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ARCHIV
NATURGESCHICHTE,
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON
W.F. ERICHSON, F.H. TROSCHEL,
E. VON MARTENS UND F. HILGENDORF.
HERAUSGEGEBEN
VON
Prof. Dr. W. WELTNER,
CUSTOS AM KÖNIGL. ZO0LOG. MUSEUM ZU BERLIN.
SIEBZIGSTER JAHRGANG.
L. BAND.
Berlin 1904.
NICOLAISCHE VERLAGS-BUCHHANDLUNG
R. STRICKER.
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Inhalt des ersten Bandes.
Richard Piersig. Beiträge zur Kenntnis der Hydrachniden-Fauna des
Bismarck-Archipels. (Hierzu Tafel I-III). j
J. Weise. Chrysomeliden und Cocecinelliden aus Afrika .
Karl W. Verhoeff. Zur vergleichenden Morphologie und Sn is:
Japygiden, zugleich 2. Aufsatz über den Thorax der Insekten. (Hier-
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Karl W. Verhoeff. Über Dermapteren. 5. Aufsatz: Zwei neue Gruppen
Karl W. Verhoeff. Über Tracheaten-Beine. 6. Aufsatz: Hüften und Mund-
beine der Chilopoden. (Hierzu Tafel VII— VIII) s
J. Weise. Über bekannte und neue Chrysomeliden i
Dr. Carl Graf Atiems. Neue palaearktische Myriopoden nebst Bailrisen
zur Kenntnis einiger alten Arten. (Hierzu Tafel IX und X) .
@. A. Boulenger. Übersicht der Unterordnungen und Familien der Teleosteer
(Teleostean Fishes). Übersetzt von Dr. F. Hilgendorf ;
Dr. Ludwig Cohn. Helminthologische Mitteilungen II. (Hierzu Tafel xD
Alexander Heicke. Ein Beitrag zur Kenntnis der Weichteile der Madre-
porarier. (Hierzu Tafel XII). a SEE
Dr. von Linstow. Beobachtungen an nen und. en eis
Tafel XIII)
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Seite
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Beiträge
zur
Kenntnis der Hydrachniden-Fauna
des
Bismarck-Archipels.
Von
Richard Piersig.
Hierzu Tafel I—Ill.
Durch die Güte des Herrn Prof. Dr. Fr. Dahl wurde mir im
Jahre 1897 aus der Sammlung des Königlichen Zoologischen
Museums zu Berlin das Hydrachniden-Material zur Sichtung und
Bearbeitung überlassen, das der genannte verdienstvolle Forscher
während seines Aufenthaltes auf den Inseln des Bismarck-Archipels
zu sammeln Gelegenheit fand. Da daselbst stehende Süßwässer
wegen der starken Durchlässigkeit des Bodens zu den Seltenheiten
gehören, kommen nur wenige Fundstellen in Betracht. Es waren
durchweg kleinere Tümpel, in denen außer einer Alge und einer
Binse Wasserpflanzen vollständig fehlten. Die verhältnismäßig
reichste Ausbeute gewährten eine Wasserlache bei Matupi (gegen-
über einem eingefallenen Raßel) und ein kleiner, flacher Teich am
Abhange des Kombin (der Mutter) in einer Höhe von ca. 700 m.
Unter dem Dahlschen Material erkannte ich 10 neue ‘Arten, von
denen 9 der Gattung Arrhenurus Duges angehören, während die
zehnte dem Genus Oxus P. Kram. zugewiesen werden muß. Außer-
dem liegen noch zwei Arrhenurus-Nymphen vor, deren genauere
Bestimmung auf große Schwierigkeiten stößt. Eine Anzahl der
untersuchten Spezies (6) wurden von mir in einer, im Zoologischen
Anzeiger No. 572, 1898 erschienenen vorläufigen Mitteilung kurz
gekennzeichnet und benannt, wobei ich es für eine Dankespflicht
hielt, dem Entdecker in Anerkennung seiner Verdienste eine der-
selben zuzueignen. In gleicher Weise glaubte ich auch den
Erforscher der Meeresmilben oder Halacariden, Herrn Dr. Lohmann
in Kiel, ehren zu müssen. — Zweierlei ist es, was uns bei einer
allgemeinen Betrachtung des Untersuchungsmaterials sofort auffallen
Arch. f. Naturgesch. Jahrg. 1904. Bd.1. H.1. 1
9 Richard Piersig: Beiträge zur Kenntnis
muß: Das fast einseitige Auftreten der Gattung Arrhenurus Duges
und die geradezu bizarre Ausgestaltung der äußeren Körperform,
die man bei den meisten Vertretern des genannten Genus vorfindet.
Solche gewaltige Ausstülpungen auf Rücken und Bauch, wie sie
uns hier entgegentreten, sind noch bei keiner Süßwassermilbe be-
obachtet worden, obgleich die exotischen Arten im allgemeinen die
Neigung zeigen, von den einfachen typischen Formen mehr oder
weniger abzuweichen. Ein Vergleich mit den von Dr. A. Voeltzkow
auf Madagaskar und Nossi-B& gesammelten zahlreichen Vertretern
der Gattung Arrhenurus, die von F. Koenike !) auf das eingehendste
beschrieben und zeichnerisch dargestellt wurden, wird diese Be-
hauptung voll und ganz bestätigen. Die Nymphen hingegen haben
die einfach kugelige oder eiförmige Körpergestalt, wie sie uns bei
den europäischen Arten auf der gleichen Entwickelungsstufe ent-
gegentritt, durchweg festgehalten. Selbst bei völlig ausgewachsenen
Exemplaren, die kurz vor der Verpuppung standen, konnten irgend
welche Höcker und Vorsprünge nicht festgestellt werden. Auch
die in wenigen Individuen erbeutete Oxus-Art zeigt keine Ab-
weichungen vom typischen Bau. Sie gleicht in vielen Stücken dem
von mir entdeckten Oxus tenuisetus, weshalb ich es für zweckent-
sprechend hielt, beide Formen nebeneinander zu betrachten und
auch zeichnerisch darzustellen. Der Umstand, daß nur zwei
Gattungen in der von Dahl gesammelten Hydrachnidenausbeute ver-
treten sind, erklärt sich vielleicht am ungezwungensten aus der
Tatsache, daß die Durchforschung der einzelnen Gewässer sich auf
wenige Tage im März beschränkte und eine jede Fundstelle nur
einmal abgesucht werden konnte. Es ist anzunehmen, daß auch
in jenen Gegenden nicht alle Arten und Gattungen zu gleicher Zeit
auftreten, sondern daß die Zusammensetzung der Kleingetierwelt
der Süßwässer"im Laufe des Jahres einem ähnlichen Wechsel unter-
worfen ist wie anderwärts. Spätere Untersuchungen werden sicher
dazu beitragen, die Zahl der Gattungen und Arten zu vermehren,
wobei freilich zu berücksichtigen ist, daß die insulare Lage des
Sammelgebietes ähnlich einschränkend wirkt, wie die eigenartigen
Verhältnisse der Gebirge: Der geringere Formenreichtum wird aus-
geglichen durch die reichere Individuenzahl der vorhandenen Spezies.
Das verarbeitete Material geht wieder in den Besitz des
Königlichen Zoologischen Museums zu Berlin zurück.
) F. Koenike: Hydrachniden-Fauna von Madagaskar und Nossi-Be.
In: Abh. der Senckenbergischen naturf. Gesellsch, Bd. XXI, Heft 2. 1898.
Pag. 297—435, Taf. XX—XXIX, Fig. 1—190.
der Hydrachniden-Fauna des Bismarck-Archipels. 3
Fam. Hydrachnidae,.
1. Gatt. Arrhenurus Duges.
1. Arrhenurus dahli Piersig.
Syn. 1898. Arrhenurus Dahli, Piersig in: Zool. Anz., v. XXl.
No. 572 pag. 569/1901. Arrhenurus dahli, Piersig in: Das
Tierreich, 15. Lief. (Hydrachnidae und Halacaridae) pag. 85.
Nur wenige Männchen und Weibchen liegen der Beschreibung
zu Grunde.
Männchen.
Größe. Die Körperlänge mißt einschließlich des 460—480 u
langen Anhanges 800—830 u, die größte Körperbreite — Ein-
lenkungsstelle des 3. Beinpaares — 400—415 # und die Höhe
350—355 u.
Färbung. Der Körper hat eine grünlichgelbe oder blaß-
bläulichgrüne Farbe; am Anhang bemerkt man lichtere Stellen; die
Beine sind gelblichgrün.
Gestalt. Der Stirnrand des im ersten Drittel kegelstumpf-
förmig nach vorn verjüngten Rumpfes ist entweder geradlinig ab-
gestutzt oder zeigt eine sehr flache, aber ziemlich breite Aus-
buchtung. Eigentliche Stirnecken sind deshalb nicht vorhanden,
sondern der Stirnrand geht in stumpfer Rundung in die zunächst
geradlinig nach hinten divergierenden Seitenränder über, die etwa
in der Höhe des dritten Hüftplattenpaares unter Bildung von Schulter-
ecken eine schwach konvergierende Richtung einnehmen, um
schließlich in breitem Bogen in den Hinterrand einzubiegen. Der
Rücken ist über den Augen am höchsten; hier bildet er außerhalb
des Rückenbogens jederseits eine Emporwölbung, die nach hinten
zu allmählich abfällt. Am Hinterende des eingesunkenen dorsalen
Mittelfeldes erhebt sich ein nach hinten steil abfallendes, stumpf
kegelförmiges, mäßig hohes Höckerpaar, dessen ca. 46 bis
92 w voneinander abstehende, abgerundete Kuppen je eine rück-
wärts gebogene Borste tragen. Allem Anscheine nach ist der sog.
Rückenbogen hinten geschlossen und tritt nicht auf die Seitenflächen
des Anhanges über. Das von ihm eingeschlossene länglich runde
oder ovale Rückenschild wird von mehreren Drüsenöffnungen durch-
brochen, doch treten meist nur einzelne Paare deutlich hervor
(Taf. 1, Fig. 1). Dem Körperanhange nach gehört die vorliegende
Art zu der Gruppe A. globator (0. F. Müll.). Derselbe ist an dem
mäßig eingeschnürten Grunde etwa 148 u, in der Mitte 192 « und
am verjüngten Ende 160—165 w breit. Auch in der Seitenlage
zeigt der Körperanhang an der Basis eine schwache Einschnürung.
Die Dicke nimmt nach dem distalen Ende zu. Auf der Oberseite,
etwa senkrecht über der mittleren Anschwellung der Bauchseite
des Anhangs, befinden sich zwei ziemlich dicht aneinander gerückte,
1*
4 Richard Piersig: Beiträge zur Kenntnis
nur durch eine flache mittlere Einsenkung getrennte, in der Basis
verschmolzene, je eine Borste tragende, keilföürmig emporragende,
stumpfe Höcker, die steil in die das hintere Anhangsdrittel ein-
nehmende Endmulde abfallen. Letztere ist anscheinend vorn und
lateral durch einen Randwulst abgegrenzt, der nach hinten zu an
Höhe wesentlich abnimmt, weshalb das Anhangsende in der Seiten-
ansicht von den eckig vorspringenden Erhebungen der Dorsalseite
an steil dachförmig zugeschrägt ist und in einem keilförmigen Vor-
sprung endigt, der durch die Abschrägung und die Bauchfläche
gebildet wird. Die größte Dicke des Anhangs beträgt etwa 200
bis 205 u (Taf. 1, Fig. 2). Das freie Ende desselben kennzeichnet
sich durch einen 64--66 w tiefen, bis zum Grunde fast gleich breit
bleibenden, mittleren Einschnitt, der jederseits von einem winzigen
Eckvorsprung begrenzt wird, in welchen der wellig abgerundete,
nicht durch Seitenecken von den Seitenrändern deutlich abgesetzte
Hinterrand ausläuft. Auf jeder Seite des Anhangsendes zählt man
vier feine Borsten, die entweder an dem Seitenrande, auf dem er-
höhten Muldenrande oder innerhalb der Anhangsmulde entspringen
und z. T. neben Stigmen eingelenkt sind.
Augen. Die Augen liegen seitlich hinter den beiden sich
kreuzenden Stirnborsten etwas abgerückt vom Körperrande; ihr
gegenseitiger Abstand beträgt 160—165 u.
Capitulum und Maxillarpalpen. Das Capitulum besitzt die
gewöhnliche Form. Ungefähr von Mittelgröße, wirft es in der
Mitte des Vorderrandes einen in der Richtung der Medianlinie sich
erstreckenden und mit einem hyalinen Häutchen überkleideten
Spalt, der die halbe Länge der Ventralfläche des Capitulums bei
weitem nicht erreicht. Auch die Mandibeln haben die typische
Gestalt. Der Maxillarpalpus ist ohne spezifische Kennzeichen.
Der stumpfkeilförmig vorspringende Antagonist des Krallen-
gliedes trägt am Vorderende zwei Tasthärchen, von denen
das der Beugeseite näher stehende einfach gekniet erscheint,
während das andere, sehr undeutlich wahrnehmbar, in eine Gabel-
spitze ausläuft. Auf der Innenfläche des Antagonisten entspringt,
weiter zurückstehend, nahe der Beugeseite eine mittellange, gerade
Degenborste, die seitwärts über den Rand des Gliedes hinausragt.
Die Innenseite des zweiten Gliedes der Maxillarpalpen ist mit vier
Borsten ausgerüstet, von denen drei, etwas abstehend vom Vorder-
rande, der Beugeseite ziemlich nahe stehen; die vierte Borste sitzt
unweit der Streckseite. Uber die Verteilung der Borsten an den
anderen Palpengliedern gibt am besten die beigegebene Abbildung
Auskunft (Taf. 1, Fig. 3).
Hüftplatten. Die Epimeren erinnern im großen und ganzen
an diejenigen von A. globator (0. F. Müll.). Ihre inneren Ränder
sind aber nur undeutlich von dem benachbarten Bauchpanzer ab-
gsegrenzt. In dieser Beziehung und durch die rundlichen Uneben-
heiten der Oberfläche stimmen sie mit den Epimeren von A. stecki
Koen. überein. Der Hinterrand der 4. Hüftplatte geht stumpfeckig
der Hydrachniden-Fauna des Bismarck-Archipels. 5
in den hinter der Einlenkunssstelle des 4. Beines gelegenen Teil
des Seitenrandes über (Taf. 1, Fig. 4).
Beine. Die ersten drei Glieder des 4. Fußes nehmen gleich-
mäßig an Länge zu. Das vierte und längste Segment mißt 184 u.
Allem Anscheine nach ist der Sporn oder Fortsatz am distalen
Beugeseitenende verkümmert. Das 5. Glied ist reichlich halb so
lang wie das vorhergehende (96 «), während das Endglied noch
nicht einmal diese Größe erreicht (80 «). Die geringfügigen Ab-
weichungen im Borstenbesatz sämtlicher Extremitäten ersieht man
in Figur 4 (Taf. 1).
Geschlechtshof. Wie bei A. globator (O0. F. Müll.) und
A. securiformis Piersig greifen die Genitalnapfplatten auf die Seiten-
wandungen des Rumpfes über und bilden jederseits eine hinter den
Hinterrandsecken hervortretende Wulst, die mit je einer feinen
Borste besetzt ist. Die zahlreichen Genitalnäpfe haben eine nur
winzige Größe (Taf. 1, Fig. 4).
After. Die sog. Analöffnung befindet sich auf der Unterseite
des Körperanhanges unweit des mittleren Einschnittes des Hinter-
randes.
Weibchen.
Größe. Die Körperlänge beträgt bis 600 u, die größte Breite
— am Hinterende der Genitalöffnung — 530 u.
Gestalt. In der Bauch- und Rückenansicht bietet die Umriß-
gestalt des Rumpfes ein ähnliches Bild wie bei den Weibchen von
A. conıpactus Piersig, A. affinis Koen. und A. virens Neum., doch
ist der Hinterrand durch vier eckig vorspringende Höcker in drei
flachbogig ausgeschnittene Teile zerlegt. Auch der Seitenrand weist
je drei Höcker auf, von denen jedoch nur der hinterste deutlich
vorspringt. Der Vorderrand des Rumpfes ist quer abgestutzt.
Zwischen den Augenhügeln, die man bei der dorsalen Ansicht des
Tieres gut wahrnehmen kann, liegt eine flache Einbiegung. Vom
Vorderrande des Körpers etwa 120 x abgerückt, umschließt das
länglich runde Rückenschild drei Paar niedrige, stumpfhöckrige Er-
hebungen; die beiden vorderen davon haben einen Abstand von
160 #, während das hintere etwas näher zusammengerückt ist und
z. T. den Hinterrand der geschlossenen Rückenfurche überdeckt.
Auf oder neben jedem Hügel entspringt je eine haarfeine, lange
Borste (Taf. 1, Fig. 5). 2
Haut. Die scheinbar äußeren Öffnungen der Hautpanzerporen,
welche nicht zu dicht angeordnet sind, haben wie bei dem Männchen
einen ziemlich großen Durchmesser.
Augen. Die schwarz pigmentierten, kaum mittelgroßen Augen
(Taf. 1, Fig. 5) sind 160 w voneinander entfernt. Sie liegen
hinter den schwachen Stirnborsten, merkbar abgerückt vom Seiten-
rande des Körpers.
Capitulum. Das Maxillarorgan ähnelt dem von A. globator P.
6 Richard Piersig: Beiträge zur Kenntnis
Maxillarpalpus. Bau und Ausstattung der Palpen ent-
sprechen den bei dem Männchen vorgefundenen Verhältnissen.
Hüftplatten. Das Epimeralgebiet ragt mit den keilförmig
verlängerten Vorderecken der beiden ersten Plattenpaare mäßig über
den Körperrand hinaus. Es bedeckt annähernd die vordere Bauch-
hälfte. Zwischen den hinteren Plattengruppen befindet sich median
ein ansehnlicher Zwischenraum. Die Abgrenzung der Hüftplatten
des 1. und 2. Beines von dem benachbarten Bauchpanzer ist mehr
oder weniger verwischt. Am Hinterrande der 4. Epimere bemerkt
man eine wenig hervortretende, stumpfe Ecke (Taf. 1, Fig. 6).
Beine. Die Gliedmaßen unterscheiden sich nur in ganz gering-
fügiger Weise von denen anderer Arrhenurus-Weibchen. Außer
ziemlich zahlreichen Desen- nnd Dornborsten treten auch Schwimm-
haare in mäßiger Zahl auf.
Geschlechtshof. Die fast halbkreisförmigen, abgeplatteten
Lefzen bilden zusammen eine etwa 120 « lange und nur wenig
breitere Scheibe; an ihren Vorder- und Hinterecken fehlen die
kleinen dreieckigen Chitinplättchen nicht, doch sind dieselben oft
nur schwer wahrnehmbar. Die Genitalplatten umfassen fast völlig
die Lefzenscheibe; sie sind schief nach hinten und lateral gerichtet
und verschmälern sich mäßig nach dem abgerundeten freieren Ende
zu. In der Gestalt erinnern sie am meisten an die gleichen Ge-
bilde von A. fimbriatus Koen. 9, doch sind sie merkbar länger aus-
gezogen, ohne jedoch den seitlichen Hinterrand der Bauchfläche
völlig zu erreichen.
After. Die sogenannte Analöffnung liegt zwischen dem Hinter-
rande des Geschlechtshofes und dem Körperende. Sie wird seitlich
von zwei, je eine feine Borste tragenden, stumpfen Höckern be-
gleitet, deren Spitzen am hintern Körperrande bei etwas schiefer
Lage sichtbar werden.
Fundort. Insel Neu-Pommern, 5. März 1897. Tümpel bei
Matupi.
2. Arrhenurus laticodulus. Piersig.
Syn. 1898. Arrhenurus l., Piersig in: Zool. Anz., Bd. XXI, No. 572,
pag. 571./1901. Arrhenurus l., Piersig in: Das Tierreich
Lief. 13 (Hydrachnidae und Halacaridae), pag. 110.
Die nachstehende Beschreibung gilt dem Männchen, das mir
nur in einem einzigen, noch nicht völlig ausgewachsenen Exemplare
vorliegt. Die Art besitzt einen so eigenartig gestalteten Körper-
anhang, daß sie unter den bis jetzt bekannten europäischen Arrhe-
nurus-Formen keinen näheren Verwandten aufzuweisen hat. Von
oben gesehen, scheint sie der Gruppe der Petiolurus anzugehören,
doch war es mir nicht möglich, irgend ein Gebilde aufzufinden, das
mit einem Petiolus verglichen werden könnte.
der Hydrachniden-Fauna des Bismarck-Archipels. 7
Größe. Die Körperlänge beträgt einschließlich des Anhanges
1,36— 1,4 mm, die größte Breite — in der Gegend zwischen dem
5. Epimerenpaare und dem Genitalhofe — 0,93—0,94 mm und die
Höhe — in der Mitte des Rumpfes — 0,82—0,85 mm.
Färbung. Die Körperfarbe des abgetöteten und konservierten
Exemplares ist bläulichgrün. Beine und Maxillarpalpen haben eine
lichtere Färbung. Da nach der Erfahrung des Verfassers bläuliche
oder grünliche Arrhenurus-Arten auch im Alkohol ihre Farbe fest-
halten oder nur allmählich ausbleichen, so darf man annehmen,
daß die hier vorliegende Form im lebenden Zustande ähnlich ge-
färbt ist wie Arrh. globator (Müll.) oder Arrh. compactus Piersig.
Gestalt. Der Rumpf ist sehr gedrungen gebaut. Am Vorder-
rande treten die Augenwulste und Insertionsstellen der Stirnborsten
derart vor, daß derselbe in drei flache Einbuchtungen zerfällt. Die
Seitenränder sind von den Vorsprüngen des Vorderrandes durch
eine geringe Einschnürung abgesetzt; sie verlaufen ähnlich wie bei
Arrh. tetracyphus Piersig. Auch die sogenannten Hinterrandsecken
tragen dieselbe breite Abrundung zur Schau wie bei der Vergleichs-
art. Auf dem hochgewölbten Vorderrücken des Rumpfes erheben
sich von dem sehr weit zurückstehenden Rückenbogen zwei durch
eine tiefe Einbuchtung getrennte, ca. 480 w hohe, mit den Spitzen
etwa 640 ıw voneinander abstehende, hornförmige Höcker. Nach
hinten zu fällt der Rumpf rasch ab. Das von dem hinten offenen
Rückenbogen eingeschlossene dorsale Mittelfeld trägt allem Anscheine
nach eine abgerundete mittlere Erhebung und zwei niedrige Seiten-
wülste. Der Körperanhang hat am stark eingeschnürten Grunde
eine Breite von 640 ı«. Er ähnelt in der Bauch- oder Rücken-
ansicht dem unentwickelten Männchen. Nach hinten an Breite
merklich abnehmend, läuft er seitlich in kurze, abgestutzte Eck-
fortsätze (Furkaläste) aus, die jedoch von dem schwach bogen-
förmig vorspringenden Hinterrande des Anhangs überragt werden.
Durch drei abgerundete Anschwellungen entstehen am 830 wu breiten
Hinterrande des Anhangs vier flache Einbuchtungen (Fig. 7). Wie
die Seitenansicht lehrt, fehlt dem 640 « hohen und etwa 400 w
langen Anhange eine sogenannte Endmulde; man bemerkt vielmehr
auf der Oberseite zwei, durch eine schmale, median verlaufende
Rinne unvollständig getrennte, von vorn nach hinten ziehende
Wülste, die am distalen Ende ihrer Rückenfläche die keilförmig
schief nach oben und hinten weisenden Eckfortsätze tragen. Auch
die Unterseite weist ein Paar flache Emporwölbungen auf. Taf. 1,
Fig. 8 u. 10).
Haut. Der Hautpanzer ist großporig, z. T. noch gitterförmig,
weshalb angenommen werden muß, daß ein noch nicht völlig aus-
gebildetes Individuum vorliegt. Es ist aus diesem Grunde nicht aus-
geschlossen, daß die zeichnerischen Darbietungen mehr oder weniger
erhebliche Abweichungen von der definitiven Gestalt eines vollent-
wickelten Männchens aufweisen. Möglicherweise nehmen die Eck-
fortsätze in ihrem Größenwachstum eine ähnliche Form an wie bei
8 Richard Piersig: Beiträge zur Kenntnis
Arrh. abbreviator Berlese. Die Rückenbogenfurche tritt mit ihren
Enden auf die Seitenflächen des Anhangs über. Sie umschließt ein
breites, kurzes Dorsalschild, das nach hinten ohne Grenzen in die
Panzerung des Anhangs übergeht.
Augen. Die beiden schwarzen und auffallend großen Augen-
paare liegen weit auseinander; sie zeigen einen gegenseitigen Ab-
stand von etwa 320—330 u.
Mundteile. Das Maxillarorgan (Capitulum) ist bei dem unter-
suchten Exemplare stark zurückgezogen und wird deshalb zur
Hälfte von dem vorderen Epimeralschilde überdeckt. Es besitzt
etwa mittlere Größe. Seine Gestalt weist keine auffälligen Ab-
weichungen vom typischen Bau auf. Der mediane Einschnitt am
Vorderrande der Ventralfläche (Maxillarplatte) reicht nicht ganz bis
zur Mitte des Capitulums zurück. Die ihn überkleidende Membran
zeigt ein ähnliches Gefüge wie bei Arrh. maximus Piersig.
Palpen. Das zweite Glied des Maxillartasters ist am dicksten;
auf seiner Innenseite bemerkt man vier kräftige Säbelborsten, von
denen zwei etwa die Mitte des Vorderrandes einnehmen, während
das andere Paar, weiter zurückstehend, schief hintereinander inseriert
ist. Das dritte, merkbar schwächere Glied erreicht etwa die halbe
Länge des vorhergehenden. Innen- wie Außenfläche trägt je eine
dem distalen Vorderende der Streckseite stark genäherte Borste.
Das vierte Glied übertrifit das zweite an Länge, doch ist es dünner
als das dritte. Da die distale Ecke der Beugeseite, die häufig als
Antagonist des beweglichen Krallengliedes bezeichnet wird, wenig
vorspringt, verläuft es von hinten nach vorn in fast gleicher Dicke.
Der Vorderrand des vierten Gliedes bildet mit dem Ende der Beuge-
seite eine schwach ausgezogene Ecke. Zwischen dieser und der
Einlenkungsstelle des Endkrallengliedes zählt man drei feine, an-
scheinend ungebröchene Tastbörstchen, über deren Gestalt Genaueres
nicht gesagt werden kann. Die Säbelborste am Grunde des Anta-
gonisten ist schwach gebogen und ragt zur Hälfte über die Beuge-
seite des Gliedes hinaus. Das krallenförmige Endglied erreicht
annähernd die Länge des 3. Gliedes; seine Ausstattung ist die ge-
wöhnliche (Taf. 1, Fig. 11).
Hüftplatten. Das Epimeralgebiet steht etwas hinter dem
Vorderrande des Rumpfes zurück; es nimmt reichlich zwei Drittel
der Bauchfläche des Rumpfes ein. Zwischen den einzelnen Epime-
rengruppen liegen ziemlich breite Zwischenräume, auch von dem
Genitalhofe sind die Hüftplatten merkbar abgerückt. Die beiden
vorderen verschmolzenen Hüftplattenpaare endigen nach vorn zu in
keilförmig ausgezogene, stumpfe Ecken. Das vierte Plattenpaar,
kaum anderthalb mal so breit wie das dritte, bildet am Hinterrande
je eine stumpfe, wenig hervortretende Ecke. Seine laterale Aus-
dehnung ist mehr als doppelt so groß wie seine Länge (Taf. 1, Fig. 8).
Beine. Die Gliedmaßen sind von gewöhnlicher Länge; auch
die Borstenausstattung zeigt nichts Auffälliges. Wie bei den meisten
Arrhenurus-Arten ist die Doppelkralle des vierten Fußes merkbar
«
der Hydrachniden-Fauna des Bismarck-Archipels. 9
kleiner als diejenigen der übrigen Beinpaare. Dem nur wenig ver-
‚längerten vierten Gliede des Hinterfußes sitzt am distalen Ende der
Beugeseite ein kurzer Fortsatz auf, der an seiner abgestumpften
Spitze eine geringe Anzahl feiner Langborsten trägt. Die einzelnen
Glieder des letzten Fußes verhalten sich hinsichtlich ihrer gegen-
seitigen Länge wie: 10:14:15:18:14:15. (Taf. I, Fig. 13).
Genitalhof. Das am Hinterrande der Bauchfläche des
Rumpfes gelegene Geschlechtsfeld besitzt eine ca. 82—86 u lange
Genitalöffnung mit schmalen Lefzen, die wiederum von den mit-
einander verwachsenen Napfplatten völlig umschlossen werden.
Letztere springen zu diesem Zwecke in der Medianlinie stark bogen-
förmig vor und erlangen eine Breite von über 160 w, während sie
sich nach außen hin schon in geringem Abstande von der Geschlechts-
spalte stark verschmälern. Mit ihren Enden reichen sie weit an
den Seitenflächen des Rumpfes empor. Ein völliges Umfassen des-
selben konnte jedoch nicht festgestellt werden (Taf. T,. Bios Sl
After. Die sog. Analöffnune befindet sich auf der Ventral-
seite des Anhangs hinter einer mittleren Emporwölbung.
Fundort. Insel Neu-Pommern. Tümpel auf dem Kombin.
(Mutter). 6. März 1897.
3. Arrhenurus latipetiolatus. Piersig.
Syn. 1895. Arrenurus latipetiolatus, Piersig in: Zool. Anz., v. XXI.,
No. 572, pag. 573./1901. Arrhenurus latipetiolatus, Piersig
in: Das Tierreich, 13. Lief. (Hydrachnidae und Halacaridae)
pag. 101.
Die nachstehende Beschreibung gilt dem Männchen, das mir
nur in einem einzigen, aber völlig "ausgewachsenen Exemplare vor-
liest. Die Art gehört zur Gruppe der Petiolurus, in der sie in die
Nähe von A. abbreviator Berl. zu stellen ist.
Größe. Die Körperlänge beträgt einschließlich des Anhangs
1,12 mm, die größte Breite — hinter der Einlenkungsstelle des
vierten Beinpaares — 960 uw und die Höhe — über der vierten
Hüftplatte — 800 uw.
Färbung. Die Körperfarbe ist wahrscheinlich ähnlich wie
bei Arr. globator (Müll.) oder Arr. bruzelii Koen., doch läßt sich
dieselbe nicht sicher feststellen, da das hier vorliegende Exemplar
in der Aufbewahrungsflüssigkeit (Alkohol) stark entfärbt wurde.
Gestalt. Der Rumpf des von oben angesehenen Tieres
erinnert in seinem Umriß an das gleiche Geschlecht von Arr. virens
(Arr. crassipetiolatus Koen.) Neuman. Hier wie dort verjüngt sich
derselbe in seinem vordern Drittel ganz auffallend, sodaß der ein-
gebuchtete Vorderrand nur eine Breite von etwa 240 u aufweist.
Die Seitenränder der hintern zwei Drittel des Rumpfes sind nur
wenig ausgebogen; sie gehen in flacher Rundung in den Hinterrand
10 Richard Piersig: Beiträge zur Kenntnis
über. Die Bauchseite ist flach, die stark erhöhte Rückenseite
schwach gewölbt. Letztere trägt am hintern Abfall innerhalb des
Rückenbogens zwei sehr niedrige, abgerundete, ca. 400 u vonein-
ander abgerückte, je eine schief nach hinten gerichtete Haarborste
aufweisende Erhebungen, die in der Seitenansicht des Körpers nur
unbedeutend über die Höhenlinie des Rückens herausragen (Taf. I,
. Fig. 14). Der Rückenbogen ist vom Stirnrand des Körpers etwa
288 u abgerückt. Er bleibt nach hinten zu offen, da seine Hinter-
enden auf die Seitenflächen des Anhanges übertreten, wo sie all-
mählich verschwinden (Taf. I, Fig. 15). Die größte Breite des
Dorsalschildes liegst kurz vor den Rückenhöckern und beträgt
ca. 592 u. Der kurze, gedrungene Körperanhang erinnert hin-
sichtlich seiner Eckfortsätze am meisten an Arr. crenatus Koen.
Auf seiner Oberseite sitzen zwei kleine, abgerundete Höcker, zwischen
denen in der Mittellinie des Körpers ein ebenfalls rundlicher,
niedriger Vorsprung zu liegen scheint. Unterhalb der obengenannten
Anhangshöcker bemerkt man ein schmales, fast verkümmertes, nur
zum Teil hyalines Häutchen, das wie bei Arrh. abbreviator Berl.
nach hinten sich verschmälert, wobei der verkürzte, schwach ab-
gerundete Hinterrand durch deutliche Seitenecken von den kon-
vergierenden Seitenrändern abgesetzt ist. Der etwa 208 u lange und
160 „ breite, ganz eigenartig gebaute Petiolus läßt sich am besten
von der Bauchseite des Tieres beobachten, da seine Einlenkungs-
stelle mehr ventralwärts gelegen ist. An der Wurzel stielartig
schmal, gewinnt er plötzlich durch zwei laterale, hautartig durch-
scheinende Säume eine ungewöhnliche Breite, sodaß seine Gestalt
unwillkürlich an einen Spatel erinnert, dessen gebogene Seiten-
ränder ohne eigentliche Eckenbildung in den Hinterrand übergehen.
Das freie Ende des Petiolus schließt deshalb fast halbkreisförmig
ab (Taf. I, Fig. 16 u. 17). In der Seitenlage setzt sich der
Petiolus aus einer gemeinsamen 80 w dicken Wurzel und zwei von
ihr ausgehenden, dicht aufeinander gelagerten Lamellen zusammen,
von denen die obere merklich kürzer und dünner erscheint als die
untere. Nach dem freien Ende zu tritt eine Verjüngung, des
Petiolus ein. Seine Ober- und Unterseite lassen an der Über-
gangsstelle der Basis in die beiden Schichten eine schwache
Knickung nach oben erkennen (Taf. I, Fig. 14). Die sogenannten
Krummborsten ragen nicht über das Hinterende des Petiolus hinaus,
auch sind sie nur mäßig gebogen. Wie bei den meisten Formen
aus der Gruppe der Petiolurus trägt der innere Hinterrand des
Anhanges jederseits zwei lange Borsten, von denen die eine einer
ventralen Wölbung entspringt, während die andere mehr dorsal-
wärts eingelenkt ist. Die Borsten der Eckfortsätze (Furkaläste)
nehmen eine ähnliche Steliung ein wie bei Arrh. tetracyphus Piersig.
Palpen. Die Maxillartaster sind ungemein gedrungen gebaut.
Das Längenverhältnis der auf der Streckseite gemessenen Glieder
wird durch die Zahlen: 12: 30:20:32:21 wiedergegeben. Auf der
Innenseite des zweiten Gliedes treten zwei kräftige Säbelborsten
der Hydrachniden-Fauna des Bismarck-Archipels. 11
auf, die in der Nähe des Vorderrandes eingelenkt sind, während
eine dritte Borste dem distalen Ende der Beugeseite entspringt.
Auch die an das Vorderende der Streckseite gerückte Borste ist
kräftig entwickelt. Das vierte Glied besitzt am Vorderende an-
nähernd dieselbe Dicke wie das zweite Glied. Seine Streckseite
ist ähnlich wie bei Arrh. auritus Koen. und Arrh. frustrator Koen,
am proximalen Ende stark umgebogen, sodaß eine Art Höcker
entsteht. Am Vorderrande des genannten Gliedes sitzen zwei
kräftige Tastborsten, deren Spitzen nach oben zu gebrochen
erscheinen. Über die Größe und Gestalt der an der Basis des
Antagonisten eingelenkten Säbelborste können keine näheren An-
gaben gemacht werden, da dieselben anscheinend abgebrochen
sind. Das Endglied läuft in eine scharfe Spitze aus. Über seine
Ausrüstung ist nichts Besonderes zu bemerken (Taf. I, Fig. 18).
Augen. Die beiden Augenpaare liegen dem vordern Seiten-
rande näher als den sogenannten Stirnhöckern. Sie haben einen
gegenseitigen Abstand von 285 u.
Hüftplatten. Die Epimeren erinnern durch die merkbar aus-
gezogenen Eckfortsätze des ersten und zweiten Paares an die-
jenigen von Arrh. compactus Piersig oder Arrh. sinuator (Müll.).
Die letzte Platte ist doppelt so breit als die dritte, Ihr Innenrand
bildet mit dem Hinterrande eine deutliche Ecke. Auch der letztere
trifft unter stumpfem Winkel mit dem hinteren Außenrand zusammen.
Füße. Der letzte Fuß besitzt am distalen Ende der Beuge-
seite des vierten Gliedes einen geraden, etwa 64 u langen Fortsatz
oder Sporn, dessen abgestumpftes Ende fünf bis sechs schwimm-
haarähnliche Borsten trägt. Das Längenverhältnis des 1. bis
6. Gliedes wird durch folgende Zahlen ausgedrückt: 9:14:17:19:
12:13. Die Borstenausstattung sämtlicher Glieder ist reich zu
nennen (Taf. I, Fig. 19).
Geschlechtshof. Das Geschlechtsfeld ist von dem Hinter-
ende des Epimeralgebietes nur durch einen verhältnismäßig schmalen
Zwischenraum geschieden. Die ziemlich große Genitalöffnung
(88 «) wird von schmalen, sichelförmigen Lefzen seitlich begrenzt.
Die Napfplatten sind quergestellt und reichen bis an die Seiten-
flächen des Rumpfes. In ihrem Verlaufe nach außen nehmen sie
nur wenig an Breite ab. In der Bauchansicht des Tieres erscheint
der Hinterrand einer jeden Genitalplatte in zwei fast gleichlange,
flache Bogenstücke zerlegt, während der Vorderrand ein kürzeres
Innenstück und ein längeres, schwach wellenförmig gebogenes
Außenstück erkennen läßt (Taf. I, Fig. 16). |
After. Der sog. After (eigentlich die Ausmündungsstelle des
Malpighischen Gefäßes) befindet sich auf der Unterseite des Körper-
anhanges kurz vor der Insertionsstelle des Petiolus (Taf. I, Fig. 16).
Fundort. Neu-Pommern. Tümpel auf dem Kombin (Mutter);
d. 6. März 1897,
12 Richard Piersig: Beiträge zur Kenntnis
4. Arrhenurus altipetiolatus. Piersig.
Syn. 1898. Arrenurus a., Piersig in: Zool. Anz. Bd. XXI,
No. 572, pag. 572./1901. Arrhenurus a., Piersig in: Das
Tierreich, Lief. 13 (Hydrachnidae und Halacaridae) pag. 93.
Auch von dieser Spezies liest nur ein einziges gut erhaltenes
männliches Individuum vor. Da der Hautpanzer noch ziemlich
großporig ist, so steht zu vermuten, daß die Ausstülpungen und
Anhänge des völlig ausgewachsenen Tierchens möglicherweise
kleine Abweichungen von den hier zeichnerisch dargestellten Formen
aufweisen.
Größe. Der Körper mißt in der Länge einschließlich des An-
hanges, doch ohne Patiolus, 1,5 mm, in der Breite — in der
Gegend der sog. Analöffnung — 850 «, in der Höhe 760 u.
Färbung. Das durch die Konservierungsflüssigkeit gebleichte
Männchen scheint im lebenden Zustande eine ähnliche Färbung
besessen zu haben wie Arrh. globator‘ (Müll.) oder Arrh.
maculator (Müll.).
Gestalt. Die vorliegende Spezies gehört der Gruppe der
Petiolurus an. Bei Bauchlage ähnelt der Körperumriß unserem
europäischen Arrh. crassicaudatus P. Kram. g', doch ist der Rumpf
nach vorn zu stärker verjüngt, die Augengegenden treten mehr
hervor und die mittlere Einbuchtung des Stirnrandes gewinnt in-
folgedessen an Tiefe. Da die Körperbreite bis fast zum Hinterende
des Rumpfes stetig zunimmt, treten die sogenannten Hinterrands-
ecken in voller Rundung deutlich hervor. Die Bauchseite ist flach,
der stark erhöhte Rücken steigt zunächst von vorn nach hinten
allmählich an, um schließlich im letzten Viertel in gleicher Weise
nach dem Anhange hin abzufallen. An dieser Stelle erheben sich
zwei nebeneinander gestellte, mächtige, hornförmige Höcker, deren
etwa 510 # auseinander spreizende Spitzen schwach nach hinten
umgebogen sind, sodaß der Abfall der Hörner nach der Anhangs-
mulde sich annähernd senkrecht erweist (Taf. II, Fig. 31). Wie
man bei der Stirnlage des Tieres feststellen kann, trägt jeder
Rückenhöcker auf der Innenseite fast unmittelbar unter der Spitze
eine medianwärts gerichtete, mittellange Haarborste (Taf. I, Fig. 22).
Der kurze und gedrungene Körperanhang ist merkbar schmäler als
das Hinterende des Rumpfes und infolgedessen von demselben
deutlich abgesetzt. Seine Breite beträgt an der mäßig ein-
geschnürten Wurzel etwa 648 „u, während die ziemlich kurzen, an
die gleichen Gebilde von Arrh. cerassicaudatuts P. Kram. g' er-
innernden Eckfortsätze (Furkaläste) an den abgerundeten Enden
einen gegenseitigen Abstand von ca. 600 « besitzen. Der von den
Eckfortsätzen begrenzte Hinterrand des Körperanhangs verläuft fast
geradlinig. An der Grenze nach der sehr kurzen, dorsalen Anhangs-
mulde hin erheben sich zwei kleine, rundliche, etwa 80 u voneinander
der Hydrachniden-Fauna des Bismarck-Archipels. 13
abgerückte Höckerchen, von denen jedes ein schief nach hinten
und außen gerichtetes Haar trägt. Unterhalb dieser schwer wahr-
nehmbaren Erhebungen springt eine querverlaufende Hautfalte vor,
die nach ihrer Form und Lage als ein hyalines Häutchen aufgefaßt
werden kann. Die Seitenränder desselben konvergieren stark nach
hinten und gehen unter der Bildung von abgerundeten Vorsprüngen
(Taf. I, Fig. 23) in den ausgebuchteten Hinterrand über. Der
Petiolus ist nur in der Bauch- und Seitenansicht gut wahrnehmbar,
weil derselbe auf der Unterseite des Anhanges ca. 90 w vom
Hinterrande des Genitalhofes entfernt, unmittelbar hinter dem sog.
After entspringt. Seine Gestalt ist ziemlich kompliziert. Von unten
gesehen, scheint derselbe aus einem nur an der Wurzel etwas ver-
breiterten, sonst ziemlich gleich bleibenden Mittelstück zu bestehen,
dessen abfallende Seitenwandungen sich lateral in je einen haut-
artigen, feinhöckrigen oder porösen Saum fortsetzen, der nach dem
freien, ausgekerbten und deshalb in zwei Spitzen auslaufenden
distalen Ende hin allmählich verschwindet. Das ventrale Mittel-
stück wird nach hinten zu von zwei zahnartigen, mehr dorsalwärts
gelegenen Fortsätzen überragt. In der Tiefe der medianen End-
kerbe bemerkt man ebenfalls einen kleinen Zapfen, während der
Abstand zwischen dem distalen Ende des lateralen Hauptsaumes
und der scheinbaren Basis der Endzähne durch je ein, in einen
Seitenzahn auslaufendes, fein gerilltes, fast dreieckiges Gebilde aus-
gefüllt wird, das der Oberseite des Petiolus noch mehr genähert
ist als die zangenartigen Vorsprünge (Taf. I, Fig. 24). Von oben
gesehen, erweist sich das Mittelstück des Petiolus als eine Rinne,
in deren Tiefe gegen das freie Ende hin das oben erwähnte mediane
Zäpfchen entspringt (Taf. I, Fig. 25). In der Seitenlage überrascht
der Petiolus durch seine ungewöhnliche Höhe, die die größte Breite
(112 «) ansehnlich übertrifft, während sie der Länge annähernd
gleichkommt. Der Gestalt nach erscheint er als eine an der Wurzel
188 u hohe, etwa 180 u weit schief nach hinten und unten ragende,
halbkreisförmige Scheibe, auf deren oberem Rande ein äußeres,
höheres und ein inneres, kleineres, weiter nach hinten gerücktes
Paar zahnartiger Fortsätze aufsitzt. Ein Vergleich mit der Abbildung
des von oben oder unten gesehenen Petiolus macht sofort klar, daß
diese konischen Vorsprünge identisch sind mit den scheinbar seitlich
an das Ende des Mittelstücks angelagerten, in eine laterale Spitze
auslaufenden, dreieckigen Platten und den nach hinten weisenden,
gleichsam eine halb offene Zange darstellenden beiden Endzapfen.
In halber Höhe durchzieht die Seitenwandungen des Petiolus eine
chitinöse Schwiele, die wohl nichts anderes darstellt als der optische
Ausdruck der Ansatzstelle des hyalinen Hautsaumes (Taf. I, Fig. 26).
Die den Petiolus seitlich begrenzenden krummen Haargebilde scheinen
zu fehlen. Dafür bemerkt man fast an gleicher Stelle je ein
winziges schief nach innen und hinten gerichtetes Börstchen. Eine
zweite, weit kräftigere und längere Borste nimmt ungefähr die Stelle
ein, wo der Hinterrand des Anhangs zur Innenseite des Eck-
14 Richard Piersig: Beiträge zur Kenntnis
fortsatzes umzubiegen beginnt. Der Furkalast selbst trägt an-
scheinend nur eine, der Außenseite der Spitze stark genäherte
Borste; doch ist nicht ausgeschlossen,. daß das bei den Petiolurus-
Arten gewöhnlich auftretende zweite Haargebilde während der Auf-
bewahrung verloren ging.
Haut. Der Hautpanzer zeigt ziemlich große Poren. Die Rücken-
bogenfurche ist vom Stirnrande des Körpers stark abgerückt. Sie
umschließt mit ihren Hinterenden die auf der hinteren Hälfte des
Dorsaischildes sich erhebenden, gewaltigen Rückenhörner.
Augen. Die beiden, im Durchmesser etwa 80 w großen,
schwarzpigmentierten Augenpaare liegen ziemlich weit vonein-
ander entfernt. Sie sind sowohl vom Stirnrande als auch von den
vordern Seitenrändern merkbar abgerückt. Die antenniformen Haare
(Stirnborsten) erreichen nur mittlere Länge und Stärke. Das eine
Paar entspringt oberhalb der Doppelaugen, das andere etwa in
gleicher Höhe mit der unteren Augenwand.
Palpen. An den Maxillartastern fällt die ungemein kräftige
Entwickelung des vorletzten Gliedes auf, das das zweite sowohl
an Länge als auch an Dicke ganz wesentlich übertrifft. Der Gestalt
nach erinnert es an das entsprechende Gebilde bei Arrh. latipetio-
latus Piersig. Auch hier zeigt das proximale Ende desselben eine
kräftige Umbiegung der Streckseite, sodaß dieselbe in der Seiten-
ansicht buckelartig emporgewölbt erscheint. Weiter nach vorn
trägt die Oberseite eine sattelartige Einbiegung zur Schau, die viel
deutlicher und tiefer ist, als bei der eben angezogenen Vergleichs-
art. Ähnliche Verhältnisse finden wir bei einer von Dr. Voeltzkow
auf Madagaskar erbeuteten Form, die Koenike unter dem Namen
Arrh. frustrator beschrieben hat. Die Tasthaare am Vorderrande
des vierten Gliedes sind kräftig entwickelt. Während das der Ecke
des Antagonisten stark genäherte einfach nach oben umgebogen
erscheint, ist das obere deutlich gekniet und an der Biegungsstelle
erheblich verdickt (Taf.I, Fig. 27 u. 28). Die Säbelborste an der
Basis der distalen Beugeseitenecke (des Antagonisten) ragt nur
wenig über den Rand des Gliedes hinaus. Sie ist einfach gebogen.
Auf der Innenfläche des zweiten Palpengliedes, dessen Streckseite
eine starke Umbiegung und eine weiter nach vorn gelegene seichte
Einsattelung aufweist, fehlt die sonst regelmäßig auftretende mehr
oder weniger reichliche Borstenausstattung. Ob dieselbe nur ver-
loren gegangen ist, oder ob es sich um eine spezifische Eigen-
tümlichkeit der vorliegenden Spezies handelt, konnte nicht festgestellt
werden. Auf der Streckseite zählt man zwei, eine feine Fiederung
aufweisende Haargebilde, von denen das eine nahe der Umbiegungs-
stelle, das andere am distalen Ende inseriert ist. Auch das vordere
Ende der fast geraden Beugeseite trägt eine kräftige Säbelborste,
die anscheinend nicht gefiedert ist. Das dritte Palpenglied besitzt
auf der Innen- und Außenseite je eine mittellange Fiederborste.
der Hydrachniden-Fauna des Bismarck-Archipels. 15
Auf der zwischen der Einsattelung der Streckseite und dem distalen
Ende des vierten Gliedes gelegenen flachen Emporwölbung erheben
sich zwei feine Härchen. Das Krallenglied ist kräftig entwickelt
und erreicht etwa die Länge des dritten Gliedes. Auf seiner Unter-
seite entspringt eine starke Borste (Tafel I, Fig 27).
Hüftplatten. Das Epimeralgebiet bedeckt annähernd zwei
Drittel der Bauchfläche. Die beiden vordern Platten besitzen lang-
ausgezogene Vorderecken. Was die hintern Epimerengruppen an-
langt, so ähneln dieselben am meisten denjenigen von Arrh. macu-
lator (Müll.)g' und Arrh. bruzelii Koen. Sie stimmen besonders
mit diesen darin überein, daß der Hinterrand der vierten Epimere
mit dem proximalen Seitenrand eine kräftig nach hinten vorspringende,
fast rechtwinkelige Ecke bildet und daß der Innenrand der gleichen
Platte mit dem Hinterrand fast spitzwinkelig zusammentrifft. Die
Richtung der Naht zwischen der 3. und 4. Hüftplatte verläuft fast
rechtwinkelig zur ventralen Medianlinie des Rumpfes (Taf. II, Fig. 29).
Füße. Das vierte Glied des Hinterfußes besitzt an dem distalen
Ende der Beugeseite einen ansehnlichen, etwa 112 u langen Fortsatz
oder Sporn, auf dessen Spitze vier bis fünf schwimmhaarähnliche
Borsten entspringen. Die Beborstung der Beine ist ziemlich reich-
lich. Im großen und ganzen lassen sich keine großen, erwähnens-
werten Abweichungen im Vergleich zu den bei den europäischen
Arten obwaltenden Verhältnissen feststellen. Das gilt auch von
der Länge der Gliedmaßen (Taf. II, Fig. 30).
Geschlechtshof. Der äußere Genitalhof gleicht am meisten
demjenigen von Arrh. latipetiolatus Piersig 9. Die ca. 50 u lange,
von schmalen Lefzen seitlich begrenzte Genitalöffnung wird zwar
von den Innenenden der Napfplatten umschlossen, doch ohne daß
es zu einer Verbreiterung der letzteren kommt. In der Bauchansicht
bemerkt man vielmehr, daß die schief nach außen und hinten ge-
richteten Genitalplatten infolge einer Convexität des Hinterrandes
zunächst in ihrem lateralen Verlaufe sich sichtlich verbreitern, dann
aber eine einseitige Einschnürung erfahren, um schließlich zungen-
förmig nach jenem Winkel sich hinzuziehen, der von der Ansatz-
stelle des Körperanhanges und dem Hinterrande des Rumpfes ge-
bildet wird. Das ganze Geschlechtsfeld gleicht fast einer Frucht
von Acer platanoides, deren Flügel am Außensaume etwas über
der Mitte eine Einkerbung erfahren haben. Die Außenenden der
Genitalplatten reichen nur bis zur Hälfte an den Seitenflächen des
Rumpfes empor (Taf. II, Fig. 29).
After. Die sog. Analöffnung befindet sich auf dem Körper-
anhange in der Mitte zwischen der Einlenkungsstelle des Petiolus
und der Genitalöffnung (Taf. II, Fig. 29).
Fundort. Tümpel bei Matupi auf Neu-Pommern. 5. März 1897.
16 Richard Piersig: Beiträge zur Kenntnis
5. Arrhenurus bicornutus Piersig.
Syn, 1898. Arrhenurus b., Piersig in: Zool. Anz., Bd. XXI, No. 572
pag. 570. 1901. Arrhenurus b., Piersig in: Das Tierreich,
13. Lief. (Hydrachnidae und Halacaridae), pag. 110.
Zur Beschreibung dienen eine größere Anzahl Männchen und
Weibchen, von denen freilich nur ein Teil vollkommen ausgewachsen
und harthäutig ist.
Männchen.
Größe. Die Körperlänge des Männchens ohne die Eckfortsätze
mißt 800-—820 u (einschließlich der Vorder- und Hinterrandshörner:
1,2—1,25 mm), die größte Breite — etwa in der Mitte des Rumpfes —
ebenfalls S00—810 «, die größte Höhe — zwischen den Rücken-
höckern — 720—740 u.
Färbung. Die meisten Exemplare dieser Spezies sind durch
die Konservierungsflüssigkeit stark ausgebleicht. An einzelnen mehr
gehärteten, älteren Individuen konnte festgestellt werden, daß die
natürliche Körperfarbe ähnlich wie bei Arrh. globator (Müll.) oder
Arrh. maculator (Müll.) grünlichgelb bis bläulichgrün ist. Die
Gliedmaßen besitzen gewöhnlich eine lichtere Färbung.
Gestalt. Infolge der eigenartigen Körpergestalt ist es sehr
schwierig, eine genaue Dorsal- oder Ventralansicht des Tierchens
zu erhalten. Die dargebotenen Zeichnungen weichen deshalb auch
mehr oder weniger von der Senkrechten ab, doch bieten sie die
Stellungen, in welchen man am häufigsten das unter die Lupe oder das
Mikroskop gelegte Untersuchungsobjekt beobachten kann. In Fig. 56
auf Tafel II erblicken wir das Tierchen schief von oben und hinten.
Die gewaltigen Rückenhörner sind etwas nach vorn geneigt und
erscheinen fälschlicherweise als Eckfortsätze des Vorderrandes. Der
eigentliche Stirnrand liegt tiefer und erscheint in der Abbildung
als schmaler Streifen, der jederseits der Mittellinie des Körpers
zwei niedrige, abgerundete Höcker besitzt, von denen der innere
in verschiedener Höhe die langen, aber dünnen antenniformen Borsten
trägt, während der äußere der sichtbare Teil des Augenhügels ist.
Die Doppelaugen selbst werden von den überhängenden Rücken-
höckern vollständig verdeckt. Letztere erscheinen als kurze, nach
dem breit abgestutzten freien Ende hin wenig verjüngte Vorsprünge,
denen an der vorderen Ecke ein kurzer, undeutlich wahrnehmbarer,
konischer Zapfen aufsitzt. An der Innenseite dieser Erhebung ent-
springt ein nach außen gekrümmtes Haar. Der Seitenrand des
Körpers wölbt sich in der Mitte bogenförmig vor. Dieser Umstand,
verbunden mit der schiefen Richtung der Hörner des Vorderrückens
bez. der Eckfortsätze des Hinterrandes, erweckt bei dem Beschauer
den Eindruck, als ob außerdem noch eine vordere und hintere
Einschnürung des Rumptes vorhanden wären. Der Seitenrand des
der Hydrachniden-Fauna des Bismarck-Archipels. 17
Körpers zeigt demgemäß einen wellenförmigen Verlauf. Ein eigent-
licher Anhang fehlt. Die sog. Eckfortsätze sitzen vielmehr dem
Hinterende des Rumpfes auf. Sie sind im Anblicke von oben nicht
länger als die Fortsätze des Vorderrückens. Am äußeren Ende
ebenfalls abgestutzt, gewähren sie trotzdem ein anderes Bild als
diese, da die äußere Ecke von einem keilförmigen, kräftigen Vor-
sprung überdeckt wird. Der innere Rand des Eckfortsatzes zeigt
infolgedessen eine winkelige Einkerbung. Der Außenrand des keil-
förmigen Vorsprunges trägt ein langes, feines Haar. An der Stelle,
wo der Hinterrand des Rumpfes in den des Eckfortsatzes übergeht,
bemerkt man jederseits einen winzigen, warzenartigen Vorsprung,
auf und neben dem ebenfalls je eine dünne, mittellange Borste ent-
springt. Auch der Hinterrand des Körpers. sowie die innere Basis
der Eckfortsätze und die Ausbauchungen der Seitenränder dienen
als Insertionsstelle für einzelne, schwimmhaarähnliche Haargebilde.
Der Rückenbogen ist ziemlich weit vom Stirnrande des Rumpfes
abgerückt (160 «); seine Hinterenden greifen auf die Außenflächen
der Eckfortsätze über. Das 640 u lange Rückenschild nimmt nach
hinten zu stetig an Breite zu. Diese beträgt in der Gegend, wo
die Rückenbogenfurche verschwindet, etwa 750—800 u. In der
Seitenlage erscheint die Bauchfläche des Tierchens ziemlich flach,
der Rücken ist ungewöhnlich stark erhöht. Etwa in der Mitte,
doch außerhalb der Rückenbogenfurche, erheben sich auf ihm zwei
430—440 u hohe, fast senkrechte, am distalen Ende nach vorn zu
dachförmig abgeschrägte, je in eine schwach nach hinten geneigte
Spitze auslaufende Höcker, die unterhalb der durch die Abschrägung
und den steilen Vorderrand gebildete, stumpfe Ecke mit je einer
nach oben und hinten gekrümmten Borste bewehrt sind. Die Spitzen
der beiden Rückenhörner spreizen an ihren distalen Enden etwa
900 u auseinander. Hinsichtlich der Dicke der dorsalen Höcker
scheinen Schwankungen nicht ausgeschlossen zu sein, wie man an
der Hand der beigegebenen Zeichnungen (Taf. II, Fig. 37 u. 38) er-
sehen kann. Die Eckfortsätze des hinteren Körperendes erreichen
annähernd eine Länge von 430—440 u. Sie sind am Grunde ca.
400 u dick, nehmen nach hinten zu allmählich an Stärke ab und
laufen in eine der Oberseite näher gelegene, ziemlich scharfe
Spitze aus, deren nach unten gekehrter Teil flach ausgebuchtet ist
und mit der gekürzten Unterfläche des Anhangs einen stumpfen
Winkel bildet.
Augen. Die beiden schwarz pigmentierten Doppelaugen lassen
sich von oben her nicht beobachten. Sowohl in der Bauchansicht als
auch von vorn sind sie deutlich sichtbar. Ihr gegenseitiger Abstand
beträgt ca. 288-295 u. Sie liegen auf ziemlich ansehnlichen Vor-
sprüngen. Auch die vier paarig geordneten Mündungshöfe der
in der medianen Einbuchtung gelegenen Hautdrüsen und die sie
begleitenden Stirnborsten sitzen auf kleinen Höckerchen.
Palpen. Die Länge der Glieder des Maxillartasters in ihrer
Reihenfolge vom ersten bis zum letzten verhält sich wie 10:25:
Arch. f. Naturgesch. Jahrg. 1904. Bd. T, H.1, 2
18 Richard Piersig: Beiträge zur Kenntnis
13:26:12. Am dicksten ist das zweite Glied. Über seine Aus-
stattung mit Borsten können keine genaueren Angaben gemacht
werden. Wahrscheinlich ist dieselbe reichlicher, als man nach der
beigegebenen Zeichnung (Taf. II, Fig. 39) annehmen dürfte. Das
nur wenig längere vorletzte Glied behält von hinten nach vorn
annähernd die gleiche Stärke bei. Der Antagonist springt spitz-
winkelig nach vorn. Er besitzt eine kräftige, über den Beugeseiten-
rand des Gliedes weit hinausragende, fast gerade Säbelborste. Die
am Vorderrande eingelenkten Tasthaare sind wahrscheinlich einfach
umgebogen. Am dritten Palpengliede bemerkt man drei gefiederte
Säbelborsten, von denen je eine die Innen- und Außenfläche sowie
das distale Ende der Streckseite einnimmt. Das Krallenglied ent-
spricht dem typischen Baue. Es ist ungemein kräftig entwickelt
und trägt auf seiner Unterseite eine schwach wellig gebogene Borste.
Das Grundglied ist schwach.
Hüftplatten. Das Epimeralgebiet, das wir in Fig. 40, Taf. II
in etwas verkürzter Form wiedergegeben finden, lässt keine er-
wähnenswerten Abweichungen von normalen Verhältnissen erkennen.
Die vierte Hüftplatte übertrifft alle anderen an Ausdehnung. Ihr
Hinterrand bildet zwar mit dem Innenrande eine deutliche Ecke,
lateralwärts aber geht er in breiter Rundung in den hinteren Außen-
rand über, ohne daß es zur Bildung eines nennenswerten Vorsprungs
kommt. Die vorderen Ecken der ersten und zweiten Epimeren
sind nur mäßig ausgezogen. Zwischen den einzelnen Plattengruppen
liegen schmale Zwischenräume. Auch der Abstand von dem Genital-
hofe ist nicht allzu groß.
Füße. Die Gliedmaßen unterscheiden sich nur in ganz gering-
fügiger Weise von denen des Arrh. integrator (Müll.) u. s. w. —
Am vierten Gliede des Hinterfußes fehlt, wie bei der Vergleichsart,
ein Fortsatz oder Sporn. Dafür ist dasselbe sowie das dritte und
fünfte Glied reich mit Dornborsten und Schwimmhaaren versehen.
Das Endglied trägt zwei Reihen Haargebilde, die an den freien
Enden schwach keulig angeschwollen sind; auf der Streckseite
findet sich eine größere Anzahl feiner Haare vor. Das dritte Bein
kennzeichnet sich dadurch, daß es an dem distalen Beugeseitenende
des vierten und fünften Gliedes je eine Borste aufweist, die in ein
Kölbchen ausläuft. Auch sonst noch zeigen einige andere Borsten
Neigung, sich gegen die Spitze hin zu verdicken. Um das Unter-
suchungsmaterial zu schonen, wurde nur ein einziges Exemplar der
vorliegenden Art zerlegt. Der Umstand aber, daß die eben er-
wähnte Eigentümlichkeit in der Borstenausstattung des vor- und
drittletzten Gliedes bei beiden dritten Füßen gleichmäßig auftritt,
läßt die Vermutung aufkommen, daß es sich um eine regelmäßige
Erscheinung handelt. Das Endglied ist dieht mit feinen, mittellangen
Haaren besetzt (Taf. II, Fig. 41 u. 42).
Geschlechtshof. Die 96 « lange, von schmalen Lefzen um-
gebene Genitalöffnung wird von Genitalnapfplatten begrenzt, die,
hart am Hinterrand des Körpers hinlaufend, mit ihren Enden hoch
der Hydrachniden-Fauna des Bismarck-Archipels. 19
in dessen Seitenflächen hinanreichen. Im Anblicke von unten und
vorn erscheinen sie sehr schmal; nur neben der Genitalöffnung tritt
eine mäßige Verbreiterung derselben auf.
After. Die sogenannte Analöffnung liegt ein Stück hinter
dem Genitalhof. Sie ist schwer wahrnehmbar, weil sie auf dem
steilen Abhange ausmündet, der am Hinterende des Rumpfes die
Dorsalfläche mit der Ventralfläche verbindet.
Weibchen.
Größe. Die Körperlänge beträgt bis 1,lmm, die größte Breite
— in der Mitte des Rumpfes, wenn man von der Spreizung der
Rückenhöcker und Eckfortsätze absiehtt — 910—925 u und die
Höhe — zwischen den Rückenhörnern — 915—-930 u.
Gestalt. Das Weibchen ähnelt in der Form dem Männchen.
Es ist mit denselben Ausstülpungen ausgestattet, sodaß man es
leicht übersehen kann. Am Stirnrande des Körpers unterscheidet
man ebenfalls vier wellige Vorsprünge, von denen das lateral ge-
stellte Paar die Augen, das innere Paar die oberen und unteren
antenniformen Borsten trägt. Die Rückenhöcker erscheinen in der
gewöhnlichen Dorsalansicht — schief von oben und hinten — eben-
falls als breitabgestutzte Vorderrands-Eckfortsätze, die je nach der
Neigung des Rumpfes in ihrer Form kleine Abweichungen aufweisen
(vergleiche hierzu Fig. 45 und Fig. 46 auf Tafel II). Im Gegensatze
zu dem Verhalten des Männchens, nimmt das Weibchen viel häufiger
eine Lage ein, daß man die Eckfortsätze am Hinterende des Rumpfes
ihrer Gestalt nach gut beobachten kann. Sie gleichen annähernd
denen der verbreitetsten Petiolurus-Arten. Kleine Schwankungen
in der Lage des Tierchens beeinflussen auch hier die Form des
Umrisses. Außer den oben beschriebenen äußeren Eckfortsätzen
tritt am Hinterrande des Rumpfes noch ein inneres Paar auf, das
freilich merkbar kleiner ist und keilförmig schief nach hinten und
wenig nach außen weist (Taf. II, Fig. 47). Neigt sich der Körper
bei Dorsalansicht ein wenig nach vorn über, so gewinnen diese
inneren Hinterrandsvorsprünge einen Anblick, wie er in Fig. 46,
Taf. II festgelegt wurde. Bei genauer horizontaler Lage des Unter-
suchungsobjektes kennzeichnet sich die Gestalt des von unten ge-
sehenen Körpers in der in Fig.47, Tafel II vorgeführten Weise.
Der Rumpf nimmt nach hinten zu merkbar an Breite zu, Die
äußeren Eckfortsätze des Hinterrandes spreizen mit ihren freien
Spitzen etwa l mm, während der Körper hier eine Breite von beinahe
1,2mm gewinnt. Die Enden der innern Vorsprünge haben einen
gegenseitigen Abstand von ca. 370 u. Sie sind von der Spitze des
benachbarten Furkalastes etwa 288 u weit entfernt. Auf jedem
Vorsprunge entspringt eine feine und lange Borste. Auch über der
tiefen Einbuchtung zwischen innerem und äußerem Eckfortsatz und
am innern Hinterrande des Rumpfes tritt je eine schwimmhaar-
ähnliche Borste auf (Fig. 47, Taf. Il). Der vom Vorder- und Hinter-
9%
20 Richard Piersig: Beiträge zur Kenntnis
rande des Körpers stark abgerückte, allseitig geschlossene Rücken-
bogen umschließt ein etwa 710—725 u langes, fast kreisrundes
Dorsalschild, auf dem man jederseits drei Hautdrüsenöffnungen
nebst den zugehörigen Borsten beobachten kann. In der Seiten-
ansicht stimmt das Weibchen der Gestalt nach ebenfalls im all-
gemeinen mit dem Männchen überein. Die Abstutzung der beiden
Rückenhörner scheint weniger schräg zu verlaufen als bei diesem.
Die Hinterrands - Eckfortsätze besitzen jedoch auf der Oberseite
keine vordere Emporwölbung, sondern verlaufen fast geradlinig;
auch sind sie vom Rücken des Rumpfes nicht abgesetzt. Auf der
Unterseite der Eckfortsätze treten dieselben Ein- und Ausbiegungen
auf wie beim Männchen. Kleinere Abweichungen in der Zeichnung
erklären sich wohl aus der etwas schiefen, seitlichen Lage des
Untersuchungsobjektes. Das Dorsalschild, sowie der ganze Mittel-
rücken liegt zwischen den erhöhten Seitenrändern merkbar ein-
gesenkt (Taf. II, Fig. 48).
Augen. Die zwei Augenpaare stimmen in Bezug auf Größe,
Färbung, Bauart und gegenseitigen Abstand mit denen des Männ-
chens überein.
Palpen. Der weibliche Maxillartaster gleicht fast in allen
Einzelheiten dem männlichen. Kleine Abweichungen im Borsten-
besatz sind nicht von Belang.
Hüftplatten. Bei genauer horizontaler Lage gewährt das
Weibchen eine Bauchansicht, wie sie in Figur 45, Taf. II wieder-
gegeben ist. Die vordere Epimeralgruppe reicht ein wenig über
den Stirnrand des Körpers hinaus. Sie ist von den beiden hintern
Plattengruppen durch einen ziemlich breiten Abstand geschieden.
Noch größer ist der mediane Zwischenraum zwischen den letzteren.
Die ersten beiden Epimerenpaare haben nur mäßig verlängerte, keil-
förmige Vorderrandsecken. Etwa doppelt so breit wie die dritte
Hüftplatte, kennzeichnet sich die vierte durch den Besitz einer
wenn auch nur schwach vorspringenden Hinterrandsecke.
Beine. Die Füße sind von mittlerer Länge und ziemlich kräftig
gebaut. Ihre Ausstattung und Bauart entspricht den für die Gattung
geltenden typischen Verhältnissen.
Geschlechtshof. Das äußere Genitalorgan liegt unmittelbar
hinter den vierten Epimeren. Die abgeplatteten Lefzen bilden zu-
sammen eine länglichrunde, 176 u lange und 160 u breite Scheibe,
deren Außenrand von dem etwas verbreiterten Innenrande der seitlich
gestellten Genitalnapfplatten fast vollständig umfaßt wird. - Letztere
ziehen sich in fast gleicher Breite (175 w) ziemlich hoch an den
Seitenflächen des Rumpfes empor, wo sie abgerundet endigen.
Während der Vorderrand einer jeden Genitalplatte hinter der
stumpfen Ecke der vierten Hüftplatte eine kräftige Einbuchtung
aufweist, die von je einer Hautdrüsenöffnung nebst Borste ein-
genommen wird, zeigt der Hinterrand einen schwach konvexen Verlauf,
der nur im letzten Drittel durch eine unbedeutende Einkerbung
der Hydrachniden-Fauna des Bismarck-Archipels. 21
unterbrochen wird (Taf. II, Fig. 47). Die zahlreichen Genitalnäpfe
sind winzig klein und zum Teil verkümmert.
After. Die sogenannte Analöffnung ist von der Genitalspalte
ca. 250-260 u weit abgerückt. Sie ist infolgedessen der medianen
Einbuchtung des Hinterrandes stark genähert. Seitlich wird sie
durch zwei Hautporen (Mündungshöfe der Hautdrüsen) begrenzt,
deren gegenseitiger Abstand etwa 285—290 u beträgt (Taf. II, Fig. 47).
Fundort. Neu-Pommern. Tümpel bei Matupi. 5. März 1897,
6. Arrhenurus lohmanni Piersig.
Syn. 1898. Arrhenurus Lohmanni, Piersig in: Zool. Anz., Bd. XXI,
No. 572, pag. 572. 1901. Arrhenurus lohmanni, Piersig in:
Das Tierreich, 13. Lief. (Hydrachnidae und Halacaridae),
pag. 111.
Die zu Ehren des Halacaridologen Dr. Lohmanni benannte Form
steht dem Arrh. bicornutus Piersig sehr nahe, doch unterscheidet
sie sich schon von diesem durch ihre bedeutendere Größe, sowie
durch die Form der hinteren Eckfortsätze. Der Untersuchung liegen
nur zwei männliche Exemplare zu Grunde, die jedoch allem An-
scheine nach völlig ausgewachsene Tiere sind.
Größe. Die Körperlänge beträgt in der Medianlinie 1,4 bis
1,5 mm, die größte Breite — am Hinterende, wenn man die stark
seitwärtsspreizenden Hörner und Eckfortsätze nicht berücksichtigt
— 755—170 u, die Höhe — zwischen den Rückenhörnern — 930
bis 960 u.
Färbung. Auch bei dieser Art scheint die Körperfarbe des
lebenden Tieres eine ähnliche zu sein wie bei Arrhenurus bruzelii
Koen. oder Arrh. maculator (Müll). Die Beine und Palpen haben
einen lichteren Anflug als der Rumpf, an denen einzelne Stellen eine
recht gesättigte, fast schwärzliche Färbung aufweisen.
Gestalt. Wie bei Arrh. bicornutus g' Piersig ist es ungemein
schwierig, das in toto zu betrachtende Tierchen in eine genaue
Rücken- oder Bauchlage zu bringen. Durch die ungewöhnlich
großen Auswüchse und Höcker wird der Körper, sobald er auf einer
Unterlage ruht, mehr oder weniger in eine schiefe Stellung gedrängt.
Um vorübergehend eine exakte Dorsal- oder Ventralansicht zu ge-
winnen, muß man das Beobachtungsobjekt in einer dicklichen
Flüssigkeit (Glycerin ete.) frei schwebend betrachten, wobei man
durch kleine Schwankungen des als Objektträger dienenden Uhr-
gläschens den Körper schließlich in die gewünschte Lage zu bringen
imstande ist. In Fig. 49, Taf. II erblickt man das Tier schief von
oben und hinten. Die massigen Rückenhöcker erscheinen dann als
breit abgestutzte, kurze schief nach außen und vorn gerichtete Eck-
fortsätze, zwischen denen ein breitbogig ausgeschnittener Stirnrand
liegt. An den fast rechtwinkeligen Ecken dieser scheinbaren Vorder-
22 Richard Piersig: Beiträge zur Kenntnis
hörner bemerkt man bei schärferem Zusehen je einen kleinen nach
oben gerichteten konischen Vorsprung, während ein dritter, merkbar
größerer, zahnartig über den annähernd geradlinigen Vorderrand
hinausragt. Seine schwach schnabelartig gebogene Spitze weist
nach der Seite und trägt am Vorderrande eine feine Haarborste.
Nach hinten zu verbreitert sich der Rumpf und läuft in zwei, an
der Basis etwa 480—500 « breite, ungemein gedrungene, ebenfalls
schief lateral und nach hinten gerichtete Eckfortsätze aus, deren
freie, ca. 320—328 u breiten Enden fast rechtwinkelig abgestutzt
sind und in der Mitte einen zahnartig vorspringenden Fortsatz er-
kennen lassen. An den abgerundeten Außen- und Innenecken der
hintern Eckfortsätze entspringt je eine schwimmhaarähnliche, lange
Borste. Der Hinterrand des Körpers ist nur flach ausgebuchtet
und trägt eine Anzahl kürzerer Haare; zwei etwas längere sitzen
am Innenrande der Eckfortsätze. Wie bei Arrh. bicornutus Piersig
g' treten die hinteren Enden des vom Vorderrande des Rumpfes
stark abgerückten Rückenbogens auf die Seitenflächen der hintern
Eckfortsätze über. Das nicht abgeschlossene Rückenschild nimmt
nach hinten zu ansehnlich an Breite zu. Auf der vorderen Hälfte
stehen seitlich je zwei Poren. Bemerkenswert ist noch ein rund-
liches Gebilde auf der Oberfläche der hintern Eckfortsätze. In der
Seitenlage gewährt der Körper einen eigenartigen Anblick. Der
ungewöhnlich stark erhöhte Rücken sendet zwei mächtige, am freien
Ende nach vorn zu dachförmig abgeschrägte, je in eine schief nach
hinten und oben zeigende Spitze auslaufende Hörner aus, die außer-
halb des Rückenbogens stehen und mit ihrer Basis den größten
Teil der Oberseite des Rumpfes einnehmen (Taf. II, Fig. 50). Im
Anblicke schief von oben erscheinen sie merkbar verkürzt. Sie sind
identisch mit den in Fig. 47, Taf.5 dargestellten Vorderrands-Vor-
sprüngen. Die den Anhang bildenden Eckfortsätze sehen von der
Seite sehr massig aus. Annähernd viereckig von Gestalt, sind sie
auf der Oberseite etwa 600—620 u, auf der Unterseite etwa 360
bis 400 u lang. Der Hinterrand eines jeden Eckfortsatzes hat eine
Höhe von ca. 400 u und zerfällt in drei bogig ausgeschnittene, ver-
schieden tiefe Abschnitte, die durch zwei nach hinten gerichtete
Vorsprünge voneinander geschieden sind. Die obere distale Ecke
des Eckfortsatzes ist keilförmig ausgezogen (Taf.Il, Fig.50). Zwischen
den vorgewölbten Augenhügeln liegt, wie bei der schon angezogenen
Vergleichsart, ein kleines Rundhöckerpaar, auf dem in verschiedener
Höhe die antenniformen Borsten eingelenkt sind. Uber die Be-
borstung der übrigen Rumpfteile geben am schnellsten die bei-
gefügten Zeichnungen Aufschluß, doch erheben die letzteren durch-
aus nicht den Anspruch auf Genauigkeit, da es nicht ausgeschlossen
erscheint, daß einzelne Haargebilde früher schon abgebrochen oder
ausgefallen und deshalb in ihnen nicht mit wiedergegeben sind.
Bei einem Exemplar wurde an dem einen Rückenhorne insofern
eine Mißbildung beobachtet, als der hintere Abfall desselben einen
ziemlich großen Höcker trug, der von der oberen Spitze des Horns
der Hydrachniden-Fauna des Bismarck-Archipels. 23
durch eine tiefe Einbuchtung abgetrennt wurde. Die Bauchseite
des Rumpfes ist flach.
Palpen. Die einzelnen Glieder des Maxillartasters verhalten
sich, auf der Streckseite gemessen, zueinander wie 10:29:14:30: 12.
Auf der Innenseite des am dicksten zweiten Gliedes zählt man vier
mittellange Borsten, die unweit des Vorderrandes unregelmäßig
nebeneinander eingelenkt sind. Die merkbar längere Schwertborste
kurz vor dem distalen Ende der Streckseite kennzeichnet sich durch
eine deutliche, wenn auch feine Fiederung. Ein ähnliches Haar-
gebilde findet sich auch fast an gleicher Stelle am dritten Palpen-
segmente. Letzteres trägt außerdem noch auf dem Rücken eine
feine Haarborste.e. Auch am vordern Ende der Streckseite des
vierten Gliedes treten zwei schwimmhaarähnliche Borsten auf. Die
Tasthaare am Vorderrande des Antagonisten scheinen ungebrochen
nach vorn zu verlaufen. Das Krallenglied läuft in zwei dicht an-
einander gelagerte Spitzen aus (Taf. Ill, Fig. 51).
Hüftplatten. Die zwei vordern Plattenpaare besitzen scharf
ausgezogene Vorderecken. Der Hinterrand der vierten Epimere
bildet sowohl am hintern Ende des Innenrandes als auch an der
Übergangsstelle in den hinter der Einlenkungsstelle des vierten
Fußes gelegenen Teil des Außenrandes eine deutliche Ecke. Die
einzelnen Epimerengruppen sind durch mäßige Abstände von ein-
ander geschieden (Taf. III, Fig. 52).
Füße. Die Gliedmaßen gleichen im großen und ganzen denen
von Arrh. bicornutus Piersig J. Dem vierten Gliede des Hinter-
fußes mangelt ein Fortsatz.
Geschlechtshof. Das äußere Sexualorgan liegt am Hinter-
rande des Körpers. Die Genitalspalte hat eine Länge von 112 w
und wird von schmalen, sichelförmigen Lefzen seitlich eingefaßt.
Sie liegt mitten in einer medianen Verbreiterung der miteinander
verschmolzenen inneren Enden der etwa 765 w langen Genitalnapf-
platten, deren Form man sich am schnellsten an der beigegebenen
Abbildung (Taf. III, Fig. 53) verdeutlicht. Wie die Seitenansicht des
Tieres lehrt, steigen dieselben ziemlich hoch an den Seitenflächen
des Rumpfes empor. Der Hinterrand einer jeden Napfplatte ist
mit einer Reihe feiner Härchen versehen.
After. Die sog. Analöffnung liegt ein Stück hinter dem Ge-
schlechtshofe. Sie ist schwer wahrnehmbar, da es selten gelingt,
den Körper in eine für die Beobachtung günstige Lage zu bringen.
Fundort. Bismarck-Archipel: Tümpel bei Matupi auf Neu-
Pommern. 5. März 1897.
7. Arrhenurus quadricaudatus n. sp.
Von der vorliegenden Form enthält die Sammlung ein einziges
Exemplar. Nach der Stellung der Rückenhörner und dem all-
gemeinen Bau der Maxillartaster ist es nicht ausgeschlossen, daß
24 Richard Piersig: Beiträge zur Kenntnis
dasselbe ein Weibchen von Arrh. altipetiolatus Piersig repräsentiert.
Die Verschiedenheit der Fundstellen sowohl, als auch manche Ab-
weichungen in der Ausrüstung der Palpen lassen vorläufig eine
Identifizierung gewagt erscheinen. Es bleibt späteren Untersuchungen
vorbehalten, uns darüber Gewißheit zu verschaffen.
Größe. Die Körperlänge beträgt etwa 1,44 mm, die Breite —
quer über der Mitte des Geschlechtsfeldes — annähernd ebensoviel und
die Höhe — ohne Berücksichtigung der Rückenhörner — 1,09 mm.
Färbung. Die Färbung des abgetöteten Tieres ist ein lichtes
Gelblichgrün bis Bläulichgrün.
Gestalt. Das vordere Drittel des Rumpfes verjüngt sich nach
vorn zu so auffallend, daß der tief ausgebuchtete, von gerundeten
Seitenecken begrenzte Stirnrand kaum eine Breite von 240 u besitzt.
Der Seitenrand kennzeichnet sich in der Augengegend durch eine
flache Einbiegung. Nach hinten zu nimmt der Körper nur mäßig
an Breite zu. Eine eigenartige Gestalt zeigt das Hinterende, da es
scheinbar in zwei äußere und zwei innere Eckfortsätze ausläuft
(Taf. II, Fig. 32). Wie man sich in der Seitenlage des Tieres über-
zeugen kann, besteht das äußere Paar aus zwei, mit den Spitzen
fast 1,2 mm auseinanderspreizenden, hornförmig schief nach oben
und hinten gerichteten Rückenhöckern, die, außerhalb des Rücken-
bogens stehend, ungewöhnlich weit nach hinten gerückt sind und
an ihren äußeren Enden je eine Borste tragen. Das innere Paar
liegt merkbar tiefer und ist als das abdominale Ende des Körpers
aufzufassen, der hier ausnahmsweise in eine Art Anhang ausläuft.
Der zwischen den abgerundeten, wenig vorspringenden und etwa
450 « voneinander abstehenden Eckfortsätzen liegende Hinterrand
weist nur eine geringe Einbuchtung auf. Jeder Vorsprung trägt
zwei verschieden lange Borsten. Der Rücken des Rumpfes steigt
allmählich vom Stirnrande bis kurz vor den Rückenhöckern empor,
um von da an nach dem Hinterrande hin wesentlich schneller ab-
zufallen. Die Rückenbogenfurche umschließt ein 736 u langes und
760 u breites, fast kreisrundes Rückenschild, das sich flach gewölbt
über die Seitenränder des Rumpfes erhebt. Dem stark erhöhten
Rücken steht eine ziemlich flache Bauchfläche gegenüber (Fig. 33,
Taf. DO).
Augen. Die beiden schwarzpigmentierten, mittelgroßen Doppel-
augen sind von oben gut wahrnehmbar. Ihr gegenseitiger Abstand
beträgt ca. 385 „. Sie sind scheinbar von den antenniformen
Stirnborsten weiter abgerückt als von dem vordern Seitenrande des
Körpers,
Haut. Die meist rundlichen Porenmündungen des Hautpanzers
haben eine mittlere Größe. Das Rückenschild steht von der medianen
Einbuchtung des Stirnrandes etwa 336 « weit ab. Von den Mündungs-
höfen der über den Körper verteilten Hautdrüsen treten auf dem
Rücken besonders vier Paar deutlich hervor. Über ihre Stellung
gibt Figur 32 auf Tafel II hinreichend Aufschluß.
der Hydrachniden-Fauna des Bismarck-Archipels. 25
Palpen. Beim Maxillartaster fällt die sattelartige Ausrandung
der Streckseite des vorletzten Gliedes auf (Taf. II, Figur 35). Die
Säbelborste ist kräftig entwickelt und ragt merkbar über den Beuge-
seitenrand des Antagonisten hinaus. Letzterer trägt zwei Tast-
börstchen, von denen das untere mit seinem freien, verschmälerten
Ende noch schärfer gegen die Wurzel des Krallengliedes gebrochen
erscheint als das obere. Die Innenseite des zweiten Palpengliedes
ist mit zwei Fiederborsten ausgestattet, die nebeneinander unweit
des Vorderrandes stehen. Auch auf der Streckseite bemerkt man
zwei gleiche Haargebilde. Das distale Ende der Beugeseite sendet
wie bei Arrh. altipetiolatus Piersig eine Degenborste aus, an der
eine Fiederung der Ränder nicht festgestellt werden konnte. Das
dritte Palpenglied zeichnet sich ebenfalls durch den Besitz von je
einer Fiederborste auf der Innen- und Außenfläche aus. Eine Borste
am distalen Ende der Streckseite fehlt, doch ist es nicht aus-
geschlossen, daß dieselbe nur verloren ging. Das Längenverhältnis
der einzelnen Palpenglieder (auf der Streckseite gemessen) zuein-
ander ist wie 12:24:21:33:12.
Capitulum. Das an der Mundöffnung zugespitzte Maxillar-
organ hat am buccalen Teile ein ähnliches hyalines Anhängsel wie
die nur als Nymphe beschriebene Arrh. vigorans Koen.'!). Die
büschelförmig auftretenden feinen Fransen sind leicht zu übersehen
(Taf. 3, Fig. 33).
Hüftplatten. Die Epimeren bieten wenig Anhalt zur Kenn-
zeichnung der Art. Auch hier sind Vorderecken des ersten und
zweiten Paares keilföürmig ausgezogen. Die vierte Hüftplatte hat
die doppelte Breite der dritten; ihr Hinterrand springt fast garnicht
winkelig vor. Der Abstand zwischen den einzelnen Plattengruppen
ist wenig auffallend. Sämmtliche Epimeren sind fein- und dicht-
honig: Ihre Um- und Abgrenzung tritt deutlich hervor (Fig. 34,
af. II).
Füße. Die Beine zeigen den typischen Bau. Auch ihre Borsten-
ausstattung läßt keine nennenswerten Abweichungen erkennen.
Geschlechthof. Die 256 u lange Genitalöffnung wird von
zwei seitlich beweglichen, platten Lefzen geschlossen, die zusammen
eine länglichrunde, etwa 184 u breite Scheibe bilden. Letztere
wird von den ziemlich kurzen Genitalnapfplatten nur unvollkommen
umfaßt. Nach außen hin nehmen die Napffelder an Breite ab. Am
Hinterrande derselben tritt eine schwache Einkerbung auf (Fig. 34,
Taf. II). Ihre distalen Enden reichen nicht allzuhoch an der Seiten-
fläche des Rumpfes empor (Taf. II, Fig. 33).
After. Die sog. Analöffnung liegt in geringer Entfernung von
dem Genitalhofe.
Fundort. Neu-Pommern (Bismarck-Archipel) Tümpel bei
Matupi.
!) F. Koenike. Hydrachniden - Fauna von Madagaskar und Nossi-B&, in
Abh, Senckenb. naturf. Ges., v. XXI p.366 Taf. XXIX Fig. 188. — 1898.
26 Richard Piersig: Beiträge zur Kenntnis
8. Arrhenurus matupitensis n. sp.
Die Art liegt ebenfalls nur in einem einzigen weiblichen Exem-
plare vor. Gewisse Ähnlichkeiten im Bau der Maxillartaster sowie
der Rückenhöcker weisen auf Arrh. lohmanni Piersig hin. Möglicher-
weise ist es das dieser Art zugehörige Weibchen.
Größe Die Länge des Rumpfes beträgt von der mittleren
Stirnrandeinbuchtung bis zur medianen Einkerbung des Hinterrandes
1,6 mm, die Breite — etwa in der Mitte des Körpers — 1,42 mm
und die Höhe — ohne Berücksichtigung der Rückenhörner — etwa
950 — 980 u.
Färbung. Die Körperfarbe ist grünlichgelb bis bläulichgrün;
die Gliedmaßen zeigen eine hellere Färbung.
Gestalt. Auch bei dieser Art besitzt der Stirnrand eine
symmetrisch verlaufende, wellige Form. Sowohl die Augengegenden
als auch die Einlenkungsstellen der Stirnborsten bilden rundliche
Vorsprünge. In der Rückenansicht scheint der Rumpf hinten in
vier Eckfortsätze auszulaufen, von denen das innere Paar merkbar
weiter nach hinten weist als das äußere. Seine keilförmigen Spitzen
sperren etwa 480 u weit auseinander. Während die Außenseite
eines jeden inneren Eckfortsatzes schwach gewölbt oder fast gerad-
linig verläuft, zeigt der Innenrand eine deutliche Einbuchtung, die
sich bis zu einem ca. 96 u tiefen und am distalen Ende ca. 125 w
offenen medianen Ausschnitte hinzieht. Der Abstand der weiter nach
vorn gerückten äußeren Eckfortsätze, die, wie die Seitenansicht des
Tieres lehrt, eigentlich schief nach hinten und oben gerichtete Hörner
am hinteren Ende des Rückens darstellen, übertrifft noch die Körper-
breite des Tieres (Fig. 55, Taf. II). Zwischen dem Stirnrande und
dem Vorderende bemerkt man im Anblicke von oben jederseits einen
breiten, am Außenrande quer abgestutzten Wulst, der in der Seiten-
ansicht des Rumpfes uns als ein mächtiger Rückenhöcker entgegen-
tritt, dessen Gestalt im großen und ganzen an das gleiche Gebilde
von Arrh. lohmanni Piersig J' erinnert (Fig. 55, Taf. III). Aus breiter
Basis sich von dem erhöhten Vorderrücken erhebend, ist er am
Außenende dachförmig nach vorn abgeschrägt, sodaß sein Hinterrand
mit dieser Abschrägung eine nach oben zeigende keilförmige Spitze
bildet. Mitten auf dem etwas wellig verlaufenden Abfalle erhebt
sich eine schwach gebogene Borste. Auch die äußeren und inneren
Eckfortsätze tragen je zwei schwimmhaarähnliche Borsten. Dem
allmählich nach hinten abfallenden Rücken steht eine ziemlich
flache Bauchseite gegenüber. Auf den Rücken gelegt, gewährt das
Tierchen einen Anblick, wie wir ihn in Figur 55, Tafel III wieder-
gegeben finden. Von einer reinen Bauchansicht kann nicht die
Rede sein, da die gewaltigen, massigen Hörner auf dem Vorder-
rücken eine völlig horizontale Lage verhindern (Fig. 54, Taf. III).
Haut. Der Hautpanzer ist großporig. Der geschlossene
Rückenbogen beginnt zwischen den Hörnern des Vorderrückens.
der Hydrachniden-Fauna des Bismarck-Archipels. 27
Er umschließt ein etwa 865 u langes, fast kreisrundes, schwach ge-
wölbtes Dorsalschild, auf dem man drei Paar Poren erblickt (Fig. 54,
Taf. 11).
Palpen. Der Maxillartaster gleicht in vielen Stücken dem-
jenigen von Arrh. lohmanni Piersig JS. Wie bei diesem ist das
zweite Glied am dicksten, doch trägt es auf der Innenseite nicht
vier, sondern nur drei Degenborsten, die außerdem viel schwächer
entwickelt sind als bei der Vergleichsform. Das dritte Glied ist
nur halb so lang wie das zweite, während das nächstfolgende
wieder dieselbe Länge erreicht, aber merkbar an Stärke abgenommen
hat. Es behält bis zum Vorderende annähernd die gleiche Dicke
bei. Die vordere Beugeseitenecke ist ziemlich scharf zugeschrägt.
Am Vorderrande sitzen zwei nur undeutlich wahrnehmbare Tast-
börstchen, die anscheinend ungebrochen nach vorn weisen. Die
Säbelborste am Grunde des Antagonisten besitzt nur mäßige Länge.
Über die Beborstung der einzelnen Palpenglieder gibt Figur 56 auf
Tafel III Aufschluß. Möglicherweise sind einzelne Haare ausgefallen.
Hüftplatten. Das feinporöse Plattengebiet, von dem Figur 57
auf Tafel III ein etwas verkürztes Bild gewährt, weist den für die
Gattung typischen Bau auf. Die beiden vorderen Epimerenpaare
haben keilförmig ausgezogene Vorderecken. Die vierte Hüftplatte
entbehrt einer deutlichen Hinterrandsecke; sie ist seitlich stark aus-
gezogen.
Füße. Die mittelstarken Beine sind ziemlich reich mit Borsten
und Schwimmhaaren ausgerüstet.
Geschlechtshof. Die beiden abgeplatteten Lefzen bilden zu-
sammen eine 144 u lange und 176 u breite Scheibe, die von den
Ausläufern der Genitalnapfplatten vollständig umschlossen wird.
Jede Genitalplatte besitzt einen konkaven Vorder- und einen kon-
vexen Hinterrand. Ihr distales Ende steigt ziemlich hoch an der
Seitenfläche des Rumpfes empor (Fig. 55 und Fig. 57, Taf. II.
After. Die sog. Analöffnung befindet sich ein Stück hinter
dem Geschlechtsfelde; sie ist schwer wahrnehmbar.
Fundort. Bismarck -Archipel (Neu-Pommern) Matupi (Matupit);
d. 5. März 1897.
9. Arrhenurus quadricornutus n. sp.
Zur Beschreibung dient ein einziges, wohlausgebildetes Weib-
chen, das durch seine zahlreichen Ausstülpungen eine Sonderstellung
einnimmt.
Größe. Die Körperlänge des Weibchens beträgt 1,36 mm, die
größte Breite — quer über dem Genitalhofe — 1,31 mm und die
größte Höhe — ohne die Rückenhörner — 1,09 mm.
Färbung. Die Körperfarbe des lebenden Tieres scheint gelblich-
grün bis bläulichgrün zu sein. Das konservierte Exemplar läßt
diesen Schluß zu, weil es im Alkohol eine ähnliche Färbung fest-
gehalten hat wie Arrh. maculator (Müll.) und Arrh. compactus Piersig.
28 Richard Piersig: Beiträge zur Kenntnis
Gestalt. Der Stirnrand trägt zwischen den zwei, 160 w von-
einander abgerückten, auf gerundeten Vorsprüngen stehenden an-
tenniformen Borstenpaaren eine mäßig tiefe Einbuchtung. Wie bei
Arrh. lohmanni Piersig und Arrh. bicornutus Piersig sitzen die
beiden mäßig voneinander abgerückten Doppelaugen auf besonderen
Emporwölbungen, eine Erscheinung, die sich am deutlichsten bei
Seitenansicht des Tieres offenbart. Vor dem Rückenbogen, der
etwa 370 u weit vom Vorderende des Rumpfes abgerückt ist, erhebt
sich ein mit den freien Spitzen ca. 865 u sich spreizendes, horn-
förmiges Höckerpaar, das uns von oben gesehen, wie ein breiter,
quer über dem Vorderrücken sich hinziehender Wulst erscheint.
Das von der Rückenbogenfurche allseitig umschlossene Dorsalschild
besitzt ebenfalls ein mächtiges, schief nach oben und hinten weisendes
Hörnerpaar, dessen freie, je eine schwimmhaarähnliche Borste
tragende Spitzen etwa 510 u voneinander entfernt sind. Die Basis
dieser fast 500 u hohen Schildhöcker nimmt, wie man sich bei seit-
licher Betrachtung des Tieres leicht überzeugen kann, die gesamte
Oberfläche des Rückenpanzers ein. Während von vorn her die
Wandungen derselben allmählich ansteigen, stürzen sie an der Rück-
seite steil in die Tiefe und bilden sogar eine flache Aushöhlung,
sodaß die Spitzen der Hörner merkbar nach hinten überhängen.
In der Rückenansicht treten uns die Höcker des Rückenschildes
als breit zungenförmig nach hinten gerichtete Zapfen entgegen, die
mit ihren freien Enden zum Teil den fast geradlinigen Hinterrand
der Rückenbogenfurche überdecken. Das hintere Körperende kenn-
zeichnet sich durch den Besitz von drei Paar Vorsprüngen, von
denen zwei mehr dorsalwärts gelagert sind, während das dritte
Paar das ventrale Hinterleibsende einnimmt. Bei Bauch- oder
Rückenlage des Tieres erweisen sich die zwei am weitesten lateral
gerückten Fortsätze als die bedeutendsten (Fig. 59 und Fig. 51,
Taf. III). Sie gleichen nach Stellung und Form den äußeren Eck-
fortsätzen von Arrh. matupitensis Piersig; auch sind sie wie diese
mit je einer langen, schwimmhaarartigen Borste ausgerüstet. Die
weiter nach hinten gerückten, einander stärker genäherten inneren
Vorsprünge stehen paarig übereinander und begrenzen seitlich den
eigentlichen Hinterrand des Körpers. Das obere Paar erweckt in
der Dorsal- und Ventralansicht fast den Eindruck eines kurzen,
verkümmerten Rumpfanhanges, dessen Eckfortsätze die mediane
Einbuchtung mit ihren stumpfen, ca. 500 u voneinander abgerückten
Spitzen nur wenig überragen. Die beiden der Bauchseite genäherten
Vorsprünge ragen noch weniger vor als die oben erwähnten oberen.
Sie sind abgestutzt und erscheinen in der Bauchansicht durch eine
mittlere Einbuchtung fast doppelkuppig. Auch von der Seite ge-
sehen bieten sie einen flach ausgeschnittenen Hinterrand dar. Jeder
dieser Fortsätze sendet eine lange, schwimmhaarähnliche Borste aus.
Dem stark erhöhten Rücken liegt eine fast flache Bauchfläche gegen-
über (Fig. 60, Taf. ID.
der Hydrachniden-Fauna des Bismarck-Archipels, 29
Augen. Die beiden großen, schwarzpigmentierten Doppelaugen
besitzen einen gegenseitigen Abstand von etwa 470u. Sie sind
am besten von der Seite wahrzunehmen (Fig. 60, Taf. II).
Palpen. Von den Palpengliedern ist das zweite am dicksten
und das vierte am längsten. Auf der Innenfläche des zweiten
Tastersegmentes bemerkt man drei bis vier Säbelborsten, von denen
die der Beugeseite näher stehenden hart an den Vorderrand des
Gliedes herangerückt sind. Das dritte Glied ist nur halb so lang
wie das vorletzte. Dieses behält bis zum freien Ende fast die
gleiche Dicke bei. Die distale Beugeseitenecke zeigt keine Ver-
breiterung. Am Vorderrande treten anscheinend drei feine Tast-
börstchen auf, an denen eine Knickung nicht festgestellt werden
konnte. Die Säbelborste besitzt mittlere Länge und ist nur wenig
gekrümmt. Das krallenförmige Endglied läuft in zwei ungleich
starke Spitzen aus. Uber die Beborstung der einzelnen Maxillar-
tasterglieder gibt die beigegebene Zeichnung genügend Auskunft.
Einzelne Borsten, z. B. die Innenborste des dritten Segmentes scheinen
zu fehlen, doch ist nicht ausgeschlossen, daß sie nur verloren ge-
gangen sind (Fig. 62, Taf. II]).
Hüftplatten. Das Epimeralgebiet bedeckt kaum die vordere
Hälfte der Bauchseite. Alle drei Gruppen sind durch ziemlich
breite Abstände voneinander geschieden. Die Vorderecken der
beiden ersten Plattenpaare springen wenig vor. Wie Arrh. matu-
pitensis Piersig entbehrt die lateral stark ausgezogene vierte Epimere
einer deutlich hervortretenden Hinterrandsecke. Sämtliche Platten
sind feinporös (Fig. 61, Taf. 6).
Füße. Die Beine sind kräftig entwickelt. Besondere Ab-
wechungen vom typischen Bau konnten nicht festgestellt werden.
Die Ausstattung mit Borsten und Schwimmhaaren ist die gewöhnliche.
Geschlechtshof. Mitten auf der Bauchfläche liegt die 160 u
lange Genitalöffnung, deren Lefzen zusammen eine länglichrunde,
abgeplattete Scheibe bilden (Querdurchmesser 145 u). Die Genital-
napfplatten, die vor der Genitalöffnung durch eine mediane Brücke
miteinander verbunden sind, ziehen sich zuerst schief nach hinten, um
schließlich bogenförmig nach außen umzubiegen. Sie besitzen eine
Breite von ca. 100 u. Mit ihren freien, abgerundeten Enden ragen sie
beinahe bis zur Mitte der Seitenfläche des Rumpfes empor. Die Genital-
näpfe kennzeichnen sich durch ihre winzige Größe (Fig. 61, Taf. III).
After. Die sogenannte Analöffnung liegt am Hinterende der
Bauchfläche. Ihre Lage konnte jedoch nicht genau festgestellt werden.
Fundort. Bismarck-Archipel (Neu-Pommern). In einem Tümpel
am Abhange des Kombien (Großmutter), 700m über dem Meere,
am 5. März 1897.
10. Oxus dahli n. sp.
Vorliegende Spezies liegt in einigen Exemplaren vor, die dem
weiblichen Geschlechte angehören. Wie die beiden andern bis
jetzt entdeckten exotischen Arten, O. stuhlmanni Koen. (Afrika)
30 Richard Piersig: Beiträge zur Kenntnis
und 0. ceylonicus Daday, weicht dieselbe in Bau und Ausrüstung
nur wenig von den typischen europäischen Formen ab. Am meisten
nähert sie sich dem O. tenuisetis Piersig, mit dem sie jedoch schon
der wesentlich geringeren Größe wegen nicht identifiziert werden darf.
Größe. Die Körperlänge beträgt etwa 1,28 mm, die größte
Breite — quer über dem Geschlechtsfelde — 0,86 mm und die
Höhe — am Hinterende des Epimeralgebietes — 0,88 mm.
Gestalt. Bei Rücken- oder Bauchlage erscheint der Körper
eiförmig (Taf. III, Fig. 61 u. 62). Die Rückenseite zeigt eine mäßige
Wölbung, etwa wie bei O. tenuisetis Piersig oder O. longisetus
Berlese. Der bis zum Genitalhof reichende vordere Teil der Bauch-
seite ist ziemlich abgeplattet, von da ab biegt die ventrale Körper-
fläche allmählich nach oben um, während der entsprechende Teil
der Rückenseite in gleicher Weise nach unten zu abfällt, sodaß das
hintere Körperende wie bei O. tenuisetis Piersig in breiter Rundung
abschließt (Fig. 65, Taf. II).
Färbung. Die Körperfarbe der konservierten Exemplare ist
ein schmutziges Bräunlichgelb, das auf Rücken und Bauch durch
einzelne dunklere Flecken verdrängt wird. Das durch die Körper-
haut hindurchschimmernde Malpighische Gefäß (früher Rückendrüse
oder auch Gabelstreifen genannt) besitzt einen weibßlich-gelblichen
Schein. Die Umgebung der Hautdrüsenmündungen und der Muskel-
ansatzstellen ist ebenfalls schwärzlich gefärbt. Die Epimeren, Beine
und Palpen haben einen bläulichen oder bräunlichen Anflug.
Haut. Die weiche Körperhaut weist eine mehr oder weniger
grobe Liniierung ihrer Oberfläche auf. Panzerbildungen sind nicht
vorhanden.
Capitulum. Die etwa 148—160 u lange Maxillarplatte hat
eine länglichrunde Gestalt. Uber die Größe und den Bau des Fort-
satzes am Hinterende des Maxillarorganes vermag ich keine be-
stimmten Angaben zu machen, da derselbe durch den stark chitini-
sierten Epimeralpanzer verdeckt wird.
Palpen. Die Maxillartaster sind sehr klein und wiederholen
im großen und ganzen den Bau, den wir bei den bekannten euro-
päischen Arten antreffen. Bemerkt sei, daß das nach vorn verjüngte,
winzige Endglied in drei übereinander gelagerte Zähnchen oder
Hornspitzen endigt. Es unterscheidet sich dadurch von dem ent-
sprechenden Gebilde bei O. tenuisetis Piersig und 0. stuhlmanni
Koen., das nur mit je zwei Endspitzchen ausgerüstet ist, während
man bei O. ceylonicus deren gar vier zählt. Das Längenverhältnis
des 1.—5. Gliedes (auf der Streckseite gemessen) ergibt folgende
Zahlenreihe: 12:17,5:15:21:5,5. Die Maxillartaster haben einen
minder reichen Haarbesatz als diejenigen von O. tenuisetis Piersig.
Das Grundglied trägt wie bei den anderen Oxusarten eine kurze,
kräftige, mäßig gekrümmte Dolchborste. Das nächste Glied besitzt
auf gleicher Seite außer einem langen, schwimmhaarähnlichen Ge-
bilde noch fünf Borsten, von denen die dem distalen Gliedende
genäherten reichlich halb so lang sind wie das Glied selbst. Auch
der Hydrachniden-Fauna des Bismarck- Archipels. 31
auf der Streckseite des dritten Segmentes machen sich einige Borsten
von verschiedener Länge bemerkbar. Die eine davon sitzt zusammen
mit einem kurzen Dorn am distalen Ende; sie ist fein wie ein
Schwimmhaar und übertrifft das dritte Glied an Länge. Wie man
sich an Figur 63 auf Tafel 1II überzeugen kann, zählt man an gleicher
Stelle bei O. tenuisetis Piersig fünf Haargebilde, von denen vier
sich durch ihre außerordentliche Länge auszeichnen. Das vierte
Glied trägt auf der Beugeseite ein feines halblanges Haar, während
die Streckseite mit einer Anzahl meist nach dem Vorderende ge-
rückten Borsten von geringer Dicke und einem langen Haare aus-
gestattet ist. Bei O. tenuisetis Piersig trifft man nur das letztere
an. Das Endglied läßt sowohl auf der Ober- und Unterseite wie
an den Seiten feine Börstchen wahrnehmen (Fig. 66, Taf. III).
Hüftplatten. Das Epimeralgebiet (Fig. 64, Taf. III) bildet einen
zusammenhängenden, kräftig chitinisierten Bauchpanzer, der nur
im vordern Teile einzelne Nähte aufweist, die erkennen lassen, dab
der Panzer aus einer Verschmelzung der Hüftplatten entstanden ist.
Derselbe zeigt der Gestalt nach große Übereinstimmung mit dem-
jenigen von OÖ. tenuisetis Piersig, doch erweist sich die mittlere
Einbuchtung des Hinterrandes, die zum Teil den Geschlechtshof in
sich aufnimmt, ein wenig tiefer als bei der Vergleichsart. Zu beiden
Seiten der Genitalbucht geht der Hinterrand in breiter Rundung in
die Seitenränder des Epimeralpanzers über. Wie O. stuhlmanni
Koen., ©. longisetus Berlese und O. tenuisetus Piersig besitzt die
vorliegende Art auf dem dem Maxillarorgane (Capitulum) benach-
barten Hüftplattenfortsatze zwei lange, stark gekrümmte Borsten,
die allem Anscheine nach durch besondere Feinheit sich auszeichnen.
Auch die andern Fortsätze tragen ein oder zwei mittellange, schwimm-
haarähnliche Borsten. Ferner gewahrt man jederseits hinter der
Maxillarbucht an der proximalen Seite der dort seitlich auftretenden
Naht, sowie auf der hinteren Hälfte des Bauchpanzers, dem Seiten-
rande mehr genähert als der Medianlinie der Bauchfläche, je eine
feine Pore mit einem feinen Haare. Auch an den Seitenflächen
des Rumpfes, sowie am hinteren Körperende treten feine Haargebilde
auf. An der zuletztgenannten Stelle sind sie von besonderer Länge
(160 u—192 u), eine Erscheinung, die uns auch bei O. tenuisetis
Piersig und O. longisetus Berl. entgegentritt.
Füße. Die Gliedmaßen nehmen vom ersten bis vierten Paare
an Länge zu. Das erste Bein mißt etwa 720 u, das zweite 868 u,
das dritte 988 « und das vierte 1092 uw. Bei den beiden vorderen
Fußpaaren übertrifft das vorletzte Glied das Endglied an Länge,
bei dem 4. Paare tritt der umgekehrte Fall ein, während das dritte
gleichlange fünfte und sechste Glieder besitzt. Dem Hinterfuß
mangelt auch hier die Doppelkralle, statt deren ist außer einer sehr
kurzen Dolchborste eine 128 » lange Endborste vorhanden, die im
Gegensatze zu derjenigen von O. tenuisetis Piersig keine Fiederung
erkennen läßt. Sie erreicht die reichliche Hälfte der Länge des
sechsten Fußgliedes (130 u), während sie bei der Vergleichsart
32 Richard Piersig: Beiträge zur Kenntnis
merkbar hinter der halben Länge des Endgliedes zurückbleibt (105 u).
Neben den schon erwähnten Borsten, die das Ende des sechsten
Beingliedes einnehmen, bemerkt man noch zwei kurze Dornborsten
auf der Streckseite unweit der Spitze und drei dergleichen auf der
distalen Hälfte der Beugeseite (Taf. III, Fig. 67). Die neue Form
besitzt wie O. ovalis (Müll.) und andere Arten am 5. Gliede der
drei letzten Beinpaare ein dünnes Büschel langer Schwimmhaare.
Im übrigen sind die Glieder sämtlicher Füße, zumal an den distalen
Enden mit mehr oder weniger langen und kräftigen Säbelborsten
besetzt, deren Entwickelung jedoch hinter derjenigen bei den be-
kannten europäischen unverkennbar zurücksteht. Die doppelte
Fußkralle der drei ersten Beinpaare zeigt eine sichelförmige
Krümmung. Ihr Haupthaken trägt allem Anscheine nach sowohl
auf der konkaven als auch auf der konvexen Seite je einen feinen
und schwachen Nebenzahn.
Geschlechtshof. Das äußere Sexualorgan liegt nur teilweise
(ein reichliches Drittel) in jener flachen, vom Hinterrande des Epi-
meralgebietes gebildeten, medianen Einbuchtung. Es ist deutlich
vom Bauchpanzer abgerückt. Die etwa 160 u lange Genitalöffnung
wird seitlich von zwei beweglichen Chitinklappen überwölbt, die
am Außenrande eingelenkt sind. Sowohl der Innen- als auch der
Außenrand derselben weist eine Längsreihe feiner Härchen auf.
Die die Geschlechtsspalte verschließenden Lefzen tragen je drei
länglichrunde, hintereinander gestellte Genitalnäpfe, von denen der
größte ca. 48 u lang und 10 « breit ist (Taf. III, Fig. 64).
After. Die sogenannte Analöffnung liegt 160 w weit hinter
dem Genitalhofe mitten auf der hintern Bauchfläche.
Fundort. Bismarck -Archipel (Neu-Pommern): Tümpel bei Ma-
tupi; den 5. März 1897.
Erklärung der Abbildungen.
Tafel I.
Arrhenurus dahli Piersig.
Fig. 1. Rückenansicht des d. Vergr. 50:1.
Fig. 2. Seitenansicht des $. Vergr. 50:1.
Fig. 3. Maxillartaster des &. Vergr. 265:1.
Fig. 4. Bauchansicht des. Vergr. 50:1.
Fig. 5. Rückenansicht des 9. Vergr. 52:1.
Fig. 6. Bauchansicht desQ. Vergr. 52:1.
Arrhenurus laticodulus Piersig.
Fig. 7. Rückenansicht des &. Vergr. 30:1.
Fig. 8. Bauchansicht des d. Vergr. 30:1.
Fig. 9. Rückenansicht des Z' schief von hinten. Vergr. 30:1.
der Hydrachniden-Fauna des Bismarek-Archipels.
Arrhenurus laticodulus Piersig.
Seitenansicht des &. Vergr. 32:1.
Maxillartaster des 9. Vergr. 130:1.
Stirnansicht des g. Vergr. 32:1.
Hinterfuß des d. Vergr. 80:1.
Arrhenurus latipetiolatus Piersig.
Seitenansicht des d. Vergr. 36:1.
Rückenansicht des &. Vergr. 36:1.
Bauchansicht des g'. Vergr. 36:1.
Körperanhang und Petiolus von unten gesehen. Vergr. 60:1.
Maxillartaster des &. Vergr. 110:1.
Hinterfuß des $. Vergr. 80:1.
Arrhenurus coeluripes n.Sp.
Rückenansicht der Nymphe. Vergr. 60:1.
Bauchansicht der Nymphe. Vergr. 60:1.
Arrhenurus altipetiolatus Piersig.
Stirnansicht des Z. Vergr. 30:1.
Dorsales Höckerpaar und hyalines Häutchen am Hinterrande des An-
hanges ($). Vergr. 62:1.
Petiolus, von unten gesehen. Vergr. 110:1.
Petiolus, von oben gesehen. Vergr. 110:1.
Petiolus, von der Seite gesehen. Vergr. 105:1,
Maxillartaster des $. Vergr. 115:1.
Gekniete Tastborste am Vorderrande des vierten Tastergliedes.
Tafel II.
Bauchansicht des g\. Vergr. 27:1.
Hinterfuß des d. Vergr. 62:1.
Seitenansicht des g'. Vergr. 27:1.
Arrhenurus quadricaudatus n. Sp.
Rückenansicht des Q. Vergr. 25:1.
Seitenansicht des Q. Vergr. 25:1.
Bauchansicht des 2. Vergr. 25:1.
Maxillartaster des 9. Vergr. 115:1.
Arrhenurus bicornutus Piersig.
Rückenansicht des 9. Vergr. 35:1.
Seitenansicht des g'. Vergr. 35:1.
Seitenansicht des J. Vergr. 35:1.
Maxillartaster des 9. Vergr. 160:1.
Bauchansicht des ' (schief von vorn). Vergr. 35:1.
Drittes männliches Bein. Vergr. 75:1.
Viertes männliches Bein. Vergr. 75:1.
Stirnansicht des J. Vergr. 35:1.
Stirnansicht des & (etwas schief von oben). Vergr. 35:1.
:h. f. Naturgesch. Jahrg. 1904. Bd.I. H, 1,
3
34 Richard Piersig.
Fig. 45. Rückenansicht des 2. Vergr. 28:1.
Fig. 46. Rückenansicht des Q (etwas schief von hinten). Vergr. 28:1.
Fig. 47. Bauchansicht des 9. Vergr. 28:1.
Fig. 48. Seitenansicht des 9. Vergr. 28:1.
Arrhenurus lohmanni Piersig.
Fig. 49. Rückenansicht des 1 (schief von oben und hinten). Vergr. 45:1.
Fig. 50. Seitenansicht des J. Vergr. 45:1.
Tafel III.
Fig. 51. Maxillartaster des &. Vergr. 115:1.
Fig. 52. Bauchansicht des & (schief von unten und vorn). Vergr. 45:1.
Fig. 53. Hintere Hüftplattengruppen und Geschlechtsfeld des g. Vergr. 52:1.
Arrhenurus matupitensis n. SP.
Fig. 54. Rückenansicht des 2. Vergr. 25:1.
Fig. 55. Seitenansicht des 9. Vergr. 25:1.
Fig. 56. Maxillartaster des 2. Vergr. 130:1.
Fig. 57. Bauchansicht des 2 (schief von oben und vorn). Vergr. 25:1.
Arrhenurus lohmanni Piersig.
Fig. 58. Stimansicht des J. Vergr. 45:1.
Arrhenurus quadricornutus n. Sp.
Fig. 59. Rückenansicht des 2. Vergr. 30:1.
Fig. 60. Seitenansicht des 2. Vergr. 30:1.
Fig. 61. Bauchansicht des 9. Vergr. 30:1.
Fig. 62. Maxillartaster des 9. Vergr. 125:1.
Oxus dahli n. sp.
Fig. 63. Rückenansicht des 9. Vergr. 28:1.
Fig. 64. Bauchansicht des Q. Vergr. 28:1.
Fig. 65. Seitenansicht des 9. Vergr. 28:1.
Fig. 66. Maxillartaster des Q. Vergr. 228:1.
Fig. 67. Viertes Bein des 2. Vergr. 76:1.
Oxus tenuisetis Piersig.
Fig. 68. Maxillartaster der 2. Vergr. 250:1.
Chrysomeliden und Coceinelliden
aus Afrika.
Beschrieben von JS‘ Weise.
Herr Professor Dr. G. Hauser in Erlangen sandte mir die
Tiere seiner Sammlung aus obigen Familien zur Durchsicht und es
fanden sich darunter eine Anzahl interessanter Arten, die nach-
folgend behandelt sind. Sie stammen zum größten Teile aus Britisch
Öst-Afrika und wurden bei Mbungu, nicht weit nordwestlich von
Mombassa, und von den Missionaren Säuberlich und Hofmann bei
Ikuta und Kitui in Ukamba, ungefähr in der Mitte zwischen dem
Kenia und Kilimandjaro, gefangen.
Chrysomelidae.
Diapromorpha Hauseri: Conico cylindrica, nigra, subtus dense
argenteo-sericea, antennis articulis quingue primis, tibiis tarsisque
testaceis, prothorace fulvo, nitidissimo, sublaevi, nigro-marginato,
maculis quinque nigris, elytris stramineis, nitidis, postice sublaevibus,
antice sat crebre subtiliter punctatis, singulo maculis binis ante
medium fasciaque pone medium nigris. — Long. lO mm. Kitui.
Kopf schwarz, dicht und fein punktiert und grau behaart, das
Kopfschild kahl, Oberlippe vorn pechbraun, Taster und die ersten
fünf Fühlerglieder rötlich gelbbraun, das vierte Fühlerglied schwach,
die folgenden stark erweitert. Thorax nach vorn ziemlich stark
und fast gradlinig verengt, lebhaft bräunlich rot, wie poliert glänzend,
nur mit einigen deutlichen Punkten in dem Quereindrucke vor dem
Schildchen, der Vorder- und Hinterrand schmal, der Seitenrand
sehr fein schwarz gesäumt, drei Makeln am Hinterrande (die mittlere
klein, strichförmig, die seitlichen groß, dreieckig), sowie eine kleine
Quermakel jederseits neben der Mittellinie vor der Mitte schwarz.
Schildehen schwarz, sparsam punktuliert. Fld. in den Schultern am
breitesten, dahinter allmählich verengt, hinten mäßig breit gerundet-
abgestutzt, hell bräunlich gelb, an der Spitze gelbbraun, glänzend,
mäßig dicht punktiert, die Punkte vorn ziemlich fein, im letzten
Drittel fast erloschen, über dem Seitenrande ein fast glatter, in der
Nähe der Schulter breiter, dahinter schmaler Längsstreifen, der
3*
36 J. Weise: Chrysomeliden
innen von einer ziemlich regelmäßigen Punktreihe begrenzt wird.
Jede Decke hat vor der Mitte zwei schwarze Makeln, eine an der
Basis, über den Schulterhöcker, länglich, die andere kleiner, ge-
rundet, kaum in !/; der Länge, wenig näher der Schultermakel als
der Naht; hinter der Mitte eine breite, schwarze Querbinde. Diese
berührt den Aussen- und Nahtrand und scheint aus zwei großen
Makeln zusammengesetzt, von denen die innere quer, die äußere
schräg nach vorn und außen gerichtet ist. Außerdem läuft ein
feiner Saum von !/,; der Länge an der Naht um den Hinterrand
bis zur Mitte des Seitenrandes. Däs Pygidium, die Unterseite und
Beine sind schwarz, sehr dicht silberweiß schimmernd behaart,
die Schienen und Tarsen rötlich gelbbraun, Klauen schwarz.
Dieses Tier, das etwas breiter und kürzer als haemorrhagica
Gerst. gebaut ist, erinnert in der Färbung der Oberseite etwas an
manche Peploptera-Arten.
Diapromorpha trizonata Fairm., Ann. Fr. 1887. 348 ist zwar
als 10°—1l mm lang angegeben, trotzdem halte ich für identisch
damit D. tigrina Jac., Transact. 1901. 220, deren Länge nur
8—10 mm beträgt.
Tituboea Hiüldebrandti Harold. Monatsber. Akad. Wiss. Berlin
1880. 267 (sub Melitonoma) liegt mir von Ikuta und Kitui vor.
Sie ist mit Tit. confusa Gerst. äußerst nahe verwandt, durch-
schnittlich kleiner als diese und durch die deutliche Punktierung
des Kopfes (nur der Scheitel über dem bogenförmigen Quereindrucke
der Stirn glatt), sowie an der schwarzen Makel in der Spitze jeder
Fld. zu unterscheiden. Wenn in confusa die Spitze schwarz gefärbt
ist, bildet diese dunkle Farbe nie eine Makel, sondern einen Saum.
Die Überzeugung, daß beides gute Arten sind, trotzdem sie sich
äusserlich nur durch untergeordnete Merkmale und schwierig unter-
scheiden lassen, gewinnt man erst bei Ansicht des Penis. Bei
confusa verengt sich derselbe hinter der Mitte ganz allmählich in
eine schmale, leicht abgestutzte und etwas nach unten gebogene
Spitze, bei Heöldebrandti ist er bis hinten hin breit und verengt sich
dann in einem starken Bogen jederseits schnell in eine etwas ab-
gesetzte kleine, grade und scharfe Spitze. Kopf, Unterseite und
Beine sind schwarz, die Schienen in der Basalhälfte oder noch
weiter rötlich gelbbraun. Beim J' ist Kopf und Thorax grösser als
beim 2, und die Vorderbeine sind sehr verlängert... Vorderschienen
leicht gebogen, ihr erstes Tarsenglied halb so lang als die Schiene.
Aus diesem Grunde gehört die Art zu Tituboea« und nicht zu
Melitonoma.
In der Färbung der Fld. gibt es folgende Abänderungen: a.
alle 6 Makeln jeder Fld. (1, 2, 2, 1) frei; b. Makel 4 und 5 zu
einer Querbinde vereint; c. außerdem Makel 2 und 3 zu einer ähn-
lichen Binde; d. die Spitzenmakel ist durch einen Saum an der
Naht und am Seitenrande mit der hinteren Querbinde vereint.
und Coceinelliden aus Afrika. 37
Melitonoma galla Gestro, Ann. Mus Civ. Gen. 1895. 435, wurde
auch bei Ikuta in Mehrzahl gefangen; bei allen Stücken ist die
große, schwarze Makel, die der Autor an der Basis des Halsschildes
jederseits angibt, in 2 kleine, vor der Basis neben einander liegende
Punkte aufgelöst, außerdem stehen 3 bis 4 ähnliche, zuweilen ver-
loschene Punkte in einem großen Bogen davor.
Cryptocephalus pygidialis: Testaceo-Havus, nitidus, mandibulis
antennarumque articulis sex ultimis piceis, prothorace subpolito,
maculis tribus oblongis parvis nigris, elytris striato-punctatis postice
sublaevibus, singulo maculis quatuor parvis nigris (2,2), pygidio
longitudinaliter sulcato. — Long. 6,5—7 mm. Ikuta.
In die Nähe von Cr. cafer Suffr. zu stellen. Strohgelb mit
einer blassen rotbräunlichen Beimischung, die nur hinter der Mitte
der Fld. fehlt. Kopf fast glatt, Stirn eben, im oberen Teile eine
ziemlich kurze, aber breite und tiefe Längsrinne; die Mandibeln
und die 6 letzten Fühlerglieder pechschwarz. Halssch. fast glatt,
oder nur scheinbar (unter starker Vergrößerung) punktirt, indem
zahlreiche punktähnliche dunkle Fleckchen durchschimmern, 3 kleine,
längliche Makeln schwarz. Letztere bilden eine Querreihe in der
Mitte, die mtttelste ist sehr schmal oval, bei einem Exemplar zu-
fällig strichförmig nach hinten bis in die Nähe der Basis verlängert,
jederseits davon liegt fast in gleicher Entfernung von der Mittel-
makel und dem Seitenrande eine kurze, strichförmige, leicht nach
innen gebogene Längsmakel. Schildchen glatt, an der Basis und
Spitze schwarz gesäumt. Fld. ziemlich parallel, mit regelmäßigen,
ziemlich feinen Punktreihen, die vor der Spitze fast erlöschen.
Jede Decke hat vier punktförmige Makeln und die äußere Hälfte
der Epipleuren schwarz. Die erste Makel ist sehr klein, gerundet,
und liest in der Mitte zwischen Naht und Schulterbeule, etwas näher
der Basis als der Naht; Makel 2 ist länglich und befindet sich dicht
hinter der Basis (ziemlich um die ganze Länge weiter vorgerückt
als 1) auf dem Schulterhöcker; Makel 3 und 4 liegen unmittelbar
hinter der Mitte in einer wenig nach vorn gebogenen Querreihe,
und sind etwas breiter als lang, 3, zwischen der ersten und dritten
Punktreihe, bildet einen schwachen Querbogen, 4, zwischen der
sechsten und achten Punktreihe, ist ziemlich gerundet. Das Pygi-
dium ist dicht runzelig punktiert und hat eine tiefe und breite, nach
unten etwas verbreiterte Längsfurche in der Mitte. Es wäre denkbar,
daß diese Furche dem mir unbekannten g fehlt, da sie zur Ein-
lagerung des Penis dienen könnte. Der Vorderrand des Prosternum
ist niedrig, an den Beinen sind nur die Klauen gebräunt.
Cryptocephalus Hofmanni: Testaceo-rufus, ore, antennis (basi
excepta) tarsisque fuscis aut piceis, prothorace in disco fortius lon-
gitudinaliter strigoso, scutello nigro, elytris punctato-striatis, stra-
mineis, sutura anguste vittaque submedia ante apicem cum sutura
connexa nigris. — Long. 3,8 mm. Ikuta.
38 J. Weise: Chrysomeliden
Gehört mit Cr. araticollis Chap., natalensis und sinwato-vittatus
Jac. in eine Gruppe, die sich durch die auch beim 2 leicht ge-
bogenen und innen erweiterten Vorderschienen, sowie die starke
Längsstreifung des Halsschildes auszeichnet.
Unterseite und Beine rötlich gelbbraun, Tarsen angedunkelt,
Kopf und Halsschild lebhaft rostrot, der Mund und die Fühler vom
fünften Gliede ab schwärzlich. Stirn unregelmäßig, ziemlich dicht
punktiert, oben sehr schmal, mit einem nach unten allmählich ver-
breiterten Längseindrucke mit feinen leistenförmigen Seitenrändern.
Thorax mit einem weiten Quereindrucke vor der Basis, dicht und
sehr stark längs gestrichelt, seidenartig glänzend, auf einem breiten
Streifen am Seitenrande fast glatt. Schildchen gestreckt, schwarz,
glatt. Fld. strohgelb, ein feiner Saum an der Naht, ein breiterer
an der Basis und eine Längsbinde auf jeder Decke schwarz. Diese
Binde nimmt den Raum zwischen dem vierten und achten Punkt-
streifen ein und krümmt sich an der hinteren Außenecke, dem Hinter-
rande ziemlich parallel nach innen bis an die Naht. Die Scheibe
ist regelmäßig punktiert-gestreift, die Streifen vorn und vor der
Spitze mäßig tief, dazwischen sehr flach. Die abgekürzte Punkt-
reihe verschwindet erst hinter der Mitte. Das Pygidium ist bräun-
lich gelb, ziemlich dicht, fein und etwas runzelig punktiert, die Ei-
grube des 2 sehr groß und tief. Die hübsche Art widme ich dem
Missionar Herrn Hofmann in Anerkennung seiner Verdienste um
die Kenntnis der ostafrikanischen Insektenwelt.
Öryptocephalus uhehensis: Niger, ore (mandibulis exceptis), an-
tennis basi pedibusque rufo-testaceis, femoribus nigro-annulatis, fascia
frontis, limbo sublaterali et apicali maculisque tribus prothoraeis
flavis, elytris minus regulariter seriatim punctatis, rufo-flavis, fasciis
binis communibus abbreviatis nigris, antica valde flexuosa, pygidio
apice late testaceo-flavo limbato. — Long. 6 mm. Uhehe.
Von dem ähnlichen Cr. 4-lunulatus Suffr. sofort durch die
ziemlich starken und nicht regelmäßigen Punktreihen der Fld. zu
unterscheiden. Kopf schwarz, Oberlippe, Kopfschild, Taster und
die fünf ersten Fühlerglieder rötlich gelbbraun, eine ziemlich schmale
Querbinde über der Fühlerwurzel weiblich gelb; oder die Stirn oben
schwarz, unten rötlich gelbbraun, eine schwache Beule über jeder
Fühlerwurzel schwarz. Halsschild fast glatt, schwarz, ein Saum
am Vorder- und Seitenrande, ersterer in der Mitte strichförmig nach
hinten verlängert und jederseits in leichtem Bogen erweitert, letzterer
nahe der Mitte winkelig erweitert, sowie 3 Makeln in einer Quer-
reihe weißlich gelb, eine in der Mitte, vor dem Schildchen, lang-
gestreckt, die seitlichen kleiner, gerundet, vom Hinterrande entfernter.
Der abgesetzte Rand am Seiten- und Vorderrande ist schwarz.
Schildchen schwarz, glatt. Fld. fast parallel, hinter der Schulter
etwas zusammengedrückt, in Reihen punktiert, deren Punkte nicht
genau hinter einander stehen, auch zum Teil verdoppelt sind. Die
Zwischenstreifen sind vorn glatt, hinter der Mitte sparsam gerunzelt
und Coceinelliden aus Atrika. 39
und dicht, äußerst fein punktuliertt. Die Decken sind hell rötlich
gelb, mit zwei schwarzen Querbinden, die außen bis zur letzten,
etwas vertieften Punktreihe reichen. Die erste liegt vor der Mitte,
ist mäßig breit, vorn jederseits in eine lange, schiefe Spitze ver-
längert, außen winkelig gebogen und über den Schulterhöcker bis
zur Basis ausgezogen; die zweite, hinter der Mitte, ist aus drei der
Quere nach schmal verbundenen Makeln zusammengesetzt, eine ge-
meinschaftlich, die andre seitwärts davon. Die Naht ist von der
ersten Querbinde an bis zur Spitze schwarz gesäumt, die innere
Kante der Epipleuren ist angedunkelt, das Pygidium hat einen breiten
bräunlich gelben Spitzensaum. Brust und Bauch einfarbig schwarz.
Coenobius Hauseri: Niger, nitidus, antennis piceis articulis quin-
que primis pedibusque laete testaceis, prothorace laevi utrinque ad
latera oblique impresso, basi dense crenulato, stria transversa punc-
tata basali nulla, elytris obscure cyaneis, punctato-striatis, inter-
stitiis convexiusculis, sublaevibus. — Long. 2 mm. Ikuta.
Das spiegelglatte Halsschild besitzt nur eine starke Punktreihe
im abgesetzten Seitenrande, einen mäßig tiefen Schrägeindruck über
der Mitte desselben und einen dicht gezähnelten Hinterrand. Vor
diesem fehlt der leistenförmige Rand, der den meisten übrigen Arten
eigen ist, und auch die punktierte Querrinne davor. Der Mittel-
lappen ist sehr kurz, stumpfwinkelig. Der unbedeckte Teil des
Schildchens ist doppelt so lang als breit. Fld. schwärzlich korn-
blumenblau, punktiert gestreift, die beiden äußeren Streifen tiefer
als die inneren, von diesen der fünfte mit dem sechsten hinter der
Mitte vereinigt. Pygidium ziemlich dicht runzelig-punktirt.
Phaseus bicolor: Oblongus, testaceus, nitidus, antennis apicem
versus infuscatis, capite prothoraceque sublaevibus, elytris pallidi-
oribus subtiliter punctato-striatis, latera versus inordinatim punctu-
latis, pectore abdomineque nigris. — Long. 3,6 mm. Ikuta.
Oberseits ähnlich gefärbt als Ph. fulvus Lef., nämlich Kopf,
Thorax und Schildchen blaß gelblich rot, die Fld. beinahe strohgelb,
ähnlich auch die Beine, Taster und die ersten vier Fühlerglieder,
während die folgenden Glieder, die eine Spur stärker sind als die
vorhergehenden, leicht angedunkelt sind, das fünfte bis siebente
Glied nur an der Spitze, die übrigen meist gänzlich. Prosternum,
Mittel- und Hinterbrust nebst dem Bauche schwarz. Stirn und
Halsschild fast glatt, Schildchen glatt, Fld. hinter der Schulterbeule
nicht eingedrückt, innen mit 5 feinen Punktreihen, die vor der
Mitte in schwachen Streifen stehen, außen ziemlich unregelmäßig
und sehr fein punktiert. Die Brust ist nur äußerst fein und ver-
loschen gewirkt, der Bauch ziemlich dicht, fein und etwas runzelig
punktiert.
Colasposoma blandum: Oblongo-ovatum, aeneum, labro anten-
nisque ferrugineis, his articulis quinque ultimis pedibusque piceorufis,
40 J. Weise: Chrysomeliden
femoribus aeneo-viridi-micantibus, capite prothoraceque confertissime
subtiliter ruguloso-punctatis, subopacis, elytris sat crebre punctatis,
pone medium juxta marginem lateralem et suturam punctato-striatis.
— Long. 5—5,5 mm. Ikuta.
Femina: elytris in disco exteriore rugoso-punctatis costa humerali
apice abbreviata instructis.
Kleiner, namentlich schlanker gebaut als swlcostatum Gerst.,
und von diesem außerdem leicht durch die äußerst dichte und sehr
feine runzelige Punktierung des Kopfes und Halsschildes zu trennen.
welche diese Körperteile fast matt erscheinen läßt. Bei subcostatum
trägt jeder Punkt des Thorax ein äußerst kurzes, weißes Härchen,
kaum länger als der Punkt selbst, in der vorliegenden Art ist der
Kopf und das Halsschild wenigstens an den Seiten ziemlich dicht
behaart, die Härchen sind anliegend, nicht besonders kurz, aber
sehr zart, so daß sie nur bei stärkerer Vergrößerung zu bemerken
sind. Das Schildchen ist kahl, in der vorderen Hälfte fein punktiert.
Die Fld. sind verworren punktiert, aber hinter der Mitte, sowohl
an der Naht, wie am Außenrande, mit drei Punktstreifen versehen,
deren Zwischenstreifen etwas gewölbt sind. Beim 2 setzt sich der
Eindruck, welcher die Schulterbeule innen begrenzt, etwas abgeflacht
bis vor die Spitze fort und hebt dadurch nach außen eine schwache,
niedrige Längsrippe empor, welche durch stärkere Punkte zerrissen
ist. Der Raum darüber, ungefähr bis zur Mitte der Scheibe, ist
quer gerunzelt. Hinter der Basis liest ein sehr schwacher Quer-
eindruck. Die Vorderschenkel sind einfach, ohne Andeutung eines
Zahnes, die Vorderbeine des g' wenig länger als beim 2, aber etwas
stärker. Der Körper ist dunkel metallisch gefärbt, grünlich, alle
Zwischenräume der Punkte kupferig gefleckt, diese Flecke jedoch
so klein, daß dadurch kein wesentlicher Kupferschimmer' entsteht.
Die 6 ersten Fühlerglieder sind (wie die Oberlippe) hell rostrot, die
5 erweiterten Endglieder dunkel, Beine sehr dunkel rotbraun, die
Schenkel stark metallisch grün überzogen.
Colasposoma tumidulum: Subeylindrieum, nigrum, minus dense
subtilissimeque einereo-pubescens, antennis elongatis piceis, protho-
race tumidulo, sat erebre subtiliter punctato, nitidulo, linea media
longitudinali impresso, elytris fortiter punctatis et transversim rugosis.
— Long. 6,5—7 mm. Nyassa.
Diese Art steht sowohl dem C. inconstans Har., als auch dem
melancholicum Jac. nahe, von ersterem weicht sie sicher durch die
Behaarung der Oberseite und die einfachen Vorderschenkel, von
letzterem durch lange Fühler, die verhältnismäßig feine, nicht
runzelige Punktierung des Thorax und die starke Punktierung und
Runzelung der Fld. ab. Einfarbig schwarz, nur die schlanken, bis
hinter die Mitte der Fld. reichenden Fühler pechschwarz, die ersten
5 oder 6 Glieder an der äußersten Spitze rötlich. Kopf fast matt,
dicht und sehr fein punktiert, mit tiefer Mittelrinne, der Scheitel
fein längs gerunzelt. Halssch. kaum doppelt so breit wie lang,
und Coceinelliden aus Afrika. 41
kissenartig gewölbt, mäßig dicht und fein punktiert, glänzender als
die Fld., von einer breiten, aber wenig tiefen Längslinie halbiert.
Schildehen mit Ausnahme der Ränder punktiert und wenig dicht sehr
fein und kurz weißlich behaart, wie die übrigen Teile der Oberseite.
‚Fld. an der Basis schwach heraustretend, dann fast parallel, kräftig
punktiert. Die Punkte stehen in unregelmäßigen Querfurchen, welche
durch ziemlich lange, feine, leistenförmige Streifen getrennt werden.
Es liegt mir nur das J'’ vor; bei ihm sind die Beine sehr kräftig,
die Tarsen, besonders das erste Glied der Vordertarsen erweitert.
Colasp. curvipes Jac. ist eine häufige, nördlich bis Abyssinien
verbreitete Art von sehr variierender Färbung. Durch H. Prof. Hauser
erhielt ich auch oberseits einfarbig schwarzblaue Stücke von Ikuta.
Euryope Säuberlichi: Nigra, labro, fronte, prothorace elytrisque
dilute ferrugineis, his subtilissime alutaceis, subtiliter punctatis,
opacis. — Long. 8,5—9,5 mm. Ikuta. Luitpoldkette.
Kleiner, kürzer gebaut als Batesi Jac., oberseits viel blasser
gefärbt und die Flgd. matt, ohne deutlichen Quereindruck, daher
an der Basis nicht beulenförmig, sondern mit den hinteren Teilen
in einer Flucht gewölbt. Kopf und Halsschild sind äußerst zart
gewirkt, glänzend, rostrot, ersterer am Seitenrande unterhalb der
Augen schwarz, ebenso die Fühler, Mandibeln und Taster. Stirn
gewölbt, mäßig dicht, fein punktuliert, das Kopfschild zuweilen
vertieft, gewöhnlich nicht merklich abgesetzt, aber die obere Spitze
desselben fast immer durch ein Grübchen bezeichnet. Thorax quer-
über gewölbt, doppelt so breit als lang, oder noch breiter, die
Seiten fast gradlinig, nach vorn allmählich schwach divergierend,
Vorderecken spitzwinkelig und wenig nach außen tretend, die Ober-
fläche fein punktuliert, mit einem Quereindrucke dicht hinter der
Mitte jederseits, der schwächer ist wie bei den meisten anderen
Arten. Schildchen schwarz, glänzend, vorn punktuliert. Fld. etwas
heller und mehr gelblich rot gefärbt wie der Thorax, matt, fein
und sehr seicht punktiert, die Schulterbeule etwas glänzender, hinter
ihr zuweilen die Andeutung einer kurzen Längsleiste. Unterseite,
mit Ausnahme der Seitenstücke der Vorderbrust und der Epipleuren,
tief schwarz, äußerst fein und kurz grau behaart, fein, dicht punktiert,
ein Längsstreifen in der Mitte des letzten Bauchringes kahl und glatt.
Diese Art erlaube ich mir, dem Missionar Herrn Säuberlich
zu widmen, der sich große Verdienste um die Erforschung des
Insektenlebens in Britisch Ostafrika erworben hat.
Amblynetes gen. nov.
Corpus oblongo-ovatum, convexum, aterrimum, supra opacum,
subtus parum nitidulum. Antennae dimidio corporis longiores,
erassiusculis, articulo secundo et tertio tenuibus, ıllo brevi. Pro-
thorax parum transversus, subeylindicus, lateribus leviter rotundatis
et marginatis. Pedes sat validi, femoribus dentatis, tibiis quatuor
43 J. Weise: Chrysomeliden
postieis emarginatis. Episternum prothoracis margine antico-interno
elevato et a margine prosterni evidenter separato.
Neben Syagrus gehörig und ungefähr von der Größe des
S. calcaratus F. aber breiter als dieser gebaut, schwarz, durch eine
äußerst dichte und feine Runzelung matt, auf der Unterseite,
namentlich die Mitte der Brust und die Schenkel, etwas glänzender.
Die Fühler reichen über die Mitte der Fld. hinaus und sind kräftiger
wie in Syagrus gebaut, Glied 1 dick, kaum um die Hälfte länger
als breit, 2 kurz, 3 fast doppelt so lang als 2 und wie dieses dünn,
die folgenden Glieder etwas zusammengedrückt, wenigstens so breit
als das erste Glied, jedes einzelne nach dor Spitze hin etwas
erweitert, 4 bis 7 unter sich von gleicher Länge, 8 bis 10 eine
Spur kürzer und dünner als die vorhergehenden, das Endglied
wieder etwas länger, zugespitzt. Die drei ersten Glieder sind
glänzend, die übrigen matt. Die Flügeld. haben außer der ab-
gekürzten Reihe am Schildchen noch je 12 regelmäßige feine Punkt-
reihen, in denen die Punkte sehr dicht hinter einander stehen. Die
Beine sind ähnlich wie in Syagrus, die Schienen aber an der Spitze
etwas dicker.
Amblynetes morio: Aterrimus, creberrime subtilissimeque rugu-
losus, opacus, antennis articulis tribus primis fulvis, clypeo crebre
fronteque minus crebre punctatis, prothorace subtiliter varioloso-
punctato, elytris striato-punctatis. — Long. 6,5—7 mm. Ikuta.
Kopfschild groß, eben, quer, viereckig, dicht, etwas runzelig
punktiert, oben kaum abgesetzt, die Stirn leicht gewölbt, sparsamer
punktiert, mit verloschener Mittelrinne, neben dem oberen Augen-
rande ein schwacher Eindruck. Augen ziemlich tief ausgerandet.
Halsschild fein blatternarbig punktiert, Schildchen fast ohne Punkte.
Die Fld. haben eine kleine, hohe Schulterbeule und hinter dieser
keinen merklichen Eindruck. Die Klauen sind gespalten, ihr innerer
Teil kürzer als der äußere.
Ceralces occidentalis: Oblongo-ovatus, convexus, fulvus, nitidus,
antennis articulis ultimis nigris, prothorace elytrisque sat dense
punctatis, his epipleuris eiliatis. — Long. 9—10 mm. Togo:
Amedzowe,
Diese Art kann leicht mit /’seudomela ferruginipes Ws. von
der Guinea-Küste verwechselt werden, da sie ihr im Habitus, der
Farbe und Skulptur außerordentlich gleicht, aber ihre Nahtkante
ist kahl, nur die Epipleuren der Fld. sind bewimpert; zu Ceralces
ferrugineus Gerst. wird sie von niemand gestellt werden, da das
kleinere Halsschild, stärker heraustretende Schultern der Fld., mit
höherer Schulterbeule einen abweichenden Körperumriß bedingen,
die dichtere Punktierung der Oberseite und die rot gefärbten Beine
weitere leicht wahrnehmbare Unterschiede abgeben; Cer. affınis Ws.
endlich ist bedeutend kleiner und von mehr elliptischem Umrib.
und Coceinelliden aus Afrika. 43
. Lang-eiförmig, hoch gewölbt, etwas cylindrisch, glänzend und
gesättigt bräunlich rot oder fuchsrot, das fünfte und sechste Fühler-
glied etwas dunkler als die vorhergehenden, das siebente pechbraun
bis schwarz, die vier folgenden tief schwarz. Kopf zerstreut, bald sehr
fein, bald stärker punktiert, Kopfschild sehr kurz und breit, von der
Stirn durch einen leicht gebogenen Quereindruck deutlich abgesetzt,
Taster bräunlich rot, Mandibeln dunkler. Thorax doppelt so breit
als lang, von den Hinterecken bis vor die Mitte fast gleichbreit,
davor leicht verschmälert, die Scheibe mäßig dicht punktiert, über
dem Seitenrande etwas dichter und stärker. Schildchen fast glatt,
dunkel durchscheinend umrandet. Fld. in den Schultern kräftig
heraustretend, nach hinten etwas erweitert, hinter dem Schulter-
höcker deutlich zusammengedrückt, ähnlich wie der Thorax, nur
eine Spur flacher punktiert.
Chrysomela L.
Bisher sind aus Deutsch Ost-Afrika nur folgende Arten bekannt
geworden:
1. Chrysom. metallica Deg. M&m. VII. 1778. 661 t. 49 fig. 12.
— Long. 7,5—10,5 mm. Der brcolar F. ähnlich, oben dunkel
metallisch grünlich, mit schwachem Kupfer- oder Messingschimmer,
die 8 äußeren Punktreihen der Fld. zu vier unregelmäßigen Doppel-
reihen geordnet, in denen die groben, dunkel kupferroten Punkte
sehr weitläufig und unregelmäßig gestellt sind. Ostküste des Nyassa
bis zum Südufer des Tanganyika häufig.
2. Chrysom. opulenta Reiche Voy. Abyss. III. 1850 p. 405. —
Reichei Vogel 1871. — ponderosa Gerst. 1873. — sansibarica Harold
1880. — Long. ”7—11 mm. Eine äußerst veränderliche Art, welche
sich nur langsam auszufärben scheint. Die frischen Stücke sind
rotbraun, Kopf und Halsschild an den Rändern schwärzlich, Fühler,
Taster und Beine schwarz, letztere auch metallisch dunkel grün.
Später erhält die Oberseite einen lebhaft metallisch grünen, kupferigen
oder kupferig-violetten Schimmer, die Unterseite verdunkelt sich bis
schwarzgrün. Zuletzt ist der Körper in der Regel schwarzgrün,
mit Messingschimmer, die Flügeld. lebhaft metallisch grün bis dunkel
und gesättigt kupferrot, oder Kopf und Thorax gesättigt kupferrot,
die Fld. grün, mit Kupferschimmer.
Die Art ist an der verworrenen Punktierung der Fld. zu
erkennen, welche aus sehr feinen und etwas stärkeren Punkten
besteht, die unter einander gemischt sind und stellenweise auch
gereiht sein können; die Punkte dicht über dem Seitenrande pflegen
stets kleiner zu sein als die auf der äußeren Scheibe, alle Zwischen-
räume sind eben. Diese Punktierung nimmt bei den Stücken aus
den westlichen und südlichen Gebieten allmählich zu, bis die Fld.
stark oder grob punktiert zu nennen sind, oft mit einigen unregel-
mäßigen noch stärkeren Punktreihen und zum Teil leicht gewölbten
Zwischenräumen der Punkte: var. obesa Vogel. In demselben Maße
44 J. Weise: Chrysomeliden
wie auf den Flgd. nimmt häufig auch die Punktierung des Thorax
an Stärke zu. Die zerstreuten feinen Punkte der Scheibe werden
sehr kräftig und die Punkte neben dem Seitenrande grubenförmig.
Die Hinterbrust verlängert sich weit zwischen die Mittelhüften, es
bleibt aber davor ein wenig niedrigerer Querstreifen des Mesosternum
sichtbar. Der Penis bildet eine mäßig gebogene, von oben etwas
zusammengedrückte Röhre, welche ungefähr gleichbreit, oder dicht
vor dem Beginn der Öffnung leicht eingeschnürt, hierauf allmählich
im Bogen verengt und am Ende schmal abgerundet ist. Zuweilen
sind die Seiten der Verengung sanft ausgeschweift und es entsteht
dann am Ende eine schwach abgesetzte stumpfe Spitze die H. v.
Harold nach ungenügender Beobachtung (Monatsber. Ak. Wiss.
Berlin 1880. 269) nur der opulenta Reiche zuschrieb.
Chrys. apicata Fairm., Ann. Fr. 1887. 358, halte ich nach der
Beschreibung für eine noch unausgefärbte opulenta und crebre-
punctata Fairm. 1.c. 359 für eine nicht sehr stark punktierte obesa.
Das vorliegende Tier ist von Sennaar durch Britisch- und Deutsch-
Ostafrika bis Natal verbreitet, die var. obesa liegt mir von Langen-
burg am Nyassa, vom Quango (Mechow) und dem Kaplande vor.
Eine hübsche Form von dieser, die var. cupreolineata, erhielt ich
von H. Prof. Hauser mit der Angabe: Afr. or. Manov. Bei ihr
sind die Fld. lebhaft metallisch grün, die Naht und 4 oder 5 Längs-
binden auf jeder Decke kupferrot. Die grünen und roten Binden
sind nicht so scharf von einander geschieden wie bei superba Thunb.
3. Ohrysomela mulsa: Breviter ovata, convexa, nigro-aenea, niti-
dissima, elytris subtilissime hinc inde subseriatim punctatis, cupreis,
aeneo-viridi-vittatis, pone humerum fortiter transversim impressis et
evidenter punctatis, mesosterno occulto. — Long. 8—9 mm. Uhehe.
Von ähnlichem Umrisse und ähnlich gefärbt wie die Var.
cupreolineuta der vorigen Art, von dieser durch den tiefen Quer-
eindruck der Fld. und das völlig verdeckte Mesosternum sofort zu
unterscheiden.
Dunkel metallisch grün, die Scheibe des Thorax und das
Schildchen schwärzlich. Kopf fein und mäßig dicht punktiert, in
den Zwischenräumen sehr dicht und äußerst fein punktuliert, Mund
und Taster schwarz. Halsschild etwa dreimal so breit als lang, an
den Seiten hinten parallel, vor der Mitte gerundet-verengt, die
Scheibe gewölbt, fast glatt, oder verloschen punktuliert, die Seiten
breit niedergedrückt und grob punktiert. Fld. an der Basis grad-
linig heraustretend, aber wenig breiter als das Halssch., bis hinter
die Mitte allmählich erweitert, dann in einem großen Bogen ge-
meinschaftlich abgerundet, stark gewölbt, mäßig dicht und sehr
fein, fast verloschen punktiert, die Punkte stellenweise gereiht und
in der Nähe des tiefen Quereindruckes hinter der Schulterbeule
größer und tiefer, deutlich sichtbar. Die Farbe ist ein etwas
violettes Kupferrot, welches von 4 bis 5 metallisch grünen, jedoch
wenig scharf begrenzten, und nicht immer der ganzen Länge nach
und Coceinelliden aus Afrika. 45
vorhandenen Längsbinden durchsetzt wird. Die Hinterbrust ist in
eine bis an das Prosternum reichende, zwischen den Mittelhüften
etwas zusammengedrückte Platte verlängert, die das Prosternum
vollkommen verdeckt.
4. Chrysom. 12-stillata Ws. Archiv. f. Nat. 1898. I. 2. 207. —
L. 7-11 mm. Die bauchig erweiterten Fld., welche unregelmäßig
punktiert, metallisch bläulich grün gefärbt und mit je 6 gelben,
großen, gerundeten Makeln, 2, 1, 2, 1, versehen sind, machen diese
Art aus Usambara leicht kenntlich.
5. Chrysom. Clarki Baly, Transact. 1864. 227. — Long. 5,5—
9,5 mm. Lebhaft bräunlich rot bis pechbraun, Mund, Fühler und
Beine schwarz, Fld. violett angelaufen, regelmäßig gereiht-punktiert,
jede mit 4 gelben Tropfen, 2 an der Naht, 2 am Seitenrande,
letztere weiter nach hinten gerückt als die inneren. Mesosternum
sichtbar. Penis schlank, hinter der Basis etwas gebogen, an der
Öffnung allmählich verengt, dann in eine breite, zuletzt abgerundete
Spitze vorgezogen. — Britisch- und Deutsch-Ostafrika (hier namentlich
in Usambara häufig), Mozambique, Natal.
Völlig ausgefärbt ist das Tier tief schwarz, die Fld. gesättigt
metallisch grünlich-blau, blau oder violett, mit den normalen gelben
Tropfen.
6. Chrysom. confiuens Gerst. 1855. — Long. 7—9,5 mm. In
Körperform und Färbung der Fld. an die sicilianische melanostigma
erinnernd, viel weniger gewölbt als die vorhergehenden Arten, hell
rostrot, das Halssch. mit 4 bis 8 schwarzen Flecken, die Fld., mit
Ausnahme der Seiten, grünlich, bläulich, oder violett-schwarz, regel-
mäßig und fein gereiht-punktiert, oder mäßig stark punktiert-gestreift,
einzelne Punkte der Reihen häufig grösser als die übrigen. Penis
mäßig gebogen, von gleicher Breite, am Ende in eine dreieckige
Spitze verschmälert, auf der Unterseite mit einer Mittelrinne. —
Von Abyssinien bis Natal verbreitet.
Trotzdem Ancey seine Chr. dilacerata, Naturaliste Octob. 1881
p. 485, als 11 mm lang und 7 mm breit angiebt, kann sie nach
der Beschreibung nur mit der vorliegenden Art identisch sein.
Die dunkele Färbung der Fld. ist aus Punkten oder Makeln
zusammen geflossen, welche bei der Stammform, der Var. nigro-
signota Clark, Ann. Mag. 1864. 116, adspergata Vogel, Nunqu. ot.
1871. 114, über die Decken unregelmäßig verteilt sind, anfangs
ganz frei stehen und einen der größeren Punkte umgeben, später
meist zu unregelmäßigen Querbinden zusammenfließen und endlich
den größten Teil der Scheibe überziehen. Der übrig bleibende
rote Saum am Seiten- und Hinterrande (seltener auch an der Basis)
ist innen sehr unregelmäßig begrenzt und gewöhnlich noch mit
einigen dunklen Flecken versehen.
46 J. Weise: Chrysomeliden
7. Chrysom. Simonsi Baly, Ent. Monthl. Mag. 1878. 204.
Nyassa. Ob von der vorigen verschieden?
8. Chrysom. superba Thunb. Mus. Natural. Acad. Upsaliense IV.
1787. p. 44 not. 10; löimbolata Reiche 1850, salisburiensis Jac. 1901,
ist, wie schon Jacoby nachgewiesen, trotz der großen Ahnlichkeit
sicher von americana L. verschieden, da ihr Penis nach der Öffnung
hin allmählich, neben derselben stärker erweitert und unterseits in
einen großen, spitzen Zahn jederseits ausgezogen, sodann unter
einem scharfen Winkel gradlinig verengt ist. In der Ruhe ragt der
Ductus ejac. stets bis zur Pennisspitze vor. Die 8 äußeren Punkt-
reihen der Fld. sind einander paarig genähert; wenn ihre schmalen
Zwischenstreifen stahlblau, violett-rot, kupferrot bis messinggelb,
die breiten Zwischenstreifen schön metallisch grün gefärbt sind,
liegt die Var. interversa Fairm., Ann. Belg. 1894. 3941) vor, während
in superba-limbolata umgekehrt die schmalen Zwischenstreifen eine
grüne bis messinggelbe, die breiten eine kupferig-rote bis stahlblaue
Farbe haben. — Von Nubien bis Mozambique und Mashonaland
verbreitet.
Sehr auffällig ist eine Form aus Abyssinien (Neumann), die
Var. rubripennis, bei der die Fld. einfarbig gesättigt und dunkel
kupferrot oder bräunlich rot werden, metallisch blau überflogen,
die übrigen Körperteile sind grün oder blau bis violett. Bei dieser
Form erscheinen die Fld. in der Regel fast glatt, die Punkte der
Reihen sind zuletzt so fein, seicht und verloschen geworden, daß
sie nur noch unter starker Vergrößerung sichtbar sind; es bleiben
aber deutliche Spuren der Reihen in dem Eindrucke hinter der
Schulterbeule übrig.
Luperus alutaceus: Niger, sat nitidus, antennis piceis basi,
mandibulis, palpis pedibusque testaceis, capite prothoraceque sub-
laevibus, elytris parum viridi-vel coeruleo-micantibus, subtilissime
alutaceis. — Long. 3,5 mm. Ikuta.
Kopf schwarz, glatt, die Stirn über den schwach umgrenzten
Höckerchen äußerst fein gewirkt. Fühler kurz, pechschwarz, die
4 bis 5 ersten Glieder rötlich gelbbraun, an der Spitze mehr oder
weniger angedunkelt, Glied 3 etwas länger als 2, aber kürzer als 4.
Halssch. und Schildehen schwarz, etwas glänzender als Kopf und
Fld., ersteres kaum um die Hälfte breiter als lang, fast glatt, mit
einem verloschenen Grübchen jederseits, ein Stück über dem Seiten-
rande, die Seiten schwach gerundet, vorn wenig, nach hinten all-
mählich und etwas stärker convergierend. Fld. schwach gewölbt,
nach hinten leicht erweitert, bläulich- oder grünlich schwarz, dicht
und zart gewirkt, etwas seidenartig glänzend. Nur unter stärkerer
Vergrößerung bemerkt man einige sehr flache Punkte nahe der
Naht vor der Mitte. Unterseite schwarz, Beine rötlich gelbbraun,
‘) In der Beschreibung ist statt 4e, 5e et 7e bande elytrale zu lesen 3e,
De et 7e,
und Coceinelliden aus Afrika. 47
Metatarsus kurz, nur so lang als die folgenden beiden Glieder zu-
sammen.
Luperus apicalis m., Archiv f. Nat. 1902. I. 2. 150, ändere ich
wegen der gleichnamigen syrischen Art von Demaison, Ann. Fr. 1891,
Bull. 144, in stigmaticus.
Luperus tabidus: Flavo-testaceus, nitidus antennis articulis
quatuor ultimis leviter infuscatis, prothorace transverso convexo,
sublaevi, lateribus subrotundato, elytris stramineis, sat crebre sub-
tiliter punctulatis. — Long. 3—3,5 mm. Ikuta.
Dem Z. lividus Joann. am nächsten verwandt und ähnlich,
durch die Fühler, welche dicker und bedeutend kürzer sind, sehr
abweichend. Blaßgelb, Kopf, Thorax und Unterseite nebst Beinen
und Fühlern etwas rötlicher, glänzend. Kopf glatt, mit tief um-
grenzten Stirnhöckerchen, Fühler wenig hinter die Schultern reichend,
die letzten vier Glieder gebräunt, Glied 3 etwas länger als 2 und
wenig kürzer als 4, von den folgenden jedes ungefähr so lang wie 4.
Halsschild kaum um die Hälfte breiter als lang, gewölbt, fast glatt,
an den Seiten schwach gerundet und nach vorn wenig, nach hinten
länger und etwas mehr verengt, die Hinterecken stumpfwinkelig,
scharf. Fld. breiter als das Halssch., nach hinten unbedeutend er-
weitert, mäßig gewölbt, ziemlich dicht, aber sehr zart punktiert.
Metatarsus kurz, kaum so lang als die beiden folgenden Tarsen-
glieder zusammen!).
1) Eine nicht ganz so hell gefärbte, sehr schlanke Art, wurde von meinem
Sohne Paul zahlreich bei Kwai in Usambara gesammelt:
Luperus fasciculus: Elongatus, sordide testaceus, supra nitidissimus, antennis
gracilibus apice tarsisque obscurioribus, elytris subtiliter punctulatis, parce pilosis,
sutura, scutello, pectore abdomineque fuseis. — Long. 3—3,5 mm.
Mas: segmento ultimo ventrali apice eirro recurvato instructo.
Noch schlanker als nigritarsis Joann., verschossen gelbbraun, stark glänzend.
die Fühler nach der Spitze hin nebst den Tarsen rotbraun, Schildehen, Naht
der Fld., Mittel- und Hinterbrust, sowie der Bauch schwärzlich, nur die Spitze
des letzteren, mehr oder weniger weit gelbbraun. Kopf normal gebaut, Fühler
schlank, beim 2 die Mitte der Fld. erreichend, beim & länger, Glied 2 klein,
gestreckt, um die Hälfte länger als breit, 3 doppelt so lang als 2, jedes der
folgenden Glieder etwa so lang als 3. Thorax klein, um die Hälfte breiter als
lang, bald hinter den Vorderecken am breitesten, sodann nach hinten schwach
und fast geradlinig verengt, auf der Scheibe ohne Eindrücke, kaum bemerkbar
punktuliert. Fld. ziemlich parallel, hinter der Schulter leicht zusammengedrückt,
mäßig gewölbt, verloschen und sehr fein punktuliert, die Pünktchen nahe der
Naht noch am deutlichsten und tiefsten. Die Naht ist sehr fein, oft kaum be-
merkbar dunkel gesäumt. Metatarsus so lang als die beiden folgenden Glieder
zusammen. Beim & ist der letzte Bauchring vergrößert, in der Mitte, wie auch
auf dem vorhergehenden Ringe dichter und länger als an den Seiten, abstehend
behaart, außerdem nahe dem Hinterrande mit einem Büschel dicht an einander
liegender Haare besetzt, welches einem nach vorn gekrümmten Dorne ähnlich sieht,
48 J. Weise: Chrysomeliden
Asbecesta breviuscula 2: Ovalis, flava, fronte, scutello antennis-
que testaceis, his medio leviter infuscatis, elytris viridi-aeneis, auri-
chalceo-micantibus, subtiliter alutaceis et dense punctatis, pone
humeros longitudinaliter impressis. — Long. 4 mm. Kilimandjaro:
Moschi.
Kürzer gebaut, die Fld. nach hinten mehr erweitert als in den
übrigen Arten mit metallischen Fld., und die Fühler schlanker.
Hell und lebhaft bräunlich gelb, die Stirn über den Höckerchen,
das Schildchen und die Fühler etwas rötlicher. Letztere bis zur
Mitte der Fld. reichend, Glied 1 gestreckt, schwach keulenförmig,
2 fast von derselben Breite, kurz, kugelig, 3 dünn, doppelt so lang
als 2, 4 ähnlich, nur etwas länger, 5 wenig kürzer und stärker als 4,
6 wenig kürzer und stärker als 5, die folgenden beiden unter sich
gleich, jedes so stark als 6, aber eine Spur kürzer, Glied 9 etwas
kürzer und dünner als 8, 10 von derselben Länge wie das vorher-
gehende Glied, doch etwas schlanker, das Endglied gestreckt, etwa
so lang als das sechste. Glied 5 bis 8 sind leicht angedunkelt.
Thorax doppelt so breit als lang, nahe der Mitte am breitesten,
von hier nach hinten deutlich, nach vorn unbedeutend verengt, sehr
fein gewirkt, einzeln und sehr verloschen punktuliert, mit breiter,
aber nicht tiefer Querfurche. Fld. dunkel metallisch grün, ohne
blaue Beimischung, aber mit Messingschimmer, dicht punktiert, über
dem normalen Längseindrucke am Seitenrande noch mit einem ähn-
lichen hinter der Schulterbeule vor der Mitte.
Asbecesta marginata Jac., Proceed. 1899. 359. t. 21. fig. 5, die
von Mashonaland beschrieben wurde, verbreitet sich in Ostafrika
nördlich bis über den Aequator; sie wurde noch bei Kitui in Britisch
Ostafrika gefangen.
Apophylia hebes : Testacea, dense brevissimeque cinereo-pubescens,
femoribus macula infuscata signatis, supra creberrime ruguloso-
punctata, subopaca, macula frontali, maculis tribus prothoracis scu-
telloque atris, elytris aeneo-viridibus, prothorace fortiter trarsverso
utrinque vix impresso. — Long. 7—9 mm. Ikuta.
Mas.: metasterno ventreque fuscis, illo bacillis duobus oblique
retrorsum ductis armato, femoribus posticis inflatis, tibiis posticis
sat crassis, metatarso valde dilatato, unguiculi apice leviter bifidi,
segmento ultimo ventrali apice profunde angulatim emarginato,
fovea impresso.
Femina: femoribus posticis parum dilatatis, unguiculis appen-
diculatis.
Verschossen gelbbraun, die Spitze der einzelnen Fühlerglieder
eine Spur dunkler, die Hinterbrust und der Bauch öfter, namentlich
beim g' angedunkelt, ebenso eine meist unbestimmte Makel der
Schenkel. Die Stirn, mit Ausnahme der Seiten, drei Makeln des
Halsschildes und das Schildchen schwarz, Flügeld. metallisch grün,
matt. Die ganze Oberseite ist äußerst dicht runzelig punktiert, die
und Coceinelliden aus Afrika. 49
Punkte sind auf den Flügeld. schärfer eingestochen und tiefer wie
auf den übrigen Teilen. Das Halsschild ist kurz, wenigstens doppelt
so breit als lang, bald hinter den Vorderecken am breitesten und
nach hinten wenig verengt, auf der Scheibe jederseits mit einem
flachen, breiten Schrägeindrucke und einer flachen Längsfurche in
der Mitte. Beim g' verlängert sich die Hinterbrust in zwei lange
abgerundete Stäbchen, welche dicht aneinander liegen und nur an
der Spitze divergieren; sie sind schräg nach hinten und unten ge-
richtet. Die Hinterschenkel sind stark-, die Hinterschienen mäßig
verdickt, das erste Tarsenglied der Hinterbeine sehr verbreitert,
breit-oval; Klauen an der äußersten Spitze gespalten, beim 2 da-
gegen mit einem zahnförmigen Anhängsel am Grunde.
Es ist mir bis jetzt nur noch eine ähnliche Art, die Ap. saliens
m. aus Abessynien, bekannt, die sich durch das nach hinten stärker
verengte Halsschild und tiefere Schrägeindrücke desselben leicht
unterscheidet. Bei ihr sind die beiden Fortsätze der Hinterbrust
weit getrennt, von oben zusammengedrückt und nach hinten gerichtet.
Luperodes impressus: Oblongus, convexiusculus, flavo-testaceus,
antennis ab articulo quinto, tibiis posticis apicem versus tarsisque
postieis infuscatis, pectore nigro, prothorace flavo, obsolete punctu-
lato, elytris testaceo-rufis, crebre punctulatis. — Long. 3,5—4 mm.
Ikuta.
Mas: elytris sulco lato et profundo longitudinali extus calloso-
terminato ante medium juxta suturam instructo.
Blaß rötlich gelbbraun, das Halssch. gelb, Fld. bräunlich rot,
an der Spitze gelblich, Mittel- und Hinterbrust schwarz, die Hinter-
schienen nach der Spitze hin, die Hintertarsen und die Fühler vom
fünften Gliede ab angedunkelt, zuweilen ist an den vier Hinterbeinen
die Basalhälfte der Schenkel und die Spitzenhälfte der Schienen
nebst den Tarsen schwärzlich. Kopf, Thorax und Schildchen fast
glatt, Fld. ziemlich dicht, aber sehr fein und verloschen punktiert.
Fühler schlank, bis hinter die Mitte der Fld, reichend, Glied 3 um
die Hälfte länger als 2, 4 ziemlich um die Hälfte länger als 3, die
folgenden ziemlich von gleicher Länger, jedes so lang als 4; der
Metatarsus ist länger als die drei folgenden Glieder zusammen.
Die Fld. des g' haben einen breiten und tiefen Längseindruck
an der Naht, welcher von der Basis bis ungefähr !/, der Länge
reicht, hinten leicht erweitert und grubenförmig vertieft und an den
Seiten, sowie hinten wulstartig begrenzt ist. Die Nahtkante und
das Schildchen liegen hoch. Außerdem ist beim g' der letzte Bauch-
ring vom Hinterrande aus jederseits tief eingeschnitten, wodurch
ein länglich viereckiger Mittelzipfel entsteht, der von den Seiten
aus nach der Mitte hin abfällt.
Es herrscht in dieser Gruppe der Galerucinen noch immer eine
gewisse Willkür, welche durch die Annahme hervorgerufen ist, daß
die Länge des dritten und vierten Fühlergliedes im Verhältnisse
zum zweiten uns generische Unterschiede an die Hand gäbe; dem
Arch. f. Naturgesch, Jahrg. 1904. Bd.I. H.1. 4
50 J. Weise: Chrysomeliden
ist jedoch nicht so, sondern das dritte Fühlerglied nimmt innerhalb
der Gattung Monolepta so allmählich an Länge zu, dab ein gene-
rischer Schnitt unmöglich zu machen ist. Wir haben uns hier
lediglich nach der Beschaffenheit der vorderen Hüftpfannen zu
richten. Sind dieselben völlig geschlossen, d. h. erreicht die innere
Spitze von den Seitenstücken der Vorderbrust den Prosternalfortsatz,
so liegt die Gattung Monolepta vor, gleichgiltig, ob das dritte Fühler-
glied der betreffenden Art so lang, oder länger als das zweite ist,
andernfalls, wenn die erwähnte Spitze das Prosternum nicht erreicht,
die Gattung ZLuperode. Hierzu gehört auch Cnecodes Motsch.,
während Candezea Chap. der Gattung Monolepta einzuverleiben ist.
Diese Gattungen bieten folgendes Bild:
1. Monolepta Er. Wiegm. Arch. 1843. I. 265.
Candezea Chap. Ann. Mus. Civ. Genov. 1879. 24.
2. Luperodes Motsch. Etud. ent. VOL. 1858. 102.
Unecodes Motsch. 1. c. 100.
Iphidea Baly Ent. Monthly mag. II. 1865. 127.
In Zukunft werden nun die hierhergehörigen Tiere nach der
Einrichtung der Hüftpfannen zu sondern sein, eine sehr undankbare
Arbeit, die nach meinen Erfahrungen durch die seitherige unvoll-
kommene und deshalb zu Mißverständnissen führende Einteilung
erschwert wird. Letztere beruht auf den grundlegenden Arbeiten
von Lacordaire und Chapuis, nach denen es, wie oben erwähnt,
zwei Formen der Hüftpfannen geben soll, offene oder geschlossene.
Beide Begriffe sind in der Folge von den Autoren, darunter von
Chapuis selbst, nicht streng genug auseinander gehalten worden,
sonst hätten sie bemerken müssen, daß es eine Mittelform giebt,
bei welcher zwar die Seitenstücke der Vorderbrust hinter den Hüften
nicht das Prosternum erreichen, letzteres aber doch durch eine viel
tiefer liegende Verlängerung mit der unteren Fläche der Seiten-
stücke verbunden ist, oder umgekehrt, eine untere Verlängerung
der Seitenstücke mit dem Prosternum in Verbindung tritt. Diese Art
der Hüftpfannen, die z. B. in der Familie der Coccinelliden aus-
nahmslos, in den übrigen Familien häufig auftritt (auch in der hier
besprochenen Gattung Luperodes), wurde von den Arbeitern ver-
schieden, bald als offene, bald als geschlossene bezeichnet; derartige
Fehler werden sich vermeiden lassen, wenn wir drei Formen der
vorderen Hüftpfannen unterscheiden, nämlich:
a) die geschlossene (acetabula antica ocelusa), bei der sich
die Seitenstücke der Vorderbrust gleichmäßig hinter den
Hüften nach innen verlängern und mit dem Prosternal-
fortsatze verbinden;
b) die halbgeschlossene (acetab. ant. semiocelusa), bei welcher
die Seitenstücke hinter den Hüften nicht das Prosternum
erreichen, dieses jedoch tiefer unten mit den Seitenstücken
verbunden ist; und
und Coceinelliden aus Afrika. 51
c) die offene (acetab. ant. aperta), bei der der Prosternalfortsatz
völlig frei und von den Seitenstücken, deren innerer Teil
ebenfalls frei bleibt, weit getrennt ist.
Monolepta lineata Karsch, Berl. Zeitschr. 1882, 400, von Chin-
choxo ist ein Luperodes, dem indischen sutwralis Motsch. 1858, 100,
sehr ähnlich, über ganz Mittelafrika, von der Ost- bis zur Westküste
verbreitet, und in der Zeichnung der Fld. variabel. Beim schlanken
und kleinen g' ist in der Regel das 8. bis 10., beim 2 gewöhnlich
nur das 9. bis 10. Fühlerglied gelb oder weißlich gefärbt. Ich halte
Mon. escclamationis Jac. Proceed. 1900. 258. t. 20 fig. 9, für nicht
verschieden.
Monolepta famularis: Oblongo-ovalis, convexa, rufo-testacea,
ventre flavescente, prothorace sat crebre evidenter punctulato, elytris
nigris, dense subtiliter punctatis. — Long. 5,5 mm. Togo: Amedzowe.
Etwas größer als M. apicalis Sahlb. (die auch in D. Ostafrika
weit verbreitet ist), der Thorax nnd die Flügeld. stärker punktiert.
Kopf rötlich gelbbraun, die Stirn einzeln punktuliert, Fühler schlank,
fast die Spitze der Fld. erreichend, Glied 3 fast doppelt so lang
als 2, 4 länger als 3, Glied 11 fehlt den mir vorliegenden Stücken.
Thorax ziemlich dicht und sehr fein punktuliert, die Punkte aber
verhältnismäßig tief eingestochen, über dem fast glatten Streifen
am Außenrande dichter gestellt als in der Mitte der Scheibe. Hals-
schild und Schildchen sind rötlich gelbbraun, Fld. einfarbig schwarz,
dicht und fein punktiert. Unterseite und Beine rötlich gelbbraun,
der Bauch heller, bräunlich gelb. Metatarsus sehr lang, länger als
die drei folgenden Glieder zusammen.
Diacantha bimaculata Bert. Mem. Ac. Bologna 2. Ser. VIII. 1868.
195. t. 1. £. 5—7, gehört nicht in die genannte Gattung, sondern
zu Agelastica.
Nisotra corpulenta: Breviter-elliptica, convexa, obscure ferru-
gineo-rufa, nitida, pedibus dilutioribus, prothorace apice utrinque
impresso-sulcato, elytris subtiliter subgeminatim striato-punctatis,
nigris, apice obsolete rufo-limbatis. — Long. 4mm. Mbungu.
Eine sehr breit gebaute Art und an den schwarzen, glänzenden
Fld. leicht kenntlich, deren Spitze verloschen rotbraun gesäumt ist.
Kopf und Halssch. gesättigt bräunlich rot, glänzend, mäßig dicht
und sehr ‚fein punktuliert. Die letzten 5 oder 6 Fühlerglieder
schwärzlich. Thorax jederseits zu einem schwach gebogenen, sehr
tiefen Längseindrucke abfallend, welcher genau in der Richtung der
Stirnfurchen liegt, den Vorderrand unterbricht und außen fast senk-
recht ansteigt. Auf diesem Außenrande liegt eine Längsreihe von
kräftigen Punkten, ebenso befinden sich am Hinterrande jederseits
vom Schildchen eine Anzahl stärkerer Punkte, die zwei unregelmäbige
Querreihen bilden. Fld. nahe der Mitte am breitesten, ziemlich
4*
59 J. Weise: Chrysomeliden
hoch gewölbt, fein punktiert. Die Punkte bilden 16 bis 18 Längs-
reihen, von denen die 12 inneren bis hinter die Mitte deutlich zu
unterscheiden, nicht ganz regelmäßig, sondern vielfach durch daneben
tretende Punkte gestört, und einander paarweise schwach genähert
sind. Hinter der Mitte werden diese Reihen sehr verworren, ähn-
lich wie die äußeren Reihen. Über dem Rande bleibt ein mäßig
breiter und etwas gewölbter Streifen von Punkten frei, der durch
die letzte, stärker vertiefte Punktreihe ziemlich scharf begrenzt wird.
Unterseite dunkel rostrot, mit helleren Beinen.
Blepharida seripta: Subtus ferruginea, femorum apice in dorso,
tibüs tarsisque nigricantibus, capite ferrugineo, nigro-bimaculato,
antennis articulis septem ultimis nigricantibus, scutello ferrugineo,
prothorace elytrisque stramineis, nigro-irroratis, his subtiliter gemi-
natim striato-punctatis. — Long. 7,5—8 mm. Ikuta.
Im Körperumriß den meisten übrigen Arten gleichend, aber
die Punktierung der Fld. sehr fein urd die 8 inneren Reihen derselben,
sowie die abgekürzte Reihe ziemlich regelmäßig verdoppelt, nur die
9. und 10. Punktreihe einfach, stärker als die übrigen, vertieft und
durch einen gewölbten Zwischenstreifen getrennt. Beim J' ist diese
Punktierung meist etwas regelmäßiger als beim $, und es können
bei ihm alle 8 Doppelreihen durch leicht erhabene, feine Zwischen-
streifen getrennt sein, oder nur die geraden Doppelreihen von der
nächstfolgenden ungeraden. Die neunte Punktreihe des @ ist auch
oft stellenweise, namentlich vor der Mitte, verdoppelt. Kopf rostrot,
dicht punktiert und fein behaart, die beiden Längsfurchen der Stirn
flach oder nur mäßig tief, das Kopfschild und eine Längsmakel
zwischen den Augen schwarz. Die Fühler vom fünften Gliede an
schwarz, die Basis oder die Spitze einiger Glieder rötlich. Thorax
mehr als doppelt so breit wie lang, mit ziemlich parallelen, vor der
Mitte etwas convergierenden Seiten, blaß strohgelb, sehr unregel-
mäßig punktiert und schwarz gezeichnet. Vom Vorderrande jeder-
seits über dem Auge zieht sich ein sehr flacher, schmaler, unregel-
mäßig einreihig punktierter Längseindruck nicht ganz bis zur Mitte,
hier teilt er sich in zwei Äste, der eine läuft geradlinig nach außen
bis an den Rand, der andere schräg nach innen und hinten auf die
Mitte des Schildchens zu, erreicht aber lange nicht den Hinterrand.
Diese Linien sind schwarz gefärbt, außerdem eine Mittellinie, die
gewöhnlich vor der Mitte unterbrochen ist, stets von einer schwarzen
Querlinie vor der Basis durchsetzt und vorn öfter mit einer kurzen
Längsmakel jederseits T-förmig verbunden ist. Die Basalstriche
sind kurz, aber ziemlich tief, schwarz, der Raum an ihrem Vorder-
ende ist stark punktiert und teilweise schwarz oder pechbraun ge-
färbt, auch die Kante des Hinterrandes zwischen den Basalstrichen
schwarz. Schildchen rostrot, glatt. Die Fld. haben sehr zahlreiche
kleine schwarze Flecke, die zu vier Querbinden zusammen treten,
von denen jede aus zwei unregelmäßigen und mehr oder weniger
oft und weit unterbrochenen Querlinien besteht, oder aus Punkten
und Coceinelliden aus Afrika. 53
unregelmäßig zusammengesetzt ist. Die erste Querbinde liegt an
der Basis, die zweite dicht vor, die dritte dicht hinter der Mitte,
die vierte vor der Spitze. In dieser selbst befinden sich außerdem
noch einige kleine schwarze Flecke. Die Epipleuren haben einige
rotbraune Makeln.
Eriotica perforata: g'‘ Subelongata, parum convexa, sordide
testaceo-flava, antennis (basi excepta) labro tarsisque infuscatis,
pectore abdomineque nigris, ano testaceo, elytris dense subtillissi-
meque subochraceo-pubescentibus, crebre punctatis, seriebus octo
fortiter punctatis lineis quatuor vix elevatis includentibus instructis,
apice testaceis, tumidulis, perforatis. — Long. 3,8—4,5 mm. Ikuta,
Luitpoldkette.
Var. a. Pedibus posticis, scutelloque infuscatis.
Etwas schmaler gebaut und kleiner als Er. fuscipennis Har.,
die Fld. heller gefärbt, viel feiner und kürzer gelblich behaart und
total abweichend punktiert. Bei fuscipennis sind die Fld. grau-
schwarz, in ganz regelmäßigen feinen Streifen punktiert, die gleichen
Abstand von einander haben, die ebenen Zwischenstreifen sind
äußerst fein und dicht gekörnelt, an der Spitze bleibt ein dreieckiger,
wenig aufgetriebener, blaßgelblicher Raum frei von Punkten. In
der vorliegenden Art sind die Fld. sehr blaß und verschossen gelb,
die Spitze rötlich gelb, jede Decke mit 8 Punktreihen, die einander
paarig genähert sind und vier schmale, eine Spur gewölbte, fast glatte
Längsstreifen einschließen. Ein ähnlicher Streifen, außen von einer
Reihe begrenzt, liegt auch an der Naht. Die breiten Zwischen-
streifen sind dicht, unregelmäßig punktiert, die Punkte etwas kleiner
als in den Reihen. Die Spitze jeder Decke ist fast glatt, blasen-
förmig aufgetrieben und mit einem kreisrunden Loche versehen,
dessen Rand dicht aufstehend behaart ist.
Kopf klein, fast glatt, hell bräunlich gelb, der obere Teil der
Stirn etwas rötlicher, Stirnhöckerchen lang dreieckig, durch eine
ziemlich tiefe Mittelrinne geschieden, oben durch eine winkelige
Linie, außen weniger deutlich begrenzt. Oberlippe schwärzlich,
Taster angedunkelt, Augen groß, gewölbt, ziemlich grob facettiert.
Fühler halb so lang als der Körper, die ersten drei Glieder hell
bräunlich gelb, das vierte Glied etwas dunkler, rötlich-gelbbraun,
die folgenden schwärzlich; Glied 1 lang keulenförmig, 2 und 3 kurz,
zusammen wenig länger als 1, 2 eine Spur dicker als 3, 4 so lang
als 1, 5 und die folgenden ungefähr von gleicher Länge, jedes einzelne
wenig kürzer als Glied 4. Thorax viereckig, wenig breiter als lang,
die Seiten sehr schwach gerundet und hinter der Mitte leicht con-
vergierend, die Scheibe fast glatt, wenig gewölbt, hinter der Basis
jederseits mit einem verloschenen Quereindrucke, dicht vor dem
Basalrande mit einer Querrinne, die sich seitwärts allmählich dem
Hinterrande nähert und die Hinterecken nicht erreicht. Schildchen
mäßig groß, hinten gerundet-abgestutzt. Fld. in den Schultern
geradlinig heraustretend und breiter als der Thorax, bis zu ?/, der
54 J. Weise: Chrysomeliden
Länge wenig verbreitert, dann verengt und an der Spitze einzeln
abgerundet, oben schwach gewölbt, bräunlich gelb, ziemlich matt.
Unterseits ist der Bauch und wenigstens die Hinterbrust, seltener
auch die Mittelbrust schwarz, der After rotbraun, Tarsen angedunkelt,
zuweilen auch die Hinterbeine mehr oder weniger schwärzlich.
Der Penis ist wie bei den meisten Haticinen sehr einfach ge-
baut, er bildet eine leicht gebogene, flach gedrückte Röhre, mit
sehr langer Öffnung; neben dieser verengt er sich allmählich, zuletzt
etwas stärker, in eine mäßig scharfe Spitze.
Phygasia acutangula: Oblonga, convexiuscula, flava, prothorace
punctulato, elytris saturate ferrugineis, crebre punctulatis, sericeo
micantibus, apice subacutis. — Long. 4—4,5 mm. Mbungu.
Auf den ersten Anblick mit Phyg. marginata Jac. übereinstimmend,
jedoch in folgenden Punkten durchaus verschieden: der Thorax ist
deutlich punktuliert, seine Querfurche tiefer, an den Seiten sehr tief
begrenzt; die Seiten des Halsschildes bilden einen gleichmäßigen
Bogen und haben einen sehr schmal abgesetzten, innen von einer
regelmäßigen stärkeren Punktreihe begrenzten Rand, welcher in
den Vorderecken nicht erweitert ist. Dieser Rand ist bei marginata
fast dreimal so breit, innen durch keine Punktreihe begrenzt, außen
winkelig gebogen und in den Vorderecken erweitert und nach außen
gedrückt. Die Fld. sind dunkler rotbraun gefärbt und weniger
glänzend wie in marginata, am Ende leicht aufgetrieben, glänzend,
und in eine gemeinschaftliche kurze und stumpfe Spitze ausgezogen.
Der Körper ist, mit Ausnahme der Fld., einförmig blaß gelb.
Jamesonia evanescens: Oblonga, convexiuscula, laete rufotestacea,
antennis (basi excepta) nigris, prothorace subtiliter punctulato, elytris
crebre punctulatis, infuscatis, aeneo-micantibus, disco parum rufes-
centibus. — Long. 3 mm. Ikuta.
Der Körper ist lebhaft rötlich gelbbraun, das fünfte, oft auch
noch das sechste Fühlerglied angedunkelt, die folgenden schwarz,
Tarsen leicht gebräunt, Fld. mit einem metallisch grünen Schimmer
überzogen, an der Naht und den übrigen Rändern dunkel gesäumt,
nach innen allmählich in ein verloschenes Rotbraun übergehend.
Stirnhöckerchen schmal dreieckig, oben tief und scharf begrenzt,
die Stirn darüber etwas gewölbt, äußerst zart punktuliert. Halssch.
kaum um die Hälfte breiter als lang, nach vorn verengt und leicht
zusammengedrückt, ziemlich dicht und etwas stärker als die Stirn
punktuliert. Schildchen glatt. Fld. an der Basis etwas breiter
als der Thorax, dann ziemlich parallel, nur mäßig gewölbt, doppelt
so stark als das Halssch., dicht punktuliert. Das zweite und dritte
Glied der Fühler kurz, das vierte so lang wie die beiden vorigen
zusammen und unbedeutend länger als eins der folgenden Glieder.
und Coceinelliden aus Afrika. 55
Longitarsus fulviceps Chap. Ikuta.
. Die Art ist geflügelt und an den tiefen Stirnlinien, die von der
Spitze des Nasenkieles gradlinig bis an den Innenrand jedes Auges
laufen, leicht zu erkennen. Die Stirnhöcker sind nicht rund, wie
bei dem kleineren L. kwaiensis Ws., sondern sehr lang und schmal,
Der Kopf ist gesättigt rötlich gelbbraun, der Thorax etwas blasser,
unter starker Vergrößerung kaum sichtbar punktuliert, Fld. stroh-
gelb, sehr fein punktuliert, die Naht oft etwas gebräunt. Vorder-
brust und Beine bräunlich gelb, Mittel- und Hinterbrust, der Bauch,
die dicken Hinterschenkel und das Schildchen tief schwarz, Fühler
rötlich gelbbraun, vom fünften Gliede ab etwas gebräunt, Oberlippe
und Taster schwach angedunkelt.
Chirida breviuscula: Rotundato-ovata, convexa, nigra, antennis,
pedibus margineque ventrali testaceis, fronte alutacea, nitidula, pro-
thorace elytrisque dilute flavescentibus, illo plaga magna basali
sutriangulari nigra, maculis duabus flavis notata, elytris subtiliter
striato-punctatis, vitta suturali vittague disci, postice abbreviatis,
nigris. — Long. 5 mm. Ikuta.
Mit Ohir. semivittata und Aubei Boh. äußerst nahe verwandt,
aber kürzer gebaut als das 3 beider Arten und an dem Baue der
Stirn wohl sicher verschieden. In den genannten Arten convergieren
die Stirnlinien, die das große Kopfschild begrenzen, fast gleichmäßig
bis zur Fühlerwurzel und vereinigen sich hier unter einem spitzen
Winkel, in der vorliegenden Art dagegen unter einem mäßig breiten
Bogen, das Kopfschild selbst ist etwas mehr gewölbt wie in semi-
vittata, aber bedeutend weniger als in Aubei, auch stärker gewirkt
und matter als bei dieser. Im Allgemeinen erinnert die Körperform
und die Punktierung der Oberseite an Aubei, die schwarze Zeichnung
derselben an semivittata. Auf dem Thorax ist ein großer, dreieckiger,
vorn spitz bis an die durchscheinende Fühlerbasis ausgezogener
Fleck schwarz, welcher eine mäßig große, dreieckige, gelbe Basal-
makel jederseits des Schildchens einschließt; die Scheibe der Fld.
ist im Leben hell smaragd-grün, eine Nahtbinde, die genau den
Raum bis zur ersten, hinter der Mitte furchenartig vertieften Punkt-
reihe einnimmt, sowie eine Längsbinde zwischen der vierten und
siebenten Punktreihe schwarz. Der Nahtsaum ist vor der Spitze,
die Binde noch weiter vorn abgekürzt. Letztere biegt am Ende
etwas nach innen und ist jedenfalls zuweilen quer mit dem Naht-
saume verbunden, denn bei einem Exemplare ist diese Stelle durch
eine Erweiterung des Nahtsaumes angedeutet. Mit Auber verglichen
müssen die Fld. in den Schultern breiter, hinter der Mitte weniger
verengt und am Ende breit abgerundet genannt werden.
Cassida sparsuta: Subovata, convexiuscula, flavo-testacea, an-
tennis articulis quatuor ultimis nigris, prothorace transversim sub-
elliptico, elytris striato-punctatis, margine suturali in apice, macula
56 J. Weise: Chrysomeliden
elongata pone medium protecti punctisque novem nigris. — Long.
8 mm. Ikuta.
Im Körperumrisse und der Färbung an lurida Boh. erinnernd,
aber nur schwach gewölbt, namentlich hinter der Mitte der Fld.
niedriger als in Aspidomorpha mutabilis Klug. Die Fld. haben ein
ziemlich breites, glattes, schräg abfallendes Seitendach, welches in
?/, Länge eine strichförmige, etwas schräge, schwarze Quermakel
besitzt, auch die Nahtkante an der Spitze ist schwarz. Die Scheibe
hat 10 fast regelmäßige kräftige Punktreihen und neue punktförmige
schwarze Makeln, eine auf der Schulterbeule, die zweite nach außen
davon und näher der Basis, in der vorderen Innenecke des Seiten-
daches, die dritte in der neunten Punktreihe hinter dem Schulter-
höcker. Hierauf folgen 3 Makeln in einer etwas gebogenen Quer-
reihe vor der Mitte, Makel 4 neben der Naht, in dem ersten Zwischen-
streifen, 5, etwas weiter vorgerückt, im vierten Zwischenstreifen,
und 6in der achten Punktreihe Die beiden folgenden Makeln
liegen in der Mitte in einer geraden Querreihe: 7 im dritten, 8 im
achten Zwischenstreifen, Makel 9 endlich, im zweiten Zwischen-
streifen in 3/, Länge, liegt mit der Dachmakel in gerader Quer-
reihe. Das Kopfschild ist dreieckig, fällt nach innen ab und hat
eine hochgerandete Spitze, die durch eine Mittelrinne geteilt ist.
Die Tarsen sind oberseits gebräunt, die Klauen lang, einfach.
Hypocassida fluvescens: Oblongo-subtriangularis, dilute flavo-
testacea, subopaca, antennis articulis quatuor ultimis infuscatis, pro-
thorace postice punctato-ruguloso, elytris crebre punctatis, basi re-
tusis, in gibbum brevem, obtusum transversim elevatis. — Long.
7,5 mm. Ikuta.,
Die Art ist an der blaß bräunlich gelben Farbe des Körpers
zu erkennen, an dem nur die vier letzten Fühlerglieder schwärzlich
sind. Der Thorax ist 2!/; mal so breit als lang, vorn in mäßigem
Bogen abgerundet, hinten fast geradlinig, oder sehr schwach ge-
bogen, mit abgerundeten Ecken, der verdickte Teil der Scheibe
dicht gerunzelt und punktiert, der vordere, tiefere Teil nebst dem
Dache durchscheinend punktiert, letzteres verloschen und sparsam
gerunzelt. Fld. in den Schultern wenig breiter als der Thorax,
dahinter allmählich verengt, zuletzt gemeinschaftlich abgerundet,
sehr dicht punktiert, an der Basis‘zu einer gebogenen Querkante
aufsteigend, die in der Mitte in einen gemeinschaftlichen stumpfen
Höcker erhöht ist. Hinter diesem liegt auf jeder Decke in der Nähe
der Naht eine feine Längsleiste, die kaum die Mitte erreicht. Das
Seitendach ist quer gerunzelt und von der Scheibe durch zwei Punkt-
reihen geschieden, von denen die innere mäßig stark, die äußere
grob punktiert und von starken Querrunzeln dnrchsetzt ist. Epi-
pleuren einfarbig bräunlich gelb. |
Diese Species ist in meiner Übersicht, Archiv f. Naturg. 1903
1. 2 p. 225, nach’ den Ziffern: 2,3, 6, 7, 11 vor Zyp. soror W8.
einzureihen.
und Coceinelliden aus Afrıka. 57
Hypocassida gibbosa Gestro (sub Patrisma) von Arussi Galla ver-
breitet sich südlich bis West-Usambara, wo sie bei Hohenfriedeberg
(Dr. J. Schulz) gesammelt wurde. Sie ist an der Färbung der
Unterseite (Brust schwarz, Bauch und Beine lebhaft rötlich gelb-
braun) leicht zu erkennen. Die ersten sechs Fühlerglieder sind
völlig, das 7. und 8. zuweilen mehr oder weniger weit hell gefärbt.
Aspidomorpha togoensis: Elliptica, minus convexa, dilute testacea,
prothorace laevi, elytris obsoletius striato-punctatis, pone scutellum
breviter distinete gibbosis, protecto minus confertim reticulato. —
Long. 8mm. Togo: Amedzowe.
Mit Asp. mutata Boh. am nächsten verwandt, aber von dieser
sicher durch folgende Punkte verschieden: die Fühler sind einfarbig
blaß gelbbraun, ebenso die Fld., der Körper ist bedeutend schlanker
gebaut, das Halsschild schmaler, die Fld. treten an der Basis etwas,
jedoch viel weniger über dasselbe hinaus, erweitern sich dann sanft
bis zur Mitte und verengen sich dahinter stärker, während in mutatu
diese Verschmälerung bald hinter der Schulterecke beginnt; das
Seitendach endlich hat viel größere, glasartig durchscheinende Punkte
und ist daher mit einem weitläufigeren dunklen Adernetze versehen,
welches die Punkte trennt. Die Fld. sind sehr verloschen in Reihen
punktuliert, aber die letzte Reihe, an der Grenze der Scheibe, ist
weniger dicht und stärker punktiert, in der Nähe der Mitte nicht
unterbrochen und bis an die Naht sehr deutlich.
Laccoptera (Orphnoda) usambarica Ws. wurde auch bei Ikuta
gefangen.
Cocceinellidae.
Epilachna Hauseri: Subelliptica, sat convexa, ferruginea, densius
subtilissimeque cinereo-pubescens, subopaca, pectore, abdomine et
pedibus nigris, prosterni lateribus, ore, antennisque testaceis, his
articulo primo clavaque nigris, palpis articulo ultimo nigro, prothorace
elytrisque creberrime punctulatis, his limbo angusto marginali postice
abbreviato maculisque parvis duodecim in singulo nigris, 2, 2, 2, 2,
2, 1, 1 collocatis. — Long. ” mm. Kilimandjaro: Moschi.
Der elliptische, nur mäßig gewölbte Körper, sowie die Zahl
und Anordnung der schwarzen Flecke auf den Fld. zeichnen die
vorliegende Art vor allen bis jetzt bekannten afrikanischen Ver-
wandten aus. Der Kopf hat zuweilen einen verloschenen schwärz-
lichen Fleck jederseits, über der Fühlerwurzel am Auge, auch auf
dem Thorax sind bisweilen 4 dunklere Makeln schwach angedeutet,
zwei in der Mitte, kommaförmig, nach hinten convergierend, neben
der Mittellinie, und eine jederseits davon, nahe der Basis. Schildchen
schwarz. Die Fld. haben einen mäßig breiten, abgeflachten Seiten-
rand, der nur bis hinter die Mitte reicht und außen schwarz gesäumt
ist, außerdem je 12 kleine, schwarze Makeln, zwei an der Basis,
58 J. Weise: Chrysomeliden
davon eine neben dem Schildchen, die andre an der Außenseite der
kleinen, aber ziemlich hohen Schulterbeule, zwei in etwa !/, Länge
neben der Naht, dann zwei, wenig dahinter, über dem Seitenrande,
in etwa !/; Länge, zwei in der Mitte, neben der Naht, zwei dicht
vor ?/, Länge über dem Seitenrande, hierauf folgt eine, wenig da-
hinter an der Naht, endlich die letzte vor der Spitze, von dieser
und der Naht weiter entfernt als vom Hinterrande. Die zehn
vorderen Makeln stehen paarweise in geraden Querreihen neben und
hinter einander, die Makeln 1, 6, 8 und 11 sind etwas größer als
die übrigen, alle sind gerundet, bald leicht quer, bald etwas läng-
lich, Makell, 3, 7, 11 liegen in einer geraden Reihe längs der
Naht, 6 und 10 berühren den Seitenrand.
Es macht mir ein besonderes Vergnügen, diese ausgezeichnete
Art Herrn Professor Dr. G. Hauser in Erlangen zu widmen.
Eprlachna fulvosignata Reiche tritt noch am Kilimandjaro auf,
wo sie bei Moschi (Dr. Kohlschütter) gefangen wurde. Auch aus
der Sammlung von H. Prof. Hauser lag mir ein Exemplar von
Moschi vor.
Die Art ist mit polymorpha Gerst. außerordentlich nahe ver-
wandt, aber durch schwarze Unterseite und Beine zu trennen,
Dieser Unterschied dürfte sich jedoch später als nicht stichhaltig
herausstellen.
Solanophila triquetra: Subtriangularis, atra, densius brevissime-
que cinereo-pubescens, prothorace fortiter transverso, crebre pun-
cetulato, elytris apicem versus sensim angustatis, subtiliter punctatis
et creberrime punctulatis, callo humerali fere nullo, singulo elytro
maculis quatuor, 2, 2, rufis, ochraceo-pubescentibus, aut antice aut
postice nigro-marginatis, lineis abdominalibus arcuatis, integris. —
Long. 7,5 mm. Nyassa.
Mit S. maga Ws. nahe verwandt, aber durch die Körperform
total abweichend, die Fld. weniger gewölbt, in den beiden letzten
Dritteln bedeutend schmaler, fast gleichmäßig und allmählich nach .
der Spitze verengt, die roten Makeln größer, anders geformt und
abweichend schwarz gerandet.
Der Vorderrand des Kopfschildes, die größere, vordere Hälfte
der Oberlippe, die Taster (ausgenommen das letzte Glied der Maxillar-
taster) und die Fühler rötlich gelbbraun, das erste Glied der letzteren
und die Keule schwärzlich. Die vier roten Makeln jeder Fld. sind
ähnlich wie in S. maga angeordnet, aber größer, etwas länger als
breit, die beiden ersten liegen nicht ganz um die Hälfte ihres Längs-
durchmessers von der Basis entfernt und besitzen am Hinterrande
einen dunklen Saum, der durch seine schwarze Behaarung von der
daneben liegenden, grau behaarten Fläche absticht; Makel 1 ist breit
oval, wenig schräg gestellt, nahe der Naht; 2, etwas größer als
und Coceinelliden aus Afrika. 59
eine der übrigen, gerundet-viereckig, liegt unmittelbar über dem
abgesetzten Seitenrande und bleibt von 1 fast doppelt so weit ent-
fernt, als diese von der Naht. Makel 3 ist eiförmig, nach hinten
verengt, weiter vorgerückt als die vierte, welche kurz elliptisch ist
und wenig über dem abgesetzten Seitenrande hinter der Mitte liegt.
Beide sind vorn schwarz gerandet. Die Epipleuren sind vor der
Mitte auf dem vertieften inneren Teile rötlich gelbbraun gefärbt.
Die Bauchlinien bilden einen Bogen, der fast bis zum letzten Drittel
des ersten Segmentes reicht und außen weniger scharf ausgeprägt
als innen ist.
Solanophila labyrinthica: Breviter ovalis, fere subtriangularis,
convexa, dense brevissimeque cinereo-pubescens, subtus nigra, pro-
sterno, ore antennisque testaceis, tibiis apice extremo tarsisque rufes-
centibus, capite prothoraceque creberrime punctulato ferrugineis, hoc
lateribus flavescente, scutello nigro, elytris flavo-rufis (cupreis),
nigro-cireumeinctis, limbo suturali trifariam dilatato, macula parva
discoidali pone medium maculisque tribus magnis angulatis margi-
nalibus nigris. — Long. ”mm. Kilimandjaro: Moschi.
Die Fld. sind hinter der Schulter am breitesten, dann in sehr
schwachem Bogen nach hinten stark verengt, sehr dicht punktuliert,
mit flachen, sehr verloschenen größeren Punkten, im Leben kupferig
rot, ausgetrocknet hell gelblich rot, am Vorderrande, an der Naht
und dem Seitenrande schwarz gesäumt. Der Nahtsaum ist mäßig
breit, hinter dem Schildchen und hinter der Mitte makelförmig,
dicht vor der Mitte stärker erweitert und hier in Gestalt einer
Querbinde, welche mehr als das innere Drittel jeder Decke einnimmt
und am Hinterrande jederseits von der Naht bogenförmig aus-
gerandet ist. An der hinteren Außenecke dieser Querbinde liegt
eine kleine schwarze Makel, während drei große schwarze Makeln
mit dem Seitensaume verbunden sind. Die erste von diesen nimmt
etwas mehr als die äußere Hälfte vom ersten Viertel jeder Fld.
ein, ihr Innenrand ist einmal, ihr Hinterrand zweimal bogenförmig
ausgerandet, sie schließt einen kleinen, gerundeten, roten Fleck
unterhalb der Schulterbeule ein. Die zweite Makel liegt in der
Mitte und bildet ein mit dem Seitensaume verbundenes Quadrat;
die dritte nimmt die Spitze ein, bedeckt an der Naht das letzte
Viertel und hat einen ziemlich geradlinigen Vorder- und Seitenrand
und eine scharfe, rechtwinkelige vordere Außenecke. In ihrer Mitte
liegt eine kleine, runde, rote Makel, die etwas größer ist als die
in der Humeralmakel. Der größere Teil jeder Fld. wird von der
schwarzen Nebenfarbe bedeckt, während die rote Grundfarbe auf
eine Figur beschränkt ist, die auf der linken Decke etwa mit einem
dicken C verglichen werden könnte, an dessen Außenrande vier
Makeln hängen: eine nach vorn gerichtet und nahe an die Basis
und das Schildchen reichend, die folgenden beiden nach außen, die
vierte schräg nach hinten und innen zur Naht gerichtet. In diesem
60 J. Weise: Chrysomeliden
C liest nahe an dem Ursprunge der dritten Makel ein kleiner
schwarzer Fleck. Die schwarzen Fpipleuren haben an der Basis
einen kurzen, gelblichen Wisch; die Seiten der Brust und das Ab-
domen sind äußerst fein und dicht punktiert, matt, die Bauchlinien
bilden einen Bogen in der vorderen Hälfte des ersten Segmentes.
Solanophila nigricollis: Ovalıs, convexa, dense subtilissimeque
cinereo-pubescens, nigra, capite, scutello elytrisque dilute ferrugineis,
his sat crebre punctatis et creberrime punctulatis, linea brevi hu-
merali limbo scutellari maculisque sex nigris, 3, 2, 1 ordinatis, ma-
cula quarta postice arcuata. — Long. 5,5—6,2 mm. Kilimandjaro:
Moschi,
Dieses Tier ist vielleicht nur eine Lokalform von Sol. soluta,
sie ähnelt, auch in der Anordnung der schwarzen Makeln auf den
Fld., deren Var. elementaria, ist aber kleiner, merklich schlanker,
oberseits dünner grau behaart, mit stärkerer Punktierung der Fld.,
deren schwarze Makeln wenig hervorstechen, da sie nicht dunkel
behaart sind wie bei elementaria, sondern grau, wie die übrigen
hellen Stellen der Decken. Halssch. dicht punktuliert, nahe dem
Seitenrande dicht punktiert, schwarz, ein feiner, verloschener Saum
in den Vorderecken rötlich. Fld. sehr dicht punktuliert und ziem-
lich dicht, deutlich und kräftig punktiert, hell rostrot, eine strich-
förmige Makel an der Basis über den Schulterhöcker, ein mäßig
breiter Saum am Schildchen und sechs Makeln schwarz, grau be-
haart. Die Makeln 1 bis 3 bilden eine gerade Querreihe unmittelbar
vor !/, der Länge, 1 ist gerundet, meist breiter als lang und liegt
an der Naht, die von hier bis zum Schildchen schwarz gesäumt ist.
Oft bildet Makel 1 mit der entsprechenden Makel der andern Fld.
einen großen gemeinschaftlichen Querfleck. Makel 2 ist rund oder
quer, von verschiedener Größe, 3 liegt am Seitenrande, welcher rot-,
oder bis zur Makel 5 schwarz gesäumt ist, 4 steht hinter der Mitte,
nahe der Naht, und ist vorn abgerundet, hinten bogenförmig aus-
geschnitten; 5 ist die größte von allen doppelt so lang als breit
halboval, besinnt vor der Mitte und endet hinter derselben; sie ist
aus der Vereinigung der Makeln 4 und 6 der elementaria entstanden.
Makel 6 liest in der Spitze und besteht aus zwei Bogen, von denen
der eine quer zur Naht, der andere nach rückwärts zum Hinter-
rande läuft.
Bei einem sehr frischen Exemplare sind alle Kniee, die Vorder-
schienen und ein kleiner, unbestimmter Fleck auf dem Thorax vor
dem Schildchen rötlich gefärbt.
Aulis annexa Muls. Spec. 933.
Ich bin im Zweifel, ob ein Tier aus Britisch Ostafrika, von
Mbungu und Ikuta, das ich H. Prof. Hauser anfangs als neu be-
zeichnet hatte, hierher gerechnet werden darf. Das Vorkommen
und Coceinelliden aus Afrika. 61
scheint ja dagegen zu sprechen, aber da der Autor als Heimat
seiner Art Cafrerie, Afrique meridionale und Senegal nennt, muß
sie eine weite Verbreitung haben und könnte sich sehr wohl an
der Ostküste bis in die nördlichen Gegenden des Afrikanischen Drei-
eckes ausbreiten. Außerdem sind die vorliegenden Stücke die ersten,
auf die ich Mulsant’s ‘Beschreibung aus wirklicher Überzeugung
anwenden kann; was mir früher als Aulis annexa vorkam, gehört
sicher nicht dazu. Es treten nämlich im bezeichneten Gebiete
mehrere Arten auf, deren Fld. fast übereinstimmend mit anneva
gezeichnet sind; sie wurden unter diesem Namen verschickt und in
die Sammlungen aufgenommen, obwohl sie in der Punktierung der
Oberseite und der Haarfarbe des Thorax von einander abweichen '!).
Sehr wichtig scheint mir Mulsants Angabe, daß die weißliche Be-
haarung des Thorax der annexa im mittleren Teile weder den Vorder-
noch den Hinterrand erreicht, sondern dort einen Streifen frei läßt,
der mit schwärzlichen Härchen besetzt ist, so daß an beiden Rändern
eine Art dunkler Querbinde entsteht. Genau so ist die Art von
Mbungu. Sie ist auf Thorax und Fld. etwas weitläufiger punktiert
!) Durch Herrn Gorham erhielt ich eine Art aus Mashonaland vom Lesapi
River, die Ann. Mag. 1901. 407 als annexa Muls. angeführt wird; es ist
Aulis Gorhami: Nigra, dense cinereo pubescens, opaca, antennis rufo-testa-
ceis, tarsis ferrugineis, prothorace crebre punctulato, vitta media postice dilatata
nigro-pubescente, elytris nigris, nigro-pubescentibus, singulo maculis magnis
quatuor rufis (1, 1, 1, 1), einereo-pubescentibus. — Long. 5 mm.
Die Art ist an der Längsbinde des Halsschildes zu erkennen, welche aus
schwarzen Härchen gebildet wird, vorn nicht ganz den Raum vom Innenrande
eines Auges zum andern einnimmt, dann in gleicher Breite bis zur Mitte läuft
und sich dahinter alimählich erweitert. Die Thoraxscheibe ist eine gleichmäßig
gewölbte Fläche, die überall gleichmäßig dicht punktuliers ist. Auf den Fld.
sind die bräunlich roten, grau behaarten Makeln durch die Verbindung der ur-
sprünglichen schwarzen Make!n unter einander entstanden; Makel 1 und 3 sind
gerundet und liegen dicht neben der Naht, 1 nahe der Basis, rund, 3zum größten
Teile hinter der Mitte, etwas länger als breit; Makel 2 bildet einen Seitensaum
von der Schulterecke bis hinter die Mitte und ist in der Mitte nach innen in
Form einer quadratischen Makel erweitert, 4 ist quer, wenig schief nach vorn
und innen gerichtet, liegt am Seitenrande in der Spitze und ist von der Naht
nur durch einen feinen Saum getrennt, der sich in der Spitze selbst etwas er-
weitert.
Eine zweite, sehr ähnliche Art gab mir H. Dr. Hom von Semmio, im
Lande der Niams-Niams, in einem defeeten Exemplare. Sie ist durch eine ver-
hältnismäßig starke Punktierung der Fld. und sehr große Bauchlinien aus-
gezeichnet, die sich bis in die Nähe des Hinterrandes vom ersten Segmente
ausdehnen.
63 J. Weise,
als die in der Anmerkung beschriebene (rorkami und ihr Halssch.
hat jederseits zwei weite Schrägeindrücke, einen vom Ausschnitte
des Vorderrandes nach hinten gerichteten und einen von den Hinter-
ecken nach innen ziehenden. Durch dieselben wird der Raum über
den Vorderecken deutlich wulstartig emporgehoben. Bei einzelnen
Exemplaren sind zahlreiche kleinere Stellen des Thorax völlig glatt.
Zur vergleichenden Morphologie und
Systematik der Japygiden,
zugleich
23, Aufsatz über den Thorax der Insekten.
Von
Kari W. Verhoeff (Berlin).
(Aus dem Berliner zoologischen Museum).
Hierzu Tafel IV—VI.
Inhalt.
I. Vergleichende Morphologie.
. Vorbemerkungen,
Rumpfmuskulatur (im Allgemeinen),
. Abdominalsegmente.
. Hauptabschnitte des Abdomens,
. Ursegmente des Hinterleibs,
Haupt- und Ursegmente des Thorax,
. Rumpfmuskulatur der Haupt- und Ursegmente,
. Segmenthomologie,
. Historische Bemerkungen,
. Zur Kenntnis der Kopfteile.
a) Die Mandibeln,
b) die Maxillen, das Tentorium und der Hypopharynx,
c) die Unterlippe und die Backen,
d) Bemerkungen über frühere Beobachtungen an den Mund-
teilen der Japygiden.
Spowmnunmpwmm
jan
U. Systematik.
1. Die Adolescentes,
2. Bestimmungsschlüssel der Japygiden-Gattungen.
3. Heterojapyx novaezeelandiae Verh.
4. Japyx africanus Ka. (Verh.)
5. J. chilensis Verh,
64 Karl W. Verhoeff: Zur vergleichenden
. dolinensis Verh. n. sp.
. Braueri Verh. n. sp.
. Grassi Verh. n. sp.
. graecus Verh. n. sp.
. corcyraeus Verh. n. sp.
11. J. solifugus Hal.
12. Neue Merkmale,
13. Schlüssel als Hülfe zur Bestimmung der mir genauer bekannten
Japyx-Arten.
ee
ET
I. Vergleichende Morphologie.
l. Vorbemerkungen.
Die Vorringe, welche bei zahlreichen Chilopoden und zwar
hauptsächlich den Zpimorpha vorkommen, sind bisher wenig studiert
worden. Nach der herrschenden bisherigen Anschauung, der ich
selbst bis vor Kurzem ebenfalls mich angeschlossen hatte, sollte es
sich um Ausgestaltungen, oder Abschnürungen der Segmente handeln.
In einem Aufsatze „über die Interkalarsegmente der Chilopoden,
mit Berücksichtigung der Zwischensegmente der Insekten,“ Archiv
für Naturgeschichte 1903 habe ich auseinandergesetzt, weshalb die
genannte Anschauung unrichtig ist und dab wir es vielmehr mit
echten Segmenten zu thun haben, welche als Interkalarsegmente
mit den Hauptsegmenten zusammen Doppelsegmente bilden.
Diesen Aufsatz muß ich hier als bekannt voraussetzen und kann
nur kurz angeben, daß die Interkalarsegmente bei den Chilopoden
mit 15 Beinpaaren meist rückgebildet worden sind. Bei der Um-
wandelung von chilopodenartigen Formen zu Hexapoden mußte eine
Körperconcentration eintreten. Ich habe darauf hingewiesen, daß
zur Erreichung dieser Concentration eine Segmentzu-
sammendrängung in der Weise erfolgte, daß nicht etwa
hinten eine Anzahl beintragender Segmente wegfiel,
sondern daß die Mehrzahl der ursprünglich beintragenden
Segmente zu sekundären Doppelsegmenten sich vereinte
und dabei je ein Segment sein Beinpaar verlor, das andere
es behielt, im 'Thoraxbezirk dauernd, während im Abdominai-
bezirk die Beine dieser Segmente, welche dieselben behielten, den-
noch bald verschiedenartigen Umbildungen oder allmähligen Rück-
bildungen anheimfielen. Dieser Vorgang muß ein ähnlicher aber
doch wieder etwas anderer gewesen sein als derjenige, welchen
uns die heteronom entwickelten Laufbeinsegmente der Anamorpha
und Scutigeriden vorführen. Ueber die Bedeutung des Endbein-
segmentes der Chilopoden und des ihm homologen Cerkussegmentes
der Zexapoden, sowie die hinter denselben gelegenen Opisthomeren
findet man das Nähere in den Nova Acta, Halle 1903 in meinem
Morphologie und Systematik der Japygiden. 65
Aufsatze über „die Endsegmente des Körpers der Chilopoden, Derma-
pteren und Japygiden und zur Systematik von Japyx.“
Die bisher als einfach angesehenen Segmente des Thorax und
die Mehrzahl der Abdominalsegmente sind nach meiner genannten
Auffassung ursprünglich Doppelsegmente. Wir werden im Folgenden
sehen, daß die Japygiden dies in überraschender Weise bestätigen.
Ich sagte aber es sind sekundäre Doppelsegmente, indem die
Interkalarsegmente schon bei manchen Chzilopoden erloschen. Wir
werden aber finden, daß Japyx eine Hexapoden-Gruppe ist, bei
welcher sich sogar von einigen Interkalarsegmenten ganz deutliche
Ueberreste erhalten haben. (Dasselbe erweise ich demnächst für
Embia).
Daß die Japygiden nicht in allen Organisationsverhältnissen die
ursprünglichsten bei Z/levapoden vorkommenden Fälle darstellen,
habe ich hinsichtlich des Zangensegmentes (Cyclomer) und der
Opisthomeren schon im genannten Aufsatze über die „Endsegmente“
ausgeführt. Auch am Kopfe werden wir einige Merkmale kennen
lernen, welche abgeleiteter Natur sind. Im Übrigen aber bietet
uns diese Gruppe der Jupygiden eine solche Menge ursprünglicher
und z.T. sehr auffallend ursprünglicher Charaktere dar, daß
sie bei Untersuchungen über die Ableitung der Insekten als vor-
treffliche Handhabe dienen kann und unter den lebenden Zexupoden-
Gruppen jedenfalls eine der ursprünglichsten ist.
2. Rumpfmuskulatur (im Allgemeinen).
Bei den Untersuchungen über Tracheaten-Beine habe ich auf
die wichtige Unterscheidung von direkten Muskeln und Brücken-
muskeln hingewiesen. [Musculi directi und M. transmissi.]| Im an-
geführten Aufsatze über die Interkalarsegmente (Archiv f. Nat. 1903)
zeigte ich, daß wir bei den longitudinalen Rumpfmuskeln eine
ähnliche, wichtige Unterscheidung zu machen haben, kann aber hier
auf die dortigen Bemerkungen verweisen. Abb. 11 von Japys afri-
canus lehrt, daß am Abdomen Brückenmuskeln x, welche zwei
Hauptsegmente verbinden, mehrfach vorkommen. Der Muskel x y
verbindet sogar drei Hauptsegmente (5.—7.) mit einander. A.a.0.
wies ich auf die Scolopendriden hin, bei welchen es etwas Ge-
wöhnliches ist, daß Segmente durch longitudinale, teilweise
über einander oder nebeneinander weggreifende Brücken-
muskeln vorne und hinten begrenzt werden. Man kann dies
kurz als entgegengesetzte (opponirte) Muskeltransmission
bezeichen. Solches ist auch bei Japyx mehrfach zu beobachten.
In Abb.5 sehen wir z.B. von vorne die Brückenmuskeln yy bis
an die Linie x«« ziehen, die Brückenmuskeln x x dagegen von hinten
bis an die Linie ##. Zwischen den Linien « und £ wird also ein
querer Bezirk, der sich auch sonst als selbständiges Sklerit darstellt,
durch opponierte Muskeltransmission abgegrenzt, indem an ihm
sowohl vorne als hinten segmentale Muskeln enden. Im genannten
Arch, £. Naturgesch. Jahrg. 1904. Bd. 1. H.1. 5
66 Karl W. Verhoeff: Zur vergleichenden
Aufsatze über die Interkalarsegmente habe ich gezeigt, daß Segmente
auf zweierlei Weise durch Muskulatur bestimmt werden können,
einmal durch direkte Longitudinalmuskeln und dann durch
die eben geschilderte entgegensetzte Muskeltransmission. Die
letztere Charakterisierung wird aber gerade da besonders wichtig,
wo die Ursegmente schon sehr klein geworden sind und wegen
ihrer Schmalheit für direkte Muskeln ungeeignet werden, da dieselben
schließlich zu kurz und wirkungsschwach werden würden.
Es sei aber hier schon auf Embia hingewiesen, wo der Steno-
thorax noch so groß ist, daß sich in ihm sogar eigene direkte und
zwar ventrale Longitudinalmuskeln in starker Ausbildung erhalten
haben!!).
Am Rumpfe der Japygiden kommen zehn zwischen bekannten
Hauptsegmenten liegende Ursegmente vor, von denen drei
dem Thorax und sieben dem Abdomen angehören. In meiner
Arbeit „Beiträge zur vergleichenden Morphologie des Thorax der
Insekten mit Berücksichtigung der Chilopoden* Nova Acta 1902
habe ich bereits eine kurze Beschreibung des Thorax von Japyx
gegeben und auf das besondere zwischen Kopf und Thorax befind-
liche Mikrothoraxsegment (Metacephalsegment) hingewiesen, auch
sagte ich bereits, daß die vierten ungewöhnlichen Stigmen zwischen
Meso- und Metathorax bestimmt darauf hinweisen, daß wir es auch
dort „mit Ueberbleibseln eines sonst untergegangenen Thorakal-
segmentes zu thun haben.“ Diese Verhältnisse konnten aber nur
auf Grund einer breiteren Basis vollkoınmen geklärt werden, wie
ich sie durch Klarstellung der Interkalarsegmente der Chilopoden,
genauere Untersuchung aller Ursegmente der Insekten und aus-
giebige Benutzung der Muskulatur gewonnen habe, wobei dann die
Feststellung der Doppelsegmente, denen nur ein Ganglienpaar
zukommt, sowohl bei den primären als auch sekundären Doppel-
segmenten, Schwierigkeiten nach dieser Richtung beseitigt.
3. Abdominalsegmente,
An den abdominalen Hauptsegmenten von Japyx haben wir ein
Tergit, Sternit und Pleuren zu unterscheiden, wobei zunächst
das 1.—7. Abdominalsegment ins Auge gefaßt werden sollen (Abb. 1
und 2). Die Tergite und Sternite sind breiter als lang und vor
jedem derselben findet sich eine durch eine sehr deutliche Naht ab-
gesetzte quere Bandplatte iv und id und zwischen ihnen in den
Seiten ebenfalls eine gut abgesetzte Pleure. Am Hinterrande der
Sternite findet sich jederseits ein kurzer Stylus, der in einem Ge-
lenkgrübchen sitzt, auf welches eine nach Alter und Art verschieden
starke Chitinleiste zieht, welche eine Richtung von innen vorn nach
hinten außen verfolgt. Diese Styli können durch einen einfachen
oder geteilten Muskel (msty Abb. 3) bewegt werden. Die großen
!) Näheres hierüber an anderer Stelle.
Morphologie und Systematik der Japygiden. 67
Sternite sind vergleichend - morphologisch keine solchen sondern
Coxosterna, was ich in N. 687 des zoologischen Anzeigers und
anderwärts ausgeführt habe. (Zur vergleichenden Morphologie der
Coxalorgane und Genitalanhänge der Tracheaten, 1902.) An den
Tergiten tritt der Vorderrand jederseits mit einem Lappen etwas
vor, wodurch bewirkt wird, dab die Tergite der Ursegmente stärker
verdrängt sind als die Sternite. Hinten zieht über die Vorderrand-
lappen eine an die mittlere Vorderrandnaht « sich anschließende
Leistek, welche außen etwas nach hinten abbiegt. Die Sternite
und Tergite der Ursegmente sind bei gewöhnlicher Haltung der
Japy& von außen nur teilweise sichtbar, teilweise werden sie durch
die Hinterranddupliklaturen des nächst vorhergehenden Segmentes,
welche dachziegelartig nach hinten vorspringen, verdeckt. In den
weichen Seitenhäuten findet man jederseits drei, mit Tastborsten
besetzte Pleuralsklerite, eine große, eine mittlere und eine kleine
Pleure. Die große und kleine Pleure pl und pl! liegen im Bereich
des Hauptsegmentes, die mittelgroße (ipl Abb. 1 und 2) im Bereiche
des Ur-Zwischensegmentes. Die große längliche Pleure liegt unter
dem Stigma, welches sich etwas oberhalb des Hinterendes der
großen Pleure befindet, zwischen ihr und dem Tergit. Die kleine
Pleure liegt etwas unter den beiden andern und nimmt zugleich
eine mittlere Lage ein. Die Hinterecken der großen Tergite sind
abgerundet, am 7. Abdominalsegment aber springen sie in nach den
Arten verschiedenen Ecken oder Zipfeln vor (Abb. 2 z).
| Das 8. Abdominalsegment besitzt, wenigstens bei manchen Arten,
z. B. graecus Verh. (Abb. 7) jederseits eine große selbständige Pleure,
welche von dem Tergit durch eine Naht, (na) von dem Coxosternum
durch eine sehr schmale Haut getrennt ist. Ihre vordere Verdickungs-
leiste ist oben von den Vorderlappen des Tergit scharf getrennt,
indem ein längliches Zäpfchen derselben ein undeutliches Gelenk
mit ihr bilde. Ueber das 9.—10. pleurenlose Abdominalsegment
habe ich Einiges bereits in dem Aufsatze „über die Endsegmente
der Chilopoden“ u.s. w. mitgeteilt und verweise im Übrigen auf
den weiter unten folgenden systematischen Teil.
4. Hauptabschnitte des Abdomens.
Das 8.—10. Abdominalsegment entbehren vorlagernder Ur-
segmente vollständig und ebenso fehlen ihnen, im Gegensatze zu
den sieben ersten, Stigmen und Styli. Auch besitzen sie nicht der-
artige Pleuren wie sie jenen zukommen. Man kann daher unter-
scheiden:
1.—7. Abdominalsegment und 1.—7. abdomi-
nales Ursegment, jedes Paar mit ein Paar
Stigmen, die Coxosterna mit ein Paar Styli
und jedes Paar mit drei Paar Pleuriten.
Proabdomen
Hr
68 Karl W. Verhoeff: Zur vergleichenden
8.—9. Abdominalsegment, keine Ursegmente,
keine Stigmen, keine Styli, nur das vordere
Medialabdomen ; ein Paar Pleuren, welche nicht frei in der
Pleurenhaut liegen, sondern eng an den
Nachbarteilen.
10. Abdominalsegment, (Cyclomer), ohne Ur-
| segment, ohne Stigmen und Styli, und ohne
erkennbare Pleuren, aber mit starken Cercus-
anhängen.
Postabdomen |
5. Ursegmente des Hinterleibs.
Das 1. Abdominalsegment sowohl wie sein vorhergehendes Ur-
segment sind bereits dadurch besonders ausgezeichnet, daß sie ver-
schiedene Eigentümlichkeiten aufweisen, welche dem 2.—7. Paare
abgehen. Das Coxosternum des 1. Abdominalsegmentes besitzt be-
kanntlich am Hinterrande mindestens zwei ausstülpbare Coxal-
säcke, welche durch einen Muskel mcoa Abb. 11 wieder eingezogen
werden können. Der das aus- und einstülpbare Säckchen um-
gebende Rand ist in nach den Arten verschiedener Weise mit Drüsen-
haaren wimperartig beborstet. Zwischen den beiden Coxalsäcken
findet sich noch ein besonderer etwas vortretender mittlerer Teil,
der — wie ich hier schon bemerken will, für. Artunterscheidung sehr
wichtige Handhaben gibt — und eine gewisse Selbständigkeit ebenfalls
zum Ausdruck bringt, indem er jederseits durch einen feinen Muskel
angezogen werden kann (Abb, 11 mm). Diesen mittleren Teil be-
trachte ich als den Ausdruck eines Sternit, das seine Selbständigkeit
im Coxosternum noch nicht vollkommen aufgegeben hat, sondern
zwischen den coxalen Seitenteilen die Mitte des Hinterrandes ein-
nimmt. (Vergl. auch Abb. 9, 18 und 19.) Recht deutlich und klar
wurden diese Teile des 1. abdominalen Coxosternums von Erich
Haase dargestellt für Japyx gigas in Abb. 19 seiner vortrefflichen
Untersuchung über „Die Abdominalanhänge der Insekten mit Be-
rücksichtigung der Myriopoden* 1889. Er hat für diese Art am
1. Coxosternum drei und am 2. Coxosternum ein Paar von Coxal-
säcken angegeben, dazu die entsprechenden Retraktormuskeln.
Deutlicher als an den folgenden Abdominalsegmenten ist das
dem 1. vorlagernde Ursegment, welches ich als Promedialsegment
bezeichne. Sein Sternit (Abb. 14 iv) ist nicht nur kräftiger als die
der andern abdominalen Ursegmente sondern auch reichlicher mit
Tastborsten und Porenkanälen versehen, Merkmale, welche wie ich
schon wiederholt in früheren Arbeiten betont habe, für die Fest-
stellung bestimmter Sklerite sehr wichtig sind. Besonders auffallend
sind aber zwei besondere, quere, dreieckige Platten icao!, welche
in der Mitte nicht zusammenhängen, sondern durch eine breite
Strecke getrennt sind. Sie erinnern uns sofort auffallend an die
entsprechenden zweiteiligen Sternite der Interkalarsegmente der
Chilopoden. Bei der Besprechung des Thorax komme ich darauf
Morphologie und Systematik der Japygiden. 69
zurück. Auch das Tergit des Promedialsegmentes ist größer als
die Tergite der den sechs folgenden Abdominalsegmenten vor-
gelagerten Ursegmente und trägt bisweilen sogar kräftige Lang-
borsten, zwei in der Mitte z. B. bei Japyx dolinensis n. sp. (Abb. 8).
Die Stigmen am 1. Abdominalsegment liegen kurz vor dem Hinter-
ende in der oben geschilderten Weise also wie an den andern
6 Abdominalsegmenten.
Das Medial- und Promedialsegment nehmen wie die weitere
Erörterung zeigen wird eine gewisse Mittelstellung ein zwischen
den Haupt- und Ursegmenten des Thorax einerseits und des Ab-
domens andererseits.
6. Haupt- und Ursegmente des Thorax.
Die Erörterung der abdominalen Ursegmente wird uns das
Verständnis des Thorax wesentlich erleichtern. Am Thoraxrücken
(Abb. 10)treffen wir drei große Tergite der drei gewöhnlichen Segmente,
welche stufenartig von hinten nach vorne kleiner werden. Auf den
ersten Blick aber schon sieht man, dass das Meso- und Metanotum
einander viel ähnlicher sind als dem Pronotum, was sich u. A. in den
seitlichen Kantenleisten bemerkbar macht ka, welche an Meta-
und Mesonotum von hinten nach vorn divergirend verlaufen, während
am Pronotum (Abb. 16) solche Kanten ganz vorne angetroffen
werden, wo sie bis zur mittleren Berührung convergieren. Kanten-
leisten wie an Meso- und Metanotum können auch an den vorderen
Abdominaltergiten auftreten, sind aber stets viel schwächer als jene.
Zwischen den drei großen Rückenplatten finden sich zwei kleinere
und etwas tiefer liegende, das Stenonotum vor dem Mesonotum
und das Cryptonotum vor dem Metanotum. Das isolierte Steno-
notum von Japy& africanus zeigt Abb. 12, beide Teile für J. corcy-
raeus n. sp. Abb. 20 und 21. Der Hinterrand dieser Rückenschilder
ist leicht gebogen, der Vorderrand springt in der Mitte etwa drei-
eckig vor und in diesem Vorsprung endet nach vorn eine mediane
Mittelleiste (mk Abb. 12). Viel auffallender aber als diese ist eine
durch diese halbierte Querleiste qk Abb. 12 und 20, welche außen
etwas vorspringt und verdickt ist und dann in starkem Bogen nach
hinten um die Hinterecke greift. Diese Querleisten teilen sowohl
Stenonotum als auch Cryptonotum \n zwei Teile ein, ein großes
vorderes Feld t Abb.21 und ein kleines hinteres r. Tastborsten
und Porenkanäle sind in dem vorderen Felde viel reichlicher als in
dem hinteren vertreten, in Letzterem befindet sich überhaupt nur
außen eine Börstchengruppe. Der genannte Gegensatz zwischen
Pronotum einerseits und Meso- und Metanotum andererseits wird
verstärkt dadurch, daß vor dem Pronotum sich ein Gebilde befindet,
welches dem Steno- und Cryptonotum höchst unähnlich ist. Dieses
Mikronotum (Abb. 16 id) ist recht schmal und bildet einen dicken
Zapfen, welcher vorne ziemlich spitz, hinten aber abgerundet ist.
Die vordere Spitze greift in einen Spalt am Hinterkopf, die hintere
70 Karl W. Verhoeff: Zur vergleichenden
Abrundung in ein kugeliges Gelenk am Vorderrande des Pronotum g.
Hierdurch werden zwischen Kopf und Pronotum zwei Gelenke
eingeschaltet. Seitlich von den genannten Zapfen findet sich ein
kleines Plattenstück mit mehreren Tastborsten. In der Richtung
der Medianleiste des Pronotum findet sich oben am Hinterkopf eben-
falls eine Leiste. Von dieser gehen an der dorsalen Kopfpatte
Seitenleisten (sk Abb. 12) ab, welche einen Hinterhauptbezirk ab-
grenzen, der als Tergit des hintersten Maxillarsegmentes bezeichnet
werden kann. Besonders sei noch betont, daß vor Steno- und Cry-
ptonotum sich eine deutliche Zwischenhaut befindet und eine schmale
auch zwischen dem Vorderrande von Meso- und Metanotum einer-
seits und dem schmalen hinteren Felder von Steno- und Crypto-
notum andererseits.
An der Bauchfläche des Thorax fallen zunächst die großen
Kantengabeln (costae furcillatae) auf, über welche ich bereits
1902 in meiner Arbeit über den „Thorax der Insekten“ (Nova Acta
S. 104—107) einige Mitteilungen gemacht habe. Meine dortige
Unterscheidung von Stiel, Armen und deren Endgelenken will
ich noch etwas erweitern. Der Stiel ist nämlich nicht einheitlicher
Natur, sondern setzt sich aus zwei Abschnitten zusammen. Der
Bau des Stieles führt zu dem Schlusse, daß seine beiden Abschnitte
bei Embryonen aus getrennten Anlagen secundär verwachsen. Der
vordere Teil des Stieles, welcher mit den Hauptsterniten verwachsen
ist, ist nämlich, wie eine mittlere Naht (Abb. 15—14) erkennen
läßt, eine Verwachsung der hinteren Armstücke, während der
hintere Teil, der nur mit seinem Vorderende angewachsen ist,
gegen den vorderen sich vollkommen abgesetzt zeigt und hier zwei
kleine Nebenzipfelchen erkennen läßt. Ich bezeichne den Stiel als
Pedieulus und unterscheide also an ihm V orderstiel (pars anterior)
und Hinterstiel (pars posterior. Die Anwachsungsstelle des
Hinterstieles pdp findet sich am Hinterrande von Pro-, Meso- und
Metanotum. Daß das Ende der Stielarme einen Gelenkhöcker
bildet, &g Abb.20 um welchen sich die Hüften drehen und daß da-
neben sich noch ein feines Anhangstäbchen findet, habe ich bereits
früher angegeben. Den Vorderrand der großen Sternite Pro-, Meso-
und Metasternum erreichen die Kantengabeln also nicht, sondern
bleiben mit ihren Vorderenden noch ein gutes Stück hinter demselben
zurück. An das Gelenkhöckerende der Kantengabeln grenzen natür-
lich die Hüftgeruben (G Abb. 20), um welche vorne ein großer Lappen
vpx der großen Sternite greift. Am Meta- und Mesosternum sind
diese Lappen vollkommen mit dem übrigen Sternit verbunden, am
Prosternum durch eine Nahtlinie davon abgesetzt (x Abb. 15). Hier
nehmen diese Lappen also den Charakter von wirklichen, ab-
geschnürten Vorplatten an. Das über die doppelte Natur des Kanten-
gabelstieles Gesagte ist auch für das Verständnis eines Gebildes von
Wichtigkeit, welches ich bereits 1902 als kleine verkümmerte
Kantengabel des Mikrothorax beschrieben habe, indem nämlich
gerade hierdurch meine Erklärung über allen Zweifel klargestellt
Morphologie und Systematik der Japygiden. 71
wird. Das Mikrosternum und auch seine Kantengabel zeigen eine
nach den Arten verschiedene Gestalt (vergl. Abb. 15 und 17), aber
immer lassen sich die vorne divergierenden, hinten convergierenden
Leisten im Mikrosternum-Gebiet genau feststellen, bei Japyx corey-
raeus n.sp. (Abb. 15) beobachten wir sogar dieselbe V-förmige Ge-
stalt, welche die typischen Kantengabeln zeigen. Erinnern wir uns
nun, daß dem Mikrothorax beinartige Anhänge fehlen und zwar
verloren gegangen sind, in Folge dessen die Kantengabel doch einer
Verkümmerung anheimfallen mußte, so ist ihre Gestalt vollkommen
verständlich, weit verständlicher aber wird sie noch werden durch
die weiterhin zu erörternden Muskeln, die uns zeigen, weshalb diese
Teile erhalten blieben, der Stiel aber größtenteils verkümmerte.
Die Arme sind nämlich noch für aktive Längsmuskeln von großem
Werte, während der Stiel, welcher ausschließlich für Beinmuskeln
bestimmt ist, zwecklos wurde. Die pars anterior des Pediculus
fehlt daher vollkommen und die kurze hintere Verwachsungsstelle
der Arme bezeichnet als abgerundeter Buckel den Hinterrand des
Mikrosternum, die pars posterior dagegen ist noch ziemlich gut er-
halten (pdp Abb. 15 und 17). Sie ist aber mit dem Prosternum
verwachsen und unterstützt dessen gelenkige Vorderrandbewegung
gegen das Mikrosternum. Da auch an die pars posterior keine
andern als solche Muskeln gehen, welche für die Beine von Be-
deutung sind, hier an der Leiste pdp Abb. 15 aber überhaupt keine
Muskeln auftreten und Beinmuskeln auch nicht auftreten können,
so hatte es auch keinen Wert mehr, daß diese pars posterior nur
mit dem Vorderende an der Grenze von Pro- und Mikrothorax be-
festigt wurde und im Übrigen nach oben bewegbar blieb, sondern
sie konnte die niedergedrückte Lage dauernd einhalten, dadurch
vollkommen mit dem Prosternum verwachsen und in der Halsgegend
als Stütze dienen. Diese rück- und umgebildete Kantengabel
des Mikrosternum bietet also gar nichts Unverständliches, sondern
ist nach meiner Auffassung vollkommen erklärlich. (Vergleiche
weiterhin die Muskulatur.) Das Mikrosternum ist nach vorne und
hinten sehr scharf durch Zwischenhäute abgesetzt und besitzt immer
einen Besatz von Tastborsten, meist auch einige Langborsten, zwei
Paare derselben z.B. bei corcyraeus und dolinensis Verh. wie die
Abb. 15 und 17 zeigen.
Ganz anders und vom Mikrosternum außerordentlich abweichend
sind die ventralen Teile vor dem Meso- und Metathorax. Diese
beiden Bezirke sind untereinander aber sehr ähnlich. Vor dem
Mesosternum (Abb. 20) treffen wir zwei quere, bandartige Sternite,
von denen das vordere etwas größer und ein wenig breiter ist als
das hintere. Vor dem vorderen Sternit gibt es auch noch zwei
durch die Mitte breit getrennte Sklerite ica v!. Letztere sind nur
mit wenigen kleinen Borsten besetzt, während den beiden band-
artigen Sterniten außer kleineren Borsten eine Reihe quer gerichteter
kräftiger Langborsten zukommen. Alle diese Sklerite sind ferner
durch Zwischenhäute scharf abgegrenzt. Die Platten vor dem
12 Karl W. Verhoeff: Zur vergleichenden
Metasternum stimmen im Wesentlichen mit den eben geschilderten vor
dem Mesosternum überein. Vergleichen wir jetzt Bauch- und Rücken-
fläche, so ist leicht ersichtlich, daß den vorderen großen Zwischen-
sterniten iv (Abb. 20 und 21) die großen Zwischentergite id ent-
sprechen, den hinteren Zwischensterniten icav aber die schmalen
dorsalen Streifen icad hinter den Querleisten gk. Hier liegen also
den Skleriten nach zwei Segmente, vor, während sich für die zwei-
teiligen Bauchplatten icav! keine entsprechenden dorsalen vorfinden,
dagegen haben wir diesen zweiteiligen Bauchskleriten homodyname
Gebilde oben beim Promedialsegment besprochen.
In den Pleuralgebieten des Thorax finden wir natürlich
Verhältnisse, welche wegen der Beine von denen des Abdomens
wesentlich abweichen. Am Mikrothorax beobachtete ich zwei Pleural-
stücke jederseits, das eine über dem andern gelegen (Abb. 15 ipl
und ipl!). An den dem Meso- und Metathorax vorgelagerten Ur-
segmenten dagegen konnte ich jederseits nur eine Pleure feststellen,
ipl Abb. 20, welche übrigens kräftiger ist als jene des Mikrothorax.
Die Pleuren des Pro-, Meso- und Metathorax sind ziemlich gleich
gebildet und verhältlich schwächlicher als die des Proabdomens.
Es findet sich oben eine zarte, nur mit wenigen Börstchen besetzte
Pleure pl, welche mit einem Zipfel plf nach hinten und unten greift
und das sichelförmige, der Länge nach fein beborstete Stück, welches
außen und teilweise auch vorn die Hüfte umgibt, wieder seinerseits
umfaßt. Innen und hinten von dem sichelförmigen Stück liegt noch
ein anderes sehr schwaches y, welches ich aker bei Heterojapyx
novaezeelandiae (vergl. Abb. 7 Taf. XIII meiner Thorax-Arbeit 1902)
stärker entwickelt fand. Seiner Lage und Gestalt nach halte ich
das sichelförmige Pleurenstück für einen Trochantinus, das Stück pl
für eine Anopleure. ipl deutete ich 1902 für eine Katopleure. Das
muß berichtigt werden, da dieses Pleurenstück unbedingt den Ur-
segmenten angehört, die Katopleuren dagegen den Hauptsegmenten.
Die Katopleuren fehlen bei den Japygiden also entweder, oder sind
mit der Anopleure verwachsen, wofür man die Einschnürung der-
selben in Anspruch nehmen könnte. Der wichtigste Unterschied
zwischen den Pleuren der Japygiden und denen vieler anderer In-
sekten besteht aber, wie ich schon 1902 hervorhob, darin, daß die
Hüften nicht mit den Pleuren sondern den Kantengabeln in
Gelenkverbindung stehen. An den Hüften beobachtet man übrigens
deutliche Hakenleisten kg, welche an diejenigen erinnern, welche
ich von Lithobius und andern Chilopoden bekannt machte. (Beiträge
zur Kenntnis paläarktischer Myriopoden, XVI. Aufsatz, 1901 Nova Acta,
Halle.) Die drei gewöhnlichen Stigmenpaare liegen oberhalb der
Anopleuren pl, etwas vor dem Ende derselben, zwischen ihnen und
dem Tergit, also genau an derselben Stelle wie die abdomi-
nalen (Abb. 1 und 2). Hiernach ist es klar, daß die großen ab-
dominalen Pleuren entweder Anopleuren sind oder Anokatopleure
zusammen. Das kleine Pleurenstück pl! entspricht offenbar dem
Trochantinus. (Kurz hinweisen will ich schon hier auf die Thorakal-
Morphologie und Systematik der Japygiden. 73
pleurite von Embia, welche an den beintragenden sowohl als auch
an den beinlosen Thoraxsegmenten zu mehreren auftreten).
Nachdem ich abermals die (mindestens primär) streng gesetz-
mäßige Lage der Stigmen feststellen konnte, würden wir,
ohne meine Erklärung der Ursegmente, dem vierten thorakalen
Stigma (Abb. 21) als einem völlig unerklärlichen Rätsel gegenüber-
stehen. Folgen wir dagegen meiner Erklärung der sekundären
Doppelsegmente, wonach vor den thorakalen und sieben ersten ab-
dominalen Hauptsegmenten Ursegmente mit ihren Beinen ver-
schwanden, in ihren Stammteilen aber erhalten blieben, so erklären
sich diese Stigmen als ausnahmsweise einmal erhalten gebliebene
Ursegmentstigmen von selbst. Sie haben auch die Lage inne, welche
sie dieser Vorstellung zufolge haben müssen, nämlich am Hinter-
rande des Cryptothorax. Allerdings sind. sie insofern etwas ver-
schoben, als sie sich neben dem Sternit (Cry iv) befinden und nicht
neben dem Tergit, die weiche Verbindungshaut stellte aber einer
solchen Verschiebung kein Hindernis in den Weg. Das Vorkommen
von zwei Tergiten und zwei Sterniten vor Meso- und Metathorax
erklärt sich nach meiner Darlegung ebenfalls ohne alle Schwierigkeit.
Denn wenn die Intersegmente wirklich sekundär verkleinerte
Hauptsegmente sein sollen, dann konnte es ja auch vorkommen,
daß die Interkalarsegmente dieser Hauptsegmente sich in einigen
Fällen erhielten, eher aber noch diejenigen der typisch gebliebenen
Hauptsegmente. Somit ergiebt sich der aus den Skleriten icav und
icad bestehende Ring als Interkalarsegment von Meso- und
Metathorax, die getrennten Platten icav! aber als Sternite eines
Interkalarsegmentes von Stenothorax oder Cryptothorax,
deren zugehörige Tergite bereits erloschen. Die Pleuren ipl sind
entweder als steno- und cryptothorakale ein wenig nach hinten ver-
schoben oder Verwachsungsprodukte von Pleuren dieser Segmente
mit solchen der nachfolgenden interkalaren. Vor dem Prothorax
und Mikrothorax ist von Spuren etwaiger Interkalarsegmente nichts
zu sehen, entsprechend dem Umstande, auf welchen ich in meinem
Aufsatze über die Interkalarsegmente hinwies, daß vor dem Kiefer-
fuß- und ersten beintragenden Segmente der Chilopoden keine
typischen Interkalarsesmente vorkommen. Mikro- und Prothorax
können aber nur diesen beiden Segmenten entsprechen.
7. Rumpfmuskulatur der Haupt- und Ursegmente.
Vollkommen beweiskräftig und doppelt wichtig werden die
Grenzen der erörterten Ursegmente erst dann, wenn sie mit den
Grenzen segmentaler Längsmuskeln zusammentreffen. Um dies zu
untersuchen will ich die Rumpfmuskulatur der Japygiden einer all-
gemeinen Erörterung unterziehen, namentlich in Bezug auf die
segmental abgegrenzten Muskeln, während die Pleuren- und dorso-
ventralen Muskeln hier weniger in Betracht kommen und auch nur
hier und da angedeutet sind. Über die allgemeinen Grundlagen
74 Karl W. Verhoeff: Zur vergleichenden
zur richtigen Auffassung der Muskulatur sprach ich bereits eingangs
und in dem Aufsatz über die Interkalarsegmente.
Wir wollen jetzt zuerst die Muskeln des 1.—7, Abdominal-
segmentes ins Auge fassen und zwar die Rückseite, weil diese,
namentlich am Thorax einfachere Verhältnisse bietet als die Bauch-
seite. Gleich der erste Blick zeigt uns etwas Überraschendes,
nämlich das Durchziehen der großen, geraden Longitudinalmuskeln
(ml? Abb. 6) und auch der kaum minder kräftigen schrägen (ml°)
vom Vorderrande der großen Tergite zum Vorderrande des nächst
folgenden Tergites, wobei also die geschilderten Zwischentergite id
vollkommen überbrückt werden. Hieraus allein folgt schon die
völlige Unhaltbarkeit einer Ansicht, welche die Zwischentergite als
Vorplatten der Haupttergite ansehen will. Wären es nämlich solche,
dann müßten die hauptsächlichsten Längsmuskeln doch gerade die
Grenzlinie überbrücken, an welche sie sich tatsächlich ansetzen.
Nach diesen Muskeln allein könnten die Zwischentergite höchstens
als Nachplatten aufgefaßt werden.
Wir können aber außer den eben genannten Longitudinal-
muskeln noch eine zweite, höher, also dem Hautskelett enger an-
liegende Schicht von Längsmuskeln beobachten, welche ebenfalls
aus einem gerade verlaufenden und einem schräg verlaufenden
Paare besteht, ersteres mehr in der Mitte gelegen w!, letzteres von
vorne innen nach hinten außen ziehend z!. Diese Muskeln setzen
sich hinten aber nicht an den Vorderrand der Haupttergite, sondern
obwohl sie von diesem (w!) oder etwas hinter ihm (z!) ausgehen,
an den Vorderrand der Zwischentergite. Teilweise anders verhalten
sich die Coxosterna der Bauchfläche. Wir finden auch hier gerade
w und schräge Längsmuskeln z (Abb. 5), [aber dieselben sind noch
mehr nach der Mediane schräg verschoben] welche aus dem Gebiet
der Coxosterna kommend hinten sich an den Vorderrand der Zwischen-
sternite befestigen. Außerdem geht auch noch ein Muskelpaar ms
schräg vom äußeren Hintergebiet der Coxosterna an den Vorderrand
der Zwischensternite und kreuzt sich dabei mit den Muskeln z.
Recht abweichend aber, freilich im Prinzip übereinstimmend, verhält
sich jene Brückenmuskulatur, welche wie wir sahen an den Tergiten
in zwei großen Paaren auftritt. An den Coxosterna beobachtete
ich solcher nur ein Paar, nämlich ein gerade verlaufendes longitu-
dinales (y Abb. 5) und dieses ist bedeutend schwächer als das ent-
sprechende dorsale (ml?). Dieses Muskelpaar y beginnt also auch
vorne knapp am Vorderrande des Coxosternums, überbrückt das
Zwischensternit und heftet sich von vorne an den Vorderrand des
nächstfolgenden Coxosternums. Es findet sich an den Coxosterna
nun aber ein Paar besonders kräftiger Longitudinalmuskeln xx,
die wir an den meisten Tergiten nicht beobachten, die aber von
besonderem Interesse sind. Diese Longitudinalmuskeln sind vorne
am Vorderrande der Zwischensegmente befestigt, nahezu in der
Fortsetzung der Muskeln w und laufen nach hinten über Zwischen-
sternit, Coxosternum und abermals Zwischensternit hinweg, um eine
Morphologie und Systematik der Japygiden. 75
Strecke hinter dem Vorderrande des zweitnächsten Coxosternums
in schräger Abstufung zu enden. (Vergl. auch die Muskeln xx in
Abb. 11.) Die geschilderten Muskeln der Coxosterna und der Ur-
Zwischensternite liefern uns somit ein vollkommen klares Beispiel
für die oben erklärte opponierte Muskeltransmission, welche
bei Seolopendriden in gleicher Weise Haupt- und Interkalarsegmente
charakterisiert. Hier werden die Zwischensternite in ganz
gleicher Weise als Teile eines eigenen Segmentes charak-
terisiert, indem sie von vorne durch die longitudinalen Brücken-
muskeln yy, von hinten durch die longitudinalen Brückenmuskeln xx
überfaßt werden, wobei die Ansatzstellen dieser Muskeln
mit den Grenzlinien der Zwischensegmente zusammenfallen.
Aber auch die übrige longitudinale Muskulatur weist uns zwingend
auf die Segmentnatur der Zwischenringe, indem einmal sich Muskeln
vom vorhergehenden Hauptsegment an den Vorderrand und dann
andere desselben an den Hinterrand der Zwischensklerite heften
und das gilt sowohl für Bauch- als auch Rückenfläche.
Am 8.—10. Abdominalsegment dagegen ließen sich auch aus
der Muskulatur keine Anhaltspunkte für vorgelagerte Ursegmente
finden, indem sich die longitudinalen Muskeln alle beim Vorder-
rande dieser Segmente anheften.
Am Thoraxrücken (Abb. 10) finden wir Muskelverhältnisse,
welche denen des Abdomenrückens ziemlich ähnlich sind. Die
breiten starken Longitudinalmuskeln ml? und die schmäleren w!
verlaufen ganz wie dort, nämlich beide am Vorderrande der Haupt-
tergite beginnend, wobei die ersteren die Zwischentergite über-
brückend sich an deren Hinterrand befestigen (oder genauer gesagt
an der geschilderten Querkante qk Abb. 20 und 21), die letzteren
an deren Vorderrand (w! Abb. 12). Die schrägen großen Longitu-
dinalmuskeln welche ich vom Abdomen beschrieb, sind mir am
Thorax nicht vorgekommen, vielmehr sind hier die direkten Schräg-
muskeln ss! stark vertreten, viel stärker als am Abdomen. Die
schrägen Muskeln ms, welche hinten und außen von den Thorax-
tergiten an den Vorderrand der Zwischentergite ziehen, fand ich
am Abdomen nur ventral. Die Seitenkanten ka haben für die Schräg-
und Longitudinalmuskeln keine Bedeutung.
Die Bauchseite des Thorax (Abb. 11, 20 und 21) bietet, in
Folge der Kantengabeln und Beine natürlich die eigenartigsten Ver-
hältnisse dar, deren Verständnis durch die vorhergegangenen Unter-
suchungen aber wesentlich gefördert wird. Wir erkennen aus
Abb. 11, daß die Muskeln des Pedieulus an die Hüfte ziehen und
daß jedem Abschnitt desselben ein besonderes Muskelpaar zukommt,
dem Vorderstiel die Muskeln mc', dem Hinterstiel die Muskeln mc.
An das Ende des Hinterstieles geht aber noch ein anderes Muskel-
paar mp, die Haltmuskeln des Stieles, welche von seinem Ende
zu den Hinterecken der großen Sternite ziehen. Durch ihren Zug
und Gegenzug halten sie den frei ins Körperinnere vorragenden
Hinterstiel in der richtigen medianen Lage. Hinten an den Armen
76 Karl W. Verhoeff: Zur vergleichenden
ist ein Muskel befestigt (md Abb. 20 und 21), welcher von hier
nach hinten über das Sternit weg und die Platten hinter den Hinter-
ecken desselben, an die Grenze zieht zwischen diesen Interkalar-
stücken und den Sterniten des Steno- und Cryptothorax. In ent-
gegengesetzter Richtung verläuft ein Muskelpaar ml!, welches ziem-
lich weit innen sich an der Vorderseite der Arme der Kantengabel
befestigt und schräg nach vorne zieht über die vordere Sternitpartie
und die beiden Zwischensternite hinweg bis zu der Stelle, an welcher
von vorne her der eben erörterte Muskel md befestigt ist. Diese
beiden Muskelpaare charakterisieren also als segmentale Grenzen
aufs Schärfste die Zwischenhaut zwischen Mesosternum und den
Interkalarstücken icav! einerseits und Cryptosternum andererseits
und ebenso zwischen Prosternum und den dahinterliegenden Inter-
kalarstücken einerseits und Stenosternum andererseits. Verstärkt
wird dieser Eindruck durch ein drittes Muskelpaar ml Abb. 11,
welches vorne an dieselben Grenzlinien geht, nur weiter nach innen
zu, hinten aber nicht an den Armen befestigt ist, sondern ein wenig
über dieselben hinauszieht. Andere seitliche Muskeln verlaufen noch
von den Hinterlappen des Meso- und Metasternums und durch die
folgenden Ursegmente hindurch an das nächste Hauptsternit (md!).
Da wir an der Bauchfläche des Thorax nirgends typische Longi-
tudinalmuskeln antreffen, so müssen dieselben eine Verlagerung um
so mehr erlitten haben, als die Kantengabeln eine solche geradezu
erzwingen mußten. Ich erinnere an das oben Gesagte über die
Verwachsung der Kantengabeln aus zwei verschiedenen Abschnitten,
nämlich Arme und Vorderstiel einerseits und Hinterstiel andererseits.
Betrachten wir jetzt die an den vorderen abdominalen Coxosterna
vorkommenden, in der Mediane bisweilen etwas getrennten Kanten
(ke Abb. 5) am Vorderrande derselben, so liegt der Gedanke nahe,
dab diese Querkanten ke den Armen der Kantengabeln homo-
dynam sind. Der Einfluß der Hüften der Laufbeine hat diese
Kantengabel-Arme weiter vom Vorderrande abgezogen und
nach hinten eingeknickt. Damit folgten die an und in der
Nähe der Kanten befestigten Muskeln nach. Somit ergeben sich
die geschilderten Muskeln md ml und ml! (Abb. 11 und 20) als
modifizierte Longitudinalmuskeln, ml! als die zur ehemaligen Vorder-
randleiste ziehenden Längsmuskeln von Steno- und Crypto-
sternum, md als Längsmuskeln der Hauptsternite, denen die
Muskeln mp der Hinterstiele als veränderte Schrägmuskeln oder
Hinterrandmuskeln der Hauptsternite beizustellen sind; die Muskeln
ml aber haben ihren Charakter als stenomesothorakale und cerypto-
metathorakale Brückenmuskeln beibehalten. Während die großen
longitudinalen Rückenmuskeln ml? den Steno- und Cryptothorax
zum vorhergehenden Hauptsegment ziehen, ist bei den longitudi-
nalen Bauchmuskeln ml das Gegenteil der Fall, d.h. sie ziehen
diese Ursegmente zum nachfolgenden Hauptsegment. Das zeigt
aber, da beide Brückenmuskeln sind, im Verein mit allen den andern
geschilderten die Grenzen der Zwischenringe als Ansatzstellen
Morphologie und Systematik der Japygiden. 47T
benutzenden Muskeln, daß Steno- und Cryptothorax weder dem
vorhergehenden noch dem nachfolgenden Hauptsegment
angehören können, sondern selbständige Ursegmente sind,
vorne und hinten segmental durch bestimmte Muskeln
begrenzt.
Der Mikrothorax weicht, wie wir oben sahen, schon in seinen
Skleriten beträchtlich ab von Steno- und Uryptothorax, ebenso von
den abdominalen Ursegmenten. Auch hinsichtlich seiner Muskeln
nimmt er eine eigentümliche Stellung ein. Eine direkte Muskel-
verbindung zwischen Mikro- und Prothorax habe ich nicht beobachtet,
dagegen ziehen zwei Paar kräftige Muskeln ventral vom Mikro-
thorax aus an den Hinterkopf. Das eine Muskelpaar (m! Abb. 17)
geht seitwärts von der Mitte des Mikrosternum aus, das andere m
von den Armen der kleinen Kantengabel. Diese letzteren Muskel
sind sehr wahrscheinlich den Muskeln ml! des Steno- und Crypto-
sternum homodynam. Ein Paar langer Brückenmuskeln m® verbindet
die prosternalen Arme der Kantengabel mit dem Hinterkopf, wo sie
sich im Grunde der dreieckigen Einbuchtungen anheften. Aus dem
Gesagten folgt, daß die Muskeln des Mikrothorax diesen mehr
dem Kopfe als dem Prothorax verbinden. Da nun die Skelett-
stücke zeigen, dab er zum Kopfe segmental unmöglich gehören
kann und das kleine eben wegen seiner Kleinheit muskellose Tergit
sowohl mit Kopf als auch Pronotum eine Gelenkverbindung bildet,
da ferner eine kleine aber unverkennbare Kantengabel vorhanden
ist, so kann er eben weder zum Kopf noch zum Prothorax
gehören, sondern stellt ein eigenes Nackensegment vor.
Daß übrigens am Mikronotum mehrere Muskelpaare vorkommen
können, habe ich für Blattodeen bereits 1902 in meiner Arbeit über
den „Thorax der Insekten“ erwiesen.
Der Mikrothorax ist das vorderste und in den meisten
Fällen deutlichste oder jedenfalls eigenartigste der
zwischen den großen Segmenten liegenden kleineren Ur-
segmente, was seiner physiologischen Rolle als Nacken-
segment entspricht. Der Mikrothorax hat sich auch unter den
Insekten am meisten erhalten und kann, wie bei den Blattodeen,
sehr gut entwickelt sein, wenn die andern Ursegmente ganz oder
fast ganz erloschen sind.
Bei den „Japygiden können wir vier Gruppen von Ur-
segmenten unterscheiden, deren Eigentümlichkeiten, Unterschiede
und Übereinstimmung im Vorigen zur Genüge geschildert worden sind:
I. Der Mikrothorax,
II. Steno- und Cryptothorax,
Il. Promedialsegment,
IV. Die sechs dem 2.—7. Abdominalsegmente vor-
gelagerten Ursegmente.
Dadurch dab die kleinen, beinlosen Ursegmente sich mit großen
Hauptsegmenten paarweise zu Doppelsegmenten anordneten und
Verhältnisse entstanden, welche sekundär denen der primären
75 Karl W. Verhoeff: Zur vergleichenden
Chilopoden-Doppelsegmente recht ähnlich wurden, waren auch die
besonderen Ganglien dieser Ursegmente längst überflüssig geworden,
es genügte ein Ganglienpaar für ein solches Doppelsegment. Auf
diese Weise entrückten die Ursegmente der Aufmerksamkeit vieler
Forscher, namentlich wenn dieselben ihre Hauptaufmerksamkeit auf
die Ganglien richteten. Der Gedanke, daß Dinge die beim Keim-
streif (nach den bisherigen Angaben) einheitlich angelegt wurden,
auch eine Zweiheit darstellen könnten, wurde bisher nicht ins Auge
sefabt. Nach dem Gesagten gilt die Doppelsegmentnatur aber für
die Mehrzahl der scheinbar einfachen Rumpfsegmente. Ob der in
mehrfacher Hinsicht eigenartige Mikrothorax sein ursprüngliches
Ganglienpaar in den Prothorax, oder wie ich in N. 685 des zoo-
logischen Anzeigers darzulegen versuchte, in das Unterschlund-
ganglion eingeschmolzen hat, müssen weitere Untersuchungen über
die Nerven entscheiden.
Daß die Stigmen der Japygiden sämtlich in aus-
gesprochen deutlicher Weise und in schönstem Einklang
mit den Vorkommnissen bei CÖhilopoden, hinten an den
Hauptsegmenten liegen, ist im Vorigen zur Genüge besprochen
worden. Wir haben also
vier thorakale und sieben abdominale
Stigmenpaare zu unterscheiden.
In meinem Aufsatz über „die Endsegmente des Körpers der
Chilopoden, Dermapteren und Japygiden und zur Systematik von
Japyx“ Nova Acta 1903 habe ich eine Segmenthomologie zwischen
niederen Hexapoden einerseits und Chilopoda-Anamorpha anderer-
seits, bei Annahme von nur drei thorakalen Ursegmenten, gegeben.
Diese Homologie ist auch für Formen, welche wie z. B. die Ambüden
drei thorakale Ursegmente haben, aber keine abdominale, vollkommen
zutreffend. Nachdem ich aber, zunächst für die Japygiden, noch
sieben abdominale Ursegmente nachweisen konnte, erhebt sich die
Frage, wie wir in solchen Fällen die Segmenthomologie gestalten
können. Da stellt sich denn die höchst auffallende Thatsache heraus,
daß, während wir bei nur drei Ursegmenten (thorakalen) auf die
Anamorpha verwiesen werden, die Auffindung von zehn Ursegmenten
uns beim Vergleiche auf die Scolopendriden führt, was nach dem
was ich a.a.O. über Endbein- und Cerkussegment-Homologie
mitgeteilt habe, als ein neuer Beleg für die Richtigkeit dieser An-
schauung gelten kann:
8. Segmenthomologie,
Scolopendriden Japygiden
(21 und 23 Beinpaare)
Kopf = Kopf
Kieferfußsegment = Y Mikrothorax
3.
10.
IL
12.
13.
14.
15.
16.
Mr
18.
19.
20.
2
B)
4
5.
6
7
8
9
Morphologie und
Scolopendriden
(21 und 23 Beinpaare)
S.1
beintragendes Segment
i beintragendes S.
2».
1.
De
A:
RR
n mm m m m u
BeREreegeeeeekzalaelzizieErmealeieieieiilgeeleläiee
!) 1.S. = Interkalarsegment.
>) Nach H. J. Kolbes Andeutungen käme bei einigen Insekten ein 8. ab-
dominales Ursegment vor, was jedenfalls genauerer Untersuchung bedarf.
Systematik der Japygiden. 79
Yo
Japygiden
Prothorax
ventrale Vorplatten
Stenothorax
schmaler Interkalarring
Mesothorax
ventrale Vorplatten
Oryptothorax
schmaler Interkalarring
Metathorax
ventrale Vorplatten
Promedialsegment (1.a. U.)
+ ee
2. aber Ursegment
Haupt-Abd.
N eemeibe U.
. Haupt-A.
‚ abdom. U.
N ps, Se Te Is
Hasen,
5. Inden. U.
5. a
6. Arie; U
6. Haupt-A.
7. abdom. U.
2 mer
[8. abdom. U.?]e)
s0 Karl W. Verhoeff: Zur vergleichenden
Scolopendriden Japygiden
(21 und 23 Beinpaare)
23. beintr. S. (Endbeine!)
Opisthomeren
10. Haupt-A. (Cerci).
Rudimenten bei Larven.
21. beintr. S. = 8. Haupt.-A.
1.'S, = er
22. beintr. 8. = 9. Haupt-A.
Y = Kantengabeln. o = Stigmen.
Die Fachgenossen werden hiermit aufgefordert wenn möglich
eine bessere und richtigere Segmenthomologie zu geben und zugleich
eine bessere Erklärung aller jener ursegmentalen Gebilde, welche
ich im Vorigen von den Japygtiden beschrieben und erklärt habe.
Jeder Fortschritt auf diesem Gebiet ist mit Freuden zu begrüßen,
es dürfen aber nicht lediglich negierende Scheinerklärungen sein,
wie sie Silvestri und Börner brachten. Ausdrücklich sei noch
bemerkt, daß alle jene Teile welche ich nach der vorstehenden
Segmentübersicht als Reste von Interkalarsegmenten (im Sinne
der Chilopoden) auffasse, durch Longitudinalmuskeln nicht mehr
zum Ausdruck kommen, sondern lediglich als Skelettplatten. Es
liegt aber auf der Hand, daß solche Gebilde, welche an den meisten
Rumpfabschnitten ganz verschwunden sind, mit abnehmender Größe
schließlich ungeeignet werden als Träger besonderer Muskeln zu
fungieren. In einer andern Arbeit werde ich aber zeigen, daß bei
Embia auch an interkalaren Platten Longitudinalmuskelgrenzen vor-
kommen. Nach dem Gesagten kennen wir bisher keine besonderen
Ganglien der Ursegmente. Aber für Stigmenpaare kennen wir
auch nur das eine Beispiel des Cryptothorax der Japygiden.
Wäre uns dieses äußerst wichtige historische Dokument
nicht erhalten geblieben, so würde meiner Ursegment-Theorie
eine bedeutsame Stütze abgehen.!) So gut aber hier ausnahmsweise
ein Stigmenpaar erhalten blieb, kann auch mal bei irgend einer
Form ein Ganglienpaar gefunden werden, vielleicht embryologisch.
Dies ist um so eher möglich, als doch nur sehr wenige Insekten
bisher genügend embryologisch untersucht worden sind. Eine
fast stets zu wenig beachtete Schattenseite in der Verwertung embry-
ologischer Tatsachen liegt eben in dieser geringen Breite des Ver-
gleichsbodens. Was der Embryologie die klar sich entwickelnden
Anfangsstadien an Vorteil bringen, wird in der vergleichenden
Morphologie der selbständigen Formen (Larven und Entwickeiten)
reichlich aufgewogen durch die weit größere Zahl der Vergleichs-
formen, die größere Deutlichkeit der Einzelorgane und damit selbst-
verständlich die meist geringeren technischen Schwierigkeiten.
Letztere sind für die reine logische Wissenschaft ohne alle
!) Es sei aber schon hier darauf hingewiesen, daß die drei thorakalen
Stigmenpaare von Embia dem Steno-, Orypto- und Metathora.c angehören!
Morphologie und Systematik der Japygiden. 8,
Bedeutung, was zu betonen nicht überflüssig ist, wenn man Neigungen
beobachtet, irgend welche Befundedeshalb höher odergeringer schätzen
zu wollen, weil die technischen Schwierigkeiten etwas mehr oder
weniger groß sind. Die Muskulatur z. B. ist nicht deshalb wichtiger
als die Sklerite, weil sie durchschnittlich etwas schwieriger zu be-
obachten ist (sie ist überhaupt nicht wichtiger als die Sklerite),
sondern ihre Bedeutung liegt darin, daß wir durch sie zweierlei
Systeme von Vergleichsobjekten erhalten, Muskulatur und
Sklerite oder überhaupt Hautskelett und daß durch die Wechsel-
beziehung beider, die eine außerordentlich innige ist, der
Wert jedes der beiden Systeme für die vergleichende
Morphologie u. A. erhöht wird, vor Allem dann, wenn Sklerit-
grenzen und Muskelgrenzen zusammenfallen oder beide einen gleich-
lautenden segmentalen Ausdruck liefern.
Am Rumpfe der niederen Insekten nahm man bisher meist drei
thorakale, zehn große und ein oder zwei kleine abdominale Segmente
an, also im Ganzen höchstens 15 Rumpfsegmente. Die Chslopoden
dagegen besitzen mindestens 19 Rumpfsegmente, nämlich das
Kieferfußsegment, 15 beintragende Segmente und drei Opisthomeren.
Man hätte also doch erwarten können, daß man Spuren
weiterer Segmente bei Yewapoden etwa hinten am Körper
finden würde! Es ist aber [wenn wir absehen von dem Meta-
pygidium als drittem Opisthomeren-Stück], nichts Derartiges bekannt
geworden. Auch ist vorauszusehen, daß man in alle Ewigkeit
nichts Derartiges finden wird, namentlich im Hinblick auf die
konstanten vier Endsegmente. Man würde bei Beibehaltung der
bisherigen Beurteilungsschemata auf ein weiteres Eindringen in die
Kenntnis der Abstammung der Insekten verzichten müssen. Betreten
wir dagegen den von mir verfolgten Weg der Ursegmente, so werden
wir in der Kenntnis der Beziehungen der Insekten und Hundert-
füßler und der Ableitung der Ersteren von chilopodenartigen Formen
erheblich weiter kommen.
Daß auch zahlreichen anderen Insekten Ur-Zwischensegmente
zukommen, habe ich bereits 1902 angegeben, weitere Arbeiten in
dieser Richtung werden in Zukunft zahlreiche weitere Aufklärungen
bringen!).
!) Zu den Scheingründen, mit denen Börner in N. 695 des zoloogischen
Anzeigers den Mikrothorax u.A. zu bekämpfen suchte, habe ich bereits in
dem Aufsatz über die Interkalarsegmente der Chilopoden, Archiv für Natur-
geschichte 1903 Stellung genommen. Hier komme ich insbesondere noch auf
Japyc zurück. Die beiden Abbildungen Börners könnten, vorausgesetzt daß sie
noch verbessert würden, als Orientierungsabbildungen gewiß hingenommen werden.
Wie man aber mit solehen Abbildungen allein etwas Besseres als wie bestand
liefern will, ist unerfindlich, Ich habe schon wiederholt betont, daß zur richtigen
Auffassung von Skleriten die Untersuchung von deren mikroskopischer Be-
schaffenheit unerläßlich ist, also die Feststellung der Chitinisierung und Ab-
grenzung gegen Zwischenhäute nicht nur, sondern auch die Untersuchung von
" Arch. f. Naturgesch. Jahrg. 1904. Bd. I, H.1. 6
32 Karl W. Verhoeff: Zur vergleichenden
9. Historische Bemerkungen.
B. Grassi hat in verschiedenen Aufsätzen wertvolle Mitteilungen
über./apygiden veröffentlicht, unter denen ich besonders seineMemorial
und VII der „I Progenitori dei Miriapodi e degli Insetti* Roma 1885
und 88 erwähne. Die Muskulatur des Rumpfes ist nur hinsichtlich
des Thorax etwas genauer, wo er z.B. die verschiedenen an die
Kantengabeln ziehenden Muskeln ziemlich richtig angegeben hat, er
zeichnet jedoch einen von der Stielmitte ausgehenden sehr langen
Muskel, der nach ihm den Cryptothorax überbrücken würde, was
nicht richtig ist. Es handelt sich vielmehr um zwei Muskelpaare,
deren segmentale Trennung an der crypto-mesothorakalen Grenze
Tastborsten und Porenkanälen, ev. auch Hautdrüsen. Namentlich die Tastborsten
und Porenkanäle, welche den Zwischenhäuten der Segmente fehlen, sind von
großer Wichtigkeit, weshalb ich sie auf meinen Tafeln anbei auch überall wo
es notwendig war, möglichst genau anzugeben bestrebt war. Börner zeichnet
einfach schematische Umrißlinien, was übrigens durch seinen ganzen Artikel
durchgeht und Ungenauigkeiten sowohl wie Unrichtigkeiten zur Folge hat. So
ist bei Japyc sowohl hinter dem Pro- als auch Meso- und Metasternum das
Interkalarplattenpaar übersehen worden, die Lage der „sti!“ d.h. Prothorax-
stigmen ist falsch angegeben, die Pleuren des Mikrothorax sind nicht zu erkennen,
die Gabel des Mikrothorax ist unklar, die Pronotumleisten fehlen, die sehr gut
ausgeprägten Trochantine erscheinen als Hautfalten, zwischen Mikrosternum und
Prosternum ist ein abgesetzter Knoten gezeichnet, der nicht existiert und die
Stylus-Leisten „endl*“ laufen neben statt auf die Styli. Diese Stylusleisten sind
mit den vorderen Kantengabelstielen als „endl“ gleichbezeichnet, ohne daß hier-
für die Spur eines Beweises erbracht wäre. Ein Mikronotum so scharf begrenzt
und so groß wie es Börner zeichnet, dürfte bei bekannten Japygiden kaum
vorkommen. Das Stenonotum mit „vn?“ bezeichnet, ist annähernd richtig, doch
fehlen die Querleisten, obwohl dieselben sehr deutlich sind und auch 1902
Nova Acta in meiner vorläufigen Mitteilung schon beschrieben wurden. Füge
ich nun noch hinzu, daß uns Börner über die Muskulatur von Japyx
keine einzige positive Mitteilung gemacht hat, trotzdem ich die Be-
deutung derselben mehrfach betonte und teilweise auch bereits nachwies (an
anderen Insekten) und trotzdem B. Grassi 1888 in Memoria VII seiner Pro-
genitori u. s. w. dieselbe schon ziemlich eingehend erörterte und abbildete, so
ergibt sich, daß Börner unsere Kenntnisse um Nichts gefördert hat, abgesehen
höchstens von den Vorplatten der Hauptsternite des Thorax (in meinem Sinne)
daher auch nichts Namhaftes gegen den Mikrothorax von Japyxc anzuführen im
Stande gewesen ist. Die wenig sorgfältigen Untersuchungen dieses Autors,
welche auf vergleichend-morphologischem Gebiete auch in andern Arbeiten
bemerklich sind, haben mich in letzter Zeit leider mehrfach zu Erörterungen
gezwungen, die ich unbedingt vermieden hätte, wenn derselbe nicht noch oben-
drein Töne angeschlagen hätte, die sehr leicht zu unrichtigen Vorstellungen über
die Bedeutung der Untersuchungen desselben führen könnten.
Daß die Sklerite „est‘‘ Börners von mir an den drei thorakalen Haupt-
segmenten im Vorigen in ähnlicher Weise erklärt wurden wie in seinem Artikel
Morphologie und Systematik der Japygiden. 83
er übersehen hat. Diese Muskeln kommen überhaupt nicht von
den Stielen sondern von dem Gebiet weiter außen und vorne. Die
Kantengabel des Mikrothorax hat er Memoria VII Abb. 17 durch
ein kleines punktiertes Y deutlich angegeben, aber offenbar nicht
weiter beachtet, er gibt überhaupt keine näheren Notizen über den
Mikrothorax. Ganz schön und klar gezeichnet hat er die Crypto-
thoraxstigmen und ihre Tracheenverbindung mit dem übrigen
Tracheensystem, doch ist die genauere Stigmenlage auch bei ihm
nicht ersichtlich. Grassi war auch überzeugt (vergl. seine S. 59)
von der „affinita degli japyx e delle campodee coi miriapodi e piü
specialmente coi chilopodi.“
betone ich, zumal es ein Punkt ist, in welchem ich ihm beistimmen kann, doch
dürfte meine Begründung eine vollständigere sein, da ich die Muskulatur da-
bei verwertet habe. Bei Börner kommen nun aber drei sternale Vorplatten
hinter einander vor! (,‚cest“ und „vstb“ und „vsta“) Wenn ich ihm soeben hin-
sichtlich der von ihm mit „vst“ bezeichneten Vorplatten im Sinne von Haupt-
sternit-Vorderteilen beistimmte, so muß das in sofern eingeschränkt werden,
als er auf S.292 des Zool. Anz. diese „Teilstücke des Prosternums“ „Mikro-
sternum‘ nennt, im Widerspruche mit meinen Mitteilungen, da aus meiner
Thorax-Arbeit 1902 sich leicht ergibt, daß ich dieselbe nicht nur nicht als
Mikrosternum bezeichnete sondern ausdrücklich als Vorplatten betont habe.
(Vergl. dort Taf. VIII Abb.2 Vp und V Mi\). Wenn Jemand das was er
kritisieren will, nicht einmal richtig wiederfinden kann, hat er kein Recht zur
Kritik! Börners Bezeichnungsweise ist auch nicht gleichmässig, da er das,
was er 8. 292 fälschlich „Mikrosternum“ nennt, in der Erklärung der Abbildungen
mit „Meron‘ bezeichnet, was zwar richtiger ist, aber auch nicht statthaft, weil
diese Bezeichnung längst von Walton für Hüftgebiete verwandt worden ist.
In der Erklärung nennt er das Sklerit- „vst,“ „Mikrothorax“, es sollte heißen
Mikrosternum. Hinsichtlich der Japyx-Pleuren schreibt Börner Folgendes:
„Die von V. für Japyx sp. beschriebenen Pleuren konnte ich bei J. solöfugus
Hal. nicht finden. Dort beobachtete ich nur 1 echte zarte Pleure im Meso-
und 2 solche im Metathorax, von denen man die vordere vielleicht auch zum
Mesothorax rechnen kann. Eine weitere Pleure im Sinne Verhoeffs liegt
(er meint das von mir als Trochantin bezeichnete Stück) auf der Vorderseite
außerhalb der Beinhüften, mit diesen ein lockeres, äußeres Gelenk bildend. Dies
Skelettstück entspricht genau der weiter unten beschriebenen seitlichen Teilplatte
des Merosternum von Collaria (Scolopendriden)“. Das Letztere hat er nirgends
bewiesen, er zog seine ganze Merosternum-Hypothese in N.2 der Sitz. Ber. d.
Ges. nat. Fr. Berlin 1903 zurück und erklärte diese Teile der Subcoxa Heymons
für gleichwertig. Da ich über die Letztere bereits in meinem Aufsatz über die
Mundteile der Okilopoden mich geäußert habe, bedarf es hier keiner weiteren
Erklärungen. Börners angeführte Äußerungen zeigen, daß er von den thora-
kalen Pleuren mehrere übersehen hat, mithin über die genauere Lage der Stigmen
auch nicht genügend unterrichtet sein konnte; über die abdominalen Pleuren
schwieg er. Ausdrücklich sei nochmals betont, daß seine Stigmentheorie nach
welcher die Stigmen ursprünglich vorne an den Segmenten liegen sollen, trotz
alles „bekanntlich“ unhaltbar ist, Die Stigmen kommen erst dadurch sekundär
6*
84 Karl W. Verhoeff: Zur vergleichenden
In der ‘schon oben erwähnten Arbeit E. Haases über die Ab-
dominalanhänge der Insekten 1889 findet sich auf Tafel I die sehr
hübsche Abb.3, welche eine Übersicht des Tracheensystems gibt
und die hinten an den Segmenten befindlichen Stigmenpaare klar
erkennen läßt. Nur das Stigmenpaar des Cryptothorax ist zu weit
nach hinten angegeben. Das Promedialsegment ist durch eine Linie
schwach angedeutet, was aber natürlich noch kein Beweis ist, daß
er hier ein besonderes Segment vermutet hat. Ähnliche punktierte
Linien zeichnete Grassi, woraus aber auch nichts Bestimmtes zu
schließen ist, weil er sie teilweise ganz fortläßt, teilweise aber auch
vor dem 8. Haupt-Abdominalsegment zeichnet, wo doch kein Ur-
segment vorhanden ist.
bei höheren Formen der Insekten an die Vorderränder der Segmente, daß sie
von dem Hintergebiet eines Segmentes oder aus dem intersegmentalen Bezirk
zwischen zweien in das Vordergebiet des nächstfolgenden einrücken. Ueber
Japy& teilt uns Börner ferner Folgendes mit: „Die Rücken platten“ .
‚der ersten Abdominalsegmente weisen je 1 kleinere Vorplatte auf.“ In
Wirklichkeit kommen wie wir gesehen haben vor sieben Abdominalsegmenten
Tergite von Ursegmenten vor, nicht vor den ersten. „Die Vorplatte des
Pronotums übernimmt den dorsalen Angelpunkt zwischen dem Kopf und dem
Prothorax.“ Bei mehreren Arten wenigstens bildet dieses Mikronotum nicht
einen, sondern zwei Angeipunkte, einen vorne, den andern hinten. Es ist
unrichtig, daß „eine mediane Chitinleiste, welche vorn das Aussehen einer
Naht annimmt, von der hinteren Partie des Kopfes durch das Mikronotum bis
über das Pronotum hinaus nach hinten zu verfolgen ist,“ da das heterogene,
einen dieken Knoten führende, kleine Mikronotum die betr. Leisten von Kopf
und Pronotum vollkommen trennt. „Vor dem Prosternum liegt eine kleine Vor-
platte, je 2 solche, als schmale Bänder vor dem Meso- und Metasternum.“ Dab
die von mir als Vorplatten im Vorigen bezeichneten Teile wirklich solche sind,
habe ich bewiesen durch die Muskulaturverhältnisse, das Fehlen von Zwischen-
häuten und den Umstand, daß diese Teile wirklich nur mehr oder weniger, an
Meso- und Metasternum bei manchen Arten auch gar nicht abgesetzt sind.
Die von Börner aber als „Vorplatten‘“ bezeichneten Teile sind solche, also
sekundäre Abschnürungen, thatsächlieh nicht und es ist für eine solche Idee
auch keine einzige begründende Thatsache von ihm beigebracht worden.
„V erhoeffsagt, daß die Gabeln mit der auf die Sterna folgenden Bauchplatte
verwachsen seien.“ Wieder eine unrichtige Citierung! In meiner Thorax-Arbeit
steht auf S. 105: „Der Stiel der Kantengabel ist in der Vorderhälfte teils
mit dem Hauptteil des Sternites, teils mit der Nachplatte verwachsen“ und auf
S.104: „Die Sternite sind ausgezeichnet durch vorne gabelige Yförmige, endo-
skelettale Leisten, die mit ihnen verwachsen sind.“ Mithin eine von Börner’s
Angabe völlig verschiedene!! Aus meinem Citat ergibt sich, daß ich den Vorder-
stiel mit dem früher von mir als Nachplatte bezeichneten Stück als auch ver-
wachsen angegeben habe, was natürlich nur in einem Punkte geschehen konnte.
Richtig ist das allerdings nicht, da ganz genau betrachtet, der Hinterstiel bereits
etwas vor dem Ursternit beginnt. Börner hat aber über Vorder- und Hinter-
stiel überhaupt nichts geschrieben. „Wir sehen, die von V. betonte Gabel des
Morphologie und Systematik der Japygiden. 85
Japyx und Campodea haben schon lange in den Schriften über
die Ableitung und Phylogenie der Insekten eine große Rolle ge-
spielt. Ich will nur eine Stelle aus Grabers bekanntem Handbuch
„die Insekten“ I. Teil, München 1877, S. 66 anführen: „daß die
bisher aufgestellten Hypothesen über die Kerfabstammung nicht
richtig sind, glauben wir dem Leser wohl in Kürze beweisen zu
können. Zuerst die Campodea-Hypothese. Sie behauptet nicht
bloß, daß ein Campodea-artiges Tier die Stammform aller Insekten
sei, sie behauptet auch, daß die Campodea von den Tausendfüßlern
abstamme. Erstere Behauptung widerlegt sich einfach damit, daß
nur gewisse Kerfgruppen und nicht einmal alle kauenden eine
Campodea-Larve haben. Man hilft sich aber mit der Ausrede, daß
Mikrosternums, die aber keine Gabel ist, sondern nur eine stabförmige, fest mit
dem Prosternum verwachsene entoskelettale Verdickung, welche einmal der
Insertion einiger Muskelbündel, dann aber auch wohl als ventraler Angelpunkt
zwischen der Vorplatte des Prosternums und diesem selbst dient. Es gebört
also die Gabel des Mikrosternums morphologisch nicht zu diesem sondern zum
Prosternum. Die vorderen Gabeläste, die V. abbildet, existieren nicht als solche;
sondern beruhen lediglich auf einer Faltenbildung zwischen der Vorplatte und
den vorderen Teilstücken des Prosternums, sie sind nicht entoskelettaler Natur.“
Man sieht hieraus, daß Börner die wirkliche mikrothorakale Gabel, wie ich
sie anbei in Abb. 15cfu und 17 darstellte [und die ich bei allen daraufhin unter-
suchten Japygiden beobachten konnte] gar nicht erkannt hat. Daß sie
thatsächlich aus endoskelettalen Leisten besteht, ist nicht schwer zu beobachten
und erklärt sich auch aus dem von ihr ausgehenden, oben beschriebenen kräftigen
Muskelpaar, das Börner offenbar ebenfalls entgangen ist. Die „stabförmige
Verdickung“ welche er meint, in meiner Abb.15 mit pdp bezeichnet, habe ich
oben besprochen und gezeigt, daß sie einem Stielteil der typischen Kantengabeln
entspricht. Muskeln sah ich nicht an ihn herantreten, daneben fanden sich nur
Fettzellen. Daß ein „ventraler Angelpunkt“ besteht, ist richtig, er ist aber
doch lediglich einer der vielen Belege für meine Auffassung des Mikrothorax.
Daß ieh die im Vorigen als Steno- und Cryptosternum erwiesenen Teile 1902
als „Nachplatten“ bezeichnet habe „ohne einen Beweis dafür zu erbringen“ ist
richtig, aber auch durchaus berechtigt, da es mir zunächst nur auf den Mikro-
thorax ankam und die übrigen Teile einer weiteren erklärenden Untersuchung
vorbehalten blieben, wie sie im Vorigen gegeben wurde. Ich gab also eine
deskriptive Bezeichnung. solange mir meine Untersuchungen eine erklärende
Bezeichnung noch nicht gestatteten. Jedermann wird aber erstaunt sein zu
sehen, daß Börner sozusagen in einem Atem jene Bezeichnung von mir be-
mängelt und dann selbst es ebenso macht mit noch zahlreicheren „Vorplatten“,
die keine Vorplatten sind. Überhaupt sollte man annehmen, daß Jemand, der
so reichlich kritisieren kann, nun auch selber etwas Positives schaffen würde!
Schließlich heißt es „die vorderen seitlichen Teilstücke des Prosternums inter-
pretiert V. als Vorplatten des Prosternums, eine Behauptung, deren Unrichtigkeit
bei einem selbst oberflächlichen Blick auf die Ventralseite des Thorax irgend
eines Jıpy.x sofort einleuchtet. Hiermit ist auch die letzte Hilfe für V. ver-
oren“ u. s, w. dann wird geschlossen mit dem „Vorhandensein von nur 3 Thorakal-
86 Karl W. Verhoeff: Zur vergleichenden
bei den andern diese Urlarvenform durch Anpassung verloren ging.
Aber kann nicht die Campodea-Larve vieler Insekten selbst eine
solche Anpassung sein? Ist doch die Campodea weiter Nichts als
eine blinde 6 beinige Larve mit zwei Ruderborsten. Und wo finden
wir die letztere nicht überall? Ist aber die Campodea von den
Tausendfüßlern abzuleiten? — Man begründet dies vornehmlich
durch folgende zwei Tatsachen. Einmal durch die, daß manche
Springschwänze z. B. Japyx außer den 6 ordentlichen Beinen noch
eine Anzahl Griffel- oder Stummelfüße tragen. Dies sollen gleichsam
die verkümmerten Myriopoden-Anhänge hinter der Brust sein. Aber
haben denn die Schmetterlings- und Blattwespenraupen, die hoffent-
lich Niemand für verkappte Campodeen halten wird, nicht gleichfalls
Afterfüße, und sind dies etwa Verkümmerungen? Mehr gibt man
aber noch auf den Umstand, daß gewisse Myriopoden, z.B. Julus
mit nur drei Beinpaaren, d. h. also als Hexapoden zur Welt kommen
und die andern Füße erst später und zwar nach und nach mit der
gleichzeitigen Einschaltung neuer Stammringe erwerben. Aber ist
dies nicht ein Widerspruch, die Campodeen auf der einen Seite
als in Bezug auf ihre Hinterleibsbeine verkümmerte Vielfüßler zu
erklären und sie auf der andern Seite von 6 beinigen Myrioden-
Urformen oder vielleicht gar Larven abzuleiten, bei denen aus einer
unbekannten Ursache die Kompletierung des Stammes und seiner
Anhänge unterblieb? Aber speziell von welchen Myriopoden soll
die Campodea sich abgezweigt haben? Die sogenannten Doppel-
füßler (Julus etc.) können es nicht sein, denn hier münden die Ge-
segimenten deren jedes ein vorm abgeschnürtes Intersegment besitzt.“ Den
logischen Widerspruch, einmal die Ursegmente zu bekämpfen und dann
selbst von Intersegmenten zu sprechen habe ich schon betont. Wer ferner danach
suchen würde, eine vergleichend-morphologische Aufklärung über diese mysteri-
ösen Börner’schen Intersegmente in seinem Artikel zu finden, der sucht ver-
geblich.
Börner unterscheidet „Meron“ und Vorplatten als etwas Verschiedenes.
Dies ist an und für sich natürlich richtig aber nicht recht verständlich, wenn
man, wie er es selbst macht, die „Intersegmente“ als „Abschnürungen“ erklärt,
denn sein „Meron‘“ soll sich doch von seiner „Vorplatte“ die ein Teil eines Inter-
segmentes ist, dadurch unterscheiden, daß Ersteres abgeschnürt ist, Letztere nicht!
Mithin ein Widerspruch! — Bei den „Vorplatten“ kommt es natürlich nicht
auf diesen Namen as, sondern auf das, was derselbe bedeutet. Ich verstehe
unter den Vorplatten Sklerite, welche zwischen den Sterniten der Haupt-
segmente und denen der Urzwischensegmente liegen, wobei es schwer zu ent-
scheiden ist, ob dieselben auch wenn sie sich von den Hauptsterniten absetzen,
primär oder sekundär (als Interkalarsternite) diesen angehören. Durch einen
Vergleich des Japygiden-Thorax mit dem der Embiiden (worüber ich in Kurzem
nähere Mitteilungen mache) wird mancher Punkt noch wesentlich klarer hervor-
treten. —
Kritik ohne Aufbau gleicht nicht dem fruchtbaren Ackerland, sondern der
Wüste.
Morphologie und Systematik der Japygiden. 87
schlechtsorgane an der Brust aus, was bei Springschwänzen ganz
unerhört ist.
F. Brauer nennt aber die Lithobius-Larve als den Ausgangs-
punkt. Den Zithobius? Sind denn nicht bei diesen Tieren die
Vorder- und Mittelbrustbeine der Mundarmatur beigezogen und kann
man dies noch eine ungezwungene Erklärung nennen, wenn man
die Beine der Insekten z. T. aus den Kiefern der Viel-
füßler entstehen läßt! Und kommen denn die vielfachen übrigen
Organisations-Differenzen zwischen den vermeintlichen Urkerfen und
den Myriopoden z. B. im Bau der Geschlechtsorgane, in der Ver-
teilung der Stigmen u. s. w. gar nicht in Betracht? Wenn wir schon
überhaupt nicht beweisen können, daß die Urkerfe 6füßige Tiere
waren, müssen sie dann gerade umgewandelte Myriopoden sein und
müssen die Urkerfe gerade in der heutigen Gliedertierwelt aufgesucht
werden?“
Graber spricht dann weiter über Gegenbaurs direkte Ab-
leitung der Insekten von Ringelwürmern und die anderer Forscher
von der Zo&a der Urustaceen, Ansichten die hier kein Interesse für
uns haben.
In dem Vierteljahrhundert, was nach den angeführten An-
schauungen Grabers verging, hat sich in unserer Wissenschaft
Vieles geändert, weshalb ich dem Leser die Kritik überlassen kann.
Ein Teil dieser Anschauungen ist aber noch bis jetzt herrschend
geblieben.
Friedrich Brauer war mit der Hervorhebung der
Lithobius-Larve in sofern vollkommen auf dem richtigen
Wege als er die Bedeutung der Chilopoden für die Ab-
leitung der Insekten erkannte. Er machte aber auf der Ver-
folgung der richtigen Spur Halt, weil sich unlösbare Widersprüche
schon in der Segmenthomologisierung zu erheben schienen, freilich
waren es nur scheinbare, die aber bei den derzeitigen Kenntnissen
d.h, bei dem Unbekanntsein mit dem Mikrothorax und den andern
Urzwischensegmenten sowie der Nichtbeachtung der Interkalar-
segmente der Chilopoden, alle Versuche nach dieser Richtung
scheitern lassen mußten. Auf F. Brauers „Betrachtungen über die
Verwandlung der Insekten im Sinne der Deszendenz-Theorie“ in
den Verhandl. d. zool. botan. Ges. in Wien, TeilI 1869 und Teil II
1878, welche mindestens in historischer Hinsicht ein dauerndes
Interesse beanspruchen dürfen, sei hier verwiesen. Im II. Teil sagt
er in Bezug auf Paul Meyers phylogenetische Untersuchungen
sehr schön: „Ich glaube, daß wir uns vorläufig beide damit be-
gnügen können, einen Weg zur Kenntnis (der Phylogenie der In-
sekten) angebahnt zu haben, der eben nicht so weit vom Ziele
abzugehen scheint, da bei genauer Betrachtung die von uns erreichten
Ziele nicht weit von einander getrennt sind.“ Es ist das die Sprache
eines — nebenbei bemerkt außerordentlich hochverdienten — Forschers
von Scharfblick und großem Wissen zugleich, der das ruhige Be-
wußtsein hat und haben darf nur die Wahrheit gesucht zu haben.
88 Karl W. Verhoeff: Zur vergleichenden
Im I. Teile sagt F. Brauer a.a. O. S.151 weiter: „Wenn es
behauptet wird, ich hätte die Campodea als noch übergebliebenen
Rest der Urkerfe hingestellt, so ist das nicht richtig, denn ich habe
nur von einer Campodea-Form oder von einem Campodea-Stadium
gesprochen. Ebenso habe ich erwähnt, daß die Insekten aus der
Verwandtschaft der Campodea den Anforderungen entsprechen,
welche Häckel an die Urkerfe stellt. Dem entsprechend sagt auch
P. Meyer: „So ist es wohl kaum fraglich, daß eine der Machilis
nahestehende Form in Beziehung zu dem Protentomon steht.“ Auf
S. 164 und 165 haben die oben angeführten Anschauungen Grabers
mit Recht ein vernichtendes Urteil erfahren und sei hier nur
Folgendes angeführt: „Nach Graber soll Campodea nichts weiter
als eine blinde sechsbeinige Larve sein. Eine solche Unkenntnis
berührt in diesem sonst sehr lehrreichen Buche sehr unheimlich.“
Wenn er dann ‚meint, „Japys und Campodea* könnten „vielleicht
ganz gute Myriopoden werden,“ so ist das zu weit gegangen. Die
Campodea-Theorie Brauers ist aber im Allgemeinen ein sehr
wertvoller Gedanke gewesen, dessen stets gedacht werden muß,
wenn es sich um eine Darstellung unserer Kenntnisse über die Ab-
stammung der Insekten handelt.
Der Gedanke, die Insekten auf Myriopoden zurückzuführen, er-
hielt durch H. J. Kolbes Betrachtungen über die „Complementär-
segmente“ eine neue weitere Förderung, (vergl. seine Einführung in
die Kenntnis der Insekten,) worüber ich bereits an anderer Stelle
mich aussprach.
* *
*
. Haliday welcher 1864 in den Transactions of the Linnean
Society of London die merkwürdige Gattung Japyx zuerst bekannt
machte, hat von den Ursegmenten gar nichts gesehen, da er auf
seiner Tafel keine Spur davon zeichnet und im Text den großen,
gewöhnlichen Prothorax sogar schon „minimus“ nennt, was doch
selbst im Verhältnis zu Lepismiden nicht recht zutrifft. Die Kanten-
gabeln hat er beobachtet, zeichnet aber in seiner Abb. M vorne
zwei an dieselben sich anschließende Linien, welche nicht existieren.
1867 lieferte F. Meinert in den Annals and Magazine of Natural
History, London, S. 361—378 einen weit besseren Aufsatz als Haliday
besonders hinsichtlich der Mundteile wertvoll. Die „Spiracula* gibt
er auf „dena“ an. Er zuerst hat auch ursegmentale Teile des
Thorax beobachtet, ohne freilich deren Bedeutung zu würdigen.
Er schreibt auf S. 370: „The three thorax-rings are well separated
by double fold; and as some of these are chitinized both on the
dorsal and the ventral surface, we observe in the prothorax a prae-
sternum and poststernum, in the mesothorax a praetergum as well
as praesternum and poststernum, and in the metathorax both prae-
tergum and praesternum.“ Die 7 Paar Styli hat er ebenfalls deut-
lich beschrieben. Von den abdominalen Ursegmenten ist ihm nur
Morphologie und Systematik der Japygiden. 89
das vorderste aufgefallen, das er als „small protruding wart“ angibt.
Er schreibt vom Abdomen: „The ventral and dorsal shield of all
these seven rings cover almost the whole of their upper and under sur-
face, whilst the sides only in part are covered by small pleural plates.“
1868 wurden unsere Kenntnisse von Japyx vermehrt durch
einen Aufsatz von A. Humbert in der Revue de Zoologie auf
S. 345—354, dazu eine Tafel. Die meisten Arbeiten Humberts
tragen den Stempel der Sorgfalt und das gilt auch für diese, welche
mir im vorigen Jahre noch unbekannt geblieben war. Die Abb. 6
läßt zum ersten Male und zwar in vortrefflicher Deutlichkeit das
zapfenförmige Mikronotum erkennen!), obwohl allerdings weder
die Selbständigkeit noch die beiden vorne von mir beschriebenen
Gelenke zu erkennen sind. Der aufmerksame Beobachter muß aber
immerhin auf das Vorhandensein eines Gelenkes nach dieser Ab-
bildung schließen. Auch Steno- und Cryptonotum hat Humbert
zum ersten Male abgebildet, freilich nur ganz schematisch. Uber
Kantengabeln und abdominale Ursegmente dagegen finden wir nichts,
was am Abdomen so aussehen könnte, (Abb. 7) sind Zwischenhäute.
Auch er spricht von „Spiracula dena.“ Er weist (8. 347) darauf
hin, daß Haliday die von unten sichtbar werdenden „deux pieces“
des 9. Abdominalsegmentes gehalten habe für „une portion reflöchie
de l’arceau superieur, tandis que M. Meinert les interprete comme
la lame ventrale du segment, fendue sur le milieu. Or je me suis
convaincu, sur une espece tres voisine du .J. solifugus et de beau-
coup plus grande taille que lui, que ces deux pieces visibles en
dessous se continuent bien avec la lame dorsale, sans qu'il y ait
de trace de suture intermediaire. Nous pouvons donc les regarder
comme des prolongements de l’arceau dorsal.“ In meinem Aufsatze
„über die Endsegmente der Chiloyoden, Dermupteren und Japygiden“
u.s. w. habe ich bereits gezeigt, daß das wirkliche Sternit des
9. Abdominalsegmentes schr klein ist und versteckt liegt, wie dort
Abb. 8a und hier anbei Abb. 22 zeigt. Also hatten alle drei obigen
Forscher (Haliday, Meinert und Humbert) das Richtige nicht ge-
troffen. Außerdem kann ich zwar insofern Humbert beistimmen,
als die bewußten „deux pieces“ (vergl. meine Abb. 4 und 7ct, plx)
auch bei den von mir untersuchten Japygiden mit dem Tergit des
9. Segmentes vollkommen und breit verwachsen sind, aber nicht
hinsichtlich des Fehlens jeder „trace de suture,“ denn die Leisten l
(Abb. 4) des Coxitteiles sind bei x stets deutlich von dem weiter
außen befindlichen Bezirk abgesetzt: Bei .J. Saussurei Humb. springen
übrigens die „deux pieces“ mit auffallend langen Zapfen nach
innen vor.
F. Brauer beschrieb 1869 seinen Japyx gigas. Darin kommt
auch einmal der Ausdruck „Zwischensegment“ vor, ein Zeichen,
daß ihm die betr. Gebilde, welche Humbert angab, auch nicht
!) Dieses Merkmal ist also 1868 besser dargestellt als 1903 von Börner!!
Bei Börner sieht es so auch, als wäre der Japyx-Kopf im Nacken festgewachsen.
90 Karl W. Verhoeff: Zur vergleichenden
ganz unbekannt waren. Daß er sie trotzdem nicht weiter verfolgt
hat, zeigen die obigen Ausführungen.
Grassi (1885) ist also der Entdecker des 4. thorakalen Stigmen-
paares gewesen, wobei noch betont zu werden verdient, daß er auf
TafelI (Atti dell’ Accademia Gioenia di Scienze Naturali in Catania)
auch deutlich die Tracheen der Mittel- und Hinterbeine angegeben
und zwar aus dem Gebiete des 2. und 4. thorakalen Stigmenpaares,
was ein wichtiger Beleg ist für die von mir oben gegebene
Erklärung der segmentalen Zugehörigkeit der Thorax-
stigmen'). Vollkommen entspricht dem auch die Darstellung der
Beintracheen von Campodea, welche Palmen 1877 m der „Mor-
phologie des Tracheensystems“ gab, wonach die drei gewöhnlichen
Stigmenpaare des Thorax die drei Beinpaare versorgen, was doch
sehr dafür spricht, daß sie den drei großen Thoraxsegmenten an-
gehören. Meinert hatte dies auch ganz richtig betont, um so un-
verständlicher ist es, daß Palmen das nicht bestätigen will. Er
betont eine Stigmenlage vorne an den Segmenten, was sich aber
daraus erklärt, daß diese kleinen Formen die Sicherheit der Beob-
achtung schwieriger gestalten und weniger überzeugend als bei
Japygiden, umsomehr als das Tracheensystem der Campoderiden schon
stark reduziert ist.
Erich Haase (Abdominalanhänge der Insekten, 1889) hat be-
sonders die Coxalsäcke und ihre Drüsenhaare einer eingehenden
Untersuchung unterzogen, auch die Styli in sehr klarer Weise
besprochen, er berichtist die von Brauer behauptete Mehrgliedrigkeit
derselben. Die Ursegmente hat auch er nicht näher berücksichtigt.
Aus neuerer Zeit sei hier nur noch Silvestri erwähnt, dessen
Japygiden-Aufsätze aber an Sorgfalt hinter denen von Meinert,
Humbert, Grassi und Haase entschieden zurückstehen, wie schon
die teilweise ungenauen Zeichnungen erkennen lassen. Unbedingt
wertvoll ist aber seine Schrift „Materali per lo studio dei Tisanuri“
1901 im Bulletino della societ& entom. ital. durch die Mitteilungen
über „Projapy&“ In meinem erwähnten Aufsatz über die End-
segmente u. s. w. habe ich es sehr wahrscheinlich gemacht, daß
diese Tiere junge Entwicklungsformen von Japyx sind. Aus seiner
Fig. 2 kann man nur soviel sehen, daß am Thorax (3) und vor dem
1. Abdominalsegment Ursegmente vorkommen, welche mindestens
so deutlich sind wie bei den typischen Japyx, sonst aber schweigt
sich Silvestri über dieselben aus?).
1) Die Angaben Börners über die Stigmenwanderschaft von Japyx im
N. 695 des zoologischen Anzeigers: „Vorwärtsverschiebung um je 1 oder etwas
mehr als ein ganzes Segment“ enthehren jeder positiven Grundlage.
2) V. Willem sagt 1899 in seinen „Recherches sur les Collemboles et les
Thysanoures“ auf S.74 von Japy«: „Onze paires de stigmates, dont la premiere
se trouve dans le prothorax, Ja deuxieme dans le mesothorax, les troisi@me
et quatrieme dans le metatborax, les sept suivantes chacune dans un anneau
abdominal.“ Das ist von der mangelnden Aufklärung über das 3. Stigmenpaar
abgesehen, vollkommen zutreffend.
Morphologie und Systematik der Japygiden. 9]
10. Zur Kenntniß der Kopfteile.
Die Mundteile der Japygiden (und auch Campodeiden) weichen
schon auf den ersten Blick beträchtlich ab von denen der Insekten
mit typischen kauenden Mundteilen. Insbesondere scheinen bei
oberflächlicher Betrachtung die Taster zu fehlen, während die
Maxillen ganz auffallend tief liegen, was Veranlassung gab zur
Bezeichnung Endotropha. Eine Reihe von Forschern haben sich
mehr oder weniger eingehend mit den Mundteilen der Japygiden
beschäftigt und trotzdem sind einige wesentliche Teile derselben
unklar geblieben.
a) Die Mandibeln.
Die Mandibeln sind durch ihre auffallend gestreckte Gestalt
ausgezeichnet und durch einen beinahe spitzen, hinteren Zapfen,
dessen Ende in die Nähe der aus Abb. 16 ersichtlichen an der Kopf-
platte befindlichen Querleiste sk vor dem Hinterkopfgebiete reicht.
Zwischen den Mandibeln sind in der Mitte starke Muskeln aus-
gespannt, welche in der Mediane durch eine Blattsehne verbunden
werden. Eine hübsche Übersicht der die Mandibeln bedienenden
Muskulatur bietet uns die Fig. 1 in Meinerts angeführter Arbeit
(Annals and Magazine of Natural History 1867), worauf hiermit
verwiesen sei.
b) Die Maxillen, das Tentorium und der Hypopharynax.
Die weit nach hinten gerichteten „endotrophen“ Maxillen sind
mit dem Hypopharynx verwachsen. Dieser ist ein in der Mediane
tief eingeschnittenes Gebilde, welches jederseits aus zwei häutigen
Blasen besteht, (Abb. 23 Hy) welche zum Teil eine zierliche warzige
Struktur aufweisen und überdies reichlich und dicht mit feinen
Häutungshaaren besetzt sind. Die inneren Blasen sind die größeren
und heftet sich an sie im Innern ein Retraktormuskel mr, woraus
schon hervorgeht, daß sie in nicht geringem Maße vorgebläht
werden können und wieder zurückgezogen. Als innere Stütze dient
den Hypopharynx-Blasen eine Leiste, (£ Abb. 23), welche bei & an
die großen endoskelettalen, den Kopf von vorne nach hinten durch-
ziehenden Tentorium-Balken (tent) angewachsen ist. An die
Hypopharynx-Bälkchen £ und die kleineren Außenblasen sind, aller-
dings bei deutlicher Absetzung, die Maxillen angewachsen.
Dieselben bestehen aus fünf Hauptteilen, dem Stamm, der
Angel (cardo) dem Taster, der Außenlade coae und der Innenlade
coai (Abb.27). Daß wir in den Mundteilen umgewandelte, ur-
sprünglich andersartige Segmentanhänge zu sehen haben, ist schon
von manchen Forschern ausgesprochen worden, aber das „Wie“ der
Umwandlung bedarf noch sehr vieler Aufklärung. Am klarsten hat
sich m. E. bisher R. Heymons ausgesprochen, welcher in seinen
schönen „entwickelungsgeschichtlichen Untersuchungen an Lepisma
saccharina“ Leipzig 1897 auf 8.621 sagt: „Bei Lepisma zeigt es
99 Karl W. Verhoeff: Zur vergleichenden
sich mit großer Deutlichkeit, daß der Palpus maxillaris resp. labialis
den distalen Gliedern eines Extremitätenstammes, also etwa dem
eines Thoraxbeines homolog ist. Das Basalstück einer Maxille, von
dem der Palpus ausgeht, hat man dagegen dem Coxalabschnitt eines
Beines gleich zu setzen. An diesem basalen oder koxalen Teil er-
heben sich später als Auswüchse die Lobi interni und externi.*
Die Letzteren sind nach H. „als Coxalfortsätze aufzufassen, die an
den vordersten Rumpfbeinen entstanden sind und das Geschäft der
Aufnahme oder Zerkleinerung der Nahrung unterstützen sollten.“
1901 habe ich in meinen „Beiträgen zur Kenntnis paläarktischer
Myriopoden XVI. Aufsatz: Zur vergleich. Morphologie, Systematik
und Geographie der Chilopoden“ Halle, Nova Acta im 1. Teil „über
die Gliederung der Chilopoden-Beine, der Mundteile und der Kopf-
kapsel“ gezeigt, daß und wie wir die Mundgliedmaßen auf Laufbeine
zurückführen können und daher die ersteren geradezu als Mund-
füße bezeichnet. Auf S. 399 schrieb ich: „Die Spaltfuß-Deuteleien,
welche man dem Arthropoden-Schema zu Liebe um jeden Preis
auch bei den Antennata einführen wollte, werden die Chilopoden in
Zukunft hoffentlich verschonen und dann ist zu erwarten, daß auch
die Hexapoden nicht mehr damit beglückt werden, da Zurück-
führungen auf das einfache Laufbeinpaar, trotz aller „Laden“ und
„Lappen“ näher liegen als auf Gebilde, die bei den wirklichen
Uhrlopoden und FHexapoden gar nicht vorkommen.“
Im Stamm der Japygiden-Maxillen haben wir also die Hüften
vor uns. Dieselben sind von sehr eigentümlicher, gestreckter Gestalt
und bestehen aus einem äußerlichen vorderen und einem mehr
innerlichen hinteren Abschnitt. An Letzterem bemerkt man eine
Längsleiste (# Abb. 23) und vom Hinterrande dieser abgehend eine
Nebenleiste « und eine andere kleinere nach hinten. Da wo diese
drei Leisten zusammenlaufen befindet sich innen ein Höckerchen
und eine Grube, welche mit dem Außenende der Angelcar ein
Gelenk bilden. Der längliche Vorderabschnitt co! der Hüfte trägt
auf seinem Ende einen kurzen zweigliedrigen Taster, dessen kürzeres
erstes Glied fast nackt, dessen zweites aber kräftig beborstet ist.
Vor dem Ende von co! fällt am Rande ein Borstenpaar p auf und
innen daneben in einer geraden Reihe mehrere kleine Börstchen.
Eine Naht, oder Gliedgrenze ist an dieser Stelle nicht vorhanden,
ich vermute aber aus Gründen, welche ich voraussichtlich in einer
andern Arbeit bespreche, daß hier eine Gliedgrenze verschwunden
ist, Nur ein einziger Tastermuskel m? dient zur Bewegung der
beiden Glieder, er setzt sich, aus dem Vorderabschnitt der Hüfte
stammend, an die äußere Basis des grundwärtigen der beiden Glieder.
Innen vom Taster bemerkt man die beiden Laden, welche als An-
hänge der Hüfte nicht nur durch Lage und Gestalt, sondern und
zwar am deutlichsten auch durch ihre Muskeln sich zu erkennen
geben.
Die innere Lade (Abb. 27) wird durch zwei Muskeln bewegt,
einen m!, welcher fast quer herüber in den Vorderabschnitt der
Fi nn
Morphologie und Systematik der Japygiden. 95
Hüfte zieht und einen andern m (Abb. 26), welcher an der ge-
schilderten Leiste « des Hinterabschnitts sich ausbreitet. Die äußere
Lade (Abb. 27 coa e) scheint nur durch einen, übrigens recht langen
Muskel bedient zu werden, aber bei näherer Betrachtung findet
man, daß derselbe vor dem Ende sich in zwei Aste teilt (m® Abb. 25
und 27). Dieser Muskel kommt vom Endrande des Hinterabschnitts
der Hüften.
Die innere Lade ist durch ein sehr schwaches Gelenk (Abb. 26
xx) gegen die Hüfte abgesetzt. Sie stellt eine dunkelfarbige starke,
am Ende ziemlich spitze, fast mondsichelartige Kralle vor, auf
deren Basis innen fünf glasige, am Innenrande gezähnte Kämme
sitzen (Abb. 24 und 26).
Total anders erscheint die äußere Lade, indem sie einen nament-
lich am Außenrande beborsteten Zapfen darstellt, dessen schmäleres
Ende (Abb. 25) namentlich innen abgesetzt ist und hier (d) eine
Verdickung zeigt. Dieser Endabschnitt ist bei den meisten Japygiden
mit Sinnesstäbchen besetzt und zwar einigen kurzen und einer
Anzahl längeren p. An diese Sinnesstäbchen ziehen Nervenfasern nf.
Neben dem Zapfen breitet sich eine zarte Lamelle r aus, deren
Gestalt bei manchen Arten Verschiedenheiten von der in Abb. 25
dargestellten aufweist.
Wir sahen oben, daß Heymons die Laden als „Coxalfortsätze*
oder „Auswüchse“ der Hüfte betrachtet und das ist ja auch zweifel-
los richtig. Aber diese Gebilde sind doch noch mehr als das, denn
sie sind keine beliebigen, muskellosen Hüftfortsätze, sondern ganz
besonders durch die geschilderten Muskeln charakterisierte, glied-
artige Auswüchse, also Coxalanhänge höheren Wertes. Indem
ich mich nach einer Erklärung derselben umsah, handelte es sich
darum, ähnliche Gebilde an Rumpfsesmenten verwandter Formen
aufzufinden. Solche bieten uns aber die abdominalen Coxalsäcke
der Thysanuren in ausgezeichneter Weise. Man vergleiche z.B, in
meinem Aufsatze „zur vergl. Morphologie der Coxalorgane und
Genitalanhänge der Tracheaten“ Zool. Anzeiger N. 687 Abb. 2 oder
E. Haases Abb. 19 in seiner zitierten Arbeit über die Abdominal-
anhänge. Styli, Coxalsäcke und andere durch Muskeln be-
wegliche Hüftanhänge habe ich zusammenfassend als
Coxalorgane bezeichnet. Dementsprechend nenne ich auch die
beiden „Laden“ Coxalorgane (coai coae), einen Zusammenhang
mit anderen Erscheinungen begründend, während mit „Laden“ gar
nichts gesagt ist.
Die Cardo ist ein schmaler Balken, der wie schon gesagt ein
Gelenk mit der Maxillarhüfte bildet. Diese schmale leicht gebogene
Cardo besitzt im Gegensatze zu vielen andern Insekten keine Tast-
borsten, entsprechend dem Umstande, daß sie mit den Maxillen ge-
meinsam so weit ins Innere gerückt ist.
Auf die vergleichend-morphologische Natur der Cardo einzugehen
ist hier nicht der Ort. Die schon erwähnten,’langen Tentorium-
Balken dienen mehreren Muskeln zum Ansatz (m?) welche quer
94 Karl W. Verhoeff: Zur vergleichenden
herüber zur Maxillenhüfte ziehen und sich an deren Leiste 8 be-
festigen. Andere weiter hinten von den Tentorium-Balken ab-
gehende Muskeln befestigen sich an der Cardo und zwar zwei (m)
an deren Vorderrand, einer an deren Außengebiet hinten m5. Innen
gehen von den Tentorium-Balken lange Muskeln ab mpth, welche
zum Prothorax ziehen. Ein auffallender äußerer Fortsatz des Ten-
torıum (Abb. 34 ob) heftet sich hinten an die Cardo und vermehrt
die feste Verbindung beider Teile und damit auch die stützende
Basis der Maxillen.
c) Die Unterlippe und die Backen.
Die Unterlippe ist der bisher am mangelhaftesten bekannte Teil
der Mundgliedmaßen. Sie stellt scheinbar eine einzige große Platte
dar, welche R. v. Stummer Traunfels in seinen „vergl. Unter-
suchungen über die Mundwerkzeuge der T’hysanuren und Collembolen“
Sitz. d. kais. Akad. d. Wiss. Wien 1891 S.3 nicht mit Unrecht dem
Gnathochilarium der Chzlopoden äußerlich ähnlich findet. Zwischen
der dorsalen Kopfplatte und den ventralen Unterlippenteilen breiten
sich längliche Backen aus (B Abb. 28 und 33), welche jedenfalls
als Pleuren aufzufassen sind. Ob sie aber einem, zweien oder allen
drei Kiefersegmenten angehören, ist vorläufig nicht zu entscheiden.
Oben sowohl als unten sind sie durch Nähte und z. T. auch Zwischen-
haut deutlich genug begrenzt. Die eigentliche Unterlippe besteht
aus einem einheitlichen hinteren Teil der durchaus den Eindruck
einer Bauchplatte macht und mehreren getrennten, also paarigen
vorderen. Diese vorderen Teile sind je nach den Arten von der
Bauchplatte vollständig oder nur innen durch eine Naht getrennt,
Es sind ihrer drei Paar innere und ein Paar äußere. Die drei
inneren Paare liegen hinter einander und zwar ist das vorderste
stets sehr deutlich und selbständig abgesetzt, während die beiden
andern bei manchen Formen (z. B. Japyx graecus Verh. Abb, 28)
nur durch eine kurze Naht y unvollständig gegen einander abgesetzt
sind, bei manchen dagegen (z. B. Japyx dolinensis Verh.) recht deut-
lich als verschiedene Gebilde zu erkennen sind. Außen sitzt auf
dem hintersten der drei paarigen hinter‘ einander befindlichen
Teile ein beborsteter Zapfen (sty), der nicht in einer Ebene mit den
andern Gebilden liegt, sondern ganz nach unten absteht. Weiter
außen von den geschilderten drei paarigen Teilen und zwischen
ihnen und den Pleuren befindet sich jederseits ein außen abgerundetes,
im Ganzen annähernd dreieckiges Stück pal, welches die weiter
hinten gelegene Bauchplatte nicht oder höchstens in einem Punkte
berührt. Diese Bauchplatte springt bei J. dolinensis mit dreieckigem
Zipfel vorne vor und besitzt jederseits an den Vorderecken auch
noch ein unvollständig abgesetztes Vorplättchen (pl Abb. 33). Die
Untersuchung der Muskulatur wird uns auch hier wieder das Ver-
ständnis der geschilderten Teile erleichtern. Der hinterste der drei
inneren paarigen, hinter einander gelegenen Teile gibt sich alsbald
Morphologie und Systematik der Japygiden. 95
als besonders wichtig zu erkennen, indem einmal auf ihm außen
der beborstete Zapfen steht und dann auch vier Muskeln
von ihm ausstrahlen, einer msty an den Grund jenes Zapfens,
ein anderer schräger me an das äußere dreieckige Stück, ein dritter
direkter mitten an den Grund des vorne sich anschließenden Teiles
coai und ein vierter indirekter Brückenmuskel m der dieses Stück
durchsetzt an den inneren Grund des vordersten Teils. Es kann
nach dem Gesagten keinem Zweifel mehr unterliegen, daß das Ge-
bilde, von welchem die vier Muskeln ausstrahlen die Hüfte der
Unterlippenbeine vorstellt (co Abb. 33) und außen in ty-
pischer Weise einen nach unten gerichteten Stylus trägt.
Hiermit sind aber zum ersten Male Kopfstyli nachgewiesen. An
die Hüfte schließen sich nun weiter endwärts d.h. vorne an zwei
beborstete Coxalorgane innen, die sich etwas gegen einander
verschoben haben und einen eingliedrigen Taster pal als Telo-
podit außen.
An der Grenze zwischen dem äußeren Coxalorgan coae und
dem Telopodit pal heftet sich noch ein bei seiner Kontraktion jeden-
falls auf beide Gebilde zurückziehend wirkender Muskel mv an, der
aus dem Seitengebiet der Bauchplatte herkommt. Die Bauchplatte
springt am Hinterrande mit einem mittleren Lappen vor, wodurch
zwei dreieckige Einbuchtungen entstehen, in denen sich Muskeln
befinden m?, welche aus dem Prosternum kommen (Vergl. Abb. 17).
Hinter dem Mittellappen liegt bei manchen Arten noch ein kleines
gegen ihn bewegliches Stäbchent, welches die Verbindung mit
dem Mikrosternum unterstützt. Kräftige dorsoventrale Muskeln
heften sich vor den Hinterrandeinbuchtungen an die Bauchplatte
(mdv Abb. 28). Daß diese ein echtes Sternit und zwar das
Sternit der Unterlippenfüße ist, ergibt sich einmal schon aus
Gestalt und Lage, dann zeigen es aber auch die von demselben
ausgehenden Muskeln mv, welche Sternit und Telopodit verbinden.
Da dies jedoch Brückenmuskeln sind, will ich hier zur Ergänzung
schon einfügen, daß z.B. bei Machilis, Embia und Periplaneta von
dieser Bauchplatte, welche dort als Mentum oder Mentum und
Submentum bekannt ist, kräftige direkte Muskeln an den
Grund der Hüften der Unterlippenbeine ziehen, also typische
sternocoxale Muskeln vorstellen, wie wir sie aus den Thoraxhaupt-
segmenten kennen. (In einer andern Arbeit komme ich auf diese
Dinge zurück.)
Innerhalb der oben erwähnten Backen oder Pleuren liegen
hinter einander drei Drüsen, von denen die beiden vorderen einen
parenchymartigen Bau zeigen, während die hinterste einen langen,
aufgeknäulten Schlauch darstellt (Abb. 28 spd). Derselbe liegt ganz
oder doch mindestens größtenteils im Bereich des Kopfes und zwar
oberhalb des hintersten Abschnittes der geschilderten Backen, der
durch eine abgekürzte Naht f abgesetzt ist. Nur in Grassis
Memoria I Taf. II Abb. 21 und Memoria VII Abb. 32 fand ich diese
hintersten Drüsen als „ghiand. salivari“ schematisch angegeben. Ich
96 Kar] W. Verhoeff: Zur vergleichenden
fand dieselben viel stärker geknäuelt und mehr nach hinten und
außen liegend, in der angegebenen Weise. Über die Ausmündung
ist bei Grassi nichts zu sehen. Nach Oudemans münden die
Speicheldrüsen von Machilis (Bijdrage tot de kennis der Thysanura
en Collembola, Amsterdam 1887) wie seine Abb. 21 erkennen läßt,
oben am Grunde des Labiums.
Die vorn geschilderten äußeren Coxalorgane der Unterlippe von
Japygiden sind hauptsächlich unten beborstet, oben nur am End-
rande (Abb. 29) während vor demselben ein mehr häutiges Gebiet
liest. Dieses obere häutige Gebiet zeigt einen Spalt und neben
demselben einen nach Arten verschiedenen Lappen. Bei graecus
(Abb. 29) ist der Lappen fein gezähnelt und steht mehr nach außen,
bei dolinensis ragt er innen mit einem dreieckigen Zipfel vor (Abb. 33),
der schon von unten zu sehen ist. Weiter nach hinten schließt
sich eine Haut an, welche anfangs (H Abb. 28) trichterartig breit
ist, sich dann aber verengt und die Breite der geschilderten Drüse
annimmt. Diese schlauchartigen Speicheldrüsen münden also in
einem trichterartigen Sack oben am äußeren Coxalorgan der Unter-
lippe. Die beiden vorderen, parenchymartigen Drüsen sind über-
haupt unbekannt geblieben, aber Grassi hat eine derselben in dem
Querschnitt der Abb. 1 Taf. III seiner Memoria I 1885 unverkennbar,
wenn auch wenig zutreffend gezeichnet und nach Abb. 25 zu urteilen,
als „tessuto connetivo* betrachte. In Abb.22 der Taf. IV kann
auf die vorderste Drüse das mit „or lin.?“ bezeichnete Gebilde be-
zogen werden, welches er „tessuto connettivo speciale“ nennt. Diese
beiden parenchymatischen Drüsen sind aber als solche unverkennbar.
Sie bestehen aus unregelmäßig polygonalen Zellen, welche in Form
eines an Blattparenchym der Pflanzen erinnernden Gewebes zwei
große Klumpen bilden deren hinterer etwas größer ist als der
vordere. Sehr deutlich sind die Zellkerne (Abb. 30). Betrachtet
man diese Drüsenklumpen von oben, so fällt bei geeigneter Prä-
paration sehr bald ein mittleres Gebiet auf, in welchem sehr feine
Fädchen nach allen Richtungen auseinanderstrahlen. Ich nenne
danach diese beiden Drüsen Strahlendrüsen (Abb. 28 dr und dr).
Die hintere Strahlendrüse wird vorne innen und hinten von
einer mondsichelähnlichen Pigmentmasse umfaßt, welche bei manchen
Japyx schon mit unbewaffnetem Auge zu erkennen ist, wenn man
den Kopf des Tieres von unten betrachtet. In Abb. 28 sind außer
der Strahlung nur wenige Zellen angegeben. Nach dem was wir
über den Bau ähnlicher Drüsen wissen, stellen die feinen Fäden der
Strahlung winzige Röhrchen vor, aus denen das Drüsensekret in
einen Sammelraum gelangt. Da das mir zur Verfügung stehende
Material nicht übergroß ist und mich die histiologischen Einzelheiten
wenig interessieren, so überlasse ich deren Untersuchung Interessenten,
denen frische Objekte zur Verfügung stehen, woran sich die Details
ja leicht beobachten lassen, nachdem einmal die Drüsen im All-
gemeinen festgestellt sind. Wichtig ist aber die Frage nach der
Ausmündung. Die vorderen Strahlendrüsen münden, soweit ich sehen
Morphologie und Systematik der Japygiden. 97
konnte, in einer Spaltrinne (drx Abb. 31) zwischen dem Telopodit
und äußeren Coxalorgan, die hinteren vermutlich in der Rinne
zwischen Pleuren und Sternit, doch habe ich darüber nichts Sicheres
feststellen können.
d) Bemerkungen über frühere Beobachtungen an den
Mundteilen der Japygiden.
Über ältere, gar zu ungenaue Beobachtungen gehe ich hinweg.
Meinerts Arbeit von 1867 erwähnte Ich bereits weiter vorne. Er
ist der Einzige, der in seiner Abb. 2 auch an den Maxillen mehrere
Muskeln zuerst richtig gestellt hat, so den des Telopodit g und den
langen Muskel, welcher Tentorium und Prothorax verbindet. Andere
sind aber ungenau und von den Muskeln der Maxillencoxalorgane
gibt er nur den quer verlaufenden an.
Grassi hat in den genannten Memorien 1885 und 1888 Tento-
rium und Maxillencardines, wie überhaupt die wichtigsten Bestand-
teile der Maxillen ziemlich richtig angegeben, doch ist die Gestalt
der Hüfte ebenso unklar wie der genauere Zusammenhang dieser
mit den andern Teilen. Über die Muskeln der Mundteile erfahren
wir fast nichts und die Beschaffenheit der Unterlippe (vergl. z. B.
seine Abb. 7 Taf. II Mem.I) ist durchaus unklar.
1891 kam R. v. Stummer-Traunfels a. a. O. weiter als Grassi,
indem z.B. an der Unterlippe der Fig. 1 seiner Taf. II die Elemente
teilweise klarer hervortreten, aber immer noch nicht vollständig.
Recht hübsch und überhaupt (wenn man von den Muskeln absieht)
erschöpfend ist seine Behandlung des Hypopharynx und Tentorium.
Letzteres nennt er nicht unzweckmäßig „Stützstücke.“ Sehr schön
klar zeigen seine Abb. 10 und 11 die Seitenfortsätze des Tentorium
und ihre Verbindung mit der Maxillencardo.. Bei weitem am un-
klarsten bleibt noch die Unterlippe, welche er mit „Unterlippe?*
und statt dessen „untere Mundplatte“ bezeichnet. Er will auf Grund
der Mundteile die Japygeden und Campodeiden mit den Collembolen
als Entognathen den Lepismiden und Machiliden als Ectognathen
gegenüberstellen. In den Mundteilen stehen ja die Endotrophen den
Collembolen zweifellos viel näher als den Zetotrophen. Aber die
große Menge anderweitiger Organisationsverhältnisse, in denen sich
Ecto- und Endotropha entschieden näher stehen als Endotropha und
Collembola, lassen es allein richtig erscheinen, alle drei Gruppen
als selbständige Ordnungen zu behandeln, wobei dann die Endotropha
eine gewisse Mittelstellung einnehmen zwischen den beiden andern
Ordnungen,
R. v. Stummer-T. hat die Maxillen der Japygiden bei seiner
Auffassung zerrissen, indem er nur die Krallen- und Basalteile als
Maxillen erklärte. Er sagt auf S. 10: „Es müßte die unpaare Aus-
stülpung an der Unterlippe, die man als Hypopharynx bezeichnet
(Claus) sich von ihrem Ausgangspunkte abgelöst haben und mit
dem Außenladen der Maxille in festen Verband getreten sein,
Arch. f. Naturgesch. Jahrg. 1904. Bd.I. H.1 7
98 Karl W. Verhveff: Zur vergleichenden
während dieser mit seinem Taster sich bis auf eine zarte Verbindungs-
membran vom Stipes abgelöst hätte; ein sehr unwahrscheinlicher
Vorgang.“ In Wirklichkeit zeigen die verbindenden Muskeln, daß
dieses „Unwahrscheinliche“ wie wir oben sahen das allein Richtige
ist. St.-T. erwähnt auf S.9 auch „zwei wasserhelle, vorstülpbare
Bläschen oder Papillen, die am oberen Rande der Unterlippe von
Japy& zu bemerken sind.“ Mich bestärkt diese Außerung in der
Auffassung des Muskels mx meiner Abb. 28 als eines Rückziehers
des erweiterten Endteiles des Speicheldrüsenganges. Auf die „untere
Mundplatte* v. Stummers brauche ich nicht weiter einzugehen.
H. J. Hansen hat 1893 in seinen Untersuchungen „zur Mor-
phologie der Gliedmaßen und Mundteile bei Orustaceen und Insekten“
auf S.208 des Zoolog. Anzeigers auch Japyx behandelt und speziell
unter N.39. Abgesehen davon, daß ich mir von Vergleichen
zwischen Tierklassen die wie Crustacen und Hexapoden in keinem
direkten phylogenetischen Zusammenhang stehen, keinen rechten
Erfolg versprechen kann, [da es in der Regel zur Vermengung von
Analogie und Homologie führt] steht Hansen ungefähr auf dem
Boden der Anschauungen von Stummer-Traunfels, d.h. er hat den
Maxillenbegriff ebenfalls unnatürlich gespalten wie jener Autor,
findet daher selbst die „Maxillulen in ihren Basalteilen ziemlich
abnorm gebaut.“ Hansens Untersuchungen sind gewiß für die
Crustaceen sehr wertvoll, für die Insekten zu kurz und ungenau.
V. Willem bespricht a.a. 0. 1899 S.84 „la bouche de Japyx
solifugus“. Schon seine Abbildungen zeigen, dab er unsern damaligen
Kenntnissen nichts Wesentliches hinzugefügt hat. Seine Abb, 4 auf
Taf. XVI kann nur als Habituszeichnung dienen. Er findet die
„dessins du memoire de Grassi peu explicites,* gibt aber selbst
nichts Explizierteres. Seine Behauptung „les segments principaux
et les segments basilaires des deux moities du labium sont soudes“
ist irrtümlich, er hat die einzelnen Elemente der Unterlippe über-
haupt nicht alle gesehen. Die Styli hat er wie alle andern Autoren
für Palpen angesehen. Stummers Arbeit und damit seine An-
schauungen berührt er überhaupt nicht. Meine obigen Mitteilungen
dürften gezeigt haben, daß die Mundteile der Japygrden, wenigstens
in der Unterlippe, von denen der Oollembolen doch nicht unerheblich
verschieden sind. Auf Folsoms schöne und ausführliche Unter-
suchungen über Collembolen-Mundteile sei hier nur kurz hingewiesen.
Zum Vergleiche mit den Strahlendrüsen der Japygiden er-
innere ich an den Abschnitt der Arbeit V. Willems auf S. 85 über
die „glandes salivaires et c&phaliques des Collemboles.“
Silvestri 1901 beschreibt in seinen „Materiali per lo studio
dei Tisanuri* Bull. soc. entom. ital. die Mundteile des „Projapyx
stylifer Cook.“ Abb.5 zeigt nur „tre appendici* an den inneren
Coxalorganen der Maxillen, nach meiner Auffassung ein Larven-
charakter. Von der Unterlippe gab er eine bessere Darstellung als
die früheren Autoren, doch ist auch diese (selbst von Muskeln und
Drüsen abgesehen) nicht ganz klar und vollständig. Er beschreibt
Morphologie und Systematik der Japygiden. 99
„un mento ben distinto, due grandi lobi interni laminari oceupanti
tutta la parte superiore del labro..* Ob die inneren Coxalorgane
diesen „Projapyx“ fehlen, oder von Silvestri nicht gesehen wurden.
kann ich nicht entscheiden. Die Hüften der Unterlippe beschreibt
er als „palpigero trasversalmente trapezoidale.“
Börner schreibt auf S. 3 einer Arbeit über die „A,terygoten-
Fauna von Bremen und den Nachbardistrikten* Bremen 1901:
R.v. Stummer-Traunfels „hält mit Grassi die Collembolen für
rückgebildete Thysanuren der Gruppe der Entotrophi, eine Ansicht
die wohl sämtliche Forscher heutzutage vertreten dürften. Keines-
wegs aber ist es, m. E. zu rechtfertigen, die Collembolen mit diesen
als Entognathi den Eetognathi gegenüber zu vereinen“... . „der
Bau der Mundwerkzeuge u.a. offenbart uns nur die phylogenetische
Abstammung der Collembolen von den Entotrophi.“ Teilweise bin
ich nach dem Obigen ja hiermit in Übereinstimmung, doch ist an
eine direkte Ableitung der Collembolen von den Endotropha in
keinem Falle zu denken, das zeigt einmal die schon genannte Ab-
weichung der Mundteile der Endotropha namentlich hinsichtlich des
Labiums und dann die Unmöglichkeit, die Hinterleiber der
Collembolen (selbst bei den weitesten Konzessionen) auf diejenigen
der Campodeiden oder Japygiden zurückzuführen. Man muß viel-
mehr beide Ordnungen von Prothysanuren ableiten.
* +
II. Systematik.
1. Die Adolescentes.
In meinem Aufsatze Nova Acta 1903 „über die Endsegmente
des Körpers der Chilopoden, Dermapteren und Japygiden“ habe ich
bereits einige allgemeine Mitteilungen zur Systematik der Japygiden
gemacht, worauf verwiesen sei. In dieser Arbeit konnte ich auf
den Objekten fußen, welche ich selbst auf mehreren Reisen erbeutet
habe, namentlich in Österreich-Ungarn, Griechenland und Italien.
Obwohl auch diese Formen nach Individuen und Arten nicht zahl-
reich sind, da ja Japygöden in den meisten Gegenden, selbst der
Mittelmeerländer, nicht so leicht aufzufinden sind und meist nur
vereinzelt angetroffen werden, ist es doch immerhin mehr als das
was bisher im Berliner zoologischen Museum aus dieser Gruppe
vorhanden war. Die von mir gesammelten Objekte sind jetzt in
den Besitz des Berliner Museums übergegangen.
Abgesehen von der Klärung über die „/Projapygiden“ glaube
ich einen Fortschritt in der Systematik durch die Erkenntnis ge-
wonnen zu haben, daß Japy& solifugus im bisherigen Sinne keine
besondere Art vorstellt, sondern Entwickelungsformen mehrerer,
vielleicht einer großen Anzahl von Arten und daß in Ober-
und Mittelitalien insbesondere „solöfugus“ die älteren Larven von
7*
100 Karl W. Verhoeff: Zur vergleichenden
„major“ vorstellt. Demgemäß muß der Name major fortfallen und
solifugus im erweiterten und verbesserten Sinne genommen werden.
Die Zangen geschlechtsreifer Japygiden sind nämlich aus-
gezeichnet entweder durch unregelmäßige Bezahnung, (an jeder
einzelnen Zange von vorne nach hinten), oder durch auffallende
Asymmetrie, unter Anderm auch durch zwei Zähnchenreihen an
einer der beiden Zangen (Abb. 42) oder durch besonders reiche
Beborstung, übrigens auch durch besonders starke Chitinisierung und
Pigmentierung.
Die Zangen der solifugus-Unreifen dagegen, welche ich Ado-
lescentes nennen will, haben alle diese Eigenschaften nicht, besitzen
vielmehr innen gleichartig fein gezähnte Zangen und in der Mitte
oder vor derselben an jeder Zange einen dreieckigen spitzen und
vorragenden größeren Zahn, den ich den Adolescens-Zahn nenne.
Wie gesagt sind diese Adolescens-Zangen symmetrisch, nur die
Stellung der genannten großen Zähne ist mehr oder weniger asym-
metrisch, an einer Zange etwas mehr vorne gelegen als an der
andern. Silvestri hat a.a. O. in Abb. 17 die Adolescens-Zangen
von solifugus annähernd richtig abgebildet. Derartige „solifugus“
findet man als kleinere zartere Induviduen aber nicht nur neben
major, sondern auch neben africanus (vergl. Abb. 3 in meinem Auf-
satze über die Endsegmente) und ich selbst habe sie gesammelt
neben corcyraeus auf Korfu, neben dolinensis in der Herzegowina
und neben graecus im Peloponnes. Wir würden also, wenn wir
diese als eine besondere Art annehmen wollten, solche „solöfugus“
allerdings auffallend weit verbreitet finden und gleichzeitig, was
noch viel wunderlicher wäre, keine Entwickelungsformen von allen
diesen Arten kennen! Thatsächlich sind eben diese „solöfugus“ die
für eine ganze Reihe von Arten gleichen oder doch wenig-
stens äußerst ähnlichen Larven.
Durch die Aufklärung des genannten Irrtums ergibt sich, daß
auch die angeblich so weite Verbreitung von „solfugus“ irrtümlich
ist. Ob nun diese Larven aus verschiedenen Ländern, welche ver-
schiedenen Arten angehören, sicher unterscheidbar sind, muß ich
vorläufig dahin gestellt sein lassen, zumal die Unterschiede, welche
ich beobachtete, zu unbedeutend sind, um sichere Verwendung finden
zu können. Bei Arten, welche einander ferner stehen, werden sich
gewiß auch Larvenunterschiede feststellen lassen, ich hoffe, zumal
wenn zahlreichere Stücke zum Vergleiche vorhanden sind, auf diesen
Punkt später einmal zurückkommen zu können. Auf unreife Stücke
aufgestellt sind offenbar die Arten Japyx indicus Oudemans und
Japyas platensis Silvestri.
Der Hinterrand des Öoxosternums des 1. Haupt-Abdominal-
segmentes bietet Merkmale, welche zur Artunterscheidung sehr
brauchbar sind. Wir finden hier jederseits ein ausstülpbares Coxal-
organ und einen zierlichen Wimperbesatz an seinem Rande. Bei
Japys graecus (Abb. 18) finden sich zwischen den großen Coxal-
organen weiter innen noch zwei kleine cc, die auch eine Wimper-
an ae
Morphologie und Systematik der Japygiden. 101
gruppe besitzen. Zwischen diesen Nebenwimpergruppen in der
Mitte steht ein Läppchen (d Abb. 19), welches eine Anzahl sehr
kurzer Tastborsten trägt. E. Haase giebt a. a. O. Abb. 19 für J.
gigas Brauer ebenfalls Nebenwimpergruppen an. Dieselben stoßen
aber hart an die Wimperreihe der großen Coxalorgane, während
sie bei J. graecus geringer an Wimperzahl sind und weit von den
Letzteren getrennt. Auch hat E. Haase die Hauptcoxalorgane an
der Ansatzstelle des großen Retraktors vollkommen eingeschnürt
gezeichnet, was ich an den mir vorliegenden Arten nicht beobachtet
habe. Den Mittellappen hat auch E. Haase ganz deutlich und in
engstem Anschluß an die Coxalsäcke angegeben.
2. Bestimmungsschlüssel der Japygiden-Gattungen:
A. Unterlippe ohne Styli, Coxosternum des 1., 2. und 3. Abdominal-
segmentes hinten mit Coxalsäcken (der Thorax soll nur
2 Stigmenpaare besitzen).
1. Gatt. Parajapyx Silvestri (P. Isabellae Grassi).
B. Unterlippe mit Styli, Coxosternum des 3. Abdominalsegmentes
hinten ohne Coxalsäcke. Thorax mit vier Stigmenpaaren . C
C. Hinterränder des 7. und 8. Tergites des Abdomen nach hinten
als Zipfel oder Spitzen vorragend. Endlappen der äußeren
Coxalorgane der Maxillen mit einer Anzahl von Sinnesstiften
besetzt. Coxosternum des ersten Abdominalsegmentes mit
Coxalsäcken, die am Rande einen Wimperbesatz führen.
Rücken des Thorax und Abdomen mit mehr oder weniger zahl-
reichen, langen Tastborten. Ungulum'!) zwischen den Krallen
unten höchstens mit einem vorspringenden Höckerchen. Stigmen
des 7. Abdominalsegmentes nicht auffallend grob.
2. Gatt. Japyx (Hal.) s. str.
a) Coxosternum des 2. Abdominalsegmentes ohne Coxalsäcke,
des 1. mit solchen deren Wimpersäume innen einen be-
trächtlichen Teil des Hinterrandes frei lassen.
2a Untergatt. Japyx& mihi
(hierhin solöfugus, africanus, dolinensis, Braueri, graecus,
corcyraeus u. A.)
b) Coxosternum des 2. Abdominalsegmentes mit einem Paar
von Coxalsäcken, des 1. mit zwei (bis drei) Paaren, deren
Wimpersäume gegen die Mediane hin den ganzen Hinter-
rand außer dem Mittelläppchen einnehmen.
2b Untergatt. Megajapyz mihi
(hierhin gigas Brauer)
D. Hinterränder des 7. und 8. Tergites des Abdomen an den
Hinterecken völlig abgerundet. Endlappen der äußeren
1) Vergl. meine Arbeit „Tracheaten-Beine, 4. und 5. Aufsatz“ Noya Acta
d. kais. Akademie deutscher Naturforscher, Halle 1903,
102 Karl W. Verlioeff: Zur vergleichenden
Coxalorgane der Maxillen völlig ohne Sinnesstifte. Coxo-
sternum des ersten (und auch der übrigen) Abdominalsegmente
ohne deutliche Coxalsäcke, jedenfalls ganz ohne Wimperbesatz.
Rücken des Thorax und Abdomen ohne längere Tastborsten,
fast nackt. Ungulum zwischen den Krallen unten mit zwei
vorspringenden Höckerchen. Stigmen des 7. Abdominal-
segmentes sehr länglich und auffallend groß, fast so lang wie
die Styli. 3. Gatt. Heterojapyx Verh. n.g.
(hierhin novaezeelandiae Verh.
Anmerkung: Daß ich die „Projapygiden-Gattungen Silvestris
„Projapyx“ und „Anajapyx“ für Jugendformen halte, habe ich be-
reits ausgeführt.
3. Heterojapyz novaezeelandiae Verh.
[= Japyx novaezeelandiae Verh. 1903 a. a.O. über die End-
segmente u. Ss. w.
— Japy& sp. in meiner Arbeit „über den Thorax der Insekten“
Nova Acta, Halle 1902.]
Von den Zapfen oder Spitzen des Ungulum, welche zwischen
den Krallen stehen, befindet sich eine (die gewöhnliche) oben, von
den beiden unteren ist eine etwas kürzer und stumpfer als die andere.
Der Hinterrand des 1. abdominalen Coxosternums läßt zwar
keine deutlichen Coxalsäcke und keine Wimpersäume erkennen, be-
sitzt aber dennoch eine einfache Borstenreihe, stärker als an den
folgenden Bauchplatten.
4. Japya africanus Ka. Verh, ch. em.
Coxosternum des 1. Abdominalsegmentes jederseits mit einem
ziemlich breiten Coxalorgan, dessen Wimpersaum sehr zahlreiche
Wimpern enthält. Nebenwimpergruppen und Mittelläppchen fehlen,
Ungulum zwischen den Krallen oben mit vorstehendem spitzen
Zähnchen, unten ohne solches.
5. Japy& chilensis Verh.
Auch bei dieser Art sind die Außenladen der Maxillen mit
einer Anzahl von Sinnesstiften besetzt. Uber das 1. Coxosternum
gibt das einzige vorliegende defekte Stück keine Auskunft, auch
verschiedene andere Punkte vermochte ich bei dieser Art deshalb
nicht zu entscheiden.
6. Japyx dolinensis n.sp.
Lg. des Körpers 14 mm, der Zangen 1 /,—2 mm.
91 1
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Morphologie und Systematik der Japygiden. 103
Beborstung am Rücken zerstreut aber lang, Bauch viel reich-
licher beborstet, namentlich am Abdomen. Pronotum hinter den
Schrägleisten mit jederseits 4 Tastborsten. Cyklomer unten vorne
mit 6+6 langen Borsten in 2 Reihen, oben zwischen den oberen
Längskanten nur mit 2+2 großen Tastborsten. Hinterrand mit
querem, schwach vortretendem Lappen.
Antennen mit 31 +32 oder 32-+32 Gliedern, die mit zweierlei
Borsten besetzt sind, zerstreuten sehr langen und dichter stehenden
kurzen, welche letzteren aber erst vom 6.—7. Gliede auffallender
werden. Am 5. und 6. Gliede steht unten ein feines, wenig auf-
fallendes Hörhaar.
Die Läppchen an den Mündungen der Speicheldrüsen sind drei-
eckig, spitz und ragen nach innen vor. Innere Coxalorgane der
Unterlippe stark abgesetzt (Abb. 33).
Ungulum der Beine nur oben zwischen den Krallen mit vor-
stehendem spitzen Zapfen, nicht unten. Mikrosternum (Abb. 17)
hinten mit zitzenförmigem Zapfen gegen das Prosternum gerichtet.
in der Mitte mit 2-1-2 längeren Tastborsten. Tergit des Crypto-
und Stenothorax und des Promedialsegmentes mit je 2 großen Tast-
borsten im Mittelgebiet, Crypto- und Stenosternit mit 5+5 (6+6),
Sternit des Promedialsegmentes mit 4--4 großen Tastborsten.
Coxalorgane des 1.abdominalen Coxosternum mit breiten Wimper-
rändern, welche zahlreiche, dicht und unregelmäßig mehrreihig
stehende Wimpern enthalten. Jedes Wimpergebiet ist noch etwas
breiter als der mittlere wimperlose Teil des Hinterrandes. Letzterer
ist jederseits deutlich abgesetzt, dicht ziemlich lang beborstet, aber
ohne Nebenwimpern oder Porenläppchen.
Hinterecken des 6., 7. und 8. Abdominaltergites mit nach hinten
ragenden Vorsprüngen (Abb. 43), der des 7. stumpf und schwach
gebogen. Zangen (Abb. 35) zerstreut lang beborstet, rechte Zange
vor der Mitte mit stumpfem Innenzahn, davor mit 2 stumpfen Höckern,
dahinter nur schwach gekerbt. Linke Zange mit zwei scharfen
Rändern, der obere vor der Mitte stumpfwinkelig eingebuchtet, vor
der Bucht mit zwei, hinter ihr mit einem Höckerchen, der untere
Rand besitzt vor der Mitte 5—6 Knötchen, in der Mitte eine vor-
ragende stumpfe Ecke, dahinter ist der nach innen geschwungene
Rand glatt.
Adolescens: Lg. des Körpers 5!/;, mm ohne Zangen.
27-27 Antennenglieder an denen die Verschiedenartigkeit der
Tastborsten noch nicht auffällt. 1. Coxosternum jederseits mit
Coxalorgan, dessen Sack (ähnlich Abb. 37) durch den Retraktor in
zwei Teile abgesetzt erscheint, während am Rande nur wenige große
Wimpern stehen, die Tastborsten sehr ähnlich erscheinen. Mittleres
Randgebiet ohne Auszeichnung. 2.Coxosternum einfach. Zangen
symmetrisch, auch hinsichtlich der großen Zähne, übrigens nach
außen gesperrt. 6. Tergit ohne Fortsätze, 7. und 8. wie bei graecus.
Vorkommen: Zwei schöne Stücke erbeutete ich in einer
Höhlendoline der Schuma, in der Südherzegowina unter tief in
104 Karl W. Verhoeff: Zur vergleichenden
Humus gebetteten Kalkblöcken. Außerdem fand ich ein Stück in
einem Fichenbuschwald bei Konjsko, unweit der montenegrinischen
Grenze, ein viertes in Radobolja bei Mostar und einen Adolescens
bei Jablanica in der nordwestlichen Herzegowina (28. IV.).
7. Japyx Braueri n.sp.
Körper 10 mm Ig., die Zangen 1 mm.
Eine mit dolinensis sehr nahe verwandte Form, deren Unter-
schiede von jener anzugeben genügen kann:
Zapfen des Mikrosternum etwas kürzer. Antennen 30 gliedrig.
Die Wimpergebiete des 1. Coxosternum sind sehr breit, merklich
breiter als das Mittelgebiet zwischen ihnen. Dieses Mittelgebiet ist
deutlich abgesetzt, nur mit 1—2 Reihen mittellanger Tastborsten
versehen, hinten mit vorragendem Läppchen, das einige Poren mit
kurzen Börstchen trägt und ein gelbliches, mit sehr feinen Wärzchen
besetztes Feld. 6.—8. Abdominaltergit mit Fortsätzen, die aber
(Abb. 44) an dem 7. und 8. wesentlich schwächer sind als bei dol-
nensis. Zangen (Abb. 39—40) und Cyklomer wie bei jenem.
Daß dieses Stück geschlechtsreif ist, beweisen die Eiröhren
deren eine Abb. 41 vorführt.
Vorkommen: Nicht weit vom westlichen Ufer des Neusiedler-
sees fand ich ein 2 unter einem Steine. Diese Form ist zweifellos
dieselbe, wie jene, welche F. Brauer als solifugus von Wien ver-
zeichnet hat und über welche er in seiner Beschreibung des J. gigas
(1869, Wien, Verh. der zool. botan. Ges.) sagt: „Wurde von mir schon
vor 15 Jahren bei Wien in der Erde um Föhren (Pinus austriaca) auf-
gefunden.“ Daß F. Brauer diese Art für solifugus hielt, erklärt
sich wahrscheinlich daraus, daß ihm die bis noch vor Kurzem nicht
richtig aufgefaßten Adolescentes vorlagen. Auch sind manche feinere
Unterscheidungsmerkmale der Japyx-Arten bisher nicht beachtet
worden.
8. Japyx Grassii n.Sp.
Lg. des Körpers ohne Zangen 8'/; mm, der Zangen 3/,mm,
Antennen mit 41+41 Gliedern, das 4.—6. Glied unten mit
einem sehr feinen in großem Porus stehenden Hörhaare. Das
3. Glied an entsprechender Stelle mit einem nur etwas kleineren
Porus, der keine Borste führt. Fühler im ersten Drittel auffallend
dicker als im 2. und 3. Behaarung von zweierlei Art, zerstreute,
sehr lange Tastborsten und dicht stehende kürzere, letztere erst
vom 6.—7. Gliede anfangend.
Sternit der Unterlippe (Mentum) vorn abgerundet dreieckig
zwischen die Hüften ragend. Innere Coxalorgane der Unterlippe
deutlich abgesetzt. Mikrosternum hinten mit deutlichem, aber
kurzem Zapfen vorragend. Beborstung des Rumpfes der von dob-
nensis sehr ähnlich, also lang, aber oben zerstreut, unten dichter.
Morphologie und Systematik der Japygiden. 105
1. Coxosternum des Abdomens mit 2 breiten Coxalorganen,
deren Wimperränder so breit sind wie der mittlere Raum zwischen
ihnen. Die Wimperränder bestehen aus einer Reihe sehr langer
Wimpern, zwischen denen andere äußerst kurze stehen.
Das Mittelfeld besitzt nur eine Reihe längerer Tastborsten und da-
hinter ein Läppchen mit wenigen sehr kleine Börstchen führenden
Poren. [Bei dolinensis und Braueri sind die Wimpern kürzer und
stehen viel gedrängter, sodaß man nicht von einer Reihe sprechen
kann, vielmehr von mehreren unregelmäßigen, wobei kurze, mittel-
lange und lange Wimpern zu unterscheiden sind.] Hinterecken des
6. Tergit nur mit schwachen stumpfen Zipfeln vortretend, das
7. Tergit mit breiten, dreieckigen Lappen nach hinten ragend, deren
Ende eine schmale Spitze bildet. Das 8. Tergit mit den Hinterecken
deutlich aber nicht stark vorragend. Dorsaler Hinterrand des Cy-
klomer mit schwachem Lappen in der Mitte. Beide Zangen (Abb. 45)
innen mit deutlichen abgerundeten Zähnchen, die linke am Grunde
mit 2 Reihen über einander (in der Abb. ist die untere Reihe etwas
abgerückt gezeichnet), mit einem großen dreieckigen Zahn in der
Mitte und 2Zähnchen hinter der Mitte, welche etwas größer sind
als die kleinen. Auch an der rechten Zange befinden sich drei
größere Zähne, aber weiter grundwärts gelegen, daher der mittlere
der rechten beinahe dem ersten der linken gegenübersteht.
Sonst ist auch diese Form mit dolinensis ziemlich nahe ver-
wandt und stimmt mit ihr in vielen Punkten überein.
Vorkommen: Das einzige vorliegende Stück (anscheinend ein
g‘) sammelte ich 17. IV. in einem unweit Trebinje liegenden Eichen-
wald in der südherzegowinischen Peträa. Ich widme es B. Grassi,
dem wir die meisten bisherigen Mitteilungen über Japygiden ver-
danken.
9. Japyx graecus n. Sp.
Körper bis 22mm I1g., die Zangen bis 2 mm.
Rücken und Bauch deutlich und ziemlich dicht beborstet aber
der Rücken ohne die langen und kräftigen Tastborsten der Arten
dolinensis, Braueri und (rrassü. Die Seiten des Abdomens aber
sind etwas mehr behaart. Im Gegensatze zum übrigen Rumpfe ist
die Beborstung am Cyklomer und den Zangen reichlich und
lang, auch das 7. und 8. Abdominalsegment sind seitlich und unten
stärker behaart als die vorhergehenden.
Antennen etwa 7 mm Ig., ziemlich gleichmäßig, dicht und lang
behaart, 59+58, oder 58+58 gliedrig, in der Grundhälfte dick,
gegen das Ende allmählig peitschenartig verdünnt. 3. Glied unten
vor dem Endrande mit einer auffallend kräftigen und sehr langen
Tastborste. 4.—6. Glied wieder mit feinem Hörhaar unten, das in
ziemlich weitem aber zwischen den Tastborsten wenig auffallenden
Porus steht. Ein ähnlicher Porus, wieder ohne Haar, steht auf
dem 3. Glied an einer Stelle, die mit jenen drei Poren ungefähr in
106 Karl W. Verhoeff: Zur vergleichenden
einer Linie liegt. Mandibeln mit 5 scharfen, deutlich abgesetzten
Spitzen.
ni (Mundteile vergl. sonst in Abb. 23—31.) Die inneren Coxal-
organe des Labiums sind weniger deutlich abgesetzt als bei den
3 vorigen Arten. Das Mikrosternum ragt hinten wieder zapfenartig
vor, ist aber nach vorne stärker verbreitert als bei dolinensis (fast
so wie bei coreyraeus Abb. 15). In der Mitte trägt das Mikrosternum
eine Querreihe von 6-+6 größeren Tastborsten. (Bei dolinensis und
Verwandten sind nur 2+2 oder 3+3 Tastborsten am Mikrosternum
quergestellt, wie Abb. 17 zeigt.) Sternite des Stenothorax und
Cryptothorax mit viel zahlreicheren Borsten als bei der dolinensis-
Gruppe, am (vorderen) Sternit des Stenothorax stehen jederseits über
20 Tastborsten in 2 unregelmäßigen Reihen, am hinteren (interkalaren)
Sternit gibt es etwa 15+15 Tastborsten in regelmäßiger Reihe,
(Vergl. dagegen Abb. 20 von coreyraeus.) Pronotum reichlich und
mäßig lang beborstet, ober ohne die großen Borsten der dolinensis-
Gruppe. Ebenso sind Steno- und Cryptonotum statt mit 2 großen
mit zahlreichen mittellangen Borsten besetzt. Auch die Behaarung
der Beine ist reichlich, Ungulum zwischen den Krallen nur oben
mit Spitzhöcker.
Coxosternum des 1. Abdominalsegmentes mit 2+ 2 Coxalsäcken,
einem großen äußeren und einem viel kleineren inneren Paar. Das
äußere Paar besitzt einen Wimpersaum, der (Abb. 18 coa) aus zahl-
reichen, mäßig langen, dicht und unregelmäßig mehrreihigen Wimpern
besteht. Das innere Paar weist nur eine kleine Gruppe von etwa
20 Wimpern auf (Abb. 18 und 19 c), welche von den äußeren Coxal-
organen ein beträchtliches Stück entfernt stehen. Zwischen diesen
Nebenwimpergruppen steht ein deutliches Mittelläppchen d,
welches über ein Dutzend mit feinen Börstchen bewehrter Poren
trägt. Vor den Auszeichnungen am Hinterrande ist das 1. Coxo-
sternum ziemlich lang und dicht beborstet, in der Vorderhälfte länger
aber zerstreuter. Das Sternit des Promedialsegmentes besitzt 2 un-
regelmäßige Reihen mittellanger Tastborsten.
Hinterecken des 6. Abdominaltergites mit kurzen nach hinten
gerichteten Spitzen, des 7. mit breiten dreieckigen Lappen, die in
einen ziemlich langen, spitz endenden Zipfel ausgezogen sind, des
8. mit kurzen aber deutlichen Vorragungen. Stigmen des 7. A.-
Segmentes größer als des 6. aber nicht auffallend groß und nicht
in die Länge gezogen.
Cyklomer zwischen den oberen Seitenleisten, namentlich seit-
lich innen von denselben mit zahlreichen kräftigen Tastborsten,
am Hinterrande mit ziemlich starkem Mittellappen.
Die Zangen (Abb.42) sind ebenfalls reich und lang beborstet
und die linke besitzt wieder zwei Zähnchenkanten.
Adolescentes die höchst wahrscheinlich hierhin gehören und
„solifugus“-Zangen besitzen, sind 5—6 mm lg. und haben 28 gliedrige
Antennen, an denen die Hörhaare noch nicht erkennbar sind. Die
Beborstung ist noch spärlicher, sowohl an den Fühlern als am
Morphologie und Systematik der Japygiden. 107
übrigen Körper. Auch hier sind am 1. Coxosternum die Wimpern
nur einreihig und die kleineren inneren Coxalorgane fehlen noch
ebenso wie das Mittelläppchen. Die Hinterecken des 6. Abdominal-
tergit sind noch völlig zugerundet, die des 7. und 8. haben Vor-
sprünge, die des 7. sind aber ganz bedeutend schwächer als bei
den Erwachsenen, nämlich nur so groß als bei diesen die Fortsätze
des 6. Die Zangen stehen etwas weiter nach außen und sind voll-
kommen symmetrisch.
Vorkommen: Die schöne stattliche Art erbeutete ich bei
Nauplia und in den Ruinen der Cyklopenburg Tiryns unter Steinen,
3 Adolescentes bei Lampiri.
O.F. Cook hat aus Attika in den Proc. Ent, Soc. Washington
1899 S. 222—26 u. A. einen Japyw athenarum und von Kreta einen
J. creticus beschrieben, aber vollkommen ungenügend, da nichts
weiter als die Zangen erörtert werden und selbst diese nicht ein-
mal vollständig, die Namen sind daher einzuziehen.
10. J. coreyraeus n. Sp.
Körper ohne Zangen 17—18 mm I1g., Zangen nur I mm.
Antennen 38—40gliedrig, gegen das Ende nur allmählig ver-
dickt, in der Grundhälfte daher nicht auffallend geschwollen. Be-
borstung reichlich und auf zweierlei Art, kurze und lange Tastborsten,
die langen Tastborsten stehen aber am 1.—7. Gliede spärlich zer-
streut, auch die kurzen sind hier spärlich. Hörhaare unten am
4.—6. Gliede in großem Porus, auf dem 3. Gliede fehlt der Porus.
Innere Coxalorgane des Labiums namentlich nach hinten wenig
abgesetzt. Mikrosternum mit breit dreieckiger Hinterhälfte, daher
nach hinten verhältlich wenig vorspringend, in der Mitte querüber
nur mit 2-+2 großen Tastborsten. (Abb. 15.) Mikronotum nur
vorne mit dem Kopf artikulierend, hinten nicht gelenkig mit dem
Pronotum verbunden, sondern angewachsen, die mittere Verdickung
schmal. Seitenleisten des Pronotum verkümmert. Borsten desselben
spärlich aber lang. Thorax unten zerstreut aber ziemlich lang be-
borstet, Borsten des Steno- und ÜUryptosternum wie bei dolinensis.
Sternit des Promedialsegmentes nur mit einer Borstenreihe. Be-
borstung des 1. Coxosternum wie bei graecus, aber spärlicher. Die
inneren kleinen Coxalorgane fehlen, ebenso das Mittelläppchen. Die
äußeren haben einen breiten Wimpersaum, dessen Wimpern ziemlich
lang sind aber nur mäßig dicht stehen.
Hinterecken des 6. Abdominaltergit vollkommen abgerundet,
des 7. mit breiten, dreieckigen, nach hinten gerichteten Lappen,
welche in eine ziemlich lange und dünne Spitze ausgezogen sind.
Hinten am 8. Tergit finden sich kurze dreieckige Fortsätze. Uyklomer
teils kurz, teils lang beborstet, die oberen Seitenleisten fehlen voll-
ständig. Oben jederseits findet sich eine Anzahl langer Tastborsten.
Der Lappen der Hinterrandmitte ist verhältlich groß, ragt deutlich
vor und ist seitwärts abgerundet. Die Zangen (Abb. 38) sind weit
108 Karl W. Verhoeff: Zur vergleichenden
gedrungener als bei den vorher erörterten Arten und haben, von
dem hakig eingebogenen Ende abgesehen, einen fast geraden Innen-
rand, der etwas unregelmäßig grob höckerig gezähnt ist. Die Zangen
sind fast vollkommen symmetrisch, stark chitinisiert und mit z. T.
langen Borsten namentlich außen besetzt.
Adolescens von 6'/,mm Lg. besitzt wieder symmetrische
„solifugus“ -Zähne und 28 gliedrige Antennen, deren Beborstung
schwächer ist als bei den Erwachsenen, auch fehlen die Hörhaare.
Das 1. Coxosternum besitzt an den Coxalsäcken bereits einen zier-
lichen Wimperbesatz, in einer bis zwei Reihen angeordnet. Hinter-
ecken des 6.—8. Tergit wie bei den Erwachsenen, doch sind am
7. und 8. die Fortsätze schwächer, namentlich fehlen am 7. die
lang ausgezogenen Fortsätze.
Vorkommen: Die Art sammelte ich im Frühjahr auf Korfu
Ri Kastrades in dicht mit Gestrüpp verwachsenen Gebüschen unter
teinen.
11. J. solifugus Haliday, Verh. char. em.
[= J. major Grassi var.]
[= J. major Grassi, Silvestri sp.]
Silvestri, welcher in seinen schon erwähnten „Materiali* 1901
und anderwärts hinsichtlich der Artcharakterisierungen nichts grund-
sätzlich Neues gebracht hat und überhaupt nur ganz ungenaue
Artbeschreibungen liefert (Gliederzahl der Antennen, gröbste Be-
borstungsverhältnisse, und Zangenbeschreibung, Tergitfortsätze und
Größe), hat den major Grassi zu einer selbständigen Art machen
wollen, was aber nicht statthaft ist, da eben der bisherige
„solifugus“ sich auf Entwickelungsformen bezieht. Silvestris
Abb. 33 der Zangen ist ziemlich gut und stimmt überein mit den
Zangen der Tiere, welche ich in Buschwäldchen bei Mailand
gesammelt habe. Als besonders charakteristisch für diesen echten
solifugus kann also die starke Asymmetrie der Zangen gelten
und die tiefe Einbuchtung in der Hinterhälfte der rechten Zange.
Über die von mir in Oberitalien gesammelten Stücke bemerke
ich noch Folgendes:
Antennen 36-gliedrig, gegen das Ende allmählig dünner werdend,
mit zweierlei Beborstung, aber nicht besonders dicht beborstet.
4.—6. Glied unten mit Hörhaar, 3. mit einfachem Porus. Mikro-
sternum mit 2-+2 großen Tastborsten, hinten mit gegen die Basis
breit dreieckigem Fortsatzteil. Beborstung des Thorax ungefähr
wie bei dolinensis, namentlich kommen auch am Tergit von Steno-
thorax, Cryptothorax und Promedialsegment außer den kleinen Borsten
je zwei große, in der Mitte stehende Borsten vor, Die Wimpern
der Coxalorgane des 1. Coxosternum sind ziemlich lang und unregel-
mäßig zweireihig angeordnet. Wimpernebengruppen und Mittel-
läppchen fehlen. Die Beborstung des 1. Coxosternum ist spärlich,
meist größere Zerstreute, vor dem Hinterrande kleinere, etwas
Morphologie und Systematik der Japygiden. 109
dichter stehend, aber auch diese im Verhältniss zu andern Arten
spärlich und nur in 1-2 Reihen angeordnet.
Hinterecken des 6. Abdominaltergit abgerundet, des 7. mit drei-
eckigen Fortsatzlappen, welche in eine scharfe und durch eine Naht
gelenkig vom Grunde abgesetzte Spitze ausgezogen sind. 8. Tergit
an den Hinterecken mit kurzen Fortsätzen. Stigmen des 7. Ab-
dominalsegmentes rundlich. Cyklomer mit deutlichen oberen Seiten-
kanten und zwischen denselben dorsal mit nur 2-+2 langen Tast-
borsten. Hinterrandmittelläppchen wenig vorragend.
Einen Adolescens mit 28 Antennengliedern fand ich bei Salö
am Gardasee. Die Wimpern am 1.Coxosternum sind jederseits
einreihig und weniger zahlreich, die oberen Seitenleisten am Cy-
klomer fehlen noch. 7. und 8. Tergit mit Hintereckenfortsätzen,
die des 7. sind aber noch kurz und stumpf und entbehren der auf-
gesetzten Spitze.
12. Neue Merkmale,
Im Vorigen habe ich eine ganze Reihe systematisch neuer Merk-
male verwandt und glaube dadurch eine systematisch vertiefte
Untersuchungsbasis gewonnen zu haben. Ich hebe hier noch folgende
Merkmale als beachtenswert und oben von mir mehr oder weniger
benutzt hervor:
1. verschiedene Beborstung und Gestalt der Antennen, Vor-
kommen von Hörhaaren,
2. Gestalt und Beborstung des Mikrosternum,
3. kleine Unterschiede an den Mundteilen,
4. Beborstung von Stenothorax, Uryptothorax und Promedial-
segment,
5. Vorkommen von inneren Coxalorganen und einem Mittel-
läppchen am 1. Coxosternum,
6. Größe, Menge und Stellung der Wimpern sowohl wie der
Tastborsten des 1. Coxosternum,
7. Form der Hinterecken des 6. und 8. Abdominaltergites (nicht
nur des bisher allein verwandten 7.).
8. Vorkommen oder Fehlen von Längsleisten am Cyklomer
und Verteilung der Borsten auf demselben.
9. Ausbildung des dorsalen Mittelläppchens am Hinterrande
des Cyklomer,
10. Fortsätze des Ungulum zwischen den Krallen.
Auf die Zangen besonders hinzuweisen ist nicht notwendig,
nachdem dieselben bisher in ganz überwiegender Weise benutzt
wurden. Die Zahl der Fühlerglieder ist ein wichtiges Merkmal,
das aber erst dadurch ins rechte Licht gesetzt worden ist, dab
durch Feststellung der Adolescentes die Gefahr solche als reife
Stücke und neue Arten zu beschreiben, bedeutend vermindert ist.
110
Karl W. Verhoeff: Zur vergleichenden
13. Schlüssel als Hülfe zur Bestimmung der mir genauer
Qeub
bekannten Japyx-Arten (Untergatt. Japyx m.):
A. Antennen bei Erwachsenen mit mehr als 53 Gliedern C
B.
C. Das 6. Abdominaltergit mit völlig abgerundeten Hinterecken.
Antennen weniger als 50 Glieder E
Zwichen den oberen Seitenkanten des Cyklomer stehen dorsal
nur wenige Tastborsten. Linke Zange in der Grundhälfte mit
starkem Zahn. Antennen 53-gliedrig J. chilensis Verh.
. Das 6. Abdominaltergit besitzt deutliche Fortsätze an den
Hinterecken. Zwischen den oberen Seitenkanten des Cyklomer
stehen dorsal zahlreiche, z. T. recht lange Tastborsten. Linke
Zange in der Grundhälfte ohne besonders starken Zahn. An-
tennen 58—59 gliedrig. J. graecus Verh.
. Hinterecken des 6. Abdominaltergit völlig abgerundet G
. Diese Hinterecken mit Vorsprüngen L
. Zangen sehr gedrungen und symmetrisch, ohne größere Zähne.
Obere Seitenkanten des Cyklomer fehlen. Mikrosternum mit
2+2 großen Tastborsten. Antennen 38 — 40 gliedrig.
J. corcyraeus Verh.
. Zangen nicht auffallend gedrungen und im Übrigen asym-
I:
metrisch
. Mikrosternum mit 2+2 großen Tastborsten. An den Hinter-
ecken des 7. Abdominaltergit sind spitze Fortsätze durch eine
Naht von den übrigen Lappen abgesetzt. Stenosternum und
Cryptosternum mit 5+5 und 4-+4 Tastborsten. Antennen
34—36 gliedrig. J. solifugus Hal. [= major Gra.]
. Mikrosternum mit 4+ 4 großen Tastborsten. Steno- und Crypto-
sternum mit etwa 9+9 und 10+10 Tastborsten. Hinterecken
des 7. Abdominaltergit mit spitzen, aber sonst nicht abgesetzten
Fortsätzen. Antennen 40—48 gliedrig. J. africanus Ka. [Verh.]
. Coxalorgane des 1. Haupt-Abdominalsegmentes mit einer Reihe
recht langer Wimpern, dazwischen nur sehr kleine. Zangen
in der Hinterhälfte innen deutlich gezahnt. Antennen 41 gliedrig.
J. Grassii Verh.
. Coxalorgane des 1. Haupt-Abdominalsegmentes mit zahlreichen,
unregelmäßig mehrreihigen Wimpern von verschiedener Länge,
auch mittellange. Zangen in der Hinterhälfte innen nicht ge-
zahnt. Antennen 30—32 gliedrig.
. Das 7. und 8. Abdominaltergit mit kräftigen Fortsätzen. 1. Coxo-
sternum des Abdomens vor dem mittleren Teile des Hinter-
randes dicht und ziemlich lang beborstet, ein Porenläppchen
fehlt. Antennen 31—32 gliedrig. .J. dolinensis Verh.
. Das 7.und 8. Abdominaltergit mit schwachen Fortsätzen. 1.C0xo-
sternum des Abdomens vor dem mittleren Teile des Hinter-
randes nur mit 1—2 Reihen ziemlich langer Borsten, ein Mittel-
Morphologie und Systematik der Japygiden. Trt
läppchen mit einigen Poren ist vorhanden, hinten ein gelb-
liches Feld mit sehr feinen Wärzchen. Antennen 30 gliedrig.
J. Braueri Verh.
Ausdrücklich sei betont, daß diese Übersicht nur ein Hülfs-
mittel zur Bestimmung sein kann; aber unmöglich ist eine sorg-
fältige Determinierung, ohne genaue weitere Vergleiche, mit Be-
nutzung der Diagnosen.
Berlin, 28. August 1903.
Erklärung der Abbildungen.
Taf.l.
Abb.1 und 2 Japyx graecus Verh. n. sp.
1. Das 3. Abdominalsegment, halb, auseinandergeklappt,
2. das 7. Abdominalsegment, ebenso.
Abb.3 und 4 Heterojapyx novaezeelandiae Verh.
3. Coxosternum des 7. Abdominalsegmentes, rechts daneben die vor
demselben befindliche und von ihm abgetrennte Bauchplatte des
Ursegmentes.
4. Tergit des 9. Abdominalsegmentes, ohne seine in natura nach unten
umgebogenen, damit verwachsenen und nur schwach abgesetzten
Pleurocoxite, unten ein zugehöriges Pleurocoxit, das bei xy von
dem Tergitstück abgerissen ist.
Abb.5 und 6 Japyx africanus Ka. (Verh.).
5. Bauchplatte (Coxosternum) des 5. Abdominalsegmentes und die des
vorangehenden Ursegmentes, in natürlichem Zusammenhang, davor
der Hinterrand der 4. abdominalen Bauchplatte.
6. Tergite des 5. und 6. Abdominalsegmentes, nebst Muskulatur und
zwei Ursegmenttergiten.
Abb.?7 Japyx graecus Verh. Hälfte des 8. Abdominalsegmentes von unten ge-
sehen, dahinter ein Pleurocoxit des 9, Segmentes.
Abb.8 Japyx dolinensis Verh. Tergit des 1. Abdominalsegmentes und des Pro-
medialsegmentes prm D.
Abb.9 Japyx coreyraeus Verh. Hinterhälfte des Coxosternums des 1. Abdominal-
segmentes.
Abb. 10—14 Japyx africanus Ka. (Verh.).
10. Tergite des Thorax und der vordersten Abdominalsegmente, rechts
ist die Lage der Stigmen angedeutet (4 thorakale und 2 abdominale).
11. ein jüngeres Individuum, von unten gesehen, die 3 letzten Ab-
dominalsegmente sind fortgelassen. Man sieht die hauptsächlichsten
ventralen Muskeln. « Mikrothorax, 8 Stenothorax, y Cryptothorax.
112 Karl W. Verhoeff: Zur vergleichenden
12. ein isoliertes Stenonotum, am Vorderrande zwei Longitudinalmuskel,
13. Cryptosternum, Stigmen des Oryptothorax und anstoßende Inter-
kalarsegmentsternite.
14. Stemit des Promedialsegmentes und anstoßende Teile.
Tafel II.
Ahb.15 Japyx corcyraeus Verh. Mikrosternum und Nachbarteile, HK Hinter-
kopfgebiet.
Abb. 16 und 17 Japyx dolinensis Verh.
16. Pronotum, Mikronotum und Hinterkopf, von oben gesehen.
17. Mikrosternum nebst Muskeln und angrenzenden Teilen.
Abb. 18 und 19 Japy.c graecus Verh.
18. Hälfte der Hinterrandpartie des 1. Abdominalsegmentcoxosternums
ccd, mediane Läppchen,
19. die medianen Läppchen stärker vergrößert, bei a einige der ge-
wöhnlichen Tastborsten des Sternit.
Abb. 20 und 21 Japyx corcyraeus Verh. n. sp.
20. Stenothorax und Mesothorax, auseinandergebreitet,
21. Cryptothoray und Metathorax auseinandergebreitet, diese Abbildung
bildet nach unten die Fortsetzung zur vorigen.
Abb. 22 Heterojapyx novaezeelandiae Verh. &.
Sternit des 9. Abdominalsegmentes mit Genitalpapillen A und den End-
abschnitten der Geschlechtswege, aa sehr kurzer ductus ejaculatorius,
vess vesicae seminales, bc Stück des vas deferens.
Abb. 23—27 Japyz graecus Verh. n. sp.
23. eine Maxille nebst anstoßenden Teilen des Tentorium und Hypo-
pharynx. Die Maxillenkämme sind verdeckt.
24. zwei Maxillenkämme stark vergröß. (Leitz Oc.1, Obj. 6),
25. eine Innenlade der Maxillen, Vergröß. ebenso, r zartes, fein ge-
zähntes Nebenblatt.
26. ein Vordermaxilienstamm mit Innenlade und Kämmen.
27. ein Unterkiefer ohne Kämme und ohne Stammgrundhälfte.
Tafel II.
Abb. 28—31 Japyx graecus Verh. n.sp.
28. Die Unterlippe von unten gesehen, Die Beborstung ist nur auf
einer Seite angegeben, auf dem Backenstück B überhaupt fort-
gelassen. ri ist eine Pigmentsichel, welche den inneren Teil der
hinteren Strahlendrüse drI umgibt. A häutiger Trichter, in welchen
der Kanal spdg der Speicheldrüse einmündet. V Sternit, auf welchem
vorne die Unterlippenfüße aufsitzen, deren Telopodit (Taster) pal
eingliedrig ist. mdv dorsoventraler Muskel. dr vordere Strahlen-
drüse, spd. eingerollte Speicheldrüse. Links ist nur diese Drüse,
rechts nur ihr Ausfuhrweg angegeben.
.. WREBTT%
Morphologie und Systematik der Japygiden. 113
29. Endhälfte eines äußeren Coxalorganes der Unterlippenfüße, von
oben gesehen. L Lappen an der Speicheldrüsenmündung.
30. Partie aus einer Strahlendrüse, a deren Zellen, b Strahlen.
31. Äußeres Coxalorgan und Telopoditlappen, drx Mündungsspalt der
vorderen Strahlendrüse.
Abb. 32 Heterojapyx novaezeelandiae Verh.
Außenlade einer Maxille.
Abb.33 Japyx dolinensis Verh. n. sp.
Hälfte der Endgebiete der Unterlippe, von unten gesehen. Bezeichnung
wie bei Abb. 28.
Abb. 34 Japyx chilensis Verh.
Verbindung zwischen Maxillencardo und Peeein (die Muskeln sind
durch Maceration entfernt).
Abb. 35 J. dolinensis Verh. n. sp.
Cyclomer und Zangen, von oben gesehen.
Abb. 36 J. solifugus Hal. (‚„major‘‘ Grassi) ebenso.
Abb.37 J. solifugus Hal. Adolescens, Stück des 1. abdominalen Coxosternums.
Abb. 38 J. corcyraeus Verh. n. sp. Zangen von oben gesehen.
Abb.39 J. Braueri Verh. n. sp. ebenso.
Abb. 40 Derselbe, die Grundhälfte der linken Zangen, von unten ges.
Abb.41 Eine Eiröhre desselben Tieres.
Abb. 42 J. graecus Verh. n.sp. Zangen von oben gesehen,
Abb. 43 J. dolinensis Verh. n.sp. Hinterecken des 6. 7. und 8. Abdominaltergites.
Abb.44 J. Braueri Verh. ebenso.
Abb. 45 J. Grassü Verh. n. sp. Zangenbezahnung.
Allgemein gelten folgende Abkürzungen:
cost = Coxosternum,
D = Tergite der Hauptsegmente,
iv = Sternite
id = Tergite der Urzwischensegmente,
ipl = Pleurite
coa == Coxalorgane, pl = Pleurenstücke,
co... = Hüfte, st = Stigmen,
pal = Telopodit (Palpus), sty = Stylus,
dr = Drüsen, spd = Speicheldrüsen,
car = Cardo, mk, ka, qk = Leisten,
vp und vpx = Vorplatten der Hauptsternite,
icao — Interkalare Sternite,
icad — Interkalare Tergite,
Tt = Trochantin, Hk = Hinterkopf,
Pr == Prothorax, Cry = Cryptothorax,
Mes = Mesothorax, Sten = Stenothorax,
Arch. f. Naturgesch. Jahrg. 1904. Bd.I. H.1. 8
114 Karl W. Verhoeff.
Met == Metathorax, cfu = costa furecillata, Kantengabel,
pd a = pedi :ulus anterior, Vordorstiel,
pd p = pediculus posterior, Hinterstiel,
Hk = Maxillenhaken, et 00x18,
m, m! u.s.w. = Muskeln, ml = Longitudinalmuskeln,
mh == Hinterrandmuskehn, ms = Seitenmuskeln,
mcoa —= Coxalorganmuskeln, dvm = dorsoventrale Muskeln,
w (Taf. VI) = Grundbügel der Zangen,
0oG = obere
nord } age der Zangen.
Über Dermapteren.
5. Aufsatz:
Zwei neue Gruppen.
Von
Karl W. Verhoeff (Berlin).
(Aus dem Berliner zoologischen Museum).
1. Fam. Allostethidae n. fam. (Eudermaptera-Diandria).
Augen nicht auffallend vortretend, Hinterkopf nicht aus-
geschnitten, Scheitel ohne vertiefte Rinne. Antennen etwa 24 gliedrig,
das 4. und 5. Glied kugelig. 1. Antennenglied nicht bis zum Hinter-
rande der Augen reichend, sondern nur etwa bis zur Mitte derselben.
Pronotum mit seiner Hinterrandduplikatur weit über den Grund der
Elytren greifend. Elytren mit Nahtrand und deutlicher Stachelrippe.
Flügel meist mit Schuppe vorragend, wenn nicht, sind doch immer
Flügelstummel vorhanden. Metanotum mit Rinne und Doppelbürste.
Pseudonotum höchstens halb so lang wie das Metanotum, manchmal
fehlend. 1. Abdominaltergit vollkommen durch die Elytren verdeckt.
Beine kräftig, die Schenkel ohne Kanten, 1. und 3. Tarsenglied
lang, einander fast gleich, 2. Glied sehr viel kleiner, unten mit
einem länglichen Fortsatz.
Pygidium und Supraanalplatte beim S' annähernd gleich lang
und ziemlich breit, beim 2 ist das Pygidium etwas größer, immer
aber ist es trapezisch und zwar vorne am breitesten. Subgenital-
platte hinten bei 9 und 2 abgerundet. Hinterleib bei J' und 2
deutlich keulenförmig. 10. Abdominaltergit groß und quer recht-
eckig. Zangen bei und 2 am Grunde von einander abstehend,
am Ende mehr oder weniger gekreuzt, beim ? symmetrisch, beim J'
etwas unsymmetrisch.
Besonders charakteristisch sind die Bruststernite:
Prosternum etwas vor der Mitte am breitesten, vorne dreieckig
(wie bei Pyragra), der dreieckige Lappen ist aber durch eine Kante
gegen das übrige Sternum abgesetzt. Hinten ist das Prosternum
so stark verschmälert, daß die Vorderbeinhüften nur durch
einen schmalen, zusammengedrückten Fortsatz getrennt
sind. Derselbe ist vorne durch eine vertiefte Linie gegen das übrige
Sternum abgesetzt und greift hinten noch etwas dachziegelartig
8%
116 Karl W. Verhoeff:
über das Mesosternum weg. Mesosternum hinten mit einem
großen, abgerundet dreieckigen Fortsatz dachziegelartig
über das Metasternum greifend. Letzteres ist hinten stumpf-
winkelig eingebuchtet.
Skutellum bei den Ungeflügelten deutlich sichtbar, bei den Ge-
flügelten nicht oder kaum sichtbar.
Die Copulationsorgane sind außerordentlich lang gestreckt, die
Endglieder der Parameren annähernd so lang wie die Grundglieder,
innen ungezahnt.
Zwei Praeputialsäcke, zwei Virgae und zwei Vasa deferentia.
Die Virgae sind annähernd wurstförmig und bleiben weit hinter
dem Praeputialsackende (Penisöffnung) zurück.
Hierhin gehört als typische Gattung:
Allosthetus n.g. (= Psalis Serville e. p.).
Körper glatt und glänzend, nicht mit Stiften besetzt, statt dessen
aber mit zerstreuten langen Borsten, die namentlich am Hinter-
rande des 2.—7. Abdominaltergites stehen und dort zugleich mit
runzelartigen kleinen Fältchen auftreten, von denen die Rücken-
höhe aber frei bleibt. Elytren ohne lange Borsten, außen in der
Mitte und hinten mit Anlage einer Kante. Rücken des Abdomens
deutlich punktiert, sein 10. Tergit in der Mitte mit Längsfurche,
übrigens zwischen den Punkten mit unregelmäßigen, streifenartigen,
unpunktierten Längsfeldern, hinten lederig runzelig.
Das Berliner Museum besitzt von dieser merkwürdigen Gruppe
vier Arten, von denen drei in der Sammlung als „/salis indica Burm.“
bei einander steckten, während die 4. von v. Martens aus Kepa-
hiang mitgebrachte als „var. femoribus unicolor“ bezeichnet war.
Von den drei ersteren sind neuerdings eine Anzahl Stücke von
Fruhstorfer gesammelt worden, darunter auch ein Männchen.
Alle 4Arten sind schwarz bis braunschwarz und 23—24 mm
lg. Die Zangen von 2 und J' 51),—6mm. Die Zangen der 22
dieser Arten sind unter einander sehr ähnlich, nämlich stark nieder-
gedrückt, unten völlig flach und oben etwas gewölbt, die haken-
artigen Spitzen etwas gekreuzt. Im Ganzen sind diese Zangen gegen
das Ende allmählich und gleichmäßig verschmälert, säbelartig nach
innen gebogen, in der Grundhälfte innen stumpf gezähnelt und vor
der Mitte mit einem oder auch 2 stumpfen kleinen Mittelzähnchen.
Die vier Arten unterscheiden sich folgendermaßen:
A. Flügel so verkümmert, daß keine Flügelschuppe mehr
vorragt, die Flügelreste sind kleine Lappen, kaum halb so groß wie
die Elytren. Elytren gelbbraun, nur ein dreieckiges, basales Stück
schwärzlich. Skutellum als ein ziemlich großes Dreieck deutlich sicht-
bar. Elytren außen in der Hinterhälfte nur mit Spur einer Kanten-
anlage. Hinterhälfte des Pronotum jederseits ohne Eindruck. Meta-
sternum braunschwarz, Antennen 24-gliedrig. 19'von „JavaHoffmanns-
egg“, 1‘ 32 von „Lombok, Sagit 2000° April 1896 Fruhstorfer.*
Über Dermapteren. 11%
Allosthetus loml;okianıs n. Sp.
B. Flügel deutlich ausgebildet, die Flügelschuppen mehr oder
weniger weit vorragend. Elytren dnnkelbraun bis braunschwarz C.
C. Flügelschuppen klein, gelblich nur wenig vorragend.
Elytren braunschwarz, nur etwas länger als das Pronotum, außen
in der Mitte und der Hinterhälfte mit Kantenanlage. Pronotum in
der Hinterhälfte jederseits mit einem deutlichen, etwas schrägen
Eindruck. Metasternum gelblich. Enddrittel der Schenkel und
Schienen weißgelb. 12 von Java durch Hagenbach, 22 von „Java
oceident. Pengalangan 4000‘ 1893 Fruhstorfer.“
Allosthetus setiger n. Sp.
D. Flügelschuppen groß, weit vorragend. Elytren bedeutend
länger als das Pronotum und dieses ohne Eindrücke hinten E.
E. Schenkel und Schienen schwarz, Elytren doppelt so lang
als das Pronotum, außen mit deutlich erhobenem Längskäntchen.
Flügelschuppe außen braun und innen gelbbraun, Metasternum
dunkelbraun. Sowohl Hagenbach als Fruhstorfer sammelten die
Art auf Java.
Allosthetus indicus (Burm.) (= Psalis indica Burm.).
“F. Enddrittel der Schenkel und Schienen gelblich. Elytren
1!/; mal so lang als das Pronotum, außen mit Anlage zu einem
Käntchen. Flügelschuppe und Metasternum gelbbraun.
22 von „Kepahiang v. Martens.“
Allostethus Martensi n. sp.
Von A. Martensi haben wir über indicus und setiger zu lombo-
kianus eine fortlaufende Reihe der Flügel- und Elytren-
Verkürzung und können die obigen Formen vielleicht auch als
Unterarten einer Art zusammengefaßt werden, was weitere Unter-
suchungen zeigen müssen.
Die Gattung Psalis wird in Zukunft hoffentlich nicht mehr mit
vorliegender Gruppe vermengt. Die echten Psalis erscheinen bisher
als eine süd- und mittel-amerikanische Gattung.
Hinsichtlich des S von Allosthetus lombokianus mihi bemerke
ich noch Folgendes:
Die Zangen sind denen des 2 in Größe, Gestalt und Stellung
sehr ähnlich, nur ist die rechte am Ende spitzer und merklich
stärker eingekrümmt.
. Die Kopulationsorgane sind sehr langgestreckt. Die Grund-
glieder der Parameren sind ziemlich gleich breit, am Grunde
innen verwachsen und bilden dann eine zarte, gemeinsame Zunge,
die nur etwa ?/, so lang ist wie die Grundglieder selbst und keine
Seitenstäbe aufweist. Die Paramerenendglieder sind im Enddrittel
118 Karl W. Verhoeff:
verschmälert und laufen spitz aus. Von den Penes ist der nach
hinten geklappte am Ende stark abgestutzt und von etwas kräftigerer
Wandung als der nach vorne geklappte und am Ende faltig-häutige.
Die Ductus ejaculatorii sind recht zart und nur eine kurze Strecke
vor dem Eintritt in den Praeputialsack ist die Intima dicker. Die
Praeputialsäcke sind auch sehr langgestreckt; in dem nach hinten
gerichteten Penis ist der Praeputialsack besonders lang und liest
zur Hälfte vor dem Paramerengelenk, in dem nach vorne gerichteten
Penis befindet sich der Praeputialsack ganz im Penis, also bei
Zurückklappung desselben hinter dem Paramerengelenk. Dieser
Verschiedenheit entspricht auch die Lage der Virgae. Dieselben
bleiben immer vom Penisende entfernt, liegen aber auf der rechten
Seite im Penis, auf der linken Seite im Paramengrundglied, um
bequem in der Ruhe neben einander Platz zu haben.
Die Virgae sind Übergänge von der typischen, rohrförmigen
Virga zur flaschenförmigen, indem sie eine wurstartige Gestalt haben,
übrigens ein verschmälertes Ende mit feiner Öffnung. In der Wand
der Praeputialsäcke gibt es neben zahlreichen feinen Spitzchen eine
längliche Verdickungsplatte, deren Ende ungefähr so weit reicht
wie das Virgaende. Die Parameren sind, namentlich an den End-
gliedern, von zahlreichen Porenkanälen durchsetzt. Am Penis gibt
es deren nur wenige.
Die Allosthetidae sind eine bisher ganz verkannte Gruppe, denn
von den neuen Arten abgesehen, ist eine derselben ein als „Psalis
indica Burm.“ schon lange bekanntes Thier. Es fragt sich nun,
welche verwandtschaftliche Stellung
nehmen die Allosthetidae innerhalb der Hudermaptera-Diandria ein?
Die eigentümliche Beschaffenheit des Prosternum nähert sie
unter allen Dermapteren nur den (Gonolabiden. Mit diesen stimmen
sie, außer den doppelten inneren Kopulationsorganen, aber auch in
dem Mangel der Drüsenfalten und dem entschieden keuligen Ab-
domen überein. Da nun auch die Virgae stark an die flaschen-
artigen Gebilde der (ronolabiden erinnern, die Unterschiede in der
Beschaffenheit der Flügel und Elytren, d.h. Vorhandensein oder
Fehlen bezw. Verkümmern derselben, keine sehr belangvolleu sind,
sondern in den verschiedensten Insekten-Gruppen unabhängig von
einander vorkommen, so ist an der nahen Verwandtschaft der Go-
nolabiden und Allosthetiden nicht mehr zu zweifeln.
Dagegen sind viel geringere Beziehungen zu Psalis zu ver-
zeichnen und es zeugt nicht von großem Blick für verwandtschaft-
liche Verhältnisse wenn man einen Allosthetiden einfach in diese
Gattung hineinstellte, deren echte Angehörige doch schon ein recht
abweichend gestaltetes Abdomen besitzen. Inzwischen habe ich nun
gefunden, dab Psalis auch keine Labiduride ist, sondern ganz un-
streitig den Anisolabis sehr nahe steht, was sogar in der eigen-
tümlichen Struktur des 10. Abdominaltergit zum Ausdruck kommt,
besonders aber in den höchst merkwürdigen Kopulationsorganen.
Über Dermapteren.
119
Hierdurch wird zugleich zum 1. Male ein naher phylogenetischer
Zusammenhang aufgedeckt zwischen einer ganz ungeflügelten Gruppe,
ohne typische Elytren und einer solchen mit wohlausgebildeten
Elytren. Wir können dieselben also als Unterfamilien einer Familie
zusammenfassen. Diplatyiden, Pygidieraniden und Isolabiden stehen,
auch abgesehen von der Sternit-Bildung, den Allosthetiden fern, von
den Labiduriden sind sie ebenfalls genügend getrennt. So bleiben,
nächst den Gonolabiden, die Anisolabiden (einschließlich Psalis) noch
die nächsten Verwandten der Allosthetiden, die mit jenen auch im
10, Abdominaltergit große Ähnlichkeit haben.
2. Fam. Isolabidae Verh. Sitz.-Ber. d. Ges. nat. Freunde,
Berlin 1902.
Parisolabinae n. subfam.
Als ich die Familie der /solabiden bekannt machte, fußte ich
auf 3 afrikanischen Gattungen. Inzwischen fand sich im Berliner
zoologischen Museum eine andere neue Gattung aus Neuseeland,
welche zwar mit den afrikanischen /solabiden am nächsten verwandt
ist, aber dennoch eine zweite, besondere Unterfamilie dieser Famile
darstellt, die ich im Folgenden zunächst durch eine Gegenüberstellung
charakterisieren will. Außerdem gehört zu den /solabiden sehr
wahrscheinlich teilweise die Gatt. Brachylabis Dohrn, von deren
5 Arten mir aber keine in Natur bekannt ist und welche auch
mehr oder weniger mangelhaft beschrieben sind.
Eine anscheinend gute Abbildung von Drachylabis bifoveolata Bol.
findet sich in den Ann. de la soc. entom. de France 1897, Taf. 10,
aber die Diagnose ist dürftig. Soweit ich urteilen kann, gehören
die 5 Brachylabis zu verschiedenen Gattungen und gerade die
typische Brachylabis chilensis Blanch. ist mir in ihrer Natur als
Isolabide höchst fraglich. Dagegen scheint mir B. bifoveolata ent-
schieden eine /solabide zu sein und zwar der Vertreter einer neuen
Gattung, die eine gewisse Mittelstellung zwischen den afrikanischen
und neuseeländischen /solabiden einnehmen dürfte.
Unterfamilie /solabinae mihi
Stirn so matt wie der übrige
Kopf, mit 2 gebogenen Linien,
die hinten mit einem Grübchen
enden. Augen groß, höchstens
um ?/, ihres Durchmessers vom
Hinterhaupte entfernt.
3. und 4. Abdominalsegment mit
Drüsenfalten. 2. Tarsenglied min-
destens 3/, des 3.
‚falten.
Unterfamilie Parisolabinae mihi
Stirn sehr glänzend und vom
übrigen Kopf abstechend, ohne
Linien aber mit 2Grübchen. Augen
nur mäßig groß, um mehr als
ihren ganzen Durchmesser vom
Hinterhaupte entfernt.
Abdomen ganz ohne Drüsen-
2. Tarsenglied halb so
lang wie das 3.
120
Zangen des J' nahe aneinander
stehend, 10. Abdominaltergit am
Hinterrande jederseits der Mitte
dreieckig vortretend.
Zungenstäbe der Parameren gut
ausgebildet, ebenso wie die Pa-
merenzunge selbst recht lang, viel
länger als die Grundglieder der
Parameren. Von den Praeputial-
säcken ist einer nach vorne der
andere nach hinten gerichtet. Die
Virgae ragen nicht aus den Prae-
putialsäcken und haben am Grunde
Karl W. Verhoeff:
Zangen des g' deutlich aus ein-
ander gerückt, 10. Abdominaltergit
am Hinterrande abgestutzt.
Zungenstäbe nicht deutlich ent-
wickelt, dieParamerenzunge selbst
kaum länger als die Grundglieder
der Parameren. Die Praeputial-
säcke sind beide nach vorne ge-
richtet, die Virgae ragen aus
ihrem Ende hervor und haben
am Grunde eine blasenartige Er-
weiterung mit starker spiraliger
Wandverdickung.
keine blasenartige Erweiterung.
Durch Vereinigung der hier gegenübergestellten Charaktere
erhält man den neuen etwas erweiterten Begriff der Familie der
Isolabiden.
Parisolabris n.g. Abdomen tonnenartig, d.h.in der Mitte er-
wetiert, beim g' stärker als beim 2. Zangen im Querschnitt fast
rund, beim g' und 2 symmetrisch, beim 2 dicht zusammenstehend
und hinten stark gekreuzt, beim g' weit auseinander und mit den
Enden nur ein wenig: übereinandergreifend, d. b. schwach gekreuzt.
Pygidium des J' ohne besondere Auszeichnung, nach vorne (oben)
trapezisch erweitert, Supraanalplatte bedeutend kleiner als das Py-
gidium und viel zarter. 10. Abdominaltergit bei d' und 2 nach
hinten stark verschmälert und kaum größer als das vorhergehende.
Kopf so breit wie das Pronotum. Antennen 15-gliedrig, das 1. Glied
bis etwa zur Mitte der Augen reichend, 3.Gl. doppelt so lang als
breit, 4. und 5. Gl. kugelig. Pronotum in der Mitte jederseits
beulenartig eingedrückt. Mesonotumseiten abgerundet, Metanotum
hinten eingebuchtet. 1. Abdominaltergit deutlich ausgebildet, in der
Metanotumbucht gelegen.
P. novaezeelandiae n.sp. 101/;—11!/, mm lg. Zangen 2'/, bis
21/, mm.
Körper dicht und fein behaart, besonders am Abdomen. Rumpf
braun, Mundteile, Oberlippe, Vorderhälfte des Kopfschildes, Beine,
Bruststernite und Fühlergrund graugelb, am Thorax ist auch die
Mitte der Tergite und ein rundlicher Fleck in der Pronotum-Vorder-
hälfte jederseits gelblich. Thorakaltergite runzelig punktiert. Ab-
dominaltergite auch beim J' seitlich ohne besondere Auszeichnung,
10. Tergit in der Mitte am Hinterrande bei Jg’ und 2 etwas nieder-
gedrückt. Zangen in beiden Geschlechtern zerstreut aber ziemlich
stark beborstet, Subgenitalplatte hinten abgerundet.
Die Kopulationsorgane haben kleine, längliche Parameren-
endglieder, die weit auseinander stehen und noch nicht halb so lang
sind wie die auch viel breiteren Grundglieder. Die Zunge ist etwa
so lang wie die Grundglieder und von zarter Beschaffenheit. Die
Über Dermapteren. 121
Penes sind größtenteils schwach-häutiger Beschaffenheit, nur ein
Teil ihrer Wandung ist festerer Natur und erscheint als. eine
längliche Ausstülpung, auf deren Ende eine Anzahl spitzer Wärz-
chen sitzen. Die Praeputialsäcke sind größtenteils von hyaliner
Wandung, doch findet sich in der Grundhälfte eine Gruppe sehr
kleiner und in der Endhälfte eine Gruppe größerer spitzer Wärzchen.
Der Ductus ejaculatorius ist gröbtenteils Iyalin, eine kurze Strecke
vor dem Eintritt in den Praeputialsack aber wird er starkwandiger.
Die Virga beginnt mit einer länglichrunden Blase, die dicke spiralige
Wandungszüge aufweist, während weiterhin die eigentliche Virga,
welche leicht gekrümmt ist, eine sehr feine quere Struktur von
Verdickungsstrichen besitzt. Um das dickwandige Endstück des
Ductus ejaculatoriuss und an der Anwachsungsstelle der Virga-
Grundblase befindet sich ein längliches, gebogenes Plättchen. Die
beiden Virgae ragen verschieden weit aus den Praeputialsäcken
hervor.
Vorkommen: Untersucht habe ich 1 g\, 1 junges J' und 5 9,
welche aus Neuseeland stammen (Gekauft von der „Linnäa“.) Das
junge J' zeigte alle Hauptteile des Kopulationsapparates schon so
ausgebildet wie das reife, nur etwas kleiner und vor Allem viel
zartwandiger.
Zum Verständnis der Morphologie verweise ich auf meine
folgenden Arbeiten:
Über Dermapteren 1. Aufsatz in N. 665 des zoologischen
Anzeigers 1902, S. 181— 208.
2. Aufsatz in N.1 der Sitz. Ber. d. Ges. naturforschender Fr.
Berlin 1902, S. 7—18, No. 4, S. 87-89.
3. Aufsatz in den . ‚Beiträgen zur vergleichenden Morphologie
des Thorax der Insekten“ Nova Acta, Halle 1902, S. 8$2—100, dazu
Tafeln.
4. Aufsatz, enthalten in der Arbeit „über die Endsegmente
des Körpers der Chilopoden, Dermapteren und Japygiden und zur
Systematik von Japyx.“ Nova Acta, Halle 1903 Bd. LXXXI N.5,
8. 259— 297, dazu 2 Tafeln.
In späteren Aufsätzen werde ich auf die beiden hier be-
handelten Gruppen zurückkommen und auch erläuternde Abbildungen
bringen.
Berlin, 12. XII. 03.
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Über Tracheaten-Beine.
6. Aufsatz:
Hüften und Mundbeine der Chilopoden.
Von
Kari W. Verhoeff (Berlin).
(Aus dem Berliner zoologischen Museum).
Hierzu Tafel VII-VIN.
Inhalt.
I. Hüftteile und Sternitmuskeln.
II. Die Kieferfüße.
III. Die hinteren Mundfüße.
IV. Die vorderen Mundfüße.
V. Anmerkungen (Litteraturrückblick).
VI. Erklärung der Abbildungen.
I. Hüftteile und Sternitmuskeln.
In mehreren Aufsätzen „über Tracheaten-Beine“, unter denen
ich hier besonders den 4. und 5. anführe, (Akademie deutscher
Naturforscher, Halle 1903 Nova Acta), habe ich die Verhältnisse
der Gliederung und Muskulatur der Beine auseinandergesetzt und
insbesondere das Beständige und geradezu Gesetzmäßige innerhalb
dieser Eigenschaften der Laufbeine festzulegen gesucht. Hierdurch
erst wird eine Basis gewonnen, die uns ermöglicht auch solche
echte und gegliederte, ventrale Segmentanhänge zu erklären, d. h.
auf die Verhältnisse gewöhnlicher Laufbeine zurückzuführen, welche
in Folge gänzlich veränderter Funktion auch andere Gestalt und
Gliederung angenommen haben. Wir haben durch die vergleichende
Morphologie der Laufbeine bestimmte scharfe Begriffe gewonnen
und diese Begriffe wenden wir an auf andere, im Prinzip gleiche,
durch ihre andere Rolle im Leben des Organismus aber ver-
schiedene Gebilde desselben.
Arch. f. Naturgesch. Jahrg. 1904. Bd. TI. H.2. 8
124 Karl W. Verhoeff:
Scharfe logische Begriffe, das ist etwas was ich fortgesetzt
betone in einer Zeit, wo mancher Forscher es vergessen zu haben
scheint, dab Beschreibungen und Untersuchungen, sei sie auch noch
so eingehend und sorgfältig, keinen rechten Wert haben, wenn sie
sich nicht zu ganz bestimmten Begriffen verdichten. Ein großer
Vorzug der Systematik liegt in den bestimmten Begriffen, welche
durch die Diagnosen gegeben sind. Versuche, den Wert der
Diagnosen durch Typenbetonung herabzusetzen, kann ich daher
auch nicht billigen. Ein Nachteil der Systematik liegt aber nicht
selten unzweifelhaft darin, daß der Diagnosenbegriff sich auf schlechte
morphologische Begriffe mehr eder weniger aufbaut, was dann auch
häufig unrichtige phylogenetische Vorstellungen zur Folge hat. Die
notwendig enge Zusammenarbeit von Systematir und vergleichender
Morphologie, welche ich oft betont habe, wird in dem Maße wie
sie selbst zunimmt, auch die schlechten morphologischen Begriffe
in den Diagnosen-Sammelbegriffen verdrängen.
Im Reiche der Kerbtiere spielen die Beine eine so große Rolle,
daß eine Förderung der vergleichenden Morphologie derselben um
so wichtiger ist, wenn man erwägt, daß auch die Erklärung der
Mundteile und Abdominalanhänge dadurch eine bedeutsame Unter-
stützung erhält. Im Folgenden sollen nun die Mundteile der
Chilopoden und zwar die Kieferfüße und Mundfüße auf Grund
der durch die vergleichende Morphologie der Laufbeine gewonnenen
Ergebnisse, von Neuem geprüft und erklärt werden. Ehe ich aber
hierauf eingehe, ergänze ich meine Untersuchungen der gewöhnlichen
Laufbeine durch eine Feststellung der typischen ventralen Rumpf-
muskeln, welche Coxa und Telopodit bedienen und eine kurze
Erörterung der Haupt- und Nebenteile der Chilopoden-Hüften.
Hüftteile.
Bekanntlich sind die Hüften der Anamorpha (und Noto-
stigmophora) einheitlicher gebildet und schärfer abgesetzt als die-
jenigen der Epimorpha. (Vergl. Abb.1 und 3 mit 2). Es herrschen
im Bau der Chslopoden-Hüften überhaupt beträchtliche Verschieden-
heiten. Diese gelten auch für gewisse Nebenteile derselben, welche
mit dem Hüfthauptstück bald enger bald loser verbunden sind. Die
Hüften sind bei den Epimorpha mehr oder weniger deutlich drei-
teilig (vierteilig), indem das Hauptstück co 2 Abb. 3, welches
selbst wieder in zwei Abschnitte zerfällt, von zwei mehr oder
weniger dreickigen, oft aufgeblähten Nebenstücken umgeben
wird, einem vorderen co und einem hinteren co 1, die manchmal,
namentlich bei (eophiliden, stark von Fettkörperzellen erfüllt sind.
Bei den Anamorpha fehlt das hintere Nebenstück, kann aber durch
eine feine Naht an der Hüfte angedeutet sein, während das vordere
sich vorne an die Haupthüfte anlegt, (co Abb. 2) übrigens in meiner
Arbeit über den „Thorax der Insekten mit Berücksichtigung der
Chilopoden“ (Nova Acta 1902) als Trochantin beschrieben worden
Über Tracheaten-Beine. 125
ist, (vergl. daselbst Taf.IX Abb. 1-3). Ich verweise auch auf
meine Besprechung der Chilopoden-Hüften im XVI. Aufsatz meiner
„Beiträge z. Kenntn. paläarkt. Myriop.“ Nova Acta 1901 S. 379
u. 8. w.
Bei den Epimorpha nenne ich das Hauptstück der Hüften
Eucoxa, das vordere Nebenstück Procoxa, das hintere Metacoxa,
Pro- und Metacoxa zusammen Hypocoxa. Die Hypocoxal-
teile der (reophiliden sind nur wenig beweglich. Bei den Scolo-
pendriden aber, welche teilweise von den Anamorpha zu den
Geophiliden überleiten, ist nur die Procoxa wenig beweglich, während
die Metacoxa bei manchen Formen z. B. Scolopendra (wahrscheinlich
aber bei allen Scolopendriden mehr oder weniger) die Bewegungen
der Eucoxa zum großen Teil mitmacht und dadurch überhaupt mehr
Hüftcharakter zeigt als die Procoxa. Namentlich bei der
Exkursion der Beine in der Richtung von vorne nach hinten wird
dieMetacoxastark mitbewegt, während die Procoxa mehr den
Charakter eines vorderen Widerlagerkissens besitzt. In ihrer Mitte
führt die Procoxa der Scolojendriden oft eine feine Naht und darin
stimmt sie mit dem von mir als Trochantin beschriebenen Gebilde
der Lithobien ebenso genau überein als in der Lage, (vergl, a.a.O.
Taf. IX Abb. 1 und 2 die Quernaht von Tt.). Der Lithobius-
Trochantin ist also eineProcoxaimSinnederEpimorpha, während
die eigentlichen Hüften der Anamorpha, Eucoxa und Meta-
coxa der Epimorpha zusammen entsprechen.
An den Hüften f Eucoxa lmit Hüflleiste
oder Hüftstab]
der Anamorpha x Meta- Ar den Fiifton
zwei Teile vereint: coxa .
der Epimorpha Syn-
Beid.Anamorpha - 2 9
a Hypocoxa drei getrennte coxa.
a Beile
pendriden mehr rocoxa
pleuraler Natur
Man sieht aus diesen Verhältnissen, daß die hypocoxalen
Teile eine nach den Gruppen sehr verschiedene Aus-
bildung haben und daß mit Rücksicht auf sie den Pleuren-
bildungen gegenüber keine ganz scharfe Hüft-Definition
zu geben ist, während die Hüfte im engeren Sinne und
namentlich auch in Hinsicht auf die Muskulatur, Gelenk-
knöpfe und Leisten ein sehr deutlich umschriebener Be-
griff ist.
Die Metacoxa ist als eine Ausgestaltung der einheitlicheren
Anamorphen-Hüfte bei den Scolopendriden ersichtlich und bei den
Geophiliden als von ganz procoxa-ähnlicher Bildung geworden
vorzustellen, (vergl. anbei Abb. 1 und 3), wenn wir die Zithobiüden
als ursprünglicher ansehen wollen, während umgekehrt deren Hüften
konzentriert zu nennen sind, wenn wir die Epimorphen-Hüftteile
als Ausgangspunkt wählen wollen. Letzteres halte ich für das
Richtige. Die Vorhüftplatte der Anamorpha können wir Procoxa
g*
126 Karl W. Verhoeff:
nennen mit Rücksicht auf die Epimorpha, Trochantin mit
Rücksicht auf die Insekten.
Was ich a. a. O. für Zithobius als Coxopleure beschrieben
habe, ist ebenfalls ein Gebilde, welches nach den Gruppen
bald mehr coxal, bald mehr pleural erscheint: Bei Zithobius
ist dieses Stück mehr coxal, bei Scolopendra liegt es der Procoxa
nahe an, ist aber mehr pleural, bei (reophiliden ist es ganz
entschieden pleural und kann auch in zwei getrennte Sklerite
zerfallen, entsprechend den überhaupt skleritreichen Pleuralbezirken
dieser Gruppe. (Vgl. auch Latzels Myriopodenwerk 1880).
Bei den Hexapoden sind die Hüften noch einheitlicher ge-
worden und von den Teilen Trochantin (Procoxa) und Coxo-
pleure dadurch schärfer abgesetzt, daß meist ein Gelenk zu
Stande kommt, an welchem jeder der beiden Teile mit einem
Gelenkknopf beteiligt ist, worüber ich in meiner Arbeit über den
„Thorax der Insekten“ 1902 Näheres mitgeteilt habe. Mögen die
Coxopleuren also auch bei einem Teil der Chzlopoden coxal sein, bei
den Insekten sind sie pleural geblieben, übereinstimmend mit den
Verhältnissen der Epimorpha. Die Insekten stimmen also in
den Hüften hinsichtlich der Metacoxaeinschmelzung mit
den Anamorpha, hinsichtlich der pleuralen und selbst-
ständigen Natur der Coxopleuren mit den Epimorpha
überein.
Für die typischen Laufbeine der Opisthogoneata diene fol-
gende Übersicht:
Procoxa | Eucoxa | Metacoxa | Coxopleure
Scolopendridae |pleural, kein Ge-|] Eucoxa | Metacoxa | pleural, ohne Gelenk
. DB Zr .
lenk mit der| yeichliche gemeinsame | mit der Eucoxa
Eucoxa Bewegung
Geophilidae. . |ccxopleural, kein] Eucoxa | Metacoxa |pleural, ohne Gelenk
Gelenk mit der| geringere gemeinsame | mit der Eucoxa
Eucoxa Bewegung
Anamorpha . . |Procoxa = Tro- Hüfte (Coxa) coxal, mit der üb-
chantin, pleural, | einheitlich, aber schief | rigen Hüfte ver-
kein Gelenk mit abgeschnitten wachsen
der Coxa |
Mehrzahl der |Trochantin, Ge- Hüfte (Coxa) pleural, mit der
niederen lenk mit der| einheitlich, eylindrisch | Hüfte ein Gelenk
Hexapoda Coxza | bildend
Pleurocoxa der Anamorphen
Ve nm nn nn
Syncoxa der Geophiliden
(Wahrscheinlich ist die Subeoxa Heymons= Coxopleure- Trochantin).
(Hypocoxa mihi=Procoxa + Metacoxa).
Über Tracheaten-Beine. 127
Sternit und Hüftmuskeln.
Bei Lithobius (Abb. 2) ziehen an den Hüftgrund mehrere
kräftige direkte Muskeln vom Sternit aus, ein vorderer dm,
welcher sich teilweise mit dem der andern Seite überkreuzt, erstreckt
sich am Sternitvorderrande, zwei mittlere dm 1, dm 2 gehen
von der Mitte der Bauchplatte aus und dem Gebiet hinter der Mitte,
wobei der kurze hintere sehr schräg gestellt ist, während der vordere
in der Mitte des Sternit an seinen Nachbarn der andern Seite
stößt. Ein hinterer direkter Muskel dm 3 erstreckt sich am
Sternithinterrande in ähnlicher Weise wie dm am Vorderrande.
In der Hinterhälfte der Sternite finden sich auch Rumpfbrücken-
muskel, welche zum Teil in der Mitte an einanderstoßen (bm),
zum Teil sich tiberkreuzen (bm 1). Sie durchsetzen die Hüften und
heften sich, zur Bewegung des Telopodit, hinten an den Grund des
Trochanter. Von den direkten Coxalmuskeln cm ist in Abb. 2
nur einer angegeben. Die ventralen, großen Longitudinalmuskeln
lm, Im 1 erstrecken sich hauptsächlich über den vorderen Hälften
der Sternite und befestigen sich dann vor dem Hinterrande der-
selben mit ihrem Vorderende Schmale Quermuskeln qm finden
sich vorne und hinten über den Sterniten.
Cryptops (Abb. 3) läßt von den meisten Bauchplatten eine
quere, bogenförmige Verdickungsleiste Lq erkennen, welche ungefähr
die Mitte einnimmt, bei x in der Mediane kaum unterbrochen ist
und hinten einem direkten, zum Coxagrunde ziehenden Muskel als
Ansatzkante dient (dm 2). Von einer andern schwachen Verdickung,
welche in der Mediane vor der Querleiste sich erstreckt x und
senkrecht auf ihr steht, geht ein anderer direkter Muskel zum
Hüftgrunde (dm 1). Ein dritter, schräger Muskel geht vorne an
die Hüfte und kreuzt sich mit seinem Nachbarn über dem Vorderteil
des Sternit, welches am Vorderrande durch zwei feine Einschnitte
in drei Lappen abgesetzt ist, einem breiten mittleren o und zwei
viel kleinere a. Alle diese direkten Muskeln bedienen die Eucoxa.
Ein anderer, oberflächlich gelegener, feiner Muskel b zieht aber
auch an die Procoxa, während ich zur Metacoxa einen ent-
sprechenden nicht bemerkte. Zwei lange schräge Rumpfbrücken-
muskeln bedienen wieder das Telopodit, beide überkreuzen sich
mit ihrem Gegenüber, der vordere bm in der Vorderhälfte, der
hintere bm 1 in der Hinterhälfte des Sternit sich erstreckend. Sehr
kräftige ventrale Longitudinalmuskeln sind auch hier hauptsächlich
über der Vorderhälfte der Bauchplatte ausgespannt, indem sie nach
hinten nur bis zur Querleiste reichen Im 1, oder etwas über dieselbe
hinaus Im.
Nach vorne überbrücken die Longitudinalmuskeln die Interkalar-
sternite (Praesternite) po, (wie ich schon früher hervorgehoben habe'))
und befestigen sich an oder vor dem Vorderrande derselben, nahe
dem Hinterrande der Sternite.
128 Karl W. Verhoeff:
(reophilus (Abb. 1) hat, harmonierend mit seinen eigenartigen
Hüften, nur schwache direkte Sternitmuskeln dm, deren Fasern
sich an die Furchenleiste zwischen Sternit und Hypocoxa befestigen,
aber an den verschiedenen Segmenten des langgestreckten Rumpfes
verschieden entwickelt, stark oder schwach oder vielleicht manchmal
auch gar nicht. An den inneren Grund der Eucoxa sah ich keine
Sternitmuskeln ziehen, in dieser selbst aber die bekannten direkten
Coxalmuskeln. Die beiden Rumpfbrückenmuskeln ziehen wieder
(ähnlich Oryptops) ans Telopodit, der vordere bm vorne an den
Trochantergrund, aus dem Gebiet der vorderen Sternithälfte, der
hintere bm! hinten an den Trochantergrund aus dem Gebiet hinter
der Sternitmitte, beide in der Nähe der Mediane sich ausbreitend.
Ein dritter Brückenmuskel bm?® kommt aus der Gegend der
Zwischenhaut, wo Sternithinterecke und Metacoxa an einander-
stossen. Die breiten, starken Longitudinalmuskeln Im greifen wieder
über die Interkalarsternite po weg, wie bei Uryptops und beschränken
sich in ihrer Ausdehnung auf die Sternitvorderhälften,
Das Gesagte genügt, um durch diese Beispiele darzulegen, daß
bei den Chilopoden an der Bauchfläche der Laufbein-
segmente zwei Segmente direkter Muskeln in der Quer-
richtung hinter einander liegen, von denen das innere dem
Bereich des Sternit, das äußere dem Bereich der Coxa an-
gehört (dm und cm) und daß ferner stets Brückenmuskeln
vorhanden sind bm, welche durch das Gebiet von Sternit
uud Coxa zugleich ziehend, also neben jenen beiden Seg-
menten direkter Muskeln sich erstreckend, am Grunde
des Telopodit sich befestigen.
II. Die Kieferfüße.
Im XVI. Aufsatz meiner „Beiträge zur Kenntnis pal. Myriopoden“
Halle 1901, habe ich gezeigt, daß die große Trageplatte der Kiefer-
füße aller Chilopoden, mit Ausnahme der Scutigeriden, nicht ver-
wachsene Hüften vorstellt sondern ein Coxosternum. Dort habe
ich meine Untersuchungen am Hautskelett vorgenommen. Im Fol-
senden sollen meine Befunde vervollständigt und an der Hand der
Muskulatur von Neuem geprüft werden und zugleich die Gliederung
der Kiefer- und Mundfüße in Homologie gebracht werden mit der
Gliederung normaler Laufbeine. Wir werden sehen, daß keine der
bisherigen Anschauungen in der Gliederhomologie vollkommen das
Richtige traf.
Scutigera: Das Sternit der Kieferfüße habe ich a. a. O. bereits
genügend besprochen. In Abb. 9 ist anbei auf Taf.2 bei V das
!) Archiv für Naturgeschichte 1903, Bd. I H. 3, „über die Interkalar-
segmente der Chilopoden, mit Berücksichtigurg der Zwischensegmente der
Insekten.“
Über Tracheaten-Beine. 1239
zwischen den Hüften eingedrängte Sternit zu erkennen. Neben dem
mit einigen Tastborsten besetzten Höcker gehen schräge Längs-
muskeln ab, welche die Verbindung mit dem 2. Mundfußsegment
herstellen. Weiter nach hinten bemerkt man ein Paar direkter
Muskeln dm, welche von der Sternit-Längsleiste zum Hinterrande
des oberen Coxallappens ziehen. Innerhalb dieses Coxallappens
breitet sich ein starker direkter Muskel cm aus, welcher innen an
den Grund des Telopodit zieht. Ein entsprechender Muskel cm!
lagert auf der unteren Coxalwand. Ein kleiner Coxalmuskel cm?
verbindet den Rand des oberen Coxallappens mit dem äußeren
Telopoditgrund. Drei Rumpfbrückenmuskeln gehen von den Sternit-
leisten aus, ein unterer bm als Telopoditflexor, zwei obere bm'
und bm? als Telopoditextensoren.
Das Telopodit der Kieferfüße von Scutigera ist in sofern be-
sonders interessant, als seine vier deutlichen Glieder die unter
allen Chilopoden geringsten Größenverschiedenheiten aufweisen, was
namentlich für die beiden mittleren Glieder fe und ti zu beachten
ist. Daß das letzte Glied eine Vereinigung eines Gliedes mit der
Klaue vorstellt, zeigte ich schon a. a.0., man erkennt auch in
Abb. 9 die Sehne s, welche mehr als die Hälfte des letzten Gliedes
durchzieht und sich da anheftet, wo sich eine undeutliche Quer-
naht befindet. Die drei grundwärtigen Telopoditglieder enthalten
Krallenmuskeln, das letzte aber nicht, wir können also, in An-
wendung meines Beinmuskeln-Homologiegesetzes und nachdem
ich bereits früher Trochanterreste beschrieben habe, die drei Glieder
mit den Krallenmuskeln unschwer als Praefemur, Femur und
Tibia erkennen, das letzte, muskellose Glied aber als Tarsungulum,
d.h. Vereinigung von Tarsus und Ungulum. (Vergl. in den Nova Acta,
Halle 1903 den 5. Aufsatz über Tracheaten-Beine). Das Praefemur
allein besitzt einen seitlichen direkten Muskel. Der Krallenmuskel
des Praefemur ist in zwei Bündel zerteilt, von denen das größere km?
den eigentlichen praefemoralen Krallenmuskel vorstellt, das andere
km’? mit seiner stark basalen Wendung auf den eingeschmolzenen
Trochanter bezogen werden kann. In die Coxa sah ich keine
Krallenmuskeln verlaufen. Ein grundwärtiger Brückenmuskel
bm® durchzieht Coxa und Praefemur, entspringt am unteren Coxal-
lappen und wirkt als Flexor des Femur. Ein endwärtiger
Brückenmuskel bm?® durchzieht in typischer Weise Praefemur und
Femur und wirkt als Flexor. Ungewöhnlich ist ein Brücken-
muskel bm*, indem derselbe ebenfalls am unteren Coxallappen
befestigt ist, aber außer der Coxa und Praefemur auch noch das
Femur durchzieht, mithin als Flexor Tibiae wirkt, übrigens recht
schmal ist.
Scolopendridae: Bei Uryptops (Abb. 12) springt das Coxosternum
am Vorderrande mit zwei abgerundeten Lappen ££ vor, es läßt
wie bei allen Epimorphen, weder ein selbständiges Sternit an sich
oder neben sich erkennen, noch irgend eine Mittelnaht, noch eine
auf ihm stehende Verkittungswand, wie man sie nach der Theorie
Arch. f. Naturgesch. Jahrg. 1504. Bd.I. H.2. 9)
130 Karl W. Verhoeff:
der „coxae coalitae* erwarten sollte. Dagegen finden wir Muskulatur-
verhältnisse, die so sehr den oben geschilderten der gewöhnlichen
Rumpfsegmente entsprechen, daß jeder weitere Zweifel, daß wir es
wirklich mit Coxosterniten zu thun haben, ausgeschlossen ist.
Ueber dem Coxosternum befinden sich bekanntlich bei den Epi-
morpha zwei, stets in der Mitte weit von einander getrennte, mehr
oder weniger dreieckige, große Platten(-copl), welche oben eine
Strecke hinter dem Vorderrande des Coxosternums und auch ein
Stück hinter den Vorderrandlappen # beginnend, sich schräg nach
hinten zu immer mehr erheben, daher mit dem Coxosternum zu-
sammen ungefähr die Gestalt eines Keiles abgeben und eine auf
der Coxosternalebene aufgesetzte, schräge oder schiefe Fläche
(Abb. 22). Diese dreieckigen Platten sind nach hinten zu mit einem
bald kleineren, bald größeren Stück endoskelettal ins Körperinnere
versenkt (vergl. im XVI. Aufsatze Tafel XVI). Außen beginnen sie
erst weiter hin als innen, weil das Coxosternum nach außen zu
mehr oder weniger schräg gegen die Telopodite verläuft. Zwischen
dem Coxosternum und den dreieckigen Platten ist eine
kräftige Muskulatur entwickelt, welche sich ohne Weiteres
als die an die Hüften ziehende direkte Muskulatur des
Sternit ergiebt. Da nämlich die untere große Platte einheitlich
ist, die beiden oberen aber schon durch ihre Trennung auf Hüften
hinweisen und da ferner nicht alle drei Teile zu den Hüften ge-
hören können, Muskeln auch innerhalb der Hüften allein weder
existieren noch auch einen Sinn haben, so muß die untere große
Platte, mindestens in ihren inneren Bezirken Sternit sein.
Diese direkten Muskeln breiten sich besonders in einem jeder-
seits der Mediane gelegenen Längsband aus und sind vorne (dm,
dm 1) ganz auseinander gerückt, während sie sich hinten (dm 2)
mehr und mehr kreuzen. Alle diese vom Coxosternum ausgehenden
direkten Muskeln befestigen sich am Innenrande der dreieckigen
Platten und ziehen diese nach unten, indem dieselben als
elastische Federn schräg aufgesetzt sind.
Über das innere und hintere Gebiet des Coxosternums erstreckt
sich ferner ein breiter Muskel bm, welcher sich innen an den Grund
des Telopodit heftet und, da er den coxalen Bezirk durchsetzt,
leicht als Rumpfbrückenmuskel zu erkennen ist. Von den drei-
eckigen Platten gehen ebenfalls Muskeln an das Telopodit und zwar
ein längerer cm 2 als Flexor vom inneren und hinteren Teil dieser
Platten, ein kürzerer cm 1 als Levator mehr vom Grunde und gegen
die Mitte aus. Ein Extensor cm breitet sich im hinteren Teile der
dreieckigen Platte aus und heftet sich außen an den Telopoditgrund.
Diese drei Muskeln sind als direkte Coxalmuskeln nicht zu ver-
kennen, nachdem ich die zwischen den Platten und dem Coxo-
sternum ausgebreiteten Sternitmuskeln besprochen habe. Mithin
begegnen uns auch hier zwei Segmente direkter Muskeln
(dm und cm) und durch das Gebiet beider hindurchziehende
Über Tracheaten-Beine. 131
Rumpfbrückenmuskeln bm, also entsprechend den von den ge-
wöhnlichen Rumpfsegmenten geschilderten Verhältnissen.
Das Ungewöhnliche besteht hauptsächlich darin, daß durch die
starke Entwickelung der dreieckigen Platten die beiden Muskel-
segmente nicht genau morphologisch hinter einander liegen, sondern
nach innen geknickt, vergleichend morphologisch liegen sie aber hinter
einander. Das Coxosternum hat also zum größeren Teile
Sternitcharakter (wie ich es auch im XVI. Aufsatze und in
Bronns Klassen und Ordnungen, 63.—65.Lief. dargelegt habe).
Die Grenze zwischen Sternitteil und Hüftteil kann mithin, da der
untere Gelenkknopf zwischen Coxa und Telopodit eine coxale Stelle
bezeichnet, hinter ihm aber häufig Chitinlinien liegen, mit vollem
Rechte in diesen gesucht werden, da andere Grenzlinien nicht vor-
handen sind, die im XVI. Aufsatze von mir geschilderte Drehung
der Kieferfüße nach vorne aber eine Zusammendrängung einer
Gelenkknopfleiste der Hüfte und Seitenkante des Sternit zur Folge
haben mußte. Die geschilderten Coxalmuskeln cm aber lehren mit
derselben Deutlichkeit, daß die dreieckigen Platten die Hüfthaupt-
teile vorstellen, weshalb ich sie auch als Coxalplatten bezeichne
(copl). Auf die Praesternitteile kommen wir weiterhin zurück.
Die Telopodite der Kieferfüße der Epimorpha weichen
beträchtlich von den geschilderten der Scutigera ab, was nicht
nur in der Gliederung sondern in noch höherem Maße in der
Muskulatur zum Ausdruck kommt. Die Zahl der Telopoditglieder
ist allerdings die gleiche und deshalb können wir auch, trotz der
bedeutenden Verkleinerung der beiden mittleren Glieder, diese als
Femur und Tibia ansprechen. Bedeutend anders verhalten sich bei
den Epimorpha die Krallenmuskeln, denn dieselben fehlen
einerseits im Femur und Tibia, entsprechend der Kleinheit dieser
Glieder, andererseits gehen sie mit einem mächtigen Bündel
in die Coxa und breiten sich sowohl an der ÜÖoxalplatte
(km 33) aus, als auch am oberen Außenstück der Hüfte km 3.
Die Übereinstimmung mit Scutigera liest in den prae-
femoralen Krallenmuskeln km 2. Die übrige Muskulatur ist gering,
was z. T. mit der Lage der Giftdrüse in Zusammenhang steht, welche
einen großen Teil des Praefemur einnimmt. Ich beobachtete einen
direkten Muskel dm 4 seitlich oben im Praefemur und einen kurzen
Brückenmuskel bm 2 am Ende des Praefemur, welcher sich seitlich
am Tibiagrunde anheftet. Das Tarsungulum ist wieder in seine
zwei Teile abgesetzt und die Sehne befestigt sich bei dieser Ab-
setzungsstelle.
Bei anderen Scolopendriden herrschen ähnliche Muskulatur-
verhältnisse, doch kann ich feststellen, daß bei Heterostoma (Abb. 18)
[und nach Meinert auch bei Scolopendra] ein starker Krallen-
muskel km 4 auch auf dem Coxosternum ausgebreitet ist.
Die Hüfte ist m zwei Abschnitte zerlegt, einen unteren
kleinen (cot Abb. 17), welcher das Hüftstück vorstellt, welches den
Außenteil des Coxosternums bildet und einen oberen großen.
9*
132 Karl W. Verhoeff:
Dieser obere große Hüftabschnitt liegt hinter dem oberen Üoxo-
telopodit-Gelenkknopf (g Abb. 16) und zerfällt durch diesen und
eine feine Leiste, welche sich bisweilen an ihn anschließt in zwei
Teile, ein oberes Nebenstück cot 1 und die Hüftplatte copl. Die
Vorderrandteile des Coxo- Coxosternums (8) sind bei nicht wenigen
Scolopendriden nicht nur durch zahnartige Vorsprünge ausgezeichnet,
sondern auch, z. B. bei Scolopendra subspinipes (Abb. 19 y) und
Heterostoma sulcidens (Abb. 17 y) durch eine, besonders bei Älete-
rostoma sehr auffällige Nahtfurche, welche die beiden, hohlkörper-
artigen, bezahnten Vorderrandstücke £8, scharf und vollkommen
vom Coxosternum trennt. (Ein mehr häutiges Stück, d Abb. 19
und 20, bildet ein elastisches Widerlager für starke Innenbewegung
des Telopodit).. Auch diese Nahtfurchen zeigen an, daß es mit
der Deutung der coxalen und coxosternalen Teile als „coxae coa-
litae“ doch eine sehr bedenkliche Sache ist. Erinnern wir uns der
Tatsache, daß bei den Epimorpha allgemein an den gewöhnlichen
Rumpfsegmenten Interkalarsternite (Praesternite) den Bauch-
platten der Laufbeinsegmente vorgelagert sind, so müssen wir uns
nach solchen auch beim Kieferfußsegment um so mehr umsehen,
als dasselbe eine Größenzunahme darstellt gegenüber gewöhnlichen
Laufbeinsegmenten. Da nun diese Interkalarsternite meistenteils
paarig auftreten, das Coxosternum aber ungewöhnlich nach vorne
vorgedrängt ist, so liegt die Annahme auf der Hand, daß die
Vorderrandteile, welche Hüfthauptteile und Coxosternum
trennen und verbinden, die dem Kieferfußsegmente vorgelagerten
Interkalarsternite sind. Die Nähte yy deuten jedenfalls an, daß sie
nicht zum Sternit gehören. Aber auch vom Hüfthauptteil sind sie
nach oben hin abgesetzt, wenn nicht durch eine so scharfe Furchen-
naht wie unten, so doch durch eine schräge Kante k bei Heterostoma
(Abb. 16) und Runzeln (x Abb. 20) bei Scolopendra subspinipes. In
andern Fällen sind die interkalaren Teile sowohl schwach ab-
gesetzt als auch überhaupt schwach entwickelt, nicht selten auch
ganz ungezahnt, wie z. B. bei Otocryptops rubiginosa. Der
Federapparat, welchen die schräg aufgesetzten Coxalplatten mit
dem Coxosternum bilden, brachte naturgemäß häufig eine Ein-
schmelzung der Interkalarsternite (Praesternite) mit sich, da ihre
Selbständigkeit dem elastisch selbsttätigen Zurückschnellen der
Coxalplatten nach oben, nicht förderlich sein konnte. Die sehr
starken Sternitmuskeln, welche bei Scolopendra die Hüftplatten
herabziehen, sind in Abb. 21 in einer Ansicht von innen her dar-
gestellt. (Schema in Abb. 22).
In dem angeführten Aufsatze über die Interkalarsegmente habe
ich betont, daß bei den Chilopoden vor dem Kieferfuß- und ersten
Laufbeinsegment kein Interkalarsegment vorhanden sei. . Dies muß
jedenfalls eingeschränkt werden: Es ist allerdings kein Fall bekannt,
daß vor diesen beiden Segmenten interkalare Tergite auftreten,
trotzdem ist anzunehmen, daß Interkalarsegmente auch hier vor-
handen waren, aber in Folge der kolossalen Entwickelung des
Über Tracheaten-Beine. 133
Kieferfußsegmentes, bis auf die besprochenen Überbleibsel
unterdrückt wurden.!)
Die Geophiliden verhalten sich wieder den Scolopendriden sehr
ähnlich, weshalb ich mich hier in mehreren Punkten kurz fassen
kann. Die Gliederung der Telopodite ist nicht nur im Allgemeinen,
sondern auch in sofern der der Scolopendriden ähnlich, als die
beiden Zwischenglieder fe und ti bei vielen Formen außen von der
Oberfläche verdrängt werden, sodaß Praefemur und Tarsungulum
in unmittelbare Berührung kommen und ein Gelenk mit einander
bilden. In solchen Fällen nehmen die beiden Zwischenglieder
immer mehr den Charakter von inneren Zwischenschienen an, bis
schließlich Fälle eintreten, wie der, welchen ich von Geophilus
linearis, asiaeminoris Verh. beschrieb?), wo das eine der beiden
Zwischenglieder kaum noch zu erkennen ist. (Anbei vergl. man
die Abb. 12, 13 und 14). Bei den Geophiliden sind sowohl die
Coxalplatten sehr groß als auch die endoskelettalen Teile dieser
und des Coxosternums in manchen Gattungen besonders kräftig ent-
wickelt. Dem entspricht auch die starke Muskulatur, welche
vom Coxosternum an die inneren und hinteren Ränder der
Coxalplatten abgeht. Namentlich diese hinteren direkten Muskeln
sind gut ausgeprägt. Bei Geophilus beobachtete ich außer den
einer Seite angehörenden Muskeln dm 2 noch zwei Paar sich
kreuzender ckm und ckm 1, ferner sah ich auch weiter nach außen
zwischen der Mitte der Coxalplatten und der Coxosternum-Muskel-
fasern dx ausgespannt. Coxalmuskeln, Rumpfbrückenmuskeln,
Telopoditmuskeln und Krallenmuskeln treten in sehr ähnlicher
Weise auf wie bei den geschilderten Scolopendriden, vergl. Abb. 13
und 14.
Die Praesternite sind im Allgemeinen bei Geophiliden schwach
ausgebildet, zumal ja auch wenig Zahnbildungen an dem Vorderrande
vorkommen, doch lassen sie sich als schmale Gebilde bisweilen
durch feine Furchen abgesetzt erkennen (Abb. 13 £8), oder auch
durch den Mangel einer eckigen bis rundlichen, zelligen Struktur
(zs Abb. 15), welche die Nachbargebiete des Coxosternums aus-
zeichnet.
Über die Trochanterkerbe, welche sich wahrscheinlich bei allen
Epimorphen vorfindet, sprach ich bereits im XVI. Aufsatz a. a. O.
1901, (vergl. auch Abb. 14 und 19, 20 trk.). Das „Klauen“-Glied
der (reophiliden-Kieferfüße erscheint im Verhältnis zu andern
Chilopoden einheitlicher gebildet, auch habe ich bereits früher
darauf hingewiesen, daß hier die Krallensehne auffallend nahe am
1) Neuerdings konnte ich bei weiterem Studium des Insekten- und
namentlich Dermapteren-Thorax feststellen, daß sowohl vor dem Mikrothorax
ein Interkalarring entwickelt sein kann (dessen Sternit bei Dermapteren sogar
nur selten fehlt), als auch vor dem Prothorax, hier wenigstens pleuroventral.
2) Archiv f. Naturgesch. 1898, VI. Aufsatz meiner Beitr. z. Kenntnis
Paläarkt. Myriopoden, Abb. 16.
134 Karl W. Verhveff:
Grunde sitzt. Manche Formen, wie auch Geophilus carpophagus
(Abb. 13 und 14) können daher zur Annahme führen, daß das
„Klauenglied“ wirklich ein solches sei. Dem widersprechen aber
zwei Umstände, einmal das Vorkommen einer Anzahl Tastborsten
auf dem grundwärtigen Stück und ferner das Verhalten anderer
Formen, wie z.B. Pachymerium ferrugineum, wo die Sehne weiter
endwärts liegt und auch die Pigmentierung des Gliedes eine zwei-
fache ist, die Endhälfte sehr dunkel, die Grundhälfte hell, sodaß
auch hier bei (reophiliden ein Tarsungulum vorliegt. (Vergl. meine
Fig. 1 in N. 677, 21. Juli 1902, Zoolog. Anzeiger).
Bei den Lithobiiden (Abb. 10 und 11) begegnen wir Verhält-
nissen, die teilweise eine Mittelstellung einnehmen zwischen
Seutigera einerseits und den Epimorpha andererseits, so in den
mäßig großen Zwischengliedern Femur und Tibia und in dem Vor-
kommen eines schmalen Krallenmuskels km 1 innerhalb des Femur,
aber auch in dem Vorhandensein eines grundwärtigen Brücken-
muskels bm 3, welcher Coxa und Praefemur durchzieht, während
der lange Brückenmuskel bm 4 von Scutigera bei Lithobius fehlt,
übereinstimmend mit den Epimorpha. Im Fehlen von Praesternal-
gebilden weicht Zithobius von den Epimorpha ab, während es
dagegen im Besitze eines Coxosternums und eines Üoxalplatten-
paares sich in gewichtiger Weise den Epimorphen nähert.
Die stärksten Krallenmuskeln erfüllen das Praefemur (km 2
Abb. 11) und ein Nebenbündel km 22 läßt sich wieder auf den
Trochanter beziehen. Außer dem schon genannten femoralen
Krallenmuskel giebt es dann noch einen schmalen km*, welcher bis
zum Hinterrand des Coxosternums zieht und zwar in den sternalen
Bezirk desselben, während ich an der Üoxa keinen bemerkt habe.
Die direkten Muskeln des Coxosternums sind schwächer ausgebildet
als bei den Epimorphen, aber gleichwohl ganz deutlich. Ein
innerer direkter Sternitmuskel dm geht unmittelbar neben der
Mediannaht aus, ein hinterer dm 1 zieht vom inneren Hinterrand-
gebiet des Coxosternum neben der Mittelnaht zum hinteren Ende e
der Coxalplatte, ein anderer, ebenfalls hinterer dm 2 kreuzt sich
mit seinem Nachbarn und greift also über die Mediannaht hinweg. .
Diese Mediannaht selbst ist eine sekundäre Erscheinung und ent-
spricht einerseits dem Umstande, daß die Muskeln dm in der
Mediane viel näher zusammensitzen als bei den Epimorpha, über-
haupt nur durch die Mediannaht getrennt werden, andererseits der
physiologischen Rücksicht, eine gewisse Bewegung der Kieferfüße
(mit Einschluß der Coxosternalhälften) gegen einander zu ermög-
lichen. Mediane Zerteilungen von Sterniten sind durchaus nichts
Neues und namentlich bei Insekten genug bekannt. Neben der
Mediannaht, z. T. auch noch am Hinterrande des Coxosternums,
breiten sich die Fasern eines sehr kräftigen beugenden Brücken-
muskels bm aus, während ein anderer Extensor-Brückenmuskel bm 1
dadurch interessant ist, daß er am Hinterrande des Coxosternums
sich eine beträchtliche Strecke weit mit seinem Gegenüber kreuzt.
Über Tracheaten-Beine. 135
Starke von den Coxalplatten ausgehende Flexoren (cm Abb. 10)
liegen im vorderen sowohl als hinteren Gebiet derselben, während
ein schmälerer Muskel cm 2, von der Außenkante der Coxalplatten
ausgehend, als Extensor des Telopodit wirkt. Im Übrigen be-
merkte ich im Telopodit weder direkte noch Brückenmuskeln.
Das Coxosternum und. die Hüftplatten schließen sich also in der
Hauptsache an die Verhältnisse bei den Epimorpha an, doch
fehlen erkennbare Praesternalabschnitte.e Die vorderen bei
den Anamorpha meist bezahnten Teile des Verbindungs-
gebietes zwischen Hüftabschnitten und Coxosternalplatte,
können also als Coxosternalkante und ihre Zähne als Coxo-
sternalzähne bezeichnet werden, wobei zu betonen ist, daß in
diesen Vorderrandgebieten keine Muskeln anzutreffen sind.
Wir haben also die äußerlich so ähnlichen Stachel- oder Zahn-
bildungen vorne an den Grundteilen der Kieferfüße als verschiedener
Natur erkannt und zwar als
Coxalstachel bei den Scutigeriden,
Coxosternalzähne bei den Anamorpha,
Praesternalzähne bei den Epimorpha.
+ *
+
Das Sternit des Kieferfußsegmentes ist also nur bei
Scutigera selbständig geblieben und hier recht klein, bei
allen übrigen Chilopoden ist es groß und breit und mit
einem Teil der Hüften zu einem Coxosternum ver-
schmolzen. In diesem Hauptpunkt ist mithin meine neue
Erklärung, welche ich im XVI. Aufsatz a, a. O. gab und auch in
„Bronns Klassen und Ordnungen des Tierreichs“ aufnahm, durch die
vergleichende Morphologie der Muskeln vollkommen bestätigt
worden.
Die große untere Platte des Kieferfußsegmentes der
Chilopoden (excl. Scutigera) ist also tatsächlich kein Ver-
wachsungsprodukt der Hüften, sondern ein echtes Sternit,
seitwärts verwachsen mit Hüftstücken und zwar nicht mit
den größeren, sondern den kleineren Teilen der Hüften.
Eine Annäherung an die alte Anschauung der „Coxae coalitae“
enthält meine jetzige Darlegung gegenüber der von 1901 nur in
sofern, als ich bei den oberen, versteckter liegenden Teilen, die
überhaupt von den Forschern meist weniger berücksichtigt wurden,
nicht nur den äußeren Teil als ein Hüftstück betrachte, sondern
die ganzen oben von mir als Coxalplatten bezeichneten Teile,
indem sie die Träger der charakteristischen Coxalmuskeln sind.
Die Praesternite aber erstrecken sich bei den Zipimorpha über das
vordere, in seinem Innern keine Muskeln, an der Kante aber häufig
Zähne enthaltende Gebiet, welches vor Coxosternum und Coxal-
platten liegt und beide verbindet, während sie bei den Lithobien
überhaupt fehlen. Bei diesen läßt sich zwischen Coxosternum und
136 Karl W. Verhoeff:
Coxal-Hauptteilen entweder überhaupt keine scharfe Grenze fest-
setzen oder dieselbe wird durch die Randkante vorn am Coxo-
sternum gebildet.
Die früheren Anschauungen über die Basalteile der Kieferfüße
sind hauptsächlich zweierlei Art gewesen:
Nach der einen Anschauung — und das war die gewöhnliche
— handelte es sich um verwachsene Hüften, während das Sternit
(mit Ausnahme von Scutigera) in Wegfall gekommen sein sollte,
Die andere Anschauung, — welche F. Meinert namentlich in
seiner Arbeit „Caput Scolopendrae‘“‘ Kopenhagen 1883 vertreten hat
— behauptet, daß die Grundplatte das Sternit und die, paarigen
oberen Platten Prosterna seien, das Grundglied des Telopodit aber
die Hüfte. Durch den letzteren Irrtum hat Meinert seiner Ansicht
Abbruch gethan und diejenigen Forscher, welche das einsahen,
übersahen das Gute und Richtige in seiner Theorie. Wenn er also
auch die Hüften total verkannte, so ist er hinsichtlich des Sternites
der Wahrheit doch näher gekommen als die Vertreter der „coxae
coalitae*-Theorie. Seine eingehende Muskeluntersuchung aber wurde
unfruchtbar durch den Mangel vergleichend-morphologischer Gesichts-
punkte.
Nachdem ich jetzt die Muskulatur in gebührender Weise heran-
gezogen habe und gezeigt, daß die Wahrheit teilweise zwischen
jenen beiden Theorien liegt, ist auch das Verhältnis der Kieferfüße
zu den gewöhnlichen Laufbeinen festgestellt worden.
Wenn auch Seutigera hinsichtlich der Kieferfüße unter dem
Chilopoden die niedrigste Stellung einnimmt, so zeigt doch auch
der Gegensatz im Verhalten der Sternite, nämlich Ver-
kleinerung aber Selbständigbleiben des Sternit bei den
Notostigmophora einerseits, kräftige Entwickelung des Sternit
aber u mit Hüftteilen bei den Pleurostigmoj;hora
andererseits, daß die phylogenetische Trennung dieser, beiden
Hauptzweige der Chilopoden früh erfolgte und daß, in Überein-
stimmung mit den Gegensätzen in einer Reihe anderer Merkmale,
meine oberste Einteilung der Chilopoden zu Recht besteht.
In der Gliederung der Kieferfuß-Telopodite macht sich also
ein immer stärkeres Zurückdrängen der beiden Zwischen-
glieder, Femur und Tibia bemerkbar, deren Muskeln und
namentlich auch Krallenmuskeln, im Zusammenhange da-
mit nach und nach verschwinden, während die prae-
femoralen Krallenmuskeln bei allen Chilopoden gut ent-
wickelt sind. Die rückschreitende phylogenetische Entwickelung
von Femur und Tibia bei den Kieferfüßen steht im schärfsten
Gegensatze zu den entsprechenden Verhältnissen der Laufbeine,
aber hier wie dort entspricht diese Entwickelung den verschieden-
artigen Funktionen, die ja so bekannt sind, daß es keiner weiteren
Auseinandersetzung bedarf.
Auch hinsichtlich der Krallenmuskeln der Kieferfüße stehen
Notostigmophora und Pleurostigmophora im Gegensatze, indem bei
Uber Tracheaten-Beine. 137
Ersteren die Krallenmuskeln von Femur und Tibia gut ausgebildet
sind, grundwärts über das Telopodit aber keine Krallenmuskeln
hinausgehen, während bei den Letzteren in der Tibia keine Krallen-
muskeln mehr auftreten, wohl aber an Coxa oder Sternit oder einem
von beiden. Diese aus Öoxa oder Sternit kommendenKrallen-
muskeln der Pleurostigmophora -—— welche zuerst Meinert für
Scolopendra nachwies — sind ein Punkt, in welchem sich die Kiefer-
füße von den Laufbeinen (soweit bekannt) überhaupt unterscheiden,
doch ist anzunehmen, daß die Urbeine ebenfalls solche Rumpf-
krallenmuskeln besessen haben, die Kieferfüße hierin also ein sehr
ursprüngliches Merkmal bewahrt haben würden.
Grundwärtige Brückenmuskeln bm? und endwärtige bm? ent-
sprechen den betr. Muskeln gewöhnlicher Laufbeine.
Die Deutung der Kieferfußglieder nach den Muskeln entspricht
also der durch mein Muskelhomologiegesetz zusammengefabten
Erklärung der Gliedernng und Muskulatur der Laufbeine, soweit
überhaupt entsprechende Muskeln vorkommen. Das endwärtige der
beiden Zwischenglieder kann mithin schon deshalb kein Tarsus-
glied sein, weil es bei Scutigera einen deutlichen Klauenmuskel
enthält und weil außerdem sonst das Praefemur (der Laufbeine)
entweder fehlen würde, (was ganz unverständlich wäre) oder im
Grundgliede des Telopodit enthalten sein müßte, sodaß dieses dann
ein Praefemorofemur sein müßte. Dem widerspricht aber schon das
Verhalten der Brückenmuskel bm’, welche aus der Coxa kommen,
während sie das als endwärtige Brückenmuskeln nicht dürften, auch
müßte dann der Brückenmuskel bm* an den Tarsus gehen, was
ebenfalls bei Laufbeinen nicht vorkommt, bei denen an den Tarsus
nur Kniebrückenmuskeln abgehen. Die bisherige Tarsus-
deutung war also unrichtig, d.h. der Tarsus ist ganz im
Tarsungulum enthalten.
III. Die hinteren Mundfüße.
Von den Kieferfüßen weichen die hinteren Mundfüße außer-
ordentlich stark ab, nicht nur in der Größe und Gestalt, sondern
auch in wichtigen Grundzügen ihres Baues. Einmal ist von einer
Entwickelungsrichtung zur Verkleinernng oder gar Verkümmerung
der Glieder Femur und Tibia nichts zu merken, sodann ist die
Kralle entweder ganz selbständig entwickelt, oder sie fehlt, während
wir es bei den Kieferfüßen immer mit einem Tarsungulum zu tun
haben. Ein wichtiger und bisher ganz verkannter oder doch un-
beachteter Unterschied liegt in dem Verhältnis von Sternit und
Hüften, indem die bei den Kieferfüßen niemals fehlende,
direkte Sternitmuskulatur bei den hinteren Mundfüßen
vollkommen in Wegfall kam. Zwar ist auch bei den hinteren
Mundfüßen das Sternit, so weit es überhaupt erweislich blieb, mit
den Hüften zu einem Coxosternum verwachsen, (vergl. z. B. anbei
138 Karl W. Verhoeff:
Abb. 5a, von Lithobius) aber diese Verwachsung ist eben eine
wesentlich andere: Im Coxosternum der Kieferfüße überwiegt
entschieden das Sternit und es ist nur mit kleineren Teilen
der Hüften verwachsen, während bei den hinteren Mund-
füßen die Hüften einheitlicher Natur sind und das Sternit
nur eine ventrale Verbindungsplatte zwischen den Hüften
darstellt, welche von sehr verschiedener Größe ist, bei Scutigera
noch durch seitliche Leisten deutlich, bei Zithobius (Abb.5) nur
noch sehr schwach abgesetzt, während in den meisten Fällen diese
sternale Verbindungsplatte gar nicht mehr markirt ist, aber trotz-
dem entweder deutlich vorhanden, wie bei (reophilus (Abb. 7a),
Pachymerium, ÜChaetechelyne, Dignathodon und andern Geophiliden,
oder schwach angedeutet wie bei Aömantarium, Orga (Abb. 8) und
Uryptops (Abb. 6) oder ganz rudimentär z.B. bei Scolopendra. Alle
diese Fälle haben aber das Gemeinsame, daß das Sternit mit
den Hüften fest und unbeweglich verbunden ist, sodaß wir
eigentlich auch schon bei Scutigera von einem Coxosternum sprechen
können, während bei den Kieferfüßen im Gegenteil der Sternit-
bezirk gegen die coxalen Hauptteile immer reichlich verschiebbar
ist. Diesem Gegensatz der hinteren Mundfüße und Kieferfüße ent-
spricht natürlich das geschilderte Fehlen oder Vorhandensein
der direkten sternocoxalen Muskeln. Bei Geophiliden kommen
übrigens am Sternalbezirk der hinteren Mundfüße bisweilen eine
Anzahl einzelliger Hautdrüsen vor, wie sie auf den gewöhnlichen
Sterniten dieser Familie so häufig sind, z.B. bei Chaetechelyne
vesuviana Newp. Wenn der sternale Bezirk auch meist nicht mehr
abgesetzt ist, so macht er sich doch häufig durch eine Breiten-
erstreckung bemerkbar (Abb.7), wie sie nicht vorhanden sein
würde, wenn es sich hier nur um verwachsene Hüften handelte.
In der Regel verläuft der Vorderrand des Coxosternum der hinteren
Mundfüße mit hohler Buchtung, in andern Fällen ist die Mitte fast
gerade und quer abgesetzt, nur bei Bothriogaster affinis Szel. sah
ich den sternalen Bezirk auch durch einen vortretenden mittleren
Lappen am Vorderrande zum Ausdruck kommen.
Die Hüften sind an der ventralen Seite stärker ausgedehnt
(y Abb. 6) als an der dorsalen x. Die Hüftmuskeln kommen von
den basalen Rändern, zwei Extensoren des Telopodit kommen vom
ventralen (cm!) und dorsalen Hüftrande (cm?), ein Flexor cm eben-
falls vom dorsalen, manchmal ein anderer Flexor auch vom ventralen.
Ein auffallend nach innen ausgedehnter Muskel m, welcher eben-
falls als Flexor wirkt, kommt bald mehr bald weniger deutlich,
aus dem Bereiche des sternalen Bezirks (Abb. 5 u. 6). Ich halte
ihn für einen Rumpfbrückenmuskel, der diesen Charakter dadurch
eingebüßt hat, daß das Sternit mit den Hüften fest verwuchs.
Besonders deutlich ist seine Eigenart ebenfalls bei Bothriogaster
erhalten, wo er, mit seinem Gegenüber in der Mediane hart
zusammenstoßend, inmitten des sternalen, vorne vorragenden
Bezirkes liegt. Im Vergleich mit den Kieferfüßen ist auch zu be-
Über Tracheaten-Beine. 139
achten, daß die Coxotelopodit-Gelenkknöpfe der hinteren Mundfüße
viel weiter nach innen zu liegen, zumal sich bei ihnen die Extensor-
muskeln ganz außen von diesen Knöpfen ausbreiten.
Die Telopodite sind wieder ein auffallendes Beispiel für das
was ich mehrfach über den großen Gegensatz zwischen Noto-
stigmophora und Pleurostigmophora angegeben habe. Die hinteren
Mundfüße von Seutigera entbehren nämlich sowohl der Krallen als
der Krallenmuskeln, während den übrigen Chrlopoden beides zu-
kommt, wenn auch bisweilen in schwacher Entwickelung, aber
trotzdem sind sie im Allgemeinen bei dieser Gattung am ursprüng-
lichsten geblieben, weshalb sie auch wieder als Ausgangspunkt dienen
müssen. Ihre Telopodite bieten den denkbar schönsten
Übergang von Laufbeinen zu Mundfüßen, indem sie, von
den Krallen abgesehen, eine typische ursprüngliche Uhslopoden-
Beingliederung aufweisen, nämlich zunächst einen kleinen
muskellosen Trochanter (Abb. 4) und darauf folgend vier
deutliche große Glieder, die sich ohne Weiteres als Praefemur,
Femur, Tibia und Tarsus erkennen lassen. Der Trochanter
besitzt an seinem Endrande bei x sogar noch den für gewöhn-
liche Laufbeine von Scutigera charakteristischen, die
Abbrechstelle bezeichnenden, dunkeln Verdickungsring,
auch konnte ich tatsächlich feststellen, daß diese Mundfübe noch
leicht an dieser Stelle abbrechen, obwohl das natürlich. von
keiner Bedeutung mehr ist. Die Telopoditmuskulatur entspricht,
soweit sie eben erhalten blieb, durchaus der der gewöhnlichen Lauf-
beine, (vergl. meinen 4. Aufsatz über Tracheaten-Beine, Nova Acta
1903). Wir haben zwei grundwärtige Brückenmuskeln bm und bm!,
welche die beiden auf den Trochanter folgenden Glieder durch-
ziehen und am dritten, der Tibia als Flexoren wirken. Ferner
beobachtete ich drei direkte Muskeln, zwei im Praefemur dm, dm!
und einen im Femur. Die Tibia enthält keinen direkten Muskel
und ist durch das Erlöschen der Kralle sekundär überhaupt muskel-
los geworden.
Die Telopodite der hinteren Mundfüße aller übrigen
Chalopoden weichen von denen der Scutigera nicht nur durch das
völlige Fehlen des Trochanter und den Besitz von Krallen
und Krallenmuskeln ab, sondern auch durch das Verhalten des
Praefemur.
Während dasselbe nämlich bei Scutzgera nach obiger Schilderung
(Abb. 4 prf) sich als ein durchaus typisches, wohl ausgeprägtes
Beinglied darstellt, ist es bei den andern Chzlopoden nirgends typisch
entwickelt und entweder nur durch eine Kerbe angedeutet y (Abb. 5
bei Zithobius), welche ich Praefemurkerbe nenne, oder durch
eine Naht (y Abb. 6 bei Gryptops), welche aber nicht ganz voll-
ständig ist. Einen direkten Muskel habe ich für dieses Glied bei
den Pleurostigmophora nicht beobachtet, doch hat ihn F. Meinert
(Caput Scolopendrae) für Scolopendra subspinipes angegeben, wo er
140 Karl W. Verhoeff:
aber auch klein zu sein scheint und keine typische Gliedgrenze
vorliegt, (vergl. Meinerts Taf. II Abb.5 b. 10).
Alle diese Verhältnisse zeigen klar, daß es sich bei den
hinteren Mundfüßen um ein Praefemorofemur sekundärer
Natur handelt. Bei den Anamorpha und Scolopendriden (Abb. 5
u. 6) weist auch die äußere Gestalt noch auf diesen Verschmelzungs-
prozeß hin, indem das Praefemorofemur länglich und gebogen
ist, während es innerhalb der (Geophrliden (Abb. 7 und 8) immer
gedrungener wird.
Hinsichtlich der Krallenmuskeln zeigen die Telopodite der
hinteren Mundfüße bei den Pleurostigmophora ebenfalls Verhältnisse,
welche sich (weit mehr als bei den Kieferfüßen) an die typischen
Laufbeine anschließen. Bei allen Gruppen beobachtete ich stets
zwei Krallenmuskeln, einen femoralen km! nnd einen tibialen
km, also entsprechend dem Typus der Insektenbeine. Dieses
zweite Telopoditglied ist als letztes krallenmuskelführendes
scharf genug charakterisiert. Bei Orya schien es mir, daß noch
ein schwacher Krallenmuskel (« Abb. 8) aus der Coxa kommt. Für
Scolopendra gab auch Meinert zwei Krallenmukeln in einer mit
meinen Befunden übereinstimmenden Weise an. Ein langer,
schmaler Brückenmuskel (bm? Abb. 5 und 6) kommt aus der Hüfte,
durchzieht das Praefemorofemur und bedient als Flexor die Tibia.
Ich fand ihn bei /ithobius und Uryptops, nicht aber bei den Geo-
philiden. (An den Kieferfüßen entspricht ihm der Muskel bm* von
Scutigera Abb. 9). Bei allen untersuchten Plewrostigmophora konnte
ich den Kniebrückenmuskel bm? feststellen. Meinert hat ihn
bei Scolopendra beobachtet und giebt sogar zwei dicht neben ein-
ander an. Direkte, meist kräftige Muskeln dm? und dm? finden
sich ebenfalls allgemein, entweder als Flexoren oder als seitliche
Muskeln entwickelt. Der Muskel bmx (Abb.5) des Praefemoro-
femur von Lithobius ist offenbar ein grundwärtiger Brückenmuskel,
welcher durch Einschmelzung des Praefemur zu einem direkten
wurde. Der Tarsus ist allgemein ungegliedert und muskellos.
Die Gelenke zwischen Coxa und Telopodit haben ihre deutlichen
beiden Knöpfe stets oben und unten. Deutliche Praesternite habe
ich auch bei den Epimorpha nicht feststellen können.
IV. Die vorderen Mundfüße.
Sowohl in physiologischer als auch morphologischer Hinsicht
weichen die vorderen Mundfüße (nebst ihrem Sternit) von den
hinteren nicht weniger ab als diese von den Kieferfüßen. Bei
Lithobius (Abb. 23) finden wir ein Coxosternum, welches durch
einen tiefen medianen Einschnitt fast in zwei Hälften geteilt ist,
doch hängen dieselben bei x auf kurzer Strecke noch zusammen. _
N
Über Tracheaten-Beine, 141
Die Sternitteile sind vollkommen mit den Hüften verwachsen.
Trotzdem treffen wir noch deutliche Muskeln zwischen beiden an,
was damit zusammenhängt, daß die vorderen Mundfüße stark bei
dem Aussaugen und Ausdrücken der Nahrungsteilchen mitwirken.
Daher müssen sie gegeneinandergepreßt werden, was zugleich ein
Heraufbiegen der äußeren Teile mit sich bringt. Trotz der
genannten Verwachsung werden äußere und innere Teile des Coxo-
sternum, in Folge ihrer Elastizität, in der Weise gegen einander
verschoben, wie die Hälften eines Bogens durch Verkürzung seiner
Sehne. Diese Muskeln sind ein direkter Rumpfmuskel dm, welcher
innen vom Sternit nach außen in den Hüftteil zieht und ein Rumpf-
brückenmuskel bm, welcher ebenfalls von innen aus dem Sternit
(vor dem vorigen) nach außen verläuft und zwar innen an den
Telopoditgrund. Außen im Hüftteil bemerken wir die Hüftmuskeln
in bekannter Lage, einen Flexor cm und zwei Extensoren cm!.
Zwischen Coxosternum und Telopodit sind keine deutlichen Gelenk-
knöpfe mehr ausgebildet, nur ist die Innenecke ein wenig verdickt.
Das Telopodit, bekanntlich aus zwei deutlich von einander ab-
gesetzten Gliedern bestehend, enthält nur zwei aus dem Coxal-
abschnitt kommende Brückenmuskeln, von denen der eine sich
innen als Flexor bme an das Endglied heftet, während der andere
mehr in der Mitte verläuft bme' und noch etwas über das Gelenk
der beiden Telopoditglieder wegstreicht. Die Sternithäften springen
in starke Coxosternallappen, Vorderlappen vor pl, welche ohne
Grenze in das übrige Sternit übergehen.
Bei Larven, z. B. Pullus mit 10 Beinpaaren, fand ich die
Sternithälften und auch die Vorderlappen stärker zusammengedrängt,
bei erwachsenen 2. (Polybothrus) fasciatus dagegen stehen die
Lappen weiter auseinander, womit die stärkere Verwachsung als
das ursprüngliche angewiesen wird.
Scolopendra stimmt in den meisten Punkten überein mit dem
eben von Zithobius Gesagten, doch ‚findet sich zwischen Hüften und
Sternithälften eine noch ziemlich scharfe Grenze, gebildet nicht nur
durch eine basale, tiefe Bucht (b. Abb. 24), sondern auch eine
neben dieser sich erstreckende, einschneidende, fast vollständige
Nahtlinie. Die inneren Ränder der am Ende löffelartig ausgehöhlten
Vorderlappen greifen über einander. Bei Scolopendra bemerkte ich
drei direkte Sternitmuskeln, von denen einer dm? weiter nach außen
in die Hüfte greift, die beiden andern dm und dm! aber nur bis
in die Gegend der inneren Grenze des Hüftteils. Von dieser Stelle
bis zur entsprechenden der andern Seite verläuft ein querer Muskel
qm, welcher den queren Sternitmuskeln qm gewöhnlicher Rumpf-
bauchplatten entspricht, (vergl. Abb. 2 und 3); auch dieser dient
dem queren Zusammenpressen der vorderen Mundfüße. Zwei bis
drei Coxalmuskeln, zwei Telopoditbrückenmuskeln verlaufen wie bei
Liüthobius. Im grundwärtigen der beiden Telopoditglieder kommt
aber noch ein breiter direkter Muskel vor (dm 3).
142 Karl W. Verhoeff:
Unter den Geophiliden finden wir eine immer weiter gehende
Verkümmerung der Telopodite. Manche Formen lassen noch
zwei deutlich getrennte Glieder und entsprechende Muskeln erkennen.
Bei andern Arten, z. B. (eophilus carpophagus (Abb. 25) ist die
Gliedgrenze schon undeutlicher geworden und es kommt nur noch
der innere Brückenmuskel vor. Noch andere Formen, wie Chde-
techelyne vesuviana (Abb. 26) lassen das Telopodit überhaupt als
sehr kurz und ganz ausgesprochen eingliedrig erkennen, Hier hat
sich der äußere der beiden Telopoditbrückenmuskel erhalten bme!,
Das Üoxosternum zeigt recht verschiedene Ausbildungsweisen, ein-
mal eine mehr oder weniger vollständige Zweiteilung (Abb. 26 von
Öhaetechelyne) und dann wieder Fälle einer mehr einheitlichen
Gestalt (Abb. 25 von Geophilus), wobei die Vorderlappen manchmal
scharf vom übrigen Sternit abgesetzt sind, sodaß sie dann auch als
Praesternite bezeichnet werden könnten. Longitudinalmuskeln kommen
in der Mitte des Sternalgebietes und auch seitwärts vor (lm, Im'),
wie derartige Muskeln ja von den hinteren Mundfüßen und Kiefer-
füßen bekannt sind. Von Coxalmuskeln habe ich bei Geophiliden
meist nur äußere beobachtet (Abb. 25 und 26), bei Orya auch
innere. Direkte Sternitmuskeln dm fand ich bei den meisten hierauf
untersuchten Gattungen.
Scutigera weicht von allen andern Gattungen wieder auffällig
ab durch die namentlich von E. Haase trefflich erörterten Maxillar-
organe, auf welche ich nicht einzugehen brauche. Nur die an die
Basis derselben sich anheftenden, beiden Muskeln sind hier von
Interesse. Dieselben dienen als Retraktoren für das mittelst
seiner glasigen, zarten Haut ausstülpbare Organ, sind aber ver-
gleichend-morphologisch dieselben Muskeln, welche ich in Abb. 23
für Lithobius als Sternitmuskeln bm und dm beschrieben habe.
Der Muskel bm ist aber bei Scutigera viel stärker und erfüllt den
größten Teil des Gliedes I, indem er nach außen sich stark ver-
breiternd, sich strahlenartig spreizt. Dieser Muskel erscheint daher
in der Flächenansicht als ein beinahe gleichseitiges Dreieck. Der
direkte Muskel dm zieht quer nach außen durch die Hüfte und ist
bei Scutigera viel schmäler als bm. Das grundwärtige Telopodit-
glied ist überhaupt verhältlich groß, größer als das endwärtige, an
welches, trotz der nur innen scharfen Abgrenzung, dennoch ein
starker Telopoditbrückenmuskel zieht. Coxalmuskeln treten in
typischer Weise auf. Das mit feiner Mittelnaht versehene Sternit
ist seitlich, ähnlich Scolopendra, durch eine scharfe Naht abgegrenzt, -
die sogar noch etwas deutlicher ist als dort, aber nicht ganz voll-
ständig. Am Telopoditendglied kommt innen eine abgekürzte Naht
vor, welche auch bei einigen Pleurostigmophora bemerkt werden
kann und eine Urkunde ist, der Entstehung dieses Gliedes aus
ursprünglich zwei getrennten. Kleine Vorderlappen am Sternit
fehlen auch Scutigera nicht und sind wieder löffelartig ausgehöhlt.
Über Tracheaten-Beine. 143
Longitudinalmuskeln gehen in bekannter Weise an den Sternitgrund,
Pleuralmuskeln an die Hüften.
Die Ausbildung eines Coxosternums der vorderen
Mundfüße gilt also allgemein für alle Chilopoden, wobei
dasselbe von den Vorderlappen abgesehen, bald einheitlicher Natur
ist, bald außen oder innen in der Mediane, oder an beiden Stellen,
mehr oder weniger abgesetzt oder eingeschnürt. Meistens kommen
zwei Telopoditglieder vor. Früher (XVI. Aufsatz S. 392) habe ich
dieselben als Femur und Tibiotarsale gedeutet. Jetzt, wo ich
gezeigt habe, daß diejenige Gliederhomologie der Beine der
Insekten und Ckilopoden, welche man bisher annahm, unhaltbar
ist und daß namentlich die Muskulatur zur richtigen Glieder-
charakterisierung unentbehrlich ist, sind daraus ganz andere und
zwar viel gründlichere Begriffe der Beinglieder gewonnen
worden Aber gerade diese zeigen, daß die Telopodite der
vorderen Mundfüße bereits so stark umgewandelt sind, daß
eine absolut sichere Deutung der beiden Glieder I und II (Abb. 23
—26) nicht mehr möglich ist. Wir können lediglich dann, wenn
wir die hinteren Mundfüße als Ausgangs- und Vergleichsobjekt
benutzen wollen, es als wahrscheinlich bezeichnen, daß das
Glied I ein Praefemorofemur und II ein Tibiotarsale sei,
indem wir die Muskeln bme und bme' mit dem Muskel bm?
(Abb. 5 und 6) der hinteren Mundfüße vergleichen können und
daher auch die Annahme des Gliedes I als Trochanter ausgeschlossen
und die als Praefemur unwahrscheinlich ist. Diese Deutung würde
sich also, wenn wir von der Anderung der Grundlage absehen,
mit meiner früheren decken.
* *+
*
Vordere und hintere Mundfüße sowohl als auch die
Kieferfüße stimmen allgemein darin überein, daß das
Sternit mit den Hüften zur Bildung eines Öoxosternums
mehr oder weniger verwächst, wobei an den Kieferfüßen
und fast immer auch vorderen Mundfüßen die direkte
sternitcoxale Muskulatur erhalten bleibt, nicht aber an
den hinteren Mundfüßen.
Nur an den Kieferfüßen von Scutigera bleibt das Sternit einiger-
maßen selbständig und an den hinteren Mundfüßen wird es bei
einigen Formen rudimentär. (Scolopendra).
Einige der wichtigsten Gegensätze der beiden Hauptgruppen
der Chilopoden in Hinsicht auf die Mundteile, sowie die sehr ver-
schiedenartige Ausbildung der Kieferfüße, vorderen und hinteren
Mundfüße, möge die folgende Zusammenstellung veranschaulichen:
144 Karl W. Verhoeff:
Pleurostigmophora. Notostigmophora.
Hüften zerteilt, Coxosternum unten Hüften und Sternit einheitlich.
und Coxalplatten darüber. Coxalplatten
und Telopodite deutliich gegen das
Coxosternum beweglich.
Sternitbezirk grob. Sternit schwach.
Sternitcoxale Muskulatur deutlich entwickelt. Troehanter niemals
selbständig, in dem stets sehr starken Praefemur enthalten.
Telopodit mit mehr oder weniger Femur und Tibia stark entwickelt,
verkleinertem Femur und Tibia. Tibia beide mit deutlichem Krallenmuskel.
stets ohne, Femur selten mit Krallen- Kralle des Tarsungulum deutlich be-
muskel. Kralle des Tarsungulum ab- grenzt.
Kieferfüße.
nn 1 Ns mn En U
Praefemorofemur verwachsen, was durch selbständig.
Naht oder Kerbe angezeigt wird.
gesetzt.
Sterniteoxale Muskulatur fehlt, das Sternit bildet nur eine gegen die
5 einheitlichen Hüften nicht verschiebbare, mehr oder weniger deutliche Ver-
5 |indungsbrücke zwischen den Hüften.
Ce
E Krallen und Krallenmuskeln (in Krallen u. Krallenmuskeln fehlen.
= Femur und Tibia) vorhanden.
© Trochanter fehlend. Trochanter vorhanden und ganz
® selbständig.
i- Praefemur und Femur zu einem Praefemur ebenfalls vollkommen
=
Maxillarorgane fehlen. Maxillarorgane vorhanden.
Coxosternum allgemein vorhanden; der sternale Teil in der Mitte oft
Ju ıE oder weniger eingeschnitten. Hüften einheitlich. Der Sternalteil bildet
eine Verbindungsbrücke. Trotzdem sind meist sternitcoxale Muskeln aus-
gebildet.
Telopodit stark verkümmert, aus höchstens zwei echten Gliedern be-
stehend. Niemals Krallen.
Vord. Mundfüße.
V. Anmerkungen (Litteraturrückblick).
Auf Grund vorliegender Untersuchungen kann ich hinsichtlich
des Hypopharynx der Öhxlopoden nur wörtlich das wiederholen,
was auf S. 397 in meinem XVI. Aufsatze über paläarktische Myrio-
poden steht: (Nova Acta 1901)
„Für unhaltbar muß ich die Hypopharynx-Theorie von
Heymons bezeichnen!) wonach dieses Gebilde die verwachsenen
Sternite der drei Kiefersegmente vorstellen soll. Wir haben im
Vorigen gesehen, daß die Bauchplatten der Mundfüße ein ganz
1) Die Segmentierung des Insektenkörpers, Berlin 1895, S. 24.
ir u
Über Tracheaten-Beine. 145
anderes Schicksal haben und gewissermaßen an diesen Füßen selbst
teilnehmen.“
Heymons sprach die genannte Ansicht allerdings für Insekten
aus, aber es ist sehr unwahrscheinlich, daß dieselben hierin so
auffallend von den Chilopoden abweichen sollten. Neuerdings hat
Heymons selbst!) ausdrücklich für Scolopendra angegeben, daß
deren „Hypopharynx nur aus dem Sternit des Mandibelsegmentes
hervorgeht.“ In N. 662 des zoologischen Anzeigers nahm ich zur
Frage der Sternite der Mund- und Kieferfüße und Heymons Mit-
teilungen a. a. O. bereits Stellung. Jetzt will ich dem noch hinzu-
fügen, daß das was Heymons in seiner Textfigur IX mit „stern“
bezeichnete, offenbar nur ein Stück Zwischenhaut ist, Dagegen
stimmt vollkommen mit meinen Beobachtungen die abgekürzte Naht,
welche er seitwärts an den mit „coxl“ bezeichneten Teilen angiebt.
Natürlich sind die sogenannten „Coxalfortsätze* in Wirklichkeit die
Sternithälften, wie die Muskulatur, (welche Heymons nicht berück-
sichtigte) entscheidend beweist. Solche „Coxalfortsätze* kennen
wir ja auch überhaupt nicht von typischen ÜÖhrlopoden-Beinen, sodaß
sie hier etwas Ungewöhnliches vorstellen würden. Vollkommen
übereinstimmend sind Heymons und meine Beobachtungen über
das Coxosternum der hinteren Mundfüße, nur ist zu bemerken,
daß gerade hier die von ihm allein berücksichtigte Gattung
Scolopendra nicht geeignet ist ein klares Bild zu schaffen, denn
gerade bei ihr ist der betr. sternale Anteil sehr klein geworden,
weshalb ich ihn oben auch als rudimentär bezeichnete Nicht
recht klar ist dagegen das was Heymons auf S.52 über die
„Sternocoxalplatte“ der Kieferfüße schreibt. Jedenfalls hat er das
Sternit ganz verkannt. Das Stück „str“ seiner Abb. XI ist der
unzweifelhafte Anteil der Zwischenhaut, welche hier, der eigen-
tümlichen Verbindung des Coxosternums der Kieferfüße mit den
hinteren Mundfüßen entsprechend, einen fast halbkreisförmigen Ver-
lauf und Querschnitt zeigt. Heymons ist nicht auf alle Skelett-
teile eingegangen, geschweige denn die Muskeln. Er setzt „die
Zahnplatten der Kieferfüße den Coxalfortsätzen der vorderen
Maxillen homodynam“. Das ist aber nicht ganz zutreffend, denn
die Fortsätze der vorderen Maxillen sind ausschließlich sternaler
(oder praesternaler) Natur, während die „Zahnplatten“ verschiedenen
Charakters sind, je nach den Gruppen. Bei Lithobius sind sie
wie ich oben zeigte als ein Mischungs- und Grenzgebiet von Coxo-
sternum und Coxalplatten anzusehen, während sie bei manchen
Scolopendriden ausgesprochen interkalare (praesternale) Natur haben.
Die Glieder der Mund- und Kieferfüße hat Heymons mit Zahlen
versehen aber nicht erklärt, richtig erkannt hat er das Verwachsen-
sein der Kieferfußklauen aus zwei Gliedern ungefähr gleichzeitig
und unabhängig von mir.
!) Entwickelungsgeschichte der Scolopender, Stuttgart 1901, S. 50.
Arch. f. Naturgesch. Jahrg. 1904. Bd. I. H. 2. 10
146 Karl-W, Verhoeff:
F. Meinert (Caput Scolopendrae) gab uns zum ersten Male
eine genaue Einsicht in die Kopf- und Mundteile-Muskulatur der
Chilopoden. Seine sorgfältigen Beschreibungen haben wie es
scheint nicht die gebührende Beachtung gefunden. Und doch hatte
er das Sternit der vorderen Mundfüße schon richtig aufgefaßt;
unrichtig allerdings die Hüftteille.. Von den Mundteilmuskeln bei
Scolopendra habe ich die meisten bestätigen können und auch im
Einzelnen oben Einiges angeführt. Wenn auch der Mangel des
vergleichend morphologischen Gesichtspunktes bei Meinert schwer
in die Wagschale fällt, so würden doch seine Mitteilungen vor
manchen früheren Irrtümern bewahrt haben, wenn nicht die ver-
gleichende Morphologie der Muskeln bei den Gliedertieren bisher
meist so sträflich vernachlässigt wäre. (Geschehen im engsten
Zusammenhange mit allen jenen bekannten Folgeerscheinungen der
einseitigen Mikrotom-Periode der Zoologie!)
In seiner Arbeit „Neues über paläarktische Myriopoden“
Zoolog. Jahrbücher 1899 machte C. Attems einige Mitteilungen
„über die Kieferfüße der Chilopoden“, worauf ich jetzt zum 2. Male
kurz zurückkomme. Attems war der erste, welcher meine neuen
Mundteil-Erklärungen bekämpfte. Er berief sich u. A. auf die
damals bereits „so gut“ bekannten einschlägigen Verhältnisse. Ich
bin überzeugt, daß er mir jetzt beistimmt, wenn ich die genügende
Klärung der Tatsachen bereits 1901 bezweifelte und es für not-
wendig hielt vielmehr diese Klärung erst durch weitere Unter-
suchungen anzubahnen. Ebenso steht es nunmehr fest, daß die
Hüftfrage eine weit schwierigere ist als sie es nach dem Schema
der „zwei Halbringe* Latzels zu sein schien. Attems irrte
sich jedenfalls mit seiner Annahme, daß „die Verhältnisse“ der
Mundteile „bei allen COhilopoden fast ganz die gleichen“ seien.
Ebenso wenig zutreffend ist es, daß an den Hüften der Kieferfüße
„mit geringen Ausnahmen die Verwachsungsnähte erhalten“ ge-
blieben sein sollen, denn tatsächlich ist das Coxosternum der Epi-
morpha in seinem Sternalteil in der Mitte durchgehends einheitlich.
Nie und nirgends hat Jemand bei den Pleurostigmophora
etwas von einer Verwachsung der im Vorigen als Coxal-
platten bezeichneten Teile gesehen. Diese Teile bleiben
stets weit und vollkommen von einander getrennt. Das
Einheitliche des Sternalgebietes und das Getrenntsein
der Coxalplatten sind grundverschiedene und in beiden
Fällen ganz ursprüngliche Dinge, welche bisher fälschlich
gleichartig angesehen wurden.!)
*+ *
*
') In N. 695 des zoolog. Anzeigers hat Börner auf $S. 306-313 etwas
über Chilopoden-Mundteile geschrieben, was ich trotz der vielen Unrichtigkeiten
nicht übergehen kann. Die Mängel der Börnerschen vergleichenden Bein-
Über Tracheaten-Beine, 147
Über die Nebengebilde der Hüfte habe ich bereits oben ge-
sprochen und habe jetzt auch mit einigen Worten auf die Pleuren
einzugehen. Heymons stellte in seiner Arbeit „Beiträge zur
Morphologie und Entwickelungsgeschichte der Rhynchoten“ Nova
Acta 1899 den Begriff der Subcoxa auf. Er spricht auf S. 95
auch über Blattiden was mir im vorigen Jahre entging, da es in
einer Rhynchoten-Arbeit nicht zu erwarten war. Es heißt dort:
„Auch bei den Blattiden finden sich vor dem Hüftgliede des Beines
zwei kleine Skelettstücke vor, die durch Furchen wieder in mehrere
Unterabteilungen zerlegt werden und welche man bisher als
Episternum und Epimerum bezeichnet hat. An diesen Skelett-
stücken entspringt ein Teil der in die Hüfte eintretenden Muskulatur
Untersuchungen habe ich bereits in früheren Aufsätzen dargelegt. Unrichtige
Grundlagen und daher auch unrichtiger Aufbau! Während er bei den Lauf-
beinen aber die Muskulatur wenn auch nicht richtig verwehrtete, so doch wenigstens
etwas berücksichtigt hat, kümmerte er sich bei den Mundfüßen überhaupt
nicht um dieselbe. Daher entfielen für ihn die ungemein wichtigen Hülfsmittel,
welche er bei gründlichen Studium hätte erlangen könuen. Auch hätte er
wie er selbst schreibt „schwerwiegende Fehler leicht vermeiden können, wenn
er die Arbeiten seiner Vorgänger genügend gewürdigt hätte“. Es ist über-
flüssig alle Fehler Börners zu besprechen, da sich dieselben aus vorstehender
Arbeit ohnehin ergeben, nur wenige Punkte seien erwähnt. Als Sternit der
Kieferfüße ist ein Stückchen Zwischenhaut angesprochen. Der Begriff des
Tarsus derselben wird zerrissen und nur zur Hälfte zum Tarsungulum gezogen,
zur andern Hälfte auf das endwärtige Zwischenglied bezogen. In Folge der
Verkennung des Praefemur ist an den Kieferfüßen ein Trochanterofemur
konstruiert. Als COrustaceen-Reminiscenz kommt wieder ein „Coxopodit‘“ vor.
Daß ein Prosternum „gar nicht existiert“ ist unrichtig, namentlich für die
angewandte Gattung Scolvpendra. Die beiden Maxillenpaare sollen „in gleichem
Typus allen Chilopoden“ zukommen („abgesehen vom Maxillarorgan der Scute-
geriden‘‘), während wir oben sahen, daß z. B. die hinteren Mundfüße von
Scutigera ganz beträchtlich von denen der andern Chilvpoden abweichen und
daß auch sonst sehr namhafte Differenzen in verschiedenen Teilen vorliegen.
Börner führt für die Sternocoxen der Mundteile die vorne besprochenen An-
schaunngen Heymons an, deren nur teilweise Richtigkeit er dadurch weiter
entstellt, dab er behauptet „den Schwund des Sternums allmählich“ haben
„verfolgen zu können“, was unbewiesen und tatsächlich unrichtig ist. Er kon-
struiert in diesem Punkte überhaupt zwischen meinen und Heymons Angaben
einen Gegensatz, wie er in diesem Maße nicht besteht. Im Gegensatz zu
Heymons und mir erklärt er, daß bei Scolopendra an den hinteren Mundfüßen
„ein Sternum völlig unterdrückt“ sei. Die Börner'sche Methode der Deutung
der Glieder der Mund- und Kieferfüße ist, wenigstens an den Telopoditen,
einfach das alte Verfahren der Abzählung von grund- nach endwärts, ohne
tiefere Kriterien. Daher gibt er sowohl bei den Mund- als auch den Kiefer-
füßen das auf die Gelenke zwischen Coxa und Telopodit folgende größere Glied
gleichmäßig als Trochanterofemur an, während wir oben sahen, daß zwischen
10*
148 Karl W. Verhoeff:
und es kann im Hinblick hierauf wie auch besonders in Rücksicht
auf die übereinstimmende Lage kein Zweifel sein, dab die be-
treffenden Teile der Blattiden den Subcoxalplatten der Rhynchoten
homolog sind.“ Weiter heißt es dann: „Unentschieden muß ich
freilich die Frage noch lassen, ob es zulässig ist, die Subcoxal-
platten oder die ihnen entpsrechenden Teile anderer Insekten
nun wirklich für die Reste ehemaliger eigentlicher Beinglieder zu
halten, die nachträglich in den Thorax eingeschmolzen sind.* —
Die genaueren vergleichend-morphologischen Untersuchungen über
die Gliederung und Muskulatur der Tracheaten- nnd namentlich
Opisthogoneaten-Beine haben inzwischen gezeigt, dab die Teile,
welche Heymons Subcoxalplatten nennt, nicht zu den Beinen
gezählt werden können. Ferner habe ich oben ausgefürt, daß die
Hüften, in Folge des nach den Gruppen verschiedenen Verhaltens
ihrer Nebenteile, nicht immer scharf von den Pleuralgebilden zu
trennen sind, wenigstens wenn man die Nebenteile der Hüften genau
mitberücksichtigt. In meiner Arbeit „über den Thorax der Insekten“
Nova Acta 1902 habe ich nun darauf hingewiesen, daß die Pleural-
skelerite vieler Hexapoden (und namentlich der meisten behandelten
niederen Gruppen) sich von den ihnen entsprechenden Teilen bei Chzlo-
poden dadurch auffallend unterscheiden, daß zwei von ihnen mit
der Hüfte ein Gelenk bilden und daß sie auch in der Pleurenhaut
eine größere Ausdehnung erhalten haben. Ferner zeigte ich, dab
hintern Mundfüßen und Kieferfüßen in dieser Hinsicht ein großer Unterschied
besteht. In einem gewissen Sinne richtig ist das was Börner über die Kiefer-
fuß-Scheinklauen der Geophiliden sagt, indem dieselben im Prinzip allerdings
mit denen der übrigen Chilopoden übereinstimmen. Er unterließ es aber auf die
Abb. 1 von Pachymerium in meinem Artikel N. 677 des zoolog. Anzeigers hin-
zuweisen, woraus die Zweiteiligkeit dieser Scheinklaue deutlich ersichtlich ist,
jedenfalls viel deutlicher als die Abbildungen Latzels in seinem bekannten
Werke, auf welche B. mit Unrecht hinweist, denn sie lassen (bei Geophiliden!)
nirgends Entsprechendes deutlich erkennen. Zum Beweise der Geophiliden-
Scheinklaueu gehören übrigens mehr Belege als Börner sie verwandt hat, denn
es bestehen hinsichtlich der abgekürzten Naht sowohl wie der Insertionsstelle
der Krallensehne nicht unbedeutende Verschiedenheiten, sodaß das Urteil, wenn
man nur wenige Formen betrachtet, nach der Wahl derselben verschieden aus-
fallen kann. Es gibt Formen, z. B. Bothriogaster affinis (vergl. Abb. 21 im
XVI. Aufsatz meiner „Beiträge“ u.s. w. Nova Acta 1901), welche kein deut-
liches Grundstück erkennen lassen und die Sehne vollkommen am Grunde.
Dennoch kann man Übergänge finden zu-andern Geophiliden, bei denen die
Sehne etwas weiter endwärts vorgerückt liegt und eine abgekürzte Naht das
Grundglied anzeigt. Wie gesagt ist aber eine solche Beweisführung überhaupt
unvollständig, denn die Verschiedenheit in der Pigmentierung und namentlich
der mehr oder weniger reichliche Besatz mit Tastborsten sind ebenso
wichtige Charaktere, welche den Basalteil der Geophiliden-Scheinklauen als
eigenartig und nicht zur echten Klaue gehörig kennzeichnen, welche Börner
Über Tracheaten-Beine. 149
eine richtige Würdigung und Begriffsbestimmung der Pleurenteile
nicht möglich ist, ohne genaue Berücksichtigung der endoskelettalen
Leisten und Spangen.
Einen durchaus brauchbaren Begriff hat Heymons a.a.0.
auf S. 24 in den Paratergiten aufgestellt und sagt, „daß im
Thorax Tergite und Paratergite nicht (von einander) abge-
gliedert sind, sondern daß eine Grenze zwischen ihnen lediglich
durch den scharfen Seitenrand des Körpers hergestellt wird.“
Dies ist jedenfalls als das ursprüngliche Verhältnis zu betrachten,
da die drei großen Thorakalsegmente allein Laufbeine behalten
haben.
Solche Paratergite kommen auch bei zahlreichen Chilopoden
vor und man kann sie besonders deutlich bei Scolopendriden ver-
folgen. Eine Verwechselung der Paratergite mit Pleural-
platten, d. h. Skeleriten welche zwischen den Rücken-
platten einerseits und Bauchplatten nebst Hüften anderer-
seits liegen, ist bei den meisten Chilopoden nicht gut möglich.
Da nun Heymons Subcoxalplatten zwischen seinen Paratergiten
und den Hüften liegen, so ist nicht einzusehen, weshalb sie nicht,
dem Gebrauch bei Chrlopoden und Hexapoden entsprechend, ruhig
weiterhin als Pleural-Sklerite bezeichnet werden sollen, wie das
z.B. auch von H.J. Kolbe in seinem Buche „Einführung in die
aber weder erwähnt noch abgebildet hat. (Vergl. Abb. 1 meines Artikels in
N. 677 des zoolog. Anzeigers). Ein Gegensatz zwischen den Scheinklauen der
Geophiliden und andern Ohilopoden besteht nun jedenfalls doch, allerdings nur
ein morphologischer, nicht vergleichend-morphologischer. Die Hauptsache bleibt
aber schließlich, daß Börner die Scheinklauen überhaupt nicht als Tar-
sungulum erkannt hat sondern, in Folge seines unrichtigen Tarsusbegriffes, für
eine Vereinigung eines „Tarsus 2“ mit seinem unhaltbaren ‚„Praetarsus“ erklärt
hat. Es ist ferner merkwürdig, daß er auf der einen Seite statt den von
Heymons und mir angebahnten Fortschritt in der Erkennung der Kiefer-
fußklauen als Scheinklauen anzuerkennen, gegen eine doch immerhin neben-
sächliche Ausnahme in einem polemischem Aufsatze schreibt, während er selbst
auf der andern Seite die Scheinklauen der ganzen Käferlarven (excl. Adephaga)
übersieht!
Die Börnerschen Ausführungen enthalten also, von dem eben erörterten
wenigstens teilweise richtigen Punkte abgesehen, nichts was einen Fortschritt
darstellte oder was nicht von andern Autoren bereits früher ebenso richtig,
z.T. aber wesentlich richtiger schon längst veröffentlicht worden ist. Die
Ausfälle gegen mein 1. Chilopoden-Heft in Bronns Klassen und Ordnungen,
welche sich hauptsächlich an die Chilopoden-Mundteile hefteten, fallen damit in
sich selbst zusammen. Dasselbe gilt natürlich für die Laufbeine, nur mit dem
Unterschiede, daß ich die neuen Feststellungen über dieselben in das Bronn-
Heft noch nicht aufnehmen konnte. Trotzdem behauptete Börner fälschlich,
(S. 306 und 314) daß ich dort über dieselben etwas veröffentlicht hätte!
150 Karl W. Verhoeff:
Kenntnis der Insekten“ treffend geschah, wo er die „Seiten oder
Pleuren“ charakterisiert als die Teile welche „von dem Rücken-
schilde und dem Brustschild (besser Bauchschild) gut getrennt
sind“ (auf S. 239 und ähnlich S. 310); allerdings hätten Pleuren-
sklerite und Pleurenhaut scharf unterschieden werden müssen.
Ebenso war ich vollkommen im Rechte, wenn ich in meiner Arbeit
über den Thorax 1902 die Ausdrücke Ano- Kato- und Coxo-
pleure brauchte, indem ich nicht nur durch den Namen Coxo-
pleure die nahe Beziehung dieses Pleurenstückes zur Coxa aus-
drückte, sondern auch durch den Nachweis desselben bei Zithobius
auf das bei den Anamorpha noch nähere Verhältnis und auf die
große Verschiedenheit hinwies, welche zwischen den homologen
Pleurenstücken verschiedener Gruppen besteht.
Ob nun Heymons Subcoxalplatte bei Rhynchoten den Pleural-
stücken der Blattodeen homolog ist, lasse ich dahingestellt sein, das
müßte jedenfalls erst durch genauere Untersuchung bewiesen
werden. Das eine aber kann ich mit Bestimmtheit behaupten, daß
der oben von mir aufgestellte Begriff der Hypocoxa sich nicht
mit der Subcoxa deckt, denn zur Hypocoxa gehört die Meta-
coxa, welche aber bei den meisten Chzlopoden in mehr oder weniger
engem Zusammenhang mit der Eucoxa steht. Die Metacoxa ist in
der Coxa der Anamorpha enthalten und kann daher auch bei den
Insekten als längst in die Coxa eingeschmolzen betrachtet werden,
während Heymons Subcoxa extracoxal ist. Es ist möglich, daß
die Subcoxa meinen cocoxalen Pleuren entspricht, (also Coxopleure
+ Trochantin) doch vermag ich das nicht zu entscheiden, da eine
nähere Untersuchung der Rhynchoten-Brust erforderlich wäre, was
außerhalb meines Themas liegt. Ebenso muß ich die Parasternite,
welche Heymons bei Ahynchoten aufgestellt hat, vorläufig auf sich
beruhen lassen. So brauchbar der Paratergit-Begriff ist, so
wenig brauchbar sind die „Parasternite* für niedere Aexapoden,
da es sich bei diesen um ausgesprochene Coxosterna handelt.!)
In N. 692 des zoolog. Anzeigers schrieb Enderlein auf S. 428:
„Verhoeff gebraucht für die einzelnen Teile die von ihm neu ein-
geführten Namen Coxopleure, Anopleure und Katopleure, trotzdem
Heymons schon 1899 nachgewiesen hatte, daß die von Verhoeff
(vergleich. Untersuchungen über die Abdominalsegmente der weib-
lichen Hemiptera u.s. w. Bonn 1893) als Pleuren aufgefaßten
Skelettstücke, Teile der Paratergite und Parasternite darstellen. Die
Subcoxa (Trochantin) von Heymons und Hansen als Beinglied
erklärt faßte Börner als Schnürstück des Sternums auf („Mero-
sternum“), erkannte?) aber selbst diesen Irrtum.“ Das vorher
!) Vergl. auch meinen Aufsatz in N. 687 des zoolog. Anzeigers über Coxal-
organe und Genitalanhänge der Tracheaten.
2) Näher auf die „‚Merosternum“-Hypothese und die sich daran anschließenden
in N. 695 des Zool. Anzeigers ausgeführten Irrtümer einzugehen, ist daher unnötig.
Über Tracheaten-Beine. 151
Gesagte kann zwar schon zur Beleuchtung dieser Bemerkungen
dienen, doch muß dem hinzugefügt werden, daß meine Hinter-
leibsuntersuchungen an Rhynchoten 1893 von einer wesentlich
andern Grundlage ausgingen als die über den Thorax der niederen
Insekten 1902, daher doch auch noch nicht feststeht, ob diese
abdominalen Ahynchoten-Pleuren den 1902 behandelten thorakalen,
die zudem ganz anderen Gruppen angehören, entsprechen. Diese
Untersuchungen über den Thorax sollen ja erst die Grundlage
liefern, von welcher ausgehend wir andere, vorläufig noch unklare,
weil abgeleitetere Fälle beurteilen wollen. Man kann keineswegs,
von Untersuchungen an einer derivaten Aexapoden-Ordnung wie es
die Rhynchoten sind, ohne Weiteres Schlüsse machen auf andere
Untersuchungen an primitiven Gruppen! Wenn überhaupt, so
können doch nur umgekehrt von den niederen Gruppen der
Chilopoden, Thysanuren, Dermapteren, Blattoden, Embüden her
Schlüsse auf die höheren gemacht werden!
Übrigens liegt es auf der Hand, daß Enderlein hier einen
sachlich unrichtigen Vergleich anstellte, indem die Para-
tergite und Parasternite (nach Heymons eigenen Mitteilungen!)
mit den von mir als Coxopleure u. s. w. bezeichneten Skleriten
gar nichts zu tun haben, sondern diese Coxopleuren u. s. w.
entsprechen (wie die oben zitierte Außerung von Heymons über
Blattiden zeigt) teilweise wenigstens seinen Subcoxalplatten!!
Die abdominalen Paratergite und „Parasternite“* welche Enderlein
in seiner Abb. 3 von Eimbia Solieri zeichnete!) entsprechen nicht der
Wirklichkeit sondern sind, wahrscheinlich bei Oberflächenbeleuchtung
nach zufälligen Runzeln gezeichnet. Ich habe selbst ebenfalls Embia
Solieri-Weibchen untersucht, welche an dem 4.—8. Abdominalsegment
jederseits zwei längliche, lang beborstete Pleurite über einander
liegend besitzen, ganz dem von Kolbe in seinem Buche erörterten
Schema abdominaler Insekten-Pleuren entsprechend. Im Bereiche der
oberen liegt ganz vorne das Stigma, welches jedenfalls dafür spricht,
daß es sich bei Embia um echte abdominale Pleuren handelt. Der
oberen Pleurenstücke gibt es übrigens zwei, ein großes vorderes und ein
kleines hinteres. Am 1., 2. und 3. Abdominalsegment sind die unteren
Pleuren undeutlich oder fehlen. Am 9. A. S. sind die Pleuren
verdrängt, ebenso am 10. Was Enderlein hier als 11. Parasternit
und als Hälfte eines 11. Tergit angegeben hat, ist das einen etwas
schiefen tellerartigen Ring darstellende, auch bei andern Insekten
oftmals verkannte Coxit der Cerci, daher auch nicht die Cerci
(wie er angiebt), sondern ihre Telopodite zweigliedrig sind.
Erwachsene Embia und ältere Larven besitzen also nicht 11 sondern
nur zehn Abddominalsegmente. Die (obere) Pleure des 1. Abdo-
!) Es sieht aus als wenn 4—6 Sklerite zwischen den Bauch- und Rücken-
platten lägen!
152 Karl W. Verhoeff:
minalsegmentes liegt homostisch mit der sehr deutlichen
Anopleure des Metathorax. (Näheres über Embia in einer
andern Arbeit).!)
VI. Erklärung der Abbildungen.
Allgemein gelten folgende Abkürzungen.
U = Ungulum, prffe = Praefemorofemur,
ta, 2 == Tarsıs, costz —= Coxosternalzähne,
ti -—."Tıbia, V = Sternit (Ventralplatte),
fe. 2 = Femur po == interkal.Vorplatte (Praesternit)
prf = Praefemur, Im == Longitudinalmuskeln,
tr = Trochanter, bm = Brückenmuskeln,
co = Coxa, dm = direkte Muskeln,
cost = Coxosternum, em == Coxalmuskeln,
copl = Coxalplatte, km = Krallenmuskeln,
Tafel VD.
Abb. 1. Geophilus carpophagus Leach. Ein Sternit nebst angrenzenden Teilen
und Muskulatur. plm, plmp Pleurenmuskel, co? Eucoxa, co und co!
Nebenteile der Hüfte. L sSeitenleiste und Furche. sim schräge
Längsmuskel.
!) In zwei neueren Arbeiten haben C. Attems (Synopsis der Geophiliden,
Jena Zoolog. Jahrbücher 1903, 148 pg. mit 5 Tafeln) und K.Kräpelin (Revision der
Scolopendriden, Hamburg 1903, Mitteil. a. d. naturhist. Museum) meine 1901 in
den Nova Acta d. Halle'schen Akad. d. Naturforscher gegebene neue Darlegung
der ventralen großen Platte des Kieferfußsegmentes als Coxosternum angenommen
und dadurch bestätigt. Kräpelin schreibt auf S.18: „Die aus der Ver-
schmelzung ihrer (der Raubbeine) Hüftglieder mit einem medianen Sternum
hervorgegangene Sternocoxalplatte“ u.s.w. — Vorliegende Arbeit hat gezeigt,
daß es nur Teile der Hüften sind, welche mit dem Sternit verwachsen. Auch
aus diesem Grunde ist der Terminus Coxosternum, welcher den Hauptnach-
druck auf Sternum legt, richtiger. Auf S.19 u. a.a. O. gebraucht Kräpelin
die Bezeichnung „Patella“ für diejenigen Beinglieder, welche ich in den Nova
Acta 1903 als Femora erwiesen habe, d.h. als Glieder welche den Schenkeln
der Hexapoden homolog sind. Da nun die Chilopoden nicht mit den Spinnen-
tieren sondern mit den Insekten in näherem verwandtschaftlichen Zusammen-
hange stehen, so ist die Bezeichnung „Patella“ für die CAilopoden nicht statthaft,
bisher auch bei Myriopoden m. W. nicht gebräuchlich gewesen.
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
Abb.
14.
15.
20.
Über Tracheaten-Beine. 153
Litholius forficatus L. Viertes und fünftes Sternit und anschließende
rechte Hüften, co!? eigentliche Hüfte, co Nebenteil derselben. qm,
qm! quere Muskeln.
Cryptops hortensis Leach. Ein Rumpfsegmentsternit mit anschließenden
Teilen. Lq quere Leiste, in der Mitte bei x ein wenig unterbrochen.
co? Eucoxa, co co! Nebenteile der Hüfte mit Fettkörper erfüllt.
v Vorder- h Hinterrand.
Sceutigera coleoptrata L. ein hinterer Mundfuß,.
Lithobius forficatus L. ein hinterer Mundfuß, a Sternalstück.
Cryptops hortensis Leach, ein hinterer Mundfuß, a Rudiment eines
Sternalstückes.
Geophilus carpophagus Leach, hinterer Mundfuß und Sternalteil a.
dr. Mündung der Speicheldreise (Coxaldrüse).
Orya barbarica Gerv. ebenso.
Seutigera coleoptrata L. Kieferfuß nebst Sternit, von oben gesehen,
sim schräge Längsmuskeln, s Krallensehne.
Lithobius calcaratus Mein. Kieferfuß und Coxosternum von oben
gesehen.
. Lithobius forficatus L. dasselbe von unten gesehen.
Cryptops hortensis Leach, dasselbe von oben gesehen, e hinteres, endo-
skelettales Ende der Coxalplatte, #3 Praesternalteile. dr Kanal der
dunkel gehaltenen Giftdrüse.
Geophilus carpophagus Leach, ein Kieferfuß und Coxosternum, von
oben gesehen.
Tafel VII.
ebenso, von unten gesehen.
ebenso, Vorderrandpartie des Coxosternums von unten gesehen, das
Gebiet «« ist abgesetzt und entbehrt der zelligen Struktur.
. Heterostoma sulcidens Newp., ein Kieferfuß und Stück des Coxosternums
von oben gesehen, £$ gezähnte Praesternalteile, g oberes Coxotelopodit-
gelenk, H Verbindungshaut, cot teilweise vorstehendes coxales Stück
des Coxosternums.
derselbe, diese Teile von unten gesehen (sehr ähnlich ist anch Cormo-
cephalus aurantiipes Newp.) yy Nähte, welche die Praesternalteile von
Coxosternum 8$ trennen.
derselbe. Ansicht auf ein Coxosteruum von außen und endwärts,
nachdem das Telopodit herausgehoben. y Trennungsnaht, gg! Gelenk-
knöpfe, s Sehne des Krallenmuskels km 3.
Scolopendra subspinipes Leach. Stück des Coxosternums, eine Prae-
sternalplatte 8 und angrenzende Partie des Pıaefemur mit Trochanter-
kerbe trk und zäher Gelenkhant d, von unten gesehen. x mittlere
Abreißlinie. ’ deutliche Naht.
dasselbe, von oben gesehen, dm direkter Muskel zwischen Coxosternum
und Coxa. x Linie in welcher das Coxosternum in der Mitte gewaltsam
auseinander gerissen wurde.
154 Karl W. Verhoeff:
Abb. 21. dieselbe, Ansicht von innen auf eine der Hälften eines Coxosternums,
welches mit einem Sagittalschnitt zerteilt wurde. Hierbei ist die sehr
kräftige Muskulatur zwischen Coxalplatte und Coxosternum besonders
deutlich. tra Kieferfußtracheen. m Längsmuskel.
Abb. 22. Schema der direkten Muskeln sch, welche die Coxalplatten copl
herabziehen. 3
Abb. 23. Lithobius forficatus (L). Ein vorderer Mundfuß nebst Coxosternum.
x Verwachsungsstelle der Sternithälften, pl Vorderlappen des Sternit.
I und II die beiden Telopoditglieder.
Abb. 24. Scolopendra dalmatica C. K. jung, ebenso; k der dorsale Hüftrand,
b Bucht und Nahtfurche an der Grenzstelle zwischen Hüfte und
Sternit.
Abb. 25. Geophilus carpophagus Leach ebenso, « $ glasige Anhangszipfel. cost
einheitliches Coxosternum
Abb. 26 Chaetechelyne vesuviana Newp. dasselbe. I + II ist das einzige,
verwachsene Telopoditglied.
Nachschrift.
Vorläufige Mitteilung über die Verwechselung der beiden
Maxillenpaare bei Insekten.
Das Studium der Mundteile der Chilopoden hat mich auch auf
die Untersuchung der Mundteile der Insekten geführt und zwar
zunächst auf die beißenden Mundteile der primitiver organisierten
Ordnungen. Hierbei ergab sich eine Erkenntnis hinsichtlich des
Verhältnisses der beiden Maxillenpaare (Maxillen und Labium), welche
der bisher herrschenden Ansicht vollkommen entgegengesetzt ist.
Bisher hielt man die Unterkiefer für die vorderen und die Unter-
lippe für die hinteren Maxillen, ein Satz, welcher zu den an-
scheinend bestbegründeten und allgemein anerkannten der Insekten-
morphologie gehört. Nach meinen Untersuchungen stellen die
Unterkiefer, welche ich von jetzt ab Maxillopoden nenne,
die hinteren und die Unterlippe, welche ich als Labiopoden
bezeichne, die vorderen Maxillen dar.
In einer andern Arbeit werde ich dies genauer erörtern, jetzt
mögen als vorläufige Mitteilung die folgenden Zeilen dienen:
In zwei Aufsätzen!) habe ich bereits auseinandergesetzt, daß
und warum das Mentum als Sternit der Labropoden zu gelten
hat. Jetzt füge ich hinzu, daß das Submentum (in meinem
Sinne!) das Sternit des Maxillopodensegmentes ist und ein
') Zur vergleichenden Morphologie und Systematik der Japygiden, Archiv
f. Nat. 1904 und zur vergleich. Morphol. und Systematik der Embiiden, Nova
Acta d. kais. Akad. d. Nat. Halle 1904.
AR Pirım
Uber Tracheaten-Beine. 155
selbständiges Sklerit, welches, frei beweglich, zwischen dem
Mentum und dem Mikrothoraxsternit liegt oder dem inter-
kalaren Sternit, welches dem Mikrosternum vorgelagert ist. So bei
allen Dermapteren. Ferner liegt hinter den Hinterecken das Sub-
mentum bei den Dermapteren jederseits ein kleines Sklerit, welches
ich Postmentalstück nenne und welches das Submentum mit den
Leisten des Hinterhauptloches verbindet. Mit den unteren Enden
dieser Hinterhauptleisten ist der hintere Teil des Tentorium ver-
wachsen. An dessen Seiten artikulieren aber zugleich die
Basalzapfen der Cardines der Maxillopoden.
Das Tentorium ist in der Kopfmitte bei Dermapteren und
andern niederen Insekten mit einer Quer- und Längsnaht versehen.
Diese Nähte und die Verwachsungsstellen des Tentorium mit der
Kopfkapsel zeigen an, daß es durch Verwachsung von zwei
Paaren endoskelettaler Teile entstanden ist. Nach Lage und
Funktion können diese zwei Paar Tentorium-Abschnitte als
die mit einander verschmolzenen Furkulae (untere „Apo-
demen“) des Mandibelsegmentes und Maxillopodenseg-
mentes gelten. Die Furkulae des Thorax, welche bei manchen
niederen Insekten, z. B. Embiiden in primärer Weise vollkommen
getrennt sind, verwachsen ja ebenfalls mehr oder weniger bei ab-
geleiteteren Gruppen (Üoleoptera).
Die Furkulae des Labiopodensegmentes sind bisher un-
bekannt geblieben. Sie sind aber bei Dermapteren deutlich aus-
gebildet und befinden sich oberhalb der Labiopodenhüften, durch
diese etwas versteckt gelegen. Sie sind im Verhältnis zu den
Tentoriumhälften klein und schwach und verdanken ihre Selbst-
ständigkeit dem Umstande, daß die Labiopoden nebst Mentum bei
den Dermapteren und T’hysanuren u. A. überhaupt der Kopfkapsel
gegenüber sehr lose geblieben sind. Die Hinterhälfte des Tentorium
zeigt ihre segmentale Zugehörigkeit zu den Mawillopoden auch
darin, daß sie durch starke Muskeln mit den Hüften derselben
verbunden ist, ebenso mit deren Cardines.
Das hinterste Tentorium-Gebiet, — namentlich auch die
Verwachsungsstellen mit den Hinterhauptleisten einerseits und die
Gelenke zwischen Tentorium und Cardines andererseits — liegt
genau über dem Submentum. Die Verwachsungsstellen
des Tentorium-Hintergebietes mit der Kopfkapsel haben
also ihren Ursprung aus dem Bezirk neben dem Sub-
mentum genommen.
Der segmentale Zusammenhang zwischen Tentorium-
Hinterhälfte (Furkulae), Submentum, Cardines und Ma-
xillen ist mithin ein unverkennbar deutlicher.
Die Kürze des Submentum und der Mangel besonderer Longi-
tudinalmuskeln desselben ist die Folge einerseits einer starken
Verwachsung und tiefen Einrückens der beiliegenden
Furkulae ins Kopfinnere, andererseits der starken und
156 Karl W. Verhoeft.
durch Vermittelung der Cardines ermöglichten Herüber-
neigung der Maxillopoden nach vorne, unten an die Backen.
Da nun das Mentum vor dem Submentum liegt, die Labio-
podenfurkulae vor der Basis der Tentoriumhinterhälfte und die
Basis der Labiopodenhüften vor der der Maxillopodenhüften und
da die Lage der Wurzeln der Segmentgliedmaßen darüber ent-
scheiden muß, welcher Teil der vordere oder hintere ist, so kann
es keinem Zweifel unterliegen, daß, (zunächst bei den Dermapteren)
sich die Teile des Labiopodensegmentes vor denen des Maxillopoden-
segmentes befinden, d.h. daß das Labium das vordere Maxillen-
paar vorstellt.
Bei abgeleiteteren Insekten verschwindet das echte Submentum
mehr und mehr und die Erkennung der ursprünglichen Sachlage
wird immer schwieriger, wenn man nicht ursprüngliche Gruppen
zu Rate zieht.
Wäre die bisherige Anschauung richtig, dann müsste doch
vor dem Labium irgend etwas darauf hinweisen, daß dasselbe
nach vorne Anschluß an das Maxillopodensegment erhalte. Davon
habe ich jedoch nicht das Geringste nachweisen können! Vielmehr
schließt sich nach vorne an das Labium der Hypopharynx an,
der wenigstens teilweise ein umgewandeltes Mandibularsternit vor-
stellt, d.h. vor dem Labialsegment kommt vorne gleich das
mandibulare.
Schliesslich will ich nicht unterlassen darauf hinzuweisen, daß
diese neue Anschauung über die primitiven, beißenden Mundteile
der Insekten einen sehr wichtigen Einklang bietet beim Vergleich
der Mundteile der Chilopoden und Hexapoden, an Stelle eines bisher
fühlbaren Widerspruches:
Während nämlich die Telopodite der hinteren Mundfüße
(hinteren Maxillen) der Chilopoden in ihrer stärkeren Gliederung
viel beinartiger sind als die der vorderen Mundfüße, sollte nach
der bisherigen Anschauung bei den Insekten gerade das Um-
gekehrte der Fall sein, nämlich die stärker gegliederten Unter-
kiefer sollten die vorderen Maxillen sein! !
Nach meiner Darlegung wird dieser Widerspruch auf-
gehoben und es zeigt sich, daß die reichlicher gegliederten
Unterkiefer auch bei den Insekten die hinteren Maxillen
vorstellen, welche den hinteren Mundfüßen der Chzlopoden
homolog sind.
Nähere Mitteilungen nebst Tafeln bringt eine weitere Arbeit.
Über bekannte und neue Chrysomeliden.
Von
J. Weise.
Bradylema transvaalensis Jac. Ann. Belg. 1893. 264. Der
einzige Unterschied, den ich aus der Beschreibung dieser Art und
der von Brad. robusta Lac. Mon. 312, herausfinden kann, besteht
darin, daß Lacordaire bei seiner Art einen ziemlich großen schwarzen
Fleck jederseits auf den ersten vier Bauchringen angibt, welcher
der transvaalensis fehlt. Auf letztere möchte ich zwei g' beziehen,
die Herrn Dr. Schulz aus Usambara von Hohenfriedeberg zugingen,
obwohl bei ihnen nicht- die Knie, sondern nur die Schienenbasis und
die Tarsen schwarz sind, ähnlich wie in robusta Lac. Diese J'
haben dicke Hinterschenkel und an diesen einen ziemlich starken,
mäßig zugespitzten Zahn, der etwas kleiner wie der von ruwsticella
m. ist, die Hinterschienen sind ein Stück von der Basis entfernt
unterseits schnell im Bogen erweitert, sodann nach der Spitze hin
fast gleichbreit, mit einigen unregelmäßigen höckerartigen Zähnchen
besetzt.
Lema bipunctata Baly, Ann. Nat, Hist. 1865. 157, ist in Skulptur
und Farbe sehr veränderlich. Das Halssch. ist bald glatt, nur auf
einem Raume über den Vorderecken und auf der Mittellinie (hier
in drei unregelmäßigen Reihen) punktiert, bald dicht und kräftig,
ja runzelig punktiert, etwas feiner in dem Längsstreifen jederseits
neben den mittleren 3 Punktreihen. Nach solchem Stücke ist
punctatipennis Clark 1866, Cat. Phyt. App. 52 beschrieben worden.
Die Fühler sind einfarbig pechschwarz, oder tief schwarz, mit gelbem
Basalgliede, endlich rostrot, das Basalglied, oder einige der ersten
Glieder heller, gelblich; die Beine können einfarbig rötlich gelbbraun
sein, oder nur das erste und zweite Tarsenglied nebst den Klauen
angedunkelt, oder die Spitze der Schienen und alle Tarsen schwarz,
endlich die Beine einfarbig pechschwarz.
Baly hat eine Mittelform beschrieben. Bei derselben ist die
Oberseite hell bräunlich gelb, die Seiten des Thorax mehr oder
weniger, ein Nahtsaum der Fld., ein hinten abgekürzter Seitensaum
und eine punktförmige Makel, die in einem Grübchen nahe der
Naht in '/, Länge steht, schwarz, mit grünem Metallschimmer.
Diese Makel vergrössert sich allmählich so weit, daß nur noch ein
158 J. Weise: Über bekannte
gelber Fleck an der Basis jeder Fld. übrig bleibt: Var. öeterica Ws.,
Archiv f. Nat. 1901 I. 2. 160.
Bei einer anderen, ebenfalls auffälligen Abänderung, der Var.
flavipennis, sind die Fld. einfarbig bräunlich gelb oder strohgelb,
alle übrigen Körperteile pechschwarz. Das Tier ist von Britisch
Ostafrika bis Natal und Transvaal verbreitet.
Crioceris fasciata: Fulva, nitidissima, elytris subtiliter striato-
punctatis, nigris, leviter cyaneo indutis, fascia media apiceque
testaceis. — Long. 8—8,5 mm. Africa or. germ. (Staudinger).
Hell rostrot, stark glänzend, Fühler mäßig stark, normal gebaut,
die Schultern erreichend. Stirnfurche tief, verhältnismäßig weit von
den Augen entfernt, nach oben allmählich verbreitert, hinter den
Augen sehr breit und tief, mit scharfen Rändern. Thorax etwas
länger als breit, nach der Mitte hin leicht verengt, gleichmäßig
und schwach querüber gewölbt, ohne Querfurche vor der Basis und
ohne Eindrücke, mit einer Längsreihe von feinen Punkten in der
Mitte und einigen stärkeren Punkten seitlich davon vor der Mitte.
Schildchen lang, glatt. Fld. doppelt so breit als das Halssch.,
hinter der Basis quer eingedrückt, mit regelmäßigen feinen Punkt-
reihen, in denen die Punkte nicht dicht stehen; die Punkte der 5
ersten Reihen sind vor der Mitte kräftiger als auf den übrigen
Teilen. Die Fld. sind schwarz, undeutlich blau schimmernd, mit
2 bräunlich gelben, gemeinschaftlichen Querbinden, die erste
derselben, in der Mitte, ist mäßig breit, nahe der Naht leicht
erweitert, die zweite nimmt die Spitze ein, bedeckt an der Naht
ungefähr das letzte Sechstel und verschmälert sich nach dem Seiten-
rande hin, an dem sie etwas vorgezogen ist.
Lema laticollis Jac. ist nicht nach dem Autor (Ann. Belg. 1893.
271) ein bloßes Synonym, sondern eine Varietät von (riocerss
nigropunctata Lac., mit ungeflecktem Halssch. Die Art, die auch in
Natal vorkommt, sieht auf den ersten Anblick wie eine Ürzoc.
12-punctata F. aus, hat aber einen schlankeren Thorax, welcher auf
dem Längsstreifen in der Mitte zwei Punktreihen trägt.
5. Damia tilialis: Subtus nigra, femorum apice, tibiis tarsisque
flavo-testaceis, antennis nigris, articulis quatuor primis testaceis,
capite prothoraceque testaceo-rufis, nitidis, illo saepe macula verticis
nigra, thorace subtiliter punctulato, scutello nigro vel testaceo, elytris
subopaeis, fulvis, crebre punctatis, singulo maculis duabus trans-
versis limboque apicali nigris. — Long. 5—5,5 mm. Britisch und
Deutsch Ostafrika.
Mas.: clipeo profunde subquadratim emarginato, pectore, ab-
domineque interdum testaceis, hoc apice infuscato.
Femina: clipeo triangulariter emarginato.
Das Tier habe ich früher fraglich als emarginata Lac. bezeichnet,
halte es aber, nachdem ich Stücke der letzteren aus Natal erhalten,
für spezifisch verschieden; denn der Körper ist etwas kürzer gebaut,
hinten breiter abgerundet, der Thorax stets glänzend, sehr fein,
aber deutlich punktuliert, die Fld. sind viel stärker, dichter, etwas
und netie Chrysomeliden. 159
runzelig punktirt, der obere Teil der Schenkel, nebst den Schienen
und Tarsen einfarbig gelbbraun, der Ausschnitt des Kopfsch. beim '
ist nach oben stärker verengt und weniger viereckig, und die beiden
breiten Spitzen, die den Ausschnitt begrenzen, sind vorne nicht ab-
gestutzt, mit scharfer, stumpfwinkeliger Innenecke, sondern ab-
gerundet, auch bedeutend schmaler.
Zuweilen ist die Unterseite des 3‘ rötlich gelbbraun, nur die
beiden letzten Bauchringe und das Pygidium schwärzlich.
Aetheomorpha coerulea Jac., Proceed. 1898. 221. t. 22 f.8 =
Gynandrophthalma ochropus Harold 1880. 268. Die Tarsen sind
auch bei den Stücken von Taita und Ukamba (Harold), sowie von
Hohenfriedeberg in West-Usambara geschwärzt, aber die drei ersten
Fühlerglieder aller Exemplare dunkel rostrot, während Jacoby das
erste Glied seiner Art als schwarz angibt.
Cryptocephalus erythromelas Suffr. liegt mir von Hohenfriede-
berg in Usambara (Dr. J. Schulz) und von Mrogoro vor. Der
vordere Nahtfleck der Fld. ist bei diesen Stücken kurz, fast breiter
als lang, die Farbe der Unterseite und Beine sehr variabel.
Cryptocephalus centralis: Niger, antennis tibiisque basi testaceis,
prothorace subpolito, testaceo, maculis duabus nigris, elytris strami-
neis, punctato-striatis, macula elongata communi alteraque parva
humerali nigris. — Long. 4,5—5 mm. Natal: Durban (P. Reineck).
Gehört neben africanus (unicinctus) Jac. Transact. 1895. 168,
von dem er sofort durch die hellen Seiten des Thorax und den
semeinschaftlichen schwarzen Nahtfleck der Fld. zu unterscheiden
ist. Kopf schwarz, glänzend, das Kopfschild und ein Fleck unter
dem Auge gelb, Stirn schmal, fein punktiert, Fühler schlank,
schwarz, die ersten ö Glieder rötlich gelbbraun, das erste Glied
(oder noch die folgenden) oberseits schwärzlich, Glied 2 sehr kurz,
3 so lang als 4 und wenigstens doppelt so lang als 2. Thorax
fast halbkugelig, kaum sichtbar punktiert, stark glänzend, hell
bräunlich gelb, alle Ränder fein schwarz gesäumt, der Saum des
Hinterrandes neben den Ecken etwas verbreitert. Auf der Scheibe
befinden sich 2 große, ovale, schwarze Flecke, welche die Basis
berühren, aber vom Vorderrande ungefähr so weit wie unter sich
getrennt sind. Die trennende Mittellinie ist etwas breiter als das
Schildchen, vorn und hinten erweitert, und besitzt oft einen dunkel-
braunen Längsstrich vor dem Schildchen. Dieses ist halb-oval,
hinten kaum abgestutzt, tief schwarz, glänzend, einzeln punktuliert.
Fld. nach hinten wenig: verengt, regelmäßig punktiert-gestreift,
mit einzeln punktulierten, kaum gewölbten Zwischenstreifen, stroh-
gelb, der Seitenrand hinter der Mitte, der Hinterrand, die Naht und
Basis fein schwarz gesäumt, ein Fleck auf der Schulter, länger als
breit, und eine große, gemeinschaftliche Makel schwarz. Letztere
beginnt ein Stück hinter dem Schildchen, endet etwa eben so weit
von der Spitze entfernt und wird außen von der 4. oder 5. Punkt-
reihe begrenzt. Unterseite schwarz, ein Streifen am Außenrande
der Vorderbrust, die Mitte derselben, sowie der mittlere Teil des
160 J. Weise: Uber bekannte
ersten Bauchringes rötlich gelb, die Schienen an der Basis dunkler,
rötlich-gelbbraun, Prosternum hinten in zwei Spitzen endigend, vorn
sehr hoch ansteigend. Beim g' hat der letzte Bauchring einen
weiten Längseindruck in der Mitte. Klauen einfach.
Es liegt mir eine Reihe von Exemplaren in beiden Ge-
schlechtern vor.
Cryptocephalus Reinecki: Subtus niger, plus minusve flavo-
variegatus, femorum basi extremo margineque inferiore flavis, capite
nigro, clipeo vittaque oculari albidis, prothorace elytrisque flavis,
nitidis, illo maculis duabus magnis basalibus scutelloque nigris,
elytris striato-punctatis, macula communi pone medium maculisque
tribus in singulo nigris, unguiculis appendiculatis. — Long. 5—
5,3 mm. Natal: Durban.
Kopf in der Mitte fast glatt, nahe den Augen punktiert,
schwarz, eine bindenförmige Quermakel des Kopfschildes und eine
Längsbinde am inneren Augenrande weiß. Fühler schwarz, Glied 2
bis 4 wenigstens unterseits rotbraun. Halssch. fast halbkugelig,
äußerst fein punktiert, hell bräunlich gelb, eine große, vorn etwas
verengte und breit abgerundete Makel jederseits schwarz. Diese
Makeln sind ziemlich weit getrennt, innen fast parallel, außen nach
hinten verbreitert, und reichen von der Basis bis weit vor die
Mitte oder bis ziemlich nahe an den Vorderrand. Beim J' ist
außerdem zuweilen noch ein schwarzer Punkt in der Mitte über
dem Seitenrande vorhanden. Fld. in regelmäßigen Reihen punktiert,
gesättigt strohgelb, zusammen mit sieben großen, schwarzen Makeln:
eine gemeinschaftlich, gerundet, so lang als breit, hinter Mitte, und
drei auf jeder Decke, länger als breit. Die erste liegt dicht hinter
der Basis, auf und hinter der Schulterbeule, ist länglich viereckig
und hat abgerundete Ecken; die zweite, dicht an der Naht, beginnt
weiter hinten als die erste und ist ziemlich elliptisch; die dritte,
hinter der Mitte über dem Aussenrande, ist kürzer und etwas
breiter als die beiden vorigen. Sie liegt mit der entsprechenden
Makel der andern Decke und der gemeinschaftlichen in einer etwas
nach hinten gebogenen Querreihe. Die Unterseite ist schwarz, die
Mitte der Brust und die beiden ersten Bauchringe, beim 2 breiter
als beim g' gelb gefärbt. Pygidium schwarz, dicht punktiert, mit
einer mäßig breiten, glatten Mittellinie, deren Ende beim 2 gelb
ist. Beine schwarz, die Hüften und ein Saum am unteren Rande
aller Schenkel weißlich gelb. Klauen mit einem ziemlich großen,
rotbraunen, zahnförmigen Anhängsel an der Basis. Beim J' ist das
erste Tarsenglied der vier vorderen Beine stark erweitert, der letzte
Bauchring mit einer großen flachen Grube.
Die Art widme ich Herrn Paul Reineck in Berlin, welcher
dieselbe bei Durban in Anzahl gefangen hat.
Cryptocephalus Moseri: Stramineus, ore, antennis (basi excepta)
tarsisque nigris, prothorace, subtilissime punctato, punctis wen
adumbratis maculis sex magnis (2,4), obsoletis gerentibus, elytris
und neue Chrysomeliden. 161
punctato-striatis, punctis striarum nigricantibus. — Long. 4,8—5 mm.
Usambara occidentalis: Neu Bethel (August 1903).
Kopf strohgelb, ein Fleck um die Fühlerwurzel bräunlich, eine
kleine Längsmakel unterhalb des Scheitels, die Oberlippe, Taster
und Fühler schwarz, letztere mit vier bis fünf mehr oder weniger
gelbbraunen Basalgliedern. Die Stirn ist an den Seiten fein, etwas
runzelig und gebräunt-punktiert, in der Mitte fast glatt. Thorax
breit, stark gewölbt, nach vorn verengt, mit schwach gebogenen
Seiten, nicht sehr dicht, fein punktiert. Jeder Punkt ist auf
6 Räumen in einer dunkel durchscheinenden kleinen kreisförmigen
Makel eingestochen, dadurch werden sechs große, dunkle Makeln
gebildet, zwei vor der Mitte, vier am Hinterrande. Diese Makeln
nehmen die Scheibe mit Ausnahme der Ränder ein und werden
durch ziemlich schmale helle Zwischenstreifen getrennt. Letztere
bestehen aus drei Längsstreifen, die durch einen Querstreifen in der
der Mitte verbunden werden. Fld. regelmäßig punktiert gestreift,
mit ziemlich ebenen, glatten Zwischenstreifen, von denen der zweite
und vierte oft etwas breiter als die übrigen sind. Die Punkte der
Streifen sind schwarz, an einigen Stellen auch die Streifen selbst.
Hierdurch entstehen mehrere, aus schwarzen Strichen gebildete,
schwache Makeln: eine, dicht hinter der Basis, gemeinschaftlich,
aus dem abgekürzten und den 5 ersten Streifen gebildet, eine
ähnliche, viel kleinere Makel liegt an der Naht hinter der Mitte
und besteht aus einem kurzen, dunklen Stück der drei ersten Streifen;
sodann zieht sich eine Schrägmakel, aus Teilen der Streifen 5 bis 9
gebildet, vom Seitenrande hinter der Schulter nach innen und hinten,
bis neben die zweite gemeinschaftliche Makel; von dieser gradlinig
nach außen befindet sich endlich noch eine kleine Makel üher dem
Seitenrande. Die Unterseite ist bräunlich gelb, einzelne Stellen,
namentlich die Nähte der Bruststücke sind mehr rotbraun, die
Tarsen schwärzlich; Klauen lang, einfach. s
Diese ganz eigenartig gezeichnete Art (die Zeichnung läßt sich
entfernt mit der von astracanicus Suffr. vergleichen) widme ich
Herrn Hauptmann Moser, der sie in Usambara sammeln ließ und
mir freundlichst zur Beschreibung mitteilte.
Dioryctus laetus: Breviter ovalis, convexus, subtus testaceus,
supra lateritius, nitidus, fronte crebre punctulato, prothorace sat
dense obsolete punctato, basi crenulato et anguste nigro-limbato,
elytris evidenter striato-punctatis, punctis obscure cinctis, sutura
margineque basali infuscatis, marginibus pro-et mesosterni modice
elevatis. — Long. 4,2 mm. China.
Bedeutend größer, höher gewölbt und etwas länglicher als
D. Hauseri Ws., unterseits gelbbraun, oberseits lebhaft ziegelrot,
glänzend, ein feiner Saum an der Basis des Halssch. schwarz, die
Basis der Fld. und die Naht sehr schmal dunkel gesäumt. Kopf
dicht und sehr fein punktiert, das Kopfschild und der Scheitel spar-
samer. Das Halssch. mäßig dicht mit kleinen, äußerst flachen
Arch. f. Naturgesch. Jahrg. 1904. Bd. I, H.1. 11
162 J. Weise: Über bekannte
Punkten besetzt, die Basis auch an dem spitzen, dreieckigen Mittel-
zipfel dicht gekerbt. Schildchen nicht bemerkbar. Fld. mit regel-
mäßigen Punktreihen, die Punkte der inneren Reihen von einem
breiteren, dunkel durchscheinenden Ringe umgeben, als die der
äußeren. Die letzte Punktreihe, wie gewöhnlich, vorn über dem
Seitenlappen abgekürzt. Prosternum groß, doppelt so breit als lang,
vorn verbreitert, mit scharfen, aber nur mäßig und überall ziemlich
gleich hohen Seitenleisten, die sich vorn im Bogen nach außen zum
Vorderrande der Episternen wenden. Mesosternum eben so breit,
aber viel kürzer als das Prosternum, mit parallelen Seitenleisten.
Die Eigrube des vorliegenden 2 ist groß und tief, etwas breiter als
lang, vorn tiefer als hinten, sie nimmt ungefähr das mittlere Drittel
des letzten Bauchringes ein.
Ein Stück aus der früheren Sammlung von Bau mit der all-
gemeinen Angabe. „China“ und unter dem Namen Sphaeroderma
spec. erhalten.
Corynodes plagiatus: Oblongo-ovalis, subtus niger, supra fulvus,
subtilissime punctatus, elytrorum dorso maxima parte nigro. —
Long. 9,5 mm. Nyassa (Staudinger).
Oberseite, Seiten der Vorderbrust, eine längliche Makel jederseits
auf der Hinterbrust und die Seitenstücke derselben in der vorderen
Hälfte gelblich rotbraun, die übrigen Teile der Unterseite, nebst
den Beinen schwarz, der Bauch leicht bläulich oder grünlich
metallisch angehaucht, die Unterseite der Schenkel verloschen rot-
braun. Der größere Teil der Fld. ist glänzend und rein schwarz,
so daß von der roten Grundfarbe nur ungefähr das letzte Drittel
und ein ziemlich breiter, nahe der Schulter erweiterter Seitensaum
bedeckt bleibt; auch die Naht ist verloschen rötlich gesäumt. Stirn
nicht dicht, das Kopfschild dichter und stärker punktiert, letzteres
oben durch eine Quergrube abgesetzt, Oberlippe und Mandibeln
pechschwarz. Fühler schwarz, metallisch grün angelaufen, das
zweite Glied ganz, die Unterseite des ersten, sowie die verdickte
Spitze des dritten bis sechsten Glindes rotbraun. Halssch. wenig
länger als breit, cylindrisch, nach vorn sehr sanft, vor der Mitte
etwas mehr verengt, zerstreut und äußerst fein punktirt, fast glatt,
in einem schmalen, leichten Längseindrucke vor dem Schildchen
und in einem viel größeren, flachen Eindrucke jederseits ein Stück
über dem Seitenrande mit größeren Punkten besetzt. Schildehen
rotbraun, Fld. viel breiter als das Halssch., kürzer gebaut wie bei
den übrigen afrikanischen Arten, fein punktiert, mit ziemlich starker
Schulterbeule Klauen in der Mitte kurz und spitz gezähnt.
Phaulosis n. g. Chrysomelinorum.
Corpus ovale, convexum, apterum. Acetabula antica occlusa;
mentum parvum, metasternum breve. Elytra apice anguste rotundata,
punctis in seriebus duodecim dispositis, epipleuris latis, apicem vix
attingentibus.
Diese Gattung gehört neben 7Timarcha, und die mir davon vor-
liegende Art könnte nach ihrem Habitus als Chrysomela beschrieben
und neue Chrysomeliden. 163
worden sein, ich finde jedoch in der Literatur nur eine mir unbe-
kannte und vielleicht ähnliche Art, die Chr. pulla Swartz. Von
Chrysomela unterscheidet sich die Gattung auf den ersten Blick
durch kahle Epipleuren und die Punktierung der Fld., auf denen
sich, ausser einer kurzen Reihe am Schildchen, noch 12 Punktreihen
befinden, von denen die vierte und fünfte bald hinter der Mitte
abgekürzt und verbunden, die zwölfte ebenfalls hinter der Mitte ab-
gekürzt ist, nachdem sie sich hinten allmählich der elften genähert
hatte. Außerdem liegt eine 13. Reihe, ziemlich weit von der
zwölften durch einen etwas gewölbten Zwischenstreif getrennt, in
dem Eindrucke, der die sehr feine Seitenrandleiste absetzt. Die
Fühler sind ungefähr halb so lang als der Körper, schlank, Glied 1
dick, 2 sehr kurz, 3 schlank, ziemlich so lang als das erste, die
folgenden drei Glieder ähnlich dem dritten, unter sich etwa gleich
lang, jedes eine Spur kürzer als 3, die letzten fünf Glieder breiter
als die vorhergehenden. Mesosternum kürzer als das Prosternum,
dieses verlängert sich hinter den Hüften bis an die Seitenstücke und
schließt so die vorderen Gelenkhöhlen. Erster Bauchring groß, die
folgendeu drei Ringe kurz, unter sich ungefähr gleich lang, der
letzte wieder länger, dreieckig. Schienen einfach. Geschlechts-
auszeichnung wenig bemerkbar, das erste Tarsenglied an den vier
Vorderbeinen des J' eine Spur größer als beim 2.
Phaulosis aeneipennis: Ferrugineo-rufa, elytris fusco-aeneis,
striato-punctatis. — Long. 4—5 mm. Cap. b. spei.
Der Körper ist ziegelrot, unterseits meist etwas dunkler,
bräunlich rot, Taster und Fühler mehr rötlich gelbbraun, Fld. wenig
lebhaft und tief metallisch schwärzlich-grün, mehr oder weniger
dunkel rötlich durchschimmernd. Halssch. fast doppelt so breit als
lang, nahe der Mitte am breitesten, von hier aus nach hinten
schwach, nach vorn stärker gerundet-verengt, ohne Eckporen und
Borsten; die Scheibe fast gleichmäßig querüber gewölbt, ungleich-
mäßig und nicht besonders dicht, an den Seiten dichter und stark
punktiert. Schildchen dreieckig rot, zart gewirkt. Fld. in den
Schultern kaum breiter als die Basis des Halssch., dahinter zuerst
sanft erweitert, dann ziemlich gleich breit, hinter der Mitte stark
gerundet-verengt, am Ende schmal abgerundet; auf dem Rücken
gewölbt, die erste und die zwölfte Punktreihe stehen einzeln, die
übrigen sind einander paarig genähert. Die Zwischenstreifen sind
eben, zart gewirkt und einzeln punktuliert, der dritte Zwischenstreif
auf dem Abfalle zur Spitze leicht kielförmig gewölbt, und der Raum
zwischen ihm und der Naht, der die beiden ersten Punktreihen
enthält, vertieft.
Horatopyga Reinecki: Picea, rufo-variegata, antennis pedibusque
ferrugineis, thorace retrorsum augustato, in basi et in angulis anticis
subcallosis fere laevi, elytris tuberculatis, juxta suturam biseriatim
punctatis. — Long. 8,5—9,3 mm. Natal: Durban.
Hell rotbraun bis pechbraun, Fühler, Beine, Seiten des Halssch.
und die Höcker der Fld. stets heller, rötlich gelbbraun bis rostrot
11*
164 J. Weise: Über bekannte
gefärbt, die Unterseite der Schenkel bei den dunkelsten Exemplaren
pechbraun. Kopf sparsam und ziemlich fein, das Kopfschild stärker,
dicht punktirt, letzteres oben scharf durch eine tiefe Linie begrenzt,
welche drei stumpfe Winkel bildet. Von dem Scheitelpunkte jedes
Winkels geht eine starke Rinne aus, eine längere, in der Mitte, bis
zum Scheitel, und eine kürzere jederseits, schräg nach dem oberen
Rande der Augen gerichtet. Thorax weit vor der Mitte am
breitesten, nach hinten allmählich verengt, wenig gewölbt, stark,
aber ungleichmäßig dicht, etwas runzelig-punktiert, vor der Mitte
über dem Seitenrande mit einer deutlichen, großen Grube, in welcher
die Punkte am stärksten sind. Diese Grube hebt den Raum über
den Vorderecken, der nur sparsam punktiert, oder ganz glatt ist,
wulstartig empor. Ebenso ist ein Querstreifen an der Basis ziemlich
frei von Punkten. Die Fld. sind gerundet, länglich halbkugelig,
auf einem Streifen neben der Naht geebnet und mit zwei Punkt-
reihen besetzt, nach außen davon sehr uneben. Hier liegen auf
ziemlich mattem Grunde zahlreiche, jedoch unregelmäßig verteilte,
hohe glatte und glänzende Höcker, zwischen denen keine Punkt-
reihen zu bemerken sind. Die Höcker am Außenrande und auf
einem breiteren Längsstreifen auf der inneren Hälfte der Scheibe
sind höher und größer als in dem Raume dazwischen.
Diese Art, die von Herrn P. Reineck bei Durban mehrfach
gesammelt wurde, steht der H. Mniszechi Vogel wohl am
nächsten.
Plagiodera subparallela: Oblongo-ovata, subparallela, minus
convexa, ferruginea, nitida, antennis (basi excepta) fuscis, prothorace
subtiliter elytrisque sat fortiter punctatis, his callo humerali et
laterali distinetis. — Long. 5—5,5 mm. Kamerun: Victoria.
Lebhaft und glänzend rostrot, die Fld. mit leichtem Messing-
schimmer, die Fühler vom fünften Gliede ab schwärzlich. Halssch. an
den Seiten fast parallel, oder nur unbedeutend verschmälert, erst nahe
den Vorderecken verengt, auf der Scheibe ungleichmäßig, fein punktiert,
an den Seiten etwas dichter und hier auch mit einigen größeren
Punkten besetzt. Fld. breiter als das Halssch., an der Basis in
schwachem Bogen heraustretend, dann parallel, weit hinter der
Mitte verengt und hinten breit abgerundet, oben wenig gewölbt,
dicht und kräftig punktiert. Die Punkte sind verworren, aber an
der Naht sind die abgekürzte Reihe am Schildchen und die zwei
nächsten Punktreihen bis nahe an die Spitze deutlich zu bemerken.
Der Längswulst über dem Seitenrande ist innen scharf und sehr tief
begrenzt und hat außen eine unregelmäßig verdoppelte Punktreihe.
Melasoma spinata Karsch. Der Autor hat die Art nach dem
Fortsatze des Prosternum benannt, der an dem typischen Stücke
besonders in die Augen fällt, da der Vorderkörper etwas aufgebogen
ist. Ich wüßte nicht, wodurch sich das Tier specifisch von livida
Stäl trennen ließe, die von Sierra Leone bis zum Congo verbreitet
ist. Auch zu M. discoödalis und unicolor Jac. sind erst noch durch-
ee u
WERTE N
und neue Chrysomeliden. 165
greifende Unterschiede von liveda anzugeben, wenn sie als Arten
fortbestehen sollen.
Prosmidia amoena: Nigra, antennis basi, capite, thorace, scutello,
parte basali elytrorum coeruleorum anoque pallide fulvis. — Long. 8,5
—9,5 mm. Rhodesia (Böttcher).
Mas.: prothorace ante basin utringue profunde transversim
impresso, elytris basi tuberculo subconico.
Unterseite nebst Fühlern und Beinen schwarz, die Seiten der
Brust und des Bauches oft leicht metallisch grün oder blau an-
gelaufen, der letzte Bauchring nebst dem Pygidium bräunlich-gelb,
die beiden ersten Fühlerglieder, Kopf, Thorax, Schildchen und das
erste Drittel der Fld. hell und lebhaft rötlich gelbbraun, der übrige
Teil der Fld. gesättigt dunkelblau. Diese blaue Färbung wird vorn
gradlinig begrenzt, ist aber an der Naht plötzlich winkelig vor-
gezogen. Halssch. fast glatt, nur auf einem größeren Raume über
den Vorderecken punktiert, hinter der Mitte jederseits mit einer
rundlichen Grube, beim g' außerdem noch mit einer sehr tiefen
Quergrube jederseits vor dem Basalrande. Durch diese Grube wird
die scharfe, etwas nach vorn überhängende und in der Mitte leicht
unterbrochene Kante des Basalrandes emporgehoben. Schildchen
des g' vorn breit, nach hinten stark verschmälert, an den Seiten
senkrecht abfallend. Fld. gewirkt, sehr dicht und etwas runzelig
punktiert, wenig glänzend, beim g' auf jeder Decke mit einer Grube
neben dem Schildchen, die hinten in einen kleinen Höcker an der
Naht, außen in einen großen, konischen Höcker hinter dem Vorder-
rande ansteigt.
Von Prosmidia suahelorum erhielt ich durch H. Dr. Staudinger
aus dem Innern von Deutsch-Östafrika eine bemerkenswerte Ab-
änderung, die Var. intima, welche vor der Mitte jeder Fld. zwei
kleine, schwarze, oft bläulich schimmernde Flecke besitzt, von
denen der eine am Seitenrande, der andre weiter nach innen liegt.
Außerdem hat diese Abänderung anfangs nur noch eine ziemlich
schmale, gemeinschaftliche schwarze oder schwarzblaue Querbinde
in der Mitte der Fld., oder noch eine ähnlich gefärbte Makel nahe
dem Hinterrande. Später verbreitert sich die Binde, verlängert
sich an der Naht und am Seitenrande nach hinten, umsäumt auch
die Spitze und schließt dann, wie bei der Stammform, eine große
runde, oder schief ovale Makel von der hell gelben Grundfarbe ein.
Prosmidia magna: Nigra, supra pallide fulva, nitida elytris sub-
tilissime punctatis. — Long. 12--13 mm. Africa or. german. (Stau-
dinger).
Mas.: Ventre testaceo; prothorace basi ante scutellum tuberculis
binis rotundis, elytris basi tuberculo elongato.
Größer als die übrigen Arten und durch die Geschlechts-
auszeichnung und Farbe sofort zu erkennen. In letzterer ähnelt
sie der oberseits einfarbig bräunlich rotgelben Form aequalis von
Passeti All., aber das 2 hat ein gleichfarbiges, nicht schwarzes
Schildchen.
166 J. Weise: Über bekannte
Kopf bräunlich rotgelb, die Spitzenhälfte der Mandibeln, die
Taster und Fühler pechschwarz bis schwarz, das letzte Glied der
Maxillartaster (beim J'), sowie die ersten zwei oder drei Fühler-
glieder mehr oder weniger weit rötlich gelbbraun; Stirn glatt.
Halssch. und die übrigen Teile der Oberseite bräulich rotgelb,
ersteres vor der Mitte jederseits mit einzelnen Pünktchen, sonst glatt,
beim 2 einfach, beim Jg‘ mit zwei dicht neben einander liegenden
Beulen vor dem Schildchen. Dieses ist in beiden Geschlechtern
übereinstimmend gebaut, einfach, glatt. Fld. äußerst zart ge-
wirkt, glänzend, sehr fein und mäßig dicht punktiert, am Hinter-
rande leicht ausgerandet-abgestutzt, beim g' mit einer kurzen Längs-
beule zwischen Schildechen und Schulterhöcker, die durch einen
Eindruck an der Innenseite etwas rippenförmig erscheint. Unter-
seite und Beine schwarz, das letzte Segment (2?) oder der ganze
Bauch rötlich gelbbraun (3'). Der Hinterleib schwillt beim trächtigen
2 außerordentlich an, so daß die Seiten nnd die letzten drei
Rückenringe bloß liegen.
Galerucella funesta Jac., Not. Leyd. Mus. 1887. 236, vom Congo,
die der Autor nur fraglich in diese Gattung stellte, ist eine typische
Art, etwas größer, aber ähnlich gebaut als die europäische sagittariae
Gyllh., mit der auch die Halsschildbildung am nächsten überein-
stimmt.
Diucantha bimaculata Bertolini erhielt ich von Durban (Natal)
durch Herrn P. Reineck. Geöffnete vordere Hüftpfannen, lange,
wenigstens bis zum hinteren Außenwinkel der Fld. reichende Epi-
pleuren, Schienen, die auf dem Rücken neben der Längsleiste kahl,
an der Spitze mit einem Enddorn versehen sind, und am Grunde
gezähnte Klauen bringen das Tier in die Gattung Agelastica Redtb.
Buphonella elongata Jac., Transact. 1903. 37 = murina Gerst.
1871. Gerstäcker hat diese Art seinerzeit zu Apophylia gestellt,
womit sie gar keine Ähnlichkeit hat, und dieser grobe Fehler, den
Jacoby nicht vermuten konnte, trägt die Schuld an der nochmaligen
Beschreibung.
Oides straminea: Breviter ovalis, convexa, sordide straminea,
nitida, antennis (articulis 4 primis exceptis), tibiis apice tarsisque
nigris, elytris crebre subtiliter punctatis. Long. 7” mm. Kamerun:
Victoria.
Körperform der O. ferruginea F., aber die Seiten des Halssch.
viel weniger gerundet und die Fld. kräftiger punktiert. Sehr ver-
schlossen und blaß strohgelb, glänzend, die schlanken Fühler vom
fünften Gliede ab, die Spitzenhälfte der Schienen und die Tarsen
schwarz. Halssch. sehr kurz, fast dreimal so breit als lang, die
Seiten sehr wenig gerundet, daher fast gradlinig, jedoch schwach
nach vorn convergierend, die Scheibe mäßig querüber gewölbt,
äußerst fein gewirkt und verloschen punktuliert. Schildchen lang
dreieckig, glatt. Fld. dicht, ziemlich fein, aber deutlich und tief
punktiert, das obere Ende der sehr tief liegenden Epipleuren ober-
seits durch einen verloschenen Längseindruck angegeben, über dem,
und neue Chrysomeliden. 167
hinter der großen Schulterbeule, eine Grube liegt; der darunter
liegende breite abgesetzte Seitenrand etwas durchscheinend.
Es ist dies die bis jetzt bekannte kleinste afrikanische Art,
ihre Größe variiert in einer Reihe von Exemplaren nur unmerklich.
O. minor Ws., Archiv f. Nat. 1902. I. 2. 138 ist 8—11 mm Jang,
viel schlanker gebaut und von rostroter Farbe. Jacoby hat letztere
ebenfalls, Stettiner Z. 1903. 311 (Ende October) beschrieben. In
derselben Arbeit dürften folgende Punkte zu berichtigen sein:
Diacantha Conradti Jac. 1. c. 312 = Kolbei Ws. D. Z. 1903.
47 (Februar).
Hallirhotius marginatus Jac. 316 = Exosoma (Malacosoma)
flavomarginatum Jac. Proceed. 1882. 58.
Mesotoma viridipennis Jac. 328 = Therpis smaragdina Ws.
D. Z. 1900. 456.
Platyxantha sublaevipennis Jac. 328 muß geprüft werden, ob sie
sich wirklich von Duvivieria apieitarsıs Ws. D. Z. 1903. 323 (August)
unterscheidet.
Plantyxantha Clavareaui Jac. 333 = Aenidea Hauseri Ws.
Archiv f. Nat. 1903. I. 2. 210 (15. Mai).
Phyllobroticella simplieipennis Jac. 334 = straminea Ws. D. 2.
1903. 333.
Bei Eurydemus marginatus Jac. 1. c. 303 fehlt die Angabe, daß
diese Art unter demselben Namen bereits von Jacoby, Proceed.
1900. 232 von Boma, Congo beschrieben worden ist.
Außerdem möchte ich noch bemerken, daß Vitruvia glabripennis
Jac., Arkif for Zool. I. 1903 p. 232 t. 10 f.8 = Cneorane unicolor
Jac., Novitates 1894. 528 ist. Die Art heißt also Vitruvia unicolor Jac.
Jacobya viridis: g' Subelongata, obscure coeruleo-viridi-aenea,
antennis, tibiis tarsisque piceo-rufis, prothorace sublaevi, fovea
magna profunde excavato, elytris alutaceis, obsoletissime punctulatis,
sericeo-micantibus. — Long. 5,5 mm. Niger-Benue (Staudinger).
Die erste westafrikanische Art dieser Gattung und von den
vier übrigen, im östlichen Afrika lebenden, durch die dunkel
metallisch bläulich grüne Farbe des Körpers sofort zu unterscheiden.
Die Fühler, Schienen und Tarsen sind sehr dunkel und nicht
lebhaft pechbraun; erstere fast so lang als der Körper, Glied 2
sehr klein, die übrigen lang, Glied 3 bis 8 etwas dünner als Glied 1,
aber dicker als die drei Endglieder, Glied 5 bis 8 leicht bogen-
förmig. Kopf und Halssch. äußerst zart, nur unter starker Ver-
größerung deutlich gewirkt, ziemlich glänzend, fast glatt, die Fld.
deutlicher gewirkt, seidenartig glänzend, mit äußerst feinen und
flachen, ganz verloschenen Pünktchen. Die Scheibe des Halssch.
wird zum größten Teile von der tiefen Quergrube eingenommen,
welche etwa doppelt so breit als lang und in der Querlinie der
Mitte am tiefsten ist. Ihr Vorderrand bildet fünf schwache Bogen,
von denen die drei mittleren jederseits von einer mäßig scharfen,
nach innen vorspringenden und nach unten leistenförmig ab-
fallenden Ecke begrenzt und von dem letzten Bogen jederseits
168 J. Weise: Über bekannte
getrennt werden. Der Hinterrand ist in der Mitte in einem größeren
Bogen ausgerandet, der jederseits in einen kurzen und flachen Bogen
übergeht. In der Mitte der Grube befindet sich ein schwärzlicher,
matter, ziemlich hoher Höcker, welcher an seinem fast senkrecht ab-
fallenden Hinterrande eine Mittelrinne besitzt; vorn fällt er zu einer
dreieckigen, beiderseits etwas aufgebogenen glänzenden Platte ab.
Das erste Tarsenglied ist an den Vorderbeinen stark, an den Mittel-
beinen unbedeutend erweitert, vom letzten Bauchsegmente wird
durch die zwei normalen Einschnitte vom Hinterrande aus ein fast
quadratischer Mittelzipfel abgetrennt, dessen Seiten- und Hinterrand
aufgebogen ist.
Megalognatha usambarica: JS‘ Nigra, subtus sat dense griseo-
pubescens, abdomine ferrugineo, medio fortiter creberrimeque
punctato, prothorace sublaevi, bifossulato, elytris testaceis, crebre
sat ‘subtiliter punctatis. — Long. 9—10 mm. Usambara: Hohen-
friedeberg (Dr. J. Schulz).
Kopf schwarz, glänzend, glatt, der Vorderrand des Kopfschildes
und der Oberlippe gelbbraun. Fühler bis hinter die Mitte der Fld.
reichend, Glied 2 kurz, 3 mindestens doppelt so lang, 4 und 5
ähnlich dem dritten, alle drei schlank, an der Spitze wenig ver-
dickt, die folgenden Glieder so lang, aber breiter als Glied 3, nach
der Spitze hin allmählich verbreitert, lang dreieckig, das Endglied
länger, cylindrisch, in der Mitte leicht eingeschnürt, am Ende zu-
gespitzt. Glied 6 ist an der Spitze in eine nach unten gerichtete
stumpfe Ecke erweitert, 7 in eine viel längere und breitere, etwas
nach außen gedrehte Ecke, 8 ist bis zur Mitte ziemlich gleichbreit,
dann plötzlich winkelig erweitert und bis zur Spitze wieder von
gleicher Breite; die Erweiterung der Spitzenhälfte ist zusammen-
gedrückt, leistenförmig. Das Halssch. ist wenig breiter als lang,
viereckig, nahe der Spitze verengt, mit mäßig scharfen, etwas
heraustretenden Vorderecken, oben nur schwach gewölbt, undeutlich
punktuliert, fast glatt, glänzend schwarz, nahe dem Hinter- und
Vorderrande ein sanfter Quereindruck, hinter der Mitte jederseits eine
große, gerundete, tiefe Grube. Schildehen schwarz, punktuliert und
behaart. Fld. gelbbraun, sehr dicht und ziemlich fein punktiert.
Unterseite und Beine schwarz, dicht grau behaart, der Bauch hell
rostrot, die Mitte der ersten Ringe abgeflacht und sehr dicht und
kräftig punktiert, der letzte Bauchring mit glatter Mittellinie. Das
mir unbekannte 2 wird auf dem Halssch. deutlich punktiert sein.
Megalognatha simplex: g' Nigra, subtus sat dense brevissimeque
griseo-pubescens, abdomine testaceo, prothorace subopaco, alutaceo,
postice punctato, ante medium tuberculis binis minutis instructo,
elytris testaceis, subsericeo-micantibus, crebre subtiliter punctatis. —
Long. 6—6,5 mm. Africa mer., Pondo (Hintz).
Der vorigen im Habitus und der Farbe ähnlich, aber kaum halb
so groß, die Oberseite, namentlich das Halssch. matt, mit ab-
weichender Skulptur, die Fühlerbildung außerdem völlig verschieden.
Kopf schwarz, die Stirn gewirkt und punktiert, die Beulen und das
und neue Chrysomeliden. 169
Kopfschild glatt, mäßig glänzend, der Vorderrand des Kopfschildes
und der Oberlippe, sowie das Endglied der Taster gelblich braun.
Fühler fast so lang als der Körper, das zweite Glied sehr kurz,
die folgenden drei schlank, unter sich gleich, jedes so lang als
Glied 1 und an der Spitze verdickt. Die folgenden Glieder sind
stärker, jedes wenig kürzer als das dritte Glied, das neunte und
zehnte jedoch deutlich kürzer, das elfte fast cylindrisch. Glied 6
ist in der oberen Hälfte allmählich, Glied 7 von der Basis ab und
bedeutend stärker erweitert, Glied 8 hat parellele Seiten. Halssch.
schwarz, äußerst dicht und fein gewirkt, matt, ziemlich so lang als
breit, von der Basis bis weit vor die Mitte leicht erweitert, dann
merklich verengt, in der Mitte der Scheibe flach gedrückt, nahe an
den Seiten abfallend, der flache und der seitlich abfallende Teil
durch eine verloschene, stärker glänzende Längskante getrennt.
Hinter dem Vorderrande liest neben der Mittellinie jederzeits ein
Eindruck, welcher je eine sehr kleine, glatte Beule empor hebt.
Der Raum vor diesen Eindrücken ist kaum, der dahinter liegende
Teil deutlich und dicht punktiert. Schildchen schwarz, punktiert
und behaart, an der Spitze gelblich gesäumt. Fld. gelbbraun, ge-
wirkt, sehr dicht und fein punktiert, seidenartig oder fettig glänzend.
Unterseite und Bein schwarz, dicht und sehr fein grau behaart, der
Bauch gelbbraun, gleichmäßig, nicht dicht, fein punktiert.
Megalognatha apicalis: Nigra, ventre elytrorumque apice testaceis,
prothorace pone apicem profunde transversim impresso, parte apicali
cristam elevatam angulatam formante, elytris crebre subrugulose-
punctatis. — Long. 6 mm. Mozambique (Staudinger).
Mas: Antennis articulis 6 - 8 angulato-dilatis subtus subtesta-
ceis, prothorace sat nitido, punctato.
Femina: Antennis subfiliformibus omnino nigris, prothorace in
disco rugoso-punctato, subopaco.
Es ist möglich, daß das vorliegende Tier zu M. rwjiventris Baly
gehört, was sich erst herausstellen wird, wenn die J' der letzt-
genannten Art aufgefunden sind. Leicht kenntlich an der Färbung
der Oberseite. Letztere ist schwarz, ein Fleck in der Spitze der
Fld., vorn gerundet und etwas verwaschen begrenzt, bräunlich gelb,
ähnlich gefärbt wie der Bauch, beim g' sind auch die zahnförmigen
Erweiterungen an der Unterseite des 6. bis 8. Fühlergliedes gelblich.
Der Vorderrand des Thorax, welcher zu einer leicht muldenförmigen,
hohen, winkeligen und nach hinten überhängenden Querleiste an-
steigt, ist glatt, der tiefe Querdruck dahinter ist außen abgekürzt
und hoch und scharf begrenzt, beim J' fast glatt, beim 9, ähnlich
wie die Scheibe dahinter, dicht grob-runzelig punktiert. Die Scheibe
des g' ist ziemlich glänzend, punktiert, auch die Fld. des J' sind
etwas kräftiger punktiert als die des ? und weniger matt.
Beim g' ist das sechste Fühlerglied unten, nach der Spitze hin,
stark erweitert, länglich-dreieckig, die untere Spitze scharf, das
siebente ist nach unten, ebenso in einen dreieckigen Vorsprung nach
170 J. Weise: Über bekannte
außen erweitert, Glied 8 endlich ist in der Spitzenhälfte verbreitert,
so daß es einen Haken bildet.
Phyllotreta ruficeps: Elongata, nigra, antennis (apice excepta),
tibiis tarsisque testaceis, capite ferrugineo-rufo, prothorace elytrisque
coeruleo-vel viridi-nigris, subopacis, illo creberrime punctulato, his
crebre subtiliter punctatis, punctis geminatim subseriatis, lineis non-
nullis longitudinalibus subconvexis. — Long. 3 mm. Mombo (März
1899. Paul Weise).
Von derselben schlanken Gestalt als unsere nodicornis und
procera, auch im Bau der Stirn mit ihnen übereinstimmend, aber
größer, die Fld. dicht in unregelmäßigen Doppelreihen punktiert,
wie bei vielen anderen afrikanischen Arten.
Schlank, schwarz, die ersten 6 Fühlerglieder und die Basal-
hälfte des siebenten rötlich gelbbraun, ebenso die Beine mit Aus-
nahme eines Teiles der Unterseite und Spitze an den vier Vorder-
schenkeln und der Innenseite der Hinterschenkel; Kopf dunkler,
bräunlich rot, die Stirn äußerst dicht und fein gewirkt, fast matt,
neben jedem Auge mit einigen feinen Punkten. Halssch. wenig
mehr als um die Hälfte breiter als lang, nach vorn leicht verengt,
sehr dicht und fein punktiert, ziemlich matt, nebst den Fld. schwarz,
mit bläulicher oder grünlicher Beimischung. Die Fld. sind etwas
stärker als der Thorax in unregelmäßigen Reihen punktiert, die
durch 8 bis 9 sehr schmale, wenig gewölbte und nur unter stärkerer
Vergrößerung deutliche Längsstreifen getrennt werden.
Phyllotreta costulata: Elongata, rufo-testacea, antennis apice
leviter infuscatis scutello, pectore, abdomine pedibusque postiecis
nigris, elytris obscure aeneis, nitidulis, crebre subtiliter punctatis,
punctis geminatim seriatis, lineis longitudinalibus, interioribus leviter
convexis, exterioribus carinatis instructis. — Long. 3,3 mm. Kwai
(Paul Weise).
Auffällig schlank gebaut, in der Mitte fast parallel, vorn und
hinten gleichmäßig verengt, rötlich gelbbraun. Fühler schlank, die
letzten vier oder fünf Glieder mehr gebräunt; Stirn ohne deutliche
Punkte. Halssch. um die Hälfte breiter als lang, nach vorn all-
mählich schwach verengt, an der vorderen Borstenpore, die ein
Stück hinter den Vorderecken liegt, schwach nach außen tretend,
der Hinterrand neben dem Schildchen jederseits deutlich aus-
gebuchtet, die Scheibe wenig gewölbt, nur an den Seiten vor der
Mitte stärker abfallend, ziemlich dicht, verloschen punktuliert.
Schildchen glatt, schwarz. Fld. sehr dunkel metallisch grün, oder
bläulich grün, fettig glänzend, dicht in ziemlich regelmäßigen
Doppelreihen punktiert, die durch schmale, wenig erhabene Längs-
streifen geschieden sind. Die sechste und siebente Doppelreihe,
hinter der Schulterbeule, ist unregelmäßig, beide vereinigen sich
hinter der Schulter und vor der Spitze, sind nicht durch einen
Längsstreifen getrennt, aber außen von einem schmalen, hohen und
scharfen, leistenförmigen Streifen begrenzt. Diese beiden Längs-
leisten jeder Decke sind sehr deutlich, neben der äußeren liegt eine
she Me ie
und neue Chrysomeliden. Di
dritte, jedoch schwächere Leiste, die unter der Schulterbeule beginnt
und die achte und neunte doppelte Punktreihe trennt. Unterseits
ist die Vorderbrust nebst den vier Vorderbeinen rötlich gelbbraun,
die übrigen Teile sind schwarz.
Diese Art muß der Phyllotr. unicostata Jac., Proceed. 1900. 244,
von Port Alfred sehr nahe stehen, scheint sich jedoch durch den
sehr schlanken Körperbau, bedeutendere Größe, schwarze Hinter-
beine und die größere Zahl der Längsrippen auf jeder Decke
spezifisch zu unterscheiden.
Hispa aurichalcea. Oblonga, nigra, supra aurichalcea, protho-
race latitudine longiore, deplanato, crebre subtiliter ruguloso-
punctato et densius ochraceo-pubescente, sulco medio longitudinali,
antice abbreviato, laevi, lateribus 5-spinosis, spinis 4 anterioribus
longis stipite communi cruciatim dispositis, elytris griseo-pubes-
centibus, dense punctato-striatis, longius nigro-spinosis, tarsorum
articulo quarto tertio haud longiore. — Long. 7—7,3 mm. Afr. or.
In monte Pongwe (Useguha) capta.
Mit H. Bennigseni Ws. am nächsten verwandt, aber durch das
längere, dicht behaarte Halssch., aufstehend grau behaarte Fld. und
deren viel längere und stärkere Dornen bedeutend abweichend.
Fühler schwarz, die ersten 6 Glieder längsrunzelig punktiert und
sparsam grau behaart, die folgenden dicht gelblich grau behaart,
Glied 3 etwa so lang als 1, dieses an der Spitze abgerundet. Thorax
länger als breit, flach gedrückt, am Hinterrande mit einem ver-
tieften Querstreifen, der zu dem niedrigen, außen etwas verdickten
Antebasalrande aufsteigt. Vor diesem liegt eine breite, mäbig tiefe,
glatte Längsfurche, die bis vor die Mitte reicht, und jederseits
davon ein breiter, dicht und fein runzelig punktierter Längsstreifen,
welcher sehr dicht gelblich behaart ist. Die vier vorderen Seiten-
randdornen sind kräftig, lang, sparsam behaart und stehen kreuz-
weise auf einem kurzen, dicken, gemeinschaftlichen Stiele, dicht
hinter diesem, aber bedeutend tiefer, steht der fünfte, kürzere und
freie Dorn. Die Fld. sind sehr fein, wenig dicht, aufstehend grau
behaart, regelmäßig, dicht und ziemlich stark punktiert-gestreift,
und mit langen, dieken, schwarzen Dornen besetzt. Diese Dornen
sind etwa doppelt so lang wie in Bennigseni, aber weitläufiger
gestellt, die Seitenranddornen sind im letzten Viertel kürzer als
davor, während die drei letzten bei der Bennigseni gerade um-
gekehrt, länger und stärker als die vorhergehenden sind.
Callispa unicolor: Nigra, nitida, prothorace parce punctato,
utrinque sulco longitudinali profundo, crebrius punctato impresso,
elytris striato-punctatis, seriebus intermediis fortiter punctatis et
rugulosis. — Long. 4,8 mm. Rhodesia (Böttcher).
Kleiner und glänzender als natalensıs Baly, durch die Thorax-
bildung und Punktierung der Fld. sehr ausgezeichnet. Tief schwarz,
glänzend, die Fühler überall von gleicher Stärke, die ersten sechs
Glieder schwach gerieft, mäßig glänzend, die folgenden behaart,
ziemlich matt. Halssch. mit einer breiten, graden, dicht und stark
172 J. Weise: Über bekannte
punktierten, tiefen Längsfurche jederseits; der Raum nach außen
von dieser ist sparsam grob punktiert, die Mitte der Scheibe ist
vor dem Schildchen stark eingedrückt und einzeln punktiert, davor
bildet sie eine fast quadratische erhabene Fläche, die eine feine
Mittelrinne und jederseits davon eine, stellenweise verdoppelte grobe
Punktreihe besitzt. Schildchen glatt, nebst der nächsten Umgebung
nach hinten ansteigend. Fld. gereiht punktiert, die beiden inneren
Punktreihen fein, die äußeren grob und tief, unregelmäßig von
langen Querrunzeln durchsetzt; die dritte und vierte (ganze) Punkt-
reihe an der Basis, sowie ein Stück dahinter grubenförmig vertieft.
Durch zwei kleinere Gruben läuft weiter dahinter die fünfte bis
siebente Punktreihe. Unterseite glänzend schwarz, die Brust einzeln
punktiert, der Bauch glatt.
Asphalesia tuta: Sublongo-quadrata, convexa, subtus rufo-
testacea, antennis apice fuscis, pedibus nigro-annulatis, supra piceo-
brunnea, nitida, protecto explanato albido-fnestrato, prothoracis
disco nigro, alutaceo, subopaco elytris tuberculatis, tuberculis binis
in singulo maximis. — Long. 7” mm. Usambara.
Halssch. mehr als doppelt so breit wie lang, einem sehr flachen,
querliegenden Ovale, ähnlich, die Scheibe gewölbt, äußerst dicht
und fein gewirkt, schwarz, matt, der leistenförmig aufgebogene
Mittelzipfel der Basis gelb, das Seitendach breit, mit aufgebogenem
Rande, im letzten Viertel jederseits pechbraun, mit rötlich durch-
schimmernden Adern, vorn ein großer, weißlicher Fensterfleck, etwa
dreimal so breit als lang und beiderseits concav begrenzt. Schildchen
bräunlich gelb, uneben, fast glatt. Fld. wenig länger als breit, an
der Basis in leichtem Bogen ausgeschnitten, in den etwas vor-
gezogenen und abgerundeten Schulterecken breiter als das Halssch.,
dahinter parallel, am Ende breit abgerundet, an der Naht selbst
leicht ausgeschnitten, mit zahnförmig ausgezogener Nahtkante. Die
Scheibe gewölbt, punktiert-gestreift, die Punktstreifen aber durch
zahlreiche, kleine Querhöcker unterbrochen; außerdem besitzt jede
Decke eine hohe Schulterbeule und zwei noch höhere und dickere
Beulen, die erste hinter der Basis zwischen Schulter und Schildchen,
die andre dicht hinter der Mitte, nahe der Naht. Die vordere
Beule besitzt zwei Längsleisten, die hintere drei. Von letzteren
ist die Mittelleiste ganz, während die seitlichen kurz und mehr
höckerförmig sind. Die Grundfarbe der Scheibe ist düster gelbbraun,
erscheint durch die zahlreichen pechschwarzen Höcker dunkelbraun,
die Rückseite der großen Höcker ist rötlich. Das Seitendach ist
breit, mit aufgebogener Außenkante, auf dasselbe tritt von der
Scheibe aus ein breiter pechbrauner Ast an der Basis, ein ähnlicher
hinter der Mitte und ein schmalerer an der Spitze, so daß auf
jeder Decke zwei weißliche, etwas dunkler durchscheinend geaderte
Fensterflecke übrig bleiben, einer in der Mitte, fast doppelt so lang
als breit, und ein kleinerer, nahe der Spitze. Der größere hat eine
weitläufige Reihe schwarzer Punkte neben dem Rande. Die Unter-
seite ist nebst den Fühlern und Beinen rötlich gelbbraun, die vier
und neue Chrysomeliden, 173
Endglieder der ersteren angedunkelt, ein ringförmiger Streifen um
die Mitte der Schenkel und Schienen schwarz; das Seitendach ist
ähnlich gefärbt wie oben. Das Prosternum ist in der Mitte des
Vorderrandes etwas abgeflacht, steigt nach den Seiten hin allmählich
höher auf und besitzt nahe der Mitte jedes Auges einen tiefen,
winkeligen Ausschnitt, in den sich die Fühler einlegen.
Das einzige Exemplar wurde mir von Herrn Dr. J. Schulz in
Magdeburg überlassen.
Odontionycha sublesta: Ovalis, convexa, testaceo-flava, supra
dilute viridis (testacea), minus nitida, prothorace ruguloso-punctato,
angulis rotundatis, elytris crebre substriato-punctatis, protecto oblique
deflexo ruguloso-punctato. — Long. 4,5 mm. Usambara.
Mit Od. litigiosa Boh. am nächsten verwandt, Halssch. und Fld.
stärker punktiert, letztere nicht dreieckig, sondern oval; Od. neglecia
Ws. ist breiter gebaut und glänzender, auf dem Thorax sparsam
punktuliert. Oval, hinten etwas schmaler als vorn, das Halssch.
dicht runzelig punktiert, außen etwas stärker als innen. Fld. in
den winkeligen, an der Spitze abgerundeten Schulterecken leicht
vorgezogen und kaum breiter als das Halssch., dahinter allmählich
und sehr schwach erweitert, hinter der Mitte wenig stärker verengt,
am Ende schmal abgerundet, im Basaldreiecke ansteigend, sodann
nach hinten und nach außen fast gleichmäßig abfallend, dicht
gereiht-punktiert. Die inneren Reihen werden durch einige leichte
Querrunzeln, die mit dem zweiten, stellenweise schwach gewölbten
Zwischenstreifen in Verbindung stehen, gestört, die vorletzte und
namentlich die letzte Reihe bestehen aus groben Punkten. Das
Seitendach fällt mit der Scheibe ziemlich in einer Flucht ab, ist
dicht runzelig punktiert und hinter der Mitte etwas verengt. Die
Klauen haben einen großen Basalzahn.
Diese Art wurde bei Hohenfriedeberg gesammelt und ich erhielt
sie ebenfalls durch Herrn Dr. J. Schulz.
Cassida corpulenta: Breviter ovata, convexiuscula, supra
testaceo-flava, nitidula, subtus testacea, antennis articulis ultimis
fuseis, prothorace alutaceo, parce punctulato, elytris crebre subtiliter
punctatis, protecto lato, oblique deflexo, ruguloso-punctato. — Long.
9—- 10,5 mm. Kamerun.
Die mir bekannte größte Art der Gattung!) im Körperbau einer
Aspidomorpha ähnlich, das d' sehr breit eiförmig, das 2 wenig
gestreckter, mäßig gewölbt, unten rötlich gelbbraun, oben blab
bräunlich gelb, die Scheibe des Halssch zuweilen helllederbraun. Die
ganze Oberseite ist äußerst dicht und zart gewirkt, wenig glänzend,
namentlich das @. Kopfschild sehr kurz, jederseits leicht beulen-
förmig, Fühler verhältnismäßig dünn, die 5 letzten, etwas verdickten
Glieder dunkler als die vorhergehenden, die drei Endglieder
1) Wagener hat allerdings eine Cassida reticulata von Buenos Aires be-
schrieben, die 18 mm lang ist, doch ist nicht ausgemacht, ob sie wirklich in
diese Gattung gehört.
174 J. Weise: Über bekannte
schwärzlich. Halssch. doppelt so breit’ wie lang, vorn in einem
schwachen Bogen abgerundet (dicht an den Ecken stärker), zerstreut
und sehr fein punktuliert. Fld. an der Basis in schwachem Bogen
ausgeschnitten, in den Schultern etwas mehr vorgezogen und kaum
breiter als das Halssch., mit verrundeten Ecken, dahinter erweitert,
von der Mitte ab verengt und hinten in mäßig breitem Bogen ab-
gerundet, die Scheibe gewölbt, vorn mit dem Thorax in einer Flucht
ansteigend, das Basaldreieck sehr deutlich, kurz, nicht vertieft, noch
etwas stärker als die übrige Scheibe und, wie diese, dicht verworren
punktiert, eine dichte Punktreihe neben der schmalen Nahtkante,
sowie 2 bis 3 Reihen hinter der verloschenen Schulterbeule in der
Regel bemerkbar. Das Seitendach fällt fast gleichmäßig mit der
Scheibe ab, ist stärker als diese und runzelig punktiert, vorn breit,
nur etwas schmaler als die Scheibe, hinter der Mitte verengt. Im
Vorderrande der Vorderbrust ist jederseits ein bogenförmiger Aus-
schnitt zur Einlagerung der Fühler, die Klauen sind einfach.
Es liegt mir nur 1 g' vom Kamerungebirge (Schröder) und 1 2
von Buea vor.
Coptocycla Championi: Subtriangularis, convexa, subtus nigra,
capite, antennis basi, tibiis (plus minusve), tarsis limboque laterali
abdominis testaceis, supra testaceo-flava, protecto hyalino, vitta
curvata picea ornato. — Long. 6,5 mm. Costa Rica: San Jose
(Schild-Burgdorf).
Kopf und die ersten 6 Fühlerglieder blaß rötlich gelbbraun,
Glied 5 und 6 etwas angedunkelt, die fünf Endglieder, die merklich
dicker als die vorhergehenden sind, schwarz. Halssch. mehr als
doppelt so breit wie lang, quer ellyptisch, mit mäßig breit ab-
gerundeten Ecken, glatt und glänzend, wie die Fld. blaß rötlich
gelbbraun, das ganze Seitendach hell gefärbt, glasartig durch-
scheinend. Schildchen groß, hinten schnell und sehr scharf zu-
gespitzt. Fld. an der Basis in mäßigem Bogen ausgeschnitten, in
den vorgezogenen, rechtwinkelig-abgerundeten Schulterecken viel
breiter als das Halssch., dahinter leicht verbreitert, so daß die
größte Breite etwa in !/, der Länge liegt, dann allmählich verengt
und in der Spitze schmal abgerundet, der Umriß daher annähernd
dreieckig. Die Oberseite ziemlich stark gewölbt, im Basaldreieck
kräftig ansteigend, sodann nach hinten in schwachem Bogen ab-
fallend, gleichmäßig fein gereiht-punktiert, der Vorderrand und die
Naht angedunkelt. Auf dem ziemlich breiten Seitendache liegt eine
schwärzliche Längsbinde. Dieselbe beginnt an der Basis vor der
Schulterbeule zieht dann gradlinig nach außen bis an den Rand
des Daches und an diesem entlang, nicht ganz bis zur Mitte. Hier
wendet sie sich nach innen und läuft am Innenrande des Daches und
am Außenrande der Scheibe fort bis in die Nahtecke. Unterseite
und Beine sind schwarz, ein Fleck an der Seite jedes Bauchringes
und der After rötlich gelbbraun. Dieselbe Farbe haben die Ober-
seite der Vorderschenkel, die Vorderschienen, die Spitze der übrigen
Schienen und alle Tarsen.
und neue Chrysomeliden. 1
Die Art ist am besten neben Diana Boh. zu stellen; ich widme
sie Herrn G. ©. Champion in London, welcher die mittelamerikanischen
Cassidinen vorzüglich bearbeitet hat. Zu seinem Bande der Biol.
Centrali americana erlaube ich mir folgende Bemerkungen:
p- 201. irazuensis ist nicht Taf. IX sondern XI fig. 4.
p. 216. Coptocycla evanescens Champ. gehört zu Charidotella.
p- 224: Die Cteuochira No.4 hat Boheman nicht lugubris, sondern,
Mon. 3. 478, lugubrina, außerdem in demselben Bande p. 317 noch
eine Coptocycla lugubrina benannt. Die Citate beider Arten sind
im Cataloge von Harold p. 3664 u. 3671 verwechselt worden. Im
Index zu Band 3 p. 540 ist allerdings die (ten. lugubrina als lugubris
angegeben, aber nicht von Boheman, denn derselbe nennt diese
Art in Band 4 p. 477 wiederum lugubrina,
p.227. Otenochira sagulata Boh.4.481 kann von plöcata Boh. 3. 493
nicht spezifisch verschieden sein, denn bei einem meiner Exemplare
von Costa Rica: Turrialba (Schild-Burgdorf) ist das Schildchen gelb
wie in plöcata, die schwarze Farbe der Fld. dagegen hinten ab-
gekürzt, wie in sagulata. Die Punktierung der Fld., aus der Boheman
noch einen weiteren Unterschied ableitete, ist variabel, manchmal
stehen die Punkte in den Reihen hinter der Mitte dicht, manchmal
weitläufig.
Coptocycla ludicra Boh. 3. 374 ist nach den Typen, die sich
auf dem hiesigen Museum befinden, vom Autor falsch beschrieben
worden. In der Diagnose sind die drei letzten Fühlerglieder (in
der Beschreibung sogar vier) als schwarz bezeichnet, es sind aber
nur die beiden letzten schwarz, und die Spitze des drittletzten
meist angedunkelt. Auf der Unterseite soll das Prosternum und die
beiden folgenden Bruststücke gänzlich, der Bauch in der Mitte
pechschwarz sein, in Wirklichkeit ist die Unterseite einfarbig blaß
bräunlich gelb. Die Art ist 6-7 mm lang. Ich erhielt sie von
Rio Grande do sul (Staudinger), darunter auch Stücke, bei denen
die rote Basalmakel des Halssch. vorn nicht schwarz gesäumt ist.
Coptocycla suturalis: Subrotunda, valde convexa, flavo-testacea,
pectore nigro, antennis articulis ultimis superne infuscatis, prothorace
sublaevi, limbo basali antice tridentato nigro, scutello nigro, elytris
parce seriatim punctatis, limbo tenui suturali, medio et apice dilatato,
striolaqua brevi ante humerum nigris. — Long. 7—8,3 mm. Brasilia,
Iquitos (Staudinger).
Hell bräunlich gelb, das breite Seitendach heller, glasartig
durchscheinend und von einem ziemlich dichten, aber feinen Ader-
netze durchzogen, die Brust, mit Ausnahme der Seitenstücke,
schwarz, die Hinterbrust ohne die Ränder, oft dunkel rostrot, die
letzten zwei bis vier Glieder der Fühler oberseits angedunkelt. Das
Halssch. bildet ein querliegendes Oval, mit schmalen, abgerundeten
Ecken, und ist auf der Scheibe äußerst zart gewirkt und unregel-
mäßig und nicht dicht verloschen punktuliert. An der Basis befindet
sich ein mehr oder weniger breiter schwarzer Saum, von dem drei
kurze Striche nach vorn auslaufen. Der mittelste Strich gabelt
176 J. Weise: Über bekannte
sich bei den vorliegenden Exemplaren und scheint sich bei dunkleren
Stücken jederseits mit dem Seitenstriche zu einer halbovalen Quer-
linie verbinden zu können. Fld. stark gewölbt, gereiht, und in den
Reihen weitläufig punktiert, die Punkte sind in der Nähe der Basis
und Naht, sowie hinter der Mitte fein und verloschen, auf dem
übrigen Teile deutlich, ziemlich stark, tief, oft im Innern angedunkelt
oder schwärzlich. Die letzte Reihe besteht aus besonders starken,
dunklen Punkten. Die Basis der Fld. ist in tiefem Bogen aus-
gerandet, und die Schultern sind stark, bis zur Mittellinie des
Halssch. vorgezogen, vor der kleinen Schulterbeule liegt ein kräftiger
Eindruck an der Basis, in dem ein kurzer, schwarzer Schrägstrich
liegt. Die Naht ist fein schwarz gesäumt, der Saum erweitert sich
in der Mitte jederseits dreieckig und dicht vor dem Ende der Scheibe
nochmals ähnlich, aber schwächer. In der vorderen Erweiterung
liegen einige kleine, punktförmige gelbliche Flecke.
Otenochira aberrata: Subrotundata, convexa, testaceo-flava, nitida,
antennis articulo ultimo apice nigro, supra (protecto albido-hyalino
excepto) rubra, annulo magno nigro, maculam sat magnam ovatam
cingente, ornata, elytris inaequaliter striato-punctatis. — Long.
5-6 mm. Costa Rica: Turrialba (Schild-Burgdorf).
Die Unterseite ist blaß rötlich gelo, die Fühler sind hell rost-
rot, die Endhälfte des letzten Gliedes schwarz. Die Mitte der Ober-
seite wird von einem hellgelben, ziemlich breit-ovalen Flecke ein-
genommen. Derselbe beginnt am Vorderrande des Schildchens und
endet ungefähr in der Mitte der Fld., außen wird er zuerst von
einem schwarzen, sodann von einem roten Ringe umgeben. Der
innere, schwarze Ring hat überall ungefähr dieselbe Breite, der
rote Ring ist hinter der Mitte allmählich verbreitert, er reicht vorn
genau bis an den Außenrand der Scheibe des Halssch. und der
Fld., nur am Ende, wo er auf jeder Decke von einer schrägen
Linie begrenzt ist, läßt er einen Streifen von gelber Farbe frei.
Das Halssch. ist glatt, jederseits mit einem tiefen Eindrucke an der
Basis, vor dem Schildchen. Die Fld. sind ungleichmäßig in Reihen
punktiert, die ersten vier Reihen haben weitläufig gestellte und ver-
schieden große und tiefe Punkte, die folgenden vier Reihen sind im
ersten und letzten Viertel ähnlich, in der Mitte dagegen dichter und
gleichmäßiger punktiert, die neunte Reihe ist fein, die zehnte sehr
grob punktiert.
Charidotis divisa: Subrotundata, convexa, nitida, subtus testaceo-
flava, antennis articulo ultimo apice infuscato, prothorace laevi, flavo,
basi scutellogue miniatis, elytris evidenter striato-punctatis, dorso
antico miniatis, postico nigris, medio fascia communi flava, sub-
elevata, vix punctata. — Long. 4,3 mm. Peru: Vilcanota.
Mit tricolor Guer. nahe verwandt, aber durch die gelbe Relief-
binde der Fld., die fast glatt ist, sicher verschieden. Unterseite
blaß bräunlich gelb, die Spitze des letzten Fühlergliedes schwärzlich.
Halssch., von der Seite betrachtet, lang elliptisch, der vordere Bogen
jedoch größer als der hintere, das Dach breit, glasartig durch-
und neue Chrysomeliden. 177
scheinend mit wenigen feinen Adern, die Scheibe gelb, eine kurze
Quermakel an der Basis, nebst dem Schildehen und der vorderen
Hälfte der Fld. mennigrot, ähnlich wie guter Siegellack, die hintere
Hälfte der Fld. ist zum größten Teile schwarz, beide Farben werden
durch eine reliefartig erhabene, grade, gemeinschaftliche gelbe
Querbinde getrennt. Diese Binde erweitert sich an der Naht
plötzlich, nach vorn fast bis zum Schildcehen, nach hinten in eine
kürzere strichförmige Verlängerung auf dem ersten Zwischenstreifen;
sie wird nur außen durch 2 oder 3 Punkte der siebenten Reihe
durchsetzt, sonst ist sie völlig glatt. Der Raum unterhalb der
Schulterbeule und der letzte Zwischenstreif jeder Decke sind gelb
gefärbt, außerdem noch ein größerer, vorn gerundet-begrenzter
Raum in der Spitze. Das Seitendach ist breit, nahe der Spitze
stark verengt, von einem dichteren Adernetze durchzogen, als das
des Thorax.
Charidotis Drakei: Subrotunda, convexa, nitida, subtus ferru-
ginea, antennis pedibusque testaceis, supra nigra, protecto flavo-
testaceo, subhyalino, reticulato, elytris sat fortiter striato-punctatis,
macula communi rotunda cuprea.. — Long. 3,5 mm. Paraguay
(Dr. Drake).
Wenig länger als breit, gewölbt, Halssch. und Fld. in einer
Flucht abgerundet; oben tief schwarz, glänzend, des Seitendach hell
bräunlich gelb, eine gemeinschaftliche Makel vor der Mitte der Fld.
kupferrot. Diese Makel ist rund, etwas breiter als lang und um-
schließt vorn die äußerste Spitze des schwarzen Schildchens, welche
durch eine Querrinne von dem vorderen, großen Teile abgesetzt
ist. Das Halssch. ist fast glatt, nur hinter der Mitte auf der
Scheibe einzeln sehr fein punktiert, die beiden Basaleindrücke vor
dem Schildchen sehr tief. Fld. regelmäßig und stark gereiht-
punktiert, die Punkte in den Reihen ziemlich dicht gestellt, die
äußerste Reihe mit grubenförmigen Pnnkten, die Schulterbeule
verhältnismäßig groß und hoch, das Seitendach nur mäßig breit,
an der Spitze sehr schmal.
Charidotis redimita: Subhemisphaerica, testaceo-flava, protho-
race laevi, plaga transversa, brevi, antice rotundata, nigra, elytris
crebre, profunde et fortiter striato-punctatis, parce transversim
rugulosis, annulo sat magno sanguineo. — Long. 5 mm. Bolivia:
San Antonio (Staudinger).
In der Färbung der Oberseite an Coptocycla consentanea Boh.
erinnernd, jedoch kürzer und breiter gebaut als diese, der dunkle
Ring der Oberseite und die von ihm eingeschlossene helle Makel
viel mehr gerundet.
Fast halbkugelig, nur nicht ganz so stark gewölbt, blab
bräunlich gelb, ein Ring der Oberseite auf dem Halssch. schwarz,
auf dem Schildchen und den Fld. blutrot gefärbt. Der hintere
Bogen dieses Ringes liegt der Mitte der Fld. näher als der
Spitze und der dahinter frei gelassene Raum der Scheibe ist viel
heller als das Seitendach und die eingeschlossene Makel, gelblich
Arch. f. Naturgesch. Jahrg. 1904, Bad.1I, H.1. 12
178 J. Weise.
weiß gefärbt. Halssch. einem querliegenden Ovale ähnlich, dessen
hinterer Bogen viel flacher als der vordere ist, die Scheibe mäßig
gewölbt, fast glatt, das Seitendach, vorn schmal, hinten breit, ist
durchscheinend und von wenigen Adern durchzogen. Fld. sehr
dicht, tief und stark in Reihen punktiert, von denen die drei ersten
hinter der Mitte in vertieften Streifen stehen. Die Punkte in der
Mitte der Scheibe sind durch einige schmale, ziemlich flache, aber
lange Querrunzeln getrennt, wodurch namentlich die Punkte auf der
eingeschlossenen hellen Makel weniger regelmäßig gereiht erscheinen
als die etwas kleineren Punkte auf dem dunklen Ringe. Die Fühler
sind einfarbig bräunlich gelb, ihr zweites und drittes Glied kurz.
a —
Neue palaearktische Myriopoden
nebst Beiträgen zur Kenntnis einiger alten Arten.
Von
Dr. Carl Graf Attems.
(Mit Tafel IX und X).
1. Lithobius pusillus nov. subsp. denticulata.
Farbe: die vorderen 2 Drittel des Kopfschildes und die Basis
der Antennen dunkel kastanienbraun, das hintere Drittel des Kopf-
schildes, 1. Zwischenschild, Kieferfüsse und Rest der Antennen hell-
gelb; Rücken bis inel. 14. Segment kastanienbraun, Endbeinsegment
und Rest gelb; Bauch vom 1—12. Segment schmutzig gelb, 13. und
14. Segment dunkelbraun, 15. Segment hellgelb; Beine gelb.
Länge ohne Endbeine 8 mm.
10 Ocellen in 3 Horizontalreihen, (oben) 4. 4. 2 (unten); in der
obersten Reihe die grössten, in der untersten die kleinsten Ocellen.
36 Antennenglieder, 2 + 2 Kieferfusshüftzühne.
Rückenschilde glatt und nur spärlich mit mikroskopisch kleinen
Härchen besetzt. 1.—8. Rückenschild hinten abgerundet; 3. 4. 10.
14. u. 15. Schild hinten sehr weit eingebuchtet. 9. Rückenschild
ohne Zähne; die Seiten sind gegenüber der Mitte etwas verkürzt
und das Hintereck scharfwinkelig. 11. und 13. Schild mit deutlichen.
etwas stumpfen Zähnen.
Hüftporen rund, 2.3.3.3.
Endbeinhüften ohne Seitendorn, Endkralle mit sehr kleiner
a ee 12. Beine
81453. 0 i
paares 573 9 1 Endbeine beim g' ohne Auszeichnung.
Nebenkralle. Bedornung der Endbeine
2 mit 2+ 2 kräftigen, spitzen Genitalsporen, die inneren etwas
kleiner als die äusseren. Kralle dreilappig.
Fundort: Castelnuovo, Dalmatien. (Holdhaus coll.).
Von Ragusa liegen nur 1g' und 32 vor, die auch zu dieser
subspecies gehören, jedoch schwächere Zähne an den Hinterecken
des 11. und 13. Schildes haben, so daß sie einen Übergang zu
pusillus calcivagus Verh. bilden.
12*
180 Dr. Carl Graf Attems: Neue palaearktische Myriopoden
Die 3 subspecies von pusillus lassen sich folgendermaßen unter-
scheiden:
1. a) Kopf in der vorderen Hälfte heller als in der hinteren;
Rückenschilde ohne Spur von Zähnchen. Endbeine mit
Nebenkralle pusillus f. gen.
b) Kopf vorn auffallend dunkler als der helle Hinterkopf 2.
2. a) 11. und 13. Rückenschild mit schwachen bis sehr deutlichen
Eckzähnchen; Endbeine mit kleiner Nebenkralle
subsp. denticulata mihi.
b) 11. und 13. Rückenschild ohne Zähne, Endbeine ohne Neben-
kralle subsp. caleivaga Verh.
2. Schendyla mediterranea Silv. nov. subsp. dalmatieca.
(Tafel IX, fie. 2, 3).
Farbe blassgelb, Kopf mit Ausnahme der ebenfalls lichten
Antennen bräunlichgelb.
Länge 10 mm, Breite 0,5 mm. g' mit 37, 2 mit 39 Beinpaaren.
Kopfschild länger als breit; Vorderrand winklig, Hinterrand
gerade, Seiten gewölbt. Antennenglieder mit je 2 Borstenquirlen,
Endglied gross, länger als die übrigen, eiförmig.
Kieferfüsse geschlossen den Stirnrand bei weitem nicht er-
reichend; Vorderrand der Hüften mit einer kleinen Einkerbung;
2., 3. und 4. Glied innen ohne Zahnhöcker; Krallenglied mit einem
relativ grossen spitzen Basalzähnchen. Kralle innen glatt; die
ganzen Kieferfüsse weitschichtig beborstet (fig. 3).
Klaue der 2. Maxille schwach, ungekämmt.
Praebasalschild nach Auskochen des Thieres in Kalilauge als
schmaler beiderseits zugespitzter Streif sichtbar. Basalschild nicht
sehr gross, mit nach vorn convergierenden Seitenrändern.
Hauptschilde des Rückens mit 2 Querreihen von Borsten und
zwischen diesen Querreihen noch 2 Borsten nebeneinander; Zwischen-
schilde mit einer Borstenquerreihe.
Bauchschilde bedeutend länger als breit, mit 4 etwas unregel-
mässigen Längsreihen von Borsten auf der Fläche. Hinterrand des
1.—10. Bauchschildes winklig ausgezogen, am Vorderrand eine ent-
sprechende Grube; die Zwischenschilde sind durch diesen Vorsprung
getheilt, vom 11. Segment an dagegen ungetheilt. 2.—9. Bauch-
schild mit einem kleinen schmalen Porenfeld, das nach vorn in
2 Aste ausläuft, also im Ganzen beiläufig y-förmig ist.
Endbeinsegment (fig. 2): Rückenschild gross, hinten verschfnälert
und fast geradlinig. Bauchschild gross, rhombisch, Hinterrand
seicht ausgebuchtet, hintere Hälfte reich beborstet. Hüfte der End-
beine mit 2 unter dem Bauchschild versteckten grossen Poren,
und reichlich beborstet. 1.—6. Glied der Endbeine verdickt, beim
g' stärker als beim 2, Endglied dünn, aber so lang wie das vor-
angehende, ohne Kralle. Beim g' sind auch die auf die Hüfte
folgenden Glieder unten stark beborstet.
nebst Beiträgen zur Kenntnis einiger alten Arten. 181
Fundort: Castelnuovo, Dalmatien. (Holdhaus coll.).
Unterscheidet sich von der Stammform 1) durch die Form des
Bauchporenfeldes, hier y-förmig, dort oval, 2) Zahl der Beinpaare
hier 37—39, dort 51—55 (Silvestri gibt 52—55, 50-53 an!!),
3) Das letzte Glied der Endbeine scheint hier grösser zu sein.
Erwähnen möchte ich, dass Silvestri die Endbeine 6 gliedrig
zeichnet (Trochanter vergessen) und nichts über das Basalzähnchen
der Kieferfüsse sagt.
3. Scolioplanes acuminatus var. mierodon mihi.
(Tafel IX, fig. 1).
Unterscheidet sich von der f. gen. durch sehr geringe Grösse
des Basalzahnes der Kieferfüsse (fig. 1).
g' mit 37 und 39, @ mit 39 und 41 Beinpaaren. Länge des
grössten Exemplares 20 mm.
Fundort: Bjelasnica (Bosnien).
4. Polydesmus complanatus intermedius n. subsp.
(Tafel IX, fig. 4, 5).
Die Auffindung einer Zwischenform zwischen complanatus L.
und ilyricus Verh. macht es notwendig, diese 3 Formen zu einer
Species zu vereinigen. Illyricus unterscheidet sich bekanntlich von
complanatus dadurch, dab der Nebenast der Copulationsfüsse nahe
dem Ende eine Anschwellung hat und der Hauptast kürzer ist, so-
wie durch die breiteren aufwärts gebogenen vorderen Kiele. /nter-
medius vereinigt nun Charaktere beider Formen complanatus und
illyrieus. Die Kiele sind wie bei :llyricus, deutlich wenn auch nicht
sehr stark aufgebogen, so daß der Rücken hohl ist; Seitenränder
deutlich gezähnt; sie sind merklich breiter und dünnrandiger als
bei complanatus. Sculptur der Metazoniten flach; die erste Felder-
reihe überhaupt nicht sichtbar. Halsschild ganz wie bei dlyricus.
Hauptast der Copulationsfüsse mit langer, schlanker, gerader
und am Ende leicht hakig gekrümmter Spitze; der Nebenast trägt
vor der Krümmung einen kurzen breiten Zahn; nach der Krümmung
hat die lange schlanke am Ende hakige Spitze keinen Zahn oder
Anschwellung (fig. 4, 5).
Fundort: Franzenshöhe auf der Stilfserjochstraße.
Die 3 subspecies lassen sich also folgendermaßen unterscheiden:
A. Nebenast der Copulationsfüsse nach der Biegung ohne An-
schwellung; Hauptast mit langer, schlanker Spitze; Spaltung
zwischen Haupt- und Nebenast etwas tiefer herabreichend als
bei .llyrieus:
a) Rücken des g' vorn ganz flach, Kiele dickrandiger un
schmäler subsp. complanatus f. gen.
182 Dr. Carl Graf Attems: Neue palaearktische Myriopoden
b) Rücken des g' vorn hohl; Kiele wie bei illyricus, dünner
und breiter subsp. intermedius n. subsp.
B. Nebenast der Cop.-Füsse nach der Biegung mit einer lappigen
Anschwellung; Hauptast mit kurzer, daumenartiger Spitze
subsp. ıllyricus Verh.
Genus Heterolatzelia Verhoeff.
Fagina nov. subg.
Von Heterolatzelia ist bisher eine Art (nivale) mit 2 Subspecies
bekannt, aus Bosnien-Hercegovina. Auf dem Ivan in Bosnien fand
ich eine neue Art, welche zwar in deutlicher Weise die nahe Ver-
wandtschaft zu H. nivale zeigt, aber doch einige Unterschiede hat,
welche mich veranlassen, die Gattung Heterolatzelia in 2 Unter-
gattungen zu zerlegen:
1. Rumpf mit 30 Segmenten.
Hintere Gonopoden eingliedrig und diese beiderseitigen Hälften
in der Mediane verwachsen Subg. Aleterolatzelia mihr.
2. Rumpf mit 28 Segmenten.
Hintere Gonopoden zweigliedrig und in der Mediane deutlich
getrennt Subg. Fagina mihi.
Die vorderen Copulationsfüße sind in beiden Untergattungen
nach demselben Typus gebaut, soweit ich dies nach den Figuren
Verhoeffs beurtheilen kann, nur sind die Enden der Gonocoxide und
Femoroide bei Fagina einfacher, ohne Stacheln und Spitzen.
5. Heterolatzelia (Fagina nov. subg.) silvatica n. sp.
(Tafel IX, fig. 6—12).
Farbe: Rücken dunkel erdbraun; in der Höhe der Borsten-
warzen ein breiter hellgelber Längsstreif jederseits in der ganzen
Körperlänge; die Seiten unterhalb desselben wieder dunkelbraun,
auf dem Bauch dunkelbraun und gelb marmoriert. Ahnelt sehr
den kleinen Ceratosomen. Länge der größten Weibchen 8 mm,
g' etwas kleiner, Breite 0,9 mm. Erwachsene mit 28 Rumpfsegmenten.
Kopf fein behaart; 21 schwarze Ocellen in einem Dreieck.
Oberfläche des Körpers sehr fein gekörnt; Metazoniten mit
deutlichen, vorn und hinten abgerundeten Seitenbeulen (fig. 10);
auf denselben seitlich 2 Borstenwarzen hintereinander, die 3. Borste
weiter medial, neben der vorderen seitlichen; die Borsten dünn und
weiss.
d: 1. und 2. Beinpaar mit Stiftenbürste auf der Sohle der
Endglieder; 3.—7. Beinpaar mässig verdickt und auf der polster-
artig hervorgewölbten Sohle des Endgliedes mit Papillen; auf dem
Schenkel des 7. Beinpaares, nahe der Basis, steht ein kleiner Kegel.
Hüften des 5.—7. Beinpaares kugelig hervorgewölbt und fein be-
dornt; sonst haben diese vorderen Beinpaare keine Besonderheiten.
8. Beinpaar mit Hüftsäcken, das 9. Paar ohne solche; Hüften beider
innen kugelig aufgetrieben und fein bestachelt.
nebst Beiträgen zur Kenntnis einiger alten Arten, 183
Ventralrand des 6. Ringes mit einem nach vorn gerichteten
Haken.
Copulationsfüsse: Vorderes Paar (fig. 6, 7, 8, 9). Man unter-
scheidet eine kleine Ventralplatte die aus einem kräftig chitinisierten
kahnförmigen Mittelteil (Vm) und mehr membranösen Seitenteilen
(Vl) besteht; letztere stehen in Verbindung mit den distalen Enden
der grossen kräftigen Tracheentaschen (Tr. T.); die verschiedenen
Fortsätze der Tracheentaschen (a, b, d) sind aus der Zeichnung (fig. 8,
9) zu ersehen; an den medialwärts gerichteten Fortsatz a setzt sich
ein kurzer Querbalken (J) an. Mit a und J steht auf der Oral-
seite die mehr plattige und membranöse Partie (Cp) des Gonocoxides
in Verbindung. Die Hüften, obwohl verwachsen, lassen noch deutlich
die Trennungslinie erkennen; sie bilden auf der Oralseite eine breite,
kielförmige Vorragung (fig. 7 Cp), die seitlich membranös wird und
mit den Tracheentaschen in Verbindung steht; das Ende der grossen
und breiten Endplatten der Gonocoxide ist beiläufig vogelkopfartig;
im Innern sieht man eine Rinne.
Die Femoroide (F) sind peitschenförmig verdünnt und gebogen,
mit rundlich verdickter Basis und sitzen an der Verbindungsstelle von
Ventralplatte und Tracheentaschen, nicht auf den Hüften (fig. 6, 7).
Hinteres Paar (fig. 11). Die Ventralplatte ist gut ausgebildet;
durch eine runde Mittelbucht getrennt erheben sich die Sockel für
die Reste der Extremitäten; letztere sind zweigliedrig; das Basal-
glied (s) ist viel grösser und stärker chitinisiert und trägt eine
kräftige Borde am distalen Inneneck; das zweite Glied (t) ist mehr
membranös mit mehreren kleinen Borsten (fig. 12).
Fundort: Bosnien, Ivan, auf dem Kamme des Berges im Buchen-
wald, und im Fichtenwald zwischen Bjelanica und Igman.
Hylopachyiulus nov. subg.
Mittelblattfortsatz der hinteren Copulationsfüsse deutlich vor-
handen, Vorderblätter der ganzen Länge nach ungefähr gleich breit
bleibend.
Saftlöcher knapp hinter der Quernaht gelegen.
Ocellen fehlen vollständig.
Scheitelborsten vorhanden.
Metazoniten ganz ungefurcht.
Schwänzchen lang, gerade, spitz.
Backen des g' nach unten nicht lappig ausgezogen, Tarsen
ohne Polster.
6. Pachyiulus (Hylopachyiulus nov. subg.) pygmaeus n. sp.
(Tafel IX, fie. 23, 24).
Farbe bräunlichgelb bis licht erdbraun; Vorder- und Hinter-
ende heller, die Saftdrüsen als dunkle Flecken durchscheinend.
Länge 8—9 mm, Breite 0,5 mm. g' mit 43 Rumpfsegmenten.
184 Dr. Carl Graf Attems: Neue palaearktische Myriopoden.
Ocellen fehlen vollständig. Scheitelborsten vorhanden.
Die Ringe sind an der Quernaht zwar nicht stark, aber doch
deutlich eingeschnürt. Pro- und Metazoniten mit feinen polygonalen
Nadelrissen, im Übrigen glänzend. Rücken der Metazoniten glatt,
ungefurcht; auch in den Seiten keine deutlichen Längsstreifen. Die
ziemlich grossen Saftlöcher liegen knapp hinter der geraden Quer-
naht, dieselbe von hinten her berührend. Hinterrand der Metazoniten
mit feinen zugespitzten, weißen, starr abstehenden mäßig dicht
gestellten Cilien besetzt.
Schwänzchen sehr lang und spitz, gerade oder ganz unmerklich
nach unten gebogen, Analschuppe ohne Vorsprung; die Klappen
mit einzelnen langen Borsten, ähnlich denen des Rückens.
g': 1. Beinpaar ein typisches Hakenpaar. Alle Beinpaare vor
dem Copulationsring ohne Tarsalpolster.
Copulationsfüsse: vorderes Paar (fig. 24): mässig lang und
schmal, in ihrer ganzen Länge ziemlich gleich breit; in der basalen
Hälfte stehen innen und aussen je ein lappiger Vorsprung, von
denen der mediale distal spitzzackig endet, der laterale abgerundet.
Auf der Aboralseite steht vor dem breit abgestumpften Ende ein
kleiner schräger Lappen wie bei Megaiulus. Hinteres Paar (fig. 23):
Der Mittelblattabschnitt (m) ist bis zur Hälfte des ganzen Hinter-
blattes von diesem abgespalten in Gestalt eines sehr schlanken
Spießes. Das secundäre Hinterblatt ist sehr einfach gestaltet; am
medialen Rande, endwärts, befindet sich eine gross gefranste nach
außen geklappte hyaline Lamelle.
Fundort: Banjaluka (Bosnien), Buschwald in hügeliger Gegend.
7. Brachyiulus (Chromatoiulus) lietor n. sp.
(Taf. IX, fig. 13—16).
Farbe sehr dunkelbraun ins Rotbraune spielend, Analsegment,
besonders die Klappen, heller braun als der Körper, Vorderteil des
Kopfes und Beine braungelb.
Länge ca. 25mm. Breite 1,4 mm. 52 Segmente.
Scheitelborsten vorhanden; Ocellen so flach, dab sie einzeln
nicht zählbar sind.
Halsschild seitlich breit abgerundet mit einigen kurzen Furchen.
Prozoniten glänzend, unter dem Mikroskop bemerkt man seichte,
kurze Längsstriche.
Metazoniten seicht und mäßig dicht gefurcht, die Furchen sehr
regelmäßig, Hinterrand mit wenigen, sehr kurzen und feinen Haaren.
Saftlöcher überall knapp hinter der geraden Quernaht gelegen.
Analsegment, besonders die Klappen gut behaart; Schwänzchen
lang, gerade, spitz; Schuppe mit einer kleinen, etwas vorstehenden
Spitze. |
' g: Backen unten mit breitem, rundlappigen Fortsatz.
nebst Beiträgen zur Kenntnis einiger alten Arten. 185
Häkchen des 1. Beinpaares von normaler Form. Hüften des
2. Beinpaares ohne Besonderheiten; vom 2. Beinpaar an große
Tarsalpolster.
Copulationsfüße, vorderes Paar (Fig. 15): an der Basis breit,
bis zur Mitte nur wenig verschmälert, dann rasch zu einem ein-
wärts gekrümmten, beilartigen Endteil verschmälert; die beider-
seitigen Endstücke divergieren ziemlich stark. Flagellum von nor-
maler Länge, dünn auslaufend.
- Die hinteren Copulationsfüße sind bis etwa zur Hälfte herab
in 2 große Platten gespalten; die orale, dem Mittelblatt entsprechend,
ist eine mehrfach eingedrückte Lamelle mit einigen Zähnen an den
Rändern (m). Das eigentliche Hinterblatt, auf dem die Samenrinne
verläuft, ist eine breite, dünnhäutige recht einfach gestaltete Platte,
deren Endrand nur einige Lappen aufweist. (Hs. fig. 13. 14. 16).
Fundort: Kusch bunar, Ostrumelien (Dr. Rebel coll.).
8. Brachyiulus (Mierobrachyiulus) varibolinus n. sp.
(Tafel IX, fig. 21, 22).
In Größe und Farbe von littoralis nicht zu unterscheiden. In
der Rückenmitte ein schmaler schwarzbrauner Streif, zu beiden
Seiten desselben breite gelbe Längsbänder, die Höhe der Saftlöcher
breit schwarzbraun. Die Seiten unterhalb hellbraun marmoriert,
Kopf und Halsschild hell bräunlichgelb mit dunkler Marmorierung.
Breite 0,85 mm. 35 Rumpfsegmente.
2 große Scheitelborsten vorhanden; Ocellen deutlich convex.
Die Ringe an der Quernaht relativ stark eingeschnürt; die
kleinen Saftlöcher knapp hinter der Naht. Prozoniten mit feiner,
polygonaler Felderung. Furchung der Metazoniten kräftig, etwas
weitschichtig. Hinterrand der Metazoniten mit abstehenden Borsten.
Das ganze Analsegment weitschichtig und lang beborstet.
Schwänzchen kurz, gerade, stumpf aber deutlich etwas vorragend;
2 Analschuppe bildet eine fast ebenso grosse abgestumpfte gerade
itze.
i g': Backen nach unten nur sehr wenig, flach vorragend. Haken
des 1. Beinpaares groß und kräftig, mit relativ langer Endspitze.
Vom 2. an alle Beine mit großen Tarsalpolstern.
Copulationsfüße, vorderes Paar: An der Basis am breitesten,
endwärts allmählich sich verschmälernd; das Ende durch eine
schräge helle Zone im Chitin abgesetzt; der Innenrand in den
basalen 2 Dritteln kantig vorspringend (fig. 22).
Hinteres Paar (fig. 21): das Mittelblatt (m) hält die Mitte
zwischen littoralös, wo es ein schlanker, fingerförmiger Haken und
den anderen Arten, wo es eine breite meist geriefte Platte ist. Es
ist hier eine etwas abstehende, an der Basis mäßig breite, endwärts
sich verschmälernde und hier breit abgeschnittene Platte, mit einigen
186 Dr. Carl Graf Attems: Neue palaearktische Myriopoden
Riefen. Ha überragt Hs merklich, als breiter, stumpfer Haken mit
einigen Fältelungen. Hs besitzt ausser dem weichhäutigen Polster
einen kurzen, stumpfen Zapfen.
Fundort: Chani Panetsu bei Variboli (1 J").
9. Julus (Leptoiulus) vagabundus Latzel.
Diese Art scheint recht variabel zu sein, besonders in Bezug
auf die Gestalt der Hinterblätter. Ich unterscheide bisher 3 Formen.
1. Subspecies typica.
Innenlappen des Vorderblattes gross (fig. 42).
Velum des Hinterblattes einfach, ohne Nebenspitzen.
Schutzblatt außen zahnartig eingebogen.
Endspitzen (a und b) des Hinterblattes breit und mehr-
zackig, besonders die vorderen (fig. 30, 42).
Fundorte: Graz; Annenheim (Kärnten).
2. Subspecies marburgensis.
Innenlappen des Vorderblattes groß wie bei d. F\ typica.
Velum mit Nebenspitzen.
Fundort: Marburg (Steiermark).
3. Subspecies croaticus n. subsp.
(Tafel I, fig. 25—29. Tafel II, fig. 41).
Farbe: dunkelbraun, Bauch und Beine braungelb, Vorderhälfte
des Kopfes kastanienbraun.
g' Breite 1,5 mm.
Beine vor und hinter dem Copulationsring ohne Tarsalpolster.
Hüfte des 2. Beinpaares mit schwach nach außen gerichtetem,
mittelgroßen Fortsatz, ohne Drüsenfortsatz (fig. 25).
Während diese Subspecies äußerlich von der Stammform nicht
zu unterschieden ist, zeigen die Copulationsfüsse erhebliche Unter-
schiede: Die Vorderblätter sind schlanker mit weniger ausgesprochener
schuppiger Struktur. Der Innenlappen ist sehr klein, nur durch
einen Absatz des Innenrandes gebildet (fig. 26, 41). Die Mittel-
blätter sind schlanker (fig. 29, 45). Das Velum (Ve) ist in mehrere
Spitzen zerteilt. Die Endfortsätze des Hinterblattes sind schlanker
und spitzer. Das Außeneck des Schutzblattes (Au) ist schwach
eingeschlagen aber nicht in einen zahnartigen Lappen ausgezogen.
Fundorte: Sleme, Berg bei Agram (Croatien). Pragser Wild-
see (Tirol).
10. Julus (Leptoiulus) Deubeli Verh. nov. subsp.
korongisius mihi.
(Tafel IX, fig. 17, 18, 20).
Grundfarbe rotbraun, beim @ etwas heller als beim 9. Rücken
mehr oder weniger verdunkelt. Saftdrüsen als schwarze Flecken
durchscheinend, auf der Rückenmitte eine sehr feine schwarze
Längslinie.
nebst Beiträgen zur Kenntnis einiger alten Arten. 187
Länge 2 22 mn, J' etwas kleiner. Breite 9' 1,2 mm, 2 1,7 mm.
g' mit 44 und 45 Segmenten.
Ocellen deutlich convex.
Halsschild seitlich breit abgerundet, mit einigen kurzen Strichen,
Prozoniten glatt, mit mikroskopischer polygonaler Felderung.
Metazoniten seicht, weitschichtig und etwas unregelmässig ge-
furcht; Hinterrand mit kleinen Härchen besetzt. Quernaht gerade;
die Saftlöcher klein und um ca. das Doppelte ihres Durchmessers
hinter der Naht. Schwänzchen ziemlich kurz, aber doch etwas
länger als bei Deubeli, gerade, spitz; Klappen ziemlich reichlich,
fein und lang behaart. Schuppe ohne vorragende Spitze.
Die Ringe sind an der Quernaht etwas eingeschnürt, wie bei
Deubeln.
d. 1. Beinpaar mit runden Häkchen.
Hüfte des 2. Beinpaares völlig ohne Fortsätze. Große Tarsal-
polster vorhanden. Vordere Copulationsfüße (fig. 20) ziemlich lang,
recht spitz; Innenrand ganz gerade, ohne Zahn, am Ende Schuppen-
struktur. Flagellum von normaler Länge, dünn.
Mittelblatt kürzer als das Vorderblatt; auf der Medialseite
springt ein am Rande gezackter Lappen vor; deutliche Schuppen-
struktur.
Hinterblatt: Schutzblatt (Sch) klein; innen als breiter runder
Lappen vorragend, außen schwach entwickelt, vom Rinnenblatt nur
wenig getrennt. Innenstachel (Ist) vorhanden, lang und dünn. Das
Velum (Ve) ist stark gekrümmt, an der Basis breit, mehrspitzig.
Der Endrand des Rinnenblattes ist fein gestrichelt; zwischen diesem
gestrichelten Lappen und dem Schutzblatt erhebt sich ein schlanker
Zipfel (a), dem Schutzblattfortsatz Verhoeff’s bei czliatus entsprechend.
Die Verbindung der Ränder von Rinnenblatt und Schutzblatt sieht
man aus der Abbildung (fig. 17, 18).
Fundort: Korongis, Rodnaergebirge, Siebenbürgen, aus Gras-
büschen gesiebt. (Deubel coll.).
Diese Subspecies unterscheidet sich von der Stammform außer
durch die Farbe durch die Gestalt der Hinterblätter. An Stelle
des knopfförmigen, fein behaarten Zapfens am Endrande (Tafel I,
fig. 19 K) findet sich hier eine flache, fein geriefte Lamelle (fig. 17,
181); das Velum hat mehr die normale Form, es ist wohl in mehrere
Spitzen zertheilt aber keine so breite, ringsum gefranste Lamelle
wie bei Deubeli.
11. Julus (Leptoiulus) montivagus Latzel.
(Tafel IX, fig. 3133).
Über die noch nicht genau bekannten Copulationsfüsse bemerke
ich folgendes:
Vorderblätter kurz und breit, am Ende stumpf abgerundet,
völlig ohne Innenzahn (fig. 32).
188 Dr. Carl Graf Attems: Neue palaearktische Myriopoden
Mittelblatt (fig. 31) ebenfalls kurz und breit, mit deutlicher
Schuppenstruktur.
Das Hinterblatt gleicht sehr dem von vagabundus (fig. 33).
Der Fortsatz a läuft in 2 schlanke, fast gleichlange Spitzen
aus, b ist ein schlanker Spieß, d ragt relativ stark vor, c und e
sind ähnlich geformte, kräftige, daumenartige, schräg nach innen
vorragende Zapfen.
Das Velum ist ein großer Haken mit mehreren Spitzen auf
der Hohlseite.
Der Innenstachel ist lang und dünn.
Die von mir untersuchten und abgebildeten Tiere stammen
von Baden (Nieder-Österreich).
J. (Leptoiulus) montivagus Ltzl. var. elucens Latzel.
(Tafel X, fig. 34—35).
Die Copulationsfüsse gleichen sonst ganz denen der Hauptform,
nur die eine der Spitzen von a ist kürzer, e ist etwas kleiner und
das Velum hat eine kleine Spitze auf der Krümmungsseite.
Meine Exemplare sind von Kloster Weißenstein, Südtirol.
12. Julus (Leptoiulus) oribates Latzel.
(Tafel X, fig. 47—49).
Syn.: 1884 Julus fallax var. oribates Latzel Myr. d. öst.-ung.
Mon. II p. 321 Tfl. XII fig. 148.
Schwarz. d' mit 46 Segmenten.
Halsschild seitlich breit abgerundet, ohne Furchen.
Prozoniten mit sehr feiner Felderung, erst unter dem Mikroskop
sichtbar, Furchung der Metazoniten seicht; Hinterrand beborstet.
Saftlöcher um fast das Doppelte des eigenen Durchmessers hinter
der Quernaht. Analsegment reichlich beborstet, Schwänzchen gerade,
kräftig; Schuppe mit winziger, etwas abstehender Spitze,
Häkchen des 1. Beinpaares abgerundet.
Hüften des 2. Beinpaares (fig. 47) lang und schlank, der innere
Fortsatz breit und im rechten Winkel nach außen gebogen; Drüsen-
fortsatz gut entwickelt. Tarsalpolster fehlen.
Vordere Copulationsfüße (fig. 49) ziemlich breit, nur wenig
länger als die Mittelblätter, mit einem kleinen Innenzahn, am Ende
mit schwacher, schuppiger Structur. Flagellum lang und dünn.
Mittelblatt nicht lang, gerade, mit schuppiger Structur.
Hinterblatt (fig. 48). Innenstachel kurz und kräftig. Schutzblatt
innen in einen langen, relativ schlanken abgerundeten Lappen aus-
gezogen, Ausseneck zackig und eingebogen. Rinnenblatt mit zwei
schlanken Fortsätzen, von denen der eine (a) mehr caudal und
medial gelegene eine vorspringende, im distalen Teile schwach ge-
zackte Kante trägt; er ist schwach gebogen. Der andere Fortsatz
nebst Beiträgen zur Kenntnis einiger alten Arten, 189
(b) ist etwa kürzer, gerade, spießartig, nahe seiner Basis auf der
Oralseite sitzt das kräftige durch einige Kerben in mehrere Spitzen
zerteilte Velum. Medial vom Velum der kleine Zacken e.
Vorstehende Beschreibung ist nach den im Wiener Hofmuseum
befindlichen Originalexemplaren Latzels verfaßt. Eine genauere
Fundortangabe fehlt leider. Latzel gibt in seinem Werke an: Hohe
Berge Kärntens, Tirols, Oberösterreichs, Hohe Tatra.
Femoriferus n. subg.
. Diese neue Untergattung von Jul«s hält die Mitte zwischen den
subgenera Leptoiulus und Microiulus, und ist besonders charakterisiert
durch den Femurrest an den vorderen Copulationsfüßen, ein sehr
selten vorkommendes Merkmal in der Familie der Juliden.
Scheitelborsten vorhanden.
Streifung der Metazoniten seicht; Saftlöcher von der Quernaht
nach hinten entfernt.
Schwänzchen lang, spitz, gerade.
Backen des d' nicht vorstehend.
1. Beinpaar des J' mit kurzen, kräftigen Haken.
Vorderer Copulationsfuß mit einem zapfenförmigen Schenkelrest
lateral vom Innenlappen, nahe der Basis. Flagellum lang und dünn.
Hinterblatt mit kräftigem Hüftstück, aber ohne Schutzblatt und
Velum.
Hüften des 2. Beinpaares ohne Besonderheiten, Fortsatz, Drüsen
etc.; große Tarsalpolster vorhanden.
Heimat: Dalmatien.
13. Julus (Femoriferus n. subg.) fimbriatus n. sp.
Tafel X, fig. 43—46.
Farbe: Prozoniten auf dem Rücken bis unterhalb der Saft-
löcher schwarzbraun, Metazoniten dunkelbraun und rotbraun mar-
morirt und gefleckt, der Rücken daher quergebändert aussehend.
Die Seiten unterhalb der Saftlöcher heller rotbraun mit schwacher
dunkler Marmorirung, ebenso der Kopf und das Hinterende. Basal-
hälfte der Beine gelblich, Endhälfte rauchbraun.
Länge 35 mm, Breite 15 mm. Körper schlank, 2 nur wenig
größer als das J', 64 Rumpfsegmente.
Öcellen zahlreich einzeln deutlich unterscheidbar. Scheitelborsten
vorhanden.
Halsschild seitlich ungefurcht.
Furchung der Metazoniten ziemlich eng und sehr seicht; diese
Furchen setzen sich auch ein kleines Stück auf die Prozoniten fort, die
im übrigen glatt sind. Die kleinen Saftlöcher sind um das Doppelte
des eigenen Durchmessers von der Quernaht entfernt. Hinterrand
der Metazoniten fein geperlt und mit abstehenden feinen Cilien
dicht besetzt.
190 Dr. Carl Graf Attems: Neue palaearktische Myriopoden
Schwänzchen lang, ganz gerade und spitz; Schuppe mit kleiner,
vortretender Spitze; die ganzen Klappen reichlich mit langen, äußerst
feinen Haaren besetzt.
d. Backen unten nicht vortretend.
a m des 1. Beinpaares typisch, kurz, kräftig, wenig eckig
(fig. 43).
Hüften des 2. Beinpaares ganz ohne Fortsätze oder dgl. Vom
2. Beinpaar an große gestrichelte Tarsalpolster.
Ränder des Copulationsringes mit einem rechteckigen vor-
springenden Lappen in der hinteren Hälfte.
Copulationsfüße: Vorderes Paar (fig. 44) von mittlerer Länge
und Breite, bis kurz vor dem Ende nicht verschmälert, das Ende
schräg von außen nach innen abgestutzt und breit abgerundet, die
schuppige Struktur des Endes kaum merklich. Der Innenrand bildet
in der basalen Hälfte eine lateral gerichtete Duplicatur und läuft in
einen schlanken Innenlappen (J) aus. Lateral von diesem Innen-
lappen steht ein kurzer, schlanker Kegel (S) ein rudimentäres
Schenkelglied. Flagellum lang, dünn auslaufend.
Mittelblatt (Fig. 44) sichtlich kürzer als das Vorderblatt,
ziemlich breit, der Innenrand im Enddrittel treppenartig abgesetzt,
das Ende mit deutlich schuppiger Structur.
Von dem kräftig entwickelten, sehr einfach gestalteten Hüft-
stück (c) erhebt sich das eigentliche Hinterblatt. Ein Schutzblatt
nach Art von Leptoiulus ist hier nicht entwickelt, ein Ansatz dazu
liegt wohl in dem mit K bezeichneten Lappen; in der basalen
Hälfte oder etwas darüber, bis zu dem Lappen ist das Hinterblatt
ziemlich breit, dann verschmälert es sich zu einem Üylinder, der an
seiner oralen Seite einen lateral gewandten Lappen (L) und am
Ende einen großen hyalinen gefranzten auch lateral gerichteten
Lappen (0) trägt.
An der Basis befindet sich ein schlanker Stachel (St.) (fig. 45, 46).
Fundort: Ragusa, Dalmatien. (Holdhaus coll.).
14. Julus (Microiulus) Rebeli n. sp.
(Tafel X, fig. 36—40).
Farbe rotbraun mit feiner dunkelbrauner Marmorirung, die wenig
auffällt. Die Saftdrüsen als runde, schwarze Flecken durchscheinend,
Kopf, Antennen, Beine und Hinterende ebenso dunkelbraun.
Breite 0,8 mm. 50 Rumpfsegmente.
Ocellen deutlich convex; Scheitelborsten vorhanden.
Halsschild quer elliptisch, die Seiten symmetrisch abgerundet.
Die Ringe an der Quernaht nur ganz unmerklich eingeschnürt.
Prozoniten mit sehr feiner Struktur, nur unter dem Mikroskop
sichtbar, dichtgedrängte unregelmäßig feine Querstriche, welche eine
Art Felderung hervorbringen. Metazoniten mit weitschichtigen,
unregelmäßigen, sehr feinen Kritzeln aber ohne die Längsfurchen-
nebst Beiträgen zur Kenntnis einiger alten Arten. 191
Saftlöcher weit hinter der Naht, um das Doppelte ihres Durch-
messers entfernt. Hinterrand der Metazoniten mit großen, ab-
stehenden Borsten. Hinterende reichlich beborstet; Schwänzchen
lang, gerade, spitz, Analschuppe mit kleiner abstehender Spitze.
g: Backen unten mit einer nur ganz schwachen Vorwölbung.
Häkchen des 1. Beinpaares typisch mit etwas winkeligem Knie,
vom 2. Beinpaar an große Tarsalpolster.
Copulationsfüße (Vorderblatt (Fig. 36, 37) ziemlich kurz und
recht breit, gegen das Ende zu etwas verschmälert und abgerundet.
Sehr auffallend ist eine ovale Oeffnung mit unregelmäßig gezackten
Rändern beiläufig in der Mitte des Blattes. Auf der Aboralseite
springt lateral von diesem Fenster eine abgerundete Falte (F) vor
mit schwach schuppiger Struktur. Ein großes Nebenblatt fehlt auch
dieser Art; der Querwulst an der Basis auf der Aboralseite geht
lateral in einen kleinen Zacken (L) und medial in einen allmählich
verstreichenden Wulst (m) aus. Flagellum lang und dünn aus-
laufend.
Mittelblatt (fig. 38) sehr charakteristisch, schlank, basal etwas
gekrümmt und mit einem, mit zahlreichen basal gerichteten Zähnchen
besetzten Kolben endigend,
Hinteres Paar (fig. 39): ziemlich lang und schlank; die Basen
verschmelzen in der gewöhnlichen Weise zu der dünnhäutigen Mulde;
der aborale Rand ist verdickt (bei p.) und trägt 2 Borsten. Bei-
läufig in der Mitte teilt sich das Hinterblatt in 2 Aste; der eine
mehr oral gelegene (Hb) hat am Ende einen großen, auswärts ge-
wendeten Haken; der andere hinter dem ersten gelegene (Ha) endigt
in mehrere kleine Spitzen (fig. 40).
Fundort: Kusch bunar, Ostrumelien (Dr. Rebel coll.).
15. Cylindroiulus Brölemanni mihi.
(Tafel X, fig. 56-58).
Syn.: 1892 Julus luridus var. B. Brölemann, Contr. faune myr.
mediterr. U. — Ann. Soc. Linn. Lyon p. 39
Tsrl.no. 11,
1894 Julus italicus Verhoeff{. Beitr. Diplop. fauna Tirols.
— Verh. zool. bot. Ges. Wien. XLIV. p. 29
ENSEL Go; T,
1896 Julus (Oylindroiulus) italicus Verhoeff. -— Arch.
Nat. p. 231.
1901 Cylindroiulus tirolensis Verhoeff. — Beitr. z. K. pal.
Myr. XVII. Diplop. a. d. Mittelmeergebiet. —
Arch. Nat. p. 100.
Die Beschreibungen und Abbildungen dieser Art sind keine
ganz zureichenden, weswegen ich hier nach Exemplaren des Wiener
Hofmuseums die Diagnose vervollständige.
193 Dr. Carl Graf Attems: Neue palaearktische Myriopoden
Bezüglich der Nomenklatur ist folgendes zu bemerken: Die
Identität des mir vorliegenden Exemplares mit denen Brölemannns
und Verhoeffs geht wohl aus einem Vergleich der betreffenden
Abbildungen hervor. Verhoeff glaubte seine Tiere zuerst mit dem
italicus Latzel-Berlese identificieren zu müssen, erkannte dann aber
(1901) daß beide verschieden sind und gibt seinen Tieren daher
den Namen törolensis, ohne zu beachten, daß er selbst den Namen
tirolensis bereits an eine andere, allerdings recht mangelhaft be-
schriebene Art in der oben citirten Schrift (Dipl. Tirols 1894) ver-
geben hatte. Von der Brölemann’schen Beschreibung nimmt Verhoeff
nirgends Notiz. Die Neubenennung dieser Form ist unter diesen
Umständen notwendig.
Farbe: Auf dem Rücken sind die Prozoniten schwarzbraun, die
Metazoniten hell scherbengelb; in den Seiten sind die Prozoniten
auf schwarzbraunem Grunde scherbengelb marmorirt oder gefleckt,
der Farbenunterschied gegenüber den Metazoniten daher nicht mehr
so grob. Vorder- und Hinterende nicht heller als der übrige Körper.
Kopf gelbbraun und dunkelbraun marmorirt, zwischen den Augen
eine dunkle Querbinde; Halsschild an den Rändern dunkelbraun,
die übrige Fläche gelbbraun und dunkelbraun marmorirt.
Spitze des Schwänzchens gelb, Analklappen licht braun, Fübe
und Antennen gelbbraun.
Breite 2,3 mm. 46 Segmente.
Halsschild seitlich abgerundet.
Prozoniten mit dichtgedrängten kurzen, kräftigen Länssstrichen.
Metazoniten eng und seicht gefurcht. Die Saftlöcher liegen auf den
vorderen und mittleren Segmenten vor der Quernaht, rücken auf
den hinteren in dieselbe und liegen auf den letzten 4 beintragenden
Segmenten hinter ihr.
Schwänzchen kurz, gerade, Spitze abgestumpft; Schuppe spitz-
bogenförmig, Klappe mit einigen Borsten.
Backen des g' mit breiten runden Lappen. Große Tarsalpolster
vorhanden.
-Copulationsfüße: vordere (fig. 56) für einen Oylindroiulus ziemlich
schlank; an der Basis außen eine runde Einkerbung (bei m); medial
davon ein runder, kräftiger lateral gerichteter Zapfen, der eine feste
Verbindung mit dem Mittelblatt herstellt.
Am Ende ist das Vorderblatt ganz unmerklich verbreitert und
außen flacher abgerundet als innen. Der mediale Rand bildet in den
basalen 2 Dritteln eine vorspringende Leiste.
Mittelblatt (fig. 56) um ein gutes Stück kürzer als das Vorder-
blatt, schmal am Ende etwas kolbig verdickt und mit schuppiger
Struktur.
Hintere Copulationsfüße (p. 57) ganz vom Typus von fwlvsceps.
Von der kräftigen Hüftplatte (ce) erhebt sich das eigentliche Hinter-
blatt, an dem vor Allem der große Arm (a) auffällt; seine distale
Kante ist kräftig gezackt und das Ende mit kleinen, stumpfen
Kegelchen besetzt; die gezackte Kante geht in einen schlanken
nebst Beiträgen zur Kenntnis einiger alten Arten. 193
Zahn (b) über; außen befindet sich eine große abgerundete Platte (e);
die Samenrinne endet bei 1; unterhalb ihres Endes springt ein
schlanker Zapfen vor. (fie. 58).
Die von mir untersuchten Exemplare stammen von Trafoi.
Franzenshöhe.
Sonst bekannt von: Ponte Selva, Fopolo, Morbegno, Ambria,
Chiese in Valmalenco, Pizzo tre Signori, Passo San Marco, Val
Viola in der Lombardei. (Brölemann) Finstermünz, Sulden, Riva
(Verhoeff). Graubündten, Rhein, (Rothenbühler).
16. Cylindroiulus zinalensis Rothenb. nov. subsp. arulensis.
(Tafel X; fig. 50—52).
Farbe zwischen gelbweiß und dunkel erdbraun, je nach den
Individuen. Die dunkleren Exemplare sind hell und dunkel mar-
morirt. Auf der Stirn keine ausgesprochene dunkle Querbinde
zwischen den schwarzen Augen.
Körperdicke bei 9' 0,9 mm. 2 1,3 mm. g' mit 46—48 Rumpf-
segmenten, 3 Segmente vor dem Analsegment fußlos.
Ocellen in Querreihen von 3. 4. 4. 5. 5. von vorn nach hinten
gezählt. Scheitelfurche deutlich, Grübchen und Borsten fehlen.
Kopf glatt, unbehaart.
Prozoniten ganz glatt. Metazoniten ziemlich weitschichtig, regel-
mäßig und mäßig derb gefurcht. Saftlöcher knapp hinter der Naht.
Weder in der Quernaht noch zwischen den Doppelringen ist der
Körper eingeschnürt. Keine Behaarung sichtbar.
Schwänzchen ziemlich lang, ganz gerade, mäßig zugespitzt, am
Ende mit einigen zarten Härchen, ebenso sind die Ränder der Anal-
klappen behaart Schuppe ohne vorstehende Spitze.
d': Backenlappen ziemlich klein, breit abgerundet.
Häkchen des 1. Beinpaares etwas winkelig. 2. Beinpaar mit
sehr schwachen Tarsalpolstern, 3.—7. Paar mit deutlichen, die Beine
hinter dem Copulationsring wieder mit sehr schwachen Tarsalpolstern
auf den 2 vorletzten Gliedern.
Die Copulationsfüße (fig. 50, 51) unterscheiden sich von denen
der f. gen. in folgendem: 1. Die Ecke (a) des Hinterblattes ist hier
abgerundet, dort bildet sie ein spitzes Eck. 2. In der Bucht
zwischen diesem Eck und dem aufragenden Zacken (h) stehen hier
3 Borsten, dort nur einer. (fig. 52).
Flagellum typisch, lang, dünn, ohne Widerhäkchen. Mittelblatt
einfach, ohne Nebenlappen, am Ende schuppig. Sehr schön- ist die
Prostatadrüse zu sehen; sie bildet vor der Einmündung in die Samen-
blase eine kleine Anschwellung.
Fundort: Partenen und Weg nach Montikel bei Bludenz in
Vorarlberg.
Arch. f. Naturgesch. Jahrg. 19014. Bd. I. H.2. 13
194 Dr. Carl Graf Attems: Neue palaearktische Myriopoden.
17. Cylindroiulus pollicaris n. sp.
(Tafel X, fig. 53—55).
Farbe gelbbraun, die Metazoniten dorsal dunkelbraun marmorirt.
Körperdicke 9 1 mm. 2 1,2 mm. d' mit 45 Rumpfsegmenten.
Ocellen sehr fach, kaum unterscheidbar. Scheitelborsten fehlen.
Prozoniten glatt, unter dem Mikroskop sehr seicht längs ge-
strichelt. Furchung der Metazoniten seicht und ziemlich weit-
schichtig. Saftlöcher knapp hinter der Naht, letztere auch vor ihnen
ganz gerade.
Analsegment ohne Schwänzchen.
Alle Beine des 9’ ohne Tarsalpolster.
Copulationsfüßbe (fig. 53, 54): Vorder- und Mittelblatt ziemlich
kurz und breit, das Mittelblatt etwas kürzer als das Vorderblatt,
einfach, ohne Nebenlappen; beide übrigens ohne Besonderheiten.
Hinterblätter: Hüftstücke (c) breit, abgerundet; das eigentliche
Hinterblatt sehr einfach gestaltet, ohne seitlichen Haken; am Ende
in einen S-förmig gekrümmten Zipfel auslaufend, darunter fein
geriefelt und gestrichelt. (fig. 55).
Fundort: In einem Palmenhaus in Lübeck.
Fig.
Fig.
Fig.
nebst Beiträgen zur Kenntnis einiger alten Arten.
Tafelerklärung.
Tafel IX.
.1. Scolioplanes acuminatus micerodon n. subsp.
Ein Kieferfub.
3.2, 3. Schendyla mediterranea dalmatica n. subsp.
2. Hinterende, Ventralseite.
3. Kopf, Ventralseite.
», 4, 5. Polydesmus complanatus intermedius n. subsp.
Copulationsfuß.
.6—12. Heterolatzelia (Fagina) silvalica n. sp.
6. Vorderes Paar der Copulationsfüße, Aboralseite.
7. Dieselben von der Oralseite.
8. Basalteil eines vorderen Copulationsfußes, Oralseite.
9. Dasselbe von der Aboralseite.
10. 9. Segment.
11. Hinteres Paar des Copulationsfüße.
12. Ende eines hinteren Copulationsfußes, stärker vergrößert.
13—16. Brachyiulus lictor n. sp.
13. und 14. Hinterblatt von innen und außen.
15. Vorderblatt, Aboralseite.
16. Ende des Samenrinnenabschnittes (Hs) des Hinterblattes.
17, 18, 20. Julus (Leptoiulus) Deubeli korongisius n. subsp.
17. Copulationsfüße von innen.
18. Copulationsfüße von außen.
20. Vorderblätter.
19. Julus (Leptoiulus) Deubeli Verh.
Ende des Hinterblattes.
. 21, 22. Brachyiulus (Microbrach.) Varibolinus n. sp.
21. Hinterblatt,
22. Vorderblatt.
.23, 24. Pachyiulus (Hylopachyiulus) pygmaeus n. sp.
23. Hinterblatt.
24, Vorderblatt.
25. Hüfte des 2. Beinpaares des &.
26. Innenzahn des Vorderblattes. Profil.
27. Ende des Hinterblattes.
28. Ein ganzes Hinterblatt von vorn.
29. Mittel- und Vorderblätter.
Fig. 30. Julus vagabundus typicus Verh.
Fig
Hinterblatt.
.31—33. Julus montivagus Latzel (Baden).
31. Mit elblatt.
32. Vorderblatt.
33. Hinterblatt.
25- 29. Julus vagabundus croaticus n. subsp. (Pragser Wildsee).
13*
195
196 Dr. Carl Graf Attems: Neue palaearktische Myriopoden
Tafel X.
Fig. 34, 35. Julus montivagus var. elucens Latzel (Kloster Weißenstein, Südtirol)
34. Hinterblatt von der Medialseite.
35. Dasselbe von der Lateralseite.
Fig. 36—40. Jwus (Microiulus) Rebeli n. sp.
36. Vorderblatt von vorn.
37. Vorderblatt von hinten.
38. Mittelblatt und Vorderblatt.
39. Hinterblatt.
40. Ast Ha des Hinterblattes stärker vergrößert.
Fig. 41. Julus vagabundus croaticus (Sleme, Croatien).
Fig. 42. Julus vagabundus typicus (Graz).
Fig. 43—46. Julus (Femoriferus) fimbriatus n. sp.
43. 1. Beinpaar des &.
44. Die 2 Vorderblätter und ein Mittelblatt.
45 und 46. Hinterblatt von vorn und von hinten.
Fig. 47—49. Julus oribates Latzel (Latzels Original-Exemplar).
47. 2. Beinpaar des &.
48. Hinterblatt.
49. Die eine Hälfte der Copulationsfüße von innen.
Fig. 50—52. COylindroiulus zinalensis arulensis nov. subsp.
50. Copulationsfüße von auben.
51. Copulationsfüße von innen.
52. Ende des Hinterblattes von außen.
Fig. 53—55. Cylindroiulus pollicaris n. sp.
53. Copulationsfüße von außen.
54. Dieselben von innen (beide nach Maceration in Kalilauge).
55. Ende des Hinterblattes, stärker vergrößert.
Fig. 56-58. Cylindroiulus Brölemanni mihi.
56. Vorder- und Mittelblatt.
57. Hinterblatt von außen.
58. Ende des Hinterblattes, von innen, stärker vergrößert.
Übersicht der Unterordnungen
und Familien der Teleosteer (Teleostean Fishes).
Von
G. A. Boulenger, F.R. S.!)
Übersetzt von Dr. F. Hilgendorf.
Mehrere Jahre lang habe ich versucht, die Klassifikation der
Teleosteer zu verbessern, hauptsächlich durch das Studium ihrer
Skelette, von welchen eine große Reihe im Britischen Museum
präpariert worden ist, und Dr. A. Smith Woodward hat vor
kurzem seine Ansichten über das Arrangement der fossilen Typen
dieser Ordnung veröffentlicht. Die Zeit ist gekommen, die so er-
langten Wissensfortschritte zu sammeln. Die hier gebotene Über-
sicht war zwei Jahre vorher für den Fisch-Band der „Cambridge-
Naturgeschichte“ vorbereitet, aber zufolge von Umständen, auf die
ich keinen Einfluß habe, hat sich die Veröffentlichung in jenem
Werk weiter hinausgeschoben. Mehrere wichtige Veränderungen
meines ursprünglichen Schemas sind während des Verlaufes dieser
Zeit gemacht worden, zufolge des Studiums, das in Amerika durch
die Doktoren Gill, Jordan und Starks, und bei uns durch meinen
jungen Kollegen Mr. C. Tate Regan fortgeführt wurde, dessen
Verbesserungen für viele Punkte ich dankbar anerkenne.
Ich habe es kaum nötig zu sagen, daß ich dieses neue Arrangement
von einer sehr ausgedehnten und äußerst schwierigen Gruppe als
ein nur vorläufiges betrachte; sie schließt fast 12 000 Arten ein und
ich bin mir dessen ganz bewußt, daß nicht wenige Gruppen weiter
nichts als Kartenhäuser sind, welche durch zukünftige Forschungen
wahrscheinlich werden umgeworfen werden. Aber es war mein
Ziel, in phylogenetischer Anordnung aufzubauen, und so glaube ich
in der Tat, daß mein Versuch als eine beträchtliche Verbesserung
der früheren Systeme befunden werden, und als Grundlage für die
Kritik dienen wird. Das hier vorgeschlagene Arrangement wurde
in dem Zoologischen Record für 1902, welcher soeben erschienen
ist, benutzt.
!) Übers. aus: Annals and Magazine of Natural History (7. Ser.) XII],
No.75, Seite 161—190,
198 G. A. Boulenger: Übersicht der Unterordnungen
Die genaue Abgrenzung der Ordnung der Teleostei, gegenüber
den Ganoidei Holostei ist eine Aufgabe von einiger Schwierigkeit.
Der wichtigste Charakter scheint das Vorhandensein eines ver-
knöcherten Supraoceipitale zu sein.
Überreste von ursprünglichen Charakteren, wie die Ganoid-
Schuppen, Fulkren, Rudimente eines Sphenialknochens, eine Spiral-
klappe der Eingeweide, ein multivalvularer Bulbus arteriosus, werden
noch bei einigen niederen Teleosteern gefunden, aber nicht mehr in
jener Combination, welche die vorhergehende Ordnung charaktersiert.
Allerdings bildet Albula unter allen Teleosteern eine Ausnahme,
da hier zwei Querreihen Ventile an dem Bulbus arteriosus sich
finden, statt einer; kein Ganoide hat indeß weniger als drei.
Die Ordnung der Teleosteer, so definiert, wird in 13 Unterordnungen
eingetheilt; deren wahrscheinliche Beziehungen sind in dem folgenden
Diagramm ausgedrückt.
XI. Opistomi. XIII. Plectognathi. XII. Pedieulati.
| | |
|
IX. Anacanthini. X. Acanthopterygii. VIII. Percesoces.
| | |
|
VII. Catosteomi. V. Haplomi, VI. Heteromi.
N N | me Apodes.
| — III. Symbranchii.
I. Malacopterygii. II. Ostariophysi.
| |
Teleostei.
Ganoidei Holostei,
In der Klassifikation von Günther, welche bei uns seit den
letzten fünfunddreißig Jahren allgemein angewandt wird, wurden
die Teleosteer in sechs Hauptgruppen eingeteilt, welchen man den
Rang einer Ordnung gab: 1. Acanthopterygi; 2. Acanthopterygii
Pharyngognathi; 3. Anacanthini; 4. Physostomi; 5. Lophobranchii;
6. Plectognathi. Gruppe 1 entspricht den Unterordnungen VI
(partim), VII (part.), VIII (part.), X, XI und XII der vorliegenden
Klassifikation; Gruppe 2 der Unterordnung X (part.); Gruppe 3 den
Unterordnungen IX und X (part.); Gruppe 4 den Unterordnungen I,
II, III, IV, V, VI (part) und VIII (part.); Gruppe 5 der Unter-
ordnung VII (part.), und Gruppe 6 der Unterordnung XII.
Vollständigere Definitionen der Familien, nebst einer Angabe
der in jeder von ihnen enthaltenen Hauptgenera, werden in dem
nächstens erscheinenden siebenten Band der „Cambridge Natural
History“ gegeben werden.
Unterordnung I. MALACOPTERYGII.
Schwimmblase, wenn vorhanden, steht mit dem Verdauungs-
tractus durch einen Gang in Zusammenhang. Operkel gut ent-
wickelt. Der Schultergürtel am Schädel suspendiert; Mesocoracoid-
und Familien der Teleosteer (Teeleostean Fishes). 199
bogen vorhanden. Flossen ohne Stacheln, Bauchflossen bauchständig,
wenn vorhanden. Die vorderen Wirbel deutlich gesondert ohne
Weber’sche Knöchelchen.
Diese Unterordnung, welche den Isospondyli und Scyphophori
von Cope und teilweise den Isospondyli von A. S. Woodward
entspricht, umfaßt die generalisiertesten der Teleosteer, und ist eng
verbunden mit den Ganoidei holostei durch die fossilen Formen,
welche die Grundlage bilden für die Familien-Serien. Die physo-
stome Beschaffenheit der Schwimmblase, die Verbindung des Schulter-
gürtels mit dem Schädel, die Gegenwart eines Mesocoracoidbogens,
die nach hinten gerückte Einlenkung der vielstrahligen Bauchflossen,
die normale Beschaffenheit der Vorderwirbel, das Fehlen wahrer
Stacheln an den Flossen, und die Trennung des Supraoceipital-
knochens von den Frontalknochen durch die Scheitelbeine sind
primitive Charactere, welche in einigen Familien nur dieser Unter-
ordnung combiniert vorkommen. Der Mesocoracoidbogen wird bei-
behalten von den Östariophysi, welche durch die bemerkenswert
modificierte Beschaffenheit der Vorderwirbel verschieden sind, aber
er verschwindet bei allen anderen Teleosteern, welche nach und
nach eine vorgerückte Lage der Bauchflossen und eine Verminderung
in der Zahl von deren Strahlen erhalten, Stacheln entwickeln an
den vertikalen Flossen, und die Verbindung der Schwimmblase nach
aussen verlieren.
Die Malacopterygiü können in einundzwanzig Familien eingetheilt
werden:
I. Flossen mit Fulkren eingefaßt, oder Schuppen mit Ganoin überzogen;
Notochord gewöhnlich durch die Wirbel ununterbrochen sich fortsetzend
(Ubergangs-Formen zwischen Ganoiden und Teleosteern).
Wirbelcentra nur als ringförmige Teile entwickelt; Flossen
mit Fulkren; Schuppen rhombisch, verbunden durch
Zapfen und Ausschnitt NEL te
Wirbelcentra nur ringförmige Teile; Flossen mit Fulkren;
Schupppen cycloid us Net he ee
Wirbelcentra vollständig oder -mit kleiner Perforation;
1. Pholidophoridae.
2. Archaeomaenidae}.
Flossen mit Fulkren; Schuppen eycloid . . . . 3. Oligopleuridae 7.
Wirbelcentra beinahe vollständig, aber mit Perforation;
keine Fulkren; Schuppen cycoid . . . . ... 4. Leptolepididae Y.
II. Flossen ohne Fulkren; Schuppen ohne Ganoin; Wirbeleentra gewöhnlich
vollständig.
A. Das Supra oceipitale von den Frontalia durch die Parietalia getrennt.
1. Bauchflossen mit 10 bis 16 Strahlen.
Ein Intergularknochen; Parasphenoid schmal . . . . . 5. Elopidae.
rt Dieses Zeichen bedeutet, dass die Familie nur durch fossile Formen
vertreten wird,
200 G. A. Boulenger: Übersicht der Unterordnungen
Kein Intergularknochen; Parasphenoid sehr breit . . . 6. Albulidae.
2. Bauchflossen mit nicht mehr als 7 Strahlen.
a) Supratemporale sehr groß, „plate-like“, be-
deckt den größeren Teil des Parietale.
Praemaxillare einzeln, sein Hinterrand frei vom Maxillare;
Symplecticum tehlt; Schädelbasis einfach . . . . 7. Mormyridae
Praemaxillare paarig, sein Hinterrand fest an das Maxillare
angefügt; Symplecticum vorhanden; Schädelbasis
Uappelt’’ .ARuly a nl EN
b) Sreteinnoreik klein; Maxillare fest ver-
bunden mit dem Hinterende des Praemaxillare.
Praemaxillare paarig; eine grosse Höhlung auf jeder Seite
des Schädels, zwischen dem Postfrontale und dem
Squamosum; Basis eranii doppelt; Subopereulum
fehlt; Rippen festsitzend . . . . . . 9. Notopteridae.
Praemaxillare paarig; Basis eranii einfach; Be
reduziert; en an Parapophysen eingelenkt . . 10. Osteoglossidae.
Praemaxillare einfach; Basis eranii einfach; Suboperculum
und Interoperceulum fehlen; Rippen an Parapophysen
eingelenkt . . .. . En pen e pen oe 2 JH, FR
c) Supratemporale klein: Maxillare beweglich;
Rippen festsitzend; Bauchflossen unter den
Brustflossen u 0.00 un u a TIGEN DOREEN SIEHE
B. Supraoceipitale in Contakt mit den Frontalien.
1. Interopereulum riesig; Symplecticum fehlt; Basis
eranii einfach... Js dis un... Pracikolzere
2. Interopereulum normal; Symplectieum vorhanden;
Basis cranii doppelt.
a) Zähne in Vertiefungen; Maxillare dem Prae-
maxillare fest verbunden.
Sympleeticum freiliegend, eingefügt in einen Einschnitt
des Quadratums . . . 14. Saurodontidae Y.
Sympleeticum zwischen dem Quadrat ec Sen
bulare verborgen. . . ren ie =, 18... Chiroceniikae
b) Zähne nicht in Höhlungen,
Postelavieula auf der Aussenseite der Clavicula; keine
Fettflosse auf dem Rücken . . . . 16. Olupeidae.
Postclavieula auf der Innenseite der net eine , Fett-
flosse auf dem Rücken . . . . 17. Salmonidae.
Postelavieula fehlt; keine Fettflosse auf De Rücken . . 18. Alepocephalidae.
3. Interopereulum normal; die Basis cranii einfach.
Maxillare gross, gezähnt; die praecaudalen Wirbel ohne
wohl ausgeprägte Parapophysen, Schuppen cycloid
+ Dieses Zeichen bedeutet, daß die Familie nur durch fossile Formen
vertreten wird.
und Familien der Teleosteer (Teleostean Fishes). 201
oder fehlend; Fettflosse des Rückens fehlend oder
gorlianden Hvar ale
Maul klein, zahnlos; Wirbel mit kräftigen Parapophysen;
Kopt und Körper mit dornigen Schuppen bedeckt 20. Gonorhynchidae.
Maul klein, zahnlos; kein Sympleeticum; Kopf und Körper
nackt...) len TOR ls TER AO NS Oromeritdae.
19. Stomiatidae.
Unterordnung Il. OSTARIOPHYSI.
Schwimmblase, wenn gut entwickelt, steht mit dem Verdauungs-
traktus durch einen Gang in Zusammenhang. Der Schultergürtel
am Schädel suspendiert; Mesokorakoidbogen vorhanden. Flossen
ohne Stacheln, oder Rücken- und Brustflosse mit nur einem
Stachel, der sich bildet durch Verschmelzung der Segmente eines
Glied-Strahles.. Die vier vorderen Wirbel stark modifiziert, oft
durch Verknöcherung vereinigt und eine Reihe kleiner Knochen
aufweisend (Webersche Knöchelchen), welche die Schwimmblase
mit dem Ohr verbinden.
Dies ist eine der natürlichsten Gruppen der Klasse Pisces, ob-
gleich ihre Glieder in ihrer äußeren Erscheinung so verschieden-
artig sind, daß sie in den Systemen der älteren Autoren sehr weit
von einander getrennt wurden. Sagemehl!) verdankt man die
erste Zusammenfassung der Characinen, der Karpfen, der Welse,
und der Gymnotiden, unter dem obigen Namen, deren Beziehungen
zu einander bis zu einem gewissen Grade von Cope geklärt wurden.
Aber erst als die Homologie der Ossicula auditus (zuerst von
E.H. Weber im Jahre 1820 beschrieben) durch die ganze Gruppe
hindurch von Sagemehl. bewiesen worden war, erschien die, hier
eingeschlagene Anordnung streng gerechtfertigt, da eine solche Über-
einstimmung der Struktur eines so complizierten und spezialisierten
Apparats nur das Resultat einer gemeinsamen Abstammung der
Familien, welche im Besitz desselben sind, sein kann. Es sind un-
abänderlich die vier Vorderwirbel welche an dem Gerüst des
Weberschen Apparates teilhaben. Der erste Wirbel ist sehr
reduziert; sein oberer Bogen fehlt und wird ersetzt durch die
Knöchelchen, welche als Olaustrum und Scaphium?) bezeichnet werden.
Das erstere ist vielleicht nichts weiter als der modifizierte obere
Wirbelbogen, welcher den Raum zwischen dem Exoceipitale und
dem Neuralbogen des zweiten Wirbels ausfüllt; der Hauptteil des
Apparates der T’ripus, veränderlich in seiner Form, gehört zu dem
dritten Wirbel, als dessen modifizierte Rippe er betrachtet wird;
ein fasriges Ligament reicht von dem Vorderrand oder dem Tripus
bis zum Scaphium, und in dieses Ligament ist das vierte Stück
») Morphol. Jahrb. X. 1885, p. 22.
2) Ueber die Nomenklatur dieser Knöchelchen cf. Bridge and Haddon,
Proe. Roy. Soc., XLVI 1889, p. 310.
202 G. A. Boulenger: Übersicht der Unterordnungen
hineingefügt, das /ntercalarium. Die verschiedenen Formen dieser
Unterordnung zeigen auch eine vollständige Übereinstimmung bei
den Rückennerven, welche durch diese Knöchelchen hindurchgehen,
Die Parietalknochen trennen entweder die Frontalia von dem Supra-
occipitale oder sind mit dem letzteren verschmolzen.
Diese Unterordnung wird in sechs Familien geteilt. Die Cha-
raciniden sind am generalisiertesten, und die anderen werden wahr-
scheinlich von ihnen hergeleitet in der durch das folgende Diagram
ausgedrückten Weise:
Loricariidae. Aspredinidae.
| |
a
Oyprinidae. Stluridae. Gymnotidae.
| |
|
Characinidae.
I. Das Parietale getrennt von dem Supraoceipitale; Symplecticum vorhanden;
Rippen meist sitzend, alle oder die grössere Zahl der Praecaudalwirbel
ohne Parapophysen.
Mund nicht vorstreckbar, gewöhnlich bezahnt; Schlund-
knochen normal; Leib beschuppt; die Fettflosse des
Rückens oft vorhanden . . . 2. 2.2.2.2..2...1. Oharacinidae.
Mund nicht vorstreckbar, gewöhnlich bezahnt; Schlund-
knochen normal; Leib aalförmig, nackt oder be-
schuppt; After unter dem Kopf oder an der Kehle 2. Gymnotidae.
Mund gewöhnlich mehr oder weniger vorstreckbar, zahnlos;
untere Schlundknochen gross, sichelförmig; Leib
nackt oder schuppig; keine Fettflosse am Rücken 3. Cyprinidae.
II. Parietalia gewöhnlich mit dem Supraoceipitale verschmolzen; Symplectieum
fehlt; Leib nackend oder mit knöchernen Schildern; Mund gewöhnlich
bezabnt, mit Barteln; Fettflosse des Rückens oft vorhanden.
Rippen befestigt an starken Parapophysen; Operculum
gutsentwickelt u... sl. ann aan. 2% 74, »Bilurddae.
Rippen festsitzend ; Parapophysen fehlen; Opereulum mehr
oder weniger entwickelt; Mund unterständig . . 5. Loricarüidae.
Rippen sitzend; starke Parapophysen an den Wirbeln;
Opereulum fehlt... 0.1.0. „00. wwnunid. Aspredinidae:
Unterordnung II. SYMBRANCHII.
Aalförmige Fische ohne paarige Flossen, mit freiem, oder vom
Schädel suspendiertem Schultergürtel und getrennten Vorderwirbeln
ohne Webersche Knöchelchen. Kiemenöffnungen in eine einzige,
ventrale Öffnung zusammenfliessend. Die Schwimmblase fehlt. Der
Bau des Schädels conform dem der typischen Malakopterygier.
Das Praemaxillare und Maxillare sind beide gut entwickelt, das
und Familien der Teleosteer (Teeleostean Fishes). 203
letztere liegt hinter dem ersteren, und bildet nur einen kleinen Teil
des Mundrandes; das Symplecticum ist vorhanden; die Parietal-
knochen bilden eine lange sagittale Naht und trennen die Frontalia
von dem Supraoceipitale. Die Wirbel sind sehr zahlreich, die Prae-
caudalia tragen sehr starke Parapophysen, an denen kurze schlanke
Rippen befestigt sind. Die Haut ist nackt (Symbranchidae) oder
mit kleinen Schuppen (Amphipnoidae) bedeckt, und die vertikalen
Flossen sind rudimentär, zu bloßen Hautfalten zurückgebildet.
Wie die Apoden, stammen diese Fische zweifellos von einem
niedrigen Typus mit abdominalen Bauchflossen ab, aber weder von
den Malacopterygii noch von den Haplomi haben wir bis heute
Daten, aus denen wir Schlüsse ziehen könnten.
Nur zwei Familien:
Das Posttemporale gut entwickelt, gabelförmig, am Schädel
befestipb ae a ee ie 1. Symbranchidae.
Das Posttemporale fehlt, der Schultergürtel frei vom
Schädel re a ern neigt a AMMREHNOLARE.
Unterordnung IV. APODES.
Schwimmblase, wenn vorhanden, steht mit dem Verdauungs-
tractus durch einen Gang im Zusammenhang. Praemaxillaria fehlen;
die Maxillaria, wenn vorhanden, werden in der Mittellinie durch
die zusammengewachsenen Ethmoid- und Vomerknochen getrennt.
Der Schultergürtel, wenn vorhanden, nicht mit dem Schädel ver-
bunden und von ihm entfernt; Mesocoracoidbogen fehlt. Flossen
ohne Stacheln, die Bauchflossen fehlen. Die Vorderwirbel deutlich _
getrennt, ohne Webersche Knöchelchen.
Die Apodes, oder Aale sind verlängerte, schlangenförmige
Fische mit nackter Haut oder mit winzigen in die Haut versenkten
Schuppen; die Operkularknochen klein und vollständig unter der
Haut verborgen, enge, schmale oder winzige Kiemenöffnungen; die
vertikalen Flossen, wenn vorhanden, fließen hinten zusammen oder
sind durch die vorstehende Spitze des Schwanzes getrennt. Der
Pterygo-Palatine-Bogen ist oft reduziert oder fehlt, und es ist kein
deutliches Symplecticum da. Das Supraoceipitale ist klein, von den
Frontalien durch die Parietalien getrennt, welche in der Mittellinie
zusammentreffen. Die Wirbel sind sehr zahlreich (bis zu 225) und
die Praecaudalia tragen starke Parapophysen, an die kurze, schlanke
Rippen befestigt sein können; Epineuralia sind zuweilen vorhanden.
Die fünf Familien in welche diese Unterordnung eingeteilt wird,
zeigt bemerkenswerte Grade der Vereinfachung in der Form des
Schädels, durch Reduktion oder Verlust entweder der Maxillar-
oder der Pterygopalatinbögen.
204 G. A. Boulenger: Übersicht der Unterordnungen
Fünf Familien:
Maxillaria vorhanden, in der Mittellinie durch den Ethmo-
Vomer getrennt; Palato-Pterygoid vorhanden, ver-
bunden mit dem Hyomandibulare und Quadratum;
Kiemenspalten getrennt, geöffnet gegen den Schlund
durch weite Schlitze; Zunge vorhanden; After weit
vom Kopf entfernt . . . . 1. Anguillidae.
Verschieden von der vorhergehenden Fon as ie 1
des Afters, welcher dicht, an oder nicht weit ent-
fernt von den Kiemenöffnungen, stars. . 2. Nemichthyidae.
Maxillaria in der Mittellinie wenig getrennt, ihr Ende
durch Ligamentsehne an den Kiefer stark befestigt;
Pterygo - Palatine- Bogen fehlt, Kiemenöffnungen
äußerlich in nur einen Bauchschlitz zusammen-
lahfend’ 22.0 = . 3. Synaphobranchidae.
Maxillaria in der Mittellinie” Hear ee a ver-
längert; Mund sehr groß; Pterygo- Palatinbogen
fehlt; Hyowandibularbogen schlank, und beweglich
an den Schädel gegliedert; Kiemenbögen weit hinter
dem Schädel . . . . . 4. Saccopharyngidae.
Maxillaria fehlen, ersetzt durch de Palspiieryonie ar
Mund durch das letztere und den Ethmo-Vomer
umrandet; das Palato-Pterygoid getrennt vom
Hyomandibularbogen; Kiemenöffuungen zum Pha-
rynx kleine Schlitze; keine Zunge . . . . . .. 5. Muraenidae.
Unterordnung V. HAPLOMI.
Schwimmblase, wenn vorhanden, steht mit dem Verdauungs-
traktus durch einen Gang in Zusammenhang. Operkeln gut ent-
wickelt. Schultergürtel vom Schädel suspendiert; kein Mesocoracoid-
bogen. Flossen gewöhnlich ohne, selten mit einigen Stacheln;
Bauchflossen bauchständig, wenn vorhanden. Vorderwirbel gesondert,
ohne Webersche Knöchelchen.
Das Fehlen des Mesocoracoidbogen unterscheidet die Haplomi
von den Malacopterygii, mit denen sie von verschiedenen Autoren
vereinigt wurden. Sie führen hinüber zu den Percesoces durch die
Cyprinodonten, und zu den niedern Acanthopterygiern (wie durch die
Beryciden) durch die Scopeliden, Stephanoberyciden und Percopsiden,
wie es augenscheinlich gemacht wird durch den Bau des Mundes
und die nach vorn gerichtete Stellung der Bauchflossen, welche,
indessen niemals am Brustgürtel befestigt sind (die vorgerückte
Stelle der Bauchfl. kommt nur bei einigen der Genera vor). Die
meisten Formen, die hier eingeschlossen sind, leben entweder im
Süßwasser oder in der Tiefsee.
und Familien der Teleosteer (Teleostean Fishes). 205
Vierzehn Familien:
I. Parietalia trennen die Frontalia von dem Supraoceipitale, das Posttemporale
einfach; Praecaudalwirbel mit autogenen Parapophysen.
Rand des Oberkiefers durch Praemaxillare u. Maxillaria
gebildet; Schädelbasis einfach; keine Fettflosse . 1. Galawüidae.
Rand des Oberkiefers nur durch die Praemaxillaria gebildet;
Schädelbasis doppelt; Fettflosse vorhanden . . . 2. Haplochitonidae,
II. Frontalia in Berührung mit dem Supraoceipitale.
A. Praecaudalwirbel obne Parapophysen.
1. Rand des Oberkiefers gebildet durch die Praemaxillaria und Maxillaria.
Leib ohne oder mit winzigen Schuppen; gewöhnlich wit
Schilderreihen. Fettflosse des Rückens gewöhnlich
vorhanden . . . . 3. Enchodontidae }.
Leib beschuppt: das Eemperale. a Be Fett-
flosse; Bauchflossen mit 6 bis 11 Strahlen . . . . 4. Esocidae.
Leib beschuppt ; das Posttemporale unvollständig ossifiziert;
Brustflosse ohne Pterygialia (Handwurzelknochen);
keine Fettflosse des Rückens; Bauchflossen mit nur
3Strahlens20; .;. .. .. 5. Dallidae.
2. Maxillaria ren vom a
a) Fettflosse gewöhnlich vorhanden; Bauchflosse
mit 7 bis 10 Strahlen,
Das Posttemporale gabelförmig; Rückenflosse aus Glieder-
Strahlen gebildet . . . 6. Scopelidae.
Das Posttemporale einfach ; en ar ne aus
schlanken, nicht gegliederten, einfachen oder bifiden
Strahlen gebildet. . . . 7. Alepidosauridae.
b) Keine Fettflosse; Kopf “E Maul nn groß,
Bezahnung schwach; Leib nackt; Bauch-
flossen, wenn vorhanden, mit 5 Strahlen. . 8. Cetomimidae.
B. Die Praecaudalwirbel mit gut entwickelten Parapophysen; Maxillaria vom
Mundrand ausgeschlossen.
1. Rücken und Afterflossen ohne Stacheln; Schuppen
eycloid, oder mit aufrechten Stacheln; keine
Fettflosse.
Maul nicht vorstreckbar; Bauchflossen weit vorn, mit 7
ba 1, Stablenig u ana re in Ohirobhrieidaer.
Maul nicht vorstreckbar; Bauchflossen entfernt von den
Brustflossen; mit 9Strablen. . . . . 10. Kneriidae.
Maul vorstreckbar; Bauchflossen, wenn a: 5
bis 7 Stacheln EEE Te . . 11. Cyprinodontidae.
Maul kaum vorstreckbar; Ben rer Er
fehlerd; After dicht bei den Kiemen . . . . 12. Amblyopsidae.
Maul aan vorstreckbar; Bauchflossen mit 5 oder
6Strablen . . . . . 13. Stephanoberycidae.
2. Rücken und Afterflossen. mit Aasan Stacheln;
Schuppen etenoid; eine Fettflosse; Bauchflossen
mit SStrahlenie gun en ce 2. 14. Percopsidae.
206 G. A. Boulenger: Übersicht der Unterordnungen
Unterordnung VI. HETEROMI.
Schwimmblase ohne offenen Gang. Operkel gut entwickelt;
Parietalknochen trennen die Frontalia von dem Supraoceipitale.
Schultergürtel suspendiert von dem Supraocecipitale oder dem Epio-
ticum, das Posttemporale klein und einfach, oder durch Ligament
ersetzt; kein Mesocoracoid. Bauchflossen bauchständig, wenn vor-
handen.
Die Halosauridae und Notacanthidae sind Tiefseefische von un-
klarer Verwandtschaft. In der bauchständigen Stellung der viel-
strahligen Bauchflossen und im Fehlen des Mesocoracoidbogens
stimmen sie mit dem Haplomi überein; aber wenn, wie die Unter-
suchungen Günthers') uns annehmen lassen, wirklich kein offener
Zusammenhang zwischen der Schwimmblase und dem Verdauungs-
traktus besteht, würden sie von dieser physostomen Unterordnung
entfernt werden müssen. Die beiden Familien haben viele Charaktere
gemeinsam, so die Befestigung und den Bau des Schultergürtels,
welcher keine Postelavicula hat, die Lage der Brustflossen hoch
oben an den Seiten, die starke Parapophysis angesetzt sehr tief
abwärts auf der Mitte der Wirbel, die Größe der Parietalia, welche
in einer sagittalen Naht zusammentreffen und die Frontalia von dem
Supraoccipitale trennen. Die kürzliche Entdeckung einer dritten
Familie, der Lipogenyidae, welche so im Bau der Rückenflosse
genau zwischen den beiden andern liegt, hat die Entfernung ver-
kleinert zwischen den Lyomeri (Halosauridae) und Heteromi (Nota-
canthidae) von Gill, für welche beide ich die Vereinigung in eine
Unterordnung unter dem letzteren Namen vorschlage. Diese Fische
stammen zweifellos von Formen her, bei welchen eine getrennte
Caudalflosse existierte; einen derartigen Typus muß es bei den
Dercetidae gegeben haben, von A. S.Woodward beschrieben, welcher
vorläufig hierher gestellt werden kann.
Es gibt eine fünfte Familie, welche in diese Unterordnung ge-
stellt werden kann, die Fierasferidae, deren Bau von Emery aus-
zeichnet beschrieben und dargestellt worden ist. Bis jetzt gruppiert
1) Vaillant war zu einer abweichenden Anschauung geneigt, aber mit
ziemlichem Mißtrauen, weil er nicht im Stande war, wirklich einen offnen Gang
nachzuweisen. Ich glaube, daß Günther in diesem Punkt das Richtige traf,
ebenso wie in seiner Schilderung der Suspension des Schultergürtels bei Nota-
canthus, was ich habe bestätigen können. Außerdem hat Mr. W.S. Rowntree,
der viel Erfahrung in diesen Sachen besitzt, auf meinen Wunsch in freundlicher
Weise ein wohl erhaltenes Exemplar der Halosauropsis machrochir geprüft und
mich belehrt, daß „die Schwimmblase geht vorn in ein spitz zulaufendes Band aus,
welches in ein fadenförmiges Ligament endet, das am Magen u. an seinem
hinteren Ende am Magen und dann an der Mittel-Rückenlinie befestigt ist, nicht
aber am Oesophagus; keine Spur eines offnen Zusammenhanges konnte gefunden
werden.“
und Familien der Teleosteer (Teleostean Fishes). 207
zu den oder in die Nähe der Ophidiidae unterscheiden sie sich weit
von ihnen, ebenso wie von allen andern Acanthopterygiern, im Bau
des Schädels, in der Trennung des Supraoccipitale von den Frontalien
durch die Parietalia, welche eine lange Mittelnaht bilden. Das ist eine
Anordnung, welche nur bei Fischen mit bauchständigen Ventralflossen
bemerkt worden ist; und obgleich das totale Fehlen dieser Flossen
bei dem Ferasfer uns ein wichtiges Unterscheidungszeichen entzieht,
beim Abwägen seiner Verwandtschaften, bin ich geneigt, diese
Familie als Sproß eines bauchständigen Typus zu betrachten. Der
Bau des Schultergürtels hat viel gemeinsam mit dem der Halo-
sauren, und ungeachtet der Deutung, welche den Knochen an der
Oberseite des Schädels in dem letztgenannten Typus gegeben wurde,
kann dasselbe im Allgemeinen vom Schädel gesagt werden.
Wie von Emery nachgewiesen, ist die ganz vorgerückte Lage
des Afters bei den Fierasferidae geradezu auf die merkwürdige
Lebensweise dieser Fische zu beziehen, und die analoge Beschaffenheit,
die in verschiedenen Familien erworben wurde, so bei den Gym-
narchiden, Nemichthyiden, Amblyopsiden und Aphredoderiden, zeigt,
dab dies von verhältnismäßig wenig Wichtigkeit ist.
Fünf Familien:
Die gewöhnlichen Schuppen klein oder fehlend, aber zwei
oder mehrere fortlaufende Reihen von vergrößerten
Schildern auf jeder Seite; Maul groß, Praemaxillaria
anscheinend den größeren Teil des oberen Mund-
randes, der bezahnt ist, bildend; Opercularapparat
vollständig; Rückenflosse mehr oder weniger aus-
gedehnt, ohne Stacheln; Afterflosse kurz; die Cau-
dalis getrennt; Bauchflossen mit nicht weniger als
TioderSnnmanenz zer 0, FETT AUFL Doreetidae }.
Leib bedeckt mit cycloid Schuppen, der Schwanz in eine
Spitze auslaufend, ohne Caudalflosse; Kopf mit
Schuppen; Mund mäßig, umrandet von den Prae-
maxillaria und den Maxillaria, beide bezahnt; Sub-
orbitalia groß; Praeoperculum rudimentär,; Rücken-
flosse kurz, ohne Stacheln; Bauchflossen von 9 oder
10 weichen Strahlen gebildet; Afterflosse sehr lang,
ohne Stacheln, sich bis zum Ende des Schwanzes
erstrecken Mae u EDEL TTNIN Halösauridae.
Ähnlich den Vorhergehenden, aber mit einem zahnlosen,
rundlichen, unterständigen Mund, und die kurze
Rücken- und die lange Afterflosse gebildet teils
aus Stacheln und teils aus weichen Strahlen ; Bauch-
flossen mit 3 Stacheln und 7 weichen Strahlen . . 3. Lipogenyidae.
Leib mit cycloiden Schuppen bedeckt, der Schwanz in
eine Spitze auslaufend, ohne Caudalflosse; Kopf mit
Schuppen; Mund klein, unterständig, nur von den
Praemaxillaria umrandet; Kiefer bezahnt; keine
208 G. A. Boulenger: Übersicht der Unterordnungen
Suborbitalia; Praeoperculum klein; das Posttempo-
rale durch Ligament ersetzt; Rückenflosse von einer
Reihe kurzer, nicht verbundener Stacheln gebildet;
Afterflosse sehr lang; teils von Stacheln und teils von
weichen Strahlen gebildet; Bauchflossen mit 1 bis
5 Stacheln und 7 bis 10 weichen Strahlen. . . . 4. Notacanthidae.
Leib äußerst dünn, nackt; keine Caudalflosse; Mund klein,
unterständig, umrandet durch die Praemaxillaria;
Kiefer bezahnt; keine Suborbitalia; Praeoperculum
gut entwickelt, Rücken- und Afterflosse sehr lang,
von weichen Strahlen gebildet; Bauchflossen fehlen;
After unmittelbar hinter der Kiemenöffnung . . 5. Fierasferidae.
Unterordnung VI. CATOSTEOMI.
Schwimmblase, wenn vorhanden, ohne offenen Gang. Parietalia,
wenn vorhanden, durch das Supraoccipitale getrennt. Schulter-
gürtel am Schädel suspendiert; kein Mesocoracoidbogen; Coracoid
gewöhnlich sehr gros, oder nach hinten ausgezogen. Bauchflossen,
wenn vorhanden, bauchständig, oder das Becken an den Coracoid-
knochen befestigt.
Der Mundrand wird durch die Praemaxillaria gebildet, oder
durch die Praemaxillaria und einen kleinen Teil der Maxillaria.,
Schwimmblase vorhanden, ausgenommen bei den Solenostomidae und
und Pegasidae.
Den Hindeutungen Kner’s, Steindachner’s und Cope’s
logisch bis zum Schlusse folgend, hat A. Ss. Woodward die Lopho-
branchier Cuvier’s mit den Hemibranchiern Cope’s vereinigt, ein
Verfahren, das ganz gerechtfertigt erscheint, und hat weitere Unter-
stützung durch die neuen Forschungen von Swinnerton!') erhalten,
welcher vorschlug, die beiden Gruppen unter dem neuen Namen
Thoracostei zu vereinigen. Der Bau der Lophobranchier (Soleno-
stomidae und Syngnathidae). zeigt, daß diese Fische nur äuberst
specialisierte Formen der Gruppe sind, von der die Stichlinge den
bekannten Typus bilden, und der Charakter der „tufted“ (büschel-
förmigen) Kiemen allein ist sicher nicht von hinreichender Wichtigkeit,
um die Beibehaltung der Lophobranchii als eines gleichbedeutenden
Teils der angenommenen Unterordnung in der vorhandenen Klassi-
fikation zu rechtfertigen. Nebenbei gibt es, wie neuerdings durch
A. Huot?) bewiesen, keinen wesentlichen Unterschied; nur von einem
des Grades, zwischen der sogenannten „tufted gill“ und dem nor-
malen Typus; jeder „Tuft* (Büschel) entspricht einer Kiemenlamelle,
und in einem gewissen Stadium der Entwickelung ist die Anordnung
der Kiemenlamelle dieselbe, bei einem Syngnathus und bei einem
t) Quart. Journ. Mier. Sci. XLV., 1902, p. 503.
2) Ann. Sei. Nat. (8) XIV., 1902, p. 197.
und Familien der Teleosteer (Teleostean Fishes). 209
gewöhnlichen Teleosteer. Ich habe neuerdings zu zeigen!) versucht,
daß die Lamprididae mit den Hemibranchii verwandt sind, obgleich
hinreichend verschieden, um die Aufstellung einer Abteilung, Sele-
nichthyes geheissen, zu erlauben?).
Die Verwandtschaft der Lamprididae ist sehr zweifelhaft. Lampris
wurde gewöhnlich zu den Acanthopterygiern gestellt, eine Ansicht,
welche noch von Gill aufrecht erhalten wird?). Ich stimme nun
mit dieser hohen Autorität darin überein, daß ich den Knochen,
den ich für einen „Infraclavicla“ hielt, für ein stark entwickeltes
Coracoid halte und den von mir als das Coracoid betrachteten
Knochen als ein Pterygial bezeichne. Aber es ist von Starks auch
gezeigt worden, daß etwas Infraclavicle-Ähnliches selbst bei den
Stichlingen nicht existiert, der sobenannte Knochen ist nur ein Teil
des Coracoids; und da bei den meisten Stichlingen die Becken-
knochen das Coracoid erreichen, bleibt die Ähnlichkeit zwischen
diesen und Lampris bestehen. Wie ich vorher nachgewiesen habe,
sind das Fehlen der Stacheln in den Flossen und die Lage der Bauch-
flossen, zusammen mit der großen Strahlenzahl in den letzteren,
die nur bei den niederen Teleosteern gefunden wird, Charaktere,
welche die Entfernung der Lampris von den Acanthopterygiern
nötig machen, und ich kann keinen besseren Platz für sie finden,
als nahe bei den Gastrosteidae.
Die ganze Frage des Arrangements der Physoclisten mit bauch-
ständigen Ventralen (Catosteomi und Percesoces) hat, fühle ich,
eine Revision nötig, und es dürfte ratsam sein, diese Gruppe in
eine größere Zahl von Unterordnungen zu zerlegen; in diesem Falle
würden die Selenichthyes für sich stehen; die Hemibranchii und
Lophobranchii würden unter dem ersteren Namen vereinigt werden,
wie Woodward vorschlug, oder unter dem der Thoracostei (Swin-
nerton) oder Phthinobranchii (Hay).
Elf Familien:
I. Praeoperculum und Sympleeticum deutlich; Kiemen-
apparat vollständig entwickelt, Kiemen kammförmig;
Mund endständig, zahnlos; das Posttemporale gablig,
frei; Beckenknochen mit dem Schulterbogen ver-
bunden, vertikale Flossen mit 15 bis 17 Strahlen;
Rippen lang, seßhaft; Flossen ohne Stacheln
(SELENICHTHYES) . . . .. 2.2.2020... 1. Lamprididae.
!) Ann. & Mag. Nat. Hist. (7) X., 1902, p. 147.
2) E.C. Starks hat in einer wichtigen Schrift (P. U.S. Nat. Mus. XXV,
1902, p. 619) gezeigt, daß die sogenannte „Infraelavieula“ der Stichlinge und
Verwandten nicht als ein selbständiges Element existiert. Die Definition der
Catosteomi, wie ich sie ursprünglich aufgestellt hatte, wurde entsprechend
modifiziert.
3) Proc. U. S. Nat. Mus. XXVI, 1903, p. 915.
Arch, f. Naturgesch. Jahrg. 1904. Bd.I. H.2. 14
210 G. A. Boulenger: Übersicht der Unterordnungen
II. Praeopereulum und Symplecticum deutlich, letzteres
sehr verlängert; Kiemenapparat mehr oder weniger
reduziert, Kiemen kammförmig; Posttemporale ein-
fach, unbeweglich; Mund endständig,. (HEMI-
BRANCHI).
A. Mund bezahnt.
1. Becken dicht an, oder mit dem Schultergürtel
verbunden; stachlige Rückenflosse durch isolierte
Stacheln vertreten.
Schnauze kegel- oder aber etwas röhrenförmig. Bauch-
flossen mit 1 Stachel und ein oder zwei weichen
Strahlen; Rippen schlank, frei; die Vorderwirbel
nicht vergrößert . 4
Schnauze röhrenförmig; Eee ner 1 Stachel 2
vier weichen Strahlen; Rippen flach, mit den seit-
lichen Knochenschildern verschmolzen: die Vorder-
wirbel nicht vergrößert “
Schnauze röhrenförmig; Rippen schlank, frei. erster
Wirbel vergrößert
2. Becken nicht mit dem hnlkorhasen verbunden;
Bauchflossen ohne Stachel; mit 5 bis 6 Strahlen;
Schnauze röhrenförmig; erster Wirbel sehr ver-
längert, gebildet durch die Verschmelzung
mehrerer Knochen.
Isolierte Rückenstacheln; Leib beschuppt
Keine Rückenstacheln; Leib nackt
B. Mund zahnlos; Schnauze röhrenförmig; zwei kurze
Rückenflossen, die erste mit einigen wenigen
Stacheln; Bauchflossen mit 3 bis 5 Strahlen; die
Vorderwirbel sind verlängert.
Leib mit Knochenschildern und kleinen, rauhen Schuppen
bedeckt
Leib vollständig mit Kronen gehanzert, le
mit dem Innenskelet verschmolzen sind
III. Praeoperculum fehlt; Symplecticum sehr verlängert;
Kiemenapparat mehr oder weniger reduziert.
Kiemenlamellen in Zahl reduziert und vergrößert,
runde Lappen bildend; das Posttemporale einfach,
unbeweglich am Schädel befestigt; Mund zahnlos,
am Ende einer röhrenförmigen Schnauze, Leib mit
Knochenplatten bedeckt. (LOPHOBRANCHII.)
Zwei Rückenflossen; Bauchflossen vorhanden, mit 7 Strahlen;
Kiemenöffnungen weit; Exoskeleton von großen
sternförmigen Platten gebildet . ©
Eine einzige Rückenflosse; keine Bauchflossen; ee
öffnungen sehr klein; Exoskeleton in Form von
Ringen
&
2. Gastrosteidae.
3. Aulorhynchidae.
. 4. Protosyngnathidaey.
5. Aulostomatidae.
6. Fistulariidae.
7. Centriscidae.
8. Amphisilidae.
9. Solenostomidae.
. 10. Syngnathidae.
und Familien der Teleosteer (Teleostean Fishes). 91
IV. Praeopereulum und Sympleeticum fehlen; Kiemen
kammförmig; Mund unterständig, zahnlos; Leib
ganz mit Knochenplatten bedeckt; Bauchflossen mit
2 oder 3 Strahlen. (HYPOSTOMIDES.) . . . . 11. Pegasidae.
Unterordnung VIII. PERCESOCES.
Schwimmblase, wenn vorhanden, ohne offnen Gang. Die Pa-
rietalia durch das Supraoccipitale getrennt. Schultergürtel am
Schädel suspendiert; kein Mesocoracoidbogen. Bauchflossen, wenn
vorhanden, bauchständig, oder wenigstens mit den Beckenknochen
nicht fest dem Clavieularbogen verbunden. Diese Gruppe vereinigt
die Haplomi mit den Acanthopterygii, indem die Scombresocidae
einigermaßen mit den Cyprinodontidae!) verwandt sind, während
die Anabatidae deutliche Affinität mit den Osphromenidae in der
folgenden Unterordnung zeigen. Andere Familien, früher zu den
Scombriformen Acanthopterygiern gezogen, werden hierher gestellt,
in der Annahme, daß die lockere Befestigung der Beckenknochen
an die Schlüsselbeine ein primitiver Charakter ist und nicht eine
Folge der Entartung, wie sie in einigen Fällen bei den Acantho-
pterygiern vorkommt. Obgleich diese Unterordnung vielleicht nur
als eine künstliche Vereinigung erscheint, muß man die sehr weite
Divergenz bedenken, welche zwischen der ersten und der letzten
Familie besteht; und daß doch wie auch immer ungleichartig die
Glieder beim ersten Blicke erscheinen mögen, eine stufenweise Folge
hergestellt werden kann, welche die meisten abweichenden Formen
verbindet.
Zwölf Familien:
I. Bauchflossen, wenn vorbanden, weit hinter den Brust-
flossen eingefügt; keine Stacheln an den Flossen.
Rippen am äußersten Ende der sehr entwickelten Para-
phophysen befestigt; untere Pharyngealknochen
vollständig vereinigt; Brustflossen sehr weit oben
eingolemke N te,
Rippen meist sessil; untere Pharyngealknochen gesondert;
Brustflossen näher an der Bauch- als an der Rücken-
Bun 2 ee a WER nn 0.0 ZMIDRUNE.
1. Scombresocidae,
1) Swinnerton (Quart. Journ. Mier. Sci. XLV, 1902, p.554) hat nach-
gewiesen, daß der Schädel der Scombresoces zu dem Typus gehört, welchen er
als „Acrarteten Typus“ bezeichnet (e.g. [? i. e.] in welchem die Befestigung
des Palatinknorpels oder seiner Derivate auf die Praeethmoidhörner beschränkt
ist), während die andern vom ihm untersuchten Percesoces, ebenso wie die Oy-
prinodonten, Disartet sind (die Befestigung befindet sich an den Parethmoid-
und Praeethmoid-Hörnern); aber der Charakter ist bei einigen ausgewachsenen
Cyprinodonten so undeutlich ausgeprägt, daß ich etwas Mißtrauen empfinde,
wenn ich von diesem Charakter für systematische Zwecke in dem gegenwärtigen
Zustand unsrer Wissenschaft Gebrauch mache.
14*
212 G. A. Boulenger: Übersicht der Unterordnungen
II. Bauchflossen, wenn vorhanden, mehr oder weniger
nahe an die Brustflossen gerückt.
A. Zwei wohl entwickelte Rückenflossen, die vordere
klein, und wenigstens teilweis aus Stacheln gebildet.
1. Rippen an starken Parapophysen befestigt.
Die Beckenknochen frei oder mit den Schlüsselbeinen
durch Ligament verbunden; Brustflossen sehr weit
oben eingesetzt . . . . 3. Atherinidae.
Die Beckenknochen an der Pklavint Ser
Brustflossen sehr weit oben eingesetzt; Zähne sehr
schwach oder fehlend . . . . . 4. Mugilidae.
Die Beckenknochen an den Bares dere
Brustflossen näher der Bauch- als der Rückenlinie,
mit abgesonderten unteren Strahlen. . . . 5. Polynemidae.
Die Beckenknochen mit den Schlüsselbeinen durch nn
verbunden; Brustflossen näher der Bauch- als der
Rückenlinie; Bezahnung kräftig, cardiförmig;
Schuppen winzig oder fehlend. . . . 6. Chiasmodontidae.
2. Vordere Rippen sessil; die Becken kucchen nicht
mit dem Schulterblattbogen verbunden; Brust-
flossen näher der Bauch- als der Rückenlinie . 7. Sphyraenidae.
B. Stachlige Rückenflosse, wenn vorhanden, mit den
weichen verbunden.
1. Vordere Wirbel ohne Parapophysen; Schuppen,
am Kopfe, wenn vorhanden, klein.
Oesophagus mit Seitensäcken, welche innen mit Papillen
besetzt sind; stachlige Rückenflosse lang; Schuppen
rhomboid, in schrägen Querreihen; die Becken-
knochen frei . . . 8. Tetragonuridae.
Oesophagus mit Seitensäcken, wen: en oa inneren
Papillen besetzt sind; stachlige Rückenflosse, wenn
getrennt, kürzer als die weiche Rückenflosse;
Schuppen mäßig oder klein, cycloid, oft ausfallend 9. Stromateidae.
Keine Säcke im ÖOesophagus; Flossen ohne Stacheln;
Schuppen sehr klein oder fehlend . . . . 10. lIcosteidae.
2. Alle oder alle ausg. die beiden derwirbel
mit Parapophysen; Schuppen am Kopf groß: eine
suprabranchiale Höhlung.
Kleine Stacheln an den Flossen . . . 11. Ophiocephalidae.
Starke Stacheln an den Rücken-, After- and Bauchtlossen 12. Anabantidae.
Unterordnung IX. ANACANTHINI.
Schwimmblase ohne offnen Gang. Parietalia durch das Supra-
occipitale getrennt; Prooticum und Exoceipitale durch das vergrößerte
Opisthoticum getrennt. Schultergürtel am Schädel suspendiert; kein
Mesocoracoidbogen. Bauchflossen unter oder vor den Brustflossen,
und Familien der Teleosteer (Teleostean Fishes). 213
die Beckenknochen hinter der Schlüsselbeinsymphysis und nur lose
an ihr durch Ligament befestigt.
Flossen ohne Stacheln; Caudalis, wenn vorhanden, ohne aus-
gebreitetes Hypurale, vollständig symmetrisch und getragen durch
die Neural- und Haemalstacheln der Hinterwirbel und durch basale
Knochen, denen ähnlich, die die Rücken- und Afterstrahlen tragen.
Dieser Schwanzflossen-Typus muß, wie ich nachgewiesen habe!),
als sekundär betrachtet werden, da die Gadidae zweifellos von
Fischen ähnlich den Macruridae, abstammen, bei denen die Homo-
cercalflosse verloren gegangen ist. Das Schulterblattloch oder die
Fenestra liegt fast immer zwischen dem Schulterblatt- und dem
Coracoidknochen, wie bei den Trachinidae und mehreren verwandten
Familien, aber nicht im Coracoid, wie bei den andern Acantho-
pterygiern. Die ersten beiden Wirbel haben keine Epipleuralia.
Herr C. Tate Regan?), welcher kürzlich eine gute Definition
der Anacanthini gegeben hat, teilt sie in drei Familien, welche
hier angenommen werden:
Bauchflossen unter den Brustflossen, mit 7 bis 12 Strahlen;
keine Coudalgosae a: EFT 22 "Moeruridae.
Bauchflossen jugular, mit 1 bis 9 Strahlen; Caudalflosse
mehr oder weniger deutlich (diphycercal oder iso-
Coral) Fi ee nee er Du Gradidne.
Bauchflossen kehlständig, mit 5 Strahlen; keine Caudal-
flosse; Pectoralpterygialia in vergrösserter Zahl (10);
Schuppen wie bei den Anguillidae . . . „. . . 3. Muraenolepididae.
Unterordnung X. ACANTHOPTERYGH.
Schwimmblase gewöhnlich ohne offnen Gang. Operkel wohl
entwickelt; Supraoccipitale in Berührung mit den Frontalia. Schulter-
bogen am Schädel befestigt; kein Mesocoracoid. Ventralflossen
brust- oder kehlständig, das Becken mehr oder weniger fest dem
“ Schulterbogen angefügt. Kiemenspalte gewöhnlich weit; wenn klein,
vor oder über der Basis der Brustflosse.
Der Charakter, von dem diese Subordnung (die umfangreichste
der ganzen Klasse) ihren Namen empfing, nämlich die Anwesenheit
von nicht gegliederten, mehr oder weniger stechenden Strahlen in
der Rücken- und Analflosse, ist keinesfalls allgemein gültig,
Ausnahmen von der Regel finden sich zahlreich. Das Maul wird
gewöhnlich von den Prämaxillaren begrenzt unter Ausschluß der
Maxillaren, und wenn diese ausnahmsweise auf den Rand des Maules
rücken sollten, so bleiben sie immer ohne Zahnbewaffnung. Die
Bauchflossen sind zuweilen in einiger Entfernung hinter der Basis
der Brustflossen (Haplodactylidae, Platycephalidae); in diesem
1) Ann. & Mag. Nat. Hist. (7) X. 1902, p. 295.
2) Op. cit. XL, 1903, p. 460.
214 G. A. Boulenger: Übersicht der Unterordnungen
Falle ist dies lediglich der Verlängerung der Beckenknochen zu-
zuschreiben, welche dem Schulterbogen fest angefügt sind. Die
Unterordnung wird in 9 Abteilungen zerlegt, die hier in etwas will-
kürlicher Reihenfolge angeordnet sind, weil die natürlichen Ver-
wandtschaftsbeziehungen sich mit einer einfachen linearen Auf-
einanderfolge nicht in Einklang bringen lassen.
I. Keine Suborbitalstütze, oder ein Fortsatz, der vom Suborbitale zum Prae-
operculum reicht; die Basis eranii bei den symmetrischen Formen doppelt.
Der primäre Schultergürtel zusammengesetzt von einer durchbohrten
Scapula und einem Coracoid; von den vier oder fünf Pterygialia oder
Basalia der Brustflosse finden sich nur einer oder zwei in Berührung mit
dem Coracoid; Bauchflosse brustständig.
Strahlen der Schwanzflosse an deren Basis nicht stark
gespalten; Hypurale gewöhnlich mit einem Basal-
dorn oder einem knopfförmigen Fortsatz jederseits;
die Epipleuralia meist befestigt an den Parapophysen
oder an den Rippen; Dorsalflosse meist mit starken
Stacheln; Schwanzstiel selten sehr zusammen-
BORCHNEEL. ee, 82. = . I. Perciformes.
Strahlen der Schwanzflosse an der Basis stärk oekpalten,
umgreifen einen beträchtlichen Teil des Hypurale,
welches stets einen Basaldorn besitzt; Epipleuralia
gewöhnlich auf den Centren oder auf den Para-
pophysen, selten auf den Rippen inseriert; Dorsal-
stacheln schwach oder abgerückt; Schwanzstiel
stark eingeschnürt; Schuppen meist sehr klein oder
fellen a... > . Il. Scombriformes.
Strahlen der Sehmanzdoske nieht Re an dor Basis Be
spalten, kein Hypuralstachel und Bauchflossen mit
einem Stachel und sechs bis acht Weichstrahlen
oder aber der Schädel unsymmetrisch . . . . . III. Zeorhombi.
II. Keine Suborbitalbrücke; Basis cranii doppelt; Scapula fehlt, die Flügelbeine
am Coracoid befestigt; Bauchflosse brustständig . IV. Kurtiformes.
III. Keine Knochenbrücke für das Suborbitale; Basis eranii einfach; Scapula
und Coracoid mehr oder weniger reduziert, zuweilen nur spurweis da;
Pterygoidea groß, nur eins oder zwei in Berührung mit dem Coracoid;
Bauchflossen thoraeisch . . . . 2... V. Gobiiformes.
IV. Keine Knochenbrücke am Suborbitale ; Basis cranii einfach; eine perforierte
Scapula; drei Pterygialia in Berührung mit dem Coracoid; Bauchflossen
thoraeisch; eine Saugscheibe mit Querlamellen auf der Oberseite des
Kopfes han! : . .... VI. Discocephali.
V. Eine Konrhenkrickb, a dh zweite Bakossele auf der Wange mehr
oder weniger sich rückwärts verlängert oder sich mit dem Praeopereulum
verbindet; Bauchflossen brustständig. . . » » . VII. Scleroparei.
VI. Keine Knochenbrücke; Bauchflossen gewöhnlich kehl- oder kinnständig,
oder, wenn brustständig, der Bau des Brustbogens abweichend von dem
bei den fünf ersten Divisions dieser Synopsis,
und Familien der Teleosteer (Teleostean Fishes). 215
Brustflosse mit vertikaler oder subvertikaler Basis; After-
flosse gewöhnlich verlängert, selten klein. . . . VIII. Jugulares.
Brustflosse mit horizontaler oder subhorizontaler Basis;
Körper sehr stark komprimiert; Rückenflosse nur
mit einfachen Strahlen, Afterflosse fehlt oder klein IX. Taeniosomi.
Divisio I. PERCIFORMES.
Keine Knochenstütze zum Operculum. Basis cranii doppelt.
Stachelteil der Dorsalis meist wohl entwickelt. Keines der Epi-
pleuralia in der Praecaudalgegend an die Wirbelcentra angeheftet.
Schulterbogen mit Coracoid und Scapula wohl entwickelt, das Cora-
coid von einem Foramen oder Fenster durchbrochen; Handwurzel-
knochen länger als breit mehr oder weniger sanduhrförmig, 4 oder
5 an der Zahl, von denen ein oder zwei mit dem Coracoid in Be-
rührung stehen. Bauchflossen brustständig.
Diese große, meist aus marinen Formen bestehende Gruppe
besitzt Vertreter in allen Teilen der Erde, ausgenommen die arktische
und antarktische Region, und war schon wohl vertreten durch zahl-
reiche Beryciden und einige Serraniden und Scorpididen in der
oberen Kreide. Die Einteilung in Familien, welche streng definier-
bar sind, bietet beträchtliche Schwierigkeit, und die Notwendigkeit
sie in einer Reihe anzuordnen zwingen öfter zum Aufgeben des
natürlichen engen Anschlusses. So ist es sehr wahrscheinlich, daß
.die Scorpididen, welche selber zusammen mit den Serranidae von
den Berycidae stammen, zu den Carangidae in der Divisio Scombri-
formes hinüberleiten, während ein fast geschlossener Übergang
zwischen den Acanthuridae dieser Divisio und den Balistidae unter
den Plectognathen verfolgt werden kann.
Sechsunddreißig Familien:
I. Kiemen vier, ein Schlitz hinter der vierten.
A. Zwei Nasenlöcher auf jeder Seite.
1. Bauchflosse mit 1 Stachel und 6 bis 13 weichen
Straklene ges Ai, nuasie Here rt Beryötdee:
2. Bauchflossen mit nicht mehr als 5 weichen Strahlen
a) Untere Schlundknochen nicht völlig vereinigt, wenigstens eine
Mittelnaht aufweisend.
«) Kiemenhäute frei vom Isthmus,
* Bauchflossen nur wenig, wenn überhaupt hinter der Brustflosse.
f Dritter Wirbel ohne Processus transversi oder mit sessilen
Rippen.
O Eine mehr oder weniger entwickelte Subocularplatte, oder
innere Lamina der Suborbitalia zur Unterstützung des
Augapfels, die zuweilen lediglich auf einen Fortsatz des
zweiten Suborbitale reduziert ist.
$ Rippen an die Processus transversi inseriert, wo diese
entwickelt sind.
216 G. A. Boulenger: Übersicht der Unterordnungen
Körper mit sehr großen Knochenschuppen bedeckt; Bauch-
flossen mit einem sehr starken Stachel und 2 oder
3 sehr kurzen Weichstrahlen . . . . 2. Monocentridae.
Rückenflosse sehr kurz, mit wenigen en an-
gewachsenen Stacheln; Afterflosse sehr ang . . 3. Pempheridae.
Stachlige Rückenflosse gewöhnlich wohl entwickelt, weiche
Rückenflosse gewöhnlich nicht mehr entwickelt als
die Afterflosse; Gaumen gewöhnlich bezahnt . . 11. Serranidae.
Rücken- und Afterflosse verlängert und zu meist von ge-
gliederten Weichstrahlen gebildet, die Stacheln
schwach und wenige . . . 20.20. 12. Pseudochromididae.
Rücken- und Afterflosse sehr Verlängen, Hab deutliche
Stacheln; Körper bandförmig . . . 13. Cepolidae.
Zähne in den Kiefern zu einem Schnabel verschmolzen . 14. Hoplognathidae.
Weiche Rücken- und Afterflosse sehr verlängert; eine
getrennte stachlige Rückenflosse . . . . 215. Sillaginidae.
Weiche Rückenflosse viel länger als die Afterflosse, eine
getrennte stachlige Rückenflosse . . 16. Sciaenidae.
SS Rippen meist sitzend hinter a Parapophysen; Körper
hoch; ein mäßig großer und vorstreckbarer Mund.
Supratemporale gegabelt, vom Schädel getrennt . . . . 25. Scorpididae.
Supratemporale mit dem Schädel vollständig rer
Mund sehr vorstreckbar . . . 2 2.2.26. Caproidae.
OO Keine Suboknlarnlakte)!
$ Rippen meist sessil, hinter den Parapophysen; Anal-
stacheln 3 bis 14.
Zähne konisch; Gaumen bezahnt; Mund leicht hervor-
Kreekher . 4. Centrarchidae.
Zähne meibelförmig ; Floen! dicht De 5. Cyphosidae.
Zähne konisch; Gaumen zahnlos \ 6. Lobotidae.
Maxillare sehr schlank, Mund sehr orskreaklern 7. Toxotidae.
Kein Entopterygoid; Mund sehr vorstreckbar . 8. Nandidae.
$$ Rippen eingelenkt an den Querfortsätzen wenn solche
entwickelt; nicht mehr als 3 Analstacheln.
Mund nicht oder schwach vorstreckbar; Gaumen bezahnt,
stachlige Rückenflosse gewöhnlich länger als die
weiche: Afterflosse mit 1 oder 2 Stacheln . . . 9. Percidae.
Mund mäßig vorstreckbar; Gaumen bezahnt; stachlige
Rückenflosse nicht länger als die Na After-
flosse mit 2 oder 3 Stacheln . . . . . 10. Acropomatidae.
Maul sehr protractil, Praemaxillare mit einem nich oe
gerichteten lateralen Fortsatz; Gaumen zahnlos . 17. Gerridae.
Maul mäßig protractil; Gaumen ae Analis länger
als die weiche Dorsalis; Körper beschuppt . . . 18. Lactariidae.
Maul mäßig protractil; Gaumen zahnlos; Analis viel
länger als die weiche Dorsalis; Körper nackt . . 19. Trichodontidae.
fr Processus transversi auf dem dritten Wirbel entwickelt
und die Rippe tragend; Gaumen gewöhnlich zahnlos.
und Familien der Teleosteer (Teleostean Fishes). 217
Keine Suboeularplatte; Zähne klein . . » 2. ...2.2.. 22. Pristipomatidae.
Eine Suboeularplatte; Zähne entweder die vordern meissel-
förmig, oder die seitlichen als Molaren entwickelt 23. Sparidae.
Eine Subocularplatte; Zähne sehr klein oder fehlend; ein
Paar Barteln an der Kehle. . . . ua nr, 24. Mullidae,
** Ventralflossen ziemlich RT hinter der Basis der Pectoralis;
untere Pectoralstrahlen unverzweigt, oft verdickt, keine Sub-
opereularplatte
Analis fast so lang als die weiche dorsalis. . . . . . 20. Latrüdae.
Analis viel kürzer als die weiche Dorsalis. . . . . . 21. Haplodactylidae.
#) Kiemenhäute am Isthmus befestigt.
* Schuppen wohl entwickelt; Wirbel 24 oder mehr.
Eine Suboeularlamelle; Mund klein, Gaumen zahnlos . . 27. Chaetodontidae.
Keine Subocularlamelle;, Mund klein; Gaumen zahnlos . 28. Drepanidae.
Subocularlamelle mehr oder weniger entwickelt, ein super-
branchiales Respirationsorgan . . 22020. .831. Osphromenidae.
** Schuppen winzig; Mund klein. Wirbel 22 oder 23.
Posttemporale nicht deutlich gegabelt; Wirbel mit en
Querfortsätzen; Bauchflossen mit 1 Stachel und 2
bis 5 weichen Strahlen. . . . 2.29. Acanthuridae.
Posttemporale gegabelt, Wirbel ohne Gnerforisitze: Bauch-
flossen mit 2 Stacheln und 3 weichen Strahlen da-
zwischen. . . 2... 80. Teuthididae.
b) Untere Shinndknochen vollständig i in einem Knochen verschmolzen,
ohne mediane Naht . . . . 22... 832. Embiotocidae.
B. Ein einzelnes Nasenloch auf jeder Seite: untere Schlundknochen mehr
oder weniger vollständig vereinigt, aber mit persistenter Naht; keine Sub-
okularplatte; Gaumen zahnlos . . . . nn... 833. Cichlidae.
II. Kiemen drei und ein halb; untere Schlundknochen vollständig zu einem
Knochen verwachsen, ohne Mediannaht; Gaumen zahnlos.’
Ein einzelnes Nasenloch auf jeder Seite; Zähne konisch
oder meißelförmig; eine Subokularplatte . . . . 34. Pomacentridae.
Zwei Nasenlöcher auf jeder Seite; vordere Zähne ge-
wöhnlich stark und Raubzahn ähnlich; Zähne auf
den Schlundknochen konisch oder höckerig; keine
Subokularplatte . . . . . 35. Labridae.
Zwei Nasenlöcher auf jeder Seite; Würderzäfme mehr Ailer
weniger zu einem Schnabel verwachsen; Zähne auf
den Schlundknochen flach pflasterförmig; keine Sub-
okularplatte, ads sets, von BrNtaridne:
Division II. Scombriformes.
Keine Knochenstütze für das Praeoperculum. Stachlige Rücken-
flosse, wenn deutlich, aus kurzen oder schwachen, schlanken Stacheln
gebildet. Epipleuralia gewöhnlich am Zentrum befestigt, wenn die
Rippen sessil sind, oder an den Parapophysen der Wirbel, selten
218 G. A. Boulenger: Übersicht der Unterordnungen
an den Rippen. Schultergürtel dem der Perciformen ähnlich, aber
Pterygialia zuweilen mehr verkürzt. Bauchflossen brustständig.
Caudalflosse, wenn gut entwickelt, mit sehr zahlreichen Strahlen,
am Grunde tief gegabelt.
Obgleich durch natürliche Bande verbunden, bietet die Reihe
der Familien, welche sich um die Makrelen reihen, so viele Ver-
änderungen im Bau, daß es fast unmöglich ist Diagnosen aufzustellen,
die alle ihre Glieder von den Perciformen unterscheiden ließe, mit
denen sie fest verbunden sind, und von welchen sie schwerlich ge-
trennt zu werden verdienen. Sogar, nachdem man viele Genera,
welche mit ihnen durch meine Vorgänger vereinigt wurden, aus-
geschieden hat, und welche man jetzt unter verschiedene Gruppen
des Systems zerstreut findet, kann keine bessere Definition der
Scombriformen gegeben werden, als daß die Makrelen als Normal-
formen zu gelten haben, um welche mehr oder weniger abweichende
Typen sich gruppieren, doch nicht so abweichende Typen, daß sie
sich zu diesen allbekannten Formen durch eine Zahl von dazwischen-
liegenden Stufen zurückverfolgen ließen. Was die äußere Form
betrifft, so kann festgestellt werden, daß die Rücken und After-
stacheln, wenn vorhanden, schwach und schlank, oder, wenn kräftig,
kurz und abgerückt sind; der Schwanzstiel ist zusammengeschnürt
und die Schwanzflosse, wenn gut entwickelt, ist gewöhnlich tief
ausgeschnitten, und mit den gegabelten Basen der sehr zahlreichen
Strahlen viel länger als bei den meisten Perciformen, indem sie
wenigstens einen beträchtlichen Teil der ausgebreiteten Uralknochen
umfaßt, ein Charakter, durch welchen die Chaetodontidae, Acan-
thuridae, und mehrere ausgestorbene Typen, die mit den Carangidae
zusammengestellt wurden, nicht sofort ausgeschlossen sind. Alle
sind marin und viele sind pelagisch und sehr weit verbreitet. Keine
praetertiären Glieder dieser Abteilung, wie sie hier definiert, sind
bis jetzt gefunden worden.
Neun Familien:
I. Praemaxillaria mehr oder weniger vorstreckbar, nicht schnabelähnlich; Schuppen
klein oder fehlend, zuweilen mit vergrößerten seitlichen Schildern; stach-
lige Rückenflosse kurz oder durch eine Reihe isolierter Stacheln ersetzt;
Afterflosse gewöhnlich mit 1 oder 2 vom Ende der Flosse gesonderten
Stacheln.
Die Praecaudalwirbel mit Querfortsätzen, hinter welchen
die Rippen befestigt sind. . . . » » 2.2... ... 2 Carangidae.
Die Praecaudalwirbel ohne gut entwickelte Parapophysen;
Rippen und Epipleuralia dicht zusammen in den
Centris eingesetzt -. - » = - = 20.0. 0.0... Ru Bhachiceniridae.
II. Praemaxillaria nicht vorstreckbar; Schuppen gewöhnlich klein oder fehlend;
Leib mehr oder weniger verlängert; Rückenflosse verlängert, einfach oder
geteilt, ohne freie Stacheln; keine freien Afterstacheln.
Se u nn
und Familien der Teleosteer (Teleostean Fishes). 219
A. Pseudobranchien vorhanden.
Die Wirbel ohne Querfortsätze; weiche Rückenflosse
länger als die stachlige; Brustflossen oben an den
Seiten. . SB SUErTHRRERIRL.. NO), FEREER ORLIEBESLIE ]
Die Wirbel ohne Querfortsätze; weiche Rickenflosse
kürzer als die stachlige, wenn die letztere deutlich
3. Scombridae.
ist; Brustflosse tief unten an den Seiten . . . . 4. Trichiuridae.
Die Wirbel ohne Querfortsätze; Schnauze speerförmig
vorgezogen . 5. Histiophoridae.
Die Wirbel mit Querfortsätzen, welche die Rippen tragen;
Schnauze zu einem Schwert ausgezogen; keine
Bauchflossen 22 Ser e Yelpen is 2a092
Die Wirbel ohne Querfortsätze; Kiemenmembran am
Isthmus befestigt; Rücken- und Afterflossen von
ungegliederten, weitstehenden Strahlen gebildet:
Bezahnung sehr schwach. . . » 2 2.2.2.2... 7. Liwvaridae.
B. Pseudobranchien fehlend; keine gut entwickelten Querfortsätze an den
Praecaudalwirbeln, die Rippen und Epipleuren dicht zusammen an den
Centren eingesetzt; Schnauze kurz und sehr hoch. 8. Coryphaenidae.
6. Xiphüdae.
III. Praemaxillaria nicht vorstreckbar, oder, wenn etwas vorstreckbar, Schuppen
groß; Rücken- und Afterflosse verlängert, ohne deutlichen Stachelteil; die
meisten der Praecaudalwirbel mit starken Haemapophysen, an welchen
die Rippen befestigt ind . . » -» = = = 2.0.0... 9. Bramidae.
Abteilung II. ZEORHOMBI.
Abweichend geformte, stark zusammengedrückte Perciformen,
mit sehr kurzer Praecaudalregion, modifiziert nach der Richtung
der Plattfische hin, in unsymmetrischen Formen kulminierend, und
charakterisiert durch die Kombination einer wachsenden Zahl (7 bis 9)
von Bauchstrahlen mit dem Fehlen des Hypuralstachels (wodurch
die Berycidae ausgeschlossen werden), oder durch Asymmetrie des
Schädels in den Formen bei welchen der Stachel der Bauchflosse
verloren gegangen ist.
Unter den symmetrischen Formen stimmen die noch existierenden
Zeidae mit den Berycidae überein darin, daß sie mehr als fünf
weiche Strahlen an den Bauchflossen haben, und sie leiten sich
wahrscheinlich, zusammen mit den eocänen Amphistiidae, von einer
gemeinsamen ancestralen Gruppe ab, die noch in den Kreide-Ab-
lagerungen entdeckt werden muß. Diese Zeidae haben viel mit den
Pleuronectidae gemeinsam!) und würden als ein Teil der Familie,
aus welcher die letzteren herstammen, betrachtet werden können,
wenn sie nicht die letzte halbe Kieme verloren hätten. Amphistium
ist wahrscheinlich den Pleuronectidae näher verwandt, welche direkt
1) Cf. Thilo, Zool, Anz. 1902, p. 305.
220 G. A. Boulenger: Übersicht der Unterordnungen
von der Familie hergeleitet werden dürfte, von welcher es (Amph.)
bis jetzt der einzige bekannte Vertreter ist!).
Diese Abteilung umfaßt nur drei Familien:
Eine stachlige Rückenflosse; Afterstacheln von dem
weichen Teil losgelöst; ein Bauchstachel; 3'/, Kiemen,
3 Spalten zwischen ihnen. . . . .. EA: IZeidße.
Wenige Rücken- und Afterstacheln, zusammenhängend
mit den weichen Strahlen; ein Bauchstachel. . . 2. Amphistüdae }.
Keine Stacheln; Schädel vorn gedreht, mit den beiden
Augenhöhlen auf einer Seite; 4 Kiemen, ein Spalt
hinter der vierten‘, 2 Tan, 2.8. Pleuromeridse
Abteilung IV. KURTIFORMIS.
Keine Knochenstütze für das Praeoperculum. Rückenstacheln
schwach, wenig. Schulterblatt fehlt, das Coracoid trägt vier kleine
Pterygialia. Bauchflossen brustständig.
Eine einzige Familie, Kurtidae.
Abteilung V. GOBIIFORMIS.
Keine Knochenstütze für das Praeopereulum. Schädelbasis ein-
fach. Stachlige Rückenflosse, wenn vorhanden, aus wenigen, bieg-
samen Strahlen gebildet. Keiner der Epipleuralknochen am Wirbel-
centrum in der Praecaudal Region befestigt. Schulterblatt und
Coracoid mehr oder weniger reduziert, oder sogar verkümmert;
Flügelbeine groß, 4 oder 5 an der Zahl, zusammen eine dünne
Platte bildend, welche in Berührung mit, oder wenig vom Schlüssel-
bein getrennt ist; ein oder zwei von den Flügelbeinen in Berührung
mit dem Coracoid. Bauchflossen brustständig.
Die Gobiidae, welche allein diese Abteilung bilden, stehen nicht
weit von den Perciformen, und mögen sich aus einem Typus, nicht
sehr verschieden von den Percidae, entwickelt haben.
Abteilung VI. DISCOCEPHALI.
Sehr abweichende Acanthopterygier, deren vordere Rückenflosse
auf den Kopf vorgeschoben und zu einer ovalen Saugscheibe mit quer-
verlaufenden Platten; der Schädel ist sehr fach und mit einfacher
Schädelbasis. Die Bruststrahlen sind an dem kleinen, durchbohrten
Schulterblatt und an vier sanduhrförmigen Pterygialia eingelenkt,
!) Cf. Boulenger, Ann. & Mag. Nat. Hist. (7) X 1902, p. 295.
und Familien der Teleosteer (Teleostean Fisher). 221
von denen drei mit dem Coracoid in Berührung sind. Bauchflossen
brustständig.
Eine einzige Familie, Echeneididae.
Ungeachtet einer oberflächlichen äußerlichen Ahnlichkeit mit
der Gattung Elacate, ist Echineis, wie zuerst von Gill bemerkt,
sicher nicht mit jener Gattung, noch mit andern Scombriformen
verwandt. Sie stammen wahrscheinlich von Perciformen ab, aber
es ist unmöglich anzugeben, von welcher Familie.
Abteilung VI. SCLEROPAREI.
Zweites Suborbitale mehr oder weniger gegen das Praeoper-
culum vorgezogen oder mit ihm verwachsen („suborbital stay“)').
Bauchflossen brustständig.
Die Acanthopterygier mit Panzeraugen „Joues cuirassees“ von
Cuvier, bilden nach Ausschließung der Stichlinge, eine vollkommen
natürliche Abteilung, augenscheinlich von den Serranidae hergeleitet,
mit denen die generalisierteren Formen viel gemeinsam haben. Von
der barschähnlichen Gattung Sebastes kann eine fortlaufende Reihe
bis zu den Triglidae verfolgt werden, hauptsächlich durch Formen,
wie Apistus, Minous und Choridactylus, bei welchen ein oder mehrere
von den unteren Pektoralstrahlen vom Ende der Flosse gesondert
sind. Durch die Comephoridae werden die Scorpaenidae mit den
Cottidae verbunden, während die letzteren unmerklich mit den noch
mehr abweichenden Cyclopteridae verschmelzen. Diese Schluß-
folgerungen, welche schon durch einen bloßen Vergleich der äußeren
Charaktere einleuchtend genug sind, werden durch eine Untersuchung
der Skelette verstärkt. Der Übergang zwischen den hier als Familien
angenommenen verschiedenen Gruppen ist so vollständig, daß kein
ernstlicher Einwand gegen ihre Vereinigung in eine große Familie
mit einer Anzahl kleinerer Abteilungen erhoben werden könnte.
Der Charakter, nach welchen die Scleroparei benannt sind, ist
mannigfachen Modifikationen unterworfen. Das zweite Suborbitale
(das dritte, wenn das Praeorbitale als das erste gezählt wird) kann
lediglich vergrößert und über die Backe bis zum Praeoperculum
verlängert sein (Sebastes, Anhoplopoma), oder fest an das letztere
angelenkt, (Scorpaena, Platycephalus), oder einen Teil der äußeren
Kopfbewaffnung bilden. (Trigla, Dactylopterus).. Der Bau der
Brustflossenbasis scheint wichtige Charaktere für die Abgrenzung
der Familien zu liefern, wie Gill zuerst betonte.
1) Dieser Charakter erleidet eine Ausnahme, die bei dem Comephorus zu
finden ist, einer verkümmerten Form, sonst ganz verwandt mit Cottocomephorus
bei welchem das Skelett für unsere Abteilung typisch ist.
222 G. A. Boulenger: Übersicht der Unterordnungen
Elf Familien:
I. Kopf nicht vollständig gepanzert.
A. Bauchflossen nicht weit getrennt; keines der Pterygialia in Berührung
mit dem Schlüsselbein.
Zwei Nasenlöcher an jeder Seite; Schädelbasis doppelt;
Kiemenmembranen frei vom Isthmus . . . . . 1. Scorpaenidae.
Ein einziges Nasenloch auf jeder Seite; Schädelbasis
doppelt; Kiemenmembranen frei vom Isthmus . . 2. Hexagrammidae.
Zwei Nasenlöcher an jeder Seite; Schädelbasis einfach;
Kiemenmembranen frei oder schwach am Isthmus
befestigt . . - 2 A Ela a ae 8. (COIERDETAEREREN
Zwei Nasenlöcher an jeder ER Schädelbasis einfach;
Kiemenöffnung schmal, über der Basis der Brust-
flossen . . . ı j > 2020.20. 4. Rhamphocottidae.
B. Bauchflossen, wenn ee A weit getrennt; eins oder mehrere der
Pterygialia in Berührung mit dem Schlüsselbein.
Bauchflossen deutlich; Kiemenöffnungen weit. . . . . 5. Cottidae.
Bauchflossen in eine Saugscheibe vereinigt; Kiemenöffnung
schmal, über der Brustflossenbasis . . . . . . 6. Cyclopteridae.
C. Bauchflossen weit getrennt; keins der Pterygialia mit dem Schlüsselbein
in Berührung.
Bauchflossen hinter der Basis der Brustflossen; Praecaudal-
wirbel ohne Querfortsätze . . . . 7. Platycephalidae.
Bauchflossen ein wenig vor der Basis der lerne
die Praecaudalwirbel mit Querfortsätzen . . . . 8. Hoplichthyidae.
II. Kopf vollständig gepanzert.
Bauchflossen schwach getrennt; keine Brustanhängsel;
Pterygialia kurz und breit . . . . 9. Agonidae.
Bauchflossen weit getrennt; die 2 oder 3 en Slrahlen
der Brustflosse als Fühler abgetrennt; a
kürz, und“breit. „0, © . 10. Triglidae.
Bauchflossen schwach getrennt; Brustflosse in zwei Teile
geteilt; Pterygialia verlängert. . . . . . „'. 11. Dactylopteridae.
Abteilung VIH. JUGULARES.
Keine Knochenstütze für das Praeoperculum. Bauchflossen
kehl- oder kinnständig. Kiemenöffnungen vor der Brustflosse, deren
Basis senkrecht oder fast senkrecht ist.
In einer neuerdings veröffentlichten Notiz!) habe ich auf die
Gruppe der Fische mit geschlossener Blase hingewiesen, für die ich
2) Ann.& Mag. Nat. Hist. (7) VIII 1901, p. 261.
und Familien der Teleosteer (Teleostean Fishes). 223
vorschlage den alten Namen Jugulares wieder aufzufrischen, indem
ich nachweise, daß einige Formen, die vorher als Trachinidae zu-
sammen gruppiert waren, mit den Gadidae übereinstimmen, nicht
nur in der jugularen Lage der Bauchflossen, sondern auch in dem
Verhalten des Schulterblatts und des Coracoids.
Herr Regan!) konnte uns seitdem zeigen, daß die Gadidae und
Macruridae gewisse Charaktere gemeinsam haben, durch welche sie
nicht nur von den andern Jugulares, sondern auch von den Acan-
thopterygiern getrennt werden können, und, wie oben erwähnt (p. 176),
kann die Müllersche Unterordnung Anacanthini beibehalten werden,
nachdem man die Pleuronectidae ausgeschlossen. Daß die Bleniidae
den ZLycodes und Verwandten nahe stehen, ist lange zugestanden
worden, und Autoren, welche sie in verschiedene Abteilungen ihrer
Systeme verteilt haben, mußten die Schwierigkeit anerkennen, gewisse
Genera der einen Familie eher, als der andern zuzuweisen. Die
Tatsache, daß Zycodes und viele früher mit den Ophidiidae vereinigte
Formen, mit den Macruridae und Gadidae in der diphycercalen
Wirbelsäule und im Fehlen der Stacheln an den Flossen über-
einstimmen, ist nur, scheint mir, das Resultat der Degradation; sie
bilden wahrscheinlich die Endgruppe einer Reihe, in der die Wirbel-
säule ursprünglich homocercal, und Flossenstacheln vorhanden waren,
wie es bei den meisten Blenniidae und Trachinidae und ihrer
näheren Verwandten der Fall ist. Bei allen diesen Familien kann
angenommen werden, daß sie sich in mehreren Reihen entwickelt
haben, oft in Parallellinien, aus einer mit den Beryceidae eng ver-
wandten Gruppe; die Ahnlichkeit, welche ihre Endformen den
Anacanthini gegenüber haben, ist wahrscheinlich, wie durch Regan
erkannt, der Convergenz zuzuschreiben, nicht irgend einer nahen
genetischen Verwandtschaft.
Fünfzehn Familien:
I. Brustflossenstrahlen am Schulterblatt und an einer Reihe Pterygialia befestigt,
von welchen nur eins oder zwei mit dem Schulterblatt in Berührung
sind; Bauchflossen kehlständig, mit 1 Stachel und 4 oder 5 weichen Strahlen;
vordere Dorsalstrahlen gewöhnlich stachlig oder nicht gegliedert, oft eine
gesonderte Flosse bildend.
A. Epipleuralia vorhanden.
1. Zweites Suborbitale nach innen vorgezogen, um den Augapfel zu
unterstützen.
Bauchflossen dicht zusammen; Schuppen sehr schmal,
eycloid, schräge Bänder bildend . . . . . . . 1. Trachinidae.
Bauchflossen weit getrennt . . . . 2 2. 2.2.2.2..2.2 Percophüdae.
1) Op. eit. XI. 1903, p. 459.
224 G. A. Boulenger: Übersicht der Unterordnungen
2. Kein Subocularvorsprung.
Bauchflossen weit getrennt; zwei Nasenlöcher auf jeder
Seite . Ban VERA ADLER TB ee 3. Leptoscopidae,
Bauchflossen weit getrennt; ein einziges Nubortloch auf
Jedersseua, 2. are rl 4. Nototheniidae.
Bauchflossen dieht zusammen; Schuppen Si ieh)
schräge Bänder bildend; Kopf teilweise mit Knochen-
platten bedeckt. mo, le N 152) Uranostlpiane:
B. Keine Epipleuralia.
Das Posttemporale gablig, an den Schädel angegliedert,
weiche Rücken- und Afterflosse sehr verlängert . 6. Trichonotidae.
Posttemporale eng an den Schädel angewachsen; weiche
Rücken- und Afterflosse kurz (mit nur 7 bis
10 Strahlen) . . . ; 7. Callionymidae.
Posttemporale einfach, dem Schädel et
Rücken- und Afterflosse kurz; ein Bauchsaugnapf 8. Gobiesocidae.
II. Alle Brustflossenstrahlen an den Pterygialia befestigt, von denen zwei oder
drei mit dem Schulterblatt in Berührung sind; Bauchflossen, wenn vor-
handen, kehl- oder kinnständig, von 1 bis 4 Strahlen gebildet.
A. Bauchflossen kehlständig oder fehlend.
Posttemporale deutlich gegabelt; die Praecaudalwirbel mit
Querfortsätzen; einige oder alle Dorsalstrahlen
stachlig oder nicht gegliedert; Caudalflosse ge-
wöhnlich deutlich . . . . . 9. Blenniidae.
Posttemporale klein und mit dem Schädel iiken: die
Praecaudalwirbel ohne gut entwickelte Querfort-
sätze; eine sehr kurze stachlige Rückenflosse;
Caudalllosse deutlich . -. . 2 2 2.2.2.2... 10. Batrachidae.
Posttemporale deutlich gegabelt; die Praecaudalwirbel
mit Hämalbögen; alle Dorsalstrahlen stachlig;
Caudalflosse deutlich . „9... 2.000705, 011. "Pholididae:
Posttemporale deutlich gegabelt; die Praecaudalwirbel
mit Querfortsätzen; alle Dorsalstrahlen gegliedert,
oder einige wenige der hinteren stachlig; keine
deutliche Caudalflosse . . . . 12. Zoarcidae.
Posttemporale gegabelt, mit dem Schädel ak
die Praecaudalwirbel mit Querfortsätzen; keine ;
Stacheln; keine deutliche Caudalflosse . . . . . 13. Congrogadidae.
B. Bauchflossen kinnständig (unmittelbar hinter dem Kinn); keine Stacheln.
14. Ophidividae.
III. Pectoralstrahlen an eine ungeteilte knorpelige Platte, welche die Ptery-
gialia vertritt, befestigt; Bauchflossen kehlständig, zu einem, aus zwei
zusammengewachsenen Strahlen gebildeten Filament reduziert; Flossen
ohne Stachelmtet. . %: ... 10. NER ERFAHRENE
und Familien der Teleosteer (Teleostean Fishes). 225
Abteilung IX. TAENIOSOMI.
Außerordentlich zusammengedrückte, mehr oder weniger ver-
längerte, oft bandähnliche Fische von zweifelhafter Verwandtschaft,
wahrscheinlich mit den früheren Acanthopterygiern verwandt; die
Bauchflossen, wenn gut entwickelt, können 7 bis 9 Strahlen enthalten.
Die Rückenflosse erstreckt sich vom Kopf bis zum Ende des Schwanzes,
ihre Strahlen einfach (trennbar in seitliche Hälften), der vordere oft
verlängert; Afterflosse sehr kurz oder fehlend. Brustflosse mit
horizontaler, oder beinah horizontaler Basis, die Strahlen vom
Schulterblatt und drei kurzen Pterygialia getragen, alle drei, oder
wenigstens zwei von ihnen stehen mit dem Üoracoidknochen in
Verbindung. Rippen klein und schlank, oder fehlend. Posttemporale
einfach und fest mit dem Schädel verbunden. Schuppen winzig
oder nicht vorhanden.
Tiefsee- oder pelagische Fische vom Atlantischen Ocean, und
Mittell. Meer und vom Stillen Ocean; Exemplare sind selten in
Sammlungen vorhanden und ihre Lebensweise ist noch sehr un-
vollkommen bekannt, obgleich festgestellt ist, daß große Ver-
änderungen in der Form während des Wachsens stattfinden.
Nur zwei Familien:
Mund sehr vorstreckbar; Bauchflossen mehr oder weniger
entwickelt, mit 6 bis 9 Strahlen, oder zu einem
einzigen langen Strahl zurückgebildet; keine After-
flosse; After fast in der Mitte des Körpers; Caudal-
strahlen, wenn vorhanden, in zwei Zipfel geteilt,
der obere zuweilen sehr verlängert und aufwärts
Berichte ie ee 2 . Nars va 2 Zrachypteridae.
Mund mäßig vorstreckbar; Bauchflossen sehr klein, wenn
deutlich, mit 4 oder 5 Strahlen; die Leibeshöhle
erstreckt sich beinah durch den ganzen sehr ver-
längerten Körper, der After sehr weit hinten und
hinter ihm eine kurze Analflosse; Caudalflosse klein,
nieht beten 2.0.0, 0.009,77. 7.02. Lophotidae.
Unterordnung XI. OPISTHOMI.
Schwimmblase ohne offnen Gang. Opereulum gut entwickelt,
unter der Haut verborgen; das Supraoceipitale in Berührung mit
den Frontalia, die Parietalia von einander trennend. Schultergürtel
an der Wirbelsäule suspendiert, weit hinter dem Schädel; kein
Mesocoracoid. Senkrechte Flossen mit Stacheln. Bauchflossen nicht
vorhanden.
Arch. f. Naturgesch, Jahrg. 1904. Bd.I. H, 2. 15
226 G. A. Boulenger: Übersicht der Unterordnungen
Diese Abteilung steht in derselben Beziehung zu den Acantho-
pterygiern wie die Apoden zu den Malacopterygiern. Die einzige
Familie, Mastacembelidae, welche im Süßwasser Südasiens und in
Afrika lebt, stammt möglicherweise von den Blenniidae ab.
Unterordnung XII. PEDICULATI.
Schwimmblase ohne offenen Gang. Operculum groß, unter der
Haut verborgen; das Supraoccipitale in Berührung mit den Frontalia,
die Parietalia von einander trennend. Schultergürtel am Schädel
suspendiert; kein Mesocoracoid. Keine Rippen, keine Epipleuralia.
Bauchflossen kehlständig. Kiemenöffnung zu einem Loch reduziert,
welches sich in oder nahe der Achsel, mehr oder weniger hinter
der Basis der Brustflossen befindet. Körper nackt, mit Stacheln
oder Knochentuberkeln bedeckt.
Eine kleine natürliche Gruppe, mit den Acanthopterygü Jugulares
durch die Batrachidae verbunden, bei welchen die verlängerten Ptery-
gialia der Brustflosse eine Art des armartigen Gebildes („pseudo-
brachium“) schon andeuten, welches mehr oder weniger charakte-
ristisch für diese sehr abweichenden Fische ist. Wie bei den Ba-
trachidae, ist dasPosttemporale flach und mit dem Schädel verwachsen,
und die Suprascapula ist sehr verlängert. Die Pterygialia, zwei oder
drei an derZahl, sind von dem kleinen Schulterblatt und Coracoid durch
ein breites Ligament getrennt, während die armähnlichen Brustflossen
mehr oder weniger knieförmig gebogen und weit zurück hinter dem
Schädel eingesetzt sind. Der Kopf ist groß, die Schädelbasis ein-
fach. Die Kiemen sind reduziert zu 2, 2!/,, oder 3. Die stachlige
hückenflosse, wenn vorhanden, besteht aus einigen wenigen Strahlen,
welche in am Kopf eingesetzte Fühler umgewandelt sein können.
Fünf Familien:
I. Kiemenöffnung in oder hinter der unteren Achsel der Brustflosse; Mund
groß, endständig oder aufwärts gerichtet.
Brustflosse kaum knieförmig gebogen; Bauchflossen vor-
Banden 2..0%,..1.). 10. sonen, RE en. va OR
Brustflosse kaum knieförmig gebogen; Bauchflossen fehlend 2. Ceratüidae.
Brustflosse stark knieförmig gebogen; Bauchfiossen vor- 2
ander .= 2.2 2.0 ee Ae
II. Kiemenöffnung hinter der unteren Achsel der Brustflosse; Mund unterständig;
Bauchflossen fehlend . . » 2 2 2 2 222... 4 Gigantactinidae.
III. Kiemenöffnung über der Achsel der Brustflosse; Mund eher klein, sub-
terminal oder unterständig; Brustflosse stark knieförmig gebogen; Bauch-
flossen vorhanden; stachlige Rückenflosse fehlend, oder zu einem kleinen
Fühler in einer Höhlung unter der Schnauze reduziert . 5. Malthidae.
und Familien der Teleosteer (Teeleostean Fishes), 2237
Unterordnung XIII. PLECTOGNATHI.
Schwimmblase ohne offnen Gang. Öpercularia mehr oder
weniger reduziert; das Supraoceipitale in Berührung mit den Frontalia,
die Parietalia von einander trennend; Maxillaria und Praemaxillaria
oft fest verbunden. Schultergürtel am Schädel suspendiert; kein
Mesocoracoid. Keine Rippen. Bauchflossen brustständig und, wenn
vorhanden, sehr reduziert; die Beckenknochen, wenn vorhanden,
mehr oder weniger vollständig mit einander verknöchert. Kiemen-
öffnung sehr reduziert. Körper mehr oder weniger mit knöchernen
Schuppen, Knochenschildern, oder Stacheln bedeckt, oder nackt.
Eine sehr abweichende Gruppe, mit den Acanthopterygii durch
die Acanthuridae eng verbunden, wie vor langer Zeit von Dareste
nachgewiesen!). Das Skelett ist oft schwach ossifiziert und die
Wirbel an Zahl sehr reduziert, aber die Kiefer, obgleich kurz, sind
sehr stark, gewöhnlich mit großen Schneidezähnen, welche zu einem
Schnabel zusammenwachsen können; das Posttemporale ist kurz und
einfach, durch eine Naht mit dem Squamosum verbunden. Diese Fische
sind gewöhnlich in drei Abteilungen angeordnet worden: Sclerodermi,
Östracodermi und Gymnodontes; aber Regan?), dessen Einteilung
hier befolgt wird, hat gezeigt, daß die letzteren einen Typus mit
einschließen (Triodon), welcher, trotz seiner schnabelförmigen Zähne,
näher mit den Sclerodermi verwandt ist, während die Ostracodermi
viel mehr mit den letzteren gemeinsam haben, als mit den Gymno-
donten. Es scheint darum am besten, nur zwei Abteilungen gelten
zu lassen, die erste mit vier, die zweite mit drei Familien:
I. SCLERODERMI. Supraclavicula senkrecht; Schultergürtel von Barsch-Typus;
alle Wirbel mit einem einzigen Neuralstachel.
A. Körper mit harten oder stachligen Schuppen bedeckt; Epipleuralia vor-
handen; Becken vorhanden.
Zähne getrennt; stachlige Rückenflosse vorhanden; Bauch-
flossen gepaart; Becken unbeweglich . . . . . 1. Triacanthidae.
Ein Schnabel; stachlige Rücken- und Bauchflossen feblend;
Becken beweglich IR ER apa. DE
Zähne getrennt; stachlige Rückenflosse vorhanden; Bauch-
flossen fehlend oder durch einen einzigen kurzen
2. Triodontidae.
Stachel vertreten; Becken beweglich . . . . . 3. Balistidae.
B. Körper von einem Rückenschild umgeben; keine Epipleuralia; stachlige
Rückenflosse, Becken und Bauchflossen fehlen . . 4. Ostraciontidae.
II. GYMNODONTES. Supraclavieula schräg oder beinahe horizontal; die
unteren drei Pterygialia vergrößert und unbeweglich mit dem Caraco-
1) Ann. Sei. Nat., Zool. (3) XIV. 1850, p.105, and ©. R. Ac. Sci, LXXIV,
1872, p. 1527.
2) P.Z.S. 1902, p. 284.
15*
228 G. A. Boulenger.
scapularknorpel; die vordern Wirbel mit zweigespaltenen abweichenden
Neuralstacheln; Becken fehlt.
Schnabel mit einer Mittelnaht; Interopereulum nicht mit
dem Suboperculum verbunden; drei Kiemen; Caudal-
flosse vorhanden; Körper aufblähbar . . . . 5. Tetrodontidae.
Schnabel ohne Mittelnaht; Interoperculum hinter
Subopereulum befestigt; drei Kiemen; Caudalflosse
vorhanden; Körper aufblähbar. . . . . 6. Diodontidae.
Schnabel ohne Mittelnaht. Interopereulum hinter Fe
Suboperceulum befestigt; vier Kiemen; Caudalflosse
fehlend, der Körper nicht aufblähbar, hinten ab-
gestumpft, mit der Rücken- ‚und Afterflosse zu-
saımmenlaufend;...! ul) “Ilas, sn l@ih) ne ul a7. Malie:
ee ee
Helminthologische Mitteilungen Il.
Von
Dr. Ludwig Cohn-Greifswald.
Hierzu Tafel XI.
Von den Trematodenspezies, die Mehlis seiner Zeit aufgestellt
hat, war bisher ein großer Teil ungenügend oder gar nicht beschrieben.
Sein Monostomum flavum hat Mehlis!) selbst recht eingehend be-
sprochen, und Stossich?) gab von der Art eine ausreichende Ab-
bildung nebst einer Ergänzung der ersten Beschreibung, zugleich:
die Spezies zum Typus eines neuen Genus 7'yphlocoelum erhebend,
während Brandes?) sie noch zu seinem Genus Öyclocoelum gestellt
hatte. Einen Kardinalpunkt im Bau des Trematoden hatten aber
bisher die Autoren alle übersehen, und gerade er ist für die syste-
matische Stellung desselben von Bedeutung. Mon. alveatum Mehlis
glaubte Mühling) wiedergefunden zu haben. Er konnte aber die
von ihm gefundenen und beschriebenen Monostomen nicht mit Sicher-
heit mit der Mehlis’schen Art identifizieren, weil einerseits von dieser
keine Beschreibung vorlag, andrerseits die Originalexemplare in der
Göttinger Sammlung eingetrocknet und unbrauchbar waren. Gestützt
darauf, daß die kleinen Monostomen ebenfalls in Entendärmen lebten
und „mit einiger Phantasie die Körpergestalt der einer Wanne ver-
gleichbar ist“, gab er seiner Species den von Mehlis aufgestellten
Namen, der nach dem Verlust der Originale ein aussichtsloses nomen
nudum zu sein schien. Ich konnte nun feststellen, daß Mühlings
Art mit der ursprünglichen nicht identisch ist. In der hiesigen
Sammlung fanden sich Originialexemplare der meisten Mehlis’schen
Arten vor, darunter auch in großer Zahl Mon. alveatum. Mehlis stand
mit Creplin, wie sich aus der z. T. erhaltenen Korrespondenz er-
gibt, in regem Austausch der gegenseitigen Sammlungen. Die Auten-
1) Mehlis, E.,, Anzeige von Creplin’s Novae observationes de Entozois.
Isis. 1831. p. 171—74.
2) Stossich, M., I] Monostomum Mutabile-Zeder e le sue forme affine.
Triest 1902. p. 30—32.
3) Brandes, G., Revision der Monostomiden. Centralbl. f. Bacter. Bd. XII,
1892. p. 504—11.
4) Mühling, Die Helminthenfauna der Wirbeltiere Ostpreußens. Arch.
f. Naturg. 1898. Bd. I. p. 31 und 101-102
Arch. f. Naturgesch. Jahrg. 1904. Bd.I. H.3. 15
230 Dr. Ludwig Cohn:
zität der hier aufbewahrten Originale ist zweifellos. Erstens tragen
die betreffenden Sammlungsgläser den Vermerk „donum Mehlisii“,
zweitens sind die betreffenden Spezies in einer mir vorliegenden hand-
schriftlichen Liste, welche Mehlis seiner Sendung beifügte, vermerkt
und mit einer kurzen, aber sehr kennzeichnenden Diagnose versehen.
Die von Mühling beschriebene Art wird daher einen neuen Namen
erhalten müssen; ich schlage hierfür Mon. ulveiforme vor. (Den
Gattungsnamen Monostomum behalte ich hier bei, da mir auch,
ebenso wie Loos!), die Zugehörigkeit zum Genus Notocotyle sehr
zweifelhaft erscheint, dies Genus auch bei näherer Untersuchung not-
wendig einer Aufteilung unterworfen werden muß),
Nomina nuda waren weiterhin bisher Mon. holostomoides, Mon,
pingue und Mon. nephriticum, alle drei von Mehlis aufgestellt. Über
diese liegt nur eine Bemerkung von Brandes (]. c.) vor, daß es „gute
Arten“ seien.
Die Untersuchung der Originale ergab nun das überraschende
Resultat, daß nur Mon. alveatum und Mon. nephriticum wirklich Mo-
nostomiden sind, während die andern, einschließlich des 7'yphlo-
coelum flavum, mit einem kleinen Bauchsaugnapfe versehen sind, der
am Totalpräparat allerdings zum Teil garnicht, zum Teil nicht ohne
weiteres zu sehen ist. An die Beschreibung der genannten Arten
füge ich zum Schluß noch die einer Creplin’schen Art, aus dem
hiesigen Museum, die bisher auch nur Katalogname war.
Typhloceoelum flavum (Mehlis).
(Fig. 1.)
Die Literaturangaben über diese Art finden sich bei Stossich
(l. ce.) p. 30. Auch seiner Beschreibung kann ich mich ohne weiteres
anschließen, sodaß ich sie nur durch das Resultat meiner eigenen
Untersuchung zu erweitern brauche.
Ich fand zwei Gläser mit Exemplaren vor, — eins mit Originalen
von Mehlis (aus der Trachea von Anas /usca), das andere von
Creplin (aus der Trachea und den Bronchen von Anas marila).
Sagittalschnitte ergaben nun, daß die Art bisher irrtümlich zu den
eigentlichen Monostomiden gerechnet wurde. Etwas hinter der Grenze
des ersten Drittels der Totallänge zeigten die Schnitte einen äußerst
kleinen, aber wohl ausgebildeten Bauchsaugnapf von 0,17 mm Tiefe,
aber nur 0,031 mm lichter Öffnung. Da er (Fig. 1) etwa kolbenförmig
ist und nur mit dem verschmälerten Stiele der feinen Offnung aufsitzt,
so ist er am Totalpräparat bei schwächerer Vergrößerung eben über-
haupt nicht zu bemerken, zumal hinter seiner dünnen Wandung dichte
Eimassen im Uterus liegen. Bei starker Vergrößerung kann man
aber immerhin den schmalen Eingangsspalt sehen, — vorausgesetzt,
!) Loos, A., Weitere Beiträge zur Kenntnis der Trematodenfauna Ägyptens.
-ool. Jahrb- Abthl. f. System. 1899. Bd. XII. Heft 5-6.
Helminthologische Mitteilungen II. 231
daß man von seinem Vorhandensein weiß und über seine Lage
orientiert ist. Am ehesten findet man ihn noch, wenn man be-
rücksichtigt, daß die Bauchfläche, welche ja in ihrer ganzen Aus-
dehnung mit feinen, unregelmäßigen Gruben bedeckt ist, auf einem
kleinen Areal im Umkreise des Bauchsaugnapfes glatt erscheint, und
nun zuerst diese kleine, glatte Fläche aufsucht. Trotz seiner Kleinheit,
die insbesondere bei einem so großen, und zudem in glattwandigen
Körperhöhlen lebenden Parasiten jede funktionelle Bedeutung illu-
sorisch erscheinen läßt, ist der Saugnapf aber doch nicht rückgebildet,
was die Struktur anbelangt.
Wir haben es also in T'yphloc. flavum mit einem sonderbaren
Trematoden zu tun, dessen systematische Stellung nicht leicht zu
bestimmen ist. Einerseits ist er mit dem Genus Üyclocoelum augen-
scheinlich nahe verwandt; Stossich gab ja dieser unverkennbaren
Tatsache dadurch Ausdruck, daß er sein Genus 7’yphlocoelum der
von ihm aufgestellten Subfamilie Oyelocoelinae einordnete. Andrer-
seits aber kann man ihn wegen seines Bauchsaugnapfes eigentlich
überhaupt nicht zu den Monostomen rechnen. Wohin aber denn
eigentlich? Daß die Kleinheit des Bauchsaugnapfes eine Folge des
Nichtgebrauches ist, der seinerseits auf den Aufenthalt in glatt-
wandigen Innenräumen zurückgeführt werden muß, — darüber kann
meines Erachtens kein Zweifel bestehen. Dann würde also T'yphl.
flavum von Arten mit wohlausgebildetem und der Größe des Tieres
entsprechend proportioniertem Bauchsaugnapfe abstammen. Es wäre
also ein Fasciolide, der zugleich mit den Oyclocoelinen aufs Nächste
verwandt ist. Die ganze weitgehende Übereinstimmung im ana-
tomischen Bau bis auf die speziellsten, für die Subfamilie charak-
teristischen Merkmale kann man doch unmöglich einfach als Kon-
vergenzerscheinung zwischen Monostomiden und Fascioliden abtun.
Andrerseits wissen wir, das den Monostomen, wenigstens zum
Teil, ein Mundsaugnapf nicht primär fehlt, da Cycl. mutabile und
andere noch ein Rudiment desselben besitzen. Das Verschwinden
des Mundsaugnapfes ließe sich auch hier durch die geschützte Wohn-
stelle erklären, die das Festsaugen entbehrlich macht; sehen wir doch
z. B. auch unter den Cestodariern bei Amphilina, die geschützt lebt,
kein Haftorgan ausgebildet. Daß der tiefer innen gelegene Schluck-
apparat ein Pharynx und nicht etwa ein Mundsaugnapf ist, beweist
die Lage des Gehirnkommissur vor demselben, — also an der für
die Fascioliden typischen Stelle zwischen Pharynx und Mundsaugnapf.
Da bei der überwiegenden Mehrzahl der Monostomiden keine
Spur eines Mundsaugnapfes vorhanden ist, so muß man annehmen,
daß Cycl. mutabile sich erst weniger weit von einem fasciolidenartigen
Vorfahren entfernt hat; es stammt jedenfalls von einer Art mit
Mundsaugnapf ab, die den Fascioliden dadurch näher stand, als es
heute bei CÜyel. mutabile der Fall ist.
Stellen wir nun das Vorgehende über Cyel. mutabile und T’ypkl.
flavum zusammen, so kommen wir zu dem Folgenden: beide leben
in geschützten Räumen, wo die Festheftung teils überflüssig, teils
Arch. f. Naturgesch, Jahrg. 1904. Bd.I, H.3. 15*
2332 Dr. Ludwig Cohn:
wegen der Glätte der Wandung illusorisch war, — beide weisen
rudimentäre oder schwach entwickelte Haftorgane auf, wenn auch
der Rückbildungsprozeß hier und dort an verschiedenen Stellen
eingesetzt hat; Cycl. mutabile hat noch einen Rest des Mundsaugnapfes,
aber keine Spur des Bauchsaugnapfes, Typhl. flavum weist gerade
das umgekehrte Verhalten auf. Im inneren Bau stehen sich dabei
beide ebenso nahe, wie in der äußeren Form. Da liegt die An-
nahme eines genetischen Zusammenhanges nahe. Ich halte beide
für Nachkommen eines Fascioliden oder doch sehr nahe verwandter
Fascioliden.
Hierdurch wird aber die scharfe systematische Scheidung, welche
sich sonst zwischen Fascioliden und Monostomiden aufrecht erhalten
ließ, meines Erachtens weniger prägnant. Wenn auch kein Material
vorliegt, um die — übrigens wenig wahrscheinliche — Annahme
zu stützen, die Monostomiden stammten überhaupt von Fascioliden
ab, so tritt doch das Genus Öyelocoelum mit seinem nächsten, zur
gleichen Subfamilie gehörigen Verwandten in eine Sonderstellung,
welche die Mitte zwischen beiden einnimmt. Es ist mir sogar fraglich,
ob man nicht die Oyclocoelinae, trotz ihres Monostomidentypus, besser
überhaupt von den Monostomen abtrennt und als degenerierte Glieder
den Fascioliden anordnet, wie es für T’ypAl. flavum geschehen muß.
Wir werden ja in den nächst beschriebenen Arten sehen, daß ein
Schwinden des Bauchsaugnapfes bis auf kleine funktionsunfähige
Reste bei geschütztem Wohnort nicht auf T'yphl. lavum beschränkt
ist, sodaß die betreffenden Tiere erst nach geeigneten Schnitten als
Fascioliden erkannt werden können.
Für das Genus T'yphloecoelum Stossich, das zugleich bis auf
weiteres aus der Subfamilie der Oyelocoelina ausscheidet, ist mit-
hin die von Stossich gegebene Diagnose umzuändern, damit das
neue richtige Merkmal darin Aufnahme findet. Die Genusdiagnose
lautet also:
Genus T'yphlocoelum:
Fascioliden mit überaus kleinem Bauchsaugnapf an der
Grenze des ersten Körperdrittels, ohne Mundsaugnapf. Am
Hinterende vereinigte Darmschenkel mit medianwärts ge-
richteten einfachen und gespaltenen Divertikeln. Hoden stark
lobos in der Darmkurve gelegen. Ovarium einfach, kugelig,
neben dem vorderen Hoden. Dotterstöcke seitlich, aus zahl-
reichen Acini bestehend.
Typische Art: T’yphl. lavum (Mehlis).
Renicola pinguis (Creplin) n. gen.
(Fig. 2 u. 3.)
1843. Monostomum pingue Mehl. Creplin, F.C.H. Arch. f.
Naturg. Bd. 1.
Helminthologische Mitteilungen 11. 233
1892. Monostomum pingue Mehl. Brandes, G. Revision der
Monostomiden. Centralbl. f. Bacter. Bd. XII. p. 504—11.
1879—93. Monostomum pingue Mehl. Braun, M. Bronn’s Klassen
n. Ordn. d. Tierreichs. Vermes. Bd. IV. Ia. p. 915.
Während Brandes diese Art noch zu den Monostomen rechnet,
zeigen meine Fig. 2 und 3 deutlich, daß wir hier eine echte Fas-
ciolide vor uns haben. Fig. 2 giebt nach einer Rekonstruktion einer
Schnittserie die Konfiguration der Organe bis auf den Uterus wieder;
eine Totalzeichnung nach einem einfach aufgehellten Exemplar da-
neben zu setzen hielt ich für überflüssig, da der dichtgefüllte Uterus
mit seinen eng aneinander liegenden Windungen den ganzen mittleren
Teil vollkommen verdeckt, sodaß man bis auf den äusseren Teil
der Dötterstöcke nichts von den inneren Organen sieht. Selbst der
Pharynx verschwindet unter einer Uterusschlinge. Die charak-
teristische Gesamtform hingegen kommt auch in der Rekonstruktion
zum Ausdruck.
Als Original liegt mir (donum Mehlisii) ein Teil einer Niere
von Podiceps cristatus vor, die überaus stark infiziert ist. Die Parasiten
sitzen in den Nierenkanälchen, und zwar stets zu zweien beisammen
in einer Auftreibung, die bei 2 mm Länge ca. 1 mm breit ist. Um
den Sitz der Schmarotzer herum ist das Nierengewebe noch gut
erhalten; die Zahl der Fasciolidenpärchen ist aber so groß, daß das
gesunde Gewebe eigentlich nur noch ein Füllsel zwischen den Auf-
treibungen bildet, und die ganze Niere ein traubiges Aussehen hat.
Die einzelnen Auftreibungen, welche eine dünne bindegewebige
Wandung haben, stehen durch einen engen Gang mit dem Nieren-
becken noch in offener Verbindung.
In dem Register, das Mehlis seiner Sendung an Creplin
beilegte, finde ich folgende Diagnose zu dem aufgestellten Species-
namen: „corporis mollis, depressi, obovati, antrorsum obtusissimi,
retrorsum acuminati, dorso convexo, ventro planiusculo, acetabulo
oris magno, ore subsupero.“ Dazu bemerkte Mehlis noch: „Die
Verzweigungen der Harnleiter waren — wie ein beigelegter Teil
derselben zeigt — durch die ganze Niere mit diesen Tieren wie
ausgestopft.“
Renicola pinguis ist 1,5 mm lang und hat seine größte Breite
im vorderen Körperdrittel mit 0,85 mm. Das Hinterende setzt sich
scharf ab und spitzt sich beträchtlich zu. Der dorsoventrale Durch-
messer des Vorderkörpers beträgt 0,35 mm, was bei der Menge der
in reifem Zustande tief dunkelbraunen Eier die erfolgreiche Unter-
suchung am Totalpräparate unmöglich macht. In der Erweiterung
des Harnkanals liest das Tier mit eingeklapptem Hinterende. Am
breit abgerundeten Vorderende befindet sich der runde, 0,21 mm
messende Mundsaugnapf, dem sich der kleine Pharynx von nur
0,057 mm Länge direkt anschließt. Die Mundöffnung liegt, wie es
schon Mehlis angiebt, subterminal ventral. Wie weiter aus Fig. 2
ersichtlich ist, führt dann ein kurzer Oesophagus in die sehr breiten,
234 Dr. Ludwig Cohn:
aber kurzen Darmschenkel, welche nur wenig über die Mitte der Ge-
samtlänge nach hinten reichen. Zwischen den Darmschenkeln,
aber dorsalwärts verschoben, ziehen die mächtig entwickelten Ex-
kretionskanäle, deren Breite den Darmschenkeln nicht nachsteht.
Beim Eintritt in das verschmälerte Hinterende vereinigen sich die
beiden Gefäße zur Exkretionsblase, die allmählich sich verengernd,
an der hintersten Spitze endet. Vorne kreuzen die Exkretionsgefäße
dorsal die Darmschenkel und ziehen bis zum Mundsaugnapf hinauf,
wo sie sich plötzlich verengern und eine dorsal vom Pharynx ver-
laufende Commissur bilden. Fig. 3 zeigt, daß die Wassergefäße
stellenweise dicht Wand an Wand mit dem Darm grenzen können,
doch wechselt dies mit dem Füllungszustande.
Wenig hinter der Mitte der Körperlänge liegt ein kleiner Bauch-
saugnapf, den sowohl Mehlis, als auch Brandes übersehn haben.
Teils seiner Kleinheit wegen (0,073 mm), teils weil er dichten,
dunkeln Eimassen aufliegt, die an dieser Stelle hinter dem Genital-
porus einen fast schwarzen Fleck bilden, der auch am ganzen Tiere
deutlich hervortritt, ist der Bauchsaugnapf am Totalpräparat absolut
unsichtbar. Direkt hinter ihm liegt der hintere Hoden, diesem vorn
und seitlich angelagert der zweite. Eine kleine Vesicula seminalis
findet sich noch weiter nach vorne, gleich hinter dem flachen Genital-
atrium. Ein Kopulationsorgan fehlt.
Das Ovarium liegt seitlich und der Ventralfläche an. Der Ovidukt
verläuft medianwärts zu der kleinen, runden und in der Mittellinie
liegenden Schalendrüse. Die Dotterstöcke, deren kompakte Masse
keine deutliche Trennung in einzelne Teile, sondern nur 4 oder
5 wenig scharfe Einkerbungen am Rande zeigt, bestehen aus großen
Follikeln und nehmen etwa das mittlere Körperdrittel ein, jederseits
wenig über die hinteren Enden der Darmschenkel hinausragend.
Die Dottergänge gehen dicht an der dorsalen Fläche ab (Fig. 3),
umgehen dorsal die Darmschenkel und verlaufen dann ventralwärts
in einer schmalen Parenchymleiste, welche in das weite Lumen der
Wassergefäße hineinspringt, sodaß auf Schnitten die Dottergänge
oftmals mitten durch das Wassergefäß zu ziehen scheinen. An ihrer
Vereinigungsstelle bilden sie ein kleines Dotterreservoir, von welchem
der unpaare Dottergang abgeht.
Die Uterusschlingen füllen den ganzen übrigen Raum in den
beiden vorderen Körperdritteln aus. An der helleren Farbe der
jüngeren Eier im Gegeusatz zu der fortschreitenden Bräunung im
Verlauf der weiteren Entwickelung kann man den Verlauf des Uterus
im Allgemeinen feststellen, wenn sich auch die einzelnen Windungen
dicht an einander legen und über einander hinweggehen. Der Uterus
steigt von der Schalendrüse, nach rechts abliegend, zuerst auf der
rechten Seite, auf welcher das Ovarium liegt, in mehreren Windungen
nach vorne. Zum Teil den Pharynx deckend, geht der Uterus dann
auf die linke Seite über und wendet sich hier in querlaufenden Win-
dungen nach hinten. Nachdem er zuletzt eine Schleife links von der
Exkretionsblase bis weit in den schmalen Endteil hineingesendet
Helminthologische Mitteilungen II. 235
hat, wendet sich der Uterus, die Vereinigungsstelle beider Wasser-
gefäße kreuzend, wieder nach rechts, verläuft auch hier erst in
einer langen Schleife längs der Exkretionsblase, um dann wieder
nach vorn zu steigen und sich wenig hinter dem Bauchsaugnapfe
der Mittellinie zuzuwenden. Hier im Mittelfelde bilden dann die
Schlingen, welche nunmehr ganze tiefbraune Eier enthalten, ein un-
entwirrbares Konvolut von Schlingen, das die hier liegenden Organe
am Totalpräparat vollkommen verdeckt und am Tiere als knopfförmige
Verdickung hervortritt. Die Mündung des Uterus findet sich dicht
neben der männlichen im Genitalatrium. Die kleinen Eier messen
0,042 : 0,019 mm.
Auch hier liegt also ein Fall vor, wo ein Fasciolide im Begriffe
ist, sein ventrales Saugorgan infolge Nichtgebrauches zu verlieren, da
er rein mechanisch an seinem Wohnorte ebenso sicher festgelegt
ist, wie etwa die Brandesia turgida der Frösche.
Die Diagnose für das neu aufgestellte Genus lautet:
Renicola n. gen. Fascioliden mit breitem Vorderkörper
und verschmälerten Hinterkörper. Bauchsaugnapf rückge-
bildet. Darmschenkel breit, wenig hinter den Bauchsaugnapf
reichend. Dotterstöcke seitlich im mittleren Körperdrittel,
Ovarium rechts gelegen. Hoden etwa median vor einander.
Genitalporus vor dem Bauchsaugnapf. Kopulationsorgan
fehlt. Paarweises Vorkommen.
Typische Art: Ren. pinguis (Creplin).
Was den Autornamen anbelangt, so sehe ich mich genötigt, an
Stelle von Mehlis, dem die Art bisher zugeschrieben wurde, Creplin
zu setzen. Wenn auch der Name und die erste handschriftliche
Diagnose von Mehlis stammen, sodaß sich Creplin veranlaßt sah,
den Namen Jenes als Autornamen daneben zu setzen, so ist die Art
doch von Creplin zuerst publiziert, was für die Feststellung des
Autornamens allein maßgebend sein kann.
Taphrogonymus holostomoides (Creplin).
1843. Monostomum pingue Mehlis. Creplin, F.C.H. Arch. f.
Naturg. Bd. 1.
1892. Monostomum pingue Mehlis. Brandes, G. Revision der
Monostomiden. Centralbl. f. Bact. Bd.. XII. p. 504—11.
1879—93. Monostomum pingue Mehlis. Braun, M. Bronn’s Klassen
n. Ordn. d. Tierreichs. Vermes. Bd. IV. Ia. p. 915.
Auf den ersten Blick glaubt man ein Hemistomum vor sich zu
haben; nähere Untersuchung am Totalpräparat läßt das Tier aber
als \ionostomum erscheinen, für das es bisher auch gehalten wurde.
Erst auf Schnitten erkennt man es in seiner Natur als Fascioliden
wieder. Mehlis’ Diagnose in dem oben zitierten Register lautet:
„Corporis depressi parte anteriore discreta, ovata, supra convexa,
236 Dr. Ludwig Cohn:
infra concava, posteriori longiori et angustiori, lanceolata, acetabulo
oris magno. — Porus genitalis ante marginem partis anterioris
posticum.* Die Totallänge beträgt 3,45 mm, die des vorderen flachen
Teils 1,17 mm. Die Breite ist vorn 0,48 mm, an der breitesten Stelle
des hinteren Körperabschnittes 0,64 mm. Das Material stammt aus
dem Enddarm von Podiceps cristatus.
Am Vorderende öffnet sich subterminal ein großer, querovaler
Mundsaugnapf von 0,531 mm Durchmesser, an den sich ein kleiner
Pharynx von 0,19 mm, durch ein kurzes praepharyngeales Rohr vom
Saugnapf geschieden, anschließt. Der tönnchenförmige Pharynx liegt
schief dorsoventral geneigt. Ein kurzer Oesophagus von wenig über
Pharynxlänge führt in die Darmschenkel, welche mit kräftig mus-
kulösen Wandungen versehen sind und bis an das äußerste Hinterende
des Tieres ziehen; hier biegen die Enden etwas medianwärts um,
ohne sich aber zu berühren.
An der Grenze des flachen vorderen und des dicken hinteren
Körperteiles findet sich median (ventral) ein großes Genitalatrium, in
Form eines tiefen, von zwei Falten überragten Raumes; in dieses
Genitalatrium ist der Bauchsaugnapf hineingezogen. Der kleine
Saugnapf ist kreisförmig mit Durchmesser von 0,11 mm, während
sein Tiefendurchmesser nur 0,08 mm beträgt. Er nimmt die vordere
Ecke im Grunde des Genitalatriums ein. Neben ihm liegt eine kuglige
Vesicula seminalis von 0,1 mm Durchmesser dem Grunde des Atriums
dicht an und hinten mündet dann der Uterus. Es ist begreiflich,
daß bei solcher Configuration der Saugnapf am Totalpräparate
übersehen werden konnte.
Die Genitalorgane liegen alle in der hinteren, dickeren Hälfte
des Tieres, die Drüsen etwa in der Mitte der Gesamtlänge. Schief
hinter einander liegen die beiden großen runden Hoden von
0,52:0,37 mm, die eine wenig ausgeprägte Buchtung der Ränder
aufweisen. Nach der Vereinigung der kurzen Vasa efferentia schwillt
das Vas deferens unmittelbar zu einer sehr großen, gewundenen
Vesicula seminalis an, die dorsal und zum Teil seitwärts um das
Ovarium herumzieht, das vor dem vorderen Hoden liegt. Durch einen
verengten ductus ejaculatorius steht die Vesicula mit der bereits
erwähnten sekundären, kleinen Vesicula am Genitalatrium in Ver-
bindung.
Das Ovarium, 0,18 mm im Durchmesser und annähernd rund,
ist von dem vorderen Hoden um seine eigene Länge entfernt. Der
Ovidukt geht nach hinten zu ab, da die Schalendrüse zwischen
Ovarium und Hoden liegt. Receptaculum seminis und Laurer’scher
Kanal scheinen zu fehlen, — leider konnte ich nicht alles mit er-
wünschter Genauigkeit feststellen, da das Material spärlich ist, und
ich nur ein lädiertes Exemplar schneiden konnte. Die Dotterstöcke
reichen jederseits von der Grenze des letzten Viertels bis vor den
vorderen Hoden. Die Dottergänge gehen auf der Höhe des vorderen
Hodenrandes ab. Der Uterus zieht von der Schalendrüse erst nach
hinten, und füllt in sehr zahlreichen, mehr oder weniger quer ver-
Helminthologische Mitteilungen I. 237
laufenden, unregelmäßigen Windungen den ganzen hinteren Körper-
teil. Der aufsteigende Ast zieht erst zwischen beiden Hoden, dann
zwischen dem vorderen Hoden und dem Ovarium durch und erreicht
mit einem nur schwach geschlängelten, sehr verengten und mus-
kulösen Endabschnitte die hintere Ecke des Genitalatriums, wo er
ausmündet.
Eucotyle nephritica (Creplin).
(Fig. 4.)
1843. Monostomum nephriticum Mehlis. Creplin, F. C.H.
Arch. f. Nat. B. 1.
1892. Monostomum nephriticum Mehlis. Brandes, Cent. f.
Bacter. Bd. XII p. 504—11.
1873—93. Monostomum nephriticum Mehlis. Braun, M. Bronn’s
Classen u. Ordn. d. Tierr. Vermes. Bd.IV, Ia p.915.
Diese vierte, von Mehlis eigentlich entdeckte und benannte,
doch von Creplin (ebenso wie die vorhergehende) zuerst publizierte
Art ist endlich ein echtes Monostomum, insofern sie keine Spur
eines Bauchsaugnapfes aufweist. Doch hat sie neben dem Pharynx
einen gut ausgebildeten Mundsaugnapf, was ich in dem Genus-
namen zum Ausdruck gebracht habe. Die von Mehlis geschenkten
Exemplare in der hiesigen Sammlung sind in der Niere von Üo-
Iymbus arcticus, in den Nierengängen, gesammelt.
Im Gegensatz zu dem erstbeschriebenen Nierenparasiten ist
diese Art ganz flach-blattförmig und durchscheinend. 3,5 m lang
und 0,7 mm breit, hat sie vor der Darmgabelung einen dorsalen
und ventralen Querwulst, sodaß ein dreieckiger, etwas dickerer
Kopfzapfen abgesetzt wird. der aber, wegen des überhaupt geringen
dorsalventralen Durchmessers des Parasiten, schwächer hervortritt,
als etwa bei ( Pleurogonius) trigonocephalus (Rud.). Der runde
Mundsaugnapf von 0,24mm schließt unmittelbar an den kleinen
Pharynx (0,09 mm) an, auf welchen ein Oesophagus von 0,35 mm
Länge folgt. Die Darmschenkel, breiter als der Oesophagus, sind
am äußeren Rande geradlinig, medial dagegen kräftig gebuchtet,
ohne daß man aber von eigentlichen Divertikeln sprechen könnte.
Sie reichen bis nahe an das Hinterende. (Fig. 4.)
Schon Mehlis bemerkte (nach seinem bereits zitierten Register)
die charakteristische Eigenart im Bau des Genitalapparates: „Lage
der Hoden ganz eigentümlich, an der Außenseite der Darmschenkel,
zwischen diesen und den Ovarien“, — (soll Dotterstöcke heißen).
Außerhalb der Darmschenkel liegen die Hoden bei einer ganzen
Reihe von Monostomiden-Genera, doch biegen dann immer nur die
Enden der Darmschenkel medialwärts zwischen die Hoden, während
andrerseits dann die Dotterstöcke stets erst vor den Hoden beginnen.
Bei Eucotyle nephritica hingegen liegen die Hoden noch vor der
Mitte der Körperlänge und mitten in der Dotterstocksreihe. Die
Vasa efferentia gehen von dem vorderen, etwas zugespitzten Ende
238 Dr. Ludwig Cohn:
der 0,53 mm langen und 0,13 mm breiten Hoden ab; die letzteren
liegen schief von dorsal und vorn nach hinten und ventral gerichtet.
Die Vasa efferentia umgehen den Darm dorsal, vereinigen sich nahe
der Medianlinie und münden mit sehr kurzem, unpaarem Gange in
eine große Vesicula seminalis. Ein Cirrhus fehlt. Der Genitalporus
liegt etwas seitlich von der Mittellinie ca. 0,25 mm hinter der Darm-
gabelung.
Auf derselben Seite wie der Genitalporus, dicht hinter demselben
und ganz zur Seite gedrückt, liegt das Ovarium, direkt hinter ihm
die kleine, runde Schalendrüse, hinter dieser ein kleines Dotter-
reservoir, d.h. eine Erweiterung an der Vereinigungsstelle beider
Dottergänge. Die Dotterstöcke sind nicht stark entwickelt; sie be-
stehen aus zahlreichen kleinen Follikeln und reichen von der Höhe
der Darmgabelung bis etwa an die Grenze des letzten Körperdrittels,
Durch die Hoden werden sie etwa halbiert.
Vom Uterus kann man den aufsteigenden und den absteigenden
Ast (der letztere verläuft dorsal) deutlich verfolgen. Die Schlingen
reichen noch etwas über die Enden der Darmschenkel hinaus; vorn
reicht eine Schleife noch vor den Genitalporus bis dicht an die
Darmgabelung heran. Die Eier sind zahlreich und sehr klein,
ca. 0,27 :0,14 mm.
Diagnose der Gattung:
Eucotylen. gen. Monostomiden mit konischem, abgesetztem
Kopfstück, flach und lang gestreckt. Gut ausgebildeter
Mundsaugnapf; die Darmschenkel reichen bis ans Hinter-
ende. Die Hoden liegen vor der Mitte der Körperlänge
jederseits außerhalb der Darmschenkel, zwischen diesen und
den Dotterstöcken. Ovarium submedial. Genitalporus hinter
der Darmgabelung, Kopulationsorgan fehlt.
Typische Art; Eucotyle nephritica (Creplin).
Pronopharynx nematoides n. gen. n. sp.
(Fig. 5.)
Von diesem Monostomiden fand ich ein ganzes Exemplar sowie
den vorderen Teil eines zweiten in der Creplin’schen Sammlung
mit dem Etikett: „ex intestinis Aquilae albicillae, e coll. cel. Otto.“
In der Litteratur finde ich den Catalognamen Creplin’s nirgends
zitiert. Da an dem 5,2 mm langen, 0,29 mm breiten und drehrunden
Tiere am Totalpräparate die inneren Organe nicht alle zu sehen
waren, so habe ich das lädierte Exemplar in eine Schnittserie zerlegt.
Die Mundöffnung ist terminal und rund. Sie führt in einen
tiefen, tonnenförmigen Vorraum, in welchen der dahinterliegende
Pharynx mit einem Ringwulste vorspringt. Am Totalpräparate war
der Bau dieses Vorderendes nicht klar zu erkennen, an dem ge-
schnittenen Exemplar war es leider stark gekrümmt, so daß ich
mir nach dem Präparat auch kein klares Bild kombinieren konnte.
Helminthologische Mitteilungen Il. 239
Die Wandung des Vorraums ist stark muskulös, sein Hinterrand
durch Längsmuskeln mit dem vordersten Mundrande verbunden,
sodaß jedenfalls der Boden des Vorraums protrahiert werden kann;
sodann würde der Ringwulst am Pharynxeingange an die freie
Mundöffnung herantreten. Hierdurch wäre eine recht intensive an-
saugende Funktion des Vorraumes möglich, obgleich die Wandung
desselben mit dem typischen Bau eines Mundsaugnapfes keine Ahn-
lichkeit hat; das Ansaugen käme ja auch auf ganz untypische Art
zustande.
Der langgestreckte Pharynx legt sich, wenn ganz retrahiert, in
eine S-förmige Krümmung. Der Oesophagus ist sehr kurz. Die
ungeraden Darmschenkel reichen bis an das Hinterende, sind aber
in der ganzen hinteren Körperhälfte von den Dotterstöcken völlig
eingehüllt, sodaß man sie nur stellenweise zu Gesicht bekommt.
Beide Hoden liegen median, dorsal und in der vorderen Körper-
hälfte hinter einander. Bei jedem derselben setzt sich an das
schmale, langgestreckte Mittelstück jederseits ein gelappter und viel
dickerer Flügel an, sodaß die Hoden den median ziehenden Uterus
von der dorsalen Seite wie mit einer Rinne umfassen. Vor dem
vorderen Hoden liegt eine stark gewundene Vesicula seminalis. Der
Genitalporus sitzt median der Darmgabelung auf. Ein Begattungs-
organ fehlt.
Das Ovarium liegt hinter dem hinteren Hoden auf der rechten
Seite und mißt 0,12 mm. Da nun aber die Schalendrüse sehr ent-
fernt von ihm im Zwischenraum zwischen den beiden Hoden liegt,
so erreicht der Ovidukt eine ungewöhnliche Länge und verläuft als
0,355 mm langer Gang vom Eierstock dorsal am hinteren Hoden
vorbei.
Die Dotterstöcke nehmen als kompakte Masse, in welcher man
die Zusammensetzung aus zwei Dotterstockfeldern nicht mehr sehen
kann, das ganze hintere Körperdrittel ein, wo sie den Darm, wie
gesagt, völlig umhüllen. Nach vorn zu reichen sie dann als seitlich
gelegene Follikelstreifen bis zum Vorderende des hinteren Hodens
hinauf. Die Dottergänge vereinigen sich dicht vor der Schalendrüse
zu einem kleinen Dotterreservoir. Der Uterus zieht von der Schalen-
drüse zuerst nach hinten als gleich anfangs recht weiter Gang, der
sich späterhin aber noch mehr ausdehnt. Seine dicht an einander
gedrängten, aber in der Querrichtung nur sehr kurzen Schlingen
reichen bis hinter die Körpermitte hinaus. Der aufsteigende Ast
zieht dann dorsal von Schalendrüse und Dotterreservoir, doch ventral
von den Hoden in der Mittellinie als gerader Gang nach vorn und
mündet, die Schlingen der vesicula dorsal passierend, hinter dem
männlichen Porus aus. Die Eier sind sehr wenig zahlreich und
relativ sehr groß, 0,08: 0,041 mm,
Die Genusdiagnose wäre:
Pronopharynx n. gen.
Langgestreckte, drehrunde Monostomiden mit vorstülp-
240 Dr. Ludwig Cohn:
barem Pharynx. Die gelappten, zweiflügeligen Hoden hinter
einander in der vorderen Körperhälfte, Ovarium hinter,
Schalendrüse zwischen ihnen. Oesophagus kurz, Darm-
schenkel bis aus Hinterende reichend. Eier groß.
Typische Art: Pronoph. nematoides mihi.
Opisthodiseus diplodiscoides n. gen. n. sp.
(Fig. 6-8.)
Unter einer Anzahl von Gläsern, die mit Diplodiscus subelavatus
bezeichnet waren, fand ich in der hiesigen Sammlung eines (Glas
XIV 14. A.), dessen Inhalt mir durch die bedeutende Größe der
Helminthen auffiel. Die Trematoden sind von Creplin in Wolgast
aus dem Rektum einer Rana esculenta gesammelt. Die genauere
Untersuchung ergab denn auch, daß es sich um eine ganz ab-
weichende Art handelt, die mit Dipl. subelavatus nicht einmal in
demselben Genus verbleiben kann.
Opisth. diplodiscordes hat ganz die gleiche Gestalt, wie Dipl.
subelavatus, ist aber schon äußerlich, abgesehen von seiner be-
deutenden Größe, dadurch kenntlich, daß an ihm keine Spur der
für jenen so charakteristischen, dunkel hervortretenden und an den
Seiten des Saugnapfes zu Flecken erweiterten Exkretionskanälen zu
sehen ist. Das größte Exemplar ist 2,65 mm lang, in der Mitte
1,17” mm, am Hinterende 1,47 mm breit. Der vorgestülpte Teil des
Mundsaugnapfes ist 0,37 mm breit. Im Querschnitt ist der Körper
drehrund, in der Längsachse ventral etwas konkav gekrümmt.
Der Mundsaugnapf ist von bedeutender Größe, 0,9 mm lang,
und hat hinten die beiden auch für Dipl. subelavatus charakteristischen
Taschen. ‘ Der Oesophagus geht vor der Ansatzstelle dieser Taschen
ventral ab und umkreist dann den Saugnapf, sodaß die Stelle der
Darmgabelung dorsal vom Saugnapf zu liegen kommt. Dabei ist
der Oesophagus fast in seiner ganzen Länge von senkrecht zu seiner
Wandung stehenden großen, birnförmigen einzelligen Drüsen begleitet,
welche ohne sichtliche Ordnung, die Wandung mit dem dünnen
Ausläufer durchsetzend, ins Innere des Oesophagus münden. Diese
Wandung des Oesophagus ist sehr dick und weist unter einem
äußeren Mantel von Längsmuskeln, die zu derben Bündeln vereinigt
sind, eine kräftige Ringmuskulatur auf. Das Lumen ist von einer
dicken Cuticula ausgekleidet, welche in Form von Leisten in das
Lumen einspringt.
Ganz asymmetrisch ist der Darm gebaut. Während der eine
Darmschenkel in fast geradem Verlaufe und nur wenig dorsoventral
gewölbt bis an das Körperende zieht, sodaß er die Ecke des End-
saugnapfes erreicht, ist der andere Schenkel stark gekrümmt (bei
allen untersuchten Exemplaren), reicht weniger weit nach hinten
(etwa bis auf die Höhe des Ovariums) und biegt mit seinem End-
abschnitte vom Seitenrande in starker Knickung nach der Mittellinie
Helminthologische Mitteilungen II. 241
zu ab. Die Darmwandung ist ungemein dick, sodaß ihr Durchmesser
größer ist, als der des freien Lumens. Während aber die Dicke
der Oesophaguswand auf die. starke Entwickelung der Muskulatur
zurückzuführen war, ist hier nur eine dünne äußere Hülle vorhanden,
der aber innen eine mächtige Schicht sehr hoher, cylindrischer
Zellen aufsitzt. Diese Zellen sind 0,031 mm hoch, ihr großer Kern
liegt der Zellbasis genähert. Nach dem Darmlumen zu ist das freie
Ende der Zellen mit langen fadenförmigen Fortsätzen von 0,052 mm
Länge besetzt, die wohl als Flimmerhaare aufzufassen sind.
Die Körpermuskulatur ist nicht stark, das Parenchym auffallend
großblasig.. Vom Nervensystem konnte ich an dem alten Material
nur die Gehirnganglien sehn. Das Wassergefäßsystem, das am
Hinterende dorsal ausmündet (Fig. 7) ist ähnlich wie bei Dipl. sub-
clavatus gebaut, enthält aber nicht die für diesen so charakteristischen
schwarzen Konkretionen. Daß dieses nicht etwa auf Extraktion
beruht, beweisen die zahlreichen ebenso lange in Alkohol liegenden
Exemplare von Dipl. subelavatus in demselben Glase, in denen sie
vollkommen erhalten sind.
Der Endsaugnapf ist tief ausgebuchtet und hat in der Mitte
einen weit, bis über den Rand des Endsaugnapfes, vorstreckbaren
Zapfen, der an seinem breit abgeplatteten Ende eine Einsenkung
besitzt und sich selbständig festzusaugen vermag. Fig. 8 zeigt einen
Sagittalschnitt durch den Endsaugnapf und die Anordnung der
Muskulatur desselben. Während an der ganzen Innenfläche Ring-
fasern vorhanden sind, die nur nach dem Saugnapf- und dem Mittel-
zapfen-Rande schwächer werden, weist die Außenfläche fast nur an
ihrem freien Teil Ringfasern auf, welche nach dem Saugnapfrand
zu allmählich abnehmen. Im centralen Zapfen dienen die mittleren
Radiärfasern zur Vertiefung des Lumens und werden wohl hierbei
von den nur schwachen meridionalen Fasern unterstützt.
Ein Hauptunterschied gegenüber dem Dipl. subelavatus besteht
darin, daß die Hoden selbst in ganz ausgewachsenen, reifen und
mit Eiern gefüllten Exemplaren stets in der Zweizahl vorhanden
sind. Sie liegen auch so weit auseinander, daß an ein sekundäres
Verschmelzen garnicht zu denken ist. Im Gegensatz zu jener Art
liegen die Hoden nicht vor dem Ovarium, sondern etwa auf gleicher
Höhe -mit demselben, reichen sogar weiter nach hinten, als jenes.
Sie messen 0,29:0,24mm und sind mit der längeren Achse quer
gestellt. Der Genitalporus liegt ganz vorn auf der ventralen Fläche
paramedial, etwa auf einer Höhe mit der Abgangsstelle des Oeso-
phagus vom Mundsaugnapfe. Der Cirrhusbeutel ist lang und schmal
(0.3: 0,075 mm); seine Wandung ist wenig muskulös.
Das große ovale Ovarium von 0,26:0,24 mm liegt im letzten
Drittel der Körperlänge median. Seinem hinteren Ende liegt seitlich
die runde, kompakte Schalendrüse an. Receptaculum seminis und
Laurer’scher Kanal waren nicht nachzuweisen. Die Dotterstöcke
liegen seitlich und reichen meist verschieden weit. Sie ziehen vom
Hinterende bis nahe an die Saugnapftaschen oder auch noch etwas
Arch. f. Naturgesch. Jahrg, 1904. Bd. I. H. 3, 16
242 Dr. Ludwig Cohn:
weiter nach vorn, an diesen vorbei, und bestehen aus weniger zahl-
reichen, großen Follikeln. Der Uterus bildet sehr dichte, unregel-
mäßige Schlingen im Mittelfelde. Die sehr großen Eier, deren Zahl
nur gering ist, messen 0,13: 0,07 mm.
Die nahe Verwandtschaft dieser Art mit dem Dipl. subclavatus
ist zweifellos, doch gehen andrerseits die Unterschiede zu weit, als
daß sich beide Arten einfach in demselben Genus zusammenstellen
ließen; es würde dadurch eine allzu große Incongruenz im Vergleich
zu dem systematischen Maßstabe entstehen, den die Autoren heute
bei der Einteilung der andern Familien der Trematoden anlegen.
Ich stelle daher für die Art das neue Genus ÖOpisthodiscus auf.
Andrerseits liegen die zahlreichen Übereinstimmungen in der äußeren
Form und im inneren Bau für die beiden Genera Diplodiscus und
Opisthodiscus so klar, daß man sie mit Sicherheit als Glieder der-
selben Subfamilie betrachten kann, welche dann den Namen Diplo-
discinae nach dem älteren Genus führen könnte.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch auf einen Trematoden
aus Herpetodryas fuscus nochmals eingehen, den ich unter dem
Namen Amphistomum dolichocotyle beschrieben habe!). Ich sprach
damals die Vermutung aus, daß er, obgleich mit Dipl. subelavatus
nahe verwandt, doch wohl Vertreter eines neuen Genus sein müsse.
Da er nun sicher ebenfalls zu der Subfamilie Diplodiscinae gehört,
will ich ihn gleich unter Benennung des neuen Genus als Catadiscus
dolichocotyle mit einreihen («@r« — nach unten hin). Die unter-
scheidenden Diagnosen der drei Genera und der Subfamilie würden
alsdann wie folgt zu formulieren sein:
Familie: Amphistomidae Mont. 1888.
Subfamilie: Diplodiscinae Cohn. 1904.
Amphistomiden von gedrungener, konischer Form und
rundem Querschnitt. Mundsaugnapf gut ausgebildet, mit
zwei retrodorsalen Taschen. Ein großer Endsaugnapf, über
welchem dorsal der Exkretionsporus liegt. Mundöffnung
terminal, Darmschenkel bis zum Endsaugnapf reichend,
relativ sehr breit. Leben im Enddarm von Amphibien und
Reptilien.
1. Genus: Diplodiscus Dies. Der runde Endsaugnapf ist
nach hinten gerichtet, mit zentraler Exkavation. 2 Hoden,
die bei alten Exemplaren verschmelzen. Genitalporus ziem-
lich nahe der Mundöffnung. Oesophagus lang und gerade
verlaufend, ein Pharynx an der Darmgabelung. Exkretions-
kanäle mit den typischen dunklen Konkrementen.
Typische Art: Dipl. subelavatus (Goeze).
1) Cohn, L. Zur Kenntnis einiger Trematoden. Centralbl. f. Bakter.
Bd. XXXIV 1903, N.1 p. 37—39.
Helminthologische Mitteilungen 1I. 243
2. Genus: Opisthodiscus Cohn. Der runde Endsaugnapf
ist nach hinten gerichtet, mit centralem vorragendem Zapfen.
Dauernd 2 Hoden. Genitalporus nahe an der Mundöffnung.
Oesophagus kurz, um den Mundsaugnapf herum gebogen. Kein
Pharynx. Die mächtig entwickelten Saugnapftaschen reichen
bis zu !/, der Gesammtlänge. Darm asymmetrisch. Ex-
kretionskanäle ohne dunkele Konkretion.
Typische Art: Opisthod. diplodiscoides Cohn.
3. Genus: Catadiscus Cohn. Der langovale Endsaugnapf
liegt subterminal-ventral und ist durch eine Einschnürung
in 2 Teile geteilt. Ein Hoden. Genitalporus wenig vor der
Körpermitte medial, dicht hinter der Darmgabelung. Oeso-
phagus lang, gerade verlaufend; ein Pharynx an der Darm-
gabelung. Exkretionskanäle mit typischen Konkretionen.
Typische Art: Catad. dolichocotyle (Cohn).
Hymenolepis (Drepanidotaenia) elandestina (Creplin).
(Fig. 9—12.)
Krabbe!) führt 1. c. p. 68 die Taenia clandestina als neue
Spezies auf, und bemerkt: „I Creplins Samling findes Baendelorme
opbevarede, som han i Greifswald (Juni) havde fundet i Tarmene
hos Haematopus ostrealegus og betegnet met navnet T. clandestina.“
Seine Diagnose der Art war aber ungenügend, sodaß ich seiner
Zeit?) die Spezies nur unter die species incertae des Genus Dre-
panidotaenia stellen konnte. Da mir nun die Originale Creplins
zur Verfügung stehen, nehme ich die Gelegenheit wahr, durch eine
Beschreibung, so eingehend sie der wenig günstige Erhaltungs-
zustand zuläßt, die Spezies unter die sicheren Arten des Subgenus
zu versetzen.
Die aus dem Darm von Haematopus ostrealegus stammenden
Cestoden (Glas XXVI EEg der hiesigen Sammlung) messen bis zu
35 mm an ganzen Stücken; Krabbe hat 70 mm gemessen, — es
sind aber eben auch abgerissene Hinterenden im Glase. Die Längen-
angaben für Vogelcestoden sind ja aber auch nie genau zu nehmen,
da sie infolge geringerer oder stärkerer Kontraktion um das Doppelte
und Dreifache schwanken können. Es hat eigentlich nur Wert,
ganz kurze (unter 1 cm), kurze (unter 10 cm) und lange zu unter-
scheiden, außer wenn die Gesamtlänge auf eine ganz geringe Zahl
') Krabbe, H. Bidrag til Kundskab om fuglenes Baendelorme. Copen-
hagen 1869.
?) Cohn, L. Zur Anatomie und Systematik der Vogelcestoden. Nova
Acta Abh. d. Kaiserl. Leop. Karol. Akad. Bd. LXXIX N.3, 1901 p. 93.
16*
244 Dr. Ludwig Cohn:
von Proglottiden beschränkt ist. Der Scolex (Fig. 12) ist keulen-
förmig, wenig vom Üollum abgesetzt, 0,338: 0,26 mm groß. Die
Saugnäpfe messen 0,78:0,065 mm. Das Rostellum, das, wie auch
Krabbe angiebt, überall eingezogen ist, trägt 10 Haken von der
in Fig. 9 angegebenen Form, die mit Krabbe’s Abbildung gut über-
einstimmt. Die Haken bilden somit einen Uebergang von den lang-
gestielten zu den kurzgestielten-gabelförmigen, welche als Kennzeichen
des Genus Dieranotaenia gelten sollten. Die Länge der Haken messe
ich mit 0,04mm; Krabbe giebt 0,047 mm an, doch ist ja die
Messung eingezogener Haken nicht leicht, sodaß kleine Differenzen
entstehen können. Das Rostellum muß weit vorstreckbar sein, da
der Rostellarsack 0,234 mm lang ist, und würde somit die für die
Drepanidotaenien typische langgestielte, dünnstielige Form haben.
Das angegliederte Vorderende der Kette ist 1,59 mm lang bei 0,11 mm
Breite, doch sind die ersten Glieder nur schwach gekennzeichnet;_
bei aller Unzuverlässigkeit solcher Messungen (wegen der Kon-
traktilität gerade dieses Teiles) kann man den ungegliederten Teil
als lang (im Verhältnis zum Scolex) bezeichnen. Die Kette nimmt
sehr langsam von 0,11 mm bis zu 0,5 mm an Breite zu, doch bleiben
auch die letzten Glieder sehr kurz, im Maximum 0,08 mm lang;
doch enthalten auch diese noch keine Oncosphaeren, sodaß sich
ganz reife Glieder vielleicht doch noch etwas strecken mögen.
Die für das Genus Hymenolipes charakteristischen drei Hoden
(Fig. 10) liegen ganz dorsal und dem Hinterrande der Proglottis
stark genähert in einer Linie, und zwar meistens der eine poral
von dem etwa medianen Dotterstock, die beiden andern auf der
entgegengesetzten Seite!). Es finden sich aber auch Glieder, die
!) In seiner Arbeit „Contribution & l’etude de la faune helminthologique
de l’Oural“, Revue Suisse de Zool. Bd.11. 1903, spricht W.Clerg p.308 den
Gedanken aus, das Subgenus Drepanidotaenia müsse weiter aufgeteilt werden,
da es eine Reihe oft zu weit von einander abweichender Arten enthalte. Auch
ich habe schon früher (l. c. p. 18 und 89) aus der Vielgestaltigkeit der hierzu
gehörigen Arten diesen Schluß gezogen. Hiermit also, und ebenso auch mit
Clerg’s Vorschlag, als Criterium für diese Untereinteilung die Lagerungs-
verhältnisse der Hoden zu benutzen, bin ich vollständig einverstanden. Da
nun Drepanidotaenia selbst nur noch eine Untergattung ist, so schlägt Clerg
als nächstuntere Stufe die Aufstellung dreier „Typen“ vor, die er als Typus
D.liguloides, Typus D. lanceolata und Typus D. aequabilis charakterisiert.
Die Typen 2 und 3 leuchten ohne weiteres ein; gegen 1 könnten sich aber
viel Einwände geltend machen. Die typische Art ist nicht glücklich gewählt,
das Charakteristische in der Hodenlagerung dieser Gruppe nicht eigentlich ge-
troffen. Clerg schreibt über diesen ersten Typus: „Il est caracteristigue pour
les especes & proglottis relativement longs, ce qui permet & un des testicules de
se Joger en avant de l’autre. Chez les especes de ce type, on voit un testicule
loge dans la moitie du proglottis oü se trouve la poche du eirrhe; les deux
autres testieules se trouvent dans la moiti& opposee au pore genital. La plupart
Helminthologische Mitteilungen II. 245
dadurch unregelmäßig sind, daß die Hodenlagerung umgekehrt ist
und zwei der Hoden poral liegen; ähnliche Unregelmäßigkeiten der
Hodenlagerung habe ich bei Drep. brachycephala (]. c. p. 20) erwähnt.
Der Cirrhusbeutel ist sehr langgestreckt. Wenn ganz schlaff (mit
eingezogenem Cirrhus), reicht er bis an die Mittellinie der Proglottis;
bei Ausstülpung des Cirrhus verkürzt er sich bis zu über ein Drittel.
Er ist immer gewunden, in jüngeren Proglottiden stärker, als in
Gliedern mit voll entwickelten Genitaldrüsen; während er etwa in
der Mitte des Gliedrandes mündet, nähert sich sein Hinterende dem
Vorderrande der Proglottis. Die Genitalporen liegen streng ein-
seitig.
Bezüglich der weiblichen Genitaldrüsen kann ich nur die
grobe Topographie angeben; die Kommunikationsgänge waren an
dem alten Material nicht mehr zu verfolgen. Das Ovarium ist
hantelförmig, mit relativ nur schwach verdickten Flügeln; hinter
ihm liegt der rundliche Dotterstock. Vor der poralen Hälfte des
Ovariums findet sich in voll funktionsfähigen Gliedern (Fig. 11) ein
des Drepanidotaenia connus se rapprochent plus ou moins de se type.“ Das
dürfte nicht ganz stimmen. Für die Mehrzahl der Drepanidotaenia sind gerade
nicht die „especes & proglottis relativement longs“, sondern die kurzgliedrigen
typisch. Ich hob (l. c.) bereits hervor, daß die erwähnte Verlagerung des einen
Hodens vor den andern auf der distalen Seite (vom Genitalporus aus gerechnet)
nur eine Folge der im Verhältnis zur Proglottidenbreite größeren Länge ist;
bei zunehmender, überwiegender Breite sehen wir den dort vorn liegenden Hoden
erst nur schief vor, dann endlich in einer Ebene neben dem andern distalen
Hoden liegen; diese Lagerungsverhältnisse sind eben nur eine Folge der Platz-
frage. Und gerade diese gradlinige Lagerung ist bei der Mehrzahl vertreten,
da die Mehrzahl kurzgliedrig ist. Warum also einen so extremen Fall, wie
Drep. liguloides, zum Typus nehmen? — man muß dann die häufigere geradlinige
Lagerung als „plus ou moins rapproche“ diesem Typus subsummieren, was doch
schwer fällt, wenn wir z. B. Drep. clandestina zum Vergleich heranziehen. Der
charakteristische Punkt, der diese Untergruppe bestimmt, ist vielmehr in den
Worten ausgesprochen, daß ein Hoden auf der Cirrhusseite, die beiden andern
auf der entgegengesetzten liegen. Dadurch wäre Typus 1 scharf von Typus 2
geschieden, während für Typus 3 die von Clerg angeführten, hauptsächtlich
dem weiblichen Apparat entnommenen Merkmale zur Unterscheidung genügen,
abgesehen davon, daß hier die Hoden kongruent liegen, der eine gerade median.
Die drei Typen würden dann so zu charakterisieren sein:
1. Hoden inkongruent, einer proximal, zwei distal. Weibliche Drüsen
wenig in die Breite entwickelt, mehr-weniger median.
2. Alle drei Hoden auf einer Seite, während die weiblichen Drüsen auf
der anderen Seite liegen.
3. Hoden kongruent, einer median. Weibliche Drüsen stark in die Breite
entwickelt.
Bei dieser Einteilung ließen sich nun alle Spezies ohne Zwang einordnen,
246 Dr. Ludwig Cohn:
großes Receptaculum seminis, welches das Ovarium aus seiner in
jüngeren Gliedern eingehaltenen Querlage auf dieser Seite schief
nach hinten drückt. Die Vagina ist sehr eng und mündet dicht
vor dem Cirrhus. Ich habe weder reife Eier, noch eine Uterus-
anlage gesehen. Auch Krabbe schreibt: „der fandtes ingen Aeg.*“
Die Reife scheint also nur sehr langsam in der Kette vorzuschreiten,
was auch damit übereinstimmen würde, daß auch die Genitalanlagen
nur sehr langsam in der Entwickelung sind, nachdem sie sich bereits
sehr früh in den erst kaum scharf abgegrenzten Proglottiden gezeigt
haben. Der Cestode wird also bei voller Reife wohl noch eine viel
bedeutendere Länge haben.
Die Längsmuskulatur besteht aus zwei Ringen nicht sehr zahl-
reicher Faserbündel; die Transversalmuskulatur scheint nur schwach
entwickelt zu sein.
Taenia multiformis Creplin.
(Fig. 13—16.)
Diesen Cestoden habe ich in der zitierten Arbeit als species
incerta zum Genus Anomotaenia gerechnet; ich finde nunmehr bei
der Untersuchung der Originale, daß er nicht dahin gehört. Die
Schuld an dem Irrtum trägt allerdings Krabbe und zum Teil auch
Creplin selbst; besonders der erstere hat hier eine Konfusion an-
gerichtet. Creplin hat die von ihm gesammelten Exemplare unter-
sucht, nachdem sie bereits einige Zeit in Alkohol gelegen hatten.
Er fand keine Haken mehr an den Scolices, sagt aber in bezug auf
die Genitalporen!): Foramina genitalia indistineta quidem, sed vage
alterna et in marginum lateralium anteriore dimidio sita esse .vi-
dentur.“ Als Totallänge gibt er für den aus Ciconia alba stammenden
Cestoden (Glas XXVI da A) 10 Zoll 3,5 Linien an.
Krabbe untersuchte nun einen Cestoden aus dem Storch, den
er aus der Berliner Tierärztlichen Hochschule erhielt, maß 100 mm,
stellte aber unregelmäßig alternierende Genitalporen fest und identi-
fizierte ihn daher (wohl durch die Gleichheit des Wirtes beeinflußt)
mit der 7. multiformis Cr.?2).. Er fand auch Haken, und zwar in
zwei Hakenkränzen, woraufhin ich den Cestoden damals einzuordnen
suchte. Es erweist sich nun, daß Krabbe sich geirrt hat. Haken
habe ich zwar an Creplin’s Originalen natürlich auch nicht finden
können: ich konnte mich aber einerseits überzeugen, daß das
Rostellum absolut demjenigen der einreihigen Vogelcestoden ent-
spricht, zweitens und hauptsächlich mit Sicherheit feststellen, daß
Creplins’s Art gar nicht vage alternans ist, sondern einseitig ge-
') Creplin, F.C.H. Novae Obseryationes de Entozois. Berlin 1829 p. 102,
?) Krabbe, l.c. p. 15,
Helminthologische Mitteilungen II. 247
richtete Genitalporen hat. T. multiformis Cr. ist also 1. nicht
identisch mit der von Krabbe untersuchten Art, 2. daher auch
keine Anomotaenie. Auf ihre vermutliche Stellung im System
komme ich noch weiter unten zurück.
In Fig. 13 gebe ich eine Abbildung des leider hakenlosen Scolex.
Es ist für mich ganz zweifellos, daß dieses schlanke, für die Dre-
panidotaenien u. a. typische Rostellum nur einen Hakenkranz ge-
tragen hat, wenn sich auch über die (jedenfalls nur kleine) Zahl
der Haken keine Vermutung mit einiger Begründung aussprechen
läßt. Der Scolex ist 0,2mm breit und 0,23 mm lang; das vor-
gestreckte Rostellum mißt im ganzen 0,27 mm, wobei es im Hals-
teil 0,046, am Bulbus 0,078 mm breit ist. Vom Collum der Kette
ist der Scolex sehr scharf durch eine Abschnürung abgesetzt, was
ebenfalls ein Drepanidotaenien-Merkmal ist. Das Collum ist bei
0,2 mm Breite 1,8 mm lang, kann sich aber auch, wie bei Drep.
‚Alicollis u. a. auch überaus lang bis zur haarartigen Feinheit strecken.
Die ersten Glieder sind sehr kurz; auch die reifsten bleiben viel
kürzer, als sie breit sind; das Verhältnis geht nicht unter 1:10
hinunter. Mein längstes intaktes Exemplar ist 220 mm lang, doch
hat es noch nicht die reifsten, bis zu 2mm breiten Glieder, die sich
als Bruchstücke anderer Ketten im Glase finden, sodaß reife Indi-
viduen wohl bis 300 mm messen. Die Genitalanlagen erscheinen
früh und entwickeln sich sehr langsam.
Die Muskulatur weist den weiter differenzierten Typus der
Längsmuskel-Anordnung auf, indem einem äußeren Ringe zahlreicher
Muskelbündel ein auf vier dorsale und vier ventrale Stränge kon-
zentrierter innerer Ring entspricht. Die größeren Wassergefäße
sind recht weit nach innen verlagert und am Hinterende jeder Pro-
glottis durch eine Querkommissur verbunden. Die engeren Gefäße
(die dorsalen) sind wohl in jungen Proglottiden aufzufinden, nicht
mehr aber in reiferen. Ich möchte das aber nur auf den Kontraktions-
zustand der direkt in Alkohol geworfenen Cestoden zurückführen.
Etwas eigenartig ist der Genitalapparat gebaut. Der männliche
bietet nichts Besonderes. Es sind drei große, runde Hoden vor-
handen, die ganz dorsal, einer poral, die beiden andern antiporal
liegen, nnd so dem Hinterrande genähert sind, daß sie in den, die
nächste Proglottis manchettenförmig überragenden Teil hineintreten
(Fig. 14). Der Cirrhusbeutel ist sehr lang und dünn und reicht bis
an die Mittellinie des Gliedes. Ich fand ihn nur stellenweise und wenig
vorgestülpt. Der Genitalporus liegt in der Mitte des Gliedrandes
auf der rechten Seite auf einer konischen kleinen Erhöhung des
Gliedrandes.
Von den weiblichen Drüsen fällt das Ovarium durch seine scharf
ausgesprochene Assymmetrie auf. Während auf der poralen Seite
nur ein Lappen vorhanden ist, der auch nur schmal und langgestreckt
ist, besteht der antiporale Teil aus zwei großen, mehr runden Lappen.
Hinter der Ovarialbrücke liegt der ebenfalls unregelmäßig gebaute
248 Dr. Ludwig Cohn:
Dotterstock; er besteht bald aus drei resp. vier unregelmäßig an-
geordneten Lappen, bald zeigt er deutlich bilaterale Symmetrie und
ist zweiflügelig. Er liegt mehr ventral, als das Ovarıum und auch
ventraler, als das mächtige Receptaculum seminis, das vor demOvarium
liegt, dorsal noch stellenweise hinter dasselbe tritt. Fig. 14 zeigt,
daß es sich in ein sehr weites, gewundenes Ansatzstück fortsetzt,
das sich erst auf kurzer Strecke vor dem Genitalporus zur Vagina ver-
schmälert. Diese mündet ventral vom Cirrhus aus.
Der Uterus legt sich vor dem Ovarium als querstehender Kanal
an, treibt dann aber nach der dorsalen Seite zu zwei Aste, die einer-
seits zwischen die beiden antiporalen Hoden, andrerseits den poralen
Hoden und das Receptaculum treten. Zugleich wächst er außen
um den äußeren antiporalen Hoden herum. Im Resultat entsteht
ein mittlerer Stamm mit zwei nicht ganz geschlossenen seitlichen
Ringen, welche je einen Hoden umgeben, wie ich es nach Schnitten
auf Fig. 16 schematisch darzustellen versuchte. Das Ganze liegt
aber nicht in einer Ebene, sondern die beiden Ringe greifen, wie
gesagt, nach der dorsalen Seite über.
Wenn auch in den Hauptsachen der innere Bau dieser Art sie
als zu den Drepanidotänien gehörig kennzeichnet (indem ich einer-
seits eine nur geringe Zahl von Haken supponire, andrerseits der
eigenartigen Form des Uterus keine weitgehende systematische Be-
deutung zuschriebe), so habe ich es doch bei der unbestimmten Be-
zeichnung als 7. multiformis belassen, da zur sicheren Einreihung
doch erst die Hakenzahl bekannt sein müßte. Unter die species
incertae des Genus möchte ich sie aber auch so schon rechnen.
Das larvale Hinterende von Ligula.
Es war bisher zweifelhaft, ob Ligula beim Übergange aus dem
sogenannten Larvenzustand in die geschlechtsreife Form einen Teil
ihres Hinterendes als nur larvale Bildung abwirft, oder ob sie un-
verkürzt in die geschlechtsreife Form übergeht. In der Litteratur
liegt hierüber nur die Beobachtung von Moniez vor!), die für ein
Abstossen des Hinterendes spricht. Nach Moniez findet man ge-
legentlich Zigulae, die am Hinterende einen scharf gegen den übrigen
Körper abgesetzten kleinen Anhang tragen, der in der Regel nur
sehr kurz, gelegentlich aber auch bis zu einem Centimeter lang ist.
Braun?), bemerkt zu dieser Angabe: „Leider geht aus dieser Mit-
teilung nicht hervor, ob Moniez diesen Anhang nur bei noch nicht
geschlechtsreifen Ligulae beobachtet hat oder nicht; da andere Autoren
!) Moniez, R, M&moire sur les Cestodes. I. Trav. de l’Inst. Zool. Lille. T. III
fasc. 2 Lille 1771.
?, Braun, M., Bronn’s Klassen u.Ordn. d. Tierreichs. Vermes Bd. Ib. p. 1380,
Helminthologische Mitteilungen 11. 249
nichts derartiges erwähnen, so kann man einstweilen diese Angabe
vernachlässigen.
Bei der Durchsicht einer recht reichen Sammlung sowohl von
Larvenformen, als auch von geschlechtsreifen Exemplaren (meist von
Creplin und Schilling, doch auch nach ihnen aufgestellt) fand
ich nun bei einigen Exemplaren den von Moniez erwähnten Schwanz-
anhang wieder, und zwar war er stets nur bei Larvenformen aus
Fischen, niemals bei geschlechtsreifen Individuen aus Vögeln zu
finden. Nur ein kleiner Prozentsatz besaß den Anhang, doch war
für seine Erhaltung nicht etwa die Größe der Zigula entscheidend,
da der Schwanzanhang sowohl bei ganz kleinen, nur wenige Zenti-
meter langen, wie auch bei großen, bis 70 cm langen Exemplaren
sich vorfand. Dies, glaube ich, erklärt sich auch auf einfachste
Weise. Ligula erreicht bekanntlich in Fischen je nach der Größe
des Wirtstieres eine sehr verschiedene Maximallänge, und ein 25 cm
langes Exemplar aus Carassius kann seiner maximalen Größe und
dem in dem Fische überhaupt erreichbaren Endstadium näher sein,
als ein 70 «m langes aus Leuciscus rutilus. Soll doch Ligula als Larve
sogar 2,30 Meter lang werden können!), — dazu würde schon ein
sehr großer Fisch als Wirt gehören. Das in Fischen erreichbare
Endstadium ist nun aber, wie bekannt, gar kein eigentliches Larven-
stadium mehr, da die Genitalorgane im ersten Wirte bereits weit
in der Entwickelung fortschreiten können, — die Zigula geht also
im Fische schon über das eigentliche Larvenstadium, das man den
Cysticercus gleich setzen könnte, hinaus. Während sie auf diesem
früheren Stadium einen larvalen Anhang besitzt, verliert sie ihn auf
der Stufe, auf welcher sie sich über die Larve hinaus entwickelt.
Daher werden ausgewachsene Zigulae in Fischen auch keinen Anhang
mehr haben, daher wird er bei geschlechtsreifen oder reifenden
Exemplaren aus Vögeln niemals nachzuweisen sein; denn nur die
Ligula wird im warmblütigen Wirte zur Geschlechtsreife gelangen
können, die in ihn auf genügender Reifestufe — also bereits nach
Abwurf des Larvenanhanges — geraten ist. Dafür spricht auch,
daß man in demselben Vogel Ligulae findet, von denen die eine
Eier produziert, die andere nicht. Hier könnte die zu große Jugend
der Zigula den Grund abgeben, wenn man nicht eine zweite, kurz
vor der Sektion stattgefundene Infektion in Betracht ziehen will.
Der Anhang präsentiert sich in wechselnder Form und Länge.
Vielfach fand ich ıhn zerfasert und in Zerfall begriffen; es läßt sich
aber nicht sagen, ob das der normale Abstoßungsmodus ist, oder
ob nur der von Creplin verwendete schwache Alkohol mazerierend
gewirkt hat. Ich glaube eher, daß er in toto, ohne vorhergehenden
Zerfall abgestoßen wird. Die Länge der von mir gesehenen Anhänge
beträgt 3—7 mm. Von dem übrigen Körper ist der Anhang durch
mehrere dicht -bei einander liegende kräftige Einschnürungen ab-
1) Hofer, B,, Handbuch der Fischkrankheiten. München 1904. p. 268.
250 Dr. Ludwig Cohn:
gesetzt. Indem diese ganz durchschneiden, geht wohl der Abwurf
vor sich; hierauf zeigt sich der blosgelegte Stumpf stark gerunzelt
und kontrahiert und nimmt erst später wieder die normale Form
an. Der Anhang ist flacher, als das bleibende Hinterende und endet
mit abgerundeter Spitze. Meist wird er (in Spiritus) winkelig nach
der Fläche zu abgebogen getragen. Wie Schnitte zeigen, unter-
scheidet er sich histologisch kaum von dem übrigen Körper. Körper-
muskulatur und Wassergefäßsystem gehen ununterbrochen in ihn
über. Zu bemerken wäre nur ein geringerer Reichtum an Kalk-
körperchen im Parenchym des Anhanges.
Eine Exkretionsblase ist am Ende des Anhanges nicht vorhanden.
In einem Falle, wo der Anhang zweifellos in seiner ganzen Länge
erhalten war, finde ich auf Schnitten am äußersten Ende eine seichte
Einbuchtung, welche mit Wassergefäßen des äußeren Netzes in Ver-
bindung steht. Auf einer andern Serie fehlt aber die Einbuchtung,
welche wohl nur Kontraktionserscheinung war, und einige Gefäße
münden hier gesondert aus. Da es auch im ersten Falle nur eine
weit offene Bucht war, kann man von einer Sammelblase nicht
sprechen. Das Wassergefäßsystem mündet vielmehr auch hinten
durch Foramina secundaria, wenn man den Ausdruck auch hier,
wo kein eigentlicher Hauptporus vorhanden ist, gebrauchen will.
Genitalanlagen treten auch im Schwanzanhange auf, bleiben
aber hier auf sehr früher Entwickelungsstufe stehen. Während sie
im Endabschnitte des bleibenden Körpers bereits so vorgeschritten
sind, daß auch die Anlagen der Ausführungsgänge bereits deutlich
hervortreten, zeigen sie sich im Anhange nur als undeutlich be-
srenzte Kernanhäufungen, die sich stärker färben, als das umgebende
Parenchym.
Von Interesse ist das Verhalten der Hauptlängsnerven im
Hinterende des bleibenden Körpers sowie im Schwanzanhange. Der
Nervenstrang geht beiderseits ununterbrochen aus dem Körper in
den Anhang über und verläuft geradeaus bis an das Ende der
letzteren. Hier biegt er aber aus seiner bisherigen Lage heraus,
tritt, sich allmählich verjüngend, durch die äußeren Schichten der
Körpermuskulatur, und löst sich dann nach kurzem, dem Rande
parallelem Verlauf im Außenfelde in einzelne feine Fasern auf,
welche an die Subeuticularschicht heranzutreten scheinen. Und
genau das gleiche Verhalten finde ich auch am bleibenden Hinter-
ende, dicht vor der Grenze des Schwanzanhanges. Hier geht vom
Längsnerven unter spitzem Winkel ein Ast ab, der nach dem Außen-
felde abbiegt. Anfangs hat er etwa dieselbe Dicke, wie der weiter
n den Schwanzanhang fortziehende Teil der Nerven, sodaß eigent-
lich eine Gabelung der Hauptnerven eingetreten ist. Der nach
außen ziehende Teil verhält sich dann genau ebenso, wie ich es für
die andere Hälfte des Nerven soeben am Ende des Anhanges be-
schrieben habe,
Helminthologische Mitteilungen II. 251
Dieses Hinausbiegen des Längsnerven ins Außenfeld erinnert
sehr an das bekannte Verhalten bei Schistocephalus, wo der Haupt-
längsnerv, nachdem er den Winkel des letzten Gliedes erreicht hat,
aus der Mittellinie herausbiegt und sich zwischen den Längsmuskeln
(oder doch auch erst draußen im Außenfelde?) verlieren soll. Da
liegt für mich die Vermutung nahe, daß bei den beiden verwandten
Arten das gleiche Verhalten des Hauptlängsnerven auch auf die
gleiche Entstehungsweise zurückdeutet, daß also auch Schistocephalus
auf einem frühen, noch nicht aufgefundenen oder erkannten Stadium
einen Schwanzanhang larvalen Charakters besitzt, der abgeworfen
wird. Mit der Bestätigung der alten Angabe, daß ein solcher Vor-
gang bei Zigula vorliegt, wird ja sein Vorkommen bei Schästo-
cephalus ohnehin durchaus wahrscheinlich.
Greifswald, den 24.,Mai 1904.
252 Dr. Ludwig Cohn,
Tafelerklärung.
Allgemeine Bezeichnungen:
= Darm. Ph. = Pharynx.
Dst. = Dotterstock. Sch. = Schalendrüse,
Exp. = Exkretionsporus. U. = Uterus,
Gp. = Genitalporus. Vag. = Vagina.
H. = Hoden. Vd.= Vas deferens,.
Ms. = Mundsaugnapf. Weg. = Wassergefäß.
Ov. = Ovarium.
Fig.1. Medianer (etwas schiefer) Sagittalschnitt durch Typhlocoelum flavum
(Mehl.).
Bs. = Bauchsaugnapf. De. = hintere Darmkommissur.
Fig.2. Schematische Rekonstruktion von Renicola pinguis (Crepl.) nach Weg-
lassung des Uterus.
Bs. = Bauchsaugnapf. Vs. = Vesieula seminalis.
Fig.3. Zwei Querschnitte durch Renicula pinguis (Crep!.).
a) auf der Höhe des Bauchsaugnapfes, b) vor demselben.
Bs. = Bauchsaugnapf. Dg. = Dottergang.
Fig. 4. Eucotyle nephritica (Crepl.) nach einem Totalpraeparat.
Crb. = Cirrhusbeutel.
Fig.5. Pronopharync nematoides n. sp. nach einem Totalpräparat.
Drs. = Dotterreservoir.
Fig. 6—8. Opisthodiscus diplodiscoides n. sp.
Fig. 6. nach einem Totalpräparate.
Fig. 7. Querschuitt auf der Höhe des Exkretionsporus (Wgm ı
Es = Endsaugnapf.
Fig.8. Sagittalschnitt durch die hintere Körperhälfte.
Es. — Endsaugnapf.
Fig. 9-12. Hymenolepis (Drepanidotaenia) clandestina (Crep|.).
Fig. 9. Zwei Haken.
Fig. 10. Geschlechtsreife Proglottiden.
Fig. 11. Eine Proglottis mit gefülltem Receptaculum (Rs).
Fig. 12. Scolex.
Fig. 13—16. Taenia multiformis Crepl.
Fig. 13. Scolex.
Fig. 14. Zwei geschlechtsreife Proglottiden.
Fig. 15. Proglottis mit zur Vesieula erweitertem Vas deferens
Fig. 16. Schematische Rekonstruktion des Uterus.
Ein Beitrag
zur
Kenntnis der Weichteile der Madreporarier
von
Alfred Heicke.
Hierzu Tafel XII,
Einleitung.
Die Zahl der Korallenwerke ist innerhalb der letzten Jahre in
höherem Maße durch wertvolle Studien vermehrt worden. Die ge-
samten Resultate bis in den letzten Zeitabschnitt hinein sind dann
vor allem in dem großartigen Sammelwerke „Trait& de zoologie
concrete“* von Yves Delage u. Edgard Herouard (4) in grund-
legender und leicht zu überblickender Weise im zweiten Bande zu-
sammengestellt worden.
Was all diese Untersuchungen des Näheren betrifft, so be-
schäftigen sie sich meistenteils mit den Gruppen der Alecyonaria
und Actinien, während das weite und wichtige Gebiet der Madre-
porarier, wenigstens soweit die weichen Gewebe in Betracht kommen,
nur recht wenig Berücksichtigung gefunden hat. Ich gebe am
Schlusse dieser Arbeit außer anderen Schriften ein ausführlicheres
Verzeichnis der Korallenliteratur von denjenigen Autoren, welche
in ihren Arbeiten das Hauptgewicht auf das Studium der Weich-
teile der Madreporarier gelegt haben.
Der Grund, weswegen gerade die Madreporarier so wenig
studiert worden sind, ist allerdings sehr leicht begreiflich; er ist
in der für Untersuchungen der weichen Gewebe höchst störenden
Anwesenheit der ausgedehnten Kalkmassen zu suchen, die den
Polypenkörpern resp. Kolonieen die Stütze verleihen. Es ist mir
gelungen, bei den von mir untersuchten Anthozoen die sich bietenden
Schwierigkeiten zu überwinden und genauere Einzelheiten in dem
Aufbau der betreffenden Madreporarier zu erkennen. Mit Hülfe
der allmählich reichlicher vor uns liegenden Resultate wird man
besser imstande sein, die wirklichen Beziehungen der hoch-
differenzierten Madreporarier zu den übrigen Gruppen der Antho-
zoen aufzudecken.
Die folgenden Auseinandersetzungen machen denn auch nicht
den Anspruch darauf, als ein in sich abgeschlossenes Ganzes zu
gelten, sondern sollen vom vorher erwähnten Standpunkte aus mit
dazu beitragen, die Klarheit über die Organisation der Weichteile
der Madreporarier zu erhöhen.
254 Alfred Heicke: Ein Beitrag zur Kenntnis
Das Material für meine Untersuchungen erhielt ich von Herrn
Dr. Walter Volz. Die Spezies, zur Fauna von Singapore ge-
hörend, sind daselbst an der Küste der Insel Pulu Brani gesammelt
worden. Für die Überlassung der Korallen möchte ich an dieser
Stelle Herrn Dr. Volz meinen Dank sagen.
Besonderen Dank aber bin ich meinem hochverehrten Lehrer
Herrn Prof. Dr. Th. Studer schuldig, auf dessen Anregung hin
die Arbeit im zoologischen Institut zu Bern hergestellt worden ist.
Herr Prof. Studer stand mir stets in freundlichster Weise mit
seinen wertvollen Ratschlägen zur Seite und war mir ferner bei
der Auswahl der einschlägigen Literatur zum grossen Teile behülf-
lich, so dass mir daraus eine wesentliche Erleichterung betreffs der
Orientierung in dem ausgedehnten Gebiete der Madreporarier erwuchs.
Die Exemplare sind in ca 4°/, Formalinlösung aufbewahrt
worden und zeigten eine vorzügliche Konservierung der verschiedenen
Gewebe; hierzu will ich nicht unerwähnt lassen, daß es mir gelang,
durch möglichst vorsichtige Behandlung der Weichteile von der
Entkalkung bis zur Montierung der Präparate, zu erreichen, dab
sie äußerst wenig bei diesen weitschweifigen Manipulationen an-
gegriffen wurden.
Methode der Entkalkung: Die wichtigste Frage zur Herstellung eines
guten, zum mikroskopischen Studium geeigneten Objektes ist in unserem Falle
die der Entfernung der großen Mengen anwesenden Kalkes. Die Methoden,
welche angegeben werden, bestehen sämtlich in der Anwendung der ver-
schiedensten Säuren, denen ebenso viele Vorteile als Nachteile zugeschrieben
werden. Wir finden z. B. in von Heiders Abhandlung über die Gattung
Oladocora (14) einige Notizen über Entkalkungen. Von Heider selbst benutzte
unter anderem Citronensäure, mit welcher er gute Erfolge erzielte, und zwar
wie er meint, deswegen, weil sie wahrscheinlich gleich allen Pflanzensäuren
nicht so verändernd auf die histologischen Elemente der Weichteile einwirke
wie die Mineralsäuren; auf die Konzentration der Citronensäure komme es nicht
so genau an, nur sei es nötig, die Lösung, welche die zu entkalkenden Korallen-
stücke enthielte, in immerwährender Bewegung zu halten. Dies muß nämlich
aus dem Grunde geschehen, weil sonst die betreffenden Korallenstücke sehr bald
mit einer Lage von schwer löslichem eitronensauren Kalke überzogen werden,
welche die weitere Entkalkung außerordentlich verlangsamt. Von Heider hat
außerdem noch eine Kombination von Salzsäure und Chlornatriumlösung, wie sie
öfter zur Entkalkung von Knochen benützt wird, häufig versucht und damit
ebenfalls nur geringe Veränderungen in histologischer Beziehung wahrgenommen.
Dagegen bemerkt er über die Anwendung der Salz- oder Salpetersäure, daß sie
an den zarten Gewebsschichten des Polypenkörpers sehr stark bemerkliche
Störungen hervorriefen.
Ich selbst habe nun den Versuch mit einer mäßig stark konzentrierten
Lösung von Citronensäure gemacht und die Vorsichtsmaßregeln dabei beobachtet
welche von Heider vorschreibt; außerdem habe ich zur Entkalkung die
Salpetersäure benützt. In welchem Grade der Konzentration die letztere und
wie lange Zeit ich die Korallenstücke der Wirkung der Säure aussetzte, werde
ich weiter unten anführen. Ich möchte hier nur erst erwähnen, daß durch die
der Weichteile der Madreporarier. 255
Behandlung mit Citronensäure, welche doch immerhin etwas umständlicher ist,
nicht mehr und nicht weniger histologische Einzelheiten an den einzelnen Ge-
websschichten von mir erkannt werden konnten als an den anderen mit Mineral-
säure entkalkten Korallenobjekten. Die Resultate, die ich mit der Salpeter-
säure-Entkalkung erzielte, müssen als sehr gute bezeichnet werden, Bei An-
wendung dieser Süure jedoch scheint mir gerade der Grad der Konzentration
von nicht unwesentlicher Bedeutung zu sein. Ich stellte mir drei verschiedene
Lösungen her: eine von 7°/,, 10°, uud ferner 14°/,. Die für die Untersuchung
gewählten Korallenstücke waren '/,—1l ccm groß. In der schwächsten Lösung
war nach dreimal 24stündigem Einwirken der Säure die vollständige Entfernung
des Kalkes noch nicht erreicht. _Bedeutend bessere Dienste leistete dagegen
die stärkere Lösung von 10°/,; die Reaktion zwischen Säure und kohlensaurem
Kalk ging hier von Anfang an intensiver vor sich, und die letzten Spuren der
Kalkmasse waren bereits nach Verlauf von 48 Stunden vollkommen aus den
Objekten gewichen, und es lagen infolge der Einwirkung der Flüssigkeit, was
ja nicht zu vermeiden ist, nur sehr geringe Teilchen von abgefallenen Geweben
auf dem Boden der Gefässe. Endlich ist von der 14°/, Salpetersäure zu sagen,
daß sie zwar noch viel energischere Wirkung auf die Kalkmassen hervorrief,
und die gewünschte Entkalkung bereits nach ungefähr 30 Stunden erreicht war,
daß diese Lösung jedoch wegen der allzu heftigen Einwirkung, welche das ganze
Objekt in fortwährende Erschütterung brachte, die sehr empfindlichen weichen
Gewebe zu kräftig angriff, als daß man ein vollauf befriedigendes Resultat in
Bezug auf die anatomisch-histologischen Einzelheiten erwarten durfte. Man
konnte auch bereits aus der Menge zerstörter resp. durch die heftige Reaktion
abgerissenen Gewebes, welches in der Flüssigkeit herumschwamm, auf die nach-
teilige Wirkung schließen. Erwähnt sein mag noch, daß die Flüssigkeit alle
24 Stunden gewechselt wurde.
Nach meinen Beobachtungen also muß ich ohne weiteres der mäßig kon-
zentrierten Lösung von 10°/, Salpetersäure den Vorzug geben, wenigstens nach
den Erfahrungen, die ich an meinen sämtlichen Praparaten gemacht habe, da
ich in keinem Falle den schädlichen Einflüssen dieser Flüssigkeit auf die weichen
Gewebsschichten begegnet bin, welche von Heider bei der Anwendung von
Mineralsäuren wahrgenommen hat. An dieser Stelle soll noch eine Methode
von G. von Koch besonders berücksichtigt werden, welche dieser eingehende
Korallenforscher selbst zuerst bei seinen Untersuchungen in Anwendung brachte
und der er sehr gute Eigenschaften zuschreibt. Die günstige Seite dieser
Methode liegt darin, daß man Schliffe des Kelches samt den Weichteilen anzu-
fertigen imstande ist. Eine eingehende Beschreibung und Erläuterung dieses
Verfahrens findet sich im Zool. Anzeiger V.1. 1878 p.36. Was den Wert einer
solchen Art des Studiums der Polypen anbelangt, so kann man sich einerseits
der bestehenden Tatsache nicht erwehren, daß die Eingriffe, welche bei dieser
nicht sehr einfachen und eine große Geduld erfordernden Behandlung die ver-
schiedenen Weichteile durchmachen müssen, so sehr bedeutende sind, daß in den
anatomischen Verhältnissen des Tierkörpers die mannigfachsten Veränderungen
verursacht werden; andererseits soll hervorgehoben werden, daß in den Fällen,
in welchen es sich um bloße Übersichtspräparate handelt, die mit dieser Methode
erzielten Resultate in jeder Beziehung als ausreichende erachtet werden können.
Über die weitere Herstellung der Präparate möchte ich nur noch sagen,
256 Alfred Heicke: Ein Beitrag zur Kenntnis
daß sie sowohl zum Studieren der feinen histologischen Einzelheiten als auch
zur Erlangung einer allgemeineren Übersicht in gewöhnlicher Weise mit Paraffin
als Einbettungsmasse angefertigt wurden; ich führe dies besonders aus dem
Grunde an, weil von Heider in der oben angegebenen AbhandInng bemerkt,
daß bei der Entfernung der Paraffinmassen aus den Schnitten die einzelnen
Teile der Gewebe sofort durcheinander schwimmen, da infolge der Bauart des
Polypenkörpers der Zusammenhang der verschiedenen Partieen ein sehr loser ist.
Von Heider bediente sich infolgedessen, um Längs- und Querschnitte durch
den ganzen Polypen anfertigen zu können, der Flemming'schen Seife und
orientierte sich auf diese Weise über die allgemeinen Lagerungsverhältnisse des
Korallenkörpers. (Näheres siehe in betreff. Abh. p. 646.)
Auch in diesem Falle hatte ich nicht nötig,’ den umständlicheren Weg zu
beschreiten, da ich nach der Entfernung des Paraffins niemals wesentliche Ver-
schiebungen oder Unklarheiten in den Lagerungsverhältnissen der Weichteile
beobachtet habe.
Nach der Entkalkung der Korallenstücke und ihrer Entwässerung in
Alkohol wurden die einzelnen Schnitte auf eine halbe Stunde in eine Hämalaun-
lösung gebracht und dann noch für einige Minuten in einer 1°/, alkoholischen
Eosinlösung nachgefärbt.
Wenden wir uns nun dem eigentlichen Teile meiner Unter-
suchungen zu. Bevor ich mit der Beschreibung der Korallen be-
ginne, ist es vielleicht von einiger Wichtigkeit, einen systematischen
für die Orientierung der Madreporarier notwendigen Punkt zu er-
ledigen. Es handelt sich für uns um die Einteilung der zweiten
großen Abteilung der Anthozoen, nämlich der Actinanthida. Ich
will jedoch an dieser Stelle nicht mit der Aufzählung verschiedener
Systeme ermüden und verweise daher auf die ausführlichen Dar-
legungen in dem Werke von Yves Delage u. Edgard Herouard,
welche eine geschichtliche Übersicht der bisher bestehenden Ein-
teiluingen der Madreporarier geben. Da die im obigen Werke im
Texte gegebene Einteilung auf natürlicher Grundlage beruht, so
glaube ich mich zu der Annahme berechtigt, dab dieses System
als vollständig zweckmäßig angesehen werden kann; so gebe ich
ge im F olgenden in großen Strichen die Einteilung 'nach Delage
Herouard an. Die Hauptordnung der Actinanthida wird in
Beh Unterordnungen eingeteilt:
1. Hexactinidae, Scheidewände paarig; ohne Kalkskelett.
2. Höxacorallidae, wie die vorhergehenden, aber mit Kalkskelett.
3. Zoanthidae, mit nur zwei Wachstumszonen symmetrisch in
den beiden Zwischenfächern zu Seiten des ventralen Richtungsfaches,
während bei den vorhergehenden Unterordnungen das Wachstum in
sämtlichen Zwischenfächern vor sich geht.
4. Cerianthidae, Scheidewände unpaarig; nur eine mediane,
dorsale Wachstumszone.
5. Anthipathidae, Scheidewände wie die vorigen; Wachstums-
zonen in der 4-Zahl und zwar zwei symmetrische latero-ventrale
und zwei latero-dorsale; Skelett entsprechend den Gorgoniden.
der Weichteile der Madreporarier. 357
6. Tetracorallidae, ebenfalls vier Wachstumszonen symmetrisch
verteilt. Symmetrie der Polypen tetraradiär. Kalkskelett vorhanden;
sämtlich fossil.
Die Hexacorallidae oder Madreporarier, auf welche es in meiner
Arbeit allein ankommt, werden bei Delage u. Herouard in drei
Stämme eingeteilt:
1. Madreporaria aporosa, mit kompaktem Skelett,
2. Madreporaria Fungina. Am Skelett ist bei ihnen die Mauer
im centralen Teile kompakt, sonst wie bei den
Madreporaria perforata, welche den 3. Stamm der Flexacorallidae
ausmachen und welche ein vollkommen poröses Skelett nach Art
eines Schwammgerüstes besitzen.
Bei den Madreporaria aporosa unterscheiden dann Delage u.
Hörouard vor allem zwei wichtige Erscheinungsformen, die ich in
ihrer kurzen Charakteristik mit ihren Worten anführen will:
„A. Astraeines inermes, chez lesquelles les septes ont le bord
libre entier;
B. Astraeines armöes, chez lesquelles le bord libre des septes,
de certains au moins sinon de tous, est denticule“.
Aus dem Gebiete der letzten Formen sind es wieder die
„formes confluentes“, die hier besonders interessieren. Zu ihnen
gehört außer zahlreichen anderen Gattungen Diploria; ihr sehr
nahestehend ist nun die Gattung Mueandrina, von der eine Unter-
gattung Coeloria heißt. In diese letztere hinein gehört die von mir
später beschriebene Spezies Coeloria sinensis.
Bei den Madreporaria perforata unterscheiden Delage u. H&-
rouard die beiden Hauptformen als
A. Formes simples,
B. Formes coloniales.
Letztere zerfallen in eine Reihe von Familien, von denen ich
besonders die der Poritidae hervorhebe; zu dieser Gruppe gehört
die von mir untersuchte Rhodaraea layrenaet.
Da ich zunächst mit der Beschreibung von Rhodaraea lagrenaet
beginnen werde, so seien hier zur besseren Vorstellung dieser
Form in kurzen Zügen die wichtigsten Merkmale der Skelettbildung
angegeben.
Das Skelett ist zunächst vollständig porös mit Einbegriff der
Septen; — bei dieser Gelegenheit möchte ich gleich betonen, dab
ich im Folgenden zum Unterschied von Septen die weichen Scheide-
wände als Mesenterien bezeichnen werde — das Ganze ist auf eine
Art von Gitterwerk beschränkt, das aus miteinander verschmolzenen
Trabekeln gebildet wird. Die Kelche — auch hier sei erwähnt,
daß ich in Anlehnung an Delage u. Herouard’s Nomenklatur
den Ausdruck *calice“ (Kelch) für die Bezeichnung des Kalkkörpers
und “polype“ (Polyp) für die des Weichkörpers benützen werde.
Die Kelche sind ohne eine Zwischensubstanz von Cönenchym, sie
sind direkt durch ihre wohl entwickelten Mauern untereinander
vereinigt, d. h. die Mauern der benachbarten Kelche sind zu einer
Arch, £. Naturgesch. Jahrg, 1904. Bd. I. H.3. 17,
258 Alfred Heicke: Ein Beitrag zur Kenntnis
gemeinsamen Wand verschmolzen. Aus dieser Verschmelzung geht
eine polygonale Form der Kelche hervor, die im allgemeinen klein
und flach sind. Kelchwände sind außerordentlich porös. Innerhalb
der Kelche zählt man gewöhnlich zwölf Septen, welche nur wenig
entwickelt, in ganz besonderem Maße von Poren durchsetzt sind,
resp. gerade wie die Mauern auf ein Drahtgitter sich beschränken.
Von der Basis der Kelche erhebt sich ein Kreis von 5 oder 6 Pali
zwischen dem freien Rande der Septen und einer kleinen Columella
im Zentrum des Kelches. In dem Kelche sind ferner Dissepimente
vorhanden, und auch Tabulae werden angetroffen. Das Vorkommen
der Gattung erstreckt sich auf den Indischen Ozean, Australien, die
Philippinen, Die Gattung spielt auch eine beträchtliche Rolle bei
der Bildung der Korallenriffe.. Diese in kurzen Zügen gegebene
Charakterisierung stimmt vollkommen überein mit den Resultaten,
welche Maria Ogilvie (27) in ihren ausführlichen „microscop. and
system. study of madrep. corals“ niedergelegt hat.
Nachdem ich so die Stellung von Rhodaraea im System der
Madreporarier auseinandergesetzt habe, komme ich nun zur Er-
örterung der Koralle selbst.
Rhodaraea lagrenaei.
Die Kolonie hat eine stark aufgewölbte, in kopfartige Hervor-
ragungen zerfallende Gestalt. Ihre Höhe beträgt ungefähr 12 cm,
die Breite 5cm. Die Hauptoberfläche ist im Ganzen glatt und sitzt
auf einem ziemlich dicken, unregelmässig geformten Stiele auf, der
sich von der oberen Partie der Kolonie deutlich abgrenzt. Die
Hügel, welche im oberen Teile vom Stiele ausgehen, zeichnen sich
durch verschiedene, bald mehr rundliche, bald mehr längliche
Formen aus. Da es sich an dem Stiele durchweg um ausgestorbene
Kalkmassen handelt, während die lebenden Individuen nur in den
oberen Partieen sich befinden, so kann man daraus den sicheren
Schluß ziehen, daß die gesamte Kolonie durch Höhenwachstum
allmählich weiter wächst. Die einzelnen Kelche, welche nach der
allgemeinen Charakterisierung mit den benachbarten Mauern ver-
schmolzen sind, begrenzen am oberen Rande schöne reguläre Viel-
ecke und zwar zum größten Teile pentagonale, während man da-
zwischen in kleiner Anzahl deutlich hexagonale antrifft. Die hexa-
gonale Beschaffenheit ist namentlich da gut an meinem Exemplar
zu erkennen, wo die Polypen vollständig sich in die Kelche zurück-
gezogen haben, nämlich an der Grenze zwischen Stiel und der
großen Oberfläche, d. h. also, da der Stiel nur noch ausgestorbene
Kalkmassen aufweist, am Rande der lebenden Masse überhaupt.
Nach der Gattungsdiagnose müssen wir die pentagonale Form als
die primäre Anordnung der Kelche bezeichnen; man könnte ja die
hexagonale als zufällige Verzerrung ansehen; jene so regelmäßigen
Hexaeder aber können schlecht so gedeutet werden. Ich glaube in
diesem Falle annehmen zu können, daß eine möglichst große Aus-
nützung der Oberfläche beabsichtigt ist, da man so oft im Tier-
der Weichteile der Madreporarier. 259
reiche, wo eine günstige Oberflächenvergrößerung erzielt werden
soll, die Form des Hexaeders in Anwendung gebracht findet.
Die lebende Masse der Kolonie erstreckt sich noch an den
Seitenwänden entlang ungefähr 3 cm bis zu den Stellen, an welchen
der erwähnte Stiel seinen Anfang nimmt. Der flüchtige Beschauer
eines solchen Korallenstockes würde wahrscheinlich in den ein-
zelnen Individuen, die sich aus der Oberfläche erheben, lang aus-
gedehnte, sich tief bis in das Innere erstreckende Tiere vermuten.
Machen wir jedoch einen Längsschnitt durch solch eine Kolonie,
so ergibt sich folgendes Bild: Die lebende Masse ist im Verhältnis
zu dem Umfange der großen Kolonie nur äußerst gering; sie bildet
eine richtige Kruste oder Rinde, die jedoch nicht in gleichmäßiger
Dicke über die im Laufe des Wachstums ausgeschiedenen Kalk-
massen hinwegzieht, sondern auf dem Durchschnitte eine sichel-
förmige Gestalt annimmt, indem sie an ihrer breitesten Stelle, die
dem Gipfel der Kolonie entspricht, ungefähr 12—13 mm hoch ist
und nach den Seiten zu allmählich an Ausdehnung einbüßt. Dieses
Schmälerwerden des Überzuges der lebenden Masse geschieht nicht
so sehr auf Kosten der Polypen selbst als der unterhalb der Po-
lypen gut entwickelten Schicht der Ernährungskanäle, welche sich
zwischen den zu einem Kalkgerüst vereinigten zahllosen Bälkchen
verzweigen.
Die Grenzen zwischen den verschiedenen Zonen, in welche die
ganze Kolonie in ihrem Aufbau zerfällt, können auf dem Durch-
schnitte durch den Korallenstock mit bloßem Auge sehr deutlich
unterschieden werden infolge der verschiedenen Färbungen, welche
jedem der auseinander zu haltenden Abschnitte zukommen. Darnach
haben wir zu oberst die durch eine schöne grüne Farbe ausgezeichnete
Schicht der eigentlichen Polypen; dieselben haben fast an allen
Punkten der Kolonie eine gleiche Länge von 4mm. Von ihnen
ziemlich stark abgegrenzt als eine hellgrüne bis gelblich gefärbte
Zone stoßen wir auf die bereits erwähnte Masse der Ernährungskanäle,
welche an verschiedenen Stellen eine verschiedene Dicke aufweist,
wodurch auch der sichelförmige Bogen der lebenden Kolonie auf
dem Durchnitte markiert ist; die Dicke der Schicht der Kanäle be-
trägt in der Gegend des Gipfels des Stockes !/; cm und verflacht
sich allmählich mehr und mehr zu einem schmalen Streifen nach
den Rändern der Kolonie hin. Endlich von dieser Schicht nach der
Tiefe zu, den ganzen übrigen Umfang der Kolonie ausmachend,
breitet sich das bedeutend entwickelte Lager der mit der Zeit des
Wachstums entstandenen abgestorbenen Kalksubstanzen aus, welches
sofort mit unbewaffnetem Auge an der im Gegensatze zu den beiden
vorherigen Abschnitten fast ein reines Weiß darbietenden Farbe zu
erkennen ist. Die Ablagerungen haben die Ursache zur Bildung
dessen abgegeben, was wir an der Koralle den Stiel nennen; der
Stiel ist also nicht gleich zu Anfang der Entstehung der jungen Kolonie
dagewesen, sondern hat sich infolge des Höhenwachstumes und der
damit verbundenen steten Ausscheidung von Kalkmengen entwickelt.
Yıas
260 Alfred Heicke: Ein Beitrag zur Kenntnis
Anatomie der Weichteile der Kolonie,
Die Polypen zeichnen sich trotz des langen Aufenthaltes in der For-
malinlösung noch durch eine lebhafte grüne Farbe aus; sie sind in eine
ziemlich erhebliche Cönosarkmasse eingebettet, welche sich dann als
das Exosark auf die Polypen fortsetzt, die äußereKörperwand derselben
bildend; die grüne Färbung des Cönosarks hat mehr einen Stich ins
Dunkle. Das Ganze macht so den Eindruck eines Rasens. Die Ver-
teilung der einzelnen Polypen gestaltet sich in der Weise, dab sie
am dichtesten auf der Höhe der Kolonieoberfläche stehen, so dab
auf einen Blick von oben überhaupt das Zwischengewebe des Cöno-
sarks nicht wahrznehmen ist; je mehr man die Fläche nach außen
hin verfolgt, um so größer werden die Abstände zwischen den Po-
lypen untereinander, um dann schließlich an der Peripherie der
Kolonie die größten Lücken zwischen sich zu fassen; zu bemerken
ist noch, daß die Polypen, welche die äußeren Teile der Kolonie-
fläche einnehmen, etwas kleiner im Bau erscheinen als die dichter
stehenden in der Mitte.
Die Polypen besitzen eine regelmäßig cylindrische Gestalt. Unter
der Lupe betrachtet, sieht man in der Richtung der Längsachse auf
der Leibeswand der Polypen 24 parallele Rinnen entlang ziehen;
es sind dies die Furchen, welche im Innern des Körpers den Ansatz-
punkten der 24 Mesenterien entsprechen. In Verbindung mit der
Körperwand steht die Mundscheibe; dieselbe überdeckt den Polypen
nicht als eine gleichmäßig ebene Platte, sondern es erhebt sich von
ihrem Zentrum eine kleine Erhöhung, welche man durch die Lupe
deutlich wahrnehmen kann, und die am besten mit dem Namen
eines Hypostoms zu bezeichnen ist. Es handelt sich um häufiger
beobachtete Bildungen, wie sie z. B. auch Fowler (9) bei der
Spezies Seriatopora subulata beobachtet hat. Auf dem Hypostom
liegt die schlitzförmige Mundöffnung, die in das nach der Tiefe sich
erstreckende Stomodäum führt. Auf der Mundscheibe erheben sich
24 Tentakel in derselben grünen Farbe, wie sie die Polypen selbst
besitzen. Da die Tentakel sämtlicher Polypen ausgestülpt sind, was
sonst an konservierten Exemplaren eine große Seltenheit ist, wenn
nicht gar ausgeschlossen erscheint, so legt diese auffallende Er-
scheinung die Vermutung sehr nahe, daß die Tentakel überhaupt
nicht einziehbar sind; zu diesem Verhalten, würde auch die starre
Beschaffenheit der Tentakel in ihrem Außeren gut passen. Die
Tentakel sind nicht solide, sondern erweisen sich als hohle Schläuche;
eine Offnung der Schläuche an der Spitze der Tentakel, wie man
sie bei den meisten Korallen antrifft, fehlt. Die Vermutung, dab
die Tentakel bei unserer Koralle nicht in den Polypenkörper zurück-
gezogen werden können, gewinnt vor allem durch ihr Verhalten an
stark kontrahierten Polypen an Wahrscheinlichkeit. Die Tentakel
sind in solchen Fällen niemals irgendwie eingestülpt, sondern werden
in ausgestrecktem Zustande mit der Mundscheibe beim Zusammen-
der Weichteile der Madreporarier. 2361
ziehen der Polypen in die Tiefe gezogen; man sieht dann gewöhn-
lich nur die Spitzen der Tentakel an der Oberfläche hervorragen.
Ahnliche Verhältnisse finden wir z.B. bei Moseley (25) angeführt,
und zwar schreibt er über Leptopenus discus „the tentacles are pro-
bably absolutely non-retractile.“
Was die Gestalt der einzelnen Tentakel anbetriftt, so stellen sie
rundliche kegelartige Gebilde dar, die mit einer breiteren Basis von
der Mundscheibe entspringen und am Ende eine gut abgegrenzte
knopfförmige Anschwellung tragen; letztere ist auch leicht an der
helleren grünen Farbe zu erkennen. Die Knopfform ist eine häufigere
Erscheinung bei den Madreporariern, von Moseley und Fowler
oft gefunden worden. Uber dem Knopfe der Tentakel sieht man
mit schwacher Vergrößerung bereits noch einen differenzierten Teil.
Bei starker Vergrößerung betrachtet, zeigen sie einen das Licht
schwach brechenden Saum, der gleich einer Kappe aufsitzt; die Be-
deutung dieses Endgebildes werden wir später im histologischen
Teile noch näher erfahren.
Gehen wir jetzt nochmals auf den Habitus der Tentakel zurück,
so finden wir bei einigermaßen genauerem Hinsehen, daß die Ten-
takel eines Polypen nicht alle in der Größe übereinstimmen. Die
sechs Tentakel der ersten Ordnung stehen den anderen an Länge
nach, haben dafür aber einen wesentlich größeren Querdurchmesser;
die Tentakel des zweiten Entwicklungskreises, schmäler als die
vorigen, zeichnen sich durch ihre besondere Länge aus, und endlich
der dritte Cyklus setzt sich aus Tentakeln zusammen, welche an
Umfang ungefähr denen der zweiten Ordnung gleichgestellt werden
können, an Länge eine Mittelstellung zwischen den beiden anderen
Kreisen einnehmen.
Im Allgemeinen machen sich die Größenverhältnisse der Ten-
takel der Anthozoen in der Weise, wie sie nachfolgendes Schema,
dem Werke von Delage u. Herouard entnommen, angibt. Sie
schreiben: „Was die Zahl und die Größe der Tentakel anbetrifft, so
ist darüber zu bemerken, daß die erstere um so weniger feststeht
und die letztere um so unbeständiger ist, je größer die Zahl der
Cyklen überhaupt ist. Gewöhnlich sind die Tentakel, welche immer
höheren Kreisen angehören, kürzer als die der vorhergehenden
Ordnung. Die Größenverhältnisse in den verschiedenen Tentakel-
kreisen gestalten sich jedoch nicht immer in diesem Maßstabe. Fol-
gende Einteilung kann man aufstellen, um die verschiedenen Mög-
lichkeiten zu zeigen, welche in Bezug auf die Länge der Tentakel
bei den Anthozoen vorkommen:
1. Tentakel: isacmiens, sämtlich gleich in der Länge;
2. Tentakel: endacmiens, diejenigen der inneren Cyklen länger;
3. Tentakel: m&sacmiens, die mittleren Cyklen länger,
4. Tentakel: &sacmiens, die der äußeren Cyklen länger.“
Wenden wir diese Aufzeichnung auf Rhodaraea an, so müssen
wir diese Species in die Gruppe einreihen, in welcher man die unter
No. 3 bezeichneten Tentakel antrifft.
262 Alfred Heicke: Ein Beitrag zur Kenntnis
Betreffs der Anordnung der Tentakel soll erst das normale Ver-
halten kurz angegeben werden, da ich noch auf eine Abweichung
an meiner Koralle zu sprechen kommen werde. Das Wachstum der
Tentakel steht in innigem Zusammenhange mit dem der Polypen-
körper; so kommt eine Entwicklung in verschiedenen Kreisen zu-
stande. Der erste Entwicklungscyklus ist in unmittelbarer Nähe um
die Mundöffnung immer in der Zahl von sechs aufgestellt. Die Ten-
takel des zweiten Cyklus, welche die Zwischenräume zwischen den
sechs Tentakeln der zweiten Ordnung ausfüllen, stehen in einigem
Abstande nach dem Rande der Mundscheibe zu, so einen größeren
Kreis bildend. Der dritte Entwicklungskreis, in meinem Falle zu-
gleich der letzte, besteht aus 12 Tentakeln, da er nach dem Prinzip
des zweiten Cyklus wiederum die Zwischenräume der vorhergehenden
Tentakel einnimmt; dieser Kreis befindet sich am weitesten nach
außen in nächster Umgebung des Randes der Mundscheibe Die
Tentakel bilden im Vergleiche zum inneren Bau die Ausstülpungen
ebenso vieler Binnen- und Zwischenfächer; oder vom Skelett aus-
gegangen würde über jedem Septum ein Tentakel stehen. Soweit
über die Aufstellung im Typus. Abweichungen sind öfter beob-
achtet worden.
Studer (30) führt in seiner Arbeit „Beitrag zur Fauna der
Steinkorallen von Singapore“ folgendes an. Es handelt sich dort
um den Charakter der Anordnung der Tentakel bei der Unterordnug
der Fungiacea; Dana stellte sie zuerst als eigene Gruppe auf, unter
anderen Merkmalen die meist zerstreut stehenden Tentakel er-
wähnend; Studer findet, daß wenigstens für Fungia dies nicht be-
stätigt werden kann, da die Tentakel in deutlichen Kreisen geordnet
auf der Mundscheibe ständen, und sagt dann weiter: „Die neuen
Tentakel entstehen nach Bildung eines Septalcyklus regelmäßig auf
der neu gebildeten Kammer; teilt sich die Kammer wieder durch
Bildung eines neuen Septums, so rückt das Septum soweit vor, dab
es noch unter die Basis des Tentakels kommt und dieser dann auf
dem nächst-jüngeren Septum reitet.“
Moseley ferner beschreibt einen Fall von ungewöhnlicher
Tentakelstellung in dem Werke „On the deep-sea corals.“ Der in
Frage kommende Befund ist bei Stephanophyllia formosissima ge-
macht worden. Die Anordnung ist folgendermaßen: Es können
Tentakel von fünf verschiedenen Ordnungen unterschieden werden,
welche symmetrisch in gleichmäßigen Zwischenräumen vom Zentrum
der Mundscheibe aus aufgestellt sind. Dem Mund am nächsten,
ungefähr im zweiten Drittel der Strecke von dem Zentrum der
Mundscheibe bis zum Rande der Koralle hin, ist ein Kreis von
sechs Tentakeln über den primären Septen gelegen. Auf diese sechs
Tentakel erster Ordnung folgt eine Zone von gleichfalls sechs Ten-
takeln, welche die vorhergehenden etwas an Größe übertreffen und
von ihnen in kleinerer Entfernung näher dem Rande der Koralle zu
aufgestellt sind; diese Tentakel sind in der Achse der Septen zweiter
Ordnung gelegen, Nach diesem zweiten Tentakelkreise kommt einer
der Weichteile der Madreporarier. 263
aus zwölf kleinen Tentakeln bestehend; diese aber stehen nicht, wie
es in normaler Weise zu erwarten wäre, über den Septen dritter
Ordnung, sondern befinden sich in naher Umgebung der Tentakel
zweiter Ordnung, immer je einer zu beiden Seiten derselben, aller-
dings wiederum um eine kleinere Strecke dem Rande der Mund-
scheibe näher gerückt. Außerdem sind zwischen jedem Septum erster
und zweiter Ordnung noch drei Tentakel verteilt, welche zugleich
an Umfang die kleinsten sind. Im Ganzen zählt Moseley bei jener
Koralle sechzig Tentakel; daß die Tentakel der verschiedenen Zonen
sich durch verschiedene Färbung auszeichnen, entbehrt für uns der
Bedeutung. Ähnliche Merkmale wie die geschilderten hat Moseley
auch bei dem Tiefsee-Genus der Actinien Corallöimorphus gefunden;
ausführlich darüber ist in Delage u. Herouard geschrieben.
Wahrscheinlich würde man außer den hier angeführten Fällen
noch manche andere Abweichungen vom eigentlichen Typus bei
näherer Untersuchung dieses Punktes wahrnehmen. Überhaupt können
die meisten Einzelheiten im Bau der Weichteile aus dem Grunde
noch nicht genügend gewürdigt werden, weil man in Ermangelung
einer ausreichenden Kenntnis bei den Madreporariern zumeist darauf
angewiesen ist, von der Morphologie der Skeletteile erst in sekun-
därer Linie auf die Verteilung der weichen Gewebe Schlüsse zu
ziehen; der richtige Weg hingegen, sich ein maßgebendes Bild vom
Aufbau der Koralle zu geben, liegt entgegengesetzt, da ja gerade
die Kalkmassen von den primären Weichteilen erst sekundär aus-
geschieden werden.
Auch betreffs der Anordnung der Tentakel sind obige Worte
von gewisser Wichtigkeit, da man bei solcher Berücksichtigung eine
bessere Parallele zwischen Tentakeln und innerem Bau der Polypen
ziehen kann.
Bei Rhodaraca stellt sich die Anordnung der Tentakel folgender-
maßen dar. Der erste Cyclus der gesamten 24 Tentakel besteht
wie gewöhnlich bei den Anthozoen aus sechs Tentakeln in einiger
Entfernung um die Mundscheibe herum. Auf diesen Kreis folgt
unmittelbar am Rande der Mundscheibe eine Zone, die aus den
übrigen 18 Tentakeln zweiter und dritter Ordnung zusammengesetzt
ist; wenigstens bei den meisten Polypen habe ich es so gesehen;
bei einigen kann allerdings noch ein Unterschied wahrgenommen
werden, da die sechs Tentakel zweiter Ordnung etwas vor den
anderen zwölf nach dem Zentrum der Mundplatte zu aufgestellt
sind. Im Verhältnis zu dem inneren Aufbau des Korallenkörpers
haben sämtliche Tentakel jedoch das Gemeinsame, daß nur die sechs
primären Tentakel sowie diejenigen sechs zweiter Ordnung sich als
Ausstülpungen der Radialkammern erweisen; die zwölf Tentakel der
dritten Ordnung jedoch sind derartig aufgestellt, daß je zwei von
ihnen dicht zu jeder Seite der Achse zu stehen kommen, welche
man sich durch die Mundöffnung und die ältesten Tentakel gezogen
denkt; (Taf. Fig. 1.) darnach bilden sie keine Fortsetzungen der
Kammern, sondern entsprechen vielmehr den Scheidewänden der
264 Alfred Heicke: Ein Beitrag zur Kenntnis
ersten Ordnung, auf welchen sie gewissermaßen reiten. Eine größere
Ahnlichkeit weist diese Art der Aufstellung mit der von Moseley
bei Stephanophyllia formosissima beobachteten auf, wenn man bei
ihr ebenfalls das Verhältnis der Tentakel zu den Mesenterien be-
rücksichtigen wollte, nur mit dem Unterschiede, daß dort die Ten-
takel der dritten Ordnung ungefähr über den Mesenterien des
zweiten Entwickelungscyklus’ stehen. Zur Erklärung der besonderen
Lage der zwölf Tentakel der dritten Ordnung bei unserer Species
muß man zu der Annahme kommen, daß es sich um ein Wegrücken
der Tentakel handelt; die Ursache kann vielleicht in dem Raum-
mangel gesucht werden, den die letzten Tentakel bei ihrer Ent-
wicklung vorfinden und welcher sie zwingt, sich zwischen die sechs
Tentakel vorhergehender Ordnung einzupressen, da die letzteren be-
reits dicht am Rande der Mundscheibe stehen.
Beim Kapitel über die Tentakel komme ich nun zu einem
andern erwähnenswerten Punkte, welchen ich in der Literatur nicht
angeführt gefunden habe.
An einzelnen Tentakeln von Polypen, in der gesamten Kolonie
waren es drei solcher Tentakel, beobachtete ich kleine knollenartige
Auswüchse, ziemlich nahe an dem Ende der Tentakel. Die Gebilde
zeigten dieselben knopfartigen Aufsätze, wie ich sie bei der Be-
schreibung der Gestalt der Tentakel geschildert habe; auch besaßen
sie dieselbe hellgrüne Färbung, welche allen andern Tentakelenden
zukommt. (Fig. 2.) Als ich nun nach mehreren solcher ungewöhn-
lichen Erscheinungen an den Tentakeln suchen wollte, stieß ich auf
zwei Polypen, deren Mundscheiben anstatt der üblichen 24 Tentakel
noch einen überzähligen trugen. Infolge dieses Zufalles war ich
leicht imstande, die Bedeutung der Auswüchse festzustellen; ein
innerer Zusammenhang mit dem überzähligen 25. Tentakel war sicher.
Einschalten möchte ich hier noch, daß die Tentakelauswüchse nur
an den die Peripherie der Mundscheibe einnehmenden Tentakeln vor-
kamen, und daß die überzähligen Tentakel ebenfalls dem äußersten
Cyelus angehörten.
Meine Vermutung, daß es sich bei diesen Erscheinungen um
sehr vereinzelte Vermehrung der Tentakel durch laterale Knospung
handelt, wurde durch die mikroskopische Untersuchung der be-
treffenden Polypen bestätigt. Die angefertigten Längsschnitte der
in Frage kommenden Tentakel ergaben das typische Bild, wie man
es von der Knospung irgend eines niederen Lebewesens hinreichend
kennt. (Fig. 3.) Wir haben den Übergang der drei Gewebsschichten
und des Tentakellumens auf das Neugebilde, und die Knospe nimmt
allmählich die Form des ausgewachsenen Tentakels an.
Daß wir es nicht mit der Erscheinung von Nebententakeln zu
tun haben, wie sie bei dem Beginn eines neuen Wachstumstadiums
der Polypen aufzutreten pflegen, geht zur Genüge aus der Tatsache
hervor, daß die von mir untersuchte Species überhaupt nicht über
das Stadium von 24 Tentakeln und 24 Scheidewänden hinauswächst.
Eine vollkommen für sich isolierte Vermehrung stellt der Vorgang
der Weichteile der Madreporarier. 265
auch insofern dar, als der innere Aufbau der Polypen, an welchen jene
Knospen oder 25 Tentakel festgestellt wurden, in keiner Weise in Bezug
auf die Anzahl der Mesenterien oder Kammern beeinflußt worden ist.
Gehen wir nun auf den Bau der Tentakel in histologischer
Beziehung ein.
Es sind vor allem die drei Gewebsschichten als Ektoderm,
Mesoderm und Entoderm von einander zu trennen. Das aus
ceylindrischen Zellen bestehende Epithel der Oberfläche der Ten-
takel überkleidet dieselben nicht in gleichmäßiger Ausdehnung
von der Spitze bis zur Basis, sondern hat seine geringste Aus-
dehnung im oberen Teile des Tentakels, während es nach der Basis
zu allmählich an Dicke zunimmt. Auf den besondern Charakter
des Ectoderms werde ich unten eingehender zurückzukommen haben.
Das Mesoderm durchzieht den Tentakel als ein gleichmäßig
breites Band, das an keinem Punkte irgend welche Struktur er-
kennen läßt und einer einfachen Stützlamelle gleichzustellen ist.
Was endlich die innerste Zellenschicht des Entoderms anbelangt,
so habe ich eine typische Epithellage, wie sie dieser Schicht eigent-
lich eigen ist, nicht gesehen. Es waren hier überall dichte Lagen
von zahlreichen mehr rundlichen Zellen eingebettet, mit deutlich
wahrnehmbaren Kernen in ihrem Innern, so daß oft genug die
Tentakellumina von derartigen Zellen erfüllt waren.
Auf das äußere Epithel der Tentakel folgt eine Schicht von
Längsmuskelfasern, die auf dem Rande der bindegewebigen Stütz-
substanz aufliegen und nur aus einer einfachen Lage bestehen. Die
schwache Ausbildung der Längsmuskulatur ist auf die Eigentüm-
lichkeit der Tentakel zurückzuführen, daß sie nicht einziehbare
Gebilde sind. Eine zweite zirculäre Muskelfaserschicht, wie sie in
den meisten Fällen zwischen der Stützlamelle und den Entoderm-
zellen ausgebildet ist, habe ich nicht auffinden können; auch dieser
gänzliche Mangel von innerer Muskulatur ist ohne Zweifel mit der
Nicht-Einziehbarkeit der Tentakel in Zusammenhang zu bringen.
Bevor ich die Beschaffenheit des Eetoderms näher ins Auge
fasse, will ich noch bemerken, daß ich, da die untersuchten Korallen
in Bezug auf die histologische Zusammensetzung der Gewebe zum
größten Teile mit dem Aufbau der Actinien übereinstimmen, darauf
verzichten kann, alle bekannten Einzelheiten anzugeben; ich ver-
weise daher vor allem auf Hertwig’s „Actinien“ der Challenger-
expedition (16), auf Gebrüder Hertwig’s umfangreiche Unter-
suchungen der Actinien (17), auf die fünf Abhandlungen von Fowler
„on the anatomy of the Madreporaria* (7”—11); andere Arbeiten
sind am Schlusse dieser Schrift aufgezählt.
Die Nematoblasten zwischen den Ectodermzellen sind mehr oder
weniger spindelförmig; der Nesselfaden im Innern ist kaum zu er-
kennen. Konzentriert haben sich die Nematoblasten in größerem
Maße an der Spitze der Tentakel und zwar als jene kuppelförmigen
Aufsätze, von denen ich bei der makroskopischen Beschreibung der
Tentakel bereits gesprochen habe. Zwischen den sehr langen Cylinder-
266 Alfred Heicke: Ein Beitrag zur Kenntnis
zellen der Tentakelspitze liegen die dunkel gefärbten Nesselzellen
eingebettet. Man trifft solche mit Nesselzellen gespickten Stellen
an den Spitzen der Tentakel ab und zu an. Öfter beobachtet sind
dieselben von Fowler; z. B. bei Seriatopora (9) beschreibt Fowler,
daß die Tentakel an ihrem Ende mit einer von der übrigen Partie
des Tentakels stark abgegrenzten Anschwellung versehen seien, in
denen eine ganz bedeutende Menge von Nematocysten angehäuft
sei; er bezeichnet diesen differenzierten Abschnitt als eine einzelne
Batterie von Nematocysten; in ähnlicher Weise ist dies ferner der
Fall bei Poeillopora brevicornis, Cladocora und noch einigen anderen
Korallen.
Eine ziemlich auffallende Erscheinung an dem Ectoderm_ ist
der große Reichtum an Kernen und zwar an der Spitze der Ten-
takel, wo die zahlreichen Nesselkapseln vorhanden sind. Eine Er-
wähnung dieses Vorkommnisses findet sich bei von Heider (14).
Er gibt zu, daß diese Anhäufung von Kernen zum Teil auf Kontraktion
der Gewebe zurückzuführen sei, andererseits neigt er zur Annahme,
daß diese als selbstständige Kerne aufzufassen seien, welche die
Grundlage für Zellen zum Ersatze verloren gegangener Ectoderm-
elemente abgäben.
Zum Schlusse dieses Kapitels über die Beschreibung der Ten-
takel komme ich nun zu der wichtigsten und interessantesten
Eigentümlichkeit, durch welche die histologische Zusammensetzung zu
einer von allen anderen Korallen stark abweichenden gestempelt
wird und welche geeignet ist, ein specifisches Charakteristikum für
die von mir untersuchte Rhodaraea abzugeben.
Beim ersten Blick auf einen Querschnitt eines Tentakels durch
das Mikroskop bei schwacher Vergrößerung fallen uns sogleich
5--8 ziemlich gleichmäßige Anschwellungen auf (Fig. 4); sie be-
ginnen ungefähr im ersten Drittel des Tentakels von oben gerechnet;
die Rekonstruktion an der Hand der Serienschnitte läßt erkennen,
daß die genannten Anschwellungen rasch an Dicke zunehmen und
dann in etwas seichterem Bogen nach abwärts verlaufend bald in
das Niveau des gewöhnlichen Epithels der Tentakel wieder über-
gehen. Ist also solchergestalt an jeder Anschwellung ein kurzer
Schenkel nach dem Ende der Tentakel zu von einem etwas längeren
nach der Basis ziehenden zu unterscheiden, so ist es dennoch be-
rechtigt, die Gebilde als knopfförmige zu bezeichnen; ich hebe diesen
Umstand aus dem Grunde mit Absicht hervor, weil Fowler in
seinen Studien bei einigen Madreporariern wie Flabellum, Stephano-
trochus und Lophohelia, Erscheinungen an den Tentakeln beschreibt,
welche in ihrer äußeren Gestalt mit den von mir geschilderten eine
so unverkennbare Ähnlichkeit aufweisen, daß man beide zweifellos
identifizieren würde, wenn nicht der histologische Bau den völlig
anderen Charakter der Anschwellungen bei Rhodaraea ergeben
würde. Fowler spricht bei der Beschreibung jener knopfförmigen
Differenzierungen des Ectoderms von Bildungen, die vollständig
übereinstimmen mit den Batterieen von Nematocysten.
der Weichteile der Madreporarier. 267
Als ich zum ersten Male die bewußten Auschwellungen auf
dem Querschnitte beobachtete, war ich denn auch der Meinung, dab
sie mit den bekannten von Fowler gesehenen gleichzustellen wären;
bei näherer Betrachtung aber und einer Vergleichung mit den
Batterieen fiel doch deutlich auf, daß bei aller Übereinstimmung in
der Form die charakteristischen Nesselzellen vollkommen fehlten.
Vielmehr entdeckte ich die interessante Tatsache, daß es sich bei
diesen Gebilden um Anhäufungen von Sinneszellen handelte, indem
ich an verschiedenen Epithelzellen kleine verhältnismäßig dicke
Fortsätze wahrnehmen konnte, welche frei in das äußere Medium
hineinragten; die letzteren waren schwer zu erkennen, weil das
Licht von ihnen nur wenig gebrochen wurde, dann aber waren sie
in den meisten Fällen garnicht mehr erhalten, denn die ursprüngliche
Konservierung des Materiales war nicht für so feine histologische
Untersuchungen bestimmt.
Was ich an den mit Hämalaun und Eosin behandelten Prä-
paraten herausfinden konnte, war außer diesen Zellfortsätzen nur
noch, daß die Sinneszellen durch ihre besondere Länge ohne große
Schwierigkeit unterschieden werden konnten. Eine weitere Be-
schaffenheit in der Anordnung dieser Sinneskörper war die, daß sie
wie bei vielen höheren Tieren schalenförmig nach Art einer Zwiebel
zusammengestellt waren.
Es war mir klar, daß diese Gebilde speziell für die Aufnahme
von Sinneseindrücken, die von der äußeren Umgebung auf die Polypen
einwirkten, bestimmt waren; also mußte unbedingt ein Zusammen-
hang der Sinneszellen mit Nervenfasern resp. Nervenzellen bestehen;
diese an den Schnitten zu erkennen, war die Hämalaun-Eosinfärbung
nicht die geeignete.
Bevor ich jedoch in der weiteren Besprechung dieser merk-
würdigen Bildungen fortschreite, ist es vielleicht nicht unangebracht,
in Kürze das Wichtigste anzuführen, was bisher aus den Forschungen
über die Punkte bekannt ist, bei denen die Aufnahme der Sinnes-
eindrücke in Frage kommen, soweit sie bei meinen Untersuchungen
von Nutzen sein können. Uber die Madreporarier läßt uns die
Literatur derartig in Bezug auf dieses Gebiet im Stiche, daß wir
auf die Angaben, welche sich auf die Anthozoen ohne zusammen-
hängendes Skelett erstrecken, angewiesen sind, obwohl auch hier
nicht in dem wünschenswerten Umfange gearbeitet worden ist, wie
es von Rechtswegen auf diesem so interessanten Gebiete hätte ge-
schehen sollen. Ich kann mich daher in dieser Sache nur auf die
Auslassungen von Delage u. Hörouard und vor allem auf die
gründlichen, äußerst wertvollen Untersuchungen der Gebrüder
Hertwig in ihrem Werke über „die Actinien mit besonderer Be-
rücksichtigung des Nervensystems“ stützen. Außerdem kann auch
die Abhandlung von Krukenberg über „die nervösen Leitungs-
bahnen in den Polypen der Alcyoniden“ (23) bei der Betrachtung
des Nervensystems in Anspruch genommen werden.
268 Alfred Heicke: Ein Beitrag zur Kenntnis
Bei Delage u. Hörouard finden wir in dem Kapitel, welches
über die Struktur der Octanthiden handelt, hervorgehoben, daß die
stärkste Ausbildung des ectodermalen Nervenlagers an den Tentakeln
und der Mundscheibe anzutreffen ist; die Beschaffenheit des Nerven-
lagers ist die gewöhnliche, indem wir Nervenfasern als Ver-
längerungen von spezifischen Sinneszellen und die zwischen den
Fasern eingeschalteten Ganglienzellen zu unterscheiden haben, welche
ihrerseits wiederum Ausläufer zu den Muskelfasern hinsenden.
Ahnlich heißt es in der Beschreibung der nervösen Elemente bei
den Hexactiniden; das Ectoderm ist besonders ausgezeichnet durch
die Anwesenheit von Sinneszellen, die zwischen den gewöhnlichen
Wimperzellen zerstreut liegen, mit dieser in ihrer Gestalt eine große
Ahnlichkeit zeigen, aber an Stelle der Cilien je eine stärkere Sinnes-
borste tragen. Die Sinneszellen haben eine oder mehrere sehr
deutlich ausgeprägte Verlängerungen. Unterhalb der Sinneszellen
kommt ein Nervenlager, welches in den meisten Fällen von bi-, tri-
und multipolaren Ganglienzellen gebildet wird; eingelagert sind
diese Ganglienzellen in ein reiches Netzwerk sehr feiner Fibrillen,
welche sich mit den nervösen Verlängerungen der erwähnten Ganglien-
zellen in Verbindung setzen. Bemerkenswert ist auch in dieser
umfangreichen Gruppe der Korallen die Fülle der Sinneszellen und
Nervenzellen in der Mundscheibe, ferner der große Reichtum der
nervösen Elemente in den Tentakeln, besonders gegen das Ende
derselben, welches von allen Körperregionen des Polypen im aus-
gedehntesten Maßstabe mit den Nervenelementen besetzt ist.
An keiner Stelle bei Delage u. H&rouard jedoch finden wir
die Erwähnung irgend welcher eine bestimmte Gestalt besitzender
Differenzierungen von Sinneszellen, wie ich sie bei meiner Species
beobachtet habe,
Krukenberg ist auf Grund seiner eingehenden physiologischen
Experimente, die er besonders an verschiedenen Species von Xenia
ausgeführt hat, zu sicheren Resultaten in Bezug auf die Verteilung
der Nervenbahnen in dem Polypen dieser Korallen gekommen. Es
ist festgestellt worden, daß durch sämtliche Teile des Polypen-
körpers leitende Nervenfaserstränge ziehen; bei den Versuchen zeigt
sich, daß das Gebiet der Tentakel besondere gangliöse Apparate
aufweisen müsse, da bei Einwirkung von äußeren Reizen eine starke
Reaktion an den Tentakeln sich bemerkbar macht. So ergab sich
denn die Tatsache, daß allerdings in den Tentakeln eine besonders
starke Anhäufung von Sinneszellen zwischen dem gewöhnlichen
Epithel vorhanden ist, ohne daß jedoch bestimmte Gebilde, denen
die Funktion der Aufnahme äußerer Reize zukäme, gefunden werden
konnten.
Ziehen wir schließlich die Resultate zusammen, die sich aus
den exakten histologischen Studien der Gebrüder Hertwig ergeben,
so müssen wir folgende Hauptsätze im wesentlichen hervorheben:
„Die Sinneszellen finden sich im Ektoderm der Mundscheibe und
der Tentakel überall ziemlich gleichmäßig vor; nur an der Spitze
der Weichteile der Madreporarier. 269
der Tentakel mögen sie vielleicht in größerer Anzahl vorhanden
sein. Einen vollständigen Einblick in ihre Verteilung zu gewinnen,
war nicht möglich, da man bei Durchmusterung des Ektoderms von
der Fläche seine einzelnen Elemente nicht von einander zu unter-
scheiden vermochte“. Die Form der Sinneszellen wird als äußerst
fein und fadenförmig bezeichnet. Eine erhebliche Verschiedenheit
ist zwischen den Stützzellen und Sinneszellen vorhanden, indem
letztere anstatt der zahlreichen Flimmern nur ein einziges Haar be-
sitzen, „hier und da wurden auch deren zwei beobachtet“. Über
die feinen detaillierteren Beschaffenheiten der Sinneszellen, die an
dieser Stelle weniger in Frage kommen, kann ich auf die dies-
bezüglichen Untersuchungen der Gebrüder Hertwig (17) hinweisen,
denen es gelungen ist, durch ausgezeichnete Ausführung von
Isolationsmethoden den ganz genauen Aufbau solcher Sinneszellen
zu studieren.
Was die Art und Weise der Verteilung und Gestalt der
Ganglienzellen anbetrifft, so soll kurz aus den Ergebnissen der ge-
nannten Forscher angeführt werden, daß es sich um ziemlich an-
sehnliche, entweder halbkuglige oder mehr spindelförmige Proto-
plasmakörper mit einem rundlichen Kern versehen handelt; sie
liegen mehr in der Tiefe des Ektoderms und stehen vermittels Aus-
läufer mit einem Lager von Nervenfasern in Verbindung.
Wir haben bipolare Ganglienzellen, die aber im Allgemeinen
seltener beobachtet werden, ferner tripolare Ganglienzellen, welche
sich häufiger in allen verschiedenen Größen finden, und endlich
multipolare Ganglienzellen, die nach Gebrüder Hertwig im Durch-
schnitt an Zahl zu überwiegen scheinen. Es ist mit ziemlicher
Sicherheit festgestellt worden, daß diese Ganglienzellen ursprünglich
weit höher im Epithel gelegen haben, wo sie als Sinneszellen
funktionierten; erst nachträglich wurden sie mit der anderen Funktion
betraut, nachdem sie mit Veränderung ihrer Form in die Tiefe ge-
rückt sind, wie ein gleicher Vorgang sich an den Epithelmuskel-
zellen vollzogen hat.
Sehen wir schließlich noch, welche Resultate in der Arbeit
über die Actinien in Bezug auf die Anwesenheit von Sinnesorganen
erzielt wurden, so heißt es dort: „Überall im Actinienkörper stimmen
die Sinneszellen in ihren äußeren Merkmalen überein, nirgends
haben sie sich, wie es bei den Medusen allgemein der Fall ist, zu
specifischen Sinnesorganen, sei es zu Hörorganen oder zu primi-
tiven Augen oder zu besonderen Tastapparaten weiter entwickelt“.
Infolge des zu Tage tretenden geringen Differenzierungsgrades,
heißt es dann, haben die Sinneszellen fast überall eine gleichmäßige
Verbreitung.
Wenn ich nun nach dem Gesagten über die wichtigsten Tat-
sachen bezüglich der Anwesenheit des Nervensystems in Verbindung
mit den Sinneszellen mit der Beschreibsng der von mir beobachteten
Sinnesgebilde fortfahre, so habe ich gleich zu bemerken, daß ich
für eine bessere Erkennung der histologischen Struktur einige
270 Alfred Heicke: Ein Beitrag zur Kenntnis
Schnitte von 0,005 mm Dicke in heißer Lösung von !/,%/, Methylen-
blau eine Minute lang färbte. Die so erhaltenen Präparate ergaben
ein recht klares Bild. Deutlich zu verfolgen waren in mehreren
Schnitten feinere Ausläufer der länglichen, etwas gekrümmten
Sinneszellen; die Ausläufer standen mit zahlreicheren, in der Tiefe
des Ektoderms liegenden Zellen in Verbindung, welche sich durch
ihre charakteristische Gestalt mit Sicherheit als Ganglienzellen er-
wiesen (Fig.5). Auch der körnige Inhalt, der in den Ganglien-
zellen gewöhnlich beobachtet wird, konnte bei einigen der Zellen
festgestellt werden. Das Hauptmerkmal, das vor allem den
Charakter der Ganglienzellen ausmacht, sind feine Fortsätze, die
von den Zellen ausgingen und bis in die Tiefe des Ektoderms
hinein sich erstreckten; eine klare Verfolgung dieser Fasern auf
weite Strecken war mir allerdings nicht möglich, jedoch kann mit
aller Bestimmtheit angenommen werden, daß sie zu den an der
Basis des Ektoderms auf der mesodermalen Stützlamelle liegenden
Muskelfasern gehen, von denen bereits zu Anfang dieses Kapitels
die Rede war.
Die Anforderungen, welche wir bei Sinnesapparaten der niederen
Tiere an den Zusammenhang zwischen Sinneszelle, Nervenzelle und
Nervenfaser und Muskel stellen, sind in dem beschriebenen Falle
also in amsreichendstem Maße vorhanden, und es kann kein Zweifel
mehr darüber bestehen, daß wir in den in Frage kommenden
Differenzierungen der Sinneszellen an den Tentakeln primitive
Sinnesorgane zu erblicken haben. Ihre Funktion würde einfach
darin bestehen, das Individuum über seine Umgebung in dem
dichten Medium zu orientieren, damit es bei evtl. Gefahr sich mög-
lichst schnell durch Zurückziehen in die Kelche in Sicherheit
bringen kann; die Sinnesorgane sind in die Gruppe der Tast-
apparate einzureihen.
Auf eine eingehende Besprechung der übrigen Körperteile der
Koralle einzugehen, würde zu sehr ermüden, da hier kaum etwas
Abweichendes vom allgemein Bekannten vorhanden ist. Zur Orien-
tierung diene Folgendes:
Das Mesoderm innerhalb der Leibeswand der Polypen hat den
Tentakeln gegenüber an Dicke zugenommen, ist jedoch trotzdem
über den Wert einer einfachen Stützlamelle nicht hinausgekommen,
da keinerlei Struktur wahrzunehmen ist. Der innere Circulärmuskel,
welcher, wie wir gesehen haben, den Tentakeln vollständig fehlt,
ist in der Leibeswand zur Entwickelung gelangt. Dem Ektoderm
der Leibeswand kommt die bei allen Actinanthiden beobachtete
wesentliche Anhäufung von Drüsenelementen zu. Die Drüsenzellen
erscheinen mehr oder weniger homogen, besitzen eine ziemliche
Länge im Verhältnis zu den übrigen Zellen des Ektoderms und
nehmen an Breite nach der Peripherie zu; diese Zellen unterschieden
sich wesentlich von anderen Drüsenzellen mit körnigem Inhalte;
letztere Art der Drüsenzellen findet sich besonders im Entoderm
und ferner in größerer Menge in den Drüsennesselzellenstreifen der
der Weichteile der Madreporarier. 971
Mesenterien. Beide Formen von Drüsenelementen sind genau von
Gebrüder Hertwig in der Actinienarbeit beschrieben worden.
Das Stomodäum zieht sich, wie ich an der Hand der Serien-
schnitte feststellen konnte, nur eine kurze Strecke in das Innere
des Magenraumes hinein. Am dorsalen und ventralen Rande des
Stomodäums sind Siphonoglyphen vorhanden; im typischen Bau bei
den Actinanthiden erkennen wis sie als zwei stark ausgeprägte,
beständig geöffnete Furchen, welche bis zum unteren Ende des
Stomodäums reichen. In histologischer Beziehung sind die sehr
entwickelten Cilien der Ektodermzellen besonders bemerkenswert,
welche beim lebenden Individuum in lebhafter Bewegung sich be-
finden; ferner ist das Fehlen von muskulösen Elementen hervor-
zuheben. Die Siphonoglyphen bei Rhodaraea waren nur wenig
vom übrigen Teile des Stomodäums abgegrenzt; teilweise muß die
flache Gestalt der Siphonoglyphen auch auf die Kontraktion der
Individuen bei der Abtötung mit Formol zurückgeführt werden.
Daß eine schwache Ausbilduug der Siphonoglyphen auch auf die
lebende Koralle zutrifft, ist aus dem Umstande zu schließen, daß
das Epithel derselben sich fast garnicht von dem des eigentlichen
Stomodäums unterscheiden ließ.
Die histologische Beschaffenheit des Stomodäums selbst zeigt
den normalen Charakter.
Die Mesenterien endlich, welche, die paarige Anordnung be-
sitzend, den Innenraum in bekannter Weise in Binnenfächer und
Zwischenfächer einteilen, kommen bei allen Polypen in der Zahl
von 24 vor, entsprechend der der Tentakel (Fig. 4). Betreffs der
Verteilung der Mesenterien, von denen zwei Richtungspaare vor-
handen sind, ist zu sagen, daß die Binnenfächer den Zwischen-
fächern beinahe an Größe gleichkommen. Ferner soll nicht un-
erwähnt bleiben, daß auf allen Querschnitten, an denen ich diese
Verhältnisse untersuchte, die sechs Paare von Mesenterien erster
Ordnung ungefähr doppelt so groß erschienen wie die übrigen sechs
Paare; andererseits jedoch geben die Mesenterien zweiter Ordnung
an Tiefenausdehnung den Hauptmesenterien nur wenig nach.
Die Mesenterialfilamente besitzen auf den Querschnitten eine
einfache, mehr oder weniger halbkreisförmige Gestalt, wodurch es
schon grob anatomisch nicht sehr wohl möglich ist, die drei Wülste
oder Streifen, welche im Typus unterschieden werden, den mittleren
Drüsennesselstreifen und zu jeder Seite einen Flimmerstreifen von-
einander zu trennen; vielmehr nimmt bei allen 24 Mesenterien der
Drüsennesselstreifen den größten Teil des Filamentes ein, während
die seitlichen Streifen von geringer Ausdehnung sind.
Entsprechend der geringen Entwicklung der Flimmerstreifen hat
sich auch der freie Rand der Stützlamelle nur wenig in die gewöhn-
lich vorhandene T-Form gespalten; der Rand der Stützlamelle ist
zwar vorn verbreitert, schickt aber nur sehr kurze Vorsprünge nach
rechts und links in die Flimmerstreifen hinein. Von den Flimmern
der seitlichen Streifen war an den konservierten Präparaten nichts
979; Alfred Heicke: Ein Beitrag zur Kenntnis
mehr zu sehen. Dagegen kann ich die Bestandteile des mittleren
Wulstes erstens als ziemlich kurze etwas birnförmige Drüsenzellen
beschreiben, deren körniger Inhalt dunkel gefärbt erschien, zweitens
als ebenso kurze spindelförmige Nesselzellen, die das Licht nur wenig
brachen und im Innern eine Andeutung des Nesselfadens erkennen
ließen.
Während dieTransversalmuskeln der Mesenterien äußerst schwach
entwickelt waren, so daß sie an vielen Schnitten fast ganz ge-
schwunden zu sein schienen, hatten die Longitudinalmuskeln eine
relativ gute Ausbildung erlangt. Da das Mesoderm, welches in der
ganzen Länge dieser Muskeln zur bekannten Fahne sich umgestaltet
hat, in sehr feine vielfach verästelte Ausläufer zerklüftet war, so
bekamen die Längsmuskeln infolge der ausgedehnten Oberflächen-
vergrößerung Gelegenheit, wesentlich an Entfaltung zu gewinnen;
die einzelnen Muskelfasern selbst markierten sich auf den Quer-
schnitten nur als kleine Punkte.
Etwas länger verweilen möchte ich bei der Beschreibung der
Geschlechtsprodukte. Die Geschlechtszellen haben sich durch-
weg an sämtlichen 24 Mesenterien ausgebildet. Ferner finden sie
sich ausnahmsweise, wie man es wohl nur in seltenen Fällen
antreffen wird, sehr tief gegen das Ende der Mesenterien vor, wo
sie dann in größerer Menge konzentriert sind. Die Geschlechts-
produkte liegen dann nach innen von dem Faserverlaufe der lon-
gitudinalen Muskeln. Da an den Stellen, wo die Geschlechtszellen
liegen, fast stets die Muskeln fehlen, d.h. sich also bis unmittelbar
zu Beginn der Geschlechtsprodukte erstrecken, letztere aber wie er-
wähnt sehr tief liegen, so erklärt sich auch daraus die beträchtliche
Länge der Longitudinalmuskeln.
Das histologische Bild, welches in Bezug auf die weiblichen
Geschlechtsorgane sich einem darbietet, stimmt mit den ausführlichen
Darlegungen der Gebrüder Hertwig überein. Die Eier, meist von
großem Umfange, treiben die betreffenden Mesenterien an ihrer Ober-
fläche bedeutend hervor. Das wie immer exzentrisch liegende Keim-
bläschen besitzt im Innern einen großen Keimfleck, der selbst wieder
mehrere kleine Kernkörperchen erkennen läßt. Die Eier liegen in
der Stützlamelle der Mesenterien und lassen infolge ihrer starken
Entwicklung von dem angrenzenden Mesoderm nur sehr dünne
Streifen übrig; so liegen denn die Eizellen wie in Taschen in der
Stützsubstanz eingebettet.
Außer diesen weiblichen Geschlechtsorganen fand ich in den
Mesenterien, in allerdings nur wenigen Fällen, größere Ballen, etwas
länger als breit; sie lagen in gleichem Niveau mit den Eizellen.
Der granulierte Inhalt der Ballen und das Fehlen eines Kernes
machte diese Gebilde zu ebensolchen, wie sie von Heider (15) be-
schreibt und abgebildet hat. Die Vermutung von Heiders, dab
es sich um Spermaballen handelt, vermag ich in Ermangelung eines
umfangreichen Materials ebenfalls nicht in Gewißheit umzuwandeln.
Was mich aber veranlaßt, die Species Arhoduraeau dennoch als Zwitter
der Weichteile der Madreporarier. 273
anzusprechen, ist Folgendes: Wollten wir nämlich in den Präparaten,
und es ist deren Anzahl eine ganz beträchtliche, die beschriebenen
Ballen nicht als Hodenfollikel ansehen, so wäre es doch als eine
äußerst unwahrscheinliche Tatsache hinzunehmen, daß unter so vielen
Präparaten aus den verschiedensten Teilen der Kolonie nicht eines
mit männlichen Geschlechtszellen versehen sein sollte; andererseits
aber wüßte ich nicht, welche Bedeutung diesen von den weiblichen
Geschlechtszellen stark abweichenden, aber mit ihnen in gleichem
Niveau liegenden Gebilden zukommen könnte. Aus diesen Gründen
stehe ich nicht an, die von mir untersuchte Koralle für ein Zwitter
zu erklären.
Unter den Madreporariern hat Fowler (9) bei Pocillopora
brevicornis das nämliche Verhalten von männlichen und weiblichen
Geschlechtsprodukten festgestellt.
Ich gelange nun zu einem Punkte, welcher eine besondere Be-
sprechung verdient; ich habe in den die Madreporarier behandelnden
Werken keine Notiz vorgefunden, welche mir nähere Anhaltspunkte
für das im Folgenden zu schildernde Verhalten geben könnte. Es
betrifft dies das Lager der Ernährungskanäle, dem bereits zu
Anfang der Arbeit Erwähnung getan wurde.
Wir haben gesehen, dab die Gattung Rhodarueas durch das
Fehlen eines Cönenchyms sich auszeichnet; entsprechend ist auch
von eigentlichen Cönenchymkanälen keine Rede, nachdem die Prä-
parate entkalkt sind. Das umfangreiche System von Kanälen, was
sich unterhalb der Polypen erstreckt und in der lebenden Kolonie
von dem typischen Balkenwerk der Trabekel gestützt wird, ist nur
durch das fortgesetzte Wachstum der Kolonie zur Entwicklung ge-
langt. Daß diese Kanäle nicht einfach als gewöhnliche Entoderm-
kanäle betrachtet werden dürfen, lehrt auf den ersten Blick die Be-
grenzung der Kanäle; dieselbe setzt sich aus mehreren Schichten
von Zellen zusammen. Um das Lumen liegen zunächst in einfacher
Lage mehr oder weniger große Entodermzellen; zwischen ihnen,
nicht allzu häufig, beobachtet man in kleinen Gruppen konzentriert
intensiv gefärbte Drüsenzellen, deren körniger Inhalt den Elementen
eine traubenförmige Beschaffenheit verleiht; es sind ganz ähnliche
Drüsenzellen, wie sie in dem Entoderm der Polypen selbst vor-
kommen. Nach außen von dieser Zellenbekleidung haben wir eine
Schicht ziemlich kurzer Zellen; ihre Gestalt ist nicht in allen Höhen
des Lagers der Ernährungskanäle dieselbe, sondern je tiefer man
das Lager verfolgt, um so abgeplatteter werden die Zellen, um
schließlich ganz und gar zu verschwinden.
In geringer Entfernung von der Basis der Polypen erkennt man
ferner sehr deutlich zwischen den beiden beschriebenen Zellenschichten
der Kanäle längere Stücke des Mesoderms (Fig. 7). Durch dieses
Auftreten von Mesoderm kann mit vollständiger Gewißheit behauptet
werden, daß die äußere Lage der Zellen ectodermaler Herkunft ist
und nur im Laufe des Wachstums allmählich die charakteristische
Gestalt der Ectodermzellen der Polypen eingebüßt hat.
Arch. f. Naturgesch. Jahrg. 1904, Bd. 1. H.3. 18
274 Alfred Heicke: Ein Beitrag zur Kenntnis
Die Ernährungskanäle laufen nun nicht regellos nach allen
Richtungen durch die Kolonie, sondern weisen eine bestimmtere
Anordnung auf. Da gerade in der Gegend der Nährkanäle die
Schnitte in tadellosem Zustande infolge der eingreifenden Behandlung
nicht sich darboten, so bedurfte es immer einer Kombination aus
mehreren Schnitten, um ein klares Bild von der Sache zu erhalten.
Unmittelbar unterhalb der Polypen, d. h. also an den Stellen, die
noch kurz zuvor die eigentlichen Polypen eingenommen hatten, gehen
die Kanäle mehr oder weniger radiär; sie zeigen darin eine gewisse
Ahnlichkeit mit dem Verlaufe der Radialfächer der Individuen; die
Vermutung, daß durch das Vorrücken der Polypen diese Verteilung
der Kanäle herrührt, wird bestätigt dadurch, daß in einer ganzen
Anzahl solcher Kanäle große Reste von Mesenterialfilamenten sich
befinden; infolge des Höhenwachstumes der Polypen waren von jeder
Kammer Kanäle zurückgeblieben. Schon nach kurzem Verlaufe
geben die Kanäle jene Anordnung auf, sie nehmen durch mannig-
faltige Vereinigung an Zahl zu und werden auch in ihrem Umfange
mehr und mehr eingeengt. Außer diesen Längskanälen bestehen in
kurzen Abständen voneinander Lagen reichlicher Transversalkanäle,
die allerdings bald schräger nach aufwärts oder abwärts das Ganze
kreuzen. Überhaupt ist es in den tiefen Lagen der Kanäle nicht
mehr möglich, eine den oberen Partieen parallele Anordnung zu
erkennen. Schließlich erstrecken sich noch Ausläufer der oberen
Kanäle in die Basalpartieen der Polypen selbst hinein.
Versucht man hiernach sich eine plastische Vorstellung von dem
Kanalnetz zu machen und berücksichtigt man das histologische Ver-
halten der einzelnen Kanäle, so müssen wir uns unwillkürlich an
die Bildung des Cönenchyms bei den Alcyonarien erinnern; eine
genauere Vergleichung ergibt das Resultat, daß eine Analogie im
ganzen Aufbau des Kanalsystems zwischen Rhodaraea« und den
Alcyonarien nicht zu verkennen ist. Wollen wir kurz einmal die
Entwicklung des Kanalsystems bei den Alcyonarien uns vor, Augen
führen, um an der Hand dieser Vorgänge die angedeutete Ahnlich-
keit besser klar zu legen, so eignet sich zu diesem Behufe in ganz
vorzüglicher Weise die interessante Abhandlung „Versuch eines
Systems der Alcyonaria* von Studer (28). Wir sehen, wie dieser
gründliche Kenner der Alcyonarien auf natürlicher Grundlage das
System aufbaut, indem er sich zum größten Teile an die verschiedenen
Entwickelungsstufen der die Kolonie verbindenden Kanäle hält. Den
Ausgangspunkt in dieser Beziehung bilden einfache Stolonen be-
sitzende Formen, welche durch Knospung auf diesen Stolonen neue
Polypen erzeugen. Wir kommen dann zu Formen, bei denen die
Polypen auf Basalausbreitungen aufsitzen, verbunden durch Entoderm-
röhren, welche durch diese Basalausbreitungen ziehen; hier haben
wir es bereits mit einem Cönenchym zu tun. Diese Cönenchymmasse
wird immer dicker, um eine bessere Verbindung der Individuen der
Kolonie herzustellen. Bei anderen Formen können wir ein Aus-
wachsen der Polypen zu langen Röhren konstatieren, und es ent-
der Weichteile der Madreporarier. 375
wickeln sich aus einem reichlichen Cönenchym in verschiedener Höhe
neue Polypen; kommt es dann ferner zwecks besseren Haltes in den
lang ausgezogenen Verdauungshöhlen zur Bildung einer hornigen
oder kalkigen Achse, so werden aus den seitlichen Mesenterialfächern
der langen Röhrenpolypen vegetative Längskanäle der Kolonie. Es
zeigt diese Entstehung der Längskanäle speziell eine Ahnlichkeit mit
den Verhältnissen bei Rhodaraea. Wir erhalten schließlich durch
immer größere Differenzierung in Bezug auf das Kanalsystem ein
aus zahllosen Röhren zusammengesetztes Oönenchym. Zwischen den
Röhren entstehen noch einige Schichten von transversalen Kanälen,
welche eine vollständige Kommunikation in dem Kanallager herstellen.
Die Anderungen und Abweichungen, die wir bei der in Frage
kommenden Steinkoralle beobachten, sind aus verschiedenen Gründen,
seien sie biologischer oder morphologischer Natur, hervorgegangen;
immerhin müssen wir eine Analogie im Baue feststellen. Natürlich
ist man nicht dazu berechtigt, auf Grund einer solchen vereinzelten
Beobachtung vergleichende entwicklungsgeschichtliche Schlüsse zu
ziehen, da Studien nach dieser Richtung hin nicht vorhanden sind.
Es möge daher genügen, an dieser Stelle einen Hinweis auf diesen
für die Entwicklungsgeschichte wichtigen Punkt gegeben zu haben.
Erst weitere Untersuchungen werden eventuell geeignet sein, positive
verwendbare Resultate zu Tage zu fördern. Untenstehendes Schema
von dem Kanalsystem möge zum besseren Verständnis des Gesagten
beitragen, vor allem die Beziehung der Mesenterien m resp. Radiär-
fächer zu den abgehenden Längskanälen k veranschaulichen.
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In dem folgenden Kapitel sollen nun noch die Ergebnisse Platz
finden, welche sich bei meinen näheren Untersuchungen in Bezug
auf die ungeschlechtliche Vermehrung von Rhodaraea ergaben.
Eine makroskopische Betrachtung der Oberfläche des Korallen-
stockes zeigt die hauptsächliche Art und Weise der ungeschlecht-
lichen Fortpflanzung; hauptsächlich sage ich, da weiter unten ein
besonders abweichender Fall ungeschlechtlicher Fortpflanzung ge-
schildert werden soll.
An den Randpartieen der Polypen tragenden Fläche der Kolonie,
wo die einzelnen Individuen in relativ größeren Abständen vonein-
ander sich erheben, bemerkt man zwischen den Polypen zerstreut
18*
276 Alfred Heicke: Ein Beitrag zur Kenntnis
an einigen Stellen kleine Hervorragungen auf dem Cönosarküberzuge;
wir haben in diesen Gebilden Knospen vor uns, welche durch
Sprossung aus dem Cönosarke entstanden sind; diese Art der Knospung
ist eine bei den Korallen weit verbreitete Form ungeschlechtlicher
Vermehrung. Die kleinen Polypen haben eine Größe von durch-
schnittlich '/, mm und stechen von dem Cönosarkgewebe und auch
den übrigen Individuen durch eine bedeutend hellere Nüance der
grünen Farbe ab; einige der Knospen sind in der Entwicklung
bereits bedeutend weiter vorgeschritten, ihre Färbung beginnt all-
mählich das dunkle Grün der ausgewachsenen Polypen anzunehmen.
Außer an den Randbezirken aber, welche für gewöhnlich als charakte-
ristisch bei der erwähnten Fortpflanzung gelten, da das Wachstums-
gebiet der Kolonie sich auf die äußeren Partieen beschränken soll,
fand ich bei eingehender Inaugenscheinnahme der Kolonie die näm-
lichen Knospen in der Gegend des Gipfels der Oberfläche. Infolge
der sehr dicht stehenden Polypen ist man nicht imstande, ohne
weiteres die Knospen wahrzunehmen; erst bei Auseinanderdrängen
der Polypen hier und da entdeckt man die sprossenden Gebilde.
Einen Einfluß auf die Gestaltung der Kolonieoberfläche scheint eine
derartige Verteilung der Knospen nicht zu haben; die fast gleich-
mäßig gewölbte Fläche, die für gewöhnlich durch die ausschließliche
Entstehung der Sprossung an den Rändern der Kolonie bedingt wird,
ist durch das ausgedehntere Auftreten der sprossenden Individuen
in ihrer Form nicht gestört worden.
Die jungen Knospen besaßen noch keine eigentlichen Tentakel;
dafür hatten sie, was bei Lupenvergrößerung deutlich zu erkennen
war, sechs Hervorwölbungen, welche sich als einfache Fortsetzungen
. des inneren Hohlraumes darstellten. Dagegen trugen ältere Knospen
sechs Tentakel erster Ordnung und schon einen zweiten Kreis von
ferneren sechs Tentakeln; diese Knospen hatten stets im Innern
24 Mesenterien entwickelt, welche den vollkommen ausgewachsenen
Polypen während der ganzen Dauer ihres Bestehens zukommen.
Im Ganzen konnte ich nur zwei Zwischenstadien feststellen, in welchen
die Mundscheibe von sechs ausgebildeten Tentakeln besetzt war.
Was den anatomischen Bau der Knospen anbelangt, so werden wir
denselben noch näher kennen lernen.
Gelegentlich der eingehenden Bearbeitung des umfangreichen
Korallenmaterials, welches während der Reise der Yacht l’Hirondelle
des Fürsten _von Monaco gesammelt wurde, hatte Studer bei einer
Aleyonarie einen Fall von Teilung festgestellt. Welche Bewandtnis
es mit dieser Entdeckung innerhalb der Gruppe der Alcyonarien
hatte, entnehmen wir einem Artikel von Studer in „Bulletin de la
Societ6 Zoologique“ (29). Es heißt dort folgendermaßen: „Les
derniers travaux sur la propagation asexuelle des Alcyonaires semblent
dömontrer que cette derniere se fait par un simple bourgeonnement
indirect; les nouveaux individus ne prendraient naissance que sur
des stolons ou sur le systeme vasculaire du coonenchyme d’un polypier.
v. Koch avait formul& ce fait dans une these ainsi concue:
der Weichteile der Madreporarier. 277
La propagation asexuelle des Alcyonaires ne se fait jamais par
fissiparite, ni par un bourgeonnement direct, mais toutours d’une
maniere indirecte par des stolons ou des formations homologues &
ces derniers. J’ötais arrive de mon cöt& & ce m&me rösultat & la
suite de nombreuses observations.
'L’examen de la riche collection d’Aleyonaires recueillis par
S. A. S. le Prince Albert de Monaco, pendant les campagnes de
son yacht l’Hirondelle, est pourtant venu me montrer que l’axiome
nulla regula sine exceptione, est &galement vrai pour les Alcyonaires.
En effet, j’ai pus observer un cas de fissiparit@ chez un Aleyonaire
dragu& au fond du canal entre Pico et Fayal, dans l’archipel
des Acores.“
Es handelt sich hier um eine zur Familie der Alcyonidae ge-
hörigen Koralle, nämlich um Schizophytum echinatum. Eine aus-
führlichere Betrachtung nebst vorzüglichen Abbildungen ist diesem
Falle in den Resultats des campagnes sc. s. yacht par Albert I,
Prince de Monaco, gewidmet (32).
Für diese von Studer gemachte seltene Beobachtung in der
Gruppe der Aleyonarien habe ich nun einen parallelen Vorgang
betreffs der Madreporarier feststellen können, und zwar wie folgt:
Bei den Madreporariern beobachtet man ein Zustandekommen der
Kolonieen durch Knospung oder durch Teilung. Die bisherigen Er-
fahrungen in diesem Punkte lehrten, daß gewöhnlich verschiedene
Arten und Gattungen sich besonders auszeichneten, indem einzelne
Gattungen bestehen, die sich nur durch Teilung fortpflanzen, andere,
welche sich auf dem Wege der Knospung vermehren. Eine ein-
gehende Behandlung dieser Dinge finden wir in Studer’s Arbeit
über Knospung und Teilung bei den Madreporariern (30).
Das Prinzip der Verteilung von besonderen Gattungen und
Arten je nach der Art der ungeschlechtlichen Fortpflanzung ist
schon bei Milne Edwards (5) vertreten.
Eine Ausnahme von der oben erwähnten Regel hat Studer am
Skelett von C'yphastraea ocellina (Dana) beobachtet (34). Es findet dort
eine Vermehrung durch intracalycinale Knospung statt. An den Stellen
jedoch, wo infolge intensiven Wachstums der Kolonie die Kelchwan-
dungen sich berühren, wird die Vermehrung durch eine intracalycinale
Knospung unmöglich, und man sieht anstatt dessen einfache Längs-
teilung. Die Ursache dieser Erscheinung sucht Studer in den starken
Druckverhältnissen, welche an den durch intensives Wachstum aus-
gezeichneten Stellen herrschen.
Für Rhodaraea stand es bis dahin fest, daß sie sich vermöge
der Knospung (siehe Anfang dieses Kapitels) ungeschlechtlich fort-
pflanzt; allerdings kommen nur Untersuchungen des Skelettes in
Betracht.
In zwei Fällen hatte ich Gelegenheit, Abweichungen der be-
kannten Tatsachen zu beobachten, Bei alledem kam mir günstig
zu statten, daß die Polypen in vollkommen ausgestrecktem Zustande
sich befanden. So fiel mir denn gelegentlich genauerer Durchsicht
278 Alfred Heicke: Ein Beitrag zur Kenntnis
der Kolonie ein Polyp durch seine eigentümliche Lage, durch
welche er von den anderen Individuen abstach, besonders auf. Der
ausgestreckte Polyp, zum Rande des Stockes gehörend, hatte zum
Teil eine ausgesprochen schräge Lage eingenommen, d. h. die eine
Leibeswand bildete einen spitzen Winkel mit der Oberfläche der
Kolonie, sie schien außergewöhnlich gedehnt, während die andere
Seite in normaler Weise mehr oder weniger senkrecht in die Höhe
stieg. Ferner sah man auf dem mehr horizontalen Teile der Leibes-
wand der Länge nach eine Art von Falte sich abheben. Die obere
Partie des Polypen so gut zu erkennen, daß ich genauere Angaben
über den Zusammenhang der Faltenbildung mit Mundscheibe und
Tentakel machen könnte, war mir leider nicht möglich; infolge der
ungünstigen Lage am Rande der Kolonie hatte dieser Abschnitt
bei der Aufbewahrung im Glasgefäße gelitten. Aber abgesehen
von diesem Umstande überzeugte mich eine mikroskopische Unter-
suchung des äußerlich so gebauten Polypen, daß ich eine ganz
merkwürdige Erscheinung der ungeschlechtlichen Vermehrung vor
mir hatte. Auf einem Querschnitte im unteren Teile des Polypen
zeigt sich zunächst die makroskopisch beschriebene Falte als eine
Fortsetzung der Leibeswand (Fig. 8). An der Stelle, wo die Falte
vom eigentlichen Umfange des Individuums sich abhebt, tritt in sehr
deutlicher Weise von jeder Seite des Körpers eine Scheidewand
nach innen und zwar derartig, daß beide eine gemeinsame Wand
zu bilden scheinen, welche die Falte vom eigentlichen Polypen
scharf abgrenzt. In diesem abgeteilten Abschnitt hinein erstrecken
sich einige Kanäle, die als feinere Ausläufer vom Ernährungskanal-
system bis in die Basis der Polypen hinziehen, wie schon oben an-
geführt worden ist. Die wahre Bedeutung der Faltenbildung lehrt
ein Schnitt, der weiter nach oben hin durch den Polypen geführt
worden ist; unmittelbar hinter der von den zwei gegenüberstehenden
Mesenterien gebildeten Wand hat auf einer Seite des Polypen die
Leibeswand begonnen sich einzuschnüren, so daß also der voll-
kommene Zusammenhang der Falte mit dem Polypen allmählich
schon ein lockerer geworden ist (Fig.9). Hier kann man nun ganz
klar sehen, daß es durch eine langsame Abschnürung zur Bildung
eines neuen Individuums kommen wird. Aus der Einschnürung
geht hervor, daß außer den zusammengetretenen Mesenterien auch
die Leibeswandschichten selbst zur Bildung der Körperwand des
neuen Tieres beitragen; merkwürdig an dem Vorgange dieser Ab-
schnürung ist, daß sie nur auf einer Seite vor sich geht. Daß
diese Einseitigkeit nicht als ein bloßer Zufall ausgelegt werden
kann, muß mit Sicherheit aus dem zweiten Falle geschlossen werden,
welchen ich sogleich anzuführen habe. Die Abschnürung der
Kanäle im unteren Teile des Polypen hat vielleicht in ihrer Be-
deutung eine Ähnlichkeit mit dem Zusammenfließen der Kanäle,
die bei der allerersten Bildung einer Knospe durch Sprossung eine
große Rolle spielen.
Wenden wir uns dem nächsten Falle zu, so haben wir hier
der Weichteile der Madreporarier. 379
ein beträchtlich weiter vorgerücktes Stadium in der Entwicklung
vor uns. Makroskopisch bot die Erscheinung folgenden Anblick
dar: Während die jungen Individuen, welche durch Sprossung aus
dem Cömosarke der Kolonie hervorgehen, am Rande in relativ
großen Abständen von den anderen Polypen stehen, bemerkte ich
in der Randgegend der Kolonieoberfläche an einer Stelle, daß ein
junger Polyp auffallend dicht an einem ausgewachsenen Individuum
stand. Beide Polypen waren von einander getrennt bis auf die
Basis, wo es den Eindruck machte, als hätte eine Trennung zwischen
beiden noch nicht ganz und gar stattgefunden. Ich beschloß auch,
von diesen beiden Polypen gemeinsam Querschnitte anzufertigen.
Ich beschreibe wiederum zwei Schnitte. Wie ich vermutete, so
stand der junge Polyp mit dem großen an der Basis noch durch
eine sehr kurze Brücke, gebildet von den drei Schichten des
Körpers, in Verbindung; diese Verbindungsbrücke aber liegt nicht
in der Mitte zwischen den Polypen, sondern ganz am Rande auf
einer Seite und ließ somit klar erkennen, daß auch hier eine ein-
seitige allmähliche Loslösung des jungen Individuums stattgefunden
hat in entsprechender Weise, wie es in dem vorigen Falle fest-
gestellt werden konnte (Fig. 10). Die Trennung war, wie gesagt,
in den oberen Partieen eine vollkommene. |Das Innere dieses jungen
Polypen hatte nun schon einen bedeutenden Teil der Entwickelung
durchgemacht. Auf dem ersten tiefer geführten Schnitte sieht man
acht Mesenterien nach dem Zentrum zu ausstrahlen und mit Me-
senterialfilamenten endigen. Der andere Schnitt hatte das bereits
gut entwickelte Stomodäum mit getroffen, so dab der Ansatz der
acht Mesenterien am Stomodäum zu Tage trat (Fig. 11). Außer
diesen acht Mesenterien jedoch waren noch drei weitere in der Ent-
wicklung begriffen, was auf der Figur deutlich zum Ausdruck
kommt. Es liegt hierin eine sofort auffallende frappante Ahnlich-
keit mit dem Wachstum der Actinien resp. Madreporarier, welche
auf dem Wege der geschlechtlichen Fortpflanzung beobachtet worden
ist, wo ebenfalls die Entwicklung ein achtstrahliges Stadium durch-
macht und dann in ganz ähnlichem Maße die Mesenterien 9—12
in die Erscheinung treten. Auffallend in den Präparaten ist, daß
die neuen Mesenterien nicht zuerst an der Basis der Körperhöhle
entstehen, wie bei den Actinien, sondern im oberen Teile der Körper-
wand; dieser Befund hat sich auch gelegentlich der Untersuchung
von Astroides durch von Heider (15) ergeben, und scheint somit
ein großer Unterschied im Auftreten der Mesenterien von den
übrigen Korallen zu bestehen.
Die Entwicklung der ersten sechs bis acht Mesenterien nach
dem Typus der durch geschlechtliche Vermehrung fortgepflanzten
Polypen konnte ich ferner an zahlreichen Schnitten, die ich von
Knospen durch Sprossung entstanden anfertigte, mit Sicherheit fest-
legen (Fig. 12). Die Bilder, welche sich einem bieten, ähneln so
sehr denen nach Befruchtung sich bildenden Polypen, daß eine
Unterscheidung kaum möglich ist. Ich will an dieser Stelle nicht
I80 Alfred Heicke: Ein Beitrag zur Kenntnis
näher auf die verschiedenen Verhältnisse eingehen, welche an
jungen, auf geschlechtlichem Wege erzeugten Korallen verfolgt
worden sind, namentlich in Bezug auf die Nacheinanderfolge der
ersten zwölf Mesenterien während der Entwicklung. Erstens
herrschen in der Beziehung viel Meinungsverschiedenheiten, zweitens
fehlt es mir an genügendem Materiale, so daß ich auf Grund meiner
verhältnismäßig geringen Zahl beobachteter Fälle keine bestimmten
Schlüsse zu ziehen vermochte. Dazu kommt, daß entsprechende
Beobachtungen an jungen Knospen überhaupt noch nicht angegeben
wurden. Ich verweise daher auf die ausführlichen Abhandlungen
von Gebrüder Hertwig (17), Boveri (3), Faurot (6), Goette (12),
Haddon (13), Kovalewsky (22), Lacaze Duthiers (24), Mc
Murrich (26), Wilson (33).
Hier soll nur festgestellt werden, daß in der Ent-
wicklung zwischen beiden Arten der Polypen eine ausge-
sprochene Analogie vorhanden ist.
Um nun wieder die Beschreibung der eigenartigen Vermehrung,
von welcher oben die Rede war, fortzusetzen, sei zunächst angeführt,
daß der junge Polyp sechs Tentakel auf der Mundscheibe entwickelt
hatte. Hier wie überhaupt bei allen in der Entwicklung begriffenen
Individuen war noch keine bedeutende Differenzierung der Zellen
in den einzelnen Körperschichten eingetreten; außerordentlich stark
ausgebildet war nur in vielen Fällen das Flimmerepithel innerhalb
des Stomodäums, während z. B. noch keine merkliche Differenzierung
im Siphonoglyph sich zeigte. Von Nesselzellen und Drüsenelementen
war nur wenig vorhanden, und ebenso stand es mit der Ent-
wicklung der Längsmuskulatur, welche auf den Mesenterien durch
eine geringe Anzahl von Punkten im Querschnitte sich markierten,
ohne daß von einer Faltenbildung der Stützlamelle die Rede sein
konnte. Quere Muskelfasern waren noch garnicht zur Ausbildung
gelangt.
Fragen wir uns nun, wie jener Fall von ungeschlechtlicher
Vermehrung in die bekannten Formen einzureihen ist, so können
wir von vornherein die verschiedenen Arten der Knospung voll-
kommen ausschalten, denn die ganze Erscheinung ist keineswegs
als eine Wucherung aufzufassen, welche an einer bestimmten Stelle
des Polypen entsteht. Der Vorgang ist nicht identisch dem einer
Knospung, was man sofort erkennt, wenn man die Definition über
Knospung von Milne Edwards u. Haime (5) in Betracht zieht,
die noch heute die maßgebende ist. Nach diesen Forschern stellt
die Knospung eine überreichliche Beschleunigung des Wachstums
an einer bestimmten Stelle dar, so daß zunächst eine warzenförmige
Hervorragung entsteht, welche sämtliche drei Körperschichten des
Polypen enthält. Die Wucherung bildet sich zu einem Polypen
aus, ohne daß die Teile des Muttertieres in irgend einer Weise in
Mitleidenschaft gezogen werden. Vergleichen wir dieses Ergebnis
mit dem von mir untersuchten Falle, so haben wir in dem Haupt-
punkt eine Abweichung zu konstatieren, nämlich in Bezug auf die
der Weichteile der Madreporarier. 281
Beteiligung des Mutterindividuums an der Neubildung. Die oben
auseinandergesetzte Verschiebung der beiden Mesenterien zu einer
gemeinsamen Wand, ferner die Einbeziehung derselben in das neue
Individuum resp. der Verlust des Stammindividuums, welches wieder
ergänzt werden muß, geben uns Aufschluß über die wahre Natur
des in Frage kommenden Prozesses.
Endlich fand auch die Abschnürung nicht an einer Stelle, sondern
der ganzen Länge nach statt. Die ganze Erscheinung muß dem-
gemäß als ein Teilungsvorgang betrachtet werden. Wir finden eine
ausführliche Beschreibung der verschiedenen Vorgänge der un-
geschlechtlichen Vermehrung in Studer’sAbhandlung über Knospung
und Teilung bei den Madreporariern (30). Es wird dort auch ein-
gehender die Entstehung von seitlichen Knospen auseinandergesetzt;
am besten ließ sich die Art und Weise der Neubildung bei Lophohelia
prolifera verfolgen (siehe auch 31). Das Resultat ergibt, daß wir
es im Anfange mit Knospen zu tun haben, die ihren Ursprung vom
Kelchrande nehmen und welche erst allmählich infolge des Höhen-
wachstums des Mutterkelches lateral werden.
Entsprechende Vorgänge müssen, wie Studer nachgewiesen
hat, auch auf eine größere Anzahl anderer Madreporarier übertragen
werden. Ein bemerkenswerter Umstand, der im Verlaufe der Ent-
wicklung solcher Knospen eine bedeutsame Rolle spielt, ist das Ver-
halten zweier Septen des Mutterkelches; dieselben treten nämlich
zur Bildung einer Scheidewand zusammen, welche hauptsächlich zur
Wand des neuen Kelches bestimmt ist. Da nun nach dem Verhalten
des Skeletts bei diesen Vorgängen angenommen wird, daß Teile des
Muttertieres in den Körper des neugebildeten Tieres übergehen, so
kommt Studer zu dem Schlusse, daß es sich in den vorliegenden
Fällen überhaupt nicht um eine Knospung handelt, sondern daß der
ganze Vorgang als partielle Teilung bezeichnet werden mub.
Vergleiche ich die von Studer gemachten Angaben mit meiner
Untersuchung, so scheint es mir von maßgebender Bedeutung zu
sein, daß jenes Zusammentreten der Septen in meinem Falle dem
der Mesenterien parallel zu stellen ist; wir haben somit auch hier
eine Neubildung vor uns, die durch die Abschnürung eines Teiles
des Muttertieres gekennzeichnet ist. Ob hier zu Beginn der Neu-
bildung ein engerer Zusammenhang mit dem Rande des Kelches in
dem von Studer nachgewiesenen Sinne vorhanden gewesen ist,
kann nicht mehr gesagt werden; ich kann mir jedenfalls den Vor-
gang bei meinem Exemplare so denken, daß von vornherein eine
seitliche Differenzierung zustande gekommen ist, da die Ansatzlinien
des zukünftigen Polypen schon in dem früheren Stadium, in welchem
sich die Neubildung mir darstellte, einen beträchtlichen Teil der
Leibeswandlänge des Mutterindividuums umfaßte. Abgesehen von
diesem Punkte kommt es mir vor allem darauf an, festzustellen,
daß der von mir beobachtete Fall von ungeschlechtlicher Vermehrung
bei Rhodaraea eine Art von Teilung ist, welche ich mit den Worten
Studer’s ebenfalls als eine partielle Teilung bezeichnen muß. Eine
282 Alfred Heicke: Ein Beitrag zur Kenntnis
bestimmte Ursache dieser partiellen Teilungsvorgänge vermag ich
nicht anzugeben; die von Studer gegebene Erklärung für C'yphastraea
ocellina (Dana) kann auf Rhodaraea aus dem Grunde nicht angewendet
werden, weil die Polypen gerade am Rande der Kolonie, wo ich die Ab-
weichungen beobachtete, in größeren Abständen verteilt waren.
Coeloria sinensis.
Für eine Orientierung dieser Form sei mir gestattet, vor der
Besprechung der Spezies eine kurze Übersicht über die Morphologie
des Skelettes zu geben. Die Kelche sind vollständig miteinander
verschmolzen und bilden Täler, an welchen eine Unterscheidung der
einzelnen Kelche nicht mehr möglich ist; die Täler werden vonein-
ander durch Hügel getrennt; letztere entstehen durch die Ver-
schmelzung der gemeinsamen Kelchwände; genau gesagt nicht durch
die der Wände selbst, sondern vermittels der hier sehr gut ent-
wickelten Rippen; die Tiefe der Täler ist eine ziemlich beträchtliche
und schwankt um 5 mm herum. Bemerkenswert ist ferner das Vor-
handensein von gut ausgeprägten Columellen, welche in dem Grunde
der Täler sämtlich zu einer langen Lamelle verschmolzen sind. Die
Septen, an ihren freien Rändern gezähnt, sind entsprechend dem
charakteristischen Aufbau der mäandrinischen Formen nicht mehr
für die einzelnen Kelche zu sondern, sie bilden vielmehr zwei parallele
Reihen, indem die Septen zueinander gleichfalls parallel gestellt
sind und dem Zentrum der Täler zustreben. Diese Stellung ist die
Folge der äußerst schnell eintretenden Teilungsvorgänge, wobei es
zu keinem Abschlusse der einzelnen Kelche kommen kann; von einer
Anordnung zu radiären Gruppen ist also keine Rede. Infolgedessen
ist man nicht imstande, am Skelette die Zahl der Individuen anzu-
geben. Dies ist nur möglich, wie ich hier gleich vorausschicken
will, mit Hülfe der Weichteile; denn jeder Polyp hat eine besondere
Mundöffnung und ein besonderes System von Tentakeln.
Bei der Untersuchung dieser Koralle sollte es sich nicht so sehr
darum handeln, neue Momente in Hinsicht auf die histologische
Beschaffenheit der verschiedenen Gewebe zu entdecken, als vielmehr
darum, die Anatomie, namentlich das Verhalten der Mesenterien zu
den Kalkteilen festzustellen, da noch nirgends nähere Angaben über
diesen Punkt gemacht worden sind.
Allerdings muß zugegeben werden, daß gerade die mäandrinischen
Anthozoenformen größere Schwierigkeiten bezüglich der Herstellung
brauchbarer Präparate von den Weichteilen bieten; nach Entfernung
der ausgedehnten Kalkmassen verlieren die zarten weichen Gewebe
zu einem großen Teile den Halt, welchen ihnen die Skelettteile in
der Kolonie bieten, und es ist daher nur auf dem Wege möglich,
mit Sicherheit ein klares Bild vom inneren Bau zu gewinnen, dab
man viele Präparate durch Kombination zusammenfaßt, um so zu
einem Resultate zu gelangen. Dazu kommt, daß die Weichteile in
besonderem Maße eine Kontraktion eingegangen sind, was die ein-
zelnen Bilder nicht unerheblich komplizierter gestaltet.
der Weichteile der Madreporarier. 283
Besonders hervorheben möchte ich, daß ich Ungenauigkeiten
nicht in diese Beschreibung übertragen habe, sondern nur solche
Resultate im Folgenden niederlegen werde, welche ich mit absoluter
Gewißheit aus den zahlreichen Schnittpräparaten gewinnen konnte.
. Bei einem oberflächlichen Blicke auf die Kolonie samt dem
Überzuge der Weichteile fallen zunächst die mehr oder weniger ge-
wundenen Täler durch ihre verschiedene Länge und Unterbrechung
von Querbalken auf. Ferner stehen die Septen, welche natürlich
infolge der stark in die Tiefe gerückten Mundscheiben der Polypen
um einen ganz bedeutenden Teil ihrer Eigenlänge über den Boden
der Täler hinausragen, nicht so gleichmäßig parallel nebeneinander,
sondern sie springen an vielen Stellen mit ihren freien Rändern
weiter vor; dieses Vorspringen macht sich zwar nicht symmetrisch zu
beiden Seiten der Täler, sondern ist nur hier und da vorhanden, un-
regelmäßig verteilt; es zeigen jedoch solche Stellen, daß die Teilungs-
vorgänge verschieden an Vollkommenheit sind. Immer da, wo die
mehr in das Zentrum hineinragenden Septen sich befinden, haben
wir den Ausdruck einer etwas stärker vor sich gegangenen Neigung
zur Abschnürung anzunehmen; festzuhalten ist bei diesen Erschei-
nungen, daß das Verhalten der Septen ein sekundäres ist, da die
Mesenterien und wahrscheinlich auch die in unserem Falle ver-
einigten Leibeswände die primäre Veranlassung zu den Vermehrungen
der unvollkommenen Teilung abgeben.
Was die mäandrinischen durch quere Scheidewände unter-
brochenen Täler anbelangt, so muß man annehmen, daß die Teilungen
nach einer Periode dann und wann zu einem vorübergehenden Ab-
schluß gelangen; dadurch hat der Polyp, welcher den Schluß eines
Tales herbeiführt, die Eigenschaft, daß eine Anzahl seiner Septen
und Mesenterien sich radiär aufgestellt hat; dasselbe zeigt sich dann
auch bei den Individuen, die zu einer Fortsetzung eines neuen Tales
Anlaß geben; somit stehen in jedem Tale zwei Polypen, bei denen
es nicht zu einem vollkommenen Aufgeben der radiären Stellung
der Mesenterien gekommen ist; findet eine solche Periode der Ver-
mehrung sehr bald ihren Abschluß, so resultieren daher kleine
kurze Täler, die man als Kammern bezeichnen kann; diese sind
speziell günstig für die mikroskopische Untersuchung, da sie eine
bessere Übersicht über die Individuen gewähren.
Die verschiedenen Mundöffnungen, welche besonders an ent-
kalkten Stücken infolge des besser durchfallenden Lichtes deutlich
gesehen werden, geben natürlich ebenso viele Individuen an; die
Tentakel sind an meinem Exemplare vollständig eingezogen, so dab
ich über das Außere derselben keine weiteren Angaben zu machen
imstande bin. Die Mundscheiben, den Boden der Täler darstellend,
ziehen, abgesehen von den Mundöffnungen, ohne irgend welche
Unterbrechung als ein zusammenhängender Überzug dahin. Zu be-
merken ist, daß die Oberfläche dieses Überzuges nicht überall eben
ist, sondern daß man hier stärker ausgeprägt, dort weniger deutlich,
quer über die Fläche leistenartige Erhebungen hinweglaufen sieht;
284 Alfred Heicke: Ein Beitrag zur Kenntnis
es geben diese Erhöhungen die Linien an, wo die einzelnen Mund-
scheiben aneinander stoßen und können so mit dazu beitragen, die
Grenzen der einzelnen Polypen zu bestimmen. An den Stellen, wo
es zur Bildung jener Erhöhungen gekommen ist, ist es möglich,
den Umfang der einzelnen Individuen anzugeben. Der Durchmesser
der Mundscheiben, gleichzeitig also auch der der Polypen, beträgt
in der Richtung parallel den Tälern ungefähr 4mm durchschnitt-
lich; die gleiche Länge entfällt auf die dazu senkrecht gestellten
Durchmesser.
Was die Gestalt und Richtung der Mundöffnungen anbetrifft,
so haben die Öffnungen eine normale länglich ovale Form und
messen in der Längsachse im Allgemeinen !/; mm. Die Öffnungen
sind nun derartig gelegen, daß ihre Längsachse mit der Richtung
der Täler übereinstimmt; diese Stellung gibt gleichzeitig die Rich-
tung an, in welcher die Vermehrung der Individuen stattfindet.
Sehen wir näher zu, so fallen uns bei der Betrachtung durch die
Lupe die Mundöffnungen derjenigen Polypen besonders auf, welche
zu Anfang eines Tales sich befinden und zwar immer dann, wenn
an diesem Punkte das neue Tal in einer mehr senkrechten Lage
abgeht. Man sieht hier nämlich, daß die Mundöffnungen mit ihrem
Längsmesser senkrecht zur Richtung des Tales liegen (Fig. 13).
Diese Abweichung bedeutet nichts Zufälliges, sondern steht in direktem
Zusammenhange mit dem Wachstum der Kolonieoberfläche, indem
die bestimmte Stellung des Polypen die bestimmte Teilungsrichtung
angibt. Wir können bei den Anfangspolypen solcher Täler, deren
Richtung parallel ist, keine besondere Stellung der Mundöffnungen
feststellen.
Sehen wir uns nach der Entkalkung an einem größeren Stücke
der Koralle die Polypen von unten an (Fig. 14), so ist sogleich
die Tatsache festzustellen, daß auch hier die Individuen keine
Trennung eingegangen sind; wir haben ein vollkommen zusammen-
hängendes Gewebe vor uns. Fragen wir uns nun, was für Gewebe
es ist, welches den ganzen Abschnitt unterhalb der Mundscheiben
überzieht, so lehrt die mikroskopische Untersuchung, daß diese Ge-
webe aus den Zellenschichten bestehen, welche bei der lebenden
Koralle die Skelettmassen bedecken, wie es gewöhnlich bei den
Madreporariern der Fall ist. Von Wichtigkeit ist hier nur, daß bei
Coeloria unterhalb der Mundscheiben eine eigentliche Leibeswand
zu existieren aufgehört hat. Das, was wir nach dem Zusammenhang
aus den drei Körperschichten Leibeswand nennen, befindet sich bei
Coeloria nur im Gebiete der Täler nebst den Hügeln, eben jene
Folge der in die Tiefe gerückten Polypen, welche wir bereits oben
berücksichtigt haben. Die erwähnten Gewebe aber, von denen ich
sprach, vertreten bei unserer Spezies unterhalb der Mundscheiben
die Leibeswand, und so kommt es, daß, wie ich hier gleich hervor-
heben möchte, die Mesenterien, anstatt von einer Leibeswand, von
diesen Geweben ihren Ursprung nehmen (Fig. 16).
Nebenstehendes Schema soll die Lage der Polypen in der
der Weichteile der Madreporarier. 285
Kolonie verständlich machen. Die Zeichnung stellt einen senkrecht
zur Richtung der Täler geführten Vertikalschnitt dar; es sind zwei
Täler getroffen. |
Bei s die in die Tiefe gerückten Mundscheiben. Die Mesen-
terien sind mit m bezeichnet; / Gewebsschicht, welche sich nach
der histologischen Zusammensetzung als die ursprüngliche Leibes-
wand erweist; w Gewebe, welche bei der lebenden Koralle das
Skelett überziehen, in unserem Falle gleichzeitig zum Ursprunge
der Mesenterien dienen.
Die Linie «0 gibt die Richtung des Schnittes an, den wir in
Fig. 15 wiedergegeben haben; die Buchstaben m, /, w entsprechen
den gleichen Buchstaben in Fig. 15.
Die Linie «’b‘ gibt die Richtung desjenigen Schnittes an, den
wir in Fig. 16 abgebildet haben; auch hier vergleiche man die
Buchstaben « und m mit den gleichen im Schema.
k deutet im Schema das Kalkgerüst an.
ppm,
/
7
U,
c
°S
2
4
eher,
In die Spalten, welche man in der Figur 14 sieht, haben vor
der Entkalkung der Koralle die Septen hineingeragt. Jedenfalls
zeigt bereits das makroskopische Bild der Polypen von der unteren
Fläche, daß auch die Mesenterien im Verlaufe der Teilungsprozesse
keine Abschnürung der Polypen voneinander bewirkt haben.
Wir kommen nun zu der Besprechung des inneren Baues der
Koralle.. Zunächst soll die Partie oberhalb der Mundscheiben in
Betracht gezogen werden. Ein horizontaler Querschnitt durch die
Hügelregion der Polypen, die einem Tale angehören, bietet das
Bild, welches in Figur 15 wiedergegeben ist.
Zu jeder Seite des Tales wird je ein durch die Hügel gemein-
sam ziehender Raum getroffen; da beide gleichen Bau besitzen, so
kann ich mich bei der Beschreibung auf den Raum einer Seite be-
schränken.
Die Begrenzung des Raumes geschieht einerseits durch die
Leibeswand, welche als gemeinsamer Überzug die Seiten der Hügel
bekleidet, andererseits durch die einfachen Zellenschichten, welche
die Mauer überdecken; letztere Grenze ist jedoch keine kontinuier-
liche. Stellen wir uns ein maceriertes Stück der Kolonie vor, so
286 Alfred Heicke: Ein Beitrag zur Kenntnis
gehen von der Mauer die Septen nach innen. Diese werden in
derselben Weise wie die Mauer selbst von Weichteilen im lebenden
Zustande überzogen; nach der Entfernung der Septen durch die
Entkalkung rufen dann die den eheinaligen Septen aufliegenden
Gewebe im Querschnitte die Einbuchtungen hervor, welche die be-
schriebene Grenze zu unterbrechen scheinen.
In fast regelmäßigen Abständen ziehen parallel quer durch den
Raum gewissermaßen Balken, deren Gestalt und histologische Zu-
sammensetzung in allen Teilen übereinstimmen; sie beginnen von der-
jenigen Wand, die wir als Bekleidung der Mauer kennen gelernt haben,
setzen sich nach geradem Verlaufe an die Leibeswand an und liegen so
abwechselnd zwischen den Einbuchtungen, deren Anwesenheit wir mit
den vor der Entkalkung vorhanden gewesenen Septen in Zusammen-
hang bringen konnten. Die Balken bestehen aus einem relativ be-
deutenden Streifen von Mesoderm als einer strukturlosen Stütz-
lamelle; zu beiden Seiten der Stützsubstanz erstrecken sich mehr
oder weniger längliche Zellen in lockerem Gefüge, so daß sie einen
schwammigen Eindruck hervorrufen; nach dem Aussehen und ihrer
Lage sind diese Zellen als Entodermzellen zu bezeichnen. Hervor-
zuheben ist noch das vollständige Fehlen von Muskulatur. Ver-
folgen wir die Gebilde weiter nach der Tiefe zu, so nehmen wir
in Bezug auf den Bau gar keinen Unterschied wahr; wir überzeugen
uns aber bei fernerer Durchsicht einer solchen Serie von Schnitten
davon, daß der geschilderte Raum unmittelbar in den gemeinsamen
Hohlraum der eigentlichen Polypen übergeht und gleichzeitig davon,
daß jene Scheidewände nichts anderes darstellen als die direkten
Fortsetzungen der Mesenterien, welche im üblichen Sinne die
Kammerung der Verdauungsräume veranlassen.
Die außergewöhnliche Größe der Mesenterien, die ja Hand in
Hand geht mit der Größe der Septen, ist sehr leicht aus der Tat-
sache zu erklären, daß bei den mäandrischen Formen, wie schon
erwähnt, die Mundscheiben und Tentakel sowie die Schlundrohre
in erheblichem Maße in die Tiefe gerückt sind, während die Mesen-
terien und Leibeswände diese Lageveränderung nicht mitmachten.
Allerdings sehen wir eine deutliche Verschiedenheit in dem ana-
tomisch-histologischen Aufbau der Partieen der Mesenterien, welche
über und unter den Mundscheiben sich erstrecken. Es iehlt den
oberen Teilen die Differenzierung der Stützlamelle zu der Muskel-
fahne und ferner, was schon festgestellt worden ist, die Anwesen-
heit von Quer- und Längsmuskulatur. Es ist offenbar, daß wir es
hier mit einer Verkümmerung dieser Dinge zu tun haben, indem
die oberhalb der Mundscheiben gelegenen Scheidewände nicht
mehr die Funktion auszuüben brauchen, die ihnen innerhalb der
Polypenkörper zukommt. Infolge besagten Baues läßt sich natürlich
eine paarige Anordnung in den oberen Abschnitten der Mesenterien
nicht mehr wahrnehmen.
Betrachten wir nun die innere Gestaltung der Partie, welche
zu den eigentlichen Polypen gehörig gelten darf. Im Anschluß an
der Weichteile der Madreporarier. 287
das Vorhergehende wird es passend sein, zunächst die Scheidewände
einer eingehenderen Besprechung zu unterziehen. An der Hand
der zahlreichen Präparate habe ich in dieser Beziehung folgendes
feststellen können. Eine vollkommene Abgrenzung der einzelnen
Individuen voneinander gestattet die Anordnung der Mesenterien
nicht; entsprechend den Septen zeichnen sich auch jene durch ihre
mehr oder weniger parallele Stellung aus. Ab und zu nur beob-
achtet man, daß zwei gegenüberstehende Scheidewände auf sehr
kleine Entfernung sich nach der Mitte zu nähern, d. h. daß hier
die unvollkommene Teilung der Polypen einen höheren Grad der
Neigung zur Abschnürung zeigt. Erstens geben uns solche Stellen
die Grenzen zwischen zwei Individuen an, zweitens aber sehen wir
zugleich, daß die Mesenterien bei den Teilungserscheinungen eine
bestimmte Rolle spielen und zwar in ähnlicher Weise, wie Studer
gelegentlich seiner eingehenden Studien der ungeschlechtlichen Ver-
mehrung der Madreporarier an den Skeletten geschildert hat (30a).
Am günstigsten für eine Bestimmung der Begrenzung der einzelnen
Polypen und dann vor allem, was ja bei dieser Frage von be-
sonderer Wichtigkeit ist, für eine Berechnung der Zahl der Mesen-
terien sind solche Polypen, die am Anfang eines Tales stehen, bei
denen man also mit Sicherheit wenigstens die Grenze einer Seite
anzugeben vermag. Als weitere Stütze bei dieser Berechnung
müssen die Schlundrohre dienen, indem man allgemein die Mitte
zwischen zwei derselben für die in Frage kommende Bestimmung
ausnutzen kann. Örientiert man sich an der Hand der angeführten
Hilfsmittel, so kommt man bei den verschiedenen Auszählungen zu
verschiedenen Resultaten. Die Tatsache des Vorhandenseins einer
ungleichen Zahl von Mesenterien hat z. B. Fowler bei der ana-
tomischen Untersuchung von Turbinaria und Lophohelia (9) fest-
gestellt.
Bei Turbinaria schwankt die Zahl der Mesenterienpaare bei
verschiedenen Polypen zwischen 17 und 22; dieses Verhalten hat
dort allerdings gleichzeitig noch eine Asymmetrie der einzelnen
Individuen zur Folge, da auf diese Weise die Mesenterien auf der
rechten und linken Seite der Richtungsachse nicht übereinstimmen.
Ferner ist ein noch mehr an Coeloria erinnerndes Verhalten
bei Heteropsammia multilobata der Fall, ebenfalls von Fowler (11)
gefunden. Die Zahl der Mesenterien schwankt zwischen 17 und
30 Paaren; in dieser Spezies kommt Vermehrung durch Teilung
vor, derart, dab oft 2—3 Individuen als kleine Koloniebildung an-
getroffen werden; wir werden weiter unten den Zusammenhang der
Vermehrung mit der Unbeständigkeit der Zahl der Mesenterien be-
sprechen.
Gilt für Coeloria die Inkonstanz der Zahl, so entsteht daraus
aber keine Asymmetrie, sondern es wird nur das Zahlenverhältnis
des Multiplum von sechs teilweise aufgehoben. Wir können den
Grund der Abweichung bei Coeloria mit Sicherheit angeben und
zwar werden wir ihn ausschließlich in der Art und Weise der Ver-
988 Alfred Heicke: Ein Beitrag zur Kenntnis
mehrung der Polypen anzunehmen haben. Wir müssen zunächst
in Erwägung ziehen, daß die jeweilige Teilung nicht immer gleich-
wertige Stücke aus einem Individuum hervorgehen läßt, wie das
ja bei so vielen Madreporariern schon beobachtet worden ist, ferner,
dab infolge der äußerst schnell eintretenden Weitervermehrung die
unvollständig zustande gekommenen neuen Polypen keine Zeit dazu
finden, die Zahl ihrer Mesenterien zu ergänzen. Ich kann hier ein-
schalten, daß wegen dieser schnellen und sehr unvollkommenen
Vermehrung die Mesenterien jegliche radiäre Anordnung verlieren,
dergestalt, daß zwischen den einzelnen Schlundrohren mehrere Paare
von Mesenterien erster Ordnung, welche sonst an das Stomodäum
sich ansetzen, mit ihren Rändern frei im Zentrum endigen (Fig. 16).
Was nun die Zahl der Mesenterien anbelangt, so handelt sichs
um Schwankungen zwischen 20 und 32. Eine Asymmetrie hat
dieser Vorgang nicht zur Folge, da die Vermehrung stets durch
zwei gegenüberliegende Mesenterien veranlaßt wird, und auf jeder
Seite des Tales immer eine gleiche Summe von Mesenterien be-
stehen bleibt.
Eine andere Eigentümlichkeit in Bezug auf die Anordnung der
Mesenterien ist das Fehlen von Richtungsmesenterien. Auch ein
solches Verhalten ist in einzelnen Fällen von Madreporariern be-
richtet worden.
Fowler schreibt über Lophohelia prolifera: „Es gibt keine
Richtungsmesenterien an den entgegengesetzten Enden der Längs-
achse des Stomodäums. Die Ursache dieser Erscheinung kann
nicht gedeutet werden, da man sonst nichts Abnormem im Polypen
begegnet, was mit jenem Verhalten in Verbindung gebracht werden
könnte. Da auch die spezielle Funktion der Richtungsmesenterien
noch nicht erklärt ist, so ist die Bedeutung der Variation nicht
schätzbar“.
Das Fehlen der Richtungsmesenterien bei AHeieropsammia multi-
lobata ist, so erwähnt Fowler, möglicherweise mit der dieser
Koralle zukommenden Vermehrung durch Teilung in Verbindung
zu bringen.
Bourne (2) fand die Abwesenheit von Richtungsmesenterien
bei Mussa, fügte aber keine nähere Begründung hinzu. Derselbe
Autor hat ferner noch bei Kuphyllia die gleiche Beobachtung ge-
macht. Er führt dort an: „There are no directive mesenteries.
This fact may either be a primitive condition or may be connected
with fissiparity, for it is impossible to conceive how two polyps
can be devided by fissiparity from one with directives and yet the
arrangement of directives be carried over into the daughter polyps“.
Vergleichen wir nun die angeführten Fälle mit der von mir
untersuchten Spezies, so stimmen alle darin überein, daß die un-
geschlechliche Vermehrung durch Teilung stattfindet, teilweise auch
darin, daß sie sich durch die Unregelmäßigkeit in der Anzahl der
vorhandenen Mesenterien auszeichnen. Jedenfalls kann ich bei
Coeloria mit größter Wahrscheinlichkeit die Ursache des Fehlens
der Weichteile der Madreporarier. 289
der Richtungsmesenterien auf die eigentümliche Weise der Ver-
mehrung durch die beschriebene Teilung zurückführen; von einer
primitiven Beschaffenheit ist hier wohl keineswegs die Rede, viel-
mehr ist hier der vollständige Mangel einer radiären Stellung der
Mesenterien zu berücksichtigen. Die unvollkommene Teilung, welche
senkrecht zur Längsachse des Stomodäums stattfindet, ruft somit
eine Verschmelzung der zahlreichen Individuen eines Tales gerade
in den Abschnitten hervor, innerhalb derer wir die Gegenwart der
Richtungsmesenterien zu erwarten hätten.
Von der Histologie der Mesenterien möchte ich noch erwähnen,
daß die Ausdehnung der Längsmuskulatur sich wesentlich unter-
scheidet von der, welche wir bei Rhodaraea angetroffen haben.
Dort haben wir eine fein verästelte mehr baumförmige Gestaltung
der Mesodermlamelle zu der Muskelfahne, hier dagegen ist die
Stützlamelle nur in ganz einfache dickere Lappen geschlitzt, was
also eine bedeutend geringere Vergrößerung der Oberfläche bedeutet,
denn diese Vergrösserung ist ja der alleinige Zweck der Mesoderm-
faltungen. Bei /hodaraea fanden wir eine viel größere Anzahl von
Muskelfibrillen sich über das Mesoderm ausdehnen. Bemerkenswert
bei Coeloria hingegen ist, daß die geringere Anzahl der Muskel-
fasern nicht unwesentlich durch die größere Dicke der Muskelfasern
ausgeglichen wird; aus den Punkten im Querschnitte bei Rhodaraea
sind hier längliche stäbchenartige Gebilde geworden. Was die
transversale Muskulatur anbelangt, so überziehen die Muskelfasern
das Mesoderm nicht streng in horizontaler Richtung, sondern sie
haben einen schrägen Verlauf angenommen, und zwar erstrecken
sie sich von oben und außen nach unten und central.
Ferner zeichnet sich das Mesenterialfilament bei Coeloria durch
seine bedeutendere Länge aus; das Ende der Stützlamelle sendet
zwei ziemlich lange Fortsetzungen in Form eines T aus, so daß die
Flimmerstreifen dadurch eine stärkere Entwicklung erlangt haben.
Von histologischen Einzelheiten, die sich dem normalen Typus
der Actinien in jeder Beziehung anschließen, brauche ich hier nur
die Gestalt der Nematocysten mit einigen Worten zu beschreiben.
Ihre Anwesenheit konzentriert sich, wie bei den Antlıozoen ge-
wöhnlich, vor allem an den Tentakeln und an der Mundscheibe.
So dicht auch die Tentakel mit den Nematocysten gespickt sind,
zu einer Bildung von „Batterieen“ ist es nicht gekommen. Die Form
der Nesselzellen ist zum Unterschiede von den kurzen und spindel-
förmigen Gebilden bei Rhodaraea in unserem Falle sehr lang und
schmal. Innerhalb der Kapsel sieht man stets sehr deutlich den
spiralig aufgerollten Nesselfaden und an den Stellen, wo durch den
Schnitt gerade einige Kapseln getroffen worden sind, so dab die
Fäden aus ihrer Umhüllung hervorragen, hat man das Bild einer
kleinen Sprungfeder.
Eine besondere Besprechung verdient noch das Verhalten der
Tentakel bei der Kontraktion derselben. Die kurzen Tentakel
stülpen sich während der Zusammenziehung vollkommen nach innen
Arch, f. Naturgesch. Jahrg. 1904. Bd.I. H.3. 19
290 Alfred Heicke: Ein Beitrag zur Kenntnis
ein, gerade wie wir es beim Einziehen von Schneckenfühlern beob-
achten können. Eine Einstülpung der Tentakel auf derartige Weise
kennen wir bisher nur von sehr wenigen Anthozoen, so unter den
Aleyonarien von Sympodium, Corallium und Heliopora. Innerhalb
der Abteilung der Maäreporarier hat eine solche Methode der
Tentakeleinstülpung Fowler bei der Spezies Seriatopora sıbulata (9)
beschrieben. Es heißt dort: „There is, I believe, no instance yet
recorded of the occurrence among Madreporaria of the method of
tentacular retraction which distinguishes Seriatopora, namely that
of introversion, the tentacles being invaginated in such wise that
the battery is still pointed upwards. Probably owing to the mi-
nuteness of the polyp, no special muscular apparatus for effecting
this retraction could be detected“.
Fowler gibt, um dieses Verhalten besser zu zeigen, zwei
Zeichnungen.
Allerdings können bezüglich dieses Punktes sehr leicht Irrtümer
vorkommen, welche einer besonderen Beachtung wert sind; ich
werde an der Hand von Heider’s „Korallenstudien“ (15) im Fol-
genden davon sprechen und verweise gleichzeitig auf die betreffenden
Zeichnungen im gleichen Werke.
Es erscheinen auf den Schnitten in den Kammern zwischen
den Mesenterien die Querschnitte von breitgedrückten oder rund-
lichen Schläuchen, deren Wandung vollständig die Zusammensetzung
der Tentakel zeigt, wie wenn dieselben nach einwärts gestülpt
wären, d.h. man findet als innerste Zellenlage Ektoderm mit einer
großen Menge charakteristischer Nesselkapseln, auf dieses folgt
Längsmuskulatur, nach außen von der Mesodermlamelle Ring-
muskulatur; welche von einem Entodermlager bedeckt ist. Von
Heider beschreibt nun weiter: „Ich habe einen entkalkten Polypen
von seiner Basis aus in eine Anzahl von Querschnitten zerlegt, und
nachdem ich in einer Höhe angelangt war, in welcher die an-
gegebenen rundlichen Querschnitte innerhalb der Mesenterialtaschen
sichtbar wurden, aus dem oberen Reste des Polypen Frontalschnitte,
welche also senkrecht auf die Ebene des letzten Querschnittes ge-
führt wurden, angefertigt. Man findet dann, daß die Tentakel
zwar stark verkürzt, aber alle noch nach auswärts von der Mund-
platte gerichtet sind; wohl aber macht die letztere bedeutende Ein-
buchtungen gegen die Kelchhöhle. Diese Einbuchtungen der Mund-
platte sind es nun ausschließlich, welche meines Erachtens auf
Querschnitten innerhalb der Mesenterialtaschen getroffen werden,
und ich erkläre mir jene Faltungen mit der Wirkung einerseits
der Muskelwülste, welche längs der Mesenterien schief von unten
und außen nach oben und innen zur Tentakelbasis ziehen, anderer-
seits der Kreis- und Längsmuskelfasern der Mundplatte selbst“.
Von Heider sagt dann noch, die Entscheidung, ob wir es hier
tatsächlich mit Tentakelquerschnitten zu tun haben, wäre wichtig,
da ja die Annahme, dab bei Kontraktion des gesamten Polypen
die Tentakel in die unter ihnen liegenden Taschen eingestülpt
der Weichteile der Madreporarier. 291
werden, wohl denkbar sei, wenn für diese Arbeit eine eigene Vor-
riehtung, etwa ein musculus retractor, der die Tentakelspitze mit
dem Körperinnern verbände, gefunden würde.
Ich habe die Beobachtungen von Heider’s wiedergegeben,
weil ich an vielen Präparaten der von mir untersuchten Spezies
mit jenen vollständig übereinstimmende Bilder erhalten habe, die
tatsächlich bei mehr oberflächlichem Hinsehen den Eindruck von in
sich eingestülpten Tentakeln hervorrufen. Dies wollte ich voraus-
schicken, um von vornherein dem vorzubeugen, als hätte ich beim
Studium der Querschnitte in Betreff des Verhaltens der Tentakel
obige Bildungen in der angedeuteten Weise verwechselt. Außer
den beschriebenen Einbuchtungen der Mundscheiben sah ich nämlich
im Innern der Binnen- resp. Zwischenfächer geschlossene Kreise,
welche nach innen ein Ektoderm mit charakteristischen vorher
schon erklärten Nematocysten zeigten und nach außen die übrigen
typischen Schichten der Tentakel als Mesoderm und an der
Peripherie als Entoderm; hätten diese Gebilde vielleicht noch nicht
dazu genügt, um den Beweis zu bringen, daß ich in der Tat
handschuhfingerartig eingezogene Tentakel vor mir hatte, so wurde
meine Annahme in unumstöbliche Sicherheit umgewandelt, als ich
in einigen Fällen mehr nach der Tiefe zu folgende Zusammen-
setzung und Anordnung der drei die Tentakel auszeichnenden Ge-
webeschichten wahrnehmen konnte. Es sind zwei ineinander ge-
schaltete Kreise (Fig. 17), die sich gegenseitig derartig verhalten,
daß an dem äußeren Kreise das Ektoderm, die typischen Zell-
elemente enthaltend, auf der Innenseite sich befindet, während das
Entoderm auf dem Mesoderm nach außen angeordnet ist; an dem
innerhalb des großen Kreises gelegenenen kleinen konnte ich ein
umgekehrtes Verhalten der Zellenlagen feststellen, indem das Ekto-
derm außen, das Entoderm innen lag. Diese Querschnitte können
garnicht anders ausgelegt werden, als daß sie ein Stadium dar-
stellen, in welchem die nach Art von Schneckenfühlern eingestülpten
Tentakel im Begriffe sind, sich eben wieder auszustrecken.
Was bei dieser Erscheinung die Anwesenheit einer besonderen
Verrichtung oder Muskulatur anbetrifft, wie sie von Heider zur
Erklärung dieser Methode der Kontraktion verlangt, so glaube ich
einen sehr einfachen Grund dafür angeben zu können. Ich bin der
Meinung, daß die Längsmuskulatur der Tentakel und die mit ihr
in direktem Zusammienhange stehende Längsmuskulatur der Mesen-
terien, ein Verhalten, welches bereits seit geraumer Zeit nachgewiesen
worden ist, vermöge der gleichzeitig eintretenden Kontraktion imstande
sind, eine Wirkung auf die Tentakel auszuüben, wie sie von Fowler
bei Seriaiopora und von mir bei Coeloria beobachtet worden ist.
Zum Schlusse der Beschreibung sei noch einiges über fremde
Bestandteile bemerkt, welche im Entoderm fast durch den ganzen
Körper der Polypen hindurch angehäuft sind, nämlich über die
gelben Zellen. In besonders großen Mengen fand ich sie im Be-
reiche der Mundscheiben. Die Zellen sind kuglig und alle nahezu
19*
292 Alfred Heicke: Ein Beitrag zur Kenntnis
von gleicher Größe; ihr Inhalt ist mit zahlreichen mehr oder
weniger kleinen Körnern versehen, die etwa gelblich-grün gefärbt
sind. Außerdem besitzen sie einen Kern, der durch die Färbung
mit dem Hämalaun deutlich hervortritt. Uber die Bedeutung der
auffällig von der Umgebung abstechenden Bildungen war man lange
Zeit im Unklaren. Es mag hier daher daran erinnert werden, dab
Gebrüder Hertwig in ihrem großen Actinienwerke (17) den sehr
wahrscheinlichen Nachweis zu liefern versucht haben, wonach die
gelben Zellen, namentlich auch wegen ihrer außerordentlich
großen Ahnlichkeit mit den gelben Zellen der Radiolarien, als
niederste einzellige Algen zu betrachten sind, welche parasitisch im
Körper der Anthozoen leben.
Zusammenfassung.
Folgendes sind die wichtigsten Resultate, welche ich bei meinen
Untersuchungen festzustellen imstande gewesen bin:
Rhodaraea lagrenaei. Die Polypen zeigen in ihrem Aufbau
den Typus der Actinien.
In Betreff der Histologie des Ektoderms ist abweichend von
allen bisherigen Beobachtungen das Vorhandensein von Sinnes-
knospen an den Tentakeln hervorzuheben, deren Funktion die von
Tastapparaten ist.
Im Innern der einzelnen Polypen finden sich in den Mesen-
terien zugleich männliche und weibliche Geschlechtszellen.
Das System der Ernährungskanäle zeigt in seiner Bildung eine
deutliche Analogie mit den Alcyonarien und zwar speziell mit den
höher differenzierten Gattungen der Gruppe der Alcyonacea.
Die Entwicklung der ungeschlechtlich erzeugten jungen Indi-
viduen weist große Ahnlichkeit mit derjenigen auf, weiche man
von den aus den befruchteten Eiern hervorgegangenen Polypen kennt.
Außer der ungeschlechtlichen Vermehrung durch Knospung
auf der Basalausbreitung der Kolonie kommt in seltenen Fällen
auch Fortpflanzung durch partielle Teilung vor.
Coeloria sinensis. Die Mesenterien der Polypen setzen sich
infolge der in die Tiefe gerückten Polypenkörper oberhalb derselben
unter gleichzeitigem Verluste der Längsmuskulatur fort.
Die Stellung der Mesenterien stimmt, soweit das Schwinden
der radiären Anordnung in Betracht kommt, mit der der Septen
überein.
Die Polypen zeichnen sich besonders durch das Fehlen der
Richtungsmesenterien aus.
Die Zahl der Mesenterien ist keine einheitlich feststehende,
was mit den ungleichmäßigen Teilungsvorgängen in Zusammenhang
steht; dadurch besteht auch keine Beziehung zu dem üblichen
Multiplum von sechs.
Die Kontraktion der Tentakel findet nach Art der Einstülpung
yon Schneckenfühlern statt.
1.
18.
.— Korallenstudien, i in: Z. wiss. Zool. V.44, p. 507535, tab. 30,
3] BR:
der Weichteile der Madreporarier. 293
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Abh. nat. Ges. Nürnberg p. 1—18, tab.1. . . . . 183
Kowalevsky, A. Untersuchungen über Entwickelung der
Coelenteraten, Ref. in: Jahresb. Hofmann u. Schwalbe
. NOTE
Krukenbersg, €. Fr. W. Die nervösen Leitungsbahnen in
dem Polypar der Aleyoniden, in: Vergl. phys. Stud., 2. Reihe,
4. Abteil., 1. Teil, Heidelberg, p. 59—76, 1 Taf. . . 1887
de Lacaze Duthier, H. Developpement des Coralliaires.
Actiniaires sans polypier, in: Arch. zool. exp. V.1, p. 289
— 396, tab. 11—16 . . ir) a
. Moseley, H. N. On the deep-sea 1 Madreporaria, in: Sc. Res.
Challenger V.2, p.127—208 et 238—248, 16pl. . 1881
. Me Murrich, J. Contributions on the morphology of the
Actinozoa. 2. On the development of the Hexactiniae, in:
Journ. Morph. V.4, p.3083—330, tab.13 . . . . 1891
. Ogilvie, MariaM. Microscopic and systematic study of madre-
porarian types of Corals, in: Phil. Trans. Roy. Soc. London
V.187B, p. 83--345, T5fig.. . eek...”
. Studer, Th. Versuch eines Systems der Aleyonaria, in: Arch.
Nature. Jhg. 53, p: 74 tab ln. . ta. sera
9. — Cas de fissiparit& chez un Alcyonaire, in: Bull. Soc. zool.
France V.16, p.28—30 . si
.—. 3a Knospung u. Teilung bei "den Madr eporariern, in: Bern.
Mitteil: p. 1-14. . Re.
b) Beitrag zur Fauna der Steinkorallen von Singapore,
ibid. p. 15—53 . 1314041880
- Übersicht der Steinkorallen, "welche auf der Reise 8. M. 8.
„Gazelle“ um die Erde gesammelt wurden, in: Monatsber.
Akad. Wiss. Berlin. . ob ul erg RTER ee
— Aleyonaria de V’Hirondelle, in: Res. Campagnes sc.
Albert I., Prince de Monaco, Fasc. 20, p. 1—64, tab. 1
—l1.. Tr
_ Ergebnisse einer Reise nach dem Pacific (Schauinsland
1896—97) Madreporarier von Samoa, den Sandwich-Inseln
und Laysan, in: Zool. Jahrb. V. 14, Syst. Sierra
Wilson, H. V. On the development of Manicina areolata, in:
Journ. Morph. V.2, p. 191—252, tab. 14—20. . . 1888
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Ela u =
Kl.
12.
13.
14.
der Weichteile der Madreporarier. 295
Tafelerklärung.
Rhodaraea.
Schema, um die Art und Weise der Aufstellung der Tentakel zu
zeigen. I Tentakel erster Ordnung, II Tentakel zweiter Ordnung,
III Tentakel dritter Ordnung.
Knospender Tentakel (Lupenvergrößerung).
Knospender Tentakel (Mikroskop. Vergrößerung). a Anhäufung von
Nematocysten zur sog. Nesselbatterie.
Querschnitt durch einen Tentakel. s Sinnesknospen.
Einzelne Sinnesknospe bei starker Vergrößerung, g Ganglienzellen.
Querschnitt durch einen Polypen, r Richtungsmesenterien.
Schnitt durch ein Ernährungsgefäß. e Entoderm, ect Ectoderm,
m Mesodermstück, f Rest des ehemaligen Mesenterialfilamentes.
Querschnitt durch einen durch partielle Teilung entstehenden neuen
Polypen an der Basis des Individuums. m Mesenterien des Muttertieres,
welche direkt an der Neubildung beteiligt sind. % Ernährungskanäle
Querschnitt durch ebendenselben Polypen wie in voriger Figur, aber im
oberen Abschnitte des Tieres, um den Grad der Abschnürung zu zeigen.
Querschnitt durch einen jungen Polypen, ebenfalls durch partielle
Teilung entstanden. Der Schnitt ist an der Basis geführt worden;
man sieht den letzten Zusammenhang mit dem Mutterindividuum,
ferner 8 Mesenterien entwickelt.
Schnitt durch denselben Polypen wie vorher im Bereiche des Stomo-
däums. Man sieht außer den 8 erwähnten Mesenterien 3 weitere in
der Entwickelung begriffen.
Schnitt durch eine auf dem Wege der Sprossung entstandene Knospe
(Sstrahliges Stadium).
Coeloria.
Ein entkalktes Stück der Kolonie von oben gesehen. Am Anfang
des Tales diejenige Mundöffnung m, welche durch ihre abweichende
Stellung die Richtung eines neuen Tales bestimmt.
Entkalktes Stück von der unteren Fläche gesehen; es zeigt, daß die
Weichteile kappenartig auf den Kalkmassen aufsitzen. w Wand,
welche im Lebenden die eingefügten Kalkmassen überzieht, vertritt
hier gleichzeitig die Stelle der Leibeswand, von der nach innen die
Mesenterien ihren Ursprung nehmen. s Spalten, in welche vor der
Entkalkung die Septen hineinragten.
296
Fig. 15.
Fig. 16.
Fig. 17.
Alfred Heicke.
Horizontaler Querschnitt durch die Hügelregion der Polypen, welche
einem Tale angehören, d. h. es handelt sich um den oberhalb der
Mundscheiben gelegenen Abschnitt der Individuen. 2 gemeinsame
Leibeswand, w Weichteile, welche vor der Entkalkung die Mauer und
Septen überzogen, letztere waren in die mit X bezeichneten Räume
eingelagert. m Mesenterien, welche in diesem Abschnitte der Muskel-
fahnen und Muskulatur entbehren. Die Pfeile weisen auf den Raum
hin, den man als das gemeinsame Tal bezeichnet.
Querschnitt durch die Partie der eigentlichen Polypen in der Höhe
der Stomodaea. s Stomodaeum, m Mesenterien, w Weichteile wie in
Fig. 15.
Querschnitt durch einen handschuhfingerförmig eingestülpten Tentakel.
ect Ectoderm, m Mesoderin, e Entoderm, s Spitze des Tentakels, die
gerade im Begriff ist, sich wieder auszustülpen.
En _
Beobachtungen
an
Nematoden und Cestoden.
Von
Dr. von Linstow
in Göttingen.
Hierzu Tafel XII.
Cystoopsis Acipenseris Wagn.
Fig. 1—6.
Herr Dr. A. Skorikow in St. Petersburg hatte die grosse
Freundlichkeit, mir ein Exemplar von Acipenser ruthenus zu
schicken, das von Cystopsis Acipenseris, diesem merkwürdigen,
bisher nur in Russland aufgefundenen Nematoden bewohnt war.
Es war ein Fisch von 24 cm Länge, der rechts und links von
der Bauchlinie in zwei parallelen Längslinien angeordnete Knöt-
chen von Erbsengrösse zeigte: die rechte Linie bestand aus 9,
die linke aus 10 Knötchen, die vorn 2, hinten 1!/, cm von ein-
ander entfernt standen; außerdem sah man nach innen von der
Reihe rechts noch 3, von der links noch 1 Knötchen; alle standen
zwischen der Basis der Brust- und der der Bauchflossen zwischen
den Knochenschildern.
Der Fisch hat ein bauchständiges Maul und wird seine Nah-
rung auf dem Grunde des Wassers liegend suchen; Nematoden-
larven, welche im Schlamm des Wassers leben, können sich dann
leicht in die weichsten Stellen der Bauchhaut einbohren. Zykoff
vermutet den Zwischenwirt in der Larve von Simulia reptans, weil
diese die Hauptnahrung des Fisches bildet.
Unsere Kenntnis über den Bau des Nematoden verdanken
wir dem Entdecker desselben, N. P. Wagner!), die aber un-
vollkommen ist.
!) Arbeiten des 1. Kongresses russischer Naturforscher in St. Petersburg,
Sitzungsprotokoll d. zoolog. Sekt. 31. Dezemb. 1867, pag. 6—7 (russisch).
Entwicklungsgesch. d. 'Tierreichs, 2. Aufl., Bd, I, 1887, pag. 429 -- 430,
fig. 362 (russisch).
298 Dr. von Linstow: Beobachtungen
Spaltet man die Haut über den Knötchen mit einem Kreuz-
schnitt, so kann man mit der Pincette den Parasiten herausheben
und man blickt dann in eine 3—4 mm große, kugelförmige Höhlung,
die von dem kugelförmigen Weibchen und dem winzig kleinen,
wurstförmigen Männchen ausgefüllt war; in jeder Oyste wohnt nur
ein Weibchen und mit ihm meistens ein Männchen, selten keins
oder zwei.
Die Cuticula ist fein quergeringelt; bei beiden Geschlechtern
ist die Mundöffnung trichterförmig, in der Scheitelgegend eingefaßt
von einem niedrigen Ringwall; dicht dahinter legt sich ein Nerven-
ring (fig. 2, n) um den Ösophagus; dieser setzt sich nach hinten
in einen sackförmigen Magen fort (fig. 1, d), welcher bei Weibchen
in dem kugelförmigen Körperteil liegt; der Osophagus wird von
einem gleichmäßigen Rohr gebildet, das außen mit einer Plasma-
masse umgeben ist (fig. 4, ö). Unter der zarten, dünnen Cuticula
liegt eine ebenso feine Muskelschicht (fig. 4 u. 5, m), die nirgends
durch Längsfelder unterbrochen wird. Der Magen- oder Darmsack
ist dickwandig und trägt an der Innenseite einen Epithelbelag
(fig. 5, d); ein Anus fehlt. Im Halsteil verläuft dorsal und ventral
ein Strang, der von eirunden, bis 0,039 mm langen und 0,029 mm
breiten, gekernten Zellen gebildet wird und nicht weit nach hinten
verfolgt werden kann.
Das Männchen ist wurstförmig, vorn und hinten abgerundet
(fig. 1) und 2,1 mm lang und 0,24 mm breit. Der Ösophagus hat
einen Durchmesser von 0,068 mm; der Nervenring liegt 0,034 mm
vom Kopfende; der Ösophagus reicht bis 45°/,, der Darmsack bis
69%/, der Körperlänge vom Kopfende. Der ganze Körper mit
Ausnahme eines kleinen Abschnitts vorn ist von Windungen des
Hodens erfüllt, von denen man auf Querschnitten meistens 4 trifft
(fig. 4 u.5, h); er bildet ein langes Rohr, das einen dicken Epithel-
belag trägt und etwa !/, der Körperbreite einnimmt; hinten endigt
der Hoden mit einem Rohr, das 0,016 mm weit heraussieht und
0,010 mm breit ist; es ist nicht als Cirrus oder Spiculum, sondern
als Penis zu bezeichnen.
Das 3—4 mm große, kugelförmige Weibchen hat einen
schlanken, nematodenförmigen Halsteil, welcher 1,94 mm lang und
dünner als das Männchen ist, denn es hat einen Durchmesser von
nur 0,10 mm; die Cuticula dieses Halsteils zeigt in Abständen von
0,0039 mm Ringe sehr feiner, stark lichtbrechender Kügelchen; der
Ösophagus ist 0,031 mm breit; 0,1 mm vom Kopfende mündet die
Vagina (fig. 2, v); in dem dünnen Halsteil verlaufen also Osophagus
und Vagina; ersterer erweitert sich in dem kugelförmigen Körper-
teil zu dem Darmsack, letztere setzt sich daselbst in Uterus und
Ovarium fort, die in Schlingen den größten Teil des Raumes
erfüllen.
Die Eier erinnern an die von Trichosoma und Trichocephalus
(fig. 6); sie sind aber gestreckter, 0,065 mm lang und 0,021 mm
breit; die Schale ist an den Polen verdickt und offen, die Öffnung
an Nematoden und Cestoden. 299
ist durch einen Pfropf geschlossen und der Embryo im Innern hat
die gewöhnliche Nematodenform.
Der äußeren Form nach ähnliche Nematoden - Genera sind
Tropidocerca und Simondsia; bei beiden trägt aber das kugel-
förmige Weibchen außer dem schlanken Hals- auch einen solchen
Schwanzteil, welcher letztere bei Cystoopsis fehlt; bei beiden
ersteren Gattungen hat das Männchen die gewöhnliche Nematoden-
bildung mit 2 Spicula und Tropidocerca gehört zu den Secernentes,
Cystoopsis aber wegen der fehlenden Längsfelder zu den Pleuro-
myariern; damit stimmt auch die Ähnlichkeit der Eier mit denen
der Pleuromyarier Trichosoma und Trichocephalus.
Cystoopsis Acipenseris kommt nur unter der Haut von Aci-
penser ruthenus vor, nach Skorikow besonders bei 15—16 cm
langen Jährlingen, bei denen man durchschnittlich 10, selten 25
—35 Knötchen findet; vermutlich können die Larven sich in die
zartere Haut der jungen Tiere leichter einbohren.
Die gesamte Literatur über diesen Parasiten, die außer
Waener’s kurzen Angaben faunistische Angaben enthält, findet
sich bei Skorikow!).
Spiroptera abdominalis n. sp.
Fig. 7.
Herr Dr. A. Völtzkow hatte die Güte, mir diese Art zu
senden, die er in der Leibeshöhle an den Därmen von Otis melano-
gaster in Madagaskar gefunden hatte.
Es sind zwei Weibchen vorhanden, welche 34 und 68 mm
lang und 0,97 und 1,74 mm breit sind. Am abgerundeten Kopf-
ende (fig. 7) sieht man jederseits in den Submedianlinien eine
Papille mit kegelförmiger Spitze; die dorsal und ventral von zwei
breiten seitlichen Flügeln der Cuticula stehen, die hinten schmal
auslaufen und in der Mitte 1/,—!/, des Körperdurchmessers breit
sind; bei dem kleinen Exemplar ließen sie sich 4,3 mm nach hinten
verfolgen; der Ösophagus nimmt !,;, der Gesamtlänge ein, das
kegelförmig verjüngte Schwanzende Y/,;; die unreifen Eier mit
dünner Schale sind 0,052 mm lang und 0,031 mm breit; reif haben
sie eine außerordentlich dicke, aus konzentrisch geschichteten Lagen
bestehende Schale und messen dann 0,070 und 0,049 mm; sie
enthalten den fertig entwickelten Embryo.
Filaria eaelum n. sp.
Fig. 8.
aus dem Peritoneum von Cephalobus sylvaticultor Afz. in Kamerun.
Die Gelegenheit zur Untersuchung verdanke ich der Güte des
Herrn Professor Lönnberg in Stockholm.
!) Zur Parasitologie der Acipenseriden, St. Petersburg, 1903, pag. 13
—14, 1 tab,
300 Dr. von Linstow: Beobachtungen
Der Körper ist vorn abgerundet, neben der Mundöffnung stehen
2 Zähne, die meißelförmig und im seitlichen Bilde vorn concav ab-
gegrenzt sind, während sie von der dorsalen oder ventralen Fläche
gesehen abgerundet erscheinen (fig. 8); hinten ist der Körper stark
verdünnt und am Ende abgerundet; der Osophagus nimmt !/,, der
ganzen Länge ein, ein Anus fehlt.
Das Männchen hat eine Länge von 61—65 mm und eine Breite
von 0,48 mm; der Körper ist hinten vor dem Schwanzende einmal
kreisförmig eingerollt; das sehr kurze Schwanzende mißt '/gs; der
ganzen Tierlänge; die beiden sehr kleinen, gleichen, schwach ge-
bogenen Cirren sind 0,13 mm lang; präanal stehen 2 parallele,
gradlinige, sehr lange Papillenreihen, die aus etwa 156 Papillen
bestehen; sie reichen 6,7 mm von der Kloakenöffnung nach vorn
und am Anfang stehen die Papillen am engsten; postanale Pa-
pillen finden sich jederseits 4.
Das Weibchen ist 100—110 mm lang und 0,83 mm breit;
die Vulva mündet 0,4 mm vom Kopfende, Eier waren noch nicht
entwickelt.
Filarien mit 2 meißelförmigen Zähnen am Kopfende sind schon
mehrfach in Cervinen und Antilopen gefunden, so
Filaria terebra Dies. in Cervus capreolus, Europa,
Filaria cornuta v. Linst. in Antilope sp., Kamerun,
Filaria bidentata Molin in Cervus nambi, Brasilien,
Filaria bicoronata v. Linst. in Adenota sp., Südafrika.
Filaria Quiscali n. sp.
Aus dem Gehirn unter der Pia mater von Quiscalus versicolor
Vieillot, von Herrn Shipley in Cambridge geschickt.
Es sind nur Bruchstücke von Weibchen, daher ich die Art
nicht definitiv benenne; ein Kopfende fehlt, das Schwanzende ist
abgerundet; die Breite beträgt 0,21 mm; der Körper ist ungemein
zart; die Cuticula ist ungeringelt; die Eier sind 0,029 mm lang und
0,021 mm breit.
In und am Gehirn lebende Filarien sind höchst selten; ich
kenne nur Filaria helicina Molin, die in Florida am Gehirn von
Plotus anhinga gefunden ist.
Oxyuris tubereulata n. sp.
Fig. 9.
Aus dem Dickdarm von Trachysaurus rugosus Gray in Australien,
von Herrn Professor Lönnberg in Stockholm gesandt.
Die Cuticula ist quergeringelt; die Mundöffnung ist von 3 kleinen
Lippen umgeben; der sehr lange Osophagus, der beim Männchen !/,
beim Weibchen !/;5s der ganzen Länge einnimmt, ist dünn und
an Nematoden und Cestoden. 301
eylindrisch und endigt mit einem kegelförmigen Bulbus; der Nerven-
ring umgiebt ihn bei ?/, seiner Länge vom Kopfende; der Porus
excretorius ist weit nach hinten gerückt; er mündet hinter dem -
Ösophagus-Bulbus und von vorn wie von hinten münden je 2 Gefäße
hinein.
Das Männchen wird 1,89 mm lang und 0,22 mm breit, das
Schwanzende mißt 1/!4; es ist pfriemenförmig (fig. 9) und trägt im
vorderen Drittel 2 prominente Papillen; vor der Kloakenöffnung
steht ein ventral gerichteter Fortsatz mit jederseits 2 Papillen,
davor eine breite, vorn zugespitzte, hinten abgerundete Outicular-
auftreibung; der gerade Cirrus ist 0,1 mm lang.
Das 3,20 mm lange und 0,31 mm breite Weibchen hat ein fein
zugespitztes Schwanzende von !/, Körperlänge; die Vulva liegt
hinter der Mitte und teilt den Körper im Verhältnis von 5:3; die
Vagina verläuft eine kleine Strecke nach vorn; dann biegt sie nach
hinten und teilt sich in 2 Uteri; die Eier sind O0,ll mm lang und
0,062 mm breit.
Gnathostoma Shipleyi Stossich.
Herr Professor Stossich macht mich darauf aufmerksam, dab
die von mir!) unter dem Namen Rictularia (Gnathostoma) paradoxa
beschriebene Art mit seiner genannten Species identisch sein dürfte,
was ohne Zweifel richtig ist.
Tetradenos tiara v. Linst.
In den Spolia zeylanica beschrieb ich?) einen Nematoden aus
Varanus bengalensis und Varanus salvator, den ich Ctenocephalus
tiara nannte. Herr Professor Stiles in Washington hatte die Güte,
mir mitzuteilen, daß Kolenati im Jahre 1857 den Namen Üteno-
cephalus einem Dipteron gegeben hatte, daher ich meine Be-
zeichnung in Tetradenos ändere.
Bei der Beschreibung der Tänien wurden in früheren Zeiten
die inneren Geschlechtsorgane wenig oder garnicht berücksichtigt;
jetzt ist das Genus Taenia in eine große Menge neuer Genera ge-
spalten, bei deren Aufstellung vorwiegend der innere Bau in Frage
kommt; eine kleine Anzahl der hierauf noch nicht untersuchten
Arten besitze ich in meiner Sammlung und habe ich sie in die
entsprechenden neuen Gattungen eingeordnet. Uber das Prinzip
der Gattungscharaktere herrschen noch sehr verschiedene Meinungen;
!) Annuaire du Musee zool. de l’Acad. Imp. des se. St. Petersbourg t. VIII,
1904, pag. 8—9, tab. XVIIT fig. 5.
?) Spolia zeylanica vol I, Colombo 1904, pag. 12—13, tab. II, fig. 23—27.
302 Dr. von Linstow: Beobachtungen
sicher ist es verkehrt, in dem Fehlen oder Vorhandensein der
Haken am Scolex, ob eine oder zwei Reihen da sind, in der Zahl,
Grösse und Form derselben Gattungsunterschiede zu sehen; Taenia
sollum und Taenia saginata haben eine so auffallende Überein-
stimmung im anatomischen Bau, daß sie sicher demselben Genus
zugezählt werden müssen, und doch hat die eine Art einen doppelten
Hakenkranz, die andere keinen.
Hymenolepis decipiens Dies.
Fig. 10—11.
Aus Molossus? perotis Neuw., Brasilien.
Länge bis 50 mm, Breite vorn 0,35, hinten 0,70 mm, Contour
sägeförmig; die erste, 1,58 mm lange Strecke der Kette läßt keine
Gliederung erkennen; die ersten deutlichen Glieder sind 0,58 mm
breit und 0,Ilmm lang, die letzten 0,70 mm breit und 0,20 mm
lang; alle sind also viel breiter als lang. Der Scolex ist 0,37 mm
breit und gegen den Anfang der Kette nicht verdickt und abgesetzt;
die Saugnäpfe messen 0,088 mm; das Rostellum ist rundlich und
wenig vorragend, seine Muskelscheide ist 0,20 mm lang; man findet
einen einfachen Kranz von 44-46 Haken, die 0,023 mm messen
(fig. 11). Die Cuticula ist dick, die Muskeln sind schwach ent-
wickelt, eine Schicht Längsmuskeln grenzt die Rinden- von der
Markschicht ab. 2 große Hauptlängsgefäße verlaufen im 15. und
85. Hundertstel des Querschnitts; weit nach außen von ihnen ziehen
die Hauptlängsnerven; Kalkkörperchen fehlen ganz. Die Geschlechts-
öffnungen stehen einseitig und randständig in der Mitte des Glied-
randes. Der kolbenförmige Cirrusbeutel nimmt fast !/, des Quer-
durchmessers ein und liegt vorn und dorsal in der Proglottide;
3 Hoden liegen mehr hinten in einer Querreihe; sie sind 0,078
—0,091 mm lang und 0,060 mm breit. Die Vagina läuft ventral
und hinter dem Cirrusbeutel und erweitert sich innen zu cinem
Receptaculum seminis, welches bis zur Mittellinie reicht. Der
Dotterstock liegt ventral in der Mittellinie; die Zellen sind unfärbbar,
während ihr Kern sich intensiv färbt: sie messen 0,0034 mm; die
0,031 mm große Schalendrüse ist kugelförmig und wird vom Dotter-
stock umgeben. Der Keimstock besteht aus 2 kolbenförmigen
Körperchen, die im 2. und 3. Viertel des Querdurchmessers liegen,
die großen granulierten Keimzellen messen 0,013 mm. Die Eier
haben eine membranöse Hülle und sind 0,039 mm groß; die ellip-
tische Oncosphaere ist 0,034 mm lang und 0,029 mm breit und die
6 großen, derben Haken derselben messen 0,016 mm.
Hymenolepis acuta Rud.
Fig. 12.
Aus Vesperugo noctula, Vesperugo serotina und Vespertilio
lasiopterus.
EL WEN N
ER
an Nematoden und Cestoden. 303
Länge bis 64mm, Breite vorn 0,40; schon 1,58 mm hinter dem
Scolex beginnt die Gliederung; die ersten Proglottiden sind 0,41mm
breit und 0,053 mm lang, die hintersten erreichen eine Breite von
1,58 mm und eine Länge von 0,19mm, alle sind also viel breiter
als lang; reife Glieder haben eine Länge von 0,099 mm. Die
Körpercontouren sind sägeförmig. Der Scolex ist nur wenig breiter
als der Anfang der Kette; er hat einen Durchmesser von 0,44 mm,
das pilzförmige, 0,18 mm lange Rostellum ist von einem 0,26 mm
nach hinten reichenden Muskelsack umgeben; die 38—42 Haken
bilden einen einfachen Kranz und sind 0,039 mm lang (fig. 12); die
Saugnäpfe messen 0,12 mm. Die Geschlechtsöffnungen stehen fast
randständig und einseitig an der Grenze des ersten Drittels des
Proglottidenrandes, aber nicht genau am Rande, sondern ventral
0,078 mm vom Rande entfernt; der Cirrus ist kurz und kegelförmig.
Der innere Bau gleicht fast dem von Hymenolepis decipiens, nur
reicht das Receptaculum seminis nicht bis zum 50., sondern nur
bis zum 45. Hundertstel des Querdurchmessers. Die kugelförmigen
Eier haben eine membranöse Hülle und messen 0,052; die Onco-
sphaere ist 0,031 mm lang und 0,026 mm breit.
Hymenolepis scalaris Duj.
Fig. 13—14.
Aus Crocidura aranea; die Larve, Stapylocystis biliarius Villot,
lebt in Glomeris limbata.
Länge 30,4 mm, Breite vorn 0,53; der ungegliederte sog. Hals
ist 1,6 mm lang; die vordersten Proglottiden sind 0,044mm lang
und 0,53 mm breit, die letzten 0,39 und 1,58 mm; alle sind dem-
nach viel breiter als lang. Die beiden Hauptlängsgefäße verlaufen
dem Rande der Glieder nahe, etwa 14—17 Hundertstel des Quer-
durchmessers von ihm entfernt. Der Scolex ist 0,48 mm breit, die
kleinen Saugnäpfe messen 0,091 mm; am Rostellum stehen 13 Haken
in einem Kreise, deren Länge 0,026 mm beträgt (fie. 14).
Wenn neuerdings behauptet wird, die Zahl der Haken der
Vogeltänien sei stets eine gerade, so halte ich das für unrichtie.
Krabbe, der mit besonderer Sorgfalt diese Haken untersucht hat,
gibt in einer grossen Zahl der Fälle ungerade Zahlen an, wie
solche auch bei sehr zahlreichen Säugetiertänien gefunden sind; in
diesem Falle konnte kein Haken verloren sein, da die Reihe voll-
ständig und das Rostellum eingestülpt war. Der Hakenast ist länger
als der Hebelast.
Die Geschlechtsöffnungen stehen randständig und einseitig in
der Mitte des Gliederrandes. Der Cirrus ist 0,0052 mm breit, dünn
nnd zart und wird 0,013 mm lang vorgestreckt. Der Cirrusbeutel
liegt ganz vorne im Gliede und nimmt !/„—!/, des Querdurchmessers
ein; die 3 Hoden finden sich in einer Querreihe und nehmen 55/ ,o
des Querdurchmessers ein; jeder ist 0,150 mm lang und 0,088 mm
504 Dr. von Linstow: Beobachtungen
breit und der mittlere liegt etwas vor den beiden anderen. Der
Keimstock besteht aus zwei gestreckten, kolbenförmigen Körpern,
die am Hinterrande des Gliedes in der Mitte liegen und etwa den-
selben Raum einnehmen wie die Reihe der Hoden; zwischen ihnen
sieht man den eiförmigen Dotterstock, der 15/,., des Querdurch-
messers ausfüllt; das Receptaculum seminis erreicht fast die Mittel-
linie; der Uterus erfüllt die Glieder völlig; die ovalen Eier haben
3 Hüllen; die äußere ist 0,070 mm lang und 0,039 mm breit, die
Oncosphaere 0,038 und 0,023; die innerste Schale trägt an den
Polen kleine Verdickungen und erscheint eitronenförmig.
Hymenolepis bacillaris Goeze.
Fig. 15 —16.
Aus Talpa europaea.
Diesing und Dujardin identifizieren mit Unrecht Taenia
filamentosa Goeze aus Talpa europaea mit dieser Art, welche un-
regelmäßig abwechselnde Geschlechtsöffnungen und quadratische
reife Proglottiden hat.
Der Körper von Hymenolepis bacillaris ist vorn sehr dünn und
etwa 12 mal schmaler als hinten. Die Länge beträgt 150 mm; die
Proglottiden sind ganz vorn 0,044mm lang und 0,19 mm breit, die
geschlechtsreifen haben eine Länge von 0,l3 mm und eine Breite
von 1,50 mm, während die letzten 0,15 mm lang und 1,82 mm breit
werden. Zwei große Hauptlängsgefäße verlaufen im 14. und
86. Hunderstel des Querdurchmessers und nicht weit nach außen
von ihnen ziehen die Hauptlängsnerven. Auf Querschnitten sieht
man 2 der Öuticula parallele Kreise von Längsmuskeln; der äußere
besteht aus dicht stehenden, kleineren, der innere aus entfernter
von einander verlaufenden, größeren Gruppen von Muskelfasern ;
‚“alkkörperchen fehlen. Der Scolex ist etwas breiter als der Pro-
glottidenkörper; am Rostellum stehen in einem Kreise 36 Haken
von 0,020 mm Länge (fig. 16); Haken- und Hebelast sind ungefähr
gleich lang und verlaufen parallel. Die einseitigen Geschlechts-
öffnungen stehen im vorderen Drittel oder Viertel des Gliedrandes
fast randständig, ventral, 0,03mm vom Rande entfernt. Der ge-
streckt elliptische Cirrusbeutel nimmt !/,—'/, des Querdurchmessers
ein; die 3 Hoden sind !/, des Querdurchmessers groß und liegen
dorsal vom Receptaculum seminis, der eine am inneren Ende des
letzteren, die beiden anderen dem entgegengesetzten Flügel des
Keimstocks gegenüber; sie bilden eine bogige Querlinie. Die Va-
gina verläuft ventral vom Cirrusbeutel und erweitert sich zu einem
großen, kolbenförmigen Receptaculum seminis, das !!/,, des Quer-
durchmessers einnimmt. Zwischen den beiden Gefäßen liegt ventral
der große, zweiflügelige Keimstock, dessen Zellen 0,0095 mm messen,
während die des ebenfalls ventral gelagerten, unregelmäßig ge-
lappten, kleinen Dotterstocks 0,0052 mm groß sind. Die Eier sind
an Nematoden und Cestoden. 305
dreischalig; die äußere und innere Hülle sind ovoid, die letztere
ist an den Polen etwas vorgezogen, die mittlere ist unregelmäßig
gestaltet; alle drei sind dünn und membranös; die äußere ist 0,071
—0,081 mm lang und 0,058 mm breit, die innere 0,052 und 0,024 mm.
Drepanidotaenia pachycephala v. Linst.
Fig. 1720.
Aus Anas histrionica.
Körper sehr fein und zart, 17mm lang, Breite ganz vorn
0,0883 mm, die Proglottidenbildung beginnt 0,355 mm vom Kopfende;
die ersten Glieder sind 0,018 mm lang und 0,11 mm breit, die letzten
0,088 und 0,36 mm, alle Glieder sind also kürzer als breit; die
Contouren sind sägeförmig; rechts und links ziehen je 2 Gefäße
durch die Kette, ein größeres mehr nach innen und ventral ver-
laufend, 24—29 Hundertstel des Querdurchmessers vom Rande ent-
fernt; eine breite Schicht von Subecuticularzellen wird innen von
einer Lage von Längsmuskeln begrenzt; Kalkkörperchen sind nicht
vorhanden. Der kegelförmige Scolex ist mit Einschluß des Ro-
stellum 0,28 mm lang und an der Basis 0,20 mm breit; die Saug-
näpfe messen 0,13. Das Rostellum trägt 10 schlanke Haken (fig. 20)
von 0,044 mm Länge; der Wurzelast ist lang, der Hakenast nimmt
ı/, der ganzen Länge ein und der Hebelast ist rudimentär. Die
Geschlechtsöffnungen stehen einseitig, randständig, ganz vorn am
Gliedrande. Mit dem Beginn der zweiten Körperhälfte treten die
auffallend langen Cirren hervor; sie sind bedornt, kolbenförmig
(fig. 18) und haben bei einer Gliedbreite von 0,31 mm eine Länge
von 0,18 mm, sie geben, mit unbewaffnetem Auge betrachtet, der
hinteren Körperhälfte ein zottiges Ansehen. Der Cirrusbeutel ist
groß und spindelförmig und reicht bis zur Mittellinie der Glieder;
er wird umgeben von einer Parenchymschicht, die außen und innen
dünn ausläuft, dann folgt eine feine Ringmuskellage und hierauf!
eine mächtige Schicht radiär gestellter, nach der Mittelachse zu-
sammenstrahlender keilförmiger Längsmuskeln, deren man an jedem
Cirrusbeutel 45—48 zählt (fig. 19); 3 kugelrunde Hoden liegen eng
an einander und sind 0,031 mm groß. Die dünnwandige Vagina
hat geknickte Contouren und verläuft ventral vom Cirrusbeutel; sie
erweitert sich zu einem birnförmigen Receptaculum seminis, das
etwas weiter nach innen reicht als der Cirrusbeutel. Der hantel-
förmige Keimstock liegt ventral und nimmt !/,—!/, des Querdurch-
messers ein, an seiner ventralen Seite der viel kleinere, ovale
Dotterstock; Eier waren noch nicht entwickelt.
Aploparaksis Fringillarum Rud.
Fig. 21-22.
Aus Parus major und Fringilla montifringilla, früher in Parus
coeruleus, P. caudatus, P. cristatus, P. palustris, P. ater, P. bi-
Arch. f. Naturgesch. Jahrg. 1904. Bd. I. H.3. 20
506 Dr. von Linstow: Beobachtungen
armicus, Fringilla domestica, Fr. cannabina, Fr. coelebs, Fr. linaria,
Fr. montana und Fr. spinus gefunden.
Die Länge erreicht 25 mm; ganz vorn ist der Körper 0,079 mm
breit, die Proglottidenbildung beginnt schon 0,355 mm hinter dem
Sceolex; die ersten Glieder sind 0,022 mm lang und 0,13 mm breit,
während die letzten eine Länge von 0,12 mm und eine Breite von
0,62 mm haben; alle sind also breiter als lang. Zwei große Haupt-
längsgefäße verlaufen */,, des Querdurchmessers vom Rande ent-
fernt; im Parenchym findet sich eine der Cuticula parallele Schicht
von Längsmuskeln und nach innen von ihr eine zweite, die aus
stärkeren Bündeln besteht; Kalkkörperchen sind nicht vorhanden.
Der Scolex ist 0,21 mm breit und mit zurückgezogenem Rostellum
ebenso lang; die Saugnäpfe messen 0,10 mm; am Rostellum stehen
10 Haken von 0,026 mm Länge; der Hakenast ist länger als der
Hebelast und der lange Wurzelast ist am Hinterende nach innen
gebogen (fig. 22). Die Geschlechtsöffnungen sind einseitig und rand-
ständig und stehen etwas vor der Mitte des Gliedrandes. Der
Cirrus ist fein bedornt, 0,026 mm lang vorgestreckt und 0,0065 mm
breit; der Cirrusbeutel nimmt !8/,,, des Querdurchmessers ein. In
jedem Gliede liegt ein sehr großer, aus zahlreichen, eng an einander
gedrängten Follikeln bestehender Hoden, der mehr in der Glied-
hälfte liegt, welche ohne Geschlechtsöffnungen ist; er nimmt mehr
als die Hälfte, etwa 5/, des Querdurchmessers ein, der Keimstock
2/,; dieser besteht aus gesonderten Drüsenhaufen und faßt den
Dotterstock zwischen sich; letzterer ist ein eiförmiger Körper von
?/.. Größe des Querdurchmessers des Gliedes. Das Receptaculum
seminis reicht bis zur Mittellinie und liegt dem Vorderrande des
Gliedes nahe. Die Eier haben eine dreifache Hülle; die beiden
äußeren sind membranös und unregelmäßig geformt, die innere ist
regelmäßig citronenförmig mit etwas ausgezogenen Polen; sie ist
0,057 mm lang und 0,034 mm breit; die Hakenzahl der Oncosphaere
variiert; statt der gewöhnlichen 6 findet man auch 4, 5 und 7 Haken.
Aploparaksis ist ein von Clerc!) aufgestellter Genusname für
Tänien mit nur einem Hoden in jedem Gliede und einseitig mün-
denden Geschlechtsorganen; der ursprüngliche Name Monorchis
wurde in Aploparaksis geändert, weil ersterer in anderem Sinne
für Trematoden gebraucht wird.
Diorchis parviceps v. Linst.
Fig. 2325.
Aus Merger serrator.
Länge bis 110 mm; der Körper ist vorn fadenförmig dünn und
zeigt sehr verschiedene Contractionszustände, so daß in der dünnen
ı) W.Clere. Contributions A P&tude de la faune helmithologique de l’Oural.
Revue Suisse de zool, t. XI, Gen&ve 1903, pag. 237—368, tab 8—11.
an Nematoden und Cestoden. 307
Kette stellenweise viel breitere, spindel- oder eiförmige Einlagerungen
mit sehr kurzen Proglottiden vorkommen; die Gliederkette ist sehr
dünn und der dorsoventrale Durchmesser verhält sich zum queren
wie 1:10; der Hinterrand der Proglottiden überragt den Vorder-
teil der folgenden so weit, dab er den vierten Teil des Längs-
durchmessers der letzteren gleichkommt. Die Breite beträgt vorn
0,21 mm; die mittleren Glieder sind 2,16 mm breit und nur 0,16 mm
lang; hinten nimmt die Breite wieder ab; diese Glieder mit Geschlechts-
organen, aber noch ohne Eier, haben eine Breite von 1,37 mm bei
einer Länge von 0,22 mm; überall sind demnach die Proglottiden
viel breiter als lang. Ein größeres und ein kleineres Gefäß verläuft
jederseits etwa !/, des Querdurchmessers vom Rande entfernt; Kalk-
körperchen sind nicht vorhanden. Der Scolex ist winzig klein,
0,24 mm breit und 0,16mm lang; das Rostellum trägt 10 sehr
kleine Haken (fig. 25) von 0,012 mm Länge; Haken- und Hebelast
haben dieselbe Richtung und der Wurzelast ist rudimentär; hinter
dem Scolex ist der Körper etwas verdickt. Die Geschlechtsöffnungen
stehen randständig und einseitig im vorderen Drittel des Glied-
randes. Die Cirren werden bis 0,1l mm weit vorgestreckt; sie sind
am Ende kolbenförmig verdickt und hier 0,031 mm breit; sie sind
bedornt und erscheinen bald vorgestülpt, bald handschuhfingerartig
zurückgezogen. Der Cirrusbeutel liegt vorn im Gliede und nimmt
!/, des Querdurchmessers ein; er zieht schräg nach innen und vorn
und an seinem inneren Ende liegt eine Samenblase. Zwei ovale,
0,13 mm lange und 0,079 mm breite Hoden liegen nach innen von
den Gefäßen nebeneinander in der den Geschlechtsöffnungen ab-
gewandten Seite. Die Vagina verläuft geschlängelt hinter dem
Cirrusbeutel schräg nach innen und vorn und ist im Innern bedornt;
das sehr große, bis zur Mitte des Gliedes reichende Receptaculum
seminis ist mit dem inneren Ende nach hinten gerichtet. Der Keim-
stock besteht aus einer rosettenartig im Kreise gelagerten Drüsen-
gruppe im mittleren Drittel des Gliedes dessen Hinterrande genähert,
vom Vorderrande etwa um !/, des Längsdurchmessers entfernt; der
Dotterstock findet sich in der Mitte dieser Drüsengruppe dem Hinter-
rande des Gliedes genähert. Im Parenchym der Cuticula parallel
verläuft eine Schicht verhältnismäßig dicker Längsmuskelbündel.
Eier waren noch nicht ausgebildet.
Das Genus Diorchis ist, wie Aploparaksis, von Clere aufgestellt.
Bothrimonus pachycephalus n. sp.
Fig. 26-29.
Aus dem Darm von Acipenser stellatus. Von Herrn Skorikow
in St. Petersburg geschickt und von diesem gesammelt.
Länge bis 90 mm, Breite vorn 2,10, weiter hinten 2,56 mm,
dem Ende zu wieder etwas verdünnt und am Hinterende abgerundet;
der Körper zeigt keine äußere Gliederung; der kugelförmig verdickte
20*
308 Dr. von Linstow: Beobachtungen
Scolex ist 1,15 mm lang; der dorsoventrale Durchmesser ist der
größere und beträgt 1,38 mm, der quere 0,99 mm; am Scheitel be-
merkt man einen dorsoventralen Spalt von rhombischer Form
(Fig. 27); dieser führt in 2 viereckige, mit einander verbundene
Höhlungen (Fig. 28), die weiter hinten durch eine Scheidewand in
2 Räume geteilt werden (Fig. 29), welche flächenständig sind. Im
Parenchym verläuft in !/, des Dorsoventraldurchmessers vom Rande
entfernt eine Lage Längsmuskeln und nach innen von diesen eine
breite Schicht Ringmuskeln, welche die Rinden- von der Markschicht
trennen. 14 Längsgefäße ziehen in der Rindenschicht zwischen den
Längsmuskeln hin, davon je eins am rechten und linken Rande;
ganz hinten im Körper aber dringen sie aus der Rinden- in die
Marksubstanz, wo sie zunächst dicht an der Innenseite der Ring-
muskeln verlaufen; bald sind sie auf 6 reduziert, von denen je 1
rechts und links am Seitenrande verläuft, während 2 dorsal und
2 ventral liegen, alle durch fast gleiche Abstände von den beiden
benachbarten getrennt; 0,31 mm vom Schwanzende treten diese
6 Gefäße nach der Mittelachse zusammen, vereinigen sich zu einem
Stamm und dieser mündet in der Mitte des runden Schwanzendes
nach außen. Die Hauptlängsnervenstämme sind weit nach innen
gerückt und liegen ?°/,.. des Querdurchmessers vom Rande entfernt.
Die ovalen Kalkkörperchen sind 0,021 mm lang und 0,013 mm breit.
Die Subeuticularzellenschicht ist stark entwickelt. Die Gruppen der
Geschlechtsorgane liegen durchschnittlich 0,38, hinten 0,25 mm von
einander entfernt; ihre Entwickelung steht hinten im Körper genau
auf derselben Stufe wie vorn, wie man es ebenso bei Diplocotyle
findet. Die Geschlechtsöffnungen liegen ventral in der Mittellinie,
vorn der Cirrus und dahinter Vagina und Uterus mit gemeinschaft-
lichem Sinus; die Cirrusmündung ist von der Fläche gesehen kreis-
rund, die von Vaginus und Uterus länglich rund, der größere
Durchmesser quergestellt. Der Cirrusbeutel, welcher bis zur Mitte
des dorsoventralen Durchmessers reicht, ist birnförmig und wird
von radiär gestellten, kolbenförmigen Drüsen umgeben; die Hoden
liegen in 2 Querreihen rechts und links vom Keimstock in der
Marksubstanz. Der Keimstock bildet eine zusammenhängende Masse,
welche etwa das mittlere Drittel des Querdurchmessers in der Mark-
substanz ausfüllt; die Dotterstöcke liegen in der Rindenschicht,
lassen aber dorsal und ventral !/,—!/- des Querdurchmessers in
in der Mittellinie frei; der Uterus liegt in der Mittellinie und nimmt
etwa !/, des Querdurchmessers ein. An die dorsale Seite des
Cirrusbeutels legt sich eine Samenblase.
Das Genus Bothrimonus lebt in Acipenser; Bothrimonus Sturionis
Duv.=Disymphtobothrium paradoxum Dies. in Acipenser oxyrhynchus
in Nordamerika und Bothrimonus fallax Lühe aus Acipenser ruthenus
sind die früher bekannten Arten. Von der letzteren Art haben
Ba er
an Nematoden und Cestoden. 309
wir noch keine Beschreibung; eine Notiz!) bespricht die Längs-
gefäße, welche ganz anders angeordnet sind als bei unserer Art.
Den Herren Dr. Dr. und Prof. Prof. Collin, Lönnberg, Shipley,
Skorikow, Stiles, Stossich und Völtzkow, welche mich durch
Zusendungen und Zuschriften erfreuten, sage ich an dieser Stelle
nochmals meinen verbindlichsten Dank.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Fig.
Erklärung der Abbildungen.
1-6. Cystopsis Acipenseris. 1. Männchen, d Darmsack; 2. dünnes Kopf-
ende des Weibchens, n Nervenring, ö Ösophagus, v Vagina; 3. Schwanz-
ende des Männchens, h Hoden, p Penis; 4 u. 5. Querschnitte des
Männchens, e Cuticula, m Muskulatur, h Hoden, ö Ösophagus, d Darm-
sack; 6. ein Ei.
7. Spiroptera abdominalis, Kopfende.
8. Filaria caelum, Kopfende.
9. Oxyuris tubereulata, männliches Schwanzende von links.
In den folgenden Figuren bedeutet Im Längsmuskeln, rm Ring-
muskeln. e Cirrusbeutel, h Hoden, r Receptaculum seminis, k Keim-
stock, d Dotterstock. g Gefäss, n Nerv, s Samenblase.
10, 15, 17, 21, 24, 26 sind schematische (Querschnitte von Gliedern, welche
die relative Grösse und Lage der Organe zeigen sollen, 13, 18, 23
ebensolche Längsschnitte, 11, 12, 14, 16, 20, 22, 25 Haken des Rostellum.
10—11. Hymenolepis decipiens.
12. Hymenolepis acuta.
13—14. Hymenolepis scalaris.
15—16. Hymenolepis bacillaris.
17—20. Drepanidotaenia pachycephala; 19 Querschnitt durch den Cirrus-
beutel.
21—22. Aploparaksis Fringillarum.
23—25. Diorchis parviceps.
26-29. Bothrimonus pachycephalus; Fig. 27—29 Querschnitte durch den
Scolex, 27 vorn, 28 in der Mitte, 29 hinten.
») M. Lühe, Centralbl. für Bakt., Parask. u. Infkr. 1. Abt. Bd. XXVI,
Jena 1900, No. 6, p. 257—258.
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ARCHIV
NATURGESCHICHTE.
GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN,
FORTGESETZT VON
W. F. ERICHSON, F.H. TROSCHEL,
E. VON MARTENS UND F. HILGENDORF.
HERAUSGEGEBEN
VON
Prof. Dr. W. WELTNER,
KUSTOS AM KÖNIGL. ZO0LOG. MUSEUM ZU BERLIN.
SIEBZIGSTER JAHRGANG.
II. BAND. 1. Heft.
(Jahresberichte.)
Berlin 1904.
NICOLAISCHE VERLAGS-BUCHHANDLUNG
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Inhaltsverzeicehniss.
Seite
I. Mammalia für 1903 von Dr. Curt Hennings.
Berzeichnis der Veröffentlichungen . . .. 2.202 MNEINSCH ARE 1!
Übersicht nach dem Stoff.
Ethologisches, Färbung, Mißbildung, Bastardbildung. ....... 51
BEE su.vlapdiiere eg, cs amunes ana hr ar see nn nenne en REIST > 52
Kant- y. Hauteebildenr272.2.. 2 RR REM BRNSLEN N 55
Skelet. Allgemeines, Rumpf, Extremitäten... 2... 2.2.2... 56
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Eebsyetem’u.Beibeshohle.. ..- „01. .n. 00 0:.0 02 ANANAS En RSBRERFE 75
ELEND KO ST IE EEE RER 1 12 78
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Elm ur Geschlechtsprgane,. .. 12 sa no ae ua sa he vorne yo seine neh. 82
Mnbovenie (excl. OrLanogenip),. .. vu ..8 na ao lienee ne DE 87
Degeneration u. Regeneration. !. sonen 90
Ehylogenese u. Paläontologisches' . . . »»...: 2... 2.20.00. 91
Plnnmisthlk, 6 rear ee A RE oe He? rc 98
Systematik.
Enimabes.e 4 wlan oe 100: KUngulatar nn... 114
VRLODIErU nee wen oe 100 | Cetacea u. Sirenia ... 117
Galeopitheeida. „2.2... 102 , Edentata u. Effodentia . 118
Inkecbivora 102 ’Marsupala a. 2... 118
CATTINOR N Re 104 | Monotremata. ... . » 119
BRodename 1m D 107
Hl. Aves für 1904 von C. E. Hellmayr.
Allgemeines, Sammlungen und Museen, Geschichte, Reisen, Personalien,
Hasidernmie, Nomenklaiuer u 20 21H aa ee en 1
Anatomie, Physiologie, Entwicklung . .... 2. 2.2.2.0 00% 8
aloe A ee ae le 12
Morphologie, Federn, Mauser, Färbung, Flug... . 2... 20... 13
Spielarten, Bastarde, Abnormitäten, Hahnenfedrigkeit . . . » »...- 15
IV
Seite
Diergebiete (Raunsturk) ... u a Eee ee ıbzf
Avanderung, (Zus. en Sr ee 5 ee 84
Lebensweise (Lebensweise im Allgemeinen, Nahrung Nutzen u. Schaden,
Gesang, Stimme, Brutgeschäft, Oologie) - . - . . - ».. „ 2 89
Jagd, Schutz, Einbürgerung, Pflege, Krankheiten, Parasiten ...... 100
Systematik Euer EEE 2 ee 104
Il. Reptilia und Amphibia für 1901 von Dr. Franz Werner.
Reptilia.
Litteratur. — Zoologische Gärten, Museen. — Nomenklaturfragen. —
Anatomie, Skelett, Nervensystem u. Sinnesorgane, Blutgefäß-
system, Genitalapparat, Regeneration. — Ethologischs ..... 1
Faunistik 12 We oe ee 0 1)
Einzelne Abteilungen.
Squamata (Lacertilia, Rhiptoglossa, Ophidia) . . . .»...... 23
Ornithosauria, san a RE NR ee 45
Dinosaniıay- .. cu.0s +0... 72 we Bade men a. 8 7. + VA 46
Eimydosauria ı. dse nase ko nenn Me Be he we en ee N SEE 47
Cheloniax.... +... 12.0 AR RI EEE e 1 48
Ichthyosauria.. ....u... #00 duo ne we ee 1 1 50
Theeodontter ... 12.2: u. 2.00 we ne ee >. - 5l
Rhynchocephaha .. ... .. ve... 02 00 a0 0 u oe. U NS 5l
Anomodonbia 3 wine He vo nen wei de ee ne han ve 10 52
Amphipbia.
Phylogenie, Anatomie,. Regeneration .. . . .. 2... .. 7. 1. VREEER 52
Einzelne Abteilungen.
Heaudata,. .. darenite sono 00 Marke mes He ken he, In, 00 Me 53
Caudats ie 20 were. 0 We m ee ehe rei re vo, ta ke 60 De 65
Apoda in fisener u nel «o vofnere Me NT 11 re 70
I. Mammalia für 1908.
Von
Dr. Curt Hennings, Privatdocent.
Karlsruhe.
(Inhaltsverzeichnis befindet sich am Schlusse des Berichtes.)
I. Verzeichnis der Veröffentlichungen.
— (Anonymus 1). Die letzten Biber in Deutschland. — Zwinger
u. Feld 78.
— (Anonymus 2). Der Biber an der Elbe. — 1. c. 1391.
— (Anonymus 3). Schneehasenkreuzungen. — Jagdfreund 247.
— (Anonymus 4). Hunde-Wölfe. — Waidwerk i. Wort u. Bild 7.
— (Anonymus 5). Ranzende Iltisse? — Jagdfreund 38.
— (Anonymus 6). Ein Rehkrüppel. — Zwinger u. Feld 78.
— (Anonymus 7). Sechser-Gehörn einer Ricke mit Zwitterbildung.
— Hubertus 239.
— (Anonymus 8). A new egyptian Mammal from the Fayum.
— Geol. Mag. (4) X. 529—31. 2 Tafeln.
Abel, ©. (1). Die Ursache der Asymmetrie des Zahnwalschädels.
— Sıtzungsber. Akad. Wien. OXI. 510—526. 1 Taf.
— (2). Zwei neue Menschenaffen aus den Leithakalbildungen
des Wiener Beckens. — Centralbl. Mineral. 1903. 176—182. Mit Ab-
bildg. (Auch in: Sitzungsber. Akad. Wien CXI. 1171—1207).
— (3). Die fossilen Sirenen des Wiener Beckens. — Verh. geol.
Reichsanst. 1903. 72.
Aecquisto, V. Particolarıtä dı struttura della membrana amniıotica
della Cavia. — Monit. Zool. Ital. Anno XIV. 173—182. 5 Figg.
Adachi, B. Hautpigment beim Menschen und bei den Affen. —
Zeitschr. Morphol. Anthropol. Stuttgart VI. 1—131. 3 Taf.
Adams, L. E. A contribution to our knowledge of the Mole (Talpa
europaea) — Mem. Manchester Soc. XLVIII. 39 pgg. 1 Taf.
Addario, €. Sull’ apparente membrana limitante della retina
eiliare. — Monit. Zool. Ital. XIII, Suppl. 16—18.
Adloff, P. (1). Zur Kenntnis des Zahnsystems von Ayrax. — Zeit-
schr. Morph. Anthropol. Stuttg. V. 181—200. 2 Taf.
Arch. f. Naturgesch. 70. Jahrg. 1904. Bd.II. H.1. (I.) 1
[5
I. Mammalia für 1903.
— (2). Zur Frage nach der Entstehung der heutigen Säugetier-
zahnformen. — 1. c. 357—82. 1 Taf.
Aggazzotti, A. Su un reperto istologico della terminazione nervosa
motrice. — Giorn. Accad. Med. Torino, Anno LXVI. 310.
Akutsu, $. (1). Beiträge zur Kenntnis der Innervation der Samen-
blase beim Meerschweinchen. — Arch. Gesammte Phys. LXXXXVI.
541—554. 1 Fig.
— (2). Mikroskopische Untersuchungen der Sekretionsvorgänge
in den Samenblasen. — 1. c. 555—71. 1 Taf.
Albreeht, ©. Zur ältesten Geschichte des Hundes. — München 1903.
Alessandri, 6. de. Sopra alcuni avanzi di Cervidi pliocenici del
Piemonte. — Atti Accad. Sc. Torino XXXVIII. 845—858. 1 Taf.
Alexander, G. Zur Entwickelungsgeschichte u. Anatomie des
inneren Gehörorganes der Monotremen. — Centralbl. Phys. XVII.
495 —496.
Alezais, H. (1). Les flechisseurs des doigts chez les Mammiferes. —
C. R. Ass. Franc. Av. Sc. XXXI. Sess. 727—729.
— (2). Le flechisseur perforant des doigts. — Journ. Anat. Phys.
Paris XXXIX. Annee. 166—175. 4 Figg.
— (3). Le flechisseur superficiel des doigts chez le Chat. — C.R.
Soc. Biol. Paris. Tome LV. 556—557.
— (4). Le flechisseur perforant des doigts chez les Mammiferes.
— Bibl. Anat. Paris T. XII. 68—69.
— (5). Etude anatomique sur le Cobaye. ler fasc. Osteologie,
arthrologie, myologie Paris. 172 pgg. 58 Figg.
Allen, B. M. The embryonic development of the ovary and testis
of the Mammalia. (Preliminary account). — Biol. Bull. Woods Holl.
Vol. V. 55—62.
Allen, 3. A. (1). Description of a new species of Sigmodon from
Ecuador. — Bull. Amer. Mus. XIX. 99—100.
— (2). Report on Mammals collected in N. E. Sıbiria by the Jesup
N. Pacifie Expedition, with field-notes by N. G. Buxton. — 1. ce. 101
—184.
— (3). Descriptions of new Rodents from Southern Patagonia,
with note on the genus Euneomys and addendum to artiele on Sıbirian
mammals. — 1. c. 185—196.
— (4). Mammals collected in Alaska and Northern British Co-
lumbia. — 1. c. 521—567.
— (5). Mammals collected in New Mexico and Durango, with
description of new species and subspecies. — 1. c. 587—612.
— (6). A new Deer and a new Lynx from the State of Sinaloa,
Mexico. — 1. c. 613—615.
— (7). Note on Sciurus mollipilosus. — Proc. Biol. Soc. Washington
XVI. 126.
Almera, J. u. Bofill, A. Restos fosilos Cuaternarios de la Caverna
de la Gracia (Barcelona). Mem. Acad. Barcelona (3). IV. 447—459.
2 Taf.
I. Mammalia für 1903. 3
Ameghino, F. (1). L’äge des formations sedimentaires de Pata-
gonie. — Ann. Soc. cient. Argentin. 231 pgg. |
— (2). Los Diprotodontes del ordre de los Plagiaulacoideos y el
origen de los Roedores y de los Polimastodontes. — Ann. Mus. Buenos
Aires IX. 81—122.
Ancel, P. Les follicules pluriovulaires et le d&terminisme du sexe.
— (. R. Soc. Biol. Parıs T. LV. 1049—1050.
Ancel, P. u. Bouin, M. (1). Histogenese de la glande interstitielle
du testicule chez le Porc. (Note preliminaire). — C. R. Soc. Biol. Paris
T. LV. 1680—1682.
— (2). Recherches sur le röle de la glande interstitielle du testicule.
Hypertrophie compensatrice experimentale. — C. R. Acad. Sc. Paris
CXXXVII. 12838—1290.
Anderson, R. J. (1). The connection of the anterior inferior angle of
the parietal bone in Primates. — Rep. 72. Meet. Brit. Ass. Adv. Sc. 651
—652.
— (2). Note on the skull of Grampus griseus found on the coast
near Galway. — 1. c. 691—692.
— (3). Note on the peritoneum in Meles taxus. — 1. c. 692.
— (4). The premaxilla in Primates. — C. R. XIV. Congr. Internat.
Med. 1903. 7 pgg. Figg.
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— (3). Os:ervazioni intorno ad alcuni cranı di Thalassarctos
maritimus (Linn.). l.c. 15 pgg. Abb.
— (4). Osservazioni intorno ad alcuni crani di Odobaenus rosmarus
e di ©, obesus. 1. c. 9 pgg.
I. Mammalia für 1903. 9
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*— (3). La degenerescence dite retrograde ou degen£rescence
wallerienne indirecte. — 1. c. V. 1—107. 2 Taf.
*— (4). Recherches sur l’origine reelle et le trajet intracerebral
des nerfs moteurs par la methode de la degenerescence wallerienne
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— (10). The ‚„limbus postorbitalis“ in the egyptian brain. — 1. c.
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Amniotes. — C. R. Ass. Anat. V. Sess. 4—5. (Vorläufige Mitteilung
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— (3). Remarques a propos de la segmentation du mesoderme
chez les Amniotes. — Verh. Anat. Ges. XVII. Vers. 19—22.
— (4). Oü passe chez les Vertebres adults la limite entre l’intestin
anterieur et l’intestin moyen? — C. R. Soc. Biol. Paris. LV. 583—584.
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superieurs. — 1. c. 249—291. 15 Figg.
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— (5). Zur vergleichenden Anatomie des Hinterhauptlappens.
— Arb. Neur. Inst. Wien. X. Heft 297—367. 27 Figg.
II. Uebersicht nach dem Stoff.
1. Ethologisches. Färbung. Missbildung. Bastardbildung.
Ethologisches. Dublin behandelt die Anpassung der Säugetiere an
das Baumleben, Osburn diejenige an das Wasserleben, Shimer diejenige an eine
grabende Lebensweise. — Candler gibt Ethologisches über den Hylobates hulock,
Adams dsgl. über Talpa europaea. — Baker dsgl. über Bos (Bibos) gaurus und
frontalis, Schiött dsgl. über Ovibos moschatus in der Gefangenschaft, Ferreira dsgl.
über Manatus australis. — Rörig (1) berichtet, daß eine Sorex vulgaris
in der Zeit vom 28. VIIL.—23. XI. 3733 Mehlwürmer, 4 Engerlinge, 3 Frösche u.
eine weiße Maus verzehrte, also täglich 6,83 g frische Nahrung oder 2,28 g Trocken-
substanz, d. h. 20 % des eigenen Lebendgewichtes, verbrauchte. — Wallinger be-
schreibt, wie die Carnivora ihre Beute töten. — Madsen gibt Ethologisches über
den Polarwolf, Canis albus Sabine, nebst einer Abbildung. — Diederich dsgl. über
den deutschen Castor fiber, seine Burgen, Canäle, Schäden und Abschuß. — Ein
Anonymus (1) berichtet über die letzten Castor fiber in Deutschland (Winter
1902/03 bei Wartenburg a. E. 8 Stück erlegt) und ein Anonymus (2) dsgl. über
Castor fiber im Revier Lödderitz am Aken-Rosenburger Damm. — Blanchard
beschreibt das Verhalten im Winter und den Winterschlaf bei Arctomys marmotta.
— Nach Lisum vermehrten sich 10 im Jahre 1890 nach Argentinien versetzte
Lepus europaeus derart, dass sie den dortigen Pampashasen unterdrückten und
zur Plage wurden. — Elwes berichtet über Alces machlis in Norwegen. — Vanhoeffen
gibt Ethologisches über die Cetacea des Atlantic und dsgl. Racovitza (1, 2)
über die Cetacea der Antarktik, ihre Bewegungen, das Wasserausspritzen etc. —
True Photographien von Balaenoptera physeter. — Jentink behandelt die Ethologie
von Manis javanıca.
Färbung. Nach Klunzinger entsteht Melanismus durch gleichmäßige
Verbreitung des Melanins, durch Verbreitung dunkler Zeichnungen bez. Flecken,
durch Verschwinden heller Stellen; Unterschiede zwischen totalem und partiellem
Melanismus, ihr Vorkommen bei Cervidae, Sciurus, Canis und Ursus; Ursachen
des Melanismus als innere (Constitution) und äußere (Licht, Temperatur, Nahrung,
Feuchtigkeit); Zusammenhang zwischen Melanismus u. chromatischer Funktion,
Entstehung des M. durch Naturzüchtung, sein Nutzen. — Thienemann beschreibt
die große Farbvariabilität von Canis vulpes der kurischen Nehrung, unterscheidet
rote, intensiv rote, graue oder dunkle, gelbe oder fahle Typen und gibt die Färbung
an Kehle, Bauch, Läufen, Lunte, Nasenrücken an. — Bateson faßt unsere heutigen
Kenntnisse über die Farbvererbung bei Mus musculus und rattus zusammen,
Cuenot (1—3) gibt Versuche über die Farbvererbung bei schwarzen u. weißen, so-
wie bei Kreuzungen von schwarzen, weißen und grauen Mus musculus. — Service
beschreibt die Farbvariationen der Mammalia, Lydekker (9) den Saison-Farb-
wechsel, und Hamilton das winterliche Weißwerden bei Mammalia (und Aves).
4%*
59 I. Mammalia für 1903.
Mißbildungen. Prentiss untersuchte die Polydactylie bei Homo
und den Haustieren: die überzähligen Finger gewöhnlich symmetrisch an den
Extremitäten, aber meist reduziert oder modifiziert; Polydacetylie von mehr
als 5 Fingern ist kein Rückschlag, da Vorfahren mit mehr als 5 Fingern nur in der
Hypothese existieren; Polydactylie auf palingenetischer Grundlage nur bei
Equus, Ruminantia und Sus; Classification der Polydactylie als: 1. teratologische
(durch äußere Einflüsse), 2. neogenetische (durch innere Ursachen, im Keime ge-
legen), 3. palingenetische (wenn Rudimente oder Spuren von Fingern sich in
Finger umwandeln). — Auch *Ghisleni berichtet über die Polydactylie der Haus-
tiere. — Wiedersheim schildert eine Mißbildung der beiden oberen und unteren
Ineisivi von Mus. — (Geweihmißbildungen vergl. unter 2. Jagdtiere, über Lohoffs
Befunde an einem Zahnteratom bei Equus vergl. unter 6. Zähne).
Bastardbildung. Nach Iwanoff gelingt die künstliche Befruchtung
bei zahlreichen Mammalia (vergl. unter 15) und nach einer solchen ist auch
Bastardierung nicht erfolglos: sie gelang bei Mus musculus var. alba und Mus
rattus var. alba. — Ein Anonymus (4) gibt Beschreibung und Abbildung junger
Bastarde zwischen Canis familiaris $ und Canis lupus 9, sowie Mitteilungen
über ihre Ranzzeit und Trächtigkeitsdauer. — Nach einem Anonymus (3) sind
Blendlinge zwischen Lepus europaeus und Lepus timidus in Tirol und Kärnten
häufig. — Rörig (2) gibt allgemeine Bemerkungen über die Bastardbildung bei
den Mammalia, stellt die bisher bekannt gewordenen Fälle zusammen (bisher nur
bei Marsupialia, Ungulata, Rodentia, Carnivora u. Primates) u. versucht „die
etwa sich ergebenden Gesetzmäßigkeiten festzustellen‘. — Selater beschreibt
einen Bastard von Equus burchelli x E. caballus aus der Menagerie der Zoolog.
Gesellschaft in London.
2. Haus- und Jagdtiere.
Haustiere. Prentiss und ebenso *Ghisleni untersucht die Poly-
dactylie bei Ruminantia, Equus caballus und Sus scrofa (vergl. unter 1.).
— Von Struska erscheint ein Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. — Studer
berichtet über den deutschen Schäferhund und berührt dabei einige kynologische
Fragen. — Keller behandelt die Abstammungsgeschichte unserer Hunderassen.
— Sehmitt untersucht das postembryonale Wachstum des Schädels verschiedener
Hunderassen. — Matthew gibt ein kritisches Referat einer Arbeit von Hatscher
über die Abstammung der Hunderassen. — Ein Anonymus (4) gibt Abbildung
und Beschreibung junger Bastarde von Canis familiaris $ und Canis lupus 9.
— Weissilog untersucht den Faserverlauf der Magenmuskulatur von Equus,
Sus, Canis und Felis catus. — Warringsholz berichtet histologisches über
die quergestreifte Muskelfaser von Equus, Bos, Ovis und Sus, sowie über
die Nebenscheibe und Mittelscheibe von Equus und Sus. — Munro berichtet
über das prähistorische Equus caballus in Europa und die Wahrscheinlich-
keit seiner Domestikation im Palaeolithieum. — Eustace desgl. über rudi-
mentäre Hörner bei Equus caballus. — Kösters erbringt mit Hilfe von
zwei von ihm konstruierten Instrumenten den Nachweis einer Erweiterung der
Hornwand bei allen Hufformen in ihrer Trachtenpartie. — Duerst (1, 2) hält Ge-
wicht, Größe und Form der Hörner für die Hauptfaktoren der charakteristischen
Gestaltung des Schädels bei den Bovidae und Ovidae; die äußeren Faktoren, die
auf Haare und Haut wirken, berühren auch das Skelet und so wird Rasse, Varietät
I. Mammalia für 1903, 53
und Gattung bestimmt. — Nach Lydekker (8) ist es vom palaeontologischen Stand-
punkt aus unwahrscheinlich, daß die Kastanien der Equidae rudimentäre Analoga
der Afterzehen oder Afterklauen anderer Mammalia sind. — Pasini untersucht
die Achselschweißdrüsen von Zquus caballus. — Zimmermann gibt Anatomisches
über die Huf- und Klauenkrone der Ungulata; Lönnberg (2) dsgl. über die Viscera
der Ruminantia. — Riederer untersucht den Bau der Papilla mammae von Bos
" taurus. — Mankowski beschreibt den Bau des Milchganges in der Zitze von Bos
taurus. — Holding berichtet über Schädel und Hörner der St. Kilda-Rasse von
Ovis aries. — Reiser gibt vergleichend-anatomisches über die Skeletmuskulatur
von Owis aries, Capra hircus, Cervus elaphus und Capreolus caprea.
Jagd und Jagdtiere. Buxton bringt Jagdliches aus Afrika. —
Tornier führt die überzähligen Gebilde am Vorderfuße von Cervidae auf Super-
regeneration aus einer Wunde zurück, die durch krankhaften Amniondruck „ein-
gesprengt‘ wurde; Regenerate stets größer angelegt als der zu ersetzende Teil ist.
— Zietschmann untersucht die Haarbürsten an den Hinterbeinen, die Brunftfalte,
die Kopffalte u.a. Hautgebilde bei Cervidae (vergl. unter 3.). — Ward gibt
Messungen an Cervidae-Geweihen. — Matschie beschreibt Geweihe von Cervidae.
— Brandt’s (2) Betrachtungen erstrecken sich auf endenlose Geweihe von Cervus
und meist endenlose Gehörne von Capreolus, die wellenförmig oder spiralig ge-
wunden sind (,„Korkziehergeweihe‘‘). — Botezat (2) beschreibt die Stufen in der
Gestaltung der Geweihe b>i Cervus, geht auf die Hyperplasie ein, bespricht auch
die regressive Geweihbildung sowie die Classification der Geweihe und macht
schließlich Vorschläge zu ihrer Bezeichnung. — Seitz sucht zunächst zu beweisen,
daß Cervus elaphus nicht so weit wandert, wie man bisher annahm, und bespricht
dann das „Petschaft des Hirsches‘‘, Rosenstock und Rosenbildung, Fegen, Farbe
des Geweihes, Leben des gefegten Geweihes, sowie die Beziehungen zwischen
Geweihwechsel und Brunft. — Brandt (3) wendet sich gegen Seitz (s. o.). —
Nach Hydeking (1) gehört das Geweih bei Cervus elaphus zum Hochzeitskleid des
. männlichen Tieres, und dieses wird im ganzen Tierreich alljährlich abgelegt und
neu gebildet. — von Nathusius u. a. behandeln die Frage nach der Entstehung
der Plattkopfhirsche und das biologische Verhalten derselben zumal als Brunft-
hirsch. — Me Elfrish macht Mitteilungen über den Cervus elaphus von North Uist.
— Reiser gibt vergleichendes über die Skeletmuskulatur von Cervus elaphus
und Capreolus caprea. — Hydeking (2) gibt die Differential-Diagnosen für (apreolus
caprea (europäisches Reh) und C. pygargus (sibirisches Reh). — Nach v. Bern-
storff läßt sich außer in den ersten Lebensjahren das Alter von Capreolus caprea
nicht genau bestimmen, er schlägt vor, Marken mit besonderer Be-
zeichnung des Jahres in der Setzzeit den jungen Kitzen im Gehör zu befestigen.
— Auf Grund weiterer Studien gibt Brandt (1) Merkmale für die Altersbestimmung
von Capreolus caprea: Der Bau der Molaren ist für die ersten 4 Jahrgänge cha-
rakteristisch, für die höheren Jahrgänge läßt er nur auf ein Alter von 5—6 oder
von 6—8 Jahren schließen. — Forstrat Nehring zieht zur Altersbestimmung von
Capreolus caprea die Abnutzung der Zähne des Oberkiefers heran, gibt Abbildungen
für das Alter von 10—15 Monaten und polemisiert gegen Brandt (1) (s. 0.). —
Kropfi glaubt an die Möglichkeit einer Befruchtung von Capreolus caprea Q im
Herbst neben jener im Sommer, und führt ein Beispiel für unzeitige Brunft an.
— Bergmiller gibt eine geschickte Schilderung des Gehörnwechsels und -Aufbaues
bei Oapreolus caprea. — Ein Anonymus (7) bildet ab und beschreibt ein Sechser-
54 I. Mammalia für 1903,
gehörn eines Capreolus caprea 2 mit hermaphroditismus bilateralis glandolaris.
— Friedel dsgl. ein als Spießbock bezeichnetes Capreolus caprea, das sich als 2
herausstellte. — Ein Anonymus (6) berichtet über ein ohne Läufe gesetztes und
trotzdem in Freiheit großgewordenes Capreolus caprea. — Nach Fries verheilte
eine unterhalb des Rosenstockes abgebrochene Stange bei einem Capreolus caprea
derart, daß sie an der Haut hängend pendelte. — Nach Dick gehören die Ver-
letzungen des Bastgehörns bei Capreolus caprea zu den häufigsten Ursachen der
abnormen Bildungen. — Heinsberg beschreibt eine später verkalkte Blase, die
sich in der Bastzeit im Gehörn eines Capreolus caprea gebildet hatte. — Raneillio
sah gleichzeitig mit der Verletzung des rechten Hinterlaufes eine Kümmerung
der linken Stange im Gehörn von Capreolus caprea auftreten. — Klunzinger be-
richtet über Melanismus bei Cervus elaphus, Capreolus caprea, Dama vulgaris. —
Goes schildert das Leben des Virginiahirsches in Nordamerika und seine Jagd,
und unterscheidet 2 Varietäten; Brunftzeit Ende Oktober bis Ende November,
Abwerfen Anfang Januar. — Finn (1) beschreibt abnorme Geweihbildungen bei
Cervulus muntjac und (%) bei Cervus unicolor. — Grossvenor berichtet über Ran-
gifer tarandus in Alaska. — Elwes bringt biologisches über Alces in Norwegen.
Ein Anonymus (3) beobachtet in Tirol und Kärnten häufige Bastarde von
Lepus europaeus ‘X Lepus timidus. — Nach Lisum vermehrten sich 10 im Jahre
1890 nach Argentinien versetzte Lepus europaeus derart, daß sie den dortigen
Pampashasen verdrängten und zur Plage werden. — Diederich gibt biologisches
sowie Mitteilungen über den Abschuß des deutschen Castor fiber, dsgl. ein Ano-
nymus (1) über Castor fiber bei Wartenberg a. E. und ein Anonymus (2) über den-
selben im Revier Lödderitz. — Greve berichtet über die gegenwärtige und frühere
Verbreitung des Castor fiber in Rußland. — Nehring (8) beschreibt 2 im Hannover-
schen 1851 u. 1859 erlegte Canis lupus; die Trächtigkeit dauert nicht 13 sondern
nur 9 Wochen wie bei Canis familiaris. — Thienemann macht Mitteilung über die
große Farbvariabilität von Canis vulpes auf der Kurischen Nehrung. — Madsen
beschreibt und bildet ab den Polarwolf: Canis albus, speziell 2 von Sverdrup
lebend mitgebrachte Exemplare. — Nehring (9) sieht an einer Felis catus ferus 2
den Sohlenfleck deutlich und konstatirt das Vorhandensein von nur 3 Paar
Zitzen (opp. F. c. domesticus mit 4 Paar). — Nehring (6) beschreibt eingehend eine
Felis catus ferus aus dem Donaudelta. — v. Veltheim gibt einen Abdruck aus einem
alten Waidmannsbuche vom Jahre 1818 über die letzte Luchsjagd am Harz. —
Nach Nehring (%) fehlt dem europäischen Lynx regelmäßig der vorderste Lückzahn
des Oberkiefers. — Die Frage nach der Ranzzeit von Meles taxus beantworten:
Augustin, Birke, Schmidt-Borstel, Schulz, Winkelmann und A. Müller mit ver-
schiedenen Daten aus den Monaten Juli, August und November. — Nach Märker
und nach Nehring (10) fällt die Ranzzeit von Meles taxus in den Spätsommer und
Anfang Herbst, auch ev. schon in den Juli; das Ei macht ein Ruhestadium wie das
von Capreolus durch. — Das ‚Werfen‘ bei Meles taxus beobachtet Mecklenbeck
im Februar, Temme im April. — Nach einem Anonymus (5) ist die Ranzzeit bei
Putorius putorius variabel, beobachtete Daten sind: Anfang Januar, Anfang Juli,
9. September, 9. August, 4. November. — Nach Frischauf ranzt der junge im Mai
geworfene Lutra vulgaris im Januar-März des folgenden Jahres, der alte aber später
im Jahr, selbst im Sommer und Herbst.
Southwell (1) berichtet über die Robben- und Wal-Fischerei im Jahre 1902.
EL IENT LIE
I Mammalia für 1903. 55
3. Haut und Hautgebilde.
Histologisches und Allgemeines. Von W. Krause’s Hand-
buch des Menschen erschien die 3. Abteilung, in der auch das Integumentum
commune behandelt wird. — Nach Burkard ist die Haut von Homo-Embryonen
nicht spaltbar, solange das Corium nur aus runden Zellen und ungeordneten Fasern
besteht; die Spaltbarkeit tritt erst auf, sobald durch das Überwiegen der Spannung
in einer Richtung die Fasern parallel geworden sind. — Zimmermann gibt Ana-
tomisches über die Huf- und Klauen-Krone der Ungulata. — Nach Adachi wird das
Hautpigment bei den Primates im Epithel und im Corium selbständig gebildet,
im letzteren 2 Arten von Pigmentzellen; die Chromatophoren keine Zellen, sondern
Figuren aus intercellulären Pigmentkörnchen; unter den Simiae findet sich das
Pigment bald in Epidermis und Corium (Satyrus, Hapale, Lemur), bald nur in der
Epidermis (Hylobates, Ateles), bald nur im Corium (Cynocephalus, Macacus);
eine Beziehung zur systematischen Stellung der betr. Species existirt nicht. —
Zietschmann untersucht einige Hautorgane der Cervidae: die Brunftfalte, die außer
in den bisher bekannten Fällen sich auch bei Cervus dama, azıs und Cervulus
munljac findet; (histologisch ist ein Vergleich mit der Brunftfeige von Rupicapra
und Capra nicht gerechtfertigt); die Kopffalten von Cervulus muntjac; schließlich
ein eigentümliches Gebilde, bei Cervus elaphus, C. canadensis, C. axıs und Cariacus
campestris zwischen Haut und Schwanzfascie gelegen, das nicht als Anhäufung
von Schweißdrüsen zu betrachten, sondern höchstens mit der Steiß- und Carotis-
drüse zu vergleichen ist. — Nach Lydekker (8) ist es vom palaeontologischen
Standpunkt aus unwahrscheinlich, daß die Kastanien der Equidae rudimentäre
Analoga der Afterzehen seien.
Haare, Zietschmann beschreibt die Haare der „Haarbürsten‘“ bei Aan-
gifer, Alces, Capreolus, Dama, Cervus elaphus und porcinus, und Axis. — Stöhr (1)
schildert die Entwickelung des Wollhaares bei Homo, eonstatiert (%) Intercellular-
brücken zwischen der inneren und äußeren Wurzelscheide, und modifiziert (3)
in einigen Punkten seine ursprüngliche Ansicht von der Entwickelung der äußeren
Glashaut. — *Kidd (1, 2) untersucht die Richtung der Haare bei Homo und den
Mammalia. — Pinkus beschreibt für Homo Rudimente der Schuppe, die der
Sehuppe der Proreptilienhaut homolog ist, sowie als Sinnesorgane zu deutende
Haarscheiben, für welche sich vorübergehende Entwickelungsstufen bei Echidna
constatieren lassen. — Thomas (24) beschreibt die Haarstellung bei Gazella mus-
catensis, Lankaster (1) dasselbe von Okapia, Bonhote (8) dsgl. das Haar von
Elephas indicus. — Castle untersucht die Vererbung und die Haarfolge
des Angora - Felles. — sServiee arbeitet über die Farbenvariationen der
Mammalia, Iydekker (9) über den Saison-Farbwechsel, und Hamilton (3) über das
winterliche Weißwerden der Mammalia (und Aves). — Nach Kahn hat jedes
Schwanzhaar von Spermophilus mehrere pilomotorische Muskelbündel, die von
elastischen Fasern umsponnen sind und an beiden Enden elastische Sehnen haben.
Nerven, Muskeln, Drüsen etc. (Über die pilomotorischen
Muskelbündel am Schwanzhaar von S’permophilus s. o. Kahn). — Botezat (1) unter-
sucht die Innervation der Schnauze von Talpa und beschreibt dieVater-Paeinischen
Körperchen, die Endbäumchen, die Tastmenisken und einfachen Enden; die platten
Zellen der Eimer’schen Organe sind Riff- oder Stachelzellen; gegen die Maurer’sche
Hypothese von der Abstammung der Haare von Hautsinnesorganen ist nichts ein-
56 I. Mammalia für 1903.
zuwenden. — Dogiel (%) untersucht die Nervenenden in der Haut der Finger- und
Zehenkuppen und der Sohle von Homo mit Methylenblau u. gibt eine ausführliche
Beschreibung aller Arten von Endapparaten. — Ruffini (1) beschreibt das Verhalten
des Timoffejew’schen Fadenapparates in den Meisner’schen Körperchen der
Haut von Homo. — Nach Talke sind die großen, ausschließlich im Unterhaut-
bindegewebe gelegenen Drüsen der Achselhöhle von Homo zusammengesetzt
tubulös, und zeigen im wesentlichen 2 Zellarten. — Pasini konstatiert an den Zellen
der Achselschweißdrüsen von Equus einen ähnlichen Bürstenbesatz wie an den
Epithelzellen der gewundenen Nierenkanäle. — Kösters beobachtet mit Hilfe
zweier selbstkonstruierter Instrumente die Huferweiterung beim beschlagenen
und unbeschlagenen Hufe von Equus. — Eustace berichtet über rudimentäre
Hörner bei Eqwus. — Carlsson gibt einen Beitrag zur Anatomie der Marsupial-
region der Didelphyidae und Dasyuridae: der Beutel bei D. marsupialis und
oppossum als Tasche, bei philander und lanigera nur von Seitenfalten gebildet;
Homologie des Brutbeutels von Zchidna mit dem Marsupium; der Beutelknochen
ohne unmittelbare Beziehung zur Ausbildung des Beutels, seine Rückbildung bei
Thylacinus und Notoryctes; Bau des sphineter marsupii. (Über die Milchleiste
vergl. unter 14, über die Bauchmuskulatur unter 7.).
4. Skelett: Allgemeines. Rumpf. Extremitäten.
Allgemeines. Robinson (2) gibt Betrachtungen über die Wirbeltheorie
des Schädels u. schildert das Verhalten der Chorda bei Ovis, Sus, Mus und Homo.
— Srdinko (1, 2) gibt histologische Details über die Zellen des hyalinen embryonalen
Knorpels bei Homo und den Mammalia, gegen ihn wendet sich Studnicka (2, 3).
— Sehaffer begründet seine Anschauung von der Existenz einer von den Knorpel-
kapseln unterscheidbaren Grundsubstanz des Hyalinknorpels. — Fibich be-
schreibt Knorpelzellen, die von einem mit steigendem Alkohol fixierten Sternum
eines fünfmonatlichen Embryo von Homo stammten. — Nach Gebhardt bedingt
die fibrilläre Struktur der Knochengrundsubstanz parallel oder quer zu den
Fibrillen gerichtete Spaltbarkeit und Elastizität, die vielleicht die Richtung neu-
gebildeter Fibrillen bestimmen. — Kenyeres und Hegyi geben Merkmale zur
Unterscheidung des menschlichen und tierischen Knochengewebes. — Von Gilson’s
Handbuch der descriptiven und vergleichenden Osteologie erschien der I. Band.
— Von Sobotta’s Grundriß (3) und Atlas (4) der descriptiven Anatomie erschienen
je die I. Abteilung, Knochen, Bänder, Gelenke und Muskeln umfassend. — Von
Alezais’ (5) Anatomie der Cavia cobaya erschien der I. Band, Knochen, Gelenke
und Muskeln enthaltend. — Salensky (1) gibt eine Osteologie\von Elephas primi-
genius, indicus und Africanus. — BEastman beschreibt Cetaceenknochen (von
Globiceps-sp.) aus dem roten Ton des tropischen Pacific.
Rumpf. (Über das Verhalten der Chorda bei Ovis, Sus, Mus und Homo
s. o. Robinson). Vram beschreibt einen Fall von Verwachsung des atlas mit dem
occipitale bei Papio. — Nach Carlsson ist der Beutelknochen der Marsupialia dort,
wo er klein und schwach ist, in Reduktion begriffen; Gründe dieser Rückbildung
bei Thylacinus und Notoryctes.
Extremitäten. Rabl (2) geht davon aus, daß diejenige Stellung der
Vorderextremität primitiv ist, bei der Vorderarm und Oberarm einen nach hinten
offenen Winkel bilden (Chelonia, Enaliosauria) und gibt Untersuchungen
i. Mammalia für 1903. an
über die Urform des Carpus und Tarsus. — Salensky (3) berichtet über die Ex-
tremitäten von Elephas primigenius, africanus und indicus. — Er. Fischer leitet
die Extremitäten von Hyrax von einer Urform mit 5 Fingern ab, da im embry-
onalen Skelet der hinteren Extremität Spuren eines 1. und 5. Fingers nachzuweisen
sind. — Nach Le Damany (1,2) ist eine Torsion des Humerus bei den meisten
Tieren nur eine scheinbare, bei Homo und den Anthropoidei dagegen eine wirkliche
und zwar im collum chirurgieum stattfindende; ebenso die Torsion des Femur. —
Frassette (2) findet ein foramen scapulae nur bei Edentata, Primates und Homo
sowie normalerweise anscheinend auch bei Megatherium fossile. — Kösters mißt
mit Hilfe von 2 selbsterfundenen Instrumenten die Huferweiterung beim be-
schlagenen und unbeschlagenen Zquus. — Perna untersucht das Os trigonum
bei embryonalen und erwachsenen Homo. — Parsons (1) untersucht Epipubis und
Hypoischium bei (Reptilien), Marsupialia, Rodentia, Ungulata und Homo und
bringt einige Homologosierungen. — Lubsen hält für die primitivste Form des
Hüftbeines nicht die von Homo, sondern die plattenförmige Gestalt mit einer
medialen und einer lateralen Furche, wie sie noch am besten bei Lepus cuniculus
ausgebildet ist. — Hasselwander beschreibt die Knochen des Fußes von Homo
nach präparatorischer, mikroskopischer und röntgographischer Untersuchung
von 277 Föten, Kinderleichen und lebenden Kindern. — Die Untersuchungen von
Prentiss und *Ghisleni über Polydactylie bei Homo und den Haustieren s. unter
1. (Mißbildungen), die Untersuchungen von Tornier über die überzähligen Ge-
bilde am Vorderfuße der Cervidae unter 2. (Jagdtiere). — Zimmermann gibt ana-
tomisches über die Huf- und Klauenkrone der Ungulata. — *J. Weber Maß- und
Gewichtsbestimmungen über die morphologische Asymmetrie der Extremitäten-
knochen einiger Artiodactyla.
5. Schädel.
(Vorbemerkung: Über Geweihbildung vergl. unter 2).
Allgemeines. Nach Robinson (2) ist die Chorda bei Ovis und Sus im
ganzen Cranialteil in der Inselplatte eingeschlossen, während sie bei Homo und
Mus nur zum Teil in derselben liegt. — Nach €. Rabl (2) ist der Schädel der Mam-
malia direkt von einem stegocrotaphen Typus abzuleiten; das Verhalten des
Squamosum, Jugale, Quadratojugale und Quadratum bei den Urformen der
Mammalia; spezielles über Ornithorhynchus und Echidna. — Frassetto (1) unter-
sucht bei fötalen, kindlichen u. erwachsenen Homo, Primates und anderen Mam-
malia das Verhalten 1. der überzähligen Nähte des Schädels und Gesichts, 2. der
sekundären Fontanellen, 3. der Fontanellen- und Suturalknochen, 4. einige Be-
sonderheiten, wie Varietäten des Jugale u. Ersatz der Nasalia durch das Maxillare
superius. — Nach Schwalbe (1) finden bei vielen Mammalia und Homo verschiedene
Teile der Gehirnoberfläche an der Außenfläche des Schädels als Ausbuchtungen
oder Rinnen ihren Ausdruck; Unterscheidung von „Gehirnrelief‘‘, wenn es sich
um größere Abschnitte, und von ‚„‚Windungsrelief‘‘, wenn es sich um die Windungen
dabei handelt. — Hrdlieka untersucht das Vorkommen von Teilung des Parietale
bei Homo und den Mammalia. — Bovero und Calamida untersuchen das Vor-
kommen von Venenkanälen am Temporale, Squamosum und Petrosquamosum
bei Homo und den Mammalia. — Fleischmann (1) bringt morphologische Grund-
begriffe über das Kopfskelet der Amniota und spezielles über die Ethmoidalregion.
— Broom (1) untersucht das Vorkommen des vorderen Vomer bei den Mammalıa
58 I. Mammalia für 1903
und gibt Homologisierungen mit ähnlichen Knochen der anderen Vertebrata. —
Emery gibt Näheres über den von Parker bei den Placentalia und von ihm selbst
bei Didelphys aurita beschriebenen Knorpel (cartilago articularis) der unabhängig
vom Meckelschen Knorpel entsteht, und sieht in ihm das Homologon des Reptilier-
Quadratums bei den Mammalia. — Chaine (5) gibt anatomisches über den Meckel-
schen Knorpel der Mammalia.
Spezielles. Selenka (2) (Walkhoff) hält gegen Virchow den Unter-
kiefer von la Naulette für normal: das fehlende Kinn, die Kiefer- und Zahn-
Prognathie, die allgemeine Größe der Zähne, der Lingualwulst, ete. weisen auf
eine diluviale Normalform des Unterkiefers hin, die ihren Ursprung in einer anderen
Funktion der Teile hatte. Die beiden Kiefer von Spy, die nach Form und Zahn-
stellung genau beschrieben werden, beweisen gegenüber denen des heutigen
Homo eine viel stärkere funktionelle Beanspruchung und damit ein gänzliches
Abweichen von der heutigen Form, der Kiefer von Gayet zeigt Übergangsmerk-
male zum heutigen Typus. Nach Besprechung anderer diluvialer Kiefer kommt
Verf. zu dem Schluß, daß einzelne heutige tiefstehende Völker Anklänge an den
diluvialen Typus aufweisen, und daß die Veränderungen dieser Kiefer mit pitheco-
iden Eigenschaften zur heutigen Form allein durch den Gebrauch erklärbar
sind. — Ledouble behandelt die Variationen der Schädelknochen bei Homo.
— Nach Goerke ist die Gestalt des Schädels bei Homo und den Anthropo-
morphae in der inneren und äußeren Struktur stark durch die Kaufunktion be-
einflußt, die direkt die Entwickelung der Kiefer bedingt. — Anthony schließt aus
der Durchschneidung des Temporalis bei Canis, daß durch ihn die sagittale
Knochenleiste an seinem Ursprung bedingt ist, die so charakteristisch ist für Tiere
mit vertikaler Mandibelbewegung; Einfluß der Kaumuskeln auf die Configuration
des Schädels bei Homo, Lemuridae, Insectivora und Carnivora. — Nach Eugen
Fischer sind die embryonalen Schädel von Macacus cymomolgus, Semnopithecus
pruinosus und S. maurus noch menschenähnlicher als die der erwachsenen Affen.
— Sehmidt untersucht das postembryonale Schädelwachstum bei den ver-
schiedenen Canis - Rassen. — Camerano gibt Bemerkungen über (3) den Schädel
von Thalassarctos maritimus und (4) den Schädel von Odobaenus rosmarus und
O. obesus, Anderson (2) desgl. über den Schädel von Grampus griseus. —
Duerst (1,2) hält auf Grund vergleichender Untersuchungen Gewicht, Größe
und Form der Hörner für die Hauptfaktoren der charakteristischen Gestaltung
des Schädels bei den Bovidae und Ovidae; die äußeren Einflüsse, die auf Haare und
Haut wirken, berühren auch das Skelet, und so wird Rasse, Varietät und Gattung
bestimmt. — Holding berichtet über Schädel und Hörner der St. Kilda-Rasse
von Ovis aries. — Noack (2) beschreibt den Schädel von Capra mengesi. — Andrews
sieht die hauptsächlichsten Veränderungen, welche das Skelet der Proboscidia
vom Eocaen bis zur Gegenwart durchmachte, in einer Verkürzung des Schädels,
Erweiterung der Praemaxilla, stärkeren Ausbildung der Diploe, Schwächerwerden
des Jochbogens; das Verhalten der Zähne. — Gregory gibt Mitteilungen über die
Bedeutung, welche der allmählichen Verkürzung des Proboscidia-Schädels zu-
kommt. — Nach Abel kommt bei den eocaenen Odontoceti noch keine Asymmetrie
des Schädels vor; sie beginnt im Oligocaen und wird deutlich bei Delphinus,
Tursiops, Lagenorhynchus, Sotalia, stärker bei Platanista gangetica,; Anteil der
einzelnen Schädelknochen an der Asymmetrie. — Schwalbe (2) berichtet über
geteilte Scheitelbeine bei Homo und den Primates. — Bianchi fand bei 18 von
I. Mammalia für 1903. 59
30 untersuchten Föten von Homo, daß die Parietalia 2 Ossifikationszentren
besaßen, bei den übrigen war das eine Zentrum derart in die Länge gestreckt,
daß es wohl ursprünglich aus 2 Zentren entstanden ist. — Anderson (1) gibt
vergleichendes über den vorderen unteren Winkel des Parietale und (2)
desgl. über die Praemaxilla bei den Primates. — Jacobi untersucht ver-
gleichend die Kopfknochen (Frontale, Jugale, Lacrymale, Parietale, Ocei-
pitale, Palatinum und Maxillare) sowie Augenhöhlen und Choanen bei Gorilla,
Troglodytes und Satyrus. — Berg stellt an Corrosionspräparaten die Pneumati-
sierung der Temporalia bei den Primates fest und macht Angaben über den Gehör-
gang, die Bogengänge und die Deklination des Trommelfells. — Bolk findet mit
van Wijhe’s Methylenblaufärbung bei einem Fötus von Homo am Oceciput eine
von der einen Temporalregion zur anderen verlaufende Knorpelspange, deren
Entwicklung verfolgt wird. — Cleland beschreibt ein bisher unbekanntes Element
im Oceipetale der Pinnipedia, das Owen’s Paroceipitale der Teleostier entspricht.
— Toldt (1) gibt eine morphologische und histologische Entwickelungsgeschichte
des Jochbeins bei Homo vom Ende des zweiten Monats ab. — Nach Lachi besitzt
die Crista petrosa von Homo 2 Fortsätze, den Proc. vaginalis primus (medial)
und secundus (oder vagina processus styloidei) (lateral); das Ligament, das (bei
Homo oft und auch bei anderen Mammalia) von der Meckelschen Grube zum ha-
mulus pterygoideus zieht, dürfte zusammen mit dem Meckelschen Fortsatz Resten
des I. Kiemenbogens entsprechen. — Staurenghi gibt eine vorläufige Mitteilung
(1) über die Artikulation der processus petrosi bei Spermophilus eitillus und (2)
über die processus postsphenoidei bei Sciurus vulgaris, Xerus erythropus und
Arctomys marmota und berichtet ferner *(3) über das foramen dorsi sellae (dorsi
ephippii) bei einigen Mammalia, sowie *(4) über die ossicula petro-postphenoidalia
von Lepus cuniculus. — W. Turner untersucht die Tympanica und Petrosa von
Physeter, Kogia und anderer Odontoceti. — Kikuehi berichtet über die Knochen-
blasen am vorderen Ende der mittleren Muschel von Homo. — Über Lohoffs
Befunde an einem Zahnteratom bei Equus vergl. unter 6. Zähne.
6. Zähne.
Allgemeines. Leche gibt Ontogenetisches und Phylogenetisches über
das Zahnsystem der Mammalia. — Tims basiert seine Theorie von der Entwickelung
der Zähne auf dem Erscheinen von kleinen vorderen und hinteren Spitzen auf dem
als Cingulum schon bei den Anomodontia bekannten Gebilde. — Adloff (2) be-
spricht die von Cope u. Osborn aufgebaute Differenzierungstheorie sowie die von
Kükenthal und Röse inaugurirte Conerescenztheorie, und gibt eigene Unter-
suchungen, nach welchen auch die Incisivi gleich den Molaren und Praemolaren
durch Verschmelzung entstanden sind. — Richter findet im Dentin verkalkter
Zähne (von Homo) nach Vorbehandlung mit Formol und Färben mit Alaun-
haematoxylin ein Netz von Interglobularsubstanz. — Smreker gibt technisches
über die Untersuchung des Schmelzes, sieht deutlich die Grenzen der Schmelz-
prismen und weist den Kitt zwischen ihnen nach. — Walkhoff (1, 2) deutet die
Befunde Smreker’s in dem Sinne, daß die Corticalschicht der Schmelzprismen
mehr organisches Gewebe als der Centralkörper hat und daß beide ein gleichartiges
Gewebe darstellen, das nur durch die verschiedene Aufnahme der Kalksalze
different ist. — Ebner (1) tritt gegen Walkhoff für die von Smreker behauptete
60 I Mammalia für 1903.
Existenz eines Kittes zwischen den Schmelzprismen ein und führt Walkhoffs
Angaben von Vorhandensein einer Central- und Corticalsubstanz auf falsch ge-
deutete optische Erscheinungen zurück. — Nach Ebner (2) schreitet die Erhärtung
des Schmelzes vom Zahnbein gegen die Oberfläche und von der Schneide nach
abwärts fort; Verf. berichtet weiter über die Brechung und die verschiedene
Verkalkung des Schmelzes.
Spezielles. Jacoby macht am Schluß seiner Abhandlung über die
Schädelknochen von Gorilla, Satyrus und T'roglodytes auch Angaben über das Ver-
halten der Zähne. — Nach Nehring (7) fehlt dem europäischen Lynx regelmäßig
der vorderste Lückzahn des Oberkiefers, sodaß hier nur 3 Molarzähne auftreten,
nämlich 1 Lückzahn, 1 Reißzahn und 1 Kauzahn; im Unterkiefer finden sich jeder-
seits 2 Lückzähne und hinter dem großen Reißzahn in den seltensten Fällen noch
ein kleiner Kauzahn. — Drago berichtet über anomale Ineisivi bei Zepus und führt
sie auf Verkürzung des Oberkiefers zurück. — Wiedersheim (2) schildert eine MiBß-
bildung der 2 oberen und unteren Ineisivi von Mus. — Schlosser (1) gibt eine ver-
gleichende Beschreibung der Zähne bei den rezenten Antilopinae. — Dechambre
berichtet über einige Besonderheiten in der Dentition der Ovidae. — Bez. v. Bern-
storff, Brandt (1), Forstrat Nehring : über die Zähne von Capreolus caprea s. unter
2. Jagdttiere. — Lydekker (4) berichtet über den Caninus von Güraffa camelo-
pardalis. — Bradley (3) beschreibt je einen überzähligen letzten Molaren an 2 Unter-
kiefern von Equus. — Adloff (1) macht Mitteilung über das Zahnsystem von Hyrax.
— Andrews gibt eine phylogenetische Entwicklung des Zahnbaues bei den Probos-
cidea. — Nach Abel ist die Zahl der Zähne bei polyodonten Odontoceti selten
gleich. — Lohoff berichtet über ein Zahnteratom in den Kieferhöhlen eines 2!/,-
jährigen Equus; der Tumor aus vielen Einzeltumoren zusammengesetzt und
unvollkommen von einer Knochenschale, vielleicht der stark erweiterten Alveolar-
wand des II. Molaren, umschlossen, die zahnartigen Gebilde histologisch auffällig
mit normalen Zähnen übereinstimmend.
%. Muskeln. Sehnen. Gelenke.
Muskeln. Allgemeines. *DeBuck und De Moor berichten über
den Muskelschwund. — Münch konstatiert eine Quer- oder Schrägstreifung der
weißen Kerne der glatten Muskelzellen bei Felis, Lepus, Cavia, Mus (und Rana),
die dadurch zustande ‘kommt, daß der normale ruhende Muskelkern eine in
achromatische Substanz eingebettete chromatische Spirale ist. — Schiefferdecker
teilt seine Methode mit zur Feststellung der Größe und Masse der Bestandteile
(Kerne, Fasern, Sarcoplasma, Bindegewebe) der Muskeln und gibt einige vor-
läufige Resultate. — *Marceau gibt eine vorläufige Mitteilung über den Bau der
Herzmuskelfasern. — Nach Gilman sind die Kerne müder Muskelzellen geschrumpft,
haben ein weniger regelmäßiges Aussehen und sind weniger dicht granuliert als die
der ruhenden Zellen. — Lehmann untersucht den Haemoglobingehalt der Muskeln:
es fehlt den glatten Muskeln, und ein quergestreifter Warmblütermuskel ist um
so blutreicher, je häufiger und intensiver er beansprucht wird; die Muskeln junger
Tiere durchweg ärmer an H. als die der erwachsenen. — Warringhelz gibt histo-,
logisches über die quergestreifte Muskelfaser von Equus, Bos, Ovis und Sus, sowie
Beobachtungen der Nebenscheibe und Mittelscheibe bei Equus und Sus. —
Neumann bleibt gegen Herbst (vergl. 1901) bei seiner Anschauung, daß die Ent-
I. Mammalia für 1903 61
wickelung der Muskeln unter dem Einflusse der Nervencentren und unter Ver-
mittelung der aus diesen hervorwachsenden motorischen Nervenbahnen erfolgt.
— Nach Lesshaft erklärt sich die Funktion eines jeden Muskels aus dem Verhält-
nisse der Insertion zur Bewegungsachse, die von der Insertion unter einem rechten
Winkel gekreuzt wird; Unterscheidung eines Typus der kräftigen Muskeln und
eines Typus der gewandten Muskeln. — Zwingt man nach Demoor durch operative
Sehnenverlagerung einen Muskel von Lepus oder Canis zu weniger ausgedehnten,
aber kräftigeren Kontraktionen, so wird er infolge funktioneller Anpassung nicht
nur kürzer, sondern seine Fasern orientieren sich zur Sehne in Fiederform. — Nach
Triepel ist der „‚Querschnittsquotient‘‘, d.h. das Verhältnis zwischen dem Quer-
schnitt des Muskels und seiner Sehne weder bei demselben Muskel verschiedener
Individuen (Homo) noch bei verschiedenen Muskeln desselben Individuums gleich.
— Huntington (1) unterscheidet bei den Mammalia zufällige, progressive und
reversionale Muskelvariationen; letztere, die mannigfaltigsten und häufigsten,
lassen wieder nach ihrer wahrscheinlich. phylogenetischen Bedeutung „archaische‘‘,
„progonale‘“ und „atavale‘ unterscheiden. — Me Murrich gibt (1) eine Phylo-
genese der langen Flexoren des Vorderarmes von einem primitiven Amphibium
bis zu den Mammalia und Homo, und (2) eine vergleichende Anatomie der Palmar-
muskeln bei Urodelen, Lacertiliern und Mammalia.
Muskeln. Spezielles. Von Sobotta’s (3) Grundriß und (4) Atlas
der descriptiven Anatomie von Homo erschien je die 1. Abtlg., welche auch die
Myologie einfaßt. — Alezais (5) gibt eine anatomische Studie über Cavia cobaya,
deren erster, erschienener Teil auch die Muskellehre enthält. — Parsons (2) macht
Angaben über die Muskulatur von Choroepus castanotis. — Carlsson beschreibt
bei den Didelphyidae und Dasyuridae den Sphineter marsupii, den Cremaster,
den Obliquus abdominis externus, den Pyramidalis, den Pectineus und den
Rectus abdominis. — Anthony (1,2,3) sucht experimentell, mittels Durch-
schneidung, nachzuweisen, daß der M. temporalis und M. masseter von großem
Einfluß auf die Konfiguration des Schädels und seiner einzelnen Knochen sind;
Spezielles für Canis und die Carnivora im allgem., sowie für die Insectivora und
Lemuroidea; mit vermindertem Gebrauch nehmen die Kaumuskeln an Stärke ab,
sodaß alsdann das Gehirn mehr zunehmen kann. — Haack gibt vergleichend-
anatomisches über die Muskulatur der Extremitäten und des Stammes für Felis,
Lepus europaeus u. Oryetolagus cuniculus. — Windle u. Parsons berichten ver-
gleichend-myologisches für die Ungulata. — *Orru gibt morphologische Beobach-
tungen über die MM. spinales posteriores, Reiser dsgl. für die Skeletmuskulatur
von Cervus elaphus, Capreolus caprea, Capra hircus und Ovis aries. — Favaro (1)
behandelt die Entwickelung der dorsalen, lateralen und praevertebralen Muskeln
der Amniota nach Untersuchungen an (Reptilia, Aves sowie) Ovis, Lepus, Cavia,
Canis und Homo. — Huntington (1) behandelt als Beispiele für seine Anschauung
von den Muskelvariationen (s. 0.) die Pectoralisgruppe der Primates; von den
Zuständen bei Hapale und Nycticebus leiten die Verhältnisse bei C’ynocephalus
zu denen von Homo u. den Anthropoiden über. — Huntington (2) bespricht die über-
zähligen Muskeln in der Pectoralisgegend des Homo. — Saar gibt einen Beitrag zur
vergleichenden Anatomie der Brustmuskeln und des Deltoideus: Untersuchungen
‚an Carnivora, Ungulata, Insectivora, Chiroptera, Primates. — Grönroos (1,2) be-
spricht die M. biceps brachii und M. latissimo- condyloideus von H ylobates. — Gehry
beschreibt 2 Varietäten des Achselbogens (Homo), die beweisen, daß der Achsel-
62 I Mammalia für 1903
bogen ein Rudiment des panniculus carnosus ist. — Pearl beschreibt 2 abnorme
Muskeln von Felis: ungewöhnliche Insertion des Latissimus dorsi auf dem Pecto-
Antibrachialis, und theilweise Verschmelzung des Cleidomastoideus u. Levator
scapulae ventralis. — Nach Pardi gehören die Subcostales, die im allgemeinen
den Mammalia fehlen, mit der Transversi costarum von Carnivora und Homo
den Intercostales longi an und sind Überbleibsel mächtiger Muskeln der Urodelen,
Ophidier und Saurier. — Bühler arbeitet über das Verhältnis des Semimembra-
nosus zu den Adductoren bei Cavia, Felis, Macacus, Inuus und Cynocephalus
und über die Phylogenese dieser Muskelgruppe. — Nach Alezais (3) braucht man
am Vorderarm von Felis keine Flexores proprii anzunehmen, die anderen Tieren
fehlen. — Alezais (2) beschreibt den Flexor digitorum profundus von Herpestes,
Canis, Erinaceus, Lemur und Macacus. — Alezais (4) gibt eine vergleichende Mor-
phologie des Flexor digitorum profundus und erklärt seine Vielgestaltigkeit in
Ursprung, Form und Umfang aus funktioneller Anpassung: Gegenüberstellung
von Tieren mit sehr beweglichen Fingern (Erinaceus, Sciurus, Arctomys, Dipus,
Mus, Primates), solchen mit wenig beweglichen Fingern (Equus, Ovis, Lepus)
und den zwischen beiden stehenden Carnivora (Herpestes, Canis, Felis). —Hierher
auch Alezais (1). — Chaine (1) gibt vergleichend-myologisches über die Kehl-
gegend der Mammalia und (%) spezielles über diese Gegend bei C’amelopardalis
giraffa. — Möller und Fischer beschreiben die Wirkung der MM. crico-thyreoideus
und thyreo-arytaenoideus internus. — Chaine (2, 3, 4, 6) gibt eine vergleichende
Studie über den Digastrieus.: derselbe ist nicht aus 2 Muskeln verschmolzen
(Gegenbaur), sondern durch Abspaltung von einem ursprünglich einheitlichen
Muskel entstanden; Verhalten bei (Fischen, Reptilien, Vögeln und) Mammalia, wo
er seine höchste Entwicklung zeigt und vom Geniohyoideus getrennt ist, während
der Depressor nur noch als „M.mandibulo-auricularis“‘ oder „ligamentum
accessorium articulationis temporo-maxillaris‘ existiert. — Baum und Kirsten
untersuchen vergleichend-anatomisch die Ohrmuskeln der Mammalia, lassen eine
Vereinfachung durch Reduktion mit der höheren Entwickelung parallel gehen
und geben ausführliches für Homo, Primates, Prosimiae, Canidae, Felidae, Equidae,
Suidae, Ruminantia. — Bovero beschreibt ausführlich den sog. Saugmuskel der
Lippe (M. compresso labii, Klem; M. rectus labii, Aeby; M. labii proprius, Krause
etc.), den er als M. cutaneo-mucosus labii bezeichnet, für Homo, Primates, Pro-
simiae, Chiroptera, Insectivora, Carnivora, Rodentia, Artiodactyla, Perissodactyla;
er ist abzuleiten von den Mm. quadrati labii, die ihrerseits von Platysma stammen.
— Fürst beschreibt den Popliteus und seine Sehne bei den verschiedenen Verte-
braten-Klassen und gibt genaueres für die Monotremata, Marsupialia und die
höheren Mammalia; Angaben über das bei den Rodentia u. a. vorkommende
Sesambein, von dem dann der Popliteus als Tibio-Sesamoideus entspringt; die
Ursachen der Veränderung des Popliteus zu suchen hauptsachlich in der Reduktion
der Fibula und in dem Winkel zwischen den Knochen des Ober- und Unterschenkel».
— Bardeen (1) untersucht den Obliquus externus: bei den Rodentia (Cavia, Mus,
Lepus) ist er schwach, zeigt neben der primären metameren Gliederung eine
inkomplete dem Faserverlauf parallele sekundäre und die weißen Fasern verlaufen
von einer Inscriptio zur anderen, während die Innervationszonen quer durch den
Muskel in der Mitte jedes primären Ligamentes gehen ; umgekehrt ist das Verhalten
bei Felis, Canis, Sus, Homo und wahrscheinlich bei allen Mammalia mit gut ent-
wickelten Obliquus externus. — Nach Hoppe gehören alle Muskelbündel, die bei
I. Mammalia für 1903 63
Homo den Urogenitalkanal und seine Drüsen vom Bulbus urethrae an bis zur
Prostata umgeben, zum Sphineter urogenitalis. — Michaelis gibt eine ausführliche
Beschreibung der gesammten Muskulatur von C’ynocephalus, Simia und Troglo-
dytes. — Nach Gallois und Cade ist die Membrana interossea des Vorderarms von
Homo ein intermusculäres Ligament.
Gelenke. Sehnen. Nach Gebhardt bestehen die die spezifische Wider-
standsfähigkeit erhöhenden Einrichtungen der Gelenkflächen 1. im Knorpelüber-
zug, 2. in der verknöcherten Schicht zwischen Knorpel und lamellösen Knochen,
und 3. in den in Form der Rundmaschenspongiosa aufgebauten Gelenkenden. —
Von Sobotta’s (3) Grundriß und (4) Atlas der descriptiven Anatomie von Homo
erschien je die 1. Abtlg., welche auch die Desmologie und Arthrologie enthält. —
Von Alezais (5) erschien der 1. Band seiner Anatomie von Cavia cobaya, in welcher
auch die Arthrologie behandelt ist. — Parsons (2) bespricht für C'horoepus castanotis
die Hauptgelenke der Extremitäten. — Nach Demoor zeigen nach operativer
Verlagerung der Sehnen eines Muskels auch die Knochen mit den zugehörigen
Gelenkflächen entsprechende Veränderungen (vergl. oben). — Bei Gelegenheit
seiner Untersuchungen über die Palmarmuskeln (s. oben) macht Me Murrich auch
Angaben über die dazugehörenden Sehnen.
8. Nervensystem.
Allgemeines. Von W. Krause’s Handbuch der Anatomie des Menschen
behandelt die 3. Abtlg. auch die Neuroglia. — Hensen gibt eine Darstellung seiner
Lehre, daß die nervösen Verbindungen nicht durch freies Auswachsen der Nerven
im Embryo gebildet werden, sondern daß proximaler und distaler Endapparat
in Zusammenhang bleiben. — Bethe (1) bringt eine ausführliche Darstellung der
allgemeinen Anatomie und Physiologie des Nervenssytems innerhalb der gesammten
'Tierreihe. — Pighini beschreibt die früheste histogenetische Differenzierung von
Nervenzelle und Nervenfaser. — Carrier gibt Untersuchungen mittels der Nissl’-
schen Methode über die normale und pathologische Histologie der Nervenzelle.
— terletti beschreibt die Neuronophagie und einige normale und pathologische
Beziehungen zwischen nervösen und nicht-nervösen Elementen. — Laignel-
Lavastine (1) beschreibt mehrkernige Nervenzellen im plexus solaris. — Aggazzotti
gibt Histologisches über die motorische Nerven-Endung. — L. Marchand be-
schreibt die binucleäre motorische Nervenzelle. — *Soukhanoff (1, 2) bringt
Beiträge zur Histologie der Nervenzelle. — van Gehuchten (3, 4) arbeitet über die
indirekte Waller’sche oder retrograde Degeneration. — Spuler berichtet über den
Bau der Markscheide der Vertebraten-Nerven. — Ruftini (2) beschreibt eine neue
Scheide (Subsidiärscheide) im Endtrakt der Sinnesnervenzellen von Homo. —
Nissl versucht, die Argumente der Neuronenlehre im Sinne Waldeyers zu wider-
legen und geht auf die Histologie des Nervensystems näher ein, speziell auf die
Golgischen Netze und die markhaltigen Fasern. — Hepburn und Watersten (2)
geben Histologisches über das Nervensystem von Phocaena communis. — Kron-
thal (1, 2) verteidigt seine Auffassung der zentralen Ganglienzelle als eines ein-
gewanderten Leucocyten oder als Produkt der Verschmelzung mehrerer; Polemik
gegen Fragnito. — Menel kritisiert Kronthals Anschauungen. — Motta-Coco und
Lombardo machen Angaben über die Struktur der Spinalganglienzellen von
Lepus (und Rana), speziell über das feinfibrilläre Netz des Plasmas, dessen Maschen
64 I. Mammalia für 1903.
fuchsinophile Körner enthalten. — Rossi (1,2) berichtet über die Goldreaktion
und die feinere Struktur der Nervenzellen der medulla spinalis und der Spinal-
ganglien bei Homo. — Luzzatto macht eine vorläufige Mitteilung über die Existenz
und Entwickelung einer cyanophilen und einer erythrophilen Substanz in der
Nervenzelle. — H. Fuchs (1) stellt durch vorsichtige Differenzierung der Eisen-
haematoxylinfärbung sowohl in den Spinalganglien als auch im Vorderhorn
von Sus, Cavia, Mus und Lepus Gruppen von Centralkörperpaaren dar; Histo-
logie der letzteren sowie der Nisslschen Schollen und des feinen Faden-
werkes in den Spinalganglienzellen. — Geier berichtet über Form und Ent-
wickelung der Plasmafortsätze der Spinalganglienzellen. — Nach Donaggio
(3) ziehen die Neurofibrillen durch die Ganglienzellen der Mammalia nicht
glatt durch, sondern bilden wie bei den Wirbellosen ein endocelluläres Netz,
das aber mit Golgi’s Endocellularapparat nichts zu tun hat. — Biel-
schowsky stellt im Centralnervensystem der Mammalia, speziell von Homo
und Canis, intracelluläre Fibrillen, Golgische Netze und Achsencylinder dar mit
Hilfe einer besonderen Silberimprägnation. — Nach Weiss besteht der Achsen-
eylinder außer einer im allgemeinen hyalinen Masse nicht aus isolierten Fibrillen,
sondern aus einem Fibrillennetz. — Kodis b:richtet über das Vorkommen der
Phylloden, der seitlichen Anhängsel an den feineren Dendriten gewisser Nerven-
zellen, und unterscheidet 3 Arten: 1. Dorne, 2. spärlich verstreute gestielte Kügel-
chen, 3. dicht sitzende gestielte Kügelehen. — Nach Chenzinski’s Untersuchungen
an den Rückenmarkzellen von Homo, Lepus, Bos sind die Niss’schen Körper nur
optische Querschnitte von Fasersireifen. — Nach Pewsner-Neufeld münden die
intracellulären Saftkanälchen der zentralen Ganglienzellen von Mus, Cavia,
und Bos in Lymphrinnen, die auf der Zelle als Mulden verlaufen: die Lücken u.
Rinnen bilden mit den Saftkanälchen wohl die Anfänge des Lymphsystems des
Rückenmarkes. — Misch schildert nach einer ausführlichen Literaturübersicht
seine Befunde über die Binnennetze der spinalen Ganglienzellen nach Unter-
suchungen an zahlreichen Vertebraten; von Mammalia zeigen das Netz Felis,
Canis, Erinaceus, Cavia, Mus, Lepus, nicht aber Vespertilio. — Soukhanoff (2)
arbeitet über das endocelluläre Golgi’sche Netz in den Nervenzellen im allgemeinen
und speziell in den sympathischen Ganglienzellen. — ®bersteiner geht auf das
Verhalten des hellen, dem Fett sehr nahe stehenden Pigments in den Nerven-
zellen von Homo ein und bespricht seine Verbreitung genauer. — Marinesco be-
schreibt bei Homo und Canis die Granulationen und färbbaren Körperchen der
peripheren und centralen Ganglienzellen und sieht kaum wesentliche Unterschiede
zwischen ihnen und Altmann’s Bioblasten, Held’s Neurosomen und Levi’s und
Olmer’s Körnchen. — Chatin setzt seine Untersuchungen über die Myelocyten
fort und findet sie als einen integrierenden Bestandteil des Bulbus olfactorius. —
Ingbert berechnet bei Homo die Zahl der markhaltigen Fasern in den dorsalen
Spinalnervenwurzeln: auf l qmm Nervenquerschnittsfläche c. 11900 Fasern,
die Gesamtzahl ce. 307254; dünne Faserbündel zeigen meist auch dünne Fasern;
enge Beziohung zwischen Querschnittsfläche und Faserzahl bei jeder Wurzel. —
Nach Hatai gibt es bei Mus zweierlei Zellen in der Neuroglia, die einen, ectoder-
malen, ähneln mehr den Nervenzellen, die anderen, mesodermalen, den Endothel-
zellen der Blutcapillaren. — Held (2) nimmt Stellung gegen Weigert’s und Ran-
vier’s Theorie von der Spezifität der Gliafasern, und unterscheidet bei Homo,
Lepus, Mus, Cavia, Canis (außerdem bei Gallus und Hirudo) eine Substantia
I. Mammalia für 1903, 65
neurogliae centralis, die in die ependymäre und subependymäre Glia zerfällt. —
Nach Reich sind die Nervenkörperchen von Adamkiewiez nicht Mastzellen (Rosen-
hain) sondern gehören dem Neurilemm an und umfassen die Nervenfasern mehr
oder weniger; Untersuchungen an Homo, und Equus asinus. — Manouelian sowohl
wie Vall6e konstatieren bei allen Canis in den Ganglien Läsionen durch einge-
wanderte Phagocyten.
Hirn und Rückenmark. Pfister macht Angaben über das Gewicht
des Gehirns und der einzelnen Hirnteile bei Homo (Säugling und älteres Kind). —
Spitzka giebt die Hirngewichte verschiedener Mammalia, speziell von Primates für
beide Geschlechter an und stellt sie dem Körpergewicht gegenüber; von Macacus
wurden auch frische Gehirne gewogen u. das Durchschnittsgewicht berechnet. —
Lewandowski (2) gibt eine kurze vorläufige Mitteilung über die Anatomie des
Hirnstammes. — Anthony (1,2, 3) berichtet auf Grund experimenteller Unter-
suchungen über den Einfluß, den die Kaumuskeln auf (Schädel und) Gehirn haben:
mit vermindertem Gebrauch nehmen die Kaumuskeln an Stärke ab und das Ge-
hirn kann nunmehr zunehmen. — Smith (2) gibt eine Beschreibung des Gehirns
einiger Insectivora, speziell von Macroscelides. — Draeseke (1) beschreibt das Ge-
hirn vieler C'hiroptera: die allgemeine Form zeigt viele Verschiedenheiten, am
einheitlichsten sind die Verhältnisse beiden Macrochiroptera ( Pteropus, O'ynonycteris
Cynopterus, Epomophorus), bei den Mikrochiroptera stimmt die allgemeine Form
wenig überein, verschieden ist auch die gegenseitige Lage von Großhirn, Klein-
hirn und den Vierhügeln. — Kohlbrugge (2) beschreibt das Äußere des Gehirns von
Pteropus edulis, und möchte es nicht dem der Prosimia (Ziehen), sondern dem
der Sciurida am nächsten stellen. — Ziehen (1) macht Angaben über den gröberen
Bau des Gehirns bei Tarsius, N yeticebus und Galeopithecus; Tarsius ähnelt in der
Gesammtform keinem anderen Säuger, Nycticebus ähnelt im Kleinhirn Lemur
und beide sind in dieser Beziehung viel primatenähnlicher als Tarsius. — Ziehen (2)
berichtet weiter über den Faserverlauf im Mittel- und Zwischenhirn von Tarsius
spectrum und (3) von Galeopithecus volans. — Beddard (2) macht Angaben über die
Gehirnoberfläche von Nasalis, Colobus und C'ynopithecus und zieht daraus Schlüsse
für die Systematik. — Goldstein gibt einen Beitrag zur Entwicklungsgeschichte
des Gehirns von Homo nach Befunden an einem Embryo von 10,5 cm Länge. —
Zuckerkandl (3) berichtet über die Morphologie des Gehirns bei den Primates;
genaue Beschreibung der Windungen. — Zuckerkandl (5) untersucht vergleichend-
anatomisch den Sulcus occipitalis anterior, oceipitalis externus, oceipitalis trans-
versus und perpendicularis innerhalb der Mammalia. — Smith (1) gibt einen Bei-
trag zur Morphologie des Gehirn des Mammalia, speziell der Lemuroidea, und be-
handelt in einem Anhang auch das cerebellum. — Kohlbrugge (1) beschreibt die
Variationen an den Großhirnfurchen der Primates mit besonderer Berücksichtigung
der Affenspalte; untersucht wurden: Hylobates leuciscus, H. Mülleri, Semno-
pithecus maurus, pruwinosus, nasicus, rubicundus, Macacus nemestrinus, ocreatus,
niger, Cercocebus cynomolgus und cynosurus. — Smith (5) macht Angaben über
das Gehirn, speziell die Furchen und Windungen, von @lobilemur, Propithecus und
Lemur macaco, und kommt zum Schluß auf die Verwandtschaft von Tarsius
zurück, der z. T. Lemuriden-Charakter trägt. — Nach Smith (9) ist es nicht richtig,
als Affenspalte die Grenze des lobus oceipitalis zu bezeichnen, vielmehr ist der
halbmondförmig das bei Homo keineswegs seltene Operculum oceipitale um-
ziehende sulcus lunatus der Affenspalte direkt vergleichbar, wenn nicht sogar
Arch. f. Naturgesch, 70. Jahrg. 1904. Bd. II. H.1. (I.) 5
.66 I. Mammalia für 1903.
damit identisch. — Duekworth untersucht (im Anschluß an den vorigen)
Hemisphären niederer Rassen von Homo und fand Operculum und sulcus lunatus
verhältnismäßig oft gut ausgebildet. — Nach Smith (3) ist die Bezeichnung Gyrus
hippocampi u. G. uncinatus am besten aufzugeben. — Smith (10) findet den
Limbus postorbitalis am Hirn von Homo bei Egyptern äußerst häufig, und zwar
links häufiger und ausgesprochener als rechts. — Smith (6) beschreibt die Hirn-
form der Archaeoceti nach einem Ausguß des Schädels von Zeuglodon und den
Steinkern eines vielleicht noch unbekannten Genus. — Fish beschreibt die Hirn-
furchen von Rosmarus und vergleicht sie mit Ursus, Callorhinus, Zalophus, Mo-
nachus und Phoca. — Lesem beschreibt den gröberen Bau des Vorderhirns
von Macacus, das in allen wesentlichen Punkten dem von Homo gleicht: die
Unterschiede sind nur graduell. — * Bernheimer berichtet über die Gehirn-
bahnen der Augenbewegungen. — *Paniechi diskutiert den Sitz des psychischen
Sehcentrums bei den Primates. — Weinberg gibt eine Beschreibung der Windungen
u. Furchen des Hirns von Anchilophus nach einem Steinkern der Schädelhöhle: Be-
ziehungen zu den Tragulidae. — Nach Kohlbrugge (3) zeigt das Großhirn von
Tragulus javanicus alle Hauptfurchen des Elaphierhirns, während das Hirn von
Cervulus muntjac gut mit dem von Lophotragus übereinstimmt; am Schluß An-
gaben über das Hirn eines Embryo von Sus babirussa: Übereinstimmung mit den
kleineren Elaphiern. — Quanjer berichtet über die Insula Reilii und ihre Be-
ziehungen zu den Opercula bei Homo. — Nach Mall (2) sind die sogenannten
transitorischen Furchen am embryonalen Hirn von Homo reine Kunstprodukte.
(= Retzius und Hochstetter). — Nach Smith (11) gilt dies nicht nur für die
transitorischen Furchen, sondern auch für die sog. fissura perpendicularis externa
Bischoffs. — Sehiapp beschreibt den feineren Bau der funktionell verschiedenen
Rindenbezirke von Pteropus, Equus, Felis, Canis, Macacus, Homo und gibt folgende
7 Schichten des allgemeinen Typus an: Tangentialfasern, äußere polymorphe
Zellen, parapyknomorphe Pyramidenzellen, äußere pyknomorphe Pyramiden-
zellen, Körnerzellen, innere pyknomorphe Pyramidenzellen, und innere poly-
morphe Zellen. — Brodmann berichtet über die histologische Lokalisation der
Großhirnrinde. — Von Ramon y Cajal’s Studien über die Hirnrinde von Homo
erschien das 4. Heft: Die Riechrinde behandelnd. — Vogt berichtet über die
anatomische Gliederung der Rinde. — 6Grünbaum und Sherrington geben Be-
obachtungen über Physiologie der Hirnrinde bei den Anthropoidei. — Flechsig
macht weitere Mitteilungen über die entwicklungsgeschichtlichen (myelo-
genetischen) Felder in der Großhirnrinde von Homo. — Brückner berichtet über
den Reichtum der Großhirnrinde von Homo an markhaltigen Nervenfasern. —
Über Ingbert’s Berechnung der Zahl der markhaltigen Fasern in den
dorsalen Spinalnervenwurzeln s. 0. — Campbell weist darauf hin, daß
in der Hirnrinde von Homo und den Anthropoidei zwischen Funktion
und feinerer Struktur eine direkte Correlation besteht, daß sich also die
Rindenzentren auch histologisch abgrenzen lassen. — Nach J. Turner
(1) gibt es in der Hirnrinde von Homo ein System von kleineren Ganglienzellen,
die durch ihre Dendriten in organischem Zusammenhang stehen, mithin sind alle
Zellen der Rinde in Verbindung. — Merzbacher (2) studiert die Funktion des
Centralnervensystems von Vesperugo; mit der Exstirpation des Kleinhirns geht
die Flugfähigkeit verloren; eine Reihe Analogien mit der Funktion des Vogelhirns.
— Merzbacher (1,3) geht auf das Verhalten des Centralnervensystems von Ves-
En
I. Mammalia für 1903. 67
perugo im Winterschlaf und während des Erwachens daraus ein; letzteres ein
allmähliches Fortschreiten medullärer und subcorticaler Funktionen zu corticalen.
— Zuckerkandl (4) diskutiert die Frage, ob die Aplacentalia keinen Balken,
sondern nur eine die Ammonshörner verbindende Commissura hippocampi haben;
die Verhältnisse bei den Placentalia, speziell Homo und Chiroptera. — Nach
Zuckerkandl (2) sind im Alveus von Perameles viele Palliumbündel deutlich. —
Smith (8) polemisiert gegen Zuckerkandl (4,2) und findet weder bei Perameles
noch bei anderen Marsupialia ein neopalliales Commissurenbündel, dagegen als
Homologon des corpus callosum ein Bündel, das durch die capsula externa und die
ventrale Commissur verläuft. — Dorello (1) beschreibt an Embryonen von Sus
die Umgestaltungen im äußeren und inneren Randbogen und seiner Umgebung
mit spezieller Berücksichtigung des corpus callosum. — Dorello (2) verfolgt die
Entwickelung des Cingulums bei Embryonen von Sus. — Auch Redlich gibt einen
Beitrag zur vergleichenden Anatomie des Cingulum, beschreibt eingehend Form
und Größe bei verschiedenen Mammalia und kommt zu dem Schluß, daß das
Cingulum ein complexes, Fasern verschiedener Richtung enthaltendes System
ist, das in die centralen Olfactoriusbahnen eingeschaltet ist. — *v. Niesl-Mayendori
berichtet über den Fasciculus longitudinalis inferior. — Probst (2?) kommt nach
Degenerationsversuchen an Felis zu dem Resultat, daß Rindensehhügelfasern
vom Thalamus zum Riechfelde und andere Fasern von diesem zum Ganglion
habenulae, außerdem von letzterem Fasern in umgekehrter Richtung verlaufen;
weiteres über die Fasern des Riechfeldes und des Cingulums, sowie über die Seh-
nerven. — Probst (1) berichtet über die Leitungsbahnen des Großhirns, speziell
anatomisches und physiologisches über den Sehhügel. — Rochon-Duvigneaud
gibt eine Anatomie des Sehapparates und geht dabei auch auf die Sehzentren und
den n. opticus ein. — J. Turner (2) gibt histologisches über den nucleus caudatus
und den Thalamus opticus von Homo. — Stieda berichtet physiologisches über den
Nucleus caudatus. — Beevor und Horsley berichten über ein Fasersystem von der
Rinde zum Mittelhirn. — Nach Marburg entspricht der tractus peduncularis
transversus der Mammalia, soweit er in der Retina entspringt, der basalen Opticus-
wurzel der Amphibia, Reptilia und Aves; weiteres über ein Homologon des Ganglion
ectomammillare. — Nach Wallenberg bildet bei Cavia der tractus peduncularis
transversus eine basale Wurzel des tractus opticus; weiteres über den Verlauf
seiner beiden Teile. — Nach Hatschek (2) endet bei Perameles der Pedunculus
corporis mammillaris in einem runden Zellkerne, der wahrscheinlich das
Guddensche Ganglion tegmenti profundum ist. — *Hatschek (4) berichtet weiter
über einige Befunde am Hirnstamm der Mammalia. — Majano macht Angaben
über den Verlauf des Oculomotorius im Mittelhirn. — Streeter beschreibt eingehend
das Relief des Bodens des vierten Ventrikels von Homo mit Berücksichtigung der
Beziehungen zu den darunter liegenden Teilen. — Hübschmann beschreibt an
Schnitten den Bau des verlängerten Markes von Dasypus von der Pyramiden-
kreuzung an bis zum Beginn der Brücke. — Vineenzi (1) konstatiert (gleich
anderen Autoren) nach seinen Untersuchungen an Mus, Cavia, Lepus, Canis und
Homo das Fehlen monopolarer Ganglienzellen im verlängerten Mark. — Weigner
gibt einen Beitrag zur Kenntnis der Medulla oblongata und des centralen Verlaufs
des Nervus cochlearis von Spermophilus. — van Gehuchten (2) untersucht die
centrale (bulbo-mesencephale) Acusticusbahn. — Esehweiler macht gelegentlich
seiner Untersuchung über die Entwicklung des schallleitenden Apparates bei
Hr
68 I. Mammalia für 1903.
Sus auch Angaben über das Ganglion otieum. — Donaggio (1) findet im ventralen
Acusticuskern und im corpus trapezoides von Felis und Lepus außer den typischen
multipolaren Zellen auch rundliche, im wesentlichen nur einen Fortsatz besitzende.
— Nach Donaggio (2) sind bei Canis, Felis, Lepus und Cavia Heldt’s Acusticus-
kelche im Corpus trapezoides nicht die wirklichen Faserenden. — Holmes verfolgt
die Veränderungen, die im Centralnervensystem mit der Entwickelung der Cochlea
in der Tierreihe allmählig auftreten. — Nach Kohnstamm ist der Nucleus inter-
trigeminalis der einzige Ursprungskern spinaler Fasern im Bereich des vorderen
Vierhügeldaches; weiteres über den tractus tecto-bulbaris und ein Analogon der
Kleinhirnseitenstrangbahn. — Mellus beschreibt als neu bei Canis einen Nerven-
kern lateral vom fasciculus solitarius uud ein anscheinendes Analogon desselben
bei Homo. — Trieomi-Allegra (3) berichtet über das Verhalten der Vagusfasern
in der Medulla oblongata von Felis, Lepus, Cavia, Mus und Homo; ein trigeminales
Bündel weder für die motorischen noch für die sensiblen Wurzeln vorhanden. —
Parhon, €. und Mme €. (1) arbeiten über die Lokalisation im Hypoglossuskern. —
Nach Hatschek (1) liegt die Pyramidenbahn bei Pteropus ganz oder doch über-
wiegend im Hinterstrang; weiteres über ihren Verlauf. — Nach Dräseke (2) ver-
laufen bei den Macrochiroptera ( Pteropus) sowie bei den Microchiroptera (Vesperugo)
die Pyramiden zum größten Teil in den Hintersträngen; außer der Kreuzung
in den oberen Teilen der Oblongata besteht proximalwärts eine andere. — Diese
letztere wird von Merzbacher und Spielmeyer auch für Vesperugo noctula konstatiert;
weiteres über die Pyramidenbahn bei dieser Form. — Nach Ugoiotti gibt es bei
Homo nicht 2 Pyramidenbündel, vielmehr wechselt das eine (Türksche) und seine
Form je nach der Stelle des Markes. — Auch *Marie und Guillain (2) arbeiten über das
Pyramidenbündel und (3) das Türk’sche Bündel. — Petren bestätigt die Angabe
von Ziehen über das Vorkommen zerstreuter, aufsteigender Fasern im Gebiete
der Pyramidenbahn bei Homo. — Wiener und Münzer bestätigen bei der Fest-
stellung der Componenten des Pyramidenseitenstranges die Nissl’schen Angaben
über die Thalamuskerne; am Aufbau des Pyramidenseitenstranges des Rücken-
markes beteiligen sich je nach der Tierspezies endogene resp. myelogene, rubro-
spinale und corticospinale Fasern in wechselndem Verhältnis; spezielles über
Lepus, Canis, Primates und Homo. — Sträussler berichtet morphologisches über
das normale und pathologische Rückenmark und die Pyramidenseitenstrangbahn
von Homo. — Nach Lewandowski (1) endigt bei den Primates der Pyramidenseiten-
strang wohl ausschließlich auf der Gegenseite, während die Ausbreitungszone be-
schränkt ist auf den „‚Zwischenteil der grauen Substanz‘‘ zwischen Vorder- und
Hinterhorn, ev. auf das Gebiet der Mittelzellen Waldeyers. — Nach Rothmann (1) »
vermag die Marchi’sche, von Lewandowski (1) angewandte Methode allein nichts
Definitives über die Endigungen der Pyramidenfasern auszusagen; die Bedeutung
der aus der Pyramide zur gleichseitigen Pyramidenseitenstrangbahn ziehenden
Fasern ist überschätzt worden. — Rothmann (3) berichtet über das Monakow’sche
Bündel bei den Primates. — Sand gibt einen Beitrag zur Kenntnis der cortico-
bulbären und corticopontinen Pyramidenfasern von Homo. — Pitzorno (3) macht
Mitteilungen über die fibrae arciformes externae anteriores der Medulla oblongata
von Homo. — van Londen berichtet über die Medulla oblongata von N yeticebus
javantieus. — Nach Gantes (1) besteht bei Felis und Canis, wo das Lumen der
drüsigen Portion der Hypophyse persistiert, das dem nervösen Abschnitt ange-
lagerte Blatt aus einem geschichteten Cylinderepithel, das an Sinnesepithel er-
I Mammalia für 1903. 69
innert und nach Gentes (2) zahlreiche Nervenenden enthält. — Der nervöse Teil
zeigt nach Gentes (3) außer sehr zahlreichen Nervenfasern Ependym- u. Neuroglia-
Zellen. — Launoy (2) konstatiert im drüsigen Theil der Hypophyse von Homo
im embryonalen Zustand verharrende Reste eines Teils des Epithels der
Rathkeschen Tasche. — Launoy und Mulon (1,2) untersuchten die Hypophyse
eines schwangeren @ von Homo und konstatieren in den Drüsenschläuchen 2 Arten
von eyanophilen Zellen, außerdem Launoy (1) 3 Typen siderophiler Zellen. — —
Collina beschreibt aus den Maschen des fibrösen Stromas der Hypophyse von Homo
4 Zellarten. — Über die Hypophyse berichten ferner Erdheim normal- und patho-
logisch-histologisches, sowie Genelli embryologisches und anatomisches. —
Bradley (1) geht auf die Homologie der Furchen am Kleinhirn der Mammalia ein,
verfolgt ihre Entwicklung bei Lepus und Sus, und findet die einfachsten Verhält-
.. nisse bei Sorex und den kleineren Meicrochiroptera. — Smith (4) polemisiert in der
Frage der Kleinhirnfurchen gegen Bradley (1). — Smith (%) beschreibt als einfachste
Form des Kleinhirns das von Notoryctes, eine Form, die von allen Mammalia als
frühes Stadium durchlaufen wird, und gibt (12) Morphologisches über das Klein-
hirn von Homo. — De Sanetis untersucht die Markbildung im Kleinhirn von Homo
und beschreibt den Zustand bei einem 6 Monate alten und einem reifen Fötus
sowie bei einem 50 Tage alten Kinde; allgemeine Schlüsse über die commissuralen
und halbzirkelförmigen Faserzüge. — Forli berichtet über die Markbildung im
Lobus frontalis, und Flechsig über die myelogenetischen Felder in der Großhirnrinde
von Homo. — Marie und Guillain (1) schließen aus Degenerationsbefunden, daß
bei Homo viele Fasern des pedunculus cerebelli superior aus dem roten Kern ent-
springen und sich zum nucleus dentatus der Gegenseite begeben. — Grünwald
gibt eine graphische und tabellarische Darstellung des wechselnden Verhältnisses
zwischen den 3 Kleinhirnarmen bei den Mammalia. — *Carueei (1) gibt eine ex-
perimentelle Studie über das Kleinhirn. — Rawitz (1) beschreibt das Rückenmark
von Phocaena und das Halsmark von Balaenoptera und gibt (2) einen literarischen
Nachtrag zu seiner Arbeit über das Centralnervensystem der Ceiacea. — Auch
Hepburn und Waterston (2) berichten über das Rückenmark von Phocaena. —
Nach Staderini ist der Ventriculus terminalis in seiner ganzen Länge nur das
Lumen des primitiven Rückenmarkkanals jenes Bezirkes (gegen Brugsch u. Unger).
— D’Evant gibt Betrachtungen üb>r den Schluß der Rückenmarksrinne bei Homo.
— Dräseke (3) findet bei Vesperugo an der Peripherie des Rückenmarkes einen
Nervenkern als ev. Homologon der von Kölliker für Aves und Reptilia be-
schriebenen oberflächlichen Nervenkerne; bei Pteropus ev. eine Vorstufe dieses
Kernes. — Lapinski (1,2) diskutiert die für die Segmente der Extremitäten und
die Muskelgruppen bestimmten Rückenmarkscentren bei Canis: das Rückenmark
enthält nur Zellgruppen in verschiedenen Ebenen und die meisten von ihnen
versorgen gleichzeitig mehrere Segmente der Extremität, auch haben die Beuger
und Strecker der Extremitäten sowie die Adductoren des Oberschenkels keine
scharf bestimmten Zentren. — *Brissaud u. Bauer experimentieren über motorische
Lokalisationen im Rückenmark, über welche Frage auch *Parhon und Mme. Par-
hon (2) berichten. — Bikeles und Franke (2) untersuchen die sensible und
motorische Nervenlokalisation für die wichtigsten Nerven des Plexus brachialis
von Homo. — van Gehuchten (4) untersucht den Ursprung der motorischen Nerven
mittels der indirekten Wallerschen Degeneration. — Nageotte macht einige An-
gaben über die endogenen Fasern der Hinterstränge von Homo und unterscheidet
70 I. Mammalia für 1903.
dicke, zu Bündeln vereinigte, und feine, unregelmäßig über.alle Zonen verbreitete.
— Dydynski berichtet über den Verlauf einiger Rückenmarksstränge. — Nach
Braeunig (1) übt der Ausfall der psychomotorischen Bahnen bei Canis (und Rana)
keinen wesentlichen Einfluß auf die Vorderhornzellen aus, während nach Durch-
schneidung der sensiblen Rückenmarkswurzeln schon nach wenigen Tagen recht
erhebliche Veränderungen auftreten. — Braeunig (2) weist nach, daß auch Ausfall
der Refleximpulse in den motorischen Zellen Schädigungen hervorbringe. — Nach
A. Fuchs lassen sich im Gegensatz zu den älteren Autoren an der Dura mater
cerebralis viel mehr Schichten unterscheiden; ausführliche Beschreibung ihres
feineren Baues sowie der Arachnoidalzotten, der Lacunen, Epithelien, Gefäße und
corpora arenacea nebst topographischen Bemerkungen über den Sinus longi-
tudinalis superior. — Favaro (4) gibt eine vorläufige Mitteilung über das Pulvinar
pineale der Mammalia.
Periphere Nerven und Sympathicus. Parsons (2) macht
kurze Angaben über die peripheren Nerven von Choroepus castanotis. — Spuler
berichtet über den Bau der Markscheide bei den Nerven der Vertebrata. — Bikeles
und Franke (1) glauben nach Degenerationsversuchen an Cavia, Lepus, Felis und
Canis die periphere Abstammung sensibler Nervenfasern in Abrede stellen zu
müssen. — Bardeau (2) schildert den allgemeinen Wachstumsmodus und die
Histiogenese der cerebrospinalen Nerven an Embryonen von Homo, Cavia und vor
allem Sus, und unterscheidet 4 Hauptperioden. — Nach Kappers entsteht die
Schwannsche Scheide bei Ovis aus der „‚perifaseiculären Scheide‘‘ um die jungen
kernlosen Nervenfaserbündel; weiteres über die Myelinisation. — Halliburton
und Mott lassen auf Grund von Regenerationsversuchen an Nerven von Felis die
Neurilemmzellen wohl in Beziehung zur Entwicklung der neuen Nervenfasern
stehen, den Achsenzylinder aber ausschließlich zentralen Ursprungs sein. — Bethe
(2) wendet sich gegen Münzer, der eine autogene Nervenregeneration leugnet und
läßt auch eine Regeneration sensibler Fasern nach Fortnahme der zugehörigen
Spinalganglien möglich sein. — Münzer verwahrt sich dagegen, daß er behauptet
habe, bei der Regeneration nähmen Fasern vom zentralen Stumpf den Weg in den
peripheren. — Auch Langley und Anderson berichten über das Verhalten der
Stümpfe .durchschnittener Nerven bei verhindertem Zusammenwachsen; Ex-
perimente an neugeborenen Felis. — Nach Head und Ham persistiert bei Felis
der vom Centrum und dem peripheren Endorgan getrennte, aber im Körper be-
lassene sensible N. radialis nach Ablauf der Degeneration als ein Strang spindel-
förmiger Zellen ohne Mark und Achsenzylinder. — Nach Merzbacher (4) verläuft
die Degeneration der Nerven bei Vesperugo im Winterschlaf äußerst träge, während
sie in dem künstlich durch Wärme wach gehaltenen Tier sich sehr prompt ab-
spielt; weiteres über die Degenerationsprodukte. — Cushing kommt nach Be-
obachtungen bei Exstirpation des Ganglion Gasseri bei Homo zu dem Schluß,
daß im Trigeminus keine Geschmacksfasern zum Gehirn laufen. — *Carucei (2)
berichtet über den Trigeminus: anatomisches und experimentelles. — Nach
Vincenzi (2) kreuzen bei Mus einige Fasern des Hypoglossus die Mediane, gehen
aber nicht zu dessen Kern, sondern verlaufen auf der andern Seite zusammen mit
den Fasern des hinteren Längsbündels. — *Jagita gibt experimentelle Unter-
suchungen über die Ursprünge des Nervus hypoglossus und seines absteigenden
Astes. — Nach De Beule (1, 2) wird der Larynx vom Vagus und dem der Medulla
oblongata entspringenden Teil des Accessorius innerviert: experimentelle Unter-
ur Da
I. Mammalia für 1903. 71
suchung an Lepus. — v. Schumacher berichtet über die Herznerven der Mammalia
und von Homo. — Nach van Gehuchten (1) gehören die hemmenden Fasern des
Herzens zum N. pneumogastrieus und nicht zum Spinalnerven. — Barpi und
Fraenza berichten über den nervus depressor von Equus. — Levinsohn unter-
sucht das Verhalten des ganglion cervicale supremum von Lepus, Canis und Ma-
cacus nach Durchschneidung seiner prae- und postcellulären Fasern. — Kleist
beschreibt die Veränderungen der Spinalganglienzellen nach Durchschneidung des
Spinalnerven und der hinteren Wurzel bei Lepus; die 3 Formen der Veränderung
des Tigroids. — Köster findet nach Durchtrennung der peripheren sensiblen Nerven
unmittelbar nach dem Austritt aus dem Wirbelkanal Atrophie aller Zellen im zu-
gehörigen Ganglion; Untersuchungen am Ischiadicus und Vagus von Felis, Canis,
Lepus. — A. Sterzi berichtet nach eigenen Untersuchungen und nach der Literatur
über die Anastomosen der ventralen Aeste des Plexus brachialis und findet,
daß die ventralen Endäste zu einer gemeinsamen Gruppe von Nerven gehören,
der die Innervation der Flexoren des Armes obliegen. — Gianelli (2) gibt anato-
tomisches und vergleichend-anatomisches über den Plexus sacralis und seine
Äste. — Motta Coco und Distefano finden in den Fasern der weißen Muskeln von
Lepus (und Gallus) Nervenenden in Form von Büscheln oder Platten, die sich von
den typischen der roten Muskeln unterscheiden. — (revatin (1) macht Angaben
über die epithelialen Nervengeflechte in der Cornea der Mammalia und sieht in
dem strudelartigen, bei Homo aus zweierlei Fasern bestehenden Geflecht ev. ein
inneres epitheliales Geflecht. — Tricomi- Allegra (2) untersucht die Nerven in der
Milchdrüse von Homo, Canis, Felis, Lepus, Cavia, Mus und findet keine freien
Nervenenden sondern nur Endnetze. — Pusglisi- Allegra findet in der Tränendrüse
von Bos und Sus außer den perivasculären Nervennetzen mit ihren Ganglien-
zellen im interlobulären Bindegewebe echte sekretorische Nerven, die in den Lobuli
einen Plexus bilden. — Nach Bogiel (3) kommen in der Pleura von Homo einge-
kapselte und uneingekapselte Endapparate, in der Pleura von Canis und Felis nur
uneingekapselte vor; außer sensiblen Nerven enthält die Pleura auch sympatische
Fasern; in den Mm. intercostales finden sich andere Apparate, die den uneinge-
kapselten der Pleura gleichen. — Corti (1) stellt mit Golgi’s Methode in der Milz-
pulpa von Vespertilio ein diffuses Nervennetz dar. — Nach Ganfini (1) gibt es im
Hoden und Ovarium von Canis außer den Nerven der Gefäße solche für das inter-
stitielle Gewebe und im Ovar auch für das Drüsenepithel; Ganglienzellen fehlen.
— Nach Akutsu (1) gelangen alle motorischen Nerven zu der Samenblase von Cavıa
durch die Nervi hypogastriei, während die Samenstränge außerdem Fasern von
Nervus spermaticus externus beziehen; weiteres über den Weg der Erregung vom
Rückenmark her. — Pissemski gibt anatomisches über den plexus fundamentalis
uteri bei 2 von Homo. — Laignel-Lavastine (2) berichtet über die Entwickelung
des plexus solaris. — Herring findet nach Durchschneidung des Halssympathicus
bei Felis Chromatolyse und atrophische Veränderungen in Seitenhornzellen der-
selben Seite von der Ebene des VIII. Halsnerven bis zum VI. Brustnerven hin. —
Nach Kahn verlassen die Nerven für die Pilomotoren des Schwanzes von Sperma-
philus das Rückenmark durch die dritte und vierte vordere Lendenwurzel und
verlaufen im ramus communicans zum fünften und sechsten Lendenganglion des
Sympathicus. — Brückner und Mezinceseu finden weder in der Uteruswand noch
in der Schleimhaut und den Gefäßen Ganglienzellen: Untersuchungen über das
intrauterine Nervensystem von Homo. — Nach Kohn (1, 2) bilden die als Gewebe
712 I. Mammalia für 1903.
sui generis zu betrachtenden chromaffinen oder besser parasympathischen Zellen
bei den Vertebrata typische Organe, die Paraganglien oder chromaffinen Körper, die
genetisch zum Sympathieus in enger Beziehung stehen; entwickelungsgeschicht-
liches, anatomisches, physiologisches und pathologisches über diese Gebilde bei
den Mammalia, speziell Homo und Lepus; hierher auch die „Carotisdrüse‘“ als
„Paraganglion intercaroticum“.
9. Sinnesorgane.
Allgemeines. Von W. Krause's Handbuch der Anatomie von Homo
enthält die 3. Abteilung u. a. die Sinnesorgane.
Hautsinnesorgane. Botezat (1) bestätigt im allgem. die Resultate
von Huß (1897) über die Innervation der Schnauze von Talpa, gibt näheres über
den Bau der Vater-Pacinischen Körperchen, der Endbäumchen, der Tastmenisken
und freien Enden sowie der Eimerschen Organe. — Nach Cutore werden nicht alle
sensiblen Fasern in der Wangenschleimhaut von Felis frei, sondern ein Teil ver-
bindet sich entweder mit Tastkörperchen der Cutis oder durch ‚„Tastmenisken“
mit spezifischen Sinneszellen des Epithels. — Ruffini (1) beschreibt das Verhalten
des Timoffejew’schen Fadenapparates in den Meissnerschen Körperchen der Haut
von Homo und nimmt einen direkten Übergang des Fadenapparates in das centrale
Nervenende des Körperchens an. — Dogiel (2%) gibt eine ausführliche Schilderung
der Nervenendapparate in der Haut der Finger- u. Zehenkuppen und der Sohle von
Homo und unterscheidet eingekapselte von uneingekapselten sowie nach der
Endigung der Nerven in ihnen 7 verschiedene Formen von Endapparaten. — Auch
Crevatin (1) beschreibt die sensorischen Nervenenden in der Haut der Finger-
kuppen von Homo. —
Sehwerkzeuge. *Schnaudigel gibt allgemeines über die Sehorgane
der Vertebrata, — BRochow - Duvigneaud geben eine Anatomie des Ge-
sichtssinnes-Apparates und behandeln die Retina, den Nervus opticus sowie die
optischen Zentren. — Jacoby berichtet über das foramen lacrymale sowie die Augen
höhlen von Gorilla, Troglodytes und Satyrus. — Nach Sionaker ist das Auge von
Scalops in allen Teilen bedeutend weiter degeneriert als das von Talpa, sodaß es,
falls überhaupt funktionsfähig, nur eine Unterscheidung von Hell und Dunkel
ermöglichen dürfte. — Wolfrum gibt entwicklungsgeschichtliches über die Cornea
von Ovis und Sus und läßt bei der Genese als ‚‚grobmechaniche Faktoren‘ den intra-
ocularen Druck und den Druck der wachsenden und noch geschlossenen Lider
wirken. — *Tartuferi berichtet über das elastische Hornhautgewebe und eine be-
sondere Metallimprägnationsmethode. — Auch Colombo macht Mitteilung über
das elastische Gewebe der Hornhaut. — (revatin (1) untersucht die epithelialen
Nervengeflechte in der Cornea der Mammalia und von Homo, speziell das strudel-
artige Geflecht. — Crevatin (2) beschreibt in der Conjunctiva von Homo außer den
Krauseschen Endkolben, worin er eine primäre und eine sekundäre Endigung
findet, mehrere sensible Endapparate. — Nach Hirsch ist die Lehre von der totalen
Vascularisation der foetalen Cornea nicht haltbar. Injektionsversuche bei Em-
bryonen von Sus, Lepus, Ovis und Homo. — Nach Lebram (2) entwickeln sich die
Fasern der Bruchschen Membran aus den Zellen des äußeren Blattes der sekun-
dären Augenblase, während der musculus dilatator pupillae ein aus Epithel sich
entwickelnder glatter Muskel ist. — Cirineione (1, 2) berichtet über die Entwicklung
Ei
I. Mammalia für 1903. 73
des Glaskörpers bei den Vertebrata, die überall in der gleichen Weise erfolgt,
und zwar in der Weise, daß der Raum, den der Glaskörper später einnimmt, vor-
her schon durch ein granuläres und fibrilläres Produkt der Retina und Linse aus-
gefüllt ist. — Nach Kölliker ist der Glaskörper im wesentlichen ektodermal,
enthält aber bei den Mammalia während der Ontogenese auch mesodermale Ele-
mente; weiteres über die Entwickelung des Glaskörpers. — Addario beschreibt die
Formen, unter denen je nach der Conservierung, Schnittriehtung etc. die Be-
grenzung der Pars ciliaris retinae sich darbieten kann und konstatiert das Fehlen
einer membrana limitans in diesem Teile. — €. Rabl (1) wendet sich gegen Len-
hossek wegen der Entwickelung des Glaskörpers aus der Linse, die bei allen
Vertebrata mit Ausnahme der Mammalia in allen Stadien nach außen völlig scharf
abgegrenzt ist; weiteres über die Entwickelung des Glaskörpers. — Auch *Len-
hossek und Tornatola berichten über die Entwickelung und *Haemers über die
Regeneration des Glaskörpers. — * Schmidt - Rimpler macht Angaben über die
Farbe der macula lutea. — Bernard beschreibt für die Retina ein konti-
nuirliches Fadensystem zwischen den Kernen der einzelnen Schichten und diesen
selbst; in diesem „protomitomischen‘‘ Netz bilden die Kerne die Knoten. —
Cavalie (1) stellt pericelluläre Netze der Ganglienzellen in der Retina von Lepus
dar und unterscheidet 3 Typen von Netzen, die nur die Zellkörper, nie die Achsen-
zylinder und Plasmafortsätze umgeben. — Nach Cavalie (3) existieren um die
Ganglienzellen der Retina von Felis ähnliche, nur weniger deutliche pericelluläre
Netze und auch die uni- und bipolaren-Zellen zeigen an ihrer Oberfläche ein feines
Maschenwerk. — Ulbrich berichtet über markhaltige Fasern in der Retina. —
Metzner gibt eine kurze Notiz über Beobachtungsn an den Ciliarkörpern und dem
Strahlenbändehen. — Hesse berichtet allgemein über den Bau der Stäbchen und
Zapfen in der Retina der Vertebrata. — Hatschek (3) beschreibt eine totale ein-
seitige Opticusatrophie bei Delphinus und läßt das Opticusgebiet bei dieser Form
überhaupt in Rückbildung begriffen sein. — Rebizzi konstatiert bei Rana im
Chiasma ungekreuzte Fasern, direkte Commissurenfasern zwischen beide Retinae
wurden aber nie, auch nicht bei Cavia, Lepus, Canis und Felis nachgewiesen. —
Nach Hatschek (3) findet bei Delphinus eine totale Kreuzung der Sehnerven statt.
— Virchow macht Angaben über den Lidapparat von Elephas: das Bindegewebe,
die an glatten Muskelfasern reiche Sehne des Levator und Depressor, die sehr große
Nickhaut, den Orbieularis, den Drüsenapparat der Conjunctiva, dessen palpebraler
Teil am lateralen Rande des oberen Lides eine Art Tränendrüse enthält, und die
Hardersche Drüse. — Halben berichtet über einige anatomische Befunde an den
Tränenwegen von Homo. — Monesi (1, 2) gibt eine Morphologie der fötalen Tränen-
wege bei Homo. — Puglisi-Allegra findet in der Tränendrüse von Bos und Sus
im interlobulären Bindegewebe echte sekretorische Nerven. — Nach 6royer hängt
die Ausbildung des bei allen Mammalia glatten M. orbitalis von der knöchernen .
Begrenzung der Augenhöhle ab; der M. palpebralis hat bei allen Land- Mammalia
glatte, bei Phoca und Delphinus quergestreifte Fasern. — Nach Koch ist das
Epithel am dritten Augenlide von Lepus, Mus, Felis, Erinaceus und Ovis am
Rande ein typisches geschichtetes Pflasterepithel, während die übrige Fläche von
gemischtem Epithel überzogen wird, das stellenweise in Zylinderepithel übergeht.
— Hoeg berichtet über optico-ciliare Venen.
Hörwerkzeuge. Nach Berg ist der Gehörgang der Anthropoide: in
zwei Abschnitte geschieden, bei den Oynopitheci ist er trichterförmig erweitert,
74 I. Mammalia für 1903.
bei Gorilla verengt er sich; weiteres über den Gehörgang von Mycetes und Chry-
sothrix, sowie die Deklination des Trommelfelles, den inneren Gehörgang und
die Bogengänge der Anthropoidei. — Schmidt gibt anatomisches und entwicklungs-
geschichtliches über die Gelenkverbindungen der Gehörknöchelchen bei Homo.
— Baum und Kirsten untersuchen die Ohrmuskeln der Mammalia vergleichend-
anatomisch und beschreiben die Verhältnisse für Homo, die Primates, Prosimiae,
Rodentia, Carnivora, Perissodactyla, Artiodactyla; Unterscheidung von 2 Haupt-
gruppen von Muskeln: solche, die vom Kopf zum Ohr gehen und dieses als ganzes
bewegen, und solche, die sich nur an der Muschel inserieren und durch Bewegung
einzelner Teile deren Gestalt verändern. — Shambough berichtet über die Ver-
teilung der Blutgefässe im Labyrinth von Sus. — Alexander gibt eine vorläufige
Mitteilung über die Anatomie und Entwicklung des inneren Gehörganges der
Monotremata. — Held (1) macht Mitteilungen über das Cortische Organ und die
übrigen Sinnesapparate des Labyrinths der Mammalia. — Reitmann berichtet
über den Bau des Tubenknorpels bei Homo; ebenso auch *Rudloff. — Stefani
gibt physiologisches über die Funktion, speziell die akustische und die orientierende
des Labyrinths. — Eschweiler verfolgt die Entwickelung des schallleitenden
Apparates bei Sws und berücksichtigt dabei besonders den M. tensor tympani;
am Schluß Angaben über das Ganglion oticum, aus dem der tensor tympani seine
Nerven bezieht. — Sato untersucht die Bogengänge des Labyrinths bei neu-
geborenen und erwachsenen Homo.
Riech- und Schmeckwerkzeuge. Jacoby berichtet über die
Choanenöffnung und den Gaumen von Gorilla, Troglodytes und Satyrus. — Beecker
untersucht vergleichend die Nasenregion der (Saurier, Aves und) Mammalia und
findet, daß bei den letzteren der Nasenschlauch in Vorhof, Muschelzone und
Cribrum zerfällt. — Zarniko berichtet über intraepitheliale Drüsen der Nasen-
schleimhaut. — Stahr gibt Untersuchungen über Gestalt und Umfang der papilla
foliata von Zepus, Cavia und Mus und behandelt vornehmlich die Furchenzahl
dieser Papille, um festzustellen, ob eine kompensatorische Hypertrophie auf beiden
Körperseiten vorkommt, eine Frage, die vorläufig nicht im positiven Sinn be-
antwortet werden kann. — Musterle untersucht die papillae cicumvallatae der
Zunge von Felis und Canis.
10. Respirationsorgane.
Oppel (2) gibt ein z. T. kritisches Referat über den Atmungsapparat. —
Nach6oeppert (1,2) paßten sich gleichzeitig mit der Ausbildung eines weichen
muskulösen Gaumens die Epiglottis und die Plicae palato-pharyngeae einander
an zum Schutz des Luftweges gegen das Eindringen der Nahrung; warum bei den
Anthropoidei u. Homo der enge Anschluß des Larynx an die Choanen wieder auf-
gegeben wurde, ist noch unaufgeklärt. — Fein bespricht die Verklebungen bei der
Entwicklung des Kehlkopfes von Homo, ein Prozeß, der in der vierten Woche be-
ginnt, in der elften endet, und manchmal zu vollständigem Verschluß führt. —
Suckstorff gibt einen Beitrag zur Kenntnis des Kehlkopfes der Marsupialia. —
Katzenstein berichtet über die elastischen Fasern im Kehlkopf von Homo. —
Chaine (1, %) gibt allgemeine Betrachtungen über die Muskeln der Kehlgegend bei
den Vertebrata und spezielles für Camelopardalis giraffa. — Möller und Fischer
beschreiben die Wirkung des museulus cricothyreoideus und thyreo-arytaenoideus
I. Mammalia ftir 1903. 75
internus. — De Beule (3) berichtet über die respiratorischen Bewegungen der
Glottis bei Canis. — Nach De Beule (1, 2)’s experimentellen Untersuchungen an
Lepus wird der Kehlkopf vom Vagus und dem von der :Medulla oblongata ent-
springenden Teil des Accessorius innerviert; und zwar versorgt der letztere nur den
Musculus thyreo-arytaenoideus lateralis. — Weber und Buvignier (1,2,3) be-
schreiben die ersten Stadien der Lunge (einiger Aves und) von Miniopterus:
paarige Anlage, schnelles Ablaufen der ersten Entwicklungsphasen, Verlagerung
ventralwärts infolge einer Tachygenese. — Königstein findet an der Lunge von
Delphinus jederseits an der plattgedrückten lateralen Partie eine Stelle, wo das
Lungengewebe verdünnt ist und an einzelnen Punkten sogar ganz fehlt; den ver-
dünnten Partien liegen Fettläppchen auf. — Ottolenghi berichtet über die elastischen
Fasern in der Lunge von fötalen und neugeborenen Homo.
11. Gefäßsystem und Leibeshöhle.
Allgemeinos. Herz. Gefässe. Hochstetter behandelt in Hert-
wig’s Handbuch der Entwickelungslehre der Vertebrata die Entwickelung des
Blutgefäßsystems. — Nach Schneider lösen sich die Erythrocyten der Mammalia
in Essigsäure nicht vollständig auf, es existiren vielmehr in ihnen Teile, die gegen
Essigsäure so resistent sind wie die Blutplättchen; diese letzteren sind wohl keine
selbständigen Elemente, sondern Zellderivate. — Vaughan berichtet über Granula-
bildungen in den Erythrocyten von Homo, Sacerdoti über eine in frischem Zustand
an Erythrocyten vorgenommene Färbung mit Methylenblau. — Nach Jost sind
die Blutkörperchen bei 4 mm langen Embryonen von Bos und Ovis sämtlich hae-
moglobin- und kernhaltig; von blutbildenden Organen findet sich bis zu einer
Embryogröße von ca. 6 cm. nur die Leber, nicht aber Milz und Knochenmark. —
A. Wolff berichtet über die Bewegung der Lymphocyten. — dsgl. Jolly. — Meves
fand wohl bei Salamandra, nicht aber bei Mammalia den Randreifen, sieht aber
eine Färbung der Membran, die von zahlreichen Löchern oder Poren durchsetzt
ist. — H. Fuchs kommt auf Grund seiner Untersuchungen über die Entstehung
der Erythrocyten im Netz von Cavia zu dem Ergebnis, daß der Kern in der Blutzelle
bleibt, dort rückgebildet wird und dann mit der Haemoglobinbildung zu tun hat;
weiteres über die Entstehung, Membran und Form der Erythrocyten. — Nach
Ruzicka bestehen bei (Rana), Cavia und Homo die membranlosen Erythrocyten
aus einem vegetativen Teil, d. h. einem in die Grundsubstanz eingebetteten Netz,
und einem funktionellen Teil, d. h. der Haemoglobinhülle. — Weidenreich (2)
betrachtet die Erythrocyten als abgestorbene, degenerierte Zellen von sehr be-
schränkter Existenzzeit; Vermutungen über ihre Zerstörung, Beobachtung über
direkten Zerfall in granula; die Blutplättchen als abgeschnürte Teile der Erythro-
eyten. — Me. Clure findet bei 101 Exemplaren von Didelphys marsupialis am
Herzen weder Fossa ovalis, noch Anulus ovalis und Ductus arteriosus; weiteres
morphologische über das Herz und die Pulmonalvenen. — Devez (1) berichtet
über die Architektur des Herzens der Marsupialia. — Devez (2) beschreibt die
rechte valvula auriculo-ventricularis des Herzens von Ornithorhynchus. — Nach
Keith entstehen die Herzabschnitte bis zu einem gewissen Grade durch Septen-
bildung, zum Teil aber auch am primitiven Herzschlauch als Blasen; anatomisch-
physiologisches an Homo über die Klappen, über Systole und Diastole, über die
Muskulatur an den Mündungen der venae cavae und pulmonales; die Entwickelung
76 I. Mammalia für 1903
des Herzens. — *Devez (3) gibt vergleichend-anatomisches über das Herz der
Vertebrata mit spezieller Berücksichtigung der Monotremata und Marsupialia.
— *y, Schumacher gibt eine eingehende Studie über die Herznerven der
Mammalia und des Homo. — Banchi (4) beschreibt Variationen der arteriae
coronariae cordis und ihre Morphologie. — Nach Sommer kommen bei Felis weder
im Epithel des parietalen Pericardialblattes noch in dem der Pleura pericardiaca
vielkernige Zellen vor (gegen Tonkoff 1899). — Baum und Thienel untersuchen
histologisch die Arterien und Venen der Mammalia, speziell von Bos und Equus
und stellen Unterschiede derselben Gefäße bei verschiedenen Tieren fest. —
Parsons (2) macht kurze Angaben über einige Hauptgefäße von C'horoepus casta-
notis. — Weysse beschreibt die Perforation einer Vene durch eine Arterie bei Felis.
— Livini untersucht bei Homo Ursprung, Endäste, Länge, Kaliber, Verlauf und
Lage sowie Seitenäste der Carotis externa; vergleichendes über dasselbe Gefäß
bei den Rodentia, Perissodactyla, Insectivora, Carnivora, Primates; nicht nur nach
Ordnungen sondern auch am selben Individuum können für jede Seite Differenzen
bestehen. — Hopkins macht Mitteilungen über Variationen im Ursprung der
Carotis interna von Equus. — Bertelli (2) gibt vergleichendes über die arteria
sublingualis und arteria submaxillaris bei Perissodactyla, Carnivora, Insectivora,
Primates, und beschreibt für Cercopithecus und Semnopithecus einen Endast der
arteria sublingualis, der einen die Symphyse der Mandibel sagittal durchziehenden
Kanal passiert. — Pitzorno (1) berichtet über Ursprungsvarietäten, Länge, Weite
und Äste der Arteria subelavia und Arteria axillaris, sowie der A. mammaria
interna, vertebralis cervieis und dorsi, intercostalis suprema, cervicalis profunda,
ascendens und superficialis, transversa scapulae, thyreoidea inferior et media u. a.;
spezielles über die Mammaria interna der Cetacea und Pinnipedia, die Cervicalis
ascendens (fehlt den Perissodactyla, Artiodactyla, sowie Felis, Lepus, Putorius,
Pelagius und Delphinus), dis subscapularis der Pinnipedia und Cetacea. — Nach
E. Müller’s Untersuchungen an Embryonen, Föten und Erwachsenen von Homo
geht die Arteria brachialis aus einer netzartigen Anlage hervor, die von Anfang
an eine genaue Beziehung zu den Nerven hat; das gleiche gilt von ihren Ästen. —
Rothmann (2) fand bei den Arthropoidei und den niederen Primates keine arteria
communicans anterior, während sich die beiden arteriae cerebri anteriores vor
dem Chiasma spitzwinklig treffen und als unpaarer Stamm nach vorn ziehen.
— Auch Grünbaum und Sherringten arbeiten über die Versorgung des Gehirns
der Anthropoidei mit arteriellem Blut. — Bianchini gibt anatomische Unter-
suchungen über die arteriae encephalicae corticales bei Equus und Canis. — Sham-
bough berichtet über die Verteilung der Blutgefässe im Ohrlabyrinth von Sus. —
Pitzorno (2) stellt an Injektionspräparaten des Rückenmarkes von Homo, Felis,
Mustela, Lepus und Ovis fest, daß auch in der Substantia gelatinosa Blutgefäße
vorkommen, Verlauf und Verteilung der Gefäße im Rückenmark. — Tandler (1, 2)
untersucht die Entstehung der Darmarterien an einem 5 mm langen Embryo von
Homo: segmentaler Typus; Verschiebung von vorn nach hinten; bei 9mm Em-
bryolänge erscheint zuerst die Meseraica inferior, bei 17 mm Embryolänge zeigt
sich schon fast das definitive Verhalten. — Gerard und Castiaux teilen Unter-
suchungen über die Arterien in der Niere der Mammalia mit, die sie unter An-
wendung von Injektionen mit röntgographischer Untersuchung und Präparation
ausführten (s. u.). — Buecura bestätigt durch mikroskopische Untersuchung
die Annahme, daß die polsterartigen Erhebungen der Längsmuskulatur einen Ver-
I. Mammalia für 1903, Tri
‚schluß der Nabelarterien bei Homo bedingen können; ähnliches auch im Uterus,
in den Ovarien, der Vagina, dem Ligamentum rotundum, der Tube, dem Schwell-
gewebe der Vulva und Clitoris und zwar noch nicht bei Föten und Neugeborenen.
— Vastarini-Cresi (1) beschreibt ausführlich die größtenteils bekannten venös-
arteriellen Anastomosen der Mammalia: sie fehlen am Ellbogen, am Herzen,
an der Pia mater und Zentralnervensystem, ebenso in den Speicheldrüsen, Mesen-
terium und Niere, sind dagegen besonders gut ausgebildet in der Nasenschleimhaut
und Ohrmuschel von Lepus und Felis. — Nach Broman finden sich bei 5—16 mm
langen Embryonen von Homo konstant Zweige des Ductus venosus Arantii, die
später wieder zurückgebildet werden und in derselben Art auch bei Embryonen
von Sus und Felis (sowie anderen Vertebraten) vorkommen.
Lymphorgane Milz und Leibeshöhle. Pewsner-Neufeld
glaubt in intracellulären Saftkanälchen der zentralen Ganglienzellen von Bos,
Mus und Cavia die Anfänge des Lymphsystems des Rückenmarks sehen zu können
(vergl. unter 8. Nervensystem). — Zipkin berichtet über den Zentralchylusraum
der Darmzotten von /nuus und über die Chylusgefässe (vergl. unter 12. Verdauung-
organe). — Vialleten (1, 2) unterscheidet bei den Mammalia (und Aves) 2 Arten von
Lymphgefäßen: Lymphecapillare mit engem Lumen und ohne Klappen, und Lymph-
gefäße von größerem Kaliber und mit Klappen; letztere, dazu bestimmt, die durch
die Lymphdrüsen gesetzten Hindernisse zu paralysieren, sind unter den Mammalia
am häufigsten bei Homo. — Nach Me Callum (1,2, 3) bildet das Endothel der
Lymphgefäße von Canis eine ununterbrochene Membran, indem die Zellen
einander direkt anliegen, ohne irgend eine Durchtrittsstelle zu zeigen; Injektions-
versuche intra vitam; der Durchtritt von Farbkörnern durch die Wandung der
Lymphgefäße ein reinmechanischer Prozeß. — Erdely und Asher untersuchen die
Beziehung zwischen Bau und Funktion des Lymphapparates des Darmes bei Mus
decumanus, unterscheiden in Zotte und Schleimhaut 4 verschiedene Arten von
Lymphzellen, und konstatieren, daß jeder Ernährungsart ein typisches Verhalten
des Lymphapparates in bezug auf Anzahl der Zellen und Häufigkeit der Zellarten
entspricht. — Nach Held (2) wird bei Homo und Canis die Wand der Lymphgefäße
in der Haut und Schleimhaut von elastischen Fasern umgeben, die sie begleiten
oder radiär darauf orientiert sind. — Polano untersucht die Lymphbahnen im
Ovarium von Homo und ihr Verhältnis zu den Blutgefäßen, die Lehre von den
Perithelien; Untersuchung mittels Injektionen und Unterbindungen. — Nach
Helly (2) ist das ganze Blutgefäßsystem der roten Lymphdrüsen von ihrem Lymph-
gefäßsystem, einschließlich die Sinus, getrennt, während die Arterien und Venen
direkt miteinander zusammenhängen und das Blutgefäßsystem mit den Sinus-
räumen nicht in ständiger Verbindung steht; auch die Entwicklung spricht gegen
die Spezifität der roten Lymphdrüsen. — Drzewina findet in den Lymphknoten von
Didelphys lanigera viele Mastzellen, die sich durch Metachromasie und Affinität
zu basischen Farbstoffen auszeichnen. — Weidenreich (1) und Helly (1) polemi-
sieren gegeneinander bezüg!. ihrer Auffassung über die Milz. — Corti (1) stellt mit
Golgi’s Methode in der Milzpulpa von Vespertilio ein diffuses Nervennetz dar:
nur die Gefässe sind von einem Plexus umhüllt, während die Malpighi’schen
Körperchen frei von eigenen Nerven sind. — Pinto untersucht die Entwickelung
der Milz bei Lepus und Canis (u. a. Vertebrata): sie entsteht aus einer Differenzierung
des Mesenchyms unter Beteiligung des Coelomepithels. — Nach Mall (1) zerfällt
die Milz bei Canis in ca. 80 000 Lobuli, deren jedem eine Arterie in der Mitte,
78 J. Mammalia für 1903.
Venenstämme und Trabekel in der Peripherie entsprechen; weiteres über die
Histologie der Milz; keine geschlossene Capillare (gegen Weidenreich); die Blut-
körperchen gelangen durch die Pulparäume auf ihrem Wege von der Arterie zur
Vene. — Nach Janosik’s Injektionsversuchen an Canis und Mus existiert in der
Milz ein geschlossenes Gefäßsystem. — Lehrell unterscheidet in der Milz von Homo
und Troglodytes ein bindegewebiges Gerüst, das der Kapsel und den Trakekeln
angehört und aus collagenem Bindegewebe mit zahlreichen elastischen Fasern und
glatten Muskeln besteht. — Carlier und Evans geben eine chemische Studie über
die sogen. Winterschlafdrüse von Erinaceus europaeus. — Völker (2) beschreibt
die Entwickelung des Diaphragmas bei S’permophilus citillus. — * Anderson (3)
gibt eine kurze Bemerkung über das Peritoneum von Meles taxus.
12. Verdauungsorgane.
Allgemeines. Mundhöhle, Zunge, Speicheldrüsen.
Oppel (1) gibt ein z. T. kritisches Referat über die auf den Verdauungsapparat
bezüglichen Arbeiten. — Parsons (2) macht kurze Angaben über die Eingeweide
von Choroepus castanotis. — Bradley (2) beschreibt die Abdominaleingeweide
von Cercocebus fuliginosus und Lagothrix humboldti. — *Lönnberg gibt anatomische
Details vornehmlich über die Eingeweide der Ruminantia. — Cutore untersucht
die sensiblen Nervenendungen in der Wangenschleimhaut von Felis und sieht
nicht alle Fasern frei enden, sondern einen Teil sich entweder mit Tastkörperchen
der Cutis oder durch menisei tactiles mit spezifischen Sinneszellen des Epithels
verbinden. — Illing berichtet über die Mandeln und das Gaumensegel von Sus.
— Rawitz gibt einen Beitrag zur Kenntnis des feineren Baues der Zunge von
Delphinus: an der Stelle der Geschmackspapillen liegende Gruben, Drüsenreichtum,
Fehlen der Schmeckbecher, der Verhornungsproceß, histologisches. — Bizzozero
gibt eine vorläufige Mitteilung über die Entwicklung des Epithels der Ausführungs-
gänge der Speicheldrüsen. — Nach Flint’s (2) Untersuchungen über die Ent-
wicklung der Glandula submaxillaris von Sus bestehen die Gänge zunächst aus
einem Epithelstrang, der aber früh ein Lumen gewinnt; bei 8em Embryolänge
erscheint die Lichtung der Alveolen, kurz vor der Geburt treten die ersten Becher-
zellen auf; das Gefässsystem entwickelt sich pari passu mit den Gängen. —
Flint (3) schildert unter Hinweis auf einige mechanische Momente die Bildung
des Gerüstes der Glandula submaxillaris an Embryonen von Sus: Entwickelung
des Gerüstes, der Kapsel und des Gangsystems; Bemerkungen über den gröberen
Bau der ausgebildeten Parotis, Submaxillaris, Sublingualis und Infraorbitalis.
— Nach S$Smirnow’s Untersuchungen über den feineren Bau der Submaxillaris
beim erwachsenen Homo bildet das lockere Bindegewebe der Unterkiefergegend
durch Verdichtung eine fibröse Kapsel um die Drüse, während das Gerüst der
Drüse ein engmaschiges Netz aus collagenen und elastischen Fasern ist; Mitosen
in den secretorischen Zellen bei Homo und Lepus. — Nach Gerhard treten bei
Lepus nach Durchschneidung der Chorda tympani in den Zellen der Speichel-
drüsen Veränderungen im Plasma ein, nicht aber in den Kernen, während nach
Durchschneidung des Sympathicus das Umgekehrte statt hat. — Göppert (12)
untersucht die Bedeutung der Zunge für den secundären Gaumen und den ductus
naso-pharyngeus bei den Vertebrata: bei den Mammalia ist die Zunge durch
Ausbildung eines muskulösen weichen Gaumens von den Diensten für die Luft-
TI. Mammalia für 1903. . 79
passage entbunden und für andere Leistungen frei beweglich, während gleich-
zeitig Epiglottis und Plicae palato-pharyngeae sich einander anpassten; unauf-
geklärt ist, warum bei den Anthropoidei und Homo der enge Anschluss des larynx
an die Choanen wieder aufgegeben wurde.
Oesophagus, Magen, Darm. Lonsky beschreibt das Darmrohr
(Oesophagus, Magen, Darm) von Hyrax beim erwachsenen Tier und bei einigen
Embryonen: ein Vergleich mit anderen Mammalia führt zu dem Resultat, dass
der Magen von H. entfernt dem der Ruminantia ähnelt, der Darm aber manche
Beziehungen zu dem der Rodentia aufweist. — Bloch gibt anatomisches über
den Magendarm des Säuglings von Homo. — Nach Weber (4) liegt die Grenze
zwischen Vorder- und Mitteldarm bei erwachsenen Vertebrata zwischen Oeso-
phagus und Magen, wofür sowohl die Entwicklungsgeschichte wie die Histologie
sprechen. — Nach Glinski sind die Schaffer’schen oberen Cardia-Drüsen im
Oesophagus von Homo besser als Labdrüsen der Speiseröhre zu bezeichnen;
makroskopisches und mikroskopisches über diese Drüsen. — Gianelli sieht in
eigentümlichen Drüsen des Magens bei Amphibia ein phylogenetisches Anfangs-
stadium der Brunner’schen Drüsen der Mammalia. — Bensley (2%) verfolgt die
Differenzierung der spezifischen Drüsen des Magens von Sus und sieht secretorische
Tätigkeit bei einer Embryonallänge von 6 cm, Belegzellen bei einer solchen von
7,5 cm und Zymogenkörner erst bei 21 cm langen Föten auftreten. — Cattaneo
berichtet über die Drüsenerypten und die Magenschleimhaut der Denticeti. —
Corti (2) gibt einen Beitrag zur Kenntnis des Magens von Vesperugo und Vespertilio:
allgemeine Morphologie und histologisches über die 4 Regionen (Fundus, Cardia,
Pylorus und Propylorus). — Ross studiert die Anlage der Magendrüsen von Sus:
das Epithel wächst mit dem Mesoderm darunter zu Leisten aus, an und zwischen
denen die Drüsenanlagen liegen; das verwachsende Leistenepithel wird sekundär
zur Ausbildung der Ausführgänge herangezogen. — Weissflog berichtet über den
Faserverlauf der Magenmuskulatur von Zquus, Sus, Canis und Felis. — Nach
Bienenfeld ist die muscularis mucosae im Magen und im oberen Teil des Dünn-
darms stärker bei den Tieren, deren Darmkanal einer Gefährdung durch spitze
Fremdkörper ausgesetzt ist, als bei denen, die sich von weicher Kost nähren:
Untersuchungen an Lutra, Felis, Canis vulpes, Capra. — Dekhuyzen und Ver-
maat finden im Magen von Lepus und Mus zwischen den Mündungen der Pylorus-
drüsen und der Fundusdrüsen stumpfe „Magenzotten‘‘; ihre Histologie. — Mosse
gibt einen Beitrag zur Biochemie des Magens von Mus, Cavia, Lepus, Felis, Canis,
Homo; Reaktion der Fundus- und Pylorus-Drüsen; ihr Verhalten zu Farbstoffen.
— Nach Delamare sind bei neugeborenen Cavia, Lepus und Homo die Falten und
Zotten im Dünndarm relativ gleich stark wie bei Erwachsenen, während die
Darmmuskulatur im Alter an Mächtigkeit abnimmt. — Fischl berichtet über das
elastische Gewebe im Darm des Säuglings von Homo. — Zipkin gibt einen Beitrag
zur Kenntnis der gröberen und feineren Struktur des Dünndarms von Inuus
rhesus: die Zotten, die Lieberkühnschen Drüsen, die Blutgefässe und das Chylus-
gefässsystem, die Becherzellen und die Paneth’schen Zellen. — Anile beschreibt
die Brunnerschen Drüsen von Vespertilio, Mus, Cavia, Lepus, Talpa, Erinaceus,
Sus, Canis, Felis, Homo; Sitz im allgemeinen im Duodenum, meist im submucösen
Bindegewebe, gelegentlich in der Mucosa; Verschiedenartigkeit des Sekretes.
— Van Loghem berichtet über Colon und Mesocolon der Primates. — Klein
findet die Paneth’schen Zellen bei Didelphys nicht nur im Fundus der Lieber-
80 I. Mammalia für 1903.
kühnschen Drüsen, sondern auch, mit Becher- und Cylinderzellen vermischt,
an den Seiten der Zotten. — Nach Bensley (1, 4) besteht zwischen den Brunnerschen
Drüsen u. den Drüsen des Pylorus bei Mammalia mit einfachem Magen (spez.
Carnivora, Insectivora) grosse Aehnlichkeit, die aber mit der Spezialisierung des
Magens immer mehr abnimmt. — Nach Bensley (3) sind die Brunnerschen Drüsen
ven Lepus tubulo-acinöse Drüsen, die aus 2 Zellarten ohne Übergänge dazwischen
bestehen; die Mündung der Brunnerschen Drüsen ist nicht immer unabhängig
von der der Lieberkühnschen Drüsen. — Nach Bogomoletz sind die Brunnerschen
Drüsen alveoläre Drüsen und bilden nicht die Fortsetzung der tubulösen Drüsen
des Pylorus; 2 Typen von Drüsenlobuli, der eine in den Zellen Zymogen, der
andere Schleim führend. — Reuter untersucht die Resorption am überlebenden
Darm von Mus: Resorption von Fett und Eiweiss im Dünndarm abhängig von der
Funktion der Epithelzellen; 2 Phasen der Resorption. — R. Monti sieht bei
Arctomys jede Tätigkeit der Darmzotten während des Winterschlafs suspendiert,
obwohl die Zellen normal erscheinen; Verhalten der Sollitärfollikel und der
Lieberkühnschen Crypten im Winterschlaf. — A. u. R. Monti geben ein Resume
ihrer Arbeit über die gastrischen Drüsen von Arctomys während des Winter-
schlafs und im Sommer (vergl. 1902). — Nach Tartakowsky wird bei Lepus das
Eisen fast im ganzen Darmkanal in Form einfacher, leicht nachweisbarer Ver-
bindungen resorbiert und stets als complizierte organische Verbindungen, die
nicht ohne Einäscherung konstatierbar sind, ausgeschieden. — Erdeley und
Asher untersuchen die Beziehungen zwischen Bau und Funktion des Lymph-
apparates des Darmes (vergl. Lymphorgane unter 11. Gefässsystem). — Tandler
(1, 2) untersucht die Entstehung der Darmarterien an einem 5 mm langen Embryo
von Homo (vergl. unter 11. Gefässsystem). — Fleischmann (2) findet bei den
Mammalia keine äussere Cloakenspalte, eine Cloakenhöhle nur bei den kleinsten
Embryonen; weiteres über Rathke’s „Trennungsfalten‘“, die Dammfurche und
die Genitalrinne. — Fleischmann (3) modifiziert einige seiner Ansichten über
den „Stilwert‘‘ einiger Teile der Afterregion (vergl. 1902), lässt den Kotafter
der Mammalia eine „stilistisch“ neue Öffnung sein u.a.; auch Echidna folgt
in der Bildung der Cloake ete. dem Typus des wahren Säugetieres und ist kein
Übergang zu den Sauropsidae; der Urogenital-Analvorhof wird als Eetodäum
oder Tremadaeum bezeichnet. — *v. d. Broek arbeitet über die Rectaldrüsen
weiblicher Marsupalia.
Leber und Pankreas. Weber (1, 2) behandelt nach ausführlicher
Literaturbesprechung die Entstehung von Leber und Pancreas bei den Amniota
unter spezieller Berücksichtigung der Entwicklungsphasen, die der eigentlichen
Divertikalbildung voraufgehen; von Mammalia wird speziell Miniopterus be-
handelt. — Nattan-Larrier findet in den Leberzellen von 60 Tage alten Föten
von (avia und 4 Monate alten von Homo ein feines Netz, in dessen Maschen
feinste Körnchen als Vorläufer der späteren Fettgranula bez. Fetttröpfchen,
liegen. — Sehäfer verwahrt sich gegen den von Holmgren geäusserten Verdacht,
daß seine Injektionsbilder der Leberzellen Kunstprodukte seien u. nicht intra-
celluläre Kanälchen darstellen. — Hilton arbeitet über die Morphogenese und
Histogenese der Leber von Sus scrofa domesticus. — Maurel (1—3) macht Angaben
über die Beziehungen zwischen dem Gewicht der Leber und dem des Körpers
sowie zwischen Lebergewicht und Körperoberfläche bei Cavia, Lepus, Erinaceus,
Canis; das relative Lebergewicht stets abhängig von der Nahrung, aber bei
I. Mammalia für 1903. sy
jüngeren Individuen größer als bei älteren. — Jagie berichtet über die normale
und pathologische Histologie der Gallencapillare, Cabibbe über die Struktur
der Gallenblase und des Choledochus. — Völker (1) bleibt gegen Helly bei seiner
Ansicht, daß bei Homo die Mündungen des Pancreas und der Leber nicht sofort
in dem definitiven Verhältnis zu einander angelegt werden, sondern sich im
Verlauf der embryonalen Entwicklung gegen einander verschieben. — Pearce
verfolgt die Entwicklung der Langerhans’schen Inseln bei Embryonen von Homo
und sieht sie durch Proliferation und Differenzierung von Zellen der primären
Drüsenschläuche entstehen. — Flint (3) gibt eine gröbere Anatomie des Pancreas
von Sus (vergl. unter 13. Drüsen. — Fichera berichtet über die Struktur-
veränderungen des Pancreas und deren Beziehungen zu dem funktionellen
Zustand bei normalen und entmilzten Canis. — Miller beschreibt 3 Fälle eines
Pancreas-Reservoirs bei Felis catus domesticus. — Nach Gontier de la Roche er-
weitern sich nach partieller Exstirpation des Pancreas von Cavia die Drüsen-
schläuche und bilden sich zu indifferenten Röhren um, die teils Pseudo-acini,
teils Inseln hervorknospen lassen; weiteres über die histologischen Veränderungen,
— Nach Holmgren (2) enthalten die Langerhans’schen Zellen des Pancreas
von Mus Netze mit teilweiser Kanalisierung (vergl. auch unter 13. Drüsen).
13. Drüsen.
Über Hautdrüsen: vergl. Haut und Hautgebilde (3).
Über Drüsen der Augenhöhle und Lider: vergl. Sinnesorgane (9).
Über Lymphdrüsen: vergl. Gefäßsystem und Leibeshöhle (11).
Über Drüsen des Verdauungsapparates (Zungendrüsen, Speicheldrüsen,
Magen- und Darmdrüsen, Leber, Pancreas) vergl. Verdauungsorgane (12).
Über Drüsen des Harn- und Geschlechtsapparates (Niere, Nebenniere, Genital-
drüsen einschließlich Mammarorgane) vergl. Harn- und Geschlechtsorgane (14).
Holmgren (2) bringt Mitteilungen über Trophospongien verschiedener Drüsen-
zellen nach Untersuchungen an Erinaceus und Vespertilio sowie an Mus (Langer-
hans’sche Inseln des Pancreas und Cylinderzellen der Epididymis). — Nach Braus
gibt die Färbung der Deckleisten ein ausgezeichnetes Criterium dafür ab, um zu
entscheiden, ob die Secretkanälchen in Drüsenpräparaten inter- oder intracellulär
sind. — Vastarini-Cresi gibt eine vorläufige Mitteilung über das Trophospongium
und die Holmgren’schen Kanäle in den Luteinzellen der Mammalia. — Flint (1)
beschreibt das bindegewebige Gerüst der Thyreoidea von Homo, Canis und einem
Affen (spec. ?), wie es sich an künstlich verdauten Organstücken darstellt: Blut-
gefäße, perifollikuläre Membranen, interfollikuläres Bindegewebe, Drüsenkapsel
und Sekretion. — Demoor und van Lint machen gelegentlich einer Mitteilung über
das serum antithyreoideum und die Art seiner Wirkung Angaben über den feineren
Bau der Thyreoidea von Canis. — Nach Kallius bestehen keine direkten Be-
ziehungen zwischen dem tubereulum impar und der medianen Thyreoidanlage:
ersteres ein alter wichtiger Bestandteil der Zunge, von der die Thyreoidlage, wenn
sie als Hügel vorübergehend in die Mundhöhle ragt, als tuberculum thyreoideum
wohl zu trennen ist. — Nach Barbera und Bicei nehmen bei langem Fasten Plasma
und Kern der Thyreoidzellen von Canis und Lepus an Volumen ab unter gleich-
zeitiger Verringerung der Intercellularsubstanz und Sistierung der Colloidpro-
duktion. — Erdheim macht Mitteilungen über die normale und pathologische
Arch. f. Naturgesch. 70. Jahrg. 1904. Bd. II. H.1. (I.) 6
82 I. Mammalia für 1903.
Histologie der gland. Thyreoidea, parathyreoidea und Hypophysis. — * Jouty
giebt anatomisches und experimentelles über die glandulae parathyreoideae. —
Petersen untersuchte die Glandulae parathyreoideae von Homo: Vorkommen, Lage,
Farbe, Gestalt und feinerer Bau: bei einem Vergleich der Zellen verschiedener
Körperchen lassen sich 2 durch Zwisehenformen verbundene Zelltypen unter-
scheiden. — Nach Zucekerkandl (1), der die Entwicklung von Thyreoidea und
Thymus bei Mus decumanus studiert, ist die Anlage der Thyreoidea media ein mit
dem Schlunddarm kommunizierendes Bläschen, das sich sehr bald zu einem
kompakten Knötchen umbildet und abschnürt, während die Thymus von der
dritten Schlundtasche stammt, welche sich als Ganzes vom Pharynx abschnürt.
— Magni gibt eine vorläufige Mitteilung über die Histologie der Thymus bei einem
sechsmonatlichen und einem reifen Fötus von Homo. — Auch *Marvi arbeitet über
die Thymus. — Schambacher berichtet über die Persistenz von Drüsenkanälchen
in der Thymus von Homo und konstatiert die Entstehung der Hassalschen
Körperchen aus dem Epithel dieser Gänge. — Wallisch bestimmt bei Homo das
annähernde Verhältnis des Gesamtvolumens der Hassalschen Körperchen in ver-
schiedenen Stadien der Thymus zu dem Volumen des ursprünglichen Epithels:
danach ist es unwahrscheinlich, daß diese Gebilde nur Reste des ursprünglichen
Kiemenbogenepithels sind. — van den Broek berichtet über Rektaldrüsen weib-
licher Marsuwpialia. — Nach Talke sind die großen, ausschließlich im Unterhaut-
bindegewebe gelegenen Drüsen der Achselhöhle von Homo zusammengesetzt
tubulös und lassen drei Grundformen mit mannigfachen Mischformen sowie im
wesentlichen 2 Zellarten unterscheiden.
14. Harn- und Geschlechtswerkzeuge.
Allgemeines. Harnwerkzeuge. Nach Benda ist die von
R. Heidenhain entdeckte Stäbchenstruktur der Nierenepithelien eine vitale
Struktur, die bei den Mammalia in den gewundenen Kanälen, den aufsteigenden
Schenkeln der Henle’schen Schleifen, den Schaltstücken und wahrscheinlich im
Anfang der geraden Kanälchen der Markstrahlen besteht. — Robinson (1) be-
schreibt bei 3 Embryonen von Homo das Ende des Wolffschen Ganges und des
Ureters mit den anliegenden Teilen der Kloake. — Keibel fand an den jüngsten
Embryonen von Echidna bereits deutliche Urnierenfalten und die Trichter an den.
Urnieren gut ausgebildet; weiteres über die Vorniere, die vom Cölomepithel
stammende Nebenniere, die (paarige) Anlage des Geschlechtsgliedes, die Samen-
röhre, die Cowperschen Drüsen und die Mündung der Ureteren. — Lonsky gibt
für Hyrax eine Topographie der Nieren, der Nebennieren, der Ureteren, der Harn-
blase, nebst einem Vergleich der Verhältnisse bei Erwachsenen und Embryonen.
— Haueh untersucht mittels Corrosion und Rekonstruktion die Niere, unter-
scheidet primäre und sekundäre Pyramiden, beschreibt eingehend die Formen des
Pelvis, der Calyces und Fornices, berücksichtigt die histologische Entwickelung,
die Veränderung der Nierenbeckenform, die Bildung von Pyramide und Mark-
strahlen und macht Angaben über die Verschiebung der Niere während der post-
embryonalen Entwickelung, die Rotation um ihre Achse und ihre fötale Ent-
wickelung bei Homo, Bos, Sus. — Cavalie (2) berichtet über die Niere von Delphinus
— Cornil untersucht das Epithel, das den Nierenglomerulus beim neugeborenen
Homo bedeckt. — Castaigne und Rathery arbeiten über den Bürstenbesatz der
I. Mammalia für 1903. 83°
tubuli contorti in der Niere von Homo. — Modrakowsky ruft bei Lepus durch intra-
venöse Injektion von Natrium nitrieum, Coffein ete. starke Diurese hervor, und
untersucht dann die Nierenepithelien im Stadium der stärksten Sekretion; den
Granula, nicht aber den Vakuolen kommt eine Bedeutung bei der Sekretion zu.
— * Policard berichtet über die Entfernung körperfremder Farbstoffe
durch die normale Niere. — Nach Sobieranski nimmt bei Salz- und
Coffeindiurese das Harnstoffquantum zu, obwohl die Epithelien sich
verschieden verhalten; die Heidenhainschen Stäbchen ‘der Nierenepithelien
von Lepus sind Körnchenreihen, die durch Fäden verbunden sind. —
Neuheuser beschreibt die verschiedene Lage und Länge der Niere an:
3—22 cm langen Embryonen von Sus; Bemerkungen über die Urniere.
— Retterer (4) gibt eine Entwickelungsgeschichte und Homologisierung des
Wolffschen und Müllerschen Ganges, des sinus urogenitalis und der aus letzterem
hervorgehenden Teile des $ und 9 Geschlechtsapparates für den Embryo von Sus.
— Gerard und Castiaux untersuchen die Arterien in der Niere der Mammalia: in
der suprapyramidalen Nierenregion niemals vollständige Gefäßbogen; jede Art.
pyramidalis ein Gebilde für sich; weiteres über die Lobulärarterien, die Aa. rectae,
die Aa. peripyramidales, die Aa. renalis etc.
Nebennieren. Nach Grynfellt führen die chromaffinen Zellen der
Suprarenalkörper bez. Nebennieren der Vertebrata Körner, die mehrere cha-
rakteristische Reaktionen zeigen und ein Produkt des Plasmas der chromaffinen
Zeilen zu sein scheinen. — Diamare berichtet zunächst über die Natur des Fettes,
des Pigmentes, und der übrigen metaplasmatischen Substanzen in der Rinde der
Nebennieren von Cavia, Myoxzus, Mus und behandelt darauf die chromaffine
Substanz des Markes, seine leichte Löslichkeit in Fixiergemischen und seine mikro-
skopische Reaktion; das Mark ein epitheliales Gebilde, die Markzellen genetisch -
in Beziehung zum Sympathicus. — Ciaceio (1) untersucht die Sekretkapillare
der Nebennieren von Lepus, Cavia und Felis, und bringt die pericellulären Kanälchen
sowie die intracellulären Kapillare zur Darstellung, deren Verhalten beschrieben
wird. — €iaceio (2) untersucht vergleichend die Nebennieren der Vertebrata:
Rinde und Mark anatomisch und funktionell ganz verschieden; die Rinde aus
3 Zonen bestehend, ihre Sekretion eine allgemeine und außerdem je eine für die
3 Zonen spezifische; das Mark mit zweierlei Sekret; die Rinde transformiert toxische
Produkte, das Mark bildet für die Umsetzung im Tierkörper bedeutungsvolle
Stoffe. — Auch * Marchesini giebt Beiträge zur Kenntnis der Nebennieren.
— Vincent sieht in der Nebenniere der Mammalia 2 gut unterscheidbare
Drüsen, Rinde und Mark, die anatomisch vereinigt, aber entwickelungsgeschicht-
lich und physologisch getrennt sind; Homologisierung mit Organen der Aves, Rep-
tilia, Amphibia, Teleostei und Elasmobranchia. — Souli& (1) gibt zuerst eine
Kritik der bisherigen Theorien über die Nebenniere und beschreibt alsdann aus-
führlich ihre Entwicklung bei Equus, Sus, Bos, Ovis, Lepus, Mus, Cavia, Canis,
Felis, Talpa und Homo; weiteres über die parasympathischen Zellen, die mit Kohn
als spezifische Zellen angesehen werden, und die accessorischen Nebennieren; die
Nebennieren von hoher Bedeutung als Drüsen mit innerer Sekretion und als
phylogenetisch sehr alte, nicht als rudimentär zu bezeichnende Organe. — Souli& (2)
leitet bei Equus und Ovis das Mark der Nebennieren von Zellen des Plexus solaris
ab, die er als parasympathische Zellen bezeichnet u. den chromophilen: Zellen
Stillings entsprechen läßt. — Nach Whitehead entwickelt sich die Rinde der Neben-
6°
84 I. Mawmalia für 1903
nieren bei Sus schon an Embryonen von 8 mm Länge und zwar geht sie aus dem
Cölomepithel hervor, während das Mark erst bei 30—35 mm Embryolänge er-
scheint und ein Abkömmling des Sympathicus ist. — Roud bestätigt für Mus
die Herkunft der Rinde der Nebenniere vom Cölomepithel, läßt die Markzellen
nicht von außen kommen, sondern im Innern der Nebenniere auftreten und läßt
Mark und Rinde von demselben Mutterboden entstanden sein. — Rawitz (3)
gibt die Histologie der Nebenniere von Phocaena communis und behandelt im
einzelnen ausführlich die Kapsel aus mehrblättrigem lockeren Bindegewebe, die
Rinde, die bei den C'etacea keine Zonen unterscheiden läßt, die intermediäre Schicht,
das Mark, die Ganglienzellen, Nervenfasern und Blutgefäße. — Holmgren (1)
findet in den Zellen der Nebenniere von Erinaceus entweder dichtmaschige oder
spärliche, spaltenähnliche Gebilde und identifiziert sie mit dem Golgischen Netz,
das A. Pensa an Cavia und Felis darstellte; weiteres über die Sphären und Centro-
somen. — Mulon (1) macht Angaben über das Pigment in den Nebennieren von
Cavia: Unabhängigkeit vom Alter, seine Entstehung, seine Form und seine Selten-
heit bezw. geringe Quantität bei Albinos. — Mulon (2) findet in der spongiösen
Schicht der Nebenniere von Cavia die Karyokinese accessorisch, die direkte Teilung
aber konstant; die Zona glomerulosa ein stratum germinativum. — Bernard,
Bigart und Labb& finden in bestimmten Zellen der Rinde der Nebenniere von Homo
„labiles“ Fett, das bei Cavia in den ‚‚Spongiocyten‘‘ eingelagert vorkommt. —
Felieine infundiert Tusche in das noch pulsierende Herz von Mus, Lepus, und
Cavia zur Untersuchung des Verhaltens der Blutgefäße zu den Zellen der Neben-
niere, untersucht auch die Zellen von Erinaceus, Felis und Homo, und beschreibt
die Zonen der Rinde und ihre Kapillare sowie die Lacunen des Markes.
Geschlechtswerkzeuge. Allen untersucht bei Lepus und Mus
die Entwickelung von Hoden und Ovarium, die geschlechtliche Differenzierung,
die Zelldegeneration in Geschlechtsdrüse und Mesonephros, sowie die Entwickelung
des Wolffschen und Müllerschen Ganges; ferner berichtet er über Ursprung und
Entwickelung der Samenkanälchen und ihre Homologa im Ovarium, sowie über
Ursprung, Entwickelung, Homologie und Beziehung des Rete, des Bindegewebes
und der interstitiellen Zellen von Hoden und Ovarium. — Neuheuser erörtert Lage
und Größe der Keimdrüsen bei Embryonen von Sus, die Umwandlung der Urniere
zum Nebenhoden und die Schrumpfung der Urniere beim 9; im Vergleich zu den
Reptilia besteht selbst bei Mammalia, deren Hoden die Leibeshöhle nie oder nur
zeitweise verlassen, kein primärer Zustand; spezielles für Ornithorhynchus,
Centetes, Manis; das Ligamentum inguinale bei Cavia und Zrinaceus. — Keibel
berichtet über die paarige Anlage des Geschlechtsgliedes (Cloakenhöcker) bei
jüngsten Embryonen von Echidna. — Lonsky gibt topographisches und histo-
logisches über Hoden, Prostata, vesicula seminalis, die Cowperschen Drüsen,
den Penis, die Ovarien, die Tuben, den Uterus und die Vagina bei erwachsenen
und embryonalen Hyrax. — Nach Ganfini (1) gibt es im Hoden und Ovarium von
Canis außer den Nerven der Gefäße solche für das interstitielle Gewebe und im
Ovarium auch für das Drüsenepithel. — Akutsu (1) untersucht die Innervation
der Samenblase von Cavia und beschreibt den Weg, den die Erregung vom Rücken-
mark her nimmt. — Woodland führt die Verlagerung der Hoden bei den Mammalia
zurück auf die Intensität der Lokomotion, mit der er auch den Verlust des Dotters
beim Säugetier-Ei sowie die placentale Ernährung des Keims in Verbindung bringt.
— Loisel findet bei den Mammalia auf den frühesten Stadien kein Fett im Keim-
I. Mammalia für 1903, 8
epithel des Hodens, wohl aber ist es später im interstitiellen Gewebe sehr ent-
wickelt, und zuweilen auch in den Keimzellen: Untersuchungen an Cavia, Canis,
Felis. — Regaud polemisiert (1) gegen Loisel (s. vorstehend) und (2) beschreibt
außer dem Fett eine dem Leeithin nahestehende, aber kein Fett vorstellende
Substanz aus den Spermien von Mus. — Auch *Loeper und Esmonet untersuchen
das Vorkommen von Fett im Hoden. — Branca (1) beschreibt eigentümliche
Degenerationserscheinungen am Hoden von längere Zeit in Gefangenschaft ge-
haltenen jungen und erwachsenen Lemur. — Nach Branca (5) besteht das gerade
Samenkanälchen von Lemur aus einem kurzen Anfangsteil und einem geraden,
direkt in die Epididymis übergehenden Endstück; Hodenatrophie erstreckt sich
nicht auf die Samenwege. — Ancel und Bouin (1, %) sehen bei Embryonen von
Sus die interstitiellen Hodenzellen sehr früh auftreten und Sekret liefern, während
die Geschlechtsdrüse erst zwischen 6 Wochen und 2 Monaten nach der Geburt in
das Stadium der Praespermatogenese gelangt. — Bouin und Ancel (1—4) kon-
statieren das Vorkommen der interstitiellen Hodenzellen bei allen Mammalia
und sehen in ihnen eine ‚‚interstitielle Drüse‘‘, die von. der Geschlechtsdrüse un-
abhängig und völlig selbständig ist: sie liefert wohl Nährstoffe für die Geschlechts-
drüse, reguliert den Geschlechtstrieb und bestimmt die sekundären Geschlechts-
charaktere. — Ganfini (2) untersucht die interstitiellen Hodenzellen bei Tieren
im Winterschlaf. — Richon und Jeandelize stellen experimentellfest, daß Kastration
und Ovariotomie die äußeren Geschlechtsteile nicht zur Entwickelung kommen
lassen und gelangen bez. der interstitiellen Hodenzellen zu den gleichen An-
schauungen wie Bouin und Ancel. — Hahn gibt ein zusammenfassendes Referat
über die anatomischen und physiologischen Folgeerscheinungen der Kastration.
— Nach Regaud und Tournade verschwinden bei Mus nach Ligatur des Vas deferens
alle Samenzellen in 2—3 Wochen, wobei nur ein Synceytium mit einigen Spermato-
gonien übrigbleibt. — Löw prüft den chemotaktischen Einfluß verschiedener
Agentien auf die Spermien von Mus, Lepus und Cavia, und kommt zu dem Schluß,
daß der chemotaktische Einfluß des Uterusschleims die Spermien in den Uterus
eindringen läßt. — Tourneux und Souli& finden bei Embryonen von Talpa ein an
das Pronephros der Oviparen erinnerndes, aus 1—3 Bläschen bestehendes Gebilde
und beschreiben ferner das Kanalsystem der Epididymis sowie Reste des Wolffschen
Körpers (Paradidymis). — Akutsu (2) untersucht die Samenblasen erwachsener,
junger Cavia und Mus in gereiztem und ungereiztem Zustand; Sekret schon bei
den nur 18—20 Tage alten. Tieren. — Rauther (1) berichtet über die Nebenhoden,
das Vas epididymidis, die Samenleiterblasen (nur bei Frugivoren!), die Harn-
röhrendrüsen (Prostata-, Cowpersche und Urethraldrüsen), den Penis und die
Analdrüsen (Kranz von Talg- und Knäueldrüsen) von Vesperugo pipistrellus,
V.noctula, Plecotus auritus, Hipposideros tridens, Pteropus edulis und phacops.
— Rauther (2) teilt die accessorischen Genitaldrüsen von Mus, Lepus, Cavia,
Erinaceus und Talpa ein in 1. Drüsen, die vom Samenleiter ihren Ursprung
nehmen, 2. Drüsen, die vom Urogenitalkanal ausgehen, 3. Drüsen, der äußeren
Geschlechtswerkzeuge; weiteres über die Samenleiterblasen, die Cowperschen
Drüsen, die Prostata und den Uterus masculinus. — Courant unterscheidet bei
Lepus eine weiße und braune Präputialdrüse, hält sie für Lockdrüsen, gibt histo-
logisches und berichtet über ihr Verhalten bei Kastration, Brunft und Reizung
des N. pudendus. — Nach Weski ist die Prostata von Homo eine tubulo-alveoläre
Drüse mit dauernder Sekretion und daneben geringer Ejakulation bei jeder ge-
"86 I. Mammalia für 1903.
schlechtlichen Erregung. — Fleischmann arbeitet (2) über die Kloakenspalte u. (3)
die Afterregion: vergl. unter 13. Verdauungsorgane: Darm. — Schwarztrauber
untersucht die Entwickelung von Cloake und Phallus (Genitalhöcker der Aut.)
bei Ovis, berichtet über das Verhalten des Urodäums, des Rectums, des Phallus-
zapfens, und zieht zum Vergleich Sws mit heran. — Nach Hogge gehören alle
Muskelbündel, die bei Homo den Urogenitalkanal und seine Drüsen vom bulbus
urethrae an bis zur Prostata umgeben, zum Sphincter urogenitalis. — *Bayer
gibt eine Entwickelungsgeschichte des weiblichen Genitalapparates. — Mangia-
galli arbeitet über die Beziehungen zwischen Menstruation und Befruchtung. —
Johnstone gibt eine vorläufige Mitteilung darüber, daß die Anatomie des Uterus
der Quadrupeden die Notwendigkeit der Menstruation bei den Bipeden involviert.
— Polano untersucht die Lymphbahnen im Ovar von Homo: vergl. unter 11. Ge-
fäßsystem. — Montuoro berichtet über die Zellen der Muskelsubstanz des Eier-
stocks bei Embryonen und erwachsenen Tieren von Lepus; Verhalten des Fetts,
und des Metaplasmas. — Rondino behandelt die Struktur des Centrosoms der
Ovarialzellen bei den Mammalia und speziell seine Modifikationen infolge ex-
perimenteller Intoxicationen. — F. Cohn untersucht die corpora lutea von Lepus
201/, Stunden bis 15 Tage nach dem Coitus und sieht in den Luteinzellen hyper-
trophierte Granulosazellen. — Schenk und Austerlitz geben Untersuchungen über
das elastische Gewebe der weiblichen Genitalorgane. — Henneberg berichtet über
experimentell erzeugte Rückbildungsvorgänge am graviden Uterus der Mammalia.
— Lönnberg (1) beschreibt die Geschlechtsorgane eines jungen Q von Ürypto-
procta ferox, das er der großen Clitoris wegen für ein 5 angesehen hatte; im ganzen
mehr Übereinstimmung mit den Felidae als mit den Viverridae. — Grosser unter-
sucht den Verschluß des Genitalkanals bei Vesperugo noctula 2: zunächst
Wucherung des submucösen Bindegewebes und gleichzeitige Verhornung der
Cervix-Epithelzellen, die zu einem bis an die Vagina reichenden Strang werden;
nach der Ovulation und Befruchtung im März-April wird der Strang mit seiner
Bindegewebsschicht nach hinten dislociert, das Bindegewebe degeneriert und die
ganze degenerirte Masse wird abgestoßen, während gleichzeitig die Epithelrege-
neration einsetzt. — Retterer (5) teilt die Anhangsdrüsen des Q Apparates von
Cavia ein in glandulae vulvo-vaginales, gl. urethrales und gl. anales, wozu noch die
Drüsen des Praeputium clitoridis kommen. — Camerano (2) gibt eine Beschreibung
des Weibchens und des Fötus von Delphinapterus leucas. — Kempe untersucht bei
Mus das Epithel des Genitalstranges: das Verhalten des Müllerschen und Wolffschen
Ganges, ersterer bei den Placentalia mit dem Oviduct der. Aplacentalia eng ver-
wandt; Vergleich mit Ovis. — Nach F. Tourneux (2) ist bei T’alpa das Epithel im
distalen Abschnitt der Vagina ein mehrschichtiges Pflasterepithel, in dem sich
während der Gravidität Höhlen bilden. — Liebe fand bei 2 etwa 1 Jahr alten Sus
Hermaphroditismus verus, in dem einen Fall mit Betonung der {, im anderen
der ? Anlagen. — Simon beschreibt einen Fall von Hermaphroditismus verus
bei Homo, wozu R. Zander eine vorläufige Mitteilung gab. — Halban berichtet
über die Entstehung der Geschlechtscharaktere in einer Studie über den formativen
Einfluß der Keimdrüse. — Orschansky arbeitet über die Vererbung im gesunden
und krankhaften Zustand sowie über die Entstehung des Geschlechts bei Homo.
— Adams berichtet über die Zahl der Mammae bei Talpa. — Nach Carlsson ist
den Marsupialia mit den Placentalia die Anlage einer Milchleiste gemeinsam; die
Verteilung der Milchdrüsen über Brust und Bauch das ursprüngliche; weiteres über
I. Mammalia für 1903. 87
die Lage der Mammae und das Marsupium der Didelphyidae und Dasyuridae. —
Frieomi- Allegra (1) untersucht die Milchdrüse von Cavia und Lepus; findet Zell-
proliferation nur während der Gravidität und in geringerem Maße während der
Laktation, nicht aber während der Ruhe, und berichtet eingehend über das Ver-
halten der Zellen. — Mankowski beschreibt den Bau des Milchganges in der Zitze
von Bos: der Strichkanal, gewöhnlich ohne freies Lumen, besteht aus bindege-
webiger Grundsubstanz und dem Epithel; keine Drüsen. — Auch Riederer berichtet
über den Bau der Papilla mammae bei Bos. — Nach Trieomi- Allegra (2) bilden in
der Milchdrüse von Homo, Canis, Felis, Lepus, Cavia und Mus die eigentlichen
Drüsennerven im interlobulären Bindegewebe einen Plexus von dem ein epilemmales
und ein hypolemmales Netz stammen; keine freien Nervenenden; außer den se-
kretorischen Nerven auch peri- und endocellulär im Gefäßendothel endigende
Gefäßnerven. — Nach Lebram kommen die freien Talgdrüsen an den Labia minora
von Homo erst nach der Geburt zur Anlage; außer ihnen zuweilen auch Schleim-
drüsen, nie aber Haare vorhanden (gegen Henle). — *Pissemski berichtet über
den Plexus fundamentalis uteri bei Homo u. den Mammalia. — Bruckner u.Mezin-
ceseu untersuchen das intrauterine Nervensystem von Homo: Uteruswand,
Schleimhaut und Gefäße ohne Ganglienzellen.
Copulation. Brunft. Ranzzeit. Slade berichtet über die Art
der Copulation bei Elephas indicus. — Kropff glaubt an die Möglichkeit einer Be-
fruchtung von Capreolus caprea 9 im Herbst neben jener im Sommer und führt ein
Beispiel für unzeitige Brunft an. — Die Frage nach der Ranzzeit von Meles taxus
beantworten Augustin, Bicke, Schmidt-Borstel, Schulz, Winckelmann und A. Müller
mit verschiedenen Daten aus den Monaten Juli, August und November. — Nach
Märker und nach Nehring (10) fällt die Ranzzeit von Meles taxus in den Spät-
sommer und Anfang Herbst, auch ev. schon in den Juli. — Nach einem Anonymus
(3) ist die Ranzzeit bei Putorius putorius variabel, beobachtete Daten sind: Anfang
Januar, Anfang Juli, 9. September, 9. August, 9. November. — Nach Frischauf
ranzt der junge im Mai geworfene Lutra vulgaris im J anuar-März des folgenden
Jahres, der alte aber später im Jahr, selbst im Sommer und Herbst.
15. Ontogenese (excl. Organogenese).
Oogenese und Spermatogenese. Waldeyer berichtet in
Hertwig’s Handbuch der Entwickelungslehre der Wirbeltiere über die Geschlechts-
zellen. — Skrobansky (2) gibt eine ausführliche Studie über die Oogenese der
Mammalia nach Untersuchungen speziell an Sus, aber auch an Mus, Lepus, Cavia,
Erinaceus: die Keimdrüse besteht zunächst aus indifferenten Keimzellen (Primär-
parenchym) und spärlichem Bindegewebe, welch letzteres sich aus der Kapsel
des Woltfschen Ganges differenziert und das Primärparenchym in Rindenschicht
und Markstränge teilt, weiteres über die Oogonien und ihre Vermehrung, die Um-
formungen des Chromatins während des Wachstums der Oocyten, die speziellen
Zellen des oberflächlichen Epithels der Keimdrüse, die indifferenten Zellen der
Markstränge. — Skrobansky (2) fand in den jungen Oocyten von 2 Wochen alten
Cavia je 1, selten 2 Dotterkerne und im Plasma schwarze, meist kugelige Körner
(Peudochromosomen). — Limon fand in den Ovarialeiern von 5—8 Monate alten
Lepus neben den Dotterkörpern Plasmakrystalloide, die zugleich mit dem Ei
selbst an Größe zunehmen. — Ancel (1) sieht im Ovarium von Canis Follikel mit
88 I. Mammalia für 1903.
2—-5 Eiern; da bei Föten, die an einer Placenta inserirt sind, das Geschlecht immer
das gleiche ist, so scheint letzteres erst nach der Befruchtung bestimmt zu werden.
— Sehönfeld (1) gibt eine vorläufige Mitteilung über die Spermiogenese bei Bos.
— Branca (2, 3) untersuchte die Hoden von in Gefangenschaft gehaltenen Lemur
rufifrons: die Hodenkanälchen enthalten z. T. nur Sertolische Zellen, andere auch
Spermatogonien (über die ausführlich berichtet wird), manche außerdem Spermato-
eyten und ausnahmsweise Spermatiden, die degeneriert sind und außer Zusammen-
hang mit dem Epithel stehen. —Branca (4) macht einige Angaben über die Struktur
der von der Hodenatrophie unberührten Ausführwege des Spermas (Canaliculi
recti, Epididymis) bei Lemur rufifrons.
Histogenese. Von Sobotta’s Compendium der Histologie und mikro-
skopischen Anatomie von Homo erschien (1) eine italienische und (2) eine fran-
zösische Übersetzung. — F. Tourneux gibt einen Grundriß der Histologie von
Homo. — Nemiloff berichtet über die Amitose bei den Riesenzellen aus dem Epithel
der Harnblase von Mus (und der Iymphoiden Schicht der Leber der Amphibia)
und konstatiert in größeren Kernen oft ein System von hellen Streifen mit dunklen
Konturen. — Löwenthal studiert die Plasmazellen im subeutanen Bindegewebe,
Mesenterium und Omentum majus von Mus rattus var. alba, sieht in ersterem oft
Zellen mit aus Granula-Reihen zusammengesetzten Fortsätzen, berichtet über
eigentümliche Fettzellen und konstatirt in manchen Zellen 2 Kerne, in anderen
eine direkte Kernteilung mit teilweiser Veränderung des Chromatins. — Grönroos
fand im Omentum erwachsener Felis Stellen, wo das Bindegewebe wenig oder gar
keine Bindegewebszellen enthält. — Studnicka (1) gibt schematische Abbildungen
ler Histogenese und des Baues des Epithel-, Knorpel- und Bindegewebes. —
Renaut (1, 3) sieht im Omentum reifer Föten von Lepus und Felis zwischen den
gewöhnlichen Bindegewebsbündeln ein aus äußerst feinen Fibrillen bestehendes
Netz, das wahrscheinlich aus Elementarfibrillen besteht. — Nach Laguesse be-
stehen die feinen Bindegewebshäutchen im Perimysium internum des Muskels
von Equus aus dünnen Fasern, die durch ein Filzwerk feinster Fibrillen mit ein-
ander verbunden sind; das lockere Bindegewebe ist ein in eine amorphe Grund-
substanz eingelagertes Filzwerk. — Nach Renaut (2) ist diese Grundsubstanz auch
in anderen Kategorien des Bindegewebes vorhanden: Untersuchungen an gedehntem
subcutanen Bindegewebe von Lepus. — Nach Zachariades (1, 2) besteht eine Binde-
gewebsfibrille aus dem Schwanz von Mus aus 3 Bestandteilen: einem axialen Faden,
einer umhüllenden Membran und der zwischen beiden gelegenen collagenen Sub-
stanz. — T. Ferrari berichtet über das elastische Gewebe und polemisiert gegen
Raineri. — Taddei arbeitet über die elastischen Fasern in Narbengeweben und
sucht damit auch etwas über Entstehung und Entwickelung der elastischen Faser
überhaupt zu erfahren. — Acquisto fand in der bindegewebigen Lage des Amnios
von Cavia elastische Fasern, die bei Homo, Bos, Sus, Canis, Felis und Lepus fehlen.
— *Klemensiewiez arbeitet über Wanderzellen, Eiterzellen und freilebende,
amöboide Zellen.
Placenta. Nach Chapman (2) hat Dasypus sexcinctus eine indeciduate,
discoidale Zonoplacenta, jedoch ist der Fötus nicht von ihr umgeben, sondern
liegt ganz außerhalb. — Bonnet berichtet über Syncytien, Plasmodien und Sym-
plasma in der Placenta der Mammalia und von Homo. — Beddard (1) gibt eine
Abbildung und kurze Beschreibung der Placenta von Blephas indicus. — *Selenka
(3) (Strahl) kommt bei Untersuchungen gravider Uteri von Simia satyrus,
I. Mammalia für 1903, 89
Hylobates und Homo zu dem Ergebnis, daß alle 3 uteri während der Gravidität
im allgemeinen den gleichen Entwicklungsgang gehen; im einzelnen ist während
der ersten Hälfte der Gravidität die Entwickelung verschieden; die fötalen
Teile der Placenta sind, abgesehen von der Größe der Chorionzotten, im
Prinzip übereinstimmeud gebaut, die Unterschiede bedingt durch Ver-
schiedenheitsn im Bau der Decidua basalis; weiteres über die Ernährung des
Embryos und die Chorionzotten. — Hierher auch Strahl. — *v. d.
Hoeven berichtet über die Placentation von Homo. — Hofbauer (1)
untersucht die fettassimilierende Tätigkeit: Aufnahme von Syncytium,
die Chorionzotte in vieler Beziehung ähnlich der Darmzotte, und (2) die
Aufnahme von Eisen aus dem mütterlichen Blut an der Placenta von
Homo. — Chipman untersucht die Placenta von Lepus cuniculus speziell auf das
Vorkommen von Glycogen, Fett und Eisen. — Woodland bringt die placentale Er-
nährung des Keims bei den Mammalia in Verbindung mit der Lokomotion. —
Rejsek berichtet über die Entwickelung der Placenta bei Spermophilus citillus.
— Nach Schönfeld (2) liegt der Hauptunterschied in der Placentation von Lepus
und Canis darin, daß bei ersterem die Decidualzellen zu grunde gehen, bei letzterem
dagegen im Plasmodium persistieren. — 3. Tourneux berichtet über das Proamnios
von Lepus.
Früheste Stadien und Tragzeit. In Hertwig’s Handbuch der
Entwickelungslehre behandelt ©. Hertwig die Keimblätter und R. Hertwig Ei-
reifung und Befruchtung. — *Minot gibt ein Compendium der Embryologie. —
(Über das corpus luteum vergl. unter 16. Degeneration). — Woodland führt den
Verlust des Dotters beim Ei der Mammalia auf die Lokomotion zurück. — *P.
L. Ferrari berichtet über die Struktur der Membrana amniotica. — Weber (3)
untersucht mit Hilfe graphischer Tabellen die örtliche Lage einiger Organe zu den
Mesodermiten während des embryonalen Wachstums von Miniopterus: aus dem
sichan den ersten Urwirbelanschließenden unsegmentierten Kopfmesoderm scheinen
neue Urwirbel gebildet zu werden. — Weber (5) fand bei Miniopterus in frühen
Stadien eine Segmentierung der Chordaanlage, die sich nicht immer in Unter-
schieden des Dickendurchmessers, sondern auch oft blos in einer besondren
Gruppierung der Zellen offenbart. — F. Marchand’s Beobachtungen an jungen
Eiern von Homo bringen nichts wesentlich neues. — Marshall gibt ausführliches
über die Geschlechtsperioden (oestrous eyclus) von Ovis: das Uterusepithel
während der mit oder ohne Blutung verlaufenden Menstruation; die Geschlechts-
periode von Ovis und die Menstruation der Primates physiologisch derselbe Vor-
gang, nur die Intensität verschieden, Putorius furo und Canis zwischen beiden
stehend; die Menstruation von Ovis eine Vorbereitung zur Geschlechtsperiode;
die Eireifung abhängig von Nahrung und Jahreszeit. — Rejsek sieht das Ei von
Spermophilus eitillus bereits abgefurcht und mit der Zona versehen in den Uterus
gelangen; die Entstehung der ersten Verbindung zwischen beiden. — Nach
v. d. Stricht ist der Pol des Eies von Vespertilio noctula, an dem die Richtungs-
körperchen gebildet werden, der vegetative; Entstehung der Polarität. — Wilson
und Hill beschreiben aus einem 10x 9'/,mm großen Ei von Ornithorhynchus
kurz den Primitivknoten, der demjenigen der Reptilia ähnelt. — Schönfeld (2)
berichtet ausführlich über die Fixation des Eies von Lepus und Canis im Üterus.
— Nach Kossmann verwandelt sich das Uterusepithel bei Lepus noch vor der An-
heftung des Eies in ein Syneytium, an dem das Ei durchVerklebung sich befestigt;
90 I. Mammalia für 1903.
gegenüber der Plactenta, an der antimesometralen Uteruswand, geht das Epithel zu
grunde; Verhalten des Chorions. — Kolster beschäftigt sich mit der Embryotrophe
beim Vorhandensein einer Decidua capsularis nach Untersuchungen an Mus mus-
eulus var. alba: wie bei den Indeciduata wird auch hier viel mütterliches Gewebe
als Nahrung für den Embryo verwandt. — Nach Cuenot (4) stammen die von einem
Chorion umgebenen Zwillinge von Tatusia novemeincta jedenfalls nur aus einem
einzigen befruchteten Ei und es besteht kein Grund für die Behauptung, daß vom
Vaterkein Einfluß auf die Bestimmungdes Geschlechts ausgeübt wird. — Selenka (1)
(Keibel) beobachtete ein Furchungsstadium v. Macacus nemestrinus (4 nackte, gleich-
große Furchungszellen; auch bei den Primates die Furchung wohl sicher noch im
Eileiter), berichtet über die Differenzierung des Keimschildes und beschreibt Em-
bryonen von Oercocebus cynomolgus, Semnopithecus cephalopterus, mitratus, maurus,
Hylobates mülleri, agilis; die Embryonen von Primates und Homo gleichen sich in
den ersten Schwangerschaftswochen ganz auffällig und unterscheiden sich von allen
anderen Säugetieren durch viele cenogenetische Erscheinungen. — Nach Hiitsch-
mann und Lindenthal dringt das Ei von Homo in die Uterusschleimhaut noch ohne
Zotten ein; weiteres über den Trophoblast, die Deceidua und die Implantation. —
F. Lewis beschreibt von einem 12mm langen Embryo von Sus nach Platten-
modellen den gröberen Bau des Gehirns, einiger Hirnnerven, der Nase, der Schlund-
bögen nebst Derivaten, des Darmkanals und seiner Anhänge, der Lunge, des
Urogenitalapparates und Gefäßsystems. — Toldt (2) berichtet über die äußere
Körperform zweier verschieden großer Embryonen von Macacus cynomolgus. —
Lee gibt eine vorläufige Mitteilung über die ersten Entwickelungsstadien der
Rodentia. — Camerano (2) beschreibt einen Fötus von Delphinapterus leucas. —
Nach Iwanoff gelingt die künstliche Befruchtung bei (Vögeln und) Mammalia:
Equus, Bos, Ovis, Lepus, Canis, Mus, und kann sogar einen größeren Prozentsatz
von Schwängerungen ergeben als die natürliche; auch verdünntes Sperma ist
wirksam ; selbst Bastardierung ist bei künstlicher Befruchtung möglich, so zwischen
Mus musculus var. alba und Mus rattus var. alba. — Nach P. Cahn trägt Antilocapra
cervicapra 6 Monate, Connochaetes taurinmus 9 Monate, Cobus unctuosus 9 Monate
1 Woche, Anoa depressicornis 9 Monate. — Nach Nehring (8) dauert die Trächtig-
keit von Canis lupus nicht 13 sondern wie bei ©. familiaris nur 9 Wochen. — Das
„Werfen“ bei Meles taxus beobachtet Temme im April, Mecklenbeck im Februar.
— Nach Märker und nach Nehring (10) macht das Ei von Meles tazus ein Ruhe-
stadium durch wie das von Capreolus.
16. Degeneration und Regeneration.
F. Cohn beschäftigt sich mit der Histologie und Histogenese des Corpus luteum
bei Lepus: die Luteinzellen entstehen aus hypertrophierten Epithelzellen der Mem-
brana granulosa, die in das corp. lut. hineinwuchernden Bindegewebssprossen
wandeln sich zu Capillaren, das interstitielle Ovarialgewebe, dem gleichfalls
sekretorische Funktion zukommt, entsteht aus der gewucherten Theca atretischer
Follikel. — Vastarini-Cresi (%) berichtet über das Trophospongium und die Holm-
grenschen Kanäle in den Luteinzellen der Mammalia. — Nach Marshall verläuft
die Bildung des corpus luteum bei Ovis ähnlich wie nach Sobotta bei Mus und
Cavia: das Bindegewebe ist nur eine Bildung der beiden Thecae, die Leucocyten
nehmen an der Entstehung des corp. lut. nicht teil; weiteres über die Atresie. —
I. Mammalia für 1903. 91
Nach Sandes entsteht das Corpus luteum (verum) von Dasyurus viverrinus durch
Invasion seiner Höhle von gefäßhaltigem Bindegewebe, das von der Theca ausgeht,
und durch eine Hypertrophie der Zellen der Membrana granulosa. — Nach (ri-
stalli besteht die perifollikuläre Zone eines reifen Corpus luteum von Homo aus
einer Infiltration von jungen Zellen mit wenig Plasma und großem, oft mit Knospen
versehenem Kern, aus diesen Zellen entstehen die Luteinzellen. — Retterer (1)
hebt an einem Metatarsus von Cavia eine kleine Strecke der Epidermis von der
Cutis ab, wiederholt dies an derselben Stelle mehrmals und sieht schließlich die
Epidermis an dieser Stelle eine Schwiele bilden, oder aber es entstehen nach
Retterer (3), wenn das Tier besonders gut ernährt wird, in der verdickten Mal-
pighischen Schicht geschlossene Follikel. Wird in derselben Weise an der perineo-
vaginalen Schleimhaut von Cavia experimentiert, so entsteht nach Retterer (2)
an der betreffenden Stelle eine chronische Phlegmasie, die durch eine Überer-
nährung, Hyperplasie und Hypertrophie des Epithels charakterisiert ist. Nach
einer Incision in die Cornea von Cavia tritt nach Retterer (6) sofort eine Wucherung
im Epithel auf, während die Substantia propria zuerst regressive Prozesse zeigt.
Diese und die früheren Arbeiten Retterers zeigen, daß die Epithelzelle das pri-
mordiale Element des Organismus ist, sie kann während ihres ganzen Lebens durch
Teilungen Zellen liefern, die sich in Bindegewebe umwandeln. .— Taddei unter-
sucht die elastischen Fasern im Narbengewebe. — Nach Ternier werden Regenerate
stets größer angelegt, als der zu ersetzende Teil ist; überzählige Gebilde am Vorder-
fuß von Cervidae werden auf Superregeneration aus einer Wunde zurückgeführt.
— Nach Barbera und Bicei nahmen bei langem Fasten Plasma und Kern der
Thyreoideazellen von Canis und Lepus an Volumen ab unter Verringerung der
Intercellularsubstanz uud Sistierung der Colloid-Produktion. — Henneberg be-
richtet über experimentell erzeugte Rückbildungsvorgänge am graviden Uterus
der Mammalia. — Über Regeneration und Degeneration im Bereich des Nerven-
systems; vergl. unter 8., im Bereich der Geschlechtsorgane: unter 14. und 15.
17. Phylogenese und Palaeontologisches.
Allgemeines. Gaskell setzt seine Darstellung vom Ursprung der
Vertebrata aus Arthropoden fort: Ableitung der Nierenkanälchen von den Nephri-
dien der Anneliden (durch primitive Arthropoden), Ableitung der Drüsen ohne
Ausführgang (Hypophysis, Thymus, Thyreoidea, Parathyreoidea, Tonsillen,
Nebennieren u. verw.) von den Coxaldrüsen; aus den primitiven dorsalen Seg-
menten der Leibeshöhle ging als ventrale Verlängerung das Nephrocoel hervor,
das sich in die Pleuralfalten erstreckte und das Metacoel der Vertebrata bildete.
— Nach Emery sind die Mammalia nicht von Tieren abzuleiten, deren Quadratum
fest mit dem Schädel durch eine Naht vereinigt war, sondern von solchen, deren
Mandibel beweglich mit dem Schädel in Verbindung stand. — Nach Rabl (2) ist
der Schädel der Mammalia direkt von einem stegocrotaphen Typus abzuleiten;
bei den Urformen der Mammalia verband sich das Squamosum direkt mit dem
Jugale, während Quadratojugale und Quadratum in die Tiefe verdrängt wurden.
— Eu. Fischer sieht im Affenschädel neue Gründe für die Ableitung des Schädels
der Mammalia von dem der Reptilia, nicht der Amphibia. — Tims gibt eine Theorie
von der Entwickelung der Zähne (‚‚eingulum-cusp-hypothesis“), die-für die Prae-
molaren nur eine Differenzierung, für die Molaren eine Verschmelzung mit Diffe-
BD) I. Mammalia für 1903.
renzierung annimmt; es basiert diese Theorie auf dem Erscheinen von kleinen
vorderen und hinteren Spitzen auf dem als Cingulum schon bei den Anomodontia
bekannten Gebilde. — Adloff bespricht die Differenzierungs- (Cope, Osborn) und
die Concrescenztheorie (Kükenthal, Röse) und gibt eigene Untersuchungen dafür,
daß auch die Incisivi gleich den Molares und Praemolares durch Verschmelzung
entstanden sind. — Leche gibt eine Phylogenese der Zähne bei den Mammalia.
Fossile Faunen.
Rußland: Pavlow (1—4) berichtet über Ungulata.
Österreich: Abel (1,2) beschreibt Funde aus dem Wiener Becken.
— Sehlosser (2,3) dsgl. aus der Böhmischen Braunkohlenformation. — Kriz
berichtet über das mährische Quartär.
Frankreich: Major beschreibt Carnivora aus dem Miocaen von La Grive
St.-Alban.
Großbritannien: PDawkins berichtet über das Pliocaen von Derby-
shire, Seharff über die Mammalia der Höhlen von Kesh; Johnston gibt Ab-
bildungen und Beschreibungen der britischen Mammalia vom Beginn des Pleisto-
caens bis zur Jetztzeit.
Spanien: Woodward beschreibt ein Pliocaenes Knochenlager von Concud.
Egypten: Andrews (2) berichtet über eine Expedition nach dem Fayum,
aus welchem auch ein Anonymus (8) eine Form beschreibt. — Stromer (f) gibt
Mitteilungen über Reste aus dem mittleren Pliocaen des Natrontales und einige
subfossile Formen.
China: Sehlosser (1) arbeitet über die fossile Fauna.
Nordamerika: Wortmann berichtet über Eocaene Primates der
Collection Marsh, Douglass über Formen aus dem Montana-Territorium, 3. €. Mer-
riam über Pliocaene und Quaternäre Canidae von Kalifornien, Sinelair über
die Erforschung der Potter-Creek-Höhle in Kalifornien, Yates über prae-
historische Funde in Kalifornien.
Südamerika: Lydekker (6) untersucht die Abstammung der süd-
amerikanischen Fauna, Nordenskjöld berichtet über fossile Mammalia des Tarija-
tals (und zwar als ersten Beitrag über Mastodon andium), Roth und Tournouer
(1,2) dsgl. aus Patagonien, Seott (1, 2) dsgl. aus Santa Cruz, Ameghino (1) über
Fossilien in den sedimentären Formationen Patagoniens (N. B. Ameghinos Arbeit
enthält zahlreiche n. g. und n. sp. als „nomina nuda‘‘ ohne Beschreibung, die in-
folgedessen in der systematischen Übersicht nicht mit aufgenommen sind!).
Pleistocaen: Frech und Geinitz b>richten über die Verbreitung der
pleistocaenen Mammalia.
Systematisches.
Primates.
Nach E. Fischer, der hauptsächlich Embryonen von Macacus cynomolgus,
Semnopithecus pruinosus und S. maurus untersuchte, sind die embryonalen Affen-
schädel noch menschenähnlicher als die der erwachsenen Affen; auch der Verlauf
der Achse ist für die Modelle des Affenschädels fast wie für Hertwig’s Menschen-
modell.
1. Mammalia für 1903. 93
Neopithecus n. nom. für Anthropodus Schlosser 1902, nec Lapouge 1894: Abel (2)
pg. 176; hierzu Schlosser (4) pg- 512.
Griphopithecus n. g. für G. suessi n. sp. aus dem Leithakalk Wiens: Abel (2) pg. 177.
Dryopithecus darwini n. sp. aus dem Leithakalk Wiens: Abel (2) p. 179.
Lemuroidea: das Gehirn behandelt, auch für fossile Formen: Smith (1) pg. 312.
— Nordamerikanische Formen aus dem Eocaen behandelt: Wortman.
Metachiromys n.g. für M. marshi n.sp. aus dem Eocaen Nordamerikas: Wort-
man pg. 347.
Megaladapis grandidieri n. sp. subfossile Knochen von Madagaskar; Standing,
pg. 229.
Palaeopropithecus mazximus und raybaudii n. spp. von Madagaskar; Standing,
pg. 231.
Chiroptera.
Archaeopteropus n.g. für A. transiens n.sp. aus dem Miocaen von Monteviale:
Meschinelli pg. 1329.
Neeronycteris n. nom. für Necromantis Weithofer 1887 nec Necromantes Gistel
1841: Palmer pg. 873.
Inseetivora.
Talpa (?) platybrachys n.sp. aus dem Tertiär von Montana: Douglass pg. 171.
Apternodus n. g. für A. mediaevus n. sp. aus dem Miocaen von Montana:
Matthew (3) pg. 202.
Micropternodus n. g. für M. borealis n. sp. ibid, Maithew (3) pg. 204.
Ietops thomsoni n. sp. ibid. Matthew (3) pg. 207.
Proterix n. g. für P. loomisi n. sp. aus dem ÖOligocaen von Dakota: Matthew
(3) pg. 227.
Carnivora.
Felidae, Viverridae, Hywaenidae. Machaerodus crenatidens n. Sp,
aus dem Pliocaen von Derbyshire Dawkins pg. 111, horribilis n. sp. aus dem
Tertiär Chinas: Schlosser (1) pg: 37.
Genetta plesictoides n. sp. aus dem Pleistocaen von Cypern: Bate (3) pg. 121.
Progenetta certa n. nom. für P. incerta Deperet: Major pg. 534.
Leptoplesictis n. g. für Herpestes filholi Gaillard: Major pg. 534.
Hyaena crocuta spelaea: Dentition und Osteologie: Reynolds, gigantea n. sp. aus
dem Tertiär von China: Sehlosser (1) pg. 35.
Oynodictis paterculus n. sp. aus dem Miocaen von Montana: Matthew (3)
pg- 209.
Canidae. Canis familiaris: über Abstammung und Phylogenese berichten:
Matthew (2), Keller, Studer, Albrecht.
Vulpes sinensis n.sp. aus dem Tertiär Chinas: Schlosser (1) pg. 4.
Daphaenus: Osteologisches gibt Hatscher pg. 65.
Proamphicyon n.g. für P. nebrascensis n.sp. aus dem ÖOligocaen Nebraskas:
Hatscher pg. 9.
Protemnocyon n.g. für P. inflatus n. sp. ibid. Hatseher pg. 99.
Hyaenognathus n.g. für H. pachyodon n.sp. aus dem Tertiär Kaliforniens: J.
€. Merriam pg. 278.
Porthocyon n. g. für P. dubius n. sp. ibid. J. €. Merriam pg. 283.
94 I. Mammalia für 1903.
Mesocyon (?) drummondanus n. sp. aus dem Tertiär von Montana Douglass p. 164.
Aelurodon (?) brachygnathus n. sp. ibid. Douglass pg. 173.
Dinoceyon ossifragus n. sp. ibid. Douglass pg. 192.
Mustelidae, Ursidae.. Putorius minor n. sp. aus dem Tertiär von Mon-
tana: Douglass pg. 192.
Meles taxipater n.sp. aus dem Tertiär von China: Sehlosser (1) pg. 28.
Bunaelurus infelix n. sp. aus dem Miocaen von Montana: Matthew (3) pg. 210.
Lutreola macrodon n. sp. Praehistorisch in Maine. D. W. Prentiss pg. 888.
Trocharion n. g. für T. albanense n. sp. aus dem Miocaen von La Grive-St.-Alban:
Major pg. 536.
Trochichtis depereti und pusilla n. spp. ibid. Major pg. 537.
Lutra brachygnathus n.sp. aus dem Tertiär Chinas: Schlosser (1) pg. 26.
Ursus spelaeus in Italien: Flores (1) pg. 10.
Pinnipedia. Phocidae: Fossile Reste in Italien: Ugolini pg. 88.
Creodontia. Pterodon africanus n.sp. aus dem Eocaen Ägyptens: An-
drews (2) pg. 341.
Pachyaena sp. aus dem Eocaen von Vaurigard: Boule pg. 4.
Rodentia.
Ableitung von Multituberculata: Ameghino (2) p. 81.
Sciurus vetustus n. sp. aus dem Miocaen von Montana: Matthew (3) pz. 213,
arctomyoides n. sp. aus dem Tertiär von Montana: Douglass p. 181.
Palaearctomys n. g. pg. 182 für P. montanus pg. 183 und P. macrorhinus pg. 184
n. spp. ibid. Douglass.
Castor fiber fossil in Yorkshire: Speight pg. 108, Sheppard pg. 109; fossil in Ruß-
land. Greve pg. 73 und 105.
Ischyromys veterior n. sp. aus dem Miocaen von Montana: Matthew (3) pg. 211.
Dipoides majori n. sp. aus dem Tertiär von China: Schlosser (1) p- 40.
M ylagaulus (?) pristinus n. sp. pg. 187, proximus n. sp. pg. 189 aus dem Tertiär
von Montana: Douglass.
Hypogeomys australis n.sp. aus dem Pleistocaen (?) Madagaskars: Grandidier:
pg- 13.
Microtus intermedius im Themsegebiet: Hinten und White pg. 414.
M ylagaulodon n. g. für M. angulatus n. sp. aus dem Tertiär von Oregon: Sinclair (2)
pg- 143.
Odontomysops n. g. für O. spiniferus n. sp., Promysops n. g. für P. acuminatus n. sp.
pg. 84, Pr. primarius n. sp. pg. 85, Propolymastodon n. g. für P. caroli-ameg-
hinoi n. sp. pg- 100, P. cardatus n. sp. pg. 105, aus dem Tertiär von Santa Cruz
Patagonien: Ameghino (2).
Palaeolagus brachyodon n. sp. aus dem Miocaen von Montana; Matthew (3)
g. 217.
Ungulata.
Bovidae. Ovis mannhardi n. sp. aus dem Pleistocaen Österreichs: Toula pg. 51.
Ibex sp. aus dem Tertiär Rußlands: Pavlow (2) pg. 200.
Protetraceros n. g. für P. gaudryi n. sp. aus dem Tertiär von China: Sehlosser (1)
pg. 136.
I. Mammalia für 1903. 95
e
Gazella altidens n. sp. pg. 131, palaeosinensis n. sp. pg. 132: aus dem Tertiär Chinas:
Sehlosser (1).
Helicotragus n. nom. für Helicophora Weithofer 1889, nec Gray 1848: Palmer
pg. 879.
Palaeoreas sinensis n. sp. aus dem Tertiär Chinas: Schlosser (1) pg. 140.
Strepsiceros praecursor n.sp. pg. 148, annectans n.sp. pg- 150 aus dem Tertiär
Chinas: Schlosser (1).
Parabos elaphus n.g. für P. ameghinoi [ameghini] n. sp. aus dem Tertiär Chinas:
Schlosser (1) pg. 152.
Plesiaddax n. g. für P. depereti n. sp. aus dem Tertiär Chinas: Schlosser (1) pg. 146.
Pseudobos |? = Criotherium pp.] n. g. für P. gracilidens n. sp. und P. intermedius
n.sp. aus dem Tertiär Chinas: Schlosser (1) pg. 148.
Cervidae. Cervidae des italienischen Pliocaen: Alessandri pg. 845. — Alci-
cephalus [= Palaeotragus] sinensis n.sp. aus dem Tertiär Chinas: Sehlosser
(1) pg. 106.
Tragoceros spectabilis n. sp. p. 143, sylvaticus n. sp. p. 144, kokeni nu. sp. p. 145
aus dem Tertiär Chinas: Schlosser (1).
Rangifer tarandus: fossil in Paris: Thieullen pg. 459.
Alces machlis: im Themsetal: E. T. Newton pg. 80.
Cervus (Coassus) entrerianus n.sp. aus dem Tertiär von Entre Rios: Roth pg. 156.
Cervus plioiarandoides n. sp. aus dem Pliocaen Piemonts: Alessandri pg: 853.
Cervavus n. g. pg. 116, für Palaeomeryx oweni Koken 1885, Ü. ruetimeyeri n. sp.
pg. 119, speciosus n.sp. pg. 120 aus dem Tertiär Chinas: Schlosser (1).
Palaeomeryx annectans n. sp. aus dem Tertiär von Böhmen: Schlosser (3) pg. 71.
Gelocus laubei n.sp. aus dem Tertiär von Böhmen: Schlosser (3) pg. 81.
Camelidae und Tragulidae. Paracamelus n.g. für P. gigas n. sp. aus
dem Tertiär Chinas: Schlosser (1) pg. 9.
Procamelus khersonensis n. sp. aus dem Tertiär von Cherson: Pavlow (3) pg. 118.
Leptotragulus profectus n. sp. aus dem Miocaen von Montana: Matthew (3)
pg. 224.
Cotylopidae. Trigenicus n.g. für T. socialis n.sp. aus dem Tertiär von
Montana: Duglass pg. 162.
Oreodon macrorhinus n. sp. ibid. Douglass pg. 163.
Leptomeryx transmontanus n. sp. ibid. Douglass pg. 167.
Promerycochoerus minor n. sp. ibid. Douglass pg. 168.
Proatrephes n.g. für P. paludicola n. sp. ibid. Douglass pg. 176.
Merychyus smithi n. sp. ibid. Douglass pg. 179.
Suidae. Sus stehlini n.sp. pg. 89, microdon n. sp. pg. 91, hyotheriodes n. sp.
pg. 92 aus dem Tertiär Chinas: Schlosser (1).
Platygonus texanus n. sp. aus dem Pliocaen von Texas: Gidley pg. 478, compressus:
Bemerkungen: Wagner pg. 777.
Hesperhys n. g. pg. 174, für H. vagrans n. sp. pg. 175 aus dem Tertiär von Mon-
tana: Douglass.
Stibarus montanus n. sp. aus dem Miocaen von Montana: Matihew (3) pg. 219.
Entelodon Aymard 1846 hat Priorität vor Elotherium Pomel 1847, Bothriodon
Aymard 1846 vor Ancodus Pomel (1847) und Hyopotamus Owen (1848).
Bush pg. 97—98.
Perissodactyla. Equidae Entwickelung: Matthew (}).
96 I. Mammalia für 1903.
Equus caballus: abzuleiten von E.grevyi Ridgeway pg. 141; palaeontologisches
und phylogenetisches: Lydekker (10) pg. 957; Domestikation im Palae-
olithicum: Munro pg. 70.
Protohippus aus Rußland: Pavlow pg. 173.
Neohipparion n. g. für N. whitneyi n. sp. aus dem Miocän von Dakota: Gidley (1)
pg. 467 (N.B. alle amerikanischen Hipparion werden demselben Genus
subsumiert).
Anchitherium zitteli n.sp. aus dem Tertiär Chinas: Schlosser (1) pg. 76.
Anchilophus desmaresti: Gehirn zeigt Beziehungen zu den Tragulidae und kleinen
schlichthirnigen Elaphiern: Weinberg pg. 491.
Hyrachyus (?) priscus n.sp. aus dem Tertiär von Montana: Douglass pg. 156.
Mesohippus latidens n.sp. ibid. Douglass pg. 161.
Aphelops (?) ceratorhinus n. sp. ibid. Douglass p. 195.
Rhinoceros spec. aus dem Pliocaen von Samos: M. Weber pg. 477; brancoi
[Dranci] n.sp. aus dem Tertiär von China: Schlesser (1) p. 64; deutsche
Tertiärformen: Schröder pg. 1; etruscus in Perugia: Bortolotti pg. 50; Molar
von Pamplona: Miguel pg. 361.
Ronzotherium reichenaui n.sp. aus dem Öligocaen von Alzey: Deninger pg. 93.
Hyracoidea u. Condylarthra. Nach Erich Fischer zeigen bei
Hyrax Carpus und Tarsus Beziehungen zu den Rodentia und fossilen Ungulata,
demgemäß ist wohl die primitivere Form der Toxodontia oder Tillodontia
die Stammform.
Megalohyrax n.g. für M. eocaenus n. sp. aus dem Eocaen des Fayum (Ägypten):
Andrews (2) pg. 340.
Arsinoetherium zitteli: Abbildung: Anonymus (8) pg. 529; andrewsi n. sp. aus
dem Eocaen des Fayum: Lankaster (2) pg. 529.
Proboscidia. Nach Andrews (1) bestehen die hauptsächlichsten Ver-
änderungen, die das Skelet vom Eocaen bis zur Gegenwart durchmachte, in einer
Verkürzung des Schädels und Erweiterung der Praemaxillaria, stärkeren Aus-
bildung der Diploe in einigen Schädelknochen, Schwächerwerden des Jochbogens
und vornehmlich in einer Veränderung des Gebisses: Verlust von C. und der JI
und J III, starke Ausbildung des oberen J V, immer mehr zunehmende Zusammen-
setzung der M. vom brachyodonten, bilophodonten (quadritubercularen) M. des
Moeritherium bis zum komplizierten Typus des Elephas. — Salensky (1, 3) leitet
auf Grund seiner Untersuchungen über das Extremitäten-Skelet die Proboscidia
von der Phenacodontidae ab: Proboscidia und Ungulata bilden divergente Reihen;
die taxeopode Bildung des Carpus bei rezenten Elephas ist sekundär. —
Mastodon lydekkeri n. sp. aus dem Tertiär Chinas: Schlosser (1) pg. 46; arver-
nensis n.sp. aus dem Pliocaen von Derbyshire: Dawkins pg. 116; andium
Dentition und Östeologie: Nordenskjöld, angustidens in Cordoba: Bofill
pg: 31; angustidens und (?) longirostris in Rußland: Pavlow (4) pg. 121; sp.
var. von Spanien: Azpeitia pg. 79.
Elephas cypriotes n. sp. aus dem Pleistocaen Cyperns: Bate (2) pg. 500; nomadicus
von der malayischen Halbinsel: Andrews (3) pg. 307; columbi in Washington:
Sternberg pg. 511; primigenius: Reduktion der Phalangen des Pollex und
Hallux und der letzten Phalangen am Il., IV., V. Finger, weshalb andere
Elephantidae nicht von E. primigenius abstammen können: Salensky (1, 3);
I. Mammalia für 1903. 97
primigenius und antiquus in Italien. Portis pg. 143; primigenius in Paris:
ThieuHen pg. 459; in Süditalien: Flores (2); über ein eingefrorenes Exem-
plar in Sibirien: Herz pg. 611.
Incertae sedis. Roth gibt folgende n.g. und n.sp. aus Patagonia:
Notamynus n.g. holdichi n. sp. pg. 133, dicksoni n. sp. pg. 135.
Notorhinus n. g. haroldi n.sp., denticulatus n. sp. pg. 136.
Megalophodon n. g. thompsoni n. sp. pg. !36, dilatatus n. sp. pg- 137.
Blastoconus n. g. robertsoni n.sp. pg. 137
Grypholophodon n.g. moreni n.sp. pg. 139; tuberculosus n.sp., tmperfectus
n. sp. pg. 140.
Helicolophodon n. g. giganteus n. sp. pg. 141.
Albertogaudrya n.g. robusta n. sp. pg. 141.
Isolophodon n.g. singulosus n.sp., aplanatus n. sp. pg. 142.
Monolophodon n.g. minutus n. sp. pg- 143.
Lemudeus n.g. angustidens n. sp., proportionalis n. sp. pg- 144.
Pehuenia n.g. insignis n. sp. pg. 144, magna n.sp. pg. 145.
Heterolophodon n. g. ampliatus pg. 145.
Trigonolophodon n. g. inflatus n.sp., elegans n.sp. pg. 146; modicus n. sp.
pg. 147.
Periphragnis n.g. cristatus n. sp. pg. 148.
Calodontotherium n.g. palmeri n.sp. pg. 148, varietatum n. sp. pg. 149.
Eurystephanodon n. g. cattanii n. sp. pg. 150, angusticephalus n.sp., crassatus
n. sp. pg. 151.
Archaeohyrax gracilis n. sp. pg. 152.
Archaeotypotherium n.g. transitum n. sp. pg. 152.
Lambdoconus n.g. elegans n. sp. pg. 153.
Anisolambda n.g. nodulosa n. sp. pg. 153.
Tachytypotherium n. nom. für Eutypotherium pg. 156.
Cetacea und Sirenia.
Nach Smith (6), der die Hirnform der Archaeoceti nach einem Ausguß des
Schädels von Zeuglodon und dem Steinkern eines vielleicht noch unbekannten
Genus beschreibt, weist die Hirnform der Archaeoceti trotz der beträchtlichen
Unterschiede auf eine Verwandtschaft mit den Cetacea hin. — Nach Abel (1)
kommt bei den älteren Odontoceti (Zeuglodon aus dem Eocaen) noch keine
Asymmetrie am Schädel vor, diese tritt erst von Squalodon (im Oligocaen) ab auf
und wird bei den rezenten deutlich. — Abel (3) berichtet über die fossilen Sirenta
des Wiener Beckens.
Cyrtodelphis sulcatus: Beschreibung des Schädels und der Zähne: Piaz pg. 187.
Zeuglodon osiris aus dem Fayum: Stromer (2) pg. 59.
Halitherium schinzi: Osteologie: Van Oort pg. 105.
Edentata und Effodientia.
Proeutatus robustus n.sp. aus dem Tertiär Patagoniens: Seott (2?) pg- 42.
Mylodon von West-Patagonien: Cordovez pg. 1.
Pareutatus n.g. für Eutatus distans Ameghino: ibid. Seott (2) pg- 68.
Arch. f. Naturges:h. 70. Jahrg. 1994. Bd. IL D.1. (L) fi
98 I. Mammalia für 1903.
Eueinepeltus complicatus n. sp. ibid. Brown pg. 453.
Glyptotherium n.g. für @. teranum n.sp. aus dem Pleistocaen von Texas: 0
born pg. 491.
Marsupialia, Multitubereulata und Incertae sedis.
Ameghino (2) leitet die Diprotodontia von den Multituberculata ab. — Bensley
gibt phylogenetisches (und Taxonomisches) über die Marsupialia mit spezieller
Berücksichtigung der Australasiatischen Formen.
Microlestes plieningeri n.sp. aus dem Rhaeticum Württembergs: Ameghino (2)
pg- 165.
Morenella n. nom. für Morenia Ameghino 1886 nec Gray 1870: Palmer pg. 873.
Tyttoconus n. nom. für Microconodon Osborn 1866 nee Microconodus Traquair
1877: Palmer pg. 873.
Plesiofelis n. g. schlosseri n. s?. p. 154, crefaceus n. sp. p. 155: fossil in Pata-
gonien: Roth.
Eutrochodon n.g. inceptus n. sp. ibid. Roth pg. 155.
II. Faunistik.
Polargebiete.
Kolthofi gibt einen Beitrag zur Kenntnis der Mammalia (und Aves) des
Nordpolargebiets. — Racovitza berichtet über die C’etacea der belgischen ant-
arktischen Expedition.
Europäisch-Sibirisehes Gebiet.
Deutschland: Maischie (3): Die Säugetierwelt Deutschlands, einst und
jetzt, in ihren Beziehungen zur Tierverbreitung.
England: Clarke berichtet über das Vorkommen von Cetacea an der
Küste von Yorkshire, Dale über die Säugetierwelt von Dorsetshire, Forrest
über die Säugetiere des Caradocdistriktes, Johnston gibt Abbildungen und
Beschreibungen der britischen Mammalia vom Beginn des Pleistocaens bis
zur Jetztzeit.
Savoyen: *Denarie berichtet über einige Mammalia, die im Aussterben
begriffen sind.
Italien: dCeeconi berichtet über die Vertebrata von Vallombrosa.
Rußland: Tiessler: die Mammalia der russischen Ostseeprovinzen;
*Satunin (2) Faunistisches aus dem Kaukasus; J. A. Allen (2) Beschreibung
einer Sammlung N-O-Sibirischer Mammalia.
Polen: Dybowski beginnt mit der Veröffentlichung von synoptischen
Tabellen zur Bestimmung der polnischen Fauna.
Cypern: Bate(4) berichtet über die Mammalia.
Asien: €abrera (1): Beschreibung einer Sammlung persischer Mammalia;
Satunin (1) Beschreibung neuer Rodentia aus C'entralasien; Noack (6) Beiträge
zur Fauna der Mammalia des Tian-Schan.
I. Mammalia für 1903. 99
Südasien.
Indien: Dalgleish berichtet über die Mammalia von Darbhanga; Bonhote
(6) dsgl. über die Mammalia der Malayischen Halbinsel.
Andamanen und Nicobaren: Kloss (1): Bericht über die Mam-
malva.
Formosa: Davidson: Bericht über die Mammalia.
Austro-malayasien: Matschie (1): die Chiroptera, Insectivora und
Muridae der Semonschen Reise; Miller (1): Mammalia der Küste und kleinen
Inseln im NW. von Sumatra; Kloss (2): Verzeichnis der Mammalia einiger Inseln
(darunter einige nova als nomina nuda, die deshalb im IV. Kap. nicht aufgenommen
wurden!)
Afrika.
Thomas und Trouessart: die Rodentia von Tunis. — Thomas (20): eine Samm-
lung Mammalia vom Sudan und (27) dsgl. von der West-Sahara. — Lortet und
Gaillard: Die mumifizierte Fauna des alten Ägyptens. — De Winton (2): Mammalia
des Natrontals in Ägypten. — Forbes: Mammalia von Sokotra. — Bocage dsgl.
der Inseln des Golfes von Guinea.
Nordamerika.
Mittler und Rehn: über die Land-Mammalia Nordamerikas. — J. A. Allen (4)
über eine Sammlung Mammalia von Alaska und dem nördlichen Britisch Co-
lumbia. — Winge dsgl. von Ostgrönland. — 3. A. Allen (5) dsgl. von Neu-Mexiko
und Durango. — Butscher: dsgl. von Maine. — Elliot (1) dsgl. von Mexiko. —
Elliot (4, 5) dsgl. von Kalifornien.
Central- und Südamerika.
Lydekker (6) berichtet über südamerikanische Mammalia und ihren Ursprung.
— Thomas (14): über südamerikanische Primates, Chiroptera und Rodentia. —
Thomas (23) über Mammalia von Matto Grosso. — Thomas (26) über desgl. von
Westpanama. — Menegaux: eine Sammlung Mammalia von französisch-Guyana.
— Bangs (4): die Mammalia von Honduras. — Festa: dsgl. von Ecuador.
Australien.
B. A. Bensley: über die australasiatischen Marsupialia. — Perkins: die Mam-
malia von Hawaii.
Primates.
Hylobates agilis und syndactylus: Verbreitung auf Sumatra: Volz.
Chiroptera.
Die Chiroptera Polens: Dybowski (1).
Rhinolophus hipposideros in Spanien: Medina pg. 319.
M yotis myotis in Girton i. J. 1888 gefunden: Bonhote (7).
Insectivora.
Insectivora Polens: Dybowski (2).
100 I. Mammalia für 1908.
Carnivora.
F. leo in Griechenland:
Felis tigris: rezente Einwanderung nach Indien: Stewart.
A. B. Meyer.
Pinnipedia.
Der Robbenfang im Jahre 1902: Southwell (1).
Phoca foetida: Reste in der arktischen Region: Camerano (1); groenlandica in
Teignmouth: Jourdain.
Rodentia.
Castor fiber: Verbreitung in Rußland: Greve.
Myoxus dryas: Verbreitung: Nehring (5).
Mus rattus: Verbreitung in Italien: Tirabosehi; M. silvaticus wintoni in Suffolk
gefunden: Southwell (2).
Ungulata.
Rangifer: Amerikanische Vertreter der Gattung: Grant (1); R.tarandus: Reste
in der arktischen Region: Camerano (5).
Alces machlis: in Norwegen: Elwes; amerikanische Formen: Grant (2).
Cervus elaphus: in N. Uist: Me Elirish.
Camelus dromedarius in Persien: Sarudnyi.
Cetacea und Sirenia.
Über den Walfang im Jahre 1902: Southwell (1); Cetacea im Atlantischen Ozean:
Vanhoeffen; dsgl. in der Antarctic: Racovitza.
Balaena: Wanderungen und Lokalrassen: Guldberg.
Balaenoptera borealis im westlichen Nordatlantie: True (3).
Physeter macrocephalus in der Schottlandsee und bei den Färöern: W. Turner.
Delphinapterus leucas und Orca gladiator an der Küste von Yorkshire: Clarke.
IV. Systematik.
Allgemeines. Über die Benennung „Mammalia“ und die dadurch aus-
gedrückte Idee: *Gill.
I. Primates.
Hautpigment: Adachi; Foramen scapulae: Frassetto (2); die Praemaxilla:
Anderson (4); geteilte Scheitelbeine: Schwalbe (2); des Parietale: R.J.
Anderson; das Temporale und der knöcherne Gehörgang: Berg; die Ohr-
muskeln: Baum u. Kirsten; die Brustmuskeln und die Deltamuskeln: Saar;
Variationen im Gebiet der Peetoralmuskulatur: Huntington; der compressor
labii: Bovero; der flexor digitorum profundus: Alezais (1, 4); die Morpho-
logie des Gehirns: Zuckerkandl (3,5); Hirngewichte: Spitzka; Sitz des
psychischen Sehcentrums: Panichi; die Pyramidenfasern und der Pyra-
midenseitenstrang: Rothmann (1); das Monakowsche Bündel: Roth-
mann (3); der Pyramidenseitenstrang: Lewandowski (1), und desgl.
Wiener und MWünzer; die aa. cerebri anteriores und die a. communicans
I. Mammalia für 1903. 101
anterior: Rothmann (2); die carotis externa: Livini; Colon und
Mesolon: van Loghen; die Menstruation der Primates im Vergleich mit den
Geschlechtsperioden und der Bildung des corpus luteum bei Ovis: Marshall;
anatomisch-morphologisches über einige Primates: *Chapman (1); das binde-
gewebige Gerüst der thyreoidea und Parathyreoidea: Flint (1).
Anthropoidei: Torsion von humerus und femur: Le Damany (1,2); das
Fehlen einer durch das Gehirn bedingten Reliefbildung an der Schädel-
Außenfläche: Schwalbe (1); Abhängigkeit der Schädelgestalt von der Kau-
funktion: Goerke; das Os frontale und os nasale: W. Jacoby; Physiologisches
über die Gehirnrinde: Grünbaum und Sherrington (1); Correlation zwischen
Funktion und feinerer Struktur in der Hirnrinde: Campbell; die Arterien
des Gehirns: Grünbaum und Sherrington (2); die Zunge und das Verhältnis
des Larynx zu den Choanen: Göppert (1,2); Placenta: Strahl; gravide
Uteri: Selenka (3) (Strahl).
Gorilla beringeri n. sp. vom Mt. Kirunga: Matschie (5) pg. 257.
Simia und Troglodytes: Muskulatur: Michaelis; T'r.: Histologie der Milz: Lehrell.
Hylobates: die MM. biceps brachii und latissimo-condyloideus: @rönroos (1, ?%);
H. hulock biologisches: Candler; H.leuciscus und H. Mülleri: Variationen
an den Großhirnfurchen und spez. der Affenspalte: Kohlbrugge (1); H. Mülleri
und A. agilis: Embryonen: Selenka (1).
Symphalangus Klossii n. sp. Pugs Is., Sumatra: @. S. Miller (8) pg. 70.
Presbytes rhinonis n.sp. pg. 64, batuanus n.sp. pg. 65: Malayisches Gebiet:
@. 8. Miller (8).
Simias n. g. pg. 66, für S. concolor n. sp. pg. 67 Pugi Is. Sumatra: 6. 8. Miller(8).
Rhinopithecus brelichi n. sp. Centralchina: Thomas (18) pg. 224.
Macacus: Das Ganglion cervicale supremum nach Durchschneidung seiner prae-
oder posteellulären Fasern: Levinsohn; der M. semimembranosus: Bühler;
der M. flexor digitorum profundus: Alezais (2); der feinere Bau der funktionell
verschiedenen Rindenbezirke: Schlapp; Gewichte frischer Gehirne: Spitzka;
gröberer Bau des Vorderhirns: Lesem.
Macacus nemestrinus: erste Entwickelungsstadien: Selenka (1); M. cynomolgus:
äußere Körperform zweier verschieden großer Embryonen: Toldt (?), em-
bryonale Schädel: Eu. Fischer; M. nemestrinus, ocreatus und niger: Variationen
der Großhirnfurchen und speziell der Affenspalte: Kohlbrugge (1); M. fuscus
n.sp. von Sumatra: 6. 8. Miller (1) pg. 476; M. pugensis n. sp. pg. 61 und
phaeura n. sp. pg. 63 Malayisches Gebiet. @. $. Miller (8).
Lophocebus n. nom. für Semnocebus Gray 1870 nec Lesson 1840: Palmer p. 373.
Cercocebus fuliginosus und Lagothrix humboldti: Baucheingeweide: Bradley (2);
O. cynomolgus und cynosurus: Variationen der Großhirnfurchen und speziell
die Affenspalte: Kohlbrugge (1); O©. cynomolgus: Selenka (1) Embryo.
Papio: Verwachsung von atlas und occipitale: Vram.
Cynocephalus: Muskulatur: Michaelis; M. semimembranosus: Bühler.
Semnopithecus maurus, pruinosus, nasicus und rubicaudus: Variationen der Groß-
hirnfurchen und spez. der Affenspalte: Kohlbrugge (1); embryonaler Schädel:
Eu. Fischer; S.cephalopterus, mitratus und maurus Embryonen: Selenka
(k); Endast der Art. sublingualis: Bertelli (2).
Uynopitheeus, Nasalis und Colobus: Gehirnoberfläche: Beddard (2).
Oercopithecus; Endast der Art. sublingualis; Bertelli (2).
102 I. Mammalia für 1903.
Inuus: M. semimembranosus: Bühler; J.rhesus: gröbere und feinere Struktur
des Dünndarms: Zipkin.
Cebus imitator n. sp. Chiriqui: Thomas (5) pg. 376.
Alouatta aequatorialis n. sp. Ecuador: Festa pg. 3.
Neocothurus n. nom. für Cothurus Palmer 1899 (= Brachyurus Trouessart, nec
Fischer) nee Champion 1891: Palmer pg. 873.
Callicebus n. nom. für Callithrix Geoffroy, nec Erxleben: Thomas (14) pg. 457.
Hapale flaviceps n. sp. Brasilien: Thomas (12) pg. 240.
Callithrix Erxleben (nee Geoffroy) tritt an Stelle von Hapale Illiger: Thomas (14)
pg. 457.
Lemwuroidei. Einfluß der Kaumuskulatur auf Schädel und Gehirn: Anthony
(1,2, 3); Ohrmuskulatur: Baum und Kirsten; M. compressor labii: Bovero;
Morphologie des Gehirns: Smith (1).
Lemur: Histologie des Hodens und sein Verhalten bei längere Zeit gefangen ge-
haltenen Tieren: Branca (1—5); der M. flexor digitorum profundus: Alezais (2).
— L. macaco: Furchen und Windungen des Gehirns: Smith (5).
Tarsius: Fasern und Windungen des Gehirns: Smith (5); Fasern des Mittel- und
Zwischenhirns: Ziehen (2); Bau des Gehirns: Ziehen (1).
Nycticebus: Bau des Gehirns: Ziehen (1); der Medulla oblongata: London.
Globilemur und Propithecus: Fasern und Furchen des Gehirns: Smith (5).
II. Chiroptera.
Die Brustmuskeln und Deltamuskel: Saar; M. compressor labii: Bovero; das Ge-
hirn: Draesicke (1); der Balken des Gehirns: Zuckerkandl (4); die Furchen
des Kleinhirns: Bradley (1) und Smith (4).
Pteropus: Das Äußere des Gehirns: Kohlbrugge (2); der Verlauf der Pyramiden-
bahn: Hatschek (1) und Draesicke (2); der feinere Bau der funktionell ver-
schiedenen Rindenbezirke: Schlapp; ein besonderer Nervenkern an der Peri-
pherie des Rückenmarkes: Draesecke (3); Genital- und Afterdrüsen: Rau-
ther (1); — Pt. giganteus Brünnich 1782 tritt an Stelle von Pt. medius Tem-
minck 1827: 6. S. Miller (8); Pt. geminosum n.sp. Mergui: 6. 8. Miller (8)
pg- 1.
Rhinolophus malayanus n.sp. Malakka: Bonhote (6) pg. 15.
Hipposiderus semoni n.sp. Australien: Matschie (1) pg. 774; H.tridens: After-
und accessorische Genitaldrüsen: Rauther (1).
N ycteris arge n. sp. Kamerun: Thomas (1%) pg. 633.
Myotis milleri n. sp. Kalifornien: Elliot (3) pg. 172; orinomus n. sp. San Pedro
Martir: Elliot (5) p. 228; californicus durangae n. subsp. Durango: J. A. Allen
(5) pg- 612.
Rhogoessa io n. sp. Venezuela pg. 382, velilla n. sp. Ecuador: pg. 383. Thomas (6).
Chilonatalus tumidifrons n. sp. Bahamas: Miller (3) p- 119.
Miniopterus: erste Stadien der Lunge: Weber und Buvignier (1, 2, 3); Entstehung
von Leber und Pancreas Weber (1,2); Segmentation der Chorda: Weber (10);
örtliche Beziehungen einiger Organe zu den Mesodermiten während des
embryonalen Wachstums: Weber (3). — M. inflatus n. sp. Kamerun: Tho-
mas (1%) pg. 634.
I. Mammalia für 1903. 103
Vesperugo: Funktion des Zentralnervensystems und Verhalten im Winterschlaf:
Merzbacher (1-3); Degeneration der Nerven im Winterschlaf: Merzbacher (4);
die Pyramiden des Gehirns: Merzbacher und Spielmeyer, und Draesecke (?);
ein besonderer Nervenkern an der Peripherie des Rückenmarkes: Draeseeke (3);
Magen: Corti (2); Verschluß des Genitalkanals beim ?: Grosser; das Ei:
v. d. Stricht.
Vesperugo und Plecotus. Genitalapparat (Nebenhode, wie epididymidis, Harn-
röhrendrüsen, Prostatadrüsen ete.) und Afterdrüsen: Rauther (1).
Vespertilio: Fehlen der Binnennetze der spinalen Ganglienzellen: Misch; Nerven-
netz in der Milzpulpa: Corti (1); Magen: Corti (2); Brunnersche Drüsen des
Darms: Anile; Trophospongien verschiedener Drüsenzellen: Holmgren (2).
Nyctinomus fulminans n. sp. Madagaskar pg. 501, cisturus n. sp. Mangala pg. 502,
demonstrator n. sp. ibid. pg. 504: Thomas (16); thersites n.sp. Kamerun:
Thomas (17) pg. 634.
Diclidurus virgo n. sp. Costa Rica: Thomas (5) pg. 377.
Rhinopoma cystops n. sp. Egypten: pg. 496, sumatrae n.sp. Sumatra pg. 497,
muscatellum n. sp. Muskat pg. 498 Thomas (10.)
Anthorhina picata n.sp. Bahia: Thomas (14) pg. 457.
Lonchophylla n.g. pg. 458, für L. mordax n.sp. Bahia pg. 459 Thomas (14).
Hylonycteris n. g. pg. 286, für H. underwoodi n. sp. Costa Rica pg. 287: Thomas (2).
Choeronycteris godmanni n.sp. Guatemala Thomas (2) pg. 288.
Diphylla centralis n. sp. Chiriqui: Thomas (5) pg. 378.
III. Galeopitheeida.
Galeopithecus: Bau des Gehirns: Ziehen (1, 3). — @. pumilus n. sp. pg. 46, aoris
n. sp. pg. 47, gracilis n. sp. pg. 49, natunae n. sp. pg. 50, saturatus n. sp. pg. 51,
tuancus n. sp. pg. 53, Malayisches Gebiet: Miiler (8).
IV. Insectivora.
M. compressor labii: Bovero; Brustmuskeln und M. deltoideus: Saar; Einfluß
der Kaumuskulatur auf die Form von Schädel und Hirn: Anthony (1,2, 3);
Bau des Gehirns: Smith (2); die Art. carotis externa: Civini; Endast der
Ärt. sublingualis: Bertelli (2); Drüsen des Darms: R. R. Bensley (1).
Tupaja castanea n. sp. pg. 54, pulonis n. sp. pg. 56, tephrura n. sp. pg. 57, chryso-
gaster n. sp. p. 58, cervicalis n.sp. pg. 59: Malayisches Gebiet: Miller (8).
Petrodomus venustus n.sp. Nyassaland: Thomas (15) pg. 340.
Erinaceus europaeus: M. flexor digitorum profundus: Alezais (1,2, 4); Histologie
des dritten Augenlids: Koch; Chemisches über die Winterschlafdrüse: Car-
lier und Evans; Brunnersche Drüsen des Darms: Anile; Beziehung von
Lebergewicht zu Körpergewicht und Körperoberfläche: Maurel (13);
Trophospongien verschiedener Drüsenzellen: Holmgren (2); accessorische
Genitaldrüsen: Rauther (2); Blutgefäße in den Nebennieren nach Injektions-
versuchen: Felieine; Binnennetze der spinalen Ganglienzellen: Misch;
Histologie der Nebennieren: Holmgren (1); das ligamentum inguinale: Neu-
heuser; ÖOogenese: Skrobansky (1,2%). — E. orientalis n. sp. von Wladiwo-
stok; Allen (2) pg- 179,
104 I. Mammalia für 1903.
Nannospalax n. nom. für Microspalax Nehring 1898 nec Trouessart 1885: Palmer
pg- 873.
Sorex: Entwickelung und Homologie der Furchen des Kleinhirns: Bradley(1) und
Smith (4); S. vulgaris: Nahrungsverbrauch: Rörig (I). — $. buzxtoni n. sp.
N.O.-Sibirien: Allen (2) pg. 181, oreinus n. sp. Kalifornien Elliot (3) pg. 172.
Crocidura russula cypria n. subsp. Cypern Bate (4) pg. 344; Cr. doriana gwineensis
n. subsp. Spanisch Guinea Cabrera (4) pg. 22.
Macroscelides: Gehirn: Smith (2).
Talpa europaea: Biologisches: Adams; Brunnersche Drüsen des Darms: Anile;
Entwickelung der Nebennieren: Soulie (1); accessorische Genitaldrüsen:
Rauther (2); Histologie der Vagina: Tourneux (2); Embryo (ein Gebilde,
das an das Pronephros der Oviparen erinnert; Canalsystem der Epididymis):
Tourneux und Soulie; Zahl der Mammae: Adams; Innervation der Schnauze:
Botezat (1).
Über Talpa romana und andere Formen europäischer Talpa: Camerano (6).
Scalops: Bau des Auges: Slonaker.
Centetes: Topographie des Hodens: Neuheuser.
V. Carnivora.
Wie die ©. ihre Beute töten: Wallinger; Mm. subcostales und transversi costarum:
Pardi; Ohrmuskulatur: Baum und Kirsten; M. compressor labii: Bovero;
Brustmuskulatur und M. deltoideus: Saar; Einfluß der Kaumuskulatur auf
die Form von Schädel und Hirn: Anthony (1,2,3); Drüsen des Darms:
R. R. Bensley (1); Art. carotis externa: Livini; Endast der art. sublingualis:
Bertelli (2).
Felidae Viverrida ER: | yaenidae. Felis domesticus: Anatomie
aller Organsysteme: Davison; Histologie der Muskeln: Münch; Muskulatur
der Extremitäten und des Rumpfes: Haack; M. obliquus externus: Bar-
deen (1); M.flexor digitorum profundus; - Alezais (1, 4); M. semimembra-
nosus: Bühler; Vorderarm-Muskulatur: Alezais (3); 2 abnorme Muskeln:
Pearl; Histologie des dritten Augenlids: R. Koch; pericelluläre Netze der
Ganglienzellen in der Retina: Cavali&e (1—3); das Fehlen direkter Commissuren
zwischen beiden Retinae: Rebizzi; die Papillae circumvallatae: Musterle;
Neurilemmzellen und Achsencylinder: Hilliburton und Mott; Histologie der
Hypophyse: Gentes (1—3); Binnennetze der spinalen Ganglienzellen: Misch;
feinerer Bau der funktionell verschiedenen Rindenbezirke: Schlapp; Histo-
logie des corpus trapezoides, des ventralen Acusticuskerns und der Held’schen
Acusticuskelche: Donaggio (1—2); Faserverlauf im Gehirn: Probst (2);
Verhalten der Ganglien nach Durchtrennung der peripheren sensiblen Nerven:
Köster; die periphere Abstammung sensibler Nerven: Bikeles und Franke (1);
Veränderungen in den Seitenhornzellen nach Durchschneidung des Hals-
sympathicus: Herring; Degeneration des N. radialis nach Abtrennung vom
Zentrum und von dem peripheren Endorgan: Head und Ham; Verhalten
von Nervenstümpfen: Langley und Anderson; Verhalten der Vagusfasern
in der Medulla oblongata: TriconisAllegra (3); Nerven-Ende in der Pleura:
Dogiel (3); sensible Nervenenden in der Wangenschleimhaut: Cutore; die
Blutgefäße in der Substantia gelatinosa des Rückenmarks: Pitzorneo (2);
I. Mammalia für 1903. 105
das Epithel des parietalen Pericardialblattes und der Pleura: Sommer; das
Arteriensystem: Pitzorno (1); Perforation einer Vene durch eine Arterie:
Weysse; die venös-arteriellen Anastomosen in Nasenschleimhaut, Ohr-
muschel etc.: Vastarini-Cresi (1); später wieder zurückgebildete Zweige des
ductus venosus aurantii: Broman; Muskulatur des Magens: Weissflog; die
muscularis mucosae des Magens: Bienenfeld; Biochemie des Magens: Mosse;
die Brunnerschen Drüsen des Darms: Anile; drei Fälle eines Pankreas-
Reservoir: W. 8. Miller; Bau der Nebennieren: Ciaceio (1,2%); Entwickelung
der Nebennieren: Soulie (1); Histologie der Nebennieren: Holmgren (1);
Blutgefäße der Nebennieren: Felieine; Nerven der Milchdrüse: Trieomi-
Allegra (2); Fett im Hoden: Loisel; das Fibrillennetz im Omentum reifer
Föten: Renaut (1, 4,5); das Bindegewebe im Omentum erwachsener Tiere:
Grönroos (3).
Felis catus: Beschreibung: Nehring (6, 9); ricketti n. sp. pg. 374, ingrami n. sp.
pg. 474, villosa n. sp. pg. 475: China: Bonhote (4); glaucula n. sp. Mexiko
pg- 235, pardinoides oncilla n. subsp. Costariea: p. 237, pard. andina n. subsp.
Ecuador pg. 238, salinarum n.sp. Cordoba: pg. 237 Thomas (12); aztecus
brown? n. subsp. Arizona: €. H. Merriam (2); tigris im Sanskrit: Ramanan
und Bonhote (8).
Eucervaria n. nom. für Cervaria Gray 1867 nee Walker 1866: Palmer pg. 873.
Lynx lynxz: Beschreibung der „letzten‘‘ Luchsjagd: v. Veltheim; Fehlen des
vordersten Lückzahns im Oberkiefer: Nehring (7); ruffus escuinapae n. subsp.
Mexiko: 3. A. Allen (6) pg. 614.
Hemigale minor n. sp. Sumatra 6. 8. Miller (8) pg. 43.
Paradozus lignicolor n. sp. Sumatra 6. 8. Miller (8) pg. 44; minor n. sp. Malakka:
Bonhote (6) pg. 9.
Cryptoprocta ferox: Genitalorgane eines jungen 9: Lönnberg (1).
Herpestes: M. flexor digitorum profundus: Alezais (1, 2%, 4); Herpesies hosei n. sp.
Borneo: Jentink (2) pg. 226; ruddi n. sp. Namaqualand: Thomas (15) pg. 466;
albicauda almodovari Abbildung: Cabrera (4).
Canidae. (anis familiaris: Phylogenese und Rassenbildung: Keller, Studer,
Albrecht, Matthew (2); Wachstum des Schädels verschiedener Rassen:
Schmitt; Praevertebrale, dorsale und laterale Rumpfmuskulatur: Favaro (1);
M. obliquus externus: Bardeen (I); M.flexor digitorum profundus: Ale-
zais (1,2, 4); Veränderungen in Muskel, Knochen und Gelenk nach opera-
- tiver Sehnenverlagerung: Demoor; das Fehlen monopolarer Ganglien-
zellen im verlängerten Mark: Vincenzi (1); intercelluläre Fibrillen, Golgische
Netze und Achsencylinder im Centralnervensystem: Bielschowski; Granu-
lationen und färbbare Körperchen der Ganglienzellen: Marinesco; Binnen-
netze der spinalen Ganglienzellen: Misch; Gliafasern: Held (2); der feinere
Bau der funktionell verschiedenen Rindenbezirke: Schlapp; die Heldschen
Akustikuskelche im Corpus trapezoides: Donaggio (2); Verhalten der Ganglien
nach Durchtrennung der peripheren sensiblen Nerven: Köster; Verhalten
des ganglion cervicale supremum nach Durchschneidung seiner prae- oder
postcellulären Fasern: Levinsohn; die für die Segmente der Extremitäten
und die Muskelgruppen bestimmten Rückenmarkszentren; Lapinski (1, 2);
Veränderungen in den Vorderhornzellen nach Durchschneidung der sen-
106 I. Mammalia für 1903.
siblen Rückenmarkswurzeln: Braeunig (2); Einfluß der psychomotorischen
Bahnen auf die Vorderhornzellen: Braeunig (1); der Pyramidenseitenstrang:
Wiener und Münzer; ein neuer Nervenkern lateral vom fasciculus solitarius:
Mellus; Histologie der Hypophyse: Gentes (1, 2, 3); periphere Abstammung
sensibler Nerven: Bikeles und Franke (1); die Nervenenden in der Pleura:
Dogiel (3); Alterserscheinungen an den Ganglien: Manouelian, und Vallee;
das Fehlen direkter Commissuren zwischen beiden Retinae: Rebizzi; Ana-
tomie der papillae circumvallatae: Musterle; Mechanismus der respiratorischen
Stimmritzenbewegung: De Beule (3); die artt. encephalicae corticales:
Bianchini; das Endothel der Lymphgefäße: Mac Callum (1, 2%, 3); die
elastischen Fasern in der Wand der Lymphgefäße: Held (?); Entwickelung
der Milz: Pinto; Histologie der Milz: Mall (1); Zirkulation in der Milz: Ja-
nosik; Muskulatur des Magens: Weissflog; Biochemie des Magens: Mosse;
die Brunnerschen Drüsen des Darms: Anile; Strukturveränderungen
des Pancreas: Fichera; die Beziehungen zwischen Lebergewicht und
‚Körpergewicht bez. Körperoberfläche: Maurel (1, 2, 3); das binde-
gewebige Gerüst, die Thyreoidea und Parathyreoidea: Flint (1); feinerer
Bau der Thyreoidea: Demoor und van Lint; Verhalten der Thyreoid-
zellen nach Fasten: Barbera und Biceci; Entwickelung der Nebennieren:
Soulie (4); der chemotaktische Einfluß verschiedener Agentien auf die
Spermien: Löw; Innervation von Hoden und Ovarien: Ganfini (1); Fett
im Hoden: Loisel; Nerven der Milchdrüse: Tricomi-Allegra (2); Fixation
des Eies: Schönfeld (2); mehreiige Follikel im Ovarium: Ancel (1); die
Geschlechtsperiode im Vergleich zu Ovis und den Primates: Marshall; künst-
liche Befruchtung und Bastardbildung: Iwanoff.
Canis familiaris $ = CO. lupus 2: Beschreibung, Abbildung, Ranzzeit, Trächtig-
keitsdauer: Anonymus (4).
Canis albus: Biologie, Abbildung: Madsen; lupus: Beschreibung und Trächtig-
keitsdauer: Nehring (8); anthus sudanicus n. subsp. Kordofan: Thomas (20)
pg. 295; clepticus n. sp. San Pedro Martir: Elliot (5) pg. 225; thous (= caneri-
vorus) angulensis n.sp. Brasilien: Thomas (14) pg. 460; impavidus n. sp.
Durangg: 3. A. Allen (5) pg. 609; amblyodon n.sp. pg. 157; maullinicus
n. sp. trichodactylus n. sp. pg. 158, albigula n.sp., torquatus n. sp. pg- 159:
sämtlich aus Chile: Philippi; sladeni n.sp. Matto Grosso: Thomas (%3)
pg. 235.
Urocyon cinereoargenteus borealis n. subsp. New Hampshire: pg. 74, catalinae
n. sp. pg. 74, clementae n. sp., litloralis sanctacruzae n. subsp. Santa Barbara-
Inseln: pg. 75 €. H. Merriam (2).
Vulpes vulpes: Melanismen: Kiunzinger; Färbungsvarietäten: Thienemann;
Musecularis des Magens: Bienenfeld; anadryensis n. sp. Ostsibirien: 3. A. Allen
(2) pg. 107; arsipus n. sp. Kalifornien: Elliot (%) pg. 256.
Mustelvidae. Galietis andina n.sp. Peru: Thomas (15) pg. 462; canaster
Exemplar aus Mexiko: Bangs (3) pg. 101.
Mustela: Blutgefäße in der substantia gelatinosa des Rückenmarkes: Pitzorno (2);
M. americana kenaiensis n.subsp. Alaska: Elliot (?) pg. 151.
Putorius: Arteriensystem: Pitzorno (1); P. putorius: Ranzzeit: Anonymaus (5);
P. furo: Geschlechtsperiode im Vergleich zu den Primates, zu Ovis, und Canis;
I. Mammalia für 1903 107
Marshall; P. pygmaeus n. sp. Nordostsibirien: 3. A. Allen (2) pg. 176; mi-
crotis n. sp. Britisch-Kolumbia: J. A. Allen (4) p. 563; streatori leptus n. sub-
sp. Kolorado: €. H. Merriam (2) pg. 76; vison melampeplus n. subsp. Alaska:
Elliot (3) pg. 170.
Meles taxus: Ranzzeit: Ad. Müller, Augustin, Schmidt-Borstel, Birke, Schulz,
Winckelmann, Nehring (10), Märker; Peritoneum: Anderson (3); Ver-
halten des Eies; Nehring (10), Wärker; Tragzeit: Cocks; ‚‚Werfen‘: Temme,
Mecklenbeck.
Gulo luteus n. sp. Mt. Whitney: Elliet (%) pg. 260.
Spilogale arıizonae martirensis n. subsp. Kalifornien: Elliot (3) pg. 170.
Conepatus hunti n.sp. Peru: Thomas (14) pg. 461.
Lutra vulgaris: Muscularis mucosae des Magens: Bienenfeld; Ranzzeit: Frischauf;
L. matschiei n.sp. Spanisch Guinea: Cabrera (2) pg. 182 und (4) pe. 30.
Helictis pierrei n. sp. Cochinchina: Bonhote (5) pg. 592.
Procyonidae und Ursidae. Bassariscus sumichrasti n. subsp. Chiriqui:
Thomas (5) pg. 379; albipes n. sp. Mexiko: Elliot (%) pg- 258.
Ursus arctos: Melanismen: Klunzinger; Hirnfurchen: Fish; U. maritimus: Todes-
ursache eines Londoner Exemplars: Salaman; Schädel: Camerano (3);
U. altifrontalis n.sp. Washington: p. 234, machetes n.sp. Mexiko: pg. 235:
Elliot (6); hylodromus n. sp. Nordwestterritorien: Elliot (%) pg. 257; U. arctos,
tibetanus, japanicus, rexi etc. Asiens: Noack (5).
Pinnipedia. Robbenfischerei im Jahre 1902: Southwell (1); Os occipitale:
Cleland; Arteriensystem: Pitzorno (1); Odobaenus, Zalophus und Monachus:
Hirnfurchen: Fish.
Odobaenus rosmarus und obesus: Schädel: Camerano (4).
Phoca: Hirnfurchen: Fish; M. palpebralis: Groyer.
VI. Rodentia.
Homologie der Ossa pelvis mit solchen der Reptilia und Marsupialia: Parsons (1);
Ohrmuskulatur: Baum und Kirsten; M. compressor labii: Bovere; Brust-
muskeln und M. deltoideus: Saar; M. popliteus und das Sesambein, von dem
derselbe als M. tibio-sesamoideus entspringt: Fürst; Art. carotis externa:
Livini; die ersten Entwickelungsstadien: Lee.
Sciuridae. Sciurus vulgaris: Melanismen: Klunzinger; M. flexor digitorum
profundus: Alezais (1, 4); Processus postsphenoidei: Staurenghi (2). —
Sc. castus n. sp. Paraguay: Thomas (8) pg. 488; roberti n.sp. Pernambuco:
Thomas (14) pg. 463; Sec. (Mierosciurus) boquetensis n.sp. Panama: Nelson
pg- 121; mansalensis n. sp., bancarus n. sp. pg. 451, saturatus n. sp. pg- 453,
pretiosus n. sp. pg. 454, ibericolor n. sp. pg. 455, erebus n. sp. pg. 456; sämtlich
von N. W. Sumatra: Miller (1); fremonti Iychnuchus n. subsp. Neu Mexiko:
Stone und Rehn pg. 18; robinsoni n. sp. Malakka: Bonhote (6) pg. 24; bili-
mitatus n. Sp. Ppg. 8, pemangilensis n.sp. pg. 9, aoris n.sp. pg. 10, penin-
sularis n. sp. pg. 10, pannovianus n. sp. pg. 11, istericus n. sp. pg. 12, atratus
n. sp. pg. 13, piniensis n. sp. pg. 14, balae n. sp. pg. 14, pumilus n. sp. pg- 15,
lancavensis n. sp. pg. 16, adangensis n. sp. pg. 17, sullivanus n. sp. pg. 17,
domelicus n.sp. pg. 18, bentincanus n.sp. pg. 19, matthaeus n. sp. pg. 19,
lucas n. sp. pg. 20, casensis n. sp. pg. 20, altinsularis n. sp. pg. 21, rubeculus
108 I. Mammalia für 1903.
n. sp. pg. 22: sämtlich vom Malayischen Gebiet: Miller (8); decemlineatus
n.sp. Siam: Miller (5) pg. 147; douglasi orarius Bangs eine gute subsp.:
Bangs (2) pg. 99; mollipilosus und Verwandte: Bemerkungen: J. A. Allen (%)
pg- 126.
Xerus erythropus: processus postsphenoidei: Staurengbi (2).
Batufa insignis n. sp. pg. 4; conspieua n. sp. pg. 5, balae n. sp. pg. 6, masae n. sp.
pg. 7, piniensis n. sp. pg. 8: sämtlich vom Malayischen Gebiet: Miller (8);
femoralis n.sp. pg. 447; nigrescens n.sp. pg. 448, laenata n.sp. pg. 449:
sämtlich von N.-W.-Sumatra: Miller (1).
Tamias townsendi littoralis n. subsp. Oregon: Elliot pg. 154.
Eutamias canicaudus n. sp. Washington: Merriam (2) pg. 77; durangae n. sp. Du-
rango: 3. A. Allen (5) pg. 594.
Funambulus rostratus n. sp. pg. 24, peninsulae n. sp. pg. 25, beide Malayisches
sebiet: Miller (8); insignis jaloransis n. subsp. Malakka: Bonhote (6) pg. 25.
Spermophilus eitillus: Muskelbündel der Schwanzhaare und ihre Nerven: Kahn;
Artikulation der processus petrosi: Staurenghi (1); Entwickelung, des Dia-
phragma: Völker (2); die Medulla oblongata und der zentrale Verlauf des
N. cochlearis: Weigner; Ei und Placenta: Rejsek. — Sp. pallidicauda n. sp.
Gobi-Altai: Satunin (1) pg. 551.
Citellus grammurus utah n. subsp. von Utah: Merriam (2%) pg. 77; adocetus n. sp.
Mexiko: Merriam (3) pg. 79; plesius ablusus u. sp. pg. 25, nebulicola n. sp.
pg- 26, beide Alaska: Osgood; buzxtoni n. sp. Ostsibirien pg. 137, stejnegeri
n. sp. pg. 142, beide von Kamtschatka: J. A. Allen (2); sionei n. sp. Alaska:
3. A. Allen (4) pg. 537; grammurus rupestris n. subsp. Durango: 3. A. Allen (5)
pg- 595; vinnulus n. sp. pg. 241, chlorus n. sp. pg. 242, cremonomus. u. Sp.
pg- 243, beide aus Kalifornien: Elliot (7).
Aretomys marmotta: Processus postsphenoidei: Staurenghi (2); M. flexor digi-
torum profundus: Alezais (1, 4); Verhalten während des Winters und Winter-
schlaf: Blanchard; Tätigkeit der Drüsen des Verdauungstraktus im Sommer
und während des Winterschlafs: R. Monti und: A. und R. Monti; Biologisches:
Girtanner.
Seruropterus buechneri n. sp. Gansu: Satunin (I) pg. 549; moereus n. sp. Sumatra:
Miller (8) pg. 26:
Petaurista batuana n. sp. Sumatra: Miller (8) pg. 27.
Gliridae und Castoridae. Myoxus: Rinde und Mark der Nebennieren:
Diamare. — Myoxus dryas geteilt in: M. d. intermedius (Steiermark, Tirol),
M.d. Wingei (Griechenland) und M.d. pietus (Kleinasien, Palästina ete.):
Nehring (1,5); über den M.d. intermedius Nehrings: Sedlaczek. — M. glıs
orienlalis n. subsp. Kleinasien: Nehring (2) p. 187.
Eliomys gymmesicus n. sp. Minorka pg. 494, lerotinus tunetae n. subsp. Tunis pg. 495
Thomas (9).
Castor fiber: in Rußland: Greve, in Deutschland: Anenymus (1, 2) und Diederich.
Muridae. Maus: Farbenvererbung: Bateson; Verhalten von Chorda und
Basalplatte: Rebinson (2); Mißbildung der Ineisivi: Wiedersheim (2); Histo-
logie der Muskeln: Münch; M. obliquus externus: Bardeen (1); M. flexor
digitorum profundus: Alezais (1, 4); die Gliafasern: Held (2); die zwei Zell-
arten der Neuroglia: Hatai; Bau der Spinalganglien: H. Fuchs; Binnennetze
I. Mammalia für 1903. 109
der spinalen Ganglienzellen: Misch; das Fehlen monopolarer Ganglienzellen
im verlängerten Mark: Vincenzi (1); Verhalten der Vagusfasern im ver-
längerten Mark: Trieomi-Allegra (3); die Hypoglossusfasern: Vineenzi (2);
Histologie des dritten Augenlids: R. Koch; Bau der papilla foliata: Stahr;
Saftkanälchen der centralen Ganglienzellen: Pewsner-Neufeld; Zirkulation
in der Milz: Janosik; „Magenzotten‘‘ Dekhuyzen und Vermaat; Biochemie
des Magens: Mosse; Resorption am überlebenden Darm: Reuter; die
Brunnerschen Drüsen: Anile; Trophospongien verschiedener Drüsenzellen:
Holmgren (2); Entwickelung der Nebennieren: Soulie (1); Rinde und Mark
der Nebennieren: Diamare; Herkunft von Rinde und Mark der Nebennieren:
Roud; die Blutgefässe in den Nebennieren, Felieine; Fett und eine dem Leecithin
nahestehende Substanz im Hoden: Regaud (2); die Samenblasen: Akutsu (2);
Verschwinden der Samenzellen nach Ligatur des Vas deferens: Regaud und
Tournade; chemotaktischer Einfluß verschiedener Agentien auf die Spermien:
Löw; Epithel des Genitalstranges: Kempe; die accessorischen Genitaldrüsen:
Rauther (2); die Nerven der Milchdrüse: Trieomi-Allegra (2); Amitose bei
den Riesenzellen aus dem Epithel der Harnblase: Nemiloff; histologischer
Bau der Bindegewebsfibrille aus dem Schwanz: Zachariades (1, 2); Oogenese:
Skrobansky (1, 2).
Mus vicerex n. sp. Simla: Bonhote (3) pg. 473; jalorensis n. sp. pg. 29, grisei-
venler annandali n. subsp. pg. 30 beide von Malakka: Bonhote (6); simalurensis
n. sp. pg. 458, domitor n. sp. pg. 461, catellifer n. sp. pg. 464; von N. W. Su-
matra: 6. 8. Miller (1); siridens n. sp. pg. 28, maithaeus n. sp. pg. 29, stri-
dulus n. sp. pg. 29, lucas n. sp. pg. 30, soccatus n. sp. pg. 30, masae n. sp.
pg: 32, balae n. sp. pg. 33, lugens n. sp. pg. 33, julianus n. sp. pg. 34, gilbi-
venter n. Sp. Pg- 35, luteolus n. sp. pg. 36, umbridorsum n. sp. pg. 37, bentin-
canus n. Sp. Pg- 38, casensis n. Sp. pg. 38, domelicus n. sp. pg. 39, pugensis
n. sp. pg. 39: sämtlich vom Malayischen Gebiet: @. S. Miller (8); gigas n. sp.
pg. 561, gansuensis n. sp. pg. 562, turkestanicus n. sp. pg. 588: Zentralasien:
Satunin (1); mystacinus smyrnensis n. subsp. Smyrna: Thomas (11) pg. 188;
hypoxanthus bacchante n.sp. Britisch-Ostafrika: pg. 342 und hyp. unyori
n. subsp. Unyoro: pg. 343: Thomas (13); decumanus: Beziehungen zwischen
Bau und Funktion des Lymphappates des Darmes: Erdely u. Asher; Ent-
wickelung der Thyreoidea und der Thymus: Zuckerkandl (1); rattus var.
alba: Plasmazellen im subeutanen Bindegewebe des Mesenterium und Omen-
tum: Löwenthal; rattus var. alba ‘X musculus var. alba: durch künstliche Be-
fruchtung erzeugte Bastardsbildung: Iwanoffi; musculus: Farbvererbung:
Cuenot (1I—3); Embryotrophe: Kolster.
Gerbillus kozlovi n. sp. pg. 553, tamaricinus satschouensis n. subsp. pg. 555,
turfanensis n. sp. pg. 557; opimus nigrescens n. subsp. p. 560: sämtlich von
Zentralasien: Satunin (1); agag n.sp. von Kordofan: Thomas ae) pg. 296;
latastei n. sp. Tunis: Thomas und Trouessart pg. 172.
Meriones blackleri n. sp. Smyrna: Thomas (11) pg. 189.
Dipodillus henleyi n.sp. Esypten: De Winton (2) pg. 284.
Pachyuromys duprasi natronensis n.subsp. Egypten: De Winten (2) pg. 285.
Hyomys n. g. für H. meeki n. sp. Neuguinea: Thomas (22) pg. 199.
Anisomys n.g. pg. 199 für A. imitator n.sp. Neuguinea pg. 200: Thomas (22).
Nesocia argyropus n. sp. Persien: Cabrera (1) pg. 118.
110 I. Mammalia für 1903,
Acomys nesiotes u. sp. Cypern: Bate (1) p. 565; Mitschell pg. 260.
Arvicanthis dunni n.sp. Kodofan: Thomas (20) pg- 297.
Leggada tenella n. sp. Blauer Nil: Thomas (20) pg. 298.
Lenothrix n.g. für L. canus n.sp. Sumatra: G. S. Miller (11) pg. 466.
Moschomys n. nom. für Megalomys Trt. 1881 nee Megamys Laurillard 1848:
Trouessart pg. 386, type: Mus pilorides.
Kannabateomys amblyonyx pallidior n.subsp. Paraguay: Thomas (8) pg- 489.
Chiropodomys niadis n.p. Sumatra: G. S. Miller (8) pg- 40.
Dendromys messorius n.sp. Kamerun p. 340, insignis n. sp. Britisch-Ostafrika
pg- 341: Thomas (13).
Fiber occipitalis n. sp. Oregon: Elliot (3) pg. 162.
Neotoma navus n. sp. pg. 17 und goldmani n. sp. pg. 48: beide Mexiko: Merriam (1);
distincta n. sp. Mexiko: Bangs (1) p. 89; bella felipensis n. subsp. Kalifornien:
Elliot (5) pg. 217; fuscipes mohavensis n. subsp. pg. 246 und desertorum grandis
n. subsp. pg. 247: beide Kalifornien: Elliot (s); intermedia durangae n. subsp.
Mexiko: 3. A. Allen (5) pg. 602.
Nelsonia goldmani n. sp. Mexiko: Merriam (3) pg. 80.
Teonoma cinerea acraia n. subsp. Kalifornian: Elliot (7) p. 247.
Teanopus n. g. für T. phenax n. sp. Sonora: Merriam (3) pg. 81.
Cricetus vulgaris babylonius n. subsp. Bagdad: Nehring (4) p. 360.
Cricetulus phaeus griseiventer n. subsp. pg. 566, dichrootis n. sp. pg. 567, robo-
rovskii n. sp. pg. 571: sämtlich Zentralasien: Satunin (1).
Urocricetus n.g. für U. kamensis n. sp. Tibet Satunin (1) p. 574.
Oxymycterus quaestor n. sp. Brasilien Thomas (1) p. 227, delator n. sp. Paraguay
Thomas (8) pg. 489; microtis n.sp. Patagonien: J. A. Allen (3) pg. 189.
Peromyscus leucurus gadovii n. subsp. pg. 484, beatae n. sp. pg. 485, cecilii n. sp.
pg. 486, sämmtlich Mexiko: Thomas (7); perimekurus n. sp. Oregon pg. 156,
hemionotus n. sp. pg. 157, gaurus n.sp. pg. 157, homochroa n. sp. pg. 158,
oresterus n. sp. pg. 159: sämtlich Kalifornien, catalinae n. sp. Catalina-Insel:
pg- 160: Elliot (3); petraius n. sp. pg. 242, parasiticus n. sp. pg. 242: beide
Kalifornien, metallicola n. sp. pg. 245: Mexiko: Elliot (%); paulus n. sp. pg. 598,
texanus flaccidus n. subsp. pg. 599 beide Mexiko: J. A. Allen (5).
Oryzomys sublineatus n. sp. Brasilien: Thomas (12) pg. 240.
Onychomys macrotis n.sp. Kalifornien: Elliot (3) pg. 155; pulcher n. sp. Kali-
fornien: Elliot (%) pg. 245; ruidosae n.sp. Neumexiko: Stone und Rehn
pg- 22.
Sigmodon puna n.sp. Ekuador J. A. Allen (1) pg. 99; baileyi n.sp. Mexiko:
J. A. Allen (5) pg. 601; hispidus fervidus n.subsp. Honduras: Bangs (4)
p- 158.
Reithrodon cuniculoides obscurus n. subsp. pg. 190, hatscheri n. sp. pg. 191: beide
Patagonien: J. A. Aiien (3).
Euneomys petersoni n. sp. Patagonien: J. A. Allen (3) pg. 192.
Rhitrodontomys albescens n.sp. Nebraska: Cary pg. 53; megalotis sestinensis
n. subsp. Mexiko: J. A. Allen (5) pg. 602; peninsulae n.sp. Kalifornien:
Elliot (3) pg. 164; catalinae n. sp. Kalifornien: Elliot (7) pg- 246.
Akodon suffosus n. sp. pg. 241, (C'helomys n. subsp.) vestitus n. sp. pg. 242, beide
Patagonien: Thomas (12).
I. Mammalia für 1903. 111
Nectomys syquamipes mattensis n.subsp. Matto Grosso: Thomas (23) pg. 238.
Rhipidomys roberti n. sp. Matto Grosso: Thomas (23) pg. 237.
Neacomys spinosus amoenus n. subsp. Matto Grosso: Thomas (23) pg. 239.
Eosaccomys n. nom. für Saccostomus Peters 1846 nec Fitzinger 1843: Palmer
pg- 873.
Microtus (Pitymys) thomasi n.subsp. Montenegro, pg. 306, hartingi n. subsp.
Thessalien: pg. 307: Hamilton (2), californicus hyperuthrus n. subsp. Kali-
fornien: Elliot (3) pg. 161, nanschanicus n. sp. pg. 575, limnophilus flavi-
ventris n. subsp. pg. 577, tsaidamensis n. sp. pg. 579, kaznakowi n. sp. pg. 581:
sämtlich Zentralasien. Satunin (1).
Evotomys (Craseomys) latastei n. nom. für Arvicola rufocanus kamtschaticus La-
taste 1884 nec Arv. kamtschaticus Polyakoff 1881: J. A. Allen (2) pg. 145;
jockelsoni n. sp. Kolyma J. A. Allen (2) pg. 148; scomerensis n. sp. Wales: Ha-
milton (4) pg- 316.
Synaptomys andersons n. sp. pg. 554 und chapmani n. sp. pg-. 155, beide Britisch-
Columbia: 3. A. Allen (4).
Lemmus obensis chrysogaster n. subsp. Sibirien: J. A. Allen (2) pg- 153.
Dipodidae und Spalacidae: M.flexor digitorum profundus: Alezais
(1, 4).
Sminthus tianschanicus n. sp. Tianschan: Salensky (2) pg. 17.
Cardiocranius n. g. (pg. 582) für ©. paradoxus n. sp. Nanschan pg. 584 Satunin (1).
Jaculus gordoni n. sp. Kordofan: Thomas (20) pg. 299.
Alactaga williamsi laticeps n. subsp. Kleinasien: Nehring (3) pg. 357.
Spalax dolbrogeae n.sp. Rumänien pg. 161, berytensis n.sp. Syrien pg. 162:
6. S. Miller (6).
Fornarina n.g. für Heterocephalus phillipsi: Thomas (25) pg. 336.
Heterocephalus ansorgei n.sp. Somaliland: Thomas (25) pg. 336.
Geomyidae und Heteromyidae. Platygeomys tylorhius angustirostris
n. subsp. Mexiko: Merriam (3) pg. 81.
Thomomys helleri n. sp. Oregon: Elliot (3) pg. 165; aphrastus n. sp. Kalifornien:
Elliot (5) p- 219.
Perognathus heller n. sp. pg. 166; baileyi rudinoris n. subsp. pg. 167, femoralis
mesopolius n. subsp. pg. 168, kuckus n. sp. pg. 169: sämtlich von Kalifornien:
Elliot (3); mesembrinus n. sp. pg. 251, elibatus n. sp. pg. 252, pericalles n. sp.
pg- 252, von Kalifornien und hispidus mazimus n. subsp. pg. 253 von Okla-
homa: Elliot (7).
Heteromys (Liomys) paralius n. sp. Mexiko: Elliot (6) pg. 233.
Perodipus obscurus n. sp. Durango: J. A. Allen (5) pg. 603.
Dipodomys deserti helleri n.subsp. von Kalifornien und merriami arenivagus n. subsp.
von Mexiko, beide p. 249, merriami mortivallis n. subsp. Kalifornien pg. 250
Elliot (7).
Octodontidae. Octodontomys n.nom. für Neoctodon Thomas 1902 nec
Bedel 1892: Palmer pg. 873.
Thrichomys forsteri n. sp. Paraguay: Thomas (1) pg. 227.
Proechi[no]mys vacillator n. sp. Britisch-Guiana: Thomas (8) pg. 490.
Otenomys azarae n. sp. Buenos Aires: Thomas (1) p. 228 und (12) pg. 243; robustus
n. sp. pg-. 185, sericeus n.sp. pg. 187 und colburni n. sp. pg. 188: sämtlich
von Patagonien: J. A. Allen (3).
112 I. Mammalia tür 1903.
Hystricidae und Eretihizontidae. Atherura zygomatica n. sp. Johore:
G. S. Miller (8) pg. 42.
Trichys macrotis n. sp. Sumatra: 6. 8. Miller (1) pg. 469.
Coendou laenatus n. sp. Chiriqui: Thomas (5) pg. 381; centralis n. sp. Matto Grosso:
Thomas (23) pg. 240.
Echinoprocta Gray, für Synetheres rufescens: Cabrera (3) pg. 158.
Erethizon epizanthus nigrescens n. ubsp. Britisch Columbia: 93. A. Allen (4)
pg- 558.
Dasyproctidae und Oaviidae. Dasyprocta lucifer n.sp. Orinoco:
pg. 491, lucifer cayennae n. subsp. Cayenne pg. 492: Thomas (8).
M yoprocta n. g. für Dasyprocta acouchy (Linn.): Thomas (14) pg. 464.
Cavia cobaya: Allgemeine Anatomie (Östeologie, Arthrologie, Myologie): Ale-
zais (5); Histologie der Muskeln: Münch; die praevertebrale, dorsale und
laterale Rumpfmuskulatur: Favaro (1); M. obliquus externus: Bardeen (1);
M. semimembranosus: Bühler; allgemeiner Wachstumsmodus und Histo-
genese der cerebro-spinalen Nerven: Bardeen (2); Verhalten der Vagus-
fasern in der Medulla oblongata: Trieomi-Allegra (3); die Heldschen
Acusticuskelche im corpus trapezoides: Donaggio (2); der tractus pedun-
eularis transversus: Wallenberg; die Gliafasern: Held (2); das Fehlen mono-
polarer Ganglienzellen im verlängerten Mark: Vincenzi (1); Bau der Spinal-
ganglien: H. Fuchs (1); Binnennetze der spinalen Ganglienzellen: Misch;
periphere Abstammung sensibler Nerven: Bikeles und Franke (1); das Fehlen
direkter Commissuren zwischen beiden Retinae: Rebizzi; die papilla foliata:
Stahr; die Erythrocyten: Ruzicka, ihre Entstehung im Netz: H. Fuchs (2);
Saftkanälchen der zentralen Ganglienzellen: Pewsner-Neufeld; Biochemie
des Magens: Mosse; Falten und Zotten des Dünndarms bei Neugeborenen:
Delamare; die Brunnerschen Drüsen: Anile; Histologie der Leberzellen
bei Föten: Nattan-Larrier; Beziehungen zwischen Lebergewicht und Körper-
gewicht sowie Körperoberfläche: Maurel (1—3); histologische Veränderungen
im Pankreas nach partieller Exstirpation: Gontier de la Roche; die Zellen
der Nebennieren: Holmgren (1); Bau der Nebennieren: Ciaceio (1,2); Rinde
and Mark der Nebennieren: Diamare; Entwickelung der Nebennieren:
Souli& (1); Pigment (1), Lecithin (2) und Kernteilung (3) in den Neben-
nieren: Mulon; Fett in den Nebennieren: Bernard, Bigart und Labbe; Blut-
gefäße in den Nebennieren: Felieine; Entwickelung und Homologisierung
des Wolffschen und Müllerschen Ganges sowie des sinus urogenitalis:
Retterer (4); das ligamentum inguinale: Neuheuser; Innervation der Sammel-
blase und der Samenstränge: Akutsu (1); Fett im Hoden: Loisel; die Samen-
blasen: Akutsu (2); die Nerven der Milchdrüse: Trieomi-Allegra (2); acces-
sorische Genitaldrüsen: Rauther (2); Anhangsdrüsen des ? Genitalapparates:
Retterer (5); die Milchdrüse: Triecomi- Allegra (1); Oogenese: Skrobansky (1);
Oocyten: Skrobansky (2); elastische Fasern in der bindegewebigen Lage
des Amnions: Aequisto; Regenerationsexperimente: an Epidermis und Cutis
eines Metatarsus (1, 3), an der perineo-vaginalen Schleimhaut (2) und an der
Cornea (6): Retterer.
Leporidae und Ochotonidae. Lepus cuniculus: die ossicula petro-
postsphenoidalia: Staurenghi (4); der primitive Bau des Ilium:
Lubsen; anomale Incisivi: BDrago; Veränderungen im Muskel, in
I. Mammalia für 1903. 113
den Gelenken und Knochen nach operativer Sehnenverlagerung: De-
moor; Muskulatur von Rumpf und Extremitäten: Haack; Allgemeine
Histologie der Muskeln: Münch; die praevertebrale, dorsale und laterale
Muskulatur: Favaro (I); M. obliquus externus: Bardeen (1); M. flexor
digitorum profundus: Alezais (1,4); Bau der Spinalganglien: H. Fuchs (1)
und Motta Coco und Lombardo; Binnennetze der Spinalganglienzellen:
Misch; Veränderungen der Spinalganglienzellen nach Durchschneidung
der Spinalnerven und der hinteren Wurzel: Kleist; das Fehlen monopolarer
Ganglienzellen im verlängerten Mark: Vincenzi (1); die Gliafasern: Held (2);
die Heldschen Acusticuskelche im corpus trapezoides: Donaggio (2); eigen-
tümliche Zellen im Acusticuskern und corpus trapezoides: Donaggio (1);
der Pyramidenseitenstrang: Wiener und Münzer; Verhalten der Vagus-
fasern in der Medulla oblongata: Trieomi- Allegra (3); die Furchen des Cere-
bellum: Smith (4); und Bradley (1); die Nisslschen Körper in den Rücken-
markszellen: Chenzinski; das ganglion cervicale supremum nach Durch-
schneidung seiner prae- oder postcellulären Fasern: Levinsohn; Verhalten
der Ganglien nach Durchtrennung der peripheren sensiblen Nerven: Köster;
die Nervenenden in den Fasern der weißen Muskeln: Motta Coco und Di-
steiano; die periphere Abstammung sensibler Nerven: Bikeles und Franke (1);
der Paraganglien oder chromaffinen Körper: Kohn (1, 2, 3); das Fehlen
direkter Commissuren zwischen beiden Retinae: Rebizzi; Vascularisation
der Cornea: €. Hirsch; percelluläre Netze der Ganglienzellen in der Retina:
Cavalie (1, 3); Histologie des dritten Augenlids: R. Koch; die papilla foliata:
Stahr; Inmnervation des Larynx: De Beule (1,2); Blutgefäße in der sub-
stantia gelatinosa des Rückenmarkes: Pitzerno (2); Arteriensystem:
Pitzorno (1); die venös-arteriellen Anastomosen: Vastarini-Cresi (1); Ent-
wickelung der Milz: Pinto; Biochemie des Magens: Mosse; Magenzotten:
Dekhuyzen und Vermaat; Falten und Zotten des Dünndarms bei Neu-
geborenen: Delamare; die Brunnerschen Drüsen: Bensly (3) und Anile;
Resorption und Ausscheidung von Eisen: Tartakowsky; Veränderung en in
den Speicheldrüsenzellen nach Durchschneidung der Chorda tympani und
des Sympathicus: Gerhardt; Bau der gl. submaxillaris: Smirnow; Be-
ziehungen zwischen Lebergewicht und Körpergewicht sowie Körperober-
fläche: Maurel (I—3); die Thyreoidzellen nach Fasten: Barbera und Biceei;
Entwickelung der Nebennieren: Soulie (1); Bau der Nebennieren: Ciaceio
(1,2); Blutgefäße in den Nebennieren: Felieine; die Heidenhainschen
Stäbchen der Nierenepithelien: Sobieranski; die Nierenepithelien, durch
Coffein, Natrium nitrium etc. zur stärksten Sekretion gebracht: Modra-
kowski; accessorische Genitaldrüsen: Rauther (1); der chemotaktische
Einfluß verschiedener Agentien auf die Spermien: Löw; die weißen und
braunen Praeputialdrüsen: Courant; die Milchdrüse: Trieomi- Allegra (1);
Nerven der Milchdrüse: Tricomi-Allegra (2); Histologie und Histogenese
des corpus luteum: Fr. Cohn; die Zellen der Marksubstanz im Ovarium:
Montuoro; Entwickelung des Ovariums und Hodens, des Wolffschen und
Müllerschen Ganges, die geschlechtliche Differenzierung, Zelldegeneration
in Geschlechtsdrüse und Mesonophros: B. M. Allen; Oogenese: Serobansky (2);-
Uterusepithel, Chorion und Eianheftung: Kossmann; Fixation des Eies:
Schönfeld (2); Plasmakrystalloide in den Ovarialeiern: Liman; Glycogen,
Arch. f. Naturgesch, 70. Jahrg. 1904. Bd. 11. H.1. (I.) 3
114 I. Mammalia für 1903.
Fett und Eisen in der Placenta: Chipman; Fibrillennetz im Omentum reifer
Föten: Renaut (1,3); das subcutane Bindegewebe: Renaut (2); künstliche
Befruchtung und Bastardbildung: Iwanoff.
Lepus europaeus: Muskulatur von Rumpf und Extremitäten: Haack; Vermehrung
in Argentinien: Lisum; Lep. eur. X Lep. timidus (Schneehasenbastarde):
Anonymus (3). — L.creticus n.sp. Kreta: pg. 126 und L. cyprius n. sp.
Cypern: pg. 127: Hamilton (1); harterti n.sp. Sahara: Thomas (27) pg- 301;
capensis centralis n. subsp. Capland: Thomas (15) pg. 344; gichiganus n. sp.
Sibirien: J. A. Allen (2) p. 155; texianus micropus n. subsp. pg. 605, gaillardi
baityi n. subsp. pg. 607, arizonae major n. subsp. pg. 608; durangae n. sp.
p. 609: sämtlich Mexiko: J. A. Allen (5); parnassius n.sp. Griechenland:
6. S. Miller (4) pg. 145; laticinctus n. sp. pg. 254, 1. rufipes n. subsp. pg. 254,
l. perplicatus n. subsp. pg. 255: Kalifornien: Elliot (7).
Sylvilagus minensis chapadae n.subsp. Matto Grosso: Thomas (23), pg- 241.
Ochotona kolymensis n. sp. Kolyma: 3. A. Allen (2) pg. 154.
VIE. Ungulata.
Allgemeine Anatomie: Struska; Körpermuskulatur: Windle und Parsons; Homo-
logie der ossa pelvis mit entsprechenden Knochen der Marsupialia, Rodentia
und Reptilia; Brustmuskeln und M. Deltoideus: Saar; die Huf- und Klauen-
krone: Zimmermann
Artiodactyla: Maß- und Gewichtsbestimmungen über die morphologische
Asymmetrie der Extremitätenknochen: J. Weber; Ohrmuskeln: Baum und
Kirsten; M. compressor labii: Bovero; Arteriensystem: Pitzorno (1).
Ruminantia: Polydaktylie: Prentiss; feinere Visceral-Anatomie: *Lönn-
berg (2).
Bovidae, Ovidae, Antilopidae: Morphogenie des Schädels: Du-
erst (1,2); Abbildung und Beschreibung der Zähne rezenter Antilopen:
Schlosser (1).
Bos taurus: Histologie der gestreiften Muskelfaser: Warringholz; die Niss!’schen
Körper in den Rückenmarkzellen: Chenzinski; Saftkanälchen der zentralen
Ganglienzellen: Pewsner-Neufeld; Nerven der Tränendrüse: Puglisi- Allegra;
Histologie des Gefäßsystems: Baum und Thienel, die Blutkörperchen und
die Leber als Blutbildner bei Embryonen: Jost; fötale Entwickelung der
Niere: Hauch; Entwickelung der Nebennieren: Soulie (1); Bau des Milch-
ganges in der Zitze: Mankowski; Bau der papilla mammae: Riederer; Spermio-
genese: Schönfeld (1); künstliche Befruchtung: Iwanoif; — DB. (Bibos)
gaurus und frontalis: Biologisches: Baker; B. gaurus readei n. subsp.
Birma: Lydekker (5) pg. 266.
Anoa depressicornis: Anatomie und Verwandtschaftsverhältnis: Lönnberg (2);
9 Monate Tragzeit: P. Cahn.
Cobus unctuosus: 9 Monat 1 Woche Tragzeit: P. Cahn.
Connochoetes taurinus: 9 Wonate Tragzeit: P. Cahn.
Ovibos moschatus: in der Gefangenschaft: Schiött.
Ovis aries: Verhalten der Chorda und Basalplatte: Robinson (2); Schädel und
Hörner der Rasse von St. Kilda: Holding; Dentition: Dechambre; Histo-
logie der gestreiften Muskelfaser: Warringholz; Skeletmuskulatur: Reiser;
I. Mammalia für 1903, 115
praevertebrale, dersale u. laterale Rumpfmuskulatur: Favaro (1); M. flexor
digitorum profundus: Alezais (1, 4); die Schwannsche Scheide und die
Myelinisation: Kappers; Vaskularisation der Cornea: €. Hirsch; Ent-
wickelung der Cornea: Wolfrum; Histologie des dritten Augenlids: R. Koch;
Blutgefäße in der substantia gelatinosa des Rückenmarkes: Pitzorno (2);
die Blutkörperchen und die Leber als Blutbildner bei Embryonen: Jost; der
Wolffsche und Müllersche Gang: Kempe; Entwickelung von Kloake und
Phallus: Schwarztrauber; Entwickelung der Nebennieren: Soulie (1); Ab-
leitung des Markes der Nebennieren von Zellen des plexus solaris: Soulie (2);
Geschlechtsperioden, Bildung des corpus luteum und Eireifung: Marshall;
künstliche Befruchtung: Iwanoff; — Ovis vignei arkal: Abbildung des Schädels:
Lydekker (%); cervina cremnobates n.subsp. Mexiko: Elliot (%) pg. 239.
Capra hircus: die hinter den Hörnern gelegene Hautverdickung nicht vergleichbar
der Brunftfalte der Cerviden: Zietschmann; Skeletmuskulatur: Reiser;
die Muskularis mucosae des Magens: Bienenfeld; capra mengesi: Schädel:
Noak (2) pg. 377; sibirica hagenbecki n. subsp. vom Kobdo-Altai pg. 384,
sib. typica vom Katunja-Altai, s. altaica vom Irtisch-Altai, s. fasciata vom
Bia-Altai und s. /ydekkeri vom Tianschan: pg. 390: Noack (3); s. affinis
n. subsp. vom Tianschan: Noack (6) pg. 690.
Cephalophus brookei n. sp. Fanti: Thomas (4) pg. 290; ignifer n. sp. Britisch-Ost-
afrika: Thomas (19) pg. 226.
Neotragus batesi n. sp. Kamerun: De Winton (1) pg. 192.
Gazella granti robertsi n. subsp. Deutsch-Ostafrika: Thomas (21) pg. 121; albo-
notata n.sp. vom Weißen Nil: Rothschild (2) pg. 480; muscatensis: Haare:
Thomas (24) pg. 317.
Antilope bezoarctica: feinere Anatomie und Verwandtschaftsbeziehungen: Lönn-
berg (2).
Rupicapra rupicapra: die Brunftfeige nicht zu vergleichen mit der Brunftfalte
der Cerviden: Zietschmann.
Antilocapra cervicapra: 6 Monate Tragzeit: P. Calın.
Giraffidae: Giraffa camelopardalis: Muskeln der Kehlgegend: Chaine (7);
die Canini: Lydekker (4); c.congoensis n.subsp. von Katanga (Kongo)
Lydekker (2) pg. S3; c. angolensis n. subsp. Angola, c. rothschildi n. subsp.
Britisch-Ostafrika: Lydekker (3) pg. 122.
Okapia: das Exemplar des italienischen Museums: Carueeio pg. 1; Haare: Lan-
caster (1) pg. 337; Okapi und Set-Typhon: Gaillard.
ÖCervidae ete. Haarbürsten (Faserbürsten, Laufbürsten), Brunftfalte, Kopf-
falte und ein steißdrüsenartiges Gebilde: Zietschmann; Geweihe: Matschie (4)
und Ward; überzählige Gebilde am Vorderfuß: Tornier.
Cervus elaphus Melanismen: Klunzinger; endenlose Geweihe: Brandt (2); die
Stufen in der Gestaltung der Geweihe: Botezat (2); Wanderungen, „Pet-
schaft“, Rosenstock und Rosenbildung, Fegen, Beziehungen zwischen Ge-
weihwechsel und Brunft: Seitz und Brandt (3); Geweih als Hochzeitskleid:
Hydeking (1); Plattkopfhirsch: v. Nathusius; der Hirsch von North Uist:
Me Elirish; Skeletmuskulatur: Reiser; — C. vulgaris (= elaphus) campestris
n. subsp. p. 154 und ©. v. montanus n. subsp. p. 155: beide von den Karpathen:
Botezat (%). — unicolor:; abnormes Geweih:. Finn (2) pg. 135.
$%
116 I: Mammalia für 1903.
Capreolus caprea: Melanismen: Klunzinger; Skeletmuskulatur: Reiser; enden-
lose Gehörne: Brandt (2); Altersbestimmung: v. Bernstorff, Brandt (1);
Nehring (Forstrat); Dezemberbrunft: Kropff; Gehörnwechsel und Aufbau:
Bergmiller; gehörnte Ricke: Anonymus (%) und Friedel; ein Junges ohne
Läufe: Anenymus (6); Verletzungen am Gehörn: Fries, Dick und Heinsberg;
Kümmerung der linken Stange nach Verletzung des rechten Hinterlaufs:
Raneillio. — C.caprea und pygargus: Differentialdiagnose: Hydeking (2).
Dama vulgaris: Melanismen: Klunzinger.
Rangifer: amerikanische Vertreter der Gattung: Grant (1); R.tarandus in Alaska:
Grosvenor.
Alces: Amerikanische Formen: Grant (2); Biologisches aus Norwegen: Elwes.
Odocoileus: nomenklatorisches: Elliot (4) pg. 180; battyi n. sp. Mexiko: 3. A. Allen
(5) pg. 591; sinaloae n. sp. Mexiko: 3. A. Allen (6) p. 613.
Cervulus muntjac: Abnormes Geweih: Finn (1); Großhirnfurchen: Kohlbrugge (3).
Tragulus und Lophotragus: Großhirnfurchen: Kohlbrugge (3).
Tragulus lutescens n. sp. pg. 32, flavicollis n. sp. pg. 33, formosus n. sp. pg. 34,
focalaninus n.sp. pg. 35, virgicollis n.sp. pg. 37, natunae n.sp. Pg- 38,
rubirufus n. sp. pg-. 39, rubeus n. sp. pg. 40, ravulus n. sp. pg. 41, lancavensis
n. sp. pg. 41, lampensis n. sp. pg. 42: 6. 8. Miller (2); amoenus n. sp. pg- 439,
jugularis n. sp. pg. 440, brevipes n. sp. pg. 443, russeus n.sp. pg. 444:
6. 8. Miller (1); batuanus n. sp. pg. 2, russulus n. sp. pg. 3: sämtliche vom
Malayischen Gebiet: @. 8. Miller (8); kanchil pierrei n. subsp. von Cochin-
china, k. hosei n. subsp. von Sawarak: pg. 293, k. everetti n. subsp. Insel
Natuna pg. 295: Bonhote (1).
Camelidae: Camelus und Lama: Differentialdiagnose: Lesbre; Camelus
bactrianus und dromedarius: Differentialdiagnose: Lesbre; C. bactriamus:
Anatomie: Leshre; C. dromedarius in Persien: Sarudnyi.
Non-Ruminantia. Sus scrofa: Polydactylie: Prentiss; Verhalten von
Chorda und Basalplatte: Robinson (2%); Histologie der gestreiften Muskel-
faser: Warringholz: M. obliquus externus: Bardeen (1); die Umgestaltungen
im äußeren und inneren Randbogen und die Entwickelung des cingulum
beidem Embryo: Dorello (1,2); allgemeiner Wachstumsmodus und Histogenese
der cerebrospinalen Nerven bei dem Embryo: Bardeen (2); Bau der Spinal-
ganglien: H. Fuchs; die Furchen des Kleinhirns: Bradley (1) und Smith (4);
Nerven der Tränendrüse: Puglisi-Allegra; Entwickelung der Cornea: Wolf-
rum; Vaskularisation der Cornea: €. Hirsch; Entwickelung des schall-
leitenden Apparates: Eschweiler; Verteilung der Blutgefäße im Ohrlaby-
rinth: Shambough; später wieder zurückgebildete Zweige des ductus venosus
Aurantii: Browman; Differenzierung der spezifischen Zellen des Magens:
R. R. Bensley (2); Anlage der Magendrüsen: Ross; Muskulatur des Magens:
Weissflog; Mandeln und Gaumensegel: Iling; die Brunnerschen Drüsen des
Darms: Anile; Morphogenese und Histogenese der Leber: Hilton; gröbere
Anatomie von Pankreas, Parotis, submaxillaris, Sublingualis und Infra-
orbitalis: Flint (3); Entwickelung der Gl. submaxillaris und ihres Gefäß-
systems: Flint (2); Urniere, Niere und Keimdrüsen bei Embryonen und
Föten: Neuheuser; fötale Entwicklung der Niere: Hauch; Entwicklung von
Cloake und Phallus: Schwarztrauber; Entwickelung von Hoden, Ovarium,
I. Mammalia für 1903. #1?
des Wolffschen und Müllerschen Ganges, geschlechtliche Differenzierung,
Zelldegeneration in Geschlechtsdrüse und Mesonephros: B. M. Allen; Ent-
wickelung des Hodens: Ancel und Bouin (1,2); Hermaphroditismus verus
an zwei ungefähr einjährigen Tieren: Liebe; Entwickelung der Nebennieren:
Soulie (1); Entwickelung der Rinde der Nebennieren: Whitehead (1, 2);
Oogenese: Skrobansky (2); Beschreibung eines 12mm langen Embryos:
Lewis. — Sus babirussa: Hirn des Embryo: Kohlbrugge (3).
Perissodactyla: M. compressor labii: Bovero; Ohrmuskeln: Baum und
Kirsten; Endast der art. sublingualis: Bertelli (2); Arteriensystem: Pitzerno
(1); A. carotis externa: Livini.
Eqwidae: die „Kastanien“: Lydekker (8).
Equus caballus: Polydactylie: Prentiss; rudimentäre Hörner: Eustaece; ein
Zahnteratom in der Kieferhöble: Loheif; Huf: Kösters; Schweiß-
drüsen: Pasini; überzählige Molaren: Bradley (3); das bindegewebige
Häutchen im Muskel: Laguesse; Histologie der gestreiften Muskel-
faser: Warringholz; M. flexor digitorum profundus: Alezais (1, 4);
der feinere Bau der funktionell verschiedenen Rindenbezirke im Gehirn:
Schlapp; N. depressor: Barpi und Fraenza; die Muskulatur des Magens:
Weissflog; Histologie der Arterien und Venen: Baum und Thienel; die art.
encephalicae corticales: Bianchini; Variationen im Ursprung der art. carotis
interna: Hopkins; Entwickelung der Nebennieren: Soulie (1); Ableitung des
Markes der Nebennieren von Zellen des plexus solaris: Soulie (2); künstliche
Befruchtung: Iwanoff, — E.asinus: die Nervenkörperchen von Adam-
kiewiez: Reich; E. burchelli X caballus Hybride, Beschreibung und Ab-
bildung: P. LE. Selater (2) pg. 1; przewalskü: Verwandtschaftsverhältnisse:
Ewart; eine Rasse von caballus: Noack (1) pg. 369; quagga: Färbung:
Pocock (1) pg. 356; hagenbecki n.sp. Kobdo: Matschie (2) pg. 583; boehmt:
Bemerkung: Noack (4) p. 76; burchelli Abbildung: Pocock (2) pg. 196.
Tapirella n. nom. für Elasmognathus Gill 1865 nec Fieber 1844; Palmer pg. 873.
Rhinoceros simus: Photographie: Newton pg. 222, Horn: P. L. Selater (1) pg. 194.
Hyracoidea. Hyrax: Bau der Extremitäten und Beziehungen zur Urform
der Säugetier-Extremität: Er. Fischer; Dentition: Adloff (I): Oesophagus,
Magen, Darm, Nieren, Nebennieren, Hoden und Ovarium bei Erwachsenen
und bei Embryonen: Lonsky.
Proboscidia. Elephas: Schädel: Gregory; Osteologie: Salensky (1);
Extremitäten: Salensky (3); Lidapparat: Virchow; E.maximus (= indicus)
Art der Copulation: Slade; Abbildung und Beschreibung der Placenta:
Beddard (1); Haare: Bonhote (8).
VIII. Cetacea und Sirenia.
Cetacea: Knochen aus dem roten Thon des tropischen Pacific: Eastmann;
Centralnervensystem: Rawitz (2); Biologische Beobachtungen: Van-
höffen und Racovitza (1, 2); Arteriensystem: Pitzorno (1); der Walfang
im Jahre 1902: Southweil (1).
Mystacoceti. Balaena: Wanderungen und Lokalrassen: Guldberg.
Balaenoptera borealis: im westlichen Nord-Atlantik: True (3); Hals- und Rücken-
mark: Rawitz (1,2); B. physeter: Photographien: True (4).
118 I. Mammalia für 1903.
Odontoceti: Schädel: Abel(1); Knochen der Ohrengegend: W. Turner;
Drüsenerypten der Magenschleimhaut: Cattaneo; Verbreitung in den
italienischen Meeren: Damiani.
Tursiops truncatus (Montagu) der eigentliche Name von T. tursio auct.: True (1)
pg- 213; fergusoni n. sp. von Travancore: Ferguson pg. 38 und Lydekker (11)
pg- 41.
Delphinus: Revision der chilenischen species Philippi’s: True (5) pg. 133; M. palpe-
bralis: Groyer; eine totale einseitige Opticusatrophie: Hatschek (3); der
feinere Bau der Zunge: Rawitz (4); Arteriensystem: Pitzorno (1); verdünnte
Stelle im Lungengewebe: Königstein; Niere: Cavalie (2).
Prodelphinus atienuatus von Hawaii, Abbildung: True (2); P. euphrosyne bei
Elba: Damiani.
Delphinapterus leucas: Beschreibung eines 2? und eines Fötus: Camerano (2);
an der Küste von Yorkshire: Clarke.
Orca gladiator an der Küste von Yorkshire: Clarke.
Pseudorka crassidens von Travancore: Ferguson pg. 38 und Lydekker (11) pg. 40.
Grampus griseus: Schädel: Anderson (2).
Globiceps (?) Knochen aus dem roten Thon des tropischen Pacific: Eastman.
Phocaena communis: Nerven-Histologisches: Hepburn und Watersten; Rücken-
und Halsmark: Rawitz (1,2); Histologie der Nebennieren: Rawitz (3).
Physeter macrocephalus: faunistisches: W. Turner pg. 423.
Sirenia. Beziehungen zu den Proboscidia: Andrews (1).
Manatus ausiralis: Biologisches: Ferreira,
IX. Edentata und Eiffodientia.
Edentata: foramen scapulae: Frassetto (2).
Dasypodidae von Santa Cruz: Seott (2) pg. 1.
Dasypwus: Bau des verlängerten Markes: Hübschmann; Placenta: Chap-
man (2).
Tatusia novemeincta: Zwillingsbildung: Cuenot (4).
Effodientia: Manis: Topographie des Hodens: Neuheuser; M. javanıca:
Biologisches: Jentink (1).
X. Marsupialia.
Anatomie der Marsupialregion: Carlsson; Homologie der Beckenknöchen mit
solchen der höheren Mammalia und Reptilia: Parsons (1); M. popliteus:
Fürst; der Hirnbalken: Zuekerkandl (4) und Smith (8); Kehlkopf: Suck-
storif; Herz: Devez (1,3); Rectaldrüsen der 9 2: Brock; Entwickelung,
Verbreitung und Taxonomie der australischen Formen: B. A. Bensley.
Dendrodorcopsis n. g. für D. woodwardi n. sp. Australien: Rothschild (1) pg. 414.
Choroepus castanotis: Anatomie: Parsons (2).
Sarcophilus satanicus n. nom. für S. ursinus (Harris) nec Didelphys ursina Shaw:
Thomas (3) pg. 289.
Dasyurus viverrinus: corpus luteum: Sandes.
Perameles: Alveus des Gehirns: Zuekerkandl (2); pedunculus corporis mammillaris
Hatschek (2); Hirnbalken: Smith (8).
I. Mammalia für 1903. 119
P. ornata n.sp. Neuguinea: Thomas (22) p. 201.
Notorhyctes: Cerebellum: Smith (7).
Didelphys: Panethsche Zellen des Darms: Klein; D. auritus: ein eigentümlicher
Knorpel, der Beziehungen zur Mandibel erhält: Emery; D.lanigera: Mast-
zellen in den Lymphknoten: Drzewina; D. marsupialis: Herz: Me. Clure.
Caluromys trimitatis venezuelae n. subsp.: Venezuela: Thomas (8) pg. 493.
Marmosa constantiae n. sp. Matto Grosso: Thomas (%3) p. 243.
XI. Monotremata.
Schädel: Rabl (2); M. popliteus: Fürst; Anatomie und Entwickelung des inneren
Gehörganges: Alexander; Herz: Devez (3).
Ornithorhynchus: die rechte valvula auriculo-ventrieularis cordis: Devez (2);
Topographie des Hodens: Newheuser; Ei: Wilson und Hill.
Echidna: die Haare bezw. Stacheln: Pinkus; Kloakenspalte und Afterregion:
Fleischmann (3); Urniere, Vorniere, Nebenniere, Anlage des Geschlechts-
gliedes: Keibel.
120 I. Mammalia für 1903.
Inhaltsverzeichnis.
Seite
I. Verzeichnis der Veröffentlichungen . . . ... 2.2.2.0». ARE
II. Übersicht nach dem total H m) SA REISE 5l
1. Ethologisches. Färbung. Mißbildung. Bastardbildung ... 5l
2‘ Haus- und Jagdtiere, 71.0. 0: 20 Pr 52
3. Haut und. Hautgebilder E77, 0... W092 er 55
4. Skelet. Allgemeines. Rumpf. Extremitäten ........ 56
5: Schädel: ... . ... NWROEUEN SEN eK ne Ve 57
br. Zahne 9: MN N BE le Yale ne 59
7. Muskeln. "Sehnen. "Gelenke, 27". 7... .% 2 Ae 60
8: "Nervensyalemlet Mumie U, 2 00 w06" Düse 63
9. "Sinnesorgane U. a0 ee ut Ne Die 72
10; Bespiralionsorgane \ ar aM, = 8... 00 5 6 Se 74
11. Gefäßsystem und! Leibeshöhle . «=». 20% KoslfEsrsgeue 75
12: Verdauungsorgane!.. u. „in... da karnaı a1 ed re 78
13... Drüsen. uralte et ee sl
14.. Harn- und: Gesehlechtsorgane . Yoaası =. 0%» arley e 82
15. Ontogenese (exel. Organogenese) . “. : .... » nz nl nn 87
16. Degeneration und Regeneration... .: 2:2... n en 90
17. Phylogenese und Palaeontologischs . .... 2... ... 9
11%.) Baunistik ı % 0.0. nenas hr zu 0 ie Kl a nee ee 98
IV. Systematik... . 2 1. 0 ne en nee ne nee 100
h (Primsteseen. mau ne ie et 5 ee 100
2; Ghiraptera4 "ar en See 102
3x Geleopnitheeida at ua a: Renee ee Ne 103
AOTRSECHIVOTR: : 2 ala a wem ee re 103
BHCaHTHIVOLA. N A ei ee 1 ee ce 104
6.: Rodentia ta sy, Fra ni Sets Fe Keule 107
1: Ungulatau tn 3 2 23032 2, ee are Ver al 114
8. Cetacea.und Sirenia „cu. 0 a ine m le Ve 117
9, Edentata und Eifodientia, = 2 la... a 0uete e 118
10. Marsupialia . sam wesen 2) ei 7 elrelie Rue 118
11."Monotremata , . eu 2 ee nei ee 119
II. Aves für 1904.
Von
C. E. Hellmayr.
(Inhaltsverzeichnis siehe am Schlusse.)
I. Allgemeines, Sammlungen und Museen, Geschichte, Reisen,
Personalien, Taxidermie, Nomenklatur.
Lieut. Boyd Alexander’s Expedition to Upper Nigeria; Ibis (8)
IV p. 309—310.
3. A. Allen. The Case of Megalestris vs. Catharacta; Auk XXI
p. 345— 348. — Verf. weist im Gegensatz zu Poche (siehe p. 5) nach,
daß Catarractes nicht für die Raubmöwen, sondern für ©. chrysocome,
einen Pinguin, anzuwenden ist.
Australian Ornithologist’s Union. Hobart Congress; The Emu
III Part 3 (Jan. 1904) p. 141—167. — Bericht über die Jahres-
versammlung und die sich daran schließenden Ausflüge.
Birds in the Curtis Museum, Alton, Hants. ; Ibis (8) IV p. 169—170.
Birds of the National Antaretie Expedition; Ibis (8) IV p. 671.
Birds of the Scotch Antaretie Expedition; Ibis (8) IV p. 670.
3. S. Budgett, Obituary; Ibis (8) IV p. 311.
S. A. Buturlin. The Correct Name of the Pacific Dunlin; Auk
XXI p. 50—53. — Siehe p. 45.
The Chalkley Collection at Winchester College; Ibis (8) IV p. 170.
R. Deane. Unpublished Letters of John James Audubon and
Spencer F. Baird; Auk XXI p. 255—259.
Derselbe. Extracts from an unpublished Journal of John
James Audubon; Auk XXI p. 334—338. — Auszüge aus Audubon’s
Tagebuch von der Zeit zwischen 12. Oct. 1820 und 30. Dec. 1821.
W.L. Distant. Biological Suggestions. Rivers as Factors in Animal
Distribution. Part I. — Restrietive Action; Zool. (4) VIII p. 121—133;
Part II. Distributive Action; 1. c. p. 180—189.
W. 6. Doggett, Obituary; Ibis (8) IV p. 312.
F. D. Drewitt. [On an autograph letter of John Latham]; Bull.
B. 0. C. XIV p.4l.
Arch. f. Naturgesch. 70. Jahrg. 1904. Bd.II. H.1. (II.) 1
II. Aves für 1904.
|)
Derselbe. [Onan Illustrated M. S. Catalosue of British Birds’
Eggs by William Jones, drawn from specimens in his own collection
in 1799]; 1.c. p. 41.
A. Dubois. Synopsis Avium. Nouveau Manuel d’ornithologie.
Bruxelles 1904. fasc. XVI and XVII p. 1171—1339. — Schluß des
verdienstlichen Werkes, den alphabetischen Index der Arten und
„Varietäten“ enthaltend.
3. Dwight. The Exaltation of the Subspecies; Auk XXI p. 64—66.
— Wendet sich gegen die übertriebene Namengebung.
€. Frhr. von Erlanger. Todesanzeige; Ornith. Monber. XII p. 172.
3. Fannin. Obituary; Auk XXI p. 510.
A. K. Fisher. In Memoriam: Thomas Me Ilwraith. Born 25. De-
zember 1824. — died 31. January, 1903; Auk XXI p. 1—7 tab. 1.
— Nachruf und Würdigung der Verdienste des canadischen Orni-
thologen. Mit Porträt.
L. S. Foster. Obituary; Auk XXI p. 312.
H. Grote. Über die Oologie in Conrad Geßner’s „Vogelbuch‘
aus dem Jahre 1581; Zeitschr. Ool. XIV p. 4—8.
R. Hall’s Expedition to the Lena; Ibis (8) IV p. 168—169.
E. Hamilton. Obituary; Ibis (8) IV p. 172.
E. Hartert. Antikritik (Über die Auffassung des Begriffes Sub-
spezies, u. a. m.); Journ. f. Ornith. LII p. 555—563. — Wendet sich
gegen Reichenows Definirung der ‚Conspecies“ und weist auf „das.
Unzweckmäßige der Nomenklatur der binominalistischen‘‘ Schule
hin. Endlich begründet Verf. nochmals seinen Standpunkt in der
Frage und bespricht die westpaläarktischen Tannenheher unter Hinweis
auf die Variabilität der von Reichenow herangezogenen Kennzeichen.
Derselbe. Some Anticritieisms; Ibis (8) IV p. 542—551. —
Berichtigt Angaben Dresser’s und Bingham’s, und erörtert sodann die
Wichtigkeit des Studiums der geographischen Verbreitung, und die
Vorteile der trinären Nomenklatur.
Derselbe. Einige nomenklatorische Betrachtungen; Zool.
Anz. XXVIII (Oct. 1904) p. 154—158. — Wendet sich gegen
die Annahme des Moehring’schen (vgl. Poche p. 5—6) Werkes, und
der von Gadebusch herausgegebenen Übersetzung von Hasselquist’s
Reise nach Palästina.
Hart’s Museum, Christehureh; Ibis (8) IV p. 170—171; 1. e. p. 480
—481.
- €. E. Hellmayr. Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Vögel während des Jahres 1895; Arch. f. Naturg. Jahrg. 1896,
Bd. II, Heft I (publ. Dez. 1904) p. 1—84.
0. Herman. Vom Blick des Vogels; Aquila XI, 1904, p. 360—366.
— Bespricht an der Hand verschiedener Beispiele die Sehweite des
Vogelauges.
J. Hoffmann. Nachruf von W. Wurm; Orn. Monatsschr. Ver.
Vogelw. XXIX p. 446—448.
3. Hoopes. Obituary; Auk XXI p. 311—312.
II. Aves für 1904. 3
* A. Jacobi. Tiergeographie. Leipzig (Sammlung Göschen
No. 218). 1904. 12°. pg. 152 mit 2 Karten. — Gemeinverständliche
Darstellung des heutigen Standes der Tiergeographie.
©. Kleinschmidt. Ein Streit um Namen?; Orn. Monber. XII
p. 42—46. — Weist nach, daß sich die Diagnose von Motacilla luseinia
Linn. auf den Sprosser, die von M. titys auf Ruticilla phoenicura Q
bezieht.
A. Lameere. L’evolution des Ornements Sexuels; Bull. Acad.
Roy. Belgique 1904 p. 1327—1364. — Verf. wendet sich gegen das von
Darwin vertretene Prinzip der geschlechtlichen Zuchtwahl und er-
läutert seine Ansicht an der Hand von Beispielen aus Insekten- und
Vogelwelt. Es gibt für ihn nur natürliche Zuchtwahl. Die secundären
Geschlechtscharaktere seien auf das Prinzip der Nützlichkeit zurück-
zuführen, gleichviel ob sie nun als Schutzmittel dienten, Vorteile im
Kampfe mit Feinden gewährten oder die Leidenschaft das ? an-
zufachen bestimmt seien.
E. Lampe. Katalog der Vogelsammlung des Naturhistorischen
Museums zu Wiesbaden. I. Teil (Picariae und Psittaci); Jahrb. Nassau.
Ver. Naturk. 57. Jahrg. 1904, p. 193—275. — Systematische Auf-
zählung der Arten. Die Picariae sind durch 642 Exemplare (176 Gatt.,
341 Arten), die Papageien durch 167 Stück (56 Gattungen, 104 Arten)
vertreten.
L. Lanzi. L’Jynx torquilla e il Mimetismo protettivo; Avicula
vYIII p. 128—129.
F. Leney. Some additions to the Norwich Castle-Museum in 1903;
Trans. Norf. Norw. Soc. VII Part V (1904) p. 722—725.
P. Leverkühn. Notice biographique sur le comte Amed&e Alleon;
Ornis XII No. 4. (Oct. 1904) p. 573—581. — Biographische Skizze
mit Schriftenübersicht und Porträt.
Derselbe. Biographisches über die drei Naumanns und Biblio-
graphisches über ihre Werke nebst den Vorreden zur zweiten Auflage
der Naturgeschichte der Vögel Deutschlands. Mit 8 nur für diesen
Sonderabdruck hergestellten Tafeln. (Sep. aus Naumanns Natur-
geschichte der Vögel Mitteleuropas, Band I). Gera-Untermhaus, 1904.
dopp. 8°. pg. 1—88 tab. I-VIII. — Die Arbeit zerfällt in folgende
Abschnitte: 1. Die Vorreden zur zweiten Auflage, 2. Beiträge zur
Lebensgeschichte der Naumanns. a) Johann Andreas N. b) J. Friedrich
nebst einigen Briefen desselben, c) Carl Andreas, d) Gottfried Leberecht
und andere Mitglieder der Familie Naumann. 3. Zur Bibliographie
des Naumann’schen Hauptwerkes. 4. Tabelle der in der ersten Auflage
dargestellten Vogelarten nebst Deutungen. Auf den Tafeln sind Photo-
graphien von J. A., J. F. und K. A. Naumann, das Naumann-Denkmal
in Köthen, Facsimilia der Titelblätter der älteren Naumann’schen
Werke etc. dargestellt.
F. Lindner. Ornithologisches Vademekum. Taschenkalender und
Notizbuch für ornithologische Exkursionen. Neudamm 1904. kl. 8°.
pg. 286. — Enthält Vorwort, Gebrauchsanweisung, Kalender, Auszug
aus dem Reichsgesetz für Vogelschutz, Vogelzugkalender, tabellarischen
1%*
4 II. Aves für 1904.
Brutkalender für Deutschland und die angrenzenden Gebiete, Vogel-
schutzkalender, Literaturverzeichnis und Index.
R. B. Lodge. Pictures of Bird Life. On Woodland, Meadow,
Mountain and Marsh. With numerous colour and half-tone illu-
strations from photographs from life by the author. Second edition.
London 1904. 4°. pg. 376. — In zwölf Kapiteln schildert Verf. in an-
sprechender Weise Szenen aus dem Vogelleben in Dänemark, Lincoln-
shire, in den Farne Inseln, „Norfolk Broads“, in den holländischen
Sümpfen, in Derbyshire, in Spanien etc. etc. Drei Kapitel sind An-
weisungen zum Photographieren der Vögel in der Natur gewidmet.
Prächtige Illustrationen schmücken den Band.
F. €. v. Mährenthal. Entwurf von Regeln der zoologischen Nomen-
klatur. Als Grundlage für eine Neubearbeitung der internationalen
Regeln der internationalen Nomenklatur-Commission; Zoolog. Annal.
I, 1904, p. 89—138.
R. €. Me Gregor. An early Notice of Philippine Birds; Condor VI
p- 159—161. — Über ein Reisewerk aus dem Ende des siebzehnten
Jahrhunderts.
K. Moebius. Die Formen, Farben und Bewegungen der Vögel
ästhetisch betrachtet; Sitzber. Preuss. Akad. Wissensch. Berlin VIII,
1904, (physik. math. C1.), p. 270—281. — Verf. unterzieht die Formen,
Farben und Bewegungen der Vögel einer eingehenden Betrachtung
von ästhetischen Gesichtspunkten aus. Durch die Eindrücke, die wir
aus der Beobachtung der Vögel von deren Körperbau sowie von ihren
Körperformen bekommen, bildet sich im Menschen das Idealbild
eines schönen Vogels, mit dem wir dann die uns begegnenden Vögel
vergleichen und nach der wir sie ästhetisch beurteilen. Asthetisch
angenehm wirkt ein Vogel nur dann, wenn seine einzelnen Teile zu
einer Einheit harmonisch verschmelzen. Die Harmonie wird gestört,
wenn einzelne Teile besonders auffallen. Sehr lange Hälse, große
Schnäbel, sehr lange Beine etc. werden deshalb unschön wirken, ebenso
übermäßige Verkleinerung einzelner Körperteile ete. Ebenso wirken
jene Farben am schönsten, die ineinander übergehen. Grell abstechende
Farben stören die Harmonie des Gesamtbildes. In gleicher Weise
wirken gleichmäßiger Gang, ruhiger Flug mit langsamen Flügelschlägen,
gleichmäßiges Schwimmen schöner als stoßweise, unruhige oder
schwankende Fortbewegung. [Nach Orn. Monb. XII p. 87].
E. Neale. Obituary; Sclater, Bull. B. ©. ©. XV p. 17—18.
M. 3. Nicoll. Ornithological Journal of a Voyage round the World
in.the „Valhalla“ (November 1902 to August 1903); Ibis (8) IV p. 32
—67 tab. I. — Nach kurzem Besuche von Madeira, und S. Vincent,
Kap Verden, wandte sich das Schiff nach „St. Paul’s Rocks“, eine
Gruppe von Felseneilanden mitten im atlantischen Ocean unter dem
Äquator. Hier wurden 4 sp. erbeutet. Die nächste Station war Fernando
Noronha, wo 6 sp. gesammelt wurden. In Bahia und auf der nahen
Insel Itaparica erbeutete Verf. Exemplare von 33sp. Aus Punta Arenas
sind. 7 sp., von der patagonischen Küste zwischen Punta Arenas
und dem Golf von Penas 19 sp., aus der Bai von Valparaiso 10 sp.
II. Aves für 1904. 5
aufgeführt. Auf der Pitcairn Insel sammelte Verf. eine Serie von
Tatare vaughani. Die verschiedenen Kleider (alt und jung) sind be-
schrieben und abgebildet (tab. I). Auf Tahiti wurden 3 sp., auf Upolu
12 sp., auf Suva, Fiji Inseln, 9 sp. gesammelt.
Derselbe. Öbservations in Natural History made during the
voyage round the world of theR. Y. 8. „Valhalla“, 1902—3; Zool. (4)
VIII. p. 401-416. — Der Reisebericht enthält viele eingestreute,
ornithologische Beobachtungen.
H. €. Oberholser. Phyllopseustes versus Phylloscopus; Auk
XXI p. 390.
Ornithologische Gesellschaft in Bayern; Orn. Jahrb. XV p. 119
—120.
Ornithologist's Union for South Afriea; Ibis (8) IV p. 478—480.
F. Poche. Einige notwendige Änderungen in der ornithologischen
Nomenklatur; Orn. Monber. XII p. 22—27. — Neben einer Reihe
Korrekturen schlägt Verf. für Chlorura Sel. (nec Reichb.) den neuen
Namen Reichenowia (type: R. hyperythra), für Muscicapa grisola
sibirica die neue Bezeichnung M. g. neumannıi vor.
Derselbe. Kritische Bemerkungen über die bisher so genannten.
Arten Tanysiptera dea (L.) and Urogalba paradisea (L.); Orn. Monber.
XI. p. 57. — Der Eisvogel ist als Tanysiptera nais Gray, der Ja-
camar als Urogalba dea aufzuführen.
Derselbe. Zur Synonymie der Accipitres und der Bucerotidae,
nebst Bemerkungen über die Methodik des Eliminationsverfahrens
überhaupt; Orn. Monber. XII p. 89—93. — Verf. weist nach, daß
nach der angeführten Methode entweder Gypagus papa oder Falco
harpyja als Typus der Gattung Vultur übrig bleibt. Ferner führt
er aus, daß Buceros an die Stelle von Dichoceros, Tragopan (!) an die
von Buceros zu treten habe.
Derselbe. Zur Nomenklatur der Raubmöwen, nebst einigen
allgemein nomenklatorischen Bemerkungen; Orn. Monb. XII. p. 189
—195. — Verf. ist der Ansicht, daß Buphagus Moehr. an Stelle von
Megalestris, and Catarracta an Stelle von Stercorarius zu setzen sel.
Daran knüpft er einige allgemeine nomenklatorische Betrachtungen.
Derselbe. Über die Zulässigkeit der von Lesson in seiner
(sic) ‚„‚Traite d’Ornithologie‘“ eingeführten Namen; Journ. f. Ornith.
LII p. 296—301. — Verf. tritt für die Verwerfung der wissenschaftlichen
Namen Lessons in genanntem Werke ein, da der Autor die binäre
Nomenklatur nicht durchgehend zur Anwendung brachte.
Derselbe. Einige Ergänzungen und Berichtigungen zu
Sherborn’s „Index Animalıium“; Zool. Anz. XXVII (März 1904)
p. 394—3%.
Derselbe. Über die nomenklatorische Berücksichtigung und
Behandlung von im Jahre 1758 erschienenen zoologischen Werken,
in denen die Grundsätze der binären Nomenklatur befolst sind; 1. ce.
p. 401404.
Derselbe. Ein bisher nicht berücksichtigtes zoologisches Werk
aus dem Jahre 1758, in dem die Grundsätze der binären Nomenklatur
6 II. Aves für 1904.
befolgt sind; Zool. Anz. XXVII, 1904, p. 495—510. — Über die
holländische Übersetzung des Moehring’schen Werkes: Avium Genera,
durch Nozeman und Vosmaer. Die Berücksichtigung dieses Buches
würde zu einer völligen Revolution in der Nomenklatur führen. Auf
p. 502 Hellmayria nom. nov. für Pyrrhocorax Vieill. [typus H. pyrrho-
corax (L.)].
Proceedings at the Annual General Meeting of the British ®rni-
thologist’s Union 1904; Ibis (8) IV p. 457—459. — Bericht über die
Jahresversammlung.
Gustav Radde f. Ein Lebensbild von R. Blasius; Journ. f. Ornith.
LI, p. 1-49, mit Schwarzbild. — Schildert den Lebensgang, die
Reisen und die wissenschaftliche Tätigkeit des berühmten Forschers.
Darin eingeflochten sind zahlreiche gemeinsame Erlebnisse und Aus-
züge aus Briefen an den Biographen und dessen Vater. Am Schlusse
Verzeichnis der Publikationen des Verstorbenen. Mit Porträt.
A. Reichenow. Zur Rettung zweier alteingebürgerten Namen;
Orn. Monber. XII p. 1—3. — Verf. sucht nachzuweisen, daß Linne’s
Motacilla luscinia auf die Nachtigall, und M. titys L. auf den Haus-
rotschwanz sich beziehe. Wir vermögen der Auslegung nicht bei-
zustimmen.
Derselbe. [Über Conspecies und Subspecies]; Journ. f. Orn.
LII p. 309—312. — Verf. spricht über die verschiedene Auffassung
der ‚„‚Subspecies“ bei den Ornithologen der älteren und neuen Schule
und erörtert dies an der Hand der Nucifraga- und Garrulus-Formen.
Der vom Verf. befürworteten Trennung von drei westpaläarktischen
Tannenheherformen vermag Ref. nach Untersuchung eines sehr umfang-
reichen Materials nicht beizustimmen.
Derselbe. Zur Berichtigung; Journ. f. Orn. LII p. 563—564.
— Polemik gegen Hartert’s Artikel (siehe oben p. 2).
Derselbe. Übersicht der auf der deutschen Tiefsee-Expedition
gesammelten Vögel: in Wissenschaftl. Ergebnisse d. deutschen Tiefsee-
Exped. Bd. VII. Lief. 5, 1904, p. 343—358 tab. XXIII u. XXIV. —
In der vorliegenden Zusammenstellung sind 71 sp. aufgeführt, bei
jeder Art Liste der Exemplare und der Fundorte. Neu beschrieben:
Buchanga stigmatops phaedra, Padang (Sumatra), und Corvus splendens
maledivicus, von den südl. Malediven. Abgebildet sind: Charadrius
rufocinetus, Homolopelia pieturata und H. chuni.
0. Reiser’s Reise nach Brasilien; Orn. Monber. XII. p. 49—22.
Derselbe. [Notes on his trip to North-eastern Brazil]; Ibis
(8) IV p. 471—473.
Report on the British Museum for 1903—4; Ibis (8) IV p. 667—669.
J. H. Riley. Note on the Generic Names Bellona, Orthorhynchus,
Chrysolampis and Eulampis; Auk XXI p. 485—486. — Mierolyssa
nom.nov. für Bellona Muls. & Verr. (nec Reichb.), type Trochilus
exilis. Bemerkungen über die drei anderen Gattungsnamen.
Derselbe. On the proper Name of the Tody of Jamaica;
l. c. p. 486. — Todus todus statt T. viridis.
:II. Aves für 1904. 7
T. Salvadori. The Linnean Motacilla stapazına identified_and
restored to use; Ibis (8) IV p. 75—78. — Verf. weist nach, daß die
Beschreibung von M. stapazina Linn. sich auf die westliche Form des
Öhrensteinschmätzers bezieht, während der westlichen Form der
schwarzkehligen Art der Name S. oceidentalis Salvad. zukommt.
Ausführliche Synonymie beider Arten am Schlusse des Artikels.
Derselbe. Note on Tanysıptera dea; Ibis (8) IV p. 551—554.
— Verf. sucht auszuführen, daß der Name Alcedo dea L. 1766 für die
als Tanysiptera dea bekannte Eisvogelart aus Neu-Guinea beibehalten
werden könne, und weist nach, daß T. hydrocharis spezifisch ver-
schieden ist.
The Sarawak Museum; Ibis (8) IV p. 674.
P. Alex. Schaifer. Pfarrer P. Blasius Hanf als Ornithologe. Dar-
gestellt vorzüglich auf Grund der Schriften desselben. St. Lambrecht.
1904. 8°. pg. IX + 384, mit Porträt und 5 Ansichten. — Das Buch
zerfällt in sechs Abschnitte: 1. Nachruf an den Forscher; 2. Die Vögel
des Furtteiches und seiner Umgebung; 3. Ergänzungen und Nach-
träge; 4. P. Blasius Hanf als Omithologe; 5. Die vorzüglichsten
Ehrungen und Dankschreiben; 6. Die ersten Frühjahrs- und letzten
Herbstbeobachtungen der Zugvögel in Mariahof 1840 bis zum Früh-
jahre 1903 (ergänzt). Schlußbemerkungen und Register. An den
Arbeiten von B. Hanf wurde nichts geändert, nur die heute gültige
Nomenklatur und einige notwendige Bemerkungen unter dem Strich
beigefügt. Die Zugsbeobachtungen, die mit dem Jahre 1840 beginnen,
sind von dem Herausgeber bis 1903 ergänzt. Beigegeben sind dem
Buche ein Porträt des verstorbenen Forschers, und Ansichten des
Stiftes St. Lambrecht, von Zeutschach, Mariahof, dem Furtteiche,
sowie eine Photographie, darstellend die Enthüllung des Hanf-Monu-
ments und die daran Teilnehmenden.
3. Schenk. Kukukmimikry; Aquila XI, 1904, p. 369—374. —
Verf. glaubt auf Grund der Färbung des Kukuks und gestützt auf eine
einmalige Beobachtung, wo ein Kukuk beim Überfliegen eines freien
Feldes nach Falkenart zu rütteln versuchte und ein turmfalkenähnliches
Geschrei ausstieß, auf eine doppelte Mimiery mit Turmfalk und Sperber
schließen zu dürfen. Die Schlußfolgerungen, „daß der Kukuk seiner
Raubvogelähnlichkeit (sich) bewußt ist, die Eigenschaften derselben
kennt und sich auf Grund dieser Eigenschaften bewußt schützt“
dürften indessen wenig Anhänger finden.
W. Schuster. Entwicklung oder Nicht-Entwickelung? (Replik
auf die Ausführungen O. Kleinschmidt’s); Journ. f. Orn. LII p. 431
—443. — Polemik gegen Kleinschmidt’s Aufsatz über die behauptete
Veränderung der Artgewohnheiten der Brandenten (vgl. Bericht 1903
p- 284).
P.L. Selater. [Address on the ornithological events of the 13. Session
of the British Ormithologist’s Club]; Bull. B. ©. C. XV p. 1-5. —
Überblick der wichtigsten, ornithologischen Erscheinungen des Jahres
1904.
8 II. Aves für 1904.
Derselbe. On the Birds of Sibthorp’s Fauna Graeca’;, Ibis (8)
IV p. 222—227. — Vgl. p. 29.
E. P. Sealy. Obituary; The Emu III. Part IV. (April 1904) p. 247
— 248.
R. B. Sharpe. [Account of his voyage on the turbine yacht
„Emerald‘“]; Bull. B. ©. C. XIV p. 63—65. — Bericht über eine
Reise nach Westindien.
Derselbe. Avesin: Zoological Record. vol. XL, 1903. Printed
for the Zoological Society of London. 8°. pg. 72 (publ. August 1904).
E. Sheppard. Obituary; Auk XXI p. 407.
R. W. Shufeldt. An Arrangement of the Families and Higher
Groups of Birds; Amer. Natural. XXXVIII, 1904, p. 833—857,
figs. 1—6. — Verf. unterscheidet bloss zwei Ordnungen: Saururae und
Ornithurae. Letztere zerfallen in 39 ‚„‚Supersuborders“ (die den Ord
nungen anderer Autoren entsprechen), diese wiederum in 62 „Sub-
orders“, 17 „Superfamilies“ und 176 Familien. Neue Gesichtspunkte
für die Classification werden nicht vorgebracht.
Percy Sladen Memorial Fund; Ibis (8) IV. p. 484.
3. M. Southwick. Obituary; Auk XXI. p. 511.
6. Thienemann. Naumann und Heine. Ornithologische Erinnerungs-
blätter; Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX p. 317—322. — Persönliche
Erinnerungen an die beiden heimgegangenen Ornithologen.
6. Trumbull. Obituary; Auk XXI p. 310-311.
Twenty First Congress of the American Ornithologist’s Union;
Auk XXI p. 74-78.
U. S. National Museum; Ibis (8) IV p. 481—482.
W. M. Wheeler. The Öbligations of the Student of Animal Be-
havior; Auk$XXI p. 251—255.
Worthington Society for the Investigation of Bird Life; Auk XXI
p- 511—512.
P. Wytsman. Genera Avıum. With Contributions by Messrs.
P. L. Sclater, R. Bowdler Sharpe, W. R. Ogilvie-Grant, E. Hartert,
C. E. Hellmayr, T. Salvadori etc. First part. Passeres. Fam. Eury-
laemidae by E. Hartert. Brüssel 1904. gr.4°. pg. 1-8, with
coloured plate. — Vgl. p. 116.
Th. Zell. Ist das Thier unvernünftig? Neue Einblicke in die
die Tierseele.. Stuttgart (Verlag des Kosmos). 1904. 8°. pg. VII
+ 198. — Verf. tritt der noch vielfach vorhandenen Annahme, daß
das Tier unvernünftig sei und handle, in gemeinverständlicher Form
entgegen und belegt alles durch Beispiele. Auch die Vogelwelt findet
vielfach Berücksichtigung, so z. B. wird das von Manchen angenommene
Vermögen der Vögel zu wittern, durch Beispiele entkräftet.
II. Anatomie, Physiologie, Entwicklung.
E. Balducei. Osservazıonı sullo sterno dell’ Athene chiaradiae
(Gigl.); Archivio Zoologico, Napoli, I, 1904, p. 375—380. — Verf.
untersuchte ein Skelett dieser merkwürdigen Aberration und weist
II. Aves für 1904. 9
auf einige kleine Differenzen zwischen den Brustbeinen von A. chiaradıae
and A. noctua hin. Verf. neigt zur Ansicht Gigliol’s, daß es sich um
eine im Werden begriffene Species handle.
F. E. Beddard. A Note upon the Tongue and Windpipe of the
American Vultures, with Remarks on the Interrelations of the Genera
Sarcorhamphus, Gypagus und Cathartes; Proc. Zool. Soc. Lond. 1903
vol. II. pt. II (Apr. 1904) p. 386—392. — Beschreibt die eigenartige
Zunge bei den Arten der drei Gattungen, und schließt daran Be-
merkungen über deren Verwandtschaft auf Grund von Schädel-
charakteren.
E. Botezat. Geschmacksorgane und andere nervöse Endapparate
im Schnabel der Vögel; Biol. Centralbl. XXIV, No. 21:22, 1904, p. 722
— 736. — Geschmacksorgane waren bisher bei Vögeln nicht bekannt,
ja Merkel hat deren Vorkommen sogar verneint. Verf. fand nun in
der weichen Haut der hinteren Zungenpartien auf der Oberseite, dem
Rande und der Unterseite der beiden hinteren Zungenflügel, ferner
um den Schlund und im weichen Gaumen Geschmacksknospen. Diese
treten in zweierlei Form auf: solche, die den bei den übrigen Wirbel-
tieren vorkommenden Endknospen gleichen und denen der Reptilien
am ähnlichsten sind, ferner Endknospen, die als spezifisch für die
Vögel anzusehen sind. Es sind nicht solide Gebilde, sondern
die sie zusammensetzenden Elemente werden in der Achse des Organs
dilatiert oder durchbrochen durch den Durchtritt des Ausmündungs-
ganges der kleinen und auch großen Schleimdrüsen, die in sehr großer
Menge vorkommen. [Ref. nach Orm. Monb. XIII p. 12.]
*H. Braitmaier. Beitrag zur Physiologie und Histologie der Ver-
dauungsorgane bei Vögeln. Tübingen 1904. gr. 8°. pg. 40, 1 Tafel.
6. Brunelli. Sulle cause che hanno determinato la riduzione
della laringe superiore e lo sviluppo della siringe negli uccelli; Avicula
VIII p. 1—6. — Verf. diskutiert an der Hand der Literatur die Ursachen,
welche die Reduktion des oberen Kehlkopfes und die starke Entwick-
lung des Syrinx bei den Vögeln herbeigeführt haben. Am Schluß
Schriftenverzeichnis.
A. Carruceie. Sovra il Cigno pi raro in Italia (Cygnus bewicki
Yarr.) preso a S. Rossore (Pisa) a donato da S. M. il Re. al Museo
Zoologico. Note zoologicho ed anatomiche; Boll. Soc. Zool. Ital.
Roma XII, 1903, p. 134—150. — Verf. bespricht zunächst das Vor-
kommen der Art in Italien und beschreibt sodann eingehend die Anatomie
eines in der Provinz Pisa erlegten Exemplares.
* E. Cords. Beiträge zur Lehre vom Kopfnervensystem der Vögel;
Anat. Hefte Bd. 26, 1904, p. 49—100, mit 4 Tafeln.
* 3. Chaine. Nouvelles recherches sur la musculature le la langue
des oiseaux; C. R. Soc. Biol. Paris t. 57, 1904, p. 110—111.
*Derselbe. Remarques sur la museulature de la langue des
oiseaux; ©. R. Soc. Biol. Paris t. 56, 1904, p. 991—992.
A. S. Dogiel. Über die Nervenendigungen in den Grandry’schen
und Herbst’schen Körperchen im Zusammenhange mit der Frage
der Neuronentheorie; Anat. Anzeig. XXV, 1904, p. 558—574, figg. 10.
10 II. Aves für 1904.
*P. Ferret und A. Weber. Une monstruosite rare des embryons
d’oiseau (l’ourenterie). Note preliminaire; C. R. Ass. Anat. Sess. 6,
1904, p. 33—41.
Dieselben. Anomalies de l’aire vasculaire de l’embryon
de poulet obtenues experimentalement; Arch. Zool. exper. (4) II.,
1904, p. LVII—LX.
W. R. Ogilvie Grant. [On the extraordinary structure of the
trachea in Phonygama purpureo-violacea]; Bull. B. O. C. XIV p. 40.
—41. — Beschreibung der eigentümlich gestalteten Trachea beim &
ad. der genannten Art, und Bemerkungen über diesen Charakter bei
verwandten Formen.
E. Hille. Über die Vorderextremität von Eudyptes chrysocome
und deren Entwicklung; Jenaische Zeitschr. Naturw. XXXVIII,
1904, p. 725—770, tab. XXIV—XXV. — Verf. untersuchte das von
der deutschen Tiefseeexpedition mitgebrachte Material an Embryonen.
Die Entwicklung der Vorderextremitäten gleicht im früh-embryonalen
Zustande dem eines flugbegabten Vogels, besonders am Carpus und
Metacarpus fand Verf. eine vollkommene Homologie mit den Fingern.
Die Umbildung des Flügels zu einem Ruder erfolgt erst in späten
Embryonalstadien, da sämtliche Knochen der Extremität ihre rundliche
Form lange beibehalten. Es kann demnach kein Zweifel bestehen, daß
ihre Rudergestalt, nicht wie Menzbier annimmt, ererbt, sondern durch
Anpassung sekundär erworben wurde, und daß die Pinguine daher
von flugfähigen Vorfahren abstammen müssen. Sie können also
durchaus nicht als Übergangsstufe der Reptilien zu den Vögeln be-
trachtet werden, wie dies Owen getan hat. Nach Ansicht des Verf.’s
gehören sie zu den Carinaten und sollten ihnen nicht als besondere
Classe gegenübergestellt werden.
* M. F. D’Hollander. Recherches sur l’Oogenese et sur la structure
et la signification du noyau vitellin de Balbiani chez les oiseaux;
Arch. d’Anat. microse. VII, 1. Heft p. 117—180, avec 3 planches.
— [Ref. vgl. Zool. Centralbl. XII, 1905, p. 60—61].
*Derselbe. Les „Pseudochromosomes“ dans les Oogenies et
les Oocytes des oiseaux; Bibliogr. anat. tom. XIII, 1904, p. — (Sep.
p- 1—-7), avec quatre figures dans le texte. [Ref. vgl. Zool. Centralbl.
XII, 1905, p. 61].
* F. B. Lillie. Experimental Studies on the Development of Organs
in the Embryo of the Fowl (Gallus domesticus); Biol. Bull. VII, 1904,
p. 33—54, with 10 figg.
G. Loisel. Contributions & l’&tude des seeretions chimiques des
glandes genitales (suite). Les pigments elabores par le testicule du
poulet; C. R. Soc. Biol. Paris t. 56, 1904, p. 404—406.
Derselbe. Sur l’origine et la double signification des cellules
interstitielles du testicule; 1. c. p. 448—451.
R. Martin. Die vergleichende Osteologie der Columbiformes
unter besonderer Berücksichtigung von Didunculus strigirostris. Ein
Beitrag zur Stammesgeschichte der Tauben; Zool. Jahrb. Abt. f£.
Syst., Geogr. u. Biol. XX, Heft 3 (Mai 1904) p. 167—352, mit Tafel
nr ee
II. Aves für 1904. 11
11—12, und 96 Abbildungen im Text. — An die kurze Einleitung
schließt sich der spezielle Teil (p. 174—328), worin Verf. in eingehender
Weise die einzelnen Skeletteile der Tauben und dessen Abänderungen
bei den verschiedenen Formen der Gruppe beschreibt: Schädel, Wirbel-
säule und Rippen, Brustgürtel, Becken, Extremitäten. In einem
weiteren Abschnitte (p. 333—347) bespricht Verf. zuerst die bisherigen
Classificationsversuche und erörtert sodann die Systematik der Tauben
auf Grund der gewonnenen osteologischen Merkmale. Die Gattungen
Didus und Pezophaps, beide als Familien unterschieden, werden den
übrigen Tauben als Unterordnung Didi gegenübergestellt. Die rezenten
Tauben sind in fünf Familien gesondert: 1. Columbidae mit den Unter-
familien: Columbinae und Caloenadinae; 2. Peristeridae mit den
Unterfamilien: Peristerinae, Phabinae u. Ptilopodinae; 3. Treronidae;
4. Carpophagidae, mit den Unterfam.: Carpophaginae, Gourinae,
Ötidiphabinae; 5. Diduneulidae.. Die Anordnung weicht also nicht
unerheblich von Salvadori’s System ab. Am Schlusse ist ein mut-
maßlicher Stammbaum der Columbiformes gegeben, sowie mehrere
Tabellen, welche Maße einiger Skeletteile (Coracoid, Scapula und
Sternum) enthalten. Zahlreiche Abbildungen im Text. Skeletteile
von Didunculus strigirostris abgebildet.
P. €. Mitchell. On the Occasional Transformation of Meckel’s
Diverticulum in Birds into a Gland; Proc. Zool. Soc. Lond. 1903.
vol. II pt. II (Apr. 1904) p. 352—354. — Beschreibung des Organs
bei Scolopax rusticula. Mit Textfigur.
*M. Pitzorno. Ricerche di morfologia comparata sopra le arterie
succlavia ed ascellare (II. —Uccelli); Atti Soc. Toscana Sc. Nat. Mem.
vol. 20, 1904, p. 224—242, figg. 2.
W. P. Pyeraft. On the Nesting of Fraser’s Touracou, Turacus
macrorhynchus; Avic. Mag. (n.s.) III p. 55—63 cum tab. — Verf.
beschreibt eingehend die Pterylose u. Structur der Dunenfedern und
vergleicht den Nestvogel von Turacus mit denen der Kukuke und
des Hoatzin. Auf der Tafel ist der Flügel abgebildet.
Derselbe. A Contribution towards our knowledge of the
Morphology of the Owls. — Part II. ÖOsteology; Trans. Linn. Soc.
Lond. (2. ser. Zoology) vol. IX, Part 1., Juli 1903, p. 1—46 tab. 1, II.
— Verf. beschreibt eingehend die einzelnen Skeletteile der Eulen:
Schädel der alten Vögel und des Nestlings, Wirbelsäule, Rippen, Brust-
gürtel und Sternum, Beckengürtel, Hinter- und Vorderextremitäten.
Daran schließen sich Betrachtungen über generische und spezifische
Charaktere, und die Zusammenfassung der gewonnenen Resultate.
Dann gibt Verf. einen Schlüssel zur Bestimmung des Schädels, der
Wirbel, des Sternums und des Brustgürtels der untersuchten Eulen-
gattungen. Am Schlusse Literaturverzeichnis und Erklärung der
Tafeln, auf denen die Schädel diverser Arten abgebildet sind.
X. Raspail. Developpement asymetrique d’un crane de Poulet;
Bull. Soc. zool. France XXIX p. 60—63. — Mit zwei Textfiguren.
* 6. Rossi. Ricerche sulla meccanica dell’ apparato digerente del
pollo. Le funzioni motrici dello stomaco. Dati anatomici e metodo
12 II. Aves für 1904.
di ricerca; Rendic. Accad. Lincei (5) vol. 13. Sem. 2, 1904, p. 356—363,
mit 7 Fig.
Derselbe. [Mit gleichem Titel. Le funzioni motrici dello
stomaco; 1. c. p. 402—406, mit 3 Fig.
Derselbe. [Mit gleichem Titel]. La meccanica della masti-
cazıone gastrica; l.c. p. 473—478, mit 6 Fig.
*P, Schüpbach. Beiträge zur Anatomie und Physiologie der
Ganglienzellen im Zentralnervensystem der Taube; Zentralbl. Physiol.
XVII, 1904, p. 750—754.
G. Smith. The Middle Ear and Columella of Birds; Quart. Journ.
micr. Sc. (n. s.) 48., 1904, p. 11—22, with 7 figg.
G. Swenander. Untersuchungen über den Vorderdarm einiger
Vögel aus dem Sudan; Results of the Swedish Zoological Expedition
to Egypt and the White Nile, 1901. Part I. No.7. Upsala 1904. 13 pg.,
2 Tafeln. — Verf. berichtet über die Structur der Verdauungsorgane
einiger Vögel aus dem Sudan. 18 sp. sind besprochen. Auf den beiden
Tafeln sind Abbildungen des Verdauungstractus von Pseudotantalus
ibis, Leptoptilus crumenifer, einiger Ibis-Arten etc. gegeben.
F. Ulrich. Zur Kenntnis der Luftsäcke bei Diomedea exulans and
Diodemea fuliginosa; Wissensch. Ergebn. deutsch. Tiefsee-Exped.
Valdivia Bd. 7, Lief. 4, 1904, p. 319—342, mit 4 Tafeln.
A. Wallenberg. Neue Untersuchungen über den Hirnstamm
der Taube. 2. Sekundäre, sensible Bahnen ım Hirnstamme der Taube;
Anat. Anz. XXIV, 1904, p. 357—369, mit 11 Fig.
W. Wurm. Die stammesgeschichtliche Bedeutung der Auerhahn-
taubheit; Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX p. 35—40. — Verf. erörtert
die Taubheit des Auerhahns während der unter dem Namen ‚‚Schleifen“
oder „Wetzen‘ bekannten Strophe seines Balzgesanges. Er glaubt
in gewissen Eigentümlichkeiten: Vorhandensein einer Schwellfalte
und eines Unterkieferfortsatzes, die den äußeren Gehörgang des Vogels
zeitweise verschließen, und Auftreten des Farbstoffes ‚Tetromery-
thrin“ Zeichen phylogenetischer Entwicklung der Waldhühner aus
wasserbewohnenden Reptilien zu erblicken.
A. Zaitschek. Zur Physiologie des Muskelmagens der körner-
fressenden Vögel; Arch. ges. Phys. Bd. 104, 1904, p. 608—611. —
Steinchen im Magen.
Il. Paläontologie.
€. W. Andrews. On the Pelvis and Hindlimb of Mullerornis betsilei
M.-Edw. & Grand.; with a Note on the Occurrence of a Ratite Bird
in the Upper Eocene Beds of the Fayum, Egypt; Proc. Zool. Soc. Lond.
1904 vol. I pt. I p. 163—171 tab. V. — Beschreibung und Abbildung
von Knochenresten des M. betsilei nach von Forsyth-Major gesammelten
Stücken. Eremopezus eocaenus nov. gen. et sp. ist nach dem Endteil
des Tibio-tarsal-Knochens als neu beschrieben.
F. A. Lucas. A Skeleton of Hesperornis; Smithson. Misc. Coll.
vol. 45, 1904, p. 95 tab. 1.
II. Aves für 1904. 13
*S. Woodward. A Guide to the Fossil Mammals and Birds in
the Department of Geology and Palaeontology in the British Museum,
(Natural History), Cromwell Road, London, S. W. With 6 plates and
88 text-figures. Eight edition. London 1904.
IV. Morphologie, Federn, Mauser, Färbung, Flug.
6. E. H. Barrett-Hamilton. [On Flight-sounds in some Birds];
Ibis (8) IV p. 474—475.
* W. Biedermann. Die Schillerfarben bei Insekten und Vögeln;
Denkschr. med.-naturw. Gesellsch. Jena 1904, gr. 4°, p.—. [Sep.
86 pg. mit 16 Abbildungen].
3. L. Bonhote. On Coloration in Mammals and Birds; Journ.
Linn. Soc., Zool., XXIX p. 185—187. — Verf. führt aus, daß die
Entwicklung der Farbe zusammenhängt mit „activity of nutrition“
und ‚„vigour‘“, welch letztere wiederum abhängig ist von Temperatur,
Nahrung und geschlechtlicher Activität. Beispiele zur Erklärung
lebhafter Farben und blasser Töne sind angeführt. Die Centren, von
denen das Ausbleichen seinen Ausgang nimmt, bezeichnet Verf. als
„Poecilomeren“.
A. 6. Butler. On the Development of the Adult Colouring in the
Yellow-billed Cardinal (Paroaria capitata) from S. America; Proc.
Zool. Soc. Lond. 1903 vol. II pt. II (Apr. 1904) p. 350—351. — Verf.
glaubt beobachtet zu haben, daß das Alterskleid durch Farbenver-
änderung (ohne Mauser) erworben werde, und hält P. cervicalis für
identisch mit P. capitata.
F. W. Frohawk. [On the sexual difference in the form of the
wings in the Lapwing (Vanellus vanellus]; Bull. B. ©. C. XIV p. 62.
Derselbe. On Sexual Variation in the Wing of the Lapwing
(Vanellus vulgaris); Ibis (8) IV p. 446—451. — Verf. weist darauf hin,
daß zwischen $ und 2 des Kiıebitzes Unterschiede in der Struktur
bestehen. Das 2 habe bedeutend längeren Schnabel als das $, aber
viel kürzere Haubenfedern als dieses. Außerdem zeigt das Verhältnis
der Primärschwingen bei den beiden Geschlechtern Unterschiede, die
durch Abbildungen der Flügel und schematische Zeichnungen der
Anordnung der einzelnen Schwingen im Texte erläutert sind.
E. Lönnberg. The Homologies of the different pieces ofthecompound
Rhamphotheca of Birds; Arkıv for Zoologi, utgifvet af K. Svenska
Vetenskapakademien I, 1904, p. 479—512. — Verf. untersuchte den
Schnabel von Vertretern der wichtigsten Vogelfamilien, um fest-
zustellen, ob die ursprünglichen Teilstücke der Rhamphotheca noch
zu erkennen und wieweit sie den die Kiefer der Reptilien bekleidenden
Hornschildern homolog seien und fand, daß sie bei den meisten Vögeln
in der Anlage wohl vorhanden sind, aber eine mehr oder minder voll-
kommene Verschmelzung in größere Tafeln erleiden. Es kommen
hierbei folgende bei den Reptilien stets deutlich gesonderte Schilder
in Betracht: am Oberkiefer das Rostrale, die Labialia, Nasalia und
Internasalia, am Unterkiefer das Mentale, die Infralabialia und Sub-
14 II. Aves für 1904.
mandibularia. Rostrale und Mentale sind bei den niederen Vögeln stets
deutlich zu erkennen, jenem entspricht die häufig zu einem Haken
ausgebildete Hornbekleidung der Spitze des Oberkiefers, diesem die
ebenfalls meist deutlich gesonderte Bedeckung der Spitze des Unter-
kiefers. Die Seitenbedeckungen des Ober- und Unterkiefers sind auf
Labialıa und Infralabialia zurückzuführen, dıe hier zu einer oder zwei
langen Platten verschmolzen sind, neben denen am Unterkiefer zu-
weilen (z. B. bei den Tubinares) den Submandibularia entsprechende
Platten zu unterscheiden sind. Dem Inter- und Frontonasale entspricht
bei den Tubinares die Hornbedeckung der Firste, der Culminarplatte
bei den Casuaren die Horndecke des Helmes. Bei den Raubvögeln
bilden Rostrale und Mentale allein die Hornbekleidung der Kiefer,
während Internasale, Nasale, Labıalia, Infralabialia und Submandi-
bularıa in der Wachshaut vereinigt erscheinen. Bei den Spechten
läßt die Nasenleiste des ÖOberkiefers die Anlage von Rostrale und
Labialia erkennen. Bei den Sperlingsvögeln erscheint die Rhampho-
theca fast homogen. Das Rostrale scheint die Hornbekleidung des
Oberkiefers, das Mentale die des Unterkiefers zu bilden. Mit 13 Ab-
bildungen im Texte. (Teilweise nach Orn. Monber. XIII p. 12—13,
und Ibis (8) IV p. 652—653).
E. Mascha. Über die Schwungfedern; Zeitschr. wissensch. Zool.
LXXVII, 1904, p. 606—651 tab. 29—41, mit 9 Textfiguren. — Zweck
der Arbeit ist eine eingehende Darstellung der morphologischen Ver-
hältnisse der Schwungfedern. Verf. führt eine neue Nomenklatur
der Federteile ein, weil die alte nicht der Entwicklung entspräche.
Die Hauptergebnisse sind folgende: In der Marksubstanz der ‚sekun-
dären Kiele‘‘ (Äste) sind die Zellen unregelmäßig mehrschichtig
oder regelmäßig einschichtig gelagert. Die ventrale Hornlamelle ist
ein konstantes Merkmal der sekundären Kiele. Die Ursprungsstellen
der ‚„tertiären Fasern“ (Strahlen) sind sehr kompliziert gebaut. Sie
bestehen aus einem Gesims, von dem sich kurze Leisten erheben, die
kulissenartig hintereinander stehen und zwischen denen die Anfangs-
teile der Strahlen liegen. Die Zähne der äußeren Federfahnen der
drei äußeren Handschwingen der Eulen sind nichts anderes als eigen-
artig differenzierte sekundäre Kiele. Die „Hakenfasern“ (ciliae) ent-
springen stets von der der Spitze der Federn zugekehrten Seite der
sekundären Kiele. Es sind konkave Bänder, die aus einer einfachen
Reihe hintereinander liegender Zellen mit Fortsätzen bestehen, die
proximal Lappen und Haken, distal paarige Wimpern sind. Die Zahl
der Haken variiert von 2 zu 8, ist aber innerhalb der einzelnen Vogelarten
constant. Sehr abweichende Formen der Hakenfasern finden sich
bei den Striges und Caprimulgi. Die Entfernung der Hakenfasern
beträgt bei allen Vogelklassen von 20 zu 30 u. Die dorsalen Zahn-
fortsätze an der Umbiegungsstelle der Bogenfasern sind wahrscheinlich
als Arretierungsvorrichtungen aufzufassen. Die Entfernungen der
Bogenfasern schwanken bloß zwischen 30 und 40 «. Die Zähne
an den Außenfahnen der drei äußeren Handschwingen bei den Striges
und Caprimulgi, ferner der von den stark verlängerten Endteilen der
Il. Aves für 1904. 15
Hakenfasern auf der Oberfläche der Federn gebildete Flaum sind dem
geräuschlosen Fluge dieser Vögel dienende Anpassungserscheinungen.
[Nach Zool. Centralbl. XII p. 821—822].
W.P. Pycraft. [On the peculiar modifications of the wings of
Cosmetornis vexillarius and Macrodipteryx macrodipterus]; Bull.
BOB. C. XV p. 22.
W. Schuster. Die Entstehung und Gestaltung des normalen und
anormalen Kreuzschnabels; Orn. Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX
p. 480—490. — Mit vier Textbildern.
Derselbe. Naturwunder und Schulexegese. Über das Ver-
mögen des Vogels, sich in hohen Luftregionen aufzuhalten; Zool.
Garten XLV p. 73—80. — Verf. wendet sich dagegen, die Ergebnisse
der Versuche mit der Luftpumpe zur Beurteilung der Höhe des Vogel-
fluges heranzuziehen; und weist auf Angaben in der Literatur hin,
denen zufolge Vögel sich zu recht bedeutenden Höhen erheben können.
G. Swenander. Über die Mauser der Lummen und Alken; Kgl.
Norske Vidensk. Selsk. Skrift. Trondhjem, 1903, No.3, p. 1—6. — Verf.
wendet sich gegen die Angaben Gätkes, daß die Veränderung der
Kleider bei Lummen und Alken durch Farbenwechsel ohne Mauser er-
folge, und daß bei Alle alle die weißen Federn durch ‚Umfärbung‘““ sich
in schwarze veränderten. Verf. weist auf Grund umfangreichen Materials
von Uria grylle, U. troile, U. ringvia und Alca torda nach, daß die
Umwandlung stets nur durch Mauser geschehe.
*E. W. Young. Observations on the Flight of Birds and the
Mecanics of Flight; Transact. South Afr. Phil. Soc. XIV, 1904, p. 419
—423, with 7 figg.
V. Spielarten, Bastarde, Abnormitäten, Hahnenfedrigkeit.
F. H. Allen. A Sanderling with Hind-toes; Auk XXI p. 79.
F. E. Blaauw. [On two colour varieties of the Chaffinch (Fringilla
coelebs)]; Ibis (8) IV p. 305—306.)
F. L. Blathwayt. ‚„Xanthochroism“ in the Greenfinch (Ligurinus
chloris); Zool. (4) VIII p. 32.
B. S. Bowdish. An abnormal Bill of Melanerpes portoricensis;
Auk XXI p. 53—55 tab. XI.
S. Brogi. [Über Farbenvarietäten italienischer Vögel]; Avicula
VIII p. 29—30, 57, 120.
L. Bureau. Sur trois Perdrix grises, varıete albine; Bull. Soc.
Sci. nat. Ouest France, Nantes, XIV, 1904, p. VI. — Perdix perdix.
A. @. Butler. Notes on Melanısm and Albinism in Birds; Avic.
Mag. (n.s.) II p. 242—245.
E. A. Butler. Curious Variety of the Robin (Erithacus rubecula);
Zool. (4) VIII p. 456. — Partieller Albino beschrieben.
D. F. Principe Chigi beschreibt einen Bastard von Carduelis
carduelis x Chloris chloris; Boll. Soc. Zool. Ital. Roma XIII, 1904,
p- 60—61.
16 II. Aves für 1904.
W. 0. Emerson. Melanısm ın Buteo borealiıs calurus; Condor
VL.p,.110,
A. Fritze. Bastard von Birkhuhn und Fasan; Jahrbuch des Pro-
vinzial-Museums zu Hannover 1904, 4°, pg.2, tab. VII [nach drei
photogr. Aufnahmen]. — Beschreibung des interessanten Stückes,
und Mitteilungen über andere in der Literatur verzeichnete Exemplare
[vgl. dazu Leverkühn, Orn. Monb. XIII p. 68—69].
3. Gengler. Abnorm gefärbter männlicher Goldammer; Monatsschr.
Ver. Vogelw. XXIX p.32 tab. II fig. 1. — Beschreibung und Ab-
bildung einer abnorm gefärbten Emberiza citrinella.
Derselbe. Abnorm gefärbte weibliche Amsel; Merula merula
(L.); 1. ce. p. 32—33 tab. II, fig. 2. — Partieller Albinismus, beschrieben
und abgebildet.
A. Günther. [Remarks on some hybrids between Reeves’ Pheasant
(Phasianus reevesi) $ and the Silver Pheasant (Gennaeus nycthemerus)
9]; Proc. Zool. Soc. Lond. 1904. vol. I. pt. II (Aug. 1904) p. 371.
V. Hornung. Melanısmus bei einem Haussperling; Zool. Garten
XLV p. 258—259.
€. J. Hunt. How an Abnormal Growth of Bill was caused; Auk
XXI p. 384. — Colaptes auratus.
H. Johansen. Vollständiger Albino von Hypolais salicaria Pall.;
Orn. Monber. XII p. 101.
©. Koepert. Farbenvarietät von Turdus merula; Monatsschr.
Ver. Vogelw. XXIX p. 262 tab. VII. — Eine semmelfarbige Varietät
beschrieben und abgebildet.
E. Lönnberg. On two Specimens of „‚Riporre‘ with known Paren-
tage; Proc. Zool. Soc. Lond. 1904. vol. I. Part II (Aug. 1904) p. 411
—415 tab. XXVI. — Beschreibung und Abbildung zweier Bastarde
von Lyrurus tetrix @ x Lagopus lagopus $. Beide wurden bei Rasvik
im Regierungsbezirk Norrbotten in Nord Schweden erlest. Verf.
knüpft daran Bemerkungen über andere von ihm untersuchte Exemplare
der „‚Riporre“.
0. Natorp. Abnorm gefärbte Weindrossel; Monatsschr. Ver.
Vogelw. XXIX p.30—31 tab. I. — Beschreibung und Abbildung
eines Melanismus von Turdus iliacus aus der Trebnitzer Gegend,
Schlesien.
T. H. Newman. On some Turtle Dove Hybrids and their Fertility;
Avie. Mag. (n. s.) II p. 191—198 with two plates. — Beschreibt einige
Turteltaubenbastarde und ergeht sich über die Frage der Fruchtbarkeit
solcher Hybride.
E. Ninni. 'Sopra un caso di scorolamento nel piumaggio di Mareca
penelope, Selb.; Avicula VIII p. 167—168. — Beschreibung eines
albinistischen Exemplars.
€. Piechi. Anomalie nel colorito del Piumaggio osservate in 85 in-
dividui della mia Collezione Omitologica Italiana e breve cenno sull’
Eterocrosi; Avicula VIII p. 12—16, 47—52. — Fortsetzung und
Schluß der Arbeit (vgl. Bericht 1903 p. 219). Über Farbenvarietäten
bei Arten der Familien Fringillidae, Sturnidae, Corvidae, Limicolae,
II. Aves für 1904. 17
Rallidae, Gruidae, Anatidae, Phalacrocoracidae und Laridae. Im
Ganzen sind in beiden Abhandlungen 85 Exemplare beschrieben, die
sich auf 41 Species verteilen.
Siehe auch p. 42.
W. Ratthey. Abnorm gefärbte Schwalben; Orn. Monatsschr.
Ver. Vogelw. XXIX p. 495—496. — Hirundo rustica.
€. B. Rickett exhibits a specimen of Paradoxornis guttaticollis
with abnormally developed mandibles; Bull. B. ©. ©. XV p. 30.
W. Rothschild. [On some Hybrid Pheasants]; Bull. B. ©. €.
XIV p. 37—38.
Derselbe. [Exhibition of Hybrid Pheasants]; Bull. B. ©.
C. XIV p. 58. — Aufzählung von 32 Hybriden.
R. Snouckaert van Schauburg. Eichelheher mit gebändertem
Schwanz; Orn. Monb. XII p. 98—99.
P. A. Taverner. Another Abnormal Bill; Auk XXI p. 279. —
Schnabeldeformität bei Corvus americanus. Mit Textbild.
3. S. Tulloch. Albino Sea Eagle in Yell, Shetland; Ann. Scott.
N. H. 1904 p. 245.
VI. Tiergebiete (Faunistik).
Paläarktisches Gebiet.
E. Bade. Die mitteleuropäischen Vögel. Ihre Naturgeschichte,
Lebensweise und ihre Jagd. Mit 1 Tafel in Farbendruck, 4 Schwarz-
drucktafeln, 31 Tafeln in Photographiedruck, fast ausschließlich nach
Aufnahmen lebender Vögel, und 144 Textabbildungen photographischer
Aufnahmen der Nester und Eier sowie Zeichnungen von Vogelteilen.
I. Band. Berlin 1904. 8°. pg. 192. — Ein populäres Handbuch der
mitteleuropäischen Vögel. Der vorliegende Band behandelt die Drosseln,
Sylviidae, Troglodytidae, Meisen, Baumläufer, Bachstelzen, Pieper
und Finken. In der Einleitung Allgemeines über die Morphologie und
Anatomie des Vogels.
V. Bianchi. Note preliminaire sur les formes pal&arctiques orientales
du genre Alauda Linn. ; Ann. Mus. Zool. St. Petersbg. IX, 1904, p. XXII
—XXXI. [Russisch]. — Verf. unterscheidet A. a. arvensis, A. a. blaki-
stoni, A.j. japonica, A.j. coelivox, A.j. inopinata n. subsp. (Tibet),
A. g. gulgula und A. g. guttata. Am Schlusse der Arbeit Bestimmungs-
schlüssel.
Derselbe. Note sur les formes du genre Dendrocoptes; Ann.
Mus. zool. St. Petersbg. IX, 1904, p. 1—4. — Übersicht der geogra-
graphischen Rassen von Dendrocoptes medius. Neu: D. m. caucasicus,
Kaukasus.
Derselbe. Key to the Palaearctic Species of Larks of the
Genus Otocorys; Ibis (8) IV p. 370—372. '— Bestimmungsschlüssel
für die (12) paläarktischen Formen der Alpenlerchen. Neu: O. brandti
montana, ‚Gebirge des nördlichen Teiles von Zentralasien“; O.b.
przewalskii, Zaidam; O.elwesi khamensis, Gebirgsland Kham in
S. ©. Tibet.
Arch. f. Naturgosch. 70. Jahrg. 1904. Bd. II. H.1. (II.)
18 II. Aves für 1904.
S. A. Buturlin. Über neue Formen der echten Stare; Orn. Jahrb.
XV, p.205—213. — Neu beschrieben: Sturnus vulgaris jitkowi,
Östrußland; S. poltoratzkyı satunini, Nordkaukasus; S. zaidamensis,
Zaidam; S. dzungaricus, Dzungarei; S. purpurascens dresseri, N. O.-
Persien und Turkestan; S. p. johanseni, Ost-Turkestan; S. tauricus,
Krim; S. t. harterti, Turkestan (Merw bis Ferghana); S. porphyronotus
loudoni, Ost-Turkestan. Am Schlusse Bestimmungsschlüssel für alte
Vögel aller Formen der Gattung Sturnus.
Derselbe. On the Geographical Distribution of the true
Pheasants (Genus Phasianus sensu stricto); Ibis (8) IV, p. 377—414,
— Verf. unterscheidet 35 Formen, die er, obwohl sie sich alle geographisch
vertreten, bald binär, bald ternär benennt, je nach der Menge des unter-
suchten Materials und je nach Vorkommen oder Fehlen von ‚‚inter-
gradition“. Er gibt zunächst eine übersichtliche Bestimmungstabelle
für die alten Männchen, welche für die Determinierung der verschiedenen
Formen eine sehr brauchbare Hilfe bietet. Bei den einzelnen Arten,
deren Übersicht den größten Teil der Arbeit einnimmt, ist die geo-
graphische Verbreitung eingehend diskutiert, meist sind auch die Be-
ziehungen zu den geographisch benachbarten Formen kurz erörtert.
Neu: Phasianus colchieus lorenzi, Transkaukasien; P. principalis
bogdanowi (nom. nov. für P. p. komarowi); P. p. zarudnyi, Mittellauf
des Amu Darja; P.chrysomelas bianchii, Oxus-Tal; P. alpherakyi,
Zentral-Mandschurei; P.a. ussuriensis, Ussuri; P. holdereri kiang-
suensis, Ost-China; P. h. gmelini, Süd-China.
H. E. Dresser. On some rare or unfigured Eggs of Palaearctie Birds;
Ibis (8) IV, p. 106—112, tab. III. — Beschreibung und Abbildung der Eier
von Hodgsonius phoenicuroides, Carpodacus severtzovi, Erythrospiza
sanguinea, Bucanetes obsoletus, Emberiza luteola, E. spodocephala,
E. cinerea, E.stewarti, E. stracheyi und Muscicapula supereiliaris
(letztere nicht abgebildet).
Derselbe. On some rare and unfigured Eggs of Palaearetic
Birds; Ibis (8) IV, p. 280—283, tab. VII. — Beschreibung und Ab-
bildung der Eier von Chimarrhornis leucocephalus, Pyenonotus leucotis,
Hypsipetes amaurotis, Falco altaicus und Phasianus scintillans.
Derselbe. On some rare or unfigured Eggs of Palaearctic Birds;
Ibis (8) IV, p. 485—489, tab. X. — Beschreibung und Abbildung der
Eier von Lusciniola aödon, Motacilla maderaspatensis, Oriolus kundoo,
OÖ. indicus, Cyanoptila cyanomelaena, Lanius vittatus, Terpsiphone
paradiısi, T. princeps und Pericrocotus cinereus.
A. Ehmeke. Beschreibung einiger neuer Lerchenarten aus den
Museen von Sarajevo und Budapest; Ann. Mus. Hung. II, p. 296
— 301. — Neu: Alauda intercedens, Attika; A. balcanica, Bosnien;
A. major, Serbien; A. minuta, Korfu; A. schach, Ostpersien; A. belud-
shistana, Persisch Beludschistan; A. cypriaca und A. insularis, Cypern;
A.sordida, Rügen und Ungarn; A. subtilis, Montenegro; A. trans-
caspica, Transkaspien.
II. Aves für 1904. 19
E. Hartert. Die Vögel der paläarktischen Fauna. Systematische
Übersicht der in Europa, Nord-Asien und der Mittelmeerregion vor-
kommenden Vögel. Heft II. p. 113—240, mit 22 Abbildungen. Berlin,
Juni 1904. — Das zweite Heft dieses wichtigen Werkes behandelt den
restlichen Teil der Fringillidae, und einige Lerchengattungen, nämlich:
Rhamphocorys, Melanocorypha, Calandrella, Ammomanes, und Ga-
lerida. Anordnung und Behandlung des Stoffes wie im ersten Hefte
(vgl. Bericht 1903, p. 220). Neu beschrieben sind: Loxia curvirostra
hispana, Spanien; L.c.anglica, England, L.e. scotica, Schottland;
Montifringilla brandti walteri, Szetschwan; Passer domestica biblicus,
Syrien; Passer italiae senckenbergianus, N. O. Afrıka; Passer mon-
tana taivanensis, Formosa; P.rutilans debilis, Kaschmir; Emberiza
cia par, Transkaspien; E. schoeniclus pallidior, Turkestan; E. s. oth-
marı, Bulgarien; E. pyrrhuloides reiseri, Thessalien; E. p. central-
asiae, Ost-Turkestan; Melanocorypha calandra psammochroa, Trans-
kaspien; Calandrella minor polatzeki, Lanzarote; Galerida cristata
caroli, Natron-Tal, Unter-Egypten; G.c. cinnamomina, Berg Carmel
in Nord-Palästina; G.c. tardınata, Südarabien; G. theklae erlangeri,
Tanger, Nord-Marokko.
Derselbe. Miscellanea Ornithologica. Critical, Nomenclatorial,
and other Notes, mostly on Palaearctic Birds. I; Nov. Zool. XI, Sept.
1904, p. 456—460. — Erläuternde Bemerkungen zum Handbuch der
paläarkt. Vögel des Verf.’s. Übersicht der Formen von Carpodacus
thura; über die Namen Haematospiza indica (vs. H. sipahi) und Carpo-
dacus synoicus. Bemerkungen über die Synonymie einiger Passer-Arten,
so über die Namen P. rufipectus, P. pallasi, P. ploceisoma, P. ruppeli,
P. confucius etc. und über Linota pygmaea. Über die Formen von
Loxia und Passer simplex.
€. R. Hennicke. Die Fänge der Raubvögel. XXIX.; Orn. Monats-
schr. Ver. Vogelw. XXIX, p. 44, tab. IV. — Kennzeichnung und Ab-
bildung des Fanges von Falco gyrfalco islandus.
Derselbe. Die Fänge der Raubvögel. XXX, XXXLJ; l.c.
p. 463—464, tab. IX, — Kennzeichen und Abbildung der Fänge von
Circus macrurus und C. pygargus.
F. €. R. Jourdain. The Dartford Warbler (Melizophilus undatus
Bodd.) and its allies; Trans. North Staffordshire Field Club XXXVIII,
1904, p. 78—84, tab. I. — Darstellung der Verbreitung von Melizo-
philus undatus, M. sardus und M. deserticola nach den Angaben in der
Litteratur. Auf der beigegebenen Karte ist die Verbreitungsarea der
drei Arten ersichtlich gemacht.
©. Kleinschmidt. Über die geographische Verbreitung und den Zug
des rotsternigen Blaukehlehens; Journ. f. Orn. LII, p. 302—306. —
Neu: Erithacus gaetkei, von Helgoland. Betrachtungen über die geo-
graphische Variation, Verbreitung und den Zug der Blaukehlchen.
E. Lönnberg. Ein Beitrag zur Kenntnis der geographischen
Variation des Birkwildes (Tetrao [Lyrurus] tetrix L.]. Eine vorläufige
Mitteilung; Orn. Monber. XII, p. 105—109. — Verf. erörtert zunächst
die Unterschiede zwischen T. t. tetrix aus Schweden und T. t. juni-
ok
[]
20 II Aves für 1904,
perorum Brm. aus Deutschland, kennzeichnet sodann eine dunkle
Lokalvarietät aus Dalarne, Schweden, als [T. t.] pinetorum, und eine
neue Subspezies aus der Mongolei, südlich von der Stadt Urga, als
[T. t.] mongolicus.
V. Ritter von Tsehusi zu Schmidhoffen. Über palaearktische
Formen. VI.; Om. Jahrb. XV, p. 93—108. — Verf. erörtert zunächst
die individuelle und geographische Variation des Eisvogels, kennzeichnet
die südliche Form Alcedo ispida spatzi, und beschreibt A. i. sibirica aus
West-Sibirien. Ferner neu beschrieben: Garrulus glandarius koenigi,
N. W. Tunesien; Pisorhina scops erlangeri, Tunis; P.s. graeca, Fest-
land von Griechenland; P.s. tuneti, Nord-Tunis; P.s. cycladum,
Insel Naxos; Caccabis rufa maderensis, Madeira. Pisorhina scops eypria
ist ausführlich beschrieben.
Derselbe. Über paläarktische Formen, VII; Orn. Jahrb. XV,
p. 121—124. — Neu: Corvus cornix valachus, Cuculus canorus rumeni-
cus, Rumänien; Apus melba tuneti, Tunis.
Derselbe. Über paläarktische Formen. VIII; Orn. Jahrb.
XV, p. 227—230. — Neu: Columba palumbus maderensis, Madeira;
Panurus biarmicus occidentalis, Italien; Falco vespertinus obscurus,
Tomsk, W. Sibirien. Bemerkungen über Sturnus vulgaris nobilior und
Apus apus kollibayı.
Deutschland.
R. Berge. ÖOrnithologische Vorkommnisse aus dem westlichen
Sachsen; 32. Jahresbericht Ver. Naturk. Zwickau 1902 (publ. 1904)
p. — (Sep. p. 1—6). — Nachträge zu des Verf.’s Arbeiten über das-
selbe Gebiet. 19 sp. sind besprochen. Turdus alpestris ist Brutvogel
in den Fichtenwaldungen über 1000 m Höhe am Fichtel- und Keil-
berg, neu für Sachsen. Circaetus gallicus bei Schöneck, Phalaropus
lobatus im Okt. 1903 bei Zwickau erlegt (erstes Belegsexemplar für
Sachsen). Biologisches über einige Corviden.
Derselbe. [Phalaropus lobatus L. in Sachsen]; Orn. Monber.
XII. p. 61.
Derselbe. Die Ringamsel im Erzgebirge; Orn. Monber. XII,
p. 160—162. — Das Brutgebiet von Turdus alpestris im Erzgebirge
geht bis auf 1000 m Seehöhe herab und scheint auf Keil- und Fichtel-
berg beschränkt zu sein. Auf den benachbarten Bergketten (Spitzberg,
Wirbelstein, Eisenberg) fehlt sie.
*Derselbe. Ornithologische Spaziergänge im Erzgebirge;
Wissenschaftl. Beilage der Leipziger Ztg., 16. Jan. 1904, p. 23—28.
*Derselbe. Seltene Vögel; Wissenschaftliche Beilage der Leip-
ziger Zeitung No. 125, 10. Okt. 1904. — Phalaropus lobatus im Okt.
1903 bei Zwickau (neu für Sachsen) erlegt, Circaetus gallicus im Aug.
1903 bei Schöneck im Vogtlande erbeutet. Albinismus von Anas
boschas.
L. Frhr. von Besserer. Numenius arcuatus L. als Brutvogel in
Bayern; Orn. Jahrb. XV, p. 108—113. — Verf. gibt einen Überblick
II. Aves für 1904. 21
über das Vorkommen des großen Brachvogels in Bayern, wo er keines-
wegs selten und „sporadisch“ auftritt.
R. Blasius, siehe p. 84 unter Cap. VIII.
©. Boerner. [Otis tetrax in Anhalt erlegt]; Monatsschr. Ver.
Vogelw. XXIX, p. 313—314.
H. Bünger. [Seidenschwänze bei Berlin]; Orn. Monber. XII, p. 61.
E. Christoleit, Über ein Vorkommen des Schelladlers (Aquila
maculata) in Ostpreußen; Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX, p. 309—
311. — Verf. will ein Expl. am Frischen Haff ‚beobachtet‘ haben.
G. Clodius. Ornithologischer Bericht über Mecklenburg für die
Jahre 1900—1903; Archiv Ver. Freunde Naturgesch. Mecklenbg.
58. Jahr. I. Abth., 1904, p. 43—63. — Aufzeichnungen über Vorkommen
einer Reihe von Arten der Mecklenburg’schen Ornis. Verf. wurde von
einer Reihe anderer Ornithologen durch Einsendung von Beob-
achtungen unterstützt. 89 sp. sind aufgeführt, die mitgeteilten Daten
zeichnen sich durch Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit aus.
F. Dietrich. Eine ornithologische Pfingstreise nach Jordsand
und Ellenbogen; Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX, p. 53—60, tab. V,
VI. — Ornithologisches von den Nordfriesischen Inseln, besonders von
Sylt, vornehmlich das Brutgeschäft einiger Arten betreffend. Ab-
bildungen der Nester der Eiderente, Sturmmöve und Kaspischen See-
schwalbe.
Derselbe. Die schleswig-holsteinischen Knicks u. ihre Bedeutung
für die Vogelwelt; Zweiter Bericht des Ornith.-Oolog. Ver. Hamburg,
1902—1903 (publ. 1904) p. 78—97. — Knicks nennt man in Schleswig-
Holstein die aus Buschwerk bestehenden Hecken, welche die einzelnen
Felder begrenzen. Verf. charakterisiert die Knicks nach ihren Haupt-
bestandteilen, die sich vorwiegend aus Brombeere, Hasel, Eiche, Weide,
Weißdorn und Erle zusammensetzen. Verf. fand 37 sp. brütend, wovon
10 % als Hochbusch-, 26 als Mittelbusch-, 24 als Gestrüpp-, 9 als Baum-
und 29%, als Erdnister bezeichnet sind.
Frick. [Die Zwergtrappe (Otis tetrax) Brutvogel bei Magdeburg];
Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX, p. 313.
€. G. Friderich. Naturgeschichte der deutschen Vögel, einschließlich
der sämtlichen Vogelarten Europas. V. gänzlich umgearbeitete, sehr
vermehrte und verbesserte Auflage, bearbeitet von Alexander
Bau. Stuttgart 1904—1905. Lex. 8°. 2 Teile: pg. 60 + 859, mit
410 naturtreuen Farbendruckbildern auf 52 Tafeln, mehreren Text-
bildern, 1 Tafel mit Darstellungen der Raubvogelflugbilder und
2 Tafeln zur Erläuterung des Vogelfanges. [Lief. I—22 erschienen
im Jahre 1904, Lief. 23 und 24 Anfangs 1905]. — Herr Bau hat bei
der Neubearbeitung des Buches den Fortschritten der Vogelkunde
seit dem Erscheinen der 4. Auflage in weitestgehendem Maße Rechnung
getragen. Eine wichtige Erweiterung besteht ferner darin, daß nebst
den in Deutschland vorkommenden Arten auch eine Anzahl ihrer
Vertreter in Nordafrika und dem paläarktischen Asien aufgenommen
wurde. Im Ganzen sind 1012 Formen (gegen 522 Arten in der vierten
Auflage) behandelt. Jede derselben ist kurz charakterisiert, die Ver-
23 Il Aves für 1904.
breitung in- und außerhalb Deutschlands geschildert, woran sich
Mitteilungen über Vorkommen, Lebensweise, Nist- und Brutverhältnisse,
Eier, Aufzucht der Jungen etc. schließen. Neu aufgenommen sind
die Abschnitte: Die geistigen Fähigkeiten; Abstammung der Vögel;
Systematische Anordnung und wissenschaftliche Benennung; Nutzen
und Schaden; Vogelschutz; Ornithologische und oologische Samm-
lungen. Besondere Beachtung verdienen die Kapitel über Vogelschutz
und über Nutzen u. Schaden der Vögel, Fragen, die der Verf. haupt-
sächlich von entomologischem Standpunkte aus beleuchtet. Verf.
weist an mehreren Beispielen u. a. nach, daß die verheerenden Raupen-
plagen wohl nie durch Vögel, wohl aber durch verschiedene Insekten
und Pilzarten zum Stillstand gebracht werden, und betont, daß wohl
kein Vogel ausschließlich von einer Insektenart lebe, sondern meist
schädliche und nützliche Insekten verzehre, u. s. w.
L. Geisenheyner. Der Zwergtrappe (Otis tetrax L.) an der Nahe;
Zool. Garten XLV p. 340—342. — Ein $ juv. wurde im September
1904 in der Rüdesheimer Gemarkung auf dem rechten Nahe-Ufer,
in der flachen Gegend südlich vom Rochusberge erlegt. Notizen über
den Kropfinhalt.
3. Gengler. Ciconia ciconia (L.) als Brutvogel in Bayern. Ein
Beitrag zur einstigen und jetzigen Verbreitung des Storches in
Deutschland ; Verhandl. Ornith. Gesellsch. Bayern IV, 1904, p. 47—81. —
Eine umfassende, sorgfältige Studie über die Verbreitung des Storches
im bayerischen Regierungsbezirk Mittelfranken. Unter Zugrunde-
legung eigener und fremder Beobachtungen, und nach Aufzeichnungen
in der Literatur etc. bespricht Verf. eingehend das jetzige und frühere
Vorkommen der Art als Brutvogel in den 16 Bezirksämtern des Gebietes.
Am Schlusse tabellarische Übersicht der besetzten und verlassenen
Horste.
Derselbe. Ein Beitrag zur Naturgeschichte der Haubenlerche,
Galerida cristata (L.); Verhandl. Ornith. Gesellsch. Bayern IV, 1904,
p. 96—101. — Mitteilungen über Variation, Vorkommen und Lebens-
weise der Haubenlerche in der Umgegend von Erlangen, Mittelfranken.
Derselbe. Fremdlinge aus der Vogelwelt in Bayern; Abhandl.
Naturhist. Gesellsch. Nürnberg XV, Heft II, 1904, p. 137—167. —
Schildert das Vorkommen einer Anzahl für Bayern seltener Vogel-
arten. Zunächst bespricht Verf. 16 sp., die ein- oder mehrmals im
Lande gebrütet haben, darunter Passer petronius, Emberiza cia,
E. cirlus, E. hortulana, Turdus iliacus, Monticola saxatilis, Biblis
rupestris, Merops apiaster, Syrnium uralense u. Tinnunculus naumanni.
Im zweiten Teile der Arbeit (p. 150—165) gibt Verf. eingehende Mit-
teilungen über die Besiedelung Bayerns durch Serinus serinus, Galerida
cristata und Turdus pilaris. Die Verbreitung der Arten in den einzelnen
Regierungsbezirken ist des Längeren erörtert. Zum Schlusse bespricht
Verf. das Vorkommen von Corvus cornix und Mergus merganser in
Bayern.
Derselbe. Die Nebelkrähe (Corvus cornix L.) als Brutvogel
II. Aves für 1904. 933
Bayerns; 1.c. XV, Heft I, 1903, p. 55—63. — Kritische Daten nach
der Literatur, eigenen und fremden Beobachtungen.
Derselbe. Die Ornis von Erlangen und Umgebung aus der
vorhandenen Literatur und nach eigenen Beobachtungen zusammen-
gestellt; Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX p. 69—78, 120—125, 144
— 152, 161—200, 223—233, 329—333. — Verf. charakterisiert zunächst
das Gebiet (auf einer Karte im Texte, p. 70, dargestellt) in topo-
graphischer, geologischer und floristischer Hinsicht. 120 sp. sind als
Brutvögel, 89 sp. als Zug-, Strichvögel oder Wintergäste festgestellt.
Bei den einzelnen Arten Angaben über die lokale Verbreitung sowie
biologische, namentlich oologische Notizen (letztere nach der im
Zool. Institut von Erlanger aufbewahrten Eiersammlung des Prof.
Rosenhauer); bei selteneren Arten genaue Nachweise des Vorkommens
und des Verbleibs der erlegten Exemplare. Beachtenswert sind von
Brutvögeln Tinnunculus naumanni, Corvus cornix, Picus viridicanus,
Lanius senator, Locustella naevia, Emberiza cırlus ete.. Ruticilla
tithys wird mit Bezug auf die cairei-Frage ausführlich behandelt.
Aus der Reihe der seltenen Erscheinungen seien erwähnt: Glaucidium
passerinum, Dendrocopus minor, Muscicapa collaris, Numenius tenui-
rostris, Fuligula rufina, Recurvirostra avocetta, Larus minutus, L.
melanocephalus etc.
H. Frhr. Geyr von Schweppenburg. Locustella luscinioides (Savi)
ein Brutvogel der Rheinprovinz; Orn. Monber. XII p. 145—147. —
Verf. traf den Nachtigallrohrsänger im Juni 1904 im Pittges-Bruch,
Kreis Geldern, nicht selten an. Dadurch ist die Art zum erstenmale
für Deutschland, nachgewiesen. Aufenthaltsort, Benehmen und Gesang
sind kurz geschildert.
E. Godelmann. Ornithologischer Bericht der Stadt Braunschweig
vom Winter 1903/04; Zeitschr. Ool. XIV p. 22—26.
H. Grote. Thalassidroma pelagica L. in der Mark; Orn. Monb.
XII p. 169. — Bei Eberswalde.
M. B. Hagendefeldt. Der Mornell-Regenpfeifer (Charadrius mori-
nellus L.) auf Sylt; Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX p. 157—158.
F. Helm. Ornithologische Beobachtungen; Journ. f. Orn. LII
p. 411—431. — Ormnithologisches aus dem Königreiche Sachsen, 27
Arten betreffend. Notizen über Vorkommen, Zug etc. und biologische
Aufzeichnungen.
W. Hennemann. Beobachtungen über die Würger (Laniidae)
im Sauerlande aus den letzten drei Jahren; Monatsschr. Ver. Vogelw.
XXIX p. 272—274. — Der rotrückige Würger ist sehr häufig, L.
excubitor ist hin und wieder Brutvogel. L. senator wurde einmal
(7.5. 01) beobachtet.
Derselbe. Der Storch (Ciconia eiconia [L.]) am Schwarzwalde
und in den Nordvogesen; ]. c. p. 302—304.
Derselbe. OÖmithologische Beobachtungen im Sauerlande
im Jahre 1903; 1. ec. p. 369—376.
F. Henriei. [Seidenschwänze in Posen]; Orn. Monber. XII p. 61.
24 II. Aves für 1904.
E. Hesse. Beobachtungen in den Gundorfer Sümpfen bei Leipzig;
Orn. Monber. XII p. 137—141. — Kurze Schilderung des Beobachtungs-
gebietes. 31 sp. sind aufgeführt, davon 16 Durchzügler, die übrigen
Brutvögel. Über das „Meckern“ der Bekassine.
A. Ibarth. [Ornithologisches aus Danzig]; Orn. Monber. XII
. 18.
’ €. Kayser. Ornithologisches aus der Umgebung von Ratibor in
Oberschlesien, insbesondere aus den Jahren 1900 und 1901; Orn.
Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX p. 466—473. — Aufzählung von
73 sp. mit kurzen Notizen über Häufigkeit und Vorkommen.
Killermann. Drosseln um Regensburg; Verhandl. Ornith. Ge-
sellsch. Bayern IV, 1904, p. 93—95. — Beobachtungen über Vor-
kommen, Zu- und Abnahme von 4 Arten.
Frhr. R. von König-Warthausen. Nordische Wintergäste; Jahres-
heft. Ver. vaterl. Naturk. Württemb. 1904 p. 2837—297. — Verf. behandelt
das Erscheinen der Seidenschwänze im vergangenen Winter in Württem-
berg, bespricht sein Auftreten in früheren Jahren und knüpft daran
einige Bemerkungen über sein Vorkommen in Baden und Bayern.
Kurze Angaben über Verbreitung und Nistplätze schließen die Skizze ab.
F. Koske. Ormithologischer Jahresbericht über Pommern für
1903; Zeitschr. Ornith. u. prakt. Geflügelz. Stettin 1904, p. 75—83,
117—124, 141—148, 159—163, 173—177. — Chronologisch geordnete
Beobachtungen mit vielen meteorologischen und phänologischen
Daten, namentlich für die Gebiete um Stralsund, Greifswald, Anklam,
Usedom und Wollin, und Altdamm. Urinator areticus hat auf dem
Darss gebrütet. Mit Ausnahme der Quistorp’schen Daten nur deutsche
Bezeichnungen der Vogelarten.
H. Krohn. Die Brutvögel Hamburgs; Zweiter Bericht des Ornith.
Oolog. Ver. Hamburg 1902—1903 (publ. 1904) p. 7—77. — Verf. zählt
110 Arten auf, die in der Umgebung von Hamburg brüten. Bei den
einzelnen Arten Angaben über die Gebiete, wo sie nisten, ferner Daten
über die Brutzeit. Neststand sowie Maße der Eier (z. T. verglichen
mit denen aus anderen Gegenden). Eine Reihe von Arten, die in der
norddeutschen Tiefebene regelmäßig brüten, fehlen dem Gebiete
gänzlich.
Derselbe. Notizen zur Ornis der Lüneburger Heide; XVI.
Jahresber. naturw. Ver. Fürstent. Lüneburg, No. 16, 1904, p. 11—43.
— Schilderung der topographischen und physikalischen Verhältnisse
des Gebietes, Verzeichnis der Literatur, und Aufzählung der beobach-
teten Vogelarten (90 sp.) mit kurzen Notizen über Häufigkeit, Vor-
kommen ete.
Derselbe. Der Kranich im Schleswig-Holstein und an den
Grenzen dieser Provinz; Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX p. 260
— 261. — Übersicht der einstigen und gegenwärtigen Brutplätze des
Kranichs, die auf einem Kärtchen eingezeichnet sind.
0. Leege. Über das Brutgeschäft der Vögel auf den ostfriesischen
Inseln, im Jahre 1903; Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX p. 105—116,
131—144. — Vgl. p. 97.
II Aves für 1904. 25
Derselbe. Zug und Nahrung von Dendrocopus maior (L.)
auf den ostfriesischen Inseln; Orn. Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX
p- 255—257. — Vgl. p. 91.
Derselbe. Aus meinem ornithologischen Tagebuche von 1902;
Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX p. 291—300. — Zug-, Brut- und
andere ornithologische Notizen von Juist.
©. Lindner. [Über Vorkommen von Parus salicarius bei Griesen,
Bayern]; Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX p. 81—82.
F. Lindner. Zum letztwintrigen Erscheinen des Seidenschwanzes;
Orn. Monber. XII p. 96—97. — Notizen aus dem Nordharz.
Derselbe. [Neue Arten der Ornis des Fallsteingebietes]; Orn.
Monb. XII p. 169. — Notizen über 5 Arten.
Derselbe. Im Brutgebiete der schwarzschwänzigen Limose
und des schwarzen Storches; Orn. Jahrb. XV p. 11—24. — Schilderung
einer Maiexcurison in das Lewitz-Gebiet in Mecklenburg. Mitteilungen
über die Biologie des großen Brachvogels, der Uferschnepfe und des
schwarzen Storches.
Derselbe. Zweiter Nachtrag zur Ornis des Fallsteingebietes,
umfassend die Zeit vom 1. Juni 1901 bis zum 18. August 1904; Monats-
schrift Ver. Vogelw. XXIX p. 376—395, 422—439. — Zum erstenmale
für das Gebiet nachgewiesen werden: Loxia pityopsittacus, Tringa
temmincki, Passerina nivalıs, Budytes flavus borealis, Charadrius
hiaticula, Merops apiaster, Tadorna tadorna und Recurvirostra avocetta.
Die einzelnen Nachweise sind genau angegeben. Zwei bisher unsichere
Arten: Charadrius-dubius und Pratincola rubicola wurden mit Sicherheit
festgestellt. Dagegen sind zwei andere: Colaeus monedula und Colym-
bus ceristatus aus dem Gebiete verschwunden. Daran schließen sich
Ankunftsdaten für einige Zugvögel, und genauere Mitteilungen über
eine Reihe von Arten, die bereits in einer früheren Abhandlung des
Verf.’s aufgeführt waren. Am Schlusse der sorgfältigen Arbeit Liste
aller nunmehr für das Fallsteingebiet nachgewiesenen (227) Arten
mit Angabe der Art des Vorkommens.
©. Natorp. Nordische Wintergäste; Monatsschr. Ver. Vogelw.
XXIX p. 257—260. — Ormithologisches aus Roschkowitz in Schlesien.
E. Oertel. Das Dachauer Moos; Zool. Garten XLV p. 178—183,
207—212. — Schilderung der topographischen Verhältnisse und der
Vogelwelt des Dachauer Mooses bei München.
P. Plathe. Zur Verbreitung und Naturgeschichte der Schellente
(Nyroca clangula L.); Orn. Monber. XII p. 158—160. — Über Brüten
in Pommern und Biologisches.
V. Priebisch. Ornithologische Beobachtungen aus dem Garten
des Allgemeinen Krankenhauses zu Hamburg-St.Georg; Zweiter
Bericht Ornith. Ool. Ver. Hamburg 1902—1903 (publ. 1904) p. 98.
— Notizen über 5 Arten.
0. le Roi. Die Verbreitung von Emberiza cia L. in der Rhein-
provinz; Orn. Monber. XII. p. 153—158. — Verf. bespricht zunächst
die Angaben in der Literatur und schildert sodann die Verbreitung
der seltenen Ammer nach eigenen Forschungen. Er traf sie häufig
26 II. Aves für 1904.
am linken Rheinufer zwischen Bacharach und Rhens, der nördlichste
Punkt seines Vorkommens dürfte Königswinter (unterhalb von
Remagen) sein. Auch am rechten Rheinufer sowie im Mosel- und Ahr-
tale u. s. w. wurde der Vogel angetroffen. Notizen über Lebensweise,
Brutgeschäft, Eier etc. sind beigefügt.
H. Schacht. Zwei neue Brutvögel für Lippe; Monatsschr. Ver.
Vogelw. XXIX p. 409—410. — Dryocopus martius und Ciconia ciconia,
beide als Brutvögel.
L. Schuster. Das Teichhuhn (Gallinula chloropus); Zeitschr.
Ormnith. u. prakt. Geflügelz. Stettin, 1904, p. 125—130. — Biologisches
aus der Umgebung von Lich, Westabhang des Vogelsberges.
Derselbe. Neue Mitteilungen über das Dachauer Moos;
Zool. Garten XLV p. 308—315. — Enthält auch ornithologische Be-
obachtungen.
W. Schuster. Seltene Vögel in Hessen (Mainzer Becken und be-
nachbartes Gebiet); Jahrb. Nassau. Ver. Naturk. 57. Jahrg. 1904,
p. 995—99. — Notizen über Vorkommen von 12 sp.
Derselbe. Die Storchnester in Oberhessen (Ciconia alba); 1. c.
p. 101—106, mit 1 Abbildung im Texte. — Auf dieser Karte ist die
Lage der Storchnester eingetragen.
Derselbe. Genaue Zahlenangaben für das Vordringen des
Girlitzes in Deutschland; Zool. Garten XLV, p. 63—65. — Daten für
Rheinland, Thüringen, Hessen, böhm.-sächs. Gebiet, böhm.-schles.
Kreis und Norddeutschland, nach Literaturangaben.
Derselbe. Ab- und Zunahme der Vögel, für verschiedene Teile
Deutschlands tabellarisch festgestellt. Unter Mitwirkung von Wurm,
Leege, Hocke, Berge, Weinland, Junghans und Fatio; Zool. Garten
XLV, p. 369—375.
Derselbe. Ornithologische Seltenheiten für das Rhein-Main-
Gebiet; Orn. Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX, p. 79—80.
Derselbe. Die Verbreitung des Girlitzes in Deutschland mit
besonderer Berücksichtigung des im Laufe des 19. Jahrhunderts ok-
kupierten Gebietes; Orn. Jahrb. XV, p. 36—43. — Bespricht auf
Grund der Angaben in der Literatur das „Vordringen“ des Girlitzes
ın Deutschland. Die mitgeteilten Daten sind lückenhaft, z. T. selbst
fehlerhaft.
*Stiefelhagen. Über die Ab- und Zunahme unserer einheimischen
Vögel; Beilage zu No. 15 der Landwirtschaftl. Zeitschrift, Jahrgg.
1904, p. 277—280. — Verf. glaubt für einige Arten (z. B. Nachtigall,
Singdrossel, Fliegenfänger, Schwalben, Wachtel, Kiebitz ete.) eine
entschiednee Abnahme, für andere (z. B. Amsel, Laubsänger, Gras-
mücken, Spechtmeisen, Meisen etc.) dagegen beträchtliche Zunahme
der Individuenzahl konstatiert zu haben. [Ref. vgl. Zool. Centralbl.
XII, 1905, p. 723— 724].
A. Szielasko. Am Horste der Uraleule (Syrnium uralense Pall.);
Zeitschr. Oolog. XIV, p. 17—20. — Biologische Beobachtungen von
einem Brutplatze in Ostpreußen.
II. Aves für 1904. 97
®. Taschenberg. Somateria mollissima (L.) im Binnenlande;
Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX, p. 499—500. — Verf. stellt die nach-
gewiesenen Fälle des Vorkommens der Eiderente bei Halle zusammen
und berichtigt eine Angabe bezüglich der Erlegung von 8. spectabilis.
H. Thiele. Der schwarze Storch (Ciconia nigra) am Harze brütend;
Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX, p. 52—53.
3. Thienemann. Vogelwarte Rossitten. (Vorkommen von Buteo
zımmermannae Ehmcke; Krähenversuch); Orn. Monber. XII, p. 165
—168. — Ein $ von Buteo zimmermannae wurde am 9. Mai 1904
bei Rossitten erlegt. Weiteres über den Krähenversuch.
Derselbe. III. Jahresbericht (1903) der Vogelwarte Rossitten
der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft; Journ. f. Ornith. LIT,
p. 245—295. — Siehe p. 88.
A. Voigt. Seltene Durchzügler aus der Umgebung Leipzigs; Orn.
Monb. XII, p. 99—100.
Österreich-Ungarn.
T. Csörgey. Musterblätter aus Petenyi’s „Ornithologischen Frag-
menten‘‘; Aquila XI, 1904, p. 385, tab. I—1V. — Prächtige Abbildungen
von Cerchneis vespertinus, Pastor roseus, Panurus biarmieus und Hi-
mantopus himantopus.
E. Donner. Ornithologisches vom Weißensee; Orn. Monatsschr.
Ver. Vogelw. XXIX, p. 285—291. — Der Weißensee liest 1000 m hoch
in den Gailtaler Alpen und beherbergt ein sehr reiches Vogelleben.
R. Eder. Zur Ornis von Mödling; Mittheil. Ver. Naturfr. Mödling
1904, No. 20, p..10—13. — Stellt die interessanteren Vorkommnisse
der dortigen Vogelwelt zusammen.
A. Fritsch. Notizen über die Vogelwelt der Elbeniederung bei Podie-
brad in Böhmen; Orn. Jahrb. XV. p. 50—54. — Ornithologisches aus
dem mittleren Böhmen.
L. v. Führer. Einige Beobachtungen über den Seidenschwanz in
Siebenbürgen; Orn. Jahrb. XV, p. 48—50.
Derselbe. Ein Ausflug in das Negoi-Gebiet; Orn. Jahrb. XV,
p. 596—62. — Ornithologische Aufzeichnungen aus den Fogaraser Alpen,
einer Kette der transsylvanischen Karpathen, in Siebenbürgen.
Schilderuug des Ausfluges und Notizen über die angetroffenen Vogel-
arten.
*F, €. Keller. Ornithologische Beobachtungen aus Winter und
Frühjahr 1904; Carinthia, II. Jahrg. 94, 1904, p. 166—185.
P. Kollibay. Die Vogelfauna der Bocche di Cattaro; Journ. f.
Ornith. LII, p. 80—121, 457—506. — Im Anschluß an eine frühere
Veröffentlichung über dasselbe Thema (siehe Bericht 1903, p. 227)
gibt Verf. eine ausführliche Darstellung der Vogelfauna des südlichsten
Teiles von Dalmatien, den er zweimal zu Sammelzwecken besuchte.
In der Einleitung Literaturverzeichnis, und kurze Charakteristik der
landschaftlichen Verhältnisse des Gebietes. Im speziellen Teile sind
223 sp. aufgeführt, die interessanteren Arten eingehend besprochen:
28 II. Aves für 1904.
Systematisches, biologische Beobachtungen und sorgfältige Angaben
über Nest und Eier. Die geographische Variation einiger Arten wird ein-
gehend erörtert. Besonders wertvoll sind die Mitteilungen über Saxicola
amphileuca, S. melanoleuca, Hypolais olivetorum, Acanthis cannabina
mediterranea, und Apus apus kollibayı. Die dalmatinische Kohlmeise
wird provisorisch als Parus maior sulfureus gesondert (p. 459). In zwei
Punkten kann Ref. dem Verf. nicht beistimmen, nämlich die Hauben-
lerchen Dalmatiens zu Galerida cristata senegalensis, und die dortigen
Kleiber zu Sitta caesia caucasica zu stellen. Ebensowenig vermögen
wir des Verf. Ansichten über Farbenveränderung ohne Mauser bei
Cerchneis vespertina zu teilen. Astur brevipes wird zum erstenmale
für Österreich festgestellt.
*G. Kolombatovid. Contribuzioni alla Fauna dei Vertebrati della
Dalmazia; Glasn. Hrv. Naravosl. Drustva XV, 1903, p.—. (Sep.
19 pg.). — Ergänzungen und Berichtigungen zu des Verf.’s früheren
Veröffentlichungen über die Vogelwelt Dalmatiens.
T. Kormös. Versuch einer Avifauna der Umgebung von Menes-
Magyaräd in Ungarn; Orn. Jahrb. XV, p. 24-36. — Beobachtungen
aus dem Bezirke{Vilagos des Komitats Arad. In der Einleitung
schildert Verf. kurz die physikalischen Verhältnisse des Gebietes, und
bespricht die charakteristischen Vertreter aus der Vogelwelt im Walde,
Hügellande, und in der Ebene. Die systematische Liste führt 127 sp.
auf, mit kurzen Notizen über Häufigkeit, Art des Vorkommens etc.
W. Leonhardt. Verzeichnis der Vögel Schäßburgs nebst biologischen
Skizzen. Abgeschlossen Ende XII, 1903; Verh. u. Mitth. Sıebenb.
Ver. Naturw. Hermannstadt LIII, 1903, (publ. 1904) p. 1—80. — Eine
topographische Skizze des Gebietes geht der Aufzählung der (137) fest-
gestellten Arten voraus. Eingehende Beobachtungen über Lebensweise,
Brüten und Zug einzelner Arten.
*M. Marek. Ornithologisches aus Zengg; Glasn. Hrv. Naravosl.
Drustva XVI, 1904, p. 76—104. — Beobachtungen aus dem Zeitraume
26. III. 02 — 25. VIII. 03., auch viele Zugdaten enthaltend.
E. Rößler. Hrvatska Ornitoloska Centrala. III. Godiänji izvjestaj.
(Kroatische Ornithologische Zentrale. III. Jahresbericht 1903); Soc.
Scient. Croat. Zagreb. 1904, p. — (Sep. p. 1—163). — Vgl. p. 88.
P.L. Sclater. [Remarks on Apus apus kollibayı und Accentor collaris
reiseruls, Bull..B..O. €.XV,p. 13.
3. Talsky. Das Fürst Liechtenstein’sche Forst- und Jagdmuseum
in Mähr.-Aussee; Orn. Jahrb. XV, p. 237—243. — Verf. bespricht eine
Anzahl für Mähren seltener Vögel.
V. von Tschusi zu Schmidhoffen. Ornithologische Kollektaneen
aus Österreich-Ungarn und dem Okkupationsgebiete. XII (1903);
Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX, p. 457—463. — Mitteilungen aus
Jagdzeitschriften über Erlegung, bezw. Vorkommen seltener Vogelarten.
Derselbe. Ornithologische Literatur Österreich-Ungarns und
des Okkupationsgebietes 1902; Verhandl. zool.-bot. Gesellsch. Wien
LIV, 1904, p. 487—507. — Zuerst gibt Verf. in alphabetischer Folge
II. Aves für 1904. 29
die in deutscher Sprache erschienenen Veröffentlichungen, hierauf die
ungarischen, czechischen, slovenischen und kroatischen Arbeiten.
U. ©. €. Nisaötus fasciatus (Vieill.) in der ungarischen Fauna;
Aquila XI, 1904, p. 367—368, mit Tafel. — Beschreibung und Ab-
bildung eines an der Theißmündung erbeuteten Exemplares.
Derselbe. Ampelis garrulus in Ungarn; Aqula XI, 1904,
p-. 3831—382.
Balkanländer.
F. Braun. Ormnithologisches aus Konstantinopel; Orn. Monber.
XI. p. 17—21. — Beobachtungen aus dem Herbst 1903, besonders
über Finkenvögel.
Derselbe. Ormnithologisches aus Konstantinopel; 1.c. XII,
p. 79—81.
Derselbe. Ormnithologisches aus Konstantinopel; l.c. p. 118
—122.
Derselbe. Omithologisches aus Konstantinopel; 1.c. XI,
p. 179—183. — Vornehmlich Notizen über den Herbstzug.
R. v. Dombrowski. Mergus albellusL. und Clangula glaucion L.
Brutvögel in Rumänien; Zeitschr. Ooologie XIII, No. 10 (Jan. 1904)
p. 145—148. — Verf. fand die beiden Arten brütend (Nester mit Eiern
und Jungen erbeutet) am Cabalsee unterhalb Cernavoda.
©. Reiser. Bericht über die ornithologischen Ergebnisse der Sammel-
reisen in Serbien in den Jahren 1899 und 1900; Wissensch.
Mitteil. aus Bosnien u. der Herzegowina, XVI, 1904, p. 125—152 [Ser-
bisch!]. — Bericht über die ornithologischen Sammlungen der im Auf-
trage des Sarajevoer Museum unternommenen Reisen. Die Arbeit ent-
hält augenscheinlich eine Reihe von Notizen über interessantere und
seltenere Arten der Ornis Serbiens, ist jedoch für westeuropäische Leser
unverständlich.
Derselbe. Über das Auftreten des Seidenschwanzes (Ampelis
garrulus) in Bosnien im Januar und Februar 1904; Orn. Jahrb. XV,
p. 145—148.
Derselbe. Zur Kenntnis der Vogelwelt von Konstantinopel;
Orn. Jahrb. XV. p. 153—156. — Ein Arzt, L. Riegler, veröffent-
lichte im Jahre 1852 ein Buch über ‚Land und Leute‘ der Türkei, in
dem auch ein naturhistorisch-anthropologischer Teil enthalten ist.
Auf p. 121—124 ist ein Verzeichnis der (164) in der Umgebung von
Konstantinopel vorkommenden Vogelarten gegeben. Reiser druckt
diese Liste ab und fügt einige berichtigende Fußnoten hinzu.
P. L. Selater. On the Birds of Sibthorp’s ‚‚Fauna Graeca‘ ; Ibis (8)
IV, p. 222—227. — J. Sibthorp, der Verf. der bekannten „Flora Graeca“
besuchte in den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts Griechenland,
einige der griechischen Inseln und Cypern. Ferdinand Bauer, der ıhn
auf seinen Reisen begleitete, fertigte eine Reihe Zeichnungen an, die
für ein Werk über die Fauna bestimmt waren. Diese Sammlung von
Tafeln ist heute Eigentum des Botanischen Museums der Universität
30 II. Aves für 1904.
Oxford. Verf. bespricht einige der interessanteren Arten, von denen
Lanius nubicus, Merula torquata, Salicaria olivetorum und Monti-
fringilla nivalis erwähnenswert sind.
Großbritannien.
€. H. Alston. Kingfisher on Loch Leven, Argylishire; Ann. Scott.
N. H. 1904, p. 55. — Alcedo ispida.
0. V. Aplin. [On the occurrence of Emberiza pusilla near Rugby |;
Ibis (8) IV, p. 307.
Derselbe. Erroneous Record of the Eared-Grebe (Podicipes
nigricollis) breeding in Middlesex; Zool. (4) VIII, p. 266—267.
Derselbe. Notes on the Ornithology of Oxfordshire 1902;
Zool. (4)VIII, p.361—372. — Ornithologische Notizen, nach den Monaten
angeordnet.
Derselbe. On the Breeding of the Black-necked Grebe (Podi-
cipes nigricollis) in the British Islands; Zool. (4) VIII, p. 417—420. —
Mehrere Paare brachten im Sommer 1904 ihre Brut auf. Lebensweise
auf dem Brutplatze geschildert. Lokalität wird verschwiegen.
Derselbe. Lapland Buntings in Norfolk; Zool. (4) VIII, p. 428
—429. — Calcarius lapponicus.
€. F. Archibald. Spotted Crake in Furness; Zool. (4) VIII, p. 460.
— Porzana maruetta.
E. €. Arnold. Little Gull and Ortolan in Norfolk; Zool. (4) VIII,
p. 389—390. — Larus minutus und Emberiza hortulana.
W. B. Arundel. Ferruginous Duck in Yorkshire; Zool. (4) VII,
p. 33. — Fuligula nyroca.
W. Berry. On the Nesting of the Hawfinch in Fifeshire; Ann.
Seott. N. H. 1904 p. 11—13. — Brüten von Coccothraustes cocco-
thraustes festgestellt.
W. Bickerton. A review of Hertfordshire Ornithology; Trans.
Hertfordsh. N. H. Soc. XII Part 1 (Febr. 1904) p. 26—32. — Gibt
einen Überblick über die ornithologische Erforschung der Grafschaft,
und eine Zusammenstellung der selteneren Arten.
Derselbe. Notes on Birds observed in Hertfordshire during
the year 1902; 1. ec. p. 33—40. — Neu für die Grafschaft Pastor roseus
und Scops giu. Notizen über Vorkommen von Athene noctua, Falco
peregrinus und Mergus serrator. Daran schließen sich Bemerkungen
über Vorkommen oder Brüten einiger Arten, und eine Übersicht der
Zugsdaten der Zugvögel.
Derselbe. Notes on Birds observed in Hertfordshire during
the year 1903; Trans. Hertfordsh. N. H. Soc. XII Part 3 (Nov. 1904)
p. 125—136. — Neu für die Grafschaft sind Ardea purpurea und Podicipes
nigricollis. Daran schließen sich biologische und nidologische Notizen,
sowie Angaben über die Ankunfts- und Abzugszeiten einiger Zugvögel,
nebst Liste der Beobachter.
€. H. Bisshopp. Sabine’s Gull on the Argylishire Coast; Ann. Scott,
N. H. 1904 p. 57. — Xema sabinii.
Fun
II. Aves für 1904. 31
F. L. Blathwayt. Little Owl (Athene noctua) and Waxwing (Am-
pelis garrulus) in Lincolnshire; Zool. (4) VIII p. 74—75.
Derselbe. Notes on the Birds found on the coast of Somerset;
Zool. (4) VIII p. 81—95. — Ornithologisches aus dem südlichen Teile
von Wales am Bristol-Kanal.
Derselbe. Shore-Birds at Burnham, Somerset; Zool. (4)
VII p. 434—435.
Derselbe. Great Crested Grebe in West Sutherland; Ann.
Scott. N. H. 1904 p. 127. — Podicipes cristatus.
3. L. Bonhote. Records the occurrence in Kent of Tringoides
macularius; Bull. B. ©. C. XIV p. 84—85.
W. R. Butterfield. [On the occurrence of Bulweria bulweri near
St. Leonard’s-on-Sea, Sussex); Bull. B. ©. C. XIV p. 49—50.
Derselbe. Occurrence of the Spotted Sandpiper in Kent,
England; Auk XXI p. 485. — Totanus macularius.
€. Campbell. Nesting of the Woodcock in Dalmeny Park; Ann.
Scott. N. H. 1904. p. 190.
3. M. Campbell. Notes on the Natural History of the Bell Rock.
With an Introduction by James Murdoch. Edinburgh. 1904. 8°.
pg. XV + 112. — Beobachtungen über die Tierwelt von Bell Rock,
an der Küste von Schottland. Leider entbehren die Daten über den Vogel--
zug der nötigen Präzision.
C. 3. Carroll. [Exhibition of Specimens of Emberiza cia and E.
pusilla, taken in England]; Bull. B. ©. C. XV. p. 28.
Derselbe. The Little Bunting (Emberiza pusilla) in England;
Zool. (4) VIII p. 312—313. — Ein $ wurde im Oktober 1902 nahe
Rugby gefangen. Es ist das vierte in Großbritannien erlegte Exemplar.
E. €. Chubb. Occurrence of the Bluethroat (Cyanecula suecica)
near London; Zool. (4) VIII p. 262—263.
W. E. Clarke. On the occurrence of the Little Bunting (Emberiza
pusilla) in Orkney: an addition to the Scottish Avifauna; Ann. Scott.
N. H. 1904 p. 14—16. — Ein junger Vogel wurde am 15. Okt. auf dem
Pentland Skerries Leuchtturm erlegt. Es ist ns dritte für Groß-
brittannien nachgewiesene Exemplar.
Derselbe. Glossy Ibis in Orkney; Ann. ot N. H. 1904
p. 127. — Plegadis falcinellus.
Derselbe. On the Occurrence of the Short-toed Lark and the
Lapland Bunting in the Outer Hebrides; Ann. Scott. N. H. 1904 p. 206
— 207. — Verf. erlegte Calandrella brachydactyla und Calcarius lappo-
nicus auf den Flannan-Inseln, vierzig Meilen nordöstlich von St. Kilda.
A. H. Cocks. Birds of Oxfordshire or Buckinghamshire?; Zool.
(4) VIII p. 34—36. — Bemerkungen zu Aplin’s Notes on Oxfordshire
Ormithology (vgl. Bericht 1903 p. 229).
€. Collier. The Birds of the Island of Raasay; Ibis (8) IV p. 490
—512. — Die Insel Raasay, eine der inneren Hebriden, liegt zwischen der
N. OÖ. Küste von Skye und dem Festland von Ross. Sie ist gut be-
waldet und nur wenig bewohnt, der höchste Punkt erreicht eine Höhe
von 1456 Fuss. 140 Vogelarten sind bisher festgestellt, davon brüten
32 II. Aves für 1904.
89 sp. Die einzelnen Arten sind der Reihe nach besprochen:
Häufigkeit, Vorkommen, Ab- und Zunahme, Brüten, Zugverhältnisse
etc. werden kurz berührt.
6. B. Corbin. The Roller (Coracias garrulus) in Hants; Zool. (4)
VIII p. 458—459.
T. A. Coward and €. Oldham. Notes on the Birds of Anglesea;
Zoolog. (4) VIII p. 7—29. — Verf. durchforschten das Küstengebiet
zwischen Pentraeth und Carmel Head, und besuchten ferner Penmon,
Puffin Insel, Malldreeth und Newborough. Nord Anglesea ist nach
seinen topographischen und physikalischen Verhältnissen geschildert,
woran sich die Darstellung der Vogelwelt schließt.
T. A. Coward. The Kite in Cheshire; Zool. (4) VIII p. 314. —
Milvus ictinus.
Derselbe. Night-Heron in Lancashire; 1. c. p. 314-315. —
Nycticorax griseus.
G. Dalgliesh. Great Crested Grebe m Richmond Park; Zool. (4)
VIH,p:4193:
Derselbe. Long-eared Owl (Asio otus) at Esher; Zool. (4)
VIII p. 265.
Derselbe. Omithological Notes from Richmond and Neigh-
bourhood; Zool. (4) VIII p. 389—390.
A. WElirish. Rough-legged Buzzard in the Outer Hebrides;
Ann. Scott. N. H. 1904 p. 55.
E. F. M. Elms. ÖOrnithological Notes. Observations and Notes
on Birds in the Neighbourhood of New Romney and Littlestone-on-
Sea, May 16.—20. 1902; Zool. (4) VIII p. 250—255.
A. H. Evans. On the Birds of Cambridgeshire vgl. Marr and
Shipley, p. 34.
W. Evans. Waxwings in the Lothians; Ann. Scott. N. H. 1904
.54.
’ Derselbe. Rough-legged Buzzards in the Lothians, etc.;
Ann. Scott. N. H. 1904 p. 56—57.
Derselbe. Black-tailed Godwit in the „Forth‘ area; l.c. p. 57.
W. W. Flemyng. Bittern in the County Waterford; Zool. (4)
VIII p. 144. — Botaurus stellaris.
H. E. Forrest. Red-necked Phalarope in Shropshire and Merioneth;
Zool. (4) VIII p. 461.
H. S. Gladstone. Pied Flycatcher in Dumfriesshire; Ann. Scott.
N. H. 1904 p. 188.
Derselbe. Woodcock and Snipe in Dumfriesshire; Ann. Scott.
N. H. 1904 p. 246—247.
R. Godirey. Pomatorhine Skua in Ayrshire; Ann. Scott. N. H.
1904 p. 192. — Stercorarius pomatorhinus.
F. S. Graves. Great Grey Shrike (Lanius excubitor) in Cheshire;
Zool. (4) VIII p. 31.
Derselbe. Great Grey Shrike (Lanius excubitor) in Lanca-
shire; Zool. (4) VIII p. 115.
II. Aves für 1904. 33
T. Ground. Lapland Bunting at Warwick; Zool. (4) VIII p. 428.
— Calcarius lapponicus.
3. H. Gurney. Ornithological Notes from Norfolk and the East
Coast of England for 1903; Zool. (4) VIII p. 201—219 tab. II. —
Verf. gibt zuerst einige kurze Mitteilungen über den Vogelzug an der
Ostküste, bespricht sodann einige seltenere ornithologische Erschei-
nungen und schließt mit der Wiedergabe der täglichen Aufzeichnungen.
Der Zug findet besondere Berücksichtigung. Am Schlusse Notizen
über das Brüten von Sterna fluviatilis und andere kleinere Mit-
teilungen. Zwei Karten im Texte.
Derselbe. On the Birds of the Pembrokeshire Islands; Trans.
Norf. Norw. Nat. Soc. VII Part V (1904) p. 627”—634. — Beobachtungen
über die Vögel der Inseln: Skomer, Ramsey, Grassholm und North
Bishop.
Di. rselbe und T. Southwell. Fauna and Flora of Norfolk. Addı-
tions to Part XI, Birds (Fourth List); Trans. Norf. Norw. Nat. Soc.
VII Part V (1904) p. 733—740.
6. H. Caton Haigh. Migration of Birds in North-east Lincolnshire
in the Autumn of 1903; Zool. (4) VIII p. 291—300. — Notizen über
den Herbstzug.
3. A. Harvie-Brown. Heron nesting in the Outer Hebrides; Ann.
Seott. N. H. 1904 p. 57. — Ardea cinerea.
Derselbe. Eiders in the North-west Highlands; Ann. Scott.
N. H. 1904 p. 189—1%.
Derselbe. Woodeock and Snipe nesting in Central Scot-
land; 1. c. p. 190—192.
Derselbe. The breeding of Woodeocks in 1902 and 1904;
Ann. Scott. N. H. 1904 p. 245—246.
Derselbe. Whimbrels in ,„Forth“; Ann. Scott. N. H. 1904
p- 247.
Derselbe. [On the Osprey as a British Breeding Species];
Ibis (8) IV p. 664.
3. A. Harvie-Brown and H. A. Macpherson. A Fauna of the North-
West Highlands and Skye. Edinburgh 1904. kl. 4° p. I-CIV und
1378. — Dieses Buch bildet einen Band des von J. A. Harvie-Brown
herausgegebenen Werkes „A Vertebrate Fauna of Scotland“, und schließt
sich, was Sorgfalt und Gründlichkeit anlangt, ebenbürtig den vorher-
gehenden Bänden an. Auf die Einleitung folgen biographische Skizzen
der beiden jüngst verstorbenen Forscher: T. E. Buckley und H. A.
Macpherson. Daran schließen sich mehrere Kapitel, die die topo-
graphischen und faunistischen Verhältnisse der einzelnen Regionen
des Beobachtungsgebietes behandeln. Skye, die Ascrib Inseln, West
Ross, Hand, Priest Insel, und die Westküste nebst den vorgelagerten
Inseln sind kurz geschildert. Weitere Abschnitte behandeln das Klima
und die Wirbeltierfauna der westlichen Hochländer im Allgemeinen.
Den größten Teil des Buches (p. 49—361) nimmt die Darstellung der
Vogelfauna ein. Bei jeder Art sind äußerst gewissenhafte und umfang-
reiche Daten über ihr Vorkommen heute und ehemals gegeben. Be-
Arch f, Naturgesch. 70. Jahrg. 1904. Bd.1I. H.1. (Il.) 3
34 II. Aves für 1904.
sonders eingehend ist Pandion haliaetus behandelt. Eine Karte ist
der musterhaften Arbeit beigegeben.
T. Hepburn. The Birds of North Kent; Zool. (4) VIII p. 161—179.
— Beschreibung des Beobachtungsgebietes und Schilderung der Vogel-
welt. Zahlreiche biologische Notizen.
H. E. Howard. Rithard’s Pipit (Anthus richardi) in Cornwall;
Zool. (4) VIII p. 115.
Derselbe. Greenland Faleon (Falco candicans) in Co. Done-
gal; 1.e:"p. 119.
3. 6. Jefireys. Terns in Orkneys; Zool. (4) VIII p. 461.
FT. €. R. Jourdain. Rough Notes on Derbyshire Ornithology,
1902—1903; Zool. (4) VIIL p. 103—107. — Ergänzungen und Nach-
träge zu einer früheren Arbeit (s. Bericht 1902 p. 101). Im Ganzen
sind nunmehr 234 sp. für die Grafschaft festgestellt.
Derselbe. Little Gull (Larus minutus) on the Mersey; Zool.
(4) VIII p. 193.
F. €. L. Kay. Capercaillie in Argyll; Ann. Scott. N. H. 1904 p. 189.
R. Kearton. Our rarer British Breeding Birds, their Nests, Eggs
and Summer Haunts. Cheaper edition, London 1904. 8°, pg. 166,
with illustrations.
N. B. Kinnear. Notes on some Birds observed in the Loch Arkaig
Distriets, Western Inverness-shire; Ann. Scott. N. H. 1904, p. 150
— 154. — Notizen über 29 Arten.
T. &. Laidlaw. Roller, Glossy Ibis, and Spotted Crake in Pert-
shire; Ann. Scott. N. H. 1904 p. 55.
Derselbe. Report on the Movements and occurrence of Birds
in Scotland during 1903; Ann. Scott. N. H. 1904 p. 138—150, 207—217.
— In der Einleitung Verzeichnis der Stationen und der Beobachter
und Betrachtungen über den Frühjahrs- und Herbstzug im Allgemeinen.
Der specielle Teil enthält Daten über den Zug von 115 sp. Zu bedauern
ist das Fehlen von Material von der Ostküste Schottlands.
S. Lewis. Buffon’s Skua (Stercorarius parasiticus) in Somerset;
Zool. (4) VIII p. 461—462.
HM. Mackay. Pird-Life in Jersey; Zool. (4) VIII p. 339—344,
378—382. — Liste der auf der Kanalinsel Jersey beobachteten Vogel-
arten mit kurzen Bemerkungen über Häufigkeit, Vorkommen etc.
Derselbe. The Dotterel in Jersey; 1: c. p. 349. — Endromias
morinellus am 17. Aug. 1904 erlegt.
D. Mackenzie. Long-tailed Titmouse in the Outer Hebrides; Ann.
Scott. N. H. 1904 p. 188.
Derselbe. Great Spotted Woodpecker in the Outer Hebrides;
Ann. Scott. N. H. 1904 p. 188—189.
3. E. Marr and A. E. Shipley. Handbook to the Natural History
of Cambridgeshire. Cambridge 1904. kl. 8°. pg. 260. — Der ornitho-
losische Teil (25 Seiten) hat A. H. Evans zum Verfasser, der nach
einizen einleitenden Bemerkungen Notizen über 14 sp. gibt, die in dem
Gebiete selten sind oder überhaupt nicht mehr vorkommen. Locustella
luseinioides verschwand seit 1849, Anser anser um 1773, in dieselbe
II. Aves für 1904. 35
Kategorie gehören der Kampfläufer, die schwarzschwänzige Limose
und die Trauerseeschwalbe. Otis tarda ist ein äußerst seltener Strich-
vogel. Dagegen haben die beiden kleinen Sumpfhühnchen neuerdings
in der Grafschaft gebrütet ete. Am Schlusse eine Liste der für das
Gebiet festgestellten Arten.
A. Me. L. Marshall. Late Stay of Waxwings in Inverness-shire;
Ann. Scott. N. H. 1904 p. 188.
Derselbe. Gadwall in Moray Firth; Ann. Scott. N. H. 1904.
p. 189.
H. B. Marshall. Capercaillie in Peebles-shire; Ann. Scott. N.H.
1904. p. 244. — Tetrao urogallus.
3. Morley. Short-eared Owl breeding near Scarborough; Zool. (4)
VIII, p. 385. — Asio accipitrinus.
6. €. Muirhead. Black Redstart in Moray; Ann. Scott. N.H.
1904. p. 55. — Ruticilla titys.
T. H. Nelson. British Examples of the White-spotted Bluethroat
(Cyanecula wolfi); Zool. (4) VIII. p.31. — Vorkommen bei Scar-
borough.
R. Newstead. Fire-crested Wren (Regulus ignicapillus) in Lancashire:
a correction; Zool. (4) VIII, p. 3833—384. — Berichtigung der Angabe
von J. Collins (vgl. Bericht 1903, p. 230).
M. 3. Nicoll records the occurrence in Sussex of Cettia cetti and
Motacilla borealis; Bull. B. ©. C. XIV, p. &.
Derselbe. [On the occurrence in Sussex of Anthus campestris,
Calcarius lapponicus and Limicola platyrhyncha]; Bull. B. ©. C. XV,
12
Derselbe. Records the occurrence in the south of England, of
Daulias philomela and Anthus spipoletta; Bull. B. ©. C. XV, p. 20—21.
— Der Sprosser ist das erste in England erlegte Exemplar, doch dürfte
es sich in Anbetracht des Datums (22. Oktober) um ein aus der Ge-
fangenschaft entflohenes Tier handeln.
Derselbe. [On the occurrence of Anthus spipoletta in Sussex];
Bull. !B: 0.00. XV p. 27.
Derselbe. The Tawny Pipit (Anthus campestris) as a Visitor
to England; Zool. (4) VIII. p. 452—454. — Übersicht der bisher fest-
ee Fälle des Vorkommens der Art in England, besonders in
ussex.
H. Noble. Rare Birds in Berkshire; Zool. (4) VIII, p: 116—117. —
Notizen über 4 sp.
Oceurrences of the Great Grey Shrike (Lanius exeubitor) [in Scot-
land]; Ann. Scott N. H. 1904, p. 53.
F. M. Ogilvie. [On an adult pair of Red-crested Pochards (Netta
rufina) shot in Suffolk]; Bull. B. OÖ. C. XIV, p. 62.
n €. Oldham. Hoopoe (Upupa epops) in Cheshire; Zool. (4) VIII,
p- 429.
3. Paterson. The Ruby-crowned Wren in Lat. 53. 24. N., Long.
30. 15. W.; Ann. Scott. N. H. 1904, p. 55. — Regulus calendula fünf-
hundert Meilen westlich von Irland gefangen.
3*
36 lI. Aves für 1904.
3. Paterson and J. Robertson. Gadwall in East Renfrewshire;
Ann. Scott. N.H. 1904, p. 127. — Anas strepera.
€. 3. Patten. Great Skua (Stercorarius catarrhactes) in the Irish
Sea; Zool. (4) VIII, p. 75.
A. H. Patterson. Natural History Notes from Yarmouth; Trans.
Norf. Norw. Nat. Soc. VII, Part V (1904), p. 726—730. — Ornitho-
logisches aus den Jahren 1903—1904.
R. Patterson. Waxwings in North of Irland; Zool. (4) VIII, p. 31.
W. P. Pyecraft. Killdeer Plover [Aegialitis vocifera] at Peterhead
in 1867; Ann. Scott. N. H. 1904, p. 247.
Derselbe. Records the occurrence of Aegialitis vocifera near
Peterhead, N. B.; Ibis (8) IV, p. 669—670.
P. Ralfe. Great Skua (Stercorarius catarrhactes) in the Isle of
Man; Zool. (4) VIII, p. 33.
H.W.Robinson. Lanner Falcon in Lancashire; Zool. (4) VIII, p.75.
— Falco feldeggi.
Derselbe. Eared Grebe near Lancaster; Zool. (4) VIII, p. 350.
— Podicipes nigricollis.
3. H. Salter. Ormithological Notes from Mid-Wales; Zool. (4) VIII,
p. 66— 71. — Aufzeichnungen aus der Gegend von Aberystwith aus
den Jahren 1902 und 1903.
Derselbe. An unrecorded Occurrence of the Scarlet Gros-
beak; Zool. (4) VIII, p. 2238. — Pyrrhula erythrina in Wales erlest.
Y. BE. Saxby. On the occeurrence of the Hawfinch and other Birds
in Unst, Shetland; Ann. Scott. N.H. 1904, p. 154—157.
Derselbe. Ornithological Notes from Shetland; Zool. (4) VIII
p. 230—231. F
W. Serle. White Wagtail at Peterhead; Ann. Scott. N. H. 1904,
p. 126. — Motacilla alba.
Derselbe. Little Auk at Duddingston Loch; Ann. Scott.
N.H. 1904, p. 127. — Mergulus alle.
D. Seth-Smith. Serins [Serinus serinus] at Dover; Zool. (4) VIII,
p-. 457.
@. Sim. Buffon’s Skua (Stercorarius parasiticus) at Aberdeen;
Zool. (4) VIII, p. 266.
Derselbe. Hawfinch (Coceothraustes vulgaris) in Aberdeen-
shire; Zool. (4) VIII, p. 384.
Derselbe. Grey Phalarope at Aberdeen; Zoolog. (4) VIII,
p- 389.
H. D. Simpson. Great Spotted Woodpecker in Roxburgshire;
Ann. Scott. N.H. 1904, p. 126—127.
Derselbe. Shoveler ın East Lothian; Zool. (4) VIII, p. 459.
— Spatula clypeata.
3. Steele-Elliott. Cirl-Bunting in Worcestershire and Shropshire;
Zool. (4) VIII, p. 457. — Emberiza cirlus.
Ö. A. Swainson. The Stock-Doves in Breconshire; Zool. (4)
VIII, p. 348. — Columba oenas.
II. Aves für 1904. 37
€. B. Ticehurst. [On the oceurrence in Sussex of the Solitary Sand-
piper (Totanus solitarius)]; Bull. B. ©. C. XV. p. 12.
3. Tomison. Sule Skerry, Orkney, and its Bird-Life; Ann. Scott.
N.H. 1904, p. 16—26, 91—98. — In der Einleitung kurze Schilderung
der Insel, die etwa 35 Meilen nordwestlich von Orkney gelegen ist.
Verf. verbrachte hier sieben Jahre und stellte häufig ornithologische
Beobachtungen an. Die Vögel sind in sechs Abschnitten: Stand-
vögel; regelmäßige „summer visitors“; regelmäßige „autumn and
winter visitors“; gelegentliche Besucher im Frühjahr und Sommer;
gelegentliche Erscheinungen im Winter; und seltene Besucher be-
sprochen.
Derselbe. Occurrence of the Hawfinch at Skerryvore Light-
house; Ann. Scott. N. H. 1904, p. 187—188. — Coccothraustes cocco-
thraustes.
3. @. Tuck. Pomatorhine Skuas (Stercorarius pomatorhinus)
in Suffolk; Zool. (4) VIII, p. 33—34.
Derselbe. Notes from Hunstanton, Norfolk; Zool. (4) VIIT,
p- 390.
Derselbe. Waxwings in East Anglia; Zool. (4) VIII, p. 115.
— Ampelis garrulus.
Derselbe. Crossbill in West-Suffolk; 1. c. p. 191.
C. ©. Tunnard. Hawfinch ın East Lothian; Ann. Scott. N. H.
1904, p. 126. — Coccothraustes coccothraustes.
R. 3. Ussher. Birds met with in Shannon Valley; Irish Nat. XII,
p. 101—106.
*B. W. Wade. The Birds of Bempton-Cliffs; Transact. Hull.
Sc. & Field Nat. Cl. III, 1903, p.—. — [Sep. 26 pg. mit 19 photogr.
Abbildungen].
R. Warren. Snow-Geese (Chen hyperboreus) in Co. Mayo; Zool.
(4) VIII, p. 32.
Derselbe. White Wagtails [Motacılla alba] on Bartragh;
Zool. (4) VIII, p. 227—228.
Derselbe. ÖOrmnithological Notes from Killala Bay and the
Moy Estuary; Zool. (4) VIII, p. 301-306. — ÖOrnithologisches aus
Irland.
3. Whitaker. Kentish Plover (Aegialitis cantiana) at Rainworth;
Zool. (4) VIII, p. 193.
W. Wilson. Ornithological Notes from Aberdeen — February
and March; Zool. (4) VIII, p. 146.
W. H. Workman. Birds by an Irish Stream in Ireland; Avıc. Mag.
(n. s.) II. p. 220— 223.
W. €. Wright. Notes on Birds of the Narın District, Co. Donegal;
Zool. (4) VIII. p. 373—377. Mit Textbild (Dunenjunges von Procellaria
pelagica).
Derselbe. Spotted Crake (Porzana maruetta) in Co. Antrim;
Zool. (4) VIII, p. 431.
Derselbe. The Red-throated Diver (Colymbus septentrionalis);
l. e. p. 432—433. — Irland.
38 II. Aves für 1904.
Frankreich.
P. Bernard. Röapparition du Jaseur de Boh&me (Ampelis garrulus)
dans le pays de Montbeliard; Ornis XII, No. 4 (Oct. 1904) p. 565—567.
L. Bureau. Note sur la presence accidentelle de la Sterne £uli-
gineuse, Sterna fuliginosa Gmel. sur les cötes de la Loire-Inferieure;
Bull. Soc. sc. nat. Ouest France (2) IV, (Dec. 1904), p. 227—256, tab.
IX, X. — Verf. knüpft an die Erlegung eines alten Vogels an der
Küste der Normandie eine wertvolle Arbeit über Sterna fuliginosa.
Auf die Charakteristik der verschiedenen Kleider läßt er einen
gedrängten geschichtlichen Überblick folgen, bespricht kurz die Ver-
breitung zur Brutzeit und erörtert sodann die einzelnen Fälle des Vor-
kommens in Europa (zweimal in Frankreich, fünfmal in England, und
je einmal in Deutschland und Italien). Daran schließen sich Mitteilungen
über Lebensweise, Fortpflanzung etc. auf Grund der Angaben von Pen-
rose, Andubon und anderer Beobachter. Den Schluß bilden einige
Notizen über andere tropische Sterna-Arten, die sich in den europäischen
Gewässern gezeigt haben. Auf Tafel IX ist das $ ad. von Sterna fuli-
ginosa abgebildet. Taf. X stellt die Verbreitung in und außer der
Brutzeit dar.
F. de Chapel. En Camargue ä la recherche de nids de Flammants;
Bull. Soc. Acelim. France, 1904, p. 207—212. — Siehe p. 9.
A. H. Evans. Field-Notes on Birds from the Western Pyrenees;
Ibis (8) IV, p. 452—456. — Ormithologische Beobachtungen aus der
Gegend von Argeles-Gazost im Departement Hautes-Pyrenees.
P. Fraisse. Une apparition de Jaseurs de Bohöme dans la sud-
est de la France; Ornis XII, No, 4, (Oct. 1904) p. 568.
Derselbe. Liste de quelques oiseaux etrangers & la region sud-
est de la France qui y ont &t& observes en 1903; 1. ce. p. 582.
*A, Preeigou. Ornithologie de la Haute-Vienne. Paris. 8°. pg. 72,
avec figg.
#. Raspail. Existe-t-il deux especes d’Effarvette?; Bull. Soc. zool.
France XXIX, p. 65— 70. — Siehe p. 98.
L. Ternier. Distribution geographique en France de la Becasse
(Scolopax rusticola) d’apres l’enquöte territoriale ordonnee par le
ministre de l’instruction publique en 1885 et 1886; Ormis XII, No. 3
(Mai 1904) p. 235—252. — Darstellung des Zuges und Brütens der
Waldschnepfe in den einzelnen Departements von Frankreich. Mit
zwei Karten ım Text.
Derselbe. Note sur le Phalarope platyrhynche; Ornis XII,
No.3 (Mai 1904) p. 256. — Phalaropus fulicarius bei Honfleur (Cal
vados) erlegt.
Schweiz.
€. W. Benson. Some Notes on Swiss Birds observed ın June 1904;
Zool. (4) VIII, p. 423—424.
6. W. Bradshaw. Notes or Swiss Birds; Zool. (4) VIII, p. 462.
V. Fatio. Faune des Vertebres de la Suisse. Volume II. Histoire
naturelle des Oiseaux. II &me Partie: Gyrateurs, Sareleurs, Echassiers,
II. Aves für 1904. 33]
Herodions, Lamellirostres, Totipalmes, Longipennes et Uropodes.
Avec 1 planche en couleur, hors texte, 120 figures originales, dans le
texte, 23 tableaux et un 2e appendice ä& la premiere partie. Genöve
et Bäle. 1904. 8° pg. I-XXXVI, und p. 841—1743. — Schluß des
sroßen Werkes. Der zweite ornithologische Band behandelt die Tauben,
Hühnervögel, Limicolae, Trappen, Kraniche, Rallen, Flamingo, Reiher,
Ibise, Anseriformes, Steganopodes, Sturmvögel, Möven und Taucher.
In der Anordnung und Behandlung des Stoffes schließt sich der Band
ebenbürtig dem früher erschienenen Teile (siehe Bericht 1899, p. 30)
an. Am Schlusse Index, Inhaltsverzeichnis und Nachträge zum ersten
Bande.
H. Fischer-Sigwart. Das Storchnest auf dem Chordache in Zo-
fingen im Jahre 1903. — Zofingen 1904. kl.8°. pg. 36. — Neunte
Chronik des Storchnestes. Ferner Mitteilungen über die Art des Ab-
zuges des Storches, und über einen gewaltigen Storchzug über den
Golf von Suez.
*Derselbe. Das Leben der Stadtschwalbe (Chelidon urbica).
Aus einem Ms: Bestand und Biologie unserer Vogelwelt zu Anfang des
20. Jahrhunderts; Mitth. Aargausch. Naturf. Gesellsch. 1904, kl. 8°.
p. — [Sep. 54 pg.]. — Eine biologisch-statistische Studie über die
Mauerschwalbe in der Schweiz. Sie ist in der Schweiz ein häufiger
Brutvogel, der noch vielfach an Felswänden nistet und im Ober-Engadin
bei 1600 m mit der Hausschwalbe zusammen vorkommt. [Nach Orn.
Jahrb. XVI, p. 77).
A. Ghidini. Appunti ornitologici ticinesi per il 1903; Avicu’a
VIII p. 52—54. — Ornithologisches aus dem Tessin.
Holland.
R. Snouckaert van Schauburg. Ornithologisches aus Holland
(Mai 1902 bis April 1903); Orn. Monber. XII p. 41—42. — Notizen
über 10 Arten, darunter Circus macrurus, wovon ein & jr. in Gelder-
land gefangen wurde.
Derselbe. Eine. Fahrt durch einen friesischen Sumpf; Orn.
Jahrb. XV p. 230—237. — Ornithologisches aus den Eernewonder
Sümpfen in Friesland. Fuligula ferina wurde als Brutvogel festgestellt.
Am Schlusse Liste der beobachteten Arten.
Derselbe. ÖOrnithologie van Nederland. Waarnemingen van
1 mei 1903 tot en met 30 April 1904; Tijds. Nederl. Dierk. Vereen.
(2de Serie) VIII, Afl.3 (Dec. 1904) p. 240—258. — Notizen über
45 Arten, deren Vorkommen in Holland ungewöhnlich ist. Für die
einzelnen Angaben sind äußerst sorgfältige Daten beigebracht. Er-
wähnenswert sind Turdus pilaris, Buteo zimmermanni u. s. w.
Spanien.
€. A. Hamond. A short Trip to Spain, with Notes on Birds ob-
served; Trans. Norf. Norw. Soc. VII Part. V (1904) p. 701—705, —
Ornithologische Beobachtungen vom Guadalquivir,
40 II. Aves für 1904.
Italien, Corsica.
6. Alessandrini. Sull’ apparizione dell’ Ampelis garrulus (Linn.)
nella provincia di Roma; Boll. Soc. Zool. Ital. Roma XII, 1903, p. 151
—152.
G. Altobelloe. La Chelidon urbica svernante in Italia; Avicula
VIII p. 82—83. — Überwinterung der Stadtschwalbe in Italien.
Derselbe. ILuiin Abruzzo. Note di escursioni ornitologiche;
Avicula VIII p. 105—108. — Schilderung der Laubsänger-Arten
der Abruzzen: Ph. sibilator, P. trochilus, P. bonelli und P. rufus.
G. Angelin. La Marmaronetta angustirostris (Menetrier) in
Puglia; Boll. Soc. Zool. Ital. Roma XII, 1903, p. 67. — Ein Qad.
wurde bei Candelaro, in der Nähe von Foggia, am 20. Mai 1903 erlegt.
Derselbe. Sull’ aumentata frequenza in Italia del Nibbio
bruno (Milvus korschun Gm., M. migrans Bodd.); Boll. Soc. Zool.
Ital. Roma XII, 1903, p. 153—158. — Behandelt die Zunahme des
schwarzen Milans als Brutvogel in Italien, mit besonderer Berück-
sichtigung der römischen Campagna.
6. Arrighi-Griffoli. Note ed Appunti di un cacciatore sui nostri
uccelli migratori; Avicula VIII p. 6—12, 75—77, 98—102, 135—140,
148—150. — Fortsetzung der Arbeit (vgl. Bericht 1903 p. 238). Be-
handelt die Schnepfen, Rallen, Kranich, Storch, Sichler und Flamingo.
Lebensweise, Zug und Vorkommen in Italien eingehend dargestellt.
E. Arrigoni Degli Oddi. Manuale di Ornitologia Italiana. Elenco
deserittivo degli Uccelli Stazionari o di Passaggio finora osservati in
Italia. Milano. 1904 (Manuali Hoepli). 8°. pg. 163 + VIII -+ 907,
con 36 tavole e 407 incisioni nel testo da disegni originali. — Ein Hand-
buch der Vögel Italiens. Im ersten Teile beschäftigt sich Verf. mit
allgemeinen Fragen wie: die äußere Structur des Vogelkörpers, Färbung,
Mauser, Pterylographie, Mimikrie,. Dimorphismus, Hybridismus,
geographische Verbreitung, Zug und Wanderung, Gesang, Fort-
pflanzung, und gibt im Anschlusse daran einen kurzen Überblick der
bisherigen Classificationsversuche. Der zweite Abschnitt enthält die
Darstellung der in Italien vorkommenden Vogelarten, 445 an der
Zahl. Bei jeder Art kurze Synonymie u. Beschreibung der verschiedenen
Kleider, woran sich genaue Angaben über Lebensweise und Vor-
breitung im Allgemeinen und in Italien schließen. Die geographische
Variation weit verbreiteter Arten ist in weitgehendem Maße berück-
sichtigt und verleiht dem Buche einen besonderen Wert. Zahlreiche
Figuren im Texte.
L. Frhr. von Besserer. Frühjahrstage am Lago maggiore ; Monatsschr.
Ver. Vogelw. XXIX p. 322—329.
G. A. Boschetti. Appunti per lo studio della Avifauna Ligure;
Avıcula VIII p. 151—154. — Der erste Teil der Arbeit (mit den Raub-
vögeln beginnend) zählt 58 sp. mit kurzen Notizen auf.
Derselbe. La ‚Nocciolaia“ in Liguria; Avicula VIII p. 161.
— Nucifraga caryocatactes var. pachyrhyncha.
|Bozzini|. Pteroclas (sic) alchata setarius; Avicula VIII p. 140.
lI. Aves für 1904. 41
— In der zweiten Hälfte September 1904 wurde ein Exempl. bei
Sussuolo, Modena, erlegt.
A. Carruceio. Sovra il Cigno piü raro in Italia (Oygnus bewicki
Yarr.) preso a $S. Rossore (Pisa) e donata da S. M. ıl Re al Museo
Zoologieo. Note zoologiche ed anatomiche; Boll. Soc. Zool. Ital.
Roma XII, 1903, p. 134—150.
F. Cavazza. Notizie intorno a un Bubuleus ibis ucciso nella pro-
vincia di Bologna; Avicula VIII p.55. — Ein Exemplar wurde am
5. November 1903 bei Molinella erlegt. Beschreibung und Maße.
F. Prince. Chigi. Gli Uccelli del Lazio. Note al Manuale di Orni-
tologia Italiana del C. Prof. Etton Arrigoni degli Oddi; Avicula VIII
p. 121-126. — Ergänzungen und Zusätze zu Arrigoni’s Angaben
über die Verbreitung einer Anzahl von Vogelarten in der Campagna.
In der Einleitung tritt Verf. für das Studium der Subspecies ein.
Derselbe. L’Astur palumbarius nell’Umbria; Avicula VIII,
p. 140.
Derselbe. S$ulla cattura del Dendrocopus lilfordi (Sharpe
& Dresser) nella provincia di Roma; Boll. Soc. Zool. Ital. Roma XII,
1903, p. 68—69. — Das erste Exemplar (in der Provinz) wurde am
23. Oct. 1902 erlegt.
Derselbe. Notizie Ornitologiche per la Provincia di Roma;
Boll. Soc. Zool. Ital. Roma XIII, 1904, p. 58—64. — Über Brüten
von Pernis apivorus in der Campagna und in Italien überhaupt; über
einen Bastard von Carduelis carduelis x Chloris chloris; über Erlegung
von Falco feldeggi und Sturnus unicolor in der Provinz von Rom.
Derselbe. Passer hispaniolensis (Tem.), Passer italiae (Vieill.),
Passer domesticus (L.) Osservazioni; Boll. Soc. Zool. Ital. Roma
XIII, 1904, p. 127—146. — Im Anschlusse an Tschusi’s Studie (Bericht
1903 p. 221) erläutert Verf.an der Hand beträchtlicher Serien italienischer
Sperlinge seine Ansicht, daß die drei ‚‚Arten‘“ spezifisch nicht trennbar
sind, da sie durch alle möglichen Übergänge miteinander verbunden
seien. Die Intergradation zwischen P. hispaniolensis und P. italiae
weist der Verf. auf Grund von 26 Stücken seiner Sammlung eingehend
nach. Er unterscheidet: 1. Passer d. domesticus (L.), 2. P. d. italiae
(Vieill.) mit den Varietäten: a) arrigonii, Sardinien; b) maltae, Sizilien
und Malta; ec) brutii, Calabrien; d) romae (var. nov.), Umgebung von
Rom; e) italiae, Italien im Allgemeinen; f) subalpina (var. nov.),
aus der subalpınen Region Norditaliens.
Derselbe. Contributo allo Studio dell’ Avıfauna Romana;
Boll. Soc. Zool. Ital. Roma XIII, 1904, p. 223—226. — Bemerkungen
über seltenere Vogelarten der römischen Ornis.
€. Fabani. Il Beccofrusone in Valtellina; Avicula VIII p. 57. —
Ampelis garrulus.
Derselbe. La Strix flammea L. in Valtellina; Avicula VIII
p- 162.
V. Gasparini. L’Ampelis garrulus nelle Marche; Avicula VIII
.56. — Seidenschwanz in der Marchia.
G. Gioli. Plectrophenax nivalis (in Toscana); Avicula VIII p. 162.
42 Il. Aves für 1904.
E. Hartert. [On a new Dipper from Sardinia]; Bull. B. ©. C. XIV
p. 5l. — Neu: Cinclus cinclus sardus, Sardinien.
A. Lueifero. Cursorius gallicus; Avicula VIII p.57. — Zwei
Expl. wurden bei Capocolonna in Italien erlegt.
Derselbe. Brevi osservazioni su poche specie di uccelli seden-
tarı o di passaggio in Calabria, enumerate dal sig. Conte Arrigoni
degli Oddi nei suo Manuale di Ormnitologia Italiana; Avicula VIII
p- RE Ergänzungen zu den Angaben Arrigoni’s über das Vor-
kommen von 14 sp. in Calabrien.
R. Magnelli. Hydroprogne caspia; Avicula VIII p. 162. — Ein 9
wurde am 12. Oct. 1904 im Tale von Sant’ Alberto (Comacchio) erlegt.
T. Marinuzzi. Aedon luscinia (Linnaeus) ın Sıciliıa (Notizie);
Avicula VIII p. 17—20. — Verbreitung der Nachtigall in Sicilien.
6. Martorelli. Il Beccofrusone (Ampelis garrulus Linn.); Avicula
VIII p. 42—47. — Verf. bespricht das Auftreten des Seidenschwanzes
in Italien seit 1873, wo der erste größere Zug erschien.
E. Ninni. La Glareola pratincola Linn. nella provincia di Venezia;
Avicula VIII p. 85—86.
Derselbe. Sopra un Esemplare di Somateria spectabilis,
L. 2 colta in laguna di Venezia; Avicula VIII p. 159—161. — Be-
schreibung und Maße des Stückes. Es ist das dritte Exemplar für
Italien.
P. Pavesi. Esquisse d’une Faune Valdötaine; Atti Soc. Ital. Sci.
Nat. e Mus. Civico di Stor. Nat. Milano vol. XLIII, fasc. 3°, foglı 83/,,
Juni 1904, p. 191—260. — Das Valdötaine umfaßt das ehemalige
Herzogtum Aosta. In der Einleitung schildert Verf. die landschaftlichen
und faunistischen Verhältnisse, dann folgt das Verzeichnis der Literatur
(pp: 199— 204). Auf p. 209—213 sind die in dem Gebiete bisher fest-
gestellten Vogelarten, 45 sp., mit kurzen Notizen über Verbreitung
und Häufigkeit aufgeführt. Ein wichtiger Beitrag zur Avifauna von
Piemont.
€. Picchi. Elenco degli Uccelli conservati nella sua collezione
ornitologica italiana al 29 febbraio 1904 con notizie alla distribuzione
e nidificazione in Italia; Ornis XII, No. 4 (Oct. 1904) p. 381—562.
— Eingehender Katalog der Vogelsammlung der Verfasserin. 386 sp.
sind aufgeführt, meist von ausführlichen Notizen über Vorkommen,
geographische und individuelle Abänderung, etc. begleitet. Be-
achtenswert sind die Ausführungen über Buteo buteo (p. 389—401),
die Verbreitung der Aegithalus-Formen in Italien, der Sumpfmeisen
(Parus palustris) u.s. w. Mehrere Bastarde und zahlreiche Farben-
varietäten (z. B. bei Turdus musicus, Merula merula, Alauda arvensis
etc.) sind beschrieben. Die Arbeit bildet einen wertvollen Beitrag
zur Ornithologie der apenninischen Halbinsel.
L. Raggi. Monografia dei Rampicanti italiani. Vade-mecum per
una facile determinazione di qualunque specie di rampicanti stazio-
naria o di passaggio in Italia; Avicula VIII p. 65—72, 108—113,
150—134. — Monographie der in Italien vorkommenden Arten der
Familien Upupidae, Alcedinidae, Meropidae, Coraciidae, Cypselidae,
II. Aves für 1904. 43
Caprimulgidae, Picidae und Cuculidae. Kennzeichen der Familien
und Gattungen. Schlüssel der Arten nebst Angaben über ihr Vorkommen
in Italien.
A. F. Rao. Note omitologiche da servire per la compilazione di
una Avifauna Catanese (continuazione); Avicula VIII p. 102—105,
155—159. — Fortsetzung der Arbeit (vgl. Bericht 1903 p. 240). Die
beiden vorliegenden Teile behandeln den Rest der Eulen, die Kletter-
vögel, Strisores, Schwalben, Fliegenfänger, Würger, Meisen, Specht-
meisen, Baumläufer, Zaunkönige und Bachamseln.
E. Ronna. I Paridı italianı; Avicula VIII p. 92—98.
T. Salvadori. Notizie intorno al Beccofrusone in Piemonte; Avicula
VIII p. 28—29. — Ampelis garrulus in Piemont.
6. Vallon. Note ornitologiche per la provincia del Friuli durante
l’anno 1903; Avicula VIII p. 23—28. — Berichtet über seltenere
Erscheinungen der Friauler Ornis im Jahre 1903.
6. 3. S. Whitaker. Nota sulla comparsa in Sicilia del Linota
rufescens (Vieill.); Avicula VIII p. 56.
Derselbe. Nota intorno la comparsa del Corvus corone Linn.
nella Sicilia; 1. c. p. 56.
Derselbe. Nota sulla comparsa in Sicilia della Glareola mela-
noptera Nordmann; 1.c. p. 84—85. — Ein Expl. wurde bei Marsala
erlegt.
Derselbe. [On some uncommon Birds of Sieily]; Ibis (8) IV
p. 477—478.
€. Zatfagnini berichtet über seltenere Arten der Ornis von Florenz;
Avicula VIII p. 161—162. — Notizen über Oedemia fusca, Cinclus
cinclus melanogaster, Falco eleonorae, Calcarius lapponicus, Otocoris
alpestris und Erismatura leucocephala.
6. Zodda. Contributo allo studio degli uccelli Sieiliani; Avicula
VIII p. 72—75. — Fortsetzung der Abhandlung (vgl. Bericht 1903
p. 240). Behandelt sind die Gattungen: Calamodus, Lusciniola, Cettia,
Cisticola, Motacilla, Budytes und Anthus.
Dänemark, 'lsland,
B. Gröndal. Über das bestrittene Vorkommen der Gavia arctica
in Island; Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX, p. 48—49.
B. Hantzsch. spricht über die Vogelwelt Islands; Journ. f. Ornith.
LII, p. 313—314.
Derselbe. Acanthis linaria islandica subsp. nov.; Orn. Monber.
XH, p. 32—34. — Die neue Form, Brutvogel auf Island, steht der
A.1. linarıa am nächsten.
®. Helms. Nachtigall und Sprosser; Orn. Monber. XII. p. 58—60.
— Vorkommen des Sprossers (Aödon luscinia) in Dänemark, wo die
Nachtigall (A. megarhyncha) fehlt. Unterschiede zwischen den Ge-
sängen beider Arten.
H. Winge. Om Fugle fra Bronzealderen i Danmark; Vidensk.
Meddel. naturhist. Foren. Kjobenhavn 1904. p. 313—318. — Im An-
44 1I. Aves für 1904.
schlusse an eine frühere Veröffentlichung (vgl. Bericht 1903, p. 240)
teilt Verf. einige weitere Knochenfunde aus der Bronzezeit mit. Sie
gehören Corvus monedula u. ©. cornix (oder ©. frugilegus) an. Bisher
übersehen war Corvus corax.
Derselbe. Fuglene ved de Danske Fyr ı 1903. 21de Aars-
beretning om danske Fugle; Vidensk. Medd. Naturh. Foren. i Kjoben-
havn 1904, p. 319—390, mit 1 Karte. — Im Jahre 1903 wurden von 33
dänischen Leuchtfeuern 1138 Vögel in 67 Arten an das Museum in
Kopenhagen eingeliefert. Alle sind zur Zugzeit in den Nachtstunden
verunglückt. Das größte Kontingent an Opfern stellten Alauda ar-
vensis, Sturnus vulgaris und Erithacus rubeculus. Im zweiten Teile der
Arbeit gibt Verf. eine Zusammenstellung der interessanteren ornitho-
logischen Vorkommnisse des Jahres. Von Ardea bubulcus wurde ein
Exemplar im Winterkleid am 26. Okt. an der Nordküste des Limfjordes
erlegt, die Art ist neu für Dänemark. Larus minutus hat im Lande
gebrütet. Procellaria leucorrhoa wurde am 29. Dez. bei Vejrö, Phala-
ropus hyperboreus am 16.Aug. bei Kopenhagen, P. fulicarıus am 6. Jan.
bei Fornäs erlegt. Weitere seltene Erscheinungen sind Circus cineraceus,
Locustella naevia, Ruticilla titys, Muscicapa parva etc. etc.
Europäisches Rußland.
H. E. Dresser. On the late Dr. Walter’s Ornithological Researches
in the Taimyr Peninsula; Ibis (8) IV, p. 228—235. — Übersetzung
einer im „Annuaire du Musde Zoologique de l’Acad. Imp. des Sciences
de St. Petersbourg” erschienenen Arbeit.
€. Greve. Die Straßenvögel in Moskau; Zool. Garten XLV,
p. 250—257.
H. Srote. Spekulationen über nordische Blaumeisenformen; Orn.
Monber. XII. p. 175—177. — Betrachtungen über den Status von Parus
pleskei. Verf. glaubt, daß bisher unter diesem Namen mehrere durch-
aus verschiedene Arten, bez. Nebenarten zusammengefaßt worden
sind.
W. A. Lindholm. Der Girlitz (Serinus hortulanus) in Rußland;
Zool. Garten XLV, p. 192—193.
Th. Lorenz. Lagopus albus (L.) nov. subsp. maior; Orn. Monb.
XII, p. 177—178. — Die neue Form bewohnt die Steppengebiete von
Akmolinsk, Orenburg und Turgai.
E. Nordling. Südlicher Brutplatz des (sic) Harelda hiemalis L.
und des Phalaropus hyperboreus L.; Zeitschr. Ool. XIV, p. 69—71.
— Verf. fand die zwei Arten auf einer Insel im finnischen Meerbusen
brütend.
Derselbe. En resa i ornitologiskt syfte till nagra utöar ı Finska
viken sommaren 1902; Meddel. Soc. Fauna et Flora Fennica, Heft 30,
1904, p. 118—130. — Verf. schildert einen Ausflug nach der in der
Mitte des finnischen Meerbusens gelegenen Insel Hogland im Mai
und Juni 1902, und daran schließende Exkursionen nach Tytterskär
und andere südlicher gelegene Eilande. Zahlreiche ornithologische
II. Aves für 1904. 45
Beobachtungen. Bemerkenswert ist der Fund von Nest mit Eiern von
Harelda hyemalis auf Klein-Tytterskär.
B. @tto. Über Phylloscopus viridanus (Blyth) in den baltischen
Provinzen Rußlands; Orn. Monber. XII, p. 73—78. — Verf. gelang es,
diese Art im Sommer und Herbst 1903 im Nordwesten Esthlands und
bei Dorpat, nördl. Livland festzustellen. Lebensweise und Gesang sind
geschildert, und die Verbreitung im europäischen Rußland zusammen-
gestellt.
H. 3. Pearson. Three Summers among the Birds of Russian Lap-
land. With History of Saint Triphon’s Monastery and appendices.
London. 1904. kl. 4°. pg. XVI + 216. — In den drei ersten Kapiteln
schildert Verf. seine drei Reisen (1899, 1901, 1903) nach Russisch-
Lappland, wobei zahlreiche Beobachtungen über die Vogelwelt mit-
geteilt werden. Auf p. 192—201 gibt Verf. in Tabellenform eine Liste
der an den einzelnen Stationen beobachteten Vogelarten mit Angabe
der Gewährsmänner. Mehrere Aufnahmen von Vogelnestern mit Eiern
in situ sind dem Buche beigegeben.
F. E. Stoll. Ornithologische Notizen; Sitzungs-Ber. Naturf. Ver.
Riga 1904, p. 77—107. — Beobachtungen aus der Umgebung von Riga,
von der Insel Runö und von der Küste Esthlands. 75 sp. sind behandelt.
Bei vielen Arten biologische Mitteilungen sowie Angaben über lokales
Vorkommen. Circaetus gallicus brütet nicht selten in Eichen- u. Kiefern-
wäldern. Pandion haliaötus ist als Brutvogel selten, ebenso Carpo-
dacus erythrinus und Turdus ıiliacus. Zufällige Erscheinungen sind:
Circus macrurus, Athene noctua, Nyctala tengmalmi, Picoides tri-
dactylus, Acanthis flavirostris, Loxia bifasciata etc. Einiges über
Tetrao medius.
W. Tiesler. Die Vogelwelt der russischen Ostseeprovinzen; Zool.
Garten XLV, p. 89—95. — Vergleich der Vogelwelt der norddeutschen
Tiefebene mit der der baltischen Gouvernements.
Paläarktisches Asien.
V. Bianchi. [On a new Bunting from Tibet]; Bull. B. ©. C. XIV,
p- 80. — Neu: Emberiza koslowi vom oberen Mekong.
S. A. Buturlin. The correct Name of the Pacifie Dunlin; Auk XXI,
p. 50—53. — Verf. weist nach, daß Scolopax sakhalına Vieill. auf eine
Abbildung in Krusenstern’s Atlas zur Reise um die Welt der Schiffe
Nadeshda und Neva begründet, sich auf die westliche Form des
Alpenstrandläufers beziehe, die somit Tringa alpina sakhalına (statt
T. a. americana) zu nennen ist. Tringa variegata Tilesius 1814 ist
präoccupiert durch T. variegata Gm. 1788.
Derselbe. Mandschurischer Ringfasan, Phasianus karpowi
sp. nov. But.; Orn. Monber. XII, p. 3—4. — Die neue Form stammt von
Te-lin in der südlichen Mandschurei.
Derselbe. Turgaisches Rebhuhn, Perdix arenicola n.sp.;
Orn. Monber. XII, p. 148—149. — Die neue Art steht dem europäischen
Rebhuhn am nächsten, und stammt aus dem südlichen Westsibirien.
46 Il. Aves für 1904.
Derselbe. On the geographical Distribution of the true Phea-
sants (Genus Phasianus sensu stricto); siehe p. 18.
E. Hartert. [On a new Creeper from Cyprus]; Bull. B. ©. C. XIV,
p. 50—51. — Neu: Certhia brachydactyla dorotheae, Cypern.
Derselbe. On the Birds collected by Mr. Robert Hall, of
Melbourne, on the Banks of the Lena River between Gigalowa and its
Mouth. With an Introduction and Field-Notes by R. Hall; Ibis (8) IV,
p. 415—446. — Eine kurze Einleitung (von E. Hartert) über die zoo-
geographischen Beziehungen der Lena-fauna, und die Schilderung der
Reise (von R. Hall) gehen dem systematischen Teile vorauf, in welch
letzterem 82 sp. aufgeführt sind. Bei den einzelnen Arten „Field-
Notes“ von Hall, und kritische Bemerkungen des Bearbeiters. Ein $
von Emberiza chrysophrys wurde bei Gigalowa erbeutet. Einige Ab-
bildungen im Texte.
H. Johansen. Wichtigere Ergebnisse während der Jahre 1900—
1903 im Gouvernement Tomsk ausgeführter ornithologischer Be-
obachtungen; Orn. Jahrb. XV, p. 81—93. — Mitteilungen über das
Vorkommen von 50 für das Gebiet ungewöhnlichen oder neuen Arten.
Hervorzuheben sind Parus cinctus obtecetus, Pyrrhula cineracea,
P. pyırhula kamtschatica, Asture andidissimus, Buteo zimmermannae,
Ortygometra auricularis und Oidemia fusca stejnegeri.
Derselbe. Vorläufiger Bericht über eine im Sommer 1902
in die Kulundinsche Steppe und die angrenzenden Teile des Ssemi-
palatinsker Gebietes unternommene Reise; Orn. Jahrb. XV, p. 161
— 205. — Die Kulundinsche Steppe liegt im südwestlichen Teile des
Tomsker Gouvernements, Kreis Barnaul. Verf. schildert die physi-
kalischen Verhältnisse des Gebietes und die Flußreise, wobei zahl-
reiche ornithologische Beobachtungen mitgeteilt werden. Daran schließt
sich der Bericht über die ornithol. Forschungen an den einzelnen
Stationen. Beachtenswert sind die Notizen über Scolopax gallinago
raddei und der Nachweis des Brütens von Limosa novae-zealandiae.
Th. Lorenz. Lagopus albus (L.) nov. subsp. maior; Orn. Monber.
XI, p. 177—178. — Die neue Form stammt aus Orenburg und West-
sibirien (Omsk, Turgai).
H. Baron Louden. Über zwei neue paläarktische Formen; Orn.
Jahrb. XV, p. 54—56. — Neu: Hirundo rustica sawitzkii, Transkaspien;
Carine noctua caucasica, Westufer des Kaspi-Sees (Umgebung von
Baku).
3. v. Madaräsz. Über eine wahrscheinlich neue Form der Nebel-
krähe: Corone pallescens; Orn. Monber. XII. p. 28—29. — Die neue
Form stammt aus Cyprus.
Derselbe. Sıtta bifasciata n. sp.; Orn. Monber. XII, p. 183
— 184. — Nahe verwandt mit S. baicalensis. Hab. Krasnojarsk, West-
sıbirien.
Derselbe. Montifringilla margaritacea n. sp.; l.c. p. 196. —
Hab. Altai-Gebirge, C.-Asien.
Derselbe. Über neue Formen von Haleyon smyrnensis und
II. Aves für 1904. 47
Alcedo ispida; Ann. Mus. Hung. II. p.’85—86. — U. a. ist Alcedo mar-
gelanica aus Ferghana als neu beschrieben.
Derselbe. Über die Vögel Cyperns; Ann. Mus. Hung. II, 1904,
p. 499—561, tab. XV. — Eine zusammenfassende Darstellung der
Vögel der Insel nach den Sammlungen Glaszner’s im Budapester
Museum, teilweise nach den Beobachtungen von Lilford und Guillemard.
249 sp. sind aufgeführt mit Angaben über Vorkommen und Verbreitung
auf der Insel, Zugzeiten etc. und Besprechung der im Ung. National-
Museum aufbewahrten Exemplare. Eine Anzahl Arten werden neu für
Cypern festgestellt. Verf. läßt nicht weniger als vier Arten Stare auf
der Insel vorkommen! Scops cypriaca ist abgebildet.
A. Nehring. Perdix barbata Verr. (P. daurica Pall.) aus der Kir-
gisensteppe; Orn. Monber. XII, p. 142—143. — Kennzeichnung der
Form im Vergleich zu deutschen Rebhühnern.
€. Pogge. Vogelleben im nördlichen China. Vortrag, gehalten in
der General-Versammlung des Deutschen Vereins zum Schutze der
Vogelwelt in Dresden am 19. März 1904; Monatsschr. Ver. Vogelw.
XXIX, p. 239—255. — Beobachtungen aus der Provinz Petschili und
der Umgebung von Peking.
N. Sarudny. Passer mesopotamicus spec. nov.; Orn. Jahrb. XV,
p. 108. — Die neue Art stammt aus Arabistan und steht in der Mitte
zwischen P. moabiticus und P. yatei.
Derselbe. Über neue Arten und Formen; Orn. Jahrb. XV,
p. 213—219. — Neu beschrieben: Ruticilla semenowi, Persien; Monti-
fringilla alpicola groum-grzimaili, Gebirgsland Beischan; M. a. gaddı,
Berge von Luristan in Persien; Emberiza (Hypocentor) semenowi,
Arabistan; Sitta tschitscherini, Ispahan.
Derselbe. Eine neue Grasmücke aus Persien; 1. c. p. 220—221.
—Neu: Sylvia semenowi, nahe S. momus, aus Luristan.
Derselbe. Beschreibung zweier neuen Formen aus Süd-West-
Persien; Orn. Monber. XII., p. 164—165. — Neu: Acredula tephronota
passekii und Accentor modularıs blanford:.
N. Sarudny und H. Baron Louden. Über eine neue Saxicola aus
Persien; Orn. Jahrb. XV, p. 219—220. — Neu: Saxicola gaddi, nahe
S. amphileuca, aus Persien.
Dieselben. Einige neue Subspezies aus Persien und dem
transkaspischen Gebiet; 1. c. p. 221—227. — Neu: Melanocorypha ca-
landra raddei, Persien; Calandrella minor seistanica, Seistan; C. m.
minuta, Ispahan; Ammomanes deserti orientalis, S. W. Buchara;
Cyanecula wolfi magna, Luristan, S. W. Persien; Caccabis chucar werae,
S. W. Persien; Ammoperdix bonhami ter-meuleni, Arabistan; Dendro-
copus minor morgani, S. W. Persien.
3. H. Stenhouse. The Birds of Nakl Island, on the Coast of Syria;
Ibis (8) IV, v. 29—32. — Kurze Schilderung der Insel und Aufzählung
von 8 sp. mit Notizen über Vorkommen, Nisten und Eier.
P. Sushkin. [Remarks on the Birds of the Middle Kirghiz Steppe
and of the Western Part of the Sayan Range]; Bull. B. O. C. XIV,
p. 42—46. — Neu: Sylvia ceurruca halimodendri, Kirgisen-Steppe;
48 II. Aves für 1904.
Cinelus einclus bianchii, Sayan-Gebirge; C. c. middendorffi, Zentral-
Sayan-Kette; Phylloscopus tristis axillarıs, Yenisei; Regulus eristatus
coatsi, Sayan-Gebirge; Poecile cincta sayana, Westl. Sayan-Kette; Re-
miza yeniseensis, Yenisei; R. pendulina centralasiae, „Centralasien“;
R. p. jaxartensis, Turkestan. Am Schlusse Bemerkungen über die Ver-
breitung einer Anzahl von Vogelarten in dem beregten Gebiete.
H. B. Tristram. [Letter on the Birds of Palestine]; Ibis (8) IV
p. 164—166. — Berichtigung und Ergänzung zu $. Merrill’s Arbeit
über dasselbe Thema (vgl. Bericht 1903 p. 243).
Nordafrıka.
0. Kleinschmidt. Die wichtigsten Ergebnisse der zweiten algerischen
Reise von RE. Flückiger; Orn. Mb. XII p. 196—198. — Neu: Galerida
schlüteri, Böne; Erithacusalgeriensis, Lambese. Nestkleid von Erithacus
moussieri beschrieben. Lanius badius bei Biskra erlegt. Notizen über
Bastardierung von Passer domesticus und P. hispaniolensis.
Derselbe. Einiges über Spatzen. I. Zwei neue „Arten“ ; Orn.
Monber. XII p.7. — Neu: Passer flückigeri, Touggourt in Algerien;
Passer ahasver, Marrakesch in Marocco.
P. Kollibay. [Stercorarius parasiticus in Tunis]; Orn. Monber.
XII p. 101. f
A. Reichenow. [Über neue Formen aus Ägypten und Arabien];
Journ. f. Orn. LII p. 307. — Neu: Prinia gracilis deltae, Alexandrien;
Ammomanes lusitana erythrochroa, Ambukol; Charadrius elegans,
Tor in Arabien.
G. Talamon. Notes sur les Oiseaux de la Tunisie; Ornis XII, No. 4
(Oct. 1904) p. 583—596. — Aufzählung von 169 sp. mit kurzen Notizen
über Vorkommen.
3. I. S. Whitaker. [On the Skylarks of Tunisia]; Bull. B. O. C.
XV p. 19-20. — Neu: Alauda arvensis harterti, Nord Tunis.
Atlantische Inseln.
A. Bau. Nest und Eier von Anthus bertheloti; Zeitschr. Oologie
XIII, No. 10 (Jan. 1904) p. 148—150. — Beschreibung von Nest und
Eiern.
E. Hartert. [On some Birds from the Canary Islands]; Bull. B. O.
C. XIV p.51. — Fringilla palmae für Hierro, Phylloseopus rufus
fortunatus für Lanzarote festgestellt.
P. Oramas. El Capirote (Sylvia atricapilla L.) de Canarias; Bol.
Soc. espaü. Hist. nat. t. 4, 1904, p. 79—81.
E. Schmitz. Über Nester und Gelege der Brillengrasmücke
Madeira’s (Sylvia conspicillata bella Tsch.); Zeitschr. Ool. XIV p. 113
—116.
Derselbe. Aus dem Vogelleben der Insel Porto Santo. Aus
dem Tagebuche des Hrn. Adolpho de Noronha. IV. 1903; Orn. Jahrb.
XV p. 124—145. — Ornithologische Aufzeichnungen in Tagebuchform
II. Aves für 1904. 49
von der kleinen, bei Madeira gelegenen Insel Porto Santo. Biologisches
und Zugsdaten.
P. L. Sclater. [On the ornis of the Canary Islands]; Bull. B. O. C.
XIV p. 81—82.
R. von Thanner. Beobachtungen auf Tenerife; Nov. Zool. XI,
Sept. 1904, p. 430—434. — Mitteilungen über Vorkommen und Lebens-
weise einiger Kanarischer Vogelarten.
Tropisches Afrika (Äthiopisches Gebiet).
3. V. Barboza du Bocage. Contribution & la Faune des quatre iles
du Golfe de Guinee. IV. Ile de St. Thome&; Journ. Sci. Math. Phys.
Nat. Lisböa (2) VII, No. 26, 1904, p. 65—96. — Fortsetzung der Arbeit
(vgl. Bericht 1903 p. 246). Auf p. 72—90 die Liste der (64) bisher für
die Insel S. Thom& nachgewiesenen Vogelarten. Die wichtigsten
Sammlungen wurden von Weiß, Fea, Newton und Negreiros veranstaltet.
Bei den einzelnen Arten gibt Verf. zunächst die bezügliche Synonymie,
woran sich die Aufzählung der im Lissaboner Museum befindlichen
Exemplare mit genauen Fundortsangaben, kritische Bemerkungen
über verwandte Formen und in einigen Fällen die Beschreibung von
Nest und Eiern schließen.
A. €. Charrington. Notes on some Birds of the White Nile; Avic.
Mag. (n.s.) II p. 315—318.
S. R. Clarke. Field-notes on Birds obtained or observed at Bloem-
fontein, OÖ. R. C., and at Ingogo, Natal, in 1901 and 1902; Ibis (8) IV
p. 519—541. — Kurze Notizen über die Beobachtungspunkte gehen
der systematischen Aufzählung voraus, die 176 sp. umfaßt. Bei den
einzelnen Arten Bemerkungen über Häufigkeit, Art des Vorkommens
u.s. w. 85 sp. wurden bei Bloemfontein, 46 bei Ingogo, 44 sp. an beiden
Orten festgestellt.
W. E, Clarke. [On two new Birds from Goush Island]; Bull.
B. ©. €. XV p. 18—19. — Neu: Nesospiza goughensis und N. jessiae.
€. Frhr. von Erlanger. Neue afrıkanische Arten; Orn. Monber.
XII p.97—98. — Neu: Numida ptilorhyncha macroceras, Süd-
schoanisches Seengebiet; N. p. neumanni, Ussoga, D. O. Afrika;
Pternistes leucoscepus muhamed-ben-abdullah, Lorianebene; P. 1.
holtermülleri, Abaya See; Turtur senegalensis aequatorialis, Gebirgs-
route Harar-Adıs Abeba.
Derselbe. Beiträge zur Vogelfauna Nordostafrikas mit be-
sonderer Berücksichtigung der Zoogeographie; Journ. f. Ornith. LII
p-. 157—244, tab. I—XIX, mit fünf Karten. — Der vorliegende erste
Teil der umfangreichen Arbeit beschäftigt sich mit den Tag- und
Nachtraubvögeln. Verf. beschränkte sich nicht auf das „Bestimmen“
der von ihm gesammelten Exemplare, sondern erörtert eingehend
die verschiedenen Kleider, und bei weiter verbreiteten Arten die
geographische Variation. Besonders ausführlich sind die Formen
von Gyps fulvus, Pseudogyps africanus, Melierax canorus, Aquila
rapax, Bubo maculosus u. s. w. behandelt. Neben den systematischen
Arch £. Naturgesch. 70 Jahrg. 1904. Bd. II. H.1. (II.) 4
50 II. Aves für 1904.
Ausführungen gibt Verf. meist sorgfältige Mitteilungen über Vor-
kommen, Lebensweise, Fortpflanzung u. s. w. Neu beschrieben sind:
Accipiter hilgerti, Arussigallaland; Accipiter minullus intermedius,
Abela, Abyssinien; Hieraaetus fasciatus minor, Somaliland; Asio
leucotis nigrovertex, Abyssinien. Abgebildet sind: Gyps f. fulvus,
G. f. rüppelli, Pseudogyps a. africanus, P. a. schillingsi, P. a. fülle-
bormni, P. a. zechi, Serpentarius s. serpentarius und 8. s. orientalis;
die Formen von Melierax canorus, Accipiter hilgerti, A. m. minullus,
A. m. intermedius und A. m. tropicalis, Hieraaetus spilogaster, H.
fasciatus minor, Buteo anceps; die Köpfe von Milvus aegyptius, M. k.
korschun, M. k. reichenowi, M.affinis; Falco e. eleonorae, F. c.schistaceus,
F. concolor, Cerchneis tinnunculus arthuri, C. fieldi, Asio otus abyssi-
nicus, Asio leucotis leucotis und A.1.nigrovertex. Auf den Karten sind
die Reiseroute und die zoogeographischen Gebiete Nordostafrikas
ersichtlich gemacht.
W. R. Ogilvie-Grant. [On two new Birds from Fernando Po];
Bull. B. ©. ©. XIV p. 55—56. — Neu: Pholidornis bedfordi und Cyp-
selus sladeniae.
Derselbe. On the Birds collected during a recent Expedition
through Somali-Land and Abyssinia to Lake Tsana. With Field-Notes
by the Collector, Mr. E. Degen; Ibis (8) IV p. 250—280, tab. V, VI.
— Ergebnisse einer Reise von Zeila nach Adis Abeba und zum Tsana
See. In der Einleitung Schilderung des durchquerten Gebietes und
Übersicht der Stationen nebst Angabe ihrer vertikalen Lage. Den
Hauptteil der Arbeit nimmt die Aufzählung der gesammelten Arten ein.
Meist sind außer dem Namen nur die Aufzeichnungen Degen’s über die
Färbung der nackten Körperteile gegeben. In einzelnen Fällen Notizen
des Bearbeiters. Erwähnenswert sind u. A. Asio abyssinicus und Bubo
dilloni. Abgebildet sind die zwei neu entdeckten Arten Mirafra degeni
und Melanobucco tsanae.
E. Hartert. [On new African Birds]; Bull. B. O. C. XIV p. 72—74.
— Neu: Parmoptila ansorgei, Smithornis capensis albigularis, Chloropeta
natalensis major, Hirundo albigularis microptera, von Angola.
B. Horsbrugh. Some Field Notes in South Africa; Avic. Mag.
(n.s.) II p. 94—99. — Ormithologische Aufzeichnungen aus dem
westlichen Transvaal: Gegend von Mafeking, Zeerust, Rustenburg,
Kimberley ete.
F. J. Jackson. [On new African Birds]; Bull. B. ©. C. XIV p. 74,
94. — Neu: Macronyx sharpei, Mau; Cyanomitra alinae, Ruwenzori.
Derselbe. [On two new Birds from Uganda]; Bull. B. O. €.
XV. p. 10—11. — Neu: Megabias aequatorialis, Uganda und Toro;
Apalis ruwenzori, Ruwenzori.
L. A. Jägerskiöld. Results of the Swedish Zoological Expedition
to Egypt and the White Nile 1901. No. 3. Birds from the White Nile.
Upsala 1904. Pt. I No. 14. p.1—18. — Der Bericht behandelt 129 sp.,
die während der schwedischen Expedition unter Leitung des Ver-
fassers gesammelt wurden, und enthält einige interessante Nachweise
für die Vogelfauna des weißen Nils.
II. Aves für 1904. 51
3. v. Madaräsz. Zur Ornis Deutsch-Ostafrikas; Ann. Mus. Hung.
II. p. 203—206. — Neu: Chaetops kilimensis, Moschi; Cisticola katonae,
Boma-Gombe ; C.pietipennis, Moschi ; Chlorophoneusminiatus, Kiboscho;
Laniarıus ambiguus, Kiboscho und Moschi; Protodiscus reichenowi,
Moschi.
Derselbe. An extraordinary discovery in Ormithology; Ann.
Mus. Hung. II p. 400—402. — Neu: Charadriola (n. gen.) singularis
vom Djippe See, Deutsch-Ostafrika. Mit drei Textbildern.
Derselbe. Cisticola humilis n. sp.; Orn. Monber. XII p. 168.
— Die neue Form, die der C. katonae nahe steht, stammt aus dem
Lettema Gebirge, Ostafrika.
Derselbe. Spiloptila reichenowi n.sp.; Orn. Monber. XII
p. 179. — Die neue Art stammt aus dem Lettemagebirge in Deutsch
Ostafrika.
©. Neumann. Drei neue Formen aus Südarabien; Orn. Monber.
XI p.29—31. — Neu: Cinnyris habessinica hellmayri, Lahadsch;
Arsya squamiceps yemensis, Wüste zwischen Scheich Othman und
Lahadsch; Turtur roseogriseus arabicus, Lahadsch.
Derselbe. Über einige Formen von Turtur vinaceus und T.
roseogriseus; Orn. Monber. XII p.831—84. — Neu: T. vinaceus schoanus,
Ginderabat, Schoa; T. v. erythreae, Erythrea. Weiteres über die
Unterschiede von T. r. roseogriseus und T. r. arabicus.
Derselbe. Über die afrikanischen gelbbäuchigen Zosterops-
Formen; Orn. Monber. XII p. 109—118. — Verf. unterscheidet zwei
Formenkreise: Z. senegalensis und Z. virens. Zu ersterem gehören:
l. senegalensis, Westafrika; 2. tenella, Nord- u. Centralabyssinien;
3. superciliosa, oberer weißer Nil; 4. stuhlmannı, Zwischen-
seengebiet; 5. flavilateralis, Deutsch- u. Brit. Ost-Afrika; 6. smithi,
Somaliland; 7. jubaensis, südl. Somaliland; 8. anderssoni, S. W. Afrika
u. Mashonaland; 9. stierlingi, Uhehe; 10. niassae, Nyassagebiet. Zur
Z. virens Gruppe gehören: 1. stenocricota, Kamerungebirge u. Fernando
Po; 2. scotti, Ruwenzori; 3. eurycricota, Kilima-Nscharo und Märu-
Berg; 4. virens, Südafrika; 5. jacksoni, Berge im Westen des Massai-
Salzgrabens; 6. kikuyensis, Berge im Osten des Massai Salzgrabens;
7. kaffensis, Kaffa; 8. schoana, Schoa. Bei den einzelnen Formen
Kennzeichnung, Kritisches und Verbreitung.
Derselbe. Neue afrikanische Vögel. (Vorläufige Diagnosen);
Orn. Monber. XII p. 143—145. — Neu: Caprimulgus apatelius, Abaya
See; Hirundo rothschildi, Kaffa; Psalidoprocne holomelaena massaica,
Kikuyu; P. orientalis reichenowi, Loangoküste; P. o. oleaginea, Kaffa;
P. nitens centralis, Ituri; Oriolus monachus permistus, Gofa.
Derselbe. Fünfneue Vögel aus Nordost-Afrika; Orn. Monber.
XII p. 162—164. — Neu: Zosterops omoensis, Omo-Gebiet; Ploceus
melanoxanthus malensis, Maleland; Saxicola galtoni omoensis, Omo-
Gebiet, mit Übersicht der geographischen Formen: Cisticola erythro-
genys djamdjamensis, Djam Djam; C. blanfordi sobatensis, Akobo.
Derselbe. Vögel aus Schoa und Süd-Athiopien; Journ. f.
Ornith. LII p. 321—410. — Behandelt die Vogelausbeute, die Verf.
4x
r
Bw) 1I. Aves für 1904,
auf seiner Reise von Adis-Abeba durch die Provinzen Mätscha, Kollu
und Ginderabat zum blauen Nil und nach dem Sudan zusammen-
brachte. In der Einleitung gibt Verf. eine Liste der Sammelstationen,
die zum Teil auf dem Hochlande zwischen Hauasch und Blauem Nil,
z. T. im Gebiet des Hauasch und der südäthiopischen Seen, in dem
des O:no, an den Sobatquellen und am Weißen Nil liegen. Der
systematische Teil betrifft die Arten der Wasser-, Strand- und Stelz-
vögel, Rallen, Tauben, Hühnervögel, Tag- und Nachtraubvögel,
Papageien, Kukuke, Bartvögel, Spechte, Coliidae und Trogons. Bei
den einzelnen Arten Aufzählung der gesammelten Exemplare, Be-
sprechung der geographischen Variation und Notizen über Vorkommen
und Verbreitung. Hervorzuheben sind die Untersuchungen über die
Formen von Lybius undatus und Numida ptilorhyncha, die als muster-
gültig bezeichnet werden dürfen. Neu: Vinago waalia cinereiceps,
Gelo; Francolinus castaneicollis gofanus, Gofa; Falco biarmicus
abyssinicus, Schoa; Poicephalus flavifrons aurantiiceps, Gelo; Centropus
grilli caeruleiceps, Gandjale See; Barbatula chrysocoma schoana,
Schoa; Dendromus permistus angolensis, Angola; D. p. togoensis,
Togo; Dendropicus guineensis zechi, Togo; Jyngipieus obsoletus
heuglini, Krythraea; "Numida ptilorhyncha omoensis, Omo; N. p.
toruensis, Torı. Häufig gibt Verf. kurze Übersichten der geographischen
Formen weitverbreiteter Arten und macht berichtigende Angaben
ihre Verbreitung betreffend.
Derselbe. Über Crateropus; Journ. f. Orn. LII, p. 548-555.
— Eine kritische, nach modernen Gesichtspunkten durchgeführte
Revision der afrikanischen Arten. Verf. unterscheidet insgesamt
28 Formen, die er zehn Formenkreisen zuweist. Die einzelnen Gruppen
sowie jede Form sind kurz gekennzeichnet, und ihre Verbreitung aus-
einandergesetzt. Neu: C. plebeius emini, Uniamwesi; C. leucocephalus
abyssinicus, Abyssinien; C. platycercus togoensis, Togo. Eine wichtige
Arbeit, da ın ihr zum ersten Male versucht wird, die afrıkanischen
Crateropus-Arten nach ihrer natürlichen Verwandtschaft einzuteilen.
Derselbe. [Über die afrikanischen Rotflügelglanzstare];
Journ. £. Orn. LIl, p. 567—569. — Verf. anerkennt nur fünf Gattungen:
A. Galeopsar. B. Ptilorhinus. ©. Amydrus. D. Poeoptera. E. Stilbopsar.
Die zwei ersten und Poeoptera enthalten nur je eine Art, Stilbopsar
zwei Arten, während das Gros in das Genus Amydrus fällt. Hierin
unterscheidet Verf. acht Formenkreise mit insgesamt 18 Formen.
Die einzelnen Formen sind mit Angabe ihrer Verbreitung aufgezählt.
Bemerkungen über den Namen Pyrrhocheira caffra und über den Fund-
ort des Typus von Onychognathus hartlaubi.
I. €. Oberholser. Description of a new African Weaver Bird;
Eu U. S. Nat. Mus. XXVII, 1904, p. 683. — Neu: Philetairus cabanisi
enchorus, West-Somaliland.
Derselbe. Description of two new Birds from Somaliland;
‚ Gananafluß;
Polihierax semstitorquatus homopterus, Goulf.
u
II. Aves für 1904. 53
E. Gustalet. Catalogue des Oiseaux rapportös par la Mission Chari-
Lac Tschad; Bull. Mus. Paris X, 1904, p. 431—436, 536—542. — Auf-
zählung von 68 sp., aus den Gruppen der K! ettervögel und ihrer Ver-
wandten, ferner Nectariniidae, Timeliidae, Pyenonotidae, Sylviidae und
Museicapidae. Neu: Cinnyris decorsei, nahe C. osea(!). Beachtenswert
sind die Nachweise von Elminia schwebischi (Fort Archambault)
und Poicephalus flavifrons (Krebedje).
A. Reichenow. Die Vögel Afrikas. Dritter Band. Erste Hälfte.
Fünfter Halbband. Neudamm. 1904. p.1—416 (publ. Juli 1904),
mit 4 Tafeln. — Fortsetzung des Werkes: umfaßt den Text der Weber-
vögel, Finken, Motacilliden, Alaudiden und den größten Teil der Pyeno-
notiden. Anordnung und Behandlung des Stoffes wie in den früheren
Teilen. Neu beschrieben sind: Ploceus nigrimentum (nom. nov. für
Hyphantornis reichenowi (non Fisch.) Boc.), Benguella; P. stuhl-
manni var. uhehensis, Uhehe; Estrilda astrıld sousae, S. Thomas u.
Prinzeninsel; Uraeginthus bengalus damarensis, Damaraland; Passer
griseus georgicus, Damaraland; P.g. suahelicus, Deutschostafrika;
Poliospiza tristriata var. benguellensis, Benguella; Spinus citrinelloides
hypostictus, Ostafrika; S. c. frontalis, Victoria Nyansagebiet; Certhi-
lauda semitorquata var. damarensis, Damaraland; C. albofascıata
arenaria, Damaraland; Galerida cristata var. acgyptiaca, Ägypten (!!);
Calandrella cinerea saturatior, Ostafrika und Angola; Criniger
verreauxi ndussumensis, Ndussuma: Phyllastrephus indicator var.
intermedia, Kamerun, Gabun ete.; P. capensis suahelicus, Ostafrika;
Andropadus virens var. grisescens, Oberguinea. Abgebildet sind:
Glaucidium castaneum, Pisorhina balia, Erythropygia hartlaubi,
E. vulpina, Tarsiger orientalis, T. guttifer, Alethe poliothorax, Bradyp-
terus castaneus, Andropadus montanus, Bleda poliocephala und Phylla-
strephus chlorigula.
Derselbe. Neue afrikanische Arten; Orn. Monber. XII, p. 27
—28. — Neu: Anthoscopus sylviella, Usafua: Erythropygia plebeia,
Masindi; Turdinus pumilus, Kamerun; Apalis murina, Rovumagebiet;
Cisticola sylvia, Ulegga; ©. cinnamomina, Uhehe.
Derselbe. Neue Arten aus Ost-Afrıka; Orm. Monber. XII,
p- 95. — Neu: Calamocichla schillingsi, Panganigebiet; Eıythropygia
brunneiceps soror, Kleinaruscha; Turdus nyikae, Nyika-Hochland;
Geocichla gurneyi otomitra, Kondeland.
Derselbe. [Über neue afrikanische Vögel]; Journ. f. Ornith.
LIl. p. 133—134. — Neu: Andropadus insularis somaliensis, Barawa;
Zosterops toroensis, Uvamba; 7. niassae, Songea; Cinnyris inariquensis
ovamboensis, Oebabmd! Bahuedena nom.nov. für Bathmo-
cercus, Cinnyris affinis mechowi nom. nov. für C. a. angolensis Rchw.
(nec Less.).
€. Rothschild. [On some Birds from Egypt and the Soudan];
Bull. B. ©. €. XIV, p. 90—91. — Liste von 8 sp.
T. Salvadori. Nuova species del genere Cryptolopha; Boll. Mus.
Torino XIX, No. 464 (April 1904) p. 1. — Neu: Cryptolopha erythreae,
nahe Ü. umbrovirens, Bogosland.
54 II. Aves für 1904.
Derselbe. On the Melierax metabates of Heuglin; Ibis (8)
IV, p. 248—250. — Über Melierax metabates vom Weißen Nil. Verf.
hält diese Form für nicht verschieden von M. polyzonus, doch muß
der Name aus nomenklatorischen Gründen beibehalten werden und an
Stelle des letztgenannten treten.
Derselbe. Description of a new Species of Dove of the Genus
Haplopelia; Ibis (8) IV p. 367—369. — Neu: Haplopelia forbesi von
unbekanntem Fundorte.
Derselbe. [On the differences between Ammomanes assa-
bensis and A. samharensis]; Ibis (8) IV, p. 473—474.
R. B. Sharpe. [On three new African Birds]; Bull. B. O. C. XIV,
p. 93—94. — Neu: Haplopelia seimundi, Fernando Po; H. jacksoni,
Ruwenzori; Euprinodes leucogaster, Fernando Po.
Derselbe. Ona Collection of Birds from the Distriet of Deel-
fontein in Cape Colony. Part I; Ibis (8) IV, p. 1-29; Part II; 1.c.
p. 313—367, tab.VII. — Delfontein liegt im Zentrum der Kapkolonie
in der Nähe von De Aar. Die beiden vorliegenden Teile beschäftigen
sich mit den Hühnervögeln, Tauben, Wasser-, Strand- und Stelz-
vögeln, Tag- und Nachtraubvögeln, Strisores, Klettervögeln und
den Passeres. Im ganzen 123 sp. Bei den einzelnen Arten Aufzählung
der gesammelten Exemplare, ausführliche Angaben über Mauser, und
aus der Feder der Sammler Notizen über Vorkommen und Lebensweise.
Neu: Eremomela damarensis, Damaraland; Fringillaria media, Deel-
fontein; Alaemon bradshawi, Orange River; A. damarensis, Damara-
land; A. benguellensis, Benguela.. Über einige Arten und deren Ver-
treter in anderen Teilen Afrikas gibt Verf. ausführliche Auseinander-
setzungen, so über die Verbreitung und Unterschiede der mit Alaemon
subeoronata und A.semitorquata verwandten Formen, von Antho-
scopus minutus und A. smithi ete. Eingehende Mitteilungen über die
Mauser und Kleider von Saxicola monticola und S. aequatorialis.
Pentheres afer hält Verf. für verschieden von P. cinerascens. Abge-
bildet sind Anthoscopus minutus und A. smithi.
Derselbe. On further Collections of Birds from the Efulen
District of Cameroon, West Africa. Part]; Ibis (8) IV, p. 88—106,
tab. II. — In der Einleitung gibt der Sammler, G. L. Bates, einige kurze
Notizen über die Lebensweise und Nahrung einer Anzahl von Arten,
im speziellen Teile sind 48 sp. aus den Familien der Hühnerartigen,
Tauben, Rallen, Strandvögel, Stelz- sowie Nacht- und Tagraubvögel
aufgeführt. Bei den einzelnen Arten sind kurze Mitteilungen über die
gesammelten Exemplare, Variation ete. gegeben. Neu: Haplopelia
plumbescens. Abgebildet ist Pisorhina holerythra. Das Alterskleid von
Lophotriorchis lucani beschrieben.
Derselbe. On further Collections of Birds from the Efulen
District of Cameroon, West Africa. Part IT; 1. e. p. 591—638, tab. XII.
— Auf die Schilderung der landschaftlichen Verhältnisse des Distrikts
folgt die Aufzählung der gesammelten Vögel, die 127 sp. umfasst:
Columbidae, Rapaces, Picariae und Passeres. Anordnung und Behand-
lung des Stoffes wie im vorigen Artikel. Neu: Dryotriorchis batesı,
If. Aves für 1904. 55
Kamerun; Ortholophus finschi, Liberia; Centropus efulenensis, Efulen;
Trochocereus reichenowi, Fanti; Eurillas efulenensis, Efulen; Pyeno-
notus viridescentior, River Ja. Pıtta reichenowi wurde am River Ja
erbeutet. Abgebildet: Scoptelus brunneiceps.
W.L. Selater. Saldanha Bay and its Bird-Islands; Ibis (8) IV,
p. 79—88. — Schilderung eines Ausflugs nach der Saldanha Bai und
den nahen Inseln, und des Vogellebens daselbst. Am Schlusse Zusammen-
stellung der Ausfuhr an Guano und Pinguineiern im Jahre 1902.
6. E. Shelley. [On a new Lark from the Sudan]; Bull. B. 0. C.
XIV, p. 82—83. — Neu: Calendula dunni.
6. €. Shortridge. On a Collection of Birds from the Neighbourhood
of Port St. Johns, in Pondoland. With a Preface and Notes by W.
L. Selater; Ibis (8) IV, p. 175—208. — Pondoland ist der östlichste
Distrikt der Kapkolonie und grenzt an Natal. Durch die vorliegende
Sammlung sind sieben Arten zum erstenmale für die Kolonie festgestellt.
198 sp. sind aufgeführt mit Notizen über die Färbung der unbefiederten
Körperteile, über Häufigkeit, Art des Vorkommens (ständig oder
Zugvogel) und Aufenthalt.
€. A. Sykes. [Bird-Life on the Upper Nile]; Ibis (8) IV, p. 166
—168. — Ormithologische Beobachtungen vom oberen Nil-Tale, be-
sonders über das Betragen von Macrodipteryx longipennis.
6. Vallon. Catalogo ragionato delle specie di uccelli raccoltı dal
prof. Achille Tellini nella Colonia Eritrea dall’ ottobre 1902 al marzo 1903;
Attı R. Istit. Veneto di Seı., Lett. ed Arti LXIII. Parte seconda, 1903
— 1904, p. 105—152. — Aufzählung von 147 sp. mit Angabe des Fund-
ortes und Datums der einzelnen Exemplare. Aufzeichnungen über die
Färbung der unbefiederten Körperteile.
S. A. White. The Birds of Zanzibar (East Africa); The Emu II.
3. (Jan. 1904). p. 192—194.
Derselbe. Birds of the Lamu Archipelago (East Africa);
The Emu III. 4. (April 1904) p. 238—241.
Madagassisches Gebiet.
B. €. Thomasset. Some Common Birds of the Seychelles; Avic.
Mag. (N. S.) III. p. 73—75.
Indisch-orientalisches Gebiet.
E. €. Stuart-Baker. Occurrence of the Dwarf Goose (Anser ery-
thropus) in Assam; Journ. Bombay N.H. Soc. XV. Part III (Febr.
1904) p. 524.
Derselbe. The occurrence of rare Birds in India; Journ. Bom
bay N. H. Soc. XV, Part. IV (June 1904) p. 718.
R. M. Betham. Notes on Birds’ Nesting from Poona; Journ. Bom-
bay N. H. Soc. XV, Part IV (Juni 1904) p. 709—712.
W.T. Blanford. [Notes on Anthus maculatus]; Ibis (8) IV p. 662
> — Nicht Oates, sondern Jerdon beschrieb die Art zum ersten
Tale.
2 ST
Fon. .
56 II. Aves für 1904. 4
H. N. Coltart. The occurrence of the Malay Fish-Owl (Ketupa ja-
vanensis) in Assam; Journ. Bombay N. H. Soc. XV, Part IV (June
1904) p. 719.
G. de Coutouly. Observation ornithologique; Ornis XII, No. 4
(Oct. 1904) p. 563—564. — Berichtet über die Erlegung eines in
Württemberg markierten Storches (Ciconia ciconia) in Rajputana.
3. Crerar. Occurrence of the Whooper Swan (Cygnus musicus) in
Sind; Journ. Bombay N. H. Soc. XV, Part IV (June 1904) p. 716.
6. Dalgliesh. Notes on the Indian Anatidae; Zool. (4)VIII, p. 447
—451. — Notizen über Vorkommen, Lebensweise etc. indischer Enten.
H. S. Fergusson. The Birds of Trovancore. With Notes on their
Nidification by T. F. Bourdillon; Journ. Bombay N.H. Soc. XV,
Part III (Febr. 1904), p. 455—474, with 1 plate; 1.c. Part IV (June
1904) p. 654—673. — Fortsetzung der Arbeit, behandelt die Sittidae,
Dicruridae, Sylvidae, Laniidae, Oriolidae, Eulabetidae, Sturnidae,
Muscicapidae, Turdidae, Ploceidae, Fringillidae, Hirundinidae, Mota-
cillidae, Alaudidae, Nectariniidae, Dicaeidae, Pittidae, Klettervögel,
Papageien, Macrochires, Nacht- und Tagraubvögel. Bei den einzelnen
Arten Notizen über Vorkommen und bisweilen auch über das Brut-
geschäft. Trochalopterum meridionale und Rhopocichla bourdilloni
sind abgebildet.
®. Finsch und M. Bartels. Über eine neue Finkenart von Java;
Journ. f. Ornith. LII p. 122—125, tab. A. — Beschreibung und Ab-
bildung beider Geschlechter von Crithagra estherae Finschh Am
Schlusse gibt Bartels einige Mitteilungen über ihre Lebensweise.
€. E. €. Fischer. The Crested Hawk-Eagle (Spizaetus cirrhatus);
Journ. Bomb. N. H. Soc.XV, Part IV (June 1904), p. 716— 717. — Vor-
kommen bei Chatrapur.
R. Foulkes. The Indian Edible-Nest Swiftlet (Collocalia fucıi-
phaga) in the Pulney Hills; Journ. Bombay N. H. Soc. XV, Part IV
(June 1904) p. 727.
W.R. Ogilvie Grant. [On two new Birds from the Oriental region];
Bull. B. ©. C. XIV, p. 91—92. — Neu: Pterythius ricketti, von Süd-
china, und Trochalopterum ramsayı, von Karennee.
H. U. Harrington. The Nesting of Lanius collurioides and Artamus
fuscus in Upper Burma; Journ. Bombay N. H. Soc. XV, Part III
(Febr. 1904) p. 519.
E. Hartert. [On new Birds from the Philippines]; Bull. B. O. C.
XIV, p. 74, 79—80. — Neu: Pseudotharraleus unicolor, Dicaeum apo,
D. bonga, Stoparola panayensis nigriloris.
Derselbe. [On anew Species of Dicaeum from the Philippines];
Bull. B. ©. €. XV, p. 8. — Neu: Dicaeum nigrilore vom Berge Apo,
südl. Mindanao.
D. &. Hatehwell. Occurrence of the Ceylon White-eye (Zosterops
ceylonensis) in the Nilgherries; Journ. Bombay N.H. Soc. XV, Part IV
(Juni 1904) p. 726.
R. H, Heath, Notes on the Nidification of the Indian Black-
.
j Be na.
j II. Aves für 1904. 597
breasted Rain-quail (Coturnix coromandelica); Journ. Bombay N. H.
Soc. XV, Part III (Febr. 1904) p. 518—519.
R. Humphrys. A Ramble in Ceylon; Avic. Mag. (n. s.) II p. 124
— 128. — Omithologische Notizen aus Ceylon.
Rao Khengarji. The Flamingo (Phoenicopterus roseus) breeding
on the Rann of Cutch; Journ. Bombay N.H. Soc. XV, Pt. IV (Juni
1904) p. 706—707, with one plate.
3. €. Kershaw. List of the Birds of the Quangtung Coast, China;
Ibis (8) IV p. 235—248. — Beobachtungen aus der Gegend von Hongkong
und Macao. Liste von 168 sp. mit Notizen über Häufigkeit und Vor-
kommen.
A. Le Messurier. Game, Shore, and Water Birds of India. With
additional references to their allied species in other Parts of the World.
Fourth edition. London 1904. 8°. pg. XVI + 323, with 180 natural
size illustrations from actual speeimens. — Ein Handbuch für die
jagdbaren Wasser- und Strandvögel Indiens und ihre Verwandten
in anderen Teilen der Erde. Im ersten Teile (p. 1—44) gibt Verf. einen
gedrängten Überblick über geographische Verbreitung, Morphologie
und andere allgemeine Fragen. Familien, Gattungen und Arten
sind gekennzeichnet nebst kurzen Verbreitungsangaben.
F. Lewis. Nidification of Gallinago stenura; Spolia Zeylanica.
Issued by the Colombo Museum. Vol. I, pt. 3, 1903, p. 61—65.
K. €. Macdonald. Occurrence of the White-throated Rock-Trush
(Petrophila gularis) in Burma; Journ. Bombay N.H. Soc. XV, Part IV
(Juni 1904) p. 727.
3. von Madaräsz. Über neue Formen von Haleyon smyrnensis
und Alcedo ispida; Ann. Mus. Hung. II. p. 85—86. — Neu: Haleyon
generosa, Ceylon; H. perpulchra, Singapore; Alcedo margelanica,
Ferghana.
Derselbe. Die Ceylon-Krähe; Orn. Monber. XII p. 195—196.
— Neu: Corvus protegatus, nahe C. splendens.
R. Me Gregor. Birds from Benguet Province, Luzon, and from
the Islands of Lubang, Mindoro, Cuyo, and Cagayancillo; Bull. Philipp.
Mus. No. 3 (Jan. 1904) p. 1—16. — Allgemeine Bemerkungen über die
zoogeographische Zugehörigkeit der besuchten Inseln gehen dem
speziellen Teile voraus. Dann folgen Beschreibungen bisher unbekannter
Kleider von einigen Arten, wobei Pericrocotus novus (ex Ramsay
nom. nud.) aus Benguet beschrieben ist. Am Schlusse Zusammenstellung
neuer Fundorte für eine große Anzahl von Arten.
Derselbe. The Birds of Calayan and Fuga, Babuyan Group;
Bull. Philipp. Mus. No. 4 (May 1904) p. 1—34. tab. I—V. — Behandelt
eine Vogelsammlung von über 1000 Stück von den Inseln Fuga und
Calayan, im Norden von Luzon. Mehrere Arten von anderen Inseln
sind gleichfalls kurz besprochen. 14 sp. sind neu für die Philippinen,
3 sp. für Luzon. Der Aufzählung der gesammelten Arten geht die
Erörterung der zoogeographischen Beziehungen der beiden Inseln
voraus. Neu beschrieben: Turnix worcesteri, Luzon; Macropygia
phaca, Calayan; Otus euyensis, Cuyo; O. calayensis, Calayan; Eudy-
58 II. Aves für 1904.
namis frater, Calayan; Zosterops flavissima, Cagayancillo; Hyloterpe
fallax, Calayan.
Derselbe. Zosterops flavissima Me Gregor, preoccupied;
Proc. Biol. Soc. Wash. XVII (1904) p. 165. — Zosterops richmondi
nom. nov. für Z. flavissima Me Gregor nec Hartert.
EB. W. @ates. On some new Species of Silver-Pheasants from
Burma; Ann. Mag. Nat. Hist. (7) XIV, 1904, p. 283—287. — Neu
beschrieben sind: Gennaeus obscurus, Katha Distrikt; G. clıffordi,
Myitkyina Distrikt, östlich vom Irrawaddi; G. assimilis (nach einem Q!),
von den Ruby Mines.
W. Osborn. The Himalayan Nuteracker (Nucifraga hemispila)
and other Walnut-eating Birds; Journ. Bombay N. H. Soc. XV, Part IV
(Juni 1904) p. 712—715.
Derselbe. The Black und Yellow Grosbeak (Hesperiphona
icterioides); Journ. Bombay N. H. Soc. XV, Part IV (Juni 1904) p. 716.
B. B. Osmaston. Notes on the Breeding of certain Birds near
Darjeeling; Journ. Bombay N. H. Soc. XV, Part III (Febr. 1904)
p. 510—515. — Beschreibung der Eier von 15 Vogelarten.
€. Rippen. [On new Birds from the Chin Hills, Burma]; Bull.
B. O0. C. XIV p.83—84. — Neu: Aethopyga vietoriae, Urocichla
oatesi, Trochalopterum holerythrops, Aegithaliscus sharpei, Stachyris
binghami und Sitta victoriae.
H. €. Robinson. [On a new Tree-Partridge from the Malay Pen-
insula]; Bull. B. ©. €. XV p. 283—29. — Neu: Arboricola campbelli,
nahe A. atrogularıs, vom Telöm Tale.
W. Rothschild. [Prioniturus waterstradti n. sp.]; Bull. B. O. C.
XIV p. 71—72. — Die neue Art stammt vom Berge Apo, Mindanao.
H. Stevens. Occurrence of Horeites brunneifrons; Journ. Bombay
N. H. Soe. XV, Part III (Febr. 1904) p. 530. — Vorkommen in Ober-
Assam.
S. L. Whymper. Birds’ Nesting in Garwhal; Journ. Bombay N. H.
Soc. XV, Part III (Febr. 1904) p. 520—522. — Notizen über 10 Arten.
N. F. Wilson. The Oceanic, or Andaman Teal (Nettium albigulare);
Journ. Bombay N. H. Soc. XV, Part III (Febr. 1904) p. 525—526.
Australisches Gebiet.
€. A. Barnard. Coomooboolaroo (Q.) Notes; Emu IV, 2. (Oct. 1904)
p. 67—68.
F. L. Berney. North Queensland Notes on Some Migratory Birds
(March, 1902— July, 1904); The Emu IV, Part 2. (Oct. 1904) p. 4347.
— Zugsbeobachtungen aus Nordqueensland.
W. A. Bryan. Wilson Snipe, Gallinago delicata (Ord) in the
Hawaiian Islands; Condor VI p. 78.
A. 3. Campbell. Remarks on certain Melithrepti; The Emu IV,
2. (Oct. 1904) p. 70—71. — Neu: Melithreptus carpentariana aus Nord-
Queensland, verwandt mit M. laetior.
II. Aves für 1904. 59
T. Carter. Birds oceurring in the Region of the North-West Cape.
Part III; The Emu III, Part 3 (Jan. 1904) p. 171—177; Part IV; l.c.
Part 4 (April 1904) p. 207—213. — Schluß der Arbeit (siehe Bericht
1903 p. 256), die Aufzählung der Papageien, Tauben, Hühnervögel,
Großfußhühner, Wasser-, Strand- und Stelzvögel umfassend. Wie
im ersten Teile der Abhandlung bei den einzelnen Arten kurze Notizen
über Vorkommen, Häufigkeit und Fortpflanzung.
E. Degen. Remarks on new Species of Australian Magpies, G.
longirostris, Millisan, and G. dorsalis Campbell, with reflections on
the Revision of the Genus Gymnorhinae, Hall; The Emu Ill, 4. (Apr.
1904) p. 201—207. — Bemerkungen über die individuelle Variation
der Schnabelgröße und Färbung bei den einzelnen Formen. Für G.
longirostris wird der neue Name G. albiceruralis ganz unnötigerweise
eingeführt.
3. A. Fleteher. Bird Notes from Wilmot, Tasmanıa; The Emu IV,
Part 1. (July 1904) p. 14—17.
W. K. Fisher. On the Habits of the Laysan Albatross; Auk XXI
p- 8-20 tab. II—VII. — Eingehende Schilderung der Lebensweise
von Diomedea immutabilis. Auf den Tafeln prächtige photographische
Aufnahmen.
Derselbe. The Home Life of a Buccaneer; Condor VI p. 57
—61. — Biologische Beobachtungen an Fregata aquila auf der Insel
Laysan. Mit mehreren Textbildern.
3. B. €. Ford. Survey Camp Notes, 1903; The Emu IV, 2. (Oct.
1904) p. 71—73.
W. W. Froggatt. The Willie Wagtail; Agrie. Gaz. N. S. Wales
XV, 1904, p. 20—23, with plate. — Rhipidura motacilloides.
R. Hall. Description of 3 new Subspecies of Mirafra; The Emu II],
Part 4. (April 1904) p. 231—232. — Mirafra horsfieldi pallida n. subsp.
aus N. W. Australien.
Derselbe. The Birds of a Garden in Melbourne; Ibis (8) IV
p. 218—222. — Schildert die in den Gärten von Melbourne häufiger
vorkommenden Vogelarten.
E. Hartert. [On a new Zosterops from the Solomon Islands];
Bull. B. ©. ©. XIV p. 61. — Neu: Zosterops luteirostris, nahe Z. hypo-
xantha, von der Gizo Insel.
Derselbe. The Birds of the South-west Islands Wetter, Roma,
Kisser, Letti and Moa; Nov. Zool. XI, March 1904, p. 174—221. —
Verf. gibt zunächst einen kurzen, geschichtlichen Überblick über die
zoologische Erschließung der Inselgruppe, und eine kurze Charakte-
ristik der physikalischen Verhältnisse der fünf Inseln. Von Wetter
kennen wir nunmehr 84 sp., von Letti 57, von Roma 60, von Moa 58 sp.,
und ebenso vermochte der Sammler, Kühn, auf Kisser einige bisher
von dort nicht bekannte Arten festzustellen. Im Ganzen sind in vor-
liegender Arbeit 140 sp. behandelt. Bei den einzelnen Arten Auf-
zählung der gesammelten Exemplare und kritische Bemerkungen
über Verbreitung und Beziehung zu verwandten Formen. Neu be-
beschrieben: Ptilinopus eincta ottonis, Dammer (mit einer Übersicht
60 Il. Aves für 1904.
in Schlüsselform für die Formengruppe); P. xanthogaster roseipileum,
Roma; Pisorhina manadensis tempestatis, Wetter; Haleyon austra-
lasia interposita, Moa (mit Übersicht der verwandten Formen); Haleyon
enigma, Talaut (Revisionder Formen von HH. chloris); Cyornishyacinthina
kühni, Wetter; Gerygone kisserensis sequens, Roma; Rhipidura
rufiventris pallidiceps, Wetter; Pachycephala par, Roma; P. par
compar, Letti; Cinnyris solaris exquisita, Wetter; Oriolus flavocinetus
migrator, Letti; O. finschi, Wetter; Calornis kuehni, Roma.
H. E. Hill. Notes from Guildford, W. A.; The Emu III. Part. 4.
(April 1904) p. 226—229. — Notizen über Vorkommen und Häufigkeit
einer Anzahl von Vogelarten.
6. A. Keartland. Ornithological Notes. — The Grass-Wrens;
Viet. Natur. XX, No. 10 (Febr. 1904) p. 133—139. — Verf. unter-
scheidet A. textilis, A. striatus, A. modesta, A. goyderi, A. housei,
A. gigantura und A. macrourus, glaubt jedoch, daß die letztgenannte
mit A. textilis zusammenfallen dürfte. Bei den einzelnen Arten Kenn-
zeichnung derVögel, und Eier, wenn bekannt, ferner biologische Notizen.
3. F. Kilgour. A Trip to the Ord River (N.-W.-A.); The Emu
IV, Part 2 (Oct. 1904) p. 37—43. — Reisebericht mit eingestreuten
ornithologischen Beobachtungen.
W.V. Legge. Some Rectifications in Tasmanıan Ornis; The Emu
III. 3. (Jan. 1904) p. 179—181. — Bemerkungen über die Kenn-
zeichen von Acanthiza ewingi; über Acanthiza magnirostris, Micropus
pacificus und Climacteris scandens.
D. Le Souef. Extinct Tasmanıan Emu; The Emu III, Part 4.
(April 1904) p. 229—231. — Daten über den ausgestorbenen Emu
von Tasmanien.
F. M. Little. From a Tasmanıan Notebook; The Emu III, 4.
(April 1904) p. 213—217. — Biologisches und Notizen über Vorkommen,
Häufigkeit ete.
Derselbe. Tasmania: ornithologically considered; Zool. (4)
VIII p. 321—338. — Verf. schildert die Vogelwelt Tasmaniens und
ihre Beziehungen zu der des australischen Continents. Am Schlusse
Liste aller für die Insel nachgewiesenen Arten.
3. D. Maclaine. Clarke Island (Bass Strait) Notes; The Emu II.
3. (Jan. 1904) p. 191—192.
Derselbe.. Clarke Island (Bass Strait) Notes; The Emu IV,
Part 1. (July 1904) p. 21—22.
Derselbe. The Birds of Wongan Hills, W.A.; Emu IV, Part 2.
(Oct. 1904) p. 69— 10.
3. R. Mc Clymont. Notes on a few Birds, chiefly migratory and
nomadic, observed in the Vicinity of Hobart; Zool. (4) VIII p. 307
—310. — Ornithologisches aus Tasmania.
A. F. W. Me Haffie. [On birds observed at Mt. Buffalo]; Viet.
Natur. XX, No. 11 (March 1904) p. 148—150.
A. B. Meyer. Vögel von Südost-Celebes; Not. Leyden Mus. XXIV
(July 1904) p. 232—235. — Aufzählung von 13 sp., wovon Zosterops
consobrinorum als neu beschrieben ist.
II. Aves für 1904. 61
A. W. Milligan. Observations on the Western Gymnorhinae;
The Emu III. Part 3. (Jan. 1904) p. 177—179, tab. X. — Weitere
Bemerkungen über Gymnorhina dorsalis. Abbildungen von 9 imm.,
Q ad., I ad.
Derselbe. Notes on a Trip to the Wongan Hills, Western
Australia, with a Description of a new Ptilotis. Part I; The Emu III,
Part 4. (April 1904) p. 217—226. — Reisebericht und Aufzeichnungen
über die beobachteten Vogelarten. Ptilotis novae-norciae ist als neu
beschrieben.
Derselbe. Notes on some Western Australian and allied
Species; The Emu IV, Pt. 2 (Oct. 1904) p. 48—52. — Unterschiede
von Pachycephala occidentalis und P. gutturalis, sowie zwischen
Ptilotis carteri und P. lailavalensis. Bemerkungen über Rhipidura
preissi und. R. albiscapa, Petroeca goodenovi und P. ramsayi; Acantho-
chaera mellivora und A. lunulata; Malurus leucopterus und M. leuco-
notus.
Derselbe. Notes on a Trip to the Wongan Hills, Western
Australia. Part II; The Emu IV, Part 1. (July 1904) p. 2—11. — Verf.
bespricht das Brutgeschäft einiger Arten, die Verbreitung der be-
obachteten charakteristischen Vertreter und schließt mit der Auf-
zählung der gesammelten Vögel.
Derselbe. Description of a new Kestrel from Western
Australia; 1. c. p. 1—2. — Neu: Cerchneis unicolor, vom nordwestlichen
Distrikt des Staates.
M. 3. Niecoll. Ornithological Journal of a Voyage round the World
in the „Valhalla““ (Nov. 1902 to Aug. 1903); Ibis (8) IV, p. 32—67.
tab. I. — Auf p. 52—65 bespricht Verf. die auf Pitcairn, Tahiti, Upolu,
Savu und der Thursday-Insel erbeuteten Vögel. Tatare vaughanı ist
beschrieben und abgebildet (ad. et juv.).
A. 3. North. Nests and Eggs of Birds found breeding in Australia
and Tasmania. Austr. Museum Sydney, Special Catalogue, No. I.
Part IV (July 1904) p. 203—366, tab. A 5—8, B5—7. — Schluß des
ersten Bandes. Behandelt den Rest der Muscicapidae, ferner die
Sylvudae, Turdidae und Timeliidae. Anordnung und Behandlung des
Stoffes wie in den vorhergehenden Teilen (siehe Bericht 1903, p. 261).
Neu beschrieben sind: Acanthiza albiventris, New South Wales (p. 276)
und Calamanthus diemenensis, Tasmania (p.354). Nester und Eier der
behandelten Arten sind z. T. auf den beigegebenen Tafeln abgebildet.
Derselbe. The Superb Warbler of South-eastern Australia;
Ibis (8) IV, p. 672. — Verf. schlägt den Namen Malurus australis für
die in S. ©. Australien heimische Art vor, da nach seinen Ausführungen
M. superbus Shaw synonym ist mit M. cyaneus von Tasmanien.
Derselbe. Description of the Nest of the Guttated Bower-
Bird, Chlamydodera guttata, Gould; Rec. Austr. Mus. V, No. 1 (Jan.
1904) p. 131—132, tab. XVI.
Derselbe. Description of a new species of Pachycephala;
Rec. Austr. Mus. V, No. 2 (Jan. 1904) p. 125—126. — P. howensis von
62 II. Aves für 1904.
Lord Howe Insel. Ferner ist P. meridionalis aus Süd-Australien und
West-Victoria provisorisch abgetrennt.
Derselbe. Description of a new Species of Poephila; Rec. Austr.
Mus. V, No. 4 (June 1904), p. 263—264. — Neu: Poephila neglecta,
Queensland. P.nigrotecta Hart. wird auf P. atropygialis Casteln.
& Rams. zurückgeführt.
Derselbe. On Heterochrosis in Australian Psittaci; 1. c. p. 265
— 268. — Verf. bespricht mehrere Fälle von Xanthochroismus und
Albinismus bei diversen australischen Papageien.
Derselbe. Description of the Eggs of the White-quilled Rock-
Pigeon, Petrophassa albipennis, Gould; 1. c. p. 269.
Derselbe. On the Bower of the Bastern Bower Bird, Chlamy-
dodera orientalis, Gould; 1.c. p. 270, tab. XXXIL.
Derselbe. Ornithological Notes; 1. c. No. 5 (Dec. 1904), p. 337
— 338. — Notizen über Vögel von Australien und der Lord Howe Insel.
W. Rothschild. [On new Species and Subspecies of Cassowary];
Bull. B. O. €. XIV p. 38—40. — Neu: Casuarıus uniappendiculatus
mitratus, C. u. suffusus, C. casuarıus chimaera, C. dosgetti, C. jam-
rachi und C. hagenbecki.
Derselbe. [On a new gigantic Species of Centropus from the
Solomon Islands]; Bull. B. ©. ©. XIV, p..59. — Neu: Centropus albi-
diventris, von Gizo, bei Kulambangra.
Derselbe. [Microgoura meeki nov. gen. et spec.]; Bull. B. O0. C.
XIV, p. 77—18.
Derselbe. [On two new Kingfishers from the Australian Region];
Bull. B. ©. C. XV, p. 5—7. — Neu: Haleyon bougainvillei, Bougain-
ville, Solomons Archipel; H. owstoni, Asuncion, "nördl. Mariannen.
Derselbe. [Remarks on a second specimen of Paryphephorus
duivenbodei, and on Charmosyna atrata]; 1. c. p.
Derselbe. [On a new Pitta]; Bull. B. 0. C. XV, p- 7—8. — Neu:
Pitta anerythra pallida, Bougainville.
Derselbe. [On a new Raven from the Solomon Islands];
Bull. B. ©. C. XV, p. 21. — Neu: Corvus meeki, von Bougainville.
T. Salvadori. [Note on Eafa maculata]; Ibis (8) IV, p. 473. — Verf.
ıst der Ansicht, daß diese Form in die Familie Dicaeidae gehöre.
P. Schnee. Die Landfauna der Marschallinseln nebst einigen Be-
merkungen zur Fauna der Insel Nauru; Zool. Jahrb., Abt. Syst., Geo-
graph. u. Biol. XX, Heft 4 (Juni 1904) p. 387”—412. — Auf p. 389
—390 gibt Verf. eine Namenliste der auf der Inselgruppe bisher fest-
gestellten Vogelarten. Früher soll Tatare rehsil.auf Jaluit gelebt haben.
P. L. Sclater. [Remarks on some rare Australian Birds]; Bull.
B. ©. C. XV, p. 8—10. — Vorzeigung von Il Arten. Im Anschlusse
daran gibt Hartert einige kritische Bemerkungen über 8 sp. Pachy-
cephala howensis identisch mit P. contempta.
Derselbe. Ona rare Passerine Bird from New Guinea; Ibis
(8) 1V, p. 373—375, tab. IX. — Beschreibung und Abbildung beider
Geschlechter von Eulacestoma nigropectus Vis.
nn ne ee
II. Aves für 1904. 63
D. Seth-Smith. [Remarks on Munia flaviprymna]; Bull. B. ©. €.
XV, p. 22—23. — Als Heimat der Art wird Nordwest Australien fest-
gestellt.
3. H. Smedley. Finches in Northern Queensland; Emu IV, Part 2.
(Oet. 1904) p. 68—69. — Notizen über 11 Species.
R. A. Vivian. Some Bird-life in British Papua; Emu IV, 2 (Oct.
1904), p. 52—57.
Neuseeländisches Gebiet.
W. L. Buller. On a new Species of Owl from New Zealand; Ibis
(8) IV p. 639. — Neu: Sceloglaux rufifacies, angeblich vom Wairarapa-
Distriet, Süd-Insel Neu-Seelands.
“ Derselbe. [On the Foster-parents of Urodynamis taitensis];
Ibis (8) IV, p. 661—662.
R. Fulton. The Kohoperoa or Koekoea, Long-tailed Cuckoo (Uro-
dynamis taitensis): an account of its Habits, Description of a Nest
containing its (supposed) Egg, and a Suggestion as to how the Parasitic
Habit in Birds has become established; Trans. New Zeal. Inst. XXXVI
(Aug. 1904) p. 113—148. — Eine erschöpfende Darstellung der Lebens-
weise und des Brutparasitismus von Urodynamis teitensis. Liste der
(16) bisher als Pflegeeltern bekannten Vogelarten, alles Passeres.
W.R. Ogilvie Grant. [Occurrence of Xema sabinei near Christ-
church]; Bull. B. ©. C. XIV p. 69.
Derselbe. [On the Species of Xenicus]; Bull. B. ©. C. XV
p. 15—16. — Verf. weist nach, daß X.stokesi, von den Rimataka-
Bergen im Wellington-Distrikt, Nord-Insel von Neu-Seeland, spezifisch
verschieden ist von X. longipes, der auf der Südinsel lebt. Bemerkungen
über Alters- und Jugendkleider von X.longipes und X. gilviventris.
F. W. Hutton. Index Faunae Novae Zealandiae. London 1904.
8°. pg. VIII + 372. — In der Einleitung historischer Überblick der
zoologischen Erforschung von Neu-Seeland, und Betrachtungen über
Zusammensetzung und Abstammung seiner Tierwelt. Auf p. 27—39
ist eine Liste aller für die Region festgestellten Vögel gegeben.
Derselbe. On the oceurrence of the Curlew Sandpiper (Ancylo-
chilus sub-arquatus) in New Zealand; Trans. New Zeal. Inst. XXXVI
(Aug. 1904) p. 155—156.
F. W. Hutton and 3. Drammeond. The Animals of New Zealand.
An Account of the Colony’s Air-Breathing Vertebrates. Revised and
enlarged edition. London, Melbourne, Christchurch ete. 1905 (publ.
1904!). 8°. pg. 375. — Ein Handbuch für die luftatmenden Wirbeltiere
Neu-Seelands. Auf p. 54-337 ist die Vogelfauna der Inselgruppe
dargestellt. Die einzelnen Arten sind kurz gekennzeichnet (meist Ab-
bildungen der Vögel und ihrer Nester im Texte), daran schließen sich
nicht zu ausführliche, aber alles Wesentliche enthaltende Angaben
über Verbreitung, Vorkommen, Zu- und Abnahme, Lebensweise,
Brutgeschäft ete. Bei jeder Gattung Bestimmungsschlüssel für die
64 il. Aves für 1904.
Arten. Am Schlusse folgen ein Kapitel, das allgemeine Betrachtungen
über die Avifauna enthält, und ein Artikel von Potts über Stimme
und Gesang der neuseeländischen Vogelarten.
Nord- und Mittelamerika.
€. €. Adams. The Migration Route of Kirtland’s Warbler; Bull.
Michigan Orn. Cl. V, March 1904, p. 14—21. — Verf. betrachtet die
Frühlingszugdaten von Dendroica kirtlandi und unterzieht Zug-
richtung und Brutgebiet dieser Art einem Vergleich mit denen von
Protonotaria citrea. Der Schlußteil der Arbeit enthält wenig positives
Material, aber desto mehr Spekulationen.
F. H. Allen. The Great Gray Owl near Boston; Auk XXI, p. 278.
— Scotiaptex nebulosa.
G M. Allen. The Birds of New Hampshire; Proc. Manchester
Institute of Arts & Sciences, vol. IV, Part Il, 1902 (1903), p. 23—222
[publ. etwa Juni 1904). — Eine Übersicht der für das Gebiet nach-
gewiesenen Arten, z. T. nach historischen Daten, z. T. nach des Verf.’s
und seiner Freunde Beobachtungen. Verf. gibt zunächst einen Über-
blick der Literatur, die mit J. Beiknan’s Liste ( (1792), 130 sp. enthaltend,
beginnt. Eine vollständige Bibliographie ist auf D. 184204 gegeben.
Die Erörterung der faunistischen Regionen von New Hampshire um-
faßt achtzehn Seiten (p. 36—53) und zerfällt 1. in die Schilderung der
topographischen Verhältnisse, und 2. in die Darstellung der „!ife-zones“
(1) Die „upper austral‘“, (2) die Übergangs-, (3) die Canadische, (4) die
Hudsonische, (5) die „arctic- alpine“ Zone. Auf p. 54-61 bespricht
Verf. die Zugverhältnisse, besonders das Erscheinen des Roten und
des Weißbindenkreuzschnabels. Auf p. 62—186 folgt die Liste der
(283) nachgewiesenen Vogelarten mit Notizen über Art des Vorkommens,
Verbreitung im Staate, Zugzeiten etc. Bei seltenen Arten genaue
Nachweise der einzelnen Fälle ihres Vorkommens.
3. A. Allen. Black-capped Petrel in New Hampshire; Auk XXI,
p. 383, tab. XXII. — Ein Exemplar von Aestrelata haesitata wurde
am 30. August 1893 bei Pittsfield gefangen. Es ıst auf der beigegebenen
Tafel abgebildet. Aufzählung der bisherigen (10) Nachweise der Art
für Nordamerika.
A. Allison. The Birds of West Baton Rouge Parish, Louisiana;
Auk XXI, p. 472—484. — Das Beobachtungsgebiet liegt am rechten
Ufer des Mississippi etwa 80 Meilen nordwestlich von New Orleans.
Verf. schildert kurz die topographischen und floristischen Verhältnisse.
In der systematischen Liste sind 130 sp. aufgezählt mit kurzen Notizen
über Vorkommen, Häufigkeit etc.
E. Arnold. Another Nest of Kirtland’s Warbler; Auk XXI, p. 487
—488. — Verf. fand am 15. Juni 1904 in Oscoda County, N. Michigan,
ein Nest mit vier Eiern von Dendroica kirtlandi. Nest, Eier und Ge-
sang kurz beschrieben.
3. F. Arnow. Holboell’s Grebe and the White Pelican at St. Marys,
Georgia; Auk XXI, p. 277.
H. Aves für 1904. 65
Derselbe. Capture of Krider’s Hawk at St. Marys, Georgia;
Auk XXI, p. 277—278. — Buteo borealis krideri.
R. N. Baldwin. A Chewink in Winter at Aukland, Mass.; Auk XXJ,
p. 282. — Pipilo erythrophthalmus.
F. M. Bailey. Additional Notes on the Birds of the Upper Pecos;
Auk XXI, p. 349—363. — Der Pecos-Fluß durchschneidet das Süd-
ende der Rocky Mountains, zwischen dem trockenen Tale des Rio Grande
im Westen, und dem Hochplateau des Felsengebirges im Osten. Verf.
schildert zunächst die topographischen und faunistischen Verhältnisse
des Gebietes, und läßt darauf die Liste der beobachteten Arten folgen,
die mit Bemerkungen über Häufigkeit, vertikale Verbreitung etc.
aufgeführt sind.
Dieselbe. Scott Oriole, Gray Vireo and Phoebe in North
eastern New Mexico; Auk XXI, p. 392—393. — lcterus parisorum,
Vireo vieinior und Sayornis phoebe.
Dieselbe. Additions to Mitchell’s List of the Summer Birds
of San Miguel County, New Mexico; Auk XXI, p. 443—449. — Er-
gänzungen zu einer Arbeit von W. J. Mitchell über denselben Gegen-
stand. In der Einleitung Skizze der Reise, der landschaftlichen und
faunistischen Verhältnisse. ° Die beobachteten Arten sind mit kurzen
Notizen aufgeführt.
W.L. Baily. Henslow’s Sparrow in Munroe County, Pa.; Auk XXI,
p. 486. — Coturniculus henslown.
*P, Bartsch. Notes on the Herons of the Distriet of Columbia;
Smithson. Misc. Coll. XLV. p. 104—111 tab. XXXIHI—XXXVI.
» — Schilderung von Lebensweise und Gewohnheiten der Reiher an
den Ufern des Potamoc in Columbia. Neun Arten kommen in dem
Gebiete vor, davon vier als Brutvögel. Am häufigsten ist Nyeticorax
naevius. Photographien von Nestern, Eiern und Jungen der brüten
den Arten beigegeben.
€. W. Beebe. Breeding of Lawrence Warbler in New York City;
Auk XXI p. 387—388. — Helminthophila lawrencei. Notizen über
Vorkommen, Färbung, Lebensweise, Gesang und Brutgeschäft.
Derselbe. Five Days among the Birds on Cobb Island; Eight
Ann. Report New York Zool. Soc. 1903 (publ. April 1904) p. 161—180.
— Bericht über einen Besuch der an der Küste von Virginia gelegenen
Insel mit zahlreichen Notizen über Lebensweise und Brutgeschäft
der beobachteten Vögel. Zahlreiche Abbildungen nach photographischen
Aufnahmen des Verfassers.
A. €. Bent. Nesting Habits of the Herodiones in Florida; Auk
XXI p. 20—29 tab. IX—X. — Schildert das Brutgeschäft von Ajaja
ajaja, Guara alba, Tantalus loculator und Plegadis autumnalis. Die
Eier sind beschrieben. Auf den Tafeln Abbildung der Nester von
Ajaja ajaja und Guara alba nach photographischen Aufnahmen.
Derselbe. Nesting Habits of the Herodiones in Florida;
Auk XXI p. 259—270 tab. XIX— XXI — Schilderung des Brut-
geschäftes von Botaurus lentiginosus, Ardetta exilis, Ardea oceidentalis,
A. herodias wardi, Herodias egretta, Egretta candidissima, Hydranassa
Arch. f. Naturgesch. 70. Jahrg. 1904. BA. II. 1.1. (II) 5
66 II. Aves für 1904.
tricolor ruficollis, Florida caerulea, Butorides virescens, Nyeticorax
nycticorax naevius und Nyctanassa violacea.. Auf den Tafeln Ab-
bildungen der Nester von Ardea occidentalis, ‚FL yerate tricolor rufi-
collis und Florida caerulea.
-W. H. Bergtold. White-winged Scoter in Colorado; Auk XXI
p. 78. — Oedemia deglandı.
*L.B. Bishop. The Eggs and Breeding-Habits ofsome comparatively
little-known North-American Birds; Abstract of the Proc. of the
Linn. Soc. New York, for the year ending March 10, 1903, and for
the year ending March 8, 1904 publ. Dec. 1904 (8°) p. 48 ff. — Be-
schreibung der Eier und Schilderung des Brutgeschäftes von Rallus
crepitans scottii, R. c. waynei, Agelaius phoeniceus floridanus, A. p.
fortis, Ammodramus nelsoni, A. maritimus macgillıvraii, Telmatodytes
palustris marianae und Hylocichla almae.
F. G. and M. €. Blake. A Winter Record for the Hermit Thrush
(Hyloeichla guttata pallasii) in Eastern Massachusetts; Auk XXI
. 283.
a Dieselben. Unusual Record snear Boston, Mass.; Auk XXI
p. 391—392. — Notizen über 11 Arten.
*S.L. Boardman. The Naturalist of the Saint Croix. A Selection
irom his correspondence and published writings, notices of friends
and contemporaries with his List of the Birds of Maine and New Bruns-
wick. Privately printed. 1903. 8°. pg. XV + 311, and 25 pll. —
Enthält einige Angaben über die Familie Boardman, die Schilderung
des Tales von S. Croix, ferner eine Skizze des Lebens und der Tätigkeit
von L. S. Boardman, Fascimilia von Briefen Baird’s, Scelater’s und
Dresser’s ete. Auf p. 300—316 ist Boardman’s Liste der Vögel von St.
Croix abgedruckt. 274 sp. sind mit kurzen Nachweisen aufgeführt.
[Vgl. Auk XXI p. 397— 398].
H. Bowdich. A List of Bermudian Birds seen during July and
August, 1903. (Contrib. Bermuda biol. Stat. No. 3); Amer. Natur.
XXXVII, 1904, p. 555—563.
B. S. Bowdish. Mortality among Young Birds, due to excessive
Rains; Auk XXI p. 284—286.
€. W. Bownan. Nelson’s Sharp-tailed Sparrow in North Dakota;
Auk XXI p. 385—386. — Ammodramus nelsoni.
A. W. Brain. Holboell’s Grebe at Niagara Falls; Auk XXI p. 276
2.
W. €. Braislin. Notes concerning certain Birds of Long Island,
N. Y.; Auk XXI p. 287—289. — Notizen über 9 Arten.
&. F. Breninger. San Clemente Island and ıts Birds; Auk XXI
p. 218— 223. — San Clemente liegt etwa 50 Meilen südlich von S. Pedro,
California, und ist eine der unter dem Namen Santa Barbara bekannten
Inselgruppe. Verf. besuchte die Insel im Auftrage des Field Colombian
Museum, und teilt nun biologische Beobachtungen über einige der
ungewöhnlicheren Arten mit.
A. Brooks. British Colombia Notes; Auk XXI p. 289—291. - -
Notizen über 10 Arten.
II. Aves für 1904. 67
€. E. Brown. The Evening Grosbeak at "Beverly, Mass.; Auk
XXI p. 385. — Hesperiphona vespertina.
H. Brown. The Elf Owl in California; Condor VI p. 45—47. —
Über Verbreitung und Brüten von Micropallas whitneyi in Californien.
Derselbe. Masked Bob-White (Colinus ridgwayi); Auk XXI
p. 209—213. — Verf. schildert die ehemalige Verbreitung der jetzt
so gut wie ganz ausgestorbenen Art in Arizona und Mexicanisch Sonora,
die Geschichte ihrer Entdeckung und gibt einige Notizen über ihr
Brutgeschäft.
W. H. Brownson. Myrtle Warblers Wintering in Maine; Auk
XXI p. 388—3%.
* 1. Bruner, R. H. Walcott und M. H. Swenk. A Preliminary Review
. of the Birds of Nebraska, with Synopses.. Omaha, Nebr. [1904] 8°.
pg. 1—116 and an unpaged index of 5 leaves. — Auf die Einleitung, in der
Zweck und Anlage der Arbeit erläutert sind, folgt ein Kapitel (von
Bruner) über das Verhältnis der Vogelwelt zur Gartenkultur und Land-
wirtschaft. 400 sp. sind für den Staat festgestellt, davon 200 als Brut-
vögel. Den Hauptteil der Arbeit nimmt die Darstellung der Vogel-
fauna ein, die in Form von Schlüsseln gegeben ist. [Vgl. Auk XXII
p- 9—95].
EL. E. Burnett. Whip-poor-will (Antrostomus vociferus), a new
Bird for Colorado; Auk XXI p. 278—279.
3. D. Carter. Summer Birds of Pocono Lake, Monroe County,
Pennsylvania; Cassinia, Proc. Delaware Vall. Orn. Cl. No. 8, 1904,
p. 29—35.
F. M. Chapman. A new Grouse from California; Bull. Amer. Mus.
XX, Apr. 1904, p. 159—162. — Neu: Dendragapus obscurus sierrae
von El Dorado County.
Derselbe. List of Birds collected in Alaska by the Andrew
J. Stone Expedition of 1903; l.c. XX, Nov. 1904, p. 399—406. —
Die Sammlung stammt von der Alaska und Kenai Halbinsel. 62 sp.
sind aufgeführt mit kurzen Notizen über Mauser, Variation und Ge-
schlechtsunterschiede. Kritisches über Dendroica coronata hooveri.
Brachyrhampus brevirostris ist an Stelle von B. kittlitzi gebraucht.
3. L. Childs. Curlew Sandpiper in New Jersey; Auk XXI p. 485.
— Erolia ferruginea bei Long Beach erlest.
3. H. Clark. Curved-Billed and Palmer’s Thrashers; Auk XXI
p. 214—217 tab. XVIII. — Über Brutgeschäft, Nestbau und Eier
von Harporhynchus curvirostris und H. c. palmeri. Nest und Eier
der ersteren Form auf der beigegebenen Tafel abgebildet.
* A. H. Clarke. The Birds of S. Vincent; West Ind. Bull. V, 1904,
p. 5—9.
W. W. Cooke. Distribution and Migration of North American
Warblers; U. S. Dept. of Agriculture, Divis. Biol. Survey. Bulletin
No. 18. Washington 1904. 8°. pg. 142. — Bearbeitung des seit vielen
Jahren angesammelten Materials über Verbreitung und Zug der nord-
amerikanischen Dendroica-Arten. Verf. erörtert zunächst (p. 8—14) die
Zugstraßen der Vögel in Nordamerika, und bespricht sodann (p. 14—16)
5*
68 II. Aves für 1904.
die einzelnen Dendroica-Arten mit Rücksicht auf die südlichste Grenze
ihrer Winterwanderung. Die Arten der östl. Staaten sind in vier
Kategorien angeordnet. 1. Arten, welche bis nach Südamerika ziehen,
20 sp.; 2. solche, die bis zum Isthmus von Panama wandern, 7 sp.; 3.
solche, die bis nach Mexico und Centralamerika ziehen, aber niemals den
Isthmus erreichen, 9 sp.; 4. endlich jene, die in den südl. Staaten der
Union und auf den westindischen Inseln überwintern, 11 sp. Im syste-
matischen Teile (p. 16—139) sind „59 sp. und 19 subsp.““ eingehend
behandelt. Bei jeder Form ist zunächst das Brutgebiet angegeben,
dann folgt die Darstellung ihrer Winterherberge und tabellarische
Übersichten der Daten von Frühjahrs- und Herbstzug. Besonders
ausführlich sind jene Arten des östlichen Nordamerikas abgehandelt,
die, um ihre Winterquartiere zu gewinnen, das Meer überfliegen
müssen. Die Südgrenze des Brutgebietes und die Nordgrenze der
Winterherberge sind mit großer Genauigkeit festgestellt.
Derselbe. The Effect of Altitude on Bird Migration; Auk XXI
p. 338— 341. — Beobachtungen aus Asheville und Raleigh in Nord
Carolina, U. S. America. Vgl]. p. 86.
Derselbe. Some new Facts about the Migration of Birds;
Yearbook U. 8. Dept. Agriculture for 1903, publ. 1904, p. 371—386.
— Vgl. p. 85.
E. 8. Currier. Summer Birds of the Leech Lake Region, Minnesota;
Auk XXI p. 29—44. — Verf. besuchte das Gebiet im Frühlinge 1902
und 1903. Schilderung der durchforschten Region. Die systematische
Liste umfaßt 117 sp. Notizen über Vorkommen, Häufigkeit und
Brutgeschäft.
F. S. Daggett. Annual Outing Meeting of the Southern Division,
1903; Condor VI p. 22—23. — Liste von 57 sp. aus Salisbury, Los
Angeles Co., Californien.
€. E. Dionne. The Evening Grosbeak near Quebec, Canada; Auk
XXI p. 280. — Hesperiphona vespertina.
W. Dutcher. The Pine Grosbeak on Long Island, N. Y.; Auk
XXI p. 281. — Pinicola enucleator canadensis.
3. Dwight. Occurrence of the Knot (Tringa canutus) at San Diego,
California; Auk XXI p. 78—79.
BE. 4. Eaton. Spring Bird Migration of 1903; Auk XXI p. 341
345. — Beobachtungen aus den westlichen Districten des Staates
New York.
G. Eifrig. Birds of Allegany and Garrett Counties, Western Mary-
land; Auk XXI p. 234—250. — Verf. schildert die topographischen
und physikalischen Verhältnisse, sowie die zoogeographischen Be-
ziehungen des Gebietes. Die festgestellten Arten sind mit kurzen
Bemerkungen aufgeführt, und zwar 25 sp. Standvögel, 11 sp. unregel-
mäßige Standvögel, 84 sp. „Summer Residents“, 135 sp. besuchen
das Gebiet auf dem Zuge, 5 sp. verbringen daselbst den Winter, endlich
sind 18 sp. als zufällige Erscheinungen erwähnt.
W. ©. Emerson. The Farallone Islands revisited, 1887—1903;
Condor VI p. 61—68. — Verf. schildert die Veränderungen in der
Pen
II. Aves für 1904. 69
Vogelwelt seit seinem ersten Besuche im Jahre 1887. Mit einer Karte
und mehreren Textbildern.
W. H. Fisher. The Pileated Woodpecker in Anne Arundel, County
Md.; Auk XXI p. 278. — Ceophloeus pileatus.
W. K. Fisher. Notes on the Birds of Hoopa Valley, California;
Condor VI p. 50-51.
L. A. Fuertes. The Evening Grosbeak in Central New York in
April; Auk XXI p. 385. — Hesperiphona vespertina.
L. Gano. The Bachman Sparrow (Peucoea aestivalis bachmanii)
in the Vicinity of Cincinnati, Ohio; Auk XXI p. 82—83.
M. F. Gilman. The Leconte Thrasher; Condor VI p. 95 —98. —
Vorkommen, Lebensweise und Brutgeschäft geschildert.
F. D. Godman. Biologia Centrali-Americana; or, contributions to
the knowledge of the Fauna and Flora of Mexico and Central America.
Aves. vol. III p. 425—510 tab. LXXVIIIL, LXXIX; vol.I p.I
—XLIV, with titlepage; vol. II p. I—-IV, with titlepage; vol. III
p. PAY. with titlepage; vol. IV p. I-VII, with titlepage. London
1904. — Schluß des Werkes. Der Text umfaßt die Tubinares, Crypturi
und den Index. Einleitung und Titelblätter zu allen vier Bänden
sind gleichfalls enthalten. Abgebildet: Nothocercus bonapartiı und
Crypturus mexicanus.
3. Grinnell. The Ashy Kinglet; Condor VI p. 25. — Neu: Regulus
calendula cineraceus, aus Los Angeles, Californien.
Derselbe. Midwinter Birds at Palm Springs, California;
Condor VI p. 40—45. — Der Beobachtungsort liegt im Riverside
County, Californien, in einer Höhe von etwa 400 Fuß. Verf. schildert
kurz die topographischen Verhältnisse des Gebietes und bespricht eine
Reihe interessanter Vogelarten. 48 sp. sind aufgeführt.
Derselbe. The Status of Melospiza Iincolni striata Brewster;
Auk XXI p. 274—276. — Kennzeichen und Verbreitung.
Derselbe. The Origin and Distribution of the Chestnut-backed
Chickadee; Auk XXI p. 364—382. — Parus rufescens ist fast aus-
schließlich beschränkt auf die feuchte Pacifische Küstenregion Nord-
amerikas von Sitka in Alaska, bis unterhalb Monterey in Californien.
Die Art bietet ein wunderbares Beispiel geographischer Variation,
hervorgerufen durch Anpassung an veränderte klimatische Einflüsse
und Lebensbedingungen. Am Schlusse der interessanten Betrachtungen
gibt Verf. die Unterschiede, Verbreitung und Synonymie der drei
Formen: P. r. rufescens, P. r. neglectus und P. r. barlowi. Zwei Karten
ım Text.
Derselbe. European Widgeon in Southern California; Auk
XXI p. 383—384. — Mareca penelope.
W. €. Hanna. Nevada Notes; Condor VI p. 47—48, 76T. —
Notizen aus Humboldt County, zwischen Goldondk und Battle Mount.
gelegen.
A. H. Helme. The Western Meadowlark (Sturnella magna neglecta)
in Southern Georgia; Auk XXI, p. 280,
70 II. Aves für 1904.
Derselbe. The Pine Grosbeak on Long-Island, N. Y.; l.e
p. 280—281. — Pinicola enucleator canadensis.
Derselbe. The Ipswich Sparrow, Kirtland’s Warbler, and
Sprague’s Pipit in Georgia; 1. c. p. 291.
*3. Henderson. Additional List of Boulder County Birds, with
Comments thereon; University of Colorado Studies, vol. II, No. 2,
July 1904, p. 107—112. — Ergänzung zu einer früheren Abhandlung
über denselben Gegenstand. 50 sp. sind aufgeführt. Die Gesamtzahl
aller für das Gebiet bekannten Arten stellt sich dadurch auf 206 sp.
Derselbe. The Bobolink in Colorado; Auk XXI p. 486. —
Dolichonyx oryzivora.
W. F. Henninger. Another Ohio Record for the Knot (Tringa ca-
nutus); Auk XXI, p. 277.
R. Hoffmann. A Guide to the Birds of New England and Eastern
New York. Containing a Key for each Season and short Descriptions of
over two hundred and fifty Species with particular Reference to their
Appearance in the Field. With four full-page plates by Louis Agassız
Fuertes and nearly one hundred cuts in the text. Boston and New York.
1904. 12°. pg. XIII + 357, pll. IV, cuts in text. — Ein reizendes
Handbuch für Anfänger zum Bestimmen der gewöhnlichen nord-
amerikanischen Vogelarten im Freien. Die Vögel sind kurz gekenn-
zeichnet, ferner gedrängte, aber treffliche Angaben über Stimme, Be-
tragen, Aufenthalt ete. mitgeteilt.
La Rue K. Holmes. The Short-billed Marsh Wren (Cistothorus
stellarıs) in Eastern Pennsylvania and New Jersey; Cassinia, Proc.
Delaware Valley Orn. Cl. No. 8, 1904 p. 17—25.
*W. T. Hornaday. The American Natural History. A Foundation
of useful knowledge of the higher Animals of North America. Illustrated
by 227 original drawings by Beard, Rungius, Sawyer, and others,
116 photographs, chiefly by Sanborn, Keller, and Underwood, and nu-
merous charts and maps. New York. 1904. 8° pg. XV + 449,
numerous full-page half-tones and text cuts, including maps and charts.
[Vgl. Auk XXI, p. 394—395].
R. H. Howe, jr. A new Bob-white from the United States;
Proc. Biol. Soc. Wash. XVII (1904) p. 168. — Neu: Colinus virginianus
insulanus von Key West, Florida.
Derselbe. The Ani in Florida; Auk XXI p. 79. — Croto-
phaga anı.
Derselbe. The Red-backed Sandpiper in Massachussetts in
December; Auk XXI, p. 277. — Pelidna alpina pacifica.
Derselbe. Killdeers at Allen’s Harbor, R. I; Auk XXI p. 485.
— Oxyechus vociferus auf Rhodes Insel.
€. 3. Hunt. Henslow’s Sparrow in Chester Co., Pa; Auk XXI,
p. 386. — Ammodramus henslowii.
3. S. Hunter. An Ornithological Comparison of the Pajaro Valley
in California with Sioux County ın Nebraska; Condor VI, p. 168—171.
3. W. Jacobs. Gleanings No. Ill. The Haunts of the Golden-
winged Warbler (Helminthophila chrysoptera). With Notes onMigration,
II. Aves für 1904. ai
Nestbuilding, Song, Food, Young, Eggs ete. Illustrated. Waynesburs,
Pa. 1904. 8°. pg. 30, with 5 halftone plates and a color chart. — Ein-
gehende, biologische Schilderung. Lebensweise, Aufenthalt, Brutge-
schäft, Eier, und Junge sind ausführlich beschrieben. Die Art brütet
häufig in der Gegend von Waynesburg.
H. ©. Jenkins. Record of the Monterey Hermit Thrush (Hylo-
cichla guttata slevini); Condor VI p. 25. — San Mateo Co., Californien.
W. S. Johnson. The Lark Sparrow in Oneida County, N. Y; Auk
XXI p. 2831—282. — Chondestes grammacus.
L. Jones. Additional Records of Ohio Birds; Ohio Natural., IV,
1904, p. 112—113.
Derselbe. Nestling and Juvenile Plumages of Sterna hirundo
and S. dougalli; Biol. Bull. VI, 1904, p. 318—319.
D. S. Jordan. A Manual of the Vertebrate Animals of the Northern
United States including the district north and east of the Ozark
Mountains, south of the Laurentian Hills, north of the Southern Boun-
dary of Virginia, and east of the Southern River. Ninth adıtion, newly
revised and enlarged. Chicago. 1904. 8°. pg. VI-+ 397. — Auf p. 212
—313 ist ein kurzer Überblick der Vögel des beregten Gebietes ge-
geben. Das Buch ist für den Gebrauch von Anfängern bestimmt.
T. D. Keim. Summer Birds of Port Alleghany, Mc. Kean County,
Pennsylvania; Cassinia, Proc. Delaware Vall. Orn. Cl. No. 8, 1904,
p- 36—41.
Le Roy King. Occurrence of the Ruff (Pavoncella pugnax) and
other Birds in Rhode Island; Auk XXI p. 85. — Notizen über 6 sp.
FT. W. Kobhe. Black-bellied Plover and Hudsonian Godwit on
Long Island, N. Y.; Auk XXI p. 79. — Charadrius squatarola und
Limosa haemastica.
H#. H. Kopman. Bird Migration Phenomena in the Extreme Lower
Mississippi Valley; Auk XXI p. 45—50.
€. Littlejohn. The Capture of Totanus glareola in Alaska; Condor
VI, p. 138. — Ein 2 wurde auf der Insel Sanak am 27. Mai 1894 erlegt.
3. Macoun. Catalogue of Canadıan Birds. Part 1Il. Sparrows,
Swallows, Vireos, Warblers, Wrens, Titmice und Thrushes. Including
the Order Passeres after the Icteridae. Ottawa. 1904. 8°. pg. I—IV,
417— 133, and (Index) pp. I-XXIIIl. — Schluß des Werkes (vgl.
Bericht 1903 p. 269) den Rest der Singvögel enthaltend. Das nunmehr
abgeschlossene Werk gibt eine ausgezeichnete, zusammenfassende
Darstellung aller Vogelarten, die nördlich von den Vereinigten Staaten,
also in Canada, Alaska und Grönland vorkommen.
3. Maillard. A few Records supplementary to Grinnell’s Check-
list of California Birds; Condor VI, p. 14—16. — Notizen über 25 sp.
M. F. Me Atce. An interesting Variation in Seiurus; Auk XXI
p. 488—489. — Beschreibung eines Exemplars von Seiurus nove-
boracensis notabilis mit weißen Flecken auf der Spitze der Steuer-
federn.
E. A. Mearns. Birds of Fort Custer, Montana; Condor VI, p. 20—
21. — Notizen über 36 sp.
72 II. Aves für 1904.
L. H. Miller. The Birds of the John Day Region, Oregon; Condor
VI, p. 100—106. — Der Schilderung des Beobachtungsgebietes folgt
die Liste der Arten, die mit kurzen Anmerkungen aufgeführt sind.
W. De W. Miller. Breeding of the Dickeissel in New Jersey; Auk
XXI, p. 487. — Spiza americana.
E. W. Nelson. Empidonax griseus Brewst. — E. canescens Salv.
& Godm.; Auk XXI, p. 80.
Derselbe. A Revision of the North American Mainland
Species of Myiarchus; Proc. Biol. Soc. Wash. XVII, 1904, p. 21—50.
— Die Arbeit behandelt alle auf dem Festlande von Nord- und Mittel-
amerika nördlich des Isthmus von Panama vorkommenden Myiarchus-
Arten. Verf. erörtert zuerst einige allgemeine Fragen und die Variabilität
der Schwanzzeichnung, welch letztere "durch Abbildungen im
Texte erläutert ist. Darauf folgt ein übersichtlicher Bestimmungs-
schlüssel. Daran schließt sich die Darstellung der einzelnen Formen
(p. 23—50). Bei jeder Art gibt Verf. die terra typica, Verbreitung,
Kennzeichen, eine Beschreibung des frischen Gefieders, Maße und
Notizen über Verwandtschaft, Variation ete. Folgende Arten sind unter-
schieden: M. ferox panamensis, Panama bis Costa Rica; M. erinitus,
östl. Nordamerika; M.c. residuus, Halbinsel von Florida; M. mexi-
canus, Süd-Texas (Rio Grande-Tal) bis Honduras (Üeiba); M. m. ma-
gister, W. Mexico (von Chihuahua bis Chiapas); M. cinerascens, Süd-
Texas bis Zacatecas in Mexico; M.c. pertinax, Cap Region in Nieder-
californien; M.nuttingi, Costa Rica bis Chiapas; M. n. inquietus,
W. Mexiko (von Chihuahua bis Tehuantepec); M. brachyurus, Costa
Rica bis Chiapas; M. yucatanensis, Yucatan und Cozumel Insel;
M. lawrencei, Ost-Mexico; M. 1. nigricapillus, Süd-Guatemala bis Costa
Rica; M.]. bangsı n. subsp., Panama; M.]. platyrhynchus, Cozumel,
Yucatan, Campeche und Tabasco (Küstenregion); M. 1. querulus n. sub-
sp., NSüd-Mexiko; M.l. olivascens, West-Mexiko; M.]. tresmariae
n. subsp., Tres Marias Inseln; M.nigriceps, Panama ete.
Derselbe. Descriptions of four new Birds from Mexico; Proc.
Biol. Soc. Wash. XVII, p. 151—152. — Neu: Porzana goldmani, Lerma;
Empidonax fulvifrons fusciceps, Arremonops superciliosus chiapensis
von Chiapas; Telmatodytes palustris tolucensis, Lerma.
3. T. Nichols. Black-backed Three-toed Woodpecker and Evening
Grosbeak at Wellfleet, Mass.; Auk XXI, p. 81—82. — Picoides arcticus
und Hesperiphona vespertina.
M. 3. Nicoll. [On new and interesting Birds from the West Indies];
Bull. B. ©. C. XIV, p. 94—96. — Bemerkungen über fünf Arten, da-
runter zwei neue: Dendroeca crawfordi, Little Cayman, Vireo laurae,
Grenada.
Derselbe. On a Collection of Birds made during the Cruise
of the „Valhalla“, R. Y. $., in the West Indies (1903—4); Ibis (8) IV,
p. 555—591. tab. XI. — Die Sammlung stammt von den Inseln Bar-
bados, Santa Lucia, S. Vincent, Martinique, Dominica, Montserrat,
St. Kitts, Antigua, St. Croix, St. Thomas, Porto Rico, Jamaica,
Grand Cayman u. Little Cayman. Da sich die Reisenden nur kurze Zeit
en nd 0 ne mi
II. Aves für 1904. 13
an den einzelnen Stationen aufhielten, wurden nirgends umfangreiche
Sammlungen gemacht, nur auf Grand Cayman kam eine größere Anzahl
Vogelbälge zusammen. Neu: Pitangus caymanensis, von Grand Cay-
man. Bei den einzelnen Arten Bemerkungen über Häufigkeit, Vor-
kommen etc., zuweilen auch kritische Notizen systematischer Natur.
Beachtenswert sind die Ausführungen über Sula coryi, die von 9. pis-
catrix nicht verschieden zu sein scheint. Abgebildet: Dendroeca craw-
fordı und Vireo laurae.
H. €. Oberholser. A Monograph of the Genus Dendroeincla Gray;
Proc. Acad. N. Sei. Philad. 1904 (publ. June 1904) p. 447—463. —
Vgl. p. 31.
Derselbe. A Revision of the American Great Horned Owls;
Proc. U. S. Mus. XXVII p. 177—192. — In der Einleitung Allgemeines
über individuelle Variation und Bestimmungsschlüssel der amerika-
kanischen Formen. Verf. unterscheidet: Asio magellanicus magellanicus,
südl. Südamerika; A. m. nigrescens, Ecuador; A. m. mesembrinus
n. subsp., Costa Rica; A.m. melancerusn. subsp., Guatemala u. Mexiko;
A.m. mayensis, Yucatan; A.m. pallescens, W. Texas, N.O. Calı-
fornien und N. Mexiko; A. m. pacificus, Californien, Arizona u. Oregon;
A. m. elachistus, Niederealifornien; A. m. icelus n. subsp., Küste von
Californien; A.m. lagophenus n. subsp., Inneres von Washington,
Idaho, Brit. Columbia, Alaska; A. m. saturatus, Küste von Washington,
Brit. Columbia u. Alaska; A. m. heterocnemis n. subsp., Labrador;
A. m. virginianus, östl. Vereinigte Staaten u. Kanada; A. m. algistus
n.subsp., N. W. Alaska; A.m. occidentalis, westl. Verein. Staaten;
A. m. wapacuthu, nördl. Kanada. Bei den einzelnen Formen sind
Synonymie, Kennzeichnung, Maße, Beschreibung, Notizen über
Variation und genaue Angaben über die Verbreitung mitgeteilt.
Derselbe. A Review of the Wrens of the Genus Troglodytes;
Proc. U. 8. Mus. XXVII, 1904, p. 197—210, tab. V. — Verf. definiert
zunächst die Grenzen der Gattung, aus der T. browni als Thryorchilus
(nov. gen.) ausgeschieden wird, wogegen die westindischen, gewöhnlich
zu Thyrothorus gestellten Vertreter hierin eingeschlossen sind. Verf.
unterscheidet: T. solstitialis solstitialis, Bcuador u. Columbia; T. s. ma-
crourus, Peru; T. s. frater, Bolivia; T. aurieularıs, Tucuman; T. ochra-
ceus, Costa Rica u. Panama; T. rufociliatus, Guatemala u. Chiapas;
T. b. brunneieollis, S. Mexico; T. b. cahooni, N. W. Mexico; T. monti-
cola, Santa Marta, Colombia; T. a. aedon, N. O. Nordamerika; T.a.
parkmanı, westl. Nordamerika; T.a. aztecus, innere Ver. Staaten;
T. peninsularis, Yucatan. Die T. musculus-Gruppe umfaßt nach
Oberholser 15 Formen, wovon T. m. acosmus, Zentral-Chile, T. m. ato-
pus, Santa Marta und T. m. enochrous, Küstenregion von Peru, neu
beschrieben sind. Daran schließen sich T. tanneri, T. beanı, T. meso-
leucus, T. musicus, T. martinicensis, T. guadeloupensis, T. grenadensis,
T. rufescens und T. rufulus. Auf Tafel V ist die Verbreitung der T. mus-
culus-Formen dargestellt. 3
W. H. Osgood. A Biological Reconnaissance of the Base of the
‚.laska Peninsula; U. S.Dep. of Agrieulture, Divis. Biol. Survey,
74 II. Aves für 1904.
North American Fauna No. 24. pg. 86, with seven plates. Washington,
November 1904. — Der erste Teil der Arbeit enthält den Bericht
über die Reise, die Schilderung der landschaftlichen und geologischen
Verhältnisse des durchforschten Gebietes und Betrachtungen über
die faunistischen Zonen desselben. Darauf folgt eine kurze Skizze
der Tätigkeit von Mc Keay und Johnson, die einzigen Zoologen, die
vor der Reise Osgood’s die Region besucht hatten. Im speziellen Teile
gibt Verf. (p. 51—81) eine Übersicht der bisher für das Gebiet fest-
gestellten Vogelarten, auf Grund seiner eigenen Sammlungen und
der Ausbeute seiner Vorgänger. Bei den einzelnen Arten werden ein-
gehende Daten über Vorkommen, Verbreitung, Lebensweise, Jagd etc.
mitgeteilt; in einzelnen Fällen sind auch systematische Fragen diskutiert.
Verf. hält Parus atricapıllus turneri für eine valide Form und setzt
ihre Kennzeichen kurz auseinander. Auf fünf Tafeln sind Landschafts-
bilder dargestellt, zwei Karten veranschaulichen die Reiseroute und
die zoogeographischen Zonen des Gebietes.
€. 3. Pennock. A Glimpse of Winter Bird Life in Delaware; Cassinia,
Proc. Delaware Vall. Orn. Cl. No. 8, 1904, p. 42—45.
Derselbe. Delaware Bird Notes; Auk XXI, p. 286.
W. W. Price. Some Winter Birds of the High Sierras; Condor
VI p. 70—74. — Notizen über 9 Arten. Mit drei Textbildern, Land-
schaften darstellend.
W. Raine. Discovery of the Eggs of Solitary Sandpiper; Ottawa
Naturalist XVII, 1904, p. 135—138. — Beschreibung der bisher un-
bekannten Eier von Totanus solitarius. Gleich ihrem altweltlichen
Vertreter, T. ocrophus, nistet die Art in verlassenen Nestern anderer
Vögel. Drei Gelege wurden bisher gefunden: eines am 16. Juni 1903
im Neste von Merula migratoria, das zweite am 24. Juni 1904 in dem
von Bombyeilla cedrorum, und das dritte am 9. Juni 1904 ın dem von
Quiscalus quiscula aeneus.
M.S. Ray. A Fortnight on the Farallones; Auk XXI p. 425—442,
tab. XXIII—XXVII. — Die Farallones liegen etwa 30 Meilen westlich
von 8. Francisco und zerfallen in zwei Gruppen, deren südliche die
größeren und wichtigeren Inseln umfaßt. Verf. schildert die land-
schaftlichen und physikalischen Verhältnisse der Inseln in der Ein-
leitung und bespricht sodann ausführlich die (14) Arten Brutvögel.
Vorkommen, Lebensweise und Betragen sind anziehend geschildert.
Auf den Tafeln sind Landschaften und Brutplätze einiger Seevögel
(nach Photographien) dargestellt.
€. A. Reed. North American Birds Eggs. Ilustrating the Eggs of
nearly every Species of North American Birds. Rochester, New York.
1904. 8°. pg. IX + 356. — Ein kurzgefaßtes Handbuch der Eier der
Vögel Nordamerikas. 768 (oder einige mehr) sp. sind aufgeführt.
Bei jeder Art englischer und lateinischer Name, Übersicht der Ver-
breitung und kurze Kennzeichnung des Brutgeschäftes und der Eier.
Mit zahlreichen Abbildungen im Texte.
*#. E. Richards and E. 6. Cummings. Baby Pathfinder to the
Birds. Illustrated. A Pocket Guide to one Hundred and ten Land
II. Aves für 1904. 75
Birds of New England, with blank pages for Notes. Boston. 1904.
— 125 leaves, printed on one side. [Vgl. Auk XXI p. 395].
€. H. Richardson, jr. A List of Summer Birds of the Pinte Moun
tains, Californica; Condor VI p. 134—137.
R. Ridgway. Descriptions of seven new Species and Subspecies
of Birds from Tropical America; Smithson. Mise. Coll. vol. 47 (August
1904) p. 112—113. — Neu: Myiadestes genibarbis cherriei, Haiti;
Catharus fuscater sanctae-martae, Santa Marta; Cichlherminia coryi,
Martinique (?); Cinclocerthia ruficauda tenebrosa, 8. Vincent; C. r.
pavida, Kleine Antillen; Mimus gilvus guatemalensis, Guatemala;
M. g. tolimensis, Tolima, Colombia.
Derselbe. The Birds of North and Middle America, Part III.
(Bulletin of the United States Nat. Museum No. 50). Washington.
1904. 8°. pg. XX + 801, with XIX plates. — Der dritte Band dieses
großartigen Werkes behandelt die Motacillidae, Hirundinidae, Am-
pelidae, Ptilogonatidae, Dulidae, Vireonidae, Laniidae, Corvidae,
Paridae, Sittidae, Certhiidae, Troglodytidae, Cinclidae, Chamaeidae
und Sylviidae. Anordnung und Behandlung der Materie wie in den
beiden ersten Bänden. Neu beschrieben sind: Stelgidopteryx salvini,
Guatemala (p. 62), Aphelocoma unicolor coelestis, Chiapas (p. 345)
und Baeolophus atricristatus sennetti, Texas (p. 386).
3. H. Riley. Description of a new Myiarchus from Grenada and
St. Vincent, West Indies; Smithson. Mise. Coll. vol. 47, pt. 2, Nov. 1904,
p. 275—276. — Neu: Myiarchus oberi nugator, Grenada.
Derselbe. Catalogue of a Collection of Birds from Barbuda
and Antigua, British West Indies; l.c. p. 277”—291. — Behandelt
eine Sammlung Selwyn Branch’s aus dem Jahre 1903. Nunmehr
kennt man von Barbuda 59, von Antigua 61 Arten. In vorliegendem
Artikel sind ;51 sp. aufgeführt, darunter eine neue: Dendroica subita,
Barbuda. Cerchneis sparveria loquacula ist eine neue Form von Porto
Rico, Coceyzus minor shelleyi ein neuer Name für ©. dominicae Shell.
Kritische Bemerkungen über eine Reihe von Arten, so über Cerchneis
sparveria carıbaearum (Beschreibung und Notizen über Variation),
Columbigallina passerina trochila, Tyrannus dominicensis rostratus
u.8.w. Übersicht der geographischen Formen von Coceyzus minor.
R. B. Sharpe. [Remarks on Sula coryi]; Bull. B. ©. C. XIV p. 65
—69. — Beschreibung der verschiedenen Kleider, Bemerkungen
über Variation und Mitteilungen über Lebensweise, Brutgeschäft etc.
P. M. Silloway. Afıeld at Flathead; Condor VI p. 12—14. —
Notizen vom Flathead See in Montana. Colymbus holboelli wurde in
mehreren Paaren brütend angetroffen. Mit einer Textfigur.
R. E. Snodgras. A List of Land Birds from Central and
Southeastern Washington; Auk XXI p. 223—233. — Schilderung
der topographischen und physikalischen Verhältnisse des Gebietes,
und Aufzählung der gesammelten (58) Vogelarten mit Notizen über
Vorkommen, Häufigkeit etc.
76 II. Aves für 1904.
F. H. Snow. The Black-bellied Plover, Roadrunner, and Black-
throated Green Warbler in Kansas; Auk XXI p. 85—86. — Charadrius
squatarola, Geococcyx californianus and Dendroica virens.
Derselbe. Two Additions to the Bird Fauna of Kansas; Auk
XXI p. 284. — Stercorarius parasiticus und Loxia leucoptera.
6. W. H. Soelner. The Pileated Woodpecker in the District of
Columbia; Auk XXI p. 79—80. — Ceophloeus pileatus.
F. Stephens. Cactus Wrens; Condor VI p. 51—52. — Verf. unter-
scheidet und kennzeichnet im Gegensatz zu H. S. Swarth: 1. Heleo-
dytes brunneicapillus affınis, aus dem südl. Nieder-Californien, 2.
H. b. bryanti, Central und nördl. Nieder-Californien, 3. H. b. couesi,
California, Arızona, Neu Mexico ete.
Ü.R. Stoekard. Nesting Habits of the Woodpeckers and the Vultures
in Mississippi; Auk XXI p. 463—471. — Eingehende Mitteilungen
über das Brutgeschäft von Ceöphloeus pileatus, Centurus carolinus,
Colaptes auratus, Dryobates pubescens, Melanerpes erythrocephalus,
Catharısta urubu und Cathartes aura.
W. Stone. Report on the Spring Migration of 1904; Cassınia,
Proc. Delaware Vall. Orn. Cl. No. 8, 1904, p. 46—61, with one figure.
Derselbe. Henslow’sSparrowat Bethlehem, Pa.— A Correction;
Auk XXI p. 386—387. — Ist Coturniculus bairdii und nicht Ammo-
dramus henslowii.
Derselbe. Ona Collection of Birds and Mammals from Mount
Sanhedrin, California. With Field Notes by A. S. Bunnell; Proc. Acad.
Philad. 1904 (Oct. 1904) p. 576—585. — Auf p. 580—585 Liste der
Vögel. Exemplare von 56 sp. wurden erbeutet, außerdem 35 sp. be-
obachtet. Bei den einzelnen Arten Notizen über Häufigkeit.
B. H. Swales. The Evening Grosbeak in Presque Isle Co., Mich. ;
Auk XXI p. 82.
Derselbe. A few Southern Michigan Notes; Auk XXI p. 84
—85. — Notizen über 9 sp.
H. S. Swarth. The Status of the Southern California Cactus
Wren; Condor VI p. 17—19. — Verf. ist der Ansicht, daß Heleodytes
brunneicapillus couesi, H. b. anthonyi und H. b. bryanti zusammen-
fallen, und stützt seine Behauptung auf die große individuelle
Variation in Serien aus Californien und Arizona.
Derselbe. ÖOceurrence of the Scott Oriole (Icterus parisorum)
in Los Angeles Co; Condor VI p. 25.
Derselbe. Birds of the Huachuca Mountains, Arizona. Pacifie
Coast Avifauna No. 4. Cooper Ornithological Club of California. Los
Angeles, Ca. April 15, 1904. — gr. 8°. pg. 70. — Die Huachuca Berge,
eine gut bewaldete Kette, erstreckt sich etwa 40 Meilen lang durch
den südöstlichen Teil von Arizona, die Durchschnittshöhe beträgt 4500,
der höchste Punkt 10,000 Fuss. Verf. unternahm drei Ausflüge in
das Gebiet, und sammelte hauptsächlich an der Ostseite der Berg-
kette. 195 sp. wurden erbeutet (in 2500 Bälgen) und sind in der vorlieg.
Arbeit mit kurzen Bemerkungen aufgeführt.
II. Aves für 1904. Ti
6. H. Thayer. The Raven in Southern New Hampshire, and other
Notes; Auk XXI p. 491—49.
J. E. Thayer. Holboell’s Grebe in Lancaster, Mass.; Auk XXI
p. 383. — Colymbus holboelli.
Thirteenth Supplement to the American ®rnithologist’s Union
Check-List of North American Birds; Auk XXI p. 411—424. — Er-
gänzungen und Berichtigungen zur Nomenklatur nordamerikanischer
Vögel.
E. Clyde Todd. The Mammal and Bird Fauna of Beaver County,
Pennsylvania; Bausman’s History: of Beaver County, Pa., vol. II,
1904, p. 1195— 1202. — Beaver County gehört faunistisch zu Carolina,
etwa 12 sp. des letzteren Staates sind häufig in dem Gebiete. Aut
p. 1198—1202 Liste der nachgewiesenen Arten, 178 sp., mit kurzen
Anmerkungen.
Derselbe. The Birds of; Erie and Presque Isle, Erie/ County,
Pennsylvania; Ann. Carnegie Mus. Il, 1904 (August) p. 481—596
tab. XVI—XIX. — Die Arbeit beruht auf Sammlungen des Verf ’s
und den Angaben in der Literatur (besonders den Publikationen von
Simpson und G. B. Sennett). In der Einleitung Schilderung der physi-
kalischen Verhältnisse und des allgemeinen Charakters der Avifauna
des Gebietes. 237 sp. sind für das Gebiet festgestellt und mit kurzen
Notizen über Verbreitung ete. aufgeführt. Eine Karte und drei Tafeln,
charakteristische Landschaften darstellend, sind beigegeben.
€. W. Townsend. Extension of the Breeding Range of the Prairie
Horned Lark (Otocoris alpestris praticola) to the Eastern Coast; Auk
XXI p.3l.
S. Trotter. Some Nova Scotia Birds; Auk XXI p. 55—64. —
Biologisches.
A. T. Wayne. Kiırtland’s Warbler (Dendroica kırtlandi) on the
Coast of South Carolina; Auk XXI p. 3 —84.
* 5. G. Wells. The Birds of Grenada; Grenada Handbook, 1904,
p. 147—148.
*Derselbe. The Birds of Carriacou; 1. c. p. 149—150.
3. &. Wheelock. Birds of California. An Introduction to more
than three hundred common Birds of the State and adjacent Islands.
With a supplementary List of rare Migrants, accidental visitors and
hypothetical subspecies. Chicago. 1904. 8°. pg. XXVII + 578,
with 10 half tone plates and 78 textfigures. — Ein populäres Hand-
buch der Vögel Californiens, das zahlreiche, wertvolle biologische
Beobachtungen enthält.
©. Widmann. Yosemite Valley Birds; Auk XXI p. 66—73. —
Das Yosemite Tal ist ein Reservatorium für Vogelschutz. In dreieinhalb
Tagen beobachtete Verf. daselbst 57 sp., von denen eine Liste, mit
kurzen’ Bemerkungen, gegeben ist. Daran schließen sich Notizen
über die in Wawona, und bei Mariposa Grove beobachteten Vögel.
R. W. Williams. A Preliminary List of the Birds of Leon County,
Florida; Auk XXI p. 449—462. — Skizze der topographischen and
klimatischen Verhältnisse des Gebietes. Die systematische Liste
78 II. Aves für 1904.
enthält die Namen von 156 sp., die mit kurzen Angaben über Art und
Häufigkeit des Vorkommens etc. aufgeführt werden.
3. €. Wood. Another Nest of the Philadelphia Vireo; Auk XXI
p. 282. — Beschreibung eines in Michigan gefundenen Nestes von
Vireo philadelphicus.
N. A. Wood. Discovery of the Breeding Area of Kirtland’s Warbler;
Bull. Michigan Orn. Cl. V, March 1904, p. 3—13. — Verf. beschreibt
seine Erfahrungen auf der Suche nach den Brutplätzen von Dendroica
kirtlandi, die er endlich im nördlichen Michigan entdeckte. Lebens-
weise, Aufenthalt, Gesang, Nest und Eier sind eingehend beschrieben.
Abbildungen von Nest, Ei, der Standorte des Nestes und der biologischen
Gruppe im Museum der Michigan Universität.
Ww. W. Worthingten. Bird Notes from Shelter Island, Long
Island, N. Y.; Auk XXI p. 287.
€. 3. Young. The Philadelphia Vireo; Auk XXI p. 283. — Vireo
philadelphicus.
Südamerika.
“. Angelini. Catalogo dei Trochili o Colibri recentemente donatı
da 8. M. il Re V. E. III. al Museo Zoologico della R. Universitä di Roma
e degli altrı quivi piü anticamente conservati premesse alcune consi-
derazioni sulla loro elassıficazıone; Boll. Soc. Zool. Ital. XII, 1903,
p- 125—133. — Aufzählung der Kolibris im Museum zu Rom: 145 sp.
in 442 Exemplaren. Es wäre interessant zu erfahren, wo und von wem
die vier Exemplare des Phaetornis nattereri gesammelt wurden, sofern
es sich überhaupt um diese Art handelt.
G. A. Baer. Note sur une collection d’oiseaux du Tucuman
(Republique Argentine); Ornis XII, No. 3 (Mai 1904) p. 209—234. —
Verf. gibt in der Einleitung einen kurzen Überblick der physikalischen
Verhältnisse und der Vogelfauna des Beobachtungsgebietes. Lage
und Charakter der einzelnen Fundorte sind kurz behandelt. Daran
schließt sich die Liste der gesammelten (191) Arten, wovon 19 zum
erstenmale für Tucuman nachgewiesen sind. U. a. wurde ein Exemplar
von Fulica cornuta in 5000 m Höhe erbeutet.
®. Bangs. A Correction of Barrow’s Record of Coccygus pumilus
from Concepcion del Uruguay; Proc. Biol. Soc. Wash. XVII (1904)
p. 165—166. — Verf. weist nach, daß die drei von Barrows in Uruguay
gesammelten Exemplare zu Ü. cinereus und nicht zu C. pumilus gehören.
R. H. Beck. Bird Life among the Galapagos Islands; Condor
VI p. 1—11l. — Biologische Beobachtungen über einige Vögel des
Galapagos Archipels. Mit sechs Abbildungen (nach Photographien
des Verfassers).
A. de Winkelried Bertoni. Contribuciön para el Conocimiento
de las aves del Paraguay; Anal. Cientific. Paraguayos, Asuncion, Ser. T,
No. 3, 1904, p. 1—10. — Über für Paraguay neue oder ungewöhnliche
Vogelarten: Merula albicollis, Euphonia chlorotica serrirostris, Dendro-
eichla turdina, Grallaria ochroleuca, Gisella iheringi, Aceipiter miran-
dollei, A. tinus, Leucopternis palliata, Leptoptila reichenbachi, und
REN
II. Aves für 1904. 79
Geotrygon violacea. Die meisten dieser Arten wurden bei Puerto Bertoni
in Alto Parana gefunden.
€. Bruch. Enumeraciön de una colecciön de Aves de las Provincias
de Salta y Jujuy y deseripciön de un nuevo Tiränido; Revist. del Mus.
de La Plata XI, 1904, p. 245—257. — Über eine Sammlung G. Gerlings
aus Salta und Jujuy. 178 sp. sind aufgeführt, von denen 13 für die
Provinzen angeblich zum erstenmale nachgewiesen sind. Neu: Musci-
saxicola Morenoi, Jujuy (p. 14 des Separatabdrucks).
E. A. Goeldi. A Story about the Giant Goatsucker of Brazil
(Nyetibius jamaicensis); Ibis (8) IV p. 513—518. — Biologische Be
obachtungen. Mit zwei Textzeichnungen.
G. Hagmann. As Aves Brasilicas mencionadas e descriptas nas
obras de Spix (1825), de Wied (1830—1833), Burmeister (1854) e Pelzeln
(1874) na sua nomenclatura scientifica actual; Boll. Mus. Goeldi (Pa-
raense) IV, No. 2/3 (Dec. 1904) p. 198—308.. — Liste der von den vier
oben genannten Autoren aufgeführten Vogelarten nebst den vermuteten
Equivalenten des „Catalogue of the Birds in the British Museum“.
Völlig kritiklose Zusammenstellung.
3. B. Hatcher. Reports of the Princeton University Expeditions to
Patagonia 1896—1899. Edited by W. D. Scott. Volume I: Narrative
of the Expeditions. By J. B. Hatcher. Princeton. 1903. 4°. pg. 314
— Reisebericht über die Expedition nach Patagonien (vgl. Scott p. 81).
Die Landung erfolgte bei Gallegos, nahe der Mündung des gleich-
namigen Flusses, im südl. Patagonien, von wo aus ein großer Teil
des Territoriums von Santa Cruz erforscht wurde. Zahlreiche ornitho-
logische Beobachtungen sind ım Texte enthalten, so über die Arten
der Gattung Polyborus (p. 57), Rhea darwini, Sarcorhamphus gryphus,
eine Kolonie von Theristicus melanopis (p. 178). Die Lebensweise von
Upucerthia dumetoria (p. 83) wird kurz geschildert u. s. w.
€. E. Hellmayr. |On five new South American Birds]; Bull. B. O. C.
XIV, p. 51—55. — Neu: Deconychura secunda, Napo, Ost-Ecuador;
Dysithamnus aroyae, Marcapata, S.O. Peru; Thamnophilus para-
guayensis, Rio Apa, N. Paraguay; Formicivora orenocensis, Orinoco;
Serpophaga parambae, N. W. Ecuador.
Derselbe. [On some rare South American Birds]; 1. c. p. 59
—61. — Unterschiede von Pipile pipile, P. cumanensis und P. nattereri.
Kennzeichen von Copurus funebris.
Derselbe. Beschreibung einer neuen Phlegopsis-Art aus
Brasilien; Orn. Monber. XII, p. 53—55. — Neu: P. paraensis aus Parä.
Übersicht der drei Formen: P. nigromaeulata, P. bowmani und P. para-
ensis in Schlüsselform, mit Angabe der Verbreitung.
!)Derselbe. [Referat über Berlepsch u. Hartert, On the Birds
of the Orinoco Region]; Verhandl. zool. bot. Gesellsch. Wien, LIII,
1903, p. 244—247. — Auf p. 247 wird der Ibis vom Orinoco als Phi-
mosus berlepschi n. sp. gesondert.
!) Aus dem Bericht 1903 durch Versehen ausgelassen.
s0 II. Aves für 1904.
Derselbe. Über neue und wenig bekannte Fringilliden Bra-
siliens, nebst Bemerkungen über notwendige Änderungen in der Nomen-
klatur einiger Arten; Verhandl. Zool. Bot. Gesellsch. Wien LIV, Oct.
1904 p. 516—537. — Verf. weist zunächst die Identität von Sporophila
moesta, Amaurospiza coerulatra, Haplospiza crassirostris und Amauro-
spiza axillarıs nach, und erläutert die Kennzeichen der Geschlechter
der Art, die als Amaurospiza moesta zu stehen hat. Der zweite Ab-
schnitt beschäftigt sich mit seltenen Arten der Gattung Sporophila.
Neu: S. saturata, S. Paulo; S. lorenzi, Cayenne (?); S. melanocephala
ochrascens, Rio Paranä. Ausführliche Synonymie von $. bouvreuil,
S. ruficollis, S. americana, S. m. melanocephala, S. m. ochrascens,
S. collaris. Bemerkungen über und Charakterisierung von $. cinna-
momea, S. melanogastra, S. melanops, S. ardesiaca, $. 1. leucoptera
und $. 1. hypoleuca. Schlüssel für die $ 8 der mit 8. bouvreuil ver-
wandten Arten. Drepanorhynchus schistaceus wird auf Sp. faleirostris,
die beschrieben ist, zurückgeführt; S. plumbeiceps Salvad. ist das &
ad. von 8. ruficollis.
H. v. Ihering. The Biology of the Tyrannidae with respect to their
Systematic Arrangement; Auk XXI p. 313—322. — Verf. untersucht
die verwandtschaftlichen Beziehungen der wichtigsten Gattungen
auf Grund ihrer Lebens- und Nistweise. Die Eier sind auffallend ein-
förmig in Färbung und Zeichnung, bieten daher keine Handhabe zur
Klassıfıkation. Sodann bespricht er die bisher unterschiedenen Unter-
familien, die nach Verf.’s Ansicht z. T. unnatürliche Grenzen haben,
und schlägt ein neues Arrangement vor. 1. Die Taeniopterinae bilden
eine natürliche Gruppe, doch sind die Gattungen Sayornis, Sisopygis
und Machetornis daraus zu entfernen. 2. Die Platyrhynchinae umfassen
zwei biologisch durchaus verschiedene Gruppen: die Euscarthminae
und die Serphophaginae. 3. Auch aus der Subf. Elaeneinae sind mehrere
Gattungen, so Rhynchocyclus, Legatus, Myiozetetes, Conopias, Pitangus,
Sirystes und Myiodynastes auszuscheiden. 4. Die Tyranninae bilden
eine natürliche Gruppe, mit ihnen sind wahrscheinlich die Pitanginae
zu vereinigen.
3. v. Madaräsz. Neue Vogelarten aus Venezuela; Ann. Mus. Hung.
II. p. 115—116, tab. XII. — Neu: Thryothorus consobrinus, Strix
stietica und Eupsychortyx horväthi, alle von Merida. Die früher
(siehe Bericht 1903, p. 275) beschriebenen Elainea gularis und Dendre-
xetastes berlepschi werden auf Mecocerculus setophagoides und Dendro-
colaptes validus zurückgeführt. E. horväthi ist abgebildet.
A. Menegaux. Catalogue des Oiseaux rapportes par M. Geay de la
Guyane frangaise et du Conteste franco-bresilien; Bull. Mus. Paris X,
1904, p. 107—119, 174—186. — Aufzählung von 159 sp., wovon an-
geblich 40 zum ersten Male für die Kolonie nachgewiesen sein sollen.
Die Sammlungen stammen aus verschiedenen Teilen von Französisch
Guyana und aus dem ornithologisch nahezu unbekannten „Haut-Car-
sevenne“. Neu: Thamnophilus camopiensis. Von Todirostrum pietum
wurde ein Weibchen. das zweite bekannte Exemplar, bei St. Jean-du-
Maroni gesammelt.
II. Aves für 1904. 81
M. 3. Nicoll. Ornithological Journal of a Voyage round the World
in the „Valhalla“ (November 1902 to August 1903); Ibis (8) IV p. 32
—67. — Auf p. 37—52 bespricht Verf. die von ihm auf Fernando No-
ronha, bei Bahia und auf der nahen Insel Itaparica, bei Punta Arenas
und an der Patagonischen Küste, sowie in der Bai von Valparaiso ge-
sammelten Vögel.
H. ©. Oberholser. A Monograph of the Genus Dendrocincla Gray;
Proc. Acad. N. Sci. Philad. 1904 (publ. June 1904) p. 447—463. —
Dem systematischen Teil gehen allgemeine Betrachtungen über
die Gattung, und ein Bestimmungsschlüssel der Formen voraus. Verf.
unterscheidet: D. macrorhyncha, D. tyr. tyrannina, D. t. brunnea,
D. longicauda, D. atrirostris [Syn. D. minor], D.a. anabatina, D.a.
typhla n.subsp., Yucatan; D. fuliginosa, D. turdina, D. enalincia,
n.sp., S. Paulo, Brazil; D. merula, D.o.olivacea, D. o. lafresnayi,
D. o. phaeochroa; D. ridgwayi n.sp., Talamanca, Costa Rica; D. m.
meruloides, D. m. aphanta n.subsp., Tobago; D. ruficeps, D.h. ho-
mochroa und D.h. acedesta n. subsp., Chiriqui. Die einzelnen Formen
kurz sind charakterisiert, ihre geographische Verbreitung und Variation
erörtert, gelegentlich’sind auch kritische Bemerkungen über Synonymie
etc. beigefügt. Eine wertvolle Arbeit, wenn auch in manchen Details
hinsichtlich der südamerikanischen Arten nicht ganz fehlerlos.
Derselbe. A Revision of the American Great Horned Owls;
Proc. U. S. Mus. XXVII, p. 177—192. — Vgl. p. 73.
Derselbe. A Review of the Wrens of the Genus Troglodytes;
l. ec. p. 197—210, tab. V. — Vgl. p. 73.
E. Oustalet, Description d’especes nouvelles d’oiseaux rapportes
par M. G.-A. Baer du Tucuman (Republique Argentine); Bull. Mus.
Parıs X, 1904, p. 43—45. — Neu: Buarremon Baeri, Upucerthia Baeri,
Sıptornis Hilereti und S. Lilloi. Mecocerculus leucophrys wird für
Tucuman festgestellt.
R. Ridgway. Descriptions of seven new Species and Subspecies
of Birds from Tropical America; Smithson. Misc. Coll. vol. 47, August
1904, p. 112—113. — Neben einer Anzahl neuer Formen aus Mittel-
amerika sind die zwei folgenden beschrieben: Catharus fuscater sanctae-
martae, Santa Marta, und Mimus gilvus tolimensis, Tolima, Colombia.
W. Rothschild. [On a second specimen of Fulica cornuta]; Bull.
B.0.C. XIV, p. 38. — Ein $ ad. wurde von Baer in der westlichen Kette
der Aconqueja-Berge, nordwestlich von Tucuman, in einer Höhe von
5000 m. erlest.
W. Earle Dodge Scott, associated with R. B. Sharpe, Ornitho-
logy, Part I. Rheidae-Spheniscidae; Reports of the Princeton Univer-
sity Expeditions to Patagonia 1896—1899, J. B. Hatcher in charge,
edited by W. D. Scott. Princeton 1904. 4°. vol. II, pgg. 112. — Eine
monographische Darstellung der Avifauna von Patagonien, begründet
auf das Material des Princeton und British Museums. Der vorliegende
erste Teil behandelt die Rheidae, Tinami, Columbae, Rallidae, Podiei-
pedidae und Spheniscidae. Jede Art ist beschrieben, Synonymie, Ver-
Arch. f. Naturgesch. 70. Jahrg. 1904. Bd. Il. H.1. (11.) 6
9) II. Aves für 1904.
breitung und Lebensweise sind eingehend geschildert. Zahlreiche
Textbilder.
R. E. Snodgrass and E. Heller. Papers from the Hopkins-Stanford
Galapagos Expedition, 1898—1899. — XVI. Birds; Proc. Wash. Acad.
Sei. V, Jan. 1904, p. 231—372. — Eine äußerst sorgfältige, zusammen-
fassende Darstellung der Avifauna des Galapagos-Archipels. Bei den
einzelnen Arten, die in aufsteigender Folge behandelt werden, ist die
Originalbeschreibung zitiert, ferner wird auf die Publikationen anderer
den Gegenstand behandelnder Autoren hingewiesen. Daran schließen
sich eingehende Angaben über die Verbreitung der Vögel auf den ver-
schiedenen Inseln, und meist solche über Lebensweise und Brutgeschäft.
Die Eier mehrerer Arten sind gekennzeichnet. Bei den dem Archipel
eigentümlichen Vogelformen sind die unterscheidenden Charaktere
(im Vergleich zu ihren Verwandten) und eingehende Maße mitgeteilt.
Von größtem Interesse ist jener Teil der Arbeit, der sich mit den Finken
beschäftigt. Verff. begreifen in der Gattung Geospiza die fünf Formen-
gruppen: Geospiza, Cactornis, Camarhynchus, Platyspiza und Cacto-
spiza. Die sechs Färbungsstadien, welche die Geospizaarten normaler-
weise in ihrem Leben durchlaufen, sind kurz gekennzeichnet. Die
Variation nach Alter und Geschlecht, in Bezug auf Gefieder- und
Schnabelfärbung ist eingehend dargestellt, worauf detalliierte Maß-
tabellen folgen. Bei einzelnen Arten, so z. B. bei G. fuliginosa parvula
geben die Verf. umfangreiche Mitteilungen über Stimme, Nahrung,
Lebensweise, Fortpflanzung u. s. w. Wichtig ist ferner die Monographie
der Gattung Nesomimus. Die Arbeit bildet einen sehr wertvollen Bei-
trag zu der Kenntnis der Avifauna des Galapagos-Archipels.
BR. Vailentin. Notes on the Falkland Islands; Memoir. & Proceed.
Manchester Litt. and Philos. Soc. vol.48, pt.3, No.23, 1904, p. 1—48.
— Verf. besuchte zweimal die Falklandinseln und gibt in vorliegender
Arbeit einige Notizen über die Inselgruppe. In dem Kapitel ‚„Aves“
sind 36 sp. mit kurzen Bemerkungen aufgeführt. Besondere Beachtung
finden die vier Arten Pinguine. Abbildungen (nach Photographien)
der Vogelkolonien. Am Schlusse eine (allerdings unvollständige)
Literaturübersicht des Gebietes.
Arktisches Gebiet.
*S, 3. Bilkewiez, Materialien zur Erforschung der Säugetiere und
Vögel von Nowaja-Semlja. Kasan 1904. 30 pg. miteiner Tafel [Russisch!]
— Verf. sammelte im Sommer 1906 für das Zool. Museum in Kasan
auf Nowaja-Semlja. 31 sp. sind aufgeführt und besprochen. Colymbus
adamsi ist nicht seltener Brutvogel. Der ein-ige Standvogel ist Cepphus
mandti. Cygnus bewicki brütet zahlreich, Somateria stelleri wurde
häufig beobachtet.. Anser segetum var. (= A. carneirostris Buturl.)
brütet häufig auf der Gänseinsel. Die Art ist eingehend beschrieben
und auf der beigegebenen Tafel abgebildet.
S. A. Buturlin. Vorläufiger kurzer Bericht über eine Fahrt nach
der Insel Kolgujew im Sommer 1902; Berichte Kais. Russ. Geogr.
Dim aa u = _
II. Aves für 1904. 83
Ges. 1903, vol. XXXIX, Heft 3, p. 223—248, mit 1 Karte [Russisch].
— Bericht über die Reise und die entfaltete, wissenschaftliche Tätig-
keit. Totanus glareola neu für Kolgujew (p. 234), Calidris arenaria des-
gleichen für Nowaja-Semlja (p. 246).
©. Helms. Fortsatte ornithologiske Meddelelser (1903) fra Grön-
land; Vidensk. Meddel. naturhist. Foren. i Kjebenhavn 1904, p. 79
— 135, mit 3 Karten. — Die Arbeit gründet sich auf die Ausbeute der
Amdrupschen Expedition nach Ostgrönland, sowie auf das Material im
Kopenhagener Museum und in des Verf.’s Privatsammlung aus Ang-
magsalik. Verf. schildert zunächst die physik., topograph. und flo-
ristischen Verhältnisse des Gebietes, und gibt sodann die Liste der
beobachteten Arten, welche mit genauen Angaben über Vorkommen,
Wanderung, Brüten ete. aufgeführt werden. Von den für Angmagsalık
festgestellten Vogelarten sind 24 sp. Brutvögel, 11 sp. brüten nördlich
davon und berühren den Ort nur auf dem Zuge, 16 sp. sind als zufällige
Gäste zu betrachten. Ein weiteres Kapitel behandelt das Jahr an der
Ostküste mit seinen Erscheinungen aus der Vogelwelt, Witterungs-
verhältnissen etc. Die ‚‚Übersicht der Vögel Ost-Grönlands“ zeigt uns,
daß die Ostküste arm an Vögeln ist. Im Ganzen kennt man bisher
67 sp., der nördliche Teil ist reicher an Individuen und Arten (28 sp.
gegen 23 sp. im südlichen Teile). Drei Arten: Anser brachyrhynchus,
A.leucopis und Tringa alpina sind als Brutvögel auf die Ostküste
Grönlands beschränkt. Am Schlusse Notizen über einige Vögel West-
grönlands.
H. Schalow. Die Vögel der Arktis in: Fauna Arctica. Eine Zu-
sammenstellung der arktischen Tierformen, mit besonderer Berück-
sichtigung des Spitzbergen-Gebietes auf Grund der Ergebnisse der
Deutschen Expedition in das Nördliche Eismeer im Jahre 1898. Heraus-
gegeben von F. Römer und F. Schaudinn. Band IV, Lieferung I, 1904,
gr. 4°. p. 79—288. — Die Arbeit, welche das ganze nördliche Eismeer
und dessen Inseln in ornithologischer Beziehung behandelt, gibt die
erste zusammenfassende Übersicht über die arktische Vogelwelt. In
der Einleitung werden (p. 81—96) allgemeine Fragen erörtert: Kenntnis
des Gebietes, Abgrenzung einer arktischen Region, Verbreitung der
Arten in dem Gebiete, Strich und Wanderung, Nahrung, Brutgeschäft,
Einfluß des Klimas auf die Lebensweise etc. Dann (p. 96—110) folgt
eine Übersicht der Literatur über die Vogelfauna des nördl. Eismeeres,
die mit Martens’ Brochure von 1675 beginnt und 368 Nummern um-
faßt. Am Schlusse dieser Zusammenstellung ein geographischer Index
(p. 108-110). Daran schließt sich (p. 110—114) das Verzeichnis der
für das Gebiet festgestellten Vogelarten. Den größten Teil des Werkes
umfaßt die Darstellung der einzelnen Spezies (p. 114—271). 270 Formen
sind behandelt, darunter 144 sp. Brutvögel. Bei jeder Form sind die
betreffenden Literaturhinweise gegeben, wenn nötig, auch Be-
schreibungen nach den vom Verf. untersuchten Exemplaren, woran
sich umfassende Angaben über die geographische Verbreitung, und
bisweilen kritische Notizen des Verf.’s schließen. Das Schlußkapitel
enthält: ein Verzeichnis der arktischen Vögel mit Rücksicht auf die
6*
84 II. Aves für 1904.
numerische Zusammensetzung in den einzelnen Ordnungen und Familien;
eine Liste der als circumpolar betrachteten Arten (20); und eine Tabelle
mit Angabe der Ausdehnung einzelner Arten nach Norden. Auf p. 274
— 284 eine Übersicht der auf den einzelnen Inseln des Eismeeres vor-
kommenden Vögel, auf p. 2834—286 Erörterung einiger centraleuro-
päischen, den menschlichen Wohnstätten folgenden Arten. Betrach-
trachtungen über die Beziehungen der arktischen und antarktischen
Vogelfauna (p. 286—288) schließen die wertvolle Arbeit.
Antarktisches Gebiet.
A. Reichenow. Über die Gegensätze zwischen der arktischen und
antarktischen Fauna, die in dem Vogelleben beider Gebiete sehr scharf
hervortreten; Sitzungsber. Gesellsch. naturf. Freunde Berlin 1904
No. 8, p. 171—172. — Verf. erörtert die Unterschiede der antarktischen
Sterna macrura antistropha gegenüber der arktischen St. m. macrura.
Derselbe. Neue Arten des Südpolargebiets; Orn. Monber.
XI, p. 46—47. — Neu: Phalacrocorax vanhöffeni, Crozet-Insel;
Anas drygalskii, Crozet-Insel; Chionis nasicornis, Heard-Insel; Sterna
macrura antistropha, Küsten des antarktischen Kontinents; Sterna
vittata georgiae, Südgeorgien.
R. B. Sharpe. Report on the Birds obtained by the National
Antarctie Expedition at the Island of South Trinidad; Ibis (8) IV
p. 214—217. — Aufzählung von sechs Arten: Sula piscatrix, Fregata
ariel, Oestrelata trinitatis, O. wilsoni, eine Entdeckung der Expedition
und vom Verf. bereits früher gekennzeichnet, Daption capensis und
Gygis alba. Außerdem Bemerkungen über Oestrelata arminjoniana.
E. Wilson. The Birds of the Island of South Trinidad. From the
Journal of Edward Wilson, M. B., Surgeon and Zoologist to the National
Antarctie Expedition; Ibis (8) IV p. 208—213. — Ornithologische
Beobachtungen auf Süd Trinidad, besonders über Sturmvögel.
vo. Zug, Wanderung.
L. Frhr. von Besserer. Herbstzugsbeobachtungen aus Steiermark;
Verhandl. Ornith. Gesellsch. Bayern IV, 1904, p. 81—93. — Beob-
achtungen aus dem Murtale.
R. Blasius. Vogelleben an den Deutschen Leuchttürmen 1900,
1901, 1902 und 1905; Ornis XII, No.3 (Mai 1904) p. 257—380. —
Beobachtungen liefen von 39 deutschen Leuchttürmen ein. Die Daten
der einzelnen Arten sind nach den Stationen geordnet. Zahl der an-
geflogenen Stücke, Windrichtung, Wetter und Stunde sind jedesmal
genau verzeichnet. Zuweilen schließen sich hieran noch Bemerkungen
allgemeiner Natur.
F. Braun. Zugvögel und Florenwechsel. Eine faunistische Studie;
Journ. f. Orn. LII p. 443—455. — Spekulationen über die mutmaßliche
Entstehung des Vogelzuges. Verf. meint, „daß die Verhältnisse, wie
II. Aves für 1904. 85
sie heute im Herbst und Winter in den Ländern der wärmeren, ge-
mäßigten und subtropischen Zone der nördlichen Hemisphäre herrschen,
uns Bilder zeigen, wie wir sie dort in weit entlegenen Zeiten im
Sommer, in der Fortpflanzungszeit g sefunden hätten“.
A. L. Butler. [|Snow-Buntings (Plectrophanes nivalis) on Migration
in mid-Atlantie]; Ibis (8) IV p. 304-305.
L. Buxbaum. Die Kraniche und ihre Zugstraßen; Zool. Garten
XLV p. 259—260.
Derselbe. Die Kranichzüge im unteren Maintal; Monatsschr.
Ver. Vogelw. XXIX p. 301—302.
W. E. Clarke. Studies in Bird-Migration. II. The Results of
Observations made at the Kentish Knock Lightship in the Autumn
of 1903; Ibis (8) IV p. 112—142 tab. IV. — Verf. verbrachte zur
Beobachtung des Herbstzuges vier Wochen (17. Sept. bis 18. Oct.)
auf dem Leuchtschiff Kentish Knock, das ın der Nordsee östlich von
der Thames Mündung, nordöstlich von Margate liegt. Im ersten
Teile schildert Verf. den Verlauf des Vogelzuges im Allgemeinen, wobei
die einzelnen Züge nach Richtung, Stärke und Zusammens setzung
eingehend behandelt werden. Clarke geht auf die Art ein, wie sich die
verschiedenen Species dem Lichte nähern, und inwieweit Wind- und
Witterungsverhältnisse den Zug beeinflussen. Daran schließen sich
die Aufzeichnungen der einzelnen Beobachtungstage. Verf. wendet
sich gegen die Ansicht, daß dieVögel, welche an den Laternen erscheinen,
ihren Weg verloren haben und zus Mangel an anderer Direktion dem
Lichte zuflögen. Fast ausschließlich Passerinen fliegen gegen das
Licht an, während Watvögel, deren Stimmen Verf. ın den Nächten
hörte, dies nie tun. Die Wanderungen vollziehen sich nach seinen
Beobachtungen bei allen Arten dicht über dem Wasser hin, gleichsiltig
wie das Wetter ist. Der zweite Abschnitt enthält die Aufzählung der
(48) beobachteten Vogelarten mit Notizen über Häufigkeit und Zugs-
erscheinungen. Die beigegebene Karte macht die Lage der Station
ersichtlich.
.W. W. Cooke. Some new Facts about the Migration of Birds;
Yearbook U. S. Dept. Agriculture for 1903, publ. 1904, p. 371—386.
— Die Arbeit zerfällt i in folgende Abschnitte: 1. Introdu etion, 2. Ur-
sachen des Zuges, 3. Wie finden die Vögel ihren Weg?, 4. Unfälle auf
der Wanderung, 5. Ausdehnung des Zuges, 6. Zu; &sstraßen, 14 Sind
die Vögel durch langen Flug erschöpft? 8. Höhe des Zuges, 9. Be-
ziehungen zwischen Zug und Temperatur, 10. Abänderung in der Ge-
schwindiskeit des Zuges, IR „the Drei . Die einzelnen Kapitel
enthalten eine ganze Menge interessanter Einzelheiten und beachtens-
werter Hinweise. Besonders wertvoll sind die Ausführungen über Zug
und Zugrichtung der nordamerikanischen Wanderer. Im Allgemeinen
bilden weder Bergketten noch Flußläufe bevorzugte Zugstraßen,
doch sind einige Straßen, welche die Zugvögel nach Südamerika führen,
nicht zu leuenen. Die eine führt über Florida, die Bahama Inseln,
Großen und Kleinen Antillen. Die Bewohner der westliche Ebenen
und der Rocky Mountains gewinnen ihre Winterquartiere via Central-
86 I. Aves für 1904
amerika. Erwähnenswert ist die Darstellung (auf einer Karte) des
Brutgebietes und der Wanderung des „Golden Plover“, u. s. w.
Derselbe. Some new Facts about the Migration of Birds;
Condor VI p. 115—126. — Abdruck der vorhergehenden Abhandlung.
Derselbe. Distribution and Migration of North American
Warblers. U. 8. Dept. of Agrieulture, Divis. Biol. Survey. Bulletin
No. 18. Washington. 1904. 8°. pg. 142. — Vgl. p. 67.
Derselbe. The Effect of Altitude on Bird Migration; Auk
XXT p. 338—341. — Asheville in Nord Carolina, von Bergen um-
schlossen, liegt 2000 Fuß über dem Meere. Genau östlich liegt Raleigh,
etwa 300 Fuß hoch, mit viel milderem Klima. Verf. beobachtete
den Vogelzug an diesen beiden Orten und stellte fest, daß im Früh-
jahre 26 sp. Zugvögel in Raleigh um 3—6 Tage früher ankommen als
in Asheville. Bei anderen Arten ist die Differenz zwischen den An-
kunftszeiten noch größer, und beträgt bis zu 19 Tagen.
3. Dwight, jr. The Rapidity of the Wing-Beats of Birds; Auk
XXI p. 286.
E. H. Eaton. Spring Bird Migration of 1903; Auk XXI p. 341
— 345. — Beobachtungen aus dem westlichen Teile des Staates New
York.
3. Gengler. Zugbeobachtungen in Regensburg von 1774—1834;
Orn. Monber. XII p. 78—79.
HM. Frhr. Geyr von Schweppenburg. Zur Starenfrage; Monatsschr.
Ver. Vogelw. XXIX p. 360—365. — Beobachtungen über den Herbst-
zug des Stares, welche die Angaben Helms bestätigen, daß die Jungen
nicht sehr lange vor den Alten wegziehen.
Derselbe. Kleine Notizen zum Vogelzuge 1903; Journ. f.
Orn. LII p. 506—547. — Verf. gibt zunächst die in Tagebuchform
angeordneten Daten betr. den Frühjahrszug, wendet sich kurz
der ökonomischen Bedeutung des Kukuks und der Krähen zu, und
fährt dann mit der Mitteilung der Daten über den Herbstzug fort. Die
Wind- und Wetterverhältnisse der einzelnen Beobachtungstage sind
sorgfältig registrirt. Daran schließen sich Tabellen für den Zug. von
Corvus frugilegus und Buteo (Pernis, Astur), und den Schluß bilden
Beobachtungen über verschiedene Erscheinungen des Vogelzuges.
Eine lesenswerte Abhandlung!
3. H. Gurney. Ornithological Notes from Norfolk and the East
Coast of England for 1903; Zool. (4) VIII p. 201—219 tab. VI —
Zahlreiche Notizen über den Herbstzug der Vögel an der Ostküste
Englands. Mit zwei Karten.
*WY, Häcker. Föhn und Vogelzug; Verhandl. Deutsch. Zool.
Gesellsch. 14. Jahresvers. Tübingen 1904, p. 202—212, mit 5 Fig.
6. H. Caton Haigh. Migration of Birds in North-east Lincolnshire
in the Autumn of 1903; Zool. (4) VIII p. 291—300. — Notizen über
den Herbstzug.
3. A. Harvie-Brown. Migration in 1903; Zool. (4) VIII p. 115—116.
3. Hegyfoky. Das Wetter zur Zeit des massenhaften Wegzuges -
der Rauchschwalbe im Jahre 1898; Aquila XI, 1904, p. 250—256.
TE u ee
II. Aves für 1904. s7
— Im Anschlusse an Pungur’s Arbeit betrachtet Verf. die meteoro-
logischen Verhältnisse während des Herbstzuges der Hirundo rustica.
F. Helm. Weitere Beiträge zu der Gätke’schen Hypothese über
den Zug der Vögel nach Alter und Geschlechts; Journ. f. Ornith. LII
p. 50-69. — Auszüge aus der Literatur mit anknüpfenden theo-
retischen Betrachtungen.
W. Hennemann. Über die Ankunft und Abreise der Turmschwalben
(Apus apus [L.]) ım mittleren Lennetal in den Jahren 1900 bis 1903
nebst einigen Notizen über das Ausfliegen einer im letzten Jahre in
einem Starenkasten ausgekommenen Seglerbrut; Monatschr. Ver.
Vogelw. XXIX p. 304—306.
HM. H. Kopman. Bird Migration Phenomena in the Extreme Lower
Mississippi Valley; Auk XXI p. 45—50.
T. 6. Laidlaw. Report on the Movements and occurrence of
Birds in Scotland during 1903; Ann. Scott. N. H. 1904 p. 138—150,
207—217. — In der Einleitung Verzeichnis der Stationen und der
Beobachter, und allgemeine Betrachtungen über den Vogelzug im
Frühjahre und Herbst. Der spezielle Teil enthält Daten über den Zug
von 115 sp.
F. v. Lucanus. Die Höhe des Vogelzuges und seine Richtung zum
Winde auf Grund aeronautischer Beobachtungen. Zwei Vorträge.
Neudamm. 1904. 8°. pg. 24. — Verf. erörtert zunächst die Beob-
achtungen über das Verhalten der Vögel, die gelegentlich freier Ballon-
fahrten gemacht wurden, und schließt aus denselben, daß die Vögel
zur Orientierung des Ausblickes auf die Erde bedürfen. Im zweiten
Abschnitt (p. 13—24) beschäftigt sich Verf. mit der Höhe des Vogel-
zuges und seiner Richtung zum Winde. Die Broschüre ist im
Wesentlichen ein Abdruck des 1903 erschienenen Artikels über den-
selben Gegenstand (vgl. Bericht 1903 p. 278).
M. Marek. Ornithologisches aus Zengg; Glasn. Hrv. Naravosl.
Drustva XVI, 1904, p. —. — [Sep. 29 pg.]. — Enthält u. A. zahlreiche
Zugdaten aus Zengg im südl. Dalmatien.
A. Müller. Entgegnung auf die Bemerkungen von H. Bank,
Ringelheim, in Betreff der Abhandlung der Gebrüder A. und K. Müller
„Über das Wesen des Vogelzuges“; Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX
p. 158—161.
M. 3. Nicoll. [On Bird-Migration in East Sussex during September];
Ibis (8) IV p. 475—476.
3. Pungur. Der Herbstzug der Rauchschwalbe 1898 in Ungarn.
(Bericht der U. O. C.). Mit zwei Karten; Aquila XI, 1904, p. 1—249.
— In ähnlicher Weise wie der Frühjahrszug durch G. v. Gaal bearbeitet
wurde, gibt Verf. eine Darstellung des Herbstzuges auf Grund der
Massenbeobachtung von Hirundo rustica im Jahre 1898. Nach einigen,
einleitenden Kapiteln sind die Daten aus den einzelnen Zonen zusammen-
gestellt, die sich daraus ergebenden Resultate in einer Tabelle
ersichtlich gemacht. Den Schluß der Arbeit bilden Betrachtungen
über einzelne Fragen (Massenwegzug, Sammeln etc.) und die Schluß-
folgerungen. Mit zwei Karten.
tete) II. Aves für 1904.
&. de Rocequigny-Adanson. Note sur le Martinet noir (Cypselus
apus); Ornis XII, No. 3, (Mai 1904) p. 253—255. — Daten über die
Ankunft im Frühjahr bei Moulins aus zehn Jahren.
E. Rössler. Hrvatska Ormnitoloska Centrala. III. Godinji izvjesta].
(Kroatische Ornithologische Centrale. III. Jahresbericht 1903); Soc.
Scient. nat. Croat. Zagreb, 1904, p. — (Sep. p. 1—163). — Der
dritte Jahresbericht weist wiederum eine Zunahme der Beobachtungs-
stationen auf, nämlich 303 gegen 268 des Jahres 1902. Bearbeitungs-
weise und Anordnung wie in früheren Jahren (vgl. Bericht 1902 p. 156).
Die große Zahl der eingegangenen Beobachtungen ermöglichte eine
genauere Darstellung des Zuges von Chelidon urbica, Columba pa-
lumbus, Turtur turtur und Sturnus vulgaris nach Zonen.
W. Stone. Report on the Spring Migration of 1904; Cassinia,
Proc. Delaware Vall. Orn. Cl. No. 8, 1904, p. 46—61, with one figure.
P. A. Taverne. A Discussion of the Origin of Migration; Auk
XXI p. 322—333. — Theoretische Betrachtungen über den mut-
maßlichen Ursprung des Vogelzuges, den Verf. in „a conscious seeking
of food‘ zu finden glaubt.
L. Ternier, cfr. p. 38.
6. Thienemann. Die Mauersegler in Magdeburg und Beobachtungen
über ihren Abzug daselbst; Orn. Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX p. 269
— 271. — Notizen zum Herbstzug.
3. Thienemann. Vogelwarte Rossitten (Krähenversuch betreffend);
Orn. Monber. XII p. 31—32.
Derselbe. Vogelwarte Rossitten. (Krähenversuch. Starker
Vogelzug); Orn. Monber. XII p. 127—132. — Über die Ergebnisse
des Krähenversuchs, die nichts Nennenswertes bieten, und Notizen
über den Frühjahrszug 1904.
Derselbe. Vogelwarte Rossitten. (Vorkommen von Buteo
zimmermannae Ehmcke; Krähenversuch); Orn. Monb. XII p. 165
— 168. — Weiteres über den Krähenversuch.
Derselbe. III. Jahresbericht (1903) der Vogelwarte Rossitten
der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft; Journ. f. Orn. LII
295. — Im ersten Abschnitt gibt Verf. einen Bericht über die
Tätigkeit der Vogelwarte im Allgemeinen. Der wissenschaftliche Teil
enthält zunächst einen Überblick der Zugsbeobachtungen in chrono-
logischer Folge, und Material zur Frage über die Beziehungen zwischen
Vogelzug und Wetter auf der Nehrung. Daran schließen sich noch
besondere Bemerkungen über den Krähenzug. Das nächste Kapitel
(p. 272—280) betitelt sich: Ein Beitrag zu der Frage nach dem Zuge
der Vögel nach Alter und Geschlecht, und beschäftigt sich mit neun
Arten. Darauf folgt ein Bericht über das Auflassen gezeichneter
Krähen (p. 281—286), das Verzeichnis der Vogelsammlung der Station
(p. 237— 291) und die Liste der Publikationen des Leiters der Vogel-
warte (p. 291—292). Den Schluß bilden die Satzungen der Station.
3. Trumbull. Notes on Land-Birds observed on the North Atlantic
and Golf of St, Lawrence; Zool. (4) VIII, p. 134—141, — Verf.
II. Aves für 1904. 89
spricht über Beobachtungen von Landvögeln, die er auf seinen Reisen
zwischen England und Nordamerika auf hoher See antraf.
W. H. Werkman. [Migration of Waxwings (Ampelis garrulus) in
Ireland]; Ibis (8) IV p. 307—308.
VIII. Lebensweise.
a) Lebensweiseim Allgemeinen.
Magaud d’Aubusson. L’Huitrier vulgaire (Haematopus ostralegus
L.), ses moeurs et ses habitudes; Le Naturaliste XXVI, p. 9—11.
Derselbe. Les Labbes d’Europe, leurs moeurs et leurs habi-
tudes; Le Naturaliste XXVI, p. 33—55.
H. Bolau. Die Lummen (Uria troille L.) bei Helgoland; Zool.
Garten. XLV, p. 121—127.
Derselbe. Einige Beobachtungen an Möven undanderen Vögeln
auf See; Zool. Garten XLV, p. 378—387. — Biologisches.
D. €. Campbell. The Dunlin in the Breeding Season; Irish Nat.
XIII, p. 39—41. — Schilderung des Lebens von Tringa alpina am Brut-
platze.
P. Dahms. Eine Beobachtung aus dem Leben der Meisen; Sitz.
Nat. Ges. Danzig, N. F. Bd. 11, p. 120—124.
W. L. Finley. Two Oregon Warblers; Condor VI, p. 31—35. —
Biologisches über Dendroica nigrescens und Geothlypis trichas arizela.
Mit vier Textbildern.
Derselbe. The Black-headed Grosbeak (Zamelodia melano-
cephala); Condor VI, p. 145—148. — Biologisches. Mit Textbildern.
W. K. Fisher. On the Habits of the Laysan Albatross; Auk XXI,
p. 8-20, tab. II.— VII. — Eingehende Schilderung der Lebensweise
von Diomedea immutabilis. Mit prächtigen Abbildungen nach photo-
graphischen Aufnahmen.
BE. A. Goeldi. A Story about the Giant Goatsucker of Brazil
(Nyetibius jamaicensis); Ibis (8) IV, p. 513—518. — Biologische Be-
obachtungen. Mit zwei Textzeichnungen.
V. Hernung. Aus dem Leben der Rabenkrähe (Corvus corone L.);
Zool. Garten XLV, p. 376—378. — Biologisches.
€. Loos. Etwas vom Trommeln der Spechte; Mitth. österr. Reichsb.
Vogelk. u. Vogels. Wien IV, 1904, p. 93—94. — Verbreitet sich über
das Trommeln der Spechte und tritt zumal der im „Neuen Naumann“
IV, p. 257 vertretenen Anschauung entgegen, daß es nur in der Paarungs-
zeit zu hören sei.
€. Parrot. Vom Liebesspiel der Bakassine [sie]. (Gallinago gallı-
nago L.); Orn. Monber. XII, p. 37—41. — Beobachtungen über den
Balzflug und die Balzlaute der Bekassine.
3. W. Payne. A question of interest in the Life of the Cuckoo;
Zool. (4). VIII, p. 74. — Verf. wirft die Frage auf, ob der junge Kukuk
mit seinen Pflegeeltern die Wanderschaft nach dem Süden antrete.
90 II. Aves für 1904.
L. Schuster. Kurze biologische Notizen über die Sippe der Cor-
viden; Zool. Garten XLV, p. 118—121.
Derselbe. Über das Fischen der Reiher; Zoolog. Garten XLV,
p. 336— 340. — Verf. glaubt, daß der Reiher durch das beim Schreiten
im Wasser entstehende Geräusch, das dem Aufschlagen eines Insektes
oder dergl. täuschend ähnle, die Fische anlocke.
W. Schuster. Die Uferschwalbe (Clivicola riparia); Monatsschr.
Ver. Vogelw. XXIX, p. 116—120. — Biologisches.
Derselbe. Beiträge zur Monographie der Turteltaube (Columba
turtur L.); Zool. Garten XLV, p. 257—258.
b) Nahrung, Nutzen und Schaden.
E. Csiki. Positive Daten über die Nahrung unserer.Vögel; Aquila
XI, p. 270—317. — Auf Grund von ziemlich umfangreichem Material
wird der Mageninhalt folgender 14 Arten bestimmt: Lanius excubitor,
L. minor, L. collurio, Oriolus galbula, Micropus apus, Clivicola riparia,
Chelidonaria urbica, Hirundo rustica, Museicapa grisola, M. atricapilla,
Cuculus canorus, Cerchneis vespertinus und ©. tinnunculus. Die Er-
gebnisse der einzelnen Untersuchungen sind in Tabellenform zusammen-
gestellt. Wie Verf. hervorhebt, bildet die vorliegende Arbeit nur Bei-
träge zur Frage über Nutzen oder Schaden der behandelten Arten.
T. Üsörgey. Vorläufiger Bericht über die Landesuntersuchung
der Saatkrähe; Aquila XI, 1904, p. 353—359. — Im Anschluß an die
Abhandlung von Soös teilt Verf. die Ergebnisse von Magenunter-
suchungen, und der von ihm an Ort und Stelle ausgeführten Be-
obachtungen über die Lebensweise der Saatkrähe mit. Auch Csörgey
kommt zur Ansicht, daß sie eine große Bedeutung für die Landwirt-
schaft habe, von Maiskulturen aber möglichst fern zu halten sei.
*M. 3. Elrod. The Relation of Birds to Agrieulture; Second Ann.
Rep. Montana State Board of Farmer’s Institutes (University of Mon-
tana, Missoula, Mont. 1904) p. 173—190, with 8 pl. — [Vgl. Auk XXI,
p. 509—510).
*S, A. Forbes. Studies of the Food of Birds, Insects and Fishes made
at the Illinois State Laboratory of Nat. History at Normal, Illinois.
2 ed. Champaign 1904. 8°. pg. 176.
H. Geyr von Sehweppenburg. Gewölluntersuchungen; Monats-
schr. Ver. Vogelw. XXIX, p. 262—269. — Resultate der Untersuchung
von 860 Gewöllen von Strix flammea (vorzugsweise aus Nagern be-
stehend), von 110 Gewöllen von Glaucidium (!) noctua (größter Prozent-
satz gleichfalls Reste von Nagern), 70 von Syrnium alcuo (haupt-
sächlich Reste von Nagern) und 1250 Gewöllen von Asio otus (zu 95%
aus Nagerresten bestehend). Am Schlusse der Arbeit erläutert Verf.
die Unterschiede zwischen den Gewöllen der einzelnen Eulenarten.
B. von Hauer. Lebensweise und landwirtschaftliche Bedeutung
der Saatkrähe auf meinem Landgute bei Kisharta; Aquila XI, p. 318
— 327, Karte III. — Zweijährige Beobachtung einer nach Tausenden
zählenden Kolonie der Saatkrähe auf dem Landgute des Verf.’s, wo
u 1
nr
II. Aves für 1904. 9]
sowohl Feldbau als ausgedehnte Viehzucht betrieben wird. Neben
positiven Daten, welche die Magenuntersuchungen der in den einzelnen
Monaten erlegten Saatkrähen ‚ergaben, unterzog Verf. die Tätigkeit
des Vogels während der verschiedenen Jahreszeiten einer eingehenden
Beobachtung. Er gelangt zu dem Resultate, daß die Saatkrähe für die
ungarische Tiefebene ein unbedingt nützlicher Vogel sei, der den weit-
sehendsten Schutz von Seite des Menschen verdient.
0. Herman. Nahrung der Vögel; Aquila XI, 1904, p. 257—269.
— Verf. skizziert das von der U.0.C. eingeschlagene Verfahren, ornitho-
logische Kenntnisse unter den breiten Massen des Volkes zu verbreiten.
Dies wurde durch Chernel’s Prachtwerk und Herman’s populäres
Buch über Nutzen und Schaden der Vögel zu erreichen gesucht. Außer-
dem stellte das Institut systematische Untersuchungen über die Nahrung
einzelner Vogelarten an, um ihre Bedeutung für Land- und Forst-
wirtschaft zu ermitteln.
H. Johansen. Wovon nährt sich der Würgfalk (Falco sacer Gmel.)?;
Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX, p. 306—307. — Verf. fand im Magen
von zwei in Westsibirien erlegten Stücken ausschließlich Reste von
Spermophilus erythrogenys, einer im Gebiete weit verbreiteten Ziesel-
maus.
S. D. Judd. The Economic Value of the Bobwhite; Yearbook
Depart. Agrie. for 1903 (publ. 1904) p. 193—204, tab. XVI. — Verf.
behandelt die ökonomische Bedeutung von Colinus virginianus. Die
Nahrungsuntersuchungen sind begründet auf Beobachtung im Freien
und auf 801 Mägen, die Vögeln aus allen Jahreszeiten und den ver-
schiedensten Teilen Nordamerikas entstammen. Am Schluße Ver-
zeichnis der Früchte, Kornarten, Insekten ete., die der Art zur Nahrung
dienen. Mit einer kolorierten Tafel.
©. Leege. Zug und Nahrung von Dendrocopus maior (L.) auf den
ostfriesischen Inseln; Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX, p. 255—257.
— Im September wurde auf Juist ein auffallend starker Zug von großen
Buntspechten beobachtet. Meist waren es junge Vögel. Die Nahrung
bestand auf den holzlosen und baumarmen Inseln fast ausschließlich
aus den Beeren des Seekreuzdorns (Hippophae rhamnoides). Im
Magen einzelner Vögel wurden Ameisen gefunden.
*K. Loos. Zur Beurteilung der Wertigkeit der im Vogelmagen ent-
haltenen Stoffe im Hinblicke auf die wirtschaftliche Bedeutung der
Vögel; Österr. Forst- u. Jagd-Ztg. 1904 p. — (Sep. 11 pg.). — Ref.
siehe Orn. Jahrb. XV, p. 117.
*Derselbe. Unsere rabenartigen Vögel in forstlicher und jagd-
licher Beziehung; Öst. Forst- und Jagdzeitung 1904, No. 4, p. 5—10.
— Die Untersuchungen des Verf.’s ergaben, daß die Krähen vom forst-
lichen Standpunkte nur geringen Nutzen leisten, jagdlich aber schädlich
sind, so daß einer zu großen Vermehrung durch Abschuß entgegen-
getreten werden muß. Die Saatkrähe ist forstlich ziemlich indifferent;
noch harmloser die Dohle, doch schädigt sie andere Höhlenbrüter
durch Besitzergreifen ihrer. Nesthöhlen. "Eingehend beschäftigt sich
Verf. mit dem Eichelheher, den er als den wirksamsten Vertilger der
92 II. Aves für 1904.
Kieferspinnerraupen und der Nonne bezeichnet. Der wirtschaftliche
Wert der Elster wird durch den Schaden, den sie durch ihre Räubereien
verursacht, weit übertroffen.
©. Köpert. Zur Biologie der Amsel (Turdus merula); Orn. Monber.
XII, p. 6. — Die Amsel als Fischräuber.
W. F. Mc Atee. Warblers and Grapes; Auk XXI, p. 489—491.
Schleh. Nutzen und Schaden der Krähen. Untersuchungen über
die Nahrung der Krähen; Arbeiten der Deutschen Landwirtschaftlichen
Gesellschaft, Heft 91. gr. 8°. Berlin (P. Parey) 1904. [ausg. Febr.
1904] p. 1—167. — Die umfangreiche Arbeit gründet sich auf die Unter-
suchung von 487 Krähen-Magen und -Gewöllen, die in der Zeit vom
31. Januar 1897 bis zum 13. Juni 1898 zusammengebracht wurden.
Verf. erläutert zuerst kurz die Methode der Untersuchung und gibt
dann eine eingehende, tabellarische Übersicht des Materials. Bei jedem
Objekte sind Krähenart, Ort des Abschusses, Tag der Erlegung und
der Untersuchung sowie der Befund des Mageninhaltes (pflanzliche,
tierische und mineralische Stoffe) genau verzeichnet. Hauptsächlich
kamen Saat- und Rabenkrähen zur Untersuchung. Ein besonderes
Kapitel enthält die Zusammenstellung der Befunde, und zwar be-
handelt Verf. die pflanzlichen, tierischen (Wirbeltiere, Insekten,
Spinnentiere, Tausendfüßler und Würmer; Muscheltiere) und
mineralischen Einschlüsse getrennt der Reihe nach. Der vierte Ab-
schnitt beschäftigt sich mit der Frage: ‚Sind die Krähen nützlich
oder schädlich?“ Verf. bespricht zuerst einige den Gegenstand be-
handelnde größere Arbeiten und gibt sodann einige Stimmen aus der
Litteratur, Beobachtungen und briefliche Mitteilungen wieder. Weitere
Abschnitte erörtern die Ernährung der Nestkrähen, und die Frage:
„Wie stellt sich der Nutzen und Schaden der einzelnen Arten?“ Verf.
faßt seine Untersuchungen in den Worten zusammen: „daß die Krähen
im Ganzen mehr Nutzen als Schaden stiften, daß namentlich in der
Brutzeit, wo ihnen am meisten nachgestellt wird, der Nutzen ganz
erheblich überwiegt.“ Die sorgfältige Arbeit sei allen, die sich für das
Thema interessieren, angelegentlich empfohlen.
L. Soös. Die Nützlichkeit und Schädlichkeit der Saatkrähe (Corvus
frugilegus L.) in der allgemeinen Auffassung; Aquila XI, p. 328
—352, mit Taf. IV. — Verf. stellt die Resultate zusammen, die eine Um-
frage im Lande (Ungarn) über Nutzen und Schaden der Saatkrähe er-
sab. Von 1672 versandten Fragebogen lieferten 922 brauchbare Be-
richte, die, nach den einzelnen Comitaten geordnet, re;istrirt werden.
Auf der beigegebenen Karte ist die Verbreitung der Saatkrähe
in Ungarn nebst Angaben, ob für nützlich oder schädlich erklärt,
dargestellt.
c) Gesang, Stimme.
K. Beriram. Zum Gesange des Waldschwirls (Phylloscopus sibi-
lator Bechst.); Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX, p. 333—337.
W. Gyngell. The Singing Haunts and Habits of some British
Birds; Zool. (4) VIII, p. 445—446.
a Te a De iu u ae a a Zur Ku Mn Se ee a
a nn
Il. Aves für 1904. 93
B. Hantzsch, Über die Stimmlaute von Gallinago gallinago (L.);
Orn. Monber. XII, p. 173—175 [vgl. auch Parrot p. 89].
©. Helms. Nachtigall und Sprosser; Orn. Monber. XII, p. 58—60.
— Verf. erläutert den Unterschied im Gesange zwischen den beiden
Arten.
H. Oldys. The Rhytmical Song of the Wood Pewee; Auk XXI,
p. 270—274. — Gesang durch Noten wiedergegeben.
* W.E. Scott. The Inheritance of Song in Passerine Birds. Remarks
and ÖObservations on the Song of hand-reared Bobolinks and Red-
winged Blackbirds (Dolichonyx oryzivorus and Agelaius phoeniceus);
Science N. 8. XIX, No. 473, Jan. 1904, p. 473. — [Vgl. Auk XXI
. 400).
a E. A. Swainson. Autumn Song of the Cirl-Bunting and Dipper;
Zool. (4) VIII p.73. — Herbstgesang von Emberiza eirlus und Cinclus
einclus britannicus.
d) Brutgeschäft, Oologie.
E. Arnold. Another Nest of Kirtland’s Warbler; Auk XXI p. 487
— 488. — Ein Nest mit vier Eiern wurde in Oscoda County, N. Michigan
gefunden. Nest und Eier beschrieben.
F. M. Bailey. Twelve Rock Wren Nests in New Mexico; Condor
VI p. 68-70. — Über die Nistweise von Salpinctes obsoletus.
®. Bamberg. Oologisches und Ornithologisches aus Rußland,
Sibirien, Transkaspien, Turkestan, Mongolei, Mandschurei; Zeitschr.
Oologie XIII p. 166—170, 183—187; XIV p. 20—22, 37—41, 52—53,
75— 16. — Meist oologische Mitteilungen. Einige Angaben über Vor-
kommen centralasiatischer Vogelarten scheinen nicht ganz einwands-
frei zu sein.
A. Bau. Die Eier von Larus audouini Payraudeau; Orn. Jahrb.
XV p. 1—10 tab. I. — Verf. streift zuerst die wenigen Angaben, die
bisher über Eier der Korallenschnabelmöve gemacht sind, und
teilt Bonomi’s Beobachtungen über ihre Nistweise mit. Daran schließen
sich Beschreibung einer Anzahl sogen. authentischer audouini-
Eier, eine Maßtabelle der Eier von Larus argentatus cachin-
nans und eine kurze Charakteristik der Eier von L. audouini.
Auf der beigegebenen Tafel sind vier Eier (nach einer photographischen
Aufnahme) dargestellt.
Derselbe. Nest und Eier von Anthus bertheloti; Zeitschr,
Oologie XIII No. 10 (Jan. 1904) p. 148—150. — Beschreibung von
Nest und Eiern.
A. €. Bent. Nesting Habits of the Herodiones in Florida; Auk
XXI p. 20—29 tab. IX—X. — Schildert das Brutgeschäft von Ajaja
ajaja, Guara alba, Tantalus loculator und Plegadis autumnalis. Be-
schreibung der Eier. Auf den Tafeln Abbildungen der Nester in situ
nach photographischen Aufnahmen.
Derselbe. Nesting Habits of the Herodiones in Florida;
Auk XXI p. 259—270 tab. XIX— XXI. — Schilderung des Brut-
94 lI. Aves für 1904.
geschäftes von Botaurus lentiginosus, Ardetta exilis, Ardea oceidentalis,
A. herodias wardi, Herodias egretta, Egretta candidissima, Hydra-
nassa tricolor ruficollis, Florida caerulea, Butorides virescens, Nycti-
corax nycticorax naevius und Nyctanassa violacea. Abbildungen
(nach Photographien) der Nester von Ardea occidentalis, Hydra-
nassa tricolor ruficollis und Florida caerulea.
L. B. Bishop. The Eggs and Breeding-Habits of some compara-
tively little-known North-American Birds; Abstract of the Proc. Linn.
Soc. New York, publ. Dec. 1904, p. 48 ff. — Vgl. p. 66.
3. H. Bowles. Nesting of the Western Golden-crowned Kinglet
in Western Washinston; Condor VI p. 163—165. — Brutgeschäft von
Regulus satrapa olıvaceus. Mit Textbild.
©. Bryant. Peculiar Nesting-Site of the Bluebird in the Bermudas;
Auk XXI p. 390—391. — Auffallender Nistplatz von Sialıa sialis.
Derselbe. Dates of Nesting of Bermuda Birds; Auk XXI
p- 391.
K.and R. M. Buchanan. On the Measurements and Weights of the
Eggs of the Commoner Charadriidae; Zool. (4) VIII p. 281—29%0. —
Maße und Gewicht der Eier von: Aegialitis hiaticola, Charadrius
pluvialis, Vanellus vulgaris, Haematopus ostralegus, Scolopax rusticola,
Gallinago coelestis, Tringa alpına, Totanus hypoleucus, Totanus
calidris und Numenius arquata.
W. L. Buller. [On the Foster-parents of Urodynamis taitensis];
Ibis (8) IV p. 661—662.
A. 3. Campbell. Another Decade in Australian Oology; The Emu
III p. 168—171. — Bespricht kurz die Lücken, die in der Fortpflanzungs-
geschichte der Vögel Australiens noch auszufüllen sind. Von 78—80 sp.
sind Nest und Eier noch unbekannt.
Derselbe. Description of the Eggs of two Tits (Acanthiza);
The Emu III. 4. (April 1904) p. 237. — Eier von A. ewingi und A.
robustirostris beschrieben.
F. de Chapel. En Camargue & la recherche de nids de Flammants;
Bull. Soc. Acclım. France 1904 p. 207—212. — Verf. besuchte das
Rhöne-delta im Juni 1904, fand jedoch die zahlreichen Flamingo-
Nester vom Sturme zerstört. Die Maße der gefundenen Nester im
Vergleich zu denen der Vögel lassen vermuten, daß der brütende
Vogel, wenn auf dem Neste sitzend, auf jeder Seite ein Bein hält.
Mit Textfiguren.
3. H. Clark. Curved-Billed and Palmer’s Thrashers; Auk XXI
p. 214—217 tab. XVIII. — Über Nestbau und Eier von Harporhynchus
curvirostris und. H. c. palmeri. Auf der Tafel Nest und Ei ersterer
Art abgebildet.
F. S. Daggett. Unusual Nesting Site of the Cactus Wren; Condor
VI p. 24. — Ungewöhnlicher Nistplatz von Heleodytes b. brunnei-
capillus.
S. A. Davies and J. Stares. [On the Nesting of Totanus fuscus];
Bull. B. O. €. XV. p. 25—26.
II. Aves für 1904. 95
D. Dewar. The Colouration of Bird’s Eggs; Journ. Bombay Soc.
N. H. XV, Part III (Febr. 1904) p. 447—454.
Fr. Dietrich. Über die Färbung der Vogeleier; Zeitschr. Ool.
XIV, p. 49—52, 71—74.
H. E. Dresser. On some rare or unfigured Eggs of Palaearctie
Birds; Ibis (8) IV. p. 106—112, tab. III. — Beschreibung und Ab-
bildung der Eier von Hodgsonius phoenicuroides, Carpodacus se-
vetzovi, Erythrospiza sanguinea, Bucanetes obsoletus, Emberiza
luteola, E. spodocephala, E. einerea, E. stewarti, E. stracheyi und
Muscicapula superciliaris (letztere nur beschrieben).
Derselbe. On some rare and unfigured Eggs of Palaearctic
Birds; Ibis (8) IV p. 280—283 tab. VII. — Beschreibung und Ab-
bildung der Eier von Chimarrhornis leucocephalus, Pyenonotus
leucotis, Hypsipetes amaurotis, Falco altaicus und Phasianus seintillans.
Derselbe. On some rare or unfigured Eggs of Palaearctie
Birds; Ibis (8) IV p. 485—489 tab. X. — Beschreibung und Abbildung
der Eier von Lusciniola aödon, Motacilla madaraspatensis, Oriolus
kundoo, ©. indicus, Cyanoptila cyanomelaena, Lanius vittatus,
Terpsiphone paradisi, T. princeps und Pericrocotus cinereus.
A. Ellison. Robin nesting in a Tree; Zool. (4) VIII p. 190—191.
EB. F. W. Elms. Ormnithological Notes. Notes on the Nesting of
the Moorhen (Gallinula chloropus) and the Little Grebe (Podicipes
fluviatilis). River Isis, Bablockhythe, May 20th—24th 1902; Zool.
(4) VIII p. 255—258.
W. W. Fowler. The Marsh-Warbler (Acrocephalus palustris) in
Oxfordshire: a new Position for the Nest; Zool. (4) VIII p. 346—347.
W. L. Finley. The Lutescent Warbler (Helminthophila celata
lutescens); Condor VI p. 131—133. — Notizen über das Brutgeschäft.
Mit drei Textbildern.
R. Fulton. The Kohoperoa or Koekoea, Long-tailed Cuckoo
(Urodynamis taitensis): an account of its Habits, Description of a
Nest containing its (supposed) Egg, and a Suggestion as to how the
Parasitic Habit in Birds has become established; Trans. New Zeal.
Inst. XXXVI (Aug. 1904) p. 113—148. — Eine ausführliche Ab-
handlung über die Lebensgewohnheiten und den Brutparasitismus
der Art. Liste der (16) bisher als Pflegeeltern bekannten Arten, alles
Sperlingsvögel. Am Schlusse Betrachtungen über den vermutlichen
Ursprung des Brutparasitismus bei den Cuculiden.
3. Gengler. Wiederum ein scheinbar brütender Kuckuck; Orn.
Jahrb. XV p. 148-151. — Teilt eine Beobachtung mit, welche die
von den Gebrüdern Müller propagierte Geschichte des selbstbrütenden
Kukuks erklären könnte.
U. Gerhardt. Über die Begattung der Zahnschnäbler; Zoolog.
Garten XLV p. 16. — Schildert die Begattung bei Enten, Gänsen
und Schwänen.
H. Frhr. Geyr ven Schweppenburg. Asio otus (L.); Zeitschr. Ool.
XIV p. 65—69. — Brutgeschäft.
96 ll. Aves für 1904.
H. S. Gladstone. Note on the Decrease in the Weight of Eggs
as Incubation advances; Ibis (8) IV p. 376. — Verf. beobachtete bei
Eiern von Phasıanus, daß das Gewicht mit zunehmender Bebrütung
abnimmt.
H. Goebel. Über Schnepfeneier; Zeitschr. Ool. XIV p. 33—36,
54—57. — Gewichts- und Größenunterschiede der Eier einiger Scolo-
pacidenarten.
S. H. Geodwin. Pelicans Nesting at Utah Lake; Condor VI p. 126
— 129. — Besuch einer Pelikankolonie im Utah See. Mit Textbild.
W. Gyngell. Late Breeding of the Martin (Chelidon urbica); Zool.
(4) VIII p. 73.
E. Hartert. [On the nests and eggs of Pratincola dacotiae und
Parus montanus kleinschmidti]; Bull. B. ©. ©. XIV p. 79.
A. Head. Nesting Habits of the Black-headed Grosbeak; Condor
VI p. 35—37.
F. Henrici. Über die Legekräftigkeit von Podiceps nigricollis
(Brehm); Orn. Monber. XII p. 84.
R. 3. Howard. Nesting of the Long-eared Owl (Asıo otus) on the
Ground; Zool. (4) VIII p. 259—261 tab. II.
H. v. ihering. The Biology of the Tyrannidae with Respect to
their Systematic Arrangement; Auk XXI p. 313—322. — Enthält
wertvolle Angaben über die Nistweise brasilianischer Arten. Vgl.
p. 80.
A. W. Johnsen. Notes on unusual Nesting Sites of the Pacifie
Yellow-throat; Condor VI p. 129—131. — Abweichende Nistplätze
von Geothlypis trichas arızela.
F. €. R. Jourdain. Unusual Nesting-site of the Nuthatch in Dorset;
Zool. (4) VIII p. 384.
Derselbe. On the Nesting Habits of the Pied Wagtail (Mota-
cilla lugubris Temm.); Zool. (4) VIII p. 421—422, 456—457. — Notizen
über Brutgeschäft.
3. E. H. Kelso. Nesting of the Ringed Plover (Aegialitis hiaticola);
Zool. (4) VIII p. 265—266.
3. Knudsen-Jeusen. Brütet der Eichelheher (Garrulus glandarius)
zweimal jährlich?; Orn. Monber. XII p. 61.
®. Köpert. Zur Biologie der Amsel (Turdus merula); Orn. Monber.
XII p. 6. — Über Nisten auf der Erde.
G. Krause. Die Eier von Larus ridibundus L. im Lichte meiner
Spezialsammlung; Orn. Monber. XII p. 122—127. — Verf. be-
spricht die Variation der Färbung bei den Eiern der Lachmöve. Die
verschiedenen Typen: Fuscoiden, Xanthoiden, Erythrocisten, Cyanisten,
Viridisten, Emberiziden-Typ, Kappen-Typ, Anomalien und Spureier
sind gekennzeichnet und erörtert.
F. Lewis. Nidification of Gallinago stenura; Spolia Zeylanica.
Issued by the Colombo Museum. Vol. I, pt. 3, 1903, p. 61—69.
3. A. Link. Der Europäische Kuckuck; Verhandl. Ornith. Gesellsch.
Bayern IV, 1904, p. 123—178. — Aus dem nachgelassenen Manusecripte
des Verf.’s, der sich die Erforschung der Biologie des Kuckucks zur
II. Aves für 1904. 97
Aufgabe gemacht hatte. Die in vorliegendem Teile publizierten
Kapiteln behandeln die Fragen: 1. wie der Kuckuck Nester aufsucht
und sein Ei unterbringt, 2. Legezeit des Kuckucks und Zahl der Eier,
3. Zwei Kuckuckseier und mehr in einem Nest. Kuckucksei ohne Nest-
eier und neben dem vollen Gelege, in verlassenen Nestern und an
ungewöhnlichen Plätzen, 4. Anzahl der Nesteier neben dem Kuckucksei,
5. Verhalten des alten und des jungen Kuckucks gegenüber den Nest-
eiern und Nestjungen. — Mutterliebe. 6. Junger Kuckuck neben
Nestjungen. — Zwei Kuckucke im Neste. Ein wertvoller Beitrag
zur Naturgeschichte unseres Kuckucks.
©. Leege. Über das Brutgeschäft der Vögel auf den ostfriesischen
Inseln im Jahre 1903; Orn. Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX p. 105
—116, 131—144. — Notizen über das Fortpflanzungsgeschäft von
36 sp. Besonders ausführlich ist das Offenbrüten der Brandenten
(Tadorna tadorna) behandelt. Aus der Gegenüberstellung der Zahl der
Brutpaare einiger Arten in den Jahren 1869 und 1903 geht hervor, daß
der Vogelreichtum der ostfriesischen Inseln enorm zurückgegangen ist.
€. Loos. Der Grünspecht und seine Nisthöhle in Medonost;
Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX p.337—345. — Genaue Beob-
achtungen an einer Grünspechthöhle. Beide Geschlechter teilten
sich in die Fütterung der Jungen, doch war das Männchen fleißiger.
Larven von Ameisen bildeten die zugetragene Nahrung.
Derselbe. Eine Grünspechtbeobachtung; Orn. Jahrb. XV,
p. 151—153. — Verf. stellte durch Beobachtung fest, daß sich auch
das & am Brutgeschäft beteilist.
E. Mazimann. Observations sur la nidification de quelques oiseaux;
Ornis XII, No. 4 (Oct. 1904) p.569—570. — Über Nisten von Oriolus
galbula und Aegithalus caudatus.
A. 3. North. Nests and Eggs of Birds found breeding in Australia
and Tasmania. Austr. Museum, Sydney, Special Catalogue, No. I,
Part IV (July 1904) p. 203—366, tab. A5—8, B5—7. — Schluß des
ersten Bandes. Behandelt den Rest der Muscicapidae, ferner die Syl-
viidae, Turdidae und Timeliidae. Anordnung und Behandlung des
Stoffes wie in den vorhergehenden Teilen (cfr. Bericht 1903, p. 261).
Nester und Eier der behandelten Arten sind auf den beigegebenen Tafeln
z. g. T. abgebildet.
Derselbe. Description of the Nest of the. Guttated Bower-
Bird, Chlamydodera guttata, Gould; Rec. Austr. Mus. V, No. 1, (Jan.
1904), p. 131—132, tab. XVI.
Derselbe. Description of the Eggs of the White-quilled Rock
Pigeon, Petrophassa albipennis Gould; Rec. Austr. Mus. V, No. 4 (June
1904) p. 269.
Derselbe. On the Bower of the Eastern Bower-Bird, Chlamy-
dodera orientalis Gould; 1. c. p. 270, tab. XXXII.
B. B. Osmaston. Notes on the Breeding of certain Birds near Dar-
jeeling; Journ. Bombay N. H. Soc. XV, Part III (Febr. 1904) p. 5)0
—515. — Beschreibung der Eier von 15 Spezies.
Arch. f. Naturgesch, 70. Jahrg. 1904. Bd. II. H.1. (IL) 7
98 II. Aves für 1904.
R. 3. Olsen. (Glaucidium passerinum L.); Orn. Monber. XII,
p- 60. — Eiermaße.
T. Parkin. [Remarks on two nests joined to one another and placed
side by side]; Bull. B. ©. C. XIV, p. 55.
H. 3. Pearson. [Exhibition of Eggs of Tringa minuta]; Bull. B. 0. C.
XIV, p. 41. — Die Eier stammen von Nowaja Semlja, Dolgoi und Wai-
gatsch.
P. Plathe. Zur Verbreitung und Naturgeschichte der Schellente
(Nyroca clangula L.); Orn. Monber. XII, p. 158—160. — Mitteilungen
über das Brutgeschäft.
F. W. Proctor and W.R. Saunders. [Exhibition of the Eggs of Tringa
minuta]; Bull. B. ©. C. XIV, p. 41. — Eier aus Nowaja Sem]ja.
W. Raine. Discovery of the Eggs of Solitary Sandpiper; Ottawa
Natur. XVIII, 1904, p. 135—138. — Beschreibung der bisher unbe-
kannten Eier von Totanus solitarius. Gleich unserem T. ochropus
brütet die Art in verlassenen Nestern anderer Vögel. Je ein Gelege
wurde im Neste von Merula migratoria (16. Juni 1903), Bombyeilla
cedrorum (24. Juni 1904) und in dem von Quiscalus q. aeneus (9. Juni
1904) gefunden. Die Auffindung der drei Nester ist kurz geschildert.
H. Raspail. Existe-t-il deux especes d’Effarvette?; Bull. Soc. zool.
France XXIX, p. 65—70. — Verf. bespricht einen im Seinetale und
früher in den Gärten des Quartier latın von Parıs nistenden Rohr-
sänger, nahe Calamoherpe arundinacea, und deren Nistweise. Mit
fünf Textfiguren, Nester darstellend.
Derselbe. Duree de l’ıncubation chez le Verdier ordinaire;
Bull. Soc. zool. France XXIX p. 187—188. — Ligurinus chloris.
Derselbe. Duree de l’ıncubation et de l’education des jeunes
dans le nid chez la Linotte vulgaire; 1. c. p. 198—201. — Cannabina
linota.
R. A. Reed. North American Birds Eggs. Illustrating the Eggs
of nearly every Species of North American Birds. Rochester, New-
York. 1904. 8°. pg. IX + 356. — Ein kurz gefaßtes Handbuch der
Eier der Vögel Nordamerikas. 768 sp. (oder einige mehr) sind behandelt.
Bei jeder Art englischer und lateinischer Name, Übersichtder Verbreitung
und kurze Angaben über Brutgeschäft und Eier. Mit zahlreichen Ab-
bildungen im Texte.
E. Rey. Die Eier der Vögel Mitteleuropas. 21. — 25. Lieferung
p. 313—376, tab. 107, 108, 120—123, 125—128, 84, 85, 86, 96, 99, 109,
110, 111, 114, 115—119. Gera-Untermhaus 1904. — Der Text umfaßt
den Schluß der Fringillidae, ferner Bombycilla, die Pycenonotidae,
Oriolidae, Sturnidae, Icteridae u. Corvidae. Abgebildet sind Eier einiger
Sterna-Arten, die von Larus fuscus und L. glaucus, Sula bassana,
Colymbus, Eudytes, Uria lomvia und U. rhingvia, Cepphus grylle,
Alca torda und A.impennis (4 Eier), Meleagris mexicana, Bubo
bubo, Elanus coeruleus, Lanius borealis, einer Anzahl von Fringillidae,
Sylviidae u. s. w.
3. H. Riley. On the Evanescent Ground-tint of Woodcock’s Eggs;
Auk XXI, p. 334. — Färbung der frischen Eier von Philohela minor.
II. Aves für 1904. 99
H. Rössig. Ungewöhnlicher Nistort des Rotkehlchens; Monats-
schr. Ver. Vogelw. XXIX, p. 201.
3. H. Salter. On the Nesting Habits of the Common Buzzard; Zool.
(4) VIII, p. 96—102. — Schilderung des Brutgeschäftes von Buteo
buteo buteo.
R. Saunders. [On Eggs of Falco vespertinus and Anthus pratensis];
Bull. B. 0. C. XIV, p. 42.
E. Schmitz. Über Nester und Gelege der Brillengrasmücke Ma-
deiras (Sylvia conspicillata bella Tsch.); Zeitschr. Ool. XIV, p. 113—116.
L. Schuster. Die unregelmäßige Bebrütung der Eulengelege; Orn.
Jahrb. XV, p. 43—48. — Daten über 6 Arten nach Angaben in der
Literatur.
Derselbe. Weiteres Belegmaterial zu: Über die unregelmäßige
Bebrütung der Eulengelege; Orn. Jahrb. XV, p. 113—114. — Weitere
Daten über vier Arten aus der Literatur.
A. E. Schutze. Nesting Habits of the Caracara; Condor VI, p. 106
— 108. — Über das Brutgeschäft von Polyborus cheriway. Mit Textbild.
€. S. Sharp. A set of abnormally large Eggs of the Golden Eagle;
Condor VI, p. 165—168. — Mit Textbild.
P. W. Smith, jr. Nesting Habits of the Rock Wren; Condor VI,
p- 109—110. — Brutgeschäft von Salpinctes obsoletus.
Steinkamp. Auffälliger Nistplatz; Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX,
p. 474. — Chloris chloris.
€. R. Stockard. Nesting Habits of the Woodpeckers and the
Vultures in Mississippi; Auk XXI, p. 4653—471. — Eingehende Mit-
teilungen über das Brutgeschäft einiger nordamerikanischer Spechte
und Geier: Ceophloeus pileatus, Centurus carolinus, Colaptes auratus,
Dryobates pubescens, Melanerpes auratus erythrocephalus, Catharista
urubu und Cathartes aura
A. Szielasko. Untersucnungen über die Gestalt und die Bildung
der Vogeleier. Inauguraldissertation der med. Fakultät zu Königs-
berg ı. Pr. — Königsberg. 1904. 8°. pg. 29. — Verf. hat einen Apparat
erfunden, um die Form des Eies, die Kurve, die der Umfang des Eies
beschreibt, zu projizieren. Der Apparat ist beschrieben (cfr. Orn. Mon-
ber. XII, p. 104.). Als Resultat seiner Untersuchungen gibt Verf.
folgende Zusammenstellung: 1. Die Eikurve, d. h. der Durchschnitt
durch den Längendurchmesser eines Eies, läßt sich mit ziemlicher Ge-
nauigkeit durch eine Kurve vierten Grades ausdrücken, die von drei
Constanten abhängt. 2. Diese Constanten lassen sich rechnerisch aus
der abgezeichneten Eikurve ermitteln. Sie legen die Form des Eies fest
und bilden in manchen Fällen ein brauchbares Hilfsmittel zur Unter-
scheidung nahestehender Arten. 3. Die Form des Eies ist bedingt durch
die Elastizitätsverhältnisse der Uteruswand. 4. Die Vogeleier haben
eine für die Erhaltung der Art zweckmäßige Form.
L. Ternier. Note sur la nidification de la Grive Draine; Ornis XII,
No. 4, (Okt. 1904) p. 571—572.
E. R. Warren. A Sandhill Crane’s Nest; Condor VI, p. 39—40
— Mit Textabbild.
[IF
100 II. Aves für 1904.
3. Whitaker. Kestrel (Falco tinnunculus) laying in an artificial
Nesting-box at Rainworth Lodge; Zool. (4) VIII, p. 192—19.
3. €. Wood. Another Nest of the Philadelphia Vireo; Auk XXI,
p. 282. — Beschreibung eines in Michigan gefundenen Nestes von Vireo
philadelphicus.
N. A. Wood. Discovery of the Breeding Area of Kirtland’s
Warbler; Bull. Michigan Orn. Cl. V, March 1904, p. 3—13. — Vgl.
p- 78. |
IX. Jagd, Schutz, Einbürgerung, Pflege, Krankheiten, Parasiten.
R. Alderson. Nesting of the Rufous Dove, Leptoptila reichenbachi ;
Avic. Mag. (n. s.) II. p. 270—275. — Gefangenleben geschildert.
W. Baer. Über Naturschutz und Naturwissenschaft; Monatsschr.
Ver. Vogelw. XXIX, p. 214—220.
H. Frhr. von Berlepsch. Akklimatisationsversuche mit Leiothrix
lutea (Scop.); Abhandl. u. Bericht XLVIII, Ver. f. Naturkunde Kassel,
67. Jahr, 1902—1903, p. 270—284. — Mit drei Abbildungen im Text.
Derselbe. Der gesamte Vogelschutz, seine Begründung und
Ausführung. Neunte vermehrte und verbesserte Auflage. Halle a. S.
8°. 132 pg., 9 Tafeln, mit 44 Figuren.
K. Berger. Die Verbreitung des Utilitaritäts-Prinzips im Vogel-
schutz; Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX, p. 448—457.
A. E. L. Bertling. On the Nesting Habits of the Brush Turkey,
Talegalla lathamı; Avic. Mag. (n. s.) II, p. 217—218.
Derselbe. Onthe Hatching and Rearing of the Brush Turkeys
at the Zoo; 1. c. p. 284—29X7.
F. E. Blaauw. On the Breeding of some of the Waterfowl at Gooilust
in the year 1903; Ibis (8) IV, p. 67—75. — Berichtet über erfolgreiche
Züchtungen einiger Gänse und Schwäne-Arten in Gefangenschaft.
Die Nest- und Jugendkleider von Cereopsis novae-hollandiae, Neochen
sandvicensis, Chloöphaga magellanica, ©. dispar, ©. poliocephala, €. rubi-
diceps, Chen hyperboreus, Cygnus buccinator und C. bewicki sind be-
schrieben.
3. L. Bonhote. The European Goldfinch, Carduelis elegans; Avic.
Mage. (n. s.) III, p. 21—23. — Gefangenleben.
Derselbe. The Bahama Amazon Parrot, Chrysotis bahamensis;
Avie. Mag. (n. s.) II, p. 239— 241, tab. — Über Freileben und Gefangen-
schaft. Mit kolorierter Abbildung.
L. v. Boxberger. Alte und neue Vogelschutzgesetzgebung; Monats-
schr. Ver. Vogelw. XXIX, p. 206—214.
Derselbe. Das neue preußische Wildschongesetz in seinem
Verhältnis zum Vogelschutz; Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX, p. 399
—409.
*H. Bröcker. Der Kanarienvogel, seine Behandlung, Pflege, Zucht
und Krankheiten. Bearbeitet für den Laien. Zweite vermehrte und ver-
besserte Auflage. Hamburg. 8°. 71 pe.
II. Aves für 1904. 101
A. 6. Butler. More Attempts to breed the Tambourine Dove;
Avic. Mage. (n. s.) II p. 100—101.
Derselbe. Notes on the Nesting of the Red-headed or Dominian
Cardinal, Paroaria larvata; Avic. Mag. (n. s.) II, p. 267—269. — Leben
und Aufzucht im Käfig geschildert.
Derselbe. The Orange-Billed Tanager, Saltator aurantiirostris;
Avic. Mag. (n.s.) II. p.335—339. — Schilderung des Gefangenlebens.
Mit Buntbild.
L. Buxbaum. Ein Besuch in der Großherzoglichen Fasanerie zu
Dornberg bei Groß-Gerau; Zoolog. Garten XLV p. 278—279.
E. Christoleit. Liebescher und Berlepsch’scher Vogelschutz; Monats-
schr. Ver. Vogelw. XXIX, p. 8-24. — Verf. setzt auseinander, daß
zwischenden beiden Richtungen ein beträchtlicher Unterschied bestehe.
Während Liebe die Vögel aus ästhetischen Gründen geschützt wissen
wollte, tritt bei Berlepsch das Utilitätsprinzip in den Vordergrund.
W. Dutcher. Report of the A. O. U. Committee on the Protection
of North American Birds for the year 1903; Auk XXI, p. 97—208,
tab. XII—XVI.
Dutton. Guilding’s Amazon Parrot; Avic. Mag. (n. s.) II. p. 121
— 124, mit tab. — Gefangenleben von Chrysotis guildingi. Abgebildet.
€. D. Farrar. White-crested Thrushes; Avic. Mag. (n. s.) II. p. 297
—299.
Derselbe. The Rearing of the Sandpiper; l.c. p. 321—324.
W. R. Fasey. Nesting of the Yellow-rumped Parrakeet (Platy-
cercus flaveolus); Avic. Mag. (n.s.) II. p. 353.
F. Finn. The Summer or Carolina Duck, Aex sponsa; Avic. Mag.
(n. s.) Il. p. 89-94, cumtab. — Schilderung des Gefangenlebens.
Abgebildet.
Derselbe. The Himalayan Goldfinch, Carduelis canıceps;
Avic. Mag. (n. s.) III. p. 24—26 with plate.
*E, H. Forbush. The Destruction of Birds by the Elements in 1903
— 04. Special Report; 51 st. Ann. Rep. Massachusetts State Board of
Agriculture, p. 457—503. — [Vgl. Auk XXI, p. 507—509].
E. A. Goeldi. Against the Destruction of White Herons and Red
Ibises on the Lower Amazon, especially on the Island of Marajö. Two
Memorials presented in 1895 and 1896 to His Excelleney, the Governor
of the State of Parä and the Legislature. Parä 1902. Translated from
the Portuguese into English by W. H. Clifford. 1904. 8°. pg. 20.
H. Grote. Russische Vogelliebhaberei; Orn. Monatsschr. Ver.
Vogelw. XXIX, p. 220—223.
A. Günther. On the Breeding in Captivity ofthe Red-backed Shrike;
Avie. Mag. (n. s.) II. p. 339—346. — Berichtet über Zucht des Lanius
collurio im Käfig.
B. Hantzsch. Die gesetzlichen Vogelschutzbestimmungen und ihre
Durchführung, insbesondere im Königreich Sachsen ;“Monatsschr. Ver.
Vogelw. XXIX, p. 99—102.
©. Heinroth spricht über einige bemerkenswerte Ereignisse im
Berliner Zoologischen Garten; Journ. f. Orn, LII, p. 134—135.
102 II. Aves für 1904.
Johnston. The Nesting of Fraser’s Touracou, Turacus macro-
rhynchus; Avic. Mag. (n. s.) III, p. 26—29. — Über Aufzucht in Ge-
fangenschaft.
0. Koepert. Über die Ansiedelung von Nachtigallen (Erithacus
luscinia [L.]); Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX, p. 102—105.
P. Mahlich. Nutztaubenzucht. Leitfaden für Anfänger und er-
fahrene Züchter. Berlin. 1904. 8°. 72 pg. mit 12 Figuren.
H. Marten. Das Haus-Wassergeflügel, seine Zucht und Pflege zu
Nutz- und Ausstellungsszwecken. Nach dem Englischen des Henry
Digby bearbeitet. Leipzig. 8°. pg. IV + 112, mit 11 Figuren.
E. 6. B. Meade-Waldo. Nesting Boxes for Wild Birds; Avic. Mas.
(n. s.) II. p. 259—262 mit zwei Tafeln.
A. Mueller. Die Wurmparasiten der Vögel; Verhandl. Ornitn.
Gesellsch. Bayern IV, 1904, p. 119—122. — Bespricht einige der
häufigeren Arten aus den verschiedenen Classen.
F. Ohle. Die Straußenzucht in der Algerie; Monatsschr. Ver. Vogelw.
XXIX, p. 60—65.
R. Phillipps. The Spotted Ground-Bird, Cinelosoma punctatum;
Avic. Mag. (n. s.) II, p. 149—160, cum tab. — Eingehende Schilderung
des Gefangenlebens.
Derselbe. The White-throated Ground-Thrush, Geocichla
cyanonotus; 1.c. p. 179—188, cum tab. — Eingehende Schilderung
des Gefangenlebens.
F. Graf von Pocei. Der Fasan und sein gefährlichster Feind, der
Rotwurm; Verhandl. Ornith. Gesellsch. Bayern IV, 1904, p. 102—118,
mit einer Tafel. — Verf. schildert die Lebensweise des Syngamus
trachealis und die durch diesen Parasiten hervorgerufenen Krank-
heitserscheinungen bei jungen Fasanen. Sodann wendet er sich zu den
diversen Maßregeln, die man ergriffen hat, um den Wurm zu bekämpfen.
Abbildung verschiedener Stadien des Syngamus auf der beigegebenen
Tafel.
G. €. Porter. The Breeding of the Red-faced Lovebird, Agapornis
pullarıa; Avic. Mag. (n. s.) p. 350—332.
W.H. St. Quintin. The Australian Brush-Turkey; Avic. Mag. (n. s.)
II, p. 160—163. — Gefangenleben von Catheturus lathami.
Derselbe. The Great Bustard; l.c. p. 188—191.
Derselbe. Ravens Breeding in Captivity; l.c. p. 292—293.
Derselbe. The Breeding of Pterocles exustus; Avic. Mag.
(n. s.) III, p. 64—66. — Aufzucht in Gefangenschaft.
W. Rothschild. [Remarks on the varieties of Pheasants acclimatized
in the United States]; Bull. B. ©. ©. XIV, p. 36.
K. Ruß. Handbuch für Vogelliebhaber, Züchter und Händler.
Zweiter Band: Einheimische Stubenvögel. Vierte, gänzlich neu bear-
beitete und vermehrte Auflage von Karl Neunzig. Mit über 150 Bildern
im Text und 13 Tafeln in Farbendruck. Magdeburg. 1904. gr. 8°,
pg. VIII + 480. — Eine Neuauflage von Ruß’ bekanntem Handbuche.
Einer kurzen Charakteristik der Familien und Gattungen folgt die Be-
schreibung der einzelnen Arten in beiden Geschlechtern und ver-
ll. Aves für 1904, 103
schiedenen Kleidern, woran sich kurze Angaben über Verbreitung und
Biologie und Ausführliches über Gefangenleben und Wartung an-
schließen. Am Schlusse ein Kapitel über Vogelhaltung im Allgemeinen,
und ein Absatz über Vogelschutz.
F. Schlag. Der Dompfaff auf Grund 54 jähriger Erfahrung mög-
lichst allseitig geschildert. V. Auflage. Magdeburg. 1904. 8%. 54 pg. —
Im ersten Teile schildert Verf. das Freileben des Gimpels, der unrichtiger-
weise als echter Standvogel charakterisiert wird. Den Hauptteil des
Büchleins nimmt die Anleitung zur Behandlung in der Gefangenschaft
ein. Besonderes Gewicht ist auf die Art und Weise der Abrichtung zum
Nachpfeifen von Liedern gelegt.
L. Schuster. Die Einwanderung der Singdrossel in die Städte;
Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX, p. 477—480.
W. Schuster. Mehr Schutz den Seevögeln ; Monatsschr. Ver. Vogelw.
. XXIX p. 25—30. — Tritt für die Schonung der Strand- und Seevögel
ein.
Derselbe. Die Vögel des Frankfurter Zoologischen Gartens;
Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX p. 351—360, 410—422. — 107 sp.
sind aufgezählt mit kurzen (oft unzutreffenden) Bemerkungen über
. Betragen, Stimme etec.
„Seolopax“. A Book of the Snipe. Edinburgh and London 1904.
8°. pg. 200. — Schilderung der Lebensweise und der Jagd der Schnepfen
in sieben Kapiteln: Einleitung, ‚„‚Snipe“, „Some Haunts of the Snipe“,
„How to walk for and shoot Snipe“, „Bogtrotting“, „Dogs“, „Habits
and Habitat of Snipe“. Mit zahlreichen Illustrationen im Text.
W.E.D. Scott. An Account of some Experiments in Rearing Wild
Finches by Foster-Parent Birds; Science XIX No. 483 (April 1904)
p. 551—554; reprinted Avic. Mag. (n.s.) II, p. 354—360. [Vgl. Auk
XXI, p. 399—400).
J. Sergeant. Notes on Parrakeets; Avic. Mag. (n.s.) II, p. 198
—201.
D. Seth-Smith. Foreign Birds at the December Bird-Show at the
Crystal Palace; Avic. Mag. (n. s.) p. 102—104.
Derselbe. The Martineta Tinamou Breeding in Captivity:
Polyandry in Birds; 1. c. p. 104—106.
Derselbe. The Pectoral or White-breasted Finch, Munia pec-
toralis; 1. c. p. 130—132.
Derselbe. Notes on the Habits in Captivity of the Brush Bron-
zewing Pigeon, Phaps elegans; ]. c. p. 211—214, 263—266. — Gefangen-
leben und Aufzucht im Käfig.
Derselbe. Weber’s Lorrikeet, Psitteuteles weberi Büttikofer;
Avic. Mag. (n.s.) II, p. 246—250. — Beschreibung der Art und
Schilderung des Gefangenlebens.
Derselbe. Nesting of the Scaly Dove, Scardafella squammosa;
l. ec. p. 278—279. — Gefangenleben.
Derselbe. On the Breeding in Captivity of the Tataupa Tina-
mou (Crypturus tataupa); ]. c. p. 285—292, cum tab, |
104 II. Aves für 1904.
Derselbe. Some Notes on the Painted Quails, Excalfactoria;
Avic. Mag. (n. s.) II, p. 311—314. — Über Aufzucht in Gefangenschaft.
Derselbe. Gray’s Bare-throated Francolin, Pternistes leuco-
scepus; 1. c. p. 325—327. — Über Brüten in Gefangenschaft.
Derselbe. Further Notes on the Tataupa Tinamou; 1. c. p. 362
—363.
W.B. Tegetmaier. Pheasants, their Natural History and Practical
Management. Fourth edition, enlarged. Illustrated from life by
J. G. Millais, T. W. Wood, P. Smit, and F. W. Frohawk. London. 1904.
gr. 8°. pg. XII + 255. — In dem Buche faßt Verf. seine langjährigen
Erfahrungen über die Haltung, Pflege und Aufzucht der bisher in Eu-
ropa importierten Fasanenarten zusammen. Im ersten Teile schildert
Verf. die Morphologie, Lebensweise und Nahrung der Fasane im All-
gemeinen, in einem weiteren Kapitel ihre Eingewöhnung in Groß-
britannien und Nordamerika, und bespricht kurz die geographische
Verbreitung der Arten der Gattung Phasianus. Zwei Abschnitte be-
handeln die Pflege und Haltung der Fasane in Gehegen und im Hühner-
hofe, ein besonderes Kapitel ist ihren Krankheiten und deren Heilung
gewidmet. Den Hauptteil des Werkes nimmt die Schilderung der für
die Aufzucht geeigneten Arten ein. Auf die Beschreibung der beiden
Geschlechter folgen kurze Angaben über Verbreitung, Lebensweise
und Wartung in Gefangenschaft. Zahlreiche Bunt- und Schwarz-
druckbilder. Am Schlusse Anweisungen für den Transport und Be-
merkungen über Fruchtbarkeit einiger Fasanenhybride.
€. B. Ticehurst. [On necrosis of the lower part of the leg in Vanellus
vanellus, caused by sheep-whool having become wound round the part
affected); Bull. B. ©. C. XV, p. 12—13.
H. Williams. The Nesting of the Yellow Sparrow, Passer luteus;
Avic. Mag. (n. s.) III. p. 75—77.
X. Systematik.
Aepyornithidae.
Mullerornis betsilei, Beschreibung und Abbildung von Knochenresten; Andrews,
P. Z. S. Lond. 1904 vol. I. pt. I p. 163—168 tab.V.
Ratitae.
Casuarius casuarius chimaera n.subsp., Fundort unbekannt; Rothschild, Bull.
B: 0. €’ XIV p. 39.
©. doggetti n. sp., von unbekanntem Fundort; idem, 1. c. p. 39.
C. jamrachi n. sp., Fundort unbekannt; idem, ]. c. p. 40.
C. hagenbecki n. sp., Fundort unbekannt; idem, 1. c. p. 40.
C. uniappendiculatus mitratus n. subsp.; idem, Bull. B. ©. C. XIV p. 38.
C. uniappendiculatus suffusus n. subsp., idem, 1. c. p. 39.
Eremopezus (nov. gen.) eocaenus n. sp., Fayum, Ägypten; Andrews, P. Z. S. Lond,
1904 vol. I. pt. I, p. 168—171,
II. Aves für 1904. 105
Crypturi.
Crypturus mezicanus, abgebildet; Godman, Biol. Centr. Amerie., Aves, III
tab. 79.
C. tataupa, abgebildet; Seth-Smith, Avic. Mag. (n. s.) II. tab. zu p. 285.
Eudromia vs. Calopezus; Poche, Orn. Monb. XII p. 23.
Nothocercus bonapartii, abgebildet; Godman, Biol. Centr. Americ., Aves, III
tab. 78.
Tinamus salvini = juv. T. fuscipennis; Godman, Biol. Centr. Americ., Aves, III
p- 450.
Impennes.
Catarractes, Notiz über den Namen; Allen, Auk XXI p. 345— 347.
Aleidae.
Brachyrhamphus brevirostris vs. B. kittlitzi; Chapman, Bull. Amer. Mus. XX.
p- 399.
Procellariidae.
Bulweria bulweri, bei St. Leonard’s-on-Sea, Sussex; W. R. Butterfield, Bull.
B.®:C! XTIV'p.50.
Diomedea immutabilis, Biologie; W. K. Fisher, Auk XXI p. 8—209 tab. II—VII.
Oestrelata feae und O. mollis, Notiz über; Salvadoeri, Ibis (8) IV p. 166.
O. feae und O. mollis, Unterschiede; W. R. Butterfield, Bull. B. ©. C. XIV p. 50.
Phoebetria fuliginosa and P. f. cornicoides, Unterschiede; Rothschild, Bull. B. O.
C. XV p. 28.
Sulidae.
Sula coryi, Beschreibung der Kleider, Variation und Lebensweise; Sharpe, Bull.
B. O0. C. XIV p. 65—69.
S. coryi = 8. piscatrix; Nicoll, Ibis (8) IV p. 538—589.
Phalacrocoraeidae.,
Phalacrocorax vanhöffenı n.sp., nahe P. albiventer, Crozet Insel; Reichenow,
Orn. Monb. XII p. 46.
Laridae und Sternidae.
Buphagus vs. Megalestris; Poche, Orn. Mb. XII p. 190—191.
Catarracta vs. Megalestris; Poche, Orn. Monb. XII p. 23.
C. vs. Stercorariusg Poche, Orn. Monb. XII p. 191.
Larus audowini, Eier beschrieben und abgebildet; Bau, Orn. Jahrb. XV p. 1—10
tab. I.
L. ridibundus, Variation der Eier; Krause, Orn. Monber. XII p. 122—127.
Sterna fuliginosa, Monographie; Bureau, Bull. Soc. sc. nat. Ouest France (2)
IV, 1904, p. 227—256, tab. IX, X.
St. macrura antisiropha, Kennzeichen; Reichenow, Sitzungsber. Gesellsch.
naturf. Fr. Berlin 1904 p. 172.
106 II. Aves für 1904.
St. macrura antistropha n. subsp., Küsten des antarktischen Kontinents: Reichenow,
Orn. Monb. XII p. 47. ?
St. vittata georgiae n. subsp., Südgeorgien; idem, 1. c. p. 47.
Xema sabinei, bei Christchurch erlegt; Ogilvie Grant, Bull. B. O. C. XIV p. 63.
Anatidae.
Aex sponsa, abgebildet; Finn, Avic. Mag. (n.s.) II tab. zu p. 89.
Anas drygalskiv n. sp., nahe A. eatoni, Crozet Insel; Reichenow, Orn. Monb. XII
p- 47.
A. undulata rüppelli und A. u. undulata, Kennzeichen und Verbreitung; Neu-
mann, Journ. f. Orn. LII p. 327—328.
Anser segetum var. (= Ä. carneirostris But.), abgebildet; Bilkewiez, Material.
Erforsch. Nowaja Semlja, Kasan, 1904, tab.
Cereopsis novae hollandiae, Nestkleid beschrieben; Blaauw, Ibis (8) IV p. 68.
Chen hyperboreus, Nest- und Jugendkleid beschrieben; Blaauw, Ibis (8) IV p. 71
—12.
Chloöphaga magellanica, O. dispar, C. poliocephala und Ü. rubidiceps, Dunenkleid
beschrieben; Blaauw, Ibis (8) IV p. 69—71.
Clangula glaucion, Brutvogel in Rumänien; Dombrowski, Zeitschr. Oologıe XIL
p- 145—148.
Cygnus bewickii jankowskii n. subsp., Ussuriland; Alpheraky, Priroda i Okhota
(Natur und Sport), Sept. 1904, p. 10.
©. bewicki, Jugendkleid beschrieben; Blaauw, Ibis (8) IV p. 74.
©. buceinator, Nestkleid beschrieben; Blaauw, Ibis (8) IV p. 73—74.
Fuligula ferina, Brutvogel in Friesland; Snouckaert van Schauburg, Orn. Jahrb.
XV p. 234.
Mergus albellus, Brutvogel in Rumänien; Dombrowski, Zeitschr. Oologie XIII
p- 145—148.
Neochen sandvicensis, Nest- und Jugendkleid beschrieben; Blaauw, Ibis (8) IV
p- 68—69.
Chionididae.
Chionis nasicornis n. sp., nahe ©’. minor, Heard Insel; Reiehenow, Orn. Monber.
XI p. 47.
Charadriidae.
A4egvalitis vocifera, bei Peterhead, Schottland erlest; Pyeraft, Ibis (8) IV p. 669
—670.
Charadrius elegans n. sp., nahe O©. alexandrinus, Tor, Arabien; ' Reichenow, Journ.
f. Ornith. LII p. 307.
Ch. rufocinctus, abgebildet; Reichenow in: Wissensch. Erg. Tiefsee Exped. VII
tab. XXIII.
Gallinago stenura, Brutgeschäft; Lewis, Spolia Zeylanica I pt. 3 p. 61—65.
Himantopus himantopus, abgebildet; €sörgey, Aquila XI tab. IV.
Limosa novae-zealandiae, Brutvogel in Westsibirien; Johansen, Orn. Jahrh.
XV p. 169.
lıcroptera vs. Philohela; Poche, Orn. Monber. XII p. 23.
II. Aves für 1904. 107
Numenius arcuatus, Verbreitung in Bayern; Besserer, Orn. Jahrb. XV p. 108
—113.
Scolopax gallinago raddei, Bemerkungen über; Johansen, Orn. Jahrb. XV p. 203
— 204.
Totanus glareola, in Alaska erlegt; €. Littlejohn, Condor VI p. 138.
T. macularius, in Kent, England, erlegt; Butterfield, Auk XXI p. 485.
T. solitarius, Beschreibung von Nest und Eiern; W. Raine, Ottawa Natural. XVIH
p. 135—138.
T. solitarius, in Sussex erlegt; Ticehurst, Bull. B. O. C. XV p. 12.
Tringa alpina sakhalina vs. T. a. americana; Buturlin, Auk XXI p. 50—53
Tringoides macularius, in Kent erlegt; Bonhote, Bull. B. O. C. XIV p. 84.
Vanellus vanellus, Geschlechtsdifferenz in der Flügelform; Frohawk, Bull. B.
O0. C. XIV p. 62.
V. vulgaris, Geschlechtsunterschiede; Frohawk, Ibis (8) IV p. 446—451.
Otididae.
Otis tetrax, Brutvogel bei Magdeburg; Friek, Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX
p- 313.
O. tetrax, an der Nahe erlegt; Geisenheyner, Zool. Garten XLV p. 340—342; in
Anhalt erlegt; Boerner, Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX p. 313—314.
Rallidae.
Fulica cornuta, bei Tucuman erlegt; Rothschild, Bull. B. O. C. XIV p. 38; Baer,
Ornis XII p. 232.
Porphyrula vs. Porphyriola; Poche, Orn. Monb. XII p. 23.
Porzana goldmani n.sp., nahe P. noveboracensis, Lerma, Mexico; Nelson, Proc.
Biol. Soc. Wash. XVII p. 151.
Rougetius rougeti, Verbreitung; Neumann, Journ. f. Orn. LII p. 334—335.
Ciconiidae.
0. Finsch. Notiz über die Wollhalsstörche (Dissoura); Orn. Monber. XII
p- 94. — Verf. weist nach, daß Dissoura mortoni Grant mit Melanopelargus epis-
copus stormi Blas. zusammenfällt, und gibt eine Übersicht in Schlüsselform für
die vier bekannten Arten, wobei D. neglecta aus Java, Sumbawa, Lombok, Celebes
und Philippinen als neu beschrieben wird.
Dissoura, Übersicht der Arten; Finsch, Orn. Monber. XII p. 94.
D. neglecta n. sp., nahe D. episcopus, Java, Sumbawa, Lombok ete.; idem, 1. c.
p- 94.
D. mortoni = D. stormi; idem, 1. c. p. 94.
Ibididae.
Phimosus berlepschi n.sp., Orinoco; Hellmayr, Verhandl. Zool. Bot. Gesellsch
LIII, 1903, p. 247.
Turnicidae.
Turnix whiteheadi, 2 beschrieben; Me Gregor, Bull. Philipp. Mus. No. 4. p. 7--8
tab. I fig. 2.
T. worcesteri n. sp., Luzon; Me Gregor, 1. c. p. 8 tab. I fig. 1.
108 II. Aves für 1904.
Tetraonidae.
Dendragapus obscurus sierrae n. subsp., El Dorado Co., Californien; Chapman,
Bull. Amer. Mus. XX p. 159.
Lagopus lagopus $ X Lyrurus tetrix $, Beschreibung und Abbildung; Lönnberg,
P. Z. S. 1904 I p. 411—415 tab. XXVI.
L. albus maior n.subsp., Akmolinsk, Orenburg u. Turgai; Lorenz, Orn. Monb.
XIl.p:177-
Teirao tetrix, geographische Variation; Lönnberg, Orn. Monber. XII. p. 105—109.
T. t. juniperorum, aus Deutschland, Kennzeichen; idem, ]. c. p. 106.
T. t. pinetorum n. subsp., Dalarne, Schweden; idem, 1. c. p. 107.
T. t. mongolicus n. subsp., Urga, Mongolei; id., I. c. p. 108.
Phasianidae.
V. Bianchi. Übersicht der Formen der Gattung Ithaginis Wagler. Übersetzt
aus dem Russischen von Rich. Schmidt; Journ. f. Orn. LII p. 70—80. — Über-
setzung des russischen Originales (vgl. Bericht 1903 p. 294). Unterschieden
sind vier Formen: I. sinensis, I. s. michaelis (Nord Abhang des Nanschan), 7. s.
berezowskii (Hochland des Blauen Flußgebietes), /. geoffroyi. Eingehende
Synonymie, Verbreitung und Kennzeichen der vier Formen in Schlüsselform.
W. Rothschild. [Remarks on the species of the genus Phasianus]; Bull. B.
O0. C. XIV p. 36—38. — Bemerkungen über die in den Vereinigten Staaten ein-
geführten Varietäten des Fasans; Aufzählung der bisher unterschiedenen Formen
der Gattung Phastanus, und Notizen über einige Fasanen-Bastarde.
Ammoperdix bonhami ter-meuleni n.subsp., Arabistan, Persien; Sarudny u. Loudeon,
Orn. Jahrb. XV p. 226.
Arboricola campbelli n.sp., nahe A. atrogularis, Telom Tal, Malakka Halbinsel;
Robinson, Bull. B. O. C. XV p. 28.
Arborophila vs. Arboricola; Poche, Orn. Monb. XII p. 24.
Caccabis chucar werae, n. subsp., S. W. Persien; Sarudny u. Loudon, Orn. Jahrb.
XV p. 225.
C. rufa maderensis n. subsp., Madeira; Tschusi, Orn. Jahrb. XV p. 106.
Colinus ridgwayi, Verbreitung; H. Brown, Auk XXI p. 209—213.
©. virginianus insulanus n. subsp., Key West, Florida; H. Howe, Proc. Biol. Soc.
Wash. XVII (1904) p. 168.
Ewpsychortyx horväthi n.sp., nahe E. cristatus, Merida; Madaräsz, Ann. Mus.
Hung. II. p. 116, tab. XII.
Francolinus castaneicollis bottegi und F. c. castaneicollis, Unterschiede und Ver-
breitung; Neumann, Journ. f. Orn. LII p. 352—353.
F. castaneicollis gofanus n. subsp., Gofa; Neumann, 1. c. p. 353.
F. sephaena, Unterschiede der Formen; Neumann, Journ. f. Orn. LIl p. 356-358.
Gennaeus assimilis n. sp., nahe @. rufipes, Ruby Mines, Burma; @ates, Ann. Mag.
Nat. Hist. (7) XIV p. 286.
@. cliffordi n. sp., Myitkyina Distrikt, östlich des Irrawaddi, Burma; @ates, Ann.
Mag. Nat.“ Hist.' (7) XIV p. 284.
@G. obscurus n. sp., nahe @. horsfieldi, Katha Distrikt, Burma; @ates, Ann. Mag.
N. Hist. (7) XIV p. 283.
II. Aves für 1904. 109
Numida ptilorhyncha, Verbreitung und Unterschiede der geographischen Formen;
Neumann, Journ. f. Orn. LII p. 406—410.
N. ptilorhyncha macroceras n.subsp., Südschoanisches Seengebiet; Erlanger,
Orn. Monb. XII p. 97.
N. p. neumanni n. subsp., Deutsch Ostafrika; idem, 1. c. p. 97.
N. ptilorhyncha omoensis n. subsp., Omo; Neumann, Journ. f. Orn. LII p. 407.
N. p. toruensis n. subsp., Toru; idem, 1. c. p. 410.
Perdix arenicola n.sp., nahe P. perdix, Turgai Gebiet, Westsibirien; Buturlin,
Orn. Monber. XII p. 148.
Phasianus. Über die geographische Verbreitung der Arten, mit Bestimmungs-
schlüssel; Buturlin, Ibis (8) IV p. 377—414.
Ph. alpherakyi n. sp., Central Mandschurei; Buturlin, Ibis (8) IV p. 399.
P. a. ussuriensis n. subsp., Ussuri; idem, 1. c. p. 403.
P. chrysomelas bianchii n. subsp., Oxus Tal; Buturlin, Ibis (8) IV p. 393.
P. colchicus lorenzi n. subsp., Transkaukasien; Buturlin, Ibis (8) IV p. 386.
P. holdereri kiangsuensis n. subsp., Ost-China; Buturlin, Ibis (8) IV p. 407.
P. h. gmelini n. subsp., Südchina; idem, 1. c. p. 408.
P. karpowi n. sp., nahe P. torquatus pallasi, Te-lin, südl. Mandschurei; Buturlin,
Orn. Monber. XII p. 3.
P. prineipalis bogdanowi nom. nov. für P. p. komarowi; Buturlin, Ibis (8) IV
p- 390.
P. prineipalis zarudnyi n. subsp., Mittellauf des Amu Darja; idem, ]l. ce. p. 390.
P. seintillans, Ei abgebildet; Dresser, Ibis (8) IV p. 281 tab. VII fig. 2.
Pternistes leucoscepus muhamed-ben-abdullah n.subsp., Lorianebene; Erlanger,
Orn. Monb. XII p. 97.
P. I. holtermülleri n. subsp., Abayasee; idem, l.c. p. 98.
Cracidae.
Pipile pipile, P. cumanensis und P. nattereri, Unterschiede; Hellmayr, Bull.
B. ©. C. XIV p. 59—60.
Columbidae.
R. Martin. Die vergleichende Osteologie der Columbiformes unter besonderer
Berücksichtigung von Didunculus strigirostris. Ein Beitrag zur Stammesgeschichte
der Tauben; Zool. Jahrb., Abth. f. Syst., Geogr. u. Biol. XX, Heft 3 (Mai 1904)
p- 167—352, mit Tafel 11—12, und 96 Abbildungen im Text. — Vgl. p. 10.
Columba palumbus maderensis n.subsp., Madeira; Tschusi, Orn. Jahrb. XV
p: 227.
Columbina vs. Columbula; Poche, Orn. Monb. XII p. 22.
Haplopelia forbesi n. sp., von unbekanntem Fundort; Salvadori, Ibis (8) IV p. 368.
H. jacksoni n.sp., nahe H. seimundi, Ruwenzori; Sharpe, Bull. B. OÖ. C. XIV
p- 93.
H. plumbescens n.sp., nahe H. principalis, Efulen, Kamerun; Sharpe, Ibis (8)
IV p. 9.
H. seimundi n.sp., nahe H. principalis, Fernando Po; Sharpe, Bull. B. O. €.
XIV p. 9.
110 II. Aves für 1904.
Homolopelia chuni und H. picturata, abgebildet; Reichenow in: Wiss. Erg. Tiefsec
Exped. VII tab. XXIV.
Macropygia phaea n. sp., nahe M.tenuirostris, Calayan; Me Gregor, Bull. Philipp.
Mus. No. 4 p.9.
Microgoura (n. gen.) meeki n.sp., Choiseul, Salomons Inseln; Rothsehild, Bull.
B! ©. C.#IV’p:78:
M. meeki, abgebildet; Nov. Zool. XI tab. XXI.
Ptilinopus vs. Ptilopus; Poche, Orn. Monber. XII p. 22.
P. cincta, Übersicht der Formen; Hartert, Nov. Zool. XI p. 178—179.
P. cincta ottonis n. subsp., Dammer; Hartert, 1. c. p. 178.
P. zanthogaster roseipileum n. subsp., Roma; Hartert, Nov. Zool. XI p. 179.
Sphenurus vs. Sphenocercus; Poche, Orn. Monb. XII p. 22.
Turtur roseogriseus arabicus n. subsp., Südarabien; Neumann, Orn. Monb. XII p. 31.
T. r. roseogriseus und T. r. arabicus, Unterschiede; Neumann, Orn. Monber. XII
p- 83-84.
T. vinaceus erythreae n. subsp., Erythrea; idem, 1. ce. p. 82.
T. vinaceus schoanus n. subsp., Ginderabat, Schoa; idem, 1. ce. p. 81.
T. senegalensis aequatorialis n. subsp., Harar-Adis Abeba; Erlanger, Orn. Monb.
XI p. 98.
Vinago nudirostris, Kritisches und Übersicht der Formen; Neumann, Journ. f.
Orn. LII p. 342— 344.
V. waalia cinereiceps n. subsp., Gelo; Neumann, Journ. f. Orn. LII p. 341.
Aceipitres.
Accıpiter hilgerti n.sp., Arussigallaland; Erlanger, Journ. f. Ornith. LII p. 171
tab. VI.
A. mirandollei, in Paraguay; ertoni, Anal. Cientif. Parag. ser. I No. 3 p. 6—7.
A. minullus intermedius n. subsp., Abyssinien; Erlanger, Journ. f. Ornith. LII p. 173,
tab. VIII, fig. inf.
A. m. minullus, abgebildet; idem, 1. c. tab. VIII.
A. m. tropicalis, abgebildet; idem, 1. c. tab. VII.
A. rufiventris perspieillaris, Kennzeichen; Neumann, Journ. f. Orn. LII p. 361.
Aquila rapax, geographische Variation; Erlanger, Journ. f. Ornith. LII p. 188—192.
Astur brevipes, in Dalmatien; Kollibay, Journ. f. Ornith. LII p. 85.
Buteo anceps und B. minor = B. desertorum; Neumann, Journ. f. Orn. LII p. 364
— 365. :
B. anguralis = B. anceps; Erlanger, Journ. f. Orn. LII p. 195—197; abgebildet;
idem, 1. c. tab. XI.
B. buteo, Übersicht der geogr. Formen; Neumann, Journ. f. Orn. LII p. 365—366.
B. buteo desertorum, Notizen über die Verbreitung; Neumann, Journ. f. Orn.
LII p. 365.
B. ferox, Übersicht der geogr. Formen; Neumann, Journ. f. Orn. LII p. 366—367.
B. zimmermannae, bei Rossitten erlegt; Thienemann, Orn. Monb. XII p. 165.
Cerchneis fieldi, abgebildet; Erlanger, Journ. f. Ornith. LII tab. XVII.
C. sparveria loquacula n.subsp., Porto Rico; Riley, Smiths. Misc. Coll. vol. 47
p- 284.
C. vespertinus, abgebildet; Csörgey, Aquila XI tab. 1
II. Aves für 1904. 111
©. tinnunculus arthuri, abgebildet; Erlanger, Journ. f. Ornith. LII tab. XVI.
©. unicolor n.sp., nahe ©. cenchroides, N. W. Westaustralien; Milligan, Emu
IV p. 2.
Dryotriorchis batesi n. sp., nahe D. spectabilis, Efulen, Kamerun; Sharpe, Ibis (8)
IV p. 601.
Falco biarmicus abyssinicus n. subsp., Schoa; Neumann, Journ. f. Orn. LII p. 369;
Übersicht der Unterschiede von F. biarmicus, F. erlangeri, F. tanypterus
und F. abyssinicus; idem, 1. c. p. 371.
F. altaicus, Ei abgebildet; Dresser, Ibis (8) IV p. 281 tab. VII fig. 7.
F. concolor, abgebildet; Erlanger, Journ. Ornith. LII p. 217—219 tab. XV.
F. eleonorae schistaceus und F. e. eleonorae, Kennzeichen, beide abgebildet;
idem, Journ. f. Ornith. LII p. 215—217 tab. XIV.
F. vespertinus obscurus n. subsp., Tomsk, W.-Sibirien; Tsehusi, Orn. Jahrb. XV
p- 229.
Gypaötus barbatus, geographische Variation; Erlanger, Journ. f. Orn. LII p. 201
—205.
Gyps fulvus fulvus, abgebildet; Erlanger, Journ. f. Ornith. LII tab. I.
G. fulvus rüppelli, abgebildet; idem, 1. c. tab. Il.
G. fulvus und Verwandte, Variation nach Alter und Verbreitung; Erlanger, Journ.
f. Ornith. LII p. 139—148.
Hieraaetus fasciatus minor n.subsp., Somaliland; Erlanger, Journ. f. Orn. LII
p. 185 tab. X.
H. spilogaster, abgebildet; Erlanger, Journ. f. Orn. LII tab. IX.
Leucopternis palliata, in Paraguay; Bertoni, Anal. Cientif. Parag. ser. I No. 3
p. 7—9.
Lophotriorchis lucani, adult beschrieben; Sharpe, Ibis (8) IV p. 102.
Melierax c. canorus, M. c. mechowi, M. c. poliopterus und M. c. metabaes, Kenn-
zeichen, Verbreitung und Abbildung; Erlanger, Journ. Ornith. LII p. 161
—165 tab. V.
Melierax c. metabates, Notiz über den Status; Salvadori, Ibis (8) IV p. 248—250.
Milvus korschun affinis, abgebildet; Erlanger, Journ. f. Ornith. LII tab. XIII.
M. aegyptius, M. k. korschun und M. k. reichenowi, abgebildet; Erlanger, Journ.
Ornith. LII tab. XII.
Polihierax semitorquatus homopterus n.subsp., West-Somaliland; ©berholser,
Proc. U. S. Mus. XXVII p. 738.
Pseudogys africanus, Kennzeichen der geographischen Formen; Erlanger, Journ.
Örnith. LII p. 148—152,
P. a. africanus, P. a. schillingsi, P. a. fülleborni, P. a. zechi, abgebildet; Erlanger,
l. c. tab. II.
Serpentarius serpentarius orientalis und 8. s. serpentarius, Kennzeichen und ab-
gebildet; Erlanger, Journ. f. Ornith. LII p. 156—157, tab. IV.
Vultur, Nomenklatorisches; Poche, Orn. Monber. XII p. 89—93.
Striges.
Osteologie; Pyeraft, Trans. Linn. Soc. Lond. (2 ser. Zool.) IX, 1, p, 1—46,
tab. I, II. Vgl. p. 11.
Aluco flammea, über die geographische Variation von; Rothsebild, Bull. B. O. C.
XIV p. 87—90.
112 II. Aves für 1904.
Asio abyssinicus, Vorkommen und Synonymie; Neumann, Journ. f. Orn. LII
p- 374.
Asio otus abyssinicus, Kennzeichen, Verbreitung und abgebildet; Erlanger, Journ.
f. Ornith. LII p. 231—232 tab. XVIII.
Asio leucotis nigrovertex n.subsp., Abyssinien; Erlanger, Journ. Ornith. LII
p. 233 tab. XIX.
4A. leucotis leucotis, abgebildet; Erlanger, Journ. f. Orn. LII tab. XIX.
A. magellanicus, Übersicht der geographischen Formen; ®berholser, Proc. U. $
Mus. XXVI p. 177—192.
A. m. algistus n. subsp., S. Michael, Alaska; idem, 1. c. p. 190.
A. m. heterocnemis n. subsp., Labrador; idem, 1. c. p. 187.
A. m. icelus n. subsp., Küste von Californien; idem, 1. c. p. 185.
A. m. lagophonus n. subsp., Washington; idem, 1. c. p. 185.
A
A.
A
S
. m. melancerus n. subsp., Oaxaca, Mexico; idem, 1. ce. p. 180.
m. mesembrinus n. subsp., Costa Rica; idem, 1. c. p. 179.
thene chiaradiae, Sternum beschrieben; Baldueei, Archivio Zoolog. Napoli I,
p: 375—380.
Bubo capensis dilloni, Notiz über; Neumann, Journ. f. Orn. LII p. 372—373.
B. dilloni, bei Jeffi Dunsa, Abyssinien erlegt; Grant, Ibis (8) IV p. 277.
B. maculosus einerascens und B. m. milesi, Notizen über; Erlanger, Journ. f. Orn.
LII p. 227—230.
Carine noctua caucasica n. subsp., Westufer des Kaspi Sees (Baku); Louden,
Orn. Jahrb. XV p. 56.
Gisella iheringi, in Paraguay; Bertoni, Anal. Cientif. Parag. ser. I No.3 p.5
Glaueidium castaneum, abgebildet; Reichenow, Vög. Afr. III tab.
Otus calayensis n.sp., Calayan, Philippinen; Me Greger, Bull. Philipp. Mus.
No. 4 p. 18.
O. cuyensis n. sp., Cuyo, Philippinen; Me Gregor, Bull. Philipp. Mus. No. 4 p. 17.
Pisorhina balia, abgebildet; Reichenow, Vög. Afr. III tab.
holerythra, abgebildet; Sharpe, Ibis (8) IV tab. II.
manadensis tempestatis n. subsp., Wetter; Hartert, Nov. Zool. XI p. 190.
scops cycladum n. subsp., Naxos; Tschusi, Orn. Jahrb. XV p. 104.
s. cypria, beschrieben; idem, 1. ec. p. 105—106.
s. erlangeri n. subsp., Tunesien (Schottgebiet); idem, 1. c. p. 101.
s. graeca n. subsp., Griechenland; idem, 1. c. p. 102.
s. tuneti n. subsp., N. W. Tunesien; idem, 1. c. p. 103.
Sceloglaux rufifacies n. sp., nahe 8. albifacies, Wairarapa Distriet, Süd-Insel,
Neu Seeland; Buller, Ibis (8) IV p. 639.
Scops cypriaca, abgebildet; Madaräsz, Ann. Mus. Hung. II tab. XV.
Strix stictica n. sp., nahe S. flammea, Merida, Venezuela; Madaräsz, Ann. Mus.
Hung. Il p. 115.
DIDINSDID
Psittaei.
Chrysotis bahamensis, abgebildet; Bonhote, Avic. Mag. (N. S.) 11 tab. zu p. 239.
Ch. guildingi, abgebildet; Dutton, Avic. Mag. (N. S.) III tab. zu p. 121.
Poicephalus flavifrons aurantiiceps n. subsp., Gelo; Neumann, Journ. f. Ornith.
LII p. 376.
II. Aves für 1904. 113
Prioniturus waterstradti n. sp., nahe P. discurus, Apo Gebirge, Mindanao; Roth-
schild, Bull. B. ©. €. XIV p. 71.
Probosciger vs. Microglossus; Poche, Orn. Monb. XII p. 23.
Psittacus (Poicephalus) flavifrons, bei Krebedje erlegt; Oustalet, Bull. Mus. Paris
X. p. 431.
Touit vs. Urochroma; Poche, Orn. Monb. XII p. 24.
Musophagidae.
Turacus macrorhynchus, Nestling und Ei beschrieben; Seth-Smith, Bull. B. O.
C. XV p. 13—14; Pyerait, 1. c. p. 14.
T. macrorhynchus, Nestling beschrieben; Pyeraft, Avic. Mag. (N. S.) III p. 55
—63 with plate.
Indicatoridae.
Protodiscus reichenowi n.sp., nahe P. ellenbecki, Moschi, Kilima Ndscharo; Ma-
daräsz, Ann. Mus. Hung. II p. 206.
Cueulidae.
Centropus albidiventris n.sp., nahe C. milo, Gizo, Solomon Inseln; Rothschild,
Bull, B. 0.6. X1V..p.59.
©. efulenensis n. sp., Efulen, Kamerun; Sharpe, Ibis (8) IV p. 615.
©. grilli caeruleiceps n. subsp., Gandjule See; Neumann, Journ. f. Orn. LII p. 380.
Cocceyzus cinereus, nicht ©. pumilus, in Uruguay; Bangs, Proc. Biol. Soc. Wash.
XVI p. 165—166.
C. minor, Übersicht der Formen; Riley; Smiths. Misc. Coll. vol. 47 p. 285—286.
C. m. shelleyi nom. nov. für ©. dominicae Shell.; idem, 1. c. p. 285.
Cuculus canorus rumenicus n. subsp., Rumänien; Tschusi, Orn. Jahrb. XV p. 121.
Eudynamis frater n. sp., nahe E. mindanensis, Calayan; Me Gregor, Bull. Philipp.
Mus. No.4 p. 21.
Urodynamis taitensis, Biologie; Fulton, Trans. N. Z. Inst. XXXVI p. 113—148.
Capitonidae.
Barbatula chrysocoma, Übersicht der geogr. Formen; Neumann, Journ. f. Orn.
LII p. 392.
B. chrysocoma schoana n.subsp., Schoa; Neumann, Journ. f. Orn. LII p. 391.
Lybius undatus, Kennzeichen und Verbreitung der geogr. Formen; Neumann,
Journ. f. Orn. LII p. 387—390.
L. tsanae = L. undatus juv., Kritisches; Neumann, Journ. f. Orn. LII p. 389
—3%.
Melanobucco tsanae, abgebildet; Grant, Ibis (8) IV p. 273 tab. VI.
Tricholaema radeliffei n. sp., nahe T.lachrymosa, Mulema, Uganda; Grant, Bull.
B0.0XV »29
Pieidae.
Dendrocopus lilfordi, bei Rom; Chigi, Boll. Soc. Zool. Ital. XII, 1903, p. 68—69.
D. minor morgani n. subsp., S. W. Persien; Sarudny u. Loudon, Orn. Jahrb. XV
P- 227.
Arch. f. Naturgesch. 70, Jahrg. 1904. Bd. 1]. H.1. (11.) &
114 II. Aves für 1904.
D. medius caucasicus n. subsp., Kaukasus; Bianchi, Ann. Mus. zool. St. Petersbg.
IX, 1904, p. 4.
D. neumanni, verschieden von D. nubicus; Neumann, Journ. f. Orn. LII p. 394
—39.
D. permistus, Übersicht der geogr. Formen; Neumann, Journ. f. Orn. LII p- 392
—394.
D. p. angolensis n. subsp., Angola; idem, 1. c. p. 393.
D. p. togoensis n. subsp., Togo; idem, 1. c. p. 393.
D. guineensis lepidus, Kennzeichen; Neumann, Journ. f. Orn. LII p. 399.
D. g. zechi n. subsp., Togo; idem, 1. ce. p. 400.
D. guineensis, Übersicht der Formen; idem, 1. c. p. 400—402.
Jyngipicus obsoletus, Übersicht der geogr. Formen; Neumann, Journ. r. Orn.
LII p. 402—403.
J. o. heuglini n. subsp., Erythraea; idem, 1. c. p. 402.
Jynx ruficollis vs. J. pectoralis; Hellmayr, Journ. f. Ornith. LII p. 307—3u8.
Mesopicos goertae, Übersicht der geogr. Formen; Neumann, Journ. f. Orn. LII
p- 396.
Bucerotidae.
Buceros vs. Dichoceros; Poche, Orn. Monber. X1I p. 9.
Ortholophus cassini = O. albocristatus; Sharpe, Ibis (8) IV p. 610.
O. finschi n. sp., nahe O. albocristatus, Liberia; Sharpe, Ibis (8) IV p. 610.
Tragopan vs. Buceros; Poche, Orn. Monber. XII p. 9.
Trogontidae.
Hapaloderma aequatoriale = H. narina; Sharpe, Ibis (8) IV p. 613
Alcedinidae.
Alcedo ispida, Varıation; Tschusi, Orn. Jahrb. XV p. 95—99.
A. i. spatzi, Kennzeichen und Verbreitung; idem, 1. c. p. 96—97.
A. i. sibirica n. subsp., West Sibirien; idem, 1. c. p. 99.
A. margelanica n.sp., nahe A. ispida, Ferghana; Madaräsz, Ann. Mus. Hung.
II. p. 86.
Halcyon bougainvillei n.sp., Bougainville, Solomons Inseln; Rothschild, Bull.
B.707 EC: XV p: 5:
H. chloris, Übersicht der geogr. Formen; Hartert, Nov. Zool. XI p. 197—194.
H. enigma n. sp., nahe H. chloris, Talaut; Hartert, Nov. Zool. XI p. 199.
H. generosa n.sp., nahe H. saturatior und H. smyrnensis, Ceylon; Madaräsz,
Ann. Mus. Hung. II p. 85.
H. australasia interposita n. subsp., Moa; Hartert, Nov. Zool. XI p. 196.
H. australasia, Übersicht der Formen; idem, 1. c. p. 197.
H. owstoni n.sp., nahe H. chloris, Asuncion, nördl. Mariannen; Rothschild, Bull.
B. 0. GC’ AV 28
IH. perpulchra n. sp., nahe H. smyrnensis. Singapore; Madaräsz, Ann. Mus. Hung.
II p. 85.
Tanysiptera dea, Notız über den Namen; Satvadori, Ibis (8) 1V p. 555—094.
T. hydrocharis, spezifisch verschieden von 7. dea; Salvadori, Ibis (8) IV p. 554,
T. nais vs. T. dea; Poche, Orn. Monber. XIT p. 57
II. Aves für 1004, 115
Meropidae.
Merops superciliosus donaldsoni n. subsp., West Somaliland; @berholser, Proc.
U. S. Mus. XXVI p. 737.
Galbulidae.
Urogalba dea vs. U. paradisea; Poche, Orn. Monber. XII p. 5’
. Todidae.
Todus todus vs. T. viridis; Riley, Auk XXI p. 486
Upupidae.
Scoptelus brunneiceps, abgebildet; Sharpe, Ibis (8) IV tab. XL
Caprimulgidae.
Caprimulgus apatelius n. sp., nahe Ü©. fossei, Abaya See; Neumann, Orn. Monber.
XII p. 143.
Cosmetornis vexillarius und Macrodipteryx macrodipterus, Flügelstruktur; Pyeraft,
Bull. B. O. C. XV p. 22.
Macrodipteryx longipennis, Biologisches; Sykes, Ibis (8) IV p. 167.
Cypselidae.
Apus, Notiz über den Namen; Poche, Orn. Monber. XII p. 24—25.
Apus apus kollibayi, Notizen über; Tschusi, Orn. Jahrb. XV p. 229.
A. apus kollibayi, in Dalmatien, Kritisches; Kollibay, Journ. f. Ormith. LII
p- 492—495.
A. melba tuneti n. subsp., Tunesien; Tschusi, Orn. Jahrb. XV p. 123.
Cypselus batesi n. sp., Efulen, Kamerun; Sharpe, Bull. B. O. C. XIV p. 63.
C. sladeniae n. sp., nahe (©. barbatus, Fernando Po; Grant, Bull. B. O. C. XIV p. 56.
Oypsiurus vs. Tachornis; Poche, Orn. Monber. XII p. 25.
Trochilidae.
6. Angelini. Catalogo dei Trochili o Colibri recentemente donati da S. M. il
Re V.E. III al Museo Zoologico... di Roma... .; Boll. Soc. Zool. Ital. XII, 1903,
p- 125—133. — Vgl. p. 78.
J. H. Riley. Note on the Generic Names Bellona, Orthorhynchus, Chryso-
lampis and Eulampis; Auk XXI p. 485—486.— Microlyssa nom. nov. für Bellona
(type: Trochilus exilis Gm.).
Microlyssa nom. nov. für Bellona, type Trochilus exilis Gm.; Riley, Auk XXI
-p. 485.
Formiecariidae.
Dysithamnus aroyae n.sp., Marcapata, S. O. Peru; Hellmayr, Bull. B. O. C.
XIV p. 52.
Formicivora orenocensis n.sp., nahe F. tobagensis, Orinoco; Hellmayr, Bull. B.
O. C. XIV p.54.
Grallaria ochroleuca, in Paraguay; Bertoni, Anal. Cientif. Parag. ser. I No. 3 p. 5.
g+
116 II. Aves für 1904,
Phlegopsis paraensis n. sp., nahe P. nigromaculata, Parä; Hellmayr, Orn. Monber.
XTl»p.ı83:
Thamnophilus Camopiensis n.sp., Camopi, Französisch Guyana; Menegaux,
Bull. Mus. Paris X p. 175.
T. paraguayensis n.sp., nahe T. caerulescens, N. Paraguay; Hellmayr, Bull. B.
O0. C. XIV p.53.
Dendrocolaptidae.
Deconychura secunda n. sp., nahe D. typica, Napo, Ost Ecuador; Hellmayr, Bull.
B2.0:.C0/XIy »:51.
Dendrexetastes berlepschi = Dendrocolaptes validus; Madaräsz, Ann. Mus. Hung. II.
p- 116.
Dendrocincla, Monographie der Gattung; ®berholser, Proc. Acad. N. Sc. Philad.
1904 p. 447—463.
D. tyrannina brunnea, verschieden von D. t. tyrannina; idem, l. c. p. 450—451.
D. minor = D. atrirostris; idem, 1. ec. p. 451—452.
D. anabatina typhla n.subsp., Yucatan; idem, l.c. p. 452.
D. rufo-olivacea = D. fuliginosa; idem, 1. c. p. 453.
D. enalincia n. sp., nahe D. turdina, S. Paulo, Brazil; idem, 1. c. p. 454.
D. castanoptera = D. merula; idem, 1. c. p. 456.
D. ridgwayi n.sp., nahe D. olivacea lafresnayei, Costa Rica; idem, l.c. p. 458.
D. meruloides aphanta n. subsp., Tobago; idem, 1. c. p. 460.
D. homochroa acedesta n. subsp., Chiriqui ; idem, 1. c. p. 462.
Siptornis Hilereti n. sp., nahe S. pudibunda (!), Tucuman; @ustalet, Bull. Mus.
Paris X p. 44.
3. Lilloi n. sp., nahe $. hudsoni, Tucuman; ®ustalet, Bull. Mus. Paris X p. 44.
Upucerthia Baeri n.sp., nahe U. validirostris (!), Tucuman; @ustalet, Bull. Mus.
Paris X p. 43 [= U. ruficauda (Mey.). — Ref.].
Eurylaemidae.
E. Hartert. Fam. Eurylaemidae in: Genera Avium, edited by P. Wystman.
lst Part. Brüssel 1904. gr. 4°. pg. 1—8, with 1 coloured plate. — Übersicht der
Formen der Eurylaemidae. Verf. gibt zunächst eine allgemeine Charakteristik
der morphologischen Merkmale, und kurze Mitteilungen über Lebensweise
und Verbreitung. Darauf folgt eine Zusammenstellung der Unterschiede der
beiden Subfamilien: Calyptomeninae und Eurylaeminae Daran schließt sich
die Darstellung der einzelnen Gattungen. Bei jeder derselben Charakteristik,
Verbreitung, Aufzählung und Schlüssel der Arten. Die Calyptomeninae bestehen
aus einer einzigen Gattung: Calyptomena (mit drei Arten), die Eurylaeminae
umfassen die Genera Corydon, Eurylaimus, Serilophus, Sarcophanops, Psari-
somus und Cymbirhynchus. Neu: Psarisomus dalhousiae borneensis, vom Kina
Balu. Auf der Tafel sind Serilophus lunatus rothschildi, ferner Köpfe sowie
andere Körperteile von Vertretern einiger Gattungen abgebildet.
Calyplomena viridis, Kopf abgebildet; Hartert, Gen. Av. Pt. I., tab. fig. 4.
Corydon sumatranus, Kopf abgebildet; Hartert, Gen. Avium Pt. I. tab. fig. 1.
Cymbirhynchus macrorhynchus, Kopf abgebildet; Hartert, Gen.Av. Part I tab. fig.2.
Eurylaimus javanicus, Kopf abgebildet; Hartert, Gen. Av. Pt.I. tab. fig. 3.
II. Aves für 1904. 17
Psarisomus dalhousiae, Schwanz abgebildet; Hartert, Gen. Av. Part I tab. fig. 7.
Psarisomus dalhousiae borneensis n.subsp., Kina Balu, Borneo; Hartert, Genera
Avium Part I. p.7.
Sarcophanops steerei, abgebildet; Hartert, Gen. Av. Pt. I. tab. fig. 6.
Serilophus lunatus rothschildi, abgebildet; Hartert, Genera Avium Part I. tab. fig. 5.
Xenieidae.
NXenicus stokesi, X. longipes und X. gülviventris, Unterschiede und Verbreitung;
Ogilvie-Grant, Bull. B. O. C. XV p. 15—16.
Pittidae.
Pitta anerythra pallida n.subsp., Bougainville, Solomons Inseln; Rothschild
Bull. B. 0: CERVp. 7.
Pitta reichenowi, vom River Ja, Kamerun; Sharpe, Ibis (8) IV p. 621.
Tyrannidae.
H. v. Ihering. The Biology of the Tyrannidae with respect to their Systematie
Arrangement; Auk XXI p. 313—322. — Vgl. p. 80.
E. W. Nelson. A Revision of the North American Mainland species of Myi-
archus; Proc. Biol. Soc. Wash. XVII, 1904, p. 21—50. — Vgl. p. 72.
Copurus funebris, verschieden von C. colonus; Hellmayr, Bull. B. OÖ. C. XIV p. 61
[Jugendkleid! — Ref.].
Elainea gularis = Mecocerculus setophagoides; Madaräsz, Ann. Mus. Hung. I].
p- 116.
Empidonax fulvifrons fusciceps n. subsp., Chiapas; Nelson, Proc. Biol. Soc. Wash.
XVI p. 152.
Empidonazx griseus Brewst. = E. canescens Salv. u. Godm.; Nelson, Auk XXI
p- 80.
Muscisaxicola Morenoi n.sp., Jujuy, Argentina; Bruch, Revist. Mus. La Plata
XI p. — (Sep. p. 14).
Myiarchus lawrencei bangsi n. subsp., Panama; Nelson, Proc. Biol. Soc. Wash.
XVII p. 4.
M. I. querulus n. subsp., Michoacan, Mexico; Nelson, 1. c. p. 47.
M. 1. tresmariae n. subsp., Tres Marias Inseln; Nelson, 1. c. p. 49.
M. nuttingi aus Arizona ist auf M. cinerascens, 9, zurückzuführen; Nelson,
l.c. p. 35.
M. oberi nugator n.subsp., Grenada; Riley, Smiths. Misc. Coll. vol. 47, pt. 2,
p- 275.
Pitangus caymanensis n. sp., nahe P. caudifasciatus, Grand Cayman; Nicoll, Ibis (8)
IV p. 582.
Serpophaga parambae n. sp., N. W. Ecuador; Hellmayr, Bull. B. O. C. XIV p. 54,
Suiriri vs. Empidagra; Poche, Orn. Monb. XII p. 25.
Todirostrum pictum, in Cayenne; Menegaux, Bull. Mus. Paris X p. 116,
118 II. Aves für 1904.
Hirundinidae.
Hirundo albigularis microptera n. subsp., Angola; Hartert, Bull. B. O. C. XIV
p- 73.
H. rothschildi n. sp., nahe H. lucida, Kaffa; Neumann, Orn. Monber. XII p. 143.
H. rustica sawitzkii n.subsp., Transkaspien; Loudon, Orn. Jahrb. XV p. 54.
Psalidoprocne holomelaena massaica n. subsp., Kikuyu; Neumann, Orn. Monber.
XI p. 144.
P. orientalis oleaginea n. subsp., Kaffa; idem, 1. c. p. 144.
P. orientalis reichenowi n. subsp., Loangoküste; idem, 1. ce. p. 144.
P. nitens centralis n. subsp., Ituri; idem, ]. c. p. 144.
Stelgidopteryx salvini n.sp., nahe 8. serripennis, Guatemala; Ridgway, Birds
North & Middle America III p. 62.
Campophagidae.
Pericrocotus cinereus, Ei abgebildet; Dresser, Ibis (8) IV p. 489 tab. X fig. 13, 15.
P.novus n.sp. (ex W. Ramsay nom. nud.), Luzon; Me Gregor, Bull. Philipp. Mus.
No. 2. p. 13.
„Prionopidae“.
Pitohwi dichrous monticola n. subsp., Brit. Neu Guinea; Rothschild, Bull. B. O.
G XIV P.79.
Laniidae.
Chlorophoneus miniatus n.sp., nahe Ü. nigrifrons, Kiboscho, Kilima Ndscharo;
Madaräsz, Ann. Mus. Hung. II p. 205.
Eulacestoma nigropectus, abgebildet; Selater, Ibis (8) IV p. 373—375 tab. IX.
Hyloterpe fallax n. sp., nahe H. philippinensis, Calayan; Me Gregor, Bull. Philipp.
Mus. No. 4. p. 27 tab. V fig. 2.
H. philippinensis und H. albiventris, abgebildet; idem, 1. c. tab.-V figs. 1, 3.
Laniarius ambiguus n.sp., nahe L.aethiopicus, Kiboscho und Moschi; Madaräsz,
Ann. Mus. Hung. II p. 205.
Lanius badius, bei Biskra; Kleinschmidt, Orn. Monb. XII p. 197.
L. vittatus, Ei abgebildet; Dresser, Ibis (8) IV p. 488 tab. X fig. 7, 8.
Pachycephala howensis n. sp, nahe P. gutturalis, Lord Howe Insel; North,
Rec. Austr. Mus. V p. 128.
Pachycephala howensis = P. contempta; Hartert, Bull. B. O. C. XV p. 10.
P. meridionalis n.sp., nahe P. occidentalis, Südaustralien und West Victoria;
North, Rec. Austr. Mus. V p. 126.
P..occidentalis, Kennzeichen; Milligan, Emu IV p. 48—50.
P. par n. sp., Roma; Hartert, Nov. Zool. XI p. 211.
P. par compar n. subsp., Letti; Hartert, Nov. Zool. XI p. 212.
Pterythius ricketti n.sp., nahe P. aeralatus, Fohkien und Yunnan; 4rant, Bull.
B.x0. ,0,, XIV.9.,92.
Vireonidae.
Vireo laurae n. sp., nahe V. calidris, Grenada; Nicoll, Bull. B. ©. C. XIV p. 9%.
V. laurae, abgebildet; Nicoll, Ibis (8) IV p. 563—564 tab. XI fig. 2.
II. Aves für 1904. 119
Dieruridae.
Buchanga stigmatops phaedra n.subsp., Padang (Sumatra); Reichenow in:
Wissensch. Erg. Tiefsee-Exped. VII p. 356.
Corvidae
Aphelocoma unicolor coelestis n. subsp., Chiapas; Ridgway, Birds North & Middle
America III p. 345.
Corvus cornix valachus n,subsp., Rumänien; Tschusi, Orn. Jahrb. XV p. 121.
©. meeki n.sp., nahe ©. woodfordi, Bougainville, Solomons-Inseln; Rothschild,
Bull. B. O..CH XV np 21.
©. pallescens n. sp., nahe Ü. cornix, Cyprus; Madaräsz, Orn. Monber. XII p. 28.
©. protegatus n. sp., nahe ©. splendens, Ceylon; Madaräsz, Orn. Monber. XII p. 195.
C. splendens maledivicus n.subsp., Malediven (Suadivainseln); Reichenow in:
Wissensch. Erg. Tiefsee-Exped. VII p. 356.
COyanocitta stelleri borealis, Kritisches; Chapman, Bull. Amer. Mus. XX p. 403.
Garrulus glandarius koenigi n.subsp., N. W. Tunesien; Tschusi, Orn. Jahrb.
XV p. 99.
Gymnocorvus vs. @ymnocorax; Poche, Orn. Monb. XII p. 26.
Gymnorhina albieruralis nom. nov. für G. longirostris Mill.; Degen, Emu III p. 207.
G. dorsalis, abgebildet; Milligan, Emu III tab. X.
Hellmayria nom. nov. für Pyrrhocorax Vieill. (nec Moehr.), type: P. pyrrhocorax
L.; Poche, Zool. Anz. XXVII p. 502.
Nucifraga caryocatactes, Kennzeichen der westlich-paläarktischen Formen;
Reichenow, Journ. f. Orn. LII p. 312.
Paradiseidae.
Paryphephorus dwivenbodei, bei Foula, Brit. Neu Guinea erlegt; Rothschild, Bull.
B. 0. C. XV p.7.
Phonygama purpureo-violacea, Beschreibung der Trachea; @gilvie-Grant, Bull.
B. ©. C. XIV p. 40—4l.
Oriolidae.
Oriolus finschi n. sp., nahe OÖ. viridifuscus, Wetter; Hartert, Nov. Zool. XI p. 219.
O. flavocinctus migrator n. subsp., Letti; Hartert, Nov. Zool. XI p. 218.
O. kundoo und O. indicus, Eier abgebildet; Dresser, Ibis (8) IV p. 486—487 tab. X
fig. 14, 16—18.
O. monachus permistus n. subsp., Gofa; Neumann, Orn. Monber. XII p. 145.
Sturnidae.
Amydrus, Übersicht der Formen; Neumann, Journ. f. Orn. LII p. 569.
Amydrus, Pyrrhocheira, Onychognathus, Cinnamopterus, Bemerkungen über
deren Beziehungen; Neumann, Journ. f. Orn. LII p. 567.
A. nabouroup vs. Pyrrhocheira caffra; Neumann, Journ. f. Orn. LII p. 568.
A. nabouroup benguellensis = Pyrrhocheira intensitincta; Sharpe, Ibis (8) IV p. 366.
Calornis kuehni n.sp., nahe C. minor, Roma; Hartert, Nov. Zool, XI p. 220,
120 ‚U. Aves für 1904.
Onychognathus hartlaubi, Typus nicht von Fernando Po, sondern wahrscheinlich
vom Niger; Neumann, Journ. f. Orn. LII p. 568.
Pastor roseus, abgebildet; Csörgey, Aquila XI tab. II.
Sturnus, Bestimmungsschlüssel der Formen; Buturlin, Orn. Jahrb. XV p. 211
— 213.
Sturnus vulgaris jitkowi n. subsp., Ost-Rußland; Buturlin, Orn. Jahrb. XV p. 206.
St. poltoratzkyi salunini n.subsp., Nord-Kaukasus; Buturlin, Orn. Jahrb. XV
p- 207.
St. zaidamensis n. sp., Zaidam; Buturlin, Orn. Jahrb. XV p. 208.
St. dzungaricus n. sp., Dzungarei; Buturlin, Orn. Jahrb. XV p. 208.
S. purpurascens dresseri n. subsp., N. OÖ. Persien und West Turkestan; Buturlin,
Orn. Jahrb. XV p. 209.
S. p. johanseni n. subsp., Ost-Turkestan; idem, 1. c. p. 209.
S. porphyronotus loudoni n. subsp., Ost-Turkestan; Buturlin, Orn. Jahrb. XV
p. 211.
S. lauricus n. sp., nahe S. purpurascens, Krim; Buturlin, Orn. Jahrb. XV p. 210.
S. t. harterti n. subsp., Turkestan (Merw bis Ferghana); Buturlin, Orn. Jahrb.
XV p. 210.
} Ploceidae.
Estrilda astrild sousae mov. subsp.,, S. Thomas und Prinzeninsel; Reichenow,
Vög. Afr. III p. 182.
Munia flaviprymna, als Heimat N. W. Australien festgestellt; Seth-Smith, Bull.
B. O0. C. XV p. 2223.
Philetairus cabanisi enchorus n. subsp., West Somaliland; Oberholser, Proc. U.
S. Nat. Mus. XXVII p. 683.
Ploceus melanoxanthus malensis n. subsp., Male Land; Neumann, Orn. Monb.
XII p. 162.
P. nigrimentum nom. nov. für Hyphantornis reichenowii Boc. (nec Fisch.), Ben-
guella; Reichenow, Vög. Afr. III p. 39.
P. stuhlmanni var. uhehensis nov. var., Uhehe; Reichenow, Vög. Afr. III p. 40.
Poöphila neglecta n.sp., nahe P. atropygialis, Queensland; North, Rec. Austr.
Mus. V p. 263.
P. nigrotecta = P. atropygialis; North, 1. c. p. 264.
Reichenowia nom. nov. für Chlorura Sel. (nec Rchb.), type R. hyperythra; Poche,
Orn. Monb. XII p. 26.
Uraeginthus bengalus damarensis n. subsp., Damaraland; Reichenow, Vög. Afr.
III p. 209.
Fringillidae und Tanagridae. !)
Acanthis linaria islandica n. subsp., Island; Hantzsch, Orn. Monber. XII p. 32.
Amaurospiza moesta, & 2 gekennzeichnet; Hellmayr, Verhandl. Zool. Bot.
Gesellsch. LIV p. 516—518.
A. awillaris, A. coerulatra und Haplospiza crassirostris identisch mit Sporophila
moesta; Hellmayr, 1. c. p. 516.
!) Wegen ihrer schwankenden Abgrenzung wurden diese beiden Familien
hier aus Zweckmäßigkeitsgründen in einem Kapitel zusammengefaßt.
II. Aves für 1904. 121
Arremonops superciliosus chiapensis n. subsp., Chiapas; Nelson, Proc. Biol. Soe.
Wash. XVII p. 152.
Buarremon Baeri n.sp., Tucuman; ®ustalet, Bull. Mus. Paris X p.43 (= Com-
psospiza baeri (Oust.) — Fringillidae — Ref.).
Bucanetes obsoletus, Ei abgebildet; Dresser, Ibis (8) IV p. 108 tab. III figs. 4, 6.
Carduelis carduelis major und C. caniceps, abgebildet; Finn, Avic. Mag. (N. S.) III
tab. zu p. 24.
Carpodacus severtzovi, Ei abgebildet; Dresser, Ibis (8) IV p. 107 tab. III figs. 1, 3.
C. synoicus vs. ©. sinaiticus; Hartert, Nov. Zool. XI p. 457.
©. thura, Übersicht der Formen; Hartert, Nov. Zool. XI p. 456. BY SI,
Chlorura vs. Oreospiza; Peche, Orn. Monb. XII p. 25. -
Crithagra estherae, $ 2 abgebildet und beschrieben; Finsch, Journ. f. Ornith.
LII p. 122—125 tab. A.
Drepanorhynchus schistaceus = Sporophila falcirostris; Hellmayr, Verhandl. Z.
B. Gesellsch. Wien LIV p. 529—530.
Emberiza cia, Verbreitung in der Rheinprovinz; ®. le Rei, Orn. Monber. XII
p. 153—158.
E. cia par n. subsp., Transkaspien; Hartert, Vög. pal. Fauna II p. 184.
E. koslowi n. sp., Oberer Mekong, Tibet; Bianchi, Bull. B. ©. C. XIV p. 80.
E. lutesla, E. spodocephala, E. cinerea, E. stewarti und E. stracheyi, Eier be-
schrieben und abgebildet; Dresser, Ibis (8) IV tab. III figs. 7—15.
E. pusilla, bei Rugby erlegt; Aplin, Ibis (8) IV p. 307.
E. pyrrhuloides reiseri n. subsp., Thessalien; Hartert, Vög. pal. Fauna II p. 199.
E. pyrrhuloides centralasiae n. subsp., Ost-Turkestan; idem, l.c. p. 199.
E. schoeniclus pallidior n. subsp., Turkestan; Hartert, Vög. pal. Fauna II p. 197.
E. schoeniclus othmari n. subsp., Bulgarien; Hartert, 1. c. p. 198.
E. (Hypocentor) semenowi n. sp., nahe E. cinerea, Berge von Arabistan in Persien;
Sarudny, Orn. Jahrb. XV p. 217.
Erythrospiza sanguinea, Ei beschrieben und abgebildet; Dresser, Ibis (8) IV p. 108
tab. III fig. 5.
Fringilla palmae, auf Hierro festgestellt; Hartert, Bull. B. ©. C. XIV p. 51.
Fringillaria media n.sp., Deelfontein, Cap Colonie; Sharpe, Ibis (8) IV p. 354.
Haematospiza indica vs. H. sipahi; Hartert, Nov. Zool. XI p. 456—457.
Linota pygmaea, Notiz über; Hartert, Nov. Zool. XI p. 459.
Loxia curvirostra anglica n. subsp., England; Hartert, Vög. paläarkt. Fauna Il
pad!
L. curvirostra hispana n. subsp., Spanien; idem, ].c. p. 119.
L. curvirostra scotica n. subsp., Schottland; idem, 1. c. p. 120.
Melospiza lincolni striata, Kennzeichen und Verbreitung; @rinnell, Auk XXI
p. 274— 276.
Montifringilla alpicola groum-grzimaili n. subsp., Gebirgsland Beischan; Sarudny,
Orn. Jahrb. XV p. 215.
M. a. gaddi n. subsp., Luristan, Persien; idem, 1. c. p. 216.
M. brandti walteri n. subsp., Szetschwan; Hartert, Vög. paläarkt. Fauna II p. 138.
M. margaritacea n. sp., Altai; Madaräsz, Orn. Monb. XII p. 196.
Nesospiza goughensis n. sp., Gough Insel; W. E. Clarke, Bull. B. ©. C. XV p. 18.
N. jessiae a. sp., Gough Insel; idem, 1. c. p. 18.
122 II. Aves für 1904.
Paroaria cervicalis = P. capitata; Butler, P. Z. S. Lond. 1903 vol. II pt. II p. 350
—351 [Irrtum! — Ref.].
Passer ahasver n.sp., nahe P. domesticus, Marrakesch, Marocco; Kleinschmidt,
Orn. Monber. XII p. 7.
P. flückigeri n. sp., nahe P. hispaniolensis, Touggourt, Algerien; idem, 1. c. p. 7.
P. confueius = P. jagoensis; Hartert, Nov. Zool. XI p. 458—459.
P. diffusus, geogr. Variation; Hartert, Nov. Zool. XI p. 458—459.
P. pallasi = P. hispaniolensis; Hartert, Nov. Zool. XI. p. 458.
P. ploceisoma = Philaeterus socius; Martert, Nov. Zool. XI p. 458 (Ploceidae).
P. rufipectus = P. hispaniolensis; Hartert, Nov. Zool. XI p. 458.
P. ruppeli = Plocepasser superciliosus; Hartert, Nov. Zool. XI p. 458.
P. shelleyi = P. rufocinctus cordofanicus; Hartert, Nov. Zool. XI p. 459.
P. domestica biblicus n. subsp., Syrien; Hartert, Vög. pal. Fauna II p. 149.
P. italiae senckenbergianus n. subsp., N. O. Afrika; Hartert, Vög. pal. Fauna II
p- 152.
P. montana taivanensis n. subsp., Formosa; Hartert, Vög. pal. Fauna II p. 161.
P. rutilans debilis n. subsp., Kaschmir; Hartert, Vög. pal. Fauna II p. 162.
P. hispaniolensis, P. italiae und P. domesticus, Bemerkungen über Variation;
Chigi, Boll. Soc. Zool. Ital. XIII p. 127—146.
P. domesticus italiae var. Romae (nov. var.), Umgebung von Rom; idem, 1. c.
p- 145.
P. domesticus italiae var. subalpina (nov. var.), Nord-Italien; idem, l.c. p. 145.
P. griseus georgicus n. subsp., Damaraland; Reichenow, Vög. Afr. III p. 231.
P. griseus suahelicus n. subsp., Deutsch-Ost-Afrika; idem, 1. c. p. 231.
P. mesopotamicus n. sp., nahe P. moabiticus und P. yatei, Arabistan; Zarudny,
Orn. Jahrb. XV p. 108.
Plectrophanes nivalis, Zug über den Atlantischen Ocean; Butler, Ibis (8) IV
p- 304— 305.
Poliospiza tristriata var. benguellensis n.subsp., Benguella; Reichenow, Vög.
Afr. III p. 260.
Saltator aurantiirostris, abgebildet; Butler, Avic. Mag. (N. S.) II tab. zu p. 335.
Spinus eitrinelloides hypostictus n. subsp., Ostafrika; Reichenow, Vögel Afr.
III p. 275.
S. citrinelloides frontalis n. subsp., Gebiet des Vietoria Nyansa; Reichenow, Vögel
Afr. III p. 275.
Sporophila, Schlüssel der $. bouvre il-Gruppe; Hellmayr, Verhandl. Zool. Bot.
Gesellsch. Wien LIV, p. 526—528.
S. melanocephala melanocephala, Synonymie etc.; Hellmayr, 1. c. p. 533—534.
S. melanocephala ochrascens n. subsp., Rio Paranä, Brazil; idem, l.c. p. 534.
S. leucopsis und S8. polionota = 8. collaris, Synonymie; idem, 1. c. p. 534—536.
S. leucoptera leucoptera und 8. I. hypoleuca, Unterschiede und Verbreitung; idem,
l. c. p. 536—537.
. bowvreuil vs. S. nigro-aurantia, Synonymie; Hellmayr, Verhandl. Z. B. Ge-
sellsch. Wien LIV p. 519.
. saturata n. sp., nahe S. bouvreuil, S. Paulo; idem, 1. ce. p. 520.
cinnamomea, Kennzeichen; idem, 1. c. p. 521—522.
. lorenzi n. sp., nahe S. palustris, Cayenne (?); idem, 1. c. p. 522.
. ruficollis, Synonymie u. Kennzeichnung; idem, 1. c. p. 523—525.
&n
BER
Il Aves für 1904. 123
S. plumbeiceps = & ad. S. ruficollis; idem, 1. c. p. 523.
S. melanogastra, Kennzeichen; idem, 1. c. p. 525—526.
S. melanops, Kennzeichen; idem, 1. c. p. 528.
S. ardesiaca, Kennzeichen; idem, 1. c. p. 528.
S. faleirostris, Synonymie und Kennzeichen; idem, 1. c. p. 529—531.
S. americana vs. S. lineata, Synonymie; idem, 1. c. p. 531—532.
Mniotiltidae.
Dendroeca crawfordi n.sp., nahe D. vitellina, Little Cayman Insel; Nicoll, Bull.
B. O. C. XIV p. 9. h .
D. crawfordi, abgebildet; Nicoll, Ibis (8) IV p. 586—587 tab. XI fig. 1.
D. coronata hooveri = D. c. coronata; Chapman, Bull. Amer. Mus. XX. p. 405.
D. kirtlandi, Biologie und Fortpflanzung; Wood, Bull. Michigan Orn. Cl. V p. 3
—13; Zug; Adams, 1. c. p. 14—21.
D. subita n.sp., nahe D. adelaidae, Barbuda; Riley, Smiths. Misc. Coll. vol. 47
p- 289.
Seiurus noveboracensis notabilis, Varietät mit weißer Schwanzspitze; Me Atee,
Auk XXI p. 482-—489.
Motacillidae.
Anthus maculatus, Note on the Name; Blanford, Ibis (8) IV p. 662—663.
Charadriola (nov. gen.) singularis n.sp. (nahe Macronyx), Djippe See, Ost Afrika;
Madaräsz, Ann. Mus. Hung. II p. 400. [= Tmethotylacus tenellus -(Cab.)
— Ref.].
Macronyx sharpei n. sp., nahe M. croceus, Mau Plateau; Jackson, Bull. B. O. C.
XIV p. 74.
Motecilla borealis, in Sussex erlegt; Nicoll, Bull. B. O. C. XIV p. 84.
M. madaraspatensis, Ei abgebildet; Dresser, Ibis (8) IV p. 486 tab. X fig. 3, =».
Alaudidae.
Alaemon benguellensis n.sp., nahe A. damarensis, Benguella; Sharpe, Ibis (8) IV
p- 361.
A. bradshawi n.sp., nahe A. semitorquata, Oranje River; Sharpe, Ibis (8) IV.
p- 361.
A. damarensis n. sp., nahe A. semitorquata, Damaraland; Sharpe, Ibis (8) IV p. 361.
A. subcoronata (westl. Cap-Colonie) und A. semitorquata (Natal, Transvaal),
Unterschiede; Sharpe, Ibis (8) IV p. 360.
Alauda balcanica n. sp., Bosnien; Ehmceke, Ann. Mus. Hung. II p. 297
. beludshistana n. sp., Persisch Beludschistan; Ehmeke, ]. e. p. 299.
. major n.sp., Serbien; Ehmcke, 1. c. p. 298.
. minuta n. sp. Korfu; Ehmcke, 1. c. p. 298.
schach n. sp., Ostpersien; Ehmcke, 1. c. p. 299.
cypriaca n.Sp., Cypern; Ehmcke, 1. c. p. 300.
. insularis n. sp., Cypern; Ehmcke, 1. c. p. 300.
. sordida n. sp., Rügen und Ungarn; Ehmceke, 1. c. p. 300.
. subtilis n. sp., Montenegro; Ehmcke, 1. c. p. 301.
. transcaspica n.sp., Transkaspien; Ehmcke, 1. c. p. 301.
Babbaphh ph
124 II. Aves für 1904,
A. cinerascens nom. nov. für A. cinerea; Ehmeke, Journ. f. Ornith. LII p. 313.
A. brachydactyla, auf den Flannan Inseln erlegt; H. Saunders, Bull. B. O. C.
RV.pik
A. arvensis harterti n. subsp., Nord Tunis; Whitaker, Bull. B. O. C. XV p. 20.
A. japonica inopinata n. subsp., Ost Tibet; Bianchi, Ann. Mus. Zool. St.-Petersbg.
IX p. XXXL
A. intercedens n. sp., Attika, Griechenland; Ehmeke, Ann. Mus. Hung. II p. 296.
Ammomanes assabensis und A. samharensis, Unterschiede; Salvadori, Ibis (8)
IV p. 473—474.
A. lusitana erythrochroa n.subsp., Ambukol (Dongola); Reichenow, Journ. f.
Orn. LII p. 307.
A. deserti orientalis n. subsp., S. W. Buchara; Sarudny u. Loudon, Orn. Jahrb. XV
p- 224.
Calandrella brachydactyla, auf den Flannan Inseln, Schottland; W. E. Clarke,
Ann. Scott. N. H. 1904 p. 206.
©. cinerea saturatior n. subsp., Ostafrika und Angola (!); Reichenow, Vög. Afr.
III p. 378.
C. minor polatzeki n. subsp., Lanzarote, Kanaren; Hartert, Vög. pal. Fauna II
p- 217.
©. minor seistanica n. subsp., Seistan; Sarudny u. Loudon, Orn. Jahrb. XV p. 222.
C. m. minuta n. subsp., Ispahan; iidem, 1. c. p. 224.
Calendula dunni n. sp., Sudan; Shelley, Bull. B. O. ©. XIV p. 82.
Certhilauda albofasciala arenaria n.subsp., Damaraland; Reichenow, Vög. Afr.
in p- 354.
C. semitorquata var. damarensis n.subsp. Damaraland; Reichenow, Vög. Afr.
III. p. 301.
Dewetia nom. nov. für Botha Shell. (nec Bothus Rafin.); Buturlin, Auk XXI p. 80.
Galerida cristata var. aegyptiaca n.subsp., Ägypten (!!); Reichenow, Vög. Afr.
III p. 361.
@G. cristata caroli n. subsp., Natron Tal in Unterägypten; Hartert, Vög. pal. Faun.
II p. 234.
G. cristata cinnamomina n. subsp., Berg Carmel in Nord Palästina; Hartert, 1. c.
p- 235.
@G. cristata tardinata n. subsp., Südarabien; Hartert, 1. c. p. 235.
@. theklae erlangeri n. subsp., Tanger, Marokko; Hartert, 1. c. p. 237.
G. schlüteri n. sp., nahe @. theklae, Böne, Algerien; Kleinschmidt, Orn. Monber.
XII p. 196.
Melanocorypha calandra psammochroa n.subsp., Turkestan; Hartert, Vög. pal.
Fauna Il p. 210.
M. calandra raddei n.subsp., S. W. Persien; Sarudny u. Loudon, Orn. Jahrb.
XV p. 221.
Mirafra degeni, abgebildet; Grant, Ibis (8) IV p. 261 tab. V.
M. horsfieldi pallida n. subsp., Nordwest Australien; Hall, Emu III p. 232.
Otocorys, Schlüssel der paläarktischen Formen; Bianchi, Ibis (8) IV p. 370—372.
O. brandti montana n. subsp., Gebirge des nördlichen Centralasien; Bianchi, Ibis
(8) IV p. 371.
O. b. przewalskii n. subsp., Zaidam; idem, 1. c. p. 371.
O. elwesi khamensis n. subsp., Kham, S. O. Tibet; idem, I. c. p. 372.
lI. Aves für 1904. 125
Pyenonotidae.
Andropadus insularis somaliensis n. subsp., Barawa; Reichenow, Journ. f. Orn.
LII p. 133.
A. montanus, abgebildet; Reichenow, Vög. Afr. III tab.
A. virens var. grisescens n. var., Oberguinea; Reichenow, Vög. Afr. III p. 412.
Bleda poliocephala, abgebildet; Reichenow, Vög. Afr. III tab.
Criniger verreauxi ndussumensis n.subsp., Ndussuma; Reichenow, Vög. Afr.
III p. 383.
Eurillas efulenensis n. sp., nahe E. latirostris, Efulen, Kamerun; Sharpe, Ibis (8)
"IV p. 636.
Hypsipetes amaurotis, Ei abgebildet; Dresser, Ibis (8) IV p. 281 tab. VII figs. 6, 8.
Phyllastrephus chlorigula, abgebildet; Reichenow, Vög. Afr. III tab.
Ph. indicator var. intermedia nov. var., Kamerun, Gabun etc.; Reichenow, Vög.
Afr. III p. 391.
Ph. capensis suahelicus n. subsp., Ostafrika; Reichenow, Vög. Afr. III p. 405.
Pycnonotus leucotis, Ei abgebildet; Dresser, Ibis (8) IV p. 281—282 tab. VII
fig. 4, 5.
P. viridescentior n. sp., nahe P. falkensteini, River Ja, Kamerun; Sharpe, Ibis (8)
IV p. 638.
Meliphagidae.
Acanthochaera mellivora und A. lunulata, Unterschiede; Milligan, Emu IV p.5l.
Eafa maculata, gehört in die Fam. Dicaeidae; Salvadori, Ibis (8) IV p. 473.
Melithreptus brevirostris, abgebildet; The Emu III tab. XVI fig. 2.
M. carpentariana n.sp., nahe M. laetior, Nord Queensland; Campbell, Emu IV
P.. 71.
Ptilotis carteri, abgebildet; The Emu III tab. XVI fig. 1.
P. lailavalensis und P. carteri, Unterschiede; Milligan, Emu IV p.5l.
Ptilotis novae-norciae n.sp., nahe P. leucotis, Wongan Berge, Westaustralien;
Milligan, Emu III p. 226.
Zosteropidae.
0. Neumann. Über die afrikanischen gelbbäuchigen Zosterops-Formen;
Orn. Monber. XII p. 109—118. — Vgl. p. 51.
Zosterops flavissima n.sp., nahe Z. aureiloris, Cagayancillo Insel, Philippinen;
Me Gregor, Bull. Philipp. Mus. No. 4 p. 26.
Z. luteirostris n.sp., nahe Z. hypoxantha, Gizo, Solomon Inseln; Hartert, Bull.
B. 07C..XIV p.61.
Z. niassae n.sp., nahe Z. stuhlmanni, Songea; Reichenow, Journ. f. Orn. LII
p- 133.
Z. omoensis n. sp., nahe Z. abyssinica und Z. poliogastra, Omogebiet; Neumann,
Orn. Monber. XII p. 162.
Z. richmondi nom. nov., für Z. flavissima Me Gregor (nec Hartert); Me Gregor,
Proc. Biol. Soc. Wash. XVII p. 165.
Z. consobrinorum n. sp., nahe Z. sarasinorum, Südost-Celebes; Meyer, Not. Leyden
Mus. XXIV p. 234.
Z. toroensis n. sp., nahe Z. stuhlmanni, Toro; Reichenow, Journ. f. Orn. LII p. 133.
126 II. Aves für 1904.
Nectariniidae.
Aethopyga victoriae n.sp., nahe A. horsfieldi, Chin Gebirge, Burma; Rippon,
Bull. B. O. C. XIV p. 83.
Cinnyris decorsei n. sp., nahe C. osea, Öentralafrika; Oustalet, Bull. Mus. Paris
X p. 536.
CO. solaris exquisita n. subsp., Wetter; Hartert, Nov. Zool. XI p. 214.
C. habessinica hellmayri n. subsp., Lahadsch, Südarabien; Neumann, Orn. Monb.
XII p. 29.
©. affinis mechowi nom. nov. für C. a. angolensis Rehw. (nec Less.); Reichenow,
Journ. f. Ornith. LII p. 134. ö
CO. mariquensis ovamboensis n. subsp., Ovamboland; Reichenow, Journ. f. Orn.
LII p. 133.
Cyanomitra alinae n. sp., nahe (©. verticalis, Ruwenzori; Jackson, Bull. B. O. C.
XIV p. 9.
Dicaeidae.
Dicaeum apo n. sp., nahe D. luzoniense, Mindanao; Hartert, Bull. B. ©. C. XIV
Pp-, 79.
D. bonga n.sp., nahe D. apo, Samar; idem, 1. c. p. 80.
D. nigrilore n. sp., Apo Berg, Mindanao; Hartert, Bull. B. O. C. XV p. 8.
Eafa maculata, gehört in die Fam. Dicaeidae; Salvadori, Ibis (8) IV p. 473.
Parmoptila ansorgei n. sp., nahe P. woodhousei, Angola; Hartert, Bull. B. O. u.
XIV p. 72.
Pholidornis bedfordi n. sp., nahe P. rushiae, Fernando Po; Grant, Bull. B. O. C.
XIV p. 56.
Certhiidae.
Certhia brachydactyla dorotheae n. subsp., Cypern; Hartert, Bull. B. O. C. XIV p. 50.
©. f. familiaris, ©. f. britannica und C. brachydactyla, Unterschiede; Buttertield,
Ibis (8) IV p. 306—307.
Climacteris weiskei, Bemerkungen über; Selater, Bull. B. O. C. XV p. 10.
Sittidae.
Sitta bifasciata n.sp., nahe S. baicalensis, Krasnojarsk, W. Sibirien; Madaräsz,
Orn. Mb. XII p. 183.
S. tschitscherini n. sp., nahe 8. tephronota, Ispahan, Persien; Sarudny, Orn. Jahrb.
XV p. 218.
$. vietoriae n. sp., nahe S. montana, Chin-Berge in Burma; Rippon, Bull. B. O. C.
XIV p. 84.
Paridae.
Acredula tephronota passekii n. subsp., S. W. Persien; Sarudny, Orn. Monb. XII
p- 164.
Aegithaliscus sharpei n.sp., nahe A. bonvaloti, Chin Berge in Burma; Rippon,
Bull. B. O. C. XIV p. 84.
Anthoscopus minutus und A. smithi, Kennzeichen, Verbreitung, und abgebildet;
Sharpe, Ibis (8) IV p. 343—345 tab. VII.
A. sylviella n. sp., Usefua; Reichenow, Orn. Monber. XII p. 21.
II. Aves für 1904. +27
Baeolophus atricristatus sennetti n.subsp., Texas; Ridgway, Birds North & Middle
America III p. 386.
Panurus biarmicus, abgebildet; €Csörgey, Aquila XI tab. III.
P. biarmicus occidentalis n. subsp., Italien; Tsehusi, Orn. Jahrb. XV p. 228.
Parus atricapillus turneri, Kennzeichen; Osgood, North American Fauna No. 24
p- 80.
P. coeruleus languidus nom. nov. für P. c. pallidus Grote (nec Brehm); Grote,
Journ. f. Ormith. LII p. 307.
P. maior sulfureus n. subsp., Dalmatien; Kollibay, Journ. f. Ornith. LII p. 459.
P. montanus kleinschmidti, Ei beschrieben; Hartert, Bull. B. OÖ. C. XIV p. 79.
P. pleskei, Betrachtungen über; Grote, Orn. Monb. XII p. 175—177.
P. rufescens, geographische Variation, Verbreitng und Synonymie; Grinnell.
Auk XXI p. 364—382.
Pentheres afer und P. cinerascens, verschieden; Sharpe, Ibis (8) IV p. 343.
Poecile cincta sayana n. subsp., Westl. Sayankette; Sushkin, Bull. B. O. C. XIV
p- 44.
Regulus calendula cineraceus n. subsp., Los Angeles, Californien; Grinnell, Condor
VI p.25.
£. cristatus coatsi n. subsp., Sayan Gebirge; Sushkin, Bull. B. O. C. XIV p. 44.
Remiza pendulina jazartensis n. subsp., Turkestan, Sushkin, Bull. B. ©. C. XIV
p- #5.
R. p. centralasiae n. subsp., Centralasien; idem, l.c. p. 45.
R. yeniseensis n. sp., Yenisei; Sushkin, Bull. B. OÖ. C. XIV p. 44.
Troglodytidae.
Heleodytes brunnicapillus, über die Formen von; Swartk, Condor VI p. 17—19;
stephens, 1. c. p. 51—52.
Nannorchilus nom. nov. für Hemiura; Ridgway, Proc. Biol. Soc. Wash. XVII
(1904) p. 102.
Telmatodytes palustris tolucensis n. subsp., Lerma, Mexico; Nelson, Proc. Biol.
Soc. Wash. XVII p. 152.
Thryorchilus nov. gen., type: Troglodytes browni; @berholser, Proc. U. S. Mu».
XXVI p. 198.
Thryothorus consobrinus n. sp., nahe T. genibarbis, Merida; Madaräsz, Ann. Mus,
Hung. II p. 115 [= T. mystacalis Scl. — Ref.].
T, mesoleucus, T. musicus, T. martinicensis, T. quadeloupensis, T'. grenadensis
und 7. rufescens, gehören in die Gattung Troglodytes; Oberho!ser, Proc. U. S.
Mus. XXVII p. 197, 209—210.
I'roglodytes, Revision der Gattung; Oberholser, Proc. U. S. Mus. XXVII p. 197
—210, tab. V.
T. musculus acosmus n. subsp., Central Chile; idem, 1. c. p. 204.
T. m. atopus n. subsp., Santa Marta; idem, 1. e. p. 207.
T. m. enochrus n. subsp., Lima, W. Peru; idem, 1. ce. p. 207.
Uroeichla oatesi n.sp., nahe U. reptata, Chin Gebirge in Burma; Rippen, Buri,
B. 0.0. XIV p. 83:
128 II. Aves für 1904.
Cinclidae.
Cinclus cinclus bianchii n. subsp., Sayan Gebirge; Sushkin, Bull. B. O. C. XIV
p- 43.
CO. cinclus middendorffi n. subsp., Sayan Gebirge; Sushkin, Bull. B. O. C. XIV
p- 43.
©. cinclus sardus n. subsp., Sardinien; Hartert, Bull. B. O. C. XIV p.5l.
Mimidae.
Mimus gilvus guatemalensis n. subsp., Guatemala; Ridgway, Smithson. Misc.
Coll. v. 47 p. 113.
M. g. tolimensis n. subsp., Tolima, Colombia; idem, 1. c. p. 113.
Museicapidae.
Bradyornis benguellensis, Notizen über dessen Kennzeichen; Sharpe, Ibis (8)
IV p. 317.
Chloropeta natalensis maior n. subsp., Angola; Hartert, Bull. B. O. C. XIV p. 73.
Cryptolopha erythreae n.sp., nahe C. umbrovirens, Bogosland; Salvadori, Boll.
Mus. Torino XIX No. 464 p. 1.
O'yanoptila ceyanomelaena, Ei abgebildet; Dresser, Ibis (8) IV p. 487 tab. X fig. 5, 6.
Cyornis hyacinthina kühni n. subsp., Wetter; Hartert, Nov. Zool. XI p. 204.
Gerygone kisserensis sequens n.subsp., Roma; Hartert, Nov. Zool. XI p. 205.
Hyliota flaviventris nom. nov. für H. flavigaster auct.; Sharpe, Ibis (8) IV p. 625.
Megabias aequatorialis n.sp., nahe M. atrialaius, Uganda und Toro; Jackson,
Bull. B. 0. CH XV ip. 1l.
Muscicapa grisola neumanni nom. nov. für M. g. sibirica Neum. (nec Gm.); Poche,
Orn. Monber. XII p. 26.
Petroeca goodenovi und P. ramsayi, Unterschiede; Milligan, Emu IV p. 50.
Rhipidura motacilloides, abgebildet; Froggatt, Agric. Gaz. N. S. Wales XV tab.
zu p. 20—23.
R. rufiventris pallidiceps n. subsp., Wetter; Hartert, Nov. Zool. XI p. 205.
Smithornis capensis albigularis n. subsp., Angola; Hartert, Bull. B. O. C. XIV
p. 73.
Stoparola panayensis nigriloris n. subsp., Apo Gebirge, Mindanao; Hartert, Bull.
B. O. C. XIV p. 80.
Tarsiger guttifer und T. orientalis, abgebildet; Reichenow, Vög. Afr. III tab.
Tehitrea melampyra vs. T. rufocinerea, Sharpe, Ibis (8) IV p. 631.
Terpsiphone paradisi und T. princeps, Eier abgebildet; Dresser, Ibis (8) IV p. 488
—489 tab. X figs. 9—12.
Trochocereus reichenowi n. sp., nahe T. nitens, Fanti; Sharpe, Ibis (8) IV p. 630.
Sylviidae, Turdidae, Timeliidae.
A. Bau. Nochmals Erithacus cairii (Gerbe); Orn. Monber. XII p. 4—6. —
Weiteres über die graue Phase des Hausrötlings.
V. Bianchi. Revision der Familie Accentoridae, Ord. Passeriformes; Ann.
Mus. Zool. St. Petersbg. IX, 1904 p. 108—156. [Russisch !]). — Kritische Revision
aller bisher beschriebenen Formen, die Verf. in vier Gattungen: Accentor (A. hima-
II. Aves für 1904. 129
layanus, A. collaris und dessen Formen); Spermolegus (8. strophiatus, S. ocularis,
S. fulvescens, S. montanellus und S. atrigularis); Prunella (P. rubeculoides, P. koz-
lowi, P. rubida, P. modularis und Subspecies) und Aprunella nov. gen. (type
A. immaculata) verteilt. Neu: Accentor collaris tibeianus, Tibet. Kennzeichen von
Spermologus ocularis eingehend erörtert. Schlüssel und Artenübersicht schließen
die Arbeit.
®. Kleinschmidt. Zum letztenmale Erithacus cairei (Gerbe); Orn. Monber.
XII p. 55—56.
©. Natorp. Einige Beiträge zur Frage des Hausrotschwanzes ( Rutieilla tithys
[L.]); Monatsschr. Ver. Vogelw. XXIX p. 65—-68. — Variation in der Färbung.
Acanthiza albiventris n.sp., nahe A. pyrrhopygia, New South Wales; North,
Nests and Eggs Austr. Birds I p. 276.
4A. ewingi, Kennzeichen; Legge, Emu IIT p. 179—180.
Accentor collaris tibetanus n. subsp., Tibet; Bianchi, Ann. Mus. Zool. St. Petersbg.
IX p. 18.
A. modularis blanfordi n. subsp., Ispahan, S. W. Persien; Sarudny, Orn. Monb.
XI p. 164.
Alethe poliothorax, abgebildet; Reichenow, Vög. Afr. III tab.
Allenia albiventris vs. A. montana; Riley, Smiths. Misc. Coll. vol. 47 p. 288.
Apalis murina n. sp., nahe A. cinereus, Rovumagebiet; Reichenow, Orn. Monber.
XII p. 28.
A. ruwenzorii n. sp., nahe A. pulchra, Ruwenzori; Jackson, Bull. B.0.C. XV p. 11.
Aprunella nov. gen., type: Accentor immaculatus; Bianchi, Ann. Mus. Zool.
St. Petersbg. IX p. 154.
Argya squamiceps yemensis n. subsp., Süd-Arabien; Neumann, Orn. Monb. XII
p- 29; Notizen über Variation u. Nomenclatur der Verwandten; idem, ]. ce. p.30.
Bathmedonia nom. nov. für Bathmocercus Rehw. (nee Fitz.); Reiehenow, Journ.
f. Orn. LII p. 134.
Bradypterus castaneus, abgebildet; Reichenow, Vög. Afr. III tab.
Calamanthus diemenensis n.sp., nahe C. fuliginosus, Tasmania; North, Nests
and Eggs Austr. Birds I p. 354.
Calamoeichla schillingsi n. sp., nahe (©. plebeia, Panganigebiet; Reichenow, Orn.
Monk. XII p. 9.
Catharus fuscater sanctae-martae n.subsp., Santa Marta; Ridgway, Smithson.
Misc. Coll. v. 47 p. 112.
Cettia cetti, in Sussex erlegt; Nieoll, Bull. B. O. C. XIV p. 84.
Chaetops kilimensis n. sp., Moschi, Kilima Ndscharo; Madaräsz, Ann. Mus. Hung.
II p. 204.
Chimarrhornis leucocephalus, Ei abgebildet; Dresser, Ibis (8) IV p. 281 tab. VII
figs. 1, 3.
Cichlherminia coryi n.sp., Martinique (?); Ridgway, Smithson. Misc. Coll. v. 47
P«. 112.
Cinclocerthia ruficauda tenebrosa n. subsp., S. Vincent; Ridgway, Smithson. Misc.
Coll. v. 47 p. 112.
©. v. pavida n. subsp., St. Christopher Kleine Antillen; idem, 1. c. p. 113.
Oisticola blanfordi sobatensis n.subsp., Akobo; Neumann, Orn. Monber. XII p. 164.
Arch. f. Naturgesch. 70, Jahrg. 1904. Bd. Il. H.1. (II) 9
130 II. Aves für 1904.
Ö. cinnamomina n. sp., nahe (©. terrestris, Uhehe; Reichenow, Orn. Monber. XII
p- 28.
©. erythrogenys djamdjamensis n.subsp., Djamdjam; Neumann, Orn. Monb.
XII p. 163.
©. humilis n. sp., nahe (©. katonae, Lettema Gebirge; Madaräsz, Orn. Monb. XII
p- 168.
©. katonae n. sp., nahe (©. cisticola, Boma-Gombe, Deutsch-Ost-Afrika; Madaräsz,
Ann. Mus. Hung. II p. 204.
©. pietipennis n. sp., nahe (©. rufopileata, Moschi; Madaräsz, Ann. Mus. Hung. II.
- p. 205.
C. sylvia n.sp., nahe ©. rufopileata, Ulegga, Centralafrika; Reichenow, Orn.
Monber. XII p. 28.
Crateropus, Revision der afrikanischen Arten; Neumann, Journ. f. Orn. LII
p- 548—555.
©. plebeius plebeius und C. p. cinereus, Kennzeichen und Verbreitung; Neumann,
l. c. p. 548.
©. plebeius emini n. subsp., Uniamwesi; idem, 1. c. p. 549.
©. leucocephalus abyssinicus n. subsp., Abyssinien; idem, 1. c. p. 550.
©. platycercus togoensis n. subsp., Togo; idem, 1. c. p. 551.
Cyanecula wolfi magna n.subsp., Luristan, S. W. Persien; Sarudny u. Loudon,
Orn. Jahrb. XV p. 225.
Daulias philomela, in Kent erlegt, erster Nachweis für England; Nicoll, Bull.
B. 9. 0. XV p!20,
Elminia schwebischi, bei Fort Archambault; @ustalet, Bull. Mus. Paris X p. 542.
Eremomela damarensis n. sp., nahe E. flaviventris, Damaraland; Sharpe, Ibis (8)
IV p. 339.
Erithacus algeriensis n. sp., nahe E. phoenicurus und E. mesoleucus, Lambese,
Algerien; Kleinschmidt, Orn. Monb. XII p. 197.
E. gaetkei n.sp., nahe E. swecicus, Helgoland; Kleinsechmidt, Journ. f. Ornith.
LII p. 302.
Erythropygia brunneiceps soror n. subsp., Kleinaruscha; Reichenow, Orn. Monb.
XII p. 9.
E. hartlaubi, abgebildet; Reichenow, Vög. Afr. III tab.
E. vulpina, abgebildet; idem, 1. c.
E. plebeia n.sp., nahe E. paena, Masinde; Reichenow, Orn. Monber. XII p. 27.
Euprinodes leucogaster n.sp., nahe A. (!) sharpei, Fernando Po; Sharpe, Bull.
B. O. C. XIV p. 9.
Geocichla cyanonotus, abgebildet; Philipps, Avic. Mag. (N.S.) II. tab. zu p. 179.
Geocichla gurneyi otomitra n. subsp., Kondeland; Reichenow, Orn. Monber. XII
p- 9.
Hodgsonius phoenicuroides, Ei abgebildet; Dresser, Ibis (8) IV p. 106 tab. III
fig. 2.
H ypolais olivetorum, Notizen über; Kollibay, Journ. f. Ornith. LII p. 107—112.
Locustella luscinioides, im Kreise Geldern, Rheinland, Brutvogel; Geyr von
Schweppenburg, Orn. Monber. XII p. 145—147.
Lusciniola aödon, Eier abgebildet; Dresser, Ibis (8) IV p. 485 tab. X fig. 1, 2.
Malurus australis nom, nov, für M. superbus Shaw 1790 (nec 1789); North, Ibis(8)
IV p. 672,
II. Aves für 1904. 131
Melizophilus undatus, M. sardus und M. deserticola, Verbreitung; Jourdain, Trans.
Staffordshire Field Club XXXVII, p. 78—84 tab. I.
Motacilla luscinia, Notiz über den Namen; Reichenow, Orn. Monber. XII p. 1—2.
M. titys, Notiz über den Namen; idem, 1. c. p. 2—3.
Myiadestes genibarbis cherriei n.subsp., Haiti; Ridgway, Smithson. Misc. Coll.
v.47 p.112..
Phyllopseustes vs. Phylloscopus; @berholser, Auk XXI p. 390.
Phylloscopus rufus fortunatus, auf Lanzarote; Hartert, Bull. B. O. C. XIV p. 51.
Ph. tristis axillaris n. subsp., Yenisei; Sushkin, Bull. B. ©. C. XIV p. 44.
P. viridanus, in Esthland und Livland; Otto, Orn. Monber. XII p. 73—78.
Pratincola dacotiae, Nest und Ei beschrieben; Hartert, Bull. B. O. C. XIV p. 79.
Prinia gracilis deltae n. subsp., Alexandria; Reichenow, Journ. f. Ornith. LII
p- 307.
Pseudotharraleus unicolor n.sp., nahe P. caudatus, Apo Gebirge, Mindanao;
Hartert, Bull. B. ©. C. XIV p. 74.
Rhopoecichla bourdilloni, abgebildet; Fergusson, Journ. Bombay, N. H. Soc. XV
tab. (zu p. 456) fig. 2.
Ruticilla semenowi n.sp., nahe R. phoenicurus, Persien; Sarudny, Orn. Jahrb.
XV p. 213.
S. albipileata = S. aequatorialis; Sharpe, Ibis (8) IV p. 334.
Saxicola amphileuca und S. melanoleuca, Bemerkungen über; Kollibay, Journ.
f. Orn. LII p. 93—100.
S. galtoni, Übersicht der Formen; Neumann, Orn. Monber. XII p. 163.
S. g. omoensis n. subsp., Omogebiet; idem, 1. c. p. 163.
S. gaddi n. sp. nahe S. amphileuca, Persien; Sarudny und Loudon, Orn. Jahrb.
XV p. 219.
S. monticola = 8. anderssoni, Auseinandersetzungen über die verschiedenen
Kleider; Sharpe, Ibis (8) IV p. 327—333.
S. stapazina, Synonymie; Salvadori, Ibis (8) IV p. 75—78.
S. occidentalis, Synonymie; Salvadori, Ibis (8) IV p. 75—78.
S. tephronota, S. castor, 8. leucomelaena = S. monticola; Sharpe, Ibis (8) IV p. 333.
Spermolegus ocularis, Kennzeichen; Bianchi, Ann. Mus. Zool. St. Petersbg. IX
p. 131—133.
Spiloptila reichenowi n.sp., Lettema Geb., Deutsch-Ost-Afrika; Madaräsz, Orn.
Mb. XII p. 179.
Stachyris binghami n.sp., nahe $. chrysaea, Chin Berge in Burma; Rippon, Bull.
B. O0. C. XIV p. 84.
Sylvia curruca halimodendri n. subsp., Kirgisensteppe; Sushkin, Bull. B. O. C.
XIV p. 22.
S. orphea jerdoni, in Dalmatien; Kollibay, Journ. f. Ornith. LII p. 115—116.
S. semenowi n.sp., nahe $. momus, Luristan; Sarudny, Orn. Jahrb. XV p. 220.
Tatare vaughani, alt und jung beschrieben und abgebildet; Nicoll, Ibis (8) IV
p- 55 tab. I.
Timalia vs. Timelia; Poche, Orn. Monb. XII p. 27.
Trochalopterum holerythrops n. sp., nahe T. erythrolaema, Chin Gebirge in Burma;
Rippon, Bull. B. O. C. XIV p. 83.
T. meridionalis, abgebildet; Fergusson, Journ. Bombay N. H. Soc. XV tab.
(zu p. 456) fig. 1.
9%
132 Il. Aves für 1904.
T. ramsayi n.sp., nahe T. melanostigma, Karennee; Grant, Bull. B. OÖ. C. XIV
p- 92.
Turdinus pumilus n. sp., nahe T. fulvescens, Kamerun; Reichenow, Orn. Monber.
XII p. 28.
Turdus alpestris, Verbreitung im Erzgebirge; Berge, Orn. Monber. XII p. 160
—162. j
T. nyikae n. sp., nahe T. abyssinicus, Nyika Hochland; Reichenow, Orn. Monber.
XI p. 9.
Inhaltsverzeichnis.
Seite
I. Allgemeines, Sammlungen und Museen, Geschichte, Reisen, Per-
sonalien, Taxidermie, Nomenklatur. . .. ..... ER. 1
II. ‚Anatomie,, Physiologie, Entwicklung... .. ... 2 2. 0a 8
IL, P3läontolopie (wet 8. Ne ON ee 12
IV. Morphologie, Federn, Mauser, Färbung, Flug. ......... 13
V. Spielarten, Bastarde, Abnormitäten, Hahnenfedrigkeit. .... . 15
VE Diersebiete (Haunmstak) . . . . Sen .e a 2 ae onen 17
VL... Wanderung, Zug. vn ur Sy N un DENE 84
VIIL;, Tebenswere, Ei ze. sg alle ee ee 839
a) Lebensweise im Allgemeinen . .... 2.22 02... 39
b) Nahrung, Nutzen und Schaden. . . .. . 2. 2.2.8 90
2) Gesang, Stimme, „u una u u 92
d).Brutgeschaft, »Oplogie 4 an arena 2 u a a u 93
IX. Jagd, Schutz, Einbürgerung, Pflege, Krankheiten, Parasiten... 100
Systematik. = aueh du nee ee a ee 104
III. Reptilia und Amphibia für 1901.
Von
Dr. Franz Werner
in Wien.
(Inhaltsverzeichniss am Schlusse des Berichts.)
Reptilia.
Auch die Arbeiten, welche Reptilien und Amphibien behandeln,
sind hier referiert.
Litteratur. Den Bericht über Wirbeltiere im ‚„Zoologischen
Jahresbericht für 1901“, herausgegeben von der Zoologischen Station
in Neapel, redigiert von Paul Mayer, Berlin, R. Friedländer & Sohn,
1902, 219 pgg. lieferten wie bisher M. von Davidoff, C. Emery
und E. Schoebel. Bericht in Sharp’s Zoological Record für 1901,
London 8, Bd. 37 des „‚Record of Zoological Litterature‘‘ (Reptilia and
Batrachia, p. 1—35) erstattete ebenfalls wie in den früheren Jahren
G. A. Boulenger.
Siebenrock, F. Geschichte der Zoologie in Österreich von 1850
bis 1900. Amphibien und Reptilien. Festschrift zool.-bot. Ges. Wien
1901, pp. 444—462.
Verf. gibt eine Übersicht derjenigen Forscher, die sich in den letzten
50 Jahren in Österreich auf herpetologischem Gebiete betätigt haben,
gibt kurz den Inhalt ihrer wichtigsten Arbeiten an und schließt mit
einem alphabetisch nach Autoren geordneten Verzeichnis dieser Ar-
beiten, welches 230 Nummern umfaßt. Ein Bild des ausgezeichneten
alten Herpetologen Jan ziert die sehr nützliche Zusammenstellung.
Gadow, H, Amphibia and Reptiles. Cambridge Natural History.
VIII, London, 1901, 8 vo. XIII u. 668 pp., figg.
In diesem Werk sind nicht nur die rezenten, sondern auch die
fossilen Reptilien behandelt, was seinen Wert, wenngleich gerade der
paläontologische Teil nicht auf der Höhe des übrigen steht, sicherlich
erhöht. Jedenfalls ist sein Inhalt ein reicher und es ist sowohl die Ana-
tomie und Physiologie, als auch Biologie, Verbreitung und Systematik
der Reptilien und Amphibien, in recht klarer und anschaulicher Weise
dargestellt, so daß es dem Studierenden wohl in den meisten Fällen
Arch, f. Naturgesch. 70, Jahrg. 1904. Bd. II. H.1, (III.) 1
2 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
Aufschluß geben wird, umsomehr als eine große Zahl instruktiver
Abbildungen im Text beigegeben sind. Die Habitusbilder sind meist
recht gut, manche sogar in der Stellung und im Ausdruck vorzüglich
erfaßt, manche freilich wieder recht nachlässig gezeichnet. Was das
System anbelangt, so sind die vom Verf. vorgeschlagenen Änderungen
für die Anuren ohne weiteres akzeptabel (Degradation verschiedener
Familien zu Subfamilien: Amphignathodontinae + Hylinae = Hyldae;
Hemiphractinae + Cystignathinae + Dendrophrgniscinae = Oysti-
gnathidae,; Engystomatinae + Dyscophinae + Genyophryninae =
Engystomatidae; Ceratobatrachinae + Raninae + Dendrobatinae =
Ranidae), sogar die Vereinigung der Zublepharinae und Uroplatinae
mit den @eckoninae als Geckonidae und deren Gleichstellung mit den
übrigen Lacertilia und den Rhiptoglossa könnte man gerade noch ver-
antworten. Die zahlreichen in den Text gedruckten Kärtchen der
geographischen Verbreitung, sowie auch die größere farbige Karte,
welche die Verteilung der wichtigsten Vegetations- und Bodenfor-
mationen auf der Erde zeigt, sind eine wertvolle Ergänzung des Buches,
welches trotz einiger Mängel doch seinen Platz in der herpetologischen
Literatur behaupten wird. — Ausf. Ref. in Zool. Centralbl. VIII. 1901.
p. 788.
Zoologische Gärten. Werner, F. Noch einmal das
Vivarium in Wien. Zool. Garten XLII, 1901, p. 15.
Bericht über die letzten Jahre des Wiener Vivarıums und Ver-
zeichnis der ausgestellten Reptilien und Batrachier.
Schnee, —. Der zoologische Garten zu Perth (West-Australien).
Zool. Garten XLII. 1901. p. 17—21.
Von Reptilien waren vertreten C’rocodilus porosus, Varanus varius,
Trachysaurus rugosus, Homopus areolatus und Morelia argus (Python
spilotes) var. variegata („Carpet Snake“).
Im Jahre 1900 wurden im Londoner zoologischen Garten zu Lon-
don folgende Kriechtiere und Lurche zum ersten Male ausgestellt:
COhrysemys reticulata Dend. und scripta elegans Wied., Malacoclemmys
lesueuri Gray, Uyclemys trifasciata Bell, Testudo microphyes Gthr.,
Agama stellio L.(!), Tropidurus torquatus Wied., Sceloporus undulatus
Daud., @errhonotus coeruleus Wgm., Ophisaurus ventralis L., Ameiva
surinamensis Laur., Orocodilurus lacertinus Daud., Eumeces quinque-
lineatus L., Lichanura trivirgata Cope, Tropidonotus ordinatus couchi
Kenn. und ordinatus infernalis Boe., Coluber prasinus Blyth., Coronella
gentilis B. Gir., Contia decemlineata D. B., Abastor eryihrogrammus
Daud. und Psammophis schokari Frsk., von Batrachiern Rappia
horstocki Schleg., Hyla andersoni Baird. und Spelerpes ruber Daud.
(Rep. Couneil Zool. Soc. London for the Year 1900, London, Taylor
& Francis 1901).
Museen. Lampe, E. Catalog der Reptilien-Samm-
lung (Schildkröten, Krokodile, Eidechsen und Chamaeleons)
des Naturhistorischen Museums zu Wiesbaden. Mit Bemerkungen
und Beschreibung einer neuen Eidechsenart versehen von W. A. Lind-
holm, Jahrb. nassau. Ver. LIV, pp. 177—222, Taf. III.
III. Reptilia und Amphibia für 1901. 3
In diesem nach dem Muster des Boettger’schen Katalogs der
Reptiliensammlung des Senckenbergischen naturhistorischen Museums
angeordneten Verzeichnisse finden wir 34 Arten von Schildkröten,
6 von Krokodilen, sowie 90 Eidechsen- und 4 Chamäleon-Arten ge-
nannt, von denen COknosternum carinatum (abgeb.) und berenthianum,
O'yclemys reticulata, Testudo oculifera (ebenso wie T. pardalis und angu-
lata von Rietmond, Bezirk Gibeon, D. S. W. Afrika), Eublepharis
hardwickii, Tympanoeryptis lineata und Typhlosaurus lineatus, sowie
Anolis ortoni Cope, welche Art tatsächlich aus Surinam stammt, von
Interesse sind. Verf. bezweifelt ganz mit Unrecht die europäischen
Fundorte von Testudo ibera, die im Osten der Balkanhalbinsel die vor-
herrschende und gemeine Landschildkrötenart ist. Eine n.sp. (s.
Scincidae) wird beschrieben.
Schenkel, E. Achter Nachtrag zum Katalog der herpetologischen
Sammlung des Basler Museums. Verh. Ges. Basel XIII, pp. 142—199,
figg.
Dieser Nachtrags-Katalog gibt über das Wachstum der herpeto-
logischen Sammlung Januar 1892 bis September 1900 Auskunft und
verzeichnet einen Artenzuwachs von 172 Arten, darunter 29 Typen
neuer Arten. Die Artenzahl beträgt 1660; die Zahl der (auf S. 144—145)
verzeichneten Typen beträgt 14 für die Amphibien, 19 für die Schlangen
und 13 für die Eidechsen, zusammen also 46. Von den verzeichneten
Arten mögen außer den nn. spp. (s. Boidae, Colubridae, Lacertidae,
Engystomatidae) noch erwähnt werden, weil von einer kurzen Be-
schreibung begleitet: Rhacophorus colletti Blngr. und phyllopygus Wern.,
nigropalmatus Bingr., im Magen eines C'hlorophis hoplogaster wurde
eine Cassina senegalensis, in Cylindrophis rufus ein halbverdauter Aal
(Muraenesox) gefunden. Bemerkungen über Beschuppung oder Färbung
bei Zamenis mucosus u. florulentus, Lytorhynchus diadema, Oligodon
subgriseus, Hypsirhina punctata, Dipsadomorphus drapiezi, Leptodira
ocellata, albofusca u. annulata, Erythrolamprus imperialis, Hydrophis
frontalis, Pseudelaps harriettae, Denisonia coronoides, gouldi, Naia tri-
pudians sumatrana u. samarensis, Mageninhalt von Doliophis intesti-
nalis (Typhlops lineatus, Pseudorhabdium longiceps), Beschreibung von
Elaps spixii, Mageninhalt von E. frontalis (Lepidosternum boulenger‘),
Beschreibung von Amblycephalus malaccanus, Schuppenformel für
Vipera renardi u. ursiniüi, Beschr. von Lachesis atrox; L. borneensis
F. Müll. wird aufrecht erhalten. Beschr. von Ophiodes striatus, Centro-
PyXx virdistriga (paulensis Bttgr. vielleicht andere Var. derselben
Art?), Lepidosternum boulengeri, Lacerta galloti (in der Jugend insecti-
vor, im Alter herbivor), Mabuia quinguecarinata, Lygosoma melano-
stictum, Chaleides viridanus, Callagur pieta, Orlitia borneensis (vielleicht
identisch mit Brookia basleyi Bartl.), Chelodina novae-guwineae, oblonga,
Hydraspis geoffroyana, Platemys spixü.
Werner, F. Neue Reptilien des Königsberger zoologischen Museums,
Zool. Anz. pp. 297—301, figg.
Nomenclaturfragen. Berg, €. Herpetological Notes.
Comun. Mus. Buenos Aires I, pp. 289—291.
1*
4 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
Diese Arbeit befaßt sich ausschließlich mit Nomenclaturfragen
und bringt Neubenennungen verschiedener Reptilien. ‚‚Herpeto-
logisch“ kann man sie eigentlich nicht nennen, sondern nur „nomen-
clatorisch‘‘, denn Arbeiten dieser Art sind ausschließlich litterarischer,
nicht naturwissenschaftlicher Art und können auch, wie die Erfahrung
der letzten Jahre zeigt, auch von Personen, die von der betreffenden
Tiergruppe nur sehr flüchtige, auf eigener Anschauung gegründete
Erfahrungen haben, ausgeführt werden. (Diese Bemerkungen gelten
nur im allgemeinen, nicht aber auf Berg, der ja selbst Herpetologe
war.)
Anatomie. Skelett. Voeltzkow, A. u. Döderlein, L. Bei-
träge zur Entwickelungsgeschichte der Reptilien. III. Zur Frage nach
der Bildung der Bauchrippen. Abh. Senckenbg. Ges. XXVI. pp. 315
—326, fig., 2 Taf.
Döderlein, L. Das Gastralskelett (Bauchrippen oder Parasternum)
in phylogenetischer Beziehung. Abh. Senckenb. Ges. XXVI, pp. 329
—336, Taf. XXXI.
Die Bauchrippen von Crocodilus sind denen von Sphenodon
gleichwertig und entstehen im Unterhautbindegewebe segmental
angeordnet; sie verknöchern direkt und treten mit dem M. rectus
abdominis erst später in Verbindung. Die Bauchrippen sind vom
Gastralskelett der Stegocephalen abzuleiten, welches bei den Reptilien
im allgemeinen sich rückbildet, dagegen bei den Sauropterygiern und
Cheloniern den Bauchpanzer liefert.
Sixta, V. Vergleichend-osteologische Untersuchung über den Bau
der Füße der Reptilien, Monotremen und Marsupialier. Mit kurzer
Übersicht der neueren Litteratur betreffend die anatomischen Be-
ziehungen zwischen den Reptilien, Monotremen und Mammaliern.
Zool. Anz. XXIV, pp. 321—332.
Verf. vergleicht die Gliedmaßen von Psammosaurus (Varanus
griseus) und Sphenodon mit denen von Ornithorhynchus und Echidna,
bringt die giftige Femoraldrüse des Schnabeltieres mit den Schenkel-
drüsen der Eidechsen in Beziehung und gibt zum Schlusse eine Übersicht
über die in 23 Punkten sich findenden morphologischen Beziehungen
zwischen Reptilien, Monotremen und Mammalıa.
Lucas, F. A. The Pelvic Girdle of Zeuglodon, Basilosaurus cetoides
(Owen), with notes on other portions of the Skeleton. P. U. 8. Mus.
XXIII, pp. 327”—331, Taf. V—-VI.
Lafite-Dupont. Remarques sur la substance fondamentale de
cartilage des os jeunes de Triton et de Crocodile. Trav. Stat. Zool.
Arcachon. 1899. p. 43—48, Taf.
Schichten des Epiphysenknorpels bei jungen Tritonen u. Krokodilen
Rabl, €. Gedanken und Studien über den Ursprung der Extremi-
täten. Zeitschrift Wiss. Zool. LXX, pp. 474—588, figg., Taf. XXII
u. XXIH.
Kingsley, 3. S The Ossicula Auditus. Tufts Coll. Stud. No. 6,
1900, pp. 203—274, Taf.
III. Reptilia und Amphibia für 1901. 5
Nervensystem und Sinnesorgane. Peter, K. Der
Einfluß der Entwickelungsbedingungen auf die Bildung des Zentral-
nervensystems und der Sinnesorgane bei den verschiedenen Wirbeltier-
klassen. Anat. Anz. XIX, pp. 177—198, figg.
Abweichungen von der normalen Bildungsweise von Nerven-
rohr, Riechgrube, Augenlinse und Gehörblase; entweder durch Bildung
einer soliden Anlage welche ihr Lumen erst durch Dehiscenz erhält
oder das Organ geht nur von einer inneren Ektodermlage aus, während
die äußeren Schichte sich nicht daran beteiligt; Ursache entweder
im Mangel an Raum im Ei oder Keim oder in der Notwendigkeit einer
Schutzhülle, die durch die Deckschichte geliefert wird, gelegen.
Jaquet, M. Anatomie comparee du systeme nerveux sympathique
cervical dans la serie des Vertebres. Bull. Soc. Bucarest X, pp. 240
—302, figg.
Krause, R. Die Entwickelung des Aquaeductus vestibuli s. Ductus
endolymphaticus. Anat. Anz. XIX, pp. 49—59, figg.
Bei den Untersuchungen über die Homologie des Ductus endo-
lymphaticus wurde auch Siredon, Rana, Bufo, Tropidonotus, Pelias
u. Anguis herangezogen.
Kolster, R. Über Zentralgebilde in den Vorderhornzellen der
Wirbeltiere. Anat. Hefte, 1. Abth. 16. Bd. p. 151—220, Taf. 12—15.
Zentralgebilde in den Vorderhornzellen u.a. bei Rana, Tropidonotus,
Anguis und Testudo, die als Sphären u. Zentralkörper betrachtet
werden.
De Waale, H. Recherches sur l’anatomie comparee de l’oeil des
Vertebres. Internat. Monatsschr. Anat. Physiol. 11. Bd., p. 1—67,
2 Figg., Taf. 1—5.
Über das Schicksal des Mesoderms der sekundären Augenblase
u. a. auch bei Rana u. Lacerta.
Kallius, BE. Beiträge zur Entwicklung der Zunge. I. Teil: Am-
phibien und Reptilien. Anat. Hefte Arb. XVI, pp. 531—748, Taf. XLIV
—XLVM.
Referat über die sehr ausführliche Arbeit, in welcher von Am-
phibien Salamandra, Triton, Alytes, Rana, Pelobates, Hyla und Bufo,
von Reptilien Zacerta und Anguis untersucht wurden, im Jahresb.
Zool. Stat. Neapel f. 1901, p. 187.
Blutgefäss-System. Hochstetter, F. Über Varietäten
der Aortenbogen, Aortenwurzeln und der von ihnen entspringenden
Arterien bei Reptilien. Morphol. Jahrp. XXIX, pp. 415—438, Taf.
XXIV.
Verf. unterscheidet zwei Gruppen von solchen Abweichungen.
In der einen persistieren normal obliterierende Gefäßstrecken oder
gehen wenigsten spät zu Grunde. Im anderen Falle obliterieren Gefäße,
die normalerweise wegsam bleiben und hinterlassen entweder gar keine
Reste oder nur Bindegewebsstränge. Aus der ersten Gruppe werden
folgende Fälle beschrieben: Erhaltung des Ductus Botalli auf einer
oder beiden Seiten (Alligator, Schildkröten, Hydrosaurus, Platydactylus,
6 . IM. Reptilia und Amphibia für 1901.
Schlangen); Erhaltung des linken 5. Aortenbogens (Coluber, Tropi-
donotus), Persistieren eines oder beider Ductus carotici (wie Brandt
den absteigenden Ast des Carotidenbogens nennt); Vorkommen eines
Ligamentum caroticum links, rechts ein Bindegewebsstrang, aus der
Obliteration des 3. Aortenbogens hervorgegangen (Alligator), Erhaltung
von Abschnitten des Carotidensystems, z. B. Carotis communis dextra
(Schlangen). Aus der zweiten Gruppe wären als Beispiele zu nennen:
Obliteration des 3. Aortenbogens (Testudo); Obl. einer Strecke der
linken dorsalen Aortenwurzel (Alligator) etc.
Hofmann, M. Zur vergleichenden Anatomie der Gehirn- und
Rückenmarksvenen der Vertebraten. Zeitschr. Morph. Anthrop. Stutt-
gart. 3. Band, p. 239—299, 6 Figg., Taf. 16—20.
Venen des Gehirns und Rückenmarks u. a. bei Rana u. Testudo.
Grünberg, Carl. Beiträge zur vergleichenden Morphologie der
Leucocyten. Arch. Path. Anat. 163. Bd. p. 303—342, Taf. 8.
Vergleichende Morphologie der Leucocyten bei den Vertebraten.
Es wurde von Amphibien Siredon, Triton, Rana temporäria, von Rep-
tilien Lacerta muralis, Anguis und Tropidonotus untersucht. Ref. in
Jahresb. Zool. Stat. Neapel f. 1901, p. 52.
Genitalorgane. Stephan, P. De l’hermaphroditisme chez
les Vertebres. Marseille, 1901, 4 to, 135 pp., 1 Taf.
Neuhäuser, H. Beiträge zur Lehre vom Descensus der Keim-
drüsen. 1. Teil. Die Beckendrehung der Säugetiere. Zeitschr. Morph.
Anthrop. Stuttgart, 3. Bd. p. 221—238, 2 Figg. Taf. 15.
Der Descensus der Keimdrüsen der Säugetiere steht im Zusammen-
hang mit der Stellung der hinteren Gliedmaßen. Bei den Reptilien
verläuft das Os ilium, vom Sacrum gesehen, ventral- und cranial-,
bei den Säugetieren ventral- und caudalwärts; die Säugetierembryonen
zeigen eine Beckenstellung, die der erwachsener Reptilien entspricht.
Salvi, 6. Sopra le cavitä cefaliche dei rettili. Pr. Verb. Soc. Tos-
cana XII, pp. 242—244.
Regeneration. Tornier, 6. Neues über das natürliche
Entstehen und experimentelle Erzeugen überzähliger und Zwillings-
bildungen. Zool. Anz. XXIV. pp. 488—504, figg.
Überzählige Bildungen entstehen in der Natur nur aus Wund-
bezirken durch falsche Verwendung der Regenerativkraft des Organis-
mus; die Wunden entstehen durch Verbiegung eines Organs oder des
ganzen Organismus und zwar so, daß am Scheitel der convexen Zug-
seite eine Wunde mit zwei einander zugekehrten Wundflächen auftritt.
Verf. führt darauf zurück: die 2- und 3 zinkigen Gabelschwänze bei
Lacertiliern, Verschiebungen in den Epiphysennähten als Ursache
von Polymelie (Fibula-Diaphyse von Siredon, Femur von Pelobates)
schließlich ganze überzählige schulterblatt- und beckenbürtige Glied-
maßen z. B. bei Rana.
Ethologisches. Grijs, P. de. Beobachtungen an Reptilien
in der Gefangenschaft, Zool. Garten XLIII, pp. 33—46, 65—76,
97—109,
III. Reptilia und Amphibia für 1901. 7
Verf. bringt abermals wertvolle Mitteilungen über die von ihm ge-
pflegten Reptilien und zwar folgende: Ungalia maculata verzehrte nur
Rana esculenta und Bufo variabilıs, die sie auffallenderweise durch Er-
drosseln tödtete, war nur vor dem Tode bei Tage in Bewegung, badete
gern und lange; Ausdehnungsfähigkeit der Kehle und des Halses enorm.
Eteirodipsas colubrina fraß Frösche und Mäuse; auch Fleischstücke,
die während des Verschlingens dieser Tiere in den Rachen geschoben
wurden, wurden mitverschlungen und gut verdaut. Die Frösche wurden
lebend verschlungen, Mäuse sehr schnell erdrosselt; Nahrungsaufnahme
nur Anfangs, als das Tier noch sehr ausgehungert war, bei Tage, dann
stets nachts; bei Tage ist die Schlange fast blind, bei Nacht sieht sie
ausgezeichnet. Coronella doliata (Beschreibung der Färbung, Ent-
stehung der Ringzeichnung) führt wie geiula eine nächtliche Lebens-
weise; verzehrte Lacerten und deren Eier. Mäuse und kleine Schlangen
wurden nicht gefressen; die Eidechsen wurden ihr frisch getödtet ver-
abreicht. Ein junger Cerberus rhychops erwies sich als nächtliches Tier,
hielt sich anfangs nur auf dem Lande auf; verzehrte ausschließlich
Fische, die am Schwanze gepackt und bis zum Tode (ob durch Biß oder
das erwärmte, sauerstoffarme Wasser? konnte Verf. nicht feststellen)
festgehalten wurden. Die Fische wurden Kopf voran verzehrt; die
Ausdehnungsfähigkeit des Halses ist nicht groß, so daß das Verschlingen
hochrückiger Fische viel Schwierigkeiten bereitete; das Wassergefäß
wurde leicht gefunden und oft benutzt. Bei Dryophis mycterigans be-
richtet Verf. sehr ausführlich. über Nahrungsaufnahme, Häutung,
Krankheit, Form der Pupille, Sehschärfe und geringere Inanspruch-
nahme der Zunge (niemals, um ihre Beute zu erkennen). Große Aus-
dehnbarkeit des Halses, Giftwirkung, relativ geringes Wärmebedürfnis,
Mangel des Hautglanzes. Bei D. prasinus wird der Unterschied von
mycterizans in der Färbung besprochen; Dryophis scheint für Mund-
fäule sehr empfänglich zu sein. Tropidonotus natrix: Beschreibung
eines jungen Albinos aus Nordschleswig. Leptophis mexicanus: Be-
schreibung der Färbung; keine echte Baumschlange; reines Tagtier;
lebhaft, schnell und gewandt; öffnete erschreckt, weit den Rachen, biß
aber niemals zu; zischte niemals; Nahrung nur Eidechsen; verschlang
in 8 Monaten deren 20, erbrach sie aber alle wieder, die folgenden wurden
gut verdaut; häutete sich in 12 Monaten nur 3 mal. Sehschärfe groß;
Wärmebedürfnis sehr groß. Contia aestiva konnte nicht zum Fressen ge-
bracht werden; bei J. Berg fraß sie kleine Heuschrecken; keine Baum-
schlange. Coluber guttatus fraß Mauereidechsen und Mäuse; Körperkraft
bedeutend. Tropidonotus saurita verzehrte Frösche, Fische und rohes
Fleisch; lebhaft, klettert gern; — Von Eidechsen beobachtete Verf.
folgende: Liocephalus vittatus (Farbenwechsel, aufrichtbarer Rücken-
kamm, Kampfstellung, Nahrung — nur Insekten u. Regenwürmer —,
Häutung, Schwanzregeneration), /guana tuberculata (auch Angaben
über Freileben in Venezuela; Farbwechselvermögen, Häutung, Nahrung
— vorwiegend vegetabilisch, doch wurden zeitweise auch Eidechsen
verzehrt — Krankheitserscheinungen u. s. w.); Physignathus lesueurt
8 UI. Reptilia und Amphibia für 1901.
(Farbwechselvermögen, Vorliebe für Wasser, Unempfindlichkeit gegen
niedrige Temperaturen, Bewegungsweise, Benutzung der Zunge als
Tastorgan, Nahrungsaufnahme; verzehrt wurden mit Vorliebe Mehl-
würmer und rohes Fleisch, aber auch Eidechsen, Schaben, Regen-
würmer, nackte Raupen, Geradflügler und Schmetterlinge, dagegen
keine hartschaligen Käfer, welche von Amphibolurus, Calotes versicolor
und Agama bibroni mit Vorliebe verzehrt und vollständig zermalmt
werden; vegetabilische Nahrung wurde nicht genommen. Häutung
selten); Phelsuma laticaudum (Farbwechselvermögen; N ahrung an-
fänglich Mehlwürmer, dann Fliegen und kleine Schaben; wird langsam
beschlichen und im Sprung erhascht; Tagtier, gewandt im Springen,
Unverträglichkeit der Männchen, wasser-, jedoch nicht sehr wärme-
bedürftig); Calotes versicolor (in Gefangenschaft gut haltbar, gegen
niedrige Temperaturen weniger empfindlich als Wüstenagamen,
Männchen sehr unverträglich; Lebensweise ziemlich seßhaft; klettert
vorzüglich; Nahrung rein animalisch; fraß Mauereidechsen, mit Vorliebe
Anolis, ferner Mehlwürmer, Schaben, Cetonia-Larven, Käfer und Gerad-
flügler; Furcht vor großen Schlangen, dagegen aggressives Vorgehen
gegen kleine; Farbwechsel, Häutung).
Werner, Franz. Etwas aus meinen Terrarien. Bl. f. Ag. u. Terr.
Fr. XII. 1901 p. 44-46, 5557.
Behandelt namentlich das friedliche Zusammenleben von Riesen-
schlangen, Riesenskinken und Leguanen im Terrarium, die Nahrung
von Ütenosaura acanthura und Iguana tuberculata (ersterer nimmt
auch Fleisch an, letzterer aber nur Pflanzenstoffe), schnelle Regeneration
des Schwanzes bei Ctenosaura sowie Paarungsversuche bei I/guana;
ferner: Bemerkungen über Zyernia, Python Sebae und Boa oceidentalis
Eteirodipsas colubrina tötet ihre Beute (Mäuse) durch Umschlingung;
Bewegungsweise von Psammophis sibilans und verwandten Schlangen;
Nahrung von Zamenis diadema und nummafer,;, Nahrung und Be-
wegungsweise von @errhonotus coerulus, sowie Bemerkungen über
Lygosoma quoyi, tenue u.a. Reptilien.
Derselbe. Biriefliche Mitteilung. Zool. Garten XLII, pp. 315
u. 316.
Mitteilungen über lange und auffällige Hungerperiode bei Python
molurus, Häutung von Boa occidentalis ohne vorheriges Bad; Hinweis
auf die Ausscheidung einer klebrigen und übelriechenden Flüssigkeit
unter der abzustoßenden Hornschicht der Epidermis, die deren Lockerung
und Ablösung vorbereitet (siehe auch J. Berg, p. 42); ferner Balg-
geschwülste bei /guana tuberculata und deren Operation, über Nahrung
der /guana in Gefangenschaft, schnelle Regeneration des Schwanzes
bei Eidechsen, (Otenosaura, Chalcides ocellatus, Lygosoma quoyi, Lacerta
ozycephala) und unabhängige Häutung des Regenerates.
Derselbe. Über Akklimatisation von Reptilien und Amphibien
in Mittel-Europa. Bl. f. Aq. u. Terr. Fr. XT. 1900 p. 246—249, 253 — 254.
Über die Bedingungen, unter denen die Einbürgerung ausländischer
Arten möglich und wissenschaftlich zulässig ist, sowie über die hierzu
geeignetsten Arten.
III. Reptilia und Ampbibia für 1901. 9
Faunistik.
Europa.
Boulenger, 6. A. Presidential Adress to the South Eastern
Union of Scientific Societies. S. East. Natural. 1901, pp. 1—11.
Eine Übersicht über den gegenwärtigen Stand unserer Kenntnis
über die Reptilien- und Batrachierfauna Europas und über die
wichtigsten Fragen in Bezug auf die Systematik. Dieser Vortrag ent-
hält aber außerdem auch noch viele bemerkenswerte Auslassungen
über Fragen von allgemeinerem zoologischen Interesse, worauf hier
nur hingewiesen werden kann. Von Schreibers „Herpetologia Europaea“
ausgehend, derzufolge 1875 sechzehn geschwänzte und zwölf unge-
schwänzte Batrachier, 35 Eidechsen, 24 Schlangen und 8 Schildkröten
(darunter 3 marine) bekannt waren, wird dargetan, daß von diesen
95 Arten 9 gestrichen werden müssen, sei es, daß sie Synonyme waren
oder irrigerweise der Fauna Europas zugerechnet wurden (wie Triton
vittatus). Andererseits sind unter den Namen Triton platycephalus,
Bombinator igneus, Rana temporaria, Vipera berus, V. ammodytes, Seps
chaleides, Lacerta oxycephala und Emys caspica je zwei oder mehrere
Arten inbegriffen, und diese zusammen mit den neuentdeckten bringen
die Zahl der europäischen Arten auf 109 (18 geschwänzte, 20 unge-
schwänzte Batrachier, 36 Eidechsen, 26 Schlangen, 9 Schildkröten).
Weiteres wird auf die Lacerta- und Vipera-Frage gestreift, namentlich
mit Hinsicht auf Artbildung und Artselbständigkeit, und speziell bei
Vipera auf die interessante Erscheinung hingewiesen, daß die Bauch-
und Schwanzschilderzahlen in einer gewissen Correlation stehen, so daß
sie zusammen stets dieselbe oder wenig abweichende Zahl ergeben, so
daß der längere Körper und kürzere Schwanz der Weibchen und das
umgekehrte Verhältnis beim Männchen nicht durch Intercalation oder
Excalation von Rumpfsegmenten, sondern durch die Wanderung der
Beckenresion, wodurch Praecaudalwirbel in caudale sich umwandeln
und umgekehrt, zu erklären ist. Weiterhin befaßt sich der Vortrag
auch mit den neuen Forschungen über die Entwicklung der Batrachier,
speziell Alytes, mit der Naturgeschichte der britischen Batrachier,
namentlich den Wanderungen von Bufo calamıta, die an manchen Teilen
des Landes, wo sie früher häufig war, verschwunden ist, während sie
an anderen Orten neu auftaucht, mit der Verbreitung der kleinen
Wassermolche (M. vulgaris u. palmata) in Großbritannien, der Hy-
bridation bei Batrachiern, Erscheinung der Neotenie, der lungenlosen
Salamander und schließlich mit dem Vorkommen des Wasserfrosches
im südlichen England, für welche Art noch nicht feststeht, ob sie da-
selbst einheimisch ist oder eingeführt wurde.
Kraepelin, K. Die Fauna der Umgegend Hamburgs. — Das Natur-
historische Museum. Hamburg, 1901, 8 vo. pp. 32—149.
Das Gebiet von Hamburg wird von 6 Arten von Reptilien
(3 Eidechsen, 3 Schlangen) und 13 oder 14 Amphibien bewohnt.
Lacerta viridıs und Emys sind wahrscheinlich nicht einheimisch und
die vorliegenden Angaben auf freigelassene oder der Gefangenschaft
entkommene Exemplare zurückzuführen. Von den Amphibien ist
Alytes obstetricans seit ihrer Auffindung durch J. G. Fischer vor
10 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
35 Jahren nicht wieder gefunden worden ; ausserdem sind von den
4 Molchen M. alpestris u. palmata, von Froschlurchen, alle 3 Bufo,
Bombinator und Pelobates aus dem Gebiete bemerkenswert.
Tomes, R. F. Reptiles and Batrachians Victoria History of the
County of Worcester 1, pp. 137 u. 138 (Westminster, 4 to, 1901).
Macpherson, H. A. Reptiles and Batrachians. Victoria History of
the County of Cumberland I, pp. 177 u. 178. (Westminster, 4 to,
1901).
Southwell, T. Reptiles and Batrachians. Victoria History of the
County of Norfolk I, pp. 217—219 (Westminster, 4 to, 1901).
Kiritzeseu, ©. Enumeratia Reptilior sı Batracienclor din Romania.
Publicatiunile Societatei din Romania. N. 1, pp. 10—14.
Derselbe. Contributions a l’etude de la Faune herpetologique
de Roumanie. Premiere Partie; Sauriens et Ophidiens. Bull. Soc. Bu-
carest X, pp. 303—328.
Niezabitowski, E. L. Przyczynek do fauny kregoweörw GAHBRE
Sprawozd. Kom. Krajo. XXXV, pp. 102—128.
Asien.
Mehely, L. v. Reptilien und Amphibien. Dritte Asiatische
Forschungsreise des Grafen Eugen Zichy. Zoologische Ergebnisse,
pp. 43—68, Taf. VI u. VII.
Die Zahl der Arten ist eine geringe, doch sind sie meist ausführlich
beschrieben und die Arbeit daher z. T. von Wichtigkeit. Von Eidechsen
wird Gecko japonicus D. B. von Peking, Agama caucasica Eichw. von
Ichnjevi (Athene-Thal in Transcaucasien), Phrynocephalus frontalis
Strauch (Wüste Gobi; abgeb. Taf. VI, fig. 3—8), Lacerta agilis L. var.
exigua Eichw. (Saratow, Kasan in Rußland, Krasnojarsk und Minusinsk
in Sıbirien; auf Taf. VII ist sehr instruktiv die Variabilität der Postnasal
u. Frenal- und Frenoocularschilder bei dieser Eidechse in 13 Figuren
zusammengestellt), ZL. vivipara Jacq. (Kasan; Baltım und Iskar in
Sibirien); L. muralis Laur. var. depressa Cam. (Schion, Athene-Thal in
Transcaucasien), Eremias Brenchleyi Gthr. (Kalgan- und Nankou-
Paß, China); EZ. Przewalskii Strauch (Gobi) beschrieben, von Schlange
nur Tropidonotus natrix L. von Kasan, Coluber dione Pall. von Peking
und Ancistrodon intermedius Strauch aus der Mongolei genannt und
nur diese ausführlicher beschrieben. Die Schildkröten sind in der
Zichyschen Ausbeute nur durch ein Testudo iberia Pall. aus Miusiuoli
ım Kaukasus vertreten; die Batrachier finden, durch Rana esculenta L.
var. ridibunda Pall. aus Saratow und var. chinensis Osb. aus dem
Pekinger Lotosteich, sowie Rana fusca Rös. aus Perm, R. arvalis Nilss.
von verschiedenen Fundorten Rußlands und Sibiriens, sowie schließlich
durch Bufo raddii Strauch von Nordchina u. B. viridis Laur. von Tiflis
vertreten, eingehendere Behandlung, Rana temporaria var. asiatıca
Bedr. wird wohl mit Recht mit R. arvalis identifiziert.
Deriugin, K. Materialien für die Herpetologie von S. W. Trans-
caspien und die Umgebung von Trapezunt. (Russisch.) Annuaire Mus.
St. Petersb. VI, pp. 8$—111.
IH. Reptilia und Amphibia für 1901. 11
Anderson, 3. A List of the Reptiles an Batrachians obtained by
Mr. A. Blayney Percival in Southern Arabia. P.Z. 8.1901, II, pp. 137
—152, Taf. XIV—XV.
Die Ausbeute Percivals enthält zahlreiche zum Teil höchst be.
merkenswerte Arten und zwar mit Einschluß der neu beschriebenen
(s. Geckonidae, Amphisbaenidae) 25 Reptilien und 3 Batrachier (Rana
cyanophlyctis, Bufo andersonii und B. pentoni Anders.). Die Reptilien
gehören zu folgenden Arten: (p. 137) Stenodactylus doriae Blanf. p. 138:
Pristurus flavipunctatus Rüpp., erucifer Val., collarıs Steind. (Be-
merkungen des Sammlers über die Lebensweise, der Schwanz ist bei
dieser Art einrollbar); p. 139: Hemidactylus yerburyi Anders., Agama
sinaita Heyden, Uromastiz (Aporoscelis) benti Anders. (Abgebild. Tf.XIV,
Bemerk. d. Sammlers über die Lebensweise der Art, welche von den
Beduinen gegessen wird); p. 140: Varanus griseus Daud. (lebt an-
scheinend in Springmauslöchern); p. 143: Acanthodactylus camtoris
Gthr., p. 144: A. boskianus Daud., Latastia longicaudata Reuß (von
afrikanischen Exemplaren durch größere Zahl der Femoralporen,
nämlich 16, verschieden; aus Asien vorher erst von Tor am Roten Meer
bekannt; p.145: Latastia hardeggeri Stdehr. (= Eremias heterolepis
Bttgr. — Philochortus neumanni Mtsch.), Eremias guttulata Licht.,
p. 146: Mabuia brevicollis Wiegm. (Färbung ausführlich beschrieben),
p. 147: Scincus Hemprichiiı Wiegm., p. 148: Chalides ocellatus Forsk.
(Bemerk. d. Sammlers), p. 149: Chamaelon calcarıfer Ptrs., Zamenis
rhodorhachis Jan., p. 150: Tarbophis qguentheri Anders., Coelopeltis
morlensis Reuß, p. 151: Psammophis schokari Forsk., Cerastes cor-
nutus Hasselg.; die höchste und niedrigste Ventralenzahl wurde in
S. Arabien gefunden (139, 164): Echis carınatus Schn. Bei den meisten
Arten sind die morphologischen Charactere tabellarisch übersichtlich
zusammengestellt.
Stejneger, L. Diagnosis of eight new Batrachians and Reptiles
from the Riu Kiu Archipelago, Japan. P. Biol. Soc. Washington XIV,
pp. 189—191.
Blanford, W. T. The Distribution of Vertebrate Animals ın India,
Ceylon and Burma. Phil. Trans. CXCIV, pp. 335—436. Auszug
P. R. Soc. LXVII, pp. 484—492 und J. Bombay Soc. XIII. p. 675.
Verf. gibt eine tabellarische Übersicht der Verbreitung der Reptilien
und Batrachiergattungen in den 19 Faunengebieten des Indischen
Reiches (p. 378—384), welche selbst wieder in 5 Gruppen (Indo-
gangetische Ebene, Indische Halbinsel, Ceylon, Himalaya, Burma
etc.) zusammengefaßt werden, stellt dann die in jedem Gebiete vor-
kommeneden Gattungen zusammen, macht auf einige in Bezug auf
die Verbreitung besonders bemerkenswerte Gattungen aufmerksam
(p. 420—421) und kommt endlich zu folgenden Schlüssen: Pandjab
und Sind, mit Radsehputana und Baludschistan müssen von der
Örientalischen Region abgetrennt und der mediterranen Subregion
der Holarktischen Region zugerechnet werden; ebenso gehören die
Himalayas oberhalb der Waldzone, sowie der Teil von Tibet, der
politisch zu Indien gerechnet wird, der tibetanischen Subregion der
13 II. Reptilia und Amphibia für 1901.
Holarktis an. Das Festlandgebiet der Orientalischen Subregion zerfällt
in die eisgangetische (mit Ceylon), transgangetische (Waldzone des
Himalayas, Assam, Burma, S. China, Tonkin, Siam) und malayische
(Süd-Tenasserim) Subregion.
Shelford, R. Report on the Sarawak Museum. Sarawak 1901,
8 vo, 3lpp.
Derselbe. Notes from the Sarawak Museum. Straits Asiat.
Soc. 1901, pp. 69—71.
Derselbe. A List of the Reptiles of Borneo. J. Straits Asiat.
Soc. 1901, pp. 43—68.
Carruceio, A. Sovra un Crocodilus Schn., ed un Varanus dumerili
Gray, donati da S. M. el Re umberto al Museo Zoologica della R. Uni-
versita dı Roma. pp. 102—105.
Boettger, ©. Willy Kükenthals Wissenschaftliche Reiseergebnisse.
Die Reptilien und Batrachier. Abh. Senckenb. Ges. XXV, pp. 321
—402, Taf. XIV—XVI.
Während unter dem in Java und Celebes gesammelten Material
sich nichts von besonderem Interesse befindet, enthält die Ausbeute
von Borneo u. a. zwei neue Frösche (s. Ranidae, Bufonidae). Der
wichtigste Teil der Arbeit ist derjenige, welcher die Reptilien- und
Batrachierfauna der drei Molukkeninseln Halmahera, Batjan und Ter-
nate behandelt. welche aus 25 Arten von Eidechsen (darunter 13 Lygo-
soma), 46 Schlangen (darunter 4 Seeschlangen,) einem Krokodil (©. po-
rosus), drei Schildkröten (davon Chelone imbricata marin), sowie
8 Fröschen zusammengesetzt ist. Von den Reptilien sind die beiden
Schlangengattungen Styporhynchus Ptrs. (vom Verf. von Tropidonotus
neuerdings wieder abgetrennt) und Calamorhabdium, von den Batrachiern
Phrynixalus und Oreophryne (vergl. dagegen Mehely, Engysto-
matiden Neuguinea’s dies. Ber. p. 60) für die Molukken charakteristisch.
Der Aufzählung und Beschreibung der einzelnen Arten geht eine
Namenliste der bisher von den drei obengenannten Inseln bekannten
Reptilien und Batrachier mit kritischen Bemerkungen über zweifelhafte
Arten, eine Übersichtstabelle der geographischen Verbreitung, welche
die Zugehörigkeit wenigstens der Fauna Halmaheras zur austral-
malayischen Fauna (worauf schon die zahlreichen Lygosoma-Arten
hinweisen) dartut. Die neuen Arten sind bereits alle im Zool. Anz.
XVIII. 1895 beschrieben, jedoch in vorliegender Arbeit alle vom Verf.
selbst auf drei Tafeln abgebildet.
Laidlaw, F. F. On a Collection of Lizards from the Malay Peninsula,
made by Members of the ‚Skeat Expedition“, 1899—1900. P. Z. 8.
1901, I, pp. 301—311. fig.
Verf. nennt zuerst die einheimischen Namen der bekannten Ei-
dechsen der malayischen Halbinsel, gibt dann eine Übersicht über die
geographische Verbreitung der Eidechsen auf der Halbinsel, mit einer
Kartenskizze, auf der die Fundorte eingetragen sind. Liolepis ist
äußerst häufig auf dürren, sandigen Stellen der Ostküste, wo keine
andere Eidechse beobachtet wurde. Auf bebautem Boden lebt Calotes
cristatellus, überall da, wo Cocos- oder Bananenpflanzungen sich finden,
II. Reptilia und Amphibia für 1901. 13
Varanus kommt sogar bis in die Städte; so wurde ein Exemplar von
V. salvator vom Verf. an der Rückseite eines Hauses geschossen, als es
an einem toten Schweine fraß. Auch Draco volans wurde in Culturland
gefunden; im Norden wurde Gecko verticillatus, der auf der malayischen
Halbinsel kein Hausgecko ist, mit Hemidactylus frenatus unter der
Rinde von Bäumen angetroffen. Mabuia multifasciata ist am weitesten
verbreitet und lebt ebenso im dichtesten Urwald wie in Städten. Die
Waldbewohner haben im Gegensatz zu denen des Culturlandes eine
beschränkte geographische Verbreitung. Über die Verbreitung der
Draco-Arten läßt sich Verf. ausführlicher aus. Im allgemeinen steht
die Halbinsel Borneo in seiner Fauna näher als den anderen Nachbar-
ländern, wie aus der Verbreitung der übrigen Agamiden ersichtlich ist.
Junge Draco sind selten, dagegen solche von Aphaniotis und Gonyo-
cephalus borneensis häufiger als erwachsene.
Aus der Liste der beobachteten Arten mögen die folgenden genannt
werden: Gymnodactylus peguensis Blngr. (Beschreibung dieses schönen
Geckos); Gonatodes kendalli (Gray), affinis (Stol.) (Bemerkungen über
die Dimensionen). Hemidactylus garnoti D. B. (Kuala Aring; neu für
die Halbinsel); @ecko stentor (Cant.) (Bemerkungen über die Laut-
äußerungen); Draco formosus Blngr. (S von Penang; Dimensionen);
Gonyocephalus borneensis (Schleg.); (Gunong Inas); Calotes eristatellus
(Kuhl) (Dimensionen); C. versicolor Daud. (Verhalten des $ vor dem 9)
Liolepis bellii (Gray) (Färbung im Leben; Lebensweise; lebt monogam;
in einem ® 8 Eier mit lederartiger Schale; Nahrung in einem
Ex. gefunden: Reste einer Spinne, Heuschrecken, Pflanzenreste);
Varanus salvator Laur. (Lebensweise, Nahrung; soll auch Leichen ver-
zehren; wurde auch beim Verzehren eines Aases seiner eigenen Art
angetroffen; auch ein Flughörnchen [Sciuropterus], eine Schildkröte,
Mistkäfer wurden als Nahrung nachgewiesen; das größte Exemplar
war 6 Fuß 6 Zoll lang); V.nebulosus Gray ist weniger aquatisch.
V. rudicollis Gray wurde nur auf Fuß des Gunong Inas gefunden und
lebt nur im Wald. Tachydromus sexlineatus Daud., von Biserat ist neu
für die Halbinsel; läuft über die Spitzen des Büffelgrases und der lange
Schwanz verhindert sie daran, durch das Gras aus den Boden zu fallen;
doch flüchtet sie verfolgt auf den Grund. Wird von den Malayen als
Schlangen-Eidechse bezeichnet, dagegen Lygosoma chalcıides als Fuß-
Schlange und für das Junge von Typhlops oder Cylindrophis gehalten.
Neu 1 sp. [s. Scincidae].
Derselbe. List ofa collection of Snakes, Crocodiles and Chelo-
nians from the Malay Peninsula, made by Members of the „Skeat
Expedition“ 1899—1900. P. Z. S. 1901. II. p. 575—583, Taf. XXXV.
Von den 48 Arten von Schlangen, welche von der Skeat-Expedition
gesammelt wurden, seien nur die folgenden genannt: T’yphlops nigro-
albus D. B. (Exemplare intermediär zwischen dieser Art und 7. muellerı
Schleg.). Xenopeltis unicolor Reinw. (in einem Exemplar wurde ein
Lycodon laovensıs ebenso lang wie dieses selbst gefunden); Acrochordus
javanıcus Hornst. („Elephantenrüsselschlange‘‘ der Malayen); Zycodon
laoensis Gthr., Zamenis korros Schleg. (frißt vorwiegend Frösche);
14 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
Coluber taeniurus (Cope) (in einer Höhle bei Biserat gefunden, erwies
sich bei hellem Licht als vollkommen blind [purblind]); ©. radiatus
Schleg. (häufig in Häusern); Dendrophis pictus (Gmel.) (kann große
Sprünge von Zweig zu Zweig ausführen, ein Ex. wurde bei einer solchen
Gelegenheit in einem Schmetterlingsnetz gefangen), Calamaria pavima-
culata D. B., Hypsirhina enhydris (Schneid.) wurde am Gunong Inas
weit vom Fluß gefangen. Hypsirhina bocourti Jan geht in der heißen
Jahreszeit aus den Sümpfen in tiefes Wasser. Dipsadomorphus dendro-
philus (Boie); in einem Exemplar wurde eine andere Schlange, in
einem anderen große Schnecken gefunden; rasselt in der Bewegung
mit dem Schwanz auf dem Boden (wie u. a. auch Coronella getula,
Spilotes pullatus u. sogar Coluber longissimus. — Ref.) Von den 8 Arten
von Seeschlangen, von denen einige äußerst häufig sind und mit jedem
Netzzug der Fischer heraufgebracht werden, erwies sich eine als neu
(s. Colubridae proteroglyphae), ebenso wie auch eine Tropidonotus-
Art noch unbeschrieben war (s. Colubridae aglyphae), während außer-
dem noch Distira wrayi Blngr. u. jerdonii Gray gefangen wurde. Aus
dem Rest der Schlangen sollen noch Callophis maculiceps Gthr., Ambly-
cephalus moellendorffi Bttgr. (bisher südlich von Tenasserim noch
nicht gefunden) genannt werden. Crocodilus palustris Less. ist selten
auf der Halbinsel und geht nicht weiter östlich. Die 11 Schildkröten-
arten sind Damonia subtrijuga, Bellia crassicollis, Cyclemys platynota,
amboinensis, Geoemyda spinosa u. grandis, Testudo emys u. elongata,
Chelone mydas, Trionyx subplanus u. cartilagineus.
Derselbe. On the Frogs collected during the ‚„Skeat-Ex-
pedition“ to the Malay Peninsula, 1899—1900. P. Z. S. 1900, pp. 883
—890, Taf. LVII.
Neu für die Malayische Halbinsel sind von der Ausbeute der Ex-
pedition die folgenden Batrachier; Rana signata (Borneo), R. lateralis
(Burma), Bufo jerboa (Borneo), Microhyla inornata (Burma, Sumatra).
Von diesen und den übrigen 25 Arten sind überall die genauen Fund-
orte und z. T. die einheimischen Namen angeführt. Hervorgehoben
mögen noch werden: Rana macrodactyla Gthr., plicatella Stol., Ha-
scheana Stol., labialis Blngr., larutensis Blngr., lateralis Blngr. (Abbild.),
glandulosa Blngr., Microhyla bedmori Blyth. Von R. larutensis ist die
Larve beschrieben und abgebildet. Angaben über Färbung und Lebens-
weise sind mehreren Arten beigegeben.
Boettger, ©. Aufzählung einer Liste von Reptilien und Batrachiern
aus Annam. Ber. Senckenb. Ges. 1901, pp. 45—53.
Die gesammelten Arten stammen alle von Tourana und Phuc-Son.
Außer zwei neuen Lygosoma-Arten (s. Seincidae) und, einer n. var.
von Hyla chinensis (s. Hylidae) smd noch 9 Arten von Eidechsen,
14 Schlangen und 10 Batrachier verzeichnet; von diesen sind die meisten
weitverbreitete Arten, sodaß von ihrer Aufzählung im Allgemeinen ab-
gesehen werden kann. Nur ZLycodon laoensis, Simotes cyclurus, Ambly-
cephalus moellendorffi, Mabwia macularia und Lygosoma bowringw,
Rana macrodactyla und granulosa waren von größerem Interesse. In
der Litteratur über Hinterindien (Siam) vermisse ich Flower.
w u
Ba
III. Reptilia und Amphibia für 1901. 15
Mc Mahon, A. H. Notes on the Fauna of Dir and Swat. J. Asiat.
Soc. Bengal (2) LXX, pp. 7—12.
Die Beobachtungen über das Vorkommen von Reptilien beschränken
sich auf die unmittelbare Umgebung von Malakand und das untere
Swat-Tal zwischen Chokdara und Malakand. Hier waren sowohl
Schlangen als Eidechsen zahlreich, erstere freilich nur wenigen Arten
angehörig, worunter die Gattung Zamenis durch vier Arten vertreten
(Z. diadema; sehr häufig, bis 6 Fuß lang; Kopf lebhaft rot bei den meisten
Exemplaren; in einem getöteten Exemplare wurde eine große Ratte
gefunden; Z. mucosus: häufig und sehr groß werdend; in Mardan und
Malakand in einer schwarzen Varietät, die der Cobra sehr ähnlich ist
und auch den Hals wie diese ausbreitet, daher sehr gefürchtet; Z. lada-
censis sehr häufig; auch mit roter Rückenmittellinie = Z. rhodorhach:s;
schließlich Z. ventrimaculatus). Nächst häufig ist Echis carinatus,
die einzige Viperide des Gebietes. Naia tripudians ist nicht häufig
und wurde nur in der schwarzen Varietät gefunden. Von Bungarus
coeruleus wurde nur ein Exemplar, in Malakand selbst gefunden. Tropr-
donotus piscator ist im Swat-Tal gemein; T. stolatus: Querbinden des
Rückens in der Mitte lebhaft gelb gefärbt. Zycodon striatus; Gongy-
lophis conicus, Contia angusticeps. (Diese bisher erst in einem Exemplare
bekannte Art wurde in elf Exemplaren bei Malakand gefunden). Oli-
godon griseus, Typhlops braminus, Glauconia blanfordii. Von Eidechsen
wurden nur Varenus flavescens (sehr häufig, bis 3 Fuß lang), V. ben-
galensıs, G'ymnodactylus scaber, Calotes versicolor und Eublepharis
macularius beobachtet.
Australien.
Werner, F. Über Reptilien und Batrachier aus Ecuador und
Neu-Guinea. Verh. Ges. Wien LI, pp. 593—614. figg., Taf. V.
Aus Deutsch-Neuguinea sind 2 Schildkröten (Emydura Kreffti
Gray und In. sp., s. Chelydidae), 35 Eidechsen (8 Geckoniden, 1 Pygo-
podid, 4 Agamiden [nur @onyocephalus], 3 Varaniden, 21 Scinciden
[darunter 18 Lygosoma], außerdem 18 Schlangen (1Typhlopide, n. sp.,
6 Boiden, 11 Colubriden); schließlich 24 Batrachier (3 Raniden, 10 En-
gystomatiden und 11 Hyliden, von diesen 1 n. sp.) bekannt gewesen.
Sehr eingehend werden einige G@ymnodactylus aus der Verwandtschaft
des @. lousiadensis de Vis beschrieben, ebenso auch Gehyra interstitialis
Oudem., kürzer Tiligqua gigas Schn., Lygosoma minutum Meyer, sma-
ragdinum Less., virens Ptrs., eyanurum Less., rufescens Shaw, muelleri
Schleg., ferner Python amethystinus Schn., Engyrus carinatus Schn.,
Dipsadomorphus irregularis Merr., schließlich von Fröschen Rana
novae-britanniae Wern., Cornufer corrugatus A. Dum. und Hyla impura
Phs. u. Doria behandelt und von den australisch-papuasischen A ylella-
Arten eine Bestimmungstabelle gegeben.
Derselbe. Ergebnisse einer Reise nach dem Pacific (Schauins-
land 1896—1897). Reptilien. Zool. Jahrb. Syst. XIV, pp. 380—387.
16 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
Verf. nennt Hemidactylus garnoti D. B. von Molokai und Kauai
(Hawaii), sowie von Laysan, @ehyra mutilata Wiegm. von Kauai und
Maui (Hawaii), @. oceanica Less. von Upolu, Samoa, Lepidodactylus
lugubris D. B. von Maui, Hoplodactylus maculatus Gray von Trio Island
in der Cookstraße, French-Paß zwischen Durville-Island und der S. Insel
von Neuseeland, sowie von Stephens-Island, ebenso H. pacificus Gray
von Trio-Island, sowie Naulthinus elegans Gray von Akaroa (S. Insel
von Neuseeland); ferner Lygosoma noctua Less. von Maui, L. cyanurum
Less. von Molokai (mit melanotischer Var. n. schauinslandi), L. moco
D.B. vom Ben Lommond-Berg, S. Insel Neuseelands und vom French-
Paß; L. smithii Gray von Pitt-Island (Chatham-Inseln); Ablepharus
boutoni Desj. var. poecilopleura Wiegm. von Molokai, Kauai und Lay-
san, schließlich Enygrus australis Montrouz von Upolu, Samoa. Laysan
beherbergt demnach nur zwei Eidechsenarten (Hemidactylus garnoti
u. Ablepharus boutoni), die Hawaischen Inseln 7 Eidechsenarten (näm-
lich außer den genannten noch Hemiphyllodactylus leucostictus, eine
endemische Art). Samoa einen Gecko, 5 Lygosoma- Arten und
2 Schlangen, schließlich Neuseeland außer Sphenodon noch 12 Eidechsen,
nämlich je 6 Geckoniden und Lygosoma-Arten, alle sind endemische
Arten, während Samoa keine einzige eigentümliche Art besitzt.
Garman, S. Some Reptiles and Batrachians from Australasia.
Bull. Mus. Harvard XXXIX, pp. 1—14, Taf. Iu. II.
Es wurden außer mehreren nn. spp. (s. Geckonidae, Pygopodidae,
Sceincidae, Colubridae proteroglyphae) noch folgende Arten genannt
und z. T. beschrieben: G@ymnodactylus pelagicus Gir. (Barrier Reefs u.
Cooktown); Phyllurus cornutus Ogilby (lichenosus Gthr.), Gehyra
oceanica Gray (!) von Fidjı u. Samoa, @. variegata Boul.(!) (Femoral-
poren nur einseitig entwickelt, Hermaphrodit?); Lepidodactylus lugubris
Fitz. (!) von Fidji und Samoa, Diporophora bilineata Gray und Chlamy-
dosaurus Kingi Gray (Queensland), Brachylophus fasciatus Wagl. (!)
von Levuka, I. Ovalau und Suva, VitiLevu, Fidji; (systematische
Notizen, Farbenwechsel mit Auftreten von Querbinden, daher der
Besitz derselben kein Merkmal des $). Lygosoma tenue Boul.(!)
(Cooktown), L. noctua P.D.(!) (Upolu, Samoa); L. fuscum Boul.(!),
Varietäten von Cooktown u. ‚Cairns beschrieben; L. cyanurum
Boul.(!) (Taviuni-Insel, Fidji), L. samoense Boul.(!) von Viti Levu und
Suva (systemat. Notizen), Ablepharus eximius Garm. (!) (Beschreibung
von Exemplaren von Fidji u. Cooktown), Typhlops Wiedi Pet. (Cook-
town; Beschreibung der Färbung); Enygrus Bibronii H. J. (Levuka);
Dendrophis calligaster Gthr. (? wohl punctulatus! — Ref.), Cooktown;
Platurus colubrinus Gir.(!) Fidji (systemat. Notizen);* Pseudelaps
diadema Jan (!) Cooktown; Crocodilus johnsoni Krefft (Cooktown).
Die Auffindung einer neuen Eidechse (Woodworthia) auf Neuseeland
ist ebenso bemerkenswert als die Auffassung des Verf. über die Autor-
namen hinter den Artnamen. Die Abbildungen sind sehr gut.
III. Reptilia und Amphibia für 1901. #7
Afrika.
Doumergue, F. Essai sur la Faune Erpetologique de l’Oranie,
avec des tableaux analytiques et des notions pour la determination
de tous les Reptiles et Batraciens du Maroc, de l’Algerie et de la Tunisie.
Bull. Soc. Geogr. Archöol. Oran. XIX— XXI. Auch separat er-
schienen, 1901, 8 vo, 404 pp., 27 Taf.
Eine sehr gründliche, vorwiegend auf eigenen langjährigen Er-
fahrungen des Verf.’s beruhende Arbeit, deren Stärke namentlich in
der genauen Beschreibung der behandelten Arten und den ausführlichen
Angaben über deren Lebensweise liegt. Die sieben Kapitel des Buches
behandeln folgende Gegenstände: 1. Historische Einleitung; 2. Biblio-
graphie; 3. Bemerkungen über Anatomie (nicht ganz korrekt), den Fang
und die Konservierung (sehr gut; eingehend sind die Vergiftungen
durch Schlangenbiß behandelt; als Gegenmittel wird das Calmettesche
Serum empfohlen, dagegen der Alkohol, wohl mit Rücksicht auf die
bei dem heißen Klima des Landes besonders große Gefährlichkeit des
reichlichen Genusses, wie er sich nach Bißfällen durch Schlangengift
als notwendig erweist, nicht erwähnt); 4. diehotomische Bestimmungs-
tabellen für die sämtlichen Reptilien und Batrachier Nordwestafrikas;
5. Diagnosen aller Arten der Provinz Oran nebst Beschreibung einiger
zweifelhafter Arten; 6. Bemerkungen über die geographische Ver-
breitung sowie schließlich 7. über die Lebensweise der einzelnen Arten.
Es werden mehrere neue Arten und Varietäten beschrieben (s. @eckonidae,
Lacertidae, Scincidae, Colubridae). Außerdem wäre aus dem reichen In-
halte folgendes hervorzuheben: Agama inermis Rss. wird für die west-
algerische Sahara, Uromastix spinipes nach Olivier für Biskra ange-
geben; Acanthodactylus Savignyi ist neu für ganz Algerien. Lygosoma
chalcides, eine südostasiatische Art, hat sich in der Umgebung von Oran
akklimatisiert. Anguis fragilis und Rhinechis scalarıs werden für
Algerien neuerdings aufrechterhalten. Ref. möchte aber demgegenüber
seine gelinden Zweifel an der Richtigkeit dieser Angaben nicht ver-
hehlen. Von den 86 aus Nordwestafrika nunmehr bekannten Arten
sind 5 das erste Mal hier aufgeführt; die Fauna von Oran zählt 58 Arten
(9 davon im vorliegenden Werke neu für Oran). Einige algerische
Arten, wie sStenodactylus »petrii, T'ropiocolotes tripolitanus, Eremias
rubropunctata und Glauconia macrorhynchus sind dem Verf. offenbar
nicht bekannt geworden, da er sie nicht erwähnt. Die Abbildungen
sind z. T. etwas undeutlich, aber vollkommen für ihren Zweck aus-
reichend. — Ref. in Zool. Centralbl. IX, 1902, p. 31.
In einem Beitrag zur Fauna von Tripolis zählt U. Rizzardi
p. 14 Chalcides ocellatus Forsk. und Acanthodactylus lineomaculatus D.B.
aus der tripolitanischen Sahara und Discoglossus pietus Otth. von
Misratah auf. — Bull. Soc. Entomolog. Ital. Bd. 28, 1896, p. 13—22.
Tornier, G. Die Reptilien und Amphibien der deutschen Tiefsee-
expedition 1898—99. Zool. Anz. XXIV, pp. 61—66.
Das Reptilien- und Batrachiermaterial der Deutschen Tiefsee-
Expedition ist naturgemäß nicht eben reich und von den gesammelten
Arch. f. Naturgesch. 70. Jahrg. 1904. Bd. II. H. 1. (IIT.) 2
18 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
Arten haben nur wenige dem Verf. Gelegenheit zu weiteren Ausführungen
gegeben; so wird Herpetosaura occidentalis Peters von Kamerun genau
beschrieben und zu Melanoseps gestellt, bei einer Calabaria reinhardtii
Schleg. werden einige Abweichungen in der Beschuppung festgestellt,
ebenso bei Gastropyxis smaragdina Schleg. Verwachsung der Prae-
frontalia; von Dar-es-Salaam wird Typhlops mucroso Ptrs., von Mahe
(Seychellen), Phelsuma lineata Gray (var. astriata n. ausf. beschrieben;
Pachydactylus quadriocellatus Ptrs. gehört auch zu dieser Art), von
Felicite (Seychellen) Testudo elephantina D. B. und von Praslin (Sey-
chellen) Mabwia seychellensis D. B. genannt.
Derselbe. Die Crocodile, Schildkröten und Eidechsen in Togo.
Arch. Naturg. 1901, Beih. pp. 65—88.
Aus Togo sind 3 Arten von Krokodilen (alle neu für das Gebiet),
7 von Schildkröten (darunter Dermochelys, Homopus nogueyi, Pelo-
medusa galeata, Sternothaerus derbianus, Trionyx triungws und Üy-
clanorbis senegalensis, neu für Togo), sowie 27 Arten von Eidechsen
mit 3 Varietäten (davon 13 und die drei Varietäten neu f. Togo) bekannt.
Von allen Arten sind Fundort und Sammler aller im Berliner Museum
liegenden Stücke genau angegeben und bei vielen wertvolle syste-
matische Angaben gemacht. Derartige kurze oder eingehende Be-
merkungen finden sich bei Cinizys belliana Gray, Sternothaerus
derbianus Gray, Cyclanorbis senegalensis D. B., Ptyodactylus hassel-
quisti (Donnd.) der in Togo in einer n. var. (s. Geckonidae) auftritt,
Hemidactylus fasciatus Gray, brookii Gray, muriceus Ptrs., Tarentola
delalandir D. B. (beide neu f. Togo), Psilodactylus caudıeinctus A. Dum.,
Amphisbaena leucura D. B., Eremias nitida Gthr. (beide neu f. Togo),
Gerrhosaurus maior A. Dum. in einer n. var. (s. Gerrhosauridae), neu für
Togo, Mabuia macullabrıs Gray, perroteti D.B. (= raddoni Gray),
quinquetaeniata Licht. u. varıa Ptrs. (neu f. T.), Lygosoma afrıcanum
Gray und guineense Ptrs. (neu f. T.), L. simulans Vaill. (Cophoseincus
simulans ist ein Lygosoma und verschieden von L. durum!), Chalcides
thierryi Blngr. (in einer n. var. — s. Scincidae — auch neu £. T.).
Derselbe. Die Crocodile, Schildkröten und Eidechsen in
Kamerun. Zool. Jahrb. Syst. XV, p. 578—590, figg.
In der vorliegenden wertvollen Arbeit sind 3 Krokodile, 10 Schild-
kröten und 35 Eidechsen, im ganzen also 48 Arten für Kamerun an-
geführt, von denen zwei Schildkröten- und 9 Eidechsenarten für die
Kolonie neu sind, nämlich Thalassochelys caretta, Pelomedusa galeata,
Stenodactylus elegans var. mauritanica, Hemidactylus muriceus, brooküi,
richardsoni, Lygodactylus conradti und Poromera fordi, sowie drei nn.
spp. (s. @eckonidae und Agamidae). Verf. hat auch die 6 in Kamerun
vorkommenden Arten der schwierigen, in Afrika allein 35 Arten zählenden
Gattung Hemidactylus revidiert und gefunden, daß A. intestinalis Wern.
mit muriceus Ptrs. identisch ist, A. guineensis Wern. (nec Ptrs.) eine
neue Art vorstellt und 7. guineensis Ptrs. mit brookiı Gray zusammen-
fällt; ebenso ist Zygodactylus fischeri = conradti, L. thomensis Wern.
(nec Ptrs.) eine neue Art; L. thomensis Ptrs. wird neu beschrieben;
schließlich wird auch Agama micropholis Mtsch. mit A. atra Daud.,
> DEE
IIl. Reptilia und Amphibia für 1901, 19
Lygosoma vigintiserierum Sjöst. mit L. reichenowi Ptrs. und L. gemmi-
ventris mit L. africanum Gray identifizirt.
"Boulenger, G. A. Mat£riaux pour la Faune du Congo. Batraciens
et Reptiles nouveaux. Ann. Mus. Congo, Zool. (1) II, pp. 1—14, Taf.I
Niekel, E. Die Kriechthiere Deutsch-Ostafrikas, mit besonderer
Berücksichtigung der im Museum in Frankfurt a. ©. befindlichen Arten.
Helios XVIII, pp. 65—73.
Boulenger, 6. A. A List of the Batrachians and Reptiles obtained
by Dr. Donaldson Smith in Somaliland in 1899. P. Z. S. 1901, I, pp. 47
—49, Taf. VII.
Von den”genannten Arten sind zwei Hemidactylus (s. Geckonidae)
neu; neu für das Somaliland ist auch noch Tropocolotes tripolitanus
Peters (von Biji), der aber nicht nur von Tripolis, Tunis und Ägypten,
sondern auch von Ostalgerien (Ferme Dufour, legs. König) bekannt
ist. Die übrigen (Pristurus phillipsüi, Hemidactylus isolepis, Tarentola
ephippiata, Agama vaillanti, hartmanni — nach Boulenger mit
A. doriae Blngr. identisch, welcher Ansicht aber Ref. nicht beistimmen
kann — A. phillipsü, Eremias brenneri, Mabwia varıa und Chalcides
ocellatus von Eidechsen, Eryz thebaicus, Zamenis rhodorhachis, Psammo-
phis biseriatus, Echis carinatus von Schlangen, schließlich Rana dela-
landii) sınd bereits aus dem Gebiet bekannt.
Dankler, M. Reptilien und Amphibien auf Madagaskar. Bl. £.
Ag. u. Terr. Fr. XII. 1901 p. 76—77, 86—88.
Mitteilungen nach brieflichen Aufzeichnungen eines Missionärs.
Manche Arten lassen sich nach diesen Angaben ganz gut wiedererkennen,
doch sind’ manche, augenscheinlich auf Grund der Aussage von Ein-
geborenen gemachte Angaben stark übertrieben. Im Übrigen scheint
aber der Missionär ein besserer Reptilienkenner gewesen zu sein, als
der Verf. obiger Mitteilungen und seine Beobachtungen sind im All-
gemeinen als nicht unrichtig zu bezeichnen. Nur die als Haustier
gehaltene C'helone mydas möchte Ref. doch lieber auf einer der Riesen-
landschildkröten des Mascarenen-Archipels beziehen.
Moequard, F. Diagnoses d’especes nouvelles de Reptiles de Mada-
gascar. Bull. Mus. Paris 1900, pp. 345—348.
Derselbe. Note preliminaire sur une collection de Reptiles
et de Batraciens recueillis par M. Alluaud dans le sud de Madagaskar.
Op. eit. 1901, pp. 251—256.
Amerika.
Atkinson, D. A. The Reptiles of Alleghany County, Pennsylvania.
Ann. Carnegie Mus. I, pp. 145—157.
Ramsey, E.E. The Cold-Blooded Vertebrates of Winona Lake and
Vieinity. P. Indiana Ac. 1900, pp. 218—224 (1901).
In dem Gebiete des Winona-Sees, der im Kosciusko County,
Indiana, gelegen ist, finden sich von Batrachiern: Necturus maculosus
Raf., Bufo lentiginosus americanus (Lec.) Acris gryllus gryllus (Lec.)
u. crepitans (Bd.), Hyla versicolor (Lec.), Rana pipiens (Kalm.), elamitans
PA
20 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
(Latr.) (beide die häufigsten Frösche) catesbyana Shaw. Von Schlangen
wurden 8 Arten erbeutet, nämlich Storeria dekayi (Holbr.), selten,
Clonophis kirtlandi (Kenn.), Thamnophis sirtalis (parietalis [Say] und
sirtalis L.); dies die häufigste Art, in einem Exemplar wurden 31 Em-
bryonen gefunden; Regina leberis (L.); dritthäufigste Art; in einem
Ex. zehn Embryonen gefunden; lebt an Bächen; Natrix sipedon (L.),
häufig; in einem Ex. 26 Embryonen gefunden; liebt Sumpfboden;
Bascanion constrictor (L.); Nahrung Frösche und Nattern (Thamnopkis);
ein 42 Zoll langes Ex. verschlang eine Natter von 28 Zoll Länge. Eiablage
Mitte Juni, Auskriechen der Jungen Mitte September. Notizen über
Eiablage, Größe und Zahl (22) der Eier; diese sind so zäh, daß sie einen
Druck von über 100 Pfund aushalten können, ohne zu platzen. Lampro-
peltis doliatus triangulus (Boie) ist selten.
Sistrurus catenatus (Raf.) steht in Bezug auf Häufigkeit in zweiter
Linie. Das Weibchen wirft 7—13 Junge. Die Erwachsenen bewegen
sich langsam, bei Tage, wenn nicht gestört, wenig u. sind inoffensiv.
Von den 8 Schildkrötenarten sind Aspidonectes spinifer (Les.), Clemmys
guttatus (Schn.), Emydoidea blandingi (Holbr.) und Terrapene caroline
(L.) selten, aber auch die übrigen (Chelydra serpentina [L.], Aro-
mochelys odoratus [Latr.], Graptemys geographicus [Les.] und Ohrysemys
marginata [Ag.]) nicht sehr häufig.
Günther, A. Biologia Centrali-Americana. Batrachia. pp. 237
—300, Taf. LXVII—LXXIV.
Stejneger, L. On the Herpetology of Porto Rico. Tagebl. V. Int.
Zool. Congr. N. 8, p. 28.
Meerwarth, H. Die westindischen Reptilien und Batrachia des
Naturhistorischen Museums in Hamburg. Mt. Mus. Hamburg XVIII,
2, pp. 141, Taf. Iu. II.
Die Hamburger Sammlung enthält aus Westindien 15 Arten von
Schlangen in 112 Exemplaren, 38 Eidechsen in 163 Exemplaren und
1 Art von Krokodilen (©. americanus) in 6 Exemplaren, sowie 6 Ba-
trachier in 76 Exemplaren. Zwei Arten (s. /guanıdae, Oystignathidae)
sowie zwei Varietäten (s. @eckonidae) sind in vorliegender Arbeit als
neu beschrieben, andererseits wurde Epicrates striatus Fisch. zu E. an-
gulifer Bibr. und Ameiva polops Cope zu A.taeniura Cope gezogen.
Ansonsten sind die folgenden Arten mehr oder weniger eingehend be-
handelt. Typhlops lumbricalis L. von S. Thomas, Haiti und Mona,
E. angulifer Bibr. von Cuba (typieus), Haiti, S. Domingo u. St. Thomas
(var. striata Fisch.), Epicrates fordii Gthr. var. monensis Zenneck von
Mona (nur Zeichnungsvarietät, keine Art), Ungalia melanura Schleg.
von Cuba, U. maculata Bibr. von S. Domingo, Boa imperator Daud.
von St. Thomas; Uromacer catesbyi Schleg. u. oxyrhynchus D. B. (Haiti),
Hypsirhynchus ferox Gthr. (Haiti), Dromicus sanctae - crucis Cope
var. portoricensis R. u. L. von S. Domingo und Mona, antillensis Schleg.
von St. Thomas, anomalus Ptrs. von Haiti, exiguus Cope von St. Tho-
mas, Liophis andreae R.u. L. von Cuba, parvifrons Cope von Haiti, Cuba,
S. Domingo; unter den Eidechsenarten befinden sich ein Gonatodes,
(albogularıs D. B.), zwei Hemidactylus (mabowia Mor. u. brooki Gray
11I. Reptilia und Amphibia für 1901. v1
var. n.), vier Sphaerodactylus (argus Gosse, anthracinus Cope, macro-
lepis Gthr., mit var. n., notatus Baird), Chamaeleolis, 14. Anolis, darunter
ln. sp., zwei Liocephalus (schreibersii Gravh. und melanochlorus Cope),
Metopocerus, Iguana tuberculata Laur., Cyclura, zwei Diploglossus
(rugosus Cope und striatus Gray), fünf Ameiva (taeniura Cope, rüsiv
R. u. L., alboguttata Blngr., vittipunctata Cope und chrysolaema Cope),
schließlich zwei Amphisbaena (caeca Cuv. und jenestrata Cope und
zwei Mabuia (agilıs Raddı und sloanii Daud.). Die Batrachier gehören
zu Hylodes (lentus Cope und 1 n.sp.), Leptodactylus (albilabris Gthr.),
Bufo (marinus L.) und Hyla (septentrionalis Tsch. und ovata Cope).
Da die Beschreibungen sehr sorgfältig sind und ausführliche Tabellen
die morphologischen Verschiedenheiten illustrieren, so ist die Arbeit
als ein wertvoller Beitrag zur Herpetologie Westindiens zu bezeichnen.
Stejneger, L.. An Annotated List of Batrachians and Reptiles
colleeted in the vicinity of La Guaira, Venezuela, with Descriptions
of two new Species of Snakes. Proc. U. S. Mus. XXIV, pp. 179
—192, figg.
Die von Robinson und Lyon gesammelten Batrachier gehören
zu 5 Arten. Von ihnen ist Phyllobates trinitatis Garm, von welchem
das eine Exemplar mit 11 am Rücken anhängenden Kaulquappen ge-
fangen wurde, beschrieben; bei den anderen finden sich Bemerkungen
des Sammlers über das Vorkommen; Leptodactylus ocellatus baut in den
Wasserpflanzen ein Nest, welches die Konsistenz von Eierschnee be-
sitzt; die Nesthöhlung ist durchgehend und der Frosch sitzt in der Mitte
im Wasser, so daß nur Nase und Augen am Grunde sichtbar sind.
Von den 8 Eidechsen kann keine Art besonders Interesse beanspruchen ;
bei @onatodes vittatus (Licht.) wird die Färbung beschrieben und ebenso
nachgewiesen, daß der von Boulenger gebrauchte Name Uranis-
codon für Agama superciliosa Kaup (Ophryoessa Fitz) und für Uranıs-
codon der Gattungsname Plica zu verwenden sei; ebenso wird für
Corallus Daud. der Name Boa L. und für Boa der Name Constrietor
Laur. wieder eingeführt. Leptophis ahaetulla L. wird für L. locereus
(Wied), Clelia Fitz. für die Oxyrhopus-Arten mit geteilten und Pseudo-
boa Schneid. für diejenigen mit ungeteilten Subcaudalen wieder ein-
geführt. Von ersteren ist Cl. doliata, von letzteren Ps. neuwiedi genannt
und wie von fast allen behandelten Eidechsen und Schlangen der Kopf
gut abgebildet (auch von Ol. doliata semicincta Cope von Costa Rica).
Außer Corallus ruschenbergi, Leptognathus variegatus und den vorher
genannten Arten sind noch zwei nn. spp. (s. Colubridae) zu nennen.
Steindachner, F. Herpetologische Ergebnisse einer Reise nach
Südamerika. Anz. Ak. Wiss. Wien 1901, pp. 194—196.
Werner, F. Über Reptilien und Batrachier aus Ecuador u. Neu-
Guinea (zitiert Seite 15).
Vf. nennt u. beschreibt aus Ecuador z. T. ausführlich außer mehreren
nn. spp. (s. /guanidae, Teiidae, Colubridae, Hylidae) Gonatodes caudv-
scutatus Gthr., Anolis elegans u. lemniscatus Blngr., Drymobius dendrophis
Gthr. var. brunnea, beschreibt neu Diaphorolepis Wagneri Wern.;
kürzer sind Oxybelis brevirostris Cope, Elaps mipartitus D, B, und Blaps
22 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
narducci Jan behandelt. Von Batrachiern wird Atelopus ignescens
Cornalia, longirostris Cope, Hyla appendiculata Blngr. beschrieben.
Derselbe. Reptilien über Batrachier aus Peru und Bolivien.
Abh. Mus. Dresden IX, No. 2, 14 pp., figg.
Von den von Professor Paessler gesammelten Arten sind nicht
weniger als zehn hier neu beschrieben, von denen nur eine später
wieder eingezogen wurde. Sie gehören zu den @eckonidae, Iguanidae,
Teiidae, Amphisbaenidae, Amblycephalidae, Dendrophryniscidae,
Bufonidae, Caeciliidae. Von den übrigen mögen: die folgenden meist
selteneren Arten, welche mehr oder weniger eingehend beschrieben
sind, erwähnt werden: Phyllodactylus phacophorus (Tsch.) von Chan-
chamayo, Peru, microphyllus Cope von der Insel San Cristobal bei
Callao, Tropidurus bocourti Blngr. von Lima und Chanchamayo, T.peru-
vianus Less. von Lima, Amancais u. Chonillos bei Lima, und von
Chanchamayo; C’nemidophorus centropyx Stdchr. von Lima und Chan-
chamayo, Callopistes flavipunctatus (D. B.) von Ihuana San Pedro;
ferner @lauconia albifrons (Wagl.) von Chanchamayo, Lima und Bo-
livien (mit n. var.), Corallus caninus (L.) von Chanchamayo, Boa im-
perator Daud. von Bolivien, Drymobius boddaerti (Sentz.) von Lima
und Ch. (fünf Varietäten), Xonodon colubrinus Gthr. (Bolivien), severus
(L.), (Ch.), merremii (Wagl.) (Bolivien), Himantodes cenchoa (L.) von Ch.,
Leptodira albofusca (Lac.) von Ch., Lima und Bolivien, Oxyrhopus
petolarius (L.) von Ch., bitorguatus (Gthr.) von Ch. und Bolivien,
fitzingeri (Tsch.) von Ch. und Cajamarca, sowie Bolivien, cloelia (Daud.)
von Bolivien, Tachymenis peruviana Wiegm. von Bolivien (mit var. n.),
Philodryas olfersii (Licht.) von Ch. und Bol., elegans Tsch. von Lima,
Ch. und Sta. Beatriz, Peru und Bol., psammophideus Gthr. von Bo-
livien, Oxybelis acuminatus (Wied.) von Cajamarca, Elaps corallinus
Wied. von Ch. und Lima, E. tschudii Jan. ebendaher, E. spixui (Wagl.)
von Ch., E. maregravii Wied. von Ch. und Bolivien, Leptognathus
catesbyi (Sentz.) von Ch., mikani (Schl.) von Lima, Lachesis bilineatus
Wied. (n. var.) von Bolivien und pietus Tsch. von Ch. und Lima. Bei
den Leptognathus-Arten erleichtert eine Bestimmungstabelle die
Unterscheidung der Arten der Section IIB Boulengers.
Boulenger, 6. A. Further Descriptions of new Reptiles collected
by Mr. P. O. Simons in Peru and Bolivia. Ann. Nat. Hist. (7) VII.
pp: 546—549.
Fossile Faunen.
Fritsch, A. Fauna der Gaskohle und der Kalksteine der Perm-
formation Böhmens. IV, H. 3, Suppl., Prag 1901, 4 to.
Amalitzky, V. Sur la decouverte, dans les depots permiens su-
perieurs du nord de la Russie, d’une flore glossopterienne et des reptiles
Pareiasaurus et Dieynodon; €. R. Ac. Sci. CXXXII, pp. 591—53.
Fritel, P. A. H. Les Reptiles fossiles des environs de Paris, Na-
turaliste XXIII, pp. 5—9, figg.
II. Reptilia und Amphibia für 1901. 23
Hinton, M. A. €. The Peat and Forest Bed at Westbury-on-Severn,
IV. Palaeontology. Appendix B. Vertebrata. P. Cotteswold Club XIV,
. 42—45.
nn Huene, F. v. Notizen aus dem Woodwardian Museum in Cam-
bridge. Centralbl. Mineral. 1901, pp. 715—719, figg.
Laube, 6. €. Synopsis der Wirbelthierfauna der Böhm. Braun-
kohlenformation und Beschreibung neuer oder bisher unvollständig
bekannter Arten. Prag, 1901, 4 to, 80 pp., figg., 8 Taf.
Hatcher, J. B. Some New and Little Known Fossil Vertebrates.
Ann. Carnegie Mus. I, pp. 128—144, Taf. I—IV.
Lucas, F. A. Vertebrates from the Trias of Arızona. Science (2)
XIV, p. 376.
Woodward, A. S. On some Extinct Reptiles from Patagonia of
the genera Miolania, Dinilysia and Genyodectes. P. Z. 8. 1901, I,
pp- 169—184, Taf. XV—XX.
Andrews, €. W. Preliminary Note on some recently discovered
Extinct Vertebrates from Egypt. Part. II, Geol. Mag. (?) Dec. IV,
VIII, pp. 436—444, figg.
Einzelne Abteilungen.
Squamata.
Lacertilia.
Francotte, ©. Contribution & l’etude de l’oeil parietal, de l’epi-
physe ot de la paraphyse chez les Lacertiliens. M&m. Com. Acad. Belg.
Tome 55, 1898, No. 3, 43 pg., Fig., 2 Taf.
Anlage von Parietalauge und Epiphyse bei Lacerta und Anguis;
die erstere entsteht am Zwischenhirndach als zuerst massive, dann
hohle bläschenförmige Ausstülpung dicht vor der des Epiphysenstieles.
Durch stärkeres Wachstum und früheren Beginn desselben beim
vorderen Bläschen kommt die Mündung des hinteren an die hintere
Wand des Parietalaugenbläschens zu liegen und erscheint dann als
sekundäre Ausstülpung der Hinterwand desselben. Die sogenannten
accessorischen Parietalaugen, wie sie von beiden Gattungen be-
schrieben werden, sind vielleicht durch abnorme Epiphysenbildung
zu erkennen.
Schaefer, F. Über die Schenkelporen der Lacertilier. (Vorläufige
Mitteilung). Zool. Anz. XXIV, pp. 308 u. 309.
Die Schenkelporen bei Lacerta, Acanthodactylus und Sceloporws
werden als Drüsen gedeutet und secernieren verhornte oder in Ver-
hornung begriffene Zellen, nur bei Sceloporus eine den Talgdrüsensekret
ähnliche Masse.
Loyez, Marie. Sur les transformations de la vesicule germinative
chez les Sauriens. C. R. Ac. Sc. Paris, Tome 133, p. 1025—1026.
Reifung des Keimbläschens bei Platydactylus, Lacerta und Anguss.
Die Nucleolen werden dabei umso kleiner, je größer die Chromosomen
werden, doch werden sie als von diesen verschieden betrachtet,
24 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
Müller, M. Die Reduktion des Brustschultergürtels der Saurier
bis zum völligen Verluste desselben. Inaug.-Dissert. Leipzig, 1900,
8vo. 42 pp., 1 Taf.
Göldi, E. A. u. Hagmann, 6. Die Eier von Tropidurus torquatus
und Ameiva surinamensis. Zool. Jahrb. Syst. XIV, pp. 581—589.
Es werden die richtigen Eier von Tropidurus torquatus beschrieben
(die im Zool. Jahrb. X, Syst. 1897, p. 641 beschriebenen angeblichen
Tropidurus-Eier gehören zu Hemidactylus mabuwia), ebenso die Eier
von Ameiva surinamensis, und die Lebensweise dieser Art ausführlich
behandelt. Von /guana tuberculata erwähnen die Verff. ein Weibchen,
welches sich dem Ausgraben der von ihm in den Sand gelegten und
vergrabenen Eier energisch widersetzte und sogar zum Angriff vor-
ging. Zahl der Eier in einem Gelege 29—32; bei Ameiva 3—5, bei Tropi-
durus wenigstens 4 Stück. Ref. in Zool. Centralbl. VIII. 1901, p. 846.
Schnee, —. Biologische Notizen über Lygosoma ceyanurum Less.,
sowie Lepidodactylus lugubris D.u.B. Ein Beitrag zur Kenntnis
der Südseefauna. Zeitschr. Naturw. LXXIV, pp. 273—283.
Müller, Lorenz, Phyllodactylus europaeus Gene und Algiroides
Fitzingeri Wiegm., zwei Zwerge der europäischen Reptilienfauna.
Bl. f. Aq. u. Terr. Fr. XII. 1901 p. 313—321, Taf.
Eine sehr ausführliche Schilderung dieser beiden Arten, sowohl in
Bezug auf Gestalt und Färbung, als auch Vorkommen, Lebensweise
und Fortpflanzung. Die Abbildungen sehr gut.
Herrick, €. L. u. H. N. u. Terry, J. Notes on a Collection of Lizards
from New Mexico. Bull. Denison Univ. XI, 1899, pp. 117—148. Taf.
XIV—XXIV.
Geckonidae.
Stemmler, J. Die Entwicklung der Anhänge am Zwischenhirn-
dach beim Gecko (Gehyra oceanica und Hemidactylus mabouja). Ein
Beitrag zur Kenntnis der Epiphyse, des Parietalorgans und der Para-
physe. Inaug.-Dissert. Leipzig, 1900, 8 vo. 42 pp., 3 Taf.
Entstehung von Epiphyse und Paraphyse bei Gehyra und Hemr-
dactylus. Bei beiden Arten ist die ursprünglich bläschenförmige Epiphyse
später in Stiel und Endkolben gesondert, beide Teile enthalten Pigment
bei G., während es bei H. fehlt. Die nach der Ep. entstehende Par.
treibt zahlreiche knospenähnliche Fortsätze und steigt bogenförmig
aufwärts und nach hinten zur Epiphyse hin. Ref. in Jahresb. Zool.
Stat. Neapel f. 1901, p. 154.
Baldus, R. Die Intervertebralspalte v. Ebner’s und die Quer-
teilung der Schwanzwirbel bei Hemidactylus mabuia Mer. Dissert.
Leipzig, 19 pagg. 2 Figg. 2 Taf.
Bei Hemidactylus mabuia entspricht die Zwischenwirbelspalte
Ebners (die als Fortsetzung der Urwirbelhöhle im Sklerotom aufzu-
fassen ist) der vorgebildeten Bruchstelle der Schwanzwirbel, weil hier
die beiden Wirbelabschnitte nicht vollkommen verlötet sind. Verf.
fand bei dieser Art nur einen Dornfortsatz an jedem.
III. Reptilia und Amphibia für 1901. 25
Boulenger, 6. A. Description of a new Gecko from the Niger Delta.
Ann. Nat. Hist. (7) VII, p. 204.
Stenodactylus guttatus, Cuv., (= elegans Fitz.) var., n. hirouxii, Doumergue,
Erp. Oranie, p. 96, Taf.V, fig. 7, Proc. Oran, Algier; St. elegans Fitz. var. mauri-
tanica Guich. aus Kamerun angeführt von Tornier, Zool. Jahrb. Sept. XV. p. 665.
Bunopus spatalurus, sp. n., Anderson, P. Z. S. 1901, II, p.137, Taf. XIV,
fig. 1, S. Arabien.
Gymnodactylus peguensis, Blgr. Bemerkungen von Laidlaw, P. Z. S. 1901,
I, p. 304; @. lowisiadensis De Vis., und lorioe, Blgr. Bemerkungen von Werner,
Verh. Ges. Wien LI, p. 604; @. olivii, sp. n., Garman, Bull. Mus. Harvard XXXIX,
p- 1, Taf. I, fig. 1, Queensland.
Phyllurus lichenosus, Gthr. = P. cornutus, Ogilby; Garman, Bull. Mus.
Harvard XXXIX, p. 2.
Gonatodes caudiscutatus, Gthr. Bemerkung von Werner, Verh. Ges. Wien
LI, p. 593.
Ptyodactylus hasselquisti, Donnd., var. n. togoensis, Tornier, Arch. Naturg.
1901, Beih. p. 68, Togoland, W. Afrika.
Oedura mayeri, sp. n., Garman, Bull. Mus. Harvard XXXIX, p.3, Taf. II,
fig. 2, Queensland.
Phyllodactylus brevipes und bastardi, spp. nn., Moquard, Bull. Mus. Paris
1900, p. 346, Madagascar; P. baessleri und variegatus, spp. nn., Werner, Abh.
Mus. Dresden IX, No.2, p.2, Peru; P. europaeus Gene beschr. u. abgeb. v.
L. Müller, Bl. f£. Aq. u. Terr. Fr. XII. 1901 p. 312—318, Taf. 10.
Hemidactylus muriceus Ptrs.. Bemerkung von Tornier, Arch. Naturg. 1901,
Beih. p. 70; H.intestinalis Werm. = muriceus Ptrs.; H. guineensis Ptrs. = brookii
Gray; H. richardsonii Gray, Bemerkungen von Tornier, Zool. Jahrb. Syst. XV.
p- 666—670; H. steindachneri sp. n. id. ibid. p. 668 Taf. XXXV. fig. 2, Kamerun.
H. brookii, Gray, var. n., haitianus Meerwarth, Mt. Mus. Hamburg XVIII,
2, p. 17, San Domingo; H. laevis und barodanus, spp. nn., Boulenger, P. Z. S.
1901, I, p. 48, Taf.VII, figg. 1 u. 2, Somaliland; FH. ansorgii, sp. n., Boulenger,
Ann. Nat. Hist. (7) VII, p. 204, Nigeria; H. hecqui, sp. n., Boulenger, Ann. Mus.
Congo, Zool. (1) II. p. 7, Taf. III, fig. 1, W. Küste des Tanganyika-Sees.
Bunocnemis matschiei, sp. n., Tornier, Arch. Naturg. 1901, Beih. p. 71, Togo,
W. Afrika.
Gehyra interstitialis, OQudem. Bemerkung von Werner, Verh. Ges. Wien
LI, p. 608.
Lygodactylus thomensis Ptrs., neu beschrieben von Tornier, Zool. Jahrb.
Syst. XV. p. 671; Z. conraui n. sp. id. ibid. p. 670, Taf. XXXV, Fig. 3, Kamerun.
Lepidodactylus lugubris, D. u. Be Bemerkungen über die Lebensweise u.
Fortpflanzung von Schnee, Zeitschr. Naturw. LXXIV, p. 278.
Woodworthia, g.n., verwandt Hoplodactylus, Fitz für M. digitata, sp. n.,
Garman, Bull. Mus. Harvard XXXIX, p. 4, Taf. I, fig. 2, Neu-Seeland.
Gecko japonicus, D. u. BB Bemerkung von Mehely, Zool. Ergebn. Ziehy
Forschungsreise, p. 44, Taf. VI figg. 1 u. 2.
Tarentola delalandi, D. u. B., angeführt von Togo von Tornier, Arch.
Naturg. 1901, Beih. p.71; T. mauritanica, var. nn., saharae, p. 77, Taf. III, fig. 1,
gracilis, p.77, atlantica, p. 78, Taf. III, fig. 2, und lissoides, p.79, Taf. IV, fig. 1,
Doumergue, Erp. Oranie, Algier.
26 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
Pachydactylus quadriocellatus, Ptrs. = Phelsuma lineatum, Gray, Tornier,
Zool. Anz. XXIV, p. 64.
Phelsuma laticauda, Bttgr. Über die Lebensweise in der Gefangenschaft:
P. De Grys, Zool. Garten XLII, p. 105; P. androyense, sp. n., Mocgard, Bull.
Mus. Paris 1901, p. 252, Madagascar; P. dubium Bttgr.; Bemerkung von Tornier,
Zool. Jahrb. XV. p. 581.
Sphaerodactylus notatus, Baird und macrolepis Gthr., abgebildet von Meer-
warth, Mt. Mus. Hamburg XVIII, 2, Taf. I, figg. 6—8; H. macrolepis, var.n.
monensis, id. ibid. p. 20, Mona. |
Pygopodidae.
Delma reticulata, sp. n., Garman, Bull. Mus. Harvard XXXIX, p. 5, Taf. II,
fig. 1, Queensland.
Agamidae.
Tofohr, Otto. Die buntfarbige Schönechse (Calotes versicolor).
Natur u. Haus X. p. 216—219.
Leichte Verletzbarkeit der Schuppen; Haltung des Schwanzes
beim Laufen und Klettern, Farbenwechsel, Nahrung (frißt Schaben,
aber auch Lacertiden) u. a.
Calotes versicolor Daud. Bemerkung über die Lebensweise von Laidlaw,
P. Z. S. 1901, I, p. 308. Beobachtung in Gefangenschaft von P. de Grijs, Zool.
Garten XLII, p. 107.
Lachmann, H. Die Bartagame. Bl. f. Aq. u. Terr. Fr. XII. 1901
p. 141—145, Taf. (Amphibolurus barbatus Cuv. in Gefangenschaft).
Physignathus lesueuriü, D. u. B. Über die Lebensweise in Gefangenschaft:
P. De Grijs, Zool. Garten XLII, p. 100.
Phrynocephalus frontalis, Strauch, beschrieben u. abgebildet von Mehely,
Zool. Ergn. Ziehy, Forschungsreise, p. 47, Taf. VI, figg. 3—8.
Liolepis bellii, Gray. Bemerkung über ihre Lebensweise von Laidlaw, P. Z. S.
1901, I, p. 308.
Tofohr, Otto. Der Hardun im Terrarium. Bl. f. Aq. u. Terr. Fr.
XI. 1900 p. 5—8, Fig.
Beschreibung von Agama stellio ın Gefangenschaft. In den Ver-
breitungsangaben finden sich einige grobe Fehler; die Art kommt
in Agypten in und auf den Pyramiden ebensowenig vor, wie in der
europäischen Türkei oder in Griechenland mit Ausnahme der Cycladen.
Agama micropholis Mtsch. = atra Daud. Tornier, Zool. Jahrb. Syst. XV-
p- 673; A. mehelyi sp. n. id. ibid. p. 672, Kamerun.
Steindachner, F. Über eine neue Uromastix-Art, U. simonyi.
Ann. Ak. Wiss. 1899, pp. 143 u. 144.
Uromastix (Aporoscelis) benti, And., abgebildet von Anderson, P. Z. S. 1901,
II, Taf. XV; U.simonyi, sp. n., Steindachner, Anz. Ak.Wiss. 1899, p. 143, S. Arabien
= U. benti, And., id. ibid. p. 162.
ne
III. Reptilia und Amphibia für 1901. 27
Iguanidae.
Stejneger, L. On a New Species of Spiny-tailed Iguana from Utilla
Island, Honduras. P. U. S. Mus. XXIII, pp. 467—468.
Derselbe. Diagnosis of a new Species of Iguanoid Lizard from
Green Cay, Bahama Islands. T. c. p. 471.
Cockerell, T. D. A. A Horned Lizard at a high Altitude. Science
(2) XIV, p. 111.
Anolis irregularis, sp. n., Werner, Verh. Ges. Wien LI, p. 594, Ecuador;
A,biauritus, sp. n., Meerwarth, Mt. Mus. Hamburg XVIII, 2, p. 23, Taf. I, figg. 3
—5, San Domingo.
Hoplurus grandidieri, sp. n., Mocquard, Bull. Mus. Paris, 1900, p. 346, Mada-
gascar.
Tropidurus torquatus, Wied. Über die Eier: Göldi u. Hagmann, Zool. Jahrb.
Syst. XIV, p. 581, fig.; T. theresiae sp. n., Steindachner, Anz. Ak. Wiss. 1901,
p- 195, Lima, Peru.
Stenocercus vartabılis, sp. n., Boulenger, Ann. Nat. Hist. (7) VII, p. 546,
Bolivia.
Liolaemus annectens, sp. n., Boulenger, t.c. p. 546, Peru.
Liocephalus vittatus, Hallow. Über die Lebensweise in Gefangenschaft:
«P. de Grijs, Zool. Garten XLII, p. 72; L. lineogularis, sp. n., Werner, Abh. Mus.
Dresden IX, No.2, p.3, Peru; L. haenschi und angulifer spp. nn., Werner,
Verh. Ges. Wien LI, p. 595, Ecuador; L. virescens, sp. n., Stejneger, P. U. S.
Mus. XXIII, p. 471, Green Cay, Bahamas; L. rhodogaster u. scapularis, spp. nn.,
Boulenger, L. c. pp. 546 u. 547, Peru.
Urocentrum meyeri, sp.n., Werner, Abh. Mus. Dresden IX, No.2, p.4,
Peru. 2
Iguana tuberculata, Laur. Bemerkung über die Brutpflege: Göldi u. Hag-
mann, Zool. Jahrb. Syst. XIV, p. 588. Beobachtung in Gefangenschaft von
P. de Grijs, Zool. Garten XLII, p. 75 und Werner, t.c. p. 316.
Otenosaura bakeri, sp. n., Stejneger, t.c. p. 467, Utilla Inseln, Honduras.
Phrynosoma hernandesi, Gir., angeführt von einer Höhe über 10000 Fuß,
in Neu Mexico, von T. D. A. Cockerell, Science (2) XIV, p. 111.
Angwuidae.
Macrogongylus, g. n., Werner, Zool. Anz. XXIV, p. 298, M. brauni, sp. n.,
id. ibid. p. 299, fig. Hab. — ? (= Diploglossus occiduus, Shaw nach Boulenger).
Das Exemplar welches keine Zunge hatte, stammt angeblich aus Australien.
Helodermatidae.
Schnee, —. Einiges über das Freiheitsleben der mexikanischen
Krustenechse. Natur u. Haus. X. p. 351.
Soll in den unterirdischen Bauen der Springmäuse leben.
Spring, J. A. Ein gefährlicher Saurier. Natur u. Haus X. p. 248
— 250.
Verf. hat in Arızona Heloderma, das dort unter dem Namen ‚,es-
cupion“ (Spucker) bekannt ist, häufig beobachtet und in Gefangen-
schaft gehalten, auch aus den im August abgelegten Eiern, welche in
28 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
eine im Sande ausgescharrte kleine Höhlung abgelegt werden, von
graugelber Färbung, °/,x!/, Zoll groß und gegen Anprall und Auf-
schlag so widerstandsfähig wie Gummibälle sind, durch künstliche
Wärme Junge ausgebrütet, deren Grundfarbe ein glänzendes Rosa war,
das sich schnell entwickelnde Muster blauschwarz. Weitere Mitteilungen
beziehen sich auf die Angst, welche Katzen, Hunde und andere Tiere
(Klapperschlangen ausgenommen) vor dieser Eidechse haben, den miß-
glückten Versuch, ein Exemplar zu ertränken, da’ es nach zwei Stunden,
ohne Schaden genommen zu haben, wieder an die Wasseroberfläche
gebracht wurde, die Fähigkeit, seinen Speichel auszuspucken, worauf
sich sein Name bezieht u. a. m. Einige Angaben, wie die, daß weder
Giftzähne noch Giftdrüsen vorkommen, der Vergleich der Bißwirkung,
die stark übertrieben wird, mit der Hundswut u. a. sind freilich un-
richtig.
Varanidae.
De Vis, €. W. A Further Trace of an Extinct Lizard. Ann. Queens-
land Mus. 1900, No. 5, p. 6, Taf. III.
Varanus dirus De Vis (foss.), Oberkiefer beschrieben und abgebildet von
De Vis, Ann. Queensland Mus. 1900 No. 5, p. 6, Taf. III; V. dumerilüi Grayf
Beschreibung eines 1,21 m langen Exemplares aus Sarawak von Caruccio, Boll.
Soc. Zool. Ital. (2) I. p. 104; V. salvator u. nebulosus; Bemerkungen über die
Lebensweise, von Laidlaw, P. Z. S. London 1901. I. p. 309.
Teiidae.
Oentropyx viridistriga, Blgr. Bemerkung von Schenkel, Verh. Ges. Basel
XIII, p. 184.
Ameiva surinamensis, Laur. Bemerkung von Stejneger, P. U. S. Mus. XXIV,
p. 183, figg. Über die Eier: @öldi u. Hagmann, Zool. Jahrb. Syst. XIV, p. 585,
fig.; A. chrysolaema, Cope, Taf. I, fig. 14, risii, R. u. L., Taf. II, figg. 7, 9 und
alboguttata Blgr., Taf.II, figg. 6, 8, abgebildet von Meerwarth, Mt. Mus. Hamburg
XVII, 2.
Cnemidophorus centropyx, Stdr. Bemerkung von Werner, Abh. Mus. Dresden
IX, No. 2, p. 4.
Prionodactylus ocellifer, sp. n., Werner, Verh. Ges. Wien LI, p. 549, Ecuador.
Euspondylus simonsüi, sp. n., Boulenger, Ann. Nat. Hist. (7) VII, p. 549, Peru.
Cophias peruanus, sp. n., Werner, Abh. Mus. Dresden IX, No. 2, p. 5, fig., Peru.
Amphisbaenidae.
Amphisbaena leucura, D. u. B. Bemerkung von Tornier, Arch. Naturg. 1901,
Beih. p. 73; A. polygrammica, sp. n., Werner, Abh. Mus. Dresden IX, No. 2, p.5,
fig., Peru.
Lepidosternum boulengeri, Bttgr. Bemerkung von Schenkel, Verh. Ges.
Basel XIII, p. 185. ne Es
Agamodon arabicus, sp. n., Anderson, P. Z. S. 1901, II, p. 140, Taf. XIV,
fig. 2, S. Arabien.
a u u ee ee ee
har
IH. Reptilia und Amphibia für 1901. 29
Lacertidae.
Peter, K. Mitteilungen zur Entwicklungsgeschichte der Eidechse.
II. Die Schlundspalten in ihrer Anlage, Ausbildung und Bedeutung.
Arch. mikr. Anat. LVII, pp. 705—765, figg., Taf. XXXVIII—XL.
III. Die Neuroporus-Verdickung und die Hypothese von der primären
Monorhinie der amphirhinen Wirbeltiere. Op. cit. LVIII, pp. 640
—660. Taf. XXXI.
Die Anlage der Schlundspalten bei Lacerta geht nur vom Ento-
derm aus; es finden sich 6 Paare, von denen nur die drei ersten in großer
Ausdehnung durchbrechen, während das 4. später und nicht im ganzen
Bereich der inneren Ausbuchtung der; Schlußtasche durchbricht.
Als Derivate werden genannt: Von der ersten Tasche Paukenhöhle
und Tuba auditiva; von der zweiten der Haupteil der Thymus, zu der
die erste nur wenig liefert; von der vierten ein später atrophierender
Epithelkörper und 6 links ein Suprapericardialkörperchen. Die bei
Embryonen von Lacerta am vorderen Neuroporus auftretende Ver-
dickung des Hornblattes stellt keine mediane Riechplatte vor, sondern
ist auf einen Stauungsvorgang beim schnellen Verschluß des Gehirns
zurückzuführen; wie er ähnlich auch bei der Abschnürung der Linse und
des Ohrbläschens zu bemerken ist.
Völker, Beiträge zur Entwicklung des Pancreas bei den Amnioten.
Arch. Mikr. Anat. 59. Bd. p. 62—93, 21 figg.
Entwicklung des Pancreas u. a. bei Lacerta (agilıs u. muralis),
wo es als einheitliche Ausstülpung der dorsalen Darmwand entsteht.
Grieb, A. Contribuzione allo studio dell’ organe parietale del Po-
darcis muralis. Monit. Zool. ital. XII, pp. 218—221.
Verf. hat die Epiphysenregion von Podarcis (= Lacerta! — Ref.)
untersucht und ist der Ansicht, daß bei allen Reptilien Epiphyse und
Parietalorgan aus einer gemeinsamen Ausstülpung der verdickten
oberen Zwischenhirnwand hervorgehen.
Perroneito, A. Sulla terminazione dei Nervi nelle fibre muscoları
striate. C.R. Ass. Anat. 3. Sess. p. 90—91, Arch. Ital. Biol. Tome 36,
p. 245—254, 5 figg.
Die ultraterminalen Fibrillen von Ruffini u. Apathy finden sich
in allen Muskeln von Lacerta, aber nur in der Nähe der Muskelspindeln.
Ref. in Jahresb. Zool. Stat. Neapel f. 1901, p. 161.
Meyer, 3. A. Zerfallsvorgänge an Ovarialeiern von Lacerta agilıs.
Anat. Hefte LVIII. 1901. p. 71—76, 4 Taf.
Die bei unbefruchteten Wirbeltiereiern vorkommenden Teilungen
sind nur Zerklüftungen, nicht wirkliche parthenogenetische Furchungen.
Ref. in Zool. Centralbl. IX. p. 153.
Klingelhöffer. Beitrag zur Kenntnis der Paarung von Lacerta
agilıs. Bl. f. Aq. u. Terr. Fr. XI. 1900 p. 205—208.
Genaue Beschreibung des Paarungsactes. Abbildungen auf
p- 222—223.
Coward, T. A. The Sand-Lizard in the North of England. Zoologist
(4) V, pp. 355—357.
30 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
Zang, W. Reptilienfang in Südtirol. Bl. f. Aq. u. Terr. Fr. XII.
1901 p. 193—194, 205—206.
Verbreitung und Lebensweise von Lacerta muralis und viridis in
Südtirol.
Tofohr, Otto. Die taurische Eidechse im Terrarium. Bl. f. Agq.
u. Terr. Fr. XII. 1901 p. 304—306.
Werner, F. Beschreibung einer bisher noch unbekannten Ei-
dechse aus Kleinasien.: Lacerta anatolica.. Anz. Ak. Wiss. 1900,
No. XXV, 3pp.
Lacerta agilis, L. Über das Vorkommen im Norden von England: T. A. Co-
ward, Zoologist (4), V, p. 355; L. agilis L., var. exigua, Eichw. Bemerkung von
Mehely, Zool. Ergebn. Ziehy Forschungsreise, p. 51, Taf. VII; L. muralis, var.
depressa, Cam. Bemerkungen, id. ibid. p. 54; L. depressa, Cam. = L. muralis,
Laur., Derjugin, Annuaire Mus. St. Petersb. VI, p. 94; L. galloti, D. u. B. Be-
merkung von Schenkel, Verh. Ges. Basel XIII, p. 186; L. perspicillata, D. u. B.,
var. n. guichenoti, Doumergue, Erp. Oranie, p. 128, Taf. VIII, fig. 10, Prov. Oran,
Algeria; L. taurica Pall. Lebensweise in Gefangenschaft beschr. von ©. Tofohr,
Bl. f. Aq. u. Terr. Fr. XII. 1901 p. 304—306.; L. anatolica sp. n., Werner, Anz.
Ak. Wiss. 1900, No. XXV Köktsche Kissik, Kleinasien.
Latastia hardeggeri, Std. Bemerkung von Anderson, P. Z. S. 1901, II,
p- 145.
Acanthodactylus pardalis, Licht., var.n. spinicauda, Doumergue, op. cit.
p. 169, Taf. XI, fig. 6, Prov. Oran, Algier; A. savignyi, And., var. n. oramensis,
id. ibid. p. 176, Taf. XII, figg. 1—3, Prov. Oran, Algier; A. vulgaris, D. u. Bi
var. nn. tingitanus, p.187, Taf. XIV, figg. 5 u. 6, Marocco, mauritanicus, p. 189,
Taf. XIV, figg.I—4, Oran, und Ksourensis, p. 193, Taf.XIV, fig. 7, Prov. Oran,
id. ibid.; A. blanei, sp. n. id. ibid. p. 184, Taf. XIII, figg. 1—5, Tunis.
Eremias brenchleyi, Gthr. Bemerkungen v. Mehely, op. eit. p. 56; E. nitida,
Gthr.; über ein Exemplar von Togo: Tornier, Arch. Naturg. 1901, Beih. p. 73;
E. quichenoti, sp. n., Doumergue, op. eit. p. 200, Taf. XV, fig.2, Algier (= E.
guttulata, Licht.); E. bernouillii, sp. n., Schenkel, Verh. Ges. Basel XIII, p. 187,
fig., Palmyra.
Gerrhosauridae.
Gerrhosaurus major, A. Dum.; var.n. zechi, Tornier, Arch. Naturg. 1901,
Beih. p. 74, fig., Togo, W. Afrika.
Zonosaurus longicaudatus, sp. n., Mocquard, Bull. Mus. Paris 1900, p. 347,
Madagascar (= Z. boettgeri Steind. nach Mocquard).
Scincidae.
Kohlbrugge, J. H. F. Die Entwicklung des Eies vom Primordial-
stadium bis zur Befruchtung. Arch. mikr. Anat. LVIII, pp. 376—410,
taf. XVI—XVIL.
Die Untersuchung wurde an Mabuia multifasciata ausgeführt.
Aufs. Ref. in Jahresb. Zool. Stat. Neapel f. 1901, p. 71 und Zool.
Centralbl. IX. p. 150.
a a ee
III. Reptilia und Amphibia für 1901. 31
Werner, F. Der Apothekerskink, die Walzenechse und die Erz-
schleichen (Chaleides-Arten) im Freileben und in der Gefangenschaft.
Bl. f. Ag. u. Terr. Fr. XI. 1900 p. 74—78.
Beschreibung der Lebensweise von Scincus officinalis, Chalcides
ocellatus, tridactylus, lineatus, sepordes und boulengeri im Freien und
im Terrarium nach eigenen Erfahrungen des Verf. ’s.
Derselbe. Über die Lebensweise und die Lebensbedingungen
einiger Eumeces-Arten, des Natterauges (Ablepharus panninicus),
einiger Arten der Gattung Mabuia und Lygosoma und der Riesen-
skinke Australiens. Ebenda p. 85—89.
Behandelt namentlich außer den drei Humeces-Arten E. schneideri,
algeriensis und quinquelineatus, sowie Ablepharus pannonicus, Mabuia
vittata und quinquetaeniata, sowie Lygosoma taeniolatum, tenue und
quoyi nach eigenen Beobachtungen. Die von der Redaktion beigegebenen
Abbildungen sind beide falsch; der angebliche Eumeces algeriensis
könnte ein Lygosoma taeniolatum, die Mabuia multifasciata aber einen
Eumeces algeriensis vorstellen.
Kammerer, Paul. Die Johannesechse. Bl. f. Aq. u. Terr. Fr. XI.
1900 p. 129—132.
Beschreibung der Lebensweise von Ablepharus pannonicus im
Freileben und Gefangenschaft; schlechte Abbildung.
Boulenger, 6. A. Description of a new Lizard from the Gaboon.
Ann. Nat. Hist. (7) VIII, p. 15.
Mabuia maculilabris, Gray, perroteti, D. u. B. (wovon M. raddonit, Gray,
als die Jugendform betrachtet wird), quinquetaeniata, Licht., und varia, Ptrs.
Bemerkungen von Tornier, Arch. Naturg. 1901, Beih. pp. 831—86; M. brevicollis,
Wgm. Bemerkung von Anderson, P. Z. S. 1901, II, p. 146; M. quinquecarinata,
Werner, neubeschrieben von Schenkel, Verh. Ges. Basel XIII, p. 189; M. beni-
tensis sp. n., Boulenger, Ann. Nat. Hist. (7) VIII, p. 15, Gabun (= M. raddonii,
Gray; vom Autor selbst eingezogen).
Schnee, —. Zur Naturgeschichte Jaluits. Zool. Garten XLIl.
1901, p. 219.
Lygosoma smaragdinum, Less. Bemerkung von Werner, Verh. Ges. Wien
LI, p. 609; L. cyanurum, Less. Bemerkungen über die Lebensweise von Schnee,
Zeitschr. Naturw. LXXIV, p. 273; vermag Sprünge auszuführen; Schnee, Zool.
Garten XLII. 1901 p. 219; L. cyanurum, Less., var. n. schauinslandi, Werner,
Zool. Jahrb. Syst. XIV, p.384, Molokai, Hawaische Inseln; L. melano-
stictum, Blgr. Bemerkung von Schenkel, Verh. Ges. Basel XIII, p. 190; L. si-
mulans, Vaill. Bemerkung von Tornier, Arch. Naturg. 1901, Beih. p. 86; L.,
kuekenthali, Bttgr., p. 342, fig. 1, sorex, p. 343, fig. 2, mentovarium, p. 345, fig. 4
und brevipes, p. 346, fig. 3, beschrieben und abgebildet von Boettger, Abh.
Senckenb. Ges. XXV, Taf.XIV; L. floweri, sp. n., Laidlaw, P. Z. S. 1901, I, p. 310,
Gunong Inas, Malayische Halbinsel; L. aeratum und atromaculatum spp. nn.
Garman, Bull. Mus. Harvard XXXIV, pp.7 u. 8 Queensland; L. (Hinulia)
annamiticum, sp. n. Boettger, Ber. Senckenberg, Ges. 1901, p. 47, Annam; L.
(Liolepisma) microcercum, sp. n. id. ibid. p. 49, Annam; L. (Liolepisma) pagen-
ftecheri, sp. n., Lindholm, in Lampe, Jahrb. nassau. Ver. LIV, p. 214, Taf. III,
32 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
figg. 3—5, 8. Australien; L. vigintiserierum Sjöst. = reichenowi Ptrs.; L.
gemmiventris Sjöst. = africanum Gray; Tornier, Zool. Jahrb. Syst. XV.
p- 675.
Ablepharus heteropus, p. 9, Queensland; virgatus, p. 10, Queensland, und
heterurus, p. 11, Gilbert Inseln, spp. nn., Garman, Bull. Mus. Harvard XXXIX.
Eumeces algeriensis, Ptrs., var. n. meridiönalis, Doumergue, Erp. Oranie,
p.216, Taf. XVI, fig. 3, Prov. Oran und Marocco; E. kishinouyei, sp. n., Stejneger,
P. Soc. Washington XIV, p. 190, Yayeyama Gruppe, Liu-Kiu-Inseln.
Chalcides viridanus, Gravh. Bemerkung v. Schenkel, Verh. Ges. Basel XIII,
p. 192; C. ocellatus, L., var. n. parallelus, Doumergue, op. cit. p. 227, Taf. XVII,
fig. 2, Oran, Algerien; C. bottegi, Blgr., var. n. ihierryi, Tornier, Arch. Naturg.
1901, Beih. p. 87, Togo, W. Afrika (gute Art. — Ref.).
Grandidierina lineata, sp. n., Mocquard, Bull. Mus. Paris 1901, p. 252, Mada-
gascar.
Steindachner, F. Über eine von Herrn Professor ©. Simony während
der südarabischen Expedition in Sokotra entdeckte neue Sepsina-Art.
Anz. Ak. Wiss. Wien 1899, pp. 161 u. 162.
Hakaria, subg. n. für Sepsina simonyi, sp. n., Steindachner, Anz. Ak. Wiss.
1899, p. 161, Sokotra (= Parachalcıdes socotranus, Blgr. nach Boulenger).
Melanoseps, Blgr. Herpetosaura occidentalis, Ptrs. wird dieser Gattung
zugerechnet von Tornier, Zool. Anz. XXIV, p. 61.
Anelytropidae.
Typhlosaurus lineatus, Blgr. Bemerkung von Lindholm in Lampe, Jahrb.
nassau. Ver. LIV, p. 217.
Rhiptoglossa.
Boulenger, &. A. Description of two new Chameleons from Mount
Ruwenzori, British East Africa. P. Z. S. 1901, II, pp. 135 u. 136,
Taf. XI n..- III
Chamoeleon grandidieri und fallax, spp. nn. Mocquard, Bull. Mus. Paris 1900,
p- 345, Madagascar; ©. xenorhinus und johnstoni, spp. nn., Boulenger, P. Z. S.
1901, II, pp. 135 u. 136, Taf. XII u. XIII, Mt. Ruwenzori, Ost-Afrika.
Brookesia dentata, sp. n., Mocequard, t.c. p. 345, Madagascar.
Dolichosauria.
Kornhuber, A. Opetiosaurus bucchichi. Eine neue fossile Eidechse
aus der unteren Kreide von Lesina in Dalmatien. Abh. geol. Reichsanst.
XVIII, No. 5, 24 pp., 3 Taf. Auszug in: Verh. geol. Reichsanst. 1901,
pp. 147—153.
Gorjanovic-Kramberger, K. Einige Bemerkungen zu Opetiosaurus
bucchichi Kornhuber. Verh. geol. Reichsanst. 1901, pp. 271 u. 272.
Opetiosaurus, g.n., Typus einer neuen Familie, Opetiosauridae, verwandt
mit den Varaniden, jedoch mit Mosasauriden-Gebiß, für O. bucchich:,
sp. n., Kornhuber, Verh. geol. Reichsanst. 1901, pp. 147—153, und Abh. geol.
Reichsanst. XVII, No. 5, 24 pp., 3 Taf. Untere Kreide, Lesina, Dalmatien. Be-
merkungen von Gorjanovic-Kramberger, Verh. geol. Reichsanst. 1901, p. 271.
III. Reptilia und Amphibia für 1901. 33
Ophidia.
Ballowitz, EE Ein Kapitel aus der Entwickelungsgeschichte der
Schlangen. Die Schicksale des Urmundes der Kreuzotter und der
Ringelnatter. Verh. Anat. Ges. 1901, pp. 80—88, 204 u. 205, figg.
Ref. in Jahresb. Zool. Stat. Neapel f. 1901, p. 72, bezw. 73.
Couvreur, E. Sur le pneumogastrique des Ophidiens, et en parti-
culier du Boa constrietor. CR. Ass. Anat. 3. Sess. p. 212—216, 3 Figg.
Bei den Schlangen (in erster Linie wurde Boa untersucht) finden
sich zahlreiche Beziehungen, sogar Verschmelzungen zwischen dem
Vagus und den benachbarten Kopfnerven, sowie mit dem Kopfabschnitt
des Sympathicus. Im Plexus cardiacus ist der rechte Vagus bedeutend
stärker entwickelt als der linke und beide sind eine Strecke weit ver-
schmolzen. Dagegen ist im Intestinaltrakt wieder der linke stärker
entwickelt und bildet allein den Intestinalplexus. Der Vagus ist bei
den Schlangen im allgemeinen entsprechend*der Rückbildung des
Sympathicus besonders stark entwickelt.
Launoy, L. De l’action amylolytique des glandes salivaires chez
les Ophidiens. Bull. Mus. Paris. 1901, pp. 122 u. 123.
Lage des Kernes in den Zellen der Lippen- und Unterzungendrüsen
bei Zamenis viridiflavus und Tropidonotus viperinus in den ver-
schiedenen Stadien der Sekretbildung. Ref. in Jahresb. Zool. Stat.
Neapel f. 1901, p. 52.
Laguesse, E. Sur la structure du pancr&as chez quelques Ophidiens
et particuliörement sur les ilots endocrines. Arch. anat., mier. IV,
pp- 157—218, figg., taf. V.
Bau des Pancreas bei Schlangen und seine Entwicklung bei Nasa,
Tropidonotus und Vipera; die Langerhans’schen Inseln werden in erster
Linie in Betracht gezogen. Ref. in Jahresb. Zool. Stat. Neapel f. 1901,
p- 186.
Leighton, 6. Sloughing in Serpents. Zoologist (4) V. pp. 301—304.
Pellegrin, 3. Duree de la vie et perte de poids chez les Ophidiens en
inanition. C. R. Soc. Biol. LIII, pp. 119 u. 120 (s. Ber. f. 1900, p. 23).
Auch, B. u. Vaillant, Louis. Alteration du sang produits par les
morsures des Serpents venimeux. C©. R. Soc. Biol. LIII. pp. 756—757.
Marchi, 6. I Serpenti del Trentino. Trento, 1901, 8 vo, 96 pp.,
20 Taf.
Das Büchlein enthält nebst einer allgemeinen Einleitung in die
Anatomie (hierzu Taf. I, XI, XVIII) und Lebensweise der Schlangen
die Beschreibung und Abbildung der im Trentino vorkommenden
Schlangenarten, nämlich Coronella austriaca (Taf. II u. XIX), (©. gi-
rondica (Taf. III), Zlaphis Aesculapii (Taf. IV u. V), Zamensis viridi-
flavus (Taf. VI) u. var. carbonar(i)a (Taf. VII), Tropidonotus natrix
(Taf. VII), T. tessellatus (Taf. IX), Vipera berus (Taf. XII u. XIV) u.
var. prester (Tar. XIII), V. aspis (Taf. XV, XVI, XX), V. ammodytes
(Taf. XVII). Wenn auch Text und Abbildungen durchaus nicht frei
von Irrtümern sind (s. z. B. stellt Taf. XVILI, Fig. 1—2 sicher keine
junge Askulapnatter, sondern Zamenis gemonensis im Ei vor), so ent-
Arch. f. Naturgesch. 70. Jahrg. 1904. Bd. IL. H.1. (IIL.) 3
34 III. Reptilia und !Amphibia für 1901.
spricht das Werk doch seinem Zweck, zur Belehrung über die Schlangen
des Landes beizutragen, vollkommen und auch die Tafeln sind zum Teil,
wie z. B. die Äskulapnatter, Ringelnatter, Kreuzotter (XII) gar nicht
übel ausgefallen. Ein Anhang befaßt sich mit der Wirkung und Be-
handlung des Giftschlangenbisses, ein zweiter bringt Historisches über
die Schlangen, was wohl besser als „‚Sagenhaftes““ zu übersetzen ist.
Werner, F. Bemerkungen über einige seltenere Schlangen-Arten.
Verh. Ges. Wien. LI, p. 634—639.
Leighton, 6. The Life-History of British Serpents and their Local
Distribution in the British Isles. Edinburgh und London, 1901, 8 vo,
363 pp., 46 figg.
Andersson, L. G. Some new Species of Snakes from Cameron and
South America, belonging to the Collections of the Royal Museum
in Stockholm. Bih. Svenska Ak. XXVII, IV, No.5, 26 pp., 2 taf.
Außer mehreren nn. spp. (s. Boidae, Colubridae) sind auch noch
mehrere bereits bekannte Arten beschrieben, die in einer oder der andern
Weise vom Typus abweichen, nämlich Urotheca lateristriga (Berth.),
Contia aestiva (L.) mit 17 Schuppenreihen; Oxyrhopus cloehia (Daud.)
von Uruguay mit nur 57 Subcaudalpaaren, (daher wird O. maculatus
Blngr. als bloße Farbenvarietät dieser Art erklärt); Oxyrhopus coro-
natus Schn. (nicht carinatus, wie irrtümlich gedruckt ist) mit 69—71
Subcaudalpaaren anstatt 80—87, Erythrolanyrus fissidens (Gthr.):
Farbenvarietät aus Nicaragua, mit 157 Ventralen; Miodon gabonensis
(A. Dum.) (damit identisch M. collaris Ptrs. und notatus Ptrs.).
Wall, F. u. Evans, G.H. Burmese Snakes. Notes on Specimens in-
cluding 45 Species of Ophidian Fauna collected in Burma from Ist.
January to 30 th June, 1900, Journ. Bombay Soc. XIII, pp. 611—620.
Die Verf. beschreiben namentlich solche Exemplare, welche von
den Diagnosen Boulenger’s abweichen. Die einzelnen Arten sind:
Ablabes porphyraceus var., Taoungyi, S. Shan Staaten (im Magen eines
Ex. eine erwachsene Maus), Amblycephalus andersonii ebendaher,
Bungarus coeruleus var. magnimaculata (Mongoa u. Moktila, Ober-
Burma) u. semifascieta (Rangoon), Bungarus fasciatus (Rangoon und
O. u. U. Burma), Callophis macclellandi (Pegu Thomas); ©. maeuliceps
(Moulmein u. Rangoon), Cantoria violacea (Wakema, U. Burma),
Cerberus rhynchus (Rangoon, Moulmein und Myaungmya, U. Burma,
sehr ausführliche Angaben über das Freileben); Chrysopelea ornata
(Rangoon, Thayetmyo, U. B., Taoungyi; Mageninhalt: Hemidactylus
frenatus, Calotes versicolor; häufiger nach dem Regen); Coluber oxy-
cephalus, Nyounylon, U. B. (Beschreibung des Fanges eines großen
Ex.) Coluber radiatus (Rangoon, Prome, U. B., Myingyan, O.B. Taoungyi
C'ylindrophis rufus (Bhamo, O. B.); Dendrophis pietus (Bassein, Pegu,
Salween, Rangoon) (nicht bissig, sondern sehr furchtsam), Dipsas
cyanea (nach einer abgestreiften Haut vom Kikine-See bei Rangoon
bestimmt); D. hexagonotus (von Rangoon, Thayetmyo, Bassein U. B.,
Mandalay, Katha, OÖ. B.; Taoungyi); in einem Exemplar 6 Eier; D.
multimaculata: Rangoon, Thayetmyo, Myaungmyo, U. B., Taoungyi);
ein Ex. legte 7 Eier; Distira lapemidoides (Bassein, U. B.) und robusta
III. Reptilia und Amphibia für 1901. 35
(Pegu), Dryophis mycterizans (in einem Exemplare wurden 3 an-
scheinend reife Junge gefunden!); D. prasinus (Rangoon, Moulmein,
Ye-U., (0. B.) (Taoungyi) (7 Eier in einem Ex.); Enhydrina vulakadyen
(Myaungmya, Arrakan); Gerardia prevostiana (Rangoon-Fluß), Hipistes
hydrinus (Moulmein), Homalopsıs buccatus (Bassein), H ypsirhina enhydris
(Prome, Bassein, Thaton, Thayetmyo, U. B.), Lycodon aulius (Rangoon,
Ye-U., Meiktila, Taoungyi); L.fasciatus (N. Chin Hills, S.Shan-Staaten);
Naia bungarus (Minhla, ©. B. Port Blair; Andamanen); N. tripudians
(Mageninhalt eines Exemplars 4 Mäuse); Psammodynastes pulwerulentus
(ein Ex. enthielt 10 Eier; springende Bewegungen namentlich eines
jungen Exemplars beobacht); Psammophis condanarus (Prome, U. B.,
Taoungyi) (Mageninhalt: Calotes versicolor); Python molurus (Minhla),
Simotes cruentatus (Mandalay, Bhamo, O.B., Rangoon; nicht bissig),
S. cyclurus (Rangoon, Salween; Taoungyi); S. theobaldı (Thayetmyo,
U. B., Shwebo, Ye-U., O. B.), S. violaceus (Katha, U. B., Taoungyi;
Varietäten beschrieben), Trimeresurus gramineus (Rangoon, Myaung-
mya, U. B., Falam, N. Chin Hills; Taoungyi; in einem Ex. eine kleine
Moschusratte), T. monticola (Taoungyi); Tropidonotus piscator (O.u.U.-
Burma) (Mageninhalt: Frösche u. Kröten; Eier 24—61) T. stolatus
(Rangoon, Thaton, U.B., Ye-U., ©. B., Taoungyi; Mageninhalt:
Oxyglossus laevis u. a. Frösche; ein Käfer; Eier 4—8; Entwicklungs-
dauer: 27. Juni bis 1. August; diese Schlange, welche von gutmütigem
Naturell ist, wurde vor Eintritt der Regenzeit selten, dann häufig
gefunden (s. Chrysopelea); T. subminiatus (U. u. OÖ. Burma, Taoungyi);
Typhlops diardi (Rangoon, Mandaley, Taoungyi), Vipera russellii
(Thayetmyo, Bassein, Rangoon, Taoungyi; Mageninhalt: Ratte) Xeno-
peltis unicolor (Pegu, Rangoon); Zamenis korros (sehr wild); Z. mucosus
(Rangoon u. Umgebung); ein Paar im Januar beisammen gefunden.
Brown, A. E. A Review of the Genera and Species of American
Snakes, North of Mexico. P. Ac. Philad. 1901, pp. 10—110.
Verf. entwickelt zuerst seine Ansichten über den Wert der ver-
schiedenen Art- und Unterartmerkmale bei den Schlangen und erweist
sich in der folgenden mit Bestimmungsschlüsseln ausgestatteten Be-
schreibung der nordamerikanischen Schlangen, die sehr brauchbar ist,
als ein im Vergleich zu Cope und Stejneger (was die Nomenclatur an-
belangt) gemäßigterer amerikanischer Systematiker; so nimmt er die
Gattungsnamen Tropidonotus für Natrix, Helicops für Liodytes, an;
dagegen behält er Seminatrix für S. pygaea, Diadophis und Ophibolus
bei und darin kann man ihm nicht unrecht geben; die Einbeziehung von
Coluber corais in die Gattung Spilotes scheint auf den ersten Blick be-
denklich, läßt sich vielleicht aber auch rechtfertigen. Die Tabelle am
Schlusse gibt eine gute Übersicht über die Schlangenfauna der Ver-
einigten Staaten, die 44 Gattungen mit 102 Arten umfaßt. Durch die
kurzgefaßten Diagnosen erscheint Brown’s Arbeit weit übersichtlicher
als die langatmigen Beschreibungen in dem großen Werk Üopes.
Eckel, E. €. The Snakes of New York State: An Annotated
Check List. Amer. Natural. XXXV, pp. 151—155. (Bemerkungen
von 8. Stejneger, t. c. p. 428).
3*
36 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
Verf. nennt 25 Schlangen aus dem Staate New- York, die zu
Carphophis, Diadophis, Heterodon, Liopeltis, Zamenis, Coluber, Pityophis,
Osceola, Ophibolus, Natrix, Storeria, Eutaenia, Amcistrodon, Sistrurus
und Crotalus gehören. Crotalus (horridus) soll im Orange und Rock-
land County noch vorkommen, östlich vom Hudson im Staate aber
möglicherweise bereits ausgerottet sein; Verf. weiß nur von zwei
Exemplaren, die in der letzten Zeit (1878, 1887) getötet worden sind.
Sie ist selten außerhalb des Hochlands, wogegen Ancistrodon gerade in
ausgedehnten cambro-silurischen Tiefland nördlich davon häufig ist.
Philippi, R. A. Über die Schlangen Chile’s. Arch. Naturg. LXVII,
pp- 103—108.
Verf. kennt 45 Schlangenarten von Chile, die er auf 14 Gattungen
verteilt, von denen 8 ın vorliegender Arbeit charakterisiert werden
und zwar ganz ungenügend. Ref. kann nur annehmen, daß der Verf.
eine größere Sammlung von Schlangen in einem chilenischen Museum
vorgefunden und diese alle für chilenisch gehalten oder daß er die
geringsten Verschiedenheiten zur Aufstellung einer Gattung benutzt
hat; sonst wäre die angegebene Zahl für die notorisch artenarme
Schlangenfauna Chiles ganz und gar undenkbar. Von den hier genannten
Gattungen könnte Stegonotus ein Herpetodryas und Leptaspes ein
Leptophis sein; was die übrigen sein sollen, entzieht sich jeder Be-
urteilung. Wir können nichts anderes tun, als diese Arbeit einfach
ignorieren und dem darin ziemlich schlecht weggekommenen La-
taste Recht geben.
Typhlopidae.
Lidth de Jeude, T. W. von. On a Typhlops new to Java.
Notes Leyden Mus. XXIII, p. 32.
Typhlops polygrammicus, Schleg. Über ein Exemplar von Java: van Lidth
de Jeude, Notes Leyden Mus. XXIII, p. 32; T. decorsei, sp. n., Mocquard,
Bull. Mus. Paris 1901, p. 255, Madagascar; T. erycinus, sp. n., Werner, Verh.
Ges. Wien LI, p. 610, fig., Neu Guinea.
Glauconiidae.
Glauconia albifrons, Wagl., var. n. rubrolineata, Werner, Abh. Mus. Dresden
IX, No. 2, p. 6, Peru; @. lepezi, sp. n., Boulenger, Ann. Mus. Congo Zoo). (1) II,
p- 8, Taf. III, fig. 2, Zambi, Congo.
Boidae.
Nardoana, n.n. für Nardoa, Gray, 1842, nec 1840, €. Berg, Comun. Mus.
Bueonos Aires I, p. 289.
Gigantophis, g.n., verwandt Python, für G. garstini, sp. n. (foss.), Andrews,
Geol. Mag. (2) Dec. IV, VIII, p. 438, fig. 1, Eocän, Egypten.
Stejneger, L.. A new systematic name for the yellow Boa of Ja-
maica. Proc. U. S. Nat. Mus. XIII pp. 469 u. 470.
Portis, A. Il Palaeopython sardus Port., nuovo Pitonide del Mio-
cene medio della Sardegna. Boll. Soc. geol. Ital. XX, pp. 247—253, figg.
III. Reptilia und Amphibia für 1901. 37
Paloeopython sardus, sp. n. (foss.), Portis, Boll. Soc. geol. Ital. XX, p. 247
fig., Miocän, Sardinien.
Ungalia maculata, Bibr. Über die Lebensweise in Gefangenschaft: P. de
Grijs, Zool. Garten XLII, p. 33; U. semicincta, Ptrs. Bemerkung von Werner,
Verh. Ges. Wien LI, p. 365; U. paucisquamis, sp. n., Schenkel, Verh. Ges. Basel
XIII, p. 154, Hab. ?; U. brasiliensis, sp. n., Anderson, Bih. Svenska Ak. XXVII,
IV, N.5, p. 4, Taf. I, fig. 1, Brasilien.
Epierates angulifer, Bibr. Bemerkung von Werner, Verh. Ges. Wien LI,
p- 635; E. striatus, Fisch. = E. angulifer, Bibr. var., Meerwarth, Mt. Mus. Hamburg
XVII, 2, p. 5; E. subflavus, sp. n., Stejneger, P. U. S. Mus. XXIII, p. 469,
Jamaica.
Corallus, Daud. Stejneger, op. cit. XXIV, p. 184; schlägt darin vor, den
Namen Boa für diese Gattung und Constrictor für Boa zu gebrauchen; (.
ruschenbergii Cope, Kopf abgebildet, id. ibid. p. 185, figg.
Calabaria reinhardti, Schleg. Bemerkung von Tornier, Zool. Anz. XXIV, p. 63.
Palaeophiidae.
Moeriophis, g. n., verwandt Palaeophis, für M. schweinfurthi sp. n. (foss.), An-
drews, Geol. Mag. (2) Dec. IV, VIII, p. 438, fig., Eocän, Egypten.
Ilysividae.
Anomochilus, n.n. für Anomalochilus, Jeude, nec Blanchard, €. Berg, Comm.
Comm. Mus. Buenos Aires I, p. 289.
Dinilysia, g. n., verwandt mit /lysia, für D. patagonica, sp. n. 'foss.), A. 8.
Woodward, P. Z. S. 1901, I, p. 176, Taf. XX, roter Sandstein von Neuquen,
Patagonien.
Colubridae.
Kammerer, Paul. Vier nordamerikanische Landnattern im
Terrarium. Bl. f. Aq. u. Terr. Fr. XII. 1901 p. 2—4, 17—19, 29—31.
Dieser durch eine Anzahl von meist elenden Abbildungen illustrierte
Aufsatz behandelt die Lebensweise und Ernährung von Zamenis
constrictor L. und flagelliformis Laur., Coluber melanoleucus Daud.
und Coronella getula L.; Erstere Schlange nahm verschiedene Eidechsen-
arten, Blindschleichen, Glatt- und junge Aeskulapnattern, ausnahms-
weise auch Mäuse und einmal einen Sperling an; Z. flagelliformis
ernährte sich ausschließlich von Eidechsen; Verf. bemerkte bei den
Zamenis-Arten, daß sich der von ihnen ergriffenen Beute eine Art
Starrkrampf zu bemächtigen scheine und das es ganz den Eindruck
mache, als ob ein Gift lähmend auf sie einwirke; er meint,
daß die Zamenis gewissermaßen auch Anlage haben giftig
zu werden, (im „Zool. Garten“ — s. p.45 — aber schiebt
er diese Ansicht dem Ref. unter und erklärt sich damit
nicht einverstanden! Was ist nun seine wirkliche Meinung?)
Ooluber melanoleucus verzehrte Mäuse, junge Ratten und Sperlinge,
auch junge Meerschweinchen und Kaninchen, die Kettennatter außer
38 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
Eidechsen Vögel, Mäuse, Ratten, junge Meerschweinchen u. Kaninchen,
sowie Schlangen; an allen vier Arten hat Verf. schwere Hautkrankheiten
beobachtet.
Aglyphae.
Xenochrophis viperinus, sp. n., Schenkel, Verh. Ges. Basel XIII, p. 155,
Sumatra.
Ballowitz, E. Die Gastrulation bei der Ringelnatter (Tropidonotus
natrix Boie) bis zum Auftreten der Falterform der Embryonalanlage.
Zeitschr. wiss. Zool. LXX, pp. 675— 1732, figg. Taf. XXIX—XXXII.
Gerhardt, U. Die Keimblattbildung bei Tropidonotus natrix.
Anat. Anz. XX pp. 241—261, figg.
Drescher, —. Einige Beobachtungen über die Lebensfähigkeit
der Ringelnatter (Tropidonotus natrix) im Ei. Natur u. Haus X. p. 219
—281.
Unempfindlichkeit der Eier gegen starke und plötzliche Temperatur-
schwankungen, schroffen Übergang von Nässe zu Trockenheit, un-
mittelbare Nähe von verschimmelten und verfaulten Eiern, Ver-
letzungen der Eischale; dagegen scheint Feuchtigkeit schädlich zu
wirken.
Rogers, 6. M. Food of Grass Snakes. Nature LXV, p. 31.
Leighton, &. A Plague of Snakes. Zoologist (4) V, pp. 25—27.
Wall, F. und Evans, 6. H. Occurrence of Tropidonotus himalayanus
in Burma. Journ. Bombay Soc. XIII, p. 537.
Tropidonotus natrix, L. Verzehrt nach €. M. Rogers, Säugetiere u. Vögel,
Nature LXV, p.31. Über einen großen Fund von Eiern u. Jungen in einem
Hause in Wales, Leighten, Zoologist (4) V, p. 25. Über ein albinotisches Exemplar:
P. de 6rijs, Zool. Garten XLII, p. 66; T. himalayanus, Gthr., angeführt von
Burma von F. Wall u. 6. H. Evans, J. Bombay Soc. XIII, p. 537; T. puncti-
ventris, Bttgr., p. 353, fig. 6 und halmahericus, Bttgr., p. 354, fig. 5, beschrieben
u. abgebildet von Boettger, Abh. Senckenberg. Ges. XXV, Taf. XV; T. nas sp. n.
Laidlaw, P. Z. S. 1901, II. p. 576, Taf. XXXV fig. 3 Gunong Inas, Malay. Halbinsel.
Helicops polylepis, Gthr. Bemerkungen v. Werner, Verh. Ges. Wien LI,
p- 636.
Idiophis, g. n., Mocquard, Bull. Mus. Paris 1901, p. 252; I. varllantı, sp. n.,
id. t.c. p. 253, Madagascar.
Gonionotophis granti, Gthr. Bemerkung von Werner, Verh. Ges. Wien LI,
p- 636.
Pseudoboodon albopunctatus und brevicaudatus, spp. nn., Andersson, Bih.
Svenska Ak. XXVII, IV, N. 5, pp. 6 u. 8, Taf. I, figg. 2—4, Kamerun (= Bothro-
Iycus ater, Gthr. nach Boulenger, dagegen nach Sternield erstere Art zwar ein
Bothrolycus, aber doch von ater verschieden).
Simocephalus phyllopholis, sp. n., Werner, Zool. Anz. XXIV, p. 301, fig.
Kamerun.
Diaphorolepis wagneri, Werner, neubeschrieben v. Werner, Verh. Ges. Wien
LI, p. 597.
Lycodon albofuscus, D. u. B. Bemerkungen von Werner, Verh. Ges. Wien
LI, p. 636,
„ya a u
III. Reptilia und Amphibia für 1901. 39
Dryocalamus davisonüi, Blanf. Bemerkung von Werner, t.c. p 367.
Kammerer, Paul. Die Steignatter (Zamenis Dahlii, Fitzinger).
Bl. f. Aqu. u. Terr. Fr. XII. 1901 p. 109—11, 128—129.
Lebensweise in Gefangenschaft; ganz unkenntliche Abbildung.
Verf. schreibt dieser Schlange ein gut entwickeltes Gehör zu (wäre
nachzuuntersuchen), dagegen soll der Geruch, wie bei den meisten
Schlangen (??) verkümmert sein.
Zamenis rhodorhachis, Jan. Bemerkung von Andersen, P. Z. S. 1901, II,
» p. 149; Z. constrictor, L. Bemerkung über die Lebensweise von E. E. Ramsey,
P. Indien Ac. 1900, p. 223.
Stejneger, L. Description of a New Species of Snake from Charion
Island, West Coast of Mexico. P. U. S. Nat. Mus. pp. 715—717.
Bascanion anthonyi, sp. n., Stejneger, P. U. S. Mus. XXVI p. 715, Clarion-
Insel, Westküste von Mexico.
Lytorhynchus diadema, D. u. B., var. n. hirouxii, Doumergue, Erp. Oranie,
p- 269, Taf. XX, fig. 5, Prov. Oran, Algerien.
Phrynonax lyoni, sp. n., Stejneger, P. U. S. Mus. XXIV, p. 185, fig., Vene-
zuela.
Chlorophis carinatus, sp. n., Andersson, Bih. Svenska Ak. XXVII, IV, N.5,
p- 9, Kamerun.
Thrasops splendens, sp. n., Andersson, t.c. p. 11, Taf. I, fig. 8, Kamerun
(= Rhamnophis aethiops, Gthr.).
Leptophis liocereus, Wied. Restitution des Artnamens L. ahaetulla vor-
geschlagen und Kopf abgebildet von Stejneger, P. U. S. Mus. XXIV, p. 187,
figg.; L. mexicanus, D. u. B. Über ihre Lebensweise in Gefangenschaft: P. de
Grijs, XLII. p. 68; L. flagellum sp. n., Andersson, t.c. p-. 13, Taf. II, figg. 12
— 14, Brasilien.
Dendrophis bifrenalis, Blgr. Bemerkung von Werner, Verh. Ges. Wien
LI, p. 637.
Brown, A.E. A new Species of Coluber from Western Texas. Proc.
Acad. Philad. 1901 pp. 492—495, fig., Taf. XXIX.
Tiesler, W. Die Schlangenbader Natter (Äskulapnatter). Natur
u. Haus X. p. 265—266.
Über das Vorkommen bei Schlangenbad; bei Schwalbach fehlt sie;
Länge bis 147 cm gemessen; große Kletterfertigkeit; Nahrung vor-
wiegend Mäuse oder Vögel; legt 5—9 Eier.
Coluber guttatus, L. Über ihre Lebensweise in der Gefangenschaft: P. de
Grijs, Zool. Garten XLII, p. 71; ©. oxycephalus, Boie. Über Farbenvariation:
Shelford, J. Straits Asiat. Soc. 1901, p. 71; ©. subocularis, sp. n., A. E. Brown,
P. Ac. Philad. 1901, p. 492, fig., Taf. XXIX, W. Texas.
Aporophis lineatus, L. Über eine Farben-Varietät: Andersson, Bih. Svenska
Ak. XXVII, IV, N.5, p.21; A. lineatus var.n. meridionalis, Schenkel, Verh.
Ges. Basel XIII, p. 160, Paraguay.
Liophis atahuatpae, sp.n., Steindachner, Anz. Ak. Wien: 1901, p. 195,
W. Ecuador (= Rhadinaea undulata, Wied, nach Boulenger).
Urotheca lateristriga, Berth. Bemerkung von Andersson, Bih. Svenska Ak.
XXVII, IV, No. 5, p. 22; U.coronata, sp. n., Steindachner, t. c. p. 196, W.Ecuador
(= U. lateristriga, Berth. nach Boulenger).
40 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
Ballowitz, E. Die Schlingnatter (Coronella austriaca) im Nord-
deutschen Flachlande. Natur u. Haus X, p. 163—165.
Nachweis des Vorkommens auf der Insel Usedom zwischen Zinno-
witz und Peenemünde, ferner in Mecklenburg (Gr. Müritz b. Ribnitz;
zwischen Leppin und Malkwitz), sowie bei Zoppot.
Coronella doliata, L. Über ihre Lebensweise in Gefangenschaft: P, de Grijs,
Zool. Garten XLII, p. 36.
Wall, F. u. Evans, 6. H. Occurrence of Simotes spendidus in
Burma, or a probable new species. Journ. Bombay Soc. XIIL, p. 537.
Simotes splendidus, Gthr. (?). Über ein Exemplar aus Birma: F. Wall u.
G. H. Evans, J. Bombay Soc. XIII p. 537.
Prosymna bocagii, Blgr. abgebildet von Boulenger, Ann. Mus. Congo, Zool.
(1) II, Taf. III, fig. 4.
Arrhyton quenselii, sp. n., Andersson, Bih. Svenska Ak. XXVII, IV, No.5,
p- 15, Taf. I, figg. 5—7, Hab. ?
Contia aestiva, L. Bemerkung von Andersson, Bih. Svenska Ak. XXVIJ,
IV, N. 5, p. 22; ©. nuchalis, sp. n., Schenkel, Verh. Ges. Basel XIII, p. 162, fig.,
N. Amerika.
Grayia fasciata, sp. n., Boulenger, Ann. Mus. Congo, Zool. (1) II, p. 9, Taf. III,
fig. 3, S. W. des Tanganyika-Sees, = @. tholloni, Moq., id. t. c. p. 17.
Tropidodipsas fasciata, Gthr. Bemerkung von Werner, Verh. Ges. Wien
LI, p. 638; T. longicaudata, sp. n., Andersson, Bih. Svenska, Ak. XXVII, IV,
No. 5, p. 17, Taf. II, figg. 9—11, Brasilien (= Lycognathus rhombeatus Ptrs.).
Atractus torquatus, D. u. B., var. n. resplendens, Werner, Verh. Ges. Wien
LI, p. 598, Ecuador.
Shelford, R. On two new Snakes from Borneo. Ann. Nat. Hist.
(7) VII, pp. 516 u. 517.
Agrophis saravacensis, Sp. n., Shelford, Ann. Nat. Hist. (7) VIII, p. 516,
Borneo.
Idiopholis evereiti, sp. n., Shelford, t. c. p. 517, Borneo.
Calamorhabdium kuekenthali, Bttgr., beschrieben und abgebildet von Boettger,
Abh. Senckenb. Ges. XXV, p. 360, Taf. XV, fig. 7.
Stilosoma extenuatum, Brown. Bemerkung von Werner, Verh. Ges. Wien
LI, p. 638.
Stylophis, n.n. für Stilosoma, A. C. Brown nec Solier, €. Berg, Commun.
Mus. Buenos Aires, p. 290.
Calamaria indragirica und mecheli, spp. nn., Schenkel, Verh. Ges. Basel
XIII, pp. 164 u. 165, figg., Sumatra; ©. pfefferi, sp. n., Stejneger, P. Soc. Washington
XIV, p. 191, Miyako-Shima, Liu-Kiu-Inseln; ©. bungaroides, sp. n., Werner,
Zool. Anz. XXIV, p. 306. Hab. —? (nach neuerdings untersuchten Exemplaren
des Naturalienkabinets in Stuttgart ist die Heimat Borneo).
Howes, 6. B. Dasypeltis and the Egested Egg-Shell. Nature
LXIII, pp. 326 u. 327. figg.
Dasypeltis scabra, L. Über die ausgeworfenen Eischalen; Howes, Nature
LXIII, p. 326, fig.
III. Reptilia und Amphibia für 1901. 41
Opisthoglyphae.
Cerberus rhynchops, Schn. Bemerkung über die Lebensweise von F. Wall
u. 6. H. Evans, J. Bombay Soc. XIII, p. 162, Über die Lebensweise in Gefangen-
schaft: P. de Grijs, Zool. Garten XLII p. 37.
Dieurostus, n.n. für Eurostus, D. u. B. nec Dallas, €. Berg, Comun. Mus.
Buenos Aires I, p. 290.
Geodipsas mapanjensis, n.sp., Andersson, Bih. Svenska Ak. XXVII, IV,
No. 5, p. 19, Taf. II, fig. 15, Kamerun (= Tropidonotus depressiceps Wern., die
Art muß also @eodipsas depressiceps heißen).
Langaha alluaudi, sp. n., Mocquard, Bull. Mus. Paris 1901, p. 253, Madagascar.
Eteirodipsas colubrina, Schleg. Über die Lebensweise in Gefangenschaft:
P. de Grijs, Zool. Garten XLII, p. 35.
Stenophis arctifasciatus, D. u. B. Bemerkungen v. Werner, Verh. Ges. Wien
LI, p. 638.
Berg, 3. Briefliche Mittheilung. Zool. Garten XLII, p. 188.
Verf. sah bei einer von einer Katzenschlange (Tarbophis fallax) in
der Kreuzgegend gebissene Lacerta muralis in 5 Minuten den Tod ein-
treten und zwar anscheinend schmerzlos, während eine vor längerer
Zeit von derselben Schlange in den Kopf gebissene Eidechse unter
Zuckungen verendete. Der Biß hatte im oben erwähnten Falle höchstens
2 Sekunden gedauert, die Bißstelle war auffallend naß.
Lycognathus rhombeatus, Ptrs. Bemerkung v. Werner, Verh. Ges. Wien
LI, p. 638 (hierher auch Tropidodipsas longicaudata Andersson).
Himantodes elegans, Jan = H. cenchoa, L., Werner, Abh. Mus. Dresden
RUN! 2, DIT.
Leptodira nycthemera, sp. n., Werner, Verh. Ges. Wien LI, p. 598, Ecuador;
L. duchesnii, sp. n., Boulenger, Ann. Mus. Congo, Zool. (1) II, p.10, Taf. IV, fig. 1,
Ob. Congo.
Oxyrhopus bitorquatus Gthr., und O. fitzingeri, Tsch. Bemerkungen von
Werner, Abh. Mus. Dresden IX, N. 2, p. 8; O. carinatus, Schn. (richtig coronatus!)
Bemerkung von Andersson, Bih. Svenska Ak. XXVII, IV, N. 5, p. 23; O. macu-
latus, Blgr. = O. cloelia, Daud. id. t.c. p. 22; O. doliatus, D. u. B., semicinctus,
Cope, und neuwiedii,, D. u. B. Bemerkungen und Abbildungen des Kopfes durch
Stejneger, P. U. S. Mus. XXIV pp. 187—189, figg.
Pseudoboa robinsoni, sp. n., Stejneger, 1. c. p. 190, figg., Venezuela.
Paroxyrhopus, g. n. verwandt Oxyrhopus, Schenkel, Verh. Ges. Basel XIII,
p- 168; P. reticulatus, sp. n. id. ibid. p. 169, fig., Paraguay.
Tachnemis peruviana, Wgm., var. n. dorsalis, Werner, Abh. Mus. Dresden
72, No.2, p.9, Peru.
Philodryas ternetzi, sp. n., Schenkel, t.c. p. 170, fig., Paraguay.
Mingaud, 6. Deux cas d’Ophiophagie. Bull. Soc. Nimes XXVIII
pp. XXXI u. XXXIII.
Coelopeltis monspessulana, Herm. Verzehrt nach Mingaud andere Schlangen,
Bull. Soc. Nimes XXVIII, p. XXXL.
Psammophis sibilans, L., var. n. tumbensis, Schenkel, t.c. p. 172, Tumbo
Insel, W. Afrika.
43 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
Berg, 3. Indische Dryophiden im Terrarium. Zool. Garten XLII,
pp- 204—215, fig.
Lebendige und eingehende Beschreibung der Lebensweise von
Dryophris mycterizans ın Gefangenschaft. Behandelt sind: Färbung,
Körperbeschaffenheit (hat keine umschlingende Kraft und kann keine
kurzen Ringe und Karten bilden; Schwanz ohne Greiffähigkeit; das
Klettern ist ein geschicktes Gleiten über Aste und durch das Gerank;
Bewegungen auf dem Boden ungeschickt, mit großen, seitlichen Win-
dungen); Form der Pupille (bei Nacht verengt, also Tagtiere, die bei
Nacht schlafen); Trinken (Tropfen an Blättern; nur ausnahmsweise
aus dem Wassergefäß, jedoch ohne das Laub zu verlassen; dasselbe
auch beim Erjagen der Beute. Art und Weise des Angriffes; Wirkung
des Bisses auf Eidechsen (Tod in kaum 20 Sekunden, wenn die Schlange
frisch gehäutet war, also eine wenigstens 14 Tage hinter sich hatte);
Kämpfe mit den Beutetieren; Nahrungsaufnahme und Defäcation
(diese schon nach 24—36 Stunden); Häutungsakt (mit Tabelle); be-
merkenswert ist der Hinweis auf die von der Schlange selbst vor der
Häutung abgeschiedene Feuchtigkeit, die wie Ref. gleich hier her-
vorheben will, auch bei vielen anderen Schlangen secerniert wird und
eine wichtige Rolle bei der Häutung spielt.
Dryophis mycterizans, L. und prasinus, L. Über ihre Lebensweise in Ge-
fangenschaft: P. de Grijs, Zool. Garten, Zool. Garten XLII, pp. 39 u. 65.
Oxybelis acuminatus, Wied. Kopf abgebildet von Stejneger, P. U. S. Mus.
XXIV, p. 191, figg.
Erythrolamprus fissidens, Gthr. Bemerkung von Andersson, Bih. Svenska
Ak. XXVII, IV, N. 5, p. 23.
Werner, Franz. Die Schmuckbaumschlange (Chrysopelea ornata).
Natur u. Haus X. p. 225—227, Taf.
Das beobachtete Exemplar erwies sich im Gegensatz zu Boulengers
Angabe als sehr jähzornig und bissig; die Nahrung bestand aus Ei-
dechsen, welche umschlungen und unter zuckenden Bewegungen des
Kopfes, um die Giftzähne möglichst tief in den Körper eindringen zu
lassen, sehr rasch, auch wenn der Tod noch nicht eingetreten war, ver-
schlungen wurden. Wasserbedürfnis nicht bedeutend, Häutung auch
ohne Bad tadellos, in Zwischenräumen von 45 Tagen. Bewegungen
ähnlich Dryoph:s.
Apostolepis assimilis, Reinh. Bemerkung von Werner, Verh. Ges. Wien
LI, p. 639.
Elapomorphus trilineatus, Blgr. Bemerkung von Werner, id. t.c. p. 639.
Miodon collaris, Ptrs. und M. notatus, Ptrs.. = M. gabonensis, A. Dum.,
Andersson, Bih. Svenska Ak. XXVII, IV, N. 5, p. 23.
Aparallactus ubangensis, Blgr., abgebildet von Boulenger, Ann. Mus. Congo,
Zool. (1) II, Taf. IV, fig. 2; A. flavitorques, sp. n., id. ibid. pp. 11, Taf. IV, fig. 3,
Kassai, Congo.
III. Reptilia und Amphibia für 1901. 43
Proteroglyhpae.
Distira orientalis, sp. n., Stejneger, P. Soc. Washington XIV, p. 191,
Okinawa Shima, Liu-Kiu-Inseln; D. annandalei sp. n. Laidlaw, P. Z.S. 1901,
II. p. 579, Taf. XXXV, Fig. 1—2, Patani, Malay. Halbinsel.
Denisonia vagrans, sp.n., Garman, Bull. Mus. Harvard XXXIX, p.13,
Dunk Insel, Queensland.
Bethencourt, Ferreira, 3. Sobre a distribugäo das Cobras do genero
‚Naia‘ em Africa. J. Sci. Lisb. (2) VI, pp. 129—137.
Bestimmungstabelle der afrikanischen Naia-Arten, Beschreibung
der Färbung, Übersicht der geographischen Verbreitung mit besonderer
Berücksichtigung der drei in den portugiesischen Kolonien vor-
kommenden Arten N. melanoleuca Hell., anchietae Boc. und, nigricollis
Rhdt., und Betrachtungen über die Eigentümlichkeiten dieser
Schlangen, welche neben der großen Giftigkeit dazu beigetragen haben,
daß sie nicht nur seit den ältesten Zeiten, bekannt sind und von anderen
Schlangen unterschieden werden, sondern auch zum Teil Gegenstand
besonderer Beachtung, sogar religiöser Verehrung geworden sind;
hierher gehört die bekannte Tanzbewegung, das ebenso altbekannte
Wunder des Moses, welches in der Möglichkeit besteht, die Schlange in
eine Art Starrkrampf zu versetzen, die Fähigkeit aller Naias den Hals
horizontal scheibenförmig auszubreiten, sowie weiterhin das Ausspeien
des Speichels auf größere Distanzen gegen den Angreifer, das die Ur-
sache des Namens ‚„Cobras cuspideiras‘“ ist. Der Speichel ruft heftige
Entzündungen der Schleimhäute hervor, dagegen keinerlei Wirkung
auf die äußere Haut. Bemerkt möge auch die Tatsache werden,
daß im Gegensatz zu der großen Sterblichkeit nach Naia-Bissen in
Indien Neger die Folgen des Bisses vielfach überstehen, sowie daß bei
verschiedenen Negervölkern, wie bei den Namaqua, eine Schutzimpfung
gegen den Naia-Biß im Gebrauche ist. Ref. ım Zool. Centralbl. VIII,
1901, p. 722.
Naia, Laur. Über ihre Lebensweise in Gefangenschaft: Kammerer, Zool.
Garten XLII, p. 176; N. tripudians sumatrana, F. Müll. Bemerkung von Schenkel,
Verh. Ges. Basel XIII, p. 175.
Merremia, n.n. für Sepedon, Merr. nec Latr., €. Berg, Comun. Mus. Buenos
Aires I, p. 291.
Elaps tschudii, Jan. spixi, Wagl., und maregravii, Wied. Bemerkungen von
Werner, Abh. Mus. Dresden IX, No. 2, p. 11; E. spixü, Wagl. Bemerkung von
Schenkel, Verh. Ges. Basel XIII, p. 176; E. steindachneri, sp. n., Werner, Verh.
Ges. Wien LI, p. 599, Ecuador.
Amblycephalidae.
Amblycephalus malaccanus, Ptrs. Bemerkung von Schenkel, Verh. Ges.
Basel XIII, p. 177.
Leptognathus, D. u. B. Dieser Name ist präoccupiert und durch Cochlio-
phagus D. u. B. zu ersetzen; €. Berg, Comun. Mus. Buenos Aires I, p. 291. Über-
44 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
sıcht der Arten durch Werner, Abh. Mus. Dresden IX, N. 2, p. 11; L. variegata,
D. u. B. Bemerkungen und Abbildung des Kopfes von Stejneger, P. U. S. Mus.
XXIV, p. 192, figg.; L. boetigeri, sp. n., Werner, t.c. p. 11, Peru.
Viperidae.
Kammerer, P. Die Spitzkopfotter (Vipera ursinii Bonap.). Bl. f.
Ag. u. Terr. Fr. XII. 1901 p. 97’—98, 111—112.
Die von einer ganz greulich schlechten Abbildung (p. 110) der in
Rede stehenden Art und zwei besseren Abbildungen des Kopfes aus-
gestattete Aufsatz bringt eine Beschreibung der Spitzkopfotter, ihrer
Verbreitung und ihres Vorkommens in Niederösterreich; ist ein Tagtier,
lebt von Eidechsen und wird leicht zahm.
Kammerer, P. Zur Biologie der Giftschlangen, mit besonderer
Rücksicht auf ihr Gefangenleben. Zool. Garten XLII, pp. 139—147,
169—180.
Verf. fand als Nahrung der Kreuzotter vorwiegend Zaun-, Berg-
und Mauereidechsen, sowie braune Frösche, dagegen nur ausnahms-
weise Mäuse, und bemerkte auch nichts von der Mordlust, die alle
Viperiden warmblütigem Getier gegenüber an den Tag legen sollen, hält
dies vielmehr mit Recht für individuelle Erscheinungen; die häufige
Verweigerung der Nahrungsaufnahme führt er ebenfalls vollkommen
richtig auf die von Seite der Fänger erlittenen Mißhandlungen zurück.
Von ihm selbst gefangene Exemplare gingen regelmäßig ans Futter
und wurden auch zahm und gutartig, legten auch eine der anderer
Schlangen unserer Heimat gleiche Intelligenz zu Tage. Auch über Vrpera
ursinit bringt Verf. bemerkenswerte Angaben; Nahrung Zauneidechsen,
die ohne weiteres ergriffen und lebend verschlungen wurden; Mäuse
wurden verschmäht; die Art wird ebenfalls zahm und gutmütig und
erweist sich als echtes Tagtier (alle diese Angaben können vom Ref.
vollinhaltlich bestätigt werden). Bei Vipera aspis fand Verf. einen weit-
aus größeren Prozentsatz sich von Mäusen ernährend; Eidechsen wurden
nur von einem einzigen jungen, Lurche von keinem Exemplar ange-
nommen. Weitere Angaben über Vorkommen in Süd-Tirol, paarweises
Zusammenleben; echtes Dämmerungstier. Von Vipera ammod,ytes
wird ein Fall erwähnt, daß ein junges frisch gefangenes Exemplar
in einem sehr kleinen, sehr primitiven Behälter (Einmacheglas) eine
erwachsene Mauereidechse gefressen habe. Erwachsene Sandottern
verzehren kleine Säugetiere, wie Mäuse, aber auch Vögel. Wirkung
des Bisses auf eine Maus und auf den Verf. selbst. Auch bei dieser Art
findet er den „Haß“ gegen Mäuse als individuelle Eigenschaft. Cerastes
cornutus nennt er leicht haltbar, aber immer heimtückisch, was Ref.
allerdings nicht finden kann, da sich gerade diese Art leicht zähmen
läßt; C©. vipera nahm im Gegensatz zu voriger Art keine Mäuse, wohl
aber Mauergeckos, Walzen- und Mauereidechsen an. Es schließen sich
Beobachtungen an Naia haie, sowie an Tarbophis fallax u. Coelopeltis
monspessulana an; bei Tarbophis beobachtete Verf. eine heftige Biß-
wirkung, bei C'oelopeltis dagegen ab und zu gar keine. Verf. nimmt als
III. Reptilia und Amphibia für 1901. 45
Ursache der Erschlaffung, welche bei Eidechsen auch dann eintritt,
wenn sie von gewissen aglyphen Nattern ergriffen werden (namentlich
Zamenis-Arten), die Wirkung des plötzlichen Schreckens an. Dieser
Auffassung kann sich Ref. aber nach seinen Erfahrungen nicht an-
schließen. (S. auch Kammerer p.37).
Bird, M. €. H. Observations on the Viper (Pelias berus) in Nor-
folk. Tr. Norfolk Soc. VII, pp. 243—245.
Martin, H. Presentation d’un embryon de Vipera aspis, monstre
anophthalme. Bull. Soc. zool. France XXVI, p. 76, figg.
Abbildung eines augenlosen und (zum Vergleich) eines gleich-
altrigen normalen Embryos.
Derselbe. Evolution de la dent intermaxillaire chez l’embryon de
la Vipera aspis. Journ. Anat. Phys. Paris 37. annee, p. 80—89, 9 figg.
Verf. fand die Anlage eines Eizahnes beim Embryo von Vipera
aspis, sie ist unpaar und ergibt einen Zahn, der mit dem Zwischenkiefer-
knochen sich nicht verbindet; es existiert auch eine paarige epitheliale
Zahnanlage des Zwischenkiefers, welche sich aber bald rückbildet.
Vipera berus; L. Leighton’s „British Serpents‘ enthält viele Aufschlüsse über
die Lebensweise und Verbreitung in Großbritanien: V. berus, L. Beobachtungen
in Norfolk von M. €. H. Bird, Tr. Norfolk Soc. VII, p. 243; V. rubra, nn. für V.
berus, var. chersea, L.: Leighton, op. ceit. p. 213.
Cerastes cornutus, Forsk. var. n. mutila, Doumergue, Erp. Oranie, p. 319,
Taf. XXIII, fig. 3, Algerien. :
Atractaspis, Smith. Übersicht der Arten von Boulenger, Ann. Mus.
Congo, Zool. (1) II, p. 12; A. heterochilus, p. 13, Taf. V, fig. 1, W. Küste des
Tanganyika-Sees, katangae, p. 13, Taf. V, fig. 2 Katanga, und coarti, p. 14, Taf. V,
fig.3, W. Küste des Tanganyika-Sees spp. nn., id. ibid.
Müller, Lorenz. Kupferkopf und Wassermokassinschlange (Anci-
strodon contortrix Linnaeus und Anc. piscivorus Lacepede). Natur
u. Haus X, p. 12—16, Taf.
Beschreibung der Färbung beider Arten nach dem Leben. Ver-
halten in Gefangenschaft, Nahrung, Bißwirkung, Häutung (nur zwei-
mal jährlich); ausgesprochene Nachttiere, fliehen direktes Sonnenlicht,
lieben aber die Wärme sehr.
Ancistrodon intermedius, Strauch. Bemerkung v. Mehely, Zool. Ergebn. Zichy
Forschungsreise p. 58.
Lachesis atrox, L. Bemerkung von Schenkel, Verh. Ges. Basel XIII, p. 178;
L. bilineatus, Wied. var. n. oligolepis Werner, Abh. Mus. Dresden IX, N.2, p. 13,
Bolivia.
Sistrurus catenatus, Raf. Bemerkung über die Lebensweise von E. E. Ramsey,
P. Indiana Ac. 1900, p. 223.
Ornithosauria.
Über diese Gruppe liegen für dieses Jahr zwei Arbeiten vor, von
denen die von Seeley eine Übersicht über den Bau und die Ver-
breitung, sowie viele Abbildungen des Skelettes und Restaurationen
der wichtigsten Formen bietet. Plieninger bringt allgemeine Be-
46 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
merkungen und schlägt eine Unterteilung in die Rhamphorhynchoidea
mit der einzigen Familie Rhamphorhynchidae und Pterodactyloidea
(mit den Familien Pterodactylidae und Ornithochiridae) vor.
Seeley, H. 6. Dragons of the Air: An account of Extinct Flying
Reptiles.. London, 1901, 8to. 239 pp., 80 figg.
Plieninger, F. Beitrag zur Kenntniss der Flugsaurier. Palaeontogr.
XLVIII, pp. 65—90, figg., Taf. IV. Ref. in Zool. Centralbl. IX. p. 262.
Pterodactylus kochi, Wagl. Beschreibung und Abbildung eines Exemplars
von Plieninger, t. c. p. 65, Taf. IV.
Pteranodor, Marsh. Bemerkungen von Plieninger, t. c. p. 65, Taf. IV.
Dinosauria.
Nopesa, F. Synopsis und Abstammung der Dinosaurier. Földtani
Közl. XXXI, pp. 247—279, Taf. 1.
Verf. bringt die 114 Gattungen der Dinosaurier in vier Unter-
ordnungen (T'heropoda mit den Familien Megalosauridae und Ooeluridae,
jede mit 3 Unterfamilien; Sauropoda mit den Familien Atlantosauridae
und Diplodocidae; Orthopoda mit den Familien Ornithopodidae — diese
mit 6 Unterfamilien. — Stegosauridae u. Ceratopsidae) unter; die einzelnen
Unterordnungen, Familien und Unterfamilien werden kurz charakteri-
siert, den Gattungen ein ausführliches Litteraturverzeichnis beigegeben.
In dem mit der Abstammung der Dinosaurier sich befassenden zweiten
Teil der Arbeit wird ein Stammbaum sowohl für die Theropoden, als
auch für die Dinosaurier im Allgemeinen gegeben.
Lucas, F. A. A new Dinosaur, Stegosaurus marshi, from the Lower
Cretaceous of South Dakota. P. U. S. Nat. Mus. XXIII pp. 591 u. 592,
2 Taf.
Hatcher, 3. B. Diplodocus Marsh. Its Osteology, Taxonomy and
Probable Habits, with a Restoration of the Skeleton. Mem. Carnegie
Mus. I, pp. 1—63, Taf. I—-XII.
Sauvage, H. E. Le Genre P£lorosaure. ©. R. Congr. Soc. Sav.
1901, pp. 157 u. 158.
Riggs, E. S. The Fore Leg and Pectoral Girdle of Morosaurus,
with a note on the genus Camorosaurus. Field Columbian Mus.; Geol.
I, pp. 275—281, taf. XL—XLI.
Huene, F. v. Der vermutliche Hautpanzer der Compsognathus
longipes Wagn. N. Jahrb. Min. 1901, pp. 157—160, fig., Taf. VI.
Riggs, E. S. The largest known Dinosaur. Science (2) XIII, pp. 549
u. 50.
Hatcher, 3. B. On Jurassie Dinosaur Deposits near Canyon City,
Colorado. Ann. Carnegie Mus. I. pp. 327—341, figg.
Huene, F. v. Vorläufiger Bericht über die triassischen Dinosaurier
des europäischen Continents. N. Jahrb. Mineral. 1901. II. pp. 89—104.
figg. Taf. III u. IV.
Osborn, H. F. u. Granger, W. Fore and Hind Limbs of Sauropoda
from the Bone Cabin Quarry. Bull. Amer. Mus. XIV, pp. 199—208,
figg.
III. Reptilia und Amphibia für 1901. 47
Die Gliedmaßenreste gehören zu Diplodocus, Morosaurus und
Brontosaurus.
Stegosaurus marshi, sp. n., Lucas, P. U. S. Mus. XXIII, p. 591, 2 taf. Untere
Kreide, Süd Dakota.
Diplodocus, Marsh. Monographie der Gattung von J. B. Hatcher, Mem.
Carnegie Mus. I, p.1, Taf. I—-XIll; D. carnegii, sp. n., id. ibid. p. 57, Kreide
von Wyoming.
Claosaurus annectens, Marsh. Über die Hautbedeckung: Hatcher, Ann.
Carnegie Mus. I, p. 129, fig.
Basilosaurus cetoides, Ow. Bemerkung über den Beckengürtel und andere
Teile des Skeletes von Lucas, P. U. S. Mus. XXIII, p. 327, Taf. V—-VI.
Morosaurus, Marsh. Über die Vordergliedmaße von M. grandis, Marsh, und
M. robustus, Marsh, weitere Bemerkungen über die nahe verwandte Gattung
Camarosaurus, Cope, E. 8. Riggs, Field Columbian Mus. Geol. I, p. 275,
Taf. XL—XLII.
Pelorosaurus, Mantell. Bemerkung von Sauvage, ©. R. Congr. Soc. Sav.
1901, p- 157.
Genyodectes, g. n. verwandt mit Megalosaurus für @. serus, sp. n. A. S. Wood-
ward, P. Z. S. 1901, II, p.179, Taf. XVIII u. XIX, Roter Sandstein, Canädon
Grande, Patagonien.
Compsognathus longipes, Wagn. Verfasser gibt eine Photographie des
Original-Exemplares mit Bemerkungen über den vermutlichen Hautpanzer:
F. v. Huene, N. Jahrb. Min. 1901, I, p. 157, Taf. VII.
Emydosauria.
Reese, A.M. Artifical Incubation of Alligator Eggs. Amer. Natural.
XXXV, pp. 193—19.
Verf. berichtet über zwei Versuche künstlicher Ausbrütung von
Alligator-Eiern, wovon der erste mißlang, während beim zweiten,
bei welchem die Embryonen schon weiter entwickelt waren und ein
Brutkasten zur Verwendung gelangte, drei Junge auskrochen. Die
quakenden Laute, welche die Jungen im Ei vor dem Auskriechen aus-
stoßen, um die Mutter zum Öffnen des Nestes und zu ihrer Befreiung
zu veranlassen, waren 15 Yards weit zu hören; die frisch ausgeschlüpten
Jungen waren 20 cm lang.
Voeltzkow, A. Beiträge zur Entwickelungsgeschichte der Rep-
tilien. IV. Keimblätter, Dottersack und erste Anlage des Blutes und der
Gefäße bei Crocodilus madagascariensis Grand. Abh. Senckenbg.
Ges. XXVI. pp. 339—418, figg., 7 Taf.
Im jüngsten Stadium ist eine zweiblätterige Keimscheibe mit Ur-
mund, Urdarm und tiefer Rückenrinne vorhanden. Die Bildung des
Mesoderms, welches sich wie bei Podocnemis vom Entoderm abspaltet,
Bau und Entwicklung des Dottersacks und der Embryonalhüllen,
Anlage des Blutes und der Gefäße sind sehr ausführlich behandelt.
Eingehendes Referat in Jahresb. Zool. Stat. Neapel f. 1901, p. 73.
Reese, A. M. The Nasal Passages of the Florida allıgator. P. Ac.
Philad. 1901, pp. 457—464, Taf. XXIV.
48 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
Tandler, J. Über die Moschusdrüse bei Alligator lucius. Centralbl.
Phys. 15. Bd. p. 219—221.
Anatomie und Histologie der (mandibularen) Moschusdrüse am
Alligator. Die Drüse scheint nach dem Typus der Talgdrüsen durch
Zugrundegehen von Zellen, aber verbunden mit Verhornung, zu se-
cernieren. Ref. in Jahresb. Zool. Stat. Neapel f. 1901, p. 98.
Tomistoma africanum, sp. n. (foss.), Andrews, Geol. Mag. (2) Dec. IV, VIII,
p. 443, Eocän von Egypten.
Fox, W. J. The proper names of the Alpine Chough and of the
Egyptian Crocodile. Science (2) XIII, p. 232.
Stejneger, L. Crocodilian Nomenclature. Science (2) XIII, p. 394.
Orocodilus niloticus, Laur. Über den richtigen wissenschaftlichen Namen:
W. 3. Fox, Science (2) XIII, p. 232, und Stejneger, t. c. p. 394; C'. porosus, Schn.
Bemerkung von Carrueeio, Boll. Soc. zool. Ital. (2) I, p. 102.
Fraas, E. Die Meerkrokodile (Thalattosuchia n.g.) eine neue
Sauriergruppe der Juraformation. Jahresh. Ver. Württemb. 1901,
and Mt. Nat.-Kab. Stuttgart, No. 19, pp. 409—418, fig.
Geosaurus suevicus, E. Fraas (foss.). Restauriert von E. Fraas, Jahresh.
Ver. Württemb. 1901, und Mt. Nat.-Kab. Stuttgart, No. 19, p. 410, fig. Der
Name Thalattosuchia wird vorgeschlagen für eine Gruppe von flossenschwänzigen
Krokodile, welche die Gattungen Metriorhynchus, Geosaurus, und Dacosaurus
umfaßt. E. Fraas, 11. cc.
Chelonia.
Voeltzkow, A. Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der Reptilien.
II. Die Bildung der Keimblätter von Podocnemis madagascariensis
Grand. Abh. Senckenb. Ges. XXVI, pp. 275—310, figg., 4 Taf.
Der Embryonalschild ist im jüngsten beobachteten Stadium hinten
herzförmig, mit Prostoma und Primitivknoten, Lage des Urmundes,
Entstehung der Sichel; Verf. unterscheidet eine äußere (Primitivsichel),
welche die Ausgangsform der Primitivplatte ist und mit der Kollerschen
Sichel beim Hühnchen, der Willschen Primitivsichel bei Platydactylus
und Okstudo identifiziert wird, während die innere der Mesodermsichel,
S. des Primitivknotens und Kupfferschen Sichel entspricht. Die
Chorda geht hinten aus der oberen Wand des Canalis neuro-entericus,
vorn aus dem Entoderm hervor.
Siebenrock, F. Eine neue Schildkröte aus Madagascar (nach
Gerrard). Zool. Anz. XXV, pp. 6—8.
Hay, ©. P. Description of a New Species of Baöna (B. hatcheri)
from the Laramie Beds of Wyoming. Ocurr. Carnegie Mus. I, pp. 325
u. 326.
Lambe, L. Notes on a Turtle from the Cretaceous Rocks of Alberta.
Ottawa Natural XV, pp. 63—67, Taf. TIII—VI.
Müller, Lorenz. Emyda granosa Schoepff, eine seltene Weich-
schildkröte. Bl. f. Aq. u. Terr. Fr. XII. 1901 p. 297—301, 326—328,
2 Figg.
Ausführliche Beschreibung dieser Art und ihrer Lebensweise
ın Gefangenschaft, gute Abbildungen.
III, Reptilia und Ampbibia für 1901. 49
O'yclanorbis senegalensis, D. u. B. Bemerkungen von Tornier, Arch. Naturg.
1901, Beih. p. 68.
Sternothaerus derbianus, Gray. Bemerkungen von Tornier, Arch. Naturg.
1901, Beih. pp. 65—88; $. steindachneri, sp. n., Siebenrock, Zool. Anz. XXV,
p- 6, Madagascar (= gabonensis A. Dum. nach Siebenrock).
Stereogenys, g.n., verwandt mit Podocnemis, für S. cromeri, sp. n. (foss.),
Andrews, Geol. Mag. (2) Dec. IV, VIII, p. 442, fig. Eocän von Egypten.
Pseudemydura, g. n. verwandt Emydura, Bp., für P. umbrina, sp. n., Sieben-
rock, Anz. Ak. Wiss. 1901, No. XXII, Australien.
Chelodina oblonga, Gray. Bemerkung von Schenkel, Verh. Ges. Basel XIII,
p- 198; C. siebenrocki, sp. n., Werner, Verh. Ges. Wien LI, p. 602, Taf.V, Neu
Guinea.
Miolania argentina, Amegh. (foss.), beschrieben u. abgebildet von A. 8.
Woodward, P. Z. S. 1901, I, p. 170, Taf. XV— XVII.
Baöna hatcheri, sp. n. (foss.), ©. P. Hay, Ann. Carnegie Mus. I, p. 325, Laramie
Beds, Wyoming.
Compsemys variolosa Cope (foss.), wird zu Adocus Cope gezogen und ein
Bauchpanzer aus der Kreide des Red Deer River-Alberta beschrieben u. abgebildet
von L. Mi. Lambe, Ottawa Natural. XV, p. 63, Taf. III—VI.
Chelydra serpentina, jung, abgeb. von H. Geyer in Natur u. Haus X. p. 276.
Cinosternum carinatum, Gray. Junges beschrieben und abgebildet von Lind-
holm in Lampe, Jahrb. nassau. Ver. LIV, p. 183, Taf. III, figg. 1 u. 2; ©. berend-
tianum Corse. Bemerkung von Lindholm, 1. c. p. 185.
Limnochelone, g.n. verwandt Nicoria, Gray Werner, Zool. Anz. XXIV, p. 297;
L. micrura, sp. n. id. ibid. p. 298, Mexico (= Dermatemys mawii Gray).
Chrysemys reticulata, Daud. Bemerkung von Lindhoim in Lampe, t. c. p. 186.
Orlitia borneensis, Gray ist wahrscheinlich das Junge von Brookia baileyt,
Bartl. Schenkel, Verh. Ges. Basel XIII, p. 194.
Parker, G. H. Correlated Abnormalities in the Scutes and Bony
Plates of the Carapace of the Sculptured Tortoise. Amer. Natural.
XXXV, pp. 17—24, figg.
Verf. beschreibt zwei abnorme Panzer von Chelopus insculptus
Lee., von welchen bei dem einen die hinteren Vertebral- und Costal-
schilder anomal sind, während die darunterliegenden Knochenplatten
keineAbweichung erkennen lassen; außerdem finden wir die vorderen
Marginalschilder rechts und zwar in Correlation mit den darunter-
liegenden Knochenplatten in der Zahl verringert. Bei dem anderen
Exemplar ist sowohl an den Knochenplatten als in den Hornschildern
eine symmetrische Anomalie erkennbar; hier finden sich zwischen
dem 8. Marginalschild jederseits und dem Pygalschild nur zwei anstatt
drei Schilder und ebenso fehlt ein ganzes knöchernes Segment in der
entsprechenden Region (Neural-, Costal- und Marginalplatte), womit
auch eine Verkürzung des Panzers Hand in Hand geht. Verf. hält,
trotzdem die abnormen Horn- und Knochenplattenpartien nicht über-
einanderliegen, dafür, daß trotzdem eine Correlation zwischen beiden
besteht und erklärt dies aus dem Umstande, daß die ectodermalen
Hornplatten des Panzers vorn ebenso schnell, nach hinten aber schneller
wachsen als die mesodermalen Knochenplatten, so daß eine in früher
Arch, f. Naturgesch. 70. Jahrg. 1904. Bd. II. H.1. (UI.) 4
50 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
Jugend einem Complex beider übereinanderliegender Platten gleich-
zeitig widerfahrene Störung bei ersteren weiter hinten sichtbar wird als
bei letzteren. Verf. schließt sich in der Annahme, daß bei den primitivsten
Schildkröten über jede Knochenplatte eine Hornplatte gelegen sei,
Götte und Gadow an.
W. Rumann, Emys in den Alpen. Natur und Haus. X. p. 364.
Berichtet über den Fund einer lebenden, kräftigen Zmys in Mitten-
wald a. Isar.
Bacnosanu, P. A. Cheloneenele dın Romanıa. Publicatiunile
Societatei din Romania, No. 1, p. 9.
Carruceio, A. Cenni illustrativi su alcuni Cheloni di Sarawak donati
da S. M. il Re Umberto. Boll. Soc. Zool. Ital. (2) I. pp. 94—98.
Cyclemys dhor, Gray. Bemerkung von Carruccio, Boll. Soc. zool. Ital. (2)
I, p. 9.
Geoemyda spinosa, Gray. Bemerkung von Carrueeio t.c. p. 97.
Sordelli, F. Anomalia in una Testuggine (Cinixys belliana Gray)
del Sudan orientale. Atti Mus. Milano XXXIX, pp. 111—114, figg.
Cinixys belliana, Gray. Über eine abnormes Exemplar: Sordelli, Atti Mus.
Milano XXXIX, p. 111, figg.
Rothschild, W. On a new Land-Tortoise from the Galapagos
Islands. Nov. Zool. VIII, p. 372.
Testudo becki, sp. n., Rothschild, Nov. Zool. VIII, p. 372, Albemarle Insel,
Galapagos-Archipel.
Philippi, R. A. Die Seeschildkröten Chiles. Arch. f. Naturg.
LXVII. pp. 109—114, figg.
In der Arbeit werden von den Küsten Chile’s, wo bis vor etwa
20 Jahren niemals Schildkröten beobachtet wurden, fünf Arten be-
schrieben, nämlich Sphagis coriacea, Sph. angustata n. sp. (p. 110, fig.,
Tocapılla, nahe der Mündung des Rio Loa), Thalassochelys tarapacana
und controversa nn. spp. (p. 111, 113), C'helone lata n. sp. (p. 114).
Thalassochelys libyca, sp. n., (foss.), Andrews, Geol. Mag. (2) Dec. IV, VIII,
p. 441, Eocän, Egypten.
Zeleny, Ch. The early development of the hypophysis in Chelonia.
Biol. Bull. Boston, Vol. 2, p. 167—181, 9 Figg.
Bei C'helonia nimmt das Mesoderm an der Bildung der Hypophyse
keinen Anteil.
Dollo, L. Sur l’origine de la Tortue Luth (Dermochelys coriacea).
Bull. Soc. Bruxelles 1901, 26 pp.
Psephophorus eocaenus, sp. n. (foss.), Andrews, t.c. p. 440, fg., Eocän,
Egypten.
Ichthyosauria.
Bauer, F. Ichthyosaurus bambergensis, spec. nov. Beschreibung
einer neuen Ichthyosaurusart aus dem oberen Lias von Geisfeld, nebst
einigen vergleichend-anatomischen Bemerkungen über den Schulter-
gürtel. Ber. Ges. Bamberg. XVIII, No. 3, 56 pp., figg., 2 Taf.
Ichthyosaurus bambergensis, sp. n., Bauer, Ber. Ges. Bamberg XVIII, No. 3,
figg., 2 Taf., Ober Lias von Geisfeld, Deutschland.
III. Reptilia und Amphibia für 1901. Sr
Thecodontia.
Me Gregor, J. H. Characters and Relationships of the Belodont
Reptiles. Science (2) XIII, p. 272.
Die Belodontia werden als zwischen den Ichthyosauriern und den
Rhynchocephalen stehend betrachtet.
Rhynchocephalia.
Gadow (s. Seite 1) nennt die ganze Gruppe Prosauri und teilt sie
in die beiden Unterordnungen Protorosauri und Rhynchocephali. Mit
den Microsauria zusammen bilden sie nach dem Verf. die Prosauria.
Howes, 6. B. und Swinnerton, H. H. On the Development of the
Skeleton of she Tuatara, Sphenodon punctatus; with Remarks on the
Egg, on the Hatching, and on the Hatched Young. Tr. Zool. Soc. XVI,
pp. 1—86, Taf. I-VI. (Ref. in Jahresb. Zool. Stat. Neapel f. 1901,
p. 106, 108, 110, 118.)
Harrison, H. S. Hatteria punctata, its Dentition and its Incubation
Period. Anat. Anz. XX, pp. 145—158, figg. (Ref. in Zool. Centralbl.
IX. p. 807.)
Derselbe. The Development and Succession of Teeth in
Hatteria punctata. Quart. J. Micr. Sci. (2) XLIV, pp. 161—213.
Taf. X—XIl.
Im Gebiß von Hatteria wird die erste Dentition schon im Ei ab-
geworfen; die Zähne des 2. und 3. bleiben nebeneinander bestehen
und außerdem werden am Vorder- und Hinterende der Zahnreihen
an den Kieferknochen weitere Zähne gebildet, die als 4. und 5. Dentition
betrachtet werden. Sind die Zähne abgenutzt, so tritt der Kieferknochen
frei zu Tage und seine Oberfläche wird hart und schmelzähnlich. Verf.
meint, daß in Anbetracht des frühen Auftretens einer Eischwiele und
einer Hautzeichnung des Embryos die Embryonalentwicklung ur-
sprünglich nicht mehr als 4 Monate gedauert und erst in Anpassung
an klimatische Veränderungen durch Überwintern des Embryos sich
ausgedehnt habe.
Virchow, H. Über die Netzhaut von Hatteria. $. B. Ges. naturf.
Berlin 1901, pp. 42—62, and Arch. Physiol. 1901, pp. 355—363.
Ausf. Ref. in Jahresb. Zool. Stat. Neapel f. 1901, p. 178 u. Zool.
Centralbl. IX p. 95.
Lubasch, W. Drei kritische Beiträge zur vergleichenden Anatomie
des N. accessorius. Anat. Anz. 19. Bd. p. 461—478, Taf. IX.
Der Accessorius entspringt bei Hatteria fast genau so wie bei den
übrigen Sauropsiden.
Naosaurus mirabilis, Fristch (foss.), Bemerkung und Abbildung von Fritsch,
Faun. Gaskohle IV, p. 86, figg.
Anomodontia.
Broom, R. On the Structure and Affinities of Udenodon. P.Z. 8.
1901, II, pp. 162—19%0, figg., Taf. XVI—XVIlI. Ref. in Jahresb.
Zool. Stat. Neapel f. 1901, p. 105.
4*
52 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
Derselbe. On the Structure of the Palate in Dieynodon and
its Allies. Tr. S. African Soc. XI, pp. 169—176, Taf. XXV.
Derselbe. On Ictidosuchus primaevus. T. c. pp. 177—184.
Taf. XXVI u. XXVI.
Udenodon gracilis, sp. n. Broom, P. Z. S. 1901, II, p. 162, Taf. XVI—XVII,
Untere Karrooschichten von Pearston, S. Afrika.
Ictidosuchus, g.n., wahrscheinlich verwandt mit Theriodesmus, für I. pri-
maevus, sp. n., Broom, t.c. p. 177, Taf. XXVI u. XXVII, Trias von Pearton,
S. Afrika.
Pariosaurus, Seeley. Über Reste einer neuen Art aus dem Perm von Nord-
Rußland: V. Amalitzky, C. R. Ac. Sci CXXXIJ, p. 593.
Amphibia.
Semon, R. Über das Verwandtschaftsverhältniss der Dipnoer und
Amphibien. Zool. Anz. XXIV, pp. 180—188.
Verf. vertritt gegen Dollo die Auffassung, daß die Dipnoer den
Amphibien näher stehen, als die Crossopterygier, gibt eine Übersicht
der Hauptmerkmale, durch welche die Dipnoer im Gegensatz zu den
übrigen Fischen sich den höheren Formen (besonders Amphibien)
nähern und über die wichtigsten Spezialisationen der D. und kommt
zu dem Schlusse, daß die Crossopterygier keinen einzigen Charakter
aufweisen, durch welchen sich bei ihnen eine Entwicklung in der
Richtung gegen die Amphibien und Tetrapoden überhaupt doku-
mentierte (s. dagegen die Arbeit von Baur über Crossopt. u. Stego-
cephalen, Ber. f. 1895 p. 376).
Die Dipnoer und Amphibien können entweder beide aus demselben,
wenn auch kurzen Stamm entsprossen sein oder beide Zweige für sich,
wenn auch in allernächster Nähe aus einer gemeinsamen Wurzel,
vermutlich einen Urselachier mit amphistylen Quadratum.
Bruner, H. L. The Smooth Facial Muscles of Anura and Sala-
mandrina, a Contribution to the Anatomy and Physiology of the Res-
piratory Mechanism of the Amphibians.. Morphol. Jahrb. XXIX,
pp: 317—364, Taf. XVII u. XVII.
Bernard, H. W. Studies in the Retina: Rods and cones in the
Frog and in some other Amphibia. Part II. Quart. J. Mier. Se. (2)
XLIV, pp. 443—468, Taf. XXX—XXXlI
Kapelkin, W. Zur Frage über die Entwicklung des axialen Skelets
der Amphibien. Bull. Soc. Moscou 1900, pp. 433—448, Taf. V—-VI.
Das Chordaepithel scheidet bei Anuren und Urodelen eine doppelte
Membran ab, nämlich die Elastica externa und nach innen davon die
faserige Scheide; um erstere herum wird von der skeletogenen Schicht
bei den Urodelen eine Cutieula sceleti abgeschieden, innerhalb davon
bildet sich der Intervertebralknorpel, während der Vertebralknorpel
aus den Zellen des Chordaepithels hervorgeht. Das Steissbein der
Anuren wird mit den unteren Bogen homologisirt.
III. Reptilia und Amphibia für 1901. 53
Hinsberg, V. Die Entwicklung der Nasenhöhle bei Amphibien.
Theil I u. II. Anuren und Urodelen. Arch. mikr. Anat. LVIII, pp. 411
—482, fig., Taf. XIX—XX1.
Ausführliche Arbeit, die sich auf Untersuchungen an Rana,
Amblystoma und Triton gründet und im Jahresb. Zool. Stat. Neapel
f. 1901 p. 164 eingehend referiert ist.
Barfurth, D. Ist die Regeneration vom Nervensystem abhängig?
Verh. Anat. Ges. 15. Vers. p. 197—201.
Versuche an Siredon und Larven von Rana fusca über die Frage
ob die Regeneration vom Nervensystem abhängig ist. Es zeigte sich,
daß in den ersten Stadien der Regeneration die Ausschaltung des
Nervensystems keinen Einfluß auf den rechtzeitigen Eintritt der R. hat,
wohl aber später. Ref. in Jahresb. Zool. Stat. Neapel f. 1901, p. 61.
Fischel, A. Untersuchungen über vitale Färbung. Anat. Hefte
1. Abth. 16. Bd. p. 415—530, Taf. 38—43.
Vitalfärbungen mit verschiedenen Farbstoffen an Larven von
Rana temporaria, Siredon und Salamandra. Ausf. Ref. in Jahresb.
Zool. Stat. Neapel f. 1901, p. 49.
Einzelne Abteilungen.
Ecaudata.
Raftaele, F._ Össervazioni ed esperimentı su embrionı e iarve di
anuri. Monit. Zool. ital. XII, pp. 221—222.
Verf. durchschnitt Larven von Rana und Discoglossus hinter dem
respiratorischen Teil des Darmes in zwei Stücke und fand, daß jedes
Stück sich weiter entwickelte, daß aber keine Regeneration, sondern
nur Vernarbung der Wundflächen eintrat. Im hinteren Teile wurden
zwar Blutzellen und Gefäße angelegt, doch kam es nicht zur Ausbildung
eines Kreislaufes.
Derselbe. Dubbi sull’ esistenza del mesoderma gastrale.
2ee.p: 221.
Verf. bezweifelt das Vorkommen eines echten gastralen Mesoderms
bei Embryonen von Rana, Bufo u. Discoglossus; vom Entoderm ist
das M. nur in der Blastoporusgegend nicht deutlich getrennt.
Brandes, G. u. Schoenichen, W. Die Brutpflege der schwanzlosen
Batrachier. Abh. Ges. Halle XXII, pp. 395—461, figg., Taf. II—IV.
Zusammenfassung der Erscheinung der Brutpflege bei Anuren,
wie eine solche allerdings schon mehrmals vorher in der Literatur
(vgl. Ber. f. 1900, p. 38, 39) existiert. Untersucht wurden zwei Noto-
trema-Arten, eine H ylodes- und eine Rappia-Art. Die Verf. unterscheiden
eine Brutpflege zum Schutze gegen lebendige Feinde und gegen klı-
matische Verhältnisse, namentlich gegen das Austrocknen der die Brut
enthaltenden Wasseransammlungen. Der ersten Kategorie werden die
genugsam bekannten Fälle von Brutpflege bei Ayla faber, Lepto-
dactylus u. Paludicola, Phyllomedusa, Alytes, Pipa, der zweiten die bei
Hylodes lineatus, Nototrema, Hyla goeldii, Hylodes martinicensis und
54 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
Rana opistodon zugerechnet, obwohl diese Unterscheidung sich kaum
in dieser Weise aufrecht erhalten lassen wird.
Kammerer, P. Neue Erfahrungen in der Lurchpflege. Bl. f. Ag.
u. Terr. Fr. XII. 1901 p. 216—217, 229—230, 247—248, 260 — 261,
268—270.
Winke für die Pflege von Amphibien in Gefangenschaft; eine
Heizung hält er auch bei tropischen Arten für überflüssig (?); ferner
über Krankheiten gefangener Lurche, über die der Verf. eine ganz
außergewöhnliche Erfahrung besitzt (s. auch p. 38), über Fütterung.
Jacob, E. Beobachtungen am Terrarium. Bl. f. Aq. u. Terr. Fr.
XI. 1900 p. 33—38; 48—52.
Beobachtungen an Bombinator, Bufo viridis, Salamandra maculosa
(Stimmäußerungen; Einfluß der Witterung; Paarungsspiele etc.)
Werner, F. Beschreibung neuer Frösche aus Bolivia, Ostindien
und Neu-Guinea. Zool. Anz. XXIV, 97—103.
Spencer, B. Two New Species of Frogs from Victoria. P. Soc.
Victoria (2) XIII, pp. 172—178.
Ranidae.
Gaupp, E.E A. Ecker’s und R. Wiedersheimers Anatomie des
Frosches, auf Grund eigener Untersuchungen durchaus neu bearbeitet.
Dritte Abteilung, erste Hälfte. Lehre von den Eingeweiden. Braun-
schweig, 1901, 438 pp., figg.
Kühn, A. Weiterer Beitrag zur Kenntnis des Nervenverlaufs
in der Rückenhaut von Rana fusca. Arch. mikr. Anat. LVII, pp. 445
—479, figg.
Bonne, €. Sur les gouttelettes de graisse a existence temporaire »
des ganglions spinaux de la Grenouille. €. R. Soc. Biol. LIII, pp. 474
—476.
Morat, J.P. Reserve adipeuse de nature hivernale dans les Ganglions
spinaux de la Grenouille. C. R. Soc. Biol. LIII, pp. 473—474.
Gelbfärbung der Spinalganglien bei Rana ist auf das Vorhanden-
sein von Fetttröpfehen zurückzuführen, welche nach Bonne in der
bindegewebigen Kapsel ihren Sitz haben dürften und nach dem Winter-
schlaf verschwinden.
Cole, F. 3. Some Variations in the Spinal oe of the Frog, with
a Note on an abnormal Vertebral Column. P. Liverp. biol. Soc. XV,
pp. 114—124, Taf. I u. II.
Sfameni, Ant. Richerche anatomiche intorno all’ esistenza dı nervi
ed al loro modo di terminare (ete.). Monit. Zool. Stat. Anno 12, p. 313
= 325:
Tonkoff, W. Über die elastischen Fasern in der Froschhaut. Arch.
mikr. Anat. LVII, pp. 95—101, Taf. VII.
Kahn, R. H. Über die in den Sehnen der schiefen Bauchmuskeln
bei Fröschen vorkommenden „Inscriptiones elasticae“. Arch. mikr.
Anat. LVII, pp. 102—117, Taf, VIII,
III. Reptilia und Amphibia für 1901. 55
Zachariadss, P. A. Sur les cretes et les cannelures des cellules con-
jonetives. C. R. Soc. Biol. Paris, Tome 53, p. 492—494.
Entstehung der rinnenartigen Aushöhlungen im Protoplasma der
Sehnenzellen von Rana durch Eindringen der jungen Bindegewebs
fibrille in das Zellplasma, von dem sie einen Teil zu ihrer Ausbildung
verbraucht. Ref. in Jahresb. Zool. Stat. Neapel f. 1901, p. 54.
Shore, T. W. On the Development of the Renal-portals and Fate
of the Posterior Cardinal Veins in the Frog. J. Anat. Physiol. norm.
path. (2) XV, XVII, pp. 20—46, figg.
Entwicklung der Vena renalis advehens und V. cardinalis bei
Rana, Vorkommen von zweierlei Typen des Pfortaderkreislaufsystems
der Niere; auch Bemerkungen über die Entwicklung der Urniere und
die Degeneration der Vorniere. Ref. in Jahresb. Zool. Stat. Neapel
f. 1901, p. 204.
Derselbe. Abnormal Veins in the Frog. Op. c. pp. 323—329,
figg.
; Hoyer, H. Über die Continuität der contractilen Fibrillen in den
Herzmuskelzellen. Bull. Acad. Cracovie p. 205—215, 3 Figg.
Bei Rana wurden in der embryonalen Herzwand Muskelfibrillen
gefunden, die sich über mehrere Kernterritorien hintereinander er-
strecken.
Gaupp, E. Über den Muskelmechanismus bei den Bewegungen
der Froschzunge. Anat. Anz. XIX, pp. 385—3%, figg.
Derselbe. Bemerkung, betreffend das Epithel auf den Papillen
der Froschzunge. Op. eit. XX, pp. 269 u. 270.
Hartog, M. Sur le möcanisme de la propulsion de la langue chez
les Amphibiens anoures. C. R. Ac. Sci. OXXXII, pp. 588 u. 589.
Derselbe. The Mechanism of the Protrusion of the Tongue
of the Anura. — Vorläufige Mitteilung, vom Verf. aus voriger Arbeit
mit kleinen Änderungen übersetzt.
Gaule, J. Die Veränderungen des Froschorganismus (R. esculenta)
während des Jahres. Arch. ges. Phys. LXXXVIH, pp. 473—537, figg.
Gaule, Alice. Die geschlechtlichen Unterschiede in der Leber des
Frosches. Arch. Ges. Physiol. LXXXIV, pp. 1-5, Taf. 1.
Bei Rana ist das Gewicht der Leber im Vergleich zu dem des
Körpers beim $ größer als beim 9, das absolute Gewicht ist aber
beim @ größer, mit Ausnahme der Monate März bis Mai, wo das Ge-
wicht der Ovarien auf Kosten der Lebersubstanz steigt.
Spemann, H. Über Correlationen in der Entwickelung des Auges.
Verh. Anat. Ges. 15. Vers. p. 61—79, 11 Figg.
Bei Rana kann sich bei Ausschluß einer Linsenwucherung die
primäre Augenblase in den Augenbecher umwandeln; die Bildung der
Linse ist vom Contakt zwischen Epidermis und Augenbecher abhängig.
er weitere experimentelle Nachweise s. Jahresb. Zool. Stat. Neapel
f. 1901, p. 180.
Barbadoro, L. Gli strati della retina nello sviluppo della rana.
Anat. Anz. XIX, pp. 597—601, figg. (Ref. in Zool. Centralbl. IX. p. 715.)
56 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
Über die Veränderungen der Retina bei Rana während der Ent-
wickelung, in Bezug auf Zahl, Form und Anordnung der Zellkerne.
Marage, —. Quelques remarques sur les otolithes de la Grenouille.
C. R. Ac. Sci. OXXXIL, pp. 1072—1074, figg.
Suchard, E. Observations nouvelles sur la structure de la valvule
de Brücke et sur röle dans la respiration bucco-pharyngienne de la
Grenonille. C.R. Soc. Biol. LIII, pp. 1179 u. 1180.
Arnold, J. Über „Fettkörnchenzellen‘“; ein weiterer Beitrag zur
„Granulalehre“. Arch. Path. Anat. 163. Bd. p. 1—20, Taf. 1.
Über die Aufnahme fettartiger Substanzen, die in dem Rücken-
lymphsack von Fröschen, besonders Rana fusca, eingeführt wurden,
durch die ausgewanderten Zellen und Bildung von Fettkörnchenzellen.
Ref. in Jahresb. Zool. Stat. Neapel f. 1901, p. 54.
Johnson, R. H. Three Polymelous Frogs. Amer. Natural XXXV,
pp. 25—31, figg.
Verf. beschreibt und bildet sciagraphisch ab ein Exemplar von
Rana palmipes, welches zwei überzählige Vorderbeine besitzt, welche
aus der rechten, bezw. linken Scapularregion entspringen, eine R. hale-
cina, bei welcher über dem linken Hinterbein ein überzähliges, fast
normal gezeichnetes (beim vorigen Fall ist das linke, kleine über-
zählige Vorderbein pigmentlos) Hinterbein von kaum geringerer Größe
entspringt, schließlich eine weitere R. halecina, bei welcher ventral vom
normalen rechten Vorderbein aus einem gemeinsamen Stamm zwei
anscheinend normal gebaute und gefleckte Beine sich abzweigen.
Eigenmann, €. H. u. Cox, U. 0. Some Cases of Saltatory Variation.
Amer. Natural. XXXV, pp. 33—38, figg.
Ein Exemplar von Rana pipiens zeigt eine Verdoppelung der
rechten Vorderextremität; der überzählige Arm geht unter der Kehle
nach links bis unterhalb des Auges; in der Mitte der Kehle ist er durch
ein Band von Haut wie durch eine Schlinge festgehalten. Statt des
ersten Fingers sind ihrer zwei vorhanden.
Loisel, 6. Grenouille femelle presentant les caracteres sexuels
secondaires du mäle. ©. R. Soc. Biol. LIII, pp. 204—206.
Kathariner, L. Über die bedingte Unabhängigkeit der Entwicklung
des polar differenzierten Eies von der Schwerkraft. Arch. Entwick.-
mech. XII, pp. 597—609, fig.
Bei der Entwicklung des Laiches der Rana fusca hat weder die
Schwerkraft noch eine andere von außen her richtend einwirkende
Kraft für die normale Entwicklung die Bedeutung einer gestaltenden
Ursache oder notwendigen Bedingung. Laichballen welche in einem
Gefäß mit Wasser, durch welches Luft geleitet wird, zur Entwicklung
gebracht werden, entwickeln sich ganz normal, da der ‚‚Effect‘‘, den eine
äußere richtende Kraft in einem Moment setzen will, durch eine in
anderer Richtung wirkende Kraft im nächsten Moment wieder auf-
gehoben wird.
Godlewski, E. Die Einwirkung des Sauerstoffes auf die Entwicklung
von Räna temporaria und Versuch der quantitativen Bestimmung
II. Reptilia und Amphibia für 1901. 57
des Gaswechsels in den ersten Entwicklungsstadien. Arch. Entwick.-
mech. XI, pp. 585—616, Taf. XXI u. XXII.
Verlauf und Tempo der Entwicklung von Rana temporaria steht
im innigen Zusammenhange mit der Sauerstoffanwesenheit; bei ver-
mehrter Sauerstoffzufuhr verläuft die Entwicklung schon von der
ersten Furche an rascher. Die Atmungsenergie nimmt mit dem Fort-
schritte der Entwicklung zu.
Rondeau-Luzeau (Mme.). Action des solutions isotoniques de
chlorures et de sucre sur les oeufs de Rana fusca. C. R. Soc. Biol. LIII,
pp. 433—435.
Wirkung von 20 %Wigen Zucker- und 1% igen Kochsalzmengen
auf befruchtete und unbefruchtete Eier von Rana fusca. Die Wirkung
der Lösungen auf befruchtete Eier war nur nach langer Dauer wahr-
zunehmen, bei den unbefruchteten trat Furchung schon nach zwei-
stündiger Einwirkung auf, ging aber nicht tief (nicht einmal !/, des
Eidurchmessers) und nur bis zum 4. Stadium. Die Zuckerlösungen
wirken viel später als die Salzlösungen, letztere schon bei der Furchung,
erstere erst beim Urmundverschluß.
Henneguy, F. Essai de parthenogenese experimentale sur les oeufs
de Grenouille. ©. R. Soc. Biol. LIII, pp. 351—353.
„Parthenogenetische“ Furchung der vegetativen Eihälfte bei Rana
temporaria durch Einwirkung verschiedener Substanzen.
Bataillon, E. Sur l’evolution de la fonction respiratoire chez les
oeufs d’Amphibiens. Arch. Entwickl.mech. XII, pp. 302—304.
Findet die Resultate seiner und Godlewski’s Arbeiten über
die Absorption des Sauerstoffs durch die sich entwickelnden Frosch-
eier übereinstimmend. Die Schwankungen der Curve des Sauerstoff-
verbrauchs sind an gewisse Entwicklungsstadien gebunden.
Godlewski, EE Bemerkungen zu der Notiz E. Bataillon’s ‚Sur
l’evolution de la fonction respiratoire chez les oeufs d’Amphibiens.““
Op. eit. XII, pp. 305 u. 306.
Bataillon, E. La pression osmotique et les grands propl&me de la
Biologie. Arch. Entwick.-mech. XI, pp. 149—184, Taf. V.
Wirkung von isotorischen Lösungen auf Eier von Rana esculenta,
die nach 24 Stunden die ersten beiden Furchen regelmäßig entwickelt
zeigt, aber spätestens nach dem 4. Furchungsstadium zu Grunde gingen.
Derselbe. Sur l’evolution des oeufs immatures de Rana fusca.
C. R. Acad. Sc. Paris, Tome 132, p. 1134—1136.
Verf. beobachtete, daß Exogastrulae bei der Entwicklung un-
reifer Eier von Rana fusca auftraten; die Schwankungen im osmotischen
Druck waren dieselben, wie bei Einwirkung von Lithiumlösungen auf
reife Eier.
Derselbe. Etudes experimentales sur l’evolution des Am-
phibiens. Les degres de maturation de l’oeuf et la morphogenese.
Arch. Entwicklmech. XII. pp. 610—655, figg.
Wirkung von Zucker- und Kochsalzlösungen auf Eier, welche vor
völliger Reife dem Uterus von. Rana temporaria entnommen und be-
58 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
fruchtet wurden; es entstanden teils normale Larven, teils bewegliche
Monstrositäten, welche ‚‚aneidea terata”’ genannt werden und den
Exogastrulae Herbsts entsprechen. Ref. in Jahresb. Zool. Stat. Neapel
f. 1901, p. 49.
Derselbe. Sur la valeur comparee de solutions salines on
sucrees, en teratogenese experimentale. C. R. Acad. Sc. Paris, Tome 132,
p. 852—854.
Verf. sieht die teratogene Wirkung von Salzlösungen auf die Ent-
wicklung der Eier von Rana temporaria in der durch sie erzeugten
Plasmolyse. Das Maximum des Widerstandes gegen die Salzlösungen
liegt bei 15°C. und entspricht nicht dem Optimum der Entwicklung.
Ref. im Jahresb. Zool. Stat. Neapel f. 1901, p. 48.
Müller, Lorenz. Ochsenfrosch (Rana catesbiana Shaw) und Aga
(Bufo marinus Seba). Natur u. Haus X. p. 131—135, Taf.
Beschreibung, Lebensweise in Gefangenschaft, Nahrung, Krank-
heiten, Stimme, Häutung.
Kammerer, P. Der Ochsenfrosch (Rana catesbyana Shaw =
mugiens Merrem). Bl. f. Aq. u. Terr. Fr. XII. 1901 p. 180—182, 189
—1%. 2 Figg.
Sprenger, W. Der Springfrosch (Rana agilis). Bl. f. Aq. u. Terr.
Fr. XI. 1900 p. 171—173.
Beschreibung dieser Art und ihrer Lebensweise. Die beigegebene
Abbildung ist wenig kenntlich. — 8. auch Wolterstorff, Über
die Verbreitung des Springfrosches (Rana agilis) in Deutschland.
(Naturwiss. Wochenschr. XV. No. 18, abgedruckt in Bl. f. Aq. u. Terr.
Fr. XI. 1900 p. 157—162).
„Frösche und Libellen“ u. ‚„Jagdlist des Wasserfrosches“. Natur
u. Haus X, p. 21—22.
Unter diesem Titel finden sich Angaben über die Art und Weise,
wie Wasserfrösche unter dem Schutze ihrer mit der Pflanzendecke
übereinstimmenden Färbung Libellen fangen, sei es, daß sich diese
direkt auf die Schnauze des Frosches oder in Copula auf die Uferpflanzen
setzen.
Boulenger, 6. A. Description of a new Frog from British East
Africa, Ann. Nat. Hist. (7) VIII. pp. 515 u. 516.
Steineger, L. A new Species of Bullfrog from Florida on the
Gulf Coast P. U. S. Nat. Mus. XXIII. pp. 211—215, fig.
Wolterstorff, W. Über ein Exemplar von Rana meriani v. Meyer,
im Senckenberg. Museum zu Frankfurt a. M. Ber. Senckenberg. Ges.
1901, pp. 39—44.
Rana esculenta, L. Bemerkungen über die Varietäten: Wehely, Zool. Ergn.
Zichy Forschungsreise, p. 59; R. temporaria, L. und arvalis, Nilss. Bemerkungen
über russische und sibirische Exemplare, id. ibid. pp. 63 u. 64; R. temporaria, L.
Über ein weibliches Exemplar mit Brunstschwielen: 6. Loisel, C. R. Soc. Biol. LIII,
p. 204; R. granulosa, Anders. Bemerkung von Boettger, Ber. Senckenberg. Ges.
1901, 52; R. novae-britanniae, Wern. Bemerkung von Werner, Verh. Ges. Wien
LI, p. 614; R. varians, Blgr., abgebildet von Boettger, Abh. Senckenb. Ges.
III. Reptilia und Amphibia für 1901. 59
XXV, p. 366, Taf. XV, fig. 8; R. lateralis, Blgr., Bemerkung u. Abbildung von
Laidlaw, P. Z. S. 1900, p. 886, Taf.LVII, figg. 1 u. 2; R.larutensis, Blgr. Kaul-
quappe beschrieben und abgebildet; id. ibid. p.886, Taf. LVII, figg.3 u. 4; R.
meriani, H. v. Mey. (foss.). Beschreibung u. Abbildung eines vollständigen Skelets
Wolterstorff, Ber. Senckenberg. Ges. 1901, p.39, Taf. I; R. grylio, sp. n., Stej-
neger, P. U. S. Mus. XXIV, p. 212, fig.; Florida und Golf-Küste, westlich bis
zum Mississippi; R. narina und namiyei, spp. nn. id., P. Soc. Washington XIV,
pp- 189 u. 190, Okinawa Shima, Liu-Kiu-Inseln; R. mocquardi, sp. n., Werner,
Zool. Anz. XXIV, p. 98, Celebes; R. baramica, sp. n., Boettger, Abh. Senckenb.
Ges. XXV, p. 391, Borneo (nach Boulenger vielleicht eine Var. von R. glandulosa,
Blgr.); R.moeruensis, sp. n., Boulenger, Ann. Mus. Congo, Zool. (1) II, p. 2, Taf. I,
fig. 2, Mweru-See; R. stenocephala, sp. n., Boulenger, Ann. Nat. Hist. (7) VIII,
p- 515, Brit. Ost Afrika.
Mantidactylus, Blgr. Rana pigra, sp. n., Mocquard, Bull. Mus. Paris 1900,
p- 347, Madagascar, wird zu Mantidactylus gerechnet, op. cit. 1901, p. 255.
Buergeria ijimae und ishikawae, spp. nn., Stejneger, P. Soc. Washington
XIV, p. 190, Okinawa Shima, Liu-Kiu-Inseln.
Hanitsch, R. Notes on the Flying Frog, Rhacophorus nigro-
palmatus. J. Straits Asiat. Soc. 1900, pp. 96 u. 97.
Rhacophorus nigropalmatus, Blgr. Bemerkungen von Hanitsch, J. Straits
Asiat. Soc. 1900, p. 96; R. melanopleura, sp. n., Mocgard, Bull. Mus. Paris 1901,
p- 254, Madagascar; R. acanthostomus, sp. n., Werner, Zool. Anz. XXIV, p. 98,
Ceylon.
Rappia rhodoscelis, undulata, granulata und oxyrhynchus, spp. nn., Boulenger,
Ann. Mus. Congo Zool. (1) II, pp. 3—5, Taf. II, figg.I—4, Mweru-See und Lofoi,
Katanga.
Phyllobates trinitatis, Garm. Bemerkung von Stejneger, P. U. S. Mus. XXIV,
p-179; abgebildet von Brandes und Schoenichen, Abh. Ges. Halle XXII, Taf. II,
fig. 4.
Boulenger, 6. A. Further Notes on Trichobatrachus and Gampso-
steonyx. Proc. Zool. Soc. 1901, p. 709—710, Taf. XXXVII.
Nur die Männchen von Trichobatrachus besitzen die haarartigen
Papillen und zwar sind sie bei einem von 107 mm Länge, das an-
scheinend zur Paarungszeit gefangen worden war, 5—7, bei einem andern
von 100 mm Länge 12—15 mm lang (die längeren an den Körperseiten,
die kürzeren auf den Hinterbacken); die krallenförmige Endphalanx
der Zehen ist wie bei Gampsosteonyx vorhanden, durchbricht aber
nicht immer die Haut. Beı @ampsosteonyx ist dies ebenfalls nicht
immer der Fall, auffallend ist das Vorkommen eines runden Knöchelchen
an der Dorsalseite der Endphalangen der Zehen und das Auftreten von
Sesamknöchelchen unter den Gelenken der Metacarpalia und der Basal-
phalangen aller vier Finger und zwischen der 1. u. 2. Phalange an den
beiden Außenfingern; kleinere Sesambeine finden sich auch am Fuß
in gleicher Lage; Sternum stark verkalkt, ohne eigentlichen knöchernen
Stiel. Eier bei beiden Gattungen groß, bei einem 80 mm langen Weibchen
von @. fanden sich 15 reife Eier rechts, 30 links, jedes 4 mm im Durch-
60 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
messer; ein brünstiges Männchen von 52 mm Länge besitzt eine innere
Schallblase und an der Innenseite des inneren Metacarpalglieds eine
schwarze, runde Hornschwiele.
Dendrobatidae.
Werner, F. Beschreibung neuer Dendrobatiden. Mit einer Revision
dieser Batrachier-Familie. Verh. Ges. Wien LI. pp. 627—634.
Es werden vier Gattungen unterschieden (Stumpffia mit 2, Dendro-
bates mit 15, Mantella mit 7 und Cardioglossa mit (damals) einer Artund
Bestimmungstabellen gegeben, ebenso außer 2 nn.spp. auch zwei
Schmidtsche Typen neu charakterisiert.
Mantella aurantiaca, sp. n., Moequard, Bull. Mus. Paris 1900, p. 318, Mada-
gascar; M. attemsi, sp. n., Werner, t.c. p. 627, Madagascar.
Dendrobates amoenus, sp. n., Werner, t.c. p. 627, Costa Rica.
Engystomatidae.
Mehely, L. v. Beiträge zur Kenntniss der Engystomatiden von
Neu-Guinea. Termesz. Füzetek XXIV, pp. 216—271, Taf. IVI—XH.
Ein sehr wichtiger Beitrag zur Kenntnis der Morphologie der
Engystomatiden überhaupt; es werden folgende Arten behandelt:
Mantophryne lateralis Blngr.; M. robusta Blngr. (bei welcher die Jungen
außerhalb des Wassers ohne Metamorphose im Ei sich entwickeln) ge-
hört zu einer von Mantophryne verschiedenen und Xenorhina näher
stehenden neuen Gattung @nathophryne; unter dem Namen Phrynixalus
montanus hat Böttger zwei verschiedene Formen beschrieben, von denen
die eine den Namen beibehält, die andere als Gnathophryne boettgeri
beschrieben wird; auch Xenorhina dubia gehört zu dieser Gattung.
Chaonacantha Mehely ist identisch mit Xenorhina und X. mehelyi ist
ebenso gleich X. rostrata Meh. Bei Xenorhina Ptrs. sind die inneren
Enden der Gaumenbeine so stark verbreitert, daß sie beinahe allein den
harten Gaumen bilden. Mantophryne, bei welcher ein innerer lamellen-
artiger Fortsatz des Tympanıcums das Prooticum bedeckt, G@natho-
phryne und Xenorhina stimmen darin überein, daß die Oberkiefer in
der Mittellinie vor den Prämaxillaren aneinanderstoßen, weshalb sie
als Symphignathinae den übrigen Engystomatiden, den Eleuthero-
gnathinae entgegengestellt werden. Weiter werden beschrieben:
Xenorhina oxycephala Schleg., ein neues Genus Metoporhina für M.
ocellata n. sp., ferner wird für Phrynizalus oxyrhinus Blngr. ein n.g.
Copiula aufgestellt. Phrynizalus biroi, eine ebenfalls neue Art, setzt
die sehr großen, in einer dünnen Eihaut eingeschlossenen Eier in einer
gelatinösen Hülle ins Wasser ab, wo sich die Jungen ohne Metamorphose
und ohne Kiemen, bei gleichzeitigem Hervortreten der Vorder- und
Hinterextremitäten in einer fruchtwasserähnlichen Flüssigkeit ent-
wickeln. Die übrigen Arten sind dann noch Phr. montanus Bttgr.,
Sphenophryne biroi Meh., Oreophryne senckenbergiana Btter., cele-
bensis F. Müll., Chaperina fusca Mosq. u. polysticta n.sp. Die drei
> a Ed En 1 a Da nt 1 u 6
III. Reptilia und Amphibia für 1901. 61
letztgenannten Gattungen sind durch den Besitz einer echten Clavicula
ausgezeichnet. — Verf. schließt daran Betrachtungen über die mut-
maßliche ursprüngliche Form der Entwicklung bei den Batrachiern,
als welche er die direkte in nahrungsdotterreichen Eiern, ohne Meta-
morphose und ohne Kiemen verlaufende ansieht, das zur Vermutung
führt, daß die jetzt lebenden Amphibien sich von Landtieren ableiten
und erst sekundär Kiemen erworben haben. Ref. in Zool. Centralbl.
VIII, 1901, p. 614.
Atelopus longirostris, Cope var. n. marmorata, Werner, Verh. Ges. Wien LI,
p- 600, Ecuador.
Oreophryne, Bttgr.. Bemerkung über diese Gattung, welche O. sencken-
bergiana, Bttgr. und Sphenophryne celebensis, F. Müll. umfaßt: Mehely, 1. c.
p- 254; O. senckenbergiana, Bttgr. beschrieben und abgebildet von Boettger.
Abh. Senckenb. Ges. XXV. p. 371, Taf. XVI, figg. 11.
Phrynizalus, Bttgr. Bemerkungen von Mehely l.c. p. 245; P. montanus,
Bttgr., beschrieben und abgebildet von Boettger, Abh. Senckenb. Ges. XXV,
p-.368, Taf. XVI, fig. 9; P. biroi, sp. n., Mehely, Termesz. Füzet. XXIV, p. 247,
Taf. XII, fig. 2, Neu-Guinea.
Mantophryne, Blgr. Übersicht der Arten von Werner, Zool. Anz. XXIV.
p. 102; M. microtis, sp. n., id. ibid., Deutsch-Neu-Guinea.
Gnathophryne, g.n. für Montophryne robusta, Blgr., Mehely, l.c. p. 225:
@. boettgeri, sp. n., id. ibid. p. 229, Halmaheira.
Microhyla picta, sp. n., Schenkel, Verh. Ges. Basel XIII, p. 151, fig., Cochın-
china?; M. okinavensis, sp. n., Stejneger, P. Soc. Washington XIV, p. 189, Oki-
nawa Shima, Liu-Kiu-Inseln.
Phaynomantis bifasciatus, Smith, abgebildet von Boulenger, Ann. Mus.
Congo, Zool. (1) II, Taf.II, fig.6; P.affinis, sp. n., id. ibid. p. 6, Taf. II, fig. 5,
Mweru-See.
Xenorhina dubia, Bttgr., beschrieben und abgebildet von Boettger, t. c.
p. 369, Taf. XV], fig. 10.
Choanacantha mehelyi, Blgr. = C. rostrata, Meh., und gehört zu Xenorhina,
Ptrs., Mehely, 1. c. p. 233.
Chaperina fusca, Mocq., neubeschrieben und abgebildet von Mehely, 1. c.
p- 257, Taf. XII, fig. 3; ©. polysticta, sp. n. id. ibid. p. 258, Taf. XII, fig. 4,
Neu-Guinea.
Dyscophidae.
Dyscophus alluaudi, sp. n., Mocquard, Bull. Mus. Paris 1901, p. 254, Mada-
gascar.
Platyhyla verrucosa, sp. n., Moequard, t.c. p. 254, Madagascar.
Cystignathidae.
Telmatobius verrucosus, sp. n., Werner, Zool. Anz. XXIV, pp. 97—297,
Bolivian. Chaco (bereits beschrieben in Zool. Anz. 1899, p. 182).
Hiylodes lentus, Cope, abgebildet von Meerwarth, Mt. Mus. Hamburg XVIII,
2, taf. I, fig.12, Taf. II, figg. 1—3; H.monensis, sp. n., id. ibid. p. 39, Taf. II, figg. 4
62 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
u. 5, Mona; H. nubilus, sp. n., Günther, Biol. Centr.-Amer., Batr. p. 237, Taf. LXIX,
fig. A., Costa Rica.
Philoria, g.n., nahe Limnodynastes, für P. frosti, sp. n., Spencer, P. Soc.
Victoria (2) XIII, p. 176, Victoria.
Dendrophryniscidae.
Batrachophrynus microphthalmus, sp.n. Werner, Abh. Mus. Dresden IX,
N.2, p. 13, figg. Anden von Peru.
Bufonidae.
Adler, W. Die Entwickelung der äußeren Körperform und des
Mesoderms bei Bufo vulgaris. Int. Monatsschr. Anat. XVIII, pp. 19
—42, Taf. III u. TV.
Die Entwicklung läßt zwei Phasen unterscheiden, von welchen
die erste bis zur Überdeckung der äußeren Kiemen als embryonale,
die zweite bis zum Ende der Metamorphose als die larvale bezeichnet
wird. Beschreibung der wesentlichen Merkmale beider, auch im Ver-
gleich zu den entsprechenden von Rana esculenta und fusca. Von einer
Entstehung des Mesoderms aus Coelomdivertikeln kann nach dem
Verf. keine Rede sein; da schon in den Stadien des weiten Dotter-
pfropfes und bei einer engen spaltförmigen Urdarmhöhle der größte
Teil des mittleren Keimblattes schon vorhanden ist. Verf. meint,
daß in der Masse der jüngeren Dotterzellen das Bildungsmaterial für
die Organe aller drei Keimblätter stecke, deren Differenzierung zu
verschiedenen Zeiten der Embryonalentwickelung eintritt.
Fox, H. The Development of the Tympano-Eustachian Passage
and Associated Structures in the Common Toad (Bufo lentiginosus).
P. Ac. Philad. 1901, pp. 223—260, Taf. VI—-IX.
Die anfangs (wenn noch keine Spur äußerer Kiemen zu sehen ist)
solide hyomandibulare Visceralfalte, welche das Ectoderm um diese
Zeit noch nicht erreicht, läßt später einem dorsalen u. ventralen Teil
erkennen, von welchem der letztere zu Grunde geht, während der erstere
zur Anlage der Tuba und Paukenhöhle wird. Im späteren Larvenstadium
degeneriert die Anlage und verliert auch den Zusammenhang mit dem
Pharynx; ungefähr zur Zeit des Durchbruches der Vorderextremitäten,
findet die Neubildung aus den Resten dieser Anlage statt. Die Tuba,
deren Lumen allmählich entsteht, verbindet sich schließlich mit einer
Ausstülpung des Pharynx. Auch die Entstehung des Ringknorpels, des
Steigbügels u.s.w. wird behandelt. Ref. in Jahresb. Zool. Stat.
Neapel f. 1901, p. 166.
Kink, Helen D. Experimental Studies on the Formations of the
Embryo of Bufo lentiginosus. Arch. Entwick.-mech., XII, pp. 545—564,
figg.
Bau, Reifung und Befruchtung des Eies von Bufo lentiginosus.
Das unreife Ovarialeı hat vier Hüllen, von denen die beiden äußeren
IIT. Reptilia und Amphibia für 1901. 63
Teile des Ovarial- und Peritonealepithels sind und bei der Ablage ab-
geworfen sind, während die beiden übrigen die Zona pellucida und die
Dotterhaut vorstellen. Ausf. Ref. in Jahresb. Zool. Stat. Neapel £. 1901,
p- 69.
Myers, B. D. The Chiasma of the Toad (Bufo lentiginosus) and of
some other Vertebrates. Zeitschr. Morphol. III, pp. 183—207, figg.,
Taf. XII u. XII.
Slonaker, J. R. Some Observations on the daily Habits of the Toad
(Bufo lentiginosus). P. Indiana Ac. 1900, pp. 167—170 (1901).
Conradi, A. F. Toads Killed by Squash-Bugs. Science (2) XIV,
pp. 816 u. 817.
Waite, F. €. Bufo agua in the Bahamas. Science (2) XIII, pp. 842
—843.
B. agua in Gefangenschaft s. L. Müller p. 000.
Bieler, Edmund. Der Winterschlaf und die säkulare Ausdauer
der Kröten. Bl. f. Aq. u. Terr. Fr. XI. 1900 p. 255—257, 274—276,
282— 284, 293—295.
Behandelt die bekannten Fälle, in denen man angeblich Kröten
in Gestein eingeschlossen nach vielen Jahren lebend aufgefunden
hatte und die die Unhaltbarkeit dieser Anschauungen widerlegenden
Versuche von Bückland.
Nectophryne exigua, sp. n., Boettger, Abh. Senckenberg. Ges. XXV, p. 394,
N. Borneo (=? N. everetti, Blgr. nach Boulenger).
Bufo jerboa, Blgr., angeführt von der malayischen Halbinsel von Laidlaw,
P. Z. S. 1900, p. 889; B. raddii Strauch. Bemerkung von Mehely, Zool. Ergebn.
Zichy Forschungsreise, p. 67; B. lentiginosus, Shaw. Beobachtungen über die
Lebensweise von Slonaker, P. Indiana Ac. 1900, p. 167; B. marinus, L. Über
seine Einführung auf den Bahamas-Inseln, F. 0. Waite, Science (2) XIII, p. 342;
B. marmoreus, Wgm. (= B.lateralis Wern.) Taf. LXX. fig. A, oceipitalis Cam.
Taf. LXIX. fig.C u. coniferus Cope Taf. LXIX, fig. B, abgebildet von Günther,
Biol. Centr.-Amer., Batr.; B. limensis, sp. n., Werner, Abh. Mus. Dresden IX,
N. 2, p. 14, Lima (= B. spinulosus, Wgm. nach Boulenger); B. lemairii, sp. n.,
Boulenger, Ann. Mus. Congo, Zool. (1) II, p. 1, Taf. I, fig. 1, Mweru-See.
Hylıdae.
Thon, — Über die Bionomie und Entwicklungsgeschichte von
Hyla arborea. Tagebl. v. Int. Zool. Congr. No. 8, pp. 13 u. 14.
Geyer, H. Einiges über Hyla versicolor. Natur u. Haus X, p. 188.
Verf. hat keine giftige Wirkung der Hautabsonderungen dieses
Frosches auf H.arboreas bemerkt, meint aber, daß unter Umständen
das Hautsekret auch dieser letzteren Art auf andere Exemplare der-
selben Art giftig wirkt. Als Nahrung nahm A. versicolor nur Regen-
würmer.
Stone, W. Occurrence of Hyla andersonii at Clementon, New Jersey.
P. Ac. Philad. 1901, p. 342.
64 III Reptilia und Amphibia für 1901.
Schupp, P. A. A Hyla pulchella Dum Bibr., e a funcgao chromatica.
Revist. Mus. Paulista IV, 1900, pp. 320—327.
Müller, Lorenz. Der australische Korallenfinger (Hyla coerulea).
Bl. f£. Aq. u. Terr. Fr. XII. 1901. p. 71—75.
Der mit einer trefflichen Abbildung ausgestattete Aufsatz be-
handelt Färbung und Gestalt, Nahrung und Lebensweise in Gefangen-
schaft. Eine Stimmäußerung wurde bisher mit Sicherheit noch nicht
beobachtet.
Zur Überwinterung der Laubfrösche. Bl. f. Aq. u. Terr. Fr. XI.
1900 p. 40. Methoden, Laubfrösche zu überwintern, von Dr. Hanau
und Dr. Jacob angegeben.
Hyla, Laur. Übersicht der Papuanischen Arten von Werner, Zool. Anz.
XXIV, p. 100; H. andersonii, Baird. Über das Vorkommen in New Jersey,
W. Stone, P. Ac. Philad. 1901, p. 342; H. pulchella, D. u. B. Über den Farben-
wechsel, P,. A. Schupp, Rev. Mus. Paulista IV, 1900, p. 320; H. rueppelli, Bttgr.,
beschrieben u. abgebildet von Boettger, Abh. Senckenb. Ges. XXV, p.373, Taf. XV,
fig. 12; H. copii, Blgr., Taf. LXX, fig.c, baudinii, Taf. LXXI, gabbüi, Cope, Taf.LXX,
fig. B, uranochroa, Cope, Taf.LXX, fig. D, und leucopkyllata Beiris, Taf. LXXI,
figg. C u. D., abgebildet von Günther, Biol. Centr. Amer., Batr. Hyla chinensis
Gthr. var.n. simplex, Boettger, Ber. Senckenberg. Ges. 1901, p. 53, Annam;
H.nana, p. 263, Taf. LXXIII, fig. A, Mexico (Name präoccupiert, wurde von
Boulenger, Zool. Rec. p. 33 in H. smithii umgeändert), mocquardi, p. 268, Taf.
LXXTIIL, fig.B, Guatemala oder Panama, taeniopus, p. 269, Taf. LXXII, fig. F,
Mexico, pseudopuma, p. 274, Taf. LXXII, figg. A u. B, Costa Rica, und
godmani, p. 275, Taf. LXXII, fig. E, spp. nn., Günther, op. cit.; ZH. maculata,
sp. n., Spencer, P. Soc. Vietoria (2) XIII, p. 177, Victoria; A. jeudii und papu-
ensis, spp. nn., Werner, Zool. Anz. XXIV, p. 99, Neu Guinea; H. pellucens,
verrucigera und palicaria, spp. nn., Werner, Verh. Ges. Wien LI, pp. 600 u. 601,
Ecuador.
Hylella fleischmanni, Bttgr., abgebildet von Günther, op. cit. Taf.LXXIII,
fig. D., H. picta, sp. n. id. ibid. p. 286, Taf.LXXIII, fig. C, Mexico; H. wolter-
storffi, sp. n., Werner, Verh. Ges. Wien LI, p. 613, Neu Guinea.
Nototrema oviferum Weinl. Junges abgebildet von Günther, op.cit. Taf.LXXIV,
fig. A; N. pygmeum Bttgr., abgebildet von Brandes u. Schoenichen, Abh. Ges.
Halle XXII, Taf. II, figg. 1 u. 2.
Pternohyla fodiens, Blgr., abgebildet von Günther, op. cit. Taf. LXXIV, fig.B.
Tripion spatulatus, Gthr., abgebildet von Günther, op. cit. Taf. LXXIV, fig.C.
Wilson, H. V. Closure of Blastopore in the normally placed Frog-
Egg. Anat. Anz. XX, pp. 123—128.
Bei Schließung des Blastoporus am normalen Ei von C'horophilus
verhält sich der Dotter gewissermaßen aktiv. Die ventrale Blasto-
poruslippe überwächst den Dotter in derselben Weise wie die dorsale,
doch hat, bevor sie erscheint, die dorsale schon einen Weg von 25°
zurückgelegt und die Entfernung zwischen beiden beträgt nach dem
Erscheinen der ventralen etwa 95°. Ref. in Jahresb. Zool. Stat. Neapel
£.r71901,4P.63:
II. Reptilia und Amphibia für 1901. 65
Pelobatidae.
Broman, 3. Notiz über das „Halsstück“ der Spermien von Pelo-
bates fuscus, nebst kritischen Bemerkungen über die Nomenclatur
der Spermienschwanzfäden. Anat. Anz. XX, pp. 347—351, figg.
Die Spermien von Pelobates haben kein Mittelstück, so daß der
Schwanz vom Kopf nur durch zwei hintereinanderliegende Körner
getrennt ist, die sich von Centralkörpern ableiten; sie stehen demnach
zwischen denen der Anuren, bei denen das Verbindungsstück nur teil-
weise aus den Zentralkörpern gebildet werden und denen der Urodelen,
bei denen es nur aus solchen besteht (bemerkenswert in Anbetracht
des Umstandes, daß die Pelobaliden zu den primitivsten Anuren ge-
hören). Schwanzfaden im Leben wie bei Rana einfach, aber in zwei
Fäden (wie bei Bufo normal) zerlegbar.
Tofohr, Otto. Die Zucht der Knoblauchkröte (Pelobates fuscus).
Bl. f. Aq. u. Terr. Fr. XI. 1900 p. 231—233, 244—245. (Abbildg. von
Larve u. Kröte).
Megalophrys montana, Kuhl. Bemerkungen über die Kaulquappe, von
Laidlaw, P. Z. S. 1900, p. 889.
Discoglossidae.
Picaglia, L. Aggiunti ai Vertebrati del Modenese. Atti Soc.
Modena (4) III p. 94—100.
Bombinator pachypus, Fitz. ist die einzige in den Apenninen von Modena
vorkommende Bombinator-Art; Picaglia, Atti Soc. Modena (4) III, p. 100.
Dactylethridae.
Bles, E. 3. On the Breeding-Habits of Xenopus laevis Daud.
P. Cambridge Soc. XI, pp. 220—222, fig.
Xenopus laevis Daud. Über die Fortpflanzung. Biles, P. Cambridge Soc.
XI, p. 220, fig.
Caudata.
Drüner, L. Studien zur Anatomie der Zungenbein-, Kiemenbogen-
und Kehlkopfmuskeln der Urodelen. I. Teil. Zool. Jahrb. Anat. XV,
pp: 435—622, Taf. XXV—XXXI.
Wendelstadt, H. Über Knochenregeneration. Experimentelle
Studie. Arch. Mikr. Anat. 57. Bd. p. 799—822, Taf. 43—45.
Ausbleiben der Regeneration nach totaler Exstirpation der Vorder-
armknochen oder auch nur eines derselben bei Urodelen; dagegen kann
der Humerus bei Verletzung Vorderarm und Hand regenerieren, wenn
auch die alte Hand erhalten blieb.
Prowazek, S. Zur Regeneration des Schwanzes der urodelen
Amphibien. Arb. Inst. Wien XIII, pp. 21—124, figg., Taf. III—V.
Regeneration des Schwanzes bei Salamandra, Siredon und Triton
alpestris. Ausf. Ref. in Jahresb. Zool. Stat. Neapel f. 1901, p. 60.
Arch. f. Naturgesch, 70. Jahrg. 1904. Bd. II. H.1. (II.) 5
66 II. Reptilia unl Amphibia für 1901.
Livini, F. Sviluppo di aleuni organi derivati dalla regioni branchiale
negli anfıbi urodeli (Continuazione e fine). Monit. Zool. ital. XII,
pp- 293—308, figg.
Levi, 6. Osservazioni sullo sviluppo dei coni e bastoncini della
retina degli Urodeli. Lo Sperimentale LIV, 1900. Auszug in Monit.
Zool. ital. XII, p. 144.
Wolff, 6. Entwickelungsphysiologische Studien. II. Weitere
Mitteilungen zur Regeneration der Urodelenlinse. Arch. Entwick.-mech.
XI, pp. 307—351, fig., fig. taf. VII u. VII.
Salamandrınae.
Jacob, E. Bemerkungen über Krankheiten der Schwanzlurche.
Bl. f. Ag. u. Terr. Fr. XI. 1900 p. 13—16.
Über Hautkrankheiten bei Triton marmoratus;,und Salamandra
maculosa und deren Behandlung und Ursache.
Gianelli, L. Sullo sviluppo del pancreas e delle ghiandole intra-
parietali del tubo digestivo negli Anfibii urodeli (Gen. Triton). Monit.
Zool. ital. XII, pp. 207—209.
La Pegna. Le cellule nervose gigantı nella rigenerazione del midoll
spinale caudale di Tritone. Ann. Nevrol. Napoli Anno 19, p. 486—494,
Taf.
Die Riesenganglienzellen im Rückenmark von Triton werden bei
der Regeneration des Schwanzes neu gebildet.
Herlitzka, A. Nouvelles recherches sur le d&veloppement des
blastom£res isoles. Arch. Ital. Biol. Tome 35, p. 132—142.
Aus Eiern von Molge cristata, welche nach dem Auftreten der ersten
Furchung so in zwei ungleiche Stücke zerlegt werden, daß das animale
in gleiche, das vegetative in ungleiche Teile zerfällt, entstehen zwar
Junge, aber im Vergleich zu normalen kleinere Embryonen und zwar
sind die dotterreichen Embryonen größer, die Anzahl der Somite absolut
und im Vergleich zur Körperlänge vermehrt, der Kopf dagegen relativ
kleiner als bei den dotterarmen Embryonen. Die Größe des Embryos
und die Zahl seiner Somite und der organbildenden Zellen hängt also
nur von der Quantität des Dotters ab. Nach der zweiten Furchung
wurde ein Ei in zwei Teile zerlegt und zwar längs der zweiten Furche;
jede Hälfte ergab einen Embryo; die erste nach der Trennung in jeder
Hälfte auftretende Furche vertical und erst die zweite horizontal.
Röthig, P. Über die Rückenrinne beim Ei des Triton taeniatus.
Anat. Anz. XIX, pp. 561—567, figg.
Ref. in Jahresb. Zool. Stat. Neapel f. 1901, p. 68.
Spemann, H. Entwicklungsphysiologische Studien am Triton-
Ei. Arch. Entwick.-mech. XII, pp. 224—264, figg., Taf. V.
Ergebnisse von Schnürversuchen an befruchteten Eiern von
Triton taeniatus und zwar längs der ersten Furche; die 1. Furchungs-
III. Reptilia und Amphibia für 1901. 67
ebene entspricht meist der Querebenene. In drei Fällen gelang es, die
Eier ganz durchzuschnüren; in zweien dieser Fälle entwickelte sich
jede dieser Hälfte zu einem ganzen Embryo, im dritten nur die eine,
auch bei Durchschnüren von Morulae und Gastrulae ergab sich ein
gleiches Resultat.
Braus, A. Rückenrinne und Rückennaht der Tritongastrula.
Anat. Anz. 20. Bd. p. 238—240, 5 Figg.
Abbildungen über Rückenrinne und Rückennaht der Gastrula
von Triton alpestris (nicht taeniatus, wie im Ber. f. 1895, p. 371 an-
gegeben) und Ratschläge zur leichteren Beobachtung des Er-
scheinens und Verschwindens der Rückennaht.
Bertaechini, P. Intorna all’ istogenesi del Triton cerist. Risposto
alle osservazioni di Menes e Mac Gregor. Internat. Monatsschr. Anat.
Physiol. 17. Bd. 1900, p. 408423, Taf. 14.
Verf. leitet den Körper, der sich bei Triton dem Kern der Spermatide
anlegt, bezw. in ihn eindringt, von dem Flemming’ schen Zwischen-
körperchen ab.
M. Wilhelm, Die Molche unserer Heimat. Bl. fi Ag. a Terz. )Er:
XI. 1900 p. 146—149.
Beschreibung der drei häufigsten Wassermolche Mitteleuropa’s.
Tofohr, Otto. Tritonenzucht im Weißbierglase. Bl. f- Ag. u. Terr.
Fr. XII. 1901 p. 104—106.
Gerlach, &. Einiges über Triton alpestrıs. BF) Ag. u Terr. Er:
XII. 1901 p. 77—18.
Über Pflege, Fortpflanzung und Zucht dieses Molches.
Zur Überwinterung des Triton taeniatus. Bl. fl Ag MuNere. Er.
XI 1900: p. 41:
Auffindung einer Anzahl von etwa 20 erwachsenen und doppelt
so vielen jungen Teichmolchen in einem unter morschen, mäßig feuchten
Holzpfahl etwa 50 cm unter der Erdoberfläche, am Lietzen-See in
Charlottenburg, im Januar.
Schumann, A. Der Rippenmolch (Pleurodeles Waltliı). Bl. b
Agq. u. Terr. Fr. XII. 1901 p. 116—118. (HierzuauchK.Steinwehr,
ebenda p. 141).
Bringt einiges über das Gefangenleben dieses Molches, verall-
gemeinert aber seine Beobachtungen etwas zu sehr, indem er die
aquatische Lebensweise und das Durchtreten der Rippen durch die
Haut bezweifelt.
Molge marmorata Latr. abgeb. von H. Geyer in Natur u. Haus X p. 274.
Forrest, H. E. Palmate Newt (Molge palmata) in Carnarvonshire.
Zoologist (4) V, p. 225.
Molge palmata, Schn. Angeführt von Carnarvonshire von H. E. Forrest,
Zoologist (4) V, p. 225.
Chiarugi, 6. La Segmentazione delle uova di Salamandrina
perspicillata, (Continuazione e fine) Monit. zool. ital. XIL, p. 373—381.
5*
68 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
Carrueeio, A. Nuove indicazioni sull’ „habitat“ della Salamandrina
perspicillata. Boll. Soc. zool. Ital. (2) I, pp. 92—94.
Salamandrina perspicillata, Savi. Über sein Vorkommen in der Provinz
Rom, zwischen Bassiano, und dem Monte Semprevisa, (Monti Lepini) in 900 m
Höhe, Carruceio, Boll. Soc. zool. Ital. (2) I, p. 92.
Mushoff, Hugo. Salamandrina perspicillata im Terrarium. Natur
u. Haus, X. p. 195.
Höhere Temperatur als 20-—22°R. ist verderblich ; Eiablage
erfolgte auffallenderweise außerhalb des Wassers; gegen Wasser hegt
dieser Salamander eine ausgeprägte Abneigung. Zur Zeit der Häutung
verblaßt die Brillenzeichnung fast ganz, ist danach aber wieder
schön orangegelb; die abgestreifte Haut findet als sich ringartig eng
zusammengeschobenes Gebilde vor.
Joseph, H. Über zwei Abnormitäten im Venensystem von Sala-
mandra maculosa Laur. Anat. Anz. XX, pp. 283—293, figg.
Vorkommen einer paarigen Vene anstatt der V. cava; die beiden
Stämme verlassen rechts und links vom Lig. suspensorium die Leber
und münden symmetrisch in den Sinus venosus; von ihnen ist die rechte
eine Fortsetzung des Mittelstückes der V. cava, die linke besteht aus
Zweigen, welche aus der Leber entspringen, ist also eine V. hepatica.
In einem zweiten Falle war durch einen Defekt der vorderen Hohl-
venenabschnitte, hervorgerufen durch Verwachsungen und Ver-
lagerungen der Eingeweide, eine der Cardinalvenen mächtig entwickelt
und ermöglichte den Abfluß des Blutes von den Eingeweiden zum
Herzen.
Ancel, P. Etude du developpement des glandes de la peau des
Batraciens et en particulier de la Salamandre terrestre. Arch. Biol.
XVII, pp. 257—289, Taf. VIII u. IX.
Blanc, H. Sur le Developpement de l’epiphyse et de la paraphyse
chez la Salamandra atra. C. R. Sess. Soe. Helv. Sc. Nat. 1900 p. 64
—66.
Entwicklung von Epiphyse und Paraphyse bei Salamandra. Beide
Organe sind anfangs von gleichem Bau, ersteres vom Zwischenhirn-
dach und letztere zwischen Vorder- und Zwischenhirn entspringend.
Die Epiphyse atrophiert aber, während die Paraphyse zu dem Plexus
chorioideus in Beziehung tritt.
Gurwitsch, A. Die Vorstufen der Flimmerzellen und ihre Be-
ziehungen zu Schleimzellen. Anat. Anz. 19. Bd. p. 4448, 4 Figg.
Der Stäbchenbesatz der Rachenzellen bei der Salamanderlarve
ist eine Vorstufe von®Flimmerzellen, nicht von Schleimzellen. Ref.
im Jahresb. Zool. Stat. Neapel f. 1901, p. 52.
Broman, J. Über gesetzmäßige Bewegungs- und Wachstums-
erscheinungen (Taxis- und Tropismenformen) der Spermatiden, ihrer
Zentralkörper, Kerne und Idiozome. Arch. mikr. Anat. 59. Bd.
p- 106—143, 59 Figg. Taf.f5.
III. Reptilia und Amphibia für 1901. 69
Normales Vorkommen von Riesenspermatiden bei Salamandra
infolge von atypischen Mitosen ohne Zellteilung.
Jacob, E. Zur Fortpflanzungsgeschichte des Feuersalamanders.
Bl. f. Ag. u. Terr. Fr. XI. 1900 p. 69—74.
Über die Fortpflanzung von Salamander maculosa in Gefangenschaft
Jacob, E. Zur Pathologie des Feuersalamander. Ebenda p. 59—62.
Weitere Beobachtungen über Hautkrankheiten bei Salamandra.
Provazek, (St... Die Salamanderlarve. Bl. f. Aq. u. Terr. Fr.
XII. 1901, p. 131—132, 137—138.
Namentlich über den Bau der Haut und die Färbung, Regeneration,
Verwandlung, Fortpflanzung.
Archaeotriton basalticus, H. v. Mey (foss.), Exemplar beschrieben und abgebildet
von Laube, Syn. Wirbeltierf. Böhm. Braunkohle p. 52, Taf. VIII, fig. 4.
Amblystomatinae.
Osborn, H. L. On some points in the Anatomy of a Collection of
Axolotls from Colorado and a Specimen from North Dakota. Amer.
Natural. XXXV, pp. 887—905, figg.
Beschreibung und Abbildung von Stredon-Larven aus einem See
in Süd-Colorado und des bereits im Ber. £. 1900 p. 56 erwähnten Axolotls
aus Kenmare, Nord-Dakota, der gleichfalls aus einem See stammt.
Die Dimensionen der Exemplare von Colorado, Dakota, Amenia und
St. Paul sind in Tabellenform zusammengestellt.
Norris, H. W. The Ductus endolymphaticus in the Axolotl. Anat.
Anz. XIX, p. 253.
Kammerer, P. Die Querzahnmolche. Bl. f. Aq. u. Terr. Fr. XII.
1901 p. 166—167, 177—180 Fig. (Hierher auch H. Geyer, p. 230
—231, M. Bartels p. 262—263 u. G. Krebs p. 324—325).
Behandelt die Lebensweise namentlich von Amblystoma tigrinum,
sowie von A. punctatum, opacum, talpoideum in Gefangenschaft.
Duges, A. Sobre un Amblystoma altamirani. Mem. Soc. Anat.
Alzate XVI, pp. 31—34, Taf. 1.
Amblystoma altamirani Duges. Bemerkung über ein weibliches Exemplar,
Duges, Mem. Soc. Ant. Alzate XVI, p. 31, Taf. I.
Plethodontinae.
Montgomery, T. H. Peculiarities of the Terrestrial Larva of the
Urodelous Batrachian, Plethodon cinereus. P. Ac. Philad., 1901,
pp. 503—508, Taf. XXX.
Von Plethodon cinereus, welcher vollkommen terrestrisch lebt,
wurden im Juli fünf Eier unter einem Stein gefunden, das Muttertier
lag um sie herumgerollt. Die Eier waren groß, mit gallertiger Hülle und
enthielten Embryonen, welche sich durch große verästelte Kiemen,
durch den Besitz deutlich entwickelter Gliedmaßen, von denen die
70 III. Reptilia und Amphibia für 1901.
hinteren größer waren als die vorderen und daher, ım Gegensatz zu
anderen Urodelen früher hervorgesproßt sein dürften, sowie durch eine
große Dotterkugel auf der Ventralseite aus, die nicht als Dottersack,
sondern als integrirender Bestandteil des Mitteldarmes sich erwies.
Verf. geht auf ähnliche Erscheinungen bei / chthyophis und Amphruma
ein und nimmt mit Recht an, daß derartige große Dottermassen bei
Amphibienembryonen kein Merkmal der Verwandtschaft, sondern
jedesmal selbständig als Anpassung an eine durchaus terrestrische
Lebensweise entstanden seien. Außer dem vorerwähnten Fall kennt
Verf. nur noch bei Autodas lugubris und die Eier mit Stielchen auf dem
Land an Steinen befestigt sind, wo der Embryo ebenfalls große Kiemen
und eine große Dotterkugel trägt, (Ritter u. Miller) terrestrische Ent-
wicklung.
Towle, E. W. On Muscle regeneration in the limbs of Plethodon.
Biol. Bull. Boston Vol. 2, p. 289—299, 7 Figg.
Regeneration der Muskeln der Vorderextremität von Plethodon
cinereus In den durchschnittenen Muskelfasern vermehren sich die
Kerne zuerst amitotisch. Ref. in Jahresb. Zool. Stat. Neapel f. 1901,
p. 60.
Eigenmann, €. H. Description of a New Cave Salamander, Spe-
lerpes stejnegeri, from the Caves of Southwestern Missouri. Tr. Amer.
Micr. Soc. XXIII, pp. 189—192, Taf. XXVII. (Ref. in Zool. Centralbl.
IX. p. 544.)
Spelerpes steijnegeri, sp. n., Eigenmann, Tr. Amer. Mier. Soc. XXIII, p. 189,
Taf. XXVII, S. W. Missouri.
Desmognathinae.
Wilder, H. H. The Pharyngo-Oesophageal Lung of Desmognathus.
Amer. Natural. XXXV, pp. 183—186, fig.
Bei Desmognathus fungiert ein durch einen Capillarplexus reichlich
mit Blut versorgter Teil des Vorderdarms als pharyngo-ösophageale
Lunge. Im Pharynxabschnitt ist dieser Plexus unregelmäßig reticulär,
im Ösophagus dagegen im wesentlichen aus Längsgefäßen gebildet,
die den Schleimhautfalten parallel laufen. Mund bei der Atmung
geschlossen.
Apoda.
Amphiumophis, g.n., für A. andicola, sp. n., Werner, Abh. Mus. Dresden
IX, No. 2, p. 13, Anden von Peru.
Stegocephala.
Dolichosoma scutiferum und crenatum, spp. nn., Fritsch, Fauna Gaskohle
IV, pp- 87 u. 88, Taf. CLXIII, figg. 1—5, Perm, Böhmen.
Ophiderpeton persuadens und forte, spp. nn., Fritsch, t. c. pp- 88 u. 89, Taf.
CLXIV, figg. 1—3, Perm, Böhmen.
IH. Reptilia und Amphibia für 1901. 71
Nummulosaurus, g.n. für N. kolbii, sp. n., Fritsch, t.c. p. 89, Taf. CLXII,
figg. 6—8, Perm, Böhmen.
Piyonius distinctus, sp. n., Fritsch, t. c. p.90, Taf. CLXIV, Perm, Böhmen.
Sclerocephalus ? credneri, Fritsch, t. c. p. 93, fig., Perm, Böhmen.
Beasley, H. €. Notes on type Specimen of Cheirotherium hereulis
(Egerton), P. Liverp. geol. Soc. XLII, p. 81, Taf. V.
Chirotherium herculis, Egert. Original-Exemplare beschrieben und ab-
gebildet von H. €. Beasley, P. Liverp. geol. Soc. XLII, p. 81, Taf. V.
Saurichnites intermedius, perlatus, calcaratus, caudifer, comaeformis, incur-
vatus nn. spp., Böhmisches Perm, Fritsch, Fauna d. Gaskohle IV. p. 96—97.
72
Reptilia.
III. Reptilia und Amphibia für 1901.
Inhaltsverzeichnis.
Litteratur. — Zoologische Gärten, Museen. — Nomenklaturfragen. —
Anatomie, Skelett, Nervensystem u. Sinnesorgane, Blutgefäß-
system, Genitalapparat, Regeneration. — Ethologisches .. ...
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Einzelne Abteilungen.
Squamata (Lacertilia, Rhiptoglossa, Ophidia) . ». »» 2.2...
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Dinosauira. „0: me, a ale ee 2 ıe Herne reale re ee
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Rhyaehocephala „2... „man... 000
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Amphibia.
Phylogenie, Anatomie, Regeneration ..... 2er. 0..
Einzelne Abteilungen.
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