hörner. Ein schöner Holzschnitt stellt den Kopf des Männchens dar.
(Das Berliner zoologische Museum besitzt unter dem Namen Antilop.
megaloceros Heuglin eine dunkelbraune Antilope, welche grosse
Aehnlichkeit mit der von Gray beschriebenen zu haben scheint.)
Moschina. Moschus moschiferus L. ist nach Schrenck
(l. ce. p. 161—163) durch das ganze Amur-Land bis an die
Küsten des stillen Oceans verbreitel, desgleichen findet er
sich überall auf Sachalin. (Es ist zu bedauern, dass Verf.
nicht auf eine Kritik der so zweifelhaften indischen Arten
eingegangen ist.)
Beiträge zur Anatomie des Moschus moschiferus sind von
Brandt zu erwarten (Bullet. de l’Acad. St. Petersbourg. Tom. I.
p- 549).
Cervina. Bei Gelegenheit der Beschreibung eines fos-
silen Hirsches (Zeitschrift d. deutsch. Geol. Gesellschaft
Bd. XI. 1859. p. 251 ff. Taf. Xl.) hat Ref. die Form der Ba-
ckenzähne der Hirsche zum Gegenstande einer genaueren
Vergleichung gemacht und an Cervus Elaphus, Tarandus,
Alces, Dama, capreolus, virginianus (?), savannarum, gym-
notis und Prox moschatus nachgewiesen, dass die drei er-
sten Backenzähne des Unterkiefers bei den verschiedenen
Hirschgruppen oder auch - Arten, so lange sie nicht abge-
kaut sind, charakteristische Formen besitzen.
Nach Schren ck (l. e. p. 167—170) ist Cervus Ta-
randus im Amur-Lande eine Charakterform des nördlichsten
Theiles, des Küstengebietes und der Amur-Mündung. Ebenso
findet er sich in der grössten Häufigkeit im nördlichen
Theile der Insel Sachalin, an der Südküste des Ochotski-
schen Meeres und am, Amur-Limane.
Die Formen der Zähne des Renthieres hat Nordmann erläu-
tert (l. c. p.243- 246). Ueber die geographische Verbreitung des
Renthieres bemerkt Verf., dass dasselbe im verwilderten (wilden ?)
Zustande bis in das eigentliche Finnland, Karelen hinein streift und
namentlich im Winter rudelweise bis zum Ladogasee und dessen In-
selgruppen kommt.
Eine umfangreiche, wenn auch wegen mangelhafter Verglei-
chung nicht erschöpfende Beschreibung des Renthieres der Territorien
der Hudsonsbai verdanken wir A. Murray |. c. Vol. VIl. p. 189 If.
Cervus Alces ist nach Schrenek (l.c. p. 173—175)..derjenige
Hirsch, welcher im Amur-Lande dem Raume nach die grösste Verbrei-
64 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
tung und im Allgemeinen auch die grösste Bedeutung für die Einge-
bornen hat. Er findet sich in grösster Zahl namentlich am unteren
Laufe des Amur vor, nicht aber auf Sachalin, wenigstens nicht in der
nördlichen Hälfte der Insel.
Eine genaue und durch Abbildungen erläuterte Beschreibung
der Zähne des Cervus Alces lieferte Nordmann (l. c. p. 217—226.
Taf. XVII).
Wie zu erwarten war, hat auch Schrenck (l. ce. p. 163—167)
die Identität des Cervus capreolus und pypargus nach Exemplaren vom
Amur bestätigt. Das Reh fehlt im Mündungslande des Amur so wie
auf Sachalin.
Ueber den Geweihwechsel des amerikanischen Rothhirsches
(Cerv. canad.?) berichtet J. Wyman (Proceed. Bost. Soc. nat. hist.
1859. p. 167).
Cervus Elaphus ist im Amur-Lande nach Schrenck (l. ce.
p. 170—173) grösser, als in Europa, und zugleich von hellerer und
mehr grauer Färbung, sowohl im Sommer- wie im Winterfell. Seine
Nordgrenze am Amur erreicht er an der Mündung des Chelasso, eines
rechten Nebenflusses des Amur, ungefähr in 51° N. Br. Niemals geht
er auf Sachalin hinüber.
Cervus gymnotis Wiegm. wird nach einem lebenden Exemplare
aus Santa Marta und Neu-Granada von G. v. Martens kurz beschrie-
ben. (Würtemberg. naturw. Jahreshefte 1859. p. 52.)
Ueber einen Hirsch der Gattung Panolia aus Malacca (Cervus
frontalis bei Cantor) finden sich Bemerkungen von Blyth (l. e. p. 297).
Blyth glaubt (l. ec. p. 297), dass die Geweihe des Cervus por-
cinus von Ceylon, der idenlisch sein soll mit dem von Malabar, län-
ger sind, als bei dem wahren .C. poreinus, und mehr Aehnlichkeit
mit. den Geweihen des Axis besitzen. Das innere Ende der Endgabel soll
einen spitzen Winkel bilden. Auch soll die ganze Gestalt des Thie-
res etwas weniger schweineähnlich sein, ]. c. p.291, siehe auch eine
Bemerkung über Cervus orysae Kelaart.
Artiodaetyla nonruminantia. Fitzinger giebt als Stamm-
eltern der Rassen des zahmen Hausschweines folgende 6
Arten an (l.c.XXIX. p. 361—408 und XXX. p. 233—260):
Sus scrola fer., $. leucomystax, S. cristalus, S. papuensis,
S. sennaariensis, Polamochoerus penicillatus.
Das Wildschwein, Sus scrofa L. des Amur-Landes ist nach
Schrenek (l. ce. p. 152—155) von derselben Beschalfenheit wie im
westlichen Asien und inEuropa. ‘Es kommt fast amı gesammmten Laufe
des Amur vor, fehlt dagegen am Amur-Liman, so wie auf Sachalin.
Das bisher über $. leucomystax Temm., aus Japan Bekannte ist nicht
der Säugethiere während des Jahres 1859. 65
hinreichend, es als besondere Art zu charakterisiren. Das zahme
Hausschwein ist erst theilweise im Amur-Lande eingebürgert.
Nach Nordmann kommt das Wildschwein in den Steppen von
Neurussland nicht vor, wohl aber in Bessarabien in den schilfbe-
wachsenen Niederungen am Pruth wie auch auf den Donauinseln und
am Don. Am Pruth zeichnet es sich durch seine verhältnissmässig
hohen Beine aus.
Joly macht nach dem Schädel eines monströsen Schweineske-
letes Bemerkungen über die knöcherne Zahnkapsel der Schweine.
(L’Institut I. Sect. 27. p. 12.)
Dass bereits zum zweiten Male im Pariser Pflanzen-
garten ein Nilpferd geboren wurde, machte Geoffroy
Saint-Hilaire bekannt. (Compt. rend. hebd. Acad. se.
Paris 1859. Tom. 49. p. 118.)
Perissodactyla.. Die Beschreibung eines sogenannten
wilden Pferdes aus der Gegend von Novoi Bug theilt Nord-
mann mit (l. c. p.170). Zugleich giebt der Verf. zahl-
reiche Maasse von Zähnen des Equus caballus und asinus.
Fitzinger stellte folgende fünf Pferdearten auf,
welche die Rassen des zahmen Pferdes geliefert haben sol-
len (Sitzungsberichte d. Wien. Akad. 1859. XXXV. p.173
344):
Equus nudus mit 1 Rasse, E. caballus mit 68 Rass., E. velox
mit 34 Rass., E. robustus mit 36 Rass. und E. nanus mit 6 Rass.
In einem Anhange (l. c. p. 593—611) finden sich Bemerkun-
gen über die Pferde Amerikas. Von dem haarlosen Pferde, wel-
ches wahrscheinlich aus Asien, vielleicht aus Beludschistan (warum ?)
stammen soll, führt der Verf. an, dass schon die völlige Verschie-
denheit in der Beschaffenheit seiner Haut von der aller übrigen
bekannten Pferderassen auf eine selbstständige Art hinweise, ein
Grund, welcher vielmehr auf eine pathologische Abnormität hin-
deutet, da sich bekanntlich alle als gut anerkannten, wilden Pferde-
arten durchaus nicht in der Beschaffenheit ihrer Haut von einander
unterscheiden.
Schon im Jahre 1857 theilte Grill in einem Briefe an Sun-
devall (Öfvers. Kgl. V. A. Förh. 1857. p.385—387) Bemerkungen
über die haarlose Pferderasse mit, welche sich jetztauch durch Crep-
lin übersetzt in der Zeitschrift für die gesammten Naturw. von Gie
_ bel und Heintz XIV. 1859. p. 8—11 befinden,
In einer Untersuchung über diejenigen Thiere, welche
gewöhnlich als wilde Esel bezeichnet werden, kommt Blyth
Archiv. f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. E
66 Hensel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
zu folgenden Resultaten (Journal of the Asiat. soc. of Ben-
gat. 1859. p. 229253):
1) Der Unager und Hemionus der Alten war Yallas unbe-
kannt, der mit diesem Namen den Alten unbekannte Arten oder Ras-
sen bezeichnet hat.
2) Der Koulan von Nord -Asien ist nicht der wahre Onager
oder ursprüngliche Wildesel, sondern identisch mit dem Indischen
Ghor-Khur.
3) Der wahre Onager oder Wildesel bewohnt nicht Nord-Asien,
sondern N.-O.-Afrika und Süd-Arabien.
4) Der Koulan und der Dshiggetai oder Kyang zeigen, anstatt
streng geschieden zu sein, wie man anzunehmen pflegt, vielmehr eine
so grosse Uebereinstimmung , dass es noch an genügend unterschei-
denden Merkmalen fehlt, obgleich wohl eine Verschiedenheit statt-
finden mag.
Proboseidea. Joly machte an einem Elephantenskelet
folgende Beobachtungen über die Entwickelung der Zähne.
Es waren in jedem Kiefer 4 Zähne vorhanden. Der Ersatzzahn
welcher noch über dem Zahnrande des Kiefers erschienen war, steckte
in einer Knochenkapsel, an einzelnen Stellen mindestens 2—3 Mm.
dick. Diese Kapsel, in ihrem vorderen Theile schon grösstentheils
resorbirt, ist frei und vollständig, da wo die einzelnen Zahnkeime
noch nicht durch Cement verbunden sind. (Annales des sc. natur.
Tom. XI. 1859. p. 151.)
Für die Naturgeschichte des Asiatischen Elephanten sehr wich-
tig sind die Beobachtungen, welche Tennent (l. c.) über densel-
ben auf Ceylon gemacht hat. Das Gehirn, der Magen und der tra-
cheo-oesophageal Muskel sind abgebildet.
Pinnipedia. Eine kurze Notiz über das Vorkommen des
Dugong in der Strasse von Malacca findet sich im Journal
of the Asiat. soc. ofBengal. 1859. p. 159 u. 271.
Edentata.
R. Owen hat in einer zweiten Abhandlung über die
Anatomie der Myrmecophaga jubata L. den Bau des Ma-
gens abgehandelt und auf 3 Tafeln durch Abbildungen er-
läutert. (Transact. zool. Soc. of London Vol. IV. Part5.
1858. p. 179—180. Pl. 51—53.)
Der Pylonustheil des Magens, welcher auch äusserlich vom Car-
diatheile deutlich getrennt ist, ist merkwürdig durch seine starke
der Säugethiere während des Jahres 1859. 67
Muskelhaut und ein festes Epithel. In seine enge Höhlung tritt im-
mer nur ein kleiner Theil der Speisen, der zerrieben und durch eine
Klappe von dem Zurücktreten in den Cardiatheil geschützt wird. In
ihm befindet sich auch Sand mit unvollkommen zerriebenen Termiten
gemischt.
Cetacea.
Delphinapterus leucas Pall. geht nach Schrenck (l. ce. p.190
—192) an den Küsten Ostasiens nicht über die Mündung des Amur
oder wenigstens nicht über den Amur-Liman nach Süden hinaus, er-
reicht hier also seine Südgrenze ungelähr unter dem 52° N. Br. Im
Amar dagegen geht er noch weiter noeh Süden. 1lier ist seine äus-
serste Grenze die Mündung des Chelasso , 400 Werste von der Mün-
dung des Amur, ungefähr unter 51° N. Br.
Ueber den Fang eines Hyperoodon Butzkopf (bottle-nosed Whale)
im Sept. 1857 in der Bai von Belfast findet sich eine Nachricht in
der Proceed. Dublin univers. Zoolog. and botan. Assoc. Vol. I.
part. I. p. 4.
Das gelangene Exemplar war 205“ Engl.!lang. Es werden noch
zahlreiche Maasse angegeben, ebenso eines im Jahre 1845 gefangenen
Exemplares.
Ebendaselbst p. 6 veröffentlicht Dickie Bemerkungen über die
Zähne des Hyperoodon. Es fanden sich nur 2 Zähne, in jedem Un-
terkiefer nahe der Symphyse nur einer, der Schmelz fehlte und Ce-
ment überzog die Zähne.
Für die Küsten des Amur-Landes unterscheidetSchrenck, nach
den Angaben der Eingebornen und nach einigen bei ihnen gesehenen
Knochenbruchstücken (l. c..p. 192 u. 193) folgende zwei Walfisch-
arten; Bulacnoptera longimana Rudolphi, die am häufigsten gleich
nördlich vom Amur-Liman strandet, und, nach grossen auf Sachalin
gesehenen Barten, Balaena australis Desmoul.
Ueber den Unterkiefer und die Zähne des Physeter macroce-
phalus berichtet J. C, White (Poceed. Bost. Soc. nat. hist. 1859.
p- 222).
Schon im Jahre 1858 hatte Eschricht eine Mit-
theilung über die nordischen Glattwale veröffentlicht (Över- °
sigt Kgl. danske V. S. Förh.), welche sich jetzt auch in
Giebel und Heintz Zeitschrift 1859. XIII. p. 318—321 von
Creplin übersetzt befindet.
Während des ]7ten und 18ten Jahrhunderts hielten die Wal-
fischfänger den bei Spitzbergen in so grosser Anzahl vorkommenden
Glatwal für specifisch verschieden von dem früher im ollenen Meere
68 Hens’el: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
so rücksichtslos gejagten und endlich ausgerotteten Glattwal, dem so-
genannten Nordkaper, während Cuvier eine Flucht desselben in das
nördliche Eismeer annahm, und Andere sein Verschwinden durch eine
locale Ausrotlung zu erklären suchten. Alle Zoologen waren aber
einig in der Ansicht, dass der Nordkaper als eigene Art zu streichen
sei. Nach Holböll’s Beobachtungen und den älteren Berichten der
spitzbergischen Walfischfänger schien hervorzugehen,, dass der Wal-
fisch des nördlichen Eismeeres östlich und westlich von Grönland sich
niemals aus dem mit Treibeis angefüllten Fahrwassern entferne, und
folglich der Nordkaper im eisfreien atlantischen Meere nicht gleicher
Art mit Bal. Mysticetus sein könne. Schon im Jahre 1847 hatte der
Verf. nach historischen Studien den verschwundenen Nordkaper als
besondere Species anerkennen müssen. Doch bleibt noch die Frage
unerledigt, ob jene Art wirklich ausgerottet sei. Dass dieses nicht der
Fall ist, davon konnte sich der Verf. durch die Untersuchung des zu
Pamplona aufgestellten Skeletes eines zu St. Sebastian gestrandeten
Walfisches überzeugen, so dass also der Nordkaper als eine sehr leicht
zu bestimmende Art noch gegenwärtig, wenn auch in äusserst geringer
Menge im nördlichen atlantischen Meere lebende Art anzusehen ist.
Vom Fange eines Walfisches (spec. ?) beiBell Rock giebt Jam.
M’Bain Nachricht (New. Edinb. Journ. Vol. VIII. 1858. p. 155).
Implacentalia.
Marsupialia.
Bei Gelegenheit der Beschreibung eines fossilen Raub-Beutel-
thieres hat R. Owen die unterscheidenden Merkmale des Beutelthier-
schädels gegenüber dem Schädel der monodelphen Carnivoren aus-
einandergesetzt und mehrfache Ansicht des Schädels der Thylacinus
Harrisii und Sarcophilos ursinus abgebildet (Philos. Transact. Vol. 149.
p- 312 ff. Pl. XII—XV. Ann. mag. nat. hist. IV. p. 63—64.)
Bei den meisten Beutelthieren und zwar bei allen fleischfres-
senden, ist der knöcherne Gaumen von grossen Lücken durchbro-
chen. Das grosse Thränenbein bildet einen Theil des Gesichtes und
ist vor und ausserhalb der Augenhöhle vom Thränenkanale durch-
bohrt. In der Fossa anter. des Hinterhauptscondylus sind drei Fo-
ramina praecondyloidea. Der Entocarotidkanal durchhohrt das Basis-
phenoid. Zwischen For. ovale und rotundum befindet sich ein gros-
ser Zwischenraum. Das Paukenbein ist vom Felsenbein getrennt. Die
Bulla auditor. entwickelt sich im Alisphenoid. Die Venen des Sei-
tensinus treten hinter und über der Basis des Jochbogens hervor.
der Säugethiere während des Jahres 1859. 69
Das Hinterhaupt ist breit und niedrig, und der Raum der Schädel-
höhle sehr eng.
Peters berichtete über ein neues Flugbeutelthier, Pe-
taurus (Belideus) von Victoria im südlichen Neu-Holland
(Monalsbericht d. Akad. Berlin 1859. p. 14).
Petaurus nolatus; canus, subtus pallidior, rostro brevi fusco ;
stria a rostro ad regionem sacralem decurrente, auriculis, regione
orbitali, superficie patagii superiore nigris; macula infra et post au-
riculam, margine palagii taeniaque supracaudali albidis; cauda vil-
losa, disticha, nigra, apice nivea. Körper mit Rumpf 0,150 lang;
Schwanz 0,160 (mit den Haaren 0,173); Unterarm 0,031 , Hand mit
den Fingern 0,0215; Schenkel 0,032; Fuss mit den Zehen 0,027.
3.4
Backenzähne 3 4 die beiden hinteren waren schon entwickelt,
aber noch nicht durchgehrochen.
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Vögel während des Jahres 1859.
Von
Dr. 6. Hartlaub
in Bremen.
An der Spitze unseres diesmaligen Jahresberichts be-
grüssen wir das Erscheinen einer neuen Zeitschrift für
Ornithologie, „The Ibis,“ welche unter den günstigsten Au-
spiecien ins Leben tritt, und für deren gedeihliche Fort-
dauer uns der Name ihres Begründers, Philip Lutley
Sclater’s, hinlängliche Bürgschaft zu gewähren scheint.
Der erste Gedanke, in England ein besonderes Organ für
diesen Zweig der Thiergeschichte zu stiften, entstand im
Schoosse einer Gesellschaft von Freunden ornithologischer
Studien, welche sich gelegentlich in wissenschaftlicher Weise
zu besprechen pflegten, und deren Namen uns, grössten-
theils als Verfasser werthvoller und anziehender Beiträge,
gleich der erste Band des vortreffliich ausgestalteten Buches
zur Kenntniss bringt. Mag es uns, ausnahmsweise antici-
pirend, gestattet sein, an diese Miltheilung eine andere uns
vaterländisch noch näher berührende zu knüpfen, die näm-
lich, dass sich die Herausgeber der „Naumannia“ und des
„Journals für Ornithologie,* Baldamus und Cabanis, zu
gemeinschaftlichem Fortarbeiten auf dem von beiden mit so
viel Hingebung und Erfolg ceultivirten Felde vereinigt haben.
Ein ornithologisches Ereigniss, dem die beifällige Zustim-
mung der grossen Mehrzahl von Fachgenossen sicher nicht
entgehen wird. — Dass es im verflossenen Jahre an viel-
seilig fördernder Thätigkeit auf dem so anziehenden Ge-
TER
Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte etc. 71
biete unserer Wissenschaft nicht gemangelt hat, davon mö-
‚gen die nachfolgenden Blätter Zeugniss ablegen. Von her-
vorragender Wichtigkeit erscheint uns der Zuwachs zu
sein, welchen unsere bis dahin so mangelhafte Bekannt-
schaft mit den Vögeln der oceanischen Inselgruppen , so
wie der Papualänder und der Molukken erfahren hat. In
wie glänzendem Lichte diesen Bereicherungen gegenüber
der kühne und enthusiastische Reisende Alfred Russel
Wallace erscheint, ist von uns wiederholt anerkannt wor-
den. Es ist diese zumeist an seinen Namen geknüpfte Pe-
riode zahlreicher und glänzender ornithologischer Entdek-
kungen um so mehr geeignet, unser vollstes Interesse zu
fesseln, als sie aller Wahrscheinlichkeit nach die letzte
bleiben wird. Wir erfahren, dass der augenblicklich in
Neu-York lebende Reisende PierreBeloni du Chaillu,
dessen reiche Sammlungen bekanntlich durch Cassin wis-
senschaftlich verwerthet worden sind, nach länger als vier-
jährigem Aufenthalte im Innern der äquatorialen Gegenden
Westafrika’s, zu neuen und noch gewagteren Unterneh-
mungen dorthin zurückzukebren beabsichtigt. — Unter den
Männern, welche in jüngster Zeit dazu beigelragen haben,
den unerschöpflichen Reichthum der Avifauna Südamerika’s
vor unseren Blicken zu enthüllen, nimmt Prof. H. Burmei-
sler einen hervorragenden Platz ein. Die zoologische Aus-
beute seiner so eben beendeten zweiten Reiseunternehmung
scheint von bedeutendem wissenschaftlichen Interesse zu
sein. — Es verdient schliesslich hervorgehoben zu wer-
den, dass mit der ornithologischen Durchforschung der
Insel Formosa, bis dahin in nalurwissenschaftlicher Hinsicht
einer absoluten terra incognila, ein sehr erfreulicher An-
fang gemacht worden ist.
Von T. C. Eyton’s „Osteologia avium“ sahen wir
den zweiten noch Raubvögel behandelnden Theil. Hoffent-
lich erfährt das werthvolle Werk keine Unterbrechung.
E. Blanchard: „Recherches sur les characteres
osteologiques des Oiseaux appliqudes ä la classification na-
72 Hantlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
turelle de ces animaux* Ann. Sc. nat. 1859. . Ausführlich
und wichtig. Die hauptsächlichste Bedeutung will Bl. dem
sternum beilegen. Die Affiniläten, zu welchen Blanchard
auf diesem Wege gelangt, scheinen uns fast ohne Ausnahme
richtig und natürlich.
Dr. H. Jäger: „Das Wirbelgelenk der Vögel.“ Se-
paratabdruck aus den Sitzungsber. der Kais. Acad. der
Wissensch. in Wien von 1858. 408.
Prof. €. Langer: „Ueber die Fussgelenke der Vö-
gel“ ibid. mit 4 Jithogr. Tafeln.
L. P. Herre: „Dissert. inaugur. de avium Passerina-
rum larynge bronchiali.* Greifswald. 288.
C. Brendel: „Anatomische Mittheilungen über ver-
schiedene Vögel.“ Gieb. Zeitschr. für die ges. Naturwis-
sensch. 1859. p. 449—52.
E. Berger: „L’Oiseau par Michelet.* Angers. 8. 148.
Aus den Ann. de la Soc. Linneenne de Maine et Loire.
Michelet’s Buch erschien auch in holländischer Sprache
(Rotterdam bei P. C. Hoog.)
Dr. Adam and Dr. A. L. Adam: „On Ornithology
as a branch of liberal education.“ Aberdeen 1859. 8. („con-
taining notes on all the wild birds discovered in Banchory
Ternan by the: former and remarks upon such of them as
have been found in India by the latter gentileman.*)
Cuthbert Collingwood: „A comparison between
ancient and modern views on the migration ofBirds“ 248.
Liverpool 1859.
J. Cabanis: „Journal für Ornithologie.* Enthält von
hier zu Erwähnenden z. B. „Zur Erinnerung an L. Thie-
nemann von Rich. Baron König-Warthausen.
E.. Baldamus „Naumannia“ bringt z.B. Dr. C.Bolle:
„Namensverzeichniss der kleineren überseeischen Vögel,
welche jetzt auf dem Wege des Handels nach Deutschland
gelangen:;* Prof. Wilke: „Ueber das Pigment in den Eier-
schalen der Vögel.“
P.L. Sclater: „Tbe Ibis, a magazine of General Orni-
thology.“ London. Tübner. 8. Alle drei Monat erscheint sehr
regelmässig ein mit drei oder vier colorirten Kupfertafeln
u An
der Vögel während des Jahres 1859. 73
ausgestattetes Heft dieser von uns bereits nach Verdienst
gewürdigten Zeitschrift. Wir zählen dieselbe zu den Zier-
den unserer Bibliothek, und werden auf zahlreiche vortreff-
liche Beiträge des ersten Bandes ihres Orts zurückkom-
men. Hier wäre hervorzuheben: T. C. Eyton „On the
different methode of preparing natural skeletons of Birds ;“
Wallace: „Letter concerning the geographical distribution
of Birds.“ Enthält eine Fülle interessanter und wichtiger
Bemerkungen und resp. Berichtigungen zu Sclater’s Arbeit
über denselben Gegenstand. Sumatra, Java, Borneo und
die Philippinen sind nach Wallace ursprünglich Theile
Asien’s; Timor, die Molukken,, Neuguinea und Neuholland
sind ursprünglich Theile eines grossen australischen Con-
tinents. Celebes steht sehr eigenthümlich und isolirt, und
zeigt deutliche Spuren afrikanischen Gepräges u. s. w.
A.E. Brehm: „Das Leben der Vögel, dargestellt
für Haus und Familie.* In 7 bis 8 Lieferungen von 4 Bo-
gen und 2 bis 3 Illustrationen in Holzschnitt oder Iris-
druck. — Das Werk zerfällt in 6 Hauptabschnitte, nämlich:
1) Das Leben des Körpers. 2) Das Leben des Geistes. 3)
Heimath und Beruf. 4) Häusliches und geselliges Leben.
5) Der Mensch und die Vögel, und 6) Charakterbilder ein-
zelner Vögel. Vor uns liegen drei Hefte dieses im hohen
Grade anziehenden Buches. Die Idee desselben erscheint
vortrefflich und ist in ihrer Totalität jedenfalls neu. Die
schwere Aufgabe, ein für populäre Verbreitung bestimmtes
Buch zugleich unterhaltend und wissenschaftlich gehaltvoll
zu gestalten, ist glücklich genug von dem jedem Ornitho-
logen wohlbekannten unternehmenden Forscher in Nord-
ostafrika und Spanien gelöst worden. Die Kupfer gehören
inihrem Genre zu dem Besten was wir kennen. Sie
sind zum Theil wahrhaft reizend, so das köstliche Bildchen
„Schwäne am Weiher. * Wir wünschen diesem Buche Dr.
A.E. Brehm’s aus voller Ueberzeugung gedeihlichen Fort-
gang, und glauben, dass wenige mehr geeignet sein dürf-
ten, unserem Lieblingszweige der Zoologie Theilnahme auch
in weiteren Kreisen zu erwecken.
Moquin-Tandon: „Considerations sur les oeufs des
74 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
oiseaux.* Rev. et Mag. de Zool. p. 414. Ausführlich und
streng wissenschaftlich gehalten. Der Verf. weiss sehr
zweckmässig die Ergebnisse seiner Forschungen in die
knappe Form von numerischen Resume’s einzukleiden , und
diese letzteren scheinen uns im hohen Grade Beachtung zu
verdienen.
Bartlett: „über die längere Aufbewahrung von
Eiern, dergestalt, dass sie später ausgebrütet werden kön-
nen. Proc. Zool. Soc.
P. L. Sclater: „Ueber die Zahl der Bruttage einiger
Vögel im zoologischen Garten zu London.“ Behandelt 18
Arten. Die längste Dauer betrug 56 Tage (Dromaius) und
die kürzeste 14 Tage (Ocyphaps).
Europa
A. Fritsch: „Naturgeschichte der Vögel Europa’s“
nimmt einen elwas langsamen Fortgang, ohne indessen an
Gehalt der Durchführung zu verlieren. Heft5. Abth. 3.
Bree’s „Birds of Europe not observed in the British
Isles“ ist, wenn wir nicht irren, zum Schlusse gediehen.
Wir sahen das Werk kürzlich in England. Die Abbildun-
gen sind zum Theil nur rechl mässig. 1 Vol. von 210 8.
F. Grässner: „Die Vögel Deutschlands und ihre
Eier“ 2te sehr vermehrte und gänzlich umgearbeitete Auf-
lage des älteren Werkes von Naumann und Buhle. Er-
stes Heft 4. Ein recht gut und tüchtig gearbeitetes Buch,
dem auch der Ornitholog von Fach seine Anerkennung nicht
versagen wird. Die Kupfer lassen zu wünschen übrig.
Aber wie wäre es auch bei solchem Preise anders möglich ?
Cabanis „Journal für Ornithologie“ enthält als hier-
her gehörig: 1) A. v.Homeyer: „Ueber das Vorkommen
einiger Vögel des Mittelrheins, mit besonderer Berücksich-
tigung Frankfurt’s a. M. 2) Acht Tage auf der Ebenalp
von Baron Dr. J. W. v. Müller. 3) v. Homeyer: „Ue-
ber einige zweifelhafte Arten in der europäischen Ornis, so
über Hirundo cahirica, Muscicapa muscipeta, Hypolais Pre-
gli u. s. w.
der Vögel während des Jahres 1859. 75
Und die „Naumannia.“ 1) G. T. Büttner: „Vogel-
leben in Kurland.* 2),Gadamer: „Ornithol. Bericht aus
Westgothland.* 3) Derselbe: „Verzeichniss der Brutvö-
gel Westgothland’s.* 4) Dr. G. Quistorp: „Ornithol. Be-
richte aus Neuvorpommern.* 5) Blasius: „Ueber die Vö-
gel in Gätke’s Sammlung auf Helgoland.“ 6) Pfarrer Jäkel:
„Ornithol. Jahresbericht aus Baiern.* 7) Riefkohl: „Ni-
dologische und oologische Notizen aus der Umgegend von
Rostock.“ 8) H. Gätke: „Ornithologisches aus Helgo-
land“ u. s. w.
Der „Ibis“ bringt 1) W. C. Hewitson: „Recent di-
scoveries in European Oology.* 2) E. Ewans and W.
Sturge: „Notes on the Birds of Western Spitzbergen as
observed in 1855.“ Sehr hübsch. Es wurden 16 Ärten be-
obachlet, unter ihnen eine neue, Lagopus hemileucurus. Der
Reichthum an Individuen war ausserordentlich. Ob Larus
eburneus dort brüte, war nicht zu ermitteln.
„List of Birds observed in Great-Britain and Ireland.“
Separatabdruck aus dem „Zoologist.* 1 Bogen.
„Vergleichendes Verzeichniss der Vögel Schweden’s
und Grossbritanniens“ (in englischer und schwedischer
Sprache gedruckt). Brochüre von 18 S. Carlstadt 1859.
W. Meves beschreibt einen zoologischen Ausflug
durch Lappmarken. Darin viel Ornilhologisches : Öfvers.
Kongl. Vetensk, Akad. Förh. 1858.
J. v. Wright: „Knopiotractens Fogelfauna“ in Bidr.
til Finland’s Naturk. elc., utgifna af Finska Vetensk. Soc.
Helsingf. 1857—58. Heft 2. p. 1—12.
Magn. v. Wright: „Antekning. under en ornitolog.
resa fran Knopio till Aavasaksa om sommaren ar 1856.
Ibid. 2. p. 52—86*.
„Anlteckningar om Flyllfoglar’s ankomst till särskilda
orter in Finland“ ib. p. 138.
Gustav Betke „Esquisse de l’histoire ‚naturelle de
Kaminiez en Podolie* in Bullet. Natur. Mosc. vol. 32. p. 29.
J. B. Jaubert etBarthelemy-Lapommerage:
„Richesses ornithologiques du midi de la Frauce on de-
seriplion methodique de tous les oiseaux observes en Pro-
75 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
vence et dans les departements circonvoisins. Marseille 4.
Fasc. I. 728. mit drei color. Kupfertafeln. Die Ausstattung
dieses von zwei Ornithologen ersten Ranges ausgehenden
Werkes ist eine sehr gelungene. Der Text scheint kritisch
und streng wissenschaftlich gehalten zu sein.
B.Vincelot: „Essai etymologique sur l’Ornithologie
de Maine et Loire.“ Angers. 1088.
Moquin Tandon fährt fort seine sehr guten und
fleissigen oologischen und nidologischen „Notes ornitholo-
giques“ zu geben. Rev. et Mag. de Zool. p.97 u. s. w.
Ausführlich z. B. über die Beutelmeise.
Dubois: „Planches color. des Oiseaux de la Belgi-
que.“ Livr. 100—108. Die regelmässige Fortführung die-
ses Werkes ist sehr zu loben und die künstlerische Aus-
führung der Kupfertafeln ist immer besser geworden.
Gaetano Perini: „Degli uccelli Veronesi* notizie
raccolte ete. 1 vol. 8. Verona 1858. Preisgekrönt von der
wissensch. Academie zu Verona.
Dr. Erhard: „Die Fauna der Cycladen. 1) Die Wir-
belthiere der Cycladen, nebst einem Anhange über deren
Pflanzendecke.“ 1 vol. 8. Leipzig 1858. 117 S. Der Haupt-
sache nach bekannt aus der Naumannia. Baldamus führt
das Buch ein. Ein zweiter Theil soll die Abbildung von
Falco dichrous bringen.
Von Bädeker’s vortreffichem Eierwerke erschien
eine neue Lieferung. Mit nationaler Befriedigung gedenken
wir der ausserordentlichen Anerkennung, welche dieses
Werk auch bei den Oologen Englands gefunden hat.
Asien
Von Gould’s „Birds of Asia“ erschien part. 11.
Mit den Abbildungen von Gennaeus nycthemerus, Dendrocheli-
don coronatum, D. klecho, D. Wallacei, D. mystaceum, D. comatum,
Harpactes Duvaucelii, H. rutilus, Amydrus Tristramii, Merula castanea,
M. albocincta, M. boulboul, Parus dichrous, P, rubidiventris, P. rufo-
nuchalis, P. melanolophns.
Fred. Moore „List of Malayan Birds collected by
BE EEE
der Vögel während des Jahres 1859. 77
Th. Cantor ,* with descriplions etc. Proceed. Zool. Soc.
p- 443.
J. Gould: „List of Birds collected at Tavoy, Tenasse-
rim, by Capt. Briggs.* Proceed. Zool. Soc. p. 149. Ein
Namensverzeichniss von 83 Arten.
J. Gould: „List of Birds collected in Siam by Sir
R. Schomburgk.* Proceed. Zool. Soc. p. 151. Es werden
64 Arten namhaft gemacht.
A. Leith - Adams: „The Birds of Cachmere and
Ladakh.“ Proceed. Zool. Soc. p. 169. Wichtig und im ho-
hen Grade interessant.
Es wurden 189 Arten beobachtet. Von europäischen Vögeln
scheinen dort vorzukommen: Passer domesticus, Cuculus canorus,
Pyrrhocorax graculus und alpinus, Sturnus vulgaris und unicolor, Cor-
vus corax, corone und monedula, Cypselus melba und apus, Hirundo
ruslica, Upupa epops, Merops apiaster, Cotyle riparia, Cinclus vulga-
ris, Turdus viscivorus, Alauda arvensis, Regulus cristatus, die Mehr-
zahl unserer Enten u. s.w. — Metoponia pusilla (Pall.) ist zu gewis-
sen Zeiten gemein.
W. Theobald: „On Indian Oology.* Journ. As. Soc.
of Beng. No. 69. p. 601.
„Catalogue of Birds collected by A. A. Henderson,
M. D. at Hacodadi, Island of Jesso, Japan, with notes and
descriptions of new species, by J. Cassin.* Proceed. Acad.
N. Sc. Philad. 52. p. 191. Ist wichtig.
Es wurden 39 Arten gesammelt, und zwar im Monat Oktober.
Als neu für die Avifauna Japan’s erscheinen hier zuerst: Parus kamt-
schatkensis Bp., Motacilla boarula, Lusciniopsis japonica n. sp., Lus-
ciniopsis Hendersonii Cass. n. sp., Turdus eunomus Temn., Sitta sibi-
rica P. (roseilia Bp.), Charadrius morinellus , Squaturola helvetica,
Totanus glottis, Tringa alpina, Tringa minuta, Numenius sp. (?), Hae-
matopus ostralegus. — Zum Schlusse werthvolle Bemerkungen über
die Lebensweise einzelner Arten.
Mr.Swinhoe:„Afew remarks on the Fauna of Amoy“
Supplem. China Mail No. 670. (Hongkong Dec. 17. 57.)
Mr. R.Swinhoe: „Narralive of a visit to the island
of Formosa“ in Journ. of the North China Branch of Ihe
Royal Asiatie Society.
Beobachtet wurden Alauda minuta n. sp., Sterna caspia und
minuta, Oriolus sinensis, Dicrurus malabarieus, Hirundo daurica etc.
Keine Spur von Dasyptilus fulgidus !
78 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in ‘d. Naturgeschichte
SirEmmerson Tennent’s vielbesprochenes Werk
über Ceylon enthält denn auch einen recht instructiv und
anziehend, geschriebenen Abschnitt über die Vögel dieser
reichen Tropeninsel.
Zu den Wundern Ceylon's möchte Tennent die von Myriaden
der verschiedensten Wasservögel belebten Seen im östlichen Theile
desselben zählen. Als die besten Sänger werden gepriesen die Cop-
sychusarten macrourus und saularis so wie Pralincola atrata. Sehr
hübsch wird über den wilden Pfau berichtet.
E. Blyth, der unermüdliche Zoolog Indien’s, fährt
fort den Vögeln der Andamanen Aufmerksamkeit zu
schenken. Journ. Asiat. Soc. of Beng. vol. 27.
Er kennt bis jetzt die folgenden Arten: Halcyon coromandeli-
cus, Todirhamphus collaris, H. smyrnensis, Corvus culminatus, Kitta-
eincla albiventris, Sturnia erythropygia, Tephrodornis grisola, Geocichla
innotata, Copsychus saularis, Artamus leucorhynchus, Edolius sp., Py-
enonotus jocosus, Gracula intermedia, Palaeornis Alexandri, Carpophaga
sylvatica, Anous stolidus, Oriolus coronatus, Irena indica, Sturnopa-
stor niger, Pericrocolus peregrinus, also bis jetzt 20. Arten. Man ver-
gleiche ein Schreiben von Blyth an Sclater mitgetheilt im Ibis I.
p. 463. Die Avifauna der Andamanen ist eine ausschliesslich indische.
Caloenas nicobarica bewohnt die mehr nördlich gelegenen Cocos-
Felsen.
Dr. Bernstein schreibt sehr instructiv und aus-
führlich, „über die sogenannten essbaren, Vogelnester und
den Nestbau einiger anderen javanischer Vögel.* Act. Soc.
Scient. Ind. Neerl. Ill. (Batavia 1858.) p. 34.
Diese Vögel sind: Scops lempiji, Caprimulgus maerourus, Den-
drochelidon ‚Klecho, Centropus affinis, Pieus moluecensis, Halcyon
chlorocephala, H. melanoptera, Timalia pileata, Pomatorhinus monta-
nus, Parus atriceps, Miralfra javanica, Enicurus Leschenaultii, Myio-
phonus flavirostris, Ixos chrysorhoeus, Copsychus mindanensis , Geo-
cichla eitrina, Megalurus palustris und polychrous, Prinia familiaris,
Orthotomus sepium, Cyornis banyumas , Leucocerca javanica, Hirundo
javanica, Artamus leucogaster, Oriolus indicus'; Dierurus cinerascens,
D. longus, Lalage orientalis, Tephrodornis hirundinaceus , Lanius
schach, Dieaeum tubrocanum, Cinnyris pectoralis und aspasia, Arach-
nothera longirostris.
A.R. Wallace: „On the Zoological Geography af the
Malay Archipelago.* Proceed. Linn. Soc. of Lond. 1859.
p- 172. Mitgetheilt von Charles Darwin, und von
grösstem Interesse. Genaue Begränznng der einzelnen
der Vögel während des Jahres 1859. 79
zoologischen Regionen. Darwin findet in den Ergebnis-
sen von Wallace’s Forschungen eine Bestätigung seiner
vielbesprochenen Ansichten über den Ursprung der Arten
durch Wahlverwandtschaft und die Grundgesetze der geo-
graphischen Verbreitung der Thiere über den Erdboden.
Rev. H. B. Tristram: „Notes on Birds observed in
Southern Palästine in March and April.“ Reichhaltig und
höchst anziehend geschrieben.
Tristram konnte nicht weniger als 119 Arten beobachten.
Ausführlicher wird z. B. berichtet über Garrulus melanocephalus,
Amydrus Tristramii , Ixos xanthopygius, Crateropus chalybeus, Sitta
syriaca, Tinnunculus cenchris, Neophron perenopterus, Ammoperdix
Heyi. Ibis I. p. 22—41.
Afrika
Es ist unter den Ornithologen Jung-Englands zu einer
Art von Mode oder besser Passion geworden, gewisse seit
der französischen Besitznahme mit verhältnissmässig gerin-
gem Aufwande von Mühe und Gefahr zugängliche Gebiete
Nordafrika’s zu bereisen; nicht sowohl, um Bälge heim-
zubringen, als vielmehr um die Sitten und Gewohnheiten
der dortigen Vögel zu beobachten und um deren Eier zu
sammeln. So bringt uns denn der Ibis, das Organ dieses
jüngeren Stammes englischer Ornithologen, eine kleine An-
zahl von anziehend und geschickt verfassten Arbeiten, wel-
che uns mit den Ergebnissen jener Ausflüge bekannt ma-
chen, und zwar, was die Hauptsache bleibt, zum entschie-
denen Vortheile der Wissenschaft.
Rev. H.B. Tristram: „Characters of apparently new
species of Birds collected in the great Desert of Sahara,
southwards of Algeria and Tunis.“ Ibis I. p.57. Bringt
gute Beschreibungen von 9 Arten, auf die der specielle
Theil dieses Berichts zurückkommen wird.
Rev. H. B. Tristram: „On the Ornithology of Nor-
thern Africa.* Ibis I. p. 153, 277, 415.
Nach einer gedrängten Schilderung der physikalisch -geogra-
phischen Züge Nordafrika’s zieht der Verfasser den Schluss, die so-
genannte Barharei erscheine dem Naturforscher nur wie eine euro-
päische Insel , getrennt zwar von Europa durch das Mittelmeer, weit
80 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
schärfer aber isolirt von Centralafrika durch das Sandmeer der Sahara.
Man dürfe sich demgemäss nicht wundern, dass jenes weite Gebiet
nur sieben unzweifelhaft eigenthümliche Vogelarten aufzuweisen habe,
von welchen nur zwei, nämlich Aquila naevioides und Ruticilla Mous-
sieri ohne sehr nahe europäische Anverwandte seien; dass uns dage-
gen die Wüste mit ihren Oasen bis jetzt nicht weniger als 38 eigen-
thümliche noch nie auf europäischem Boden angetroffene Arten ge-
liefert habe, und unter diesen eine Anzahl sehr ungewöhnlicher Ge-
stalten von specifisch afrikanischem Gepräge, als Rhomphocorys,
Otogyps, Comatibis, Crateropus, Drymoica, Corospiza. Auf 8.279
beginnt der specielle Theil dieser im hohen Grade instruktiven Ar-
beit, wobei es sich sehr zweckmässig nicht um hundertfältig wie-
derholte Beschreibungen handelt, sondern um die geographische Ver-
breitung und die Lebensweise der zahlreichen von Mr. Tristram
beobachteten Arten. Wir vernehmen mit Befriedigung, dass der uns
wohlbekannte Autor ein grösseres Werk über die Sahara bei Murray
in London erscheinen lassen wird, und glauben getrost Genuss und
Belehrung davon voraussagen zu können,
OsbertSalvin: „Fife Month’s Birds’-nesting in the
Eastern Atlas.“ Ibis I. p. 174.
Wir haben die warme und lebensvolle Schilderung, welche
uns hier von einer specielle oologische Zwecke vorfolgenden Ex-
cursion entworfen wird, gewissermassen als Ergänzung zu der eben
besprochenen Arbeit Tristram’s zu betrachten.
E. Cavendish Taylor: „Ornithological Reminis-
cences of Egypt.“ Ibis I. p. 41.
Der Berichterstatter bereiste das Nilthal zwischen Alexandrien
und dem ersten Cataract während der Monate November, December
und Januar. Es wurden 87 Vögelarten beobachtet, unter diesen ein-
zelne seltnere Arten, als Vanellus leucurus, Bubo ascalaphus, Elanus
melanopterus, Erythrospiza gilhaginea, Rhynchaea u. s. w.
„List of Birds observed and colleected during a voyage
in the Red Sea. By Dr. Th. v. Heuglin. Edited and
translated by Dr. G. Hartlaub.“
Behandelt 130 Arten, über deren Vorkommen und Lebensweise
der rühmlichst bekannte Reisende auf den Küstengebieten von Abys-
sinien, der Danakilgegend und des Somalilandes Beobachtungen an-
zustellen vermochte. Es befinden sich darunter verschiedene neue,
so z. B. eine schöne Ötisart, welche wir ihrem Entdecker zu Ehren
benannt haben. Herr v. Heuglin ist auf seinen verschiedenen
Reisen in Afrika unablässig und höchst erfolgreich bemüht gewesen.
die Ornithologie jener Länder zu fördern. Wir hoffen, dass der
der Vögel während des Jahres 1859. 31
„Ibis“ wenigstens einen Theil der schönen Originalabbildungen ver-
öffentlichen wird, welche zu diesem Zwecke dem Herausgeber des-
selben eingehändigt worden sind. Wenigstens haben wir es an för-
dernden Bemühungen in dieser Richtung nicht fehlen lassen.
E. V.Harcourt’s Buch: „Sporting in Algeria“ giebt
am Schlusse ein Verzeichniss der Vögel Algerien’s.
J. Cassin: „Catalogue of Birds collected on the Ri-
vers Camma (Fernando Paz), Ogobai, Rembo and Ovenga
by P. B. du Chaillu, with notes and descriptions of new
species.“ Proceed. Acad. N. Sc. of Philad. 1859. p. 30.
Ungemein reichhaltig und wichtig, aber leider ohne die im
hohen Grade wünschenswerthe Zuthat biographischer Noten. Wir wol-
len bei dieser Gelegenheit bemerken, dass wir bis jetzt nur sehr we-
nige Exemplare aus den überreichen Sammlungen Du Chaillu’s
ihren Weg in die Museen Europas gefunden haben. Sämmtliche unica
blieben in Philadelphia. Möglich, dass das noch in diesem Jahre er-
scheinende Reisebuch Du Chailla’s auch eine oder die andere auf
die Ornithologie der von ihm bereisten Gebiete Westafrika’s bezüg-
liche Frage berühren wird. Näheres im speciellen Theile.
J. H. Gurney: „List of Birds from Ibadan, in We-
stern Africa.“ Ibis I. p. 152. Zehn bekannte Arten. Ibadan
liegt in 7° 4 N.B. und 4°10‘ O.L., etwa 50 engl. Meilen
landeinwärts von der Bucht von Benin. Angabe der Iris-
färbung.
J. H. Gurney „List of collection of Birds reccived
from the colony of Natal in South Eastern Africa.“ Ibis 1.
pP: 234.
Ein sehr erfreulicher Beitrag zu unserer Bekanntschaft aus der
Orithologie Natal’s. Der bei weitem grösseste Theil der 64 hier
aufgezählten Arten wurde von Mr. Thomas Ayres in D’Urban ge-
sammelt, und die beigefügten Bemerkungen über die Lebensweise der-
selben zeugen von entschiedenem Beobachtungstalent und von prak-
tischer Uebung. Mr. Gurney hat diese Mittheilung mit werthvollen
kritischen Noten ausgestattet.
In LadislausMagyars „Reisen in Südafrika,“ Bd.l.
wird die Ornithologie in der entsetzlichsten Weise ver-
stümmelt. i
Cathartes, Trochilus, Palamedea cormnuta (! !), Columba speciosa,
Psittacula passerina, Psittacus pulverulentus, Tanagra, Penelope leu-
coptera u. 5. w. Das Alles in den Wäldern Südalrika'’s! Wie nur
der Herausgeber, Herr J. Hunfalvy, solchen Unsinn drucken mochte!
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg- 2. Bd. F
82 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
C. Sundevall: „Kritisk framställning af fogelarterna
uti äldre ornitologisca arbeten.* Kongl: Vetensk. Acad.
Handl. Il. No.3. - Separatabdruck in 4. 608. Diese vor-
treffiche Arbeit eines der besten Zoologen unserer Zeit
behandelt : 1) Sparmann’s „Museum Carlsonianum“ und 2)
Levaillant’s „Oiseaux d’Afrique.*
Jede einzelne Abbildung des 284 Arten umfassenden Werkes
wird kritisch geprüft. Die Einleitung ist in schwedischer, der spe-
eielle Text glücklicher Weise in lateinischer Sprache geschrieben.
Das Ergebniss dieser kritischen Untersuchung ist ein überraschendes.
Von den 284 angeblich südafrikanischen Vögeln des Levaillant'schen
Werkes erweisen sich 134 als wirklich daselbst angetroffen; bei 9
Arten ist ihr Vorkommen in Südafrika nicht mit Sicherheit nachge-
wiesen; 10 Arten sind zweifelhaft und der Bestätigung bedürfüig ;
60 Arten sind entschieden von nichtsüdafrikanischem Vorkommen,
und 41 Arten werden von Levaillant selbst als von ihm nicht am
Cap erhalten bezeichnet. Diese sind mit sehr wenigen Ausnahmen
indischen oder amerikanischen Ursprungs. Dreizehn Arten endlich
sind erwiesener Maassen Kunstprodukte und von zehn anderen ist
Sundevall geneigt dies zu argwöhnen.
A. v. Pelzeln: „Einige Worte über die von Frau
Ida Pfeifer an das Kaiserl. zool. Museum in Wien ein-
gesandten Vögel von Madagascar.“ Naumannia Heft 6. Sehr
werthvolle Mittheilung. Die zoologische Sammlung in Wien
ist nächst Paris die reichste an Madagascarvögeln.
Man findet daselbst nicht weniger als 60 Arten, also jedenfalls
mehr, als in sämmtlichen Museen Europas und Amerikas zusammen
genommen. Wir haben uns bei einer grösseren Arbeit über die Or-
nithologie Madagascars der liberalsten Unterstützung von dieser Seite
her zu erfreuen gehabt, und fühlen uns Herrn v. Pelzeln zu auf-
richtigem Danke verpflichtet.
Amerika
„Reports of Exploralions and Surveys to ascertain the
most practicable and economical route for a railway from
the Missisippi to the Pacific Ocean. vol. X.“ Enthält: 1)
Zool. Portion of the reports by Lieutn. E. G. Beckwith.
Birds by J. F. Baird.
Mit Beschreibungen und Abbildungen von Buleo Swainsonii
(pl. 12, 13), B. calurus Cass. pl. 14, B. oxypterus Cass. pl. 15, Chor-
deiles Henryi C. pl. 17, Sialia arctica pl. 35, Eremophila cornula pl. 32.
der Vögel während des Jahres 1859. 85
2) Rep. Lieutn. Whipple: Birds by C. R. Kennerly.
Keine Beschreibungen, aber biographische Notizen.
Abbild.: Panyptila melanoleuca pl. 18. fig. 1, Chaetura Vauxi
ib. fig. 2, Trochilus Costae pl. 9, Corvus cacolotl pl. 20, Corvus cıy-
ptoleucus pl. 22, Carpodaceus Cassinii pl. 27. fig. 1, Melospiza fal-
lax B. ib. fig. 2, Pipilo mesoleucus B. pl. 29, Pipilo Alberti B. pl. 30,
Pyranga hepatica pl. 32, Polioptila plumbea B. pl. 33. fig. 1, Psaltri-
parus plumbeus fig 2, Sitta aculeata C. fig. 3, Sitta carolinensis ib.
fig. 4, Centurus uropygialis B. pl. 36, Grus fratereulus Cass. pl. 37.
3) Rep. Lieutn. Parke: Birds by A.L.Heermann.
Sehr guter Bericht. Beschreibungen und Lebensweise.
Abbild. von Hypotriorchis femoralis pl. 1, Passereulus alaudi-
nus pl, 4. fig. 1, Peucaea Cassinii ib. fig. 2, Actiturus naevius H.
4) Rep. Lieutn. Williamson. Birds by A. L. Heer-
mann.
Mit Abbild. von Buteo elegans pl. 2, 3, Myiarchus mexicanus
pl. 5, Strepsilas melanocephalus pl. 7, Podiceps californicus Heerm.
juv. pl. 8, Podilymbus lineatus H. pl. 9, Phalacrocorax penicillatus
pl. 10.
5) Rep. Leutn. Abbot. Birds by L. Newberry.
Abbild. von Pica Nuttalli pl. 26, Picus Williamsonii pl. 34. 1lg.1,
und Icteria longicauda ib. fig. 2.
„United States and Mexican Boundary Survey under
the order of Lieutn. Emory.“ Birds of the Boundary by
Spencer F. Baird. 338. in 4. Wie die eben namhaft ge-
machten Berichte wichtig. Handelt von 226 Arten. Meist
nur Namen und genaue Angabe des Fundortes. Häufig aber
auch biographische Bemerkungen von den Herren Ken-
nerly, Couch, Clerk. Alphabetischen Index und zahl-
reiche Abbildungen.
Der jüngere Audubon ist im Begriffe, das grosse
Vogelwerk seines Vaters neu herauszugeben. Format und
Ausstattung bleiben unverändert. Der Preis ist viel nie-
driger. Wir wünschen Erfolg, zweifeln aber.
A. Murray: „Contributions to the Natural History
of the ‚Hudsonsbay territories.“
Unter Tetrao obscurus sollen zwei Arten stecken. Eine an-
geblich neue Bernicla wird B. leucolaema genannt, Somateria V ni-
grum soll auf dem grossen Sklavensee vorkommen.
Cabanis’ Journal für Ornithologie bringt die Fort-
84 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
setzung von Prinz Max zu Neuwied Arbeit über die
von ihm in Nordamerika beobachteten Vögel.
„Catalogue of Birds collected in the vicinity of Fort
Tejon, California, with a description of a new species of
Syrnium, by John Xanthus de Vesey.“ Proceed Acad.
Philad. Juli 1859. Handelt von 144 Arten. Die Küsten-
fauna Californiens ist sehr verschieden von der der Colo-
radogegenden. Wir begegnen manchen mexikanischen Ar-
ten. Der höchste Punkt liegt nahe dem Tejonpass und er-
reicht 4250 Fuss.
„Notes on a collection of Birds made by Mr. J. Xan-
thus de Vesey at Cap St. Lukas, Lower California , by
Prof. Baird.< Proc. Ac. Nat. Sc. Philad. p. 299. Mit to-
pographischer Einleitung.
Die Fauna dieser interessanten Lokalität ähnelt sehr der des
Rio Gila und einigermaassen der des Rio Grande. Sie weicht ganz
ab von der Küstenfauna Ober - Californiens. Unter den 42 namhaft
gemachten Arten befinden sich verschiedene neue, nämlich: Picus
lucasanus, Harporhynchus cinereus, Campylorhynchus affinis, Cardi-
nalis igneus, Pipilo albigula, Brachyrhamphus hypoleucus. Als sehr
selten heben wir noch hervor Blasipus Heermanni und Paroides
flaviceps.
P. L. Sclater: „On a collection of Birds from Van-
couvers Island.* Proceed. Zool. Soc. 1859. Behandelt 35
Arten.
Wir nennen Sialia mexicana, Helmintophaga celata, Hirundo
thalassina, Cypselus borealis, Bonasia Sabini, Oreortyx piclus, Aphriza
virgata, Brachyrhamphus marmoratus, Larus Belcheri.
P.L. Sclater: „List of Birds collected by Mr. A.
Boucard in the state of Oaxaca in South West Mexico, with
descriptions of new species.“ Proc. Z. S. p. 369. In dieser
wichtigen Arbeit werden 236 Arten aufgezählt.
P. L. Sclater: „On a series of Birds collected in
the vieinity of Jalapa.* Proceed. Z. S. p. 362. Umfasst
226 Arten, welche in 850 Exemplaren von Herren Rafael
Montes de Oka gesammelt wurden.
De Saussure bezeichnet in Guerin’s „Revue zoolo-
gique“ aufS.126 die Farbe der Iris, so wie die der Füsse
ze
der Vögel während des Jahres 1859. 85
und des Schnabels im frischen Zustande bei 42 Arten von
Mexiko oder Haiti.
On the Ornithology of Central America“ by Phil. L.
Sclater and Osbert Salvin.“ IbisT. p.1, 117, 213.
Diese Arbeit gehört zu den besten unter den zahlreichen
Beiträgen, welche der Ornithologie Amerika’s durch ihren
eifrigen Förderer, P.L. Sclater, zu Theil geworden sind.
Sie beruht auf den Sammlungen Delattre’s, Dyson’s,
Leylands und Anderer, zunächst aber auf denen, welche
Mr. George Ure Skinner und Mr. Osbert Salvin
in Guatemala zusammenbrachten.
Eine grosse Anzahl werthvoller biographischer Noten haben
wir fast ausschliesslich letzterem zu verdanken. Centralamerika ist
als Fortsetzung von Mexiko zu betrachten, und lässt drei wohl zu
unterscheidende Faunen wahrnehmen, nämlich: 1) die atlantische Kü-
stenregion oder Tierra caliente (Meleagris ocellata, Cotinga amabilis).
2) Die Küstenregion am stillen Meere, ebenfalls eine Tierra caliente
und wie die vorige bis zu 4000 Fuss Höhe hinaufreichend; (Buteo
Ghiesbrechtii, Ara aracanga, Cyanocorax Beachii). 3) Das zwischen
diesen beiden liegende Tafelland Guatemala’s 4 bis 8000° hoch und
unterbrochen durch eine Kette mächtiger vulkanischer Pik's. Hier
ist es, wo man von Oktober bis zu Ende März Schaaren von nörd-
lichen Zugvögeln antrifft. Unter den dieser Region ausschliesslich
angehörenden Formen mögen hier nur Oreophasis derbyanus und
Pbaromaerus paradiseus genannt sein. Salvin’s und Sclater's
Arbeit kennt 352 Arten. Gerne und dankbar gedenken wir bei die-
ser Gelegenheit des Vergnügens, welches uns kürzlich in London
durch die Besichtigung der trefllichen musterhaft präparirten Samm-
lungen Salvin’s zu Theil geworden ist.
Th. J. Moore: „List ofMammals and Birds collected
by Mr. Jos. Leyland in Honduras, Belize and Guatemala.*
Proceed. Zool. Soc. Ebenfalls wichtig.
Es werden 125 Arten aufgezählt mit etwas spärlichen Bemer-
kungen über die Lebensweise einzelner. Hylomanes momotula, Gym-
nocichla nudiceps, Dendrocolaptes Lessoni, Ortyx nigrogularis etc.
P.L.Sclater: „List of Birds collected by Mr. Louis
Fraser at Cuenca, Gualaquiza and Zamora in Ihe repu-
blique of Ecuador.“ Proceed. Zool. Soc. p. 449. Behan-
delt 87 Arten, von welchen die um Cuenca, also in der
Höhe von 8200° gesammelten, sehr erheblich abweichen.
86 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Unter ilnen befinden sich verschiedene neue; die der tie-
fer gelegenen Gebiete sind meist weitverbreitete Arten des
oberen Amazones und St. Fe de Bogota’s.
P.L. Selater: „On the Birds collected by Mr. L.
Fraser in the vieinity of Riobamba, Ecuador. Proceed.
Zool. Soc. Es wurden auf diesem 10,000 Fuss hoch gele-
genen Gebiete 60 Arten gesammelt.
P. L. Sclater: „List of the first collection of Birds
made by Mr. L. Fraser at Pallatanga, Ecuador* with no-
tes and descriplions. Proceed. Zool. Soc. p. 135.
Das Gebiet, wo von Mitte August bis Mitte November gesam-
melt wurde ist Tierra caliente und begränzt durch den westlichen
Abhang der westlichen Cordillere Ecuadors. Sehr interessante Ar-
beit. Cephalopterus penduliger, Vireo Josephae, Nemosia ornata,
Andigena laminirostris, Aulacorhamphus erythropygius, Heliotrypha
viola, Dasithamnus unicolor etc.
M. Osburn: „Notes on the Mountain Birds of Ja-
maica“ in „Zoologist* p. 6709 und 6761.
Ausführlicher wird über die Schwalben und Segler jener Re-
gionen berichtet. Auch über Nesopsar nigerrimus.
Im „Zoologist“ finden wir auch einen Brief Osburn’s
an Gosse „On the Birds and Bats of Jamaica* p. 6587
und 6658.
Dass Gundlach noch immer thätig ist für die Orni-
thologie Cubas, geht aus einer interessanten brieflichen Mit-
theilung in Cabanis Journal hervor. Heft 4.
„Observations on Ihe Birds of St. Croix, West Indies,
made between Febr. 20. and Aug. 6. 1857 by Alfred
Newton, and between March 4. and Sept. 28. 1858 by
Edward Newton.“ Ibis I. p.59, 138, 252 und 365.
Eine gute Arbeit, welche unsere volle Aufmerksamkeit ver-
dient. Nach einer einleitenden sehr instructiven Schilderung der na-
türlichen Beschaffenheit St. Croix’s , seiner geologischen, meteorolo-
gischen/und botanischen Hauptzüge, geben uns die beiden Newton’s
die Summe ihrer Beobachtungen über 64 von ihnen auf der Insel an-
getroffene Vogelarten. Die Avilauna St. Croix’s war bisher völlig
unbekannt, ‚und ‚Vieles so anziehend von manchen seltneren Arten
Mitgetheilte hat zugleich den Reiz der Neuheit. Dies gilt z. B. von
Gymnoglaux nudipes, von Cichtherminia fuscata , von Eulampis chlo-
a
der Vögel während des Jahres 1859. 87
rolaemus. Man begegnet zahlreichen bekannten Arten von St. Thomas
und Jamaika. -
Dr. Henry Bryant: A List of Birds seen at the
Bahamas from Jan. 20. to Mai 14. 1859.* Brochüre von
32S. Gute Beobachtungen zumeist in der Umgebung von
Nassau auf New Providence angestellt.
Neben einer grossen Anzahl von bekannten nordamıerikanischen
Arten scheinen wirklich einige neue vorzukommen. Als solche wer-
den uns heschrieben : Crotophaga sp., Trochilus Evelinae, Empidonax
bahamensis, Hirundo eyanoviridis, Laniovireo crassirostris, Mimus ba-
hamensis (ein vortrefllicher Sänger) und Sula sp. Eine Fülle interes-
santer biographischer Bemerkungen zeichnet diese Arbeit vor Al-
lem aus.
E. v. Martens: „Uebersicht der Vögel der Bermudas
nach Wedderburne.* Caban. Journ. Heft 3.
„Notes on the Birds collected by the U. St. La Plata
und Paraguay Expedition under the command of Th. J. Page,
by John Cassin.“ In dem Werke „La Plata, the Argen-
tine confederation and Paraguay, by T. J. Page p. 599.“
Sehr kurzer und ungenügender Bericht über, wie es scheint,
reiche Sammlungen, welche schon in Hinblick auf die von der Expe-
dition berührten Lokalitäten, als z. B. Gran Chaco und Paraguay, so
wie gegenüber den älteren Forschungen Azara's einer besseren Bear-
beitung werth gewesen wären. Cassin vermulhet manches Neue.
Namhaft gemacht werden z. B. Anodorhynchus einereus, Pionus co-
rallinus, Picus melanogaster,, Crax Yarrellii, Cygnus nigricollis und
coseoroba, Spatula maculata, Querquedula torquata, Podiceps leucopte-
rus, über welchen eine biographische Notiz auf $.336. Wie gesagt,
überraschend dürftig!
J. Gould: „List of Birds from the Falcland Islands
with deseriplions of the eggs of some of the species, from
specimens collected prineipally by Capt. C.C. Ab bot.“ Proc.
Zool. Soc. 1859. p. 93. Ein willkommener Beitrag, welcher
über 38 Arten berichtet.
Der werthvollste Theil desselben ist der oologische. (Mega-
lestris anlaretica, Eudyptes papıa, Haematopus unicolor. Micropterus
einereus, Melanodera typica, Buteo erylhronotus etec.). Manches schon
bei Darwin. Die als Gavia roseiventris beschriebene angeblich
neue Möve konnten wir im ÖOriginalexemplare untersuchen. Sie ist
einfach Meyen’s Larus glaucodes.
88 Hartlaub: Bericht äb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Australien
Ein drittes Supplementheft von Gould’s „Birds of Au-
stralia* bringt die trefflichen Abbildungen von:
Malurus coronatus, Semioptera Wallacei, Psephotus chrysopte-
vygius, Nestor notahilis, N. Esslingii und N. hypopolius, Casuarius
Bennettii, Petroica cerviniventris, Chrysococcyx minutillus, Zosterops
albogularis, Z. tenuirostris, Spatula variegata, Chlamydera cerviniven-
tris, Merula poliocephala und Gelochelidon macrotarsa.
G. R. Gray: „Catalogue of the Mammalia and Birds
of New -Guinea in the collection of the British Museum.“
1 Vol. 8. Lond. 1859. Sehr zeitgemässe nützliche Zusam-
menstellung.
Von Scelater's Arbeit in den Proceedings der Linne’schen Ge-
sellschaft wird auffallender Weise keine Notiz genommen, Zahlreiche
Beschreibungen neuer Arten. Mitunter Irrthümliches, als z. B. Eury-
stomus gularis, als dessen Wohnort Westafrika längst nachgewiesen
ist. John Edward Gray bearbeitete die Säugethiere.
G. R. Gray: „List of Birds lately sent by M. Wal-
lace from Dorey, New-Guinea.* Proc. Zool. Soc. p. 153.
Behandelt 79 Arten und ist im hohen Grade der Beachtung
werth. Wir haben es uns wiederholt angelegen sein las-
sen, die ganze Wichtigkeit der Forschungen Wallace’s
in das rechte Licht zu stellen.
Unter den eingesandten Seltenheiten befindet sich endlich auch
wieder Henicopernis longicauda Less.! Ferner Baza stenozona Gr.,
und zahlreiche Novitäten aus anderen Familien. Wallace steht im
Begriffe, seinen Versuch das Innere von Neuguinea zu bereisen von
einem anderen Punkte aus zu wiederholen. Möge ihm das Glück so
hold bleiben als bisher!
G. R, Gray: „List of New-Caledonian Birds.“ Pro-
ceed. Zool. Soc. 1859. (Mit Einschluss der benachbarten
Loyalty-Islands, der Isle of Pines und der Insel Nu.) 46
Arten.
Verschiedene Forster'sche Arten wurden jetzt zuerst wieder
aufgefunden, so Turdus xanthopus auf der Insel Nu, Museicapa ca-
ledonica Forst., Muscicapa xanthetraea Forst., Muscicapa naevia F.,
Coracias pacifica (eine Aplonis-Art) auf Nu; Columba holosericea auf
der Isle of Pines u. s. w. Der interessanteste Vogel Neucaledeniens
ist jedenfalls der ganz kürzlich nach Paris gelangte Ibisartige Rhino-
chetos jubatus Verr.
der Vögel während des Jahres 1859. 89
G. R. Gray: „Catalogue of the Birds of the tropical
Islands of the Pacific Ocean in the collection of the British
Museum.“ 1. Vol. Von hervorragender Wichtigkeit. Voll-
ständige Synonymie und genaue Lokalitätsangabe. Begreift
sämmtliche Inselgruppen zwischen dem 134° O0. L. und
13° W. L. Neue Arten werden beschrieben. Am Schlusse
ein vortrefflicher Index.
Aceipitres.
Ueber die „Raubvögel des östlichen Atlas“ vergleiche
man O. Salvin Ibis 1. p. 184.
J. H. Gurney giebt ein Verzeichniss von 16 Raub-
vögelarten von Beyrout in Syrien. Ibis I. p. 389.
Unter diesen befindet sich Buteo tachardus und Aceipiter sphe-
nurus Rüpp.
Falconidae. .„Falconry, its claims, ‚history and praclice,
by G. E. Freeman and Capt. F.H. Salvin; with illustr.
from drawings by Wolf.* London 1859.
Neue Arten. Tinnunculus saturatus Blyth. Moulmein. — Hypo-
triorchis ferrugineus de Sauss. St. Domingo. Rev. zool. p. 117. pl.3.
— Elanus hypoleucus Gould Proc. p. 127. Celebes. — Accipiter ha-
plochrous Sel. Ibis I. pl. 8. Neucaledonien.
Abbild. Falco barbarus L. Ibis I. pl.6. p. 184. (F. puniceus
Lev.). — Urubitinga schistacea Sundey. Transact. Zool. Soc. pl. 58.
— Buteo zonocercus ib. pl. 59. — Buteo fuliginosus Sclat. ib, pl. 60.
Astur macrourus Temm. (Pel) wurde von Du Chaillu am
Ogobai erlegt.
Strigidae. Dr. J. J. Kaup: „Monograph of the Stri-
gidae.* Transact. Zool. Soc. p.201. Sehr verspälet er-
schienen und unvollständig.
Kaup beschreibt sämmtliche ihm bekannte Arten, die neuen
ausführlicher. Keine Synonymie. Glaueidium 8 Arten, Nyctale 3 A.,
Athene 9 A., Surnia 3 A., Jeraglaux 14 A., Scops 17 A., Otus 10 A.,
Bubo 14 A., Strix 11 A., Syrnium 16 A. Im Ganzen 105 Arten.
Neue Arten. Syrnium oceidentale de Vesey Proc. Ac. Philad.
p- 193. Fort Tejon in Californien. Steht $. nebulosum nahe, ist aber
kleiner. — Ciccaba nigrolineata Sel. Proceed. p. 131 und Transact.
Zool. Soc. pl. 63. Südmexiko,
90 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Abbild. Gymnoglaux nudipes (Dend.). Ibis I. pl. I. — Syrnium
albitarse Gray. Transact. Zool. Soc. pl. 60. — Scops usta Sel. ib. pl. 31.
— Scotopelia Peli Bp. Ibis pl.15. p.445. Die schöne Abbildung
wurde nach einem lebenden Exemplare aus der Barragegend am Gam-
bia angefertigt. Du Chaillu erlegte diese ausserordentliche Form
am Cammallusse.
v. Preen: „Ueber die Brehm’schen Schleierkäuze.“ Naum.
p. 409. Zieht (vielleicht mit grossem Rechte) Alles in eine Art zu-
sammen.
Passeres.
l. Fissirostres.
Gaprimulgidae. Neu: Chordeiles texensis Lawr. U. St. Mexic.
Bound. Surv. Birds pl. 6. — Otothriz Hodgsoni G. R. Gray Proceed.
p- 101. Nepal. (Ann. and Mag. p.465.) — Aegotheles Wallacei Gr.
Proceed. p. 154. Neuguinea.
Cypselidao. Neu: Acanthylis semicollaris de Sauss. Rev. p. 118.
Mexiko. — Dendrochelidon Wallacei G. R. Gray Proc. Zool. Soc.
p- 100. Celebes.
Ueber die Lebensweise von Panyptila melanoleuca Baird vergl.
0.Salvin Ibis I. p. 125.
Hirundinidae. Neu sind: Cotyle fulvipennis Sclat, Proceed. p. 364.
Xalapa. — Hirundo cyanoviridis Bryant Bah. Birds p. 10. Gute zwi-
schen H. thalassina und I. euchrysea inmitten stehende Art,
Meropidae. Neu ist Merops Breweri Cass. Proc. Acad. N. Soc,
Philad. p-14. Vom Ogobaifluss. Eine der zahlreichen Entdeckungen
Du Chaillu's. Typus unserer Gattung Archimerops.
Trogonidao. Abbild. Trogon mezicanus Sw. in U. St. Mexic.
Bound Surv. Birds pl. 11.
Ueber Pharomachrus paradiseus vergl. O.Salvin Ibisi. p. 132.
Alcedinidae. Neue Art: Tanysiptera galathea G. R. Gray Pro-
ceed. Z. S. p. 154. Dorey auf Neuguinea. Wallace (= T. Nargare-
thae F. Heine), unterscheidet sich in der Schwanzform von T. dea.
— Halcyon leucopygia Verr. Beschr. in Gray Birds Tropic, Isl. p. 7.
Salomoninseln.
Abbild. Ceryle americana in U. St. Mexic. Bound. Surv. Birds
pl. 7 ad. und juv.
Eine hübsche Notiz über das Nisten von Alcedo ispida in Eng-
land gab J. Gould Proceed. Zool. Soc.
Momotidae. Ahbild. Prionites caeruliceps in U. St. Mex. Bound.
Surv. Birds pl. 8.
der Vögel während des Jahres 1859. 91
ll. Tenuirostres.
Promeropidae. Neu: Coereba carneipes Scl. Proceed. p. 376.
von Oaxaca. — Conirostrum Fraseri Sclat. ib. von Cuenca. — (oe-
reba lucida Sel. Ib. I. p. 14. Duenas.
Trochilidae. Neue Arten sollen sein: Amazilia ocai Gould Ann.
and Mag. p.96. Xalapa. — Calothoraz pulchra Gould ib. Oaxaca. —
Cyanomyia violiceps G. ib. Oaxaca. — Cyanomyia sordida G. ib.
Oaxaca.
Von Gould’s Prachtwerk erschienen part. 16 und 17.
Bis jeizt wurden 270 Arten abgebildet. Der Schluss die-
ser grossarligen monographischen Arbeit steht bevor.
Abbild. Selasphorus platycereus in U. St. Mex. Bound, Surv.
Birds pl. 5. — Trochilus Alexandri ib.
Ueber die Lebensweise von Cyanomyia cyanocephala, Thauma-
stura enicura, Amazilia corallirostris, Trochilus colubris in Guatemala
vergleiche O0. Salvin Ibis I. p. 127.
Ueber Eulampis chlorolaema und Orthorhynchus ezilis auf St.
Croix vergl. A. Newton Ibis]. p. 138.
H. Bryaut's Trochilus bahamensis ist = Evelinae.
Interessante biographische Notizen über einige Trochiliden
Ecuador’s geben Dr. W. Jameson und L. Fraser Ibis I. p. 399:
Oreotrochilus chimborazo und pichincha,, Lesbia amaryllis, Patagona
gigas, Adelomyia melanogenys, Coeligena Wilsoni , Eugenia inpera-
trix, Aglaeactis cupreipennis und Heliantha lutetiae.
Meliphagidae. Neu sind: Entomophila spilodera G. R. Gray
Proceed. p. 155. Dorey. — Glyciphila modesta Gray Ib. p. 160. Neu-
caledonien. — Gl. poliotis Gr. ib. Loyalty-Islands.
Certhiadae. (Furnarinae). Neu: Cinclodes bifasciatus Sel. Proc.
2. 8. p. 448. Bolivien. — (Synallaxinae): Synallaxis propinqua v.
Pelzeln Sitz.-Ber. Kais. Ac. Wissensch. Bd. 34. p. 99. Brasilien. — 8.
alopecias Id. ib. — S. hyposticta Id. ib. p.6. — Anabates concolor
Natt. Id. ib. — A. dendrocolaptoides Temm. ib. — A. erythrocercus
v. Pelz. ib. Brasilien. Cajenne. — 4A. echinatus T. ib. — A. infusca-
tus T. ib. — A. dimidiatus Pelz. Brasilien, — A. rufopileatus Id. ib.
— 4A. turdinus Natt. ib. — A. obscurus v. Pelz. ib. Cajenne. — Sy-
nallaris antisiensis Sel. Cuenca. — Anabates subalaris Sclat. Pro-
ceed. p. 141. Ecuador. — A. temporalis Sel. ib. p. 141. Ecuador. —
Synallazis pudica Sel. Proceed. p.191. Neugranada. — 8. stictotho-
raz Sel. ib. p. 191. Ecuador. — S. scutata Scl. ib. Brasilien.
(Dendrocolaptinaec). Neu sind: Xiphocolaptes emigrans
Scl. Ibis I. p. 118. Centralamerika. — Dendrocincla anabatina Sel.
92 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Proceed. p.54. p!.150. — Dendrornis erythropygia Scelat. Proceed.
p- 366. Xalapa. — Dendromanes anabatinus Sel. Proc. p. 382. Oaxaca.
— D. homochrous Sel. ibid. — Xenops niger Natt. v. Pelz. Sitz,-Ber.
Acad. d. Wissensch. Bd. 34. Brasilien. — X. tenuirostris v. Pelz. ib.
— X. approzimans v. Pelz. ibid.
In der hier mehrfach erwähnten Arbeit A. v. Pelzeln über
neue Arten der Gattungen Anabates, Synmallaxis und Xenops werden
zugleich zahlreiche biographische handschr. Notizen Joh. Natte-
rer’s mitgetheilt.
(Menurinae). Neu: Campylorhynchus jocosus Sel. Proceed.
p. 371. Oaxaca. — C. affinis Xanth. Proc. Ac. Philad. p. 299. Südca-
lifornien. — Thryothorus felix Sel. ib. Oaxaca. — Cyphorhinus pu-
sillus Sel. ib. p. 373. — Troglodytes solstitialis Scl. Proc. p. 550.
Ecuador, s
(Sittinae). Abbild. Nest und Eier von Sittella chrysoptera.
Proceed. p. 351.
II. Dentirostres.
Lusciniadae. Neu ist: Parmoptila Woodhousei Cass. Proc. Ac.
Philad. p. 40. Cammafluss. — Drymoica striaticeps Tristr. Ibis I. p.58.
Alger. Sahara. — Sylvia deserticola Tr. ib. — Lusciniopsis japonica
Cass. Proc. Ac. Philad. 58. p. 194. Hacodadi. — L. Hendersonii Cass.
ib. p.193. Japan. — Abrornis superciliaris Blyth. Moulmain. — Eu-
prinodes schistaceus Cass. Proc. Ac. Phil. 59. p. 38. Cammall. West-
afrika. — Camaroptera caniceps Cass. ib. — Sylvietta virens Cass.
ib. p. 38. Cammafluss. — Macrosphenus flavicans Cass. ib. p.43. Cam-
mafluss. — Enicurus nigrifrons Hodgs. Proceed. p.102. Nepal. —
Acanthiza flavolateralis Gray Proceed. p.161. Insel Nu. — Sylvia de-
licatula Hartl. Ibis I. p. 340. pl. 10. fig. 1. Somaliland. Von Heuglin
entdeckt. — Zosterops melanops Gray Catal. Birds Isl. Pacif. p. 15.
Loyalty-Islands. — Z. zanthochroa Gr. Proceed. p. 161. Insel Nu. —
Z. griseonota Gr. ib. Insel Nu. — Petroica hypoleuca Gr. Proc. p. 155.
Dorey. — P. similis Gr. ib. Neue Hebriden. — Sazicola philothamna
Tristr. 1. ec. p.9. (= 8. ruficeps Buvry.). — S. halophila Tr. ib. —
S. homochroa Tr. ib. Tunesische Sahara. — Hylophilus ochraceiceps
Sel. Proc. p. 375. Oaxaca. — Geothlypis speciosa Sel. Proc. Mexiko.
Abbild. Lophophanes Wollweberi Un. St. Mex. Bound. Surv.
Birds pl. 15. — Paroides flaviceps Sundev. ib. — Psaltriparus mela-
notis Sandb. ib.
N. Tazkanowsky: „Ueber das Nisten von Parus pendulinus
im Königreich Polen.“ Rev. zool. p. 241.
©. 6. Löventjelm: „Ueber S. tithys“ in Öfvers. Kongl. Vet.
Handl. 1858.
der Vögel während des Jahres 1859. 93
Bar. König - Warthausen: „Zur Fortpflanzungsgeschichte
der Spottsänger (Hypolais).“ Bullet. Ac. N. de Mosc. 32. p. 238. Be-
handelt H. olivetorum, elaeica, salicaria, cinerascens $el., palliata und
polyglotta.
Turdidae. (Formicarinae). — Neu: Myrmeeiza ezsul Scl.
Ann. and Mag. p.151. Panama. — Dasithamnus olivaceus Scl. ib.
Bolivien. — Myrmelastes plumbeus Scl. Ann. p. 239. Rio-Javari — M.
nigerrimus Sel. ib. — Dasithamnus unicolor Sel. Proc. p. 141. Ecua-
dor. — Formieivora caloptera Sel. ib. Ecuador. — Grallaria nuchalis
Scl. Proc. p. 441. Rio-Napo.
(Turdinae). — Neu: Pitta rufiventris F. Heine Cab. Journ.
p- 406. Ins. Batschian. Wallace. — Cinclus cashmeriensis Gould Pro-
ceed. p.494. — C. sordidus Gould ib. Beide von Cashmere. — Geo-
eichla erythronota Sel. IbisI. p.113. Macassar. — Catharus occiden-
talis Sel. Ann. Mag. p. 400. Oaxaca. — Harporhynchus cinereus Xanth.
l.c. Cap. St. Lucas. — Turdus leucauchen Scl. Proc. 58. p. 447. Gua-
temala. — T. pinicola Sel. ib. Mexikan. Hochland. — Mimus baha-
mensis Bryant |. c.
Abbild. Harporhynchus Lecontei Lawr. in U. St. Mex. Bound.
Sury. Birds pl. 12. — H. curwirostris ib. pl.13. — H. longirostris ib.
pl. 14.
P. L. Sclater: „A Synopsis of the Thrushes of the
new world“ in Proc. Zool. Soc. 1859. Giebt Beschreibun-
gen sämmtlicher Arten und ist von grosser Bedeutung.
Catharus 7 Arten, Turdus 39 A., Cichlherminia 1 A., Marga-
rops 3A., Galeoscoptes 3A., Melanoptila 1A., Melanotis 2A., Rham-
phoeinuelus 1 A., Cinclocerthia 2A., Harporhynchus 6 A., Oreoscoptes
1A., Mimus 20 A. Zum Schluss ein geographisch-zoologischer Con-
spectus sämmtlicher Arten.
Ueber Cichlherminia fuscata vergl. A. Newton Ibis. p.141.
St, Croix.
Ueber eine merkwürdige Anomalie im Ursprunge der Arteriae
carotid. bei Pitta cyanura: Dr. Bernstein in Natuurk. Tydskr. v.
Nederl. Indie. Vol. XIX. Batavia 1859.
R. F. Tomes: „Ueber ein Exemplar von Oreocincla aurea bei
Stratford am Avon erlegt.“ Ibis p.379. Ausführlich Sternum.
(Oriolinae). — Ferdinand Heine beschreibt ausführlich
Oriolus Broderipi Bp., Mimeta wiridissima Bp., M. Forsteni Bp. von
Ceram und als neu: M. viridifusca von Timor. Caban. Journ. p. 402.
(Trichophorinae). — Neu sind: Sibia melanoleuca Blyth
von Moulmein. Journ. As. Soc. Beng. — Pellorneum Tickelliae Bl. ib.
— Izulus striatus Bl. ib. Moulmein. — Turdinus guttatus Bl. ib. —
Trichophorus chloronotus Cass. Proc. Ac. Philad. p. 43. Cammalluss.
94 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Muscicapidae. Neue Arten: Microeca conspicillata G. B. Gray
Proceed. Z. S. p. 156. Dorey auf Neuguinea, — Myiagra perspicillata.
Id. ib. Insel Nu. — Myiagra viridinitens Gr. ib. Loyalty - Islands. —
Myiagra rufiventris Elliot Ibis 1. p. 393. Samoagruppe. — Myiagra
melanura Gray l. ec. p. 63. Erromanga. — M. modesta Gr, ib. Neu-
Irland.
Ueber Todopsis cyanocephala (Q. et Gaim.) vergl. G. R. Gray
Proceed. Z. S. p.156. Von Wallace auf Neuguinea gesammelt.
Megabias bicolor Elliot ist 5‘ von N. flammulatus. Ibis I. p.393.
Tyrannidae. Neue Arten: Vireolanius pulchellus Selat. Ibis. I.
p. 12. — Cyelorhis flavipectus Selat. Proceed. Trinidad. Venezuela.
Von Salvin aus Guatemala. — Vireo Josephae Scl. Proceed. p. 142.
pl. 154, — Laniivireo crassirostris Bryant Bahamas. — Pachyrham-
phus homochrous Sel. Proceed. p. 142. Ecuador. — Platypsaris affınis
Elliot Ibis p. 394. pl.13. Mexiko. — Tyrannulus chrysops Sel. Proc.
2. S. Gualaquiza, Zamora. Fraser. — Sayornis aquatica Sel. Ib.].
p- 119. Duennas. — Empidonax albigularis Sel. ib. p. 172. Duennas.
— E. bahamensis Bryant. Bahama’s. — E. brachytarsus Sel. Ibis p. 441.
Süd-Mexiko. — Elaenia griseogularis Selat. Proceed. Z. S. p. 554.
pl. 146. fig.1. Riobamba. — E. stictoptera Sel. ib. pl. 146. fig. 2. Ecua-
dor. — E. placens Scl. Ibis p. 123. pl.4. fig.3. Guatemala, Mexiko. —
S. vilissima Sel. ib. fig. 1. — Contopus mesoleucus Scl. Proceed. p. 43.
Guatemala. — C. sordidulus Sel. ib. Guatemala. — Mitrephorus phaeo-
cercus Sel. ib. p. 44. Guatemala. IbisI. p.442. pl, . fig.2. — Myio-
nectes assimilis Scl. ib. p.46. Süd-Mexiko, Guatemala. — Myiodyna-
stes nobilis Sel. ib. p.42. St. Martha. — Cyclorhnychus cinereiceps Sel.
Ibis. p. 443. Oaxaca. — Todirostrum schistaceiceps Sel. ib. p.444.
Oaxaca. — Pyrocephalus mezxicanus Sel. Proc. p.45. — Attila eitrimi-
ventris Sclat. Proceed. p.40. Ucayale. — Agriornis solitaria Sel. Proc.
Titiacun.
Abbild. Pachyrhamphus Aglujae U. St. Mex. Bound. Surv. Birds
pl.9. fig.1. — Bathmidurus major ib. fig.2. — Myiarchus Lawreneii
ib. fig. 3. — Tyrannus vociferus ib. pl. 10. — T. Couchii ib. pl.11
— T. melancholicus ib. fig. 2. — Empidonaz obscurus ib. fig.3. —
Camptostoma imberbe Ibis I. pl. 14.
„A List of the Tyrant Birds of Mexico with descriptions of
some new species“ by P. L. Sclater. Ibis p.436. Die Tyrannidae
zerfallen bei Selater sehr natürlich in die Subfamilien Attilinae,
Taeniopterinae, Tyranninae und Platyrhynchinae.
Ueber Tyrannus dominiceus vergl. A. Newton Ibis p. 146.
Taenioptera obscura von den Sandwichinseln wird von Scla-
ter zur Gattung Phaeornis erhoben.
P. L. Sclater: „Ueber die Gattung Attila.“ Proceed. p.40.
der Vögel während des Jahres 1859. 95
6 Arten. Neben Attila stellt Selater die Gattung Casiornis (Mus-
eicapa rubra Vieill.).
Ampelidae. Neue Arten: Cephalopterus penduliger Selat. Ibis
p- 114. pl. 3. Ecuador. (Fraser.) — Rupicola sanguinolenta Gould Pro-
ceed. p. 99. Ecuador. — Euchlornis frontalis Scl. Proc. 58. p. 446.
Bolivien. — Lipaugus unirufus Sel. Proceed. p. 385. Oaxaca. — Pa-
chycephala vitiensis Gray Catal. Birds Trop.-Isl. Pacif. p. 21. — Eio-
psaltria cucullata Gr. ib. p. 21. — E. variegata Gray Proceed. p. 162.
Insel Nu.
Abbild. Ei von Bombyeilla garrulus in Cab. Journ. 1859. t.1.
(Vergl. darüber Baldamus in Naum. p. 498.)
Gustay Radde sah Flüge von Bombyeilla garrulus am Amur.
„Notes sur les deux especes de Cephalopterus par M. O. Des-
murs.“ Rev. et Mag. p.193. Sclater sucht mit Recht die hier
ausgesprochene Ansicht zu widerlegen, dass C. glabricollis nur der
ganz alte ornatus sei. Ueber penduliger kein Zweifel möglich.
Laniadae. Fr. Moore zieht jetzt Lophoeilta galericulata, co-
ronala und ardesiaca als Z' Q und juv. in eine sehr weitverbreitete
Art zusammen.
Corvidae. Neue Arten: Corvus fuseicapillus G. R. Gray Proc.
p-157. Von Wallace auf Neuguinea gesammelt. Verschieden von
©. orru. — Corvus intermedius L. Adams Proceed. p.171. Zwischen
corone und monedula.
Ueber Gazzola typica Bp. vergl. Selater Ibis I. p.113. Wal-
lace fand diese Art auf Macassar.
Abbild. Cyanoeitta Woodhousei in U. St. Mex. Bound. Surv.
Birds pl. 21. — C. sordida ib. — C. ultramarina ib. pl. 22.
R. A. Jung: Descriptio plexuum abdominalium nervosorum in
Corvo cornice. Greifsw. 8. 288.
IV. Conirostres.
Sturnidae. Neu sind: Quiscalus Sumichrasti de Sauss. Rev. et
Mag. p. 119. Mexiko. — Aplonis atronitens G. R. Gay Proceed.
p. 164. Loyalty-Island. — Aplonis viridigrisea Gr. ib. — Nesopsar
nigerrimus Sel. Ibis I. p. 417. Jamaica. — Sturnopastor niger Bl. T.
As. S. of Beng. Andemanen? — Lamprocolius sycobius Pet. Hartl.
Cab. Journ. p.19. Mossambique. — L. abyssinieus Hartl. ibid. p. 21.
Abbild. Ieterus parisorum in U. St. Mex. Bound. Surv. Birds
pl. 19. — Quiscalus macrourus ib. pl. 20.
Referent veröffentlichte eine monographische Arbeit über die
„Glanzstaure (Lamprotornithinae)* in Cab. Journ. p.1. 368. Lampro-
tornis 5 Arten, Lamprocolius 15 A., Notauges 4 A., Pholidauges 1 A.,
96 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Fsilorhinus 1 A., Amydrus 5 A., Oligomydrus 1 A. und Onychognathus
2 Arten. (34 Arten, wovon 24 in der Bremer Sammlung.)
Fringillidae. (Ploceinae). — Neue Arten: Sycobius Cassi-
nii Elliot Ibis I. p.393. Gabon. — Sycobius nuchalis E. ib. — Hy-
phantornis cinctus Cass. Proc. As. Philad. p.133. Cammafl. Westafrika.
(Fringillinae). — Neue Arten: Phrygilus ocularis Scl. Pro-
ceed. Z. S. pl. 145. Cuenca. — Catamenia homochroa Sclat. Proc.
p. 552. Matos. — Fringilla Moreleti Pucher. Instit. Nr. 1310, Azoren,
und Rev. et Mag. p. 409. pl.16. Verwandt mit F. teydea. — Orizo-
borus funereus Scl. Proceed. p. 378. Vaxaca. — Spermophila corvina
Sel. ib. — Montifringilla Adamsi Moore Proceed. Z. S. pl. 156. p. 178.
Hesperiphona verpertina wurde im nördlichen Illinois erlegt.
Cass. Proc. A. Phil. 58. p. 191.
Pucheran |. ce. über die grössere Rasse des Dompfaffen (Pyrr-
hula coceinea).
Dr. €. Bolle: „Der Wüstentrompeter (Pyrıhula githaginea)*
in Naum. p.369. Zu den befähigtsten ornithologischen Capaecitäten
auf dem Felde anmuthiger und doch ächt wissenschaftlicher Darstel-
lung zählen wir den Verfasser dieser vortreflichen kleinen Mono-
graphie. Man liest und lernt mit wahrem Vergnügen. Vergl. dazu
Dr. A. Brehm in Cab. Journ. VII. p. 469.
Referent gab eine Notiz über die Gattung Erythrura. Pro-
ceed. Zool. Soc. 58. p.461. Es wurden 8 Arten aufgezählt.
Dr. J. Hofmann: „Zur Naturgeschichte von Fringilla seri-
nus“ in Naum. p. 337.
Dr. C. Bolle: „Ueber die Fortpflanzung einiger Amadinen in
der Gefangenschaft“ in Cab. Journ. Heft.
(Tanagrinae). — Neu: Euphonia cyanodorsalis Dubois Rev.
et Mag. p. 50. pl.2. Guatemala. — Buarremon castaneiceps Sel. Pro-
ceed. p. 441. Rio-Napo.
(Emberizinae). — €. G. Lövenhjelm über Plectrophanes
lapponica. Öfvers. Kongl. Vetens. Förhandl. 1858.
Emberiza aureola sieht man bei kalter Witterung schaarenweise
um Moulmein. Blyth.
(Alaudinae). — Neu: Alauda coelivox Swinhoe. Nordchina,
Formosa Zoologist p. 6723. — Certhilauda Salvini Trist. Ibis I. p. 57.
Alger. Sahara. — Galerida macrorhyncha Tr. ibid. Nördl. Alger. Sa-
hara. — G. arenicola Tr. ih. — Calandrella reboudia Loche ibid.
Ueber die Lerchen Algeriens vergleiche man Tristram im
Ibis I. p.421 bis 433.
Buceridae. Beiträge zu unserer Kenntniss der Nashornvögel
Sumatras giebt ein Herr v. Rosenberg in Act. Soc. scient. Ind.
der Vögel während des Jahres 1859. 97
Neerl. Vol. III. Er kennt 11 Arten. B. gracilis Temm. ist bekannt-
lich der junge corrugatus.
Scansores.
Psittacidae. Die wichtigste Arbeit, deren wir hier zu
gedenken haben, ist G. R. Gray’s ungemein fleissig zu-
sammengestelltes Buch : „List of the speeimens of Psittaci-
dae in the collection of the British Museum.“ 1108.
Umfasst sämmtliche Arten und giebt die Beschreibungen eini-
ger neuen. 313 Arten befinden sich im Britischen Museum. Auf den
synonymischen Theil ist viel Mühe verwendet. Pezoporinae 87 Arten,
Arinae 82A., Loriinae 69 A., Psittacinae 108 A., Cacatuinae 34 A. —
In der neuen Welt kennt man 151, in der alten 229 Arten.
Charles de Souance’s „Iconographie des Perro-
quet’s non figures dans les public de Levaillant et Bourj.
St. Hilaire“ ist mit dem 12ten Hefte abgebrochen und ge-
schlossen. Leider!
Neue Arten: Platycercus Cooki G. R. Gray l. c. Neuseeland.
Conurus roseifrons Gr. ib. p-42. Vom Amazonas. — Conurus holo-
ehlorus Scelat. Ann. and Mag. p. 224, Jalapa. — Conurus zantholaemus
Selat. ibid. Insel St. Thomas. — Lorius hypoinochrous Gray l.c. Loui-
siadearchipel. — Trichoglossus Mitchelii Gr. ib. p. 62. — Psittacus
Yukesii Gray ib. Timor. — Psittacula Sclateri Gr. ib. p. 86. Rio-Ja-
vari. — Charmosyna pulchella Gr. ib. Dorey auf Neuguinea. Wallace.
Wallace's briefliche Mittheilungen über die Papageien des
Papuaarchipels und der Molukken sind im hohen Grade interessant.
Er fand Eos fuscata Bl. auf Neuguinea. Lorius superbus Fraser
scheint nur auf der Insel Jobie, Eos cyanogenia nur auf den Mavors-
Inseln vorzukommen. (Ibis I. p.211.)
Palaeornis neglectus Blyth von Moulmein scheint doch schliess-
lich nur Alexandri zu sein. J. As. Soc. of Beng.
Pieidae. Vor uns liegt die erste Lieferung von A.
Malherbe’s längst erwartetem grossen monographischen
Kupferwerke über die Spechte: „Monographie des Picidees.“
1. Fol. max. Mit 5 Tafeln.
Enthaltend die Abbildungen von Megapicus imperialis 5‘ und Q
in Lebensgrösse, M. principalis sehr klein; pl.2: M. magellanicus
SZ Lebensgr. pl. 3: M. Boiei Lebensgr. und M. robustus ganz klein.
pl. 4: M. albirostris und pl.5: M. Grayi Malt. — Der Text zu die-
sem Werke entspricht im Allgemeinen den Erwartungen, welche mit
Recht an Malherbe gestellt werden konnten. Malherbe erstrebt
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. G
98 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
möglichste Vollständigkeit in jeder Hinsicht, Er kennt die Litteratur
wie Wenige, und ist immer bemüht strenge Critik zu üben, Das Ma-
terial, welches ihm zu Gebote stand, ist ungeheuer. Die Abbildun-
gen sind durchaus treu und das bleibt jedenfalls die Hauptsache. Ein-
zelne Arten lebensgross und andere nach sehr reducirtem Maass-
stabe abzubilden, erscheint mindestens sehr bedenklich. — Das ganze
Werk ist, wenn schon nützlich und verdienstlich, im hohen Grade
unschön.. Ein grosser Uebelstand bei einem modernen ormithologi-
schen Kupferwerke!
Neue Arten : Chloronerpes sanguinolentus Sel. Proceed. p. 61.
pl.151. Omoa. — Picus lucasanus Xanth. Proc. Acad, Philad. p. 298.
Cap St.Lucas in Californien. — Picus atratus Blyth J. As. Soc. Beng.
Vol. 18. p. 803. Moulmein.. — Picus andamensis Bl. ib. dem analis
nächst verwandt.
Cuculidae. Neue Arten: Chrysococcyr minutillus Gould Proc.
p- 128. Port Essington. — Cacomantis bronzinus G. R. Gray Proceed.
p- 164. Insel Nu. — Piaya thermophila Sclat. Proc. 370. Jalapa.
Ueber Brutgeschäft und Eier von Oxylophus glandarius vergl.
Tristram Ibis I. p.76. ce. fig. ov. Legt nie in fremde Nester, wenn
diese noch bewohnt sind. — W. Schlüter: „Zweifel am Nichtbrü-
ten des Oxylophus glandarius.“ Cab. Journ. Heft'3.
Vergl. Osbert Salvin: über Piaja erythropygia, Ibis p. 133.
Dieser Kukuk singt merkwürdiger Weise recht gut.
Ueber Crotophaga ani auf St. Croix vergl. E. Newton Ibis I.
p- 148. !
Ueber die Lebensweise von Scythrops schreibt sehr interessant
6. Bennett Proceed.Zool. Soc.1859 u. Ann. and Mag. N, H.' p. 514.
Fortpflanzungsweise ganz kukuksartig. Ein junger Nestvogel liess
sich in der Voliere durch Dacelo füttern.
G. Bennett: „Notes on Australian Cuckoos.“ Proceed, Z. S.
p- 220. Chrysococeyx lucidus legt in dasNest von Rhipidura albiscapa
und Cuculus inornatus in das von Malurus cyaneus.
Ueber „Monorchie bei Centropus affinis Horsf. und C.'medius
Müll; schreibt Dr. Bernstein Natuurl. Tydskr, van Nederl, Indie.
Vol. 21. c. fig.
Pf. Snell: „Zur Hypothese über die verschiedene Färbung und
langsame Entwickelung der Kukukseier.“ Cab. Journ. Heft 3.
Columbae,
Von Ch. Bonaparte: „Iconographie des Pigeons non
figures par Mad. Knip etc. sahen wir ein 11tes Heft.
Neue Arten: Columba unieincta Cass. Proc, As. Philad. p. 143.
der Vögel während des Jahres 1859. 99
Ogobaifluss., — Columba nigrirostris Scl. Proc. Z. S. p.391. Oaxaca.
— Carpophaga goliath Gray Proc. Z. S. p. 165. pl. 155. Isle of Pines.
Abbild. Col. flavirostris in U. St. Mex. Bound. Sury. Birds pl. 23.
Nach Wallace kommt Goura Victoriae auf Jobie-Island vor.
Eudes-Deslongehamp: „Ueber Serresius galeatus von
den Marquesas.“ Memoir. Soc. Linn. de Norm. Specieller über das
Skelett.
Fr. Moore: „Ueber Columba rupestris Pall. Centralasiens.“
Proceed. p. 400.
B. P. Brent: „The Pigeon-book etc.“ London 12. 110 Seiten.
Gallinae,
Neue Arten: Tinamus Boucardi Salle Proceed. Z. S. p. 391.
Oaxaca. — Tin. meserythrus Sclat. ib. Oaxaca. — Ortyz Leylandii
Moore Proc. Z. S. p.62. Honduras. — Odontophorus erythrops Gould
Proceed.p. 99. Ecuador. Fraser. — Excalfactoria minima Gould Proc.
p- 128. Celebes. Wallace. — Phoenicoperdiz chloropus Blyth J. As. S.
Beng. Moulmein.
Abbild. Ortyz texanus in U. St. Mex. Bound. Serv. Birds pl.24.
— Diardigallus fasciolatus Blyth von Borneo. Journ. As. $. Beng.
Vo1.27. (Ibis I. p.114.) — Phasidus niger Cass. in Journ. Acad. N.
Sc. of Philad. 1859. pl.3. — Numida plumifera Cass. ibid. pl. 2.
„On the Indian Pheasants bred in the Menagerie of the Zool.
Soe. by D. W. Mitchell.“ Proceed. Z. S. 58. p. 544. Behandelt
Gallophasis albocristatus, G. Horsfieldli, G. melanotus, Catreus Walli-
chii , Lophophorus impeyanus. Abgebildet sind die Jungen von G.
Horsfieldii und albocristatus auf pl.148 und die von Loph. impeya-
nus und Catreus Wallichii auf pl.149. Ebendaselbst die Eier.
Gute Notizen über die „Principal Game Birds of the Himalaja,“
nämlich über Tragopan melanocephalus, Lophophorus impeyanus, Pu-
crasia macrolopha, Catreus Wallichii, Galloph. albocristatus und Te-
traogallus Nigelli enthält das Sporting Magazine für Juli und Sep-
tember.
Barthelemy de laPommeraye: „Ueber die Fortpflanzung
und Zucht der Hocco’s,* Bullet. Soc. Imp. d’acclimat. Vol. V.
Ueber Tinamus major Gm, und Meleagris ocellata in Honduras
vergl. Moore Proceed. Z, S. p. 62, 63.
Syrrhaptes paradoxus wurde in Norfolk geschossen. Ibis 1. p. 471.
Leon-Bertrand: Du Faisan considere dans l’&tat de nature
et dans l’&tat de domestication etc. Paris. 328.
D. R. C. Tasoro: „De la cria de gallinas, palomas y pavos,
de su alimento et propagacion ete.“ Madrid. 148 S.
100 Hartlaub: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
C. Löffler: „Die in Deutschland vorkommenden verschiede-
nen Rassen des Haushuhns.“ Berlin. 122$. Mit color. Abb.
C. Löffler: „Versuch einer Classification sämmtlicher Hühner -
rassen.“ Berlin. 27 S.
C. Löffler: „Die Zucht der ausländischen Hühner in Deutsch-
land“ mit 27 color. Abbil. 122.
Struthiones.
Neue Arten: Dromaius irroratus Scl. Lebend in zoolog. Gar-
ten. Bartl. Proceed. p.205. — Casuarius uniappendiculatus Blyth J.
As. Soc. of Beng. Gute Art. — Casuarius bicarunculatus Scl. Lebend
in London. Gute Art.
Eine interessante Mittheilung über den afrikanischen, ‚Strauss
von Dr, Gosse im Bullet. Soc. Imp. d’acelimatis. Vol.IV. (1857).
Florent Prevost: „Ueber die Acclimatisation und Fortpflan-
zung des neuholländischen Casuar's.“ Ibid.
Von Casuarius Bennetti sind neue Exemplare in England an-
gelangt. Auch Eier, die wesentlich von gewöhnlichen. Casuareiern
abweichen.
G. Bennett: „Bemerkungen über den Mooruck (C. Bennettii).“
Proc. Zool. Soc. p. 39. Lebensweise in. der Gefangenschaft. Eier.
W. J. Broderip: „Additional evidence relative to the‘Dodo.*
Transact. Zool. Soc. IV. p.183. In. Abraham , Wolfgangh’s holländi-
scher Uebersetzung der Naturgeschichte des Plinius Secundus (Am-
sterdam 1662), findet sich auf pl.LIV ein hübsches kleines Bild des
Dodo uach Roland Savery.
H. 6. Strickland: „On some bones: of Birds allied to the
Dodo.“ Ibid. p. 187, mit pl. 55. Von Rodriguez.
„Notice. of an original Painting including a figure of the Dodo
in the collection of the duke of Northumberland.“ Ibid. Mit Copie
in Holzschnitt,, Sehr gute Zeichnung ‚von Jean Goimare und J..D,
de Heem,
Grallae.
Gruidae. Jules Verreaux über Grus carunculata. Bullet.
Soc. Imper. d’acclimat. Vol. III. (1856.)
J. Wolley: „Ueber das Brüten von Grus cinerea in Lappland.“
IbisT.,p-191. lm. hohen Grade anziehend geschrieben. Der talent-
volle. englische Naturforscher John Wolley ist in der Blüthe seines
Lebens gestorben. A. Newton hat dem Freunde einen schönen: von
Herzen kommenden Nachruf gewidmet, Ibis II. p. 172.
Ardeidae. Neue Arten: Tigrisoma Cabanisi F. Heine Cab. Journ.
der Vögel während des Jahres 1859. 101
p. 407. Mexiko. — Ardea albolineata G.R. Gray Proceed. Z. 5. p. 166.
Isle of Pines.
G. Bennett: „Ueber die Lebensweise von Mycteria australis.“
Proceed. Z. S. p. 47. Sehr interessant.
„Oologische Betrachtungen über Balaeniceps von 0. Des Murs.*
Rev. et Mag. p. 477. Beschreibung der Eier.
Scolopacidae. Sclater kennt ein Exemplar von Eurinorkyn-
chus ‚pygmaeus im Sommerkleide, „head neck and breast rufous.“
Stammt sehr wahrscheinlich von den nördlichen Küsten Asiens her.
Ibis 11.
Pfarrer Jäckel: „Ueber das Schnurren der Becassinen.“ Naum.
p- 490.
Ueber Phalaropus lobatus im Winterkleide bei Calcutta und über
Lobipes hyperboreus im Winterkleide bei Madras geschossen, vergl.
Blyth in litt, Ibis I. p. 464.
E. Blyth will den Macrorhamphus semipalmatus Indiens sogar
generisch von dem M,. griseus Nordamerikas unterscheiden. Er schlägt
für ihn die generische Benennung Pseudoscolopax vor.
Rallidae. Neue Aıt: Gallinula pumila Sel. Port Natal. Ibis
p- 249. pl.7. °
Ebendaselbst sehr instructiv über Podica Petersii nob. Diese
ausgezeichnete Art ist um Natal selten.
Blyth erhielt Podica personata von Moulmein. Beschreib. im
Journ. As. Soc. Beng. p. 29.
„Zur Oophagie der Rallen“ von Dr. €. Bolle.. Caban. Journ.
Heft 3.
Anseres.
Als neu wird beschrieben: Bernicla leucolaema A. Murray New
Edinb. Philos. Journ. April 1859.
J. Wolley: „Ueber das Brüten von Mergus albellus in Lapp-
land“ im Ibis I. p.71. Zu dem besten in diesem Genre gehörig.
A. Striekland: „On the British Wild Geese.“ Ann. and
Magaz. N.H. p.121. Wichtig, mit Abbildungen der Köpfe und Schnä-
bel. Es werden unterschieden: 1) A. albifrons, 2) A. ferus, Gould
p- 347, 3) A. segetum (Bean Goose mit kurzem starken hohen Schnabel
und 4) A. paludosus Str. Gould p. 348. Mit langem schwachen Schna-
bel. Die Schnabelfärbung variirt stark.
Laurence: „Ueber die Fortpflanzung und Zucht von Anas
galericulata.“ Bullet. Soc. Imper. d’acclimat. Vol. V.
Anas querquedula brütet bei Moulmein. Tickell in J. As. Soc.
of Beng. Vol, 29.
102 Hartlaub: Berichtüb. d. Leist. in d. Naturgesch. d. Vögel etc.
A. Newton: „Ueber Anas histrionica.“ Ibis I. p. 162.
Ueber ein Männchen von Anas penelope im Kleide des Weib-
chen’s schreibt Louis Roget Rev. et Mag. p. 145. c. fig. pl. 6.
Anas maxima Gosse wurde bei Jalapa erlegt. Sclat. Proceed.
Zool. Soc. p. 369.
A. Langman: „Zur Naturgeschichte des Mergus merganser“
in Giebel Naturg. Zeitschr. $.11.
G. Bennett: „On the semipalmated Goose.“ Proc. Z. $. p. 39.
Biographie.
P. L. Sclater hatte Gelegenheit an lebenden Exemplaren des
zoologischen Gartens in London die specifische Verschiedenheit der
östlichen und westlichen Plectropterus-Art zu erkennen. Er unterschei-
det die erstere unter dem Namen Pl. Rüppelli. Beide Arten abgebildet
auf pl. 153. Wir haben uns von der Richtigkeit dieser Beobachtung
an Ort und Stelle überzeugt. Clapperton’s Exemplar aus Centralafrika
im brittischen Museum gehört eben dieser Art an.
Colymbidae. Neu scheint zu sein: Colymbus Adamsi G. R.Gray
in Proceed. Z. S. p.167. Russisches Amerika. Gurney und Scla-
ter möchten den Vogel für ein ungewöhnlich altes Exemplar von C.
glacialis halten. Proceed. p. 206.
Procellaridae. Neue Art: Thalassidroma gracilis Elliot. Ibis 1.
p- 591. Chili.
Ueber Puffinus obscurus, dessen Fortpflanzung und Fang auf den
Inseln der Bassstrasse. Ibis]. p. 397.
Pelecanidae. Als neu wird beschrieben: Graculus elegans Phi-
lippi in diesem Arch. p. 305. Chiloe. (Scheint uns nur cirrhatus zu sein.)
G. C. Taylor: „Ueber eine Brutlokalität der Fregatte.“ Ibis.
p-150. (Bird Island in der Bucht von Fonseka, Honduras.)
Laridae. Gavia roseiventris Gould ist Meyen’s L, glaucodes
Falklandinseln.
Ueber die Möven der „Zoographia Rosso-Asiatica* schreibt
Blasius Naumannia p. 303.
Catarrhactes pomarinus wurde bei Moulmein erlegt nach Ti-
ckell. Ibis I, p. 464.
Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen in der
Naturgeschichte der niederen Thiere während des
Jahres 1859.
Von
Dr. Rud. Leuckart,
Professor in Giessen.
Der unter dem Separattitel: essay on classification
erschienene und schon früher von uns (J. B. XXIII. S. 167)
angezeigte erste Band von Agassiz’s Contributions of
nat. hist. united states — der zweite und dritte ebenfalls
erschienene Band dieser kostbaren Sammlung handelt über
Schildkröten und deren Entwickelung — ist vom Verf. jetzt
auch als selbstständiges Werk (London 1859, in Octav)
herausgegeben und mit einem Capitel über die Analogieen
zwischen den natürlichen Gruppen der einzelnen Abthei-
lungen des Thierreichs vermehrt worden.
Gegenbaur veröffentlicht „Grundzüge der verglei-
chenden Anatomie“ (606 Seiten in gross Octav, mit 193 Ab-
bildungen in Holzschnitt, Leipzig 1859), ein vortreffliches
Werk, in dem Verf. den Versuch macht, den gesammten
Inhalt unserer heutigen Kenntniss über den Bau der Thiere
vom morphologischen Standpunkte aus zu ordnen und über-
sichtlich zusammenzustellen. In der Einleitung handelt Verf.
von den Thieren und der thierischen Organisation im All-
gemeinen; er setzt sodann seine Ansichten über die Typen
des Thierreichs aus einander (Protozoa, Coelenterata, Echi-
nodermata, Vermes, Arthropoda, Mollusca, Verlebrata) und
schildert einen jeden dieser Typen einzeln nach seinen
Organengruppen.
104 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
van Beneden liefert in der mit P. Gervais ge-
meinschaftlich herausgegebenen Zoologie medicale (11. Vol.
in Octav, 540 und 445 Seiten Paris 1859) eine Uebersicht
des gesammten Thierreichs mit besonderer Berücksichtigung
der den Mediciner interessirenden Thierformen, namentlich
der Eingeweidewürmer. Als obersten Abtheilungen begeg-
nen wir auch hier den schon im letzten Jahresberichte
erwähnten drei Kreisen, den Hypocotyleen oder Vertebra-
ten, den Epicotyleen oder Articulaten (Insecta L.) und den
Allocotyleen oder Mollusco-Radiaten (Vermes L.), dreien
Abtheilungen, die sich in gleicher Weise durch das La-
genverhältniss des Dotters zum Embryo, wie auch später-
hin durch gewisse anatomische Eigenthümlichkeiten von
einander unterscheiden sollen. Die Allocotyleen, die uns
hier besonders interessiren, werden dabei als Thiere cha-
rakterisirt: „dont la vitellus ne rentre ni par la face su-
perieure, ni par le face inferieure du corps, dont le sy-
stöme nerveux est la plus souvent forme du collier oeso-
phagien sans serie ganglionnaire en forme de chaine sous-
intestinale, qui n’ont pas des pattes arliculees et sont ge-
neralement cilies pendant leur etat embryonnaire (Vol. 1.
p-Xl). In dem Kreise dieser Thiere unterscheidet Verf.
5 Typen: die Mollusken, Würmer, Echinodermen, Polypen
(= Coelenteraten Lt.), Protozoen, die einzeln wiederum in
eine Anzahl von Classen zerfällt werden.
Von Bronn erhielten wir die ersten Lieferungen
eines grösseren iconographisch - zoologischen Werkes: die
Classen und Ordnungen des Thierreiches, wissenschaftlich
dargestellt in Wort.und Bild. (Leipzig und Heidelberg 1859.
Gross Oclav, Bd.1. 1428. mit 12 lilhographirten Tafeln,
die Amorphozoen = Protozoen enthaltend, Bd. Il., die Ra-
Jiaten betreffend, noch unvollendet). Eine fleissige und
gewandte Verarbeitung des vorhandenen Materials, die durch
Wiedergabe der wichtigsten neueren Forschungen und Re-
production der bessern, sonst meist in Monographien zer-
streuten Abbildungen gewiss dazu beitragen wird, den ge-
genwärtigen Inhalt unserer Wissenschaft in weiteren Krei-
sen bekannt zu machen. Der Detailforscher vermisst frei-
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 105
lich hier und da die Schärfe der Critik und die richtige
Beurtheilung widerstreitender Angaben.
Troschel publieirt die fünfte Auflage seines bekann-
ten Handbuchs der Zoologie, in der namentlich auch die
Systematik der niederen Thiere in zeitgemässer Weise ge-
ändert ist.
Ebenso beendigt Leunis mit der dritten, den niede-
ren Thieren gewidmeten Lieferung die Herausgabe seiner
„Synopsis der Naturgeschichte des Thierreiches* (II. Aufl.),
in der gleichfalls den neueren Entdeckungen gebührende
Rechnung getragen ist.
Schmarda beginnt die Beschreibung der von ihm
während einer vierjährigen Reise um die Erde (1853—1857),
besonders in Ceylan, Neu-Süd-Wales, am Cap und in Cen-
tralamerika beobachteten wirbellosen Thiere, deren Gesammt-
menge sich trotz vielfacher Verluste (30—40°/,) noch im-
mer auf mehrere Tausende beläuft. Der erste Band ent-
hält die Turbellarien, Rotatorien und Anneliden, im Ganzen
340 Species, die mit höchstens 10 Ausnahmen alle neu sind.
Bis jetzt ist nur die erste Hälfte dieses Bandes mit den
Turbellarien (98 Sp.) und Rotatorien (51 Sp.) erschienen;
kurze Diagnosen und Beschreibungen, die durch colorirte,
zum grossen Theile (besonders bei den Dendrocoelen) vor-
Ireffliche Abbildungen illustrirt sind. Für die Artenkennt-
niss ist das Schmarda’sche Werk von höchster Bedeu-
tung (in manchen Gruppen hebt sich die Zahl der bekann-
ten Species dadurch um 50°), z.B. bei den Dendrocoelen),
nicht minder auch für die Lehre von der geographischen
Verbreitung der Thiere — um so mehr aber bedauern wir
es, dass der Verf. durch die Flucht der Erlebnisse daran
gehindert wurde, unsere Wissenschaft auch in anderen
Richtungen, durch anatomische und embryologische Forschun-
gen, zu bereichern. (Neue wirbellose Thiere,, beobachtet
und gesammelt auf einer Reise um die Erde von L.
Schmarda. Erster Band , Turbellarien, Rotatorien und
Anneliden. Erste Hälfte, 65 S. in klein Folio, mit 15 illu-
minirten Kupfertafeln und Holzschnitten. Leipzig 1859.)
Interessant ist, aus den Untersuchungen des Verf. zu ersehen,
106 Leuckart: Berichtüber:.die Leistungen in der Naturgeschichte
dass die mikroskopische Süsswasserfauna einen viel gleichmässige-
ren Charakter behält, als man früher vermuthete. Stentoren , Hydren,
Daphniaden, Rotiferen, Rhabdocoelen fanden sich fast überall, wo
Verf. darnach suchte, in Neu-Seeland, wie in Chili — ja zum Theil
sind es sogar dieselben Arten, durch welche diese Thierformen dort
vertreten werden, so dass Verf. „auch in der weitesten Ferne an die
Fauna des Wiener Parkes oder Berliner Thiergartens errinnert wurde.“
Bei dieser Gelegenheit sei übrigens noch nachträglich
erwähnt, dass Schmarda schon vor einigen Jahren eine
Reihe von Mittheilungen über die niederen wasserbewoh-
nenden Thiere Aegyptens gemacht hat: zur Naturgeschichte
Aegyptens in den Denkschriften der K. K. Akad. zu Wien
1854. I. S. 1—28 mit 7 Tafeln in Quart.
Mettenheimer’s „Beobachtungen über niedere See-
thiere“ (Abhandl. der Senkenberg’schen naturf. Gesellschaft
Bd. III. S. 283”—312 mit 3 Tafeln Abbildungen in Quart)
beziehen sich vorzugsweise auf Würmer, Seesterne, Qual-
len und Infusorien, und werden unten noch mehrfach von
uns angezogen werden.
Grube liefert einen vorläufigen Bericht über die
Fauna des Quarnero, mit besonderer Berücksichtigung der
wirbellosen Thiere, 37. Jahresber. der schlesischen Gesell-
schaft für vaterl. Cult. S. 19.
Wright und Greene handeln über die marine Fauna
der Süd- Westküste Irlands , besonders die dort vorkom-
menden Echinodermen und Polypen. Rep. br. assoc. held
1858. p. 176. Wie reich die dortige Fauna ist, geht auch
aus der schon vor einigen Jahren von W. Thompson
herausgegebenen Nat. hist. of Ireland hervor, deren vierter
Band (1856) 95 Anneliden, 55 Echinodermen, 31 Akalephen,
71 Anthozoen, 96 Bryozoen, 30 Foraminiferen und 34 Po-
riferen aufführt.
Auch Gosse’s marine Zoologie (Vol.I. London 1858)
enthält eine Aufzählung der bisher um Englands Küsten
beobachteten wirbellosen Seethiere, mit Charakteristik der
einzelnen Geschlechter, Familien, Ordnungen und Klassen.
Jedes Genus ist durch eine vom Verf. nach der Natur ‚ge-
zeichnete Abbildung. illustrirt.
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 107
Nach Ed. Jardin’s Angaben über die Küstenfauna
der Marquesasinseln sollen daselbst wenige Anneliden, aber
zahlreiche Echinodermen und Polypen vorkommen. Mem.
Soc. imper. des sc. de Cherbourg T. VI. p. 180 u. 198. .
van Beneden bespricht in einer vor der Belgischen
Akademie gehaltenen Rede die Erscheinungen der Fort-
pflanzung bei den niederen Thieren mit besonderer Rück-
sicht auf die neueren Entdeckungen über Parthenogenese,
Generationswechsel, Polymorphismus. De l’homme et de
la perpetuation des especes. Bruxell. 1859. 48 Pages.
(Bullet. Acad. roy. de Belg. 1858. Dec., l’Instit. 1859. No.
1320—1324.)
Auch die neue (dritte) Auflage von Carpenter’s
„animal physiologie“* (London 1859) widmet der Fortpflan-
zung der Thiere besondere Aufmerksamkeit.
Wir haben schon im letzten Jahresberichte (S. 225)
des Streites Erwähnung gethan, der in der Pariser Akade-
mie durchPouchet’s Untersuchungen und Schlussfolgerun-
gen über die Generalio aequivoca entstanden ist und schon
damals erwähnt, dass derselbe noch keineswegs geschlich-
tet sei. Die diesjährigen Bände des Instituts und der Com-
ptes rendus (T.48 u. 49) liefern dazu die litterarischen
Belege. Wir finden in ihnen nicht bloss die schon damals
(nach einer Mittheilung aus den Ann. sc. nat.) angezoge-
nen Entgegnungen von Milne Edwards und anderen
Akademiemitgliedern (T. 48. p. 23—36), so wie die von La-
caze-Duthiers (ibid. p. 118—120), auch nicht bloss die
Replik von Pouchet (ibid. p. 148-158), wir hören in
denselben auch neue Stimmen für und wider sich erheben.
So werden (ibid. p. 262) von Flourens Experimente von
Mantegazza mitgetheilt, die mit den Pouchet’schen über-
einstimmen, während andererseits (ibid. p. 334) Gaultier
de Claubry die Beweiskraft dieser Experimente mit einem
Hinblick auf die dabei möglichen Fehlerquellen in Abrede
stellt.
Um den verschiedenen Einwürfen gegen seine Expe-
rimente zu begegnen, dehnte Pouchet seine Untersuchun-
gen auch auf die in der Luft vorhandenen organischen
108 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Körper (Cpt. rend. T. 47.'p. 546), so wie die eingetrock-
neten und nach Doy&res wiederholten (Cpt. rend. T. 49,
p: 992) Angaben durch Wasserzusatz wieder zum Leben
erweckbaren Geschöpfe aus (Cpt. rend, T.49. p.492 und
886, so wie eine eigene vom Ref. nicht gelesene Brochüre,
rech. et exper. sur les anim. ressuscitants faites au mus.
d’hist. nat. de Rouen 1859). Die Resultate der Untersuchun-
gen waren nach beiden Richtungen nur negativer Art. Der
atmosphärische Staub sollte so gut wie keine lebendigen
Keime enthalten, wohl aber zahlreiche Amylumkörperchen,
die, wie Verf. annimmt, von anderen Forschern für einge-
kapselte Infusorien u. s. w. gehalten wären, und ein Wie-
deraufleben ausgetrockneter thierischer Organismen soll
ebenso wenig stattfinden, wie ein Organismus jemals im
Stande sei, eine Temperatur von 100° ungefährdet zu er-
tragen.
Aber beiderlei Behauptungen fanden alsbald auf di-
rektem sowohl, wie auf indirektem Wege ihre Wider-
legüng. Unter den hier in Betracht kommenden Arbei-
ten erwähnen wir zunächst Ehrenberg’s Untersuchun-
gen über das mikroskopische Leben des Moniblanc-Gipfels
(Monatsber. der Berl. Akad. 1859. 8.775 ff.), die in voller
Uebereinstimmung mit anderen früheren Untersuchungen
desselben Verfassers — diePouchet freilich nicht zu ken-
nen scheint — es ausser Zweifel stellen, dass in einer
Höhe von 10,000‘ und darüber Organismen existiren , die
nur mit dem Winde und Luftzuge dorthin gelangt sein
können, und zwar Organismen, die zum Theil nach mona-
telangem Ruhezustande alsbald durch Wasserzusatz wieder
zum Leben zurückkehren. Eine vielleicht noch bestiimm-
tere Widerlegung fand die erste Angabe Pouchet’s durch
H. Hoffmann (Bot. Zeitung 1859. No. 5 u. 6) und Pa-
steur (Ann. des sc. nat. 1859. T. XII. p. 85), welche die
Erscheinungen der Gährung zum Gegenstande der Unier-
suchung machten und den Nachweis lieferten, dass diese nur
nach einer Zufuhr von Pilzsporen eintrete, von Gebilden,
die in der Luft, auf der Oberfläche von Früchten u. s. w.
sehr allgemein verbreitet seien.
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 109
Andererseits unterzog Gavarret die absprechenden
Angaben Pouchet’s in Betreff der Resistenzkraft gewisser
niederer Thiere gegen Trockniss und Hitze einer experimen-
tellen Prüfung (quelques exper. sur les rotiferes, les tar-
digrades et les anguillules, Annal. des sc. nat. 1859. T. XI.
p- 315), und auch hier fiel das Resultat gegen unseren For-
scher aus. Nicht bloss, dass jene Geschöpfe eine monate-
lange vollständige Austrocknung (unter der Luftpumpe)
überstanden und schon wenige Stunden nach der Anfeuch-
tung wieder zum vollen Leben erwachten , sie ertrugen
in diesem Zustande auch Temperaturgrade von 100—110°,
während sie im Wasser schon bei 50 und 51°, im Wasser-
dampfe bei 80—82° zu Grunde gingen. Wie lange Zeit
die Thiere jener hohen Temperatur ungefährdet ausgesetzt
sein können, hat Verf. nicht untersucht; in den oben er-
wähnten Experimenten betrug die Zeitdauer 2 Minuten.
Der Streit, den wir hier berührten, hat natürlich in
den weitesten Kreisen Aufmerksamkeit und Interesse er-
regt. Wir begnügen uns in dieser Hinsicht auf Flourens,
zur Frage der Generatio aequivoca (Gazette hebdom. VI.
5) und Martin Lanzer, die. Lehre der Generatio aequivoca
vor, der Akademie der Wissenschaften (Rev. de Ther. med.-
ehir. 1859. 4.) hinzuweisen.
Auch Pouchet selbst hat seine Ansichten und Un-
tersuchungen für das grössere Publikum in einem eigenen
Werke zusammengestellt: heterogenie, ou traite de la ge-
neration sponlande base sur des nouvelles exp«riences, Pa-
ris 1859. ÄXVI. und 672 pag. mit 3 Tafeln.
Bei Gelegenheit dieses Streites wollen wir übrigens
weiter noch einer merkwürdigen Beobachtung von Clark
gedenken (Silliman’s Journ. 1858. p. 107 u. 154), die den
Anhängern der Pouchet’schen Lehre gewiss höchst will-
kommen sein wird,.der Beobachtung nämlich, dass die Fi-
brillen faulender Sagittamuskeln sich in vibrionenartige
Körperchen verwandelt, und die von der Rüsselfläche einer
Aurelia losgelösten Zellen sich ganz nach Monadenart bewegt
und durch Theilung vermehrt hätten. Als Gewährsmann
für die erstere Behauptung wird Agassiz angeführt, und
110 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
in der That kann man nicht selten auch bei höheren Thie-
ren in. den Sarcolemmaschläuchen dasselbe Phänomen beob-
achten. Die Muskelfasern der Kaninchen enthalten (im
Sommer) mitunter schon 24 Stunden nach dem Tode statt
der Fleischsubstanz Milliarden beweglicher „Vibrionen“,
deren: Identität mit den: Primitivfibrillen unmöglich geläug-
net werden kann. Ref. sieht darin freilich keine Umwand-
lung der zerfallenden Fibrillen in selbstständige Geschöpfe,
sondern blosse, mit der Zersetzung zugleich auftretende
Bewegungsphänomene organischer Elemente, die sich in
gewisser Beziehung den bekannten amöbenarligen Bewe-
gungen isolirter thierischer Zellen vergleichen lassen.
Zum Schlusse erwähnen wir hier noch der interessan-
ten Entdeckung von W edl (Sitzungsber. der Wiener Akad.
Bd. XXXIl. S.451) und Kölliker (Zeitschrift für wiss.
Zool. X. S.215, im Auszuge Sitzungsber. der phys.-med.
Gesellsch. in Würzburg 1859, S. XXVIIl), dass die in den
Hautgebilden niederer und höherer Wasserthiere so häufig
vorkommenden und früher schon oftmals beobachteten, ver-
ästelten feinen Röhren von vegetabilischen Parasiten her-
rühren, die meist wohl auf chemische Weise-(durch Auf-
lösung der Kalksalze vor den keimenden Spitzen) eindrin-
gen und sich in denselben verbreiten. Wed] hält diesen
Parasit' für ‚ eine mehrzellige Alge, Kölliker für einen
einzelligen Pilz — vielleicht, dass je nach Umständen und
Arten hier die verschiedensten Schmarotzer gedeihen kön-
nen. Kölliker stützt‘ seine Deutung besonders auf die
Beobachtung der bei Hornschwämmen in den Fasern vor-
kommenden Parasiten, an denen er deutliche Sporangien
aufgefunden haben will; bei anderen Hornschwämmen kom-
men hier aber, wie wir später sehen werden, Schmarotzer
vor, dievonBraun und Pringsheim als eine hoch ent-
wickelte Alge aus der Gruppe der Florideen erkannt wurden.
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 111
n ll Vermes
Wie wenig es bisher hat gelingen wollen, eine Eini-
gung in Betreff der Gesichtspunkte zu gewinnen, die bei
der Classification der Würmer maassgebend sein dürften,
wird zur Genüge dadurch bewiesen, dass uns das Jahr 1859
drei verschiedene Versuche gebracht hat, die Abtheilung
dieser Thiere in natürliche Gruppen aufzulösen.
van Beneden, den wir hier zuerst nennen, theilt
(Zool. med. II. p. 83) die Würmer mit Ausschluss der Rä-
derthiere und Bryozoen, die den Articulaten , resp. Mollus-
ken zugerechnet werden, nach folgendem Schema in vier
Klassen:
Corps
non diffluent
sans venlouses
deprime etä soies . ..» 2 +... ‚Annelides
arrondi et sans SOoieS . » .... .. Nematoides
a venlouses » 2 2 2 20.000000. Cotylides
diffluent et entierement cilie . . . . Turbellaries.
In der Klasse der Anneliden unterscheidet Verf, so-
dann die Ordnungen der Chaetopoden, Gephyreen und To-
mopteriden, in.der Klasse der Nematoden die der Chaeto-
gnathen, Nematoden s.;st., Gordiaceen und Acanthocephalen,
in. der. Klasse der Cotyliden die der Polypoden (Peripatus),
Hirudineen, Trematoden , Cestoden, in der Klasse der Tur-
bellarien endlich die der Teretularien (Nemertinen und Pro-
siomeen) und Planarien.
Auch Gegenbaur trennt die Würmer nach Aus-
schluss der Bryozoen und Rotiferen in vier Klassen: 1)
Platyelminthes mit den Cestoda, Trematoda und Turbellaria,
2) Nemathelminthes mit den Acanthocephala und Nematoi-
dea, 3) Oesthelminthes (= Chaetognathi Lt.), 4) Annulata
mit den Gephyrea, Suctoria (Hirudinea), Scoleina und Bran-
chiata. Vergl. Anat. S. 137.
Weit conservativer ist die Eintheilung von Stein
(Organismus der Infusionsthiere $. 53), der die Annulaten,
112 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Entozoen, Turbellarien und Roliferen als Klassen in der Ab-
theilung der Würmer beibehalten wissen will.
Diesing’s „Revision der Rhyngodeen“ (Sitzungsber.
derK.K. Akad. zu Wien Bd. 37. S. 719—785 mit 3 Tafeln)
enthält eine Uebersicht der neueren Forschungen über die
Naturgeschichte und Zoologie der Sipunculiden, Akantho-
cephalen und Gregarinen mit Beschreibung einiger bisher
unbekannten Arten.
Der von Weinland in dem Archiv für Naturgeschichte
1858. I. S. 276 veröffentlichte „Systematischer Katalog aller
Helminthen, die im Menschen gefunden werden“ ist eine
Reproduction aus des Verf’s Essay on the tapeworm of man,
den wir schon im vorigen J. B. angezogen haben.
Cobbold’s observations on entozoa, with description
of several new species, in den Transact. Linnaean Soc.
Vol. XXII. p. 155—172 und 363— 370 mit 4 Tafeln, erstrecken
sich über alle Entozoengruppen und werden unten noch mehr-
fach von uns angezogen werden. Sie liefern namentlich
auch über das Vorkommen der Schmarotzerwürmer manche
interessante neue Angabe.
Schlotthauber veröffentlicht in dem amtlichen Be-
richte der Göttinger Naturforscherversammlung S.' 128 —
133 „Beiträge zur Helminthologie,“ meist Aufzählungen
neuer Arten, ohne Beschreibung und Diagnose.
Lamb] berichtet in seinen „mikroskopischen Unter-
suchungen der Darm - Excrete* (Prager Vierteljahrschrift
1859. Bd. I. S.43 ff.) über die nicht selten mit den Stüh-
len entleerten Eier von Ascaris lumbriceoides, Trichocepha-
lus dispar, Oxyuris vermicularis und Taenia Solium ‚ mit
Beschreibung und Abbildungen. Weitere Mittheilungen be-
treffen den schon im vergangenen Jahresberichte erwähn-
ten jungen Echinorhynchus, den Verf. in dem Darmkanale
eines leukhämischen Kindes auffand (Abbildung Tab. IV.
Fig. 12), einen‘ Fall von Distomum hepaticum, so wie end-
lich das myriadenweise Vorkommen von Vibrionen und Cer-
comonaden im Darme.
Die schon im letzten Jahresberichte erwähnte Abhand-
iung von Gerstfeld: über einige zum Theil neue Arten
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 113
Platoden, Anneliden, Myriapoden und Crustaceen (M&m. des
sav. etrang. de l’Acad. de St. Petersburg T. VIII. S. 261—296)
enthält Beschreibungen Sibirischer Planarien, Blutegel, Gor-
dien ‚und Lumbricinen, und wird bei Gelegenheit. dieser
Würmer noch besonders von uns angeführt werden.
1. Annelides
Chaetopodes.
Die schon in den zwei letzten Jahresberichten mehr-
fach von uns erwähnte borstenlose Phoronis hippocrepia ist
auch dieses Mal wieder Gegenstand einer näheren Unter-
suchung geworden. Dyster publicirte über dieselbe eine
ausführliche, durch treffliche Zeichnungen illustrirte Ab-
handlung (Transaet. Linn. Soc. XXI. S. 251—256. Pl. 44),
die unsere Kenntnisse über diesen sonderbaren Kopfkiemer
vorläufig zum Abschlusse bringen dürfte.
Die hufeisenförmige Kopfscheibe ist an beiden Rändern mit
einer Tentakelreihe versehen, nicht bloss am äusseren, obwohl die
äussere Reihe durch ihre Länge sich auszeichnet. Die inneren Ten-
takel sind kürzer und einander zugeneigt, so dass zwischen ihnen
ein Raum bleiht, der als Brutraum’ dient. Abgerissene Tentakelkränze
werden in 48 Stunden ergänzt. Die Flimmerhaare, mit denen die
(16—86) Fäden beselzt sind, dienen zur Nahrungszufuhr. Der Mund
liegt in der Mitte der Kopfscheibe, also zwischen beiden Tentakelrei-
hen, und wird von einer schirmförmigen, dem concaven Rande an-
gehefteten Lippe bedeckt, An ihn schliesst sich zunächst ein Oeso-
phagus und ein ovaler Magen, und auf diesen folgt sodann ein wei-
ter Darm, dessen Verlauf nicht genau verfolgt werden konnte, da die
hintere Hälfte des Wurmes‘ beim Hervorziehen aus der Röhre meist
abreisst, der aber am Kopfende , zwischen den Schenkeln der Tenta-
kelscheibe nach Aussen führt. Ein Nervensystem, konnte nicht auf-
gefunden werden. Von einer eigentlichen Leibeshöhle ist keine Spur
vorhanden, dagegen aber finden sich zwei mediane Blutgefässstämme mit
grossen gefärbten Körperchen, wie das schon von früher her bekannt
ist. Neben dem After münden "zwei Oviducte, die von einem un-
paaren, flaschenförmigen Ovarinm abgehen. Die Embryonen bedek-
ken sich wenige Stunden nach der Geburt der Eier mit einem Flim-
merüberzuge, und zerfallen dann durch. eine mittlere Einschnürung
in eine vordere und eine hintere Hälfte, von denen die erstere ziem-
Archiv für Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. H
114 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
lich bald eine dreilappige Gestalt annimmt. In diesem Zustande ver-
lassen sie nach 48 Stunden den Brutraum , um dann wahrscheinlich
ohne Weiteres zu dem ausgebildeten Wurme auszuwachsen. Die ge-
ringe Beweglichkeit der Larve lässt wenigstens kaum vermuthen, dass
zwischen diese beiden Zustände noch eine weitere Phase sich ein-
schiebe.
Dass Phoronis übigens wirklich mit Crepina von Ben.
zusamınenfalle, wie wir schon im letzten J.B. bemerkt ha-
ben, wird jetzt auch von Wright hervorgehoben, Annales
des sc. natur. T. XI. p. 150.
Auch über Tomopteris haben wir eine neue Abhandlung
zu erwähnen: on Tomopteris.onisciformis Esch. by W. Car-
penter, Transact. Linn. soc. T. XXII. p. 353—362. Tab. 62.
Besonders hervorzuheben sind dabei die schönen Abbildun-
gen, namentlich ‚Fig. 6, die einen vollständig entwickelten
Wurm mit 16 Ruderpaaren und langem Schwanze darstellt,
während in Fig. 1 ein jüngerer Wurm mit 8 Rudern und
noch ohne Schwanz, sehr ähnlich dem T. quadricornis Pag.
et Lt. wiedergegeben ist. Ob beide jedoch vollkommen
identisch sind, wie Verf. in einem Nachtrage angiebt, möchle
Ref. nicht geradezu behaupten. Carpenter stützt sich
dabei auf die Beobachtung, dass die Vierzahl der Fühler
bei Tomopteris ganz constant und nur desshalb, besonders
bei grösseren Exemplaren, schwer nachzuweisen sei, weil
die hinteren Fühler von den grösseren vorderen bedeckt
würden, aber er hat dabei ausser Acht gelassen, dass wir
unsere T. quadricornis nicht wegen der Vierzahl der Fühler,
sondern der Borsten also genannt haben. Dass aber die
hinteren Fühler bei Tomopteris Borsten entliielten,, davon
finden wir nirgends bei unserem Verf. eine Angabe. Ue-
brigens glaubt Verf., dass alle bis jetzt beobachteten Tomo-
pteris, auch die tropischen, derselben Art angehörten, obwohl
das nach dem Urtheile des Ref. durch die beigefügte Zeich-
nung eines von Huxley in der Torres-Strasse gefange-
nen Exemplares insofern kaum eine Stütze findet, als die-
ses nicht bloss durch eine grössere Anzahl der Rücken-
füsse (17. Paare), sonderen weiter auch durch stärkere
Entwickelung der Schwanzanhänge von den nordischen
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 115
Formen sich unterscheidet. Geschlechtsstoffe hat Verf. bei
seinen Exemplaren nicht beobachtet (auch keine Ge-
schlechtsöfnungen und Flimmerkanäle); er ist desshalb auch
ungewiss, ob er Tomopteris als ein ausgebildetes Thier
ansehen soll, und nicht vielleicht als eine Amme, deren
sog. Schwanzstück im Laufe der Zeit zu einem Geschlechts-
thiere heranwachse. (Es bedarf nach den positiven Beob-
achtungen anderer Forscher , auch den hier mitgetheilten
von Huxley keiner ausdrücklichen Widerlegung dieser
Hypothese. Huxley glaubt auch ein kleineres männliches
Exemplar mit rundlichen Körnern in der Leibeshöhle beob-
achtet zu haben.) Von dem Nervensysteme wurde auch
von unserem Verf. kaum mehr, als Jas Hirnganglion aufge-
funden.
Gegenbaur hat gleichfalls geschlechtsreife Exem-
plare von Tomopteris beobachtet und giebt von dem Pro-
cesse der Eibildung bei derselben eine Darstellung, die —
bis auf die vom Verf. übersehene Theilung der primiliven
Eizelle — mit den Beobachtungen von Leuckart und
Pagenstecher vollkommen übereinstimmt. Vergl. Anat.
p- 191.
Schmarda’s Angaben über die Organisation der
Chätopoden und die von ihm beobachteten neuen Formen,
sind, so weit sie bis jetzt vorliegen (a. a. O. Einleitung
$.XVI), zu aphoristisch, als dass wir schon dieses Mal aus-
führlich darüber referiren könnten. Wir beschränken uns
desshalb einstweilen auf die Bemerkung, dass Verf. die Be-
hauptung von der freien Bildung der Geschlechtsstoffe in
der Leibeshöhle bezweifelt und diese überall in besondern
(in einzelnen Fällen auch wirklich von ihm aufgefundenen)
Organen vor sich gehen lässt. Pelagenia , ein neues mit
Pherusa verwandtes Genus besitzt am Rücken, wie am
Bauche langgestielte Saugnäpfe. Ein anderes zu den Nai-
den gehörendes neues Genus (Aulophorus) baut Röhren, die
ganz nach Art der Phryganeen - Gehäuse von den frei be-
weglichen Thieren mit umhergeschleppt werden.
"Mettenheimer liefert eine Beschreibung des Ner-
vensystems und der Gehörorgane von Arenicola piscatorum
116 Leuckart: Bericht über dieLeistungen in der Naturgeschichte
und macht auch, sonstige Angaben,über ‚Organisation, wie
Lebensweise dieses Wurmes., Das Hirn liegt, ‚wie'das; von
Ref. beschrieben ist, dicht ‚unter, der. Haut und: lässt sich
mitunter schon von Aussen erkennen. Ganglienkugeln: schei-
nen dem Hirne zu fehlen , wie denn. auch,in dem Bauch-
strange, und hier mit. noch grösserer Entschiedenheit; die
Existenz von Ganglienkugeln und Ganglien in Abrede. ge-
stellt wird.. Die Gehörkapsel ist mit. einer körnigen. Beleg-
schicht versehen, an der ‚an.einer Stelle. ein, deutlicher
Hilus gefunden wird. (Wohl die von Meissner beschrie-
bene kanalförmige Ausmündung der Gehörblase, J; B. XXIV,
8.98.)
Mayer macht einige;Mittheilungen „über das Repro-
ductionsvermögen der Naiden* und glaubt, dass die, zu
vollständigen Thieren wieder auswachsenden Theilstücke im-
mer ein Ganglion und einen Abschnitt des Blutgefässsysiems
in sich einschliessen. (Cölnische Zeitung 1859. No. 112. Beil:
und daraus Froriep’s Notizen 1859. H. 8. 216, vollständiger
in den Verhandl. des naturf. Vereins der preuss. Rheinlande
Bd. XVI. S.43 ff.) Die vom Verf. beobachlete Art, die als
Nais caecilia n. sp. bezeichnet wird, scheint trotz der’ be-
hauptelen Duplicität des Geschlechts mit Saenuris; identisch
zu sein.
van Beneden macht die Beobachtung, dass. Serpu-
laceen und andere Kopfkiemer ‚nicht ‚bloss die verloren ge-
gangenen Tentakel wieder erselzen? sondern mitunter, auch
in scheinbar leeren Röhren aus kleinen Bruchstücken wie-
der zu vollsländigen Thieren auswachsen. ‚Cpt.. rend. T. 49.
p- 453.
Derselbe giebt eine Beschreibung des Tentakelap-
parates von Spirorbis nautiloides (Zool. med. T., Il. p. 88)
und erwähnt, dass, er aul den Kiemen des Barsches. eine
Nais im eingekapsellen Zustande beobachtet habe (lbid. p. 92).
Die Kalkschalen der Serpulaceen sind nach Köllik er
oft auf das Reichlichste von mikroskopischen: Pilzläden
durchzogen. Zeitschrift für wiss. 'Zool.X..S. 227.
Den von Leuckart undPagenstecher (J.B,XXV.
S. 116) besprochenen Spiolaryen sehr nahe verwandt, wenn
der niederen Thiere während des Jahres 1359. 117
nicht’ damit identisch, sind zwei vonGosse (Tenby PI.XV)
abgebildete Annelidlarven, von denen die eine auch vom
Verf. auf Spio bezogen wurde.
Macdonald liefert eine Beschreibung und Abbildung
des sog. Palolowurmes, der, wie durch Gray schon vor
mehreren ‘Jahren bekannt geworden (J. B.XVI. S. 367), zu
bestimmten, von den Mondphasen abhängigen Zeiten, be-
sonders im November, an den Küsten der Navigations- und
Fitschie - Inseln in ungeheuerer Menge erscheint und ge-
gessen wird. Die auffallende Thatsache, dass alle diese
Exemplare des Kopfendes entbehren, 'hält Verf. nicht für
zufällig; er glaubt vielmehr an eine, bei bestimmten Ge-
legenheiten normal auftretende Trennung, an einen der Ab-
stossung 'der Proglottiden analogen Vorgang. Trotzdem
aber glückte es Verf. ein Kopfende des Wurmes zu beob-
achten und damit den Beweis zu führen, dass derselbe
nicht mit Arenicola verwandt sei, wie man früher annahm,
sondern den Nereiden zugehöre. Transact. Linn. Soc. XXII.
p. 237—259. Pl. XLI. (Kopfbildung , Gebiss, Ruderplatten
und Borsten stimmen so vollständig mit Lumbriconereis
überein, dass die Beibehaltung des Genusnamens Palolo
kaum zulässig erscheint.)
Dawso.n’s Abhandlung über die tubicolen Meerwür-
mer des Golfs von St. Lawrence (Canadian naturalist and
geolog. Vol. V. p. 24-30) ist Ref. nicht zu Gesicht ge-
kommen.
Nach den Beobachtungen Leidy’s lebt in dem nord-
amerikanischen Süsswasser (Schuylkill-River) eine Art des
sonst marinen Genus Fabricia (Manayunkia spesiosaLeidy),
von 1'/,“ Länge, mit 12 Ringen, von denen der vorderste
und hinterste ein Augenpaar trägt, und sechs Armen, die
in etwa 80 flimmernde Tentakel auslaufen. Proc. Acad. n.
sc. Philad. 1859. p.1.
Schlotthauber beschreibt eine zweite neue Art des
Gen. Phreoryctes, dessen Namen er übrigens in Georyctes
umgewandelt wissen will, da Jie betreffenden Würmer ei-
gentlieh in der Erde lebten und nur gelegentlich im Brun-
nenwasser gefunden würden. (Amt. Ber. der Göttinger Na-
‚ 118 Leuckart:Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
turforscherversammlung S. 122)... Die neue Art wird’ als
Ph. (@.) Lichtensteinii aufgeführt und soll: sich besonders
durch Kürze der Segmente und Kleinheit der — wie:bei
Lumbricus — einzeln stehenden Borsten auszeichnen. Ref.
bemerkt bei dieser Gelegenheit, dass Ph. Menkeanus ‚auch
in Giessen ziemlich häufig mit dem Brunnenwasser zu Tage
gefördert wird.
Die Sibirischen Regenwürmer gehören nach Gerst-
feld (a. a.0. S.258) zu Lumbrieus anatomieus (=L. com-
munis Hoffin.), L. brevispinus n.sp. (corpore coriaceo, terete;
antice et postice attenuato, annulis distinctis, transversim
rugosis ; lobi capitali brevi, rotundato, processu postico bre-
vissimo,, obtuso; ceingulo nullo ; selarum geminarum serie-
bus 4 longitudinalibus, minimarum), L. multispinus (?) Gr.
Gephyrei,
Unter den von Diesing (Revision der Rhyngodeen
a. a. O.) nach fremden und eigenen Beobachtungen aufge-
zählten Sipunculiden finden sich folgende neue Arten: Aspi-
dosiphon Steenstrupü von St. Thomas, A. rhyssaspis aus
Westindien , A. eremita aus Madeira, auf leeren Schalen
von Ditrupa, Thalassema Pelzelnüi aus Westindien, Echiurus
Lütkenii von der dänischen Küste und. E. caraibicus aus
Westindien. Abgebildet werden Aspidosiphon Steenstrupii
(Tab. II) und Thalassema Grohmanni Dies. (Tab. III).
Alder erwähnt als neu Phascolosoma radiatum von
der englischen Küste, Rep. br. assoc. held 1859. p. 142.
Ein kurzer Auszug aus der schon im letzten J. B. an-
gezogenen Arbeit von Lacaze-Duthiers über Bonellia
findet sich in Institut 1859. p.5 und p. 203.
Chaetognathi.
Der von Gegenbaur (vergl. Anat. $.138) für die
Gruppe der Sagitten in Anwendung; gebrachte. Namen Oest-
helminthes dürfte nach den Gesetzen der Priorität der oben-
anstehenden, von mir schon seit vielen Jahren gebrauchten
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 119
Bezeichnung weichen müssen, und das um so mehr, als letz-
tere inzwischen auch von anderer Seite (bei van Beneden)
Aufnahme gefunden hat.
Dass Gegenbaur trotz Meissner’s Behauptungen
die Sagitten bei den Würmern lässt, war von vorn herein
zu vermuthen. Die Annahme eines Rückenmarks und Rück-
grates vonSeite des letztern dürfte sich nach der Meinung
des Verf.'s (8.387. Anm.) durch unrichtige Interpretation
gewisser Gebilde erklären lassen. „Aber auch die wirkliche
Existenz eines anderen Nervensystems, als Krohn es ken-
nen lehrte, zugegeben, so möchte damit doch noch lange
nicht die Wirbelthiernatur der Sagitten bewiesen sein.“
Nematodes.
Wir haben schon in einem früheren Berichte Gelegen-
heit gehabt (J.B. XXIV. S.104), der vonClaparede über
Eibildung und Befruchtung bei den Nematoden angestellten
Untersuchungen zu gedenken und deren hauptsächlichste
Resultate kennen zu lernen. Was uns damals vorlag, war
eine vorläufige Miltheilung, der jetzt eine ausführliche Dar-
stellung gefolgt ist: de la formation et de la fecondation
des oeufs chez les vers nematodes, Geneve 1859. (101 S. in
Quart mit 8 Tafeln). Die Abhandlung wird durch eine ge-
schichtliche Darstellung, der betreffenden bisherigen Lei-
stungen und Controversen eingeleitet (p. 1—12) und be-
rücksichligt dann weiter in besondern Capiteln die Histolo-
gie der Geschlechtsorgane (p. 13—27) , die Bildung der Eier
(p-27—47), die Bildung der Samenkörperchen (p. 48—64),
die Befruchtung und Embryonalentwickelung (64—89) , so
wie schliesslich die Bewegungen der Samenkörperchen
(p- 90—96). Die Untersuchungen sind meistens an Ascaris
suilla und A. mystax angestellt, ausserdem aber auch auf
andere, kleinere ausgedehnte Arten und liefern viele werth-
volle Beiträge zur Kenntniss des Nematodenbaues überhaupt.
Was wir dem früheren Referate an Einzelnheiten noch hin-
zufügen, ist Folgendes:
Die von Meissner bei gewissen Nematoden beschriebenen
120 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
queren Nervenfäden erschienen dem Verf. in manchen, Fällen. als
deutliche Verbindungsstränge zwischen den Längsmuskelfasern,, und
keineswegs als Nerven. Ueberhaupt scheint der Muskelapparat in
histologischer Beziehung mehrfaches Interesse darzubieten, wie denn
Verf. u, a. an dem Schwanzende der männlichen Asc. mucronata
sternförmig verästelte Muskelzellen beschreibt, ganz derselben Art,
wie sie Ref. bei den Heteropoden aufgefunden hat. Bei ‘Asc.; mu=
“ eronata liegen in der Nähe des Afters grosse einzellige Drüsen. ., Ein
vollständiges Chorion entsteht in vielen Fällen, z. B. bei Asc. suilla
und Asc. mystax, erst nach der Befruchtung, und nicht ohne dieselbe,
(wie das auch von Munck beobachtet ist), doch darf man diese
Thatsache allem Anscheine nach nicht auf alle Nematoden übertra-
„gen. Die Segmentirung des Dotters ist bei der Mehrzahl der Nema-
toden eine weniger regelmässige, als sonst, und auch bei Cucullanus,
zu beobachten, obgleich Kölliker demselben eine sehr abweichende
Entstehung der Embryonalzellen ‚vindicirt hat. Nach Beendigung des
Furchungsprocesses streckt sich der Dotter, und dann unterscheidet
man im Innern desselben bereits die spätere leibeshöhle, in die von
der concaven Bauchfläche aus ein solider, Zellenstrang vorspringt,
der sich im Laufe der Zeit in den Darmkanal verwandelt. Die neu-
gebornen Nematoden scheinen sehr allgemein nicht bloss der Ge-
schlechtsöffnung , sondern auch des Afters zu entbehren.
Die „Beiträge zur Anatomie und Physiologie des Tri-
chocephalus dispar“ (Zeitschrift für wiss. Zool. X. S. 233—
252. Taf. XVIlund XVIII) von Eberth liefern eine genaue
und detaillirte Schilderung von der Haut, dem Muskelap-
parate und den Verdauungsorganen, deren Richtigkeit Ref.
fast- überall bis in die Einzelnheiten hinein bestätigen kann.
Die Cuticularhüllen von Trichocephalus besitzen, wie bei Asca-
ris Inmbricoides, einen complicirten Bau. Sie bestehen aus mehreren
über einander liegenden Schichten von verschiedener Dicke und
einer zum Theil fasrigen Beschaffenheit. In dem dünnen Vorderleibe
zeigt die Cuticula an der Bauchfläche eine abweichende (bisher ver-
kannte) Bildung; ‚man erkennt hier in derselben zahlreiche pallisa-
denförmig neben einander stehende Stäbchen, die zu einem Längs-
Bande zusammengruppirt sind und auf einer gelbpigmentirten, gleich-
falls stäbchenförmigen Zellenschicht aufsitzen. Sonst findet man un-
ter der Cuticula eine körnige, wahrscheinlich gleichfalls aus Zellen
gebildete Lage, die am Vorderleibe unvollständig bleibt und nament-
lich die Seitentheile freilässt. Die dann folgende Muskelschicht be-
steht! aus dichten blattförmig an einander: gereihten Bändern von
fibrillärer Beschaffenheit, und diese wird auf der Innenfläche von, einer
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 121
Zellenlage ausgekleidet, die Ref. der, Bindegewebsgruppe zurechnen
möchte. . Ein muskulöser Oesophagus fehlt bei Trichocephalus, Was
man dafür gehalten, ist ein besonderes „lappiges* Organ, welches das
von ziemlich dicken und festen Cuticularwänden umschlossenen Oe-
sophagealrohr rinnenförmig umfasst, sich vielfach ausbuchtet und von
Zeit'zu Zeit eine grössere helle Zelle durch seine sonst körnige Sub-
stanz hindurchschimmern lässt (Ref. glaubt dieses sonderbare, auch
bei Trichina — J.B. XXV. S. 134 — vorkommende Organ, das Verf.
dem von Meissner bei Mermis beschriebenen Resorptionsapparate
vergleicht, in eine Längsreihe grosser körniger Zellen auflösen zu
können und betrachtet die Eberth’schen Zellen nur als Zellenkerne.)
Durch Hülfe zahlreicher, vom Verf. als Ausläufer besonderer, wohl
den Bindegewebskörperchen verwandter, steınförmiger Gebilde er-
kannte Stränge wird dieser Körper an der Zellenauskleidung der
Leibeshöhle befestigt. Die beiden am Anfange des Chylusmagens an-
hängenden Blindschläuche, die Verf, mit den früheren Beobachtern
dem Chylusdarme zurechnet, sind nach den Unterswchungen des Ref.
die letzten Endigungen des „lappigen Organes“ und keineswegs in
allen Individuen vorhanden. Die Leibeshöhle umschliesst eine gelb-
liche colloide Flüssigkeit mit festeren Colloidkörpern. Ein Gefäss-
system fehlt, und auch vom Nervensysteme konnte Verf. keine Spur
auffinden. In Betrell des letzteren muss Ref. jedoch bemerken, dass
es ihm gelungen ist, in kurzer Entfernung hinter der Mundspilze ein
quer über den Oesophagus hinziehendes blasses Band zu entdecken,
das er als Nervencentrum in Anspruch nehmen möchte, obgleich er
darin keine Ganglienkugeln nachweisen konnte:
In einer Abhandlung über „Dracunculus und die mi-
kroskopischen Filarien von Bombay (Aun. and mag. nat.
hist. T.1V. p.28—44, p. 98—114. Tab, III) verfolgt Car-
ter die nach einer mehr ‚vorläufigen Mittheilung schon im
letzten Jahresber. (8. 139) angezogene Frage nach der
Naturgeschichte und dem Ursprunge der Filaria medinen-
sis. Er liefert zunächst eine Beschreibung des äusseren
wie des inneren Baues der genannten Filaria sowohl, als
auch des Brackwasserwurmes Urolabes palustris und der
von Filaria abslammerden Embryonen, macht uns sodann
mil einer Anzahl anderer neuen Arten des Gen. Urolabes
(das am meisten mit Rhabditis ‚verwandt ist, aber, wie es
scheint, Typen mehrerer Geschlechter in sich einschliesst)
und sucht endlich den Nachweis zu liefern, dass die Aehn-
lichkeiten zwischen Filaria 'medinensis und Urolabes palu-
122 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
stris, trotz der Verschiedenheit der Grösse und anderer
Differenzen, bedeutend überwiegen und immerhin dem Ge-
danken Raum geben, dass erstere ein durch die, äussern
Lebensverhältnisse modificirter Brackwasserwurm sei.
Aeusserlich ist die Filaria medinensis bekanntlich sehr einfach
gebaut, Sie gleicht einem langen (bis 3‘) dünnen Faden ‚ ‚der sich
an den Enden ein wenig verjüngt, vorn abgerundet ist und: hinten
in einen kurzen und dünnen nach dem Bauche eingekrümmten Schwanz
ausläuft., Die Mundöffnung, ist äusserst eng und zwischen zweien
Papillen gelegen, die der Bauch- und Rückenfläche angehören. Zwei
kleine seitliche Papillen stehen weiter nach aussen. Von diesen vier
Papillen gehen vier — nicht näher untersuchte — Längslinien aus,
von denen die zwei medianen in der Mitte zweier Längsmuskelbän-
der verlaufen. Eine Afteröffnung scheint zu fehlen, obgleich ein
Mastdarm vorhanden ist und bis in die Schwanzspitze hinein sich
verfolgen lässt. Ebenso fehlt auch die Geschlechtsöffnung; Verf.
hat sich davon überzeugt, dass der Genitalkanal durch Ruptur sich
öffnet. Die äusseren Bedeckungen sind fein gestreift, doch lässt es
Verf. unentschieden, ob diese Streifung der Cuticula angehört, wie
bei dem Embryo, oder von den unter den Bedeckungen hinziehenden
Ringmuskelfasern herrührt. Die Eingeweide bestehen aus dem Darn-
kanale und dem Genitalschlauche, die beide gestreckt durch die ganze
Länge der Leibeshöhle verlaufen und durch zarte Zellgewebsstränge
in ihrer Lage erhalten werden. An dem Darmkanale unterscheidet
man ausser dem kurzen ('%‘‘) Mastdarme einen etwa 2“ langen Oeso-
phagus und einen Chylusdarm. Ersterer besitzt ein äusserst dünnes
Lumen, das von einer cylindrischen Chitinröhre ausgekleidet und
von einer eben so cylindrischen Muskellage umschlossen wird. Dazu
kommt äusserlich noch eine Zellgewebsscheide, die sich nach hinten
auch auf den Chylusmagen fortsetzt und hier eine Lage bräunlicher
Leberzellen überkleidet. Nur das letzte Ende des Chylusdarmes ent-
behrt dieses Leberüberzugs. Der Genitalschlauch ist weit dicker, als
der Darmkanal und mit Embryonen gefüllt, die immer frei, nie ein-
gehüllt in Häute gefunden werden. Eine Vagina fehlt, dagegen lau-
fen. beide Enden des Schlauches in ein etwa zolllanges dünnes
Ovarium aus, das scharf gegen den Embryonenschlauch abgesetzt ist
und mit einer kleinen Erweiterung aufhört. (Eine genauere Analyse
dieses Ovariums ist leider nicht angestellt) Männchen sind vom
Verf. niemals beobachtet, überhaupt noch unbekannt, denn die An-
gabe von Owen, dass das Schwanzende der männlichen Filaria me-
dinensis stumpf sei und Spiculae umschliesse, scheint kaum auf zu-
verlässige Untersuchungen gegründet. Der Embryo misst ss‘ in
Länge und ‘53 in Breite und unterscheidet sich hauptsächlich durch
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 123
einen langen , zugespitzten Schwanz , der fast die Hälfte von der
Länge des Rumpfes hat und mit ‘der Afteröffnung seinen Anfang
nimmt, Der Verdauungsapparat ist bis auf den deutlichen After und
die unverhältnissmässige Länge des Ocsophagus, die ungefähr ein
Drittel von der Länge des Chylusdarms beträgt, wie bei den ausge-
bildeten Individuen. Genitalorgane fehlen denselben.
Urolabes palustris hat einen gleichfalls linearen Körper von
höchstens 4%“ (3:0 breit), mit zweien undeutlichen Papillen neben
der Mundöffuung und einem Darmkanale, der mit Filarja medinensis
die grösseste Uebereinstimmung zeigt, nur dass auch hier der Oeso-
phagus verhältnissmässig länger und .die Afteröffnung deutlich. ist.
Das Schwanzende des Weibchens istin eine gerade Spitze ausgezogen,
das des Männchens abgestumpft und mit zwei kurzen Spiculä verse-
hen. Haut glatt ohne Querrunzel. Die weibliche Oeffnung liegt unge-
fähr in der Mitte des Körpers und führt in eine kurze Vagina, die
sich alsbald in einen vorderen und hinteren Eiergang spaltet. Die
beiden Eiergänge verhalten sich völlig symmetrisch, sie verlaufen in
der Längs-Achse des Körpers und gehen an der Grenze des vorderen
und hinteren Viertheils mit einer scharfen Knickung in die nach der
Mitte zu gerichteten dünneren Eierstöcke über. Das Ende der Eier-
gänge ist zu einer Samenblase erweitert. An dieser Stelle geschieht
die Befruchtung und darauf die Bildung einer festen Eihülle. Die
Zahl der im Fruchtleiter befindlichen Eier beträgt nur einige we-
nige, und niemals wurden an denselben Zeichen der Embrynoalent-
wickelung beobachtet. Die Hoden sind gleichfalls doppelt: zwei
einfache Blindschläuche, die von der Mitte des Körpers nach vorn
und hinten verlaufen und da, wo sie zusammenstossen, in einen Sa-
menleiter übergehen, der nach hinten herabläuft und neben dem
Rectum mündet. Die Samenfäden sind im ausgebildeten Zustande
stäbchenförmig, mit Schwanzfaden, und entstehen durch Kernmeta-
morphose im Innern der zu mehreren (bis 16 und mehr) von ihrer
Mutterblase umschlossenen Tochterzellen.
Bei der Vergleichung dieser beiden Thierformen stellt
sich allerdings eine gewisse Aehnlichkeit heraus, doch will
es Ref. fast bedünken, als ob Verf. dieselbe zu hoch ver-
anschlage,, wenn er sagt, dass jeder Zoologe die Würmer
in dieselbe Familie stellen, ja sogar demselben Genus zu--
rechnen würde. Doch Ref. will darüber mit Verf. nicht
rechten. Er will selbst die Vermuthung gelten lassen, dass
die Verkümmerung von After und selbst Mund, wie der
Schwund der Vagina und die Reduction des Schwanzes durch
mangelnden Gebrauch sich erklären lasse — obwolil durch
124 Leuckart: Bericht über die Leistungen in derNaturgeschichte
das Raisonnement des Verf.' zunächst nichts mehr ‘bewiesen
wird, als dass die Organisation der Filaria medinensis und
auch der Urolabes mit den Anforderungen ihrer Lebens-
weise harmonire. Die Haupischwierigkeit der Reduclion
beider Formen auf einander liegt in dem Umstande , ‚dass
beide eine Brut produciren, und beide, nach der bisherigen
Annahme, auf geschlechtlichem Wege. Allerdings beruht
diese letztere ‘Annahme für: Filaria medinensis auf einer
Voraussetzung. Und diese Voraussetzung muss Verf. als
eine irrige erweisen, um seine Hypothese von der Identität
beider Formen glaublich zu machen. Er hebt zu diesem
Zwecke hervor, dass die Fil. medinensis, die doch unstreitig
— wie schon die Topologie ihres Vorkommens zur ‚Genüge
beweise — durch die. Haut ‚einwandere: (vielleicht durch
eine Schweissdrüse) , zur Zeit dieser ihrer Einwanderung
sehr klein sein müsse. Und ein so kleines Thier könne
unmöglich den Samenvorrath für eine so grosse Menge von
Eiern in sich einschliessen, als Fil. medinensis Junge ge-
bäre. (Verf. schätzt die Zahl derselben in einem erwach-
senen Thiere auf eine halbe Million.) Ueberdiess besitze
der Embryo von Fil. medinensis, von dem man. das ent-
wickelte Thier gewöhnlich direkt abstammen lasse‘, noch
nicht ein Mal Spuren von Geschlechtsorganen. Auch wisse
man nicht, ob diese Embryonen im Freien wachsen. Er
habe, wie früher Forbes, dieselben unter verschiedenen
Umständen im Wasser gehalten , aber keiner sei älter als
10 Tage geworden und ‚habe sich in dieser. Zeit nicht, im
Geringsten verändert. Gestützt auf.diese Beobachtungen
ist Verf. sogar ‚geneigt, den Embryonen von Filaria' medi-
nensis eine Entwickelungsfähigkeit abzusprechen (? Ref.).
Ist es wirklich. wahr , was Verf. vermuthet, dass die
Fil...medinensis ein durch die Besonderheiten seiner Le=
bensweise modificirter Brackwasserwurm sei, ‘so muss die
selbe entweder aus einem jungen noch ünbefruchteten Em-
bryo dieses Thieres oder aus einem ausgewachseneny viel-
leicht. bereits beiruchteten Weibchen sich‘ entwickeln. In
letzterem Falle würde der Wurm nach Erschöpfung 'semes
Samenvorralhes, im. erstern gleich von Anfang 'an’ auf’ par-
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 125
thenogenetischem Wege eine Nachkommenschaft erzeugen,
und zwar in Gestalt von Embryonen, anstatt der hartschali-
gen Eier , die dasselbe Thier im freien Zustande gelegt
hätte. Aber das sind Verhältnisse, denen wir bis jelzt
kaum etwas Analoges an die Seite setzen können, — denn
die vom Verf. angezogene Fortpflanzungsweise der Daph-
niaden (und Rotiferen) dürfte bei näherer Prüfung wohl
schwerlich etwas Aehnliches sein — Verhältnisse also,
die wir nur dann anerkennen dürfen, wenn sie bewiesen
sind. Viel einfacher und plausibler wäre es, wenn man
die Filaria medinensis etwa als Amme des Brackwasser-
wurms betrachten könnte , aber diese Möglichkeit liegt so
ferne, dass Verf. selbst es verschmäht,,. sie näher zu prü-
fen. In ‘der That ist auch nicht abzusehen, wie sich die
(ungeschlechtliche) Fil. medinensis in regelmässigem Wech-
sel zwischen die einzelnen (geschlechtlichen) Generationen
der Urolabes einschieben könnte.
Wie die Sachen liegen, ist die Naturgeschichte der Fil.
medinensis noch immer ein Räthsel , das durch die Bemü-
hungen unseres Verf., so dankenswerth dieselben auch sind,
noch keineswegs aufgelöst ist. Es bedarf dazu noch an-
derer vielseiliger Untersuchungen — Ref. möchte. z.B. zu-
nächst empfehlen, das Endstück des Fruchthälters, an der
Inserlion des Ovariums, einer genauen Prüfung zu unter-
werfen, um die Frage nach der etwaigen Anwesenheit be-
fruchtender Elemente zu prüfen — es bedarf dazu vor
allen Dingen auch des Experimentes, das bisher kaum ver-
suchsweise zur Lösung der hier vorliegenden Rälhsel an-
gewendet ist.
Die im einem eigenen kleinen Werke niedergeleg-
ten Untersuchungen von Benoit über einen nach Frank-
reich eingeschleppten Medinawurm sind Ref. nicht zu Ge-
sicht gekommen. Er weiss davon nur durch eine kurze
Notiz in den Cpt. rend. (T. 49. p. 175), der Moquin-Tan-
don einige weitere Bemerkungen über denselben Parasiten
zufügt. Aus letzteren erwähnen wir hier die Angabe, dass
nach Deville und Robin die jungen Embryonen des Me-
126 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
dinawurmes 12 Stunden nach dem Auftrocknen durch Be-
feuchten wieder zum Leben kommen.
Claus macht (Sitzungsber. der physik.-med. Gesell-
schaft in Würzburg 1859. X, $. LIIl) einige Mittheilungen
über den Bau der Anguillulinen , besonders deren Ge-
schlechtsorgane, und zwar nach Untersuchung zweier, ver-
sehiedener Formen, die in grosser Menge zwischen Spo-
renmassen von Aethalium septicum gefunden wurden, und
von denen eine wahrscheinlich zur Anguillula mucronata
Grube gehört.
Das Nervensystem bildet oberhalb des Pharynx und ebenso in
der Nähe der Afteröffntung zwei durch Quercommissuren verbundene
Anschwellungen und „stimmt somit seiner Anlage nach mit denı Ner-
vensysteme der grösseren Nematoden überein“ (eine Angabe, die nach
den neuesten Mittheilungen über diesen Gegenstand, von Schneider,
freilich keineswegs erwiesen sein.dürfte). Die weiblichen Geschlechts-
organe sind paarig entwickelt und verhalten sich zur Querachse über-
raschend symmetrisch (ganz wie in den von Carter, Schultze u.A.
beobachteten Fällen), während der männliche Apparat einen unpaa-
ren einfachen Schlauch bildet, der durch zwei mit einander ver-
wachsene Spiculae gestützt mit der Afteröffnung gemeinschaftlich aus-
mündet. _ Die Enden der Geschlechtsröhren ‚sind umgeschlagen. Be-
sondere Abschnitte, wie sie bei den grössern Nematoden unterschie-
den werden, fehlen an denselben ; höchstens, dass man den aufge-
triebenen Basaltheil der weiblichen Organe, der sich auch histolo-
gisch etwas abweichend verhält, als Receptaculum seminis deuten
könnte. Männliche und weibliche Keimstoffe verhalten sich in der
Anlage vollkommen identisch, gehen aber während der späteren Ent-
wickelung allmählich immer mehr aus einander. Die Samenkörper-
chen erscheinen in ihrer vollendeten Form, die aber nur im Rece-
ptaculum der weiblichen Individuen gefunden wird, als scharf con-
tourirte Kerne mit einem Sarcodehofe, der aber keine Contractionen
zeigte. Die erste Andeutung der weiblichen Organe liess sich schon
bei jungen ‘2 Mm. grossen Exemplaren auffinden. Dieselbe besteht
aus einem hellen, in der Mitte des Körpers gelegenen Blastem, das
einige scharf gezeichnete Kerne einschloss ‚und fast an den sog. Nu-
cleus der Infusorien erinnerte. Später schnürt sich das Blastem in der
Mitte ein und bildet zwei birnförmige Körper, die symmetrischen An-
lagen: zu-den beiden Schläuchen, die allmählich in den vordern und
hintern ‚Theil des Körpers hineinwachsen.
Nach den Untersuchungen von d’Ukedem leben in
dem‘’Darmkanale von. Julus terrestris zwei bisher noch
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 127
unbeschriebene geschlechtsreife Nematoden:: Rhabditis acu-
minatus und Rh. macrocephalus und zwar — ganz wie das
von Leidy in der bekannten Flora and Fauna wilhin living
animals auch von den Nematoden des Nordamerikanischen
Julus marginatus beschrieben ist — in Gemeinschaft mit
einem, Fadenpilze (Enterobryus Leidy), der nicht selten auch
auf der Cuticula, wenigstens der ersten Art, sich ansie-
delt, und mit paramaeciumartigen Infusorien. Die, beiden
Nematoden werden von unserem Verf. genau beschrieben
und abgebildet, und finden dabei namentlich Darm und: Ge-
schlechtswerkzeuge eine sorgfältige Darstellung. Bull.
Acad. roy. de Belg. 1859. p. 562 ff. mit 2 Tafeln. (Im Aus-
zug l’Inst. 1859. p. 423.)
Die männlichen Geschlechtsorgane sind in beiden Fällen ein-
fach, die weiblichen dagegen zweigetheilt, mit mehreren auf einan-
der folgenden Abtheilungen von specifischer Funktion und Bildung.
An den männlichen Organen ist namentlich ausser dem eigentlichen
Hoden eine längliche Samenblase, an den weiblichen ausser der Va-
gina noch ein Keimstock (germigene), Dotterstock (vitellogene) und
Schalenstock (capsulogene) zu unterscheiden. Die Befruchtung ge-
schieht im zweiten Abschnitte, vor Ablagerung der Eischalen, wie
sich namentlich bei der ersten Art mit aller Entschiedenheit fest-
stellen liess. Die zu mehreren in Mutterzellen entstehenden Samen-
körperchen sind von exorbitanter Grösse (bei Rh. macroccphalus
0,1 Mm.) und von gewissen Gregarinen kaum zu unterscheiden, er-
reichen auch bereits vor der Uebertragung in die weiblichen Theile
ihre volle Entwickelung. Bei Rh. acuminatus 9“ finden sich zwei
grosse Spiculae, bei Rh. macrocephalus ausserdem noch zwei kleinere.
In Arion ater beobachtete Schneider (Zeitschrift
für wiss. Zool. Bd. X. S.176) einen kleinen Rundwurm von
11%‘, der vor Beginn des Hinterleibsendes zwei bandför-
mige Forlsätze trägt und sich zugleich durch Abwesenheit
von Mund und After, so wie. durch eine eigenthümliche
Bildung der noch unvollständig entwickelten Geschlechis-
organe auszeichnet. Bringt man diese, Schmarotzer aus
dem lebenden Träger in eine faulende oder auch frische
organische Flüssigkeit, dann gelangen. dieselben zur Ge-
schlechtsreife, nachdem vorher die Seitenbänder abgefallen
sind, und Mund wie Afteröffnung sich. gebildet haben. Die
Weibchen zeigen etwa in derMitte des Körpers eine Vulva,
128 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
während die Männchen in dem zugleich als Geschlechts-
öffnung fungirenden After zwei Spieulae und daneben drei
Haftpapillen tragen. In faulenden Substanzen pflanzen sich
diese Thiere durch viele Generationen hindurch fort, ohne
dass die Embryonen wandern und das oben erwähnte Lar-
venstadium durchleben. Verf. nennt seinen Wurm Alloio-
nema (n. gen.) appendiculalum.
Anfang des Winters findet sich nach demselben
Verf. (a. a. 0. S. 677) in faulenden Schnecken noch ein
zweiter nicht minder interessanter Rundwurm, ein Herma-
phrodit, Pelodytes (n. gen.) hermaphroditus. Das Thier ist
1'/,'“ lang, hat drei Lippen um den Mund, einen Oesopha-
gus mit doppelter Anschwellung , im letzten Bulbus einen
dreieckigen Zahnapparat. Die Geschlechtsorgane haben die
Gestalt gewöhnlicher zweistämmiger Eierslöcke, die in der
Mitte des Körpers ausmünden und sich symmelrisch über
die, vordere und hintere Hälfte veriheilen. , In den Enden
der Röhren entstehen Eikeime , aber diese werden nicht
gleich. von Anfang an zu Eiern , sondern Anfangs, 'nach
vorher gegangener Theilung, zu Samenkörperchen. Erst
nach einiger Zeit verwandeln sich die Keime in Eier, die sich
dann regelmässig durch Furchung in Embryonen entwickeln.
Barthelemy’s Beobachtungen über Ascaroides,li-
macis, die wir bereils im vorjährigen ‚Berichte ($. 140) an-
gezogen, finden sich im Auszuge weiter in den Opt. rend.
1859. T. 48. p. 230, Ann. and mag. nat. hist. T. III. p.515,
Quarterly Journ. mier. sc. T. VII. p. 239.
Referent verfülterte eine Quantität trichinigen Men-
schenfleisches an ein Schweinchen und fand fünf Wochen
später im Darmkanale dieses Thieres mehrere Dutzende
eines Trichocephalus, der in allen Stücken mit Tr. dispar
des Menschen übereinstimmte. (Bullet. acad. roy. de Belg.
1859. p. 657, Cpt. rend. T.49. p. 453 — an letzterem Orte
mit der irrigen Angabe, dass sich die Zahl der aufgelun-
denen Trichocephalen auf Tausende belaufen habe.) Der
Fund wird als eine Bestätigung der Küchenmeister’schen
Vermuthung angesehen, dass Trichina spiralis von Tricho-
cephalus 'abstamme.
der niederen 'Thiere während ‘des Jahres 1859. 129
AuchVirehow \experimentirt mit trichinigem Flei-
sche "und überzeugt sich) dass die Trichina spiralis im
Darmkanale der Hunde zu einem Wurme auswächst, der
schon am vierten Tage nach der Fütterung Geschlechtsor-
gane mit Eiern und, Samenkörperchen zeigte. Die Grösse
der Würmer. betrug ‚etwa das Drei- und Vierfache. der Mus-
keltrichinen, deren Uebergang in diese Darmparasiten durch
Zwischenförmen:auf das Bestimmteste nachgewiesen wurde.
Trotz der‘: Entwickelung ' der' Geschlechtsorgane hält Verf.
seine Darmtrichinenvnoch nicht für ausgewachsen; erhebt
die» Aehnlichkeit' derselben 'mit 'Triehocephalus ' hervor und
sprichtx die‘ Vermuthung aus, dass /sie'sich' schliesslich in
diese oder auch vielleicht’ in einen Strongylus umwandeln
würden: |
Köberle schildert den anatomischen. Bau und die
Entwickelungsgeschichte von Cucullanus’ elegans, /’Institut
1859. p. 104. Wir heben ‘daraus ‘die Angabe hervor, dass
die neugebornen Jungen ‘zu Millionen’ den Darm des 'Bar-
sches mit dem Kothe verlassen und in reinem Wasser wei-
ter leben.
s/White’beobachtete eine Anzahl Exemplare von Ste-
phanurus dentatus in den Fettanhäufungen neben den Nie-
ren ‘eines anscheinend gesunden Schweines, die an einer
Stelle davon nach allen Richtungen durchwühlt waren. Die
Gänge führten in grössere mit Eiter gefüllte Cavernen,
die je’einen männlichen und einen (mit Eiern gefüllten)
weiblichen Wurm enthielten. Verf. vermuthet, dass sich die
Würmer als Enibryonen durch die Wändungen des Blut-
gefässsystems hindurchgebohrt hätten. Proc. Bost. Soc. n.
hist. VI. p. 428.
- Molin erweitert unsere Kenntniss über Nematoden
durch Beschreibung und Charakteristik neuer oder doch
hur unvollständig bekannter Arten. Sitzungsber. der K.
Akad. der Wissenschaft. Bd, 38. S. 16 ff.
jnan, ” . “7. ” * .
‚Trichina agilissima n. sp., in dem Peritonaeum von Lacerta mu-
talis eingekapselt (nach Körperform, Lage des Alters und Bildung des
Darmkanals dem Gen. Trichina nicht zuzurechnen), Oxyuris acan-
tbura Mol. (= Asc. extenuata' Rud.), Ascaris 'spiralis Zed., Asc. ri-
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd, I
180 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
gida Rud., Asc, constrieta |Rud., Cosmocephalus papillosus| n,/sp. aus
dem Magen ‚von, Larusridibundus; Spiroptera papillata n.,;sp. aus
dem Darme von Leuciscus, cavedanus, Dacnitis, esuriens Duj., D. ro-
tundata n. sp. aus dem Darıme von Cantharus vulgaris, Filaria fusca
Rud., Fil. congeri vulgaris n. sp., Lecanocephalus annulatus n. sp.
aus den Magen von Labrax lupus. Ausserdem drei generisch unbe-
stimmte Arten 'aus Ardea ralloides, Alausa vulgaris und Gobius Pa-
ganellus.
Zu den von Schlotthauber aufgezählten neuen
Nematoden gehört u; ‚a. der Repräsentant eines’ neuen 'Gen.
Piguris (P. retioulata n. sp.), der durch Hauttexfur und
Wohnort mit Oxyuris curvula ‚übereinstimmt, durch Habi-
tus, Mundbildung und Afterlage in der Schwanzspitze aber
gänzlich. verschieden ist. , Für Oxyuris curvula: ‚wird die
Bezeichnung Lepturis eingeführt, das Gen. Heterakis: da-
gegen mit, Oxyuris vereinigt... A. a. 0. S. 126.
Cobbold beschreibt von neuen Arten: Ascaris acan-
thocaudata n. sp. aus Lota, molva, l. c. p.159, A. tribo-
ihrioides n. sp. aus Anas obscura , ibid., p. 365, und: macht
ausserdem noch Mittheilungen über Dacnitis' globosa. p. 159,
über Asc. collaris p. 162 u. a.
In der schon oben angezogenen Abhandlung Carter’s
wird ausser Urolabes palustris ferner noch ‚(p.. 40. Tab. III)
beschrieben und abgebildet: Urolabes gleocapsarum, U. la-
biata, U. teniaculata, U. cirrata,, U.,erythrops, U. infre-
quens, U., ocellata, U, barbata, U, parasitica, (aus. der Lei-
beshöhle von Nais albida) sämmtlich neu, aus den Gewäs-
sern Bombays, von U. erythrops an marin oder,brakisch —
wohl zum Theil dem,Gen. Enoplus zugehörig. Der, Namen
Urolabes bezieht sich auf die Fähigkeit der Thiere, mit dem
Schwanze sich an fremden Gegenständen zu befestigen,
die auch von Enoplus bekannt ist und ..hier (nach Leydig,
Müller’s Arch. 1854. S. 291) von der Anwesenheit einer ei-
genen, auch Carter nicht ganz unbekannt gebliebenen
Spinndrüse herrührt.
J. Müller beobachtet „einen Fadenwurm in der Raupe
von Vanessa V. album“ und giebt dabei eine Uebersicht der
von diesen. Schmarotzern ‚bewohnten Insekten, Jahresheft
der naturw. Section ‚der /k. k.. mährisch. -schles. \‚Gesell-
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 131
schaft, 1859. 8: 109 mit Nachtrag 8. 136 ‘(meist ‚nach v.
Siebold).
Auch Schlotthauber zählt einige selbstbeobach-
tete Fälle von Gordius und Filaria (Mermis) in Insekten
auf, a. a.0.'S. 124. Interessant ist der Fund einer derar-
tigen Filaria unter frisch abgelöster Eichenrinde , der sich
anıdie bekannten Gravenhorst’schen Fälle ' vom Vorkommen
der Filarien in Aepfeln anschliesst:
Nach Gerstfeld findet sich Gordius aquaticus (G.
seta) auch in Sibirien und namentlich im Baikalsee mitun-
ter in ungeheurer Menge. A. a. 0. S. 267.
Acanthocephali.
Von Pagenstecher erhielten wir Mittheilungen ‚über
das Nervensystem und die weiblichen Theile von Echino-
rhynchus proteus (Amtlicher Ber. über die Karlsruher Na-
lurforscher-Versammlung 1859. S.134), nach denen.die Ana-
logie der. beiderlei Geschlechtsorgane viel grösser ist,: als
man früher. vermuthete. Nicht bloss, dass sich die weib-
lichen keimbereitenden Organe, wie die, männlichen, inner-
halb des sog, Ligamentum suspensorium ‚entwickeln ‚wir
finden anfangs auch bei den weiblichen Individuen einen
doppelten Ausführungsgang , der, ganz wie die doppelten
Samenleiter, mit den Keimorganen in direktem Zusammen-
hange: steht. ‚Nach der Begattung aber verkümmert der
eine dieser Ausführungsgänge, während der andere so lange
mit der Eibildungsstätte in Verbindung bleibt, bis die über-
mässige Produktion von Eihaufen in der Wand des hohlen
Ovariums das letztere sprengt. ; Bis dahin findet auch ein
einfacher Uebergang der. Eier aus dem. Ovarium in die
Scheide statt. Dass das auch später noch geschieht, möchte
Verf. bezweifeln ; er glaubt, dass die in: der Leibeshöhle
flottirenden Eihaufen, die sog. „losen Ovarien“, erst durch
die Zerstörung des 'Mutterthieres frei werden.
Cobbold handelt über die Eier: von Echinorhynchus
anthuris, Observations ete. l. c. p. 173.
Der von Lamb| im Dünndarme eines Knaben gelun-
132 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
dene Echinorhynchus besass bei einer Länge von 5,6 Mm.
eine ziemlich schlanke Körperform und einen Rüssel mit
8 Reihen von Haken, in jeder Reihe deren fünf. Die Sehne
der grossen Curvatur an den Haken maass 0,1032 Mm. Die
(weiblichen) Geschlechtsorgane waren noch unvollständig
entwickelt, die Lemniscen bandförmig. Die Bestimmung war
bei dem unvollkommenen Entwickelungszustande nicht mit
gehöriger Schärfe auszuführen, doch hebt Verf. ‚hervor,
dass der Wurm mit dem Ech. gigas. der Schweine eine
grosse Aehnlichkeit besitzt. Prager Vierteljahrsschrift: I.
Tab. IV. Fig. 12.
Von neuen Arten haben wir zu erwähnen:
Echinorhynchus rubicundus aus der Leber von Pla-
tessa passer, E. Nardoi aus dem Darme von Belone acus,
E. lesiniformis aus dem .Peritonäum von Rana esculenta
venet. Molin, Sitzungsber. der Wiener ‘Akademie'Bd. 38.
Ss. 15.
Durch Diesing erhielten wir eine Abbildung (Revi-
sion der Rhynchodeen a. a. O. Tab. I) der von Kolenati
an Nycteribien aufgefundenen und als echinorhynchusartige
Schmarotzer (Arthrorhynchus, vergl. J. B. XXV. S. 147) be-
schriebenen Schläuche, und fasst deren Bildung ‘in folgende
Diagnose zusammen: „Animalia solitaria, libera, flavidula,
eoeca. Corpus elasticum, ventricosum, extremilate, caudali
attenuata, strietura discreta, maris integra , feminae fissa.
Collum longum. Proboscis artieulata, collo oblique inserta,
echinata. Os in proboscidis apice. Acetabulum in limite
proboseidis et colli. Tractus intestinalis simplex, ano stli-
patus.* Trotz dieser so bestimmt lautenden Charakteristik
muss übrigens auch unser Verf. gestehen, dass der Bau
dieser sonderbaren Geschöpfe noch nicht hinreichend be-
kannt sei. Ref. fügt hinzu, dass auch er durch die vor-
liegenden Abbildungen über die Natur der betreffenden Bil-
dungen keineswegs aufgeklärt ist. Er möchte fast bezwei-
feln, dass dieselben überhaupt selbstständige Thiere sind,
und kann die Vermuthung nicht unterdrücken, dass hier
ein ähnlicher Irrthum, wie einst bei der bekannten Need-
hamia Car., zu Grunde liegt.
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 133
2. Platodes.
Hirudinei.
Gegenbaur giebt an (Vergl. Anat. S. 154. Anm.),
bei Sanguisuga eine direkte Verbindung zwischen den Au-
gennerven und den sog. lichtbrechenden Körpern gese-
hen zu haben und glaubt, dass Aehnliches durchgehends
in den Gesichtsorganen der Würmer slallfinde.
Nachträglich mag hier auch noch einer Arbeit von
Nordmann über die wechselnde Zahl der Augen bei einer
Nephelisart erwähnt sein (die übrigens.Ref. nicht gesehen
hat), Öfvers. finska welensk. soc. Foerhand. Vol. Il. p.1—10.
Referent hatte durch van Beneden Gelegenheit,
die interessante Histriobdella (J. B. XXV. S. 149) zu unter-
suchen und die darüber vorliegenden Angaben zu bestäti-
gen. Bullet. acad. roy. de Belgique 1859. p. 183, l’Instit.
1859. p. 209.
Nach den Mittheilungen Gerstleld’s sind die bei
uns so gemeinen Clepsine complanata, Nephelis vulgaris
(mit mehreren Farbenvarietäten) und Aulacostomum gulo
auch in Sibirien weit verbreitet. A. a. 0. S. 263.
Trematodes.
Die von Diesing herausgegebenen „Nachträge und
Verbesserungen zur Revision von Myzhelminthen“ (Sitzungs-
ber. derK.K. Akad. zu Wien Bd. XXXV. S. 421-454) ent-
halten eine systemalisch geordnete Uebersicht der im Jahre
1858 von van Beneden, Wagener, Leidy, Mo-
lin u. A. publieirten und in unserem vorjährigen Berichte
angezogenen Arbeiten über Trematoden und Hirudineen.
Thiry liefert „Beiträge zur Kenniniss der Cercaria
macrocerca* (Zeilschrift für wiss. Zool. Bd. X. S. 271-277.
Tab. XX u. XXI), welche die früheren Angaben über diese
interessante Form bestätigen und ergänzen. Von beson-
derem Werthe ist die Beobachtung, dass die Wassergefässe
der Amme (und Grossamme) mit der Leibeshöhle in offener
134 Leuckärt: Berichtiüber die Leistungen in der Naturgeschichte
Verbindung stehen und zwar mit Hülfe besonderer Flim-
merorgane, die fast vollkommen mit den von Leydig be-
schriebenen Flimmertrichtern von Clepsine complanata über-
einstimmen. Der eigenthümliche becherförmige Behälter,
der den Leib der ausgewachsenen Cercaria umgiebt, ist
nicht durch temporäre Einsenkung der Schwanzwurzel ent-
standen, wie man bisher annahm, sondern eine ring- oder
wallförmige Aufwulstung der strukturlesen Cuticula, die vom
Vorderende des Schwanzes abgeht und nur bei jungen
Exemplaren vermisst wird. Beim Schwimmen wird der
ganze Leib in diesen Becher zurückgezogen. Der kolos-
sale Schwanz scheint übrigens weniger beim Schwimmen,
als beim Einbohren von Bedeutung zu sein.
Nach den Beobachtungen de laValette’s beherbergt
Gammarus pulex in seinen Leberschläuchen mitunter ein
eingekapseltes Distomum, das offenbar auf der Wanderung
begriffen ist und, wie der nebenliegende Stachel beweist,
der Gruppe der Cercariae armalae zugehört. Verh. des
naturf. Vereins der pr. Rheinlande Bd. XVl. S. 56.
Claparede’s Abhandlung über die Kalkkörperchen
der Trematoden (J. B. XXIV. S. 117) wird übersetzt in
Quarterly journ. mier. sc. T. VII. p. 92.
Von van Beneden erhielten wir eine Beschreibung
des äusseren und inneren Baues von Monostomum trigono-
cephalum Rud. und M. reticulare n. sp., beide aus dem
Dünndarme von Chelonia ‚midas, Bullet. Acad..roy. de Bel-
gique 1859. p. 81. c. tab.
Das Gen. Nematobothrium van’Ben. (J.B. XXV. S. 160)
will Diesing nicht anerkennen; er glaubt (a. a. O.),. das-
selbe mit Monostomum vereinigen zu ‚können. , Demselben
Gen. bleibt auch die von Wagener näher untersuchte
(J. B.XXV. S. 165) Amphilina zugesellt.
Das im letzten Jahresberichte — nach Weinland —
erwähnte Distomum Buskii, das von Busk in dem Duode-
num eines in England verstorbenen Lascar aufgefunden
wurde, gleicht im Habitus dem Dist. hepaticum , ist aber
grösser, bis zu 3 Zoll gross, und mit einem einfach gega-
belten Darme versehen, wie D, lanceolatum. Der. Zwi-
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 135
schenraum zwischen den Darmschenkeln wird, ebenfalls: wie
bei letzterer Art, von den Windungen des Uterus ausge-
füllt: 'Budd, on deseases of the liver London 1852. p. 484.
Molin’s Abhandlung: nuovi myzhelmintha (Sitzungs-
ber. der K. Akad. der Wissensch. 1859. Bd. 37. S.818--
854 mit 3 Tafeln) enthalten Mittheilungen über 32: Trema=
todenarten,, von: denen zwölf neu sind und andere‘) mit
„ verbesserter Diagnose charakterisirt werden. : Auch der in-
nere Bau, besonders der Geschlechtsorgane, findet manch-
fache Berücksichtigung.
Besonders wichtig sind die Mittheilungen über: Codonocepha-
Ius, mutabilis, (Tab. I. Fig.2), Gasterostomum, fimbriatum \n.,sp. aus
dem Darmıe von Anguilla vulgaris, ‚Monostomum ovatum .n.. sp. aus
dem Darmkansle von Gallinula crex, M. altenuatum Rud., Distomum
inflatum n. sp. aus dem Magen des Aals, D. grandiporum Rud., D.
variegatum Rud., D. hkemiciclum n. sp. aus dem Darme von Belone
acus, D. serpentatum n. sp. aus dem Darme von Sayris Camperi, D.
arrectum Duj., D. mutabile n. sp. aus der Gallenblase von Lacerta
muralis, D. bacillare n. sp: aus,den Pylorialanhängen von Centrolo-
phus pompilius, D. unicum n. sp. aus dem Darme desselben Fisches,
D. mentulatum Rud., D. fuscescens Rud., D. erenatum n. sp. aus dem
Magen von Centrolophus, D. verrucosum n. sp. aus dem Darme von
Labrax lupus, D. imbutiforme n. sp. ebendaher, D. anceps n. sp. aus
dem Darme von Fulica atra, D. clavigerum Rud.
Das von Schlotthauber unter seinen neuen Tre-
matoden aufgeführte gen.n. Astomum (a. a. 0.8.1129) mit
A. poricola n. sp. aus den Magendrüsen von Anas boschas,
reduecirt sich, nach Untersuchung von Original-Exemplaren,
auf weibliche Individuen des sonderbaren Nematodengenus
Tetrameres. , Vergl. J. B.XXIl. S. 352.
Gobbold: handelt in den schon ‚mehrfach, erwähnten
Observations u.a. über folgende Trematoden :. Monostomum
dubium n. sp. (aus einer Cyste. unter der Peritonealbeklei-
dung. des Ovariums von Gasterosteus, spinachia‘|p; 156),
D. fulvum (nach der Ansicht. des. Verf’s identisch mit D.
simplex Rud. und D. bramae Müll., aus Gadus. ‚mustela
p- 157),,, D. rachion n. sp. (aus, dem Cabliau p..158),.D.
gracilescens Rud. (p. 161, bekanntlich. ein Gasterostomum,
dessen Penis unser; Verl. als .coniractile/Blase gedeutet ‚hat),
D. hispidum .(p. 162, das Verf., dem.Gen. Echinostomum zu-
136 Leuckairt: Berichtüberdie Leistungen in der.Naturgeschichte
rechnen möchle), D.ıoblongum n.sp: ‚ (aus demverweiterten
Ende‘der‘'Gallengänge von‘ Delphinus ‚phocaena’, ‚mit: |Ma-
genschläuchen , deren: 'zickzackförmige: Gestalt die 'Unter-
schiede\' zwischen den: echten Distomaarten “und Fasciola
ausgleicht, wesshalb ‘denn ‚auch: Verf.,\dasselbe zum Typus
eines eigenen Genus Campula macht: p. 168),.D. compactum
n.ısp.'ı(aus der: Lunge von 'Ichneumon!; mungoz: 'p: 363),
D. minutumn. sp. ‚(aus’dem Austernfischer‘p.' 364): D: Bosei
Cobb: (= D.'colubri’amer. Rud. p. 364), Bilharzia:(n! gen.)
magna n. sp. (aus der Hohlvene von Cereopithecus'! fuligi-
nosus, eine mit: D. haematobium Bilh. sehr 'nahe verwandte,
vielleicht identische Art, die aber nur in einem einzigen,
männlichen Exemplare zur Untersuchung kam p. 364. Die
Grösse soll viel bedeutender sein, als bei D. haematobium,
doch besitzt Ref. Exemplare des letztern, die keineswegs
gegen das hier abgebildete Thier zurückstehen. Auch‘ sonst
findet'Ref. keine Unterschiede, es müsste dann sein, dass die
äussere Haut der 'Cobbold’schen Art wirklich'glatt wäre,
wie es die Zeichnung wiedergiebt. Der Genusnamen Bil-
harzia kann nicht bleiben, da Diesing dafür bereits die
Bezeichnung Gynaecophorus, Weinland Schistosoma in
Anwendung gebracht ‚hat. Immerhin aber ist der Nachweis
interessant, dass. diese. sonderbaren , Blutwürmer . auf den
Menschen nicht allein ‚beschränkt. sind.)
Cestodes.
Von‘“Platner erhielten wir (Archiv für Anat. “und
Physiol. 1859. S. 272—290. Tab. VI—VIII) unter dem Titel
„helminthologische Beiträge“ Untersuchungen über den Bau
von Taenia Solium, ‘besonders deren Geschlechtsorgane,
mit Angaben, die sich in mehrfacher Beziehung 'von den
früheren Darstellungen entfernen, hier und da auch unsere
Anschauungen berichtigen, aber daneben mancherlei Irr-
thümliches''enthalten. Vielleicht dass Verf. vor Fehlgriffen
mehr bewahrt gewesen wäre, wenn er statt einer rein dog-
matisirenden Behandlung seines Themas eine mehr einge-
hende Prüfung der Verhältnisse versucht hätte.
Der''von ‘Ref, als „Keimstock“ beschriebene paarige Apparat
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 137
ist nach unserem Verf.' als Dotterstok anzusehen. 'Er enthält (was
auch Ref. bestätigen kann) vollständige kleine Eier mit Keimbläs-
chen, Dotterkörner und Schale — die freilich nicht mit, der späteren
Schale verwechselt werden darf und richtiger als Eihaut bezeichnet
wird — und soll die ersteren aus einer besonderen kleinen als Keim-
stock fungirenden Blase bekommen, die dicht hinter dem Receptaculum
seminis gelegen sei. (Ref. hat’ sich von letzterer Angabe nicht über-
zeugen können 'und glaubt ‘das erstere Gebilde demnach als Ovarium
in-Anspruch, nehmen zu müssen. In morphologischer Beziehung ent-
spricht dasselbe dem „Keimstocke“ der Bothriocephalen, aber diese
besitzen daneben noch einen Dotterstock, der den Täniaden abgeht,
In der Bildung und der Entwickelung der Eier finden sich zwischen
diesen beiden Familien gewisse charakteristische Verschiedenheiten,
wie das Ref. an einem anderen Orte specieller aus einander setzen
wird.) Die Entwickelungsgeschichte des Eies behält sich Verf. für
eine spätere Gelegenheit vor; er gieht aber beiläufig an, dass der
Dotter ‚zu einer gewissen Zeit deutlich mit Wimpern versehen sei (?).
Die bekanntlich bläschenartigen Hoden („Hodenkörperchen“) sind mit
bleibenden Ausführungsgängen versehen und münden am hinteren Ende
des geschlängelten Samenleiters („Samenbehälters“) in einen unre-
gelmässig gezackten Sinus. Die Entwickelung der Hodenkörperchen
wird auf einfache Zellen zurückgeführt. Die Existenz durchgehender
und verästelter Seitenkanäle wird von unserem Verf. in Abrede ge-
stellt; was;man: in diesem ‚Sinne gedeutet habe, sei der Darm der
Cestoden, der in jedem Segmente einen isolirten n-förmigen Schlauch
bilde. (Es scheint, dass Verf, niemals Gelegenheit gehabt hat, junge
Exemplare von Taenien zu untersuchen, er würde sich sonst z. B.
an T. cucumerina sehr bald von dem Irrthume seiner Behauptung
überzeugt haben.) Ausserden habe jedes Glied noch ein eigenes
bisher übersehenes Gefässsystem, das dicht unter der Oberfläche des
Körpers liege und‘ jederseits aus vier Längsstämmen bestehe, die
durch viele querverlaufende Aeste unter einander zusammenhängen.
Aber dieses Gefässsystem sei merkwürdiger Weise nicht durchgängig,
sondern von zahllosen Scheidewänden durchsetzt d.h. aus länglichen,
mit ihren Enden an einander gefügten Zellen gebildet.
Die erst jetzt (1860) erschienenen amtlichen Berichte
der ‚Göttinger Naturforscherversammlung enthalten S. 90
eine, vorläufig Mittheilung über die von Ref. in Betreff der
Entwickelung der Blasenbandwürmer angestellten und seit-
dem ausführlich veröffentlichten Experimentaluntersuchun-
gen. Vergl. J. B. XXI. S. 198.
Baillet veröffentlicht in dem ‚Journ. des, veterin. du
138 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Midi 1859 (oder Annales des sc. nat. 1859. T. XI. p. 303—
315) neue Experimentaluntersuchungen über die Entwicke=
lung der Blasenbandwürmer, dieses Mal ausschliesslich über
Taenia Coenurus. Er verfütterte die Proglottiden dieses
Bandwurmes, die zum, Theil von einem bereits 16 Monate
vorher mit Coenurus inficirten Hunde abstammten , an zwei
Schaflämmer, vier junge Ziegen, ein Kalb, eine Kuh und einen
Bock und sah darauf (in der 2. und 3. Woche) nicht bloss
bei den Lämmern, sondern auch bei einer Ziege und dem
Kalbe die bekannten Erscheinungen der Drehkrankheit auf-
treten, konnte auch in allen diesen Fällen den Coenurus,
und zum, Theil in grosser Menge , in dem Hirne nachwei-
sen. Eine zweite Ziege starb einige Tage nach der Füt-
terung unter Congestionserscheinungen, die möglicher Weise
gleichfalls von der Einwanderung der Bandwurmbrut in’s
Hirn herrührten. Die übrigen Ziegen und die zum Expe-
rimente verwandten zwei alten Thiere blieben gesund. Den
deutschen Experimentatoren ist es bisher nicht gelungen,
den Drehwurm bei den Ziegen zur Entwickelung zu .brin-
gen, während Kälber bekanntlich auch bei uns drehkrank
gemacht sind. Uebrigens scheint esnach den von unserem
Verf. gesammelten Angaben , dass der Coenurus unter den
Wiederkäuern eine ziemlich weite Verbreitung habe. Das
Rennthier, Reh, Kamel, Muflon, so wie die Gemse und Ga-
zelle, sie alle leiden gelegentlich an , dem berüchligten
Wurme.
Zu den von Fürstenberg mit Coenurus und Cysti-
cereus tenuicollis angestellten Experimenten dienten nicht,
wie es in unserem letzten J. B. (S. 172), heisst, „Frösche
und Hunde,“ sondern „Füchse und Hunde,“ wie wir bei
dieser Gelegenheit noch nachträglich verbessern wollen.
Wir erwähnten im letzten J. B. S.171 einer Beobach-
tung von Baillet über das Vorkommen eines Coenurus
in den Brustmuskeln des Kaninchens. Derartige Fälle meh-
ren sich.
So fand Eichler einen mit zahlreichen (gegen 2000)
Köpfchen besetzten Coenurus von Gänseeigrösse im Unter-
hautzellgewebe eines Schafes; 'und zwar ganz den gemeinen
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 139
0. 'cerebralis, wie die Untersuchungen von Haubner und
Zenker ausser Zweifel setzten. Bericht über das Vete-
rinärwesen im Königreich Sachsen 1858—59. S. 47.
Noch interessanter ist Cobbold's Beobachtung (I. ce.
p: 865) vom Vorkömmen eines Coenurus in der Leber und
der Lunge von Lemur maco , dessen Identität mit C. cere-
bralis freilich nicht constatirt wurde. Die Coenuren der
Lunge sassen durch einen dünnen Stiel an dem Pleuraüber-
zuge und hatten eine vielfach gelappte Form.
Cobbold machte auch (ibid. p. 166) einige Fütte-
rungsversuche mit Kaninchenfinnen und fand nach eini-
gen ‘Wochen bei den infieirten Hunden bald Taenia serrata,
bald T. eucumerina. Er sieht darin den Beweis, dass auch
die letztere Art ihren Finnenzustand im Kaninchen 'ver-
lebe und glaubt gewisse — freilich nicht näher beschrie-
bene — kleine Leberfinnen als deren Jugendform bean-
spruchen zu dürfen. (Nach der Ansicht des Ref. durchläuft
Jer betreffende Bandwurm seinen Finnenzustand in Insek-
ten, vielleicht Fliegenlarven, die die Eier bei Fütterungs-
versuchen auch wirklich aufnehmen. Freilich haben diese
Versuche Ref. sonst immer nur negative Ergebnisse ge-
liefert.)
Ueber den Zusammenhang im Vorkommen der Taenia
Solium mit dem Genusse von rohem und halb rohem Flei-
sche vergleiche Barclay, Med. Times 1859. March 26.
Köberle glaubt ausser dem Cysticercus cellulosae
beim Menschen noch zwei andere grosshakige Finnen un-
terscheiden zu können, C. turbinatus n. sp. und C. me-
lanocephalus n. sp., die beide im Hirne gefunden wurden
(Institut 1859. p. 194.) Ob der Aufstellung dieser Arten
wirklich specifische Differenzen zu Grunde liegen , müssen
wir dahin gestellt sein lassen; die Unterschiede in Grösse
der Blase und Haltung des eingestülpten Halses dürften kaum
dahin gehören, indem diese ganz einfach auf Allersverschie-
denheiten sich reduciren lassen. Die Haken der ersten Art
sollen denen der Taenia laticollis ähnlich sein.
Haubner erwähnt eines Falles, in dem das (erweichte)
Hirn und verlängerte Mark eines Schweines mit mehr als
140 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
hundert Finnen durchsetzt war, während sonst nur'einzelne)
dieser Parasiten im Zellgewebe zwischen Schulter und
Brust gefunden wurden. ‘Bericht über das Veterinärwesen
Sachsen’s. 1858—59. 8.99.
Das medicinische Correspondenzblatt des würtemberg.
ärztlichen Vereins enthält in No.31: (Bd..XXIX) zwei Mit-
theilungen Weinland’s, von denen die erste über Cysti-
cerceus acanthotrias und Taenia flavo- maculata, die zweite
über Taenia mediocanellata handelt und Beobachtungen
bringt, über die wir nach einer früheren Mittheilung un-
seres Verf.’s schon im letzten J. B. (S. 174) referirt haben.
Die von uns schon früher (J. B. XXIV. S, 129) ange-
zogenen Beobachtungen Steenstrup’s über den Band-
wurm. des Stichlings finden sich überselzt in der Hallischen
Zeitschrift für die gesammten Naturwissensch. 1859. XIV.
p- 475.
Weinland giebt an (13. Jahresber. der Ohio Staats-
Landbaubehörde S$. 566) auf Hayti in der Leibeshöhle von
Rhynchichthys Gronovis eınen mit Schistocephalus verwand-
ten geschlechtslosen Bandwurm beobachtet zu haben.
Nach Cobbold soll auch die Taenia filicollis des
Stichlings ein unvollständig entwickeltes Thier sein. Obser-
vations etc. 1. e. p. 156.
Derselbe Beobachter überzeugt sich davon, dass
die Kalkkörperchen von Tricuspidaria , wie die der Trema-
toden, in flaschenförmigen Hohlräumen gelegen sind, lässt
diese sich aber einzeln in einen gerade zur Cuticula auf-
steigenden Canal fortsetzen. Quarterly journ. mier. Sc.
T. VII. p. 115. (Bei durchsichtigen Exemplaren von T. cu-
cumerina ist es Ref. gelungen, denselben Zusammenhang
mit dem excrelorischen Gefässsystem nachzuweisen, den er
mit Pagenstecher schon früher bei Echinobothrium be-
schrieben hat, J. B. XXIV. S. 174.)
Derselbe bemerkt eine zwischen den hornförmigen
Fortsätzen an den Haken von Tricuspidaria ausgespannte
Chitinlamelle und giebt an, das diese Hörner , je nach‘ Um-
ständen, nach vorn und nach hinten gerichtet sind. Eben-
daselbst S. 202.
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 141
Molin macht in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie
(Bd. 38. S. 7—14) Mittheilungen über neue oder doch nur unvollstän-
dig gekannte Cestoden, besonders Sparganum Janceolatum Mol.; (Sp.
Erinacei Dies.), Scolez crassus n. sp. aus dem Darme von Solea vul-
garis, Dibothrium claviceps Rud., D, heteropleurum Dies., Rbıyncho-
bothrium corollatum Rud., Taenia rolundata n. sp. aus dem Darme
von Lacerta muralis, T. hemisphaerica aus dem Aale.
Cobbold entdeckte in den Darmkanale von Delphinus phocaena
einen langen Bandwurm Diphyllobothrium (n. gen.) stemmace-
phalum, und giebt von. dieser neuen Form (Übservations etc. 1. c.
p- 167) folgende kurze Beschreibung: length npwards of 100 inches,
greatest breath %sths of an inch; 'head arched, supported by a nar-
row neck, the latter rapidly increasing in breadth; bothria two in
number, compressed, shallow, subsessile, together forming a semicir-
eular festooned crown; segments %,th to %sth of an inch broad
ftom above downwards, marked by 10 or 12 longitudinal furrows,
the lower border of each slightly overlapping the succeeding seg-
ment, reproductioneorifices conspicuous, widely separated, both pla-
ced in the mesial line.
Ebendas. handelt Cobbold auch noch über andere Cestoden,
über einen Tetrarkynchus aus dem Cabliau (p. 158), über Gymnorhyn-
chus reptans (p.160), Taenia sphaerocephala (p. 164) u. a.
Taenia suleiceps n. sp. aus dem Darme von Diomedea exulans,
Baird Annals and mag. nat. hist. T. IV. p. 240.
Nach’ den Angaben von Schlotthauber (Amtl. Bericht u. 5. w.
8.13) ist die Taenia malleus Rud. keine eigene Art, sondern eine in-
dividuelle Missbildung, die bei verschiedenen Arten, z. B. T. trilineata,
T. undulata, T. spenocephala in verschiedener Ausbildung gefunden
wird. Ebendas. wird auch die unrichtige Behauptung ausgesprochen,
dass die Bandwürmer im natürlichen Zustande nicht platt, sondern
drehrund und ungegliedert seien.
Turbellarii.
Pharyngocoela. 0, Schmidt’s Untersuchungen
über „die dendrocoelen Strudelwürmer aus den Umgebun-
gen von Gratz* (Zeitschrift für wissensch. Zool. Bd. X.
8. 24—33. Taf. II—IV) beziehen sich 'auf Polycelis cor-
nuta n.sp. (= Planaria viganensis Duj. ?), P. nigra Ehrbg.,
Planaria torva Müll. und Pl. gonocephala Duj. und betreffen
vorzugsweise die Anatomie der Geschlechtsorgane. ' Die
Geschlechtsöffnung führt nach den hier vorliegenden Beob-
142 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
achtungen zunächst: in einen Hohlraum, die 'Geschlechts-
kloake (antrum) , in die dann von hinten der muskulöse
Penis, von vorn der kuglige, mil muskulösem Ausführungs-
gange versehene Uterus und zwischen beiden die Keim -
und Dotterstöcke mit gemeinschaftlicher, Oeffnung, einmün-
den. Der Penis nimmt ausser den beiden Samenleitern
noch eine besonders bei Pl.. gonocephala entwickelte Drüse
auf, deren körniges Secret sich im Grunde des: Penis'an-
häuft. Auch bei den übrigen Arten zeigt die Organisation
der hier erwähnten Theile mancherlei charakteristische Ver-
schiedenheiten. Polycelis cornuta besitzt hinter der Ge-
schlechtsöffnung noch ein besonderes sackförmiges Organ,
in das von den Seiten zwei flaschenförmige Warzen hin-
einragen, die eine auf der Spitze mündende Höhlung in
sich einschliessen. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist die-
ses Gebilde eine Drüse, vielleicht eine Schleimdrüse.
Aus den gelegentlichen Mittheilungen, dieSchmarda
in seinem grossen Reisewerke über den Bau der Planarien
macht, heben wir u.a. hervor, „dass stäbchenförmige Kalk-
ablagerungen“ in der Haut häufiger zu sein scheinen, als
‚man früher annahm. Sie wurden nicht bloss bei Mesostomum
hystrix, sondern auch bei Macrostomum setosum, Thysonozoon
discoideum und Sphyrocephalus dendrophilus beobachtet, bei
welchem letztern sie in so grosser Menge vorkommen, dass
die Haut dadurch einen bedeutenden Grad von Festigkeit
erhält. Bei Diolis kommen zwei Gehörorgane, je mit einem
Otolithen, vor und ebenso bei Leptoplana otophora, nur dass
hier zwei Otolithen in jeder Kapsel gefunden werden.
Einfache mediane Otolithenkapseln beobachtete Verf. bei
Acmostomum crenulatum , Mesopharynx otifera und Cate-
nula quaterna. : Bei Prostomum wird in Uebereinstimmung
mit Referent der vordere sog. Pharynx als Analogon des
Nemertinenrüssels gedeutet, Eine Quertheilung wurde an
mehreren ceylonischen und südafrikanischen Rhabdocoelen
aufgezeichnet; Strongylostomum caerulescens und die beiden
Arten Catenula kamen sogar immer nur in diesem Zustande
zur Untersuchung. Am ausführlichsten ist der anatomische
Bau bei Leptoplana otophora (S. 18) und Sphyrocephalus
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 143
dendrophilus beschrieben. Noch. mag hier erwähnt sein,
dass beim Schwimmen der Dendrocoelen die Körperränder
meist eine scharf markirte undulirende Bewegung zeigen,
die an den beiden Seiten ganz in derselben Weise vor sich
geht, wie bei einem Bote, dessen Ruder sich gleichmässig
senken und heben,
Noch mehr aber als unsere anatomischen, werden un-
sere systematisch - zoologischen Detailkenntnisse durch
Schmarda’s umfassende Beobachtungen erweitert. Es
dürfte. wohl kaum ein zweiter Forscher von sich rühmen
können, eine so grosse Zahl von Turbellarien gesehen und
untersucht zu haben.
Das System, das Schmarda bei seinen Bestimmun-
gen zu Grunde legte , schliesst sich zunächst an das Die-
sing’sche an, ohne damit indessen zusammenzufallen , wie
die nachfolgende Synopsis zur Genüge nachweist.
d.; Synopsis Dendrocoelorum (l. c. p. 13):
A. Caput nullum: Acarena.
a. Tentacula nulla (Aceroidea).
%uDeuli Aunsaissisnninnsls ne 0b BissrerahniDigehis;
B- Bsulintuasitisinsnsv nikon fastludn unalgoakricelib;
y. Oeuli quawor. . » 2 2.2.20020%#0. Tetracelis.
d. Oculi nulli.
a Osarlicum. . . al las. 56 Kolycladus.
b. Os subeentrale ea: - - ... Typhlolepta.
€. Oculi numerosi.
a. Os anticum . . - » . Leptoplana.
b. Os subcentrale ; Be ee « Polycelis.
€. Os centrale, pharynx na
multilobus aut crenatus . . Centrostomum
db. Os duplex (!); pharynx duplex pro-
tractilis tubaeformis . . . . . Diplanaria n.
b. Tentacula frontalia spuria (Pseudoceroidea).
@. Dorsum laevei. . 2.2.%20%20% 0 Eurylepta.
#. Dorsum papillosum . ..- -.. Thysanozoon.
©. . Tentacula frontalia (Bauhalocargrdinn,
«. Os centrale v. subcentrale posticum,
pharynx prolractilis cylindrieus.
a. Oculi numerosi cervicales et, ten-
taculares . » 2 2 2000. 0 Protheceraeusn.
(= Proceros Quat.).
144 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
b. Oculi duo submarginales''. . 'Homaloicera@eusn!
ß: Os postieum,. pharynxı ‚protractilis
multi-partitus , ,» “1:0 )-, Phagocata. ı.;
d. Tentacula cervicalia;(Notoceroidea),
&.1 Oculi nulli 7 ..2,,; a Planocera.
8. Oculi numerosi ad Er; tentaculorum Stylochus.
y- Oeculi in apice tentaculorum . . . Imogene.
B. Caput corpore distinctum: Carenota.
a Caput quadrangulare . . . . . . Cephalolepta.
b. Caput triangulare . . . . 2... Goniocarenan.
ce. Caput productum tentaculis duobus Carenoceraeus'n.
d. Caput malleiforme . . 0... Sphyrocephalus n.
Einige der hier neu aufgestellten Genera' dürften übrigens wohl
mit. anderen schon bekannten zusammenfallen. So, namentlich‘ Gonio-
carena mit Dugesia Gir., Carenoceraeus mit, Nautiloplana Stimps,.,
Sphyrocephalus, eine ‚interessante, fastnemertinenartig gestaltete Land-
planaria, mit Bipalium. Wir wollen es auch nicht vertreten, wenn
Verf. bloss auf Grund der Augenbildung in seinem Genus Polycelis
die verschiedensten Formen, Landplanarien,' Süsswasserformen (Arten
des alten Gen. Planaria, dessen übrige Repräsentanten zu Dicelis,
Homaloceraeus, Goniocarena gerechnet werden) und marine vereinigt,
während er andererseits die so charakteristischen Formen der Land-
planarien (Geoplana Schultze) über verschiedene Genera vertheilt.
Il. Synopsis Rhabdocoelorum (l. c. p. 2—12).
A. Os minimum extensile: Microstomea,
a. Os orbiculare.
«. Os terminale.
a. Otolithus unus, oculi nulli. . . Proporus.
b. Oculi sex es de le 2 DIEDEUEE
8. Os subterminale anticum . . . . Vorticeros.
b. Os rimaeforme.
«. Os subterminale . . . . 00 .,, Microstomum.
#8. Os terminale . » ».2.20 20%... Schizoprora.
B. Pharynx protractilis, amphoraeformis, co-
nieus vel cylindrieus: Pharyngea.
a. Os anticum terminale (Acmostomea)
Gen. un. vun... rn Acmostomum n.
b. Os subterminale anticum (Derostomea).
@. Os eirenlare .*. 0. a ne Vortex
#. Os longitudinlle . . . . . . . Derostomum.
y: 0s obliquum (?) . . » 2. . Stenostomum.
e. Os centrale (derspiärrugen
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 145
«@. Pharynx eylindrieus . . » » . Mesopharynzn.
?. Pharynx infundibuliformis . . Chonostomum n.
d. Os posticum (Opistostomea).
@. Otolithi duo. . 2» 2 22020200 Diotisn.
?. POtolithus unieus . . » . . 2. Monocelis.
y. Otolithus nullus . . . 2.20... Opistostonum.
€. Pharynx protractilis nullus: Apharyngea.
a. Os rimaeforme (Rhochmostomea).
«. Os longitudinale vel ellipticum.
a. Os subterminale . . . . . . Macrostomum.
b. Os terminle . . . „2... Telostomum n.
ß. Os transverssum . . 2... Convoluta.
b. Os annuliforme ne
«. anticum subterminlle . . . . . Strongylostomum.
#. Os centrale vel subcentrale posticuimn.
a. Oculiduo . . . 2.2.2.0... Mesostomum.
b. Oculi mulli. ». » 2 2.20%.» Typhloplana.
D. Proboscis extensilis terminalis: Rhynchoproboli.
a. Os anticum subterminale . . . . . Prostomum.
b. Os centrale annuliforme . . . Rhynchoprobolusn.
E. Individua in catenas associata. Caput cor-
pore discretum : 2 en
Gen. unie. . . . 2. Catenula.
Der Genusnamen Vortex ie ver in einem sehr umfassenden
Sinne gebraucht, so dass demselben ausser dem Leidy’schen Gen. Cate-
sthia auch noch Plagiostomum, Spiroclytus, Trigonostomum, Hyposto-
mum, Pseudostomum Schm. zufallen.
Die vom Verf. beschriebenen und abgebildeten neuen Arten
sind folgende:
A. Dendrocoela (p. 15—37. Tab. I— VII), alle, mit Ausnahme
der Landplanarien, marin.
Dicelis megalops Jamaica, Polycladus andicola, eine Landpla-
narie aus Quito, Typhlolepta opaca Cap b. sp., Leptoplana monosora
Ceylon, P. striata Peru, L.gigas Ceylon, (140 Mm. lang, 60 Min. breit,
die grösste bis jetzt bekannte Art), L. chilensis Chili, L. otophora
Ceylon, L. macrosora Antillen, L. purpurea Jamaica, L. lanceolata
Valparaiso, Polycelis ophryoglena Peruan. Küste, P. obovata Antillen,
P. orbieularis Küste von Chile, P. haloglena ehendaher, P. australis
Neu-Süd-Wales, P, erythrotaenia Tafelbai, P. microsora Ceylon, P.
ferruginea Jamaica, P. capensis Cap b. sp., P. oosora Ceylon, P.
macrorhyncha Ceylon, P. trapezoglena Ceylon, P. Iyrosora Tafelbai,
Centrostomum)taenia Peruanische Küste, ©. polycyclium Ceylon, C. po-
Iysorum Neu-Seeland, ©. dubium Ceylon, Eurylepta rubrocincta Cey-
Archiv f. Naturg. XXVI, Jahrg. 2. Bd. K
146 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
lon , E. nigrocincta ebendaher, E. miniat« ebendaher , E. violacea
ebendaher,. E. striata ebendaher;) E. \cardiosora 'ebendaher, E. su-
perba ebendah., E. orbieularis Antillen, 'Thysanozoon Diesingii Gr. Cey-
lon, .Th. discoideum ebendah., Th. ovale ebendah., Th. eruciatum Port
Jackson, Protkeceraeus terricola Central-Amerika in der Region der
Bergpalmen, P. microceraeus Ceylon, P. nigricornis Peru, P. latissi-
mus Ceylon, P. celavicornis ,„ P. viridis ebenduh., Stylochus dietyotus
Antillen, St. fasciatus ebendah,, St. oligoglenus Ceylon, St. amphibo-
lus ebendah. , St. heteroglenus Antillen, St. oxyceraeus Ceylon, Imo-
gene, truncata ebendah., J. conoceraea ebendah., Sphyrocephalus den-
drophilus in feuchten und schattigen Wäldern Ceylons.
B) Rhabdocoela (p. 2—12. Tab. IL, Il).
Acmostomum denticulatum aus Neu-Süd-Wales, A. erenulatum.
Neu-York, Mesopharynz otophorus Cap b.sp., M. diglena Neu-Süd-
Wales, Chonostomüum' crenulatum Neu-Seeland, Diotis grisea Central-
Amerika, Vortex sphaeropharynz Neu-Granada, V. caudatus ebendaher,
V. trigonoglena Neu-Süd-Wales, V. truncatus Ehrbg. Aegypten, V
ferrugineus ‚Aegypten; Derostomum \ leucocelis Central- Amerika, D.
truncatum Neu-Süd-Wales , D. elongatum Neu-Orleans, Macrostomum
setosum, Neu-Granada,' M. ceylanicum,: Telostomum ferrugineum Cen-
tral- Amerika, Convoluta sarctica,, Ceylon,, Typhloplana. gracilis Neu-
Granada, T. viridata Schnidt, Neu-Seeland, Strongylostomum andicola
Ecuador, St. ‚metopoglenum Sydney, St. coerulescens Jamaika, Mesosto-
mum. rostratum Duj. Ceylon, M.) hystriz Istrien, ‚Rhynchoprobolus tetro-
phthalmus Jamaika, Rh. papällosus, Neu- York, Rh. erythrophthalmus
Cap b.'sp-,, Catenula. qualerna ‚ebendaher ‚0. bina Neu-Süd-Wales.
Vortex ferrugineus wurde vom Verf.‘ in.einem.Aegyptischen Salzsee,
Diotis grisea im Brackwasser aufgefunden ; die übrigen Arten sind
Süsswasserbewohner.
Sonst haben wir von neuen Arten nur einige wenige Süsswas-
serplanarien aus Sibirien zu erwähnen, die von GWerstfeld (a.a. 0.
$.260) beschrieben sind ; Planaria Angarensis n. sp. (von ‚Pl. lactea
durch lederartige Consisienz der Haut, durch ‘dunklere Färbung ‚und
schwarzes Halsband verschieden) , Pl. torva Müll. ,.P.,. guttula, | (mit
breitem, blattförmigem Leibe und 10 in zwei Reihen gestellten helleu
Flecken auf dem fast! braunen, Rücken),
Rhynchocoela, Die Ansichten, ‘die Schmarda
(a. a0.) über den Bau der Nemerlinen ausspricht, schlies-
sen sich an die Auflassungsweise der übrigen deutschen
Forscher an. Der Rüssel ist darnach ein selbstständiges
von dem Verdauungsapparate abgetrenntes Organ. Die
Kopfgruben werden als Respirationsorgane in Anspruch ge-
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 147
nommen, ob mit Recht, wollen wir hier dahin ‘gestellt sein
lassen. Besonders interessant unter den vom Verf. beob-
achteten Formen ist die in Süsswasser lebende Nemertes
polyhopla (p. 44), die von den übrigen Süsswassernemer-
tinen generisch verschieden ist, sich durch Bildung des Rüs-
sels aber auch von den marinen Formen so weit, entfernt,
dass Verf. dafür gewiss mit.Recht ein neues Genus hätte auf-
stellen, können. ‚Der’hintere Theil des Rüssels;ist hier näm-
lich bis auf das knopfförmig verdickte Ende in der vorde-
ren eingestülpt. Die Innenwand des letzteren trägt grosse
Angelorgane. Auch die gewöhnliche Bewaffnung ist vor-
handen. Das Gefässsystem besteht aus zwei langen Canä-
len, die an den Seilen des Darmes verlaufen, an den En-
den mit einander anastomosiren und zwischen Kopf und dem
übrigen Körper in zwei kugelförmige. contraetile Sinus oder
Herzen übergehen. Zwei andere Canäle, welche die Ge-
fässe an der inneren Seite,begleiten, ‚scheinen sich nach
Aussen zu öffnen.
Das nach Beattie (Ann. and mag. nat. hist. III.
p- 160, Proc. Zool. Soc. 1858. June) von einer sehr langen
Nemerline (Lineus longissimus), producirte 18“ lange, fa-
denförmige Junge, das ungefähr ‚eine. Woche lang lebte,
ist offenbar "Nichts, als der nach Aussen’ ausgeworfene
Rüssel, der durch seine selbstständigen Bewegungen leicht
zu allerlei Missdeutungen Veranlassung giebt.
Bei der Aufstellung der einzelnen Genera lässt sich
Schmarda,.dem wir,auch über die Zoologie der: Nemer-
linen sehr umfangreiche Untersuchungen verdanken, in ähn-
licher Weise, wie oben bei den Planarien,, weniger von
anatomischen Gesichtspunkten leiten, 'als von der Bildung des
vorderen Körperendes mit den hier gelegenen Sinneswerk-
zeugen und Oeffnungen. Auf diese Weise enistand denn
folgende synoptische Uebersicht (p. 38, 39).
A. Organa respiratoria distincta nulla (Abranchiata).
a. Caput integrum (Holocephala),
a. Oeuli nulli,
a. Proboseis terminalis ... . .; Borlasia.
b.. Proboseis subterminalis‘. 4; Valencinia,
148 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
B. Ocellata. Proboseis terminalis. Os subterminale.
a. Oculi duo 2.1202 0202. ‚Gephalotrix.
b. Oculi quawor ... =». .» Oerstedia.
c. Oeculi plurimi.
1. Corpus appendice destitutum Ommatoplea.
2. Corpus appendiculatum „ . Polystemma.
b. Caput lobis duobus (Lobocephala).
@. Coput subovatum excavatum . . Colpocephalus n.
ß. Caput obcordatum planum . Chlamydoecphalus:n.
y. Caput conicum, lobis rostriformi-
bus ; corpus tereliusculum . . . Rhamphogordius.
d. Lobi bilobi. Caput depresum . Lobilabrum.n.
B. Organa respiratoria fissiformia (Rhochmobranchiata).
a. Caput fissura unica transyersa terminali (Monobranchiata).
e. Oculi mulli .. . * .. . Tubulanus.
B. Oculi frontales bisseriati vr. Mictura,
y. Oeculi frontales plurimi in serie se-
mieireulari simpliei » . » . . Hemieceyclian.
b. Fissurae duae (Dibranchiata).
«. Fissurae terminales breves. Oculi 4 Tetrastemma.
ß. ‚Fissurae terminales in utroque la-
tere decurrentes. Oculi quinde-
cim usque septendecim . . . . Notospermus.
y. Fissurae longitudinales in utro-
que margine vel obliquae.
a Oculi nulli .. + Meckelia.
b. Oculi 4—12 aut alte 20... Nemertes,
ec. Fissurae quattuor (Tetrabranchiata).
a. Fissurae in apice capitis cruciatim
divergentes . . . » 2... Ophiocephalus.
#. Fissurae quatiuor yrebbe terminales Loxorrhochma n.
Was die in den letzten Jahren von Nordamerikanischen For-
schern aufgestellten neuen Genera betrifft, so glaubt Verf. das Gen.
Hecate Gir. zu Tetrastemma, Leodes, Renieria und Stimpsonia Gir. zu
Meckelia, Poseidon Gir. zu Nemertes ziehen zu dürfen. Emmeia Leidy
möchte wahrscheinlicher Weise der Gruppe der Lobocephalen zu-
gehören.
Die von unserem Verf. beobachteten neuen Arten (p. 40—46.
Tab. IX und X) sind:
Borlasia bilineata Antillen, B. trilineata Cap b. sp., B. dory-
cephala ebendaher, B. cardiocephala Chilesische Küste, B.(?) unili-
neata Peruanische Küste, Ommatoplea ophiocephala Tafelbai, O. he-
terophthalma Neu- Seeland, Meckelia atro-coerulea Chili, M. macro-
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 149
stoma Neu-Seeland, M, ceylanica Ceylon, M. trigonocephala ebendah.
M. striata ebendah., M. macrorrhochma Neu-Seeland, M. viridis Dies,
Ceylon, Nemertes polyophthalma Peru, N. collaris Ceylon, N. pachy-.
rhyncha Tafelbai, N. polyhopla eine Süsswassernemerline aus dem
Nicaragua-See, Ophicephalus heterorrhochmus Südsee.
3. Ciliati.
Rotiferi.
Gegenbaur stellt dieRotiferen zu den Arthropoden
und lässt sie hier eine eigene, den Crustaceen, Arachniden
und Insekten gleichwerthige Klasse bilden. Vergl. Anat.
S. 195.
Schmarda überzeugte sich während seiner Reise
selbstständig von der Duplicität des Geschlechts bei den Rä-
derthieren, fand aber in den von ihm untersuchten Arten
Männchen und Weibchen stets von gleicher Bildung und
Grösse. So namentlich bei Euchlanis tetraodon, deren lange
Samenfäden in grosse runde Kapseln eingeschlossen und in
einem drüsigen Organe enthalten waren. (A. a. a. S.XV.)
Es scheint demnach, dass bei den Räderthieren eben solche
Gradationen in der Entwickelung der männlichen Individuen
obwalten, wie bei den Lernäaden.
Limnias, Floscularia, Stephanoceros und einige ver-
wandte Arten, deren Darmkanal im hinteren Körperende
sich umbiegt, glaubt derselbe den Bryozoen überweisen
zu dürfen, während Ichthydium und Chaetonotus wohl am
besten an die Naiden oder Turbellarien sich anschliessen.
Der Rest, die eigentlichen Räderthiere, wird den Würmern
zugerechnet. A. a. O. p. XIV,
Diese übrigen Rotiferen theilt Verf. in fünf Familien,
die der Ptyguriden mit dem Gen. Diplotrocha, der Hyda-
tinaeen, Euchlanidoten, Philodinaeen und Brachionaeen. Für
die zweite Familie wird dabei folgende Synopsis aufge-
stellt (S. 48).
A. Oeuli nulli.
a. Dentes et maxillae nullae . . . . Enteroplea.
b. Maxillae et dentes.
150 Leuckart: Bericht über‘die Leistungen in der Naturgeschichte
«@.. Denie unico .
ß. Dentibus duobus
B. Oculus unus aut plures.
a.
Maxillae inaequales .
- Pleurotrocha.
Typklotrocha'n. gen.
Heter pe n. Ban
b. Maxillae utriusque lateris aequales. I
«. Oculus unicus frontalis Fureularia.
ß. Oculus unicus ceryicalis,
a. Pes styliformis Monocerca.
b. Pes forcipatus.
1. Oganon rotatorium ciliis in-
structum . Notonmata. '
2. Org. rot, ciliis et stylis, instr.’ 'Synchaeta.“
3. (Org.irot. cil. et humulis: instr. Searidium. 44 1.
Neu beschrieben
c. Pes nullus, pinnulae 4 partitae
y: Oculi duo frontales.
Polyarthra.
a. Pes nullus; Pinnulae 6 part. . Hexarthra.
b. Pes styliformis.
1. Pinnulae Triarthra.
2.‘ Pinnulae'nullae Rattulus.
c, Pes forcipatus Diglena. Id
d... Oculi duo cerwicales .. Distemma,
€. Oculi tres sessiles. ıb u
a. Oculi,cervicales Triophthalmus.
b. Oculi duo frontales, unus cerv. Eosphora.
3. Oculi duo frontales pedicellati,
unus cervicalis sessilis Otoglena.
n.. ‚Oculi' septem . i Heptaglena.
ı.,,,Oeuli plures in soro uno Cycloglena.
x. Oculi plures in soro: duplici Theorus.
und
XU—XV):
abgebildet werden; (p.47 — 64. , Tab.
Diplotrocha ptygura Cairo, Typhlotrocha (n. gen.) sygo-
donta Central - Amerika, Hyddnna senta Ehrbg. Neu-Seeland, H. chi-
lensis San Jago, H. tetraodon Quito, H. macrognatha Panama, He-
terogmathus (n. gen!) macrodactylus Jamaika, H. 'brachydactylus
Central-Amerika,,H. diglenus San Jago, H. notommata. im | Brack was-
ser bei Neu -Orleans, Notommata melanoglena Jamaika, N. Syrinx
Ehrbg. Aegypten, Ceylon, N. brachionus Ehrbg. Ceylon, ‚N. sulcata
Central-Amerika, N. megalodena ebendaher , Diglena macrodonta M
maika, D. diadena Central-Amerika, D. longipes Neu - Granada,
andesina Chili, Polyarthra hezaptera Peru, Eosphord' caribaea ie
maika, Euchlanis tetraodon ebendaher, ‚Euchl.. conica Central-Amerika,
Lepadella mucronata ebendaher, L. setifer« Neu-Granada,\L. dornuta
=
der.niederen Thierie während des Jahres 1859. 151
im! Bräckwasser ‚bei Neu-Orleans, 'Salpina. polyodonta Chili, Monostyla
macerognatha ‚Quito , M. ‚oophthalma Centval-Amerika, M. closterocerca
Quito , Stephanops; ovalis Quito, Squamellu 4-dentata ‚Neu-Granada,
Hezastemma melanoglena Chili, Rotifer vulgaris Ehrbg., Ceylon, Ja-
maika, Philodina roseola Chili, Central- Amerika, Ph. citrina, Cey-
lon, Pl. setifera hab. ? Ph. megalotröcha Ehıbg. Neu - Seeland, Ph.
mdcrosipho Jamaika, Ph. erythrophthalma Ehrbg. Neu - Granada, No-
teus sp. aus Ceylon, Anuraea longistyla Jamaika, A.sp: d. aus’Ceylon
und Chili, Brachionus diacanthus. Istrien, Ceylon und. Jamaika, Br.
Pala Ehrbg. Aegypten und; Cap b. sp... Br. rubens, Ehrbg. 'ebendaher,
Br. longipes, Neu - Granada , Br. nicaraguensis Central - Amerika, Br.
jamaicensis, Br. militaris Ehrbg. Jamaika, Br. chilensis St. Jago, Br.
ancylognathus Quito, Br. polycerus Jamaika, Br. pustulatus Central-
Amerika, Arthracanthus quadriremis Aegypten, A. biremis ebendaher
und Pterodina Patina Ehrbg. Ceylon.
Die neuen Genera tragen folgende Diagnose :
Typhlotrocha (e fam. hydat.) Oculi nulli. Maxilla simplex
bacilliformis ; dentes duplices divergentes.
Heterognathus (e fam. hydat.) Oculus oceipitalis unus aut
duo. -Pes furcatus vel styliformis duplex. ' 'Maxillae inaequales.
Bei Beschreibung dieser Räderthiere' verweist Schmarda auf
die schon früher in den Denkschriften der K. K. Akademie zu Wien
aus dem Jahre 1854 von ihm beschriebenen und abgebildeten
ägyptischen Rotiferen, die hier noch nachträglich aufgeführt werden
sollen, da sie durch Versehen des Ref. früher unberücksichtigt ge-
blieben sind: Diplotrocha (n. gen.)''ptygura, Triarthra breviseta,
Hezarthra (n. gen.) polyptera ‚, Euchlanis ‚brachydactyla , ‚Rotifer
megacerös, Philodina gracilis, Ph. calcarata, Brachionus syenensis,
Br. latissimus, Br. diacanthus, Br, inermis, Arthracanthus (n. gen.)
quadriremis, ‚A. biremis. Zur Natwurgeschichte Aegyptens a. a. 0.
BB: If: '
; Diplotrocha.n. gen. e fain. Piygur. Corpus nudum; orga-
non rötatorinm integrum, eiliis in duos circulos concentricos disposi-
tis; oenlus unus cervicalis.
Hezarthra n. gen. e fam. Hydatinaearum. Ocelli duo fron-
tales; pinnae 'sex.
Arthracanthus'n. gen. 'e fam. Brachion, Oculus unus cer-
viealis; pes furcatus, aculei mobiles testula articulatim coniuncti.
+ "Beobachtungen. über Synchaeta baltien, Philodina citrina, Flo-
seularia,ornata und Meliderta, ringens mit schönen Ahbilähngen siehe
bei Gosse, Tenby p. 274, 297—317,
In die Nähe der Räderthiere ‚gehört, möglicher Weise
152 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
auch ein eigenthümliches von Grube bei Triest beobach-
tetes Thier, das sich mit Sicherheit keiner der bisher auf-
gestellten Hauptgruppen einordnen lässt. Der Körper die-
ses Thierchens besteht aus zwei hinter einander liegenden,
durch einen engen verkürz - und verlängerbaren Hals ver-
bundenen spindelförmigen Abschnitten, mit ziemlich star-
rer, durchsichtiger Wandung , von denen der hintere in
einen dicken, biegsamen, gegliederten Stiel ausläuft, um
sich durch diesen an das Bein eines Krebses (Nebalia) fest-
zusetzen. Von Zeit zu Zeit führt der auf diese Weise be-
festigte Körper auffallende, mehr oder weniger anhaltende
Schwingungen aus, von denen der Genusnamen Seison ent-
lehnt wurde. Hinter der Mundöffnug liegen eigenthümlich
geformte Kiefer. In der inneren Organisation scheinen un-
sere Thiere am meisten mit den Rotiferen übereinzustim-
men, doch fehlt ein eigentliches Räderorgan , indem nur
der vorderste Zipfel wimpert. Die Art wird als $. nebaliae
aufgeführt. Siebenunddreissigster Bericht der schlesischen
Gesellsch. f. vaterl. Cultur 1859. S. 24.
Bryozoa,
Carter liefert eine detaillirte Beschreibung von den
Wintereiern eines indischen Lophopus, der in seinem Aeus-
seren mitL. crystallinus die grösseste Aehnlichkeit hat, be-
rücksichtigt dabei namentlich die histologische Zusammenset-
zung der Hülle und die im Innern sich findenden „Stärke-
mehlkörnchen“ und giebt an, dass die Süsswasserbryozoen
in Indien zu den häufigsten Objecten gehören und nament-
lich in Gesellschaft von Süsswasserspongillen vorkommen.
Die letztern werden sogar nicht selten von ersiern zer-
stört, wobei denn mitunter die Wintereier der Bryozoen
untermischt mit der Gemmulae der Spongillen gefunden wer-
den. Ausser dem oben erwähnten Lophopus führt C. aus
„Bombay weiter an eine, wie es scheint, mit Plumatella re-
pens van Ben. und Pl. strieta Allm. identische Art und eine
im dortigen Brackwasser lebende Paludicella. Ann. and mag.
nat. hist. T. III. p. 335 ff.
der niederen 'Thiere während des Jahres 1859. 153
Gosse machte Mittheilungen über die Entwickelung
einer Lepralia. Er sah deren Embryo frei im Wasser um-
herschwimmen, sich festsetzen und in eine beslachelte Zelle
verwandeln, deren Inhalt dann erst den eigentlichen Thier-
körper bildete. Rambles on the Devonsh. coast. (1853.)
p: 218. Tab. XII.
Bei Pedicellina beobachtete derselbe, wie zahlreiche
bewegliche Körperchen mit langen starren Haarbüscheln
(Junge) durch die Mundöffnung austraten. Ibid. p. 210.
Andere Beobachtungen desselben Verf.’s beziehen sich
auf Eucratea chelata, Cellularia avicularia, C. aciliata, An-
guinaria spathulata (1. c. Pl. VI, VII, X) und Bowerbankia
imbricata (Temby p. 328. Pl. XXI).
Nach den Beobachtungen von Holdsworth ist die
typische Form der schönen Electra verticillata nicht die
eylindrische, sondern die bandförmig abgeplattete, die bis-
her, wie es scheint, nur selten gefunden wurde. Die cy-
lindrische Form entsteht nur durch Incrustirung dünner
Fucoideenzweige, nicht durch freies Wachsthum. Die ersten
Zellen des Polypenstockes scheinen übrigens beständig über
fremde Gegenstände hinzukriechen. Die nächsten Verwand-
ten von Electra dürften in dem Gen. Membranipora zu su-
chen sein. Ann. and mag. nat. hist. T. III. p. 159. Proc.
Zool. Soc. 1858. June.
Professor Wyville Thomson in Dublin liefert (Nat.
hist. rev. Vol. V. Proc. Soc. p. 136. Tab. X—XV oder Proc.
Dubl. univ. zool. and bot. assoc. I. p. 77) eine Beschreibung
der vonDr. Harvey an der Süd- und Westküste Austra-
liens gesammelten Bryozoen, und zwar zunächst derjenigen
Arten, die den sechs ersten Familien der Cheilostomata Busk
zugehören. Die Zahl derselben beläuft sich auf 38, und
davon kommt mehr als die Hälfte (20) auf die Familie der
Catenicelliden. Die neuen, zum Theil sehr interessanten
Arten (deren Beschreibung auch in Quart. rev. mier. sc.
T. VI. p. 143 übergegangen ist), sind folgende : Catenicella
alata, Ü. Harveyi, C. Dawsoni, C. castanea, C. crystallina,
C. Buskü, C. geminata, Cothurnicella (n. gen.) daedala,
Menipea cyathus, M. Buskü, Calwellia (n. gen.) bicornis.
154 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Die Charakteristik ‚des Gen. Catenicella, und Menipea ent-
hält mancherlei neue Bemerkungen‘, von denen: wir hier
das Eine hervorheben, dass das Genus Emma Gr. kaum von
Menipea zu: trennen sein dürfle., ‘Die, neuen Gen. werden
wie folgt, charakterisirt: \
Cothurnicellan. gen. e fam. Catenicellidarum. Cells in
simple rows, each row arising from the ‘side of a joint.of an articu-
lated stem, each cell springing from the upper and back part of an-
other by a short horny tube. Cells all facing the same way. Cell-
mouth provided with a moveable operculum. Ovicell an ordinary
cell of a series, much enlarged, but scarcely modified in form.
Culwellia n. gen. e fam. Gemellariadarum. Cells in pairs,
jointed back to back. Each pair of cells arising by tübular prolon-
gations from the pair next but one below it. Each pair having.a
direction at right angles to the next. At a bifurcation each cell of
the primary pair giving off a secondary pair. Ovicell subglobular,
placed immediately above and behind the posterior margin ‚of the
cell-aperture.
Busk giebt eine Uebersicht über 40 von Barlee an
den Küsten Schottlands und der Orkneys aufgefundenen
Bryozoen (Rep. br. Assoc. held 1859. p. 144), unter denen
neu: Bicellaria Alderi, Flustra Barleei, Membranipora cor-
nigera, M. vulnerala, M. minax, L. sinuosa, L. Barleei, L
canthariformis, L. umbonala, Alysidola ee Die neuen
Arten sind theilweise auch beschrieben in Quarterly- Journ.
mier. sc. T. VII.
Von Gray erhielten wir Mittheilungen über einige
neue australische Bryozoen: Charadella (n. gen.); iri-
fida und Lichenella (n. gen.) Brentiü (Annals and mag,
nat. hist. Vol. III. p.150), von denen erstere.zu der Gruppe
des Gen. Amalhia Lamrx (= Serialia Lmk.) gehört, für die
Verf. folgende Eintheilung vorschlägt.
* Cells simple, in a straight eluster on the joints.
Amathia s. str. Coral creeping; stem rarely forked ; joints fili-
form, the upper half covered with one or two series of cells, ter-
minal joint or tag simple or rarely bifid. Sp. A. lendigera.
Amathella n. gen. Coral asborescens, erect, repeately for-
ked; joints short, rather incurved, covered wilh one or two series
of cells; terminal joints or tags bilid. Sp. A. bisserialis Kr. faalls A in
two series), A. uniserialis (cells in one compressed series). ...1>\
der‘ niederen Thiere während‘ des Jahres 1859. 155
Charadella n. gen. Coral arborescent, 'erect, repeately trifid;;
joints moderate, rather incurved , upper side covered with one or
two. series of: cells; terminal joint ,or tag trifid. Sp.. Ch. trifida
(8—10“ hoch). £
## Gells simple, disposed, spirally on the articulations. Coral
arborescent, forked.
Serialia s. str. Coral arborescent forked; articulations elon-
gate, naked at the tail, 'cell-bearing above, subspiral; terminal joint
bifid. Sp. S. convoluta.
Spiralian. gen. Coral‘ arborescent , forked; articulations
short, covered with crowded cells , forming together ‘a nearly conti-
nuous, spiral series of cells on the) stem; tags indistinet, Sp..Sp:
spiralis, Sp. unispiralis.
*=# Cells with on elongated horny process on each side, and
disposed spirally on the articulations.
Cornalia n. gen. Coral arborescent, forked; articulations
elongate,, upper end with a crowded spiral series of cells, each
ärmed with an elongated horny process on the side. Sp. C. Au-
stralasiae.
DasGen.n. Lichenella ist zunächst mit Flustra verwandt, hat
aber frappant das Aussehen ‚einer Flechte. Gleich’ in Form und Be-
schallenheit der als Mastophora Lamourouxii ‚beschriebenen Kalkalge.
Hincks erwähnt gleichfalls zweier neuer Bryozoen:
Avanella dilatata, und Arachnidia (n. gen.) hippothoides
Rep. br. assoc. held 1858. p. 128, beide von der, Engli-
schen Küste;
nn
I. Echinodermata.
Nach van Beneden zerfällt die Abtheilung der Echi-
nodermen: in drei Classen, die Echiniden, Stelleriden und
Holothuriden, und von diesen die zweite wieder in die Ord-
nungen der Asteriden, Ophiuriden und Crinoiden. Zool. med.
Ip. 326.
Wright und Greene führen in’ ihrer Liste irischer
Echinodermen 35 Species’ auf, 1 Crinoide, 12 Ophiuren, 13
156 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Asteriden und 9 Echiniden. Rep. br. Assoc. held 1858.
p- 179.
Ueber irische Echinodermen (mit Einschluss der Ho-
lothurien, deren Zahl sich auf 10 beläuft) vergleiche man
weiter die Mittheilungen von Kinahan, nat. hist. rev.
T. VI. Proc. Soc. p. 368.
In.dem Catalogue des cirrhipedes, mollusques et rayon-
nes, die während eines zweijährigen Aufenthalts in Cayenne
von Eudes-Deslongchamps gesammelt wurden (Bullet.
Soc. Linneenne de Normandie Vol. IV. p.40—67), geschieht
einiger Echinodermen und Polypen Erwähnung, unter de-
nen eine neue Comatula.
1. Scytodermata.
Sars hebt die bei den Holothurien vorkommenden
Spuren einer seitlichen Symmetrie hervor und macht dar-
auf aufmerksam, dass— auch abgesehen von den mit einer
Bauchscheibe versehenen Arten des Gen. Psolus — bei
zahlreichen Arten (Cucumaria Diquemarii, Phyllophorus v.
Hemicrepis granulatus, Echinocucumis u.a.) in der Stellung
und Entwicklungsweise der Ambulacra, Tentakel und wie auch
gelegentlich in der Bildung der den Mundring zusammen-
setzenden Skeletstücke und der Retractoren Verschieden-
heiten vorkämen, die auf eine Differenzirung von Bauch
(mit Trivium) und Rücken (mit Bivium) hinweisen. Ref.
fügt hinzu, dass auch die Anordnung der sog. Wasserlun-
gen und Geschlechtsorgane eine seitliche Symmetrie kund
thun, wie er das schon vor längerer Zeit bei seiner Mor-
phologie der wirbellosen Thiere aus auseinander gesetzt
hat. Verhand. der Gesellsch. der Wissensch. in Christiania
für 1858. S.176.
Ebendaselbst (8.167) macht Sars auch Mittheilungen
über sieben an der Finnischen Küste von ihm u. A. neu
aufgefundenen Holothurien : Thyonidium Drummondi Tomps.,
Th. hyalinumForb., Psolus (Cuvieria) squamatus Kor., Ho-
lothuria ecalearata n. sp., Molpadia borealis n. sp., Synapta
inhaerens Müll., Eupyrgus hispidus Barr. (= Echinococcu-
der niederen Thiere während des Jahres 1859 157
mis typica Sars?), die unsere bisherigen Kenntnisse über
die Echinodermenfauna des Nordpolarmeeres in unerwar-
teter Weise bereichern.
Die neuen Arten werden sorgfältig beschrieben und folgender-
maassen charakterisirt:
Holothuria ecalcarata Sars. 8-pollicaris et ultra, cute crassa,
tendinea, molli, laevi, pedibus suctoriis conieis sparsis, in dorso pau-
cioribus, maioribus interpositis, in ventre minoribus et numerosiori-
bus obsita. Cutis corporis, pedum suctoriorum ac tentaculorum la-
minis aut aciculis calcareis prorsus destituta.
Molpadia borealis Sars. Corpus 3-pollicare et ultra, ellipticum
seu bursiforme, scabrum, obscure fusco-violaceum, postice in caudam
valde coarctatam conicam brevissimam desinens; ore et cauda albi-
dis. Cutis coriacea, granulis calcareis innumeris densissime accumu-
latis globosis ovalibus aut irregularibus, aliis obscure fuscis opacis,
aliis laete rubris aut aurantiacis translucidis repleta est, simul cum
eorpuseulis calcareis erystallinis incoloratis sparsis et partim in su-
perficie externa cutis prominentibus irregularibus, e trabeculis reticu-
latis foraminibus maximis rotundis vel ovalibus disiunctis constantibus.
Für des Gen. Echinocucumis stellt Verf. nach erneuten Unter-
suchungen jetzt folgende Diagnose fest:
Echinocucumis Sars. Corpus fusiforme vel clavatum, curvatum.
Cutis corporis squamosa seu laminis calcareis imbricatis laevibus fora-
minibus rotundis perforatis tecta, de quarum singula surgit aculeus
scaber conico-acuminatus. — Pedes suctorii in ambulacris 5 dispositi,
in quoque biseriales alternantes, in ambulacris 3 ventralibus completi,
in 2 dorsalibus incompleti (in medio corpore absentes). — Tentacula
10 frondoso-ramosa, quorum 2 lateralia caeteris longe maiora, etiam
4 ventralia totidem dorsalibus inaequalia. — Annulus calcareus pha-
ryngeus gracilis humilis e Jaminis 10 intime connalis, postice medio
incisis, antice conico-elongatis apice bicuspida, quarum 5 radiales
interradialibus maiores, constans: laminae 5 ventrales dorsalibus 5
multo (fere duplo) maiores. Hic annulus oblique axi corporis longi-
fudinali impositus est, ita ut pars illius dorsalis magis anterius, ven-
tralis vero posterius sita sit. Musculi corporis longitudinales 5 gra-
eiles, idemque 5 retractores annuli calcarei pharyngei, quorum 2 dor-
sales caeteris tenuiores. — Tubi genitales parum divisi. — Arbor
pulmonalis rudimentalis, e tubis 2 basi connatis indivisis, solummodo
appendice laterali brevissima obsitis constans. — Canalis cibarius
longissimus. — In cute pedum suctoriorum aciculae transversales dis-
persae, itemque in tentaculis densissime accumulatae.
Woodward und Lucas handeln (Ann. and mag. nat.
158 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
hist. T. IIl.. p. 214-221, Proc. Zool. Soc. T..XX VI. ..p« 360.
Pl. XIV), über ‚das Genus Synapta, namentlich\..S. ‚digitata
Mont., S. inhaerens Müll. (= S. Duvernaea Quatref.) und'S$;
bidentata n. sp. aus, China, mit besonderer Rücksicht auf
die aus der Haut hervorragenden ankerförmigen Kalkkör-
perchen., Nach‘ den Untersuchungen unserer ‚Forscher neh-
men diese Gebilde beständig unter der Epidermis ihren Ur-
sprung; 'sie werden erst frei, wenn letztere sich abstösst.
Der Anker entsteht vor der Ankerplatte, und zwar beide
zuerst unter der Form einer einfachen Nadel, die durch
Verzweigung ersl allmählich die bekannte zierliche Bildung
annimmt, ‚Uebrigens scheint, es, als wenn, die Zahl, Grösse
und auch Form dieser Körper bei derselben, Art manchfach
wechseln könne. ‘Nach .den von unserem Verf. gegebenen
‘Aufzählungen‘ kennen wir" bis jetzt "12 ‘Arten des’ Gen:
Synapta, 5 Chirodota, 1 Myriotrochus.
2. .Actinozoa.
Echinida.
Gosse liefert Beobachtungen über‘ den Bau und die
verschiedenen Formen der Pedicellarien (Tenby p. 232—251.
Tab. XI—XlIl), so wie über Seeigellarven. (Ibid. p. 282—
291., Tab. XVI—XVIll.)
Kinahan. berichtet über eine Varietät, von Echinus
lividus, die durch.Bildung ‚des Apex mit\E: sphaera .über-
einstimmt. Nat. hist. rev. IV. Proc. Soc. p.227.
Asterida.
Von E. Haeckel erhielten wir Beobachtungen „über
die Augen und Nerven der Seesterne« (Zeitschrift für
wiss. Zool. X, 8. 184-191. Taf. XN). Die rothen Pigment-
ecke, welche die Asterien an der Unterseite der Strahlen
im Endtheile ‚der Ambulacralfurche tragen und durch. Um-
biegen der Strahlenspitzen frei nach Aussen richten, sind
in der That, wie Ehrenberg schon vor vielen Jahren
behauptet hatte‘, Augen’ "und zwar zusammengeseizte Au-
der niederen Thiere während des Jahres 1359. 159
gen; Nach den vom Verf. an Astropecten auranliacus, Aster-
acanthion glacialis, Asteriscus verruculatus angestellten
Beobachtungen erscheint dieses Gesichtswerkzeug in seiner
Grundform als ein halbkugliger oder halbeylindrischer Bul-
bus, der mit seiner ebenen Grundfläche auf einem erhöh-
ten ‚Polster angewachsen ist, an das von der Innenseite her
einkeilförmig erweiterter Stiel mit den 'Sehnerven im In-
nern herantritt. Die- convexe Oberfläche des Bulbus ist von
einer ‚einfachen Cornea überzogen und unter dieser liegt,
in der Rindenschicht des Bulbus, in gewissen regelmässi-
gen Abständen eine grosse Anzahl (80—200) kegelförmiger
Einzelaugen, die mit ihren Achsen gegen einen gemein-
schaftlichen Mittelpunkt oder eine Mittellinie gerichtet sind.
Der Kern des Bulbus besteht aus einer feinkörnigen Mark-
masse, die wahrscheinlicher Weise als ganglionäre Verdi-
ckung des Nervus oplicus betrachtet werden muss, In den
Einzelaugen unterscheidet man einen rothen Pigmentkegel
und unmittelbar unter der Cornea eine ‚an der Basis des
Pigmenikegels gelegene Linse. , In den Einzelheiten zei-
gen übrigens die untersuchten Arten manche Differenzen, für
die wir auf das Original verweisen.
In dem Nervensysieme der Seesterne ist eine gang-
lionäre Beschaffenheit bisher. bekanntlich. noch nicht mit
Sicherheit beobachtet worden. : Nach den Untersuchungen
unseres Verf.’s ist solche aber nicht abwesend ; man findet
eben sowohl in dem Nervenringe, wie auch in den Radial-
slämmen deutliche, wenn gleich zarte und blasse Ganglien-
zellen, die besonders. in die peripherischen Schichten der
Nervenstämme eingelagert sind, ohne dass es übrigens ge-
lingt, einen continuirlichen Zusammenhang mit den Fasern
nachzuweisen.
Nach Max Schultze sollen nur in den Ambulacral-
slämmen, aber nicht in den Commissuren ganglionäre Ele-
mente, vorkommen. Gegenbaur’s vergl. Anat. $.114.
‘Anmerk.
Auch, Mettenheimer untersucht die Augen eines
Seesterns, (Asteracanthion violaceus) und kommt zu we-
‚senllich übereinstimmenden Resultaten, nur dass er die Lin-
160 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
sen nicht. als solche, sondern als Agglomerate zarter Gang-
lienkugeln in Anspruch nimmt. Beobachtungen u. s. w.
a..2. 0. S. 287.
Möbius beschreibt „neue Seesterne des Hamburger
und Kieler Museums“ (Hamburg 1859. 148. in Quart mit
4 Taf. Abb., aus dem 4. Bande der Abhandl. des naturwiss.
Vereins in Hamburg besonders abgedruckt) und erläutert
den äusseren Bau derselben durch hübsche Abbildungen.
Dieselben tragen folgende Namen: Chaetaster munitus von un-
bekanntem Fundorte, Ch. cylindratus Ostindien, Asteriscus stellifer
Rio- Janeiro, Oreaster superbus Sumatra, Or. tuberosus von unbekann-
tem Fundorte, Astrogonium longimanum ebenso , Astr. crassimanum
Ostindien, Goniodiscus stella Ostindien, Gon. scaber ebendaher, Gon.
eonifer Südsee, Stellaster sulcatus von unbekanntem Fundorte, St.
gracilis China, Sumatra und Ostindien, Archaster nicobaricus Nicob.
Inseln.
Kinahan hebt hervor, dass an der Küste bei Dublin
Exemplare von Uraster glacialis vorkämen, bei denen die
Dornen nackt und ohne Spinulae seien.
Ueber die Asteriden des mittelländischen Meeres vergl.
deFilippi in Guerin-Meneville’s Rev. de Zool. 1859. p. 63.
Ophiurida.
Von Lütken erhielten wir den schon im letzten Jah-
resberichte (S. 196) angekündigten zweiten Theil seiner schö-
nen Additamenta ad historiam ophiuridarum (S. 76—169 mit
5 ausgezeichnet ausgeführten Kupfertafeln, aus dem ten
Bande der Kgl. danske vidensk. selsk. sksrift. besonders
abgedruckt) mit einer Beschreibung der aus Westindien und
Centralamerika bisher bekannt gewordenen Arten (8.76-158),
so wie derer, die während der Expedition der Galathea
gesammelt sind. Für die geographische Verbreitung, wie
für die Kenntniss der einzelnen Arten sind die Mittheilun-
gen unseres Forschers gleich wichtig, für letztere um so
mehr, als Verf. nicht bloss die ihm zunächst vorliegenden
Arten berücksichtigt, sondern weiter auch bei vielen Genera
(Ophioderma, Ophiolepis s. str., Amphiura u. a.) den Versuch
macht, durch Zufügung eines Conspectus specierum die einzel-
nen Arten schärfer und sicherer, als es bisher möglich war,
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 161
zu unterscheiden. Die Diagnosen sind in’lateinischer Sprache
geschrieben, der beschreibende Text dänisch. Für ein spe-
cielleres Studium der Schlangensterne sind die Arbeiten
des Verf.’s ganz unentbehrlich; wir können uns desshalb
darauf beschränken, die Namen der einzelnen, theilweise
hier zum ersten Male beschriebenen Arten aufzuzählen.
(Vergl. J. B. XXIII. S. 222.)
Ophioderma Antillarum Ltk. (= Oph. cinereum ? M.Tr.), p. 88.
Tab. I. fig. 1, 0. rubiecundum Ltk. p. 90. Tab. I. fig.2, O. panamense
n. sp. p. 91, 0. squamosissimum Ltk. p. 92. T. I. fig. 7, O. virescens
Lik. p. 92. Tab. I. fig. 4, O. elaps Ltk. p. 93, O. brevicauda Ltk.
p- 9. Tab. I. fig. 3, O. guttatum n. sp. p. 95. Tab. 1. fig. 8, O. ser-
pens Ltk. p. 96. Tab. I. fig. 6, O. Januarii, Lik. p. 97. Tab. I. fig. 5,
0. variegatum Lik. p. 97, Ophiopeza Yoldii Lik. p. 98, Ophiolepis
impressa n. sp. p. 101, O. paucispina Say, O. pacifica Ltk. p. 104,
Tab. II. fig. 4, O. elegans n. sp. p. 105, O. variegata Ltk. p. 106, O.
imbricata M. Tr. p. 160, 0. (2?) Januarii Ltk. p. 108. Tab. II. fig. 1,
Ophionereis (n. gen.) reticulata Say (= Ophiolepis nereis Ltk.)
p- 110. Tab. III. ig. 6, O. triloba Ltk. p. 112, Amphiura elongata Say
p. 115. Tab. IM. fig. 1, A. Stimpsonü n. sp. p. 116, A. scabriuscula
n.sp. p.118. Tab. Ill. fig. 4, A. marginata Ltk, p. 119. Tab. II. fig. 3,
4A. septa n. sp. p. 120, A. cordifera Bose p. 120. Tab. Ill. fig. 2.
A. Oerstedii Ltk. p.121, A. Puntarenae, violacea und microdiscus Ltk.
p- 123, A. tenera n. sp. p. 124. Tab. Ill. fig. 5, Ophiactis Krebsii Ltk.
p- 126, O. Reinhardii Lik. (= 0. sexradia ?Gr.) p. 161, O0. Mülleri
Lik. p. 127, O. virescens Ltk. p. 128, 0. Oerstedii Ltk. p. 129, O.
arenosa Lik. p. 129, O. Kroyeri Ltk. p. 130. Tab. III. fig. 8, Ophio-
stigma tenue Lik. p. 131. Tab. III. fig. 9, O. moniliforme Ltk. (=
Ophiura isocantha Say) p. 132, Ophiopsila (= Ophianoplus Sars, J.
B. XXIV. S. 152), Rüisei n. sp. p. 136. Tab. V. fig. 2, Ophioblenna
(n. gen.) antillensis n. sp. p. 137. Tab. IV. fig. 4, Ophionyxa flaccida
Say p. 138. Tab. V. fig.1, Ophiocoma crassispina Say p. 142. Tab. IV.
fig. 7, 0. scolopendrina Lmk. p. 163, O. erinaceus M. Tr. p. 164.
0. dentata M. Tr. p. 165, O. Riisei Lik. p. 143. Tab. IV. fig. 6, O.
aelhiops n. sp. p. 145, O. pumila Ltk. p. 146. Tab. IV. fig. 5, Ophio-
thrix longipeda Link. p.165, 0. Suensonii Ltk. p. 148. Tab. IV. fig. 2,
0. Oerstedii Lik. p. 149. Tab. IV. fig. 3, O. violacea M. Tr. (= 0.
caribaea Lik. und O. Kroyeri Ltk.):p.150. Tab. V. fig. 1, O. spiculata
le Conte p. 151, Asteroporpa annulata Lik. p. 152. Tab. V. fig. 4, A.
affınis n. sp. p- 154. Tab. V. fig. 5, Asteroschema oligactes Pall. (=
Ophiura cirrosa Say) p. 155. Tab. V. fig. 3, Asterophyton muricatum
Lmk. p. 156, A. Cnecilia Ltk. p. 157. Tab. V. fig. 6, A. Krebrii Lik
p- 158.
Archiv für Naturg. XXVI, Jahrg. 2. Bd. L
162 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Die neuen Genera werden folgendermaassen diagnostieirt:
Ophionereis diagnoscitur inter ceteras ophiuridas squama-
tas papillis dentalibus carenles squamis disci minutissimis, scutis ra-
dialibus fere absconditis, oralibus mediocribus, ovatis, papillis oralibus
quinis, intimis infradentalibus, brachiis longis, latiusculis, ad inser-
tionem angustioribus, scutellis dorsalibus tripartitis, media parte irre-
gulariter hexagona, spinis ternis glabris mediocribus.
Ophioblenna. Disco nudo squamulis destituto, cum seutellis
brachialibus tenuibus cute molli, scuta radialia eliam tegente obducto,
spinis brachialibus pluribus (7) gracilibus nudis scaberrimis, rimis
genitalibus decem. Pupillae orales et ambulacrales adsunt, dentales
desunt,
Der erste Theil der hier angezogenen Additamenta ist
auszugsweise übersetzt in Silliman’s Amer. Journ. 1859.
Vol. XXVIH. p. 55—66.
Auch L yman bereichert unsere Kenntnisse über Ophiu-
ren durch Beschreibung neuer amerikanischer Arten und
kritische Prüfung der Synonymie (Proceed. Bost. soc. nat.
hist. VII. p. 193204).
Als neu beschreibt derselbe: Amphiura Pugetana aus dem Pu-
get Sund, A. occidentalis Californien, A. urtica Puget Sund, A. Wur-
demannii Florida, Ophioglypha (n. gen. = Ophiura Forb. non
Lamk., einem Genusnamen, der zunächst für Asterias longicauda Linck
verbraucht wurde und daher den jetzt üblichen Ophioderma ersetzen
muss) Lütkenii Puget Sund, Ophiura (= Ophioderma M. Tr.) teres
Panama, Ophiopholis Kennerthyi Puget Sund, Ophiobrix lineata Florida.
Aus den kritischen Bemerkungen unseres Verf.'s ergiebt sich
weiter, dass Ophioderma virescens Lütk. = Ophiura appressa Say,
Ophioderma antillarum Lütk. = 0. cinereum M. Tr., Asterias cordi-
fera Bosk nicht = Amphiura cordifera Lütk., sondern = Ophiura
elongata Say, Ophionereis triloba Lütk. = Ophiolepis annulata le
Conte. Den Beschluss der Abhandlung machen einige Betrachtungen
über die Ophiurenfauna Amerika’s und die geographische Verbreitung
der Ophiuren überhaupt.
Ueber Amphiura Leachii Greene, eine neue mit Ophiocoma ne-
glecta verwandte, irische Form vergl. Nat. hist. rev. T. V. Proceed.
Soc. p. 191.
Peach macht auf die Anwesenheit besonderer krebs-
scheerenartiger Waffen an der Unterseite der Arme von
Ophiocoma rosula und 0. minuta aufmerksam (die wohl
den sog. Pedicellarien zugehören dürften). Rep. br. .assoc.
held 1858. p. 128.
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 163
3. Pelmatozoa.
Thompson macht Mittheilungen über die Entwicke-
lung von Comatula, die um so interessanter sind, als daraus
eine grössere Uebercinstimmung mit der typischen Ent-
wickelungsweise der übrigen Echinodermen hervorgeht.
Proceed. roy. Soc. 1859. Jan., Ann. and mag. nat. hist.
T. IV. p. 64.
Die reifen Eier bleiben noch eine Zeit lang vor der Ge-
schlechtsöffnung liegen und werden hier befruchtet. Nach der Klüf-
tung bildet sich im Centrum des maulbeerförmigen Dotters ein soli-
der Körper, der den übrigen Dotter allmählich absorbirt und dann die
erste Larve unseres Thieres darstellt. Beim Ausschlüpfen ist die-
selbe tonnenförmig und mit 5 Flimmerkränzen umgürtet. Einer die-
ser Kränze zeigt später eine circumscripte Vertiefung, die allmählich
zum Munde wird. An diesen schliesst sich sodann ein aus Oesopha-
gus, Magen und Enddarm bestehender Tractus an. Die zweite Oefl-
nung ist neben dem hinteren Körperende gelegen. Während der Ent-
wickelung des Tractus wird die Larve länger und wurmförmig und
mit anderen Flimmerorganen versehen. Von den Kränzen bleibt nur
ein einziger, der vordere, und zu diesem gesellt sich eine jederseits
von‘; dem Munde bis zum hinteren Körperende hinlaufende Flimmer-
schnur.. In diesem Zustande beginnt die Bildung des Echinoderms
und zwar unterhalb der Larvenhaut, in Form einer Rosette, die die
erste Anlage des ambulacralen Gefässsystems und auch des bleiben-
den Darmes zu repräsentiren scheint. Rund um diese Anlage ent-
wickelt sich eine dichte Zellenschicht, durch welche die späte-
ren Veränderungen der inneren Organe der Untersuchung entzogen
werden. Die Lösung des Echinoderms von der Larve wurde nicht be-
obachtet. Nach der Lösung erscheint dasselbe Anfangs als ein be-
wegungsloser Körper von eiförmiger Gestalt, unter dessen dicker
Rindenschicht die ersten Kalkkörper ihren Ursprung nehmen. Spä-
ter wird das Echinoderm keulenförmig, und dann befestigt es sich
mit seinem dünnen Ende, dem späteren Stiele, an irgend welchen
fremden Gegenständen. Im hintern Segmente des verdickten Kopfes
entstehen neben der Insertion des Stieles zwei correspondirende Rei-
hen von Skeletstücken (die sog. basalia und interradialia) und hier-
durch, wie durch die Bildung der Anfangs sehr rudimentären Arme
geht das Thier allmählich in die bekannte Pentacrinusform über.
Comatula fimbriata n. sp. Eudes -Deslongchamps |.
p. 66, mit vorspringendem Dorne auf der Aussenlläche der Knet
164 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
II. Coelenterata
Es sind jetzt 15 Jahre verflossen, seit Ref. nach Dar-
legung des bis dahin so vielfach verkannten Baues der
Akalephen und Anthozoen den Versuch machte, diesen bei-
den Gruppen einen gemeinschaftlichen Organisationstypus zu
vindieiren und sie darauf hin unter voranstehendem Namen
zu einer eigenen Hauptabtheilung des Thierreichs zu er-
heben. Dies Verfahren des Ref. hat allmählich in immer
weiteren Kreisen Beifall und Anerkennung gefunden. Wie
die letzten Jahresberichte nachgewiesen, haben sich nicht
bloss in Deutschland, sondern auch in Frankreich, Skandi-
navien und England zahlreiche und gewichtige Stimmen
für die Nothwendigkeit einer derartigen Vereinigung aus-
gesprochen; es ist auch der Name „Coelenterata“ in neue-
rer Zeit, besonders in Deutschland und England, vielfach
in Lehr- und Handbücher der Zoologie und vergleichenden
Anatomie übergegangen.
Unter den englischen Forschern sind es ausser Hux-
ley in London namentlich Wright in Dublin und Greene
in Cork, die bei mehrfachen Gelegenheiten in sehr ent-
schiedener Weise die Anschauungsweise des Ref. vertreten
haben. Dem letztern verdanken wir zwei eigens diesem
Gegenstande gewidmete Mittheilungen: „on the present state
of our knowledge of the coelenterata* (Proceed. Dubl. zool.
and bot. associat. Vol. I. p. 52) und „on the morphology
of the hydrozoa with reference to the constitution of the
subkingdom coelenterata* (nat. hist. rev. Vol. VI. Proc. Soc.
p. 237), in denen derselbe weiter auch seine — am meisten
mit Huxley übereinstimmenden — Ansichten über die
Classification der Coelenteraten folgendermassen auseinan-
der setzt (vgl. bes. die zweite Mittheilung).
Subkingdom Goelenterata.
Animals in which the digestive canal freely communicates with
the general cavity of the body. Substance of the body consisting of
two distinct layers. The peculiar urlicatling organs termed „thread
cells“ usually present.
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 165
Class I. Hydrozoa.
Coelenterate animals, in which the wall of. the digestive sac
is identical with that of Ihe general cavity of the body, and the re-
productive organs are external.
Order 1. Hydridae. Animal consisting of a single naked po-
lype. Locomotive.
Order 2. Tubularidae. Animal consisting of one polype or of
several connected by a coenosark. Fixed. Polypes naked.
Order 3. Sertularidae. Animal consisting of several polyps
connected by a coenosark. Fixed. Polypes protected by cells.
Order 4. Calycoplioridae. Animal consisting of several poly-
pes connected by a coenosark, furnished with natatorial organs.
Oceanic. f
Order 5. Physophoridae. Animal consisting of several poly-
pes connected by a coenosark, with or without natatorial organs,
Upper extremity of coenosark dilated into a float. Oceanic.
Order 6. Medusidae. Animal consisting of a polype suspen-
ded from the under surface of a natatorial organ. Oceanic.
Order 7. Lucernaridae. Animal consisting of a polype situa-
ted in the centre of a natatorial organ furnished with adherent base.
Oceanic.
Class ILL Actinozoa. '
Coelenterate animals, in with the wall of the digestive sac is
separated [rom that of the general cavily of the.body by a interve-
ning space, subdivided into chambers by a series of vertical periga-
strie partitions, on the sides of which the productive bodies are
situated.
a. Parts of Ihe body in number some multiple of five or six.
Order 1. Zoantharia. Polypes with simple (rarely branched)
tentacula, usually numerous. Solitary or aggregated. Sedentary or
locomotive, seldom oceanic.
b. Parts of the body in number some multiple of four.
Order 2. Rugosa. Animal unknown. Corallum thecal, with
septa and tabulae.
Order 3. Alcyonaria, Polypes with eight fringed tentacula.
Always aggregated. Never locomotive.
Order 4. Cienophora. Oceanic, free swimming, transparent,
gelatinous Actinozoa, moowing by means of verlical rows of cili-
ated plates.
Auch van Beneden vereinigt die echten Polypen
mit den Cuvier’schen Akalephen zu einer gemeinschaft-
lichen Abtheilung, für die er (mit Umgehung des von Ref.
166 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
vorgeschlagenen und sonst ganz allgemein angenommenen
Namens). die Bezeichnung Polypi' beibehält, eine Bezeich-
nung, die schon ihrer Vieldeutigkeit wegen vermieden wer-
den sollte. Die Gruppen, die in dieser Abtheilung unter-
schieden werden, sind: 1) Ctenophores, 2) Discophores
oder Polypo-Meduses, 3) Zoanthaires (Polyactinia), 4) Cte-
noceres (Octactinia), 5) Spongiaires (Polypori). Zool. med.
II. p. 341.
l. Ctenophora.
Nach der Ansicht von Mc. Cready stehen die Ote-
nophoren und Discophoren in demselben Verhältnisse zu
einander, wie die Seeigel zu den Seesternen. Eine Rippen-
qualle lässt sich gewissermassen als eine Meduse ansehen,
deren Scheibe bei Abwesenheit eines Mundstieles der Art
sich aufblähete, Jass die hintere Fläche dabei auf ein
Minimum, auf den Apex, reducirt, wurde, der frühere
Rand jetzt also mit dem hinteren Pole der Längsachse zu-
sammenfällt. Verf. sucht diese Ansicht durch Verglei-
chung des inneren Baues zu begründen, (doch will'es Ref.
bedünken, als wenn das wirkliche Verständniss des Cteno=
phorenbaues dadurch nur wenig gewönne. Der Versuch
unseres Verf.’s fusst offenbar auf den systematischen An-
schauungen Cuvier’s, nach denen die Ctenophoren und
Medusen zu einer gemeinschaftlichen Gruppe (den Akale-
phen) zu vereinigen seien, während von anderer Seite doch
längst nachgewiesen ist, dass der Bau. der Ctenophoren in
seinen Einzelnheiten fast mehr: Verwandtschaft zu'den An-
thozoen verräth, als zu. den Scheibenquallen. (Huxley
betrachtet die Rippenquallen geradezu als schwimmende
Actinien. J. B. XXIII. S. 226.) Nach der Existenz oder
der Abwesenheit der Tentakel unterscheidet unser Verf.
bei den Rippenquallen zwei Unterordnungen: Cydippidac
und Beroidae, von denen die letzteren am höchsten ent-
wickelt, sind. Proceed. Elliot Soc. nat. hist. Charleston I.
p: 264—270.
Die hier angezogenen Beobachtungen Mc. ‚Oready’s
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 167
knüpfen sich an Untersuchungen an, die Verf. über die Ju-
gendzustände von Bolina littoralis n. sp. und Beroe pun-
etata gemacht hat, und die vorzugsweise die äussere Kör-
perbildung, so wie die Entwickelung des Gastrovasculär-
apparats zum Gegenstande haben. Ibid. p. 254 ff.
Die Jugendformen von Bolina haben nach den Beobachtungen
unseres Verf.'s eine so grosse Aehnlichkeit mit kleinen Cydippen,
dass daraufhin die Cydippe quadricoslata Sars als eine unentwik-
kelte Mnemia norwegica und Cyd. brevicostata Will: als Jugend-
zustand von Eucharis multicornuta in Anspruch genommen wird. Der
Gastrovasculärapparat hatte bereits in den jüngsten zur Beobach-
tung gekommenen Individuen seine erste einfache Form (vergl. J.B.
XXI, 5.227) verloren ; er zeigte bereits einen centralen, hinter dem
Magenrohre ‘gelegenen Trichter, der freilich Anfangs nur kurz war,
und zwei damit im Zusammenhange stehende weite Lacunen,, deren
äussere Peripherie sich, den nach hinten gedrängten, kurzen Flimmer-
rippen entsprechend, in vier kurze Zipfel aussackte. Die hinteren
Schenkel der sog. Ambulacralcanäle entwickeln sich vor den vorde-
ren, und ebenso auch die zwei Magengefässe. Bei den tentakellosen
Jugendformen vor Beroe erscheint der Gastrovasculärapparat als eine
achteckige Höhle von streng radiärer Bildung, mit Fortsätzen, die
gleichfalls zuerst nach hinten wachsen, bevor sie sich nach vorne
bis zum Munde verlängern. Unter den letzteren überragen die den
Mundwinkeln entsprechenden Canäle die zwischenliegenden so weit,
dass erstere. in jeder Lippe bereits durch eine Queranastomose zu-
sammenhängen, während die letzteren kaum die Hälfte des Körpers
erreicht haben. Neben der Otolithenkapsel bemerkt man ausser zweien
Pigmentflecken jederseits schon frühe eine Anzahl zottenförmiger
Gefühlswärzchen.
Bei halbwegs erwachsenen Individuen von Bolina wurde der-
selbe Verf. (Ibid. p. 263 .) häufig Zeuge eines schon früher von
Will gesehenen Vorgangs, der möglicher Weise eine ungeschlecht-
liche Vermehrung einleiten könnte, Er sah nämlich die Flimmerrip-
pen in kleine Partien zerfallen und diese nach Art von selbstständi-
gen Wesen eine längere Zeit hindurch im Wasser umhertreiben. Aber
noch mehr. Einzelne dieser Ballen durchliefen allmählich eine Form-
veränderung und producirten dabei zwei lange und schlanke Tenta-
kel, die durch Bau und Contraktilität mit den Tentakeln junger Bo-
linen übereinstimmten. Eine weitere Entwickelung konnte nicht be-
obachtet werden, da die betreffenden Theilstücke, wie die Thiere,
von ‚denen dieselben abstammten, in den Aquarien des Verf.'s zu
Grunde gingen. Es wird die Vermuthung ausgesprochen , dass die-
ser Untergang nur durch äussere Momente bedingt wurde, und dass
168 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
gewisse vom Verf. im Freien aufgefischte Exemplare mit unsymme-
trisch gebildetem Körper aus der Metamorphose derartiger Theilstücke
hervorgegangen waren.
Auch Strethill Wright macht einige Mittheilungen
über die Jugendzustände von Cydippe, Beroe und Alcinoe
(new Edinb. philos. Journ. X. p.112). Er schildert na-
mentlich eine junge Cydippe, deren Magenrohr trompeten-
artig aus dem mit vier Flimmerrippen und zweien langen
Tentakeln versehenen Leibe nach Aussen vorsteht und mit
einem zweilappigen Höhlensysteme im Innern des letzteren
zusammenhängt. Das Gehörorgan war schon vorhanden,
der Tentakel trotz seiner Länge erst mit einem Seitenzweige
versehen. Die junge Alcinoe entbehrt der späteren Schwinm-
lappen und gleicht bis auf die Vierzahl der Flimmerrippen
und die einstweilen noch unverhältnissmässig langen Ten-
takel einer Beroe, die übrigens bei ihrer Geburt zunächst
gleichfalls nur vier Flimmerrippen besitzt.
2. IAydrasmedusae.
Acalephae.
van Beneden beobachtete bei einigen, schon seit
vielen Monaten im Aquarium lebenden Exemplaren von Hy-
dra tuba den in wenigen Tagen ablaufenden Process der
Strobilation und überzeugte sich dabei von der Richtig-
keit der von (Dalyell und) Sars hierüber publieirten
Angaben. Die Scyphistomen produeiren demnach keine
Knospen, wie.Desor wollte, sondern lösen sich durch
Quertheilung nach vorhergegangenem Längenwachsthume
in eine Reihe über einanderliegender flacher Medusen auf.
Das terminale Theilstück (segment) wird ebenso, wie die
anderen, zu einer Meduse, nur dass hier der ursprüngliche
Larvenmund bleibt, während die übrigen Medusen einen
solchen Mund neu bilden müssen. Die Larvenarme bleiben
nur eine Zeit lang am obersten Theilstücke ansitzen und
gehen während der Entwickelung der Medusenform durch
Resorption verloren, während dafür das den Theilungspro-
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 169
cess überdauernde Basalstück durch Neubildung von Armen
und Mund wieder zu einer Hydra tuba wird. Bullet. de
l’Acad. roy. de Belgique T. VII, No.7. p. 487, oder Annal.
des sc. natur. 1859. T. XI. p. 154—160.
Strethill Wright liefert Abbildung und Beschrei-
bung der polypenförmigen Ammen von Chrysaora, die sich
bekanntlich aus flimmernden Embryonen entwickeln. Der
Stiel ist äusserst dünn und von einer hellen Gallertschicht,
einer Art Polypenstock, überzogen. Wenn das Thier wächst,
und seine Tentakel (bis 16) vermehrt, so treibt es auch
wohl seitliche , zur Befestigung dienende Fortsätze. New
-Edinb. phil. Journ. X. p. 106. (Von einer Prolification der
Embryonen und Polypen, wie sie Busch beschreibt, wird
Nichts erwähnt.)
Fr. Müller’s Abhandlung über die Magenfäden der
Medusen (J. B.XXV. 8.200) geht in englischer Ueberse-
izung in die Ann. and Mag. nat. hist. Vol. III. p. 446 über.
Abbildungen und Beschreibungen von Chrysaora cy-
elonota und Rhizostoma Cuvieri bei Gosse, Rambles etc.
Pl. XVII. p. 363 und Tenby Pl. I. p. 37.
Iydroidea.
Unter der Ueberschrift: Gymnophthalmata of Char-
leston Harbor veröffentlicht Mc Cready in dem ersten
so eben (1859) erschienenen Bande der Elliot Society p. 103
—221 (Pl. 8—12) eine Abhandlung über amerikanische Hy-
droidpolypen und Medusen, die um so wichtiger ist, als sie
nicht bloss eine grosse Menge neuer Formen kennen lehrt
und in systemalischer Hinsicht mancherlei treffiche Winke
giebt, sondern weiter auch unsere Kenntnisse über Anato-
mie, Entwickelungsgeschichte und geographische Verbrei-
tung dieser interessanten Thiergruppe vielfach bereichert:
So giebt Verf. u. a. an, dass es ihm gelungen sei, bei
Eucheilota n. gen. und anderen Arten hinter jedem Ten-
takel und Randkörperchen ein unverkennbares Ganglion auf-
zufinden. In embryologischer Beziehung interessant sind
des Verfassers Beobachtungen über Nemopsis Gibbesii und
170 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Cunina octonaria, welche letztere sich wie die nahe ver-
wandte Aeginopsis (J. B. XX. S. 419) durch einfache Meta-
morphose entwickelt, jedoch nicht frei im Wasser, sondern
aufallender Weise in der Mantelhöhle einer anderen Meduse
(Turritopsis nutricula). Aber nicht genug, dass letztere
den sich entwickelnden Larven Schutz und Aufenthalt ge-
währt, sie dient denselben auch als Ernährerin, indem sie
es zulässt, dass die mit den Tentakeln befestigten Parasiten
durch Hülfe eines mächtigen Rüssels aus ihrer Mundöffnung
schöpfen. In der That, das Verhältniss ist ein so uner-
wartetes, dass man dem Verf. kaum einen Vorwurf machen
wird, wenn man erfährt, dass dieser in seiner ersten, aus-
führlichen Mittheilung ( description of Oceania nutricula
and the embryological history of a singular medusan larva,
found in the cavity of its bell, 1. c. p. 55—90. Pl. IV—-VI)
den frechen Schmarotzer für den Sprössling der so sorg-
fältig ihn beschützenden Meduse gehalten hat. Die vom
Verf. beobachteten jüngsten Zustände dieser Schmarotzer-
meduse bildeten einen flimmernden Körper von keulenlör-
miger Gestalt, der mittelst des dünn auslaufenden Stieles in
der Mantelhöhle befestigt war. Die erste Veränderung
derselben besteht darin, dass das dickere Ende zwei schlanke
und biegsame Tentakel treibt, und dass im Innern durch
Verflüssigung eine Centralhöhle sich bildet. Auf dieser
Entwickelungsstufe beobachlete Verf. an dem keulenförmigen
Ende auch oftmals eine Knospenbildung , mitunter sogar
eine mehrfach wiederholte. Später verdoppelt sich die
Zahl der Tentakel. Dieselben biegen sich über dem keu-
lenförmigen Ende zusammen und werden dann anstatt des
früheren schlanken Körperendes zur Befestigung benutzt.
Das letztere bekommt eine Mundöffnung und giebt sich da-
mit als Magenstiel zu erkennen, als ein Organ, das in oben
angedeuteter Weise für die Nahrungszufuhr Sorge trägt.
Die morphologische Natur dieses Rüssels wird noch deut-
licher, wenn sich nach einiger Zeit dicht unter den Ten-
takeln eine Ringfalte erhebt, die sich durch Form und Bil-
dung von (acht) Ololithenkapseln als erste Andeutung des
späteren. Mantels zu erkennen giebt. Gleichzeitig mit den
der niederen Thiere während des Jalıres 1859. 171
Otolithenkapseln entstehen zwischen den vier Tentakeln
noch vier Tentakelstummel. Auf dieser Bildungstufe verharrt
unsere Meduse eine längere Zeit. ' Der Mantel entwickelt
sich immer‘ freier und wird schliesslich durch Reduction
und gänzlichen Schwund des Magenrohres zu dem wesent-
lichsten Theile des Medusenkörpers,, nachdem der frühere
Aufenthalt in der Mantelhöhle verlassen ist. Uebrigens be-
hält der Mantel noch eine Zeit lang die frühere 'lappige
Form und ungleich lange Tentakel.
Den Charakter der Medusenfauna von Charleston be-
treffend , so glaubt der Verf., dass sich ausser den conti-
nenlalen Beziehungen zu der Medusenfauna von Grand Ma-
nan, Boston und Long Island Sound auch eine unverkenn-
bare (klimatische), Analogie mit: den: mittelmeerischen For-
men und eine theilweise — vielleicht durch den Golf-
strom bedingte — Identität mit den südenglischen Arten
herausstelle.
Um zu dem speciell zoologischen Inhalte unserer Ab-
handlung überzugehen, müssen wir zunächst bemerken, dass
Verf. den Umfang seiner Gymnophthalmata s. Hydroidea in
etwas anderem Sinne begrenzt, als das gewöhnlich ge-
schieht, und namentlich auch die Siphonophoren denselben
zurechnet. Die aus der Vereinigung dieser in unseren
Berichten getrennten Ordnungen entstandene Gruppe zer-
fällt derselbe sodann in zwei Abtheilungen, Endostomata
und Ezostomata, die sich beide nicht bloss durch die Form
der hydroiden Jugendzustände und die Organisalion.der Ge-
sehlechtsthiere, sondern namentlich auch durch 'die Ent-
wickelungsweise der letzteren unterscheiden. Die zu der
Abtheilung der Endostomata gehörenden Medusen entstehen
durch Aufbrechen eines Anfangs geschlossenen Bläschens,
das den Magenstiel eine Zeit lang in sich einschloss, wäh-
rend die Abtheilung der Exostomata umgekehrt diejenigen
Formen enthält, die durch Abplaltung des bläschenförmigen
Keimes oder ringförmiges Auswachsen desselben ihren Ur-
sprung nehmen, wobei Mund und Magenstiel natürlich jeder
Zeit aussen gefunden werden. Dazu kommt weiler, dass
die medusoiden Geschlechtsthiere der ersten Gruppe durch
172 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
eine meist tiefe Glockenform und einen klöpfelartigen,
hohlen Magensliel sich auszeichnen, der die Geschlechts-
organe in seine Wandungen einschliesst, auch. beständig
ohne Otolithenkapseln (dafür aber gewöhnlich mit: Augen-
lecken versehen) sind, während die Exostomata eine meist
flachere Scheibenform mit Gehörkapseln am Rande und einen
kurzen, milunter freilich auch von einem soliden Fortsatze
getragenen Magensliel besitzen und Geschlechtsorgane ha-
ben, die in der Peripherie der Radiärkanäle liegen. Die
Jugendzuslände der letzteren sind, falls dieselben überhaupt
zu einer morphologischen Selbstständigkeit gelangen, den
Zoologen als Sertulariaden (s. a.) bekannt, die der erstern
dagegen als Tubulariaden (s. a.) und Siphonophoren. Ob
die Geschlechtsthiere . sessil bleiben, hat auf das System
unseres Verf.’s nur insofern einen Einfluss, als im ersten
Falle Benennung und Charakteristik der Genera an die Ge-
schlechtsthiere, als die Repräsentanten der höhern Ent-
wickelungsstufe,, anknüpft. Die Arten mit sessilen Ge-
schlechtsthieren stehen mit ihrem bekannten Genusnamen
bei den zunächst verwandten Medusen. Jedenfalls ist das
ein Verfahren , das man als ein consequentes anerkennen
muss, selbst wenn man es nicht vollständig billigt.
Wie der Verf. die beiden Hauptgruppen seines Systems
anderweitig eintheilt, ersieht man vielleicht am Besten aus
folgender Uebersicht :
1. Endostomata.
1. Corynidae.
a. Oceanidae (Gen. Oceania, Turritopsis g.n., Turris, Moo-
deria?, Saphenia).
b. Sarsiadae (Gen. Sarsia, Corynitis g.n., Dipurena g.n,
Slabberia).
c. Clavidae (Clava).
2. Velellidae. (Gen. Velella, Porpita, Chrysomitra, Rataria).
3. Tubularidae.
a. Pennaridae (Gen. Cladomena, Zanclea?, Pennaria, Willsia 2),
b. Tubularidae (Gen. Steenstruppia, Euphysa, Tubularia, Co -
rymorphisg.n.).
c. Hippocrenidae (Gen. Nemopsis, Lizzia, Bougainvillia, Hip-
pocrene, Cytaeis, Eudendrium, Hydractinia ?).
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 173
4. Siphonophorae.
a. Physophoridae (Gen. Forskalia, Agalma, Agalmopsis, Phy-
sophora etc.).
b. Hippopodidae (Gen. Hippopodius, Vogtia).
e. Diphyidae (Gen. Praya, Diphyes, Eudoxia etc.).
d. Physalidae (Gen. Physalia).
II. Exostomata.
1. Campanularidae.
a. Thaumantiadae (Gen. Thaumantias, Staurophora, Tiaropsis).
b. Eucopidae (Gen. Geryonopsis, Tima, Eucope, Eucheilota
g. n., Epenthesis g. n., Campanularia).
2. Sertulariadae (Gen. Sertularia, Halecium , Thuiaria, Plumularia,
Aglaophenia, Antennularia).
5 5 5 , Circeadae (Gen. Circe, Persa g. n,, Aglaura ?).
3 5 B Trachynemidae (Gen. Trachynema, Rhopalonema).
Ep = Stomobrachidae (Gen. Stomobrachium, Mesonema).
= 2 AR 5 li am stud
255 Geryonidae (Gen. Geryonia, Liriope)
» = ” ‘ Aequoriadae (Gen. Aequorea, Rachostoma).
or
Aeginidae (Gen. Cunina, Aegina, Aegineta, Aeginopsis, Po-
lyxenia).
Die vom Verf. beobachteten Arten sind folgendermassen in
dieses System eingereiht.
Subordo Endostomata.
Mantel stets glockenartig, niemals scheibenförmig. Augenflecke
meist vorhanden, Ütolithenkapseln niemals. Entwickelung immer
durch Generationswechsel (oder, wie Verf. zu sagen vorzieht „indi-
vidualized metamorphosis“). Der Mantel der Glocke umschliesst den
Magenstiel von Anfang an und erscheint zunächst unter der Forn
eines geschlossenen Bläschens.
Trib. Corynidae.
Die Larve ist eine Coryne, ein spindelförmiger Polyp mit zer-
streuten an der Spitze meist geknöpften Tentakeln , zwischen oder
unter welchen die Medusenknospen hervorkommen, Die äussere Ober-
Näche des glockenförmigen Mantels ist gewöhnlich mit einzelnen, un-
regelmässig gruppirten Angelorganen versehen. Tentakel in wech-
selnder Anzahl. Mantelstiel fast immer verlängert.
Fam. Oceanidae.
Kuglig, kegellörmig oder abgerundet, mit meist zahlreichen
Tentakeln, deren Basis zu einem schlanken oder spindelförmigen Bul-
bus angeschwollen ist, Gruppirung der Ocellen wechselnd, mitunter =
0. Magenstiel dick, mit Geschlechtsorganen,, die meist vier deutliche
174 Leuckart: Bericht über dieLeistungen in der Naturgeschichte
Wülste im Umkreise der Magenhöhle bilden, und vier blattförmigen
Mundlappen.
Turritopsis gen. n. Unterscheidet sich von Turris durch
die Stellung der Ocellen an der innern oder untern Seite der Tentakel,
so wie durch Anwesenheit einer weitzelligen Hyalinsubstanz an der
Basis des Magenstieles, da, wo die Radiärcanäle ihren Ursprung neh-
men. T. nutricula.
Saphenia apicala n. sp.
Fam. Sarsiadae.
"Mit einem meist langen und schlanken Magenstiele ohne Mund-
lappen. Die Geschlechtsorgane mehr gleichmässig in der Peripherie
des Magenstiels. Tentakel vier mit rundlichem augentragenden Bul-
bus, der einen zwischen Ringgefäss und Radiärkanäle eingeschobenen
Sinus enthält.
Corynitisg. n. Mit dickem Mantel, dessen Concavität sich
zwischen den Radiärkanälen ausbuchtet, und einem ziemlich gedrunge-
nen Magenstiele. Geschlechtsorgane auf die Wurzel des Magenstiels
beschränkt. Tentakel kurz und dick, mit Häufchen von Nesselzellen,
die in derselben Weise auch an der Oberlläche des Glockenmantels
vorkommen. Die Larve ist eine Coryne mit kurzem und gedrunge-
nem Leibe und nur wenigen Tentakeln. Die Meduse trennt sich vor
vollständiger Entwickelung; sie hat Anfangs nur zwei Tentakel und
eine einfach gewölbte Mantelhöhle. C. Agassizii n. sp. im ausge-
wachsenen Zustande von 3° Höhe.
Dipurena gg. n. Von dem Ansehen einer Sarsia, aber mit
geknöpften Tentakeln und einem Magenstiele, der durch eine Einschnü-
rung in zwei über einander gelegene Abschnitte getrennt ist, Ge-
schlechtsorgane im Umkreise dieser beiden Abschnitte. D. ‚strangu-
lata n. sp., D. cervicata n. sp.
Sarsia turrieula n.sp. mit soliden, kurzen Tentakeln und einem
gleichfalls kurzen Magenstiele, wie Oceanea thelostyla Ggbr. Ent-
steht an einer verästellen Coryne mit schlankem Körper und 8 oder 9
zerstreuten Tentakeln.
Tribus Tubular idae.
Mit Larvenzuständen , deren Tentakel einen oder zwei unre-
gelmässige Kreise bilden. Medusen von zierlicher Form und oftmals
mit reihenweis gestellten Angelorganen oder Pigmentzellen auf der
Oberfläche des Mantels. e
Fam. Pennaridae.
Medusen meist tief glockenförmig mit einfachem Munde und
einem mehr oder weniger verlängerten Magenstiele. Aussenfläche
des Mantels mit reihenweis gestellten Angelorganen oder Pigmentzel-
len. Augen fehlen fast immer. Radialkanäle mitunter verästelt, Die
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 175
Larvenzustände cylindrisch mit zwei Tentakelkreisen; die Tentakel
des obersten Kreises geknöpft.
Willsia ornala n. sp. (von unbekannter Herkunft, in mehrfa-
cher Hinsicht von den übrigen Pennariden abweichend.)
Zanclea gemmosa n.sp., kam nur im geschlechtslosen Zustande,
mit bloss zwei Tentakeln, zur Beobachtung. Sollte diese Zahl blei-
ben, so würde dies die Aufstellung eines neuen Gen. Gemmaria
rechtfertigen. Die Seitenzweige der Tentakel gleichen gestielten
Blättern. Entwickelt sich nach Beobachtungen von Agassiz an
einem Pennaria-artigen Hydroidpolypen.
Pennaria Goldf. (= Globiceps Ayres). Medusen mit reihen-
weis gestellten Pigmentzellen und vier rudimentären Tentakeln ohne
Augen. Die Larven bilden einen federförmigen Stock. P. tiarella Ayres.
Fam. Tubularidae.
Im geschlechtsreifen Zustande mit vier zapfenförmigen Vor-
sprüngen , die vom Glockenrande firstenförmig auf der Oberfläche
des Mantels emporsteigen. Tentakel bald vier, bald nur einer oder
gänzlich fehlend. Augen =(. Mund einfach. Die Larvenfornıen mit
zwei Reihen einfach cylindrischer Tentakel. Die Grösse derselben
ist oftmals sehr beträchtlich.
Tubularia Auct., mit Arten, deren Geschlechtsthiere bald frei
werden, bald auch sessil sind. Zu den letztern T. cristata n. sp.
Fam. Hippocrenidae.
Mantel der Meduse von beträchtlicher Dicke und sphärischer
Form, mit büschelförmig gruppirten Tentakeln und Augenflecken.
Geschlechtsorgane in vierfacher Anzahl. Vier mehr oder minder
stark verästelte Mundtentakel. Die Larvenzustände verschieden, mit
1 oder 2 Tentakelkränzen, bald frei, bald auch befestigt, einfach oder
verästelt, und mitunter von ansehnlicher Grösse. Die Medusenkno-
spen entspringen zwischen beiden Tentakelkränzen oder von dem ge-
meinschaftlichen Stamme.
Nemopsis Agass. Tentakel mit Augenllecken an der Basis, in
vier Büschel zusammengruppirt. Das mittlere Paar jeden Büschels
mit einer (ungefärbten) Anschwellung am Ende. Mundtentakel reich
verästelt. Die vier Geschlechtsdrüsen gehen von dem oberen Ende
des Magenstiels allmählich auf die Radialkanäle über und hängen
frei in den Innenraum des Mantels hinein. Die Larve von Nemo-
psis ist ein einfacher freier und grosser Polyp, der die grösseste
Aehnlichkeit mit Stimpson’s Acaulis hat (J. B. XXII. S. 416). Die
Medusenknospen, die zwischen den heiden Tentakelkränzen ihren
Ursprung nehmen, zeigen Anfangs einen die Mantelhöhle ausfüllenden,
slumpf geendigteun Magenstiel und vier frei hervorragende (nicht,
176 Leuckart: Berichtüber die Leistungen in der Naturgeschichte
wie bei Sarsia und Hippocrene, Anfangs in der Mantelhöhle einge-
schlossene) Tentakelstummel, die nach kurzer Zeit eine 2-, 3- oder
4-zackige Form annehmen. Nemopsis Giblesü n. sp. Eine winter-
liche Form.
Hippocrene carolinensis n. sp., eine der gemeinsten Arten, die
am meisten mit H. superciliaris Agass. verwandt ist und von einem
Polypen (Eudendrium) mit 12 Tentakeln, der zu etwa zollhohen Bäum-
chen heranwächst, abstammt.
Eudendrium ramosum Johnst. (non van Beneden, dessen Art
von Dana zum Typus eines besonderen Genus Corydendrium erhoben
ist, und Dalyell).
Hydractinia echinata Johnst.
Subord. Exostomata.
Mantel gewöhnlich flach , selten tief. Augenflecke nur in we-
nigen Fällen, meist aber Otolithenkapseln. Entwickelung bald durch
Generationswechsel, bald auch durch direkte Metamorphose, während
welcher dann auch wohl Vermehrung durch Spaltung oder Knospung
stattfindet. Der Mantel ist niemals ein geschlossener Sack, sondern
immer offen und durch Faltenbildung im Umkreise eines zapfenför-
migen, in den Magenstiel sich umwandelnden Körpers entstanden. Bei
den Arten mit Generationswechselfentstehen die Medusenknospen im
Innern eines hornigen, von dem äusseren Skelete der Larven gebil-
deten Bechers.
Trib. Campanularidae.
Das Magenrohr der meist flach gewölbten Medusen bildet einen
kurzen, in vier Mundlappen auslaufenden Cylinder, der bald sessil, bald
auch gestielt ist. Die Geschlechisdrüsen an den (meist) vier Radialka-
nälen. Tentakel mit basaler Anschwellung in grösserer, oft sehr
grosser Menge. Ausser ihnen oft noch besondere kurze und zolten-
förmige Anhänge, die der äussern Zellenlage anzugehören scheinen.
Die Entwickelung geschieht durch Generationswechsel an den unter
dem Nanıen der Campanularien bekannten Hydroiden, nnd zwar be-
sländig an besondern proliferirenden Individuen. In vielen Fällen ist ‘
dieser Generationswechsel aber nur ein unvollständiger: die Geschlechts-
thiere bleiben dann sessil,
Fam. Thaumantiadae.
Mit Ocellen, statt der Otolithenkapseln, an den frei lebenden
Medusen. Sind bei Charleston nicht vertreten.
Fam. Eucopidae.
Mit 8 X 11 Gehörkapseln.
* Cirren neben den Tentakeln.
Eucheilota n. gen. Mit sessilem Magensacke, 8 Otolithen-
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 177
kapseln mit mehreren (mehr 'als 4) Körperchen und 16 Tentakeln.
E. ventricularis n. sp., eine der gemeinsten und schnellsten Arten.
Eutiman. gen. Magensack von einem langen ‚ weit vorra-
genden Stiele getragen , mit mehr oder weniger zahlreichen Tenta-
keln. E. mira n. sp., mit 4 und E. variabilis.n. sp. mit:12 Tentakeln.
** Tentakel ohne seitliche Cirren, lang: und biegsam.
Epenthesis n. gen. Von Eucheilota durch Mangel der Cir-
ren und geringere Anzahl der Otolithen in den Gehörkapseln verschie-
den. E. folleata n. sp.
Phortis n. gen. Mit äusserst diekem Mantel und einem Ma-
gensacke, der sich an der Wurzel der 4 Radialkanäle zipfelförmig
auszieht. 1214 Tentakel, Gehörkapseln mit 1 oder 2 Steinchen. Die
Geschlechtsorgane reichen fast bis zum Ringkanale und enthalten
Ausser den Geschlechtsstoffen je ein Paar röthlicher Drüsenkörper, die
in derselben Weise auch in den Tentakelwurzeln vorkommen. Ph.
gibbosa 'n. sp. von ziemlich ansehnlicher Grösse.
Campanularia s. str. (= Eucope Gegenb. p. p.). Meduse mit
ziemlich tiefem glockenförmigem Mantel und längerem 'Magensacke,
der erst später Mundlappen bekommt. Tentakel 4—8, .Otolithenkap-
seln 8 mit ‚je einem Steinchen., Die Hydroiden mit: kriechendem
Stamme,; gezähnelten Becherchen und: geringelten: Eikapseln.ı C. no-
liformis n. sp.
Laomedea Lam. Durch einen mehr massigen Polypenstock,
dureh die Erweiterung des Stammes an der Ursprungsstelle.der ‚polypen-
tragenden Zweige und die; verengten Enden der Eikapseln: leicht
von Campanularia zu unterscheiden. L. divaricala n. sp.
### Tontakel ohne seitliche Cirren , mit rücklaufender Wurzel
und kurzen, fast steifen Fäden.
Obelia Per. (Eucope Gegenb. p. p.). Mantel scheibenförmig,
mit zahlreichen Tentakeln, mitunter über 100, und 8 Otolithenkapseln.
DieLarven sind Campanularien mit flachen und ganzrandigen Bechern
‚ohne Ringel. Ob. commissuralis n. sp.
‚nlai Trib. Sertuluriadae.
zo Die Geschlechtsthiere siod immer sessil und ‚entstehen in be-
sonderen proliferirenden Individuen an Polypenstöcken, die sich durch
die sessile Beschaffenheit ihrer Zellen leicht von den Sertularien un-
terscheiden.. Die Polypenzellen erreichen in manchen Arten nur
heilweise ihre volle Entwickelung, während der Rest verkümmert
und bald so, bald anders um die erstern sich gruppirt. Eine ähnliche
Gruppirung findet auch mitunter im Umkreise der proliferirenden In-
Alvin en statt, und auf diese Weise entstehen die sog. zusammenge-
Wetiten Eierbecherchen.
Archiv f. Naturg. XXVI, Jahrg. 2. Bd. M
178 Leuckart:Berichtrüberrdie keistungen in der Naturgeschichte
#Polypenzellen’ von doppelter Art}»die grösseren, 'die die-Er+
nährungsthiere 'enthalten, beeherförmig. Ausiinee „I
‚+ Plumulariaı'Lam.' » Polypenstöck federförmig,, mit grösseren Zel-
len auf den Zweigen, die mit 2—3, mitunter selbst‘4 kleinerem/|Zel-
len’ zusammengruppirt sind. Pl..quadridens n.ısp. ; | .a
Aglaophenia Lam. p./p.., Mit einem: aufrechten Be ee
den, gleichfalls federförmigen Stanme, der,im, ersteren Falle durch
stolonenarlige ‚Ausläufer: befestigt wird. ‚Die grösseren Zellen ‚beste-
hen aus zweien Theilen , einem vorderen becherförmigen (mit ge
zähneltem, Rande) ‚und einem, hinteren, der eine röhrenförmige Ne-
benzelle trägt. .,An, den: Wurzel dieser, grossen Zellen ‚entspringen
zwei andere ‚.röhrenförmige Nebenzellen. die ‚den; erweiterten; Theil
der;,Hauptzelle unifassen. ;; Die, terminalen Eierbecher, sind. gleichfalls
zusammengeselzt; und nehmen. einen grossen ‚Theil ‚der Seitenzweige
in; Anspruch,, ; Ägl. cristata Lamk. und . A.; trieuspis ms/sP= lu. 5;
#* Polypenzellen. von einfacher. Form, flasehenförmig, ‚mit ‚verr
engler Oeflnung.
Dynamena cornicina. n. ‚sp- ' '
Fam. Circeadae: Tr:
Glockenförmige Medusen von "unbekannter Herkunft, mit ver-
längertem' Magenrohre' und Mundtentakeln. | ‚Radialkanäle von 'wech-
selnder Zahl. 2—6 Geschlechtsdrüsen. Zahlreiche kurze und «con-
traktile, Tentakel; ‚f
Persian. gen. ‘Von Aglama durch die Zweizahl der 'Genita-
lien’ und ‘deren Zusammenhang mit: den Radialkanälen ee
Persa incolorata n:sp. un) dr
Fam, ‚Geryonidae.
Mit langem Magenstiele and zweierlei ‚Tentakelo‘, langen und
kurzen, ‚hornarlig, gekrümmten., Geschlechtsorgane blattförmig.
Liriope, seutigera n. sp. \mit, Geschlechtsorganen, ‚deren ‚Seiten-
ränder sich, fast berühren, uud ni
Fam. Aeginidae. y udo
Medusen , die durch dicke und flache Ai ihres Mantels,
Abwesenheit des Ringgelässes, weite und taschenförmige Bildung der
Radialgefässe , Einfachheit der Mundölfnung und Steifheit der Ten-
takel zur Genüge charakterisirt sind. Entwickeln sich durch einfache
Metamorphose.
. .Cunina octonaria n. sp. mit 8, Magensäcken und ebenso vielen
Tentakeln. Entwickelt sich als Parasit in der Mantelhöhle von, Tur-
ritopsis nulricula. eur ch
Proles medusiformis., Fr. Müller schildert. (Archiv
für Naturgeschichte 1859. I. S. 310—321. ‚Tab..XD) in einem
Idord
slaidnsyder„niederen,Thiere: während des Jahres;1859, , „.ı 479
AufsatzewüberwyPolypen und, Quallen von,Santa Catharina*
deri! Bau» und) die, Formyeränderungen: der Liriope, cathari-
nensis:n: Sp., der häufigsten Meduse im ‚Meere jener. deut-
schenyColonie, die) sich,von:-L.ı mueronata durch geringere
Grösse und einen Anzahl röthlich,gelärbter, Nesselknöpfe am
Mundsatime unterscheidet. .\\Besonders, interessant sind, die
Aufschlüsse über die Entwickelung, die uns sein, neues (für
die,Gruppe der ‚Goryoniden wo ohl. menssgehende) Bei
von«Homogenie ‚vorführen. 1...
"Was die Organisatiion "betrifft, ‘so’ führen wir an, ang das Ring-
gefäss‘ in der’ "Mitte" zwischen dem’ Radialgefässe mit einer (Ausbuch-
tung versehem ist, die‘ Verf. als! Andeutung der hier bei den’ grösse-
fenlGoryoniden vorkommenden " eentripetalen Gefässe »(J. B.ıXXl1k
8.239) ansieht" Um dasselbe Gefäss’zieht‘sich eim undurchsichtiger
gelblieher'Saum,! der namentlich nach’ Aussen scharf eontourirte zund-
liche "Zellen zeigt "und von Zeit zu Zeits längliche »Anschwelluüngen
bildet, denen die sog. Randkörperehen aufsitzeni. Wahrscheinlich isb
dieser ' Streifen "als ’Nervensystenv' zu deuten." "Die 'Randkörperehen
inöchte' "Verf. !alsı Gesichtswerkzeuge. betrachten. “Der 'sog.' Otolith
würde dann als Linse fungiren’ und) die ihn excentrischsumgebende
Zeme'(J. BUXXHN.'S! 231) als Retina zw betrachten’ sein. Die jüngsten
von Verf. "beobachteten" Individuen waren einfache kuglige'Körper
von 'etiwa 0,203 Mm, Durchmesser und" feinzelligenv Gefüge, ‚die
frei im Wasser twieben, aber’ auffalleuder Weise desv'sonst' für die
jüngen Medusen' so"charakteristischen Fliminerkleides’entbehrten. Im
Innern’ enthalten diese Körper" eine’'kleine©Höhle ‚die jexcentrisch,
dreht "hinter" der’ Oberfläche „gelegen vist/und mach» einiger»Zeib auf-
bricht ,' worduf' man dieselbe dann’ als Schwimmhöhle 'erkennt:‘\ Der
Rand der Oellnung zeigt sehon frühe deutliche ‚Contractionen ;er) er-
scheint als Velum, "in dessen Umfang (bei Quallen 'von 1 Mm.) vier
Und später nochmals 'vier/ Tentakel hervorknospen. Nach Entwicke-
lung der Tentakel' gleicht! das Thier'isovauffallend dem von Esch-
sch olwz"als Burybia “und’vonGegenbaur als» Eurybiopsis be-
sehriebenen Formen’, »dass diese wohl gleichfalls>blosse! Jugendzu+
Hände von’ Rüsselquallen sein dürften. (Dem Verf.)ist es/unbekanat
geblieben ; "dass Ref.) die& dgenbaur'sche: Eurybiopsis';schon »vor
tängerer Zeiv als Jugendzustand erkannt) hat’ und deren Entwickelung
ih Geryoniwexigna auf allen: Vebergängen verfolgle „ JuuB. XXL
8,239." Ebenso, dass daselbst sehon: die Angabe G.'s vom der,Anwe-
senhein’eiher einfachen" Höhle in der: Rüsselbasis, ‚der Inne als
irrthümlich nachgewiesen worden.)
elmBherr sekb & berichtet weiter „über, zwei nee Qualen
180 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
von ‘St. Catharina, Tamoya (n.'gen.) quadrumana und
T. haplonema, die in systematischer, wie anatomischer Hin-
sicht’ gleich merkwürdig sind und ganz geeignet scheinen,
die immer noch streitige Frage nach dem Nervensysteme
der Medusen zum Abschlusse zu bringen. Abhandl. der
nalurforschenden Gesellsch. in Halle Bd. V. 128. mit 5 Fe
pfert. in Quart.
Verf. rechnet das neue Gen. Tamoya , und gewiss mit Recht,
zu den Charybdeiden, einer Familie, deren Kennzeichen folgender-
massen festgestellt werden: Körper glockenförmig, mit vier/(blatt-,
" keulen- oder bandförmigen) hohle, Fangfäden tragenden Randanhän-
gen. Zwischen ihnen vier. ‘in Nieschen geborgene Randkörperchen
mit Crystallsack und Augen. , Magen im. Grunde mit, vier Gruppen
Magenfäden und ‚vier Seitentaschen. Von..Charybdea würde: sich
Tamoya dann besonders durch den Besitz eines ganzrandigen, Velums
am,Glöockenrande und Mangel der Nebenkanäle. an ‚den Seitentaschen
des Magens ‚unterscheiden. Der Magen ist, gegen den Mundtrichter
verschliessbar und enthält. in seinem Innern dieselben ‚wurmförnigen
Fäden, deren schon im letzten Jahresber. (S. 200) nach Angaben.,des
Verf.'s gedacht wurde. Bei T. quadıumana, deren, bandförmig,,ge-
schlitzte Randanhänge eine ganze Anzahl (etwa 8) Tentakel tragen,
während T. haplonema deren an den einzelnen Anhängen nur, zwei
hat, finden sich in der Magenwand vier äusserst zierliche dendriti-
sche Drüsenkanäle , die eine feinkörnige Flüssigkeit enthalten und
sich in den Magen zu, öllnen scheinen, doch so, dass die Exere-
tionsöffnung sich in Form einer Rinne noch bis zum Lippenrande
hin erstreckt. Das Nervensystem ist in beiden Arten’ mit überraschen-
der Deutlichkeit ausgeprägt. Es bildet einen in der,Höhe der Rand-
körperchen ringförmig um die Höhle der Glocke herumlaufenden Fa-
den, der sich an der Ursprungsstelle der Randanhänge und an den
Randkörperchen zu einem Ganglion verdickt und hier eine Anzahl
peripherischer Nervenstämme abseudet. Die Geschlechtsorgane sind
von ungewöhnlicher Form; sie bestehen aus breiten, grösseren. oder
kleineren Plättchen, die in der ganzen Länge des Seitenrandes der
Magentaschen entspringen und frei in deren Höhle hineinragen. Vom
unteren Rande dieser Seitentaschen und den zu den Anhängen ge-
henden Fortsetzungen verlaufen dendritisch verzweigte nicht anastomo-
sirende Kanäle bis zum Rande des Velum. Die Nesselzellen ‚von T.
haplonema: sind je von etwa 6 soliden eylindrischen Fäden umgeben,
die vom Rande einer die Basis der Zellen’ umhüllenden Scheide, zu
entspringen scheinen.
Mettenheimer schildert den Bau und: besonders
|
der niederen Thiere während des Jahres 13859. 181
die, Cireulationsverhältnisse einer ‚kleinen (2—4‘“ grossen)
Thaumantias -artigen. Schirmqualle “mit 16 Tentakeln und
Gehörbläschen,; in.denen 3-6 von. besondern Zellen umschlos-
sene Otolithen enthalten waren. (also einer Art. des Gen,
Eucope, Gegenb.). . Lippen und Tentakelbulbus waren pig-
mentirt, bald roth,, bald grün, bald gelblich, und gingen
diese 'Farben während der Beobachtung durch langsamen
Wechsel in, einander‘ über. . Wegen. dieses Farbenwechsels
benennt Verf. seine Art als Th. (Eucope): diversicolor: n. sp.
Die‘ Genitalien sind gestreckt und nehmen fast die; ganze
Länge der sinusarlig erweiterten und einer, selbstständigen
Contraction fähigen Radialgefässe ein. Beobachtungen u. s; w.
a. a. 0. 8. 302. Tab. XI.
Greene macht einige Mittheilungen - über) dem. Bau
von Stomobrachium” octocostatum und beschreibt ‚sieben
neue. Arten der Dubliner Küste: Aequorea formosa, Thau-
manlias neglecta, Th. (Eucope) typica, Th. Pattersonü, Bou-
gainvillea dinema, Diplonema (n. gen.) islandica , Steen-
strupia Owenii, nat. hist. rev. Vol. IV. Proc. Soc. p. 242—249,
Tab. XIV u. XV.
Aquorea formosa hat 10 Radiärkanäle, von denen ‘nur zwei
einander | gegenüberstehende ‚mit, Geschlechtsorganen: versehen sind,
Thaumantias Pattersonii mit 208 Tentakeln , Th. neglecta mit
7 x4+4, Th. (Eucope) typica mit 5 X 4 + 4.
„Bougainvillea dinema mit 4 Gruppen von je 2 Randfäden und
stark. verästelten Mundtentakeln.
Diplonema (n. gen.). Umbrella globose, radiating vessels
four, simple, four conspieuous ocelli opposite tie four simple ves-
sels. From one of the ocelli spring two long tentacles;''peduncle
eylindrical , slightly' contracted near its orifice, and terminating in
four, indistinctly lanceolated lips. Die D. islandica ist vielleicht mit
der Meduse von Coryne fritillaria St, identisch. An der, Ursprungs-
stelle der Tentakel und an den einen Tentake] selbst wurden Medu-
senknospen beobachtet,
"Steenstrupia Owenii mit einem langen geringelten Tentakel und
Medusenknospen an dessen Ursprung.
Später beschreibt der selbe.Verf. (Nat. hist. rev. T.V!
Proc. Soc. p. 272. Proc. Dubl. univ. 'zool. and 'bot: 'assoc.
T. 151) noch einezweite bei Dublin vorkommende , 'viel-
leicht gleichfalls: neue Art: des: Gen: 'Aquorea ’mit‘8—12
182 Leuckart: Bericht über die Leistungen in’derNäturgeschichte
Radialkanälen und äusserst zahlreichen Tentäkeln, deren Ge&
schlechtsdrüsen in der'Nähe/des Magens, je leine/an’den'Ral
dialgefässen, angebracht sind! ‘Die Tentäkel' tragen än"ihrer
verdickten 'Basis)'einen'/dunklen”Aügenfleck 'und!lsind äuse
serst "eontracfil." Der "Durchmesser des scheibenförmigen
öder'etwäs convexen! Mantels' beträgh‘1”. bind, „tıilnam
Auch in''Gosse’s’"Rambleß’on’the'Devonshire eoast
(1853) fimdet'sieh’ Beschreibung und Abbildüng'zweier“neuer
britischer Arten’ "des\ Gen.) Aequorea; Al" witrina (p!840l
PI.XXI) mit etwa 90 Radialgefässen und 200"Tentakeln
ünd A. 'Forbesiana (p. 345." Pl! XXIV) mit’ TO'Radiälgefässen
ufid® 36 "ziemlich" langen Randfäden! "Weiter sind’ Waselbst
abgebildet und beschrieben: eine unbekannte währschein
lich dem’ Gen.’ Sminthea’Gegenb: zugehörende 'Meduse mit
8’geknöpften Doppeltentakeln und’ 8 Otolithenkapseln da=
zwischen (Pl2 XXIRWFig. 1-=3. p'831)', Willsiaıstellata
(Pr XXpr859), Turris’neglectav(Pl> XI. p.)848),j Oceania
pusilla n.»sp."(Pl. XI: Fig.»115 pi \384), «Saphenia» Titania
n2'sp-- (Pl. XXI. "Fig. 8.) p% 387), "Thaumanthiası So\oder
vielmehr Eucope — Buskiana n. sp. (Pl. XXH- Fig!!5—12.
p:886)"und»Thaum. (?)ı-Corynetes n.' sp: (Pl, XXIsıp. 407),
eine interessante Form, die" nach" der’ Ansicht"des: Ref."der
Fäniilie der Trachynemiden zugehört und ein nettes’ Genus
bilden dürfte, mit 4 Radialkanälen und 8 Paar starken keu-
lenförmigen Randfäden, neben denen je noch, ein kurzer
Tentakelstummel, ansitzt, drei Otolilhenkapseln zwischen den
Tentakelpaaren und, schlankem ‚Magenstiele. ...1 ‚“lumi» no)
"Unter !dem' Genusnamen @oodsirea' beschreibt auch
Strethill' Wright'eine kleine neue Meduse , "die’«mit
Plancia’ Forb. (J. B!XX. S. 426) nähe ’verwändt ist, sich
aber durch Abwesenheit der Ocellen und complicirte Struk-
tur der kleinen, neben den zwei langen Tentakeln in Menge
vorhandenen Randfäden leicht, unterscheidet. ‚Statt, der.Ocel-
len finden sich acht Otolithenkapseln„mit je vier-Steinchen.
Edinbs snew'phil./Journ X. p.110. PILEK: ARigi Tanıdar
‚o»»sProles Ihydriformis: in Ge genb awr /entwickeltiüberdefi
Generationswechselo undi/den! Polymorphismus; der -Hydroid+
polypenidieselbenpAnsichten;odielwon Refi inlidiesen Berich-|
Idorswder niederen‘ Thiere während des Jahres 1859. 183
ten und’ an anderen Orteniischon seit’lange' vertretem'wur=
dem»'Vergl: Anat.8194. i
‚Asse per Erste, "der Hydroidpolypen’ aus ‘den Embryonen
von Medusen' sich entwickeln sah , 'war übrigens, wie'hier
hoch’ nachträßlich bemerkt werden soll, Gosse, der diese
Vorgähge in’ seinen Rambles etc. (p. 348. "Pl. 'XIIT) von Tur-
fis meglectä beschrieben hat! "Wenn die Zeit‘ der’ 'Fort-
pflanzunig'naht,,’dann klappt die genannte Meduse: —&"wie
wir das auch inzwischen von anderen Arten erfahren 'ha-
benurihren Schirm zurück, 'so dass der stark verdickte
Magensack mitden’Ovärien nach Aussen'hervörtritt. "Der
Schirm verkümmerf‘ dann allmählieh) ' während -aus den
Ovarien'zahlreichelogrosse Embryonen von’ rother‘ Farbe
Ausschwärmen; ‘die nach’ einigen’ Tagen’ sich festsetzem'und
dann’ zit Polypenauswächsen. ’ Die ausgebildeten’ Zustände
dieser Polypen haP 'Gosse nicht’ 'beobachlet, da” seine
Exemplare schon nach ‚der Entwickelüung von vier! Armen
abstarben. Strethill Wright’ gelang'es, ‘diese’ vierar-
migen. Polypen in «einen «Zoophyten: übergehen ‚‚zu,sehen,
der««mit'Clava repens verwandt ist undvals-Olavula Gossi
folgendermaassen (Edinb.'phil.- Journ. X. 'p. 106) 'beschrie-
ben wird. 1
Y N. Clarula Gossii., Polypary ereeping,, sheathed ina chilinous po-
Iypidom.. Polyps, minute, seated on short stalks, spindle-shaped, fur-
hished witll about twelve tentacles; upper, row of tentacles long, fili-
form, four in number, erect; rest of tentacles scaltered, shorter, in-
elined upwards; colour erimson. { = n ; = “B° on
Uisdb ‚Ebenso beobachtete ‚Gosse,.die.Umwandlung:..der,.von
Plumularia.pinnata: und. Antennularia 'antennina gelieferten
Planulae‘.in Polypenstämmehen, I: e: p: 287 (Pl. XVII)" und
p- 312 (Pl. XI). " Laomedea geniculata und Cämpanularia vo-
lubilis wurden mit Medusenknospen — Embryonen, wie
Verf. sagt — (p. 84. Tab. IV. p. 296. Tab. XVII), Coryne
ramosa mit Geschlechtskapseln beobachtet, deren Eier nach
dem Ausireten amöbenartig umherkrochen, (p- 190. Tab. IX).
om Aklımann handelt ‚über die, theilweise schen in "einer
früheren Abhandlung (J. B.XXV. S.205) von ihm bespro-
‚ohenen 5yGeneratiönsorgane« von -Sertularia" tumariska und
\
184 Leuckart: Bericht über die Leistungen in.der.Naturgeschichle
benutzt die Gelegenheit, die‘ von. ihm (wie auch: von: An-
deren) schon mehrfach hervorgehobene Analogie /der« in
den, Gonophoren hervorsprossenden Samen - und Eiersäcke
(sporosacs) mit Medusenknospen in Erinnerung, zu, bringen,
Die immer an eigenen Stöcken. sich findenden „männlichen
Kapseln sind: von den weiblichen ‚sehr verschieden und. .na-
mentlich. ohne den schon früher ‚beschriebenen pyramidalen
Aufsatz. ‚Die. Kapsel selbst vergleicht Verf. nicht,‚einem
Polypen , sondern : dem Magenstiele einer Meduse,, in, dem
zwischen Ectoderm und Endoderm die, Geschlechtsknospen
ihren Ursprung ‚nähmen. Ann. and ‚Mag. | nat., hist. T. Ik
p- 233—240.. Rep. br. Assoc. held, 1858. .p..119. mitilsz
Ausser, dem als,Clavula Gossii, oben erwähnten ‚Ab-
kömmlinge der Turris neglecta beschreibtStrethillWright
(l».0. p: 106. .)\ noch. ‚einige andere ‚interessante;Hydroid=
polypen:; Coryne implexa Alder, Bimeria vestita' n. gen.
eb.n. Sp, Garveia nulans.n. gen. et.n. sp, Tele
arbuscula.n. sp.. mit folgenden Diagnosen:
Coryne’implexa. ‘ Corallum 'branched or creeping ; 'composed
of two coats, Ihe inner coat-horny, annulated at intervals; 'the/outher
coat, membranous,, smooth.,.‚longitudinally. folded near ‚the',polyps;
Body of the polyp eylindrical, much elongated; summit truncated,
very transparent, of a pearly white colour; mouth surrounded by a
dense white ring. Tentacles small and slender, very numerous,
Thread-cells on tentacles oval, barbed; on the body of polyp long,
eylindrical. Both kinds of thread-cells within the corallum.
Bimeria vestita. Polypary minute, very slender, branched,
smooth or wrinkled near the division of the branches, inclösed ina
transparent horny corallum; polyps vase-shaped, destitute of Probos-
eis; tentacles; slender; alternate'as in Eudendrium;;' corallum, body,
mouth and lower half‘ of each! of tentacles -of‘polyp clothed ıinvan
opake brown membrane; thread-cells inconspicuous. \
Gerveia nutans. Polypary inclosed in smooth re
wrinkled corallum, ‚creeping. or forning a stem of many agglutinated
tubes from which the polyp stem diverge as branches; polyps_ not
retractile within the corallum, decumbent when contracted; tentacles
about ten, thick, in a single row, not alternate ; mouth not trumpet-
shaped; colour 'of} polyp vermilion 'and apa thread=celld incon-
spienous.
Eudendrium. arbuscula. 'ı Polypary emo ‚.forwing dr
der niederen Thiere während des Jahres 1859 185
tree of adnate stems. Branches ringed near their insertions.' ‚Polyp
white, terminal on very slender and transparent branches; with trum=
pet-shaped proboseis and numerous alternate tentacles.. Base, of body
surrounded by ring of large thread-cells. Reproduclive (male) cap-
sules moniliform, double, borne in clusters on short stems springing
at right angles from branches. ‘Summit of double capsule ‚with ‘a
tuberele containing barbed thread-cells.
Allman’s „Notes ‘on the hydroid zoophytes“: (Ann:
mag. nat. "hist. T. IV) bilden eine Fortsetzung der’ schon
früher von uns gelegentlich (besonders J. B.XXV. S. 205)
angezogenen Untersuchungen desselben Verfassers
und enthalten, wie die verwandten UntersuchungenW right’s,
zahlreiche. interessante und ‚wichtige Mittheilungen ‚über
Bau. und Fortpflanzung der Hydroiden. Die. erste „Note*
(1: e.'p.48--55) bezieht sich auf Tubularia indivisa, Podo-
coryne carnea, Manicella fusca n. gen. et n. sp., Eu-
dendrium (Corythamnium n. gen.) bacciferum n. sp.,
Coryne Briaraeus n. sp.
Tubularia indivisa trägt nach unserem Verf. Geschlechtskap-
seln , die bis auf den Mangel von, Mund, Randkörperchen, Tentakel
und Segel vollständig einer Meduse gleichen, vier Radiärkanäle, ein
Ringgeläss und Magenstiel (manubrium) besitzen und am Schirm, wie
Manubrium, zwei über einander liegende Membranen, Ectoderm und
Endodernı, erkennen lassen. Die Geschlechtsstoffe entstehen im Um-
kreise des Manubrium zwischen beiden Häuten und werden durch
partielle Zerstörung des Ectoderm frei. Eigentliche Eier konnte
Verf. übrigens nicht unterscheiden. Es sind vielmehr blosse Dotter-
massen, die sich abtrennen und nach ihrer Abtrennung ohne eigentli-
che Furchung sich in einen Zellenhaufen verwandeln und dann,, im-
mer noch in der Höhlung des Schirms, in einen neuen Polypen sich
umbilden. Anfänglich nimmt , die Doltermasse ‚eine Scheibenform
an, dann knospen vom Rande aus eine Anzahl armartiger, Fortsätze,
die dem Embryo eine sternlörmige Gestalt geben und die ersten Ten-
jakelanlegen darstellen, und erst später wird derselbe durch buckel-
artige Erbebung der hinteren Körperläche und Bildung des Mundza-
ens in einen Polypen verwandelt. (Ganz dieselbe Metamorphose
hat Ref. auch beider Helgolander Tub. coronata beobachtet.)
Von Podocotyne carnea beschreibt Verf, die Bildung der sterilen
und der proliferirenden l'olypen,, die sich hier nur durch geringere
Zahl der Fühler von ersteren unterscheiden, hebt sodann hervor, dass
die gemeinschaftliche Basis der Colonie ein’ unregelmässiges Netz-
werk von Chitinröhren darstelle (wie das früher schon von Krohn
186 Leuckart:-Berichtüber-diekeistimgen in der Naturgeschichte
beobächtetvist) und: giebt schliesslich ‘eine Schilderung der an)P.sal+
bida'heitvorknospenden: Medusen. sah
Manicella fusca ist: eine kleineiviel ‚verästelte Tubularine-mit
16, etwas »alternirend ı gestellten Tentakelnsund einem: braunenyuman-
cherlei' fremde Substanzen einschliessenden Skelet,'welches'sich nicht
auf den Stamm beschränkt , sondern auch''die Polypenköpfe bis ızur
halben Höhe Jder Tentakel überkleidet: ‘' Die’ Geschlechtsknospen: ste+
hen’ je arf der'Spitze eimes kulzen Seitenzweiges; sie! sind nach allen
Seiten: von|, dem ‚Skelete,, umschlossen |,| das ‚hier eine. etwas,runzlige
Beschafenbeit, besitzt, und) im, Innern) mit, einem verästelten Central-
kanal (spadix) yerschen. ‚ x r
Eudendrium bacciferum charakterisirt sich vornämlich durch
die Form seines Polypenstockes und die Bildung seiner Geschlechts-
Knospen. Der erstere erscheint im Ganzen unregelmässig verästelt, !obL
wöhl/die Netzten, an der’ Spitze’ meist gebogenen Zweige eine eiwas
federförmige, Anordnimg ıbesitzen.; Der-Hauptstammist-an der; Wurzel
verdickt und ‚deutlich,aus yerklebten, Röhren, ‚zusammengesetzt, „Das
Skelet ‚erweitert .sich an, der Basis ‚der Polypenköpfe zu einer ber
cherförmigen Scheide, die aber kaum bis zu dem ans 10 Tentakel
bestehenden Kranze reicht. Die Geschlechtsknospen sind Ans]
medusoid, mit dicht anliegendem Mantel und vier Radialgeriseh (ohne
Ringgefäss). Sie besitzen eine bedeutende Grösse und stehen "auf
einem langen, meist dem Hauptstamme oder den ältesten Zweigen
aufsitzenden Stiele, der sich am Ende gleichfalls becherförmig zur
Aufnahme der Medusoiden ausweitet. Die aus Eiern mit deutlichem
Keimbläschen sich entwickelnden Embryonen sind sog. Planulae.
Coryne Briaraeus überzieht mit einem Netzwerke von’ ChitinZ
röhren Steine, vielleicht auch andere fremde Gegenstände ünd erhebt
sich von da in senkrechten, häufig verzweigten Stämmen. Die Po-
Iypen sind von heller Farbe, ausserordentlich dehnbar und mit 40-50
Tentakeln versehen, die regelmässig über den Körper sich verthei-
len. Zwischen diesen Tentakeln erhebt sich an einer bestimmten
Stelle ein Haufen Medusenknospen, die bei ihrer Losttennuhg einen
halbkugelförniigen Mantel mit zwei Tentakeln und ein stark entwik-
keltes Manubrium besitzen (Saphenia? Ref.). Ben 3)
Die zweite „Note“ (l. c. p. 137—144) ‚handelt‘ über
Laomedea flexuosa Hincks, L. Loveni All., Coryne eximia.n. sp.
und deren, Medusensprösslinge. la
Von erstere‘ wird die’ Anwesenheit: einer Falte des Ettoderm
in»den Winkeln zwischen (den einzelnen 'Tentakeln ıhervorgehoben.
Die,zweite (ist die von Lovenvals-Canipanularia: genitulata be-
schriebene Art, udie'Verf. früher für -Hinck’s Lu lexuesashielt, «bis
er sich neuerdings davon überzeugte; dass ‚sie von beiden und ‚auch
.
aid s der"niederen ‘Thiere während «des Jahres: 1859. 187
von der ‘sonst: ‘gleichfalls nahe ‚verwandten L;) diehotoma verschieden
sei." Die’ hauptsächlichsten ‚Unterscheidungsmerkmale-derselhen .beste-
ben 'in der 'Art:>der Verzweigung undsder Former » Gonophoren,
‚weniger’in’dem Aussehen; da:der Stamm bald auf Stemden‘ Gegenstän-
Jen'hinkrieehtj-bald»auch aufrecht und ftei.ist.“ ‚Die Geschlechtskno-
spen sind! bekanntlich | vonwexquisiter-Medusenform’,'.von den: echten
Medusen der Campanularien aber dadurch verschieden, dass. die 6e+
sehlechisstoffer nichtiiden —hier mitunter felilenden —-Radialgefässen
ahsilzen,'\sondern/dem- Manubrium.) Die’Zahl der /Randfäden ‚wechselt
hei,den; weiblichen Medusoideu ‚von 8, 16, — 20, , Zur Bezeich-
ung solcher medusoiden, frei nach Aussen ‚hervorragenden Genital-
bläschen schlägt Verf, den Namen Meconidia vor.
Coryne erimia bildet an Kelsen und Laminarien ansehnliche
verfilzte essen von 3—4” Höhle, mit Polypenknöpfen, deren 2030
WEHtaket Ger ?Art’lverihäilt sind‘, Hass /WieVier \oBersten einen Kranz
im Unikreise’der Mundöffnung bilden. ı"Die'Medusen kmospenveinzeln
ander ‚Basis; der Tentakel 'heryor und ihaben,mit Sthenyo,, Puj./.die
grösseste Achnlichkeit, obwohl ‚diese, von einer Syncoryne aufgeammt
wird., (Die ‚Medusen yon Coryne Briaraeus, sind umgekehrt, trotz der
Nermandischaft, der Hydroiden, von den hier ‚vorliegenden sehr ab-
weichend — ein genügender Beweis, dass die Beschaffenheit der Me=
duse keinen sicheren Schluss auf die Natur ’der De
und "amgekehrt. ) |
on der dritten „Nöte beschreibt'Verf. drei neue Forl
men! Laomedea tennis, 'Clava diserela und: Dieöryne m.
ie Sricta er: 367970, Rep. br./assoc, held 1859.
1Rl } { upl Dbn ni
Sig wide: ähnelt der L. lacerala, ist’aber dadurch verschieden,
ddsk "die 'Achselzelfen keine Spotostes , sondern förnliche ' Medusen
und zwar je eine in sich einschliessen.!! Der’Baw dieser) Med use! ist
für- eine Campanulatie ‚sehr eigenthünnlich': eim tiefer Manteljivon; dem
zunächst ein solider,Zapfenvals Träger/ des Mantelsacks Jierabhängt; , am
Ende, den, vier Radialgefässe, ein Doppeltentakel , , ‚zwischen denselben
j ai einfacher, ohne Gehörkapseln und Augenilecken. Verf, yermur
dass die Geschlechtsorgane in den Wänden des REN, zur
oh: komnen würden, und nicht, wie sonst bei den Medusen
Ran an den ’Rädialgefässen. 9 “93109
oa al sche ehdrickrertsire hich'Mädurei ‚dass die'Porypen
ieht ‘grinppenweise stehen, söndern' ih Zwischenräumen (über verü-
stelte Stolonen |verlireitet sind. N ‚ugannaelnd
eo.0 Das@en« n. PRRPEERRTER trägt, relgen Disfnum: “Goeilosare
bsanehed; clathed with, a polypary and udhering by, a.tubylar network,
188 Leuckart: Bericht über.die Leistungen in der Naturgeschichte
Polyps elaviform , of two 'kinds, one sterile, ‘the other proliferous,
both borne upon the common coenosarc and issuing from |the 'extre-
mities of the branches. Sterile polyps; with. a vertieil of Ailiform
tentacles situated behind the mouth; proliferous polypes destitute ‚of
tentacles (and mouth ?) and having the gonophores clustered round.the
base. Sp. D. striet« mit 16 etwas alternirend gestellten rien
Lebt zusammen mit Hydractinia echinata auf Buccinum.
Die erste der hier angezogenen Noten betreffend; hebt
Wright (ebendas. S.174) hervor, dass die daselbst auf-
gestellten drei neuen Arten auch von ihm beobachtet und
beschrieben seien, die Manicella fusca als Bimeria vestita,
Eudendrium bacciferum als Gerveia nutans, Coryne Bria-
raeus als Coryne implexa (vgl. oben).
Zugleich fügt derselbe hinzu , dass die bei Manicella
vorkommende becherförmige Scheide der Polypenköpfe
nicht von dem gewöhnlichen Skelet gebildet werde', son-
dern von einer eigenen glutinösen Substanz (colletoderm);,
die das Skelet überziehe und auch bei anderen Hydroiden
gefunden werde, bei den Serlularien z. B. das sog. Mar-
supium.bilde, in dem die Eier zur Entwickelung kämen.
Allmann erwähnt gelegentlich (ebendas.S. 369 Anm.)
der'— bei: uns schon: längst bekannten — blinden Gefäss-
verlängerungen, die in. die, zapfenförmigen Geschlechtsor-
gane der von. den; Sertulariaden aufgeammien ‚Medusen
hineinragen, und glaubt diese Geschlechtsorgane darauf ‚hin
als „Sporosacs,“ d. h. besondere sessile Geschlechtsthiere
in.Anspruch nehmen. zu können. Die Meduse selbst würde
dann geschlechtslos sein. und bleiben und eine Entwicke-
lungsreihe zusammensetzen: helfen, die en:
lauten würde: Ei, Polyp, Meduse, Sporosac.
Nach der Ansicht von Hincks lassen sich die Gen!
Laomedea und Campanularia kaum von einander irennen,
da es, unter den erstern Arten giebt, bei denen die Ge-
schlechtskapseln keine Achselzellen sind (L. angulata).und
unter den anderen Arten, deren Geschlechtskapseln sowohl
vom Stamme,, ‘wie von den Zweigen (Campan.‚Johnstoni)
entspringen. Dagegen aber glaubt er, die kleinen; mei-
stentheils 'sessilen' Species’ von Campanularia als'Typen' eines
eigenen Genus (Calicella) betrachten zu dürfen. »Quar-
der niederen 'Thiere während des‘ Jahres 1859. 189
terly Journ. mier..Se.'T. VI. p.131, Rep. br. Assoc. held
1858. p. 126.
Derselbe hebt die aufallende Formverschiedenheit
zwischen den männlichen und weiblichen‘ Kapseln ‘von: Ha-
lecium Beanii und H. halecinum hervor und erwähnt einer
mit Plumularia echinulata Peach nahe verwandten Pl. similis
n. sp. Rep. br. assoc. held 1858. p. 128.
Die bei den Plumulariaden vorkommenden cylindrischen
und von einer’vorn offenen Chitinröhre umkleideten, Aus-
wüchse, die eine Menge grosser Nesselkapseln einschliessen
(und von Busk desshalb als Nematophores bezeichnet. wer-
den) sollen nach Huxley trotz ihrer abweichenden Stellung
und Organisation den Tentakeln zugerechnet werden. Hy-
drozoa p. 11.
van Beneden erinnert an die bekannte (schon von
Cavolini) beobachtete Thatsache, dass Tubularien und
andere Hydroidpolypen die Köpfchen nicht selten zu ge-
wissen Zeiten, besonders Winters, verlieren und später wie-
der bilden. Cpt. rend. T. 49. p. 452.
Nach den Untersuchungen Gegenbaur’s (vgl. Anat.
5.69), sind auch die marinen Hydreiden deutlich, aus Zel-
len: zusammengesetzt. ‘Corymorpha nutans zeigt neben die-
sen,noch eine fasrige Muskulatur (S. 75).
Weinland fand in einem, kleinen Corallenbecken
anı der Nord-Küste ‚Hayli's Exemplare von Madrepora alci-
eornis;, mit Zweigen, die, sich zum; Theil 3—5 Zoll über
den ' Wasserspiegel erhoben. Nalürlich waren dieselben
abgeslorben, soweit; sie dem, Conlaclte der Luft ausgesetzt
blieben. Die Beobachtung fiel, in den Monat Juni und, fin-
det.ihre‘ Erklärung in der Thatsache, dass das Wasser
jenes: Bassins ‚den Winter über 4—6’ höher steht, als wäh-
rend. des Sommers. Freilich würde daraus für die genannten
Korallen. ein ‚ungewöhnlich rasches Wachsthum folgen, Proc.
Bost; ‚Soc, VI. p. 364.
wunAgassiz bestätigt das: rasche; Wachsthum, gewisser
Korallen. und hebt heryor, dass die Zweigkorallen ‚sich an
ihrer Basis in eine Scheibe‘ ausbreiten,,.bevor sie sich. er-
heben. Ibid. p. 375.
196 Leuckätt »Berichtrüberdiekeistungen inıder Naturgeschichte
' Von’neuen -Arten !haben wir ausser den sahen ange+
führten noch zu erwähnen: a .25Al
"U" Plümularia halecioides'n!'sp.."Halkeiumılabrosum n: sp.) beide
von’ der Brittischen Küste, «H. nahum n:.,sp.,/an der Oberfläche ;von
Sargassam|/baceiferum ‚aus, dem ‚Atlantischen ‚Ocean, Alder, Ann,
and, magsnat,,bist,, TI. p. 353. "Tab. XU-—XIV. (Rep. br. ‚8506, ‚held
1858. p. 126.)
Campanularia Jena n. sp., nn - rep. br. assoc. held
1089. p.142. |
Coryne sessilis Gosse, Rambles p. 208." Pl.’X1V. Fig, 1-3, 1C,
Cerbeius ibid.) p: 222, PI.XIV. Fig-4, 5 (beide "wahrscheinlich ‚Ju-
gendzustände anderer ‚Arten;, die,letzte ‚mit, 2.Kreisen ‚von' je,3 Tenta-
kein, deren, obere) geknöpfte, Enden haben);
ı In.Betreff ‚des Vorkommens, und der geographischen
Verbreitung unserer Süsswasserpolypen ist die Beobach-
tung ‚von, Schmarda interessant, dass, Hydra fusca und
H. viridis ‚nicht, bloss, in ra sondern auch Arastare
wenigstens) in Aegypten ‚gefunden werde, Zur Nalurgesch.
Aegypiens.a..a. 0.
i 19% 1IIRBIW
‚» _ Siphonophora. PERFEKT,
‘ Huxley beschreibt in einem"eigenen,"von'der Ray
Society mit zahlreichen kostbaren ’Abbildungen ausgestatte+
ten Werke „the oceanic hydrozoa“ (141’Seiten im®Folio;
12’Küpfertäfeln) "die von"ihm’ in’den'"Jahren | 184621850,
während seines Aufenthalts auf dem Rattlesnake beobachte
ten Siphonophoren und’ bereichert damit"'unsere Kenntnisse
über diese, in der letzten Zeit so vielfach \untersuchten;
merkwürdigen Geschöpfe mit einer‘ Menge" interessanter
Thatsachen. ‘Der Name Hydrozoa , 'den’unser "Verf. an die
Spitze seines Werkes gesetzt hat, 'bezeichnet''allerdinks;
wie wir schon in 'einem früheren Beier hervorzuheben
Gelegenheit hatten (J. B. XXTIT. 'S.'225);' nicht“ bloss''die
Siphonophoren‘,' sondern auch die übrigen von 'uns'zusden
Hydromedusen gerechneten Coelenteraten “(mit Einschluss
der‘ Luvernarien), und" diese Thiere ihden! denn auch\neben
den ersteren in’ der’ von 'unserem"Verf. 'vorausgeschickten
mörphologisch anatomischen" Einleitung’ (p.ı1—2%) ihre
Berücksichtigung, allein bei der Speeialbeschreibungy«die
44 lsıdersniederen‘ Thiere während! des Jahtes 113595 v » 191
den unstreitig | wichtigsten Theil der‘ Abhandlung: »bildet,
sind esıdoch‘ bloss »die Siphonophoren, die Verf behandelt,
und auchsin demvallgemeinen Theile treten‘ diesevüberwie=
gend in ıdeni Vordergrund. I si
«)t Nachdem: Verf. bemerkt hat,’ dass’ der Körper der Si
phönophoren :in’gleicher Weise, wieder der übrigen 'Hy=
dromedusen, aus; zwei: über einander: gelegenen Substänz=-
schichten‘ (eetoderm, und ’endoderm) gebildet werde, die
einen mehr oder. minder vomplicirten’Hohlraum umschliessen
(eine"Thatsache,. die übrigens , 'was Verf. übersehen hat,
schon vom Ref. in gehührender Weise hervorgehoben ist,
zur,näheren Kenntniss der Siphonophoren’ von Nizza: $. 121.
Ann.) geht 'er' zunächst: zur Schilderung: der einzelnen
Theile‘, des Siphonophorenkörpers' über. ' Bekanntlich bist
Verf. der Ansicht, ‚dass die Siphonophoren keine Thierstöcke
seien, sondern:einfache Thiere, wie die Medusen, und gleich
dieseiı aus einer Anzahl verschiedener Organe; "aus: Magen-
stiel (polypite); Schwimmglocke‘ (neciocalyx)';' Tentakeln
us s. w.bestehen, die nur in. Gruppirung, 'Zahl’und>Manch=
faltigkeit Verschiedenheiten, darböten und: hiernachzur. Auf
stellung verschiedener , Ordnungen: (Hydridae';.Corynidae,
Sertulariadae, Qalycophoridae, Physophoridae,) Lucernaria-
dire)uberechtigten. ‚Natürlich gehören auch die Geschlechts=
glocken, (gonocalyces) in die Reihe dieser Organe, selbst
diejenigen: Formen , die sich als selbsiständige"Medusoiden
ablösen. «Wir wissen. ja (J./B.XX. 18.299), dass Verf. die
ungeschlechtlich. erzeugten Sprösslinge ‚eines Thieresı über
haupt nicht: als selbstständige Individuen, ‚sondern nur'lals
4Zooidien* betrachtet wissen will; Freilich haben diese) ;Zooi-
dien“ eine auflallende Aehnlichkeit: mit den echten ıMeduL
‚sen; ; denen, Verf, die, Individnalität, nicht absprechen! kan,
dass (diese Aehnlichkeit, aber -loch keine vollständigerHos
inologie,sei , „glaubt, Verf, durch‘ ‚eine, Erinnerung an die
abweichende .Art,der, Entstehung'.und die Abwesenheit de$
Segelsi,.(valvular ımembrane) beweisen. zu'können. Es ist
leiehtseinzusehen, dass’ die Aullassung des hier vorliegen+
den, Verhältnisses ‚deu Angelpunkt der» ganzen Frage»nach
der Natur, der Siphonophoren, \einschliesst: Die deutschen
192 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Forscher,,dievan der: Polyzootie‘' und dem’ Polymorphismus
der‘, Siphonophoren festhalten, gehen eben von der hier
abgeläugneten Homologie aus und‘ dedueiren 'von da aus
die Berechtigung, ja die Nothwendigkeit ’ ihrer Lehre.
Für unsern Verf. existirt. jene Homologie nicht, für ihn
existirt auch kein Polymorphismus. Kein Wort; keine 'An-
deutung verräth , dass der Organismus der'Siphonophoren
auf eine,andere, als die vom Verf. vertretene Weise ge-
deutet werden‘ könne und auch wirklich gedeutet sei.
Doch das nur beiläufig; der Werth der' vorliegenden
Arbeit‘ wird dadurch nicht verringert.
Und diesen Werth sehen wir, wie gesagt, besonders
in.den von ünserem Verf. gelieferten Detailbeschreibungen
und ‚den. beigefügten Zeichnungen, in ‘die; auch 'die'deih
Verf: nicht zu Gesicht'gekommenen, ‘aber von anderer Seite
näher bekannt gewordenen Formen aufgenommen'sind.
Was: wir über ‘den Bau der einzelnen Organe Neues
erhalten, ist nicht ‚eben viel. ' Wir heben davon u. a. her-
vor; (dass die Luftblase (pneumatophore) nicht bloss bei Phy=
salia ‚sondern auch bei Rhizophysa durch eine distinete
Oefinung nach aussen führt, aus der Verf. auch gelegent-
lich die Luft entweichen sah. Die Befestigung der Blase
geschieht überall, wie das auch 'schon von Ref. bemerkt
wurde, durch eine Duplicatur des Endoderm, doch will’ Verf.
ausserdem noch in einzelnen Fällen die von Milne Ed-
wards bei Stephanomia (Forskalia) beschriebenen radiären
Suspensorien beobachtet haben. Eine Communication der
Luftblase mit’ dem’ Reproductionskanale wird überall’ ige-
läugnet,. obwohl neuere‘ Beobachter (Keferstein und
Ehlers), auf die wir im ‘nächsten Berichte zurückkommen,
dieselben ganz in der von Ref. beobachteten Weise wieder
gefunden ‘haben. Das Basalstück der Polypen ist überall
durch eine 'Cirkelfalte (pylorie valve) von dem eigentlichen
Magenabgetrennt. Die in’ den letztern vorspringenden Wülste
mit ihren’ Nesselzellen werden ‘den soliden Magenfäden der
Lucernariaden verglichen, und wird dabei die Vermuthung
ausgesprochen ‚dass 'beide' ihre wesentliche Bedeutung’ in
der durch die Nesselkapseln bewirkten Abtödtüng der leben-
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 193
dig. verschluckten Brut erfüllten. Die von Ref. in den Nes-
selknöpfen (sacculi) beschriebenen Angelbänder wurden
nirgends beobachtet und die Taster (hydrocysis) vor Kennt-
niss der in Deutschland erschienenen neuen Arbeiten für
junge und unentwickelte Polypen gehalten. In den unausge-
bildeten Schwimmglocken findet sich statt des Hohlraumes
(nectosac) Anfangs ein solider Kern, der durch Verdickung
der äussern Hülle entstanden ist und das in die ursprüng-
liche Knospenanlage hineinragende Divertikel der gemein-
schaftlichen Leibeshöhle in vier Radialkanäle abtheilt. Der
Schwimmsack nimmt erst durch Aushöhlung dieses Kernes
seinen Ursprung. Aehnlich bei den Geschlechtsglocken,
bei denen Verf. sich weiter davon überzeugt zu haben
glaubt, dass die ursprüngliche Anlage der Geschlechtsorgane
von dem Ectoderm ausgehe.
Die Systematik betreffend, so glaubt Verf. die von uns
zu den Siphonophoren gerechneten Hydrasmedusen nach wie
vor (J. B. XXIII, S. 225) in zwei Gruppen theilen zu kön-
nen, die Diphyiden, oder, wie sie nach dem Vorgange des
Ref. jetzt genannt werden, Calycophoriden und die Physo-
phoriden. In ersterer Gruppe unterscheidet Verf. vier Fa-
milien, die Diphyiden s. str., Sphaeronectiden (denen übri-
gens eine nur unvollständig beobachtete Form zu Grunde
liegt), Prayiden und Hippopodiiden. In der zweiten Gruppe
steigt die Zahl der Familien auf sechs: die Apolemiaden,
Stephanomiaden, Physophoriaden, Athorybiaden, Rhizophy-
siaden, Physaliaden und Velelliden.
Die Untersuchungen unseres Verf.’s beziehen sich
auf fast alle diese Familien, namentlich aber auf die Di-
phyiden, von denen uns eine ganze Reihe neuer Formen
vorgeführt wird. Die Mehrzahl derselben gehört frei-
lich zu den sog. monogastrischen Diphyiden, die Verf.
Anfangs für selbstständige Arten hielt, bis er sich durch
die Untersuchungen des Ref. davon überzeugte, dass sie
als frei lebende Anhangsgruppen anderer sog. polygastri-
scher Formen zu betrachten seien. Trotzdem hält es übri-
gens Verf. aus Zweckmässigkeitsgründen immer noch für nö-
thig, dieselben in eine eigene Gruppe (Diphyozoidia) zu-
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. N
194 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
sammenzustellen und darin sogar besondere Gattungen
und Arten zu unterscheiden. Ref. hat früher den Vorschlag
gemacht, alle diese frei lebenden Anhangsgruppen als „Eu-
doxien“ zu bezeichnen, wie man die isolirt lebenden Band-
wurmglieder, ohne Rücksicht auf Abstammung und. Be-
schaffenheit als „Proglottiden* zu benennen pflegt, allein
Verf. findet es unpassend den Namen Eudoxia, der in sei-
ner ursprünglichen Fassung für monogastrische Formen mit
glockenförmigem Deckstück gebraucht wurde, auch auf Ar-
ten mit flächenhaft begrenztem Deckstücke zu übertragen
und tadelt es, dass Ref. z. B. von einer Eudoxia cuboides
sprach.
Bei der Unvollständigkeit der älteren Beschreibungen
und der Unzulänglichkeit der früher aufgestellten Diagnosen
ist es natürlich schwer und oftmals unmöglich, die zur Un-
tersuchung kommenden Siphonophoren auf bekannte Arten
zurückzuführen. Auch unser Verf. hat das erfahren, und
will es Ref. fast bedünken, als wenn derselbe in dem Be-
streben bei der Bestimmung seiner Arten an die vorliegen-
den Beschreibungen anzuknüpfen, nicht überall das Rich-
tige getroffen habe. Auch die Synonymie dürfte nicht im-
mer in glücklicher Weise zusammengestellt sein; es sind
wenigstens hier und da bestimmt verschiedene Species in
eine einzige zusammengefasst.
Die von unserem Verf. beobachteten und genau be-
schriebenen Arten sind folgende:
A. Calycophoridae.
Diphyes dispar Cham. et Eysenh. von der Ostküste Australiens
p- 30 (eine Art, zu der Verf. ausser zahlreichen anderen Synonymen
auch Diphyes turgida ? Gegenb, zieht, die wohl schwerlich dahin ge-
hört), D. appendiculata Eschsch. Bassstr. p. 34 (nach unserem Verf.
u. a. identisch mit D. Sieboldii Köll. und D. acuminataLt., die jedoch
beide von einander verschieden sind), D. Chamissonis n. sp. Ostküste
von Australien p: 36, D. mitra n. sp. Ind. Ocean p.36 (möglicher-
weise, nach unserem Verf., der Jugendzustand von D. appendiculata.
Die vermuthete Identität mit D. Kochii Will scheint Ref. um so zwei-
felhafter, als bei letzterer das vordere Schwimmstück kaum zur Auf-
nahme des hinteren vertieft ist, während D. mitra daselbst eine deut-
liche, tiefe Grube erkennen lässt.) Nur die beiden ersten Arten wur-
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 195
den vollständig beobachtet, die zwei anderen ohne hinteres Schwimm-
stück. Letzteres trägt bei den ersten Arten einen geschlossenen
Durchlasskanal und ist überall dem vorderen eingefügt. D. dispar
und D. Chamissonis sind neben der Müudung der Schwimmstücke mit
starken Zähnen versehen. , Der zur Aufnahme des hinteren Schwimm-
stückes bestimmte Ansatz des vorderen ist bei D. dispar und appen-
dieulata abgestutzt, bei D. Chamissonis und D. mitra — ebenso auch
bei D. acuminata und D. Sieboldii — stark gezackt. Die Diphyiden
mit bloss angefügtem hinteren Deckstücke betrachtet auch Verf. als
Repräsentanten eines besondern Gen. Galeolaria, dessen Typus an G.
filiformis, die freilich Verf. nicht selbst beobachtete, erörtert wird.
Abyla pentagona Quoy et G. aus dem Atlantischen und Indi-
schen Ocean p.40 (mit Aglaisma, das Verf., wie Ref., als ein abge-
rissenes vorderes Schwimmstück betrachtet), A. Bassensis Quoy ei G.
Bassstr. p.45, A. Vogtüi n. sp. Ostküste von Neu-Guinea p. 46 (vor-
deres Schwimmstück mit fünf Seitenflächen und annäherungsweise
gleichen Durchmessern, Deckstück würfelförmig , hinteres Schwimm-
stück nicht beobachtet), A. trigona Küste Neu-Guinea p. 47, A. Leu-
ekartiin. sp. Südsee p. 49 (mit stark comprimirtem vorderem Schwimm-
stück und einer fast die ganze Höhe durchsetzenden Grube zur Auf-
nahme des — nicht beobachteten — hinteren Schwimmstückes, so
dass der Flüssigkeitsbehälter und Schwimmsack an ihrem Apex mit
der Höhle des Stammes in Verbindung stehen).
Das Gen. n. Sphaeronectes ist nach einem mehrfach vom
Verf. beobachteten kugligen Schwimmstücke aufgestellt, das durch gal-
lertarlige Beschaffenheit und Dicke der Wände an Praya erinnert, aber
dadurch verschieden ist, dass der Stamm der Deckstücke entbehrt
und in der Tiefe einer langen und kanalartigen Grube befestigt ist.
Wie bei solcher Bildung ein zweites (hinteres) Schwimmstück be-
festigt sein könnte , ist nicht gut abzusehen. Sph. Köllikerii n. sp.
Ind. Ocean p. 50.
DieGen. Praya, Hippopodius und Vogtia (welches letztere aber
wieder eingehen muss, da die Vogtia pentacantha nach neueren Un-
tersuchungen, wie auch Ref. bestätigen kann, dem Gen. Hippopodius
zugehört) sind vom Verf. nach fremden Angaben beschrieben.
Ueber die Entwickelung der sog. monogastrischen Diphyiden
hat unser Verf, natürlich keine eigenen Untersuchungen angestellt,
doch glaubt er berechtigt zu sein, die Angaben des Ref., nach denen
das Deckstück (hydrophyllium ) von Abyla den Stamm umwachse,
bevor es sich mit den benachbarten Anhängen als Eudoxia abtrenne,
mit Gegenbaur in Zweifel ziehen zu dürfen. (Wir werden nach-
her schen, dass sich Gegenbaur inzwischen vollständig von der
Richtigkeit der Darstellung des Ref. überzeugt und seine frühere Op-
position ausdrücklich zurückgenommen hat. Bei Ab. Vogtii zeichnet
196‘ Leuckart;: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
auch unser Verf. ein rand um den Stamm herumgewachsenes kubi-
sches Deckstück ; die von demselben ausgesprochenen Zweifel sind
also durchaus unberechtigt.) Die vom Verf. beobachteten Formen be-
laufen sich auf zehn, und von diesen sind die meisten hier zum er-
sten Male beschrieben; die Eudoxienbildung scheint also, namentlich
bei den Abylaarten, denen die bei Weitem grössere Mehrzahl der
hier vorliegenden Formen zugehören dürfte, sehr allgemein stattzufin-
den. Eudoxia Lessonii Eschsch. (der u. a. auch E. campanula Lt.
zugerechnet wird, obwohl hier die Zahnvorsprünge neben der Mün-
dung des Schwimmsackes sehr viel unbedeutender sind), von allen
monogastrischen Formen die häufigste, die Verf. in allen Meeren an-
traf und auf Diphyes appendiculata zurückführen möchte p. 57, E.
Bojani Eschsch. Küste von Neu-Guinea p.59, Eudozoides (n. gen.)
sagittata n. sp. ebendah. p.59, die sich generisch durch die auf
einer Seite stattfindende flächenhafte Abplattung von Eudoxia unter-
scheiden soll — auch die von Ref. beschriebene Eudoxia campanula,
die zu Diphyes acuminata gehört, zeigt auf der einen Seite einen
flachen Längsstreifen —, Aglaismoides (n. gen.) Eschscholtzii n. sp.
in allen Meeren p. 60, A, elongata n. sp. Küste von Australien, Tor-
res-Strasse und in allen Meeren p. 61 (unzweifelhaft = Eudoxia cu-
boides Lt,, also Abkömmling von Abyla pentagona), Sphenoides (=
Sphenia Huxl.) australis n. sp. Bass-Str. p. 62, stammt nach der sehr
wahrscheinlichen Vermuthung unseres Verf.’s, von Abyla bassensis ab,
Cuboides vitreus Quoy et G. Küste von Neu-Guinea p.63, hat die
grösseste Aehnlichkeit mit den vom Verf. beobachteten Anhangsgrup-
pen der Abyla Vogtii, Amphiroa alata Les. Torres-Str. p. 64, gehört
nach der — inzwischen auch durch Gegenbaur bestätigten — Ver-
muthung des Verf's zu Abyla trigona, A. angulata n. sp. Torres - Str,
p- 64, wohl nur ein jüngerer Zustand der vorhergehenden Art, En-
neagonoides (n. gen.) Quoyi n.sp. Ostküste von Australien p. 65.
Die vom Verf. generisch unterschiedenen Eudoxien mit flä-
chenhaft begrenztem Deckstücke werden. in folgender Weise cha-
rakterisirt :
Aglaismoides Huxl. The hydrophyllium is a frustrum of
a pentagonal prism , with one face partially bevelled off. The phyl-
locyst has four coecal processes. The cavity for the polypite is deep
and conical or hemispherical. ?
Sphenoides Huxl. The hydrophyllium is wedge-shaped be-
low, but is bevelled into four quadrate faces on its upper surface.
The cavity for the polypite is open in front. The phyllocyst is sim-
ple and conical, like that of Eudoxia, but has a long, slender, coe-
cal diverticulum from its posterior and inferior part.
Cuboides Quoy et G. _Hydrophyllium ‚with six flattened and
four-sided faces. The chamber for the polypite is deep and conical,
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 197
and its inferior aperture occupies one face of the cube. The phyllo-
eyst is pyriform or narrow above, and very broad and slightly be-
lobed below.
Amphiroa Les. Hydrophyllium with a trapezoidal section, the
longer side being convex; inferior face obliquely truncated in front
(where the wide and deep chamber for the polypide opens); four-
sided behind. The phyllocyst is large and oval, with two slender
curved, lateral and superior caeca.
Enneagonoides Huxl. Hydrophyllium having the general
from of a cube with produced angles , but a pointed process is de-
veloped froım one solide edge, so that this and the adjacent face are
pentagonal and the body exhibits altogether nine points. The cham-
ber for the polypite is conical. The phyllocyst is simple and oval.
B. Physophoridae.
Stephanomia Amphitridis Per. wurde von unserem Verf. einmal,
aber leider ohne Schwimmsäule (wie von P&ron) beobachtet., Die
blattförmigen Deckstücke stehen in vier dichten Längsreihen und
die schraubenförmig gewundenen Nesselknöpfe tragen an der Basis
einen kurzen , glockenförmigen Mantel. Der Endfaden der Nessel-
knöpfe ist dabei einfach. Männliche Geschlechtsanhänge mit dicht
anliegender Glocke.
Agalma breve n. sp. p. 75 von Zolllänge mit dicken und so-
liden, fast pyramidalen Deckstücken. Gehört zu den Arten mit ein-
gehüllten Nesselknöpfen und zweien Endfäden an denselben, für die
‚Verf. allein den Genusnamen Agalma in Anwendung bringen möchte.
(Für die Arten mit nackten Nesselknöpfen und einem Endfaden, aus
denen Ref. das Subg. Agalmopsis bildete, schlägt Verf. den neuen Na-
men Halistemma vor p. 129.)
Von Physophora kamen dem Verf. (im Indischen Ocean) .nur
junge und unreife Exemplare zur Beobachtung, die keine genauere
Diagnose zuliessen, aber doch sorgfältig, besonders mit Rücksicht auf
die Schwimmglocken und Nesselknöpfe, beobachtet wurden (p. 73)-
Die letztern gleichen den Nesselknöpfen der Nizzaer Ph. hydrostatica
durch die beiden der Basis anhängenden ohrartigen Fortsätze „die
ursprünglich, wie der Verf. beobachtete, am Ende des Nesselkno-
pfes liegen und erst während der Ausbildung der glockenförmigen
Hülle durch eine Knickung nach oben emporrücken. Die Nessel-
knöpfe waren übrigens viel kleiner, als bei der ausgewachsenen Ph.
hydrostatica und (nach der Zeichnung) mit nur vier Windungen ver-
sehen. Die Taster trugen je an ihren Insertionsstellen einen kleinen
und einfachen Fangfaden, wie das von Sars auch für die mittel-
meerische Art angegeben ist (J.B. XXIV. $. 134). Das untere Stamm-
ende wird als einfache sackförmige Erweiterung beschrieben,
198 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Unter dem Namen Athorybia rosasea? Eschsch. beschreibt un-
ser Verf. p.86 eine Art aus dem Indischen Ocean, die sich von der
mittelmeerischen nicht bloss durch Kleinheit und geringere Zahl der
Anhänge, sondern namentlich durch eine abweichende, wenn gleich
verwandte Bildung der Nesselknöpfe unterscheidet und wohl speci-
fisch davon verschieden sein dürfte. Die Nesselknöpfe sind hier näm-
lich in (zwei) Spiralwindungen gelegt und mit einer Glocke umhüllt,
genau wie bei Agalma, dessen Typus schon Ref. in der Bildung der
Nesselknöpfe bei Athorybia rosacea nachzuweisen versucht hat.
Die von unserem Verf. im Indischen Ocean aufgefundene Rhi-
zophysa filiformis? Forsk. p. 90 gleicht der mittelmeerischen Art bis
auf die Tentakel, die mit einfachen Seitenzweigen (fadenförmigen
und gestreckten Nesselknöpfen) versehen sind und keine Spur der
von Gegenbaur beschriebenen complicirten Anhängen tragen. Reife
Geschlechtsanhänge waren nicht vorhanden, doch glaubt Verf. einige
Bündel kleiner ovaler Knospen , die zwischen den Polypen standen,
als die ersten Anfänge dieser Bildungen betrachten zu dürfen.
Besonders werthvoll und ausführlich sind Verf.'s Untersuchun-
gen über Physalia utriculus p.101, die im südlichen Theile des At-
lantischen Meeres und im Indischen Ocean vielfach auf allen Ent-
wickelungsstufen zur Beobachtung kam. Die jüngsten Individuen
massen etwa 2 und bestanden aus einem einzigen Polypen mit
sprossendem Fangfaden und einer verhältnissmässig nur kleinen, ku-
gelrunden Luftblase, die in das hintere kaum aufgetriebene Ende des
Polypen eingelagert war und am Apex, wie bei Rhizophysa, durch
eine deutliche Oeffnung nach Aussen mündete. (Bei ausgewachsenen
Physalien findet sich diese Oeflnung bekanntlich in der Nähe des
einen, dünneren Körperendes, das demnach als oberes zu bezeichnen
wäre.) Die Befestigung der Blase geschieht ganz ebenso, wie bei
den Physophoriden , mittelst einer Duplicatur der inneren der auch
hier ganz in gewöhnlicher Weise entwickelten zwei Membranen. Die
Tentakel der ausgewachsenen Exemplare sind bekanntlich doppelter
Art, grosse sog. Senkfäden, an deren Basis je ein geschlossenes sog.
Tentakelbläschen ansitzt, und kleinere, die ohne Unterschied zwischen
den übrigen Anhängen hervorkommen. Die nierenförmigen Nessel-
knöpfe enthalten je ein kurzes Divertikel ans der Centralhöhle der
Tentakel. Die Entwickelung der Tentakel ist dieselbe , wie bei den
übrigen Physophoriaden: zuerst entsteht ein eylindrischer Sack, der
hier aber immer geschlossen bleibt (Tentakelbläschen), und dieser
treibt an seiner Basis dann den späteren Faden. Solche Jugendfor-
men lassen sich zwischen unentwickelten Polypen,, Tastern und Ge-
schlechtsanhängen überall an den ramificirten Auswüchsen des Kör-
pers nachweisen. Als Taster glaubt Verf. besonders die Anhänge an
den Enden der mit Geschlechtsknospen besetzten Zweige beanspru-
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 199
[
chen zu dürfen. Die männlichen Anhänge kommen an dem gemein-
schaftlichen Körper zur Reife. Sie sind ovale Anschwellungen, die
sich als Medusoiden mit dicht aufliegendem, geschlossenen Mantel auf-
fassen lassen. Im Inneren umschliessen dieselben einen oyalen Hohlraum
und unter den äusseren Bedeckungen verlaufen zwei einander ge-
genüberliegende Radialkanäle. Daneben finden sich zahlreiche kleine
Medusoiden mit offener Schwimmbhöhle und vier Radialkanälen, wohl
die weiblichen Anhänge, die erst nach ihrer Abtrennung zur vollen
Entwickelung und Geschlechtsreife gelangen dürften. Mund und Ma-
gensliel scheinen noch zu fehlen.
Velella betreffend p 107, reprodueirt Verf. seine bereits früher
veröffentlichten Beobachtungen über die Ablösung der von den klei-
nen Polypen („gonoblastidia“) aufgeammten Medusen (die freilich von
Gegenbaur's Chrysomitra, J. B. XXIII. S.238, sehr verschieden
sind, indem sie nur vier Radialkanäle und vier lappige Andeutun-
gen von Tentakeln besitzen) und macht dann weiter interessante Mit-
theilungen über die unter dem Genusnamen Rataria bekannten Ju-
gendzustände dieser Thiere. (Die Beobachtungen Burmeister's,
J. B. XXIII. S. 244, sind Verf., auch bei Physalia, entgangen.) Die
jüngsten Exemplare, die Verf. zu Gesicht bekam, maassen kaum mehr
als 1“ und bestanden aus einem einzigen Polypen, dessen hinteres
Ende eine fast glockenförmige Bildung hatte und eine einfach halb-
kugelförmige Luftblase einschloss, derern weicher Ueberzug sich in
eine breite Falte, die erste Andeutung des späteren Segels , fort-
seizte. Unter dem Rande der Glocke beobachtete man einige stumpfe
Hervorragungen, die den Polypen zwischen sich nahmen und bei
älteren Exemplaren in Tentakel ausgewachsen waren. Die Leber
fehlte noch, sie bildet sich erst während der Entwickelung der Ten-
takel unterhalb der Luftblase, den bei Rhizophysa vorkommenden
eigenthümlichen Zotten vergleichbar. Die Leibeshöhle war verhält-
nissmässig noch einfach, nur von einer Anzahl radiärer Scheide-
wände durchsetzt, die bis in den Kamm hinein sich verfolgen liessen
und vom Verf. den radiären Aufhängebändern der Luftblase (Agalma)
verglichen werden. Die kanalförmigen Zwischenräume zwischen
diesen Scheidewänden sind mit Flimmerhaaren versehen. Die spätere
complicirte Bildung wird durch Vermehrung und unregelmässige
Verästelung der Scheidewände vermittelt.
Bei Porpita konnte Verf. an einer grossen, 11%‘ im Durchmesser
haltenden Art (wohl P. coerulea Eschsch.) im Wesentlichen die Anga-
ben Kölliker’s über P. mediterranea bestätigen p. 122. Er überzeugte
sich namentlich auch von der Existenz der Luftlöcher auf der oberen
Scheibenfläche und der Anordnung der Luftkanäle. Der Luftsack die-
ser Art war übrigens complicirter gebaut, als bei P. mediterranea,
nicht bloss insofern, als die Zahl der concentrischen Kammern un-
200 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
gleich grösser war, sondern weiter auch und namentlich durch die
mächtige Entwickelung der von der unteren Fläche abgehenden Ra-
dialfalten. In diese Radialfalten hinein verlängern sich die einzelnen
Kammern des Luftsackes in Form von schräg verlaufenden Diverti-
keln, die nochmals und zum dritten Male zerfallen und erst vor den
letzten Aussackungen gruppenweise ihre Luftkanäle entspringen las-
sen. Die obere Fläche des Luftsackes ist beträchtlich verdickt und
das um so mehr, je mehr sich dieselbe dem Centrum nähert. Die
Luftkanäle verlaufen nicht in, sondern auf der Wand des Polypen
und besitzen frei nach Aussen vortretende Enden. Anastomosen zwi-
schen denselben wurden niemals beobachtet.
Was Mc. Cready (]. e.) zur Förderung unserer
Kenntnisse von den Siphonophoren beibringt, ist allerdings
nur Weniges und mit der reichen Fülle der Huxle y’schen
Beobachtungen nicht zu vergleichen, aber es fesselt unser
Interesse, wenn wir in den Darstellungen unseres Verf.’s
derselben Auffassung begegnen, die sich bei uns, in Deutsch-
land, allmählich in immer weiteren Kreisen Bahn gebro-
chen hat. Für Mc. Cready sind die Siphonophoren poly-
morphe Thierstöcke , die sich aus fünf verschiedenen In-
dividuengruppen zusammensetzen, aus dem stammbildenden
Mutterthiere, den Locomotiven, den Ernährungsthieren, den
Tentakelthieren und „respiratorischen* Deckstücken. Von den
neueren Arbeiten über Siphonophoren scheint unserem Verf.
nur die Kölliker’sche Monographie bekannt zu sein;
ausserdem verweist derselbe auf Agassiz, der zuerst in
seinen Lectures (1849) eine richtige Idee von dem Baue der
Siphonophoren gehabt habe. (L. c. p.169—180.) Ueber
die Natur der Velellen scheint unser Verf. nicht ganz klar
zu sein. Obwohl er geneigt ist, das Gesetz des Polymor-
phismus auch auf sie zu übertragen, glaubt er doch ande-
rerseits den Bau dieser Thiere nach Analogie der Tubula-
rien deuten zu dürfen (p. 140), wobei denn der Central-
polyp als Mundstück, die Fühler als äussere Tentakel, die
proliferirenden Individuen als medusentragende Bäumchen
und die Luftblase als Skelet in Anspruch genommen wer-
den (p. 139—147).
An Arten beschreibt unser Verf. Eudozia alata n. sp. (die als
monogastrische Diphyide im Eschscholtz’schen Sinne gedeutet
wird), Diphyes pusilla.n. sp., Physalia uurigera n. sp. (p. 171—180),
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 201
und Porpita Linneana (p. 144—147.) Die Lesson’schen Genera Acies
und Katis werden dabei — nach Analogie von Rataria — als Jugend-
zustände von Porpita in Anspruch genommen.
Am sorgfältigsten untersuchte Verf. die Gen. Physa-
lia und Porpita, die übrigens beide nur als gelegentliche
Gäste durch Sturm und Wellenschlag in die Bucht von Chare
leston geführt werden. Bei ersterer unterscheidet er nach
der Grösse dreierlei Polypenformen, von denen die klein-
sten bis auf die Mundöffnung mit den Quatrefages’schen
Leberschläuchen übereinstimmten und die grössten an der
Basis der Hauptsenkfäden befestigt waren (nach Beobach-
tungen von Olfers, Referent, Burmeister und
Huxley sind übrigens diese sog. Tentakelbläschen ohne
Mundöffnung). Ebenso unterscheidet Verf. zweierlei durch
ihre Grösse verschiedene Tentakelfäden und dreierlei For-
men von Geschlechtsanhängen, von denen jedoch zwei, die
erste und dritte Form, nur verschiedene Zustände dersel-
ben (weiblichen) Anhänge repräsentiren dürften. In ihrer
grössten Entwickelung haben diese letztern eine entschie-
dene Glockenform mit einem Magenstiele, der wegen der
Entwickelung der (freilich nicht genauer analysirten) Ge-
schlechtsstofe fast den ganzen Innenraum des Mantels
ausfülll. Eine Mundöffnung wird nicht erwähnt und ein
Segel scheint abwesend. Das obere Ende der Glocke setzt
sich , wie bei Steenstruppia und Euphysa, in einen coni-
schen Zapfen fort, der die Stelle eines abgeselzten Stiels
vertritt. (Man sieht, wie verschieden diese Angaben von
der Darstellung Huxley’s sind.) Die andere, zweite Form
der Geschlechtsanhängen (männliche Anhänge ?), die in grös-
serer Mehrzahl vorhanden sind, charakterisiren sich durch
eine gestreckte ellipsoidische Form und umschliessen im
Innern einen Fortsatz des gemeinschaftlichen Höhlensystems.
Der bei Ph. aurigera mit einem goldenen Streifen geschmückte
Kamm umschliesst eine je nach der Grösse wechselnde
Menge von Fortsätzen, bei den kleineren Exemplaren 9,
bei den grösseren 16.
Die vom Verf. bei Porpita gesehenen Geschlechts-
knospen sind auf der Innenfläche des Mantels obenso pig-
menlirt, wie die Geschlechtsknospen von Velella. (Wie
202 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Huxley hervorhebt, hat schon Forskal die Ablösung
dieser Anhänge bei Porpita beobachtet.)
Gegenbaur handelt in einer der Münchener Aka-
demie zu ihrer Säcularfeier von Seite der Leopold.-Carol.
Akademie gewidmeten Gratulationsschrift „über Abyla tri-
gona und deren Eudoxienbrut“ (Jena 1859. 10 S. in Quart
mit 2 Kupfertafeln). Er beschreibt darin nach einigen ein-
‚leitenden Bemerkungen über den Organismus der Siphono-
phoren, „der am richtigsten nach den Erscheinungen des
Polymorphismus gedeutet wurde“, die vorher genannte,
bisher nur unvollständig beobachtete Art (die freilich in-
zwischen, wie wir oben sahen, auch von Huxley genauer
untersucht ist) und vergleicht deren Bau Schritt für Schritt
mit Abyla pentagona, wobei sich denn herausstellt, dass
beide Arten trotz ihrer scheinbaren Verschiedenheit nach
einem Plane gebaut sind, der nicht nur im Grossen, der
auch im Einzelnen, bis zu der kleinsten Kantenbildung,
übereinstimmt. Aber noch mehr, Gegenbaur überzeugte
sich weiter auch von der Thatsache, dass Abyla trigona
ganz in gleicher Weise, wie A. pentagona, Eudoxien bil-
det und zwar dieselben, die auch Huxley als Abkömm-
linge der A. trigona bezeichnete und als Lesueur’s Am-
phiroa alata erkannt hat. Die Eudoxien wachsen bis zu
der Grösse von 6“ heran und erreichen somit einen hohen
Grad von Selbstständigkeit. Die Art der Entwickelung ist
genau dieselbe, die Ref. bei A. pentagona beschrieben hat,
die aber damals von unserem Verf. „nach oft wiederholten
Untersuchungen“ (Zeitschrift f. wiss. Zool. V. $.451) auf
das Bestimmteste in Abrede gestellt wurde. In Folge „einer
falschen Auffassung des Stammes“ glaubte unser Verf. da-
mals, dass die Eudoxien, statt den Stamm zu umfassen, dem-
selben seitlich mit ihrer vertieften Basalflläche anhingen;
er hat diese Darstellung jetzt selbst als eine unrichlige be-
zeichnet. Damit fallen natürlich auch alle die Einwürfe,
die Verf. (a. a. O.) gegen den von Ref. versuchten Nach-
weis, dass die Eudoxien mit glockenförmigem Deckstücke
von Diphyescolonien abstammten , erhoben hat; Verf. er-
klärt sich jetzt auch in dieser Hinsicht mit Ref. einverstan-
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 203
den. Die Exemplare von Abyla trigona, die Verf. vorla-
gen, stammten aus den verschiedensten Breiten des atlan-
tischen Meeres, aus den westindischen Gewässern und so-
gar aus dem indischen Ocean, die Eudoxien zum Theil von
der Guineaküste. Zum Schlusse beschreibt Verf. unter dem
Namen Eudozia prismatica eine neue Eudoxienform mit
niedrigem fünfseitigem Deckstücke, die Ref. mit Huxley’s
Aglaismoides Eschscholzii identiliciren möchte.
Ueber den Bau der Siphonophoren und deren Poly-
morphismus siehe ausserdem noch Gegenbaur's verglei-
chende Anat. S. 100. (In Bezug auf die beigefügte Note
darf ich mir wohl die Bemerkung erlauben, dass es mir
niemals eingefallen ist, das einheitliche Moment in der po-
lymorphen Colonie zu leugnen, dass ich vielmehr schon
lange vor Carus selbst den Unterschied zwischen phy-
siologischen und morphologischen Individuen hervorgeho-
ben, wenn auch vielleicht nicht streng formulirt habe.)
Pickering macht einige Mittheilungen über die Brenn-
kapseln von Physalia, an die Agassiz sodann Bemerkun-
gen über diese Gebilde im Allgemeinen anknüpft. _Proc.
Bost. Soc. VI. p. 366.
Schon im vorigen Jahresberichte habe ich — nach
Greene — hervorgehoben (8.198), dass gelegentlich auch
an der Irischen Küste Siphonophoren aus der Gruppe. der
Physophoriden vorkommen. Ich sehe jetzt, dass diese
Thatsache schon früher durch Melville (Nat. hist. rev.
1856. Proc. Soc. Dubl. p. 75) bekannt geworden ist. Ob die
von letzterem beobachtete Art wirklich der Stephanomia
contorta zugehörte, wie Verf, meint, oder dem Gen. Agalma,
wie Ref. vermuthen möchte — auch Thompson bestimmt
eine Irische Siphonophore, die Verf. mit der seinigen für
identisch hält, als ein Agalma, A. Getiyana n.. sp. und
Greene spricht von einer Agalmopsis (A. Sarsii s. ele-
gans) — dürfte sich aus den vorliegenden Materialien nicht :
entscheiden lassen. Die Abbildungen sind nach verstüm-
melten Exemplaren gefertigt. In Betreff der Organisation
spricht Verf. seine Meinung dahin aus, dass die Siphono-
phoren als zusammengeselzte Medusen zu betrachten seien.
204 Leuckart: Berichtüber die Leistungen in der Naturgeschichte
3 Polypi.
Calycozoa.
Obwohl in neuerer Zeit, besonders von Englischen Zoo-
logen, die — von Ref., so viel er weiss, zuerst (schon vor 15
Jahren) hervorgehobene — Verwandtschaft der Lucernarien
mit den Scheibenquallen für so gross gehalten wird, dass
dieselben darauf hin ohne Weiteres den letzteren zugezählt
werden , glaubt Ref. einstweilen doch noch immer die oben
genannte Gruppe aufrecht halten zu können. Er stützt sich
dabei namentlich auf die Resultate seiner anatomischen Un-
tersuchungen über diese Thiere, die nächstens in extenso
publicirt werden sollen und die ihn zu der Ueberzeugung
brachten, dass der einfache , in der That höchst scheiben-
quallenartige Bau der Lucernaria quadricornis bei anderen
Arten mehrfach modifieirt ist und in manchen Fällen ent-
schieden polypenartig wird.
Zu den Forschern, die eine Vereinigung der Lucer-
narien mit den Hydrasmedusen befürworten , gehört auch,
wie wir schon oben gesehen haben, Greene, der unseren
Thieren weiter noch eine besondere kleine Abhandlung ge-
widmet hat (Proc. Dubl. univers. zool. and bot. assoc.
Vol. I. p. 73 oder nal. hist. rev. Vol. V. Proc. Soc. p. 131).
In dieser charakterisirt derselbe die bisher in England ge-
fundenen fünf Arten: L. auricula, L. campanula, L. fasci-
eularis, L. cyathiformis und L. inauriculata und beschreibt
sodann eine neue, gleichfalls Brittische Form, die, wie Verf.
sagt, zwischen den drei ersten die Mitte hält und entwe-
der, wie diese, eine eigene Art ist (L. typica n. sp.) oder,
wie Verf. fast lieber will, den Beweis liefert, dass jene
Arten blosse Varietäten sind. (Ref. kann nach seinen Un-
tersuchungen versichern, dass jene drei Arten sehr gut zu
unterscheiden sind, nicht bloss nach äusseren Charakteren,
sondern auch nach innern, und dass die L. fascicularis =
L. quadricornis sogar als Repräsentant eines besonderen
Genus zu betrachten sein dürfte. Er glaubt auch über die
L. typica Greene’s im Klaren zu sein, insofern diese näm-
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 205
lich aller Wahrscheinlichkeit nach die echte L. auricula Fbr.
ist, die sich durch Dünne und Länge des Stieles, so wie
durch Kleinheit der Randkörper leicht und bestimmt von der
L. auricula der Englischen Forscher, die mit L. octoradiata
Lam. identisch ist, unterscheidet. Ref. muss übrigens bei
dieser Gelegenheit bemerken, dass er die erste Notiz von
der wahren L. auricula durch Steenstrup erhielt, der
sich dabei auch auf die in der Königl. Bibliothek zu Ko-
penhagen aufbewahrten Manuscripte und Federzeichnungen
Fabricius’ beziehen konnte. An dem reichen Materiale,
welches der ebenso liberale, wie berühmte Forscher dem
Ref. dabei auf seine Bitte zur Disposition stellte, konnte
dieser sich nicht bloss von der Richtigkeit jener Bemerkung
überzeugen, sondern auch noch manche andere, namentlich
anatomische Differenzen zwischen beiden Arten feststellen.
Doch, wie gesagt, darüber bei einer anderen Gelegenheit
ein Näheres.)
Auch Allmann glaubt nach Untersuchungen an Lu-
cernaria ceyathiformis, für die er den Genusnamen Car-
duella (= Depastrum Gosse, J. B. XXV. S.211) vor-
schlägt, die Lucernarien den Medusen zurechnen zu dür-
fen. Rep. br. assoc. held 1859. p.145. Wir werden im
nächsten Berichte auf die inzwischen ausführlicher ver-
öffentlichten Beobachtungen zurückkommen.
Anthozoa.
Dana’s Synopsis of the report on zoophytes, New-
Haven 1859 (180 pag. in Octav), mit Beschreibung der in
dem grossen Zoophytenwerke unseres Verf.’s (J. B. XVI.
5.425) enthaltenen Arten ist Ref. bis auf den Titel unbe-
kannt geblieben.
Polyactinia. Thorell’s Untersuchungen „om der
inre byggnaden of Actinia plumosa* (Öfvers. kongl. ve-
tenskaps-akad. Förhandl. XV. p. 7—25. Tab. I) beziehen
sich vorzugsweise auf die Anordnung der Scheidewände
und den Bau der an diesen befestigten Organe und schlies-
sen sich in letzterer Beziehung bestätigend und ergänzend
206 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
an die Angaben vonHaime (J. B. XXII. S. 423) an. Acti-
nia (Sagartia) plumosa gehört zu denjenigen Arten, bei
denen in der Regel nur eine einzige Cardiacalrinne vor-
kommt. Doch giebt es auch einzelne Individuen mit zweien
solchen Gebilden, die dann, wie sonst, einander gegenüber
stehen. Je nach der Zahl dieser Rinnen ist auch die An-
ordnung der Scheidewände verschieden. In letzterem Falle
findet man sechs Scheidewände ersten Ranges (vollständige
Scheidewände), die der Art angebracht sind, dass zwei den
beiden Cardiacalrinnen entsprechen und die vier anderen in
gleichen Zwischenräumen zwischen diesen stehen. Die
Leibeshöhle zerfällt auf diese Weise in sechs ziemlich gleich
grosse Haupflaschen ‚ die durch Scheidewände 2ten , 3ten
und 4ten Ranges weiter abgetheilt sind. Die mitllern Haupt-
taschen (d. h. die nicht unmittelbar den Cardiacalrinnen an-
liegenden) enthalten vier Scheidewände zweiten Ranges,
die vier anderen deren nur drei, und in den Zwischenräu-
men zwischen allen diesen Scheidewänden steht je eine La-
melle dritten Ranges, die zwei kurze, vierten Ranges,
zur Seite hat. Bei Anwesenheit nur einer Cardiacalrinne
sind die vier derselben zunächst anliegenden Haupttaschen
ganz ähnlich entwickelt, je mit vier Scheidewänden zweiten
Ranges, aber statt der zwei‘ gegenüberliegenden Hauptta-
schen finden sich in diesem Falle fünf schmale, d.h. durch
vollständige Scheidewände begränzte Haupttaschen , die je
eine unvollständige Scheidewand (grösser als die sonstigen
Scheidewände zweiler Klasse) in sich einschliessen. Me-
senterialfäden finden sich an allen Scheidewänden erster
und zweiter Klasse, an letzteren ausserdem auch Geschlechts-
organe. Eigenthümlich aber ist es, dass das obere Ende
der Mesenterialfäden in allen Fällen 'einen abweichenden:
Bau hat. Es verdickt sich ganz plötzlich und zeigt dabei
drei parallel neben einander hinlaufende Furchen‘, als
wenn es aus einem mittleren Strange und zweien Seiten-
sirängen zusammengeselzt würde. Im Innern sind «diese
Stränge mit einem confluirenden Hohlraume versehen , der
keine Ausmündung nach Aussen hat. Ueber die Bedeutung
dieser Bildung bleibt Verf. im ‚Ungewissen.: Er nennt die
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 207
eannelirte Verdickung allerdings „Ovarialstrang“, aber eine
Beziehung zu den Geschlechtsorganen wird schon durch
den Umstand ausgeschlossen , dass diese Stränge auch an
den vollständigen Scheidewänden vorkommen, die niemals
Geschlechtsorgane tragen. Die Seitenstränge enthalten
ziemlich constant einige Kalkkörnchen. Nesselkapseln feh-
len in den Mesenterialfilamenten. Dafür aber giebt es in
dem Körper unserer Actinien besondere „Nesselfäden,“ die
diese Gebilde in Unzahl einschliessen und früherhin viel-
leicht mit den immerhin ähnlichen Mesenterialfäden zusam-
mengeworfen wurden. Die Nesselfäden silzen mit ihren
Enden (wahrscheinlich ursprünglich immer mit beiden) an
dem Rande einzelner Scheidewände fest, sind aber sonst
vollkommen frei und desshalb denn auch im Stande, gele-
gentlich durch die Poren der Seitenwand nach Aussen
hervorzutreten.
Im Gegensatze zu der Behauptung von Lewis (J.B.
XXV. S. 212), dass die Actinien ihre Nahrung nicht ver-
dauten, sondern bloss auspressten, macht Holdsworth
eine Reihe von Mittheilungen, durch welche der Irrthum
jener Behauptung zur Genüge bewiesen wird. Die Nahrung
der Aclinien gelangt durch den sog. Magen nach einem
Aufenthalte von wenigen Minuten in den Centralraum der
Leibeshöhle , und hier geht dann die Verdauung vor sich,
nachdem die Aclinie vorher den Leib mit Wasser möglichst
angefüllt hat. In diesem Zustande verharrt die Actinie
einige Stunden, selbst ein bis zwei Tage, bevor sie den
Ueberrest der Speise durch die Mundöffnung wieder aus-
stösst. Von einer mechanischen Bearbeitung der Nahrungs-
stoffe ist nicht das Geringste wahrnehmbar, auch nicht bei
denjenigen Arten , deren Körper durch das aufgenommene
Wasser völlig durchsichtig geworden ist. Ist die Nahrung
völlig verdaut, so bilden die Reste kleine Brocken, in de-
nen die Muskelfasern verschwunden sind , jedoch beob-
achtet man auch mitunter, dass die Verdauung nur un-
vollständig oder gar nicht vor sich geht, besonders dann,
wenn das Thier erst kurz vorher Nahrung zu sich genom-
men hat. Verf. pflegt die Actinien seines Aquariums in
208 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Regel nur alle acht Tage ein Mal mit gekochtem Flei-
sche zu füttern. (Ref. fügt hinzu, dass er die Act. plumosa
— hier in Giessen — unverändert. fünf Monate lang ohne
alle Nahrung erhalten und sie auch dann nur durch un-
vorsichtiges Zugiessen von süssem Wasser zu dem inzwi-
schen stark verdunsteten Salzwasser verloren hat.)
Ueber die Angelorgane der Actinien vergl. Gosse,
Rambles etc. p. 405.
M’ Donnel wiederholt die Bemerkung, dass er bei
der Behauptung von der elektrischen Wirkung der Angel-
organe das Opfer eines Irrthums gewesen sei. Nat. hist.
rev. T. VI. Proc. Soc. p. 108, Proc. Dubl. univ. zool. and
bot. assoc. T. I. p. 163, Ann. and Mag. nat. hist. Vol. Ill
p- 304.
Auch Waller bestätigt, dass an eine. elektrische
Wirkung bei den Aclinien nicht zu denken ist, schon dess-
halb nicht, weil z. B. eine Nereide, die nach der Berührung
einer Actinie alsbald zu Grunde geht, die stärksten An-
griffe eines elektro - magnetischen Rotationsapparates ohne
sonderliche Nachtheile zu ertragen vermag. Auf der Zun-
genspitze bringt die Berührung einer Actinie prickelnde
Schmerzen und Entzündung, selbst Geschwürbildung: her-
vor, Erscheinungen, die Verf. auf die Einwirkung, eines
irritirenden Giftes zurückführen möchte. Ann. and mag. nat.
hist. T. IV. p. 227.
Brodrick setzt die Annahme, dass die Angelorgane
und Nesselstränge (acontia) der Actinien als Waffen zu be-
trachten seien, durch direkte Beobachtung ausser Zweifel.
Er sah eine grosse Sagartia dianthus mehrere kleinere
Exemplare von S. bellis, S. troglodytes und Caryophyllia
Smithii mit diesen Gebilden angreifen und tödten, und konnte
noch auf den Leichen die abgestossenen Angelorgane der
Angreiferin mit hervorgestülpten und zum Theil verbrauch-
ten Fäden nachweisen. Ann. and Mag. nat. hist. Vol. Ill,
p- 319.
Arthur Edwards theilt Beobachtungen über die
Fortpflanzung von Actinia mesembryanthemum mit. ‚Er sah
Embryonen mit ihrem Flimmerkleide in. der Leibeshöhle
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 209
und den Tentakeln umherschwimmen und durch die Mund-
öffnung geboren werden. Fuss und Tentakel entstehen erst
nach der Geburt, die letztern Anfangs in Vierzahl. Annals
Lyceum n. h. New-York. Vol. VII. p. 19 —22.
van Beneden erwähnt in seiner medieinischen Zoo-
logie, dass er in seinem Aquarium nicht selten Exemplare
von Actinia plumosa beobachtet: habe, die durch den Besitz
einer doppelten Mundöffnung (bei einfachem Magenrohre)
ausgezeichnet gewesen seien. L. c. II. p. 377.
Ebenso beobachtete derselbe mitunter, dass Acti-
nien kleinere Bruchstücke ihrer Fleischmasse abstiessen, die
dann zu neuen Actinien auswuchsen. Compt. rend. T. 49.
p- 452.
Auch Warrington erwähnt dieser Fortpflanzung
der Aclinien. (Quarterly Journ. mier. Sc. T. VII. p. 131.)
Er sah einen Theil von der Fussscheibe der Actinien sich
abtrennen, in drei oder vier Stücke zerfallen und diese
je in eine Actinie auswachsen. In anderen Arten findet sich
eine Theilung. Rep. br. assoc. held 1858. p. 133.
Mc Cready beobachtete bei einem jungen Exemplare
von Aclinia cavernosa eine Längstheilung, die an der Basis
begann und von da allmählich nach der Kopfscheibe zu
fortschritt. Die beiden Theilstücke waren von ungleicher
Grösse und gingen vor vollständiger Abtrennung zu Grunde.
Proceed. Elliot Soc. nat. hist. Charleston I. p. 275-278.
Es scheint übrigens, als wenn eine derartige Theilung
und Knospung nicht auf die Actinien beschränkt sei. Madame
Thynne beschreibt diese Erscheinungen auch von’ einem
anderen Polypen, den sie für eine Madrepore (Cyathina
Smithii) hält, obwohl er, sonderbar genug, nach Ablauf von
zwei Jahren, die er — von erster Jugend an — im Aqua-
rium zugebracht, noch keine Spur eines Skelets entwickelt
hatte. (Gosse, durch dessen Vermittelung diese Beob-
achtungen zur Oeffentlichkeit kamen , vermuthet desshalb,
dass der betreffende Polyp möglicher Weise den Actinien
zugehöre, vielleicht dem Gen. Corynactis). Im ersten Jahre
zerlielen die Polypen meist kreuzweise je in vier, 'oft un-
gleich entwickelte, Stücke, deren Isolation von der er-
Archiv für Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. (0)
210 Leuckart: Bericht über die Leistungen in, der Naturgeschichte
weiterten Mundöffnung ausging ; später war die Theilung
oft nur eine zwei- oder dreifache, daneben aber auch: zu-
gleich von einer Knospung begleitet. Aus zwei Individuen
wurden in dieser Zeit deren 278.. Beiläufig erfahren wir
auch, dass die alten Madreporen ihre, Zeugungsstoffe nicht
durch die Fühler entleeren, obwohl diese oftmals mit Eiern
angefüllt getroffen werden, sondern durch den Mund, und
dass die ausgeworfenen Eier ein oder zwei Tage lang
im Ruhezustande verweilen, bevor die Rotation der Em-
bryonen beginnt. _ Annal. nat. hist. Vol. Ill. p. 449—461.
Tab. 17.
Holdsworth macht Beobactungen über die Art und
Weise, wie sich Peachia hastata in den Sand einbohrt, und
giebt an, dass dasselbe;durch abwechselnde Entleerung und
Füllung des hinteren Körperendes mit dem wässrigen In-
halte der Leibeshöhle geschehe. Ann. and mag. nat. hist.
Vol, III. p. 78.
Weinland fand an..der Küste von Hayti Gelegen-
heit, über Korallen und die durch diese Thiere veranlasste
Inselbildung Beobachtungen anzustellen. Der Grund der
um die genannte Insel vorkommenden Korallenriffe besteht
nach unserem Verf. aus Asträen, die aus einer Tiefe von etwa
100° bis zu 50° emporbauen und zum Theil sehr kolossale
Felsmassen bilden. , (Verf. sah in Hayti Exemplare von $
Durchmesser und 16‘ Höhe.) Auf diese folgen nach oben
sodann die Mäandrinen, welche mehr. breite, flache Bänke
bilden und etwa 14‘ unter dem Meeresspiegel von zerbrech-
lichen , weit verzweigten Madreporen und den senkrechte
Fachwerke zusammensetzenden Milleporen abgelöst wer-
den. Um diese 14‘ zu durchwachsen, brauchen die Madre-
poren eiwa ein Jahrzehnt, während die festen Asträen und
Mäandrien sehr viel langsamer wachsen — nach Agassiz
nur 3 Zoll in einem Jahrhundert! Die Korallenpolypen,
die sich nach unserem Verf. von den nackten Formen
(Actinia) kaum generisch unterscheiden, sind Zwitter und
im.reifen Zustande an. ihren Scheidewänden abwechselnd
mit Eierstöcken und Testlikeln versehen. Die Embryonen
schlüpfen aus den Eiern aus, „so lange diese noch am Mut-
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 211
terogane haften“ und gelangen in Myriaden durch die Mund-
öffnung nach Aussen, wo sie eine Zeit lang in Infusorien-
form umherschwimmen, bis sie sich festsetzen und durch
Entwickelung von 6 Tentakeln die Polypenform annehmen.
Wachsthum und Sprossung scheinen mit ziemlicher Schnel-
ligkeit vor sich zu gehen, auch die geschlechtliche Ent-
wicklung, so dass Verf. „noch ganz jugendliche Exemplare
schon voll Eier fand.* Die sonderbaren Formen der Ma-
nieinen entstehen durch fortgesetzte Einfaltung des Randes
aus einem ursprünglich eylindrischen Polypen,, wobei statt
des früher einfachen Mundes den Rinnen entlang viele Mund-
Öffnungen sich bilden, während Verdauungsapparat und
Tentakelreihe dem ganzen Stocke gemeinschaftlich gehören.
(Würtemb. naturhist. Jahreshefte, Bd. XVI. S. 31—43.)
Nach Kölliker sind die kalkigen Skelete der Stein-
korallen äusserst häufig von mikroskopischen Pilzen durch-
zogen, während die Hartgebilde anderer Polypen und be-
sonders die Achsenskelete der Gorgoniden derselben zu
entbehren scheinen. Zeitschr. f.. wiss. Zoologie X. S. 221.
Von Wright und Greene werden 27 irische Poly-
actinien aufgeführt, unter denen 23 Actinien , 1 Turbinolia
(T. milletiana), 1 Zoanthus (Z. Couchii), 1 Cyathina (C.
Smithii) und 1 Sphenotrochus (Sph. Wrightü n. sp.).
Rep. br. Assoc. hebd. 1858. p. 120.
In einer späteren Aufzählung (nat. hist. rev. T. VI.
Proc. Soc. p. 113, oder Proc. Dubl. univ. zool. and bot. as-
soc. T.I. p.174) wird das Vorkommen und die geographi-
sche Verbreitung dieser Arten an der irischen Küste spe-
eieller berücksichtigt, auch eine kurze Charakteristik der
neuen Acliniaden (Sagartia hastata und Tealia Greeni), so
wie eine Abbildung (Tab. XIIl) der schönen Corynactis Al-
manni hinzugefügt.
Auch der den Madreporen zugehörende Sphenotrochus
Wrightii wird daselbst von Gosse beschrieben und abge-
bildet (nat. hist. rev. 1. c. p. 161. Tab, XVII), freilich ohne
das — noch unbekannte — Thier.
> Die, Actinien-Fauna Englands wird durch denselben
212 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Forscher ebenfalls wieder um einige neue Arten berei-
chert, Ann. and Mag. ‘nat. hist. T. II. p. 46-50.
Aus der Fam. der Sagartiaden beschreibt derselbe Phellia Bro-
drieii, aus der der Bunodiden Hormatia (n. gen.) Margaritae.
Stomphia (n. gen.) Churchiae, aus der der Cerianthiden Cerian-
thus. Lloydii.
Ch. gen. n. Hormathia. Base adherent to shells, greatly
expanded. Column pillar-like, much corrugaled, surrounded by a
single horizontal series of warts.
Ch. gen. n. Stomphia. Base adherent, expanded. Column
pillar-like, without warts or suckers, imperforate (?), skin much
eorrugated; substance not at all cartilaginous, but soft and lax. Disk
very protrusile. Tentacles perfectly retractile. Acontia not present.
Für die Actinien von Tenby und Devonshire verwei-
sen wir noch nachträglich auf die schönen Abbildungen
Gosse’s in den schon mehrfach citirten Werken Tenby
p- 356—374, Rambles p. 25—38, p. 90—99, p. 168—170.
p. 423 —434.
Weinland erwähnt einer Riesenactinie von 2 Fuss
Kronendurchmesser, Anthea gigantia n.sp. aus Hayli, a, a.
0. 8.38.
Agassiz macht einige Mittheilungen über Bicidium
(n. gen.) parasiticum n. sp., Corynactis albida (— Act. cla-
vata Rathke) und Cerianthus n. sp. Die erste Form hat
12 kurze und plumpe Tentakel und lebt als Parasit auf
Cyanea arclica. Die neue, 2’ lange Art des Gen. Cerian-
thus hat männliche und weibliche Kapseln an den einzelnen
Längsscheidewänden, die erstern unten, die anderen oben.
Proc. Bost. Soc. n. h. VII. p. 24.
Charyophyllia Smithi n. sp. Gosse, Rambles etc.
p- 110 mit schönen Abbildungen auf Pl. V, Balaenophyllia
regia n. Sp., ibid. p. 399. Pl. XXVI. Fig. 1—6.
Schon im letzten J. B. (S. 222) ist hervorgehoben,
dass die bisher den Spongien zugerechnete Dysidea papil-
losa Johnst. den echten Polypen zugehöre ; wir erfahren jetzt
durch die Untersuchungen von Holdsworth, dass die-
selbe ein Zoanthus und zwar der bisher gleichfalls nur
unvollständig bekannte Z. Couchii Johnst. sei. Durch die
hier vorliegenden Untersuchungen (Ann. and mag: nat. hist.
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 213
T. IV. p.152—156, Proc. Zool. Soc. 1858. Dec.) werden
wir mit der äusseren Bildung des genannten Polypen und
den Formen seiner Colonien, die je nach den äusseren Ver-
hältnissen auf das Manchfachste wechseln, vollständig ‘be-
kannt gemacht. In die äusseren Bedeckungen sind be-
kanntlich zahlreiche Quarzkörnchen eingelagert, die von
den früheren Beobachtern zum Theil für Drüsen‘ gehalten
sind. Namentlich gilt dieses von der Seitenfläche, deren
vorderer Rand gezähnelt ist und dadurch die Fähigkeit ge-
winnt, trotz der Rigidität der Bedeckungen beim Zurück-
ziehen der mit zwei Kreisen von je 14 Tentakeln versehe-
nen Kopfscheibe einen vollständigen Verschluss zuzulas-
sen. Die Höhe der einzelnen Polypen steigt gelegentlich
bis zu 5“ und darüber, die Breite bis zu 2'/,. Die ein-
zelnen Polypen sind bald linear oder flächenhaft an ein-
ander gereiht, bald auch zu massigen und selbst verästel-
ten Körpern mit einander vereinigt, und derartige 'Kolo-
nien sind es, deren wir im letzten Jahresberichte nach' Gray
unter dem neuen Genusnamen Sidisia namhaft gemacht
haben. Am liebsten sitzen die Colonien auf leeren Mol-
luskenschalen, doch werden sie auch gelegentlich frei’ (wohl
abgerissen) gefunden. Die nächsten Verwandten derselben
dürften wohl in den Aclinien und nicht: den Caryophyllien
zu suchen sein.
Die schon mehrfach in unserem Berichte erwähnten
Untersuchungen über Glaspolypen von Brandt sind’ in-
zwischen in einer eigenen, der Münchener Akademie zur
Feier ihres Jubiläums gewidmeten Abhandlung „Symbolae ad
polypos hyalochaetides spectantes“ (Petropoli 1859, 23 8.
mit 4 Tafeln in gross Folio) ausführlich veröffentlicht. Wir
ersehen daraus, dass Brandt seine Beobachtungen an ge-
trockneten und später, zum Zwecke der Untersuchung, wie-
der aufgeweichten Exemplaren angestellt hat‘, unter Ver-
hältnissen also, die unmöglich eine vollständige und er-
schöpfende Erkenntniss zulassen. Die Objecte, die dem Verf.
vorlagen, bestanden aus einer Anzahl längerer oder kür-
zerer (bis zu zwei Fuss langer), höchstens fingerdicker
Cylinder, die schon bei oberflächlichster Betrachtung eine
214 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der'Naturgeschichte
cenirale, aus dünnen glasartigen Fäden bestehende Achse
und einen hier und da losgelösten, dünneren und warzigen
Ueberzug erkennen liessen. Das Ganze repräsentirt nach
unserem Verf. einen gorgonienartigen Polypenstock. Die
Warzen sind: die einzelnen, hier nicht zurückziehbaren Po-
lypen, die mit ihren Fussrändern zusammenfliessen und
einem aus zusammengedrehten, langen Kieselfäden gebilde-
ten Achsenskelete aufsitzen. Die Polypen hatten zum Theil
eine ganz ansehnliche Grösse, weit bedeutender, als man
sie sonst 'bei den Arten mit Achsenskelet anzutreffen pflegt,
und ‘eine ziemlich feste lederartige Beschaffenheit. Der
innere Bau: liess sich nur unvollständig erforschen. Verf.
beobachtete hinter der Mundöffnung eine weite Höhle, de-
ren Innenfläche mit: Längsfalten versehen war, glaubt
auch Spuren der Mesenterialfäden gefunden zu haben. Ein
besonderer Magen wurde nicht mit Sicherheit beobachtet.
Ebenso wenig gelang es, eine Communication zwischen den
Hohlräumen der benachbarten Polypen zu entdecken. Die
Tentakel waren äusserlich bei keinem Polypen sichtbar,
doch trug der Mundrand eine Anzahl (etwa 20) abgeplat-
teter, aber glatter, zoltenförmiger Forsätze, die in die Lei-
beshöhle hineinragten und als eingezogene Tentakel in An-
spruch genommen werden. Die äusseren Körperhüllen 'ent-
hielten zahlreiche feste Einlagerungen, theils einfache Stäb-
chen, die eine kieselige Beschaffenheit besassen, theils auch
andere, kreuzförmige Körperchen , die den Skeletstücken
mancher ‚Spongien ähnlich waren. ‘Die axillaren Glasfäden
sollen nach unserem Verf. durch Verklebung und Verdi-
ckung aus den ersterwähnten Stäbchen ihren Ursprung neh-
men. "Eine Befestigung der Achse scheint in dem Normal-
zustande nicht stattzufinden, doch wird dieselbe nicht selten
mit dem einen Ende durch parasitische Spongien auf frem-
den Gegenständen angeklebt. Auch auf der Aussenfläche
der Polypen fand Verf. unverkennbare Spuren. derartiger
Parasiten.
Dass die Hyalochaetiden den ’echten Polypen zugehö-
ren, darüber hegt Verf. nicht ‚den mindesten Zweifel, ob-
wohl er gesteht, dass sie in keine .der..bisher aufgestell-
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 215
ten Gruppen , weder zu den Octactinien, noch den Antipa-
thinen, noch den Polyactinien passen, und der Ansicht ist,
dass sie am besten als eine eigene Familie betrachtet wür-
den, die durch die Eigenthümlichkeiten des Achsenskelets
und der Polypen zur Genüge charakterisirt sei. Nach der
Anordnung und Grösse der Polypen unterscheidet Verf. in
dieser Familie zwei Genera, von denen das eine das schon
längst bekannte Gra y’sche Genus Hyalonema ist, das zweite
als Hyalochaeta n. aufgeführt wird. Beide Genera tra-
gen folgende Charakteristik:
Hyalonema Gray. Polyparium simplicissimum, teres, rectum
vel plus minusve spirale, polypis plerumque sparsis et ordine plus
minusve distincte spirali dispositis etiam in summo apice rotundato est
obsessum. ‚ Polypi subinfundibuliformes, basi satis dilatati, statu con-
tractionis haud,, vel saltem parum distincte, transversim rugosi,.sub
disco suo apicali plerumque horizontali et depresso, rarius in conum
elevato , semper plieis distinctissimis munito, paullo angustiores obser-
vantur. Polyporum siccorum et contractorum maximi diametro sua
transversa polyparii diametro transversa 23 vel duplo, reliqui plus
duplo aut triplo minores conspiciuntur. Oris apertura in polypis
contractis saltem dupliei plicarum radiatarum distinctissimarum ‘orbe
eingitur. Corporis cavitas interna infundibuli: inversi formam' exhibet.
Hyalochaeta n. gen. Polyparium, ubi cortice polypigero
tegitur, non solum dilatatum, sed etiam processibus nonnullis instru-
etum polypisque sparsis vel gregatis (praesertim in eminentiis) ob-
sessum conspieitur. Polypi cylindracei vel conico-cylindracei, elon-
gali, in statu contractionis transversim rugosi , basi parum latiores
inveniuntur. Corporis diameter longitudinalis polyporum exsiccato-
rum %%—'%, maiorum eorum individuorum mollefactorum adeo duplö
maior evadit polyparii parlis teretis diametro transvevsa, vel ei saltem
subaequatur. Polyporum partes basales diameter in individuis ‚partem
apicalem intractam praebentibus corporis longitudine circiter *%,, in
corpore polyporum extenso verum “s minor cernitur. Pars polypo-
rum contractorum terminalis discum ovalem infundibuli forma intror-
sum directum, parum tamen plicatum (quare plicarım limbum exter-
num et internum satis distinctas haud exhibentem) ostendit. Cavitas
corporis interna figuram oblongam habet.,
Vom ersten Genus beschreibt Verf. als Arten H. Sieboldii Gr,
und H. uffine, vom zweiten H. Possieti n., alle drei-aus dem Java-
nischen Meere.
Ref. darf übrigens den Lesern des Berichtes’ nicht ver=
216 Leuckart: Bericht über.die Leistungen in. der Naturgeschichte
schweigen ‚ dass neuere Untersuchungen, über. die: wir in
dem ‚nächsten Jahre zu referiren. haben, die hier ausge-
sprochenen Ansichten über die Natur der Hyalochaeliden in
mehrfacher: Hinsicht berichtigt haben. Der centrale aus zu-
sammengedrehten Glasfäden bestehende Strang hat: hiernach
mit den.daraufsitzenden Polypen genetisch keinen Zusammen-
hang. Er ist das Skelet einer Spongie, das in Form eines
Schopfes aus dem Körper hervorwächst , ‚wie: das in ähnli-
cher Weise: ‚auch: von Euplectella (J. B.. XXIV. 8.178): be-
kannt ist. Die auf dem Schopfe: sitzenden Polypen sind
fremde Ansiedler aus der Gruppe der Polyactinien.
Octactinia. Gray liefert, (Ann. and mag. nat.
hist. »Vol.ıV1. p: 439—444 ) folgende systematische Ueber-
sicht über die Polypen mit gefiederten Tentakeln oder Al-
cyonaria.
I. Sabulicolae.
Coral-tree symmetrical, with a simple base, supported by more
or less distinet calcareous spieulae and strengthened by a single fusi-
form elongate calcareous ' central axis. Living with the base sunk
in the sand or mud of the sea-coast.
Fam.'1. Pennatulidae. Body free, more or less pen-like,
with a naked peduncle and a single central axis. . The upper part
with the polypes placed in transverse series on one, rarely on all''si-
des. Axis fusiform, elongate cylindrical and quadrangular carcareous,
as long as the :coral,
* Penniformes. The coral pen-shaped. The polypes in trans-
verse pennules, placed on each side of Ihe ventral surface of the
central rhachis or'stem.
Trib. 1. Funiculineae. The coral elongate, linear, slender ;
the pinnules smal crowded. Gen. Funiculina , Virgularia, Lygus,
Scytalium.
Trib. 2. Pennatuleae. The coral moderately broad, pen-shaped;
the pinnules broad, expanded. Gen. Pennatula, Sarcoptilus, Pteromor-
pha, Pteroeides. i
** Claviformes. The coral club-shaped or leaf like. ‘ The
polypes scattered on one side (rarely on both) of the upper part of
the club.
Trib. 3. Kophobelemnoninegae. The coral club-shaped, with the
polypes only on one surface of the club, leaving the other bare.
Gen. Kophobelemnon.: F J
der niederen Thiere während des Jahres 1359. 317
Trib,.4. Veretilleae. The coral club-shaped. The polypes on
all sides of the club. Gen. Lituaria, Sarcobelemnon, Cavernularia,
Veretillum.
Trib. 5. Renilleae, The coral expanded , foliaceous,, with a
slender stalk. The polypes only onone sur face of the expanded disk.
Gen. Renilla.
Fam. 2. Umbellulariadae. The bodyfree, umbellate, with
a long stem and a simple central axis. The upper part with a clu-
ster of polype-bearing cells placed in concentric series, forming a
large head. Axis fusiform elongate, as long as the stem of the coral.
Gen. Umbellularia.
II. Spongicolae or Hyalophyta.
Subsymmetrical, living sunken by the base into a sponge,
strengthened by siliceous spiculae and supportet by a central axis,
formed of numerous twisted elongated silicious fibres- (Wir verwei-
sen hier auf die oben bei Hyalonema zugefügte Bemerkung.)
Fam. 1. Hyalonemidae. Gen. Hyalonema.
III. Rupicolae.
Coral tree-like or expanded, fixed by an expanded base, sup-
ported by more or less fusiform calcareous spiculae and ofter suppor-
ted by a central calcareous or horny tree-like axis wilh an expanded
base. Living attached by the base of the coral and axis to rocks on
the sea-shore.
= Lithophyla. Coral arborescent, supported by a continuous or
jointed calcareous axis, which effervesces with muriatic acid.
+ Axis continuous, not jointed.
Fam. 1. Coralliadae. Axis inarticulate, solid, continuous.
Bark granular, with irregular-shaped spiculae. Gen. Corallium, An-
nella, Ellisella (Juncella et Ctenocella), ? Gorgonella, Scirpearia,
Umbracella, Subergorgia.
Fam. 2. Primnoadae. Axis inarticulate solide. Bark formed
of flat imbricate scales. Polype-cells prominent, covered with imbri-
cate scales. Gen. Primnoa, Callogorgia, Primnoella.
++ Axis articulated.
Fam, 3. Melitaeadae. Axis spongy, permeated by flexuous
tubular canals interrupted by harder swellen calcareous joints. Bark
granular; cells in series on the edge of the branchlets. Gen. Melitaea,
Mopsella, ?Solanderia.
Fam. 4. Isideae. Axis calcareous, solid, divided by narro-
wed horny joints. Bark granular,, with irregular-shaped spiculae.
Gen. Isis (Cynosaire), Isidella, Mopsea.
** Ceratophyta. Coral arborescent, supported by a conti-
218 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
nuous (or jointed? ) horny axis, which does not effervesce in mu-
rjatic acid.
Fam. 1. Gorgoniadae. Bark granular persistent, ‘with sun-
ken irregular-shaped spiculae, with a more or less distinet groove
down each side, and with the cells in series one each side of the
branchlets.
+ Coral arborescent or retieulated; cells on side of the bran-
chlets. Gen. Gorgonia (arborescent, branchlets subceompressed; cells
on side, moderate), Pterogorgia (arborescent, branchlets much com-
pressed, cells minute, on edge), Rhipidogorgia (reticulated, fan-like,
cells on sides).
+r Coral frondose; cells on surface of frond. Gen. Hymeno-
gorgia (axis branched, filiforn, branches separate), Phyllogorgia (axis
branched, filiform, branches nelted), Phyllogorgia (axis expanded
foliaceous, thin).
Fam.2. Plezauridae. Bark granular, persistent, cork-like,
without any impressed lateral groove. Cells placed equally on all
sides of the branches. Gen. Plexaura (Bebiyce; cells not raised,
simple), Rhinogorgia (cells not raised, bounded by a conical process),
Eunicea (cells more or less produced, simple), Gonidora (cells con-
vex; mouth radiated).
Fam. 3. Muriceidae. Bark composed of large imbricate cal-
careous spiculae, without any lateral grooves. Cells equally on all
sides of the branchlets. Gen. Muricea, Plocmus (?).
Fam. 4. Acanthogorgiadae. Bark thin, formed of slender
filiform spiculae, without any lateral grooves. Cells campanulate, on
all sides of the branches, with ridges of elongated spiculae, and
with a number of elongate setaceous spines on the margin. Gen.
Acanthogorgia.
?Fam. 5. Antipathidae. Bark fleshy easily deciduous, soft
simple, only strengthened by large and small scattered silicious (?)
plates. Gen. Leiopathes, Antipathes.
Fam. 6. Sarcogorgiadae. Bark fleshy, when dıy, skin-like.
smooth, without spiculae; the edges of the cells strengtheed with gra-
nular spiculae. Gen. Sarcogorgia.
##% Sarcophyta. Coral arborescent lobulated or expanded, only
strengthened by internal or external calcareous spiculae, which effer-
vesce in acid.
Fam. 1. Briareidae. Coral arborescent, fleshy, supported
by a central axis formed of numerous intertwined fusiform spiculae.
Gen. Briareum.
Fam. 2. Alcyoniadae. Coral arborescent or lobed , fleshy,
strengthened: with .imbedded calcareous spieulae. Gells’simple. Po-
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 219
lype retractile or semiretractile. Gen. Alcyonium (Lobularia), Sympo-
dium, Ammothea.
Fam. 3. Xeniadae. Coral expanded or arborescent, fleshy,
soft, creeping or branched. Polype elongate, subeylindrical. Ten-
tacles not retractile. Gen. Xenia, Anthelia, Rhizoxenia, Evagora,
Cornularia.
Fam. 4. Nephthyadae. Coral arborescent or expanded, fleshy,
menıbranaceous, often very cellular. Cells of the polypes covered
externally with large fusiform calcareous spiculae. Gen. Nephthya
(Spoggodia), ?Aleyonidia, Nidalia, Clavularia.
Fam. 5. Tubiporidae. Coral calcareous, tubular. Tubes
united by transverse plates formed by the expanded edges of the tu-
bes bearing the buds. Polypes cylindrical. Gen. Tubipora.
Bleeker berichtet über die Seefedern des Indischen
Archipels und bereichert unsere Kenntniss über diese Po-
lypen um 11 neue Arten, die sämmtlich dem von Herclots
(J.B.XXV.S. 219) aufgestellten und so treffend charakteri-
sirten Gen. Pteroides zugehören. (Naturkund. Tijdschrift
voor Nederl. Ind. d. d. Nov. 1859.) Bei dem Interesse, das
diese hübschen Formen gewähren, und der Unzugänglichkeit
der Originalmittheilung lassen wir die kurzen Beschreibun-
gen dieser Arten hier folgen:
Pteroides hymenocaulon n. sp. Stipes latus, laevis; parte nuda
parte pinnata duplo breviore, conica, carnosa, partem pinnatam versus
tumida ; parte pinnata latissima membranacea axi gracili rigida su-
stenlala, axi stipilis apicem non atlingente. Pinnae utroque latere
24 p. m, oblique flabelliformes, membranaceae,, spinis 10—12 mem-
branam longe superantibus sustentatae, utraque facie polypiferae, po-
Iypis irregulariter disposilis, Stipes pinnatus cum pinnis expansis
aeque latus circiter ac longus, Pinnae marginem liberum versus; vio-
laceae. Stipes flavescens, parte aptera violascente maculatus. — Lon-
gitudo totius stipitis 130“; partis eius apterae 43“; pinnae maio-
ris 31“. — Hab. Amboina, in mari. ‚Species Pt. Esperi H. affinis,
sed dillert stipitis partis pinnalae structura membranacea, pinnis bre-
vioribus pendulis, spinis membranam pinnarum longe superantibus,
Pt. sarkokaulon n. sp. Stipes latus, laevis ; parte aptera parte
Pinnata non multo breviore, conica, carnosa, partem pinnalam versus
tumida; parte pinnala carnosa, minus triplo longiore quam.lata, po-
stice leviter et parce granulata. Pinnae utroque latere 24 vel 25,
oblique flabelliformes , carnosae, spinis 16 ad 19 pinnam sat multo
superantibus sustentatae,, utraque facie polypilerae,, polypis irzegula«,
220 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
riter disposilis. Slipes pinnatus cum pinnis expansis aeque latus ac
longus, flavescens, immaculatus. — Longitudo totius stipitis 112;
partis eius apterae 48; pinnae maioris 32“. — Hab, Sinkawang,
Borneo oceidentalis, in mari. — Adn. Species stipite pinnato Jatissimo
valde distincta.
Pt. bankanense n. sp. Stipes latus, laevis; parte aptera parte
pinnata non valde multo breviore, conica, carnosa, partem pinnatam
versus tumida, infra intumescentiam leviter coaretata; parte pinnata
carnosa quadruplo fere longiore quam lata. Pinnae utroque latere
25 p. m., oblique flabelliformes, carnosae, spinis 11 vel 12 pinnam
sat multo superantibus sustentatae, utraque facie polypiferae, polypis
numerosis confertis. Stipes pinnatus cum pinnis expansis aeque latus
eireiter ac Irngus, flavescens, parte aptera maculis violaceis ornatus,
— Longitudo totius stipitis 82“; partis eius apterae 33; pinnae
maioris 27’. — Hab. Banka (Muntok), in mari.
Pt. macracanthus n.'sp. Stipes latus, laevis; parte aptera parte
pinnata valde multo sed minus duplo breviore, conica, carnosa, par-
tem pinnatam versus tumida; parte pinnata carnosa, plus quintuplo
longiore quam lata. Pinnae utroque latere 31 p. m., oblique flabel-
liformes, carnosae, spinis 12 ad 14 pinnam, sat multo superäntihus
sustentatae, utraque facie polypiferae, polypis irregulariter dispositis,
Stipes pinnatus cum pinnis expansis sat multo longior quam latus,
flavescens, parte aptera maculis sparsis parvis violaceis. — Longitudo
totius stipitis 122; partis eius apterae 44“ ; pinnae maioris 32, —
Hab. Java (Batavia), in mari.
Pt. aurantiacum n.sp. Stipes latus, laevis ; parte aptera parte
pinnata valde multo sed multo minus duplo breviore, conica, carnosa
medio coarctata; parte pinnata carnosa, plus sextuplo longiore quam
lata. Pinnae utroque latere 25 p. m., oblique flabelliformes, carnoso-
membranaceae, spinis 12p. m. pinnam sat longe superantibus susten-
tatae, utraque facie polypiferae, polypis irregulariter dispositis. Sti-
pes pinnalus cum pinnis expansis sat multo longior quam latus. Sti-
pes pinnaeque aurantiacae. Stipes apterus nigro sat dense macula-
tus. — Longitudo totius stipitis 130“; partis eius apterae 48; pin-
nae maioris 32’ — Hab. Amboina, in mari.
Pt. javanicum n. sp. Stipes latus, laevis; parte aptera parte
pinnata paulo tantum breviore, conica, carnosa, medio leviter coar-
etata; parte pinnata carnosa, sextuplo circiter longiore quam lata.
Pinnae utroque Jlatere 25, oblique flabelliformes , carnosae, spinis 8
p- m. pinnam longe superantibus sustentatae, utraque facie polypife-
rae, polypis irregulariter dispositis. Stipes pinnatus cum pinnis ex-
pansis non multo Jongior quam latus, flavescens, parte aptera macu-
lis sparsis parvis violaceis. — Longitudo totius stipitis 110”; partis
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 221
eius apterae 49“; pinnae maioris 25. — Hab. Java (Batavia),
in mari.
Pt. hystrie n. sp. Stipes gracilis, laevis; parte aptera longi-
tudine parti pinnatae subaequali, fusiformi , partem pinnatam versus
tumida,, apicem versus gracilescente, parte pinnata carnosa, plus
quintuplo longiore quam lata. Pinnae utroque latere 24 vel 25, ob-
lique flabelliformes , membranaceae, spinis 9 pinnam longe superan-
tibus sustentatae, utraque facie polypiferae, polypis irregulariter dis-
positis, spinis facie pinnarum superiore tota earum longitudine ma-
xime conspicuis. Stipes pinnatus cum pinnis expansis sat multo lon-
gior quam latus, parte pinnata flavescens, parte aptera aurantiacus,
apice et partem pinnatam versus late vivlaceus, — Longyitudo totius
stipitis 119“; partis eius apterae 58°; pinnae maioris 21‘. — Hab,
Java (Batavia), in mari.
’ Pt. Herklotsi n. sp. Stipes latus, laevis; parte aptera parte
pinnata vix vel non breviore, conica, carnosa, medio leviter coar-
elata;; parte pinnata carnosa, sextuplo longiore quam lata. Pinnae
utroque latere 19 vel 20, oblique Nabelliformes, carnoso-membrana-
ceae, spinis 12 ad 14 pinnam longe superantibus sustentatae, utraque
facie polypiferae, polypis irregulariter dispositis. Stipes pinnatus cum
pinnis expansis multo longior quam latus, flavescens, parte aptera et
pinnata violaceo maculatus. — Longitudo totius stipitis 98°; partis eius
apterae 43°“; pinnae maioris 18“. — Hab. Java (Balavia), in mari.
Pt. kampylopterus n. sp. Stlipes latus,, laevis; parte aptera
parte pinnata multo sed multo minus duplo breviore, conica, carnosa,
medio coarctata; parte pinnala carnosa, quintuplo circiter longiore
quam lata. Pinnae utroque latere 19 vel 20, oblique Nlabelliformes,
carnosae, curvalae, sese invicem amplectentes, spinis 12 p. m. pinnam
conspicue superantibus sustentatae, utraque facie polypiferae, polypis
irregulariter disposilis. Stipes pinnatus cum pinnis expansis duplo
longior quam latus, flavescens, parte aptera violaceo maculatus. —
Longitudo totius stipitis 105’; partis eius apterae 45°; pinnae ma-
ioris 17. — Hab. Java (Batavia), in mari.
Pt. mieropterus n. sp. Stipes latus, laevis; parte aptera parte
Pinnala non multo breviore, conica, caınosa, partem pinnalam versus
tumida; parte pinnata plus octuplo longiore quam lata, Pinnae utro-
que latere 22 ad 24, oblique flabelliformes, carnosac, spinis 9 vel 10
pinnam superantibus sustentatae, ulraque facie polypiferae, polypis
irregulariter dispositis. Slipes pinnatus cum pinnis expansis plus
triplo longior quam latus, parte aptera tota flavescens, parte pinnata
Magna parte violaceus. — Longitudo totius stipitis 133“ ; partis eius
apterae 57"; pinnae maioris 10‘ ad 11“. — Hub. Java (Batavia),
in mari,
222 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Pt. oligopterus n. sp. Stipes latus, laevis ; parte aptera: parti
pinnatae longitudine aequali, conica, carnosa, medium versus leviter
coarctata; parte pinnata sextuplo eirciter Jongiore quam lata. Pinnae
utroque latere 12, oblique flabelliformes, carnosae , spinis 12 p. m.
pinnam paulo superantibus sustentatae, utraque facie polypiferae, po-
lypis irregulariter dispositis. Stipes pinnatus cum pinnis expansis
triplo eireiter longior quam latus, flavescens, ubique immaculatus. —
Longitudo totius stipitis 101‘; ‚partis eius apterae 50,5; pinnae
maioris 12°. — Hab. Ternata, in mari.
Unter dem neuen Genus-Namen Psuchastes be-
schreibt Strethill Wright einen kleinen isolirt leben-
den Alcynoidpolypen mit 8 gefiederten Tenlakeln, der mit
seinem Fusse auf Felsstücken aufsitzt und mit knorrigen
Kalknadeln dicht bedeckt ist. Sp. n. Ps. glacialis, Edinb.
new philos. Journ. X. p. 113. Pl. IX. Fig. 7.
Bei dieser Gelegenheit erwähnt Verf. auch noch eines
zusammengesetzten Aleynoidpolypen von gigantischer Grösse,
der sich durch lange, spindelförmige Kalknadeln auszeichne
und in dem Edinburger anatomischen Museum als Zoanthus
aufgestellt sei.
Eine schöne Abbildung von Aleyonium digitatum bei
Gosse, Rambles etc. Tab. III. p. 76.
Erman sieht in Esper’s Gorgonia paradoxa den
Typus eines neuen Gen. Besselia, bei dem die gewöhn-
lichen Kalk - Ablagerungen von Kieselsäure vertreten sind.
Erman’s Archiv für wissensch. Kunde von Russland. Bd. XIV.
S.129—143. Mit 1 Tafel.
Porifera.
Lieberkühn setzt seine Untersuchungen ‚über den
Bau der Spongien fort. Nachdem er die Organisationsver-
hältnisse der Süsswasserformen erforscht (J. B. XXIII. S. 251)
und deren typische Uebereinstimmung mit den echten Spon-
gien festgestellt hat (J. B. XX1V. S.175), wendet er sich
jetzt speciell zu den oceanischen Arten , die er theils le-
bend in Helgoland, Triest und Venedig, theils auch an
woblerhaltenen Spiritusexemplaren zu untersuchen Gelegen-
heit hatte. Form und innerer Bau, Beschaffenheit der Ge-
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 223
webe, Anordnung, Gestalt und Grösse der festen Einlage-
rungen, das Alles wird vom Verf. bei einer ganzen Anzahl
verschiedener Formen, durch welche die Haupigruppen un-
serer Thiere wohl alle vertreten sein. dürften, auf das Sorg-
fältigsie beschrieben. Dazu kommen zahlreiche litterari-
sche und kritische Bemerkungen über die von frühern For-
schern aufgestellten Arten, die übrigens bei der Unzuläs-
sigkeit der meisten bloss von äusseren Charakteren ent+
nommenen Beschreibungen keineswegs in allen Fällen mit
Bestimmtheit. wiedererkannt werden können. Gewiss mit
Recht legt der Verf. desshalb denn auch ein besonderes
Gewicht auf Anordnung und Bau der bei den Spongien fast
überall vorkommenden Hartgebilde. („Neue Beiträge zur
Anatomie ‚der Spongien“, Archiv für Anal. u. Physiol. 1859.
S. 352—382. S.515—529. Taf. IX—X1.)
Nach der Bildung des Skelets kann man bei unseren
Thieren Fleischspongien und solche mit hornigem, mit kal-
“ kigem und kiesligem Skelete unterscheiden, oder, wie sie
von unserem Verf. in der neuen Auflage der Troschel’-
schen Zoologie benannt werden, Halisarcina, Spongina, Cal-
eispongina und Halichondrina.
Aus erster Gruppe untersuchte Verf. eine Art des
Dujardin’schen Gen. Halisarca, die er in Helgoland von
der Unterfläche grösserer Steine ablas und in der That als
eine Spongie, mit allen Attributen dieser Thiere (Poren,
Oseula, Gemmulae, Wimperorganen), aber ohne Fasern und
Nadeln erkannte. Die kleinsten Stücke des Körpers zeigten
die bekannten Bewegungsphänomene, liessen sich aber nicht
mit Sicherheit als Zellen erkennen.
Unter den ausschliesslich mit Hornfasern versehenen
Sponginen unterscheidet Verf. zwei Genera, die durch die
Bildung des Gerüstes verschieden sind. Bei dem einen
Genus (Spongia) sind die Hornfäden dieses Gerüstes überall
von gleicher Dicke, bei dem zweiten dagegen (Filifera
n. gen.) finden sich neben den dickeren Fasern noch äus-
serst zahlreiche feine Fäden, die von den erstern auslaufen
und je mit einer knopflörmigen Anschwellung endigen. Auf-
fallend ist es, dass die Hornfasern dieser Arten mehr oder
224 Leucekart:Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
minder allgemein, namentlich die von Sp. tupha, in ihrem
Innern fremde Körper enthalten, die sicherlich von Aussen
eingedrungen sind, bald formlose Kalkmassen (deren Vor-
kommen Johnston zur Aufstellung eines eigenen Gen.
Dysidea benutzte), bald auch Kiesel- und Kalknadeln
verschiedener bekannten Schwämme, Hartgebilde aus der
Haut von Echinodermen, Stücke von Polythalamienschalen,
Bacillarien u. s. w. Bei einer Art vegetirte in diesen Fa-
sern sogar eine eigene kleine Alge von rother Färbung,
und zwar so massenhaft, dass der ganze Schwamm dadurch
nicht selten roth gefärbt wurde.
Verf. untersuchte und beschrieb ausser Spongia offi-
einalis (nach Spiritusexemplaren) drei Arten des Gen. Spon-
gia, unter denen nur eine, Sp. tupha, bisher unbekannt
war, und zwei Arten des Gen. Filifera, F. verrucosa n.sp.
aus Westindien und F. favosa n. sp. von unbekanntem
Fundorte. (In Troschel’s Zoologie S. 361, wird noch
eine dritte Art, F. globosa aus Triest erwähnt.)
Aus den Kälkspongien möchte Verf. gleichfalls zwei
Galtungen bilden, deren eine (Grantia) die unregelmässig
verästelten Formen enthält, während die Arten der anderen
(Sycon) eine einfache Spindel- oder Kegelform besitzen.
Bei letztern grweitert sich überdiess der Ausflusskanal zu
einem ansehnlichen Hohlraum, der sich von dem Osculum
bis zur Anheftungsstelle ausbreitet, so dass der Körper eine
sackförmige Bildung hat.
Beschrieben werden Sycon ciliatum Johnst., S. Hum-
boldtii Risso, die letztere nach Spiritusexemplaren, und eine
Grantia, die der Gr. botryoides Johnst. sehr nahe steht.
Bei ersterer gelang es auch die flimmernden, im Innern
bereits mit einem Hohlraume versehenen Embryonen,so wie
die zu mehreren in besondere Behälter eingeschlossenen
Eier nachzuweisen.
Am ausgedehntesten sind die Beobachtungen des Verf.’s
über oceanische Kieselspongien, von denen ausser Clione
celata Gr. (die übrigens trotz der Eigenthümlichkeit des
Vorkommens in Austernschalen und der auflallenden Con-
tractilität der aus denselben hervorragenden Ausflussröhren
pi en
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 225
in.Troschel’s Zoologie als Halichondria. Clione ‚aufge-
führt wird) zahlreiche Arten des Gen. Halichondria: AH.
aspera n. sp. von Helgoland, H. reticulata n. sp. ebendah.,
H. compacta Lkhn. (= Aleyonium domuncula Ol.), H. ro-
sacea n. sp., H. corona n. sp., H. (Lithumena) lobata Ren,,
H. flava n. sp., H. (Spongia) anhelans. Vio., H. (Spongia)
fasciculata Pall., H. sp. (= Tethyum Iyncurium Johnst.),
sämmtlich aus Triest, H. (Spongia) palmata Sol. et Ell., H.
(Sp-) semitubulosa Lam., H. luzurians n. sp., H. (Sp.) Con-
tarenii Mart., H. (Sp.) velutata Ren., sämmtlich aus Vene-
dig. Die Kieselnadeln sind bei vielen Arten in Hornfasern
eingeschlossen und gehen bei Tethyum strahlenförmig. in
Bündeln von der Mitte des Körpers aus. Die dicke Rin-
denschicht der letztgenannten Art besteht nur theilweise aus
Schwammzellen, anderntheils auch aus einem eigenthüm-
lichen Gewebe von fasriger Beschaffenheit.
In Betreff der von Carter gemachten abweichenden
Angaben (J. B. XXIII. S. 255 und XXIV. S.176) bemerkt
Verf., dass er sich einmal von der direkten Communication
der ein- und ausführenden Kanäle bei den Spongien auf
das Beslimmteste überzeugt habe, und weiter, dass er die
Existenz besonderer contractiler Räume in den Schwamm-
zellen der Wimperorgane nicht bestätigen könne. Wahr-
scheinlich, so vermuthet derselbe, sei die letztere Angabe
durch eine Verwechselung mit Amöben entstanden, die bis-
weilen in grossen Mengen auf der äussern Haut der Spon-
gillen aufsitzen. Als erwähnenswerth hebt Verf. weiter her-
vor, dass diese äussere Haut bisweilen stark, bis zum
Schwinden des darunter liegenden Hohlraumes, sich zu-
sammenzieht und sich dann erst später und allmählich wie-
der ausdehnt.
Ueber die Wimperorgane der Spongillen stellt Car-
ter nach neueren Untersuchungen (Ann. and mag. nat. hist.
T. UI. p. 12) die Behauptung auf, dass sie keine Säcke,
sondern solide äusserlich mit Flimmerhaaren besetzte
Körperchen seien, die einige Aehnlichkeit mit Volvocinen
besässen. Isolirte Flimmerzellen dieser Körper waren es,
die Verf. als Samenfäden beschrieb; er hat sich jetzt davon
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. p
226 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
überzeugt, dass dieselben bei der Fütterung Indigopartikel-
chen aufnehmen.
Derselbe sucht durch eine detaillirte Beschreibung
der von der indischen Spongilla Carteri Bow. producirten Gem-
mulae und eine Vergleichung derselben mit den „Wintereiern“
von Lophopus die morphologische Uebereinstimmung zwi-
schen diesen beiderlei Bildungen nachzuweisen und glaubt,
dass solches für die noch immer unsichere Auffassung des
Organismus der Spongien nicht ohne Bedeutung sei. Der
Inhalt der Gemmulae besteht aus hellen Zellen, die zum
Theil „Stärkemehlkügelchen“ einschliessen, Gebilde, die
sich nach unserem Verf. bei Berührung mit Wasser nach
wenigen Tagen in eine Menge polymorphotischer Wimper-
zellen umwandeln. Verf. glaubt, dass ähnliche Umwand-
lungen sehr allgemein mit der dem Einflusse der Lebens-
kraft entzogenen organischen Substanz vorgehen. Ann. and
mag. nat. hist. T. III. p. 331 sq.
Die Mittheilungen, dieBowerbank (Transact. mier.
Soc. of London 1859. p. 79—84) über die Organisation von
Grantia (Sycon Lbk.) ciliata macht, beziehen sich vorzugs-
weise auf die Form und Anordnung der Kalknadeln, deren
Beziehung zum Schutzbedürfnisse und die beim Einziehen
und Ausstossen des Wassers deutlich sichtbaren Bewegungen.
Ueber Seeschwämme vgl. auch Gosse, Tenby p. 318
— 326, wo nicht bloss mehrere Beobachiungen (über Was-
serströmung, Contraclililät des Oscula u.s. w.) mitgetheilt,
sondern auch die bei Tenby vorkommenden Arten des Gen.
Halichondria und Grantia, unter denen eine neue (H. rosea)
beschrieben werden.
Jardin erwähnt einer an den Küsten der Marque-
sas-Inseln vorkommenden Spongie, die eine schöne vio-
lette Flüssigkeit ausschwilzt. Mem. de la soc. imper. des
sc. nat. de Cherbourg T. VI. p. 199.
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 227
IV. Protozoa
Greene’s „manual of the subkingdom Protozoa“ Lon-
don 1858 (XXX und 88 Seiten in klein Octav mit Holz-
schnitten) enthält eine zunächst für den Lehrzweck zusam-
mengestellte Uebersicht über den heutigen Stand unserer
Kenntnisse von den genannten Thieren, mit Benutzung na-
mentlich der Untersuchungen von Carpenter, Müller,
Huxley, Lieberkühn, Stein, Clapar&de und Lach-
mann. Verf. betrachtet die Protozoen im Ganzen als einfa-
che Thiere, obwohl er u. a. den Infusorien (mit den zwei
letztgenannten Forschern) eine weite Verdauungshöhle zu-
schreibt. Die Thalassikollen werden von den Polycystinen
und den Rhizopoden getrennt und alle drei als Repräsentan-
ten besonderer Klassen neben den Spongiaden, Gregarinen
und Infusorien betrachtet.
Auch Gegenbaur trägt kein Bedenken, den Proto-
zoen einen einfachen Bau zuzuschreiben und der Haupt-
masse ihres Körpers die bekannten Eigenschaften der Sar-
code zu vindieiren. Er glaubt sogar, dass gewisse Proto-
zoen, Amöben, Gregarinen und niedere Infusorien ohne An-
stand als einfache Zellen betrachtet werden könnten. Nach
dem Vorgange von Huxley u. A. werden auch die Pori-
feren den Protozoen zugerechnet, obwohl Verf. (S. 58) zu-
giebt, dass diese Thiere „bezüglich der Ernährungsorgane
so ziemlich ausserhalb der Stufenreihe von Einrichtungen
stehen, die sonst bei den Protozoen vorkommen, und einen
Typus repräsentiren, in dem sich mehrfache Anklänge an
den der Coelenteraten wiederfinden. Vgl. Anat. S.42 ff.
Nach der Eintheilung van Beneden’s zerfallen die
Protozoen (Zool. med. II. p. 410) in zwei Classen, Infuso-
rien und Rhizopoden, und diese wieder 1) in Ciliata und Fla-
gellata; 2) in Noctiluca, Foraminifera, Radiolaria, Actino-
phryia, Gregarinae, Amoebacea.
Ehrenberg handelt über die mit Proteus anguinus
zusammenlebenden mikroskopischen Lebensformen in den
Bassins der Magdalenengrotte in Krain, Berl. Monatsberichte
1859. S. 758 ff.
228 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Kühne’s wichtige /„Untersuchungen über Bewegun-
gen und Veränderungen der contraclilen Substanzen“ ver-
breiten sich in ihrem letzten Theile (Archiv für Anat. und
Physiol. 1859. S. 816—835) über das Verhalten der Proto-
zoen gegen äussere Agentien und liefern eine Reihe von
unerwarteten Aufschlüssen über ein bis dahin ganz unzu-
gängliches Gebiet der Bewegungserscheinungen. Das wich-
tigste Resultat dieser Experimentaluntersuchungen besteht
in dem Nachweise, dass auch bei den niedrigsten Thieren,
wenigstens theilweise, ein conlracliles Gewebe vorkomme,
welches in Betreff seiner Reactionen auf äussere (elektri-
sche, chemische, thermische) Reize genau mit dem Muskel-
gewebe der höheren und höchsten Thiere übereinstimmt.
So namentlich bei den Vorticellen, deren Stielmuskel auch
in physiologischer Beziehung diesen Namen mit vollem
Rechte verdient. Die Bedeutung dieser Thatsache tritt
übrigens erst dann ihrem vollen Werthe nach hervor, wenn
wir weiter durch die Untersuchungen unseres Verf. erfah-
ren, dass die Bewegungen der Sarkode durchaus von denen
des wahren Muskelgewebes zu trennen sind. Die Amöben
(auch Gregarinen, Monaden, Vibrionen und Schwärmsporen)
bleiben von einer dicht gedrängten Reihe slärkster Indu-
ctionsschläge unberührt, und setzen den energischsten Mus-
kelgiften die gleiche Unempfindlichkeit entgegen. Von
einer Reizbarkeit im gewöhnlichen Sinne kann hier also
nicht die Rede sein: das qualitativ wirksame Reizmittel ist
noch zu finden. ‘Das Einzige, was die Sarkode mit der
Muskelsubslanz theilt, ist die Fähigkeit der Gerinnung, so-
gar der spontanen Gerinnung, nur tritt dieselbe, bei An-
wendung von Wärme, schon früher ein, als im Muskel,
bereits bei 53°C., während die Muskeln erst bei 80° starr
werden. Dass die meisten Infusorien durch kräftige Indu-
etionsschläge zum Platzen und Zerfliessen gebracht werden,
ist eine bekannte Thatsache, aber irrig ist es, wenn man
diese Erscheinungen auf die Wirkung der Elektrolyse hat
beziehen wollen, da selbst eine Kette von 6—8 Groveschen
Elementen erst nach längerer Zeit dem Leben der Infuso-
rien gefährlich wird. Ob übrigens die Bewegungen der
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 229
Infusorien alle von einer wahren Muskelsubstanz abzulei-
ten sind, muss einstweilen als eine unerledigte Frage be-
trachtet werden, obgleich Verf. der Annahme sich hinneigt,
dass einige Bewegungen, an gewissen Körpertheilen, von
einer der Sarkode ähnlichen Substanz herrühren. Bei den
Vorticellen wird die Bewegung des Stielmuskels von dem
Kopfe angeregt, ohne dass jedoch Nerven sich entdecken
liessen. Die Existenz einer Hülle bei den Amöben wird
geläugnet und die dafür wohl angeführte direkte Beobach-
tung durch die Annahme einer peripherischen Gerinnung
zu erklären versucht.
De Bary setzt seine Beobachtungen über Myxomycc-
ten, besonders deren Sporenbehälter und Entwickelungsge-
schichte, in einer ausführlichen, mit schönen Kupfertafeln
ausgestatteten Abhandlung an einer grösseren Anzahl von
Arten auseinander (Zeitschrift für wissenschaftl. Zool. X.
S. 88—175. Taf. VI—X) und wiederholt die Ansicht, dass
dieselben trotz aller Aehnlichkeit mit gewissen Pflanzen,
namentlich auch manchen Algen, dem Thierreiche zu über-
weisen seien. Dabei wird freilich weiter zugegeben, dass
bei den einfachsten Organismen eine scharfe Unterschei-
dung von Thier und Pflanze nicht mehr durchzuführen sei.
Was Verf. trotzdem veranlasst, die Myxomycelen als „My-
cetozoen< den Thieren zuzurechnen, sind namentlich die
amöbenarligen Jugendzustände, die durch Bewegung und
Nahrungsaufnahme den echten Amöben so vollständig glei-
chen, dass Verf. die Vermuthung ausspricht, es möchten
die sog. Amöben überhaupt grösstentheils dem Entwicke-
lungskreise der Mycetozoen angehören. Die Existenz von
Contractionserscheinungen der ausgewachsenen Myxomyceten
möchte Verf. um so weniger als entscheidend für die Na-
tur der betreffenden Geschöpfe ansehen, als er zugeben
muss, dass das pflanzliche Protoplasma überhaupt der thie-
rischen Sarkode nahe verwandt, wenn nicht idenlisch sei.
Die hier vorliegende Arbeit ist mit ihren zahllosen
wichtigen Einzelnheiten unstreitig für den Zoologen eben
so interessant, wie für den Botaniker, ob sie aber im Stande
ist, allen Zweifel an der Thierheit der Myxomyceten zu
230 Leuckart; Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
bannen, will Ref. dem Leser überlassen. Er für seine Per-
son gesteht, noch immer der Meinung zu Sein, die er in
dem letzten Jahresberichte, (S. 230) ausgesprochen hat und
wird darin um so mehr bestärkt, als es durch die Unter-
suchungen von Hoffmann (Bot. Zeitung 1859. No. 24)
nachgewiesen ist, dass manche Myxomyceten ganz in’ ge-
wöhnlicher Weise, d. h. nach Art der übrigen Pilze, kei-
men. NachHoffmann soll das Ausschlüpfen eines Schwär-
mers und: dessen Umwandlung in ein amöbenartiges Wesen
nur bei genügender Benetzung der Sporen stattfinden und
nicht einmal einen eigentlich normalen Vorgang darstellen.
Die eigenthümlichen Bewegungserscheinungen, der
Schleimpilze sind übrigens schon vor de Bary von ver-
schiedenen Forschern ganz richtig beschrieben und auch,
wie, Ref. aus eigener Erfahrung hinzufügen kann, an. ge-
eigneten Präparaten keineswegs schwer zu beobachten.
Zum Beweise aber, dass diese Bewegungen unter den Pilzen
nicht allein auf die Myxomyceten beschränkt seien, ver-
weist Hoffmann, wie das auch schon Ref. gethan. hatte,
auf die von ihm entdeckten contractilen Gebilde bei den
Blätterschwämmen.
Uebrigens will Ref. nicht verschweigen, dass anderer-
seits nicht bloss die Beobachtungen, dass auch die Schluss-
folgerungen de Bary’s vollen Beifall gefunden ‚haben, wie
denn z.B. Bail erklärt (Verh. der zool.-bot. Gesellsch. in
Wien 1859. S. 31), nach eigenen Untersuchungen denselben
völlig beistimmen zu müssen.
1. Infusoria,
Von den Etudes sur les Infusoires et les rhizopodes
par Clapar&de et Lachmann, die wir bereits in un-
serem vorjährigen Berichle als eine der wichtigsten Arbei-
ten auf dem Gebiete der Infusorienkunde kennen gelernt
haben, erschien (Geneve 1859. p. 261—482. Pl. XIV—XXIV)
die zweite Lieferung, durch die der descriptiv systematische
Theil des genannten Werkes zum Abschlusse, gebracht wird.
Ausser den letzten fünf Familien der Ciliaten wird. darin die
der niederen Thiere während des Jahres 1359. 231
Ordnung der Suctoria und Cilioflagellata, so wie weiter die
Klasse der Rhizopoden ganz in der früheren Weise behan-
delt, der letzteren auch eine anatomisch-physiologische Ue-
bersicht, wie früher der Klasse der Infusorien, vorausge-
schickt. Indem wir für diese auf ein späteres Referat (vgl.
Rhizopoda) verweisen, beschränken wir uns hier auf eine
Aufzählung der von unsern Verf. unterschiedenen Genera
und der beschriebenen Arten.
Fam. Colpodina (p. 261—273).
A. Pas de levres membraneuses.
a. Pas de soies faisant saillie hors de Ja bouche Paramaecium.
b. Des soies faisant saillie hors de la bouche.
@. Une faisceau de soies courtes formant comme
une levre inferieure » » 2 20.2.0. Colpoda.
ß- Des soies isol&es et longues faisant saillie
par la partie superieure de la bouche.
* Pas de faisceau de soies sur le cöte
ventral . . „wualıdurı sinsauain el Gyelidium.
(Char. emend.)
** Un faisceau de soies sur le cöt& ven-
Ra 36 4 Pleuronemar
B. Bouche comprise entre deux levres membraneuses
eontinuellement oseillantes . » . . . . . Glaucoma.
Ausführliche Beschreibung finden : Paramaecium Bursaria Focke,
P. putrinum n. sp., P. colpoda Ehrbg., P. inversum n. sp., P. micro-
stomum n. sp. norwegensche Küste, P. glaucum n, sp. ebendaher,, P.
ovale n. sp., Colpoda cucullus Ehrbg., C. parvifrons n. sp., Cyclidina
glaucoma Ehrbg., C. elongatum n. sp. norwegensche Küste, Pleuronema
Chrysalis Perty, Pl. eyclidium n. sp., Pl. natans n. sp., Glaucoma
scintillans Ehrbg., Gl. margaritaceum Ehrbg.
Fam, Dysderina (p. 278—291).
A. Une cuirasse.
a. Deux valves completement distinctes . Iduna n.gen.
b. Deux valves soudöes l’une ä l’autre,
a. Les deux valves souddes seulement en
BIKIÖLD. . 0.00 anne mapkuraanne ie aD Yaderia,, (= Eir-
vilia Duj.) Char. emend.
ß. Les deux valves soud&es dans toute
la longueur du dos. . .». . » „ Aegyrian.gen.
B. Pas de cuirasse . . . 2 2 2 2000. Huzleyan.gen.
Hieher: Iduna sulcata n. sp, Dysderia lanceolata n. sp., D.
932 Leuckart: Bericht über die Leistungen in,der Naturgeschichte
spinigera'n. sp., D. aculeata n. sp., D. crassipes n. sp., Aegyria le-
gumen Duj., A. angustata n. sp., A. oliva n. sp., A. pusilla ;n. sp.»
Huzleya sulcata' n. sp., H, erassa’n. sp., sämmtlich marin , von der
norwegenschen Küste. (Der Genusnamen Huxleya: ist bereits zwei
Mal, an. ein Bryozoon und neuerlich an eine Muschel , vergeben.)
Fam. Trachelina (p. 2931—364).
A. Bouche terminale.
a. Partie anterieure portant un. appendice conique,
«. Corps plus ou moins cylindrique; nage en tournant
autour de son axe.
* Bouche au sommet de l’appendice
eoniue . » 2 2.2.2.0... bacrymaria.
(Char. emend.)
** Bouche a la base de l’appendice
eonique -. »°2 2 20202020. Phialina.
#8. Corps aplati; nage sans tourner autour
de son axe. » » . . Trachelophyllum n. gen.
b. Pas d’appendice conique.
«. Pas d’appareil degluteur.
* Pas de soie saltatrice.
+ Corps attenue en avant . . » . Enchelys.
(Char. emend.)
+F Corps non altenu& en avant . . Holophıya.
** Une soie saltatrice en arriere . . ÜUrotricha.
ß. Un appareil degluteur.
# Corps attenu& en avant .„ . Enchelyodon n.gen.
*#* Corps non allenue en avant . .„ . Prorodon,
B. Bouche non terminal.
a. Um appareil degluteur.
«. Pas de faisceau de cils.
* Corps jamais tres fortement deprime Nassula.
**= Corps tres fortement deprime . . Chilodon.
#. Un faisceau de ciles simulant une
espece de pied -. - . . » . . . Trichopus n. sp.
b. Pas d’appareil degluteur.
@. Une rangee de vesicules spheriques
renfermant chacune un corpuscule
tres refringent . . » 200. Loxodes.
ß. Pas de vesicules a Eechi refrigent,
* Pas de limbe.
+ Un intestin ramiie . . .°. . Trachelius.
++ Pas d’intestin ramifie . . » . Amphileptus.
der niederen Thiere wälırend des Jahres 1859. 233
** Un large limbe peripherique, forme
par un parenchyme compact . . Loxophyllum.
Ausführlich beschrieben werden Lacrymalia olor Ehrbg., L.
lagenula n. sp. norwegensche Küste, L. coronata n. sp. ebendaher,
Phialina vermicularis Ehrhg., Trachelophyllum apiculatum Perty, Tr.
pusillum ? Perty, Enchelys farcimen Ehrbg., E. arcuata n. sp., Holo-
phrya ovum Ehrbg., Urotricha farcta n. sp., iEnchelyodon farctus
n.sp., E. elongatus n.sp. norwegensche Küste, Prorodon griseusn. sp.,
Pr. armatus n. sp., Pr. edentatus n. sp., Pr. marinus n. sp. norwe-
gensche Küste, Pr. margaritifer n. sp., Nassula flava Cl. (= Chilodon
ornatus Ehrbg.), N. rubens Perty, N. Zateritia n. sp., Chilodon cucul-
lus Ehrbg., Ch. uncinatus Ehrbg., Trichopus Dysderia n. sp. norwe-
gensche Küste, Loxodes rostrum Ehrbg., Trachelius ovum Ehrbg., Am-
phileptus gigas n. sp., A. cygnus n. sp., A. anas Ehrbg., A. marga-
ritifer Ehrbg., A. meleagris Ehrbg., A..anatieula Ehrbg., Loxophyl-
lum meleagris Duj., L. fasciola Ehrbg. , L. armatum n. sp., I. la-
mella Ehrbg.
Die Fam. Colepina (p. 364—367) enthält nur das einzige
Gen. Coleps, wohin u. a. Coleps uncinatus n. sp., C. fusus n. sp.
norwegensche Küste.
In der Fam. der Halterinea unterscheiden unsere Verf.
zwei Gen.:
a. Dessoies fines servant au saut; sauteurs . . Halteria.
b. Pas de sois servant au saut; nageurs Strombidion n. gen.
Beschrieben sind: Halteria grandinella Ehrbg., H. volvox Eichw.,
H. pulez n. sp. von der norwegenschen Küste, Strombidion sulcatum
n. sp., Str. turbo n. sp.
In einem Anhange (p. 373—376) besprechen unsere Verf. auch
noch die Opalinen, die sie, wie G, Wagener, wegen Anwesenheit
eines pulsirenden Apparates und Kernes den Infusorien zurechnen und
nicht als Jugendzustände von Trematoden betrachten. Die Angaben
der Verff. gründen sich auf Untersuchung von Op. uncinata Schultze,
0. recurva n. sp. aus Planaria limacina, O. prolifera n. sp. aus einer
Naide (mit einer ganzen Kette anhängender Knospen, und dadurch
von der nur einfach proliferirenden O. lineata Sch. verschieden),
sämmtlich von der norwegenschen Küste.
Die von unseren Verfl, aufgestellte zweite Ordnung der Infuso-
rien, die Ordnung der Sucetoria, die sich in der That durch die
Art ihrer Nahrungsaufnahme und die Abwesenheit aller Cilien (im
ausgebildeten Zustande) schr auffallend von den bisher betrachteten
Infusorien unterscheidet, enthält nur eine einzige Namilie, die der
Acinetinen (p. 382—390) , und diese zerfällen unsere Verff, nach
folgendem Schema:
234 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
A. Sugoirs non portes par une trompe.
a. Sugoirs non ramifies.
«@. Pas de colonie ramifiee.
* Pas de coque.
7 Un pedoneule . . . . „. . . Podophrya.
Tr Pas de pedonceule.
libes . . . . . Sphaerophryan. gen.
fiies . 2.2.20... Trichophryan. gen.
** Une coque.
T Un pedoneule . . » . .. . . Acineta.
tr Pas de pedoneule . . . Solenophry.a n.gen.
#. Animaux formant une colonie ramificee Dendrosona,
b. Sugoirs ramifies . © » = 2.2.2... Dendrocometes.
B. Sugoirs ports par une longue trompe 1&-
tradile. 2.2 2 2 20202020. Ophryodendronn. gen.
Von Arten führen unsere Verff. auf (fast überall nur mit Dia-
gnosen, unter Bezugnahme auf den noch nicht erschienenen zweiten
Theil des Werkes, der die Fortpflanzung der Infusorien und nament-
lich auch der Acinetinen behandelt): Podophrya cyclopum St., P.
quadripartita (= Acinete der Epistylis plicatilis St. = A. quadriloba
St.), P. carchesii n.sp., P. pyrum n. sp. auf Lemna trisulca, P. Lyngbyi
Ehrbg., P. Trold n. sp. auf Ceramnium, P. cothurnata Weisse (= dia-
demartige Acinete Stein), P. ferrum equinum Ehrbg., P. elongata n.sp,
auf Paludina vivipara, P. Steinii (= Acinete der Opercularia articulata
St.=P. Operculariae $t.), P. Lichtensteinii (= Acinete der Op. Lichten-
steinii St.), P. fia Ehrbg. (= Actinophrys sol $t.), Sphaerophrya pu-
silla n. sp. Genf, Trickophrya epistylidis n. sp., Acineta mystacina
Ehrbg. A. patula n.sp. auf Florideen u. a. marinen Algen, A. eucullus
n. sp. pelagisch, A. compressa n.sp. auf Seealgen, A. cothurniae (=
Acinetenzustand von Cothurnia maritima St.), A. tuberosa n. sp. auf
Florideen, A. linguifera (= Acinete mit zungenförmigem Fortsatze St.
—=A. ligulata St.), A. notonectae n. sp. auf Notonecta glauca, Sole-
nophrya crassa n. sp. auf Lemna minor, Dendrosoma radians Ehrbg.,
Ophryodendron abielinum n. sp. auf nordischen Campanularien.
In Betreff der dritten Ordnung unserer Verff., der Cilioflagellata
verweisen wir auf unseren Bericht über die Flagellaten.
Neben der hier angezogenen (zweiten) Lieferung des
Werkes von Claparede und Lachmann hat uns das
Jahr 1859 noch eine andere, nicht minder bedeutsame Pu-
blication über Infusorien gebracht: „der Organismus der In-
fusionsthiere, nach eigenen Forschungen in systematischer
Reihenfolge bearbeitet von Fr. Stein, erste Abtheilung*
a? Ann
ut te EA
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 235
(allgemeiner Theil und Naturgeschichte der hypotrischen
Infusionsthiere, 52 Bogen in Folio mit 14 Kupfertafeln). Was
uns hier geboten wird, ist der erste Theil eines Werkes,
in welchem der Verf. nach und nach die Naturgeschichte
aller von ihm aufgefundenen und hinlänglich genau unter-
suchten Infusionsthiere in zusammenhängenden Monogra-
phieen zu behandeln gedenkt, das also in ähnlicher Weise
den ganzen reichen Schatz einer mehr als zehnjährigen
bewährten Forschung in sich einschliesst, wie das seiner
Zeit von dem grossen Infusorienwerke Ehrenberg’s be-
hauptet werden durfte. Wird dasselbe einst vollendet sein,
dann mag es auch leicht in ähnlicher Weise als ein kaum
übertroffenes Denkmal deutschen Fleisses und Beobach-
tungstalentes in der Geschichte unserer zoologischen Wis-
senschaften dastehen. Schon jetzt, so weit es uns vorliegt,
ist. es eine fast unerschöpfliche Fundgrube von Thatsachen,
die in mehr als einer Beziehung über die Naturgeschichte
der Infusorien neues Licht verbreiten.
Der vorausgeschickte allgemeine Theil handelt in sei-
nem ersten Abschnilte (S. 1—55) über die allmähliche Ent-
wickelung unserer Kenntnisse von den Infusorien, mit be-
sonderer Berücksichtigung natürlich desjenigen Mannes, des-
sen Namen mit der Geschichte der Infusorienkunde unlös-
lich. verbunden ist. Durch eine kritische Analyse der Ar-
beiten Ehrenberg’s, besonders des ältern, liefert Verf,
den Nachweis, wie die irrigen Vorstellungen entstanden,
denen dieser berühmte. Forscher in Betreff der Organisation
der Infusorien huldigte, und wie dieselben allmählich eine
immer festere Gestalt annahmen.
Mit gleicher Critik werden auch die Angaben Dujar-
din’s und die der späteren Forscher beleuchtet, ohne dass
darüber jedoch irgendwo dem Verdienste willige Anerken-
nung versagt wäre, Die eigene sog. Acinetentheorie er-
klärt Verf. in ihrer früheren Form für -unhaltbar. Es war
ein Irrthum,, wenn er früher (J. B. XXl. S.88) an eine
Umwandlung eingekapselter Vorlicellen in Acineten dachte;
ebenso ein Irrthum, wenn er aus den Schwärmsporen der
letzteren. constant wieder Vorticellen hervorgehen liess,
236 Leuckart: Berichtüber die Leistungen in der Naturgeschichte
aber trotzdem ist er immer noch geneigt, zwischen diesen
beiderlei Thierformen gewisse genetische Beziehungen an-
zunehmen, die möglichen Falls später noch einmal als eine
Art Generationswechsel erkannt werden. Verf. beruft sich
zur Stütze dieser Annahme nicht bloss auf die bekannte
Thatsache, dass Vorticellen und Acineten fast immer in
Gesellschaft neben einander gefunden werden, sondern wei-
ter auch auf die Ergebnisse seiner Untersuchungen über
die Entwickelungsgeschichte der Infusorien, die, wie wir
das weiter unten noch sehen werden , in der That bewei-
sen, dass verschiedene höhere Infusionsthiere ein acinelen-
artiges Stadium durchlaufen, das sich unmittelbar aus der
Embryonenform hervorbildet.
Die Abgrenzung der Infusorien gegen die niederen
Algen betreffend, so ist Verf. der Ansicht, dass nicht bloss
die Monaden, die zum Theil eine ganz entschiedene Mund-
öffnung besitzen, sondern auch die Euglenen, Volvocinen
und Peridinäen den thierischen Infusorien zugerechnet wer-
den müssten, obwohl er zugiebt, dass diese Geschöpfe in
mancher Beziehung und namentlich durch die Art ihrer
Fortpflanzung eine auffallende Analogie mit den Algen dar-
bieten. Als unterscheidenden Charakter der Infusorien
glaubt Verf. folgendes hinstellen zu können. „Die Infu-
sionsthiere sind mit äusseren Wimpern ausgestatlete Thiere,
deren homogenes, durchsichtiges, nie aus Zellen oder Zel-
lenderivaten zusammengesetztes Körpergewebe wenigstens
an gewissen Stellen willkürlicher Contractionen und Ex-
pansionen fähig ist. Ein abgeschlossener Darmkanal und
ein besonderes Verdauungsorgan fehlt ihnen gänzlich; des-
gleichen auch Muskeln und Nerven. Alle besitzen ein
scharf umschriebenes inneres drüsenarliges Organ ohne Aus-
führungsgang , den Nucleus, welcher wenigstens bei den
höheren Formen entschieden als Fortpflanzungsorgan fun-
girt. Die meisten, vielleicht alle, sind mit innern contrak-
tilen Behältern versehen, welche sich abwechselnd aus der
umgebenden Leibessubstanz, oft durch besondere zufüh-
rende Kanäle, mit einer wässrigen Flüssigkeit füllen und
dieselbe dann wieder austreiben (wahrscheinlich direkt oder
ln 5 AU SL
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 237
unmittelbar nach aussen). ‘Ihre gewöhnliche Fortpflanzung
besteht in der freiwilligen Theilung, die jedoch noch nicht
bei allen nachgewiesen ist; wahrscheinlich gehen alle zeit-
weise durch Eneyslirung in einen ruhenden Zustand über,
welcher auch die Erhaltung der Art sichert, wenn derselben
die gewöhnlichen Lebensbedingungen mangeln.*“
Man sieht, die Ansichlen, die unser Verf. über die
Organisation der Infusorien hat, entfernen sich um ein Be-
trächtliches von der Auffassung, die durch Claparede
und Lachmann vertreten wird. Während leiztere die In-
fusorien als „hoch organisirte* Geschöpfe betrachten, wie
einst Ehrenberg, dessen Darstellung freilich im Einzel-
nen sehr abweichend ist, sieht Stein in denselben „ein-
fache* Organismen, freilich nicht so einfache, wie Du-
jardin es wollte, aber doch immerhin einfach genug, im
Vergleiche mit den übrigen Thieren. Die Begründung die-
ser Ansichten hat Verf. dem zweiten Abschnitte des allge-
meinen Theiles vorbehallen, der (S.55—106) „über die Or-
ganisalion der Infusionsthiere im Allgemeinen“ handelt, der
neben dem Anatomischen aber auch , so weit als möglich,
die Physiologie und Entwickelungsgeschichte berücksich-
tigt. Ein besonderes Interesse dürften in diesem Abschnitte
die Beobachtungen über die geschlechtliche Forlpflanzung
der Infusorien in Anspruch nehmen, Beobachtungen , die
im Wesentlichen eine Besläligung der schon im letzten
Jahresberichte (S. 239) von uns angezogenen Entdeckung
Balbiani’s enthalten, die Angaben des lelzteren aber
dabei mehrfach erweilern und berichtigen. Namentlich gilt
dieses in Betreff der vonBalbiani behaupteten Begattung,
die von unserem Verf. mit Beslimmtheit als Theilung er-
kannt wurde.
Den Bau der Infusorien betreffend, so leugnet: Verf.
zunächst die Anwesenheit eines chymusgefüllten Hohlrau-
mes im Innern des Körpers. Was Lachmann und Cla-
parede als solchen in Anspruch nahmen, ist nach unse-
rem Verf. — und Ref. stimmt demselben darin vollkommen
bei — das breiartige Innenparenchym des Leibes, das die
Nahrungsballen in sich einschliesst, und von einem festeren
238 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Rindenparenchym, dem eine Cuticula aufliegt, umhüllt wird.
Die Rotationsbewegungen des Innenparenchyms , die man
so schön bei Parmaecium bursaria beobachtet, sucht Verf.
durch den “Antrieb eines continuirlichen Nahrungsstromes
zu erklären. Ob Verf. nicht zu weit geht, wenn er dem
Parenchym der Infusorien alle bestimmt geformten Elemen-
tartheile abspricht, will Ref. hier nicht untersuchen, doch
klingt es, namentlich den oben erwähnten Untersuchungen
Kühne’s gegenüber, etwas starr, wenn derselbe u. a. den
Stielmuskel der Vorticellen noch immer als eine strangför-
mig angezogene Sarkodemasse bezeichnet. Die stablörmi-
gen Körperchen , die bei einigen Arten unter der Cuticula
vorkommen, werden als Tastkörperchen gedeutet, obwohl
Verf. zugiebt, dass auch wirkliche Nesselorgane den Infu-
sorien nicht fehlen. Unter den Pigmenten ist besonders
das Chlorophyll wegen seiner weiten Verbreitung (auch bei
den Infusorien mit Mundöffnung) hervorzuheben, doch ist es
eigenthümlich, dass die Entwickelung desselben bei den
einzelnen Individuen die grössesten Schwankungen zeigt.
In Betreff des eigenthümlichen „verästelten Darmes“ von
Trachelius ovum ist Verf. (und sicherlich mit Recht) der
Ansicht von Cohn und Gegenbaur; er sieht darin blosse
Parenchymstränge, die von der Rindenschicht ausgehen und
durch wassergefüllte Interstitien von einander getrennt wer-
den. Ein After kommt wahrscheinlich allen mit Mund verse-
henen Infusorien zu, wenn auch vielleicht nicht überall als
vorgebildete Oeffnung. Die contractilen Blasen,sind mem-
branlose Aushöhlungen des Parenchyms, die oftmals mit
gefässarligen Gängen in Verbindung stehen, und, wie
sich jetzt auch Verf. überzeugt hat, durch eine enge Oefl-
nung nach Aussen ausmünden. Kein Zweifel, dass diese
Gebilde ein sog. Wassergefässsystem darstellen und dazu
dienen, das aus dem Parenchym aufgenommene Wasser nach
Aussen auszutreiben. Theilung und Knospenbildung kön-
nen in jedem Lebensstadium stattfinden, erstere schon wäh-
rend des Embryonenzustandes, wie das nachher noch her-
vorgehoben werden soll. Ueberhaupt ist die Theilung von
allen Fortpflanzungsarten die häufigste, im Gegensalze' na-
ee O4 „ 05 ln u
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 239
mentlich zur Knospenbildung, die nur bei wenigen Familien
vorkommt. (Dendrosoma, das nach Claparede und Lach-
mann durch Knospung sich verzweigen soll, ist nach un-
serem Verf. ein einfaches Thier mit verästeltem Körper.)
Bei den Arten mit Nucleolus findet sich daneben noch eine
geschlechtliche Fortpflanzung, die Verf. bei Paramäcien und
Oxytrichinen besonders sorgfältig verfolgt hat. Die ge-
nannten Thiere sind Zwitter, bei denen die männliche Ge-
schlechtsreife der weiblichen vorausgeht. Als männliches
Organ fungirt eben der vorhin genannte, meist dicht neben
dem Nucleus, der weiblichen Geschlechtsdrüse , gelegene
Nucleolus. Unter gewissen Verhältnissen verwandelt sich
der frühere homogene Nucleolus während der Theilung
eines Infusoriums in eine Kapsel, deren Inhalt zuerst ein
längsstreifiges Aussehen bekommt und sich dann in parallel
neben einander liegende Fasern sondert. Die Kapsel ver-
längert sich nach und nach zu einem ansehnlichen, nach
beiden Enden angeschwollenen Schlauch, zerfällt auch wohl
hier und da durch Quergliederung in zwei Theile und ent-
wickelt schliesslich, nach Beendigung des Theilungsproces-
ses, aus den früheren Fasern einen ansehnlichen Ballen
fadenförmiger, dünner und beweglicher Spermalozoen, die
nach vollständiger Reife, durch den Schwund der umge-
benden Kapsel, frei werden und dann in den bis dahin
unveränderten Nucleus eindringen. Der letztere erhält da-
durch den Impuls zu einer weiteren Entwickelung. Er ver-
grössert sich, während die eingedrungenen Samenfäden ab-
sterben und allmählich aufgelöst werden, und zerfällt dann
durch eine Art von Durchfurchung in einen Haufen von
Keimkugeln. Als Eier sind diese Kugeln kaum zu betrach-
ten, da sie nicht selbst befruchtet werden, vielmehr erst
in Folge der Befruchtung ihren Ursprung nehmen. Es scheint
eine geraume Zeit zu vergehen, bevor die Keimkugeln sich
weiter entwickeln, d. h. durch Bildung eines Kernes und
contractilen Behälters in Embryonalkugeln umwandeln; auch
geschieht das nicht immer mit allen Keimkugeln eines Thie-
res gleichzeitig. Ist die Umwandlung einmal eingetreten,
so vergrössern sich die Embryonalkugeln auf Kosten des
240 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
mütterlichen Parenchyms, wahrscheinlich mittelst einer An-
zahl kurzer Tentakel, die genau den Tentakeln der Acine-
ten gleichen, aber erst hervorireten, wenn man die Embryo-
nalkugeln isolirt hat. Während der Entwickelung entsteht
in nächster Umgebung der Embryonalkugeln, bald hier,
bald dort ein kanalarliger Gang, der das Rindenparenchym
durchselzt und als Geburtsgang fungirt. Auch hat sich um
diese Zeit nicht selten schon wieder ein neuer Nucleus mit
Nucleolus gebildet. Die Embryonalkugel schwärmt übri-
gens in der Regel nicht selbst aus; sie producirt vielmehr
eine Anzahl von schwärmenden Embryonen, indem sich das
vordere Segment derselben abselzt, an seiner Oberfläche
mit einem zarten Wimperkleide überzieht und dann loslöst.
So verhält es sich wenigstens im Anfange, während später,
wenn die Productionskraft mehr erlischt, die Embryonal-
kugeln auch wohl ohne Weiteres zu Embryonen werden.
Aehnliche Vorgänge beobachtet man übrigens auch bei In-
fusorien ohne Nucleolus (Bursaria truncatella, Trachelius,
Epistylis u.a.), unter Verhältnissen also, die es zweifelhaft
machen, ob eine Befruchtung vorausgegangen ist, oder
nieht. Möglich, dass diese Infusorien getrennten Geschlechts
sind , vielleicht Männchen von ganz abweichender Form
besitzen. So vermuthet Verf. namentlich für Epistylis, die
aus Basalknospen mitunter eigenthümliche, kleine acineten-
oder rhizopodenartige Geschöpfe entwickelt, welche leicht
für Parasiten gehalten werden können (von Claparede
und Lachmann auch wirklich als solche — Urnula epi-
stylidis — beschrieben sind), wegen des Vorkommens von
spermatozoenartigen Gehilden im Innern aber viel wahr-
scheinlicher als Männchen zu deuten sind. Die Spröss-
linge entstehen übrigens bei diesen Infusorien ohne Nu-
cleolus meist wohl nur aus Theilstücken des Nucleus., Die
dem Verf. näher bekannten Embryonen sind ihren Mutier-
ihieren alle unähnlich; sie werden also mehr oder weniger
bedeutende Metamorphosen durchlaufen müssen. Die Em-
bryonen von Paramaecium verlieren nach dem Ausschlüpfen
ihre. Wimperhaare, ziehen sich kugelförmig zusammen und
gleichen dann einer ungestielten Podophrya fixa. Sie thei-
BE
der niederen Thiere während des Jahres 1859, 241
len sich auch, wie diese, in eine vordere und hintere
Hälfte, von denen die erstere sich mit Wimpern bedeckte
und dann loslöste. Die Uebereinstimmung ist eine so voll-
ständige, dass Verf. in den Podophryen nur eine weitere
Entwickelungsstufe von Paramäciumembryonen zu, erblik-
ken ‚glaubt, zumal auch die Schwärmsprösslinge der erstern
mit den Paramäciumembryonen vollkommen , bis auf das
feinste Detail ihre Organisation, übereinstimmen. Gestützt
auf diese Thatsachen glaubt Verf. auck die übrigen Acine-
ten als Entwickelungsstufen anderer Infusorien so lange
betrachten zu dürfen, bis für sie etwa eine geschlechtliche
Foripflanzung nachgewiesen sein wird. Bis dahin hält er
dieselben für Thiere nicht mit Ovarium, sondern mit Keim-
stock (Nucleus) , die von anderen Infusorien, meist Vorti-
cellinen , abstammen , eine Zeit lang sich. in ihrem Sinne
fortpflanzen, unter bestimmten Verhältnissen aber statt ihres
Gleichen wieder die Formen ihrer (geschlechtlich entwik-
kelten) Mutterthiere hervorbringen. Die Sprössliuge der
Acineten zeigen in der Art ihrer Bewimperung ausseror-
dentliche Verschiedenheiten und besitzen neben den Wim-
.pern (ob alle, bleibt einstweilen noch fraglich) an einer
bestimmten Körperstelle einen mundarligen, runden Saug-
napf, der nach der Befesligung den Stiel ausscheidet. ‚Der
Verlust der Flimmerhaare erfolgt an denselben oft schon
wenige Minuten nach der Geburt,
Ausser den grilfellragenden Infusorien (Flagellifera)
unterscheidet Verf. noch vier — resp., wenn die Acineten
selbstständige Formen sein sollten, fünf — weitere Ord-
nungen, die vorzugsweise nach der Art der Bewimperung
unterschieden und als Holotricha, Heterotricha, Hypotricha
und Peritricha bezeichnet werden.
Bei den holotrichen Infusorien ist der Körper auf’ der
ganzen Oberfläche dicht mit gleicharligen, feinen und kur-
zen Wimpern beselzt, die nur mitunter in der Umgebung
des Mundes eiwas länger werden. Hieher u. a. Opalina,
Colpoda, Enchelys, Lacrymaria, Trachelius, Loxodes, Nas-
sula, Paramaecium u. s. w.
Die heterotrichen Infusorien besitzen ausser dem uni-
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. Q
242 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
formen Flimmerkleide noch eine deutlich entwickelte Zone
von borsten- oder griffelförmigen adoralen Wimpern. Hie-
her Bursaria, Leucophrys, Spirostomum , Stentor, Tintyn-
nus u. S. W.
Die hypotrichen Infusorien sind bilateral, mit Rücken
und Bauchfläche, und nur an lelzterer mit Wimpern verse-
hen, bald mit einer dichten Bekleidung (Chlamydodon, auch
Colpoda), bald nur mit zerstreuten, borsten- oder griffel-
förmigen Wimpern (Oxytrichina, Euplotes, Aspidisca u. a.).
Die peritrichen Infusorien sind auch nur partiell be-
wimpert, aber der Körper ist nicht abgeplattet, sondern
drehrund und die Wimpern zeigen eine gürtelförmige oder
spiralige Anordnung; im letzteren Falle sind dieselben stets
adoral. Zuweilen kommen noch einzelne zerstreute Wimpern
oder ein Wimperbüschel auf der sonst ganz nackten Körper-
oberfläche vor. Hieher die Vorticellinen, Ophrydinen u. a.
Die Verschiedenheiten, die zwischen den Systemen
von Stein und Claparede obwalten, brauchen wir kaum
besonders anzudeuten. Sie sind nicht minder gross, als
die Verschiedenheiten in der Auffassung der Organisations-
verhältnisse. Nach unserem Ermessen sind die von Stein
aufgestellten Gruppen in der That natürliche Einheiten, nur
will es uns bedünken, als wenn dieselben einer Gruppe
der Flagellata nicht als gleichberechtigt an die Seite ge-
stellt werden dürften. Noctiluca, die doch gleichfalls wohl
den Infusorien angehört (und durch Anordnung des Ver-
dauungsapparates zunächst mit Trachelius verwandt zu sein
scheint), ist von unserem Verf. nirgends berücksichtigt; sie
möchte sich auch wohl schwerlich ohne Weiteres in einer
dieser Ordnungen unterbringen lassen.
Der specielle Theil des vorliegenden Werkes (S. 107
— 206) ist der Naturgeschichte der hypotrischen Infusorien
gewidmet, die einzeln, so viele Verf. davon beobachtete,
nach äusserer und innerer Bildung genau beschrieben und
an der geeigneten Stelle in das System eingereiht werden.
Die Fortpflanzung und Entwickelungsgeschichte kam be-
sonders bei Stylonychia mylilus (8.151) und Urostyla gran-
dis (S. 197) zur Beobachtung. Für das Detail müssen wir
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 243
begreiflicher Weise auf das Werk selbst verweisen; wir
begnügen uns damit, durch die nachfolgende synoptische
Uebersicht der vom Verf. unterschiedenen Familien und
Geschlechter, so wie durch Aufzählung der beschriebenen
(und abgebildeten) Arten, den Reichthum an neuen und in-
teressanten Daten anzudeuten.
Hypotricha. Bilaterale Infusionsthiere mit scharf verschie-
dener Rücken- und Bauchfläche. Die convexe Rückenfläche ist stets
ganz nackt, die flache, abgeplattete Bauchseite trägt allein Wimpern.
Sowohl der Mund, als auch der After liegen auf der Bauchseite; er-
sterer findet sich immer mehr oder weniger weit vom vordern Kör-
perende entfernt, letzterer in einiger Entfernung vom hinteren Kör-
perende, nie am Ende selbst. 4
A. Bauchfläche ganz oder theilweise mit dichtstehenden, feinhaari-
gen Wimpern besetzt; ein horniger oder fischreusenartiger
Schlund . » 2.2 2.202000... 1. Fam. Chlamydodonta.
B. Bauchfläche mit bestimmt gruppirten, bor-
sten-, haken - oder griffelförmigen Wim-
pern besetzt. Schlund undeulich oder
fehlend.
1. Ohne Randwimpern.
a. Der von einem Fortsatze der Bauchge-
gend überragte adorale Wimperbo-
gen reicht nur bis zum Vorderrande. 2. Fam. Aspidiscina.
b. Der freiliegende adorale Wimperbo-
gen breitet sich über den ganzen
Vorderrand aus . . - - » .. 8. Fam. Euplotina.
2. Mit Randwimpern . ». » » » ... 4. Fam. Oxytrichina.
Fam. Chlamydodonta St. Hypotriche Infusorien mit gepanzer-
tem oder doch formbeständigem Körper, dessen Bauchseite ganz oder
doch theilweise mit dicht gedrängt stehenden, feinhaarigen Wimpern
besetzt ist; zuweilen findet sich am hintern Ende ein beweglicher
fussartiger Griffel. Der stets sehr deutliche, gerade, röhren- oder
trichterförmige Schlund ist entweder mit stabförmigen Zähnchen be-
wallnet (fischreusenarlig) oder seine Wandungen sind panzerartig er-
härtet und ganz glatt.
A. Schlund fischreusenarlig; kein beweglicher Griffel am hintern
Körperende. (Subfam, Chlamydodonta s. str.).
1. Körper fast drehrund, mit schmaler, nach
vorn schräg gegen den Rücken aufstei-
gender Bauchlläche . . . -» . Phascolodon .n. gen.
2. Körper platigedrückt, mit planer Bauch-
fläche.
244 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
a. Die ganze Bauchfläche bewimpert.
«. Mund in der vordern Körperhälfte Chilodon.
ß-. Mund in der hintern Körperhälfte Opisthodonn. gen.
b. Nur das Mittelfeld der Bauchseite be-
wimpert.
«@. Mittelfeld von einem ringförmigen
Eindruck umgeben, Körper hinten
abgerundet . . .. .
f. Mittelfeld ohne ringförmigen Ein-
druck, Körper hinten zugespitzt
ı Scaphidiodon n. gen.
Chlamydodon.
B. Schlund starr und glatt, ein beweglicher
Griffel am hintern Körperende (Subfam. Er-
viliina = Dysterina Cl. et L.).
1. Wimpern auf einem schmalen, seitwärts
gekrümmten Mittelfelde der Bauchseite Trochilia.
2. Wimpernin einem Ausschnitte längs des
Vorder- und rechten Seitenrandes . . Eıvilia.
Phascolodon vorticella n. sp. Prag, Chilodon cucullus Ehrbg.,
Opisthodon niemeccensis n. sp. Niemegk, Chlamydodon Mnemosyse
Ehrbg., Scaphidiodon naviculaMüll. Wismar, Trochilia palustris n. sp.
Prag, Tr. sigmoides Duj. Triest, Ervilia monostyla Ehrbg., E. fluvia-
tilis n. sp. Tharand.
Fam. Aspidiscina Ehrbg. Körper gepanzert, schildförmig, mit
convexer Rückenseite und planer Bauchseite; der rechte Rand der
Bauchseite wulstförmig verdickt, längs des linken Randes ein weit
nach hinten reichender adoraler Wimperbogen, wenige (7) zerstreut
stehende grilfelförmige Bauchwimpern und 5 oder 10—12 griffelför-
mige Afterwimpern. Mund am hintern Ende des adoralen Wimper-
bogens, After nahe hinter den Afterwimpern.
Hieher nur das eine Gen. Aspidisca Ehrbg. mit A. Iyncaster
Müll. Ostsee, A. Iynceus Ehrbg., A. turrita Ehrbg., A. costata Duj.
(= A. cicada Cl. et L.), A. (Onychaspis St.) polystyla n. sp. Triest.
Fam. Euplotina Ehrbg. Körper gepanzert, kurz oder gedrungen
oval mit convexem Rücken und planer Bauchseite ; im vordern Theile
der linken Bauchhälfte ein weiter, offener, sich meist über den gan-
zen Vorderrand des Körpers bis zum rechten Seitenrande ausbrei-
tender Peristomalausschnitt, dessen Vorder- und Aussenrand von ado-
ralen Wimpern eingefasst wird. Starke griffelförmige Wimpern ste-
hen in geringer Zahl und in constanter Ordnung über die Bauchflä-
che vertheilt. An den Seiten des Bauches findet sich keine conti-
nuirliche Randwimperreihe. Mund im hintern Winkel des Peristoms,
After an dem hintern Körperende.
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 245
1. Ohne eigentliche Bauchwimpern; die starken grilfelförmigen
After- und Randwimpern sehr genähert und vor dem bin-
tern Ende der Bauchseite zusammengehäuft
Uronychia n. gen.
(= Campylopus Cl. etL.).
2. Mit Banuch- und Afterwimpern und 4—5
Randwimpern.
a. Bauchfläche muldenförmig ausgehöhlt,
von den 5 Randwimperu 3zu einem
Büschel vereinigt. . » . . Styloplotes n. gen.
= Schizopus Cl. et L.).
b. Bauchfläche mit einem erhabenen Mit-
telfelde, 4 isolirte Randwimpern . Euplotes.
Uronychia transfuga Müll. (= Ploesconia scutum Duj.), Stylo-
plotes appendiculatus Ehrbg. (= Euplotes excavalus? und Schizopus
norwegicus? Cl. et L.), Euplotes patella MüN., E. karpa n. sp. Wis-
mar, E. Clıaron Müll.
Fam. Oxytrichina Ehrbg. Körper bald gepanzert, bald nur
formbeständig, bald metabolisch, meist langgestreckt, mit convexem
Rücken und planer Bauchseite. Im vordern Theile der linken Bauch-
seite ein oflener, verschieden gestalteter, nach hinten am meisten
verliefter und zugespitzter Peristomalausschnitt, dessen Aussenrand
von einer adoralen Wimperreihe eingefasst wird, die sich über den
Vorderrand des Körpers bis zum rechten Seitenrande fortsetzt. Die
Bauchfläche trägt jederseits eine continuirliche Reihe von Randwim-
pern, und ausserdem noch eine oder mehrere gerade oder schräge
Reihen griffel-, häkchen- oder borstenlörmiger Wimpern. Mund am
Innenrande des Peristoms, After vor dem hintern Körperende oder
nahe an demselben.
A. Mit grillelföürmigen, in 2, seltener 3—4 medianen Längsreihen
stehenden Bauchwimpern und mit grilfelförmigen Stirn - und
Afterwimpern. Körper gepanzert oder doch formbeständig.
1. Ohne seitliche borstenförmige Bauchwimpern. Körper ge-
panzeıt.
a. Mit drei Längsreihen von Stirawimpern und 3—4 Längs-
reihen von Bauchwimpern Onychodromus n. gen.
b. Mit 8 ringlörmig gruppirten Stirnawim-
pern und 5in 2 Längsreihen stehen-
henden Bauchwimpern . . . . . Stylonychia.
2. Mit seitlichen borstenfömigen Bauchwim-
pern. Körper formbeständig . Pleurotrichan. gen.
B. Mit borstenförmigen Bauchwimpern. (Bei
Anwesenheit von zwei Längsreihen von
246 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Bauchwimpern sind diese zuweilen fast
griffelförmig; dann ist aber der. Körper
stets metabolisch.)
1. Ohne Afterwimpern und meist auch ohne
Stirawimpern. Körper hinten zugespitzt
oder schwanzartig verlängert.
a. Mit 6 schrägen, bogenlörmigen Rei-
hen kurzborstiger Bauchwimpern.
Körper nierenförmig. . » . . . Kerone.
b. Mit einer einzigen schrägen Längs-
reihe kurzborstiger Bauchwimpern.
Körper vorn halsartig verlängert . Stichotricha.
ec. Mit 2 Längsreihen von Bauchwimpern.
aa. Mit 3 griffelförmigen Stirnwim-
pern; Bauchwimpern dicht ste-
hend, kurzborsig . . . . . WUroleptus.
bb. Ohne Stirnawimpern ; Bauchwim-
pern (und Randwimpern) weit
von einander entfernt und sehr
langborstig. Körper gepanzert Psilotrichan.gen.
2. Mit After- und Stirnwimpern, Körper
hinten meist abgerundet, stets meta-
bolisch.
a. Mit „wei medianen Längsreihen von
Bauchwimpern . . . 2 2... . Oxytricha.
b. Mit fünf oder mehr Längsreihen von
Bauchwinpern . . ei..." Ei ÜTOSIYIRN
Onychodromus grandis St., Stylon reits mytilus Ehrbg. , St. pu-
stulata Ehrbg., St. histrio Ehrbg., Pleurotricha grandis n. sp. Tharand,
Pl. lanceolata Ehrbg., Kerone polyporum Ehrbg., Stichotricha secunda
Perty, Uroleptus musculus Ehrbg., U. piscis Ehrbg., U. rattulus n. sp.
Niemegk, U. violaceus n. sp. ebendaher, Psilotricha acuminata n. Sp.
ebendaher , Oxytricha gibba Müll., A. pellionella Ehıbg., A. affinis
n. sp. Prag, O. ferruginea n. sp. Niemegk, O. mystacea n. sp. Tha-
rand, O.fallax n.sp. ebendah., O. platystoma Ehrbg., Urostyla Weissei
n. sp. (= Okxytricha urostyla? Cl. et L.), U. grandis Ehrbg. (= Oxy-
tricha fusca Cl. et L.), U. viridis n. sp. Niemegk.
Die Darstellung, die uns Gegenbaur von den Or-
ganisalionsverhältnissen der Infusorien giebt (vergl. Anat.
S. 46 ff.), stimmt in den wesentlichsten Zügen mit der An-
schauungweise Stein’s überein, obwohl in Einzelnheiten
manche Abweichungen vorkommen. So soll namentlich
DE ERDEBDR TEEN
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 247
eine äussere Oeffnung des pulsirenden Bläschens fehlen,
der Gefässapparat der Infusorien mehr die Funktion eines
eireulatorischen Systems haben, ebenso die Bildung der
Schwärmsprösslinge ohne geschlechtliche Vermittelung im
Innern des Kernes vor sich gehen u. s. w.
Aus den Mittheilungen, die Focke laut dem amlli-
chen Berichte der 31. Naturforscherversammlung (S. 116)
im Jahre 1854 über den „Darm der Polygastrica* gemacht
hat, geht so viel hervor, dass sich auch Verf. jetzt von
dem Irrihume der Ehrenberg’schen Darstellung über-
zeugt hat. Er giebt zu, dass der Verdauungsapparat der
Infusorien kein besonders gelormter Darm sei, trotzdem
aber die Speise soll einen ganz bestimmten Weg durchlaufen,
„indem am Ende des Schlundes ein Magen bis zu einem
gewissen Grade angefüllt wird, dann plötzlich abreisst und
sich um die Achse wälzend bis an das hinterste Ende des
Körpers zurückschnellt, sofort ein weniges wieder gerade
in die Höhe steigt und dann bis gegen die äussere Mund-
öffnung heraufrückt.*
Lachmann, der noch jüngst — in Gemeinschaft mit
Claparede, J. B.XXV. 8.234 — an der Ansicht fest-
hielt, dass die contractile Blase der 'Infusorien einem ge-
schlossenen Blulgefässsysteme zugehöre, hat sich jetzt (Verh.
des nalurf. Vereins der pr. Rheinlande XVI. S. 91) mit aller
Entschiedenheit davon überzeugt, dass dieselbe direkt nach
Aussen führt. Die Beobachtung wurde bei einer neuen
mit Discophrya (Acineta) ferrum equinum verwandten Art
gemacht, D. speciosa, durch deren dicke Haut hindurch
der ausführende Kanal als eine feine, bei der Zusammen-
ziehung sich deutlich erweiternde Röhre zu erkennen war.
Engelmann veröffentlicht einige Beobachtungen über
Fortpflanzung und Cystenbildung bei den Infusorien (Zeit-
schrift für wiss. Zool. X. S. 278). Ein Stöckchen von Epi-
stylis crassicollis zeigle in allen seinen (vier) Indivi-
duen statt des langen, bandförmigen Kernes eine Reihe von
6—8 runden Kugeln, die je einen Kern und einen contra-
elilen Behälter einschlossen, und daneben den bedeutend
verkleinerten Nucleus. Bei Carchesium polypinum wurden
248 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
mitunter Individuen gefunden, die am hinteren Ende oder
auch mehr nach vorn zu einen flimmernden Auswuchs mit
contractiler Blase im Innern besassen. Der Auswuchs wird
als ein austretender Schwärmsprössling in Anspruch ge-
nommen, obwohl die vom Verf. geschilderten Einzelnheiten
es wahrscheinlicher machen, dass derselbe ein flimmerndes
Theilstück resp. ein Knospensprössling (wie bei Podophrya,
deren Theilstücke sich gleichfalls als fimmernde Kugeln
abirennen, vgl. Stein a. a.0. S.94) gewesen sei. In den
von Clapar&ede und Lachmann (J. B.XXIV. S. 181)
beschriebenen Amphileptuscysten der Carchesiumstöcke sah
Verf. den Insassen mitunter in 2 und 4 Theilstücke zer-
fallen.
Von Weisse erhielten wir eine Bestätigung der
Stein’schen Beobachtung über die ruhenden Zustände und
die Vermehrung der Colpoda cucullus. Mel. biolog. de
l’Acad. de St. Petersburg 1858. T. III. p. 29—37.
Eigenthümlich sind die Beobachtungen, die Bornet
über die Entwickelung von Infusorien im Innern einer
Alge, Valonia utrieularis, angestellt hat. (Mem. Soc. imper.
des sc. natur. de Cherbourg T. VI. p. 337—344. Tab.1 u. II.)
Verf. fand Exemplare dieser Alge, deren Chlorophyll sich in
den Enden der Zweige zusanımengeballt halle, sah dann diese Ballen
sich aufhellen und in einen Sack verwandeln, der eine Menge be-
weglicher grüner Körperchen einschloss. Die letztern ergaben sich
als Infusorien mit uniformem Wimperkleide und zahlreichen Chloro-
phylikörnchen im Innern. Dieselben traten aus dem umgebenden
Sacke in den Innenraum der Alge über, theilten sich hier mehrfach,
wurden dabei immer kleiner und entleerten die Chlorophylikörnchen,
bis sie schliesslich ganz farblos wurden. Eine Mundöffnung konnte
nicht wahrgenommen werden, doch vermuthet Verf. deren Anwesen-
heit. Einzelne Exemplare bekleidelen sich mit einer dünnen Cyste,
unter der sie sich mitunter gleichfalls theilten. Verf. vermuthet, dass
diese Geschöpfe von Aussen in die Alge eindringen, das Chlorophyll
derselben verzehren und dann den hier geschilderten Entwickelungs-
gang durchlaufen.
Mantegazza’s Untersuchungen über die Entstehung
der Infusorien mit Beschreibung einer neuen Art (Journ,
Instit. imper. et roy. lombard des sc. Nouv. ser. T. III) sind
Ref. unbekannt geblieben.
u. 2.20 2
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 249
Nach den Untersuchungen von Strethill Wright
(new Edinb. phil. Journ. X. p. 97) haben die jungen Ab-
köinmlinge von Lagotia (= Freya Clap. et L.) Anfangs die
Gestalt von kugligen oder ovalen Flimmerkörpern. Sie
schwimmen in diesem Zustande frei umher und setzen sich
erst fest, nachdem sie vorher eine Kegelform angenommen
und an der Basis des Kegels (Kopfrand) einen stärkeren
Wimperkranz entwickelt haben. Das Gehäuse ist schon
24 Stunden nach der Anheftung vollendet, während das
Auswachsen des Kopfrandes in den zweilappigen Flimmer-
apparat mehrere Tage in Anspruch nimmt. Die Beobach-
tungen wurden an einer neuen Art, L. producta, angestellt,
die sich von L. viridis durch schlankere Bildung und An-
wesenheil einer spiralig gewundenen Firste an dem Ge-
häuse unterscheidet. Das Gehäuse ist übrigens nicht ei-
gentlich ein äusseres, sondern in eine mantelarlige Sarco-
dehülle eingelagert.
Ebendaselbst beschreibt Wright (p. 102) die Gehäu-
sebildung bei Stentor Mülleri und St. castaneus, die er als
eine constante Erscheinung betrachtet und zur Motivirung
des Vorschlages benutzt, die genannten Arten von den
übrigen Stenloren zu trennen und unter dem Genusnamen
Salpistes den Ophrydinen zuzugesellen.
Die bei Loxophyllum ( Amphileptus) meleagris von
Ehrenberg beobachteten 6—14 Rückenwülste enthalten
nach den Beobachtungen Lachmann’s je eine Anzahl von
Nesselorganen. Verh. des naturf. Vereins der pr. Rhein-
lande. Bd.XVI. 8. 68.
Carter liefert eine genaue und detaillirte Beschrei-
bung der von ihm in Bombay aufgefundenen Ploesconia
truncata Ehrbg., Pl. (Euplotes) Charon Ehrbg. und Kerone
(Stylonychia) pustulata Müll. und theilt Beobachtungen mit,
die möglichenfalls dahin gedeutet werden können, dass die
letztere Form nach vorhergegangener Einkapselung aus
Pl. Charon entstehe. Obwohl diese Vermuthung durch die
bekannten Untersuchungen von J. Haime (J. B. XXI. S.
93) einige Stütze erhält, ist Verf. doch weit davon ent-
250 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
fernt, sie mit Bestimmtheit auszusprechen. Ann. and mag.
nat. hist. T. III. p. 241—258. Tab. VI.
Stein beschreibt die schon im vorigen Jahresberichte
(S. 243) erwähnten merkwürdigen Infusorien aus dem Pan-
sen der Wiederkäuer und unterscheidet dieselben als Re-
präsentanten dreier verschiedener Genera: Ophryoscolex
(0. Purkynjei und 0. inermis) , Entodinium (E. bursa, E.
dentalum und E. caudatum), Isotricha (I. intestinalis). Ab-
handl. der k. böhmischen Gesellsch. X, S. 69 u. 70.
Die beiden ersten Gen. entfernen sich am meisten von den be-
kannten Infusorien und erinnern auf den ersten Blick an die Räder-
thiere. Sie bilden eine besondere zwischen den Vorticellinen und
Spirogoninen stehende Familie (Ophryoscolecina) und werden vom
Verf. folgendermassen beschrieben: Ophryoscolez besitzt einen
nackten, starkgepanzerten, wurmförmigen Körper mit schmaler, platter
Bauchfläche und stark gewölbtem Rücken und Seiten. Vorn ist der
Körper abgestutzt, hinten abgerundet und in einen der Bauchseite
genäherten,, stachelförmigen Schwanz ausgezogen, über dessen Basis
die Afteröllnung liegt. Am vordern abgestutzten Körperende findet
sich ein mit einer terminalen Mündung versehenes manscheltenartiges
Wirbelorgan, dessen freier Rand mit sehr starken griffelartigen Wim-
pern besetzt ist. Dasselbe wird von einer Duplikatur der äusseren
Körperhaut gebildet und kann nach Belieben eingezogen und ausge-
stülpt werden. Vor der Mitte des Rückens liegt noch ein schräger,
unter eine Duplikatur der Körperhaut zurückziehbarer bogenförmiger
Wimpergürtel, der ebenfalls von dicken und griffelartigen Wimpern
gebildet wird. Im Innern des Körpers rechts ein länglichovaler Nu-
cleus mit äusserlich ansitzendem kleinen Nucleolus. Das Innere ist
gewöhnlich mit denselben pflanzlichen Bruchstücken erfüllt, welche
im Pansen vorhanden sind. Mehrere contractile Hohlräume.
Entodinium zeichnet sich durch einen ovalen, mehr oder
weniger plattgedrückten Körper aus und entbehrt des Rückengürtels,
während es am vorderen, gerade abgestutzten Leibesende ein ähnli-
ches Wimperorgan trägt. Der After liegt am hinteren Ende. Der
Nucleus ist bandförmig, mit seitlich aufgelagertem Nucleolus. Meist
zwei contractile Blasen.
Isotricha gleicht im Habitus den Opalinen , ist aber mit
einem deutlichen Munde versehen. Der Körper ist umgekehrt eiför-
mig, platter gedrückt, der Länge nach gestreift und auf der ganzen
Oberfläche dicht mit langen haarigen Wimpern bekleidet. Mund auf
der Bauchfläche nahe am vorderen Ende, meist in einem flachen
schrägen Eindrucke gelegen, aber nicht von längeren Wimpern um-
EV
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 251
geben. Schlund sehr kurz. Eigentliche contractile Blasen fehlen.
(In einer späteren Beschreibung heisst es: ein oder zwei contractile
Behälter.) Nucleus oval mit äusserlich aufsitzendem Nucleolus.
Die Charakteristik dieser drei Genera ist später auch
mit anderen in die Zeilschrift Lotos IX, 1859. S. 57 über-
gegangen. Von den übrigen hier (zum Theil schon S. 2)
unterschiedenen neuen Arlen sind einige (Phascolodon, Opi-
sthodon, Shaphidiodon, Onychodromus , Pleuroiricha, Psilo-
tricha) bereits oben von uns nach einer späteren Publica-
tion angezogen. Die anderen tragen die Namen Di dinium
(mit Vorlicella nasuta Müll.), Acidophorus (mit Nassula
ornala Ehrbg. und A. rubens n. sp.), Oyrtostomum (mit
Bursaria leucas Ehrbg.), Plagiopogon (mit Holophrya
coleps Ehrbg.) und Perispira(mit Holophrya ovum Ehrbg..).
Die Gattungen Nassula, Liosiphon, Acidophorus und Cyr-
tostomum vereinigt Verf. in eine eigene kleine Familie,
Nassulina, die sich durch uniforme Bewimperung der
gesammten Körperoberfläche, durch den bauchständigen
Mund und die fischreusnartige Bildung des Schlundes aus-
zeichnet.
Leydig macht auf die gelegentlich im Darmkanale
der Insekten vorkommenden Infusorien aufmerksam. Er
hebt hervor, dass er schon früher im Chylusmagen von
Pentaloma dichte Massen vibrionenarliger Wesen angetrof-
fen habe, und knüpft daran die Bemerkung, dass er im
Darmkanale einer Maulwurfsgrille nicht bloss eine unzählige
Menge derselben Geschöpfe, sondern auch kugelrunde In-
fusorien von der Grösse der Eiterkörperchen gesehen habe,
die an einer Seite mit einem Büschel schwingender Här-
chen versehen gewesen seien und im Innern einige grös-
sere Körnchen eingeschlossen hätten. Am meisten Aehn-
lichkeit hätten dieselben mil Trichodina grandinella gehabt.
Ebenso wurde im Darmkanale eines Tabanus ein Gewim-
mel von stecknadelförmigen Infusorien gesehen. Archiv für
Anal. u. Physiol. 1859. S. 162.
Nach d’Ukedem lebt auch im Darmkanale von Julus
terresiris ein Schmarolzerinfusorium, das dem Gen. Para-
maecium zugehört und sich von P. Aurelia durch Klein-
252 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
heit und rundliche Form des Körpers unterscheidet. (Vgl.
hiezu Leidy’s Nyctolherus velox, der aber kaum verwandt
scheint. J. B. XXI. S. 100.)
Lachmann beobachtet an den Anhängen des subter-
ranen Gammarus putaneus zwei Schmarotzerinfusorien, eine
Podophrya, die wahrscheinlich mit der sonst auf Wasser-
linsen und Cyclopen lebenden P. cyclopum Cl. et L. iden-
tisch ist, und einen Dendrocometes, der sich von dem Stein’-
schen D. paradoxus durch schlankere und mehr regelmäs-
sig verästelte Arme zu unterscheiden scheint. Das Vor-
kommen dieser Parasiten ist namentlich desshalb interessant,
weil sich die erstern bestimmt, die andern wahrscheinlicher
Weise von Infusorien ernähren, die mit dem Gammarus
pularneus dieselben Lokaliläten bewohnen, uns aber bis jetzt
noch unbekannt sind. Verh. des nalurf. Vereins der pr.
Rheinlande S. 91.
Ebendas. beschreibt Lachmann noch andere neue
Infusorien: Epistylis gracilis, Vaginicola calceus , Oxytricha
sp. (zumeist mit O. caudala verwandt) , S. 66, Discophrya
speciosa von der Haut eines Wasserkäfers, Podophrya ga-
sterostei von den Kiemen des Stichlings, Trichophrya asci-
diarum aus der Kiemenöffnnng eines Polyclinum, S. 92.
Auf Spongonema castaneum beobachtete Mettenhei-
mer (Beobachtungen u. s. w. a. a. O. 5.312) eine ganze
Fauna von Infusorien, von denen namentlich Colhurnia ma-
ritima (?) und Epistylis septentrionalis n. sp. Erwähnung
finden.
Nach Leidy lebt auf abgestorbenen Schneckenschalen
Rhode-Islands, meist in Gesellschaft von Serpulaceen, eine
mit Chaetospira Mülleri verwandte neue Art des Genus
Freya (Lagolia Wright), Fr. americana. Proc. Acad. n. h.
Philad. 1859. p. 194.
Auch Carter erwähnt einer Lagotia (L. viridis) aus
dem Brackwasser von Bombay. Ann. and mag. nat. hist.
T. II. p. 341.
Die von Schmarda schon vor mehreren Jahren in
Aegypten beobachteten neuen Infusorien tragen folgende
Namen: Disoma bicolor, Holophrya polyphysa, Phialina do-
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 253
liolum, Paramaecium polytrichum, Ozytricha striata, O. ova-
lis, Vortlicella macrostoma, V. salina, V. macrosiyla. Zur
Naturgeschichte Aegyptens a. a. O.
Derselbe giebt an, den Stentor niger in Neu-Hol-
land und den Sf. coeruleus in Peru gefunden zu haben.
Neue wirbellose Thiere I, 1. 8.55.
van Beneden erwähnt unter dem Namen Trachelius
filarinus eines (3 Mmter) langen und schlanken Infusoriums,
das an den Belgischen Küsten in Menge vorkommt. Zool.
med. II. p. 422.
Astasia limpida Cart., von der wir schon früher (J.
B. XXIII. S. 267) hervorgehoben, dass sie den echten In-
fusorien zugehöre und nicht den Euglenen, wird jetzt von
Carter als identisch mit Trachelius trichophorus Ehrbg.
erkannt. Ann. and mag. nat. hist. T. III. p. 16.
Flagellata. Dass Clapar&de und Lachmann
die Peridininen, wie die Volvocinen und Verwandte den
thierischen Infusorien zurechnen, ist schon im letzten Jah-
resberichte von uns hervorgehoben. Sie bilden aus den-
selben eine eigene, zwischen den Ciliaten und Flagellaten
eingereihete Ordnung, die der Cilio-flagellata, von denen sie
aber doch zugeben müssen, dass sie den letztern, den Fla-
gellaten , viel näher sländen,, als den echten Infusorien.
Zur Stütze ihrer Ansicht führen sie an, dass von diesen
Geschöpfen bisher noch kein pflanzenarliger Zustand nach-
gewiesen sei. Nachdem wir inzwischen die Beobachtun-
gen Carter’s über den ruhenden Zustand von Peridinium
sanguineum kennen gelernt haben (J. B. XXV. S. 244),
hat dieser Einwurf seine Bedeulung verloren. Der Körper
der Peridininen ist bekanntlich von einem Panzer bedeckt,
der durch eine quere Flimmerrinne in zwei Hälften ge-
schieden wird, eine vordere und eine hintere, von denen
die letztere an der Bauchseite einen Ausschnitt zeigt.
Exemplare ohne Schale scheinen blosse Jugendzustände zu
sein. Die eine vordere Hälfte des Körpers trägt ein oder
mehrere lange Flimmerhaare. Bei Ceralium sieht man die-
ses Flimmerhaar mitunter verschwinden ; die Verff. glau-
ben beobachtet zu haben, dass es dabei in eine sphärische
254 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Höhle zurückgezogen werde, die an der Basis des Haares
angebracht sei, und sind geneigt, diese Erscheinung mit der
Nahrungsaufnahme in Zusammenhang zu bringen. Eine
Mundöffnung ist übrigens von Niemand bei unseren Ge-
schöpfe nachgewiesen, und auch im Innern lassen sich nir-
gends fremde Substanzen unterscheiden. Kern und contrac-
tile Blase scheinen ebenfalls zu fehlen. Etudes elc. p. 392.
Die von unseren Verlf. in der Fam. der Peridininea un-
terschiedenen Genera sind in folgender Uebersicht zusammengestellt:
A. Un sillon transversal.
a. Les deux moities de la cuirasse de longueur a peu pre
egales.
«. Cuirasse armee de prolongements en forme de cornes
Ceratium.
ß. Cuirasse sans prolongemens . . . Peridinium.
b. Les deux moities de la cuirasse tres-in-
Egales.
a. Bords del’echancerure releves en lame Dinophysis.
8- Bordsde l’Echancrure non releves Amphidiniumn.gen.
B. Pas de sillon transversal. Cils sur le bord
anterieung ryanisı "mal en mlne in. er Brorocentrum?!
(Char. emend.)
An Arten werden von unsern Verff. beschrieben (p. 394—412):
Ceratium cornutum Ehrbg., C. tripos Ehrbg. (mit Einschluss von C.
macroceros Ehrbg. und P. arctieum Ehrbg.), C. furca Ehrbg., C. fusus
Ehıhg., C. biceps n. sp. norwegensche Küste, C. divergens Elırbg.,
Peridinium tabulatum Ehrbg., P. reticulatum n. sp: norwegensche Kü-
ste, P. spiniferum n. sp. ebendah., Dinophysis norwegica n. sp., D.
ventricosa n. sp-, D. acuminala n. sp., D. rotundata n. sp., D. ovata
n. sp., D. laevis n. sp., Amphidinium operculatum n. sp. sämmtlich
von der norwegenschen Küste, Porocentrum micans Ehrbg.
Carter veröffentlicht Untersuchungen über den Bau
und die Fortpflanzung von Volvox und liefert damit eine
Bestätigung der bekannten (J. B. XXIll. S. 264) Cohn’-
schen Entdeckungen. Ann. and mag. nat. hist. Vol. Ill.
p- 2—8. Tab. 1.
Die Untersuchungen Carter’s sind an zwei bestimmt verschie-
denen Arten angestellt, die er als V. globator Ehrbg. und Y. stella-
tusEhrbg. bezeichnet, obwohl uns die erstere mehr mit V. minor St.,
die zweite mit V. globator Ehrhg. übereinzustimmen scheint (wodurch
sich dann in einfacher Weise der Widerspruch gegen Cohn’s An-
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 255
gabe erledigt, dass der Ehrenberg’sche V. globator mit V. stella-
tus zusammen fiele). Beide Arten bestehen im ausgebildeten Zustande
aus drei in einander eingeschachtelten Generationen , von denen die
Tochter- und Enkelgenerationen meist je in achtfacher Anzahl vorhan-
den sind, unterscheiden sich aber insofern, als die letztere Art keine
runde, sondern eine mehr ovale Form besitzt und die Enkelcolonieen
derselben beständig von einer sehr geringen Grösse sind. Bei der
ungesehlechtlichen Vermehrung zerfallen die Entwickelungszellen der
ersten Art gleich von vorn herein in einen ganzen Haufen von Toch-
terzellen, während bei letzterer eine regelmässige Progression mit
dem Factor 2 vor sich geht. Zum Zwecke der geschlechtlichen
Fortpflanzung bilden die Tochtercolonieen entweder alle oder nur
theilweise statt der 8 Enkelcolonieen eine weit grössere Anzahl (bis
100) Sporen oder Spermatozoenscheiben, die bei V. stellatus C. un-
termischt in derselben Colonie gefunden werden, bei V. globator
aber nicht bloss in verschiedenen Tochtercolonieen, sondern auch stets
in verschiedenen Muttercolonieen vorkommen.
Gleichzeitig setzt derselbe Verfasser (l. c. p.8—
12) seine Beobachtungen über Eudorina elegans fort, über
die wir bereits im letzten Berichte zu referiren hatten.
Er findet, dass dieselbe in doppelter Form, bald mit 16,
bald auch mit 32 Zellen, existire, dass aber nur die letzte
eine geschlechtliche Fortpflanzung besitze, während die
erstere nur Schwärmeolonieen hervorbringe. Letztere ha-
ben mitunter eine bloss flächenhafte Anordnung und dürfen
dann wohl dem Gen. Gonium zugezählt werden. Die männ-
lichen Zellen werden (auch bei Volvox) nicht selten isolirt
angetroffen und haben im vergrösserten Zustande wohl
Veranlassung zu der Aufstellung der'Ehren berg’schen
Genera Syncrypta, Synura und Uroglena gegeben.
Euglena fusiformis, E. zonalis, Cryploglena angulosa neue Ar-
ten bei Carter]. c. p.17, 18, mit Abbild.
Ehrenberg berichtet über die Leuchtkraft einiger
Peridinien (Monatsber. der Berl. Akad. 1859. S. 727 ff.) und
charakterisirt als neu (ebendas. 8.791) Peridinium splendor
maris, P. trichoceros, P. eugrammum, P. seta, P. candela-
brum, sämmtlich aus dem mittelländischen oder adrialischen
Meere.
Ebenso Schmarda in seiner Abhandlung zur Na-
turgeschichte Aegyptens (a. a. O.): Peridinium inerme, P.
256 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
bicorne, Gleodinium roseolum , Gl. inaequale , Chaetoglena
acuminala.
Weitere neue Arten:
Colacium hyalinum, Microglena salina, Glenomorum ae-
gypliacum, Dozxococcus ovalis, Bodo maxzimus Schmarda,
ebendaselbst.
Cryptomonas lima, ein mittelmeerisches Leuchttbhier,
Ehrenberg.a. a. 0. 8. 73.
Cercomonas intestinalis, zu Myriaden in den geleear-
tigen Schleimexerementen der Kinder, Lamb], Prager Vier-
teljahrsschrift 1859. I. S. 56.
2. Rhizopoda.
Schon oben, bei Gelegenheit der Infusorien, haben
wir ‘hervorgehoben, dass Claparede und Lachmann
in der zweiten Lieferung ihrer „Etudes“ ete. auch die Rhi-
zopoden zum Gegenstande ihrer Darstellung gemacht haben
(p. 413—466). Was sie über diese Thiere veröffentlichen,
steht allerdings an Umfang und Reichthum der Beobach-
tungen weit hinter den Mittheilungen ‚über Infusorien zu-
rück, kann aber trotzdem nicht verfehlen, unser volles
Interesse in Anspruch. zu nehmen und zu neuen Unter-
suchungen zu veranlassen. ‘Nach der Stellung, die unsere
Verff. gegenüber der Lehre von der Sarkode und der ein-
fachen Struktur der Protozoen eingenommen haben, war
schon von vorn herein zu erwarten, dass sie den seit
Schultze ziemlich allgemein in Deutschland herrschen-
den Ansichten über den Bau der Rhizopoden entgegenire-
ten würden. Aber andererseits musste es hier bei dem be-
kannten Verhalten ‘der Pseudopodien und der eigenthümli-
chen Art der Nahrungsaufnahme ungleich schwieriger er-
scheinen, die Existenz einer complicirteren Organisation
nachzuweisen oder auch nur glaublich zu machen. Nach
dem Urtheile des Ref. sind die Verf. diesen Beweis auch
wirklich schuldig geblieben. Es ist wahr, unsere Verfl.
bezweifeln die Richtigkeit der Annahme, dass die Rhizo-
poden aus einer formlosen ‚mit thierischen Eigenschaften
x
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 257
begabten Substanz beständen, aber die Gründe, die sie
anführen, um ihre Zweifel zu motiviren, sind mehr indi-
rekter, als direkter Natur. Sie verweisen auf die com-
plieirte Bildung der Schale und des Skelets, so wie auf
die Entdeckungen Lieberkühn’s über den Bau der den
Rhizopoden doch offenbar so nahe verwandten Spongien,
indessen dürfte das wolıl kaum als genügend für ihre Be-
hauplung gelten. Man könnte zum Gegensalze sonst her-
vorheben, dass u. a. auch bei den Arthropoden oftmals
eine scheinbar einfache Körnerschicht sehr complieirte Cu-
tieularbildungen abscheide, und weiter in Betreff der
Spongien geltend machen, dass deren typische Verwandt-
schaft mit den Rhizopoden noch lange nicht mit Sicherheit
begründet sei. Was die Verff. an Beobachtungen für ihre
Ansicht anführen , beschränkt sich auf die Thatsache, dass
manche Rhizopoden (Amoeba) unter der helleren Rinden-
schicht im Innern ihres Körpers eine sehr verschiebbare
Körnermasse besitzen, und dass es auch weiter Rhizopo-
den mit pulsirenden Räumen und mit Kern giebt. Nach
Analogie der Infusorienstruklur wird jene Körnermasse als
Inhalt eines Magenraumes, das pulsirende Bläschen als
Centralorgan eines Gefässapparates, der Kern als Geschlechts-
drüse gedeutet — und damit werden denn unsere Geschöpfe
hoch organisirte Thiere. Aber leider sind es nur we-
nige Arten, die derartige Gebilde zeigen, und überdiess
gerade solche, die, auch nach dem Ausspruche unserer
Verff., den Infusorien näher stehen, als die übrigen Rhi-
zopoden. Und dazu die Thatsache, dass viele dieser Thiere
scheinbar‘ beliebig an irgend welcher Körperstelle feste
Nahrung aufnehmen und die Ueberreste auswerfen! Reicht
es zur Erklärung derselben wirklich aus, mit unseren
Verfassern anzunehmen, dass hier der Körper zur Nahrungs-
einfuhr und Defäcation eine grössere Anzahl von Oefl-
nungen besitze, die im geschlossenen Zustande nur schwer
oder gar nicht zu erkennen seien, wie solches auch schon
bei einzelnen Infusorien vorkomme? Doch gesetzt auch,
es wäre dem so; wie verträgt es sich dann weiter mit der
Annahme einer complicirten Struktur, wenn wir sehen, dass
Archiv für Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. R
258 Leuckart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
die Pseudopodien bei so vielen Arten zu einer gemein-
schaftlichen Masse zusammenfliessen, fremde Gegenstände
in sich einzuhüllen und selbst zu verdauen im Stande
sind ? Mit Recht verzichten unsere Verff. auf den Versuch,
diese von ihnen selbst theilweise beglaubigten Thatsachen
mit ihren Ansichten in Einklang zu bringen. Sie schieben
dieselben damit in den Hintergrund ihrer Darstellung, wäh-
rend die Anhänger der Lehre von der einfachen Struktur
der Protozoen auf sie gerade das grösste Gewicht legen
und von ihnen ausgehend zu Resultaten kommen, die von
den Ansichten unserer Verff. um ein Beträchtliches abwei-
chen. Doch damit soll nicht gesagt sein, dass die Rhizo-
poden durchaus einfache Thiere wären. Man mag auch in
dieser Richtung Manches übertrieben haben, und solchen
Uebertreibungen gegenüber wird der Widerspruch unserer
Verff. sein Ziel nicht verfehlen. Die Wahrheit dürfte, wie
oftmals, so auch hier in der Mitte liegen.
Die Systematik betreffend, glauben unsere Verff. (p. 431
—434) in der Klasse der Rhizopoden vier Ordnungen un-
terscheiden zu können, die Proteinen, Echinocy-
stinen, Gromiden und Foraminiferen, und das nach
folgendem Schema:
A. Pas de tet calcaire, pas de loges multiples et poreuses.
a, Pseudopodes ne formant que rarement des soudures,
&. Pas de spicules silieieux. Pas de cel-
lules jaunes . Proteina.
ß. Des spicules siliceux. Des cellules
jaunes . er Echinocystida.
b. Pseudopodes formant des soudures tres h
nombreuses. . » » EN TERN
B. Un tet ordinairement calcaire, le plus souvent
divis6 en plusieurs loges; mais lorsque la
loge est unique, ses parois percees
d'une multitude de pores . .» ..... ‚Foraminifera.
In der ersten Ordnung nehmen die Verf, zwei Familien an:
Amoebina und Actinophryina, in der zweiten deren drei: Acanthome-
irina, Thalassicollina und Polycystina, in der dritten nur eine und in
der vierten wieder zwei: Monothalamia und Polythalamia.
Speciellere Studien haben die Verff. nur in Betreff der ersten
Ordnung gemacht; für diese geben sie auch eine synoptische Ueber-
d
F
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 259
sicht der Genera, während sie aus den übrigen Ordnungen, mit Aus-
schluss der Foraminiferen , nur einzelne neue oder sonst interes-
sante Arten schildern.
Die von unsern Verf, vorgeschlagene Eintheilung der Fam,
Amoebina (p.435—448) in Genera ist folgende:
A. Pas de coque.
a. Pseudopodes ne s’etendant pas ä leur extremite en feuilles
minces.
«. Une seule sorte de pseudopodes . . Amoeba.
f#. Deux especes de pseudopodes; les
uns larges et servant a lalocomotion,
les autres en forme de fouet et ser-
vant a la nutrition .» . » . Podostoman. gen.
b. Pseudopodes eylindriques s’etalant ä leur
extremite en feuilles minces . . Petalopusn. gen.
B. Une coque
a. Flexible . ». . 2» 2.0.0. Pseudochlamysn. gen.
b. solide, non flexible,
«. non incrustee de substances £tran-
BEIENE SU men elta? 20 22 LE ÄTCELR,
P. inerustee par des substances &trange-
res agglulinees,
* ornee de prolongements tubuleux
ouvefts » 2 2 202 000. Echinopyzisn. gen.
sans prolongements tubuleux . . Difflugia.
Den Genusnanien Amoeba wollen die Verff. bloss den Arten
mit stumpfen und einfachen Pseudopodien ohne Körnchenströmung
lassen, bemerken aber dabei, dass die wenigsten dieser Arten mit Be-
stimmtheit wieder zu erkennen und zu unterscheiden seien. Desshalb
wagen sie es auch nicht, die von ihnen beobachteten Arten, unter
denen mehrere neue — von denen wir hier besonders die mit zahlrei-
chen contractilen Blasen versehenen hervorheben — mit Namen zu
bezeichnen. Weiter beschrieben unsere Verfl.: Podostoma filigerum
n.sp., Petalopus diffluens u. sp., Pseudochlamys patella n. sp., Areella
vulgaris Ehrbg., A. patens n. sp., Echinopyxis aculeata Ehrbg.
Die Fam. Actinophryina wird folgendermassen eingetheilt:
A. Pas de coque.
a. Pseudopodes naissant de tous les points
de la surface 2 2 22.202020 0% Aectinophrys.
b. Pseudopodes ne naissant pas de tous les
points de la surface,
«, disposes en ceinture sur Je pourtour Trichodiscus,
Pf. naissant en faisceaux d'un seul cöte
Plagiophrys n. gen.
“%
260 Le ng kart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
B. Une coque
a. libre,
e. incrustde de substances Eirangeres Pleurophrysn.gen.
ß. non incrustee.
* Quverture laterale . . » » . . Trinema.
#* Quverture terminale . - . - . Euglypha.
b. fixee ä des objects Elrangerss . . . . Urnulan. gen.
Hieher (p. 450—457): Actinophrys sol Ehrbg., A. Eichhornii
Ehrbg., A. brevicirrhis Perty, A. tenuipes n. sp., Plagiophrys eylin-
drica n. sp., Pl. sphaerica n. sp., Pleurophrys sphaerica n. sp-, Tri-
nema acinus Duj., Euglypha tuberceulata Duj., Urnula epistylidis n. sp.
auf Epistylis plicatilis Paludinae viviparae.
Weiter wird von unsern Verff. noch beschrieben: Acanthome-
tra echinoides Clap., A. pallida Clap. (p. 459—461), Vlagiacantha
arachnoides Clap. (p. 462) aus der Familie der Acanthometriden
(vergl. J. B.XXH. S.450), und Lieberkühnia (n. gen.) Wageneri
n. sp. (p. 464) aus der Familie der Gromiden. Das neue Gen. Lie-
berkähmia umfasst naekte Gromiden mit Pseudopodien, die nur von
einer Stelle ausgehen und bei der beobachteten Art einen verästelten
Baum von fast 2“ darstellen. (Sämmtliche von unsern Verff. neu be-
obachtete Rhizopoden aus der Umgegend Berlin’s.)
Die Süsswasserrhizopoden theilt Stein (Abhandl. der
k. böhmischen Gesellsch. der Wissensch. X. S. 41—43) ein
in nackte (Gymnica) mit den Familien der Amoebaea und
Actinophryina, und in solche, die Chilingehäuse tragen
(Monocyphia). Die Amöbäen charakterisiren sich durch die
stete Veränderlichkeit ihres Körpers, während die Aclino-
phryiden an der Oberfläche ihres mit stark gesonderter
Rinden- und Markschicht versehenen Körpers zahlreiche
lange und borstenförmige Pseudopodien besitzen , die nur
langsamer Bewegung fähig sind. Zu den erstern gehört
ausser Amoeba noch das Gen. n. Chaetoproteus mit
einem dichten Besatze kurzer Borsten, die sogar den Pseu-
dopodien nicht abgehen. Von Actinophrys glaubt Verf. das
Gen. n. Actinosphaerium (A. Eichhorni) wegen der
Mehrzalıl der pulsirenden Hohlräume und Kerne abtrennen
zu müssen. Die Monocyphia zerfallen nach der Beschaffen-
heit des Gehäuses in drei Familien, die Corycina mit einem
enganliegenden und dünnhäuligen Sacke (Corycia Duj.),
die Dilflugiina mit einem scharf geschiedenen starren Ge-
N
der niederen Thiere während des Jahres 1859. 261
}
häuse von sackförmiger Bildung, das dem Körper durch
‘feine Sarkodestränge verbunden ist (Gromia , Euglypha,
Sphenoderia, Hyalospkenia n. gen., Cyphoderia), und
Arcellina mit einem eben solchen Gehäuse, an dem aber
hier eine dorsale und eine ventrale Seite zu unterscheiden
ist (Trinema, Arcella, Certropyzis n. gen.).
Das neueGen. Hyalospenia besitzt ein ovales, nach vora zu
keilförmig abgeplattetes Gehäuse von farbloser Beschaffenheit, aus
dessen enger und spaltförmigen Oellnung immer nur eine einzige fin-
gerlörmige Psendopodie hervorgestreckt wird.
Das neue (ien. Centr opyzis stülzt sich auf Arcella aculeata
Ehrbg. und charakterisirt sich durch randständige Lage der Mündung,
Anwesenheit dornartiger Fortsätze auf dem Gehäuse (= Echinopy-
xis Cl. et L.).
Lachmann macht Mittheilungen über die von ihm
bei Bonn beobachtelen Rhizopoden mit contracliler Blase
(Rhizopoden-Infusorien), deren Vorkommen, Bau und Le-
bensweise, und erwähnt dabei eine Anzahl neuer Arten,
Verhandl. des naturf. Vereins der pr. Rheinlande Bd. XVI.
S. 57. Mit Nachtrag, ebendas. S. 93.
Als neu beobachtet Verf.: Podostoma radiosum, das seine peit-
schenförmigen Faugorgane während des Kriechens ausstreckt und mit
deren lülfe frisst (während die sonst ähnliche Amoeba radiosa Ehrbg.,
wie andere Amöben, ihre Nahrungsstofle. mittelst Jamellenartig ausge-
breiteter Fortsätze in sich einschliesst), Amoeba Auerbachti, mit dop-
pelt contourirter, gelblich glänzender Haut, die aber niemals über
die For:isätze sich ausdehnt, Actinophrys tongipes (vielleicht Act. sol
Duj. non Ehrbg.) und Act. fissipes (vielleicht Amoeba viridis Ehrbg.).
Amoeba guttula Duj. und A. vermieularis Weisse kann Verf. nicht als
Arten anerkennen, sondern nur als temporäre Formen, wie sie.bei
verschiedenen Arten beobachtet werden. Die nicht selten zur Un-
tersuchung kommenden paarweise mit den Mündungen der Schalen zu-
sammenhängenden Arcellen und verwandte Formen glaubt Verf, durch
die Annahme einer Neubildung des Panzers deuten zu müssen.
In dem Nachtrage beschreibt Verf. Actinophrys tunicata n. sp.,
A. limbata u. sp.
Amoeba oblonga n. sp. Aegypten, Schmarda zur Naturge-
schichte Aegyptens a. a. 0.
An dieser Stelle dürfen wir auch wohl zweier son-
derbarer mariner Protozoen erwähnen , die unter dem Na-
men: Zooteirea (n. gen.) religata und Corethria (n. gen.)
262 Le ug kart: Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
Sertulariae von Strehtill Wright beschrieben sind
(new Edinb: phil. Journ. X. p. 100) und den Actinophryi-
nen verglichen werden, obwohl sie andererseits auch eine
grosse Aehnlichkeit mit den Acinetinen besitzen, und die eine
derselben , die lelztere nämlich, aller Wahrscheinlichkeit
nach mit dem-unter den Acinetinen oben erwähnten Ophryo-
dendron Cl. et L. identisch ist.
Die erste Art, Zooteirea, bildet einen vielstrahligen
actinophrysarligen Stern, der mittelst eines langen Stieles
auf Austernschalen befestigt ist, Strahlen und Stiel aber
stark verkürzen kann. Die auf Sertularia pumila schma-
rotzende Corethria besteht aus einem länglichen Haufen
Sarkode, der den Polypenstöcken aufsilzt und einem säu-
lenarligen, schlanken und geringelten Aufsatze, dessen obe-
res Ende ein Büschel kürzerer und dickerer Strahlen trägt,
Mitunter findet sich noch ein zweiter ähnlicher. Aufsatz
ohne Ringel und Arme, dafür aber am Ende mit einem hel-
len, auf der Spitze offenen Raum versehen. Verf. lässt es
ungewiss,- ob dieser zweite Aufsalz dem Thiere zugehört
und nicht vielleicht ein Schmarotzer , elwa, wie er meint,
eine Gregarine, ist, sucht aber diese Vermuthung dadurch
glaublich zu machen, däss er angiebt, er habe denselben
auch isolirt auf den Sertularienstämmchen gefunden.
Polythalamia. Parker beginnt ein für die Ge-
schichte unserer Zoologie und insbesondere unserer Fora-
miniferenkunde sehr verdienstliches Unternehmen , indem
er den Versuch macht, die von den älteren Forschern (meist
unter Nautilus und Serpula) beschriebenen Foraminiferen
auf unsere heutigen Arten zurückzuführen (On the nomen-
clature of the Foraminifera, Annals and Mag. of nat. hist.)
Die bis jetzt vorliegenden zwei Abschnitte behandeln die
Arten von Linne und Gmelin (l. c. T. III. p. 476—482),
so wie dievonWalker undMontagu (l.c. T.1IV. p. 333
—351.)
Die inzwischen (Transact. roy. Soc. 1859. Vol. 149.
p- 1-41, Tab. I—VI) ausführlich erschienene dritte Ab-
handlung Carpenter’s über Foraminiferen betrifft, wie
schon im vorjährigen Berichte nach einer vorläufigen Mit-
der niederen Thiere während des Jahres 1, 263
theilung bemerkt werden konnte, die Gen. Peneroplis (incl.
Dendritina und Spirolina, die als blosse individuelle Varie-
täten von P. planatus nachgewiesen werden), Operculina
und Amphistegina. Sie enthält, wie die früheren Abhand-
lungen , eine sorgfältige Darstellung von Form und Scha-
lenbau und führt zu dem Resultate , dass die beiden letz-
ten Arten trotz gewisser scheinbarer Differenzen sehr nahe
mit einander (wie mit Nummulites) verwandt sind, sich
aber von Peneroplis, der Opereulina vielfach angereiht
wurde, sehr auffallend unterscheiden. Die Verschiedenhei-
ten von letzterer sind im Wesentlichen dieselben, wie sie
in einer früheren Abhandlung (J. B. XXIII. S. 268) zwi-
schen Cyeloclypeus und Orbitolites nachgewiesen wurden.
Opereulina und Cycloclypeus besitzen einen viel complieir-
teren Schalenbau und eine viel grössere Selbstständigkeit
der einzelnen Kammern, als sie bei Peneroplis und Orbi-
tolites gefunden wird.
Nach den ‚Beobachtungen Kölliker’s (Zeitschrift für
wiss. Zoologie X. $.219) rührt das von Carpenter, Car-
ter, Ehrenberg u. A. beschriebene feine Canalsystem
in den Polythalamienschalen (vergl. J. B. XXI. S. 443) von
dem Parasitismus eines einzelligeh Pilzes her.
3. 6Gregarinae,
Nach der Zusammenstellung Diesing’s beläuft sich
die Zahl der bisher bekannten Gregarinen auf 75 (Revision
der Rhyngodeen a. a. O.), doch sind dabei einzelne Ar-
ten, wie die von Oersted und Referent im Darmkanale
von Lumbriconais capitata beobachtete, sehr charakteristi-
sche Form (Gr. sagittata Lt.) übersehen. Auch im Darm-
kanale von Sagilten, Salpen, Juliden und Flohlarven hat
Ref. Gregarinen angetroffen.
Zygocystis putanea n. sp., aus dem Darme von Gam-
marus pulaneus, Lachmann, Verhandl. des naturh. Ver-
eins der pr. Rheinlande Bd. XVl. S. 33.
Die von Lachmann an den Beinen desselben Gam-
marus beobachteten elliptischen oder bohnenförmigen, meist
264 Leuckart:Berichtüber die Leist. in der Naturgeschichte etc.
zu mehreren an den Gliedern befestigten Körper, die aus
einer derben Haut und einem grobkörnigen Inhalte bestehen,
scheinen mit den von Lieberkühn an Ephemerenlarven
aufgefundenen Schläuchen (J. B.XXIll. S. 272) einige Aehn-
lichkeit zu haben. Verhandl. des naturh. Vereins der pr.
Rheinl. XVI. S. 36.
Klebs fand im Darme eines frisch getödteten Kanin-
chens weisse Flecke von 1-3 Durchmesser und über-
zeugte sich, dass die Epithelialzellen der Zotten an diesen
Stellen mit den bekannten, lange Zeit für Entozoeneier ge-
haltenen Psorospermien gefüllt waren. Ausgehend von der
Ansicht, dass diese Psorospermien von Gregarinen abstamm-
ten, glaubt er, dass dieselben erst nachträglich in die Zel-
len eingedrungen seien. Virchow’s Archiv für pathol.
Anat. Bd. XVI. S.188. (Das plötzliche Auftreten zahlloser
Psorospermien bei Hunden mit Darmtrichinen scheint der
Lehre von der Abstammung von Gregarinen kaum günstig
zu sein. Ref. wenigstens muss gestehen, dass er durch
diese Thatsache zw der Vermuthung veranlasst wird , die
Psorospermien — wenigstens die Psorospermien der Wirbel-
ihiere — möchten als abnorme Entwickelungsprodukte ihrer
Träger zu betrachen seiıw und in gewisser Beziehung ‚den
Eiterkörperchen gleichstehen.)
el
Bericht über die Leistungen in der Herpetologie
während des Jahres 1859.
Vom
Herausgeber.
Owen hat einen Vortrag über die Ordnungen der
fossilen und lebenden Reptilien und ihre Vertheilung nach
Zeitperioden gehalten. Er nimmt 13 Ordnungen an: Ga-
nocephala, Labyrinthodontia, Ichthyopterygia, Sauroptery-
gia, Anomodontia, Pterosauria , Thecodontia , Dinosauria,
Crocodilia, Lacertilia, Ophidia, Chelonia und Batrachia.
Dieselben sind durch Kennzeichen unterschieden und durch
Beispiele erläutert, namentlich die fossilen. Report of the
British association for the advancement of science for 1859.
Nach Gray ist Coronella austriaca (Coluber laevis
Lacep.) die bisher aus Grossbritannien noch nicht bekannt
war, zu Bournemouth in Hampshire gefunden worden. An-
nals nat. hist. IV. p. 317. Nach einer späteren Bemerkung
ib. p. 400 möchten die Exemplare junge Tropidonotus na-
trix sein.
Nach Kirschbaum’s Angabe finden sich im Herzog-
Ihum Nassau 24 Reptilien, nämlich: 4 Lacerta, 1 Anguis,
1 Elaphis, 1 Coronella, 2 Tropidonotus , 1 Hyla, 3 Rana,
1 Alytes, 1 Pelobates, 1 Bombinator, 3 Bufo, 1 Salamandra,
4 Triton, also 5 Eidechsen, 4 Schlangen und 15 Batrachier.
Eine beigefügte Bestimmungstabelle hat den Zweck das
sichere Bestimmen der Reptilien zu erleichtern. (Die Rep-
tilien und Fische des Herzogthums ‚Nassau. Osterprogramm
des Wiesbadener Gelehrten-Gymnasiums 1859. 4).
266 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
Als Nachtrag zu der Reptilienfauna in Meklenburg
bemerkt Struck, dass Emys europaea auch im Norden
von Meklenburg gefunden sei, dass Lacerta viridis früher
irrthümlich als Bewohnerin von Meklenburg genannt sei,
dass Bufo variabilis und Pelobates fuseus gefunden seien.
Archiv des Vereins der Freunde der Naturgesch. in Mek-
lenburg 1859. p. 152.
In Macher’s Handbuch der Topographie und Stati-
stik des Herzogthums Steiermark, mit besonderer Beziehung
auf das Sanitätswesen. Graz 1859 findet sich auch p.91
eine kurze Notiz über die Amphibien, deren 1 Schildkröte,
7 Frösche, 2 Molche, 2 Eidechsen, 3 Schlangen (unter de-
nen freilich auch die Blindschleiche figurirt) erwähnt werden.
An den östlichen Abhängen des Reisskofel in den
Gailthaler Alpen kommen nach Kohlmayer 12 Amphibien
vor, die namentlich aufgezählt werden. Jahrbuch des na-
turhist. Landesmuseums von Kärnten IV. 1859. p. 64.
Nach Belke (Bulletin de Moscou 1859. I. p. 32) kom-
men bei Kamenietz- Podolski an Reptilien vor: 1 Schild-
kröle, 4 Eidechsen nebst einer schönen Varielät von Lac.
viridis, die Andrzeiowski Lac. elegans genannt hat, 3
Schlangen, 9 Batrachier, von denen eine Varietät von Rana
platyrrhinus näher beschrieben wird.
Günther halte Gelegenheit eine kleine Sammlung
von Amphibien, welche Tristram in der Wüste südlich von
Algerien und Tunis gesammelt hatte, zu untersuchen. Sie
bestand aus 9 Eidechsen, einer Schlange (Coronella. cucul-
lata) und 2 Batrachiern (Rana esculenta und Bufo viridis).
Eine neue Eidechse wird unten erwähnt werden. . Proc.
zool. soc. p. 470. Tristram machte ib. .p. 475 Bemerkun-
gen über diese Reptilien.
Nachträglich ist zu erwähnen, dass Gray Proc. zool.
soc. 1858. p. 155 ein Verzeichniss der Amphibien West-
afrikas zusammengestellt hat. Es enthält 34 Eidechsen, 63
Schlangen, 21 Batrachier und 16 Schildkröten.
Bleeker hat im 16. Bande der Natuurk. Tijdschr.
Ned. Indie eine Menge Notizen über das Vorkommen von
während des Jahres 1859. 267
Reptilien an verschiedenen Orten des Indischen Archipels
gegeben. Er verzeichnete 12 Reptilien von Bintang p.16;
16 Arten von Padang p. 26; 9 Arten von Riouw, worunter
ein Bufo und ein Hemidactylus neu p.46; 12 Arten von
Buitenzorg p. 48; 15 Arten von Sinkwang an der West-
küste von Borneo, worunter eine neue Art Epierium p. 188;
7 Schlangen von Montrado an der Westküste von Borneo
p- 196; 12 Arten Eidechsen, Schlangen und 'Batrachier von
Japan p. 204; 3 Schlangen von Koetei p. 206; 18 Reptilien
von Bengalen bei Caleutta und Benares p. 206; 6 Schlan-
gen von Buitenzorg p. 207; 8 Reptilien von Batjan p. 208;
21 Reptilien’ von Ambarawa p.230; 3 Reptilien von der
Westküste Sumatra’s p. 241; 5 Reptilien von Biliton p. 261;
4 Reptilien von Bali p. 267 ; 19 Reptilien von Wonosobo
p- 301; 12 Reptilien von Ost-Java, wobei zugleich 14 be-
kannte Giftschlangen Java’s aufgezählt werden p. 311; 13
Reptilien von Ngawai p. 357; 3 Reptilien von der West-
küste Sumatra’s p. 388; 52 Reptilien ‘von Neu - Guinea
p- 420; 7 Reptilien von Amboina p. 423; 12 Reptilien von
Anjer p. 423; 90 Reptilien von Borneo p. 438.
Im 20. Bande derselben Zeitschrift verzeichnete Ble e-
ker 22 Reptilien von Bintang p. 86; 5 von Siak p. 88; 9
von Sintang, worunter 2 neue Arten Elaps p. 200; 9 Arten
von Bali p. 207; 14 Reptilien von Tandjong an der Sa-
mangbai, Sumatra, wodurch von Sumatra 119 Arten be-
kannt sind, nämlich12 Schildkröten, 27 Eidechsen, 66 Schlan-
gen, 14 Batrachier p. 220; 10 Schlangen aus der Umge-
gend von Anger p. 240.
In den Reports of explorations and surveys to ascer-
tain Ihe most praclicable and economical route for a rail-
road from the Mississippi river to Ihe pacific ocean. Vol. X.
Washington 1859 sind die Amphibien von Spencer Baird
enthalten. Leider hat das Kriegs - Departement, welches
diese Berichte herausgiebt, beschlossen , in Rücksicht auf
die Ueberschreitung der ursprünglich gesteckten Grenzen
durch die anderen Abschnitte, die Publikation des Berich-
tes über die Amphibien zu unterlassen. Die 13 Quartiafeln,
auf welchen Details der Schlangen abgebildet sind , sind
268 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
daher ganz ohne Text, nur mit einer kurzen Tafelerklä-
rung erschienen. Hoffen wir, dass Verf. Gelegenheit finden
wird, anderen Orts den Text zu veröffentlichen.
Die Amphibien, welche am 38. und 39. Grad nördl.
Breite gefunden worden, sind vonBaird daselbst verzeich-
net. Es sind 14 Eidechsen, 6 Schlangen, 3 Batrachier.
Abgebildet sind drei Schlangen: Eutaenia vagrans. Nerodia
erythrogaster und Masticophis taeniatus, und zwei Eidech-
sen : Crotaphytus collaris und Plestiodon septentrionalis.
Im Part VI desselben Bandes sind die Amphibien, ge-
sammelt am 35. Breitengrade, von Baird verzeichnet. Es
sind 19 Eidechsen, unter denen auch Heloderma horridum,
21 Schlangen, unter denen eine Ophibolus Evansiü Kennicot
als neu angesehen wird, und 10 Batrachier. Abgebildet
sind : Bufo americanus, B. Woodhousü, B. cognalus.
Ebenda findet sich ein besonderer Bericht über die
Vögel und Reptilien, welche in der Nähe des 32° N. Br.
von Parke gesammelt sind von Hallowell. Zwei Arten
werden als neu beschrieben.
Ferner ist ebenda ein Abschnitt über die Reptilien
Californiens durch Hallowell bearbeitet. Als der Cali-
fornischen Fauna eigenthümlich nennt Verf. die Gattungen
Anola, Urosaurus, Dipsosaurus und Aniella. Das Verzeich-
niss enthält 1 Schildkröte (Emys), 11 Eidechsen, 11 Schlan-
gen, 5 Frösche. Hierzu gehören 9 Tafeln. Die neuen Ar-
ten sind unten namhafl gemacht.
Im zweiten Bande des Report on Ihe united states and
mexican boundary survey made under the direction of the
secretary of the interior by William Emory. Washing-
ton 1859 'hat Spencer Baird die Reptilien bearbeitet.
Sie sind zum Theil auf 41 Tafeln sauber abgebildet. Da
der Text die Grenzen des vorgeschriebenen Raumes weit
überschritten hat, so sind leider die Beschreibungen ganz
fortgelassen, und nur bei einigen neuen Arten, die theils
von Kennicott, theils von Girard bestimmt sind, ist
eine Beschreibung geliefert. Solche sind unten namhaft ge-
macht. Hoffentlich wird Verf. Sorge tragen, auch diese seine
Arbeit anderen Orts 'zu veröffentlichen. Das Verzeichniss
während des Jahres 1859. 269
enthält 9 Schildkröten , 53 Eidechsen, 43 Schlangen (unter
denen 5 neu), und 23 Batrachier (unter denen 2 neu).
Girard, Herpetology of the Uniled States exploring
expedition, under Capt. Wilkes. Philadelphia ist mir noch
nicht zugänglich geworden.
Ueber eine kleine Sammlung Amphibien von Santa
Cruz erstattete Günther Annals nat. hist. IV. p. 209 Be-
richt. Sie enthielt 5 Arten Eidechsen, von denen zwei
neue, den Gattungen Anolis und Sphaerodactylus angehörig,
abgebildet sind.
Günther verzeichnete 8 Eidechsen, 10 Schlangen
und 9 Batrachier, welche Fraser in den Anden des west-
lichen Ecuador gesammelt halte, und unter denen eine neue
Eidechsengaltung Microphractus, welche unten näher be-
zeichnet ist. Proc. zool. soc. p. 89.
Reicher war eine zweite Sendung ebendaher, welche
Günther ib. p. 402 verzeichnete. Sie enthielt 12 Eidech-
sen, 2] Schlangen, 9 Batrachier und 3 Coecilien. Die dar-
unter befindlichen Gattungen und Arten sind unten namhaft
gemacht.
Auf eine durch Lebendigkeit der Darstellung sich
auszeichnende Beschreibung einer Menagerie von Georg
v. Martens in Württemberg. Jahresheften XV. p.52 mag
kurz verwiesen werden.
Chelonii.
Van Beneden hat Gelegenheit gehabt zwei Exemplare von
Chelonia midas bei Ostende zu beobachten, und benutzte diese Gele-
genheit ihre Parasiten zu untersuchen. Im Magen fand er viele Dek-
kel von Buceinum undatum und Beine von Pagurus bernhardus, ein
Beweis, dass sie ausser Vegetabilien auch Mollusken und Crustaceen
nicht verschmähen. Bull. de l'Acad. de Belgique 1859. p. 71.
Von Cope erhielten wir Proc. Philadelphia p. 294 Bemerkun-
gen über Westafrikanische Schildkröten. Unter andern wird auf Cry-
ptopus Aubryi eine eigene Gattung Heptathyra gegründet, und eine
neue Art Aspidonectes aspilus aufgestellt.
Le Conte beschrieb zwei neue Arten Schildkröten Kinoster-
num Henriei von Neu-Mexiko und K. triliratum von Mexiko. Proc.
Acad. Philadelphia 1859. p. 4. Er stellte bei dieser Gelegenheit die
270 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Nerpetologie
Charaktere der Gattungen Kinosternum,, Thyrosternum' und Ozotheca
zusammen. Zu Kinosternaum gehören mexicanum, integrum, triliratum;
zu Thyrosternum gehören scorpioides, leucostomum, longecaudatum,
pennsylvanicum,, sonoriense und Henrici; zu Ozotheca endlich odo-
rala, gultata und hirtipes.
Emys nigra Nallowell Report explor. and surv. California p. 3
aus dem Posa creek in Ober-Californien.
Emys valita Le: Conte Proc. Acad. Philadelphia 1859. p, 7 von
Honduras.
Geoclemys macrocephala Gray Proc. zool. soc. p. 478. pl.21
von Siam,
Saurii.
Crocodilini. Die Schilderung von Delacoux über die
Silten der krokodilartigen Reptilien nehmen denselben viel
von dem furchlbaren Ansehen, in welchem sie bisher stan-
den. Revue de zool. p. 338.
Huxley hat die Haulbewaffnung von Jacare und Cai-
man untersucht und sie nebst Bemerkungen über die spe-
cifischen und generischen Charaktere der lebenden Croco-
dile im Journal of the Proceedings of the Linnean Soc. of
London IV. p. 1 veröffentlicht.
Verf. ninmit drei Familien an, die den Gattungen Alligator,
Crocodilus und Gavialis entsprechen. Die Alligatoridae enthalten drei
Gattungen Alligator, Caiman und Jacare; die Crocodilidae zwei Gat-
tungen Crocodilus und Mecistops, endlich die Gavialidae zwei Gattun-
gen Rhynehosuchus (Gavialis Schlegelii) und Gavialis. Alle diese
Galtungen werden charakterisirt, ebenso die dahin gehörigen Species.
— Hierauf wendet sich Verf. zu der Betrachtung der Hautbewallnung.
Er unterscheidet Schuppen, Hornplatten erzeugt durch eine Modi-
fikation der Epidermis, und Schilder von knochiger Beschaffenheit,
entwickelt in der Substanz der Haut. Alle lebenden Krokodile haben
Schuppen und Schilder am Rücken, indem die unterliegenden Schil-
der von den Schuppen bedeckt werden. Am Bauche finden sich bei
allen Schuppen, aber nur bei den Gattungen Caiman und Jacare sind
auch Schilder vorhanden. Was die weitere Schilderung dieser Haut-
gebilde betrifft, so verweise ich auf die Abhandlung selbst.
Geckones. Neue Arten: Hemidactylus Ludekingii Bleeker von
Padang Natuurk. Tijdschr. Ned, Indie XVI. p. 27. — H. Meyeri von
Riouw ib. p. 47.
Gymnodactylus caudiscutatus Günther Proc. zool. soc. p. 410
von Ecuador.
während des Jahres 1859. 271
Sphaerodactylus macrolepis Günther Annals nat. hist. IV. p. 215.
pl. IV. Fig. B ven Santa Cruz.
Lacertini. Neue Arten: Cnemidophorus undulatus Hallowell
ist Report Explor. and Surveys X. tab. 9. fig.2 abgebildet. San Joa-
chim Valley. — Cn. guttatus Hallowell Rep. expl. sur. VI. p. 23
von Texas.
Ameiva serscutata Günther Proc. zool. soc. p. 402 von Ecuador.
Zootoca deserti Günther Proc. zool. soc. p. 470 von N’Goussa,
einer Oase zwischen Waregla und M'zab in der südlichen Sahara,
Cercosaurus rkhombifer Günther Proc. zool. soc. p. 405. pl.20
Fig. a von Ecuador.
Monoplocus ist eine neue Gallung von Günther in der
Familie Teidae. Die Charaktere sind: Zunge länglich, frei, ohne
Scheide, in zwei sehr feine Spitzen endend; keine Gaumenzähne, die
hinteren Kieferzähne zwei- oder dreispitzig; Paukenfell sichtlich;
Kehle mit einer Falte; Schuppen des Rückens sehr klein, die der
Seiten körnig; Kehl- und Bauchschilder gekielt; Schwanz rund, mit
gekielten wirtelförmigen Schuppen von mässiger Grösse ; keine Schen-
kelporen. M. dorsalis von Ecuador. Proc. zool. soc. p. 404.
Ignanini. Neue Gattungen und Arten: Anolis Fraseri Günther
Proc. zool. soc. p.405 von Ecuador. — A. Sallaei Günther ib. p. 421
von Central- Amerika. — A. Newtoni Günther (? Lac. principalis
West) Annals nat. hist. IV. p.212. pl. IV. Fig. A von Santa Cruz.
Liocephalus iridescens Günther Proc. zool. soc. p. 409 von
Ecuador.
Microphractus ist eine neue Gattung, welche Günther
in der Nähe der Gattung Hoplurus aufgestellt hat. Proc. zool. soc.
p- 90. Finger und Zehen dünn, nicht erweitert; Kopf oben mit klei-
nen unregelmässigen Schildern bedeckt, zwischen denen keine grös-
sere; Körper oben mit sehr kleinen körnigen Schuppen, längs dem
Rücken mit’ einem deutlichen Kiel; Schuppen des Bauches dachzie-
gelartig, glatt. Schwanz rund, mässig lang, zugespitzt, mit Ringen
von länglichen Schuppen, deren jede einen starken diagonalen Kiel
hat; em sehr niedriger Kamm längs dem Rücken des Rumpfes und
Schwanzes. Keine Schenkel- und Analporen; Paukenfell sichtlich ;
eine Falte an jeder Seite der Kehle; keine Gaumenzähne. Die neue
Art M. humeralis lebt in Ecuador.
Proctotretus Toelsneri Berthold Göttinger Nachrichten 1859. p. 179
von Bahin.
Nallowell hat aus Uta ornata Baird Gir. eine eigene Gattung
Urosaurus gebildet. Sie soll verwandt mit Tachydromus, aber die
Kopfplatten schr verschieden sein. Report Explor. and Survey Vol.X.
Taf. VL. fig. 1.
272 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
Ebenda sind Sceloporus magister und biseriatus Hall, abgebil-
det und beschrieben. Auf Crotaphytus dorsalis Baird Gir. gründet
Verf. eine besondere Gattung Dipsosaurus. Sie wird von Cro-
taphytus durch die viereckigen Schuppen des Rückens und eine grös-
sere Reihe gekielter Schuppen, die einen niedrigen Kamm bildet un-
terscheiden.
Ptychopleuri. Referent machte für die Bestimmung
fossiler Stücke darauf aufmerksam , dass die knöchernen
Schuppen der Gattung Pseudopus auf der inneren Fläche
mit zwei kleinen Löchern versehen sind, wodurch sie sich
leicht von allen anderen Schuppen unterscheiden lassen.
Verhandl. des naturh. Vereins der preuss. Rheinlande und
Westphalens 1859. p. 40,
Scincoidei. Neue Art: Eumeces quadrilineatus Hallowell Report
Explor. and Surv. X. pl.9. fig.3 von Ober-Californien.
Amphisbaenini. Neue Art: Lepidosternon infraorbitale Berthold
Göttinger Nachrichten 1859. p. 179 von Bahia.
Ophidii.
In der Revue de zoolögie ist p. 122 und 148 die Fort-
setzung des Jan’schen Artikels (vergl. vorj. Ber. p.61)
Plan d’une lconographie descriptive des Ophidiens ent-
halten.
Hier werden 5 Arten der Gattung Furina aufgezählt, worunter
F. bilineata neu; 5 Arten der Gattung Pseudoelaps, worunter Ps.
Sordellii von Neuholland und Kubingii von Neu-Südwales neu; 7 Ar-
ten Alecto , worunter labialis, signata und bitorquata alle von Neu-
holland neu; 3 Bungarus; 3 Trimeresurus und 3 Naja. — Ferner
werden von Seeschlangen beschrieben: 2 Arten Platurus indem eine
neue Art P. Fischeri von fasciatus unterschieden wird; 1 Aipysurus ;
1 Disteira; 1 Acalyptus; 1 Astrotia; 19 Hydrophis, worunter H. pro-
tervus von China, problematicus von Manilla, obscurus, Westermanni
aus dem indischen Ocean und propinquus von Malabar neu sind. —
Von eigentlichen Giftschlangen werden nur drei als neu beschrieben,
nämlich Vipera (Echis) superciliosa,, Crotalus lugubris von Mexiko
und Trigonocephulus (Atropos) undulatus von Mexiko. — Ib. p. 505
erschien ein Artikel, welcher Zusätze und Berichtigungen zu dem
Vorhergehenden enthält.
Diese ganze Arbeit ist im Separatabdrucke unter dem °
Titel Prodrome d’une iconographie descriptive des Ophidiens
7 WERE
während des Jahres 1859. 273
et description sommaire de nouvelles esp@ces de serpens
venimeux. Paris 1859 erschienen und ist ausser den drei
Tafeln der Revue de zool. noch von fünf anderen Tafeln
begleitet.
In unserem Archiv p. 272 hat Jan die Spix’schen Bra-
silianischen Schlangen nach Einsicht der Originalexemplare
auf die Dumeril-Bibron’sche Nomenclatur zurückgeführt.
In dem bereits oben erwähnten 2. Bande des Report
on the United States and Mexican boundary survey ct. sind
folgende neue Schlangen von Kennicott beschrieben :
Crotalus tigris p.14. pl.4 Deserts of Gila and Colorado, Dipsas
septentrionalis p. 16. pl.8. fig. 1 von Matamoras und von Brownsville
in Texas, Arisona elegans n.gen. p.18. pl.13 vom Rio grande, Lam-
prosoma episcopum p.22. pl. 8. fig. 2 vom Rio grande, Toluca lineata
n. gen. p. 23. pl. 21. fig. 2. Die Charaktere der beiden neuen Gattun-
gen sind die folgenden:
Arizona Kenn. Körper cylindrisch, aber höher als breit;
Kopf eiförmig, ziemlich schmal; Schnauze stumpf zugespitzt, vor dem
Unterkiefer vorstehend; Augen klein; Mundspalte gekrümmt; Kopf-
platten normal ; Präfrontalschilder länglich longitudinal, Postfrontalschil-
der länglich quer, erstere reichen vor den Naslöchern herab; Schnau-
zenschild gross mit einer nach hinten zwischen die Postfrontalschil-
der gerichteten Spitze ; Naslöcher zwischen zwei Platten, die vordere
die kleinste; ein schmales Zügelschild von Länge der Postfrontal-
schilder; 1 oder 2 Präorbital- und 2 Postorbitalschilder. Rücken-
schuppen völlig glatt in 29—31 Reihen; Bauchschilder ganz, Schwanz-
schilder getheilt. Die Gattung soll sich von Pityophis durch das
eine Paar Postfrontalschilder, glatte Schuppen u. s. w. unterscheiden.
Ju)
Toluca Kenn. Körper plump, höber als breit, Schwanz kurz
und dick, Kopf kurz, und breit keilförmig, kaum abgesetzt; Schnauze
spitz und vorstehend; Kopfschilder normal; Scheitelschild gross,
sechseckig, ihre vordere Spitze trennt die Postfrontalschilder ; Occi-
pitalschilder kürzer als das Scheitelschild; Schnauzenschild zurück-
gebogen und die ganze Schnauzenspitze einnehmend; ein länglicbes
Nasenschild, kein Zügelschild. Rückenschnppen glatt; Bauchschilder
und Schwanzschilder getheilt. =
Kennicott beschrieb Coluber calligaster Say als Scotophis
ealligaster und ausserdem folgende neue Arten aus dem Museum der
Universität Evanston : Eutaenia Sackenii von Florida, Ophibolus Evansij
(auch in Reports of explorations and surveys VI. p.43 beschrieben)
von Illinois, Diadophis Arnyi von Kansas, Virginia elegans von, Wir
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bl. s
974 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Herpetologie
nois, Celuta vermis von Missouri, Celuta Helenae von Missouri und
Illinois. Proc. Philadelphia p. 98.
Berthold stellte in den Göttinger Nachrichten 1859. p. 179
folgende neue Schlangen in kurzen Diagnosen auf: Oligodon dorsale
von Bengalen, Ablabes tessellatus Jan (frenatus Berth.) von Surinam,
Enicognalhus sagiltifer von Surinam, Tropidonotus chinensis Jan (se-
mifasciatas Berth.) von China, Tropidonotus lateralis von China, Lio-
phis lateristriga von Neu-Granada.
Ausserdem wird daselbst eine neue Galtung Galeophis be-
schrieben : Dentes imperforati laevigati irregulares, maxillares duo
posteriores propinqui a praecedentibus remoli, — mandibulares et
palalini primores 2—4 elongali; caput trigonum, depressum rosiro
rotundato, loro sulcato; oculi mediocres sculis supraocularibus pres-
sis ovalis, pupilla rotunda; collum coarctatum; truncus fusiformis,
cauda longa, squamae laeves, lanceolatae. @. Jani von Bahia,
Von californischen Schlangen hat Hallowell Report Explor.
and surv. X folgende Arten abgebildet : Leptophis lateralis, Coronella
balteata, Lamprosoma occipitale, Crotalus cerastes und Lecontei. Be-
schrieben sind ausserdem Herpetodryas flavigularis (P’sammophis 1.),
Tropidonotus trivittatus und Pityophis vertebralis (Coluber vertebra-
lis Blainv.). n
Unter 19 durch Jagor gesammelten Schlangen, deren Verzeich-
niss mitgetheilt wird, glaubt Peters eine neue Gattung Hydro-
.dypsas unterscheiden zu können, die der Fam. Platyrhini angehö-
rig, sich von Hemiodontus durch vollständige Bewalfnung des Ober-
kiefers und durch Anwesenheit eines Frenalschildes unterscheiden soll.
Die neue Art H. elapiformis stammt von Borneo. Berliner Monatsber.
1859. p. 269.
Aus einer durch Hoflmannn in Costa Rica eingesandten Samm-
lung von Schlangen, die 20 Arten enthielt, hat Peters drei neue
Genera erkannt: Colobognathus Hoffmanni in der Familie der
Leptognathen, Hydromorphus concolor an die Homalopsidae mit
ungefurchten hinteren Zähnen sich anschliessend und Bothriechis
nigroviridis zwischen Bothrops und Atropos. Berliner Monatsberichte
p- 275.
Eine neue Gattung der Calamarien-Familie stellte Cope Proc.
Philadelphia p. 296 auf, Er vergleicht sie mit Günther's Hologerrhum
philippinum. Die ArtOlisthenes euphaeus ist wahrscheinlich süd-
amerikanisch.
Elapops ist eine neue Gallung von Günther (Annals nat.
hist, IV. p. 161) in derselben Familie. - Körper und Schwanz mässig
verlängert, letzterer zugespitzt; zwei Paar Frontalia, zwei Nasalia,
die Naslöcher dazwischen; kein Zügelschild, ein vorderes und ein
hinteres Augenschild. Schuppen glatt, in 15 Reihen; Anal- und
a u
während des Jahres 1859. 275
Subcaudalschilder ganz. Zähne gleich, glatt. E. modestus von
Westafrika.
Ahaetulla oceidentalis Günther Proc. zool. soc. p.412 von
Ecuador.
Cope hat einen Catalog der Giftschlangen des Mu-
seum der Academie zu Philadelphia zusammengestellt. Proc.
Philadelphia p. 332. Er unterscheidet und charakterisirt die
Familien nebst ihren Subfamilien ; 'die Genera sind sche-
matisch zusammengestellt.
Eine neue Gattung Teleuraspis, die sich von Crolalus durch
den Mangel der Klapper, von Bothrops durch die einreihigen Schwanz-
schilder unterscheidet, und wohin Trigonocephalus Schlegeli Berth.,
Bothrops Castelnaudi Dum. Bibr., T. Lansbergii und T. nummifer Rüp-
pel gehören , ist aufgestell. — Ebenso Cryptelytrops, welche
zwischen Bothrops und Atropos steht, und zu der Trimesurus carina-
tus und albolabris Gray gezählt werden. — Aus der Gattung Elaps
werden beschrieben: E. aglaeope von Honduras, altirostris ohne An-
gabe des Vaterlandes , dissoleucus von Venezuela, baliocoryphus von
Buenos Ayres.
In einer Monographie der Gatlung Elaps (Proc. zool.
soc. p. 79) theilt Günther dieselbe in vier Abtheilungen,
welche durch bestimmte Charaktere unterschieden werden,
und die zugleich durch ihr geographisches Vorkommen sich
zu rechtfertigen scheinen.
Die eine, Callophis hat nur vierzehn Schuppenreihen, und
lebt in Ostindien mit 7 Arten. Die zweite Elaps hat 15 Schuppen-
reihen und ein doppeltes Nasenschild; unter den dahin gehörigen 15
Arten, die im tropischen Amerika leben, sind zwei neue E, decoratus
von Mexiko und E. filiformis von Para. Die dritte, Vermicella
hat gleichfalls 15 Schuppenreihen, ein einfaches Nasenschild und zwei
hintere Augenschilder; die einzige Art lebt in Australien. Die vierle
endlich, Poeceilophis, wie vorige mit 15 Schuppenreihen und ein-
fachem Nasenschilde, aber mit einfachem hinteren Augenschilde ist
afrikanisch mit zwei Arten.
In den Annals nat. hist. IV. p. 162 hat Günther die
südamerikanischen Elaps-Arten einer neuen Revision un-
terworfen, und sie namentlich auf die von Jan in der Revue
de zoologie veröffentlichte Arbeit über Elaps geprüft. Die
Ansichten über die specifische Berechtigung laufen mit de-
nen Jan’s beträchtlich auseinander, der grossen Werth auf
276 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Nerpetologie
die Färbung legt. Günther nimmt schliesslich nur 12
Arten an, denen noch acht zweifelhafte folgen.
Elaps tetrataenia und Thepassi Bleeker Natuurk. Tijdsch. Ned.
Indie XX. p. 201 von Sintang.
Aipysurus margaritophorus Bleeker Natuurk. Tijdschr. Ned.
Indie XVI. p.49 von Buitenzorg.
Lachesis nitidus Günther Proc. zool. soc. p. 414 von Ecuador.
Crotalus ornatus Mallowell Reports of explor. and surveys ct.
p- 23. pl. I aus dem nordwestlichen Texas.
Batrachii.
Günther hob hervor, dass gewisse Differenzen an
den Knochen der Batrachier vorkämen, die vom Geschlecht
abhängig sind, was für die Bestimmung, namentlich von
fossilen Ueberresten, wichtig sei. Die Schädel von Cerato-
phrys bieten solche Differenzen dar, und sind pl. XV ab-
gebildet. Annals nat. hist. III. p. 377.
Ranae. Neue Arten: Rana longipes Hallowell (früher von ihm
R. nigricans genannt) Report explor. X. 1. ce. pl.10. Fig.]. von Ca-
lifornien. — Rana Berlandierii Baird Mexican boundary ]. c. p. 26.
pl. 36. Fig. 7—10.
Hylae. Neue Arten: Hyla nebulosa pl.10. Fig.2. und H. sca-
pularis var. hypochondrica Hallowell Report explor. X. I. c. Beide
von Californien.
Hylodes unistrigatus Günther Proc. zool. soc. p. 216 von Ecuador,
Bufones. Neue Arten: Bufo gymnauchen Bleeker Natuurk.
Tijschr. Ned. Indie XVI. p.46 von Riouw. — B. lamentor Girard
Proc. Philadelphia p. 169 von Fort Bridger, Utah Territory. — B. al-
varius Girard Mexican boundary p. 26. pl.41. fig. 1—6. — B. coeru-
leostietus Günther Proc. zool. soc. p. 415 von Ecuador.
Engystoma texense Girard Proc. Philadelphia p. 169 von Texas.
Salamandrina. Cope gab Proc. Philadelphia p. 122 eine
Uebersicht der Salamander (on the primary divisions of the
Salamandridae, with descriptions of two new species). Verf.
unterscheidet nach den Gaumenzähnen folgende vier Sub-
familien :
1. Ambystominae. Gaumenzähne in Querreihen, keine Sphe-
noidalzähne. Mit den Gattungen Megalobatrachus, Camaratazis
n. gen., (vordere Gaumenzähne in gebogenen Reihen; dahin Amby-
stoma macnlatum Hall.), Ambystoma und Onychodaetylus.
WE
BP
während des Jahres 1859. 277
I. Spelerpinee. Gaumenzähne in kurzen Querreihen und
zahlreiche Sphenoidalzähne. 1. Plethodontae, Zunge vorn angeheltet;
mit den Gatt. Plethodon, Desmognathus, Aneides, Heredia und Hemi-
dactylum. 2. Spelerpeae, Zunge in der Mitte angeheftet mit den Gatt.
Batrachoseps und Psendotriton.
II. Hynobiinae. Keine Gaumenzähne, Sphenoidalzähne vor-
handen. Gatt. Hynobius.
IV. Salamandrinae. Gaumenzähne am Innenrande der
Fortsätze der Gaumenbeine, keine Querreihen. 1. Salamandrae Galt.
Salamandra. 2. Pleurodelae Gatt. Salamandrina , Pleurodeles , Brady-
bates. 3. Tritones Galt. Glossoliga, Diemyctylus, Euproctus, Lissotri-
ton, Triton. Hemisalamandra.
Die beiden neuen Arten sind: Ambystoma conspersum und Des-
mognalhus ochrophaea beide aus Pennsylvanien.
J. E. Gray beschrieb folgende neue Arten von Salamandern
Proc. zool. soc p.229: Cynops chinensis von China und Pletkodon
persimilis von Siam, Dieselben sind auf pl. XIX abgebildet.
Aneides lugubris (Salamandra lugubris) aus Californien ist von
Hallowell Report explor. X. I. c. pl.7. fig. 2 abgebildet.
Ichthyodea. Ueber die Lebensweise von Menobranchus macht
Kneeland, der zwei Exemplare fast zwei Jahre lebend besitzt,
folgende Bemerkungen: Sie scheuen das Sonnenlicht und sind be-
sonders bei Nacht sehr munter. Ihre Vorder- und Hinterextremitäten
bewegen sie ganz unabhängig von einander. Sie fressen Würmer,
die sie einsaugen, wobei ihre Zähne den Rücktrilt verhindern; todte
Würmer verzehren sie nur, wenn sie längere Zeit ohne Nahrung
waren. Ihr Gesichtssinn scheint sehr unvollkommen zu sein. Die
Kiemen schrumpfen ein und ändern die Farbe von roth in grau; der
Wechsel von der grössten bis zur kleinsten Ausdehnung findet oft in
1 bis 2 Minuten statt. Sie streifen mit den Vorderfüssen durch die
Kiemen, gleichsam um sie zu reinigen. Als sie 5 Monate nichts ge-
fressen hatten, wurden ihnen vier lebende Elritzen von 2 Zoll Länge
gegeben, von denen sie drei verschlangen. Darauf schienen sie sich
sehr unbehaglich zu befinden und gaben die Fische nach 24 Stunden
ohne Schuppen und ohne Augen wieder von sich. Verf. glaubt, die
Mahlzeit sei wohl zu stark für ihren schwachen Nagen gewesen.
Proc. Boston soc. VI. p. 371. — In einem späteren Zusätze (ib. p. 425)
erzählt Kneeland, dass er zwei Menobranchus mit einem halben
Dutzend Elritzen in ein Aquarium gesetzt habe. Die Wische nagten
häufig an den Kiemen der Reptilien, so dass nach zehn Tagen nur
noch die Knorpelstützen derselben, hier und da mit einer Kiemen-
franze übrig waren. Als nun die Fischehen entfernt wurden, began-
nen sie wieder zu wachsen und hatten im Laufe von 6 Monaten die
278 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ilerpetologie
Hälfte ihrer normalen Grösse wieder erlangt. Da die Lungen allein
ausser dem Wasser nicht ausreichen, sondern die Thiere schon nach
vier Stunden sterben, in diesem Falle jedoch sie durch das Fehlen
der Kiemen nicht litten, so glaubt Verf. annehmen zu dürfen, dass
die Hautrespiration im Wasser die Lungen hinreichend unterstütze, um
die Blutumänderung zu bewirken.
Nach James Lewis (ib. VII. p. 33) kommt Menobranchus ma-
eulatus seit einigen Jahren auch in dem Mohawk-Flusse vor.
Apoda. Neue Arten: Caecilia puchynema Günther Proc. zool.
soc. p.417 von Ecuador. — C. Kaupii Berthold Göttinger Nachrich-
ten 1859. p. 181 von Angostura.
Epierium monochrous Bleeker Natuurk. Tijdschr. Ned. Indie
XVI. p. 188 von Borneo.
Bericht über die Leistungen in der Ichthyologie
während des Jahres 1859.
Vom
Herausgeber.
Bei der Bearbeitung der Jahresberichte bleibt immer
_ eine der grössten Schwierigkeiten, das litterarische Mate-
rial rechtzeitig herbeizuschaffen. Oft fehlt im Augenblicke
des Abschlusses das Eine oder das Andere, was übergan-
gen wird, theils aus Vergesslichkeit, theils um den Druck
nicht zu verzögern. So kommt es, dass auch diesmal ei-
nige Nachträge aus den letzteren Jahren diesem Berichte
einzuverleiben sind.
So vortreffliehe Grundlagen für die Systematik der
Fische wir durch J. Müller gewonnen haben, so lässt
sich nicht leugnen, dass es in manchen Ablheilungen, na-
mentlich den Stachelflossern noch schwach um die Fami-
lienunterscheidung bestellt ist. Hier hat Müller nur un-
befriedigende Erfolge seiner Bemühungen erhalten, und
hat deshalb die alten Cuvier’schen Familien beibehalten.
Um so erfreulicher ist es, dass wir jetzt einige tüchtige
Forscher sich von Zeit zu Zeit auf dieses Gebiet wagen
sehen. Diesmal haben wir hier Günther und Canestrini
zu erwähnen.
Günther hat den ersten Band des „Catalogue of
the Acanthopterygian fishes in the collection of the British
Museum London 1859* herausgegeben, welcher die Fami-
lien Gasterosteidae, Berycidae , Percidae, Aphredoderidae,
Pristipomatidae, Mullidae und Sparidae enthält. Dieser Ca-
talog umfasst nicht bloss die in der reichen Sommlung des
230 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
britischen Museums enthaltenen Arten, sondern alle Arten,
die überhaupt bisher veröffentlicht worden sind, und bil-
det, da sämmtliche Gattungen und Arten kurz charakteri-
sirt sind , eine Synopsis Specierum Piscium, die wir herz-
lich willkommen heissen. Sie wird sich vollkommen zum
Bestimmen von Fischsammlungen eignen, und ist das erste
Werk, welches seit Cuvier und Valenciennes den
Versuch macht, alles Material zusammenzustellen. Es hat
vor dem Cuvier - Valenciennes’schen Werke, ausser der
grösseren Vollständigkeit, weil es alle neueren Entdeckungen
berücksichligt, namentlich auch den Vorzug der Kürze, indem
in wenigen Zeilen, gleichsam in Diagnosenform die zur
Unterscheidung wesentlichsten Merkmale zusammengestellt
sind. Bei jeder Familie folgt hinter den Familiencharakte-
ren zunächst eine Synopsis der Genera, die das Bestimmen
zu erleichtern geeignet ist. Während dieser Catalog 1177
Arten aufzählt, von denen 917 als gut charakterisirte an-
gesehen werden (die übrigen mehr aufgezählt), finden sich
bei Cuvier-Valenciennes in den entsprechenden Fa-
milien nur 777 Arten, von denen Verf. 531 für gut cha-
rakterisirt erklärt. In dem vorliegenden ersten Bande sind
13 neue Gattungen und 50 neue Arten aufgestellt, die un-
ten einzeln nachzuschen sind. Die meisten neuen und die
interessantesten Arten sind abgebildet. Ein systematischer
und ein alphabetischer Index erleichtern die Benutzung des
Buches. Wir wünschen dem Verf. Ausdauer, um recht
bald das begonnene Werk zum vollständigen Ende zu füh-
ren. Bei den einzelnen Familien werden wir noch auf die
Einzelnheiten weiter eingehen, und ihre Begrenzung ange-
ben. Ob diese Familien wirklich natürlich sind, darüber
will ich mich für jetzt des Urtheiles enthalten. Nur soviel
will ich hier bemerken, dass ich bisher die Sparoidenfa-
milie für recht natürlich gehalten habe, um so mehr, da
sie sich auch durch’so eigenthümliche Schuppen auszeich-
net; sie ist bei Günther in seine Pristipomidae und Spa-
ridae vertheilt. Ferner wird es mir schwer, durchgreifende
Enterschiede zwischen Günth er’s Pereidae und Pristipomi-
da® aufzufinden. Unter allen Umständen muss ich dieses
=
während des Jahres 1859. 281
Buch ganz besonders empfehlen, und meine es könne Nie-
mand entbehren, der sich irgend mit der Bestimmung von
Fischen befassen will. \
Canestrini suchte nachzuweisen, dass die Sym-
branchier und Muraenoiden eine besondere Unterordnung
bilden, die er wegen der fast nur durch einen homogenen
Hautsaum gebildeten Rückenflosse Dermopteri nennt;
dagegen vereinigt er die Helmichthyiden, Taenioiden, Ophi-
dinen, Gobioiden, Blennioiden, Batrachoiden und Pleurone-
cliden wieder zu einer besonderen Unterordnung, die er
wegen der unverzweigten Dorsalstrahlen Haplopteri
nennt, während er diesen gegenüber den eigentlichen Ma-
lacopteri mit verzweigten Dorsalstrahlen den Namen Den-
dropteri beilegt. — Hiernach zerfallen ihm die Teleostier
in sechs Unterordnungen: Lophobranchii, Pleetognathi, Der-
mopteri, Haplopteri, Dendropteri und Acanthopteri. _Viel-
leicht ist diese Eintheilung zur leichteren Bestimmung be-
quem und geeignet; ob nalurgemäss, ist noch erst näher
nachzuweisen. Die Müller’schen Anacanthini und Pharyn-
gognathi werden hierdurch beseitigt. Von ersteren gehö-
ren die Ophidini und die Pleuronectae zu den Haplopteri,
über den Verbleib der Gadoiden äussert sich Verf. nicht;
die Pharyngognalhi werden einfach unter die Dendropteri
und Acanthopteri vertheilt. Verh. der zoolog.-bot. Gesellsch.
in Wien 1859. p. 27.
Canestrini vereinigt ib. p. 75 die Aulostomen we-
gen einiger übereinstimmender Merkmale mit den Lopho-
branchiern und nennt die so entstandene Abtheilung, da
der alte Name nicht mehr passt, Aulostomidae seu Fistu-
lariae.
Derselbe unterwirft ferner ib. p. 119 das Müller’-
sche System der Knochenfische einer Kritik. Er hält die
Trennung der Acanthopteri von den Malacopteri im Mül-
ler’schen Sinne, mit Berücksichligung des ersten Strahles
der Bauchflossen, nicht für durchgreifend und nicht für
natürlich; ebenso findet er die Lostrennung der Pharyn-
gognathi acanthopteri nicht natürlich, dagegen die Los-
trennung der Anacanthini inconsequent u. s.w. Es lässt
282 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
sich nicht leugnen, dass Verf. die bedenklichen Punkte des
Müller’schen Systems zur Sprache bringt; ob das, was er
dafür bietet, nämlich die Eintheilung nach der Beschaffen-
heit der Flossenstrahlen , allen Anforderungen entspricht,
darüber erlaube ich mir kein so schnelles Urtheil. Nur
daran will ich hier erinnern, dass seine Haplopteri auf
schwachen Füssen zu stehen scheinen, weil dazu Fische
gehören, die durchaus keine Gliederung in den einfachen
Strahlen der Rückenflossen zeigen; es scheint nicht ganz
klar, wie Verf. Stachelstrahlen von den unverzweigten wei-
chen Strahlen unterscheiden will. Die Biegsamkeit allein
macht ja die Weichheit des Strahles nicht aus.
Als eine vorläufige Mittheilung giebt Mauthner
Nachricht von den Resultaten seiner Untersuchungen über
den Bau des Rückenmarkes der Fische. Eine grosse Ar-
beit über diesen Gegenstand wird in Aussicht gestellt.
Wiener Sitzungsberichte. XXXIV. p. 31.
Keferstein hat in den Göttinger Nachrichten 1859.
p- 17 einen „Beitrag zur Geschichte der Physik der elek-
trischen Fische“ geliefert.
Kölliker hat eine grosse Zahl von Fischen in Be-
ziehung auf die mikroskopische Struetur- des Skeletes un-
tersucht und kommt zu dem Resultate, dass folgende Ab-
theilungen Knochenkörperchen besitzen: 1) alle höher or-
ganisirten Physostomen (Siluroiden mit Ausnahme von Tri-
chomyeterus, Cyprinoiden, Characinen, Mormyri, Salmones,
Clupeinen, Muraenoiden und Gymnolinen), 2) alle Ganoiden,
3) die Sirenoiden, 4) die Gattung Thynnus. Dagegen fehlen die
Knochenkörperchen bei folgenden Fischen : 1) bei allen Acan-
thopteri mit Ausnahme von Thynnus, 2) bei allen Anacan-
thini , 3) bei den Pharyngognathen, 4) bei den kleineren
und niedriger organisirten Physostomen (Cyprinodontes,
Esoces, Galaxiae, Scopelini, Chauliodonlidae, Heteropygii,
Symbranchii und Trichomycterus), 5) bei den Pleetognathen,
6) bei den Lophobranchiern. Es ergiebt sich hieraus, dass
diese Differenz für die Systemalik nicht ganz ohne Wich-
tigkeit ist. — Verf. hat seine Untersuchungen auch auf die
während des Jahres 1859. 283
Haut und Flossenstrahlen der Fische ausgedehnt, und auch
hierfür die Resultate mitgetheilt.
Green, welcher nachgewiesen zu haben glaubt, dass
die Fischschuppen die chemische Beschaffenheit, so wie die
Art des Wachsthums der Knochen haben, theilte mit, dass
die obere Lage der Schuppen von Megalops Lacunen be-
sitze, welche genau in Form und Anordnung mit denen
von Lepidosteus übereinstimmen. Eine weitere Achnlich-
keit mit den Ganoidschuppen sieht er in der Thatlsache,
dass die concentrischen Streifen der Oberfläche an den
Schuppen von Megalops mit zahnähnlichen Forlsätzen von
der Härte des Zahnschmelzes bewaffnet sind. Proc. Boston
Soc. VI. p. 362.
Jackson erinnert ib. p.566 an seine Entdeckung
von Fluorin in den Schuppen der Ganoidlische. Ob er
auch bei Megalops Fluorin gefunden, ist nicht angegeben.
Ich glaube nicht, dass solche chemische Verhältnisse für
die Classifikation entscheidend sein würden.
Green theilte ferner ib. p. 574 die Analyse von den
Schuppen von Labrax lineatus mit und fügt hinzu, dass die
Schuppen von Amia ähnliche Knochenkörper enthalten wie
Megalops und Lepidosteus.
Zur näheren Kenntniss der Dotterkörperchen der Fi-
sche schrieb Filippo de Filippi Zeitschr. f. wiss. Zoo-
logie X. p. 15.
Eine Notiz zur künstlichen Vermehrung des Salm von
Bartlett s. Proc. zool. soc. p.125 und Annals nat. hist.
IV. p. 159.
Atwood fand häufig Fische „mumilicirt* in der Lei-
beshöhle von Kabeljaus, die nach seiner Meinung von die-
sen verschlungen und durch die Magenwand hindurchge-
drungen waren. Er erwähnt, dass oft die Kabeljau durch
die Haken arg verwundet werden. Er sah die Eingeweide
aus der Wunde in das Wasser herabhängen, ohne dass der
Fisch dadurch zu leiden schien. In der Leber fand er
Haken mit anhängender Schnur, ohne dass die Gesundheit
der Fische dadurch beeinträchtigt gewesen wäre. Proc.
Boston soc. VIL. p. 4.
284 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
In Beziehung auf die geographische Verbreitung der
Fische haben wir wieder eine ziemliche Anzahl von wis-
senschaftlichen Arbeiten zu erwähnen.
A history of British fishes by William Yarrell.
Third edition by John Richardson. 8. London 1859 in
2 Bänden. — Richardson hat eine drilte Auflage dieses
Buches besorgt, und sagt in der Einleitung, dass, da er
selbst keine Untersuchungen über britische Fische ange-
stellt habe, er sich beflissen hätte, den ursprünglichen Text
unverändert zu lassen. Die Arten, welche seit dem Er-
scheinen der zweiten Auflage (1841) durch Couch,
Thompson und Holdsworth der britischen Fauna hin-
zugefügt worden sind, sind in diese Auflage aufgenommen,
und die Gesammizahl der beschriebenen Arten ist dadurch
auf 260 erhöht. Die Berichtigungen, welche Günther in
den britischen Späroiden gemacht hat, haben noch nicht
benutzt werden können. Die wesentliche Veränderung,
welche das Werk erfahren, ist die Anordnung der Arten
nach dem Müller’schen Systeme.
Die für die brittische Fauna neuen Arten sind die folgenden:
Scopelus Pennanti, Zeugoplerus velivolans eine neue Scholle von den
Orkney-Inseln , aufgestellt nach einer Abhildung, Cottus groenlandi-
ceus, Box vulgaris, Scomber punclatus, Thynnus alalonga, Lichia
glauca, Gyinnetrus Banksii, Lepadogaster cephalus, Hexanchus griseus,
Seymnus lichia.
W. Beattie berichtete den Fang von Pelanıys Sarda
an der Mündung des North- Esk. Annals nat. hist. IV.
p- 399.
In dem Programm des Gelehrten-Gymnasiums zu Wies-
baden, Ostern 1859 hat Kirschbaum die Fische, welche
im Herzogthum Nassau vorkommen, aufgezählt. Es sind
40 Arten, von denen 4 Acanthopteri, 1 Godoid, 24 Cypri-
noiden, 3 Salmonen, 1 Esox, 2 Alausa, 1 Anguilla, 1 Aci-
penser, 3 Petromyzon. Verf. hat in dieses Verzeichniss
nicht nur die als Eingeborne stets vorhandenen, und die
zur Laichzeit regelmässig einwandernden, sondern auch die
zufällig selten erscheinenden aufgenommen. Das Vorkom-
men der Aesche wird ausserdem vermuthel.
|
während des Jahres 1859. 285
Ein Verzeichniss der Fische der bairischen Rheinpfalz
veröffentlichte Spannagel in dem 16. und 17. Jahresbe-
richte der Pollichia p. 26. In der Einleitung giebt Verf.
eine hydrographische Schilderung des Gebietes. Das Ver-
zeichniss enthält 40 Arten, unter denen auch Ammodytes
tobianus figurirt, was offenbar irrthümlich ist. Die näheren
Fundorte sind angegeben, so wie auch bei vielen Arten die
Laichzeit.
Veesenmeyer fand den Frauenfisch Leueisceus Virgo Heck.
auch bei Ulm, wodurch die Württembergische Fauna um eine Art
bereichert wurde. Er scheint dem Flussgebiete der Donau ausschliess-
lich anzugehören. Württemb. Jalıreshefte XV. p. 47.
Fritsch veröffentlichte in der Zeilschr. Lotos 1859.
p. 199 ein kritisches Verzeichniss der Fische Böhmens.
Die Zahl der Arten wird auf 39 angegeben. Aspro vulga-
ris und zingel, Acerina Schraitzer, Gaslerosteus aculeatus
und Pelecus cullratus sollen in Böhmen fehlen. Auffallend
ist dies besonders von dem Stichling, von dem Verf. die
Vermuthung aufstellt, er möge überhaupl dem Gebiete
der Elbe fehlen, und nur dem Gebiete der Oder angehö-
ren. Eine Vermuthung, die sich nicht bestätigt, da in der
Mark Brandenburg, in Spree und Havel, diese Fischlein sehr
häufig sind.
In Macher’s „Handbuch der Topographie und Slati-
stik des Herzogthums Steiermark Graz 1859“ findet sich
p- 92 eine kurze Notiz über die Fische des Landes.
An Fischen finden sich nach Kohlmayer an den
östlichen Abhängen des Reisskofel in den Gailthaler Al-
pen: Salmo fario, trutta, Schiefermülleri; Esox lucius; Cy-
prinus alburnus, Tinka und Perca fluviatilis. Jahrbuch des
naturhistorischen Museums in Kärnten IV. 1859. p. 64.
Boll hat die Fische Meklenburgs verzeichnet. Nach
ihm kommen in den süssen Gewässern und in der Ostsee
85 Arten als Bewohner vor, deren Zahl sich noch durch 11
Streilzügler vermehrt. Archiv des Vereins der Freunde der
Naturgesch. in Meklenkurg 1859. p. 143.
H. Kawall, Pastor in Pussen, hat ein Verzeichniss
der Fische in Kurland und an den Küsten der dasselbe be-
286 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
grenzenden Ostsee, mit Berücksichtigung von Livland ver-
öffentlicht, in der Wochenschrift „das Inland,“ welche zu
Dorpart erscheint, 1858. No. 33. 35. 386. Nach einer lite-
rarischen kurzen Einleitung werden 83 Arten aufgezählt,
mit vielen Bemerkungen über Vorkommen, lettische und
livische Namen u. s. w.
Die Fischfauna von Kamenietz -Podolski besteht nach
Belke (Bulletin de Moscou 1859. 1. p. 35) aus 31 Arten.
Unter diesen sind Acerina tanaicensis Güld., Gobius platy-
rostris mit 3 Varieläten, Salmo fario Var., Aspius rapax
näher beschrieben, von den meisten übrigen ist das Vor-
kommen und die Laichzeit angegeben.
Als Auszug aus dem Berichte über eine an die nord-
westlichen Küsten des schwarzen Meeres und durch Jie
westliche Krym unternommene Reise, machte Kessler
(Bulletin de Moscou 1859. I. p. 521) die Süsswasserfische
der Krym bekannt. Er beschreibt 17 Arten, die mit Aus-
nahme eines Gasterosteus und zweier Salmonen der Kar-
pfenfamilie angehören. Drei als neu angesehene Albur-
nus-Arten, so wie eine anhangsweise beschriebene Squa-
lius-Art aus einem Arme des Dnjepr s. unten.
Derselbe gab ferner ib. II. p. 186 eine systemati-
sche Uebersicht der Stachelflosser, welche im nordwestli-
chen Theile des schwarzen Meeres und in den Mündungen
der in dasselbe sich ergiessenden südrussischen Flüsse
vorkomınen.
Hier werden 62 Arten aufgezählt, nämlich : 1 Perca, 1 Aspro,
3 Lucioperca, 1 Percarina, 2 Acerina, 1 Serranus ($. scriba schien
dem Verf. nicht zwiltrig zu sein!), 1 Trachinus, 1 Uranoscopus; 2
Trigla, 2 Coltus, 1 Scorpaena, 2 Gasterosteus (einer neu); 1 Corvina,
1 Umbrina; 1 Sargus, 1 Charax, ] Smaris, 1 Mullus; 4 Mugil, 2
Atherina; 1 Scomber, 1 Pelamys, 1 Xiphias, 1, Caranx, 1 Temnodon ;
6 Blennius (einer neu), 1 Gunnellus; 17 Gobius (unter ihnen 2 vom
Verf. in seinen Nachträgen zur Ichthyologie des südwestlichen Russ-
land aufgestellte und zwei neue Arten), 1 Benthophilus, 1 Cailiony-
mus, 1 Lepadogaster. Zu den meisten Arten sind Bemerkungen über
Vorkommen, Lebensweise, zu vielen ausführliche Beschreibungen ge-
liefert worden. Auffallend gross ist die Zahl der Gobius, die noch dazu
von denen des Mittelmeers bis auf 2 oder 3 Arten verschieden sind.
während des Jahres 1859. 287
Der dritte Abschnitt dieser Auszüge ist überschrieben:
Beiträge zur Kenntniss der den Unterordnungen Anacan-
thini, Pharyngognathi, Physostomi und Lophobranchii an-
gehörenden Knochenfische des schwarzen Meeres.
Hier werden aus der Unterordnung Anacanthini 1 Morrhua, 1
Motella, 1 Ophidium, 1 Platessa, 1 Rhombus, 1 Solea beschrieben ;
von Pharyngognathen 2 Labrus, 4 Crenilabrus, 1 Ctenolabrus, 1 Co-
rieus, 1 Chromis, 1 Belone; von P’hysostomen 1 Clupea, 2 Alosa,
1 Engraulis; von Lophobranchiern 4 Syngnathus, 1 Scyphieus, 1 Hip-
pocampus. Keine neue Arten.
Den Schluss bilden 4. einige Bemerkungen über die
Plagiostomen des schwarzen Meeres; daselbst werden zwei
Haifische und zwei Rochen aufgezählt. Hiernach würde
die ganze Krymfauna 109 Arten Fische besitzen, freilich
eine grosse Armulh gegen das Mittelmeer.
Bleeker hat eine „Enumeralio specierum piscium
hucusque in Archipelago indico observatarum, adiectis ha-
bitationibus. citalionibusque, ubi descripliones earum recen-
tiores reperiuntur, nec non speciebus musei Bleekeriani
bengalensibus, japonicis, capensibus tasmanicisque. Bata-
viae 1859. 4. herausgegeben. Das Verzeichniss umfasst
2272 Arten und wird namentlich die Benutzung der zahl-
reichen, in so vielen Abhandlungen zerstreuten Beschrei-
bungen der neuen Arten des Verf. erleichtern, indem da-
rin nicht nur die Orte, wo sich die Beschreibungen finden,
eitirt, sondern auch die vielfach zusammengezogenen Sy-
nonyme verzeichnet sind. In der Einleitung hat Verf. auch
den Schlüssel des von ihm angenommenen Systems gelie-
fert. Hiernach nimmt er 177 Familien an, die 53 Ordnun-
gen angehören, wobei die fossilen mit aufgeführt sind. Nach
einer Angabe in der Einleitung p. IX sind von den 46 Ord-
nungen 36, von den 159 Familien 104 im Indischen Ar-
chipel vertreten. — Am Schlusse sind die Gattungen mit
der Zahl der ihnen zugehörigen Arten, und in einer ande-
ren Tabelle die Familien mit der Zahl ihrer Galtungen und
Arten aufgezählt. Ein Anhang enthält die 281 Arten Ben-
galischer, Chinesischer, Japanischer, Vandiemensländischer,
Capscher und Allantischer Fische des Bleeker’schen Mu-
288 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
seums, welche in dem vorhergehenden Cataloge noch nicht
enthalten sind. Nach schliesslicher Abrechnung enthält
seine Sammlung 2199 Arten, von denen er selbst 1168 als
neu beschrieben hat.
Von den „Natuurkundig Tijdschrift voor Nederlandsch
Indie“ liegen mir jetzt die Bände 15—17 vor, woraus ich,
da bei Abfassung des vorigen Jahresberichles mir nur die
Separatabdrücke der Bleeker’schen Arbeiten zur Hand
waren, noch das Folgende nachzutragen habe.
Band XV. p. 241: Tweede Bijdrage tot de kennis der
Vischfauna van Singapore.
Das Verzeichniss giebt 239 Arten. Eine neue Ambassis wird
beschrieben.
Band XVI. p.26 sind 16 Fische aus dem Meere von
Tikoe verzeichnet. Ebenso in demselben Bande zahlreiche
kleine Sendungen von den verschiedenen Inseln des Indi-
schen Archipels.
Band XVII. p. 129: Vierde Bijdrage tot-de kennis
der ichthyologische Fauna van Timor; Visschen van Ata-
poepoe.
Durch eine Zusendung von Fischen wurde die Zahl der von
Timor bekannten Arten von 126 auf 161, die sämmtlich verzeichnet
sind, erhöht. Eine neue Muraena s. unten.
Ib. p. 141: Derde Bijdrage tot de kennis der ichthyo-
logische Fauna van Bali.
Verf, kennt nunmehr, nachdem er eine neue Sendung von die-
ser Insel erhalten hat, 185 Arten. Sechs neue Arten werden bei die-
ser Gelegenheit beschrieben.
Auch im XX. Bande derselben Zeitschrift findet sich
noch eine ganze Zahl ichthyologischer Notizen von Blee-
ker. So theilt er p. 101 die ichthyologischen Beobach-
tungen mit, welche Graf v. Castelnau in Bangkok, der
Hauptstadt von Siam angestellt hat; die Süsswasserfische
von Siam sollen grossentheils mit denen ven Borneo und
Sumatra übereinstimmen. — Ib. p. 129 verzeichnet er 19
Fische von Boni, unter denen 4 für die Fauna von Celebes
neu waren; ferner p. 140 deren 45 und noch später p. 197
deren 16, durch welche die Zahlder von Celebes bekannten
während des Jahres 1859. 289
Arten auf 729 gestiegen ist. — Ib. p.142 berichtet der-
selbe über eine kleine Sendung von 10 Fischen von den
Kokos -Inseln, wodurch die Zahl der von dort bekannten
Fische auf 110 erhöht worden ist. — Ebenso sind p. 199
an Süsswasserlischen von Sintang 24 Arten verzeichnet.
Ferner p. 202 zwei Arten von Bililon, 7 Arten von den
Kokos-Inseln, 37 von: Korangbollong, 9 von Amboina, wo-
durch‘ von dort jetzt 801 Arten bekannt sind, 60 von Bali.
— P.216 finden sich wieder 29 Arten von Singapore, wo-
durch die Gesammtzahl dieser Fauna auf 268 Arten steigt.
Dann sind p.219 30 Arten von Tandjong an der Samang-
bai, Sumalra verzeichnet; p.234 31 Fische von Desima in
Japan ; p.236 88 Arten von Singapore, wodurch die Zahl
der Fauna auf 355 erhoben wird; p. 241 4 Arten aus dem
Meere Dano und 7 Arten von Anjer.
Von Bleeker’s ichthyologischen Schriften haben wir
ferner die folgenden aus dem 5. Bande der Acta societatis
scientiarum Indo-Neerlandicae, wovon ich bisher nur die
Separatabdrücke besitze, zu erwähnen:
‘ Bijdrage tot de kennis der Vischfauna van Nieuw-
Guinea.
Verf. kennt im Ganzen von dieser Insel 249 Arten Fische, von
denen sieben als neu beschrieben sind; dieselben sind unten genannt.
Elfde Bijdrage tot: de kennis der Vischfauna van
Amboina.
Durch Zusendungen der Herren Hoedt, v. Rosenberg und
Mohnike wurde die Zahl der von dort bekannten Fische auf 803
erhöht. Fünf neue Arten, darunter eine neue Galtung sind beschrie-
ben, und von zwei Arten, Antennarius biocellatus und Heterophthalmus
katoptron sind verbesserte Beschreibungen geliefert. Die neuen Ar-
ten sind unten namhaft gemacht,
Achtste Bijdrage tot de kennis der Vischfauna van
Sumatra (Visschen van Benkoelen, Priaman, Tandjong, Pa-
lembang en Djambi).
Durch einige neuere Zusendungen bereichert, fand sich Verf.
veranlasst ein vollständiges Verzeichniss der Sumatrensischen Fische
zu liefern, Dasselbe enthält 803 Arten. Balistes ringens L., Meso-
prion lunulatus ©. V., Cirrhitichthys marmoratus Lac. , Atherina pin-
‚guis Lae. sind ausführlicher: beschrieben.
Archiv für Naturg. XXVI, Jahrg. 2. Bd, T
290 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Nachträglich habe ich einer Arbeit von James Car-
son Brevoort zu erwähnen, welche in Narrative of the
expedition of an american squadron to the China Seas and
Japan by Commodore Perry Vol. Il. Washington 1856 ent-
halten ist. Sie ist überschrieben: Notes on some figures
of Japanese Fish. Die Expedition war von keinen wirk-
lichen Naturforschern begleitet, es wurden jedoch Abbildun-
gen von Fischen nach frischen Exemplaren gemacht und
diese sind der Gegenstand der Abhandlung. Sie sind auf
10 Tafeln, wie es scheint naturähnlich, aber etwas grell dar-
gestellt. Im Text sind 62 Arten beschrieben, die meist
nach der Fauna japonica von Temminck und Schlegel
bestimmt sind. Die als neu betrachteten Arten sind unten
angegeben.
Ueber eine Sammlung Japanischer Fische , die durch
Morrow gesammelt wurden, gab Gill Nachricht. Sie ent-
hält 18 Arten, unter denen 6 neue, die unten namhaft ge-
macht werden. Proc. Philadelphia 1859. p. 144.
Bei einer Eruplion des Vulkans von Mauna-Loa auf
den Sandwich-Inseln im Januar 1859 wurden, wie Lyman
berichtet, an den Küsten mehrerer Inseln ungeheure Mas-
sen todter Fische gesehen, noch bevor die Lava das Meer
erreichte. Proc. Boston Soc. VII. p. 38.
Aus einer durch Bryant vorgelegten Fischsammlung
von den Bahama-Inseln erkannte Putnam eine bemerkens-
werthe Aehnlichkeit mit der Fauna der Sandwichinseln.
Proc. Boston Soc. VII. p. 85.
In den Reports of explorations and surveys to ascer-
tain the most practicable and economical route for a rail-
road from the Mississippi river to the pacific ocean Vol. X.
Part IV. Washington 1859 sind die Fische von Girard
bearbeitet. Dieser Abschnilt umfasst 400 Seiten und 21
Tafeln mit Abbildungen. Zahlreiche früher vom Verf. auf-
gestellte Arten sind ausführlicher beschrieben, viele abge-
bilde. Man kann die hier aufgezählten Arlen nicht als
eine Fauna des betreffenden Erdstriches ansehen, da nur
die Arten erwähnt sind, welche auf dieser Expedition ge-
sammelt wurden. Verf. nennt die Cataphracten und die
EEE
während des Jahres 1859. 291
Embiotocoiden die vorherrschenden Familien dieser Gegend
des nordamerikanischen Continents, zusammen mit den Tra-
chiniden und Heterolepiden, welche die Percoiden und Cot-
toiden in nähere Verwandtschaft zu bringen scheinen. Auf-
fallend ist der völlige Mangel der Sparoiden, während die
übrigen Familien doch mindestens durch eine oder einige
Arten vertreten sind.
Die 32 Fische, welche am 38. und 39. Grade Nördl.
Br. gesammelt wurden, sind von Girard besonders ver-
zeichnet und mit Diagnosen versehen. Alle sind schon im
Generalberichte enthalten. Hierzu gehören wieder 6 Tafeln.
Am 35° N. B. sind 64 Arten gesammelt, die in dem-
selben Bande PartVI vonGirard verzeichnet sind. Hierzu
14 Tafeln.
Ebenso sind 43 Arten Californischer Fische verzeich-
net und von 10 Tafeln begleitet. Auch sie sind in dem
Generalberichte enthalten.
Girard hat im Report on the united states and Me-
xican boundary survey made under the direction of the
secretary of the interior by William Emory. Washing-
ton 1859 den Abschnitt über die Fische bearbeitet. Er
enthält 85 Seiten Text und 41 Tafeln. Diese Arbeit wird
theils durch eine grössere Anzahl neuer Arten werthvoll,
theils aber und besonders durch die zahlreichen Abbildun-
gen, die auch solche Arten darstellen, welche bereits frü-
her vom Verf. kurz beschrieben waren. So finden wir die
zahlreichen vom Verf. aufgestellten Gattungen und Arten
von Cyprinoiden durch hübsche Abbildungen veranschau-
licht, was nicht wenig zur Kenntniss derselben beiträgt.
Alle neuen Arten und Gallungen sind unten genannt.
Lyman gab Notizen über das Vorkommen von Syngnathus
Peckinnus, Atherina notata, Fundulus pisculentus, Hydıargyra flayula,
Cyprinodon ovinus, Alosa vulgaris und Spinax acanthias zu West-Yar-
mouth Mass. Proc. Boston Soc. VII, p. 75.
292 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Teleostei.
Acanthopteri.
Wie schon oben erwähnt worden ist, hat Günther versucht
die Barschfamilie zu zerfällen, und dafür natürlichere Familien zu be-
gründen.
Percoidei. Seine Familie Pereidae theilt Günther in sechs
Gruppen: I. Percina mit den Galtungen Perca Art., Pereichthys Gir.,
Paralabrax Gir., Labrax Cuy., Lates Cuy., Cnidon Müll. Trosch., Psanı-
moperca Rich., Percalabrax Schleg., Acerina Cuv., Percarina Nordm.,
Lucioperca Cuv., Pileoma Dekay, Boleosoma Dekay, Aspro Cuv., Etelis
C.V., Centroponus Lac., Niphon C,V., Enoplosus Lacep. — II. Serra-
nina mit den baltungen Aprion C.V., Apsilus C.V., Centropristis C.V.,
Callanthias Lowe, Anthias Schneid., Anyperodon.n.gen., Prionodes
Jen., Serranus Cuv,, Plectropoma Cuv., Trachypoma n. gen., Polyprion
Cuv., Pogonoperca n. gen., Grammistes Art., Rhyptieus €. V., Au-
lacocephalus Schleg., Diploprion K. v. H., Myriodon Bris., Genyo-
roge Cant. (warum nicht der Name Diacope Cuv. beibehalten ?), Me-
soprion Cuy., Glaueosoma Schleg- — Ill. Pentaceratina mit den
Gattungen Pentaceros €. V., und Oreosoma (.Y. — IV. Priacan-
thina mit der Gattung Priacanthus C. V. — V. Apogonina mit den
Gattungen Ambassis Comm., Microichthys Rüpp., Apogon Lac., Apo-
gonichthys Bleek. , Chilodipterus Lac., Scombrops Schleg-, Pomato-
mus Risso, Acropoma Schleg. — VI. Grystina mit den Gattungen
Oligorus n. gen., Grystes U.V. , Arripis Jen., Huro Cuv., Percilia
Gir., Lembus n. gen., Centrarchus Cuy., Bryttus C.V., Pomotis C.V.»
Anoplus Schleg., Odontonectes n. gen., Dules C.V,
Die neuen Gattungen sind von Günther folgendermassen nn-
terschieden :
Anyperodon auf Serranus leucogrammicus gegründet, und von
Serranus durch den Mangel der Gaumenzähne unterschieden.
Trachypoma nach einer neuen Art T. macracanthus von den
Norfolkinseln aufgestellt und von Plecetropoma durch den Mangel der
Hundszähne zwischen den Hechelzähnen abweichend.
Pogonoperca auf Grammistes punctalus gegründet, unter-
scheidet sich von Grammistes hauptsächlich durch das Vorhandensein
eines Bartfadens am Unterkiefer. Die Art war anfänglich p. 169 für
neu gehalten und IP’. ocellata genannt, später p. 504 als Gr. punclatus
anerkannt.
Oligorus vou Grystes abgetrennt; hat 11 Dornen in der
Rückenflosse , Grystes 10; am Deckel eine Spitze, Grystes 2; kleine
Schuppen, Grystes mässige; wenige (3) Appendices pyloricae, Grystes
u a
während des Jahres 1859. 293
viele (14); lebt in Australieü,, Grystes in Nordamerika. Während G.
macquariensis C.V. und Centropristis gigas Owen zu Oligorus gezählt
werden, bleibt salmonoides als einzige Art bei Grystes.
Lembus. Ohne Seitenlinie ; 6 Kiemenhautstrahlen, keine Pseu-
dobranchien; Körper spindelförmig, Mundspalte ziemlich weit, mit
längerem Unterkiefer; sammetförmige Zähne in den Kiefern und am
Vomer, keine Hundszähne, keine Gaumenzähne; Deckelstücke unbe-
waffnet; zwei Dorsalen, die erste mit 7 dünnen Dornen, Analdor-
nen undeutlich; ziemlich kleine Ctenoidschuppen; Schwimmblase
vorhanden. L. maculatus aus dem süssen Wasser in Ecuador.
Odontonectes anf Caesio erythrogaster C.V. gegründet, dem
wahrscheinlich noch andere Arten, wie C. lunaris, folgen müssen ;
wegen der deutlichen Binden von Gaumen- und Vomerzähnen nicht
zu Caesio, wegen des nicht sehr vorstreckbaren Mundes nicht zu den
Naeniden zu rechnen. Die äussere Reihe der Hechelzähne ist grös-
ser in den Kiefern, sehr kleine Hundszähne; die Basalhälfte der Dor-
sale schuppig; der Winkel des Vordeckels sehr schwach gesägt;
Schuppen ohne deutlichen Kamm.
An neuen Arten sind ausserdem von Günther aus seiner Fa-
milie Percidae 1. c. aufgestellt: Psammoperca macroptera aus Austra-
lien, Anthias asperilinguis aus Südamerika und A. longimanus un-
bekannten Vaterlandes; Serranus Nigri aus dem Niger, S. margarili-
fer aus Südamerika, S. punctatissimus aus China, S. spiniger ohne
Angabe des Vaterlandes, S. eylindricus von Madagaskar; Plectropoma
annulatum unbekannten Vaterlandes, P. ocellatum aus Australien, P.
einctum von den Norfolk-Inseln; Pentaceros decacanıhus aus dem
stillen Ocean; Ambassis robustus von Borneo; Apogon Rüppellii aus
Australien, A. Victoriae aus Australien.
Von anderen Schriftstellern sind aus dieser Familie an neuen
Arten beschrieben: Serranus Wandeersii Bleeker Natuurk. Tijdschr.
Ned. Indie XVII. p. 152 von Bali; — Mesoprion Ophuysenii Bleeker
Sumatra 8 l. e.; — Ambassis Kopsii Nat. Tijdschr. Ned. Indie XV.
p- 253 von Singapore ; — Pomotis Popeii Girard Report |. ce. p. 26 aus
dem Colorado -River. — P. guttatus Morris Proc. acad. Philadelphia
1859. p. 3 aus der Nähe von Philadelphia. — Seinen Pomotis obesus
erklärt Girard ib. p. 64 nunmehr für der Gattung Brytius angehörig.
— Dasselbe gilt ib. p.158 von Pomotis chaetodon Baird. — Ueber
die Synonymie einiger Pomotis- Arten s. Putnam Boston Proc.
VII. p. 34.
Dactyloscopus Gill Proc. Philadelphia p.132 ist eine neue
Gattung, welche sich von Uranoscopus durch den Mangel der Gau-
menzähne und durch dreistrahlige Bauchflossen unterscheidet. Auch
den Uranoscopus macropygus Richards. sieht Verf. ais eigene Gattung
294 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichtbyologie
Leptoscopus an. Beide Galtungen werden folgendermassen cha-
rakterisirt :
Dactyloscopus. ‚Dentes palatini et vomerini nulli; pinnae
ventrales radiis tribus articulatis, approximatae; pinna dorsalis ante
anum incipiens. D. tridigitatus aus dem Caraiben-Meere.
Leptoscopws. Dentes palatini et vomerini; pinnae ventra-
les distantes , radiis spinosis et quinque ramosis; pinna dorsalis post
anum incipiens. L. macropygus von Australien.
Bleeker beschreibt Sillago malabarica Cuy., maculata Q. G.,
japonica T. Schr., chondropus Bikr. und macrolepis Blkr., und zwar
die letztere als neu. Diese Arten werden zur leichteren Bestimmung
in eine schematische Uebersicht gebracht. Natuurk. Tijdschr. Ned,
Indie XVII. p. 157.
Polynemus octonemus Givard Mexican boundary p.19. pl. 10,
fig. 5—9 aus Texas.
Die Galtung Aphredoderus erhebt Günther Catalogue p. 271
zur eigenen Familie wegen der Lage des Afters vor den Bauchflossen
an der Kehle und wegen der grösseren Zahl (mehr als fünf) der
Bauchflossenstrahlen.
Berycidae. Unter diesem Namen vereinigt Günther Catalogue
folgende Gattungen zu einer eigenen Familie: Monocentris Schneid.,
Hoplostethus C.V., Trachichthys Shaw, Anoplogaster n.gen. durch
den Mangel der Schuppen ausgezeichnet und auf Hoplostethus cornu-
tus C.V. gegründet, Heterophthalmus Bleek., Beryx Cuv., Polymixia
Lowe, Myripristis Cuv., Holocentrum Art., Rhynchichthys C.V.
Neue Arten dieser Familie sind bei Günther: Trachichthys
elongatus von Neu-Seeland, Beryx affinis von Australien, Polymizia
Lowei von Cuba, Myripristis trackypoma von Cuba, Holocentrum fur-
catum aus der Südsee, Hol. macropus von Isle de France, Hol. ery-
thraeum von Christoval, Hol. microstoma von Amboina, Hol. laeve vom
Louisiade Archipel, den Salomonsinseln und Amboina,
Pristipomatidae. Günther setzte Catalogue ].c. aus einem Theile
der Perceoiden, Sciaenoiden, Sparoiden und Maeniden eine eigene
Familie zusammen, die sich hauptsächlich durch den meist zahnlosen
Gaumen von den Percidae unterscheiden würde, von den Sparidae
durch den Mangel schneidender Zähne in den Kiefern und seitlicher
Mahlzähne. Dahin gehören die Gattungen Therapon Cuy., Helotes
Cuv., Macquaria C.V., Pristipoma Cuv., Conodon C.V., Haemulon Cuv.,
Hapalogenys Richards. , Diagramma Cuv., Hyperoglyphen. gen.,
Lobotes Cuv., Datnioides Bleek. , Gerres Cuv., Scolopsis Cuv., Hete-
rognathodon Bleek., Dentex Cuv., Synagris n. gen., Pristipomoides
Bleek., Pentapus Cuv., Chaetopterus Schleg., Aphareus C.V., Maena
Cuv., Smaris Cuy. , Caesio Comm., Erythrichthys RR Pentaprion
Bleek,, Polycentrus Müll. Trosch,
während des Jahres 1859. 295
Die beiden neuen Genera sind:
Hyperoglyphe auf Diagramma porosa Richards. gegründet:
Körper länglich, comprimirt; Augen mässig, Schnauze stumpf, Mund-
spalte schief mit vorstehendem Oberkiefer; zwei kaum vereinigte
Dorsalen , die erste viel niedriger als die zweite, mit acht kurzen
Dornen; Afterflosse mitsehr dünnen Dornen, sieben Kiemenhautstrah-
len; Kiefer mit hechelförmigen Zähnen, ohne Hundszähne; Gaumen
(roof of the mouth) mit einer tiefen Längsfurche; Schuppen klein,
eycloid; Schwimmblase einfach, zahlreiche Appendices pyloricae.
Synagris enthält 19 von Dentex abgeirennte Arten, die sich
hauptsächlich dadurch unterscheiden sollen, dass sich auf dem Prae-
opecculum drei Schuppenreihen befinden, während Dentex deren meh-
rere besitzt. Ausserdem ist ihr Körper langstreckiger, die zweite
Rückenflosse hat neun weiche Strahlen (bei Dentex 10—12).
An neuen Arten sind aus dieser Familie bei Günther be-
schrieben: Therapon unicolor Neu - Süd - Wales ; Pristipoma terribile
ohne Vaterlandsangabe; Haemulon microphthalmum aus Amerika, H.
macrostoma von Jamaica, H. chrysargyreum aus dem Caraibenmeere;
Diagramma affine von Australien, D. reticulatum von China, D. ni-
tidum von Australien; Gerres ovatus von Australien, G. Nigri aus dem
Niger, G. squamipinnis aus dem Caraibenmeere; Dentez praeorbitalis
vom Cap; Pentapus paradiseus von Sumatra ; Caesio eylindricus von
Madagaskar.
Dentez balinensis Bleeker Nat. Tijdschr. Ned. Indie XVII. p. 155
von Bali.
Sciaenoidei. Girard stellte Mexican boundary 1. c. Amblodon
neglectus p. 12. pl.5. fig.6—10 vom Rio grande del Norte, so wie
Umbrina phalaena p.13. pl.5. fig. 1—5 von Texas als neue Arten auf.
Daselbst gründete er auch die folgenden beiden Gattungen :
Orthopristis Mund klein, Ober- und Unterkiefer mit kleinen
konischen Zähnen; Rand des Vordeckels fast gerade und fein gesägt;
eine Rückenflosse; drei kleine Dornen in der Afterflosse, nach hinten
an Grösse zunehmend. Steht zwischen Haemulon und Pristipoma,
würde also in Günther's Familie Pristipomidae gehören. O. duplex
p-15. pl. 9. fig. —4 aus Texas,
Neomaenis auf Lobotes emarginatus Baird und Girard ge-
gründet, also gleichfalls zu den Pristipomidae gehörig. Mund gross,
nicht sehr vorstreckbar; Kiefer gleich, sammetarlige Zähne längs der
Mitte und vorn am Vomer, am Gaumen und an den Kiefern, an letz-
teren aussen eine Reihe grösserer, zwei Hundszähne am Ende des
Oberkiefers ; Zunge glatt und zahnlos; Rand des Präopereulums fein
gesägt; Kiemenspalte unten vereinigt, sieben Kiemenhautstrahlen; eine
Rückenilosse, Schwanzilosse abgestutzt ; drei Dornen in der Afterflosse.
N. emarginatus p. 18. pl. 9. fig. 58.
296 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Amblodon saturnus Girard Reports I. c. p. 98 aus Californien.
Sparoidei. Günther fasst die Familie der Sparoiden in sei-
nem Catalogue anders als bisher gewöhnlich, und setzt den Charakter
hauptsächlich in das Vorhandensein von schneidenden Zähnen am
vorderen Theile der Kiefer, oder Mahlzähnen an den Seiten. Diese
Familie zerfällt dann in fünf Gruppen:
1) Cantharina. Worn schneidende Zähne, keine Mahl- oder
Vomerzähne, die unteren Brustflossenstrahlen verzweigt. Mit den Gat-
tungen Cantharus Cuv., Box Cuv., Scatharus C.V., Oblata Cuv., Cre-
nidens C.V., Pachymetopon.n. gen., Dipterodon C.V., Protera-
canthus n. gen., Girella Gray, Doydixodon Val., Tepkhraeops n.
gen., Gymnocrotaphus n. gen.
Pachymetopon. Wangen schuppig , verlicale Flossen mit
Schuppen bedeckt; Rückenflosse mit 11 Dornen. Eine neue Art P.
grande ohne Fundortsangabe.
Proteracanthus auf Crenidens sarissophorus gegründet.
Dreispitzige Schneidezähne,, Wangen schuppig, ein liegender Dorn
vor der Rückenflosse.
Tephraeops auf Crenidens tephraeops Richards. (T. Richard-
soni genamnt) und Cr. zebra Rich. gegründet. Wangen schuppig,
Deckel nackt, 14 Dornen der Rückenflosse, Schuppen sehr klein.
Gymnocrotaphus. Wangen nackt, Deckel schuppig, 10 Dor-
nen der Rückenflosse. Eine neue Art G. curvidens vom Cap.
Ausserdem ist eine neue Art Girella zonata aus dieser Gruppe
beschrieben.
2) Haplodactylina. Vorn schneidende Zähne, keine Mahl-
zähne; die unteren Brustflossenstrahlen einfach. - Nur die Gattung
Haplodactylus C.V.
Haplodactylus lopkodon von Neu-Süd-Wales.
3) Sargina. Vorn schneidende Zähne, an den Seiten der
Kiefer Mahlzähne. Mit den Gattungen Sargus Cuv. und Charax Risso.
Sargus ambassis von Neu-York.
4) Pagrina. Vorn konische Zähne, an den Seiten der Kie-
fer Mahlzähne. Mit den Gattungen Lethrinus Cuv., Sphaerodon Rüpp.,
Pagrus Cuv., Pagellus C.V., Chrysophrys Cuv.
Neue Arten dieser Gruppe: Lethrinus Richardsonii (Lethr. hae-
matopterus Richards.) von China, Leihr. glyphodon aus dem Louisiade-
Archipel, Pagellus Owenii (Pagellus acarne Parn.) von den britischen
Küsten, Chrysophrys australis von Australien.
5) Pimelepterina. Vorn schneidende Zähne, Zähne am
Gaumen. Nur die Gattung Pimelepterus Lacep. und als Anhang die
Gattung Boridia C.V.
In der Familie Mullidae, die Günther Catalogue |]. ce. als
selbstständige Familie anerkennt, nimmt derselbe die Gattungen Upe-
u 0 WE RE
während des Jahres 1859 297
neoides Blcek., Upeneichthys Bleek., Mullus L., Mulloides Bleek. und
Upeneus €.V. an. Neue Arten sind von Günther in dieser Familie
nicht aufgestellt.
Etheostomidae. Zwei neue Gattungen in dieser Familie stellte
Girard Proc. Philadelphia p. 64 auf:
- Arlina. Körper spindelförmig, Kopf konisch, Schnauze ziem-
lich stumpf, Oberkiefer vorstehend , wodurch der Mund eine untere
Lage bekommt; Mundspalte mässig , fast horizontal , mit deutlichen
Lippen umgeben; Deckel schuppig, Wangen und Kehle nackt; Rük-
kenflossen deutlich, die erste niedriger als die zweite und länger als
hoch; Afterflosse kleiner als die zweite Rückenflosse; Schwanzflosse
hinten abgestutzt. Die Art heisst Arlina effulgens und lebt in den
Zuflüssen des Potomac-River.
Estrella. Körper spindelförmig und comprimirt, Kopf ko-
nisch, ziemlich stumpf; Mund mässig , etwas protractil , mit horizon-
taler Spalte, Unterkiefer kürzer; Deckel, Wangen und Kehle schup-
pig; erste Rückenflosse fast so hoch wie die zweite und mit ihr ver-
einigt; Afterflosse kleiner als die zweite Rückenflosse; Schwanz-
flosse abgestutzt. E. atromaculata aus dem Potomac-River bei Wa-
shington.
Girard hebt dann ib. p. 66 hervor, dass Percina nehulosa aus
dem Susquehanna-River auch in dem Potomac-River gefunden werde;
— dass Etheostoma caprodes Rafin. in die Gattung Percina Hald. ge-
höre, welcher Name die Priorität vor Pileoma Dekay habe; ebenso
gehören Peleoma semifasciatum , zebra und carbonaria der Gattung
Pereina an.
Ferner stellte Girard ib. p. 67 eine neue Gatlung Oligoce-
phalus auf. Kopf klein, subkonisch, Mund terminal, mässig, nicht
protractil; Kiefer gleich, mit dünnen, deutlichen Zähnen in vielen Rei-
hen, die äusseren grösser; Deckel, Wangen und Kehle schuppenlos ;
erste Rückenflosse niedriger als die zweite; Afterllosse kleiner als
die zweite Rückenflosse, und mit zwei kleinen Dornen; der äussere
Strahl der Bauchflossen ist gleichfalls ein kleiner Dorn. Schwanz-
flosse abgerundet. Dahin Poeeilichthys lepidus, Oligocephalus hume-
ralis n. sp. und Etheostoma Linsleyi Storer.
Eine andere neue Gattung Alvordius unterscheidet Girard
ib. p. 67 von Iladropterus durch nackte Deckel, Wangen und Kehle,
dass die erste Rückenflosse länger und niedriger ist als die zweite,
welche der Afterflosse gleich ist, und durch die ausgerandete Schwanz-
fiosse, A. maculatus aus dem Iluronensee.
Endlich wird ib, p. 68 Cotonotus fasciatus als neue Art be-
schrieben.
Hadropterus maculatus aus dem Potomac-River und Shumardi
aus dem Arkansas-River sind neue Arten von Girard ib. p. 100,
298 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Eine fernere neue Gattung, verwandt mit Catonotus, ist ib. p. 101
Alvarius genannt worden. Ihr Kopf ist verlängert und zugespitzt,
Mund terminal, gross, nicht protractil, Unterkiefer länger; Zähne sehr
klein, Deckel, Wangen und Kehle schuppig; erste Rückenflosse fast so
hoch wie die zweite, Afterflosse viel kleiner als die zweite Dorsale,
Sehwanzflosseabgestutzt; fünf weiche Strahlen in den Bauchflossen,
Ventralschuppen gleichartig. A. lateralis aus dem Rio grande del Norte,
Rafinesque hat die Gattung Etheostoma in zwei Subgenera ge-
theilt, je nachdem die beiden Rückenflossen vereinigt, Aplesion, oder
getrennt, Diplesion, sind. In letztere gehört E. blennioides und
eine neue Art von Girard: D. fasciatus aus dem Chihuahua-River;
aus der ersteren beschreibt derselbe eine neue Art A. Potsü, welche
mit der vorigen das Vaterland theilt. Ib. p. 101.
Daselbst p. 102 beschreibt Girard drei Arten Oligocephalus :
0. Grahami aus Devil’s-River in Texas, leonensis aus dem Rio-Leona
in Texas und pulchellus aus Zuflüssen des Canadian-River.
Boleosoma gracile Girard ib. p. 103 aus Texas,
Boleichthys Girard nov. gen. zwischen Boleosoma und
Oligocephalus ib. p- 103. Kopf konisch, Kiefer fast gleich, Mund ter-
minal, schwach protractil, mässig ; Kiemendeckel schuppig, Wangen
und Kehle nackt; die beiden Rückenflossen deutlich getrennt, die
erste niedriger als die zweite; Afterflosse wohl entwickelt, obwohl
etwas kleiner als die zweite Rückenflosse; Schwanzflosse abgestutzt
oder halbmondförmig. B. ezilis aus Zuflüssen des obern Missouri,
B. Whipplii aus Arkansas, B. elegans aus Texas, B. Warreni vom
obern Missouri.
Cataphracti. Den Namen Peristedion ändert Kaup in Peri-
stethus um, weil er schlecht gebildet sei, (ich halte dergleichen
Aenderungen der Wissenschaft nur für nachtbeilig) und beschreibt
eine neue Art P. Rieffeli von China. Proc. zool. soc. p. 103.
In der Cottoidengruppe stellte Gill drei neue Gattungen auf
Proc. Philadelphia p. 165:
Ceratocottws, verwandt mit Aspicottus Gir. (Clypeocottus
Ayres), aber unterschieden durch die Form des Kopfes, und durch
die Abwesenheit der Zähne am Vordertheile des Vomer. Die einzige
Art ist Cottus diceraus Pallas.
Boreocottus mit fast rhombischen Kopfe, zwei einfachen
Dornen anı Vorderdeckel, Vomerzähnen und sechs Kiemenhautstrah-
len. Eine neue Art B. awillaris aus der Behringsstrasse.
Porocotius, verwandt mit der vorigen Galtung, aber unter-
schieden durch die nackte Haut, einen hakenförmigen Dorn am Vor-
deckel, das Fehlen einer Längsrippe am Deckel, zahlreiche Poren
und nur fünf Kiemenhautstrahlen. Eine neue Art P. quadrifilis aus
der Behringsstrasse,
während des Jahres 1859. 299
Girard erhebt seinen Blepsias oculo-fascialus zu einer eige-
nen Gattung Nautichthys Report explor. and surv. p. 74. Sie un-
terscheidet sich von Blepsias durch die Abwesenheit häutiger An-
hänge, dadurch, dass die erste Rückenllosse höher ist als die zweite,
durch die Afterflosse, welche niedriger als die zweite Rückenflosse;
durch die durch eine breite Brücke getrennten Kiemenspalten und
durch die längeren und schlankeren Bauchflossen.
Chiropsis nebulosus von Fort Steilacoom, Puget Sound und Oli-
gocoltus globiceps von Californien sind neue Arten von Girard Re-
port ]. c. p.45 und 58.
Die Gattung Gasterosteus sieht Günther Catalogne als eine
besondere Familie an, mit der er die ganze Reihe der Fische be-
ginnt. Er nimmt 11 Arten an, deren 12 führt er als zweifelhaft oder
nicht genügend charakterisirt auf.
Kessler beschreibt einen neuen Stichling Gasterosteus platy-
gaster mit neun freien Rückenstacheln, mit breitem, hinten abgerun-
deten Beckenschilde und kurzen Bauchflossenstacheln; bis 2%, Zoll
lang, im schwarzen Meere. Bulletin de Moscou 11. p. 202.
Squamipennes. Chaetodon truncatus Kner Wiener Sitzungsbe-
richte XXXIV. p. 442. Taf. II. von Sidney.
Plataz melanosoma und Holacanthus dimidiatus Bleeker Am-
boina 11.1. c.
Ephippus zonalus Girard Report ]. c. p.110 von Californien,
Scomberoidei. Pelamys lineolata und Trachurus boops Girard
Report ct. p. 106 von Californien.
Atwood zeigte einen Naucrates, der in dem Hafen von Pro-
vincetown gelangen war. Er vermuthet, dass er dahin einem nordi-
schen Wallfischfahrer gefolgt sei, der wenige Tage zuvor daselbst
angekommen war. Proc. Boston soc. VII. p.4. Uebrigens hat der
Pilot eine weite Verbreitung.
Chorinemus lanceolatus Girard Mexican boundary p.21. pl. 11.
fig.5 von Texas.
Auf Lichia carolina gründete Girard Mexican boundary p. 22
eine neue Gattung Doliodon mit folgenden Charakteren: Kopf klein,
Schnauze stumpf abgerundet, Mund unterhalb; Mund klein, sammet-
artige Zähne an den Kiefern und vorn am Vomer, keine an Gaumen
und Zunge; Körper ziemlich kurz, kleinschuppig; Seitenlinie unbe-
wallnet; Dornen der Rücken und Afterflosse durch Haut vereinigt.
Auf Seriola cosmopolita und eine neue Art gründetGirard ib.
p-21 eine neue Gattung Chloroscombrus. Längliche schmale
Haufen sammetartiger Zähne an Kiefern, Vomer und Gaumen ; Zunge
glatt, Mund ziemlich klein und schwach vorstreckbar, Mundspalte
schief, Unterkiefer vorstehend, Körper kurz, hoch, schuppig, Seiten-
linie unbewaffnet; Brustflossen sichelförmig ; zwei kleine Dornen in
300 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
der Afterflosse; Bauchflossen klein; ein kleiner horizontaler Dorn vor
der Rückenflosse. Die neue Art heisst Chl. caribaeus und stammt von
der St. Josephs-Insel in Texas.
Zeus ocellatus Storer von Provincetown Mass. Proc. Boston
Soc. VI p. 386.
Taenioidei. Trachypterus altivelis Kner Wiener Sitzungsber.
XXXIV. p. 437. Taf. I von Chile.
Mugiloidei. Bleeker gab Natuurk. Tijdschr. Ned. Indie XVI.
p- 275 einen Conspectus specierum Mngilis Archipelagi indiei analy-
ticns heraus, und unterschied darin 21 Arten.
Mugil Engeli, Troscheli und Ophuyseni Bleeker Sumatra 8. ]. c.
— M. Berlandieri Girard Mexican boundary p. 20. pl. 10. fig. 1—4
von Texas.
Blennioidei. In dieser Familie sind mehrere neue Arten und
Gattungen aufgestellt worden:
Von Girard Mexican boundary p. 27: Blennius multifilis aus
Texas: und Eleotris sumnulentus von der Mündung des Rio grande
del Norte.
Von Kessler Bulletin de Moscou II. p. 230: Blennius melanio
von Sewastopol.
Von Bleeker Petroskirtes Heyligeri von Palembang auf Su-
matra Natuurk. Tijdschr. XVI. p. 340 und Salarias Goesei Nienw-Guinea
l. ce. von Doreh.
Eine kurze Notiz von Gervais über einen kleinen Fisch in
den Flüssen des südlichen Frankreich Blennius Varus Bonap. (Ich-
thyocoris varus) findet sich Revue de zoologie p. 347.
Entomacrodus Gill Proc. Philadelphia p. 168 ist eine neue
Gattung, die”sich von Salarias durch die langstreckigere Gestalt, durch
getrennte Rückenflossen und durch die Abwesenheit von Anhängen
über den Augen unterscheidet. Die Hundszähne des Unterkiefers sind
stark entwickelt. Die neue Art E. nigricans lebt bei der Insel
Barbados.
X’phidion Girard nov. gen. Report expl. and surv. p. 119.
Körper sehr stark verlängert und zusammengedrückt; Kopf klein,
Mund gross; Hundszähne vorn in den Kiefern, kleine konische Zähne
an dem Zwischen - und Unterkiefer, oben in zwei, unten in einer
Reihe, keine Zähne an Vomer und Gaumen; Kiemenspalten unten
vereinigt; Rückenflosse dornig, fast den ganzen Rücken einnehmend
und mit der Schwanzflosse vereinigt; Afterflosse weich, ohne Dor-
nen, gleichfalls mit der Schwanzflosse vereinigt; Schwanzflosse klein,
aussen abgerundet; keine Bauchflossen ; sehr kleine Brustllossen ;
keine Schuppen; einige Schleimlinien. X. mucosem von Californien.
Neoelinus ist eine neue Gattung von Girard in Report
explor. and sury. p. 114. Körper langstreckig und stark comprimirt,
während des Jahres 1859. 301
mit ziemlich kleinen Cyeloidschuppen ; Kopf mässig, vorn stumpf, oben
mit häutigen Lappen oder Tentakeln; Zähne an dem Zwischenkiefer,
Unterkiefer, Vomer und Gaumen, eine Doppelreihe am Vorderende
der Oberkiefer, eine Reihe am Gaumen; Kiemenspalten unten. verei-
nigt; sechs Kiemenhautstrahlen; eine Rückenflosse; Schwanziflosse
abgerundet; Afterflosse lang ; Bauchllossen mit drei gegliederten Strah-
len und einem rudimentären Dorn, unter den Brustilossen, oder ein
wenig vor ihnen; Brustflossen breit und gerundet. Eine neue Art
N. Blancharci von Californien. — Derselbe Verf, beschreibt Proc.
Acad. Philadelphia p.56 eine zweite Art dieser Gattung N. satirieus
aus der Bay von Monterey.
Centronolus subfrenatus Gill Proc. Philadelphia p. 146 von
Japan. Verf. stellt den Namen Centronotus als den älteren für den
Cuvier’schen Gunnellus wieder her.
Gobioidei. Aus dieser Familie beschreibl Girard Mexican boun-
dary p. 24 sechs neue Arten, nämlich: Gobionellus hastatus, Go-
bius Iyricus, Würdemanni , catulus, gulosus und Gobiosom.a mole-
stum sämmtlich aus Texas. Zu der Gattung Gobionellus zieht Verf.
die langstreckigen und beschuppten Gobien mit zwei Rückenflossen,
langer Afterflosse und spitziger Schwanzflosse. Dahin gehören G. lan-
ceolatus, bacalaus, smaragdus und brasiliensis. Die Gattung Gobio-
soma umfasst die schuppenlosen Gobien, ausser obiger Art noch G.
alepidotus.
Von Kessler finden sich Bulletin de Moscou II. p. 244 und
260 zwei neue Arten aus dem Schwarzen Meere beschrieben : Gobius
Trautvetteri und G. pellucidus.
Rhinogobius similis Gill. Proc. Philadelphia p.145 von Japan.
Luciogobius ist der Name einer neuen Galtung von Gill
Proc. Philadelphia p.146 aus der Gobioidenfamilie, die sich beson-
derrs durch die hechtarlige Lage von Rücken- und Afterflosse und
durch die geringe Zahl der einfachen Strahlen auszeichnet. Die neue
Art L. guttatus stamnıt von Japan.
Eine andere neue Gattung stellte Gill unter dem Namen
Evorthodus auf. Dieselbe bildet ein Verbindungsglied zwischen
der Gruppe Solinae mit spitzen und Tridentligerinae mit dreispilzigen
Zähnen. Sie hat einreihige, zusammengedrückte, gerade, ausgerandete
Zähne, die im Unterkiefer fast horizontal liegen. Die neue Aıt E.
breviceps lebt auf der Insel Trinidad. Proc, Philadelphia p. 195.
Gill hat, auch in Annals I,yceum of New-York YIL. p.12, 16,
45 die Familie der Gobioiden um einige neue Gatiungen bereichert.
Zunächst gab er p.12 einen Prodromus descriptionis subfamiline Go-
binarum squamis cycloideis piscium cl. W. Stimpsono in mare paci-
fico acquisitorum und unterschied drei Gattungen: Chaenogobius
Gill n. gen. ohne Schuppen an Scheitel, Deckel und Wangen, Augen
302 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
vorn am Kopfe, mit mässigen cylindrischen gekrümmten Zähnen;
Ch. annularis von Hakodadi in Japan. — Lepidogobius Gill n.gen.
mit beschupptem Kopfe, Augen mitten am Kopfe mit hechelförmigen
Zähnen in vielen Reihen; dahin Gobius gracilis Gir. und Gobius
Newberri Gi. — Chaeturichthys Richards. unterscheidet sich
von voriger durch zweireihige Zähne; dahin Ch. hexanema Bleeker.
Ferner bildet er p. 16 eine Gruppe der Gobioiden, die er Tri-
dentigerinae nennt, und deren Zähne an der Spitze gezähnelt sind.
Dahin zwei Gattungen. Die eine Tridentiger ist auf Sieydium
obscurum Temin. Schl. gegründet und unterscheidet sich von Siey-
dium durch die einfach trichterförmigen Bauchflossen , so wie durch
die doppelte Zahnreihe; — die andere Triagenophorus ist der vo-
rigen sehr ähnlich, besitzt aber einen dreieckigen hinten angeschwol-
lenen Kopf, und nur eine Zahnreihe im Oberkiefer. T. trigonocepha-
Zus von Hong-Kong in China.
Endlich gründet er p.45 eine neue Gattung Euetenogobius,
die sich durch die einfache Zahnreihe im Oberkiefer und die Cte-
noidschuppen, die sich am Rücken bis fast zu den Augen erstrecken,
auszeichnet. E. badius aus dem Amazonenstrome.
Die Gattung Callionymus auct. ist, von Gill Proc. Philadelphia
p- 128 in drei Genera zerspalten worden:
1) Callionymus L. restr. Aperturae branchiales ovatae, in
latere nuchae utroque silae; pinnae ventrales spina et quinque radiis
ramosis, omnibus membrana coniunctis. Ausser zahlreichen bekann-
ten zwei neue Arteu C. taeniatus von China und inframundus von
Japan.
2) Synchiropus Gill. Aperturae branchiales parvae, linea-
res, fere perpendiculares, post opercula; pinnae ventrales radiis spi-
n0s0 et quinque ramosis membrana coniunctis. Dahin Call. lateralis
Rich. , lineolatus Val. , ocellatus Pall., opercularis Val., opercula-
roides Blkr.
3) Dactylopus Gill. Apertuiae branchiales parvae, linea-
res, post opercula; pinnae ventrales radiis spinoso et quinque arti-
eulatis, radio primo articulato simplice; elongato, radio spinoso con-
iuncto, a radiis ramosis disiuncto; pinna dorsalis prima spinis duabus
primis filiformibus, longissimis, aliis filiformibus sed brevioribus. Da-
hin D. Bennettii (Call. dactylopus Benn.).
Nach Bleeker lebt Sieydium cynocephalus C.V. in einer Höhe
von 3000 Fuss über dem Meere auf Tjikadjang. Natuurk. Tijdschr.
Ned. Indie XX. p. 156.
Ueber die Stellung der Discoboli im Systeme äusserte sich
Agassiz. Er weigert ihnen den Eintritt in die Gobioidenfamilie,
bringt Echeneis zu den Scomberoiden, die übrigen zu den sculpins (9).
Er legte drei neue Gattungen dieser Familie vor: Crossognathus
während des Jahres 1859. 303
von Charleston, Lobognathus von Peru und Ptychocheilus von
Puget-Sound. Chrarakterisirt sind diese Gattungen jedoch noch nicht.
Proc. Boston soc. VI. p. 411.
Pediculati. Neue Art: Antennarius dorehensis Bleeker Nieuw-
Guinea |. c. von Doreh.
Anacanthini.
Pleuronectae.e Girard erhebt seinen Pleuronectes maculosus
zu einer eigenen Guüttung Paralichthys. Report expl. and surv.
p.146. Augen mässig, rechts; Mund gross, Schnauze kegelförmig,
Kiefer fast gleich; schlanke konische Zähne auf beiden Seiten der
Kiefer; die Rückenflosse beginnt vor den Augen; Rücken- und
Afterflosse nicht mit der Schwanzilosse vereinigt, letztere fast abge-
stutzt; Kopf und Körper schuppig; Seitenlinie über den Bruslflossen
gebogen, dann gerade bis zur Schwanzilosse.
Arelia Kaupii Bleeker Sumatra S. 1. c.
Ophidini. Wir erhielten zwei neue Arten von Girard: Ophi-
dion Tayleri Report explor. and suryv. p. 138 von Californien und 0.
Josephi Mexican boundary p. 29. :
Ueber einen parasitischen Fisch, welcher in Holothurien bei
den Cocos-Inseln lebt, hat Anderson (Natuurk. Tijdschr. Ned. In-
die XX. p. 253) einige Beobachtungen mitgetheilt. Er sah ihn in die
Holothurie eingehen , den Schwanz voran; alle Anstrengungen der-
selben ihn mit dem ausgespritzten Wasser zu entfernen, selbst das
Ausstossen eines Theiles der Eingeweide war vergeblich. Er meint,
dass jede Species in besonderen Holothurienarten lebe, und dass die
Fische mit ihren Wohnthieren wachsen, da sie sich von ‘, bis 7 Zoll
in verhältnissmässig grossen Holothurien finden u. s. w.
Pharyngognathi.
Labroidei cycloidei. Neue Arten von Bleeker: Julis (Julis)
Girardi Natuurk. Tijdschr. Ned. Indie XVII. p. 168 von Bali, — No-
vacula tetrasona ib. 169 von Bali, — Malacanthus Hoedtii und Sca-
rus dimidiatus Nieuw-Guinea l.c. vonDoreh, — Novacula kallosoma
Amboina 11.1. c.
Labroidei ctenoidei. Pomacentrus dorsalis Gill Proc. Philadel-
phia p. 147 von Japan.
Amphiprion frenatus, Glyphisodon violaceus und smaragdinus,
so wie Etroplus fumosus sämmtlich von Lew Chew sind neue Arten
dieser Familie von Brevoort Notes on some figures of Japanese
fish p. 11.
Amphiprion Rosenbergii Bleeker Nieuw-Guinea 1. c. von Doreh.
Glyphisodon biocellatus Cuy. wurde von Bennett nach einer
Zeichnung und Notizen von Angas in lebendigen Farben abgebildet.
Proc. zool. soc. p. 222. pl. IX. fig. A.
304 Troschel: Bericht. üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Chromides. . Von vier neuen Chromiden aus dem. Nicaragua-
See, die Froebel gesammelt hatte, machte Agassiz eine vorläu-
fige Mittheilung Proc. Boston soc. VI. p. 407. Den einen, der abge-
sehen ‘von der unterbrochenen Seitenlinie ähnlich wie. Dentex aus-
sieht, nennt er Parachromis gulosus; den anderen, welcher, Chryso-
phrys ähnelt, nennt er Hypsophrys unimaculatus ; einen dritten ähn-
lich mit Boops, nenst er Baiodon fascialus. Der letzte, Amphilophus
Froebelii, der keine fleischige Lippen besitzt, hat einen grossen drei-
eckigen Lappen über dem Oberkiefer und unter dem Unterkiefer her-
vorstehen , ähnlich dem Nasenblatte einiger Fledermäuse. Nähere
Beschreibungen dieser, wie es scheint, interessanten Fische, werden
abzuwaıten sein.
Chromis rivulata Günther Proc. zool. soc. p. 4158 von Ecuador.
Eine neue Gatlung Haligenes wurde von Günther aufge-
stellt Proc. zool. soc. p.471. Sie gehört in die Familie der Chromi-
den und unterscheidet sich von Chromis und Hemichromis durch den
Zahnbau, von Sarotherodon durch die Beschuppung des Kiemendek-
kels und durch den Zahnbau, von Glyphisodon durch die Seitenlinie.
Die Charaktere sind: Körper comprimirt, mit Cycloidschuppen; Wan-
gen und Deckel beschuppt; Seitenlinie unterbrochen ; Rückenflosse
mit 14, Afterflosse mit 3 Dornen; eine Reihe comprimirter einge-
kerbter Zähne in den Kiefern; im Oberkiefer dahinter eine Reihe
kleinerer Zähne; Gaumen zahnlos; untere Schlundknochen dreieckig
mit hechelförmigen Zähnen. Fünf Kiemenhautstrahlen, Schwimm-
blase vorhanden. Die Art H. Tristrami lebt in dem Salzsee bei Tug-
gurt in der westlichen Sahara, wo sie nach den Notizen von Tri-
stram ib. p. 477 in Menge, aber als einzige Fisch-Species lebt.
Pseudochromides. Cichlops japonicus Gill Proc. Philadelphia
p. 147 von Japan.
Scomberesoces. Gill+spricht sich ‚gegen: die; Vereini-
gung der weichflossigen Pharyngognathen mit den stachel-
flossigen, wie sie Müller aufstellte, aus, und wendet für
die ersteren den Namen Synentognathi als eigene Ord-
nung. an. Proc. Philadelphia 1859. p. 148.
Belone scrutator Girard Mexican boundary p. 30. pl.13.
Hemiramphus oceipitalis Gill Proc. Philadelphia p. 148 von
Japan.
Hemiramphus japonicus von Lew Chew und Scomberesex saira
von Simoda sind neue Arten von Brevoortl.c.
Hemiramphus balinensis Bleeker Natuurk. Tijdschr. ‚Ned. Indie
XVII. p. 170 .von Bali.
Unter. dem Namen Hyporhamphus hat Gill Proc, Phila-
delphia p.131 eine neue Gattung aufgestellt, die sich von. Hemiram-
während des Jahres 1859. 305
phus nur durch dreispitzige Zähne in einer schmalen Binde unterschei-
det. Die neue Art H. tricuspidatus ist an der Insel Barbadoes ge-
fangen. Verf. hält es für möglich , dass Cantor’s Hemiramphus tri-
dentifer hierher gehören möchte.
Ferner trennt Gill ib. p. 155 eine eigene Gattung von Hemi-
ramphus unter dem Namen Euleptorhamphus, weil sie im Unter-
kiefer dreispitzige, im Oberkiefer konische Zähne besitzt, und weil
der Körper langstreckiger, der Unterkiefer sehr dünn und lang ist.
Dahin ausser einer neuen Art E. Brevoorti, auch vermuthlich Hemi-
ramphus longirostris und macrorhynchus. Der Fundort der neuen Art
ist unbekannt.
Weinland schlägt eine neue Eintheilung der fünf Arten
Exocoetus der nordamerikanischen Küsten vor. Bei E. exiliens und
noveboracensis sind die Bauchflossen nahe dem After und sehr lang;
bei E. (Cypselurus) furcatus und comatus sind die Bauchflossen sehr
lang; bei E. (Halocypselusnov.gen.) mesogaster sind sie sehr kurz
und stehen vor der Mitte des Körpers. Proc. Boston soc. VI. p. 385.
Physostomi.
Siluroidei. Zur Gattung Pimelodus finden sich einige Notizen
Proc. Philadelphia p.158 von Girard: P. lemniscatus Les. gehöre
in die Gattung Noturus und lebe in Pennsylvanien, nicht wie Dekay
sagt, in den südlichen Staaten. —P. gracilis Hough wird in P. Houghi
umgetauft. — Als neu werden beschrieben : P. Hoyi Wisconsin, con-
finis ebendaher, cuproides Illinois, Dekayi Ontariosee, Iynz Potomak-
River, puma Charleston, vulpeculus ebendaher, platycephalus von An-
derson S. C., megalops Alabama, graciosus Prairie mer rouge, La. —
Ferner beschreibt Girard in den Reports expl. and surv. p. 208 als
neu: P. catulus von Arkansas, felinus Canadia und Arkansas, anto-
niensis Texas, ailurus Minnesota, lupus Rio-Pecos, olivaceus Nebraska.
— P. vulpes Girard Mexican boundary p. 33. pl. 18.
Gill stellte Annals Lyceum of New-York VII. p.39 eine neue
Gattung in der Nähe von Pimelodus auf, Synechoglanis, deren
Charaktere hauptsächlich in der kurzen Rückenflosse, kleinen Felt-
flosse, langen Afterflosse und 8 Bartfäden liegen zu sollen scheinen.
Die neue Art S. Beadlei stammt von Canada.
Eine neue Gattung Pimeletropis Gill unterscheidet sich
von Callophysus Müll. Trosch. durch die einfache Zahnreihe in jedem
Kiefer. Die neue Art P. lateralis lebt im Amazonenflusse. Proc.
Philadelphia p.196.
“ Arges brachycephalus Günther Proc. zool. soc. p. 92 von
Ecuador.
Der bereits Proc. Boston Soc. Sept. 1857 erschienene Aufsatz „On
some unusual modes of gestation“ von Jeffries Wyman ist Silliman
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. U
306 Troschel: Bericht üb. d. Leist, in d. Ichthyologie
Amer. Journ. XXVII. p.5 mit einigen Holzschnitten abgedruckt. Er
bezieht sich ausser einigen Batrachiern auf Aspredo laevis und auf
einen anderen welsartigen Fisch.
Reissner hat bei seinen Untersuchungen .über die Schwimm-
blase und den Gehörapparat einiger Siluroiden (Archiv für Anato-
mie ct. 1859. p. 421) höchst interessante Resultate erhalten. Er hat
Rinelepis acanthicus Val., Loricaria, Hypostomus verres Val., Callich-
thys und einige andere untersucht. Bei vier Gattungen, denen J.
Müller die Schwimmblase absprach , hat Verf. dergleichen nachge-
wiesen, und zwar unter ganz besonderen Verhältnissen entwickelte.
Das Nähere wolle man in der Abhandlung selbst nachlesen.
Cyprinoidei. Günther. wies aufs Neue auf die Geschlechts-
verschiedenheiten bei den Schleihen (Tinca vulgaris) hin und bil-
dete dazu die Bauchflossen und die Beckenknochen auf Taf. XVI ab.
Annals nat, hist. III. p. 385.
Kessler beschreibt Bullet. de Moseou 1859. I. p. 531 drei
neue Arten aus der Krym: Alburnus mentoides, soll sich von A.mento
durch das Vorhandensein des Zwischendeckels und die grössere Zahl
der Schuppen in der Seitenlihie unterscheiden, A. 3 .13—16; Albur-
nus laurieus A. 3.1011; Alburnus maculatus mit schwarzen Flek-
ken an den Seiten. A: 3, 11—14.
Squalius borysthenicus Kessler Bulletin de Moscou 1. p. 545 aus
einem Arme des Dnjepr bei Aleschki.
Cyprinella analostana Girard Proc. Acad. Philadelphia p. 58 aus
einem Zuflusse des Potomac-River der Insel Analostan gegenüber.
Dionda grisea und Tigoma egregia sind neue Arten von Gi-
rard Reports explor, and surv. p« 230.
Bleeker theilt die Cobitinen in sechs Genera: Hymeno-
physa MeCl., Cobitüs Art. Blkr,, LepidocephalusBlkr., Acan-
thopsis Hass., Acanthophthalmus Hass. und Cobitichthys
Blkr. Sie werden Natuurk. Tijdschr. Ned. Indie p. 303 charakterisirt.
Cyprinodontes. Aus der Familie der Cyprinodonten beschreibt
Girard Mexican boundary p: 70: folgende neue Arten: Poecilia li-
neolata pl. 35. fig. 9—11, Limia poeciloides pl.38. fig. 3—14, Limia
venusta pl. 39. fig. 20—23 sämmtlich aus Texas.
Fundulus seminolis Girard Proc. Philadelphia p. 59 von Palatka,
Ostflorida.
Girard's 1853 aufgestellter Fundulus tenellus gehört zu der
Gattung Zygonectes (ib. p. 60).
Hydrargyra zebra Girard ib. p. 60 aus oberen Zuflüssen ar Rio
grande del Norte.
Heterandria Holbrookii wird ib. p. 61 als Gambusia Holbrookii
und Heterandria formosa als Girardinus formosus erörtert und be-
schrieben.
während des Jahres 1859. 307
Girard gab ferner in Proc. Philadelphia 1859. p.113 einige
Notizen über Cyprinodonten. Er stellte die Charaktere der Gattung
Zygonectes fest, welche zwischen Hydrargyra uud Gambusia die
Mitte hält, indem er eine neue Art Z. pulchellus von Arkansas be-
schrieb. — Auch von Limi@ werden die Charaktere angegeben und
hervorgehoben, dass diese Gattung von Poecilia sich nur durch die
Alterflosse der Männchen unterscheide, weshalb. die generische Tren-
nung zweifelhaft sei. Hierhin gehört die oben erwähnte Poecilia
lineolata; L. poeciloides wird genauer charakterisirt; L. formosa aus
einer Lagune zu Paolo Alto, couehiana aus dem Rio San -Juun und
malamorensis von Matamoras werden als neue Arten beschrieben. —
Adinia ist ein neues Genus, welches sich von Limia und Poeeilia
durch den vorstreckbaren Mund, der schwach abwärts gerichtet ist, und
durch die konische Schnauze unterscheidet. Die Art A. multifascialta
war Mexican boundary (vgl. oben) irrthümlick für das Weibchen von
Limia poeciloides gehalten. — Eine andere neue Gattung Lucania
unterscheidet sich von Fundulus durch die einreihigen Kieferzähne‘
Die typische Art ist die oben erwähnte Limia venusta, dazu kommen
zwei neue Arten: D. affinis und eine andere, die Verf. zu benennen
vergessen lat, sie könnte L.-Girardi genannt werden. — Ferner wer-
den Girardinus occidentalis und G. sonoriensis n. sp. aus dem Bache
San Bernardino in Mexiko beschrieben. — Nach Bemerkungen über
Gambusia affınis und patruelis werden als neu G. speciosa aus dem
Rio San-Juan, G. gracilis von Matamoras, G. senilis aus dem Chihua-
hua-River beschrieben.
Girard beschrieb ferner ib. p. 157 als neue Arten dieser Fa-
milie: Fundulus floridensis aus Florida, Cyprinodon californiensis
von San Diego'und Cyprinodon ezimius aus dem Chihuahua-River.
Auch zwei afrikanische Arten von Biskara in Algerien sind von
Guichrenot Revue de zool. p. 377 als Cyprinodon cyanogaster und
C. doliatus beschrieben. worden.
Cbaraeini. , Kner lieferte Beiträge zur Familie der Cha-
racinen, als Vorläufer zu einer für die Denkschriften be-
stimmten Abhandlung. Sitzungsberichte der Wiener Akade-
mie XXX. 1858. p. 75.
Hier sind die Diagnosen folgender neuen Arten und Gattungen
gegeben :
Curimatus (Anodus N. T.) vittatus, rutiloides, abramoides.
Prochilodus vimboides.
Microdus n. gen. Dentes minutissimi, neuti, mobiles uni-
seriales solum in Jabio superiore, inframaxillares nulli, oculi magni nee
non squamae, abdomen ad latera obtuse carinatum. M. lahyrinthicus.
Hemiodus longiceps, semitaeniatus, microlepis, immaculalus.
308 Tro'schel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
Schizodon taeniatus, gracilis, trimaculatus, isognathus, nasutus.
Rhytiodus n. gen. Os terminale, dentes lamnaeformes, in-
termaxillarium facies anterior convexa , margine acuminato , dentes
inframaxillares flexuosi , margine bicuspidati; caput paryum, depres-
sum, corpus elongatum, subteres, pinpna analis brevis. Rh. mierole-
pis, argenteo-fuscus.
Parodon nasus.
Leporinus striatus, pictus.
Tetragonopterus lepidurus, dichrourus.
Bryconops n. gen. Dentes intermaxillares cuspidati, trise-
riales, maxillares nulli , inframaxillares uniseriales, medii cuspidali,
laterales et postici conici, minuti; corpus elongatum,, pinna analis
longa, squamae mediae. Br. alburnoides, lucidus.
Ein zweiter Beitrag findet sich ib. XXXII. p. 163 mit folgenden
neuen Arten:
Chalcinus nematurus.
Gasteropelecus stellatus, vielleicht Männchen von sternicla.
Die Gattung Brycinus hält Verf. für identisch mit Alestes.
Myletes torquatus, maculatus. Die Gattung Myleus erkennt
Verf. nicht als verschieden von Myletes, und hält Myleus setiger für
das Männchen von Tometes trilobatus Val.
Pygocentrus Nattereri.
Serrasalmo maculatus, spilopleura, elongatus.
Epicyrtus microlepis (Ep. gibbosus Val.), macrolepis.
Cynopotamus molossus.
Die Gattung Hydrolycus wird für identisch mit Cynodon Spix
erklärt.
Die Kner’sche Arbeit ist 1859 im 17. und 18. Bande
der Wiener Denkschriften vollständig erschienen und von
17 Tafeln begleitet, auf denen die neuen Arten bildlich
dargestellt sind. Verf. äussert sich über die Familie der
Characinen dahin, dass sie selbst nach Abzug der Gattun-
gen Erythrinus und Macrodon keine natürliche sei, weil das
Gebiss so ungemein verschieden sei; er hat es aber noch
nicht an der Zeit gehalten, eine durchgreifende Aenderung
vorzuschlagen. Ref. muss vorläufig diese Familie für eine
recht natürliche halten. Ausser den ausführlichen Beschrei-
bungen der neuen Arten sind auch über die alten Arten
zahlreiche Bemerkungen gegeben, so dass dieser Beitrag
zur Familie der Characinen ein sehr wichtiger genannt
werden muss.
Günther stellte folgende vier Arten von Ecuador aus der
während des Jahres 1859. 309
Characinenfamilie Proc. zool. soc. p. 418 auf: Anodus Troschelii,
Prochilodus humeralis, Chalceus alburnus und Chalceus brevirostris.
Leporinus Mülleri Günther Proc. zo0l. soc. p. 92 von Ecuador.
Agassiz kündigte vorläufig eine neue Gattung Analcestis
an, von Rio-Remak in Peru, die Aehnlichkeit mit Chalceus hat, aber
der die Hundszähne hinter den vielspitzigen Mahlzähnen fehlen. Proc.
Boston soc. VI. p. 419.
Salmones. Agassiz hat einen Salmo hamatus, der im Mer-
rimac-River gefangen war, untersuchen können. Bisher glaubte man
diese Art käme nur in Europa vor. Proc. Boston Soc. VI. p. 418.
Salmo Perryi wird vonBrevoortl.c. als neue Art von Ho-
kodadi beschrieben und pl. IX. Fig. 1 abgebildet.
Suckley beschrieb einige neue Lachsarten von der Nordwest-
küste Amerika’s, nämlich Salmo Gibbsii (Fario tsuppitch Gir.) aus dem
Columbia-River, S. truncatus aus der Fuca-Strasse, S. gibber Pugel-
Sound, S. confluentus Fort Steilacoom, S. canis Puget-Sound (Annals
Lyceum of New-York VII. p.1).
Thaleichthys Girard nov. gen. Report explor. and surv.
p-345. Hat das Ansehen von Osmerus, doch sind die Bauchflossen
weiter vorn inserirt, der Mund ist tiefer gespalten, und die Kiefer
sind zahnlos; von Argentina unterscheidet sich diese Gattung durch
die Gegenwart von Zähnen an den Pterygoidbeinen, während die
Gaumenbeine zahnlos sind, umgekehrt wie bei Argentina. So bildet
sie ein Zwischenglied zwischen Osmerus und Argentina. Eine neue
Art Th. Stevensi von Puget Sound.
Sauridoidei. Scopelosaurus wurde vonBleeker Amboina
11. 1. e. als neue Gattung aufgestellt und mit folgender Diagnose
versehen: corpus elongatum, cylindraceum, ossa intermaxillaria oris
marginem superiorem constituentia usque ad angulum oris producta
tota longitudine denticulata; ossa supramaxillaria tota supra ossa in-
termaxillaria sita, bene evoluta, edentula; pinnae dorsales 2, anterior
radiosa paulo post pinnas ventrales sita, posterior adiposa analis
parti posteriori opposita; dentes parvi immobiles intermaxillares, pa-
latini vomerinique uniseriali, inframaxillares pluriseriati , linguales
nulli, pseudobranchiae; membrana branchiostega radiis 9; squamae
eyeloideae; membrana palpebralis gracillima. Hat den Habitus von
Saurus und die Bezahnung von Scopelus oder Odontostomus. Eine
neue Art Sc. Hoedti von Amboina.
Clupeacei. Ueber den Heringsfang an der unteren Wolga vgl.
v. Baer Zeitschr. für die ges. Naturwiss. XIII. p. 182.
Schilling gab eine Notiz über die Heringszüge, die nach
seiner Ansicht nicht vom hohen Norden herkommen , sondern aus
grossen Tiefen. Daran schliesst Boll die Erzählung, dass in einem
bestimmt beobachteten Falle eine anfänglich für eine grosse Sce-
310 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d, Ichthyologie
Schlange gehaltene Masse sich als ein Heringsschwarm ergab. Archiv
des Vereins der Freunde der Naturg. in Meklenburg 1859. p. 148.
Nach den Untersuchungen Girard's Proc. Philadelphia p. 158
verweist die Bezahnung Clupea teres Mitch. (Alosa teres de Kay) in
die Gattung Harengula.
H. Kawall, Pastor in Pussen, hat in der zu Dorpat erschei-
nenden Wochenschrift „das Inland“ No, 46. Noveniber 1857 einen
kleinen Artikel über den Strömling (Clupea sprattus) und seinen Fang
an der nördlichen Küste von Kurland veröffentlicht, dessen ich.hier
nachträglich Erwähnung thue.. Er unterscheidet 9 Varietäten, die zu
veıschiedenen Zeiten des Jahres gefangen werden, und ist geneigt
sie für wenigstens zwei Species zu halten, die er jedoch jetzt noch
nicht wissenschaftlich zu scheiden vermag.
Engraulis nanus und compressus sind neue Arten von Girard
Report explor. and surv. p. 335 aus Californien.
Eine Beschreibung eines neuen Exemplars von Megalops elon-
gatus lieferte Girard Proc. Philadelphia p. 64.
Esoces. Putnam äusserte sich, über die Synonymie von Esox
retieulatus und fasciatus, die er für specifisch verschieden hält. Proc,
Boston Soc. VII. p. 3. — Vergl. ib. 156, und eine kurze Bemerkung
über die Lebensweise des letzteren von Curtis ib. p. 159.
Heteropygü. Einen neuen blinden Fisch beschrieb Girard
unter dem Namen Typklichthys subterraneus Proc. Philadelphia
p-'63, so dass nunmehr ‚diese Familie aus. drei Gattungen besteht.
Alle sind mit Cycloid-Schuppen bedeckt, haben die abgerundete Rük-
ken - und Afterflosse einander gegenüberstehend, eine laneetförmige
Schwanzllosse, und ihr After liegt vor der Basis der Brustilossen.
Das Gebiss ist walırscheinlich übereinstimmend, , Die Gattungen un-
terscheiden sich leicht: Amblyopsis spelaeus hat Bauchllossen: aber
keine Augen (bekanntlich sind dieselben im Rudimente vorhanden),
Typhlichthys subterraneus hat keine Augen und keine Bauchflossen,
Chologaster cornutus hat deutliche Augen aber keine Bauchflossen.
Die neue Form ist in einer Quelle bei Bowling-Green, Ky. gefunden
worden,
Apodes. Kaup hat „Neue aalähnliche Fische des Ham-
burger Museums beschrieben und abgebildet. Hamburg
1859. 4. „Indem er seine frühere Einlheilung nach der
Lage der hinteren Naslöcher in Cryplomycteren und Pha-
neromycieren aufgiebt, zerfällt er die Apodes einfach in
die Familien: Ophisuridae, Anguillidae, Congeridae, Murae-
nidae und Symbranchidae.
Aus ‘der Familie der Ophisuriden beschreibt Verf. ausser einer
neuen Art Poecilocephalus Markworti aus Oslindien zwei neue Gemera:'
während des Jahres 1859. 311
1) Cryptopterus gegen dasEnde des Schwanzes verschwin-
den Dorsale und Anale zwischen zwei vertlical gestellten kurzen
Membranen; beide Nasenlöcher stehen nahe äusserlich am Rande der
Oberlippe beisammen; Augen seitlich auf der Mitte der Rachenlänge.
Cr. puncticeps von Puerto Cabello.
2) Crotalopsis. Vomer mit drei Zahnreihen, vorn divergi-
rend, hinten in einer Spitze mit einem Zahne auslaufend. Cr. pun-
etifer von Puerto Cabello.
Ferner eine neue Art Pisoodonophis coronata.
In der Familie der Anguilluliden werden zwei neue Arten auf-
gestellt A. otaheitensis von den Gesellschaftsinseln und capensis vom
Cap, welche letztere sich im Münchner Muscum befindet.
In der Familie der Congeriden wird eine neue Gattung N o-
plunnis mit nur einer Reihe langer Zähne auf dem tief gestellten
Vomer aufgestellt. H. Schmidti von Puerto Cabello,
Aus der Familie der Muraeniden endlich wird Muraena mo-
desta als neue Art beschrieben.
Auf Muraena ocellata Ag. wird eine neue Gattung Priodo-
nophis gegründet, bei der alle Zähne deutlich auf der vorderen
wie hinteren Seite gezähnelt und ohne Lappen an der Wurzel nach
hinten zu sind. Dann Thyrsoidea aterrima von Puerto Cabello, Th.
cormura ebendaher, Th. marginata von Westafrika, Limamuraena
melanotis von Westafrika, Poecilophis ornata von Ostindien.
In einem Nachtrage theilt Verf. die Gattung Thyrsoidea in zwei
Galtungen, von denen er die mit zwei Reihen Vomerzähnen Thyr-
soidea, die mit einer regelmässigen Reihe Zähne auf dem Vomer
Taeniophis nennt. Zu letzterer gehören T..aterrima , Westphali
° n. sp. aus dem Caraibenmeere, lineopinnis, maculipinnis , marginata
und cormura.
In der Gruppe der Ophisuriden stellte Girard eine neue Gat-
tung Myrichthys auf, die sich von Myrus durch das Gebiss und die
Rückenllosse unterscheidet. Ihre Gattungscharaktere sind : Brustllossen
vorhanden, Anfang ‘der Rückenflosse am Nacken, vor den Brustilos-
sen; Kopf breit, Unterkiefer kürzer; granulaartige Zähne in läng-
lichen Haufen in den Kiefern, dem Gaumen und den Nasenbeinen;
Augen wohl entwickelt; Kiemenöffnungen seitlich, mässig und senk-
recht vor den Brustflossen; keine Schuppen. Eine neue Art M. ti-
grinus von der Adair-Bay, Oregon. Proc. Philadelphia p. 58.
Girard beschrieb ferner Mexican boundary p- 75 einen neuen
Aal Anguilla tyrannus pl. 40 und stellte zwei neue Gattungen auf:
Neomuraena. Ohne Brust- und Bauchflossen; Rücken -
und Afterflosse niedrig, ‚hinten zu einer Spitze vereinigt; die vorde-
ren Kieferzähne die grössten; eine Reihe Vomerzähne; Kiemenspal-
312 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d. Ichthyologie
ten seitlich, rundlich, Die neue Art N. nigromarginata pl. 41 von
der St. Josephs-Insel in Texas.
Neoconger. Brustflossen; Rücken- und Afterflossen meist
zu einem häutigen Rande reducirt; Schnauze zugespitzt, Unterkiefer
kürzer als der obere; Kieferzähne winzig, in mehreren Reihen; ein
Haufen ähnlicher Zähne vorn am Vomer und eine Reihe längs sei-
ner Mittellinie; Kiemenspalten seitlich, ziemlich gross und vertical.
Die neue Art N. mucronatus von der St. Josephs-Insel in Texas.
Bleeker hat bei Gelegenheit der Beschreibung einer neuen
Art Muraena Brummeri Natuurk. Tijdschr. XVII. p.137 von Timor
in einer Tabelle von 41 Arten der Gattung Muraena das Verhält-
niss der Höhe zur Länge des Körpers, so wie die Zahl der Strahlen
der. Rücken- und der Afterflosse angegeben.
Ausserdem hat derselbe Sumatra 8. 1. c. drei neue Arten be-
schrieben: Ophisurus Diepenhorsti und polyodon, Muraena congeroides
und eine Conger neoguinaicus Nieuw-Guinea 1. c. von Doreh.
Anguilla myriaster ist eine neueArt von Brevoort l. c. von
Hakodadi.
Plectognathi.
Gymnodontes. Tetraodon bicolor, niveatus und brunneus sind
neue Arten von Brevoort ]l.c. sämmtlich von Simoda. Bei der er-
sten dieser Arten ist in dem mir durch die Güte des Verf. zugegan-
genen Exemplare mit Bleistift hinzugefügt, dass sie zu der Gattung
Gastrophysus gehöre.
Tetraodon politus Girard Report explor. surv. p.340 von Ca-
lifornien.
Sclerodermi. Balistes heteracanthus Bleeker Nieuw-Guinea |l.c. .
von Doreh.
Lophobranchii.
Syngnathidae. Syngnatkus Hunnii Bleeker Sumatra 8. I. c. —
S. Abboti Girard Report expl. surv. p. 346 von Californien.
Hippocampus ingens Girard ib. p.342 von Californien.
In derselben Familie stellte Gray eine neue Gattung Hali-
ichthys auf, deren neue Art H. taeniophora von Westaustralien er
abbildete. Die Gattungscharaktere sind: Mund länglich , viereckig,
mit einem Dorne an der Mitte jeder Seite des Oberrandes; Körper
sechsseitig; Schwanz vierseitig; Schilder des Kopfes und Körpers
mit einem Dorne, der in eine sehr lange, dünne, fadenförmige Faser
endet; Unterseite des Körpers und Schwanzes flach mit einer schwach
vorragenden Mittelkante; Brust- und Rückenflossen deutlich ; keine
Schwanzflosse, Proc, zool. soc. p. 38.
während des Jahres 1859. 313
Ganoidei.
Reissner hat den feineren Bau der Schuppen von
Polypterus und Lepidosteus geschildert. Reicherts und Du
Bois-Reymonds Archiv für Anatomie 1859. p. 254.
Drei neue Arten Lepidosteus beschrieb Girard Report explor.
surv. p-351, nämlich L. leptorhynchus aus Texas, L. (Cylindrosteus) la-
tirostris aus dem Pecos-River, L. (Atractosteus) Berlandieri aus Mexiko.
Selachii.
Squali. Bennett machte einige Bemerkungen über Haifische,
namentlich über zwei riesige bei Sydney gefangene Carcharias leucas
von 12 und 13 Fuss Länge. Proc. zool. soc. p. 223.
Centrophorus molluccensis Bleeker Amboina 11. 1]. c.
Rajae.e Wyman hat in den Oviducten der Rochen
Eikapseln beobachtet, eine in jedem Oviduct, von denen
zwei Hörner und die Fäden an der Basis so wie ein Theil
des Körpers bereits gebildet waren, aber es waren keine
Dotter im Oviducte, und nur ein Corpus luteum im Ovarium.
Verf. folgert hieraus, dass die Eikapseln zuerst gebildet
werden, und dass der Dotter später in dieselbe eingeführt
wird. Er entdeckte das Material für die Eikapseln in den
Röhren der Eileiterdrüse; es bestand aus Körnchen und
langen dünnen Fäden. Die Kapsel wird in der Central-
höhle der Drüse gebildet, und so wie sie gebildet wird,
treten die fertigen Theile allmählich in den unteren Theil
des Oviducts. Die Eibildung gleicht mehr der der Vögel
als der der gewöhnlichen Fische. Agassiz schloss an
diese Mittheilung einige Bemerkungen. Proc. Boston Soc. VI
p- 376.
Die Jagd auf den Teufelsfisch (Cephaloptera vampirus) in Süd-
Carolina wird in Frorieps Notizen 1859, II. p.86 im Auszuge aus
Petermann’s Mittheil. geschildert.
Agassiz stellte eine neue Gattung Goniobatis unter den
Rochen auf, deren Gaumen hinten am breitesten ist, mit stumpf wink-
lichen Platten. Dahin Aetobatis flagellum und eine neue Art G. me-
leagris von den Sandwichinseln. Proc. Boston soc. VI. p. 385.
Raja Cooperi Girard Report explor. surv. p. 372 von der Shoal-
waterbay, ist nach einer Zeichnung aufgestellt.
314 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Ichthyol. etc.
Cyelostomi.
Nur von Girard in Report explor. and surv. ]. c.
p- 379 sq. ist aus dieser Ordnung Neues zu erwähnen:
Zwei neue Arten von Oregon nannte er Petromyzon lividus
und Astori. |
Ferner gründete er eine neue Gallung Ichthyomyzon mit
folgenden Charakteren: Mundscheibe trichterförmig , subterminal, un-
terhalb, kreisförmig oder elliptisch, an der Peripherie gefranst;
zwei verticale, fein gezähnte Kieferstücke, eines jederseits vom
Schlunde ; ein ähnliches horizontales Stück unter den vorigen; Zähne
in der Mundscheibe einfach, gekrümmt, auf seitlichen Wölbungen, die
grössten innen; Kiemen in besonderen Abtheilungen innerhalb der
Brust; eine einzige Rückenflosse vereinigt mit dem oberen Lappen
der Caudale, keine Afterflosse. Diese Galtung soll sich von Petro-
myzon durch die Anordnung der Zähne und durch die einzige Rük-
kenflosse unterscheiden. Verf. zählt dahin P. Planeri Bl., Lamoltenii
Les., argenteus Kirtl:, appendix Dekay und zwei neue Arten I]. ca-
staneus von Minnesota und hirudo von Arkansas.
Der Gatlung Ammocoetes fügt Girard ib. p. 383, eine neue
Art A. cibarius von Puget Sound hinzu, und sondert von ihr als eige-
nes Genus Scolecosoma die Arten mit einer einzigen Rückenjlosse
und rudimentärer Afterflosse. Dahin werden gezählt A. concolor Kirtl.,
unicolor Dekay und borealis Ag. Es erleidet wohl keinen Zweifel,
dass diese Formen wie unser A. branchialis bei vollständigerer Kennt-
niss der Entwickelungsgeschichte dieser Thiere sich als jugendliche
Wesen herausstellen werden.
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Mollusken während des Jahres 1859,
Vom
Herausgeber.
Auch im Jahre 1859 ist eine grosse Menge von wis-
senschaftlichen Arbeiten erschienen, die auf die Mollus-
ken Bezug haben. Die grösseren Werke, welche sich eine
vollständige bildliche Darstellung der Conchylien zur Auf-
gabe machen, wie Küster, Reeve, Sowerby, Pfeif-
fer, Rossmässler, sind fortgesetzt worden, ebenso die
Zeitschriften, welche den Mollusken ausschliesslich gewid-
met sind: die Malakozoologischen Blälter und das Journal
de Conchyliologie. Ein neues Handbuch der Conchyliologie
hat Chenu herauszugeben begonnen. Mehrfache Beiträge
zur Kenntniss der Molluskenfaunen aller Welttheile werden
unten zu erwähnen sein, die namentlich in den verschie-
denen Zeitschriften und Gesellschaftsschriften veröffentlicht
sind. Zahlreiche neue Arten sind aufgestellt und es scheint,
als ob wir von einer annähernd vollständigen Kenntniss
aller Arten unseres Erdballes noch sehr weit entfernt
wären.
Von Pfeiffer’s Novitates conchologicae ist im Jahre
1859 nur die 11. Lieferung erschienen. Abgebildet sind
darin 8 Arten Helix, 7 Ennea, ] Cataulus, 2 Bulimus und
1 Partula, die sämmtlich bereits anderen Orts aufgestellt
waren.
Von Küster’s Ausgabe des „Systematischen Conchy-
lien-Cabinets von Martini und Chemnitz“ brachte das Jahr
1859 sechs Lieferungen, 165—170. Sie enthalten den Text
316 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
für die Gattungen Pecten von der 4.—80. Art, unter denen
zwei neue; Cylindrella 52 Arten bearbeitet von Pfeiffer;
und Purpura 86 Arten, worunter einige neu. Die Abbil-
dungen beziehen sich auf die Gattungen Buccinum,, Pur-
pura , Monoceros, Concholepas, Rieinula , Cylindrella und
Pecten.
Von Reeve’s Conchologia iconica, or figures and
descriptions of the shells of Molluscous animals with eriti-
cal remarks on their synonymes, alffinities and circumstan-
ces of habitation sind mir die Lieferungen 181—187 als
im Jahre 1859 erschienen bekannt geworden. In ihnen
finden sich Monographien der Gattungen Janthina , Calyp-
traea, Crucibulum, Pinna, Columbella, Trochita, Crepidula,
Placunanomia , Anomia. Ueber die einzelnen finden sich
unten nähere Angaben.
Der 19. Theil von Sowerby’s Thesaurus Conchy-
liorum enthält folgende Monographien : Ancillaria mit -44
Arten auf 4 Tafeln; Eburna Lam. mit 8 Arten auf 1 Ta-
fel; Pseudoliva Swains. mit 8 Arten auf 1 Tafel; Cyllene
Gray mit 14 Arten auf 1 Tafel; Terebellum Klein mit 1 Art
auf 1 Tafel; Erato Risso mit 16 Arten auf 1 Tafel; Nassa-
ria Link (Hindsia Adams) mit 13 Arten auf 1 Tafel; und
Phos Montf. mit 32 Arten auf 2 Tafeln.
Von Rossmässler’s Iconographie der Land- und
Süsswasser- Mollusken Europas ist 1859 das Schlussheft
(5 und 6) des dritten Bandes erschienen. In demselben
sind Arten der Gattungen Helix , Bulimus, Pupa, Clausilia,
Planorbis, Anodonta und Unio besprochen und abgebildet.
Die bunte Manchfaltigkeit desselben , auf welche Verf. mit
einigem Missbehagen hinweist, denken wir, wird den Le-
sern nicht unangenehm sein. Freilich möchten wir wün-
schen, dass die dadurch gestörte Absicht des Verf., die
Gatlungen Cyclas und Planorbis monographisch zu behan-
deln nur aufgeschoben, nicht aufgegeben sein möchte. Die
einzelnen hier behandelten Arten sollen unten namhaft ge-
macht werden , auf die einzelnen Bemerkungen über sie
kann naturgemäss in diesem Berichte nicht eingegangen
werden.
der Mollusken während des Jahres 1859. 317
The Conchological Miscellany of Sylvanus Hanley.
Illustration of Pandora, Amphidesma, Ostrea, Melo, the Me-
laniodae, Ampullaria and Cyclostoma. In forty Plates. Lon-
don and Edinburgh 1854—1858. 4. Part I-X, mit je 4
Tafeln und 1 Blatte Text, worauf die Namen der Figuren
enthalten sind. Von diesem seltenen Werke hat in diesen
Berichten nicht gesprochen werden können, weil es Refe-
renten nicht bekannt geworden war. Vergl. Malak. Bl.
1859. p. 15. \
S. Hanley veröffentlichte in Journal of the procee-
dings of the Linnean society IV. p. 43 ein Linne’sches Ma-
nuscript, Museum Ludovicae Ulricae Reginae, welches durch
das zur Prüfung der Sammlungen und Manuscripte Linne’s
niedergesetzte Committe wieder aufgefunden ist. Es war
eine Abschrift des Originals mit Aenderungen und Zusät-
zen von der Hand des Autors. Es war unzweifelhaft der
nicht publicirte Catalog, der so oft in der zehnten Ausgabe
des Systema Naturae eitirt wird, und enthält Beschreibun-
gen gewisser als beschrieben erwähnter aber seltsamer-
weise in der gedruckten Ausgabe ausgelassener Arten.
Verf. sagt, dieses Manuscript sei wichtig in mancher Hin-
sicht: es verbessert häufige Druckfehler ; erklärt manche
falsche Anspielungen auf vorhergehende Arten, indem ihre
Reihenfolge sehr abweichend ist; es zeigt diejenigen alten
Synonyme, welche, ausgemerzt durch Vergleichung mit den
wirklich beschriebenen Exemplaren , möglicherweise durch
muthmasslich bessere Abbildungen verdrängt sind; vor-
züglich aber theilt es uns diejenigen Originaldiagnosen
mit, welche zu Gunsten der wirklich in dem Systema Na-
turae abgedruckten unterdrückt sind. Dass die Auffindung
und Publikation dieses Manuscripts grosses Interesse für
die Geschichte der Conchyliologie haben, unterliegt keinem
Zweifel.
Manuel de Conchyliologie et de pal&ontologie conchy-
liologique par Chenu. Von diesem schätzbaren Werke ist
1859 die erste Abtheilung des ersten Theiles erschienen.
Verfasser charakterisirt darin die Klassen, Ordnungen, Fa-
milien, Gallungen und Untergaltungen, und erläutert die
318 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
letzteren durch instructive und elegante Holzschnilte von
einer oder mehreren Species. Einige, z. B. Conus cedo
nulli mit neun Varietäten sind in zierlichstem Farbendruck
ausgeführt. Auch die fossilen Formen sind, ‘wie ‚es der
Titel verspricht, berücksichtigt. Das Buch ist recht em-
pfeblenswerth, zumal Verf. auch die Literatur des Auslan-
des benutzt hat. Dass manche für uns erledigte Punkte in
dem Buche noch figuriren, z. B. die Gattung Trichoeyelus,
die offenbar nur Entwickelungsstufe eines Clio-ähnlichen
Thieres ist, die Gattung Sagitta unter den Heteropoden , die
entschieden den Würmern zugehört, die Gattung Phyllirhoe
unter den Heteropoden und einiges Andere, scheint wohl
dem Wunsche nach möglichster Vollständigkeit zugeschrie-
ben werden zu müssen, — Diese ‚erste Abtheilung. ent-
hält die Cephalopoden, Pteropoden,, Heteropoden, und von
Gasteropoden die Unterordnungen Proboseidifera und Toxi-
fera der Pectinibranchiaten. Gegen die Anordnung der Fa-
milien lässt sich. Manches einwenden. So steht die Fa-
milie der Pleurotomiden noch nicht unter den Toxiferen
u. dergl. m.
J. E. Gray macht Annals nat. hist. II. p. 510 auf
die Schwierigkeit aufmerksam, die Species der Mollusken
zu unterscheiden, indem zuweilen die Schalen zum Ver-
wechseln ähnlich und doch anatomische Verschiedenheiten
nachzuweisen sind. Ref, könnte auch einige solche, Bei-
spiele hinzufügen!
v. Martens hat in den Malak. Bl, p. 168 Nachricht
von der Deutung, welche Mortillet den Namen Risso’s nach
eigener Anschauung der Original-Exemplare ‚beigelegt hat,
gegeben.. Wir weisen auf diese Mittheilung, um so lieber
hin, als die Abhandlung von Mortillet, im Bull, de la soc.
-d’histoire naturelle de Savoie 1851 erschienen, in dem da-
maligen Jahresberichte nicht nach eigener Einsicht hat be-
nutzt werden können. Vergl. Archiv 1853. Il. p. 96.
Im Journal des Cultivateurs 1858 und 1859 hat Bau-
don über die dem Ackerbau schädlichen Mollusken ge-
schrieben. Er sieht als solche 2 Arion, 3 Limax- und 9
Helix-Arten an. Schliesslich spricht er über die Mittel sie
der Mollusken während des Jahres 1859. 319
zu vertilgen. Vergl. eine Anzeige hiervon in der Revue
de zoologie p. 497.
G. Rose hat seine Untersuchungen über die hetero-
morphen Zustände der kohlensauren Kalkerde fortgesetzt,
und auf das Vorkommen des Arragonits und Kalkspaths in
der organischen Natur, namentlich im Thierreiche gerich-
tet. Die Mollusken bilden hierbei die Hauptsache, und Verf.
kommt zu dem Resultate, dass 1) bei Pinna, Inoceramus,
.Mytilus, Unio, Anodonta die äussere Faserlage ihrer Scha-
len aus Kalkspath, die innere Perlmutterlage aus Aragonit
besteht; 2) dass bei Ostrea,, Pecten, Spondylus die Schale
nur aus Kalkspath, 3) bei Strombus, Paludina und allen
Gasteropoden, so wie bei Pectunculus und Arca nur aus
Aragonit besteht. Abhandl. der Berliner Akademie 1858.
p- 69-
Von einer Abhandlung „über die schalentragenden
Mollusken, besonders mit Rücksicht auf den Bau und die
Form,“ welche Garner in der Linnean Society gelesen
hat, findet sich in dem Journal of the proceedings dieser
Gesellschaft IV. p. 35 ein Auszug. Auf das Specielle die-
ses Aufsatzes hier näher einzugehen, ist bei der grossen
Menge einzelner Bemerkungen unmöglich , und würde eine
Uebersetzung des ganzen Auszuges nöthig machen.
Recluz hat im Journal de Conchyliologie VII. p. 209
über die Anomalien bei den Mollusken geschrieben, wobei
besonders auf die Schalen Rücksicht genommen worden ist.
— Ueber Monstrositäten bei verschiedenen Mollusken hat
Cailliaud ib. p. 226 und p. 309 mehrere Beispiele beige-
bracht auch einige. derselben auf Taf. XV abgebildet. —
Auch Fischer hat ib, p.235 demselben Gegenstande seine
Aufmerksamkeit gewidmet. Er lässt die Anomalien von
drei verschiedenen Hauptursachen abhängig sein, nämlich:
1) von eigenen Organisationsverhältnissen der Thiere, 2)
äusseren Einflüssen, 3) von Krankheiten und Zufälligkeiten.
Hier mögen einige Beobachtungen vonBaudon über
den Albinismus und scalare Monstrositäten von Planorbis
eorneus ib. p. 310 und 315 erwähnt werden. Verf, ist ge-
neigt, die gänzliche Abwesenheit von Eisensalzen und den
320 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Mangel an Kalk, so wie die ausschliessliche Nahrung von
Conferven für die Ursache des Albinismus zu halten.
Hyndman beobachtete eine Monstrosität von Fusus
antiquus. Report of the 27. meeting. of the brilish asso-
ciation for the advancement of science held at Dublin p. 104.
Wedl weist nach, dass die in manchen Muschel -
und Schneckenschalen vorkommenden Canäle oder röhren-
artigen Gebilde nicht der Struktur der Schale angehörig,
sondern etwas Accessorisches seien. Er erklärt sie für
Hohlgänge, die von parasitischen , den Conferven angehö-
rigen Algen ausgefüllt sind. Wiener Sitzungsberichte XXXIII,
p- 451 mit 3 Tafeln.
On the Liabiliiy of shells to injury from the growth
of a Fungus by Higgins. Report of the 27. meeting of
the british association for the advancement of science held
at Dublin p. 122.
Gwyn Jeffreys machte Journ. de Conchyl. VII.
p- 269 einige Bemerkungen über die geographische Ver-
breitung der Mollusken; Petit setzte ib, p. 274 seine Be-
trachtungen über die Wanderungen der Mollusken fort.
Bidrag till Spitbergens Molluskfauna jemte en allman
öfversigt af Artiska Regionens, naturförhallanden och forn-
tida utbredning af Otto Torell. Partl. 8. 154 pag. und 2
Tafeln. Stockholm 1859.
Ist mir nur aus einer Anzeige in Sillimans Amer. Journ. XXVIN.
p. 444 bekannt geworden. Es heisst daselbst: „In dem systematischen
Berichte der spitzbergischen Mollusken reicht ‚dieser Theil nur bis
Arca unter den Bivalven. Die Synonymie ist wohl bearbeitet und
die Fehler Middendorff's und Anderer in Betreff der Crenellae
sind auseinandergesetzt. Folgende Beispiele werden die Ansicht des
Verfassers in Rücksicht auf die Synonymie der Arten, die auch an
der Küste von Neu-England vorkommen, zeigen: Modiola nexa Gould
ist Crenella nigra. Mytilus levigatus (discrepans Gould) ist C. sub-
striata Gr., Nucula tenuis Gould ist N. expansa Reeve und nicht die
europäische tenuis. Leda tenuisulcata Stimps. ist L. pernula. Leda
sapotilla ist L. hyperborca Loven. Eine neue Gattung Dacrydium
ist beschrieben. Das Vorkommen einer Arca (A. glacialis) in so ho-
her Breite ist bemerkenswerth.“
Illustrated Index of British Shells with coloured figures
der Mollusken während des Jahres 1859. 321
of all the species. By G. B. Sowerby 1859 ist mir
noch nicht zugänglich geworden.
Unter dem Titel: „Nachlese zur Britischen Conchylio-
logie* hat Gwyn Jeffreys in den Annals nat. hist. III.
p- 30 und p. 106 Bemerkungen über. das Vorkommen zahl-
reicher Species gemacht, auch einige neue Arten beschrie-
ben, die auf zwei Tafeln abgebildet sind, und die wir un-
ten namhaft machen. Auch einige Schneckenzungen hat
Verf. hier abgebildet, so von Chiton fascicularis, discrepans
und graeilis, um die specifische Verschiedenheit nachzu-
weisen, freilich ohne ein Wort der Beschreibung hinzuzu-
fügen; ebenso von Assiminea Grayana und littorea ; des-
gleichen von Skenea planorbis und Euomphalus nitidissi-
mus (vergl. auch Journ. de Conch. VII. p. 361); endlich
von Truncatella Montagui. Alle diese Abbildungen lassen
viel zu wünschen übrig.
In derselben Zeitschrift p. 406 giebt Clark kritische
Bemerkungen zu den Nachlesen des Verf. vom vorigen
Jahre und zu den obigen.
Ich beschränke mich darauf, aus denselben hier zu erwähnen, dass
Verf, Diodonta Barleei für seine Diplodonta rotundata juv. hält, Aporrhais
pes carbonis hält er nur für Var. von pes pelecani, Rissoa pulcherrima
ist nach Clark's Ansicht Var. von R. inconspieua, Cerithiopsis pul-
chella Var. von C, tubereularis, Buceinum Humphreysianum Var. von
B. undatum, Mytilus Galloprovincialis und ungulatus des Verf. seien
Varietäten vonM. edulis. Truncatella atomus Phil., welche Jeffreys
als Synonym von Euomphalus nitidissimus anzusehen geneigt war,
vertheidigt Clark als verschieden und keinesweges der Gattung
Euomphalus zugehörig. — Gegenbemerkungen von Jeffreys finden
sich ib. p. 496. — Fischer erklärt Journ. de Conch. VII. p. 364, die
Skenea nilidissima, gewiss mit Recht, für eine Larve.
Nachträgliche: Nachlesen von Jeffreys finden sich
ib. IV. p. 189.
Im Report of the 27. meeting of the. british associa-
tion for Ihe advancement of science held at Dublin ist
p. 104 ein Bericht über die marine Zoologie von Strang-
ford Lough, County Down and corresponding part of the
Irish Channel von Dickie enthalten. Enthält namentlich
Verzeichnisse von Conchylien.
Archiv für Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. N.
322 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen ind. Näturgeschichte
Ebenda p. 220—237 findet sich ein’ Report! of. the
Proceedings of the Belfast Dredging ‘Committee.\; Hiernach
sind gefunden: 96) Lämellibrarichiaten ,„ 2: Brachiopoden , 96
Gasteropoda ‚prosobranchiata und 11 Gasteropoda. opistho-
branchiata.. —:Vergl'auch den folgenden Jahrgang (Leeds)
p- 282—29.
Bemerkungen über den Schleppnetzfang: in, der Bucht
von Belfast machte Kinahan in der Dublin natural history
society, und sprach dabei auch über ‘die Verbreitung und
das Vorkommen einiger Mollusken. The, natural ‚history
review VI. p. 79.
Ueber die Verbreitung des Bulimus acutus in, England
findet sich eine Notiz von J.E. Gray Annals nat. hist. IV.
p- 238.
E. P. Wright verzeichnete: die Irländischen Nackt-
kiemer, welche ihm vorgekommen sind ‚ 37 an der Zahl.
The natural history review VI. p. 86.
Einen kleinen Nachtrag ‘zur Fauna .der Land- und
Süsswassermollusken Meklenburgs ‚lieferte Boll. ,,, Archiv
des Vereins für Freunde der Naturgesch. in Meklenburg
1859. p. 158.
Grateloup’s „Faune malacologique. girondine* ist
in zwei Abtheilungen erschienen, die im Journ. de Conch.
VI. p.308 und 394 angezeigt sind. Die 175 lebenden
Arten gehören 9Familien und 27 Gattungen an. Ihre Zahl
möchte etwas zu hoch sein, indem einige Varietälen für
Species. angesehen sind.
Catalogue. raisonne des Mollusques terresires et, d’eau
douce de la Gironde par M. J. B. Gassies. Paris, Bail-
liere 1859. (Extrait des Acles de la Soc. Linn. de Bordeaux)
kenne ich bisher nur aus den Anzeigen in Revue.de zool.
p- 501 und Journal de Conchyliologie VII. p. 396.
Es werden 138 Species aufgezählt, nämlich: 3 Arion, 5 Limax,
2 Testacella, 3 Vitrina, 2 Suceinea, 9 Zonites, 24 Helix, 9: Bulimus,
4 Clausilia,1 Balaea, 7 Pupa, 5. Vertigo, 1 Carychium, 2 Cyclostoma,
2:Acme, 12 Planorbis, 3 Physa, 38 Limnaea, 2 Ancylus, 1 Paludina,
8 Bythinia, 3 Valvata, 1 Neritina, 4 Anodonta, 4 Unio, 4 Cyclas,
9 Pisidium. Ein neuer Limax und 1 neue Bythinia sind unten nam-
haft gemacht. gi.
der Mollusken während des Jahres 1859. 323
Nach Peter Merian kommen Dreissena polymorpha
und Paludina vivipara jetzt in dem Kanale bei Mülhausen
vor, während sie früher daselbst fehlten. - Verf; 'vermuthet,
dass sich die letztere durch den Rheinkanal allmählich
verbreiten werde. Verhandl. der naturf. Gesellsch. in Ba-
sel II. p. 343.
Prospetto sistematico-statistico dei Molluschi terrestri
e fluviali viventi nel territorio diLugano (Svizzera italiana)
dell Ab. Giuseppe Stabile. Milano 1859. 8. 67 Seiten.
Verf. beschreibt zuerst die geographische und physische Be-
schaffenheit des Gebietes, zählt dann die Arten’ auf, giebt in einem
dritten Abschnitte Diagnosen und Noten und fügt viertens eine verglei-
chende Tabelle der Landschnecken hinzu, worin die natürliche Be-
schaffenheit der Schalen (ob hornig, hornig-kalkig, oder kalkig), die
mineralogische Beschaffenheit des Bodens, auf welchem sie leben
(eristallino, dolomia, calcare, calcare artificiale) und der Aufenthalt
(ob an Felsen, an Mauern, auf Pflanzen, an der Erde, verborgen un-
ter Steinen oder Laub) angemerkt ist. — Das Verzeichniss enthält:
1 Arion, 2 Limax, 1 Vitrina, 2: Succinea, 6 Zonites, 16 Helix, 4 Bu-
limus, 2 Caecilianella, 5 Clausilia, 1 Balia, 6 Pupa, 6 Vertigo, 2 Ca-
rychium,, 5 Planorbis, 1Physa, 7 Limnaea, 3 Ancylus, 1 Cyclostoma,
1 Pomatias, 1 Acme, 2 Bythinia, 1 Paludina, 2 Valyata, 1 Neritina,
2 Anodonta, 2 Unio, 2 Pisidium, 1 Sphaerium; also 77 Schnecken
und 7 Muscheln, zusammen überhaupt 84 Arten.
Eine Brochüre von Antonio Villa „Sulla distribu-
zione geografica dei molluschi terrestri nella Lombardia. Mi-
lano 1859“ ist mir nur aus der kritischen Anzeige von E.
v. Martens Malak. Bl. p. 199 bekannt geworden.
Kohlmayer nennt 22 Schnecken als an den östli-
chen Abhängen des Reisskofel in den Gailthaler Alpen vor-
kommend. Jahrbuch des naturh. Museums in Kärnten IV.
1859. p. 64.
Belke verzeichnete (Bulletin de Moscou 1859. I.
p- 102) die Mollusken der Umgegend von Kamenietz - Po-
dolski.
Es sind 1 Arion, 3Limax, 2 Suceinea, 5 Helix, 3 Pupa, 1 Au-
rieula, 1 Planorbis, 5 Limnaeus, 1 Melanopsis, 1 Paludina (Bithynia),
1 Neritina, 2 Cyclas, 2 Unio, 1 Margaritana, 2 Anodonta ; zusammen
24 Schnecken und 7 Muscheln.
Mousson’s Schrift „Ein Besuch auf Corfu und Ce-
324 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
falonien. Zürich 1859. 8.%, welche auch Conchyliologisches
zu enthalten scheint, ist mir nicht zu Gesichte gekommen.
— Ebensowenig „Coquilles terrestres et fluviatiles recueil-
lies dans l’Orient par Mr. le docteur Al. Schäfli, determi-
nees par A. Mousson. Zürich 1859.“ :
Aus dem Journ. de Conch. VII. p.400 erfahren wir,
dass Drouct neuerlich den Catalog der marinen Mollus-
ken-der Azoren, in Quarto mit 2 Tafeln veröffentlicht hat.
Die daselbst angegebene Jahreszahl 1848 halte ich für einen
Druckfehler. Verf. findet eine gewisse Analogie mit der
Fauna des Mittelmeers und den Canarischen Inseln. An
den Azoren finden sich nur 75 Arten, während d’Orbigny
von den Canarischen Inseln 109 Arten aufführt. Die Fauna
der Landschnecken ist dagegen sehr reich, und soll von
Morelet in einem besonderen Werke veröffentlicht wer-
den. Eine Süsswasserfauna [ehlt ganz. Die 5 neuen Arten
gehören den Gattungen Liliopa, Nassa und Patella an.
In Georg Hartungs Schrift „Die geologischen Ver-
hältnisse der Inseln Lanzarote und Fuerta Venlura 1857,*
und zwar im Anhange p.130—139 hat Mousson über die
Land-Schnecken dieser Inseln mit Bemerkungen über die
Molluskenfauna der Canarischen Inseln im Allgemeinen. ge-
- schrieben. Von dieser in dem damaligen Berichte übersehe-
nen kleinen Arbeit hat Lowe Annals nat. hist. 111. p. 81
eine Uebersetzung gegeben.
Im Ganzen sind von den Canarischen Inseln 101 Arten be-
kannt, unter denen 2 neue Helix-Arten , die unten genannt sind.
Nach Aucapitaine leben im hohen Kabylien nur
drei Süsswasser -Mollusken, nämlich Ancylus costatus, Pa-
ludina idria Fer. und Limnaea minula Drap.; die erste in
der Ceder-Region, die beiden letzteren in der unteren Oli-
venregion. Verf. erklärt diese Armulh durch den sehrof-
fen Temperaturwechsel und durch das Austrocknen; der
Bäche im Sommer, welche das Schmelzen des Schnees in
reissende Ströme umwandelt, welche keinem Thiere gestat-
ten, sich darin zu entwickeln. Daher findet man nur einige
Arten, welche in Quellen leben können. Annales «des scien-
ces naturelles XI..p. 179.
der Mollusken während des Jahres 1859. 325
Gassies beschreibt Actes de la Soc. Linn. de Bor-
deaux XXIl. p. 229 zwei Helices und zwei Ancylus, welche
Debeaux auf einer Excursion nach dem Djurjura in Ka-
bylien gesammelt und ihm zugesandt hatte. Die Helix
erschienen beiden neu; sie sind unten genannt. Vel. Re-
vue de zoologie p. 496.
v. Martens hat ein Verzeichniss der von Prof. Pe-
ters in Mossambique gesammelten Land- und Süsswasser-
Mollusken in Malak. Bl. p. 211 veröffentlicht, welches über-
haupt 27 und darunter 13 eigenthümliche Arten enthält.
Das Vorherrschen der Achatinen, Iridinen und Lanistes ist
echt afrikanisch. Die neuen Arten sind unten namhaft ge-
macht.
Dunker beschrieb Malak. Bl. p. 221 sechzig neue
Conchylien-Arten von Japan, aus einer Sammlung, welche
Dr. Nuhn im Hafen von Decima zusammengebracht hatte.
Sie sind auffallender Weise alphabetisch geordnet.
Fischer hat begonnen ein Verzeichniss der Mollus-
ken des Caledonischen Archipels zu veröffentlichen. Journ.
de Conch. VII. p. 329. Die Sammlung Montrouzier’s wird
über 650 Arten geschätzt, von ‘denen vier Fünftel mit der
Fauna der Philippinen übereinstimmen. Die Landschnecken
gleichen denen von den Philippinen nicht, sie bieten eine
wunderliche Mischung von Formen der entferntesten Ge-
genden. Prächtige Bulimus, wie die von Australien und
den Salomonsinseln kommen neben kleinen Bulimus vor,
die denen der Antillen ähnlich sind; die Cyclostomen und
Helicinen haben ebenfalls das Ansehen derer von den An-
tillen; Planorbis, Physa und Suceinea gleichen denen aus
Europa und Nordamerika; die Helices haben das Ansehen
von Drepanostoma; die Melanopsis sehen aus, als wären
sie in Spanien gesammelt. Dazu kommen manche eigen-
thümliche Formen. Viele Arten von marinen Schnecken
und Muscheln werden gegessen. — Die Aufzählung beginnt
mit den Muscheln, deren 57 nebst einer Terebratula ge-
nannt werden. Unter ihnen findet sich eine neue Maclra.
Das Verzeichniss wird fortgesetzt.
Von verschiedenen Verfassern werden ib. p. 369 neun-
326 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
zehn neue Arten von Neucaledonien beschrieben , deren
Namen unten mitgetheilt' werden.
W. G. Binney hat ein Supplement zu seines Vaters
„Terrestrial Mollusks of the United States“ geliefert. Das-
selbe füllt das ganze erste Heft des 7ten Bandes des Bo-
ston Journal of natural history p. 1—207, ist von 6 Stein-
druck - Tafeln begleitet, und bildet eine Fortsetzung und
Ergänzung des genannten Werkes. Zunächst sind 1) die
Arten der pacifischen Küste p. 6—29, dann 2) die Arten
östlich von den Rocky- Mountains p. 29—296 abgehandelt.
Neue Arten sind nicht beschrieben, wohl aber sind zahl-
reiche Arten hier zum erstenmal abgebildet und so eine
Möglichkeit gegeben, sie wiederzuerkennen und zu be-
stimmen, was nach den kurzen in den Zeitschriften zer-
streuten Diagnosen mindestens grossen Schwierigkeiten
unterworfen war. ' Die Abbildungen sind recht hübsch ge-
zeichnet.
Ein kleiner Nachtrag zu dem Kataloge Amerikani-
scher Landschnecken von Binney findet sich Proc. Phila-
delphia p. 188.
Ueber einige bei West-Yarmouth vorkommende Mol-
lusken, Melampus (Conovulus) bidentatus,, Crepidula forni-
cata, Pecten concentricus, Buccinum obsoletum, Natica he-
ros, Pyrula canaliculata und Mya arenaria machte Lyman
kurze Bemerkungen. Proc. Boston Soc. VII. p. 78.
Eine kurze Notiz über die von Xantus am Cap St.
Lucas gesammelten Conchylien s. Proc. Philadelphia p. 331.
Sanderson Smith stellte eine Tabelle über die
Tiefen der Mollusken von Peconik-Bay und Gardiner’s-Bay,
Long Island, zusammen. Silliman Amer. Journ. XXVII.
p- 281.
Pfeiffer lieferte einen neuen Beitrag zur Mollusken-
fauna der Insel Cuba, wozu ihm eine Sendung Gundlach’s
Gelegenheit gab , welche 78 Arten enthielt. Unter ihnen
befindet sich eine grössere Zahl neuer Arten aus den Fa-
milien der Cyelostomaceen, Helieinaceen und Heliceen.
Malak. Bl. p. 66.
Unter der Ueberschrift „Beiträge zur Molluskenfauna
der Mollusken während des Jahres 1859. 327
Central-Amerika’s hatMörch einige Beziehungen der geo-
graphischen Verbreitung der Thiere erörtert, welche ein
allgemeineres Interesse bieten. Den Wärmezonen wird be-
sondere Wichtigkeit beigelegt, ünd es werden deren sieben
unterschieden: 2 polare, 2 subpolare, 2 subtropicale und
eine tropicale; diese werden durch drei Weltmeere durch-
schnitten, wodurch sechs Hauptküstenlinien entstehen und
somit sollten theoretisch 38 Faunen vorhanden sein. Ge-
wiss hat Verf. recht, wenn er: annimmt, ‘dass die Identität
der Arten, die durch Welttheile ‘oder durch weite Meere
getrennt sind, nur 'auf nicht hinlänglich gründlicher Unter-
scheidung beruhen. Er verspricht den Beweis zu führen,
dass keine wohlausgeprägte Art auf beiden Seiten ‘des
Isthmus von Panama identisch sei. ‘Der Aufsatz ist im
Jahrgange 1859 noch nicht‘ abgeschlossen. Wir müssen,
was die einzelnen abgehandelten Gruppen der‘ Schnecken
betrifft, unten noch mehrfach auf diesen Aufsatz zurück-
kommen, auch um einige neue Arten zu verzeichnen. Ma-
lak. Bl. 1859. p. 102. r
Ueber einige Land- und. Süsswasser-Schnecken aus
Venezuela machte E. v. Martens Bemerkungen., Malak.
Bl. p.59.: Sie beziehen sich auf 17 Arten, unter denen
eine Physa neu,
Cephalopoda.
v. Tschudi legte der Wiener Akademie die soge- _
nannten künstlichen Augen der Indianermumien aus Arica
vor , die nichts anderes als die getrockneten Augen von
Loligo gigas sind. Wiener Sitzungsberichte XXXIV. p. 361.
Steenstrup hat eine neue Cephalopodengattung Dosidieus
aufgestellt, wie wir aus der Uebersetzung Creplins in Giebel und
Heintz Zeitschr,‘ f..d. ges. Naturw. XIV; p.195 ersehen, Daselbst ist
jedoch nicht angegeben, wo die Original-Abhandlung gedruckt ist.
Sje gehört in die Nähe von Ommatostrephes; aber sie hat an den
Baucharmen an der innern Hälfte grosse, an der äusseren Hälfte sehr
kleine Saugnäpfe und peitschenförmige Armspitzen; ferner finden
sich an jedem Fangarme 4—5 Haftpolster in einer Längsreihe; end-
lich ist:.das Hornskelet im Rücken eigenthümlich : eine massive schwere
3238 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Hornmasse füllt den unteren Trichter im Rückenstücke, so dass die-
ser nur zu einem Drittel oder Viertel hohl ist. Die Art D. Esch-
richtii soll von Marseille stammen.
Bennett veröffentlichte Bemerkungen über die Ver-
breitung, den Fang und die Verwendung zur Nahrung ei-
niger Nautilus-Arten. Proc. zool. soc. p. 226.
Guido Sandberger hat „einige Bemerkungen über
den Nautilus umbilicatus* in den Wiener Sitzungsberichten
XXXVII. p. 286 mitgetheilt; er fand eine logarithmische
Spirale mit zweierlei Quotienten als Windungsgesetz.
Derselbe veröffentlichte auch in dem siebenten Be-
richte der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heil-
kunde, Giessen 1859. p. 75 kurze Betrachtungen über Sipho
und Siphonaldute, so wie über Eizelle und andere äussere
und innere Merkmale der Schale des gemeinen Schiffsboo-
tes (Nautilus Pompilius L.).
Gasteropoda.
Lacaze-Duthiers hat in den Annales des science.
nat. XII. p. 4-84 Untersuchungen über den Purpur veröf-
fentlicht , welche die interessante Frage nach allen Seiten
beleuchtet und so ziemlich erschöpft. Verf. fand, dass ein
Fischer, der ihn auf seinen Excursionen zu Mahon beglei-
tete, in Zeiten der Musse seine Wäsche zeichnete, indem
er mit einem Holzstäbchen den Schleim aus dem Mantel
von Purpura haemastoma auf dieselbe übertrug. Anfäng-
lich gelb, wurde die Farbe durch den Einfluss des Son-
nenlichtes roth. Dies war die Veranlassung zu des Verf.
Untersuchungen. Nach Erörterung des Historischen und
Betrachtung der Eigenthümlichkeit der Substanz so wie
ihres Verhaltens gegen das Sonnenlicht folgt die anatomi-
sche Beschreibung des Purpurorganes. Zwischen der Kieme
und dem Mastdarme verläuft ein Gefäss, welches von dem
Bojanus’schen Organe herkommt und nach beiden Seiten
zahlreiche Gefässe abgiebt. Ueber diesem Gefäss-Geflechte
liegt ein gelbes Organ, welches den Purpur liefert. Es
ist aus kleinen Schläuchen zusammengesetzt und hat keine
Oeffnung, keinen Ausführungsgang. Ein Secret der Niere
der Mollusken während des Jahres 1859. 329
ist der Purpur nicht. Gelegentlich wird hier eine längs
dem Mastdarme gelegene, mit eigener Oeflnung versehene,
sogenannte Anal-Drüse beschrieben , deren Bedeutung un-
bestimmt bleibt. Durch Untersuchungen an anderen Schnek-
ken kommt Verf. zu dem Resultate, dass das Purpurorgan
sehr allgemein vorkomme, dass aber sein Product an Farbe
und seinem Verhalten gegen das Licht sehr verschieden
sei. — Die Purpurfarbe , deren Nuancen p. 83 dargestellt
sind, und über deren Verwendung bei den Alten ausführ-
lich gehandelt wird, wird von verschiedenen Schnecken
gewonnen, namentlich werden als solche erwähnt Murex
brandaris, trunculus, erinaceus, so wie Purpura haemastoma ’
und lapillus. Schon diese kurzen Andeutungen werden die
Leser zum Studium der Abhandlung selbst anregen.
Fischer glaubt bei den Schnecken den vollständigen
Hermophroditismus, so dass Selbstbefruchtung stattfinden
könne, nachweisen zu können. Journ. de Conchy!. VII.
p- 262.
Grube suchte in einem Vortrage bei der Naturfor-
scherversammlung zu Bonn die Ansicht zu vertheidigen, der
Deckel der Gasteropoden sei der einen Schale der Muscheln
zu vergleichen. Amtlicher Bericht der 33. Versammlung
deutscher Naturforscher zu Bonn p. 148. — Ueber den
Werth der Deckel für die Classifikation sprach ib. p. 156
Referent und machte darauf aufmerksam, dass sie wäh-
rend ihres Wachsthums einer Drehung unterworfen seien,
da ihre Lage zur Mündung in jedem Alter des Thieres re-
lativ dieselbe sei.
Bemerkungen über einige Modifikationen von Conchy-
lien, die nicht von einer krankhaften Affection herrühren,
machte Marcel de Serres Annales des sc. nat. XI.
P- 376. Sie beziehen sich auf die Gallungen Pleurotoma,
Pleurotomaria, Ditremaria, Polystremaria,, Tornigerus, Do-
lium u. s. w.
Taenioglossa.
Pomatiacea. Neue Art: Pomatias Himala yae Benson Annals nat
hist, III. ‘p. 183 von Darjiling,
830 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Cyclotacea. Woodwiard hat lebende Exemplare von Cyclo-
stoma (Tropidophora) articulatum beobachtet, welche Ida Pfeiffer
von der Insel Rodriguez nach England gebracht hatte und davon
eine Abbildung , so wie von der Zunge gegeben. Proc. zool. soc.
p- 204; Annals nat. hist. IV. p. 320.
Benson hat Annals nat. hist. IV. p. 93 die lebenden Thiere von
Raphaulus Chrysalis, Pupina artata und Otopoma clausum beschrie-
ben, welche nach der Reise von Tenasserim nach England noch le-
bendig waren.
Neue Arten: Cyclotus illotus Gould Proc. Boston soc. VI, p; 425
von Loochoo. — C.? minimus Gundlach von Cuba Malak.. Bl. p. 68.
Pfeiffer ist wegen der Beschaffenheit des Deckels sehr zweifelhaft
über das Genus.
Alycaeus pilula Gould Proc. Boston soc. VI. p. 424 von Hong-
Kong. — A. Jagori Martens Malak. Bl. p. 208 von Java.
Benson beschrieb sechs neue Arten dieser Gattung von Dar-
jiling unter den Namen Alycaeus otipho rus, Bembex, Physis, Gemmula,
plectocheilus, crenulatus und theilte bei dieser Gelegenheit die Gat-
tung in drei Gruppen, wobei er die Art der Zusammenziehung an
der Mündung für einen besseren Eintheilungsgrund als die von Pfeif-
fer benutzte Gestalt der Schale ansieht. Seine drei Gruppen sind:
1. Alycaeus. Letzte Windung in einiger Entfernung von der Mün-
dung zusammengezogen, 10 Arten ; 2, Char ax Zusammenziehung hart
an der Mündung, 6 Arten; 3. Dioryzx Zusammenziehung schmal, dicht
hinter der Mündung, die Suturalröhre näher am Peristom als bei den
vorigen, 4 Arten. Annals nat. hist. 11]. p. 176.
Diplommatina pullula Benson Annals nat. hist. III. p. 182 von
Darjiling.
Leptopoma subconicum Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 27.
Auf Megalomastoma gravidum , zu welchem Otopoma Blennus
als Jugendzustand erkannt wurde, gründet Benson Annals nat. hist.
IV. p. 90 wegen der Eigenthümlichkeit des Deckels eine eigene Gat-
tung Hybocystis testa distorta oyala, anfractus penultimus antice
supra aperturam planatus; apertura circularis, callum internum su-
perne sinuatum, a peristomate interiore sulco profunde excayalo di-
visum, exhibens; operculum testaceum, crassum, extus concaviusculum,
plurispiratum, anfractibus sensim accerescentibus, ultimo extus aetate
sensim attenuato, iunioris abrupte desinente, intus 1*/, spiratum, epi-
dermide cornea nilida vestitum, medio foveato-umbonatum, anfractu
ultimo elevato priores partim celante.
Später machte Benson ib. p.238 auf die Verschiedenheit der
Deckel bei den Megalomasioma-Arten aufmerksam, und hält eine Re-
vision dieser Gattung für wünschenswerth.
Cyclostomacea. Cyclostoma artense Montrouzier Journ. de
der Mollusken während des Jahres 1859. 331
Conch. VII. p. 286. pl.8. fig. 1 von der Insel Art in Neu-Caledonien,
— (. Montrouzieri und Gassiesi Souverbie ib. p.291. pl.& fig.5
und 6 (letztere hält Pfeiffer Malak. Bl. p. 193 für identisch mit
C. Apiae Recluz). — C. ummonis Gassies ib. p.370 von Neu-Ca-
ledonien.
Die eben genannten Arten sind unter dem allgemeinen Namen
Cyelostoma beschrieben worden, ohne Angabe der Gattung, zu welcher
sie gehören. Bei dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft ist dies
nicht mehr zulässig und jeder Autor sollte, wenn er auch wirklich
den generischen Werth der neneren Gattungen noch nicht anerken-
nen möchte, doch mindestens den Namen in Parenthese hinzufügen,
um den Leser zu orienliren.
Cyclostoma barbata, cithurella und musiva von Ousima in Ja-
pan bilden nach Gould Proc. Boston soc. VI. p.425 eine besondere
Gruppe in der Nähe der echten Cyclostoma, und zeichnen sich’ durch
den dünnen Deckel mit wenigen Windungen und verdünnten Rän-
dern aus, so wie durch die kuglige Form, offenen Nabel, kreisförmi-
ges Perisiom, das die vorige Windung bloss berührt und dureh vor-
stehende lamellenartige Anwachsstreifen, die sich mit spiralen Reifen
schneiden. Verf. nennt diese Gattung Japonia.
Cyclostomus principalis Pfeiffer Proc. zool. soc. p.27 von Na-
dagaskar.
Choanopoma Daudinoti, decoloratum, fragile, Yaterasense, au-
ricomum Gundlach von Cuba. Malak. Bl. p. 69.
Chondropoma dilatatum und marginalbum Gundlach Malak. Bl.
p- 75 von Cuba.
Cistula Mackinlayi, interstitiale Gundlach von Cuba. Malak.
Bl. p. 74.
Ctenopoma perspectivum Gundlach von Cuba, Malak. Bl. p. 72.
Bourciera Fraseri Pfeiller Proc. zool. soc. p.27 von Ecuador,
Diplopoma Pfeiffer ist der Name einer neuen Gattung, dessen
Deckel als Operc. subduplicatum, stratis sulco profundo, aculo. sepa-
ralis, interno parum excayalo, laevigato, externo calcareo , inflato,
paueispiro, nucleo profunde immerso, pellucido, anfr. extimo oblique
et argute costato beschrieben wird. Die neue Art stammt von Cuba,
Malak. Bl. p.73.
Omphalotropis Harpula Benson Annals nat. hist. III. p. 100 von
Mauritius. — 0. strictus Gould Proc. Boston soc, VII. p. 40 von Loo
Choo. — 0. Boraborensis Dohrn Malak. Bl. p.203 von Borabora,
Hydrocena Vescoi Dohrn Malak. Bl. p. 202 xon Tahiti.
Truncatellacea. Truncatella pellucida Dohrn Malak, Bl. p.203
aus Arabien.
Ampullariacea, Ampullaria solida, modesta und quitensis von
332 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Ecuador, so wie A. novae Granadae sind neue Arten von v. d. Busch.
Proc. zool. soc. p. 168.
Potamophila. Puludina histrica Gould Proc. Boston Soc. VII,
p-41 von Ousima und Loo-Choo.
Eine kurze Notiz von Frauenfeld über die Lebensweise der
Paludomus vergl. Wiener Sitzungsberichte XXXVII. p. 790.
Bithynia divalis Gould Proc. Boston soc. VI. p.41 von Can-
ton. — B. Baudoniana Gassies Actes de la soc. Linn. de Bordeaux
tom. XXI. p. 231.
Assiminea debilis und rubida Gould Proc. Boston soc. VII. p.41
von Loo-Choo. &
Lithoglyphus zonatus Woodward Proc. zool. soc. p. 349. pl. 47.
fig.3 aus dem See Tanganyika in Centralafraka.
Melania libertina von Simoda und Ousima, gracilina von Ta-
beiti und dolorosa von Hakodadi Gould Proc. Boston soc. VII. p.42.
M. fusco-punctata und Fraseri v, d. Busch von Ecuador Proc. zool.
soe. p.167. — M. (Melanella) nassa Woodward ib. p.349. pl. 47.
fig. 4 aus dem See Tanganyika in Centralafrika. — M. Inhambanica
Martens Malak. Bl. p. 216 von Inhambane. — M. tenuisulcata Dunker
ib. p. 229 von Japan.
Melanopsis neritoides und fulgurans Gassies Journ. de Conch.
VII. p.371 von Neu-Caledonien.
Littorinacea. Littorina vidua Gould Proc. Boston Soc. VII.
p-138 von Ousima. — L. exigua Dunker Malak. Bl. p. 226 von Japan.
Clark versuchte die Identität seines Trochus Cutlerianus mit
Skenea Cutleriana der „British Mollusca“* und die Verschiedenheit
von Philippi’'s Trochus exilis nachzuweisen. Annals nat. hist. II.
p- 192.
Eine vorläufige Notiz von Schwartz von Mohrenstern
über die Familie der Rissoiden und insbesondere die Gattung Ris-
soina, der später eine Monographie folgte, die wir im nächsten Be-
richte zu besprechen haben werden, erschien Wiener Sitzungsber.
XXXIIN. p. 514.
Rissoina annulata und costulata Dunker Malak. Bl. von Japan.
Fossar tornatilis Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 44 von
Hong-Kong.
Pyramidellacea. Obeliscus hyalinus und solidulus Dunker Ma-
lak. Bl. p. 233 von Japan.
Pyramidellsa Pratii Bernardi Journ. de Conch. VII. p. 386. pl.
XII. fig. 1. unbekannten Vaterlandes.
Turbonilla eraticulata von Bocorones, T. einctella von Sonso-
nate und T. subula von Bocorones Mörch Malak. Bl. p.119. — T.
cingulata, Philippiana, terebra, varicosa Dunker Malak. Bl. p.239 von
Japan. 16
der Mollusken während des Jahres 1359. 333
Odostomia Lukisii Jeffreys Annals nat. hist. III. p. 112. pl. IM.
fig.19. — 0. costulata, jaseiata, lactea Dunker Malak. Bl. p. 234
von Japan.
Eulimella Philippiana Dunker Malak. Bl. p. 226 von Japan.
Eulima bipartita Mörch Malak. Bl. p. 120 von Sonsonate,
Cerithiacea. Ceritkium pusillum und C. (Cerithiopsis) subre-
ticulatum Dunker Malak. Bl. p. 224 von Japan.
Cerithiopsis nivea Jellveys Annals nat. hist. III. p. 116. pl. III.
fig.17 von Belfast.
Triforis cingulats, ezilis und fusca Dunker Malak. Bl. p. 237
von Japan.
Litiopa Gratelupeana Drouet Moll, marins des iles Agores pl.I.
Fig. 1.2.
Calyptraeacea. Die Gattung Crepidula ist bei Reevel. c. auf
5 Tafeln. in 30 Species dargestellt. Neue Arten sind: C. nauliloides
New-York, fimbriata Vancouversstrasse, Walshi Ceylon, scabies China,
aplysioides Rio-Janeiro, bilobata, lirata Californien.
Die Monographie von Crucibulum bei Reevel..e, enthält auf
7 Tafeln 25 Species, wovon folgende neu: C. ferrugineum Chili,
speetrum Malacca, verrucosum, concameratum, morbidum China, livi-
dum China,
Bei Reevel.c. ist die Gattung Calyptraea in 33 Arten auf
8 Tafeln bearbeitet. Darunter sind folgende Arten neu: (, tortilis
von den Galopagosinseln,, cicatricosa Philippinen, Zulla Philippinen,
dormitoria Philippinen, papyracea Philippinen , Adamsii Philippinen,
alveolata Galapagos, fibulata Philippinen, stultorum Molukken, Mar-
tiniana Philippinen , sacchari, meta Philippinen, scabies Philippinen,
uncinata St, Thomas, ossea Philippinen, porosa Australien, balunoides
Philippinen, diaphana Philippinen, stella Honduras, hipponieiformis
Philippinen, Layardi Ceylon , eyathella Philippinen, scutulum Philip-
pinen, aculeata Honduras, umbo Honduras,
Von der Gattung Trochita erschienen bei Reeve drei Tafeln
mit 15 Arten. Darunter neu: T. poculum Valparaiso, pellueida Phi-
lippinen, subreflexa Californien, corrugata Peru, solida Centralamerika,
elypeolum Magelhansstrasse.
Vanikoridae. Vanikoro scalarina Gould Proc. Boston Soc. VII.
p-44. von Loo-Choo.
Vermetacea. Mörch begann Studien über die Familie der
Vermetus zu veröffentlichen. Journ. de Conchyl. VII. p. 342. Nach
allgemeinen Bemerkungen über den Bau des Thieres folgt die Auf-
zählung der Arten, nämlich: 4 Cladopoda, 10 Serpulus, 10 Sipho-
nium, 1 Bivonia. Wird fortgesetzt.
Vermetus imbricatus und planorbis Dunker Malak. Bl. p. 240
von Japan.
334 Troschel: Bericht üb, d. Leistungen in d. Nafurgeschichte
Caecacea. Nach Carpenter haben die Caecaceen sehr re-
gelmässige ‚Wachsthumsstreifen , so dass diese den besten Charakter
für Species- Unterscheidung bieten. Report of the 27. meeting of
the brilish association for the advancement of science held at Du-
plin p.102.
Naticacea. Bei den Gattungen Natica und Sigaretus hat Re-
ferent eine Eigenthümlichkeit entdeckt, die diese Gattungen von
allen übrigen‘ leicht unterscheidet. Sie besitzen nämlich unterhalb
am Ende des Rüssels eine Saugplatte, die offenbar dazu ‘dient den
Rüssel festzuheften, wenn das Thier Muschelschalen anbohren will.
Auch hat sich Referent durch die abweichenden Mundtheile über-
zeugt, dass N. adspersa Mke von N, stercus muscarum, so wie N.
consolidata von N. clausa specifisch verschieden sind. Verhandl. des
naturh. Vereins der Preuss. Rheinlande und Westphalens 1859 'p. 116.
Natica severa von Hakodadi,. russa aus dem Arctischen Ocean,
puerilis von Porto Praya Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 44. —
N. Adamsiana, concinna, robusta Dunker Malak. Bl. p.232 von Japan,
Velutinacea. Die Gattung Pilidiuns Midd. wurde von Loven
in Piliseus umgetauft, weil der Name etwas früher für eine Patella
verwendet war. Die Gattung Piliscus ist mit Velutina verwandt, wie
auch die Radula zeigt. Der Middendorf'schen Art P. commodus wird
eine’ zweite P: probus von Spitzbergen hinzugefügt. "Öfversigt af
kongl. Vetenskaps-Akademiens Förhandlingar 1859. p. 119.
Involuta. Crosse weist auf die grosse Unwahrscheinlichkeit
hin , dass die Notiz (vor. Bericht p. 274) über das Vorkommen und
den Fang der Cypraea moneta im Innern Afıikas auf richtigen That-
sachen beruhe. Revue de zoologie p.45. — Bei einer Rechtferti-
gung Aucapitains hiergegen ib. p. 237 finden sich einige inter-
essante Angaben über den Werth dieser Schalen bei den dortigen
Eingebornen.
Cassidea. Dolium Favannii und Dunkeri Hanley Proc, zool.
soc. p. 430, letztere von Port Natal. — Ib. p. 487 gab derselbe Verf.
ein systematisches Verzeichniss der Arten der Gattung Dolium, wel-
ches 19 Arten enthält, wobei die Gattung Malea ausgeschlossen ist.
Verf. ist bemüht gewesen, die Synonymie aufzuklären.
Toxoglossa.
Conoidea. Conus prozimus und nigrescens Sowerby Proc. zool,
soc. p. 429. pl. 49. fig.1. 2 ohne Angabe des Vaterlandes. — C. Ca-
britii Bernardi Journ. de conch. VII. p. 377. pl. XII. fig. 2: Neu-Ca-
ledonien,; — C. Ceciliae Chenu ib. p. 381. pl. XIV. fig. 5 (verschieden
von C. Cecilei, also unzweckmässiger Name).
-
der Mollusken während des Jahres 1859. 335
Terebracea. Deshayes hat eine Uebersicht aller Species der
Gattung Terebra gegeben, bei welcher Gelegenheit viele neue Arten
aufgestellt sind. Im Ganzen kennt Verf. 221 Arten, die in Seclionen
und Gruppen getheilt sind. Als neu sind darunter die folgenden be-
schrieben: T. tiarella Cap Natal, fimbriata, interlineats Sandwichin-
seln, trochlea Zanzibar, Sowerbyana Gambia, Reevei Molukken, Gouldi
Sandwichinseln , festiva Senegal , speeiosa, Dillwynii Japan, marmo-
rata Moretonbay, puncticulata, splendens China, pura Zanzibar, glabra
China , buceinulum Australien, solida Japan, crassula, eircumeincta
rothes Meer, incolor Philippinen, dispar , bipartita Sandwichinseln,
apieina Siugapore, bacillus Sandwichinseln, Zactea Sandwichinseln,
Traillii Ind, Ocean, Verreauzi, Argenvillei, continua, acumen, mathe-
roniana Taiti, Sallaeana Mexiko, caliginosa Philippinen , modesta
Indus, Bowrguignati China, Crossii Ind. Ocean, philippiana Marqui-
seniuseln, Adansoni Senegal, nana Indus, evoluta Japan, Bernardii
Australien, Jukesi Port Essington , addita Vandiemensland, plicatella
Vandiemensland, longiscata Philippinen , ustulata Vandiemensland,
Kienerii Vandiemensland, chilensis Chile., nodularis Sandwichinseln,
geminata Cap Natal, marginata Gambia, brevicula Vandiemensland,
Bruguieri China, amoena China, pulchella China, crenifera China,
blanda Japan, flavescens Sandwichinseln, approzimata, Swainsoni
Sandwichinseln, subangulata, ezigua Australien, polygyrata Philippi-
nen, Peasii Sandwichinseln , Souleyeti Mexiko, difficilis, cinctella In-
dus, tristis Japan, formosa Panama, incomparabilis Panama, conso-
brina rothes Meer, insignis Panama, histrio, chinensis China, virginea
Zanzibar, obsoleta, columnaris, pallida Marquiseninseln, Cumingii
China; regina, Senegal, lima China, Fortunii China, bitorquata, albo-
marginata Australien, eximia, decorata Sumatra, Archimedis, circi-
nata China, acuta China, praelonga Port Curtis. Proc. zool. soc. p- 270.
Pleurotomacea. Pleurotoma octangulata Dunker Malak. Bl.
p: 234 von Japan.
Defrancia terta Dunker Malak. Bl. p. 225 von Japan.
f Mangilia costulata, Deshayesii, Leuckarli, pygmaea Dunker
Malak. Bl. p. 227 von Japan.
Rhachiglossa.
Olivacea. Ancillaria Lienardii Bernardi Journ. de Conch. VII.
p- 193. pl. 10. fig.4 von Brasilien.
Volutacea. Bei Gelegenheit der Beschreibung des ausgewach-
senen Zuständes von Scapha mamilla und einer Abbildung desselben
Proc. 200]. soc. p. 34. pl. 45 gruppirt Gray die Arten der Gattung
Scaphä nach der Beschaffenheit des Nucleus. — Scapha Maria-Emma
ist eine neue Art desselben Verf. ib. p. 230. pl. 48.
336 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen. in d. Naturgeschichte
Voluta deliciosa Montrouzier Journ. de Conch. VI. p.375 von
Neu-Caledonien. — V. Rossiniana Bernardi ib. p.377 ebendaher.
Marginella suavis Souverbie Journ. de Conch. YlI. p.376 von
Neu - Caledonien.
Mitra Bronni Dunker Malak. Bl. p. 229 von Japan. — M. Bois-
saci und Potensis Journ. de Conch. VII. p. 374 von Neu-Caledonien.
Ganalifera. Turbinella rhodostoma Dunker Malak. Bl. p. 238
von Japan.
Fusus Pazi Crosse Journ. de Conch. VII. p. 380. pl. XIV. fig. 1.
Cantharus (Pollia) Menkeanus Dunker Malak. Bl. p. 222 von
Japan.
Muricea. Sowerby beschrieb Proc. zool. soc. p. 428. pl. 49
als neu: Murex octogonus von Neu -Caledonien, expansus von China,
nubilus, taeniatus von Californien, roseotinctus von den Philippinen.
Alle sind abgebildet. — M. calcarius , Japonicus Dunker Malak. Bl.
p- 230 von Japan. — M. Cabritii Bernardi Journ. de Conch. Vl.
p- 301. pl. 10. fig. 3.
Columbellacea. Mörch hat das Gebiss der Gattung Colum-
bella untersucht. Journ. de Conchyl. VII. p. 254. Bei dieser Gele-
genheit theilt Verf. die Gattung Columbella Lam. in drei Gattungen:
1. Pygmaea Humphr. (Subgenera: Nitidella Swains., Alia Ad.). 2.
Pyrena Bolt. (Subgen. Atilia Ad., Pyrena Bolt., Conella Swains.,
Dibaphus Phil.). 3. Mitsella Risso (Subgen. Astyris Ad., Anachis
Ad., Strombina Mörch). Von mehreren Arten sind die Zungenplatten
abgebildet. Columbella mendicariaL. und zonata werden als zur Gatt.
Engina Gray gehörig ausgeschlossen, ebenso die Gattung Amyela Ad.
und Col. triumphalis Ducl., die zur Gattung Cantarus Bolt. gehört.
Von der Gattung Columbella, die in den früheren Lieferungen
bei Reeve l. c. schon bis zur 144. Species fortgeführt war, ist nun
der Schluss erschienen. Die Gattung enthält demnach 240 Arten auf
37 Tafeln. An neuen Arten sind noch zu erwähnen: C. alaperdieis,
picla, pumilio Venezuela, livescens Luzon, solidula, valida Guatemala,
irrorata Australien, strigata, elata, Cumingii Philippinen , baculus
China, arena Buffalo, Cap Colony, floccata Buffalo, pertusa Guate-
mala, sagena Japan, multivoluta, collaris, californica Californien,
nivosa Guatemala, margarita Sandwich, Brookei Borneo, delicata Gua-
temala, bella China, tuberculata, essingtonensis Australien, fenestrata,
rorida Lord Hoods - Inseln, erassilabris, fulgida Australien , velata,
rosacea,, Lincolnensis Australien, arata, lumbricus Philippinen, sac-
charata Vandiemensland, sugillata China, emarginata, scululala, vit-
tata Philippinen, Mindorensis Philippinen, speetrum Philippinen,
porcata, anlillarum St. Thomas, mangelioides Westindien, Guatema-
lensis Guatemala, pellucida , sparsa, acus Philippinen , oblita Peru,
der Mollusken während des Jahres 1859. 337
cavea, tenebrica, polita. eximia, albuginosa, Tayloriana Australien,
biflammata, nuz Adelaide, galazias, cithara, erepusculum, fusillus,
alabastrum, plurisulcata, nubeculata, scalpta, ocellata, pelagia, choava
Neuseeland.
Columbella pumila Dunker Malak. Bl. p. 224 von Japan. — C.
Deshayesii von Oceanien und Bourgotiana Crosse Journ. de Conch.
VII. p.383. p. XIV. fig. 4 und 6.
Reeve gründete in seiner Conchologia iconica Lief. 185 eine
neue Gattung Meta zwischen Swainsons Gattungen Strombidea und
Conella mit folgenden Charakteren: testa conoidea, versus basin re-
gulariter altenuata, spira breviuscula, plerumque superficialiter cana-
liculata; apertu elongata, angusta, fauce proprae marginem radiatim
lirata,gliris brevibus. Dahin gehören Conus macrostomus Anton, Co-
nella ovuloides Adams MS., cedo nulli n. sp., Con. coniformis Sow.,
Strombus dubius Sow., Con. Dupontiae Kiener. — Ich bin ungewiss,
ob diese Gattung neben Conella und in der Nähe von Columbella ihren
systematischen Platz finden würde.
Buccinea. Volutharpa Mörchiana Fischer Journ. de Conch. VII.
p- 299. pl. 10. fig. 2 aus Sibirien.
Nassa fraterculus, lirata, varians Dunker Malak. Bl. p. 230
von Japan. — N. Deshayesii Drouet Moll. marins des Agores pl. I.
fig. 3. 4.
Purpura Bronni Dunker Malak. Bl. p. 235 von Japan. — Bei
Küster Conchylien-Kabinet sind P. viduata p.135, clathrata p. 149,
cribrosaKrauss p. 166 von Südafrika, multilineata und castanea Krauss
von Südafrika als neue Arten beschrieben und abgebildet.
Pseudoliva ancilla aus dem Kafferlande und nassoides von Ma-
labar beschrieb Hanley Proc. zool. soc. p. 429.
Ptenoglossa Gray.
Solariacea. Bei der Gattung Architectonica (Solarium Lam.)
hat auch Mörch Malak. Bl. p. 121 keine Zungenzähne finden kön-
nen. Er hält dies jedoch nicht für genügend, sie in die Abtheilung
Aglossa zu setzen. (Dieselben sind übrigens vorhanden, und haben
noch am ersten Aehnlichkeit mit denen von Janthina und Scalaria,
so dass die Familie der Solariaceen in die Ordnung der Ptenoglossa
zu stellen sein wird Ref... Mörch beschreibt eine neue Art A. Va-
lenciennesii von Realejo.
Solarium trochoides Deshayes ist von Crosse Journ. de Conch.
VII. p. 378. pl. XIV. fig.2 abgebildet, und dadurch die fast verges-
sene Art der Wissenschaft wiedergegeben. Sie stammt von Neu-Ca-
ledonien. m
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. W
338 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d- Naturgeschichte
Scalarina. Scalaria austro - caledonica Montrouzier Journ. de
Conch. VII. p. 373 von Neu-Caledonien.
Janthinacea. Die Monographie der Gattung Janthina ist bei
Reevel.c. in 25 Arten auf 5 Tafeln dargestellt. Neue Arten darin
sind: J. roseola von den Nicobaren, affinis, grandis , casta, caeru-
leata, africana von Zanzibar, trochoidea, balteata vom Cap, involuta,
depressa, Smithiae England, fibula, umbilicata, iricolor.
Janthina capreolata Montrouzier Journ. de Conch. VII. p. 375
von Neu-Caledonien.
Recluzia aperta Jeilreys Annals nat. hist. III. p. 114. pl. III.
fig. 22.
Rhipidoglossa.
Helicinacea. Helicina Poeyi, Reeveana Pfeilfer und bellula,
ineruslala Gundlach Malak. Bl. p.78 von Cuba. — Hel. littoralis
Montrouzier Journ. de Conch. VII. p.287. pl. 8. fig. 2 von Neu- Ca-
ledonien.
Von Pfeiffer wurden aufgestellt Proc. zool. soc. p. 28. He-
lieina (Lucidella) inaequalis Jamaica, H. electrina Aru-Inseln, H.
paraensis Brasilien, H. behniana Nikobaren, H. aruana Aru -Inseln,
H. minuscula.
Neritacea. Neritina plicata Gassies Journ. de Conch. VII. p. 372
von Neu-Caledonien.
Neritella und N. (Clithon) penicillata Gould Proc. Boston Soc.
VII. p. 43, erstere von Loo-Choo, letztere von Neu-Irland.
Nerita pica Gould Proc. Boston Soc. VII. p.43 von Simoda. —
N. Japonica Dunker Malak. Bl. p.233 von Japan.
Trochacea. Rotella Montrouzieri Souverbie Journ. de Conch. VII.
p- 376 von Neu-Caledonien. ;
Trochus Carpenteri, distinguendus, nigricolor, rota, unicus Dun-
ker Malak. Bl. p. 238 von Japan.
Monodonta (Euchelus) Bronni Dunker Malak. Bl. p.229 von
Japan.
Liotia solidula von China, loculosa von Loo-Choo, fulgens
vom Cap, asteriscus von Hong-Kong sind neue Arten von Gould
Proc. Boston soc. VII. p. 142. — L. pilula Dunker Malak. Bl. p. 226
von Japan.
Cyclostrema modestum Gould Proc. Boston soc. VII. p. 142. —
C. cingulatum und pulchellum Dunker Malak. Bl. p.225 von Japan.
Gena dilecta Gould Proc. Boston Soc. VII. p.44 von Hakodadi.
Woodward beschrieb eine neue Art Scissurella Mantelli von
Neu-Seeland, und machte dabei einige Bemerkungen über diese Gat-
tung. Proc. zool. soc. p. 202.
er
der Mollusken während des Jahres 1859. 339
Haliotidea. Eine sehr specielle Beschreibung des Ner-
vensystems von Haliotis tubereulata und lamellosa Lam.
verdanken wir Lacaze Duthiers. Annales des scienc.
nat. XlI. p. 247 mit 3 Tafeln.
Fissurellacea. ARimula echinata Gould Proc. Boston soc. VII.
p.163 von der Gaspe-Strasse.
Emarginula. pileata von Loo-Choo, altilis von Kagosima, ra-
diata von Sydney Harbor, teztilis von Ousima Gould Proc. Boston
Soc. VII. p.162. — E, picta Dunker Malak. Bl. p. 226 von Japan.
Cyelobranchiata.
Patellin.. Kinahan erkannte gewisse Eindrücke von eigen-
thümlicher Beschaffenheit auf Steinen als von Patella vulgaris oder
anderen Mollusken herrührend. The natural history review VI. p. 372.
Patella grata von der Nordküste von Niphon und pallida von
Hakodadi Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 161. — P. Gomesii, Bau-
donii und Moreletii Drouet Moll. marins des iles Agores pl. 1. fig. 6. 7.
pl. I. fig. 8. 9 und 10. 11.
Acmaeacea. Acmaea dorsuosa Gould Proc. Boston Soc. VII.
p- 162 von Hakodadi. — A. pygmaea Dunker Malak. Bl. p. 234 von
Japan.
Scutellina unguiformis von Kagosima und scobinata von Ousima
Gould Proc. Boston soc. VII. p. 162.
Chitonidae. Aus der Chitonenfamilie stellte Gould Proc. Bo-
ston soc. VII. p.165 folgende neue Arten auf: Lophyrus lugubris,
Leptochiton comptus von Loo-Choo, jacobaeus von Simoda, concinnus
von Hakodadi, eraticulatus von China, Lepidopleura lepida von China,
Chaetopleura plumosa, Acanthochaetes achates von Kikaia und Hako-
dadi, Molpalia Stimpsoni von Hakodadi.
Capellini hat ein Verzeichniss der Chitonen, welche im Mit-
telmeer vorkommen, im Journ. de Conchyl. VII. p. 320 zusammenge-
stellt, welches 16 Arten enthält, unter denen drei von Costa auf-
gestellte, so wie drei neue Arten Ch. Meneghinii, Doriae und Alge-
sirensis durch Diagnosen charakterisirt sind. Die drei neuen Arten
sind abgebildet.
Chiton gracilis Jeffreys Annals nat. hist. IIl. p. 106. pl. III. fig. 9
mit Abbildung der Zunge.
Cirrobranchiata. Dentalium aciculum von China, hezxagonum
von Hong-Kong, buccinulum von Kagosima, intercalatum von China,
strigatum vom Cap, porcatum von Hong-Kong, clavatum ebendaher
sind Arten von Gould Proc. Boston soc. VII. p. 165.
340 Troschel: Bericht üb, d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Pulmonata.
Mörch hält die Kiefer für den besten Charakter zur
Gründung von Familien in der Abtheilung Pulmonata, und
schlägt danach Malak. Bl. p. 109 folgende Familien vor,
deren Natürlichkeit anzuerkennen ich freilich Anstand neh-
men muss: 1) Oxygnatha. Kiefer mit einem hervorsprin-
genden Zahn, wie Limax, Vilrina, Succinea, Helicella,
Zonites, Leucochroa, Ryssota, Obba, Carocolla, Otala,
Pleurodonta. — 2) Aulacognatha. Kiefer gestreift, am
Rande crenulirt: Euryomphala, Bradybaena, Sagda, Cochli-
cella, Rumina, Pupa, Clausilia. — 3) Odontognatha.
Kiefer mit entferntstehenden Leisten, welche am Rande
Zähne bilden, wie Arion, Ariolimax, Nanina, Teba, Poma-
tia, Helicogena, Helicogona (Campylaea), Achatina, Limi-
colaria, Bulimus. — 4) Goniognatha. Mit schief ge-
streiften Kiefern: Orthalicus, Pseudostrombus. — 5) Agna-
tha. Ohne Kiefer : Oleacina, Testacella. — Hieran schlies-
sen sich Bemerkungen über die Gattungen Philomycus,
Megapelta, Ariolimax, Helicogona, Pupa, Bulimulus, Ortha-
licus, Oleacina, Glandina.
Limacea. Gassies beschrieb einen neuen Limaz argillaceus
aus der Nähe von Bordeaux Actes de la soc. Linn. de Bordeaux XXll.
p- 231.
Ueber die merkwürdige Neuseeländische Schnecke (Limax bi-
tentaculatus Q. G., Janella antipodarum Gray, Aneiteum Slug Macdo-
nald) hat Knight einige nicht uninteressante Notizen nach dem le-
benden Tliiere veröffentlicht und dieselben mit sorgfältigen Abbil-
dungen begleitet. Transactions of the Linnean Soc. of London XAll.
p. 381. Wir heben daraus das folgende hervor. Der Mantel bedeckt
den ganzen Rücken. Die Kiemenöffnung liegt an der rechten Seite der
Decke der Kiemenhöhle; in der vorderen Wand des Kiemensackes fin-
den sich vier kleine Granula, die dem Verf. kalkig scheinen. Dicht
vor dem Kiemensacke ist eine kleine Oelfnung, aus welcher in pul-
sirenlen Wellen eine Flüssigkeit über die Kiemenhöhlendecke wallt.
Der Oberkiefer so wie die Platten der Zungenmembran, die zahlreich
in Querreihen stehen, sind abgebildet.
lelicea. Von Pfeiffer’s „Monographia Heliceorum
viventium sistens descriptiones systematicas et criticas omnium
der Mollusken während des Jahres 1859. 341
huius familiae generum et specierum hodie cognitarum“ ist
nunmehr die zweite Abtheilung des vierten Bandes er-
schienen. Jeder wird den ausdauernden Fleiss anerkennen
müssen, mit welchem Verf., seinem vorgesteckten Ziele
getreu, Alles zusammenträgt, was sich auf die weite Fa-
milie der Heliceen bezieht. Nicht weniger ist es anzuer-
kennen, dass derselbe mit Resignation sich auf wenige
Familien von Schnecken beschränkt, um in ihnen eiwas Voll-
ständiges leisten zu können. Nur dadurch ist es ihm mög-
lich geworden, ein so riesiges Material zusammenzutragen.
Diese Nachträge sind darauf angelegt, die Synonymie aller
Arten zu vervollständigen, und die seit dem Erscheinen
der früheren Bände veröffentlichten Arten nachzutragen. Der
vorliegende Band enthält die Gattungen: Bulimus mit 1100,
Partula mit 57, Achatinella mit 210, Columna mit 3, Spi-
raxis mit 62, Limicolaria mit 21, Orthalicus mit 20, Peri-
deris mit 18, Pseudachatina mit 5, Achatina mit 180, Olea-
eina mit 108, Azeca mit 14, Tornatellina mit 27, Gibbus
mit 3, Pupa mit 236, Macroceramus mit 19, Cylindrella mit
143, Megaspira mit 2, Balea mit 9, Clausilia mit 386, Dau-
debardia mit 8, Vitrina mit 87, Simpulopsis mit 16, Succi-
nea mit 139 Arten.
In den Malak. Bl. 1859. p. 1 und p. 19 erschienen schon
wieder Nachträge zu diesem Bande, indem Pfeiffer von
über 60 Helix, 24 Bulimus und anderen, die seitdem von
verschiedenen Schriftstellern beschrieben waren, die Diagno-
sen mittheilt.
Ebrard hat über den Nutzen der Helices eine be-
sondere kleine Schrift veröffentlicht: Des Escargots au
point de vue de l’alimentation, de la viticulture et de l’hor-
tieulture, suivis d’observations sur l’efficacit& des Limacons
dans les maladies de poitrine. Grenoble. 8. 16 pag. Nach
dem Verf. enthalten sie wenig Nahrungsstoff, und eignen
sich daher weniger zum Nahrungsmittel als um dem Wohl-
schmack zu genügen.
Vitrina imperator Gould Proc. Boston Soc. VI. p.422 von Hong-
Kong. — Stabile bildet V. Charpentieri (V. glacialis Forb., niva-
lis Charp.) Revue de zool. p. 419. pl. XV, fig. 1—5 ab, und verzeich-
342 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
net die 11 europäischen Arten, von denen er 7 zur Gattung Semili-
max, 5 zur Gattung Phenacolimax zählt. — V. scutella und Salius
Benson Annals nat. hist. III. p. 188 aus dem Khasia- Gebirge. — V.
planospira Benson ib. p. 271 von Darjiling.
Suceinea lauta Gould Proc. Boston Soc. VI. p. 422 von Hako-
dadi (Insel Jesso). — S. Iyrata Gould ib. VII. p.40 von Loo-Choo.
Ein verdienstliches Geschäft hat v. Martens Malak. Bl. p. 127
unternommen, indem er die Synonymie einiger Helix-Arten aufgeklärt
hat. H. striata Müll., H. caperataMont., H. interseeta Poiret, H. can-
didula Stud. sind mit Diagnosen und der Synonymie versehen. Verf.
macht im Eingange auf die Wichtigkeit der richtigen Bestimmung,
die namentlich bei älteren Schriftstellern vermisst wird, für die
Kenntniss der geographischen Verbreitung der Arten aufmerksam.
Kinahan erwähnt beiläufig.. das. häufige Vorkommen einiger
Helix-Arten in Cornwall und Süd- Devon, und erklärt sich für die
specifische Verschiedenheit von Helix nemoralis und hortensis (Pro-
ceed. of the Dublin University zoological and botanical Association 1.
p- 146).
Stabile hat Helix destituta Charp. inRevue de zoologie p. 422.
pl. XV. fig. 6—10 abgebildet.
Petit behauptet Journ. de Conchyl. VII. p. 264, Helix Quimpe-
riana Fer. sei ursprünglich in ‚Spanien einheimisch und durch die
Schiffahrt nach Brest und Quimper verschleppt.
In Annals Lyceum of New-York VII. p. 26 veröffentlichte Bland
wieder einige Bemerkungen über Rordamerikanische Heliceen, welche
sich auf Helix auriculata Say, avara Say, uvulifera Shuttl. und zwei
neue Arten H. Postelliana und auriformis beziehen.
B. M. Wright beobachtete, dass Exemplare von H. desertorum
nach vier Jahren, seil sie eingesammelt waren, noch lebendig waren:
Annals nat. hist. III. p.448. — Ebendaselbst machte Woodward
einige Beispiele von der Lebenszähigkeit mehrer Helices, candidis-
sima, aperta ct. bekannt. n
Benson gab ib.IV. p.95 kurze Beschreibungen der leben-
den Thiere von Helix Achatina Gray und 'pylaica Bens.
Neue Arten: Helix laeta , labilis / pupula, pauper von Hako-
dadi, operculin« von der Insel Peel, squarrosa von Qusima (Japan)
sind neue Arten von Gould Proc. Boston Soc. VI. p.422. — H. mi-
lium Morse ib. VII. p.28, von Maine. — Pfeiffer beschrieb Proc,
zool. soc. p. 23 die folgenden: H. patricia, Farrisi Peru, patasensis
Peru, jaspidea Peru, entodonta Ecuador, vipera Brasilien, monacha
Australien, Aystricella Sandwichinseln, rejecta China, ciliosa China,
breribarbis China, plagioglossa Mexiko, aphrodite Neu-Caledonien. —
H. cedretorum und kabyliana Debeaux sind von Gassies Actes Soc.
der Mollusken während des Jahres 1859. 343
Linn. de Bordeaux 1858 ]. c. beschrieben worden. — H. aimophila
Bourguignat Rey. de zool. p. 522. pl.20. fig. 14—16 aus den Abruz-
zen und codia ib. Fig. 10—13 aus Portugal. — Heliz Caldwelli Bar-
clay und setiliris Benson Annals nat. hist. II. p.98 von Mauritius.
— Benson beschrieb ib. p.184: H. Ceryz, Attegia, Arz, Catinus
(ib. p. 273 in H. cyclaspis umgetauft), sämmtlich von Tenasserim, Old-
hami von Burmah, cassidula und Bombax von Moulmein, Bascauda
und diplodon aus dem Khasia- Gebirge. — Benson stellte ib. p. 265
folgende Arten auf: H. macropleuris. Corys, Rimicola, rorida, Hodg-
soni Blanford MS., seposita, Calpis, Pinacis, camura , ornatissima,
sequax, Patane alle von Darjiling. — Desgleichen ib. p.387: Helix
acris und galea vom Khasia- Gebirge , Petasus, Cauisa,. Molecula,
forabilis, acerra, perpaula, pauzillula, scalpturita, levicula von
Tenasserim. — Desgl. ib. p. 473 H. Calias und schistostelis von
Moulmein in Tenasserim. — Helir multifasciata von den Bahama-
Inseln und haitensis von Haiti Weinland und v. Martens Malak. Bl.
p-17. — H. provisoria Pfeiffer, emarginata, melanocephala, Les-
caillei Gundlach und Montetaurina PfeifferMalak. Bl. von Cuba. —
H. artensis Souverbie Journ. de Conch. VII. p. 289 von Neu - Cale-
donien. — In den Actes de la Soc. Linn. de Bordeaux XXI. 1858
sind zwei neue Helix von Djurjura in Algerien beschrieben: I. cedre-
torum und Kabyliana. (Ich kann nicht angeben von wem, da mir
diese Actes nicht zugänglich gewesen sind.) — Heliz testudinaria,
rusticula und gyrina Gassies Journ. de Conch. VII. p. 368 von Neu-
Caledonien. — Helix impugnata und granostriata Mousson Annals
nat, hist. III. p. 84 von Lanzarote und Fuerta Ventura.
Bei Rossmaessler Iconogr. III. 5 sind folgende Helixarten
behandelt: H. atrolabiata Var. Stauropolitana, Codringtoni Var. Par-
nassia Roth, caesareana Parr., carica Roth, Smyrnensis Roth, sudensis
Pfeiff.,, De Natale Benoit, Testae Phil.
Sagda polyodon Weinland und v. Martens von Haiti. Malak.
Bl. p. 18.
Hyalina ptychoraphe und hilum Weinland und v. Martens von
Haiti.‘ Malak. Bl. p. 18.
Von dem Subgenus Corilla H. et A. Adams, der Gattung An-
chistoma zugehörig, giebt Gould Proc. Boston Soc. eine emendirte
Diagnose: testa planorboidea,, plerumque sinistrorsa, plus minusve
distorta, arcte spirata, subtus concava; fauce in fundo denticulis com-
pressis fere occluso, quorum uno saepe ad aperturam producto ; pe-
ristomale incrassato, reflexo. Dazu C. pulvinaris von Hong-Kong als
neue Art.
Nanina pisolina Gould Proc. Boston Soc. VI. p. 423 vom Cap?
N. Taprobanensis von Ceylon und Herklotsiana von Java Dohrn
Malak,“ Bl. p:'206. -
544 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Streptazis sinensis Gould Proc. Boston Soc. VI. p. 424 von Hong-
Kong. — St. Theobaldi Benson Annals nat. hist. III. p.187 von Nau-
clai im Khasia-Gebirge. — St. Sankeyi Benson ib. p. 472 von Moul-
mein in Tenasserim. — St. suturalis v. Martens Malak. Bl. p.19 von
Neu-Granada.
Bulimus candidissimus von Socotora und B. cuencanus von
Ecuador sind neue Arten von Pfeiffer Proc. zool. soc. p. 26. —
B. Deburghiae und B. Peelii, beide von Peru beschrieb Lovell
Reeve ib. p.123. — B. vesiculatus Benson Annals nat. hist. III.
p. 99 von Mauritius. — B. Benjamiticus Benson ib. p. 393 von Je-
rusalem. — B. Manzanillensis Gundlach Malak. Bl. p. 101 von Cuba.
— B. stictus und catenatus v. Martens ib. p. 211, beide dem Subge-
nus Rhachis angehörig, erstere von Tette, letztere von den Querimba-
Inseln. — B. (Pachnodus) spilogrammus v. Martens ib. p. 214. — B.
paletuvianus und diaphanus Gassies Journ. de Conch. VII. p. 370 von
Neu-Caledonien.
Bourguignat beschreibt einige linksgewundene Bulimus aus
der Krym, deren Mündung nicht gezähnelt ist, nämlich B. chersonesi-
cus, gibber, candelaris und pkorcus n. sp. Reyue de zoologie
1859. p. 21.
Rossmässler beschreibt in seiner Iconogr. III. 5 folgende
Bulimus- Arten: B. Dardanus Friv., eburneus Pfr., bicallosus Friv.,
orientalis Friv., fasciolatus Oliv., Hohenackeri Kryn., syriacus Pfr.,
Sidoniensis Charp., niveus Parr., subdetritus Bourguignat, Sauleyi Bourg.,
lamelliferus Rossm. n.sp. aus Syrien, oyularis Oliv., nucifragus Parr.,
septemdentatus Roth, triticeus Rossm. n. sp. von Jerusalem, stylus
Parr., Parreyssi Pfr., alumnus Parr., tetrodon Mortillet, quadridens
Var. Loewii, cinereus Mortillet, reversalis Bielz.
Pazillus tantillus von Hong-Kong und Zyrata von Loo-Choo
Gould Proc. Boston soc. VII. p. 138.
Macroceramus angulatus und virgineus Weinland und v. Mar-
tens Malak. Bl. p. 56 von Haiti. — M. notatus, pictus, claudens, festus,
costulatus Gundlach Malak. Bl. p. 91 von Cuba.
Nach Benson ist Achatina fulica Lam. von Mauritius nach
Bengalen eingeführt und dort naturalisirt worden. Journ. de Conchyl.
P- 266.
Achatina Layardi von Ostafrika und fulgens Pfeiffer Proc. zool.
soc. P.27. — A. Petersi v. Martens Malak. Bl. p.214 von Tette. —
A. Hamillei Petit de la Saussaye Journ. de Conch. VII. p. 384. pl. XII.
fig. 3 von Gambia.
v. Martens ist der Ansicht, dass die unterschiedenen euro-
päischen Arten der Gattung Glandina, nämlich dilatata Ziegl., Algira
Brug., Poratii Fer., tumidus Villa, nur Varietäten einer und derselben
Art sejep, die er als tumida Villa, intermedia und angusiata bezeich-
der Mollusken während des Jahres 1859. 345
net, während er der Art den Namen Glandina Algira Brug. erhält.
Malak. Bl. p. 154.
Glandina ptychoraphe und biplicata Weinland und v. Martens
Malak. Bl. p.57 von Haiti. — Gl. tezta W. und v. M. ib. p.207
ebendaher.
Oleacina Boucardi Pfeiffer Proc. zool. soc. p.27 von Mexiko.
Acht neue Achatinellen beschrieb Pfeiffer Proc. zool. soc.
p: 30: Bulimella concavospira , morbida , faba, Achatinellastrum sac-
cata, liliacea, Laminella sericea, subrostrata, micans.
Pupa arabica Dohrn Malak. Bl. p. 203 von Arabien. — P.
Weinlandi Kurr ib. p. 207 von den Bahama-Inseln. Zu dieser Art
und einigen andern bemerkte v. Martens ib. p.209, dass manche
Pupa der Gruppe Strophia im unvollendeten Zustande mehrmals sich
wiederholende Zahnleisten an dem Basalrande und auch an der Mün-
dungswand trage; auch wird es wahrscheinlich gemacht, dass Helix
pentodon Menke nur eine junge Pupa aus dieser Gruppe sei. — P.
artensis Montrouzier Journ. de Conch. VII. p. 288. pl.8. fig. 4 von
Neu-Caledonien.
Pupa (Ennea) vara Benson Annals nat. hist. III. p.188 aus dem
Khasia-Gebirge.
Pupa (Pupilla) Oerstedii Mörch Malak. Bl. p. 111 von Ni-
caragua.
In der Iconographie von Rossmaessler III. 5. 6 finden sich
folgende Pupa-Arten: P. lusitanica Rossm., Ariyonis Rossm. n. sp.
aus Spanien, megacheilos Jan, goniostoma Küster, Rhodia Roth, squa-
lina Rossm., Bielzi Rossm. n.sp. aus Siebenbürgen, Jumillensis Guirao,
pallida Phil. var. tridentata, quinquedentata Born.
Oylindrella arcuatq , erenala, tumidula, obesa, cristata Wein-
land und v. Martens Malak. Bl. p.53 von Haiti. — C. laevigata
Gundlach, Fabreana Poey, perlata, ornata, uncata, Brooksiana, Tur-
casiana, minuta Gundlach Malak. Bl. p. 96. von Cuba. — €. Eugenii
Dohrn ib. p. 205 von Haiti. — C. Guigouana Petit Journ. de Conch. Vll.
p- 285. pl.10. fig.5 von Haiti.
Clausilia praeclara Gould Proc. Boston Soc. VI. p.424 von
Loo-Choo, — Stabile hat Cl. verbanensis Stab. mit mehreren Va-
rietäten, alpina Stab.; Strobeli Porro (Cl. tumida Stab.) und ventrico-
sula Ziegl Revue de zool. p.423 abgebildet und beschrieben. — Cl.
Karsteniana Dohrn Malak. Bl. p. 205 von Santa Fe de Bogota.
Rossmaessler beschreibt Iconographie IIl. 5 und 6 an Ar-
ten der Gattung Clausilia: Cl. Bielzi Parr. , clathrata Friv., Madensis
Bielz. n. sp., Bogatensis Bielz n. sp. beide aus Siebenbürgen , Lisch-
keana Parr., Fussiana Bielz, livida var. maxima A. Schmidt, glorifica
Parr., glauca Bielz, canescens Parr., elegans var. intercedens A.
246 Troschel: Bericht üb, d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Schmidt, straminicollis Parr., Lopedusae Calcara, Rothi Zelebor, Eh-
renbergi Roth, vesicalis Friv.
Auriculacea. Auricula (Leuconia) opportuna Gould Proc. Bo-
ston Soe. VII. p. 40. von Loo-Choo.
Carychium alpestre Freyer ist nachKokeil in Kärnten gefun-
den worden. Jahrbuch des naturb. Museums in Kärnten IV. 1359.
p- 127.
Plecotrema rapaz aus Arabien und P. mordaz von Tabiti Dohrn
Malak. Bl. p. 204.
Melampus Fricki Sandwich -Inseln und M. sculptus Admirali-
täts-Inseln Pfeiffer Proc. zool. soc. p.29. — M. Bocoronicus Mörch
Malak. Bl. p.118 von Bocorones. — M. Brotianus Pfr. ib. p. 202 von
Ceylon. — M. Wilkei Dohrn ib. p. 204 aus Arabien.
" Laimodonta Pfeifferi Dunker Malak. Bl. p.201 von Japan.
Fischer hält die Gattungen Camptonyx Benson und die fossile
Valenciennesia Rousseau für identisch, und will den letzteren Namen
als den älteren beibehalten-. Journ. de Conch. VIl. p. 316.
Limnaeacea. Physa Venezuelensis v. Martens Malak. Bl. p. 66
aus Venezuela.
Bourguignatl hat Rev. de zool. p. 512 zahlreiche Arten un-
terschieden, die unter Planorbis corneus (Gatt. Coretus Moq.-Tand.)
verwechselt worden sind: Pl. corneus, etruscus Ziegl im südöstli-
chen Europa, elophilus Parr. in Transsylvanien, Nordenskioldi in
Russland, anthracius in der Walachei, banaticus im Banat, adelosius
in Toskana. — Ib. p. 519 folgen die europäischen Planorbis aus der
Gruppe des P. Dufouri, von dem P. Metidjensis Forb. in der Algieri-
schen Provinz Metidja und aclopus in Algerien unterschieden wer-
den. Wir sehen daraus, dass Verf. Algier zu Europa rechnet. Die
meisten dieser Arten sind abgebildet.
Von Planorbis glaber Jeifreys (Pl. laevis Alder, Gyraulus regu-
Jaris Hartm. ct.) hat v. Martens die Synonymie Malak. Bl. p. 164
zusammengestellt. Bei dieser Gelegenheit wird angeführt, dass Pl.
Dufourii Rossmaessler = Pl. Metidjensis Forbes sei.
Rossmaessler hat in der Iconographie Ill. 5. 6 abgebildet:
Planorbis Rossmaessleri Auersw., cornu Ehrenb., laevis Alder, discus
Parr., acies Mühlf., Dufouri Graells. f
Planorbis spirillus Gould Proc. Boston soc. Yl}. p. 40 von
Ousima.
Segmentina lucida und usta Gould Proc. Boston soc. VI. p. 41
von. Loo-Choo. b3
Limnaea ollula Gould Proc. Boston Soc. VII. p. 40. von
Hong-Kong.
der Mollusken während des Jahres 1859. 347
Notobranchiata.
_ Collingwood berichtet über den Reichthum von
Nudibranchiern am Ausflusse des Mersey. und zählt viele
dort gefundene Arten auf. Annals nal, hist. III. p. 461.
Doridae. Kelaart beschrieb Annals nat. hist. II]. p. 291 eine
grosse Anzahl ceylonischer Nudibranchier, unter denen folgende Do-
ris-Arten: D. gloriosa, Mac Carthyi, coelestis, funebris, Gleniei, Leo-
parda, amabilis, fidelis, pretiosa, nivea, marmorata, cerisa, rufo-
punciata, grisea, papillosa, rubra, osseosa, Constanlia, luteola, vi-
perina, atrata, atroviridis, variabilis, exanthemata, carbunculosa , in-
tecta, lanuginosa, sponyiosa, siriata, corrugala, picla, bellicosa,
castanea; auch Onchidoris Leachii Blainv. ist beschrieben. Nach-
träglich werden dann ib. IV. p.267 noch folgende neue Arten hin-
zugefügt: D. Elizabethina, Diardi, Lockyerana, Tennentana, aripo-
nensis, Humberti.
Doris (Actinodoris) phyllophora Oersted MS. und D. puncta-
tissima Mörch von Realejo Malak. Bl. p. 123. Bei dieser Gelegen-
heit erklärt Mörch, dass er die grosse Menge von Zähnen in jeder
Querreihe auf der Zunge für einen viel wichtigeren Charakter halte,
als die Bewegungsorgane. Er nennt die Abtheilung Mosaikzüngler
Musioglossala und rechnet dahin auch die Gymnosomen unter
den Pteropoden. Dass auf die Zahl der Zähne in den einzelnen
Gliedern der Radula ein hoher systematischer Werth zu legen sei,
entspricht ganz den Erfahrungen des Referenten. Dessenungeachtet
möchte aber doch Ref. die Abtheilung Musioglossata nicht anerken-
nen, indem dann consequenter Weise auch die Rhipidoglossa Trosch.
und die Ptenoglossa Gray dahin gezogen werden müssten. Es wird
ausser der Zahl immer auch eine ganz besondere Rücksicht auf die
Beschaffenheit der einzelnen Zahnplatten zu nehmen sein, ja die letz-
tere verdient gewiss zur Verwerthung für Systematik einen höheren
Rang als die Zahl. Dies erscheint um so naturgemässer, als es sich
hier nicht einmal um eine Uebereinstimmung in der Zahl handelt,
denn unter „viele“ werden alle die Fälle zusammengefasst, in denen
die Zahl 7 überschritten wird.
Tritoniidae. Meliboea viridis, Seyllaca dracaena , Polycera
ceylonica Kelaart Annals nat, hist. II. p. 488. — Bornella Hanco-
ckana Kelaart ib. IV, p. 267. Alle von Ceylon.
Lomanotus portlandicus Thonpson Proc. zool. soc. p. 66.
Eolididae. Kelaart beschrieb Annals nat. hist. III. p. 488 fol-
gende neue Arten von Ceylon: Eolis Husseyi, bicolor , effulgens,
Paulinae, tristis, nodulosa, Smedleyi; Proctonotus orientalis, Plero-
chilus viridis, — E. Skinneri ib. IV. p. 267.
348 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
Doto ensifer Mörch von Realejo. Malak. Bl. p. 123.
In der Bucht von Weymouth hat Thompson Montagu’s Do-
ris coerulea wieder aufgefunden und beschreibt sie als Eolis coeru-
lea, zugleich mit einer ebenda gefangenen neuen Art Eolis Adelai-
dae Proc. zool. soc. p. 66.
Contributions to a monograph of the genus Fiona
Hanc. by Rud. Berg. Copenhagen 1859 ist eine Uebersetzung
des systematischen Theiles der Abhandlung von Berg Vi-
densk. Meddelelser 1857. p. 273. Vergl. auch den Bericht
1858. II. p. 523.
Elysiadae. Elysia grandifolia, punclata, coerulea Kelaart Annals
nat. hist. IH. p. 488 von Ceylon. — E. Oerstedii Mörch von Puntare-
nas Malak. Bl. p.123.
J. E. Gray bemerkt über Aplysiapterus viridis, dass das Thier
nur einen ganz kleinen Fuss vor der Schwanzspitze hat, mit dem es
sich anheftet, so dass der ganze Vorderkörper frei bleibt; es schwimmt
gern an der Wasserfläche, die Bauchseite nach oben. Wurde das
Gefäss erschüttert, dann fiel es zu Boden, indem es einen Schleim-
faden, der an dem Glase befestigt ist, spinnt und sich an diesem
später wieder erhebt. Beim Aufsteigen soll es den Faden fressen.
Annals nat. hist. IV. p. 240.
Bullacea. Aus dieser Familie stellte Gould Proc. Boston soc.
VII. p. 134 an neuen Arten von der Nord-pacifischen Expedition auf:
Bulla vernicosa von Loo- Choo; Atys muscaria von China, A. por-
ellana von Kagosima- Bay; Hamine« angusta von Simoda; Philine
vitrea von MHong-Kong, Ph. argentata von Hakodadi; Tornatina api-
cina von Sydney; Cylichna villica von China, ellipsoidea von Loo-
Choo, regularis von Sydney, operosa von Hong-Kong, laeta von
Kagosima, protracta von China, tubulosa vom Cap, melampoides von
China, consobrina von Jesso; Actaeon secale von China.
Bulla exilis Dunker Malak. Bl. p. 222 von Japan.
Buccinulus strigosus Gould Proc. Boston soc. VII. p. 141 von
Loo-Choo und Kagosima.
Monopleurobranchiata.
Lacaze-Duthiers, dem wir sclon mehrere aus-
gezeichnete monographische Darstellungen der Organisa-
tionsverhältnisse von Mollusken verdanken, hat sich den
Pleurobranchus aurantiacus erwählt, um von ihm eine de-
taillirte anatomisch - physiologische Schilderung zu geben.
der Mollusken während des Jahres 1859. 349
Comptes rendus June 1859. p. 1155; Annals nat. hist. IV.
p- 318 ; Annales des sciences naturelles XI. p. 199. pl. 6—12.
Alle einzelnen Abschnitte der Abhandlung sind von grossem
Interesse und das Studium derselben Jedem zu empfehlen, der sich
für die Anatomie der Mollusken interessirt. Die Circulationsorgane
haben des Verf. besondere Aufmerksamkeit erregt; er hat eine Ver-
bindung des Gefässsystems mit dem umgebenden Wasser nachgewie-
sen. Die äussere Oeflnung liegt über der Geschlechtsöflnung und
führt in einen Kanal, der sich zwischen Vorkanmer und Kieme in
die Kiemenvene mündet, wie schon im vorigen Berichte p. 285 an-
gemeldet ist.
Aus der Gattung Pleurobranchus stellte Kelaart Annals nat.
hist. III. p. 495 zwei nene Arten von Ceylon auf: P. zeylanicus und
purpureus. Zugleich werden citrinus Rüpp. und reticulatus Gmel.
charakterisirt.
Ancylus gaulus Gould Proc. Boston Soc. VII. p.40 vom Cap.
Iypobranchiata.
Phyllidia zeylanica und Diphyllidia formosa sind neue Arten
von Kelaart von Ceylon. Annals nat. hist. III. p. 494.
Pleurophyllidia (Diphyllidia) marginata Oersted MS. von Panama.
Malak. Bl. p. 123.
Peteropoda.
Arthur Adams hat die Synonyme und die Fund-
orte der Gallungen Cavolina, Diacria und Pleuropus zu-
sammengestellt, nachdem er auf seinen Reisen fast alle be-
kannten Arten mit dem Netze gefangen hatte. Er nimmt
10 Arten Cavolinia, 1 Dinacria und 3 Pleuropus an. An-
nals nat. hist. III. p. 44.
Brachiopoda.
Suess hat Studien über die Wohnsitze der Brachio-
poden gemacht und in den Wiener Sitzungsberichten XXXVI.
p. 185 einen ersten Abschnitt veröffentlicht, der sich mit
den, Wohnsitzen der lebenden Brachiopoden beschäftigt.
Die Nachforschungen sind offenbar hauptsächlich in geolo-
gischem Interesse angestellt, so dass dieser erste Abschnitt
gleichsam Vorstudien zu dem zweiten enthält. Es ist nicht
350 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
thunlich auf die gewonnenen Resultate hier näher einzu-
gehen und wir begnügen uns zu erwähnen, dass der Verf.
a) über die jetzigen Wohnsitze der einzelnen Arten, b)
über die geographische Gruppirung der jetzigen Wohnsitze,
c) über die Meerestiefen, in welchen heute Brachiopoden
leben, d) über die jetzige Verbreitung der einzelnen Sippen
handelt.
Terebratula capsula Jeffreys Annals nat. hist. III. p.43, pl. I.
fig. 7 von Belfast.
Lamellibranchiata.
Ueber das Wassergefäss - und Oviductal - System der
Lamellibranchiaten hat Rolleston in der Royal Society
Febr. 3. 1859 eine Mittheilung gemacht. Vergl. Annals
nat. hist. IV. p. 65. Zuerst prüft Verf. die gewöhnliche
Ansicht über den Ausgang des Ovarial-Systems und sucht
zu zeigen, dass die Oeffnungen, welche man gewöhnlich
dafür hält, in Wirklichkeit die Ausführungsöffnungen des
Wassergefässsystems seien. Die Gründe für diese An-
sicht, hergenommen von der Art und Weise, wie feine
Injectionen in diese Oeffnungen sich durch die Eingewei-
demasse verbreiten, und von der relativen Lage der als
zum Wassergefässsysteme gehörigen Oeffnungen bei ande-
ren Mollusken, werden unterstützt durch eine Betrachtung
von der Unwahrscheinlichkeit der alten Ansicht, welche als
Eileiter bei den Mollusken zwei 'Kanäle deutete , welche
längs jeder Seite des Körpers verlaufend, dennoch frei
mit einander in nicht grosser Entfernung von ihrem Ende
communieiren, und welche von dem unteren Abschnitte
des Darmrohres entfernt liegen. — Als Eileiter werden dann
angesehen: ein breites Band, welches zur Laichzeit als
eine in das Kaliber des unteren Abschnittes des Darmroh-
res vorstehende Leiste erscheint, und zwei schmalere, wel-
che von dem Anfange des Darmes bis zu einem Punkte
reichen, wo seine oberen Windungen sehr nahe dem Theile
seines unteren Abschnittes liegen, wo das erstere Band in
einer keulenförmigen Erweiterung endigt. Die Gründe für
diese Deutung sind von Injeclionen, von der Betrachtung,
der Mollusken während des Jahres 1859. 351
dass die Anschwellung dieses Bandes mit ähnlichen Ver-
hältnissen des Ovariums zusammenfällt, und dass man Eier
in allen Theilen dieser drei Bänder gefunden hat, herge-
nommen.
Die Perlmuscheln und ihre Perlen, naturwissenschaft-
lich und geschichtlich mit Berücksichtigung der Perlenge-
wässer Baierns beschrieben von Th. v. Hessling. Leip-
zig 1859. 8. Eine wichtige Schrift, welche sich zunächst
mit den Perlmuscheln, dann mit den Perlen beschäftigt.
Der erste Theil zerfällt in zwei Abschnitte: 1) über Avi-
cula, deren Lebensweise und geographische Verbreitung;
2) über Unio, von welcher Muschel ausser der Lebens-
weise und geographischen Verbreitung noch ein drittes
Kapitel über ihre Anatomie und Physiologie handelt, aus
welchem wir die Resultate wegen ihrer allgemeinen Wich-
tigkeit für die Kenntniss der Organisation der Muscheln
noch besonders hervorheben wollen. In dem zweiten Theile
wird über die physikalischen, chemischen und baulichen
Verhältnisse, über die Bildung und das Wachsthum, über
den Handel der Perlen und ihr Gewicht , über die künst-
liche und natürliche Perlenvermehrung gehandelt wird
u. s. w. — In dem Abschnitte von der Anatomie und Phy-
siologie der Fluss- Perhmuschel nimmt zunächst der Kreis-
laufapparat die Sorgfalt des Verf. in Anspruch. Er ent-
scheidet sich bestimmt für ein geschlossenes Gefässsystem
mit besonderen Wänden und für das Vorhandensein von
Capillaren. Das Bojanus’sche Organ ist er nicht geneigt
für Niere zu halten, ohne jedoch demselben eine bestimmte
andere Function mit Sicherheit zuzuschreiben. Ein beson-
deres Wassergelässsystem leugnet er, vielmehr communi-
eire das ganze Gefässsystem an mehreren Stellen durch
Oeffnungen nach aussen mit dem umgebenden Wasser; na-
mentllich findet sich an der Fusskante eine solche grosse
Oeflnung. Diese Verhältnisse hindern den Verf. die in
den Gefässen kreisende Flüssigkeit wirklich für Blut zu
nehmen, und er ist geneigt die Ernährungsverhältnisse
überhaupt für so anders zu halten, dass sie mit denen höhe-
rer Thiere nur einen annähernden Vergleich gestalten.
352 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in d. Naturgeschichte
— Hierauf wendet sich Verf. der Untersuchung des Man-
tels und der Schale zu, und entwickelt dabei grosse Ge-
lehrsamkeit. Die Untersuchungen von G. Rose sind ihm
jedoch noch nicht bekannt gewesen. — Auch das Muskel-
system und der Bewegungsapparat, so wie der Darmkanal
und die Leber sind beschrieben. — Eine Befruchtung in-
nerhalb der Geschlechtsdrüse wird geleugnet. Nach dem
Verf. soll sie in den Kiemenfächern stattfinden, wohin der
von den Männchen ausgeworfene Samenballen durch Ein-
strömung mit dem Wasser gelangt. — Schliesslich wird
dann von den Perlen gehandelt. Wir müssen den Leser
auf das Buch selbst verweisen, um sich über diesen Gegen-
stand gründlich zu belehren. Nur so viel wollen wir hier
hervorheben, dass Verf. die Entstehung der Perlen vornäm-
lich zwei Ursachen zuschreibt: 1) dem Eindringen fremder
Körper von aussen in das Gefässsystem, 2) Körnern oder
Körnerconglomeraten derjenigen Substanz, aus welcher die
Epidermis der Schale besteht, die in die Gefässe oder auch
in das Parenchym der Gewebe von der Bojanus’schen Drüse
aus gelangen. Sie bilden in der Regel den Kern der Per-
len. — Einen Auszug dieser Schrift findet man in Zeitschr.
für die ges. Naturw. von Giebel und Heintz. XIV. p. 17.
In der Öfversigt af kongl. Vetenskaps-Akademiens För-
handlingar 1859. p. SI—117 findet sich eine Abhandlung
von Fahraeus: Om perlfisket och Linne’s hemliga konst
alt befordra perlbildningen hos musslor. (Ueber Perl-
fischerei und Linne’s geheime Kunst die Perlbildung bei
den Muscheln zu befördern.)
Ostreacea. Carbonel legte der Pariser Akademie wie-
der eine Notiz über künstliche Austerbänke vor. Reyue de
zool. p. 432.
Bei Reeve]. c. ist die Gattung Placunanomia in 14 Arten auf
drei Tafeln erschienen. Darunter sind neu: P. Harfordi Westindien,
Gouldi, australica Australien.
Die Gattung Anomia enthält ib. auf 8 Tafeln 37 Arten, unter
denen neu: A. plenilunium Borneo, sol Mündung des Indus, caelata,
placentella, Humphreysiana, strigilis , laqueala , spinosa Norwegen,
nobilis Sandwich, malleata, ramosa Tunis, scabra Bombay, argyritis,
iyria Sandwich, melallica, costata, lucerna.
der Mollusken während des Jahres 1859. 353
" Poctinea. 'Spondylus Victoriae Sowerby Proc. zool. soc. 1859.
p. 428. pl. 49. fig. 8 von Californien.
Pecten luxurians aus dem rothen Meere und P. argentatus sind
neue Arten von Küster in dessen Conchylien-Kabinet.
Aviculäcea. Die 183. Lieferung der Reeve'schen Conchologia
iconica brachte den Schluss der Monographie von Pinna, die hier im
Ganzen aus 66 Arten besteht, die auf 34 Tafeln abgebildet sind. Auf
den beiden diesen ‘Schluss bildenden Tafeln sind noch neu: P. san-
quinolenta, fimbriatula Japan, Stutchburii Australien,
Arcacea. Limopsis pellucida Jeffreys Annals nat. hist. III. p. 41.
pl.2. fig. 6 von Guernsey. j
Najades. Keber sprach über das Bojanus’sche Organ
bei.den Najaden in der, 33. Versammlung, deutscher Natur-
forscher zu Bonn. Vergl.. Amtlichen, Bericht .p. 151.
Agassiz hat ein 'umgekehrtes Exemplar von Unio
ligamentinus beobachtet, d. h. bei welchem in der linken
Schale ein Schlosszahn, in der rechten zwei Schlosszähne
vorhanden sind, umgekehrt wie sonst bei Jieser Gattung
die Regel ist, Solche Unregelmässigkeit ist bei.den Mu-
scheln viel seltener , als bei den Schnecken ‚die ‚linksge-
wundenen Schalen. Proc. Boston soc. VII. p. 166.
ob Lea bildete eine: Anzahl Unioniden.. der Vereinigten Staaten
(Journal ‘Acad. nat. scienc.. ‚of Philadelphia IV. pl. 21—32) ab, die
bereits in den Proc. dieser Academie 1857—1859 aufgestellt.waren:
Unio! bulbosus, Plantii‘, sudus,,, tetnicus,,| subniger, obfuscus, ‚purpurel-
lus;: Woodwardianus, denigratus,. radians, penicillatus, modieus, Ros-
wellensis , Prattii, spissus , Chattanoogaensis‘, Downei,' Hazlehurstia-
sus, Neislerii, Postellii, Burkensis, satillaensis, corvus, compactus,
fibuloides; — Maryaritana, Elliottii, ‚Etowahensis (ib. p: 280 in Geor-
giana umgetauft), triangulata, connasaugaensis ;; — ‚Anodonta Darien-
sis, Gesnerii, Hallenbeckii. Diese Arbeit gewinnt noch dadurch,an
Interesse, dass auch den weichen ‚Theilen Aufmerksamkeit geschenkt
ist, namentlich den Kiemensäcken ‚ Mundlappen , den Siphonalöffnun-
gen, den embryonalen ‚Schalen ct... In dieser Beziehung sind auch
Unio) phaseolus Hild., parvus' Barnes, multiplicatus, Lea, stramineus
Conr. „'ventricosus Barn. und Margaritana, margaritiferanbeschrieben
und abgebildet.
Von Lea finden sich in Proc. Philadelphia 1859 folgende neue
Arten der Gattung Unio: p. 112. U. spissus, corvus und burkensis aus
Georgia, aureus' aus Texas, curtus und permiscens aus dem Tombig-
bee=- River :in: Mississippi. — p. 151: U. sikkimensis von Sikkim'in
Indien ; diminutis: Ostafrika, plicatulus Borneo ‚ navigioliformis , flu-
Archiv für Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. x
354 Troschel: Bericht üb. d. Leistungen in .d- Naturgeschichte
ctiger, ‚mutabilis Australien, Twaitsii , Ceylon, melleus, ‚„Dysenii Hon-
duras , Demeraraensis Demerara, mauritianus ‚Mauritius, , vittatus,, Au,
stralien,, persulcatus Mexiko, Shangaiensis China, Layardii Ceylon,
Japanensis Japan, Sumatrensis Sumatra, , Rowellii, Neugranada, ‚Wilsonii
Neu-Südwales., — p.154 von Georgia:, U. fibuloides, ‚und compactus.
— p. 154:, U. cacao West- Florida, ‚hepaticus Süd - Carolina, piridira-
diatus Georgia, macrodon Texas, Houstonensis Texas, Rutersvillensis
Texas, Forsheyi, Texas. — p. 170 aus Georgia; U. ‚Baldwinensis, Dir
riduns, Hallenbeckii, salebrosus, modicellus, latus, verutus, Johannis,
Raeensis, inusitatus, Jonesü, quadralus. — p.187: U. ‚bulloides La-
plata Südamerika, rudus ebendaher. — p-281: U, Averyi vom Isthmus
von Darien. — pP: ‚391: U. eynegungaensie Bengalen , jganspbrinus
China, nagpoorensis _ Bengalen.
Unio Burton! Woodward Proc. zool. 'soc. 1 ‚349. Pl. a7. fig.1
aus dem See Tanganyika in Centralafrika. | E10
| Unio Mossambicensis) Peters Malak. Bl. p.'218. Taf: II. Fig. 3—5.
Lea‘ fand ‚beiiUnio, Kleinianus, in jedem; Kiemenlappen ‚einen
Branchial-Uterus, ‚also deren, vier. Proc, Philadelphia ;p.,177. ‚Er kommt
ib. p..329 wieder auf,dieses Verhalten zurück, und giebt vier Arten
mit dieser Eigenthümlichkeit an, U. multiplicatus, rubiginosus,, Klei-
nlanus und subrotundus, von denen rubiginosus und subrotundus othe
Eier haben. Auch der Samen der Männchen ist roth, aber nicht! 36
intensiv. j DH
Monocondyles planulata ‘von Javaı 'undı'rhomboidea: aus dem
Euphrat 'hat- Lea: als: neue; | Arten 'Proc.. Philadelphia‘ p.187: ‚auf-
gestellt.
Margaritana elliptica Lea 'aus dem 'Tombigbee - „ Rimals Proci
Philadelphia 1859. p. 113. —M. 'Wignouwana Bernardi Journ. de,Conch,
VI. p:'302.\pl, 10. fig. 1’ von»Gabon.
Iridina ‚(Pleiodon) Spekei Woodward Proc. PrON soc. pP. 348:
pl.47. fig.2 aus dem See Tanganyika in Centralafrika.
Spatha Petersi v, Marke Malak: -Bl. p.218.' Taf. IL Re 1. 3
von’Tette:
Anodonta \texasensis Lea Proc. Philadelphia ’1859.'p. Br“ and
Texas. —'AlDahomeyensis Westafrika und senegalensis Lealib.pu154i
Lie wis fand’ eine ungeheure Menge »todter'Schalen von Ano=
donta'kewisii’ in einem Kanale angehäuft,' Proc. Philadelphia: py 177.
Mytilacea. Modiola'cuprea 'Jeifieys Annals ‘nat.’ hist TIL pi 40
aus dem Magen eines Strandläufers, der am Strande von Scarbörough
geschossen wurde. i huol
Dacerydium: isteine neue Gattung von Toneld Bidrotill
Spitzbetgens Molluskfauna, auf eine Muschel gegründet;die,für Modiola
vitrea) genommen ist,« \Sie ‚ünterscheidet sich) durch\\dentescrenulati,
antico tuberculiformi, postic6 »elongato; cristis suffulti' decurrentibiiss/
f t vidorıd
der 'Mollüsken während" des Jahres 1859." | 355
Chamacea. Cardita Leana ind; Cumingiana Dunker Malak. Bl.
p- 223 von Japan.
Ju. Vardiacea. ; Cardium.japonieum Dunker, MaJak. BJ. p- 223 von
daBar-.u A, u lau
Cyeladea, Semple Prime hat,Annals Lyceum of New-York
. p. 94 das Verzeichniss aller bekannten Arten von, Pisidium mit
ihrer Synonymie aneam men este: Es WeriEN "hier a Arten an-
genommen.
Cyrena astartina v Martens Malak. Bl. p. 219. Taf. I. Fig. 6.7.
— ©. regulata Gassies’ Journ.| de Oonch. VII. p.372 von Neu 3 Az
ledonien.
Astarte Rollandii Bernardi Jourü,de Conch, VIL p.'386. pl XII.
fig. 4. von Petropaulowski.
Lucinaoea. Lucina Pisidium Dunker Nalak. Bl. Fr 227, von Japanı
Nymphacea. Tellina nitidula und rutila Dunker Malak. Bl. p. 236
von Japan.
Lithophaga.. West beobachtete, dass Saxicava rugosa sich
mittelst eines Byssus festgeheftet hatte. Annals nat. hist. II. p. 511.
— Die Thatsache wird durch Beobachtungen von Robertson ib. VI.
p: 80 bestätigt.
Conchae. Venus (Cryptogramma) Roemeri Dunker Malak. Bl.
p- 240 von Japan.
Mactracea. Mactra Artensis Montrouzier Journ. de Conch. VI.
p. 334 von Neu-Caledonien.
Leptonidae. Lepton sulcatulum Jeffreys Annals nat. hist. II.
p-34. pl.2. fig. a—g von Guernsey.
Anatinidae. Pandora Wardiana A. Adams von der Mantschurei.
Proc. zool. soc. p. 487.
Pholadaria. Seine Studien über die Pholaden hat Fi-
scher Journ. de Conchyl. VII. p. 242 fortgesetzt, woselbst
er über Pholas calva Sow., Pholadidea Turt. und Pholas
papyracea handelt.
Blume schrieb über einige Ostindische Holzarten, in
Verbindung mit den Verwüstungen durch den Bohrwurm
(Teredo) und andere Schalthiere. Verslagen en Mededee-
lingen der koninklijke Akademie van wetenschappen 1859.
p- 25-
Eine kurze Bemerkung über Teredo findet sich Na-
tuurk. Tijdschr. Ned. Indie XVI. p. 13.
Desgleichen von du Petit Thouars über das Bohren von Te-
redo s. Revue de Zool. p. 133. ‘
356 Troschel: Bericht üb. d. Leist. in d, Naturgesch. etc.
Tunicata.
Macdonald schrieb über die anatomischen Charak-
tere von drei Australischen Arten von Tunicaten aus dem
Subgenus Caesira Sav. Transactions Linnean Society of
London XXI. p. 307.
Die Arten sind abgebildet und heissen Cuesira parasilica vom
King-George’s-Canal, C. ficus und ‚C. pellucida von der Thark-Bay.
Ebenda p. 373 beschrieb Macdonald eine eigen-
thümliche Form von zusammengesetzten Tunicalen, ‚die er
Diplosoma Rayneri nannte.
Desgleichen ib. p. 377 eine neue Art Perophora Hutchisoni, die
in’King-George’s-Sound lebt.
‚Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen im
Gebiete der Entomologie während der Jahre
1859 und 1860.
Von
Dr. A. Gerstaecker
in. Berlin.
Obwohl die bereits von Linne in seinem Systema
naturae anerkannten engen Beziehungen, in welchen die
vier Klassen der heutigen Arthropoden zu einander stehen,
in neuerer Zeit einen schärferen Ausdruck darin gefunden
haben, dass man dieselben unter Abtrennung von den
übrigen Articulaten Cuyier’s zu einem eigenen Typus
erhoben hat, finden wir sie trotzdem selbst in unseren
neuesien sowohl zootomischen als zoologischen Handbüchern
meist noch ganz isolirt und ohne eingehendere Erörterung
des ihnen gemeinsamen Bauplanes dargestellt. Da’ eine
solche jedoch schon für eine schärfere Fixirung des Ver-
hältnisses, in dein die Arthropoden zu den übrigen grösseren
Gruppen des Thierreiches stehen, von der grössten Bedeu-
tung ist, so können wir eine so übersichtlich und präcis
abgefasste Darstellung der Gesammtorganisation der Glieder-
thiere, wie sie Gegenbaur in seinen vortrefllichen „Grund-
zügen der vergleichenden Anatomie“ (Leipzig 1859, gr. 8.
p. 193—287) gegeben hat, nur als ein ebenso nützliches
als zeitgemässes Unternehmen begrüssen. Abweichend von
den meisten Handbüchern der vergleichenden Anatomie, ver-
folgt der Verf. nicht den Zweck, ‚die verschiedenen Modifi-
kationen, welchen alle einzelnen ‚Organe unterworfen sind,
bis in's Spezielle und in möglichster Vollständigkeit neben
einander zu verzeichnen, sondern nur die wichtigsten der-
selben in ihrem Verhältniss zum Typus zu erörtern, wo sie
358 Gerstaecker: Bericht über-die wissenschaftlichen Leistungen
verschiedene Stufen der Vollkommenheit darstellen, die eine
aus der anderen herzuleiten, in anscheinend verschiedenen
Bildungen das Uebereinstimmende nachzuweisen u. s. w.
In Uebereinstimmung mit den übrigen Thiertypen wird die
Organisation der Arthropoden, nach Noranschickwp. einer
kürzen Schilderung’ ihres 'Gesänmmit-Bäuplanes ind näch einer
systemälichen) Uebersicht ihrer valsı typisch‘) anzusehenden
Formen in vier Paragfaphen;;abgehandelt: 1) Körperbe-
deckung und Bewegungsorgane (vom Integumente, von der
Muskulatur). 2) Organe der Empfindung (vom Nerven-
systeme, von den Sinnesörgänen). "3) Organe der Ernäh-
rung (von den Verdauungsorganen, Kreislaufs- und Respi-
rationsorganen, von den Excretionsorganen). 4) Organe
der Fortpflanzung. — Zu der ebenso gelälligen ‚als zweck-
mässigen, Ausslallung des. Werkes Iragen u. a. zahlreiche
in den Text gedruckte ‚Holzschnilte bei, welche theils, nach
Originalzeichnungen des, Verl. ‚angeferligt sind, iheils. Dar-
stellungen früherer, Werke ‚wiedergeben. Narr Ar
Neben den Insekten, Myriapoden ‚ Arachniden und, Coistacpen
rechnet der Verf. nach Leydig auch die Rotiferen, jedoch als be-
sondere Classe, ach Arthropoden bei; dass dieselben hier jedoch noch
Keineswegs' eingebürgeit sind , macht sich’'in 'der Darstellung des
Verf. in der sie högveiflichen Weise nieist ganz \isolirt (abgehändelt
werden; fäussteh) zu ‚wiederholten! Malen bemerkbar. — In derısystema-
tischen . Uebersicht ‚der Fur und ‚Ordnungen | würden |, wir ‚einige
Modifikationen vorschlagen, ‚2.1 B- die, Wiederabgabe; von ‚Angu-
lus an..die ‚Siphonostomen, zu denen er nach. allen , ‚natürlichen
Charakteren gehört; ‚ferner das Aulgeben der "Ordnung Apteta, da.
z. B. Lepisma mit Blatta fast ebenso nahe Verwandt ist, wie die mei-
sten übrigen Fotmen” der Orthöptera ' gemuina';! ‚die verentgtiig der
Braeliyeera'undNemöcera zwischen‘ denen‘ keine’ natürliche ‚Gränze
existirt, u a. — Inı Betreff der! Deutüng‘ der: Gliednassen können) wir
in. manchen Punkten nicht ‚mit dem Verf.übereinstimmen.und ‚finden,
dass er darüber, mit sich, selbst, einige, Male, in Widerspruch, ‚geräth,
Aut p- 204 wird, z. B. das grosse Scheerenfusspaar „ ‚der ‚Skorpiong
als zweites Fühleıpaar gedeutet (die darauf folgende Angabe, dass die-
sem das Geisselfusspaar "bei Phryhus und elyphonus enispreche, ist
irrie) da’diese Gättungen ditdelben|Scheerenfüsse Wie 'die Scorpione
haben) ‚während \es!oaıf pıl2811 als 'yschedrentragende Maxille* be-
zeichnet ‚wird, lo Unserer Ansicht, nach haben! ‚die ;Arachniden) über-
baupt, nur ‚e,in, Fühlerpaary ‚welches ‚entweder jin,Scheerenfosm (Seo,
"im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u.60. 359
piö) oder in"Klauenform (Telyphonus,' Solpuga, Araneidea’ etc.) auf-
tritt, dasselbe liegt ausschliesslich über der Mundöffnung, erhält aus-
schliesslich Seite Nerven aus dem'Gehirnganglion und zeigt auch die
Art derEinlenkung ünd die Gliederung von Fühlern, wenn es gleich
(wie sich dies aus dem Eingehen des Kopfes erklärt) die Funktion
der Mandibelh übernimmt. — p. 231. Die 'jvon’ grosser Mächtigkeit
erscheinenden“ Kiefer der Scolopendren können ‘wohl nicht den
Mandibeln der Crustaceen ehtsprechen, da sie'durch das zweite Tho-
raxbeinpaar gebildet werden und die Scolopendren ausserdem wirk-
liche (im Verhälmiss schwach entwickelte) Mandibeln besitzen. —
p- 232. 'Bei den Dipteren bildet die Unterlippe niemals einen kanal-
artig geschlossenen Rüssel, sondern nur eine oberhalb offene Halb-
rihhe; dagegen ist der Schnabel der Hemipteren eine geschlossene
Röhre, die nur'an der Basis der Oberseite offen, hier aber durch die
aufiegende Oberlippe bedeckt wird. Die hehlptären haben niemals
eine Saugezunge, überhaupt ausschliesslich beissende Mundtheile;
har bei den langrüsseligen Bienen nehmen die Maxillen und die Un-
tetlippe die ungefähre Form von saugenden Mundtheilen an, ohne
jedoch solche zu sein.
‚„Milne Edwards’s bereits früher yon uns,angezeigle
„Legons sur, la. physiologie. ‚et. l’anatomie ‚comparee* sind
i2J. 1859 mit 'dem« 4.» und: 5: Bande fortgesetzt; worden,
von denen’ ersterer nichts auf die Arthropoden Bezügliches
enthält (nur die Bluteirculation der Wirbelthiere behandelt),
der fünfte dagegen (p. 474-642) eine eingehende Schil-
derung des Tractus intestinalis der vier,Arthropoden-Classen,
welche, durch eine, genaue. Darstellung, der Mundtheile, ein-
geleitet. wird, „enthält, In ‚Rücksicht auf. die, |mehrfachen
irrigen Ansichten, welche über die Deutung derselben selbst
in’ neuester Zeit zu Tage gefördert worden sind, halten wir
es für zweckmässig, die durchaus klare und auf richtiger
Anschauung beruhende Darstellung des Verf. hier den Haupt-
zügen nach wieder zu geben.
Unter den an die Spitze gestellten Crustac een handelt der Verf.
als ‚Haupttypen » für (die Organisation’ der Mundtheile' die Decapoden,
die Deträdecapoden‘, die Bränchiopoden ‚" Cirripedier und Crustacea
sugentia ab; die "beiden ersten‘,' welcher in ‘der Ausbildung eines
Mandibel - 'und' zweier freien Maxillenpaare übereinstimmen, unter-
scheidet er dadurch, dass bei den Decapoden die drei darauf folgen-
den Gliedmassenpaare die Form von actessorischen Kiefern anneh-
nen, während’ bei den Tetradecapoden dies nur mit dem ersten Paare
360 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
der Fall ist, die beiden ‚anderen dagegen: wirkliche Beine darstellen.
— In, ‚der Classe ‚der, Myriapoden, sind ebenfalls, ein ‚Paar, Mandibeln
und zwei ‚Paare Maxillen vorhanden und bei den Chilopoden tritt ‚das
erste Beinpaar in Form; von starken Sichelhaken als Hülfsorgan, dem
Munde bei (dieses Paar ist streng genommen das zweite Beinpaar des
Thorax, dem noch ein palpenförmiges, welches M. Edw. als zweites
Maxillenpaar ansieht , vorhergeht. Ref.). — In der: Classe der Insek-
ten geht der Verf. von den kauenden Mundtheilen, (Coleoptera, Or-
thoptera, Neuroptera) aus, bei denen ein Mandibel- und zwei Ma-
xillenpaare vorhanden; sind; nur das erste Paar der; Maxillen ist frei,
das zweite dagegen zu einem unpaaren ‚Organe , der Unterlippe ver-
schmolzen., Ihr ‚Basaltheil (Mentum) ist durch, Verschmelzung des
Hüftentheiles der Maxillen entstanden; der zwischen den. Tastern be-
findliche vordere Theil (Ligula, languette) entspricht den mittleren und
inneren Laden der Maxillen (unter den, äusseren versteht der Verf.
die Taster), also nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche ‚den vier
Laden der Unterkiefer in Gemeinschaft, welche bei einigen Insekten
(Orthoptera) noch deutlich getrennt sind, bei anderen dagegen, ganz
mit dem Kinn verschmelzen (Melolontha). Neben diesen drei Kiefer-
paaren treten noch ein oberer und ein unterer Fortsatz der Mundhöhle
auf, die als Epipharynx und Hypopharynx bekannt sind; letzterer ist
bei den 'Orthopteren 'ünd vielen Neuropteren stark entwickelt, 'bei
den Coleopteren oft 'rudimentär, aber 'zuweilen‘deutlich'als zweispit-
zige Zunge, über die Unterlippe |hervortretend. „Verschiedene Ento-
mologen nennen ‚dieses Organ Lingua, andere belegen mit demselben
Namen die dayon ganz verschiedene Ligula und es herrscht, in ihren
Schriften in Betreif dieser Theile des Kauapparates eine grosse Ver-
wirrung.“ — Die Mundtheile der leckenden Insekten („lecheurs,*
Bienen) sind 'ganz nach’ dem "Typus der kauenden gebaut, nur dass
sich ihre beiden Maxillenpaare oft auffallend verlängern’; 'an der’ Liz
gula , der Bienen ‚entspricht der mittlere! ünpaare Theil den''beiden
mittleren Laden der Orthopteren-Unterlippe, die seitlichen (Paraglossae)
den äusseren Laden derselben. Der Epipharynx ist bei den Bienen stark
entwickelt, der Hypopharynx meist, verkümmert; ‚letzterer tritt ‚dage-
gen bei den Hymenopteris fossoriis sehr ausgebildet auf. — Unter
den saugenden Insekten haben die Lepidopteren verkümmerte Mandi-
beln: (nebst Oberlippe), und ihre‘ Maxillen: ‚bilden allein: den 'Saugrüs-
sel; während ihre Unterlippe ‚bei ‚diesem Apparate, | gar. ‚keine Rolle
spielt, stellt dasselbe Organ bei den Hemipteren fast allein: die ganze
Saugröhre dar, die nur oberhalb. an, der Basis ‚durch die, Oberlippe
vervollständigt wird, ‚und ‚in, welcher ‚die Mandibeln ‚und. Maxillen
als vier Stilets, wie im Trocaıt eingeschlossen sind, ‚Für die: Dipte-
ten schliesst sich der Verf. in, Betreff des unpaaren Organes, welches
Sayigny und Gerstfeldt:als. Hypopharynx bezeichnen, der Ansicht
im! Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 361
Newport's und Blanchard’s an, die dasselbe für die verschmol-
zenen Mandibeln ansehen; wo es, wie bei Tabanus (Weibchen) neben
(den Mandibeln auftritt, willer es mitNew port als Ligula bezeichnen.
(Bei den Asilinen, Empiden, Bombyliern und Verwandten glaubt
Ref. das unpaare Stilet seiner Einlenkung nach ebenfalls besser als
aus der Verwachsung der Mandibeln entstanden ansehen zu müssen.)
— In der Classe der Arachniden, deren Kieferfühler 'der Verf. richtig
als den Fühlern der Insekten entsprechend ansieht, will er die Schee-
ren der Skorpione als Pedes maxillares (der Crustaceen) deuten, wäh-
rend nach ihm die drei Kieferpaare im Rudiment ebenfalls nach-
weisbar sind.
Von: speziellen Abhandlungen, welche ‚gleichfalls ana-
tomische. ‚und, physiologische. Verhältnisse der, Arthropoden
im: Allgemeinen behandeln, sind. hier ‚ferner folgende zu
erwähnen:
„Ueber den'Gelenkbau bei den Arthrozoen, Vierter Bei-
trag zur vergleichenden Anatomie und Mechanik der Ge-
lenke“ ist eine umfassende, von K.Langer:im XVII. Bde.
der Denkschriften der Akad. d. Wissensch. zu‘ Wien (Physik-
mathem. 'Classe, p. 99-140 mit 3 Taf., im Auszuge:
Sitzungsberichte d. phys. -mathem. 'Classe , Bd. 33, .p. 365
bis 368) veröffentlichte Abhandlung betitelt, in welcher der
Verf. die Resultate seiner an mehreren Decapoden (Astacus,
Homarus, Maja und Squilla) so wie unter den: Insekten be-
sonders an verschiedenen Käfern (Scarabaeus, ‚Phanaeus,
Procrustes, Buprestis, Hydrophilus, Dyticus, Calandra, Ceram-
byx) angestellten Untersuchungen ‚über . die ‚Construktion
und Mechanik der Gliedmassen-Gelenke niederlegt. Obwohl
als Hautgebilde von den durch das innere Skelet gestützten
Gliedmassen der Wirbelthiere ganz verschieden, zeigen die
Bewegungsorgäne der Arthropoden in der Construktion ihrer
Gelenke eine nicht zu verkennende Analogie ‚mit. jenen,
wie dies ja ‚auch ihre funktionelle Uebereinstimmung schon
von\vornherein erwarten lässt. Fehlen gleich Gelenke: mit
vollkommen freier Beweglichkeit nach ‚Art der: höchsten
Wirbelthiere bei den Arthropoden ganz und sind alle bei
ihnen vertretenen Modifikationen auf das Charniergelenk
zurückzuführen, ‘so kann. doch ‚durch Zusammenwirkung
zweier »dicht aneinander gränzender Gelenke ein gleich
362 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
hoher. Grad von: freier.(und allseitiger Bewegung. herbeige-
führt: werden. Dies ‘ist z! B.’beir der Einlenkungsstelle' der
Beine der Käfer der Fall, an denen zwar die Hüfte’ sowohl
(sei sie kuglig oder walzig gestaltet) als der Schenkel
immer nur im Charniergelenk beweglich ist, wo aber irotz-
dem. durch Schwinden ‚des gegenseitigen, Abstandes ‚und
durch die davon abhängige Durchkreuzung. der Achsen) die
Spitzedes letzten -Beingliedes eine Verkehrsfläche in Form
eines Kugelabschnittes haben"kann.‘ Von Gelenken," welche
an und für sich die freieste Beweglichkeit zeigen’ und'also
dem’Kugelgelenk 'am nächsten kommen, führt ‘der’ Verf. z. B.
die Kopfeinlenkung ‘von Calandra, die'Gelenkverbindung der
Fühlerglieder ‘von Cerambyx'an. ‚Am allgemeinsten verbreitet
ist das beschränkte Charniergelenk, bei welchem: eine! Ver-
engüng''der Skeletröhre an, ihrem. eingefuglen Ende, statt-
findet: und welches nur die Bewegung in. derselben ‚Ebene
gestattet.‘ “Dasselbe:ist bei den Crustaceen. fast ‚durchgängig
angebracht, ; obwohl z; B.' am Scheerenfusspaar » von.‘Maja
schon‘ ein. Zapfenchärnier auftritt, welches sich durch rings-
um geschlossene und 'aus.der Fläche 'hervortretende Zapfen
auszeichnet. }
Der Nachweis’ieigenthümlicher Strukturverhältnisse' an
verschiedenen‘ Stellen ‘der Chitinhaut ‘des 'Insektenkörpers;
wie an'den ‘Fühlern, Tastern, Tarsen, den’ Halteren!der
Zweiflügler u. 's. w:, 'auf deren nähere: Erforschung. neben
seinen'mehrfachen eigenen Untersuchungen’in ‘neuester Zeit
atech diejenigen’ von Leisp&s und Hicks gerichtet gewesen
sind, hatLe'ydig veranlasst, sein Augenmerk auf 'das: Vor-
kommen analoger Bildungen auch 'bei'den übrigen Arthro-
poden - Classen (besonders Crustaceen und Myriapoden) zu
richten ‚ 'um©über die ibnen beigelegte' Deutung als Tast-,
Geruchs'= und :Gehörorgane''eiden ' sicheren 'Anhalt'zu ge-
winnen.' Die’ Resultate ‚seiner Untersuchungen‘'sind‘ theils
in’/der' weiter unten zw erwähnenden „Naturgeschichte| der
Daphniden€ -des 'Verf’s., theils' und‘zwar in’ weiterer Aus-
dehnung in'einer ‘Abhandlung! „Ueber Geruchs-\ und‘ Ge-
hörorgane' ‘der Krebse‘ 'und‘Insekten* (Archiv f.Anat.'und
Physiol. 1860, p. 265-314, Taf. 7-=9) | niedergelegt:'» In
im‘ Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 363
letzterer weist der Verf. zunächst auch an den Fühlern von
Insekten 'und ‘Crustaceen eigenthümliche Tasthaare, gleich
denen an’ den Mundtheilen und Tarsen durch blasseres Aus-
sehen und eine Ganglienanschwellung des in sie eintreten-
den Nervenfadens’ ausgezeichnet, nach. Ausser diesen 'be-
sitzen’aber die Fühler 'nach ihm noch andere Organe, in
welche aller Wahrscheinlichkeit nach der Sitz einer zweiten
spezifischen Sinnesempfindung und zwar ‘des Geruches zu
verlegen ist. 'Es sind dies dem Verf, zufolge nicht sowohl
dieEriehson’schen Poren, deren Verhalten er ausser an den
Fühlern der Lamellicornen auch bei anderen Insekten ver-
schiedener Ordnungen so wie an einigen Crustaceen und
Myriapoden eingehend erörtert, als vielmehr eigenthümliche
Zapfen und Kegel, welche bei den verschiedensten Formen
der ‘genannten drei Arthropoden - Classen bald an der
äussersten Spilze der Fühler, bald nahe den Gelenkverbin-
dungen mehrerer oder aller Glieder neben’den gewöhnlichen
Borstenhaaren’ vorhanden sind und sich von diesen in der
Form beträchtlich auffallender unterscheiden als die eben
erwähnten Tastborsten; in ihrer oft blasseren Contourirung,
sö wie in dem Verhalten des sich zu ihnen wendenden Ner-
venfadens stimmen sie übrigens mit letzteren überein, treten
ausserdem in ziemlich analoger Weise auch an den Tastern
der Insekten auf. Dieselben als Geruchsorgane zu deuten,
welcher Annahme ihre Struktur‘ wenigstens‘ nicht" wider-
spricht, zieht der Verf. die Erfahrung, nach welcher 'die
Insekten ihre Fühlhörner stark Hächehden Substanzen nähern,
heran. Kann dieselbe gleich nicht als überzeugend ange-
sehen werden, so würde sich doch die Annahme, dass den
bezeichneten Fühlerbildungen die Geruchsempfindung: inne-
wohnt , wenigstens durch Exklusion ergeben, wenn'man,
wie es der Verf. im Folgenden thut, die"von Hicks in den
Halteren der Dipteren und‘ den‘Hinterflügeln der Käfer
nachgewiesenen Bildungen als ein Analogon des muthmass-
lichen Gehörorgans der Acridier ansieht. Nach den Angaben
von Hicks (der übrigens bekanntlich das Geruchsorgan
hierhin verlegen. will) ‚lassen jene Bildungen: in den Hal-
teren allerdings wenig Uebereinstimmendes' mit: dem Organ
364 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
der Heuschrecken erkennen; Leydig weist indessen ‚an
dem sich an. dieselben verzweigenden Nerven ganz \.die-
selben Elemente, nämlich ausser den Ganglienbildungen der
einzelnen Nervenendigungen ‚ihr Auslaufen: in ‚die bekannten
eigenthümlichen Stiftehen nach. Ueberdem kommt in; ana-
loger Weise die dem Ganglion dicht, anliegende', grosse,
zuweilen blasenartig ‚anschwellende Trachee und besondere
Bildungen der äusseren Haut hinzu; bei den Dipteren be-
stehen dieselben in kleinen hohlen Räumen, die nach innen
offen, nach aussen ‚geschlossen sind, („Bläschen*, ‚nach
Hicks), bei den Coleopteren in deutlicher ausgebildeten
Hautkanälen. (Ist demnach die Uebereinstimmung des ana-
tomischen Befundes, in beiden ‚Fällen nicht, ‚in. Frage. zu
stellen, so würde ‚jedoch die Frage; aufzuwerfen sein, ob
die Käfer nur im Fluge hören sollen, da beim Schluss ihrer
Flügeldecken die Perception der Schallwellen. doch, .jeden-
falls ‚sehr behindert, wenn nicht überhaupt aufgehoben sein
müsste? — abgesehen davon, dass ‚bekanntlich eine,grosse
Zahl von Käfern bei Verwachsung der Elytra überhaupt
ungeflügelt ‚ist. Ref.) — Einen seiner Natur, nach ‚früher
zweifelhaft, gelassenen. Sinnesnerven; bei den. Daphniden,
dessen Endigung an der Haut entsprechende Stiftchen er-
kennen lässt, deutet der Verf. schliesslich ebenfalls. als
Gehörnerven.
Das speciellere Verhalten der Poren an den Lamellicornen-Füh-
lern ‚stellt der Verf, so dar, dass der,sich nach innen verjüngende
Porenkanal sich über den Grund der Grube mit einem scharfen, kra-
terförmigen Rand erhebt; ein Verschluss (tympanule nach Lespe&s)
fehlt denselben, wie denn überhaupt die Porenkanäle von den ge-
wöhnlichen Hautkanälen der Arthropoden nicht wesentlich verschie-
den sind und sich ihnen durch ein zuweilen aus ihnen hervorragen-
des Haar eng anschliessen. ‘Von besonders auffallender Form: zeigten
sich die Poren an den Fühlern von Ichneumonen, wo sie sehr lang;
schmal und schlangenartig. gewunden sind, ‚während der hinter. ihnen
liegende Canal einen mehr ovalen Durchschnitt bat; bei Musca fanden sich
am Endgliede der Fühler neben zahlreichen kleinen Poren in ‚geringerer
Zahl sehr grosse Gruben, deren Rand gestachelt war. — Die Geruchs-
zapfen erreichen eine besondere Länge und sind in grosser Anzahl
vorhanden am äusseren Aste der inneren Fühler von Pagurus; kürzer
und zu 4-5, vereinigt ‘sind sie’ an den Gliedern des äusseren Astes
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u.60. 365
der inneren Fühler von Astacus, vereinzelt und einem Stiele aufsit-
zend an den Endgliedern, der ‚kurzen Fühler ‚von Asellus, zu vieren
vorhanden und flaschenförmig an, der Fühlerspitze von Julus. An den
Tastern der Insekten nehmen sie ebenfalls die äusserste Spitze ein. —
Bei Betrachtung der Insektenfühler erwähnt der Verf. anhangsweise
der Ablagerung einer harnsauren Substanz in der Fühlerkeule der
Tagschmetterlinge.
Unabhängig sowohl vonLeydig als von Clapareöde
hat auch €. Claus (Archiv f. Anat. und Physiol. 1859,
p. 552 ff., Taf. 16) die Poren an den Fühlern der Melo-
lonthen untersucht und ist dabei gleichfalls zu der Ueber-
zeugung gelangt, dass sowohl die „Tympanule“ als der
„Otolith“ von Lespes auf optischer Täuschung beruhe;;
er bildet seinerseits ebenfalls die hinter den Poren liegen-
den Canäle ab, deren in die Gruben mündender Rand
übrigens nach seinen Zeichnungen nicht die bei Leydig
dargestellte Erhebung erkennen lässt: Eine Verästelung
der zwischen die Fühlerlamellen eintretenden Nervenstämm-
chen an die Mündung der Porenkanäle (von Lespes an-
gegeben) ist dem Verf. nirgends entgegengetreten; nach
seiner Beobachtung bilden ihre Verzweigungen ein dichtes
Netzwerk , welches sich in die granuläre Masse der La-
mellensubstanz allmählich verliert und in welchem er zahl-
reiche feine Kerne (wie Leydig in den Nerven-Endi-
gungen der Arthropoden) eingeschlossen fand.
Ebenso widersetzt sich Hicks in einer weiteren Ab-
handlung „Further remarks on the organs of the antennae
of Insects“ (Transact. Linnean Soc. XXII. p. 383—396,
tab. 67), in welcher er 'erneuele Beobachtungen über die
Fühlerorgane verschiedener Coleopteren, Hymenopteren, Le-
pidopteren und vereinzelter anderer Insekten, Myriapoden
u. s. w. beibringt, der Annahme des von Lespes präsu-
mirten Otolithen. Die Bezeichnung der hinter den Poren
liegenden Organe als „Säckchen“ wird vom Verf. zwar
allgemein beibehalten, doch nähert er sich der Anschau-
üngsweise der Deutschen Beobachter schon in zwei Fällen,
indem er bei der Fühlerkeule von Hydrophilus z. B. an-
giebt, dass sich hier die obere Wand der „Säckchen« oft
mehr oder weniger in Form eines Zahnes über die Ober-
366 Gerstaecker: Bericht-über die wissenschaftlichen Leistungen
fläche erhebe, während er bei Formica. an Stelle des. kurzen
und "breiten Säckchens hinter‘ 'den Poren’ lange , capilläre
Röhren beobachtet hat. Er erwähnt in dieser Abhandlung
ferner zuerst eigenthümliche kegelförmige Häärchen an den
Fühlern vonDytieus, welche.er wegen ihrer Abweichungen
von den gewöhnlichen Haaren als „Tastorgane“ anspricht.
Ausgedehntere Beobachtungen ‚über die letztgenannten
Organe; legt Hicks in ‚einer ‚zweiten Arbeit „On ‚certain
sensory ‚organs in Insects., hitherto: undescribed“ ‚(ebenda
XXIII, p- 139—150, pl. 18, und 19, im Auszuge: ‚Proceed;
Royal: Soc. 26. May 1859, und, Annals of nat. hist, IV,
p-229),; in welcher’ zugleich noch andere, Hautbildungen zur
Sprache gebracht, werden, vor: „Was. zunächst die, Tast-
organe , (die; als „tactil hairs*, bezeichnet werden, ‚betrifft,
so scheint der Verf;,, wie wenigstens ‚aus seinen Zeich-
nungen, ‚hervorgeht, unter, dieser, Categorie; zwei,,unter
einander verschiedene Bildungen zu vermengen, deren.eine
offenbar ‚mit den „Geruchscylindern* Leydig’s indentisch
ist,,, während die ‚Uebereinstimmung ‚der ‚zweiten mib.,des
letzteren „Tastborsten“ in’ Frage gezogen ‚werden könnte.
In der Beschreibung. ‚des Verf. werden ‚sie \zwar ebenfalls
als durch .‚Zartheit ‚vor. ‚den, übrigen; Haaren ‚ausgezeichnet
charakterisirt‘ und in den Abbildungen ‚mit'‚äusserst zahl-
reichen Nervenfäden (ihrer, ‚grossen Anzahl, entsprechend)
versehen;,.indessen wird; weder der, gangliösen, Anschwel-
lung der Nerven erwähnt (was. der, Verf. ‚als:Nerven; ab-
bildet, ‘scheint überhaupt ein davon verschiedenes Gewebe
zu, sein), noch, scheint: der ‚Umstand, dass durch dieselben
grosse.‚Flächen., bedeckt sein, sollen ;, ‚für ihre ‚Identität mit
den,Leydig'schen Tastborsten, zu. sprechen. „Auf, die
feinere ‚Struktur ‚der ‚beiderlei ‚Organe, geht...der, Verf,
übrigens; nicht weiter, ein, ‚sondern er erörtert; sie, sowohl
an, Tastern, als Füblern vieler ‚verschiedener. Insekten. nur
ihrer, Form und Vertbeilung , nach; die ‚kegelförmigen Bil-
dungen ‚stellt, er,, in. einigen, Fällen, sogar; von denselben
Arten wie Le;ydi.g.dar.,, Bei..der Deutung dieser, modifi-
eirten. Haare ‚als, Tastorgane, ‚stützt, sich der. Verf., lediglich
auf. ihre ‚reichliche, ‚Versorgung ‚mit, Nerven, und, ‚auf, ihr
im. Gebiete, der 'Entomologie, während ‚der Jahre 1859 u: 60: 367
Vorkommen an denjenigen 'Gliedmassen ‚denen ‚man allge-
mein, den Tastsinn zuschreibt.
’ Die zweite! von ‚Hicks: hervorgehobene : Bildung,
welche‘, sich. nach seinen: Beobachtungen ‚auf. der Gränze
von Trochanter und | Femur, so, wie.an den beiden Taster-
paaren ‚der. verschiedensten: Insekten; ‚ausserdem ‘auch an
den; Maxillen (?).einiger Arachniden. vorfindet,, ‘besteht in
kleinen runden oder ovalen. Oeffnungen der ‚Chitindecke,
welche, von; ‚einer ‚zarten Membran geschlossen sind: ‚und
in, eine,durch, einen Nervenfaden versehene Höhlung führen.
Dieselben ‚sind: bald: in Reihen! angeordnet, bald stehen ‚sie
in. kleineren‘ oder, grösseren »Gruppen beisammen; ‚am
meisten modifieirt, treten, sie an den Tastern der,Schmetter-
linge ‚auf, ‚deren‘ Spitze mit einer ‚Grube, oder einem: weit
herabsteigenden Canal versehen ist., Verf. glaubt,in diesen
Organen ‚den Sitz ıdes. Geschmackes annehmen zu ‚dürfen,
wenigstens ‚möchte er. dies- für, die in den. Tastern befind-
lichen ‚befürworten; diejenigen an. den .Trochanteren könnten
vielleicht, Hülfsorgane für. den, Geruch sein. Als Organe,
welche letzteren. vorzugsweise; vermitteln, stellt‘ er hier
nochmals die „Bläschenreihen“ in. den Halteren dar, indem
hierfür. ‚besonders, 'ihre\'Lage. ‚in der Nähe. des, grössten
Thoraxstigma ‚spreche. — Man, ersieht aus. den; ‚verschie-
denen ‚Ansichten ‚der betreffenden Forscher ‚über die Natur
der.'besprochenen ‚Organe, dass sich; für jede Deutung der
eine oder 'andere,Grund anführen lässt, zugleich ‚aber, dass
für die Bedeutung ‚ dieser, Bildungen noch: keineswegs ein
fester Anhalt (gewonnen ist.
„Zur Morphologie der zusammengesetzten Augen‘ bei
den Arthropoden* ‘ist eine mit sehr‘ schönen Abbildungen
ausgestattete Abhandlung von Claparede (Zeitschrift für
wissensch! Zoologie X, p. 191-214, Taf. 12=-14) betitelt,
in'welcher der Verf. vorzugsweise die’ bis jetzt noch'nicht
verfolgte Entwickelung der elementaren 'Bestandtheile''des
zusammengesetzten Arthropoden- Auges ‘während des Pup-
penzustandes' darstellt, ausserdem auch nach einer ' Erörte-
rung’ der Modifikationen, ' welche einzelne‘ Theile des Auges
bei gewissen Formen erleiden‘, die’ Theorie’ des’ Sehens''bei
368 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
den Gliederthieren. einer: Prüfung unterwirft. © ‘Zunächst
macht er auf das allgemeine ‘Vorkommen ' von''vier unter
der‘ Cornea ‚liegenden‘ Kernen, welche bis jetzt nur von
Leydig bei Astacus angedeutet, von Semper' dagegen
zuerst in ihrer ‘Allgemeinheit beobachtet ‘wurden 'und die
er daher als „Semper”sche Kerne“ bezeichnet, aufmerksam,
Sie liegen der 'Cornea so dicht an, dass sie’ beim Los-
präpariren derselben meist an ihr haften bleiben und es
scheint sogar, als wären sie die Matrix, durch welche die
Chitinschichten der Cornea- Facetten abgesondert würden.
Die 'Beobachtung der Entwickelung des’ Arthropodenauges,
welche der Verf. an Vanessa Jo und einer Ameise (Pup-
pen) darstellt, zeigt, dass sie ihren Ursprung''vier Zellen
verdanken‘, aus denen zugleich der Crystallkörper 'hervor-
gebildet‘ wird. In der ersten Anlage besteht nämlich jedes
Augensystem, 'welches sich in dieser Periode durch'auf-
fallende Kürze auszeichnet, aus 17 Zellen, von denen nur
eine unpaar ist, die anderen dagegen zu je vieren zusam-
mengehören. Die vier obersten stellen in Gemeinschaft
eine globulöse Masse dar, innerhalb’ deren sich nach unten
zu aus den vier Primitivzellen vier lichtbrechende Kügel-
chen absondern, welche durch ‘allmähliche Vergrösserung
und Verschmelzung später den Crystallkörper bilden, 'wäh-
rend ihre Ursprungszellen alsSemper’sche Kerne über ihnen
liegen bleiben. Die vier Zellen der zweiten Gruppe, hinter
den vorigen gelegen, sind 'langgestreckt 'birnförmig und
bilden’ durch spätere innigere Verschmelzung und allmäh-
liche Ausdehnung in der Längsrichtung den vierkantigen
Nervenstab des Einzelauges: Mit ihrer verjüngten' Spitze
ruhen sie auf.der grossen, kugligen Einzelzelle (Grundzelle
des Verf’s.), zu welcher: ein. in ‚der ‚Bildung ıbegriffenes
Faserbündel des Sehnerven geht, während die ‚übrigen acht -
Zellen’ klein und ;am oberen, und unteren Ende ‚der lang-
gestreckten mittleren vertheilt sind ;, aus ihnen: bildet sich
der‘/Umhüllungsschlauch ' und das ‚ Pigment. — ‚Von ‚dieser
an der' Puppe von Vanessa Jo beobachteten Anordnung. der
Zellen weicht ‚diejenige beider, Ameise etwas. ab; die. all-
mähliche : Veränderung ' dieser. Zellen. bis. ‚zur vollständigen
‚im 'Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 369
Hervorbildung.\ider einzelnen Elemente’ .des’ Auges in’ der
Imago wird vom-Verf. durch Beschreibung und Abbildungen
in’s Einzelne hinein verfolgt. Im Weiteren 'bespricht''er
noch. die Modificationen, welche die Pigmentablagerüung, die
Form des Nervenstabes und der Umhüllungsschlauch in ge-
wissen Fällen erleiden und beschreibt eine ausgezeichnete
Bildung dieser‘ Theile an ‘den Neizaugen ‘der Larve von
Aeschna grandis. — Der Leydig’schen Auffassung des
Arthropoden- Auges, wenn sie auch in morphologischer
Beziehung eine gewisse Berechtigung hat, ‚glaubt:der Verf
‚aus: physiologischen Gründen nicht“ beipflichten zu können.
weil sie eine Aufrechterhaltung der Müller ’schen Theorie
‚des Sehens, deren Unhaltbarkeit er nachweist, erfordert.
Die Cornea erzeugt nicht bei allen Arthropoden Bilder,
sondern bedarf wenigstens da, wo sie keine Wölbung zeigt,
noch eines; besonderen :lichtbrechenden Mediums; sie. kann
daher auch funktionell nicht allgemein: als. der Cornea und
Linse des Wirbelthierauges aequivalent angesehen werden.
Die Müller’sche Theorie, nach welcher nothwendig die
Schärfe des Sehens von der Anzahl der Facetten abhängig
sein müsste, ist aber in Betracht der grossen Schwankungen
der letzteren (zwischen vielen Tausenden und fünfzig) nicht
haltbar, da nach derselben ein Insekt mit verhältnissmässig
wenigen, Facetten ‘gar keine. deutlichen. Bilder: empfangen
könnte. |, Es.muss daher. ‚jedes einzelne/System. im zusam-
mengeseizien, Arthropodenauge als selbstständig fungirendes
Auge, angesehen werden und mithin auch einen 'dioptrischen
Apparat besitzen,;; welchen nach dem;Leeuwenhoeck-
‚sehen Versuch. der Crystallkörper :abgiebt ;; dass dieser trolz-
dem eine nervöse Nalur haben kann, ist nicht ausgeschlossen
und. wird durch ‚die Beobachtung: an, gewissen Amphipoden
‚bestätigt. ı (Die Arbeit ist,im Auszuge auch ‚mitgetheilt,in
Annal. d. sciene., nat., Äll, p. 381. und Ribliaih. univ. de
ıGeneve, Ser. ‚2..Vlll, p., 16.)
- 0. Von faunistischen Beiträgen, welche:sich über sämmt-
liehe.oder mehrere Arthropoden-Ülassen erstrecken, führen
wir hier folgende an:
0 ln JM. Jones’s „The naturalist in Bermuda, a’ sketch
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. Y
810 Gexstäelcker: Berichbrüber die wissenschaftlichen.Leistungen
ofl the geology;;)zoology''änd »botany oflthatiuremarkable
groupofilslands (London 1859, '8.)' p. 108—130 sind einige
Mittheilungen über die (Gliederthiere der: Bermuda-Insem
gemacht: uDie:Insektenwelt; daselbst (ist/" nicht "besonders
reichhaltig; 'wieudies' wahrscheinlich »die>isolirte Lage: und
die: Kleinheit: ‚der: Inseln mit» sich\bringt 5! eine‘ wesentliche
Uebereinstimmung der Fatınas'mitisden 'zünächst!|gelegenen
Theilen‘ Amerika’s; besonders mit Nord- Pukeiin ist indie
Augen (springend« \ wm yırä -ngbogenlimä
Von’ Coleopteren werden Cicindela)toitmosa, BIER
Lampyris spec. und Diaprepes affinis-äls sehr ‚gemein angeführt ; von
Oxtbopterenz.,Blatta (Americana, und, ‚Maderensis, „Gryllus ispeciz, liibel-
len,3 A,, von Neuropteren: Mynmeleon ‚1-A. Von Hymenopteren,:
Polistes pallipes, Pelopoeus, goeruleus und flavipes, Evania s spec“, mehr
vere Ameisen; Apis. mellihica kleiner als die PuTan NE Be und
in der Färbung der stidatrikänischen Varietät! glöichend. ' von’ Le Piz
'döpteren: Dänais Archipplis) "Vanessa Athlanta,’ card, Anıtröph, (Cdet
Inia, Derias)Disa,) Sphinxieingulatas |Non! Hemipteren!|Citada tibiten,
‚Rhaphigaster 'prasinus, von Dipteren:Mosquitosl;\eihg Musen, welche
der Europäischen M, domestica, sehr ähnlich ist, 1 Seatophaga, ı. ‚Ia-
banus und Gastrus equi,( (9.
und penetrans ‚häufig. on Tyriopaden kommen, "einige Juliden
und Scolopendren' vor, von "Ärachniden! 'Epeira elavipes. - Yon Eru-
staceen werden 4 rachyren 1 ori 5 Mucrddren\hamdnt!
ee N im au i i bh. dann abs uudtiei
sand iny|Essärsur lPhistoire orale del’ Archipelisde
Mendana''ow''des’Marquises (M6moires'd.”1V 800. d. ‚seiene.
de CherbourgVN4185% “pi 1611) Führt einiges aufırden
Marquesas-Inseln vorkommende Gliederthiere' auf) besonders
einige’ Cirripedier) ünd'Dechpodem>»Das über‘ Insekten‘ Mit-
getheilte ist: Fine 'ein» Auszug aus er . Noyageilde
P-Astrolabe: elai „ans naded msefl a 190 919. mab
‚Int E.Tennent? SyCeylöny'an alkoday of the island
physical, historieal and’töpographical®'ete. ‘Vol. I." (Londoh
1859), p. 247-2308 "ünd' in -desdelben"Verf’s. kürzlicher-
schienenem Werkchen „Sketches' of the! /naturäh history) of
Ceylon“'»(BLondon 1861) pP. 403-1479 finden" sichoMitthei-
lungen. über die. Lebensweise der bekänntesten'Gliederthiere
Ceylon’s, deren auffallendere Formen» zugleich! im'Holz-
\schnitt; dangestelltusind.uDenselben.'schliesst Sich sein von
uounim:'Gebiete' der(Entomologie während der Jahre 1859 u; 60, 371
Walker herrührendes ''systematisches "Verzeichniss ‘der
Insekten"'an, welches zwar reichhaltig’ ist, aber die be-
Schriebenen Arten nicht vollständig giebt, andere dagegen
unter doppelten Beilennungen Aufführty ‘eine sehr viel
ärmere Liste ist von den’ Arachniden ühd 'Crustaceen, eine
vollständigere wieder von den Myriopoden’ gegeben.
8 die im letztgenannten Werke besprochenen und abgebildeten
Gattungen sind: .
99a) Insekten: Ateuchus spec, ," Bätocera !rubus und Oryctes’ rhi-
noceros (die ‚Larven, beider foxstschädlich), Cassida. — Phasmäa, Phyl-
liumyMantis ‚Libellen, Termiten,, Myrmeleou/ — Pelopoeus, Sphex,
Xylocopa, Ameisen, Ornithoptera, ‚Papilio, 'Hestia,ı Lycaena, Ache-
rontia, Allarus; Qiketieus, Brenner -Raupen,.— ıCicada, Poeciloptera;
Leeanium’ Cofleae?..-—, ‘Mosquitos,.; b); Arachniden: Mygale; fasciatä}
Qlios.Taprobanius,';Phalangium; |Chelifer, Ixodes, Trombidium ıtincto-
rum. ce) Myriopoden: Cermatia, Julus. d) Crustaceen ; ‚Gelasimus)
Ocypode, Lupa.
G. Belke, Esquisse ‚‚de.,l’histoire naturelle de Ka-
mienitz-Podolski (Bullet. d. natur. de Moscou 1859, p. 24 ff.)
‚giebti,auf p.,40-—-102 eine, Zusammenstellung „der, von ihm
in‘der Umgegend ‚von,Kamienitz beobachteten, Artikulaten,
Unter. denselben ‚sind. ıdie Crustaceen,, ‚Myriopoden; und
Arachniden, nur, durch eine geringe Anzahl. von Arten | ver-
trelen; im, Verhältniss, ‚reichhaltiger die; verschiedenen, Ord-
nungen; der ‚Insekten..,..Bei;den, Coleopteren ,, Lepidopteren,
Neuropteren; und Hemipteren; beschränkt. sich,.der Verf. auf
die ‚Zusammenstellung ‚der, Arinamen;;; bei den, Orthopteren,
Hymenopteren ‚und Dipteren ‚giebt er, nebenbei ‚auch kurze
Beschreibungen, von ‚solchen. Arten und; Varietäten , für. die
er, ‚eine ‚sichere, Bestiminung nicht, ‚hat auffinden können,
ohne. denselben indessen Namen .‚beizulegen.
sıuJKolemati lieferte in.seiner „Fauna des Altvaters, ho-
hen /Gesenkes ‚der Sudeten“, Brünn 1859,1,83 pag. in ‚8./ (aus
demx Jahreshefte‘., der,Inalurwiss. ‚Sektion ‚der Mährisch-
Schlesischen: Gesellsch,; ‚zur Belörderung des ‚Ackerbaues;
der ‚Natur :und Landeskunde f..d. di, 1858 besonders ab-
gedruckt).ein systemalisches Verzeichniss, der, in einer Höhe
von 3700, bis 4680‘, gesammelten! Insekten aller, Ordnungen,
so ‚wie. einiger, Arachniden. ‚Coleoptera 127, A, Neuroptera
372 Gerstaeckelr: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
92,,A.,;Orthoptera -4,'A.,..Hemiptera 16 A.,. Hymenoptera
29 ;A., Lepidoptera. 104 A., Diptera 48, A...und Aptera ı13.A}
Mit Ausnahme, der, Schmetterlinge, welche ‚nur ‚namentlich
aufgezählt sind,, werden, die, einzelnen. Arten kurz ,charak-
terisirt,, ‚einzelne; unter‘ den .Neuropteren , ;Hymenopteren
und Dipteren., auch als, neu bezeichnet.,— ‚Von ‚Arachniden
werden 1 Obisium und 11. Acarinen, erwälınt, — Die als
neu angesehenen Insekten werden vom Verf. ‚ausführlicher
in der Wiener Entom. Monatsschr. IV, p. 381:ff. beschrieben.
Me&netries (Nouv. Memoires d. l.'soc. d. natur. de Moscow
XII. p. 247) stellte ein Verzeichniss von Insekten’und Arachniden aus
der Gegend ' von 'Nachitschewan und dem'nördlichen Persienizusam-
men ‘(als Anhang 'zu einer’ Flora ‘von Transcaucasien 'und Persien).
Cöleoptera »62, Lepidoptera 3, Hemiptera 3, Orthoptera 9, Hyme-
noptera 4, Neuroptera 1 Art. Ausserdem 4, Arachniden: ‘Nur 'nament-
liche Aufzählung.
bios 0% Insekten. Ta
Einen weiteren Beitrag 'zur Kennthiss der Pärtheno-
genesis bei den’ Insekten lieferte Lewekart (dies. Archiv
f."Naturgesch. /XXV ,; pP. 208 f., Taf.''5) durch seine’ fort!
gesetzten Untersuchungen über 'die Fortpflanzung ‚der Rin-
denläuse (Chermes abietis Lin.) Sehon in seiner vorjährigen
Arbeit! über ' die Parthenogenesis” ’der-'Coccinen "hatte dert
selbe änhangsweise erwähnt, dass sich"die Wintergeneräfion
von'Chermes ohne vorhergegangene Befruchtung ' fortpflänze;
jetzt hat sich ihm dürch weitere Nachforschungen ergeben,
dass ein "Gleiches bei’ der geflügelten Sominergeneration,
die" sich ‘übrigens nicht 'nur durch''die Anwesenheit’ von
Flügeln, sondern’ überhaupt im ganzen’ Körperbau wesent“
lich von jener unterscheidet‘ (und daher von’Ratzeburg
als Männchen | gedeutet ‘wurde) der Fall’ ’sei.)'Männliche
Individuen sind ‘dem 'Verf.' trotz’ "der Untersuchung‘ zahl=-
reicher Exemplare ‘bis jetzt "überhaupt: nicht) aufgestossen,
und er möchte sich der Ansicht‘'zuneigen, dass solehe’ viel-
leicht 'gar’ nicht existiren) oder dass, "wenn letzteres der
Fall ist, die ungeschlechtliche Fortpflanzung bei Chermes
jedenfalls die Regel ist! !Was die Fortpflanzungsorgane’der
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 373
Chermes- Weibchen! betrifft, ‘so zeigen’ sich‘ die’ Eiröhren
sowohl bei der Winter- als Sommergeneration zwei= bis
dreikammerig, während die Zahl’ derselben bei den flügel-
losen ''Winterweibchen ‘bedeutend grösser ist (20 bis 24
jederseits) als bei den geflügelten Individuen der’ Sommer-
generation, wo .sie je nach den’"Arten' und: Individuen
zwischen 15 und 2 jederseits schwankt. ‘Von Anhangsge-
bilden des Ovidukt fanden 'sich die beiden gewöhnlichen
Schmierdrüsen vor und’hinter ’denselben (nicht wie’ sonst
bei den oviparen Blattläusen, nach vorn von diesen) ein un-
paares, gestieltes, 'kapselförmiges Organ, dessen Bedeutung
als ‘Receptaculum 'seminis' sowohl nach’ ‘Lage als 'Grösse
mindestens sehr‘ zweifelhaft’'bleiben' muss; Spermatozoen
fanden’ sich 'in ‘(demselben ebensowenig 'wie Sonst in dem
Gesehlechtsapparat'vor, 'so dass die''Entwickelung der in
demselben befindlichen Eier durchaus’ als’ eine spontane
angesehen werden muss.‘ Im’ Anschluss an diese Beob-
achtungen 'bespricht der Verf: den’'bei Chermes besonders
scharf hervortretenden Dimorphismus''der"'Winter- und
Sommerweibehen,''den er aus den verschiedenen Obliegen-
heiten beider 'erklärt, und ausserdem 'das’ Verhältniss, in
welchem die Parthenogenesis der Chermes zu dem Gene-
rationswechsel der übrigen Aphiden steht:"ohne die nahen
Beziehungen zwischen einem unbefruchteten’Eie und einem
Keim zu verkennen, glaubt er = und’nach unseren gegen-
wärtigen Kenntnissen gewiss durchaus 'mit Recht — den-
noch die Parthenogenesis nicht 'mib dem Generationswechsel
identificiren zu können, wie \dies "besonders 'aus'''einem
Vergleich der bei der Bienenkönigin vorkommenden Form
von Parthenogenesis mit den abwechselnd ‘auftretenden Am-
men-und Geschlechtsthieren der Aphiden’hervorgelit. Jeden-
falls müsse man bei einer Gleichstellung der Parthenoge-
nesis mit’ dem Generationswechsel 'für 'erstere einen: beson-
deren Grad statuiren.
A. Barthelemy, „Etudes et considörations genera-
les sur la Parthönogenese# (Annal.' d.' science. natur. XII,
P- 307 ff) unterrichtet zuvörderst seine Landsleute von dem
Inhalt der v, Sieb o1d*schen Schrift über Partheno-
874 Genstäeccker: Bericht,über die wissenschaftlichen Leistungen
genesis'' und knüpft; daran zweii''von.| ihm! selbst _gemachte
Beobachtungen; wovon die, eine‘‚Euprepia/Caja betrifit, ‚die
andere das Vorkommen | von Parthenogenesis .bei. ‚Bombyx
mori ‚bestätigt. +Ein; ‚ausi, der Puppe .erzogenes Weibchen
der. Euprepia Caja,jlegte dem: Verf. unbefruchtete Eier, von
denen; drei sich zu ‘Raupen entwickelten, «welche :letztere
jedoch nicht ‚aufgezogen wurden. ‚ ‚Ueber ,die Entwicklung
von. Raupen-, aus ,jungfräulichen ‚Eier «les,; Seidenspinners
bringt. der Verf. mehrfache Belege .bei:,,in, ‚den, ‚meisten
Fällen ‚entwickelten sich, von..der ganzen‘ Brut, nur, drei bis
vier) Eier;) einmal jedoch „sämmtliche ‚die, vom. Weibchen
noch, ‘dazu. innerhalb\.seines., eigenen: Cocons; abgelegt: wor-
den. waren.." Die ‚jungfräulichen. Eier behalten ihre gelbe
Farbe,länger als, die befruchteten ; ‘die aus ‚denselben‘ ent=
stehenden ‚Raupen und: Schmetterlinge, ‚sind. ebenso ‚kräftig
entwickelt,,als die.dureh gewöhnliche Zeugung entstandenen
und unter:',den Imagines/war ein Vorherrschen des,einen
Geschlechtes ‚nicht bemerkbar. ‚Bemerkenswerth (ist; dass
nach den Beobachtungen :des,.Verf. parthenogenetische; Eier
nur beider, Somnier ‚Generation. vorkommen und .dass: ihre
Entwickelung; sofort ‚vor. ‚sieh geht; \dieselben‘, zu über-
wintern,ı gelang ebenso| wenig als ‚sie, vonder Herbstgene-
ration zu, erzielen: |. Letzteres Faktum| stellt (der Verf; ‚mit
dem; Generationswechsel‘ ‚der; Blattläuse| in ‚Vergleich; die
jungfräulichen ‚Eier. ‚vergleicht , er. ;mit hermaphroditischen,
die, gleichsam dureh ‚eine, innige ‘Verschmelzung ‚von ‚männ-
lichen, und weiblichen /Zeugungsorganen; „entstanden seien»
Gelegentlich .auf ‚die hermaphreditischen Missbildungen ‚bei
Insekten, eingehend, ‚ enwähnt ‚er: zugleich den, interessanten
Fall, „dass ı.en im |Vas. deferens ‚einer :männlichen\ Macro-
glossa\ nahe, am; Hoden| ein «vollkommen | ausgebildetes., Ei
angetroffen habe. 1 Im
Ein’ fernerer, vielleicht: auf Parthenogenesis' zu ideuten-
der Fall ist im Zoologist 1859 von Dr.Ormer 0 di.(mitge-
theilt, von. F, Smith im, Entomologist’s: Annual: for 1860,
p:187 f.)' zur Sprache, gebracht worden, nur. dass! derselbe
nicht genau! genug festgestellt worden ist, um, überzeugend)
zu, sein, ‚1Verf.; beubachtete ein Nest von:Vespa Britannia)
vyrimi Gebiete, den ‚Entomologie) während) ider Jahre 1859.u.60. 37
welches, von‘ ,überwintertent Individuen gebaut, wurde, unter
denen, sich ‚eines.durch,Grösse,.hervorthat,. also vermuthlich
eine,Mutterwespe, war; letztere wurde, nebst, \dem..Neste
entfernt, und ‚darauf ‚ein. zweites,|Nest.. von, ‚den ‚übrigen
kleineren, Individuen aufgebaut... Dieses, ‚sowohl ‚als,i\ein
"drittes,,i welches: ‚dieselben Individuen ‚(Arbeiter ?); ‚bauten;
fandı sich. mit. Eiern und Larven; belegt, aus_denen. sich, so=
wohl ‚Männchen als ‚Arbeiter ‚entwickelten‘, ‚ohne. dass; an
einem \derselben ‚eine, Mutterwespe . (gegen ‚deren Existenz
auch. «lie, vorgerückte Jahreszeit. sprach‘) ihenbanhtet; Wol-
den; wäre, ı |
-I\ü,Eine „ganz! ähnliche,Beobachtung wurde von Stone
(Proceed, ‚entom. soc.'1859,) p-\86) an Vespa ı vulgaris) ge=
mächt; ‘hier wurden: Zellen: durch eine\nurn aus Arbeiterh
bestehende Colonie' mit ‚Eiern belegt, »aus (denen«sich.Lar-4
ven entwickelten, die ‚ausschliesslich Arbeiter-W espen (lie+
ferten! «Leider ‚gewährt, auch: der Bericht.\über diesen) Fall
nicht « die«wolle Inberzauanteni von«dersExaktheit, der|Be-
obachtung«»' - ) } uhr
senlıdınLubbock hat ieh im eure an’ seine ‚Unter:
suchungen‘»über » die Fortpflanzung: /der«Daphnien:mit Be-
obachlungen über ‚die! erste‘'Anlage»(der 'geschlechtlichen
und jungfräulichen Eier‘ bei «den: Insekten’ beschäftigt» und
süchb in einer’ Abhandlung betitelt „On'ithe.Jovalandıpseu-
dovm ofInsects (Philosoph. Transact.» ofüthe’Royällisoc. 1859,
p2' 84136735) pl. 16-18; im Auszuger ‚Proceed. Royal 'soe,
Dechbr.) 1858," Annals of nat. hist--3 ser. (IL, pı 499 F.yrdie
vollständige “ldentitäb' in’ Betreff. ihrer Anlage in’ dew'Ova-
rien (darzuthun. Verf. beginnt mit einer 'Darstellung'von
der Bildung der Ovariemy(deren: Modifikationen! in Betreff
der\Zahluder Eiröhren: und Eikammern er. durch Anführung
der darüber angestellten Beobachtungen »erörterb; in. Glei-
ehem geht ersiaußsdie histologische Struktur der, Eiröhren
näher ein. und erwähnt hierbeilder Verschiedänheit, welche
sich in: Betrefl',Ider,Lokalisirung: der, Dolterzellen bald: um
jeden einzelnen. Eikeim «(Lepidoptera,,,'Hymenopberay :Neu+
zopbera» und»von den» &oleopteren (die lAdephaga)ı, bald
ausschliesslich ‘in der Endkummer, der Eiröhren (übrige
376 Gerstäecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Insekten) zu’erkennen giebt. Die innerhalb dieser‘beiden
Categörieen je nach den Familien ‘und Gattungen vorkom-
menden'Differenzen stellt er nach eigenen! Beobachtungen
an "einer Reihe verschiedener Insekten dar, ‘wie an’ Blalta,
Forficila, Aeschna, Psocus, Panorpa, Carabus, 'Telephorus,
Odynerus, Ophion, Chelonus ‚' Cynips , Eristalis, ‘Cheilosia,
Nepa'u.'s. w. — Die Entwickelung von 'ungeschlechtlichen
Eiern hat der Verf. zunächst ‘an Coccus hesperidum und
Coecus Persioae ‘(letztere Art’ ist wirklich eierlegend) 'be-
obachtet 'und''schildert ‘(dieselbe 'ausführlich'; in denjenigen
Punkten, welche hierbei von Leydig und Leuckart'in
verschiedener ‘Weise aufgefasst .wurden,''z. B.'das Verhält-
niss des Dötterfaches zu der das entwickelte Eiveinschliessen-
den) Känmer' betreffend‘, schliesst ler. sich ‘der Ansicht des
letzteren an.) In zweiter Reihe beschreibt er die Entwicke-
lung der ‚Eier von ‘Eynipslignicola‘, ‘deren Eiröhren »voll-
ständig das Ansehen 'wie bei anderen Hymenopteren haben,
nämlich: die Dötterzellen‘'zwischen'je' zwei Eikeimen ange«
häuft zeigen. In der ersten Anlage der Eier‘ist kein
Unterschied» von derjenigen‘ wirklicher Eier zu bemerken ;
sobald«sie:ihreı gänze''Grössenentwickelung ı erreicht haben,
werden! ‚sie »»von «einer deutlichen: Lage «gekernten.Zellen
umgeben ;;iwelche:sich,'wie,es scheint‘, von der Wand der
Eiröhre ablöst...\\Der Keimfleck ist wie‘ ‚gewöhnlich deut-
lich, ‚bleibt aber länger sichtbar, als der, Verf. es; sonst
beobächtet Hat, ‚indem er. noch‘nach! Eintritt; der ‚Reife des
Eies zu''bemerken ist: —' In der Entwickelung; den Eier
von Solenobia, welche Verf. nach Liewckart’s ‚Darstellung
beurtheilt, vermag er ebenfalls keinen Unterschinde von der
gewöhnlichen Eibildung‘ aufzufinden.
E. Faivre stellte Untersuchungen über ‘den Einfluss
des Nervensystems auf ‘die Athmung' der Insekten’ an (De
influence du systöme nerveux sur la respiration des Dy-
tiques, Annal.d. science. nat. XlIL., p. 320-336, im Aus-
zuge: Compt.‘ rend: de l’acad.:d. science. LI, p.' 530-533).
Die anatomische: Untersuchung: ‚der ‘Athmungsnerven ergab
Zunächst; dass "deren ‘sieben Paare "bei Dytiscus existiren
und zwar ist das erste eine Abzweigung der „nerfsi genito-
im: Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u.60, 377
splanchniques“, ‘welche sich zum 'Stigma des vorletzten
Hinterleibsringes begiebt,, während die übrigen sechs aus
dem dritten bis letzten Hinterleibsganglion ihren Ursprung
nehmen. Um festzustellen, in welchem Theil des Bauch-
markes der Sitz’ der respiratorischen Bewegungen gelegen
sei, begann der Verf. mit einer Durchschneidung desselben
hinter dem Ganglion infraoesophageum, welches er in eini-
gen Fällen auch vollständig exslirpirte und verglich die
Athmungsbewegungen ‚eines in dieser Weise operirten, In-
dividuums mit Jdenen eines unverletzten. “Bei anderen: Exem-
plaren wurden ‚dann die Commissuren zwischen dem. ersten
und zweiten,‘ ‘dem zweiten‘ und‘ dritten Thoraxganglion
u. 's.'w. durchsehnitten und die ’hiernach eintretenden Er-
scheinungen jedesmal speziell notirt. Die Resultate, welche
die ganze Reihe der Versuche ergab, bestehen darin, dass
im Metathoraxganglion der eigentliche Sitz der Respirations-
bewegungen. gelegen. ist; ‚eine Durchschneidung .der vor
demselben liegenden'Commissur sistirt dieselben augenblick-
lich , «während sie: bei der Durchschneidung der 'ihm fol-
genden Commissur fortbestehen. Die mit der Respiration
verbundenen Bewegungen des Hinterleibs stehen unter dem
Einfluss des Ganglion infraoesophageum, bei dessen Exstir-
palion sie aufhören. Die Hinterleibsganglien, aus denen
die: Athmungsnerven entspringen, bildenden Leitungs-Ap-
parat; bei ihrer‘ Isolirung werden die respiratorischen Be-
wegungen partiell.
Leydig, Zur Anatomie .der Insekten (Archiv f. Anat.
und Physiol. 1859, p. 33—89 und p. 149—184, Taf. 2—4)
erörterte die histologische Struktur der, Hautdrüsen der
Käfer (p. 34), der in der Cloake und Scheide der Käfer
befindlichen Drüsen (p. 40), der After- und Giftdrüsen der
Insekten (p. 43), der Speicheldrüsen (p. 59), des weiblichen
Geschlechtsapparätes der Insekten, besonders der Samen-
tasche und Anhangsdrüse derselben (p. 71), der accessori-
schen Geschlechtsdrüsen am männlichen Genilalapparat (Pp-
149). ‚Ferner handelt derselbe über die Endigung der
Hautnerven (p. 153), über die Vasa Malpighi (p. 158), über
den Bau der Tracheen (p. 160) und über Infusorien. im
378 Gerstaecker:. Bericht über’ die wissenschaftlichen Leistungen
Darmkanal der Insekten." Am'Sehluss werden die Haupt=
ergebnisse seiner weg Aiapachkigi zusammen
gefasst. ) 1 - ‚Miib sh
Ueber den von Coccinella ,' Timarcha',) 'Melo& und ne
fern. ‘aus ihren Beingelenken abgesonderten «Saft, welicher“bishenlall-
gemein ‚als ‚eine; Drüsenausscheidung , angesehen’ wurde „„‚ibeilt des
Verf. mit, dass derselbe sich in nichts von der, ltsfrisheit ‚der-
selben Thiere unterscheide ‚wie man dies bei einem Vergl siehe der
abgesonderten Tropfen mit dem beim Durchschneiden eines E Filınbr- u
nes hervorquellenden Nahrungssafle “ersteht; es geht also hier'eine
imtittelbare Ausscheidung des lacunaeren Blutes‘ dürch' die!Körper-
wandungen’ vor sich. = Einzellige'(Hautdrüsen' kommen 'beivdenKä-|
fern! an, der (ganzen Körperoberfläche | vor sund gehen ‘auchyauf Idies
Einstülpungen der Körperhaut/(Mastdarm, Vagina) über; bei den ‚Or-,
thopteren konnte, Verf. ‚gleiche, Bildungen nicht auffinden. ‚Die Anal-,
drüsen der Käfer , und Orthopteren ,, die Giftdrüsen der ‚Hymenoptera
aculeata stellen Complexe einfacher Drüsen dar, welche besonders
bei den’ Laufkäfern sehr 'zierliche Struktur’ 4 Verhältnisse darbiefen
(Brachinus, Carabus). Bei den Orthopteren findet sich© der! ganze
Drüsensack !von einem Muüskelgeflschte umhällt‘; während "sonstrdie
Muskulatur ‚erst an, dem, Receptaculum Auftritt ; sehr |abweiöhend von
der ‚dicken ;‚Muskellage , ‚welche, dieses ,Receptaculum,.z.,‚Bs bei, den
Vesparien umgiebt, ist ‚der gänzliche, Mangel, desselben bei der, Bie-
nenkönigin sowohl als bei den Arbeiterbienen, Die ‚ Speicheldrüsen
der Insekten sind theils Aggregate einzelliger Drüsen, theils ‚sind
diesen, wie bei den Hymenopteren ‚ Dipteren und Orthopteren, wo
sich “verschiedene Arten gleichzeitig 'vorfinden) enfache' Drlisen bei-
gemengt; ‚contiactile Elemente: fehlen vanı denselben! — Am weiblis
chen Geschlechtsapparate gehören die Anhangsdrüsen (meist, ‚ebenfalls
den, aus, einzelligen Drüsen bestehenden, Organen, an. und, aueh das
Receptaculum seminis, so verschieden auch seine Form "ist, wägt
den Charakter einer Drüse; zwischen der Tunica propria u und der
Intima findet sich stets eine Zellenlage. Die'von Leuckart uhd
v. Siebold"am' Receptaculim'seminis’ der! Biehenkönigin|beobach-
tete Muskellage ) hat der Verf. nicht, Auffinden können. — Die Halıt+
und Sinnesnerven /der Insekten, nehmen ‚nach ‚L.'s Beobachtungen: aa
ihrem peripherischen Ende Ganglienzellen,in sich ‚auf und ‚heften sich
sebliesslich an die Basis von Cutikularfortsätzen fest, — An den ‚Vasa
Malpighi hat, der Verf. auch ferner zweierlei Absonderungen (Harn
und Galle?) beobachtet (Cicindela, Tabanus); eine neue Art der “us
digung derselben zeigte sich bei Acilius, wo sich Vier Canäle
einem ‘gemeinsamen Knotenpünkte vereinigten. — An! der 'Intimia va
Tracheen hät der! Verf. Stachelborsten! |ausseri| bei Lampyristauchubei
noim' Gebiete der: Entomologie während der Jahre 1859 u! 60. 379
verschiedenen anderen Käfern, ebenso bei Musca domestica gefunden‘;
ausserdem, macht er auf die ausserordentlich‘ feine Endverzweigung
der, Tracheen in den Flügelmuskeln| aufinerksam.
„ı) Derselbe, „Ueber Kalkablagerung‘ in! der Haut der 'In-
sekten* (dies. Archiv f. Naturgesch. XXV];'p. 157 #. Taf.7)
fand; ‚dass (die Haut der Larve von Stratiomys .chamaeleon,
welche ‘beim Durchschneiden: leicht knirschte, Kalkconcre-
tionen ‚enthielt, welche‘ bei Behandlung mit. Essigsäure ver-
schwanden.: Dieselben: sitzen der’Oberfläche'' der‘ Haut in
Form! von Körnchen auf und' entsprechen genau’der mosaik-
artigen: Zeichnung »derselben , ‚deren‘ trichterförmige Ver-
tiefungen’ sie ausfüllen. (Es möchte hierbei’ die Frage äuf-
zuwerfen sein , ob (diese Ablagerungen’ 'von Kalk a uf der
Oberfläche der Haut mit derjenigen ‘in der’ Chitindecke der
Crustaceen, wie der: Verf. es’ anzudeuten scheint in 'Ver-
gleich'igebracht ‘werden’ können, oder ob‘dieselben nicht
vielmehr: als'blosser Niederschlag ‘aus .dem'Wasser, in wel
chem die Larven leben,: anzusehen’seien: . Nach’der Lebens-
weise‘jener Larven! bald in: bald’ ausserhalb des "Wassers
ist letztere ‘Annahme: die'wahrscheinlichere:' Ref.)
J. Lubbock, On the distribution of- the Tracheae in
Insects (Transaet. Linnean soc. XXI, p. 23-250, pl!" 1-24)
theilt die Resultate‘ seiner: Untersuchungen 'über die Ver+
breitung ‘ünd 'Vertheilüng der feineren Tracheenzweige auf
die einzelnen inneren Organe''bei den Insekten mit, welche
besonders durch den'vom’Verf. ängestellten Vergleich einer-
seits zwischen Individuen derselben Art, andererseits zwi-
sehen Larven und Imagines derselben Art, sodann zwischen
Arten derselben Gattung und endlich zwischen ganz’ ver-
schiedenen Ordnungen angehörenden Insekten — interessante
Resultate liefern. "Bei "einer und derselben Art’ ist die
typische Art der Verbreitung stets dieselbe, jedoch variiren
die einzelnen Aestehen 'nach' den Individuen, gerade wie
Bäume ‘derselben Art sich verschiedenartie ‚verzweigem
Auch verschiedene Arten derselben Gattung stimmen mit
einander in der Verbreitung ‘der Traächeen ‘an denselben
Organen meist überein ;ı dagegen zeigen'sich bei’ versebie=
denen Familien oft sehr beträchtliche Unterschiede, wie z.B,
380 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
während zwischen Musca: und Bombus oder zwischen Ti-
pula ‚und Tenthredo eine grosse Aehnlichkeit in der 'Ver-
zweigung der Ovarien=-Tracheen besteht, eine solche zwi-
schen‘ Bombus;, ' Tenthredo ‘und Ophion &anz' fehlt! Ein
anderer Gegensatz’ zwischen verschiedenen Formen besteht
ferner«darin, dass bald, wie bei Pentatoma' die Verbreitung
der ,Tracheen an verschiedenen Organen eine verschiedene
bald wie bei Eristalis)' eine gleiche ist. ‚Dass 'bei' den
Formen! mit: unvollkommener Verwandlung ' zwischeh'Larve
und:-Imago eine grosse Uebereiristimmung in ‘der! Tracheen-
vertheilung: ‘vorhanden ist, ‚während: dieselbe bei ‘denen mit
vollkommener Verwandlung‘ fehlt, liegt ‘in der: Natur ‘der
Sachey ‚dochist fürıletztere bemerkenswerth, dass beiihren
Larven»vorwiegend, ein gleicharliger. Typus der Tracheen-+
verbreitung an»den verschiedenen Or&anen beobachtet‘ wird.
Auch ist die Vertheilung bei Larven: heterogener Gattungen
oft übereinstimmend, » wo.sie‘ bei den Imagines "sehr \.'von
einander abweicht. — Die Organe ,: an denen ‚der Verf. die
Verbreitung‘\;der Tracheen |speziell beschreibt und «darstellt;
sind die (Gafiglien und. die-Commissuren | des Bauchmarks;
der., Oesophagus ‚) die, Speicheldrüsen,‘,die' Blinddärme‘, der
Saugmagen „ die Ingluviesy der. Ventriculus, die. „Vasaj Mal-
pighi, die Theile, des Intestinum, ‚der, männlichen: und weib-
lichen Geschlechtsorgane, deren Anhangsgebilde; das Rücken -
gefäss, das Corpus 'adiposum,,‚und.die,Muskeln., — Einige
von Williams über die Anastomosirung der Tracheen ‚ge-
machte Angaben so ‚wie dessen Ansicht, dass ‚die grösseren
Tracheenstämme keinen Antheil an der Respiration | selbst
hätten, sondern nur Luftbahnen seien, widerlegt .der Verf.;
dass der: Spiralfaden nur eine lokale Verdickung der In-
tima der Tracheen sei, hat er übereinstimmend mit Leydig
beobachtet.
An seine, früheren Untersuchungen über die Leucht-
organe der Lampyriden anknüpfend-hat:Kölliker auch die-
jenigen :der Amerikanischen ; Pyrophorus - Arten näher ‚zu
erforschen gesucht, wobei ‚er sich jedoch vorläufig nur auf
getrocknete 'Exemplare angewiesen sah. ' (Verhandl. der
pliysik. ‚mediz. Gesellsch! in Würzburg IX ‚ Sitzungsber.
im. ‚Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 381
p: 28). Die Chitinlage über dem’ Leuchtorgane ist dick, aber
durchsichtig; das Organ selbst besteht ‘aus feinkörniger
Substanz, in die sich Tracheen hineinerstrecken und ent-
hältz'/wie bei Lampyris, harnsaures Salz in Form feiner,
weisser Körnchen. —' Beim Männchen von Lampyris splen-
didula wies derselbe (ebenda, p. 60) sehr kleine‘Leucht-
organe\ auch ‘an den Seiten der vorderen Hinterleibsringe
nach; die mit dem: der: Hinterleibsspitze histologisch genau
übereinstimmen, ‚denen aber: keine durchsichtige‘ Stelle der
Körperbedeckung entspricht:
ssbu»Ueber ein neuendecktes Organ ‘bei den Dipteren“
machte, ‚Mayer. (Verhandlungen- d.' naturh.. Vereins :d:
Breuss.Rheinlande XV], Sitzungsberichte 'p. 106 ff.) Mit-
theilungen.;, In die Papille.' des: Rüssels ‘von ‚Culex’ und
Musca tritt. ein. Tracheenstamm;, welcher an seiner Aussen-
seite, im; rechten! Winkel 40 bis 50 Aeste 'abgiebt, die 'an
Grösse allmählich abnehmen, sich 'hornförmig'umbiegen und
unverästelt endigen.«. Der Tracheenstamm zeigt ‘den ı ge-
wöhnlichen Spiralfaden,, besitzt“ jedoch: eine‘ Mittelspalte;
die ;Aeste haben gleichfalls: 3/, Ringe,) deren’ eines Ende in
Knöpfchen ‚anschwillt,' welche 'alterniren. In der, Umhül-
lungshaut ‚der: Aeste sind ‚ovale gekörnte Körperchen sicht+
bar, .zu/ denen ‚Seine Fäden (Nerven?) gehen, (ausserdem
eine ‚ziemlich ‚dicke, Gefässverzweigung»: von. gelber Barbe;
—ı Verf. ‘spricht: die Vermuthung 'aus,. dass. man’ es hier mit
einem, Geruchs.- oder auch; mit einem musikalischen Organ
(Summen der Dipteren) zu thun haben könnte,
I! .Haldemaän \hat: bei einer'Lithosia, ‘welche einen ähn-
lichen: Laut (wie ‚Sphinx 'atropos.ihervorbringt ein‘ Stridus+
Jalionsorgan unter‘ der 'Ansatzstelle‘ der“'Vorderflügel! am
Dhorax in Form’ einer Trommelhaut aufgefunden; die: Vibra+
tionem‘dieser Membran correspondirten mit‘ den hervorge-
brachten Lauten. (Bullet. .d\ 1: soc,' entomol. 1859, p. 43).
© Näch‘ Brieyer '(„Observätions sur le'döveloppement
d'une chaleur'propre etielevee chez le:Sphinx Convolvulis,
Annal.\d. l.1s6c. ventom. Belge IV, p. 92 1.) zeigt 'sich(bei.
Spkinx Convolvuli nach anhaltendem:Fluge die 'Entwicke-
lung ‚einer sehr ‚merklichen ;Eigenwärme, welche‘ sich“beim
382 Genstädckert: Bericht:über die wissenschaftlichen Deistungen
Ergreifen \mit.deroHand als; beträchtlich'ihöher'(deni’“das
umgebende Medium 'zw.erkennen giebt.‘' Verf. konnte diese
erhöhte.‚Körpertemperatur. auch ‚direkt: nachweisen: ıim..den
aufgeschlitzten: Thorax ‚eines:im Fluge,:gefangenen’ Exem+
plaxres wurde ‚ein‘feines‚Thermometer-eingesenkb,' welches
binnen leiner Minute von 17 ‚auf 27 centigr.»stiegi bil
Sipeyer!(Entom: Zeitung 1860, 'p.'369) theilte'einen
Fall» mit;» welcher den hohen ‘Grad’ der: instinktiven 'Fähig+
keit der Insekten» wieder: 'einmal’in auffallender\Weiseibe&
leuchtet. Eine männliche Saturnia').carpini hatte’ sichtüin
regelwidriger ‚Weise invihrem'Gespinnste verpuppty } indem
sie anstatt! mib dem: Kop/='mitudem \Schwanzende 'der' Hals
förmigen Oeffnung zugewandt war. | Beim Ausschlüpfen an
der Wand des’ Gespinnstes»Widerstand findend, wandte sich
dieselbe innerhalb der Puppenhülle'‘>um j so! dassısie nun
mit »dem |Kopf'‚den«Schwanzdeckel der’ Puppe »zwiidureh&
brechen » genöthigt! gewesen wäre:..\Bei 'dieser''fruchtlosen
Operation wurde.«.der'Falterınoch‘lebend'in'der Puppe: vor
gefunden und künstlich »daratis befreit. ige ‚nadailmdöw
Laboulbene (Annal. di 1.'soc\'entom. VI, P:567 f.)
untersuchte zwei (scheinbar) in Copula'gefangene männliche
Individuen’ von'Melolontha: vulgaris, während'sie Inöchlän-
einander’"hafteten, näher!sund "fand indem‘ als’ Weibchen
benutzten Exemplare: deniäusseren Merkmalen entsprechend
männliche ' Geschlechtstheilenvorz(nder 'hornigeu Penis des
zweiten Individuums war re in seinen EL EEn
BE eingesenkt! eat 1b montan®)
' Von Guleniin ‚(Rev. .etı Magss: de "Zool.u18695 #. 144
sn 123,:Bullet.:isoe. entomol: «1859, p:\46, ‚Comptes! rendus
de l!acad. .d.sciene.) Avril 1859): wurden: fernerenMit-
theilungen : über die von.ihnv aus der’Kreuzung «zwischen
Saturniw CynthiaiundArtindia> erzielten! Resultatesgemacht!
Die daraus 'hervorgegangenen Bastarde zeigten: sich: fruecht-
barıund»llieferten Raupen,iivon,;denen die seinen\»der Sat.
Cynthia’ vollständig ,| andere ‚im! minderen: ;Grade.Iglichen,
während ! dies übrigen (fast/ alle! Charaktere, der. Raupe: von
Sat. Arrindia erkennen liessen. ‚(Aub& im» Bullet. .iSoe.
eniom. ‚bemerktvdazu; ıdass»ihin diespezifische Verschieden-
">»0 im ‚Gebiete der Entomologie während der Jahre’ 1859:u..60. 383
Hieitder beiden! Saturnien® nicht‘ evident !genug'’scheine,
sodass der Fall’für' die’ Fruchtbarkeit von Bastarden nicht
'beweiskräftig sei)» In/den Compt.’rendus 19: Novbr.) 1860,
Revue et Magas.' de 'Zo01.'1860, "p.' 512 'f. erwähnt der Verf.
‚der' (mehrfach bekannt $ewordenen)'Bastarde von Sat. pyri
ünd spini/ iwelche"'die’ Charaktere beider ' Arten a sich
vereinten.
snls@irdrdil(„Sun' une päntienldtite qui suib'sur:l’action
toxiquende'la Benzinie ‘chez certains‘ Insectes“,i\Aninal.; d.ol.
soe.ventom: VI, p. 172), theilt ‘die Beobachtung: mity.dass
‚selbst /bei'starkflügligenSchmetterlingen, wie ‘Sphinx, Cäto=
cala’ u.) ad.’ nachv/der 'Einathmung von’ Benzin: schnell eine
vollständige ‘Erstarrung“der Muskelm eintrete;, iso dass man
schön nach 'einerhalben PR die RASBERRL nicht mehr''be:
‘wegen’ könne. oo” ® sol)
ws Corwelius („Lichtreiz, der' weissen Farbe kesirgei
im Beziehung aufInsekten“, Eritom.'Zeitungı1860, P:2704.)
Belögt die allgemeine ‚Erfahrung, ‘dass allerlei’ Insekten«sich
gerniauf weisse Wände‘; Sand !\u.'dgl.oniederlassen, mit
Beispielen. | ni alloını 2
sıloi: pedrsayı Bunen, d. I2soc.\entom. 1859, p: 244 1)
machte Mittheilungen über‘ nussgrosse'Gallenanschwellungen
am''Stengel“von Himbeersträuchern und deren’ Bewohner:':
dosn genden sichih Wenscibeh!M6ihetrbend Larven‘, welche! der
Lasioptera obfuscata Mäsq!! angehören und welche-von' den Larveh
irdier Parasiten; det Callimome muscarum, ‚dem Platygaster niger Nees ?
„und einer Cirrospilus-Art, jangegriffen werden; ‚ferner | ging aus,;den
‚Gallen, eine T Bacher ae ba In, den, noch grünen Zweigen der
"Him eeren, welche keine Gallena anschwellungen ‚zeigen, lebt die Larve
"ein ara (viettehche! Sc. "morio, ‘die ach in Althea rosea lebt).
Kahihtlche Gallen wie die’ Himbeeren zeigen Auch’ die'Stengel’ der
Brombeeren; diese rühren ‚vor Lasioptera'albipennis Macqiher.!
lueFrauenfeld',„Ueber'|’exotische Pflanzenauswüchse,
‘erzeugt vom Insekten® (Verhandl. di'zoolog. botan. 'Gesellsch.
zu Wien: IX, 'p.819-2830, Taf) 6'und: 7) ‚lieferte ‘Beschrei-
"buhgen und Abbildungen von’einer grösseren’ Anzahl! gallen-
\artiger’ Auswüchsey / welche’ ierliauf ‘der SinaitischenoHalb-
inselnbeobächtet und gesammelt'‘hat}ı (Gleich wie: in Mittel-
- «Buropu' die) Eiche “vorherrschend mit Gallenbilduigenver-
3834 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
sehen»ist, so ist es; in jener Gegend die Tamariske:|,über+
einstimmend: mit: Europa: ist. das!vorzugsweise Vorkommen
von Gallen an Dicotyledonen. ı Als Erzeuger der. Gallen
erwiesen sich Insekten verschiedener Ordnungen, |von denen
indessen die Cynipiden‘ fast ganz 'ausgeschlossen,.waren.
Eine «Ceeidomyia ‘und eine) Tortrix, stellten sich: als neu
heraus und werden beschrieben.
Eine "interessante Beobachtung über. die Entstehung
der’ gewöhnlich 'als-Pilzbildung ‘betrachteten und\mib ‚dem
Namen''des „Mutterkornes“ belegten Missbildung am’Roggen;
welche” von) Dr. Fischer in Weingarten gemacht‘ (Allgem.
homöopath. Zeitung Bd. 57, Nro.24) und durch Schneider
(37. ‚Jahresber. d. Schlesisch. Gesellsch. 'f, 'vaterl. Cultur
p:91'ff.) 'zur näheren Kenntniss' gekommen ist, ‚weist auf
das Unzweideutigste nach, dass das Secale cornutum...die
Folge’ .des»Anbeissens noch unreiler Roggenkörner ) durch
Cantharis melanura' Fab. ist: Das’ Auftreten des »Multer-
korns hängt! von: der Entwickelung des Käfers zu ‚einer Zeit,
wo der’ Roggen noch nicht reif ist, »ab/ erscheint derselbe
erst zu der Zeit, wo die Körner bereits ihre Härte'erlangt
haben, so fehlt die Missbildung, welche, übrigens:in gleicher
Weise wie. der: Käfer ‚nur: längs: der ‚Ränder \der\ Felder,
niemals» in. der ‚Mitte, ‚angetroffen wird... ' Besetzt ‚manı noch
weiche Aehren mit,.der Cantharis,, so tritt; an diesen nach
dem: Biss: des Käfers das Mutterkorn ‚auf. .1.,.110 motmoien.!
Von Kaltenbach’s werthvoller Abhandlung ‚über
„Die Deutschen Phytophagen aus’der Klasse ’der Insekten«
sind. (Verhandl. d. naturhist. Ver. d. Preuss. Rheinlände XVI,
p-.216 ff. und,XVII, p. 203 ff.) zwei neue Fortselzungen
erschienen, welche die Pflanzengattungen mit den Anfangs-
buchstaben. € ‚bis; F 'inel. umfassen. .. Wie..bisher,.hat,,.der
Verfii neben: einer Zusammenstellung der; von.den„verschie-
denen. Autoren | gemachten Angaben ) über (die.\sich von„den
einzelnen ‚Pflanzen‘ nährenden‘ Insekten ' auch ‚eigene// und
‚zum Theil neue ‘Beobachtungen. ‚geliefert, ' die ‚der „Arbeit
uim/$onhöheren 'Werth verleihen: —Von.den,aufgeführten
Pilanzengattungen ernähren die. zahlreichsten.'Insekten ‚fol-
gende» ‚Carduus) 50, Carex 30, -Carpinus 66, Centaurea: 42,
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 385
Chenopodium 24, Chrysanthemum 19,. Clematis 17, Cory-
lus 74, Crataegus 88, Daucus 16, Echium 17, Epilobium 33,
Erica 59, Euphorbia 31, Fagus 147, Fragaria 23, Fraxinus 45.
Einen Bericht über die in der Provinz Preussen vom
Jahre 1857 bis 1859 schädlich aufgetretenen Insekten gab
Hagen in der Entomol. Zeitung 1860. p. 26—37 (Auszug
aus einer Mittheilung in den Landwirthschaftlichen Ost-
preussischen Jahrbüchern 1858—1859). Er zählt in dem-
selben die als schädlich beobachteten Arten in systematischer
Reihenfolge auf und giebt Nachricht über ihre Wirkungen.
Folgende Arten werden abgehandelt: Coleoptera: Elater sege-
tis, Meligethes aeneus (als Verwüster von Kohl schon durch Heeger
erwähnt, Ref.), Silpha atrata (die Larve frass Runkelrüben - Blätter),
Haltica oleracea, Bruchus granarius, Apion spec., Bostrichus typogra-
phus und pusillus. — Hymenoptera: Tenthredo cerasi. — Hemiptera:
Aphis cerealis?, Livia juncorum. — Diptera: Chlorops taeniopus,
Cecidomyia tritici und secalin. — Lepidoptera: Liparis monacha,
dispar, Euprepia fuliginosa, Agrotis fumosa, segetum, Episema gra-
minis, Pieris brassicae.
G. Bertoloni, Delle malattie e dei danni che: soflre
l’Albero del Pero nella provincia Bolognese (Memorie della
accad. delle scienze del’ instit. di Bologna X. 1859, p. 377
—390, tav. 24). Als diejenigen Insekten, welche dem
Birnbaum im Bolognesischen besonderen Schaden zufügen,
nennt der Verf. Rhynchites betuleti, Buprestis Fabricii,
Cossus aesculi und eine Tineine: Aechmia metallicella.
Neben den Symptomen der erkrankten Bäume schildert er
speziell die Art der Eingriffe, welche die genannten Insekten
theils im Larven-, theils im Imagostadium auf sie ausüben;
die Tinea ist nebst ihrem Puppencocon auf der beifolgenden
Tafel dargestellt.
Als Zerstörer vonRhododendron werden (Proceed. ento-
mol. soc. 1859, p.78) von Ch. Noble Strophosomus lim-
batus, (ebenda p.85) von Wailes die Raupe von Mamestra
brassicae, eine Tortrix- Art, ein Aspidiotus und eine Ten-
thredo-Larve (Athalia?) erwähnt.
-Kolenati, „Die forstschädlichen Insekten nach den
neuesten Erfahrungen zusammengestellt“, Brünn 1860. 8.
71 pag. (Separatabdruck aus dem 43, Hefte der Verhandl.
Archiv für Naturg. XXVI. Jalırg. 2. Bd. 2
386 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistu ngen
d: mähr.-schlesisch. Forstsektion).. Die dem Nutzholze,
den ‚Coniferen, den Eichen-Arten, den übrigen Forstbäumen
so wie auch dem Wilde schädlichen Insekten, werden, so
weit sie als solche nachgewiesen worden sind, in syste-
matischer Ordnung namhaft gemacht.
I. Curtis, Farm Insects; being the natural history
and economy of the Insects injurious to the Field Crops of
Great Britain and Ireland, and also those which infest
Barns and Granaries, with suggestions for their Jdestruction.
London 1860. (528 pag. 16 col. pl.) — Im Entomologist’s
Annual for 1861 angezeigt, dem Ref. nicht zugekommen.
Blanchard, La Zoologie agricole. 1. Partie. Les
Insectes nuisiblee aux plantes d’ornement. Paris. 8. pl.
color. — Nach einer Anzeige im Bulletin d. l. soc. entom.
1859, p- 289 enthalten die bis jetzt erschienenen 15 Liefe-
rungen die Beschreibung und Abbildung der Insekten, welche
dem Flieder, Jasmin, Cornus, den Rosen, der Kresse, den
Centaureen, Lilien u. s. w. schädlich sind, mit Angabe ihrer
Metamorphose, ihrer Verwüstungen und der Mittel, um die-
selben zu beseitigen. -
Gehin, Notes pour servir & l’histoire des Insectes
nuisibles du departement de la Moselle, Nro. 4. — Note
sur quelques Insectes des Ormes et des Peupliers. Metz,
1860. 8. — Beide im Bulletin d. 1. soc. entom. 1860,
p: 122 angezeigt.
Von einzelnen als verwüstend aufgeltretenen Insekten
ist es besonders die Wanderheuschrecke, deren massen-
haftes Erscheinen in den Jahren 1858—60 in der Schweiz,
in Polen und besonders im südlichen Russland verschiedene
Mittheilungen vonLebert (38. Jahresbericht d. Schlesisch.
Gesellsch. f. vaterl. Cultur, p. 59 f.), Waga (Bulletin d. 1.
soc. entom. 1860, p. 90 ff.), Koeppen (Bullet. d. natur. de
Moscou 1859, Il. p.296 ff.), Schatiloff (ebenda 1860, 1.
p-294 ff), Doengingk (ebenda 1860, II. p.531 ff.) u. a.
zur Folge gehabt hat.
Nach Lebert’s Bericht traten die grossen Heuschreckenzüge
im Canton Wallis während des J.1858 auf, nachdem schon im Jahre
vorher zahlreiche Exemplare des Pachytylus migratorius bemerkt
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 387
worden waren. Die Thiere erreichten Mitte Juli’s ihre vollkommene
Ausbildung, bildeten Züge bis auf ‘% Stunde Länge und verdunkel-
ten dahei das Sonnenlicht; sie flogen mit einer Schnelligkeit von
einer Meile in einer Stunde. Gegen Ende August's hörten die Züge
auf. — Waga berichtet über das Einfallen von Schwärmen in ver-
schiedene Theile des südlichen Polens, Koeppen und Schatiloff
über die Wanderungen während des J. 1859 auf der Taurischen Halb-
insel. Letzterer giebt zugleich an, eine Gordiacee zu zwei bis vier
Exemplaren in zahlreichen Individuen der Heuschrecke beobachtet
zu haben. — Genaue Beobachtungen über die Lebensdauer und das
Wachsthum der Thiere theiltDoengingk in seinem überhaupt vie-
les Interessante enthaltendem und besonders ausführlichem Berichte
mit; nur irrt der Verf. darin, dass er schon die Larve für geschlechts-
reif ansieht. — Historische Daten über das Auftreten der Wanderheu-
schrecke in Baiern vom Pfarrer Jaeckel sind ausserdem im Cor-
resp.-Blatt d. zoolog.-mineralog. Vereins in Regensburg XIII. p. 161 ff.
mitgetheilt. Seit dem J. 1749 ist die Art in Baiern nicht wieder
verheerend aufgetreten, während sie nach den Chroniken im J. 1693
und besonders v.J. 1333—39 in grossen Schwärmen von Ungarn ber
einbrach.
Gleichzeitig liegen auch Berichte über die durch mäch-
tige Heuschreckenschwärme hervorgerufenen Verwüstungen
aus transatlantischen Gegenden vor. Im Bulletin d. 1. Soc.
entomol. 1859, p. 145 f. giebt Pater Montrouzier brief-
- liche Nachrichten von Heuschreckenschwärmen auf Neu Cale-
donien, welche durch ihre Menge die Sonne verfinsterten ;
auch hier warfen sich die Thiere vorzugsweise auf Mono-
cotyledonen, besonders auf Gramineen. Interessant ist das
vom Verf. mit dem Erscheinen der Heuschrecken an ver-
schiedenen Orten (Sidney, Balade, Puepo u. s. w.) als zu-
sammenfallend beobachtete Auftreten von starken Influenza-
Epidemieen, welche man in jenen Gegenden ebensowenig
als die Heuschrecken vor der Ankunft der Europäer kannte.
— Im Report of the Smithsonian Institution for 1858
(Washington 1859) p. 200 ff. giebl A. Taylor „An account
of the Grasshoppers and Locusts of America“, wonach i. J.
1855 und 56 der Washington- und Oregon -Distrikt, Cali-
fornien, Neu Mexico, Texas und die Republik Mexico, von
Heuschreckenschwärmen in dem Maasse heimgesucht wur-
den, dass die Luft in einer Höhe von 200 Fuss dicht von
ihnen angefüllt war. Die Exemplare massen an der einen
388 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Lokalität gegen drei oder selbst zwischen drei und vier Zoll,
an anderen nur 2 oder 11%, Zoll und werden von verschiedenen
Beobachtern als verschieden gefärbt angegeben, so dass
die Verwüstungen offenbar von mehreren Arten herrühren.
Geschichtlichen Notizen über Heuschreckenzüge seit d. J.
1632 in den genannten Gegenden folgt noch eine Mitthei-
lung von Motschulsky „On the means of destroying the
grasshopper.*
Unter den schädlichen Insekten aus den übrigen Ord-
nungen hat besonders die Larve einer Cecidomyia, welche
in verschiedenen Gegenden Europas und zwar besonders
im Osten als Verwüsterin des Roggens auftrat, die Auf-
merksamkeit erregt. Nach der Untersuchung von Loew
(„Die neue Kornmade und die gegen sie anzuwendenden
Mittel.“ Züllichau 1859. 8.) ist die Art der in Nord-
amerika berüchtigt gewordenen „Hessian fly* (Cecidomyia
destructor Say) sehr nahe verwandt, aber nicht damit iden-
tisch; sie wird von ihm Cecidomyia secalina genannt.
Cecidomyia destructor lebt am Weizen und ihre Larven und
Puppen treten am oberen Ende des Wurzelstockes auf; Cecid. seca-
lina dagegen beschränkt sich auf den Roggen und ihre Puppen fin-
den sich höher an der Pflanze hinauf. Nach einer Charakteristik der
drei Stände der Roggenmücke und einer Beschreibung ihrer Natur-
geschichte giebt der Verf., obwohl er an eine fortdauernde Schäd-
lichkeit nicht glaubt, Mittel zu ihrer Vertilgung an die Hand.
Denselben Gegenstand behandelte auch Starke: „Bemerkun-
gen zur Charakteristik der neuen Roggenmade oder Roggen - Gall-
mücke (Cecidomyia secalina)* in den Abhandlungen d. naturf. Ge-
sellsch. in Görlitz X. 1860, p. 391 f,, wo sowohl von der genannten
Art als von der „Zwergsägewespe (Cephus pygmaeus)“ ihr Auftreten
und ihre Schädlichkeit während des J. 1858 in der Lausitz erörtert
werden.
Cox, „On the ravages of Scolytus destructor“ (Proceed.
entom. soc. V, p. 3 ff.) machte ausführliche Mittheilungen
über die Naturgeschichte des Scolytus destructor und die
durch ihn verursachten Verwüstungen. — Nach einer Mit-
theilung in den Sitzungsberichten d. zoolog. botan. Gesellsch.
in Wien X,-p. 19 trat auch Hylesinus ‚vittatus Fab. in
Ungarn als forstschädlich an Ulmus campestris auf: der
Frass der Larve an der Innenseite der Rinde ist im Holz-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 389
schnitt p. 20 dargestellt. (Ueber die entgegengesetzte An-
sicht von Wallace, dass die Bostrichen nur kranke Bäume
angreifen, vergl. unter Coleoptera, Fam. Bostrichidae.)
Nach Czegley (Sitzungsberichte d. zoolog. botan.
Gesellsch. zu Wien X, p. 17) trat Orgyia antiqua in Mähren
als forstschädlich auf. — Schwab, „Ueber die Verheerun-
gen der Kieferblattwespe (Tenthredo pini und pratensis) in der
Umgebung von Schwarzwasser und Skotschau in Schlesien“
siehe ebenda p. 31.
Unter den wie gewöhnlich zahlreich gemachten Mit-
theilungen über die Zucht des Seidenwurmes, die der Mehr-
zahl nach ein vorwiegend industrielles Interesse haben,
heben wir hier nur folgende hervor: Gu&@rin (Rev. et Magas.
de Zool. 1859, p. 91 ff.) berichtete über die Zucht von
Bombyx mori im französischen Guyana im Freien; die
Cocons waren von ausgezeichneter Qualität, die Erndte
sehr reich. Ebenda p. 130 u. Compt. rendus 28. Fevr. 1859
über die Racen des Seidenwurmes, welche in Syrien er-
zielt werden, und p. 190 über Fütterung von Bombyx mori
mit Tragopogon pratensis und Dipsacus fullonum, welche
einen glücklichen Erfolg hatte.
Ausserdem: F. Wassali, die Seidenzucht im Canton Graubün-
den (Jahresbericht der naturf. Gesellsch. Graubündens V. p. 58—70).
— Quatrefages und Gu&rin, Berichte über die Krankheit des
Seidenwurms nach Beobachtungen im südlichen Frankreich (Comptes
rendus T.48. p.552 u. 1025. T.50. p.61 u. 767). — Gu&rin: Ue-
ber die Einführung des Chinesischen Seidenwurims, der sich im Freien
auf Aylanthus glandulosa erziehen lässt und zwei jährliche Erndten
liefert, siehe Comptes rendus T.48. p.231 u. 636; Rev. et Mag. de
Zool. 1859. p. 68 u. 136 If.
Von besonderem Interesse ist auch ein von F.Statham
(Report of the 28. meeting of the British assoc. for advanc.
of science, Transact. p. 130) mitgetheilter Fall, der auf
eine gelegentlich vorkommende Verwilderung des Seiden-
wurmes hindeutet. („On the occurrence of Bombyx mori
in a wilde state in this country“). Am 10. Juli wurden in
Kent etwa 80 bis 100 Raupen der Bombyx mori unter einer
Hecke im Freien angetroffen; verschiedene Blätter niederer
Pflanzen waren von ihnen benagt, besonders zeigte sich’
390 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
aber ein Busch von Rubus fruticosus theilweise durch: die-
selben entblättert.
Da wir seit nunmehr acht Jahren, während. welcher
wir in diesen Berichten die Leistungen auf dem Gebiete
der Insektenkunde zu verfolgen bestrebt gewesen sind, bis
jetzt keinen Versuch, eines Systems der Insekten im All-
gemeinen zu erwähnen gehabt haben, waren unsere Er-
wartungen nach den mehrfachen und zum Theil umständli-
chen Mittheilungen, welche der jetzt verstorbene Dumeril
sowohl der Akademie der Wissenschaften zu Paris als der
Societe entomologique de France über die Publikation eines
von ibm seit Jahren bearbeiteten Werkes, das unter dem
Titel „Entomologie analytique* in zwei Quartbänden publi-
eirt werden sollte, gemacht hatte, begreiflicher Weise: auf
die Erscheinung desselben nicht wenig gespannt. Nach
näherer Kenninissnahme des Werkes können wir indessen
nur annehmen, dass die Französische Akademie den Druck
und die Aufnahme desselben in zwei starke. Bände ihrer
Abhandlungen (Memoires de l’acad. d. seienc. de l’Institut
de France, Tome XXXI, 1 u. 2. Paris 1860. 2 vols. 4.
1340 pag.) nur aus Pielät gegen den wenigstens um andere
Zweige der Zoologie verdienten Verf. beschlossen hat —
und nur aus Rücksicht auf den Namen Dume&ril’s haben
wir ‚in. diesem Bericht. auf die „Entomologie analytique“,
welche den heutigen Naturforschern gewiss kein wissen-
schaftliches Interesse abgewinnen kann, einzugehen.
Im allgemeinen Theil, betitelt: „Histoire generale des Insectes“
(p. 1—220) spricht der Verf. über die Stellung, welche die Insekten
in der Reihe der Thierklassen einzunehmen haben. Er betrachtet als
die unterste Stufe einnehmend die „Zoophyten ‚“ welchen nach oben
die Mollusken, Anneliden und Crustaceen folgen; über letzteren ste-
hen. die Insekten, die sich mithin den Wirbelthieren zunächst an-
schliessen. „L’Insecte' est un animal sans vertebres ou sans squelette
interieur, ä tronc ou parlie centrale du corps, articul& en dehors;
muni de membres arliculds et respirant par des stigmales, qui sont
les orifices exterieurs des trachees ou des vaisseaux aeriens internes“
lautet die Charakteristik, welche die Insekten von den übrigen Thier-
klassen unterscheiden soll‘, wobei allerdings zu bemerken ist, dass
der Verf, die Myriopoden denselben noch einverleibt. — Das zweite
und dritte ‚Capitel handeln von der, äusseren Körperform. der Insek-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 391
ten im Stadium der Imago und von ihren physiologischen Funktio-
nen; Baster, Lehmann und allenfalls Dufour sind die Autoren,
deren Untersuchungen auf diesem Felde fast ausschliesslich Erwäh-
nung finden, wogegen was seit 40 Jahren erforscht worden ist, hier
keine Berücksichtigung findet. — Das den bei weitem grössten Theil
der Arbeit einnehmende vierte Capitel behandelt die Classifikation
der Insekten; eine vorangeschickte Uebersichtstabelle weist neben
den acht Ordnungen (ausser den 7 allgemein angenommenen die
Ordnung Aptera) die innerhalb derselben gebildeten sogenannten „na-
türlichen“ Familien auf, deren Erfinder der Verf. Latreille gegen-
über zu sein behauptet. Während der Verf. in der Ordnung Coleo-
ptera vier „Unterordnungen“: Pentamera, Heteromera, Tetramera und
Oligomera errichten zu müssen glaubt (von denen die letzte neben
den Coceinellinen und Eumorphiden auch die Pselaphiden umfasst),
hält er ‘dies in der Ordnung der Neuroptera nicht für nöthig, sondern
er stellt hier nur folgende Familien neben einander auf: 1) Odo-
nata. 2) Stegoptera mit den Gattungen Myrmeleo, Ascalaphus, Ter-
mes, Psocus, Hemerobius, Panorpa, Nemoptera, Rhaphidia, Semblis
und Perla (genau in dieser Reihenfolge). 3) Agnatha (Phryganea und
Ephemera). — In der Ordnung Hymenoptera wird die Gattung Bem-
bex zur Familie der Apiariae) gerechnet, Mutilla zu den Ameisen,
Scolia zu den Anthophilen (Crabroniden), dagegen Tiphia zu den
Fossoriis; letztere Familie wird aber von den Anthophila nicht, nur
durch die Ameisen, sondern auch durch die Ichneumonen getrennt,
zwischen diese dagegen und die Chalcidier (Neocrypta genannt) die
Ameisen und die Fossoria eingeschaltet. — Die Lepidopteren werden
nur in vier Familien getheilt: Rhopalocera, Sphingidae, Bombycidae
und Seticornia (letztere alles Uebrigbleibende nebst Lithosia umschlies-
send). — Als Beispiele von den natürlichen Familien der Dipteren
mögen folgende dienen; Fam. Sclerostomes umfasst: Culex, Bomby-
lius, Hippobosca, Conops, Stomoxys, Rhingia, Tabanus, Asilus, Empis
(in dieser Aufeinanderfolge). Fam. Aplocera: Rhagio, Bibio, Anthrax,
Sicus, Hypoleon, Oncodes, Stratiomys, Ceria, Midas (ebenso). Fam.
Lateriseta: Dolichopus, Calobata, Tetanocera, Thereva, Echinomyia,
Sargus, Mulio, Syrphus, Musea (ebenso). — Die Ordnung Aptera um-
fasst folgende Familien: 1) Nemoura (Machilis und Podura). 2) Rhi-
naptera (Pediculus, Pulex und Leptus; letztere Gattung stellt eine
sechsbeinige Milbe dar). 3) Ornithomyzae (Ricinus) und 4) Myriapoda
im gewöhnlichen Umfange. — In der speciellen Ausführung des sy-
stematischen Theiles werden die Hauptrepräsentanten (Gattungen) der
einzelnen Familien charakterisirt, je eine Art im Holzschnitt sehr gut
dargestellt und einige andere nebenher erwähnt. ' Die Naturgeschichte
der Hauptformen wird, so weit sie den älteren Beobachtern be-
kamt wär, wiedergegeben, während alles Neuere mit ganz verein-
392 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
zelten Ausnahmen (z. B. Fabre über Sitaris) vermisst wird. Auch
für die Systematik ist die neuere Literatur ganz unbeachtet geblie-
ben, wie z. B. Mulsant nicht einmal bei den Coceinellen erwähnt
wird. Wiederholte Irrthümer in Bezug auf die systematische Stellung
mancher Gattungen lassen sich kaum erklären; einer der auffallend-
sten ist, dass Dasytes in die Familie der Vesicantia, also unter die
Heteromeren gestellt wird, während Malachius seinen richtigen Platz
unter den Malacodermen einnimmt.
Heeger setzte seine Beiträge zur Naturgeschichte
der Insekten in den Silzungsberichten der Akad. d. Wissensch.
zu Wien (Physik. - mathem. Classe 34. Bd., p. 212—226,
mit 5 Tafeln) mit einer 18. Folge fort, in welcher nach
gewohnter Art die Entwickelungsgeschichle von fünf Arten
(4 Cureulionen und 1 Pflanzenlaus) beschrieben wird.
Von Mulsant’s Opuscules entomologiques sind in d.J.
1859—60 drei fernere Hefte (IX—XT) erschienen, ‚welche
mit Ausnahme einer kleinen Notiz über Asilinen ausschliess-
lich Coleopterologische Arbeiten enthalten. Dieselben sind
zum grössten Theil vom Verf. in Gemeinschaft mit Anderen,
wieRey, Godart u.a. abgefasst und enthalten ausser einer
Fortsetzung der Bearbeitung der Melasomen nur Beschrei-
bungen einzelner neuer Arten. Der sämmtliche Inhalt der
bezeichneten Hefte ist theils den neuesten, theils älteren
Bänden der Annales d..l, soc. Linneenne, der Annales d.l.
soc. d’agrieulture und der M&moires de l’acad: d. sciences
de Lyon entlehnt. ,
Der Entomologische Theil der Kongl. Svenska Fre-
gatten Eugenies Resa omkring Jorden ist mit zwei ferneren
Heften fortgesetzt worden, von denen das eine (1859) den
Schluss der durch Boheman bearbeiteten Coleopteren. mit
den Familien der Cureulionen, Cerambyciden, Chrysomelinen,
Coceinellinen und Erotylenen, das andere (1860) die von
Stäl bearbeiteten Hemipteren umfasst. Ersteres ist mit
einer, letzteres mit zwei lithographirten Tafeln ausgestaltet,
welche Darstellungen der neu errichteten Gattungen geben.
Ein gegenwärtig bereits erschienenes viertes Heft, welches
dem nächsten Berichte angehört, enthält die Bearbeitung
der Orthopteren, gleichfalls durch Stal.
„Walker, „Characters of'some’äppärently ündeseribed
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 393
Ceylon-Insects“ (Annals of nat. hist. 3 ser. III, p. 50 und
259 f., IV, p. 217 und 371 ff, V, p. 304 ff. und VI, p.
357 ff.) hat neben seinen schon im vorigen Jahresberichte
erwähnten Diagnosen Ceyloneser Coleopteren, in denen er
hier fortfährt, auch Insekten aus den Ordnungen der Or-
thopteren und Hymenopteren von derselben Lokalität be-
kannt gemacht. In der Charakteristik der letzteren geht
er eiwas ausführlicher zu Wege, freilich ohne auch hier
mit seinen Angaben zu genügen; die Diagnosen der Coleop-
teren sind aber wie die vorjährigen ganz unbrauchbar, be-
sonders da bei vielen derselben, wie sich leicht ersehen
lässt, nicht einmal die Gattung richtig erkannt worden ist,
ja mehrmals die Gattungen bei Familien untergebracht wer-
den, denen sie gar nicht angehören.
Coquerel, „Note sur quelques Insectes de Mada-
gascar et de Bourbon“ (Annales d. ]. soc. entom. VII, p.
239 ., pl. 6 und 7) fuhr fort, eine Reihe interessanter
Insektenformen, den Coleopteren und Hemipteren angehörend,
bekannt zu machen.
Motschulsky, „Catalogue des Insectes rapportes des
environs du fleuve Amour, depuis la Schilka jusqu’a Niko-
laevsk“ (Bullet. d. natur. de Moscou 1859, 11. p. 487—507)
giebt ein Namensverzeichniss von etwa 1000 Insekten ver-
schiedener Ordnungen, die am Amur gesammelt wurden.
Die von ihm für neu gehaltenen Arten nicht nur aus der
Ordnung der Käfer, sondern auch der Hymenoptera, Hemip-
tera und Diptera hat Verf. gleich mit Diagnosen versehen,
will sie auch später noch ausführlich beschreiben.
Derselbe „Insectes des Indes orientales et de contrees
analogues* (Etudes entomol. VIII, 1859. p. 25—118) be-
schreibt neben einer grossen Anzahl Coleopteren der ver-
schiedensten Familien auch einige Hemipteren und Hymenop-
teren. Die meisten dieser Arten sind von Nieltner auf
Ceylon gesammelt, einige stammen von den Sunda- Inseln
und dem Ostindischen Festlande, andere endlich auch aus
Süd-Amerika.
Ebenda p. 15 ff. findet sich ein kleiner Aufsatz von
Nietner („Un sejour sur V’ile Ceylan“), in welchem derselbe
394 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen ‘Leistungen
einige allgemeine Angaben über die verschiedenen Lokali-
täten der Insel und die in denselben vorkommenden In-
sekten verschiedener Ordnungen macht. Die Arten sondern
sich in solche, welche den Wäldern, den Cafeeplantagen, den
hochgelegenen Wiesen und den Bächen im Distrikt der
Noura-Ellia eigen sind; ausserdem wird dreier daselbst
vorkommender Termiten-Arten erwähnt.
Diagnosen Senegalensischer Insekten verschiedener Ord-
nungen von Klug und Erichson, welche im Jahre 1842
in einem Doublettenverzeichniss des Berliner Musei publi-
eirt wurden, aber wenig bekannt geworden sind, finden sich
in der Entomol, Zeitung 1859, p. 83 ff. nochmals abgedruckt.
Frauenfeld hat in seinen verschiedenen Reisebe-
richten über die auf der Novara von ihm besuchten Länder
(Verhandl. d. zoolog. botan. Gesellsch. zu Wien X, p.'84 ff.,
Sitzungsberichte der physikal. mathem. Classe ‘d. Akad. d.
Wissensch. 35. Bd., p. 241 ff. und 38. Bd., p. 720 ff.) mehr-
fache Mittheilungen über die von ihm beobachteten Insekten
verschiedener Ordnungen so wie über die durch solche er-
zeugten Gallenbildungen an Pflanzen gemacht. Besonders
enthalten seine Berichte über den Aufenthalt am Cap der
guten Hoffnung, in Hongkong und Shanghai, in Neuholland,
auf Neu Sceland und Taiti mehrfache Notizen von Interesse,
von denen wir einige noch weiter unten speziell anführen
werden.
Derseibe (Verhandl. .d. zoolog. botan. Gesellsch. zu
Wien X, p. 787 ff.) lieferte weitere Beiträge zur Insekten-
fauna Dalmatiens durch Aufzählung einer ansehnlichen Zahl
von ihm daselbst gesammelter Dipteren (mit Einschluss der
früher erwähnten 350 Arten) so wie einiger Odonaten und
Neuropteren. ‚Unter den Odonaten wird eine Callepteryx in
ihren Abweichungen von C. splendens näher erörtert,
Von I. Hinterberger wurden in seinen Beiträgen
zur Charakteristik der Oberöstlerreichischen Hochgebirge
(18. Bericht über das Museum Francisco-Carolinum, p. 29 ff.)
die bemerkenswerthesten Coleopteren, Lepidopteren, Hyme-
nopteren, Neuropteren und Orthopteren ‚des Kalkgebirges
von Linz verzeichnet.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 395
: Einige: Notizen über; die Insektenfauna von Ragaz
(St. Gallen) gab v. Kiesenwetter (Berl. Entom. Zeitschr,
III, p. 339).
Einen Beitrag zur näheren Kenntniss der Coleopteren-
nnd ‚Hemipteren-Fauna des südlichen Frankreichs und der
Pyrenäen durch namentliche Aufführung der seltneren und
bemerkenswertheren von ihnen gesammelten Arten lieferten
v. Bruck und Mink iin ihren „Reisen durch das südliche
Frankreich und die Pyrenäen“ (Entom. Zeitung 1859, p. 288
und 341 ff.).
Zwei Namensverzeichnisse von Coleopteren und Lepi-
dopteren, welche einerseits bei Besangon, andererseits bei
Clermont und am Mont-Dore gesammelt wurden, finden
sich in den Annales d. l. soc. entomol. VIll. p. 1004 ff. und
VIl. p. 670 ff. zusammengestellt.
Walker, List of British Euplexoptera, Orthoplera,
Thysanoptera and Hemiptera (London 1860. 8. 55 pag.).
Verf. liefert ein systematisches Namensverzeichniss der in
England einheimischen Orthopteren und Hemipteren mit
kurzen Angaben über ihre Erscheinungszeit und Fundorte.
Nach diesem Verzeichniss sind bis jelzt 56 Orthopteren,
45 Physopoden und 764 Hemipteren in England beobachtet
worden,
Verloren (Tijdschr. voor Entomol. III, p. 20 ff.)
theille ein Verzeichniss von selteneren und für die Nieder-
ländische Fauna neuen, von Six gesammelten Insekten aus
den Ordnungen der Coleopteren, Hemipteren, Hymenopteren
und Dipteren mit; unter letzteren werden einige als neu
bezeichnet, aber nicht beschrieben.
Verschiedene Beiträge zur Insektenfauna Finnlands finden
sich in den Notiser ur Sällskapets pro fauna et flora Fennica
Förhandlingar, Fjerde Häftet (Helsingfors 1858-59), nämlich:
Ein Verzeichniss der in Karelen gesammelten Lepidoptera,
Hymenoptera und Diptera, erstere vonMalmgren, letztere
vonAppelberg und Pipping bestimmt, mit Zusätzen von
Nylander (enthalten in: Chydenius och Furuhjelm,
Berältelse öfver en nalurhistorisk resa i Karelen, p.108—118).
Die Arten sind nur namentlich aufgeführt; das Verzeich-
396 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
niss der Lepidopteren ist nur kurz, das der Dipteren be-
deutend reichhaltiger. — Ferner ein Verzeichniss der von
Hellström in Oesterbotten gesammelten Dipteren und Hy-
menopteren, vonNylander zusammengestellt (p. 245-248).
Endlich eine Uebersicht der in Finnland bisher beobachteten
Geometriden und Microlepidopteren von Tengström (p. 147
bis 200), über welche Näheres unter: Lepidoptera.
Eine grössere Anzahl fossiler Insekten verschiedener
Ordnungen aus der Rheinischen Braunkohle machte v. Hey-
den (Duncker und v. Meyer, Palaeontographica VIII,
1. p. 1—17, Taf. 1—3) bekannt, zugleich unter Hinzufügung
einiger Nachträge zu seinen (ebenda V, p. 115) publieirten
fossilen Insekten aus der Braunkohle von Sieblos. Die
erst erwähnten Arten stammen aus der tertiären Braunkohle
von Rott im Siebengebirge und von Linz am Rhein.
Coleoptera: Hydrophilus fraternus, Hydrous miserandus,, Byr-
rhus Lucae, Buprestis tradita, Ancylochira redempta, Dicerca, Bronni,
Silicernus (n. g. Elateridarum, von den Europäischen Galtungen
sehr abweichend, dagegen nach des Verf. Ansicht sich der Süd-Ame-
rikanischen Gattung Semiotus Esch. nähernd —? wohl noch mehr
der Gattung Campsosternus, wenigstens nach der Abbildung. Ref.),
speclabilis, Ptinus antiquus, Tenebrio? senex, Caryoborus ruinosus,
Tophoderes depontanus, Hylotrupes senex. — Wemiptera: Corira pul-
lus, Notonecta primaeva , ? Micropus, Typhlocyba carbonaria. — Hy-
menoptera: Bombus antiquus, ?Formica. — Lepidoptera: Vanessa
vetula. — Diptera: Chironomus antiquus, Ctenophora Decheni, Bibio
delelus, lignarius (Germ.?), Bibiopsis Volgeri. — Arten von Sieblos;
Trachyderes busliraptus, Lygaeus deprehensus und Pachymerus anliquus.
Hassencamp, Ueber fossile Insekten der Rhön
(Würzburger naturwiss. Zeitschrift I, p. 78—81). Verf. giebt
ein Verzeichniss der von ihm in der Papierkohle von Sieblos
aufgefundenen Insekten, deren einige schon von Hagen
und v. Heyden (Palaeontographica V) beschrieben worden
sind. Es sind 6 Coleoptera, 1 Hyınenopteron, 2 Diptera,
4 Pseudoneuroptera (Termes, Libellen) und 5 Hemiptera.
Hieran schliesst Verf. Bemerkungen über das numerische
Verhältniss der metabolen und ametabolen Insekten in den
verschiedenen Schichten, welches in der Kohlenformation
wie 1:6, in Sieblos wie 1:1, unter den lebenden Insekten
wie 10:1 ist. li | va hann ir
2 i
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 397
In bibliographischer Hinsicht sind zu erwähnen:
The complete writings of Thomas Say on the Ento-
mology of North-America, edited by J. Le Conte with a
memoir ofthe author by George Ord, 2.vols. New-York
1859. (412 und 814 pag., 54 und 1 col. Taf.) In diese neue
Ausgabe der entomologischen Arbeiten Say’s sind ausser
der American Entomology nebst den dazu gehörigen Tafeln
(von denen Taf. 37—54 neu gestochen sind) auch sämmt-
liche Abhandlungen aus den periodischen u. a. Schriften
Nord-Amerika’s aufgenommen worden.
G. Sharswood, Bibliographia librorum Entomologi-
corum in America boreali editorum (Linnaea entom. XII],
p- 333—853, nebst einem Nachtrage ebenda XIV, p. 256 ff.).
Die Autoren sind unter Angabe ihrer einzelnen Schriften
nebst Citat der dieselben enthaltenden Journale in alpha-
betischer Reihenfolge aufgeführt. (Bei der geringen Ver-
breitung der älteren Nord- Amerikanischen periodischen
Schriften von Wichtigkeit.)
Scudder (Proceed. Boston soc. of nat. hist. VII,
p- 214 ff.) stellte ein chronologisches Verzeichniss der zahl-
reichen entomologischen Schriften von W. Harris zusam-
men. Im Ganzen 99 Nummern, dem grösseren Theile nach
in 23 verschiedenen periodischen Schriften erschienen.
Hagen (Entom. Zeitung 1859, p. 101 und 204) machte
auf zwei von Georgi in seiner Beschreibung von St. Peters-
burg (1790) und seiner Beschreibung des Russischen Reiches
(1800) zusammengestellte Verzeichnisse Russischer Insekten
aufmerksam. Eısteres Werk enthält 722, letzteres 1937 Ar-
ten aufgezählt.
Mulsant, „Dissertation sur le Cossus des Anciens“
(Opusc. entom. XI, p. 137—145) diskutirt die Ansichten,
welche von verschiedenen Autoren von Linne& bis La-
treille über den Cossus der Römer geäussert worden
sind und kommt zu dem Resultate, dass darunter weder die
Larve des Weidenbohrers, noch der Calandra palmarum,
noch die eines Lamellicornen (Melolontha, Cetonia, Oryctes,
Lucanus), sondern nur die des Cerambyx heros oder einer
nahe verwandten Art zu verstehen sei.
398 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Instructions for collecting Insects (Report of the Smith-
sonian Institution for 1858, Washington 1859, p. 158—200).
Anweisungen, gegeben von Le Conte (Coleoplera), Cle-
mens (Hymenoptera und Lepidoptera), Uhler (Orthoptera,
Hemiptera und Neuroptera), Loew und Osten-Sacken
(Diptera).
Terminologia entomologica, nach dem neuesten Stand-
punkte der Wissenschaft bearbeitet von Julius Müller.
Brünn, 1860. (kl. 8. 306 pag.) Ist mancher Verbesserungen
bedürftig und ermangelt besonders einer Planmässigkeit in
der Ausarbeitung; von den Insektenfamilien z. B. (deren
Namen überhaupt nicht in eine Terminologie gehören) schei-
nen nur diejenigen aufgenommen zu sein, die dem Verf.
gerade eingefallen sind, während die Mehrzahl fehlt.
Orthoptera.
Wir freuen uns, den speziellen Theil unseres Berichtes
diesmal mit einem Werk beginnen zu können, dem so-
wohl sein innerer Werth als seine splendide Austattung
überhaupt mit die erste Stelle unter den in den beiden
letzten Jahren veröffentlichten Entomologischen Arbeiten
anweisen würde. Es ist dies der von der Direktion des
British Museum veröffentlichte Catalogue of Orthopterous
Inseets in the collection of the British Museum. Part. I.
Phasmidae by J.O. Westwood. London 1859. (gr. 4. 195 pag.
48 pl.), mit dem der Verf. sowohl als die Direktion der
weltberühmten Sammlung, welcher das darin bearbeitete
Material vorzugsweise entlehut ist, derselben einmal ein
ihrer würdiges Denkmal gesetzt haben. Da das. vorlie-
gende Werk der erste Catalog ist, den das British Mu-
seum über seine Orthoptera (im engeren Sinne) veröffent- -
licht hat und derselbe in jeder Hinsicht als Muster hin-
gestellt werden kann, so hoffen wir, dass, um keinen Rück-
schritt zu thun, nun auch die Bearbeitung der übrigen
Familien ‚dieser Ordnung im Gegensalz zu vielen anderen
von derselben Anstalt publieirlen Catalogen ebenso sicheren
und bewährten Händen wie hier anvertraut werden wird.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 399
Dass abweichend von den bisherigen Catalogen der vor-
liegende auch in der Ausstattung eine Bevorzugung erfahren
hat und dadurch sein wissenschaftlicher Abstand von jenen
gleichsam auch äusserlich dokumentirt worden ist, nehmen
wir als einen Beweis dafür, dass man auf die Arbeiten
des berühmten Autors auch in England einen besonderen
Werth legt und dass man auch hier einzusehen anfängt,
dass es nicht darauf ankommt, wie viel sondern was und
wie Jemand arbeitet. — Die Reichhaltigkeit des vom Verf.
verwertheten Materials ergiebt sich aus der Angabe, dass
er in der Familie der Gespenstheuschrecken, welche nach
den bisherigen Bearbeitungen als eine im Verhältniss arten-
arme betrachtet werden musste, die ansehnliche Zahl von
471 Arten zusammengebracht hat, von denen noch einige
(meist von Thunberg beschriebene) ausgeschlossen sind,
welche ihm nicht bekannt geworden. Die typischen Exem-
plare der sonst innerhalb der Familie durch Burmeister,
Serville, de Haan u. a. beschriebenen Arten hat der
Verf. bei einem Besuch der Museen zu Berlin, Paris, Leyden
selbst verglichen, während ihm die von Gray und Hope
bekannt gemachten in London und Oxford zur Bearbeitung
vorlagen: hierdurch hat die Feststellung der Arten in Be-
zug auf Nomenklatur und Synonymie fast durchweg eine
grosse Sicherheit erlangt, die um so wünschenswerther er-
schien, als durch die Arbeiten der früheren Autoren zur
Genüge festgestelll war, dass bei den so auffallenden und
- mannigfachen Sexualdifferenzen vieler Arten eine Bestim-
mung nach Beschreibungen in den meisten Fällen nicht zu
ermöglichen war. Dass Letzteres zum Theil wohl mit an
den oft unzureichenden früheren Charakteristiken gelegen
hat, geht aus einem Vergleich derselben mit den von West-
wood gegebenen, welche hauptsächlich auf vorher nicht
beachtete Verhältnisse und Unterschiede eingehen, leicht
hervor; indessen hat der Verf. sich die Schwierigkeit, das
für die einzelnen Arten Charakteristische in Worten aus-
zudrücken, doch selbst nicht für alle Fälle verhehlen kön-
nen und es daher für zweckmässig erachlet, den grössten
Theil der von ihm beschriebenen Formen durch Abbildungen
400 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
zugänglicher zu machen. Vierzig von ihm selbst mit be-
kannter Meisterschaft auf Stein gezeichnete Tafeln enthalten
die Darstellung von je vier bis zwölf Arten entweder in
einem oder in beiden Geschlechtern und häufig mit Hinzu-
fügung einzelner Theile von spezifischer Bedeutung, unter
denen die Genitalringe prävaliren. Die ausserdem beifol-
genden acht Supplementtafeln sind der Gray’schen Entomo-
logy of Australia entlehnt.
Von faunistischen Beiträgen, welche die Ordnung der
Orthopteren allein betreffen, sind folgende zu erwähnen:
H. de Saussure, Orthoptera nova Americana, Dia-
gnoses praeliminares (Revue et Magas. de Zool. 1859, p. 59,
201, 315 und 390 ff.) Verf. giebt Diagnosen neuer Arten
und Gattungen, zum grösseren Theile aus seinen eigenen,
in Mexico veranstalteten Sammlungen herrührend, denen
später eine ausführliche Beschreibung, wie sie bis jetzt
von den Crustaceen und Myriopoden erschienen: ist, folgen
soll. Anhangsweise sind auch einige Arten aus anderen
Gegenden Amerika’s, besonders von Bahia mit aufgenom-
men. Die bis jetzt bekannt gemachten ‚gehören den Fa-
milien der Mantodea, Gryllodea, Phasmodea, Locustina und
Acridiodea an.
Einige (fünf) neue Orthopteren verschiedener Familien
aus Süd-Afrika machte Stäl (Oefvers. Vetensk. Akad. För-
handl. XV, p. 307 ff.) durch Diagnosen bekannt.
Eversmann, Orthoptera Volgo-Uralensia, oder die
in den Gegenden östlich von der Wolga und dem Uralfluss,
südlich bis zum Aralsee und dem Sir-Darja bis jetzt auf-
gefundenen Gradflügler (Bullet. d. natur. de Moscau 1859.
I, p. 121- 146). Verf. giebt eine Aufzählung der an der
bezeichneten Lokalität von ihm beobachteten Orthoptera
genuina, von denen die Forficulina durch 6, die Blattina
durch 3, die Mantodea durch 5, die Gryllodea durch 9, die
Locustina durch 19 und die Acridiodea durch 59 Arten ver-
treten sind. Neben den bekannten Arten, welche in Bezug
auf Fundorte, Häufigkeit, Abänderungen u. s. w. näher er-
örtert werden, findet sich eine Anzahl neuer beschrieben,
welche auf Taf. 1 abgebildet sind.
im Gebiete der. Entomologie während ‚der Jahre 1859 u. 60. 401
Meyer-Dür, Ein Blick über die Schweizerische Or-
thopteren-Fauna‘ (Neue Denkschrift d. allg. schweizerisch.
Gesellsch. f. d. gesammt. Naturwiss. XVII, 1860. 32 pag.)
Verf. beginnt mit Betrachtungen über die geographische
Verbreitung der Orthopteren der Schweiz sowohl in hori-
zontaler als vertikaler Richtung, indem er besonders die den
einzelnen Höhenregionen eigenen Arten zusammenstellt,
giebt Nachricht über ihre Erscheinungszeit, ihre Häufigkeit
us. w. und führt sodann die in der Schweiz einheimischen
Arten in systematischer Reihenfolge und unter Hinzufügung
einiger Cilate, der Angabe von Fundorlen, Varietäten u.s. f.
auf. Die einzelnen Familien sind folgendermassen vertreten:
Blattina 8, Mantodea 1, Acridiodea 35, Locustina 21, Gryllo-
dea 6, Forlieulina 9, zusammen 80 Arten.
Yersin, Note sur quelques Orthopteres nouveaux ou
peu connus d’Europe (Annal. soc. entom. VIII, p. 509—535,
pl. 10) gab sehr genaue Beschreibungen nebst Abbildungen
von zehn theils neuen, theils unvollständig bekannten Euro-
päischen Orthopteren verschiedener Familien.
Türk vervollständigte sein im vorigen Jahresberichte
angezeigtes Verzeichniss der in Niederösterreich vorkom-
menden Orthopteren durch nachträgliche Aufzählung von
neuen, seitdem von ihm aufgefundenen Arten. (Wien. Ent.
Monatsschr. IV, p. 84 ff.) Von denselben kommt 1 auf die
Familie der Grylloden und je 4 auf die Acridier und Locu-
slinen; unter letzteren wird eine Art als neu beschrieben.
Brisout de Barneville (Annal. d. l. soc. enlom,
VII, p. 714 ff.) stellte ein Namensverzeichniss von 37 auf
Sicilien gesammelten Orthopteren-Arten zusammen. Ebenda
VII, p. 200 zählt der Verf. 8 Arten aus den Basses - Alpes
und im Bullet. d. l. soc. entom. 1859, p. 212 einige für die
Pariser Umgegend neue Arten (7 Acridier) auf.
Termitina. Hagen (Linnaea entom, XIV. p. 73—128) lieferte
weitere Nachträge zu seiner Monographie der Termiten, welche ei-
nerseils in der Zusammenstellung fernerer literarischer Notizen aus
den Schriften älterer sowohl als neuerer Reisenden (Gironiere für
die Philippinen, L’Herminier und Asa Fitch für Amerika, Pat-
terson, Andersson, Barth und Livyingstone für Afrika), zum
Theil auch ‚ausführlicher Berichte von sachkundigen Beobachtern (wie
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. AA
402 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
v. Osten-Sacken für Amerika und J. Nietner für Ceylon), anderer-
seits in Zusätzen zu den früheren Artbeschreibungen, welche theils
die Charakteristik einzelner Formen (Arbeiter, Soldaten u. s. w.) bereits
bekannter, theils einiger neuer Arten enthaltend, bestehen. Als Arten,
deren Kenntniss besonders gefördert wird, sind folgende hervorzuhe-
ben: Termes Taprobanes Walk.? Soldat, strenuus n. sp. (Imago) aus
Mexiko, atrox Smeathm. von Port Natal, umbilicatus Hag. und mono-
cerosKönig von Ceylon, rubidus Hag. ebendaher, Rippertii Ramb. von
Cuba, fumosus n. sp. aus: Mexiko. — Nach ferneren Untersuchungen
über die Nasuti ist der Verf, jetzt zu der Ansicht gelangt, dass sie
durchweg als Soldaten anzusehen seien. — Auf p. 97 u. 1261. wird
das Resultat der chemischen Untersuchung von sechs verschiedenen
Termitennestern mitgetheilt; die Menge der organischen Bestandtheile
ist bei Baum - und Erdnestern sehr verschieden, bei ersteren 71—74,
bei letzteren nur 12—13 p. C.
Termes rabidus Hagen ist eine fernere n. A. aus Ceylon (Ver-
handl. d. zoolog.-botan. Gesellsch. zu Wien IX. p. 199).
Scudder (Proceed. Boston soc. nat. hist, VII. p. 287 f.) machte
Mittheiluougen über den Schaden, welchen Termes frontalis Hald. dem
Weinstocke in den Treibhäusern Nord-Amerika’s zufügte. Die Wur-
zeln der durch die Termiten vernichteten Stöcke fanden sich durch
und durch zu Gängen und Zellen ausgehöhlt.
Blattina. Neue Arten sind: Punesthia plagiata Walker (Annals
of nat. hist. IV. p. 220) von Ceylon, Perisphaeria cruralis und Blatta
bitaeniata Stäl (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 307 f.) aus
Süd-Afrika.
Mantodea. Neue Arten sind: Harpaz signifer Walker (Annals
of nat. hist. IV. p. 220) von Ceylon, Mantis gastrica Sı$l (Öfvers. Ve-
tensk. Akad. Förhandl. XV. p. 308) aus Süd-Afrika, Mantis brevipen-
nis Yersin (Annal. soc. entom. VIII, p.511) von Hyeres, Mantis pu-
silla Eversmann (Bullet. de Moscou 1859. I. p. 124) aus den südlichen
Kirgisensteppen, Mantis Antillarum von St. Thomas, Mantis Asteca,
feroz, Acanthops Mexicanus und Asztecus, Theoclytes Azsteca und Tol-
teca aus Mexiko und Empusa spinifrons aus Süd-Amerika, von Saus-
sure (Rev. et Magas. de Zool. 1859. p. 59 ff.) diagnostieirt.
Phasmodea.. Westwood (Catalogue of Orthopterous Insects,
Part I. Phasmidae) hat die von Lichtenstein, Gray und Bur-
meister angenommene Eintheilung der Phasmiden - Gattungen in
zeitlebens ungeflügelte (in beiden Geschlechtern) Apterophasmina und
geflügelte (entweder nur im männlichen oder in beiden Geschlech-
teın) Pterophasmina beibehalten, ohne sich indess die Schwierigkei-
ten zu verhehlen, welche bei der"Unterbringung solcher Arten, wo
nur das eine Geschlecht (Weibchen) bekannt ist, eintreten können.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 403
Wenn der Verf. es auf p.67 als Vermuthung ausspricht, dass er in
solchen Fällen vielleicht ungeflügelte Weibchen in der ersten Ab-
theilung untergebracht habe, die nach Kenntniss des Männchens in
die zweite zu versetzen sind, so kann Ref. dies vorläufig wenigstens
für eine Art, Lonchodes feruloides Westw. bestätigen, von der das
hiesige Museum beide Geschlechter von Luzon erhalten hat und bei
der das Männchen geflügelt ist. Wenn diese Art demnach der Gat-
tung Phibalosoma zu überweisen wäre, so könnte bei der Aehnlich-
keit zwischen den Weibchen der Gattungen Phibalosoma und Lon-
chodes zugleich die Frage entstehen, ob nicht überhaupt die An-
oder Abwesenheit von Flügeln als Eintheilungsmoment zu streichen
wäre und ob nicht wenigstens in: mehreren Gattungen Arten mit ge-
flügelten und ungeflügelten Männchen vereinigt werden könnten. Es
scheint hierauf wenigstens die grosse Uebereinstimmung, welche ver-
schiedene Gattungen beider Abtheilungen erkennen lassen, hinzu-
deuten und andererseits die Analogie in der Familie der Locustina,
wo öfter geflügelte und ungeflügelte Arten in derselben Gattung ste-
hen (Saga, Gryllacris u.a.) für ein ähnliches Verhalten bei den Phas-
miden zu sprechen. Jedenfalls wird erst die Kenntniss einer viel
grösseren Anzahl von Arten nach beiden Geschlechtern abzuwarten
sein, ehe eine feste Abgränzung der Gattungen, welche in dieser
Familie ihre besondere Schwierigkeiten hat, vorzunehmen ist. Die
vom Verf. in dem vorliegenden Werke angenommenen sind fol-
gende:\a) Apterophasmina: Bacillus Latr. 36 A. , Pachymorpha Gray
4 A., Anisomorpha Gray 10 A., Diapheromera Gray 2 A., Bacteria
Latr. 42 A., Gen. dub. 4 A., Lonchodes Gray 26 A., Prisomera Gray
4 A., Acanthoderus Gray 32 A., Pygirhynchus Serv. 3 A., Ceroys
Serv. 7 A., Rhaphiderus Serv. 2 A., Eurycantha Boisd. 6 Arten. —
b) Pterophasmina: Anophelepis n.g. (für Phasma despectum Westw.)
7 A., Phibalosoma Gray 19 A., Monandroptera Serv. 5 A., Dimor-
phodes n. g. 1 A. (von den Aru-Inseln), Heteropteryx Gray 4 A.,
Diapherodes Gray 3 A., Haplopus Burm. 13 A., Pterinoxylus Serv.
1A., Palophus n. g. (für Haplopus ceratophyllus Burm.) 2 A., As-
chiphasma Westw. 19 A., Lopaphusn. g. (für Ph. Bojei de Haan
und cocophages Newp.) 9 A., Xeroderus Gray 8 A., Xerosoma Serv.
1 A., Creoxylus Serv. 6 A., Cyphocrania Gray 14 A., Platycrania
Serv. 8 A., Acrophylla Gray 10 A., Podacanthus Gray 2 A., Loxo-
psis n. g. (für Phasma conocephalum de Haan) 1 A., Phasma auct.
82 A., Necroscia Serv 82 A., Metriotes n. g. (für Phasma reti-
eulata Stoll) 13 A., Dinelytron Gray 6 A., Tropidoderus Gray 2 A.,
Prisopus Serv. 11 A., Ectatosoma Gray 1 A. und Phyllium Ilig.
15 Arten. — Die Anordnung der Gattungen unter den Pterophasmina
ist erstens nach der Anwesenheit der Flügel beim Männchen allein
oder bei beiden Geschlechtern, in letzterem Fall nach der Ausbildung
404 Gersitwecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
der Deckflügel getroffen, welche bei Aschiphasma am geringsten, bei
Phyllium ‚am ansehnlichsten ist.
Eine neue Gattung, die aber wohl jedenfalls der.Gatt, Palophus
Westw..des eben genannten Werkes entspricht, ist von St äl (Öfvers.
Vetensk. Akad. Förhandl. XV, p. 308) unter dem Namen Bactr odo-
demia aufgestellt. worden... Der Körper, (des Weibchens), ist ‚geflügelt,
die Tegmina um ein Dritttheil, ‚kürzer als ‚der Mesothorax, die Hin-
terllügel 2'%mal so lang ‚als jene, der Kopf zwischen den Augen mit
zwei genäherten,, dreieckigen,, an den Rändern ausgenagten Hörnern,
der Mesothorax ‚fast viermal so lang als der Prothorax, die Mittel-
und ‚Hinterschenkel gegen die Basis hin mit zwei, Dornen in: Blatt-
form.:— ‚Art: B. tiarata ‚160 Mill. lang, aus dem: Lande. der. Dama-
ras (Süd-Afrika):
Ebenso wären die gleichzeitig von Saussure (Rey. et Magas.
de ‚Zool. 1859. p.61ff.), diagnosticirten Süd- Amerikanischen ‘Arten
aufıdas..Westwood’sche Werk erst noch. zu vergleichen: Bacteria
emortualis und: longimana von Bahia, ‚spinigera aus Brasilien, ‚ Asteca
und/Tolteca‘ aus. Mexiko, baculus Amerika , Acanthoderus mezicanus,
Acanth.:(Xylodus..subg..nov.) adumbratus von Portorico ‚und. Prisopus
mezicanus. Die, Charaktere ‚der Untergattung Xylodus werden, folgen-
dermassen festgestellt: Corpus valde abnorme, mesonotus,‚arcuatus (?),
pedes breves, abnormes,, antiei compressi , foliacei; ‚abdominis seg-
menta/tria ultima. brevia, ‚operculum vaginale sat magnum, carinatum.
Genanere Angaben ‚über Bacillus Rossii Fab. ‚und seine -Ahän-
derungen (Weibchen) machte Yersin (Annal, soc. entom. VIIL. p. 514):
Gryllodea. Eine neue Gattung Par oceanthus. Saussure (Rey,
et Mag. de; Zoo}, ‚1859. p.317). wird vom Verf. mit, Oecanthus und
Trigonidium verglichen. Kopf und Augen kuglig, Taster verlängert
mit: gleich ‚langen letzten Gliedern,. Vorderrücken klein, Flügeldecken
convex , Flügel. lang; Vorderschienen mit: Trommelhöhle, ‚aber nicht
erweitert, Hinterschenkel mit. aufgetriebener, Basis, Hinterfüsse \drei-
gliedrig. — Art: Par. mezicanus. — Neue Arten (ebenda p.315f;)
sind: Gryllotalpa Asteca., Rhipipteryx mezicanus, Gryllus Astecus;
Cubensis, Mezicanus, Nemobius Toltecus.
Ausserdem sind als n. A, zu. erwähnen; Acheta supplicans,
aequalis, confirmata und, Platydactylus crassipes Walker (Annals of
nat. hist. IV. p. 2211.) von Ceylon, Gryllus marginatus, pubescens und
tomentosus ' Eversmanu (Bullet. .de. Moscou 1859. 1. p.127) aus den
südlichen Kirgisensteppen , letztere drei in ihrer Begründung wohl
etwas zweifelhaft.
Locustina. H. de Saussure machte (Rev. et Mag. de Zool.
1859. p. 201 ff.) folgende neue Gattungen und Arten aus Amerika, be-
kannt: Orchesticus n. g., mit. Thyreonotus und Pterolepis ver-
wandt; -Kopfvorsprung kurz und,stumpf, Fühler sehr lang, Kieferta-
&
* jm Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 405
ster verlängert, Vorderrücken den Brustkasten bedeckend , gekielt,
Prosternum zweispitzig, Metasternum zweilappig; Flügel fehlend,
Vorderschienen zwei-, Mittelschienen vierreihig gedornt, Hinter-
beine mit an der Basis stark verdickten Schenkeln und 4 bis 6 sehr
grossen Enddornen an den Schienen, Vorderhüften aussen gedornt. —
Art: O. americanus Tenessee. — 2) Schoenobates n. g. Kopf
gekielt mit zusammengedrücktem Vorsprunge, Fühler sehr lang, ebenso
die Kiefertaster, Pronotum den ganzen Thorax bedeckend , Flügel-
decken kurz, Flügel fellend; Vorder- und Mittelbrust zweizähnig,
Hinterbrust ausgerandet, Mittelschienen mit4, die übrigen mit 2 Dor-
nenreihen, Tarsen zusammengedrückt. Mit Rhaphidophora verwandt.
— Art: Sch. mezicanus. — 3) Daihinia (Hald.) n. g. Kopf wie
bei Stenopelmatus, Kopfvorsprung breit, zwischen ihm und den Au-
gen jederseits eine längliche Grube, Fühler und Taster sehr lang’ und
dünn, Thorax und Hinterleib zusammengedrückt; Vorder- und Mit-
telschienen mit dünner Basis, in der Mitte etwas erweitert, unten
zweireihig fein gedornt, Hinterschenkel sehr gross, mit äusserst dicker
Basis, Hinterschienen vieldornig, an der Spitze 6 grosse Dornen.
Tarsen zusammengedrückt, Legescheide kaum sichtbar, Brustbein
schmal, unbewehrt; Flügel fehlen. — Art: D. mezicana. — Neue Ar-
ten sind ferner: Phaneroptera Tolteca Mexiko, Phylloptera anyusti=
folia , ensifolia, erinifolia, derodifolia Bahia, pisifolia, Azteca, Tol-
teca, Tarasca, Mexicana, Otomia Mexiko, salicifolia, rhombifolia Ca-
rolina, Totonaca Mexiko, salvifolia Bahia, Huasteca Mexiko, legumen
Amerika, Zendala Mexiko, Platyphyllus Zimmermanni Süd- Carolina,
Acanthodis mezicana,, Azteca,, Tolteca Mexiko , regina Bahia, Copio-
phora mexicana, Conocephalus Sallei Mexiko, dentifrons Bahia, occi-
dentalis Haiti, Mexicanus,, Nicti und Xiphidium mezicanum Mexiko,
X. saltator Guyana, Listroscelis armata Bahia, Phalangopsis Aztecus,
Stenopelmatus mexicanus, Sallei, minor, Nieti, Sumichrasti, histrio,
Sartörianus Mexiko, Chilensis Chile. 5
J. P. E. Frdr. Stein (Berl. Ent. Zeitschr. IV. p. 257. Taf. 5)
machte eine neue Europäische Heuschrecken-Gattung und Art Dryma-
dusa spectabilis aus Griechenland bekannt, welche er mit Pterolepis
in Vergleich bringt; von Decticus, mit der sie im Habitus und allen
wesentlichen Charakteren übereinstimmt, würde sich dieselbe ällen-
falls durch die etwas abweichende Bedornung der Hinterschienen,
den Mangel der Prothoraxkiele und den stärker verengten Stirnlappen
ünterseheiden ; durch letzteres Merkmal schliesst sie sich an die Un-
tergattung Gampsocleis Fieb. an. Auf die Larve der Dr. spectabilis
ist offenbar die Ephippigera dorsalis Brulle (Exped. scient. de Moree
pl. 29. fig. 8) zu beziehen.
"Ref. hat (dies. Archiv f. Naturgesch. XXVI. p. 245—278) eine
Bearbeitung der Arten der Gattung Gryliaeris Serv. ‘mit besonde-
406 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
rer Berücksichtigung der hier sehr mannigfach und zum Theil auf-
fallend gebildeten männlichen Copulationsorgane geliefert. Von den
33 bis jetzt bekannten Arten sind die meisten den Sunda-Inseln eigen,
obwohl einzelne auch über die anderen Welitheile mit Ausnahme
Europa’s verbreitet sind; 19 derselben, welche der Mehrzahl nach
neu sind, sind nach eigener Anschauung, zum Theil jedoch nur nach
einem der beiden Geschlechter beschrieben , die übrigen gehörigen
Orts eingeschaltet. In Neu-Holland, Nord-Amerika und Süd-Afrika
sind die ungeflügelten Arten der Gattung einheimisch, während Asien
nur geflügelte besitzt.
Von Yersin (Annal. soc. entom, VIII. p.517 f.) wurden Ephip-
pigera maculata und Pterolepis Brisoutii als n. A, aus Sicilien, Me-
conema brevipennis und Pterolepis Raimoudii alsn. A. von Hyeres be-
schrieben und auf Taf.10 abgebildet. Ausserdem wird Thamnotrizon
fallax. Fisch. nochmals beschrieben.
Thamnotrizon austriacus Türk (Wiener. Entom. Monatsschr. IV,
p-85) n. A. aus Oesterreich, Ephippiger taurus Eversmann (Bullet.
de Moscou 1859. I. p. 128) n. A. aus den östlichen Kirgisensteppen,
Steirodon lanceolatum Walker (Annals of nat. hist. IV, p. 222) n. A,
von Ceylon und Hetrodes diademata Stäl (Öfvers. Vetensk. Akad. För-
handl.XV. p. 308) n. A. aus Süd-Afrika, vom Flusse Kuisip.
Lucas (Bullet. d. l. soc. entom. 1860. p.46) machte Mitthei-
lungen über die Jugendform von Hetrodes Guyonii Sery., welche
violettblau mit corallenrothem Thorax ist.
Acridiodea. Neue Gattungen von Saussure (Rey. et Mag. de
Zool. 1859. p. 390 1.) sind: 1) Ichtkydion n. g. von Opsomala
durch den Mangel beider Flügelpaare und weniger schräges Gesicht
abweichend ; Fühler 13-gliedrig, dreikantig, Augen oval, beim Männ-
chen sehr gross und hervorspringend; Körper zusammengedrückt, Vor-
derbrust mit Höcker,, Beine kurz. — Aıt: J. mezicanum. — 2) Xi-
phophora n. subg., von Xiphocera durch dicke Fühler, kürzeren
Kopfvorsprung, breite Stirnlamelle, genäherte Augen, breite Hinter-
schenkel und beiderseits gleiche Schiendornen abweichend. — Art;
X. americana Guyana. — 3) Machaeroceran. g., gleichfalls Xi-
phocera sehr ähnlich, aber mit unbewehrter Vorderbrust; Fühler
verlängert, flachgedrückt, .Kopf rüsselartig mit etwas abschüssigem,
vierkieligem Gesichte, Pronotum runzelig, zusammengedrückt, hinten
flach und gekielt, Flügeldecken länger als der Körper, Hinterschie-
nen zierlich, normal gebildet, — Art: M. mezicana. — 4) Polysar-
cus n.g., zwischen Rhomalea und Monachidium; Fühler 15-gliedrig,
fadenförmig, Gesicht senkrecht, 4-kielig, Scheitelhöhe zusammenge-
drückt, plattenförmig; Thorax dick, in der Mitte aufgetrieben, Vor-
derrücken mit Crista, Vorderbrust stachlig, Hinterleib klein , eylin-
drisch, Hinterbeine verlängert. — Art: P. atavus Bahia, — Neue Ar-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 407
ten sind ferner: Sphenarium mezicanum, Rhomalea pedes (Rh. centu-
rio Drur. und eques Burm. zugleich charakterisirt) Mexiko, Monachi-
dium ornatum Brasilien, Ommatolampis (Proctolabus) mezicana, cincta
Brasilien, (Ophthalmolampis) colibri Guyana und Yersini Süd-Amerika ?
Walker (Annals of nat. hist, IV. p. 222 ff.) beschrieb Truzalis
ezaltata , porrecta, Acridium: extensum , deponens, rufitibia , respon-
dens, cinctifemur ?, nigrifascia als n. A. von Ceylon.
Eversmann (Bullet. de Moscou 1859. I. p. 133 .) Stenobo-
thrus simplex, Gomphocerus deserticola, Oedipoda Wagneri als n. A.
aus dem Ural und von der Wolga.
Yersin (Annal. d.]. soc. entom. VII. p. 529) Porthetis simil-
lima als n. A. aus Sicilien, ausserdem Porthetis Raulinii Luc. nach
Syrischen Exemplaren.
Nach St&1 (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 247) kom-
men Oedipoda cinerascens und Tetrix Schrankii Fieb. auch in Schwe-
den vor.
Verschiedene über die Wanderungen von Pachytylus migrato-
rius und andere schädliche Arten gemachte Mittheilungen vergl.
Insekten!
Forficulina. H. Dohrn (Entom. Zeitung 1859. p. 105 f.) be-
schrieb Forficula Freyi als n. A. aus der Schweiz und zugleich die
wenig bekannteForf. Orsinii Gene, welche von F. biguttata specifisch
verschieden ist,
Eine zweite neue Art ist Forficula Arachidis Yersin (Annal. d.
I. soc. entom. VIII. p. 509) von Marseille.
Embidaee Lucas: „Quelques remarques sur la propriet& que
possede la larve de l’Embia mauritanica etc.“ (Annal. d.]. soc. en-
tom. VII. p. 441 ff.) machte auf die schon in der Explorat. de Algerie
von ilm erwähnte Fähigkeit der Embia-Larven, sich bei ihrer jedes-
maligen Häutung ein Cocon zu spinnen, aufmerksam. Eine Anzahl
solcher Larven, die Verf. ohne Hülle in einen Behälter gebracht
halte, fand er später in diesem von einem Gespinnste eingeschlossen
wieder; ebenso traf er sie in Algier unter Steinen innerhalb eines
Gespinnstes, in das sie sich zurückzogen, wenn er sie ergreifen
wollte. Die Larven kommen stets vereinzelt vor; die Imago dagegen
beobachtete Verf. in der Provinz Constantine einmal in grosser An-
zahl beisammen,
Perlariae. Perla sudetica Kolenati (Fauna des Altyaters p. 33,
Wien. Ent. Monatsschr. IV, p. 384) n. A. aus Schlesien.
Ephemerina, Von. Walker (Transact. entom. soc. V. , p, 198 f.)
wurden Ephemera dislocans vom Cap, Potamanthus exspectuns und
Palingenia annulifera aus Hindostan,, continua vom Amazonenstrome
und Clocon debilis aus Hindostan als n. A. aufgestellt.
408 Gerstaecker:. Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Von Kolenati ‚(Fauna‘ des Altvaters p.31. Wien. Ent.'Mo-
natsschr. IV. p. 383) Baetis iridana n. A. aus Schlesien.
Von Hagen (Annal. soc. entom, VIII. 'p.746) Baetis' Bellieri
n. A. aus Sicilien, durch einige kurze Angaben hezeichnet.
Derselbe (Eutom. Zeitung 1859. p. 431) berichtete über das
Vorkommen der Palingenia longicauda (und der Acanthaclisis ‚occita-
nica) in Preussen.
Libellulina. Die monographische Bearbeitung ‚dieser. Familie
durch Selys-Longehamps und Hagen ist in. stetem Fortschritte
begriffen und ist nach Publikation ‚der Calopteryginen, und’ Gomphi-
nen, zu denen bereits ‘Supplemente, vorliegen,,. zunächst , auf die
schwierigste Gruppe der Odonaten,. auf die Agrioniden ‚gerichtet,
Wie bisher wird der ausführlichen Beschreibung ‚der Gattungen. und
Arten eine Synopsis, mit kürzereu Charakteristiken 'vorausgeschickt,
welche zwar unter Selys-Longehamps. Nanen allein im: Balletin
de l’academie de Belgique publieirt wird, aber ebenfalls auf den ge-
meinsamen Forschungen, beider Autoren ‚beruht, Seit; unserem letz-
ten Berichte 'sind folgende, vier. ‚vorläufige\.Bearbeitungen \publieirt
worden: ]) Additions au Synopsis des Calopterygines (Bullet...de
l’acad. de Belgique VII. p.437—451). Zu den, 100 früher ‚bekannt
gemachten Arten kommen hier 18 neue, von denen 2% der Ausbeute
von Wallace auf den Sundainseln u.s. w..entlehnt sind. ‚Caliphaea
1 A., Hetaerina 2, Euphaea 4, Heliocharis 1, Dieteria 1, Aniso-
neura.n. g. 1 A. (Himalaya), Rbinocypha 3, Micromerus 3 ,,Tetra-
neura 1 und Thore 1 Art. — 2) Additions au Synopsis des, Gomphi-
nes (ebenda VII. p.530—552). Zu den in der Monographie beschrie-
benen Arten werden 6 neue hinzugefügt, die den Gatlungen Erpeto-
gomphus, Neogomphus, Gomphoides, Cyelophylla und Aphylla ange-
hören; über andere werden Berichtigungen und Ergänzungen beige-
bracht und acht derselben eingezogen, so dass sich die Zahl der
Arten gegenwärtig auf 138 stellt. — 3) Synopsis des Agrionines, 1.
legion: Pseudostigma (ebenda X. p. 9—27). Die Gruppe umfasst die
Gattung Megaloprepus Ramb. (Untergattungen Megaloprepus und Mi-
erostigma) mit 4A. und Mecistogaster Ramb. (Untergattungen Pseudo-
stigma und Mecistogaster) mit 8 Arten. _Viele der Arten früherer Au-
toren sind nur auf Varietäten und Altersstufen von solchen begründet
worden. — 4) Synopsis des Agrionines, Derniere legion : Protoneura
(ebenda X. p. 431—462). Die Gruppe umfasst drei Gattungen: Pla-
tysticta (Untergattungen Palaemnema und Platysticta) mit 9 A., Allo-
neura (Untergattungen Peristicta, Disparoneura, Alloneura und Noso-
stiela) mit 15 A. und Protoneura (Untergattungen Idioneura, Neoneura
und Protoneura) mit 6 Arten. — Die Gruppe von Pseudostigma, welche
durch ‘den’ ‘Mangel eines’ deutlich begränzten ‚'oft dicht geaderten
Stigmas charakterisirt' ist , beschränkt sich 'auf'Amerika und umfasst
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 409
die ‘durch ihre auffallende Grösse bekannten Arten, wie Lib. coerulata
und Lueretia Drury. _ Die Gruppe Protoneura ist, dagegen den Tropen
beider Erdhälften und dem Süden Afrika’s eigen und gehört zu den
Agrionen, welche, ein von einer einzelnen Zelle gebildetes Stigma
besitzen ; sie unterscheidet sich von den übrigen durch den fehlen-
den oder rudimentären unteren Sektor des Flügeldreiecks.
de Selys-Longcehamps, Catalogue des Insectes Odonates
de la Belgique (Annales d. l. soc. entom. Belge III. p.145—164).
Verf. giebt: eine Aufzählung von 59 in Belgien bis jetzt aufgefunde-
nen Libellulinen ‚mit, Angaben über ihre Häufigkeit, Erscheinungszeit,
Fundorte, Abänderungen u. s. w.
Derselbe (Annales soc. entom. de France VIII. p.,741 f.)
stellte ein Verzeichniss von 37 auf Sicilien beobachteten und gesam-
melten Odonaten zusammen ; unter denselben figuriren beide Arten
von Cordulegaster.
"Hagen (Palaeontographica VIIL. p.22—26. Taf. 3) gab eine
ausführliche Beschreibung ‚von, Petalura? acutipennis aus der Braun-
kohle von Sieblos: der Unterflügel ist bis auf kleine Stellen erhal-
ten, vom Oberflügel nur die Basis.
Giebel (Zeitschr. f. d. gesammt. Naturwiss. XV]. p. 127) machte
Aeschna Wittei als n. A. aus dem lithographischen Schiefer von So-
lenhofen bekannt; Abbildung auf Taf.1. Das Exemplar ist bis auf
den Kopf erhalten und liegt mit ausgebreiteten , fast vollständigen
Flügeln, die im Geäder sehr schön erhalten sind.
Psocina. Von, Hagen wurden (Verhandl. .d. zoolog.-botan,
Gesellsch. in Wien IX. p. 200 ff.) Diagnosen von folgenden neuen
Ceylonesischen Arten gegeben: Psocus uniformis, boops , impressus,
unduosus, circularis, piger, lanatus, cribrarius, palliatus , delicatus,
roseus, molestus, apertus, aelhiops, multipunctatus, zonatus und Am-
phicetomum trichopteryz.
\ Von Walker (Transact. entom. soc. V. 'p. 198): beschrieben :
Psocus reponens n. A. Süd-Amerika.
Physopoda. Als neue Arten wurden beschrieben: Phloeothrips
Halidayi aus Schlesien von Kolenati (Fauna des Altyaters p. 39.
Wien, Entom. Monatsschr. IV. p. 390) und Phloeothrips stenomelas aus
Ceylon, von Walker (Annals of nat. hist. IV. p. 223).
Neuroptera,
Ueber die Neuropteren- (und Pseudoneuropleren-)
Fauna Amerika’s gab Hagen in der Entomol. Zeitung 1860,
p. 209 If. eine vorläufige Notiz, hauptsächlich in Betreff der
Zahlenverhältnisse der diesem Welttheil eigenen Arten. In
seinem EARENNE schon im Druck vollendeten, für die
410 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Smithsonian Institution bearbeiteten Cataloge der Neuropteren
Nord - Amerika’s mit Einschluss von Mexiko, den Antillen
und Central- Amerika, welchem zugleich ein Verzeichniss
der Südamerikanischen Arten angehängt ist, hat der Verf.
im Ganzen 1170 Arten in 139 Gattungen zusammengestellt,
von denen 42. auf die Termiten, 4 auf die Embiden, 30 auf
die Psocinen, 80 auf die Perlinen, 57 auf die Ephemeriden,
534 auf die Libellen, 28 auf die Sialiden, 199 auf die He-
merobiden, 27 auf'die Panorpen und 170 auf die Phryga-
niden kommen. Neu sind 436 Arten, Nord- und Süd-
Amerika gemein 53 Arten; unter 15 Arten, welche Nord-
Amerika mit Europa gemein haben soll, sind mehrere
zweifelhaft. Mit Asien hat es ausser acht sibirischen Arten
4 (Libellen), mit Australien 2, mit. Afrika 1 Art gemein.
Die muthmassliche Zahl der in Amerika überhaupt existiren-
den Neuropteren glaubt der Verf. wenigstens auf 3000 ver-
anschlagen zu dürfen.
Derselbe setzte seine Synopsis der Neuropteren (incl.
Pseudoneuropteren) Ceylon’s im 9. Bande der Verhandlungen
der zoolog. botan. Gesellsch. zu Wien p. 199—212, durch
Bekanntmachung von Diagnosen neuer durch Nietner auf
Ceylon entdeckter Arten fort. Eine besondere Bereicherung
erhält dadurch ausser der schon bei den Orthopteren er-
wähnten Familie der Psocina die Gruppe der Phryganiden,
welcher 16 neue Arten zuwachsen.
Walker, Characters of undescribed Neuroptera in
the collection of W. W. Saunders (Transact. entom. soc. V.
p. 176—199) machte eine. grössere Anzahl ausländischer
Neuropteren verschiedener Länder, den Familien der Trichop-
teren, Sialiden und Hemerobinen angehörig, durch apho-
ristische Beschreibungen bekannt. Von Pseudoneuropteren
folgen ebenfalls einige Arten aus den Familien der Pso-
cinen und Ephemeren.
Hagen (Annal. soc. entom., VII, p 746 f.) verzeich-
nete 16 auf Sicilien gesammelte Neuropteren, worunter zwei
den Pseudoneuropteren (Ephemeren und Perlarien) ange-
hören.
A. May, Die.Neuroptera. um Dillingen (15. Bericht d.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u.60. 411
naturhist. Vereins in Augsburg 1860, p. 136—138). Ein
Namensverzeichniss von 31 Libellulinen, 4 Ephemeren, 3 Per-
larien, 2 Phryganiden und 7 Planipennien.
Hemerobini. Hagen (Verhandl. d. zoolog. -botan. Gesellsch.
in Wien IX, p. 207 f.) diagnosticirte Chrysopa 'orientalis, Micromus
calidus und Hemerobius iniquus als n. A. aus Ceylon,
Girard beschrieb (Annal. soc. entom. VII. p. 163. pl. 5) nebst
Abbildung Hemerobius trimaculatus n. A. von Sumatra. — Hagen
(Entom. Zeitung 1860. p. 98) vergleicht diese Art mit seiner Chry-
sopa punctata von Ceylon, der sie nahe verwandt ist und, möchte sie
für identisch mit Hem. candidus Fab. halten.
Von Walker (Transact. entom. soc, V. p.181 ff.) wurden fol-
gende neue Arten und Gattungen bekannt gemacht: Mantispa com-
pellens vom Amazonensirome, umbripennis Port Natal, lurida; Vaterl,
nicht angegeben. — Varnian. g. Körper robust (soll dem von
Perla gleichen), Kopf sehr kurz, fast von Thoraxbreite, Taster sehr
kurz, Prothorax quer, viereckig, reichlich doppelt so breit als lang,
Mesothorax noch etwas breiter; Hinterleib dick, fast doppelt so lang als
der Thorax, Beine kräftig, unbewehrt. Flügel lang, mässig breit; zwi-
schen Costa und Subcosta zahlreiche Queradern, die gegen die Spitze
hin zahlreicher werden, Radius mehrere parallel laufende Sektoren
aussendend. — Art: V. perloides West-Australien. — Osmylus puneti-
pennis, Chrysopa ignobilis und pubicosta Hindostan, Mozambica, Apo-
chrysa beata Amazonenstrom, Drepanepteryz falculoides , Hemerobius
decisus und setosulus Hindostan, Tasmaniae Vandiemensland. — Be-
rotha .n. g. Körper schlank, Kopf breiter als der Thorax, Augen
länglich, Fühler fadenförmig, genähert, wenig länger als der halbe
Körper, mit wenigen Gliedern; Prothorax fast quadratisch, Hinterleib
zusammengedrückt, Beine haarig, Flügel schmal, fast sichelförmig,
gewimpert, mit sehr wenigen Queradern und sehr schrägem Aussen-
rande. — Art: B. insolita Hindostan. — Myrmeleon tigroides Hindo-
stan, conicollis, nigriventris, pubiventris, albidilinea Amazonenstrom,
indiges Haiti, ezcogitans und ambiguus ohne Vaterlands-Angabe, ob-
ducens, perplezus, contractus und insolitus Hindostan, incuratus und
eecentros Port Natal, peculiaris Brasilien, Ascalaphus leucostigma
Amazonenstrom, unicus und sublugens Süd-Amerika, intractabilis West-
Afrika, flavilinea Port Natal, decrepitus Hindostan.
In seinem „Beitrag zur Kenntniss der Myrmeleon-Arten“ (En-
tom, Zeitung 1860. p. 359 il.) macht Hagen den Versuch, die sich
gegenwärtig auf etwa 270 belaufenden Arten der Gattung Myrmeleon
in Gruppen zu zerlegen, denen er zum Theil den Rang von beson-
deren Gattungen zuerkennen möchte; unter Feststellung ihrer Cha-
raktere wird jedesmal eine Aufzählung der ihnen angehörenden Ar-
412 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
ten gegeben. Unter Palpares Ramb. mit etwa 40 bekannten Arten
lassen sich 'vier Untergruppen aufstellen, welche sämmtlich der alten
Welt eigenthümlich sind; zwei sich ihnen anschliessende Arten aus
Süd-Amerika (z. B. elegans Perty) sind davon abzusondern., Unter
Acanthaclisis Ramb. mit 30 Arten unterscheidet Verf. gleichfalls drei
Gruppen. Von der übrig bleibenden grossen Masse der Myrmeleonen
lassen sich nach der Länge der mittleren Tarsenglieder Megistopus
Ramb. (2 A.) und Gymnocnemia Schneid. (= Aplectrocnemus Costa)
mit 1 A. absondern; sodann diejenigen Arten, bei denen die fünfte
Längsader der Vorderflügel dem Hinterrande parallel läuft (z. B. Myrm.
lineatus Latr., murinus Klug u. a., im Ganzen etwa 20 Arten). Letz-
tere gedenkt der Verf. zu einer eigenen Gattung Creagris (ver-
gebener Name! Coleoptera) zu vereinigen. — Die übrigen Arten, bei
denen die fünfte Längsader schräg zum Hinterrande verläuft, bilden
ebenfalls mehrere Gruppen: 1) mit stark gefleckten Flügeln, M. pan-
therinus Fab., roseipennis Burm. u. a. 16 Arten; 2) mit mehrfachen
Zellenreihen im Randfelde, M. abdominalis Say, 9 Arten; 3) mit lan-
gen Sporen der Vorderschienen, von der Länge der vier ersten Tar-
senglieder. M. tetragrammicus Fab., 29 Arten ; 4) die Sporen nur so
lang wie die zwei ersten Tarsenglieder (Macronemurus Costa) M.
appendiculatus Latr., 10 Arten; 5) die Sporen kürzer als die zwei
ersten Tarsenglieder (Myrmecaelurus Costa) M. trigrammus Pall., 14
Arten; 6) die Sporen nur etwa von der Länge des ersten Tarsen-
gliedes. M. formicarius, formicalynx, 98 Arten.
Derselbe, „Beitrag zur Kenntniss der Neuropteren“ (Entom.
Zeitung 1859. p. 405.) mustert eine Anzahl von Mantispa - Arten:
M. auriventris Guer. (= M. apicalis Loew), brunnea Say (= varia
Erichs.), interrupta Say, prolixa und notha Erichs., perla Pall. Zwei
neue Arten sind: M. fuliginosa (Loew i. lit.) und Chilensis. Verf.
führt sodann auch aus den Imagines den Beweis, dass Manlispa zu
den Hemerobiden,, Rhaphidia dagegen zu den Sialiden gehört und
theilt die Hemerobiden in solche ohne Haftlappen (Myrmeleontiden
und Nemopteren) und solche mit Haftlappen (Hemerobiden und Man-
tispiden). Schliesslich giebt er Auskunft über die von Wesmael
beschriebenen Hemerobiden, deren Typen er untersucht hat und die
er besonders auf die Schneider’schen und Brauer’schen Arten
zurückführt.
Derselbe (Entom. Zeitung 1860. p. 225) bemerkt, dass Man-
tispa irrorata Erichs. schon im J. 1834 von Fischer v. Waldheim
als Rhaphidia Riedeliana beschrieben worden sei; die Rhaph. mar-
garitacen desselben Autors ist vielleicht identisch mit Mantispa viri-
dula Erichs.
Derselbe (ebenda 1860. p. 38 ff.) berichtete über die von
Costa in der Fauna del regho di Napoli 1855—57 beärbeiteten
im Gebiete der Entomologie während ‚der Jahre; 1859 u. 60, 413
Myrmeleontiden und Hemerobiden Neapels und beurtheilte die darin
aufgestellten Gattungen und Arten. Er reiht hieran eine synonymische
Synopsis der Europäischen Ascalaphus-Arten (Ascalaphus 15 A., Tele-
proctophylla 1, Puer 1, Bubo 5), deren Charaktere ,er zugleich in
einer Uebersichts-Tabelle analysirt.
Derselbe (ebenda 1859. p. 333) gab eine Notiz über das Aus-
schlüpfen der Chrysopa-Larven. An den verlassenen Eiern war ‚nicht
ein abgesprengter Deckel, sondern nur eine gerade Spalte vorhan-
den. Die Larven häuten sich beim Ausschlüpfen und lassen in der
Haut ‚die Säge zurück, mit welcher. sie die Spalte verfertigen ; sie
sprangen nicht vom Eie herab, sondern krochen an dessen Stiel
abwärts.
Derselbe (ebenda 1859. p. 34 fl.) besprach eine von Zeller
entdeckte Geschlechtsverschiedenheit bei der Gattung Coniopteryx
Halid., auf welche ‘das gleichzeitige Vorkommen von zwei Conio-
pteryx-Formen., die eine mit ausgebildeten, die andere mit verkürz-
ten Hinterflügeln,, auf demselben Eichenstrauche hindeutete. Hagen
führt den Nachweis, dass beide Formen überall neben. einander vor-
kommen und hält die Exemplare mit langen Hinterflügeln (C. tinei-
formis Curt.) für Weibchen , ‚die mit kurzen (C. psociformis Curt.)
für Männchen. . Letztere Form kommt auch zuweilen mit ganz ver-
kümmerten Hinterflügeln (C. aphidiformis Ramb.) vor; wahrschein-
lich fallen alle drei genannte vermeintliche Arten zusammen,
L&on Dufour; „Recherches: anatomiques sur l’Ascalaphus
meridionalis“ (Annales d. science. natur. XIII. p.193—206. pl.1, im
Auszuge: Compt. rend. de l’acad. d. scienc. Bd. 51. p. 232 f., Rev. et
Magas. de Zool. 1860. p. 416) erläuterte die anatomischen Verhält-
nisse von Ascalaphus. Da seine Angaben mit denen von Brauer,
dessen Abhandlung der Verf. nicht gekannt hat, übereinstimmen, so
brauchen wir,auf dieselben hier nicht noch einmal einzugehen.
Sialidae. Walker (Transact. entom. soc- V. p. 180) beschrieb
Hermes decem-maculatus und corripiens als n, A., beide ohne Vater-
landsangabe.
Douglas machte (Proceed..entom. soc. 1859. p. 69) eine kurze
Mittheilung über die Zucht einer Rhaphidia spec. aus der Larve;
Panorpidae. Eine für die Europäische Neuropteren-Fauna aus-
gezeichnete Entdeckung ist der von Brauer bei Wien aufgefundene
und (Verhandl.d. zoolog.-botan. Gesellsch., zu Wien X. p. 691. Taf. 12)
in beiden Geschlechtern beschriebene und abgebildete neue Bittacus
Hagenii, von B. tipularius durch die dunkele Säumung der Flügel-
Queradern und die Gestalt der Genitalringe unterschieden.
Phryganodea. Von Kolenati’s Bearbeitung dieser Familie,
deren erster Theil im .J. 1848 veröffentlicht wurde, liegt jetzt der
zweite Theil, die Phryganiden mit ungleichen Tastern umfassend, im
414 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
elften Bande der Nouveaux M&moires de la soc. imp. des naturalistes
de Moscou 1859. p.141—296 vor. (Genera et species Trichoptero-
rum, auctore F. A. Kolenati. Pars altera, Aequipalpidae. Cum
dispositione systematica omnium Phryganidum. Accedunt tabulae chro-
molithographicae 5.) — Der Verf. giebt im Eingange eine Ueber-
sichtstabelle über die Erscheinungszeit der Imago bei den verschie-
denen Arten, sodann einige Notizen über die geographische Verbrei-
tung der Aequipalpidae, darauf eine Synopsis sämmtlicher Phrygani-
dengattungen nach der Anzahl der Schiensporen, welche Eintheilung
er für künstlich ansieht, und endlich eine die natürliche Verwandt-
schaft erläuternde Tabelle der Familien, Gruppen, Gattungen und
Arten. An diese reiht sich wieder ein systematisches Verzeichniss
sämmtlicher von ihm beschriebener Arten, sowohl der Inaequipalpi-
dae als der Aequipalpidae, deren (letzterer) speziellere Beschreibung
der eigentliche Zweck der vorliegenden Arbeit ist. ‘Von den 197
dem Verf. überhaupt bekannt gewordenen Arten gehören den Aequi-
palpiden 92 an, welche in 22 Gattungen vertheilt sind und von denen
61 auf den fünf beifolgenden Tafeln in colorirten Abbildungen dar-
gestellt sind; die vom Verf. neu aufgestellten Gattungen’ und die
durch ihn eingeführten neuen Arten, deren Zahl zwar nicht unbe-
trächtlich ist, aber doch gegen die bereits bekannten zurücktritt, füh-
ren wir hier in Rücksicht auf die monographische Bedeutsamkeit der
Arbeit nicht speziell auf.
Derselbe (Fauna des Altvaters p. 34 f, und Wien. Ent. Mo-
natsschr. IV. p. 384 ff.) beschrieb Anabolia paludum, Apatania Hagenii,
Peltostomis.n. g., sudetica und Halesus Brauerü als n. A. aus
dem Altvatergebirge. Die neue Gattung Peltostomis hat beim
Weibehen 1.3.83 Schiensporen, beim Männchen 0.3.3 und
dreigliedrige Taster; Stirn mit zwei Längsfurchen, dazwischen ge-
wölbt und schildförmig hervorragend. Männchen am Grunde‘ der
Hinterflügel mit einer langen Faltentasche, in der ein langer Haar-
pinsel liegt. — Chaetopteryz psorosa und Ecclisopteryz ‘Moravica
n. A. ebendaher (Wien. Ent. Monatsschr. IV. p. 388).
Derselbe stellte ein systematisches Verzeichniss der ihm be-
kannten Phryganiden und deren Synonymik zusammen (Wien. Ent.
Monatsschr. III. p. 15 u. 56 f.).
Walker (Transact. entom. soc. V. p.176ff.) stellte folgende
neue Arten und Gattungen auf: Phryganea divulsa Haiti, Leptocerus
niveistigma, abjurans und quadrifurca Brasilien, Macronema percitans
Amazonenstrom. — Musarna n. g. Körper ziemlich schlank, Kiefer-
taster behaart, kürzer als die Kopfbreite, mit lanzettlichem Endgliede,
Lippentaster kurz, Fühler ziemlich dünn mit gegen die Spitze hin
breiteren Gliedern; Beine nackt, Hinterschienen mit kleinen Sporen
an der Spitze; "Flügel breit, an der Spitze abgerundet. — Drei Ar-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u.60. 415
ten: M. aperiens Süd-Amerika, interclusa und claudens Brasilien. —
Curgian. g. zur Gruppe von Psychomia Latr. gehörend. Körper
nackt, Taster lang und gebogen, niederliegend,, 1. Glied kurz, 2.
lang, an der Spitze gedornt, 3. kürzer als das 2., 4. nicht länger als
der Körper, Mittel- und Hinterschienen mit zwei langen Sporen an
der Spitze, Mittelschienen ausserdem mit einem einzelnen, die hin-
teren mit zwei Sporen in der Mitte; Vorderflügel schmal. — Art:
€. braconoides, Vaterland nicht angegeben.
Hagen (Verhandl. d. zoolog. -botan. Gesellsch. in Wien IX.
p-208 0.) gab Diagnosen von folgenden neuen Arten von Ceylon:
Mormonia vulpina, piscina und mustelina, Hydroptila cursitans, Ma-
eronema vilrinum, sepullum, Setodes gazella, Najas, Cloe, Lais, Chi-
marra circularis, Hydropsyche papilionacea und maligna, Polycentro-
pus nubigenus und ?rufus, Agapetus rudis.
Von demselben erhielten wir im Entomologist’s Annual for
1859. p. 55—108, 1860. p. 66—85 und 1861. p. 1—16 eine „Synopsis
of the British Phryganidae,“ in welcher eine Charakteristik der Grup-
pen (Unter -Familien), Gattungen und Arten, so weit sie in England
bis jetzt aufgefunden worden sind, in sehr präciser Weise und mit
besonderer Hervorhebung der wesentlichsten Merkmale gegeben wird
und in welcher zugleich die Synonymie der Arten, zu deren Feststellung
der Verf. Studien in den Englischen Sammlungen gemacht hat, einen
wesentlichen Fortschritt erfahren hat. Einige einleitende Bemerkun-
gen erwähnen der von den Englischen Autoren über die Familie ge-
lieferten Arbeiten und machen auf diejenigen Charaktere aufmerksam,
welche für die Systematik von besonderem Belang sind. Nach diesen
lassen sich 7 Gruppen aufstellen, von denen vier den sogenannten
Heteropalpiden, drei den Isopalpiden angehören. Die in England
vorkommenden Gattungen derselben mit Angabe der Artenzahl sind
folgende: 1) Phryganides. Kiefertaster der Männchen 4-gliedrig,
Ocellen vorhanden , Schiensporen 2.4.4, Fühler von Flügellänge:
Phryganea Lin. 4 A., Neuronia Leach 1 A., Agrypnia Curt. 1 A. 2)
Limnophilides. Kiefertaster der Männchen 3-gliedrig, Ocellen vor-
handen, Schiensporen an Zahl schwankend, am ersten Paare jedoch
stels ein einzelner; Fühler von Flügellänge: Limnophilus Leach
21 A., Anabolia Steph. 3 A., Stenophylax Kol. 6 A., Hallesus Steph.
2A., Chaetopteryx Steph. 2 A. , Eccelisopteryx Kol. 1 A., Apatania Kol.
1A. 3) Sericostomides. Kiefertaster der Männchen 2- oder 3-glie-
drig, haarig, aufwärts gebogen, Ocellen fehlend, Vorderschienen stets
mit zwei Sporen, Fühler von Flügellänge, stark, haarig: Sericostoma
Latr. 1 A., Notidobia Steph. 1 A., Goöra Steph. 2 A., Silo Curt. 1A.,
Mormonia Curt. 3 A. 4) Hydroptilides. Kiefertaster der Männchen 4-glie-
drig, Lippentaster mit verdiektem Endgliede, Fühler kürzer als die Flü-
gel, perlschnurförmig, Vorderllügel schmal, lanzettlich, Hinterflügel
416 Gerstaecker: Bericht über die, wissenschaftlichen Leistungen
nicht gefaltet: Agraylea Curt. 1 A., Hydroptila Dalm. 4 A. 5) Leptoceri-
des. Kiefertaster lang, haarig, mit eylindrischem Endgliede, Ocellen feh-
lend, Fühler meist dünn und länger als die Flügel : Odontocerus Leach
1’A., Molanna Curt. 2 A., Leptocerus Leach 14 A., Mystacides Latr;
3A., Setodes Ramb. 4A. 6) Rhyacophilides. Kiefertaster kurz, ‚nicht
haarig, mit kurzem, eylindrischem Endgliede , Ocellen meist vorhan-
den, -Fühler so lang oder kürzer als die Flügel, die Vorder- und
Hintertlügel fast von gleicher Form und, Grösse: Rhyacopbila Pict.
1 A., Agapetus Curt. 2 A., Glossosoma Curl. 2.A., Beraea Steph. 3A.,
Chimarra ‚Leach 1 A. 7) Hydropsychides. .Kiefertaster. lang, mit
biegsamem, vieltheiligem Endgliede, Ocellen selten vorhanden, Mittel-
und ‚Hinterschienen stels mit vier Sporen, Hinterflügel ‘kürzer und
anders geformt als ‚die vorderen: Pleetrocnemia Steph. 1.A., Poly-
centropus Curt. 8 A., Philopotamus'Leach 3 A., Tinodes Leach 3 A,
Psychomia Latr. 2 A., Hydropsyche Pict. 5 A. — Gesammtsumme der
bis.jetzt bekannten Englischen Arten 108.
Derselbe,.,„Revision eritique des Phryganides deerites par
M. Rambur d’apres l’examen des. individus types“ (Annal. .d. ]. soc,
entom. ‚Belge IV. p..57—75 machte synonymische Mittheilungen über
die von Rambur in seiner Hist. nat. d. Nevropteres ‚beschriebenen
Phryganiden nach Ansicht der typischen Exemplare.
Derselbe unterwarf die Phryganiden Pictet’s nach dessen von
Curtis. gesandten Typen einer ausführlichen Besprechung. (Entom,
Zeit. 1859. p.131—170, und 1860. p. 274—29%0); er: verbindet damit
eine genauere Feststellung. der, Charaktere mehrerer ‚Gattungen.
Strepsiptera. F. Smith,..A Contribution to the ‚history of
Stylops, with. an ‚enumeralion of such species..of exolic Hymeno-
ptera as have been found to be attacked by those ‚parasites (Transack
entom.'soc. V. p. 127. fl.). Verf. beobachtete eine mit einem weibli-
chen Stylops behaftete Andrena Trimmerana. lebend in einem Behäl-
ter ‚mit blühenden Pflanzen; sie zeigte sich nach einigen Tagen äus-
serst unruhig und fegte ihren Hinterleib fortwährend mit den Hinter-
beinen. Bei genauerer Besichtigung zeigte sich, dass sie 'mit Hun-
derten von Stylops- Larven besetzt war. — Von einheimischen Bie-
nen, welche Verf. mit Stylops -Puppen besetzt fand, nennt er 3 Ha-
lietus- und 9 Andrena-Arten (Ref. besitzt auch ein Weibchen der
Andr. pilipes Fab., welche von Smith nicht, aufgeführt‘ wird , mit
einem weiblichen Stylops), von exotischen 3 Andrena aus Nord-Ame-
rika.. Aus der Familie der Sphegiden. sind ihm: 10, ‚aus derjenigen
der Vesparien 5 Arten mit Stylopiden bekannt geworden, welche er
einzeln namhaft macht; mit Ausnahme einer sind es exotische Arten.
In einer angehängten Tabelle wird die Verbreitung der Stylopiden
über die verschiedenen Welttheile erörtert.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u.60. 417
Coleoptera.
Lacordaire’s Genera des Coleopteres sind im J. 1859
mit dem fünften Bande fortgesetzt worden, welcher, 750
Seiten stark, in zwei Theilen erschienen ist und sämmt-
liche Familien der Heteromeren abhandelt. Die Ausarbei-
tung desselben schliesst sich ganz derjenigen der beiden
vorhergehenden Bände an, in welchen der Verf. mehr, als
es in den früheren der Fall war, neben einer Zusammen-
tragung des vorhandenen literarischen Materials seine eige-
nen erneueten Untersuchungen über die Systematik der
betreffenden Familien bis auf die Gattungen herab vor-
legte. Macht sich der Einfluss dieser in wahrhaft erstaun-
licher Extensität ausgeführten Untersuchungen des Verf.
in dem vorliegenden Bande bei den meisten der abgehan-
delten Familien, deren Umfang zugleich öfter wesentlich
modificirt erscheint, geltend, so ist es ganz besonders die
an Artenfülle und ermüdender Einförmigkeit überreiche Fa-
milie der Melasomen, welche, bisher stels nur fragmenta-
risch bearbeitet, hier zum ersten Male eine systematische
Gesammtdarstellung erfährt und. somit für eine weitere
Durcharbeitung. zugänglich gemacht wird. — Zugleich mit
diesem fünften Bande sind die ersten vier Lieferungen eines
Atlanten, der dem Werke eigentlich mehr beigegeben ist,
als dass er den Inhalt desselben ergänzte, erschienen; er
umfasst bis jetzt vierzig Tafeln, welche je fünf colorirte
Abbildungen einzelner Gattungsrepräsentanten (bis zu den
Euenemiden) und einige Detailzeichnungen enthalten.
Verf. nimmt unter der Heteromeren - Abtheilung folgende Fa-
milien an: 1) Tenebrionidae im Sinne Erichson’s mit Ausschluss
der Cistelinen, unter Verwerfung der ganz vagen Categorieen der
Melasomen, Taxicornen, Tenebrionen und Helopiden der französischen
Autoren. Je weiter sich die Untersuchungen des Verf. ausdehnten,
um so mehr stellte sich ihm die Unmöglichkeit heraus , eine durch-
‚greifende Eintheilung in wenige grössere Hauptabtheilungen zu be-
werkstelligen, da sich hierfür weder wichtige, noch constante Merk-
male auffinden liessen. Die 46 von ihm aufgestellten kleineren
Gruppen gehören zwei mehr nebeneinander laufenden , als sich ge-
genüberstehenden Reihen an, von denen die eine durch den Mangel des
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. BB
418 Gerstaecker: Bericht. über die wissenschaftlichen ‘Leistungen
Trochantin an den Mittelhüften, die andere (jedoch mit einigen Aus-
nahmen) durch das Vorhandensein‘ desselben charakterisirt ist. Zu
ersterer gehören die Gruppen: Zophosides, Erodiides, Adesmides,
Megageniides, ‚Epipbysides,, Tentyriides und Epitragides mit, vom Kinn
verdeckter Ligula und Maxillen , und die Calognathides , Cryptochi-
lides, Zopherides, Adelostomides, Stenosides, Leptodides und Eleno-
phorides mit hervortretender Ligula und theils bedeckten, theils
freien Maxillen. In der zweiten Reihe sondern sich die Gruppen
der Akisides, Scaurides, Blaptides, Asidides, Nycteliides, Pimeliides,
Molurides , Physogastrides, Pıaocides , Coniontides',' Pedinides, Opa
trides; und Trachyseelide durch‘ die ‘gewimperten 'oders "stachligen
Tarsen und ‚die an der Spitze stets gespaltenen Mandibeln von den
noch übrig bleibenden 19 (Bolitophagides, Diaperides, Cossyphides,
Tenebrionides, Cnodalonides, Helopides, Strongyliides u, s. w.) ab,
— Die kaum zu überwältigende Masse des Materials hat den Verf.
übrigens hier mehrfach beschriebene Arten übersehen lassen , als
welche unter anderen zwei Wiedemann’sche Zophosis (im Zoo-
log. Magazin), ein Opatrum,, ein Cossyphus (auch eine Lagria) des
Ref. aus Mosambique zu erwähnen sind. — 2) Cistelidae, nach: des
Verf.'s eigenem Geständnisse von der vorigen Familie ‚allein ‚durch
die gekämmten Klauen abweichend. — 3) Nilionidae, für die einzige
Gattung Nilio gegründet. — 4) Pythidae, unter welchem Namen der
Verf. Pytho nebst einigen verwandten Gattungen, Salpingus, Rhino-
simus etc. in zweiter Reihe und Agnathus in dritter vereinigt. —
5) Melandryidae, in dem bisherigen Umfange, nur unter Hinzufügung
von Tetratoma als eigene Gruppe (nach Mulsant). — '6) Lagriidae,
ausser Lagria, Stalira und Verwandten auch die Gatt. Trachelostenus
Sol. umfassend. — 7) Pedilidae mit zwei Gruppen: Pedilidae sens.
strict. (Pedilus, Eurygenius , Steropes, Macratria u, s, w.) und Scra-
ptiidae (Xylophilus, Scraptia, Trotomma). — 8) Anthicidae, auf die
übrig bleibenden Gattungen der Familie im Lafert&@’schen Sinne
beschränkt. — 9) Pyrochroidae , wie bisher. — 10) Mordellidae wie
bisher. — 11) Rhipiphoridae nach dem Ref. — Hier’ werden jauf
fremde Autoritäten hin die Stylopiden eingeschaltet, ‚die aber weder
Heteromeren noch; Coleopteren ‚sind, sondern, wenn sie nicht,eine
eigene Ordnung bilden ‚sollen, nach der, Prothoraxbildung ‚und der
Art ‚der. Metamorphose. nur ‚den. Neuropteren angeschlossen. werden
können). — 12) Meloidae und 13) .Oedemeridae, beide in gleichem
Umfange wie bisher. \
Jacquelin du Val’s „Genera (des Coleopieres
d’Europe“ sind seit unserem letzten Berichte über diesel=
ben rüstig fortgeschritten und davon gegenwärlig bereits
mehr als hundert Lieferungen erschienen. Auf die in der
im ‚Gebiete.der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 419
54. Lieferung: abgeschlossenenStaphylinen folgen die, ver-
schiedenen auf Kosten der Clavicorma Latr.’s geschaffenen
Familien bis zu den Lamellicornen, und zwar‘ der Hauptsa-
che nach in der von Erichson vorgenommenen Anord-
nung, zum Theil aber in etwas abweichender Begränzung.
Mit den Heteroceren wird der zweite Band, welcher 285
Seiten Text und 61 in stets gleicher Sauberkeit und Ge-
nauigkeit angefertigte Tafeln umfasst , und in welchem das
Artenregister bis zu p. 124 fortgeselzt wird , abgeschlos-
sen. Mit der 74. Lieferung beginnt der dritte Band, in
welchem die Lamellicornen, Sternoxen, Malacodermen und
Xylophagen bereits abgehandelt sind (bis Lieferung 99), der
aber, wie es scheint, noch sämmtliche heteromere Fami-
lien. umfassen soll, um sich dem gleich zu Anfang bear-
beiteten vierten Bande (Curculionen) anzuschliessen. Von
den Melasomen sind indess erst die Anfangslieferungen er-
schienen.
Die sorgfältige Musterung der bis jetzt aufgestellten Europäi-
schen Gattungen, in welcher der Verf, consequent fortgefahren ist und
die'er mit immer grösserem Erfolge handhabt, sichert seinem Werke
einen bleibenden Werth und stellt dasselbe über zahlreiche der en-
tomologischen Werke seiner Landsleute. Für eine gleich scharfe
Abgränzung der Familien mag ihm wohl nicht in jedem Falle ein
genügendes Material vorgelegen haben , so dass sich gegen die von
ihm aufgestellten nicht selten Bedenken erheben lassen möchten ; da
die Feststellung derselben’ jedoch nicht im Plane seines Werkes lie-
gen kann, legen ‚wir ‚darauf kein ‚besonderes Gewicht, Im Allge-
meinen mag bemerkt sein, dass wir die, öfter wiederkehrenden, auf
einzelne Gattungen beschränkten Familien nicht billigen können, da
eine Familie, wie es ihr, Name sagt, den Zweck hat, verwandte For-
men in sich zu vereinigen, aber nicht vereinzelte abzusondern (Ple-
ganophoridae, Rhysodidae,, Passandıidae, Murmidiidae, Sphaeriidae,
Georyssidae , Heteroceridae,, sämmtlich mit vereinzelten' Gattungen).
Es war eine’ solche Isolirung in mehreren Fällen um so weniger nö-
thig, als z, Bs die Fam. Telmatophilidae des Verf, (mit Psammoeeus,
Telmatophilus, Byturus, Diplocoelus und Biphyllus) die heterogensten
Formen ‚in sich vereinigt; ebenso,; wie schon früher gelegentlich be-
merkt, seine Familie der Mycetaeidae, in der Coceinellinen, Endo-
imychiden und Cryptophagiden (?) vereinigt sind. — Die Zahl der vom
Verf, anhangsweise beschriebenen neuen Arten, welche wir hier nicht
nemhaft zu machen brauchen, ist im Ganzen gering. Die Gattungen
420 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
welche sich bei näherer Untersuchung abweichender Arten ergeben ha-
ben, sind: 1)Gnathoncus n. g. (Histeren) für Saprin. rotundatus lllig.
und piceus Payk. 2) Bonvouloiria n. g. (Lathridier) mit B. nivei-
collis n. sp. Provence. 3) Migneauzian. g. (Lathridier) mit M,
serricollis n. sp. Provence. 4) Farsus n. g. (Eucnemiden) für Hy-
lochares unicolor Latr. 5) Anelastidius n. g. (Eucnemiden) für
eine kleine, rothgelbe Art aus Spanien: A. ineditus n. sp. 6) Cam-
pylomorphus n. g. (Elateren) für Campylus homalisinus Illig.
7) Homoeodipnis n. g. (Malachier) für Colotes Javeti du Val.
8) Lobonyz, 9) Aphyctus und 10) Cerallus n. g. (Dasytiden),
erstere für Das. aeneus Fab., die zweite für Amauronia megacephala
Kies., die dritte für Dasyt. rubidus Gyli. 11)—14) Gastrallus.n. g.
(Anobium immarginatum Müll.), Metholcus n. g. (Xyletinus cylin-
dricus Germ.), Pseudochinan. g. (Xylet. haemorrhoidalis lllig.)
und Mesocoelopusn. g. (Xylet. niger Müll.) unter den Anobien.
Derselbe Verf. hat unter dem Titel: „Glanures ento-
mologiques vu recueil de notes monographiques, descri-
plions, criligues, remarques et synonymies diverses“ ein
neues Unternehmen begonnen, von dem die beiden ersten
Hefte in den J. 1859 u. 60 erschienen sind, und welches
kleinere Abhandlungen über einzelne Galtungen ‘und Ar-
ten, Critiken u. s. w. zu veröffentlichen bestimmt ist. Be-
sonders hervorgehoben zu werden verdienen eine Synopsis
des esp&ces Europeennes du genre Lampyris (mit Nachtrag)
und eine Note monographique sur les Clambites d’Europe
im ersten Hefte; im zweiten: Monographie du genre He-
nicopus und Synopsis des especes du genre Cebrio.
J. Thomson, Arcana naturae ou recueil d’histoire
naturelle. Paris 1859 (fol. 132 pag. 13. pl. col.), — Ein
Prachtwerk, welches wie die Archives entomologiques des-
selben Verf.’s sich durch meisterhaft ausgeführte Abbil-
dungen hervorthut und diesen, mit Ausnahme des grösse-
ren Formats, sich auch sonst eng anschliesst. Es enthält
(neben der Beschreibung eines neuen Vogels durch Ver-
reaux und eines Aufsatzes über Amoeben von Nicolet)
von entomologischen Arbeiten nur Abhandlungen über Co-
leopteren, und zwar neben den vom Verf. selbst herrüh-
renden auch solche von Buquet, Chevrolat und
Le Conte.
Ein zweites Unternehmen desselben Verf.’s ist „Musee
.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 421
seientifique ou recueil d’histoire naturelle* (Paris 1860. gr.8.
72 pag- 5 pl. col.) betitelt und enthält eine Sammlung klei-
nerer Abhandlungen des Herausgebers über einzelne Gat-
tungen und Gruppen von Coleopteren, z. B. über die Ni-
lioniden, Clerier, Paussiden, die Agaocephala-Gruppe unter
den Dynastiden u.s.w. Auch Reiche hat einen Beitrag
durch: Beschreibung einiger neuer Arten dazu geliefert.
G. Levrat, Etudes entomologiques. 1. cah. (Lyon
1859. 8.). Dieselben enthalten verschiedene Aufsätze des
jetzt bereits verstorbenen Verf.’s über Coleopteren und Be-
schreibungen einiger neuer Arten; der Inhalt ist zum Theil
bereits in den Annales d. l. soc. Linneenne de Lyon pu-
blicirt.
Pascoe, Notices of little known genera and. spe-
cies of Coleoptera (Journal of Entomology I). Aphoristi-
sche Beschreibungen einzelner neuer Gattungen und Arten
aus verschiedenen Familien,
Monographische Arbeiten von Bedeutung, so sehr die-
selben auch für zahlreiche Familien und grössere Gruppen
der Coleopteren zu wünschen wären, sind in den J. 1859-60
nicht begonnen worden. Von den bereits in Angriff ge-
nommenen ist Thomson’s Monographie des Cicindeletes
leider gänzlich in’s Stocken gerathen. Dagegen schreitet
Candeze’s sehr umfassende Monographie des Elaterides
in rüstigster Weise fort, indem bereits der zweite und
dritte Band vollendet vorliegen, welchen, da sie schon
die Haupimasse des Materials in sorgfältigster Bearbeitung
umfassen, nur noch ein bald zu erwartender Schlussband
folgen wird.
Die in desto grösserer Anzahl erschienenen, theils
umfangreicheren, theils kleineren faunistischen Beiträge
ordnen wir zur Erleichterung der Uebersicht nach ‚den
Welttheilen an:
a) Amerika.
Le Conte, The Coleoptera of Kansas and Eastern
New-Mexico (Smithsonian Contributions to knowledge Vol.
X1..1859), auch im Separatabdrucke: Washington 1859.
422 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
gr.4. 58pag. mit zwei lithogr. Tafeln und einer Karte,
erschienen. — Neben zwei systematischen Namensverzeich-
nissen, von denen das eine die bis jelzt aus Kansas und
Nebraska , das andere die aus dem östlichen Theile von
Neu-Mexiko bekannt gewordenen Coleopteren umfasst, liel
fert der ‘Verf. Diagnosen von zahlreichen neuen oder un-
vollständig. bekannten Arten aus den genannten Territorien,
von denen die ausgezeichneteren zugleich auf ”den beifol-
genden Tafeln abgebildet sind. Eine der Abhandlung bei-
gegebene colorirte Karte von Nord- Amerika bringt ‘die
verschiedenen zoologischen (oder'' wenigstens eoleopterolo-
gischen) Distrikte des Landes zur Anschauung, über 'wel-
che der Verf. seiner -Arbeit einige Bemerkungen 'vor-
anschickt.
Das hier zunächst in Betracht kommende Territoriam von Kan-
sas und Neu - Mexiko ist nördlich vom Missouri ‚östlich “Wurch den
Meridian der Platte-River-Mündung, südlich durch den ‘34° und, west-
lich durch die Rocky-Mountains begränzt. — Das ganze Terrain der
Vereinigten Staaten wird der Länge nach in drei, oder vielleicht in
vier grosse Distrikte zu zerlegen sein, von denen jeder durch eigen-
thümliche Gattungen und Arten charakterisirt wird. Der grösste die-
ser Distrikte umfasst beinahe die ganze östliche Hälfte von Nord-
Amerika bis etwa zum 97. Längsgrade, der sich daran 'schliessende
Central - Distrikt reicht von da bis zu'den Rocky-Mountains;, theils
bis zum: 105.; theils ‚bis zum 112. Grade; der (dritte, umfasst die West-
küste mit Einschluss von Californien, Oregon und/den ‚Washington-
Territories. Jeder dieser Hauptdistrikte, zerfällt wieder in; kleinere
zoologische Provinzen von ungleicher Grösse, für welche hauptsäch-
lich das Clima massgebend ist; auch diese werden vom = näher
erörtert und begründet. .
Desselben „Catalogue of the Coleopteik of Fort
Tejon, California® (Proceed. acad. nat. scienc. of Philadel-
phia 1859. p. 69—82) enthält eine Aufzählung von 147 bei
Fort Tejon gesammelten Arten, von denen 52 hier zuerst be-
schrieben werden und theilweise neue Gattungen’ bilden.
In einem Supplement (ebenda p. $2—90) verzeichnet Verf.
noch fernere 44 Arten aus den Distrikten am stillen Ocean
(Oregon, Californien, Puget-Sund u. s.'w.), von'denen gleich-
falls die Mehrzahl neu ist.
Derselbe, „Additions to the‘ Coleopterous-Fauna | of
im Gebiete’ der Entomologie während der Jahre 1859 u.60. 423
Northern California and Oregon“ (ebenda 1859. p. 281-292)
gab als Nachtrag zu seiner Käferfauna des nordwestlichen
Amerika die Beschreibung von dreissig neuen Arten ver-
schiedener Familien.
Derselbe, „Notes on 'Coleoptera found at Fort
Stimpson, Mackenzie-River, with remarks on Northern spe-
eies“ (ebenda 1860. p. 315-321) beschreibt eine Anzahl
neuer Nord-Amerikanischer Arten verschiedener Familien,
führt andere bereits’ bekannte von dem oben bezeichneten
Fundorte an und macht zugleich ergänzende und synony-
mische Mittheilangen über Arten des: Russischen Nord-
Amerika und der nördlichen Distrikte der Vereinigten
Staaten.
Derselbe, „Descriplions of some genera and spe-
cies öf Coleoptera from the vieinity of the southern boun-
dary of the United States“ (in Thomson’s Arcana natur.
p- 121—128. pl. 12 u. 13) lieferle nochmalige Diagnosen
und zum Theil ausführlichere Bescheibungen nebst Abbil-
dungen von einer Reihe bereits in Amerikanischen Zeit-
schriften von ihm bekannt gemachter, meist ausgezeichne-
ter Nord-Amerikanischer Coleopteren.
G. Horn, Descriptions of new North-American Co-
leoptera in the cabinet of the entomological society: of Phi-
ladelphia (Proceed. acad. nat. science. of Philadelphia 1860.
p-569 ff. pl.8). Beschreibungen nebst Abbildungen von
sieben neuen Arten, welche den: Familien‘: der Carabiden
und Cerambyciden angehören.
d’Urban, A list;of Ihe’ Coleoptera found in the vici-
nily 'of Montreal (enthalten im: Canadian ‚Naturalist: and
Geologist1V. 1859. p. 494 ff.) ist in Silliman’s Journal XXX.
p- 160 angeführt.
Motschulsky, Coleopteres nouveaux de la Cali-
fornie (Bullet. d. natur. de Moscou 1859. II. p. 122—185
und‘ p. 357—410). Beschreibungen von zahlreichen neuen
Arten aus den Familien der Carabiden , 'Hydrocantharen)
Büprestiden, Elateriden und aaa age einige dersel-
ben sind zugleich abgebildet.
Foirmaire und Germain haben | ihre ' „Revision
424 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
des Coleopteres du Chili“ in den Annales d. 1. soc. 'entom.
de France VII. p. 483 ff. mit einem neuen Abschnitte, die
Cerambyciden ‚umfassend , fortgesetzt; die Zahl der aus
dieser Familie aufgeführten und beschriebenen Arten er-
reicht die ansehnliche Höhe von 96, darunter zahlreiche
neue. — Eine Reihe von Arten aus verschiedenen anderen
Familien machen die beiden Verf. ferner in ihrer „Revision
des Coleopteres du Chili* (Rev. et Magas. de Zool. 1859.
p- 350 ff.) und „Coleoptera Chilensia descripta* (ebenda 1860.
p- 267 f.) bekannt.
R. A. Philippi und A. H. E. Philippi, Coleoptera
nonnulla. nova Chilensia, praesertim Valdiviana (Entom.
Zeitung 1860. p.245ff.). Es werden hier 24 Arten ver-
schiedener Familien, besonders der Buprestiden, Curculio-
nen und Cerambyciden beschrieben. Die Beschreibungen
sind ausserdem in den Anales de la Universidad ‚St. Jago
de Chile 1859 publieirt worden.
b) . Polynesien.
Montrouzier, Essai sur la faune entomologique de
la Nouvelle - Caledonie (Balade) et des iles des Pins, Art,
Lifu ete. (Annales d. l. soc. entom. ‘de France VIII. p. 229
—308 und p: 867—916. pl.7). Der als Missionair auf’ Neu-
Caledonien und den 'benachbarten Inseln längere Zeit hin-
durch 'stationirt 'gewesene ‘Verf. liefert der Mehrzahl nach
unzulängliche Beschreibungen von 205 meist neuen Coleo-
pteren, welche in systematischer Reihenfolge aufgelührt
sind und ‘vorläufig mit‘ den Curculionen abschliessen. In
der zugleich mit den Insekten selbst als ‘Manusecript ein-
gesandten Arbeit waren zahlreiche Arten unrichtigen Gattun-
gen, häufig sogar unrichtigen Familien zuertheilt und es
ist daher für die Erkenntniss derselben von Wichtigkeit, dass
sich die ersten Pariser Entomologen, wie Reiche, Lu-
cas, de Marseul u. a. an die Prüfung des von Mon-
trouzier beschriebenen Materials gemacht und die Arbeit
desselben mit Anmerkungen versehen haben, in denen die
Irrthümer berichtigt werden.
White,’ Descriptions «of ‚unrecorded species of Au-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 425
stralian Coleoptera of the families Carabidae, Buprestidae,
Lamellicornia, Longicornia etc. (Proceed. zoolog. soc: of
London 1859. p. 117 ff. pl.58 u.59). Es werden im Gan-
zen.16 Arten aus den bezeichneten Familien beschrieben
und abgebildet; die meisten sind von ausgezeichneter
Form, trotzdem aber so ungenügend beschrieben, dass sie
nur nach den Abbildungen zu eruiren sind.
e) Afrika.
A. Murray setzte seinen „List of Coleoptera received
from Old-Calabar on the West-Coast of Africa“ (Annals of
nat. hist. 3. ser. Il. p. 26 und IV. p.116 und p. 352) mit
den Familien der Carabiden, Dytieciden, Gyriniden, Palpi-
eornien, Paussiden, Histeren und Nitidularien fort und be-
schrieb die darunter befindlichen neuen Arten.
Bertoloni hat im 8. Bde der Memorie dell’ Acca-
demia del Instituto di Bologna eine sechste Abhandlung über
die Käfer von Mossambique veröffentlicht , in welcher nur
sieben Arten von Carabiden beschrieben werden. Die Dia-
gnosen derselben sind auch in der Revue et Magas. de Zool.
1859. p. 39 f. abgedruckt.
Thomson (Arcana natur. p. 114—120) machte einige
ausgezeichnete Arten vom weissen Nil bekannt, welche den
Familien der Carabiden, Paussiden, Buprestiden und Lamel-
licornen angehören; einige derselben sind zugleich abge-
bildet.
Reiche, „Coleopteres 'nouveaux de Soudan“ (Musee
scientif; p. 23 f.) beschreibt vier neue Arten von Sudan.
Fairmaire und Coquerel setzten; (Annal. d. |.
soc. 'entom. de France VIII. p. 145 und 419 ff. pl. 6) ihren
„Essai sur les Coleopleres de Barbarie* mit zwei ferneren
Abschnitten fort. Es werden darin die in der Berberei vor-
kommenden Arten aus den Familien der Scydmaeniden, Paus-
siden, Staphylinen , Phalacriden, Nitidularien, Dermestinen
und Lamellicornen aufgeführt und diagnostieirt, die darunter
befindlichen zahlreichen neuen ausführlich beschrieben und
zum Theil abgebildet.
Chevrolat, Description ‚de Col&opteres nouveaux
426 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
d’Algerie (Rev. et Magas.' de’ Zool. 1859. p. 298’u.'380 ff.
und 1860. p. 75, 128, 208, 269, 302, 409, 448 u. 509 M.).
Verf. macht zahlreiche neue Algerische Arten in ziemlich
bunter Reihenfolge bekannt; dieselben gehören ‘den ver-
schiedensten Familien , die meisten jedoch den Carabiden,
Buprestiden, Xylophagen, Cureulionen und Cerambyeiden
an. — Ausserdem wurden zahlreiche einzelne neue Arten
aus Algier von Gu6erin, Fairmaire, Lucas, Brisout
de Barneville u.a. in den Annales und dem Bullet. soc.
entom..1859--60 ‚beschrieben.
Wollaston, „On. addilions, to the Medelräh Coleo-
ptera® (Annals.;of nat. hist. '3.,ser. V. pı217, 252, 358 und
448 ff, VI: ;p.48 u. 100 ff.) gab abermals einen Nachtrag zur
Käferfauna von Madeira ‚durch Anführung und Beschreibung
von 49 theils neuen, theils,schon bekannten, ‚aber jetzt, erst
aufgefundenen ‚Arten. Mit Einschluss dieser neu .hinzuge-
fügten ‚beträgt‘ die Zahl der. gegenwärtig, von. Madeira, be-
kannten ‚Arten 642.
Derselbe,»„Onithe Coleoptera of the Salvages« (Jour-
nal of Entomology I; -p;185 ff.) zählte elf.aufiden ‚zwischen
Madeira und den Canarischen Inseln , gelegenen Salvages
gesammelte ‚Coleopteren auf; drei ‚derselben; der: Familie
der Carabiden angehörend,,. werden als neu beschrieben. ,
Drou et(Rev.sel Magas. de. Zool. 1859. p»243 fl.) gab
Nachricht über die'Käferfauna der Azoren... Dieselbe ist.in
Betracht der südlichen Lage und der reichen Vegetalion
arm' ünd ‘mit’ wenigen’ Ausnahmen übereinstimmend ‚mit der
des‘ südlichen Frankreichs und selbst derjenigen; des: ge-
mässiglen ‘Europa: ''Eigenthümliche Formen sind. sehrispar-
sam und. dann meist; mit: solchen von. .den! Canarischen .In-
seln «und Madeira identisch; ‘am »merkwürdigsten -ist- das
Vorkommen des Süd-Amerikanischen Taeniotes scalaris' Fab.,
welcher sich hier akklimatisirt; hat. —: Die (p. 252 N) fol-
gende ‚Aufzählung der! vom: Verf; «beobachteten. Arten. weist
nur (die) geriuge Zahl von 57 Arlen ‚auf, worunter«ein La-
parocerus die einzige neue, Artı isbj| einige andere, sind
zweifelhaft geblieben.
FR. Tarnier; ©Ool&opteres; des. Iles Azoresrecueillis
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 427
par M. Morelet. (Dijon 1860. gr. 8.). Ist nach einer
Anzeice im Bullet: soc. entom. 1860. p. 132 ein 'detaillirtes
Verzeichniss der auf den Azoren vorkommenden Coleopte-
ren nebst Beschreibung einiger neuer Arten.
d) ‚Asien.
Gebler, Verzeichniss der von Dr.Schrenk in den
Kreisen Ajagus und Kakaraly in der östlichen Kirgisen-
steppe und in’der Songarei in ‘den Jahren 1840-43 ge-
füundenen Käferarten (Bullet. d. natur. de Moscou 1859. T.
p. 426-519, II. p. 315-856 und 1860. IT. p. 1-39). Das
Verzeichniss, welches 519 Arten enthält, die in systema-
tischer Reihenfolge nebst Citat' der ersten Beschreibung
aufgeführt werden, war vonGebler ursprünglich für einen
von Sehrenk beabsichtigten Reisebericht zusammenge-
stellt worden; da dieser jedoch nicht erschienen ist, wird
die Arbeit nach dem Tode des Verf.’s hier publieirt. Der
Aufzählung der gesatimelten Arten folgt eine Beschreibung
von 79'neuen, deren kurze Diagnosen von Geblier bereits
im'Bullet. de l’acad. ‘de St. Petersbourg 1842 veröffentlicht
wurden:
Motschulsky, Col&opteres rapportes de la Son-
garie par M. Semenoff (Bullet, de T’acad. de’ St. Peters-
bourg I. 1860. p. 301—314). ‘Das ‘vom Verf; zusammen-
gestellte Verzeichniss weist 87. Arten nach, ‘von denen 15
als neu beschrieben und zum Tlieil ‘im Holzschnitt‘ darge-
‚stellt werden.
Derseilbe,: „Ool&optöres du gouvernement de Ja-
koutsk, 'recueillis par M. Pavlofski“ (Bullet. phys.' math;,
de l’acadıı de St. Petersbourg XVIL. 1859. 'p.1539 u. 567 ff})
gab eine‘Aufzählung von 120 bei Jakutsk gesammelten Ar-
ten, von denen 20)als new aufgestellt sind.‘ "Die Arbeit
ist Ausserdem: in den Melanges biologiques: de: l’acad.:de
St. Petersbourg 111. 1859. p- 221—238 publieirt.
e) Europa.
H. Schaum, Calalogus Coleopterorum Europae. Ber-
lin 185% (8 , 121 pag:).‘ Eine neue Bearbeitung der vom
4238 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Verf. besorgten vierten Ausgabe des vom Entomologischen
Vereine zu Stettin publicirten Catalogs, in welchem die
neuen Zugänge an Gattungen und Arten mit wenigen Aus-
nahmen vollständig aufgenommen sind. Zur Vervollständi-
gung des Cataloges hat Verf. in der Berl. Ent. Zeitschr. III.
p-43 eine Reihe einzelner neuer Europäischer Arten be-
kannt gemacht.
Von Erichson’s Naturgeschichte der Insekten Deutsch-
land’s sind im J. 1860 die: vierte Lieferung des ersten
Bandes (Schaum) und die drilte des vierten Bandes (von
Kiesenwetter) erschienen. Mit ersterer liegt die Fa-
milie der Carabiden und zugleich die erste Hälfte des er-
sten Bandes abgeschlossen vor. v.Kiesenwetter han-
delt (4. Band 3. Lief.) die Familien der Daseilliden und
Malacodermen ab, von. denen er letztere Lacordaire
gegenüber auf die Gruppen der Lyciden, Lampyriden und
Telephoriden beschränken will.
Bach’s Käferfauna für Nord - und Mittel-Deutschland
wurde mit der 2. Lieferung des 3. Bandes (Coblenz 1859)
fortgesetzt. Dieselbe ‚enthält den Schluss der Haltieinen,
ferner die Familien der Clypeastres, Cocecinellinen, Endo-
mychiden, die’sämmtlicher Familien der Heteromeren, endlich
die der Scydmaeniden und) Pselaphiden.
Die’ Käfer Deutschlands von Valentin Gutfleisch,
nach des Verf.’s Tode vervollständigt und herausgegeben
von Dr. F. Bose. Darmstadt: 1859. (8. 661 pag.)..— Der
Zweck des Buches ist, dem Sammler deutscher 'Käler ein
Compendium 'an die Hand zu geben, in welchem die bis
jetzt bekannt ‘gewordenen Arten in möglichster Vollstän-
digkeit durch.kurze Beschreibungen kenntlich gemacht sind.
Verf.‘ beginnt mit einer analytischen Tabelle: der (58 von
ihm angenommenen) Familien und geht dann unter diesen
zur Analyse der einzelnen Gattungen über; für: die Cha-
rakteristik der Arten ist die analytische Methode nicht in
Anwendung gebracht, sondern es werden dieselben unter
den von den Autoren aufgestellten natürlichen Gruppen
aufgeführt.
Clasen setzte (Archiv d. Vereins der Freunde der
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 429
Naturgesch. in Meklenburg XIII. p. 118—139) seine „Ue-
bersicht der Käfer Meklenburgs“ weiter fort und brachte
sie mit den verschiedenen Familien der Tetrameren, Tri-
meren und Heteromeren,, den sich zuletzt die Scydmaeniden,
Pselaphiden und Clarigerini anschliessen, zu Ende. Die
Zahl der in Meklenburg bis>’jetzt nachgewiesenen Arten
beläuft sich nach des Verf.’s Verzeichniss im Ganzen
auf 1909.
Nicolai (Zeitschrift f. d. gesammt. Naturwiss. XV.
1860. p. 282—310) stellte ein Namensverzeichniss der um
Arnstadt in Thüringen vorkommenden Käfer zusammen;
es werden 1282 Arten in systematischer Reihenfolge auf-
gezählt.
v. Weidenbach und Petry, Systematische Ueber-
sicht der Käfer um Augsburg (12. Bericht d. naturhistor.
Vereins in Augsburg 1859. p. 33—16). Die beiden Verf.
geben ein systemalisches Namensverzeichniss von 1907 Ar-
ten, welche 552 Gattungen angehören. Es folgen (p. 82 u.
84 ff.) zwei Beilagen, von denen die erste ein Verzeichniss
von 32 Myrmecophilen aus der Augsburger Umgegend giebt,
die zweite eine Charakteristik von sechs als neu angesehe-
nen Käfern (Chrysomelinen und Coccinellinen) enthält.
Miller (Wien. Ent. Monatsschr. III. p. 300 u. 353 ff.)
beschrieb eine coleopterologische Excursion in das Tatra-Ge-
birge. Nach einer Charakteristik des Gebirges, welches sich
bis zu einer Höhe von 7800‘ erhebt, und seiner Käferfauna
im Allgemeinen zählt der Verf. die von ihm beobachteten
Arten in systemalischer Reihenfolge auf, bei den bekannten
ihre Verbreitung in vertikaler Richtung, ihre Abänderun-
gen u. s. w. erörternd, die neuen (den Familien der Cara-
biden, Staphylinen und Curculionen angehörend) ausführlich
beschreibend.
Pfeil (Entom. Zeitung 1859. p. 270 1.) lieferte einen
„Beitrag zur Käferfauna der Norischen Alpen“ durch Be-
schreibung seiner coleopterologischen Excursionen in das
Nassfeld und auf den Gamsgarkogel bei Wildbad Gastein.
Stark (13. Bericht d. naturhistor. Vereins in Augs-
burg 1860. p. 130 ff.) machte Mittheilungen über eine co-
430 Gerstaeeker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
leopterologische: Exeursion in ‚die Allgäuer Alpen, auf wel=-
eher. manche seltnere Gebirgsarlen (Dendrophagus;,erenatus,
Salpingus,‚cyaneus,, 'Phloeostichus. denticollis, Serropalpus
barbatus, ‚Alhous undulatus u. a.), erbeutet, wurden, u.
Schneider (38. Jahresbericht, d.. Sehlesisch. Gesellsch. für
vaterl. Cultur p.130) zählte einige für Schlesien ‚neue und seltenere
Käfer auf; zugleich ‚stellt er die Unterschiede von Plinthus Fischeri
und Sturmii nochmals fest,
Mink, „Fundorte einiger seltener Käfer“ (Entom. 1859. p. 428 f.)
gab Nachricht über Hydroporus delicatulus, Trichophya pilicornis,
Laricobius Erichsonii, Platydema violaceum, Scaphidema aeneum und
Phloeophilus Edwardsii.
Fuss, Mittheilungen über einige Käfer des Ahrthales (Berl;
Ent. Zeitschr. III. p. 93).
Matthieu, „Catalogue, de la famille des Hydrophi-
lides de Belgique, suivie a’ un catalogue des Elmidees, Par-
nidees et. Heleroceridees“ (Annales soc, entom, ‚Belge, II.
p. 29—44), „Catalogue des Coleopteres de la famille des
Cureulionidees de Belgique“ (ebenda p. 163—246) , „Faune
entomologique Belge, Col&opleres“ (ebenda Ill. p.1—89)
und „Catalogue des Coleopteres de Belgique“ (ebenda IV,
p- 1—54).
Mit: Angaben über Fundorte, Häufigkeit u. s, w,, zählt Verf. in
seinen Saunistischen Beilrägen für Belgien 74 Palpicornia, 1. Sphae-
rius, 7 Parnidae, 15 Elmidae, 8 Heteroceridae, 527 Cureulionen (mit
Einschluss der Bruchiden und Anthribiden; die Arten in der von
Sehönherr angenommenen Reihenfolge aufgezählt) , 74 Silphiden,
4 Seaphidilia, 10. Trichopterygia, 83 Nitidulariae, 4 Peltidae, 56 Hi=
sterini, 11 Phalacridae,' 16 Colydii, 6 Cucujidae‘, 54 Cryptophagidae
(mit Einschluss' von, Mycetaea, Engis, Triplax, Tetsatoma), 25 Latbri-
dii, 11 Mycetophagidae, 25 Dermestini, 1, Georyssus,, 19 Byırbiva,
1 Throsciden, 29 Pselaphidae, 116 Lamellicormia, 19 Seydmaenidae,
22 Buprestidae, 4 Eucnenidae, 88 Elateridae, 9 Cyphonidae, 77 Mala-
coderma, 11 Cleridae, 58 Ptinidae, 44 Bostrichidae, 32 Melasoma,
5 Melandryadae, 13 Mordellina, 10 Vesicantia, 14 Oedemeridae, "4 La-
griariae ‚(und Pyrochroa), 5 Rliinosimi, 6 Anthieidae, 3 Endomychi-
dae, 76 Longicornia, 198 ,Chiysomelinae und 2 .Clypeasis 4.1110]
G.R. Waterhouse’s Calalogue.ol Brilish Coleoptera,
*dessen. Anfang; bereits im, Jahresberichte ‚für 1858; ‚p- 64
von,uns angezeigt wurde,.liegt, jetzt vollendet, vor © Der-
selbe umfasst; 105 pag: in'8. und ‚ausserdem‘(12 pag.)- ‘Nach-
‚im Gebiete‘ der,/Entomologie während:der Jahre 1859 u..60. 431
träge-und Index ;.die,,Synonymie,hat der, Verf; ‚auch Jin. der
zweiten Hälfte,in;.grosser Vollständigkeit angeführt.
Janson (Entomol. Annualı.fori 1859. ,p. 118 fy und
1860. p: 96 ff.)) gab eine Aufzählung‘ von 143 ‚für! England
neuen’Coleopteren nebst Angaben über ihre Fundorte; einige
Arten’ werden nochmals charakterisirt.
J. A. Power, Notes on Myrmecophilous Coleoptera (Report of
the 28. meeting of theBritish associat. for advance, of science, Trans-
act. p. 129).
10.6: Thomson, Skandinaviens Coleoptera, synop-
tiskt bearbetade. Tom. I. Il. Lund 1859—60. 8. — Das; im
Jahresberichte 1857. p..68 angezeigte erste Heft,, welches
den gleichen,Titel. führt, scheint dem Verf. nicht genügt zu
haben, da er es bei demselben hat bewenden lassen und
indem vorliegenden Werke einen neuen Plan der Ausfüh-
rung angenommen, hat. ‚Im. ersten Bande. p. 1—161 giebt
er einen Conspectus familiarum et generum Coleopterorum
Scandinaviae, der wohl keinen anderen Zweck ‚hat, ‚als mög-
lichst: vielen Arten neue Galtungsnamen ‚vorzusetzen; denn
sowohl der Abgränzung als der Zusammenfassung der von
ihm ‚angenommenen Familien;zu einer ‚Anzahl von ‚Series,
wie Carnivori, Amphibii (umfasst die Familien der, Gyrinen,
Parniden, Limnichiden, Heteroceriden, Limniiden und. Geo-
ryssii), Brachelytra (Staphylinen, Pselaphiden, Clavigeri),
Fungicola (Lathridier, Cryptophagiden, Engiden, Endomy-
chiden und. Mycetophagiden) ‚u, s. w., deren im Ganzen 15
hingestellt werden, wird der Verf. hoffentlich selbst keine
Bedeutung beilegen wollen. Im speziellen Theile (Bd. I,
von p. 163 an) werden die Series, Familien, ‚Tribus. und
Gatlungen in präciser und bündiger Weise laleinisch dia-
gnoslieirt und schwedisch charaklerisirt, die Arten mit la-
teinischer Diagnose versehen und, wo es nöthig schien, in
derselben Sprache noch ausführlicher beschrieben. In den
vorliegenden. beiden Bänden sind die Familien der Carabi-
dae, Dylicidae, Palpicornia, die sogenannten Amphibii und
die Staphylinidae abgehandelt.
‚« Mulsant’s Hisloire naturelle des. Col&eopleres de
France ist mit einem neuen Hefte betitelt: „Rostriferes*
432 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Paris 1859 (48 pag. 8.) bereichert worden. Derselbe ent-
hält die Bearbeitung der Salpingidae , bei welcher Familie
das Nähere mitgetheilt ist.
G. Levrat, Enumeration des Insectes Coleopteres du
Mont-Pilat. Lyon 1858. 8. (auch enthalten in des Verf.’s
Etudes entomologiques 1 cab. Lyon 1859. p. 65—100).
Reiche (Annales d. 1. soc. entom. de. France VII.
p- 194 ff.) verzeichnete 139 in den Basses-Alpes- gesammelte
Käfer in systematischer Reihenfolge.
Brisout de Barneville (Bullet. soc. entom. 1859.
p. 130) verzeichnete eine Reihe von für die Französische
und die Pariser Fauna neuen Käfern.
Fouquet, Catalogue des Coleopteres Carabiques et
Hydrocanthares, trouves dans le Morbihan (Annales d. 1.
soc. Linneenne du depart. de Maine et Loire 111. 1859.
p- 23—26). — Ein Namensverzeichniss von 218 Carabiden
(inel. Cieindeliden) und 71 Dyticiden nebst Gyrinen.
Rouget, Catalogue des Coleopleres du departement
de la Cöte-d’or (Malachii, Clerii, Ptini, Bostrichi, Hylesini,
Curculiones) enthalten in den Memoires de l’acad. des scien-
ces, arts et belles lettres de Dijon 2. ser. VI, ist im Bullet.
soc. entom. 1859. p. 265 angezeigt.
Notice sur quelques especes de Col&opteres prises aux
environs d’Auxerre et de Chätel-Cendier und Catalogue des
Rbynchophores du departement de l’Yonne (in: Memoires de
la soc. des sciences histor. et natur. del’Yonne, 1. et 2.livr.)
sind ebenda 1860. p. 127 angeführt.
Fairmaire (Annales d.l. soc. entom. de France VII.
p- 266—283) gab ein Namensverzeichniss von 132 durch
Lareynie aufCorsika gesammelten Käfern nebst Beschrei-
bung der darunter befindlichen neuen.
Reiche (ebenda VII. p. 717 ff.) ein systematisches
Namensverzeichniss von 468 auf Sieilien durch Bellier de
la Chavignerie gesammelten Arten und eine Beschrei-
bung von neun derselben, die sich als neu herausgestellt
haben.
Der schon im vorigen Jahresberichte erwähnte „Bei-
trag zur Käferfauna Griechenlands“ wurde durch v. Kie-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 433
senwetter (Berl. Ent. Zeitschr. Ill. p. 17-34 und p. 158
—191.. Taf. 2 u.3) mit zwei neuen Abschnitten fortgesetzt,
in denen die Familien von den Elateriden bis zu den Ano-
bien inel. abgehandelt werden.
C. Fuss, Beitrag zu Siebenbürgens Käferfauna (Ver-
handl: d. Siebenbürg. Vereins zu Hermannstadt Xl. p. 231 ff.).
Verf. zählt 54 für Siebenbürgen neue Arten, die er mit
Notizen über Fundorte u.a. versieht, auf. Bemerkenswerth
ist das Vorkommen des Portugiesischen Corymbites haema-
pterus Illig. in Siebenbürgen.
Motschulsky, Inseetes nouveaux ou peu connus des
bassins de la Medilerranee et de la mer Noire jusqu’ä la
mer Caspienne (Etudes entomol. 1859. p. 119—144). Be-
schreibungen neuer Gattungen und Arten aus verschiede-
nen Familien, welche aus Süd-Russland , Vorder - Asien,
Aegyplen, Griechenland und Spanien stammen.
Ausserdem wurden zahlreiche neue Süd-Europäische
Arten von Fairmaire in seinen „Miscellanea entomolo-
giea® (Annal. d. I. soc. entom. de France VII. p.21 ff.) und
auch im Bullet. soc. entom. 1859. p. 216, 255 ff., ferner von
Boieldieu „Deseriptions d’especes nouvelles de Col&eo-
pteres“ (Annal. soc. entom. VII. p. 461—482. pl. 8) bekannt
gemacht; dieselben stammen theils aus Südfrankreich, theils
von den drei Halbinseln des Mittelländischen Meeres.
Synonymische Bemerkungen über Käfer verschiedener
Familien brachten Ghiliani, Reiche, Schaum, Kraatz,
von Kiesenwetter, Stierlin, Wollaston u. a.
(Berl. Ent. Zeitschr. IIl. p. 82. u. IV. p. 81 ff.) bei. Gegen
die von Schaum und v. Kiesenwetter über die von
ihm selbst aufgestellten Arten gemachten Bemerkungen
remonstrirt Fairmaire (Bullet. soc. entom. 1860. p. 45).
— Ausserdem stellte auch Motschulsky (Etud. entom.
1859. p.163 1. eine Reihe synonymischer Mittheilungen zu-
sammen.
£ Eine Reihe bis jetzt unbekannter Käferlarven aus dem
südlichen Frankreich beschrieben Mulsant und Reve-
liere in ihren „Notes pour servir ä l’histoire de quelques
Coleopteres* und „Notes pour servir ä l’histoire des pre-
Arch. für Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd, cc
434 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
miers etats de divers Coleopteres“ (Annales d. 1. soc. Lin-
neenne de Lyon VI. p.49 u. 124 ff., Opuscules entomol. XI.
p. 63 u. S6R.).
G. Thon stellte (Zeitschr. f. d. gesammt. Naturwiss.
XIV. p.183 ff.) die in der Medizin gebräuchlichen Coleopte-
ren, von denen einige (verschiedene Lytta- und Mylabris-
Arten) auf Taf. 1 zum Ueberfluss abgebildet werden, zu-
sammen. Ausser den zahlreichen als Canthariden benutz-
ten Arten aus der Familie Vesicantia führt Verf. auch als
gegen Zahnweh empfohlen Rhinocyllus antiodontalgicus und
Coceinella 7-punctata auf. (Sollten dergleichen unwirk-
same Arten mit aufgeführt werden, so fehlen im Verzeich-
nisse des Verf. zahlreiche, die als Heilmiltel angepriesen
worden sind).
Recueil de Col&opteres anormaux, publie par Moc-
querys, No. 1-4. Rouen, 1859—60. 8. — Die vier ersten
dem Ref. vorliegenden Hefte dieses Unternehmens enthalten
45 nur einseitig bedruckte Blätter, auf welchen je eine
Monstrosität eines Käfers im Holzschnitte dargestellt ist,
dessen abweichend gebildete Theile (meist neben dem Käfer
selbst noch in vergrössertem Maassstabe dargestellt) durch
einige Worte näher erörtert werden.
Die Mehrzahl der abgebildeten Monstrositäten zeigen mehr oder we-
niger aulfallende Difformitäten des Halsschildes und der Flügeldecken;
letztere sind theils stark verkürzt, theils mit normalen 'schwieligen
Auftreibungen, theils mit überzähligen Appendices versehen, Ebenso
häufig sind doppelte Schienen- und Tarsenbildungen an einzelnen
Beinen, ferner zwei- und dreispaltige Fühler; seltener starke Ver-
kürzungen aller Theile eines Beines. Als besonders merkwürdige
Monstrositäten sind hervorzuheben: 1) Ein Carabus mit vollständig
entwickeltem doppeltem Endgliede der Taster. 2) Ein Lucanus cer-
vus mas, dessen linke Mandibel an der Spitze fast die Form einer
Krebsscheere nachahmt. 3) Eine Clythra, von deren einer Vorder-
hüfte drei in Schenkel, Schienen und Tarsen vollständig ausgebildete
Beine entspringen. 4) Eine Melolontha, deren einer Fühler zwei
vollständige Blattkeulen , jede mit 7 Blättern, zeigt. 5) Ein Amphi-
mallus, bei welchem der eine Fühler dreiästig und mit drei Blatt-
keulen verseben ist; die Keulen sind drei-, zwei- und einblättrig.
Ferner erwähnt Schneider (38. Jahresbericht d. Schlesisch,.
Gesellsch. f. vaterl. Cultur p. 129) dreier Käfermonstrositäten: Adimo-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 435
nia tanaceti mit gabliger Fühlerspaltung, Agonum sexpunctatum mit
doppeltem Hinterbeine (das überzählige Bein mit seinem Schenkeltheile
aus dem Schenkel des regulären entspringend) und Carabus nitens mit
gitterartig unterbrochenen Flügelrippen.
Carabidae. — Cicindelidae. — Chaudoir’s „Materiaux pour
servir ä l’etude des Cicindeletes et des Carabiques“ (Bullet. d. 1. soc.,
des natur. de Moscou 1860. II. p. 269—337) bilden eine weitere Folge
seiner zahlreichen Publikationen über diese Familie, in welcher er
zunächst auf eine Reihe von Cicindelen-Galtungen eingeht, deren bis
jetzt bekannte Arten er in synonymischer Hinsicht erörtert und denen
er verschiedene neue hinzufügt. Von Pogonostoma werden acht be-
reits bekannte Arten nochmals schärfer charakterisirt, von Ctenostoma,
womit Procephalus Lap. und Myrmecilla Lacord. wieder vereinigt
werden, folgende neue beschrieben : Ct. insigne und nigrum von
Ega, Sallei von Venezuela, Batesü, luctuosum , zonalum, obliquatum
und agnatum von Ega, Sahlbergii und bieristatum von Rio-Janeiro;
St. Jacquieri Dej. hält der Verf. für das wahre Ct. formicarium Fab.
Die beiden genannten Gattungen vereinigt Ch. zur Gruppe Ctenosto-
midae, die drei folgenden dagegen als Collyridae: 1) Collyris mit
folgenden neuen Arten: L, Lafertei Nord -Indien, Dohrni Ceylon,
aptera Lund ? (major Latr.), acrolia Manila, Boysii Nord-Indien, sub-
elavata Dekan, distincta Ostindien, cribellata ebendaher, Celebensis
Celebes, puneticollis Nord-Indien, flavicornis ebendaher, chloroptera
Singapore, variitarsis Nord-Indien, amoena Bombay, 2) Derocra-
nia n. g. auf einige Tricondyla-Arten von Ceylon mit quer cylin-
drischem, nicht eingedrücktem Kopf und langes, flaschenförmiges Hals-
schild gegründet, welche übrigens besser nur als eigene Gruppe unter
Tricondyla verbleiben: D. Dohrnii, concinna, gibbiceps und laevigata.
8) Tricondyla. Neue Arten: Tr. macrodera Nord-Indien, tuberculata
China? — Zur dritten Gruppe Cicindelinae komnıen als neu hinzu:
Myrmecoptera limbata (Bertoloni) ‚Mossambique, Dromica carinulata
und sexmaculata Port Natal, Hiresia Batesii und egregia von Ega,
Sahlbergii von Rio - Janeiro, Caledonica n. g. (auf Distipsidera
Mniszechii Thoms. gegründet), fasciata Neu-Caledonien und lunigera
Neue Hebriden?, Ophryoderan. g. (auf Cicind. rufomarginata
Bohem. begründet), Bostrichophorus Bianconii Mossambique, Peri-
dezian. g. für Cieind. fulvipes Dej. (mirabilis Lap.), Phyllodroma
Iuteomaculata Rio-Janeiro, Odontochila femoralis und erythropus vom
Amazonenstrome, ignita Mexiko, postica, Batesüi, rhytiptera, cya-
nella, amabilis vom Amazonenstrome, ‘procera Mexiko, (Euryoda)
prozima Nord -Indien, Ozychila obtusidens und odontoma Brasilien,
Platychile aculeata (für die von Dejean und Thomson beschrie-
bene, wahrscheinlich von Pl. pallida Fabr. verschiedene Art), Te-
tracha Chevrolatii (Gehin) Mexiko und speciosa Bahia. Für Ambly-
436 Gerstaecker: Bericht über die ‚wissenschaftlichen Leistungen
cheila Say als vergebenen Namen. schlägt Ch. den 'Gattungsnamen
Chaleposomus vor.
Schaum. (Berl. Ent... Zeitschr, IV. p. 180 ff.) zählte die vier
bekannten Cieindela-Arten der Insel Luzon auf und fügte dreineue;
Cic. Clara, virginea und mandibularis hinzu. Es folgt eine Aufzäl-
lung der 12. bis jetzt bekannten Therates- Arten, denen zwei neue:
Th. Chaudoiri und Semperi (Taf. 3) sich zugesellen.
Thomson, Notice historique sur le genre Cicindela suivie de
la description de sept especes nouvelles ‚de Cicindelidae (Arcan. na-
tur. p. 85 ff.) beschrieb nach verschiedenen ‚einleitenden Bemerkungen
Cicindela ponderosa Mexiko, Diana Celebes, Aurora Mexiko, Phyl-
lodroma Delia Peru intern., Euprosopus Chaudoiri Brasilien, Therates
dichroma Neu-Guinea und Procephalus iyrannus Brasilien als n. A.
Derselbe, Revue du genre Therates (Musce scientifique
p- 41.) zählt im Ganzen 19 Arten der Gattung Therates auf, von
denen er vier als neu beschreibt: TA. fulvicollis Batchian‘, Manillica
Mindanao, Latreillei und Mac. Leayi Menado.
Montrouzier (Annal. soc. entom. VII. p. 233 f.) beschrieb
Cieindela hemieycla, Ozycheila arrogans, affinis und pulchella als
n. A. von Neu-Caledonien. Die drei Oxycheila - Arten gehören zur
Gruppe Distipsidera Westw. und O. arrogans ist identisch mit D. Mnis-
zechii Thons.
Bertoloni (Memorie dell’ accad. di Bologna VIll, Diagnosen
in Rev. et Magas. de Zool. 1859. p.89f.) beschrieb Odontocheila
Bianconii, Dromica rugosa und limbata als n. A. von Mossambique.
Fernere neue Arten sind: Cicindela turcica (Klug) Schaum
(Berl. Ent. Zeitschr. III. p. 43) aus der Türkei, Cic. Schrenkii und
granulata Gebler (Bullet. de Moscou 1859. I]. p. 315 f.) aus. der Son-
garei, Cie. Elisae Motschulsky (ebenda 1859. II. p.487) vom Amur,
nur kurz diagnostieirt, Cic. anatolica Motschulsky (Etud. entom. 1859.
p- 120) von Amasia und festina von den Alpen des Caucasus.
Vier Arten von Ceylon: Cicindela reducta und Tricondyla Niet-
neri Motschulsky (Etud. entom. 1859. p. 25), Tricondyla tumidula und
scitiscabra Walker (Annals of nat. hist. 3. ser. III. p.50), letztere
beide nur kurz diagnosticirt.
Harris „On Cicindela Hentzii Dej.“ (aus dessen nachgelasse-
nen Papieren von Scudder in den Proceed. ‚of the Boston soc. of
nat. hist. VII. p.185 ff. mitgetheilt) giebt Nachricht über die Fund-
orte dieser seltenen Art und eine nochmalige Charakteristik derselben.
Nach Cotty („Observations sur la Megacephala euphratica,*
Annal. soc. entom. VIll. p. 327 ff.) ist die von ibm in Asien, Aegyp-
ten, Algier und Spanien aufgelundene Megacephala euphralica ein
Dänmerungsthier, welches nur kurz vor und nach Aufgang der Sonne
so wie gegen Abend seine Erdlöcher verlässt und um diese‘ Zeit, in
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 437
grösserer Anzahl umherläuft. Von ihren Flügeln macht diese Art
niemals Gebrauch.
. Coquerel lieferte (Annal. soc. entom. VII. p. 615. pl. 14)
eine Beschreibung und Abbildung der Larve von Megacephala eu-
phratica. Sie unterscheidet sich von den bis jetzt bekannten Larven
der Süd-Amerikanischen Megacephala-Arten durch breiteren Kopf
und Prothorax so wie durch die Bewaffnung des fünften Abdominal-
segmentes; dieses ist nämlich mit vier Hornhaken , von denen die
beiden äusseren grösser sind, bewehrt.
Carabici. — In dem y..J. 1856—60 erschienenen und nun-
mehr abgeschlossenen ersten Theil (1. Hälfte) der „Naturgeschichte
der Insekten Deutschlands“ hat Schaum neben der Bearbeitung der
Carabicinen-Fauna, welche nach ihm etwa 540 Arten umfasst, haupt-
sächlich eine genauere Feststellung der bis jetzt ziemlich unsicher
begränzten Gruppen dieser Familie mit Berücksichtigung zahlreicher
exolischer Formen versucht und dadurch der Bearbeitung der in Bc-
zug auf ihre Arten mit am genauesten bekannten Laufkäfer mehr In-
teresse zu geben gewusst, Da sich ihm erst im weiteren Verlaufe
seiner Untersuchungen die systemalische Brauchbarkeit gewisser Cha-
raktere schärfer herausgestellt hat, fasst er dieselben in einer kleine-
ren Abhandlung „das System der Carabieinen“ (Berl. Entom. Zeitschr.
IV. p. 161 ff.) nochmals übersichtlich zusammen und durchmustert, auf
den von Schioedte und Le Conte angegebenen Eintheilungsprin-
zipien fussend, wenngleich die des ersteren (Anwesenheit oder Man-
gel der Epimeren des Metathorax) modificirend,, die von Lacor-
daire angenommenen Gruppen der Reibe nach, um die ihnen mit
Unrecht zuertheilten Gattungen auszumerzen und ihnen ihre naturge-
mässe Stellung anzuweisen.
In seinen „Beiträgen zur Kenntniss einiger Laufkäfer-Gattungen
Ende p- 180 If. Taf. III) beschreibt derselbe Thyreopterus gquttiger
Borneo, Pericalus laetus Vaterland?, zanthopus Borneo und difa-
sciatus Costa-Rica (letztere Art von Chaudoir zu Coptodera Dej.
verwiesen und in Copt. Schaumii umgetauft), Dercylus crenatus Ama-
zonenlluss, Pelecium rotundipenne , politum und tenellum Neu-Frei-
burg, Bembidium luridipenne Bengalen,, Tachys albicornis und fuscu-
lus Hongkong, geminatus und quadrillum. Celebes, inflatus Brasilien,
Pericompsus blandulus Portorico, jueundus Venezuela. Von letzterer
Gattung, so wie von Ihyreopterus, Periealus und Pelecium giebt er
zugleich ‚eine synonymische Aufzählung der bis jetzt bekannten Arten.
dr Derselbe (ebenda p. 64 f.) erörterte die Unterschiede der
Gattung Cardiomera Bassi von Colpodes M. Leay und beschrieb neben
der bekannten C. Genei Bassi aus Sicilien eine zweite Art: €. Bon-
touloiri aus den Pyrenäen. Die übrigen von Chandoir und ha-
438 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
ceordaire der Gattung Cardiomera beigezählten Arten gehören nach
Sch. zu Patrobus.
Thomson (Arcan. natur. p.93f.) beschrieb Gigadema n. g.
aus der Helluoniden-Gruppe, neben Aenigma stehend. Fühler gegen
die Spitze hin leicht verdickt, Oberlippe gross , etwa 2/; der Mandi-
bellänge bedeckend, Kinn gross, ohne Mittelzahn, mit grossen, spitzen
Seitenlappen; ‚Vorderschenkel unterhalb nahe der Basis mit einem
Zahne. — Art: G. titana Moreton-Bay, 46 Mill. lang, auf pl.5 ab-
gebildet. — Anthia feroz Süd-Ost-Afrika, n. A. (ebenda p. 94.
pl. 9. fig. 2).
Derselbe (ebenda p. 114 f.) beschrieb Piezia Fazoolica, An-
thia lunae (pl.9. fig. 1), adelpha, galla und desertorum als n. A. aus
der Gegend des weissen Nil.
Westwood, Description of a new genus of Carabideous In-
sects from the Upper Amazon-River, Brazil (Transact. entom. soc. V.
p. 170 f. pl.1) lieferte eine Beschreibung und Abbildung von Sole-
nogenys foeda, neue Gattung und Art vom oberen Amazonenstrome,
welche er übereinstimmend mit Thomson, welcher dieselbe Art
fast gleichzeitig als Aulacinia rhysodioides beschrieb, der Scaritinen-
Gruppe zuweist. Nach Bates’ brieflicher Mittheilung (Proceed. enton.
soc. p. 40) lebt die beschriebene Art in Nestern von Termiten.
Murray (Annals of nat. hist. III. p.26 u.1V. p. 116) charakte-
risirtte neben mehreren neuen Arten von Old-Calabar auch zwei neue
Gattungen: 1) Siopelus n. g. zur Harpaliden-Gruppe gehörend und
mit Harpalus zunächst verwandt, jedoch durch den Mangel des Kinn-
zahnes unterschieden ; von Platymetopus durch sehr kleine, schmale,
an der Spitze abgestutzte Ligula abweichend, ausserdem auch habi-
tuell durch die feine Punktirung der Flügeldecken. — Art: S, Cala-
baricus, 3—3%, Lin. 2) Anaulazx n.g., zur Feroniden-Gruppe ge-
hörig, von der Gestalt einer Amara, doch ohne Kinnzahn, die Para-
glossen mit der Ligula verwachsen , die Flügeldecken ohne accesso-
rischen Nahtstreifen ; Fühler kürzer als Kopf und Thorax zusammen-
genommen, mit drei glatten Basalgliedern, Vorderschienen erweitert
und stark ausgerandet. — Art: A. iridescens, 4% Lin. — Neue Arten:
Hypolithus Iris, Platymetopus granulosus, Anchomenus angulaticollis,
planaticollis und palroboides.
Delarouzee (Annal. soc. entom. VII. p. 65) gründete eine
neue Gattung Duvalius, welche in der Mitte zwischen Anophthal-
mus und Trechus steht, sich der ersteren durch den Mangel der Au-
gen und die Länge der Beine nähert, während sie letzterer im Ha-
bitus gleicht. — Art: D. Raymondi, pl. 1. fig. 3 aus einer Grotte bei
Hyeres, 4—5 Mill.
v. Chaudoir hat (Entom, Zeitung 1859. p. 113—131) einen
„Beitrag zur Kenntniss der Europäischen Feroniden* geliefert, in wel-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 439
chem er eine Anzahl neuer und weniger bekannter Arten erörtert
und beschreibt. Feronia (Poecilus) grata n. A. aus Südspanien und
Algier, aus der Verwandtschaft der F. crenata, baetica u. a. — Zu
Feronia (Orthomus) barbara, elongata, velocissima und hispanica, de-
ren Unterschiede der Verf. auseinandersetzt, kommen als n. A. F. tra-
pezicollis Oran, 4-foveolata Galizien (Spanien), numida und mono-
gramma Algier. Zu F. Duponchelii Dej., mit der nach dem: Verf.
F. protensa Schaum identisch ist, kommt F. ambigua aus Corsika, zu
F. Yvanii Dej. zwei neue Arten: F. validiuscula Piemont und bra-
chymorpha Ligurische Alpen. In die Nähe von F. Panzeri Dej- ist
F. planiuscula n. A. aus Piemont zu stellen. — F. incommoda Schaum
sieht der Verf. für Abänderung von F. melas an. — Percus operosus
(Dej.) n. A. von Corsika; P. apricans Gene hält der Verf. für eigene
Art, ebenso P. Paykulli für verschieden von P. Dejeani. — Molops will
der Verf. als Gattung von Feronia trennen und damit Tanythrix Schaum
verbinden; neue Arten neben M. edurus sind: Mol. corpulentus Pie-
mont und senilis ebendaher. — Sphodrus glyptomerus aus Kärnthen,
mit glatten Klauen und oben unbehaarten Füssen, carinatus aus Spa-
nien, mit glatten Klauen und behaarten Füssen und Schirmeri aus der
Krim, mit gekerbten Klauen. — Schliesslich eingehende Bemerkungen
über die Systematik von Zabrus und Amara, von welcher: letzteren
Gattung Chaudoir als eigene Gattungen Curtonotus und Acorius ab-
trennen will.
Derselbe (Annal.d. |]. soc. ent. VII. p. 237—361) lieferte eine
monographische Bearbeitung der Gattung Colpodes M. Leay. welcher
der Verf. einen sehr weiten Umfang giebt, indem er damit nicht nur
die mit Loxocrepis Esch. identische Gattung Dyscolus Dej., sondern
auch Stenocnenius Mannerh., Pleurosoma Guer. und die früher von
ihm errichteten Gattungen Ophryodactylus, Scaphiodactylus und Para-
nomus verbindet. Da Mac Leay seinem Colpodes brunneus, welcher
dem Verf. unbekannt geblieben ist, den für die vorstehende Gattung
charakleristischen Kinnzahn abspricht, so ist es noch zweifelhaft, ob
nicht der Name Dyscolus Wej. für dieselbe angenommen werden
muss, Nach eingehender Charakteristik der Gattung vertheilt der
Verf. die sehr zahlreichen Arten derselben (seine eigene Sammlung
enthält deren 73) nach der Länge oder Kürze der Episterna der Hin-
terbrust, nach der Anwesenheit oder dem Mangel einer Furche an
den Vorderschienen, nach der Furchung der Hlintertarsen , der Form
des Kinnzahnes u. 5. w. in 14 Gruppen, von denen sechs indessen
nur einzelne Arten umfassen. Von den vom Verf. beschriebenen 73
Arten sind 37 neu; ausserdem werden 19 bereits beschriebene, ihm
aber unbekannt gebliebene am Schlusse aufgeführt.
‚ Le Conte (Proceed. acad. nat, science. of Philadelphia 1859.
p. 69) beschrieb Cychrus punctatus und siriatus n. A, von Fort Tejon,
440 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
(ebenda p. 82 ff.) Dromius quadricollis Puget-Sund, Cymindis abstrusa
Washington-Territory, Anisodactylus semipunctatus, Agonoderus rugi-
collis, Badister anthracinus, Bembidium erasum, obliquulum aus Cali-
fornien und dem Oregon- Gebiet, Nebria livida (vergebener Name!)
Cap Flattery, (ebenda p. 281) Bembidium aptum Oregon. — Ebenda
1860. p- 315 ff.: Platynus marginellus n. A. von Fort Simpson, Calo-
soma laqueatum, Platynus corvus, crassicollis, pieicornis, Pterostichus
protractus, Harpalus carbonatus und Bembidium funereum n. A. aus
Nord-Amerika. — p. 317 zieht der Verf. die Gattung Pristodactyla als
nicht haltbar ein, vereinigt sie mit Calathus und giebt eine Analyse
der Nord - Amerikanischen Arten dieser Gattung, von denen mehrere
als Abänderungen anderer eingehen (C. incommodus Mannerh. und
confusus LeC. = ingratus Dej., Prist. americana Dej. — Cal. impun-
etatus Say).
Derselbe (Coleoptera of Kansas and Eastern New - Mexico
p- 2 .) beschrieb Cymindis cribrata Nebraska, Anisodactylus chalceus
Santa Fe, Harpalus oblitus und fallax ebendaher, desertus und stu-
pidus Fort Bridger, Nomaretus cavicollis Fort Riley, Calosoma'stria-
tulum Utah- und Milk-River als n. A.
Montrouzier (Annal, soc. entom. VII. p. 235 ff.) machte fol-
gende Arten von Neu-Caledonien bekannt: Cymindis geophila, picea,
Trichothoraz n. g. (von Lebia durch zugespitztes Endglied der
Kiefertaster und breites, jederseits mit einem Haare besetztes Halsschild
unterschieden ; dergleichen giebt es jedoch bereits mehrere!), cya-
neus, Scarites marginatus, Chlaenius viridis, Lissauchenius biguttatus,
Ophonus ? Billiarderii, Catascopus? Lafertei (ein Anchomenus), Fe-
ronia Melliei, Abax Caledonicus, Catadromus impressus (ein Amibly-
gnathus), Cymindis domestica (ein Acupalpus) und Tachys Artense.
Motschulsky (Bullet. d. natur. de Moscou 1859. II. p. 140)
beschrieb nebst zahlreichen neuen Arten aus Californien auch eine
neue Gattung Philophuga, deren Charaktere er mit denen von
Calleida, Glycea, Tarus u. a. in Vergleich bringt. Fussklauen stark
gekämmt, 4. Tarsenglied leicht zweilappig, Endglied der Lippentaster
stark beilförmig, Fühler von Kopf- und Halsschildlänge zusammen-
genommen. Augen gross, oval, Halsschild herzförmig, Flügeldecken
gewölbt und nach hinten erweitert, gestreift, Hinterflügel fehlend. —
Art: Ph. cyanea, 3% Lin. — Die neuen Arten sind: Patrobus Cali-
fornicus, Tachys rivularis, Lopha bifasciata, Peryphus parallelocollis,
subinflatus, erosus, Ochthedromus concolor, Notaphus flammulipennis,
obscuromaculatus, laterimaculatus, variolosus, Odontium sculpturatum,
Dyschirius quadridens, Acupalpus symmetricus, Stenolophus indistinctus,
rotundicollis, Harpalus depressicollis, Pangus americanus, Dichirus
pallidus,, Ophonus sublaevis, Brachinus costipennis,, Philoteenus chlo-
ridipennis, Lamprias cyanellus, Lebia bilineata, Brachystylus ampli-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 441
collis, parallelus , Tongicollis, curtipennis, Platysma puncticollis, ob-
tusangula , oblongiuscula, Celia purpurascens, coerulea, Amara im-
pressicollis, brunnipes, Leirus Californicus, ovipennis, Chlaenius ro-
gator, Badister submarinus, Agonothoraz robustus, Änchomenus cya-
nescens, Scaphiodactylus opacus, Cychrus erenatus, ovalis und alter-
natus. Einige dieser Arten sind auf Taf. III abgebildet.
Derselbe (Etud. entom, 1859. p. 26 ff.) machte folgende neue
Ostindische Gattungen und Arten bekannt: Tetragonica n. g. von
Anchomenus-artigem Habitus, aber mit breit abgestutzten Flügel-
decken; die stark gekämmten Fussklauen und die mit der Ligula
verwachsenen Paraglossen bringen sie zu den .Lebien, von denen sie
durch die nicht beschuppten Tarsen des Männchens , das viereckige
Halsschild mit vorspringenden Hinterecken, die stark gestreiften Flü-
geldecken u. s. w. sich entfernt. — Art: T. fusca 1'% Lin., Ceylon.
— Pentagonica transparipes n. A. Ceylon. ,— Allocota.n. g., der
Gattung Scalidion Schm. Goeb. sehr ähnlich, aber durch schief abge-
stutztes Endglied beider Taster, ‚quere, abgestutzte und die Mandibeln
nicht bedeckende Oberlippe, dieke Fühler nach Art der Brachinen,
deren erstes Glied das längste ist u. s. w. unterschieden. Das elfte
Fühlerglied ist beim Weibchen kurz, kuglig, beim Männchen den
vorhergehenden ‚ähnlich. — Art: A. viridipennis aus dem Innern
Javas (?). — Parena n. g. ebenfalls Scalidion verwandt, aber durch
den Mangel des Kinnzahnes unterschieden; Ligula verlängert, an der
Spitze leicht zweilappig , Oberlippe viereckig, die Mandibeln gröss-
ten Theils bedeckend, Fühler krältig, aber länger als Kopf und Hals-
schild zusammengenommen, ihr erstes Glied am längsten, Augen
ziemlich hervortretend. — Art: P. bicolor von Java. — .Euplynes
bispinus, Callistus littoralis n. A., letzterer von Madarä (Östindien).
— Stomonazüus.n.g., zu den Panagaeen gehörig, besonders durch
verlängerten Kopf und das abgestutzt keulenförmige Endglied der
" Lippentaster ausgezeichnet; soll auch mit .Drimostoma Aehnlichkeit
haben, — Arten: St. sculptipennis Ceylon und orientalis Tranquebar.
— Agonothoraz ceylonicus,, Nestra nigrifrons (die zu den Trechiuen
gehörende Gattung wird hier charakterisirt), Tachys flavicula, impres-
sipennis und acaroides n. A. von Ceylon.
Derselbe (ebenda p. 121 ff.) beschreibt Microlestes tantillus
Spanien, infuscatus, fuscipennis, flavipes, longipennis und Blechrus
vittatus Aegypten. — Derostichus.n.g., vom Habitus der Licinen,
aber glänzender und kleiner; nur ein Glied an den Vordertarsen des
Mänuchens viereckig erweitert u. 8. w. — Art: D. caucasiceus. —
Procrustes anqustieollis n. A. von Idria (beiläufig Notizen über andere
vom Verf. aufgestellte Arten der Gattung), "Callisthenes substriatus
2. A, aus Persien. Die Gattung Callisthenes will der Verf. aufrecht
442 Gerstaeceker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
erhalten; er erörtert ihre Unterschiede - von Calosoma und zählt die
ihr zugehörenden Arten auf.
Derselbe (Bullet. de l’acad. de St. Petersbourg XV. 1859.
p-539 f. und Melanges biolog. de l’acad. de St. Petersbourg III.
p- 222 ff.) beschrieb Lyperophorus rufipes, Steroderus punclatostriatus,
Amara obscuricornis, Nebria parvicollis und femoralis als n. A. von
Jakutsk, ferner (Bullet. de l’acad. de St. Petersbourg I. 1860. p. 302)
Callisthenes Semenovii als n. A. aus der Songarei und gab (Bullet.
de Moscou 1859. II. p.488 f.) vorläufige Diagnosen von Chlaenius
lineellus, Agostenus costulatus, Carabus Gaschkewilschii, viridilimbatus,
Callisoma aeneum und cyanescens n. A. vom Amur.
Gebler (Bullet. de Moscou 1859. II. p. 317 ff. und 1860. II.
p-2 ff.) beschrieb Cymindis Mannerheimii , sellata, rufescens und ru-
Reollis, Ayalus cingulatus und tricolor, Sphodrus Schrenkü und tho-
racicus, Omalomorpha punetata, Nebria Schrenkii, Anchomenus cyani-
collis, Poecilus cyaneus, Omaseus Mellyi und Ophonus undulatus als
n. A. aus der Songarei.
Neue Arten, von Fairmaire aufgestellt, sind: Amara valida
Vaterl.?, Sphodrus australis Süd-Frankreich, latebricola unterirdische
Höhlen ‘der Monlagne noire, alrocyaneus Sicilien, Anophthalmus Do-
riae Bärengrotte in Ligurien und Ghilianii Piemont (Annal. soc.
entom. VII. p. 21 ff.), Poecilus Lossinianus (Bullet. soc. entom. 1859.
p- 216 diagnosticirt) aus Italien, Trechus amplicollis Puy de Döme
und Feronia (Steropus) Gallegae aus Galizien (ebenda p.149, 150),
Cymindis Henonii, Acinopus laevipennis, cylindraceus und Feronia
(Argutor) rectangula aus Algier (ebenda p. 51 diagnostieirt), Dromius
myrmidon 'von Beziers (ebenda p.103 diagnosticirt), Dromius vittula
aus Algier (Rev. et Magas. de Zool. 1859. p.59 diagnosticirt), Pri-
stonychus latebricola aus Frankreich (gleich dem oben erwähnten
Sphodr. latebricola?) ebenda p.29. — Ferner aus Corsika (Annal.
soc. entom. VIl. p. 269 beschrieben): Nebria Lareynii , Pristonychus
parviceps und Feronia ambigua. — Ausserdem bemerkt F. (Bullet.
soc. entom. 1859. p.153), dass der von ihm beschriebene Carabus
Thomsonii bereits von Chaudoir im J. 1843 als Car. planatus mit
der irrigen Vaterlands - Angabe „Nord - Amerika“ bekannt gemacht
worden sei.
Von Linder (Annal. soc. entom, VII. p. 71. pl. I): Anoph-
ihalmus erypticola, Pandellii und Orcinus aus unterirdischen Grotten
in den Pyrenäen, gleichzeitig in Rev. et Magas. de Zool. 1859; p. 29
diagnostieirt.. — Ferner (Bullet. soc. entom. 1859. p. 258): Anoph-
thalmus Minos n. A. ebendaher und (Annal. soc. entom. VIII. p- 611.)
Anophthalmus Rhadamanthus aus der Grotte von Betharram, Harpalus
Lycaon von Ariege.
Von Schmidt(Verhandl. d. zoolog.-botan Gesellsch, zu Wien X.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 443
p- 669 ff. Taf. 12) Anophthalmus globulipennis, Schaumii und Motschulskyi
aus den Höhlen Krains.
Von Miller (Wien. Ent. Monatsschr, Ill. p. 304 ff.) Nebria Ta-
trica, Carabus glucialis (aus der Gruppe des C. sylvestris), Patrobus
Tatricus, Pterostichus blandulus und Trechus microphthalmus vom
Tatra-Gebirge.
Von Schaum (Berl. Ent. Zeitschr. III. p.43 ff.) Carabus. ca-
vernosus Rumelien, Ulrichii var. arrogans Serbien, Tunythriz senilis
Monte Rosa, Pterostichus Parnassius Monte Rosa, Bruckii Serbien.
Von Tournier (ebenda IV. p.317) Anchomenus Corsicus von
Corsika.
Von Gautier des Cottes (Bullet. soc. entom. 1859. p. 209 f.)
Feronia Tournieri und Carabus glacialis vom Monte ‚Rosa, Anchome-
nus antennalus aus Spanien. — Nach Tournier (ebenda 1860.
p- 25) sind diese drei Arten bereits bekannte, nämlich Feronia Tour-
nieri gleich Molops terricola Fab., Carabus glacialis gleich C. depres-
sus Bon. var. und Anchomenus antennatus gleich A. pallipes Dej. var.
Zugleich beschreibt derselbe eine merkwürdige Varietät des Carabus
depressus unter dem Namen Car. Linderi aus den Berner Alpen. —
Ebenda 1860. p. 47 besteht Gautier des Cottes auf der Selbst-
‚ständigkeit der drei von ihm beschriebenen Arten.
Von Delarouzee (Bullet. soc. entom. 1860. p.26) Pristo-
nychus Balmae aus einer Grotte bei Montpellier.
Von Levrat (Annal. soc. Linndenne de Lyon V p.1) Poecilus
vieinus Sicilien und Algier und (Etud. entom. p.45) Trechus Chau-
doiri Sicilien.
Von Mulsant und Rey (ebenda VII. p. 300 ff.) Amara ovalis
Montpellier und Acupalpus notatus Hyeres. — Von Mulsant und
Godart (ebenda VII. p. 150. und Opusc. entom. XI. p. 181) Stenelophus
(sic!) humeratus von Hyeres; die Art wird jedoch (wohl irrthümlich)
als zur „tribu des Hydrocanthares“ gehörig bezeichnet,
Von Boieldieu (Annal. soc. entom. VII. p.461) Pristonychus
Jacequelini aus Höhlen der Pyrenäen und Dromius oblitus aus Süd-
Frankreich.
Von Baudi (Berl. Ent. Zeitschr. III. p. 341) Anillus glaber
n. A. aus den Apenninen.
Von Fuss (Verhandl. d. Siebenbürg. Ver. zu Hermannstadt XI.
p- 291.) Leistus gracilis und alpicola als n. A. aus Siebenbürgen,
beide aus einer Höhe von 6500—7000‘. Verf. schliesst der Beschrei-
bung eine analytische Tabelle zur Bestimmung der sechs in Sieben-
bürgen einheimischen Arten der Gattung an.
Von Kirsch (Entom. Zeitung 1859. p. 197 f.) Callisthenes ele-
gans und Cratocephalus (noy. gen.) songaricus als n. A. aus der
Songarei. Letztere Art, 14 Lin. lang, verbindet mit den Charakteren
444 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
von Carabus die Kopf-, Kinn- und Thoraxform von Callisthenes und
zeichnet sich besonders durch die starke Entwickelung und die
Glätte der an der Spitze nicht nach innen gebogenen Mandibeln aus.
Von Reiche (Annal. soc, entom. VII. p. 640 ff.) Harpalus Le-
thierryi und Ophonus villosulus als n. A. aus Algier. Zugleich macht
Verf. synonymische Mittheilungen über einige von Coquerel und
Fairmaire beschriebene Algerische Carabiden, unter denen beson-
ders hervorzuheben, dass Carabus eychrocephalus schon von Dejean
als Calosoma asperatum beschrieben worden ist. (Dasselbe. erwähnt
auch Fairmaire im Bulletin soc. entom. 1859. p. 154.)
Von Chevrolat (Rev. et Magas. de Zool. 1859. p. 380) Lebia
Poupillieri und (ebenda 1860. p. 409) Bembidium. bisbimaculatum als
n. A. aus Algier.
Von Wollaston (Annals of nat. hist. V. p. 217 f.) Apotomus
Chaudoiri (rufus Woll. antea), Zargus Monizii und Aepys graeilicor-
nis als n. A. von Madeira, ferner (Journ. of Entom.]. p. 851.) Tarus
Paivanus , Pterostichus (Orthomus) haligena und Harpalus. pelagicus
als n. A. von den Salvages.
Von Bertoloni (Memorie dell’ accad. di Bologna VIII, Rev.
et Magas: de Zool. 1859. p. 39 f.) Anthia mutilloides, minima, Tefflus
Thomsoni und Rembus Dohrnii als n. A. von Mossambique. f
Von Gu&rin („Etude sur les Graphipterus,“ Bullet. soc. entom.
1859. p. 224 1l. und Rey. et Magas. de Zool. 1859. p-524 ff. pl. 21)
Graphipterus: Väldanii als n. A. aus dem Süden Algiers. ‚Zugleich
erörtert Verf. sehr eingehend die Charaktere der mit dieser Art zu-
nächst verwandten Gr. serrator, luctuosus, multiguttatus, rotundalus
und Barthelemyi, deren Synonymie er auseinandersetzt, und welche
er auf pl. 21 im Umrisse abbildet. \
Von Walker (Annals of nat. hist. 3. ser. III. p.51) Dromius
repandens, Colpodes? marginicollis, Platysma retinens, Harpalus dis-
pellens und Drimostoma? marginale als n. A. von Ceylon, nur kurz
und unkenntlich diagnostieirt.
Von White (Proceed. 'zoolog. soc. of: London 1859. p. 117.
pl. 58) Catadromus Elseyi (von der Grösse und Form des ©; tenebri-
oides Oliv.) als n. A. aus Nord - Australien, -Platysma Sturtii und
‘Flindersii aus dem Inneren Australiens, zwei anllallend 'grosse und
robuste Arten, welche nach dem Verf, ‚eigentlich eine‘neue Galtung
bilden müssten. „But shortness of time and other reasons force me
to refer.them to Platysma or Pereus.“ (!)
Von Horn (Proceed. acad. nat. science. of Philadelphia 1860.
p. 569. pl. 8. fig.1) Nomaretus imperfectus als n. A. aus Virginien.
Mulder, „Aanteekening over Mormolyce phyllodes' Hagenb.“
(Tijdschr. voor Entomol. Ill. p.131—157. pl. 10 u.'11) setzte in einer
sehr ausführlichen Schilderung der gesammten Körpertheile von Mor-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u.60. 445
molyce phyllodes. die sexuellen Unterschiede dieser Art auseinander
und reiht daran einige Notizen über die innere Anatomie, welche er
an zwei in Weingeist erhaltenen Exemplaren beiderlei Geschlechts
studirt hat. Nach den auf pl.11 gegebenen Abbildungen ist der Oe-
sophagus, wie zu erwarten, auffallend in die Länge gezogen und mit
drei leichten Anschwellungen versehen; der Kropf im. Verhältnisse
klein, etwas seitwärts gerückt, der Proventriculus und Chylusmagen
von gewöhnlicher Adephagen-Form. Die Vasa Malpighi sind nicht
angegeben; zu beiden Seiten des erweiterten Mastdarmes zeigt sich
eine grosse, lang eiförmige Blase (wohl das Receptaculum der After-
drüsen). Die Ovarien nebst Eileitern so wie. die Hoden erscheinen
in der Abbildung fast nur schematisch dargestellt; an letzteren sind
keine Anhangsdrüsen angegeben.
Snellen van Vollenhoven (ebenda III. p.166 f. pl. 12)
theilte Voet's Beschreibung und Abbildung der Larve und Puppe
von‘ Carabus auratus, die den späteren Autoren unbekannt ‚geblie-
ben ist, mit.
Schaum (Berl. Ent. Zeitschr. III. p.35 ff. Taf. 4) machte drei
Carabiden- Larven bekannt, nämlich ‘von Searites abhreviatus, von
Bembidium lJunatum. (bier könnte nur die Art etwa zweifelhaft sein)
und die muthnassliche von Omophron multiguitatum Chaud., die je-
doch von der von Desmarest beschriebenen , ebenfalls nur muth-
masslichen des O0. limbatum wesentlich abweicht. Die Larve von
Searites ist durch den Mangel der Ocellen, die des Omophron durch
starke, zahnförmige Innenlade der Maxillen ausgezeichnet.
Derselbe, „Observations on the nomenelature of British Ca-
rabidae, as established in the catalogue of British Coleoptera by G.
R. Waterhouse* (Entomol. Annual for 1860. p.119 ff.).
Lucas (Bullet. soc. entom. 1859. p. 6) beschrieb eine auffal-
lende Varietät von Carabus lotharingus.
Kraatz (Berl. Entom. Zeitschr. IV. p.54f.) machte seine An-
sichten über die Artrechte einiger Spanischen Carabi bekannt. —
Ebenda p.81 ff. stellte Schaum synonymische Bemerkungen über 45
verschiedene Carabiden zusammen.
Nach Lucas (Bullet. soc. entom. 1859. p. 182) ist Chlaenius
Favieri Luc. nicht, wie Fairmaire glaubt, identisch mit Chl. azu-
reus Dej., sondern mit Chl, maroccanus Chaud,
Nach Reiche (ebenda p. 143) gehören zur Gattung Phloeoze-
taeus Peyr. ausser der Coptodera plagiata auch Singilis mauritanica
Luce. und fuseipennis Schaum. — Schaum (ebenda p. 251) will die
Gattung Phloeozetaeus nicht anerkennen, worauf Reiche (ebenda
p- 256) replieirt. Eine Fortsetzung dieser Debatte findet sich von
beiden Seiten in den Annal. soc. entom. VIII. p.633 u. 640.
© Dytieidae. Von Montrouzier (Annal. soc. ent. VIII. p. 241 ff.)
446 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
wurde eine neue Gattung Pachytes kurz angedeutet; sie soll sich
von Hyphydrus durch fast gleich lange Endglieder der Taster, von
Hydroporus durch ungleiche Fussklauen an den Hinterbeinen unter-
scheiden. — Art: P. elegans von Neu-Caledonien. — Ausserdem wer-
den folgende ebendaher stammende n. A. beschrieben: Cybister No-
vae Caledoniae, Artensis, Colymbetes Clairvillei, Montrouzieri (Lu-
cas), dorsalis, Copelatus Aubei.
Motschulsky (Etud. entom. 1859. p: 40 ff.) beschrieb Hydro-
vatus picipennis und obscurus Ceylon, rufescens, punctipennis, subro-
tundatus, seminarius, acuminatus, maculatus und fulvescens Ostindien,
Hydrocoptus subvittulus Ceylon und Ostindien, rufulus und bivittis
Birma, Laccophilus undulifer , basalis, flavescens Ceylon, transversus
Birma, uniformis Ostindien.
Derselbe (Bullet. de l’acad, de St. Petersbourg I. 1860. p. 302)
Rhantus nigropunctatus und Hydroporus flaviventris als n. A. aus der
Songarei, (ebenda XVII. 1859. p. 541 und Melanges biol. de l’acad.
de St. Petersbourg Ill. p. 225) Colymbetes costulatus als n. A. von
Jakutsk.
Derselbe (Bullet. de Moscou 1859. II. p- 163 ff.) Hydroporus
pulcher, eximius, Hygrotus impressifrons, Dytiscus albionieus, fusco-
striatus, Rhantus? consimilis, Ilyobius oblongus, Colymbetes sobrinus,
fossiger, glabrellus, Laccophilus californieus als n. A. aus Californien.
Le Conte (Proceed. acad. nat. science. Philadelphia 1859. p. 282)
Colymbetes densus als n. A. von Steilacoom und (Coleoptera of Kan-
sas and Eastern New-Mexiko p.&f.) Ilybius Laramaeus, Agabus cla-
vatus, griseipennis, obliteratus und spilotus als n. A. aus Nord-
Amerika.
Fairmaire (Annal. soc. entom. VII. p.272) Agabus rufulus,
Hydroporus moestus, Lareynii und Martini als n. A. aus Corsika,
(ebenda VIII. p. 631) Agabus marginicollis ebendaher , (ebenda VII.
p- 27.) Hydroporus vestitus und discretus als n. A. aus Frankreich
und (Bullet. soc. entom. 1859. p. 52) Hydaticus Nauzielii als n. A.
ebendaher.
Mulsant und Godart (Annal. soc. Linneenne de Lyon VII.
p- 12 f. und Opusc. entom. XI. p. 177) Agabus foveolatus und Hydro-
porus atropos als n.A. aus den Basses-Alpes. — Mulsant und Rey
(Ann. soc. Linn. VII. p. 305.) Hydroporus longulus und ignotus als
n. A. aus Süd-Frankreich.
Einzelne neue Arten sind ferner: Haliplus perforatus Schaum
(Berl. Ent. Zeitschr. III. p. 48) aus den Pyrenäen, Colymbetes latus
Gebler (Bullet. de Moscou 1859. Il. p. 327), Hydroporus inefficiens
Walker (Annals of nat. hist. 3. ser. Ill. p.51) aus Ceylon und Aga-
bus hydroporoides Murray (ebenda IV. p. 120) aus Old-Calabar.
Fuss (Archiv d. Vereins f. Siebenbürg. Landeskunde 1V. 1859)
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 447
stellte ein Verzeichniss der Schwimmkäfer (Dytiscidae) Siebenbürgens
zusammen.
Gyrinidae., Als neue Arten wurden bekannt gemacht: Gyrinus
nudivittis Murray (Amnals of nat. hist. 3. ser. IV. p.121) von Old-
Calabar, Gyrinus discifer Walker (ebenda III. p. 51) von Ceylon,
Gyrinus fuscipes und marginiventris Motschulsky (Bullet. de Moscou
1859. II. p. 173) aus Californien und Dineutus leweopoda Montrouzier
(Annal. soc. entom. VIII. p.245) aus Neu-Caledonien.
Palpicornia. Eine neue Gatlung Stagnicola Montrouzier
(Annal. soc. entom. VIII. p. 245 ff.) soll mit Hydraena durch die lan-
gen Taster, mit Spercheus durch sechsgliedrige Fühler verwandt sein,
sich aber durch die nur dreigliedrige Keule der letzteren unterschei-
den. — Art: St. foveicollis von Neu-Caledonien, ebenso wie Ochthe-
bius Fabrieii, Hydrobius Artensis und Hydrophilus australis,, die als
n. A. beschrieben werden.
Motschulsky (Bullet. de Moscou 1859. II. p. 174 ff.) be-
schrieb Hydrophilus tristis, Tropisternus californicus , affınis, hume-
ralis, marginatus, Brachypalpus infuscatus, Hydrobius dorsalis, Phil-
hydrus fuscus , latiusculus, oblusiusculus , Berosus californicus als n.
A. aus Californien, (Etud. entom. 1859. p. 46) Pylophilus nigriceps
aus Ceylon, Ostindien und Aegypten und (ebenda p. 128) Limnoze-
nus grandis aus Sicilien und Spanien.
Mulsant und Rey (Annal. d. 1. soc. Linneenne de Lyon VII.
p- 312 M.) Limnebius sericans und Laccobius pallidus als n. A. aus
Süd -Frankreich und (Opusc. entom. IX. p. 58 If.) Berosus Australiae
n. A. aus Australien, bidenticulatus von Madagascar und pubescens
(Eschsch. in Dej. Cat.) von den Philippinen.
Fairmaire (Annal. soc. entom. VII. p.29) Elophorus fracti-
costis n. A. aus Frankreich.
Murray (Annals of nat. hist. 3. ser. IV. p. 123) Philydrus lon-
gipalpis und (p. 352) Cyclonotum Mulsanti als n. A. von Old-Calabar,
‚ausserdem Sphaeridium senegalense Lap.
Walker (ebenda III. p. 258) diagnosticirte Cercyon vicinale und
Berosus decrescens als n. A. von Ceylon.
Staphylinidae. Thomson, „Försök till uppställning af Sveriges
‚Staphyliner“ (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 2740) liefert
analytische Tabellen zur Feststellung der in Schweden einheimischen
Tribus und Gattungen der Staphylinen. Die Zahl der ersteren beträgt
bei ihm für die Schwedischen Formen allein 14, nämlich: Staphylinini
Xantholinini, Trichophyini, Aleocharini, Hypocyptini, Oxyporini, Tachy-
porini, Mieropeplini, Omalini, Olisthaerini, Oxytelini, Stenini, Paederini
und Phloeocharini; die der Gattungen erhält noch eine viel ansehn-
lichere Bereicherung, indem sie durch Aufstellung von 37 neuen
und Wiederaufnahme abgethaner älterer auf 133 gesteigert ist. Die
448 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Gattung Staphylinus im Erichson’'schen Sinne ist in 6, die Gattung
llomalota neben den schon davon abgetrennten in 21 fernere Gattun-
gen zerlegt, ebenso auf Kosten von Omalium 6, von Oxypoda 5 neue
errichtet. Da sich schon die meisten der in jüngster Zeit durch
Theilung der Erichson’schen errichteten Gattungen keiner Aner-
kennung der späteren Untersucher zu erfreuen gehabt haben, werden
die hier, errichteten sie vermuthlich noch weniger finden; wir unler-
lassen daher auch die Anführung ihrer Namen.
Motschulsky (Etud. entom. 1859. p. 66 ff.) machte eine Reihe
neuer Arten und Galtungen aus Ostindien, Ceylon u. s. w. bekannt:
Thoracophorus? subnitidus Oslindien (den Gattungsnamen will Verf.
für die Glyptoma-Arten mit gekeulten Fühlern anwenden; Th. ezcisi-
collis Panama und longicollis Neu -Orleans werden anhangsweise als
n. A. beschrieben), Phloeonomus quadrifossulatus, Oxytelus? parasi-
tus und simplex Ceylon, teneris Ostindien, Sterus pulcher Ceylon. —
Saurellus n. g., auf Echiaster indicus Motsch. gegründet, Paede-
rus conicollis, piliferus, puberulus und rugipennis Ostindien, Xan-
thophius n. g., von Xantholinus durch mehr erweiterte Kieferta-
ster, deren 3. Glied länger als das 2, ist, durch die Insertion ‚der
Fühler, von denen das 2. Glied länger als das 5., das zweitheilige
Aftersegment u. s. w. unterschieden, — Art: X. serpentarius Ceylon.
Gabrius fuscolaterus ebendaher, Trapeziderus.n.g., von „Bra-
chydirus“ durch unpunktirten Kopf und Thorax, durch parallellau-
fende Kiele auf dem Rande des letzteren, mehr zugespitzten Hinter-
leib, kleine, Sache Augen, stachlige Mittelbeine u. s. w. unterschie-
den. Art: Tr. bicolor Ceylon. — Philonthus fulvitarsis, Tachyphorus
(sie!) dilutus, Erchomus subpunciulatus, und Conosomus brevipennis
Ceylon. — Euryglossa.n. g. (eine Aleocharinen-Form vom Anse-
hen eines Tachyporus, aber neben Gymnusa zu, stellen) fluvocincta,
Gyrophaena? trifida, nigra, curtula, ? oxyteloides Ceylon., — Hy-
groptera n. g., von Encephalus durch die Fühler , von denen das
4. und 5. Glied schmaler und kürzer als das 2. sind, unterschieden.
— Art: H. termitis Ceylon, in Termitennestern; Termidonia laminata
ebendaher, Acanthoglossa.n. g., die langgestreckte Form von
Ocalea mit den Charakteren von Myrmedonia verbindend, mit 2 Ar-
ten: A. badia und humerosa; Homalota suspiciosa und termitophila,
sämmtlich Termitengäste von Ceylon. — Termitoporan.g., in
der Form den Gattungen Phloeopora und Oxylelus gleichend, aber
eine Aleocharine, mit pentamerischen Tarsen, das 1. Glied an den
Hinterbeinen nicht länger als das2. — Art: T. adustipennis auf Cey-
lon sehr häufig in Terwitennestern. — Autalia riparia Ostindien.
Ebenda p. 128 charakterisirt derselbe eine neue Gatlung Cy-
lindrocephalus, zu den Xantholiniden gehörig, durch sehr ver-
längerten, gleich breiten und vorn und hinten scharf abgestutzten
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u.60. 449
Kopf, der zwischen den Fühlern mit einer hornförmigen , zweilap-
pigen und in der Mitte gefurchten Erhebung versehen ist, ausgezeich-
net. — Art: C. pictus aus Transcaucasien.
Derselbe in seiner Enumeration des nouvelles especes de
Coleopteres rapportees de ses voyages (Bullet. d. natur. de Moscou
1860. I. p.539 1.) beschrieb eine grössere Anzahl Russischer (mit
Einschluss von Asien) Staphylinen, welche folgenden Gattungen an-
gehören: Micropeplus (3 A.), Coryphium (1), Anthobium (4), Oma-
lium (2), Xylodromus (1), Ochthexenus (1), Heterops (1), Acidota (1),
Micralymma ? (1), Lesteva (1), Geodromus (2), Anthophagus (1), Tro-
gophloeus (5), Ancyrophorus (1), Oxytelus (2), Bledius (5), Stenus (2),
Evaesthetus (4), Paederus (1), Sunius (4), Stilicus (2), Lathrobium (2),
Xantholinus (2), Othius (1), Philonthus (4), Gabrinus (5), Matidus (1),
Staphylinus (1), Quedius (2), Heterothops (3), Boletobius (1), Ellipto-
somus (1), Tachyporus (2), Conosomus (1), Oligota (1), Homalota (5),
Oxypoda (8), Ocyusa (1), Calodera (1), Myrmedonia (1), Lomechusa (1),
Aleochara (3), Thiasophila (1), Ocalea (1), Bolitochara (1), Phyto-
sus ? (1).
Kraatz, die Staphylinen- Fauna von Ostindien, insbesondere
der Insel Ceylon (dies. Archiv f. Naturgesch. XXV, p. 1—192. Taf.
I—IN) führt im Ganzen 388 Arten in systematischer Reihenfolge auf,
von denen die grosse Mehrzahl, von Nietner auf Ceylon und von
Helfer in Ostindien entdeckt, neu ist und beschrieben wird. Von
neuen Galtungen werden aufgestellt: Eccoptogenia n. g. (verge-
bener Name! Chaudoir, Caraben) neben Bolitochara, Linoglossa
n. g. mit Tachyusa und Silusa verwandt, Leucocraspedum n. g.
zwischen Trichophyus und Hypocyptus, Tachinomorphusn.g.
bei Tachinus, Trichocosmetes n.g. für Staph. leucomus Er., Eu-
cibdelus n.g. neben der vorigen Galtung, Ho!isomorphus.n.g.
nächst Leptacinus, Mitomorphus n.g. für Leptacinus debilis Er. u. a.,
Cephalochetus.n. g. bei Cryptobium, Psilotrachelus.n. g.
bei Stilicus, Sclerochiton n. g. nächst Echiaster, Thinocharis
n. g. und Acanthoglossa n. g. bei Lithocharis, Nerophygus
n. g. für Trogophl, pallipes Motsch. und Eupiestus n. g. bei
Piestus.
Derselbe (Wien. Ent. Monatsschr.1V. p. 25 f.) beschreibt Dio-
chus Schaumii aus Nord-Amerika, parvulus von Bahia und Staudin-
geri aus Andalusien als n. A., nebenher auch nochmals D. nanus Er.;
die beiden früher von ihm beschriebenen Arten D. major und In-
dieus führt er auf D. (Rhegmatocerus) conicus und antennatus Molsch.
zurück. ‚
Derselbe (Berl. Ent. Zeitschr. III. p.52) beschrieb Phytosus
balticus (nigriventris Kr.) und Myrmedonia Fussii als n. A. aus Deutsch-
land. — Ferner ist (p. 65f.) nach ihm Micropeplus fulvus Jacg. du
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd, DD
450 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Val = M. staphylinoides Marsh., M. Margaritae Jacq. du Val. = ful-
vus Er., M. staphylinoidesKr. eine neue Art, die jetzt M. Tongipennis
benannt wird. — Ebenda p.1ff. giebt Verf. über die von Solier in
Gay’s Fauna Chilena beschriebenen Staphylinen Auskunft und be-
schreibt Ozypoda Chilensis, Myllaena parvicollis und Homalotrichus
substriatus als n. A. aus Chile. — Ebenda p. 310. Taf. 4 Beschrei-
bung und Abbildung der Larve von Glyptomerus cavicola Müll.
Fairmaire undCoquerel (Annal. soc. entom. VII. p. 150 ff.)
beschrieben folgende neue Arten aus der Berberei: Myrmedonia physo-
gastra, Homalota myrmidon , Hypocyptus grandicornis „ Mycetoporus
biplagiatus, Quedius crassus, bovinus, Heterothops acuminatus, Ocypus
atrocyaneus, Xantholinus amissus, Scimbalium pubipenne, Lithocharis
sericella, despecta, seminigra, Mecognathus cribellatus, Stenus sub-
fasciatus, Anthobium maculicolle und genistarum.
Fairmaire (ebenda VII. p.35 ff.) Bolitochara laevior Pro-
vence, Tachyusa, forticornis Frankreich , Ozypoda forticornis und ri-
paria Paris, Aleochara Grenieri Provence, Myllaena gracilicornis
Hyeres, Tachyporus meridionalis Nimes, Quedius brevipennis, Stenus
muscorum und oreophilus Pyrenäen, Omalium Allardii Paris. — Ebenda
VII. p. 629 Philorinum pallidicorne n. A. aus Corsika und p.338
Compsochilus africanus n. A. aus Constantine diagnostieirt. — Fer-
ner (Bullet. soc. entom. 1859. p. 164) Myrmedonia Rougeti n. A. von
Dijon diagnosticirt, (ebenda p. 184) Calodera colorata n. A, von Bor-
deaux und Paederus Baudii n. A. aus Piemont beschrieben.
Chevrolat (Rev. et Magas. de Zo01.1860. p. 410) Sunius ru-
tilipennis. und Anthobium eincticolle als n. A. aus Algier.
Mulsant und Rey (Annal. d. l. soc. Lioneenne de Lyon VII.
p- 346 ff.) Bolitochara flavicollis Schweiz, Aleochara laeta Beaujolais,
eurynota Gironde, senilis Hyeres, Ozypoda longipes und induta Lyon,
perplexa HUyeres , Homalota subrecta; paradoxa, Myrmedonia ezcepta
und Gyrophaena rugipennis Südfrankreich als n. A,
Brisout de Barneville (Annal. soc. entom, VIII, p. 339 f.)
Homalota Aubei, ruslica , cadaverina, immunda, fimorum, liliputana,
muscorum, Lomechusa bifoveolata und pubicollis als n. A. aus Frank-
reich. — Ferner (Bullet. soe. entom. 1859. p. 217 und 231 #.): Ho-
malota sequanica, Parisiensis, Fairmairü, minuscula, lacustris und dif-
feilis, Quedius Kroatzii, Philonthus palustris und Lithocharis vieina
als n. A. aus Frankreich.
Gougelet und Brisout de Barneville (Bullet. soc. ent.
1859. p. 238) Lathrobium concinnum als n. A. aus Algier.
Boieldiet (Annal. soc. entom. VII. p.464) Xantholinus Cor-
dieri n. A. aus Sicilien und Cryptobium Jacquelinii n. A: aus Süd-
‘Frankreich.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 451
Gautier des Cottes (ebenda VIII. p. 368) Ocypus Etruscus
als n. A. aus Etrurien.
“Waterhouse (Proc. entom. soc, V. p. 14f. und p. 22) Ozypoda
nigrina, nigrofusca, Homalota plumbea, imbecilla und Ozypoda? ater-
rima als n. A. ausEngland. Zugleich führt Verf. mit Janson einige
andere in England zuerst aufgefundene Staphylinen (und Histeren)
namentlich auf.
Jacquwelin du Val (Glanures entom. I. p. 34 f.) Lesteva mus-
corum als n. A. aus den Pyrenäen.
Scriba („Einige neue deutsche Staphylinen,“ Entom. Zeitung
1859. p.413f.) Homalota volans,, clavigera, Lathrobium lineatocolle
und atripalpe n. A. aus Deutschland. Verf. schliesst hieran Bemer-
kungen über das Vorkommen ‘und die Lebensweise einiger bereits
bekannter Arten.
Miller (Wien. Ent. Monatsschr. III. p. 353) Homalota’ alpicola
als n. A. vom Tatra-Gebirge.
Wollaston (Annals of nat. hist. 3. ser. VI. p. 51 1.) Tachyusa
marilima , Hypocyplus reduetus, Mycetoporus Johnsonii , Heterothops
minutus und (p. 100 ff.) Xantholinus Hesperius (Erichs. ?), Scopaeus sub-
opacus, Lithocharis brevipes, Sunius aequivocus und Trogophloeus exi-
lis als n. A. von Madeira. — Von bereits bekannten Arten sind auf
Madeira nachträglich noch aufgefunden ‚und werden hier angeführt:
Leptacinus linearis Grav., Pbilonthus thermarum Aube, Arpedium hu-
mile Er. und Anthobium torquatum Marsh.
Walker (Annals of nat. hist. '3. ser, III. p. 51.) diagnosti-
eirte als n. A. von Ceylon:' Ocypus 'lineatus, Philonthus pedestris,
Xantholinus inclinans , Sunius? obliquus , Prognatha tenuis, Osorius
?compacius, Ozytelus bieolor, Trogophloeus? Taprobanae, Aleochara
translata und subjecta, Dinarda serricornis.
Chevrolat (Bullet. soc. entom. 1859. p.5) bemerkte, dass der
von Kraatz als neue Gattung und Art aufgestellte Cyrtothorax Sal-
lei bereits von Erichson als Quedius buphthalmus beschrieben
worden''sei.
Synonymische Bemerkungen über verschiedene von Thomson
beschriebene Homalota-Arten u. a. machte Kraatz (Berl. Ent. Zeit-
schr. II}. p.89 und IV. p. 98).
Pselaphidae. Eine ‚neue Gattung Pselaphanaz wurde von
Walker (Annals of nat, hist. 3, ser. Ill. p. 52) folgendermassen
‚charakterisirt: „Corpus subsetosum , caput latum , postice petiolatum,
antennae filiformes, corporis dimidio longiores: thorax subglobosus,
‚subfusiformis, postice coarctalus,, elytra convexa, abdomen elytra vix
superans, pedes longiusenli.“ — Art: Ps. setosus, 1%, Lin. von Ceylon.
> Mulsant und Rey (Annales d, I. soec. Linneenne de Lyon VII.
P: 3221.) beschrieben Batrisus piceus und Bryazis globulicollis als
452 Werstzecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
n. A. aus Südfrankreich, Bythinus nigrinus und Euplectus punctatus
als n. A. aus der Schweiz.
Schaum (Berl. Ent. Zeitschr. III. p. 48 ff.) Bryazis transversa-
lis und nigriventris als n. A. aus Dalmatien,
Tournier — aus Irrthum ist Saussure als Autor angege-
ben — (Bullet. soc. entom. 1859. p. 97) Bryazis fulviventris und By-
thinus Pictetii als n. A. von Genf.
Fairmaire (Bullet. soc. entom, 1860. p. 45) Faronus Telonensis
als n. A. aus Toulon und (Annal.. soc. entom. VII. p.34) Euplectus
Riedeli als n. A. aus Siecilien.
Delarouze&e (Annal. soc. entom. VII. p. 68) Amaurops Galli-
cus als n. A. aus dem Depart. Var.
Boieldieu (ebenda p.463) Tychus Jacquelinii als n. A. aus
Südfrankreich.
Jaequelin du Val (Glanures entom. I. p.34) Machaerites
Mariae als n. A. aus den Pyrenäen.
Baudi (Berl. Ent. Zeitschr. III. p.342) Bythinus collaris als
n. A. von den Seealpen.
Motschulsky (Etud. entom. 1859. p. 132) Bythozenus subter-
raneus als n. A. aus der Grotte Pasica in Krain.
Paussidae. Nach brieflichen Mittheilungen von Gueinzius
(Proceed. entom. soc. V. p.2) hat derselbe bei Port Natal Paussiden
nur bei Lampenlicht fliegend oder in Ameisencolonieen angetroffen;
die Gattungen Cerapterus, Pleuropterus und Pentaplatarthrus unter ver-
schiedenen grösseren Ameisenarten, die eigentlichen Paussi nur unter
kleinen Ameisen und hier zwar mehrere verschiedene Arten beisam-
men. Sie erscheinen vom November bis April; ihren ätzenden Saft
spritzen sie aus den Seiten (?) des Hinterleibes aus und: zwar ver-
dampft ein Theil desselben in Form einer deutlichen blauen Wolke,
während das übrige als gelbliche Masse an den Flügeldecken kleben
bleibt. Paussus Latreilli wurde mehrmals in copula beobachtet, Die
Käfer finden sich stets in demjenigen Theile des Ameisennestes, wo
die Eier und Puppen liegen; obgleich G. sie nie hat fressen sehen,
glaubt er doch, dass sie sich eher von der Beute der Ameisen, als
von ihren Eiern und Larven ernähren. Ebenso vermuthet er, dass
die Paussen ihre, Eier in die Ameisennester ablegen und dass ihre
Larven von den Ameisen gefüttert werden. In der Regel halten sich
die Käfer an sonnigen Waldrändern auf; sie werden meist von meh-
reren Ameisen umlagert, welche ihren Saft ablecken und beim Auf-
rühren des Baues von letzteren bei den Flügeln gepackt und wegge-
tragen. (Vergl. die Mittheilungen von Plant, Jahresber. 1856. p. 66).
‘Delarouze&e (Bullet, soc. entom. 1860. p.46) berichtet nach
Beobachtung an lebenden Exemplaren, dass Paussus Favieri nicht nach
Art von Brachinus bombardire, dass er aber, wenn man ihn reizt,
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u.60. 453
an den Seiten des vorletzten’ Abdominalringes einen Tropfen grün-
lichgelber Flüssigkeit hervörtreten lasse. "Das Männchen dieser Art
unterscheidet sich vom Weibchen durch ausgerandetes letztes Abdo-
minalsegment.
Thomson (Musee scientif. p. 67 ff.) gab eine Aufzählung von
43 in seiner Sammlung befindlichen Paussiden-Arten; er will anf Pleu-
ropterus alternans Westw. eine neue Gattung Heteropaussus
gründen und die Westwood'schen Galtungsnamen ÖOrthopterus und
Homopterus in Euthysoma und Neopaussus umändern.
Als neue Arten wurden aufgestellt: Paussus Thomsonii aus Su-
dan von Reiche (Musee scientif. p.23) und Paussus Reichei vom
weissen Nil, von Thomson (Arcan. natur. p. 117.)
Histerini. Le Conte (J. E.), „Description of new species: of
the Coleopterous family Histeridae“ (Proceed. acad. nat. scienc. Phi-
ladelph. 1859. p. 310 ff.) machte als Nachtrag zu seiner Monographie
der Amerikanischen Histeren 25 neue Arten aus Nord- und Central-
Amerika nebst einer Afrikanischen bekannt. Es sind folgende: Holo-
lepta princeps Californien, Omalus rotundatus Mexiko, Phelister
affınis ebendaher, marginellus Maryland, Panamensis, Hister hospitus
Westl. Staaten, regularis Afrika, Granadensis Panama, defectus New-
York, ambigena Vermont, furtivus Georgia, Epierus mehicanus Mexiko,
ellipticus Südl. Staaten, devius Mexiko, Carcinops geminatus New-
York, parvulus Cuba , Paromalus ezstriatus Pensylvanien, parallelus
Cuba , Saprinus latubris Westl. Staaten, sterquilinus Cuba , discors
Mexiko, scrupularis Georgia, olidus Texas , fulgidus Cuba, Hetaerius
seliger Georgia, Teretrius americanus Mittel-Staaten,
Von de Marseul erschien in den Annales de la soc. entom.
vi. p.581 und p. 835 ff. der Anfang eines Supplementes zu seiner
Monographie der Histeren. Die auf pl. 11 und 15 abgebildeten und
vom Verf. beschriebenen neuen Arten gehören den Gattungen Holo-
lepta (13 A), Lioderma (2 A.), Trypanaeus (7 A.), Placodes (1 A.) und
Apobletes n. g. (auf Holol. foliacea Payk., Macrosternus tacilurnus
Mars. u. a. gegründet; 7 A.) an.
Derselbe (ebenda p. 264 f.) beschrieb Macrosternus Montrou-
steri und Saprinus Artensis als n. A. von Neu-Culedonien.
J. Le Conte (Coleoptera of Kansas and Eastern New-Mexiko
p- 7) Hister instratus, nubilus, pollutus, Saprinus spurcus, parumpun-
clalus und pratensis als n. A. aus Nord-Amerika und (Proceed. acad.
nat, scienc. Philadelphia 1859. p. 70) Hister remotus und Hetaerius
morsus'n. A. von Fort Tejon.
Gebler (Bullet. de Moscou 1860. II. p.8) Hister fasciolatus
als n. A. aus der Songarei, Motschulsky (Bullet. de l’acad de St.
Petersbourg I. 1860. p. 304) Hister Tabiatus ebendaher,
454 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Walker (Annals of nat. hist, 3. ser. III. p. 53) dingmanipitte
Hister mundissimus als n. A. von Ceylon.
Silphidae. Eine neue zur Anisotomiden-Gruppe gehörige Gat-
tung Xantkosphaera wurde von Fairmaire (Annal..soc, entom,
VII. p.29 £.) aufgestellt; mit Triarthron im Habitus und in der drei-
gliedrigen Fühlerkeule übereinstimmend, unterscheidet sie sich davon
durch viergliedrige Hintertarsen, während sie von Colenis durch ‚un-
gekieltes Mesosternum abweicht. — Art: X. Barnevillei aus Ungarn.
Einheimische neue Arten sind: Colenis Bonnairii und Adelops
Bonvouloiri Jacquelin du Val (Glanures entom, 1) ‚aus Frankreich,
Adelops galloprovincialis Fairmaire von Hyeres und Delarouzei Fairm,
aus Grolten der Pyrenäen (Annal. soc. entom, VIll. p. 631), Adelops
lucidulus Delarouzee aus einer Grotte bei Montpellier (Bullet. soc.
entom. 1860. p. 27) und Catopsimorphus Fairmairei Delarouzee (ebenda
p-32) aus Frankreich , in Gesellschaft von schwarzen Ameisen ge-
funden. u
Wollaston (Annals of nat. hist. 3. ser. V. p.219) beschrieb
Catops Murrayi als n. A. von Madeira. ;
Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1859. p. 84)
Necrophilus tenuicornis als n. A. vom Puget-Sund, (ebenda p.282) Ne-
crophilus longulus, Catops pusio und Anisotoma morula als n. A., aus
Californien, und (Coleoptera of Kansas and Eastern New-Mexico, p.6)
Silpha bituberosa als n. A. von Fort Bridger.
Fairmaire und Germain (Rev. .et. Magas. de Zool. 1859,
p- 350. ff.) Silpha biguttula von der ‚WMagellan - Strasse und Choleva
transversestrigosa, faslidiosa, cribellata und Hydnobius consobrinus
als n. A. aus Chile.
Desbrochers des Loges (Bullet..soc. entom, 1859. p. 259)
beobachtete Silpha nigrita beim Fressen von Erdbeeren,
Scydmaenidae. Die Gattung, Mastigus erhielt einen Bee
durch drei Arten :,.Mastigus acuminatus Motschulsky aus Andalusien
und M. ruficornis Motsch. aus den Apenninen (Etud. entom., ‚1859.
p.131), Mastigus Liguricus Fairmaire von, den Seealpen (Bullet. soc.
entom. 1859. p. 216). :
Von eigentlichen Scydmaenen diagnosticirtte Fairmaire (Bul-
let. soc. entom. 1859. p. 235) Cephennium intermedium, Eumicrus hae-
maticus, Scydmaenus subcordalus und semipunctatus als n. A, aus den
Pyrenäen und, beschrieb (Annal. soc. entom. VII. p.33) Scydmaenus
Pandellei als n. A. ebendaher.
Fairmaire und Coquerel (Annal. soc. ent. VIll. p. 145 ft)
Scydmaenus truncalus, prolervus, furtivus, spissicornis, abditus und
promptus als n, A. aus der Berberei; Abbildungen auf pl. 6.
Mulsant undRey (Annal.soc. Linneenne de LypnYIl, p, 316 M.)
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 455
Eutheia linearis, Scydmaenus longicollis und carinatüs als n. A. aus
Südfrankreich.
Schaum (Berl. Ent. Zeitschr. Ill.. p.49) Cephennium fulvum
als.n. A. aus Krain und Scydmaenus conspicuus als n. A. aus An-
dalusien.
Tournier (irrthümlich stebt Saussure abgedruckt) diagno-
stieirte (Bullet. soc..entom. 1859, p: 97). Scydmaenus distinctus 'als
n. A. aus Genf, und Walker.(Annals.of nat. hist. 3, ser. III. p. 52)
Scydmaenus megamelas ‚als n. A, von Ceylon.
Fuss, „Die Siebenbürgischen Scydmaenus-Arten“ (Verhandl,
d. Siebenbürg. Vereins. zu‘ Hermannstadt.XI.. p. 127 ff.) gab eine ana-
lytische Beschreibung ‘der dreizehn. bis jetzt in Siebenbürgen aufge-
fundenen Scydmaenus-Arten,
Scaphidiidae. Eine Uebersicht der in Nord-Amerika 'einheimi-
schen Gattungen. und ‚Arten dieser Familie lieferte Le Cont.e (Syno-
psis of the Scaphidiidae of the United States, Proceed. 'acad. nat.
science. Philadelpia 1860. ‚p. 321 1.).: 1) Scaphidium Oliv.. 4 Arten:
S. obliteratum n.A., 4-guttatum. und 4-pustulatum Say, piceum Melsh.
2) Seaphium Kirby :1’Art: Se. ‚castanipes Kirby,; dem Verf. unbekannt.
3) Cyparium Er., 1 Art: C. flavipes'n. A. '4) Baeocera Er. 2A.:'B.
coneolor Er., dem Verf. unbekannt: und apicalis n.A. 5) Scaphisoma
Leach 7 A.: Sc. castaneum LeC., convexum Say, punctulatum, su-
turale, terminatum, rufulum und pusillumn. A. 6) Toxidium n.g.
von. Baeocera ‘und ‚Scaphisoma durch genäberte Hinterhüften ‚und
schmalen, zusammengedrückten Körper unterschieden ; Fühler capil-
lär, lang, das 7. bis 11. Glied dicker, das 8. schmaler als die das-
selbe einschliessenden. — Art: T. gammaroides n.'A., i
Als neue Arten wurden beschrieben : vonMotschulsky (Eind,
entom. 1859. p. 94) Scapkidium saucineum von. Ceylon,, lunatum. und
conjunetum \aus Ostindien.
j Trichopterygia. Fairmaire und Germain (Rey. et Magas.
de Zool. 1859. p. 355 f.) beschrieben Trichopteryz, Chilensis und Pti-
lium flavidulum als n. A. aus Chile.
W.ollaston (Annals ‚of. nat. hist. 3. ser, V.p. 221) erwähnt
des Vorkommens. von. Trichopteryx 'abbreviatellus Heer auf Maderia,
Puilium punetipenne Fairmaire (Annal, soc. entom. ‚VII. p.32)
n, A. aus Frankreich.
Matthews (Zoologist. p. 6014 ff.) gab ein. synonymisches Ver-
zeichniss der in England vorkommenden. Trichopterygier, welches im
Ganzen 29. Arten‘ ,nachweist. Zwei darunter bilden nach dem Verf.
neue Gattungen, nämlich. Pteryz n. g. für ‚Pt, mutabilis Matt. ‚und
Titan n. g. für Trich. abbreviatellus Heer. _
» ı Phalacridae. Tolyphus ‚subsulcatus‘ Fairmaire (Annal., soc. en-
tom. VIll. p.166) n. A. aus der Berberei.
456 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Nitidulariae. Fairmaire und Coquerel (Annal.soc. entom.
VII. p. 166 f.) beschrieben Cercus flavicans , Xenostrongylus hirsutus
und Cychramus chloroticus als n. A. aus der Berberei.
Montrouzier (ebenda VIII. p. 262.) Ips bimaculata und
puberula (beide = Ips mutilatus Er.?), Mycetophagus? Balanophorae
(eine Nitidula) und pictus (Nitidula?), Nitidula Signoretii, Guerinii
und argentea p.915 (die drei letzteren zur Galtung Gymnochila ge-
hörend) als n. A. von Neu-Caledonien.
Boieldieu (ebenda VII. p.467) Cryptarcha punctatissima als
n A. aus Sicilien, v. Kiesenwetter (Berl. Ent. Zeitschr. Il. p. 57)
Xenostrongylus arcuatus als n. A. aus Nord-Italien,
Le Conte (Coleoptera of Kansas and Eastern New-Mexiko p. 6)
Carpophilus apicalis und carbonatus, Meligethes ruficornis (vergebe-
ner Name!) und saevus als n. A. aus Nord- Amerika, und (Proceed.
acad. nat. scienc. Philadelphia 1859. p. 69 f.) Cercus sericans, Carpo-
philus caudalis und Nitidula humeralis als n. A. von Fort Tejon,
ebenda p. 84 Peltie serrata aus dem Washington-Territory.
Murray (Annals of nat. hist. 3. ser. IV. p.356 f.) Brachypeplus
rubidus und niger als n. A. aus Old-Calabar, Walker (ebenda III.
p- 52 f.) Nitidula submaculata, Meligethes respondens und Trogosita
rhizophagoides als n. A. von Ceylon,
Letzner (Berl. Ent. Zeitschr. III. p. 304. Taf.4) gab eine Be-
schreibung und Abbildung der Larve und Puppe von Pocadius ferru-
gineus Fab. aus Lycoperdon giganteum. Die von Bouche als Larve
von Pocadius bezeichnete gehört, dem Verf. zufolge, dieser Gattung
nicht an.
Gucujidae. Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelph.
1859. p. 84) charakterisirte Pseudophanus n. g. (Pseudophana!
Burm, Hemiptera), neben Telephanus stehend, dem es im Ansehen
gleicht, aber durch cylindrische Taster und kleines viertes Tarsenglied,
ferner durch dichter punktirten Körper und eine Längslinie zu jeder
Seite des Kopfes unterschieden. — Art: Ps. signatus Puget-Sund.
Eine zweite neue Gattung ist Euryplatus Motschulsky (Etud.
entom. 1859. p. 95) aus der Verwandtschaft von Hemipeplus, mit Lae-
mophloeus durch den flachgedrückten Körper verwandt, die Flügel-
decken aber abgestutzt, um die Hälfte kürzer als der Körper, das
Halsschild nach hinten stark herzförmig verengt; Tarsen bei beiden
Geschlechtern heteromerisch. — Drei Arten: Eur. lateralis von Ceylon,
albonotatus und biocellatus aus Ostindien.
Cueujus? incommodus, Silvanus scuticollis und porrectus wur-
den als n. A. von Ceylon von Walker (Annals of nat. hist. 3. ser.
III. p. 53) diagnosticirt.
Aeraphilus nasutus Chevrolat (Rev. et Magas, de Zool. 1860
p-211) n. A. aus Algier,
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 457
Colydii. Wollaston (Annals of nat. hist. V. p. 254) beschrieb
eine neue Galtung Prostheca, welche mit Pycnomerus und Xylo-
laemus zunächst verwandt ist und sich von ersterer durch jäher ab-
gesetzte Fühlerkeule, ungezähnte Mandibeln und mehr viereckiges
Kinn und Oberlippe, von letzterer gleichfalls durch ungezähnte Man-
dibeln und verschiedene Längsverhältnisse der Fühlerglieder unter-
scheidet. Körper linear, rauh, Thorax trapezoidal, seitlich fein ge-
sägt, Fühler von Thoraxlänge, das 1. und 2. Glied ziemlich gross und
dick, das 3. bis 9. viel kleiner und etwas schmaler, die beiden letz-
ten eine grosse abgesetzte Keule bildend. — Art: Pr. aspera 1 Lin.,
Madeira. — Neue Art: Tarphius angusticollis ebendaher. — Aglenus
brunneus Gyll. und Anommatus 12-striatus Müll. hat der Verf. jetzt
gleichfalls auf Madeira aufgefunden.
Le Conte (Proceed. acad. nat. science. Philadelphia 1859. p.282)
beschrieb Lasconotus complex als u. A. von Punto de los Reyes und
(ebenda p. 84) Aulonium aequicolle als n. A. von Fort Tejon.
Lathridi. Waterhouse, A Revision of the British species
of Corticaria (Transact. entom. soc. V. p.134—145) giebt sorgsame
und ausführliche Beschreibungen der elf bis jetzt in England aufge-
fundenen Corticaria - Arten, unter welchen eine sich als neu heraus-
gestellt hat. Es sind folgende: Cort. pubescens Gyll., denticulata
Gyll., fulva Mann., serrata Payk., cylindrica Mann., elongata Gyll.,
ferruginea Gyll., gibbosa Payk., Wollastoni n. sp. und fuscula Gyll.
Derselbe (ebenda p.174f.) verzeichnete in seinem „List of
the British species of Lathridius“ die zehn bis jetzt in England auf-
gefundenen Lathridius-Arten, bei einigen derselben synonymische Be-
merkungen beifügend.
Wollaston (Annals of nat. hist. 3. ser. V. p. 260 1.) beschrieb
Corticaria inconspicua und Metophthalmus eziguus als n. A. von Ma-
deira. Als daselbst neu aufgefunden werden ausserdem angeführt:
Holoparamecus Kunzei, Corticaria pubescens, Monotoma quadricollis
und quadrifoveolata.
Walker diagnosticirte (ebenda Ill. p. 53) Corticaria resecta
als n. A. von Ceylon.
Nach Fairmaire (Bullet. soc. entom. 1859. p. 110) ist Migne-
auxia serraticollis Jacq. du Val identisch mit Corticaria crassius-
eula Fairm,
Thorictidae. Kraatz erörterte (Berl. Ent. Zeitschr. III. p. 69 f.)
die Synonymie der von Peyron und ihm selbst beschriebenen Tho-
rietus-Arten und beschrieb Thor. strieticollis als n. A. von Oran. —
Thorictus marginicollis Schaum n. A. von Alexandrien (ebenda p. 73).
Dermestini. Als neue Arten wurden aufgestellt: Hadrotoma
fasciata Fairmaire (Annal. soc. entom. VII. p. 45) aus Paris, Attage-
‚nus unifascialus und uniformis Fairmaire ebenda VIII. p.168 f.) aus
458 Gerstaecker: Bericht. über die wissenschaftlichen Leistungen
der Berberei , Dermestes hispidulus ‚und Trinodes australis, (letzterer
ein Attagenus) Montrouzier (ebenda VIII. p.264). aus Neu-Caledonien,
Attagenus?‘\rufipes Walker (Annals ‚of nat. hist. 3. ser. lII. p..53)
aus Ceylon, Dermestes holosericeus Tournier (Berl. Ent. Zeitschr. Ill.
p-318) aus Piemont, Attagenus rufipennis Le Conte (Proceed. acad.
nat. scienc. Philadelphia 1859. p. 71) von Fort Tejon.
Douglas (Proceed. entom. soc. 1859. p. 69): gab eine. kurze
Charakteristik der Larve von Trinodes hirtus.
Byrrhii. Eine ‘neue Gattung Inclica wurde von Walker
(Annals of nat. hist. 3. ser. III. p. 53) folgendermassen diagnostieirt:
„Corpus elliptieum, 'erassum, convexum; antennae gracillimae, subela-
vatae, corporis dimidio breviores, articulus 1. elongatus, 2. medio-
eris, 3. ct sequentes minuli, rotundi; abdomen alas posticas paullo
superans, pedes crassi, breves.“— Art: I. solida, °/, Lin. von Ceylon.
Fairmaire (Annal. soc. entom. VIII. 'p. 338) diagnosticirte
Byrrhus Sorreziacus als n. A. von Sorreze.
Motschulsky (Bullet. de l’acad. de St. Petersbourg XV.
1859. p. 569 und Melanges biolog. de l’acad. ‘de St. Petersbourg IIT.
1859. p. 230 f.) beschrieb Byrrhus nebulosus, Sibiricus und tler
subparallelus als n. A. von Jakutsk.
Parnidae. Motschulsky (Etud. entom. 1859. p. 47 ff.) be-
schrieb Ancyronyz quadriplagiatus und Stenelmis ceylonicus als n. A.
von Ceylon, Stenelmis exaratus aus Ostindien, humerosus, sordidus,
elongatus aus Nord-Amerika und Macrelmis (n. g.) dentalus aus
Columbien, letztere durch abgerundetes, aber stark höckerförmig her-
vortretendes Schildchen von Stenelmis unterschieden.
Parnus striatellus Fairmaire (Annal. soc. entom. VII. p. 46) n. A.
aus Frankreich.
Kolenati (Wien. Ent. Monatsschr. IV. p. 88. Taf. 5) machte
die Larye von Elmis Maugetii Latr. bekannt; dieselbe fand sich an
gleichen Orten mit dem Käfer auf dem Altvatergebirge über 4000° hoch.
Georyssiü. Georyssus pimelioides Fairmaire (Annal. soc. entom.
VII p. 45) n. A. aus Süd-Spanien. .
Heteroceridae. -Waterhouse, „Notes on the. British species
of Heterocerus“ (Transact. entom. soc. V. ‚p.162 1.) gab eine Aufzäh-
lung und Beschreibung von folgenden sieben in England einheimi-
schen. Heterocerus - Arten: H.,laeyigatus Panz., obsoletus Cuvt, mar-
ginatus Fab., fusculus und sericans, Kies., flexuosus Steph. (= lemo-
ralis Kies.) und rectus n. A. (ob identisch. mit. H, fossor Kies, ?). .
Lamellicornia, Ch. Roussel,, Recherches sur les. organes
genitaux des Insectes Col&opteres de, la famille des Scarabeides (Compt.
rend. de l'acad. .d, sciences 'T. L, .p. 158—161).. Verf. hat umfassende
Untersuchungen; über die. Geschlechtsorgane sowohl der einheimischen
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u; 60. 469
als auch vieler exotischer Lamellicornen angestellt und macht dar-
über vorläufig die folgenden Mittheilnngen: die Hoden bestehen
überall in der Familie aus sphärischen, etwas flachgedrückten Capseln,
nur-bei Onthophagus aus kegelförmigen ; ihre Zahl hält sich zwischen
sechs und zwölf. Die Form der Ruthe: trennt ‘die Geotrupier und
Coprinen ‚scharf yon allen ‘Gruppen; bei ersteren ist sie gerade, kurz
und breit-und' scheinbar nur aus einem Stücke bestehend, indem das
obere der beiden allgemein vorkommenden Stücke rudimentär bleibt;
bei den Copriuen ist das Grössenverhältniss beider ‚Stücke‘ dasselbe,
das obere aber. mit einem Rande versehen. — An den weiblichen
Genitalien ; correspondirt die Zahl der Eiröbren ‚jedesmal: mit, derje-
nigen der Hodenkapseln bei derselben, Art; die Coprinen, von denen
die Aphodien zu trennen sind, zeichnen sich‘ durch die alleinige
Entwickelung des rechten Ovariums aus, ‚welches,überdem_ nur aus
einer einzigen, aber langen Eiröhre. besteht. Bei den Geotrupinen
findet sich keine deutliche Bursa copulatrix,; bei den Cetonien sind
die Eiröhren schr kurz; zwischen den Glaphyrinen‘, Melolonthen,
Rutelinen und Scarabaeen .existiren in beiden ‚Geschlechtern keine be-
merkenswerthe Unterschiede an: den. Genitalien,
Dynastidae..— Thomson, Essai'synoptique, sur la sous-
tribu des Scarabaeitae 'vrais, (Arcana naturae p. 5—22. pl.]) liefert
eine Aufzählung der bis jetzt bekannten Arten der Gattungen Golofa,
Scarabaeus (Theogenes, Burm.), Augosoma, Xylotrupes, Eupatorus,
Chalcosoma und Megasoma, welchen er eine neue Gattung Mizige-
nius anreiht. Dieselbe gehört zu der Abtheilung von Golofa und
Theogenes, mit denen sie durch den grossen und zotlig behaarten
Vorsprung des Prosternum übereinstimmt, sich aber durch die bei
beiden Geschlechtern vierzähnigen Vorderschienen unterscheidet. Sie
ist auf den Scärab. Leander Dej. Cat. aus Mexiko, den der Verf. hier
beschreibt, begründet. — Die Gattung Golofa bereichert der Verf.
mit dem (schon vorläufig diagnosticirten) G. imperialis Thoms. aus
Mexiko, auf pl. 1 in beiden Geschlechtern sehr schön abgebildet und
G. inermis n. A. Chile; die Gattung Xylotrupes mit X. Australicus
Neu-Holland und Mniszechii Ostindien (Simla).
Derselbe (ebenda p. 119. 'p1.9) machte‘ unter dem Namen
Astaborus armalus eine ‘neue Gattung und Art'vom weissen Nil
bekaunt, welche er neben Phyllognathus ‘setzen will; sie unter-
scheidet sich von’ letzterem’ besonders’ durch die bei'beiden Geschlech-
tern fast analoge Bildung‘ des’Kopfes und Thorax ‘(deren hornartige
Hervorragungen beim Männchen jedoch beträchtlich stärker entwickelt
sind) und ausserdem (durch das beim Männchen’ in eine stumpfe Spitze
ausgezogene 'Kopfschild. .
0 In seiner „Agaocephalitarum! synopsis“ (Mus&e''scientif. p. 14 ff.)
beschreibt derselbe, eine neue Gattung Mitracephala, mit'Lyco-
460 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
medes und Antedon durch den mit einem ‚einzelnen Horn geschmück-
ten Kopf des Männchens' verwandt. Das Kopfhorn ist kräftig und
an der Spitze zweizackig, das des Prothorax dagegen einfach; die
Klauen der vorderen Tarsen sind unterhalb nicht gezähnt. — M.
Humboldtii, eine schöne und grosse Art aus dem. Inneren Peru’s,
50 Mill. lang, in beiden Geschlechtern auf pl. 5 abgebildet. — Fer-
nere neue Arten: Lycomedes Mniszechii aus Mexiko. Aegopsis West-
woodii aus dem Inneren Brasilien’s, Agaocephala urus, bolbocerida
und 'melolonthida, sämmtlich aus Brasilien, und p. 39 f. Golofa' Sallei
und elavicornis aus Mexiko, puneticollis von Cayenne.
Von Montrouzier (Annal. soc. entom. VIII. p. 272 ff.) wur-
den folgende neue Gattungen und Arten aus Neu-Caledonien bekannt
gemacht: Hezodon Villersii (bildet nach Reiche eine eigene Gattung
Hemicyrtus, welche von ihm anhangsweise charakterisirt wird),
Scarabaeus Serresii (gleichfalls zu Hemicyrtus gehörend, nebst der
vorigen Art auf pl. 7 abgebildet), Ceratophyus Fischeri (zur Gattung
Cheiroplatys gehörend), Oryctes? Artensis (von Reiche zur Gattung
Horonotus gebracht und in H. Montrouzieri umgetauft), Scarabaeus
tridens (gehört nach Reiche zu einer neuen Gattung Enoplus,
welche anhangsweise charakterisirt und auf pl.7 abgebildet wird),
Megalaemus (n.g.) Olivieri (die Gattung fällt mit Cryptodus M. Leay
zusammen).
Reiche (ebenda VIII. p. 332) beschrieb Cheiroplatys pecuarius
als n. A. von Adelaide.
White (Proceed. zoolog. soc. of London 1859. p. 118. pl. 58)
Oryctes Mülleranus als n. A. von Nord - Australien; dieselbe ist von
sehr eigenthümlicher, kurzer Form mit stark verbreitertem, tief aus-
gehöhltem Halsschilde und gehört offenbar einer von Oryctes ganz
verschiedenen Gattung an.
Walker (Annals of nat. hist. 3. ser. III. p. 54) diagnosticirte
Xylotrupes reductus und solidipes, Phileurus detractus als n. A.
von ‚Ceylon.
Gebler (Bullet. de Moscou 1860. II. p. 9) beschrieb Scarabaeus
quadridens als n. A. aus der Songarei.
Laboulbene (Annal. soc. entom. VII. p. 645) erwähnt einer
Monstrosität des Weibchens von Oryctes Silenus mit aufgetriebenem
Kopfe, aus Sicilien stammend, welches von Dejean als eigene Art
betrachtet und Oryctes cephalotes benannt worden ist,
Reiche (ebenda VII. p. 11.) gab „Notes synonymiques sur le
5. volume de l’Handbuch der Entomologie par M.H. Burmeister;“
dieselben betreffen verschiedene Arten der Dynastiden-Gruppe.
Melitophila. — Eine Reihe nener und meist ausgezeichne-
ter ‚Arten machte Thomson (Musee scientif. 'p. 30 ff.) bekannt: He-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u, 60. 461
terorhina Sylhetica aus Sylhet, Gymnetis Paraguayana von Paraguay,
Cotinis Lafertei aus Venezuela, Stethodesma Reichei aus Columbien,
Dejeanii von Port Natal, Lomaptera Wallisiana von der Insel Wallis,
olivacea von Batchian, Batchiana ebendaher, pygidialis von Kaisa,
Macronota Apelles von Batchian, Erirhipis flavoviridis aus Mexiko,
Diplognatha incoides von Guinea, Hoplostomus Bocandei ebendaher,
Cyclidius Lacordairei aus Peru und Incala Gorilla vom Gabon,
Coquerel (Anonal. soc. entom. VIII. p. 240. pl. 7) beschrieb
Parachilia Leroyi n. A. von Madagascar und (ebenda VIIl. p. 446 f. pl.6)
Tropinota Fatima und Ozythyrea Amina als n. A. aus der Berberei.
White (Proceed. zoolog. soc. of l.ondon 1859. p. 119. pl. 58)
Schizorrhina (Hemipharis) Bakewellii vom Yarra-Fluss in Neu-Holland
und Diaphonia metallescens unbek. Vaterl. (ist eine Schizorrhina, im
hiesigen Museum aus Neuholland). Erstere Art wird vom Verf. auch
in Annals of nat. hist. 3. ser. III. p.290 diagnosticirt.
Walker (Annals of nat. hist. 3. ser. III. p. 56) diagnostieirte
Valgus addendus als n. A. von Ceylon.
Lucas (Bullet. soc. entom. 1859. p. 98) errichtete für Oxythyrea
deserlicola und costata Luc. eine eigene Gattung Enoplotarsus,
welche er durch längeres, vorn: verschmälertes und kaum ausgeran-
detes Epistom, schmaleren Körper und Schildchen, weniger hervor-
tretenden Mesosternalzapfen, dreizähnige Vorderschienen und dornige
Tarsenglieder der Hinterbeine charakterisirt.
Wallace (Proceed. entom. soc. 1860. p.107) machte Angaben
über die Geschlechtsunterschiede der Lomaptera-Arten. Die Männchen
haben stets einen Längseindruck auf der Unterseite des Hinterleibes,
einen Zahn weniger als die Weibchen an der Aussenseite der Vor-
derschienen, das Pygidium einfach mit stumpfer Spitze; bei den
Weibchen ist das Pygidium durch eine scharfe Kante begränzt, oder
oben zusammengedrückt und unten concav.
Phyllophaga. — Fairmaire und Germain (Rev. et
Magas. de Zool. 1860. p. 267 f.) diagnosticirten zwei neue Galtungen
aus Chile: 1) Modialis n. g., aus der Ruteliden-Gruppe, mit Ano-
plognathus verwandt. Kopf gross mit sehr grossem, aufgebogenem
Clypeus, Fühler 10-gliedrig, das 6. und 7. Glied sehr klein, die Keule
verlängert; Schildchen mittelgross, Flügeldecken gestreift, hinten ab-
geflacht, Prosternum verlängert, Beine ziemlich lang und dünn. —
Art: M. prasinella 22 Mill., Valdivi. — 2) Lacris n.'g., Macro-
phylla zunächst stehend, Kopf mittelgross, Kopfschild quer, stark
aufgebogen, Fühler 8-gliedrig mit grossem 1. und kurzem 5. Gliede
und sehr verlängerter Keule; Schildchen gross, Flügeldecken gewölbt,
Kinn jederseits gefurcht. — Art: L. dilutipes 10 Mill., Chillan. —
Fernere neue Art: Tribostethus punctatus Valdivia.
l.e Conte (Coleoptera of Kansas and Eastern New-Mexico p. 9)
462 ‚Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
charakterisirie Diazus n. g., neben Diplotaxis Kirby, von dieser
und ‘den nächst verwandten Gattungen durch neungliedrige Fühler
und ungezähnte Fussklauen abweichend und durch die grobe Skulptur
und sparsame Belaarung der Oberfläche Ochodaeus gleichend. Clypeus
halbsechseckig, gerandet, mit undeutlicher Stirnnaht, Mandibeln kaum
hervorragend, 'stunipf, Kinn quadratisch, Fühlerkeule dreigliedrig. —
Art: D. rudis von den Black-Hills. — Diplotaxis obscura n. A.
ebendaher.
Derselbe (Proceed. acad. nat. science. Philadelphia 1859. p.283)
beschrieb Lachnosterna errans n.A. aus Californien und Dichelonycha
pallens .von Punto de los Reyes.
Montnouzier. (Annal. soc. entom. VII. p. 269 ff.) Rkizotro-
gus ? leptopoda (gehörtinach Reiche einer neuen, anhangsweise von
ihm: charakterisirten und mit Heteronyx verwandten Gattung Gna-
phalopoda an), varians und punctatissimus (beide. gleichfalls zu
Gnaphalopoda gehörend) und Cyelocephala Percherona (nach Reiche
identisch mit Barymorpha bimaeulata Gu£rin).
Walker (Annals of nat. hist. 3. ser. Ill. p.54 f.) diagnosticirte
als n. A. von Ceylon: Melolontha rubiginosa, pinguis, selosa, Rhizso-
irogus hirlipectus, ‚aequalis, costatus, inductus, exaclus, Trigonostoma
nana, Popilia discalis, Sericesthis rotundata, subsignata, mollis, con-
firmata , Plectris solida,, Isonychus ventralis, pectoralis, Omaloplia
fracta, interrupla, semicincta, hamifera, Anomala humeralis, discalis,
conformis, punctatissima und Mimela variegata. — Ebenda IV. p. 220:
Rhizotrogus suleifer, Pleeiris glabrilinea und punctuligera, Anomala
infixa und Mimela mundissima,
Fairmaire und Coquerel (Annal, soc. entom.VIIl. p. 419 £.)
eharakterisirten ‚neben einer, Reihe von Arten auch eine neue Gattung
Redotus, mit Pegylis verwandt ‚, aber durch neungliedrige Fühler,
an denen das 5. und 6. Glied kurz sind , längliches und, abgestutztes
Endglied der. Kiefertaster, den vom Halsschilde umschlossenen Kopf,
dessen Rand die Augen: durchscheidet, die verlängerten Beine mit
dreizähnigen. Vorderschienen und gleichen Fussklauen abweichend.
— Aut: R. rufulus aus der Berberei. — Ebendaher stammen : Pachy-
dema spreta und anthracina, Anozia Lucasii und emarginata, Rhizo-
trogus ‚sinuaticollis, punctiventris, subopacus, gonoderus, araneipes,
nigralus, (Geotrogus) Henonii, maculicollis, decoloratus, erassus, Pro-
phettii, Lejeunei, (Rhizotrogus) stupidus, fastidiosus, lanatus, ügnavus,
gulosus, parallelus, (Amphimallus) lobatus, litigiosus und fissiceps.
Fairmaire (ebenda Vll, p.276) beschrieb Anomala rugosula
und, Triodonta eribellata als n. A. aus Corsika.
Lucas (Bullet. soc. entom. 1859.-p. 55) Phyllopertha deser-
ticola als n. A. aus Algier und (ebenda p.17) Rhizotrogus suturalis
ebendaher,
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 463
Derselbe „Quelques remarques synonymiques sur les Dasy-
sterna hirticollis et unicolor, et descriptions de plusieures especes
nouvelles de cette coupe generique, qui habibent les possessions
frangaises du nord de l’Afrique“ (Annales soc. entom. VII. p. 445 fl.).
Verf. zieht zu Pachydema hirtieollis Luc. als Synonyme: Pachydema
hirtieollis, Dasysterna barbara und rufipennis Burm., zu Pachydema
unicolor Luc. die Pach. Wagneri Burm. (nec Erichs.), hält Pachy-
dema rubripennis Luc. als dritte Art der Gattung aufrecht und be=
schreibt als neue Arten aus Algier: Pach. Hornbecki, foveola, Val-
dani und Doursü, von denen drei auch im Bullet. soc. entom. 1859.
p:30 ff. beschrieben sind. — Eine berichtigende Notiz über die Sy-
nonymie der Fabrieius’schen Melol. hirticollis gab Reiche (Annal.
soc. entom. VII. p. 642).
Motschulsky (Etad. entom. 1859. p. 98) beschrieb Exopholis
Birmannica als n. A. aus Ostindien, mit Mel. hypoleuca Wied. nahe
verwandt. Beide unterscheidet Verf. als besondere Galtung Exo-
pholis von Encya und hebt als Merkmale den scharfen Zahn in der
Mitte der Oberlippe, die neungliedrigen Fühler mit dreigliedriger
Keule, das verlängerte und an der Spitze erweiterte Endglied der
Kiefertaster u. a. hervor. — Ebenda p.134 ff. Tanyproctus unicolor
n. A. von Amasia, inflatus von Lenkoran, ovatus aus Georgien, bre-
vipennis und subeylindricus ebendaher, confinis von der Persischen
Gränze, Dasysterna graeca aus Morea, Elaphocera aulumnalis aus
Südspanien und dalmatina aus Dalmatien.
Gebler (Büllet. de Moscou 1859. I. p. 331 f.) beschrieb Ano-
mala vittata, Anisoplia glabra und Melolontha irrorata als n. A: aus
der Songarei. I
Einzelne neue Arten sind ferner: Phaenomeris decorata Reiche
(Musee scientif. p. 24) aus Sudan, Rhizotrogus fossulalus Mulsant und
Rey (Annal. soc. d’agricult. de Lyon III. p-221 und Opuse.' entom. IX.
-p-164) von Corsika, Amphimallus Naceroyi Mulsant ‘( Annal. soc.
d’ägricult. de Lyon Ill. p. 253 und Opuse. 'entom. IX. p.189) Toledo,
Adoreius Gandolphei Guerin (Bullet. soc. entom.' 1859. p. 186) aus
Algier, Chrysina Adolphi Chevrolat (Rev. et 'Magas. 1859. 'p. 481),
der Chrys. macropus äusserst nahe stehend, aus Mexiko ' und Hoplia
Paivae Wollaston (Annals of nat. hist. IV. p. 430). aus Nord-China.
Von Mulsant und Reveliere wurde (Annales d.1.soc. Lin-
neenne de Lyon VI. p.46 und Opusc. entom. XI. p. 66) die,Larve des
Rhizotrogus fossulatus, welche auf Corsika die Wurzeln von Aspho-
delus ramosus annagt, beschrieben,
Nach Kirchbaumer (Entom. Zeitung 1859. p.1270 ff.) wurde
‚Rutela gloriosa Burm. in Deutschland lebend aus einem: Klotze von
Lignum sanctum herausgeschnitten.
Gautier des Gottes (Bullet: soc. entom, 1860. p. 66)
464 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
machte Mittheilungen über das Vorkommen‘ des Pachypus Candidae
auf Corsika.
Copridae. — Eine neue Gattung Aulacopris vom Yarra-
Flusse in Australien machte White (Proceed. zoolog, soc. of London
1859. p. 118. pl.58) bekannt. Dieselbe gehört dem Verf. zufolge zur
Gruppe der Minthophilidae und zwar zu der Abtheilung mit von den
Flügeldecken bedecktem Pygidium; die Charaktere der sehr auffallend
gestalteten Form werden jedoch nicht näher erörtert. — Art: Aul,
Reich.
v. Harold, Beiträge zur Kenntniss einiger coprophagen l.a-
mellicornien (Berl. Entom. Zeitschr. Ill. p.194 f.) beschrieb Pedaria
hirsuta aus Brasilien, cuprascens vom Cap, Drepanocerus Natalensis
als n.A. Von Copris smaragdina Perty, welche von C. Hesperus Oliv.
verschieden ist, wird eine erneuete Beschreibung, über andere Perty'-
sche Arten nähere Notizen gegeben.
Le Conte (Coleoptera of Kansas and Eastern New-Mexiko p. 10)
beschrieb Canthon praticola, depressipennis, abrasus und cyanellus
als n. A. aus Nord-Amerika und verband damit eine analytische Zu-
sammenstellung sämmtlicher Arten dieser Gattung aus den Vereinig-
ten Staaten,
Einzelne neue Arten sind ausserdem: Gymnopleurus aciculatus
Gebler (Bullet. de Moscou 1859. II. p. 329) aus der Songarei, ‚Onitis
Eumenes Motschulsky (Bullet. de l’acad. de St. Petersbourg I. 1860.
p. 306) ebendaher, Sisyphus prominens Walker (Annals of nat hist.
3. ser. IV. p.219) aus Ceylon, Onthobium Mac Leayi Montrouzier
(Annal. soe. entom. VIII. p. 266) aus Neu-Caledonien (die Gattung
Onthobium wird im Anhange von Reiche speziell charakterisirt
und mit Tessarodon Westw. verglichen) und Copris Valdiviana Phi-
lippi (Entom. Zeitung 1860. p. 245 ff.) aus Chile.
Aphodiidae —v.Harold (Berl. Ent. Zeitschr. III. p.193 ff.)
will auf Aphodius pteropus (Hoflsg. i. lit.), den er ausführlich be-
schreibt, eine neue Gattung Coptochirus gründen (welche indess
durchaus nicht haltbar ist, da, wie schon Erichson eingesehen hat,
ihre Unterschiede von Aphodius nur spezifisch sind und durch einige
ähnliche Arten der Uebergang vermittelt wird). Ausserdem beschreibt
er. folgende Arten als neu: Colobopterus marginicollis vom Cap,
Aphodius Schaumii aus Abyssinien, globulus aus China, Madagascariensis,
Reichei von Java, notalus (Erichs. i. lit.) aus Columbien, Panamensis,
rugosiceps aus Chile, concolor und lineatosulcatus (Klug i. lit.) vom
Cap, Tasmaniae (Hope) aus Australien. — Hierauf folgt eine Reihe syno-
nyınischer Bemerkungen über verschiedene Aphodius-Arten ; dann die
Beschreibung einer neuen Gattung und Art Hypoplatys helopho-
roides aus Ober-Aegypten, welche jedoch nach Stäl mit Sybax Bohem.
wenigstens generisch zusammenfällt. ° (Abbildung auf Taf. 5.)
su „im. Gebiete, der ‚Entomologie, während: der Jahre 1859 u..60. 465
aunm Dierselbe.-(Annal. :soc. entom. VIII. p. 614 f.)! diagnosticirte
Aphodius ‚flavocinetus ;atıs Mexiko, sinuatus von den Philippinen, bo-
strichoides aus Nord-Indien,, longitarsis aus Bolivia, sagittarius aus
Nord-Amerika und Bonvauloirii aus Spanien als n. A.
; Fairmaire (ebenda VIH. p. 171.) beschrieb Aphodius barba-
rus, cognatus und nanus als n. A. aus der Berberei.
a M ontnouzier ‚(ebenda VIII. p.267 f.); Aphodius maculicollis
(ist nach Reiche identisch mit A. lividus Oliv.)'und palustris (ein
Oxyomus)\als .n.. A. von Neu-Caledonien.
Fairmaire und: Germain .(Rev.,et Magas. de ‚Zool. 1860.
P:269): Aphodius füulviventris als n. A. aus Chile.
Mulsant und Rey (Annal. soc. d’agricult. de Lyon III und
Opusec.,‚entom. IX. p.172). Psammodius accentifer und Rhyssemus sul-
eigaster, als 'n.A, aus, Südfrankreich, Mulsant: und Wachanru
(Annal. soc. d’agricult.. Ill. p. 251 und Opusc; entom, IX. p. 187), Psam-
modius: scutellaris als n. A. von Marseille.
: Geostrupä diae. — Neue Arten sind: Odontaeus obesusLe Conte
(Proceed, acad, ‚nat,«scienc. Philadelphia 1859. p..282)) von St. Fran-
eisco, Geobrupes impressus Gebler (Bullet. deMoscou 1859. II. p. 330)
aus der Songarei,|Geötrupes quadrigeminus Fairmaive (Annal.: soc. ent,
VII. p. 48) aus Griechenland und Bolboceras vezcavatus Gautier‘ des
Cottes (Bullet. soc; ‚entom.. 1860. :p.112) vom Senegal.
-s1l5Nach Fainm aüre.(Annal. soc. entom. VII. p. 48), ist Geotrupes
subarmatus' Fairm; ‚identisch mit, .G. fossor: Waltl, Erichs.
03 Le.Comite, (Proceed..acad.:nat.scienc. Philadelphia 1859. p. 71)
gab. eine ‚genaue ‚Beschreibung: der, Mundtheile ‚von: Pleocoma fim-
briata Le C., deren Eigenthümlichkeiten.in Verbindung mit.der Füh-
lerbildung ‚nach ‚seiner: Ansicht die Errichtung einer eigenen Gruppe
neben .den ‚Geotrupiden und! 'Copriden Inothwendig machen.
oo „Eyiriesı (Memoires(d. l.isoc..d. science. natur, de Cherbourg VII.
1860. .p: 370). machte Mittheilungen über ‚das Vorkommen: von Bolbo-
ceras mobilicornis./bei Cherbourg.
nl Orphnidae,,—'Motschulsky. (Etud. entom. ‚1859. p. 132)
beschrieb Ochodaeus, ‚pocadioides als n, A. aus Andalusien und gab zu-
gleich eine‘.Notiz über die nahe verwandte ‚Gattung Stomphax Fisch,
Orphnus ‚detegens n. A.; von Ceylon,«von Walker (Annals of
nat. hist, 3; ser. Ill. p.54) diagnosticirt.
Trogidae. — Unter dem Namen Sphaeridium sulcatum be-
schrieb Momtrouzier (Annal; soc. entom, VII. p. 269) eine n. A.
der Gattung Acanthocerus ; eine zweiten. A. dieser Gattung ist Acan-
thocerus asper Philippi (Entom. Zeitung :1860. p. 247) aus Chile.
Lucanini. — Von Montrouzier,(Annal. soc. entom. VIII:
p: 281 f,) wurden Lucanus? Lifuanus (ist gleich Anoplocnemus La-
fertei ‚Reiche), Rhyssonotus. cancellutus (zurGattung Syndesus gehörig,
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. EE
A466 Gersta@eker: Berichtsüber die wissenschaftlichen'Leistingen
zugleich: die Larve ) beschrieben), Figulus -lwevipennis | und Lifuanus
(letzterer identisch mit Fig.'\foveicollis Boisd.) ‚als n»A.' von En
ledonien‘'beschrieben. e
Le Conte& (Proceed.'acad. nat. sciene. Philadelphia 1859, 5.86)
machte : Ceruchus‘'striatus als! n. A. aus 'dem Washington Territory
bekannt. wi
Fairmaire (Annal. soc, eutom; vun p- rn ER Venrais:
cornisalsı'n.| A. aus Corsika. Ionır 1
Jaequelin du Val.i(Genera d; Coleopt. I.ıp. 2m) 'hatı in
einein .„Essain monogräphiqueo'sur les: Lucanes 'd’Enrope*' nachgewie-
sen, dass Lucanus Cervus Linn. im ‘Süden Frankreichs mit\ yier- "und
fünfgliedriger Keule nebeneinander "vorkomme "und zieht! daher L.
Fabiani: Muls. | und''pentaphyllus "Reiche als‘ Var. zu’ der' Linne’schen
Art» ı Von Arten mit 'sechsgliedriger! Fühlerkeule nimmt er fünf van,
nämlich \L! tureicus ‘Sturm und |tetraodon -Thunb. aus Klein - Asien,
serraticornis Jacgq. du Val aus Italien und Corsika, PontbriantiMuls;
von: Lyon und Barbarossa’ Fab: 'aus’Südspanien -und Nord-Afrika. Von
letzterent giebt er auf «pl. 1. fig) eine! Abbildung. "(Uebrigens’zeigt
sich Verf} in Betracht‘ der geringfügigen Unterschiede\dieser Arten
der Ansichtünichtrabgeneigt, sie sämmtlich nur als in 2 einer
einzigen'Europäischen Art anzusehen). . q
G. Kraatz Ueber» die Europäischen’ Hirschkäfer“ (Berl: ‚Ball
Zeitschr. IV.|p. 68. und 265 ff.) Taf.'7) legt'dagegen: auf’ die sechsglied-
rige Fühlerkeule gär. keinen’ Werth 'und"hält’sowohl‘L- Fabiahi' 'Muls;
als L. Pontbrianti Muls) und tareieus- Sturm für) Värietätew des 'L. cer-
vus. «Nach » leichten »Unferschieden in" der Zahnung "der männlichen
Mändibeln willver dagegen 'zwei’Arten' Zi 'orientalis' (Iberieis’Motseh:
tetraodon »Jacg. d.Nal) und 'tetradden Thunb: absondern, "während 'er
L. Barbarossa 'Fabi ebenfall& alsı Art ‚festhält und denselben von>den
übrigen’dadurch' unterscheidet, dass" bei ihm 'die’Mandibeln "an der
Basis stark’ erweitert’ sind. (Bei 'dem:»Exemplare des’hiesigen Museum)
welches Verf. besonders heranzieht und’ — freilich‘sehr’ ungetrew —
abbildet, isteine/solche' Erweiterung‘ der 'Mandibeln nicht‘ vorhan-
den.Es schienvdies hur'so,; da die Mandibeln weit'gespreizt waren,
ohne indess/'auch in'dieser Stellung irgendwie’ Auffallend’hervorzus
treten; bei: vorgestreekten. Mandibeln‘ ist die ‘Basis ‘derselben gerade
nur so breit wie bei gleich grossen’ Individuen - der- ‘übrigen’ Arten,
Ausserdem'iist zu bemerken;' dass Mulsianit bei seiner 'Anwesenheit
in Berlin das hiesige Männchen des L. Barbarossa "als identisch mit
seinem 'L. Pontbrianti bezeichnet 'hat (vgl.; damit ’die'obige Synony-
mie), ‚so! dass. es mit der vom Verf. gegebenen Feststellung der" Arten
wohl .noch seine Bedenken hat.)
Buprestidad. Ueber ' die Nord-Amerikanischen Buprestiden hat
Le Conte eine ebenso‘ wichtige als umfangreiche Arbeit unter dem
im Gebiete der Entomölogre während’ der Jahre! 1859 u. 60. 4
Titel: „Revision of 'thei' Buprestidae of the ‚United‘ States“ in 'den
Transactions of the Americ. philos. soc. XI. (1860) p. 187—258. pl: 12
geliefert.) 'Nachy seiner V.orrede setzten sich dem Verf: für 'eine Be-
arbeitung: dieser «Familie bisher 'nnüberwindljche ‘Hindernisse in (den
mangelhaften Vorarbeiten entgegen, 'die jetzt durch das’Lacordaire’sche
Werks beseitigt \sind;' die in letzterem gegebene 'Eintheilung der
Familie auf Grund der»Fühlerporen: sieht er" als eine durchaus natür-
liche an, welche durch vereinzelte Ausnahmefälle ‘in ihrer Gültigkeit
nicht beeinträchtigt wird.’ Für eine Anordnung der Nord-Amerikani-
schen:Gattungen ‘hält ‚er es’jedoch für’ zweckmässig, kleinere Gruppen
aufzustellen, deren er acht" annimmt, und unter welche sich (die Gat-
tüngen ‘folgendermassen vertheilen: 1. Gruppe. Gyascutus’n! g:
für «Chälcophora'planicosta und obliterata'Le ©. errichtet, 4 A., Chal-
cophora Sol. 7’A.'(2 neu)! und Psilopterä'Sol.'2 A. —- 2. Gruppe:
Dicerca'-Esch.24 A. (10 neu), Poecilonota-Esch. 5 A: (1 neu), Ancy-
lochira' Esch! /23)A. (4 'neu).und 'Cinyra‘Lap. 2 A. — 3. -Griupper
Melanophila»Eschv 10’A,"(2 neu) "und Anthaxia' Esch. 14° A. (3 neu):
4, Gruppe: Thrineopyge’Le’C. mit 2 Arten: Tr. 'alacris’und am-
biens (Le C., Chrysophana'n.'g, mit 1 A., Chr. placida Oregon,
Polycesta'$0l,'5 'A.,, Plosima Söl.' 1A. und’ Acmaeodera Esch. 17 A.
(3 neu). — 5. Gruppe : Ohrysobothris Esch. 33 A." (17’neu) und Acte-
nodes'Le ©. ‘2A! (I 'netı)..— 6,'Gruppe: Coraebus’Lap. 1 A. und
Agrilus 32 A. (14 neu). "7. Gruppe: "Brachys Sol.’9 A. (3 neu).
= 8 /Grupper'Haplostetkusn. g. mit 1 Art, H.' subeyaneus, der
kleinsten. im Nord- Amerika einheimischen Form. — Hiernach stellt
sich" die Zahl‘ der dem Verf. aus eigener Anschauung ‘bekannten Nord-
Amerikanischen‘ /Arten auf 190 , welche jedoch durch mehrere der
früheren Autoren, die sich) nicht deuten liessen‘, erhöht wird.‘ Nicht
bloss die neuen, sondern.'auch- die Mehrzahl ‘der schon bekannten
Arten werden in der Monographie des Verf.’s nochmals eharakterisirt
und in’ ihrer Synonymie ‘erörtert; ‘bei artenreichen Gattungen wird
der Beschreibung (eine analytische Tabelle zum Bestimmen‘der Arten
vorangeschickt. Von den drei erwähnten neuen’ Gattungen! unter-
scheidet sich Gyascutus von Psiloptera,, mit der’sie in dem’breit
gerundeten: Kinn’ übereinstimmt//‘dureh die Einfügung der Fühler un-
ter einer schrägen, 'erhabenen Leiste , von-Chalcophora, bei welcher
das Kinn breit ausgerandet ist, sowohl durch dieses als gleichfalls
durch’die Einfügung der Fühler.‘ Chrysophana steht Polycesta
zunächst, mit der sie durch 'das’längere erste Tarsenglied überein-
stimmt, sich aber durch stumpfe Mandibeln unterscheidet; "im An-
sehen der Gatt. Ancylochira' ‚gleichend. Haplostethws' zeichnet
sich’durch 'eylindrischen Körper, -in‘grossen Höhlungen 'entspringende
Fühler, verschmälertes Epistom,' unterwärts 'gelegene, aber nicht'an
das’ Prösternum, anliegende Mundöffnung‘, vertikale, leicht eonvexe
468 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Stirn, ‚breites, dreieckiges Kinn, breites, vorn und hinten’ abgestutztes
Prosternum und breit gezähnte Fussklauen aus.
Derselbe/(Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1859. p.71f,)
beschrieb Anthazia strigata, Acmaeodera conneza, relifer und gutli=
fer (sie!) als n..A..von Fort Tejon.
Philippi (Entom. Zeitung 1860. p.245 f.)'-Halecia elegarik,
Curis, Aurora, Stigmodera Asarae, Acmaeodera biimpressa und Agri-
lus Valdivianus als n. A. aus Chile.
White, (Proceed,, zoolog. soc., of London 1859. p. 119 £.) Stig-
modera. Bakewellii, parallela. und Guilelmi, Temognatha imperatriz
aus Neu-Holland, Chrysodema Louisa von den Figi-Inseln, | (Abbil-
dungen auf pl. 58u. 59). Die erste und dritte Art sind auch in Annals
of.nat. hist, II, p. 290 diagnosticirt.. — Catoxantha carinala als n. A,
von Gilolo in Proceed. entom. soc.1859. p.64 diagnosticirt,
Thomson (Bullet, soc. entom. 1859. p. 112) beschrieb Cato-
zantha Lacordairei als n- A. von den Molukken und (Arcan. naturae
p. 118) Sternocera Klugii und Mephisto als n.’A. vom weissen Nil. |
Montrouzier (Annal. 'soc. entom. VIII. p. 248.) Buprestis
Varennesi (Chrysodema), erythrocephala, Artensis (Chrysodema), con-
vera (Chrysodema), Abrobapta serrata und Diphucrania, macromera
(ein Coraebus) als n. A. von Neu-Caledonien.
Motschulsky (Etud. entom. 1859. p,52) Metonius splendens
n.A. von Ceylon, subeyaneus aus dem Holländischen Guyana, folidceus
von Para, biimpressus, oblongus Nord-Amerika.. — Ferner; (Bullet, de
Moscou ‚1859. II. p. 180.1.) Polycesta Californica, cribrana ‚. Chryso-+
bothris subeylindrica, purpurifrons und Belionota Califörnica als .n, A.
aus Californien, (p. 490) Poecilonota. virgata; vom Amur und: (Bullet,
de l’acad. de St. Petersbourg XVII 1859. p. 542, Melanges biolog.' de
l'acad. de St. Petersbourg Ill. p.226) Anthazia quadriimpressa als n- a
von Jakutsk.
Chevrolat (Rev. et Magas. de Zool. 1860,.p. 454) || Acmaeo-
dera ramosa als n.A, aus Algier, (ebenda p.208.) Julodis.chrysae-
sthes und chalcostigma ebendaher, (ebenda 1859, p: 381) ARSERER
scabiosae, und laesicollis ebendaher.
Lucas (Bullet. soc. entom. 1860. p..27). Julodis, Aristidis ». rei
aus Algier, (ebenda 1859. p. 183) Julodis cicatricosa und Jaminii
ebendaher. .
Fairmaire (Annal. soc. entom, VII. p. 49) Cylindromorphus
parallelus als n. A. von Hyeres, (Rev. et Magas. de Zool. 1860. p..269)
Anthazia Paulsenii n. A, aus Chile, und (Bullet. soc. entom, 1859.
P-236) Julodis deserticola und leucosticta aus Algier.
Walker (Annals of nat. hist. 3. ser. Ill, p. 258) diagnosticirte
Agrilus cupreiceps und cupreicollis als n. A. aus’ Ceylon.
Einzelne neue Arten sind ausserdem: ‚Anthazia plicata: Kiesen-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 469
wetter’ (Beil: Ent.’ Zeitschr. II1.'p.’58) aus Serbien, Anthazia Ariasi
Robert (Bullet. d. 1. soc. d’etud!'seientif.' de Draguignan Octbr. 1858,
Bullet.'soc. ent. 1859. p. 174) -aus'Frankreich (ist nach Fairmaire
eine neue’ Art der Gatt. Melanophila), 'Acmaeodera Chevrolati Levrat
(Annal.' d. 1. soc;' Linneenne deLyon V. p. 262) aus Sicilien, Acmaeo-
dera Revelieriii Mulsant und’ "Rey (ebenda VI. p. 167 und Opuse.
entom: IX. p. 170) und Julodis Mniszechii Reiche’ (Musee scientif; p.'24)
aus Sudan.
Mulsant (und Reveliere machten (Annales)soc. Tinneenne
deLyon VI. p. 124 und Opusc. entom. XI. p. 86) die Larven von Lampra
mirifica (in''Ulmen lebend), Cratomerus eyanicornis (in immergrünen
Eichen) und von 'Latipalpis Pisana (wie die vorige) bekannt.
Die Synonymie mehrerer Arten der Gatlung Acmaeodera wurde
von Schaum (Berl. Ent. Zeitschr. IV. p. 93 f.) erörtert.
»Euonemidae. Throscidae. — H. de Bonvouloir, Essai
monograghique str Ja famille des Throscides. Paris 1859. 8. 141. pag.
4 planeh. color." — Verf. liefert in diesem 'mit’sauberen "Abbildungen
ausgestatteten Werkchen' eine‘ sehr sorgfältig gearbeitete Beschrei-
bung der beiden Gattungen Throscus und Lissomus, von denen er die
letzte (jedoch nach durchaus unbaltbaren‘ und relativen Merkmalen)
in drei Gattungen Lissomus Dalm. (15 A.), Drapetes Redt.’ (32 A.) und
Hypochaetes n. g. (1 A.) zerlegt. Während für Drapetes noch
die Furchung des Prosternum einen Anbalt gewährt, ‘ohne dass damit
andere constante' Unterschiede Hand in Hand gingen, liegen der Ab-+
trennung von Hypochaetes allein rein spezifische Merkmale zu Grunde.
Unter so bewandten' Umständen-kann auch der Artname bicolor z. B:
nicht zweimal (unter Lissomus und Drapetes) aufrecht erhalten wer-
den, sondern muss einmal dem Namen cyanipennis Jacq. du Val wei-
chen. ‘Der Drap. praeustus des Verf. ist bereits früherivon Boheman
als L. plagiatus, der Drap. fasciatus Bonv. schon’ von Laporte als
L. bimaculatas beschrieben, der Liss. cribratus Eschsch. vom Verf:
nicht berücksichtigt worden, der Liss. punctulatus des Verf. ‚nicht mit
der Dalman'schen Art gleiches Namens identisch, da diese von foveo-
latus Dalm. nicht verschieden is. — Von’ Throscus beschreibt der
Verf. 14 Arten. ":
Gleichzeitig hat! Ref. die Arten der Gattung Lissomus’ nach
dem Material der Entomol, Sammlung zu Berlin (Linnaea entom. XIV.
p- 129-177) dargestellt und seinerseits den Nachweis geliefert, dass
Lissomus und Drapetes, wie schon Lacordaire und v. Kiesen-
weiter\dargethan haben, nicht als Gattungen getrennt werden kön-
nen, ‘Er beschreibt im Ganzen 34 Arten, von’denen .ihm indess drei
von Laporte und Gu&rin beschriebene nicht in natura bekannt
geworden sind. Die Art, auf welche Bonvouloir die Gattung
Hypochäetes gegründet bat, istfür den’ Ref. nur ein Lissomus (L.
470 Gernsbaeicke,n: Bericht,über die.wissenschaftlichen/.keistungen
pictulus);.ansserdem, fallen mehrere ‚in beiden: Arbeiten zugleich,ibe-
sehriebene ' Arten. als identisch: ‚zusammen. |, _ Hu Modof
; In iden Annales de .la.soc. ‚entom. VHI. ‚p. 351 ff, hat Benwous
2 noch. nachträgliche ‚Beschreibungen! neuer. Arten ‚nämlich ‚von
2. Throscus, ‚3 Drapetes und _1 Lissomus, gegeben, denen: er ein/synd-
nymisches, Verzeichnissyder ‚von ihm‘jund, ‚dem..Ref gleichzeitig .be-
schriebenen; Arten. folgen, ‚lässt; ‚. die,.darin..enthaltenem Angaben«über
Dalman’s L. foveolatus und punetulatus sind vollständig unbegründet;
‚Elateridae..!-Der zweite und, dritte Band i,von E..Candeze’s
Monographie, .des \Elaterides. (Memoires de..la) soe.\ «des; Sciene; ide
Liege -Tom..l4.u. 15), von;denen „‚ersterer 543 Seiten. jund:7 Tafeln,
letzterer »512,1Seiten. und 5; Tafeln umfasst,-;enthalten,die Bearbeitung
der.ersten (Hälfte, der ‚eigentlichen ‚Elateren,.(7,. Tribu ‚des, Verk./s), bei
welchen die Stirn. mit einer.durchgehenden ‚‚Querleiste,„oberhalb des
Mundrandes | versehen‘ ist! und daher, als. gerandet bezeichnetrwerden
kann. Der grosse Reichthum ‚an Arten',und Gattungen, welche,in.die
ser; Abtheilung . angetroffen wird;, hat ‚es den Verf.-zur ‚Erleichterung:
der; Vebersicht wünschensweıth. ‚erseheinen „lassen, \dieselben, abermals:
unter„eine: Reihe, von Untergruppen (sous+tribus),,'' 10 an Zahl; zu ver-i
theilen.\ Dieselben.sind'nach ‚den Haupttypen, ‚auf, welche ‚sieibegründet _
sind, als Dierepidütes,,.Eudactylites, ‚Monoer£pidiites, „Pbysorhinites,;
Elaterites, Pomiachiliites, Cryptohypnites,Cardiophorites, Melanotites,und
Athoites. bezeichnet und. ‚zunächst nach ‚der Bildung! der Tarsenglieder,
festgestellt. in! den. ‚beiden.liersten..Gruppen'-sind nämlich. ‚das 2,-und
3; Glied unterhalb. mit.kamellen: versehen! oder: das. 2, bis ‚4, Glied, ,err
weitert, während: bei’ den. acht übrigen. die ;Taxsen. ‚ganz „einfach ‚oder
aur.ein. einzelnes, Glied (3. oderi,4.;) erweitert oder‘ miti-Lamellen
versehen ist, ‚In.!zweiter Reihe ‚sind sodann ‚die; Bildung. des. Kopfes
und: den, Oberlippe$ ‚des 'Prosternalfortsatzes ‚‚ (abgestutzt «oder! nieht),
der -Hinterhüften. (nach ‚innen. 'stark,. erweitert ‚oderi,fastugleieh; breit),
die Form; desSchildchens;.'die Bildung (der Fussklauen! (gekämmt oder
glatt) wis. w..fürodie Abgränzung. der ‚Untergruppeni verwenthet. | Den
Inhalt! der, einzelnen Gruppen ist.folgender:,'1)).Dier&pidiitesi.((Gat+
tungen:»Piezophyllus Höpe«2 A., Aemidius, Latnol AlsyiıO hopkloeaus
n. g. 1 A. (Afrika), Pantolamprus n. g. (Ampedus: peipulcher
Westwi)n2 Ar) Psephusın. 9 (Dicrepidius pumeticollis: Boh})) 16 A.,
Heteroerepidiusubäc, 111AY Sphenomer usım.igl 36 Asi(Ceylom),
Singhialenu sin 82 Asl(Ceylon;-Ostindien)y»Bikhus n.-gu A;
(Ostindien), ‚ Aduaphiorus n.g 2A4, (Ceylon;-Oslindien), Anoplüs+
ehit son.gw (Dierepidius,laticollis Eseh.) 41:A4;.LobederusGuer, 1A,
Crepsdsu sin. gu«(Dicrepidius' castaneus, Blaneh,) ;9;A., Spilüs mg«
(Dierepidius'; ‚neutralisi.Dej.) 4 Ay U schüodionbus.ns ‚gs «(Elater
puncticollis Fab.)! 63) A;, Atraetosomusıkac, 15 Aiyı Dierepidius, Esch.
4\A.u— 2) | Eudactylites. il Gallungenz.; Anepsius n.ıg. HA. (SüdH
sin: Gebiete der Entomologie, während der Jahre 1859 u.60, 471
Amerika), EudactylusSalle 10 A, '@lypkeusn. g:'1'A. (Neu-Hol-
land), Simodactylus n. g. (Aeolus einnamvmeus' Boisd.):'2) Al,
Paehyderes Latr.' 3A. — 3) Mönoerepidiites. Gattungen! @lypho-
ehilusn.g.'2 A. (Neu-Holland), Dorygonus'n.g. 6A. (Mada-
gascar), Monocrepidius Esch. 95 A; ,' Aeolus' Esch. 100 A;,' Heteröde-
res Latr 40 A.— 4) Physorhinites. Gattungen: Physorhinus Esch: '10/A)
Porthmidius‘'Germ. "11A., Anchastus 'Be’Oi"18 A." 5) Elaterites.
Gatiungen: ' Grammophorus Sol. 4 A., 'Drasterius> Esch.\11.,. Ela-
strus.n. g. 3 A. (Madagascar), Elater Lin. (Ampedus Germ.)' 53 A\,
Blauta 'LeiC. 1 A.,' Megapenthes: Kies. '21A:,ı Melanoxanthus Esch.
IRA, Ypsilosthetais 1 Au (Neu - Granada). — 6); Pomachiliites:
Gattungen» Psiloniscus n..g..’(Conoderus :apicalis :Chevrol.) 2 .A.,
BDeromeeus Sol. 10 A., Medonia n.'g. (Bedresia punctatosulcata' Sol.)
1A.) Betarmön Kies, 1 A, Smilicerusn.'g. 3A. (Venezuela),
Pomächilius Esch. ‘41 A. — 7) Cryptohypnites. Gättungen:s' Mb nai-
dicusn. g: 3 A.' (Brasilien), \-Cryptohypnus Esch. «37. As} 0edosthe-+
tmsLel. 1A., Arkapkesn.g.' 1A. (Ceylon).ı— 8): Cärdiöphoritesi
Gattungen: Coptosthetus; Woll. 1. A., .Cärdiophorus Esch. 146. A., Car-
diotarsus' Esch.‘ 10 A:;, -Aptopus Esch. 6 A,,! Triplonychusın. gl
(Cardiophorus longicollis Erichs.) 10 A.,.Horistonotws n.g.ı(Car-
diophorus dimidiatus Esch.) 39: A., Esthesopus:Eschl;20 AL! 9) Me-
lanotites. Gattungen: Psellüsın. g. (Cratonychüs ‚promiscuus Erichs.)
1vA., Diploconwsn.g.:(Cratonychus' porrectus, prominens'Erichs.)
10A., Melanotus- Esch. 78 A. — 10) Athoites. Gattungen :-Limonius
Bsch.. 389 A., Pityobius:Le-C. 1 A. und: Athous. Esch..62 :Aı
Eine neue Gattung Aplastus Le Conte (Proceed. acad. nat.
sciene. Philadelph. 1859. p. 73) soll das Ansehen eines langgestreckten
Corymbites haben, aber mit Plastocerus und Euthysanius Le ©. zu-
nächst, verwandt sein, von ‘welchen sie besonders durch die verlän-
rerten ‚und ungezähnten 'Fähler abweicht. — Art: A. speralus ‘von
Fon Tejon. "— Neue Arten ebendaher: Plaslocerus frater, Sericoso-
mus a: Elater ‚cordifer, Cardiophorus fuleipes und (ebenda p. 85 f.):
Corymbiles protrachus Dolopius opaculus, Elater ‚tartareus, Adelo-
cera eavicollis und ardiophorus fenestratus vom Oregon und Pu-
get-Sund..
din, reihe eeahe. acad,, nat, science. Philadelphia 1860. p,, 320)
beschrieb Asaphes carbonatus n, A. vom, Oregon und ‚(ebenda 1859,
P+288). Adelocera; rorulenta n.;A. von Steilaeoom. _: eh
oınun Non Montrouzi er. (Annalesısoe. ‚entom. VIII. ıp. 253.) wurs
den; ‚folgende ‚Arten‘ von! Neu-Caledonien.‚bekannt, gemacht: ‚LAgrypnus
Montravelii und: farinosus (beide. zu, Alaus.igehörend,,ivon ensterem
auch die Larve beschrieben), ‚Atkous! ferrugineus, (ein'’Monocrepidius),
Ludius, leueopoda, (ebenfalls ein Manperepidius), | Elater, pietus (eiu
472 Gerstaecker: Bericht über die’ wissenschaftlichen Leistungen
Limonius), potensis (ein. Cratonychus), Dyornilangtun fun aa
Athons puberulus: (ein. Adrastus).
Von Fairmaire undGermain (Rev. et Magas, de Zool; 1860;
p: 269) Adelocera vitticollis und\ Elater insignitus als n. A. aus ‚Chile
beschrieben; ebendaher stammt 'Adelocera erux Philippi. n. A: (Entom,
Zeitung.’ 1860. p..247).
Von Walker (Annals.of nat..hist.Ill.’ p; 258), Corymbites bis
vittata , Ampedus' acutifer und discicollis alsı u. A. von er dia>
gnosticirt,.
Eine grössere Anzahl’ Californischer-Arten, unter denen Hößengt
zu eigenen Gattungen. erhoben - werden,‘ |beschrieb' Mötschulsky
(Bullet. d. natur. de Moscou 1859. I. .p. 357 f.): Maeropo.gonın.g.
Zweites bis viertes Tarsenglied :mit Anhängen, ‚letzteres 'stark: zwei#
lappig, Fussklauen einfach;, Fühler: sehr’lang,. ihr &bis 4 Glied
viel kürzer als ‘die folgenden. Prosternum‘ wenig +hervortretend)
flach, 'gerandet, Endglied der Kiefertaster‘ erweitert, Stirn flach —
Arten: M. sibiricus-und testaceipennis aus Kamtschatka und .Califor-
‘ nien. — Monocrepidius hirsutulus, .regularis, piliferus Californien. —
Tricerepidius n. g. Erstes bis drittes Tarsenglied‘ mit-Anhängen),
Klauen. an der Basis erweitert, Stirn mit aufgeworfeneni Rande, ‚Ober-
lippe 'gewölbt und ''ausgebuchtet; erstes Fühlerglied (dick ;l/dreimal so
lang als das zweite, 'Prosternum hervorspringend, 'kielförmig,: Meso-'
sternum mit starken Hervorragungen. — Art: Triitriangulicollis,' 6. Lin!
— Pedetes excavutus, Asaphes dilaticollis, Athous nigropilis, Limo-
nius clypeatus, mandibularis, .subcostatus, angulatus, infuscatus, .ma-
eulicollis, Prosternon angustulus, oblongoguttatus, Hadromorphus, simi-
lissimus (sic!!), Pristilophus subcanaliculatus, Corymbites rudis, ru-
fipes, Ludius serraticornis, Dolopius simplex, sericatus. — Dolo-
piosomus n. g. Stirn senkrecht, ohne Querleiste, Mandibeln spitz,
stark gezahnt, Endglied der Kiefertaster länglich, abgestutzt; Fühler
länger als der Thorax, zweigliedrig, gesägt, ihr viertes Glied fast so,
lang.als die drei ersten zusammengenommen. Tarsen ohne "Änhänge,
Klauen einfach, Hüftplalten innen breit abgestutzt und concay ge-
schwungen, — Art: D. aterrimus, 5 Lin. — Dolerosomus n. g.,
von der vorigen Gattung durch den Mangel der Stirnleiste, wenig
hervortretenden Clypeus, schwach gezahnte Mandibeln, elfgliedrige,
fadenförmige Fühler u. s. w. unterschieden. — Arten: D. Nlavipennis,
humeralis und baäsalis, letzterer aus Pensylvanien. = Bläter umbri=
color, Cardiophorus amplicollis, Campylus fulvus. — Im Eingang theilt
Verf. ferner mit, wie er die -Elateren' seiner Sammlung in Gattungen
vertbeilt hat, um dadurch einer natürlichen Classifikation der Familie
Vorschub zu leisten. Die Gattungen, deren Zahl nicht gering‘ ist,
tragen meistens Motschulsky’sche Namen! 3
Derselb# (Etud, entom. 1859. p: 54 .)' beschrieb‘ Melanowan-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u.'60. 473
thus favopictus, tessellatus, ‘flavoscriptus, vitticollis, submaculatus,
bivittis n. A. von Ceylon, picfus und zanthographus aus Ostindien,
nigropunctatus aus Südrussland. — Ferner (Bullet. de Moscou 1859:
II. p. 490) Agriotes subvittatus als n.A. vom Amur diagnostieirt, und
Bullet. de l’acad.de St. Petersbourg XVI1.1859. p. 543 und Melanges
biolog. de l’acad. de St. Petersbourg p. 227.) Scoliocerus busalis und
Sericosomus affınis als n. A. von Jakutsk beschrieben. Die Gattung
Scoliocerus wird anf Cryptohypnus-Arten wie Cr. byperboreus Gyll.
und planatus Esch: ‚begründet.
v. Kiesenwetter (Berl. Ent. Zeitschr. III, p.18 ff) beschrieb
Agriotes strigosus, paludum und Cardiophorus procerulus als n. A.
aus Griechenland, Baudi (ebenda p. 342) Cardiophorus nigricornis
als n. A. von Cypern.
'Gebler (Bullet. de Moscou 1860. II. p. 6) Ampedus suturalis
als n. A. aus der Songarei, Fairmaire (Bullet. soc. entom. 1859.
p- 151) Pristilophus Gougeletii als n. A. aus BERAeNn (nur re
stieirt).
Nach Reiche (Bullet. soc. entom. 1860. p. 108) ist Corymbi-
tes quercus Gyll. von Cor. quereus (Oliv.) Lacord, verschieden; er
belegt erstere Art mit dem neuen Namen Corymbites Gyllenhali.
_, Waterhouse, „Notes upon the species of Elateridae in the
Stephensian Cabinet“ (Transact. entom. soc. of London Y.,p. 88 ff.) hat
die Elateren der. Stephens’schen Sammlung einer näheren Prüfung
unterworfen und Mittheilungen über ihre Identität mit den Arten der
eontinentalen Autoren gemacht,
Cebrionidae. Jacquelin du Val (Glanures entom, Cah. 2)
lieferte eine „Synopsis des especes du genre .Cebrio,“ in welcher er
19 Europäische Arten der Gattung beschreibt und in ihrer Synonymie
erörtert.
Gu&rin (Bullet. soc. entom, 1859, p- 186 ff.) beschrieb Cebrio,
Gandolphei. als ‚n. A. aus, Algier „und ‚gab (Rey. et Magas, de Zool.
1859. p- 546), eine Notiz über die Lebenszähigkeit_ der Larve ‚von; Ce>
brio gigas.
Rhipiceridae. Eine für die Europäische Fauna een
neue, Gattung ‚Arrkaphus machte Kraatz (Berl. Ent, Zeitschr. III.
p: 54) bekannt. „Die elfgliedrigen Fühler, sind, beim, Männchen ge-
wedelt, beim. Weibchen gesägt, mit grossem, eilörmigem Endgliede ;,
Flügeldecken von der Basis aus ‚klaffend, erstes Tarsenglied fast, so
lang wie die beiden folgenden zusammen. — Art: A. olivetorum, bei
Athen unter der Borke von Olivenbäumen aufgefunden. ‚Abbildung
auf Taf. 3
Dascyllidae. White, „Note on the, pupa-case ‚of.a Coleopte-
rous lose (vom Northern China“, (Annalsı of nat. hish 85 sers All.
474 Gerstaeckeir:; Bericht über .die, wissenschaftlichem Leistungen
P--284 If, „pl..7) „fand:.in, einer, Sendung aus Shangai ‚eigenthümliche
ovale, flachgedrückte und.in der,Mitte eingeschnürte Cocons,, aus, ‚de-
nen-sich,,.während ‚des. :Transports Käfer entwickelt ‚halten, die, mit
dem Kopfe ‚aus, dem ‚einen, Ende ‚heryorragien: ._ Die, Art bildet ging
neue, Gattung in.der Gruppe; der. Daseyllidae verae, welche, der Verf.
Paralichas nennt: Fühler: des, ‚Männchens, am, 3, „bis; 10. Gliede
mit, langem: Aste, des Weibehens, gezähnt , besonders ‚stark ‚vom ‚5.;bis
9: Gliede ;.die, ‚Maxillartaster,, ‚werden ‚als fünfgliedrig angegeben. Ha-
bitus von Dascillus. Zwei Arten: P. Guerimi,, 4%, ıbisı 54, Lin. und,
R.;Candezii,,, 6% Lin; beide. aus, Nord -China,, ‚Für, letztere Art, die
generisch abzuw eichen scheint, schlägt der: Verf. den NRULPHREBRAER
Epilichas ‚vor, , Imnslnarı
Le Conte (Proceed. ER nak, scienc. . Philadelph,, 1853. = 86)
stellte ‚eine neue Gattung A nor,ws, auf; Körper linear, Kopf, breit mit
grossen Augen, deutlicher Clypeusnaht, kurzem trapezoidalem Elypeus
und .breit gerundeter , Oberlippe; Fühler vor den Augen, ‚entfernt, ein-,
gelenkt, ihr 2. Glied kürzer als die gleich langen 1. und 3., 4. bis, 1,
allmählich länger und schmaler. Mandibeln dick und spitz, Vorder-
hüften ‚konisch, zusammenstossend, mittlere ‚schräg, etwas ‚getrennt,
hintere,mit nach innen allmählich breiterer Lamina. An den Tarsen,
das 1. Glied lang „ 2. und 3. unten mit einem, 4. mit ‚zwei "hä uligen
Lappen; Hinteıleib sechsringlig, der 6. Ring gerundet und zurück
ziehbar, — 'Aıt: A. piceus, Californien.
“Derselbe (ebenda 1859. p. 283) beschrieb Dascyllus David-
sonii als n. A. von Punlos de los‘ Reyes.
v. Kiesenwetter (Berl. Entom, Zeitschr. III. 'p. 99) "Helodes
sericeus und flavicollis äls n.A. äus Griechenland, Tschapeck (Ent,
Zeitung 1859. p. 425) Elodes Carolinae als n. A. von “Gratz.’
Mälacodermä. — Lycidae. — Lycus humerifer und pubipen-
nis wurden als n. A. von Ceylon durch Walker (Annals of nat.
hist. '3. ser. III. p. 258) diägnosticirt. “DDR SOlinaiy, B
Füss, „Die Siebehbüfgischen Eros-Arten“ ‚(Verh.'d. Siebenbürg.
Vereihs zu Hermannsthdt XL. p.146 ff.)' gab’ eine analytische Beschrei-
bung der vier daselbst aufgefundenen Arten: Eros rninning uhd’Auroräl
Fab!," Cosnardi” Chevr. und rubens'Redt. vu. binoaigidf!
Bampyridae! + Jacgnmelin'du a seiner) Synopsis‘
des" espeees Euröp@tnnes‘ du genre' 'Lampyris“ (Glanufes"entom.“ I}
p. 122, nebst’ Nachträgen’in Heft IF). beschränkt’ den Gältangsnamen’
Lampyris auf Arten wie L. niäuritanica, noetiluea, Zenkeri w.'s wi
denen “er 'L.' Lareynii und ‚Reiehii‘ (mantitäniea Oliv. nee Linn.) als’
neiehihzufägt)’ will’ "dagegen "die Gallung’ Lamprorhiza Mötsch: für
L. splendidula Lin. und Mulsanti Kiesw., welche grosse Glaslecken’
auf’ dem" Pronötum und''hervorragende Mandibeln’ haben, /äufrecht er-
hälten;’ Zu letztererikömmen'als) new: D. Boveldieui und Delarbuzei.
ns"im! Gebiete 'der./Entoniologie während der Jahre:1859u..60. 475
Mit demiselben« Gegenstande hat sich Mulsant in seinen! „Ob-
servations) sur les Lampyrides“ (Annal. d.\l. soc.. Linneenne de Lyon
VII. p. 129—149 und Opusc. entom. XI. p. 113 ff.) beschäftigtsNDer-
selbe nimmt folgende Gättangenvan:oP elia widın.) g. für Lamp. mau-
zitanica.Linn,, "von \'welcher Art\ er) eine'sausführliche'\ Beschreibung
giebt, bampyris; Geoflr., Lamprorhiza, Motsch.. und‘ Phosphaenus (Liap:
Alsıneue Artı wird ıLampyräs \bicarinata\\nach‘ Männchen ‚von«Corsikia
beschrieben. —! Eine zweite vr ist; / Ldmpyris ‚Raymondi ‚Mul=
sant et Rey von -Hyeress (‚Annal.|id.\ ls 1soc.., per de ale IM:
p.221,0 Opusc. ientom. IX; p: 158). Inosiıd
Eine.ımeue; Gattung‘. Astrdlampis stellte ec Motschnlsky
(Etüdi entom!ı1859.p.»58).auf); »bei: derselben :äst»das Halsschild ab-
gestutzt, nichtWden,Kopf bedeckend, \die/Fühler::von Körperlänge,: sehr
stark\gekämmt, (die ‚einzelnen ‚Glieder. wie bei! Phengodes zusammen+
gerollt, die Flügeldecken.lang,: den Hinterleib;,'den) keine.Leuchtringe
zeigt, ganz bedeckend. — Art: A. pectinata von Ceylon, 2% Lin.o,
ind Walkeri(Annals of Inat.:hist. 3«sersUl.«ıp. 258): Miagnosticirte
Lümpyris' vitrifera und-Colopholia, promelaena, als n.- A:lıyon:iCeylon;!
„Deibep hoisidae,i—»Baudi (Berl.Ent. Zeitschr.IH. „p-,2951f;).
beschrieb als: neue Arten : |, Rhagonycha, distinguendg,, aus; !den! Alpen
Piemont's, - nitida und „hesperica aus, ‚Spanien, Malthinysirubrieollis,
(Dej. «Cat.)-von. Lyon;, Malthodes cephalotes (Dej.,Cat,) und. nigricollis,
(Bej.u Cat.) 'atıs !Dalmatien,, ‚atratus(Dej., Cat,)» ausıden.iPyrenäen, Hi=
spanieus,|eruciatus aus Sardinien und! discicollis: (Dej. Oat,) ausı‚Süd-
frankreich. \‚Es folgt ‚sodann: eine: Zurückführung ‚der: von; Dejean
in: seinem: Caläloge 'verzeichneten Malthinus-!Arten; auf. diejenigen. der:
Kiesenwetter’schen ‚Monographie. f
how. Kiesenweiter'(ebenda p.'241,) ‚heachrieh Tolerkenus lon-
gieollisy;Aetolicus, ruficeps; zanthopus, Rhügonycha strdminea, Malthi-
nus gemiculatus;luevicollis; Maliboier Aretichs und«Argivus alsın. Ai
aus Griechenland. 1 .ı unser
inmsbevnat (Eiud. entom:I.;p. 38) Tojepbarye Massurue als ,\,Ac
aus Tunis, Mulsant (Annal. soc. Linndenge,de,l.yon;VIl. p. 188), .Te+,
lephorus „Illyrieus: (Dej.Cat,)ıals n.A, aus,der_Provence, |, 11
onkıer@onte (Proceed,acad. nat. scieng; Philadelphia 1860;,p.320)
Rodabius; | gnadatus \alsı un“, Au om’ Oregon. und,| (Coleopt,1rof,,Kansas,
and Eastern. New --Mexikoj-,p. ie bnpalis aus, Nord-,
Asenika,dsminis unsınT ; yil J Au) basor gel
gsi nahe (Exud, eniRi. ‚1859. ‚p» 6): stellte, eine neue
Gattung Mabtypu,s ‚auf, welche ‚zwischen: Malthinus,„und ‚Hapalode-,
zus,Motschi( in, der Mitte, stehen. soll,, wit ersterer, in, der Kopfform ‚und,
Fühler-Insertion \ übereinstimmt, von beiden. Jaber,\.duxch. breiteren
Körper,\,der. zugleich: ‚glänzender ‚und „vom härterer , Consistenz. ist,
ferner «durch zur den halben Körper. bedeckonde, Flögeldecken, der-\
476 .Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen' Leistungen
bere. Fühler u; s."w. abweicht. — Arten: M.'niger und: infuscatus
von 'Ceylon.ı— 'Biurus sylvicola‘ ‘und sublateralis n. A:'von ng
(ebenda'p: 60).
- Derselbe: (Bullet. ıde Moscou: 1859. II. p. 400 ff.) Beicheifäin
Oripa rubricollis, transmarina, Cyrtomoptera latiuscula, ' Malthaeus
Iatimanus und Podabrus cinereipennis als'n. A. aus; Californien, Mal-
thaeus parvicollis;, quadricollis ‚und atricollis aus ‘den Vereinigten
Staaten. («Zugleich giebt Verf. eine analytische Tabelle für die 'Gat-
tungen der'Telephoriden,. deren Zahl er um zehn vermehrt; u
Gougelet und Brisout de Barneville (Bullet: soc\ ent;
1859. p.238) Rhagonycha' Galiciana als n. A.'aus' Spanien.»i'
Fernere neuei-Arten' sind: Silis bidentata Motschulsky (Bullet.
de»l’acad. ‚de St. Petersbourg XV11..1859. p. 568 \und: Melanges. biolog»
de 'l'acad. de St. Petersbourg III. 1859. p.'229) von Jakutsk, Malthinus
forticornis./und retractus Walker (Annals of nat. hist, 3; ser. III. p.' 259)
von‘Ceylon.
Nach Suffrian (Entom.: Zeitung 1860. 'p.'129) ist Cantharis
humeralis’Redt/(= Telephorus desertus Dietr. = Canth. litarata Redt; ?)
schon von-Ahr'ens als'Cantharis discoidea beschrieben worden.
Drilidae: —"Le Conite (Proceed; acad. nat.' science. Phila-
delphia 11859. 'p. 86) machte eine neue Gattung Pretr otus ‚bekannt,
welche‘inach ihm ‘die Charaktere ‚der Telephoriden, Lampyriden ‚nnd
Driliden in sieh" vereinigt, aber nach’ der geringen Entwiekelung. der
Hinterhüften den letzteren am besten einzureihen ist. Fühler‘ etwas:
getrennt, in" grossen ‘Höhlungen eingefügt, ihr 2. Glied doppelt'so
klein’als das 1., das 3. bis 10. verlängert 'und einen langen’ Ast an
der Innenseite aussendend; Mandibeln lang und dünn, Thorax kurz,
trapezoidal, mit aufgebogenen Rändern. Flügeldecken linear, an der
Spitze abgerundet, Hinterleib mit sieben Bauchplatten, Fussklauen ‘an
der-Basis erweitert. — Art: Pt. obscuripennis von Sacramento.
v. Kiesenwetter (Berl. Ent. Zeitschr. III. p. 158 if) beschrieb:
Drilus flabellatus (favescens Fab. var. ?), Ay role: und when
als n.. A. aus Griechenland.
Melyridae''— Zwei neue Gattungen- errichtete Lie Conre
(Proceed. acad. nat. scienc!Philadelph. 1859. p: 74 f.):"1) Tanaops
n.''g. für Malachius longiceps Le C; 'Fühler"auf'der ‘Stirn. in Gruben
eingelenkt, gesägt, Endglied ‘der Kiefertaster lang und’ spitz, Ober-
lippe vorn abgerundet, Clypeus kurz, häutig ; Tarsen einfach,'an den
Vorderfüssen’ des Männehens die beiden ersten Glieder etwas breiter,
die vorderen Bauchsegmente in der ‘Mitte häutig." — Neue Art: T.
abdominalis Fort Tejon — 2) Hapalorhinus n.g., für Malach! au=
ritas’ Le’ C.,'zwischen Malachius und Anthocomus stehend ; Fühler auf
der Stirn in'Vziemlich grossen Gruben eingelenkt, gesägt oder ige-
känimt, ' Endglied der 'Kiefertaster lang "und spitz, ‘Oberlippe quer,
im: Gebiete: der’Entomologie während’ der Jahre 1859 u. 60. 477
abgestutzt, Clypeus kurz, häutig;; Tarsen des :Männchensinicht erwei-
tert, Bauchsegmente ganz hornig.'oder in der Mitte häutig. — 'Nene
Art: H. mirandus Fort Tejon. — Fernere Arten ebendaher: Dasytes
quadricollis und sculptilis, und (ebenda p. 283) Charopus moerens von
Puntos de los Reyes.
Ebenfalls mehrere neue Gattungen, errichtete Motschulsky
(Bullet, d. natur. de. Moscow 1859. II. p..387 8): 1) Löstrus n..g.
eine Dasytes-Forn mit Afterklauen, einfachen: Tarsen bei beiden
Geschlechtern, langgestrecktem glänzenden Körper, allmählich zuge-
spitzten Flügeldecken und kurzen, allmählich verdickten Fühlern mit
ovalem ‚Endgliede. — Arten: L. constricticollis, punctatus und tibia-
lis Californien. — 2) Trichochrous n. g:, für Dasytes »laticollis
Männerh. und Verwandte errichtet; neue Arten: Tr. Californicus (Dup.),
eylindricus; und antennatus Californien. — Dasytes: breviusculus n. A.
ebendaher. — Zur Malachier - Gruppe: Collops eyanipennis, Charopus
longicollis, uniformis. — 3) Scalopterus.n.'g., von Ebaeus durch
einfache Spitze der Flügeldecken bei beiden’ Geschlechtern unter-
schieden; ‚dieselben sind beim Männchen: gleich breit, beim‘ Weib-
chen‘hinten etwas erweitert; zweites Glied der Vordertarsen;haken-
förmig verlängert. .— Arten: Sc. rufomarginatus und trimaculatus
Californien, infuscalus und. haemorrhoidalis; Vereinigte Staaten. —
4), Cephalistes.n. g., für Malachius longiceps Le»Conte errichtet,
mit: zwei neuen Arten: C. apicalis ‚und wnicolor Californien, — An-
thocomus pallifrons n. A. Vereinigte Staaten.
‚I oow.!Kiesen wetter hat:(Berl. Entom. Zeitschr. Ill. p. 163—185.
Taf. 2) bei der Bearbeitung der 'Dasytiden ‘Griechenlands \die Süd-Eu-
ropäischen Arten dieser Gruppe im Allgemeinen berücksichtigt und
zugleich eine genauere Feststellung der sie enthaltenden 'Gättungen
vorgenommen. ‘Von Henicopus Steph. werden als neue Arten be»
schrieben: H. vittatus und calcaratus Barcelona, Parnassii Griechen-
land und Jongimanus Catalonien. ı Von Dasytes Payk.: D. nigrita
Griechenland, von Haplocnemus Westw.: H. pristocerus, abietum, 'per-
tusus aus Griechenland. — Julistws n. g. Fühler! zusammenge-
drückt, scharf gesägt, Mandibeln ‘stumpf zweispitzig, Kiefertaster mit
verlängertem, an der Spitze leicht verdicktem zweitem und stark
beilförmijgem Endgliede; Tarsen lang und dümn, 'das '2.'Glied kaum
kürzer als das erste, Klauen; mit stärker gezähnter Basis. — Arten‘:
J. funera und arbustorum Griechenland. — Dolichosomw (Psilothriz)
aureolum Vaterl.? und severum Dalmatien. — Dasytiscus mi'gi
Fühler perlschnurartig oder leicht gesägt, Oberlippe quer, 'Kieferta+
ster fadenförmig, mit langgestrecktem , an der Spitze verschmälertem
Endgliede; Tarsen kurz, das 2. und 3. Glied erweitert, das 4. klein,
das 5. so lang als die anderen zusammengenonmen. Klauen einfach;
gekrümmt, «— Arten:- D. indutus und graminicola Griechenland, —
478 Gerstäelcker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Von’ Amauronia »Westwi: A. «Hispana: Südspanien ‚'picfa Athen und
Catalonien; jmegacephala:'' Athen’ ‚und "Cretas— Vom Danacea' Dap.
(Cosmiocomüs Bene D.»uhypoleuca, | iners" und Cretica\ Grie-
ehenland: \ bau sonirbunp
Derselbe (ebenda p. 30 ff.) beschrieb Ayatoebeih tricolor, Ma-
lachius suirellus,' Ebaeus punetipenmis;) cordicollis, Charopus apicalis
als.ın.-A.ı aus.\Griechenland.,.Malachius longieörnis' aus’Sicilien, /aus-
seidem nochmals: Malachiuis:labiatus Brulle'aus’Grieehenland! == Ebenda
pP: 5% Anthocorus rn n»sA, vausı Italiem »und! nalen aus
Sieilien..u | ! lsyibI worstig
Eeitiuikiine ‚(Aiktaki soc..entom, VÄl.'p. 50 1) Unieophsufigres
ndeus ind »truncatus aus Frankreich » (Depart., Var), .orientalis !von
Constantinopel; subvittatus und faleulifer saus’Sicilien ; (ebenda px277)
Charopus .dispar\ alsın..A\ aus .Corsika und (ebenda VII p. nn
lichosoma ‚filum nA» ebendaher; A “radahunds
Booieldieu, (ebenda VII. :p. 486) Bnicopus ‚Böioouleiiin ka
aus Spanien und»acutatus von! Rom: ige ordonlu
Jaequelin dw Valgab: in seiner iMonojfrapike :dw'gerre
Henicopus“: (Glänures entom. | cah> Il) eine‘ Beschreibung von'22 :Eu=
ropäischen Arten dieser Galtung: —."Ebaeus Alicianus wird (ebendaTL
p- 40) als n. A, ‚aus den Pyrenäen beschrieben: naar
Gougelet'! und’Brisout de Barneville: (Bullets soc; ent.
1859.-p. 237), beschrieben Cosmiocomus Hispanicus' als'n. "A. 'ausı Ga=
lizien und Poupillieri aus ‚Algier; zuwoncnt
Mulsant und-Reweliere: (Annal.soc. Linneenne dei Lyon VII.
p.162) "Dasytesıtibialis: alsın. A. vausıoCorsika, Mulsant' und-Rey
w p- 331), Anthocomus pulchellus als. n. A.» vom Lyon. o-
\ »Montrlou zier(Annal.'soc. ‚entom. VIII. p:'259) »Laius rufipes
und Trasse australis (letztere eine Attalus- Art) alsımoßt ..von
Neu+GCaleilonien. | I zmadainiloe
Gebler'(Bullet de Mossbn 1859. II. p: 328"und 1860. 1. B)
Malachius reflezicollis: und.\fulvieollis alsın. ‘A. (aus ıder Songarein "iv
s0,'Motschulsky (Etud. entom.\ 1859. p.64f.)> Carphurusi rubre=
tünnulalus und! haemonrhoidalis) als'n.ıA. von er und ee
dus\.Ostindien. N te, master
‚) Synönymische Tate «über Colotes' Be Jacg. du Val
theilte Kraatz- (Berl. Ent. Zeitschr. III. pe 73)! mit. ai i il
Gleridae. »-Thioms on ‚in seinen „Materiaux pour servir'a une
monographie: ınouvelle de: las famille. des: ‚Clerides“ .(Musee'scientif,
ps 471.) beschrieb; folgende neue Arten: Cylidrus Wallacei von Bor-
neo; !Pallenis ‚flavofasciatus aus: Afrika, Stenocylidrus 'obsoletus von
Madagascar,, Oymatoder« Sallei:und 'vagemaculata aus Mexiko, Prso-
cera dentipennis, Spinolae,: pallens;- eylindrica und lateralis aus Bra
silieh, ‚apicalis' aus, ‚Guyana, Klugii, aus: Neu --Granada, minute‘ vom
on im iGebiete)ider Emomologie während der Jahre 1859 u. 60. 479
Amazonenstronie, 'quadrigibbosa aus -Guyana,' Nutalis titana' 'aus'Neu=
Holland, Derestenus similis und orthopleuridus aus Mexiko, Platycle-
rus' Lacordairei' von! Madagäscar,)"Omadius prioceroides und) bivulne-
ratus von Menado, Epiphloeus setulosus aus Mexikog Lemidia. dorsalis
und. .dlbofaseiäta aus«Nord=Indien, eyanea aus China; |Tenerus \viridi-
pennis aus Nord-Indien, Batchianus von Batchian, -Ischnea: Mezicana
und Platynoptera Mexicana aus Mexiko, Pelonium zonatum und volu-
pluosum. aus. Brasilien.
t,Monitrouzier'/(Annal. soc.. entom: VII. » 260 f,); ‚beschrieb
Cylidrus gagates, Clerus? biguttatus (zur Gattung, Tarsostenus gehörig);
Castelnaui ı (zu: Omadius) und, Notozus Caledonicus. (gleichfalls ein
Omadius) , als n. A. von Neu-Caledonien.
10: „Le Conte (Proceed. acad, nat. seienc, Philadelphia.1859. ».75)
Cymatodera oripennis alsı n., A: , von. Fort Tejon.,., Zugleich giebt der
Verf. ‚eine, nochnialige genauere ‚Charakteristik der Gattung, ‚Rhada-
lus Le Conte.
sonrBoieldieu (Annal. soc, entom, VI. p. 471), beschrieb, Opilus
Mimonti als n. A. aus Griechenland.
Aylophaga. Mulsant und Rey (Annal. d..l. soc. Linneenne
de Lyon VII. p. 293 ff.) ‚charakterisirten eine neue Gattung Theca,
neben Dorcatoma stehend und von dieser durch stärker entwickelte
und mehr ‚genäherte Vorderbüften, durch schmales Mesosternum, stär-
ker ‚gefürchtes Prosternum, vollkommen gestreifte Flügeldecken, deut-
liches beilförmiges Endglied der Kiefertaster und durch Jängere, we-
iger erweiterte Endglieder der, Fühler unterschieden ; besonders
charakteristisch ist eine Grube auf dem umgeschlagenen Rande der
Flü ügeldecken zum Einlegen der Kniee des letzten Beinpaares, Paar - Zwei
ae. Th. byrrhoides und elongata aus Süd-Frankreich.
Eine zweite neue Gattung Calypterus wurde von PIE,
uhd Godart (Opüse, entom.IX. p. 181 ff.) charakterisift, 'Sie gehört
Zur "Grappe" der Anobien, hat ‚elfgliedrige Fühler, deren 1. Glied am
lähgsten , gebogen und’gegen die’ Spitze hin verdickt, das 2. kurz,
däs 3. winklig ' erweitert, die folgenden bis zum 10. stark gesägt
sind; Kopf perpendikulär, von oben her nicht sichtbar, in den kapu-
eüformigen Thorax bis zu den Augen eingesenkt, Schildchen fast
viereckig, Flügeldecken um die Hälfte länger als zusammen breit,
öhne umgebogenen Seitenrand, Hinterleib mit fünf Bauchringen. —
Art: ©. sericans von Narbonne. — Ebenda p.177 und Annales soc.
dagrieul, d. Lyon IN. p. 241) Trypopitys Raymondi als n. A. von
Hyöres beschrieben.
Mulsantund Rey (Annal. soc. Linnenne de LyonVIL. p. 333 ff.)
Beschrieben Dryophilus „Raphaelensis und Ayletinus ferrugineus als
0 A aus Frankreich (Depart, Var).
"VChevrolat (Rev, et Magas. de Zool. 1859. p. 384) Xyletinus
480 Gerstaiecker: Bericht,über die wissenschaftlichen Leistungen
pellitus, und torquatus‘ als. n,..A.-aus Algier, (ebenda...1860, Be 6)
XÄyletinus longipennis und sulcicollis ebendaher. v
Boieldieu (Annal. soc. entom, VII. p. 471) Dorcatöoma Beine
als n. A.vaus Sardinien,
Jacqwelin du Val (Glanures 'entom.I. p. 41) Apate autor
thoides als n. A: von Nizza.
Fairmaire (ebenda p. 53) Trypopitys phoenieis als n.’A. voii
Hyeres, (Bullet. soc. entom. 1859. p. 105) Xyletinus sanguineocinetus
alsn. A. von Toulon und (Annal. soc. entom. VIII. p.'631)' Pseudochina
bubalus als’ n. A. von Corsika.
Le Conte (Proceed. acad. nat. science. Philadelphia’ 1859. Pp- 76)
Ptinus verticalis und p. 87 Anobium marginicolle, quadrulum und
cornutum als n.’A. von Fort Tejon und Californien. — Ebenda p. 284
Anobium gibbieolle und punctulatum als n. A. von Puntos delos Reyes
und (Coleopt. of Kansas and Eastern New -Mexico p. 13) Niptus ven-
triculus und Trypopilys punctlatus als n. A. aus Nord-Amerika.
Wollaston (Annals of nat. hist. 3. ser. V. p.256 u. 358 f.)
Lyetus Leacocianus, Enneadesmus barbatus und (is ect ‘als
n. A. von Madeira. ishyolyk
Walker (Annals of nat. hist. III. p. 260) Cis contendens und
Apate submedia als n. A. von Veylon.
Waterhouse, „Notes on the British species of Cissidued
(Transact. entom. soc. V. p. 200-209) gab eine Aufzählung. und Be-
schreibung der, in England einheimischen Cissiden mit besonderer
Berücksichtigung der in der Stephens’schen Sammlung befindlichen
Arten, deren Synonymie erörtert wird. ‚Von den 13 in England be-
obachteten Arten gehören 10 der Gattung Cis, 2 Ennearthron und 1
Octotemnus an.
Pfeil, „Bemerkungen zur, Gattung Hyloecetus Lats, . (Entom,
Zeitung 1859. p. 74.) hat bei Königsberg in abgestorbenen ‚Stöcken
von Tannen, Eichen, Buchen u. s. w. Hyloec., flabellicornis (mas) und
dermestoides (fem.) zusammen,in grosser Anzahl, daneben auch velr
einzelt die als Hyl. morio und. proboscideus bekannten männlichen
Formen des Hyl. dermestoides gefunden. Er wirft die Frage auf, ob nach
diesem Funde Hyl. flabellicornis nicht ebenfalls nur als eigenthümliche,
wenngleich durch Fühler- und Tasterbildung. sehr auffallend abwei-
chende, männliche Form von Hyl. dermestoides zu betrachten sei. Zu
einer detaillirten Beschreibung der Larven und Puppen, welche Verf,
auf p. 81. giebt, hat Hagen sehr schöne Zeichnungen (Tat. I) an-
gefertigt. (Die Weibchen beider Arten sind allerdings bis jetzt nicht
zu unterscheiden, indessen fand Ref. unter einer grossen Anzalıl, von
Ayl. dermestoides beiderlei Geschlechts, die bei Neustadt-Eberswalde
gesammelt waren, keinen einzigen H. flabellicornis. ‚Sollte letzterer
j
im Gebiete der 'Entomologie während der Jahre 1859.60. 481
daher nur eine vielleicht lokale Form des Männchens von H. derme-
stöides sein, so müsste man für dieselbe die Darwin'sche Entstehung
by natural selection supponiren. Ref.)
Nach Strübing, „Ueber Dinoderes substriatus Payk. und Din.
elongatus Payk.“ (Berl. Entom. Zeitschr. III. p. 270 f.) gehören diese
beiden Formen als Männchen und Weibchen derselben Art an,
Letzner (ebenda p. 307. Taf. 4) beschrieb die Larve von Xy-
letinus pectinatus Fab., welche sich durch lange wollige Behaarung
des Körpers auszeichnet.
Lucas (Bullet. soc. entom. 1860. p. 31) fand Larven einer
Anobium - Art (An. pertinax Lin.?) in Süssholz eingebohrt. — Gi-
rard (ebenda 1859. p. 120) machte Mittheilungen über das Vorkom-
men von Ptinus brunneus Duft. in Taubennestern.
Melasoma. Mulsant und Rey setzten ihren „Essai d’une di-
vision des derniers Melasomes, famille des Parvilabres“ in den Opus-
cules entomol. IX. p. 65 f. und X. ». 1—155 (auch in den Annal. d. 1.
soc. d’agrieult. de Lyon III. 1859. p. 129—201 und Memoires de
Vacad. d. scienc. de Lyon IX. 1859. p.63—155 und X. 1860. p. 1—68
enthalten) mit der 3. und 4. Tribus der Blapstinites und Opatrites
fort, jedoch in der Weise, dass sie nicht mehr, wie bisher, das bis
jetzt bekannte Material monographisch behandeln, sondern nur eine
Charakteristik bis auf die Gruppen und Gattungen herab liefern, unter
letzteren nur die ihnen gerade zugänglichen Arten anführend und
beschreibend. — Die Gruppe der Blapstinites wird nach ausführlicher
Charakteristik in drei Unterabtheilungen aufgelöst, je nachdem das
dritte Fühlerglied mindestens um die Hälfte länger als breit (Platy-
laires und Blapstinaires) oder kaum um ein Sechstheil länger als breit
ist (Conibiaires); die beiden ersteren werden nach der Streifung der
Flügeldecken unterschieden, indem der siebente Zwischenraum bei
ersteren vom achten getrennt, bei letzteren nicht getrennt ist. Die
Platylaires umfassen 6 Gattungen: Platylus n. g. (Platynotus dila-
tatus Fab.) 1 A., Diastolinus n. g. (Opatrinus clathratus Fab.)
8 A., darunter 6 A. neu, Pedonoeces Waterh. 1 A., Notibius Le C.
1 A., Lachnoderes n. g. (Pedon. pubescens Waterh.) 1 A. und
Sellio n. g. (für Blaps tibidens Schönh.) 2 A. mit einer neuen. —
Die Blapstinaires umfassen 3 Galtungen: Cenophorusn.g., von
Blapstinus durch die an der Basis, zwischen Schildehen und Schul-
terwinkel ausgerandeten Flügeldecken unterschieden; Art: C. viduus
St. Domingo, Blapstinus Waterh. mit 6 A. (4neu) und Lodinus n.g:
für Blapst. punctulatus Dej. Sol., dessen Name als bereits vergeben
in L. nigroaeneus umgeändert wird. — Die Conibiaires sind auf die
Gattung Conibius Le C. mit 1 A. beschränkt.
Die 4. Tribus der Opatrites wird in fünf Untergruppen zer-
legt, von denen die Leichenaires sich zunächst durch die ganzıan-
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd, FF
482 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
digen, runden Augen absondern und überdem durch die Wimperung
und die Beschuppung der Flügeldecken charakterisirt sind. Bei allen
übrigen werden die Augen durch die Backen ausgerandet; unter die-
sen haben die Caediaires meist ein eiförmiges oder nur schwach er-
weitertes Endglied der Kiefertaster, die Penthicaires, Opatraires und
Blacodaires dagegen ein beilförmiges. Bei den Blacodaires sind die
Flügeldecken mit einer vom Schulterwinkel ausgehenden Falte ver-
sehen, die den sich durch die Skulptur der Flügeldecken unterschei-
denden beiden übrigen Untergruppen fehlt. — Die Penthicaires zer-
fallen a) in Heterophylates mit-Heterophylus n. g. für Heliopates
picipes Fald. und latiusculus Motsch., 2 A. und b) in Penthicates mit
4 Gattungen: Opatroides Brull. 5 A. (1 neu), Loboderan, g. für
Heliopates rufescens Mannerh. i. lit. 1 A., Penthicus Fald. 7A. und Me
lanesthes n.g. für Pedinus laticollis Gebl. und Verwandte, & A. —
Die Opatraires zerfallen a) in Opatrates mit Opatrum Fab. 6 A. und
Trichotum Hope 1 A. b) Gonocephalates mit Trichopodus n. g.
(Philax validus Dej.) 1 A., Hadrus Woll. 1 A. (carbonarius Schönh. =
cinerascens 'Woll.) und Gonocephalum Muls. 2 A. .e) Selerates mit
Sclerum Dej. 4A. (1 neu), Platysum n. g., von Sclerum durch die
am Ende dreieckig erweiterten Mittel - und Hinterschienen'unterschie-
den, mit Pl. Paulinae n. A. Galilea. d) Pachypterates mit Pachy-
pterus.n. g. 1. A. (P. elongatus Dej.). e) Apatelates mit Priono-
tus n. g. für Opatrum .denticolle Blanch. und Apatelus n. g. für
A. Hopii n. A. Neu-Holland. — Die Blacodaires umflassen die 'Gat-
tungen Stizopus Er. 2A. (lıneu), Helibatus n. g. für. Eurynotus
morio Dej. 1 A., Blacodes Dej. 6 A. (4 neu), Planodes n. g., von
Blacodes durch nach hinten schief abgeschnittenen Schulterwinkel
der Flügeldecken und nach hinten gerichtete Hinterwinkel des Thorax
unterschieden; 3 neue Arten vom Cap. — Die Caediaires zerfallen in
Microzoumates (!!) mit Microzoum ‚Redt. 1 A., Caediates mit Caedius
(Dej. Cat.) 6 neue Arten und Adavius n. g. (Caed. clavipes Melly
i. lit.) und in Clitobiates mit Clitobius n. g. 1 A. (Caed. sabuli-
cola Cheyr. i. lit.) und Ammodonus n. g. für Opatrum fossor Le'(.,
1 A. — Die Leichenaires enthalten die beiden Gattungen Leichenum
Redt. 1A. und Coeloderes n.g. lür Opatr. liliputianum Lue., 1 A,
In ihren „Notes relatives ä la classification des Tenebrioniens
d’Europe“ (Opusc. ent. IX. p. 138 ff.) gründen dieselben beiden Verf.
eine neue Gattung Anthracias (Dej. Cat.) für A. bicornis, eine
neue Gattung Coelometopus auf Blaps (Iphthimus) elypeatus Germ.
und geben sowohl von diesen Arten als von 2 Iphthimus und 1 Upis,
welche bereits bekannt sind, nochmalige Beschreibungen.
Eine neue Gattung Lyphia wird von Mulsant und Rey
(ebenda IX. p. 166) charakterisirt; sie gehört zur Gruppe von’ Tribo-
lium und unterscheidet sich von den übrigen Gattungen durch ihren
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 483
Prothorax, der etwas länger als breit und an der Basis gerade abge-
schnitten is. — Art: L. ficicola in Corsika, an Feigenbäumen. —
Ebenda p. 52 wird Phaleria Reveillieri als neue Art aus Corsika be-
schrieben.
Mulsant und Godart (Aunal.d.1.soc. d’agricult. de Lyon III,
p- 241 f. und Opusc. ent. IX. p.179) glauben die durch ersteren von
Calcar abgezweigte Untergaltung Centorus jetzt zu einer selbststän-
digen Galtung erheben zu müssen und beschreiben Centorus Lucasii
als n. A. aus Algier.
Von Mulsant und Reveliere (Annal. d. l. soc. Linneenne
de Lyon VII. p.153 ff.) wurde eine neue Gattung Sinorus, zur Ab-
theilung der Gonocephalidae unter den Opatrinen gehörend, bekannt
gemacht, welche zwischen Trichopodus und Hadıus den Uebergang
zu vermitteln scheint; von ersterer unterscheidet sie sich durch das
3.Fühlerglied, welches fast so lang als die beiden folgenden ‚ist und
durch die Form des Kinnes, von letzterer durch die seitlich gewim-
perten Flügeldecken, durch das allmählich von hinten nach vorn er-
weiterte Kinn u. s, w, — Art: Sin. eiliaris von Corsika.
Eine neue Galtung Scotobaenus Le Conte (Proceed, acad. nat.
scienc. Philadelphia 1859. p. 87), welche mit Upis, Nyctibates u.s. w.
zunächst verwandt ist, wird folgendermassen festgestellt; Flügeldecken
nicht verwachsen, Körper flügellos, langgestreckt, Kopfschild vorn ab-
gestutzt, Operlippe breit gerundet, Kinn klein, sechseckig, an der
Spitze frei und fast abgestutzt, Fühler gegen die Spitze hin ‚dicker,
die 4 oder 5 letzten Glieder gerundet; Schenkel etwas gekeult, Schie-
nen. dünn, fast doppelt so lang als die Tarsen. — Art: Sc. parallelus
von Sacramento. — Neue Arten von Fort Tejon (ebenda p.76f.):
Pelecyphorus costipennis, Nosoderma pustulosum, plicalum, Eleodes
scabripennis, Helops angustus, Coniontis abdominalis, Eulabis brevi-
cornis, Xystropus opacus, Prionychus cyanescens und Allecula, pun-
etulata.
Derselbe (ebenda p.284) beschrieb Helops opacus als .n. A.
von Sacramento und (Coleoptera of Kansas and Eastern New-Mexico
p-14 f.) Euschides conveza, Blapstinus pralensis, veslitus, Centronopus
opacus und Äystropus pinguis als n. A. aus Nord-Amerika.
Guerin (Bullet. soc. entom. 1859. p. 187 f.) errichtete eine
neue Gattung Abiga, von Micipsa dadurch unterschieden, dass das
dritte Fühlerglied nicht länger als das vorhergehende und folgende
ist, und dass die vier letzten eine leichte Keule bilden. — Zwei Ar-
ten; A, humilis aus Algier und Cerisyi aus Aegypten. — Als neue
Arten beschreibt derselbe ausserdem: Leptonychus rufipennis, Pimelia
Valdanii, Cirta velox und cursor aus Algier, Helops Valdanii aus
Kabylien.
Lucas (ebenda p. 22) gründete auf Pimelia nigropunctata und
484 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
liliputana Luc. eine eigene Gattung Leucolaephus, welche sich
durch beschuppte Körperoberlläche. dünnere Beine, längere Taster
und aussen gedornte Vorderschienen von Pimelia sens. strict. unter-
scheidet; Leuc. Perrisii wird als n. A. dieser Gallung aus Algier be-
schrieben. — Ebenda p. 113 Morica Favieri und Akis Tingitana Lucas
a. A. ebendaher.
Thomson hat (Arcan. natur. p.101—113. pl.X und IX) eine
mit sehr schönen Abbildungen ausgestaltete Monographie der Gattung
Spheniseus geliefert, in welcher er sorgsame Beschreibungen von
19 Arten giebt, nachdem er vier bereits beschriebene, welche viel-
leicht zu Poecilesthus gehören, ausgeschlossen. Von den 19. der
Gattung zugetheilten Arten sind erst vier bekannt, die übrigen 15
neu:' Sph. Erichsonii Peru, camelus und Castelnaui Parä, adelphus
und formosus (Dej.) Cayenne, immaculipes Brasilien, corallifer Co-
lumbien, maculicollis Cayenne, marmoratus Brasilien, nigromaculalus
(Dej.) und marginicollis (Dej.) Mexiko, maculosus (Dej.) Columbien,
Augusti und lagrioides (Dej.) Cayenne und elongatus Brasilien. —
Ob die vom Verf. angenommenen Arten sämmtlich begründet sind,
ist bei dem dürftigen Material, welches von dieser Gattung bis jetzt
in den Sammlungen vorhanden zu sein scheint, nicht gut zu entschei-
den; nach dem Vergleiche der Th.’schen Arbeit auf die Arten der
hiesigen Sammlung möchte Ref. dies aber fast bezweifeln und glaubt,
dass die meisten Arten in Färbung und Skulptur bedeutenden Schwan-
kungen unterliegen.
Derselbe (Musee scientif. p.20 f.) machte folgende neue Galtun-
gen bekannt: 1) Lycanthropa n. g. aus der Gruppe der Eurycho-
riten, mit Steira Wesiw. verwandt, aber durch mehr kreisförmigen
Körper, verlängertes drittes Fühlerglied (wie bei Eurychora), spitzes
und nicht abgestutztes Endglied der Lippentaster und breitere Flügel-
decken unterschieden. — Art: L. cimicoides Schönh. Synon. vom
Cap. — 2) Calophthalmus n. g. aus der Calcariten-Gruppe, von
Boros durch grössere und mehr genäherte Augen, dünnere Fühler, von
denen das erste und dritte Glied verlängert, das vierte bis zehnte quer
sind, durch kürzeres Kinn, längere Aussenlade der Maxillen, mehr
beilförmiges Endglied der Kiefertaster, eylindrischen Thorax und un-
bewehrtes Prosternum unterschieden. — Zwei Arten: (©. Mexicanus
und Brasiliensis. — 3) Evelina n.g., in des Verf.'s „Enumeratio Eva-
niosomilarum“ neben Evaniosonus und Melaphorus aufgestellt, durch
den nicht zwischen die Hinterhüften vordringenden Hinterleib, mehr
fadenförmige Fühler mit spitzem Endgliede, halbkreisrundes Kinn,
herzförmige Ligula und länglich eiförmige, nicht gekielte Flügeldecken
unterschieden. — Art: E. Lacordairei aus Süd-Amerika.
Derselbe (ebenda p.25 ff.) giebt unter dem Titel: „Famille
des Trietenolomites“ eine erneuele Charakteristik der Gattung Tricle-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u.60. 485
notoma, diskutirt ihre Stellung im Systeme und ist geneigt, sie zu
eiuer eigenen Familie, die er in die Nähe der Cerambyciden stellen
will, zu erheben. Auf Trietenotoma aenea Westw. gründet er eine
eigene Galtung Autocrates, die sich durch grosse Epimeren des
Mesothorax, seitlich gezähntes Halsschild und flaches, einfaches Me-
sosternum unterscheiden soll.
White (Proceed. zoolog. soc. of London 1859. p. 121. pl. 59)
machte eine neue Gattung und. Art Zopherosis Georgii aus Neu-
Süd-Wales bekannt, welche mit Zopherus und Nosoderma (nicht No-
sodendron, wie der Verf. zweimal irrthümlich schreibt) nahe verwandt
ist und nach der Abbildung zu urtheilen fast ganz das Ansehen der
letzteren hat.
Montrouzier (Annal. soc. entom. VIII. p. 288 ff.) machte fol-
gende neue Galtungen und Arten aus Neu-Caledonien bekannt: Opa-
trum Caledonicum (Chevrol.), aterrimum, Toxieum Berardi (zur Gat-
tung Calymınus Dej. gehörend), Acanthosternusn.g., zu den
Pediniten gehörend; Fühler kurz und dick, die fünf Endglieder breit
und zusammengedrückt, Vorderschienen erweitert und erenulirt, Pro-
sternum hinten in eine Spitze endigend. — Art: A. Halorageos. —
Neomida striata (eine Hoplocephala-Art), Diaperis Baladica und Le-
ptomorpha sulcata (beide zur Gattung Neomida gehörend). — Pachy-
cerus.n. g. (längst vergebener Name!), von Diaperis durch stärker
erweiterte, viergliedrige Fühlerkeule unterschieden, mit der Art P.
domesticus (welche zur Gattung Alphitobius gehört). Tenebrio pachy-
soma (zu Uloma), Uloma Lifuana (zu Phthora), Trogosita? armata
(einer mit Tribolium verwandten Gattung angehörend), Neomida? cu-
eullata (ist gleich Cerandria cornuta), Uloma emarginata, ferruginea
und sedecimlineata (alle drei zu Ceratupis gehörend), Tenebrio can-
cellatus (ein Iphthimus), Leptomorpha Mulsanti, aenea und viridipen-
nis (alle drei zur Galtung Strongylium gehörend). Isopus.n.g-
(ohne Angabe der näheren Verwandtschaft), Blanchardi, Diaperis
oxygaster, Phaleria conveza (beide gleichfalls zu Isopus ? gehörend),
Adelium Austro-Culedonicum (pl. 7. fig. 7 abgebildet, wohl kaum zur
Gattung Adelium gehörend), ezul und triste, Ditylus palmarum und
puberulus (beide Allecula-Arten).
Gebler (Bullet. de Moscou 1859. II. p. 335 ff. und 1860. 1.
p- 10 f. u. p. 37) beschrieb als n. A. aus der Songarei: Podhomala
bicarinata, Pseudopimelia variolaris, Microdera deplanata, Dila lae-
vicollis, Prosodes rugulosus, Epitrichia tomentosa, Zophosis nitida,
Capnisa Schrenkii, Pimelia punctata, Ocnera Schrenkii, Adesmia Geb-
leri (Mannerh. i. lit.), Akis truncata, Tentyria laevicollis, Anatolica
tatarica, Blaps transversalis, caudata, Tagona brevis, Heliopathes ru-
fescens, Opatrum obduetum und Allecula? macrophthalma.
Motschulsky (Bullet. de l’acad. de St. Petersbourg I. 1860.
486 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
p: 307 f.) Opatrum tricarinatum, Platyscelis striatus, intermedius, Pro=
sodes nitidulus (im Holzschnitte abgebildet), Anatolica dilatata und
conica als n. A. ebenfalls aus der Songarei.
Derselbe (Etud. ent. 1859. p.141) Amarantha viridis als n. A.
von Lenkoran und (ebenda p.99 ff.) Hypophloeus flavipennis, Hetero-
phaga nitidula, punctulata als n. A. von Ceylon, Heterophaga lateralis
aus Ostindien und Stenochinus reticulatus (vermuthlich von Ceylon).
Walker (Annals of nat. hist. 3. ser. II. p. 259) diagnosticirte
Cistela falsifica und Allecula flavifemur als n. A. von Ceylon.
Reiche (Annal. soc. entom. VIII. p. 729 f.) beschrieb Pachy-
chila quadricollis und Eryz Bellieri als n. A. aus Sicilien, Eryz
Fairmairei aus Südfrankreich, p. 334 Microtelus Lethierryi aus Algier
und (Musee scientif. p. 25) Adesmia miliaris n. A. aus Sudan.
Fairmaire (Annal. soc. entom. VIII. p. 630 f£.) Opatrum Col-
liardi und sculpturatum als n. A. aus Corsika und Lophoma impun-
ctata aus Marocco.
Levrat (Etud. entom. I. p.41) Pimelia rugosicollis als n. A.
aus Sieilien und Spanien und Philax Tunisius n. A. von Tunis.
Wollaston (Annals of nat. hist. VI. p. 49) Hadrus Paivae als
n. A. von Madeira und Gnathocerus maxillosus Fab.? ebendaher.
Von Mulsant und Reveliere (Annal. soc, Linneenne, de
Lyon VI. p. 43 f. und Opusc. entom: XI. p. 63) wurde die Larve und
Nymphe ‚des Iphthimus Italicus bekannt gemacht; erstere lebt auf
Corsika in abgestorbenen Stämmen der immergrünen Eiche, oft tief
im Inneren des Holzes.
Kraatz (Berl. Ent. Zeitschr. III. p. 309. Taf. 4) beschrieb die
Larve und Puppe von Bolitophagus reticulatus Lin.; erstere mit Ab-
bildung. — Ebenda p.75 Bemerkungen über die mit Autocera Woll.
identische Gattung Unemeplatia Costa, welche von Opatrum und Scle-
rum generisch verschieden ist.
Thomson, „Monographie de la famille des Monommides“
(Annal. soc. entom. VIII. p. 1—38. pl. 1—3). Verf. beschreibt in die-
ser mit vorzüglichen Abbildungen ausgestatteten kleinen Monographie
35 Arten der ursprünglichen Gattung Monomma Klug (Hyporhagus Dej.),
welche letztere er nach Lacordaire als eigene, von den Melaso-
men abzutrennende Familie ansieht, jedoch in zwei Gattungen auflöst,
Der ersten, welche nur Arten der alten Welt umfasst und besonders
stark auf Madagascar vertreten ist, verbleibt der Gattungsname Mo-
nomma, während der zweiten, welche nur auf Nord - und Süd-Ame-
rika beschränkt ist, der Dejean’sche Name Hyporhagus zuertheilt
wird. Als Charaktere für Monomma werden angesehen die quere
Aussenlade der Maxillen, das schmaler abgestutzte Endglied der Lip-
pentaster, das vierlappige Kinn, der schmale Vorsprung des Proster-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 487
num u. s; w., für Hyporhagus dagegen die schmale, längliche Aus-
senlade der Maxillen, das breiter abgestutzte Endglied der Lippenta-
ster, das dreilappige Mentum und der breite Vorsprung des Prosternum.
Die Gattung Monomma umfasst in der Monographie des Verf. 19 Arten,
wovon 15 Madagascar eigenthümlich sind, die Gattung Hyporhagus
16 Arten.
Derselbe lieferte (Musee scientif. p. 1—14, nebst Nachtrag
p-45) eine „Monographie de la famille des Nilionides,“ welche mit
vier sehr schönen, colorirten Kupfertafeln ausgestattet ist. Von der
Gattung Nilio Latr. sind dem Verf. im Ganzen 17 Arten bekannt ge-
worden, von denen N. Peruvianus, aeneus, testaceus, Amazonicus,
suluralis, Lebasii (Dej.), Sallei, rubrocastaneus, Lafertei, collaris,
brunneus (Dej.) und pantherinus, sämmtlich aus Süd-Amerika stammend,
neu sind. Von bekannten Arten haben ihm zwei von Erichson
und Germar beschriebene nicht vorgelegen. — Ausserdem werden
zwei mit Nilio verwandte neue Gattungen charakterisirt, von denen
die eine Hades n.g. (Art: H. tenebrosus von Java), die andere (’a-
tapotia n.g. (Art: C. laevissima aus Neu-Granada) benannt ist. Bei
beiden stützt sich der Kopf nicht, wie bei Nilio, auf die Vorderhüf-
ten, welche getrennt sind und das Kinn ist nicht verlängert, sondern
herzförmig. Bei Hades ist dasselbe in der Mitte flach, bei Catapotia
aufgetrieben; das Endglied der Lippentaster bei ersterer Gattung cy-
lindrisch, bei letzterer dreieckig.
Lagriariae. Trachelostenus fascieuliferus Philippi (Entom. Zei-
tung 1860. p. 248) ist eine n. A. aus Chile.
Melandryadae. Schaum (Berl. Ent. Zeitschr. III. p. 50) be-
schrieb Dircaea ephippium (Waltl i. lit.) als n. A. aus Baiern, welche
nach Maeklin’s Mittheilung indess identisch mit Dircaea livida
Sahlberg ist.
Le Conte (Proceed. acad. nat. science. Philadelphia 1859. p. 88.
Phryganophilus collaris als n. A. vom Washington - Territory und
(ebenda p. 284) Hypulus fulminans als n. A. vom Oregon.
Philippi (Entom. Zeitung 1860. p.248) Serropalpus Valdivia-
nws als n. A. aus Chile.
Montrouzier (Annal. soc. entom. VIII. p. 295) Megapal-
pus sexgutlatus als neue Gattung und Art von Neu-Caledonien. Von
der Gattung Megapalpus (vox hybrida!) wird nur angegeben, dass sie
von Elateren-Form sei und sehr lange Taster habe.
Mulsant undRey (Annal. soc. d’agricult. de Lyon III. p. 221 f.
und Opusc. entom. IX. p. 161) Dircaea 'Revelieri als n. A. von Corsika.
— Zugleich wird die Larve dieser Art, welche unter der Rinde von
Pinus maritima lebt, von Mulsant und Reveliere (Annal. soc.
Linneenne de Lyon VI. p. 132 f. und Opuse. entom. Xl. p. 94) bekannt
gemacht.
488 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Assmuss (Wien. Ent. Monatsschr. III. p. 255) fand eine Puppe
des Serropalpus barbatus, nachdem er schon mehrmals den Käfer in
Bienenstöcken angetroffen hatte, in einem Neste von Bombus terre-
stris gegen Ende Septembers; in den letzten Tagen des März ent-
wickelte sich daraus der Käfer. Verf. schliesst aus diesem Vorkommen
auf eine parasitische Lebensweise der Larve, welche in gegenwärtiger
Familie allerdings etwas Auflallendes wäre.
Mordellin.. Le Conte (Coleoptera of Kansas and Eastern
New-Mexico p. 16) gab eine Uebersicht der in den Vereinigten Staa-
ten vorkommenden Gattungen dieser Familie. Es sind folgende:
1) Tomoxia Costa (Mord. bidentata Say). 2) Glipa n. g. mit sehr
stark beilförmig erweitertem Endgliede der Kiefertaster (Mord. hilaris
Say). 3) Sphaleran. g., durch die stark in die Quere gezogenen
und sammetartigen letzten Fühlerglieder ausgezeichnet (Mord. melaena
Germ.). 4) Mordella Lin, zu welcher Gattung Mord. octopunctata
und seutellata Fab., quadripunctata, oculata, Serval, triloba (Anaspis)
Say, lineata und undulata Melsh. und insulata Le €. gehören. 5) Mor-
dellistena Costa, welche die übrigen von Say, Melsheimer und
Le Conte beschriebenen Arten umfasst,
Von neuen Arten beschrieb derselbe (ebenda p. 16) Mordella
insulata, Mordellistena aemula und divisa aus Nord-Amerika, ferner
(Proceed. acad. nat. science. Philadelphia 1859. p. 73 u. 88) Anaspis
nubila von Fort Tejon und Anaspis nigriceps vom Oregon-Gebiete.
Mulsant und Rey machten (Opnsc. entom, IX. p. 55.) eine
neue Gattung Conalia bekannt: Hinterschienen ohne Zahn auf ihrer
Rückenleiste, ihre Aussenfläche mit einer von dem hinteren (Aussen-)
Winkel entspringenden und bis zur Mitte der Schienenlänge ausge-
dehnten Linie. Fühler fadenförmig, das 2. Glied fast so dick und
wenig kürzer als das 1., fast so lang wie das 3.; das 4. bis 10. Glied
länger als breit, etwas zusammengedrückt. — Art: C. Baudii aus
Ungarn.
Montrouzier (Annal. soc. entom. VIII. p. 305 f.) beschrieb
Mordella sedecimguttata, Artensis, Dodonaeae und minima als n. A,
aus Neu-Caledonien.
Brisout de Barneville (Bullet. soc. entom. 1859. p. 233)
Mordella obtusata und Silaria Mulsanti als n. A. aus Frankreich.
Einzelne neue Arten sind ferner; Silaria trifasciata Chevrolat
(Rev. et Magas. de Zool. 1860. p. 455) aus Algier, Mordella pulchella
Mulsant et Rey (Annal. soc. d’agrieult. de Lyonlll. p.221f. und
Opusc. entom. IX. p. 168) aus Corsika, Anaspis Pyrenaeus Fairmaire
(Annal. soc. entom. VII. p. 54) aus den Pyrenäen und Mordella defectiva
Walker (Aunals of nat. hist. 3. ser, Ill. p 260) aus Ceylon.
Türk (Wien. Ent, Monatsschr. IV. p. 256) beschrieb die Larve
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 489
und Puppe von Mordella bisignata Redt,, welche er in Baumschwäm-
men eines Ahorn-Wurzelstockes antraf.
Rhipiphoridae. Stone (Proceed. ent. soc. 1859. p. 86) theilte
Beobachtungen über das Vorkommen des Rhipiphorus paradoxus in
den Nestern von Vespa vulgaris mit. Der Käfer fand sich in Mehr-
zahl vor und entwickelte sich aus Zellen, die in gewöhnlicher Weise
bedeckelt waren; die Larve wurde bis jetzt nicht beobachtet.
Pfeil (Entom. Zeitung 1860. p. 412) machte Mittheilungen über
häufiges Vorkommen der Pelecotoma fennica; dieselbe lebt Anfangs
August’s an morschen Weiden und Pappeln und verlässt besonders
des Vormittags die Bohrlöcher von Ptilinus u. dgl., in denen sie sich
aufhält.
Vesicanti.. Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. Philadel-
phia 1860. p. 320) begründete auf Horia sanguinipennis Say und Stans-
buryi Hald. eine eigene Gattung Trierania, welche von Horia durch
dreieckigen Kopf, verkehrt kegelförmige, kaum zusammengedrückte
Fühlerglieder, ungezähnte Mandibeln, verlängertes Endglied der Ta-
ster und etwas haarigen Körper abweicht. — Als neue Art wird
Trierania Murrayi aus dem Oregon-Gebiete beschrieben.
Gebler (Bullet. de Moscou 1859. II. p. 342 und 1860. II. p. 23)
beschrieb Mylabris coerulescens, biguttata und Mannerheimii als n. A.
aus der Songarei.
Fairmaire (Annal. soc. entom. VIII. p. 338) diagnosticirte
Cantharis janthina und rubriventris als n. A. aus Oran.
Schaum (Berl. Ent. Zeitschrift III. p.51) beschrieb Stenoria
unalis n. A. aus der Mark Brandenburg und Hapalus spectabilis n. A.
von Creta.
Leon Ferrer (Rey. et Magas. de Zool. 1859. p. 539) Myla-
bris Moquinii als n. A. aus China, in welcher Gu&rin (ebenda)
jedoch nur eine Varietät von Myl. Sidae vermuthet. Abbildung
auf pl. 21.
Fernere neue Arten sind: Zonitis Bellieri Reiche (Annal. soc.
entom. VIII. p. 731) aus Sicilien, Telephorus Guerinii Montrouzier
(ebenda VIII. p. 307) aus Neu-Caledonien (ist ebenfalls eine Zonitis-
Art) und Mylabris recognita Walker (Annals of nat. hist. 3. ser. Ill,
p- 259) aus Ceylon.
Stone (Procced. entom. ‚soc. 1859. p. 81) fand Sitaris hume-
ralis in der Nähe von-Brighthampton. Die Thiere erschienen zuerst
Mitte August’s in einigen Exemplaren, von Anfang September’s an
jedoch in grosser Menge. Die J.arven und die von Fabre beschrie-
benen eigenthümlichen Puppencocons wurden in den Zellen der Bie-
nen, deren Parasit der Käfer ist, aufgefunden; auch die Copulation
und das Ablegen der Eier wurden von Stone beobachtet. (Die
490 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Biene, unter welcher der Käfer gefunden wurde, wird nicht näher
bezeichnet.) j
Auch Lucas (Bullet. soc. entom. 1860. p. 18) fand. einenSitaris
in Menge in der Umgegend von Paris; es war Sitaris muralis, welche
in den Nestern von Anthophora parietina und Chalicodoma muraria
parasitirte,
Nach Girard’s Mittheilung (Bullet. soc. entom. 1860, p..73)
überfiel Epicauta adspersa Klug zu Millionen die zum ersten Male ver-
suchsweise angesäeten Runkelrüben in der Nähe von Montevideo,
Anthicidao. Neue Arten sind: Notozus sparsus Le Conte. (Pro-
ceed. acad. nat. science. Philadelphia 1859. p. 284) von Puntos de los
Reyes, Lagria dichroa Montrouzier (Annal. soc. entom, VII. p. 305)
aus Neu-Caledonien (ist ein Anthicus), Anthicus strieticollis Walker
(Annals of nat. hist. 3. ser. III. p. 260) aus Ceylon und Anthieus Oe-
dipus Chevrolat (Rev. et Magas. de Zool. 1860. p. 209) aus Algier.
Salpingidao. Mulsant vereinigt in seiner Histoire naturelle
des Coleopteres de France, Rostriferes, Paris 1859 (auch enthalten
in: Annales d. l. soc. Linneenne de Lyon VI. p. 49—106) unter dem
Namen „Rostriferes“ die Gattung Mycterus mit, den Salpingiden zu
einer und derselben Familie, dabei offenbar auf ein untergeordnetes
Merkmal, die beiden zukommende rüsselförmige Verlängerung des
Kopfes, ein unberechtigtes Gewicht legend. Nach ausführlicher Cha-
rakteristik der Familie und noch ausführlicherer Anführung der von
derselben handelnden Autoren, werden die Mycteriden (mit einer Gattung
und zwei bekannten Arten) von den Salpingiden unterschieden, letztere
wiederum in „Salpingates“ und „Rhinosimates“ getheilt. Zu ersteren
gehören: Lissodema Curt. mit 3 Arten (L. cursor Gyll., lituratus Costa
und denticollis Gyll. = 4-pustulatus Marsh. — 4-guttatus Eneycl.
= 4-maculatus Muls. = 4-dentatus Redt.), Salpingus auct. mit 5 Ar-
ten (S. ater Payk., aeratus Muls. = Sphaeriestus aeneus Steph.?, bi-
maculatus Gyll., castaneus Panz. = achilleae Bonelli = piceae Germ.
= rufescens Dej. und virescens Muls. n. A. Frankreich.) und Rabo-
cerusn. g. für Salp. foveolatus Ljungh errichtet, mit 1 Art. — Die
„Rhinosimates“ umfassen die einzige Gattung Rhinosimus Latr. mit
den 4 bekannten Arten Rh. aeneus Oliv., planirostris Fab., ruficollis
Lin. und viridipennis Latr.
Neue Arten sind: Salpingus nitidus Cheyrolat (Rev. et Magas.
de Zool. 1859. p. 77) aus Algier und Salpingus alternatus Le Conte
(Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1859. p. 285) von Puntos de
los Reyes.
Oedemeridae. Von Walker (Annals of nat. hist. 3. ser. II.
p- 259 f.) wurden zwei neue Gallungen aufgestellt, von denen es zwei-
felhafı ist, ob sie nicht den Melasomen angehören, da sie neben Ci-
stela und Allecula aufgeführt werden. 1) Sora n. g. „Corpus gra-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 491
eile, caput subtransversum, thorace antico paullo latius. Palpi breves,
articulo 3. securiformi; antennae filiformes, corporis dimidio paullo
longiores, articulo 11. longissimo. Thorax longi-subconicus, elytra
seilissime punetato-lineata.* — Art: S. marginata, 3'% lin. 2) Thac-
eonan. g. „Corpus gracile, caput subproductum, palpi subelavati,
artic. 3. subfusiformis. Antennae filiformes, corporis dimidio non
longiores, artie. 2. minutus, 11. lanceolatus, 10. paullo longior. Oculi
magni, thorax subrotundatus, submarginatus, capite latior, elytra longa,
linearia, pedes tenues, — Art: Th. dimelaena, 3%; lin. Beide Gat-
tungen stammen aus Ceylon.
Montrouzier (Annal. soc, ent. VIII. p. 308) beschrieb Na-
cerdes Moorii (pl.7. fig. 8 abgebildet), nigripennis und Gaubilii als
n. A. von Neu-Caledonien.
Motschulsky (Bullet. de Moscou 1859. 11. p, 493) diagno-
sticirte Anoncodes croceiventris und nigriventris als n. A. vom Amur.
Fernere neue Arten sind: Oedemera murinipennis Kiesenwelter
(Berl, Ent. Zeitschr. II. p. 192. Taf. 3) von Creta, Xanthochroa Ray-
mondi Mulsant et Godart (Annal. soc. Linneenne de Lyon VII. p. 158 f.)
aus Südfrankreich und Corsika und Dryops flavicans Fairmaire (Annal,
soc. entom. VIII. p. 632) von Constantinopel.
Anthribidae. Pascoe, „On some new Anthribidae“. (Annals
of nat, hist. IV. p.327 f., p.431 ff. und V. p.35f. pl.1 und 2) hat
(nebst einigen anderen Arten) die von Wallace auf dem'Ostindi-
schen Archipel und den Molukken gemachte sehr reiche Ausbeute von
ausgezeichneten Anthribiden bearbeitet. Die aufgestellten neuen Gat-
tungen sind: 1) Zygaenodes n.g. Augen gestielt, so dass der Kopf
von vorn gesehen ein in die Quere gezogenes Dreieck darstellt; Füh-
ler von Körperlänge, gleichmässig dünn, fadenförmig, Augen länglich,
Mandibeln kräftig, Prothorax quer, von Flügeldeckenbreite, die Quer-
leiste von der Basis entfernt; Flügeldecken kurz, Vorderhüften ge-
nähert, erstes Tarsenglied länger als die folgenden zusammen. —
Art: Z. Wollastoni Borneo, 3 Lin. — 2) Nessia n. g. Kopf flach-
gedrückt, mit breitem Rüssel, Augen länglich, schräg stehend, Fühler
kurz, mit breiter, flachgedrückter, dreigliedriger Keule; Prothorax
vorn verengt, die Carina nahe an der Basis, Flügeldecken kurz, nie-
dergedrückt, erstes und letztes Tarsenglied fast gleich lang. — Zwei
Arten: N. didyma 6 Lin. und centralis 3'%,Lin., beide von Borneo. —
3) Eezesaris n. g. Kopf in die Länge gezogen, Rüssel in der
Mitte verengt, Fühler von halber Körperlänge, fadenförmig mit fla-
cher, dreigliedriger Keule, Endglied der Lippentaster oval, die Ma-
xillartaster zugespitzt; Protliorax vorn verengt, mit basaler Querleiste,
Flügeldecken kurz, Schienen gedrungen. — Art: E. atomaria 4Lin.
Aru-Inseln.. — 4) Dipieza n. g. Kopf oberhalb gewölbt, ganz
kurz, olıne rüsselarlige Verlängerung , Fühler kurz, mit sehr er-
492 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
weitertem und grossem 4. Gliede, die 4 folgenden sehr kurz und
schmal, die drei letzten eine kleine ovale Keule bildend-. Prothorax
vorn gerundet, die Querleiste eng den Flügeldecken anschliessend,
diese verlängert, cylindrisch,. (Ob gleich Oedecerus Montr.?) — Art:
D. Waterhousei 4 Lin., Aru-Inseln. — 5) Penestica n. g. Kopf
oben gewölbt, unterhalb wenig verlängert, Augen rund, hervorste-
hend, Fühler kurz und derb, die Glieder allmählich kürzer und brei-
ter werdend, das 9. und 10. in die Quere gezogen; Prothorax sehr
gewölbt, die Querleiste basal, Flügeldecken kurz cylindrisch. — Art:
P. inepta 3 Lin., Aru -Inseln. — 6) Cedus n. g. Kopf langgezo-
gen, flach, anı Scheitel schmaler als am unteren Theile des Rüssels,
der bei der Einlenkung der Fühler bucklig erweitert ist; Fühler
3- bis 4mal so lang als der Körper, vom 6. Gliede an dünn peit-
schenförmig, Augen oben auf dem Scheitel genähert, Mandibeln kurz,
Prothorax quer, niedergedrückt, seine Querleiste etwas von der Ba-
sis entfernt. — Arten: C. tuberculatus 5'/, Lin., Singapore und gut-
tatus 4 Lin., Borneo. — 7) Byastus n. g. Kopf ähnlich wie bei
Cedus, aber nach unten noch breiter, Augen auf dem Scheitel quer
gestellt, Fühler kürzer 4ls der Körper, mit auffallend langem und ge-
keultem dıittem Gliede und schmaler, dreigliedriger Keule, Mandibeln
kurz; Prothorax quer, mit etwas von der Basis entfernter Carina,
Flügeldecken niedergedrückt. — Art: B. cephalotes 2 Lin., Borneo. —
8) Protaedus n. g. Kopf mit hochgewölbtem Scheitel, Rüssel
kurz und breit, durch tiefen Ausschnitt von den Augen getrennt, diese
kuglig, klein; Prothorax gewölbt, mit basaler Carina, Flügeldecken
an der Basis etwas buckelig. — Art: Pr. moerens 2 Lin. Molukken.
— 9) Hypseus n. g. Kopf von vorn gesehen fast quadratisch, Au-
gen oval, schräg stehend, Fühler kurz, dünn, mit abgestutzter, lose
gegliederter Keule, Prothorax fast quadratisch, mit von der Basis
entfernter Carina, Schildchen klein, rund, Flügeldecken gleich breit.
— Art: H. fascicularis 2 Lin., Borneo. — 10) Ethnecan. g. Kopf
langgezogen, mit gewölbtem Scheitel und verengtem Rüssel, Augen
oval, fast senkrecht, Fühler nicht viel länger als der Kopf, mit Jäng-
licher, solider Keule; Prothorax fast konisch, die Carina von der
Basis ziemlich entfernt; Schildchen quadratisch, Flügeldecken kurz,
breiter als der Thorax, Beine gedrungen. — Art: Z. Bakewellü 3 Lin.,
Australien. — 11) Genethila n. g. Kopf etwas länger als bei der
vorigen Gattung, Seiten des Rüssels S-förmig geschwungen, Fühler
um die Hälfte länger als der Kopf, mit flacher Keule wie bei Eu-
morphus; Prothorax verlängert, mit basaler Carina, Flügeldecken
breiter, parallel, an der Spitze abgestutzt, die vier vorderen Tarsen
länger als die hinteren. — Art: @. retusa 3 Lin., Moreton - Bay. —
12) Phaeochrotes.n.g. Kopf mit gewölbtem Scheitel und schma-
lerem, eingebuchtetem Rüssel, Fühler fast von doppelter Kopflänge,
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u.60. 493
mit viergliedriger flacher Keule, Mandibeln schmal, hervorstehend;;
Prothorax etwas niedergedrückt mit fast basaler Carina, Flügeldecken
kurz, das Pygidium bedeckend. — Art: Ph. porcellus 11% Lin. Ma-
eassar. — 13) Nerthomma n. g. Kopf von vorn gesehen herzför-
mig, Augen sehr gross, quer, nierenförmig, Fühler von Körperlänge,
fadenförmig, besonders das 3. bis 8. Glied stark verlängert; Prothorax
fast quadratisch, mit entfernter Carina, Flügeldecken seitlich leicht
gerundet. — Art: N. stictica 2Y, Lin. Borneo. — 14) Erillisn.g,
Kopf kurz, viereckig, mit hochgewölbtem Scheitel, Augen seitlich,
quergestellt, nierenförmig, Fühler sehr lang und dünn, besonders das
3. bis 8. Glied, während die beiden ersten so wie das vorletzte ganz
kurz sind: Prothorax viereckig mit fast basaler Carina, erstes Tar-
senglied länger als die folgenden zusammen. — Art: E. longicornis
1'% Lin. Borneo. — 15) Mycteis n. g. Kopf mit sehr langem
schmalem, unten jedoch wieder erweitertem Rüssel, mit hervorstehen-
den Mandibeln und grossen, ovalen, fast senkrecht stehenden Augen;
Fühler kaum von Körperlänge, dünn, mit schlanker Keule, Prothorax
quer mit basaler Carina, Flügeldecken an der Basis am breitesten,
erstes Tarsenglied länger als die übrigen zusammen. — Zwei Arten:
M. marginicollis 5 Lin., Manila und frenatus 4 Lin., Borneo. — 16)
Apolectan.g. Kopf länglich quadratisch, Augen rund, seitlich
hervorgequollen, Fühler auf der vorderen Gesichtsfläche entspringend,
äusserst lang und vom dritten Gliede an dünn fadenförmig, das erste
Glied geschwungen und gekeult; Thorax nach vorn verengt, die Ca-
rina in ‚der Mitte einen Winkel gegen die Basis hin machend. —
Art: A. gracillima 3 Lin., Singapore. (Auch Mecocerus? parvulus
Thoms. gehört der Gattung an.) — 17) Habrissus n. g. Kopf mit
stark gewölbtem Scheitel, grossen, runden Augen auf der Gesichts-
fläche und fadenförmigen, langhaarigen Fühlern, an denen nur die
beiden Basalglieder kurz und dick sind; Prothorax vorn schmal, ge-
gen die Carina hin allmählich erweitert, Schildchen klein, erstes
Tarsenglied den folgenden zusammen gleich. — Art: H. pilicornis
5 Lin., Aru-Inseln. — 18) Apatenia n.g. Kopf mit hochgewölb-
tem Scheitel und länglichem, gleich breitem Rüssel, Mandibeln vor-
stehend, Augen gross, oval, senkrecht, Fühler kurz, ohne merkliche
Keule, das 7. und 8. Glied beträchtlich kürzer als die übrigen; Pro-
thorax ein wenig quer, die Carina fast basal , Flügeldecken etwas
niedergedrückt. — Art: A. viduata 4 Lin., Borneo. — 19) Mistho-
siman.g. Kopf kurz, quer abgeschnitten, mit hohem Scheitel,
Augen kuglig, seitlich, Fühler dünn, fadenförmig mit eiförmigem 2.
Gliede; Thorax quer, vorn und seitlich gerundet, die Carina basal,
Schildeben klein, gerundet. Vorderbeine am längsten, erstes Tarsen-
glied länger als die übrigen zusammen. — Zwei Arten: M. mera und
marmorea, beide 2 Lin., Borneo. — 20) Plintheria n, g, Kopf
494 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
fast wie: bei Mycteis gestaltet, nur etwas kürzer, Augen ganz senk-
recht, Mandibeln klein, Fühler besonders im 3. bis 6. Gliede läuger
und mit deütlicherer Keule ; Prothorax so lang wie breit, Schildchen
klein, dreieckig, Flügeldecken kurz, breiter als der Thorax, erstes
Tarsenglied länger als die übrigen zusammen. — Art: Pl. luctuosa
2'% Lin., Neu- Guinea. — 21) Esocus n. g. Kopf quer eiförmig
mit grossen, schräg ovalen Augen, Rüssel schmal, stark eingeschnürt,
unten erweitert, Fühler kurz und derb, mit Eumorphus-artiger Keule;
Prothorax nach der Basis zu allmählich erweitert, Schildchen klein,
quer, Flügeldecken breiter als der Thorax. — Art: E. lacrymans
3 Lin. — 22) Hucus n. g. Kopf hinter den runden, am Scheitel
stehenden Augen stark aufgetrieben, Rüssel schmal, unten erweitert,
Fühler kurz und dünn, mit langgestreckter dreigliedriger Keule; Pro-
thorax' nach vorn verengt mit fast basaler Carina, Schildchen sehr
klein, Flügeldecken kurz, gewölbt, erstes Tarsenglied viel länger als
die übrigen zusammen. — Aut: H. melanostoma 1'% Lin., Borneo. —
23) Phaulimian.'g. Rüssel breit, quadratisch, Augen quer oval,
Fühler nur von Kopflänge, : mit kleiner, schmaler Keule; Prothorax
etwas, quer, mit ‚fast basaler Carina, Flügeldecken kurz, leicht nie-
dergedrückt. —.Art: Ph. ephippiata 11% Lin., Borneo. — 24) Dys-
nos n. g. Kopf ganz kurz, quer oval, ohne rüsselförmige Verlän-
gerung, Augen gross, schräg, nierenförmig, Fühler schlank mit spitzem,
lang spindelförmigem Endgliede; Prothorax breiter als die Basis der
Flügeldecken, ‚länger als breit, seitlich gerundet, Schildchen sehr
klein, Beine kurz, die vorderen Schienen und Tarsen am längsten. —
Art: D. auricomus 2 Lin., Aru- Inseln. — Neue Arten bekannter
Gattungen sind ausserdem: Xenocerus insignis Amboina, Corrhezerus
Jekelii Para, Litocerus moestus, figuratus und sellatus Borneo, Aco-
rynus rusticus Borneo, amabilis Aru, Basitropis peregrinus und in-
gratus Port Essington, mucidus Borneo, Eucorynus Stevensü Dorey,
setosulus Philippinen, Araecerus rufipes und areolatus Borneo, Xeno-
cerus equestris Aru, deletus, fimbriatus und variabilis Borneo, Me-
cocerus Wallacei und simulator Borneo, Litocerus torosus, pietus
Borneo, litigiosus, perplexus Dorey, divergens, marginellus Macassar,
passerinus Boıneo, Anthribus Wallacei Aru.
Einige neue Gattungen und Arten von Neu-Caledonien machte
auch Montrouzier (Annal. soc. entom. VIII. p. 867 f.) bekannt:
1) Proscoporhinus n. g., zwischen Stenocerus und Platyrhinus
stehend; Kopf Nach, vertikal, sehr gross, Augen gross, aber vorn
durch das Gesicht verdeckt, Fühler sehr lang, borstenförmig, zwölf-
gliedrig, mit dreigliedriger Keule, die Glieder vom 3. bis 8. an Länge
zunehmend. — Art: Pr. Amyoti L. 4 Mill. — 2) Acanthopygus
(Lucas) n. g., nach der Abbildung mit’ Xenocerus Schönh. (Weibchen)
übereinstimmend; Fühler beim Männchen länger, beim Weibchen
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 495
kürzer als Kopf und Thorax zusammen, das 3. Glied am längsten, die
dreigliedrige Keule kurz, lose gegliedert; Schildchen klein, fast
kreisrund, Pygidium jederseits mit einem Dorne. — Arten: A. me-
tallicus (pl; 7. fig. 9, durch metallische Oberfläche sehr ausgezeichnet),
griseus; cinctus, rubricollis und albopunctatus. — Fernere neue Arten
ebendaher: Stenocerus Dufouri (Litocerus), Oedecerus bipunctatus und
Urodon Vieillardi (Araeocerus).
Neue Arten von Boheman (Eugenies Resa p. 113 ff.) aufge-
stellt, sind: Bruchus luculentus Insel Puna, obtusus Montevideo, Ca-
lifornicus und atomarius Californien, furebris und Brachytarsus pu-
licarius: Rio-Jaueiro, Tropideres tessellatus und Caranistes variegalus
Insel Mauritius, Araeocerus subnolatus Keeling-Insel.
Von Walker (Annals of nat. hist. III. p. 261 f.) wurden. dia-
gnostieirt: Bruchus figuratus, incretus, decretus, Eucorynus colligendus,
colligens, Xylinades indignus, Xenocerus angulifer, revocans, Anthri-
bus apicalis, Araeocerus inltangens und.bifoveatus als n..A. von Cey-
lon. — Ebenda IV. p. 220 Tropideres fragilis ebendaher.
Von Montrouzier (Annal. soc. entom. VIII. p. 867) Spermo-
phagus termaculatus als n. A. aus Neu-Caledonien.
Von Mulsant und Rey (Annal. soc. Linneenne de Lyon VIl.
p-'338) Tropideres eurtirostris.n. A. aus Frankreich, mit Tr. einetus
Payk. nalie verwandt. und‘ (Opusc. entomol. IX..p. 1) Tropideres ma-
eulosus n. A. von Lyon.
Elditt, Die Metamorphose des Caryoborus gonagra ‚Fah. (Gra-
tulationsschrift ‚der physik.- ökonom. Gesellsch. in Königsberg an H.
Rathke zu seinem fünfundzwanzigjährigem Jubiläum. Königsberg
1860, 4. mit 1 Taf.). Verf. giebt eine durch Abbildungen illustrirte ein-
gehende: Beschreibung der Larve, Puppe und des Käfers von Caryobo-
rus gonagra, in welcher sämmtliche Körpertheile, besonders auch die
Mundtheile einer speciellen Schilderung unterworfen werden. Ueber
die Lebensweise des Käfers wird die Mittheilung gemacht, dass der-
selbe sich in den Hülsen der Cassia fistula entwickelt; in jedem
Kerne wohnt‘ nur eine Larve, deren Verwandlung ausserhalb des-
selben in einem festen Cocon stattfindet,
Heeger,(Sitzungsberichte der math.-physik. Classe der Akad.
d. Wiss. zu Wien. Bd. 34. p. 215) machte die Naturgeschichte von
Bruchus lentis Boh. bekannt, Das Weibchen legt drei bis vier Tage
nach der Begattung die Eier des Abends in die geöffneten Blüthen
der Linsen. Nach acht bis zehn Tagen erscheint die Larve aus dem
Eie, beisst sich sogleich in die junge Hülse ein und benagt. diese
sowohl als die Samen; später geht sie in andere Hülsen mit grösse-
ren Samen über.
Curculionina.. Jekel hat (Fabricia entomol. 3. livr. 1859)
seine Bearbeitung der Arten von Hypsonotus und der damit verwand-
496 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
ten Gattungen fortgesetzt. Er beschreibt folgende: Hypsonotus aura-
rius und pavidus aus Brasilien, latus von St. Vincent, ocularis von
Buenos Ayres, dorsiger (dorsalis Dej. Cat.), Bohemani aus Brasilien,
interruptelineatus von Buenos Ayres, viridisparsus von Rio-Janeiro,
einctipes Schönh. (wozu als Varietäten H. Reichei Percoud, Dejeanii,
arcuatus, ater Jekel i. lit. gehören), Dowei und amoenus aus Brasi-
lien, Paraguayanus, obsoletus Vaterl.?, setarius aus Columbien, albi-
vans, nebulosus, niger, melancholicus aus Brasilien, vestitus, ramosus,
laevicollis, acutipennis, punctum, bipunctatus, compressipennis, niti-
dulus aus Columbien, viridipupillatus aus Brasilien und apocyrtoides
aus Caraccas. — Eine neue Gattung Euscapwus wird auf Hypsonotus
rotundicollis Schönh. und squamosus Schönh. , eine zweite Steno-
rhinus auf Hyps. leucostictus Germ, begründet.
Unter einigen von Wollaston (Annals of nat. hist. V. p. 448 ff.)
beschriebenen neuen Curculionen von Madeira bilden zwei eigene
Gattungen: 1) Hezarthrum n. g. zur Rhyncolus - Gruppe gehörig
und von Rhyncolus durch sechsgliedrige Fühlergeissel, kurzen, brei-
ten und fast dreieckigen Rüssel so wie durch Kleinheit des nicht aus-
gebreiteten vorletzten Tarsengliedes unterschieden; Fühler sehr kurz
und dick, ihr Schaft auffallend gedrungen, die Glieder der Geissel
dicht aneinander schliessend, die Keule stumpf und nicht wahrnehm-
bar geringelt. — Art: H. compressum 1'% Lin. — Neue Arten der-
selben Gruppe: Rhyncolus calvus, Pentarthrum Monizianum, Bewickia-
num und Caulotrupis subnitidus. — 2) Torneuma n. g., aus der
Cryptorbynchiden - Gruppe, in einiger Verwandtschaft mit Acalles
stehend. Kopf klein, bis zur Basis des Rüssels ganz im Halsschilde
verborgen, Augen fehlend, Rüssel vom Kopfe stark abgeschnürt, an
der Basis gerundet erweitert, in eine scharf begränzte Brustrinne ein-
schlagbar ; Fühler schlank, vor der Mitte des Rüssels entspringend,
mit 7-gliedriger Geissel und 4-ringliger Keule. — Art: T. coecum
1%, Lin. — Acalles cinereus n. A. (Strophosomus coryli-Fab. und
Rhamphus aeneus sind in Madeira gleichfalls aufgefunden worden.)
Derselbe „On certain musical Cureulionidae, with descriptions
of two new Plinthi“ (ebenda VI. p. 14 ff.) beobachtete, dass Acalles
argillosus Schönh. von Teneriffa im Leben einen lauten zirpenden Ton
erzeugt und zwar durch schnelle vibrirende Bewegung seines letzten
Abdominalsegmentes. Bei näherer Untersuchung zeigte sich, dass die
Oberseite dieses Segmentes, welches gegen das abgeschnürte Ende
der Flügeldecken gerieben wird, raub, punktirt und borstig, die ihm
zugekehrte Seite der Flügeldeckenspitze von mattem Ansehn und bei
mikroskopischer Vergrösserung sehr dicht und fein retikulirt “ist.
Auch die übrigen Acalles-Arten besitzen denselben Reibeapparat und
bringen, wie der Verf. sich überzeugt hat, einen Ton hervor; ebenso
ein Plinthus von Teneriffa. Letzteren beschreibt der Verf. (p. 18) als
im Gebiete der Eutomologie während der Jahre 1859 u. 60. 497
Pl. musicus, einen zweiten von derselben Lokalität als Pl. veluti-
nus, neue Art.
Ref. inseinen „Beiträgen zur Kenntniss der Curculionen“ No. Il.
(Entom. Zeitung 1860. p. 376 ff.) machte folgende neue, Gattungen und
Arten bekannt: 1) Panolcus n. g., eine Cryptorrhynchiden-Form,
bei der die Brustrinne zum Einlegen des Rüssels sich über den_gan-
zen Hinterleib bis zum After erstreckt und deren fadenförmiger Rüssel
demnach dem Körper an Länge gleichkommt. — Art: P. scolopaz
aus Brasilien, 7 Mill. — 2) Strabus.n. g., ebenfalls ein, Cryptor-
rhynchide, bei dem die Brustrinne sich bis auf das Metasternum er-
streckt, wo sie sich erweitert; Schildchen deutlich, Augen oberhalb,
gross, zusammenslossend. — Zwei Arten : Str. melaleucus und pilula
Madagascar. — 3) Panoptes n. g. aus der. Verwandtschaft von
Zygops, Mecopus u. s. w. und wie diese mit grossen, oben zusammen-
stossenden Augen; Rüssel dünn, stark gekrümmt, zweites Fühlerglied
verlängert, Vorderbrust nicht gefurcht, mit zusammenstossenden Vor-
derhüften, Hinterbrust und Hinterleibsbasis abgeflacht, hohl. — Art:
P. notatus von Madagascar. — Die Gattung Ithyporus Schh. wird mit
I. petrosus n. A. von Madagascar und J. magicus n. A. von Neu-Guinea
bereichert und auf die eigenthümliche Bildung der Fühlerkeule bei
den Arten von Madagascar hingewiesen. — Die Acalles-Arten zeigen
auffallende Differenzen in der relativen Länge ihrer Hinterleibsseg-
mente; fast gleich lang sind dieselben ‚bei A. mutillarius und bi-
fascialus n. A. aus Mexiko. — Pycnopus Klugii n.A. von den kleinen
Antillen (P. bufo Schh. ist = Gonipterus griseus Perty), Bradybatus
fallaxz n. A. aus Thüringen.
Die zahlreichen von Montrouzier auf Neu-Caledonien ent-
deekten Curculionen- Arten und Gattungen (Annal. soc. entom. VJII.
p- 8741.) sind: Apion Piscidiae, Elytrocallus (n. g., vom. Verf.
mit Hipporhinus verglichen, nach der Abbildung auf pl. 7. jedoch mit
Geonemus Schönh. übereinstimmend) Chevrolatii , Pachyrhynchus Mac
Gilivirayi (Gatt. mit Hadropus Schh. verwandt), Pach.? aspersus (Gatt.
neben Eudius Schh.), Macropoda (n. g., wird mit Sitones und
Gronops verglichen; zeichnet sich durch sehr lange Hinterbeine,
deren Schenkel geschwungen, stark geschwollen und gezähnt sind,
aus), selfacea und conveza (Länge 3 und 4 Mill.), Geonemus Lapey-
rousei, Otiorhynchus Artensis (Perperus?), Sphaerorhinus Mac. Leayi,
Geonemus Douei (Elytrurus?), Elytrodon Labrami (Elytrogonus), Otio-
rhynchus. platypennis (!! ob Celeuthetes?), Strophosomus?. hibisci
(Celeuthetes), Orthorhinus eruciatus, cylindricus, cenlurio, Alophus?
eorticalis (lphipus ?2), Amerhinus pumilus (nahe Anthonomus), Eri-
rhinus australis (Storeus), Pissodes? , Araliae (nahe Acalyptus), Tylo-
des oculatus (nahe Sternechus), Prypnus? Artensis (nahe Rhinaria),
Trachodes ? penicillatus (nahe bei Myorhinus und Tanyrhynchus), tri-
Arch. für Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. GG
498 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
stis (ebenso), Baridius squamosus (nov. gen. bei Magdalinus), Coe-
losternus Panchezi (Cryptorhynchus), impressus, pictus, tuberculatus,
Orobitis? gibbosa (Cryptorhynchus), Erirhinus hirsutus (nov. gen.
bei Conotrachelus), Amerhinus hispidus (ebenso), Peridinetus? Lacor-
dairei (Cyamobolus), Camptorhynchus ambiguus und Artensis (letzte-
rer = C. dorsalis Cheyr.), Arachnobas? albogultatus, ? Jekelii, Ano-
mocerus (n. g., zu den Cryptorhynchiden gehörig, merkwürdig
durch die bei Männchen und Weibchen verschiedene Form und Ein-
lenkung der Fühler), Coquerelii und Lucasü, Coelosternus squamosus
(Euthyrhinus), Tylodes geophilus, niger, aspersus, Phaseoli, hirsutus,
pumilius, Lifuanus und minimus (alle zu Acalles gehörend), Crypto-
rhynchus Huoni (bei Tragopus), Acalles pietus und unicolor (Trago-
pus), Gasterocercus Duvalii und consocialis (eher zu Strongylopterus),
Gonipterus Artensis (ebenso), Ithyporus bigibbosus (Lucas), Cleogonus
dichrous, lucluosus, impressus, Deyrollei, zonatus (alle zu Ocladius),
Sphenophorus Testardi, pumilus und palmarum (letztere beide zu $i-
tophilus), Cossonus holomelas, Phloeophagus nitidulus, rufipennis, de=
pressus, Rhyncolus longicollis und brachyrhinus, Eumycterus suleicollis
und Alcides? trichocerus (Dryophthorus).
Boheman (Eugenies Resa p. 117 ff.) charakterisirte folgende
neue Arten und Gattungen: ‘Euops puncticollis Sidney, Rhynchites
humeralis Californien, Belus cyaneipennis und graeilis, Eurhynchus
bellicosus und Pachyrhynchus Australasiae sämmtlich von Sidney,
Thylacites puberulus Peru, Blosyrus Chinensis China, Naupactus pro-
pinquus Insel Puna, Pantoplanes viridisqguamosus Buenos -Ayres, Cy-
phometopus cylindricollis Valparaiso, Promecops pulchellus Rio-Ja-
neiro, Cratopus murinus Mauritius -Insel, Hypsonotus languidus Insel "
Puna, Perperus marginalis Sidney, Myllocerus brevicollis Hongkong,
— Rhynchuchus.n.g., nach der Abbildung aus der Verwandtschaft
von Sciaphilus und Strophosomus. Fühlerschaft gegen die Spitze hin
deutlich gekeult, erstes Glied der Geissel dicker als die übrigen,
welche allmählich kürzer und breiter werden; Rüssel kurz, schmaler
als der Kopf, mit linearen, gebogenen Fühlerrinnen, Thorax ‘quer,
vorn und hinten abgestutzt, Flügeldecken länglich eiförmig,, hinten
stark zugespitzt. — Art: Rh. acuminatus Insel Puna. — Peritelus
sellatus Californien, Celeuthetes deplanatus Insel Puinipet, subfascia-
tus und impurus Insel Guam, Otiorkynchus setulosus Montevideo, Lizus
immundus Sidney, — Acanthobrachium n. g., vom Ansehen
eines Erirhinus, aber durch den Thorax, welcher an der Spitze 'aus-
gerandet und bei den Augen deutlich gelappt ist, und besonders durch
die Schenkel, welche bei beträchtlicher Dicke unterhalb stark ge-
zähnt sind, unterschieden. — Art: Ac. crassipes Rio-Janeiro. — Eri-
rhinus longirostris Sidney, Notiodes nanus Montevideo, Anthonomus
vestitus Insel Puna, sparsus Montevideo, rubricosus Rio-Janeiro,'gra-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 499
eilipes Insel Taiti, inermis Californien. — Omoides n. g., nach der
Abbildung aus der Verwandtschaft von Anthonomus; Rüssel von Tho-
raxlänge, Fühlergeissel siebengliedrig (in der Abbildung nur sechs-
gliedrig) mit dickerem Basalgliede, wenig länger als der‘ dünne
Schaft; Thorax nach vorn konisch verengt, Flügeldecken oval, mit
hervortretender, scharfwinkliger Schulterecke. — Art: O. humeralis
Valparaiso. — Tychius minutissimus und Haplonyz Schönherri Sidney,
Orchestes puberulus Californien, Aleides adspersus Cap, Baridius linea-
ris Rio-Janeiro, adspersus und oblongus Montevideo, versicolor Java,
Californicus S. Francisco, picipennis Buenos Ayres. — Oodemasn.g,.,
von Baridius durch kurzen, dicken, fast geraden Rüssel abweichend;
Fornı fast ein ununterbrochenes Oval, Fühlergeissel siebengliedrig,
das 2. Glied etwas länger als das 1. und 3., das letzte leicht drei-
eckig erweitert. — Art: O0, aenescens Insel Oahu. — Centrinus ur-
banus Buenos Ayres, Cryptorhynchus longimanus Sidney, bicallosus
Insel Puna, setulosus Insel Guam, graeilis Californien, Coelosternus
apicalis Rio-Janeiro. — Aeanthinomerus n. g. mit Analeis ver-
wandt, aber durch fünfgliedrige Fühlergeissel, deren einzelne Glieder
kurz und deutlich abgesetzt, das dritte und vierte in die Quere ge-
zogen sind, so wie durch eine eigenthümliche Bewehrung der Hin-
terschenkel, welche an der Oberseite gegen die Basis hin einen’klei-
nen, spitzen Zahn tragen, unterschieden; Flügeldecken eiförmig, dn
der Basis mit tiefem, gerundetem ‚Ausschnitte, : Schildchen fehlend.
Thorax kurz eiförmig, hinten stark gerundet, — Art: A. armatus St.
Helena. — Coeliodes albovarius Rio-Janeiro, Conotrachelus wilis, hi-
strio und bisignatus Buenos Ayres, lepidus Montevideo, infirmus und
rariegatus Rio - Janeiro, Coplurus rufinasus Java, Ceutorhynchus sel-
latus Buenos Ayres, Nanophyes nigritulus Malacca,' nigriceps Hong-
kong, pusio Cap, Sphenophorus insularis Taiti, interstitialis Sidney,
Cossonus insularis Insel St, Joseph, Rhyncolus longulus und gracilis
Insel Oahu.
Walker (Annals of nat. hist. III. p. 262—265) .diagnosticirte
als neue Arten von Ceylon: Apoderus scitulus, Rhynchites suffundens,
resliluens, Apion Cingalense, Strophosomus suturalis, Piazomias aequa-
lis, Astycus ebeninus, immunis, Cleonus inducens, Myllocerus 'spurca-
tus, reltrahens, posticus, Phyllobius mimicus, Lizus nebulifasciatus,
Aleides obliquus, transversus und clausus, Apotomorhinus albo =ater
und signatus, Cryptorkynchus ineffectus ,? assimilans, notabilis, decla-
ratus und vezatus, Desmilophorus communicans, strenuus und inez-
pertus. — Ebenda IV. p.217 ff.: Desmidophorus discriminans und fa=
seieulieollis, Camptorhinus reversus und indiseretus, Sipalus? porosus
und ?tinctus, Rhynchophorus introducens, Sphenophorus glabridiscus,
eribricollis, exquisitus und |? panops, Cossonus? hebes und quadrima-
cula, Sitophilus diseiferus und Mecinus? relictus.
500 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Kolenati (Curculionina Caucasi et Vieinorum, 'Meletemata
entomologiea Fasc. VIII im Bullet. d. natur. de Moscou 1859. 1.
p-323—398) setzte seine Aufzählung der Cufeulionen des Caucasus
vonder Gattung Magdalinus bis Bagous fort und charakterisirte‘ ne-
ben einigen neuen Arten auch die Gattung. Aocnus Schönh. i.lit.,
zwischen Coryssomerus und Balaninus stehend, Fühler dick, vor der
Rüsselmitte entspringend, mit sehr langem, fast birnförmigem Schaft
und sechsgliedriger Geissel, deren Basalglied sehr lang und breit
und deren Keule fünfringlig ist; Rüssel sehr lang, gebogen, ‘Au-
gen genähert, Thorax fast kegelförmig, seitlich‘ gerundet erweitert,
an der Basis kaum zweibuchtig, Flügeldecken hinten gemeinsam
abgerundet, das Pygidium bedeckend. — Art: A. Kolenati Schönh.
i. lit. aus’ Transcaucasien. — Neue Arten sind ferner: Anthonomus
helopioides Persien und Ostindien, Tychius metallescens Caucasus,
Phytobius fuscus Persien und Ostindien, Orchestes plinthotrichus Cau-
casus, Coeliodes mysticus Syrien und Persien, Kolenatii Schönh. i. lit.
Caucasus und Persien, Mononychus ireos var. Kolenatii Schönh. i. lit.
Eine neue Gattung Caulostrophus Fairmaire (Annal. soc,
entom. VII. p. 55) wird von Strophosomus, dem sie im Ansehen sehr
gleicht, durch die Form und Länge der Geisselglieder, von denen
das zweite fast doppelt so lang als das erste ist, die spitzere Keule,
weniger hervorspringende Augen und schräg abgestutzte Schultern
unterschieden. — Art: C. Delarouzei 6'/, Mill., Hyeres. — Neue Arten
desselben Autors (ebenda p. 56 ff.): Phytonomus nigrovelutinus, Lio-
phloeus cyanescens, Barynotus illaesirostris, Meira suturella, Oti-
orhynchus impressiventris und Erirhinus tomentosus aus Südfrankreich
und den Pyrenäen.
Fairmaire diagnosticirte ferner (Annal. soc. ent. VIIL p. 629)
eine neue Gattung Amaurorhinus, mit Rhyncolus verwandt. Rüssel
mit dünnem Schafte, fünfgliedriger Geissel und kurz eiförmiger Keule;
Thorax vorn, Flügeldecken vorn und hinten verengt. — Art: A. Bon-
nairii, 3 Mill. Corsika.
Derselbe (ebenda, Bullet. p. 31) diagnosticirte Cyelomau-
rusn. g., mit Strophosomus verwandt, aber durch‘ den Mangel der
Querfurche des Kopfes, den bis zum Thorax reichenden Fühlerschaft,
das längere: erste und die vom dritten an kurzen Geisselglieder, die
kurze, ansteigende Fühlergrube, den nicht ausgerandeten Rüssel, die
kräftigen Beine und den kugligen, ungeflügelten Körper unterschie-
den, — Art: C. velutinus aus Algier. — Ebendaher: Sceiaphilus gi-
ganteus:n, A,
Als neue Arten beschriebFairmaire ferner: Rhytirhinus lae-
sirostris, Phytonomus maculipennis, Otiorhynchus Corsicus und gut-
tula aus Corsika (Annal. soc. entom. VII. p. 278), Cleonus Pelletii und
Mesites aquitanus aus Frankreich: (Bullet, soc.\ entom. 1859. p.'52),
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 501
Caulostrophus Ottomanus, Strophosomus lineolatus, Rhynchites ruber
von Constantinopel und Meira elongata aus Frankreich (ebenda p. 104),
Cleonus eristulatus aus Algier (Rey. et Magas. de Zool. 1859. p. 59),
Otiorhynchus amplipennis vom Monte Rosa (Bullet. soc. entom. 1859.
p. 185), Otiorhynchus cupreosparsus von den Seealpen (ebenda p. 150),
Thylacites insidiosus und Eusomus smaragdulus aus Galizien (ebenda
p- 151), Auletes cisticola von Hyeres, Otiorhynchus stricticollis aus
den Pyrenäen und Rhyncolus angustus von Hyeres und aus Algier
(ebenda p.163), Lignyodes sutwratus aus Mähren (ebenda p. 237).
Mulsant und Rey, Description de quelques Curculionites
nouveaux ou peu connus (Opusc. entom. IX. p. 1—44) beschrieben
folgende neue Arten aus Südfrankreich und der Schweiz: Apion de-
tritum, parvulum, semicyaneum, scalptum, funiculare, pedale und lon-
gimanum, Sitones dispensus, Peritelus subdepressus, Otiorhynchus
coesipes, frigidus, aurosus und grisescens, Magdalinus punctulatus,
Erirhinus incanus, Bagous minutus, Ceutorhynchus miztus, Gymnetron
simus und Rhyncolus filum.
Motschulsky (Etud. entom. 1859. p. 102) beschrieb Trigonops
biramosus, bispinus, angulatus, bilunulatus und smaragdinus als n. A.
von den Sunda-Inseln, (Bullet. de l’acad. de St. Petersbourg I. 1860.
p- 312) Ptochus desertus und Phytonomus steppensis als 'n. A. aus der
Songarei, (Bullet. de Moscou 1859. II. p. 495 ff.) Tychius albolineatus,
Phyllobius erassipes, Alophus gibbulosus, Chlorophanus brachythoraz,
parallelocollis, bidens, foveolatus und Apoderus Daurieus als n. A.
vom Amur (nur kurz diagnostieirt). — Ferner (Bullet. phys.-math. de
l’acad. de St. Petersbourg XVII. 1859. p. 572 und Melanges biolog. de
l’acad. de St. Petersbourg 111.1859. p. 235) Osphryastus? globosus und
Phyllobius earinicollis als n. A. von Jakutsk,
Chevrolat (Rev. et Magas. de Zool. 1859. p. 385 ff) machte
‚als neue Arten aus Algier bekannt: Apion lancirostre, Metallites ancho-
ralifer, Coeliodes glaucii, Cionus phyllireae und Gymnetron sanguini-
pes. — Ebenda 1860. p: 77 und 128 fl.: Procas Lethierryi, Cathor-
miocerus muricatus, Peritelus sinualus, Otiorhynchus intersetosus,
Larinus basalis und subrotundatus, Rhynchites cuprinus, Auletes sub-
plumbeus, Sciaphilus suleirostris, Tanymecus ' brevis, 'submaculatus,
Cleonus fimbriatus, Pkytonomus carinirostris, Otiorkynchus aquilus und
furinus, Dryophthorus brevirostris (letztere Art’auch bei Beziers auf-
gefunden). — Ebenda p. 210 Anthonomus Juniperi, p. 448 und 455 ff.
Sitones albovittatus, Phytonomus scupularis, Trachyphloeus nodipen-
nis, Holeorhinus pilosulus, Chaerorhinus (n. g. aus der Gruppe
der Otiorhynchiden, mit Elytrodon Chevrolatii Reiche nahe verwandt),
lanosimanus, Ceutorhynchus subfasciatus, Coniatus triangulifer, Gera-
norhinus rufirostris, Sibynes sublineätus, ‚harmonious und Baridius
malachitieus.
502 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftllichen Leistungen
Derselbe (Description d’especes nouvelles de Curculionites
d’Algerie, ebenda 1859. p: 298 ff.) beschrieb Polydrosus chrysocepha-
lus, Lissomus substrialus, foveolatus, Miccotrogus monachus, nigri-
collis, ‚signaticollis, Tychius molitor, argentalus, fuscipes, melarlıyn-
chus und Ceutorhynchus niveus als n. A. aus Algier,
Derselbe (Annal. soc. entom. VIII. p..505) Metallites Sicanus
n. A, aus Sicilien, scutellaris aus Neapel, parallelus und Polydrosus
suturellus aus ‚Corsika, (Bullet. soc. entom. 1859. p. 18 1) Ceutorhyn-
chus Raphaelensis und biscutellatus als n. A. aus Frankreich und (Rev,
et Magas. de Zool. 1860, p. 509) Bagous septemcostatus und Ceuto-
rhynchus pratensis n. A. aus Algier. — Otiorhynchus lanuginosus Schönh.
ist nach Chevrolat identisch mit Loborhynchus Insubricus Comolli
(Bullet. ‚soc. entom. 1859. p.5).
Coquerel (Annal. soc, entom. VII. p. 242. pl. 7) gab Beschrei-
eungen und Abbildungen von Holonychus Camelus n. A. von Mada-
gascar, wie Hol, acanthopus und aeruginosus Schönh. nur mit einer
einzelnen Fussklaue, sazosus n. A. ebendaher, mit zwei Fussklauen,
Lithinus humeralis, niveus, nigrocristatus und planus von Madagascar.
Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1859. .p.79)
beschrieb Baridius nasutus, Centrinus lineellus, Sphenophorus simplex
als n- A. von Fort Tejon, ebenda p. 285 Cossonus scrobiculatus von
Puntos de los Reyes und (Coleoptera of Kansas and Eastern New-Me-
xiko p. 18) Cleonus lutulentus, pulvereus und angularis als. n. A. aus
Nord-Amerika,
Philip pi (Entomol. Zeitung 1860. p.248.1f.) Eublepharus sub-
rugosus, quadridentatus, Rhyephenes clathratus, Heilipus griseus und
verruculatus als ın. A..aus Chile,
Thomson (Arcana natur, p. 129). Heilipus mortuus n. A, ‚aus
Brasilien und fossilis aus Columbien.
Gebler (Bullet. de Moscou. 1859., II. p. 344. und 1860. IJ.
p-24fl.) Alophus lineatus, Coniatus Cuspicus, Cleonus Samsonowii,
elongatus ‚und, Schrenki, Otiorhynchus ursus als n, A. aus der
Songarei,
Brisout,de Barneville (Annal. soc. entom. VIII. p. 335 f.)
Smieronyz\ .opacus, .n. ‚A. aus Algier, . Ceutorhynchus ‚Gougeletii aus
Galizien, Ceut: Grenieri, fulvitarsis und pallidicornis ‚aus Frankreich.
— Ebenda lässt Verf. synonymische Bemerkungen über mehrere von
Schönherr beschriebene Ceutorhynehus-Arten folgen.
Derselbe (Rey. et Magas.. de Zool. 1860.. p. 167) beschrieb
Tychius pygmaeus. und Sibynes cretaceus als n.. A. aus der Umgegend
von Paris und zählte die daselbst vorkommenden Tychius = Arten
(11 an Zabl) auf. — Ebenda p.537 ‚beschrieb. Verf, Ceutorhynchus
alliariae als n. A, von Paris und. weist Ceutorh, pallidicornis Bris.
(siehe oben!) als Varietät von C. urticaeSchönh., €. pubicollis Schönh,
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 503
als Varielät von C. signatus Schönh., C.. uroleucus Schönh. als Varietät
von €. peregrinus Schönh., C., atomus Schh. als Varietät, von €, ‚seto-
sus Schh. nach. Ceut. coerulescens Schh. ist nach ihm identisch mit
C.chalybeus Germ.
Tournier (Bullet. soc. entom. 1860. p. .81) beschrieb Tanyme-
cus Siculus und Aubeonymus Pictetii als n. A. aus Sicilien, (Berl. Ent.
Zeitschr. IV. p. 318) Leiosomus Stierlini als n. A. von Palermo.
Miller (Wien. Entom. Monatsschr. III. p.358 ff.) Otiorkynchus
graniventris und alpigradus, Pissodes scabricollis (Redt, i. lit.) als
n. A, vom Tatra-Gebirge; ferner Otiorhynchus corvus Schönh. und
squamosus (Dej. Cat.) n. A. aus Steyermark. Letztere Aıt ist meist
mit Ot. lepidopterus verwechselt worden, von welchem der, Verf.
zugleich eine gegensätzliche Diagnose giebt.
Kraatz (Berl. Ent. Zeitschr. III. p.56) Chiloneus Jonicus aus
Cephalonien ‚und Myorhinus Siculus n. A. aus Sicilien. — Ebenda
p- 76 hält er Foucartia Jacg. du Val für generisch verschieden von
Strophosomus, von der die Gattung habituell etwas abweiche, will
dazu Stroph. squamulatus Hbst., Sciaph. hispidus Redt. und ptochioides
Bach rechnen und beschreibt Foucartia elegans von Creta, depilis aus
dem Harz und bella aus: Griechenland als n.. A.
Stierlin (ebenda p. 268) gab eine erneuete Diagnose der Gat-
tung Dichotrachelus und beschrieb Phyllobius alpinus und Polydrosus
paradozus als „zwei neue Phyllobius“ aus den Bündtner Alpen.
Reiche (Annal. soe. entom. VII. p. 732) Anthonomus‘ ornatus
und Acalles Bellieri n. A. von Sicilien.
Einzelne neue ‘Arten sind ausserdem: ‚Otiorkynchus Raymondii
Gautier des; Cottes (Bullet. soc. entom. 1860. p. 113) aus. der. Schweiz
und den Basses- Alpes, Coniatus. Mimonti Boieldieu (Annal..soc. en-
tom. VIl..p. 474) aus Griechenland, Laparocerus Azoricus.Drouet (Rey.
et Mägas. de Zool. 1859. p.256) von den/Azoren, Apion Kraatzii,Wen-
‚cker (Berl. Ent, Zeitschr. Ill. p.'273) nur „diagnostieirt; dabei einige
synonymische Bemerkungen über Apion.
Hanbury,',„Note' on two Inseet-products from Persia“ (Jour-
nal 'proceed. Linnean'soe., Zoologylll. p. 178 1.) erörterte, das schon
von Guibourt (vergl.'Jahresbericht 1858. p. 43). erwähnte Cocon
eines Larinus, welches zuckerbaltig ist und’ von Larinus: maculatus
Falderm. (nach Jekels Bestimmung) herrührt. Eine andere: zucker-
haltige Substanz wird an Echinops Persicus, von einer zweiten La-
rinus-Art, welche Jekel (p. 181) als Larinus mellificus n. A. be-
schreibt und im Holzschnitt abbildet, erzeugt.
Als Ergänzungen zu dieser Mittheilung dienen Jekel’s „Re-
marks on the pollinosity of the genera Lixus and Larinus“ (Journal
of Entomology I. p. 12 ff.), welche beide Gattungen | er ,in Rücksicht
504 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
auf die pollinöse Exsudation der Körperhaut, welche über der feinen
Haarbekleidung ausgeschieden wird, als Coleoptera paipalepida (im
Gegensatze zu den Col. mono-, di- und alepida) bezeichnen will.
Er beschreibt ausserdem anhangsweise Lizas Rojasi n. A. aus Vene-
zuela und zählt diejenigen Larinus-Arten auf, über deren Lebensweise
bis jetzt nähere Angaben vorliegen.
‚Goureau (Bullet. soc. entom. 1860. p. 5) machte die Mitthei-
lung, dass das Weibchen von Rhynchites auratus die Früchte von
Prunus spinosa anbohrt, um seine Eier in dieselben abzulegen. Die
Larve nährt sich von dem Kern der Frucht, bewirkt ein vorzeitiges
Abfallen derselben und verpuppt sich in der Erde, wo sie zwei Jahre
lang als Nymphe zurückbleibt. Verf. hält es für unnatürlich, dass in
derselben Gattung (Rhynchites) Blattwickler und Käfer, wie der hier
erwähnte, mit ganz abweichender Lebensweise, vereint sind. (Aehn-
liches findet jedoch auch in der Gattung Apion u. a. statt. Ref.)
Bertolini (Entom. Zeitung 1860. p. 258) machte Mittheilun-
gen über das Vorkommen des Camptorhinus statua; er bemerkte, dass
der Käfer beim Ergriffenwerden ein zirpendes Geräusch durch Rei-
ben des Hinterleibes an den Flügeldecken hervorrief. (Vergl. oben
Wollaston!)
Die Naturgeschichte von drei Curculionen erläuterte Heeger
(Sitzungsberichte d. physik.-math. Classe der Akad. d. Wissensch. zu
Wien Bd. 34. p. 212—226). 1) Orchestes pratensis. Die Männchen
erscheinen stets 10 Tage früher als die Weibchen; letzteres bohrt
cin Loch in die Endspitze der unteren Blätter von Centaurea scabiosa
und legt ein Ei hinein. Dieses entwickelt sich nach’ acht bis zwölf
Tagen zur Larve, welche eine gallenartige Anschwellung an der
Blattspitze hervorruft, sieh 20 bis 24 Tage lang nährt und sich nur
zur Verpuppung häutet. — 2) Gymnetron teter. Die Käfer überwin-
tern unter Laub, Baumrinde u. s. w., 'nähren sich von den Blättern
der Scrophularia aquatica und begatten sich auf dieser ; das Weibchen
legt sodann seine Eier einzeln in die Blüthentriebwinkel. von Scro-
phularia oder auch von Verbascum nigrum. ' Die sich nach‘ 10 bis
14 Tagen entwickelnden ‘Larven häuten sich dreimal, fressen! in der
Jugend hauptsächlich die Blüthen, ‚nach der dritten Häutung 14 bis
20: Tage lang nur die Blätter der Pflanze, auf der sie: auch zur Ver-
puppung ein eirandes Gehäuse spinnen. — 3) Rhyncolus truncorum.
Larven und Käfer leben im faulen Tannenholze; der Käfer ‚begattet
sich im Mai oder Juni während der Nacht. Nach sechs bis zehn: Ta-
gen legt: das Weibchen seine Eier ‘an noch unbenagtes Holz; die
nach 12 bis 20 Tagen sich entwickelnden Larven nähren sich 30 bis
36 Tage lang von. dem weichen Holze zwischen den härteren Jahres-
ringen und verfertigen ein weissseidiges Cocon in Form eines Cylin-
ders zur Verpuppungs« \\, f hy . ‚I veolameınt In
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u,60. 505
Nach Jaequelin du Val (Glanures entom. I. p. 50) ist Ho-
mapterus Fairm. mit der Gatt. Metallites und Caulostrophus Fairm. mit
Brachyderes zu vereinigen.
Nach Lucas (Bullet. soc. entom. 1860. p.66) ist Ceutorhyn-
chus Raphaelensis Chevr. ein Verwüster von Glaucium flavum und
häufig in den Gärten von Paris. — Derselbe giebt (Bullet. soc. entom.
1859. p. 99) an, dass sein Rhylirhinus humilis nur eine Varietät von
Rbyt. annulipes Luc. sei.
Brenthidae. Walker (Annals of nat. hist. 3. ser. III. p. 262)
gab Diagnosen von Arrhenodes approximans, facilis, Cerobates aci-
culatus, Ceocephalus cavus, Nemocephalus planicollis und spinirostris
als n. A. von Ceylon.
Brenthus Douei Montrouzier (Annal. soc. entom. VIII. p. 874)
n. A. von Neu-Caledonien, Arrkenodes Reichei Fairmaire (Bullet. soc.
entom, 1859. p.164) n. A. von Jerusalem.
Bostrichidae. Wollaston „On the Aphanarthra of the Canary-
Islands“ (Annals of nat. hist. 3. ser. V. p. 163 ff.) hat von der in. den
Stengeln von Euphorbien lebenden Gattung Aphanarthrum Woll.,
welche bis jetzt nur eine einzelne Madeirensische Art enthielt, bei
weiteren Nachforschungen auf Madeira und den Canarischen. Inseln
neun fernere Arten aufgefunden, von denen zwei beiden Inselgrup-
pen gemein, sieben den Canarischen Inseln eigenthümlich sind. Die-
selben werden vom Verf. ausführlich beschrieben : . A. Turiduni Tene-
rilfa, ‘Jubae Lanzarote, Canariense Canaria, Teneriffa u. s. w., bicinetum
Lanzarote und Fuerta-Ventura, bicolor Teneriffa, affıne Lanzarote und
Canaria, piscatorium, glabrum und pusillum Canarische: Inseln.
Ebenda, p. 861 ff. beschreibt derselbe ausser zweien der so eben
genannten Aphanarthrum-Arten Leiparthrum inarmaltum und Crypha-
lus aspericollis als n. A. von Madeira.
Walker (ebenda III. p. 260 f.) diagnosticirte Bostrichus muti-
latus, vertens, moderatus, lestaceus, exiguus, Platypus minax, soli-
dus, latifinis, Hylurgus determinans, concinnulus, Hylesinus curvifer,
despectus und Hyl.? irresolutus als n.' A. von Ceylon.
"Einzelne neue Arten sind ferner: Hylesinus nebulosus Le Conte
(Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1859. p. 285) aus Californien,
Tomicus decolor Boieldieu (Annal. soc. entom. VII. p. 473) aus Frank-
reich, Hylesinus vestitus Mulsant et Rey (Annal. soc. Linneenne de
Lyon VII. p. 340) von Hyeres umd Dendroctonus juniperi (Chevr. i. lit.)
Doebner (Berl. Ent. Zeitschr. IV. p. 260f.) aus Würtemberg. Zu-
gleich bespricht Doebner einige andere Europäische Bostrichiden
in Bezug auf die Gattungen, denen sie zuzuertheilen sind und be-
schreibt nochmals Crypturgus fagi Noerdl. Die Fühler einiger Arten
sind auf Taf.'6 abgebildet.‘ ELLE EEE
506 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Tieffenbach (Berl. Ent. Zeitschr. IV. p. 321. Taf. 6. Fig. 10)
gab eine Beschreibung und Abbildung des bisher unbekannten Männ-
chens von Bostrichus eryptographus.
Wallace, „Note on the habits of Scolytidae and Bostrichidae“
(Transact. 'entom. soc. V. p. 218 ff.) beantwortet die Frage, ob die
Bostrichen gesunde oder nur erkrankte Bäume angreifen, nach seinen
fünfjährigen Beobachtungen auf dem Südasialischen Archipel dahin,
dass dieselben, wenigstens in den von ihm durchforschten Gegenden,
nur todte oder bereits im Absterben begrilfene Bäume angehen. An
den meisten Orten, wo Verf. sammelte, kanıen 20 Arten, bei Dorey
auf Neu-Guinea sogar 35 Arten neben einander vor; aber nirgends
konnte er auch nur eine dieser Arten beim Angrilfe auf gesunde
Bäume ertappen. Dagegen fanden sie sich überall, wo ein Baum
umbrach oder gefällt wurde, und zwar schon nach vier bis fünf Ta-
gen in Menge ein; ebenso an frisch gefälltem Nutzholze, z. B. auf
Macassar an seiner neu erbauten Wohnhütte, an welcher sie zu Tau-
senden anllogen. Verf. glaubt daher, dass, wenm Bostrichen einen
Baum angreifen, er sicherlich schon erkrankt sei, ohne: dass ‚dies
jedoch jedesmal äusserlich zu erkennen sei; die Käfer ..hätten ver-
muthlich eine besonders feine Witterung, solche Bäume herauszufinden.
Nach Lachmann (Verhandl.d. naturhist. Ver. d, Preuss, Rhein-
lande XVI, 'Sitzungsberichte p.93) trat ‚Scolytos ‚destructor Oliy.. im
Bonn. als Verwüster der Ulmen auf,
Longicornia. J. Thomson, Essai d’une classification - de, la
famille des Cerambycides et materiaux pour servir. A une. monogra-
phie de cette famille. Paris 1860. (gr. 8. 404 pag. 3 tab.) — ‚Nach
Abfassung einer‘ Diagnose ‚für ‚die Familie der Bockkäfer und. dem
Nachweise ihrer verwandtschaftlichen Beziehungen zu einigen: anderen
Gruppen verschiedener Familien (bei ‚deren Auswahl sich..der, Verf.
zum Theil olfenbar durch Analogieen im Habitus hat leiten lassen,
wie z.B. bei Anthribus und Lucanus) giebt Th. einen ; kurzen Ue-
berbliek über die von den früheren, Autoren aufgestellten Systeme,
von denen er sich dem Le Conte’schen der Haupteintheilung; nach
unbedingt anschliesst; nach diesem nimmt, er drei Tribus: Lamiitae,
Cerambycitae und Prionitae an, die mittlere derselben in drei Sub-
tribus; Lepturitae, Cerambyeitae, verae und Spondylitae zerfällend.
Im ‚speciellen. Theile giebt er unter den Tribus jedesmal zunächst
eine analytische Tabelle der Subtribus, Gruppen, Untergruppen, Ab-
theilungen ‚und Unterabtbeilungen, ‚denen er die einzelnen Gatlungen
zuertheilt hat, und deren Anzahl eine sehr beträchtliche ist (z. B. die
der Gruppen bei den Lamien 18, bei den Cerambyces genuini 19)
und unter jeder einzelnen Gruppe eine analytische Tabelle für die
Gattungen. Letztere, wenn sie bereits beschrieben sind, werden nur
namentlich mit Citat angeführt, unter manchen: die bis jetzt beschrie-
im Gebiete der'Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 507
benen Arten derselben angeführt, viele auch mit meist ausgezeichne-
teren neuen Arten bereichert; wo bisher keine Charakteristik gege-
ben war, z.B. für viele der von Dejean aufgestellten, holt sie der
Verf. nach, zweigt auch öfter einzelne Arten bekannter Gattungen
zu eigenen neuen ab und charakterisirt diese dann ebenfalls. Die
Zahl der Gattungen wird auf diese Weise ansehnlich vermehrt; den
im Verlaufe der Arbeit selbst theils angeführten, theils neu beschrie-
benen, 512 an Zahl, werden in einem Nachtrage (p. 335 ff.) noch dem
Verf. grösstentheils unbekannte hinzugefügt, welche die Zahl der
Gattungen auf 790 steigern. Die Arbeit des Verf. bringt somit in die
gegenwärtige Familie einen reichen Zuwachs an Material, dessen
Charakteristik zugleich eingehender als früher ist und eine sichere
Bestimmung in den meisten Fällen zulässt. Auch was die Vereini-
gung der einzelnen Gattungen und Gruppen und die Aneinanderrei-
hung der letzteren betrifft, so kann’ man dem Verf. nur zugeben, dass
er sich’ bei Durcharbeitung seiner reichen Sammlung ein Auge für
Erkenntniss der Verwandtschaften gebildet und in vielen Fällen frü-
here systematische Irrthümer und Missgriffe beseitigt hat. Indessen
scheinen seine Gruppen im Ganzen doch mehr auf dem Eindrucke der
allgemeinen Aehnlichkeit als auf Verwerthung durchgreifender und
wesentlicher Charaktere zu beruhen, welche letztere bei den Ceram-
byciden allerdings gegen zufällige und vorzugsweise in die Augen
fallende Merkmale sehr zurücktreten 'und daher für ihre systemali-
che Würdigung Schwierigkeiten machen. Wenn der Verf. z. B. die
Gattungen Metopocoelus und Diploschema jetzt von den Prioniden,
mit denen sie nichts gemein haben, entfernt und’ an Criodion an-
schliesst, so ist dies durchaus’ in der Natur begründet; ‘dass er aber
die mit jenen ganz nahe ‚verwandten Galtungen Torneutes und Thau-
masus ihres‘ allerdings abweichenden Habitus' halber in eine ganz
andere Subtribus (Spondylitae) verweist, welche von den Cerambyeci-
den sens. striet. durch die Gruppen der Trachyderiden, Callidien u. s. w.
getrennt wird, so kann dies gewiss nicht gut: gebeissen werden.
Andere Gruppen, die nach ‘des Ref. Ansicht durch scharfe: Charak-
tere zusammengehalten werden, hat der'Verf. ‘nicht ‚als ‘solche er-
kannt. Zu.diesen gehört z. B. die Gruppe der Molorchinen, welche
von den übrigen Cerambyeidae genuini durch die in geschlossenen
Acetabulis liegenden Vorderhüften abweicht, und zu welcher ausser
Molorchus, Hesthesis und Tomopterus auch Formen wie Stenopterus,
Odontacera, Khinotragus, Oregostoma u.a. gehören. ' Diese werden
jedoch vom Verf. in drei verschiedene Gruppen, ‘welche überdem
noch besonderen Horden angehören, nämlich unter seine Necydalitae,
Callichromitae und Rhopalophoritae vertheilt, »und zu den Neeydali-
tae gerade irriger Weise die Gattung Colobus Serv. gestellt, welche
weiter nichts als: eine Callichroma-Form mit verkürzten. Flügeldecken
508 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
ist. Da sich ‘Verf, übrigens, wie wir hören, gegenwärtig 'mit einer
neuen Arbeit über die Familie beschäftigt, wird er die von ihm bis
jetztübersehenen verwandtschaftlichen Beziehungen leicht in ihr Recht
einsetzen können.
Pascoe, „On new genera and species of Longicorn Coleo-
ptera“ (Transact, entom. soc. V. p.12—6l) setzte seine Beschreibun-
gen einzelner neuer Gattungen und Arten von Longicornen in der
früher angegebenen Weise fort. — In den Annals of nat. hist. 3. ser.V.
p-119 . beschrieb derselbe („On some new Longicornia from the
Moluccas“) fünf neue Arten von den Molukken.
Buquet, „Memoire. sur deux genres nouveaux de Coleopteres
de la famille des Jongicornes. suivi de la description de plusieures
especes etc.“ (Annal,.soc. entom« VIl. p. 619—636). Es werden neue
Arten aus, der Lamien- und Cerambyciden-Gruppe. bekannt gemacht.
Prionidae. — Thomson (Arcana natur. p.37—44). lieferte
eine Monographie der Gattung Psalidognathus, in welcher‘ er sechs
Arten derselben ausführlich beschreibt: Ps. erythrocerus Reiche, mo-
destus Fries, mygaloides n. A. aus: Columbien, Incas n. A. (Lime-
nius Er,?) ‚aus ‚dem Inneren Peru’s, Sallei n, A. (auch im Bnllet.
soe. entom. 1859 diagnostieirt) aus Venezuela und Friendii Griff, (Das
hiesige Museum hat neuerdings eine siebente Art aus Costa-Rica er-
halten. Ref.)
Pascoe (Transact. entom. soc. V. p. 14f.) beschrieb als n. A.:
Mallodon figuratum von Sidney: (ist kein Mallodon, sondern: scheint
eher zur Gatt,, Remphan Wat. zu gehören), fulvipenne von.den Aru-
Inseln und Macrotoma gemella von Sidney. (ist ‘offenbar ein Cnemo-
plistes und vielleicht das Männchen von Cnem. spinicollis:Newm.).
Buquet (Annal. soc. entom. VIII. p. 617 11.) Aulacopus Feist-
hamelii aus Guinea, Meroscelisus opacus und Pyrodes aeneus als n. A.
aus Brasilien.
Coquerel (ebenda VIl. p.254. pl.7) Hoplideres re als
n. A. von Madagascar.
Le Conte (Coleoptera/of Kansas and Eastern New-Mexico p.19)
Prionus curvatus ‚alsın. A. aus Nord-Amerika,
Fainmaire (Bullet. ‚soc! entom, 1859. p.138 und 149) be-
schrieb 'Prinobius lethifer als nA. aus Algier und: theilte eine Be-
obachtung 'von »Lallemant mit,» wonach‘ die Larve ‚dieser Art im
Stamme von Fraxinus dimorpha lebt. Lallemant giebt zugleich eine
Beschreibung der Nymphe und ihrer Entwickelung zum Käfer. '
Chevrolat (ebenda p. 134) gab eine Auseinandersetzung der
vier bis jetzt bekannt'gewordenen Prinobius-Arten (die eben erwähnte
noch nicht, eingerechnet): Prin. scutellaris Germ. aus Dalmatien, Gau-
bilii Chevr. (scutellaris set Myardi Lucas) aus Algier, ‘Myardi’Muls: aus
Corsika und 'Atropos ‚:Chevr; aus Syrien. —In einer zweiten Ueber-
im 'Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 509
sicht (ebenda p. 227 ff.) unterscheidet Verf. sechs verschiedene Arten,
nämlich ausser Prin. 'scutellaris' Germ., Gaubilii Chevr. (= lethifer
Fairm.), Myardi Muls. und atropos Cheyr. noch den Prinobius Ger-
mari Muls. aus Frankreich und Prin. Goudotii n. A. von Tanger,
letzterer nur im weiblichen Geschlechte bekannt.
Mulsant und Reveliere: (Opuse. entom. IX. p. 184 f. und
Annal. soc. d’agricult. de Lyon III. p. 248 ff.) lieferten eine Beschrei-
bung der Larve von Prinobius Germari.
Cerambyces genuini. — Buquet (Annal. d. ]. soc. en-
tom. VII. p. 619 ff., pl. 14) machte folgende neue Gattungen und Arten
bekannt: 1) Ozilus n.g., von Ibidion durch die Fühler, an denen
das 2. bis 4. Glied zusammen kaum so lang wie das 1. sind, durch
das beilförmige Endglied der Taster, durch das verlängerte, schmale
Schildchen, durch die an der Spitze abgestutzten Flügeldecken und
die Grösse der Augen abweichend. — Art: 0. terminatus 9'% Mill.
vom Senegal. — Sthelenus n. g., zwischen Stenopterns und Mo-
lorchus stehend, von letzterer Gattung durch flachere und längere
Flügeldecken, von ersterer durch den hinten stark verlängerten Kopf,
die sehr langen Fühler, das lang cylindrische Halsschild und das sehr
kleine Schildchen unterschieden. — Art: Sth. ichneumoneus 17 Mill.,
Cayenne. — Neue Arten: Platyarthron sexlineatum Columbien, Oeme
decorata, pallida und annulicornis Brasilien, filiformis Senegal, Glytus
Lorguinii Californien.
Derselbe (Annal. soc. ent. VIII. p. 619 f.) beschrieb Copto-
cephalus quadrispinosus aus Brasilien, Lissonotus? quadrisignatus und
Liss.? Brasiliensis beide aus Brasilien, Prodontia? plagiata ebendaher,
Chlorida denticulata und Plocaederus bipartitus von Cayenne, Ano-
plomerus globulicollis und angusticollis aus Brasilien, spinipennis und
quadriguttatus von Cayenne als n. A.
Le Conte stellte (Proceed. acad. nat. science. Philadelph. 1859,
p- 80) eine neue Gattung Brothylus neben Eburia und Elaphidion
auf, mit folgenden Charakteren: Augen grob facettirt, Taster kurz,
zusammengedrückt, Fühler einfach mit verkürztem vierten Gliede;
Thorax auf dem Rücken: mit zwei Schwielen , seitlich gerundet und
mit spitzem Höcker, Schenkel nicht gekeult. — Art: Br. gemmulatus
Fort Tejon. — Neue Arten ebendaher: Callidium blandum, obscurum,
Elaphidion lineare, und p. 88 Elaphidion procerum von Umpqua.
Derselbe beschrieb ferner (Proc, acad. nat. science. Phildelphia
1859. p. 285) Callidium infuscatum als n. A. von Puntos de’ los Reyes
und Brothylus conspersus aus dem Oregon-Gebiete. — Ferner (Co-
leoptera of Kansas and Eastern New-Mexico p. 19) Criocephalus' aspe-
ralus alsın. A. aus Nord-Amerika.
Chevrolat, Description d’especes de Clytus propres: au Mexi-
que (Annal. soc. entom, VIIL p.451—504. pl.9) giebt ausführliche
510 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Beschreibungen von 55 Mexikanischen Clytus - Arten, von denen nur
15 bereits bekannt, die grosse Mehrzahl also neu ist; zwölf derselben
sind auf Taf. 9 durch schöne Abbildungen illustrirt. — Die Mannig-
faltigkeit der Formen innerhalb der Gattung Cliytus veranlasst den
Verf. 11 Gruppen innerhalb derselben aufzustellen, von denen er die
noch nicht bezeichneten näher charakterisirt, mit eigenen Namen be-
legt und die dazu gehörenden Arten unter ihnen namhaft macht. Es
sind folgende: 1) Cyllene Newm. 2) Trichozys (z. B. Clyt. bilineatus,
pellitus). 3) Ochraethes (Clyt. circuliferus, tomentosus). 4) Anthoboseus
(Clyt. tricolor, plebejus, ornatus). 5) Clytus sens. striet, (Clyt, arielis,
gazella). 6) Plagionotus Muls. 7) Xylotrechus (Clyt. Hafniensis, arvi-
cola). 8) Rhopalomerus (Clyt. cacicus, rufitarsis). 9) Plagithmysus
Motsch. (C. distortus). 10). Rhopalopachys (C. morosus) und 11) Til-
lomorpha Blanch.
Derselbe (Arcan. natur. p. 50 f.) gründete auf Cerambyx per-
foratus Klug und einige von Dejean (Cat.) zu Rhopalophora ge-
brachte verwandte Arten eine neue Gattung Dihammaphora, de-
ren Charaktere er auseinandersetzt, und unter welcher er zwölf Arten,
die mit Ausnahme der genannten Klug’schen sämmtlich neu sind,
beschreibt: Ihre Namen sind:: D. marginicollis (Dej.) pl.5 abgebil-
det, signaticollis (Dej.) und nigrita (Dej.) Brasilien, dispar Mexiko,
ruficollis Brasilien, minuta und lineigera Neu-Granada, gracilicollis
(cornis?) Bolivia, brevis Süd-Amerika, Aepytus (Dej. Cat.) Buenos-Ayres
und dinodula Maldonado.
Ebenda p. 55 f.) beschreibt derselbe Cyenoderus ezpeditus Neu-
Granada und Peru und C. chlorizans Brasilien.
Desselben „Essai monographique sur le genre Rhopalophora*
(ebenda p. 57—64) bringt im Ganzen 21 Arten dieser Gatlung zur
Kenntniss, mit welcher der Verf. Tinopus Le. identifieirt. Neue
Arten sind: Rh. vidua Amazon., occipitalis (collaris Dej. Cat.) Bahia,
discicollis (Dej. Cat.) Mexiko, Venezuelensis Caraccas, miniatocollis
Mexiko, inerustata ebenda, Brasiliensis, versicolor und dimidiata Neu=
Granada, Amazona, torquata Chile und Platensis Montevideo,
Ferner beschrieb Chevrolat (Rev. et Magas.'de Zoo]. 1859.
P-26f.) Chrysoprasis iridipennis von Buenos Ayres,, basalis und col-
laris aus Brasilien, hamaticornis von Lagoa Santa und Cosmisoma
semicupreum von Cayenne als n. A. — Die Gattung Pascoea White
ist nach ihm identisch mit Sphingnotus Perroud (Bullet. soc. entom,
1859. p.5).
Pascoe (Transact. entom. soc. V. p. 16 f.) machte‘ folgende
neue Gattungen und Arten in gewohnter aphoristischer Weise bekannt:
Lissonotus Shepherdi Para (scheint L. biguttatus Schönh.) , Ceragenia
sericata Para, Nyssicus n. g. für Eburia 4-guttata Oliv. errichtet,
welche von Eburia durch lange Maxillartaster und gekeulte Schenkel
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 511
abweicht. —Eroschema n.g., mit Pteroplatus verwandt, von dieser
Gatt. durch kurze Taster, fast eylindrisches und abgestutztes Endglied
derselben, vorn zu einem Halse abgeschnürten Prothorax, dessen
Seiten einen kurzen Zahn haben und dessen Scheibe uneben ist, durch
gleichbreite Flügeldecken u. s. w. unterschieden. — Art: E. Poweri
Sidney. — Didymocantha cylindricollis Moreton- Bay, Trichome-
sian. g., nach des Verf.'s Ansicht neben Uracanthus zu stellen;
Kopf schmal und langgezogen, Mandibeln und Oberlippe kurz, End-
glied der Taster länglich eiförmig, stumpf, Fühler entfernt stehend,
kräftig, nur von Körperlänge, mit gleich langen Gliedern (das zweite
ausgenommen). — Art: Tr. Newmani Provinz Victoria. — Sebas-
mia n.g., von Ceramıbyx hauptsächlich habituell unterschieden; Flü-
geldecken verhältnissmässig breit, Beine und besonders die Schienen
kurz, Prothorax schmal, vorn verengt. — Art: S. Templetoni Ceylon.
— tCerambyz venustus, vernicosus, versulus, consocius, macilentus
Ceylon, demissus Ostindien (Benares) , Hesthesis moerens Sidney. —
Ozylymma n.g., nächst Rhinotragus und Oregostoma; Kopf schnau-
zenförmig verlängert, Augen rund, hervorstehend, Fühler kurz, fa-
denförmig, 4. und 5. Glied gleich lang, 3. doppelt so lang; Flügel-
decken kurz, flach, hinten allmählich zugespitzt, Schenkel gekeult,
erstes Tarsenglied nicht viel länger als das zweite. — Art: O. lepida
Para. — Ayaonen. g. für Rhinotr. notabilis, molorchoides, trili-
neatus White und Verwandte. — Thranius n. g. (zeigt mit Steno-
pterus, wohin sie der Verf. stellen will, so wie mit den Molorchinen
überhaupt nur eine oberflächliche Aehnlichkeit, weicht dagegen von
denselben durch die hinten offenen Hüftpfannen der Vorderbeine
ab); Kopf und Mandibeln kurz, Augen kaum ausgerandet, Taster
kurz mit etwas aufgetriebenem Endgliede, Fühler fadenförmig, mit
längerem drittem Gliede; Prothorax vorn bucklig, Flügeldecken schmal,
flach, den Hinterleib nieht ganz deckend, Schenkel nicht verdickt.
— Arten: Thr. gibbosus Ceylon und bimaculatus Malacca. — Homa-
lomelas zonatus Ceylon, 'Stenoderus labiatus Australien, Tritocosmia
rubea, paradoza und Digglesii Neu-Holland, Callichroma trogoninum
Ceylon , Thomsoni Bomeo. — Collyrodes n. g. nächst Pseudoce-
phalus Newm., einer Collyris im Ansehen gleichend; Kopf breit,
hinter den Augen zu einem dünnen Halse eingeschnürt, Taster. kurz;
Oberkiefer und Oberlippe kurz , Fühler fadenförmig, kürzer als: der
Körper ; Thorax lang und vorn sehr dünn, Flügeldecken' gleich breit,
flachgedrückt, Schenkel in der Mitte dieker. — Art: C. Lacordairei
Malacca. — Deuteromma mutica, Obrium laterale und‘? moestum
Ceylon, ibidionoides Sidney, Clytus ascendens und Walkeri Ceylon,
Balyi Ostindien, Bowringüi Hongkong, Brachytria pulcherrima More-
ton-Bay, Mecynopus semivitreus Melbourne, Ischnotes Bakewellii,
Omotes erosicollis, Pempsamacra vestita. — Diotima n. g., scheint
512 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
nach dem Verf, ‚den Ceramb., genuin. anzugehören, obwohl es in
mehrfacher Beziehung zu den Lepiuren hinneigt. Kopf klein, über
die grossen und fast ganzrandigen Augen nach, hinten ausgedehnt,
Oberlippe. die stark gekrümmten Oberkiefer fast bedeckend, Kiefer-
taster lang, mit erweitertem, abgestutztem Endgliede, Fühler kurz mit
längerem driltem Gliede; Flügeldecken lang, gleichbreit, flachge-
drückt, an der Spizte gerundet, Beine schlank, Mittel -. und, Hinter-
hüften konisch, genähert. — Art: D. undulata Moreton-Bay. — Psi-
lomorpha apicalis, Rhagiomorpha ezilis Neu-Holland. #
Derselbe (Annals of nat. hist. 3. ser. V. p..120) beschrieb
Eurycephalus variabilis und Glaueytes scitulus als n. A. von den
Molukken und gab vorläufige Diagnosen von Cerambyz, aureipennis
und Tmesisternus lotor als n. A. von Batchian (Proceed., entom. soc.
1859. p. 84).
Horn (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1860. p-571)
stellte eine ‚neue Gattung Euryoptera auf, die im Allgemeinen
Callidium gleichen soll, sich aber durch die nicht zusammenstossen-
den Vorderhüften unterscheidet; Augen tief ausgerandet, Taster fast
gleich, Oberlippe nicht ausgerandet, Mesosternum dreieckig mit schar-
fer Spitze. — Art: Eur. sanguinieollis, pl..8. fig. 3 abgebildet. — Neue
Arten, gleichfalls aus Nord-Amerika: Arhopalus Wilsonii und Clytus
nitidus, pl. 8. fig. 4 u. 2.
Fairmaire und Germain (Revision des, Coleopteres du
Chili, Annal. soc. entom. VII. p. 488) charakterisirten eine neue Gat-
tung Adalbus, zwischen Closteromerus und Euryprosopus stehend;
Fühler gegen die Spitze hin verdickt, kürzer als der Körper, das 3.
und 4. Glied fast ‘gleich, dünu, die übrigen dick. Halsschild kurz,
etwas uneben, Flügeldecken fast von der Basis ab klaffend, gegen
die Spitze hin leicht verengt; Beine kurz, mit breiten zusammenge-
drückten Schenkeln und schlanken Tarsen, Vorderhüften fast zusam-
menstossend. — Drei Arten: A. erassicornis, flavipennis und. dimidia-
tipennis. — Ausserdem folgende neue Arten: Sibylla integra, flavo-
signata, Hephaestion pallidicornis, rufofemuratus, opacus, virescens,
flavicans, Callisphyris semicaligatus, apicicornis, asphaltinus, Necy-
dalopsis femoralis, Holopterus araneipes, compressicornis, Cyenoderus
tricolor, Tillomorpha myrmicaria, ‚Callideriphus testaceicornis, Gram-
micosum flavonitidum, semipolitum und. Hesperophanes inspergatus.
Philippi (Entom. Zeitung '1860.. p: 249 f,) beschrieb Calli-
chroma concinna, Hephaestion versicolor, annulatus, Platynocera ni-
gripes, -Necydalopsis Valdiviensis und Grammicosum bifasciatum als
n. A. gleichfalls aus Chile.
Motschulsky (Etud. entom. 1859. p. 142 f.)ı Ceramby multi-
plicatus und ‚Clytus Bartholomei als n. A. von Lenkoran, (Bullet. de
l’acad. de St. Petersbourg I. 1860, p.310) Clytus variabilis aus der
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 513
Songarei und gab Diagnosen von Clytus sermaculatus und Pronocera
Daurica als n. A. vom Amur (Bullet, de Moscou 1859. II. p. 494.)
Gebler (Bullet. de Moscou 1859. II. p. 346 u. 1860. II. p. 29)
Hammaticherus scapularis und Clytus quinquemaculatus als n. A. aus
der Songarei.
Boheman (Fregatten Eugenies Resa p.150) Eburia amabilis
von den Gallapagos-Inseln und seznotata aus Californien.
Einzelne neue Arten sind ausserdem: Purpuricenus Wachanrui
Levrat (Annal. soc. Linneenne de Lyon V. p.261) aus der Türkei,
Clytus elavicornis Reiche (Annal. soc. entom. VIII. p. 734) aus Sici-
lien und Distichocera Thomsonella White (Annals of nat. hist. 3. ser.
II. p.290 und Proceed. zoolog. soc. of London p.121. pl.58) aus
Australien.
Lamiariae. — Fairmaire (Annal. d.]l. soc. entom. VII.
p-524) gründete eine neue Gattung Estola auf die Hebestola-Arten
mit kurzem, dickem Körper, nicht parallelen und an der Spitze stumpf
abgerundeten Flügeldecken; Augen gross, stark ausgeschnitten, Ober-
lippe fast viereckig, Fühler etwas kürzer als der Körper, 4. Glied
etwas länger als das 3., die folgenden allmählich kürzer, unterhalb
schwach gewimpert. — Arten: E. hirsuta und wnicolor n. A. aus
Chile. — Emphytvecia n. g., die Phytoecia- Arten in Chile re-
präsentirend, durch schlanke Fühler, die beim Männchen oft sehr viel
länger als der Körper und innen gewimpert sind und dadurch, dass ihr
4. Glied länger als das 3. ist, unterschieden. — Art: E. sutura-alba von
Santiago. (Auch Agap. suturella, lineolata Blanch. u. a. gehören der
Gattung an.) — Neue Arten aus Chile (ebenda p.511 ff.) sind: Astyno-
mus obliquatus, Leiopus soricinus, asperipennis, Hoplonotus subarma-
tus, Zygocera picturata, Microcleptes variolosus, Talaepora pusilla und
nana, Hesycha cribripennis, Cacostola vagelineala, Hebestola apicalis.
Buquet, Notice monographique sur un genre nouveau de
Coleopteres de la famille des Cerambyeides (Arcan. natur. p. 45 fl.
pl. V) zweigte Lamia capreola Germ. und Apocoptoma Chabrillacii
Thoms. von der bisherigen Gattung Oncideres Serv. (Apocoptoma Kirby)
zu einer eigenen Gattung Trestonia ab, deren Charaktere er aus-
einandersetzt und unter welcher er, ausser den genannten, Tr. forti-
eornis Cayenne, Chevrolatii (Oncideres leucocephala Chevr. i. 1.)
Bolivia, terminata Cayenne, Mniszechii Brasilien, fulgurata und signi-
fera Guadeloupe als n. A. beschreibt. Vier dieser Arten sind auf pl. V
in kolorirten Abbildungen dargestellt. — Ebenda p. 99 gründet B.
auf den Cerambyx quadricornis Oliv., von dem er auf pl. V eine gute
Abbildung giebt, eine neue Gattung Talusius, die mit der im J. 1858
von Pascoe aufgestellten Gattung Ecthoea zusammenfallen würde.
Wie bereits im vorigen Jahresberichte erwähnt, gehört als zweite Art
dieser Gattung der Trachysomus faunus Er. an,
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. HH
514 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Thomson (ebenda p. 65—84. pl. VI-VIII) veröffentlichte eine
Monographie der Gattung Batocera, in welcher er im Ganzen 30 Ar-
ten aufführt, die er ausführlich beschreibt. Trotz des beträchtlichen
Zuwachses an Arten, die vor Kurzem die Archives entomol. des Verf.
der Gattung brachten, bereichert er dieselbe auch hier wieder mit einer
Anzahl neuer: B. aeneonigra Neu-Guinea, magica Java, hmeridens
(Latr.) Java, Chevrolatii Östindien, adelph@ ebenda, Mniszechii Philip-
Pinen, litana Ostindien und Javanica. Die drei beifolgenden Tafeln
sind den Archiv. entomol. entlehnt und bringen also keine der neuen
Arten zur Anschauung.
Derselbe, Revue du genre Taeniotes (ebenda p.96f.) be-
schrieb T. decoratus (Dej.) Brasilien und Cayennensis (Dej.) als n. A.
Pascoe (Transact. entom,. soc. V. p.29 ff.) beschrieb folgende
neue Arten: Oreodera crelifera und Trypanidius geminus Brasilien,
Aegomorphus »emolus Para, Lasiopesus Whitei Pt, Natal, Polyrhaphis
Jansoni Para, Onychocerus albitarsis Brasilien. — Dysthaeta n.g.
ohne auffallende nähere Verwandtschaft zu irgend einer bekannten
Gattung. Kopf klein, Augen weit ausgerandet, äussere Unterkieferlade
verlängert, Fühler etwas genähert, borstenförmig, länger als der Kör-
per, 3. und 4, Glied am längsten; Thorax quadratisch, seitlich ge-
dornt, Flügeldecken an den Schultern am. breitesten, hinten schmaler
werdend, erstes Tarsenglied am längsten. — Art: D, anomala Moıe-
ton - Bay. — Zygocera Mac Leayi Sidney, pentheoides Swan - River,
bifasciata, plumifera und pumila Sidney, complexa Aru, barbicornis
Moreton-Bay, Hypselomus pupillatus, variolosus und paganus. Para,
Hesycha niphonoides, albilatera, Aerenea terrena und cognata Parä,
Leiopus suffusus Aru, Exocentrus hamaticollis, hispidulus Aru, inclusus
Pt. Natal, Gyaritus laevicollis Aru, Niphona Bakewellii Moreton-Bay,
pullata und insularis Aru, Coptops nanus Aru, Mesosa columba Cey-
lon, Penthea conferta Aru, Symphyletes metulus Aru, sodalis und cin-
namomeus, Rhytiphora polymita und cretata Moreton -Bay, Golsinda
infausta Borneo, Meton granulicollis Aru, Digglesii Moreton- Bay,
Temnosternus dissimilis ebendaher, Monohammus commiztus und Ce-
reopsius patronus Ceylon, histrio Aru. — Ostedes n. g. mit Mo-
nohammus im Habitus übereinstimmend, ‚aber zugleich an manche
Cerambyeiden sens. striet. erinnernd, durch verlängerte Tarsen auf-
fallend. — Art: O pauperata Aru. — Cacia triloba Ceylon, Oleno-
camptus clarus Nord-China, Callia chrysomelina Para, Jolea prozima
Ceylon, histrio ebendaher, Asthates ezterna und divisa. ‚Östindien,
decipiens Sumatra, Notolophia dispersa Nord - Australien, variabilis
Aru, Sthenias Bondii Ostindienn — Phemone n. g. für Apomecyna
frenata Pascoe, Athemistus n. g. für Parmena rugosula Guer. —
Apomecyna nigrita Nord - Australien, Hathlia grammica und murina
ebendaher, procera Ceylon, Ropica incana, stigmatica und varıpennis
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 515
Aru, praeusta Ceylon, erocentroides Moreton-Bay, Colobothea longi-
mana Brasilien, Fryi und luctuosa Para, Anomoesia dolosa Pt. Natal,
Saperda funesta Adelaide, Amphionycha circumeincta Awazonenstrom,
Glenea scapifera und commissa Ceylon, Pachypeza simplex Para. —
Esmian. g. mit Pachypeza zunächst verwandt, zber durch die Füh-
ler, an denen die vier ersten Glieder doppelt so lang als die übrigen
zusammen sind, die weniger kräftigen Beine, die mehr zur Seite ge-
rückten Augen u. s. w. unterschieden. — Art: E. turbata Para. —
Microtragus amycteroides Moreton-Bay.
Horn (Proceed. acad. nat. science. Philadelphia 1860. p. 571)
charakterisirte Aegilopsis n. g. aus der Verwandtschaft von Hip-
popsis. Fühler genähert, länger als der Körper, unterhalb dicht be-
haart, erstes Glied cylindrisch, so lang wie das 3. und 4. zusammen-
genommen; Augen hinterwärts leicht winklig, Stirn verlängert; Kopf
und Thorax gleich breit, letzterer unbewehrt, Flügeldecken breiter,
Klauen an der Basis nicht verwachsen. — Art: A. cinerea aus Texas,
pl. 8. fig. 7 abgebildet.
Als neue Arten wurden ferner bekannt gemacht:
Von Cheyrolat (Rev. et Magas. de Zool. 1860. p.269 und
p-302f.): Phytoecia grisescens, cobaltina, echii und chlorizans aus
Algier und (ebenda 1859. p. 541) Tetrops Starki aus den Bairischen
Alpen.
Von Buquet (Annal. soc. entom. VII. p. 630 f.): Apriona
gracilicornis von Java, Apr.? tomentosa (de Haan i. lit.) von Guinea,
Cerosterna pollinosa von Java und Acanthoderus septemmaculatus von
Cayenne. Ueber die Gattung Apriona Chevr. bemerkt der Verf., dass
sie nicht zwölf-, sondern elfgliedrige Fühler habe.
Von Fairmaire (ebenda p.62): Leiopus femoratus und Mo-
rimus obsoletus von Constantinopel.
Vonl,e Conte (Procecd. acad. nat, scienc. Philad. 1859. p. 81):
Tetraopes mancus von Fort Tejon und (Coleoptera of Kansas and
Eastern New-Mexico p. 21 f.) Stenostola saturnina, Amphionycha ar-
dens und subarmata aus Nord-Amerika.
Von Pascoe (Proceed. entom. soc. 1859. p. 54): Monohammus
Grayi und Agnia fasciata von Amboina und (Annals of nat. hist.
3.ser. V. p. 120 f.) Agnia ezimia, Trihammatus tristis und Cylindro-
pomus grammicus von den Molukken.
Von Boheman (Fregatten Eugenies Resa p. 151): Compsosoma
quadriplagiata und Saperda versicolor von Buenos-Ayres.
Von Paiva (Annals of nat. hist. 3. ser. VI. p.360): Abryna
Regis Petri und Niphona Regis Fernandi von Camboja.
Von White (Proceed. zoolog. soc. of London 1859. p. 122):
Rhytiphora amieula und Symphyletes armatulus aus Nord-Australien,
auf pl. 59 abgebildet,
516 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Von Motschulsky (Bullet, de l’acad. de St, Petersbourg I,
1860. p. 310): Dorcadion acutispinum aus der Songarei und (Bullet.
phys.-math. de l’acad. de St. Petersbourg XVII. 1859. p. 571 und Me-
langes biolog. de l’acad. de St. Petersbourg Ill. 1859. p. 233 f.) Mo-
nohammus impluviatus und Pogonocherus costatus von Jakutsk.
Von Kraatz (Berl. Ent. Zeitschr. Ill. p. 56): Acanthoderes
Krüperi aus Akarnanien und Tetrops nigra aus Sardinien. Letztere
ist nach Baudi (ebenda p.342) nur eine Varietät von Tetr. praeusta
und in Piemont einheimisch.
Von Levrat (Etud. entom. I. p. 41): Phytoecia lineaticollis
aus Tunis.
Mulsant und Reveliere (Annal. soc. Linneenne de Lyon VI.
p-134f. und Opusc. entom. Xl. p. 92) beschrieben die Larve von
Niphona picticornis, welche in Feigenbäumen, Ulmen und immergrü-
nen Eichen lebt,
Türk (Wien. Ent. Monatsschr. III. p. 256) fand Phytoecia un-
cinala Redt. als Männchen mit Phyt. molybdaena Schönh, (Weibchen)
in Begattung; die Art ist daher Ph. molybdaena zu benennen,
Nach Chevrolat (Bullet. soc. entom. 1859. p. 5) ist Oplophora
Sieboldii Guer. und Monohammus Championi White identisch mit Lamia
rubra Dalm., Monohammus armatus White mit Hectinoschema spinosa
Thoms., Monohammus Georgius White mit Monoh. subgemmatus Thoms.
und Tragiscoschema gracilicornis Chevr. mit Tragocephala amabilis
Perroud.
Nach Buquet (ebenda p.185) Trachysomus elephas Bug. iden-
tisch mit Cerambyx verrucosus Oliv.
Lepturidae. — Le Conte (Proceed. acad. nat. science. Phi-
ladelphia 1859. p. 80) beschrieb Tozotus nubifer, Leptura sexspilota
als n. A. von Fort Tejon, p.88f. .Leptura zanthogaster, quadrillum,
laetifica,. sanguinea, dehiscens und lugens von der Shoalwater - Bay
und aus dem Oregon-Gebiete. — Ebenda 1860. p. 321 Acmaeops mol-
“ lipilosa, viola und lupina als n. A. vom Oregon und den Rocky-Moun-
tains. — Ferner (Coleoptera of Kansas and Eastern New-Mexico p. 21)
Acmaeops dorsalis und Leptura eribripennis als neue Art aus Nord-
Amerika. -
Horn (Proceed. acad. nat. science. Philadelphia 1860. p. 570:
pl.8) Leptura aurata und nitidicollis als n. A. aus West-Virginien.
Gebler (Bullet. de Moscou 1859. II. p. 347 und 1860. 1I. p. 30)
Tozolus tatarieus, minulus, ?tomentosus, Pachyla spinicornis und Ste-
nura nebulosa als n. A. aus der Songarei.
Motschulsky (Bullet. phys.- math. de l’acad. de St. Peters-
bourg XVII. 1859. p. 571 und Melanges biolog. de St. Petersbourg III.
1859. p. 232 f.) Grammoptera dentatofasciata und Pachyta mutabilis
als n. A. von Jakutsk. 4
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 517
Chevrolat (Rev. et Magas. de Zool. 1860. p. 304) beschrieb
unter dem Namen Apatophysis toxotoides eine neue Gattung und
Art aus Algier, von der nur angegeben wird, dass das Männchen
einem Toxotus, das Weibchen einem Prioniden gleiche; eine nähere
Charakteristik der Gattung giebt der Verf. nicht.
Fairmaire (Bullet. soc. entom. 1859. p. 216) diagnosticirte
Leptura chlorotica als n. A. aus den Pyrenäen, Kraatz (Berl.+Ent.
Zeitschr. III. p- 96) Leptura adusta aus Croatien, welche von Lept.
bipunctata und unipunctata unterschieden wird; nach Miller (Wien.
Ent. Monatsschr. III. p. 363) ist dieselbe nur eine lokale Varietät von
Lept. unipunctata.
Guiffart (Memoires d. 1. soc. d. sciene. natur. de Cherbourg IV.
1859. p.384) machte Mittheilungen über eine neue Varietät der Pa-
chyta decempunctata.
Chrysomelina. Baly, Descriptions-of new species of Phyto-
phagous Insects (Transact, entom. soc. V. p. 146—161). Die neuen
Arten gehören den Gattungen der Crioceriden, Megalopiden, 'Chryso-
melinen sens, striet, und Cassidarien an.
Derselbe, Descriptions of new species of Phydbplikgene Beet-
les (Annals of nat. hist. 3. ser. III. p. 195—209. | pl.5). Drei und
zwanzig neue Arten aus Brasilien, Indien und Afrika, welche den
Gruppen der Megalopiden, Crioceriden und Cassiden angehören, wer-
den beschrieben und zum Theil abgebildet.
Derselbe, Descriptions of new genera and species of Phy-
tophagous Insects (ebenda 3. ser. IV. p.55, 124 und 270 ff.).. Zahl-
reiche neue Arten aus den Gruppen der Chrysomelinen, Eumolpiden
und Gallerucarien.
Sagridae. — Baly, Descriptions of some new species of
Sagra, remarks on that genus and the characters of Cheiloxena, a
new genus belonging to the same family (Transact. entom. soc. V,
p- 236—260. pl. 14). Verf. bringt zuerst Bemerkungen über mehrere
bereits bekannten Arten bei, von denen er S. dentipes Lac. = ni-
grita Oliv. var., perlucida Lac. = Buquetii var., ignita’und förmosa
Lac, = splendida, Weberi Lac. = Druryi, pygmaea Lac. = Petelii
var., Adonis Lac. =? seraphica var. hält. — Als neue Arten werden
ausführlich beschrieben: Sagra Pfeifferi Borneo, Javeti Pt. 'Natal,
Stevensi vom weissen Nil, Jansoni Madras, lucida Cap-Küste, emar-
ginata Westküste von Afrika, Parryi ebendaher, Kirbyi Congo, Mur-
rayi vom weissen Nil, Dohrnii Westküste von Afrika, ausserdem
nochmals S. carbuneulus Hope aus Sylhet und bicolor Lac. (Natalensis
Thoms.). Schliesslich wird eine analytische Uebersicht der bekannten
Arten gegeben, deren der Verf. nach Abzug der Varietäten -33 selbst
gesehen hat und von denen ihm fünf nur aus Beschreibungen 'be-
kannt sind; ausgelassen ist $. festiva des Ref, aus Mossambique. —
518 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Die neue Gattung Cheilozena wird nur vorläufig den Sagriden
beigezählt, zwischen welchen und den Lamien sie im Habitus die
Mitte hält; sie ist von allen Phytophagen durch den vom Gesichte
getrennten Clypeus, welcher unter der tief ausgerandeten unteren
Partie des Gesichtes verborgen und wahrscheinlich hinter diese zu-
rückgezogen werden ‚kann, unterschieden, von den Sagriden auch
durch die einfachen Hinterbeine. Der seitlich doppelt gedornte Thorax
ist nur ‚halb so breit als die gehöckerten Flügeldecken , die Fühler
fadenförmig und von Körperlänge. — Art: Ch. Westwoodi. Sidney,
4—5 Lin.
Waterhouse, Notes on the British species of,Donacia (Trans-
act. entom. soc. V. p.212—217) stellte die Charaktere, der siebenzehn
bis jetzt in England beobachteten ‚Arten der Galtung Donacia in einer
analytischen Tabelle zusammen.
v. Siebold ‚(Amtl. Bericht über die 34. Versammlung deut-
scher Naturf. in Carlsruhe p- 211) gab nähere Auskunft über .die
eigenthümliche und interessante Lebensweise der Larven von Donacia
linearis. Dieselben sitzen mit ihrem Hinterleibsende, welches mit, zwei
hornigen. Krallen bewehrt ist, in, einer ‚ausgenagten, Grube des Wur-
zelstockes von Sparganium simplex fest, ragen dagegen mit dem
Kopfende in. den die Sparganium- Wurzeln umgebenden Schlamm
hinein, von. dessen Bestandtheilen (Fragmente von, Diatomeen, und
Algen) sie sich ernähren. ; Das Einbohren in die ‚Wurzeln von /Spar-
ganium geschieht nur behufs der Respiration ; in die beiden Endhaken
des Hinterleibes münden nämlich‘ die. beiden einzigen grossen ‚Stig-
mata, welche die Larve gleich vielen Dipteren - Larven besitzt, und
diese werden mit den Intercellular-Räumen der Pflanze, welche atmo-
sphärische Luft enthalten, in Communikation gesetzt.
Crioceridae. —,Baly (Transact. ent. soc, V. p. 146 1f,), be-
‚schrieb Lema de Gandei als n.A. von Ecuador, variolosa von Sarawak,
Erycina von Old-Calabar, cognata von Venezuela, Fortunei aus Nord-
China, oculata von Ecuador, Hebe aus Neu-Guinea, ‚Crioceris Adonis,
flavipennis ‚und ‚pulchella aus Nord-Indien und Bakewellii von. der
Moreton- Bay, — Ferner (Annals of, nat. hist. 3. ser. 11. -p. 159)
Crioceris scapularis aus Nord- China, und Lema _-Batesii vom) Ama-
zonenstrome.
Le Gonte (Proceed. acad. nat, science. Philadelphia 1859. p.89)
Syneta suturalis als n. A. vom Puget-Sund und seriata aus Califor-
nien, (Coleoptera of Kansas and Eastern New -Mexico p.22) Lema
trivirgata als n. A. aus Nord-Amerika.
Boheman (Fregalten Eugenies Resa p. 152) Megascelis ankhalte
als n. A. von.der Insel Oabu, Lema quadrivittata von Buenos-Ayres
und Crioceris russula von ‚Hongkong.
Lema quadrimaculata Gebler (Bullet; de Bades 1860, u. 9:32)
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 519
n. A. aus der Songarei, Crioceris decorata Morawitz (ebenda 1860. I.
p. 299) n. A. aus Sarepta.
Suffrian (Entom. Zeitung 1859. p. 41) setzte die Unterschiede
von Lema abdominalis Oliv. und L. abdominalis Dalm. auseinander
und belegt letztere Art, welche aus Guinea stammt, mit dem neuen
Namen Lema ventralis. — Die ebenda p.42 ausgesprochene und be-
gründete Vermuthung des Verf.’s, dass Lema coelestina Klug mit L.
pubescens Lacord. identisch sei, kann Ref. nach Vergleich der Typen
beider Autoren im hiesigen Museum bestätigen; Suffrian hat diese
Art auch von Old-Calabar erhalten.
Cornelius (ebenda 1859. p. 44 f.) beschrieb die Larve, Puppe
und Verwandlungsgeschichte der Lema rugicollis Kugel.; die Larve
lebt im Juni von den Blättern von-Cirsium arvense und zwar auf
der Unterseite derselben.
Megalopidae. — Baly (Anmnals of nat. hist. 3. ser. Ill.
p. 199.) beschrieb als n. A. Agethomerus Batesii, Mastostethus tho-
racicus, Batesii, Pascoei, Jekelii, Javeti und Megalopus Waterhousei
sämmtlich vom oberen Amazonenstrome, Temnaspis speciosus, Downesiüi
und guinguemaculatus aus Nord-Indien, pulcher aus Nord-China, ni-
grieeps von Nepal, insignis aus Nord-Indien, Poecilomorpha Murrayi
aus Old-Calabar und fulvipennis von Port Natal, — Abbildungen von
sechs dieser Arten auf pl. 5.
Derselbe (Transaet. entom.soc. V. p.153) Agathomerus Sallei
als n: A. aus Mexiko.
Clythridae. — Als neue Arten wurden bekannt gemacht:
P VonBoheman (Fregatten Eugenies resa p. 154): Clythra egre-
gia aus Malacca und brevieollis von Rio-Janeiro.
Von Le Conte /(Coleoptera of Kansas and Eastern New - Me-
xico p.22): Coseinoptera franeiscana aus Nord-Amerika.
Von Reiche (Annales soc. entom, VII. p.'735): Clythra (Ma-
crolenes) Bellieri von Sicilien.
Eryptocephalidae. — Suffrian’s „Beitrag zur genaueren
Kenntniss der Cryptocephalen Australiens“ (Linnaea entomol. 'XIll.
p-1—171) bringt trotz einer in den vierziger Jahren von Saunders
versuchten Bearbeitung der Nenholländischen Arten dieser Gruppe
nicht nur eine sehr ansehnliche Zahl neuer Species derselben zur
Kenntniss, sondern gewährt zugleich einen richtigen Einblick in ihre
systematischen Beziehungen. Nach der Saunder’schen Bearbeitung bot
Australien scheinbar einen Reichthum an Cryptocephaliden-Gattungen
dar, der gegen die geringe Zahl der Gatltungen"in allen übrigen Erd-
theilen im höchsten Grade auffallend sein musste; wären jedoch schon
von Brichson Bedenken gegen die Gültigkeit der dafür aufgestell-
ten Charaktere erhoben worden, so erwiesen sich letztere nach einer
eingellenderen Untersuchung Su ffrian’s fast durchweg’ (so weit die
520 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Gattungen dem Verf. in natura bekannt geworden sind) als unzuläng-
lich, indem dieselben sich theils als relativ, theils nur als sexuell
herausstellten. Dagegen liessen sich unter mehreren, erst neuerdings
bekannt gewordenen Arten solche auffinden, welche sich in keine
der bis jetzt aufgestellten Gattungen unterbringen liessen und zu neuen
erhoben werden mussten, welche theils der Monachus-, theils der
Cryptocephalus- Gruppe angehören. In der Monachus- Gruppe unter-
scheiden sich die drei Neuholländischen Gattungen von den aus den
übrigen Welttheilen stammenden sogleich durch die nur fünfgliedrige
Fühlerkeule, welche bei Ditropidus Er. gedrängt, bei den beiden
neuen Prasonotus und Elaphodes dagegen locker ist; letztere unter-
scheiden sich von einander durch die Bildung der Vorderbrust, wel-
che bei Prasonotus länger als breit und hinten bogig ausgeschnitten,
bei Elaphodes dagegen breiter als lang und hinten kaum ausgerandet
ist. — Die Cryptocephalus-Gruppe ist ausser durch Cudmus Er. und
Cryptocephalus auct. in Neu-Holland noch durch die Gattungen L o-
zopleurus (Vorderbrust in einen stumpf dreieckigen Zipfel ausge-
zogen) und Rkombosternus mit rautenförmig zugespitzter Vorder-
brust vertreten, von denen letztere vielleicht mit Aporocera Saund.
zusammenfällt. — Die 58 vom Verf. mit gewohnter Sorgfalt und er-
schöpfend beschriebenen Arten, welche der grossen Mehrzahl nach
neu sind, vertheilen sich unter die einzelnen Gattungen folgender-
massen: 1) Prasonotus n. g., 2 n. A. 2) Elaphodesn.g.,
2 n. A. 3) Ditropidus Er. 15 A. (10 neu). 4) Cadmus Er., womit
Odontoderes, Prionopleura, Lachnabothra und Onchosoma Saund., so
wie Brachycaulus Fairm. zusammenfallen, mit 14 A. (ö neu). 5) Cıy-
ptocephalus auct. (Dicenopsis, Idiocephala und Ochrosopsis Saund.)
mit 15 A. (7 neu). 6) Lozopleurus n.g. (wozu u.a. Crypt. pau-
perculus Germ., Pachybr. rufescens und impressicollis Bohem. gehö-
ren) mit 7 A. (4 neu). 7) Rhombosternus n. g. mit 2 n. A.
8) Pachybrachys Chevr. 1A. — Zweifelhaft oder unbekannt sind dem
Verf. 39 Arten von Fabricius, Boisduyal und besonders von
Saunders geblieben, deren Charakteristiken am Schlusse der Arbeit
abgedruckt werden;' es stellt sich mithin die Zahl der bereits be-
kannten Cryptocephalen Australiens auf nahe an hundert.
Desselben Verf.’s „Berichtigtes Verzeichniss der bis jetzt be-
kannt gewordenen Asialischen Cryptocephalen (Linnaea entom, XIV.
p- 1—72) liefert nachträgliche, theils berichtigende, theils ergänzende
Bemerkungen zu bereits bekannten, die Beschreibung einer Anzahl
neuer Arten (unter denen gewisse eigenthümliche Pachybrachys-For-
men aus Ostindien besonders hervorzuheben sind), so wie endlich
die Charakteristik einer neuen Gattung aus der Monachus- Gruppe,
Namens Dioryetus. Sehr eigenthümliche, gedrungene Form, fast
vom ‘Ansehen der Lamprosoma- Arten, auch der. Gattung ‚Liodes
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 521
ähnelnd; durch die Vorderbrust, welche breiter als lang, hinten leicht
zweihuchtig, dreikielig und vorn mit ausgehöhltem Halskragen ver-
sehen ist, ausgezeichnet. Schildchen klein, Halsschild mit lang ausge-
zogenem Hinterzipfel, Flügeldecken mit grossem, stark hervorspringen-
dem Seitenlappen. — Art: D. porculus Ceylon. — Die Artenzahl der
übrigen Asialischen Gattungen stelltssich‚nach den Nachträgen des Verf.'s
folgendermassen: Monachus 1 A., Melixanthus 2 A., Cryptocephalus
146 A., Loxopleurus 1 A., Pachybrachys 13 A., Stylosomus 1 A.
Von Boheman (Fregatten Eugenies resa p. 155 ff.) wurden als
n. A. beschrieben: Cryptocephalus (Cadmus) litigiosus von Sidney,
dapsilis von Java, picturatus von der Insel Puna, Monachus biplagia-
tus und modestus von Montevideo, contractus, viridiaeneus und pici-
pes von Rio-Janeiro, nigritulus und Pachbyrachys nigronotatus von
Montevideo, flavovarius von Rio-Janeiro, insularis von Taiti, Loxo-
pleurus impuessicollis und rufescens von Sidney.
Von Fairmaire (Annal. soc. entom. VII. p. 63) Cryptocepha-
lus ochroleucus und holozanthus von Hyeres und (Bullet. soc. entom.
1859. p. 151) Oryptocephalus duodecimplagiatus aus Galizien.
Von Mulsant und Rey (Annal. soc. Linneenne de Lyon VII
p. 343) Cryptocephalus maeulicollis, dem Cr. signalicollis Suffr, ähn-
lich, als n. A. aus dem Departement Var und (Opusc. ent. 1X. p. 45 IT.)
Cryptocephalus ‚brachialis und Pachybrachys sinuatus als n. A. aus
Südfrankreich.
Einzelne neue Arten sind ausserdem: Cryptocephalus mucoreus
Le Conte (Coleoptera of Kansas and Eastern New-Mexico p. 23) aus
Nord - Amerika, Cryptocephalus tatarieus Gebler (Bullet. de Moscou
1859. Il. p. 352) aus der Songarei, Cryptocephalus Beckeri und Sty-
losomus eylindricus Morawitz (ebenda 1860. I. p.299 £.) von Sarepta,
Cryptocephalus Suffriani Dohrn (Entom, Zeitung 1859. p.426) eben-
daher und derselbe wie Cr. Beckeri, endlich C'ryptocephalus nigridor-
sum (!) Chevrolat (Rev. et Magas. de Zool. 1860. p.453) aus Algier.
Eumolpidae. — Baly (Annals of nat. hist. IV. p. 124 fl.)
charakterisirte folgende neue Gattungen: Lamprosphaerus.n. g.
Körper halbkuglig , Kopf fast senkrecht, bis zur Hälfte der Augen,
eingesenkt, Fühler fast fadenförmig, Maxillartaster mit stunpf eiförmi-
gem Endgliede; erstes Glied der Hintertarsen fast so lang als die beiden
folgenden zusammen, das dritte fast bis zur Basis gespalten, die
Klauen stumpf gezähnt. — Arten: L. tarsatus Cayenne, ubdominalis,
collaris, specularis und aeruginosus Amazon. — 2) Chrysolam-
pra u.g. Körper länglich, gewölbt, Kopf fast senkrecht, bis zu den
Augen eingesenkt, Fübler fadenförmig, fast von Körperlänge, Maxil-
lartaster gekeult, mit eiförmigem Endgliede; Vorderschenkel verdickt,
unten scharf gezähnt, Klauen mit zusammengedrücktem Zahne, Pro-
sternum fast so breit als lang, beiderseits concav. — Art; Chr. splen-
522 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
dens Nord-China. — 3) Dermozanthus n. g. Körper verlängert,
fast cylindrisch, Kopf senkrecht, Fühler um die Hälfte länger als der
Körper, Mandibeln gross, gekrümmt, Maxillartaster fast fadenförmig ;
Thorax beinahe cylindrisch, Schildehen halb eiförmig, erstes Glied
der Hintertarsen kürzer als die beiden folgenden zusammengenommen,
Klauen mit Anhang. — Arten: D. fulvus und fraternus von Old-Ca-
labar.. — 4) Stenolampra n. g. Körper verlängert, gewölbt,
Kopf senkrecht, bis zu den Augen eingesenkt, Fühler fast von
Körperlänge, Maxillartaster mit konisch-eiförmigem Endgliede; Tho-
rax fast cylindrisch mit gezähneltem Seitenrande, Schildchen -qua-
dratisch mit stumpfer Spitze, Schenkel leicht verdickt, die vorderen
mit einem Zahne. Fussklauen an der Basis gezähnt, erstes Glied der
Hintertarsen den beiden folgenden zusammen fast gleich. — Zwei
Arten: -St. costata und genieulatz vom oberen Amazonenstrome. —
Fernere neue Arten sind: Chrysochus Chinensis und thoracicus Nord-
China, Corynodes gloriosus Nord-Indien, Typophorus 4-pustulatus Va-
terland ?, basalis und Kirbyi Brasilien, obliquus Venezuela, humeralis
Guatemala, ruficollis Brasilien.
Stäl (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p.251) diagnosti-
eirte Calomorphan. g., von Euryopa durch die Bildung des Ko-
pfes und der Mandibeln unterschieden; ersterer ist schmaler als der
Thorax, mit breit abgestutzter Stirn, letzterer nur von gewöhnlicher
Entwickelung. Fühler kaum länger als der halbe Körper, gegen die
Spitze hin kaum verdickt, 2. und 3. Glied fast gleich lang; Flügel-
decken gleich breit, Fussklauen gespalten. — Art: €. Wahlbergi
Calfernland.
Morawitz (Bullet. de Moscou 1860. I. p. 301) machte eine
neue Gattung Heterocnensis (sic! soll wohl -cnemis heissen und
wäre der Name: dann bereits vergeben) bekannt mit folgenden Cha-
vakteren: „Capite subinclinante, antennis palpisque filiformibus, tho-
race transverso, corpore alato, segmentis abdominalibus simplieibus,
femoribus dentatis, tibiis anticis simplieibus, posticis angulo externo
emarginatis: articulo tarsorum secundo primo aequali, ENZ= sim-
plieibus. — Art: H. versicolor von Sarepta.
Boheman (Fregatten Eugenies resa p. 161 ff.) beschrieb als
n. A.: Myochrous denticollis von Rio - Janeiro, Typophorus australis
von Sidney, ruficeps und nigronotatus von Java, biplagiatus von Rio-
Janeiro, Aecis vestita von der Insel Mauritius, Dia Patagonica von
Port Famine, Noda prozima von Sidney, oblonga und euprescens von
Montevideo, vagabunda von Puna und Taiti, pumila von Rio-Janeiro,
Edusa puberula, viridipennis und evanescens von Sidney, Colaspis
geminata, pallidula, trivialis, rustica und fuscitarsis von Rio-Janeiro,
castanea von der Insel Puinipet, smaragdula von Hongkong, Califör-
nica ‚von San Francisco 'und puber«la von’ Mauritius: Jar Anti
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u.60. 523
Le Conte (Coleoptera of Kansas and Eastern New - Mexico
p- 23) Paria opacicollis und pumila, Heteraspis nebulosa und sma-
ragdula (Gattung kurz charakterisirt) und Myochrous squamosus als
n. A. aus Nord-Amerika. — Ferner (Proceed. acad. nat. seienc. Phi-
ladelphia 1859. p. 81) Glyptoscelis albidus als n. A. von Fort Tejon.
Chrysochus punctatus Gebler (Bullet. de Moscou 1860. I. p. 56)
n. A. aus der Songarei, Monotropus angulicollis Fairmaire (Bullet.
soc. entom. 1859. p. 152) n. A. aus Galizien.
Baly, Descriptions of new genera and species of Eumolpidae
(Journ. of EntomologyI) beschrieb sechs neue Eumolpiden-Gattungen
mit einzelnen Arten und ausserdem elf bereits bekannten Gattungen
angehörende neue Arten.
Chrysomelae genuinae. — Baly (Annals of nat. hist. IV.
p-55. 1.) machte neben zahlreichen Arten auch zwei neue Gattungen
bekannt: 1) Stilodes Cheyr. i..lit,, mit Chrysomela nahe verwandt,
aber durch kürzere Fühler und die Maxillartaster unterschieden;
letztere sind leicht zusammengedrückt, gekeult, das vorletzte Glied
verkehrt konisch, das letzte kaum breiter, quer, mit abgestutzter Spitze.
Die Fühler kaum länger als Kopf und Thorax zusammengenonimen,
gegen die Spitze leicht zusammengedrückt und verdickt, das dritte
Glied verlängert, die folgenden unter einander gleich. — Arten: Stil.
gutlala, obsoleta, fenestrata und 4-guttata vom oberen Amazonen-
strome, scenica und histrio aus Brasilien, cruciata aus Columbien,
((Deuterocampta annuligera Erichs. wird der Gattung gleichfalls zuge-
(wiesen). — 2) Gastrolina n. g., von Lina durch den niederge-
drückten Körper und durch den über die Flügeldecken hervortretenden
Hinterleib des trächtigen Weibchens unterschieden. — Art: G. de-
pressa aus Nord-China. — Neue Arten: Doryphord ‚dilaticollis (Dej.)
Brasilien, .coerulea oberer Amazonenstrom, cardinalis und congener
Venezuela, Jekelii Columbien, lurida Napo, amabilis ‚Amazon, mi-
niata Peru, Cryptostetha suturalis, aenea und rufipennis Brasilien,
Elytrosphaera flavipennis (Dej.), Dejeanii, confusa, und luridipennis
Brasilien, Lina Templetonii Ceylon, aeneipennis Nord-China. — Die
Namen von Doryphora Bohemani, irvorata und flayocincta ändert ‚der
Verf. in D. Stalii, pluviata und Fryella um.
j Stäl (Öfvers,. Vetensk. Akad. Förhandl, XV. p. 251): diagnosti-
eirte eine neue Gattung Horatopyga, welche sich durch: sehr
kleines Schildchen und zum Theil hervorragendes Pygidium von allen
übrigen Gattungen der ‚gegenwärtigen Gruppe unterscheidet... H.
sirumifera und caligata von Port Natal. — Ebenda gab derselbe
Diagnosen von 6 Chrysomela- und 59 Deryphora-Arten, ‚p. 469 1.
von 44 Doryphora, 3 Proseicela, .7.Elytrosphaera, 9 Leptinotarsa
und 8. Leucocera; (ebeudaXVl, p.3054.) von 48. Doryphora, 59 Deu
524 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
terocampta, 1 Leptinotarsa, 15 Myocoryna (incl. Polygramma), 21 Zy-
gogramma, 14 Desmogramma und 39 Calligrapha.
Baly (Transact. entom. soc. V. p.153 1.) gab Beschreibungen
von Doryphora cruciata Stäl, de Gandei n. A. Peru, Leptinotarsa
porosa Brasilien, Paralina nov. gen,, für Chrysom. Indica Hope
(= Chrys. Caschmiriensis Redt. = Lina elata Stäl) errichtet, Gonio-
ctena fleruosa Nord-China, Australica (Augomela) ornata Moreton-Bay
und dives Neu-Guinea.
Boheman (Fregatten Eugenies resa p. 172 ff.) beschrieb als
n. A. Paropsis villipennis, rubrosignala, biplagiata, piclipennis, sub-
lineata und M-fuscum von Sidney, Zygogramma Kinbergi von der
Insel Puna und Phaedon Bonariense von Buenos-Ayres.
Fairmaire (Annal. soc. entom. VII. p. 282) Chrysomela auro-
cuprea und Suffriani als n. A. aus Corsika (Bullet. soc. entom. 1859.
p. 152) Chrysomela mactata als n.A. aus Galizien und (ebenda p. 216)
Timarcha Gougeletii ebendaher (letztere beide Arten nur diagno-
stieirt).
Gu&rin (Bullet. soc. entom. 1859. p. 190) Timarcha insignis als
n. A. von Öonstantine, Reiche (Annal. soc. entom. VII. p. 736) Ti-
marcha Sicelidis als n. A. aus Sicilien.
Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelph. 1860. p. 321)
Chrysomela subseriata als n. A. aus dem Oregon-Gebiete und (ebenda
1859. p. 285) Chrysomela sigmoidea ebendaher.
Gebler (Bullet. de Moscou 1859. II. p. 350 und 1860, II. p. 34)
Chrysomela Songarica , unicolor, Gastrophysa virescens und ruficeps
als n. A. aus der Songarei.
Wollaston (Annals of nat. hist. 3. ser. V. p. 459) Chrysomela
onychina (Fragrariae Woll. ant.) als n. A. von Madeira.
v:. Weidenbach (12. Bericht d. naturhist. Ver. in Augsburg
1859. p. 84) Chrysomela rugicollis als n. A. aus der Umgegend von
Augsburg.
Kraatz (Ueber einige Oreina-Arten, Berl. Entom. Zeitschr. III.
p- 275 ff.) glaubt nachweisen zu können, dass O. rugulosa Suffr. als
Varietät zu O. luctuosa Duft., aurulenta Suffr. ebenso zu intricata Germ.,
preliosa, superba, gloriosa, vittigera, venusla, punctatissima, bifrons,
nigrina, aleyonea und ?aenescens Suffr. ebenso zu O. speciosa Panz.,
tussilaginis, tristis und senecionis Suffr. zu 0. cacaliae Schrank, elon-
gata, fuscoaenea, juncorum, monticola und convergens Suflr. zu 0.
speciosissima Scop., Peyrolerii Bassi und melancholica Heer wahr-
scheinlich zu O. melanocephala Duft. zu ziehen‘ seien. — Anhangs-
weise zieht er noch Chrysomela Dahlii, opulenta und squalida Suffr.
zu Chr. rufa Duft., Chr. fulminans und resplendens Suffr. zu Chr.
menthastri Suflr,, palustris Suflr. zu viridana Suffr., mixta Suflr. zu
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 525
cerealis Lin. , ahena Germ. zu islandica Germ. Suflr. — Nach einer
brieflichen Mittheilung Suffrian's an den Ref. über den Gegenstand
giebt der Chrysomelen-Monograph die Identität von Chr. resplendens,
menthastri und fulminans zu, ebenso diejenige von Chr. cerealis und
mixta: „las Uebrige ist unerwiesene Hypothese und muss um so mehr
zurückgewiesen werden, als der Modus, derlei Behauptungen hinzu-
stellen und den Beweis des Gegentheils herauszufordern, ein ob auch
diplomatischer, doch bis dahin in der Wissenschaft ungebräuchlicher
Fechterstreich ist“ u. s. w.
Suffrian (Entom. Zeitung 1859. p. 40) wies nach, dass Chry-
somela decempustulata Fab. von St. Domingo bereits von Linne& als
Chrys. quinquepunclata beschrieben worden sei.
Letzner (37. Jahresbericht d. Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cul-
tur p. 95f.) machte die ersten Stände von Chrysomela sanguinolenta
Lin. bekannt. Verf. fand die Larve an der Erde unter niederen Pflan-
zen Anfangs Mai fast ausgewachsen und erzog sie weiter mit den
Blättern mehrerer Syngenesisten. — Ferner die ersten Stände von Ga-
strophysa raphani Fab.; die Larve dieser Art lebt 3000 bis 4000 Fuss
hoch auf dem Riesengebirge von den Blättern der Rumex acelosa,
var. arifolia.
Gallerucariae. — Baly (Annals of nat, hist. IV. p. 270)
beschrieb folgende neue Arten: Diabrotica dimidiata Napo , regalis
Columbien ?, Clarkella und ezclamationis Brasilien, arcuata Bogotä,
Batesii Amazon, vespertina, Erichsoni, triplagiata und fraterna Napo,
Adonis Venezuela, ornata Peru. — Oedionychis Batesii Amazon, bi-
limbata und tetraspilota Brasilien, bella Peru, bifasciata und ornata
Amazon, Sallei Mexiko, semifasciala, quadrivittata, trivittata, submar-
ginata und virginella Brasilien.
Stäl (Öfvers. Vetensk. Akad. Förhandl. XV. p. 250) charakteri-
sirte eine neue Galtung Crimissa, welche mit Diamphidia nahe
verwandt ist und sich von dieser besonders durch einfache Fuss-
klauen unterscheidet. Körper stark gewölbt, Fühler um *% kürzer
als dieser, das 1. Glied am längsten, das 2. und 3. fast gleich; die
Endglieder der Taster leicht verdickt, Thorax gerandet, Vorderhüften
fast quer, kurz, Schienen aussen gefurcht, — Art: Cr. eruralis Co-
lumbien, 11 Mill. — Neue Arten: Diamphidia nigro-ornata Pt. Natal,
Cerochroa brachialis Caffernland.
Von Boheman (Eugenies Resa p.175 ff.) wurden folgende
neue Arten beschrieben: Adorium Philippinense Manila, Adimonia
illota Cap, Galleruca australis (Dej. Cat.) Sidney, Philippinensis Ma-
nila, nigropicta Buenos-Ayres, Rhaphidopalpa serena Java, Diabrotica
viltigera Buenos- Ayres, 4-plagiata, scapularis und varipes Rio - Ja-
neiro, octonotata und amoenula Californien und Taiti, Luperus tho-
racicus 5. Francisco, vittipennis Insel Puna und Taiti, insularis Oahu,
.
526 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
Monolepta concolor und rubrosignata Manila, pectoralis und elegantula
Malacca, Oedionychis nigrovittata, laetifica und lepida Montevideo,
insignita Rio-Janeiro, verecunda Java, Caeporis maculicollis Buenos-
Ayres. — Megistops n. g., eine Hallica-Form mit sehr grossen,
in der Mittellinie zusammenstossenden Augen, stark verdickten, fast
birnförmigen Hinterschenkeln, einfachen Fussklauen und langem, an
der Spitze stark verbreitertem und ausgebuchtetem Schiendorn der
Hinterbeine. — Arten: M. 4-notatus und lugubrinus S. Francisco. —
Graptodera verticalis Californien und Taiti, flavipes, columbina, Di-
phaulaca striata (Klug, Dej. Cat.) und setipennis Montevideo, Stra-
bala languida Java, nigriceps und Disonycha bicarinata Buenos-Ay-
ves, vitlipennis Insel Puna, Systens connexa Rio-Janeiro, pallidula
Californien, ezxelamationis Montevideo, Crepidodera inculla Sidney,
curtula Buenos - Ayres, aenescens und coracina Rio- Janeiro, vafıa,
suturella, bicolor und puberula Californien, vagabunda Montevideo,
Peru, vestita Buenos - Ayres, Phyllotreia decora, elongatula, cyanella
Java, Manila, Aphthona illota Cap, Teinodactyla insularis Taiti, Psyl-
Tiodes gracilis Malacca, Plectroscelis convezicollis Cap, armipes Java,
lucidula Buenos-Ayres, Argopus maculiceps Cap, hybridus Rio-Janeiro,
rubricosus Malacca,
Le Conte (Coleoptera of Kansas and Eastern New- Mexico
p- 24 1.) beschrieb Oedionychis lugens und lobata, Haltica puncligera,
pluriligata, cervicalis, semicarbonata, ambiens, subplicala, punclipen-
nis, obliterata, torquala und bitaeniata, Longitarsus nigripalpis, sub-
rufus und rubidus, Glyptina (n. g. zwischen Haltica und Longitarsus
in der Milte stehend, auf Halt. cervina Le C. begründet), spuria und
lissotorques, Chaetocnema subviridis und Luperus rufipes als n. A.
aus Nord-Amerika. — Ferner (Proceed. acad. nat. science. Philadel-
phia 1859. p.81) Oedionychis violascens, Phyllobrotica flavicollis, bi-
vittata, Diabrotica viridipennis als n. A. von Fort Tejon, p.90 Gal-
leruca angularis aus Californien, p.286 Haltica aeruginosa, evicta,
tincta, Dibolia ovata und Luperus smaragdinus von San Francisco
und Puntos de los Reyes. — Ebenda 1360. p.317 Haltica inaerala
als n. A. von Fort Simpson.
Philippi (Entom. Zeitung 1860. p. 251) Galleruca quadri-
striata als n. A. aus Chile.
Motschulsky (Bullet. de Moscou 1859. II. p. 498) diagno-
stieirte Crepidodera interpunctata, sublaevis und obscuritarsis als n. A.
vom Amur und beschrieb (Bullet. phys.- math. de l’acad. de St. Pe-
tersbourg XVII. 1859. p. 574 und Melanges biolog. de l’acad, de St.
Petersbourg Ill. 1859. p.236) Luperus laricis als n. A. von Jakulsk.
Boieldieu (Annal. soc. entom. VII. p.475) beschrieb Haltica
discedens, parallela, variipennis, pallida, Psylliodes vicina, Plectros-
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 527
celis-obesa als n. A. von Montpellier, balanomorpha aus den Pyrenäen
und depressa von Cette,
Reiche (ebenda VIII. p. 737) Adimonia Sicana als n. A. aus
Sieilien.
v. Weidenbach (12. Bericht d. naturh. Ver. in Augsburg
1859. p. S4f.) Galleruca minima, Hallica punctipennis, Longitarsus
quadrimaculatus und Apteropeda nigroaenea als n. A. aus der Umge-
gend von Augsburg.
Allard (Bullet. soc. entom. 1859. p.100 und 105) diagnosti-
eirte als n. A.: Crepidodera punctulata aus Syrien, bimaculata aus
Südfrankreich und Sicilien, Phyllotreta rufitarsis aus Algier, aerea
von Paris, Aphthona flavipes, semicyanea, atratula, depressa und fos-
sulata aus Frankreich und subovata aus Algier; ferner Balanomorpha
lutea, Plectroscelis meridionalis (Dej. Cat.), pumila (Dej. Cat.) und
Apteropeda ovoides aus Frankreich, — Ebenda p. 260 Orestia Lepri-
euri aus Algier, Argopus brevis von Hyeres, Psylliodes Gougeletii aus
Galizien und Algira aus Algier. — Ebenda p.165 giebt derselbe eine
Synopsis und Diagnosen von 15 Arten der Gattung Graptodera aus
Europa und Algier und macht synonymische Mittheilungen (p. 241)
über mehrere von Boieldiew beschriebene Halticinen.
Die eben erwähnten Mittheilungen des Verf.'s sind nur Vor-
läufer und finden eine weitere Ausführung in seinem:
„Essai monographique sur les Galerueites anisopodes (Latr.) ou
description des Altises d’Europe et des bords de la mer me&diterrande*
(Annal. soc. entom. VIII. p. 49, 369, 539 und 785 ff... Verf. ninmt
als Grundlage für seine Beschreibung der Europäischen und Algeri-
schen Halticen die Eintheilung derselben durch Illiger in neun
Gruppen an, giebt unter diesen eine Charakteristik der Galtungen
und stellt vor der Beschreibung der einzelnen Arten analytische Ta-
bellen zur leichteren Bestimmung derselben zusammen. Die einzelnen
Gattungen sind in folgender Weise vertreten: Lithonoma 2 A., Cre-
pidodera 19, Orestia 4, Linososta n. g. (Halt. mercurialis Fab.) 3,
Graptodera 11, Teinodactyla 47, Phyllotreta 21, Aphtona 26, Argo-
pus 4, Sphaeroderma 4, Podagrica 9, Balanomorpha 7, Mniophila 1,
Plectroscelis 20, Apteropeda4, Dibolia 12, Psylliodes 38. Eine nicht
unbedeutende Anzahl dieser Arten sind vom Verf. zuerst beschrieben
worden: über das Zusammenfallen einiger derselben mit gleichzeitig
von Foudras und Kutschera bekannt gemachten giebt derselbe
am Ende der einzelnen Abschnitte seiner Arbeit nähere Auskunft.
Gleichzeitig hat der jetzt bereits verstorbene E. Foudras eine
Bearbeitung der inländischen Halticen unternommen, welche in den
Annales de la soc. Linneenne de Lyon VI. p. 137—384 und VI.
p- 17—128 von Mulsant publieirt ist. Derselbe nimmt zwei Grup-
pen an, von denen die erste, durch 10-gliedrige Fühler bezeichnet,
528 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
nur die Gattung Psylliodes, die zweite alle übrigen Gattungen (bei
ihm 24 an Zahl) umfasst; die Gattungen der letzteren Gruppe zer-
fallen wieder in zwei Sektionen nach der Bildung der Hinterschie-
'nen, die an der Spitze entweder keinen Eindruck zeigen und daselbst
abgerundet sind (Dibolia, Plectröscelis, Chaetocnema, Teinodactyla,
Lithonoma, Phyllotreta, Batophila, Balanomorpha, Apteropeda, Hypno-
phila und Mniophila) oder oberhalb gegen die Spitze hin flachgedrückt
sind und die Spitze selbst ausgerandet oder kurz zweilappig zeigen
(Haltica, Podagrica, Argopus und die übrgen ‘oben nicht genannten).
Die Gattungen, zu deren Bestimmung eine vorangeschickte analytische
Tabelle dient, werden vom Verf. sehr ausführlich charakterisirt; ein
Gleiches ist mit den Arten der Fall, deren Synonymie sorgfältig er-
örtert und deren Unterschiede von den zunächst verwandten hervor-
gehoben werden. Der Inhalt der Monographie ist aus folgenden An-
gaben zu ersehen: Psylliodes Latr. 27 A., Dibolia Latr. 10 A., Ple-
etroscelis Cheyr. 7 A., Chaetocnema Steph. 10 A., Teinodactyla Chevr.
61 A., Lithonoma Chevr. 2 A., Phyllotreta Chevr. 20 A., Batophila
n. g. für Halt. aerata Marsh. und H. rubi Payk. errichtet, 2 A., Ba-
lanomorpha Chevr. 4 A., ApteropedaCheyr. 3 A., Hypnophila n. g.
für Apter. caricis Märkel, 1 A., Mniophila Steph. 1 A., Haltica auct.
7A. Hermaeophaga n.g., für Halt. cicatrix Illig. und mereurialis
Fab. errichtet, 2 A., Ochrosis n. g., für Halt. salicariae Payk. und
ventralis Illig. errichtet, 2 A., Hippuriphilu n. g., für Halt. Mo-
deeri Lin., 1 A., Epitrizn. g., für Halt. pubescens E. H., 2 A.,
Chalcoides n. g., für H. nitidula, helxines Lin. und Verwandte,
6 A., Crepidodera Chevr. 9 A., Arrhenocoelan. g., für Halt.
lineata Rossi, 1 A., Podagrica Ehevr, 4 A., Argopus Fisch. 1 A.,
Dicherosis.n. g., für Argopus hemisphaericus Duft., 2 A., Sphae-
roderma Steph. 2 A., Aphthona (Dej. Cat.) 18 A.
Eine dritte Arbeit über Europäische Haltieinen ist von Kut-
schera (Wien. Ent. Monatsschr. III und IV) unter dem Titel: „Bei-
träge zur Kenntniss der Europäischen Halticinen“ begonnen worden,
deren besonders sorgfältige und eingehende Abfassung es um so mehr
bedauern lässt, dass sie auf Kosten der Uebersichtlichkeit und unter
Erschwerung ihrer Benutzung in gar zu kleinen Bruchstücken und allzu
sporadisch publicirt wird. Nach einigen einleitenden Bemerkungen
über die systematische Stellung der Haltieinen mit Berücksichtigung
der von den früheren Autoren über dieselbe gemachten Angaben geht
der Verf. auf eine ausführliche Schilderung des gesammten äusseren
Körperbaues ein, bei einzelnen Körpertheilen zugleich die wesent-
lichsten Modificationen, welchen sie je nach den Gattungen unterwor-
fen sind, besprechend. Geschlechtsunterschiede, Färbung, erste Stände,
Nahrungspflanzen der Larven, geographische Verbreitung und Literatur
finden gleichfalls die gebührende Berücksichtigung. Die Zahl der
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 529
Gattungen beschränkt der Verf. auf 11, nämlich: Lithonoma, Haltica,
Longitarsus, Plectroscelis, Psylliodes, Dibolia, Apteropeda, Minota,
Mniophila, Sphaeroderma und Argopus. — Von der Bearbeitung des
speziellen Theiles liegen bis jetzt nur die Gattungen Lithonoma mit 2
und Haltica mit 51 Arten vor; unter letzteren finden sich mehrere
neue. Unter Haltica werden die Gattungsnamen Graptodera, Crepido-
dera, Podagrica, Phyllotreta Chevr. nur zur Bezeichnung von Grup-
pen verwendet,
Hamlet Clark, Monopraph of Haltieidae. Pt. I. London 1860. 8.
(im Bullet. soc. entom. 1860 angezeigt) ist dem Ref. nicht zuge-
kommen.
Wollaston, „On the Halticidae of Ihe Canary-Islands“ (Journ-
nal of Eutomology 1) beschrieb 18 auf den Canarischen Inseln auf-
gefundene Haltieinen.
Hispariae. — Boheman (Fregatten Eugenies resa p.201 ff.)
beschrieb Odontota costipennis von Buenos-Ayres, Hispa pungens aus
China und nigritula von Java als n. A.
Le Conte (Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1859. p. 82)
Microrhopala signaticollis als n. A. von Fort Tejon und (Coleopt. of
Kansas and Eastern New-Mexico p. 27) Microrhopala laetula aus
Nord-Amerika.
Baly (Proceed. entom. soc. 1859. p. 88) diagnostieirte Oxyce-
phala imperialis als n. A. von Batchian,
Cassidariae, — Baly (Transact. entom. soc. V. p.158 f.)
beschrieb Hoplionota Templetonii von Ceylon, Calliaspis Bohemani
aus Peru, Porphyraspis pulchella aus Columbien ? und Dolichotoma
gloriosa von Ega. — Ferner (Annals of nat. hist. 3. ser. III. p. 196 ff.)
Spilophora tetraspilota aus Ecuador, speciosa, Bohemani und Doli-
chotoma speciosa vom Amazonenstrome, Calaspidea Bohemani aus
Peru und Omaspides pulchella von San Paulo.
Le Conte (Coleoptera of Kansas and Eastern New-Mexico p. 28)
Cassida ellipsis und atripes als n. A. aus Nord-Amerika.
Gebler (Bullet. de Moscou 1860, II. p. 33) Cassida apicalis
als n. A. aus der Songarei.
Brisout de Barneville (Annal. soc. entom. VIII. p. 346 £.)
Cassida Bohemani und rotundicollis als n. A. aus Frankreich.
Erotylina. Boheman (Fregatten Eugenies resa p. 211) be-
schrieb Encaustes gigantea von Malacca, Doubledaia convezicollis
von Manila und Languria intermedia von Malacca als n. A.
Wollaston (Annals of nat. hist. 3, ser. IV. p.430) Languria
Paivae als n. A. aus Nord-China,
Motschulsky (Etud. entom.1859. p.104) beschrieb eine neue
Galtung Tritomidea, welche er nach den telramerischen Tarsen
zu Tritoma stellt. Das erste Tarsenglied ist sehr stark erweitert, un-
Archiv f. Naturg. XXVI. Jahrg. 2. Bd. II
530 Gerstaecker: Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen
terhalb lang behaart und dreimal so lang als das zweite; dieses und
das dritte ganz kurz, glatt. Alle Hüftenpaare sind getrennt und ver-
längert, die Schienen an der Spitze mit einer Reihe kurzer Dornen
besetzt; Habitus fast wie von Cereyon. — Arten: Tr. translueida 4 Lin.
von Ceylon und oblonga aus Ostindien. — Triplar ? melanocephalus
n. A. von Ceylon.
Walker (Annals of nat. hist. 3. ser. III. p. 259) diagnosticirte
Tritoma bifacies und praeposita als n. A. von Ceylon; er führt jedoch
die Gattung unter der Familie „Diaperidae“ auf.
Endomychidae. Neue Arten sind: Mycetina morosa le Conte
(Proceed. acad. nat. scienc. Philadelphia 1859. p. 82) von Fort Tejon
und Lycoperdina glabrata Walker (Annals of nat. hist. 3. ser. IV. p. 219)
von Ceylon.
Coquerel (Annal. soc. entom. VII. p.256. pl.7) gab eine Be-
schreibung und Abbildung von Trochoideus Desjardinsii Guer. mit
besonderer Berücksichtigung der Mundtheile. Die Art findet sich nach
ihm in grosser Anzahl auf Isle Bourbon unter Agave Americana und
ist sehr flüchtig.
Coccinellin.. Boheman (Fregalten Eugenies resa p. 203 f.)
beschrieb Psyllobora conspurcata aus Californien, bicongregata von
Montevideo, vigintisignata von Taili, intersparsa und Hyperaspis an-
nularis aus Californien, Temniscata von Montevideo, Cryplogonus cen-
troguttatus von Malacca, fulvoterminatus von Java, Scymnus atramen-
tarius, Californicus und infuscatus aus Californien, vicinus von Rio-
Janeiro, binotulatus und fuscatus von Manila, Kinbergi von Oahu,
tenebricosus von Sidney, quadrinotatus und vittipennis von Malacca,
insularis von Taiti und innocuus von den Keelings-Inseln als n. A.
Walker (Annals of nat. hist. 3. ser. IV. p. 219) diagnosticirte
als n. A. von Ceylon: Coccinella tenuilinea, rejiciens, interrumpens,
quinqueplaga , simplez, antica, Cocc.? flaviceps, Scymnus variabilis
und Chilocorus opponens.
Motschulsky (Etad. entom. 1859. p. 170 und 174) beschrieb
Scymnus rotundatus und Chilocorus nigromarginatus als n. A. ebendaher.
Gebler (Bullet. de Moscou 1859. II. p. 353 ff. u. 1860. IT. p. 37)
Adonia amoena, Brumus desertorum, Micraspis lineola und Hyperaspis
vittata als n. A. aus der Songarei.
Le Conte (Proceed. acad. nat. science. Philadelphia 1859. p. 90
und 286) Chilocorus pleuralis, Coccinella melanopleura und barda als
n. A. aus Californien und (Coleoptera of Kansas and Eastern New-
Mexico p.28) Brachiacantha lau als n. A. aus Nord-Amerika.
v. Weidenbach (12. Bericht d. naturhist. Ver. in Augsburg
1859. p. 86) Exochomus oblongus als n. A. aus der Umgebung von
Augsburg.
Mulsant (Opuse. entom. IX. p. 63) Cheilomenes Osiris als n. A.
im Gebiete der Entomologie während der Jahre 1859 u. 60. 531
aus Aegypten, Mulsant und Rey (ebenda XI. p. 169 und Annal. soc.
d’agricult. de Lyon Ill. p. 360) Scymnus nanus als n. A. aus Südfrank-
reich. — In den Annales soc. Linneenne de Lyon VII. p. 165 machte
Mulsant ausserdem nähere Angaben über Harmonia Iyncea Oliv.,
welche jetzt auch bei Hyeres aufgefunden worden ist.
Suffrian (Entom. Zeitung 1860. p. 409 ff.) wies nach, dass
Coccinella vigintiguttata Lin. als Stammform und C. tigrina als viel-
leicht durch climatische Einflüsse hervorgerufene Nebenform oder
Varietät jener anzusehen sei. Auch von Ü. oblongoguttata und qua-
tuordecimguttata kommen dem Verf. zufolge ähnliche schwarzgefärbte
Exemplare vor.
Bouillon (Annal. soc. entom. Belge II. p. 1—28) stellt eine
analytische Uebersicht der 53 bis jetzt in Belgien aufgefundenen Coc-
einellinen-Arten zusammen und gab ebenda III. p. 165—186) ein be-
richligtes Verzeichniss von 54 Arten. — p.249 bemerkt Verf., dass
er zweimal Coccinella variabilis und dispar in Begattung gefunden
habe und weist zugleich durch Erörterung ihrer Unterschiede die
Annahme zurück, dass beide etwa nur Varietäten einer und derselben
Art seien.
Jacquelin du Val lieferte (Glanures entom. I. p.23 ff.) eine
„Note monographique sur les Clambites d’Europe, in welcher er eine
Beschreibung der bekannten inländischen Clambiden giebt. — Ebenda
p- 39 wird Aspidiphorus Lareynii als n. A. aus Frankreich beschrieben.
Bonn, Druck von Carl Georgi.
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