ARCHIV
FÜR
NATURGESCHICHTE.
OSORUVBET VOSr A. F, A. WXUOMJLIUV.
IN VERBINDUNG MIT
PROF. DR. GRISEBACH IN GÖTTINGEN, PROF. vosr 8IE-
BOZiD IN ERLANGEN, DR. TROSCHEIi IN BERLIN, PROF.
A. WAGNER IN MÜNCHEN UND PROF. HUD. IVAGNER
IN GÖTTINGEN,
HERAUSGEGEBEN
VON
Dr. W. f. ERICHSON.
SIEBENTER JAHRGANG.
Zweiter Band.
ZOOLOGISCHE UND BOTANISCHE JAHRESBERICHTE,
BERLIN 1841.
IN DER NICOLAI'SCHEN BUCHHANDLUNG.
Inhalt des zweiten Bandes.
Seite
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Säug-
thiere während der beiden Jahre 1839 und 1840. Vom Prof.
Andr. Wagner in München 1
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Vögel
während der beiden Jahre 1839 und 1840. Von Demselben. 59
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Amphi-
bien während der beiden Jahre 1839 und 1840. Von Dr. F. H.
Troschel. . . , . ■ 111
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Fische
während des Jahres 1840. Von Demselben 127
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Insecten,
Arachniden, Crustaceen und Entomostraceen während des Jah-
res 1840. Vom Herausgeber 145
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Mollusken
während des Jahres 1840. Von Dr. F. H. TroscheL . . . 259
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Annulaten
während des Jahres 1840. Von C. Th. v. Sieb old 281
Bericht über die Leistungen im Gebiete der; Helminthologie wäh-
rend des Jahres 1840. Von Demselben 289
Bericht über die im Jahre 1839 und 1840 erschienenen Arbeiten,
welche die Klassen der Medusen, Polypen und Infusorien be-
treffen. Von Rud. Wagner 320
Jahresbericht über die bekannt gewordenen Arbeiten fü© Viiatomie
und Physiologie der Pflanzen a. d. Jahre 1840. Vo"'.. F.Link. 333
Bericht über die Leistungen in der Pflanzengeographie während
des Jahres 1840. Vom Prof. A. Grisebach 433
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Säugthiere während der beiden Jahre
1839 und 1840.
Vom
Prof. Andr. Wagner in Münclien.
IJer Bericht über die Leistungen im Gebiete der Therolo-
gie *) während des Jahres 1838 ist der letzte, welchen der
Gründer dieses Archivs, dessen frühzeitiger Heimgang für
die Wissenschaft ein schwerer Verlust geworden ist, noch bear-
beitete. Innerhalb der zwei darauf folgenden Jahre, welche
den Gegenstand des vorliegenden Berichtes ausmachen**), ist
über die Säugthiere eine nicht geringe Anzahl Arbeiten er-
schienen, die theils durch Zufügung neuer Arten den Umfang
dieser Klasse erweitert, theils durch Aufhellung des Innern
Baues der Kenntniss derselben eine tiefere Begründung ge-
währt haben. An Werken, welche seit einer längern Reihe
von Jahren der Bearbeitung der ganzen Klasse sich widmeten,
hat eines, die Histoire nat. des Mammifeies von Frederic
Cuvier mit der 70ten Lieferung ganz aufgehört; es ist die
*) Ich bediene mich hier für Säiigthierkunde des von Wagler
vorgeschlagenen Namens Therologie (von 0)]o, Wild) als des
kürzesfen und wohllautendsten. Mammalogie und Mastologie
bedeutet blos: Brustlehre, wobei ersteres Wort überdies als Vox
liybrida zu verwerfen ist. Sachlich und sprachlich ist zwar Masto-
zoologie richtig, lautet aber gar zu mastig. Wem jedoch auch der
Waglersche Name nicht gefällt, möge einen bessern in Vorschlag
bringen.
**) Nur ausnahmsweise ist einigemal auch auf 1841 eingegangen
worden.
Archiv f. Naturgcsch, VII. .Tahrg, 2. Bd. /J
reichhaltigste und schönste Sammlung von Säugthier- Abbil-
dungen. Dagegen hat Temminck vom zweiten Bande das
2te Heft seiner Moiiographies de Mammalogie, und Verf.
das 97ste und 98ste Heft von Schreber's Säugethieren
noch im vorigen Jahre ausgegeben und das 99ste bis lOOste Heft
ist so eben erschienen. The Natiiralisfs Library von Jar-
dine ist in der Klasse der Säugethiere bis zum lOten Bänd-
chen vorgerückt.
Neu eingetreten in die Reihe der allgemeinen Bearbei-
tungen ist die Natural Illstory of Quadrupeds and other
Mammiferous Animals: comprising a descrlpüon ofthe class
Mammalia, includhig the prinäpal varieties of Human
liace. By TV. Ch. L. Martin, witJi upwards of 1000 en-
gravings on wood, ahout 500 of wliich are representa-
tions of animals, drawn hy JV.Harvey, and numerous
anatomical, osteological and other illustrations. Lon-
don 1S40. gr. 8.
Bis ietzt sind mir daliier zwei Hefte zugekommen, die nach
einer kurzen Einleitung und Betrachtung des Gehirns an eine aus-
führlichere Darstellung des Knochengerüstes gehen, und dasselbe mit
vielen säubern Holzschnitten erläutern.
Ueber die vergleichende Osteologie erhielten wir seitdem
ein höchst bedeutendes Werki Osteographie ou dcscription
iconographicjue comparee du scjuelette et du Systeme den-
taire^des eine/ elasses d'animaux vertebres recents et fos-
siles, pour servir de läse ä la Zoologie et ä la Geologie
pur j\L Ducrotay de Blainville. Mammiferes. Paris
seit 1839, bis jetzt 7 Hefte Text und ebenso viel vom Atlas.
Ein grossartiges Unternehraeo ; für das Studium der Zoologie, Zoo-
tomie und Palaeontologie von der grüssten Bedeutung, mit Abbildungen,
die durch künstlerische Vollendung, wie durch Treue und Genauig-
keit zu den vorzüglichsten Leistungen auf diesem Gebiete gehören.
Was Blainville für das ganze Knochengerüste zu lei-
sten versucht, hat Owen auf das Zahnsystem beschränkt:
Odonlography, or a Treatise of the Comparative Ana-^
iomy ofthe Teeth, their physiological relations, mode of
developement and microscopic structure in the Verte-
brate Animals, iUustrated by upwarts of 150 Plates. By
l^ichard Owen. London 1840.
Von den 3 Bänden, aus welchen das ganze Werk bestehen soll,
ist einstweilen einer erschienen, das Zahnsj'stem der Fische behan-
delnd, daher ausser dem Bereiche dieser Anzeige liegend; nur soviel
will Referent bemerken, dass die genauen Erörterungen der Innern
Zahnstruktur und die wunderschönen Abbildungen ein Meisterwerk
uns gewähren.
E. Rousseaii's yliwtomie coinparee du Systeme den-
taire chez VHomme et chez les principaux Animaux, hat
1839 eine neue Auflage erlebt, die mit einer Beschreibung des
Zahnsystenis der gemeinen Fledermaus , des Igels und Maul-
wurfs vermehrt ist.
Das Milchfeebiss der Fledermaus und des Igels ist hier zum er-
stenmal erläutei^t. Am Pferde hat Rousseau keine Wechsel - Eck-
zähne gesehen, wobei jedoch Ref. bemerken will, dass selbige schon
von Camper gefunden und von Bojanus genau beschrieben sind.
Die Abbildungen zeichnen sich durch Schönheit und Treue aus.
Reichlich sind wir mit Faunen verschiedener Länder be-
dacht worden.
Die Wirbelthiere Europas, von A. Graf Key-
serling und Professor J. II. Blas ins. Braunschweig
1840. Ites Buch. 8.
Dieses erste Buch befasst sich blos mit Säugthieren und Vögeln,
von welchen es jedoch eintsweilen nur die Diagnosen und im vor-
ausgehenden sj'stematischen Verzeichuiss eine kurze Aulführung der
Sj'nonyme und der geographischen Verbreitung liefert, während die
ausführliche Beschreibung der Arten dem zweiten Buche aufbewahrt
ist. Diese Arbeit ruht durchgängig auf eignen genauen Untersuchun-
gen, hat mit grossem Scharfsinn eine Menge neuer Merkmale zur
Unterscheidung der Arten ausgemittelt, und ist eine der gelungenen
Leistungen, welche den strengsten wissenschaftlich 3n Anforderungen
aufs vollkommenste entspricht.
Europäische Fauna oder Verzoichniss derWir-
belthiere v. Dr. II. Schinz, Erster Band. Sätigthiere
und Vögel. Stuttgart 1840. 8.
Ist eine reichhaltige Sammlung, obgleich sie sich an wissenschaftli-
cher Volleudung mit dem vorhergehenden Werke nicht messen kann. —
Bei dieser Gelegenheit will Ref. an das von demselben Verf. sehen
früher erschienene Verzeichniss der in der Schweiz vorkommenden
Wirbelthiere (Neue Denkschrift, der allg. Schweiz. Gesellsch. für
die gesammten Naturwissenschaften. Neuenbürg 1837. I.) erinnern.
Fauna der galizisch - bukovvinischen Wirbel-
thiere. Eine systematische Uebersicht der in die-
sen Provinzen vorkommenden Säugthiere, Vögel,
Amphibien und Fische mit Rücksicht auf ihre Le-
bensweise und Verbreitung von Dr. A. Zawadzki.
Stuttg. 1840. 8.
Obschon der Verfasser in seinen litterärischen Hiilfsmitteln zu
Przemysl sehr beschränkt seyn mag, so ist doch seine Arbeit als
ein Beitrag zur Kenntniss der geographischen Verbreitung der Wir-
belthiere mit Dank anzunehmen.
Bonaparle, Iconogrufia della fauna italica, ist bis zum
28ten Hefte vorgerückt, doch enthalten die 4 letzten Liefe-
rungen keine Säugthiere.
Küster, svsteiuatisches Verzeichniss der in der
UmgegendErlangen's beobachteten Thiere. ItesHeft.
Wirbelthiere, Molusken und Käfer enthaltend. Lr-
lanffon 1840. 8. . ,
Ein bloses Nameusverzeichniss, das 37 Arten Säugthiere und
820 Vögel angiebt.
P. Berge, die Vertebraten Würtembergs 1840. (Aus dem
Corr. Blatt abgedruckt.) k»„= n.if
Die interessante Schilderung des thierischen Lebens au
Novaia Zemlia von E. von Baer ist ins Archiv 1839. 1. »• i"
aufgenommen. » a r 1
Eichwald's Fatimt Caspio-Caucasica. Petrop. 1840. 4. läse. i.
enthält eine kurze Uebersicht der Säugthiere und Vögel der kaspisch-
kaukasichen Fauna, beschäftigt sich jedoch hauptsächlich mit den Am-
phibien.
Bujack theilt in den preussischen Provinzialblättern (März-
heft 18.39 S 236.) ein amtliches Verzeichniss des vom Mark-
graf Johann Sigismund 1612-1619 erlegten und gefangenen
Wildes mit, an welches er Bemerkungen über den damaligen
Wildstand Preufsens und Deutschlands im Verhältnifs zu un-
serer Zeit anknüpft.
Es sind im Ganzen 11598 Stiick. Auffallend ist die grosse Zahl
des Hirsch wildes, welches mit Einschluss der Kälber 4935 Stuck
beträgt, woraus man einen Schluss auf die damalige Verbreitung des
Edelhirsches machen kann, in Gegenden, wo er seitdem ganz aus-
gerottet ist. Auer sind nur 15 darunter, entweder war die Zahl
derselben schon damals beträchtlich vermindert, oder man schonte sie
absichtlich. Die Zahl der Elene 118, ist verhältuissmässig gering,
und deutet auf eine Verminderung ihres Bestandes. Bären wurden
38 erlegt; es müssen damals viele existirt haben, da 1633 noch eigne
Jagden zu ihrer Vertilgung angestellt wurden. Gering ist, um diess
noch anhangsweise zu erwähnen, die Zahl der Auerhühner; sie mö-
gen aber nie häufig in Preussen gewesen sein. . ,., . ^
Von Sieb Ol d's Fauna japonica ist ausser der Uebersicht der
Säugthier- Fauna von Japan (schon mitgetheilt im Jahresbericht von
1838) nichts in unser Gehiet Einschlagendes erschienen.
Mc Clelland hat in Assam Sängthiere gesammeltj welche Hör s-
field näher bestimmte (proceed. VII. p. 148). Es sind 19 Arten, von
denen die wichtigeren bei den einzelnen Ordnungen angeführt wer-
den sollen.
Vcrhcmdclmgen over de naiuuvlijke Geschiedenis der
JSederlandsche overzcesche ßezUthigen. JDoor de Leden
der jiatimrJumdige commissie in Oost-Iudie en andere
Schrijvers. Zoologie. Leid. 1839 u. 1840. Fol.
Bis jetzt sind 2 Hefte erschienen, die blos S:liig(hiere und Vögel
enthalten. Voran geht eine anziehende Abhandlung von Sal. Mül-
ler über die Säugthiere des indischen Archipels, hauptsächlich ihre
geographische Verbreitung betreffend, welche am Schlüsse in zwei
Tabellen sehr übersichtlich dargestellt ist. Da diesen Gegenstand
Schlegel schon früher ausführlich abgehandelt hat^ können wir hier
darüber weggehen, doch wird Ref. auf die neuern Arten und auf die
berichtigenden Bemerkungen über länger bekannte Arten am gehöri-
gen Orte die gebührende Rücksicht nehmen. An besondern Abhand-
lungen sind drei, von Müller und Schlegel gemeinschaftlich ab-
gefasst, angefangen, aber noch nicht vollendet. Sie betreffen den
Orang-Utang, die Arten von Pitta und die Krokodile des indischen
Archipels. In wissenschaftlicher wie artistischer Beziehung reihen
sich diese Verhandelingen unsern vorzüglichsten zoologischen Wer-
ken anj sie sind mit solider Pracht, wie man sie von Holländern
erwartet, ausgestattet.
A. Smith, Illusirations of the Zoology of Soutli
Africa, consisüng cliießy of Jigures and descriptions of
the ohj'ects of natural history coUected during an expedi-
tion into the intcrior of South Africa in the years 1834,
1835 and 1836. London 1838—1841. 4.
Dieses Werk rückt rasch vor, indem bereits 12 Lieferungen aus-
gegeben sind. Den Säugthieren und Vögeln ist eine besondere Rück-
sicht gewidmet, und viele neue Arten sind vorgeführt. Die Bearbei-
tung ist in guten Händen j die Ausstattung schön, unnützer Luxus
vermieden.
Eine Menge gnter Bemerknngen über die grossen süd-
afrikanischen Säugthiere finden sich in: Tfie wild Sports of
the Southern africa, heing the JSarrative of an Expedi-
tion from the Cape of Good Ilope through the territories
of the Chief Mosclekatse io the Tropic vf Capricorn, hy
Cpt. W. C. Harris. London 1840.
Den Säugthieren von Madagaskar wendete während seines
Aufenthalts daselbst der Kapitain Sganziii (Mein, de Sfras-
hourg. III. 1. p. 1.) seine Aufmerksamkeit zu, doch lieferten
seine Notizen, da er nur auf Buffon sich beziehen konnte,
wenig Neues,
In seinem yerzeicliniss sind aufgezählt: 1) le Mococo, 2) leMon-
gous Btiff, 3) le Maki gris, 4) le petit Makl gris , b) le Vari Bitff
6) la grande Roussette (^Fami), 7) la Musarafgne (Si'si), 8) le He-
risson de Madagascar {Soki , nach Flacoiirt Sora), 9) le Toitrec so-
yeux, 10) le Tanrec de Madagascar (Tendrac Buff.), 11^ la petite
Fouine de Madagascar Buff., 12) la Belette grise, 13) le Chien,
14) le Chat, 15) l'Ecureil de Madagascar Buff., 16) le Rat de M,
(Titi'), 17) le Rat de France {J'alave), 18) le Sanglier u masque,
19) l'Aije-Aye, 30) le Cheval, 21) le Boeiif. Mit Ausnahme vou
No. 9 und 19 hat S ganz in alle Arten selbst gesehen, die meisten
auch im Besitz gehabt.
E. Riippeli's neue Wirbelthiere zu der Fauna
von Abyssinien gehörig. Frankfurt a. M. 1835 — 1840
sind nunmehr geschlossen, und ist diese werthvoUe Arbeit um
so höher anzuschlagen, als Reise luid vorliegende Bearbeitung
ganz auf eigne Kosten des Verfassers ausgefülirt worden sind.
Von Moritz Wagners Reisen in der Regentschaft
Algier in den Jahren 1836, 1837 und 1838. Leipz. 1841.
8. ist der 3te Band ganz der Fauna der Berberei gewidmet.
Die gesammelten Säugthiere hat Ref beschrieben; H. Nathusius
hat einige Notizen über die kleineren Säugthiere und R. Wagner
Bemerkungen über den anatomischen Bau von Macroscelides Rozeti
beigefügt. Vou Moritz Wagner rühren die interessanten Bemer-
kungen über das Vorkommen und die Lebensweise der Säugthiere
und Vögel der Berberei her. Der Atlas besfeht aus 17 kr.lorirten
Kupfertafeln und einer Karte. Die Abbildungen stellen dar: Mus
larbarns, Macroscelides Rozefi (mit der Anatomie), Caji/'s Vulpes.
rar. atlantica. Felis Caracul juv., Felis Leopardus juv., Schädel von
Herpestes Ichneumon var. numid., Viverra Genetta und das Milchge-
biss von Hyaena striata.
Auch die Fauna der neuen Welt ist durch werthvolle Ar-
beiten bereichert worden.
The Zoology of Captain Beechey's Voyage. Lon-
don i^'^^. 4.
Die Säugthiere, welche zwischen dem Felsgebirge und dem stil-
len Meer, nordwärts von Kalifornien bis zum Nordende des Konti-
nents, theils von der Reise -Expedition selbst, theils von Andern ge-
sammelt wurden, sind von Richardson in 70 Arten aufgezählt, zu de-
nen jedoch noch einige in einem Nachtrage hinzugefügt werden.
Reise in das Innere Nord-Amerikas in denJah-
ren 1832 bis J834 von Maximilian Prinzen zu Wied.
Coblenz 1838. I. Bd. gr. 4.
Der erste Band dieses ausgezeichneten Werkes, von dem im
Archive schon einigemal die Rede war, ist vollendetj der zweite im
Erscheinen begriffen. Zur Kenntniss der Säugthiere und Vögel sind
wichtige Beiträge geliefert.
Scliomburgk's Reise durch Guiana {^Annals of nat.
hist. IV. S. 194 u. f.) giebt lehrreiche Beiträge zur Kenntniss
der Lebensweise der dortigen Säugthiere.
Ramon de la Sagra, Ilisloire physique, poUtk/ue et
naturelle de Tlle de Cuha. Mammiferes. Paris 1840. 8.
mit 8 illuiii. Tafeln in Fol,
R. de la Sagra beabsichtigt eine vollständige Beschreibung der
Insel Kuba und hat sich deshalb mit namhaften Pariser Gelehrten In
Verbindung gesetzt. Die Säugthiere sind von ihm und Gervais bear-
beitet. Im wilden Zustande kommen nur 8 Arten vor: 5 Fledermäuse,
1 Insektenfresser und 2 Nager; sie heissen; Fhyllostoma jicrspicilla-
tum, Vespertilio Blossevillei, V. lejiidus, V. Dutei'treus , Molossus ob-
scurus, Solcnodo7i , Cupromys Furniert und jireliensilis. Eingeführt
sind: Pferd, Esel, Riiid, Schwein, Schaf, Ziege, Katze, Hund, Hirsch
und Kaninchen; als ungebetene Gäste haben sich Ratten und Mäuse
eingedrängt. Der kleine Hund, der schon den ersten Spaniern bei
der Entdeckung Amerika'« auffiel, weil er nicht bellen konnte, ist
der Cam's canaivonis , und kommt jetzt nicht mehr auf den Antillen
vor. Seine eigentliche Heimath ist Guiana, wo er noch* immer im
wilden und zahmen Zustande gefunden wird. Diess ist also nicht
ein europäischer Hund, der, wie früher behauptet wurde, das Bellen
durch das heisse Klima verloren hätte, sondern eine von unserem
Haushunde ganz verschiedene Art, die ursprünglich nicht bellen kann.
jyOringny voyage dans VAmerique meridionale. Pa-
ris seit 1834 ist bis zum 50ten Hefte vorgerückt.
Der Text zu den Säugthieren fehlt noch; nur die in Patagonien
verbreiteten sind zur Zeit nach ihrer geographischen Verbreitung
aufgeführt. (Vgl. Archiv V.l. S. 51.)
The Zoology of ihe Voyoge of IL M. S. Beagle
under ilic coinmando of Capiain Fitz, Roy durin g tlie
years 1832 to 1836. Edited by Charles Baiwin. London
seit 1838. 4.
Davon sind erschienen: Fossil MmnmaUa by R. Otven, 2 Hefte j
Mammaha hy G. /l. Water hoiise 3 Hefte; Birds by J. Goiild 5 Hefte.
— Den fossilen Säugthiereu schickt Owen eine kurze üebersicht der
bisher in Südamerika aufgefundenen Arten derselben voraus, wobei
8
jedoch die von Spix und v. Martins in Brasilien entdeckten Frag-
mente von Megalonyx niclit erwähnt sind. Ein merkwürdiger Um-
stand ist, dass alle von Darwin gesammelten fossilen Knochen
pflanzenfressenden Thieren, meist von ansehnlicher Grösse angehö-
ren. Die Mehrzahl kommt von Edentaten, und zwar von Giirtelthie-
reUj welche vollkommene Backenzähne und einen gewürfelten Pan-
zer haben. Unter ihnen ist das Megatherimii von kolossaler Grösse,
während die grösste der noch lebenden Arten {Dasi/piis G/'gas) nicht
das Schwein übertrifft. Die Lücke zwischen diesen lebenden Arten
und dem ausgestorbenen Megat/ierimn füllt in Darwin' s Sammlung
eine Reihe armadillartiger Thiere aus, von denen einige die Grösse
des Ochsen, andere die des Tapirs haben. Der Rest der Darwin-
schen Sammlung gehört, mit Ausnahme einiger kleiner Xager, den
Pachydermen und Einhufern an, nämlich einem Pferde, Mastodon
und zwei neuen Gattungen, deren eine (^Macrmic/ten/'a) die Dickhäu-
ter mit den Wiederkäuern verbindet, die andere {Toxodon) in Ver-
wandtschaft mit Nagern, Zahnlückeru und grasfressenden Wal-
len steht.
Von Van Diemensland hat R. Gunn ein Verzeichniss der
dortigen Sängthiere geliefert, das J. E. Gray {Ann. of nat.
Inst.I. S. 101.) mit einigen Bemerkungen begleitete.
Die Arten sind: 1) Thyladmis cynoceplialus , 2) Phalangista
Cookii, 3) PJi. viilpina, 4) P?i. fuliginosa? , 5) Terameles Gunnii,
6) Thascolomys, 7) Dusyurus nrsi'fius, 8) D. viveri-tiius, 9 — 12) 4 Arten
Kängurus, nämlich: Halmatopus major, Tasmanei, brevicaudatuswaA
vielleicht ein Potoru, 13) Echidna, 14) Eydromys chrysogaster.
lieber die geographische Verbreitung der Thiere mit be-
sonderer Berücksichtigung der warmblütigen, fügte R. Wagner
seiner Uebersetzung von Prichard's Naturgeschichte des
Menschengeschlechts, Leipzig 1840. I. S. 109., einen sehr in-
teressanten Zusatz bei.
Die Säugthier- Fauna der Urwelt fängt an immer mehr be-
arbeitet zu werden.
Die wichtigste Arbeit hierüber verspricht die von Lund über die
fossile Fauna Brasiliens zu werden, von welcher vorläufig ein kur-
zer Abriss erschienen ist. i^Ann. des sc. nat. 2. ser. XL p. 214, XII.
p. 207.)
Der Theil Brasiliens, von welchem Lund die Höhlen seit fünf
Jahren untersuchte, liegt zwischen den Flüssen Rio das Velhas,
einem der Zuflüsse des Rio de S. francisco, und dem Rio de Parao-
peba. Diese Landesstrecke bildet ein Plateau von 2000 Fiiss über
dem Meere, und ist in der Mitte von einer 300 — 700Fuss hohen
Bergkette durchschnitten, welche aus horizontal geschichtetem Kalk-
stein besteht, der alle Charaktere des Zechsteins (?) und Höhlenlialk-
Steins haben soll. Er ist allenthalben von Höhlen und Spalten durch-
zogen, deren Inneres mehr oder minder von einer rothenErde erfüllt
ist, welche auch die obere Lage des Landes bildet. In Jieser Erde
liefen die Knochen verwirrt durcheinander; sie sind leicht zerbrech-
lich, auf dem Bruch weiss, kleben stark an der Zunge, sind öfters
petrifizirt, noch öfters in Kalkspath verwandelt. In einer Liste führt
der Verf. die in jenen Gegenden lebenden Arten von Säugthieren
zugleich mit den ausgestorbenen auf, woraus sich für letztere eine
, grössere Anzahl als für jene ergiebt, indem der fossilen Arten 91,
der lebenden nur 79 aufgezählt sind. Darunter sind die Edentaten
mit 19 Arten begriffen, die Pachydermen mit 7, die Wiederkäuer mit 7,
die Raubthiere mit 18, die Beutelthiere mit 8, die Nager mit 31, die
Fledermäuse mit 4, die Affen mit 3 Arten. Von besonderer Merk-
M'ürdigkeit unter diesen antediluvianischen Thieren ist das Vorkom-
men von Affen, wovon bei dieser Ordnung noch gesprochen werden
soll, ferner das von einer Hyäne {liyaena 7ieogaea), und eines Bä-
ren (^Ursus brasih'ensi'sy Diese beiden Gattungen fehlen der leben-
den Fauna Brasiliens; die übrigen Gattungen sind entweder erloschen,
oder noch unter den brasilischen Thieren der Gegenwart repräsen-
tirt. Ueber die Richtigkeit der Bestimmungen lässt sich vor der
Hand nichts sagen, indem man deshalb die ausführliche Beschreibung
abwarten muss *).
Ein Verzeichniss der in den fränkischen Höhlen aufge-
fundenen antediluvianischen Säugthier-Ueberreste ist von Ref.
(Münchner gel. Anzeigen 1839. S. 1034.) und von Braun
(Verzeichniss der in der Kreis -Naturalien -Sammlung zu Bay-
reuth befindlichen Petrefakten. Leipzig 1840. S. 86.) geliefert
worden.
Letzterer führt eine viel grössere Zahl Arten auf als ich, was
davon herrührt, dass ich die Knochen von Füchsen, Dachsen, Mar-
dern, Wieseln, Maulwürfen, Fiedermäusen, Mäusen und andern klei-
nen \ager- Thieren, die noch jetzt in jenen Gegenden vorkommen,
und im Skelete keine Differenz von den Höhlenknochen mir darbo-
ten, nicht für fossil halte.
*) Indem ich im Begriff stehe, diesen Bericht zum Drucke abzu-
senden, läuft bei der hiesigen Akademie ein: Det Kongelige Datisle
Videnskahernes SelskaOs naturvidcnskabelige og mathematiske Äf-
handlinger. Oitende Deel. Kjöhenliav7i 1S41, worin Lund's Abhand-
lung ausführlich mitgetheilt und durch 27 Tafeln Abbildungen erläu-
tert ist. Da gedachte Abhandlung in dänischer Sprache, deren ich
nicht mächtig bin, erschienen ist, so kann ich auf ihren Inhalt so
lange nicht näher eingehen, als sie mir nicht in einer der wissen-
schaftlich gangbaren Sprachen verständlich gemacht wird.
10
Jäger's treffliche Arbeit: „über die fossilen Säugthiere,
welche in Württemberg in verschiedenen Formationen aufge-
funden worden sind, nebst geognostischen Bemerkungen über
diese Formationen. Stuttgart 183.9." Fol. ist beendigt worden.
Die Zahl der untergegangenen Arten von Säiigtliieren würde,
Dach des Verf. mühsamen Bestimmungen, 65 — 73 betragen j die Zalil
der mit noch lebenden übereinstimmenden 23 — 24.
Recherches sur les ossemens humaiiles des cavernes
de Liinel- Viel par Man-cel de Serres, Duhrueil et Jean-
jean. Monfpell 1S39. 4.
An Säugthieren werden aufgezählt: Ursus spelaeus u. arctoideus,
Meles vulgaris, Mustela putorius u. lutra, Canis familiaris, Lupus?
u. vulpes, Viverra genetta, Hyaena spelaea, prisca u. intermedia. Fe-
lis spelaea, leo, leopurdus, serval ii. ferus, Custor danuhii, Mus catn-
pestris major, Lepus timidns u. cunicuhis, Elephas primige?iius?, Sus
scrovha u. j)riscus, Equus caballns , Cervus intermedius , coronatus,
antiquus u. pseudo-virgininus, Ovis tragelaphuSj Bos ferus, interme-
dius u. taurus.
Kaup, description d' ossemens fossiles des Mammif eres
inconnus jiisqu'ä present, qjii se ironvent au Museum de
Darmsfadt, 5. cali. Darmstadt 1839.
Hiermit hat der Verf. sein Werk über die Säugthier- Reste aus
der Tertiärformation von Eppelsheim geschlossen, doch soll noch
ein Ergänzungsheft nachfolgen, mit einer Uebersicht und Diagnostik
der beschriebenen Gattungen und Arten. Der nächste Bericht soll
auf dieses Werk näher eingehen.
Als systematische Arbeiten sind zu erwähnen: C. L. Bo-
naparte's, Prinzen von Musignano's neue Anordnung der
Wirbelthicre (Transact. of iJie Linn. Society of London
XVllI. 3. 1840. p. 247; im Auszug in der Isis 1839. S. 848).
Der Raum erlaubt nicht im Jahresbericht hierauf näher einzu-
gehen. — Ferner: Leiblein's Grundzüge einer method.
Uebersicht des Thierreiches. Iter Bd. der Mensch
und die Säugthiere. Würzburg 1839 (auch unter dem
Titel: Berichte vom zoolog. Mus. der k. Universität
zu Würzburg). Giebt eine gut geordnete Uebersicht über
die Säugthiere und zählt die in der Würzburger Universitäts-
Sanmilung enthaltenen Arten aus dieser Klasse auf.
Als ein an Thatsachen reichhaltiges Werk ist Scheit-
lin'S „Versuch einer vollständigen Thierseelen-
kuude." Stuttgart 1840. 2Bde. hier anzuführen. — Leu-
11
ckart's Untersuchungen über das Zwischenkiefer-
bein desMenschen, Stuttgart 1840, erstrecken sich auch
auf die Säugthiere. — Otto de variorihus c/uihusdarn sce-
leti hinnani cum aniwalium sceJeto analogüs. Vraüsl. 1839
handelt sehr ausführlich vom Zwischenscheitelbein der Säug-
thiere, von der bleibenden Trennung des Felsen- und Schup-
pentheils des Schläfenbeins, vom Brustbein und dem Canalis
supracondyloideus des Oberarmbeins. — Rapp lieferte in
Miiller's Archiv für Anatom. 1839. S. 189, eine durch alle
Säugthier- Ordnungen durchgeführte vergleichende Betrachtung
der Tonsillen, welclie auch die Beachtung der Zoologen verdient.
In die Memorie della R. Acadeni. die Toriuo 1839. p. 103 hat
Bellingeri eine Abluindlung über die Struktur und Lage der Or-
gane des Geluirs und Gesichts in den Hauptgaftungen der Säug-
thiere eingerückt, insofern hieraus auf ihre intellektuellen und sitt-
lichen Eigenschaften zu schliessen ist.
Das Weisswerden mancher Arten im Winter leitete Bachniann
nach Beobachtungen an Lepns glacialis virginianus, sowie an Mustela
Ermineaf^M. Richardsonü) nicht von Farbenumänderung in den alten
Haaren her, wie Uichardson es glaubte beobachtet zu haben, son-
dern vom Haarwechsel, in dessen Folge neue Haare vor weisser
Farbe aufwachsen (Transact. of ihe Aineric. phil. Soc. Fhiladelph.
1839. VI. 2. p. 224).
Einen wichtigen Beitrag zur Festsetzung des Begriffes der
Art verdanken wir R u d. Wagner in soiuer Abhandlung
„über die Bastardzeugung und einen physiologischen Beweis,
dass alle Menschenrassen nur eine Art bilden"' (in seiner Ueber-
setzung von Prichard's Natnrgescli. des Menschengeschlechts
1. S. 439).
Der Verfasser mustert mit scharfer Kritik die einzelnen Fälle,
welche von Bastardzeugung warmblütiger Thiere handeln, und ge-
langt zu dem Schlüsse, dass nur Thiere einer Spezies eine unter
sich fruchtbare Nachkommenschaft erzeugen können.
Am Schiiisse dieser Schilderung der Arbeiten allgemeine-
ren Inhalts will Ref. es nicht .unterlassen, noch auf eine höchst
ansprechende und geistreiche Abhandlung von E. von Baer
„über die Verbreitiuig des organisclisn Lebens" (Recueil des
actes de la scance jmhlique de VAcademie imperiale des
Sciences de Saint-PetersbourgASSi). i^. 145.) aufmerksam zu
machen, da sie es verdient, in weitern Kreisen bekannt zu
werden.
12
Jf. P$'imates {Siniiae},
Von (lieser Ordnung sind zwei Monographien erschienen:
Schreber's Säugthiere, fortgesetzt von J. A.
Wagner. Supplementband. Ite Ahtheilung; die Affen
und riederthiere. Erlangen 1S40 *).
Losson, Species des Mammif eres himanes et quaJru-
inancs, suivl (Tun memoire sur les Orycteropes. Pa-
ris 1S40. 8.
Ref. hat bei seiner Bearbeituüg der Affen nicht blos den äussern
Habitus, sondern auch den iüuern Bau, hauptsächlich das Knochenge-
rüste und Muskelsjstem , berücksichtigt. Die Sammlung zu München,
welche an amerikanischen Affen reich, an altweltlichea wenigstens
nicht arm und mit Skeleten Avohl versehen ist, ferner die Benutzung
der Museen in Frankfurt und Wien hat ihm hinlängliche Gelegenheit
gewährt, mit einem grossen Theil der Arten durch Autopsie bekannt
zu werden.
Lesson ist der fruchtbarste unter allen zoologischen Schrift-
stellern, daher seine Arbeiten nicht immer mit Gründlichkeit ausfal-
len. Seine Monographie der Affen berücksichtigt blos die Aeusser-
lichkeiten der Thiere; die Anatomie fehlt ganz. Mit Ausnahme der
Halbaffen von Madagaskar findet man wenig Spuren von eignen Un-
tersuchungen, dagegen eine fleissige Zusammenstellung der franzö-
sischen und englischen Litteratur. Schauderhaft ist seine Bildung
der Namen, wie zum Beispiel: Bradypusineue, Myspithedeae , Mys-
didelplüeae, GLscebus, Fitlitlemur , Yarkea u. s. w. Die Affen ver-
theilt er in 2 Ordnungen: 1) Frhnates oder Bimana, und 2) Quadru-
mana. Die ersteren theilen sich in 2 Familien: Hommideue und An-
thropomorjiheae, jene den Menschen, diese den Orang-Utang und
Schimpanse umfassend.
Wenn Linne noch sagte: nullum characterem hactemis ei'uere
potui, lüide homo a simia viternoscatiir , so konnte man dieses Pa-
radoxon einigermassen durch die damalige Unbekanntschaft mit dem
innern Baue der Affen entschuldigen; wenn aher ein Zoolog noch jetzt
im Stande ist, Orang-Utangs und Menschen zusammen zu stellen, so
verräth er nur seine gänzliche Uubekanutschaft mit dem innern Baue
des Menschen und der Thiere. Selbst wenn m.in einzig und allein
den leiblichen Bau berücksichtigen wollte, müsste man den Menschen
vom Affen wenigstens der Ordnung nach trennen; da aber der Cha-
racter essentialis des Menschen darin liegt, dass in ihm ein Gott er-
kennender, unsterblicher Geist lebt, so scheidet er sich nicht blos
*) Die Affen sind in den Heften 90 — 94 enthalten, von welchen
das letzte am 1. Oktober 1839 publizirt wurde.
1.3
der Klasse nach von den Thieren ab, sondern mit ihm beginnt ein
ganz neues Reich.
Lesson's sogenannte Onadriimanen schliessen 3 Familien in
sich: 1) Simiadue, 2) Lemurideae, 3) Fseudohmurideae, wozu Ga-
leopitliecus , Mysptthecus , Pithecheir, Bradypus und Cercolejites ge-
hört. Schon Wagler und Blainville liessen sich durch Identifizi-
rung von Analogie und Affinität verleiten, das Faiüthier den Affen
beizuzählen, wodurch sie aber auch den BegrifT dieser Ordnung auf-
hoben und nicht mehr im Stande waren, einen durchgreifenden Cha-
rakter für sie anzugeben. Noch weniger gehört der Cercolejites hle-
her, der nach allen Merkmalen als ein Baubthier von der Abtheilung
der Bären sich ausweist.
Zur Kenntniss der Osteologie der AfiFen sind von gröss-
ter Wichtigkeit die ausgezeichneten Darstellungen, welche
Blainville in seiner Osteographie geliefert hat und in den
3 ersten Heften enthalten sind; sie beschränken sich nicht blos
auf die lebenden, sondern handeln auch von den fossilen Arten.
Als die merkwürdigste Entdeckung in dieser Ordnung
muss das Auffinden antediluvianischer Affen bezeichnet
werden.
Bekanntlich sind ihre ersten Reste in der tertiären Vorbergen
des Himalajas entdeckt worden. Wenn nun gleich Blainville
Recht haben mag, dass Baker und Durand es nicht ausser allem
Zweifel gesetzt haben, dass ihr Fragment wirklich von einem Affen
herrührt, so ist dicss dagegen bei den von Cautley und Falco-
ner gefundenen Resten nicht im mindesten zu bezweifeln. Fast
gleichzeitig als die Kunde von dieser merkwürdigen Entdeckung in
Europa eintraf, kündigte L artet an, dass er im südlichen Frank-
reich fossile Affenknochen ausgegraben habe. Im nächsten Jahre dar-
auf war Ref. so glücklich, unter fossilen Knochen aus Griechenland
ebenfalls ein antediluvianisches Fragment eines Affen, zugleich mit
Equus jirimigenius und andern Arten aufzufinden, worüber er am
10. November 1838 einen Bericht in der Akademie erstattete (Münch-
ner gel. Anzeigen vom 21. Febr. 1839*), und ausführlicher in den
Denkschriften der K .Akademie der Wissensch. zu München, III. Band
mit Abbildung). Das erwähnte Fragment besteht in dem Schnautzen-
theil eines Schädels, der nach meiner Bestimmung in seiner Form
das Mittel zwischen Hylohales und Semnopithcciis hält, weshalb ich
den Xamen Mesopithecus pentelicus gewählt habe. Merkwürdig ist
es nun, dass Blainville in dem um ein volles Jahr später als
meine Publikation erschienenen 4ten Hefte seiner Osteographie (erst
1840 ausgegeben) erklärt, dass der von Lartet gefundene Unterkie-
*) Hieraus mitgetheilt im Archiv 1839. 1. S. 171.
14
fer gleichfalls das Mittel zwischen Ihjlobates imd SetnnojHthecus halte.
Er schlägt den Namen Pithecus untiquus vor. Bald darauf wurde
ein neuer Fuudort bekannt, nämlich der London claj' von Kyson
(Kingston) bei Woodbrigde in Suffolk, wo ein unterer hinterster
Backenzahn, noch ansitzend dem Kieferstück, ausgegraben wurde.
Nach Owen's Angabe {Loud.inag. of nat. Jn'st.'iS39. ;;. 446) hat die
Krone, ausser den gewöhnlichen 4 Hügeln, einen besondern hintern
Ansatz, wie er bei Schlankatfen, Makakos und Pavianen sich auch
einstellt, unter ^reichen der fossile Zahn am nächsten dem entspre-
chenden der ächten Makakos kommt. Etwas später erhielt Owen
{Annais of nat. hist. November 1839. p. 191) einen zweiten fossilen
Backenzahn, ebenfalls aus dem Unterkiefer, und zwar der zweite
„dens bimisjndatns" , von dem er glaubt, dass er zu derselben Art
von Makako wie der vorige gehört haben könne.
Alle die bisher erwähnten fossilen Affenfragmentß aus Ostindien,
Südfrankreich, Griechenland und England halten den Typus der alt-
weltlicher AfTen ein, und somit wird es uns nicht befremden, wenn
die brasilianischen vielleicht alle den Tjpus der amerikanischen Afifen
an sich tragen. Lund unterscheidet 3 Arten: den Protopitliecus hra-
siliensis, von 4 Fuss Höhe und zu keiner bekannten Gattung passend,
die CaUithrix itrimueoa, ums Doppelte die lebenden Arten übertref-
fend, und den Jacchus grandis, ebenfalls mehr als noclimals so gross
wie die lebenden Seidenaffen.
Erwähnung verdient noch eine Notiz voUvS. Birch {Mag. of nat.
hist. 1840. S. 35.) über die den Chinesen bekannten Aifen, nach Origi-
nalquellen.
(i) Simiae catarrhinae.
Zur Kenntniss des asiatischen Orang- IJtangs sind
viele Beiträge erschienen.
Dnmortier, Note sur les mStamorphoses du ordne
de VOrang-Outang {Bullet, de VAcadem. de Bruxell. iS'SH.
S. 756.).
Heusinger, vier Abbildungen des Schädels der Simia
Satyrus von verschiedenem Alter, zur Aufklärung der Fabel
vom Oran utan. Marb. 1838. 4.
Temin in ck, Monographie sur le genre Singe {Mo-
nographies de Mammalogie. Vol. IL Uvr.2. LeiJd 183S*).
*) Die Abhandlung trägt zwar das Datum vom November 1835,
ist aber erst in der Ostermesse 1838 in den deutschen Buchhandel ge-
kommen.
15
Obschon diese Schriften vor 1839 erschienen sind, so muss ich
doch auf sie kurz zuriickkoninien zum Verstäuduiss des Folgenden,
und Aveil Wiegmann wegen der beiden letztern zwar auf den
Jahresbericht von 1839 verwies, durch seine schwere Krankheit aber
verhindert wurde, in diesem etwas Näheres über sie zu sagen.
A. ^V^^g•ller, Artikel: Orang-Utang (Schreber's Säug-
thiere. Heft 90 und 91, ausgegeben am 1. Juni 1839). — Ferner
dessen Bemerkungen über einen Pcngo- Schädel, mit besonde-
rer Bezugnahme auf die bisher unter den asiatisclien Orang-
Utangs errichteten Arten (Münchner gel. Anzeigen. 10. Septbr.
1839. S.409).
Owen, Note siir les differences enlre le Simia Mo-
rio et le Simia Wunnbii dans la periode d'adolescence,
dc'crit par M. Dumortier (^Annal. des sc. nat. 1839. XI.
T. 122). — ContrihuUons to the Osteology of ihe Orajig
uians {Transact. of the zool. soc. IL 3. p. 165).
Schwartze, Descriptio osfeologica capitis Siiniae pa-
rum adhuc nofae. Berol. 1839.
Bijdrageii tot de natuurlijke hislorie van den Orang-
Oetan (Simia Satjrus) door Hei in. Schlegel en Sal,
Müller. (Ferhaiideliiigen. Zoologie No. 1. Leid. 1839*).
Da der Orang - Utang, dieses fatale Zerrbild des menschlichen
Typus, eines der merkwürdigsten Geschöpfe der Welt ist, so erlaubt
sich Ref. etwas umständlicher auf den Stand der ü'jer ihn gepfloge-
nen Verhandlungen einzugehen. Bekanntlich hat zur genauem Kennt-
niss desselben Owen in seinen beiden klassischen Arbeiten den
Grund gelegt, und 3 Arten untei-schieden: Simia Wi/rmöii uni Moria
von Borneo, und S. Crossii von Siunatra. Dumortier erklärte
S. Morio, welche nur auf einen einzigen Schädel begründet ist, blos
für eine mittlere Altersstufe, wogegeu je<loch Owen remonsfrirte.
Heusinger beschränkt sich auf den Nachweiss, dass derPongo blos
der alte Orang-Utang sei. Temminck, ohne Bezugnahme auf
Owen's Arbeit, erklärte sich in seiner vortreftlicheu Bearbeitung da-
hin, dass die Orangs von Borneo und Sumatra i'.ii derselben Art ge-
hören, dagegen meinte er, dass ein junges, in der pariser Menagerie
lebendes Exemplar {Orang roux) eine zweite Art ausmachen dürfte.
Ref., auf ein gutes Material gestützt, hat die Ueberzeugung ausge-
sprochen, dass S. Wurmbii und Crossii die beiden äussersten Grenz-
*) Die Vorrede zum ersten Hefte ist auf den 13. Dezember 1839
datirt, doch sind die beiden Lieferungen erst in der Herbstmesse 1840
augezeigt.
16
punkte seien, zwischen welchen der Grundtypns der Art hin und her
schwanke, und mancherlei Foniiverschiedenheiten innerhalb dieses Ge-
bietes zulasse. Diese Veränderlichkeit, wie Ref. weiter zufügte, könnte
um so weniger befremden, wenn man erwäge, welche gewaltige Umän-
derungen in der ganzen Gestalt des Schädels durch das Alter herbeige-
führt würden, wo dann bald der eine, bald der andere Theil in sei-
ner Entwicklung mehr oder weniger befördert oder gehemmt werde.
Aehnliches könnten wir auch an den Schädeln der Paviane, ja selbst
den Rollaffeu (Ceiiis) wahrnehmen. Die S. Moria, über die er frei-
lich aus Autopsie nicht urtheilen konnte, sah Ref. blos für den noch
nicht völlig erwachsenen Zustand oder für eine Geschlechts- Ver-
schiedenheit von S. Wiirmbä an; den Orang roux erklärte er für
so unbestimmt geschildert, dass keine Rücksicht auf ihn genommen,
am wenigsten Arts- oder Heimathsrechte auf dem benachbarten Kon-
tinente ihm zugestanden werden könnten. — Mit Vergnügen hat Ref.
gesehen, dass Schlegel und Sal. Müller in ihrer meisterhaften
Arbeit fast durchgängig auf dieselben Resultate gekommen sind7 die
er vor ihnen publicirte. Sie weisen umständlich nach, dass keine
sichere Thatsache vorliege, aus welcher man auf das Vorkommen
von Orang-Utangs auf dem festen Lande schlicssen dürfe. Die Schä-
del von Borneo, deren sie gegen 30 untersuchen konnten, schreiben
sie alle einer Art zu. Was die S. Morio anbelangt, so bemerken
sie, dass der von Owen im Lej^dner Kabinet ihr zugesprochene
Schädel lediglich der eines alten Weibchens sei. Die Färbung des
Orimg roux betrachten sie blos als individuelle .\Iodifikation, wie sie
bei Weibchen gewöhnlich sei. Die Frage, ob zwischen den Oraug-
Utangs auf Borneo und Sumatra spezifische Differenzen sich ermit-
teln lassen, beantworten sie mehr verneinend als bejahend. Als
sicher nehmen sie demnach nur eine Spezies an.
Schwartze glaubte in einem Schädel des Berliner Museums
Owen's S. Morio erkannt zu haben. Dagegen bemerkte Job. Mül-
ler in seinem Berichte über die Fortschritte der vergleichenden Ana-
tomie der Wirbelthiere im Jahre 1838 (Archiv für Anatom. 1839.
S. CCIX.): „Das hiesige Museum erhielt kürzlich noch 2 Schädel, die
zu dem Typus .S'. Morio gehören, und sich durch kleinere Dimensio-
nen im Ganzen, auffallend kleinere Eck- und Schneidezähne auszeich-
nen, obschon alle 33 bleibenden Zähne vorhanden sind. Bei dem
einen sind die Schädelgräthen noch nicht, bei dem zweiten ganz ver-
einigt, wie bei den ältesten Schädeln des andern grossen Tjpus.
Nach Einsicht der von Dumortier, Heusinger, Owen und der
von den holländischen Naturforschern beigebrachten Thatsachen würde
ich den von Schwartze beschriebenen und abgebildeten, und zu
S. Morio gezogenen Schädel seiner grossen Zähne wegen nicht für
Morio, sondern für eine AK ers Verschiedenheit des grossen Typus mit
grossen Zähnen betrachten. Ich erkenne es als sehr wahrscheinlich
an, dass die beiden Typen Geschlechtsunterschiede sind; man kann
47
es als eine sehr wahrscheinliche Erklärung^ nicht als ein erwiesenes
Falitum ansehen."
Ueber den afrikanischen Stellvertreter des Orang-Utangs,
den Schimpanse, ist Ref. nichts weiter bekannt geworden
als des Lieutenant's Sayers Bemerkungen über das jetzt im
Garten der zoologischen Gesellschaft zu London lebende In-
dividuum. (Proceed. VII. 1839. S. 28.)
Zur Kenntniss der Gibbons und der übrigen Affen des in-
dischen Archipels hat Sal. Müller in den Verhandelingen
bereits viele Beiträge geliefert, auch sind, ausser der prächti-
gen Abbildung des Orang-Utangs, der Semnopithecus fron-
tatus, ritliciindus, chrysomelas (Männchen, Weibchen und
Junges), cristatus, mitratus und nasicus abgebildet.
Von TJylohatcs Jliäok sind jetzt lebende Individuen in
London {Proceed. Vll. p. 148). Ihre Farbe ist, wie sie Har-
lan beschreibt, doch sind einige Individuen graulichgelb. —
Eine neue Art, jedoch nur nach einem jungen Exemplare,
steWie Ogilby auf {Ann. of nat. hist. N. 37. p. 303) unter
dem Namen Ilylohates leucogenys, „niger, pilis ad latera
faciei et ad gulam albis, pilis verticis longis et semi-erectis.
Die Heimath ist unbekannt.
Eine neue Art Schlankaffen hat Ref. (Schreber's Sup-
plementband I. S. 307) als Semnopithecus juhatus beschrie-
ben: „aterrimus, capite pilis longis bruiniescentibus, ad hu-
meros usque dependentibus vestito/' Vom Baron von Hü-
gel im südlichen Indien entdeckt. — Von Colohus Pennantii,
und Satanas, so wie von Cercopifhecus Martini, erythro-
tis und Camphelli hat jetzt Waterhouse detaillirtere Be-
schreibungen nachgeliefert {Annal. of nat. hist. II. p. 468.
Schreber's Suppl.,L S. 309*). — Die Identität voii Colohus
fuliginosus , Temminchii und ferrugineus hat Ref. (a. a. O.
S. 308.) nachgewiesen.
*) Um Raum zu sparen, wird Ref. nur von denjenigen Arten die
Diagnosen mittheilen, die er noch nicht in den beiden ersten Abthei-
lungen des Supplementbandes von «chreber's iSäugthieren (die
Affen, Flederlhiere, Insektenfresser und die Raubthiere umfassend)
aufgenommen hat.
Archiv f. Naturgesch. VJI. Jahrg. 2, Bd. O
18
y
Zwei neue Arten Makakos sind in den Proceed. VII.
p. 31 und 148 beschrieben:
Pajno mela7iotus Ogilhy: „cinereo-bninneus, capite^ dorso lum-
bisque subüigris, cauda brevissinia niida, facie aiiriculisque pallidis."
Ein junges Männchen, dem Inuus ecaudatus ähnlich, aber verschieden
durch die schwarzbraune Schattirung der obern Theile, und darin dass
es von Madras stammen soll.— Die andere Art heisst Macacus assa-
mensis Mc Clelland: „fulvo - cinereus , (im Englischen steht aber
bluish-graj^), supra saturatior, gastraeo artuumque latere interiore
canis; capillitio pilis paucis nigris sparso; facie natibusque carneis;
cauda partem tertiam longitudinis totius superante omnino pilis tecta."
Aus Assam, 2|' lang. — Eine 3te Art fand Ogilbj^ in einer wan-
dernden Menagerie und gab ihr den unpassenden Namen Papio
ochreatus, da sie nichts Ockerfarbiges an sich trägt. Er cha-
rakterisirt sie als: P. supra subtusque niger, brachüs et cruribus ca-
nis" {Ann. of 7iat. hist. VI. p. 517.).
h) Simiae platyrrhinae.
Ref. hat bei mehreren Gattungen von amerikanischen
Affen beträchtliche Reduktionen der Arten vorgenommen, wo-
bei er sich auf die AnsicHt vieler Exemplare und auf die ge-
nauen Beobachtungen Rengger's stützte. Die 9 Arten von
Brüllaffen hat er auf 2, und auf dieselbe Zahl die mehr als
20 Arten von Cehus zurückgebracht. Ausführlich hat er die
Myologie der Klammeraffen abgehandelt, auch eine neue Art
(oder vielleicht nur eine ausgezeichnete Varietät von A. Bel-
'iicbuth') unter dem Namen Ateles variegaius (a. a. O. S. 313)
beschrieben. Bei Cebus hat Ref. auf einen Flexor longus
digiti miiiimi proprius von besonderer Bildung aufmerksam
gemacht. D'Orbigny, voy. dans T Amerique merid., mam-
mif. tah.6 hat eine Callithrix donacophila abgebildet, aber
noch nicht beschrieben, die als Art sich halten könnte, dage-
gen wird seine Callithrix entomophaga wohl nur zu den
Abänderungen von Chrysothrix sciurea gehören.
c) Pj'osimii.
Unter den 3 Abtheilungen der Affen ist in der der Halb-
affen noch am Meisten zu thun. Das Wichtigste, was erschie-
nen, sind Blainville's herrliche Abbildungen des Skeletes
19
vom Indri und vom Tarsius Spectrwn, mit genauen Beschrei-
bungen. Vom Jndri war bisher nicht mehr als ein Bruchstück
des Kiefers, von den Zälinen waren nicht einmal die hintern
Backenzähne bekannt. Unter den vielen Schädelabbilduugen von
Blainville sind uns besonders erwünscht die des Avahi^
des Vropithecus Diadema, des Chirogalcus Milä und des
Otolicnus crassicaudatus.
Ueber die Halbaffen von Madagaskar hat Lessou {Spe-
cies des inammif.) nach Original - Exemplaren mehrere Be-
richtigungen beigebracht; wären nur seine Namen nicht so
fehlerhaft !
Aus den kleinen Thieren dieser Abtiieilung, die bisher immer
mit einander confundirt wurdenj errichtet Lessou 4 Gattungen nach
folgendem Schema:
Oreilles poilues Cehugale.
{Conque courte ( Queue attenuee au bout Myscebus.
et arrondie \ „ renflee „ „ Glisceius.
Couqueevasee,ample et plus courte quelatete. Mioxicebus.
Zu Cebugale stellt Lesson nur eine Art, die er C. Commerso-
tiii nennt, „Gesicht kurz behaart, Muffel nackt und schwarz 5 Pelz
dicht, buschig, auf dem Scheitel, Halse, Schwanz und der Oberseite
der Beine lebhaft roth Qroiix), auf den Ohren, Wangen, Vorderhals
und Brust grau, an den Seiten und am Unterleib hell röthlichgrau
(gris-roux)." Von Madagaskar. Lesson erklärt diesen für den äch-
ten Chirogaleus major Geoffroy's, von dem der Ch. inedius nur eine
Alters Verschiedenheit darstellt; demnach kann also der Gattung der
alte Name Chirogaleus bleiben.
hwch Myscebus hat nur eine Art, AleLtessou M. jxiJniarum nennt:
„Allgen gross, der braune Augenkreis zieht sich zur braunrotheu
Stirne; Haare grau mit rother Spitze, was auf dem Leib, Schwanz
und Beinen einen rothgrauen Ton giebt; Brust, Bauch und Innenseite
der Glieder hellgrau; Schnautze und Ohren fleischfarben." Körper 5^",
Schwanz 5". Als Synonyme zieht Lesson hierher Buffon's rat
de Madagascar (jsuppl. HI. p. 149.), Lerimr pmillus Geoffr. und Äudeb.,
Chirogaleus minor Geoffr. und Blainville's Lenmr murinus. Am
Besten wird diese Art den Namen Myocebus pusillus führen.
Zu Gliscebus rechnet Lesson 2 Arten: 1) G. murinus , j,PeIz
oben und auf den Beinen grau, am Bauch, der Schnautze, Wangen
und Nase weiss; Augenring braungrau; Schwanz braun und am Ende
dunkler, Grösse geringer als die der gewöhnlichen Ratte. Synonyme
sind: Brown's little maucaco, MüUer's Lemur murinus, Geof-
froy's Galago murinus, Swainson's Scartes murinus. 2) G. ru-
fus, identisch mit Vig. und Horsf. Cheirogaleus Commersonü. Da
der fehlerhafte Name Gliscebus nicht beibehalten werden kann, so ist
2*
20
hierfür der ohnediess ältere von Swainson, nämlich Scartes zu
gebrauchen.
Mioxicebus hat ebenfalls 2 Arten: 1) M. griseus, identisch mit
Geoffroy^s Chi'rogaleus M/'lii und dem Mali nain von Fr. Cuvier.
2) M. rufus identisch mit Geoffroy 's Microcehns rufus, Lemur mu-
rimis Penn, und Galago Demidoffii. — Für diese Gattung muss der
ältere und zugleich sprachriclüige Xame Microcehns behalten werden.
Diese 4 Gattungen scheinen mir ganz gut begründet, dagegen
liegt kein triftiger Grund vor, um Stefiops tardigradus und gracilis
generisch zu scheiden, noch weniger aber den Tarsius bancanvs Horsf.
zu einer eignen Gattung Hijpsicehns zu erheben, da er nicht blos
als Art zweifelhaft, sondern auch sicherlich nichts weiter als ein
Junges von Tarsins Spectrum ist.
A. Smith hat eine neue Art von GaJago aufgestellt
als Galago Moholi (illustrat. of the Zool. qf South Africa,
No. F.)
G. supra murinus, infra albus, artubus externe flavo - tinctis;
striga inter frontem et nasum, labiis, capitis lateribus infra et post
oculos albis; cauda rufo-bruuea, auribus carneis, oculis aurantiis."
Länge 8", des Schwanzes ebenso viel. Aus Südafriita jenseits des
25"s. Breite. Dieselbe Art kommt aber auch an der Gambia vor.
Smith bemerkt, dass im pariser Museum 2 Exemplare von G. sene-
galensiä sich befinden, wovon das eine ganz mit jenem von der Gambia
übereinstimmt, während das andere nur 7" lang ist, oben graulich-
gelb, an den Seiten gelb mit bräunlichem Anfluge, unten gelb, der
Schwanz blass rostgelb, die Hände schmutzig gelblichweiss, die Haare
am Grunde wie au der Spitze von derselben Farbe; die Ohren auf-
fallend grösser und die Finger länger. Dieses Exemplar sehen
Sraith und Waterhouse für das von Daubenton beschriebene
Thier au und lassen ihm den Namen G. senegalensis, während sie den
G. MohoU von ihm dadurch unterscheiden, dass seine Haare zweifar-
big sind: weiss an der Spitze, dunkel schieferfarben am Grunde.
Ref bemerkt hierbei, dass er neuerdings mehrere Exemplare vom
Gulugo aus den obern Xilländern erhalten hat, die in Grösse und
Färbung mit dem Moholi übereinstimmen, so dass diese Art vom
nördlichen Wendekreise bis zum südlichen und noch etwas darüber'
hinaus reicht. — Ausser dem Thiere hat Smith die Abbildung des
Schädels, mehrerer Eingeweide, worunter ein langer Blinddarm be-
merklich, der männlichen und weiblichen Geschlechtstheile und des
Embryos mit seinen Hüllen gegeben.
MM» Volitantia,
.Die ganze Ordnung ist bearbeitet vom Ref. in Schre-
ber's Säugthieren, Suppleraentband Iste Abtheiluug. 1H40.
21
ö) Dermopte r a.
Ausser dem, was Ref. über diese, nur aus der einzigen
tJattung Galeopithecits bestehende Unterordnung a. a. O. bei-
brachte, iiandeln von ihr folgende Schriften:
Waterhouse, on the Genus GaleopUhecus {Proceed.
J^I. p. 119; TransacT. of the Zool. Soc. uf London IL 4.
18-10. p. 335.).
Lesson, spccies des Maimniferes 1840. /j. 256.
Blainville, Ostcographie. Fase. III. p. 31 und 48.
Sal. Müller, Verhandelingen. Zool. IL 1840. S. 19
und 49.
Trotz dem, dass, wie eben angeführt, es nicht an Schriftstellera
fehlt, die von dieser Gattung handeln, ist gleichwohl hinsichtlich der
Arten noch grosse Uneinigkeit. Geoffroy hatte bekanntlich 3 Ar-
ten, G.rufns, variegatus und ternatcnsis, aufgestellt, dieTemniinck
in eine vereinigte, Avobei er bemerkte, dass noch eine zweite vor-
käme, die sich durch das Skelet unterschiede. Ob diese letztere mit
seinem später erwähnten G. niarnioratus , von dem er in der Faun.
Japon. blos sagte, dass er sich auf Sumatra statt des von Java bis
Timor verbreiteten G. rvfus einstelle, identisch sei, oder mit seineni
6'. maa-urus, von dem nur ein Skelet ohne Kopf bekannt ist, wurde
nicht angegeben. Waterhouse unterschied im Ganzen nur 2 Arten,
denen er den Namen G. Temintnckii und p/u7i/>/i//ie>isis beilegte. In
den Froceed. hat er sie nur «iich den Schädeln von einander distin-
guirt, ohne die Färbung anzugeben. Blainville ist geneigt, unter
den ausgestopften Exemplaren des pariser Museums zwei Arten an-
zunehmen, und benennt im Ganzen 4, nämlich: G. volaiis Pall.,
G. Temminckii \V aierh., wozu er das von ihm beschriebene Skelet
rechnet, G. phili/iphiensis und Temminck's G. macrurns, der statt
16 — 17 Schwanzwirbel 21 zählt und sonst im Skelet einige Differen-
zen darbietet. Mit diesen Vorlagen unternahm ich meine Arbeit,
wobei ich zur Ansicht ein ausgestopftes erwachsenes Exemplar der
hiesigen Sammlung, das Kollmanu von den sundaischen Inseln ein--
geschickt hatte, und einen Schädel des G. rvfns von der Erlanger
Sammlung benutzen konnte. Obschou in den Schädeln und dem Ge-
bisse beider keine nennenswerthe Differenz sich ergab, so war da-
gegen in der Färbung ein so auH'allender Unterschied, dass ich das
hiesige Exemplar als eigne Art unter dem Xamen G. undatus auf-
stellte, zugleich aber bemerklich machte » dass nach dem Schädel der
G. Temminckü mit ritfus identisch sein könne, während der G. phi-
lippi'ncnsis und macrunis eigenthümliche Arten errathea liessen. Bald
nach dem Druck meiner Arbeit erschien die Abhaudlung von Wate r-
22 ^
house in den Tramact., woraus sich seine beiden Arten, da die Fär-
bung des Pelzes und die Abbildungen der Schädel mifgetheilt waren,
besser als aus den mangelhaften Angaben in den Froceed. erkennen
liessen. Hieraus ersah ich, dass G. Temmincldi mit meinem G.unda-
tus zu vereinigen ist, während G. phUipphiensts als eine gute Art
sich bewährte. — Lesson's Arbeit ist blose Compilation, ohne ir-
gend einen der streitigen Punkte aufzuklären; lediglich hat er für
den G. macrurus einen neuen Gattungsnamen Galeolemurl ausge-
dacht. — Der beste Aufschluss über die Pelzflatterer, wenigstens
über die auf den sundaischen Inseln vorkommenden und über die im
Museum zu Lejden aufbewahrten, war vou Sal. Müller zu er-
warten, dessen Bemerkungen hierüber bald nach meiner Arbeit er-
schienen. Derselbe erklärt aber die auf Sumatra, Java und Borneo
lebenden Pelzflatter sämmtlich als einer Art gehörig, wodurch also
Temminck's G. marmoratus im Systeme wegfällt. „Alle Individuen,"
sagt S. Müller, „sind mehr oder minder von einander verschieden.
Diese Farbenverschiedenheiten trifft man eben sowohl bei Exemplaren
aus derselben Gegend, als bei denen von verschiedenen Inseln. Bei
vielen Individuen fand ich die Grundfarbe, namentlich des Rückens,
iichtgrau oder bräunlichgrau, seltener grau- oder gelblichbraun. Bei
mehreren war der Grundton der Oberseite braungelb, rothgelb und
selbst isabellfarbig oder rtithlich. Einige waren fast einfarbig oder
nur sehr schwach dunkler gescheckt; andere hatten ein mehr buntes
Gewand mit verschiedenen sanften Farben, während bei noch andern,
und diese traf ich am Häufigsten an, der Oberleib durch viele durch-
eiuanderlaufende schwarze Streifen und grosse, lichte, augenformige
Flecken wie marmorirt waren." Diese letztere Sorte wird also
wohl den G. marmoratus, undatus und Temminclcii umfassen, so dass
wir demnach nur 3 Arten unterscheiden dürfen 1) den G. volans, dem
man am besten den Namen G. variabilis geben wird und der die sun-
daischen Inseln, nach Diard auch Siam und Malakka bewohnt,
2) den G. philippiJieiisis und 3) den G. macrurus, dessen Heimath
und äussere Beschaffenheit noch unbekannt ist.
Dass bei Galeopithecus jede der beiden Brustdrüsen mit 2 War-
zen versehen ist, was schon Pallas kannte, daran hat neuerdings
Cantraine {Bullet, de VAcad. de Bruxell 1839. 8. p. 65.) wieder
erinnert.
&) Chlroptera.
Viele Arbeiten sind über diese grosse Unterordnung er-
schienen, ausser der vom Ref. im Laufe des Jahres 1840 pu-
blizirten Monographie derselben im S eh reb ersehen Werke:
13 1 a i n V i 11 e , Osteograplüe fasc. V. 1840.
23
Keyserling und Blasius, Uebersicht der Gattungs- und
Artcliaraktere der europäischen Fledermäuse, in dem Archiv
1839. 1. S. 293, 1840. S. 1 , ferner in ihren „Wirbelthieren
Europa's."
Tomminck, sjir les ChiropteresVespertilionides (^31o-
jwgrupli. de Mammal. II. 3, monograph. XIII.).
E. Gray, descriptions of somc Mainmedia discovered
in Cuba hy W. S. Mac Leay (^Anii. of nat. hist. 183.9.
No.21. p. 1.).
Gundlach, Beschreibung von 4 auf Cuba gefangeneu
Fledermäusen (Arhiv 1840. S. 356.).
Ranion de la Sagra, Cuha, inannn. par Gervais.
Vortrefflich ist die bisher so sehr vernachlässigte Osteoloffie der
Handflügler von Blainville abgehandelt und durch meisterhafte Ab-
bildungen erläutert worden. Klassisch ist die Bearbeitung der euro-
päischen Fledermäuse vom Grafen Keyserling und Prof. Blasius;
sie ist mit solcher Umsicht und Genauigkeit durchgeführt, dass auf
einmal die bisher so verwirrte und schwankende Kenntniss der Arten
eine feste Grundlage gewonnen bat, und diese auf's Schärfste und-
Bestimmteste von einander geschieden sind. — Mit einer erstaunli-
chen Menge ausländischer Arten von den Vespertilioniden hat uns
Temminck bekannt gemacht und viele derselben in guten Zeich-
nungen dargestellt. Schematische Uebersichten über die Handflügler
haben Blainville und Gray {Mag. of Zool. and Uotani/, IL p. 483.)
geliefert, welche letzlere Arbeit mir indess nicht bekannt ist. Auf
eine detaillirte Schilderung der Leistungen in den letzten beiden Jah-
ren werde ich um so weniger nöthig haben einzugehn, als solche in
meiner Bearbeitung im Schreb ersehen Werke bereits aufgeführt
sind. Nur was seitdem neu zugekommen, oder von njir übersehen
worden ist, will ich kurz berühren.
Ueber die auf Kuba heimischen Handflügler sind fast gleichzeitig
3 Verzeichnisse erschienen:
Gervais führt 5 Arten auf: Phyllostoma perspicillatum, Vesper-
tilio {JSycticejus) Blossevillei, Vesp. lepidus, Vesp. Dtttertreus und Mo-
lossus obscurus; er bemerkt hierbei, dass PJiyllostotna jamaice?ise mit
perspicillatum zu vereinigen sei. — Gray verzeichnet: Arctibens
(Plii/llostoma) falcatus, Ärct.jaiiiaicetisis, Brachyphylla dTvertiaruni,
Mormops Blainvillei, Chilonycteris Mac Leay ü, ISyctinomus {Molosstis)
macrotis, Molossus tropidorhyuchus , Scotoplälus cubensis. — Diese
Arten sind bereits in meiner Monographie berücksichtigt, dagegen
nicht die 4 Gundlach 'sehen Arten: Yespertilio barbatus, Lohostoma
cinnamomeum, Lobostoma quadridens und Rhinapoma carolinense
Geoffr. Die neue Gattung Lobost uma ist, wie schon der treffliche
Wieg mann bemerkte, identisch mit chilonycteris. Ob Rhinopotna.
24
caroUnense selbst nur der Gattung nach richtig bestimmt ist lässt
S.C aas der Beschreibung nicht entscheiden; die Syno'.mi'd eser
3 Autoren wage ich nicht weiter zu deuten. »« aie^er
CXR'^7 ^'"'"'/^'^ Musignano publizirte im 24sten Hefte
ClbdJ) seiner Iconografia 2 Arten Fledermäuse-
Die erste ist der Vespert iUo alba - Umhat us von Küster iden
/.sch n„t r. 3/«.,v.«/.. von Cretschn.ar, wie von Keys^rlin:
und Blasius, obwohl der Verf. nur SSZäh^e angiebt. - D^e 2 e Ar^
i«t von «avi als V. Bonapartü aufgestellt: „pfpistrellus auVicul s
capite ertio brevioribus, ovato-triangularibus externe .VZlrZ
-tis; trago renifonni, incurvo, di.idia auria.Ia breviori; pe ,L
«..nutis, VI. excedentibus a patagio anali amplo unicolori, ^^
appendiculato; vellere fusco-subrufescenti, subtus vix pal" iore
Dentes 32." Körper n'', Schwanz 1" a-, Ohren 5'". Von Ror ^L
Ascoli und Sicilien. ' ^*^'
Von Pfcr-opus pselapJwn ist in der Zoology of Ca-
ptain Beechefs voyage, London 1839. 4. auf^Tab. 2 eine
schöne Abbildung erschienen.
Collin bemerkt hierbei, dass die Zunge sehr gross, oben mit
üeisch.gen, rückwärts zugespitzten Papillen bedeckt und jede mit
^-4 fleischigsn Stacheln versehen sei, dass der Blinddarm fehle und
der Penis eine harte, knorpelige, sattelförmige Substanz oben seo-en
die Spitze zeige. & *= "
E. Rousseau bat im Mag. de Zoolog, par Guerin,
1839, 3tes Heft, ein sorgfältig gearbeitetes Memoiie ZoologL
que et anatomique sur la Chauve-Souris commune dite
murin niederlegt, und das Zahnsystem, Skelet, und einige an-
andere Theile nebst den Parasiten in genauen Abbildungen
dargestellt.
Der Verf. macht uns hier zuerst mit dem Zahnwechsel des Fe-
spertilio murinus bekannt. Das Junge bringt 82 Zähne mit auf die"
Welt: 4 Schneide-, \\ Eck- und f :| Backenzäl.ne,lauterschmale
;inwurzelige Stümpfchen. Das bleibende Gebiss mit 38 Zähnen bricht
in den ersten drei Monaten hervor. Da die 16Zäbne, welche nicht
zum Ersatz dienen, schon erscheinen, 'bevor die Milchzähne alle aus-
gefallen sind, so sieht man nicht selten 40, 50, ja mehr Zähne auf
einmal beisammen.
Ueber Verbreitung und Lebensweise der Handflilgler auf
den Inseln des indischen Archipels hat Sal. Müller in den
ycrhandeUngen ausführliche Aufschlüsse gegeben.
Von Java zählt er 37 Arten auf, von Sumatra 24, von Eorneo 10,
von Celebes 5, von Amboina 14, von Banda 6, von Timor 13. Die mei-
sten Arten gehören zu Vespertilio, nächstdem zu Rhinolophus, dann
zu Pteropus.
25
Ilorsfield beschrieb (Proceed. VII. p. 148) einen neuen
Fiederhund aus Assam als Pterojms assajnensis:
„Pt. capite antice toto ex saturato riifescente fusco, postice zona
pallidiore in aiireum vergente cincto; collo omni, micha, interscapu-
lio, pectore abdomineque e xerampelino aureis, plaga laterali satura-
(i(.re5 velJere in liis elongafo suhlaniiginoso; noiaeo e saturato fiisco
nigricante pilis albis conunisto; patagio nigro; auriculis elongatis
acuininatis; axillis hiimerisque laniigine fusco vestitis."
HI* Hapacia,
Eine Ordnung, die jedes Jahr einen beträchtlichen Zu-
wachs erhält.
ö) liisectivora.
Diese Unterordnung hat Ref. in der zweiten Abtheilun-
des Supplenientbandes zu Schreber's Säugethieren bereits
bearbeitet.
Edm. de Selys-Longchamps hat in seinen Eludes
deMwromammalogie, Paris 1839, eine sorgfäHig gearbeitete
und von guter Literaturkenntniss zeugende R^vue des Mu-
saraignes d'Europe geliefert. Seine Arten sind- 1) Sorex
tetragonurus, 2) S. pygmaeus, 3) S. alpinus, 4) Crosso-
pusfodiens, 5) C. citiatus So^., 6) Crocidura ctrusca,
1) C. aranea, 8) C. leucodon.
Jenyns, der sich seit geranmer Zeit mit dem Studium
der Spitzmause befasst, gab Notizen über britische und deut-
sche Arten und fügte jenen einen Sorex caslaneus , diesen
einen S. lahiosus bei ^Ann. of nat. Inst. II. p. 43 u 323 )
- Gray stellte (ebenda S. 287.) einen AmpMsorex Peni
nantii und Linneanus auf, die indess beide zu Sorex fo
diens gehören. •'
A.Smith gab von ßonnetts Erinaceus frontalis eine
Abbildung mit einer ausführlichen Beschreibung (lUustr. of
the Zool. of South Afr. n. 2.). Derselbe lieferte eine Mo-
nographie der südafrikanischen Macroscelides, von denen er
l A^ten unterscheidet (a. a. O. N. VI.). In M. Wagner's
Reisen in Algier, 1840, 3tem Theile ist eine ausführliche Be-
26
Schreibung des Macroscelides Rozeti, von dem Verf., R.Wag- ,
ner und dem Ref. verfasst, enthalten; ich habe daselbst auf |
das Vorkommen einer Schwanzdrüse, der des Wiichuchols ent-
sprechend, aufmerksam gemacht.
Eine neue Chrysochloris villosa publizirte A. Smith
(a. a. O. N. V.). Er unterscheidet überhaupt 4 Arten: Chr.
auraia, damarensis, Hottentotta und villosa, leider sind aber
Chr. damarensis und Hottentotta so ungenügend charakteri-
sirt, dass man sie nicht mit Sicherheit erkennen kann, auch
hat Smith es übersehen, dass schon früher von Lichten-
stein eine Chr. holosericea beschrieben wurde. ,
In Treviranus Beobacht. aus der Zootom. u. Physio-
loo-. I. S. 120. Tab. 17—19 findet sich eine gute Beschreibung
der männlichen Geschlechtstheile des Igels mit schönen Ab-
bildungen, und eine andere (Tab. 19. Fig. 113.) von den weib-
lichen Zeugungstheilen des Maulwurfs.
ludem Ref. auf seine Monographie der Insektivoren ver-
weist, kann er, wie bei den vorigen Ordnungen, es unterlas-
sen, Luf das von seinen Vorgängern gelieferte und von ihm
bereits benutzte Detail näher einzugehen, wie er auch seine
eignen Leistungen nicht weiter auseinandersetzen will, um
Raum zu gewinnen für den Bericht über die seit dem Druck
jener Monographie erschienenen Arbeiten.
Zuerst muss er hier anführen das 6iQ Heft von Blain- •
ville's Osteographie (1841), das ganz den Insektivoren ge-
widmet ist. T> ,..-,* .
In ganzen Skeleten ist Talpa enropaea, Rkmaster cnstatus,
Mi/oo-a/e pyrena/ca, Sorex myosuros, Macroscelldes Roxeti, Cladoba-
tes %rruRineus, Centetes ecaudatus dargestellt; von ^ichädelabbildun-
o-en sind besonders wichtig die von Scalops, Rhinmter , Gymnurus
"RafflesnnnA Enculus spinoms, von allen Gattungen, mit Ausnahme
von Echinops, ist das Gebiss abgebildet. Blainville giebt für Sca-
lops dieselbe Zahl von Zähnen, nämlich 36, an, wieRef.und Fr. Cu-
vier während Richardson 44 auf/.ählt, was vielleicht von einem 1
Exemplare herrühren mag, das zu seinem Milchgebiss bereits von
den bleibenden Zähnen einen Theil bekommen hatte, y on Rfunaster
zählt Blainville 4 Zähne mehr als üesmarest, indem er oben
gleich hin.er dem ersten Schneide/.ahu und unten hinter den beiden
ersten ein winziges Zähnchen entdeckte. In der Deutung der Zahne
weichen wir sehr auseinander. An den Abbildungen des Maulwurfs-
Schädels vermisse ich das Rüsselknöchelchen.
27
Von Martin 's neuer Gattung Echinops (schon charak-
terisirt im Archiv V. 2. S. 421.) erschien seitdem die Abbil-
dung und genauere Besclireilning in den Transact. of the
Zool. soc. IL 4. p. 249. Tab. 46.
DasGebiss ordnet Martin jetzt richtiger so an: Schneidezähne*
Eckzähne }|^, Lückenzähne ^-^^ ächte Backenzähne A Da übri-
gens der Name Echinops schon längst an eine Pflanzengattung ver-
geben ist, hat Ref. ihn in Echinogale umgewandelt.
Is. Geoffroy {Guerin jnag. de Zoolog. 1839. 1 Z^'yr.)
hat eine Monographie der Borstenigel entworfen, aus welcher
evident hervorgeht, dass Centetes und Ericulus generisch ge-
schieden werden müssen : er charakterisirt sie folgendermassen :
Centetes: Körper unten mit Haaren, oben mit Stacheln bedeckt,
dazwischen starre Borsten, den Üebergang der Haare zu den Sta-
cheln vermittelnd. Beine kurz, 5 zehig, mit verlängerten robusten
Nägeln. Kein Schwanz. Kopf ungemein gestreckt. Backenzähne je-
derseits 6, oben wie unten, wovon der vorderste ein Lückenzahn
ist. Ein sehr langer Eckzahn oben und unten. Untere Schneide-
zähne 6, oben anfangs ebenso viel, später 4, wenn die Entwicklung
des untern Eckzahns das Ausfallen des hintern veranlasst.
Ericulus: Körper unten mit Haaren, oben mit starren Stacheln
bedeckt, ohne Mittelform. Beine kurz, 5 zehig, mit robusten, ziem-
lich verlängerten, etwas zusammengedrückten Nägeln. Ein sehr kur-
zer Schwanz. Kopf gestreckt. Backenzähne jederseits, oben wie
unten, 6, wovon der erste ein Lückenzahn. In jedem Kiefer ein
kurzer Eckzahn, vom Lückenzahn wenig verschieden. Schneidezähne *
Zu Ce?itetes zählt Is. Geoffroy 3 Arten: C. setosus Desm. (C.
ecaudatus), C. semisplnosus Cuv. und als neue Art C. armatus mit
der Diagnose: „Fell schwärzlichgrau, mit weiss sehr gesprenkelt,
auf dem Halse, Rücken, Schultera und Lenden aus sehr starren Sta-
cheln, auf der Kruppe aus feinen und halb biegsamen Stacheln, unten
aus gewöhuüchen Haaren bestehend.» - Ericulus besteht nach ihm
aus 2 Arten, wovon der E. spinosus lediglich auf dem Buffon'schen
Exemplare beruht, während der Verf. seinen E. nigrescens aus meh-
reren kennt. Nach des Ref. Bedüuken möchten beide wohl nur eine
Art ausmachen.
Dass E. Rousseau das Milchgebiss des Maulwurfs ent-
deckte, ist sclion früher bemerklich gemacht worden. In der
Zoology of Beechefs voyage, 1839, führte Richardson
3 Insektenfresser auf, die nordwärts von Nord-Califoniien ge-
funden wurden: Sorex parvus Say (S. lUchardsonu Bachm.)
all den Küsten der Behringsstrassc, Scalops canadensis und
Condylura macruva, beide vom Columbia- Flusse. Richard-
28
soll bemerkt hierbei, ^ass Bach mann jetzt 3 Arten von Sca-, i
lops nach dem Gebisse unterscheide. |
Einige Bemerkungen über die Lebensweise der Wasser-
spitzmaus theilte Clarke mit im Mag. of nat. hist. 1840.
p. 149.
Sal. Müller bereicherte dielnsektivoren mit emer neuen
Gattung {Verhanddingen L p. 50.) und einigen Arten.
Die Gattung nennnt er Hylomys; sie bildet deu Uebergang von
den Tupajen zu den Spitzmäusen, jedoch ersteren näher stehend.
Der Schädel ist oben flacher als bei den Tupajen, nach vorne fast
«Geradlinig und auch hinten nur wenig abschüssig. Die Augenhohlen
sind nicht, wie bei diesen, rundum geschlossen, sondern hinten ganz
offen Die Jochbeine haben in der Mitte eine kleine Spalte. Schnei-
dezähne 6 Backenzähne |, in Allem 44 Zähne. Die zwei mittlem
schneide Jhne sind etwas stärker als die andern, die obern ause.n-
ander-erückt. Die 4 vordersten Backenzähne sind Lückenzahne, von
denen" der erste etwas grösser ist als die andern, die sehr klein
sind - Müller kennt nur 1 Art, der er den Namen H.Smllus giebt.
Schwanz und die stark abgerundeten Ohren sind fast kahl. Auf der
Oberseite sind die Haare an der Wurzel grau, in der Mitte gelbhch-
ro.h, an der Spitze schwarz, woraus eine dunkel gelbhchbraune,
L's kothbraune spielende Farbe entsteht. Der Unterleib ist lichter
weiblich graubraun. Oben mengen sich viele lange schwarze Haare
Jin Ganze Länge 0,148, wovon der Schwanz 0,012 betragt. Auf
Tava und Sumatra. , . . j
Die beiden neuen Arten sind Hylosale {Cladobates) munna und
Sorex tenuis. Die llylogale murina ist nur so gross wie eine Haus-
^a s Der Schwanz i^t rund, mit kurzen Haaren besetz die nur
gegen die Spitze länger werden. Der Oberleib ist ge buch grau-
braun was hinten und auf dem Schwänze in's Braunrothe übergeht.
D : rnt rseite des Leibes ist gelblich, des Schwanzes ^elbroth. Von
Borneo. - Der Sorex tenuis ist von Timor, etwas kleiner als S. fo-
l"r Körper 0,07, Schwanz 0,057; Farbe oben grauUchbraun, unten
b^mgrau- Schwanz mit kurzen, glatt anliegenden, nur hinten lan-
gern Haaren. ^ . . , , , ^ n\
Ueber die fossilen Insektivoren ist Blainviüe (a. a. ü.)
zu vergleichen; merkwürdig ist es, dass Lund in Brasilien,
woselbst keine Insektenfresser leben, auch unter den antedi-
iuvianischen Ueberresten ihre Spuren nicht aufgefunden hat.
l) C a r n i V o r a.
Waterhonse publizirte eine neue Eintheilnng der Fleisch-
fresser, Procced. VII. p. 135, die er unter 6 Familien bringt.
29
1) Canidae: Schoautze gestreckt, der knöcherne Gaumen in einer
Linie mit dem Hinterrande der hinteren Zähne oder selbst im Vor-
sprunge von dieser Linie geendigt; Höckerzähne 2_^ Canis, Fennecm,
Lycaon und Mep::aloti'S. 2) Viverridae.- mit derselben Schädelform,
aber die hintere Portion ist mehr vorspringend, der knöcherne Gau-
men ist weiter rückwärts geführt, Höckerzähne^. Als anomale Form
reiht er die Hyäne an. 3) Felidae. 4) Mustelidae-. mit kurzer und
stumpfer Schnauf ze, wie die Katzen, doch ist der Schädel gestreck-
ter; Höckerzähne -J-. Mustela, Zorilla, Galicti's, Melllvora, Ursi-
taxus, He/ictis, Giilo, Lutra , Mephitis, Meles, Arctonyx, Mydaus.
5) Ursidae: Höckerzähne |, der Reisszahn von anderer Funktion
als bei den übrigen Carnivoreu,; der Gaumen beträchtlich lang. IJr-
sus, Nasua, Procyon, Cercoleptes, Arctictis und Ailurus. 6) Phocidae.
A. Smith hat im 2ten Hefte seiner Ulustrat. Herpestes
hadius, und im 7ten Cynictis Og'dhyi und leptura abgebil-
det. — Von sekener Schönheit sind die Abbildungen in Dar-
win's Zoology of the voyage of Beagle, nämlich Canis
antarcticus , magellanicus, fulvipes und Azarae, Felis Ta-
guarundi und Pajeros. Diese sind auch beschrieben; ausser-
dem noch F. domesiica, Galictis vittata, Lutra jjlatensis
und chilensis.
Van der Hoeven in seinen Annoiationes de quilus-
dam Mammaliinn generihus {Nov. act. Acad. nat. cur.
Bonn.X. IX. 1. p. 17J.) behauptet, dass zwischen Nasua und
Procyon kein generischer Unterschied dürfe festgehalten wer-
den; eme Behauptung, welche schon durcli die prächtigen Ab-
bildungen des Schädels und Gebisses beider Thiere (Tab. 20.)
hinlänglich widerlegt werden möchte.
Bell, der schon früher von Galictis vittata die G. AI-
lamandi abgetrennt hatte, giebt nun von beiden schöne Ab-
bildungen und ausführlichere Beschreibungen in den Transact.
of the Zool. soc. II. 3. p. 201.
Von der Uverra indica, die übrigens mit F. Rasse und pallida
Identisch ist, erschien in der Voy.sur la Favorite. Zoolog, p. lo Tab 6
eine Abbildung, zugleich auch eine Notiz über Viverra Zihetha.
Beobachtungen über einen ungewöhnlich zahmen und äusserst
dugen Baummarder theilte K. v. Siemuszo wa-Pietruski mit im
Archiv V.l. S.251. — Die englischen Zoologen sind uneinig, ob ein
Jder SArten Marder auf den britischen Inseln vorkommen. Eyton
Ann. of nat. hist. /«. 37. ;;. 290.^ verschaffte sich 4 Exemplare, wo-
/one,n junges eine hellgelbe Brust, ein grosses eine weisse hatte,
«wahrend 2 andere das Mittel hielten, indem die Brust mir schwach
30
o-elblich tingirt war. Er venmithet nun, dass das Junge des Stein-
marders für eine besondere Art genommen worden sei und dass der
Edelmarder auf den britischen Inseln nicht existire.
Hodgsoii behauptet, dass in Nepal zum wenigsten 7 Ar-
ten von Fischottern sich aufhalten, von welchen er 4 als hu-
tra Javiiveusis, monticolus , indigitatus und aiiro -hrun-
neus" ku^z charakterisirt (^Ann. of nat. hist. n. 28. p. 27.)-
Im 6ten Hefte des Magas. de Zoolog, von Guerin hat
Is. Geoffroy seine schon früher angekündigten Gattungen
Ichneumia (J. alhicauda und alhescens), Galidia {ß. ele^
Sans, concolor und oUvaced) und Galidictis striata ausführ-
licher beschrieben und in Abbildungen erläutert.
Im Liverpool Zoolog. Gardens begattete sich ein Hyä-
nenpaar; 12 Wochen nachher warf das Weibchen 4 Junge, die
9 Tage blind waren (Ann. of nat. hist. IL p. 236.)-
Nach einem verstümmelten Felle kündigte Ogilby (^Pjo-
ceed. VIL p. 94.) eine neue Katzenart von Sierra Leone an,
'Eelis servalina: „supra fulva, maculis nigris, minutis, copio-
sissimis; subtus albida, cauda brevissima."
Aus den Bergen von Simen beschrieb Rüpp e 1 1 (abyss. Wir-
helth. S. 39. Tab. 14.) einen wolfsartigen Hund, Canis simensis.
lieber die bisher aufgeführten Fleischfresser hat sich Ref.
kurz gefasst, da das Ausführlichere hierüber in seiner Mono-
graphie der Carnivoren, an deren letzten Bogen gedruckt wird,
zu finden ist. Seit Abschluss derselben ist er noch auf Fol-
gendes aufmerksam geworden.
Richardson's Verzeichniss von den an der Nordwest-
küste Amerika's (nordwärts von Nordkalifornien au bis zum
Ende des Kontinents) vorkommenden Säugthieren zählt fol-
gende Fleischfresser auf ^Zoology of Beechefs voyage):
1) Ursus americanus, 2) U.Arctos amßricaims, von dem es Ref.
unentschieden lässt, ob er als Lokal - Varietät oder als eigne Art
anzusehen sei, 3) U. ferox . 4) V. maritinus, 5) Procyon Lotor,
6) Meles labradoria, 7) Gulo luscns, 8) Mustela vulgaris, 9) M Lr-
minea, 10) M. Vison, 11) M. Maries, 12) M. canadensis, 13) Meplutis
americana, 14) Lutra canadensis, lä) Enhydris marina, 16) Canis
Lupus var. grisea vonXootka und var. füsca von Kaliformen und
dem Kolumbia, 17) C. latrans, 18) C. ochropus , 19) C fanuharis,
20) C. lagopus, 21) C. fnlvus , 22) C. Vulpes , der nicht vom gem.
europ. Fuchs unterschieden werden kann und sicherhch mit dem
common red fax vonLewis undClarke übereinkommt, Zd)C.cme.
31
reo - argenteus; 34) Felis concolor , 85) F. Onca, 86) F. fasdata,
27) F. rufa?; 38) Phoca vitulina, 89) Vh. groenlandica, 30) Pk. bar-
6ata, 31) P/t. iiibata, 32) Ph. ursiiia, 33) Ph. fasciata\ 34) Triche-
chus Rostnarus:
Später (S. 9) schickt Richardson berichtigende Bemerkungen
nach. So erklärt er die amerikanische Mustela vul^^aris jetzt als
eigne Art, wie der Prinz von Musignano, der sie Putorius Cico-
gnanii nannte und von der europäischen hauptsächlich durch die
schwarze Schwanzspitze unterscheidet. Mustela Erminea nennt jetzt
Ref. in Uebereinstimmnng mit dem Prinzen Putorius Richardsonii
und letzterer sieht das auf S. 47 der Fauna Boreali -Americana be-
schriebene Exemplar für eine dritte Art an, der er den \amen Puto-
rius longicauda giebt. Der Schädel der amerikanischen yliM^/e/aJ/ar-
tes soll nach Yarrell sehr markirte Differenzen von den englischen
Mardern zeigen; der Winterpelz ist der „Sable'\ der Sommerpelz
ist Fr. Cuvier's M. Huro, welchenNamen Ref. vorschlägt. — CawÄ
latrans und ocliropus sieht er jetzit für geringe Lokalvarietäten von
einander an. Felis Onca, nur von Lewis und Clarke am Colum-
bia gesehen, wird jetzt hinsichtlich der richtigen Bestimmung bezwei-
felt. Die Lutra lataxina unterscheidet er von L. canadensis.
SaJ. Müller zälilt in de« VerhandeUngen auf Java
13 Arten FJeischfre.sser, auf Sumatra 19, auf Borneo 13, auf
Celebes und Ambolua 1 {Viverra Zihetha), auf Timor 2 Arten.
Neu sind Felis megalotis und Paradoxurus leucomystnx und tri
virgatus. Lutra leptomjx und L. Sinmng werden als 8 Arten nach-
gewiesen; der schon früher beschriebene Potamophilus barbatus ist
in einer schönen Abbildung vorgeführt. Ueber die Verbreitung und
Lebensweise der Fleischfresser des indischen Archipels sind wichti<re
Aufschlüsse gegeben. "
Blainviile ist in seiner Osteographie bis zur Darstel-
lung der allgemeinen Verhältnisse der Fleischfresser vorge-
rückt. Er theilt sie in 8 Familien der Linneischen Gattun-
gen: 1) Robben (Phoca Linn.), 2) Bären (G. ursiis), 3) Pe-
tits-Ours (G. Suhw'sus), wozu er zählt: Ailunis, Procyon,
Nasua, Cei'coleptes, Arclictk, Arctonyx und Males, 4) Mu-
steht Liim., 5) Fiverra Linn., 6) Felis Linn., 7) Cariis
LiJin. nebst Protelcs, 8) Hyaena.
Gebier berichtete im Bullet, scientif. piiblie par l'Acad.
des sc. de Petersh. Fl. p. 292 über das Vorkommen des
Tigers im westlichen Theile des Altai's, wo er mitunter als
Gast erscheint.
Im Lauf von 30 Jahren sind ihm fünf Beispiele im Kolywanowos-
•^ressenskischen Hüttenwerke vorgekommen. Der letzte Fall ereig-
32
nete sich 50 Werst südlich von der Kreisstadt Bijsk, wo im Okto-
ber 183D eiu grosser Tiger erlegt wurde, nachdem er einige Hunde
zerrissen, sich auf einen Jäger gestürzt und ihn stark verwundet
hatte. Sein Gewicht betrug 8 Pud 10 Pfund. Die Länge von der
Nase bis zum Schwanzende 3| Arschin, ohne Schwanz 2K Arschin,
die Höhe vom Hinterfuss bis zum Kreuz l.J Arschin, der Umfang
des Leibes 1 Arschin lOWerschok
Jardine, the Nat uralist s Library, hat im 9ten u. lOten
Bändchen die Dogs geliefert, worüber erst im nächsten Jah-
resberichte referirt werden kann.
Unter den antediluvianischen Fleischfressern macht Ref.
zuletzt noch auf den merkwürdigen Hyaenodon {Ann. des
sc. nat. 2. ser. XI. p. 27. Tah. 2; XII. p. 379) und die Ma-
stela plesictis (Guerin, mag. de Zool. 1839. Livr.'i) auf-
merksam. Eine ausführliche Schilderung der urweltlichen
Fleischfresser werden wir demnächst, in Blainville's Osieo-
graphie erhalten, weshalb wir unser Referat auf den näch-
sten Bericht verschieben.
c) Pinnipedia.
Das neueste Heft von Blainville's Osteographie .mi
der 7ten Lieferung vom Atlas ist der Osteologie der Flossen-
füsser gewidmet. Von Trichechus Rosmarus, Phoca vitu-
lina und juhafa ist das ganze Skelet abgebildet.
„Zur Naturgeschichte Aer Phoca co?n?mtnis" gab Kutorga einige
gute Beiträge, nach 2 Individuen, die in der Neva gefangen worden;
waren. Das eine bezeichnet er als Var. octonotata, das andere als
Var. undnlata. Sowohl die Thiere, als einzelne Theile derselben,
wie Vordertheil der Schnautze, Vorderfüsse und Schädel sind in Ab-
bildungen dargestellt. I
Lehrreiche Bemerkungen über den Fang und die Lebensweise
der Seebären, Seelöwen, Seeottern, des Wallrosses und Wallfisches
verdanken wir Wrangell (in den Beiträgen zurKenntniss des rus- I
sischen Reiches von E. v. Baer und Gr. v. Helmersen. Peterb.j
1839. 8). ,.. ^Il
Selby machte in den Ami. of nat kist. VLp.iGi bemerklich,
dass in die von ihm früher als Phoca barbata von den Farn - Inselc
bezeichnete Robbe nicht diese Art, sondern der Halichoerus grisem
mis. sei; er reiht hieran Bemerkungen über die Lebensweise diese^
fi y^ p ii 1 1 n /1 p O
Ueber die an den Küsten Irlands lebenden Robben findet sich im
33
den Transact. of the Royal Irish Academy. vol. XVIIl. Jahrg. 1839.
S. 89 eine kurze^ mit 6 Tafel q ausgestattete Abhandlung von Robert
Ball. Die von ihm daselbst aufgefundenen Arten sind: Halichoerus
g-rt'seus Nilss., Phoca vaiie^atalSilss. und Phoca aimellata Nihs., de-
ren Verschiedenheit von Ph. grociilandicu er nachweist. Ueberdies
vernuithet er als vierte Art die Phoca barbata.
Aus dem Tertiärmcrgel von Osnabrück beschrieb H. v. Meyer
die Ueberrcste einer Robbe unter dem Namen Phoca ambigua (Bei-
träge zur Petrefakten- Kunde von G. zu Münster. 1840. 3tes Heft).
IV, Ma r s up ialict.
Sclioniatisclie Eintliciliingen dieser Ordnung sind sowohl
von Owen (Proceed. VII. p. 5; Ti'ansact. of tlic Zool. soc.
IL 4. p. 315) als von Ogilby (Jlag. of mit. hist. 1839.
p. 130) entworfen worden.
Owen entwirft folcrendes Schema:
Sippen. ■ Familien.
Sarcophaga.
3 Zahnsorten; Eck-
aähue laug, Magen t\ -i
einfach, kein Blind- Damridae
darm.
Ausgestorbene Uc-
bergangsformen.
Entojiiophaga.
3 Zahnsorten, Ma- Ambulutoria
Gattungen. Untergattungen.
{Thijlacinus.
Düsi/m-iis.
PiLuxcogule.
i Phascolotherhini.
\ Thylucotherium.
Myrmecobnis.
gen einfach. Blind- « /, , • \Choeropus.
darra massig lang. •^"""^"'''^ [Perameles.
Scansoria Didelphys j cLrJnectes.
Carpophaga.
Vordere Schneide-
zähne stark und
lang, Eckzähne un-
beständig, Magen Phulangistidae
einfach oder mit
besonderer Drüse,
Blinddarm sehr lang;.
{Cuscus.
Pseudochirus.
Tapoa.
rPetatirista.
( Petaurus J Belidia.
V VAcrobates.
Poephaga.
Vordere Schneide-
zähne stark und
lang, Eckzähne nur , „
oben, oder fehlend, Macropodidae \Jm''Prymnus.
Magen zusammen- ' firmnuv
gesetzt, Blinddarm
lang.
Archiv f. Naturgesch. YII. Jahrg, 2. Bd.
[Macropus.
34
Sippen. Fainilien. Gattungen. Untergattiiugen.
Rhixophaga.
Smeiself. Schneide-
zähne oben unten,
keine Eckzähne, „■ , • n? »
Magen mit einer P'>"pfomy,- sPhascolonvjs.
Drüse, Blinddarm ^«^- (Diprotodon Fossil.
kurz, weit, mit ei-
nem Wuraifortsatz.
Ogilby ordnet nach folgendem Schema:
{Plialangista.
Petauriis.
Vhascolarctos.
{Macropidae ^Macropus.
and macropoid teeth. {Hypsiprymnus,
Pcj-aiiieUdae C Ferameles.
and didelphoid teeth. {Choerojms.
(Mi/rmecohius.
II. Digitigr ada J Fhascogale.
with digitigr ade extremities and didelphoid teeth. i Dasyunis.
\ThyUtciniis.
{Didelphidae ^Didelphys.
and didelphoid teeth. (Chironectcs.
„, / .,., CPhalan^'sta.
Phalangtstidae
and macropoid teeth
I\\ Pia ntigrada Phascolomys.
with plantigrade extremities and rodent teeth.
Von diesen beiden Klassifikationen ist offenbar die von Owen,
die naturgeraässere, da sie die Gruppen nach der Uebereinstimmiing
des äussern und innern Baues, wie der Lebensweise zusammensetzt.
Im Wesentlichen ist dieselbe auch schon von Cuvier und Wieg-
mann (in seinem Handbuche der Zoologie) aufgestellt worden, doch
hat ihr Owen eine festere anatomische Begründung verschafft. Nur
die Namen seiner Sippen sind nicht immer glücklich gewählt, da die
Beutelratten, welche wie Marder und Wiesel würgen, doch nicht
füglich für Insektenfresser erklärt werden können, auch würden die
Carpophaga schlecht auskommen, wenn sie in dem an geniessbaren
Früchten so überaus armen Neuholland auf die Fruchtnahrung ange-
wiesen wären. — Ogilby's Klassifikation dagegen trifft der Vor-
wurf, dass sie Carnivoren und Herbivoren in den Familien durchein-
ander wirft, lediglich um ein künstliches System nach einem einzi-
gen Merkmale, den Hinterfüssen, durchzuführen.
Laplace's Voyage autour du monde sur la Favo-
rite V. 1839, Zoologie, enthält liechevches anatom. et
zoolog. sur Ics viammifer. marsupiaux, par M. Fortune
Eydoux et Laurent, wovon der grössere Theil schon früher
in Guerin's Magasin publizirt wurde.
Waterhouse im Mag. of naU hist. 1840. S. 229 be-
35
reicherte die G Sittun g PJiascogcde mit einer fünften Art: PJia-
scogale Stvainsonü.
vSie ist grösser als Ph. ßavqies oder mim'ma, oben schön dun-
kelbrauDj unten dimkelgraii, schwach mit Weiss gesprenkelt, Schnautze
länger und schmächtiger, die Füssc aussen dunkelbraun. Körper 5''
2'", Schwanz 3" 5'". Yen Vandiemens-Laud
Die männlichen Organe von Didclphys virginiana be-
schrieb Treviranus (Beobaclitung. aus der Zootoin. u. Phy-
siolog. I. S. 109).
Gray stellte einen neuen Eandikut auf ab Vcvameles
Tiickcrl:
„Kopf kurz, konisch; Ohren gross, behaart, der Rücken gleich-
farbig mit schwärzlichem Rande. Pelz weich, braun, mit grauen
Haaren und schwarzen Spitzen gescheckt; Seiten gelbbraun, unten
gelblichgrau, Grundwolle des Rückens bleifarbig. Schwanz so lang
als der Leib, sich verdünnend, behaart, an der Wurzel dem Körper
gleichfarbig, Jiuf f seiner Länge schwärzlich un^ mit angedrückten
Haaren." Kopf 2" 3'", Leib 5" 9'", Schwanz ebensoviel, Hinterfuss
2" 3'". Australien.
Sal. Müller führt in den J erliandelingen unter den
Thieren Neu -Guineas eine 6te Art der Beutelbilche, P/iasco-
gale melas auf, von den er in der Land- en Volkenkunde
Tl. 1. p. 20 sagt:
„Grösse von Mus ratlus. Einfarbig schwarz; auf dem Rücken
ist die Farbe der kurzen, \veichen Haare an den Spitzen etwas glän-
zend, unten am Leibe geht sie mehr ins matt Russschwarze über.
Die Unterseite des Schwanzes, die Pfoten und die kleinen stumpf-
spitzigen Ohren sind dünn mit kurzen Haaren besetzt Die Augen
sind braun."
Derselbe (a. a. O.) erwähnt zweier „Kängurus" von Neu-
guinea, welche sich durch eine auffallende Eigenthünilichkeit
von allen andern unterscheiden, indem sie auf Bäumen leben,
weshalb er aus ihnen die Gattung Bendrolagus bildet:
„Beide haben dieselbe Grösse, die ein wenig unter der der er-
wachsenen Ärctictis penicüluta bleibt, mit welchem fleischfressenden
Thiere sie übrigens, bei oberflächlicher Ansicht, sowohl der Gestalt
als dem schwarzen Pelze nach viele Uebereinstimmung zeigen. Die
erste Art, von mir Dendrolugiis ursinus genannt, ist fast ganz
schwarz, nur die Schnautze und Kehle hat eine lichtere gelblich-
braune Farbe, und der Grund des Schwanzes oberhalb einen fahl
rothbraunen Ton. Der ganze Körper, zumal an der Oberseite und
an der Aussenseite der Beine, sowie der lange Schwanz, sind mit
ziemlich langen und rauhen Haaren bekleidet. Eigen ist die strahl-
3*
36
förmige Haarrichtung , welche man über deu Schultern bemerkt und
das kurze wollige Haar, womit der Kopf, von den Ohren au nach
vorn zu, bedeckt ist. — Die 2te Art, Dendrolagiis inustus hat einen
graulichen Pelz, durch eine Mengiing von gelblichen, schwarzen und
grauen Farben hervorgebracht, welche letztere besonders den Spitzen
der langen Stichelhaare eigen ist und dem Thier ein Ansehen giebt,
als ob es versengt wäre." — Da über die Gestalt dieser räthsel-
haften Gattung nichts gesagt ist, lässt sie sich auch zur Zeit noch
nicht ins System einreihen.
Dass die fossilen Kiefer von Stonesfield, welche theils
durch ihr geognostisches Vorkommen, theils durch die über
ihre Deutung entstandenen Controversen, eine ganz besondere
Wichtigkeit erlangt haben, wirklich von Beutelthieren herrüh-
ren, hat Owen, wie mir scheiut, bis zur Evidenz erwiesen.
Aus diesen Fragmenten sind nun die zwei Gattungen TJiyla-
coiherium und FhascoJotherium errichtet (Vgl, Ann. of nat.
hist. in. p. 61 u. 204).
An demselben Fundort (Kysson in Suflfolk) ist ein fos-
siler Lückenzahn zum Vorschein gekommen, der jedenfalls
einem Saugthier und höchst wahrscheinlich einer mit der Gat-
tung Didelphys verwandten Art angehörte (Vgl. Charles-
worth mag. of nat. hist. 183.9. p. 448, und Owen, Jtnn.
of nat. hist. IV. p. 192).
Von den brasilischen Ueberresten antediluvianisclier Beu-
telthiere weist Lund 7 Arten (?) der Gattung Didelphys und
eine dem Thylacoiherium zu.
J^, Moilentia»
Von Waterhouse ist im Mag. of nat. hist. 1839. p. 90
eine neue Eintheilung der Nager publizirt worden, wobei er
als Eintheilungsgrund die Beschaffenheit des Unterkiefers wählte
und hiernach 3 grosse Abtheilungen, Murina, Hystricina
und Leporina, begründete. Von dieser Eintheilung der
Nager ist es zwar zu rühmen, dass Waterhouse sie auf
bessere Grundlage als seine Vorgänger gestützt hat, gleich-
wohl scheint es Ref., dass nicht alle Familien in ihren ge-
hörigen Grenzen umschrieben, auch einige unterdrückt sind,
deren Restitution nothwendig sein möchte. Er hat daher
sich in einer neuen Gruppirung der Nager- Gattungen ver-
sucht (Münchner gel. Anzeigen 1841. S. 401), wobei er, wie
37
es eine natürliche Anordnung erfordert, auf alle hervorstechen-
den Merkmale Rücksicht nahm. Auf solche Weise hahon sich
ihm die Nager unter 12 Familien vertheilt:- PeJiniaiia, Sein-
rina, Myoxina, Macrojjoda, Chinchillina, Fsainmoiyclina,
Cunicularia, Murina, Caslorina, Ilysiricitta , Siihungulala
und DiiplicidentiiUi. Die nähere Erörterung dieser Familien
kann Ref. umgehen, als seine Abhandlung auch in diese Blät-
ter aufgenommen worden ist.
Die geographische Verbreitung der Nager stellte Water-
house in einer Tabelle recht anschaulich dar (Vroceed. VIT.
p. 172).
In den schon öfter angeführten VerJiandclingen hat Sal.
Müller die geographische Verbreitung der auf den Inseln
des indischen Archipels einheimischen Nager mit grosser Ge-
nauigkeit erörtert und schätzbare Bemerkungen über ihre Le-,
bensvveise, so wie über die Feststellung mancher Arten beige_
fügt. Von Java zählt er 16 Arten auf, von Borneo 10, von
Sumatra 13; auf Amboina, Banda, Timor und Celebes hat er
keine andere Art als Mus decwnatuis gefunden.
Von der grossen Menge Mäuse, welche Darwin in der
südlichen Hälfte Südamerika's entdeckte, ist schon die Rede
gewesen. Noch reicher ist aber die Anzahl der Nager, welche
Richardson in Beechey's Reise (S. 6 und 12*) aus dem
nordwestlichen Theil von Nordamerika aufzählt.
Quatrefages, Considcralions sur les car acter es zoo-
logiques des Piongeurs ei sur leur deniilion en parliculier.
Paris 1840. 1.
Der Verf. entwickelt viele interessante Beziehungen der Nager
zu andern Säugthier- Ordnungen, auch zu den Vögeln; seine Ao-
jsicht jedoch, dass die vordem Zähne derselben, weil sie durch den
Zwischenkiefer hindurch in den Oberkiefer reichen, nicht Schneide-
zähne, sondern Eckzähne seien, wird sich gewiss keiner grossen
Anerkennung zu erfreuen haben, so wenig als seine Einreihung der
Spitzmäuse unter die Nager. Es ist zu verwundern, wie der Verf. einer
solchen Ansicht zugethan bleiben konnte, nachdem er selbst gefunden
Latte, dass bei den Hasen die obern Vorderzähne ganz im Zwischen-
kiefer eingelagert, mithin diese unbestreitbar ächte Schneidezähne
sind; da sie aber in der Form ihrer Kronen mit vielen andern Na-
gern übereinkommen, während die Vorderzähne in dieser Ordnung
nicht die mindeste Aehnlichkeit mit Eckzähnen zeigen, so kann man
des Verf. Ansicht als ein Paradoxon auf sich beruhen lassen. Seia
38
Verzeichniss der fossilen Nager -Arten nimmt besondere Rücksicht
auf die in neuster Zeit in Fraukreich gefundenen, M'orüber genauere
Bestimmungen von Blainville zu erwarten sind, der über die fos-
silen Nagern aus der Auvergue bereits einen kurzen Bericht abstat-
tete {Institut. 1840. n. 338).
(i) Pe dilti an a.
Blainville liess \oni Cliiroinys, den er wie Sc li reber
zu den Halbaffen rechnet, die vom Knochengerüste im pariser
Museum vorfindlichen Theile: Schädel, Knochen des Vorder-
arms mit der Hand und mehrere Knochen der Fussvvurzel
abbilden, und fügte eine sehr detaillirte Beschreibung auch des
äussern Baues bei (f)stcographie, fasc. 3. tob. 5).
Auf dasselbe Material Mie Blainville gestützt, hatte bekannt-
lich Cuvier den Chiromys für einen Nager erklärt. Diese Verschie-
denheit der Deutung ist nur möglich, weil diese Gattung eine ent-
schiedene Mittelform zwischen Halbaffen und Nagern ausmacht, in
der {Schädelform und Bildung der Extremitäten mit jenen, im Gebiss
mit diesen übereinstimmend.
Z>) Sciiirina.
Von unserem gemeinen Eichhorn unterschied Bo naparte
in der Fauna üalica (fascicolo 23^ das italienische unter dem
Namen Schuiis itaVtais als eigne Art:
„Sciurus fiiliginosus, pedibus concoloribus, subtus abrupte albus,
auriculis penicillatis, dentibus primoribus aurantiis."' — Ref. möchte
der Meinung von Schinz (europ. Faun. I. S. 7.5) beitreten, dass da
dieses italienische Eichhorn nur durch seine etwas braunere Farbe,
wie sie auch unter unsern Eichhörnchen öfters vorkommt, sich aus-
zeichnet, es für keine eigne Art anzusehen wäre.
Bachmann's Beschreibung der nordamerikanischen Eich-
hörnchen (schon erwähnt im Archiv 1839. 2. S. 419) ist nun
im Mag. of nat. hist. 1839. p. 113 in ausführlicher Mitthei-
lung erschienen. Unter den 17 Arten, die man hier aufgeführt
findet, ist auch der von Richardson aufgestellte Sciurus
Colliaei {Zoolog, of Beechefs voy. p. 8. tah. 1) mit ein-
begriffen.
Ausser den im vorigen Jahresbericht schon citirten Sciu-
rus ephippium und exilis, stellte Sal. Müller eine 3to Art
in den Verhandelingca S. 55 auf:
Sciurus modestus, nicht ganz von der Grösse des Sc. Plantam'}
39
mit dem er in der Färbung ziemlich übereinkommt, jedoch fehlt ihm
der lichte Seitenstreif. In Gebirgswaldungen von Sumatra und Bor-
neo. — Eine 4te Art nennt Müller Sciurus luticaudahis (Verhand.
p.^i), die den Sc. msigfiis au Grösse und Habitus sehr ähnlich ist,
auch oben eine ähnliche Färbung hat^ worauf sich jedoch keine Rücken-
streifen finden. Von Borneo.
Ein Eichhorn von der Westküste Siidamerika's nannte
Ogilby Sciurus variegatoides:
„Supra fulvo nigroque variegatus; stibtus heivolus; cauda longa,
C3'lindrica, floccosa, cauescente; auriculis imberbibus, subrufisj ni-
gro-marginatis.'' (Proceed. VII. p. 117). — Ebenda beschrieb Wa-
terhouse seinen Sciurus phi//pjiinensts: „supra intense fuscus, piiis
nigri-rufescenti-flavo annulatis, subtus cinerescenti- albus, capite
et anticis pedibus cinerescentibus; auribus parvulis, cauda mediocri."
6V'5 von Mindanado. In demselben Bande S. 152 charakterisirte Hors-
field den Sc. Mc Clellundii von Assam und Bengalen, der nur 4.\"
lang ist. — Ein wahrscheinlich südamerikanisches Eichhorn nannte
Waterhouse {Ann. qf nat. /t/st. V. p. 304) Sciurus diinidiatus: „su-
pra griseus fulvo -lavatus, subtus flavus; capite, corpore ad latera
pedibusque rufescentibus; cauda fere corporis longitudinem aequante,
iuduta pilis nigris, flavis atque fulvis commixtis." 10" lang. Schwanz 7i".
A. Smith beschrieb seinen Sciurus Cepapi:
„Supra ochreus, bruneo-nigro leviter marinoratus; corporis la-
teribus pedibusque ochreis; labio superiore, Stria superciliari, corpo-
risque partibus inferioribus albis, vcntre flavotincto; cauda disticha,
ochrea, bruneo-nigro variegataj auriculis brevibus, apicibus obtusis,
uiargine externo versus apicem emarginatoj oculis bruneis.' 7.J"lang.
Südafrika. — Gleichfalls afrikanisch ist der in Rüppell's abyssin.
Wirbelthieren (S. 38. Tab. 13) beschriebene Sciurus fnulticolor.- „ca-
pite supra, dorso, cauda lateribusque corporis pilis rubiginosis, annu-
lis umbrino -fuscis apicibusque albidis partim variegatisj lateribus
capitis, rhinario, nietatarsis et basi caudae subtus rubiginosis, gula
et venire isabellinis, annulo orbitali et parte mediana gastraei ex flavo
albicante." Gerade Länge 8^", Schweifrübe 9" 10'". Von Abyssinien.
Den Flughörnchen wnrden 2 Arten zngefiigt:
1) Pteromys elegans von S. Müller {Verhand. p. 35 u. 56), von
dem man als Diagnose geben könnte: Pt. supra nigro -griseoque mar-
moratus, subtus e lutescente rufus, cauda tereti fuliginoso- nigra.
0,334 M. lang, Schwanz 0,406. Von Java. — 2) Pterotnt/s aurantia-
cus vom Ref. (Münchner gel. Anzeigen 1841. S. 438): „Pt. supra au-
rantio-fulvus, subtus albidus, sparsim ochraceo - lavatus : patagio
prope carpum in angulum acuminatum excurrente; cauda plana di-
sticha, castanea.'' 5" 3"', Schwanz 4" 3"'. Von der Insel Banka.
Einen Spci-mophilus rufescens stellten Keyserling und
Blas ins auf:
40
,, Kopfseiten von der Sclinautze bis hinter die Ohren und über
die Augen rostroth, mit einfarbigen Haaren wie Brust und Bein; ein
rothbrauner Fleck über und unter jedem Auge und unter dem Ohr.
Von der Schnautze an über die Mitte des Kopfes eine braungraue
liängsbinde, aus schwarz und rostweisslich geringelten Haaren ge-
bildet. Oberseife des Körpers röthlichbraun mit rostgelblichen Tro-
pfen. Schwanz ohne dunkle Endbinde, die tiutern Haare einfarbig,
die Obern roströthlich mit gelbweisslicher Spitze, untermischt mit
schwarzbraunen." Im Orenburgischen und Kasan.
c) M y o X i n a.
Die Reise des Hofraths v. Schubert nach dem Orient
hat eine neue Art Siebenschläfer geliefert, welchen Ref.
(Abh. der Bayer. Akade-m. der Wissensch. III. tab. 2 u. 3)
als Myoxus (^Eliomys) mclanurus bezeichnete: „M. supra
cano-fuscus, infra albus, auriculis amplissimis; cauda nigra,
basi sordide cana." 4.\" lang, Schwanz 3" 4'". N^om Sinai.
d) M ac r o p o d a.
Von demselben Reisenden und dem nämlichen Finidorte
stammt eine ßpringsmaus her, die zwar mit Dipiis hirtipes
und lagopus verwandt ist, doch aber auch eigenthümliche
Merkmale zeigt, so dass sie Ref. (a. a. O. Tab. 4. Fig. 2) als
besondere Art ansah und Dipus macroiavsus benannte:
„D. niinimus, cinereo-flavus, subtus albus, auriculis mediocribiis,
pedibus posterioribus longitudine trunci, digids subtus pilis longissi-
mis, apice brunescentibus vestitis, vibrissis mediocribus." 30" lang.
Eine zweite Art, von Dr. Fischer au der Westküste Arabiens
entdeckt, beschrieb Ref. (a. a. 0. Tab. 4. Fig. 1) als Dipus aulacntis:
„D. cinereo-flavus, subtus albus, auriculis partes duas tertias capi-
tis aequantibus, angustis, intus lougitudiualiter scrobiculato - costatis,
luetatarso abbreviato." 1" 10'" lang, Schwanz 9" 9'".
Ob Harlan 's Meriones microccphalus (Vroceed. VII.
p. 1) von Meriones {Jaculus) labradorius spezifisch verschie-
den sei, ist zur Zeit nicht erwiesen.
e) Chinchillina.
Lagosionais irichodactylus wurde von Owen {Fro-
ceed. VII. p. 175) anatomisch untersucht, woraus hervorgeht,
dass unter den placentalen Säugthieren keines eine so grosse
41
Annäherung an den Typus der weiblichen Geschlechtsthoile
der Beutelthiere zeige als diese Gattung, die iiberdiess unter
allen Nagern das kleinste Hirn liat.
/) Fsaimnoryctina.
Die Gattung Capromys ist von Ramon de la Sagra
genauer beschrieben, und durch mehrere Abbildungen erläutert
worden (Jlist. nat. Je Citba 1. p. 11). C. Poeyi hält er nicht
für spezifisch verschieden von C. prehcnsilis.
Den Lanzenratten fügte Ref. (Abh, der Bayer. Aka-
deni, III. 1. 1839.) eine neue Art Loncheres ohscura bei,
mit Beschreibung ilires Knochengerüstes und ausführlicher
Darstellung des Gebisses der beiden Untergattungen Nelomys
und Echlnomys. — Die ausführliche Monographie der ame-
rikanischen Stachelratten von Is. Geoffroy, welche bisher
nur aus einem Auszuge bekannt waren (vgl, Archiv V. 2.
S. 420), ist nun vollständig erschienen (Guertn, magas. de
zoolog. 1840. Uvrais. 12— U).
A. Smith erläuterte den von ihm schon früher aufgestell-
ten Petromys typicus durch eine ausführlichere Beschreibung
mit Abbildung (lUustrat. of the Zool. of South Afv. n. 9).
g) Cunicularia.
Nord mann machte im Bulleün scient'rf. de VAcad. de
Peterh. V. p. 200 darauf aufmerksam, dass unter Spalax ty-
phlus bisher 2 verschiedene Arten confundirt wurden, die
nach der Schädelform fast gcnerische ünterscliiede zeigen:
1) Spalax Pallusü Nordm. „bis 12 Zoll laDg, gedrungener ge-
baut, Stirn und vorderer Theil des Kopfes weisslicli. Vaterlands das
Gouvernement Ekaterinoslaw, das Land der donischen Kosaken, die
Steppen am Fusse des Kaukasus und Grusien." — 2) Sjialax typhlus
Auct. (mit Ausscliluss einer Menge von Synonymen): „bis 8 Zoll
lang, oben einfarbig grau, rosenroth angeflogen, gestreckter gebaut.
Vaterland: Ungarn, Moldau, Bessarabien, südlicher Theil von Polen,
Neu-Russlaud bis zum Dnepr." Die letzte Art möchte sich in den
meisten Sammlungen von Deutschland befinden,
Dass Spalax typhlus (nach der alten Bestimmung) um Erzerum
häufig vorkomme, wird in den Proceed. Vll p. 122 berichtet.
Rüppell's Balhyergus splendens (abyssin. Wirbelth. I.
S. 36. tab. 12), gehört, wie sich Ref. überzeugt hat, nicht
42
zu dieser Gattung, sondern zu Rhizomys {Nyctocleptes
Temin.).
Bei Erwähnung von JDiplostoma hulhivorum setzte W\-
c\\3i.\' As,on {BeccJiey's voy. p.9 u. 13*) die Bemerkung hinzu,
dass er die äussern Oeffnungen der Backentaschen, also die
Existenz der Gattung Diplostoma bezweifle, seitdem er meh-
rere Exemplare von Mus huvsariiis (der ein achter Geoinys
mit innen geöffneten Taschen sei) gesehen hätte. Diplostoma
falle daher mit Geomys zusammen. Hierbei will Ref. jedoch
bemerklich machen, dass es wirklich nordamerikanische Nager
mit auswärts geöffneten Backentaschen giebt: die Gattung
Ascomys von Lichtenstein.
Eine zweite Gattung mit auswärts geöffneten Backenta-
schen stellte der Prinz von Neuwied (A'oi'. act. acad. nat.
-cur. XIX. 1. p. .377 unter dem Namen Thomomys auf:
„üentes priiiiores ^ exserti, scalpro cestriformi, pagina antica
laevigati. Pro laoiariis diastema. iVIolares A;A abrupti, obducti, trito-
res, subcylindrici, coronide plana, niedio depressa^ siiperioriiin anticus
didynius. Kostrum subcoiiipressiim, ociili niediocres, anriculae brevlssi-
mae, rotundatae; sacciili biiccales exterui profiiudi, deorsum paten-
tes. Pedes distiucti, plantigradi, 5-dacfyli; ungues falcalares, nia-
niculorum niaximi fossorii, podariorum breves; cauda niediocris, pi-
losa." Aach Vergleich mit einem ausgestopften Exemplare von Asco-
mys mcxicanus findet Ref. zwischen Thomonnjs und Ascomys keinen
andern Unterschied, als dass bei jenem die Schneidezähne auf der
Vorderseite glatt, bei diesem längsgefurcht sind. Zwar giebt Lich-
tenstein für Ascomys cunadensis | Backenzähne an, allein die Ab- ,
bildung des Gebisses von A. viexicunus bei Eydoiix {Fuvorite I. 2. \
Tab. 9. Fig. 5,6.) weist auch nur j Zähne, so dass demnach der hin-
terste im Oberkiefer leicht verloren gehen kann oder vielleicht auch
erst spät hervorbricht.
Die Art heisst Thomomys rufescens: „Obertheilc röthüch- grau-
braun, Untcrtheile wcisslichgrau, ebenso der Schwanz, Schneidezähne
gelb, Nägel weisslich." Bewohnt die westlichen Ebenen von Nord-
amerika und ist wahrscheinlich mit Oryctomys Bottae identisch.
11
Ji) Muv i n n. \
Vor Allen ist hier der vortrefflichen Monographie zu ge-
denken, welche Edm. de Selys - Longchamps (in seinen
Etndes de Micromamwcdogie. Paris 1839) iiber die europai-it
sehen Arten der Gattung Mus und Arvicola publizirte. Wir I
43
bedauern, <lass der Raum niclit erlaubt, auf diese gründliche
Arbeit im Detail einzugeben.
Die Diagnosen der Mäuse, welche auf Darwin's Reisen
entdeckt wurden, sind sciion im vorigen Jahrgano-e des Ar-
chivs aufgenommen. Die detaillirte Beschreibung der Arten
ist noch nicht vollendet, daher auch die der neuen Gattungen,
in welche Waterhouse sie vertheilon will, noch nicht be-
gonnen. Wahrscheinlich wird schon der nächste Jahresbericht
hierüber referiren köjuien.
Wegen einiger Abweichungen in der Schädel- und Zahn-
form und wegen der Behaarung des Schwanzes und der Ohren
errichtete Waterhouse in der Gattung Mus eine Untergat-
tung P/ilocomys (Procecd. VII. p. 108) mit der neuen Art:
Mus Cumingi, i9" lang, Schwanz 13". Von der Insel Lu-
zon. Die überlange Definition lautet:
„M. vellere setoso, suberecto, pilis laniiginosis intermixtis: auri-
bus mediocribns extus pilis longis obsiiis; mjstacibus crebris et
periong.s; pedibus permagnis et Jatis, subtus n.idis; cauda medlocri,
Pilis rigidis et Jongis (ad Murem Rattum ratione habi(a) crebre ob-
sita; colore nigrescenti -f.isco sordide flavo lavato, subtus pallidlore-
cauda njgrescente; pilis longioribus in capite et dorso iiigris." '
Ref. wurde durch die vom Hofrath von Schubert aus
dem Orient mitgebrachten Sammlungen in den Stand gesetzt
die daselbst vorkommenden Mäuse mit Stacheln einer nähern
Bestmuuuug zu unterwerfen (Abb. der Bayer. Academic der
Wissensch. Bd. III.), woraus sich ergab, dass Cretzschmar's
Mus dumdiatus und Lichtenstein's Mus mcgaloüs zu-
samn.engchörcn, und dass am Sinai eine neue Art rorkomme,
die Ref. Mus russatus (Tab. 3. Fig. 2) benannte:
u,JJT^ "T'"'. '''^'' nigro-apiculatis, gastraeo sordide albido,
aunculis „,ed.ocnbus, angusüs, albo-pilosis, dorso toto aculeato
planus aternmis." 3" 10'" lang, Schwanz Z"\"'. '*"'
^ Im Mag. cf naf. hisL 1839. p. 605 macht J. Clarke
JTi^t^' f ' '? 'f"'' Gegend TIf«. rnessorius sehr häufig
ar 1836 aber plötzlich verschwand, so dass es ihm erst im
slaffen.'''' '""'''' '''' ""'^^ '''''' ^^^'"P^^- - --
Weissenborn erinnerte {Proceed. VII. p.59) an die
nackten Flecken, welche sich beim gemeinen Hamster an den
H"ften finden, wobei Waterhouse bemerkte, dass es Drüsen
44
ähiilicli denen der Spitzmäuse, sein möchten. VonWeissen-
born findet sich eine ausführliche Naturgeschichte unsers Ham-
sters im Mag. of nat. hist. 1839. p. 473. Eine neue Art von
Aleppo beschreibt Waterhouse (Proceecl VII. p. 57):
Cricctus auratns: Cr. anreo -fuscescens, subtus albidus; pilis
inollissiniis; snpra ad basin plumheis, subtus ad basin cinereis; auri-
biis niediocribus , rotundis, cauda brevissiuia pilis albis obsita.
1{" lang.
Dass Cricetns accedula um Erzerum sehr gemein ist, findet sich
in den Proceed. VII. p. 122 notirt.
V. Siebold spricht bestimmt aus, dass der Hamster in Preussen
nicht vorkomme (Preuss. Provinzialblätter, Januarheft 1840. S. 61).
Ueber die Wanderungen nnd Sitten der Lemrainge er- i
schien eine ausführliche Abhandlung von Martins (^Revue\
zoolog. 1840. p. 193).
Eine neue Bauuunaus boschrieb Ref. (Münchner gel. An-
zeig. 1841. S. 437) als Dendromys pitmilio: „D. fulvus, sub-
tus albus," 2'^ 8'" lang, Scliwanz 3^' 8'^'. Vom Kap.
E. Gray machte im Mag. of. nat. hist 1839. p. 308
bemerldich, dass Lichtenstein's Hapalotis albipes und
Ogilby's Conilurus construcior synonym wären.
Ref. errichtete in den Münchner gel. Anzeig. 1841. S. 4-29
zwei neue Gattungen: Rliovibomys und Mystromys, je-
der eine neue Art, jener den Rhoinbomys palUdus, die-
ser den Mystromys albipes zuweisend. Rhomhomys und
Psammomys können als Untergattungen in eine Gattung zu-
.anmiengefasst werden. (Im Archiv mitgetheilt). Ebenda
stellte Ref. eine neue Art der Ohrenmäuse, Euvyolis paüida
auf — \ Smith erläuterte 3 Arten: E. irroraia Brants,
E. 'iimsulcala Fr. Cnv. und E. Brantsii; letztere von ihm
zuerst unterschieden, mit der Diagnose:
E supra pallide isabellina, nigro - bruneo penicillata; capitis
corpörisquriateribus griseo-albis, bruneo penicillati.; !" ^V/^lt
albi, subochreo tincta, pedibus isabellinis; caudae di.mdio prou„o
nasi^ue apice rufis; caudae dimidio ultimo bruneo -rubroj dentibus
incisoribus flavis." 6^' lang, Schwanz 3-'- L
Zur Berichtigung der Arten der Rennmause (^Mei ,one^
JUg., GerUlusFr. Cuv.), von denen mehrere, wie g eiclj
der vom Ref. in M. Wagncr-s Algier III. S. 35 beschrieben^
Meriones rohustus, an Rhomhomys müssen abgegeben vverl
den hat Smith (.lllustr. lu U) einen Beitrag geliefert, mdeßl,
45
er seinen Gcr'billus auriculans für iflontisch mit Fr. Cu-
vier's G. hrevicaudatus erklärte. Der Gerhillus Cuvieri
von Waterliouse (^^iin. of nat. hist. II. p. 467) wird sich
vvolil wie der G. indiciis bei näherer Untersuchung als ein
lihomhoinys ausweisen.
Uichardson {Zoolog, of Beechefs voy. p. 7) charak-
terisirte einen Arvicola ruhj'icatus:
„A. siipra obscure plumbeus, subtus pallide cinereus, lateribus
iniiiiatis, cauda brevhiscula, pollice miniino." Etwas grösser als die
gemeine Hausmaus, gräbt ia dem Torfboden an den Küsten derBeh-
ringsstrassc, gleicht in Färbung und Dimensionen dem Arvicola oeco-
nomus und scheint ganz verschieden von jeder andern bisher be-
schriebenen Feldmaus.
Die schätzbarste Bereicherung zur Kenntniss der sonder-
baren Nager mit auswärts geöffneten Backentaschen verdanken
wir dem Prinzen von Neuwied in Aufstellung seiner Gat-
tung Perognathus {Nov. act. Acad. nat. cur. XIX. 1.
p. 368. iah.M). Ihre Merkmale sind:
„Dentes primores 2-', superiores scalpro emarginato, pagina an-
tica suico longitudinali exaratij inferiores comprcssi, scalpro euneato,
rotundato, pagina antica laeves. Molares -4'^, abrupt], obducti, tri-
torii, superiores a primo ad ultimum gradatim minores. Rostrum
obtusum, rhinario instructum; labrum sulcatum; sacculi buccales
externi anipli, deorsum aperti; auriculae breves, rotundatae. Corpus
pilis nitidis tectum. Pedes distincti, anibulatorii, ö-dactyli; manicula
brevia, halluce parvo uni-articulato, unguiculato: podaria elongata;
plantae denudatae callosae; ungues falculae breves conipressae; cauda
elongata, teres, tenuis, acuminata, squamulis verticillatis, sctis inter-
spersis, vestita."
Die Art heisst: Perognathus fasciatus: „P. subtus albus, supra
flavicante - cinereus, striga laterali pallide rufa." Ganze Länge 4"
8;^'", der Schwanz 2" V". Aus Nordamerika.
Von dem Prinzen von Neuwied rühren auch einige genauere
Aufschlüsse über die Gattung Neotoma her (Reise in das innere
Nordamerika. I. S. 365).
0 Castorina.
Zur Naturgeschichte des Biebers erschienen mehrere Bei-
träge :
Der Prinz von Neuwied gab in seiner Reise in das innere
Nordamerika I. S. 447 über den Bieber und andere Nager interes-
sante Bemerkungen. Der Unterschied zwischen dem amerikanischen
und europäischen Bieber scheint ihm nicht bedeutend zu sein, auch
46
ist die Färbung beider Thiere sich glelcli, — Ueber das ehemals häu-
figere Vorkommen der Bieber in Lithauen brachte Pusch im Archiv
1840.1. S. 115 einige Belege bei. — Bujack berichtete in den preus?.
Provinzialblättern (Juniheft 1939. S. 554), dass im Jahr 1830 ein Bie-
ber in der Nogat erlegt wurde. Er hält ihn für einen Ueberläufer
aus Polen, welcher durch starke Strömung in Folge des Eisganges
unwillkührlich aus der Weichsel in die Nogat getrieben wurde. Dass
aber früher der Bieber in Preussen einheimisch war, geht daraus her-
vor, dass der deutsche Orden ihn sich als Regale vorbehalten hatte.
Später ward seine Jagd freigegeben; 1706 konnte aber durch könig-
liche Verfügungen seine gänzliche Vertilgung nicht mehr verhütet
werden.
k) Hystricina.
Van der Hoeven wies gegen Brandt nach, dass auch
bei den Stachelschweinen der alten Welt die Backenzähne
Wurzeln bekommen, nur später als bei den amerikanischen
(^Nov. act. Acad. mit. cur. XIX. p. 178. tah. 19^.
l) Siihujigulata.
Lund will unter den brasilischen Preas zwei Arten un-
terscheiden: eine grössere schwärzliche, und eine kleinere
röthliche, die auch am Skelet zahlreiche Differeuzen zeigen
sollen. Die erste sieht er für die wahre yipcrea von Mark-
graf an und lässt ihr den Namen Cavia aperea; die andere
benennt «r Cavia rufcscens.
m) Duplicidenlata.
Den sardinischen Hasen sonderte Ref. (Münchner gel. An-
zeig. 1841. S. 439) als selbstständige Art unter dem Namen
Lepus mediterraneus :
„L. timido multo minor, auriculis capite longioribus, niedio nu-
diusculis, apice nigris; nucha artubusque ochraceo - rufescentibusj
cauda supra nigra, infra alba; Stria alba post oculos." Körper in ge-
rader Linie 13" 6'", Kopf 3" 5"', Ohren 4" 3'".
Vom veränderlichen Hasen des obern Missuri gab
der Prinz von Neuwied (Reise in das innere Nordamerika I.
S. 508) eine Beschreibung mit vielen Maassabnahmen.
Thompson hat in einer Abhandlung in den Transacl.
of the Royal Irisli Jcademy vol. XFIIL Jahrgang 1839.
47
S. 260 die Verschiedenheit des irischen Hasen vom gemei-
nen iiherzengend nachgewiesen.
Der Lepiis Idbernicus unterscheidet sich vom L. timidus durch
kürzere Ohreu, anders gefärbten Pelz und durch die M'eisse Ober-
seite des Schwanzes. Als spezifischen Charakter giebt Thompson
an: „Pelz oben einförmig trüb röthlichgrau, Schwanz oben weiss-
lich: Ohren und Schwanz kürzer als Kopf." Die Grösse ist sich bei
beiden Arten ziemlich gleich. Die angegebene Farbe ist jedoch dem
irischen Hasen nicht für die ganze Lebenszeit eigen, indem er nach
Thompson's Angaben mit dem Alter immer mehr weiss, zuletzt
ganz weiss werden soll. Hierdurch würde er sich auch vom Alpen-
hasen unterscheiden, der nur zur Winterzeit weiss wird, sonst aber
in nächster Verwandtschaft zum irischen Hasen steht, so dass der
Verf. auf die Differenzen hätte aufmerksam machen sollen.
Mc Clellaad iProcecd. VII. jo. 152) fiihrte aus Assam
2 Arten von Hasen auf, wovon er die eine für unsern Lepus
ümidiis hält, was sicherlich nicht richtig sein wird, und eine
zweite Art:
Lepiis Jiispidus, zuerst von Pearson im Calcutta Sporling Ma-
gaxine beschrieben. „Seine Haare sind harsch und borstig, die Ohren
sehr kurz und nicht über dem Pelz vorragend, Länge 18" Farbe
mehr dunkelgrau als die des Hasen."
In den Ann. of not. hist V. p. 362 wird erzählt, dass
ein Landeigenthiimer, /ai dessen Besitz ein grosser Strich
Sandhiigel geliörte, durch die Kaninchen viel Schaden erlitten
hätte, indem durch ihr Unterminiren . die Sandhiigel von den
Stürmen wären auf das behaute Land getrieben worden. Er
hätte deshalb beschlossen, die Kaninchen durch Hasen zu er-
setzen; da aber diese letztern bald gesehen hätten, dass sie
der Stürme wegen, die sie mit Sand überschütteten, entweder
die Gegend verlassen oder eine neue Lebensweise annehmen
miissten, so hätten sie sich ebenfalls zum Graben von Höhlen
verstanden.
VI, JEdentata»
Blainville handelte in einer Abhandlung sur Vancien-
netedes Edentes ierrestres a la surface de la terre iAnn
des sc. nat. 2« ser. XL p. 113).
Aus den in Südamerika gefundenen Ueberresten eines
grossen antediluvianischen Zahnlückers errichtete Owen
die Gattung Glyptodon, von der Familie der Gürtelthiere,
48
der auch die vonClift und Weiss abgebildeten Panzerstücke
angehören {Ann. des sc. nat. 2« ser. XII. p. 156). — Aus
einem fossilen Schädelfragment schliesst Owen {Fossil Mam-
mal. n. 2. p. 57) auf eine neue Edentaten -Gattung, Glosso-
therium von ihm genannt und ausführlich beschrieben und
abgebildet. Von seiner Gattung Mylodon kann erst im näch-
sten Bericht die Rede sein.
Zur Naturgeschichte der Myrmecophaga Jiihafa lieferte
Schomburgk (Proceed.VlI. p. 21) einen interessanten Bei-
trag. — L essen hielt sich für berechtigt, vom VOrycterope
du'cap spezifisch den Orycteropc du Senegal zu trennen
{Species des Mammif. himan. et cjuadrum. p. 277).
\on ManisTemminckn, die zuerst von Smuts beschrie-
ben wurde, gab A. Smith {Illusiv. n. 47) eine schöne Ab-
bildung mit ausführlicher Beschreibung. - Das Gehirn des
Tachyglossus wurde von Eydoux und Laurent (Favorite
tob. 9) abgebildet.
Unter den brasilischen Zahnlückern behaupten, nach Lund s
Angabe, die antediluvianischen Arten ein grosses Uebergewicht
übe^'r die lebenden, indem jene zu diesen = 19 : 5 sich
verhalten.
Da BlainviUe die Faulthiere zu den Afien rechnet -
yvelche Zusammenstellung übrigens sicherlich keinen grossen
Einr^ang finden wird - so ist ihr Knochen- und Zaimsystem
vou°ihm bereits in seiner Osteographie abgehandelt worden.
VII* ^olidtingtila.
E Blyth glaubte im Mag. of nat. hist. 1840. p.81 die
Zoologen aufmachen zu müssen, dass ausser den sechs von
ihnen angenommenen Pferde-Arten vielleicht noch fünf andere
hinzugefügt werden müssten, nämlich der gestreifte w.lde Esel
von Bruce, der wilde Esel von Bell, das isabellfarluge Ze-
bra vonLevaillant, der persische Khur und der tibetanische
^''mtte E. Blyth die vom Ref. schon im Jahre 1835 publizirte
Monographie des Pferdes (in Yten Theile ^^^^""^ '''''' '"^^^^
thiere) zu Rathe gezogen, so würde er gefunden '-'^'^-; ™^^^^^
Zoologen auf jene Angaben hier die Aufstellung e.gner ^^«"-01.
weisslich «nterliessen, auch warum sie noch mehrere andere Notizen 11
zur Creiruug neuer Alten nicht benutzen mochten.
49
Nach einer Notiz voa Bujack (preuss. Provinzialblätter 1839
S. 554) kamen in Preussen während des Mittelalters wilde Pferde
vor, die aber nach seiner Meinung nur verwildert waren.
Wiegmann hatte im Archiv 1838. 2. S. 385 mit Scharf-
sinn nachgewiesen, dass Is. Geoffroy den Kulan oder
Wildesel (li^ww^ ashius ß onager) für den Dschiggetai ge-
nommen und als solchen in den Äoiiv. ann. d. mus IV be-
schrieben und abgebildet habe. Ohne auf diese Bemerkung
Rucksicht zu nehmen, bringt uns nochmals Is. Geoffroy in
seinen Bssais de Zoologie generale. 4841. p. 323 die Ab-
bildung des Wildesels unter der Firma des Dschiggetai's*).
An den Vorderfiissen des Pferdes unterschied Phillipps
emen bisher nicht beachteten Streckmuskel, den er pcüt cu-
liio-prepjialangien nennt und in zwei schönen Abbildungen
darstellt QBullet. de fAcad. de Bruxell 1839, 1. p. 41).
VEMI, Vachyderniata,
Zur Kenntniss der grossen Pachydermen in Südafrika hat
A. Smith in seinen Illustrations of South Africa mehrere
schätzbare Beiträge geliefert.
_ In N IV. Tab. 6 ist von ihm eine Ahbildung des alten
Flusspferdes nebst ,lem Jungen mitgetheilt, von der mau wohl
annehmen darf, dass sie naturgetreuer als die bisher er.ehie-
neuen sein wird. - Ferner sind von den beiden Nashorn-
Arten, die schon im Archiv 1838. 2. S. 385 charakterisirt
wurden, dem Rhinoceros Keitloa und simus, die Abbildun-
gen in No. 1 und 8 erschienen, zugleich mit ausführlicheren
Beschreibungen.
Vom javanischen Nashorn hat Ref. eine ausführliche Be-
schreibung des im Wiener Museum aufgestellten Exemplares
geliefert (Münchner gel. Anzeigen IX. S. 537).
Freiherr von Hügel machte im Archiv 1839. S. 109 auf
bers'di^e! Itr"' ''"'^ ^^'^^"'^'" Mittheilung des Hrn. Herausge-
TlleTsl M TJ"' '''''''' Eversniann in den neuesten
slndt^netf^T ^ "/"' " ''""'^''° "«^" ^'^'^^ -"gekommen
50
ein sehr einfaches, in Indien übliches Mittel zur Stillung der,
Brunstwuth des Elophanten aufmerksam, welches darin besteht,
dass man dem wüthigen Thiere flüssige Butter zu ver-
schlucken gicbt. — Wiegmann erinnerte ebenda daran, dass
die sonderbare Platzveränderung der Schamöffnung, welche
nach Beobachtungen in der pariser Menagerie beim weiblichen
Elephanten zur Brunstzeit eintritt, schon von Aristoteles
genau beschrieben worden sei.
lieber die Familie der Schweine sind mehrere Arbeiten
erschienen.
Van der Hoeven ^Nov. ad. Acad. nat. cur. XIX. 1.
p. 117. Tab. 18) zeigte, dass bei Phacochoenis aethiopiais,
den er gern Vh. Vallasii nennen möchte, öfters 2 oder 4
Schneidezähne im Unterkiefer vorkommen, während sie dem
Oberkiefer immer fehlen,
Sal. Müller zählt in den Vevhandelingen auf dem in-
dischen Archipel 5 Arten Schweine auf: *SV/.s vittatus, verru-
cosus, harbatus, timoriensis und Babirussa, von welchen die
letztere schon länger gekannt, der S. barbatus ebenfalls sclion
von S. Müller beschrieben war; über die 3 andern giebt er
folgende Notiz:
Sus vittatus, der am Weitesten verbreitet (auf .Java und Suma-
tra) und am Häufigsten ist, hat unter den sundaisclien Arten im gan-
zen Habitus, in der Form des Schädels, in der Glattheit der Haut,
den wenigen Borsten und dunkleren Farbe mit dem siamischen Schwein
{Sns si/ie7ws) die meiste Uebereiustimmung, doch ist er hochbeiniger
und der Leib minder niederhängend. Der Sus timoriensis, blos auf
Timor vorkommend, ist mit Sus vittatus nahe verwandt, doch zeigt
er, soweit man nach halb erwachsenen Individuen urtheilen kann, ia
seinem geschmeidigeren Baue ein ähnliches Verhalten als der raoluk-
kische Hirsch, der sich durch geringere Grösse und schwächere Ge-
stalt vom javanischen Cerms Russa unterscheidet. Der Sus verruco-
sus kommt nur auf Java vor und hat unter den indischen Arten die
kräftigste Haltung und das wildeste Ansehen, was besonders beim
alten Eber der Fall ist, der durch seine starken und drohenden Hau-
zähne und auch durch den knotigen Auswuchs am Kopfe ein gräss-
liches Ansehen bat. Keine dieser Arten erreicht übrigens die Grösse
des europäischen Wildschweins, auch sind sie gewöhnlich minder
bösartig. — Ref. will hierbei nicht unerwähnt lassen, dass während
S. Müller das timorsche Schwein von Sus vittatus spezifisch schei-
det, Schegel dagegen {Ess. sur Ia p/iysion. des Serpens p. 289)
ausdrücklich erklärt, dass die Differenzen, welche unter Sus vittatus
51
die Individuen von Java, Sumatra, Borneo(?) und Timor zeigen so
wenig merklich seien, dass es nicht der Mühe lohne, sie zu sig-
nalisiren.
Sus papuensis von Neu Guinea scheint S. Müller nur auf die
Autorität Lesson's zu citiren. Ref. erinnert hierbei, dass er schon
vor 6 Jahren in Schreber's Säugthieren V. S. 453 den Nachweis
lieferte, dass die grosse Differenz, welche Lesson zwischen dem
Papu- Schwein und dem unsrigen fand, lediglich davon herrührt, dass
der französische Reisende, der in der Meinung s(and, ein altes Thier
vor sich zu haben, eine Beschreibung des Gebisses von einem Indi-
viduum entnahm, dass erst zwischen 6— 12 Monate alt Avar, also
noch nicht seine Milchzähne, wenigstens nicht die Milch -Backenzähne
gewechselt hatte und von bleibenden Zähnen lediglich den 5ten Bak-
kenzahn aufweisen konnte. Diese Bemerkung mag zur Behutsam-
keit in Anerkennung dieser Art mahnen.
Eine neue Art von Schweinen, Sus cristatus, machte Ref.
in den Miincliner gelehrt. Anzeigen 1839. IX. .S. 536 bekannt.
Das Exemplar, nach dem Ref seine Beschreibung entwarf, brachte
Freiher von Hügel vom Festlande Indiens mit. Der Körper ist
spärlich mit Borsten besetzt, so dass die Haut durchschimmert. In
der untern Hälfte der Wangen bilden sie einen Bart, wie bei Phu-
cochoerus Aelianl. Auf der Stirne sind die Borsten lang und bringen
längs des Rückens, indem sie hierbei allmälig kürzer werden, eine
Art Mähne hervor. Der Schwanz ist fast nackt, nur am Ende mit
einer Quaste. Die Farbe ist licht gelblichbraun und schwarz melirt
indem die meisten Haare schwarz sind mit langer gelbbräunlicher
Spitze, doch misclien sich, zumal am Widerriss, viele ganz schwarze
Haare ein. Füsse und Schnautze sind mehr lichtbräunlich, die Haare
am Bauche schmutzig weisslich. Die Grösse ist unter der des Wild-
schweins. Dieses indische Schwein kommt mit dem Sus barbatns
von Borneo, nach Müllers Beschreibung, in vieler Hinsicht überein,
und Ref. fordert daher diesen zu einer sorgfältigen Vergleichung
der genauen Beschreibung vom Sus cristatus mit dem Sus barbatus
auf, um über die Venvandtschafts - Verhältnisse beider zu einem
Abschluss zu kommen.
Schomburgk's Rei.se durch Gniana bereicherte die Na-
turgeschichte der beiden Arten Nabelschweine, Dkotyles tor-
quatus und lahiatus , mit einigen guten Beiträgen (Ami. of
nat. hist. V. S. 401).
Unter den fossilen brasilisclien Pachydermen fand Lund
blos die amerikanischen Gattungen Tapirus und Dicotyles,
nebst dem allgemeiner verbreiteten Mastodon.
In einer überaus gründlichen Arbeit beschrieb Owen
4*
52
QZool. of the voy. qf Beagle. 1. n. 1 und 2) die von ihm
errichtete fossile Gattung Macrauchenia.
Die Beschreibung, von schönen Abbildungen begleitet, gründet
sich blos auf die Knochen des Rumpfes und der Gliedniassen, da
Schädel und Zähne noch nicht gefunden wurden. Die neue Gattung
ist eine Uebergangsform, welche die Tapire mit den Lamas verbin-
det. An Grösse kommt sie dem Nashorn und Flusspferd gleich.
Im London Clay, der die merkwürdigen Affen -Ueberreste
zum Vorschein brachte, wurden bald nachher fossile Frag-
mente eines Vogels und einer Schlange, zugleich mit einem
verstümmelten Säugthier- Schädel von der Grösse eines Hasen-
schädels gefunden, der nach Owen's Untersuchung zwar hin-
sichtlich der Backenzähne am Nächsten mit Choeiopotamus
übereinkommt, doch aber von ihm einer eignen Gattung, Hy-
racotherium, zugewiesen wird (^Ann. of ncit. hist. V. p. 64).
JFX. Suntinantin»
Auf die reichhaltigen Bemerkungen Sah Müller's (in
den Verhandelmgeji) über die Wiederkäuer des indischen
Archipels kann Ref., da ihm zur ausführlicheren Mittheiluug
der Raum gebricht, nur im Vorbeigehen aufmerksam machen.
Die bedeutendste Arbeit, die diese Ordnung betrifft, ist
Owen's meisterhafte Anatomie der Giraffe mit 6 herrlichen
Abbildungen (Tiansact. of tlie zool. soc. IL 3. 1839. p. 217).
Das Schlussresultat, welches aus Owen's schönen Untersuchun-
gen hervorgeht, ist, dass die Giraffe einen modifizirten Hirsch darstellt,
also ihre Zusammenstellung mit dem Kameel, wie es sonderbarer Weise
Swainson versuchte, ganz verfehlt ist. Der Magen zeigt in jeder
Beziehung die Struktur, welche den gehörnten Wiederkäuern eigen
ist. Zwei Männchen hatten keine Gallenblase, die sich dafür bei
einem Weibchen, und zwar gedoppelt, fand. Das Gehirn gleicht in
seiner allgemeinen Form, sowie in der Zahl, Anordnung und Höhe
der Windungen dem des Hirsches. Der Ursprung der Halsnerven
zeigt an diesem langhalsigen Thiere ein ganz besonderes Verhalten.
Vom dritten Hörne, welches nach Cretzschmar nndCuvier als ein
kurzer Höcker in der Mitte der Stirne durch eine Nath eingelenkt
isein soll, bemerkt Owen, dass er weder am Frankfurter, noch an
seinen Exemplaren eine solche Siitur wahrgenommen habe, und dass
der Stirnhöcker nur durch die Verdickung und Erhebung der vordem
Enden des Stirnbeins und der anstossenden Enden der Nasenlinie
gebildet sei. Da nun auch Ref. an einem jungen Giraffenschädel,
der in der Münchner Sammlung aufbewahrt wird, zwar die vordere
53
Vorragung, aber keineswegs eine Nath gefunden hat, so scheint die
Angabe über das Vorhandensein einer solchen Sutur auf einem Irr-
thiime zu beruhen.
Am 9ten Juni 1839 wurde die erste Giraffe in Europa in der Me-
nagerie der Londner zool. Gesellschaft geboren, 444 Tage nach der
letzten Paarung der Eltern. Das Junge starb leider schon am 28. Juni
(J'roceed. VII. ;>. 108).
Unter den Bi.«amthieren aus dem Himalaya will Hodg-
son (Jouin. of tlie Asiat, soc. of Ben gal 1839. n. 3. p. 202)
3 neue Arten entscheiden :
1) Moschus chrysogaster, licht sepiabraun, goldroth gesprenkelt;
Augengegend, Fütterung {lining) und Basis der Ohren, ganzer Unterleib
luid Innenseite der Gliedmassen schön goldroth oder orange; ein
schwarzbrauner Flecken hinterwärts an den Hinterbacken; Glied-
massen unterhalb ihrer mittlem Gelenkung falblich. — 2) M. leuco-
gaster, Körper oben und die Gliedmassen dunkler braun, mit Falb
gesprenkelt; Unterseite des Kopfs, Halses und Leibes nebst der In-
nenseite der Ohren und die Augengegend graulichweiss {^lioary tvhite).
— 3) M. sattirahis, allenthalben gesättigt dunkelbraun, unten etwas
blasser: nur Kinn und Fütterung ((^//«V/^) der Ohren blass und weiss-
grau (hoary).
Capitän Harris, ein gewaltiger Jäger, beschrieb eine
neue Antilope unter dem Namen Aegoceros nigev {Transact.
of the zool soc. IL 3. g. 213. tob. 39).
Sie gehört zur Untergattung Aegoceros (ein Name, der übrigens
schon von Pallas vergeben ist), und steht mit Antilope equina in
Verwandtschaft. Die Höhe ist 4A', die ganze Länge 9'; die Hörner
sind schlank, auf- und rückwärts gerichtet, zu \ ihrer Länge gerin-
gelt und nach der Krümmung 3' lang. Die Farbe ist schwarz; die
untere Hälfte der Wangen, ein Längsstrich über jedem Auge bis zur
Nase, und die ganze Unterseite ist weiss. Von Südafrika.
Mittheilungen über die Lebensweise einer Antilope Fliilantomba
sind in dem Proceed. VII. p. 27 aufgezeichnet. — Ogilby (^Aiin. of
nat. Jdst. VII. p. 510) unterschied eine A. Cuvieri, die mit A. arabica
verwandt, aber beträchtlich grösser ist.
A. Smith behandelte im 12ten Hefte seiner Illustrat.
3 Antilopen - Arten: Antilope equina, ellipsiprymna und
Caama, von denen er Abbildungen und ausfülirliche Nach-
richten über ihre Lebensweise giebt.
Rapp (Miiller's Arcliiv für Anatom. 1839. S, 363) fand
beim Hirsche ein eigenthümliches drüsenähnliches Organ, das
schon Aristoteles kannte.
Es umgiebt die 8 letzten Schwanzwirbel, ist 5" lang, besteht
54
aus kleinen Läppchen oder Körucrn, und erhält zahlreiche Zweige
von den Blutgefässen. Sein Inhalt ist eine gelbbraune, etwas dicke,
wässerige Flüssigkeit, die in der Farbe, aber nicht im Geschuiacke,
Aehnlichkeit mit der Galle hat; ein auffallender Geruch wird daran
nicht wahrgenommen.
Vom Cerviis macroiis Say theilte der Prinz von Neu-
wied (Reise I. S. 403) eine genaue Beschreibung nebst Abbil-
dung der Geweihe mit.
Blyth kündigte eine Monographie der Gattung Ovis au
iAnn. of nat. hist. n. 37. Decbr. 1840. p. 302).
Nach dem dürftigen Auszug, der davon gegeben ist, unter-
scheidet der Verf. 9 Arten. Die Argali von Asien und Amerika ver-
einigt er miteinander, wie diess Hef. (Schreber's Säugth. "V. 1.
S. 1349) schon vor 5 Jahren gethan hatte. Eine neue Art, wahrschein-
lich vom Taurus, mit Hörnern ganz so wie die alten Bildhauer sie
in den Darstellungen des Jupiter Ammon bildeten, benennt er Ovis
sculptorum. Vom Himalaja unterscheidet er 2 Arten: Hodgson's
Oeis Sahoor von grösserer Gestalt, blasser Farbe und nicht so hoch
wohnend; die andere nennt er 0. Burrhel, von einer sehr dunklen
Farbe und zahlreiche andere spezifische Distinktionen zeigend, auch
höhere Gegenden bewohnend. Ovis Aries betrachtet er als eine Art
für sich und nicht von O. Musimon abstammend. I.ralus prohaton
von Ogilby zählt er zu den Schafen. Aus Ovis tragelaphis will
er eine Untergattung Amtiiotrcgus errichten.
Baron von Hügel erhielt aus dem höchsten Theile de.s
tibetanischen Himalayas das Fell einer wilden Ziege, die Ref.
unter dem Namen Aegoceros (^Capr(i) Falconcri zu beschrei-
ben das Vergnügeu hatte (Münchner gel. Anzeigen 1839. IX.
S. 430):
Die Hörner von C. Falconcri stehen an der Wiurzel dicht an-
einander und jedes richtet sich dann bogenförmig auf- und abwärts,
um einen grossen Halbkreis zu bilden: hierauf dreht es sich rück-
wärts und wendet sich endlich mit der Spitze wieder auswärts.
Diese Hörner sind stark von beiden Seiten zusammengedrückt, ohne
eine vordere mit Ouerleisten belegte Fläche zu bilden, sind also
keine Steinbocks-, sondern ächte Ziegenhörner mit 2 Kanten. Die
innere Seite ist anfangs platt, dann allmälig concav, die äussere ist
gewölbt. Die hintere scharfe Kante hat 10 Quereinschnitte; die Ober-
fläche ist vou vielen Ouerrunzeln durchzogen. Nach der Krümmung
misst jedes Hörn 3' 4", die Spitzen stehn 2' 3" von einander ab.
Die Behaarung ist kurz, reichlich und grob; auf dem Rücken, wo die
Haare länger sind, bilden sie eine Art Mähne. Vom Kinn fällt ein
langer Ziegenbart herab und vereinigt sich mit den (an 10 Zoll) lan-
gen Haaren, welche vom Halse und der Brust bis gegen das Knie
55
Lerabhängen. Die kurzen Ohreo sind aufrecht j der Schwanz kurz
und aufwärts gekrümmt. Die einzelnen Haare sind weisslich und
werden gegen die Spitze röthlichbraun. Die Hauptfarbe ist schmulzig-
weiss mit brauner Schattirung an vielen Stellen; die Bauchseite lich-
ter. Der Baum zwischen der Stirne und Schnautze, die Mähne des
Vorderhalses, die Vorderbeine und Hinterfüsse sind schmutzig gelb-
lichweiss. Die Schnautze, das Kinn, ein breiler Ring um die Vor-
derbeine und die Schienbeine sind kastanienbraun; der Kinnbart und
die Hörner schwarz. Die Grösse ist die des grössten zahmen Bocks.
In den „neuen Denkschriften der allg. Schweizerischen
Gesellschaft für die gesammten Naturwissenschaften," Neuen-
burg 1838. IL lieferte Schinz:
„Bemerkungen über die Arten der Ziegen, besonders mit Bezie-
hung auf den sibirischen Steinbock, den Steinbock der Pyrenäen und
den Steinbock der Alpen." Es ergiebt sich hieraus, dass der Stein-
bock der Pyrenäen eine von den übrigen sehr verschiedene Art aus-
macht, was auch die von ihm und dem sibirischen Steinbock geliefer-
ten Abbildungen deutlich ausweisen.
lieber die wenig beachtete und gekannte Schafrasse der
norddeutschen Haiden, die sogenannten Haidschnucken,
theilte Berthold (Isis 1840. S. 507. Tab. 1) dankeuswerthe
Aufschlüsse mit.
Die Frage, ob Ur und Wisent eine oder zwei verschie-
dene Rinder- Arten bezeichnen, ist in fortwährender lebhafter
Verhandlung, ohne noch zu einem Verständniss der beiden
Ilauptkämpfer geführt zu haben.
Cuvier, Brinken, Eichwald und Ref. (Schreber's Säugth.
V. 2) erklärten sich für die Annahme von zwei Arten, M'ogegen
Pusch (in seiner Paläontologie von Polen), in Uebereinstimmung
nüt Bojanus und Jarocki, in einer ausführlichen Abhandlung sich
für eine Art aussprach. Die von Pusch angeführten Gründe suchte
v. Baer in seiner „nochmaligen Untersuchung der Frage: ob in
Europa in historischer Zeit zwei Arten von Stieren lebten?" {Bullet,
scient. de l'Äcad. de Petersb. IV. j). 113 und daraus in unseren» Ar-
chiv 1839. 1. S. 62) zu widerlegen, wogegen jedoch Pusch in seinen
„neuen Beiträgen zur Erläuterung und endlichen Erledigung der
Streitfrage über Tur und Zubr {L'nis und Btsoti) im Archiv 1810. 1,
S. 47 — 137 mit einem erstaunlichen Aufwände von Gelehrsamkeit und
Durchmusterung der ganzen, auf die Sfreitfrage bezüglichen Litera-
tur wiederholt seine erste Behauptung in geistreicher Weise verthei-
digte. Obschon Ref. gerne gesteht, dass er seit der Deduktion von
Pusch seiner Sache nicht mehr so sicher wie früher ist, so kann
er doch über Herberstein' s Zeugniss noch nicht hinüber, und die
Behauptung, dass im Mebelungen - Liede Ur und Wisent nur die
56
beiden Geschlechter des Bos Unis L. bezeichnen, scheint ihm, trotz
dem, dassPusch essehr wahrscheinlich zu machen versteht, doch noch
der Bestätigung sachkundiger Sprachforscher unterliegen zu müssen.
Sehr ausführliche Berichte über das wilde Rind in England,
legten Hindmarsh und der Graf von Tankerville vor {On the
WildCattle of Chilling harn Park in dien Ami. of nat. Mit. II. p.2Ti),
wozu Gray (ebenda S. 284), Egerton (ebenda 111. S. 241) und ein
Ungenannter (III. S. 356) einzelne Notizen nachlieferten.
Die neueren Nachrichten über den Gauri Gau stellte Wieg-
uiann im Archiv 1840. 1. S. 263 zusammen.
Nach Delessert {Revue Zool. 1839. S. 129) ist der Gauri Gau
in Vorderindien sehr weit verbreitet; er findet sich nämlich auf dem
ganzen Abhänge der West-Ghats von Surate bis zum Cap Comorin,
in einer Höhe von 3 — 4000' über dem Meere; nordwärts von Surate
minder zahlreich auf mehreren Höhenzügen bis Nepal, von dort ost-
wärts nach Silhet in Bengalen und von hier aus scheint er sich wie-
der südwärts längs der ganzen Coromandel -Küste in denOst-Ghats
auszubreiten. Der Reisende selbst traf ihnj bei Salem im Carna-
tik, erlegte mehrere am Fusse der Nilgherries und zu TuUamaley in
Mysore, und hörte, dass er in den West-Ghats häufig gejagt mirde.
Delessert bemerkt zugleich, dass die Abbildung, welche Fr. Cu-
vier von diesem Stier unter dem Namen Bos Silhetanus gegeben,
nach einer schlechten Zeichnung angefertigt sei, und spricht sich da-
für aus, dass der von Lambert (Transact. Lin.Soe. VII. pl. 4) zu-
erst gegebene, von G. Cuvier angenommene Artname /rowfaÄf nicht
zu verlassen sei.
Ueber den Schädel einer Kuh mit einem überzähligen Hörne an
der Stirne berichtete G. Jäger in Müller's Archiv für Anatom.
1839. S. 13.
In Indien sind neuerdings güastige Versuche gemacht wor-
den, die Karneole zujn Zug zu benutzen.
Greenlaw giebt hierüber im Journ. of the Asiat. Soc. of Ben-
gul. 1839. n. 7 ausführliche Nachrichten nebst Abbildungen, Avie die
Kameele eingespannt werden müssen. Man liat bereits mit ihnen
auf diese Weise grosse Reisen gemacht, und die vom Major Pew
organisirte Kameeis -Artillerie hat auf dem Marsche nach Cabul voll-
kommen den Erwartungen entsprochen.
Dass unter den von L und angeführten antediluvianischen
Thieren aus Brasilien auch die Gattung Lama vorkommt, ist
für die Kenntniss der geographischen Verbreitung der Arten
aus der Vor- und Jetztwelt eine interessante Thatsache.
Ueber die antediluvianischen Hirsch -Arten sind zwar meh-
rere Arbeiten erschienen; indess die Feststellung der Arten
hat in den meisten Fällen grosse, mitunter kaum zu beseiti-
57
gende Schwierigkeiten (Vgl. u. a. das Jahrbuch fiirMiiieralog
1839. S. 168, 297; 1840. 8.69,166,358,457).
X. Cetacea,
The Natural Ilistory of the Sperm Whale etc. etc.
to which is added a Sketch of a South -Sea Whaliug Voyage.
^y Thomas Beale. Lond. 1839. 8.
Narrative of a Whaling Voyage round the Globe in the
South Seaman „Tuscan" during tlic years 1833, 1834 and 1836.
By F. Debcll ßennet. Lond. 1840. 2 vols. 8.
Von diesen beiden Schriften ist mir bisher nur die letztere au-
gekommen, indess so spät, dasa ihre Anzeige dem nächsten Jahres-
berichte aufbehalten werden muss.
Ueber die in neuerer Zeit an den englischen Küsten ge-
fangenen Hyperoodon (BoUle-nosed fVhale) hat Thompson
viele Notizen beigebracht (^Ann. of nat. hist. IF. v. 375
F. p. 361).
Eine Beschreibung und Ausmessung eines bei Charmouth
gestrandeten Rorquals {Balaenoptera loops) wurde von
Sweeting geliefert {Mag. of nat. hist. 1840. p. 301; Ann.
of nat. hist. F. p. 72 u. FI. p. 301).
Die ganze Länge betrug 44', der Umfang 81', das Gewicht 20— 85
Tonnen. Die ganze Wirbelzahl ist 62, nämlich: Hals- 7, Rücken- 15,
Lenden- 16, Schwanzwirbel 15 und 9 Sehwanzbeine.
Owen hat in den Annal des sc. nat. 2" sei\ XII.
p. 222 dargethan, dass der iossÜQ Basilosaurus, welchen Har-
lan den Sauriern zuwiess, keinesweges der Klasse der Am-
phibien, sondern der der Säugthiere, und zwar den Cetaceen
angehörig sei, weshalb er auch für die fossile Gattung einea
passenderen Namen, Zeuglodon in Vorschlag brachte.
Dumortier's Memoire sur le Delphinorhynque micro-
ptere echoue a Ostende, ist in den Nouveaux xMemoires de
l'Academ. des Sc. et Beiles -Lettr. de Bruxelles 1839 mit 3 Ta-
feln Abbildungen erschienen.
Es war ein junges weibliches Thier, das zwei Tage lebend
ausser Wasser erhalten wurde, doch nahm es keine Speise an. Seine
Länge betrug 3 Metres 45 Centim. Die ganze Wirbelzahl 38, näm-
lich: Hals- 6, Rücken- 10, Lenden- 11, Schwanzwirbel 11.
58
Stannius, erster Bericht von dem zootomisch-, physio-
log. Institute der Universität Rostock (1840) enthält Beiträge
zur Anatomie des Delphins.
Mit dem neuen Namen MetaxytJwrium belegte Chri-
stel ^Institut 1840. n. 352) eine fossile Gattung, die ein
Mittel-lied zwischen den Lamantins und Dugongs bildet. Es
ist dies dieselbe Gattung, welche schon früher H. v. Meyer
als Halianissa, Kaup als Halitherium, Bruno als CÄ^"'«;
iherium bezeichneten, so dass der neue Name von Christol
ganz überflüssig ist.
Nach seiner Bestimmung gehört diesem Gattung an: 1) der Schä-
del, der von Cuvier dem Lamantin zugesprochen wurde, 2) die
Obern Backenzähne, welche Cuvier iem Hfppopotamus '^«^'«^. f)^*^
^.' ern Backenzahn^ welche dieser dem Hipp, medlus ---' 4)^-
Oberarmbein, welches Cuvier zwei Robben zuerkannte, 5) der auf
den La:anti'n bezogene Vorderarm, 6) vielleicht eine Rippe und em
Wirbel die Cuvier anfangs für die eines Lamantins, spater für die
Jlfwan ossesiielt. Ausserdem besitzt Christol noch mehrere
<.'"''''''■"*' „ehiirlgen Steinbrüchen von Beaueaire aiis-
r^r. -tfn -rvon deinen, eben erwähnten «e,™,/...,»
eSau°f'ahrliche Beschreibung n,it 3 Tafeln Abblldnngen m den Me.
Zletl Reale Acaäcnia Ute Seiende * Torino. Sene .eco«da.
Tom I. Torino. 1839. p. 143 mitgetheilt.
Ueber die Ueberreste fossiler Cetaceen m den preussi-
schen Staaten hat v. Olfers einen Vortrag in der BerUner
Akademie am 19. Dezember 1839 gehalten.
mThamliichlichste Stück ist der wohlerhaltene, von Bunde lu
Wes^; aL^Cslammendc Schädel des Delplänus Karsten, einer
X' lu«lichen Art, welche den Uebcrgang -m eben en />• 8^^.«-
ceps zur fossilen Gattung Ziphlns zu bilden ^^'^'f'^^''^^^^^^^^
laenoptera hat Prof. Becks in Munster in einer Thon.chicht zwi
ßchen Bocholt und Oeding entdeckt. i
59
Bericht über die Leistungen in der Natiirgescliichte
der Vögel während der beiden Jahre
1839 und 1840.
Vom
Prof. Andr. Wagner in München.
Wenn man es der Therologie mit Recht nachrühmen kann,
dass sie während der letzteren Jahre sowohl in ihrer periphe-
rischen als centralen Entwicklung in gleich kräftiger Weise
vorangescliritten ist, so ist dagegen die Ornithologie immer
noch weit mehr mit der Erweiterung ihres Umfanges durch
Zufügung neuer Arten, als mit dem tieferen Eindringen in den
bereits gewonnenen Inhalt durch Untersuchung des inneren
Baues und Begründung einer auf selbigen gestützten Systema-
tik beschäftigt gewesen.
Der Grund hiervon liegt wohl darin, dass während die Therolo-
gie zunächst nur von den Männern vom Fach betrieben wird, die
Ornithologie dagegen eine Menge Liebhaber und Sammler anzieht,
welchen es hauptsächlich um die Kenntniss der äusserlichen Ver-
hältnisse der Vögel zu thun ist; daher eine Menge Privat -Samm-
lungen und ein emsiges Bestreben, dieselben mit neuen Arten zu
vermehren, was bei dem ausgebreiteten und raschen Weltverkehre
jetzt eine ungleich leichtere und wohlfeilere Sache ist, als dies selbst
nur noch vor zwanzig Jahren der Fall war. Mit Recht muss man
sich freuen über diese allgemeine und lebhafte Theilnahme, da hier-
durch der Katalog der Vögel immer reicher, der Kupferwerke immer
mehr werden. Auf der andern Seite darf man es aber auch nicht
verschweigen, dass diese mehr heitere als wissenschaftlich strenge
Behandlung der Ornithologie auch wieder von Nachtheil gewesen ist.
Zunächst hat sie in die bildlichen Darstellungen einen Luxus einge-
führt, dass wenigstens auf dem Kontinente nur wenige Bibliotheken
noch im Stande sind, dieser verschwenderischen Pracht ihre Reve-
nuen zum Opfer zu bringen. Wer kann z. B. die riesenhaften Tafeln
60
kaufen, auf welchen Audubon Adler und Reiher in Lebensgrösse
darstellen lässt? Die schlimmste Folge von dieser unnützen Ver-
theuerung der Kupferwerke ist, dass hierdurch auf dem Kontinente
den meisten Naturforschern der Zugang zur Kenntniss der exotischen
Vögel immer mehr erschwert und, was mehr sagen will, (ihre Mit-
wirkung zur festen Begründung der Systematik immer mehr ausge-
schlossen wird. Ein anderer Nachtheil hat sich dadurch ergeben,
dass, wie es namentlich passionirten Sammlern leicht zu gehen pflegt,
auf einzelne Differenzen in der äusserlichen Beschaffenheit der Vö-
gel ein zu grosses Gewicht gelegt und dadurch die Anzahl der Ar-
ten, noch mehr aber die der Gattungen über alle Gebühr vermehrt
worden ist. Zählt doch Gray in seinem neuesten Verzeichnisse
nicht weniger als 1065 Gattungen auf, überdiess zum wenigsten eben
so viel Synonyme. Dies ist nun gar kein richtiges Verhältniss mehr
mit der Zahl der Arten selbst. Aber wie sind auch die meisten die-
ser Gattungen beschaffen! Muss man doch häufig die Art zuerst
kennen, bevor man auf die Gattung kommen kann. So sind denn
diese vielen Genera keine Erleichterung, sondern eine Beschwerung
des Gedächtnisses. Und besieht man sich näher ihre Namen, so
muss man bei einem nicht geringen Theile derselben über ihre bar-
barische Construktion erschrecken. So z. B. Brachypteracias (von
Brachypteryx und Coracias^ Corvultur (von Corvus und Vultur), Em-
bernagra (von Emberiza und Tanagra), Merulaxis (von Merula und
Synallaxis), Loxigilla, Certhilauda, Bucorvus u. s. w. Dieser Wort-
bildung entsprechend ist häufig auch die Fassung der lateinischen
Diagnosen, so dass Ref. mit Wiegraann gestehen muss, dass manch-
mal seine Kenntniss des Lateins zur Uebersetzung nicht ausreiche.
Hier thut es wahrlich Noth, bei Zeiten auf die rechte Bahn wieder
einzulenken.
Indem Ref. zur Aufzählung der Literatur übergeht, macht
er bemerklich, dass er diejenigen Werke, welche Säugthiere
und Vögel gemeinschaftlich behandeln und deshalb schon bei
der ersten Klasse genannt sind, hier nicht nochmals aufgeführt
werden.
System der Ptcrylographie von Ch. L. Nitzsch. Nach
seinen handschriftlich aufbewahrten Untersuchungen verfasst
von H. Burmeister. Halle 1840. 4.
Gerne stelle ich an die Spitze der ornithologischen Literatur das
Vermächtniss eines Mannes, der um die tiefere Auffassung der Or-
nithologie sich so hochverdient gemacht und in dieser Ptcrylographie
die originellste Leistung uns hinterlassen hat. Während die Federn-
stellung sonst gar nicht beachtet wurde, zeigt uns hier Nitzsch auf
einmal, dass in der Anordnung der Federfliiren eine merkwürdige I
61
Gesetzmässigkeit obwalte, so dass sie zur Festsetzung der Familien
und höhern Gruppen von wesentlicher Bedeutung sei, ja dass ganze
Familien und eine Menge von Gattungen durch kein äusseres Merk-
mal besser unterschieden werden können, als durch die Bildung
ihrer Federfluren. Für die Systematik ist diese Pterylographie,
die ihr einen ganz neuen Gesichtspunkt geboten hat, von grösstera
Belang.
The Naturalist's Library, conducted by Sir W. J ardine
Ornithology, ist bis zum Uten Bändchen vorgerückt.
Temminck et Laugier, Nouveau recueil de planches
coloriees d'oiseaux.
Dieses Kupferwerk, das wichtigste für die Kenntniss der exotischen
Vögel und reich an kritischen Bemerkungen und trefflichen Mono-
graphien, hat mit Tab. 600 einen Hauptabschnitt gemacht und über
die bisher erschienenen Tafeln ein Schema zu ihrer systematischen
Anordnung geliefert.
A List of the Genera of Birds with an indication on the
typical Species of each Genus. Compiled from various sour-
ces by George Robert Gray. Lond. 1840. 8.
Es ist schon angeführt worden, dass dieses Verzeichniss 10G5
Gattungen und wenigstens eben so viele Synonyme aufzählt Zur
Entwirrung der Synonymik leistet dieses Büchelchen, zumal wenn
man den gründlich gearbeiteten Commentar von Strickland CAnn
of nat. bist. VI. P.410 u. p. 26) zur Hülfe nimmt, vortreffliche Dienste.'
Schade, dass die Brauchbarkeit desselben durch den Mangel eines
Registers sehr beeinträchtigt wird.
Selby, Catalogue of the Gencric and Subgeneric Types
of Birds. 8. Newcastle 1840.
Hiervon ist mir bis jetzt nur der Titel bekannt.
4,^4 Jl'^'^'^'''^' ™^""^^ d'Ornithologie. 4« partie. Paris
1840. 8.
Hiermit hat Temminck sein Handbuch der europäischen Vöeel
geschlossen. Die beiden letzten Bände enthalten blos Nachträge der
zahlreichen neuen Entdeckungen und Berichtigungen.
Abbildungen der Vögel Europas von J. C. Susemihl
TLfe. "^'^'^' ^^""^^^^- Seit 1839. Fol. Bis jetzt
Tp^f'^'V^''/"''""'^'^""^ ''" 3ten Hefte wird den Text Schleeel In
Leyden bearbeiten. Die bisher erschienenen Tafeln sind der oir
Stellung der Raubvögel gewidmet. Die Abbildungen sind vortreffich
haftigkeit zu wünschen. Wenn das Unternehmen guten Fortgang
62
hat, kann mau an ihm ura einen ungleich wohlfeileren Preis einen
vollständigea Ersatz für das Gould'sche Luxuswerk, Birds of Europe,
erhalten,
Naumann's Naturgeschichte der Vögel Deutschlands hat
im Jahre 1840 den lOten Band, die Langfliigler enthaltend,
vollendet, und vom Uten sind heuer bereits 2 Hefte, die Schar-
ben, Pelikane und einen Theil der Gänse umfassend, ausgege-
ben worden, so dass dieses ausgezeichnete Werk bald zum
Ende geführt sein wird.
Deutsche Ornithologie oder Naturgeschichte aller Vögel
Deutschlands in naturgetreuen Abbildungen. Herausgegeben
von G. Bekker. Neue Ausg. Darmst.
Bis zum loten Hefte vorgerückt.
Ausserdem sind noch an europäischen Faunen zu be-
merken,
Zander, Naturgeschichte der Vögel Mecklenburgs 1840. 3tcLief.
— Berge, die Fortpflanzung europ. und aussereurop. Vögel. Seit
1839. — Mauduyt, Tableaux methodique des oiseaux tant seden-
taires que de passage periodique ouaccidentel, observes jasqu'au pre-
sent dans le departement de la Vienne. 1840. 8. — Macgilli vray's
History of British Birds. 1840. vol. 3. 8. — Meyer' s Illustrations of
British Birds. 1840. N. 67. 4. — Diese Arbeiten sind mir bisher nicht
zu Gesicht gekommen.
Audubons Birds of America, from Drawings made du-
ring a Residence of 25 ycars in the Unitod Stades.
Dem Bohn'schen Kataloge zufolge ist dieses Werk mit der 87(cn
Lieferung geschlossen, enthält 435 Tafeln in Elephant -Folio und ko-
stet nicht weniger als 182 Pfund Sterling. Man mag solche Werke
des Luxus in artistischer Beziehung anstaunen, für die Wissenschaft
sind sie ein Ruin. Zum Glück hat Audubon dem wissenschaftlichen
Ornithologen das angeführte Luxuswerk selbst durch seine Ornitho-
logical Biography so ziemlich entbehrlich gemacht.
Küster, ornithologischer Atlas der aussereuropäischen
Vögel. 15 Hefte.
Das 16te und 17te Heft ist angezeigt worden, mir aber noch
nicht zugekommen.
The Birds of Australia. By John Gould. Part first
Oblong folio. Published by the Author. Lond. Decemb. 1840.
Ist noch nicht bei uns eingetroffen und mir zur Zeit nur aus
der Anzeige in den Ann. of nat. bist. VL p. 471 bekannt. Gould
hatte in Begleitung seiner Gattin, „weU known as an accomplished
ornithological draughts -woman", eine Reise nach Neuhollaud und
63
Vandiemens-Land gemacht und ist nun, nach dritthalbjährigem Auf-
enthalt daselbst, mit reicher Beute beladen, zurückgekehrt. Wir
dürfen von den beiden Gatten jedenfalls eine ausgezeichnete Arbeit
erwarten, zumal da Owen die anatomische Abtheilung übernom-
men hat.
Die oriiithologische Parthie in D'Orbigny's voyage
(lans TAraerique raeridionale ist bereits weit vorgerückt; das-
selbe gilt für Bonaparte's Fauna italica. Ueber Beide soll
berichtet werden, wenn sie zum Abschluss gekommen sind. —
Die ornithologische Abtheilung von der Zoology of Capitain
Beechey's voyage hat Vigors bearbeitet; die Diagnosen der
neuen Arten wird Ref. bei den einzelnen Ordnungen mitthei-
len. Auch des Prinzen von Wied Reise in das innere
Nordamerika ist reich an ornithologischen Notizen, worüber
der vorliegende Bericht weitere Auskunft geben wird. Die
Histoire naturelle des lies Canaries von Barke r-Webb und
Berthelot hat zwar einige Abbildungen von Vögeln, aber
noch keinen Text dazu.
Für die Histoire physique, politiquc et naturelle de l'Ue
de Cuba par Ramon de la Sagra hat D'Orbigny die Vö-
gel bearbeitet.
Kuba hat eine Lage, die es zur Aufnahme nord- und südame-
rikanischer Vögel geeignet macht, indem letztere hier ihre Stand-
quartiere, erstere wenigstens ihren Winteraufenthalt nehmen können.
D'Orbigny bringt in Bezug auf geographische Verbreitung die 139
Arten, welche ihm von Kuba zukamen, in folgende 6 Abtheilungen:
1) Kubanische Vögel, welche zugleich auch Südamerika bewoh-
nen, mit 14 Arten: Accipitres 3, Passeres 2, Scansores 3, Gallinae 1,
Grallatores 3, Natatores 2. Unter ihnen ist der weit verbreitete
Polyborus vulgaris. Die beiden südamerikanischen Singvögel {ßrin-
gilla dominicana und Coereba cyanea) haben hier ihre nördlichste
Grenze erreicht. — 8) K. Vögel, die aus Nordamerika im September
und Oktober ankommen, um auf Kuba ihren Winteraufenthalt zu neh-
men und die im Frühlinge wieder nach Norden ziehen. Ihrer sind
49 Arten: Accipitres 1, Passeres 33, Scansores 4, Gallinae 2, Gral-
latores 6, Natatores 3. — 3) K. Vögel, die sich zugleich in beiden
Hälften des amerikanischen Kontinents finden, mit 26 Arten, wovon
15 Stand-, 11 Zugvögel sind. Die Standvögel heissen: Cathartes
aura, Falco sparverius, Columba carolinensis , Aramus guaraona^
Vhoenicoperus aviericanus, Ibis rubra, Porphyrio dominicana, Colym-
bus carolinensis, Pelecanus fuscus, Sulafusca, Tacliypetes Aquila,
Phaeton aethereus , Sterna stolida, cayanensis und fuliginosa. Die
Zugvögel sind: Vireo gilvus, Hirwido purpurea, Ardea candidissimaf
64
leucogaster, virescens und exills, Platalea ajaja, Tantalus loculator
und flavipes, Anas arhorea und discors. Diese Zugvögel kommen im
März vom Norden her nach Kuba und begeben sich nach Südamerika,
zur Zeit, wo hier die Ueberschwemmungen aurtiüren und den Vö-
geln eine reichliche Nahrung zurücklassen. — 4) K. Vögel, welche
in der nördlichen Hälfte der alten wie der. neuen Welt zugleich vor-
kommen, mit 8 Arten: Falco cyaneiis, Totanus Bartramia, Tringa
Temminckii, Charadrhis Squatarola, GalUnula chloropus, Anas ma-
rila, Halietis graculus und Larus atricilla. Mit Ausnahme des Raub-
vogels sind alle andern Wasservögel, die im hohen Norden brüten
und im Winter bis nach Kuba herabwandern. — K. Vögel, die bei-
den Hälften Amerikas und Europa gemeinschaftlich sind, mit 5 Ar-
ten: Ardea alba und Nyciicorax , Scohpax gallinago, Fulica atra
nn^Sterna anglica, also lauter Wasservögel, die in der neuen Welt
aus der nördlichen Hälfte in die südliche während des Winters zie-
hen, wobei sie Kuba passiren, ohne hier zu brüten. — 6) K. Arten,
die der Insel oder den Antillen eigenthümlich sind, mit 25 Arten:
Accipitres 3, Passeres 13, «cansores 6, Gallinae 5. Aus diesem Ver-
zeichnisse ersieht man, dass Kuba den grössten Theil seiner Vogel
aus Nordamerika erhält, daher diese Insel während des Winters die
meisten Arten aufzuweisen hat.
la Darwin's Zoology of the voy. of Beagle ist die Be-
schreibung der Vögel so eben beendigt worden.
Ihr sind 5 Hefte mit 50 Tafeln gewidmet, mit dem Titel: Birds,
described byJohnGould, with a notice of their habits and ran-
ges by Ch. Darwin, and with an anatomical appendix by Eyton.
Von 1838 bis 1841. Alle eingesammelten Arten sind angeführt, die
neuen vollständig beschrieben, zu den übrigen häufig gute Bemer-
kungen beigefügt. Der vorliegende Bericht wird auf das Hauptsach-
lichste aufmerksam machen. Die Abbildungen sind prachtvoll. -
Eyton's anatomische Notizen betreffen Serpopliaga albocoronata
Furnarlus cunlcularius, Uppucerthla dumetoria, Opetiorhynchusvul^
garis, antarcticus und patagonicus, Pteroptochos Tarnn uni albicol-
lis SynaUaxis maluroides, Vhytotoma rara, Trochilus gtgas xinilt-
nochorus rumicivorus. Schade ist es, dass Eyton bei der Luftröhre
bloss auf deren Sterno-Tracheal- Muskeln, aber nicht auf die dem
untern Kehlkopfe eigenthümlichen Muskeln Rücksicht genommen hat.
An Abhandlungen, welche die Faunen einzelner Gegen-
den vorführen, mögen folgende genannt werden :
Koch, die Vögel um Regensburg, inFürnrohrs naturhist. Topo-
graphie von Regensburg. 1840. 8. Es werden hier 231 Arten Vogel
aufgezählt. - Fraser's Verzeichnis« der von Dickson "»*««««
um Erzerum gesammelten Vögel (Proceed. \II. p. 119 u- ^^^
Eyton's Katalog einer Vögelsammlung von Malaya. Proceed. VII.
p. 100. - MC Clelland's Verzeichniss der Vögel von Assam.
65
Proceed. VII. p. 154. — Kapitän Sganzin gab \otizen über die
von ihm auf Madagaskar gesammelten Vögel, da ihm jedoch streng
systematische Bestimmungen abgehen, so weiss man ölfter die Art
nicht (Mcm. de Strasbourg. III. 1. p. 19). — Der Prinz von Neu-
wied entwarf ein Verzeichniss der von ihm in den Monaten Novem-
ber bis Februar an der Mündung der Wabasch beobachteten Vögel
(Reise in das innere Nordamerika I. S. 643). Lichtenstein be-
schenkte uns mit Beiträgen zur ornithologischeu Fauna von Kalifor-
nien (Abh. der Akad. der Wisseusch. z. Berlin. 1839. S. 417). Auch
das so lange verschlossene Neu - Guinea öffnet immer mehr seine
Schätze. Sa I.Müller gab in der Land- en Volkenkunde der „Ver-
handelingen" p. 21 eine Uebersicht der von ihm daselbst gesammel-
ten Vögel, welche sich auf 119 Arten aus (»0 Gattungen beliefen.
Darunter waren am zahlreichsten aus den Passerinen die Insekten-
fresser, aus den Klettervögeln die Papageien, und aus den Hühner-
vögeln die Tauben. Spechte wurden nicht gefunden.
Als Beiträge von allgemeinerer Bedeutung zur Leben.s-
geschichte der Vögel sind zu erwähnen:
Brehm, über das Betragen der männlichen Vögel gegen ihre
Weibchen und ihre Jungen (Isis 1840. S. 424). Ferner desselben
Verfassers ,, Etwas über den Einfluss ungünstiger Witterung, beson-
ders über die des Aprils 1837, auf das Leben der Vögel" (ebend.
S. 429). Da Brclim einer der sorgfältigsten Beobachter der Lebens-
verhältnisse der Vögel ist und selbige in lebhaften Schilderungen
mitzutheilen versteht, so folgt man mit Interesse seinen Beobach-
tungen.
Ueher Bastavdzengung stellte G, Cookson (Ann. of nal.
bist. V. p. 424) Versuche an.
Im Herbste 1838 entwischte dem Erzähler aus seinem Vogel-
hause ein männlicher Vogel, der Sprössling eines Stieglitzen und
eines Kauarienweibchens, und wurde nicht wieder gesehen bis zum
folgenden Frühjahre, wo er in Gesellschaft mit einem Stieglitz-
Weibchen erschien. Beide richteten ein Nest in einem Cederbaum
neben dem Vogelhause sich zu, und in der gehörigen Zeit wurden
4 Eier gelegt. Cookson nahm diese weg und legte sie einem Käna-
rienweibchen unter; sie waren aber alle unfruchtbar. Gleich darauf
erbaute sich das Pärchen ein neues Nest, welches man ungestört
liess, und dadurch 5 Junge aufbrachte, welche Cookson, nachdem sie
ohngefähr 10 Tage alt waren, aus dem Neste nahm und aufzog, 2
Männchen und 3 Weibchen blieben davon am Leben. Im folgenden
Sommer (also 1840) paarte er eines von diesen jungen Männchen
(I Stieglitz, -4 Kanarienvogel) mit einem Kanarienweibchen. Es wurde
bald ein Nest gemacht und 3 Eier gelegt; das Männchen zerstörte
zwar das Nest, doch rettete C. die Eier und legte sie einem Kana-
rienvogel unter, der ein Junges aufbrachte. Es wurde hierauf ein
Archiv f. Natiirsreseh. VII. Jahr«, 2, Bd, Fi
66
zweites Nest angelegt, das jedoch' das Schicksal des ersten theiltej
nun nahm C. das Männchen weg und that es in das Vogelhaus, wo
es sich mit einem andern Kanarienweibchen paarte. Da C. die Vor-
sicht gebraucht hatte, das Nest mit Flanell zu umwickeln, so waren
dadurch die Eier, als das Nest zerstört wurde, gerettet und das
Weibchen sitzt nun über denselben. Das Männchen wurde jetzt
entfernt und paarte sich mit seinem früheren Weibchen, das an dem
Morgen, wo C. seine Notiz niederschrieb, ein Ei legte. Ein zwei-
tes Experiment machte C, indem er das andere Bastardmännchen
mit einem Bastardweibchen von demselben Neste paarte; der Erfolg
waren 3 Eier, von denen eines einen Tag vor diesem Berichte aus-
gebrütet worden war. So weit gehen diese Versuche, die Cookson
fortsetzen will, und von denen besonders diejenigen wichtig sein
werden, M'elche sich auf die Paarung der Bastarde untereinander
beziehen.
Die Blutkiigelcheu der Schnee-Eule und Wandertaube
beschrieb G. Gulliver (Ann. of nat. bist. VI. p. 514).
Bei der Schnee - Eule {Str/'.T nyctea) übertrifft die Länge der
Blutkügelchen melir als 2|mal ihre Breite, während sie bei Strix
Aluco kaum 2 mal so lang als breit sind. Unter den Tauben zeigt
die Columba migraloria die grösste Abweichung durch die schmale
elliptische Form ihrer Blutkügelchen.
Ueber den Farbenwechsel der Vögel legte Bachmau
viele, an nordanierikanischen Arten angestellte, recht interes-
santö Beobachtungen vor (Transact. of the Americ. philosopli.
Soc. Philadelph. 1839. Vol. VI. part. 2. p. 197).
Er zeigt, gegen Fleniming und Ord, dass der Farbenwechsel bei
den Vögeln, sowohl bei Anlegung der ausgefärbten Kleidung oder,
wo es vorkommt, des Sommerkleides, niclit ddrch Farbenumände-
rung in den alten Federn, sondern in Folge des Mauserns vor sich
gehe, wenn gleich es mitunter einige Zeit dauert, bis die neuen Fe-
dern ihre volle Färbung erhalten. Die doppelte Mauser, welche
Ord geläugnet hatte, wird an vielen nordamerikanischen Vögeln
nachgewiesen.
Berichtigende Bemerkungen über die Bewegungen von
Radius und Ulna am Vogelflügel tlieilte Bergmann mit (Miil-
ler's Archiv 1839 S. 296).
Ueber den in Kopenhagen gemachten Fund des Schädels
der ausgestorbenen Dronte (Froriep's Notizen 1841. S, 186)
hat Ref. keine bestätigenden Nachrichten auftreiben können.
Fossile Vögelknochen, die ehemals so selten waren, wer-
den jetzt weit öfter, wenngleich noch immer nicht zahlreich,
gefunden.
67
Owen (Ann. of u.it. hisfc. n. 34 p. 65) beschrieb Vögelüberreste,
aus einem Brustbein mit lindern Knochen und einem Kreuzbein be-
stehend; das erstere Stück in der Sammlung Hunter's, das andere in
der von Bowerbank; beide aus dem London clay von Sheppey.
Das Hunterische Exemplar besteht aus dem fast ganzen Brustbein,
den nächsten Enden der Hakenschlüsselbeine, einem Rückenwirbel,
dem uutern Ende des linken Femurs, dem nächsten Ende des ent-
sprechenden Schienbeins und einigen Rippenfragmenten. Owen er-
klärt diese Theile als von einem Geier herrührend, wahrscheinlich
aus der Gruppe der Aasgeier {Accipitrine Scavengers); doch zeigen
die fossilen Knochen eine kleinere als bisher bekannte Art an, da-
her sie wohX einer eignen Untergattung angehören mögen. Das an-
dere Stück besteht aus 10 miteinander anchjiosirten Wirbeln, von
denen 4 den Lendenwirbeln der Säugfhiere analog sind, und denen
5 andere folgen, an denen, wie bei den Geiern, die untern Querfort-
sätze nicht entwickelt sind. Owen giebt diesen Ornitholiten den pro-
visorischeu Namen Lithoruis vuUurinus.
Im Süsswiftserkalk von Mainz und Wiesbaden wurden ebenfalls
Vögelknochen gefunden (Lconhard's Jahrb. 1839. S. 70, 77, 78. Jahrg.
1840. S. 219). — Aus dem Kenter Kalkstein erlangten Lord Cole und
Egerton den Oberarmkuoclieu eines Vogels, dem eines Albatros selir
ähnlich, aber stärkerund länger. IVIantell fand in der Wealden For-
mation von Tilgate Forest die Knochen eines Sumpfvogels, grösser
als der Reiher (Ann. of nat. bist. VI. p. 493).
Ein besonders merkwürdiger Fund ist an den Ueberresten eines
Vogels im Kreideschiefer des Kantons Glarus gemacht worden. Auf
einer Platte dieser Schiefer, welche Agassiz für eine Formation vom
Alter der Kreide erklärte, fand H. von Meyer (Leonhard's Jahrb.
1839. S, 683) „Skelet-Ueberreste von einem Thiere, das nichts ande-
res als ein wirklicher Vogel gewesen sein kann, was durch die
deutlich erhaltenen Knochen des Flügels und des Fusses ausser al-
len Zweifel gesetzt wird. Die Füsse waren nicht zum Waten ein-
gerichtet, das Thier gehörte also nicht zu den Sumpfvögeln; besser
passt es in die Ordnung der Sperlingvögel, und es besa.ss die unge-
fähre Grösse einer Lerche." Dies ist demnach das älteste Vorkom-
men von fossilen Vögelüberresten, indem ein im Grünsaud von New
Jersey gefundener Knochen ganz unsicher bestimmt ist, das Kno-
chenfragment aus dem Hastingssande des Waldes von Tilgate auch
nicht völlig sicher gedeutet werden kann, und die Vogelfährten, die
Hitchcock gefunden haben will, von H. v. Meyer nicht als solche
anerkannt werden, worin ihm Ref. vollkommen beistimmt, da er sich
über die Leichtgläubigkeit der Geologen in Anerkennung dieser Vo-
gelfährten nie genug wundern konnte. Ueberhaupt will Ref. bei die-
ser Gelegenheit bemerklich machen, dass, obgleich er selbst ächte
Hirschfährten, im Kalksinter von Weilheim eingedrückt, für die hie-
sige Sammlung acquirirt hat, er doch keineswegs die bekannten Ein-
5*
68
drücke in manchen Sandsteinen für Tliierfährten ansehen kann son-
dern eher für Residuen von handfönnig gestalteten Spongien, welche
heut zu Tage noch unter seltsamen Formen vorkommen, von denen
eine unter dem Namen Manus diaboli schon seit längerer Zeit Auf-
sehen erregt hat. Die neue Wissenschaft, Ichnologie benannt
(Ann. of nat. hist. VI. p. 495), steht demnach vor der Hand noch auf
sehr schwachen Füssen *).
M, Accipitres»
In der Revue Zool. 1839 geben Lesson (S. 102) und
LaFresnaye (S. 193) Uebersicliten ihrer systematischen Ein-
theilungen der Raubvögel.
Brehm machte (in der Isis 1840. S. 274) 5 Fälle be-
kannt, wo einjährige Weibchen von Tagraubvögeln, die in der
Regel erst im dritten Jahre zeugungsfähig werden, Eier gelegt
hatten. Es waren dies ein Thurmfalken-, ein Sperber- und
drei Habichtweibchen.
In der Isis will Brehm eine „vollständige Naturgeschichte
der Vögel DeutscV^lands" liefern und hat den Anfang mit den
Raubvögeln gemacht, von denen er im Jahrg. 1840. S. 593
und 767 die Geier abhandelt.
Erste Gattung: Ca t hartes mit der einzigen Art C. percfiopfe-
rus, die Brehm aber wieder nach seiner bekannten Weise in soge-
nannte Subspecies zerfällt, nämlich den europäischen, kapischen und
nordafrikanischen Aasgeier.
Zweite Gattung: Vultur, wo Brehm unter den falben Arten
zuerst seinen schon früher von ihm aufgestellten V. alLicollis und
dann den F. fulvus Auct. beschreibt. Hieran scLliesst er die Be-
schreibung von noch 3 andern, dem V. fuhnis ähnlichen Arten, von
welchen er meint, dass die erste und letzte auch in Deutschland
vorkommen könnte. Diese sind: 1) V. gallipenis Brehm, der sich
*) Bei der nun folgenden Aufzählung der neuen Arten hat Ref. im
Voraus zu erinnern, dass er, da die Zahl der Publikationen mit je-
dem Jahre beträchtlicher wird, und der zugemessene Raum für den
Jahresbericht daher immer weniger auslangen will, von dem Plane
seines Vorgängers, die Diagnosen aller Arten mitzutheilen, in so
weit abgegangen ist, dass er solches bei allgemein verbreiteten
Journalen, wie die Proceedings, Revue zoologique, Annais of nat.
hist. u. dergl., auch bei Hauptwerken, die der Ornitliolog doch nicht
entbehren kann, unterlassen hat. An eine kritische Prüfung aller als
neu aufgestellten Arten, hat Ref. eben so wenig als sein Vorgänger
denken können.
I
69
hauptsächlich durch die Krause und gericgo Grösse unterscheidet und
von der Insel Cypern stammen soll. 8) Der V. Kolon huth., und
3) V. cristatus, den er für gleichnamig mit der Linneischen Art an-
sieht. Unter den braunen Geiern führt Brehm 3 Arten auf, den Viil-
tur cinereus und Monachus Linn.
Während Brehm in gedachter Weise mit Vervielfältigung der
Arten aus der Gattung Vultur beschäftigt Avar, scheint er den mit
einiger Hitze geführten Streit zwischen R ü p p e 11 und T e m m i n c k über
die Festsetzung der Geier -Arten ganz überhört zu haben. Dieser
Streit wurde angefacht durch eine Monographie über diese Gattung,
welche Rüppell in den Annales des sc. nat. XXI. 1830 erscheinen
Hess. Einige Bemerkungen darin veranlassten Temminck zu einer
nochmaligen Revision der Geier -Arten in der 89. Lieferung seiner
Planches coloriees, welche Rüppell in seinen abyssinischen Wirbel-
thieren S. 46 einer wiederholten und gründlichen Prüfung unterwarf,
worauf Temminck bei Beschreibung des V. aegypius abermals auf
den Gegenstand zurückkam. Temminck nahm im letzten Verzeich-
nisse 9 Arten an: 1) V. aegypius s. auri'cularis, 3) V. j)07idicerianus,
3) V. imperialis T. (Chincou), 4) V. cinereus, 5) V.fulvus, 6) F.
««</«•«/* (Chaugioun), 7) F. JTo/ft« (<-'hasse-liente), 8) V. occipitalis
und 9) F. afigolensis. Rüppell weicht in seinem Verzeichnisse darin
ab, dass er erstlich den F. a/igolens/s als „unwiderruflich eine Fal-
kenart" erklärt, während Temminck auf dem Geier besteht, worin er
auch Recht haben Avird, da Nitzsch (Pterylograph. S. 68) nach Un-
tersuchung der Original -Exemplare den Ausspruch thut, dass dieser
Vogel gewiss nicht zu Fulco gehört, sondern eher zu Neophron.
Dann verbindet Rüppell F. cinereus und imperialis, was sich aller-
dings als richtig bewähren dürfte. Ferner vereinigt er F. aiiricu-
laris und aegypius miteinander, was jetzt auch Temminck anerkennt.
Die meiste Differenz ergiebt sich hinsichtlich der grossen falben Ar-
ten, unter denen Rüppell 3 unterscheidet: 1) den V.fnlvus, dessen
Halskrause aus weissen, laugen und breiten Federn besteht (äbarbes
soyeuses, piliformes) und dessen Federn an Brust, Bauch und Flügel-
decken lang, schmal und zugespitzt sind; 3) F Kolbii, dem fulvus
ähnlich, durch die weisse Krause mit abgerundeten kurzen Federn
(ii barbes soyeuses), aber die Federn des Unterleibs und der Flügel-
decken abgerundet; 3) V.Cliasse-fiente (Levaillant tab.lO,Borckh.
Heft 10) Federn der Krause lang, schmal, braun, die des Unterleibs
von derselben Form und Farbe. — Temminck erklärte in der 89.
Lieferung Rüppell's F. Kolbii für einen ächten F. indicus ^ wel-
chen Irrthura er indess im 4. Bande der Manuel d'Ornithologie zurück-
nahm, indem er einen V. Kolbii mit den von Rüppell angegebenen
Merkmalen aufstellte, hierzu jedoch auch Levaillant's Abbildung tab. 10
rechnete. Wenn dieses Citat richtig sein sollte, so wäre die Abbil-
dung ganz verfehlt, denn sie gleicht offenbar dem Rüppell'schen F.
Chasse-ßente am Meisten. Rüppell's Vultur Chasse -ßefite ist iden-
70
tisch mit dem l'. fulvus Temmidck's, Brehm's und der meisten Au-
toren, deren Xanic ihm daher belassen werden muss. Rüppel's V
fulvus wird dagegen Brehm's V. ulbicollis sein, lieber die neuen
Brehm'schen Arten, die zur Zeit noch sehr problematisch sind, wage
ich nicht zu entscheiden. Keyserling und Biasius zählen nur 2 falbe
Arten auf: V. fulvus und Kolbii, welcher letztere ihnen aber nicht
aus Autopsie bekannt ist.
Der bisher nur aus einem defekten und schlecht präpa-
rirten Exemplare mangelhaft gekannte Vultiiv californianus
Shaw, wurde von Lichtenstein (Abh. der Berlin. Akademie
1839. S. 424. Tab. 1) genau beschrieben und abgebildet, un-
ter dem Namen Sarcoramphus californianus.
Er ist mit dem Condor nahe verwandt, doch fehlt der Fleisch-
kamm, der Schnabel ist stärker, die Hornscheide des Oberschnabels
hat einen tiefen Einschnitt au der Rückenseite, am Kopf reicht die
Befiederung nur bis an die Stiru zwischen den Augen, Hals und
Nacken sind ganz nackt, die Federn der Halskrause, der Brust und
des Bauches lang gestreckt und schmal. Die ganze Länge von der
Schnabelspitze bis zum Schwanzende beträgt 4'. Von Deppe in der
Kordillere von Neukalifornien gefunden.
Ob und in v/ie viel Arten die Bartgeier zu vertheileii
sind, darüber sind sehr verschiedene Meinungen geäussert
worden.
Temminck erklärte sich noch im Manuel d'Ornithologie S^part.
p. 7 für eine einzige Art, indem er sagt: „J'ai re^u des individus du
nord de l'Afrique et un nombre assez considerable du Cap de Bonne-
Esperance: tous ces sujets ne dilTerent pas de ceux de nos Alpes." —
Rüppell, der den Bartgeier in Oberegypten, auf dem sinaitischen
Gebirge und besonders häufig auf allen Hochgebirgen Abyssiniens
fand, behauptete mit grösster Bestimmtheit: „überall unwiderruflich
dieselbe Art, welche in Europa vorkommt." (Abyss. Wirbelth. S. 43.) —
Auch Gebier und Brandt sprachen sich für eine einzige Art aus
(Bullet, de l'Acad. de Petersb. VI. p. 293 und 295). Der Bartgeier
kommt im russischen Reiche auf dem Kaukasus, Altai, dem sajani-
schen und daurischen Gebirge vor. „An eine spezifische Differenz
der auf diesen einzelnen Bergketten vorkommenden Vögel," äussert
sich Brandt, ,jist nicht zu denken, denn unsere kaukasischen Exem-
plare erwiesen sich als den europäischen, altaischen und daurischen
identisch: ja ich möchte nach der Vergleichung der Exemplare un-
serer Sammlung nicht einmal an eine Unterscheidung von klimati-
schen Varietäten denken. Vielleicht darf man auch wohl diese bei
einer Vogelart um so weniger erwarten, die auf den höchsten Ge-
birgen der Schweiz und Sardiniens sowohl, als auf dem Kaukasus
71
und in Sibirien, so ziemlich unter ähnlichen klimatischen Verhältnis-
sen lebt; denn überall hält er sich mehr oder weniger in der Nähe
der Schneeregion und der Gletscher, oder in den Schneeregionen
und auf den Gletschern selbst."
Dagegen sprachen sich andere Ornithologen für mehrere Arten
aus. Brehm (Isis 1840. S. 769) trennte 3 Arten: l)Alpengeier-
adier {Gyjiaetos graiidis), von den beiden nachfolgenden durch die
bedeutende Grösse, von dem südafrikanischen auch noch durch die
ganz befiederten Füsse verscbieden; 2) Berggeieradler {G.sulal-
piniis Brehm), weit kleiner, oben schwarzbraun, unten bräunlich
orangenroth, Füsse ganz befiedert; 3) nacktfüssiger Geierad-
ler (C. nudipes Brehm) noch kleiner als der vorhergehende, Befie-
derung und Zeichnung fast ganz wie bei G. grandis, nur ist der
Bart viel stärker als bei diesem, die Farben sind höher und schöner,
die Fusswurzeln sind unten 9'" hoch nackt und spärlicher beliedert.
Davon kommt nach Brehm No. 1 auf den europäischen Alpen vor;
Xo. 3 auf niedrigem Gebirgen in Sardinien, Dalmatien, auf den Py-
renäen und wahrscheinlich in Nordafrika; No. 3 hält sich in Südafrika
auf. _ Die spezifische Verschiedenheit des südafrikanischen vom
europäischen Bartgeier erkannte schon AViegraanu au (Archiv 1839. 2.
S. 407); ebenso Keyserling und Blasius, die jenem den Namen G.m^-
ridionalis gaben, ihre Vermuthuug, dass zu ihm auch der sardinische
gehören möchte, ist jedoch unbegründet, da dieser, wie es auch das
Exemplar der hiesigen Sammlung erweist, ganz befiederte Läufe
und eine gesättigtere Färbung der Unterseite hat. Ob mau nun diese
3 Bartgeier, wie sie Brehm unterschied, als Arten oder Varietäten
gelten lassen will, darüber kann gestritten werden; auf jedem Fall
ist es erspriesslich, dass auf diese 3 verschiedenen Formen aufmerk-
sam gemacht worden ist.
Die grosse Gattung Falco ist mit mehreren neuen Arten
bereichert worden.
Gene stellte einen Falco Elconorae auf, den de la Marmora
auf Sardinien entdeckt hatte. Er ist dem F. subbuteu ähnlich, ist
aber viel grösser, die Wachshaut bläulich, der schneidende Rand des
Oberkiefers zwischen der Basis und dem Zahne nicht ausgerandet,
die Eier röthlich, rostbraun gespritzelt und gefleckt (Institut 7e,
Novbr. 1840; Revue Zool. 1839. Sv 105 ; Temm. manuel. IV. p. 593).
Mo Clelland unterschied in den Proceed. VII. p.l53 und 154
zwei neue Falken-Arten aus Assam: 1) Spi^taetus rufitinctus
uüA Falco interstinctus, von denen der letztere dem weiblichen
F. TiTutuncultis ähnlich ist, doch sollen beide Geschlechter gleich-
farbig sein.
Die von Rüppell in Abyssinien aufgefundenen neuen Falken-
arten sind: Falco {Aquila) albicans, Circaehis funereus, Buteo Augur
72
u. hydrophilus, Jstur unduUventer w. pcrspicillaris , Nistis poI>/xonus
x\. sphenurns*).
Smith publizirte in den ersten 12 Heften seiner Illustrat. of the
Zoolog, of South Afrika als neue Palken - Arten aus Südafrika-
1) Falco seinitorquatus (\. 1. tab. 1.), 8) Jccfpiter poJy:ionoides m l
tab. II.), 3) Astur melanoleucus (N. 5. tab. 18.), 4) Aquila coron'ata
Linn. (\. 9. tab. 40. 41.), 5) Aquila hellicosa Daud. (N. 9 tab 42)
6) Circus Swaimomi (N. 9. tab. 43 und 44), identisch mit Falco pal
hdtis Sykes, der wieder einerlei ist mit F. dalmatinus Rüpp.
Vom Falco Sparverlns erinnerte der Prinz von Wied (Reise
ins innere Nordamerika I. S. 586), dass, obwohl die nordaraerikani-
schen und brasilischen gewöhnlich für einerlei Art gehalten werden,
er doch einige constante Abweichungen gefunden habe. Der nörd-
liche Vogel scheint etwas grösser als der brasilische, und bei allen
Exemplaren aus der letzteren Gegend fehlte immer der rothbraune,
mützenartige Fleck auf dem aschgrauen Kopfe, einiger andern klei-
nen Verschiedenheiten nicht zu gedenken. Der Prinz schlägt daher
vor, wenn sich obige Abweitüungen bestätigen, dem nordamerikani-
schen Vogel den Namen Sparverius zu belassen, den brasilischen aber
als sparv^rioides zu bezeichnen. Ref. hat hierbei zu bemerken, dass
schon früher Vigors einen F. sparverioides aufstellte, dem der rothe
Fleck auf dem Scheitel fehlte, dass aber d'Orbigny, der einen sol-
chen Vogel in R. de la Sagra bist, de Cuba tab. 1 abbildet, ihn doch
nur für eine der vielen Abänderungen des F. Sparverius erklärt.
Lichtenstein (Abh. der Berl. Akad. 1838. S. 428) machte uns
mit einem Falken aus Kalifornien, Falco (Buteo) ferrugineus bekannt
der mit Pennant's St. Johns Falcon nahe verwandt ist. Grösse
26i Zoll. Flügelspitzen bis auf das letzte Drittheil der Schwanzlänge
reichend, Tarsen bis fast an die Zehenwurzel befiedert. Oberseite
rostroth mit schwarzen Längsflecken j Bauchseite weiss mit zerstreu-
ten schmalen Schaftstrichen auf der Brust und mit dichteren, grösse-
ren herzförmigen Flecken auf dem Bauch, die sich zu einer breiten
Ouerbinde zusammen stellen; Hosen und Tarsen rostroth mit schwar-
zen Ouerbinden, der ansehnlich zugerundete Schwanz ohne Binden
röthlichgrau."
Aus der Darwin'schen Samoilung (Zoolog. Birds) hat
Gould mehrere neue Arten siidamerikaniscl)er Falken publizirt.
Sie heissen: Milvago albogularis (tab. 1.), Craxirex {Volyhorus)
galapagoensis (tab. 2.), Buteo varius und ventraUs, Circus megaspi-
Ins. Ihre Diagnosen sind schon in den Proceed. von 1837 (Archiv
V. 1. S. 373) mifgetheilt. Die Untergattung Craxirex ist jedoch
erst in der Darwin'schen Zoologie aufgestellt, mit den Merkmalen:
*) Gould's etwas später aufgestellter Haliaetus sphefiurus muss
deshalb einen andern Namen bekommen.
73
„rostrura Buteonis sed longiiis; mandibulae supcrioris inargo rectus,
versus apicem subito incurvus. Alae elongatac. Gera lata. Nares
fere rotundae, apertae, Tarsi mediocres, antice squamis tecti, Di-
giti magni, fortes; ungues obtusae."
In den Preuss. Provinzialblättern von 1839 finden sich
vom Prediger Löffler mehrere beachtenswerthe Bemerkungen
über europäische Falken- Arten.
S. 75 begründet er seine Zweifel, dass der Seeadler (f. albiciUa)
in Norwegen überwintere, gegen Wiegniann's Einwendungen damit,
dass erstlich der Seeadler es nie in Preusseu den Winter über aus-
halte; dann dass er nur zur Brütezeit zur Fischnahrung seine Zu-
flucht nehme, später aber als Landvogel vom Wasser entfernt lebe;
auch könne er nur bei ruhiger See fischen, diese sei aber im Früh-
linge und Herbste oft anhaltend sehr bewegt, so dass er eben so
lange fasten uiüsste. Endlich M'ürde der Seeadler im Winter ohne
Nahrung sein, weniger wegen des Zufrierens der See, sondern weil
die Fische der Kälte wegen in der Tiefe blieben — Hinsichtlich des
Faico lagopus bezweifelt Löfller (S. 344) Gloger's Angabe, dass er
auf Rügen und in der Lausitz brüte, da er selbst in Ostpreussen ein
Zugvogel gleich dem Seidenschwanz und Schneeammer sei. Seine
Nahrung bestehe nur in Mäusen; nie habe der Verf. etwas Anderes
als Mäuse -Ueberreste im Magen gefunden. — Vom F. 7iaevtus läug-
net Löffler (S. 346) Gloger's Angabe, dass der Schreiadler wasser-
reiche Gegenden liebe und vorzüglich Wasservögeln, nebenbei auch
Hühnerarten u. dergl. nachstelle. Seine Schwerfälligkeit mache ihn
dazu untüchtig. Vielmehr fände er sich im Frühling und Sommer
auf Wiesen, wo er hauptsächlich Frösche fresse, im Herbste auf
Aeckern, wo er einzig und allein Mäuse verzehre. Anderes würde
nur gelegentlich gespeist; Aas niemals.
Ueber das Betragen der männlichen Eulen gegen ihre
Weibchen und Jungen theilteBrehm (Isis 1840. S.275) einige
Erfahrungen mit. — Ueber Züge von Schnee-Eulen, die auf
der See gesehen wurden, berichtete Thompson (Ann» of
nat. bist. III. p. 107).
Lichtenstein (Abb. der Berl. Akad. 1838. S. 430) charakterisirte
eine neue nordamerikanische Art: Strix frontalis-. ^,8 Zoll
Länge; Flügel und Schwanz gleich lang, Zehen bis an die Krallen
befiedert, Schwanz mit 3 (aus weissen runden Flecken zusammen-
gestellten) Binden und weissem Endsaum; Stirnfedern weiss und
sich in weisse Bogen über die Augen her fortsetzend; Scheitel-
federn gestrichelt, Deckfedern der Flügel mit einzelnen grossen
weissen Flecken, erste Schwingen mit kleineren dergleichen an den
äusseren und mit grösseren an den inneren Fahnen, Schwingen zwei-
ter Ordnung nur an den innern Fahnen gefleckt; kleine Federn und
74
Borsten nind um das Auge, sowie die Wimpern schwarz; Schnabel
immer schwarz.' Lichtenstein bemerkt hierbei, dass die Strix pas-
serina Lina, sicherlich nicht in Amerika zu finden und die damit
ztisammenseworfene St. acadical^v^th. nichts anders als das Jugend-
kleid von St. frontalis sei.
Zwei kapische Eulen beschrieb Smith in seinen Illustrations,
gab ihnen aber unglücklicher Weise denselben Namen, was nicht zu
billigen ist. da den Unterabtheilungen der Eulen doch nur die
Rechte von rntergattungen zuerkannt werden können. Sie heissen:
1> Athene capensis (N. S. tab. 33.), 2} Strix capensis (\. 9. tab. 45.).
Auch dOrbigny machte in R. de la Sagra bist. nat. de Cuba
2 Eulen -Arten bekannt, denen er den Namen Otus Siguapa (tab. 8.)
und yoctua Siju "jab. 3.) beilegte.
Eine neue Eulenart^ Sf/rnium ocellatum , von Pondichery be-
schrieb Lesson Revue Zool. 1S39. p. 2S9).
Der schon früher von Gould beschriebene Otus galapagoensis
ist nunmehr in der Darwinschen Zoologie auf tab. 3 abgebUdet wor-
den. Eine zweite Eulen - Art pubüzirte daselbst G. R. Gray als
Strix punctatissima und Hess sie auf tab. i darsteUenj sie kommt
ebenfalls auf den Galopagos- Inseln vor.
rx. Pagger inae»
Das Interessanteste, was in der grossen Ordnung der Sing-
vösel (im Sinne von Nitzsch genommen) vorgekommen, sind
die Bestrebungen, ein äusserliches Merkmal zur Charakterisi-
rung dieser grossen Abtheilung ausfindig zu machen.
Keyserling und Blasius haben in diesem Archive 1S39. S. 293
und in ihren Wirbelthieren Europas S. sl ein solches in der Beklei-
dung der Läufe aufgestellt, und hiemach Oscines und Scansores un-
terschieden. Von den ersteren sagen sie: ..die Hinterseite der Läufe
dem «Torsten TheU ihrer Länge nach von einer der Quere nach un-
unterbrochenen Horndecke bekleidet, oder selten durch schwache
Qnereindrücke in Schilder zertheilt, die dann den Tafeln der Vor-
derseite in Zahl und Länge ungefähr entsprechen; mit Singmuskel-
apparat.' Von den Scansores heisst es: „die hornige oder weich-
häutige Bedeckung auf der Hinterseite der Läufe der ganzen Länge
nach 'vielfach zertheilt, maschig genetzt, zuweilen mit einer Reihe
kleiner Täfelchen, deren Anzahl dann weit grösser ist als die der
Täfelchen auf der Vorderseite; ohne Singmuskelapparat." — Bur-
m eist er (Archiv l'iiO. S. 220) erinnerte jedoch gegen die aUgemeine
Gülti-keit dieses Merkmals, dass hinsichtlich desselben nicht blos
die Lerchen, wie es schon KeyserUng und Blasius angaben, eine
leichte Differenz vom gewöhnlichen Typus der Laufbekleidung zei-
gen, Bondern dass es noch viel erhebüchere gebe, ja dass miter den
75
Ampeliden in der Lauftekleidung Modificadonen vorkämen, wie sie
bei vielen Wiedvögeln, z. B. CaprimiLlgus, Coracias, Upupa u. a. ge-
funden würden. — Hierauf entgegneten Blasius und Kej-serling
(Archiv 1S40. S. 362), dass ihnen das abweichende VerhaJten einiger
Ampeliden schon früher bekannt gewesen wäre, dass sie aber diese
Formen deshalb nicht berücksichtigt hätten, weil sie selbige nicht,
für Singvögel hielten. SoUte Letzteres aber wirklich erwiesen wer-
den, so schlagen sie vor, aus diesen in mancher Beziehung abwei-
chenden Formen, — deren Uebereinstimmung mit den Singvögeln
übrigens nicht so vollständig sei als sie Burmeister angegeben habe —
eine eigne kleine Familie zu bilden, analog den vielen, die Xitzscä
unter seinen Picarien errichtete. Diese Absonderung von den ächten
Singvögeln möchte, nach des Ref. Ermessen, allerdings das Zweck-
massigste sein, wodurch man dann unter den Singvögeln zwei
Hauptgruppen aufstellen könnte, die sich durch die Bekleidung der
Hinterseite des Laufs von einander unterscheiden würden.
Aus der Rev. zool. 1S40. p. 145 ersieht man, das La
Fresnaye die Publikation begonnen hat eines Essai d"uiie
nouvelJe maniere de grouper les genres et les especes de
l'ordre des PassereaiLx etc. Paris. 8.
Da Ref. diese Arbeit bisher übersah, so kann von ihr erst im
nächsten Jahresberichte die Rede sein. \ach der Ankündigung sind
zur Zeit 8 Familien auf 68 S. abgehandelt.
Selys de Longchamp hat seine CJassifikation der Pas-
serinae in der Rev. zool. 1839. S. 9 entwickelt. Eine ahn-
liehe Arbeit von La Fresnaye über die FamUie der Saxico-
lidae und Sylvidae findet sich ebendas. S. 161.
An neuen Arten ist eine erstaunliche Menge vorgefiihrt
worden, wie es ^on einer Ordnung, welche | der ranzen
Klasse ausmacht, nicht anders envanet werden kann." Hin-
sichtlich der Anordnung der Gattungen, folgt Ref. der Grap-
pirung von Nitzsch.
« i Corvinae, Sowohl an ächten Krähen als an Elstern
sind mehrere Arten endeckt worden.
Delessert (Rev. zool. 1S40. p. 100) unterscheidet die Elster
aus Butan unter dem Xamen Pfca bottanensfi als besondere Art von
der nnsengen. Mit dieser hat sie gänzlich die Färbuog gemein ist
aber beträchtlich grösser, der Schnabel gestreckter, "schmächti-er
die Fiugel in Bezug auf den Schwanz viel länger, überdiess ''die
Schwanzfedern am Ende auffallend erweitert und abgeschnitten, mit
welligen Schäften, deren Undulationen ebensoviel, etwas dunkleren
Onerbinden der Fahnen entsprechen. - Eine mexikanische Art be-
zeichnet Nebous als Geai de San Blas (Ebenda. S, 290 u 323) _
76
Eine ähnliche eben daher stellt Lesson als P.ornata auf (Ebendas.
1839. S. 41).
Der Prinz von Neuwied (Reise in das innere \ordani. S. 508)
sieht die nordamerikanische Elster^ Pica Jiudsoiiica Bon. für eine
eigne Art oder wenigstens als konstante Varietät von der europäi-
schen an; sie scheint etwas grösser und die Iris, die wie bei dieser
dunkelbraun ist, ist überdiess au der äussern Seite von einem grau-
blauen Ringe umgeben; dabei ist die Stimme beider A^ögel ganz ver-
schieden.
Vigors zählt in der Zoology of Beechey's voyage (S. 21) 4 Ar-
ten auf, worunter 3 neue abgebildet sind. Von dieser ist Pica Bee-
cheii u. CoUiei schon früher beschrieben, erstere auch in der Favo-
rite p. 52. t. 20 beschrieben und abgebildet worden, Garrulus califor-
niciis dagegen hier zum erstenmal charakterisirt. Seine Diagnose
lautet: „G. supra pallide coeruleus, dorso brunescenti-fusco; gula,
collo anterior!, plurais paucis superciliaribus corporeque infra albis;
rectricibus lateralibus fasciis obsoletis fuscis notatis." In Menge um
Monterey. — Garrulus luxuosus aus Mexico ist von Lesson auf-
gestellt (Revue zool. 1839, S. 100).
Rüppell fand in den von ihm bereisten Provinzen 10 Arten aus
der Krähen -Familie auf: Corvus cornix , monedula , frugilegus , sca-
pulatus, afßtüs, crassirostris , cape/isfs, Pica vulgaris und se7iegaleH-
si's, Pyrrhocorax graculns; hierunter sind: C. afß/iis und crassiro-
stris neue Arten. — Ref. fügte in seinem Berichte vom 10. IVovember
1838 (Münchn. gel. Anzeig. 1839. S. 301) über die vom Hofrath von
Schubert aus dem Orient mitgebrachten Sammlungen eine dritte Art
bei, den Corvus iu/nmatus: C. nigro -fusciis, dorso, alis caudaque
paulum chalybeo - relucentilnis; rostro longo, compresso, scabro,
culmine curvato. In der Grösse hält er das Mittel zwischen dem
Raben und der Krähe, ist am Nächsten mit C. uiacrorhynchus ver-
wandt, doch ist dieser etwas kleiner, hat einen aufgeblaseneren und
glatteren Schnabel und ist ganz schwarz mit schönem Stahlglanz. —
Auch Hedenborg fand in den Ländern ums rothe Meer eine neue
Art auf, die er Corvus umbriiius benannte und die von Sundewall
(Abhandl. der schwed. Akad. für 1838; von Creplin in der Isis 1840.
S.143 übersetzt) beschrieben wurde: „C. niger, capite colloque gri-
scscentibus, plumis juguli medii bifidis, rostro magno, compresso,
culmine valde arcuato; alis caudam aequantibus." Obschon letztere
Art dem C. infumatus verwandt ist, so unterscheidet sie sich doch
von ihm durch die graue Farbe des Kopfes und Halses, welche der
vom Ref. aufgestellten Art ganz abgeht.
Max Rosen heyn erzählt in den Preuss. Provinzialblättern 1839.
S. 269, dass in Masuren eine weisse Krähe geschossen worden
sei, welche er für eine Varietät von Corvus cornix ansieht. Er hält
C. corone und cornix für klimatische Verschiedenheiten, und bemerkt,
dass die weisse Varietät, über welche er spricht, im östlichen Europa
77
die gemeinere sei. In letzterer Angabe liegt offenbar ein Versehen,
da die weisse Krähe allenthalben nur als einzelne Ausartung vor-
kommt, so dass unter der im östlichen Europa lebenden weissen
Krähe wohl die Nebelkrähe zu verstehen sein wird.
Horsfield beschrieb eine neue Art, Dendrocitta frontalis aus
Assam (Proceed. VH. p. 163).
^) jparailisidae, Lay erwähnt einer Paradisea apoda,
die schon 14 Jahre in der Gefangenschaft gehalten Avurde und dabei ge-
sund und frisch war; ihr Futter bestand in gekochtem Reis mit eini-
gen Heuschrecken. Ihre Stimme ist laut und sonor; die Melodie ist
in Noten gesetzt (Ann. of nat. hist. n. 35. p. 150).
Lesson charakterisirte in der Revue zool. 1840. p. 1 eine von
ihm errichtete Gattung Paradigalla, zu welcher er P. carunculata
von Neu Guinea zählt.
Epimachus M'ird vonNitzsch hierher gesetzt, als zu Paradisea
sich verhaltend, wie Corvus graculus zu den ächten Raben und Krä-
hen (Pterylograph. S. 108).
Rüppell (abyss. Wirbelth. S. 22. lab. 9) stellte einen Ptihno-
rhynchus (Kitta) albirostris auf, der eine merkwürdige Yerwandt-
schaft mit dem javanischen Pt. holosericeus zeigt.
c) ylmpelitiae. Dieser Familie wird man eine eugere
Begrenzung, als sie hei Nitzsch Latte, geben müssen, um ilir
nur (liejenigon (rattungen zu belassen, welche in der Beklei-
dung des Laufs von den übrigen Singvögeln abweichen.
. Neue Arten sind :
Ampelis hanellipennis von LaFresuaye (Guerin mag. de zool.
1839, 6elivr.), der A,purpureaähnlich,aber durch ganz weissen Schwanz
und durch besondere Form der Federn au Kopf und Rumpf verschieden.
A. Merremii Less. (Revue zool. 1839. p. 104) aus Peru. — Von
Boissonneau iu der Revue zool. 1840. p. 2 aus Bogota: A. Nattere-
rn, rufocristatu und Rieff'erii; späterhin (S. 37) erklärt er jedoch, dass
seine 2le Art mit A. rubrocristata von La Fresnaye und d'Orbigny,
so wie seine 3te Art mit deren A. viridis identisch sei. — P/pra
Laplacei von La Fresnaye (Favorite p. 41. tab. 16), dem Pardalotus
Pipra ähnlich, aber schon durch das Vaterland (Guyana) und den
Anfang der Syndactylie der Zehen davon unterschieden. — Pipra
filifera Lesson (Rev. zool. 1839. 40) aus Peru.
H 0 d g s o n stellte im Journ. of the Asiat. Soc. of Bengal. Calcntt. 1839.
p. 35 eine Gattung Raya auf, die jedoch identisch mit Gould's Crossi-
dera und Swanison's P,sffmow«uist. Seine beiden Arten heissen: 1;
Raya sericeogtda, papageigrün, unten ins Grünblaue übergehend, Kopf
und Hals oben schwarz, unten seidengelb, nebst einem gelben Band um
die schwarze Farbe; ein blauer Fleck am Scheitel und oben am
Rücken, ein gelber hinter jedem Ohre, Schwanz und Aussenrand der
Schwingen blau, innen schwarz. 2) Raya nilropygia^ schiefergrau-
78
blau, Unterrücke n nml obere Schwauzdeckeu roUi. Beide Arten
aus Nepal.
Eine neue Gatt. lodopleuru, M^elche zwischen Pipra und Par-
dalotus in der Mitte steht und muthmasslich der alten Welt ange-
hört, stellte Lesson in der Rev. zool. 1839. p. 45 auf. Typus ist
Fardalotus Pipra Less. und eine neue Art I. guttata vom Senegal?
Die Gattung Pachycepliala, die Ref. zweifelhaft hierher stellt,
erhielt an der P. lanioides eine neue Art aus Neu Holland (Gould
in den Proceed. VIT. p. 142).
</) VattagviUue» Tanagra {Rhamphocelus) Luciant, die La
Fresnaye in der Rev. zool. schon augekündigt hatte (Arch. 1839. 3,
S. 404), ist nun von ihm abgebildet und ausführlicher beschrieben
worden in Guerin mag. de zool. 1839. 4e livr. — Das Männchen von
Phoe7itsoma oVvacea beschrieb Lesson (Rev. zool. p. 99). Von Ta-
nagra Zena lieferte d'Orbigny (R. de la Sagra Cuba p. 74. tab. 11)
eine genaue Dai-stellung. Von dessen T. iguiventris unterschied Du-
bus eine T. liuiulata aus der Honduras -Bai (Bullet, de l'Acad. de
Brux. 1839. 1. p. 439 mit Abbild). — Jglaia striata Gm. und Pipilo
perso7iata Sw. hat Gould (Darwiu's Zool. Birds. n. 5. tab. 34 u. 35)
abgebildet; ebendaselbst eioeu Emberixoides poliocephalus aufgestellt.
Aus der an neuen Arten so reichen Gegend von Sanla Fe de
Bogota beschrieb Boissouneuu in der Revue zool. 1840. p. GG" an
bisher unbekannten Tanagriden: Tanagra eximia, T. (Tachyphonm)
taeniata. T. {Jglaia) lulradorides , Arremoii assiniilis , albo -frena-
tus, palliditiucha, schistucens und semirvfns. Ferner S. 2: Tanagra
Comtantii, Vassorii und Riefferii. Gleichzeitig stellte La Fr.es-
naye aus derselben Gegend die Arten auf: Arremon rubrirostris,
superciliaris, ßavo-pectus und Nemosia verticalis (Rev. zool. p. 227).
Aus Mexico beschrieben Lesson und La Fresnaye in der Revue
zool. 1839: Embernagra Mexicuna Less. (p. 42) E. brunneonucha
La Fr. (p. 97) E. pnjrgitoides La Fr. (ebendas.), Pyraiiga Mexicana
Less. (p. 41). P. savgvinolenta La Fr. (p. 97). Euphonia coelestis
Less. (p. 42). Von Rhvmphocehis führt Lesson (Revue zool. 1840,
p. 132) 9 Arten an, worunter eine neue R. afßnis, von der er hier
Colunibien, dagegen auf S. 9 Mexiko als Heimath angiebt.
Von der Nordwestküste Australiens ist Gould's neuer Parda-
lottis uropygialis (Proceed. VII. p. 143).
Die Gattung Spixa, Avelche den Uebergang von Tanagra zu Frin-
gilla bildet, erweiterte La Fresnaye mit einer 5ten Art: Sp.Lcclun-
cherit von Mexico.
e) jFrlnffillitlae s. Conirostres. Unter 9 Lerchenarten, die
Rüppell einsammelte, fanden sich 2 neue Arten: 1) Jlaiida ruß-
ceps aus der Provinz Simen und ausgezeichnet durch einen rostro-
then Oberkopf, begrenzt durch einen weissen Streifen oberhalb der
Augen (Abyss. Wirbelth. S. 102. tab. 38. Fig. 1). und 2) Macronyx flavi-
79
coUis (ebendas. tab. 38. fig. 8). — Smith beschrieb eine neue Spe-
zies aus Südafrika, Alauda ferruginea (lllustr. n. 7. tab. 39), und
Waterhouse -(Proceed. VII. p. 60) eine andere, Alauda smensfs
aus China, welche mit A. Calandra nahe verwandt ist. Von der
A. cornuta gab der Prinz von Wied genaue Ausmessungen nebst
einigen andern Notizen (Reise S. 367). Drei Lerchen von Südafrica,
A, ferruginea, albescens und guttata beschrieb LaFresna je (Rev
zool. 1839. p.258).
Mirafru asmmica und ßavicollh sind t neue Arten aus Assam
(Horsfield in den Proceed. VII. p. 165). Ebenda Lonchura {Ery-
thrura) melanoceyhala.
Rüppell's Emberi%a septemstriata (Abjss. WirbeKh. S. 86.
tab. 30. fig. 2) ist, wie er selbst bemerkt, mit Smith's E. Tahapist
identisch. Da übrigens letztere nur in dem in der Kapstadt gedruck-
ten Report bisher beschrieben ist, den man auf dem Kontinent durch
den Buchhandel nicht beziehen kann, dahfer er für uns gewisser-
massen nicht existirt, so wollen wir auch Rüppell's Namen beibehal-
ten.—£m6maa luctuosa aus Chili, deren Hauptfarben weis.s, schwarz
und bleigrau sind, ist von Eydoux und Gervais (Fayorite p. 50.
tab. 19) aufgestellt, doch hatte sieLesson schon früher i\\s Fringilla
erythrorhyncha publizirt (Rev. zool. 1840. p. 98).
Smith beschrieb 3 Arten von seiner Gattung Pyrrhulauda in
den lllustr. n. 6. tab. 24-26, nämlich P australis, verticaUs u. Icuco-
tts {Frtngüla otoleucus Temm.) ; ferner: Vidua axillaris (n. 4. tab. 17).
Coliuspasser ist eine von Rüppell (Abyss. Wirbelth. S. 98) vor-
geschlagene Gattung für FringiUen mit sehr langen Steuerfedern Er
kennt 2 Arten: C. torquatus uM /lavimrpulatus, letzterer vielleicht
mit ßrown's yellow s/iouldred Oriole identisch.
Rüppell macht bemerklich (a. a. 0. S. 93) dass die von Swain-
son (B.rds of Western Afr. I. p. 208) erwähnte Pyrgitu simnlex
nicht Identisch mit Lichteusteiu's J^W«^///« simplex ist; er ändert da-
her den Namen in Pyrgita Swaimonii um, und liefert auf Tab. 33
eine Abbildung. Andere neue Arten von ihm sind Pyrrhnla striolata
Sermus citrinelloides und tristriatus, Euplectes xanthomelas, Ama-
dina larvata. '
Smith's miTplectes Taha (lllustr. n. 2. tab. 7) ist dem E. abyssi-
D.cus so täuschend ähnlich, dass nur das schmälere schwarze Na-
ckenband den letztern unterscheidet. Gould's (proceed. VII. p. 143)
Amadina annulosa und acuticauda sind zwei neue Arten von der
Nordwestkuste von Australien.
l)ye Fringilla hudsonia Fox St. auf Kalifornien sieht Lichten-
stein (Abh. der Berl. Akad. 1839. S. 432) für eine höhere Ausfär-
bung des dieser Art auf der Ostküste zukommenden Farbenkleides
an^ - Von Fringilla diuca Molin. und Passerina guttata (Meyen's
Embenza guttata) sind in der Zoologie der Favorite auf Tab. 17 und
18 Abbildungen raitgetheilt.
80
Linaria canlceps ist von d'Orbigny aufgestellt (R. de la Sagra
Cuba p. 107. tab. 16), Passerina oUvacea und Fyrrhula nigra sind
von ihm mit Abbildungen versehen worden (tab. 15, 17).
In der Revue zool. sind folgende neue Arten aufgestellt: Cocco-
thraustes fortirostr/s La Fresn. 1840. p. 828) von Bogota, Guiraca
AbeiUei Less. (1839. p. 41), G. tricolor Less. (1839. p. 102) beide
aus Mexico, Pitylus pcrsonatus Less. (1839. p. 42) aus Cayenne,
P. guttatus Less. (1839. p.l02) aus Mexico, P. ardesiucns Less.
(1840. p. 826) aus Brasilien, Carduelis liixiiosus Less. (1839. p. 41)
aus Mexico, C rvfugularis Less. (1839. p. 42) aus Brasilien, Pyr-
gita gularis Less. (1839. p. 45) vom Senegal, P. peruviana Less.
(ebendas.) aus Peru, Pyrrhnla AbeiUei Less. (1839. p. 40) aus Bra-
silien, P. crue?itata Less. (1839. p.lOl) aus Mexico, P. cinnamo-
mea La Fresn. (1839. p. 99) vom Rio grande, Loxia prasiptera
Less. (1839. p. 104) vom Senegal. Mit dem Weibchen von Pyrr/mla
erythr acephala macht uns La Fresnaye (1840. p. 129) bekannt.
Als neue Fringillen von Beechey's Reise bezeichnet Vigors
(S. 19) 1) den Saltator rufwentris „supra plumbo- cinerea, dorso
caudaque olivascentibus, corpore iufra rufescenti, crisso saturatiore,
superciliis albescentibus." 2) Fringilla crissalis, „supra fiiscescenti-
brunea, subtus fusco-albescens, linea per oculos, gula crissoque
rufis" 3) FringiUa meruloides „supra bruuea, alis, uropygio crisso-
que rufescentibus; subtus alba, rufobnineo-maculata." 4) Pyrrhula
inornata „supra brunea, fusco obsolete lineatim maculata; subtus
albescens, bruneo -maculata." Von Coccothraustes ferreo -rostris hat
Vigors eine schöne Abbildung (tab. 8) erscheinen lassen.
Der Philetaerns lepidus von Smith, den Swainson zu Euplectes,
Cuvier zu Ploceus, Latham zuLoxia stellte, ist in den Illustr. of the
Zool. of South Afr. n. 8. tab. 8 abgebildet worden.
Unter 6 eingesammelten Arten von Ploceus hält Rüppell 3 für
neu- P. larvatus, Galbula und rubiginosus; sie sind von ihm auf
Tab 32 und 33 abgebildet. Smith fügt in den Illustr. 2 ande-je Arten
hinzu: Ploceus subaurcus (tab. 30. fig. 1) und ocularis (Jig.^), die mit
nördlicheren Arten sehr übereinstimmen. Sehr verschieden von allen
diesen ist eine 6te Art: Ploceus melanolis von La Fresnaye in
Guer. mag. de zool. 1839. 6elivr. Zwei andere Arten P. castaneo-
fuscus und isabellinus sind von Lesson (Rev. zool. 1840. p. 99
und 826). , , •
Die anselinlicliste Vermehrung erhielten die Kegelschna-
bler durch Gould (Darvvin's Zool. Birds n. 4 und 5).
Zuerst errichtet er unter den Coccothraustinen 4 neue Gattun-
pen: Geospi:^a, Camarhynclms , Cactornis und Certhidea, von denen«
er selbst sagt, dass sie auf eine merkwürdige Weise in einander||
verlaufen, was auch für die 3 ersten ganz richtig ist und gegen
ihre Gattungsrechte zeugt, während ich von Certhidea die Verwandt-
schaft mit jenen nicht auffinden kann. Alle sind von den Galapago's-i
Sl
Inseln und särarnUich neue Arten, nämlich: Geospixa magm'rostn's
(tab. 36), strenua{tah.37), forti's (tab. 38), neltdosa, fuUginosa, den-
tirostris, ^;arm</« (tab. 39) und dubia. Camarhynchus psittaculus
(tab. 40) und crassirostris (tab. 41). Cactornis scmidens (tab. 48) u.
assimilis (tab. 43). Certhidea olivacea (tab. 44). La Fresnaye
(Rev. zool. 1840. p. 323) bemerkt mit Recht, dass der Tisserin des
Gallapagos von Neboux (ebenda S. 391) wohl nichts anderes als
eine der Gouldschen Arten von Geospiza sein wird.
Die übrigen neuen Gouldschen Arten der Kegelschnäbler heissen:
Melanocorypha cinctura; l'yrrhalauda nigriceps; Spermophila nigro-
gularis', Crithagra? breviroslris; Chrysotiietris campestris ; Ammo-
dramus longicaudattis (tab. 89) und maiiimbe {t&b.id); Zonotrichia
canicapilla und strigiceps; Fririgilla formosa; Fasser jagoensis
(tab. 31); Chlorospiza? melanodera (tab. 38) u. xanthogramma (tab. 33).
/) Stumidae, Der grossen Gattung PsarocoUus fügte
der Prinz von Wiecl (Reise S. 367) eine neue Spezies zu:
Ps. auricollisj dem Baltimore sehr ähnlich, aber der Schnabel et-
was höher und breiter, die Untertheile des Vogels nicht so lebhaft
orangcnroth als am ersteren, und die Ferse ist höher, der Schwanz
verschieden gefärbt. — Eine andere Art ist von d'Orbigny (Ramon
de la Sagra, Ciiba tab. 20) Icterus humeralis benannt worden. Derselbe
gab tab. 19 bis, eine Abbildung von Saiithornus domüiicens/s, auf tab. 18
von Quiscalus hari/tus Gm. und auf tab. 19 eine neue Species, Quiscahis
atroviolaceus, alle von C(iba. — \on Wa gl er' s Xaut/iormisßavi'ceps
fertigte Goulddie erste Abbildung (^Darwin Birds tab. 45).— B oisson-
neau's Quiscalus subalaris ist von Bogota (Revue zool. 1840. p. TO). —
Lesson stellte ebendas. drei neue mexicaniscbe Arten: Xanthormts
Abe/'llei, Icterus mela?iochri/sura und gradua-cauda (1839. p. 101. 105) auf.
Fastor malayensis von Malaya ist von Eyton aufgestellt (Pro-
ceed. VII. p. 101).
Oriolia ist eine neue Gattung, welche Is. Geoffroy
(Guer. mag. 183J>. 5e livr.) errichtete.
Sie ist in genauer Verwandtschaft mit Oriolus, unterscheidet sich
aber durch die geradlinige Form des Schnabels und dessen geringere
Dimensionen, durch die Disposition der Nasenlöcher, welche sehr
klein, in die Substanz des Schnabels selbst eingebohrt und in der
Mitte zwischen der Firste und Commissur befindlich sind. Füsse und
Schwanz sind fast wie bei den Pirolen, doch sind bei diesen die Nä-
gel kürzer, die Schwanzfedern abgerundet, bei jenen zugespitzt, und
die Flügel länger und spifziger. Die Art heisst: O. Bertiien'; Kopf,
Hals und Leib auf röthlichem Grunde mit einer Menge schwarzer
Querstriche; Schwanz und Flügel braunroth, die Enden der 6 ersten
Schwungfedern schwärzlichgrau. Von Madagaskar.
g) Itentirostres, Systematische Uebersichten über
Archiv f. Naturgesch. VJI. Jahrg. 2. Bd. g
82
die Gatt, der Laniaden und Myotheriden gab Lessou in
der Rev. zool. 1839. p. 133. 135. 197. 225.
Neue Arten:
Lanius Älgeriemis Lessou von Algier (Revue Zool. 1839. p. 134).
Lanius strigatus aus der Halbinsel Malaja von Eyton (Proceed.
VII. p. 103). — Prionops cristatus von Rüppell (Abyss. Wirbeltli.
S. 30. Tab. 12. Fig. 2) an der abjssinischen Küste entdeckt. Prion-
ops Talacorna von Smith (Illustr. n. 2. tab. 5) in Südafrika gefun-
den, unterscheidet sich vom vorigen schon gleich durch den Mangel
des Kammes. — Malaconotits unrantiopcctus Lesson vom Senegal
(Revue Zool. 1839. p. 101). — Smith 's Malaconotus sitnilis (tab. 46)
ist wahrscheinlich identisch mit Swaiuson's M. chrjsogaster. Ta~
mnophilus palliatus Less. (Rev. Zool. 1839. p. 104), T. capistratus
Less. (ebendas. 1840. p. 236), beide aus Brasilien; Eryth7-ol(jmms
(Ocyptenis) ruhricolUs aus Sumatra (S. 275).
Ueber die Gattung Cehlepyris schrieb Rüppell eine
treffliche Monographie (Mus. Senckenberg. III. 1. S. 17).
Er theilt sie in 3 Sektionen: Erste Sektion mit lebhaftem Schil-
ler des Gefieders der Männchen (^Campephag a Swains.), dahin
die Arten: 1) C. nigra Cuv., 2) C. phoenicea Swains., 3) C. lo-
bata T., 4) C. aiirea T. — Zweite Sektion, mit theils einfarbig dun-
kel schwarzgrauem Gefieder, theils schwarz, grau und weiss ge-
mischt und wobei der Schnabel nicht sonderlich robust, aber an der
Basis stark flach gedrückt und nicht hoch ist {Ceilepi/risSwaiaa);
liieher 5) C. caesia Licht., 6) C. cana Licht., 7) C. melanopteray
Rüpp. (tab. 2. Fig. 1), 8) C. leucemela Vig., 9) C. javensis Horsf.,
10) C. humer alis Gould., 11) C. maxima Rüpp. (tab. 3), 12) C.
Jardinii. — Dritte Sektion mit einer Färbung so ziemlich wie bei
der zweiten Sektion, aber der Schnabel ist robuster, der Mundwin-
kel in der Regel mit steifen Borsten besetzt (^(Jraucalus Cuv.)j
hieher 13) C. pectoraJis Swains., 14) C, papuensis T., 15) C.Novae
Giiineae L. Gm., 16) C. melanops Lath., 17) C. parvirostris Gould,
18) C. mentalis Vig., 19) C. affinis Rüpp., M'elche vielleicht nur,
wie Rüppell meint, ein ausgefiedertes Individuum von Swainson's
C. lineata sein dürfte. — Seitdem machte Horsfield noch einen
Graucaliis macufosus aus Assam bekannt (Proceed. VII. p. 159), und
ebend. S. 143 Gould einen Graucalus phasianellns aus Neuholland.
\' on Muscicapa sammelte Rüppell 5 Arten ein, worun-
ter 2 neue (S. 107): M. semipartita (tab, 40. Fig. 1) und
M. clwcolat'ma.
Eine schöne Art aus Indien beschrieb Delessert als Muscicapa
variegata (Guer. Mag. de Zool. 1840. 11. Livr.) Andere Horsfield
(Proceed. VII, p. 157) als Muscicapa? capitalis aus Assam; La
Fresnaye (Rev. Zool. 1840. p. 66) als M. rufula aus den Nilgher-
ries, und Lesson (Rev. Zool. 1839. p. 104), als M, regulus aus Bra-
silien und M. bilineata aus Ostindien. In der Favorite ist auf Tab. 21
«3
eine Abbildung der prächtigen M. regia gegeben. Eben daselbst ist
ein Ti/rmmus gutturalis aus Chili beschrieben und abgebildet (S. 32
Tab. 11), den kurz vorher Kittlitz als Thamnophilus lividus aufge-
stellt hatte und für den Lesson eine eigene Gatt. Tamnolanius
in Vorschlag bringt, und zugleich eine zweite Art derselben T. fer-
Tugineus aus Mexiko aufstellt (Revue Zool. 1839. p. 138). — 2 neue
Arten finden sich in Beechey's voyage (S. 17): 1) Muscicapa se-
miatra, capite, collo, pectore abdomineque sumnio atris; abdomine
imo, crisso, rectricumque extimarum pogoniis externis ad latera al-
bis; dorso, alis caudaque cinereo-fuscis. 8) Tyrannus cinereusy supra
cinereus, subtus albescens, remigibus fuscis, tectricibus inferioribus
alaruin pectorisque lateribus rufescentibus.
D'Orbigny stellte 2 neue Tyrannen auf, denen er die Namen
Tyraimus caudifusciatns und magni'rostris gab (R. delaSagra, Cuba
tab. 12. 13), auch vom T. mafiitüius theilte er tab. 14 eine Abbil-
dung mit. Musdpeta curibaea ist von ihm als neue Art beschrieben
(S.92), aber nicht abgebildet. Ijesson's AI. luteoventei' ist von Bra-
silien (Rev. Zool. 1840. p. 354); dess. M. lapis aus Ostindien (Rev.
Zool. 1839. p. 104).
Plalyrhynchus capensis ist eine von Smith (Illustr. n. 7. t. 27)
in den Wäldern der Delagoa-ßay entdeckte Species. Drei andere
Arten stellte Lesson (Rev. Zool. 1839) auf: PI. str latus (p. 41) und
PI. pseudogiUia (p. 101) aus Brasilien, PI. Lherminieri (p. 104) von
Guadeloupe, eine fünfte La Fresnaye (ebendas. p. 98) als PI.
Aglaiae von Mexiko.
Setophaga ornata und Tyrannula funu'gata sind 2 neue Arten
von Bogota (Boissonneau in der Rev. Zool. 1840. p. 70) Seto-
phaga caslanea, Tyrannula ferrnghiea, Leptiirus galeatiis, Tanga-
vius lnvohicrat}is aus Mexiko (Lesson Revue Zool. 1839. p. 41. 42)
und Myadesfes obscurus ebendaher (La Fresnaye ebendas. p. 98),
Psaris Mexicamis (Lesson ebendas. p. 41) ebendaher, Ps. affinis
dess. (Rev. Zool. 1840. p. 354) von Brasilien, Drymonax m'ger, Mo-
nacha caesia (Rev. Zool. 1839. p. 167) und Brachypteryx Incolor
p. 138) dess. von Sumatra, Rhipidura collaris dess, (p. 104) von Ti-
mor, Pepoaxa flavida dess. (p. 102) von Chile.
Drymophila abyssinica ist eine neue Art von Rüppell (S. 108.
tab. 40. Fig. 2). Lesson's Z). ruficauda ist aus Nordamerika (Rev.
Zool. 1840. p. 226). Formicivora guttata (p. 353) aus Brasilien.
Laniocera ist eine von ihm creirte Gattung mit der Art L. san-
guinaria (p. 353).
Unter dem fehlerhaft gebildeten Namen Philepittn (von
(Philedon und Pitta), errichtete Is. Geoffroy (Guer. Mag.
de Zool. 1839. 5e Livr.) eine neue Gattung, welche sowohl
mit Philedon, als Pitta und Myiothera verwandt ist.
Die Gattungsmerkmale sind: Schnabel fast solang als der übrige
6*
84
Kopf, dreieckig, etwas breiter als hocli, mit stumpfer oberer Griirthe,
schwach convex, ohne eigentliche Kieferausrandung. Nasenlöcher
seitlich, von der Basis wenig abstehend, linear, etwas schief. Tar-
sen ziemlich lang, mit sehr grossen Schildern bedeckt. Die 4 Zehen
und zumal der Daumen verlängert, stark, mit grossen, zusammen-
gedrückten, spitzen, sehr gekrümmten Nägeln bewaffnet. Von den
3 Vorderzehen die mittelste, welche die längste ist, an der Basis
mit der äussern vereinigt, die innere, welche die kürzeste ist, von
der Basis an frei. Schwanz sehr kurz, mit 12 gleichen Federn. Flü-
gel ziemlich laug, fast stumpf oder stumpf. — Die einzige Art nennt
G. Ph, sericea, ein höchst ausgezeichneter Vogel durch sein sammet-
artiges, ganz schwarzes Gefieder, das nur am Flügelbug einen gel-
ben Flecken hat, so wie durch einen langen Hautlappen, der vom
Hinterhalse über das Auge bis zur Schuabelwurzel sich fortzieht.
Länge 4i". Die Heimath ist Madagaskar.
Der von Gould errichteten Gattung Phoetii'conüs fügte Hors«
field 2 neue Arten aus Assam bei: Ph. elegans und affinis, welche
letztere Gould als das Weibchen von Ph. brevirostris abgebildet
hatte (Proceed. VH. p. 157).
Edolius lugubris von Ehrenberg und Dicrurus ca?u'pennis von
Swainson hält Rüppell (Abjss. Wirbelth. S. 108) für identisch. —
Eine neue Art, Dicrurus Ludw/gn fand A. Smith (lUustr. n. 8.
tab. 34) um Port Natal. — Eyton's Bruchypteryx nigrocapitata
(^Dicrurus malabaricus Steph.) ist von3TaIa3a (Proceed. VII. p. 103).
Lesson's Erythrolanitis rubricollis ist von Sumatra (Revue Zool.
1840. p. 273).
Ana'is bezeichnet eine neue, mit Ocypterus verwandte
Gattung, welche Lesson (Rev. Zool. 1840 p. 211) aufstellte.
Die Art benennt er A. Clemenciae; ihre Heimath ist Borneo.
Die Muscicapiden bereicherte Gould mit mehreren süd-
amerikanischen Arten und Gattungen (Darwin's Zool. Birds n. 3).
Die Gattungen heissen: Pyrocephaliis , Serpophaga und Jgrior-
nis. Erstere ist sehr wenig von Swaiuson's Tjrannula verschieden,
und eine der vielen unnöthigen Gattungen, mit denen man in neue-
rer Zeit die Ornithologie beschwert hat. Serpophaga ist wahrschein-
Hch mit Euscarthmiis des Prinzen von Wied identisch. Agriornis
ist von G. R. Gray als sj^uonj'm mit Swainson's Dasycephala (Les-
son's Ta/nnolanius) erkannt worden. Die neuen Arten sind: Pyro-
cephaliis parvirostris (tab. 6), obsaaiis , iianus (tab. 7) und dubius.
Myiobius auriceps, parvirostris und magnirostris (tab. 8). Serpophaga
albo-coronnta. Pachyramphus (Pachyrhynchus) albescens (tab. 14)
uudminimus (tab. 15). Lichenops (Perspicilla) erythropterus (tab. 9).
Fluvicola Azarae (tab. 10). Agriornis striatus und micropterus
(tab. 12). A. maritimns {Pepoaxa maritima d'Orb.) ist tab. 13 ab-
gebildet. D'Orbigny's Pepoaxa variegata ist auf tab. 11 als Tae-
85
nioptera variegata dargestellt; ira Texte führt sie den Namen Xol-
mis variegata.
li) ^uhulirostres, die zahlreichste Abtheiluug unter den
Singvögeln, daher auch ihr Zuwachs au Arten am Ansehn-
lichsten.
Von Lavifrornis (iinrichtig Lamprotonifs) machte Riip pell
2 neue Arten bekannt: L. temtirostris ((ab. 10. Fig. 1) und rttfiven-
tris (tab. 11. Fig. 1); ausserdem gab er (S. 24) einige Mittheilungen
über die Verbreitung und Altersverschiedenheiten der von ihm beob-
achteten Arten. Einer neuseeländischen Art gab Dubus den Namen
L. obscurus (Bull, de l'Acad. de Brux. 1839. I. p. 297). Die Gattung
Megaloiiterus zog Smith glücklicher Weise wieder ein, indem er
sie für identisch mit Lamprornis erkannte, und den Namen M. aii-
stralis wandelte er nun in L. Burchelln um (Illustr. n. 10. tab. 47).
Auf den abyssinischen Hochgebirgen entdeckte Rüppell eine
der Singdrossel höchst ähnliche Art, Merula {Turdus) s/meiis/s (S.81.
Tab. 29. Fig. 1), bei der Schnabel und Füsse robuster, die vier
äussern Schwungfedern gleich lang sind und von den übrigen sich
stark absetzen, während sich bei der Singdrossel alle Schwungfedern
in allmäliger Progression verkürzen. — Rüppell's Petrodncla se-
mirufu ist der abyssinische Repräsentant des kapischen Janfrederic
von Levaillant, mit dem auch Smith's Cossyiiha humer alis (Illustr,
Tab. 48) nahe verwandt ist. Aus letzterer hatte er früher eine eigne
Gattung Bessonomis gemacht, deren Unhaltbarkeit ihm später selbst
einleuchtete. Cosnjpha ist übi-igens mit Petrocincla identisch. Für
noch unbeschrieben hält Dubus einen chilesischen Vogel und benennt
ihn Tiirdus {Petrocincla) melafiotns (Bull, de l'Acad. de Brux. 1839.
1. p. 506).
Notizen über die Gattungen Phyllornis und Petrocincla (Petro-
cossyplius) gab Lesson (Rev. zool. 1840 p. 164); letztere vermehrte
er mit 3 Arten: P. Jerrugineoventer, aurantüventer und castancicol-
lis aus dem Hiraalaj'a. Das Weibchen des Phyllornis Mülleri be-
schrieb er Rev. zool. 1839. S. 38.
Vier südafrikanische Drosseln wurden von Smith (Illustr. N. 8)
beschrieben und abgebildet: T. guttatus Vig. und 3 neue Arten,
T. oüsciirus, slrej)itans und lihonyana. — Von Eyton ist in den
Proceed. VII. p. 103 ein Turdus modestns aus der Halbinsel Malaya,
in der Favorite ist ein Turdus albo-specularis (Tab. 12, 13) von Ma-
dagaskar und ein 2'. occipitalis (Tab. 14) von Manila beschrieben.
Mit einer neuseeländischen Art, T. melanotus, machte uns Dubus
bekannt und stellte sie in einer schönen Abbildung dar (Bull, de
l'Acad. de Brux. 1839. I. p, 298). In der Revue zool. 1840 hatSoret
(S. 2) einen T. collaris von Calcutta, La Fresnaye (S. 65) einen T.
nigro-pileus von den Nilgherries und S. 359 einen T. rufopalliatus
von Kalifornien beschrieben.
86
Eine neue Art der Gatt. Sericulns aus dem Lande der Paptis
beschrieb Lesson (Revue Zool. 1839. S. 44) unter dem Namen iS. J?mi>.
Von Orpheus zählt La Fresnaye 10 Arten auf (Guer. Mag.
1839. 4e livr.):
a) Gefieder aschgrau, weiss und schwarz gescheckt:
1) Titrdus ])ohjglottHS L., 2) T. lividus Licht., 3) O. calandria
D'Orb., 4) O.dorsah's D^Orb., 5) O. jiatagoTiicusD'Orh. (vielleicht
Ttirdus satitrtiiHits Licht.), 6) O. tricaudatns D'Orb. — b) Ge-
fieder roth oder einförmig schwarzgrau: 7) Turdus riifus
lt., 8) 0. longi'rostn's La Fr., 9) O. felivox Sw. {Muscicapa caroli-
nensi's L. Gm), 10) 0. meruloides Sw. {Turdus naevius Lath.). —
Als eine 11. Art unterscheidet Vigors (Zool. of Beechey's voy.
p. 17) einen Orpheus leucopteriis , supra cincreus, alis caudaque ni-
gris, gula, abdoniine, ptilonim apicibus, pteromatibus, remigibus pri-
raariis ad basin rectricibusquelateralibus albis, pectore cinerascente. —
Drei andere Arten fügtGouId hinzu, nämlich Orpheus {Minms) iri-
fasciatus, melaitotis und parvufus (Darwin's Zool. Birds tab. 16 — 18). —
Lesson bringt diese Gattung in der Revue zool. 1840. p. 878 auf
18 Arten.
Malurus cruentatus, Dasyornis striatus und Pomatorhinus rube-
culus von Australien wurden von Gould (Proceed. VII. p. 143) als
neue Arten beschrieben. Crateropus Jardinü von Smith (Illustr.
n. 8. tab. 6jj C. Delessertii aus den Ailgherries von La Fresnaye
(Rev. zool. 1840 p. 67), und C. griseiceps aus Butan von Delesserfc
(ebend. S. 101). — Gegen die Einreibung indischer Arten unter Cra-
teropus remonstrirte Lesson (Rev.zool. 1840 p. 161), indem er die-
ser Gattung nur afrikanische Arten zuerkannte, die asiatischen aber
unter Garrulax {Janthocincla Gould) verwies, bei welcher Gele-
«enheit er die zu letzterer gehörigen Arten aufzählte und 2 neue
Arten G. Abeillei und Feliciae aus Nepal zufügte. La Fresnaye,
indem er über beide Gattungen gute Bemerkungen beibrachte, schlug
zuletzt (Rev. zool. p. 206) vor, den Namen Crateropus auf die afri-
kanischen Arten, Garrulaxis auf die indischen mit dem Habitus der
Häher, Janthocinda auf die asiatischen mit dem Habitus der Dros-
seln, und Cinclosoma auf die australischen, die als typische Art C.
jmnctatum aufzuweisen hätten, zu beschränken.
Zu Janthocinda fügte Horsfield (Proceed. VII. p. 159) 3 Ar-
ten hinzu: J. gularis und lunai'is, beide aus Assam. Ebenda-
selbst zu Hypsipetes 3 Arten: H. Mc Clellandü und gradlis, beide
aus derselben Gegend.
Ixos leucopygius ist eine gute, von Rüppell aufgestellte Art
aus der mittlem Waldregion der abyssinischen Küste (Abyss. Wir-
belthiere S. 82. tab. 30. iig. 1); dagegen könnte Mc. Clelland's
Ixos monticola aus den Kossia- Bergen nur Varietät von J. jocosus
sein (Proceed. VIL p. 160).
Eine neue Art beschreibt I<esson (Rev. zool. 1840 p. 354) als
87
Baematornis luteolus ; auch bemerkt er (S. 98), dass sein H, luguhris
mit Temminck's Ixos obsciirus identisch ist. — Ixos phtnu'gerus (ebend.
S. 228) ist Ungewisser Herkunft. — Trichixos jiyrrop7jga Lesson.
(Rev. zool.) 1839. p. 167. von Sumatra. — Delessert's Ortliotomus
flaviveniris stammt aus Butan (Rev. zool. 1840 p. 101).
Pycnonotus niveiventer und carbonarius sind 2 Lesson'sche Ar-
ten^ erstere aus Indien (Rev. zool. 1840 p. 226). P. simpIex dess.
(Rev. zool. 1839. p. 169) von Sumatra. — Setornis criniger Less.
(ebendas.) ebendaher.
Erythropygia pectoralis und paena sind neue Entdeckungen von
Smith (lllustr. n. 10 tab. 49 und 50).
Aus drosselartigen Vögeln von Malaya errichtete Eyton
(Proceed. VII. p. 102) zwei besondere Gattungen: Microtar-
sus und Mahicopferon.
Da d^e unterscheidenden Merkmale von den verwandten Gattun-
gen nicht angegeben sind, so wird man sich in diese neu gebil-
dete nicht recht hinein finden. M/croiarxiis wird als nahe verwandt
mit Micropus bezeichnet; Malacopteron soll in einigen Stücken mit
Microtarsus, in andern mit Jirachypus verwandt sein. Die Arten sind:
Microtarsns melanoleucos, und Malacopteron magnum und cinereiim.
Noch weniger istEyton's neue Gattung Crataionyx aus
der kurzen Notiz zu erkennen (Proceed. VII. p. 104) und
ihr die gehörige Stelle im Systeme anzuweisen.
Er reiht sie zwischen Jora und Oriolus ein, und giebt ihr 2 Ar-
ten: C. Jlava und ater\ beide von Malaya.
Seiurus sulfurascens ist vonD'Orbigny (R. de la Sagra, Cuba)
unterschieden und auf tab. 6 abgebildet worden. Von andern ver-
Avandten, aber schon bekannten Arten, Turdns ruhripes, minor und
carolinensis , Sylvia palinaruni^ r.oerulescens und maritima sind da-
selbst Abbildungen erschienen.
Von der Gaitwag Sylvia hat Rüppell auf seinen Reisen 30 Ar-
ten aufgefunden, von Frinia 8, von Troglodytes 1.
Als neu beschreibt er in den abyss. Wirbelth. S. 109: Cisticola
lugubris und erythrogenis, Salicaria cinnamomea, Ficedula umbro-
virens und Curruca liigens. Ferner Frinia rufifrons und mystaceuy
iso Avie Troglodytes ?nicrurits.
Ausserdem erinnert er, dass im Atlas zu seiner frühern Reise
mehrere Priuien fälschlich als Malurus bezeichnet wurden.
Die Sylvia Cetti wurde von Gerbe in Guer. mag. de zool. 1840.
n. 15 genau beschrieben und gut abgebildet. Derselbe bemerkt in
der Rev. zool. 1840 p. 35, dass Sylvia Bonelli auch um Paris nistet.
— Sylvia luscinoides Savi, welche selbst in Italien sehr selten ist,
wurde im vorigen Jahre in 2 Exemplaren in England gefunden und
diese von G. R, Gray beschrieben (Ann. of nat, bist, n. 35 p. 155).
Eine neue Gattung Sylvietta errichtet La Fresnaye
88
(Revue zool. 1839. S. 258) für den Cromlec Levaill. (Di-
caeum riifescens VieilJ.), <lem er 2 neue Arten, S. Irachyura
vom Senegal, und S, icteropygialis vom Orangefluss in Süd-
afrika zufügt; sie zeichnet sich durch einen gekrümmten Schna-
bel und einen auffallend kurzen Schwanz aus.
Eine Sylvicola aureola stellte Gould von den Galapago's -In-
seln auf (Darwin's Zool. Birds tab. 28).
Beiträge zur Becichtigung der Synonymik von Zosterops, Phijl-
lastrephus, Polyodon, Microjms und Brachypus rühren von Lesson
her (Rev. zool. 1840 p. 135). Von Trichas haben sowohl Lesson
(ebend. S. 133) als La Presnaye (S. 229) Notizen zu einer Mono-
graphie dieser Gattung gegeben, letzterer auch eine neue Art von
Bogota, r. nigrocristatus zugefügt, die den üebergang zu Setophasa
bildet. '^ *
Rliampliocoenus Trinitatis von der Insel Trinidad wurde von
Lesson (Rev. zool. 1839. S. 42), Thriothorus guttulatus aus Mexiko
von LaFresnaye (ebendas. S. 99) aufgestellt.
Beechey's Reise (Zoology p. 18. tab. 4. Fig. 1) lieferte eine
neue Art Zaunkönig, Troglodytes spilurus, supra rufescenti-bruneus,
subtus albescens, crisso nigro-fasciato, gula lineaque superciliari al-
bis; alis caudaque fiisco-fasciatis, hiijus pluinis, quatuor mediis ex-
ceptis, ad apicem albo-maculatis, laterali utrinque pogonio externo
albo-guttato. — Ferner Sialia coeruleocolUs (tab. 3), capite o-ula
collo corporeque superiori coeruleis, dorso interscapulari brunescenti
pectore abdominisque lateribus rufis, hoc inio albescenti.
Der Reguhis modesUis, bisher auf dem einzigen, von Peldegg in
Dalmatien aufgefundenen und von Gould abgebildeten Exemplare be-
ruhend, ist nun auch von Hancock in England wahrgenommen und
von ihm ausführlich beschrieben worden (Ann. of nat. bist. II. p. 3lo).
Dass Bonaparte's Gattung Hcolopacinus identisch mit Vieillot's
Ramphocoenus und diese überhaupt nur als Untergattung von Thrio-
thorus zu betrachten sei, hat La Fr es naye nachgewiesen (Rev.
zool. 1840 p. 33 und 130).
Lesson führt in der Revue zool. 1840 p. 262 von Thriothorus
7 Arten an, von Troglodytes 13, von Ruticilla 10, worunter eine
neue Spezies R. melanura aus demHimalaya; ferner von Cyanecula
eine neue Art: C. fastuosa von demselben Gebirge. Zu Sylviaxis
{Scytalopus Gray) fügte er S. guttatus als neue Species bei (S. 274).
— Von Bogota stammen Merulaxis griseicoUis, senilis und squanüger
(La Fresn. in Rev. zool. 1840 p. 103). M. analis ist ungewisser
Herkunft.
Den Meisen sind drei Arten zugegangen: 1) der Parus leuco-
melas von Rüppell (Abyss. Wirbelth. S. 100. tab. 37. Fig. 2), die
er jedoch mit Swainson's P. leucopterus für identisch hält, dagegen
deren Zusammenstellung mit dem kapischen P. niger als unbegrün-
89
det nachweist (dasselbe zeigte auch La Fresnaye ia der Rev,
zool. 1839. p. 43); 2) der P.seitilis von D üb us aus Neu-Seeland (Bull,
de l'Acad. de Brux. 1839. I. p. 297) und 3) P. quadrivittatus von Ma-
nila (La Fr. in Rev. zool. 1840. p. 129).
Dem Parus flavocrfstatus La Fresn. (Mag. de Zool. p. 80) gab
Lesson den Gattungsnamen il/e/a?iocÄ/or«, und fügte eine zweite
Art, M. Sumatrana, von Sumatra, hinzu (Rev. Zool. 1839. S. 48).
Swainson's Gattung Leiothrix wurde von Horsfield in den
Proceed. VIL p. 162 mit 3 Arten aus Assam vermehrt: L. lepida
si'gnata und ornata. '
Mehrere neue Arten sind den Piepern zugekommen. Von
Rüppell (S.103) der Antkiis sordidus und cinnamomeus ; von Ey-
ton (Proceed. VII. p. 104) der Anthm maluyensis; von Lesson
der Anthus Lhermimeri aus Columbien (Rev. Zool. 1839. p. 101).
Vieillot's Anthus variegatus wurde in der Favorite p. 38 ausführlich
beschrieben und das Weibchen auf Tab. 15 abgebildet. — Corydalla
chileiisis Lesson (Rev. Zool. 1839. p. 101) ist von Chile.
Unter 6 Arten Bachstelzen, die Rüppell aus Nordafrika mit-
braclite, sieht er die Motacilla lotigicauda (ß. 84. tab. 29. Fig. 8)
für neu an. — Eine andere charakterisirt Vigors in Beechey's voy.
p. 18 als Motacilla leucoptera, corpore supra, gula, pectore rectri-
cibusque mediis atris, fronte, striga superciliari alteraque suboculari
ad nucham extendente, abdomine, pteromatibus, remigibus ad basin
rectricibusque duabus utrinque lateralibus albis.
Die Zahl der Steinschwätzer-Arten hat sich beson-
ders vermehrt.
Rüppell (S. 79), der dieser Gattung eine weitere Ausdehnung
giebt, hat 22 Arten in Nordafrika gesammelt, darunter 5 neue: Sa-
xicola rufo-dncrea. luguhris, mclaena, alhifrons und (S. 115) albo-
fasciata. ~ Smith hat in Südafrika 12 Arten zusammengebracht
unter welchen 8 neue: S. ivfuscata (Illustr. n. 7. tab. 28) und ha-
roica, desen Darstellung er noch nachzubringen hat. _ Auch Bee-
chey's Reise lieferte (S. 19) eine bisher unbeschriebene Art: Savi-
cola oenanthoide,, supra brunescenti-cana, subtus rufa, crisso pal-
I.dion; fasca angusta frontali, gula, uropygio basique caudae albis -
remigibus rectricibusque nigris, apice leviter rufescentibus.
Von Neu-Holland ist Gould's Fetroica rosea, und von der
Norfolks- Insel dessen P. pulchella (Proceed. VIL p. 143).
Lesson's Copsychus luteolus (Rev. zooL 1840. S. 226) ist von
Java, seine Kittacincla mehmoleuca (S. 354) von. Indien
Sah Müller und Schlegel haben in den Verhandeliugen over
de natuuri geschiedenis der Nederl. overzeesche bezittingen, Leid
1839. angefangen eine üebersicht der auf dem indischen Archipel le-
benden Arten von Pitta zu bearbeiten, welche jedoch noch nicht
90
beendigt ist und daher erst im nächsten Berichte besprochen werden
kann.
Eine Pitia coccinea von Malaya .beschrieb Eyton in den Pro-
ceed. VIF. p. 104^ eine Timalia jmecilorhyncha (von den Nilgherriea
La Fresnaye in der Rev. zool. 1840. p. 65).
Ein Pomatorliinus ruheculus aus Neuholland wurde von Gould
(ebend. S. 144) aufgestellt. — Lesson zählt in der Revue Zool.
1840. p. 261 von dieser Gattung 8 Arten auf.
0 Certhiaceae, Eine kleine Spechtmeise machte Vi-
gors in der Zoolog, von Beechey's Reise S. 25. Tab. 4.
Fig. 2 bekannt.
Sitta j)yg7naea, supra plumbeo-grisea, subtus alba, abdomine
imo rufescenti, striga a rictu post oculos extendente gracili, remi-
gibus rectricibusque duabus mediis nigris, rectricibus ceteris basi
nigris, medio albo-fasciatis, apice griseis.
Von Certhia trennte Lichtenstein eine eigne Gattung
oder Untergattung Hemignathus ab (Abh. der Berl. Akad.
1839. S. 449).
Das Bezeichnendste für diese Gattung ist die ungemeine Länge
und bogenförmige Krümmung des Schnabels, nebst der Ungleichheit
der Kiefer, indem der untere beträchtlich kürzer als der obere ist.
Doch zeigen sich auch in der Dicke der Tarsen und der Länge der
Zehen und Krallen Abweichungen von den verwandten Bildungen.
Die nächste Verwandtschaft findet mit Drepanis (Melithreptus) ve-
stiaria statt. Ausser der schon länger bekannten Certhia obscura
Lath., die hieher gehört, beschreibt Lichteustein eine zweite, von
ihm aufgestellte Art als Hemignathus litcidus von Oahu, wo auch
die andere Species vorkommtj beide sind auf Tab. 5 abgebildet.
Gleichzeitig mit Lichtenstein's Publikation gab La Fresnaye
in Guer. Mag. de Zoolog. 1839. S. 293 für die nämliche Gattung den
Namen Heterorhynchus an. Da Lichtenstein's Abhandlung jedoch
der Berliner Akademie schon im Jahre 1838 mitgetheilt wurde, so
behält der von ihm gegebene Name Hemignathus die Priorität. La
Fresnaye's Melithreptus {Heterorhynchus) olivucnis scheint mir mit
Hemignathus lucidus identisch j auch rührt er, wie dieser, von den
Sandwichsinseln her. — Lesson stellt diese Art nebst der Certhia
pacificu, obscura und coccinea zu Flcming's Gattung Vestiuria
(Revue Zool. 1840 p. 208).
In demselben Hefte von Guer. Mag. macht La Fresnaye be-
merklich, dass der von ihm in der Revue Zool. 1839. p. 257 als un-
beschrieben angekündigte Orthonyx icterocephulus identisch sei mit
der Certhia heteroclyta Ouoy et Gaim. in der Zool. de TAstrolabe,
dass er sie aber Avegen der fehlerhaften Abbildung nicht eher er-
kannt hätte, bis ihm das ausgestopfte Exemplar zu Gesicht gekora-
91
men wäre. Er liefert nun eioe genauere Besclirelbung mit einer ge-
treuen Abbildung. Hiebei erinnert Ref., dass Lesson seine Gattung
Mohouu! auf diese Art begründete.
Eine andere Berichtigung von La Fre.snaye in Guer.
I\lag. 1840. livr. 7. betrifft seinen Ptilotis auritus.
Denselben hatte er in der Revue Zool, 1839. S. 257 als unbe-
schrieben angezeigt, bald darauf aber ersehen, dass ihn Dubus im
Bullet, des sc. nat. de l'Acad. de Bruxell. Avril 1839 schon als Melli-
jihaga cincta beschrieben und abgebildet hatte. Diese Art ist sehr
ausgezeichnet dadurch, dass auf dem schwarzen Kopfe hinter jedem
Auge ein Büschel weisser Federn hervorragt. Sie bewohnt Neu-See-^
land, und ist von La Fresnaye abgebildet worden.
Meliphaga reticuloides und Ei'dopsarus affinls Lesson (Revue
Zool. 1839. p. 167) sind von Neu-Südwallis.
Von der Gattung Agiiolorhinus hatte Bonaparte nur
eine Art aufgeführt; Fräser fügt ihr in den Ann. of nat. hist.
n. 37 p. 304 noch 4 andere zu.
Die Gattung selbst hat noch keinen festen Platz im Systeme.
Gray zählt sie zu seiner Familie Certhiadae; der Prinz von Mu-
signano, der sie errichtete, bemerkt, dass sie sowohl mit den Sit-
tiiien als SylvicoUnen Verwandtschaft hätte; Fräser betrachtet sie
als eine etwas aberrante Form der Luniaden. Seine Arten sind:
A. Bonapartei, humeralis, personatus und oUvaceus; die 3 ersten von
St. Fe di Bogota, die letzte wahrscheinlich aus Mexiko. — Hiebei
ist zu bemerken, duss Jgr/olo?-kinns synonym ist mit der vond'Or-
bigny und La Fresnaj^e aufgestellten Gattung Se7-rirostriim , die
Letzterer später in üncirosti-tim umänderte. In der Revue Zool.
1840. führt Boissoneau zu den frühern Arten noch 2 andere von
Bogota auf, nämlich S. 4. U. la Fresnayii und d'Orbigiiyi, und La
Fresnaye S. 103 von eben daher einen U. cyaneum und aus Me-
xiko V. Brelayi (Revue Zool. 1839. S. 100) an, welche Arten mit
den von Fräser aufgestellten sorgfältig zu vergleichen sind.
Aus derselben Gegend erhielt La Fresnaye ein neues Cojii-
rostrmn, von ihm C. sitticolor genannt (Revue Zool. 1840. p. 102).
Sitlella leiicojitera, My:iomela erythrocephala, Vlilotis flavescens,
Myzantha lutea und flavigula, Tropidorhynchus argenticeps sind au
dieser Familie gehörige neuholländische Arten, die Gould in den
Proeeed. Vir. p. 143 publizirte.
Lesson stellte in der Revue Zool. 1840. p. 267 einen Cindodes
inornatus von Chili auf. Ebendaselbst giebt er eine Aufzählung der
Arten von Deridrocolaptes , welche Gattung er in 2 Untergattungen
theilt: u) Schnabel gerade {Orthocoluptes) mit 5 Arten, ^vorunter
D. inelanoceps neu; b) Schnabel gebogen {Xiphocolaptes) mit 14 Ar-
ten, worunter ebenfalls eine neue, D. profneropirhyncJius. Einen
Dendrocolapt. affinis aus Mexiko stellte La Fresnaye auf (Revue
92
Zool. 1839. S. 100). Von Ptilotis führt Lesson am obigeu Orte
8 Arten au worunter P. leucotis als neu angesehen wird. Seine
Gattung Cinnyricinclus vermehrt er ebenda S. 272 mit einer C. me-
lusoma vom Senegal.
Wahrscheinlich zu dieser Abtheilung gehört auch die G&i-
tungStrigiceps, welche Lesson (Revue Zool. 1840. p. 266)
aufzustellen sich bemühte. Der Name ist jedoch schon von
Bonaparte für Weihen vergeben. Die Art führt den Namen
St leucopogon; fragweise wird Neu-Holland angeführt.
Von demselben ist ein Xenops Aheillei und SynaUaxis Thelotü
(Rev. Zool. 1840. p. 99) und Synallaxis sordidus aus Chile (Rev.
Zool. 1839. S. 105) publicirt worden. Anahutes Boissonneuutn stammt
von Bogota (La Fresn. in Rev. Zool. 1840. p. 104).
Ein ausgezeichnet schöner Vogel ist der von Delessert in
Guer. Mag. 1840. n. 11 beschriebene und abgebildete CJdorojisis auri-
ventris von Butan, der mit Horsfield's Chloropsis chrysogaster (Vto-
ceed. VII. p. 167) aus Assam wohl die nämliche Art bilden wird.
Für nepalesische Vögel errichtete Hodgson im Journ.
of the Asiat. Soc. of Bengal 1839 n. 1. p. 37 eine besondere
Gattung Sihia.
Ob sie wirklich neu, oder schon mit einem frühern Namen ver-
sehen ist, lässt sich ohne Selbstansicht der Exemplare nicht ermitteln.
Nach Hodgson's Angabe hat sie den Schnabel und die Zunge von
Chloropsis, die Nasenlöcher von Cinnyris, und die Flügel, Schwanz
und Füsse von Cinclosoma. Er zählt zu ihr 3 Arten: S. picaoides,
nigriceps und nipalensis.
Von Cinnyris fand Rüppell (Abyss. W^rbelth. S. 87)
im nordöstlichen Afrika 8 Arten.
Abgebildet sind von ihm C. affinis, gvlaris und Tacaxxe, wovon
die beiden ersten ganz neu sind, während von der letzten das Männ-
chen schon durch Stanley beschrieben worden war. Diese pracht-
volle Art geht bis über 8000 Fuss Meereshöhe hinauf. C. famosus
fand Rüppel bis gegen die Schneeregion auf glockenartigen Blumen,
aus denen diese Vögel mit ihrer laugen, in Zasernbüschel endigen-
den Zunge die Insekten herausholen. Auch Smith überzeugte sich,
dass Insekten die Hauptnahrung der CüiMyris ausmachen. Er fand
in Südafrika 2 unbeschriebene Arten: C. Verroxi und olivaceus, von
denen er jedoch bis jetzt nur die erste N. 11. Tab. 57 dargestellt hat.
— Aus Assam beschrieb Horsfield 2 neue Spezies: C. assamenm
und labecula (Proceed. VII. p. 167). Unbekannter Herkunft ist Les-i
son's C. flaviventer (Rev. Zool. p. 353).
Von der Halbinsel Malaya stammt Eyton's Anthreptes flavi-\
gaster und modesta, so wie sein Dicaeuf/i ignicapilla (Proceed. VII.I
p. 105).
93
Zu dieser Familie rechnet G. R.Gray folgende ven den
neuen Arten und Gattungen, welche Gould in der Darwin-
schen Sammlung auffand (Darwin's Zool. Birds. n. 4):
Zuerst die Gattung Eremobius (von Gray später Enicornis
genannt): ^,Rostrym capitis longitudine seu longius, fere rectum, ad
apicem deorsum curvatum, haud emarginatum;' naribus parvis, basa-
' libus, oblongis, iu sulco positis. Alae breves, rcmigibus primariis
secuudariisque fere aequalibus, pluniis 4, 5, 6-que subaequalibus lon-
gissimisque. Cauda mediocris apice rotundato. Tarsi sublongi an-
tice squamis fere obsoletis induti, lialluce digito medio breviore, di-
gitis lateralibus inaeqnalibus, internis brevioribus." — Eine zweite
Gattung ist £,?■»«« orni 5 : „Rostrura capitis longitudine s. longius, le-
viter a basi ad apicem arcuatum, lateraliter conipressuni, haud emar-
ginatum; naribus magnis basalibus Jinearibus apertis aut partim oper-
culo tectis. Alae brevissimae rotundae, plumis quarta, quinta sexta-
que fere aequalibus et longissimis. Cauda rotundata et graduata,
scapis aliquauto ultra radios productis. Tarsi mediocres, fortiter
scutellati; lialluce digito niedio breviore, robusto, ungue robusto ar-
mato, digitis lateralibus fere aequalibus, interuiediis aliquanto brevio-
ribus. — Die dritte Gouldsche Gattung Dendrodromus ist nach
Gray identisch mit Swainson's Dendroplex.
Die Arten sind: Opetiorhynckus lanceolatus (tab. 20), identisch
mitUppucerthia uigrofuiiiosa d'Orb.; Eremobius fhoenicurus (tab. 8I)j
Synallaxis major (iah. 22); rufogularis (tab. 23), flavogularis (tab, 24)
und brunea. Limnornis rectirostris (inh.Z^i) wnA curvirostris (tab. 25).
Dendrodromus leucosternus (tab. 27). — Zu Limnornis glaubt La
Fresuaj'e 2 andere Arten von Bogota rechnen zu dürfen. L. iim-
rufus und canifrons (Rev. Zool. 1840. p. 105).
^) Mirundineae* IVüppell fand in Abyssinien eine neue Art
auf: Hinmdo pr/stoptera (tab. 39. Fig. 2), McClelland in Assam 2
Species, die Horsfield als h. brevirostris und brevtcaudata publi-
zirte (Proceed. VII. p. 155). — Gould 's H. Jrontalis wurde von
Darwin bei Monte Video gefunden, seine //. concolor nannte er
später Progne modesta (vgl. Darwin's Zool. Birds. n. 3).
IMI, Clatnatores,
Nitzsch vereinigt unter dem Namen der Picariae alle
Luftvögel, welche wederRaubvögelsind, noch den Singmuskelap-
parat besitzen; Blyth giebt denselben den Namen der Strepito-
res. Ref. hält es jedoch für zweckmässiger, die Klettervögel von
ihnen abzusondern, und hieher nur diejenigen Gattungen zu
ziehen, welche Schreitfiisse haben. In seinem Handbuche der
Naturgeschichte hat er ihnen den Namen der Wiedvögel
94
beigelegt; in der lateinischen Nomenclatur kann man sie als
Clamatores (gegenüber den Canoris) bezeichnen.
«) MacrocMres, Von Cypseliis sind mir nur 2 neue
Arten bekannt geworden:
C. leuconotus aus Butan in Indien, von Delessert in Guer.
Mag. 1840. livr. 11 dargestellt. Gehört zu den Arten mit kurzem,
gerade abgeschnittenem Schwänze, dessen Schäfte Avie Stacheln über
die Fahnen vorragen. C.australis wurde vonGouId in Neu-Hollaud
entdeckt (Proceed. VII. p. 141).
Dass die Kolibris beträchtlich weit in die kalten Regio-
nen hineinziehen, ist neuerdings wiederholt bestätigt worden.
Schon Lütke erwähnte, dass die Kolibris in Nordamerika bis
in die russischen Kolonien kommen. Neuere Nachrichten giebt hier-
über E. v, Baer in seinen Beiträgen zur Kenntniss des russischen
Reiches 1839, nach Wrangell's Mittheilungen. Zur Zeit der Him-
beerblüthe erscheinen die Kolibris im ganzen Archipel derKoloschen
südlich von Sitcha. Hiebei bildet die Halbinsel Alaska eine merk-
würdige Grenzscheide, indem die eine Seite derselben von Wallros-
sen, den Bewohnern des Polarkreises, die andere dagegen von den
Kolibris {Troch/li/s riifiis), den Bewohnern der Tropen, besucht wird,
die hier im Sommer bis zu 61" n. Breite hinaufgehen. In Südame-
rika dagegen geht der Trocldlus forficatns von den heissen Gegen-
den Lima's bis zum Feuerland hinab, wo ihn King während eines
Schneegestöbers umherfliegen sah. Wie in Nordamerika wandern
hier die Kolibris während der kalten Jahreszeit gegen die tropischen
Regionen; einige bleiben jedoch während des ganzen Jahres auf
Feuerland (Darwin's Zool. Birds. n. 5. p. 110).
Traill bestätigte, durch Untersuchung des Mageninhaltes, dass
das Hauptfutter der Kolibris Insekten ausmachen, und dass beide
Stücke der Zunge röhrenförmig sind (Ann. of nat. bist. n. 31. p. 296).
Auch Darwin und Eyton fanden im Magen von Trochilus Gigas
nur Ueberreste von Insekten (a. a. O. S, 112 und 154).
Von Kolibris, die bei St. Fe de Bogota gesammelt \vorden, stellte
Fräser in den Ann. of nat, bist. n. 35. p. 151 nicht weniger als 15
neue Arten auf: Trochilus exortis , cupreo-vcntris , urojiygialis, co-
ruscus (ein schon vergebener Name), hrachyrhjnchtis , DerbimmSy
aurogaster, fuscicaudatus, cyanopterus, Gibsoni, angnstipennis, par-
virostris, ßavicaudatus, melanogenys und tyrianthinns. — Von der-
selben Gegend hat gleichzeitig Boissonneau in Guer. Mag. 1840.
livr. 10 und 11 die Beschreibung dreier Arten: Ornismya (eine gräss-
liche Wortbildung) microrliynclia^ Tenmiinckü und cnsifera, wovoB
die letztere Art mit Fraser's Derhianus, O. Temminckü mit dessen
T. cyanopteriis zusammenfällt. Ausser diesen beschrieb derselbe
von Bogota in der Revue zool. 1839. p. 355 noch 2 Arten Or/nsmyaH
Paulinae und heteropogon und 1840 p. 6 fünf andere Arten: Ornts-h
95
mya Bonapurtei^ iorqtiata, paradism und Guerinii, so wie Trochi-
lus La FresnayL Dieselbe Heimath hat Bourcier's Ornismya he-
liodor (Rev. zool. 1840. p. 875), ferner dessen O. Allardi (Rev. zool.
1839. p.294), so wie andere von Lesson in der Rev. zool. 1840.
p. 71 erwähnte Arten. Eine kritische Sichtung der durch mehrere
gleichzeitige Beschreibungen ganz verwirrten Synonymik der Koli-
bri-Arten von St, Bogota ist ein dringendes Bedürfniss. — Ortho-
rhytichus coluhris und Ricordii bildete d'Orbigny ab (Rara. de la Sa-
gra, Cuba tab. 81). — Eine grössere Zahl von De Lattre auf einer
Reise in Amerika entdeckten Arten machte ders. in Gemeinschaft
mit Lesson in der Rev. zool. 1839. S. 13 bekannt. Ornismya Costae
von Californien und 0. lourdanü von Trinidad stellte Bourcier
(ebendas. S. 294) auf. Trochilus CeciUae und Ornismya Delphinac,
unbekannten Vaterlandes beschrieb Lesson (ebendas. S. 43). '
6) Caprlntulginae. Zwei neue abyssinische Ziegenmelker
beschrieb Rüppell in seinen abyss. Wirbelth, S. 105 als Caprimul-
gus tristigma und poliocephalas, wovon der erstere grosse Aehnlich-
keit mit Swainson's Scotornis irirnaculatus hat, aber durch die Fär-
bung des Schwanzes sich unterscheidet. — Einen Podargiis phalae-
noides von der Nordwestküste Neu-Hollands machte Gould (Proceed.
Vir. p. 142) bekannt. Derselbe lieferte in der Darwin'schen Zoologie
(Birds. n. 3) ausführliche Beschreibungen von seinen früher publizir-
ten südamerikanischen Ziegenmelkern, dem Caprimxdgus bifasciatus
iiud parvuhis und Lesson machte in der Revue zool. 2 andere ame-
rikanische Arten Capr. exilis (1839. p. 44) von Chile, und C. odon-
);pteron (1839. p. 105) von den Antillen bekannt.
c) Vodidae* Mc Clelland entdeckte inAssam eine neue Art
Mandelkrähe, Coracias afßnis von ihm genannt (Proceed. VII. p. 164).
Smith lieferte in seinen Illustr. n. 2. tab. 9 eine schöne Abbil-
dung s^mes Merops Bullockoides ; ein nicht glücklich gewählter Name,
da man aus demselben eigentlich schliessen müsste, dass dieser Vo-
gel dem Herrn Bullock ähnlich sähe, während Smith nur sagen will,
dass er Aehnlichkeit mit Merops Bullockii habe.
Zu Nyctiornis (Alcemerops) fügte Lesson eine neue Art bei,
A. paleaxureus von ihm benannt (Revue zool. 1840. p. 262).
Ueber Lebensweise und anatomische Verhältnisse von
Vrionites theilte Jardine (Ann. of iiat. hist. n. 38. p. 321)
einige Notizen mit.
Seine Behauptung, dass „die Muskeln des untern Kehlkopfs, so
weit sie beobachtet werden konnten, in Zahl und Lage denen der
Corviden gleichen," ist offenbar unrichtig, da wir von NitzscU
wissen, dass bei Prionites der Singmuskelapparat fehlt.
La Fresnaye erhielt von dieser Gattung eine neue Art aus
Guatimala, die er Fr. gularis benannte; sie ist die kleinste Spezies
und zeichnet sich überdies durch ein grosses blaues Schild, welches
96
den Vorderhals bedeckt, so wie durch Kleinheit des Schnabels aus
(Rev. zool. 1840. p. 130).
Von Prionites trennte Lichtenstein (Abh. der Borl.
Akad. 1839. S. 449) eine besondere Gattung Ilylomanes ab.
Er charakterisirt sie als eine Zwergform der Gattung Prionites,
aber mit ansehnlich breiterem und geraderem Schnabel und fast ohne
Zähne des Schnabelraudes. Die Art nennt er //. momotnia; das Ge-
fieder gleicht dem der grösseren Arten, nur sind alle. Farben lebhaf-
ter. Die Länge beträgt 6V Zoll, wovon fast 1" auf den Schwanz
kommt. Der Fundort ist Valle real in Mexico,
Gould's Todiis multicolor wurde von d'Orbigny (R. de la Sa-
gra Cuba tab. 23) nochmals abgebildet. Von 6 Individuen, deren
Mägen untersucht wurden, zeigten 2 blos Insekten, während bei den
andern 4 auch noch einige Körner vorkamen. L e s s o n bemerkt (Rev.
zool. 1840. p. 98), dass sein Toihis yortoricensis mit dem T. viridis w.
multicolor vereinigt werden müsse.
d) Ijipoglossae, Die Gattung Buceros hatte R ü p p e 1 1 (Abyss.
Wirbelth. S. 1) mit 3 Arten vermehrt: B. cristatus, limbatits \i. ßa-
vicollis, von welchen letzteren er später (S. 23) selbst bemerkt, das»
ihn Latham schon früher unter derselben Benennung beschrieben hätte.
Ein Buceros hicolor von Malaya wird von Eyton als neue Art
aufgestellt (Proceed. VII. p. 104), und ein Buceros {Tockus) poecilo-
rhynchus vom Senegal von La Fresnaye (Rev. zool. 1839. S. 257)
der indess bemerkt, dass es vielleicht eine Altersverschiedenheit des,
B, hastatus Cuv. sein möge.
Levaillant's Promerops moqueur, der bisher bald die
ser, bald jener Gattung zugewiesen wurde, hat endlich durch
Nitzsch (Pterylographie S. 150) seine feste Stelle unter der
Gattung Upupa erhalten.
Temminck hat ihn zuEpimachus, Lichtenstein zuNectarinia, Cu
vier zu Merops, Latham zu Upupa gezogen, Nitzsch weist nach, I
dass er in allen pterylographischen Verhältnissen, in der Form der
Bürzeldrüse, im Flügelschnitte, und im Skelet mit dem europäischen
Wiedehopf übereinkomme, weshalb er von nun an den Namen Upupa
erythrorjiyncha zu führen hat.
Rüppell (S. 70. tab. 24. fig. 2) entdeckte einen schönen Eisvo-
gel in Abyssinien, Alaedo cyanostigvia.
Zugleich gab er von A. semicoerulea Forsk. eine genaue Be-
schreibung und Abbildung, mit Erläuterung ihres Unterschiedes von
A. senegalensis. Auch machte er bemerklich, dass die in seinem At-
las von Cretzschmar als A. pygmaea beschriebene Art schon früher
von Stanley als A. chelicuti publizirt worden sei.
Mit Alcedo cristata ist nahe verwandt die in derFavorite (S. 56.
tab. 32) beschriebene A. vinlsioides von Madagaskar, die sich aber
,-1
97
schon durch ihren längern und schwarzen Schnabel, der bei jener
roth ist, unterscheidet.
Von La Fresnaye's Ceyx cyano-pectus ist das Vaterland un-
bekannt (Rev. zool. 1840. p. 33).
Einem malayischen Eisvogel legte Eyton (Proceed. VII. p. 101)
Aen^Amen Halcyo7i varia bei; einen neuholländischen benannte Ban-
kier Älcyone ruficollaris (Ann. of nat. hist. VI. p. 394).
IV, Scansore* #. Xygoilactyli,
La Fresnaye schlägt vor, die Zygodactyli in 3 Abthei-
lungen zu bringen: 1) Z. prehensorii (die Papageien) 2) Z.
scansorii (Ficus, Tunx, Picumnus), 3) Z. insessorii
(Kuknk, Pfeflferfresser, Bartvogel etc.). Revue zool. 1840.
p. 257. Auf tiefere anatomische Begründung macht diese Ein-
theilung keinen Anspruch.
a) Gahulidae, Werden von Nitzsch mit den Todidae ver-
bunden.
6) Cuculinae» Centropus superciliosus und monachus sind die
3 neuen Kukuks -Arten, welche Rüppell in Abyssinien entdeckte,
den ersteren gleichzeitig mit Ehrenberg, welcher ihn mit demselben
Namen bezeichnete. Von seinem Indicator diadematus überzeugte
sich Rüppell später (S. 85),dass er mit dem knpischen Indicator
viinor zusammenfalle; dem frankfurther Zoologen bleibt aber gleich-
Avohl das Verdienst, diese Art zuerst genau beschrieben zu haben.
In der Hoffnung, noch zu rechter Zeit mit seiner neuen Gattung
einzutreffen, trennte Hodgson (Journ. of the Asiat. Soc. of Bengal.
1839. n. 2. p. 136) von den ächten Kukuks das Genus Pseudornis abj
Swainson hatte ihm jedoch bereits den Rang abgelaufen und dieser
Gattung schon zuvor den Namen Oxylophus gegeben.
Piaya BrasiUana., aus Brasilien, ist eine von Lesson (R. zool.
1839. S. 41) beschriebene, Saurothera Merlan eine von d'Orbigny
(Ram. de la Sagra, Cuba tab. 25) aufgestellte Art, diese der S. vettila
ähnlich, aber verschieden durch beträchtlichere Grösse, durch den
Schiller der Flügel und des Schwanzes, die graue Stirne und die
rothe Farbe der grossen Schwingen. Die gemeinste Art auf Kuba.
Ein Phoenicopliaus viridirostris aus der Halbinsel Malaya wurde
von Eyton, und ein Ph. Cumingi aus der Insel Luzon wurde von
Fräser publizirt (Proceed. VII. p. 105 u. 113).
Zur Naturgeschichte von Crotophaga erschienen Bei-
träge von Jardine (Ann. of nat. hist. IV. n. 23 u. 25).
Kirk hatte von der Insel Tobago viele Exemplare von Maden-
fressern und Notizen über ihre Lebensgeschichte eingeschickt, Jar-
dine vermuthet, dass sie zu Swainson's Crotopliaga rugirostra ge-
Archiv f. Natiirgesch. VlI. Jahrg. 2. Bd. 7
98
huren mochten, und giebt eine umständliche Beschreibung. Die Sage
dass die Madenfresser ein gemeinschaftliches Nest errichten, konnte
Kirk nicht bestätigen. Dagegen behauptet es Ramon de la Sa-
gt a bei Beschreibung der C. Ani von Neuem (Cuba. Ornithol. p 156)
indem er sagt, dass diese Vögel enorme Nester bauen, die mehreren
Weibchen zugleich dienen.
Vom Trogon paradiseus (T. pavoniiius Tem.) gab C. L. Bona-
parte eine ausführliche Beschreibung (Novi Annali delle Scienze
naturall. Fase. 7. Bologn.1839; daraus in der Isis 1839. S. 611) —
Man kennt jetzt überhaupt 34 Arten dieser Gattung, wovon 23
in Amerika, 10 in Indien, eine in Afrika. Trogott pavoninns von
Spix sieht B. für eine andere Art als den von Temminck mit demsel-
ben Namen bezeichneten Vogel an.
Den Trogon temnurus T. Hess d'Orbigny (Kam. de la Sagra,
Cubatab.36) nochmals abbilden, obschon bereits zwei gute AbbU-
dungen vorhanden waren.
c) Mucconidae, Den Bartvögeln fügte Eyton(Proceed. VII.
p. 105) einen Bucco quadrkolor von der malayischen Halbinsel bei,
Lesson (Revue zool. 1S39. p. 137) einen B. Rafflesii von Sumatra.
Ey 1 0 n errichtete eine neue Gattung Megalorhynclms (a. a. 0 ), die
aber so mangelhaft charakterisirt ist, dass man keine deutliche Vor-
steUung von ihr erhält. Sie steht bei ihm zwischen Bucco und Pi-
cus, M-ird aber wohl näher den ersteren sich anschliessen.
Eine neue Gatt. Calorhynchus stellte Lesson (Rev. zool. 1839.
S. 138, 1810. S. 131) auf, mit einer neuen Art, C. sammnolentus, von
Sumatra.
Von Pogomas machte Rüppell (Abyss. Wirbelth. S. 52) den
P. undatus bekannt. Hinsichtlich des Bucco Saltü, den er Pogonias
Bruai benannt hafte, ersah er später (S. 85), dass derselbe auch
schon venSwainson ^\s Pogonias rubrifrons dargestellt worden war.
d) l^hamphastidae* G o u 1 d ' s Monographie der Ram-
phastiden oder Tukanartigen Vögel; aus dem Engl, übersetzt,
mit Zusätzen und einigen neuen Arten vermehrt von J. H. C. F.'
Sturm und J.W. Sturm. Niirnbg. 1841. 1 Heft.
Die Gebrüder Sturm, durch ihre künstlerischen Leistungen gleich
Ihrem Vater rühmlichst bekannt, haben es unternommen, die Gould-
sche Monographie der Rhamphastiden in's Deutsche zu übertra-en,
und da sie selbst im Besitz einer ansehnlichen Vögelsammlung sind,
ausserdem auch noch von andern Museen unterstützt werden, so
können sie mehr als eine Kopie liefern, wie denn gleich in diesem
ersten Hefte eine neue Spezies, Pteroglossus melanorhynchus , von
Ihnen publizirt wird. An Schönheit der Ausführung messen sie sich
vollkommen mit dem englischen Originale.
E. Blyth ist in der analytischen Beschreibung der zu
99
seiner Ordnung der Strepitores gehörigen Vögel nur nocli auf
,die Familie der Rhamphastiden zu sprechen gekommen (Loud.
magaz. 1839. p. 76).
Seine Zygodaclyli theilt er in 2 Abtheilungen: Picoides und Cu-
culoides; die ersteren wieder in 2 Gruppen: Levirostres und Cunei-
rostres. Zu den Levirostres bringt er 2 Familien : Rhamphastidae
(aus Rhatnjihastos und Pteroglossiis bes(ehend), und Musophugidae
(JCorythaix, Musophaga und Colins). Alsdann folgt die Beschreibung
des äussern und Innern Baues, so wie der Lebensweise der Pfeffer-
fresser, wobei er auf die Verkehrtheit aufmerksam macht, mit wel-
cher man einen total davon verschiedenen Vogel, den Scythrops, blos
seines grossen Schnabels wegen unter den Rhamphastiden einreihen
wollte. Man sieht, dass Blyth so ziemlich auf dieselben Resultate
gekommen ist, wie lange vor ihmXitzsch, und wir wollen hoffen,
dass durch seine ATbeit in England die ornithologische Systematik
durch Berücksichtigung der Anatomie eine festere Grundlage als bis-
her gewinnen möge. Ref. bedauert, dass die von Blyth verspro-
chenen Fortsetzungen seiner Abhandlung nicht erschienen sind.
Von Pteroglossiis Beauharnuisii liess Ej^doux in der Zoologie
der Favorite tab. 10 eine Abbildung anfertigen unter dem Gouldschen
Namen Pt. vioconms, der jedoch nicht beibehalten werden kann, da
Wagler schon 1S32 in der Isis dieselbe Art als Pt. Beauharnaisii be-
zeichnet hatte. — Von Bogota erhielt Boissonneau (R. zool. 1840.
p. 70) eine neue Art, Pt. alLivitta von ihm benannt, die mit Gould's
Aulacorhynchus pavoniims nahe verwandt ist, sich aber durch den
kürzeren Schnabel und die wei.sse Binde, welche ihn seitlich einfasst
auszeichnet. Eine andere Art unterschied Waterhouse als Ptero-
glossus 7ifgrirostris (Proceed. VII. p.lll.), aus der Uebereinstiramung
der Namen lässt sich auf Identität mit der neuen Spezies von Sturm
schliessen, doch habe ich dessen Monographie jetzt nicht zur Hand
um hierüber entscheiden zu können.
d) Picinae» Auch zu den Specliten sind einige Arten
hinzugekommen.
Piais luridus Nitzsch (Pterylograph. S. 137): etwas kleiner als
P. medius, umbrabraun, mit feinen blass ockergelben Ouerlinien am
Rücken, den Flügeln, der Kehle, den Brustseiten und dem Bauch.
Ein länglicher blass ockergelber Streif jederseits des Halses^ zwi-
schen ihnen die untere Vorderseite des Halses tief schwarzbraun.
Das Männchen an der Seite der Kehle mit einem länglich blutrothen
Fleck. Von Sumatra. — Picus chfysogenys Vig. (Zool. of Beechey's
Voy. p. 24): P. corpore supra crissoqiie albo nigroque subgraciliter
fasciatisj pectore abdomiueque medio olivaceis, hoc aureo infra no-
tato; capite supra coccineo, fronte, genis gulaque aureis." Länge
7^ ItoW. —■ Piciis {Chrysonotus) Grajttia Mo Clelland (Proceed. VII.
p. 165) von Assaro. — P. gracilis Lesson (Revue ZooL 1839.
7*
100
p. 41.) — P. Gratehupensis L e s s. (ebendas.) — P. ornntus L e s s. (eben-
daselbst p. 102), alle drei von Mexico. —P. ««rz/roMÄ L es s. (ebendas.
p. 102) und P. tukki (ebendas. p. 167), beide von Sumatra. — P. Rivolii
von Boissonneau (Revue Zool. 1840. p. 36). — Collaptes collaris
Vig. (Zool. of Beechey's voy. p. 34. tab. 9): „C. vinaceo - griseus,
abdomine dorsoque imo albis; fasciis corporis superni, guttis abdorai-
nis, coUari semilunari pectorali, remigibus rectricibusque atris, ha-
rum ambarum rhachibus rubro-aiiranüacis, striga utrinque sab rictu
coccinea." Länge 11". Am Monterey. — Hemicircus irunensEy ton
(Proceed. VII. p. 106). Von Malaya. — d'Orbigny gab Abbildungen
von Colaptes superciUaris Temm. und Fermmdinae Vig. (Ram. de la
Sagra, Guba tab. 23. 34).
y) Vsittacinae* Hist. nat. des Perroquets, troisieme
voluine, pour faire suite aux deux volimies de Levaillant,
contenant les especes laissees inedites par cet Auteur ou re-
cemment decouvertes, par AI. Bourjot Saint-Hilaire; les
figures lithographiees et coloriees avec soiii par M, Werner
Par. 1837 — 1838. Fol.
Hiermit ist diese Fortsetzung des Levaillant'schen Werkes la
100 gut gearbeiteten Tafeln geschlossen.
Interessante Bemerkungen über die Verbreitung und Dauer-
haftigkeit des Psittacus carothiensis rühren vom Prinzen von
Wied her (Reise in das innere Nordamerika I. S. 175).
Dieser Papagei ist um Harmony am Wabasch (in Indiana) zahl-
reich zu finden, und überwintert bei Eis und Schnee. Keine andere
Papageien- Art scheint so viel Kälte zu vertragen als diese. Bei
einem Froste von 11" R, sah sie der Prinz in Flügen munter in den
Waldungen umher ziehen und sich von den Früchten der Platanen
nähren. Say beobachtete sie bei 25" Fahr, unter Null. Bei Pittsburg
sollen diese Papageien nie vorkommen. Nach Warden überwintern
sie am Scioto- River, und im Staate Ohio sollen sie bis zur Parallele
von 39i° hinauf gehen, am Missisippi bis zur Mündung des Illinois-
Flussfis, und einzelne Flüge von ihnen sind bis nach Chicago hinauf
gekommen. In dem wilden Klima des Ohio und Wabasch sind sie
Standvögel des ganzen Jahres.
Das eigene Knöchelchen, welches sich bei den Papageien zwi-
schen dem untern und äussern Rande der Gehöröffnung und dem
hintern Rande des Quadratbeins findet, ist von Em. Rousseau be-
merkt und für dasselbe die Benennung Intercarre - tympano - audi-
tif in Vorschlag gebracht worden. (Revue Zool. 1839. S. 353. pl. 2.
f. 3 — 5).
§) Antphiholae, Rüpp eil lieferte (S. 7) eine kurze Ueber-
sichtderbis jetzt bekannten Turako, denen er 9 Arten zutheilt,
101
Diese sind: Corythaix Persa, Bvjffonü, erythrolophos , porphy-
reolopha und leucotis; Musophaga violacen und gigantea; Chizae-
rliis variegatus und %oma-us. — Unter diesen sind Corythaix leuco-
tis, sowie Chixaerhis xomirus erst von Rüppell aufgestellt.
Den Tiirakos sind seitdem 3 andere Arten zugefügt worden:
Chixaerhis concolor Smith (lUustr. n. 1. tab. 2) aus Südafrika, Chizae-
7-his Feliciae Less. (Rev. Zool. 1839. S.lOl) ebendaher, und Cory-
thaix macrorhynchus Fräser (Proceed.YII.ip. 34), unbekannter Hei-
niath. \ovL Corythaix porphyreolopha lieferte Smith eine schöne Ab-
bildung in seinen lUustr. n. 8. tab. 35.
Ein grosses Verdienst hat sich Rüppell durch seine
vortreffliche Monographie der Gattung Colins erworben (Mus.
Senckenberg. III. 1. p. 39).
Mit Beihülfe schätzbarer Mittheilungen von Lichtenstein ist
es dem Verf. gelungen, die verwirrte Synonymik zu sichten und
Latham's 11 Arten auf 6 zurückzuführen. Diese sind: 1) C. stria-
tus L. Gm., 3) C. erythropus L. Gm., 3) C. leucotis Rüpp. (tab. 2.
fig. 2), Lathams striated Coly, 4) C. nigricollis Levaill., 5) C. qiii-
riwa (C. iiidicus) und 6) C, senegalensis L. Gm. Lichtenstein hat
hierbei nachgewiesen, dass die Gattung auf Afrika beschränkt ist,
indem der sogenannte C. indicus dem Kap angehört. Derselbe hat
ferner darauf aufmerksam gemacht, dass Lathaui's C. viridis nichts
anderes als Glaucopis Temia ist.
V. Colutnhinae»
Von 13 Arten Tauben, die Rüppell (Abyss. Wirbelth. S. 63) auf
seinen Reisen einsammelte, waren 4 Arten unbekannt: Columba
alLitorques, lugens, hronzina und semitorquata.
Beechey's Reise lieferte 3 neue Arten: Columha metallica unA
vionilis. Letztere, welche um Monterey gefunden wurde und auf
tab. 26 abgebildet ist, kommt mit C. Fitxroyii sehr überein, unter-
scheidet sich aber, dass die Weinfarbe nur den Kopf und den unter»
Leib eiuninimt, wahrend sie sich bei C. Fitzroyü allgemeiner aus-
breitet. Auch sind Schnabel und Füsse verschieden gefärbt. Die
Diagnose der C. inetallica, die auf den Bonin -Inseln vorkommt,
heisst: C. capite colloque vinaceo - canis, purpureo - splendentibus,
hoc paliidiore, niicha dorsoque imo metallice purpureis j alis, corpore
infra dorsoque medio metallice viridibus, remigibiis caudaque fuscis.
16" lang. — Von der Columha holiviana d'Orb. und viridis Linn.
lieferte die Favorite auf tab. 23 und 24 Abbildungen; desgleichen
d'Orbigny (Ram. de la Sagra, Ciiba tab. 27 und 28) von C.portori-
censis und inornuta. — Eine auf den Galapagos- Inseln sehr häufige
Art beschrieb Gould als Zenaida galapagoensis (Darwin's Zool.
Birds tab. 46), mit welcher ich die Columbi- Galline des Gallapagos
von Neboux (Rcv. Zool. 1840) vüllig identisch finde.
102
lieber die Fortpflanzung der Ringeltaube in der Gefangenschaft
(bellte K. v. Siemuszowa-Pietruski in diesem Archiv 1840. I. S. 43
einige Erfahrungen mit.
VI» Gallinaceae»
a) MesUinae» Is. Geoffroy (Guer. mag. 1839. n. 5)
machte einen sonderbaren Vogel, Mesites, aus Madagaskar
bekannt, dessen Stellung im Systeme Ref. nicht klar gewor-
den ist.
Wie Is. Geoffroy sagt, kommt er im äussern Habitus und Fuss-
bildung mit den Tauben und namentlich, wegen der Höhe der Tar-
sen, mit Columbigallina überein. Die Flügel gleichen mehr denen
von Penelope und Parraqua. Der Schnabel ist ganz der vonHelior-
nis (Podoa) senegalensis. Is. Geoffroy betrachtet diesen Vogel als
den Typus einer neuen Familie, welche sich unter die Gallinaces
passeripedes, in der Nähe der Tauben, einreiht. G. R. Gray stellt
ihn zu seinem Megapodiinae, zu welchen er auch noch die Menura
zieht. Man wird im Systeme dieser Gattung erst dann eine gesi-
cherte Stelle anweisen können, wenn ihr Knochengerüste bekannt
sein wird. Die Art heisst Mesites variegata (tab. 5. 6); die Haupt-
farbe ist rothbraun, die ganze Länge 10^".
h) ^yrrhaptidae' Die Gattung Pterocies bereicherte A.
Smith in seinen lllustrat. mit 2 südafrikanischen Arten: Pt. giittu-
ralis (tab. 3 und 31) und variegatus (tab. 10). Im Ganzen zählt er
13 afrikanische Arten aus dieser Gattung auf.
c) GaUinae. Hagenbach lieferte interessante „Un-
tersuchungen über den Hirn- und Schädelbau der sogenann-
ten Ilolleiihiihner' (Miiller's Archiv für Anat. 183.9. S. 311).
Ausser der grossen Federhaube, welche diese Rasse auszeich-
net, findet sich noch eine starke Erhabenheit am knöchernen Schä-
del, welche nicht, wie gewöhnlich behauptet wird, von einer Auf-
Ireibung der Scheitelbeine herrührt, sondern lediglich den Stirnbei-
nen angehört. Dieser Knochenhügel, der von verschiedener Form
und Grösse ist, zeigt sich selten ganz verknöchert, sondern enthält
Lücken; die Vorbildung des Schädels bedingt aber auch eine Form-
verschiedenheit des Gehirnes. Dasselbe ist z. B. länglicher und schmä-
ler als das normale Hirn, die einzelnen Theile sind mehr auseinan-
der gerückt; die Hemisphären nehmen nicht hinterwärts, sondern
vorwärts an Masse zu, und zwar mehr in die Höhe als Breite, auch
sind sie bei weitem nicht so symmetrisch gebaut. Der Verf. sieht
diese eigenthümliche Beschaffenheit für eine Hemmuugsbildung und
zwar als einen der Hemicephalie sich annähernden Zustand an.
Das Merkwürdige ist, wie der Verf. mit Recht hervorhebt, dass hier
103
ein abnormer Zustand, welcher in der übrigen Thierwelt nur
als zufällig vorkommt, in einem stehenden, sich durch alle Ge-
nerationen forterbenden Typus übergegangen ist und dadurch
Veranlassung zur Begründung einer besondern Spielart gegeben hat.
Die Rebhühner wurden mit mehreren Arten bereichert:
Von Rüppell sind 3 Arten hinzugekommen: Terdix melanoce-
phala, Erchel^i und gutturalis (Abyss. Wirbelth. S. 10). — Von
Smith in seinen Illustr. FrancoUnus StvaivsoHÜ (tab. 12), natalen-
sis (tab. 13), pileatus (tab. 14) und subtorquatus (tab. 15); im Gan-
zen zählt er 10 südafrikanische Frankoline auf, wovon noch ein
neuer als jp"'. gariepetisis in den spätem Heften beschrieben werden
soll. — Eine sehr zierliche Art, FrancoUnus nivosiis von Pondichery
stellte Delessert in Guer. mag. 1810. lleHvr. dar. — Perdix aeru-
ginonts Eyton (Proceed. VII. p. 106) ist auf Malakka einheimisch. —
Notizen über die in England angesiedelten rothfüssigen Rebhühner
{Perdix rubra) theilte B. Clarke im Mag. of nat. bist. 1839. p. 143
mit. Sie wurden im Jahre 1790 nach England eingeführt, und ver-
breiten sich dort immer mehr, wobei allenthalben die grauen Reb-
hühner da verschwinden, wo sich die rothfüssigen ansiedeln. Die
Jagd auf letztere ist weit schwieriger als auf jene.
Die seltene Orlyx Donglasii ist in der Zoologie von Beechey's
Reise tab. 11 abgebildet worden.
</) Crypturidiie, Hemi'podins Lepurana wurde von A.
Smith (Illustr. n. 4. tab. 16) nördlich von Litaku entdeckt; eine
neue, damit nahe verwandte indische Art benannte er //. Sykesü. —
Hemipodius atrogularis Eyton (Proceed. VII. p. 107) gehört Ma-
lakka, H. castanotus Gould (ebenda S. 145) gehört der Westküste
von Neu-HoUand an.
VMI. Cursore»,
lieber die Lebensweise von Jpteryx australis hat Allan jDu-
ningham einige Nachrichten mitgetheilt (Ann. of nat. bist. IV. p. 312;
Proceed. VII. p. 63), die ganz mit denen von Short übereinstim-
men (vgl. Archiv IV. 2. S. 374).
Aus dem Fragment eines Oberschenkelknochens, der von einem
ausgestorbenen neuseeländischen Vogel herrühren soll, schloss Owen
(Proceed. VII. p. 169), dass auf Neu-Seelaud ein straussartiger Vogel
von der Grösse des Strausses existirte oder vielleicht noch jetzt
existirt.
Von Gould's Rhea Darwinil (Rh. pennata d'Orb.) ist nun die
ausführlichere Beschreibung mit Abbildung erschienen (Darwin's Birds
p. 123. tab. 47).
104
Vm. Grallae*
a) Alectorides. Von seiner Otts afroides gab Smith eine
ausführliche Beschreibung und Abbildung (lUustr. n. 5. tab. 19). —
Rüppell's neue abyssinische Art, Otis melanogaster, ist in seinen
abyss. Wirbelthleren auf tab 7 abgebildet.
b) Fiilfcariae. Smith stellte zwei neue Arten Wasser-
hühner auf: GalUnula Jardlnii (tab. 31) und elegans (tab. 23).
ausserdem lieferte er von Temminck's G. dimidiata eine Abbildung
(tab. 80) mit ausführlicher Beschreibung. — Ausser der Parra afri-
cana fand er eine neue Art auf, die er Farra capensis benannte
(n. 7. tab. 32). — Aus der Darwinschen Sammlung von Südamerika
machte Gould in Darwin's Birds 3 Arten bekannt: Zajiornia notata
(tab. 48) und spüonota (tab. 49), ferner Porphyrio Simplex. — L e s -
son's Ralliis cinnamoineus bewohnt die Küsten von Senegamblen
(Rev. zool. 1840. p. 99).
La Fresnaye errichtete (ebenda S. 231) eine Untergattung von
Ballus unter dem Namen von Brachyptrallus, die sich von Gal-
linula durch kürzern und viel höhern Schnabel, durch die grosse
Kürze der Flügel, die Höhe und Stärke der Läufe, durch kürzern
Schwanz, kürzere und viel stärkere Krallen unterscheidet. Von
Ballus differirt sie durch den sehr kurzen und an der Wurzel er-
höhten Schnabel, durch stärkere und kürzere Läufe und Zehen, und
durch einen viereckig abgeschnittenen Schwanz. Die einzige Art ist
B. ralloides unbekannter Herkunft.
c) Mrodii. Die Bonin -Inseln lieferten eine neue Reiher-Art:
Nycticorax crassirostris Vig. (Zool. of Beechey's voy. p. 27): N.
supra castaneo-rufa, subtus plumisque tribus occipitalibus albis, ca-
pite supra nigroj rostro crasso, subrecto, mandibula inferior! al-
bescenti apice fusco, superiori nigro. Länge 21".
d) Pelargi. Die Lebensweise der Jabiru's (Mycteria
ameiicand) hat Schomburgk (Ann. of nat. bist. n. 32. p. 340)
durch einige Notizen erläutert.
Sie besuchen die grossen Savannen des innern Guiana und die
sumpfigen Gegenden an den Flüssen Poraeroon und Guainia, wo sie
von Mollusken, Krabben, Fröschen und andern Amphibien leben. Am
See Amucu sah sie Schomburgk öfters in Schaaren von mehreren
Hunderten. Ihr Flug ist leicht und gefällig.
e) Memiglottides. Plaialea und Ihis vereinigte
Nitzsch zu einer besondern Familie unter dem Namen He-
miglottides, der sich auf die überraschende Kleinheit ihrer
Zunge bezieht.
Il/is carunculata wurde als eine neue Art von Rüppell ent-
deckt (S. 49. Tab. 13).
105
/) Odontogloftsae. Phoenicoptei'us americaims Seba
ist in R. de la Sagra's Beschreibung von Kuba (Ornith. p. 224
tab. 29) hinsichtlich seiner Lebensweise ausführlich beschrie-
ben worden.
Vom Ph. europaeus unterscheidet er sich dadurch, dass er ganz
roth wird, von Ph. chilensis (Ph. ignipaliiatus) durch dieselben Merk-
male wie auch durch die Schnabelform, die bei letzterem vielmehr ge-
krümmt ist. Er ist gemein auf den Antillen und den benachbarten
Theilen des Kontinents, und brütet gesellschaftlich in ähnlicher
Weise wie die beiden andern Arten. Die Jungen werden in grosser
Menge gefangen und wenn sie etwas älter sind, heerdenweise wie
Sohafe, nach Havana getrieben und das Stück um 5 — 7 Francs an
Liebhaber verkauft. Sie werden so zahm, dass sie die Nahrungs-
mittel von der Hand nehmen, und leben mit dem Hofgeflügel in bester
Eintracht. Das Fleisch Avird nur von armen Leuten gegessen.
g) Iiitnicoliie. Von Recurvirostra occidentaUs , die bei San
Francisco häutig vorkommt, erschien in der Zoolog, of Beechey's
voy. tab. 12 eine Abbildung. — Eine der vielen Entdeckungen von
A. Smith ist sein Vanellus lateralis (Illustr. n. 5. tab. 23); von
Gould seine Squatarola fusca und Totanus ßdiginosus (Darwin's
Birds n. 5. p. 126 und 130). Hlmantopus asiaticus von Pondichery
wurde von Lesson (Rev. zool. 1839. S. 44) aufgestellt.
XX, JVatatorest
Brandt's „Beiträge zur Kenntniss der Naturgeschichte der
Vögel, mit besonderer Beziehung auf Skeletbau und verglei-
chende Zoologie" sind ganz den Schwimmvögeln gewidmet.
Sie sind enthalten in den Memoires de l'Acad. des sc. de St. Pe-
tersb., Scienc. nat. HL le et 2e livr. 1839. p. 81, und behandeln fol-
gende Gegeustäude: 1) Ueber zwei eigenthümliche Formen von Kno-
chelchen, die sich am Schädel mehrerer Schwimmvögel finden. 2)
Beiträge zur Kenntniss der ruderfüssigen Schwimmvogel, in Bezug
auf Knochenbau und ihre Verwandtschaft mit andern Vögelgruppen.
3) Einige Bemerkuugen über Podoa und ihr Verhältniss zu Fulica,
Podiceps und den Steganopoden. 4) Ueber Podiceps und Eudytes als
zwei besondere Typen in der Ordnung der Schwimmvögel. 5) Ue-
ber die Flossentaucher {Impennes s. Aptcnodytäae) als Typen einer
eigenen Gruppe unter den Schwimmvögeln. 6) Ueber den Skeletbau
der Scherenschnäbel {Rliyuchops) in Vergleich mit den Möven, Raub-
möven und Seeschwalben. — Diese mit 29 Tafeln Abbildungen aus-
gestatteten Abhandlungen sind viel zu reichhaltig und zu sehr ins
Detail eindringend, als dass der mir knapp zugemessene Raum er-
laubte, auf sie näher einzugehen. Ich uiuss mich begnügen, sie an-
i
106
geführt zu haben und füge nur noch Brandt's Einth^Iung der Schwimm.
Vögel bei, die er unter 6 Tj-pen vertheilt:
1) Podoidae mit Podoa und FuUca. S) Urinatores mit
4 Familien: Podicipidae, Eudytidae, Aptenodytidae und Jlcadeae.
3) Steganopodes mit 3 Familien: Carhonidae, Tachjpetidae und
Pha'ethontidae. 4) Lofigtpennes. 5) Tubinares. 6) Lamel- .
lirostres.
a) JLongipennes, Temminck's Bemerkungen (in Manuel.
IV. p, 466) über die unnützen Gattungen, in welche das Genus Lartls i
zerrissen wurde, möchten den Ornithologen in diesem, wie in so vie- \ti
len andern Fällen zur Berücksichtigung bestens zu empfehlen sein. — |li
Von den Galapagos- Inseln machte Gould den Larus fuliginosus
bekannt (Darwia's Birds p. 141). — Larus Genei, dem L. ridibundus h
verwandt, aber grösser und durch rosenrothen Schein der Unterseite
ausgezeichnet, auf Sardinien einheimisch, wurde vom Marq. De
Breme aufgestellt (Rev. zool. 1839. S. 321). — Die Mouette a queue »
fourchue aus Kalifornien und die Sterne centre, welche Neboux in i
der Revue Zool. 1840. p. 290 anzeigte, müssen in ihren Artrechten
durch sorgfältige Vergleichung mit den bekannten Spezies erst bestä-
tigt werden.
V) JüuMnares, A.Smitli hat die Gruppe der Sturmvö-
gel mit 5 Arten vermehrt (Illustr. n. 11). '
Sie heissen: Procellaria glacialoides , macroptera, Forsteri und
Turtur, ferner Pachytila Banksü, welche auf Tab. 51 — 55 abgebildet '
sind; ausserdem ist von Puffinus cinereiis Linn. eine Abbildung
gegeben.
c) Unguirostres, Monographisch wurden die Schwäne
von Rüppell abgehandelt (Mus. Senckenberg. III. 1. S. 3). '
Der Verf. geht von der Ansicht aus, dass es zur Errichtung
von Unterabtheilungen unter den entenartigen Vögeln am erspriess-
lichsten sei, ein einzelnes Kennzeichen herauszuheben, selbst wenn
dasselbe vielleicht ganz unwesentlich wäre, ja sogar Combinationen
veranlasse, die nicht als völlig natürlich betrachtet werden könnten.
Als ein solches besonderes Kennzeichen nimmt Rüppell in diesem
Falle die Beschaffenheit der Zügelgegend, und begreift unter Cygnus j
alle diejenigen Arten, bei welchen die Stelle zwischen Auge und
Mundwinkel unbefiedert ist. Hierdurch wird er genöthigt, Anas
cii"-noides, canadensis und melanotus von den Schwänen zu trennen,
diesen dagegen die Anas moschata zuzugesellen. Mit dieser Tren-
nung kann man zwar sich leicht einverstanden erklären, nicht aber
so mit der Versetzung einer ächten Ente unter die Schwäne, wegen
eines so unbedeutenden Merkmales. — Die Arten, welche Rüppell
seiner Gattung Cygnus zuweist, sind: 1) C.Olor, 2)?nusicus, 2) biic-
cinator, 4) Bewickii, 5) nigricollis, 6) atratiis, '7) moschatus, 8)gam'
107
bensis. Letztere Art ist sehr ausführlich beschrieben, auch in einer
guten Abbildung dargestellt; überdies weist Rüppell nach, dass La-
billardiere's Cygne cendre nichts anders als Cereopsis Novae Hol-
landiae sei.
Lesson (Rev. Zool. 1839. S. 321) giebt eine Aufzählung der
Arten derselben Gattung, welche ausser den 6 ersten Arten von
RüppeU den C. anatoides Vig. und den C. immutabilis Yarrell, also
ebenfalls 8 Arten enthält. Die letzte Art, welche noch von Rüppell,
so wenig als im 4ten Theile von Temminck's Manuel, oder in der
europ. Fauna von Schinz aufgenommen ist, auch von Keyserling und
Blasius nur in einer Anmerkung erwähnt wird, scheint gleichwohl
auf Artsrechte immer mehr Ansprüche machen zu dürfen. Eyton
(Monograph. of the Anatidae p. 96) sagt von ihr, dass sie in Grösse
und allen andern Stücken mit C. Olor übereinstimme, ausser in der
Farbe der Füsse, welche gelblich (pedibus flavicantibus, light drab
colour) seien, auch seien die Jungen vom Ausschlüpfen an weiss,
niemals grau oder braun.
Auf die Schädelverschiedenheit zwischen Cygnus olor und
immutalilis machte Pelerin aufmerksam (Loud. mag. of nat.
bist. 1839. p. 178).
„Bei C. immutabilis ist der Schnabel flacher, zumal in der Mitte
zwischen der Kiippe und den Nasenlöchern; die Vorragung an der
Basis des Oberkiefers ist. minder entwickelt und der Zipfel des Schä-
dels, anstatt wir bei C. olor fast in einer Ebene mit der Höhe der
Scheitelbeine zu liegen, erhebt sich allmälig zu diesem Punkte und
hat keine Spur von dem kleinen Loch, das an diesem Theile bei
letzterer Art sich vorfindet. Die grösste Differenz jedoch stellte
sich an dem Hinterhauptsbeine ein: der obere Theil desselben springt
bei C. immutahilis beträchtlich weiter hervor, und es zeigen sich
zwei ovale Löcher, jederseits eines über dem Foramen magnum,
welche bei allen Exemplaren von C.olor fehlen; die Portion, welche
die Grenze der äussern Ohrmündung macht, ist viel vorspringender
und die Gelenkhöcker bilden einen spitzem Winkel mit der Basilar-
Portion des Hinterhauptbeins." Eines der besten Unterscheidungs-
merkmale des C. olor ist, nach Pelerin, das Loch auf dem Schädel-
gipfel, das er nie bei den 3 andern Arten fand.
Eyton untersuchte das Skelet eines Bastardes von der
gemeinen und cliinesischen Gans, u..d zeigte, dass jenes theils
das Mittel der beiden Eltern hält, theils eigeuthiimliche For-
men aufzuweisen hat (Loud. mag. of nat. hist. 1840. p. 90).
Eine neue englische Art von Gänsen unterschied, nach
12 Exemplaren, Bartlett (Proceed. VII. p.2) unter dem Na-
men Ans er pliocnicopus von den verwandten Arten, A,
segetum, cinereus und alhifrons.
108
Seine BeschreibUDg von Anser phoenicopus lautet: Ganze
Länge 28". Scheitel und Rücken dunkelbraun, Gesichtsseiten, Vor-
dertheil des HaJses und Obertheil der Brust lichtbraun, Rücken und
Schultern dunkelbraun, grau überlaufen; jede Feder breit weiss
gerandet, Schultern (Shoulders of wings; und Rumpf aschgraulich;
Priniärfedern braun, mit grau angeflogen; Schwanz bräunlichaschfar- '^
ben, mit breiten weissen Rändern; Untertheil des Leibes, obere und'*
untere Schwanzdecken rein weiss; Beine und Füsse röthlich fleisch- ''
färben (oder pink); Hinterzehe fest verbunden durch die Haut, welche ^
längs des Randes der innern Zehe vorläuft; die Füsse auffallend dick •
und fleischig, Schnabel IJ Zoll lang, schmal und gegen die Spitze
sehr eingezogen; die Basis, Seiten und Nagel schwarz; der Kaum
zwischen dem Nagel und Nasenlöchern röthlich fleischfarben (oder
pink); angeschlossene Flügel Ih Zoll über den Schwanz reichend."
Von der Saatgans unterscheidet sich diese Art durch geringere
Grösse, kleinern, vorn mehr zusammengezogenen und anders ge-
färbten Schnabel, durch mehr Grau an Rumpf und Schultern, durch '
anders geformte und gefärbte Füsse, die bei der Saatgans gelblich '
orange sind. — Pelerin fügt in Loud. mag. of nat. bist. 1839. p. 180 '
die Bemerkung bei, dass der Schädel nicht dem der 3 andern ächten
Gänse, sondern dem von Anser Bernicla gleiche. j
Eine neue europäische Art führte Bai Hon als Anser hrachy-
rhyjichus auf, und Temminck recipirte sie im 4ten Theile seines
Manuel p. 520. Da diese Art beträchtlich kleiner, der Schnabel auf-
fallend kürzer als bei der Saatgans angegen wird, da sie sich ferner '
von letzterer durch einen rothen Fleck auf dem Schnabel, rothe \
Farbe der Füsse und grauen Anflug des Mantels unterscheiden soll, '
so vernmthet Ref., dass sie mit A. phoenicopus identisch sein möchte.
Jedenfalls Ist Brehm's und Naumann's Anser arvensis eine hiervon
verschiedene Art.
Den seltenen Anser melanopterus Eyt. bildete Gould in Dar-
win's Bird's tab. 50 ab.
Eine neue Enten -Art von der Insel Luzon publizirte Fräser
als Anas liizon/ca (Proceed. VII. p. 113). — Vigors lieferte Abbil-
dungen von Anas Carolinensis Grael. u. seinem Urophasianus (7iOo\.
of Beechey's voj'. tab. 13 und 14); erstere Art betrachtet auch Tem-
minck (Man. IV. p. 539) als spezifisch verschieden von unserer Krick-
ente. — Proctor (Ann. of nat. bist. IV. p. 104) gab einige Bei-
träge zur Kenntniss der Anas Barrowi'i, und bestätigt es, dass A,
Clungula auf Island gar nicht verkomme — Ueber die systeraatischfti;
Stellung von Anas coscoroba {Cygnus anatoides) erschienen einige
Bemerkungen in der Favorite p. 62. — Die allbekannte Anas sponsa
wurde unnöthiger Weise nochmals abgebildet, in Rani, de la Sagra,
Cuba, tab. 30. — In den Preuss. Provinzialblättern 1840. S. 61 machte
v. Siebold bemerklich, dass Anas Stelleri in Preussen mit andern
nordischen Vögeln crächcinc.
109
d) »teganopodes. Eine klare und gründliche Ausein-
andersetzung der Pelikan - Arten verdanken wir Lichten-
stein (Abh. der Berl. Akadem. 1839. S. 433).
Zu dieser Auseinandersetzung gelangte er, indem er auf scharf-
sinnioe Weise das Verhalten der nackten und befiederten Stellen um
die Schnabelwurzel zur Diagnostik der Arten benutzte. Er stellt
7 Arten auf: 1) P- Otiocrotalus, Schneppe sehr lang zugespitzt, fast
bis an die Hornscheide des Schnabels reichend j der Winkel hinter
dem Auge etwas kleiner als ein rechter; die Federbacke vorn breit
zugerundet, die Hornscheide der Kieferäste nicht erreichend. Haube
aus sehr schmalen kurzen Federn. Rücken- und kleine Deckfedern
der Flügel nich't auffallend durch Länge und Verschraälerung. Tar-
sen 4", Mittelzehe ohne Kralle 5". — 3) P. miti'utus Licht., Schneppe
verkürzt, lange nicht bis an die Hornscheide reichend^ der Augen-
winkel einem rechten gleich; Federbacken wie beim vorigen. Haube
schon vom Scheitel anfangend, aus 4 — 5" langen, 1 — lA Linien brei-
ten Federn gebildet. Rücken- und Deckfedern auffallend lang und
schmal, um \ länger als bei vorigem. Tarsen 4", Mittelzehe eben-
soviel. Südafrika. — 3)P. cri'spus Bruch., Schneppe sehr breit, die
Basis der Hornscheide ganz umfassend; Augenwinkel kaum 30"; Fe-
derbacke bis an den Schnabel vorgezogen. Haube nebst Federn des
ganzen Kopfes und Halses in maünigfachen Drehungen gekräuselt. —
4) P. rufescens Rüpp., Schneppe wie bei vorigem; Augenwinckel
zugespitzt, aber grösser als bei P. crispus; Federbacken mit beiden
Zipfeln die Basis der Unterkinnlade eng umfassend. Haube aus 4"
langen, 3"' breiten, ebenen Federn. Rückenfedern ohne (bei P. cri-
spus mit) schwarzen Schaftstrich. — 5) P. trachyrhytichas Lath..
Schneppe sehr breit, nicht ausgerandet, sondern stumpfwinkelig zwi-
schen den Nasenlöchern auslaufend; Augenwinkel gross; Federbackea
2" weit über die Basis der "Kinnlade vorlaufend. Nordamerika. —
G) P. fuscui L. Gm., Schneppe ziemlich breit, bis zum Schnabel-
rücken verlängert; Augenwinkel klein; Federbacken sehr verkürzt,
schon 1" breit vor der Kiunlade aufhörend; Kehlsack bis weit über
die Mitte des Halses hinabsteigend ; Tarsen 2l'\ Südhälfte von Nord-
amerika. 7) P. co7ispicillatus Temm. Neu Holland. Von den 6 ersten
Arten sind die Köpfe auf einer Tafel abgebildet, auf einer andern
der P. trach/rhynchus.
Da Lichtenstein's Arbeit der Akademie zu derselben Zeit vorge-
legt wurde, in welcher Rüppell's Notizen über die europäischen
Pelikane erschienen (Mus. Senckenherg. II.), so konnte er von des
Letzteren neuen Art, dem P. minor noch keine Kenntniss haben.
Desto mehr ist es befremdlich, dass Temminck sie 1840 in seinem
Manuel nicht aufgenommen hat, da sie, wie Ref. nach eigner Ver-
gleichung eines alten männlichen Exemplares aus Jassy fand, eine
gut begründete Art ist, deren Verschiedenheit von P. Otiocrotalus
110
Keyserling und Blasius (Europ. Wirbelth. S. 234) am Schärfsten aus-
einander gesetzt haben. Auch Lichtenstein's P. tn/lrafiis ist eine |j
gut unterschiedene Art, Mie Ref. durch ein Exemplar der hiesigen i
Sammlung, das ihr vom Kap zukam, belehrt worden ist. '
Zu bemerken ist noch, dass der vom Prinzen von Wied (Reise
in das innere Nordamerika. S. 318) angeführte F. hrachydactylus von
Lichtenstein identisch ist mit des Letzteren F. trachyrhynchus. \
Eine neue Spezies der Kormorane stellte Brandt als
Carho nudigula auf (Bullet, de l'Acad. de Petersb. VI. n. 19).
Habitus Carbonis graculi L. Rostrum raediocre, nigricans, albo-
adspersum. Lora, regio ophthalmica, mandibula infra oris angulum
et gula tota infra mandibulae basin nuda. Pars gulare nuda, linea
penuata arcuata, atra terminata. Caput, dorsum, pectus, abdomen,
uropygium et crissum atra, obscure virescentia. Tempora et gulae
pars pennata fuscescentia. Humerales et tectrices alarum minores
et mediae cum parapteri pennis apice rotundatae, cinereo-fuscae,
margine atro satis late limbatae. Cauda atra mediocris. Länge 30",
Heimath angeblich Indien. Der brasil. Kormoran ist verschieden durch "^
die minder von Federn entblösste Kehle, durch schmälere und spitzi- '^
gere Schulter- und Fiügeldeckfedern, die mit einem schmälern schwär- s
zen Rande umgeben sind, so wie dadurch, dass die nackten Theile .].
der Kehle von kleinen weissen Federn umgeben sind. ^,
Ueber die Naslöcher der Tölpel handeln einige Bemer-
kungen von Schlegel (V. d. Iloeven tijdschrift VI. p. 168; /,
Isis 1840. S.397). *
Nitzsch hatte den Tölpeln überhaupt die Nasenlöcher abgespro- iit
chen. Nach Schlegel's Untersuchungen sind sie aber bei Dysportis (üt
melamirus und albus vorhanden, fehlen dagegen wirklich bei D. pi-^
scatrix und parvus. '''^
Pufßmis Llierminieri ist eine von Lesson (Revue Zool. 1839. '"
S. 108) aufgestellte Art von den Antillen. (■
e) Vy^opodes, In der Zoolog. ofBeechey's voy. p.32j.,
ist von Vigors ein Mergulus c'trrlwcephalns aufgestellt. n,
M. capite supra, nucha, coUo anteriori, abdominis lateribus pti- i^j
lisque nigris; dorso, alis caudaque plumbeo-griseis; colli lateribus,
pectore, abdomine, plumis subelongatis decompositis capitis cirrhum
longitudinalem efformantibus a vertice ad nucham utrinque extenden-
tem paucisque nuchae laterum albis." Länge lOJ". Der Schnabel
ist kürzer und gebogner als bei Uria, und viel zusammengedrückter
und schwächer als bei Mergulus.
Der Herausgeber des Mag. of nat. hist. 1839. p. 313 tischt seinen L
Lesern die Novität auf, dass ein Schiffer die Entdeckung gemacht
habe, dass der King Penguin eigentlich ein Beutelthier sei, indem ||
er sein Ei zur Ausbrütung 7 Wochen lang in einem Beutel am Bauche
trage ! !
111
Bericilt über die Leistungen in der Naturgesclüchte
der Amphibien, während der beiden Jahre
1839 und 1840.
Von
Dr. F. H. Troschel.
Zu den bedeutendsten Erscheinungen über diese Klasse
ist Dumeril's und Bibron's Herpetologie generale ou
Histoire naturelle complete des Reptiles zu rechnen. Es er-
schien von dieser umfassenden Bearbeitung der Amphibien im
Jahre 1839 der 5te Band, der den letzten drei Familien der
Saurier gewidmet ist.
Die erste derselben {Lacertiejis ou Sauriens autosaures) enthält
64 Arten in 19 Gattungen, unter denen 6 neue: Neusticurus {Lacerta
biearinata Linn.), Aporomera {Lacerta americana st'n^ulan's Seba.
und Äineiva coelestis d'Orb.), Salvat or {Podinema und Cte7iodonMVag\.
Wiegm.), Dicrodon (eine neue Art), Calosaura {Le:iard de Le-
schenault Milne Edwards). — Die zweite (Clialcidiens ou Cyclosau-
res) enthält 45 Arten in 16 Gattungen, unter denen 3 neue: Triho-
lonotus {Zonurus Novae Guineae Schlegel), Fantodactylus
{? Leposoma Spix ,? Lepidosoma Wagl. Wiegm.), Ecpleopus (eine
neue Art). — Die letzte Fam. endlich (Scincoidie?is ou Lepidosaures) ent-
hält 96 Arten in 32 Gattungen, unter denen 11 neue: Tropidopho-
rus {Leposoma Cuv. non Spix, Tropidosaurus Gray non Boie),
■Amphiglossus {Keneux de l'Astrolabe Coct.), Gongylus (Exipre-
,pes Wiegm., mit den üntergatt. Gongylus Wiegm., Eumeccs Wiegm.,
\Euprepes Wagl., Plestiodon Dum. Bibr., Lygosoma Gray, Leiolo-
-/yjma Dum. Bibr., Tropidolopisma Dum. Bibr.), Cumpsodactylus
\ {Hagria Vosmaeri Gray exci. syn. Scmcus Vosmaeri, Coct.), Hete-
XTomeles (eine neue Art von Algier), Chelomeles (eine neue Art
von Neu -Holland), Brachymeles (eine neue Art von den Philip-
npinen), Brachystopus (eine Art vom Vorgebirge der guten Hoflf-
iinung), Praepeditus {Soridia lineata Gray?), Ophiomorus {An-
^gms miliaris Fall.), Dibamus (eine neue Art von Neu-Guinea.) -
e Es sind viele neue Arten beschrieben und ein sehr reiches Material
112
benutzt. Deshalb ist jedenfalls das Werk allen Herpetologen eine
sehr willkommene Erscheinung.
Von Bonap arte's Iconografia della Fauna Italica er-
schienen während des Jahres 1839 die Lieferungen 24 — 26,
und im Jahre 1840 die Lieferung 27, wenigstens ist mir keine
weitere zu Gesicht gekommen. Sie sind ganz nach dem frü-
heren Plane und mit derselben Sorgfalt gearbeitet und -enthal-
ten viele Abbildungen von Amphibien. Der Text handelt noch
nicht von allen abgebildeten Arten, sondern nur in Lieferung
24 von Biifo vulgaris, viridis und calamita Laur., Discqglos-
sus sardusTscXwiAi; in Lief. 25 von Zootoca viviparaV^ag].,
JSotopholis Fitzingeri Wiegm., Fsammodromiis Edward-
siemus Dum. Bibr., Acanlhodactylus Boschianus {vulgaris
Dum. i3ibr.), Phyllodactylus europaeus Gene; in Lief. 26 von
Salamandra corsica Savi, Euproctus plafycephalus Bonap.
{Molge platycephula Otto, Euproctus Rusconii Gene), Tri-
ton alpestris Laur.; in Lief. 27 von Chersus marginatm
Wagl., JSatrix Cctti Gene.
Der zweite Band von H. Schinz Europäische Fauna
oder Verzeichniss der Wirbelthiere Europa's, Stuttgart 1840,
enthält die Amphibien und Fische. In dem Abschnitt über
Amphibien, der bis p. 78 reicht, werden 7 Chelouier, 35 Saii-
rier, 33 Schlangen und 39 Batrachier, also im Ganzen 114Am-|
phibien als zur Fauna Europa's gehörig aufgeführt. Im Allg
meinen eifert Verf. gegen die Unterscheidung zu vieler Gat
tungen, und glaubt, das Studium und die Unterscheidung dei
Arten werde dadurch erschwert. Von neuen Arten finden siel
nur zwei Eidechsen: Lacerta lineata und olivacea.
J. E. Gray bearbeitete in: the zoology of captain Bee-
chey's Voyage, London 1839, den Abschnitt über Amphibien,
Derselbe ist von 4 Tafeln begleitet, welche sehr sauber aus-
geführt sind und theils schon bekannte, theils neue Arten m
allen Ordnungen darstellen.
Von Ramon de la Sagra Historia natural de la Isli
Cuba, welche bereits in diesem Archiv V. 2. p. 388 erwähn
ist, erschien auch in der französischen Ausgabe der Abschnit
über Amphibien von Th. Cocteau, der die Chelouier ud(
Saurier enthält. Ihm schliesst sich der Anfang der Fortsetzung
welche G.Bibron bearbeitet, an. Diese beginnt mit der Gat 1
113
tung Typhlops (T. Ciibcie Bihr.) und uird ferner die Schlan-
gen und Batracliier enthalten.
In Moritz Wagner's Reisen in der Regentschaft Al-
gier etc. Erster Band, Leipzig 1841, bearbeitete Schlegel
den Abschnitt über Amphibien. Es werden 2Chelonier, 11 Sau-
rier, 4 Ophidier und 5 Batrachier als aus der Sammlung des
Hrn. Wagner stammend aufgeführt, zu denen Verf. noch ein
Verzeichuifs von 18 Arten, von denen jedoch einige gewifs
mit den beschriebenen zusammenfallen, hinzufügt, die meist
von Gervais bereits früher als aus Algerien stanmiend genannt
sind. Im Allgemeinen stimmt die Amphibienfauna ziemlich
mit der südeuropäischen überein. Fast alle Arten finden sich
nämlich auch im südlichen Spanien, Italien, Dalmatien oder
Griechenland, und nur Stenodaciylus guitatus, Lacerta giit-
tulata und Triton Poirctu gehören Africa ausschliefslich an,
und verbreiten sich mehr oder weniger auf der Nordküste bis
Aegypten und Nubien, die erstere soll sogar sich bis zum Cap
erstrecken. Neue Arten werden nicht beschrieben, wenn nicht
die unter dem Namen Bufo maiuitanicus aufgeführte und nijt
B. viridis und arabicus verglichene Kröte wirklich eigene
Art ist. Ueber den Fundort und die Lebensweise finden sich
den einzelnen Arten zugefügte Bemerkungen vom Reisenden
selbst. Nur eine Art, die Amphishaena JYiegmanni ist von
Detailzeichnungen begleitet auf der 7. Tafel abgebildet.
Von Andrew Smith's Illustrations of the Zoology of
South Africa etc. London erschienen im Jahre 1838 die Lief.
1 — 4, im Jahre 1839 die Lief. 5 — 8 und im Jahre 1840 die
Lief. 9 — 12. In fast allen Lieferungen sind colorirte Abbil-
dungen neuer Amphibien gegeben, und da das Werk wohl
nicht in den Händen vieler deutscher Zoologen ist, so scheint
es zweckmäfsig, die Diagnosen der neuen Arten unten mit-
zutheilen.
Von Ph. Fr. vonSiebold's Fauna Japonica sind die
Saurier, Batrachier und Ophidier, bearbeitet von Temminck
und Schlegel, in zwei Lieferungen erschienen (über die Chelo-
nier bericlitete Wiegmann früher Bd. II. 2. S. 259.) Die Ein-
leitung zu den Amphibien, in der sich interessante Mittheilun-
gen über ihre Verbreitung und Lebensweise finden, ist von
v. Siebold selbst abgefafst.
Archiv f. Nalurgcsch, VJI. Jahrg. 2. Bd. C
114
Ira Ganzen finden sich in Japan 29 Amphibienarten, von denen
7 das anspülende Meer, 82 das Land und das süsse Wasser bewoh-
nen Unter ersteren sind 3 Chelonier und 4 Ophidier; von den letz-
teren kommen auf die Chelonier 2, auf die Saurier 3, auf die Ophi-
dier 6 Arten; der Batrachier sind 11, und unter diesen gehören 5 den
geschwänzten Batrachiern an. Im Allgemeinen tritt das Bestreben
hervor, die Arten zusammenzuziehen und sie, oft aus den entfernte-
sten Gegenden der Erde, als Localvarietäten einer Art zu betrach-
ten So werden der Sdncus von Japan, Sc. bicolor Harlan, Sc. ery-
throcephalus GiUiHms als Altersverschiedenheiten einer Art quinque-
Hneatus angesehen. Die Kröte von Japan gilt als Varietät von
Bufo vulgaris; ebenso sollen Rana esculenta, temporarm und Hyla
arborea auch in Japan vorkommen. In Anmerkungen unter dem Text
werden noch mehr Arten zusammengezogen. So soUen die Spixschen
Arten Bujo viaculiventer, scaber, donalis, ornatns, albicans, tctert-
CMS, scabiosus, semiUneatus sämmtlich zum Bufo agna fallen, und
mehreres Andere. Die neuen Arten sind unten angeführt.
Eine Abhanaiung über verschiedene Arten neuer oder
wenig gekannter Amphibien las Berthold in der Königlichen
Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttiugeu (Institut 1840.
pag. 323.) . Tri •
Sie besteht aus folgenden Theilen: 1. Uebcr die Amphibien Klein-
asiens- sie schliessen sich an die Fauna des Kaspischen Meeres,
zwei neue Arten siehe unten. 2. Ueber die Untergattung Bron-
choceles Kaup. Er hält die J9. cristatella Kühl und B. jubataDum.
Bibr welche beide vereinigen wollten, für verschieden. 3. Ueber
die Gattung Dr«co«Mra Wagl. Die neue Art s. unten. 4. Sieben
neue Arten von Schlangen s. unten.
Boie (Naturhistorick Tidsskrift utgivet af Kroyer IIL
p. 207.) hat über die Sitten und das Vorkouinien mehrerer
Amphibien Beobachtungen mitgetheilt.
Die Bemerkung, dass die Klapperschlangen ihre Beute zuerst
durch den giftigen Biss tödten und sie dann verschlingen, kann ich
bestätigen, da eine kleine Klapperschlange, welche jetzt im Berliner
zool Museum lebt, mehrmals Mäuse auf diese Weise verzehrte; ein-
mal vier Stück in einem Tage am 22. October dieses Jahres. Sie
verschlang drei im Laufe des Nachmittages, eine während der Nacht,
nachdem sie jedoch zuvor alle vier getödtet hatte.
Man dl beschreibt (Ann. d. sc. nat. XII. p. 291.) die
Schuppen von Caeciiia und Lepidosaurus.
Bei ersteren besteht die obere Schicht aus Zellen oder Körnern
wie beim Aal. Diese Zellen liegen in concentrischen Linien um den
Herd.- Bei letzteren ist die Oberfläche durch ein Plättchen getheilt;
die Plättchen der Grundfelder und der Seitenfelder sind mit Stachel-
115
chen bedeckt, deren schwarze Spitze nach dem Mittelpunkt der
Schuppe gerichtet ist. Das Endfeld ist von der Haut überzogen und
seine Plättchen sind statt der Stachelchen mit Wülsten bedeckt, wie
wenn die Haut die Wurzel des Stachels verhindert hätte sich zu erheben.
Von Vogt erschienen mehrere Arbeiten über einzelne
Theile <Ier Anatomie der Amphibien: Beiträge zur Anatomie
der Hirnnerven der Schlangen (Müllers Archiv 1839. p. 39.);
Beiträge zur Anatomie der Amphibien, Bern 1839, worin das
Herz von Python Tigris beschrieben und abgebildet ist; Bei-
träge zur Neurologie der Reptilien. Neufchatel 1840.
J.Müller las in der Akademie zu Berlin über eine eigeh-
thümliche Bewaffnung des Zwischenkiefers der reifen Embryo-
nen der Schlangen und Eidechsen (Frorieps Neue Notizen XIII.
p. 152; Institut 1840. p. 211.).
Man dl bemerkt in einer Notiz über die Blutkügelchen des Pro-
teus und des Crocodihis liiciiis Citv.j dass dieselben bei letzterem sich
durch ihre längliche Gestalt auszeichnen, indem sie 21 bis 3 mal so lang
wie breit sind; bei andern Thieren erreicht ihre Länge höchstens das
Doppelte der Breite. (Ann. d. scienc. nat. XII. p. 889.)
Dutrochet (Recherches sur la chaleur propre des ani-
maux a basse temperature. — Annales des sc. nat. XIII. p. 5.)
stellte sehr genaue Untersuchungen über die Temperatur der
kaltblütigen Thiere mittelst eines thermo-electrischen Appa-
rates an, wodurch er die eigenthümliche Temperatur dieser
Thiere im Allgemeinen geringer fand, als es frühere Auto-
ren angegeben hatten. Die Versuche wurden in trockener
Luft, in feuchter Luft und im Wasser angestellt, und immer
mit der Temperatur eines todten Thieres derselben Art ver-
glichen. Im ersteren Falle war die Temperatur stets etwas
höher. Im Allgemeinen fand sich die Temperatur um so nie-
driger, jemehr das Thier auf das Leben im Wasser angeweisen
war. So war di*^ Temperatur der Lacerta agilis 0,18 — 0,20"
C, die von .Bw/b obstetricans hsAv. 0,i2^ Q. und dievonßö/m
esculenta 0,04 — 0,05" C. Bei den Larven des Frosches und
der Kröte, so wie überhaupt bei solchen Thieren, die mit Kie-
men athmen, konnte keine höhere Temperatur, als die des
umgebenden Mittels wahrgenommen werden.
A., Chelonii»
C. A. Lesueur reichte der Akademie zu Paris Zeich-
nungen ein, welche zwei von der Harnblase unabhängige Bla-
8*
116
sen nachweisen sollen, die sicli bei allen Fliifsschildkröten
finden. Sie liegen jederseits vom Rectum und münden in die
Kloake. Schon Perault (Mem. de l'Acad. 1666—1669. tome III.
3^ partie) und Martin (Journ. de la Soc. Zool. de Londres p. I.
1830 — 1831) haben sie bemerkt, haben sie jedoch für zwei
Urinblasen gehalten. (Institut 1839. p. 350.)
lieber die Lymphherzen der Schildkröten las J. Müller in
der Akademie der Wissenschaften (Abhandl. d. Akad. d. Wis-
sensch. zu Berlin für 1839. p. 31. Müllers Archiv 1840. p. 1.
. Institut 1840. p. 135.)
W. Wilcox erzählt, dass eine grosse Schildkröte vou 4' 5" Länge
und 8' 9" Breite an der Küste von Devonshire angespült sei. Ihr Ge-
wicht wurde auf etwa 200 Pf. geschätzt. Der Richtung der herr-
schenden Winde nach vermuthet derselbe, dass sie eine Bewohnerin
der Azoren sei; er spricht sie für Chelonia caretta (Testudo caretta
Linn.) an. (London Mag. of nat. bist. New series IV. p. 136.)
Neue Arten sind:
Testudo seviiserrat a Smith (I. c.): siipra brunneo-nigraj
scutorum areolis et radiis ab illis divergentibus, subochreis; infra
flava radiis brunneo-nigris variegatis. Scuto nuchali triangulari; pe-
dibus anterioribus pauluin supra ungues antice squauiis maguis tu-
berculosis obtectis; mandibxila snperiore uncinata. —
T. Verroxii id. ib. tesfa supra nigro-brunnea, maculis radiis-
que pallide ochreo-flavis variegatis; infra flava, fascia lougitudinali
brunnea inter scuta gularia et anum; capite supra subflavo; pedibus
anterioribus antice squaniis imbricatis niagois tectis; scutis niargiua-
libus angulum scutis costalibus forniantibus.
Emys oregonensisUaTlsin ist olivenbraun mit gelbenschwarz-
gesäumten Strichen. Schale ziemlich oval und niedergedrückt, vor-
dere Randplatten sehr tief, Brustbein länglich, in der Mitte etwas
schmäler, vorn ausgerandet, gelb und schön mit schwarzen krummen
Linien verziert; Kopf massig, Oberkiefer vorn etwas gespalten. (Aus
Silliman American Journ. No. 64. 1837. in der Isis 1840. p. 177.)
Sternot herus sinuatus Smith (1. c): capite pallide stra-
mineo-brunneo raarmorato; capitis lateribus viridi-Qavis; collo li-
vido-brunneo, pedibus slramineis maculis brunneis variegatis; testa
supra viridi-bruunea, subtus aurantia, rubri-brunneo marginata; un-
guibus rubri-brunneis; mandibula superiori apice emarginato; infe-
riori apice acuminato, sursum producta.
Eine Art der Gattung GymnopusUnm.BWiT., welche in der Me-
nagerie der Zoological Society gelebt hatte und vom Euphrat her-
stammte, wurde in gedachter Gesellschaft vorgelegt und von Martin
beschrieben. Sie weicht zwar in etwas von der Beschreibung des
117
G. Enphrati'cus ab, ist aber doch wohl mit ihm identisch. (Annals of
nat. hist. VI. p. 517.)
J. Natter er macht in den Annalen des Wiener Museums
der Naturgeschichte etc. Band II. Abtheil. II. "Wien 1839 seine
mit Fitzinger angestellten Untersuchungen über die südame-
rikanischen Alligatoren bekannt, welche sich vorzüglich auf
die strenge Unterscheidung der Arten und Berichtigung der
Synonyme beziehen. Ausser der ausschliesslich der nörd-
lichen Hälfte von America angehörigen Champsa Lucius wer-
den acht Arten unterschieden:
Champsa nigra (JCaiman ntger Spix, Crocodilus YiacöreDaud.)
Brasilien, Cayenne. — Ch. fissipes (Caiman fissipes Spix, Allig. scler-
ops Neuwied, Yacare Azara, Croc. latirostris Daud., Allig. sclerops
und fissipes Wiegni., All. ojnocephalus Dum. Bibr. z. Tbl. (Brasilien,
Buenos AjTes. — Ch. sclerops {Cr. sclerops Schneider, Cr. Caiman
Daud., All. cynocephalus Dum. Bibr. z. Tbl.) Brasilien, Caj'enne, Su-
rinam.— Ch. vallifr ons (^All, pnnctulutus Spix z. Tbl.?) Brasilien.
— Ch. punctulata (Jacaretinga jnmctnlata Spix, All. pnnctulatus
Wiegm., Dum. Bibr., Champsa sclerops Wagl. z. Tb.) Brasilien, Mar-
tinique. — Ch. trigonata {Cr. trigonatns Schneider, All. trigona-
tus Cuv.^ All palpehrosus Var. 2. Gray, Dum. Bibr.) Brasilien. — Ch.
palpebrosa {All. palpehrosus Cuv., All. palpehrosus Var. 1. Gray.,
Dum. Bibr.) Brasilien, Cayenne. — Ch. gihbiceps n. sp. capite tri-
angulari-oblongo, gibbo, rostro longo, attenuato, supra excavato;
porca frontali nulla; foveolis ad maxillae latera nullis; palpebris to-
tis osseis, scutellis nuchae multis, biseriatis, trigono-acutis; scutis
cervicalibus in fascia secunda et tertia ternatim dispositis, scutis in-
termediis bicuspidatis, Brasilien.
Die Abbildungen der Köpfe aller acht Arten auf 8 Steindrucktafeln
befinden sich in der dritten Abtheilung des zweiten Bandes der Anna-
len des Wiener Museums, welche 1840 erschien. Ohne gegen die
Gültigkeit der Arten einen Verdacht erregen zu wollen, muss ich
gestehen, dass es mir nicht möglich gewesen ist, die Exemplare des
Berliner Museums danach mit Sicherheit zu bestimmen. Freilich sind
alle im Jugendzustande, und hauptsächlich mögen wohl die Differen-
zen besser hervortreten, wenn man die sämmtlichen Arten neben
einander hat.
Berthold (I. c.) beschreibt Draconura duodecimstriat a:
sfjuamis dorsi majoribus carinatis per 12—18 series longitudinales
dispositis. Surinam?
Harlan hält seine Agama cornuta von dem Tapayaxin des
Heruand^z {Phrynosoma orbicularis Wiegm.) für verschieden. Erstcre
118
ist kaum halb so gross, die Hörner am Kopfe sind verschiedener
Grösse und stehen anders, auch fehlt ihr die schwarze Ouerbinde
auf dem Rücken, die Schwanzwurzel ist etwas eingeschnürt. Es
giebt in den Vereinigten Staaten vier Arten: cornuta, collariSy Dou-
glasii und orbicularis. (Aus Silliman American Journ. 1837, No. 64.
in der Isis 1840. p. 177.)
Phrynosoma £ laiiivillii Gray Beechey'sYoy. ist gelb, braun
marmorirt, auf dem Rücken mit zerstreuten grösseren Schuppen, die
Seiten mit 8 Reihen zusammengedrückter Schuppen, die Schuppen
des Körpers ungekielt, an der Kehle drei oder vier schiefe Reihen
grösserer spitzer Schuppen. Californien. Eine andere Art Phr.
W i e g ma 7t 7n hält Yert. selbst für Phr. orbiculare Wiegmann. Wozu
ein neuer Name?
Ranzani bringt in einer Abhandlung de Chamaeleontibus
das Historische über diese Gattung zusammen. (Novi Comm.
Ac. scient. instit. Bononiensis. III. p. 213.)
Er kommt zu dem Schluss, folgende Arten als verschieden anzu-
nehmen. Ch. cristatus Stutchb., lißdiis Brongn., ■pardalis Cuv., tigris
Cuv., bilohus Leach, planiceps Merr. (senegalensis Cuv.), vulgaris
Cuv., •pumilus Daud., super ciliar is Kühl, endlich subcroceus Merr. Eine
Varietät von Ch. pumilus ist beschrieben und abgebildet.
Lacerta ist mit 2 Arten bereichert, nilmlich L. tacJiydromoi-
des von Schlegel (Fauna Japonica) und L. hieroglyp hica von
Berthold (1. c): supra nigra, figuris hieroglyphicis albis notata,
infra margaritacea, pedibus supra ocellatis, scuto teraporali discoidali
magno ovali, squamis notaei minimis laevibus suborbicularibus, scu-
torum abdominalium seriebus mediis lateralibus dimidia parte minori-
bus, scuto anali parvo, rostro acuto, cauda hemiolia. Asia minor.
Der Prinz von Musignano stellte eine zweite Art der Gattung
Psa7ntnodro?nus, welche er bei Marseille fand, unter dem Namen
Ps. etiler eus auf. Sie ist einfarbig metallisch grau, unten weiss-
lich und unterscheidet sich ausserdem von Ps. Edwardsianus durch
den kleinern Kopf, kurzem Schwanz, kürzere Vorderbeine; die
Schläfenschuppen sind grösser und schildartig, die Ohröffnungen lie-
gen mehr nach vorn, die Kehlfurche ist tiefer und nicht unterbrochen.
(Institut 1839. p. 275. Ann. d. scienc. nat. XII. p. 60.)
Ophiops 7iiacrodactylus beschrieb Berthold (1. c): supra
olivaceo-viridis, nigro-maculatus, vittis dorsalibus ocellisque femora-
libus nullis; digitis longissimis, cauda corpore duplo longiori. Asia
minor.
Gerrhonotus Burtiet tii Gray Beechey's Voy. ist oben oli-
venbraun mit dunkeln Ouerbiuden, die an den Seiten gelblich werden.
Californien, Dum. et Bibr. halten ihn für identisch mit Gerrh. mul-
l icari7iat7is Blainv.
Euprepes priuceps Eichwald (Bull, de la Soc. imp. de
119
Moscou 1839. p. 303.) vom Westufer des Kaspischen Meeres, ist ver-
wandt mit Eupr. pavi?nentatus Wagl., also vermuthlich Eumeces
Wiegm.
C, Ophidiim
Typhlops Cubae Bibron (Descr. de Ciiba. p. 204. pl. 82.) hat
den Kopf klein, gelblich, mit schwarzen Längslinien, den Körper
schlank, oben dunkel ^Iblich, unten gelblich.
Calamaria lugittaria Cantor (Proc. 1839 p. 49): partim
cinerea, partim ferruginea, serie dorsali punctorum nigrorum, nucha
capiteque albicantibus, imagine sagittae nigrae ornatis; corpore squa-
mis laevibus imbricatim tecto; abdomine citrino, punctis lateralibus
nigris, vitta livida utrinque incluso^ scuta abdom. 224, scutella sub-
caud. 69. Bengalen. — C. monticola id. ib.: olivaceo-fusca, collari
laete flavo, linea dorsali nlbicante, abdomine citrino; scuta abdom. 125^
scutella subcaud. 44. Assam.
Von Coronella stellte Cantor (Proceed. 1839. S. 50) fol-
gende Arten auf: Cor. albocincta: viride canescens, fasciis
transversalibus albis nigro raarginatis, quorum intervalla nigro-pun-
ctata; scutis abdominalibus (181) albo-flavescentibus, alterne fuscis;
scutella subcaud. 65. Assam. — C. violacea: violaceo-rubescens,
squamis albomarginatis, subtus margaritaceis, scuta abdom. 196,
scutella subcaud. 38. Rungpore. — C. cyclura: viride canescens
striis nigris obliquis interruptis, abdomine margaritaceo, vitta triste
cinerea utrinque incluso; scuta abdom. 179, scutella subcaud 43.
H. Kathke's Arbeit über die Entwickelungsgeschichte der Nat-
ter {Cohiber Natn'x) (Mit sieben Kupfertafeln. Königsberg 1839.) ist
die Frucht vierjähriger sorgfältiger Forschungen, und führt die ganze
Entwickelung der Natter mit Ausnahme des allerersten Jugendzu-
standes so detaillirt aus, dass wohl nirgend eine Lücke übrig bleibt.
Ein Auszug lässt sich nicht geben.
R. P. Lesson hält die Beschreibungen Merrem's und Daudin's
von Coluber pei-soiiatris nicht für vollständig, die des letzteren
für falsch in einigen Punkten und giebt für dies Thier folgende Dia-
gnose: squamis laevibus, oblongis, cauda graciliter attenuata, cjiin-
dracea; corpore griseo, unicolore stipra, viridi-albido infra, laterali-
ter roseo punctato aut lineato; sincipite et lateribus capitis nigris,
cum punctis et lineolis lutescentibus. Bauchplatten 804, Schwanz-
platten 112 Paare, (Revue zool. 1839. p. 168.) Folgende Arten sind neu
aufgestellt: C. virgatus Schlegel (Faun. Jap.) — C. qnadri-
virgatus id. (ib). — C. conspicillatns id. (ib.). — C Dhumna
Cantor (Proc. 1839. p. 51.): olivaceo-viridis,, squamis nigro-margi-
iiatis, abdomine margaritaceo, scutis scutellisquenigro-clavatis; scuta
abdom. 187, scutellji subcaud. 119. lud. Orient. — C. porp hyraceus
id. (ib.): laete porphyraceus, lineis nigris transversalibus albomargi-
natis, poue quas lincae duae nigrae dorsales, aequidistautes; subtua
120
laete flaviis; sciita abdom. 213, scutella subcaud. 64. Assam. — C.
quadrifasciatus id. (ib.): superne Jaete bnmneb-viridescens, fa-
sciis dorsalibus 4 nigiis, albo interniptis ; infra flavus; scuta abdoin.
248, scutella subcaud. 82. Assam. — C. curvii-ostris id. (ib.): su-
pra partim laete olivaceo-viridis, punctis et liueis obliquis albis iii-
grisque, partim aeneus; abdomine subfusco; scuta abdom. 220, scu-
tella subcaud. 85. Bengalen. — C. rct icularis id. (ib.); superue
brunneo -nigrescens; aunulis albidis reticulatis, contiguis et lineis
ejusdem coloris transversalibus ornatus, cauda brunuea nigrescenti,
alterne griseo-flavescenti; infra griseo-flavescens, nigro maculatus;
scuta abdom. 829, scutella subcaud. 75. Cliirra Punji. — C. bipun-
ctatus id. (ib.): supra triste vinoso-pnrpureus, squaniis albo bi-
punctatis, subtus albo-coerulescens; scuta abd. 181, scutella subcaud.
52. Bengalen, Assam. — C monticolus Hodgsou (ib.) superne lu-
teo-rubescens fasciis transversalibus nigris, scutis abdorainalibus
albo-flavescentibus nigro marginatis. Nepal. — Coluher {ISatrix)
suhcarinat a Gray (ßeechey's Voy.), verwandt luit C. bicarinatus
Neuwied (Natrix bicarinata Wagl.), aber der Schwanz hat nur | der
Länge des Körpers.
Tropidonotus tigrinus Schlegel (Faun. Jap.) — T. viba-
Icari'x^. (ib.). — T. Quinque Cantor (Proceed. 1839. p. 54.): su-
perne griseo-brunnescens, uucha numero V. nigro iuscripta, fasciis
duabus nigris dorsalibus, albo punctatis, abdomine flavo-albescenti,
fascia nigra utrinque incluso; scuta abdom. 259, scutella subcauda-
lia 97. Mergui. — T. ?noestus id. (ib.): superne triste olivaceo-ni-
gricans, subtus flavus; scuta abdom. 138, scutella subcaud. 77. Ben-
galen. — T.surgens id. (ib.): laete olivaceo-viridis, abdomine flavo
linea nigra serrata utrinque inclusoj scuta abdom. 148, scutella sub-
caud. 23. Bengalen. — T. plunibicolor id. (ib.) supra plurabeus,
fascia sagittata occipitali nigra et alba fasciisque nigris serratis
transversalibus, squamis alte carinatis tectus, mento albo, abdomine
plumbeo; scuta abdom. 162, scutella subcaud. 51. Malwa.
Duberria ancoralis Berthold (1. c): albida, supra vittia
quatuor fuscis, subtus serie punctorum castaneorum in utroque la-
tere raarginis auterioris scutorum scutellorumque; vertice figuraalba
ancorali; squamarum laevium seriebus 19, scutis 181, scutellis 40,
cauda sextantili. Surinam?
Pseudoelaps ypsiJon Bert hold (1. c): luteus, supra fasciis
albis, brunneo-niarginatis; infra nigro -tessellatus; vertice figuraypsi-
loidea; squamarum laevium seriebus 21, scutis 196, scutellis 48,
cauda sextantili,
Lycodon atropurpur etis Cautor (Proc. 1839. p. 50.): atro-
piirpureus albo uigroque marmoratus, abdomine margaritaceo ; scuta
abdom. 257, scutella subcaud. 91. Tenasserim. — L. subfuscus id.
(ib.): subfuscus, abdomine albo-flavescenti; scuta abdom. 245, scutella
subcaudalia 78. Bengalen.
121
Hurriah sanguiventer ii. (ib.) (Colider savgm'venter. Hogd-
soa Ms.): superne vinoso-purpureus, aeneo-nitens, abdoiuine san-
guineo; scuta abdom. 207, scuta subcaud. 14, scutella subcaud. 85.
Nepal.
Herjietodryas prioriotus id. (ib.): supra fiisco - flavescens,
iilgropuiictatus, fasciaque dorsali serrata nigricante; abdomine flavo,
fascia serrata nigricante utrinque incluso^ scuta abdoiu. 153, scutella
subcaud. 65. Malacca.
Dendrophis Boii id. (ib.) {Chrysopelea Boil Smith): superne
nigro-brunnescens, vitta dorsali subfusca, abdomine albo-flavescenti
vitta ejusdem coloris utrinque incluso, rostro subobtuso; scuta ab-
dom. 186, scutella subcaud. 120. Bengalen, Ceylon.
Dips,as f errnginea id. (ib.): supra fernigineo-brunnea, nigro
alboque rare raaculataj abdomine ferrugineo-flavo, albo nigroque
maculato; scuta abdom. 171, scutella subcaudalia 57. Assam. . — D.
vionticola id. (ib.): superne triste fusca, striis aliquot nigris obli-
quis; infra flavo-brunnescens; scuta abdom. 193. scutella subcaud. 83.
Ässani.
Psammophls cerasog aster id. (ib.): fulvus, aureo pallide
nitens, squamis hexagonis rhomboidalibus summis carinatis, caeteris
laevibus tectus; abdomine ceriseo, linea laete flava utrinque incluso;
scuta abdom. 149, scutella subcaud. 60. Bengalen, Assam. — Ps. ni-
grofasciatus id. (ib.): superne subflavo-rubescens fasciis latis
transversalibus nigris, lineisque duabus barbatis dorsalibus ejusdem
coloris, interstitiura quarum nigro partim punctatum; abdomine al-
bido; scuta abdom. 245, scutella subcaud. 75. Singliapore.
Homalopsis oliv accus id. (ib-.): superne olivaceus lineis ni-
gris inter squamas variegatus, abdomine albicante, linea media nio-ra
diviso, vitta albo-virescenti utrinque incluso; scuta abdom. 167, scu-
tella subcaud. 71. Bengalen.
Cerherus einer etis id. (ib.): superne cinereus fasciis nigris
transversalibus, subtus albicans fascia nigra uudulata; scuta abdom.
143, scutella subcaud. 59. Bengalen.
Tyria argonauta Eichwald (Bull, de la Soc. imper. de
Moscou 1839. p. 303.), superne coeruleo-cinerascens, utrinque albo-
striatus, subtus flavescens, maculae nonnuUae nigrae collares, 8'.
Scuta abdominis 175, duobus locis dimidiata, subcaud. 65, vom süd-
lichen Abhänge des Caucasus.
Bungurus lividus Cantor (Proc. 1839. p. 32.): superne li-
vidus, subtus albo-flavescens; scuta abdom. 221, scuta subcaud. 56.
Assam.
Hamadryas ophiophagus id. (ib.): superne olivaceo-viridis,
striis sagittalibus nigris cinctus, abdomine glauco nigro marmorato;
scuta abdom. 815—245, scuta subcaud. 13—32, scutella subcaud. 63—
71. Bengalen.
Elaps Oungaroides id. (ib.); superne lividus, striis sagitta-
122
libus albis cinctiis; infra albus alterne lividus; scuta abdom. 237,
scutella subcaud. 46. Chirra Punji. — E. flaviceps id. (ib.): capite
flavo, dorso nigro vitta serrata alba coeruleo pallide nitente utrin-
que circuiiidato, cauda flava linea nigra media divisa; abdomine flavo
linea nigra utrinque inclusoj scuta abdom. 875, scutella subcaud. 45.
MalSLCca. — E.ni'gromaculatus id. (ib.): superne pallide brunneo-
rubescens, maeulis nigris albo-marginatis, lineis nigris junctis; cauda
fasciis duabus nigris albo-marginatis cincta, abdomine flavo-albescenti,
alterne livido, linea nigra serrata utrinque incluso; scuta abdom. 238,
scuta subcaud. 24. Singhapore.
Naja larvata id. (ib.): supra brunnea, striis subflavis trans-
versalibus variegata; disco annulo albo, larvae haud impari, ornato,
pone quem 3—5 annuli albi, inferioris superfieiei pars anterior annu-
lis albis, nigro-coerulescentibus alternis circumdata, pars posterior
glauco iridescens. Bombay, Calcutta, Assam. — N. leptoco ryphaea
Bert hold (I.e.): badia, scutello verticali minimo squamiformi; squa-
marum laevium seriebus 19, scutis 199, scutcllis ubique per paria
dispositis 47, scutcllis ocularibus posterioribus 3, anteriori 1, loreo
nullo, cauda sextantili. Sunda-Inseln.
Echidna i7iornataSmith (I.e.): supra flavo-brunnea, subtus
brunneo-flava, brunneo raarmorata; cauda supra fusco-variegata;
capite distincto oblongo cordiformi; scutis abdominalibus 140;. scutis
subcaudalibus serie dupllci collocatis circiter 24.
Trigonocephalus BlomhoffH Schlegel (Faun. Jap.) —
Tr. erythrnrus Cantor (Proc. zool. soc. 1839. p. 31.): supra
laete viridis, squamis ovatis, carinatis subimbricatis, cauda cinnamo-
mea squamis laevibus rhomboidalibus tecta; abdomine flavo-viride-
scenti linea nigra serrata utrinque incluso. Scuta abdominalia 167,
scutella subcaudalia 68. Delta Gangeticum. — Tr. mncrosquama-
tjis id. (ib.): superne griseo-bruunescens annulis nigris albo raargi-
natis squamis ovalibus, semicarinatis mucronatis, imbricatim tectus;
subtus albidus, nigro punctatus; sc. abdom. 218, sc. subcaud. 91. Assam.
In den Sümpfen vou Tamarack und Cranberry giebt es eine
Meno'e kleiner, nur 14" langer Klapperschlangen, mit 3 oder 4Klap-
Tierrino^eu. Die Indianer nennen sie Massasatiga; es ist wahr-
scheinlich Crotabis miliarius. Cr. horridm scheint in diesem Theile
des Ohio fast vertilgt zu sein. (Aus Silliman American Journ. 1837
No. 63. in der Isis 1840. p. 177.)
J9. StiLtrachii.
John Hogg bespricht (Loudons Mag. of Nat. Hlst. New
Series 3. p. 265 und p. 367.) die Classification der Amphibien
(Batrachier).
Er setzt die Charaktere der Hauplabtheilungcn in die Bcschaf-
I
123
fenheit der Kiemen, welche entweder fehlen, oder abfallen, oder
bleiben.
Subclass. I. 3Ionopneu?nena. Athnien entweder bloss durch
Lungen, oder bloss durch Kiemen.
Ord. 1. Alranchia. Kiemen fehlen.
Fam.l. Caeciliadae. Körper verlängert, wiirmförmig. Schwanz
sehr kurz. Keine Beine. Gatt. Caecilia.
Ord. II. Caducibranchia, Kiemen abfallend.
Fam.l. Ranidae. Der erwachsene Körper kurz, rundlich oder
oval, breit, Schwanz fehlend. Vier Beine. Zunge lang. Trommel-
fell offen. Gatt. : Rana, Ceratophri/s, Hyla, Bufo, Rhinella, Otilopha.
Fam. 2. Dactylethridae. Der erwachsene Körper kurz, frosch-
ähnlich. Schwanz fehlend. Vier Beine. Zunge deutlich. Trommel-
fell verborgen. Gatt.: Dactylethra, Bomhinator, Brevfceps.
Fam 3. Astrodactylidae. Der erwachsene Körper kurz,
froschähnlich, ohne Schwanz. Vier Beine. Zunge fehlend. Trom-
melfell verborgen. Gatt.: Astrodactyhis (Pipa).
Fam. 4. Salamandridae. Der erwachsene Körper lang, eidech-
senähnlich. Schwanz lang. Vier Beine. Gatt.: Salamandra, Sala-
mandrina, Molge, Triton.
Subclass. II. Dlplopneu7nena. Athmen durchKiemen und durch
Lungen zugleich.
Ord. III. Imperfectibranchia. Kiemen unvollkommen.
F&xa.l. Menopomatidae. Körper lang, eidechsenartig, oder
verlängert wurmförmig, mit einem Schwanz. Vier Beine. Die kie-
menartigen Organe innen. Gatt.: Menopoma. Ampkiuma.
Ord. IV Manentibranchia. Kiemen bleibend.
Fam.l. Sirenidae. Körper verlängert, wurmförmig, mit einem
Schwanz. Zwei Vorderbeine. Kiemen buschig, aussen. Gatt.: Si-
ren, Parvibranchus.
Fam. 2. Proteidae. Körper lang, eidechsenartig oder fischartig,
mit einem Schwanz. Vier Beine. Kiemen verästelt, aussen. Gatt.:
Proteus, MeiiobrunchuSy Siredon.
Der Verf. fügt einige Bedingungen hinzu. Wenn die kiemen-
artigen Organe der Menopomatidae wirkliche Kiemen oder vielmehr
eine besondere Modiiicatiou der Kiemen wären, so müsste die dritte
und vierte Ordnung unter dem Namen Manentibranchia zusammen-
fallen. Sollten dagegen künftige Untersuchungen ergeben, dass der
Kiemenapparat der Menopomatidae entschieden unvollkommen wäre,
und dass er nicht Wasser athmen könnte, dann würde die dritte
Ordnung in die erste Subclassis übergehen müssen. Wenn endlich
sich ergeben sollte, dass die Menopomatidae eine Verwandlung be-
stehen, und die sehr jungen Thiere wirklich äussere Kiemen besitzen,
dann würde die dritte Ordnung uicht nur in die erste Subclassis ge-
setzt, sondern sogar mit der zweiten Ordnung, wenn gleich als be-
sondere Tribus, vereinigt werden müssen.
124
Dumeril las in der Pariser Academie über die Stellung
der Caecilien in die Ordnung der Batrachier (Ann. d. sc.
nat. XII. p. 353. Institut 1839. p. 397.). Dagegen erhebt de
Blainville Ansprüche, und suclit zu erweisen, dass er zu-
erst den Caecilien diesen Ort im Systeme angewiesen habe
(ib. p. 360.) Das läugnet Dumeril wiederum, indem er seine
Priorität von 1807 herschreibt, die Blainville's von 1810.
In einem kleinen Aufsatze: Notice historique sur les de-
couvertes faites dans les sciences d'observation par l'etude de
l'organisation des Grenouilles zeigt Dumeril, wie nützlich das
Studium der Organisation der Frösche der Anatomie, Physik,
Chemie, und namentlich der Physiologie geworden ist. (Ann.
d. sc. nat. XIII. p. 65.)
Zwei neue Frösche, Rana 7'ugosa uwAByla Bürgert stellte
Schlegel in der Fauna Japonica auf.
Van der Hoeven gab ia den Mein, de Ja Soc. d'hist. nat. de
Strasbourg III. Lief. 1. einen Auszug aus einer bereits 1832 in B^'-
dragen tot de natuurkundige Wetenschappen VII. p. 77. publicirten
Arbeit über die Gattung Bo7nb in ator und die dahingehörenden Arten.
Gaimard machte Beobachtungen über die Unterbrechung der
Lebensthätigkeit der Kröten durch Kälte in Folge seiner in den' Jah-
ren 1828 und 1829 angestellten Untersuchungen in Island bekannt.
Diese Thiere waren so gefroren, dass alle ihre flüssigeii Theile Eis
waren, und so hart, dass man sie mit Leichtigkeit zerbrechen konnte,
ohne dass Blut floss. Im warmen Wasser erlangten sie in 8— 10 Mi-
nuten ihr Leben und grosse Lebendigkeit wieder. Jedoch durfteti
sie nicht zu schnell gefroren sein. (Bibliotheque universelle de Ge-
«eve, 1S40; Froriep's Neue Notizen XIV. p. 327.)
John Brown erwies die Fähigkeit einer Kröte, längere Zeit
in eingeschlossenem Räume ohne Nahrung zu leben, durch einen di-
recten Versuch. Er vergrub sie drei Fuss tief in die Erde unter
einem umgekehrteu Blumentopfe. Nach fast drei Jahren fand er sie
lebend und nicht gewachsen; die Beine jedoch schienen sehr dünn
(Mag of nat. bist, new Series III. p. 518.)
John Bright beobachtete, dass die Nahrung der Kröte in Amei-
sen, Ohrwürmern, Raupen, kleinen Kufern, Tausendfüssen und Schnek-
ken bestehe, die sie jedoch nie todt berührt. Auch eine Häutung
beobachtete derselbe an einer Kröte, die sich unter einen Blumentopf
verkrochen hatten. Sie Mar mit Feuchtigkeit überzogen, und hatte
die Haut bereits im Munde, um sie zu verschlingen. (Mag. of nat.
hist. new series IV. p. 103.)
Ueber die bisher beschriebenen Arten der Abtheilung der
125
geschwänzten Batrachier giebt Schlegel in der Fauna
Japonica, s. oben p. 113, eine Uebersicht.
Er will die Trennung der Gattungen Salamandra und Triton
aufheben, weil sich Uebergänge fänden. Er fügt 5 Arten aus Japan
^bekannten hinzu, von denen^'a^. naevia ...y.ck.nSaamandra
und Triton steht; Sal. unguiculata ^Sal japomca Houttuyn) hat
Krallen an den Fingern, jedoch nur in gewissen Lebensperioden ;
^al subcristata verwandt mit Triton alpestris, den Verf. als Va-
rietät von cristatMS ansieht; Sal. nebulosa. Die merkwürdigste
Art von allen ist jedoch ohne Zweifel der Riesensalaniander Sal.
maxima, der lebendig nach Europa gekommen und 3Fuss lang ist
Wenn man überhaupt die Salamander iu Gruppen bringen will, sagt
Verf so würden das drei sein: Salamandra, Triton und Meno-
poma, zu welcher letztern dann dieses Japanische Thier gestellt
werden müsste. . , ,. . r „*
VanderHoeven beweist (wie es scheint, ist dieser Aufsatz
schon vor dem Erscheinen der Fauna Japonica geschrieben), dass
das in Rede stehende Japouische Thier kein Salamander sei, sondern
dass es mit der Gattung Menopoma Harlan übereinstimme, bis auf das
Kiemeuloch, welches der Sal. maxima fehlt. Er stellt den Leuckart-
schen Namen Cryptobranclius wieder her. (Memoires de la So-
ciete d'histoire naturelle de Strasbourg III. Lief. 1.)
Leuckart bemerkt dagegen rFroriep's Neue Notizen XIII. p. 19)
dass der Cryptobr anchus japonictis van der Hoeven nicht zu
seiner Gattung Cryptohranchus {Jbranchus und Menopoma Harlan^
Trotanopsis ßarton, Salamandrops Wagler) gehöre, weil ihm die
beiden seitlichen Kiemenlöcher am Halse fehlen. Er schlägt für das
Thier einen neuen Gattungsnamen Hydrosalamandra vor.
Van der Hoeven äussert sich (ib. XIV. p. 86.) über diesen
Gegenstand nochmals dahin, dass das in Rede stehende Thier trotz
der fehlenden Kiemenlöcher- der Gattung Menopoma zugezählt wer-
den müsse, und dass daher dieser Charakter der Gattung nicht
wesentlich sei. . .. ,
Van der Hoeven spricht sich auch für die Verschiedenheit der
Salamandra atra vom gemeinen Salamander aus, indem er besonders
darauf aufmerksam macht, dass ersterer nur sehr wenige Junge (2),
letzterer viele (30-40) gebäre. (Mem. de la Soc. d'hist. nat. de Stras-
bourg III. 1.)
R. P. Lesson beschreibt einen Salander aus der Umgegend von
Rochefort als neu, unter dem Namen Salamandra elegans. Die
Beschreibung bezieht sich nur auf die Färbung, und es mag schwer
zu sagen sein, zu welcher der bereits beschriebenen Arten diese zu
ziehen ist, die gewiss nur Jugendzustand ist. Es kann ein Triton
oder eine Salamandra sein. (Revue zool. 1839. p. 199.)
T. L.W. Bischoff beschreibt in einer besondern Schrift:
126
Lepidosiren paradoxa, anatomisch untersucht nnd be-
schrieben Leipzig 1840. 4 (übersetzt in den Annales d. sc.
nat. XIV. p. 116.), die Anatomie des genannten, durch Nat-
terer zuerst bekannt gewordenen räthselhaften Thiers. Der
Verf. sieht es als Amphiblum an, indem er sich besonders auf
die Bildung der Athemorgane, eine entwickelte Lunge, sehr
wenig entwickelte Kiemen, bei denen das meiste Blut vorbei-
strömt, und die Bildung des Herzens, mit zwei, wenngleich
unvollständig geschiedenen Vorkammerii, stützt. Einige der
wichtigsten Gründe, welche Owen hei Lepidosiren annectens
aus dem Gambia als für die Fischnatur sprechend anführt,
nämlich das Nichtdurchbohren der Nasencanäle, die einfache
Vorkammer des Herzens und die Schwimmblasennatur der Lun-
gen, werden in Beziehung auf Lepidosiren paradoxa gerade-
zu geleugnet.* Sollte dennoch, so schliesst der Verf., das Thier
zu den Fischen gestellt werden, so müsste es zwischen die
Cyclostomen zu stehen kommen, wenigstens nach dem Bau der
Wirbelsäule. Die Arbeit ist von 7 Steindrucktafeln begleitet.
Milne Edwards fügt zu den Beweisen für die Amphi-
biennatur des Lepidosiren paradoxa noch hinzu, dass die
Oeffnung des Schlundes sich au der Bauchseite des Pharynx
findet, wie es sich aus einer Untersuchung Bibron's ergab.
(Ann» d. sc. nat. XIV. p. 159. Annais VL p. 466.)
F. S. Leuckart spricht auch über die Stellung der Gat-
tung Lepidosiren, und ist der Meinung, dass wenn die Unter-
suchungen an den beiden bis jetzt bekannten Arten L. para-
doxa und annectens von BischoflF und Owen richtig sind so
müsse das erstere Thier zu den Amphibien, das andere zu den
Fischen gestellt werden (Frorieps Neue Notizen XIIL p. 17.)
welche Meinung, nämlich dass Lepidosiren paradoxa und
annectens zu verschiedenen Klassen, ersteres zu den Amphi-
bien, letzteres zu den Fischen gestellt werden müsse, auch
Th. Bischoff später zu rechtfertigen sucht. (Ebendas. XVL
pag. 145.)
Auch J. Müller geht auf diesen Gegenstand in seinem
Jahresbericht über die vergleichende Anatomie der Wirbelthiere
ein (Müller's Archiv 1840. p. CLXXVL) Die Lage der Harn-
blase und der Urogenitalöffnung und die Beschaffenheit der
Wirbelsäule sprechen für die Fischnatur, die beiden Vorhöfe
127
des Herzens für die Amphibieimatur der Gattung. Er ist sehr
da-egen die beiden Arten in verschiedene Klassen zu bnngon,
vielmehr meint er, dass sie einer Gattung angehören müssen.
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Fische während des Jahres 1840.
Von
Dr. F. IL Troschel.
Von Fortsetzungen bereits früher begonnener allgemeine-
rer ichthyologischer Werke sind für dieses Jahr ausser der
Histoire naturelle des Poissons von Cuvier und Va-
lenciennes, deren 15. Band die Familie der Welse enthält,
und wovon unten die Rede sein soll, nur zwei zu erwähnen.
Von dem einen, der Iconografia della fauna italica
von Bon aparte, erschien nur die 27. Lieferung, welche fol-
gende Fische enthält:
Gonostoma denudata Rafin., Ichthyococcus ovatns (Gotiostomns
ovatus Cocco), /. Poweriae {Goii. Potveriae Cocco), Scopelus Benoiti\
Sc. Risso, Sc. Cocco, Mmiroliciis amethystino-punctatus, M. attenua-
tus, Mi/ctophu7u Raß/iesqnii, M. metopoclampum, M. GemeUari von
Cocco und M. punctatum Raf., ferner Lampani/ctus Boiiapartü und
Odontostomus hi/al/'nus Cocco, cndVich Squalus giaucns h. imd Sphi/rna
Zygaena Rafin.
Auch von dem andern: Scandinaviens Fiskar afWilh.
V. Wright med text af B. Fr. Fries och C. U. Ekströra
Stockholm, ist im Jahre 1840 nur eine, die sechste Lieferung,
erschienen. Die durch den Tod des Prof. Fries entstandene
Lücke ist durch C. J. Sundevall ausgefüllt, der in Gemein-
schaft mit Ek ström die weitere Bearbeitung des Textes über-
nommen hat. Diesmal ist der Text zugleich in Schwedischer
und in Lateinischer Sprache erschienen, was die Benutzung
dieses interessanten Werkes erleichtert. Die lateinische Ueber-
setzuug ist jedoch kürzer gehalten, auch sind die generischen
Bemerkungen, sofern sie nichts Neues enthalten, in derselben
fortgelassen.
128
Der Text enthält Cijprimts Ballerus Linn., Pleuronectes Lman.
dotdes BI., Myxhie glutinosa Linn., Scomber scomhrus Linn., .9^?/«-
lus cornuUctis Gm., Cyprinus carassius L. mit Gibelio Bl. als Varie-
tät. — Abgebildet sind Cypr. Carassius und Gibelio, Merhiccius ar-
gentatus Ekstr. Sund., Pleur. Limanda Linn., Raja clavata L. und
Gobius niger Linn.
In den lUustra tions of the Zoology of South
Africa etc. by Andrew Smith Heftl-.12 sind auch einige
Tafeln mit Fischen enthalten, welche zum Theil neu sind, und
unten aufgeführt werden sollen.
Die Lieferungen 6 — 11 der Voyage dans la Russie
meridionale et la Crimee par Anatole de Demidoff
Paris, enthalten die ichthyologische Fauna des Pontus, bear-
beitet von Nordmann. Von p. 353 bis 549 reicht die Auf-
zählung der Fische, unter denen eine neue Gattung und viele
neue Arten. Die Diagnosen derselben werden unten mitge-
theilt. Daran schliessen sich dann die Beobachtungen über die
Schuppen der Fische und Reptilien von Man dl.
Der zweite Band von Schinz's Europäischer Fauna, Stutt-
gard 1840, enthält von p. 79 ab die Fische. Eine grosse An-
zahl Europäischer Fische, wozu die ichthyologischen Werke
aller Länder benutzt sind, wird populär beschrieben, und von
den wichtigsten Synonymen begleitet, so dass das Werk für
die Bestimmung der Fische Europa's recht nützlich wird.
In the Naturalist's Library erschien von Bushnan's Ich-
thyology, deren erster Band bereits im Jahre 1835 herauskam,
der zweite im Jahre 1840. 8. Edinburgh. Dieser Band enthält
ausser der Beschreibung und sauberen Abbildung von 31 wich-
tigen Fischen aus allen Abtheilungen, Bemerkungen über den
Nutzen der Fische, ihre Ortsbewegung u. s. w.
Referent machte Bemerkungen über einige Bloch'sche
Fischarten. (Dies Archiv VI. I. p. 267.)
Er suchte zu erweisen, dass Bloch unter seinem Platycephalus
scaber zwei Arten verwechselte, die wieder von dem P. scaber Cuv
Val. verschieden sind; — dass Scorpuena gibbosa ßl. nicht zu Sc.
bufo Cuv. Val. gehöre, sondern eine gute eigene Art sei, und aus
China stamme; — dass ferner Bloch unter seinem Mugil cephalus
mehrere Arten verwechselte, während er den ächten cephalus als M.
tatig beschrieb; — endlich dass Sparus anchorago Bl. eine eigene
Art der Gattung Cossyphus sei.
A. Risso machte ebendaselbst p. 376 Beobachtungen über
129
einige Fische aus dem Meere bei Nizza bekannt. Diese be-
ziehen sich auf Notacanthus Bonaparte n. sp. Bentex vul-
garis, P, synodon, T>. erythrostoma, Sehastes argus (Ho-
locentriis argus Spinol.)- Die erste Art ist abgebildet.
Einige neue Fische von Van Dieme.nsland wurden wieder
durch Richardson beschrieben. (Proc. Zool. Soc. 1840. p. 25.
Annais VI. p. 306.)
Auch Lowe machte wieder einige neue Arten Fische von
Madeira bekannt. (Proc. Zool. Soc. p. 36.) Die Diagnosen
dieser beiden Arbeiten können jedoch wegen Mangel an Raum
nicht mitgetheilt werden.
Agassiz sandte seine Bemerkungen über die von Mandl
gemachten Untersuchungen an den Schuppen der Fische (vgl.
dies Archiv VI. II. p. 357) der Pariser Academie ein, und leug-
net, dass die fächerförmigen Linien Kanäle seien, dass die
Schuppen aus neben einander liegenden Zellen bestehen, und
dass die Einkerbungen des Randes ächte Zähne mit Wurzeln
seien, wodurch er die Richtigkeit seiner frühem Untersuchun-
gen von Neuem behauptet (Ann. d. sc. nat. XIII. p. 58.; Edin-
burgh new phil. Journ. 1840; Frorieps Neue Notizen XIV. p, 179.)
Dagegen beharrt Mandl wieder in seiner Meinung über
die Organisation der Schuppen und glaubt, dass sie durch In-
tussusception wachsen, (Ann. d. sc. nat. XIII. p. 62.)
Eine weitere Darstellung seiner Ansichten über diesen
Gegenstand giebt Agassiz in den Ann. d. sc. nat. XIV. p. 97.
Ueber Nebenkiemen der Knochenfische machte J. Müller
seine Beobachtungen in den Abhandlungen der Academie der
"Wissenschaften für das Jahr 1839 p. 175, in der dritteu Ab-
handlung über vergleichende Anatomie der Myxinoiden, welche
das Gefäfssystem enthält, bekannt, und daraus in zwei Aufsätzen
in seinem Archiv für Anat. und Physiol. Im Ganzen wurden
282 Gattungen untersucht, worunter 39 olnie Pseudobranchieu
und 43 mit drüsigen und verdeckten Pseudobranchieu. In der
letzteren Arbeit wurden dann auch die Untersuchungen auf
die Störe und Plagiestomen ausgedehnt, und manche Angaben
• des ersteren Aufsatzes berichtigt. Das Nähere anzugeben, er-
laubt der Raum nicht, auch ist der Aufsatz selbst Jedem leicht
zugänglich. Bei der grossen Verscliicdenheit im Vorkommen,
im Bau, in der Lage, in der Blattzahl der Nebenkiemen dürften
Avclüv f. Naturgesch. VII. Jahrg. 2. Btl. 9
^30
diese Organe auch für die Definition der Gattungen und Arten
wichtig sein. (Müllers Archiv 1840. pag. 101; 1841. pag. 263.)
Rusconi: lieber künstliche Befruchtungen von Fischen
und über einige neue Versuche in Betreff künstlicher Befruch^
tung an Fröschen. (MüUer's Archiv 1840, p. 185.)
Zwei Werke: Odontography, or a Treatise on the com-
parative Anatomy of Teeth, their physiological relations, mode
of development and microscopic structure in the vertebrate
animals. lllustrated by upwards 150 plates. By Richard
Owen etc, Part. 1. London 1840. 8., enthaltend die Zähne
der Fische, und
Considerations sur les poissons* et particulierement sur
les anguilles. Memoire lu ä la Societe royale et centrale
d'agriculture le J. Juillet 1840, parM. le Baron deRiviere.
Paris 1840. 8. habe ich nicht Gelegenheit finden können zu
benutzen.
A, JLcanthopteri/gii*
Aus der Familie der Pcrcotden bescbreibt Nordmann eine
neue Gattung Percaria in Demidoff Voy.: Corpus oblongum, coni-
pressum, squamis minutis, tenuibus, margiue dentato-ciliatis tectuni.
Caput nuduni, cavernosum, operculo et praeoperculo spinis arniatis.
Dentes in niaxillis et vomere nuinerosi, inuniti, acerosi. Menibr. br.
radiis 7. Lingua laevis. Rictus majusculus. Pinnae dors. duae dis-
cretaej analis spinis duabus arinata. Eine Art P. Demidofßi.
G. J, All man hat Erfahrungen über den giftigen Stich
des Trachinus vipera an sich gemacht. Eine Verlet7Auig mit
dem Stachel des Kiemendeckcls ver^jrsachte Schmerz und An-
schwellen, das aber am andern Tage vorüber war. An jeder
Seite des Stachels soll eine Furche zur Spitze verlaufen, die
dadurcli, dass der ganze Stachel bis fast zur Spitze mit einer
Scheide umgeben, zu förmlichen Canälen werden. Eine Gift-
drüse ist nicht nachgewiesen. (Annais etc. VI. p. 161.)
Von P. J. Selby wurden in den Transactions of the Ber-
wickshire Naturalist's Club 1840, und daraus Froriep's Neue
Notizen XIV. p. 119, Beobachtungen über die Nester des Gü'
sterosteus spinachia bekannt gemacht. Sie sind etwa 8 Zoll
lang, von elliptischer oder birnförmiger Gestalt, gebildet durch
Verflechtung einiger Tange, die durch einen langen Faden ver-
einigt sind, welcher durch, rundum und dazwischen in jeder
131
denkbaren Richtung läuft. Die Eier werden bis zu 100 Stück
in einem Haufen in die Mitte des Nestes gelegt. In einem
Neste werden Eier von verschiedener Entwickelung gefunden.
Der Fisch hält sich in der Nälie der Nestes.
Eine neue Art dieser Gattung, G. j)otiticus, stellte Nordm an n
1. c. auf: dorso spinis tribu*; scutellis transversis ad caudam usque
loricatis, carina laterali vix indicata.
In der Familie der Panzerwangen (Scleroparei) sind nur drei
neue Arten angegeben; eine von Lowe \. c. Scorpaena ustulata; sie
hat keine Lappen, ihr Kopf ist schuppenlos. Die andere von Smith
1. c, Jgriopus spinifer : dorso lateribusque superne rubro-brunneis,
maculis nebulisve flavis marmoratisj lateribus inferne, abdomineque
argenteo-griseis purpureo-tinctis; pinua dorsali maculis tribus nigris
notata; pinnis pectoralibus, ventralibus, analique Oavo-maculatisj
aculeo uno ante oculum, et tribus versus angulum oris. Die dritte,
Cottns hicornis Reinhardt (Kroyer's Tidsskrift III. p. 226) verwandt
mit C. uncinattis im Zahnbau, verschieden durch zwei kegelförmige,
spitze, zurückgebegene Dornen im Nacken und vier Dornen am Bande
des Praeoperculums, von denen der am oberen Winkel zweitheilig ist.
Aus der Familie der Sciaenoiden beschreibt Heckel in den
Wiener Annalen II. p. 438. eine neue Art Sciaena squamosissi'ma:
squamis lineae lateralis reliquis triplo majoribus, singula squamis mi-
noribus tecta; in adultis squamis omnibus squamulalis. 2'. Rio negro.
Zur Familie Labyrinthiformes stellt Smith 1. c. eine neue
Gattung auf: Tilapia: Mund klein, am Vorderende, Lippen flei-schig
nnd weich. Zähne kurz, am Ende zwei- oder dreispaltig, die oberen
in SRellien, die unteren in 2; keine Gaumenzähne. Operculum hin-
ten schwach wellenförmig; die Bedeckung der Suborbitalknochen und
des Praeoperculums von einigen kleinen Poren durchbohrt. Zwei
rudimentäre Gruben jederseits über dem obernEnde der Kiemen, mit
denen sie communiciren. 5 Kiemenstrahlen. Der Kopf vorn mit glat-
ter Haut bedeckt, der übrige Körper mit grossen halbkreisförmigen
Schuppen. Seitenlinie unterbrochen. Eine Rückenflosse, in der die
weichen Strahlen die längsten sind. Eine Art: T. Sparrmannii im
süssen Wasser.
Eine neue Gattung aus der Familie der Scomberolden findet
sich bei Heckel unter dem Namen Monocirrhus. Corpus ellipti-
cum, valde compressum, squaraatum. Os valde protractile. Dentes
velutini, in vomere et palato nuUi. Maxilla inferior angulis promi-
Bentibus. Labium inferius medio elongatum, raarginibus convolutura
ad instar cirrhus dependens. Nares rotundae, geminae. Partes oper-
culi laeves. Radii branchiostegi sex, Pinnae ventrales thoracicae.
Pinna dorsalis unica et cum pinna anali fere tota ex radiis osseis
composita. Radii omnes indivisi. Squamae scabrae. Eine Art M. ;>o-
lyacantJms V/' ; in Waldiacheu am Rio negro (Annalen des Wiener
Museums II. p. 439.)
9*
132
Bennett bestätigt die Führung der Haifische durch den
Pilotfisch {Naucrates ductor). (Aus Bennett's Whaling Vo-
yage II. p. 274 in Edinburgh new phil. Journ. 29. p. 195.)
Zu der Familie der Gohioiden erhielten wir mehrere
Beiträge: Die Untersuchung der an den Schwedischen Küsten
vorkommenden Arten der Gattung Gohius von Fries ist
in der Uebersetzung von Creplin bereits in dies Archiv VI. I.
p. 233 übergegangen.
Von zwei Arten der Gattung Gobius an der Irischen Küste
giebt M'Coy die Beschreibung; den einen G. fuliginosus
hält er für neu; der andere G. reticulatus Cuv. Val. ist nach
dem Leben beschrieben. (Ann. of nat. bist. VI. p. 403.)
Nord mann stellt 1. c. acht neue Arten derselben Gat-
tung aus dem Schwarzen Meere auf:
Gobius lugens: macrolepidotus, ater, pinnis superioribus fulvo-
alboque limbatis; pinna dorsali seciinda maculis evanescentibus oli-
vaceis; radiis pinnarum pectoralium apice tetrafidis. — G. Ratan:
macrocephalus, ater fuscoque niaculatus, pinnis superioribus flavo-
liinbatis, radiis pinnarum pectoralium niultißdis, oculis in vertice ap-
proximatis, rictu majore. — G. St/rmati: macrocephalus, corpore su-
pra fusco-virescente, transversim fusco-nigroque fasciato et macu-
lato, subtus dilutiore, pinnis a.tro-coenileis.~G.constructor: micro-
lepidotus, supra fusco-olivaceus, viridi-raaculatus, subtus albido-oli-
vascens, pinnis superioribus flavo-Iimbatis, pinna pectorali rufo-va-
riegata radiisque ramentosis. — G. lacteus: macrocephalus, raicrole-
pidotus, totus albido-glaucescens, pinnis omnibus vix coloratis, hya-
linis, pi\ma dors. secunda postice decrescente. — G.Stevenü: micro-
lepidotus, pinna dors. prima altiuscula ceterisque amplissimis. —
G. macropteriis : macrocephalus, microlepidotus, dorso altiusculo, pin-
nis pect, fere usque ad medium pinnae dors. secundae tendentibus,
pinnis omnibus atris. — G. leopardiims: supra griseo violascens, nigro
punctatus, subtus argenteus, pinnis dorsali secunda et anali decem-
radiatis, pinna ventr. longissima.
J. Desjardins beschreibt eine neue Art CÄ?>owec^e*: Ch. mu"
cu latus bedeckt mit einer Menge Höcker auf den Seiten, vorn, auf
dem Schwanz und dem Rücken, auch auf der Kehle und den Lippen,
keine auf dem Bauche. Der erste Strahl der Rückenflosse ist faden-
förmigj die Farbe ist gelb mit grossen rothen Flecken. Isla de France.
4 Zoll. (Guerin Mag. de Zool.)
Eine sehr wichtige und interessante Arbeit über die La-
hroiden Brasiliens erhielten wir von Jak ob He ekel in den
Annalen des Wiener Museum's etc. Band II. Heft 3. 1840.
133
(Johann Natterer's neue Flussfische Brasiliens nach den Beo-
bachtungen und Mittheilungen des Entdeckers beschrieben.
Erste Abtheilung, die Labroiden). Die Arbeit füllt das ganze
Heft und ist von zwei Kupfertafeln begleitet. Als einzigen und
Hauptcharakter der Labroiden sieht Verf. das Verschmelzen
der beiden unteren Schlundknochen in einen an, und will da-
her mit Recht die den Sciaenoiden in Cuvier und Valencien-
nes Hist. .des poissons angereihten Gattungen mit unterbroche-
ner Seitenlinie mit den Gattungen Chromis und Cichla ver-
einigen, wie das auch schon Valenciennes im 14. Bande der
Hist. des poissons erkannt hat. Er reiht diese ganze Abthei-
lung jedoch nicht, wie es Valenciennes will, den Sciaenoiden
an, sondern, gestützt auf den constanten Charakter des ein-
fachen unteren Schlundknochens, den Labroiden. Er macht
ferner darauf aufmerksam, dass nach Agassiz Systeme, der seine
Eintheilung auf die Verschiedenheit des äussern Hautscelets
basirt hat, die Gattungen Chromis und Cichla allerdings von
den Labroiden entfernt werden müssen, und dürften mit Am-
phiprion, Premnas, Pomacentrus, Dascyllus, Glyphisodon,
Hetroplus und Heliases nebst den gleich zu erwähnenden
neuen Gattungen zu einer Familie (C7iromic/en) vereinigt wer-
den. Sie würden für die dritte Ordnung Ctenoidei Agass. wegen
der zu einem Stücke verschmolzenen unteren Schlundknochen
das sein, was die Labroiden in der vierten Ordnung Cycloidei
Agass. sind. Für die Unterscheidung der Gattungen der neuen
Brasilianischen Fische, die hier beschrieben werden, hat V^erf.
besonders die Gestalt der Kiemenbögen und ihrer knöchernen
Ansätze an der concaven Seite benutzt, die auch auf den bei-
gegebenen Tafeln abgebildet sind. Der hier neu aufgeführten Gat-
tungen sind 10, von denen Acara, Heros, Geophagus und
Chaetohranchus als Untergattungen von Chromis; Cichla s. str.,
Crenicichla und Batrachops als Untergattungen von Cichla
angesehen werden. Folgendes sind die Gattungscharaktere:
Uaru Heck. Corpus compressuin , elevatum. Dentes in series
tres discretas dispositi, bis seriei externae incisivis, apice convexis,
illis serierum internarum brevibus, conicis. Ossa pharyngea inferiora
planum cordiforme referentla subtus inflatum, supra dentibus com-
pressis, unciuatls confertim munitum. Arcus branchialis externus in
latere concavo papillis osseis brevibus, compressis, tricuspidatis; ar-
cus reliqui papillis brevibus conicis. Kadii branchiostegi 5, Partes
134
operculi laeves. Nares simplices, ori approximatae. Os mediocre.
Pinna ventralis, dorsalis et analis acuminata. Radii osseipinnae ana-
lis 8. Squamae minores. Linea lateralis interrupta. — U. amphia-
canthoides Heck.
Symphysodo7i Heck. Corpxis valde conipressum, elevatum,
Chaetodonti simile. Dentes veliitini, uncinati, fortiores, ad symphy-
sin utriiisqiie inaxillae plagam parvam occiipantes; reliqua maxilla
edentata. Ossa pharyngea parva, inferiora planum trianguläre aequi-
laterale formantia, dentibus brevibus velutinis, uucinatis munitum.
Arcus branchialis externus in latere concavo papillis obsoletis^ arcus
reliqui aculeis minimis. Radii brancbiostegi 5. Partes operculi lae-
ves. Nares geininatae ori approximatae. Os parvum. Apertura ana-
lis sub pinnis pectoralibus. Pinna dorsalis et aualis basi elongata,
squamata, radiis osseis validis, sensira sensimque longioribus. Pinnae
ventrales ante pinnas pectorales insertae. Squamae minutae. Linea
lateralis interrupta. — S. discus Heck.
Pterophyllum Heck. Corpus rhomboidale, valde corapressura,
ad basin pinnarum verticaliura attenuatum, sicuti in genere Platax.
Dentes velutini, breves, fasciam angustam formantes, antecedente Se-
rie dentium paulo fortiorura. Ossa pharyngea inferiora planum tri-
anguläre, aequilaterale, subtus inflatum formantia, supra dentibus
velutinis uncinatis confertim munitum. Arcus branchiales latere con-
cavo lamellis setiformibus , in arcu externo longioribus. Radii bran-
cbiostegi 5. Partes operculi laeves. Nares simplices, inter apicem
rostri et oculos .sitae. Os parvum, valde protractile. Pinnae ventra-
les thoracicae et cum verticalibus apice elongatae, setiformes. Radii
ossei pinnae dorsalis et analis sensim sensimque longiores. Pinna
caudalis furcata. Squamae minutae, basim pinnae dorsalis et cauda-
lis, nee üon radios osseos pinnae analis investientes. Linea lateralis
interrupta. — Ft. scalaris Heck (Platax scaluris Cuv. Val.)
Acara Heck. Corpus ovatum, compressum; capite et dorso
crassis. Dentes parvi, conici, fasciam formantes, antecedente seric
dentium paulo majorura, apice uncinatorum. Ossa pharyngea inferi-
ora planum trianguläre aequilaterale formantia, dentibus brevibus, co-
nico-acuminatis confertim munitum, posterioribus longioribus com-
pressis, uncinatis. Arcus branchiales latere concavo papillis brevibus
osseis. Radii brancbiostegi 5. Pinna ventralis, dorsalis et analis
acuminata. Radii ossei pinnae analis 3 — 4. Squamae mediocres. —
A. margarita {Perca bimaculata BI.), tretramerus, viridis, diadema,
vittattis, pallidus, dorsiger, marginatus, dimerus, Nassa, cogiiatus,
iinicolor, crassipinnis Heck. Ferner gehören hierher: Chromis nilo-
tica Cuv., Labnis pimctatus Bl., A. Gronovü Heck (^Labrus brimneus
Gronov.), Chromis hrasilietisis Q. et G., Chromis taenia Bennet, Spa-
ms surinamensis ßl., A. Desfo7itainii Heck, {Spare Desfontaines
Lacep.), Lobotes ocellatus Spix.
Heros Heck. Corpus eUipticum, compressum, fronte in pleris-
135
que valde elevata. Dentes parvi, conici, fasciam fonnautes, antecc-
dente serie dentiuin pauIo majorum, apice uncinatoruni. Ossa pha-
ryngea inferiora planum trianguläre aequilaterale fomiantia, dentibus
brevibus compressis uncinatis confertim munitum. Arcus brauchialis
cxternus in latere concavo papillls osseis brevibus, compressis, cu-
spidatis; arcus reliqui papillis brevibus conicis. Badii branchiostegi 5.
Pinna veutralis, dorsalis et analis acuminata. Badii ossei pinnae
analis 5 — 9. Squamae mediocres. — H. severus, coryithaeus, mode-
stus, spurins, psittaciis, efasciatus, coryphaenoides, niger, festivus^
znsig7iis Heck und H. Fridrichsthalü Heck. Centralamerica, H. Dep-
pii, H, montexuma Heck, aus Mexico.
Geopkagus Heck. Habitus Sparis similis. Dentes brevissimi,
velutini, uncinati fasciam angustam, ad symphysin interruptam for-
mantes, antecedente serie dentiuni pauIo fortioruni. Ossa pliaryngea
inferiora planum trianguläre *subacuminatum formantia, latere posfico
sinuato, dentibus brevibus uncinatis, intermediis obtuso-conicis. Arcus
brancbiales supra lobo sacciforrai corapresso instructi, latere concavo
crenatij brancbia externa latere concavo et lobo supra uiemorato
papillis pediculatis osseis compressis instructo. Radii branchiostegi 3.
Pinna ventralis, dorsalis et analis acuminata. Radii ossei pinnae ana-
lis 3. Squamae mediocres. — G. altifrons, megasevia, daemon, ju7'U-
pari, acuticeps, pajipaterra^ cupido Heck.
Chaetobra7ichus Heck. Habitus Labro Cuv. similis. Dentes
in series duas discretas ad symphysiu interruptam dispositi, velutini,
apice uncinati, externi reliquis vix fortiores. Ossa pharyngea infe-
riora Y-formia,brachiis Omnibus supra dentibus velutinis fortioribus mu-
nitis. Arcus brancbiales latere concavo seriebus duabus confertis seta-
rum crenatarum. Radii branchiostegi 5. Pinna ventralis, dorsalis et ana-
lis acuminata. Radii ossei pinnae analis validiores 3. Squamae me-
diocres. — Ch. flavesceyis, Irunneus Heck.
Cichla Heck. s. str. Habitus Percae similis. Dentes breves, ve-
lutini, fasciam latam formantes, Ossa pharyngea inferiora sagitti-
formia, convexa, dentibus tenuissimis brevibus confertim munita, in-
termediis paulo fortioribus. Arcus branchialis externus latere con-
cavo lamellis 20—86 osseis, cultriformibus, crenatis^ arcus intcrui
papillis compressis raargine scabris instructi. Apertura branchialis
magna. Radii branchiostegi 5. Maxiila inferior prominens. Nares
simplices, oculo approximatae. Praeoperculum integrum. Pinna dor-
salis supra pinnas ventrales incipiens, sinuata, Pinna caudalis, ana-
lis et radii anteriores pinnarum ventralium confertim squamati. Linea
lateralis siib parte posteriore pinnae dorsalis abrupte deflexa. Squa-
mae minutae. — C. tucunare Heck, C. monoculus Spix, C. temensis
Humb. Ferner gehören hierher: C. hrusiUensis Cuv., C. orinocensis
Humb., C. argus Val., C. atabapensis Humb.
Crenicichla Heck. Habitus Esoci affinis. Dentes breves, ve-
lutini, fasciam latara formantia. Ossa pharyngea inferiora planum
136
trianguläre, aequilaterale formantia, dentibus fortioribus uncinatis
munitum, serie posterioriim validiore. Arcus branchiales latere con-
cavo papillis osseis, conipressis, scabris. Apertura branchialis niedio-
cris. Radii branchiostegi 5. Masilla inferior prominens. Nares sim-
plices, ori approxiniatae. Praeoperculum margine posteriore denti-
culatum. Pinna dorsalis margine superiore recto, ante pinnas pecto-
rales incipiens. Pinna caudalis squaraata, reliquae nudae. Linea la-
teralis interrupta. Squamae minutae. — C. vittata, lenticulata, ad-
spersa, lugubris, funebris, Johanna, macrophthalma, lepidota Heck,
und ferner Peixa saxatilis Bl., CicJila labrina Spix. Ag.
Batrachops Heck. Corpus cylindricum obtusum. Dentes for-
tiores, breves, conici, in series duas discretas dispositi; serie inte-
riore breviore, gingiva incrassata occuUa. Labia crassa, dilatata, cre-
uulata. Ossa pharyngea inferiora planum trianguläre, lattim forman-
tia, dentibus brevibus conicis munitum, serie dentium posteriorum
fortiore. Arcus branchiales latere concavo papillis scabris. Apertura
branchialis mediocris. Radii branchiostegi 5. Maxiila inferior pro-
minens. Nares simplices, amplae, ad marginem sitae. Praeoperculum
subintegruni. Pinna dorsalis margine superiore recto, ante pinnas
pectorales incipiens. Pinna caudalis squamata, reliquae nudae. Linea
lateralis interrupta. Squamae minutae. — B. ret/'culatus, semifascia-
tus Heck.
Aus der Familie der Labroidcn finden sich einige neue
Arten aus Vandieniensland von Richardson 1. c. : Lahrits
tetricus, fucicola, psittaculus und Odax algensis, verwuindt
mit semifasciatus Cuv. Val. Eine mit Odax und Scarus ver-
wandte neue Gattung wird ebenda aufgestellt:
Oplect ognathus: corpus ellipticum, crassum, squamis parvis ob-
longis tcctum. Mandibulac modo Scaroruni dentes incorporatos ge-
reutes. Labium superius basi profunde sulcatum, intermaxillas fere
tegens, et cum illis niovens. Operculum osseum alte sinuatum, liinc
bilübatum, cum gona squamis parvis tectum. Dorsum monopterygium.
Costae branchiostegae quinque. Pinnae ventrales pone pectorales
sitae, radiis quinque ramosis et uno aculeato sustentatae. Radii acu-
leati pinnarum dorsi anique fortes. Fasciae squaraosae inter radios
articulatos pinnarum verticalium decurrentes. Eine Art O. Conwaü.
Auch gehört hierher Julis unimaculuta Lowe 1. c. von Valen-
cieunes unter dem Namen J. pavo mit J. turcica Risso verwechselt.
Auch Nord mann hat in DeraidofT's Vojage einige neue Cre-
nilabrtis aus dem schwarzen Meere. C Stuüii: griseo-olivaceus,
fusco fasciatus et reticulatus, lituris caudalibus binis atro-coeruleis,
fascia ante oculos fuscescente, pinnis pectoralibus dilute flavescenti-
bus. — Cr. pusillus: supra flavescens, viridi et fusco niaculatus et
puuctatus, subtiis argentatus, operculis auratis, pinnis omnibus, pect,
exceptis, rufo variegatis, stria sub oculos obliqua fusca. — Cr. MorelU
137
totus ruberrimus, ocello operculoriim maculaque caudae nigris, pinn.
dors. et anal rubris, fiisco-maculatis. — Cr. argenteostriatus .- supra
griseo-virescens, fascia longitudinali fusca et argenteo-maculata,
ocello operculorum riibro-marginato , macula inter oculos et labiis
lituraque ad caudara nigris, pinnis variegatis et niaculatis.
Coricus brama id. ib.: elongatus et compressus, dorso altiusculo,
supra griseo-olivascens, subtiis ex albido argenteus, fasciis dors.
transversis fuscis, pinn. dors. variegata.
jB. Malacopterygii»
Der 15. Band der Histoire naturelle des poissons von
Cuvier und Valenciennes enthält die Fortsetzung der Fa-
milie der Siluroiden. Es werden viele vortreffliche Gattun-
gen aufgestellt, und die vorhandenen zweckmässig beschränkt,
so dass jetzt die Familie 33 Gattungen enthält. Es ist Schade,
dass das Werk nicht auch eine äusserlich übersichtlichere Ein-
richtung hat, so dass es leichter wäre, die generischen Cha-
raktere herauszufinden. Diese ergeben sich in mehreren Fäl-
len erst aus den specifischen Beschreibungen, so dass es eines
genauen Studiums bedarf, um sich in die Unterscheidung zu
finden, und um danach Fische zu bestimmen.
Die neuen Gattungen sind: Galeichthys, Kopf rund, mit Haut
bedeckt, ohne deutlichen Helm. Kiemenhaut mit sechs Strahlen. Sechs
oder vier Bartfäden um den Mund. — Fang asius, Helm wenig cha-
grinirt, vier kurze Bartfäden, Flossenstrahlen nicht verlängert, zehn
Strahlen in der Kiemenhaut. — Silundia, Kopf klein, glatt, Fett-
flosse sehr klein, Afterflosse lang, zwei sehr kurze Bartfäden. Zwölf
Strahlen in der Kiemenhaut, nur eine oder zwei Reihen längerer
Zähne in den Kiefern. — Artus, die Gaumenzähne bilden zwei deut-
liche, von einander entfernte Platten. Zähne sanuuet-, hechel- oder
pflasterartig.— Auclicnipte rus, Kopf klein, Zähne kaum wahrzu-
nehmen, keine am Gaumen, fünf Strahlen in der Kiemenhaut. Rük-
kenflosse sehr weit nach vorn gestellt; ein knochiger Helm bis au
die Rückenflosse. A- furcatus Val. ist Silurus iiodosus Bloch. —
Trachelyopterus, keineFettflosse; sechs Bartfäden, Zähne sammet-
artig, keine Zähne am Gaumen, ein knochiger Helm bis an die Rük-
kenflosse. — Arges, wie Pimelodes, nur sind die Zähne am Ende
zweispaltig mit nach innen gebogenen Spitzen, in einer schmalea
Ouerreihe; Gaumen ohne Zähne. — Brontes, wie Arges, nur fehlt
die Fettflosse. — Saccohr anchus ist identisch mit der von J.Mül-
ler aufgestellten Gattung Heterojmeustes und ist auch auf denselben
Fisch begründet, da der Silurus fossilis Bl. mit Silurus singio Bucha-
nan sjnonjm ist. (Vergl. Müllers Archiv 1840. p. 115; Abhandlungen
der Acad. zu Berlin vom Jahre 1839. p. 343.) Diese Gattung ist be-
138
sonders ausgezeichnet durch zwei lange Luftsäcke, die in den Mus-
keln über dem Körper der Wirbel liegen und sich zAvischen den
Kämmen der Kiemen öffnen. — Chaca. Eine breite Binde Sammet-,
zahne auf dem Unterkiefer, und eine eben solche auf den Zwischen-
kieferknochen oben. Schlundknochen mit vier Platten sammetartiger
Zähne, ein kleiner Faden am Mundwinkel und zwei vor, zwei hin-
ter dei* Einlenkung des Unterkiefers. Sieben Strahlen in der Kie-
menhaut, Brustflossendorn dick, kurz, mit drei schneidenden Leisten,
zwei Rückenflossen, deren zweite in die Schwanzflosse übergeht,
zwei Afterflossen, von deren zweiter dasselbe gilt.
Eine neue Art Bagrus capeiisis beschreibt Smith 1. c. die Unter-
scheidung beruht aber bloss auf Farbenverschiedenheiten, sie mag also
wohl zu einer Valenciennesschen Capensischen Art gehören.
Valenciennes macht seine Untersuchungen über das
electrische Organ des Malapterurus electricus Lacep. be-
kannt. (Institut 1840. p. 277; Ann. d. sc. nat. XIV. p. 241.)
Er zeigt, dass sich zwischen der Haut und den Muskeln zwei
Häute finden, deren äussere das wesentliche Organ der electrischen
Batterie ist. Es ist ein nerveuses Organ, des wegen seiner Textur
und des grossen Gefässes, welches das Blut dahin führt, eine ana-
loge Struktur mit dem erectilen Gewebe hat. Die andere Haut ist
nicht einfach, sondern besteht mindestens aus 6 Häuten, die durch
Zellgewebe von einander getrennt sind.
C. U. Ekström erweist in den Abhandlungen der Schwe-
dischen Academie für das Jahr 1838 (daraus übersetzt von
Creplin, Isis 1840. p. 145), dass der Giebel Cyprinus gihe-
lio nichts anders sei, als eine durch Gefangenschaft in Teichen
degenerirte Seekarausche (Cyprinus carassius L.).
Mehrere neue Arten aus derselben Familie besclireibt Nord--
mann I. c.
Leuciscus Heckelii: macrolepidotus, exaltatus et compressus,
maxilla superiore sublongiore, ore subinfero, squamarura seriebus 8
supra et 4 infra lineam lateralem, pinna dors. alta pinnis ventr. su-
perposita, pinna anali radiis divisis 9—10.
Jspms fasciatus -. altiusculus, compressus, viridi-argenteus, fasciis
duabus longitudinalibus fusco-nigris, linea laterali nigra, bipunctata,
squamarum seriebus 9 supra et 4 infra lineam lateralem, pinna ani
radiis divisis 5.
Abramis tenellus; submicrolepidotus, altiusculus, compressus, squa-
narum seriebus 9 supra et 7 infra lineam lateralem, maxilla supe-
riore aliquantum longiore, pinna ani radiis divisis 17.
Cobitis merga (Krynicki in litt.) cirris 6, cauda lunata.
In der Familie Esocini beschreibt Reinhardt als neue
Art der Gattung Microstoma Cuv. einen grönländischen
139
Fisch, M. groenlandicus. Die Zähne des Oberkiefers sitzen
nicht im sehr kleinen Zwischenkiefer, sondern im Vomer, auch
findet sich ausser der ersten Rückenflosse, die vor den Bauch-
flossen steht, eine Fettflosse (Kroyer's Naturhistorisk Tids-
skrift III. p. 225).
Von Clupeaceen sind zwei neue Arten aufgestellt:
Clupea cultiventris Nordmann 1. c. corpore latiusculo, dorso
recto, abdomine convexo, ore supero.
Elops capensis Smith I.e. capite snperne dorsoque subolivaceis;
corporis lateribus superne viridibus purpureo-tinctis; lateribus subtus
partibusque inferioribus argenteo-albis; dorsali analique pinuis ad
basin vaginatis; pinnis pectoralibus ventralibusque ad basin squamis
luenibraneis marginatis, earuiuque posterioribus elongatis et acuniinatis.
Shaw hat seine Beobachtungen und Versuche, über das
Wachsthum und die Entwickclung des Lachses fortgesetzt (vergl.
dies Archiv V. II. p. 383). Die Meinung, dass der sogenannte
Parr das Junge des Lachses sei, wird bestätigt, besonders da-
durch, dass der Parr die Eier alter Lachsweibchen befruchtete,
und dass dies viele zeugungsfähige Nachkommen gab. Der
Uebergang des Farr's in die Tracht des Laclises erfolgt nach
vollendetem zweiten Jahre. (Edinburgh new philos. Journ. 1840;
Frorieps Neue Notizen XIV. p. 97.)
Thomas Jenkins theilt Bemerkungen über den Samlet
mit, und erklärt denselben für das Junge des Lachses (Salmon),
was mit Shaw's Beobachtungen übereinstimmt. (Londons Mag.
of nat. bist, new Series IV. p. 161.; Froriep's Neue Noti-
zen XIV, p.209.)
Thompson hält in einem Aufsatze (Notes on British
Char) den Salnio IJmlla L. und S. Salvelmus Don. für die-
selbe Art. (Ann. of nat. bist. VI. p. 439.)
In der Unterordnung der Kelilflosser hat Nord mann eine
neue Art, G'ß</?«£'?av«7<Sj beschrieben: rostro extra maxillas producto,
longitudine capitis altitudinem corporis superante, cirro mentali ab-
breviato, corpore supra griseo-violasceute subtus argenteo, cauda
sublunata.
Eine zu derselben Familie gehörige Gattung stellte Cantor auf:
Bregmaceros, Körper verlängert, zwei Rückenflossen, eine
Afterflosse, Bauchflossen sehr lang, aus einigen Strahlen bestehend,
Kinn ohne Bartfaden, ein Faden entspringt auf dem Scheitel des Kopfes.
Br. McClellandi, Kopf klein, Stirnfaden gleich einem Viertel der
Länge des Körpers, Bauchflossea gleich der Hälfte seiner Länge,
140 t
erste Rückenflosse hoch, fast dreieckig, die zweite sehr lang, vorn
niedrig und gleich, dann massig hoch, Afterflosse wie aus drei ver-
einigten Flossen bestehend: der erste Theil hoch und dreieckig, der
zweite niedrig und gleich, der dritte von massiger Höhe: Rücken und
Afterflossen entsprechen einander, Schwanzflosse gabelförmig.
Ueber einige nordische Arten der Gattung Plenrone-
ctes findet sich eine Abhandlung von Fries in diesem Archiv
VI. 1, p. 18.
N. O. Schagerström beschreibt üenLiparis Gobius, gefun-
den im Sunde bei Landskrona, sehr genau. (Abhandlungen der Schwe-
dischen Academie für das Jahr 1838, daraus übersetzt von Crepli;n
in der Isis 1940 p. 153.
Als neue Gattung der Kahlbäinche wird von Smith 1. c. aufgestellt:
Lejitorhynchus schlank, aalförmig. Kiefer fast gleich, schmal,
vorstehend. 3 Reihen Zähne im Ober-, 2 im Unterkiefer, die an der
Spitze die längsten und schwach gebogen, die übrigen kurz, spitz
und engj eine senkrechte, halbmondförmige Kiemenöffnung vor jeder
Brustflosse. Die Rückenflosse beginnt dicht hinter den Brustflossen,
und ist, wie auch die Afterflosse, schlank. Beide nehmen nach der
Spitze des Schwanzes ab. Keine Schwanzflosse. L. capensis, in der
Tafelbay. i
Zwischen Monopterus und Symbranchus stellt J. Müller eine
neue Gattung .Jmp/t«>noM5 auf. Kiemenloch an der Kehle, durcli eine
Scheidewand getheilt. Zwei Lungensäcke, die sich in die Kiemen-
höhle münden. Hakenförmige Zähne, keine Schwimmblase. A. Cuchia
(Abhandl. d. Acad. zu Berlin für d. Jahr 1839. p. 315.) ^
li
C. liophohranchii. j
Rathke beobachtete, dass bei Syngnathus aequoreus \\
und ophidion es die Weibchen sind, welche die Eier unter i
dem liauche tragen. (Miiller's Archiv 1840. p. 145.) I
A. Krohn fand auch bei Hippocampus hrevivostris ein |
Brutorgan. (Dies Archiv VI. 1. p. 16.)
Nur eine neue Art dieser Ordnung bei Richardson I.e.
Syngnathus argiis aus Van Dieniensland.
n. Pectognathi» ''
Ranz an i machte eine interessante Arbeit über die Mond-,
fische bekannt, die er als eigene Familie betrachtet. Er
nimmt 16 Arten an, die er in 6 Genera vertheilt. Zwei Arteiü
Orthragoriscus Alexandrini und Ozodura Orsini sind ab-
gebildet und neu, die andern sind bereits bei früheren Schrift-|
steilem beschrieben und verwechselt. Die Abhandlung steht
141
im dritten Theil der Novi Commentarii Academiae scientiarum
instituti Bononiensis. Bononiae 1839 und ist wohl wenig ver-
breitet. Daher nehme ich hier die Resultate derselben auf:
Sectio 1. Maxillae ambae bipartitae.
1. Cephalus Risso, mit zwei Arten: C. Lnna Ranz. (Ceph. Or-
thragoriscus Risso, Orthrag. Lima Rafin.) corpus scabrum in dorso
nigricans, in abdomine argenteum; latitudo ejusdera aequalis longi-
tudini; pinnae dorsalis et analis admodum longae, illa apice nigra;
caudalis mediocris. P. 12. D. 18. A. 16. C. 18. Mare medit. — C. elon-
gatus Risso: corpus leve coloris argentei, longitudo ejusdem duplo
major latitudine; frons supra oculos prominens, pinna caudalis brevis-
sima. P. 13. D. 20. A. 16. C. 84. Mare medit.
Sectio2. Maxiila superior Indivisa, inferior bipartita.
2. Tympa?t««m Ranz., nur eine Art: T. Planci Ranz. {Mola altera
Planci) corpus oblongum coloris argentei; pinnae pectorales amplae
rotuudatae et in margine postico sinuosae; pinnae dorsalis et analis
magnae, ovatae, crassae, caudalis mediocris margine evenato; basia
pinnarum caudae dorsi et ani fascia rugosa circumdata. Mare adriat.
Sectio 3. Maxillae ambae indivisae.
3. Diylanchias Rafin.: Foramen uniuscujusque branchiae du-
plex, nullum foramen supra oculos et in vertice. Pinna caudalis li-
bera,*ossiculis carens. Nur eine Art: D. nasus Raf. : longitudo cor-
poris major altitudine: color supra fuscus, subtus albescens, nasus
prominens. Mare siculum.
4. Trematopsis Ranz.: Foramen uniuscujusque branchiae uni-
cum; praeter foramioa narium alia quatuor in capite; duo pauIo su-
pra oculos, duo in vertice. Pinna caudalis non libera, ossiculis carens.
Eine Art: F. Willughei Ranz (the sun-fish Willug.) corpus breve,
dorsus nigricans, venter argenteus; pinnae pectorales subrotundae,
radiis 12; pinnae dors. et an. praealtae, in extreniitate trunci sitae;
pinna caud. semicircularis radiis rarioribus. Ocean.
5. Orthragoriscus Bl. 8chn. Foramen uniuscujusque branchiae
haud duplex; nullum foramen supra oculos, neque in vertice, pinna
caudalis non libera, ossiculis carens. Hierher 10 Arten: a. Maxilla
superior apice leviter bifida, inferior integra. O. Retxii Ranz. (Te-
trodon mala Retz.) corpus rotundatum, scabrum; pinna caudalis bre-
vissima, rotundata. b. Maxillae ambae integrae. a. Pinnae pectora-
les apice rotundatae: 0. Ghitii Ran?;. (Mola Salviani) corpus oblon-
gum supra cinereum, subtus subalbidum; pinnae dors. et an. in ex-
treniitate trunci sitae, pectoraUbus latiores et in acumen desinentes,
caud. mediocris omnino libera, basi fascia rugosa circumdata. Mare
medit. — O. Rondeletii Ranz.: corpus oblongum coloris argentei;
pinnae dors. et an. in extremitate trunci sitae, longiores et strictio-
res pectoralibus, apice obtusiusculae; caudalis mediocris omnino li-
bera? hujus basis fascia rugosa cincta. Mare medit. — O. Blochii
Ranz.: longitudo corporis paulo major altitudine, dorsura griseum,
142
lateribus ac venire coloris argen tei^ venter ac dorsum linibo auctis,
piunae dors. et an. in extreniitate trunci sitae, latae mediocris lougi-
tudinis, apice rotuudatae, colligatae cum pinna caudali, quae est me-
diocriSj inargine integro, radiis rarioribus. Ocean. — O. Aleaandrini
Banz, nov, sp. : corpus oblonguni, scabrum, in parte postica fere ova-
tum, colore fusco ac lutescente variumj fronte altissima proniinenti;
pinnae pect, in inargine posteriori ad basin sinuosae; pinna dors
ab extremitate dorsi haud paruni distans, analis extremitate ventris
insidens, utraque magna apice obtuso, basi fascia rugosa cincta; pinna
caud. brevissima, integra. P. 10. A. 15. D. 13. Marc adriat. — O. Redi
Banz.: pars posterior corporis veluti abrupte truncata; pinna dora.
fere in medio dorsi sita, pinna caud. nuUa. Mare medit. — ß. Pin-
nae pectorales apice in acumen desinentes: 0. aculeatus Banz. (O.
Jiispidus Bl. S., Diodo7i mola Pallas, Mola aculeata Koelreut., Mola
hüpida Nard.) corpus supra nigricans, subtus albo-argenteum, lou-
gitudo ejusdem minor altitudinej vertex canaliculatus, mucronibus
acutissimis in quatuor series a capite ad caudam digestis; pinnae
dors. et an. angustae apice acuto, venter limbo carnoso auctus; pinna
caud. nulla (Koelr.) brevissima, mutica (Pall). P. 13. D. 15. A. 16. —
O. elegmif Ranz. {O.oljlo7igus B\.S. wozu ein neuer Name?) Corpus
oblonguni, dorsum virescens,latera ac venter coloris rubro-lutescen-
tis; cutis rimis in particulas liexagonas divisa, pinnae fuscae, pjnnae
caud. et an. in extremitate trunci sitae mediocres, margine postico
integro, apice obtusiusculo, pinna caud. mediocris, margine crenato,
ac ubi dorsali annectitur profunde sinuosa. P. 13. D. 18. A. 18. C. 20.
Mare atlant. — O. Buttarae Ranz. {Mola Planci Nard.) corpus ob-
longum leve, coloris argcntei, in utroque pectoris latere quinque
seriebus punctorum nigrorum uotatnm; cutis rimis in particulas hexa-
gonas oblongas divisa; pinnae dors. et an. in extremitate trunci sitae,
apice acutae, margine posteriori crenato; pinna caud. mediocris, cum
anali ac dorsali omnino convexa, margine integro, radiis rarioribus
apice veluti in penicillum desinentibus. Mare adriat. — O. var/'us
Cuv. {Mola peregr/iia Jonston) corpus oblongura fuscum, maculis ac
fasciis pallidis fuscopunctatis; pinnae dors. et au. mediocres in poste-
riori margine crenatae, caudalis mediocris margine crenata, fere
omnino a dorsali sejuncta.
6. Ozodura Banz. Foramen uniuscujusque brancliiae haud du-
plex; pinna caudali ossiculis triangularibus ad marginem quasi redi-
mita. Eine Art: O. Orsini üanz. nov. sp. : corpus oblongum scabrum,
fuscum; supra maxillam superiorera tuberculum in discum osseum
desinens; dorsum limbo auctum; pinnae pectorales rotundatae, ad
partem posticam basis sinuosae, pinnae analis et dors. in extremitate'
trunci sitae, caudalis mediocris fere merabranacea, pellucida, radiis
cartilagineis rarioribus, ossiculis transverse triangularibus cute vesti-
tis ad marginem veluti redimita. P. 13. D. 16. A. 14. C. 14. Mare adriat.
Jonathan Couch spricht von einem in Cornwall gefangenen
143
Exemplar des Orth. oblongus, und bestätigt die Verschiedenheit der
Art von O. mola. Er giebt die Maasse und Flossenstrahlen (P. 15.
D.18. A. 17. C. 18.) an. Es fragt sich sehr, ob er wirklich einen O.
oblongtis (0. elegans Ranz.") vor sich gehabt hat. Die Zahlen spre-
chen für das Gegentheil, da sie weder mit der Ranzanischen, noch
mit der Schneiderschen Angabe und dem hiesigen Originalexemplare
übereinslimmen (Anuals of nat. bist. VI. p. 144).
O'Bryen Bellinghara beschreibt einen an der Irischen Küste
gefangenen Orthragoriscus als O. mola. Die Beschreibung stimmt
vollkommen mit einem Exemplare des hiesigen Museums überein und
gehört jedenfalls der Gattung 0%odura Ranz, an, ist aber eine neue
Art, da ein Knochenstück mehrere Zoll unter dem Unterkiefer vor-
handen ist und die Strahlen in der Schwanzflosse den Zwischenräu-
men zwischen den Knochenstücken derselben entsprechen, wogegen
dieselben in Ranzani's Abbildung und in zwei Exemplaren des Ana-
tomischen Museums gerade auf diese Knochenstücke zugehen. (Loud.
Mag. of nat. bist, new series IV. p. 235.)
Auf einige Eigenthüiulichkeiten in der Bildung des Orthragoriscus
mola machte Goodsir in der Wernerian Society aufmerksam. Es
umgiebt das Thier ein zähes, weisses gelatinöses Zellgewebe von
J — 6 Zoll Dicke, welches die Haut ersetzt. Der Schwanz ist selir
eigenthümlich, die Wirbelsäule verkümmert und endet in einfache
Schwanz- Wirbel; die Strahlen der Schwanzflosse sind durch freie
Knochenstücke, welche zwischen ihnen liegen, gestützt. Verf. spricht
also von demselben Fisch, wie Bellingham. Die Seitenmuskeln des
Rückgrats und die Abdominalmuskeln fehlen ganz, wogegen die Mus-
keln der Rücken- und Afterflosse stark entwickelt sind (Anuals of
nat. bist. VI. p. 522).
VonLicnard wird ^Ine nQue Axt Orthrago7'iscns lanceolatus von
Islc de France aufgestellt, die von denRanzanischen verschieden ist,
und zur Gattung Or//tr«fgor?*c?<.9 Ranz, gehört. Dieser Fisch ist durch
eine lancettförmige, zugespitzt abgerundete Schwanzflosse ausgezeich-
net (Guer.Rev. zool. 1840. p.291. und dessen Mag. de zool. 1841pl. 4.)
In den Novi commentarii acad. scientiarum inst. Bononiensis
Tom. III. p. 359 steht auch ein Aufsatz von A. Alessandrini de pi-
sciiun apparatu respirationis tum speciaüm Ort hragoris et {Orth.
Älexandrini Ranzani) und ist von vier Tafeln begleitet.
Bei Richardson I. c. werden als neu beschrieben: Ostracmi
spüogaster, Monacanthus rudis, Akuteres maculosus und A. para-
gaudatus.
JB. Mleutherobranchi,
CaUorhyuchus Tasmanius Richardson 1. c. verwandt mit C.
Smythii Lay et Bennett, die zweite Rückenflosse beginnt hinter der
Bauchflosse, und hört vor dem vordem untern Lappen der Schwanz-
flosse auf.
144
I'. JPlagio Storni»
Stannius macht eine Bemerkung über die männlichen Ge-
schlechstheile der Rochen und Haien (Müller'sArch, 1840. p. 41.)
Ha 11 mann: Ueber den Bau des Hodens und die Entwicke-
lung der Samenthiere der Rochen (ib. p. 466.)
Die Monographie der Plagiostomen „Systematische Be-
schreibung der Plagiostomen von J. Müller und J. Henlf
mit 60 Steindrucktafeln, Berlin 1841 ist nun ganz vollendet.
Da die Verfasser die Materialien aller wichtigen fremden Mu-
seen benutzt haben, so findet sich soviel des Neuen, dass es
nic^t thunlich ist, auch nur das Wichtigste hier aufzunehmen.
Die Eintheilung in Familien und Gattungen ist bereits früher
in dieser Zeitschrift (Jahrgang 1837 und 1838) mitgetheilt
worden. Jedenfalls wird dieses Werk die Grundlage für alle
späteren Forschungen bilden.
Lowe spricht (Proc. 1840 p. 38) von zwei Haifischen Madeira's,
die er als neu ansieht. Der eine, Carcharias microps, soll sich
durch die Kleinheit des Auges und die, in beiden Kiefern gleichen,
zweireihigen Zähne auszeichnen.. Ob er mit einer Art von Müller
Henle zusammenfällt, lässt sich nach dieser kurzen Angabe nicht
entscheiden. Der andere Alopecias super cilios^is soll sich von
Alopias vulpes Bonap. durch die sehr grossen Augen und die vor-
springenden Augenbrauen unterscheiden.
De Freminville beschreibt einen Cestracion Quoyi als
neu; nach der Mittheilung des Herrn Prof. J. Müller ist es jedoci
nichts als C. Philippi. (Guer. Mag. d. Zool.)
Nach Arthur Strickland kommt Echinorhlnus spinosus
Bonap. {Sqnalus spinosush., Echmorhinus obesus Smith) an der Küste
von Yorkshire vor (Annais IV. p. 315.)
Bennet erwähnt eines leuchtenden Haifisches (Sqnalus ßdgens
n. sp.), der jedoch nicht zoologisch beschrieben wird. (Aus Bennet's
Voyage H. p. 255 in Edinburgh new phil. Journ. 29. p. 196.)
Es finden sich auch bei Andrew Smith I. c. drei Haifische ab-
gebildet, welche bereits von Müller und Henle in den Plagiostomen
beschrieben sind: Mustelus megalopterus Sm. ist Mustelus vul-
garis Müll. Henle; Echinorhinus obesus Sm. ist Echinorhinus
spinosus Bonap., endlich Carcharodon cape7isis Sm. ist Car-
charodon Rondeletii Müll. Henle.
M'Coy spricht (Annais of nat. bist. VI. p. 405) über einige
Bochen. Eine Raja ohne Speciesnamen wird für neu gehalten, is'
jedoch gewiss Raja radula de laRoche; Raja microcellataMa^-
tagu wird beschrieben. Torpedo emarginatu wird als neu auf-
geführt und in Holzschnitt abgebildet, scheint jedoch identisch mi'
Torpedo nobiliana Bonap. zu sein.
i
145
Bericht über die Leistungen in der Naturgescliicbte
der Insecten, Aracliniden, Crustaceen und Ento-
mostraceen während des Jahres 1840
vom
Herausgeber.
VVenn die Ansdehnung der Entomologie schon so beträchtlich
geworden ist, dass nur Wenige ihrer Freunde es nicht aufge-
ben, sie in ihrem ganzen Umfange zu pflegen, und die Meisten es
vorziehen, sich mit desto grösserer Energie mit der einen oder
der andern grösseren oder kleineren Abtheilung zu beschäfti-
gen — und in der That haben gegenwärtig einzelne Ordnun-
gen einen gleichen, wenn nicht grössern Umfang als noch vor
wenigen Jahrzehnden die ganze Klasse — ; darf es um so
Vveniger befremden, dass man der Wissenschaft selbst so enge
Gränzen als möglich steckte, und sie auf die Lehre von den
Insecten im engern Sinne der Neuern beschränkte. Ob diese
weite Absonderung der Crustaceen und Arachniden von den
eigentlichen Insecten auch wissenschaftlich begründet ist, ist
eine andere Frage. Der ehrwürdige Latreille wenigstens ver-
harrte bis ans Ende darin, alle diese Klassen als ein Ganzes
zusammenzufassen.
Ref., zoither auf die specielle Bearbeitung dieser ganzen
Abtheilung des Thierreichs angewiesen, glaubte darin noch eine
Aufgabe zu finden, die bisher immer schwankenden systemati
sehen Verhältnisse der drei Cuvierschen Klassen festzustellen
und dieselben mit Characteren zu begründen, und begann eine
unter dem Titel „Entomographien" herausgegebene kleine
Sammlung entomologischer Abhandlungen mit einer Unter-
suchung: Ueber zoologische Charactere der Insecten, Aracli-
niden und Crustaceen.
Die Iiisecteti im Sinne der Neuem unterscheiden sich durch-
greifend und characteristisch dadurch, dass hei ihnen Kopf, Thorax,
Archiv f. Nalurgesch. YII. Jahrg. 3. Bd. 10
146
Hinterleib voUkoiumen geschieden siod, der Kopf nur Mundtheile und
Sinnesorgane, der Thorax ausschliesslich die Bewegungsorgane (da-
her stets nur drei Paar Beine, und daher nur hier Flügel), der Hin-
terleib nur die Organe der Ernährung und Fortpflanzung enthält. Im
Munde 3 Kieferpaare, das dritte mit dem Kinn und der Zunge zur
Unterlippe verwachsen.
Die Arachniden haben mit den Insecten noch die beständige
Absonderung des Hinterleibes vom Vorderleibe (Cephalothorax) ge-
mein, allein die Sonderung zwischen Kopf und Thorax hört auf, und
die Zahl der Fusspaare vermehrt sich um eins, indem nämlich das
dritte Kieferpaar (die Lippentaster der Insecten) zum vordersten
Fusspaar wird, welches bei einigen (^Galeodes, Vhryims, auch einigen
Milben) noch klaueulos, bei den meisten aber mit gleichen Klauen
wie die übrigen Füsse versehen ist. Die über dem Munde belind-
lichen, meist zangenförmigen Theile, welche Latreille als Fühler deu-
tete, sind als erstes Kieferpaar (Mandibeln) nachgewiesen. Von dem
Verschmelzen des Kopfes mit dem Thorax, wodurch auch der erstere
bei der Umgestaltung des ihm angehörenden letzten Kieferpaares zum
Fusspaar als ein bewegender Theil des Körpers auftritt, ist das Zu-
rücktreten der bei den Insecten so hoch ausgebildeten Sinnesorgane,
der zusammengesetzten Augen und der Fühler eine leicht erklärbare
Folge, daher dieser Mangel ebenfalls als characteristisch für die
Klasse der Arachniden zu betrachten ist.
Die Crustaceen und Entojnostraceen unterscheiden sich da-
durch scharf und characteristisch von den Insecten und Arachniden, das;S
die Trennung des Körpers gleichsam in eine animalische und vege-
tative Hälfte, erstere mit Sinnes- und Bewegungs-, letztere mit den
Ernährungs- und Fortpflanzungsorganen, aufhört, indem hier auch
die Segmente des Hinterleibes, wie bei jenen die des Thorax, jedes
sein Fusspaar bekommt. Für die eigentlichen Crustaceen ist der
Uebergang der Fusspaare des Thorax zu Mundtheilen (also gerade
das umgekehrte Verhältniss wie bei den Arachniden) characteristisch.
Bei der Mehrzahl theilt sich der Hinterleib in zwei Portionen, eine
Brustportion, aus den 5 ersten »Segmenten bestehend, deren Beine
hauptsächlich die Bewegung des Körpers auf sich nehmen, und eine
Schwanzportion, deren Beine zwar in der Regel vorhanden, aber
nie beim Kriechen mit auftreten. In innern Bau zeigt sich diese Son-
derung in zwei Portionen dadurch bedingt, dass die Geschlechtsorgane
nur in der vorderen Platz nehmen, während der Nahrungskanal noch
die hintere durchläuft. Bei den Decapoden sind es nur die 5 Fuss-
paare der vorderen Hinterleibsportion, welche zum Auftreten und
zur Fortbewegung des Körpers geeignet sind, der Thorax ist ganz
verschwunden und seine Beine sind alle 3 Paare zu Mundtheilen (Kie-
ferfüsse) umgestaltet. Der Kopf ist unmittelbar mit dem ersten Hin-
terleibssegment verschmolzen, (der Magen liegt zunächst hinter dem
Gehirn) und Fühler und zusammengesetzte Augen stehen gleichsam
147
als üeberreste eines selbstständigen Kopfes auf besonderen Stielen.
Bei den Stomapodeii sind ganz ähnliche Verhältnisse. Bei den Am-
jihipoden ist nur das erste Segment des Thorax eingegangen und
auch nur das erste Fusspaar legt sich in Gestalt von Mundtheilen
an die Unterseite des Kopfes, der hier immer selbstständig vorhan-
den ist, daher auch keine gestielten Augen mehr. Bei den Isopoden
ist das Verhältniss des Kopfes dasselbe, die beiden letzten Thorax-
segmente gleichen den 5 ersten Hinterleibsegmenten, ihre Beine mehr
oder weniger den Beinen derselben, daher 14 Fusspaare. D^ Beine
der Schwanzportion des Hinterleibes sind plattenförmig. Bei den
Laemodipoden ist diese Portion rudimentär, sonst die Uebereinstim-
mung mit den Isopoden ziemlich gross.
Es bleiben noch solche Crustaceen übrig, bei welchen kein Ge-
gensatz zwischen den vordem und hintern Segmenten des Hinterlei-
bes stattfindet, sondern diese unter einander und mit denen des Thorax
eine gleiche Gestalt haben und dem gemäss auch alle in gleicher Weise
zur Fortbewegung des Körpers geeignet sind. Solche sind die My-
riapoden. Nur das erste oder die beiden ersten Fusspaare sind hier,
dem Character der Klasse gemäss, zu Mundtheilen umgestaltet.
Die Entomostraca scheinen sich eben sowohl von den Cru-
staceen, als die Arachniden von den Insecten absondern zu lassen.
Mit den Crustaceen haben sie das gemein, dass die Hinterleibssegmente
mit Beinen oder Beinen analogen Organen versehen sind, entfernen sich
aber darin, dass der Mund nur seine 3 Kieferpaare besitzt, übrigens
nicht vor, sondern zwischen den Beinen des Thorax seine Stelle haf,
so dass die Vorderbeine beständig vor dem Munde sitzen, und daher
bei Manchen auch als Fühler gedeutet sind. Bei Limulus allein sind
die Beine des Thorax und die 3 Kieferpaare in so fern nicht unter-
schieden, als sie eine übereinstimmende Form haben, weiche zwischen
der der Mundtheile und der Beine in der Mitte steht, so dass hier
die eigentliche Identität dieser beiden Organe recht augenfällig ist,
die indess auch bei den Crustaceen und Arachniden stets wahrzuneh-
men ist. Die Entomostraca stellen sich als zwei neben einander fort-
laufende Reihen dar, die eine ohne, die andere mit einem Paar Fühler.
Die erste führt von Limulus durch Apus und die Daphuien-artigen
Lopbyropoden zu den Cirripedlen^ die andere von Branchipus durch
die Cyc^/;*-artigen Lophyropoden zu den Parasiten (^Lernaeeii). Zur
richtigen Deutung der Theile und somit zur richtigen Kenntniss der
Structur glaubt Ref. hier manchen Wink gegeben zu haben, inzwi-
schen wird gerade hier noch einer sorgsamen Beobachtung der Ent-
wickelungsgeschichte ein grosser Raum zur Aufklärung unserer Kennt-
nisse bleiben.
Im Allgemeinen sind hier nur Abtheilungen, welche längst ge-
macht waren, durch Charactere begründet. Nur in der Einordnung
der Myriapoden ia die Klasse der Crustaceen ist eine Abweichung
von der allgemein heri-schenden Aiisicht. Nimmt man als wesent-
10*
148
liehen Character der Crustaceen, wie es bisher geschehen, den Besitz
von Kiemen an, können sie allerdings dort nicht stehen, und in die-
sem Falle, da ihre ganze Körperbildiing die Vereinigung mit den In-
secten verbietet, würde der von Leach in Errichtung einer eigenen
Klasse getroffene Ausweg noch der beste sein. Es scheinen aber die
Modifikationen der Respirationsorgane nicht eine solche Bedeutung
zu haben, dass nicht mehrere Formen neben einander in einer Klasse
vorkommen könnten. Schon bei den Insecten findet sich neben der
Trachewi- auch Kiemenathmiing in manchen Jiigendzuständen. Bei
den Arachniden lässt sich nicht einmal mehr der Unterschied zwischen
solchen mit Lungensäcken und solchen mit Tracheen festhalten, da
mehrere Formen (die 6-ängigen Spinnen, z. B. Segestria, Dysdera
nach Duges, und die Galeodes nach Ehrenberg) beide Arten der Re-
spirationswege zugleich besitzen. Und die Crustaceen zeigen so
vielfache Modificationen der Athmungsorgane, von vollständiger Kie-
men- bis zur Hautrespiration, z. Th. selbst nach dem Aufenthalt des
Thieres, dass es, wenn man nicht einen einzelnen Typus, sondern
die Entwickelung des Organs in der ganzen Reihe vor Augen hat,
nicht zu sehr befremden kann, sich noch in derselben Klasse ein
Tracheensj'stem entwickeln zu sehen. Die Untersuchungen über den
innern Bau der Arachniden und Crustaceen sind noch nicht in sol-
chem Umfange geführt worden, als dass aus ihnen schon die bestän-
digen Eigenthümlichkeiten der verschiedenen Klassen hervorgehen
sollten. Ohne Zweifel ^verdeu sie sich aber, wie es sonst überall
rfer Fall ist, mit den Unterschieden der äussern Organisation im Ein-
klänge zeigen. Die Uebereinstimmungen, welche die Myriapoden im
innern Bau mit den Insecten und Arachniden darbieten, scheinen nur
atif die nahe Verbindung aller drei Klassen hinzuweisen,* welche vom
Ref auch nach der äussern Organisation nicht als getrennte Glieder,
sondern als nach verschiedenen Richtungen ausgehende Entwicke-
lungen einer und derselben Grundform nachgewiesen sind. Die
Myriapoden sind das Glied, welches die Crustaceen mit den Insecten
und Arachniden verbindet. Es ist aber eine ganz verkehrte Ansicht,
welche das verbindende Glied mit einer als höher stehend betrachte-
ten Gruppe an die Spitze der Abtheilung stellt. Denn so wie man
ein Fortschreiten der Organisation im ganzen Thierreich annimmt, ist
es auch in jeder einzelnen Abtheilung desselben wieder zu finden, und
gerade diejenigen Glieder, in welchen der Character ihrer Abtheilung
am Vollkommensten ausgeprägt ist, und die daher die erste Stufe in
derselben einnehmen, entfernen sich von den übrigen Abtheilungen
am Meisten j ein Uebergang von einer Abtheilung zur andern kann
also nur da stattfinden, wo der Abtheilungscharacter sich am Wenig-
sten geltend macht, gerade in den unteren Gliedern. Und hier sind
denn auch die Annäherungen gewöhnlich nach mehreren Richtungen
hin zu bemerken. So können die Chilognathen recht wohl die unterste
Stufe der eigentlichen Crustaceen einnehmen, im äussern Bau eine
149
frappante Analogie mit den Nereiden, in der innernOrganisation dage-
gen bedeutende Uebereiastimnmngeu mit den eigentlichen lüsecten
combinirend. Die zweite Stufe, die Chilopoden, vermitteln im äussern
Bau allmälig eine Annäherung an den der Isopoden, während sie in
ihrer innern Organisation mit den Arachniden mehrfach übereinkom-
men. Beide Myriapodenabtheilungen tragen dabei entschieden den
Klassen-Character der eigentlichen Crustaceen an sich, nämlich Besitz
von Fusspaaren an denHiuterleibssegmenten undüebergang der vor-
dersten Fusspaare zu Mundtheilen.*)
Von grosser Wichtigkeit ist auch die Berücksichtigung der Ent-
wickelungsgeschichte, welche b^i den Crustaceen und Entomostra-
ceen lange unbeachtet geblieben, und erst in neuerer Zeit des gehö-
rigen Interesses gewürdigt, nicht minder durchgreifend ist als bei den
eigentlichen Insecten, aber hier eine gerade entgegengesetzte Rich-
tung nimmt. Denn während bei den Insecten (die eine vollkommene
Verwandlung haben) der Thorax erst zuletzt als bewegender Kör-
pertheil ausgebildet erscheint, — bei den Larven nimmt da, wo über-
haupt Beine vorhanden sind, noch der Hinterleib entweder durch After-
füsse wie bei den Raupen, oder durch Nachschieber, wie bei den Kä-
ferlarven, an der Fortbewegung Antheil — ist bei den jungen Cru-
staceen (und Myriapoden) anfänglich nur der Thorax mit Fusspaaren
versehen, und die des Hinterleibes treten erst später nach und nach
auf, ja die Entomostraceen kommen als blosser Cephalothorax aus
dem Ei und der ganze Hinterleib entwickelt sich erst später.
Den Bau der zusammengesetzten Augen der Insecten und
Crustaceen hat Dr. Will in seinen „Beiträgen zur Anatomie
der zusammengesetzten Augen mit facettirter Hornhaut, Leip-
zig 1840" ziemlich umfassend und gründlich erläutert. Seine
Beobachtungen bestätigen die von J. Müller und R. Wagner.
Der Schluss, dass diese zusammengesetzten Augen sich als eine
Menge sehr innig mit einander verbundener Augen darstellen und
dass die aggregirten Augen von ihnen zu den einfachen den üeber-
gang bilden, ist sehr richtig. Schon bei eigentlichen Insecten giebt
*) Ich glaubte hier etwas weitläuftiger meine Ansicht über die
systematische Stellung der Myriapoden erörtern zu müssen, weil sie
von der allgemein herrschenden so sehr abweicht, dass nicht noch
manche Einwendungen dagegen gemacht werden sollten, wie in der
That auch Dr. Stein (Diss. de Myriapodura partibus genitalibus Berol.
1841) sich mit einiger Emphase gegen dieselbe ausgesprochen hat, ohne
inzwischen die Gründe anzutasten, aus welchen meine Meinung her-
vorgegangen ist. Will man die Myriapoden nach üebereinstimmun-
gen des innern Bau's unterbringen , können sie consequenter Weise
nicht zusammenbleiben, sondern man müsate die Chilopoden mit den
Arachniden; die Chilognathen mit den Insecten vereinigen,
150
es Fälle, wo statt der zusammeügesetzten , a^gregirte Augen vor-
kommen, und zwar in der Art, dass die einzelnen Facetten rund,
und durch Zwischenräume von einander getrennt sind. Von Psela-
phus hat ein solches Auge Schmidt in seiner Diss. über die Pselaphen
(Prag 1837) abgebildet. Ebenso findet es sich bei Scydmaenus, den
Strepsipteren, und vermuthlich noch bei mehreren Insecten, deren
Kleinheit aber der Untersuchung der iunern Structur unendliche
Schwierigkeiten entgegenstellen wird.
Ueber den Nutzen der Antennen sind in den letzteren
Jahren mehrere Ansichten geäussert worden, welche zum Theil
nicht ganz mit einander übereinstimmen. Die vor längerer
Zeit besprochenen Untersuchungen von Nevvport über diesen
Gegenstand sind bisher noch nicht bekannt geworden, inzwi-
schen hat Duponchel (Rev. Zool. S. 75) die Meinung aus-
gesprochen, dass die Fühler ein Sinnesorgan wären, bestimmt
den Zustand der Atmosphäre zu untersuchen, wie dies schon
1799 von einem Deutschen, Lehmann, erkannt sei, der ihre
Function mit Aeroscepsis bezeichnet habe. Dabei würden sie
den Gehör- uqgjl Geruchsiun gleichzeitig ermitteln. Es ist wün-
schensvverth und an der Zeit, dass dieser Gegenstand durch
die Anatomie mehr aufgehellt wird, und die neuern Entdeckun-
gen eines Gehörorgans bei den Molluscen lassen hoflfen, dass
bei den Insecten Aehnliches aufgefunden werde. Namentlich
wird es wichtig sein, zu erfahren, wie die Arachniden für den
Besitz der Fühler entschädigt werden, da sie oflPenbar nur des
Organs, nicht aber der augenscheinlich an dasselbe gebundenen
Sinne ermangeln.
lusecteu.
Diese Klasse wird von den Entomologen vorzugsweise
gepflegt und die entomologischen Gesellschaften von Paris und
London und der im Jahre 1839 unter dem Vorsitze des
Dr. Schmidt in Stettin gegründete entomologische Verein för-
dern dieselbe durch Vereinigung vieler Kräfte. Die Schriften
der ersten (Annales de la Societe Entomologique de France)
sind bis in die neueste Zeit fortgegangen (der 9. Band ist im
Laufe des Jahres 1840 erschienen, aus den beiden früheren Jahr-
gängen sind die einzelnen Lieferungen, welche in den zwei letzten
Jahren dem Ref. niclit zugänglich geworden waren, im gegen-
wärtigen Bericht mit benutzt worden). Die Londoner Gesell-
151
Schaft hat ini Jahre 1840 keine neue Lieferung ilirer Abhand-
hingen erscheinen lassen, und hat daher die Berücksichtigung
ihrer Arbeiten auf die Erwähnung der in dem Magazine of
nat. history mitgetheilten Proceedings beschränkt bleiben müs-
sen, mit Ausnahme einer Abhandlung, welche Ref. der beson-
deren Mittheiluug des Verf. verdankt. — Auch der Stettiner
Verein hat durch die mit dem Jahre 1840 von ihm ausgege-
bene Entomologische Zeitung von seiner Thätigkeit öffent-
liche Kunde gegeben.
Von den der Insectenkunde ausschliesslich gewidmeten
Zeitschriften ist Germars „Zeitschrift für die Entomologie"
mit sicherm Schritte vorgerückt, von Silbermanns „Revue
Entomologique" sind einige Lieferungen (27 —30 Liv. V. Tom.)
verbreitet worden, endlich liegen auch die beiden letzten Jahr-
gänge (1839 und 1840) des für die Entomologie vorzüglich
wichtigen Bulletin de la Societe Imperiale des Naturalistes de
Moscou vollständig vor.
Eine allgemeine Einleitung in die Insectenkunde enthält
der erste Band von der Entomology der Naturalists Library.
Sie ist vonDuncan verfasst, und giebt eine kurze aber zweck-
mässige Uebersicht über die Verwandlungsgeschichte, den äussern
und Innern Bau, das Wichtigste der physiologischen Erschei-
nungen und zuletzt einen Abriss vom System. Auf die Ord-
nungen der Orthoptera, Neuroptera, Hemiptera und zum Theil
auf die Hymcnoptera und Diptera ist besondere Rücksicht ge-
nommen, und sind auch viele, besonders merkwürdige und
auch einige neue For^nen als Beispiele näher erläutert und ab-
gebildet. Vier Bände waren bereits früher erschienen, näm-
lich der zweite, welcher von den Käfern handelt, und der
dritte, über die Britischen Tagschmetterlinge, 1835, der vierte,
über die Britischen Nachtschmetterlinge, 1836, der fünfte über
die exotischen Schmetterlinge 1837, alle aus den Händen des-
selben Verfassers. Des sechsten über die Bienen (1840) wird
unten Erwähnung geschehen. Der Zweck des Unternehmens
ist nicht Erweiterung, sondern Verbreitung der Wissenschaft.
Westwood's vortreffliche „Introduction to the modern
Classification of Insects" ist vollendet worden, und bildet zwei
tüchtige Octavbände mit zahlreichen, sehr instructiven , gröss-
tentheils nach Originalzeichnungen gemachten Holzschnitten,
152
(133 Platten.) In den letzten Lieferungen sind noch die Stre-
psiptera,Lepidoptera, Hornoptera, Heteroptera, ^phanipteia
und Biptera abgehandelt. Einen Anhang bildet ein systema-
tisches Verzeichniss der zur Britischen Fauna gehörenden Gat-
tungen. Ungern vermisst man in diesem Werke ein Register
und — die Abtheilungen der Thysanura und Anoplura, wel-
che doch jedenfalls wirkliche Insecten sind.
Burm e ister 's Genera Insectorum sind mit mehreren Lie-
ferungen fortgesetzt worden, und die Darstellungen nicht weni-
ger sorgsam, als es von den ersten vor zwei Jahren in diesen
Berichten gerühmt wurde. Die anfängliche Einrichtung indess,
nach welcher nur solche Gattungen abgebildet wurden, welche
in des Verf. Handbuche der Entomologie abgehandelt sind, ist
aufgegeben worden und die Aufmerksamkeit des Verf. jetzt
hauptsächlich auf Lamellicornen gerichtet.
Auf die Europäische Insectenfauna bezieht sich Herrich-
Schäffer's Nomenciator Entomologicus, Hft. IL, enthaltend
eine Aufzählung der Europäischen Coleoptera, Orthoptera, Der-
maptera und Hymenoptera. Das Verzeichniss der Coleopteren
ist ein blosser Auszug aus Dejeans Catalog, mit Uebergehung
der Staphylinen, Xylophagen und Curculionen, bei den übri-
gen Ordnungen sind erst die Gattungen, dann die Arten syno-
ptisch, und zuletzt alphabetisch mit den Synonymen aufgeführt.
Von den Hymenopteren ist das Fliigelgeäder der verschiedenen
Gattungen auf 8 Tafeln abgebildet.
Die Panzersche Insectenfauna Deutschlands ist in gewohn-
ter Weise von Koch und Herrich-Schäffer weitergeführt
worden und wird dieselbe bei den Hymenopteren und Acari-
den näher erwähnt werden. Von Faunen einzelner Europäischer
Länder, welche sich über die ganze Insectenklasse verbreiten,
ist ausserdem nur noch der Fortsetzung von Rambur 's Faune
Entomologique de l'Andalousie zu erwähnen, von der eine
vierte Lieferung erschienen ist, deren Text den grösstenTheil
der Hemiptera Heteroptera, und deren Tafeln die eine Locusten,
die übrigen Schmetterlinge enthalten. Ueber die neuen Arten
von Hemipteren wird unten Nachricht gegeben.
Unsere Kenntniss der Fauna der Berberei erhielt einen
Zuwachs durch Moritz Wagners „Reisen in der Regentschaft
Algier," deren dritter Band die zoologischen Entdeckungen des
153
Reisenden veröffentlicht, tue Lepidoptera von ihm selbst, die
übrigen Insectenordnnngen vom Ref. bearbeitet.
Die geographische Verbreitung dieser Insecten ist besonders be-
rücksichtigt und erörtert. Ref. hatte vorzüglich die Coleopteren im
Auge, welche in grösserer Vollständigkeit gesammelt waren. Eine
Anzahl von Arten gehört auch der mitteleuropäischen Fauna an, eine
grössere verbreitet sich über alle Küstenländer des mittelländischen
Meeres, wenige mit Einschluss, die meisten mit Ausschluss Aegyp-
tens, welches in seiner Fauna mehr den Character Mittelafrika's
zeigt. Die meisten Arten hat Algerien mit den gegenüberliegenden
Italienischen Inseln Slcilien und Sardinien, weniger mit dem Italischen
Festlande gemein, wie dasselbe mit der Spanischen Halbinsel und
dem gegenüberliegenden Marocco der Fall ist, und es trifft öfter zu,
dass Spanisch-Maroccanische und Italisch-Algiersche Arten im Ver-
hältniss der Analogie zu einander stehen. Seltener hat Algier mit
Marocco und Spanien Arten gemein, welche der Italischen Fauna
fehlen (als Clythra Lentisci), noch seltener treten Aegyptische und
Arabische Arten (z. B. Graphipterus serrator^ Cleonus clathratus) in
Algier auf, oder verbreiten sich gar südrussische Arten (Onitis Menal-
cas) dahin. Bei alledem fehlt es an eigenthütnlichen Arten nicht. Die
Schmetterlinge zeigen nicht so characteristische Stellungen in geo-
graphischer Beziehung, indem die weite Verbreitung einzelner Arten,
welche bei den Coleopteren seltener, hier Regel ist. Ein Dritttheil
der beobachteten Schmetterlinge ist über ganz Europa, die übrigen
sind um das ganze Bassin des Mittelmeeres, wenigstens über alle
europäischen und asiatischen Küstenländer desselben verbreitet, mit
Ausnahmen von nur 2 Arten, welche neu und Algerien eigen zu sein
scheinen. Ausserdem erzeugt indess die Atlaskette eine Reihe
eigenthümlicher Waldvögel (Satyrus oder Hipparchia), welche von
Franzosen in den Pariser Annalen beschrieben sind. Aehnlich wie
bei den Schmetterlingen ist im Allgemeinen auch das Verhältniss der
Verbreitung der übrigen Insectenordnungen an den Küsten des Mit-
telmeeres.
Beiträge zur Kenntniss der Coleopterenfauna Algiers gab
auch Buquet (Ann. d. 1. Soc. Ent. IX. 396) durch Mitthei-
lung einer Liste derselben und Beschreibung neuer Arten eben-
daselbst und in verschiedenen Nummern der Rev. Zool.
An die Berberische Fauna schliesst sich unmittelbar die
der Canarischen Inseln, über welche wir durch die Histoire
naturelle des lies Canaries par M. M. Barker Webb et Sabin
Berthelot, Paris, fol., sehr umfassende Kunde erhalten haben.
Die Canarischen Inseln gehören dem Character ihrer Fauna nach
in das Gebiet des Mittelmeeres und Ref. hat sie auch schon inWag-
ner's Algier, III. S. 141, als den isüdwestlichen Gränzpunct desselben
154
bezeichnet. Die Mehrzahl, uämlich mehr als zwei Drittel der beobach-
teten Arten, ist den Canarischen Inseln, kleineren Theiles mit ganz
Europa oder nur mit Mitteleuropa, grösseren Theils mit Südeuropa,
namentlich der Spanischen Halbinsel und Nordafrica gemein, und nicht
ein Drittel eigenthümlich, doch fast ohne Ausnahme bekannten Gat-
tungen angehörend, nur mitunter, wie in einigen Carabengattungen,
ein eigenthümlich es Gepräge annehmend. Unter den Coleopteren spie-
len noch die Melasomen eine wichtige Rolle, namentlich ist die Gatt.
Hegeter reich an Arten. Auffallend ist es, keine einzige Mylabris zu
finden, die doch sonst das Mittelländische Gebiet so vielfach bevöl-
kern. Die Hymenopteren sind im Verhältniss zahlreich an Arten,
ohne irgend eigenthümliche Formen zu zeigen. Arm sind die Inseln
dagegen an Lepidopteren und Homipteren; bei letzteren befremdet
es, durchaus keine Homoptera aufgeführt zu finden, und namentlich
keine ächten Cicaden, welche sonst in den Mittelmeers-Faunen nir-
gend fehlen, und sich den offenbar fleissigen Nachforschungen der
Reisenden eben so wenig entzogen haben, als bei der augenscheinlich
flüchtigen Bearbeitung, welche die kleineren Zirpen vielleicht zufällig
unbeachtet lassen mochte, übergangen sein können. Die Bearbeitung
der meisten Insectenordnungen ist leider den Händen Brulle's an-
vertraut gewesen, und dem umfangreichen Fleisse der Reisenden
Dicht entsprechend ausgefallen. Die Bestimmungen sind offenbar öfter
wenig genau und die Beschreibungen der neuen Arten nicht so sorg-
sam, dass es immer möglich sein sollte, dieselben darnach zu erken-
nen. Die Dipteren sind von Macquart beschrieben.
Zur Indischen Insectenfauna hat Royle's Werk über das
Himalajagebirge (Forbes Royle Illustrations of the Botany
and other branches of the natural history of the Himalajan
Mountains and of the Flora of Caschmere, Lond. 1839 vollendet)
einen Beitrag geliefert. Hope hat darin über die Insectenfauna
des Himalajagebirges ins Besondere und Indiens im Allgemei-
nen sich ausgesprochen, und West wood hat verschiedene, auf
2 Tafeln abgebildete Insecten durch ausführliche Beschreibun-
gen erläutert.
Im Allgemeinen trägt das Himalaja-Gebirge in seinen entomolo-
gischen Erzeugnissen überwiegend den Indischen Character, so dass
in seinen Thälern noch demAtlas verwandte Dynastiden, Collyris, Mi-
mela und andere rein Indische Formen zu Hause sind, während auf den
Höhen sich Europäische Formen einstellen, z. B, mehrere Arten von
Carabus. Auffallend fand Hope dieUebereinstimmung mancher Arten mit
Sibirischen, namentlich unter Chrysomelen (vielleicht sind Ch. musiva
Böb. und exanthematica Wied. gemeint, welche in der That kaum zu
unterscheiden sind), identisch mit Europäischen Arten eine Cicindela
mit unserer C. germanica (?) und mehrere Schmetterlinge, unter denen
155
das Vorkommen von Vanessa Cardui, Ätalanta, nicht befremden kann,
da sie selbst auf den Sundainselii in gewisser Höhe sich wieder-
fiDden das des Papilio Machaou aber immer eine sehr bemerkens-
werthe Thatsache ist. (Auch die hiesige Sammlung besitzt ein Exem-
plar vom Himalaja, welches durchaus mit den einheimischen über-
einstimmt.)
Auch aus der Insectenfauna der Nilgerrhies ist von einigen
Französischen Reisenden durch Guerin (Rev. Zool.) Einiges
initgetheilt worden. Die bisher bekannt gewordenen Insecten
tragen durchaus den indischen Character, obschon man aus der
im hohem Grade den mitteleuropäischen Character zeigenden
Vegetation auf eine entsprechende Fauna schliessen sollte.
Die Fauna der Holländischen Besitzungen in Indien er-
fährt jetzt eine umfassende Bearbeitung durch die Holländischen
Gelehrten in den Verhandlingen over de natuurlijke Geschiede-
nis der Nederlandsche overzeesche Bezittigen. Door de Leden
der natuurkundige commissie in Oost-Indie en andere Schrijvers.
Leiden, fol. Die Insecten sind Dr. De Haan übergeben und ent-
hält das 4. Heft der zool. Abth. die Bearbeitung der Gatt. Papilio.
Für die Faunen der neuen Welt ist weniger geschehen.
D'Orbignys Werk über Südamerika ist in seinem entomo-
logischen Theile nicht weiter vorgeschritten. Die reichen
Entdeckungen, welche von Französischen Reisenden in Bo-
gota gemacht sind, werden nur sehr vereinzelt pubiicirt.
Für die Kenntniss der Nordamerikanischen Fauna ist die Schil-
derung von Interesse, welche Doubleday (Mag. ofNat. Hist.
N. Ser. IV. S. 213 und 268) von den Eindrücken giebt, die
er auf seiner hauptsächlich der Entomologie gewidmeten Reise
erhalten hatte.
Colcoptera*
Von der Deutschen Coleopteren- Fauna Sturms und der
Brandenburgischen des Ref. ist nichts Neues erschienen, die
Deutsche Fauna dieser Ordnung iudess durch ein Verzeichniss
Böhmischer: Käfer vom Reg.-Rath Schmidt (Ent. Zeit. S.28.
114) und durch einen Beitrag zur Fauna des Osterlandes von
Apetz (Osterländ. Mitth. Jahrg. 1840. Hft.4.), dessen bei den
Hydrocantheren näherer Erwähnung geschehen soll, bereichert
worden. Eine Dänische Fauna hat Schiödte unter dem Titel
„Genera ogSpecies af Danmarks Eleutherata, Kjöbenhavn 1840"
156
zu bearbeiten angefangen, welche nach einer Einleitung in das
Studium der Ordnung die einzelnen Arten ausführlich und kri-
tisch beschreibt, und die Gattungstypen mit Analysen der Mund-
theile auf vom Verf. selbst gestochenen Kupfertafeln abbildet.
Das Werk ist auf Befehl des verstorbenen Königs, der die
Kosten des Unternehmens bewilligte, Dänisch abgefasst, wel-
ches befürchten lässt, dass es die Theilnahme des Publikums
nicht in dem Maasse finden wird, als es sie wegen des Fleisses
des Verf. verdiente.
Die zweite Hälfte von Faldermann's Fauna Transcau-
casica ist im 5. Bande der Nouveaux Memoires de la Societe
Imperiale des Naturalistes de Moscou*) erschienen und lie-
fert die Beschreibung der neuen oder weniger bekannten Arten,
namentlich auch der von Menetries gesammelten und in Cata-
logue rais. vorläufig aufgestellten Arten. Die Bestimmung ist
indess öfter trotz der ausführlichen Beschreibung schwierig,
weil den unterscheidenden Merkmalen keine besondere Auf-
merksamkeit geschenkt ist, die Erkennung und Beurtheilung
einiger errichteten Gattungen unmöglich, weil sich ihre Cha-
racteristik auf eine wenig zuverlässige Analyse der Mundtheile
beschränkt, und eine Unterscheidung von verwandten Gattun-
gen nicht gegeben ist. Der 6. Band derselben Memoiren lie-
fert einen dritten Theil der Fauna Caucasica, nämlich, ausser
einem Nachtrage -zu den ersten beiden, eine vollständige^
Uebersicht aller in den Caucasischen Provinzen des Russischen
Reiches bisher beobachteten Arten. Dieselben hat auch M o t-
schoulski (Victor) durch mehrfache Beiträge im 5. Bande der
Memoiren und in den Bulletins der Moskauer Gesellschaft
vermehrt.
Carabici* «chiödte's „Genera og Species af Danmarks
Eleutherata" liefert eine gründliche Bearbeitung der Dänischen Cara-
ben. Im Allgemeinen stimmt die Fauna ziemlich mit der Branden-
burgischen überein, indess enthält diese 4!) Arten, Melche jener ab-
gehen, die dagegen 24 hier nicht vorkommende Arten enthält. Zwei
derselben, Bradycellus pubescens und Amara convexiuscula gehören
salzigem Boden an. Von Cicindelen vermisst die Dänische Fauna C.
germaiüca, von Elaphrinen EL nl/g/'tiosus und aureus, von Carabinen
Car. aiu-atus , besitzt dagegen den Leistus riifomarginatus, von Li-
*) Der 5. Band erschien schon 1837, der 6. 1839, beide sind aber
erst kürzlich nach Deutschland gelangt.
157
cinincn fehlt Panagaeus i-pustulattis, von Brachininen fehlen die bei-
den Arten von Detnetrias, Dromius longiceps, viarginelhts, test accus,
Lebia cyamcephala, Cymindis Immer alis, dagegen kommen Lehia
crux minor und Cijm. angnktris und basalis vor; von Scaritinen feh-
len Dy Schirms chaiceus und pusillns, von Harpalinen j7iisodactylus
signatiis, nemorivagtis, Harpalus functulatus, distinguendtis, ignavus,
immger, flavitarsis, Stenolophus vespertinus, Bradycellus rufithorax
und similis, dagegen finden sich Harpalus puncticollis, Stenolophus
ele^ans, Bradycellus puhescens, cognatus; von Pterostichinen besitzt
die Dänische Fanna in der Gatt. Amara neben der A. convexiuscula
6 vom Verf. als neu aufgestellte Arten, dagegen fehlen A. lepida,
tricuspidata, strenua, depressa, viontivaga; von Chlaeniinen fehlen
Chi. \-sulcatus, caelatus, Schrankii, von Anchomeninen Anch. longi-
ventris, uliginosus, modestus, impressus, elongatus, lugetis, Calathus
ochropterus, dagegen kommen Calath. rotimdicollis xiud Olistopus ro-
tundatus vor. Von Trechinen finden sich Bemb. obtusum, saxatile
cruciatum, brunnipes,pallidipenne (Andreae Gyll), nigricorn-e, dagegen
bleiben B. aerosum, paludosum, argenteolum, impressum, striatum,
undulatum, fumigatum, nanum, bistriatum und Trechus obtusus aus.
Tr: rubens {paludosns Gyll., Carab. rubens F.) ist, inzwischen auch
bei Berlin entdeckt, beiden Faunen gemeinschaftlich.
Das neu anfgestelUe Betnb /diu m marinutn des "Verf. ist viel-
leicht B. aeneum Spence Steph. Die Amaren sind vom Verf. grössten-
theils schon früher in einer Monographie der Dänischen Amaren (S.
Jahresber. für 1836) bekannt gemacht gewesen: A. coiivexilabris,
der A. apricans sehr nahe stehend und nach des Verf. eigener An-
gabe vielleicht nicht einmal als Art verschieden; kleiner, etwas kür-
zer, mit gewölbter Lefze, weniger vorragenden Augen; A. patrata
(früher vom Verf. als A. nobilis angenommen) mit der A. consularis
verglichen, heller gefärbt; A. melancholica^ von derA. municipa-
lis durch sparsamer punctirten Hinterrand des Halsschildes und die
glatten Flügeldeckenstreifen unterschieden; A. maritima, der A.
Ouenselii verwandt, auf verschiedenen Küstenpuncten Bornholms,
Seelands und Jütlands gefunden; A. lti7iicollis, wohl schwerlich
von A. vulgaris Dej. verschieden, von welcher A. limbata auch
leicht eine Abänderung sein könnte. — In dieser Gatt, hat der Verf.
auch mehrere Namensveränderungen vorgenommen: A. picea hat den
Linneischen Namen A, spinipes erhalten, A. trivialis Gyll, als Müllers
Carab. vulgaris, heisst A. vulgaris; die allgemein als A. vulgaris an-
genommene (wenö sie dieselbe ist, was fast zu bezweifeln, da die
Flügeldeckenstreifen als nach hinten nicht vertieft angegeben sind)
ist A. contrusa genannt worden; der Name trivialis dagegen mit
Duftschmid's Auctorität auf die A. obsoleta übergegangen, endlich
hat der Verf. die A. nitida des Ref. A. formosa benannt, weil er an
der Richtigkeit der Bestimmung als A. nitida Sturm zweifelt, welche
jedoch durch Vergleich mit dem Sturmschen Original begründet ist.
158
Die Kenntniss der Gatt. Omns Esch. und Amblycheila Say
ist durch Reiche sehr erweitert worden. Zu Omus fügt er zwei
neue Arten vom Westabhange des Felsengebirges, O. Dejeanii und
O. Audouinü {Ana. d. 1. Soc. Ent. de Fr. VII. S. 297. Taf. 10.). Am-
blycheila Say ist nicht, wie man bisher annahm, identisch mit Omus,
sondern unterscheidet sich darin, dass das dritte Glied der Lippen-
taster eben so gestreckt ist als das zweite, dass die Lefze vorn
nicht abgeschnitten, sondern gerundet und in der Mitte mit stumpfen
Zähnen besetzt ist, dass der Zahn im Kinne lanzettförmig, endlich
dass die Beine länger und die Epipleuren sehr breit sind. Die von
ihm untersuchte und abgebildete Art, A. Picolotninü Dup., aus Neu-
Californien, schien ihm kaum verschieden von Say's A. cylindrifor-
mi's, welclie nach einem unausgefärbten Exemplar beschrieben ist.
(Ebendas. VIII. S. 557. Taf. 19.)
Die verschiedenen Abänderungen der Cicindela cafiipestris,
durch welche die anscheinend eigenthümliche Flügeldeckenzeichnung
derselben auf die Grundform der Cicindelen-Zeichnung (wie bei C,
hybrida) durch allmälige Uebergänge zurückgeführt wird, wurden von
S uff rian (Ent. Zeit. S. 165) beleuchtet. — Eine der C.campestris ver-
wandte Art, welche in den Caucasischen Steppen (wo C. campestris
vermisst wurde) am Rande von Sümpfen lebt, C. palustris, ward
vonMotschoulski aufgestellt und von C.campestris unterschieden,
von der sie durch Form und Fleckenstellung abweicht (Bull. d. 1.
Soc. Imp. d. Nat. de Mose. 1840. S. 179. Taf. 4. F. /.). — Die C. Ala-
sanica dess. (Bull. Mose. 1839. S. 91. Taf. 6. F. ö.) ist C. Caucasica
Ad., strigata Dej. — Zwei neue Cicindelen von Pensacola in Nord-
america stellte Guerin (Rev. Zool. S. 37) auf, die eine C. Saulcyi
der C. lepida Dej., die andere C. gratiosa der C. suturalis F. ver-
wandt. — Chenu (Guer. Mag. d. Zool.) bildete eine neue Art von
Neu-Seeland, C. Douei ab, welche der C. tuberculata F. nahe steht,
aber bedeutend grösser ist.
Die Olivierschen Arten von Cicindela und Elaphrus musterte
Hope im Mag. of Nat. Hist. New Ser. IV. S. 169,
Von Cur ab US finden sich drei Caucasische Arten von Mot-
schoulski (Bull. Mose. 1839. S. 86) beschrieben: C. chrysitis, dem
C. varians ähnlich, C. orbiculatus, von sehr kurzer zugerundeter Form,
und C. carinatus, später (ib. 1840. S. 189) 1-carinatus genannt. —
Chevrolat stellte (Rev. Zool. S. 8) 4 Arten, C. Derjrollei (dem C.
Latreillei), C. cantahricus (dem C. Helluo sich anschliessend), C. la-
teralis und C. Gullaecianus {Galicianns Gory) aus Galicien in Spanien
auf. Von den Canarischen Inseln sind 2 neue Arten, C. coarctatus
und fausms Brülle (U. Canar. Ent. S. 57. Taf. 8. F. 2, 3.). Den C. «/-
ternans Dej. erklärte Ref. (Wagn. Alg. III. S. 147) für den wahren i
C. morbillosus F. — Calosoma Sycophanta wies Newman
(Mag. of Nat. Hist. N. Ser. IV. S. 365) durch zahlreiche Fälle seines
Vorkommens als wirklich Britische Art nach. Nach Murfield (Ent.
159
Zeit. S. 140) findet sich Nebria lateralis häufig bei Rheine, da-
gegen N. sabulosa zwar in Gesellschaft derselben, aber selten. Er
sowohl als auch Schiödte halten beide für eigene Arten. (S. indess
den Jahresbericht für 1839.) N. fulviventris Bertholini (Nov. Comm.
Acad. Scienc. Bonon. IIL S. 83. T. 7) von den Bologneser Appeninen,
ist auch schon von Bassi (Ann. d. 1. Soc. Ent. III. S. 463) bekannt
gemacht. — Leistus spinilabr/s F. Bej. wurde von Germ ar (Zeitschr.
II. S. 442) als der wahre Carahus ferrugineus Linne's nachge-
wiesen.— Licinus angusttis GheYXolat (Rev.Zool. S.ll)ausGa-
licien ist dem L. depressus ähnlich, zeichnet sich aber durch seine
schmale Form vor seinen Gattungsgenossen aus.
Lebia Gerardii Buquet's (Ann. d. 1. Soc. Ent. IX. S. 393)
von Algier, ist vermuthlich die wahre L. fulvicollis F., welche Brülle
zuerst von derL. pubipennis Duf., welche allgemein damit verwech-
selt und auch von Dejean als solche beschrieben war, Unterschied.
Dromius paracenthesis wurde von Mo tschoulski (Bull. Mose,
1839. S. 91. T. 6. F..ß.) in Schirwan entdeckt. — Germar zeigte,
dass Cymindis punctataDey, basalis Gyll. der wahre Cur. vapora-
rioruni Linne's sei (Zeitschr. II. S. 442), Avomit auch der Befund ia
Linne's Sammlung übereinstimmt (S. Hope Coleopt. Manual. II. S. 57.)
— Die Canarischen Inseln lieferten 2 neue Arten von Cyinindis,
C. marginella und cincta (Brülle II. Canar, Ent. S. 55), von LaPIata
beschrieb Waterhouse (Mag. of Nat. Hist. N. Ser. VI. S. 362) drei
neue Brachini, Br. maculipes, Platetisis, nigripes, Marc machte
einen neuen Helluo, H. cruciatus vom Senegal bekannt (Guer. Rev.
Zool. S. 113 und Mag. d. Zool. Ins. pl. 47) und eine andere Art von den
Nilgerrhies, H. i-muculatus, stellte Guerin (Rev. Zool. S. 38) auf.
Die kleine wunderliche Gruppe der HeteromorpJiiden (Hope
Manual II. S. 109) ist durch West wo od (Linn. Transact. XVIII.
S. 409) in ihrem Umfange vollständiger bekannt geworden. Typus der
Gruppe \siHetero7norphaKivhj, Drepanus WWg., Axiiiophorus J)e^.
eine Americanische Form, mit stark beilförmigen Lippentastern und
dünnen borstenförmigen Fühlern. Die zweite Gatt, ist Adelotopus
Hope, ebenfalls noch mit beilförmigen Lippentastern, aber mit kurzen
entweder spindel- oder keulförmig verdickten Fühlern, wie sie sonst
bei den Caraben nicht vorkommen, weshalb Hope auch die natürliche
Stelle dieser Gattung nicht erkannte, und ihr vorläufig ihren Platz
unter den Gjrinen anwies. Zwei neue, wie Adelotopus neuhollän-
dische Gattungen Sp hallo in o rp h a und Silp h o m orpha haben beide
nur sehr schwach beilförmige Lippentaster, dünne borstenförmige
Fühler, und auf der Unterseite des Kopfes ein Paar convergirende
Furchen zur Aufnahme derselben, die erstere ohne, die zweite mit
einem Zahn in der Ausrandung des Kinnejs. Ausser der Peltis-artigen
Körperform, den eigenthümlicheu kurzen Beinen, deren sanft nach
innen gebogene Schienen eingezogen zum Theil von den Schenkeln
aufgenommen wurden, zeichnet sich diese Gruppe durch die Ver-
160
wachsung des Kinnes mit dem Jugulum aus, so dass die
Gränze zuweilen durch eine seichte Ouerlinie angedeutet, niemals
aber eine Articulation zwischen beiden vorhanden ist. Diese Ver-
wachsung findet sich auch bei Siagona und beide sind offenbar ein-
ander verwandt, und es scheint als ob die Pseudomorphiden in den
alten Welttheilen von den Siagonen ersetzt Averden. Von Jdeloto-
«M* beschreibt W. eine 2te Art, A. Jpsotdes (eine dritte besitzt die hiesige
Sammlung aus Van Diemensland), von Sphallomorpha eine, Sph. deci-
piens, vo-üSilphomorpha ebenfalls eine, S.fallax; eineäte S. maculata,
braun, mit weissem Seitenrande des Halsschilds und der Flügeldecken
und mit zwei ebenfalls weissen Flecken auf letzteren beschreibt
Newraan (Mag. of Nat. Hist. New. Ser. IV. S. 365).
Neu aufgestellte Arten sind ferner: Siagona Gerardii Buquet
(Rev. Zool. S. 240) aus Algier, Scarites dimidiatus Brülle (11. Can.
Ent. S. 57. T. 2. F. 6.) von den Canar. Inseln, Ditomus opacus Ref.
(Wagn. Algier III. S. 168), Acinopjis gutturosus xm^Anisodacty-
lus Dejeann Buquet (Rev. Zool. S. 341 —über letztere s. auch
Ref. in Wagn. Alg. III. S. 149.) aus Algier, Leims Arfiieniacus Mot-
schoulski (Bull. Mose. 1839. S. 83. T. 6. F. ä.) aus Armenien, Za-
brus ßavaiigulus, Argutor cijicticollis, Omaseus brevipetmis und
attenuatus Chevrolat (Rev. Zool. S. 12) aus Galicien, Feronia
{Ar gut.) Canariensis, F. (Percus) glahra, Calathus depressus,
carinatus, abaxoides, angularis Brülle (11. Canar. Ent. S. 55) von
den Canar. Inseln, C«^. reflexicolUs P ald ermann (Fauna Transcaus.),
Platynus ftdvipes mvlA elongattts Motschoulski (Bull. Mose. 1839.
S. 84. T. 6. F.§-.) vom Caucasus. Agonutn iJ/e«e?ne*« Fal der mann
(Fn. Transcaus. Suppl.), Olistopus glabraius Brülle (II. Canar. Ent.
S. 56.), Anchomenus Algirimis Buquet (Rev. Zool. S. 240) und Ä.
fu/gidicollis ^et (Wagn. Algier III. S.168) von Algier, Chlaenius
Neelgerrhiensis Gu<-rin (Rev. Zool. S. 38) von den Nilgerrhies, Chi.
violaceus, platensis {brasiliensis? Dej.) Westwoodi Waterhouse
(Mag. of. Nat. hist. N. Ser. VI. S. 353) von La Plata, unter denen die
vorletzte Art >vohl mit begründetem Bedenken vom Ch. brasiliensis
Dej. abgesondert ist, die letzte dagegen mit Ch. oblongus Dej. zu-
sammenfallen möchte. — Bembidinm luetum nni B.{Lopha) con-
color Brülle (II. Canar. Ent. S. 58).
Unter den Caraben der Darwinschen Reise, welche Waterhouse
bearbeitete, sind besonders einige der Südspitze und der Südwest-
küste von America eigenthümliche Formen mit neuen Arten berei-
chert worden. Den 3 bisher bekannten Arten von Odonioscelis
(0. tentyroides, cyaneus von Chile und Desmarestii von Cordova)
werden vier neue, 0. Darwiniiy Curtisii, str latus, substr latus aus
Patagonien, hinzugefügt, Cardiophthahnus ist mit SneuenArten,
C. longitursis und Stephensll vermehrt (Mag. of Nat. Hist. N. Ser. IV.
S. 354). und Cascellius ebenfalls mit 2 neuen Arten, C. nitidus vom
Feuerland und ae?<eo?«2*^er von Valvidia bereichert. (Ebend.VI. S. 363.)
161
Bertholini hat 2 lusectenlarven, welche im Winter und Früh-
jahr 1832 — 33 die Weizenfelder in Kalien verwüsteten, mit ihrer
Naturgeschichte beschrieben. Es sind die vonZahrus giLbus und Ca-
latluis cisteloides. Letztere, nicht so zahlreich und mithin auch nicht
so schädlich, gleicht sehr einem Mehlwurm (Tenebrio-Larve), was
auch dem Verf. aufliel, und man könnte sie nach der Abbildung wohl
dafür halten, hätte sie der Verf. nicht zur Verwandlung gebracht.
Es ist also um so mehr anzunehmen, dass die Abbildung nicht ge-
rathen sei, da der Verf. angiebt, dass in der Form des Kopfes kein
Unterschied von der Zabrus-Larve wäre. Nov. Comment. Acad. Sc.
Bonon. HI. S. 195.
Xydrocanthari, Die Wasserkäfer des Osterlandes hat Prof
Apetz in den Osterländ. Mitlheilungen 1840. Heft 4. aufgezählt und
mit interessanten Bemerkungen vorzüglich über ihr Vorkommen beglei-,
tet. Von 111 als deutsche bekannten Arten enthält das Gebiet 76,
davon 8 Haliplus, 1 Cnemidotus, 1 C3bister, 6 Djtiscus, 3 Acilius,
7 Hydaticus, 6 Colymbetes, 6 Hjbius, 13 Agabus, 8 Nolerns, 3 Lacco-
philus, 1 Hyphydrus, 20 Hydroporus.
Graf vonMannerheim hat über die GeschlechtsverhäKnisse der
Hydrocantharen und namentlich die des Hydaticus verrucifer seine
reichen Erfahrungen mitgetheilt. Er stimmt der vom Ref. aufgestell-
ten, von Vielen, auch von Aube nicht angenommenen Ansicht, nach
welcher von manchen zwei Formen des Weibchens vorkommen, im
Allgemeinen bei, und bestätigt im Besondern die im Jahresbericht für
1837 (S. 314) über AenHi/dat. fez-zMcZ/by ausgesprochene Vernnithung,
dass derselbe eine zweite Form des Weibchens des H. zonatiis sei
die sich in geringer Zahl unter der gewöhnlichen fand. Was Cyl-
lenhal und Aube als Männchen des H. verrucifer beschrieben, sind
Individuen des H. zonatus mit glatten Flügeldecken, welche sich nicht
allein durch ihre einfachen Fü&se, sondern auch, wie die anatomische
Untersuchung ergab, durch den Besitz von Eierstöcken als AVeibchen
auswiesen. Die strahlig eingegrabenen Striche des Halsschildes, auf
welche beide genannte Auetoren beim angeblichen Männchen des H.
verrucifer Gewicht legen, waren nicht immer bestimmt, sondern es
zeigte sich ein allmäliger Uebergang zu der gewöhnliciien Form mit
l>unctirtem Halsschilde. Dagegen kam eine Abänderung von sehr
blasser Färbung bei vollkommen erhärteten Ind. vor. (Acta Societa-
ti s Scientiarum Fennicae 1841. S. 349, vorgetragen den 20. Juli 1840.)
Von einem Hydatictis cinereus mit monströsem Fühler gab
Dr. Schmidt (Ent. Zeit. S. 133) Nachricht.
Colymhetes {Agabus) rectus, als neue Art aus Norfolk von
Babington im Mag. of Nat. Bist. VI. S. 53 beschrieben, scheint vom
Dyt. striolatus Gyll. nicht verschieden zu sein.— Col. smiiatus Mo t-
schoulski (Bull. Mose. 1839. S. 83.) machte Aube schon unter dem-
selben Namen bekannt. Eine neue Art von Vatellus, V. grandis,
Archiv f. Naturgcsch. VII. Jahrg. 2. Bd. \ i
162
aus dem Innern des franz. Guiana stellte Buquet auf. (Ann. de la
Soc. Knt. IX S. 394.)
lieber die Entstehung der Töne, welche Pelohius Hermanni
hören lässt, hat Dr, Schmidt in Stettin (Ent. Zeit. S. 10) nähere
Nachforschungen angestellt. Auf der Unterseite jeder Flügeldecke
befindet sich eine mit der Naht gleichlaufende quergeriefte Leiste,
und das letzte Hinterleibssegment ist von einem scharfen und dünnen
hervorstehenden Hornrande ringsum umzogen. Indem nun das letzte
Hinterleibssegment gegen die Flügeldecken gerieben wird, entsteht
jener helle Ton, den der Käfer beunruhigt von sich giebt.
Orectochilus semivestitus Guerin (Rev. Zool. S. 38) ist
von Delessert auf den Nilgerrhies entdeckt.
Bracheli/tra, Staphyl Inus hrachypterus wird durch
Brülle (II. Canar. Ent. S. 59) von St. olens, der ebenfalls auf den
Canar. Inseln vorkommt, wegen der Kürze seiner Flügeldecken und
der röthlichen Farbe seiner Fühler und Beine unterschieden. Vom
Micropepliis porcatns hat Suffrian (Ent. Zeit. S. 139) die Beschrei-
bungen der bisherigen Auctoren vervollständigt.
Bitprestidae* Die Monographie Aev Bupresten in der Hi-
stoire naturelle et Iconographie des Insectes Coleopteres von De
Laporte und Gory ist mit der Gruppe der Trachysites beendigt
worden. Diese Gruppe enthält die Gatt. Et ho 7t (Diphucrania Dej.)
mit 8, sämmtlich neuholländischen Arten, Brachys in zwei Abthei-
lungen, die erste mit schmalen Schienen, den Gatt. Brachys und Ta-
phrocerus Sol. entsprechend, mit 8 Arten, unter denen die unrichtiger
Weise terminans bestimmte Art aeraria Kn. und fucata Dej. istj —
die zweite mit erweiterten Schienen (^Pachyschelxs ^o\.') 5 Arten ent-
hält, unter denen Br. coUaris mit B. granaria Chevr., Br. maculata mit B.
pulverulentaChevr. übereinkommen. Trachys, mit 13 Arten, von denen
5 aus Madagascar, nämlich T. acephala und fasciata, unter sich nicht
verschieden und einerlei mitTrachj-s? apicata Chvr., durch deutliches
Schildchen, welches bei allen anderen durch einen überragenden Lappen
des Halsschildes verdeckt ist, abweichend, und T. marmorea, purpitrea,
i^-7iotata, wieder nur Abänderungen von einander, und mitTr. obsoleta
Chevr. übereinkommend. Die übrigen, aus Europa, erfordern ebenfalls
mehrfache Berichtigungen. Nämlich T. intermedia Ramb. ist pumila
JH., T. pumila der Verf. ist Abänderung von T. pj^gmaea, T. nana
der Verf. ist T. troglodjtes Schönh., und die T. troglodytes der Verf.
ist T. nana F. Die letzte Gatt. Aphanisticus enthält ausser zwpji
Europäischen vier Arten von Madagascar, unter denen .4. bicornutMS
der Verf. bereits als Goniophthalma mitrata von Chevrolat beschrie-
ben ist. Eine historische Einleitung, Darstellung der früheren Zu-
stände der Bupresten und Register, unter denen eine synoptische
Zusammenstellung der Arten der Verf. und der des Dejeanschen Ca-
talogs sehr dankenswerlh ist, beschliessen die eigentliche Monographie.
Die folgenden Hefte liefern sehr reiche Nachträge, nämlich von
163
Ster7iocera 3 Arten, von Julodis 22 Arten, unter denen indess /.
ornatipennis vielleicht nnr Abänrlerung der J. hirsuta, J. Tingitanttj
die wahre pilosa F. (die früher als solche abgebildete ist es nicht),
/. picta die J. toinentosa Ol., gnaphalon Hbt., J, deasa die J. sub-
costata Lap. tomentosa Hbt. sind; — Acmaeodera mit 25 Arten,
unter denen A. mima die scalaris Mannerh., A. flavosignata ge-
ringe Abänderung der pulchella Hbt., A. %onella eine der Varietäten
der 10-giittata Thunb., xanthotacniaWied., trizonataLap, ^. 18-/;««-
ctata die 18-guttata Pill. Hbt., A. Feiithamelii eine Abänderung der
vorigen mit kleineren Flecken, ^i. «ry?Äro/o?/m Abänderung vonA.lim-
bata Lap., A. hii-sulula die wahre cylindricaF. Jll. Hbt. und zugleich
lanuginosa Seh. ist, und A. violacea sich schwerlich als Art von gib-
bosa unterscheidet. Chrysochroa^ 14 Arten, unter denen Ch. bilis
nicht hinlänglich von Ch. 4-foveolata sich unterscheidet, Ch. didymaAiQ
rautabilis Flbt., Ch. mar-ginata wohl nur geringe Abänderung von B.
mutabilis Ol. ist, und Ch. JaqtiemoHtii ia die folg. Gatt. Chrysodema
gehört, welche mit 4 neuen Arten bereichert ist. Vtosima hat zwei
(von denen die eine, Pt. A/c/mo*« Dej. aus Nordamerica, eine Acmaeo-
dera ist), 31 el an 0 p ht l a ((rüher Apatura) 5, Coeculus 1 Art hin-
zugefügt erbalten. Vater Bupre.stis ist zur 2. Farn. 1 Art, B. Japo-
m'ca, die der B. niariana verwandt, sich hauptsächlich durch fehlendes
Schildchen, welches irrlhümlich in der Beschreibung als vorhanden
angegeben wird, in dieser Abtheilung auszeichnet, zur 3. Farn. 22 A.,
unter denen B. ussi/nilis Dej. und cribrosa Beiche zu einer und der-
selben Art gehören, B. Doncherii nicht von Klug benannt, B. Som-
mer/ bereits von Mannerheini als B. coniorica beschrieben, B, morosa
kleinere Abänderung von sumptuosa, B. myops schwerlich mehr als
Abänderung der B. Gorji, B. indistincta vermuthlich Abänderung von
solea Kl., cupreosignata Goi-j', so wie B. teshidinea von cupreono-
tata und sparsuta Gory ist, zur 4; Fant. 2, zur 6. Farn. 4, zur 7. Fam. 4,
zur 8. Fam. 2, zur 10. Fam. 5, zur 12. und 13. Fam. je 2, zur
14. Fam. 1 Art nachgetragen. Stigmoder a ist mit 8 neuholländi-
schen und 6 südamerikanischen Arten vervollständigt, unter welchen
letzteren St. imperator die pretiosissinia Chevr., und granulata Dej.
Abänderung der viiluerata Pertj ist. Polyc.esta ist mit 1 Art (P.
Cubae Chevr.) vermehrt worden, Colobogaster mit 13 Arten, von
denen indess die erste, C. Boulardii schwerlich von cyanitarsis Lap.
Gory unterschieden sein möchte, Chrysobothrys mit 32 A., unter
denen Ch. ^-notata Dej. mit der früher abgebildeten Colobog. viridi-
notata einerlei ist, Castalia mitlA., Foecilonota mit3A., näm-
lich P. sanguinosa Mannerh., P. decorata Dej., welche indess wohl
nur Abänderung von P. cardinalis (Langsdorfii Kl.) und P. .fc/faDej.,
welche wohl nur Var. von P. aulica ist, — Zemina mit 5 A, unter
denen Z. conhincta nicht die von Chevrolat, sondern blosse Abände-
rung der früher abgebildeten Z. vittata ist. — Zu Steiiogaster siüi.
noch 5 neue Arten hinzugekommen. —
11*
164
Man siebt mit Vergnügen, dass in den Nachträgen die Beschrei-
bungen weniger dürftig sind, namentlich auch, dass das Hervorheben
der Unterschiede mit verwandten Arten hier nicht versäumt worden
ist, es bleiben dem Leser indess noch zuweilen Zweifel bei der Be-
stimmung der Arten, wenn Abbildung und Beschreibung nicht zusam-
menstimmen. Vermuthlich wird im nächsten Jahre über den Be-
schluss des Werkes berichtet werden können.
Eine Monographie der GiittxiDgen St er asju's i\odJ.cmaeode7-a
lieferte Spinola (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 303), in welcher
unter 36 Arten der letzteren mehrere neue beschrieben sind. — Ac-
tnaeodera postverta Buquet (ebendas. IX. S. 394) aus Algier
ist sicher von B. pulchra F. nicht verschieden.
Einige neue Bu pr est en, welche von Perrotet in Ostindien ent-
deckt sind, und welche auch in den Supplementen der Laporte-Gory-
scheu Monographie erscheinen, hatGuerin (Rev. Zool. S. 327), um sich
die Priorität zu bewahren, verläufig bekannt gemacht. Es sind Chry-
SQchroa Perrotetii und Jtnorjihoioina Jasciatutn von den Nilgerrhies,
Agrilus brevicoruis,Sphenoptera Perrotet ü und Trachys Bali von Pon-
dichery. Auch ein Paar in Europa einheimischer Arten, Coraehiis aeneicol-
lis und Jgrilus angustulus wurden auf dem MIgerrhy-Plateau gefunden.
Eine Belionota vom Senegal, mit unförmlich verdickten Hin-
terbeinen stellte Guerin (Rev. Zool. S. 107) als B. feinorata auf.
Dieselbe ward aber in der Monographie der Buprestiden von Gory
als Männchen der B. VVestermannii erkannt. Sphenoptera cardtio-
rum Chevrolat's (Rev. Zool. S.14) aus Portugal, scheint von
geminata Jll. nicht verschieden zu sein.
Die Arten der Gatt. Sponsor stellte Guerin (Rev. Zool. S. 356)
zusammen. Es sind mit dem Sp. convexus Gory 8 Arten, welche
sämmtlich auf Isle de France einheimisch sind, und sich auf dem Laube
der Hecken finden. Die neuen werden auch in den Nachträgen der
Goryschen Monographie erscheinen.
Unter den in der Laporte- Goryschen .Monographie abgebil-
deten Buprestenlarven befinden sich die von Buprestis Fabricii, wel-
che von Pechioli in Pisa in Pfirsichbäumen, und die von Capnodis
tenebrmiis , welche von Lamotte Bara^e in Schlehdornzweigen
entdeckt wurden. Beide haben eine sehr grosse Uebereinstimmung
mit den Larven von B. mariana und berolinensis. Die Larve der
Slernocera chrysis hat ganz die typische Bildung der Buprestenlarven,
zeichnet sich aber durch eine lange und dichte Behaarung, wenigstens
im frühesten Zustande aus (vergl. vorigen Jahresbericht). Die aben-
theuerliche Abbildung der angeblichen Larve von Bup. gigantea,
welche nebst den Nachrichten über dieselben von der Merian ent-
lehnt sind, wäre besser zurückgeblieben, indem derselben offenbar
die Larve irgend eines Scarabaeus zum Grunde gelegen hat.
Die früheren Zustände der Bup. chrysostigma sind von Leon
Dufour in den Ann. d. sc. nat. 3. Ser. XIV. S. 118 beschrieben und
165
T. 3. 13. F. 6— 12 abgebildet. Die Larve gehört zu denen, wo das
Prothoraxsegment unverhältnissmäs.sig breit, die Hinterleibssegraente
dagegen unverhältnissmässig dünn sind. Sie lebt im Eichenholz.
Mlateridae, Ueber die Elateriden hat Germar in sei-
ner Zeitschrift für die Entomologie seine Untersuchungen fort-
gesetzt und Ref. die seinigen angeschlossen. Ref. handelte zu-
nächst über den Mechanismus desSpringens derElateren. Die von
Strauss-Diirkheim gegebene Erklärung desselben, wonach er nicht
in dem Herausschnellen des Bruststachels aus seiner Grube, son-
dern in dem Zurückprallen des gegen eine unterliegende Fläche
anschlagenden Körpers bestehe, ist durchaus richtig, nur nimmt
Strauss-Dürkheim an, dass sowohl der vordere Theil der Flü-
geldecken als auch der hintere Theil des Halsschildes gegen
die unterliegende Fläche anschlagen ; das Halsschild wird aber
bei der kräftigen Zusammenziehung der Brustmuskeln vorüber-
gebeugt, weicht also dem Stoss aus, und nur der vordere Theil
der Flügeldecken empfängt den Gegensloss, welcher den Kör-
per, ihn ziemlich in seiner Mitte treffend, auch ziemlich gerade
in die Höhe wirft, während nach Strauss-Dürkheim's Be-
rechnung der Sprung schräg nach hinten gerichtet sein würde,
was er in der Wirklichkeit niclit ist. Der Theil der Flügel-
decken, welcher den Stoss empfängt, ist etwas aufgetrieben,
wodurch seine Schnellkraft bedeutend verstärkt wird. Bedingt
ist aber die Sprungkraft der Elateren durch die Fähigkeit, das
Halsschild rücklings überzubiegen, daher die freie Gelenkver-
bindung, welche bei der bedeutenden auf sie einwirkenden
Muskelthätigkeit wieder eine besondere Sicherung des Gelenkes
uöthig macht. Diese wird durch den in seine Grube eingreifen-
den Bruststachel gegeben. Man hat diese Einrichtung als cha-
racteristisch für die eigentlichen (springenden) Elateren betrach-
tet, Ref. macht aber auf die Ausnahme aufmerksam, welche
eine zahlreiche Abtheilung der Elateren mit mehr oder weni-
ger abgekürztem Bruststachel bildet.
Diese entsprechen im Wesentlichen der Gatt. Cardiophorus
Esch., von welcher die in der hiesigen Königl. Sammlung befindlichen
Arten aufgeführt, und so weit sie nicht schon hinreichend bekannt,
beschrieben sind. Bei der Mehrzahl sind die Füsse I. einfach, ohne
Hafihippen, die Klauen entweder 1) einfach (54 Arten), oder 2) in der
Mitte gezahnt (\. 65— 74), oder 3) an der Spitze gespalten (N. 75 -81),
oder 4) dreizähnig(N. 83—86), oder 5) kammförraig gesägt (87—95);
bei den übrigen ist II. das 4. Fussglied lappig, und auch hier sind die
166
Klauen entweder 1) einfach (96—98), oder 2) in der Mitte gezähnt
(99—107), oder 3) an der Spitze gespalten (108—109). Die Abthei-
lung 1.5, scheint der Gatt. Jjttopits Eschscli. zu entsprechen, auch ist
1.3. auf Dicrotiychis Eschsch. zu beziehen, M'eaigstens hat Germar
kein Bedenken dabei gefunden, sie S. 249 dafür anzunehmen, wo
noch eine neue Brasilische Art, D. apicalis beschrieben wird. Ausser-
dem mustert Germar noch die Elateren mit gelappten Fussgliedern
und stellt namentlich die Gatt. PAyi'or /«/?<?< s Esch., welche vielleicht
einen leuchtenden Kopf hat, mit 2 neuen Arten Ph. xanthocejihalus aus
Brasilien, und Sturmä aus Mexico {El. crythrocephahis F. gehört
sicher in diese Gatt.) und Tijlotarsus, in der Mitte stehend zwi-
schen Monocrepidius (Conoderus) und Agrjpnus, mit einer neuen
Art, T. cinctipe's, von Madagaskar, welcher sich Conoderus cuspidatiis
Kl. als zweite Art zugesellt. Alsdann werden die Elateren mit unten
gepolsterten Füssen einer genauem Durchsicht unterworfen. Eine
erste Gruppe bilden die mit Fühlerrinnen, wo die Gatt. Ägrypnus
(12 Fühlerglieder), 6 Arten z. B. El. fuscipes und atomarms F., und
eine neue Art, Ä. moerens, vom Cap, die indess keine Fühler-
riuneu hat, und besser unter Calais stehen möchte^ — Adelo cera
(llgliedr. Fühler, das 2. Glied klein), wohin El. fusdatus F. u. s. w.,
eine neue Art, Ä. senilis, aus Virginien, und womit (S. 439) auch eine
S. 246 als Dilobitarsus'^ petii^inosus aufgestellte Brasilische Art mit
einem Hauüäppcheu am vierten Fassgliede verbunden wird; — La-
C071 (11-gl. Fühler, das 2. und 3. Glied klein), wohin El. tnuri/iush.
mit 3 neuen Arten, L. terrenus und tttrhidus aus Madagascar, L. tnuste-
liiins aus Siam — näher erörtert sind. Wedelförmige Fühler ohne
Binnen zum Einlegen haben die ebenfalls mit ihren Arten genauer
betrachteten Gatt. Iphis Lap., Ctenicera und Heinirhipus Latr.
Endlich wird noch der Gatt. Chalcolepidius , Campsosternus , Alans
und Calais Lap. gedacht, welche keine Fühlerrinnen und einfach ge-
sägte Fühler haben.
Ein Paar neu aufgestellte Arten sind Elater cyanopterus Hope
(Royle Himalaj'a), E. Neelgerrhiensis Guerin (Rev. Zool. S. 38)
von den Nilgerrhies, ein Cauipsosternus Latr., und Athons siitura
nigra Chevrolat (Rev. Zool. S. 15) aus Galicien. Ueber Cam-
pylus 7nesomelas und linearis stellte Dr. S c h m i d t (Ent. Zeit. S. 35)
fest, dass sie die beiden Geschlechter einer Art, und zwar der erstere
das Männchen, der letztere das Weibchen seien, welches Ahrens
(ebendas. S. 138) bestätigte. Ref. bemerkte (ebend. 1841. S. 6.), dass
El. linearis L. und F. nicht, wohl aber El. livens F. zu dieser Art
gehören.
Die früheren Zustände des El. r kam Leus Ol. sind von Leon
Dufour (Annal. d. sciens. nat. N. Ser. XIV. S. 41) beschrieben. Die
Larve lebt in faulem Eichenholz.
Eine neue Art von Physodactylus stellte Mannerheim
(Act. Soc. Scienc. Fenn. 1840. S. 93) als Ph. BescUi auf. Sie ist ganz
167
dunkelgelb, und gehört zu den Entdeckungen Bescke's in BrasUien.
Sie würde die dritte bekannte Art der Gattung sein, denn der Verf.
weist im Eingange nach , dass Drepanius clavipes Perty wohl als
Gattung, nicht aber als Art mit Physodactylus Henningii Fisch, über-
einkomme.
I,ampyrUlae, Motschoulski (Bull. Mose. 1839. S. 81)
beschrieb den Drilus ater Dej. nach beiden Geschlechtern. Das
Weibchen verhält sich ganz so wie das des Dr. flavescens, ist dop-
pelt so gross als das Männchen, braun, mit gelben Tastern, Fühlern
uöd Beinen. Das Insect fand sich häufig auf feuchten Stellen der
Caucasischen Steppe.
Rylands hat im Mag. of Nat. Hist. New Ser.rv. S. 133 nach-
gewiesen, dass Telephorus ater und ßavilabris der Stepheus'schen lUu-
strations nicht unterschieden seien. Beide gehören zu T. ßavilahris.
und der wahre T. uter (Cantharis a. L.) ist erst von R. in England
entdeckt worden.
Cantharis colona aus Algier ist von Ref. beschrieben wor-
den. (Wagners Algier III. S. 169.)
Silis {Cantharis) nitidula F. findet sich nach Dr.Schmidt
(Ent. Zeit. S. 130) häufig bei Stettin auf Vaccinium Myrtillus, am Ende
des Mai's und im Anfang des Juni, das Männchen jedoch 6 mal häu-
figer als das Weibchen, vielleicht weil das letztere, flügellos, unter
dem Heidelbeerkraut versteckter bleibt. Das Männchen ist Silis syi^
nicolUs Meg. , das Weibchen fand Ref. als Cantharis nitidula in Fa-
bricius' Sammlung.
Eine neue Gatt. Anis ot eins ist in Royle Himalaya aufgestellt,
welche sich durch verdickte erstes und End-Glieder der Fühler be-
merkbar macht, also mit Tylocerus Dalm. übereinstimmt. Die Art,
A. hiinuculatus Hope, kommt auch in andern Theilen Ostindiens vor.
Motschoulski (Bull. Mose. 1839. S. 75) machte zwei neue
Gattungen bekannt, welche hierher zu gehören scheinen. Podistra
hat nach der Abbildung (T. 6. F. g.) fast das Ansehn eines Malthinus,
die Endglieder der Taster sind aber grösser als die übrigen Glieder
und zugespitzt, die Flügeldecken reichen kaum auf den Hinterleib
hinauf, und die Flügel fehlen ganz. F. alpina, schwarz, behaart, mit
glattem Kopf und Halsschilde, und rothgelben Flügeldecken, 2\"' lang,
lebt auf den Caucasischen Alpen über der Vegetationsgränze. —
Thelodrias (man liest zwar beständig Thylodrias, welches aber
ein Druckfehler sein muss, da die Ableitung von »)]).oÖQias angegeben
ist) hat eigenthümlich gebildete Fühler, beim Männchen sind die bei-
den ersten Glieder gross, das dritte etwas kleiner, das 4.-7. sehr
klein, und die 4 letzten sehr stark verlängert; beim Weibchen ist
das erste Glied gross, das zweite klein, das dritte und vierte er-
weitert, das 5 — 8. wieder klein und die 3 letzten verlängert, doch
nicht so stark wie beim Männchen. Dass Männchen hat ein trape-
zisches Halsschild, zugespitzte, klaffende Flügeldecken, keine Flügel;
168
das Weibchen ein kurzes, mondförmiges Halsschild, einen auf-^etrie-
bcnen Hinterleib »nd keine S,.„r von Flügeln und Flügeldecken. Th
contructus, das Männchen schu-arz, „üt braunem Kopfe und Hals-
sch.lde blassen Fühlern, Beinen und Flügeldecken, das Weibchen
blass nut dunkler™ Hinterleibe, -"lang, lebt in Tifflis in Häusern
Das Thierchen erinnert an Sjmbium. Sollte es mit diesem vielleicht'
in Verwandtschaft stehen?) viexieicnt
^fyridae. Die Mala c/uen äevKönigi.Sammians zn Ber-
I.n hat Ref. (Entomographien S. 44) ausführlich auseinander besetzt
und namentlich eine Trennung i„ 16 Gattungen versucht. Bei den
dre, ersten sind die Fühler anscheinend lOgliedrig, indem das zweite
Ghed ungewöhnlich klein und in der Gelenkhöhle des ersten versteckt
ist: Jpalochrus {Mal. laetus F. _ 7 Arten) hat ein beilförmiges
Endglied der Lippentaster, Collops(M. i-maculatusF.~U Axtexs) und
f'"'"/,^"*'''- (-^^^S-^deuterus West. - 5 Arten) haben beim Männchen
das 3. F uhlerghed stark verdickt, innen mit einer Aushöhlung, welche
gerade auf das Auge passt; die erstere die Vorderfüsse beim Männ-
. eben 4-, die letzte dieselben bei beiden Geschlechtern ögliedrig Der
^^meMalachius ist für diejenigen {M. aeneus u. s. w. - 32 Arten)
erhalten, bei denen die Fühler nicht wie bei den übrigen an den Sei-
ten, sondern auf der Vorderlläche des Kopfes stehen. Illovs (cor-
mcidatus, eine neue Art vom Cap) hat die Fühler in der Mitte ver-
dickt, die Lefze nicht breiter als lang, welche bei den folgenden viel
kiirzer als breit ist: Atialus (5 neue Arten) hat sie abgerundet, bei
HedyhrusJ^Canth. oculata Thunb. u. a.- 9 Arten) und Anthoco-
mus {M. fasciatus u. s. w.- 33 Arten) ist sie abgestutzt; erstere
hat ein abgestutztes, letztere ein zugespitzes Endglied derMaxillar-
taster. Bei den sechs folgenden Gattungen ist der Kopf nach vorn
stark verengt und das Kopfschild äusserst schmal. Bei Ebaeus {M
pedicularius u. a. - 11 Arten) sind beide Geschlechter geflügelt, bei
Charopus {M. palUpes Ol. u. a.- 5 Arten) das Weibchen, bei^/e-
lestus (yW. hemipterus Dej., indess schon früher als M. brevipennis
von Laporte in der ßev. Ent. beschrieben), wo zugleich die Flügel-
decken stark verkürzt sind, beide Geschlechter ungeflügelt, die Vor-
derfüsse bei beiden Geschlechtern Sgliedrig, bei Atelestus das erste,
bei£Äa«adas zweite, bei ^«7-0/;«^ kein Glied derselben beim Männ-
chen erweitert. Chalicorus {vinu/us) weicht von diesen durch beil-
förmiges Endglied der Maxillartaster ab. Bei Troglops (Cani/i.
albicans L., M. au^ulatus¥.- 6 Arten) mit fadenförmigen und Co\lo.
tes (C. trinotatus, früher aber von Laporte als M. maculatus be-
schrieben - 3 Arten) mit beilförmigen Tastern haben die Vorderfüsse
beim Männchen nur vier Glieder. Die beiden letzten Gatt., Lem;^ am*
(1 neue Art) und Carpluirus (2 neue Arten) beide mit verkürzten
llugeldecken, aber vollständig entwickelten Flügeln, haben Haut-
lappchen, die erste, wo das vierte Glied äusserst klein ist, unter dem
dritten, die andere unter dem vierten Fussgliede; die letzte zeichnet
169
sich auch durch pfrieitienförmiges Endglied der Taster aus. — Von
den 136 Arten der .Sammlung gehören 81 der Europäischen Fauna
(welche Nord- und Vorderasien mit umfasst) an, 7 sind Ostindiscb,
16 Africanisch und 32 Americanisch. Von den Gattungen sind der
Europäischen Fauna MalacJnus, Charopus, Troglops, der südeuropäi-
schen Ättulus lind Ätelestiis, der Ostindischen Carphurus, und indem
sie noch nach Aegjpten hinübergreift, Lains , der Capensischen He-
dylius, Illops, ChaJicorus, der Ameriiianischen nur Collops und Lem-
phus eigenthümlich. Europa hat mit America Anthocomus und Ebaetis
gemein; iu der alten Welt verbreitet sind Apalochnis und Colotes.
Malachius }?is/gnis Buquet (Rev. Zool. S. 242) von Algier
ist ein ächter Malachius, grün mit gelbem Seitenrande des Halsschil-
des, rothem Spitzenileck der Flügeldecken und stark gekämmten Füh-
lern des Männchen.
Uie in Dornen, Eindrücken u. s. w. an der Flügeldeckenspitze
bestehenden Geschlechtseigenthümlichkeiten der.Malachien hat D ej ean
(Ann. d. 1. Soc. Eut. IX. S. 205) als solche beurtheilt, um die Ansich-
ten Einiger zu widerlegen, welche darin Artunterschiede zu erkennen
glaubten. Goureau (Ann. d. 1. Soc. Ent. VIII. S. 550) giebt das-
selbe vom Maf. eleguns an, dessen Begattung er beobachtete.
Clerii. Newman (Mag. of Nat. Bist. N. Ser. IV. S. 362) be-
schrieb 5 Nordamerikanische Arten von Hi/dnocera {Fhyllobuenus
Dej.), nämlich H.hiimeralis (Cler. h. Germ.), H. serrafaNewm. und drei
neue aus Ost-Florida: H. rufipes, curtipennis und aegra. — Mot-
schoulski entdeckte in den Caucasischen und dann auch in den
Kirgisen-Steppen in getrocknetem Miste einen Corynetes sahulo-
sus (Bull. Mose. 1840. S. 178. T. 4. F. /.), kleiner und cylindrischer als
C. scutellaris, Kopf, Fühlerkeule, Flügeldecken, Hinterleib schwarz,
das Uebrige roth.
Vtitxiores. Zwei neue Arten: Anobium w7/oi?<m Dej. Brülle
(II. Canar. Ent. S. 60), welches indess nur eine grössere Abänderung
des A. paniceum zu sein scheint, und Syletimis discolor Fald er-
mann (Faun. Transcaucas. Suppl.)
^ilphales. Zwei neue Arten von Siljiha, von eigenthüni-
licher langgestreckter Form, S. figurata und tenuicornis beschrieb
Brülle (II. Canar.Ent. S. 59. T.;2. F.IO. 11.), einen C a t o p s pusillus
Motschoulski (Bull. Mose. 1840. S. 175) aus Georgien.
Derselbe (ebendas. S. 176. T. 4. F. //.) machte auch eine zweite Art
der ihrer Stellung nach noch zweifelhaften Gatt. Leptinus als L. Cau~
casfcus, aus Georgien, bekannt, und stellte (Bull. Mose. 1839. S. 73.
T. 5. F.e.) eine neu entdeckte Gatt. Elaphropus auf, welche sei-
ner Meinung nach sich zwischen Scydmaenus und Ptinus in die Mitte
stellt, indess Mohl mehr als bloss äussere Aehnlichkeit, auf welche
der Verf. hindeutet, mit den Caraben hat. Das in den Caucasischen
Provinzen am Caspischen Meere vorkoraniende Käferchen, E. caraboi-
170
des, l'" lang, bräunlich gelb, mit erweiterten Flügeldecken, und auf
diesen mit punctirten, in den Seiten und gegen die Spitze hin erlö-
schenden Streifen, an der Wurzel des Halsschildes mit den den Cara-
ben gewöhnlichen Eindrücken, mit, wie bei den Caraben, ausge-
schnittenen Vorderschienen, scheint in der That ein kleiner Trechus
zu sein. Ihn für ein ßembidium (Tachjs), deren es mit dem abge-
bildeten ganz übereinstimmende Formen giebt, zu halten, verbietet
die Abbildung der Taster, deren Endglied nicht pfrieraförmig ist, vor-
ausgesetzt dass diese Darsfellung genau ist, wie es die der dazu
gehörigen Maxille jedenfalls nicht ist.
Itisteroides, Zwei neue Arten: U ist er ampUcollis Ref.
(Wagn. Algier III. S. 169) und //. rußilus Faldermann (Faun.
Transcaucas. Suppl,). Der letztere ist ein Saprinus der Abtheilung
mit gerandeter ungerunzelter Stirn.
Xlngitlae* Cr7/p t op hagus ßavipe7itus FaldernxHün (Faun.
Transcaucas. Suppl.) scheint am Nächsten mit der ganz rothgelben
Abänderung des C. cellaris verwandt, aber doch als Art verschieden
zu sein.
Vielleicht ist hier unterzubringen die neue Gatt. Hypocoprui
von Motschoulski (Bull. Mose. 1839. S. 72). Sie zeichnet sich da-
durch aus, dass das 5. Glied merklich grösser ist als die nächst-
gelegenen. H. latridioides wurde in den Steppen am Caucasus, in
Georgien und Armenien in trockenem Pferdemist entdeckt. Später
(Bull. Mose. 1840. S. 184) zeigt der Verf. an , noch ein Paar andere
Arten aufgefunden zu haben, und vermuthet (mit Unrecht) eine vierte
in der Monotoma longicoUis GyW. Es rauss eine grosse Irrung zum
Grunde liegen, wenn der Verf. den Gattungsnamen in Uprocoprus
verbessert haben Avill, da er doch selbst die Ableitung von vtio unij
xoTTQos angegeben hatte.
Ifertnestini, Auf Dr. Schmidt's Veranlassung hat v. Sie-
bold (Ent. Zeit. S. 136) A\Q Dertnesteti-MÄüncXxen, bei denen Rousseau
(S. Jahresbericht für 1838. S. 332) auf das Vorhandensein erectiler
Haarbüschelchen aufmerksam gemacht hatte, anatomisch untersucht.
Ueber jedem Haarbüschel findet sich ein drüsenartiger Körper von
eigenthümlicher fasriger Structur, von dem v. Siebold es zweifelhaft
lässt, ob er muskulöser oder drüsiger Natur sei. Da Rousseau über
dieses Organ weitere genauere Aufklärungen versprochen hatte, hatte
Verf. das,,, was er über ihre Structur vorläufig gesagt, absichtlich,
ganz verschwiegen, weil es vielen Zweifeln Raum gab. Dr. Schmidt
berichtet, dass die Männchen von Dermest. dimidiatus wirklich ein
einzelnes Haarbüschelchen besitzen, wie die des D. vulpinus. Er
macht zugleich darauf aufmerksam, dass auch die Männchen von
Blaps einen Haarbüschel auf dem Bauche haben, und spricht die Ver-
muthung aus, dass auch hier im Innern ein ähnlicher Körper über
demselben sich gelagert finden möchte. Diese Vermuthung ist, wenn
171
Ref. durch seine ErinneriiDg nicht sehr getäuscht wird, auch voll-
komtnea gegräudet. Auch bei Wanzen findet sich Aehnliches.
Es würde eine zusammenhängende Untersuchung über das Vorkom-
men, den Bau und die Natur dieser Organe eine sehr verdienstliche
Arbeit sein.
JMac-rotlfiC'fi/lf» Eine neue Art von Macronychus ist von
Motschoulski (Bull. Mose. 1839. S. 70) als M. Caucasicus bekannt
gemacht. Nach der Beobachtung des Verf. wären bei dieser Art die
Fühler llgliedrig, während sie beim M. tuberciilatus, wie Latreille
sehr richtig angiebt, nur 6 Glieder haben!
Fislpicornia. Sphaeridium suhstriatum Dej. (Falder-
mann Faun. Transcaucas. Suppl.) ist von Sph. bipustulatum F. im
Wesentlichen nicht verschieden.
Für Cyclonotum abdominale (liydroph. abd.F. Coelostom.
abdom. Brullti) wird von Brülle (U. Canar.) die Fabricische Vater-
lands-Angabe dahin berichtigt, dass es ursprünglich auf Isle de France,
zugleich aber auch auf den Canarischen Inseln zu Hause sei, indess
bleibt doch die Fabricische Angabe richtig, indem dieser Käfer in
einem grossen Theil des wärmern America zu Hause ist, zugleich
aber sich über ganz Africa zu verbreiten scheint, indem er ausser
den von Brülle angegebenen Puncten noch am Cap vorkommt, end-
lich selbst der Europäischen Fauna angehört, indem er von Gene
auf Sardinien entdeckt wurde.
Endlich ist hier noch einer pentanierischen Gattung zu erwähnen,
der noch keine bestimmte Stelle angewiesen ist. Motschoulski
(Bull. Mose. 1839. S. 70) nämlich errichtete für einen in Derbent ent-
deckteuKäfer eine ^igeüQGsiii. Xylo notrogiis, welche mit Dejean's
Platyderus identisch ist, indess bereits von Germar (Silberm. Rev.
Ent.) als Thorictus, und von Waltl (Reise nach dem südl. Spanien)
als Sphaerophorus beschrieben ist. Die im Ilolzwerk der Häuser
lebende Art, X. luticollis Motsch., scheint mit den auf der Spanischen
Halbinsel und den Italienischen Inseln vorkommenden Arten grosse
Uebereinstimmuug zu haben.
IjaniellicGrnia, Nach einer Bemerkung von Reiche (Ann.
de la Soc. Ent. IX. S. XVIII) fliegen mehrere Coprophagen, als
Gymnojjleurus, S/syphtis, mit geschlossenen Flügeldecken auf ähnliche
Weise wie die Cetonien. Der erstgenannten Gatt, würde die Aus-
buchtung der Flügeldecken hierbei zu Statten kommen, bei der zwei-
ten ist der Flügeldeckenrand gerade, und es geht hieraus hervor,
dass der Flug mit geschlossenen Flügeldecken auch ohne solche Aus-
buchtung möglich ist.
Eine neue Gatt. Eudinopus stellte Burmeister (Gen. Ins.)
auf. Dieselbe hat die meiste Uebereinstimmung mit Cauthou und Del-
172
fochilum, und s(eht gewisserniassen zwischen bgiden in der Mitte.
Von Canthon unterscheiden sie das deutlich vorhandene Schildchen
und die verlängerten Mittelfüsse, von Deltochilum, dem sie im Habi-
tus noch näher kommt, die vorhandenen Vorderfüsse und das tief
ausgebuchtete Kinn. Die Art, E. ateuc/ioides, von Paraguaj', findet
sich, wie Westwood schon bemerkt, als Scarab. dj^tiscoides in den
Linn. Transact. VI. T. 30. F. 3 von Schreibers abgebildet.
Reiche (Rev. Zool. S. 243) glaubt als besondere Art einen On-
thophagus unterscheiden zu müssen, dessen Weibchen Cojir.Catta
F. sei, und der sich \om O.gazella durch seine geraden Hörner unter-
schiede; indess ist bei diesen beide^ Onfhophagen, Melche beide nur
Abänderungen von O. bomtsus mit weniger entwickeltem Gehörn
sind, eben so wenig ein Artunterschied, als z. B. O. capra vom O.
taurus als Art verschieden ist. — Ein O. phanaeoides ist in Royle's
Himala3-a abgebildet.
Eine neue Art von 0 7n't /'s, O.str/'gatus Dej. aus Algier, beschrieb
Ref. in Wagn. Algier Hl. S. 170.
Aphoditis irrcgularis ist in Royle's Himalaj-a bekannt gemacht.
Vom Ref. (Wagner's Algier S. 170) wurde ein ausgezeichneter
Algierischer Bolhocertis unter dem Namen B. Bocchus bekannt ge-
macht, w'elcher auch neuerdings in Guer. Mag. d. Zool. 1841. Ins.
pl. 71 wieder abgebildet ist.
Aus der Gatt. Geotrupes Latr. stellte Chevrolat (Rev. Zool.
S. 15) drei neue Galicische Arten auf: G. corruscus, dem G. vernalis
sehr nahe verwandt, mit kupferrother Oberseite, G". chalcoiiotus, dem
G. laevigatus nahe, und G. punctatissimus. Ref. erwähnte in Wag-
ner's Algier (HI. S. 154) einer 4. Art, welche Algier mit Sicilien ge-
mein hat, und die mit G. stercorarius verwandt, aber durch schwarze
Unterseite von allen ähnlichen abweichend, als G. Siculus Dahl in den
Sammlungen verbreitet ist: dieselbe ist neuerdings auch als G. Douel
von Algier jn Guer. Mag. d. Zool. 1841. pl. 71. bekannt gemacht wor-
den. — G. orientalis Hope (RoyleHimalaj-a) ist eine Ostindische Art.
Eine durch Sgliedr. Fühler ausgezeichnete Gatt, der Nashornkäfer
Colorhinus, mit dem Habitus von Temnorhynchus, aber mit zahn-
loser, piuselartig behaarter Maxillarlade, wurde von Ref. (Wagn.
Algier S. 171) auf einem Algierschen Käfer, C. obestis, errichtet. Der-
selbe ist, wie ich später erfahren, einerlei mit Dejean's Pachypus
truncatifrons, was ich nicht annehmen konnte, da sowohl die Abbil-
dung als auch die Beschreibung von Callicnemis Latreillei Laporte,
■welchen Dejean als Synonym aufführt, eine solche Vermuthung durch-
aus abzuweisen schienen.
Buquet hat in Guerin's Mag. de Zool. Ins. pl. 46 unter dem Na-
men Scarnbaeus Jupiter einen neuen Käfer von der Grösse des
Sc. Hercules abgebildet, der in der Form ues Halsschildes dem Sc.
Neptunus Schönh. (von dem auch nur das Halsschild acht zu sein
scheint) nahe steht, sich aber durch sein schlankeres und sauft wel-
173
lenfömig gebogenes Mittelhorn unterscheidet. Auch das lange, starke
KOP Lrn fst Zellenförmig gebogen, in der Mitte gezahnt, von da
Hb s zur spitze stumpf gesägt. Der ganze Käfer ist glänzend
schwarz, unten und an den Schenkeln mit rostgelben Haaren besetzt.
Seine Heimath ist Santa Fe de Bogota.
Derselbe (Rev. Zool. S. 212) stellte einen neuen, sehr ausgezeich-
neten Hexodon, mit weissen Längsbinden der Flügeldecken als
H Movtandonü von Madagascar auf, der auch im Mag. de Zool. 1841.
Ins pl. 62 abgebildet und genauer beschrieben ist.
Hope (Mag. of Nat. Hist. N. Ser. VI. S. 300) betrachtet die dem
SC longimanus F. verwandten Käfer als eine besondere Gruppe
Euchelridae, welche er mit einer dritten Gatt. Cke^rotonus
bereicherte. Dieselbe steht zwischen Eucheirus und Propomacrus m
der Mitte hat die Vorderschienen aussen unregelmässig gezahnt, das
Halsschild an den Seiten gerundet und sägeförmig gekerbt. C Mac
Leayi, bronzegrün, mit bronzeschwarzen, gelb gefleckten Flugei-
decken, ist vonAssam. - Wahrscheinlich gehört in dieselbe Gattung
der von Bur meister (Germ. Zeitschr. IH. S. 227) beschriebene £«cA.
Dtipotitiamis, von den Philippinischen Inseln.
Ebenfalls als eine besondere kleine Gruppe trennte Ref. (Ento-
mographieen S. 29) die Fachypoden von den übrigen Melolonthen
ab, welche in manchen Puncten, namentlich in der Form der Unter-
lippe sich den Dynastiden anschliesst, durch den Mangel der Kau-
fläche der Mandibeln besonders von den eigentlichen blätterfressen-
den Melolonthen abweicht, und durch das Fehlen der Maxillarlade
besonders ausgezeichnet ist. Typus der Gruppe ist Fach i/pus Latr.,
den Dynastiden am Nächsten stehend, mit Sgliedrigen Fühlern und
5blät(riger Keule, auf Italien beschränkt, und zwar von den 4 jetzt
bekannten, bisher mit einander verwechselten Arten P. excavatus
{Geotr. eorc.F.) auf dem Südende des Festlandes, P. impressus und cor-
nutns {Molol. com. Ol.) Corsica und Sardinien, P. caesiis Sardinien
und Sicilien. Die Weibchen sind ungeflügelt, selbst mit ganz ver-
steckten Spuren von Flügeldecken. Näher den Melolonthen ist Ela-
phocera Gene, mit lOgliedrigen Fühlern und Tblättriger Keule, eine
rein südeuropäische Gattung, und zwar E. Bedeaui {Leptojms Be-
deau Dej.) und longitarsis {Melol. long. Jllig.) der Spanischen, K
ohscura Gene und dilatata der Italienischen (Sardinien), E. hiemalis
und gracilis (Leptopus gr. Waltl) der Türkischen Halbinsel ange-
hörend. Die Weibchen sind ungeflügelt, aber mit vollständigen Flü-
geldecken. Die dritte Gatt. Achloa ist neu, hat 9gliedrige Fühler
mit 3blättriger Keule, gleicht sehr kleinen Rhizotrogen, und enthält
zwei Arten, A. hehola und Caffru, vom Cap, deren Weibchen noch
unbekannt sind.
Buquet machte (Rev. Zool. S. 171) 7 merkwürdige Arten der
Gatt. RliUotrogus aus Algier bekannt. Sie stimmen darin über-
ein, dass ihre Weibchen ungeflügelt und aufgetrieben sind, und viel
174
kürzere Füsse haben als die Männcl.en. Rh. tusculus, d/spar amphv
tus, inßatm, cupinjtns .md gabal,,, sind von Cons(an(ine, 'Gerardii
YVT;.!^'", "^'''''''" ^''' ''"' "'' --^"«gezeichnetsten, ist im Mag.
de Zool. 1841. Ins. pl. 73 abgebildet. Rk. Gerardii ist auch in Sicilien
einheimisch und als Rh. Siculus Dej. i,i Sammlungen verbreitet. _
Eine achte, Rh. carduorum beschrieb Ref. (Wagn. Algier III. S 173)
Eine neue Gattung Phlexis stellte Ref. in Wagners Algier IIl'
l .■ .. Z '"' ^'^^^«'^••'g« *'""'er '"it öblättiiger Keule, eine
ezahnige Max.llarlade, gespaltene Klauen, und das Männchen an den
vorderen Füssen das zweite und dritte Glied erweitert. Die Weib-
chen, wenigstens von mehreren Arten sind ungeflügelt, wie bei Ela-
phocera, der diese Gatt, auch in Habitus gleicht. Vh. Wa^neri ist
als neue Art beschrieben, eine zweite Nordafrikanische ist Melolonth.
hirticollis F., andere kommen in Südrussland, Griechenland und
Aegypten vor, mehrere auf den Canarischen Inseln. Brulle's Me-
lolontha bipartita, castunea und fuscipennis, (II. Canar. Ent. S 60)
gehören in diese Gay;ung.
Melolontha obscura Brülle (ebendas.) hat zwar ebenfalls
eine öblättrige Keule, weicht aber in der Gestalt des letzten Taster-
gliedes ab.
Zwei OmalopUen, O. ochroptera und tai^nicularis beschrieb
Ref. (Wagn. Algier III. S. 173). Popilia .splendida von den Nil-
gerrhies wurde von Guerin (Rev. Zool. S. 39) aufgestellt.
Die europäischen Arten der Gattung Hoplia hat Dr. Schmidt
(Ent. Zeit. S. 66) einer gründlichen Revision unterworfen. Es haben
sich im Ganzen 11 als selbstständige Arten ergeben, unter denen
H.Kun%ei aus der Türkei neu, und auch H. flavipesDej. noch unbe-
schrieben waren. //. praticola (Duft.) und H, argentea haben 10-,
die übrigen 9gliedrige Fühler.
Die Lamellicornia melitophila sind von Burmeister
und Schaum (Germars Zeitschr. für die Ent. II. S. 352) einer kri-
tischen Revision unterworfen worden, von der der erstere Verf. den
generellen, der letztere den specielleuTheil bearbeitete, und welche sich
zunächst mit den Trichiaden beschäftigt. Als unterschied von den übri-
gen Cetonien wird hauptsächlich auf die mangelnde Seiten-Ausbuchtung
der Flügeldecken, welche ein gänzliches Aufheben der Flügeldecken
beim Fluge bedinge (S. indess o. S. 171), weniger auf das Hervortreten
der ScapularstückeWerth gelegt. Als Gattungen werden Euchirus,
l7ica, Osmodernuim, Valgus, Platygenia und Trichius an-
genommen , letztere mit 9 Untergattungen. Gegen die Einordnung
des Euchirus in die Cetouien-Familie hat Ref. sich schon im vorigen
Jahresberichte erklärt, dagegen kommt noch eine, in dem im 3. Bande
derselben Zeitschrift gegebenen Nachtrage aufgestellte, neue Gattung
Coelocrates hinzu, welche mit Inca in der Anwesenheit eines Zah-
nes unter dem Kniegelenk der Vorderschienen, in den meisten übri-
gen Characteren namentlich mit Gnorimus übereinkommt, sich
175
besonders durch die Anwesenheit eines langen Zapfens am Proster-
num vor den Hüften auszeichnet, und auf Inca ritfipemiis Gory Perch.
gegründet ist. Unter Inca ist eine neue, dem I. Bonplandi verwandte
Brasilische Art, I.Besckn, unter Valgus eine siamesische, F. parvuhis,
beschrieben. Die Untergattungen von Trichius sind 1) solche mit
3zähnigen Vorderschienen, Mi/odermu?n {Myoderma Dej. Cat., Trick,
alutaceus 8cl\., Stnps/fer sord/dits Gory Perch.), eine nene, Eriopel-
tastes (E. lencopri/nmns, neue Art von der Weihnachtsbay), durch
ungetheiltes Kopfschild und behaartes Halsschild und Brust von der
folgenden Stringophorus unterschieden, in welchen Namen der
Gory-Percheronsche Stripsifer verbessert ist, in Avelcher Untergatt.
Jge?nus rufipeniiis und flavipennis Gory Perch., letzterer als St. lon-
gipes {Scarab. lo/ig/pes Swed.) mit dem Camjiulipus Horsfieldii Mac
Leay und Str. Zebra mit dessen Abänderung Str. nigcr Gory Perch.
vereinigt sind; und Agenius (mit der einzigen Art A. Umhatus)
durch die krummen Mittelschienen des Männchens von den vorigen
unterschieden. — 2) Solche wo die Vorderschienen beim Männchen
schlanker und Szähnig, beim Weibchen breiter und 3zähnig sind:
Clastocnemis, mit stark gekrümmten Mittelschienen beim Männ-
chen, und eingeschnittenem Kopfscliilde, auf einer Art, Cl. maculatus,
gegründet, deren beide Geschlechter als Tr. A-maculatus und 6-gut-
iatiis in Schöuherrs Syn. Suppl. beschrieben sind, und zu der im Nach-
trage auch Car/ip. mcurvatusM'Lcay gezogen wird. StegopteruSj
mit schwach gekrümm(en Mittelschienen des Männchens und behaar-
tem Körper, aus dem Tr. vittatus, sutnralis und einer dritten, ebenfalls
Capensischen, neuen Art, St. septus, gebildet; Trigonopeltastes,
mit beschupptem Körper und in beiden Geschlechtern ganz gleichen
Mittelschienen. Den drei bekannten Arten, Tr. delta, deltoides Newm.
und triangiiliim werden im Nachtrage noch vier mexicanische, der
letzten verwandte Arten, Tr. geometricus , ArcJii/iiedes , linea und
A-signatns beschrieben, von denen die beiden letzten auf dem Hals-
schilde statt des ganzen Dreiecks nur mit einer vorderen Ouerlinie,
als der Basis desselben bezeichnet sind. — 3) Die Vorderschienen
bei beiden Geschlechtern 2zähnig: Trichius mit geraden, Gnori-
mus mit gekrümmten Mittelschienen. Im Nachtrage sind auch die
beiden nahe verwandten Arten Tr. piger und viridulus F. gehörig
unterschieden, welcher letztere, obschon vielfach abändernd und be-
reits mit einer zahlreichen Synonjmie ausgestattet, mit einem nicht
zweckmässig gewählten neuen Namen Tr. variabiUs belegt ist, wel-
cher billiger Weise dem Gnorimus S-jmnctatus verbleiben sollte.
Trichius fasciat ush., ab do 711 in alisDe'i. und %o natusGevm.
unterscheidet Dr. Schmidt (Ent. Zeit. S. 116) als drei verschiedene
Arten, von welchen Gory und Percheron wenigstens die beiden ersten,
Burmeister und Schaum die beiden letzten mit einander vereinigen.
Diese beiden letzten sondern sich mehr von der ersten ab, stehen
aber einander so nahe, dass auch Ref. sie früher als Abänderungen
176
derselben Art betrachtete, jetzt aber durch weitere Mittheiluug sei-
nes Freundes Gene in den Stand gesetzt, eine grössere Reihe des
Tr. xonatus zu vergleichen, in dieser Ansicht wankend geworden
ist, da die .Sardinischen Käfer vom Tr. abdominalis Dej. auf eine
sehr bestimmte Weise in der Zeichnung der Flügeldecken abzuwei-
chen scheinen. Dr. Schmidt hat alle 3 Arten sehr umständlich mit
einander verglichen, indess vermag Ref. nicht, sich an den ihm vor-
liegenden Exemplaren von der Beständigkeit der aufgestellten Unter-
schiede zu überzeugen.
Neue Gattungen wurden unter den übrigen Cetonien folgende
errichtet: Centrognathus von Guerin (Rev. Zool. S. 79), von
Cremastocheilus durch gewöhnliche Grösse der dicken vorspringen-
den, an der Spitze abgestutzten Unterlippe verschieden. Die Maxil-
len endigen in 2 Haken, von denen der untere gespalten ist. Die
einzige, gleichfalls neue Art ist C. siihrugosus, von der Insel (Pulo)
Penang an der Küste von Malacca. — Eypselogenia von Bur-
meister (Gen. Ins. Hft. 6) auf der Dipl. concava und alhojmnctata
Gory Perch. gegründet, Melche die genannten Monographen eben
so unpassend mit ihrer Gattung Diplognatlia, als M'Leay unter dem
Untergattungsnamen Coelocephalus mit Iclmostoma verbinden. Es
wäre wohl besser gewesen, den M'Leaj'schen zum Gattungsnamen
zu erheben, als jenen sesquipedalischen neu aufzustellen. — Dia-
phonia, von Newman (Loud. Mag. of Xat. Hist. New. Ser. IV.
S. 366) von Cetonia durch die Fühlerbildung unterschieden: „lamel-
lis in mare elongatis, in femina abbrevlatis." Hierhin Cet. dorsalis
Don., und eine neue in beiden Geschlechtern verschieden gefärbte
Art, D. dispar, von der Känguruh-Insel. — Stethodesma, von
Bainbridge (Ann. of Nat. Hist. VI. S. 481), Gymnetis-Form, mit
gespaltenem Kopfschilde, dreieckigen, nach hinten erweitertem Hals-
schilde, von der Wurzel an allmälig verengten, in eine mittlere
Spitze auslaufenden Flügeldecken, nach vorn weit vortretender Ster-
numspitze. Die Vorderschenkel (wohl Schienen!) 2dornig, die hin-
teren unbewehrt. St. Stracham', neue Art, von Sierra Leona.
Derselbe stellte (ebendas.) folgende neue Arten mit ihren Diagno-
sen auf: Osmoderma Beauvoisü aus dem tropischen Africa, O. sca-
bru?n aus Nordamerica, Gnathocera m'grita von Sierra Leona, Gn.
amalnlis, ebendaher, Diplognatha holosericea ebendaher, D, Ratna,
der D. hebraea ähnlich, von Japan, Dipl. (?) pectoralis von Sierra
Leona, Stripsiper ambiguus, ebendaiier, Cetonia Withillii, aus Ost-
indien, C. Saundersii, der C alboguttata Vig. verwandt, eben daher,
Jmphistoros uffinis von Sierra Leona. — Guerin (Rev. Zool. S. 80)
beschrieb folgende Arten als Entdeckungen Delessert's: Gnathocera
micans und Gn. olioacea, beide von den NUgerrhies, Macronota picia,
Cetonia Maluyensis, rufovittata, von der Insel (Pulo) Penang an der
Küste von Malacca, C. Gory, von der Küste von Malacca und von
Java. — In Royle's Himalaja ist C. Roylii abgebildet, eine Rhombo-
177
Irhina Hope's. — Ref. stellte in Wagners Algier (S. 175) eine neue Art
Cetonia feralis auf, und erklärte (S. 155) die C. barhara, Aupick,
squamosa und Doguermi der Gory-Percheronschen Monographie für
Abänderungen Einer Art. (Bei den letzten beiden ist wahrscheinlich
die Angabe des Vaterlandes falsch, um so eher, als die vorletzte,
angeblich aus Teneriffa, in den II. Canar. nicht vorkommt,
Hope (Mag. of Nat. Hist. New. Ser. VI. S. 299) stellte 10 Arten
von Lucanus , welche Griffith in Assam gesammelt, vorläufig mit
Diagnosen auf. — Eine Ostindische Art, L. Chevrolatii, bildete Chenu
(Guer. Mag. de Zool. 1840. Ent. ^1. 40) ab. Sie ist vom Himalaya-
Gebirge,) — Ebendaher stammt L. lunifer Hope (Royle Him.). —
Eine zweite Art der Gatt. Hex aphifllum, aus Columbien machte
Buquet als //. asquinoctiale bekannt. (Rev. Zool. S. 173. Ann. de
la Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 375). — Den im Jahresberichte für 1838 S. 336
erwähnten Chiasognathus Feistharaelii bildete Guerin (Mag. de Zool.
1840. Ent. pl. 39) ab, und zwar als Sj)henognathus Fe isthame-
lii, und die Abbildung zeigt, dass er dieser Gattung mit Recht über-
wiesen ist. Das Männchen Aveicht von dem Sph. prionoides darin ab,
dass die Mandibeln länger und mit den Spitzen hakenförmig gegen
einander gebogen sind.
Eine neue Gatt. Cacoslomus stellte Newmau (Mag. of Nat.
Hist. N. Ser. IV. S. 364) auf. Sie hat das Ansehn von Dorcus, der
Körper ist aber beschuppt, die Augen sind ganz getheilt, wie bei
Chiasognathus, die Mandibeln sind doppelt so lang als der Kopf, an
der Wurzel genähert, an der Spitze gebogen, innen mit einigen uu-
regelmässigen Zähnen, die rechte mit gespaltener, die linke mit ein-
facher Spitze: C. squamosus, unbestimmten Vaterlandes, vielleicht von
Assam, vielleicht auch aus Neuholland.
JSKelasoma. Die Gruppe der Erodiden erhielt einen Zu-
wachs an folgenden Arten: Erodius Per*?cM* Faldermann, (Faun.
Transcauc. im 5. Baude der Mem. als E. globosus beschrieben), E.
bicarinatus und Wagneri des Ref. (Wagn. Algier III. S. 175), E. tur-
tus, obesus, laticollis, Arthrodeis subcostatus Brülle (II. Canar. Ent.
S. 63), Zop host s ovuta Latr. und rugosa Faldermann (Faun.
Transcauc), Z. personata des Ref. (Wagn. Algier HL S. 176), Z. pli-
cata, vagans Brülle (II. Canar. Ent. S. 64).
Zur P2me/?/e?i -Gruppe kommen Timelia claudia Buquet
(Rev. Zool. S. 342) von Constantine, P. valida des Ref. (Wagn. Al-
gier III. S.176), P. laevigata, sparsa, verrucosa, Canariensis, lusaria
Brülle (II. Canar. Ent. S. 67), P. ventricosa, dubia, Persica, Schön-
herri, Puchyscelis granifera (Pim. metopotapha Men.), leprosa
(JPim. clavaria Men.), gastridulaiyoaDe'^e&n mit Unrecht mit leprosa
vereinigt), viammlllata, musiva, Trigonoscelis armeniaca, Jde-
Sfiiia Fisc/ieri, Ekre?ibergii, nodulosa Faldermann (Faun.Transc),
Adesm. candidipennis und marginipennis de Breme (Rev. Zool.
S. 112, Mag. d. Zool. 1841 Ins. pl. 60. 61) vom Cap Negro in Guinea.
Archiv f. Naturgesch. VII. Jahrg. 2, BU. 12
178
Adesm. stropJdum Fisch, ist von Motschoulski (Biill. Mose. 1939.
S. 68) genau beschrieben.
Trachyderma pilosa und Akts reßexa F., noch jetzt in Aegj'pten
sehr häufig, hat man im Innern eines einbalsaniirten Ibis gefunden.
Hope nimmt an, dass sie vom Ibis verschluckt und nicht erst nach-
träglich beim Einbalsamiren eingelegt seien. (Mag. of Nat. Hist. New.
Ser. VI. S. 462).
Aus der Gruppe der Tentyr iden beschrieb Faldermann
(Faun. Transcaucas.) : Gnatliosia caraLoides depressicorms , pul-
chella, rugipemüs, Brülle (II. Ctnar. Ent.) vorzüglich viele Arten
von Hegeter: H. impressus, glaber, transversus , tenvipunclahis,
polihis, brevicollis, lateralis^ ahbreviatus, cribrkoUis, fuscipcs, ausser-
dem noch 3 Tentyrien,Mesostena elongutu \inA hispida;T^&i. (WSign.
Algier): Puchychile ucuminuta und Tentyria viaura.
Die Gruppe der Asiditen wurde mit 3 Arten von Ast da ver-
mehrt, nämlich A. g-ramilifera Chevrolat (Rev. Zool. S. 16) aus
Galicien und A. miliaris und serpiginoxa des Ref. (Wagn. A!g. S. 179).
Die kleine Gruppe der Tageniden bereicherte Motschoulski
(Bull. Mose. 1839. S. 65) mit einer neuen Art, Tagenia pilosa von
der Russisch-Persischen Gränze, und einer neuen Gatt. Aspidoce-
phalus (ebendas. S. 63), welche sich von Tagenia durch kürzeres
Halsschild und erweiterten Rand des Kopfes, und vorzüglich durch
ein Merkmal, das dem Verf. entgangen, durch fehlende Augen (der
Verf. giebt sie als vom vorspringenden Rande bedeckt an, sie fehlen
aber ganz) unterscheidet. A. desertiis wurde vom Verf. im südlichen
Georgien unter .Steinen entdeckt.
Vielleicht gehört hierher noch die Gattung Oogaster Falder-
niann's (Faun. Transcauc), die dem Ref. in Natur nicht bekannt ist,
und deren wesentliche Charactere aus der gegebenen Beschreibung
sich nicht entnehmen lassen wollen. Sie ist auf der Tagenia picea
Men. gegründet.
Die Gruppe der Scauriden hat Solicr im 7. Bande der Annal.
der Ent. Soc. zu Paris bearbeitet. Sie eiUhält die Gatt. Scaurus
mit 15 Arten, Cephalostenus , der vorigen nahe verwandt, aber
mit besonders bei den Männchen stark verlängertem hinteren Theil
des Kopfes, und mit 2 Arten, C. Dejeanii und elegans, beide von der
Griechischen Halbinsel j JJerpiscius Dej., eine kleinere, schlankere
Form, mit dünnen fadenförmigen Fühlern, an denen auch die vor-
letzten Glieder verlängert sind, mit 2 Arten, Fl. Spitiolae und Sommert,
vom Cap', Lcptodes Dej., der vorigen ähnlich, durch die Verhält-
nisse der Fühlerglieder und die mehr vortretenden Augen unterschie-
den, mit der einzigen Art, L. BoisduvaliiDcj. aus Turkestan; Poly-
pleurusEacb., von den übrigen durch an die Basis der Flügeldecken
schliessenden Hiuteirand des Halsschildes unterschieden; mit 2 Arten,
P. geminatifs Dej. und punctatus, aus Nordamerica. — Die vom Ref.
(Wagner's Algier S. 181) aufgestellten Scaurus harharus und porca-
179
tus scheinen der erstere mit 5c. dubhis, der letztere mit Sc. Varvasi
Sol. zusammenzufallen und werden also einzuziehen sein.
Die Gruppe der Praociden ist sodann von Solier (Ann. d. 1.
Sog. Ent. de Fr. IX. S. 207) abgehandelt worden. Die Einen, sämmt-
lich auf der Westseite America's einheimisch, haben das 11. Fühler-
glied sehr deutlich abgesetzt. Die beiden Gatt. Coeius Esch. (mit
3 Arten) und Fraocts Esch., mit welcher letzteren Anthrasomus
Guer. vereinigt wird (25 Arten), haben die Vorderschienen kürzer
und mehr dreieckig, Euielocera {Fraoc. viatica Lacord.) von der
vorigen noch durch nicht beil- sondern eiförmiges Endglied der Ta-
ster verschieden, Filotarsus {tenuicornis von Coquimbo) von den
folgenden durch lauge dünne Hinterfüssc abweichend, P/a/y/io^mj/f
(Fraoc. dilaiicollis Lacord. und eine neue Art) von Praocis durch tief
ausgeschnittenes Kopfschild unterschieden, Culymmaphorus {cu-
cuUatus und Arctylus ursimts Lac.) mit den Kopf bedeckendem vor-
deren Lappen des Halsschildcs. — Die Andern, säinratlich südafrica-
nisch, haben scheinbar lOgliedrigc Fühler, indem das letzte Glied
.sich dem 10. anschliesst, und ein Stück mit ihm auszumachen scheint.
Hierhin gehören Crypt ochile mit 12 Arten, von denen jedoch Cr.
assimilis Dej. und Gayi unbedenklich für Mäuuchca und Weibchen zu
halten sind, lloraloma, {Cryptochile parvu/aVejr) und Pachi/jiote-
lus {albivevtris , neue Art), beide von der vorigen durch den unten
nicht vom Halsschilde gedeckten Kopf deutlich unterschieden, erstere
mit ausgerandetem, letztere mit gerade abgeschnittenem Kopfscliilde.
Die Gruppe der Sepiditen vermehrte Ref. (Wag. Algier S. 178)
mit vier Arten von Sepidium: S. altferu?n, unciitatum, totnentosimi,
Wagneri.
Zur Gruppe Aar Blaptiden sind hinzugefügt: Blaps urmeniacu,
muricata, canaliculatu, ant hrucitia ¥ al d er m nn n (Faun. Transcauc),
B. viontuna Motschoulski (Bull. Mose. 1839. S. 62) vom Caucasus,
Bl. prodiglosa, stt/g-i'a, ?nagica, siiperstitiosa des Ref. (Wagn. Alg. HL
S. 182), Bl. alternans Brülle (H. Cauar. Ent. S. 68.) — Eleodes Fi-
5c/(en Mannerheim (Rev. Zool. S. 1.37) aus Californien, — Miso-
lampiis Goudotü Ref. (Wagn. Algier HI. S. 181.)
Au.s der Gruppe der Vediniden stellte Mannerheim (Rev
Zool. S.137) Coniontis Eschschollxii aus Californien auf, und Fal-
d er manu (Faun. Transcauc.) beschrieb: Pandarus dardanus, exten-
sus, Heliopates pia'pes, rngipcmiis, Pedimis aequalis, fornicatus, ova-
tus, Capnisa (Bradi/us) modesta. — Vielleicht gehört auch die von
Ihm errichtete neue Galt, ^w^'^ocer?/* mit einer neuen Art, .i. /m?/.y,
hierher. Die Gattung ist aus den angegebenen Characteren dem Ref.
zweifelhaft geblieben, der Name derselben kann keinen Falls bestehen.
Die Opat rillen vermehrte Fald ermann (Faun. Transcaucas.)
mit Opatrum setidosiim, Ref. (Wagn. Alg. S. 181) mit O. barbarum,
Brülle (11. Canar. Ent. «.68) mit 0. /uspidum, Pliylax costatJis, li-
12*
180
neattis, Crypticus navicularis und minutus^ Motschoulski (BiiU.
Mose. 1839. S. 60) mit Microzoum collare,
Fal der mann (Faun. Transcaucas.) bildete eine neue Gattung
Penthicus^ deren Unterschiede von den verwandten aus der Be-
schreibung nicht hervorgehen, aus einer neuen Art, P. parvuhis.
Vaacicornia, Eine neue Art: Neomida cophosioides Falder-
niann (Faun. Transcaucas.)
Mfeiopii, Faldermann (Faua. Transcaucas.) stellte eine
neue Gatt. Cylindrinotus mit 4 neuen Arten auf, deren Unter-
schied von Helops dem Ref. sich nicht herausstellen will, vermehrte
Hedyphanes mit 14, zum Theil, wie es scheint, nicht recht bestimmt
unterschiedenen Arten, und Helops mit 4 neuen Arten. Ref. (Wagn.
Algier III. S. 184) beschrieb einen Hei. ofer, und Brülle (IL Canar.
Ent. S. 70) H. quadratus und trunsverms.
Perris (Ann. d. scienc. nat. XIV. S. 41) beschrieb die Larve
von Helops coeruleus, welche schon früher von Waterhouse (Trans-
act. Eut. Sog. Lond. I. S. 29) bekannt gemacht wurde.
Cistelidae, Faldermann (Faun. Transcaucas.) hat folgende
neue Arten: Mycetocharis gracilis^ Omophlus dilatatus , ochra-
ceipennis, Cistela alleculoides, pxüchei'rima, elegans.
Cistela hicolor betrachtet Dr. Schmidt (Ent. Zeit. S. 138) als
das Männchen der C. sulphurea, und zwar als eine häufigere Form
desselben, indem auch eine andere dem Weibchen gleichgefärbte sich
fände. Es giebt indess zwei Arten, welche sich nicht vermischen.
Bei der wirklichen C. siilphurea (welche hier z. B. auf den blühenden
Linden der Allee nach Charlottenburg zu Millionen erscheint) sind
beide Geschlechter beständig und in allen Theilen gleichgefärbt, bei
der C. bi'color giebt es zwei Abänderungen des Männchens, von denen
die eine allerdings die Färbung des Weibchens hat, sich aber immer
noch durch ganz schwarze Taster, schwarze Fühler, häufig auch
durch schwärzliche Vorderseite der Hüften, letztes Hinterleibssegment
oder Stirn auszeichnet. Das Weibchen gleicht sehr dem der C. sul-
phurea, hat aber ganz braune Fühler, ausserdem "sind beide im Um-
rlss und den Körperverhältnissen etwas verschieden.
Die schon durch Kyber u. m. A. bekannte Verwandlungsgeschichte
AerC.atra {Helops ater F.) ist von Perris (Ann. d. scienc. nat. XIV.
S. 81) nochmals beschrieben worden.
^erropalpidae. Sehr dankenswerth ist dagegen die Dar-
stellung, welche derselbe (ebendas. S. 86. T. 3. F. 14— 18) von der
Larve der Melandrya serrata giebt. Dieselbe weicht von denen der
Tenebrionen bedeutend ab, und erscheint denen der Oedemeren näher
verwandt. Die vom Westwood (Introd. I. S. 304 F. 35. 14) als solche
abgebildete Larve ist von der Perris'schen durchaus verschieden.
Oedetneridae, Neue Arten sind: Ditylus concolor Brülle
181
(II. Canar.Ent. S. 1i()i),Nacerdesfucata, tri'stis, Anogcodes flavi-
ventris, Oedemera Menetriesii (ventralis Men.), steiioptera, para-
doxa (letztere bei(?e die beiden Geschlechter von O. simplex) chaly-
ÄeaFaldermann (Faun. Transcaucas.), Oed. marmor ata Be(. (Wagn.
Algier III. S. 185).
Pyirochroidae- Von dei^ Larve und Nymphe der Pyrochroa
cocchieahat Leon Duf our (Ann.d.sc. nat.XIII. S. 331) Nachricht gege-
ben, welche indess von geringerem Interesse ist, als eine solche von
Ahrens schon in Silbermann's Rev. Ent. I. S. 247 sich findet, welche
die Redactiou der Ann. d. sc. nat. 8. 343 hat wieder abdrucken lassen.
Die Larven kommen häufig vor, und werden jedem Sammler bekannt
sein. Dagegen sind die anatomischen Untersuchungen des Verfassers
schätzbar. Die Speichelgefässe sind beim Käfer ziemlich lang, bei der
Larve aber ausserordentlich klein. Der Darmkanal mit den Gallen-
gefässen zei|t bei beiden keine grossen Abweichungen. Die aus
zweizeilig aufgereihten Säckchen bestehenden Hoden finden sich bei
der Larve schon sehr entwickelt vor, nicht aber die übrigen Theile
des Geschlechtsapparats. Beim vollkommenen Insect fand sich eine aus
Kügelchen zusammengesetzte Masse, welche sich jederseits von der
Basis bis zur Spitze des Hinterleibes erstreckte, wo sie mit einem
Ausführungsgange neben dem After endigte. Der Verf. hält diese
Körper für ein Absonderungsorgan, von dem der eigenthümliche
Geruch des Insects herzuleiten sei. Die Darstellung des Nervensystems
scheint nicht ganz genau zu sein. Die Angabe, dass bei der Larve
das Gehirn-Ganglion nicht im Kopfe, sondern im Prothorax liege,
schien dem Ref. zu paradox, um nicht sogleich die Natur wegen Ge-
nauigkeit derselben zu Rathe zu ziehen. Die Angabe bestätigte sich
nicht, sondern es fand sich die gewöhnliche Lage der Ganglien vor.
Jlnthicidae» Neue Arten siod Monoceros*') brachycerus und
Anthicus nobilis Faldermann (Faun. Transcaucas.) und A. com-
pressicollis Motschoulski (Bull. Mose. 1839. S. 59).
JUEordellonae. Leon Dufour (Ann. d. scienc. nat. II. Ser
XIV. S. 225) gab eine genaue Darstellung der früheren Zustände der
Mordella fasciata und eine Anatomie sowohl der Larve als des Kä-
fers. Die Larve, welche in abgestorbenem Pappelholz lebt, scheint
nach der Beschreibung ganz mit der anderer Arten derselben Gattung
übereinzustimmen, die Abbildung aber (T. 11. F. 1) ist ganz verfehlt,
und nicht geeignet, eine Vorstellung von ihrer merkwürdigen Bildung
zu geben. Im Innern Bau zeigen Larve und Käfer manche Ueber-
einstimmung, namentlich hat die Ganglienkette gleiche Zahl von Ab-
*) Wenn man diese Gattung von Anthicus absondert, muss man
ihr denNamen Notoxus lassen, denGeoffroy ihr zuerst gab, und
den Fabricius mit Unrecht auf eine andere Gattung, auf welche er
gar nicht passt^ übertrug.
182
dominalknoteu. Die Speichelgefässe sind bei der Larve kurz^ beim
Käfer sehr laug. An den Gallengefässen hat der Verf. eiue wichüge
Beobachtung gemacht. Sie sind nämlich dem Mastdarm angeheftet,
münden aber nicht hinein, wie vielfach angenommen wird, sondern
sind an einem durchsichtigen häutigen Gewebe befestigt, welches den
Mastdarm umgiebt und durchaus keine der eigenen Häute des Darras
ist. Bei der Larve setzt sich jedes Gallengefäss in dieser Membran
als ein feiner vielfach geschlängerter Faden fort, der bei der Ver-
wandlung obliterirt. Die Hoden bestehen aus je einem Büschel von
5 länglichen Bälgen. Die Eierstöcke sind wirteiförmig und bestehen
jeder bei M. fasciata aus 15, bei M. aculeata nur aus 5 Eiröhreri.
Die Scheide hat nur einen einzigen birnförmigen gestielten Anhang.
Folgende sind als neue Arten zu nennen: Mordella decora Che-
vrolat (Rev. Zool. S. 16) aus Galicien (ist M, ä-punctata Dej.),
M. funesta, strigipennis, sjylendidula , Anaspis verticaUls^ oi'ientalis,
poecila Fald ermann (Faun. Transcaucas.), Rhipiphoriis apicalis
Westw. (Royle Himal.)
Weloidac Dl^Mylabriden derBerberei sind vonChevro-
lat(Silberm.Rev. Ent.V. S. 266) aufgeführt worden: Cerocoma Vahlit\
für welches fälschlich das Weibchen von C. Schreberl angenommen
wurde, von welchem diese Art ausser mehreren Unterschieden durch
schwarze Hinterbeine des Männchens abweicht, häufig auf allen Wie-
senblumen in Algier; auch eine Abänderung mit einfarbig grünem
Hinterleibe. Hycletis (^Dices Dej.) distrnctus, neue Art aus Algier:
Mylahris, 84 Arten, davon 1) Oleae, 2) tricincta, 3) rniripenm's, 4) li-
tigiosa, 5) Guerinii, 6) melanura Fall., 10) maura, 11) circumßexa,
13) Wagneri, 14) impressa, 15) Paykulli Billb., 17) 10-punctata F.,
tS) terminata, 19) Silbermanne, 21) praensta F., 22) apical/'s, 2S) con-
texta, 24) scapularis aus der Regentschaft Algier, 8) ruficornis F.,
12) Goudotii Lu]i. aus Marocco, 9) gilvipes, 16) tenedrosahHp. 20) curla
von Tunis, und 12) tnacnlata Ol. ohne genauere Angabe der Locali-
tät. Die meisten (nämlich alle im Vorstehenden ohne Auetor aufge-
führten) Arten sind neu, indess M. circumflexa ohne Zweifel einerlei
mit der nur aus Billberg aufgenommenen M. Paykulli, und M. api-
calis und contexta nach des Verf. eigener Meinung nur Abänderungen
von M. praeusta. — Lydits mit 3 Arten, L. algirmus, aus der ganzen
Berberbei, L. sanguim'pentn's, neue Art, durch unbehaartes, ruuz-
lich punctirtes Halsschild und blutrothe Flügeldecken von voriger
verschieden, von Tanger, und L. marginatus (Mylabr. margin. Fab.)
von Oran. Mylabris Oleae ist auch vom Ref. in Wagner's Algier
besclirieben und abgebildet.
Faldermann (Faun. Transcaucas.) hrit noch folgende als neue
'Arten: Mylabris Matthesii, Armeniaca, cingulata, svperba, externe-
jmnctata^ unicolor, Oenas Wilhelmsii, Cerocoma Scovil ssii {OlWieri
Dej.) Jestiva (sicher von Schreberi nicht verschieden) Lytta Arme-
niaca, Meloe exaratus. Eine neue bei Pisa entdeckte Art von Si-
183
taris, S. Soliert, machte Pecchioli (Ann. d. l.Soc.Enfc. d. Fr. VIII.
S. 527) bekannt.
Curctilionides, Das Supplement zu Schönherrs Genera
et Species Curculionidum ist bis zur Hälfte des zweiten Bandes vor-
gerückt. Die zweite Abtheiluug des ersten Bandes enthält den Rest
der Orthoceren, nämlich die Gruppen des Brenthides, Oxycorynides
(die einzige Gatt. Oxycorjnus Chevr.), Antliarhinides, Cylades, Ulo-
ceridesy Oxyrhynchides , und den Anfang der Gonatocera, und zwar
die Gruppen der Brachyceriden; Entimiden , Pachyrhyridiiden und
den Anfang Aqv Brachyderiden, welche umfangreiche Abtheilung noch
die ganze erste Hälfte des zweiten Bandes einnimmt. Die grosse
Zahl der neuen Entdeckungen hat nicht immer in den früheren Gat-
tungen Platz gefunden, sondern auch die Errichtung zahlreicher neuer
Gattungen fast überall nöthig gemacht.
Das 6. und 7. Heft von Labram und Imhof's „Gattungen der
Rüsselkäfer" beschäftigen sich ausschliesslich mit den Anthriben,
und bereichern diese Gruppe mit mehreren neuen Gattungen: Deu-
terocrates, am Nächsten mitXenocerus verwandt, aber die Augen
vorn nur schwach ausgerandet, die Fühler, obgleich sonst in der Bil-
dung übereinstimmend, haben das dritte Glied nicht verkürzt. Eine neue
Art, D. nebiilosus. Decatap hanes, sonst mit der vorigen Gattung
sehr übereinstimmend, auch in der Bildung der Fühler, nur dass sie
durch Verschwinden des 10. Gliedes lOgliedrig erscheinen. Zwei neue
Arten, D, gracilis und jncttis. Jnacerastes, im Verhältniss der
letzten Fühlerglieder mit Decataphanes, in dem der ersten mit Me-
cocerus übereinstimmend, d. h. das erste Glied massig lang, ziemlich
keulförmig, das 3. klein, das 3. und die folgenden lang, das 10. unver-
hältnissmässig kurz. Eine Art, A. lepi'dus. Chiroteno?i, mit ver-
längerten Vorderbeinen des Männchen, die Fühler hier nur von hal-
ber Körperlänge, die beiden ersten Glieder klein, die übrigen ziem-
lich gleich, gestreckt und dünn; beim Weibchen sind die Fühler noch
kürzer, und nur die drei letzten Glieder sind gestreckt, eine lang-
gezogene schmale Keule bildend. Eine Art, Ch. adustus. Alle diese
vier Gattungen, welche sich zwischen Xylinades und Xenocerus stel-
len, sind von Aquapim in Guinea. Eine 5. neue Gattung ist Sy-
staltocerus Dej., mit Gymnognathus und noch mehr mit Analotes
verwandt, die Fühler ziemlich lang, und an der Spitze nicht verdickt,
an denen des Weibchen die 7 letzten Glieder eine lange Keule bil-
dend. 5*. /;/a/.y/'Ä/«M*, eine hübsch gezeichnete Art aus Cayenne. Von
bekannten Gattungen sind dargestellt: Eucorynus durch E. cras-
sicornis , Lag ope%us durch L. tenuicornis, Tropideres durch T.
albirostris müA niveirostris, Cr atop aris durch Cr.lnnaUis und eine
neue Art, Cr. tapirus Dej. aus Cayenue,^«?/*/'/^«.? durch A. albi-
nus und 2 neue Arten, A. dama und retusiis aus Guinea, Polyco-
rynus durch P. coinpressicornis und eine neue Art P. pantherinvs
aus Guinea. Von der ersteren Art dieser Gattung lehrt der Verf.
184
auch das Mäunclieu keimen, bei dem die Fühler von Körperlänge
die Keule nur 4gliedrig, das 5-8. Glied an der Spitze mit einem'
zuruckgekrünimten Häkchen bewaffnet sind.
Neue Arten sind: Bruchtis i-plagiatus Motschoulskl (BuU
Mose. 1839. S. 57, 1840. S. 185) ^ Brachycerus difformis Fald er-
mann (Faun. Transcaucas.), Br. riguus, Thylacites fullo und coma.
tus, Cleonus fastigiatus , Molytes ferus des Ref. (Wagn. Algier III.
S. 185 — 187), Phytonomus balteatus Chevrolat (RevrZool." S. 16)
aus Portugal. Oiiorhynchus sculptns, simplex, squamosus, Omia's tes-
sellatus, Sitona verrucosa, Monojiychus variegatus Brülle (II. Canar.
Ent. S. 71. — Ty/odes scaber desselb. S. 72 ist Acalles argillosus
SchÖnh.); endlich Ptilopus Argus Reiche (Rev. Zool. S. 375) aus Cuba.
Perris (Ann. d. I. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 89) beschreibt die Na-
turgeschichte eines Apmi uUcicola, dessen gelbliche Larve in Gallea
der Triebe des Ulex nanus lebt, characterisirt den Käfer aber zu
ungenügend, um entscheiden zu können, ob er auf eine der bekannten
Arten zurückzuführen ist. Ap. atomarium lebt nach Suffrian (Ent.
Zeit. S. 44) auf Thymus Serpyllum. Derselbe theilte (ebendas.) Be-
merkungen über Ap. difforme und (S. 58) über Ap, apricans mit, fer-
ner (S. 6) über Rhynchües auratus Scop. und laetus Schupp. , von
denen er den ersten gegen Schönherr als den wahren Fabricischen
Bacchus nachweist, Rh. sericeus, comatus, (S. 44) über Rh. obscurus,
der auf Eichen lebt, Hornung (ebendas. S. 63) ixhev Rh. hungaricus,
und Suffrian noch über Rhamphus aeneus (S. 45), Phyllobius cal-
caratus (S. 46), von dem er den schwarzbeinigen auf Nesseln
lebenden als carniolicus Ol. absondert, den iiidess schon Jlliger als
Alneti F. unterschieden hattej Dr. Schmidt beschrieb (ebend. S. 131)
das maschjge Gespinnst, in w-elchem die Larve des Phytonomus Ru-
micis sich verwandelt (Ref. fand mehrere solcher Cocons an einander
geheftet), Suffrian stellte (ebendas. S. 59) eine zweite grössere Art
von Anoplus, A. Roboris, auf, welche auf Eichen lebt, während die
andere Art vorzugsweise auf Birken sich findet. Derselbe gab über
Thamnophilus flavicornis Seh. (ebendas. S. 47) Orchestes bifasciatus,
crythropus {S. 10), quercus und Poephugus Nasturtü\S. 60) Nachricht!
Die Bewegungen des merkwürdigen Tachygonvs Lecontei schilderte
Zimmermann (Germ. Zeitschr. II. S. 445).
:S^ylophaga, Aus der Abtheilung der Borkenkäfer be-
schrieb Brülle (II. Canar. Ent. S. 71) Hylurgus crasstcorms. Per-
ris (Ann. d. scienc. nat. N. Ser.XIV. S. 89. T. 3. A. F. 19— 24) stellte
die Larve des Plafypus cylindrus dar, undBoyerdeFonscolombe
(Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 104) führte unter den dem Oel-
baum schädlichen Insecten Hylestnns ohiperda und Phloeotribus
Oleae auf. Die Larve des ersteren, welche als fifüssig angegeben
wird ( . ? ), lebt in den Zweigen des Oelbaums und macht sie abster-
ben, die des zweiten nistet sich vorzüglich in den Astwinkeln ein,
und wird Veranlassung, dass diese beim geringsten Windstoss brechen.
Aus dem bunten Gemisch von Gattungen, welche den Rest dieser
185
aus vielen Elementen zusammengesetzten Abtheilnng bilden, ist Apate
aterrima, Cis caucasiais Men., Lyctus suturalis, laevipenm's. Nemo-
soma caucast'cum Men. (von Nemosonia cornutura Sturm's verschieden)
uuA ßrontes huvieralis vonFaldermann (Faun. Transcaucas,), Tro~
gosita Pini, der T. coerulea verwandt,. von Brülle (II. Canar. Ent.
S. 70) beschrieben.
Eine neue Gatt, ^ct-o/)?* stellte Burmeister (Gen. Ins. Heft 5)
auf, welche wohl weniger mit den Mycetophagen, wie der Verf. will,
als mit Sarrotrium verwandt, kurze, dünne, 10-gl. Fühler mit Sgl. Keule
hat, und sich dadurch besonders auszeichnet, dass die Augen auf seit-
lichen Fortsätzen, fast wie auf Stielen stehen. Acropis tuberculiferd
ist aus Brasilien.
Germar (Zeitschr. II. S. 342) übersetzte Newman's Monographie
von Rhi/sodes, bereicherte sie mit 3 neuen Arten, Rh. coniungens,
dem Rh. sculptilis verwandt, aus Nordaraerica, und Rh. ßguratus
vom Cap, und bestätigte das Vorkommen des Rh. arettus {exaratus
JU.) iu Europa.
Mjongicomes* Dejean (Ann. d. 1. Soc.Ent. d. Fr. IX. S. 69)
hat zu Mulsants Arbeit über die Cerambjcinen Frankreichs seine Be-
merkungen mitgetheilt. Es sind von M. viele neue Gattungen errichtet.
Ropalopus begreift Call. iTisubricum, clavi'pes wx^A femoratum^Cal-
lidium ist w\i violaceum, dilatatum, saiiguineiim, unifasciatum, ahn
und rufipes beschrankt, Phymatodes enthält C. variabile, thoraci-
cum (vielleicht Vini Pz.) und hiunerale, Semanotus ist für C.unda-
tum gebildet, Oxypleur'us enthält eine neue Art, O. Nodieri, viel-
leicht Crioceph. morbillosum Dej., Criomorphus entspricht Isarthron
Dej., Criocephalus ist Criocephalum Dej. Unter Platynot us
(vergebener Name) sind Cl. detritus und arcuatus, unter Anagly-
ptus Cl. gihlosus und mystmis von Clytus abgesondert, Leptidea
ist für Gracilia hrevipennis Dej. errichtet. Steno soma hält Dej.
für einerlei mitDeroplia, Compsidca hegreift Sap. populnea, Anae-
rea Sap. Carcharias , Saperda ist auf tremulae , punctata und
scalaris beschränkt, Polyopsia entspricht Anaetia Dej., heisst aber
schon bei Stephens Tefro/w Kirb. Anoplodera enthält Z,ejö^ 6-^Mf-
tata., rufvpes, lurida. Interessant ist noch die Bemerkung, das Hespe-
rophanes pallidus {Callid. pall. Ol.) das Call, mixtum F. ist. Dejean
bemerkt mit Recht, dass dieser Käfer wenig bekaänt sei, mjt Unrecht
aber, dass man ihn nur in Frankreich kenne: er findet sich auch in
Deutschland, und wurde namentlich bei Berlin von Kirstein, bei Darm-
stadt von Riehl entdeckt.
Zwei neue, mit Spondylus verwandte Gattungen sind von Guerin
(Rev. Zool. p 276) aufgestellt worden. Sie haben eine ähnliche cy-
lindrischeForm, weichen aber beide durch etwas gesägte Fühler von
fast Körperlänge und nicht flache, sondern fadenförmige' Füsse ab,
deren Klauenglied nicht länger als die drei ersten Glieder ist. Ano^
ploderma hat die Mandibeln länger als den Kopf, die Maxillartaster
länger als die Labialtaster, und das zweite Fülüerglied klein, das
186
dritte länger als das erste; StjiJilus hat die Miindibelu kürzer als den
Kopf, die Taster beider Paare gleich lang und das zweite und dritte
Fühlerglied beide kurz. Beide Gattungen gehören zu den Entdeckun-
gen d'Orbignj's, und ist die erstere, A. bicolor, auf den Ändes von
Peru, die zweite, S. Orhignyi, in Patagonien einheimisch.
Guerin beschrieb in der Revue Zool. (S. 39) eine dem Prionus
rostratus verwandte Art unter dem Namen Cyrt pgnathtis mon-
tanus, welche auf den Nilgerrhies im April und Mai niemals flie-
gend, sondern stets auf dem Boden herumkriechend, in solcher Menge
erscheint, dass die Wege förmlich von ihnen bedeckt sind, und die
schwarzen Bären aus den Ghats herbeigezogen werden, um sich an
diesem Insekt zu sättigen. Später (S. 83) erkannte G., dass dasselbe
strenger genoaumen zur bereits früher schon auf dem Pr. rostratus F.
gegründeten Gatt. Dorijstenes Vigors gehöre, von welcher sich Cyr-
tognatlms hauptsächlich durch die einfache Brust unterscheidet.
Eine neue Gatt. Mecos ar thron stellte Buquet (Rev. Zool.
S. 173 und Guer. Mag. d. Zool. 1840. Ins. pl. 52) auf, die zu den
Prionen mit stachligen Schienen gehört, zwischen Enoplocerus und
Ctenoscelis in der Mitte steht, und sich durch ein besonders langes
erstes Fühlerglied auszeichnet. Die ansehnliche Art, M. buphagus\
ist in Brasilien zu Hause.
Der Gatt. Callipogon fügte Reiche (Rev. Zool. S, 875) eine
zweite Art, C. Lemoinei von St. Fe de Bogota hinzu; eine neue Art
von Mallodoiiy M. spinostim aus Mexiko, stellte Newman (Mag.
of Nat. Hist. N. Ser. IV. S. 194) auf, einen neuen eigentlichen Prio-
nus, der vom P. coriarius vorzüglicii durch schwärzere Färbung,
grössere Glätte und an den Seiten zweidorniges Halsschild abweicht,
beschrieb Fald ermann in der Faun, transcaucas. als P. Asiaticus;
die Gatt. Calöcomus bereicherte Buquet (Rev. Zool. S.142, Guer.
Mag. de Zool. 1840. Ins. pl. 50. 51) mit zwei neuen ausgezeichneten
Arten, die beide etwas grösser, namentlich länglicher sind idsCDes-
marestii, die eine, C. Kreiichelyi, schwarz mit rothbraimen Flügel-
decken, mit länglichem schwarzem Schulterlleck, die andere C. Lycitis,
dunkelblau, beide aus dem reichen Bogota. Auch Psalidogna-
thtis wurde durch Reiche (Rev. Zool. S. 358) mit einer Art ver-
mehrt, Ps. erythrocerus, dem Ps. modestus Fries ähnlich, mit rothen
Fühlern, aus Columbieu.
Menetries hat ein Essai d'une Monographie du genre Ana-
colus (Mem. de l'Acad. Imp. d, scienc. d. St. Petersb. VI. Ser. V.U.)
mitgetheilt. Die Gattung zerfällt in drei Gruppen Bei der ersten
hat das Halsschild einen Zahn in der Mitte und verengt sich hinter
demselben, die Flügeldecken sind sehr kurz, dreieckig, spitz. Hier-
hin A. higubris Enc. und A. bimaciilatus Men. Bei der zweiten
Gruppe hat das Halsschild dieselbe Form, die Flügeldecken sind aber
wenig verkürzt, bedecken fast den ganzen Hinterleib und sind an
der Spitze abgerundet. Hierhin A. sanguineus Enc, lividus Men.,
praet(sttis Perty und nigricollis Men. Bei der dritten Gruppe ist das
187
Halsschild nicht verengt; die ganze Form ist weniger verkürzt, die
Flügeldecken sind abgerundet und reichen fast bis zur Spitze des
Körpers. Hierhin ^-i. i-maculatus Gory und A. i-notatus Men. Bu-
quet (Ann. d. 1. Soc. Ent. IX. S. 379) hat drei neue Arten, A. Me-
netriesii, scapularia und jiygnmeus, hinzugefügt, welche alle der er-
sten Gruppe angehören. Die dritte Gruppe entspricht nach ihm der
Gatt. Myzomorphus des Dejeanschen Catalog.
Dupont hat in Guer. Magas. d. Zool, (1S40. pl. 28 — 38) einen
Nachtrag zu seiner, in früheren Berichten besprochenen Monographie
AerTr ach y deren gegeben, worin diese Gruppe mit 3 neuen Gattungen
bereichert Avird. Galissus Dup., mit Lissonotus verwandt, indess ge-
streckter, mit einfachen Fühlern, etwas längeren Hinterbeinen und zu-
sammengedrückten, gewimperten Schienen. 1 A.^ G. cyanopterus aus
Cayenne. — Aeg oidtis Buq. von Stenaspis und Phaediniis, wie es
scheint nur durch die Höcker des Halsschildes unterschieden, indem
nämlich auf dem Rücken desselben 5, wie bei Phaedinus, an den Seiten
3(beiPhaedinus nur 1) sich finden; Stenaspis unterscheidet in der That
sich nur dadurch, dass die .flachen Höcker des Bückeus fehlen. In
der langgestreckten schmalen Gestalt des Schildchens kommen alle 3
überein, und es scheint, als ob man sie füglich (unter dem Namen
Stenaspis oder Phaedinus vereinigen könnte. A. Peruvi'anus aus Peru
ist die Art, auf welche die Gatt. Aegoidus errichtet ist. — Oxodera,
am Nächsten mit Xylocharis verwandt, aber etwas gestreckter, mit
plumperen Beinen und Fühlern, mehr nach hinten vorragender Spitze
zwischen den Vorderbeinen, stumpf gerundetem Höcker zwischen
den Mittelbeinen, kürzerem Schildchen und nur einem Höcker an den
Seiten des Halsschildes (die Abbildung zeigt einen Ausschnitt der
Unterseite des Halsschildes, wovon aber bei einer zweiten Art nichts
zu sehen ist). — O. xanthospilos (O. callidloides) aus Columbien, —
Neue Arten der älteren Gatt, sind Phaedinus lanio Guer., aus dem
innern Südamerica, Ph. viicrothorax (Trachyderes) Perty aus Brasi-
lien, Ph. Debauvei aus dem engl. Guiana, Dendrobias hasalis aus
Bogota, Trachyderes iuvencus, blandiis , badius (auf der Tafel mit
dem Dejeanschen Namen spadiceus genannt) ebendaher, Stenaspis
tinicolor, vielleicht aus Mexiko.
Ausserdem sind noch mehrere Arten zur Gruppe der Tra-
chyderiden nachgetragen worden: Megaderics coraUifer New-
man (Mag. of Nat. Hist. New Ser. IV. S. 195) aus Mexiko, Ab-
änderung des M. bifasciatus Dup. — Rachidion obesum New-
man (ebendas.) aus Brasilien, mit rothbraunem Halsschilde und Flü-
geldecken, nicht das Weibchen des R. nigritum Serv., wie N.
vermuthet, obschon das Männchen auch ganz schwarz ist. — Trachy-
deres vennsfus Newman (ebendas. VI. S. 479) ist Phaedinus Debau-
vei Dup. — Phaedinus moestus Newm. (ebendas. IV. S. 195) aus
Brasilien, gleichzeitig von Buquet (Rev, Zool. 1840. S. 143) als
Galissus bijilagiatus aufgestellt, keine eigene Art, sondern das Mann-
188
chen des Prion. Martil Perty. — Aegoidus Earlii Giierin (Rev.
Zool. 1840. S. 324) von Bogota. — Ozoderu calUdioides D lipon t
(Rev. Zool. 1840. S. 42) und O. bipartita Buquet (ebendas. S. 110)
beide von Bogota, die erstere (von ganz rothbrauner Farbe) nach
Guerin's Urtheil (ebendas. S. 142) Abänderung der letzteren (schwarz
mit gelbem Querfleck vor der Mitte der Flügeldecken). — Stenaspis
rimosus Buquet (ebendas. S. 143) von Bogota.
Buquet (Rev. Zool. S. 172) stellte eine neue Gatt. Stiphilus
auf, welche mit Rachidium in näherer Verwandtschaft, sich haupt-
sächlich durch die vom 6. Gliede an breitgedrückteu, nicht gesägten
Fühler und einfaches Prosternum unterscheidet. .S^^ i-punctatns, tief
und glänzend schwarz, mit 2 weissen Puncten hinter der Mitte je-
der Flügeldecke, ist ein seltener brasilischer Käfer, der auch im Mag.
de Zool. 1841. Ins. pl. 63 abgebildet ist.
Derselbe (Ann. d. I. Soc. Ent. IX. S. 385) beschrieb die Gatt.
Ptcroplatus Dej., welche sowohl in Form als Färbung auffallend
an Lycus erinnert, und sich durch die abgeplatteten und nach hinten
erweiterten Flügeldecken, das seitlich erweiterte flache Halsschild
und die gebarteten 7 ersten Fühlerglieder auszeichnet. Die fünf be-
schriebenen Arten, Pt. pülcher, suturalis, gracilis, Rostainei und ar-
rogatis sind von S. Fe de Bogota. (Andere finden sich in Brasilien
und Mexiko.)
Derselbe (Rev. Zool. S. 898) machte uns auch mit der Gatt.
Coccoderus Dej. bekannt, welche die nächsten Beziehungen mit
Chlorida und Phoenicocerus, dabei jedoch manche Uebereiustimmung
mit Eburia zeigt. C. hisignatus aus Cayenne und C. ^-muculatus und
C. tuberculatus aus Brasilien sind sämmtlich seltene Arten.
Hammati clierus erhielt Zuwachs durch H. dux Falder-
maun in der Fn. Transcaucas. , dem H. heros nahe verwandt, und
eine zweite Art aus Algier, von der Grösse des H. cerdo, von fei-
ner Sculptur und ohne Dorn am Halsschilde, vom Ref. (Wagn. Al-
gier, III. 188) E. Nerii, und etwas später von Buquet (Ann. d. I.
Soc. Ent. IX. 393) H. Maxiritanicus benannt. — Callichroma
bereicherte Hbpe (Linn. Transact. XVHI. S. 440. T. 30. Fig. 2. 3.) mit
zwei prächtigen Arten, C. GriffithU und Cantori aus Assam, und
Newuian (Mag. of Nat. Hist. X. Ser. IV. S. 367) führte eine dritte
auf, C. ducalis, vom Navigator-Island, Halsschild und Flügeldecken
mit purpurschwarzem Sammtfilz bekleidet, die Schenkel roth, die vor-
deren an der Spitze, die hintersten halb schwarz. Promeces iucun-
dus und Clostrocera tricolor stellte Guerin (Rev. Zool. S. 108) als
neue Arten vom Senegal auf.
Newman (Mag. of Nat. Hist. N. Ser. IV. S. 194) errichtete eine
neue Gatt. Niraeus, vom Ansehen einer Aromia, mit breiten, an
beiden Rändern mit einem grossen Zahn bewafl"neten Mandibeln, sehr
kurzen Maxillartastern, cylindrischem Endgliede aller Taster, Füh-
lern von kaum halber Körperlänge, an den Seiten mit höckrigem
189
Halsschilde, abgerundeter Flügeldeckenspitze, kaum verdickten Schen-
keln und zusammengedrückten Schienen. N. trkolor von der Tenes-
sarimküste, fast IJZoll lang, ist roth, die Flügeldecken ums Schild-
chen und hinten schwarz, die Fühler schwarz mit weisslicher Mitte.
Die neuholländischen 5'^e?JOCÄo/'«rfew sind vonHope (Proceed.
Zool.Soc. S.46) auseinander gesetztworden. DieGatt. Stetiochorus
ist auf solche mit gedornten Fühlern und an der Spitze 2 dornigen Flü-
geldecken eingeschränkt, und enthält 18 Arten, von denen die einen,
wie St. semijmnctatus, ein an den Seiten gedorntes, (St. g/'gas aus
dem Innern, latus, tn'maculatns, undulatus vom Schwanenfluss, longi-
pennis und assitnilis von Van-Dieraensland, Mitchelli, acauthocerus
und dorsalis sind neu), die anderen ein ungedorntes Hulsschild ha-
ben, wie .S'^ uniguttatus M'Leay {Mallocera elongata Dej.) und die
neuen St. rhombifer, ttinicattis^, Roei, der letzte vom Schwanenfluss.
— Coptocercus mit gedornten Fühlern und abgestutzter Flügel-
deckenspitze ist auf Steil, biguttatus Don. und 2 neuen Arten, C. 6-ma~
culatus und unifasciatus, erstere weit verbreitet, letztere vom Schwa-
nenfluss gegründet. Die übrigen haben ungedornte Fühler. Tra-
che loi'achys, mit an den Seiten und auf dem Rücken gedorntem
Halsschilde und nicht verdickten Schenkeln, enthält 2 neue A., Ti\
fumicolor und pustulatus, Meropachys, mit sehr unebenem und an
den Seiten gedorntem Halsschilde, mit vor der Spitze kugelförmig
angeschwollenen Schenkeln und mit seidenartiger Behaarung des
Körpers: ebenfalls 2 neue A., M. Mac Leaii und trlxtis, letztere vom
Schwanenfluss. Bei den folgenden Gatt, ist das Halsschild nach vorn
kegelförmig verengt, n'Amliclx Scolecobrotus {Westwoodi, der sich
wahrscheinlich nicht am Schwanenfluss, wie der Verf. vermuthet,
sondern in Van-Diemensland findet, woher ihn die hiesige Sammlung
erhielt), Uracanthtis, beide schon im ersten Bande der Zool.
Transact. aufgestellt, die letztere hier mit zwei neuen A., U.pallens
von Yan-Diemensland und TJ. marginellus, vom Schwanenfluss, be-
reichertj Strongyltirus mit an der Spitze abgerundeten Flügel-
decken, auf den Sten. scutellatus Hope und einer neuen A. St. vari-
cornts gegründet, hat mit den beiden folg. Gatt, zusammengedrückte
Fühler gemein: Coptopterus mit schräg abgestutzter Flügeldecken-
spitze hat den C. cretifer Hope, Piesarthrius mit innen gedorn-
ter, aussen abgerundeter Flügeldeckenspitze, eine neue A. P. mar-
ginellus vom Schwanenfluss, zum Typus.
Eburia virgo und puella beschrieb Newman (Mag. of Nat.
Hist. N. Ser. IV. S. 196). Das Vaterland der ersteren ist Brasilien,
das der letzteren nicht angegeben.
Die Gatt. Hesperophaties Dej. wurde mit 3 Arten vermehrt:
Call. {Hesp.) roridum Brülle (II. Canar. Ins. S. 62. T. 1. F. 6),
Call. Hesp. jmlvcrulentum des Ref. (Wagn. Algier IH. S. 188) und H.
fasciculatum Faldermann (Faun. Transcaucas.). Ein Callid. lon-
gtcolle vom Senegal stellte Guerin (Rev. Zool. S. 109) auf, einen
190
Clytus Faldermanni Dej. beschrieb Paldermann in der Fauna
Transcaucas. , und einen Cl. Caucasicus Motschoulski im Bull.
Mose. 1839. S. 54.
Megaproctus ist eine neue Gattung, welche Chevrolat
(Silberui. Rev. Ent. V. S. 321. T. 38) aufstellt, und den Prionen zu-
gezählt wissen will, welche aber mit Rücksicht auf die nicht unter
sondern zwischen den Augen stehenden Fühlern den ächten Ceram-
byces angehört, und sich den Callidien annähert. Sie zeichnet sich
durch die Bildung des männlichen Hinterleibes aus, der anscheinend
aus nur 3 Segmenten besteht, die beiden letzten jeder mit einer haa-
rigen Grube. Dieser Bildung zufolge ist die in Süd-Africa einhei-
mische Art M. didelphis benannt worden. Das Weibchen ist unbekannt.
Otnmidium nennt IVewman (Mag. of Nat, Hist. New. Ser. IV.
S. 196) eine neue Gattung, deren sj-stematische Stellung er ungewiss
gelassen hat. Der Kopf ist abwärts geneigt, die Fühler sind fast
von Körperlänge, das erste Glied lang, das zweite kurz, das dritte,
vierte und die übrigen gleich lang. Die Augen klein und schmal, von
den Fühlern entfernt, das Halsschild vorn eingeschnürt, an den Sei-
ten höckrig, kaum dornig, auf dein Rücken flach, die Flügeldecken-
spitze gerundet, die Schenkel allmälig verdickt. O. modestimiy gelb,
behaart, mit runzligem Halsschilde, beülztem Schildchen, an der Wur-
zel punctirten Flügeldecken, 0,7'" lang, ist aus Brasilien.
Hbpe (Linn. Transact. XVHI. S. 136) beschrieb mehrere neue
Lamien von Assam, zum Theil als Tj'pen neuer Gattungen. Der Gat-
tungsname Lrtw?'« ist auf die Form der L. rubus beschränkt, welche
hier mit der L. Horsfieldii von Assam bereichert ist. Euoplia
weicht von Lamia darin ab, dass die Flügeldeckenspitze Sdornig ist;
das Ansehn ist im Ganzen das von Monohamraus. E. pohjspila ist von
Assam, ausserdem werden 5 noch unbeschriebene hierhingehörige
Arten erwähnt. Oplophora (ein nicht mehr vacanter Name) hat
abgerundete Flügeldeckenspitze, aber einen Bruststachel. Hierhin
L. punctatorF. und die hier abgebildete prächtige ü. .So//« von Assam.
Anoplophora unterscheidet sich von der vorigen durch unbewaff-
nete Brust und enthält eine prachtvolle assamesischc Art, A. Stan-
ley ana. Monochamns ruher Hope steht mit der Lamia rubra Dalm.
(Schönh. Syn. HI. Suppl. S. 167) in der nächsten Verwandtschaft und
wird daher anders zu benennen sein. — Lamia Stvainsomi und Mo-
nochamns herylUmis Hope (Mag. of Nat. Hist. N. Ser. VI. S. 300),
die erstere der Gatt. Euoplia verwandt, der zweite bläulich grün,
mit schwarz geflecktem Halsschild und Flügeldecken, sind gleichfalls
von Assam. L. WaUichü Hope (Royle Himal.) eine ausgezeichnete
Art vom Himalaya und Java, ist auch als Ceroplesis tricincta Dej.
bekannt. Monorhamus lignator Dej. (Faldermann Faun. Trans-
caucas.) ist vermuthlich einerlei mit Lam. pellio Germ., welcher nach
abgeriebenen Stücken beschrieben zu sein scheint. Mo7iochamus annu-
licornis und albidus Brülle (II. Canar. Ent. S. 62. Taf. 1. Fig. 3. i)
191
gehören beide nicht ia diese Gattung; die erstere schliesst der
Deroplia Dej. sich am Nächsten an. Astyno7nus Dej. bereicherte
Faldermann (Fäiftia Transcaucas.) mit einer kleinen Art, A. hir-
sutulus.
Von Dorcadion beschrieb Faldermann (Faun. Transcaucas.)
6 Arten, von denen D. indutum, glaucum, laeve, persicum neu. Eine
Portugisische Art, D. Lusitanicum, stellte Chevrolat (Rev. Zool.
S. 16) auf. Die Lam. {Acanthod.^ gibba Brülle (II. Canar,
Ent. S, 73. T. 1. F. 5) scheint der Abbildung nach eine den Dorcadien
sich zunächst anschliessende Form zu sein.
Die Saperden erhielten in Faldermann 's Fauna Transcaucasica
einen Zuwachs an zum Theil ausgezeichneten neuen Arten: Saperda
mirabilis, Scovitsii, holosericea, Anaetia gilvipes Stev., Phytoecia
jmncticollis , Faldermanni Dej., diademata, pretiosa, punctum Zgl.,
Agapanthia smaragdina Dej., cJialybea. — Agapanthia consobrina
Chevrolat's (Rev. Zool. S. 17) aus Galicien, ist der A. suturalis
nahe verwandt, aber mit gelben Halsschilds- und Nahtstreifen. —
De Breme's (Rev. Zool. S. S78) Sap. Guerinii aus Algier zeichnet
sich durch grosse Geschlechtsverschiedenheit aus, das Weibchen ist
die Sap. {Phytoecia) glauca des Ref. (Wagn. Algier III. S.189)j das
Männchen hat statt des dichten Toments, welches den Körper des
Weibchens bekleidet, nur eine äusserst zarte, kaum bemerkbare Pu-
bescenz, und die Flügeldecken haben ringsum einen feinen, weissen
Toraentrand.
Stibaru Hope (Mag. of Nat. Hist. N. Ser. VI. S. 300) ist eine
neue Gattung, mit Saperden-förmigera, dickem, kräftigem Körper, brei-
tem, vorn fast quadratischem, hinten gewölbtem Kopfe, starkem, kno-
tigem, unbewehrtem Halsschilde, breiten Flügeldecken, die kaum 3mal
länger als das Halsschild, an den Seiten erhaben, an der Spitze jäh
abgestutzt sind, verdickten Schenkeln und kräftigen Schienen. St. te-
traspilota und trilineata sind von Assam.
Amphion Reiche (Annal. d. 1. Soc. Ent. VIII. S.563) ist zu-
nächst mit Hippopsis verwandt, unterscheidet sich aber durch ein
querrunzliches Halsschild und an der Spitze abgestutzte Flügeldecken.
A. vittatum ist von Santa Fe de Bogota.
Stenias Guerin (Rev. Zool. S. 109), nach Serville's Einthei-
lung zwischen Mesosa und Saperda stehend, sehr lang, schmal, ge-
Avölbt, das Halsschild so breit als die Flügeldecken, ohne Dorn, die
Beine kurz und plump, die Fühler von Körperlänge, unten gewimpert.
Es scheint diese Gattung mit Sthenias Dej. identisch zu sein, und
dann würden L. grisator, cylindrator F. (welche nicht einerlei sind)
und croca^a Ol. hierhin gehören. Guerin beschreibt eine vierte, 5 ^iJii o-
nii, vom Senegal (die hiesige Sammlung besitzt noch eine 5. vom Kap).
Eine neue mit Toxotus zunächst verwandte Gatt. Efioploderes
stellte Faldermann (Faun. Transcaucas.) auf. Das Halsschild hat
wie bei Toxotus einen Seitendorn. An den Fühlern ist das S. Glied
192
kurz, das 3. doppelt so lang; das 4. wieder kurz, die folgenden erst
sind gestreckt. Dass diese (5 — 10.) ap der Spitze ein Dörnchen hät-
ten, findet Ref. nicht bestätigt; die einzige bis daftn noch unbeschrie-
bene Art ist E. sauguineiis. (Böber sandte sie als Leptura cuprea.)
Ebendas. stellte Faldermann noch Rhagium fasciculatiim (wo-
mit Rh. rufipes Motsch. ziisaniraenfällt), Toxotus persicus, Pachyta
alpina, Leptura melanota, Stenura oxyptera, Grammoptera elegans
auf. Eine neue Art von Algier ist Lepttira ohlongo-muculata B u q u e t
(Ann. d. I. Sog. Ent. d. Fr. IX. S. 396).
Leon Dufour beschrieb die Verwandlungsgeschichte des RJia-
gitim Inquisitor (Ann. d. 1. Soc. Ent. IX. S. 63). Die Larve fand der
Verf. in Pinus maritima; das Rh. inquisitor P. lebt in verschiedenen
Laubhölzern, es ist aber auch der Cer. inquisitor L. gemeint, den
Fabricius später als Rh. indagator aufstellte, Avährend er der var. ß Lin.
den Namen inquisitor beilegte.
Perris theilte (An. d. sc. nat. N. Ser. XIV. S. 90. T. 3.^. F. 25— 28)
seine Beobachtungen über die früheren Zustände der Lepiura^Stran-
galia) aurtilenta mit. Die Larve lebt in Erlen.
Mupoda» Neue Arten sind: Donacia Jsiatica und Lema cor-
nuta Faldermann (Faun. Transcaucas.) aus den Caucasischen Pro-
vinzen und L. cruciata Gu erin (Rev. Zool. S. 41) von den Nilgerrhies.
Eine Monographie von Zeugophor a ist von Suffrian in der
Ent. Zeit, gegeben worden. Es enthält die Gattung 4, sämmtlich
in Deutschland einheimische Arten: Z. stibspinosa, sciitellaris, fron-
talis und flavicoUis. Die zweite Art ist neu und weicht von der
ersten durch bedeutendere Grösse, hellgelbe Farbe des Kopfes und
Halsschildes, Sculptur u. s. w. ab, die dritte gleicht der zweiten,
unterscheidet sich aber durch schwarze Stirn, und zu ihr gehört
Gyllenhal's Lema flavicollis.
Cyclica. Eine Aufzählung der Arten von Alurnus ist von
Guerin (Rev. Zool. S. 230) gegeben worden, nach der Dejean'schen
Gattungseintheilung, ohne jedoch diese Gattungen zu characterisiren.
Alurnus hat 11 Arten, sämmtiich vom Südamericanischen Festlande,
nämlich 4 Brasilische (inarginatus Latr., thoracicus Perty, Vigorsii
u. A., corallinus Vig.), 1 neue {i-maculatus) aus Paraguay, auch in
Brasilien vorkommend, 2 neue {jtigripes und vicifttis) von Corrientes,
2 gleichfalls neue {d'Orhignyi und apicalis) aus Bolivien und 2 {gros-
sus F. und bipunctatus Ol.) aus Guiana. Bothryonopa, 4 neue
Arten aus Java; Anisodera, Alurn. ferrugineus F. und eine neue
Art, beide aus Java; Callistola, Hisp. speciosa Boisd., Profneco-
theca, 2 neue Arten, die eine (diliita) aus Cayenne (auch in Suri-
nam) die andere (Petelii) von Java.
Eine Abtheilung der Gatt. Hispa, mit erweiterten und dornigen
Seiten des Halsschildes, für welche der Gattungsname Piatypria
in Vorschlag kommt, ist von Guerin (Rev. Zool. S.139) näher be-
trachtet worden. Sie enthält 5 Arten, entweder mit langen dünnen
193
Fühlern und 6 Dornen auf der Erweiterung des Halsschildes, die
einen mit zwei Erweiterungen am Flügeldeckenrande {^H. echidna,
ji.A. und HJiystrix F., beide ostindisch, erstere die H. Witchilhi Hope),
die anderen ohne die vordere Erweiterung der Flügeldeckenränder {H.
coronata und centetes, beide n. A. vom Senegal); oder mit kurzen
spindelförmigen Fühlern (//. erinaceus F.). Von Hispa sind indesa
diese Arten nicht wohl generisch zu trennen.
Hispa occator Brülle (II. Canar. Ent. 73. 165. pl. 1. F. 17),
lebt auf den Canarischen Inseln auf Cistus vaginatus; sie scheint
mit H. testacea, welche ebenfalls auf Cistus lebt, verwandt zu sein,
leider sind die Unterschiede nicht ajisgezeichnet. H, bigeneris
Newman (Mag. ofNat. Hist. New. Ser. IV. S. 367) aus Südaustralien,
ist eine stachellose ächte Hispa, wie H. inermis Zoubk. Fald er-
mann (Faun. Transcaucas.) beschrieb eine Cassida hella.
Chrysontelinae» Die Gatt. Timarcha erhielt Zuwachs an
T. Gallaeciana Chevrolat (Rev. Zool. S. 17) aus Galicien, T. tur-
bida, generosa des Ref. (Wagn. Algier S. 189) und endora Buquet
(Rev. Zool. S. 243) aus Algier, vielleicht einerlei mit der T. turbida
des Ref. Neu sind ferner Chrysomela Canarieiisis, obsoleta, getnina,
nitens, rußpes Brülle (IJ. Canar. Ent. S. 73), Afra und consularis
des Ref. (Wagn. Algier III. S. 190), und Chrys. {Plagiodera) Rajak
Guerin (Rev. Zool. S. 41) von den Nilgerrhies.
Newman (Mag. of Nat. Hist. N. Ser. IV. S. 249) beschrieb 8 neue
Cryptocephali aus Ost-Florida. Chevrolat (Rev. Zool. S. 17)
stellte eine neue C/ythra {Lachnaia) puncticollis aus Galicien (aiich
in Portugal einheimisch) auf, und Guerin (Rev. Zool. S. 41) machte
eine Chlamys, Chi Indien, von den Nilgerrhies bekannt, und machte
zugleich darauf aufmerksam, dass diese Gattung also nicht ganz auf
Amerika beschränkt sei, was auch Ref. schon einmal mit Erwähnung
einer Südafricanischen Art zu bemerken Gelegenheit genommen hatte
(Germar. Zeitschr. I. S. 369).
Adimonia barbara des Ref. (Wagn. Algier III. S. 191) gehört zu
den der A. littoralis verwandten Arten, A. scutellata Chevrolat
(Rev. Zool. S. 17) aus Galicien (auch in Portugal vorkommend) gleicht
der A. Capreae ungemein und ist vielleicht nur Abänderung mit ganz
schwarzen Beinen.
Eine Reihe von Arten nach den Dejean'schen Gattungen: Adimo-
nia, GaUeruca, Malacosoma, Lvperus, Crepidodera, Aphthona, Teino-
dactyla, Psylliodes, Plectrascelis, Timarcha, Chrysomela, Phratora,
Colaphus, Clythra, Labidostomis, Cheilotoma, Pachybrachys, Crypto-
cephalus enthält Faldermann's Fauna Transcaucasica.
Clavipalpi, Einen neuen Erolylus (Jphichis) U-macnlatus
aus Coh-.mbien beschrieb Buquet (Rev. Zool. S. 173), zwei neue Arten,
Ischyrus lepidus und Triplax MenetriesiiF 2,\dexiü?iwn (Faun. Trans-
caucas.), endlich Agathidium vittatum Motschoulski (Bull. Mose,
1839. S. 53).
Archiv f. Naturgesch. VII. Jahrg. 2, Bd. ^3
194
jAphidiphagi. Eine beträchtliche Anzahl von Coccinellen und
Scymnen aus den Caucasisch-Russischen Provinzen ist von Falder-
mann und Motschoulski (Nouv. Mem. d. 1. See. Imp. de Nat. de
Mose. V. und Bull. Mose. 1839. I. und 1840 II.) beschrieben worden.
Coccinella {Epilachna) Delessertii von den Nilgerrhies machte Gue-
rin (Rev. Zool. S. 42) bekannt.
fungicolae» Buquet bereicherte die Gatt. Trochoideus
Westw., welche wegen ihrer merkwürdigen Fühlerbildiing anfäng-
lich für den Pausus verwandt angenommen wurde (S. Jahresbericht
für 1838. S. 343), mit einer vierten Art, T. Ämericanus, von S. Fe
de Bogota, wo sie unter BauiArinden lebt (Rev. Zool. S. 173).
IJatridii, Faldermann (Faun. Transcaucas.) beschrieb drei
Arten \ou La.tr idius , L. sciilptipeiniis, exaratus, simtaiicollis, Mo t-
fichoulski (Bull. Mose. 1839. S. 50) machte eine zweite Art von
Dasycerus, D. crenatus, bekannt, welche kleiner und gewölbter
ist als D. sulcatus, und von welcher er vermuthet, dass sie auch im
mittleren Europa vorkomme, und beschrieb (ebendas. S. 36) 31otio-
toma coiiicicollis Chev. Ders. (ebendas. 1840. S.186) ändert den für
Monotoma Rondani Villa früher vorgeschlagenen Gattungsnamen
Spartycerus (S. Jahresbericht für 1837. S. 208) in Apeistus um.
JPselaphii. Mehrere Bemerkungen über Arten dieser Familie
theilte Motschoulski (Bull. Mose 1840.) mit. Bryaxis longi-
cornis Leach und laminata^ welche Ref. (Käfer der Mark Bran-
denburg) als zwei verschiedene Formen des Männchens der B. san-
guinea angenommen hatte, erklärt er für die beiden Geschlechter der-
selben, und die B. sanguinea für eine zweite Art. Ausser den an-
gegebenen Unterschieden, welche Ref. für Geschlechtsunterschiede ge-
halten hat, stützt er sich vorzüglich auf in Begattung angetroffene
Pärchen und auf seine Erfahrungen, dass B. sanguinea von der an-
dern Art nicht geduldet würde, und dass sie nicht auf dem Caucasus,
dagegen ohne die andere in Sibirien sich fände. Ref. kann für seine
Ansicht nur anführen, dass bei Berlin alle drei Formen unter einan-
der leben, und dass er sie lange zusammen eingesperrt gehalten,
und nie beobachtet hat, dass sie mörderisch gegen einander ver-
fuhren. Ob die Br. lougicoruis Leach oder die Form mit der Brust-
platte vom Verf. als Männchen befunden sei, bleibt in seiner Darstel-
lung zweifelhaft, da, vermuthlich aus Schreibfehler, bald die eine,
bald die andere als solches angegeben wird. Um darüber ent-
schieden ins Reine zu kommen, würde eine anatomische Untersuchung
dienen können, welche Ref. bis zum nächsten Frühjahr oder Sommer
versparen muss, weil im Herbste sich die Geschlechtsorgane durch-
aus noch nicht entwickelt finden Hessen. — Seine B. spinicoxa
ist der Verf. jetzt geneigt für Weibchen der B. antennata Aube zu
halten. — Seinen Bythinus longipalpts erklärt er für Weibchen des
B. securiger, mit dem er ihn in Copula beobachtet.
195
Derselbe (Mem. d. 1. Soc. Imp. des Nat. d. Moscoii V. S. 414)
entdeckte eine neue Art von C lavig er, Cl. colchicus, welche zwi-
schen Cl. foveolatus und longicornis in der Mitte steht, auf den Geor-
gischen Gebirgen in den Nestern der Formica flava, und im Süden
von Georgien einen neuen Batrisus, B. thoracicus, in den Nestern
der Formica capitata.
Orthoptera,
Ref. hat früher der Bildung der Mundtheile gemäss, in
Uebereinstimmung mit der Form der Verwandlung dieser Ord-
nung eine weitere Ausdehnung gegeben, indem er alle Neuro-
pteren Latreille's mit unvollkommener Verwandlung mit der-
selben vereinigte. Diese Verbindung wird noch bekräftigt
durch eine weitere Eigenthümlichkeit, welche die Ordnung der
Orthopteren in dieser Ausdehnung vor allen übrigen Insecten
voraus hat. Es entsprechen nämlich in der Unterlippe die Ta-
ster mit ihren gewöhnlich deutlich vorhandenen Stämmen einem
dritten Kieferpaar, und wie schon bei den Orthopteren auf
dem zweiten Kieferpaar, den Maxillen, die Laden besonders
entwickelt sind, so ist diese Ordnung auch die einzige, welche
ladenartige Theile auf dem dritten in der Unterlippe enthalte-
nen Kieferpaar zeigt, es entspricht nämlich der 4- oder bei
Verwachsung der mittleren Stücke Slappige vorderste Theil
nicht der Zunge der übrigen Insectenordnungen, sondern den
Maxillarladen, deren jeder Tasterstamm, gleich dem Stamm
der Maxille zwei, mehr oder minder entwickelt, besitzt. Hier-
durch sondert sich diese Ordnung sehr von den übrigen ab,
und es ist ein sehr bemerkenswerther Umstand, dass, wie die
beiden Ordnungen mit unvollkommner Verwandlung, die Or-
thoptera und Hemiptera in der verschiedenen Form und Ausbil-
dung der Flügel einen ziemlich gleichen Gang nehmen, sie in der
Ausbildung der Mundtheile einander gegenüberstehen, indem ^
diese bei den Orthopteren den am meisten zusammengesetzten,
bei denHemipteren den einfachsten Bau zeigen. (Entomogr. S.S.)
Worficulariae* Neue Arten sind : Forficula (Forficesüa) ma<tima
und maior. Brülle (II. Canar. Ent. S.74) und F. macropygaW est-
wood (Royle Himal.)
JBlattariae, Ebenfalls zwei neue Arten, Blatta bivittata und
vestita hat Brülle (ebend. S. 75).
JSKantiAae, Eine ausgezeichnete Form von Mantiden, M.
desiccata, findet sich in der Naturalist's Library Entomol. I. pl. 9
13*
196
abgebildet und S. 234 beschrieben. Die Seiten des Halsschildes sind
flügeiförmig erweitert, die Erweiterung hinten tief ausgeschnitten.
Die Hinterschenkel sind gelappt. Diese ansehnliche Mantis ist von
Malacca, West wo od bildet aus ihr eine eigene Untergattung De-
roplatys.
Zwei neue Arten, Mantis limbata und gracilis beschrieb Brülle
(11. Canar. Ent. S. 62). Sie gehören zu den kleinen Arten, und sind
ohne Zweifel nur die beiden Geschlechter derselben Species.
EiOcustariae» Eine neue, in der Körperforni, namentlich auch
in der Form des Halsschildes den Gatt. Collyris und Tricondyla analoge
Form stellte Westw. (Linn. Transact. XVIII. S. 419) unter dem 'Ha-
men Co7idylomera auf, welche durch das lange, cylindrische, zwei-
mal eingeschnürte, und zweiknotig erscheinende Halsschild leicht
kenntlich ist. Decken und Flügel sind nur in Stummeln vorhanden.
Die Beine sind lang und dünn, die Vorderschienen an der Stelle, wo
sich der Spalt befindet, angeschwollen. C. trlcondyhides von Java,
kommt selbst in der Färbung auf die Analogie mit den genannten
Cicindelen-Gattungen zurück.
Eine neue, zur Gattung Conocephalus gehörige Art beschrieb
Brülle (H. Canar. Ent. S. 76) als Locusta brevicauda.
AcJtefae. Westwood (Nat. Librarj Ent. 1. S. 248. T. 6. F.l)
hat eine neue ausgezeichnete Art, Acheta arachnoides, von Jamaica,
bekannt gemacht.
Acrydites, Von den Canarischen Inseln machte Brülle (H
Canar. Ent. S. 77) als neue Arten: Truxalis tereticornis , Acrydium
laetum, asperum, vittatum, miiiiatum, lobatum bekannt, Eversmann
(Bull. Mose. 1839. S. 139) gab eine genaue Beschreibung des Gompho-
cerus rvfus Thunb., und Motschoulski (Bull. Mose. 1840. S. 171)
stellte einen Gomphocerus caucasicus auf, der dem G. Sibiriens sehr
nahe verwandt, sich durch rothe Innenseite der Schenkel, rothe Schie-
nen mit einem schwarzen Ringe, kürzere, dunklere Flügel und ge-
ringere Grösse unterscheidet, und beschrieb als Oedipoda tatarica den
Gryllus migratorius L., dem er eine Verbreitung von Ungarn bis
nach China beilegt, und den er für die verwüstende Heuschrecke die-
ser Gegenden ausgiebt. Es ist indess wohl möglich, dass mehrere
Arten neben einander vorkommen, nämlich noch der nahe verwandte
Gryllus cinerascens F. und Gr. tataricus F.
Burmeister (Gen. Ins. Hft. 5) gab eine Darstellung der Gatt.
Opsomala Serv. mit Abbildung der O. erythrogastra S. und viri-
dis S. {eucera B.).
VsociUae. W e s t w o o d (Mag. of nat. Hist. VI. S. 480) stellte
eine neue Gatt. Clothilla auf. Sie ist ungeflügelt, der Kopf fast
dreieckig, die Fühler etwa 27gliedrig, der Prothorax kurz, die Beine
einfach, die Fasse 3gliedrig. Cl. studiosa: luteo-albida, oculis brun-
197
neis antennis fuscis, labro albido, iacisuris abdominis brunneis,
pedibus albidis. 1'" lang. In Häusern.
TAbellulidae. Den europäischen Libellen ist im verflosse-
nen Jahre eine mehrfache gründliche systematische Bearbeitung zu
Theil geworden, und zwar durch die
Libellulinae Europaeae, descriptae ac depictae a Toussaint de
Charpentier c. tab. XLVllI. col. Lips. Leop. Voss. 4to.
Monographie des Libellulidees d'Europe, par Edm. de SelysLong-
champ. Paris, Roret, Bruxelles, Muquardt. 8to.
Synonymia Libellularura Europaearum Auct. H. A. Hagen. Diss.
Inaug. Regiomont. Pr. 8to.
Charpentier's Werk ist ein Prachtwerk, mit genauen vom Verf.
selbst gezeichneten, im Steindruck vortrefflich ausgeführten und sehr
sauber colorirten Abbildungen, die Monographie von de SelysLong-
champs ist in anspruchsloserer Erscheinung niaht weniger gediegen,
und mit derselben Treue und Gründlichkeit gearbeitet, welche die
übrigen Leistungen dieses Verfassers so vortheilhaft auszeichnen.
Hagen's Inauguralschrift ist zu diesen beiden ausführlichen Bear-
beitungen eine wichtige Zugabe, indem sie mit eben so umfassender
literarischer als genauer specieller Kenntniss die Synonyme ordnet,
wobei der Verf. auf einer Reise durch Schweden, Dänemark und
Norddeutschland Gelegenheit hatte, viele zweifelhafte Arten nach den
in den Sammlungen aufbewahrten Originalen kennen zu lernen. Auch
sind noch die beiden oben genannten Arbeiten benutzt und die mit-
unter abweichenden Benennungen auf einander zurückgeführt.
Charpentier nimmt nur die drei Fabricischen Gattungen an,
errichtet jedoch in allen mehrere Untergattungen, welche mit eigenen
Namen belegt werden. Zu Libellula gehören: Epitheca {L, bi-
maculata), durch die Structur der Genitalien, vorhandene Bauchwar-
zen und die vom Mittelpuncte aus in 3 Felder getheilte Dreieckszelle
der Vorderflügel ausgezeichnet; Libellula {dejiressa u.a.) mit drei-
kantigem, Diplax {L. flaveola u. a.) mit cylindrischem Hinterleibe
und aufrechtem zweilappigen Hinterrande des Prothorax; Chloro-
so ma iL. aenea u. a.), die Gatt. Cordulia Leach, in dem bei den
Männchen ausgebuchteten Innenrande der Hinterflügel übereinkom-
mend mit Aeschna, deren vier Untergatt, sind: Cyrtosoma {Je.
azureä), der Gatt. Anax Leach entsprechend, bei beiden Geschlech-
tern mit gerundetem Hinterwinkel, Aescluia (Je. grandis u. a.)
beim Männchen mit ausgebuchtetem Innenrand der Hinterflügel, The-
caphora {Ae. lunulata\ die Gatt. Cordulegaster Leach., die Augen
nicht ganz zusammenstossend, wie bei den vorigen, sondern sich auf
einer kleinen Stelle berührend; Diastatomma (Ae. fordpatan.a.)
der Gatt. Gomphus Leach entsprechend, durch die auseinanderstehen-
den Augen den Agrionen sich annähernd. Diese haben die Unter-
gattungen: Epallage (A. Fati'me, neue Art aus der Türkei) noch
mit der plumperen Gestalt der vorhergehenden und der Färbung der
198
letztgenannten Untergattungen, Calopt eryx {A. Virgo w. a.) mit
nach der Wurzel hin allmälig verschmälerten Flügeln, Anapetes
{A. forcipula u. a.) von Leach schon als Lestes aufgestellt, darin
von den übrigen Agrionen abweichend, dass die Flügel im Sitzen
ausgebreitet gehalten werden; Sympy cna (^A. p/iaNatmn'), mit ge-
wöhnlicher Flügelhaltung, aber darin mit der vorigen übereinkom-
mend, dass die Zellen zwischen den beiden in die Flügelspitzen auslau-
fenden Längsnerven, nicht wie sonst viereckig, sondern fünfeckig
sind; Pyrrhosoma {A. minhmi) mit sehr vorragender Unterlippe
und Kopfschild; Erythromma {A. viridulum u. a.), mit im Leben
rothen Augen der Männchen; Is chnur a (^A.pumilio u.a.) mit schmä-
lerem Kopfe und verhältnissmässig kurzen Flügeln; Agrion {A.fur-
catiim u. a.); Platycnemis {A. lacteuin) mit erweiterten hinteren
Schienen.
De Selj^s Longe hamp hat 12 Gattungen angenommen, von
denen die drei ersten, Libellula (LibeluUa und Diplax Charp.), Li-
bclla (identisch mit Epitheca Charp., wegen des hinter dem ersten
gelegenen zweiten Auges von Libellula abgesondert) und Cordnlia
(Chlorosoma Charp.) als Gruppe LiheUidoides der Fabricischen Gatt.
Libellula, die fünf folgenden als Gruppe Aeschnoides der Gattung
Aeschna F. entsprechen. Die erste derselben Lindenia De Haan
(L. tetraphylla, welche Charp. nicht kannte, daher auch bei ihm keine
entsprechende Untergattung sich findet) unterscheidet sich durch eine
Auftreibung vor den M'eit auseinanderstehenden Augen von Gom-
phus, Avelcher der Diastatomma, so wie Cordulegaster derThe-
caphora, Aeschna der gleichnamigen Abtbeilung, Anax dem C'jrto-
soma bei Charp. entspricht. Die Agrionen sind in 2 Gruppen auf-
gelöst: Normopteroides mit umgestielten Flügeln ohne Parastigma,
mit der einzigen Gatt. Calept eryx (Calopteryx bei Charp.) und
Heteropteroides mit gestielten Flügeln und Parastigma, die 3 Gatt.
Lestes, Sympecma iiadAgrt'on enthaltend, die erste der Unter-
gatt. Anapetes, die zweite Sympycna bei Charp. entsprechend, wegen
des langgestreckten Parastigma von der dritten abgesondert, welche
die übrigen Charpentier'schen Untergattungen in sich vereinigt.
Die Zahl der beschriebenen Arten ist bei beiden Auetoren ziem-
lich gleich. Charpentier hat 60 aus eigener Ansicht beschrie-
ben und ausserdem 5 ihm unbekannte aufgeführt, Selys Long-
champ kennt im Ganzen 62 Arten. Charpentier hat mehr Agrionen,
Selys Longehamps mehr Libellen und Aeschnen, namentlich stellt er
unter Anax statt einer 3, unter Cordulia statt drei 5 Arten auf. Durch
Hagens sorgfältige Aufzählung steigt die Zahl der bekannten Euro-
päischen Arten auf 78, von denen die letzte, Agrion pulc/iellum,
vom Verf. in Preussen und Schweden entdeckt und als neue Art
sorgfältig beschrieben ist.
De Selys Longchamp machte in der Rev. Zool. (S. 213) drei
in Belgien neu eotdeckte Agrionen bekannt, welche sich auch nicht
199
auf Charpcntier'sche Arten zurückführen lassen: A. Sophia, zur
Untergattung Ischnura Charp. gehörend, dem A. speciosum, A. cog-
nata, dem A. pumilio nahe verwandt, A. Charpentieri, dem A.
hastulatum sehr ähnlich; durch die Hinterleibszeichnung des Männ-
chens und die verschiedene Grundfarbe des Weibchens beständig unter-
schieden.
Eine Monographie der Agrionen von Aix gab Boyer de l<ons-
colonibe (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 547).
Ueber die Fortpflanzungsweise der Libeliuliden hat
V. Sie hold (Germ. Zeitschr. II. S. 421) seine Beobachtungen aus-
führlicher mitgetheilt. Bei den Männchen findet der sonderbare Um-
stand statt, dass die Mündung der Samengänge und die Copulations-
organe nicht mit einander verbunden sind. Erstere münden auf gewöhn-
liche Weise am hintern Ende des Körpers, letztere befinden sich in
einer besonderen Tasche am Grunde des Hinterleibes und haben einen
sehr zusammengesetzten Bau. Hauptbestandtheile sind eine von einer
hornigen Kapsel umschlossene und von vielen Muskeln umgebene
Sameublase, und ein Penis, der bei den Libellen und Aeschnen drei-
gliedrig und der Samenkapsel aufsitzend, bei den Agrionen von der-
selben abgerückt, bei beiden an der Spitze mit je nach den Arten
verschieden gestalteten crectilen Theilen versehen ist. Die mehrere
Wochen nach der letzten Verwandlung brünstigen Männchen ergiessen
mit umgeschlagenem Hinterleibe die Samenfeuchtigkeit in die Samen-
tasche daher man bei solchen Individuen, wo man in den Hoden reife
Samenthierchen sieht, dieselben auch in der Begattungstasche, nament-
lich der Samenblase, welche daher mit Recht auf diese Bezeichnung
Anspruch machen kann, wiederfindet. Die Agrionen und Aeschnen
haben haarfeine, sich lebhaft bewegende, im Wasser zu Oesen ge-
drillte Sperraazoen, Avährend dieselben bei den ächten Libellen eine
mehr gedrungene stabförmige Gestalt haben, und stets starr und
unbeweglich erscheinen. Bei der Begattung nun fasst das Männchen
mit den an seinem Hinterleibsende befindlichen zangenförmigen Or-
ganen das Weibchen im Nacken, welches bei einigen Arten, z. B.
{Lib. i-maculata) sogleich sein Hinterleibsende zur Begattungstasche
der Männchen umschlägt, während andere {Lib. rubicunda) dies nicht
eher thun, als bis das Männchen sich gesetzt hat, und während die
Aeschnen immer in engster Begattung umherschwärmen, fliegen die
Agrionen nur mit ausgestrecktem Leibe mit einander und wieder-
holen die Begattung, so oft sie sich setzen. Offenbar steht dieser
letztere Umstand damit in Bezug, dass der Penis nicht, wie bei den
Libellen und Aeschnen, in unmittelbarer Verbindung mit der Samen-
blase steht, sondern allem Anscheine nach mit seiner Mündung aus
derselben die Samenfeuchtigkeit aufsaugt, daher nur eine geringe
Portion des Samens bei jedesmaligem Coitus ins Spiel kommt.
Die weiblichen Geschlechtstheile hat der Verf. in Bezug auf die
Scheidenanhänge noch einer genauem Prüfung unterworfen. Di^
200
Begattiingstasche ist ein Blinddarm-artiger Anhang der sackförmigen
Scheide, an deren Verbindungsstelle das receptaculum seminis ein-
mündet, welches ohne Aufangsdrüse, bei den Libellen und Aeschnen
paarig, bei den Agriorien einfach ist; Calopteryx (yirgo) macht zwi-
schen beiden Formen den Uebergang, indem dort das Organ aus zwei
kleinen Blindd.irmchen besteht, welche durch einen längeren gemein-
schaftlichen Ausführungsgang mit der Scheide in Verbindung stehen.
Ueherhaupt haben die Samentaschen die Gestalt von Blinddärmchen,
die bald länger und gewunden oder gekrümmt, bald kürzer und gerade
sind. Die beiden anderen Arten der Scheidenanhänge finden sich bei
allen Libellen. Ausserdem kommt aber bei einigen am Hinterleibs-
ende noch ein Paar langgestreckter, blinddarmartiger Schläuche vor,
die durch enge Canäle mit einem zusammengesetzten Legeapparat
in A'erbiudung stehen. Dieser Legeapparat erinnert an die entspre-
chenden Organe der Blattwespen und besteht aus ein Paar Klappen,
welche vier sägeformig gezähnte, säbelförmige Ilorustücke um-
schliessen. Der Verf. schliesst aus diesem Bau, dass die mit solchem
Apparat versehenen Libellen — und zwar sind dies Aeschnen und
die Agri'onen — ihre Eier nach Art der Blattwespen in das Paren-
chjm der Wasserpflanzen einsenken, eine Vermuthung, welche au
den Agrionen der Verf. kürzlich durch unmittelbare Beobachtung be-
stätigen konnte. Die Weibchen von Libcllula und Diastatomma
besitzen keinen solchen Legeapparat, und lassen über dem Wasser
schwebend, einfach ihre Eier ins ^Vasser fallen, einige beim jedes-
maligen Austritt eines Eies die Hinterleibsspitze zum Wasser herab-
senkend, die Lib. cancellata dasselbe thuend mit Beihülfe des Männ-
chens. An solchen Stellen, wo die Libellen auf solche Weise über
dem Wasser verweilt hatten, fand der Verf. ihre Eier in Menge
zwischen dem im Wasser schwimmenden Kraute.
Grosser Libellenzüge, welche in der Richtung von Südwest nach
Nordost die Gegend von Halle passirten, erwähnte Ger mar (Zeit-
schrift II. S. 443).
Mphetneritlne» Ueber die Lebensverhältnisse der merkwür-
digen Epliemera flos aquae hat Triebke (Ent. Zeitschr. S. 54)
einige Nachrichten gegeben. Das Insect findet sich bei Garz nur in
dem langsam fliessenden Oderarm Schloo, erscheint ziemlich regel-
mässig in der JMitte Juni, in manchen Jahren sparsamer, in manchen
in ungeheurer Menge. Die Larve ist noch unbekannt geblieben, die
Nymphe erhebt sich schnell an die Oberfläche des Wassers und das
Proimago kommt so eilig aus derselben zum Vorschein, dass es
öfter schon unter Wasser die Njmphenhaut abstreift, und dann unmit-
telbar aus dem Wasser ans Ufer fliegt, um sich nochmals zu häuten.
Geschlechtsunterschiede sind nicht bemerkt worden, es findet kein
Tanzen statt wie bei E. vulgata, die Begattung geht wahrscheinlich
bei Nacht vor sich, und am andern Morgen ist die ganze Generation
des vorigen Abends schon verschwunden.
201
Sfeuroptera,
In dieser Ordnung sind nur zwei neue Arten, Myrmeleon
alternans und HemeroUus ßaviceps von Brülle (U. Canar.
Ent. S.83) aufgestellt.
ttymenoptera.
Die Histoire naturelle des Insectes Ilymenopte-
res des Grafen Lepelletier de Saint-Fargeau (Suites
äBuffon) wurde mit einem neuen (zweiten) Bande fortgesetzt,
welcher die Bearbeitung der einzeln nistenden Bienen und
Wespen enthält. Wenn auch hinsichts der beschriebenen Arten,
namentlich bei den Wespen, durchaus keine Vollständigkeit
beabsichtigt sein kann, und nur einzelne Gattungen, wie
Xylocopa, Anthidium, einigermassen umfassend im Speciellen
bearbeitet sind, und wenn vorzugsweise die Anzahl der auf-
genommenen Americanischen Arten dürftig erscheint, ist
auf der andern Seite die Kenntniss der Hymenopteren durch
eine grosse Anzahl neuer, hauptsächlich theils süd-europäischer,
theils vorzüglich durch einen Reichthum Algicrischer Arten
erweitert worden.
Ref. beschrieb in Wagner' s Algier einige Algierische
Hymenopteren, welche grösseren Theils mit Lepelletier'schen
Arten zusammenfallen. Spinola (Annal. d. 1. Soc. Ent. de
Fr. VII.) machte eine bedeutende Anzahl meist Aegyptischer,
und später (Annal. d. 1. Soc. Ent. de Fr. IX.) einen Theil
Cayennischer Hymenopteren bekannt, über welche alle im Spe-
ciellen Nachricht gegeben wird. Aus der Europäischen Fauna
ist nur eine Aufzählung der Hymenopteren der Schweiz von
Imhof (Silberm. Rev. Ent. V. S. 192) zu erwähnen.
Tentliredinetae» Die deutschen Arten von Tr?"cÄ«o*oOTa sind
vonHartig (Ent.Zeit. S.19)mit 2Arten vermehrt worden: T.Sorl/i,mit
sammtschwarzem, nur an der Wurzel und derSpitze weissgrau behaar-
tem Hinterleibe, beim Männchen mit rother Spitze, die Afterraupe mit
einem grossen braunen Fleck auf jeder Seite des Kopfes, auf der
Vogelbeere fressend, eine Entdeckung Saxesens; und T. ^ß/Zm, eben-
falls mit sammtschwarzem, aber nur an der Basis grau behaartem
und beim Männchen an der Spitze gleichfarbigem Hinterleibe; auf
Werftweiden. Der Verf. unterscheidet auch T. lucorum und Vitelli-
nae, so dass mit T. betuleti Kl. fünf Arten aufgeführt sind.
Derselbe Verf. hat (ebendas. S. 31; eine synoptische Uebersicht
202
der Nematiden gegeben, welche zur Bestimmung der Arten dieser
so sehr umfangreichen und schwierigen Abtheilung wesentliche Dienste
leisten wird.
lieber die Ly da- Arten der Rothtanne findet sich in der Ent.
Zeit. S. 15 von Saxesen eine Notiz, -welche die Hartig'sche Zusam-
menstellung der Geschlechter nach seinen Beobachtungen dahin be-
richtigt, dass L. Klugii H. das Weibchen zu L. alpina Kl., und L.
alpina fem- H. das Weibchen zu L. saxicola H. sei. L. hypotrophica
H. hält S für Abänderung der L. alpina.
Spinola (Ann. Soc. Ent. Fr. IX. S. 130) beschrieb einige Cayen-
nische Tenthreden: Schizocera axillaris n. A., Hyloto?na lencocephala
Kl., Plagiocera Leackii n. A. und stellte zwei neue Gattungen auf:
Camptoprium, mit llgliedrigen Fühlern, einer einzigen, aber
appendiculirten Radial- und 4Kubitalzellen, deren zweite und dritte
jede einen rücklaufenden Nerven aufnimmt. Dem beschriebenen C.
Leprieuri schliesst sich eine ganze Reihe Südamerikanischer Arten
an. — Aulacomerus, mit 9gliedrigen sehr behaarten Fühlern,
mit einer einzigen, appendiculirten Radial- und 4KubitaIzellen, deren
zweite und dritte jede einen rücklaufenden Nerven aufnimmt, vor-
züglich ausgezeichnet aber durch die Hinterbeine, deren Hüften ver-
längert, Schenkel verdickt, Schienen gekrümmt sind, letztere in eine
Rinne des Schenkels einschlagend. A. Biiquetii, einzige, nur dem
männlichen Geschlechte nach bekannte Art.
JcJinettntonidae. Spinola(Ann. d.l.Soc.Ent. d.Fr.VII. S.439)
hat ein Op/iio?i Sphinx aus Aegypten und (An. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 141)
eine AnzahlCayennescher Ichneumonen aus den Gattungen P/w/?/a,
Cryptus, Hemitehts, Mesostenvs, Polycyrtus, Joppa, Ichneumoti und
Ophion beschrieben. Polycyrtus ist eine neue Galtung, welche
am Nächsten mit Mesostenus Gr. verwandt ist, und sich darin unter-
scheidet, dass auf der Stirn ein dornförmiges Hörnchen zwischen
den Fühlern steht, und dass der Rücken des Mesothorax dreihüglig
ist. Es ist diese Gattung in Südamerica sehr zahlreich an grössten-
theils recht bunt gefärbten Arten.
Eine neue Südamericanische Joppa, J. picta, ist in Naturalist's
Library, Entomol. I. S. 314. T. 31. F. 3 bekannt gemacht.
LeonDufour beschrieb einige Ichneumonen, welche parasitisch
in den in Brombeerzweigen nistenden Hymenopteren leben: Ichneumon ..
gyrator (dessen Nymphe die Eigenthümlichkeit hat, sich in ihrem Ge- I
spinnste wie ein Kreisel herum zu drehen) /. odiferator und odyne- \
ricus sind ächte Cryptus nach Gravenhorst, die letzte Art selbst
einerlei mit Cr. bimaculatus Gr. Die übrigen sind Jtiomalon mandi-
bulator, Pimpla ephippiatoria und marginellatoria, beide der P. ocu-
lata und divinator ähnlich.
Srdconidae. Spinola (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 170)
machte eine Anzahl Cayennescher Arten der Gattung Bracon, Jga-
tkis und Alysia bckaunt.
203
De Romand (Ann. d. I. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 433) bereicherte
iie Gatt. Faxt/ llo?nma mit einer ausgezeichneten neuenArt^P. Cre-
mieri, aus Frankreich.
In diese Familie scheint die Gatt. Seminota Spin ola's (Guer.
Rev. Zool. S.18 und Mag. d. Zool. Ins. pl. 41) zu gehören, welche
im Habitus so viel Abweichendes hat, dass Westwood, der dieselbe
unter dem Nameu Trigonalys (Proceed. Zool. Soc. 1835) aufstellte,
sie zu den Mutillarien rechnen konnte. Später (Mag. de Zool. pl. 53)
nimmt Spinola den Namen Trigonalys an, mit Unrecht Klug als
Urheher desselben nennend. Er bildete im Mag. de Zool. zwei Arten
ab, pl. 41 eine Cayennesche, S. Leprieuri, und pl. 53, eine Deutsche,
Tr. Hafinü.
JEvaniales, Aus der Gatt. Evania beschrieb Spinola (Ann.
d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 439) eine neue Aegjptische Art, E. dimi-
diata, und theilte (Rev. Zool. S. 244) eine „Note nionographique"
zu dieser Gattung mit, welche indess nicht mehr als 5 Arten umfasst,
von denen nur eine, E. animensis, welche der Verf. in einem Stück
Gummi Animae von Madagascar eingeschlossen besitzt, neu ist.
Cynipsera. Perris (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 93)
beschreibt eine Gallwespe, welche im Papaver dubium lebt, nnter
dem Namen Diplolepis P apaveris; dieselbe ist aber kaum ver-
schieden von Aulax Rhoeados KI. Hartig (Germ. Zeitschr. II. S. 193)
welche bei uns auf gleiche Weise in Papaver Rhoeas lebt. Ihre
Galle bildet sich in den Mohnkapseln, deren äussere Theile keine
Veränderung erleiden, ausser dass die ganze Kapsel mehr birnförmig
und zugleich grosser wird, inwendig ist sie aber ganz mit dem
Fleische der Galle ausgefüllt.
Chalcidiilae, Nachträge und Berichtigungen zu seiner Mo-
nographie der Chalciden der Gegend vonAix*) gabBoj^er deFons-
colombe (Ann. des sc. nat. II, Ser. XIII. S. 186).
Zwei neue Arten von Leucospis beschrieb Spinola (Ann. d.
1. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 441), eine, L. scntellata aus Aegypten, die
andere, L. Grohmanni aus Sicilien; ferner (Ann. d. 1. Soc. Ent. d.
Fr. IX. S. 199) eine Cayennesche Chalcis, Smicra Leprieuri.
Westwood (Royle Himal.) bildete Dirhinus Himaluyanus nh und
gab (Trans, ofthe Ent. Soc. ofLond.) eineDarstellung der vonHrn. Seils
aus dem Neste des Chatergus nidulans gezogenen Chalcis pyrami de a F.
Zwei neue südamericanische Gattungen der Chalciden mit ein-
fachen Hinterbeinen stellte Spinola (Guer. Mag. de Zool, pl. 42. 43)
auf. Fe eine, Chryseida, zeichnet sich durch die Richtung des
Kopfes aus, indem das Gesicht nach unten gekehrt ist, wobei der
Mund im Ruhezustande in eine Grube der Vorderbrust eingreift. Die
andere, Lycisca, ist durch ihre Vorderbeine merkwürdig, an denen
) Ann. d. scienc. nat. I. Ser. XXVI. S. 873. 1833.
204
die Schenkel verdickt sind, und die Schienen, auf ähnliche Weise wie
bei Mantis, wie ein Messer in dieselben einschlagen. Die einzelnen
Arten beider, Chryseida stiperdliosa und Lycisca raptoria sind aus
Cayenne.
Perris (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 91 und 404) machte
fünf kleine Chalclden bekannt, von denen die eine, Eulophus UliciSi
als Parasit in den Larven seines Apion ulicicola, zwei, Cynips Ur-
ticae und Eulophus crinicornis als Parasiten der Cecidomjia Urticae
(s. u.) leben, die letzten beiden, Cyrtosoma papaveris und Cynips
papaveris sind Parasiten der Mohn-Gallwespe. Cyrtosoma ist als
neue Gattung beschrieben, zufällig hatte Curtis ihr schon denselben
Namen gegeben, so dass sie, obgleich jetzt 5mal als Gattung
aufgestellt, doch nur 4 verschiedene Namen {Ormyrus Westw., Si-
phonura Nees v. E., Pericyphus Bohem., Cyrtosoma Curt Perr.) hat.
Cyn. papaveris und Urticae scheinen zu Torymus zu rechnen zu sein.
Westwood (Transact. of the Ent. Soc. of Lond. 11. IV.) stellte
die Nachrichten über die Caprification der Feigen in Süd-Europa und
der Levante zusammen, und lehrte die dabei thätigen Insekten ge-
nauer kennen. Hasselquist nannte als so\c\\& Cynips Ficus, Cari-
cae und Sycomori, von denen die ersten beiden, aus der gemeinen
Feige, von Linne unter dem Namen Cynips psenes vereinigt wurden.
Gravenhorst beschrieb später ein von Treviranus in Tirol in Feigen
aufgefundenes Insect als Blastophaya grossorum. Den Cynips Sy-
comori hat W. in der Linneischen Sammlung noch aufgefunden: er
gehört nicht allein zur GatUiog B/astop/taga, sondern scheint nach
W. genauer Abbildung und Beschreibung und nach den von Gravenhorst
der hiesigen Sammlung mitgetheilten Exemplaren mit demGravenhorst-
schen Insect als Art einerlei zu sein. Die Fühler zeichnen sich dadurch
aus, dass das 4. Glied eine hakenförmige Spitze hat. Die Legeröhre ist
nur kurz und pfriemförmig. Eine zweite verwandte Gattung, Sy-
cophaga, mit einer neuen Art S. crassipes aus Aegypten, hat die
Legeröhre von doppelter Hinterleibslänge, worauf Linne's Angabe
„aculeo longitudine corporis" besser zutrifft, während die Beschrei-
bung der Fühler, welche hier an der Wurzel weniger, nach der
Spitze hin etwas mehr verdickt und ganz einfach sind, mehr den
oben bezeichneten Insecten nachkommen würde. Beide Arten sind
klein, platt gedrückt, schwärzlich, mit kurzen verdickten Hinterbei-
nen, die erste mit 12-, die zweite mit 14gliedrigen Fühlern,- die erste
zeichnet sich durch einen grossen, breiten, undeutlich gegliederten
Anhang an den Mandibeln aus, worin sie mit Jgaon übereinkommt.
Vielleicht b*lden diese 3 Gattungen eine eigene kleine Giuppe.
Froctofrupidae. De Rom and (Guer. Mag. de Zool. Ins.
pl. 48. 49) bildete drei Arten von Pcleci7ius ab, nämlich beide Ge-
schlechter des P. polycerator F., dann das Männchen des P. poty-
turator {lehn, polyt. Drurj')) welche beide einerlei sind. Die
vom Verf. vorgenommene Unterscheidung scheint theils io Miss«
205
verständniss, theils in verfehlten Zeichnungen ihren Grund zu haben.
Die dritte Art, P. Gverinn, deren Vaterland nicht angegeben ist, ist
neu. Die Männchen zeichnen sich durch einen kurzen keulförmigen
Hinterleib aus.
Chrysididtie. Spinola (Ann. Soc. Ent. Fr. VII. S. 446) be-
gründete die Gatt. Pyria der Enc. durch einen sichern Unterschied
von Chrysis neu: bei Pyria nämlich sind das 2. und 3. Fühlerglied
gleich^ während bei Chrysis das 3. beträchtlich länger als das zweite
ist. P. Stilboides ist eine neue Aegyptische Art (auch am Senegal
einheimisch), die P. Reichei vom Cap, einerlei sowohl mit Chr. lyn-
cea F., als mit P. armata Enc. — Ausserdem beschrieb der Verf.
noch 9 Aeg3'ptische Arten von Chrysis, 1 Hedychrum und 2 Parnopes,
später (IX. S. 203) noch 3 Cayennesche Chrysis, von denen die erste,
Chr. punctatissima, die wahre Chr. fasciata F., zugleich Chr. viridis
der Enc; die dritte also, in der der A^erf. die Chr. fasciata F. ver-
muthet, anders zu benennen ist. — Leon Dufour beobachtete mehrere
Chrysiden als Parasiten in Brombeerzweigen nistender Hjmenopte-
ren, namentlich Chrysis cyanea F. und drei neue Arten Chr. obtu-
sidens, indigotea und Hedychrum minimum (ein Elampus) sowohl
in den Zellen von Trj-poxjion figulus und Crabro lapidarius, als
von Odj'neren und Osmien(?). Die Larve hat grosse Uebereinstira-
mung mit Crabronidenlarven.
Crabroniilae. Eine Auseinandersetzung der Deutschen Cra-
bro-AHen hat Herrich-Schäffer (Deutschi, Ins. Heft 179. 181)
unternommen, die Lepelletier'sche Gattungseintheilung dabei zum
Grunde gelegt, und Gattungen und Arten in synoptischen Ueber-
sichten dargestellt. So/enius Lepell. wird mit Crabro vereinigt, da
die Unterschiede zwischen den Weibchen allmälig verlaufen, und die
Männchen in ihren Formen nicht beständig genug sind. Von Le-
pelletier'schen Arten sind viele als Geschlechter oder Abänderungen
vereinigt, neue sind Crabro nigritarsus, spinicoUis, riigrinus, pictipes,
fuscitarsis , nigridens , microsticttis, jtnrvulus, Ceratocoliis? trochan-
tericus aus Spanien, durch seine langen Vorder-Trochanteren ausge-
zeichnet und vielleicht eigener Gattung, Crossocerits laevipes.
Leon Dufour (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 409) hat die
sehr richtige Bemerkung gemacht, dass Crabro vexillatus Pz. und
lapidarius F. als Männchen und Weibchen in eine Art zu verbinden
sind. Mit Recht leitet er aus diesem Umstände einen Angriff auf die
Lepelletier'schen Gattungseintheilung der Crabronen ab. Lepelle-
tier de Sain t-Fargeau (ebendas S 415) nimmt hieraus Veran-
lassung seine Gatt. Thyreus zu unterdrücken, und dem Solenius lapi-
darius auf Grund seines abweichenden Männchens eine eigene Ab-
theilung in der Gatt. Solenius anzuweisen.
Nach Perris (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 407) nistet der
Solenius lapidarius in altem Holz, und macht seine Nester in den ver-
lassenen Gängen anderer Insecten, namentlich in den von Wurm-
206
mehl ausgefüllten von Bockkäferlarven, in welchen er einen Gang bil-
det, der durch Querwände aus den Sägespänen in Zellen getheilt wird.
Diese Zellen enthalten Dipteren, und da diese Art in ihrem Futter nicht
wählerisch ist, immer verschiedene Arten zusammen, stets aber mehr,
als die Larve zu ihrer Ernährung bedarf. Die Larve stimmt mit der
von Leon Dufour beschriebenen des S. rubicola im Wesentlichen
überein, nur dass ihre Mandibeln dreizähnig sind.
Auch Goureau (Ann. d. 1, Soc. Ent. d. Fr. VIII. S. 543) theilte
einige Beobachtungen über die Lebensweise von Crahronen mit.
Eine Art nistete am Ufer des Rhone im Sande, und trug ausschliess-
lich Atherix Ibis ein. An einer Larve von Cr.vagus, welche in einem
Gange in einem halbverwitterten Eichenzweige steckte, traf er eine
andere kleine fusslose Larve mit grossem hornigem Kopfe, welche
die Crabro-Larve verwundet hatte und die ausfliessende Feuchtig-
keit auftrank. Welchem Parasiten diese kleine Larve angehören
mochte, konnte er nicht ermitteln.
Leon Dufour (Ann. d. 1. Soc. Ent. de Fr. IX. S. 25) führt als
Arten, welche in vertrockneten Brombeerzweigen nisten, den Crabro
vagus und eine neue Art, Solenius rubicola auf. Von letzterem ist
auch die Naturgeschichte genauer beobachtet. Sie bildet einen Gang
im Mark, und macht in Abständen von b'" Querwände aus den
Markspänen; jede Zelle enthält ein Ei und eine Anzahl kleiner
Fliegen, nämlich Lauxania aenea. Die fusslose, bucklige Larve
hat dreizehn Körpersegmente, einen kleinen Kopf, Szähnige Man-
dibeln und Maxillen und Unterlippe durch 3 Wülste vorgestellt.
Zur Verwandlung macht sie sich ein röthliches kaum durchsichtiges
Cocon. Andere Crabronen, als Stigmus ater und Pewphredon uni~
color leben parasitisch in den Nestern anderer, der letztere in denen
von Trypoxylon figulus und Osraia parvula; seine Larve gleicht der
der übrigen Crabroniden, nur dass die seitlichen Wülste der Körper-
ringe nicht so deutlich sind, sie macht auch kein Cocon. Vom Stig-
mus pendulus ist noch nichts Genaueres angegeben. Ref. erin-
nert daran, dass die zweite Art, St. troglodjtes, nach Kennedy
eigene Nester macht und Blattläuse einträgt. Perris (a. a. 0.) giebt
auch Blepharipns pauperatiis und Corynopus tibiatis als para-
sitisch an.
Trypoxijlon ßgulus bohrt sich nach Leon Dufour (a, a. O.)
Gänge in das .Mark abgestorbener Brombeerzweige, und macht dort
Zellen wie die übrigen dort nistenden Crabronen, ohne Lehm oder
Sand zu Hülfe zu nehmen. Es geht hieraus hervor, dass dies Insect
sein Bauverfahren nach der Beschaffenheit der Localität modificirt.
Spinola (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 489, Guer. Mag. de
Zool. 1840. pl. 54) errichtete eine neue Gatt. Nectanebus, welche
zwischen Cerceris und Philanthus in der Mitte steht, indem sie mit
den übrigen Kennzeichen der ersteren die Form des Kopfes, die Bil-
dung der Mundtheile und Vorderfüsse und das Flügelgeädeir der
207
letzteren vereinigt. Die in den Ann. beschriebenen beiden Aegypti-
schen Arten, N. Fischeri und histrionicus , vereinigt der Verf. im
Mag. als die beiden Geschlechter derselben Art unter dem Namen des
Weibchens N. Fischeri.
Ausserdem beschreibt Spinola (a. a. 0. der Ann.) noch fol-
gende Ac^yptische Arten: Philantlms variegatus., coarctatus, rutilus,
Cerceris rutila, tricolorata, Fischeri, flaviventris, Waltlii (Abäade-
ruog des Männchens der folgenden), chlorotica, Hoplistes fen'iigiiieus.
Brülle (II. Canar, Ent. S. 90) hat 3 neue Arten: Cerceris lejnda, C07i-
cinna und Crabro {Solemus) rufipes.
Mjarridae. Spinola (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 476)
macht darauf aufmerksam, dass bei Larra und Lyrops die hintern
Ocellen eine Form Veränderung erleiden und als längliche Schwielen und
nicht mehr zum Sehen tauglich erscheinen. Dieselbe Form der Ne-
benaugen findet sich auch bei einer neuen Gatt. Gastrosericus
Spin.(ebend. S. 480), welche SCubitalzellen, die dritte kaum angefangen,
hat, und sieh vorzüglich dadurch auszeichnet, dass beim Männchen das
3. und 4. Segment auf der Bauchseite einen häutigen, mit langer dich-
ter Pubeszenz bekleideten Raum hat. Die einzige Art, G. Waltlii,
ist inAegypten zu Hause. Von mehreren ebendaselbst beschriebenen
Arten von Lyrops ist L. Savignii eine Larra nach Latreille's
Begränzung beider Gattungen, und zugleich eine Fabricische Art,
nämlich Pomp. haemorrhoidalisF., die auch am Senegal und in Guinea
einheimisch ist, die übrigen, L. tarsalis, rufiventris, erythropus, ge-
niculata sind neu; von 2 Arten von Oxybelus ist die erste, O. Sa-
vignii der O. lamellatus der Encycl., die zweite, O. Fischeri, scheint
kaum vom O. subspinosus Kl. (in Waltl's Reise nach dem südlichen
Spanien) verschieden zu sein.
Betnbecidae» Spinola (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 467)
beschrieb mehrere neue Arten: Bembex Itisca Kl. aus Aegypten,
B. iindulataK]. vom Kap, B. chlor otica KI. aus Aegypten, B. Fischeri
ebendaher, B. Westermanni von Guinea (irrthümlich als von Tran-
quebar angegeben). Stizus Savignii, bixonatus aus Aegypten. —
Leon Dufour (ebendas. S. 269) stellte zwei neue, dem St. ruficor-
nis verwandte südfranzösische Arten von Stizus auf. Die eine, St.
Perrisii findet sich auch in Deutschland und selbst bei Berlin, die
andere St. nigricornis kommt auch in Italien und Sicilien vor.
Sphegiüae. Goureau (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VIII. S.53S)
berichtete über den abweichenden Nesterbau eines Pompilus, welcher
nach seiner Beschreibung P. carbonarius i^Sphex carb. Scop., das Männ-
chen Cerop. punctum F., das Weibchen P. petiolattis v. d. Lind.) ist.
Er baut nämlich ein Nest aus 5 — 6 freien Zellen aus Erde, welche
aber wenig Consistenz haben und noch eines äussern Schutzes be-
dürfen, daher sie unter lose aufliegenden Steinen oder lockern Baum-
rinden angelegt werden. Jede Zelle enthält eine Spinne mit abgebis-
208
senen Beinen und ein Ei. Die Larve kommt mit der der Crabronen
überein.
Zugleich äusserte Goureau (ebendas. S. 538) seinen Zweifel
darüber, dass die Pompili ihre Beu(e mit dem vStachel verwunden,
wie dies allgemein angenommen wird. Er hält das Gift desselben
für viel zu scharf und heftig wirkend, als dass es einen so kleinen
Organismus, wie eine Spinne, nicht auf der Stelle tödten sollte, da
doch bekanntlich die von Hymenopteren als Nahrung für ihre Jungen
eingetragenen Insecten sehr lange Zeit in einem nur halbtodfen Zu-
stande ausharren. Er fand dagegen, dass die eingetragenen Insecten
durch einen Biss verletzt wurden. Der oben erwähnten Spinne, waren
die Beine abgebissen, einen Pomp, bijnnictatus traf der Verf. einmal
mit einer Spinne, der der Hinterleihsstiel eingebissen war. Gleiches
beobachtete er auch an Cerceris orjiata, welche Hylaeus-Weibchen
einträgt, und jedem derselben, welches ihre Beute wird, den Hinter-
leibsstiel einbeisst, ähnliches an Melh'nus arvensis, welche der Musca
corvina nachstellt, und jeder ergriffenen in den Hals beisst. Dieser
Punct in derOeconomie derHjmenopteren ist von grossem Interesse,
und es wäre wohl der Mühe werth, dass darüber weitere Beobach-
tungen angestellt würden.
Neue Arten sind: Pomp, ater, dichrons, violaceipennis Brülle
(II. Canar. Ent. S. 91), Pomp, arduus des Ref. (Wagner's Algier lll.
S. 191), Pomp. Fischeri Spinola (Ann. d. l.Soc.Ent. d.Fr.VII. S. 460)
aus Aegypten, P. aenigma (ebendas.) vom Bosphorus, P. Waltlii
(ebendas.) aus Aegypten. Desselben Pomp, femoralis aus Aegj^pten
und P. Grohmanni aus Sicilien sind unter sich nicht wesentlich ver-
schieden und einerlei mit Pomp, luteipennis P. — Spinola (a.a.O.)
beschrieb ferner folgende Aegyptische Arten: Aporvs sericeus, Ce?-opales
flmncornis, ivterrupta, Sphex trichargyra, Ammophila eberuna, ru-
brtpes', Brülle (11. Canar. Ent. S. 92) hat drei Arten der letzten Gat-
tung, A. apicalls, concolor, nigra, — Ueber das Vorkommen Aer Am-
mophila armata Latr. in Südfrankreich berichtete Leon Dufour
(Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 291).
^colietae. Shuckard (Mag. of Nat. Hist. VI. S. 482) berich-
tete, dass die in Griffith Animal Kingd. abgebildete Scolia fulva nicht
aus Südamerica, sondern aus Neuholland stammt, und dass das Männ-
chen dem Weibchen gleichgefärbt ist. — Brülle (II. Canar. Ent.)
beschrieb 2 neue Arten, Scolia elegans und My%ine gracilis.
Mutillariaei Aus der Gattung Mutilla beschrieb Spinola
(Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 457) eine kleine neue Art, M. Chiesi.
Klug las in der Academie der Wissenschaften zu Berlin über
die Gattung Thynnus F. und unterwarf dieselbe einer genauen
und umfassenden Prüfung. Die Gattung ist auf Südamerica und
Neuholland beschränkt, und zeigt verschiedene Formen, nach welchen
Guerin in der Voy. d. 1. Coquille eine Reihe von Gattungen errich-
tete, welche aber vom Verf. nicht als solche anerkannt sind, da die
209
Verschiedenheiten nur bei den Männchen sich anspräg;en, und die
Weibchen alle in einem hohen Grade übereinstimmen. Dagegen ist
die Gattung in vier Unterabtheiluugen gebracht, von denen die drei
ersten neuholländisch, die vierte americanisch ist. Bei den drei ersten
ist das Kopfschild zwischen den Mandibeln mehr oder weniger verlän-
gert; bei der ersten, welche als Typus der Gattung betrachtet M'erden
kann, und auf welche auch von Guerin der Name Thynmis seine
beschränkte Anwendung gefunden hat, ist es gross, gewölbt, vorn
gerade abgeschnitten, hierhin: Th. dentatus F. u. a, im Ganzen zehn
Arten. Bei der zweiten Unterabtheilung ist das Kopfschild wenig
gewölbt, stumpfrund endigend; der Habitus an Philanthus erinnernd.
Sie entspricht der Gattung Agriomyia Guer. und enthält nur 3 Arten.
Die dritte Unterabtheilung, mit ebenfalls wenig gewölbtem, vorn ver-
engtem und gerade abgeschnittenem Kopfschilde und mit dem Habitus
von Myrmosa, 6 Arten enthaltend, entspricht den Gatt. Rhagigaster
und Thynnoides Guer. , denen sich vielleicht auch noch die Gattung
Anthobosca Guer. anschliesst, die nach der Guerin'schen Darstellung
indess solche Uebereinstimmung mit den Arten der vierten Unterab-
theilung hat, dass man fast versucht sein möchte, eine "Verwechse-
lung in der Vaterlandsangabe zu vermuthen. Die vierte Unterabthei-
lung, nicht weniger als 40 Arten umfassend, und dadurch kenntlich,
dass das Kopfschild kurz, und zwischen den Mandibeln wenig oder
gar nicht verlängert ist, entspricht den Guerin'schen Gatt. Telepho-
Tomyia, Ornepetes, Elaphroptera, der Westwood'schen Anodontyra,
und wurde von Klug selbst vor langer Zeit als Scotaeiia nach einer
Brasilischen Art beschrieben. Weibchen sind nur aus der ersten und
letzten Abtheilung bekannt geworden; die der ersten bilden die Gatt.
Mymecodes Latr. , die der zweiten die Gatt. Ammodromus Guer. In
den Mundtheilen kommen einige Abweichungen vor. Die erste Un-
terabtheilung zeichnet sich darin aus, dass das erste Glied der Maxil-
lartaster so lang ist als die übrigen; bei den andern ist es im Ver-
bältniss zu den übrigen Gliedern kurz. Die Nebenzungen sind,
bei der ersten Unterabtheilung länger als die Zunge, beilförmig
(bei der zweiten Hessen sie sich nicht beobachten), bei der dritten so
lang als die Zunge, lanzettförmig, bei der vierten viel kürzer als
die Zunge. Die Mandibeln sind vor der Spitze bei allen Neuhollän-
dischen Arten stark und scharf, bei den Americanischen Arten breit
und stumpf gezahnt; bei einer Anzahl der letzteren schon von der
Mitte an nach innen gerichtet und zusammengedrückt. Bei den Männ-
chen kommt bei den einen ein aufwärts gekrümmter Haken an der
Hinterleibsspitze vor, bei den andern fehlt er, und zwar weichen hierin,
namentlich in der dritten Unterabtheilung, die nächstverwandten Arten
ab, so dass man sein Vorhandensein oder Fehlen nicht, wie Guerin
es gethan hat, zur Begründung von Abtheilungen benutzen kann. Am
ersten würde sich noch die vierte Unterabtheilung als eigene Gattung
betrachten lassen, wenn nicht die grosse Uebereinstimmung der
Archiv f. Naturgesch. VII. Jahrg. 2. Bd. 14
210
Weibchen einer solchen Trennung entgegenstände. - Unter 60 auf
geführten Arten war etwa die Hälfte neu. A.isserdem fanden sich
unter den an Südamericanischen Insecten vorzugsweise reichen Vor-
rahen der hiesigen Sammlung zwei Arten, welche, obschon nahe
rl^'r",'/''"' ' '''' hinreichende Unterschiede nach beiden
Geschlechtern zeigten. Aus ihnen ist die Gatt. Aelurus gebil-
det worden deren Männchen, obschon vom schlanken Habitu! der
Glder'der r TTI' '""' '" ^^^^'^ verlängerten drei letzten
ltZ^.T ^TnT ""' ""' '"'•"" \^eil.cUn durch schmalen und
ge reckten Mi telleib und einfache Klauen von der oben genannten
a.rSr^'^^"- "^ ^^^^— ^^^^- — «- clyAtus, sind
A.Jl^^'T''''^ ^^^^- ^"''- ^"^^ ^^' ^'^ Bemerkung gemacht,
dass Elaphroptera und Ammodromus Guer. nur Geschlechts-
verschiedenhe.ten sind, dasselbe hat indess Ref. schon vor mehreren
Jahren in Bezug auf die Halidaj'schen, von Guerin beiden Gattungen
chfvm rs.Tls" ""'^^'P''"^^'^" ^«- Jahresbericht für 1836; Iv-
I,.. ■?/"'2'^*''f *• E''^^ vortreffliche Monographie dieser Familie
DilF^!-r ""j; ^^"''- "' '^^"'- "'^*-^- ^•^««) bekannt gemacht.
D.eFamihe scheint von den Mutillarien ebensosehr als von den Amei-
zrstelTer^A.T'^^'K"' '''' '"''^'^ '° •'•^*''"« ^--«^hen beide
gegründet, ist sie vom Verf. mit zwei neuen Gatt. Aenictus und
r:i«e::™"'"' "-^-^'^ --^ -^ -- - -.»-e^ -e:a
1 rücklaufender Nerv. 3 Unterrandzellen. 1 Lal,idus ■
desgl. 2 ünterrandzellen. Cylindrische Schenkel 2. Aenictus
desgl. desgl. zusammengedrückte Schenkel 3 Dorvlui
2 rucklaufende Nerven . t>,
Lab?dus Jnr. ist durchaus südamericanisch und enthält 11 Irten
welche zum TheU neu, zum Theil unter L. Latreülel verwechselt'
waren. (Eine 12te, zweifelhafte, Dorylus mediatus F., gehört nicht
hierher, sondern ist ein Mutillen-Männchen.) Aenictus, fast vom
Nord^dir^'A'"''"'"''^"'''"'' "*' "'"''■ "^"«"^rt,.4. «^.Ä,;.««,, a„,
Nordiridien (eine zweite entdeckte Ehrenberg in Aegjpten)? Dorv
und'aolr h'' r'? '''''' angehörend, und hat hier 7 Africanische;
und 3 Ostind.scheArten aufzuweisen (eine 4. Ostindische ist Z> Kluji
f^fv^'rGL'Lirgrdr ' ^" "^ ^^-^^ -^-^'^ ^^^^ ^^•^-^-•-
..lanJ'.P r""-''" '"' ^"^^«*^«" «"'"d ""s «och unbekannt. Shuckard
V n denen VIT"'' ^'"''" «ngeflügelten H3 menopteren zu erkennen,
Zeisen G^t^noT ;; '''"'' '"*'^''^- ^^"^ -'« «epräsentanten eine;
^« könne'n H^^ 7>/>^^«;>o«. abgebildet hatte, und meinte annehmen
können, dass diese muthmasslichen Weibchen parasitisch in den
211
Nestern von Ameisen lebten, ward aber zuletzt zweifelhaft, da sich
dergleichen Typhloponen in grösserer Zahl in Zuckerladungen fan-
den, woraus Avenigstens erhellte, dass sie eich selbstständig ernähr-
ten. Westwood (Ann. of nat. Hist. VI. S. 82) hat die Ameisennatur
dieser Insecten vollständiger nachgewiesen.
porntfcaria» Die von Shuckard (a. a. O.) als Dorylidea-
Weibchen betrachteten Ameisen sind:
Typhlojßone Westw., welche als weibliche Labidus ange-
nommen sind, von Ponera, der sie in der Bildung des Hinterleibes
gleicht, durch nur lOgliedrige Fühler und verkümmerte, Sgliedrige
Maxillartaster abweichend, zugleich ganz blind. Shuckard führt 3 Arten
auf als Lab. Westwoodü, Curtisü, Kirbiiy Thwaitsü, Spmolae,West~
wo od (a. a. 0.) fügt noch 3 hinzu: T. fulva, Shuckardi, Dahlbomü;
es ist indess sehr die Frage, in wie fern diese 8 Arten alle verschie-
den sind, indem einzelne Individuen einer und derselben Art (aus
derselben Colonie) sehr bedeutend (ähnlich wie die Arbeiter von Atta
cephalotes) in Grösse, Verhältnissen der einzelnen Körpertheile, selbst
der Fühlerglieder und in der Sculptur abweichen.
Anomma Shuck., ebenfalls blind, schlanker und langbeiniger
als Typhlopona, die Fühler llgliedrig, dieMandibeln sichelförmig, sich
kreuzend, hinter der Mitte mit einem einzelnen Zahn. Eine Art, A.
Burmeisteri, von Sierra Leona.
AVestwood (a.a.O.) hat folgende Ameisengattungen neu aufge-
stellt, um zu zeigen, dass Verminderung der Gliederzahl an den Füh-
lern und Verkümmerung der Taster auch bei ächten Ameisen vor-
kämen, und um damit die Shuckard'sche Ansicht zu widerlegen, nach
welcher diese Umstände Typhlopone und Anomma von den Ameisen
abzusondern schienen.
Careb araWestw., eine Attenform (ohne Enddornen an den hin-
teren Schienen) mit lOgliedrigen Fühlern und etwas verkümmerten
Sgliedrigen Maxillartastern. Nur das Weibchen, C. Ugnata, von Java.
Sole7iopsi's Westw. Ebenfalls eine Attenform, mit lOgliedrigen
Fühlern, dünnen 3gliedrigen Maxillartastern; Arbeiter, mit kleinen
zusammengesetzten Augen, Mandibeln mit ungezähnter Schneide,
die beiden letzten Fühlerglieder grösser jils die übrigen. S. ma?idi-
bular/s, neue Art aus dem tropischen America.
Pheidole Westw., mit der vorigen sehr übereinstimmend, die
Mundtheile dieselben, die Fühler ISgliedrig, die 3 letzten Glieder eine
grosse Keule bildend. Hierhin Atta providens Sykes aus Ostindien.
Diese drei Gattungen sind offenbar solche, welche selbst arbei-
ten; bei den beiden andern haben die Mandibeln eine andere Form,
indess sind sie bei Typhlopone doch noch so beschaffen, um damit
im Zuckerrohr, worin man diese Ameisen ausschliesslich zu finden
scheint, arbeiten zu können; bei Anomma haben sie aber eine ähn-
liche Bildung wie bei unserem Polyergus, und wenn man hieraus auf
eine ähnliche Lebensweise schliessen dürfte, würde diese Ameise,
14*
212
wo nicht parasitisch sein, doch andere Ameisen für sich arbeiteo
lassen.
Neu ist Formica carinata Brülle (II. Canar. Ent. S. 84). For-
mica cadtica Motschoulski (Bull. Mose. 1839. S. 47) vom Cauca-
sus ist F. barbara L., eine Myrmica. Formica truncata Spin, wurde
von Leon Dufour (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 49) als im In-
nern trockener Brombeerzweige nistend beobachtet.
Vespariae» Die einzeln nistenden Wespen sind von Lepel-
letier de St. Fargeau (Hist. nat. des Ins. Hymenopt II. Suit. ä
Buffon) als Familie der Eumeniden abgehandelt. Sie theilen sich
in die Gruppen der Masariten, mit Celonites, Masarh, und Cera-
mius, Synagriten, mit der einzigen Gattung Synagris und Ody-
neriten mit den Gatt. Eumenes, Discoelius, Alastor, Pterochilus und
Rygchium. Die G&tt. Alastor ist neu, unterscheidet sich von Ody-
nerus durch gestielte zweite Cubitalzelle und enthält eine Neuhol-
ländische und eine kleine Französische Art. Man vermisst aber die
Gatt. Zethits F., welche, wenn sie bei Fabricius auch manche ihr
fremde Arten enthält, doch so abgeschlossen als eine der übrigen
Gattungen dieser Familie ist.
Herrich -Schäffer (Deutschi. Ins. Hft. 179) hat synoptische
Uebersichten über die deutschen Arten von Vespa, Polistes und Eume-
nes gegeben, und mehrere Arten aller drei Gattungen abgebildet,
darunter als neue: Vespa crassa, Polistes pectoralis Meg., Eumenes
marginella und E. Frivaldskyi, den letzten aus Rumelien.
Neue Aegyptische Arten sind: Celonites Fischer i, Odynerus chlor o-
ticus, dimidiatus, impunctatus Spinola (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII.
S. 500). — Etimenes Savignü AqssqVüqw ist eine bis zum Senegal und nach
Guinea hin verbreitete Fabricische Art, Zethus Guineensis F. — Odyne-
rus reflexus, haematodes, Eumenes nigra, cruentata beschrieb Brülle
(U. Canar. Ent. S. 89). — Leon Dufour (Ann. d. 1. Soc. Ent. de
Fr. IV. S. 23) beobachtete in Südfrankreich 3 Arten von Odynerus in
trockenen Brombeerzweigen nistend, nämlich O. ruhicola, von ihm
an einem andern Orte (Ann. d. sc. nat. 1839) beschrieben, und 3 neue
O. industrius und hospes.
Goureau (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VIII. S. 531) behauptet, dass
die Angabe von Latreille über die Nester von Eumenes coarctata auf
einer Verwechselung mit Spinnennestern beruhe, und dass die Eume-
nen ihre Nester von einem aus Erde bereiteten festen Mörlel an
Steine klebten. Es scheint indess doch nicht, dass Latreille's Ge-
währsmann Geoffroy jene von lockerer Erde umgebenen und au
Grashalmen aufgehängten Eiersäcke von Spinnen mit Wespennestern
verwechselt habe, wenigstens beschreibt Lepelletier aus eigener
Beobachtung die Nester eines Eumenes ganz so wie vor 80 Jahren
sein Landsmann, und es kann wohl sein, dass diese Wespen da, wo
sie keine Steine finden, um ihre Nester anzukleben, dieselben an
Pflanzenstengelu befestigen. Beide, sowohl die an Steine geklebtea
213
als die frei an Pflanzenstengeln gebauten kommen darin überein, dass
sie einen trichterförmigen, zuletzt verschlossenen Eingang haben.
Einige Odynerus bauen ebenfalls ihre Nester aus Erdmörtel gegen
Steine, doch hat Ref. an diesen einen solchen vorragenden Eingang
nicht bemerkt. Ein jedes solches Nest enthält nur eine Zelle. Wenn
Geoffroy angab, dass die ZeUe mit Honig gefüllt würde, glaubte er
der Analogie der Bienen folgen zu können, der Wespenlarve wird
aber eine Anzahl von Räupchen zur Nahrung eingetragen.
Spinola (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VIII. S. XXXVII.) hat die
Odynerus- Artea seiner Insecta Ligurica in Bezug auf die neuern
Arbeiten über diese Gattung einer kritischen Revision unterworfen.
jipiariae. Das sechste Bändchen der Naturalist Library, En-
tomology, ist den Bienen und zwar vorzugsweise der Naturgeschichte
der Honigbienen, dann aber auch der der Hummeln gewidmet, und
nebenher werden von ausländischen Bienen, namentlich Meliponen
und Xylocopen Nachrichten gegeben, und verschiedene ausgezeichnete
Arten dargestellt.
Lepelletier de St. Fargeau behandelte in seinem oben ge-
nannten Werke die einzeln nistenden und parasitischen Bienen. Die
gesellschaftlichen sind bereits im ersten Bande abgehandelt. Die ein-
zeln nistenden theilt der Verf. nach der Art des Einsammelns von
Blumenstaub in Podlleßides, Merilegides, GastrUegides. Die letzten
tragen mittelst einer Behaarung des Bauches ein, die andern beiden mit-
telst der Hinterbeine, die zweiten zugleich mit den Locken des Me-
tathorax. Die erste Gruppe der ersten Familie, die Euglossen, weicht
hinsichts des Einsammelns von den übrigen mehr ab als diese von
der 2. Familie, indem sie ebenso wie die Honigbienen und Hummeln
Schienkörbe hat, und nicht rohen Blumenstaub, sondern wie diese,
einen schon bereiteten Teig einträgt, weshalb sie von Latreille nicht
ohne Grund mit den Hummeln zusammengestellt sind, wenngleich
über ihre Lebensweise keine bestimmten Angaben der Reisenden
vorliegen.
Diese erste Gruppe der Podtlegtdes nennthepen. Eule mit es,
und begreift Anrunter Euglossa, {Typ. Eugl. cordataF., deren Männ-
chen, Cnemidium viride Perty, so häufig es vorkommt, dem Verf.
unbekannt geblieben) und Eulaema, eine neue Gattung, aus Cetitr.
dimidiata, surinamensis F. u, a. A. gebildet, von denen Eul analis
und nigrita als Männchen und Weibchen einer Art (Centr. inferna-
lis Jllig.) zusammengehören, Eul. Cayeunensis die Centr. cingulata F.
und ungeachtet des mit Eulaema übereinstimmenden Aeussern, nach
den Mundtheilen eine Euglossa ist. — Die 3. Gruppe, Aftthopho-
rites, hat an den Hinterbeinen der Weibchen die Schienen und das erste
Fussglied überall behaart, die Zunge ausgestreckt so lang wie der
ganze Körper. Dahin die Gatt. Jnthophora, Macrocera, Eucera, Me-
liturga, Systropha, Kirbya (aus Melitta tricincta und chrysura Kirb.
gebildet) und die ganz unpassend zwischen die nur künstlich unter-
214
schiedenen Gatt. Macrocera und Eucera eingeschohencu Gatt. Monoeca
der Enc. - Die 3. Gruppe, Xi/locop/tes , weicht nur durch kürzere
Z,mge von der vorigen ab, und enthält die Gatt. Ce?>trä (Trachina
und Hen..s.a Kl.) Ep^ckar^s, Xylocopa, Lesti. ^Centr. „Jcaria und
und .Ary.,^r« K.rb. als Arten, und dies sowohl als die fast wörtlich
«bereinstnnmende Gattungsbeschreibung zeigt, dass sie identisch mit
K.rbya (s. o.) und durch ein blosses Versehen doppelt aufgeführt
ist. Und e,n vielleicht noch geringeres Versehen ist es, welches diese
Gattung ,n diese beiden Gruppen stellt, und sie von Andrena trennt,
mit der sie die grösste Uebereinstimmung hat.
nie 2. Familie, Merzlegides, zerfällt ebenfalls in 3 Gruppen
^le I.Gruppe, Panurgttes, hat die Zunge lang und linienförmig-
ramn-ffus, Dufourea (neue Gattung, welche indess mit Rophites
&pin. zusammenfallen möchte), Dasypoda. - Die 2. Gruppe mit kur-
zer lanzettförmiger Zunge enthält die Gatt.: Jndrena, Scrapter (mit
3 Cubitalzellen, Typ. Andr. /agopns Latr. S. u.), Hah-ctus, Nomia
Aiicyla (neue Gatt, der vorigen verwandt, mit einer neuen Art von
Uran). _ Die 3. Gruppe, Co II et i des, mit kurzer ausgerandeter Zunge,
besteht aus der einzigen Gatt. Colletes. Die von der Gestalt, Behaa-
rung und Function des ersten Hinterfussgliedes hergenommenen Cha-
ractere der Gruppen sind nicht durchgreifend.
Die 3. Familie Gastrilegides ist in keine weitere Unterabthei-
l.mgen gebracht. Diphysis ist eine neue Gattung, auf einer ebenfalls
neuen Art A/;yre??a?m gegründet, welche bei dem Habitus von Euce-
ren (mit Ausnahme der langen männlichen Fühler) doch entschieden
in diese Familie gehören soll; Chalicidoma ist ebenfalls eine neue
aber aus bekannten Arten, der Megach. murarm und Sicula gebil-
dete, durch den etwas stärker gewölbten Hinterleibsrücken und die
Andeutung einer Anhangzelle etwas subtil von Megachile unterschie-
den; Osmm, Megachile, Lithurgus,Anthocopa (Osm. PapaverisLatr)
Atithidinm, Heriades, Chelostoma.
Eine andere Abtheilung bilden die parasitischen Bienen, in
drei Familien getheilt, Fsithyriden, aus der blossen Gatt. Psithy-
rns bestehend, Dlmorphiden, mit den Gruppen Melectiden,
(Gatt.: Jglac, Melecta. Crocisa, Mesocheira, Mesoplia, Hopliphora, ans
der Mesoclieira velufma der Enc. gebildet, Mesotiychium, Epeolus, No-
mada, Ceralina, und Anhangsweise Melissoda Latr. und Acanthopns
Kl.) und Phileremiden (Gatt.: Ammobates, Phileremus, Dioxys,
Coelw.rys, Stelis, Allodape, Pusites) erstere mit 4, diese mit 3 Cubi-
talzellen, und Monomorphiden, die Gatt. Prosopis, Rhathymus
imd Sp/iccodes, die erste für sich allein, die beiden letzten zusammen
eine eigene Gruppe bildend. Rhathymus steht hier sehr unglücklich,
es ist am Nächsten mit Nomada verwandt.
Dem Ref. scheinen die LatreiUe'schen Abtheilungen derßienen viel
naturgcmasscr zu sein, und die neuen Ansichten, denen der Verf.
215
folgt am Ende der Wissenschaft keinen andern Dienst zu leisten, als
dass roan sieht, dass sie nicht auf den rechten Weg führen.
Die Gruppe der Andrenetae wurde mit folgenden neuen Arten
bereichert: Prosopis scutellata, Colletes piloia, intricans, Dasypoda
Panzert albipila, Andrena rutila, ephippium (einerlei mit A. dorsalis
Lepell ) Savignii, Sphecodes rubripes, hispanictis, JSomia rußvetitris
ruficornis aus Aegypten durch Spinöla (Ann. d. 1. Sog. Ent. d. Fr. Vn.
S 506). — Andrena lugubris (kommt in allen Küstenländern des Mit-
telmeers vor und ist einerlei mit A. collaris Lepell.) und discors vom
Ref. (Wagn. Algier III. S. 191). — Colletes dimidiata, Andrena xan-
thoscelis, hipartita, chalcogastra, Halictus chalcodes, viridis, laetits,
concinnus, nnicolor, Sphecodes semiaeneus von Brülle (II. Canar. Ent.
S 86). — Leon Dufour (Ann, de la Sog. Ent. de Fr. IX. S. .38)
beobachtete die Verwandlungsgeschichte der Prosopis signata, und
bestätigte damit das, was bisher nur Vermuthung gewesen war, näm-
lich dass sie ihre Eier in fremde Nester legt. Die von ihm beobach-
teten Individuen fanden sich in den Nestern von Osmia parvula, und
verzehrten das für deren Larve angehäufte Futter, so dass dieselbe
Hungers sterben musste. Die Prosopis-Larve ist ohne weitere Aus-
zeichnung, der Kopf ohne Furchen, die untern Mundtheile nicht in
Form dreier Warzen vortretend. — Derselbe (ebend. VIII. S. 583)
zeigte, iass Andr. humeralisJur. nicht das Weibchen vonNomia diffor-
mis wie man angenommen, sondern der Nomia diversipes Latr. sei,
und'beschrieb beide Geschlechter unter dem Namen A^. humer alis.—
Ders. (ebendas.vn. S. 281) beschrieb die Andrena lagopus Latr. \
ausführlicher und nach beiden Geschlechtern, und zeigte sehr richtig,
dass das Weibchen Megillaßilvipes, das Männchen Megilla labiata F. sei.
Dass dies Insect eine besondereGatt. bildet, ist keineFrage, es ist dies aber
auch die Gatt. Macropis Kl.(Panz. Fn. Germ.) und zugleich Scrapter
der Encycl., und was der Verf. über die Verschiedenheit der letztem
sagt beruht auf einem Missverständniss in der Zahl der Unterrandzel-
len, indem er nicht, wie es gebräuchlich ist,die3.unvollständige mitzählt.
Aus der Gruppe der Andrenoiden beschrieb Spinola (Ann.
d. 1. Sog. Ent. d. Fr. VII. S. 516) Systropha hirsuta und Panurgus
nasntns. Die letztere, nicht mit Unrecht als Typus einer neuen Gat-
tung betrachtet, auch im südlichen Europa einheimisch, ist eine Fa-
bricische Art, nämlich Prosopis frontalis F.
Ueber Xylocopa bemerkte Spinola (a. a. 0. S. 518), dass .Y.
pubescens, olivacea, cnpensis, sulphurea Kl. die Männchen der weit ver-
breiteten X. aestuans F. sein; dass sie alle Männchen sind, ist durch-
aus richtig, aber es ist zu weit gegangen, sie ia eine Art zusammen
zu ziehen. Wie leicht und sicher es durch Beobachtung der Nester,
so schwierig und unsicher ist es durch Anwendung der Analogie
die zusammengehörigen Arten herauszufinden, daher die obenerwähn-
ten Männchen auch in der hiesigen Sammlung noch ihre eigenen Art-
namen führen. Lepelletier in seinem oben besprochenen Werke
216
betrachtet X. olivaceaF. als Mäunclien vonX. Caffra, A'. ruficonüsY. als
Mäouchen von aestuans, hat also hier die Geschlechtsverhältnisse richtig
erkannt, dagegen sind ihm die analogen Verhältnisse bei den Ameri-
cauischen Arten fremd geblieben: so ist seine A'. Cayennae Männchen
von X. fimbriata F. (cornuta Lepell.), X. fasciata (^ßrasilianorumV.)
vermuthlich Männchen von X. frontalis, A'. Caribaea sicher Männchen
von X. teredo (aeneipennis Lepell.) — Xylocopa corniger Wesiwooi
(Nat. Libr. Eut. VI. S. 270 T. 21 F. 5) ist einerlei mit X. cornuta
Lepell., und beide mit X. fimbriata F. (X. fimbriata Lepell. scheint die
einfarbige Abänderung von X. frontalis zu sein, wohin auch X. nitens
Lepell. gehört). — X. tenuiscapa AVestwood (a. a. O. S. 871 T. 23
F. 2) ist das Männchen von X. morio F,, zu welcher X. Latreillei Lep.
als Synonym gehört. Westwood bildet aus dieser Art und derX. la-
tipes eine eigene Untergatt. Platyriopoda, welche bei der Ueber-
einstimmung der Weibchen sich nicht füglich von Xylocopa absondern
lässt. — Ref. (Wagn. Algier HI. S. 192) beschrieb X. Taurica (Apis
taurica Fall, mspt.), welche in den Ländern des Mittelländischen Mee-
res weit verbreitet, und einerlei mit X. minuta Lepell. ist.
Ueber die Naturgeschichte der Ceratinen hat Leon Dufour
(Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 15) sehr wichtige Aufschlüsse ge-
geben. Spinola hatte schon beobachtet, dass sie Nester in trockenen
Zweigen anlegen, nichts desto weniger wurden sie von Lepelletier
mit aller Bestimmtheit als Parasiten angesprochen. L. Duf. sah sie
in grosser Zahl in trocknen Brombeerzweigen nisten, und überzeugte
sich bald, dass sie eigene Nester anlegen, indem sie das Mark eines
solchen Zweiges aushöhlen und den Gang durch Querwände in Zel-
len theilen. Ein Nest enthält bis 20 Junge. Die Larve hat wie ge-
wöhnlich 3 warzenförmige Fleischhöcker statt der untern Mundfheile.
Je weiter nach hinten, desto später erfolgt die Entwickelung in dem-
selben Neste, so dass man zuweilen in einer und derselben Brut alle
Entwickelungsstufen findet, und die vorderste schon die Larvenhaut
abgelegt hat, während die hinterste noch im Ei liegt. Die Entwicke-
lung geht rasch vor sich, so dass, wenn die Eier im Juni gelegt
werden, die Jungen im August schon ausgebildet sindj sie bleiben
aber bis zum Mai des nächsten Jahres in hohlen Zweigen verborgen.
Der Verf. hat auch gezeigt, dass nur bei oberflächlicher Betrachtung
diesen Bienen die Organe zum Eintragen fehlen. Sie haben eine
Haarbürste auf der Unterseite der Hüften und Schenkel der Hinter-
beine, mit welcher sie den Blumenstaub einsammeln.
Derselbe (ebendas. S. 8) beschrieb aus der Gruppe der Dasy-
gastrae mehrere neue Arten von Osfuia, welche im südlichen
Frankreich in trocknen Brombeerzweigen nisten: 0. parvula, triden-
data (welche mit 0. fulvohirta Latr. Lepell. einerlei zu sein scheint),
ruboru?n, acuticornis. — Stelis minuta der Encjxlop. (ebendas S. 33)
ist Parasit der Osmia tridentata (wahrscheinlich noch anderer Arten,
da sie auch bei uns sich findet, wo jene Osmia nicht vorkommt.) —
217
Goureau (ebendas. S. 183) sah eine Osmt'a, wahrscheinlich O. bi-
color, einen conischen Haufen aus Grasstückchen zusammentragen
und sorgfältig schichten, es glückte ihm aber nicht zu beobachten, ob
dies die erste Anlage eines Nestes sei, welches in Ermangelung eines
leeren Schneckenhauses gebaut würde, in welchen nach Rob. Desvoidy
diese Biene sonst nistet. — Derselbe (ebendas. S. 117) unterschei-
det zwei Arten von Mauerbienen. Die eine, die ächte Megachile mu-
raria, liebt einsame Oerter und baut ihre Nester schon zeitig im
Frühjahr, im April, gegen Steine, Felsen oder gegen die Mauern
einzeln stehender Häuser. Die zweite, unbenannt, baut erst im Mai
oder im Anfang des Juni, liebt mehr die Nähe der Menschen und legt
am Liebsten ihr Nest unter Thüren und Thorwegen an. Sie ist, wie
das Männchen der M. muraria, gelbgreishaarig, nur der Scheitel und
der grössere Theil des Mittelrückens sind schwarz behaart. Er fand
in den Nestern derselben ausser den Larven von Trichodes alvearius
zwei parasitische Bienen, die indessen nach der kurzen Characteri-
stik, welche der Verf. von ihnen giebt, nicht w^ohl zu bestimmen sind.
Spinola (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VIL S. 519) beschreibt aus
dieser Abtheilung: Anthidium Fischer i (wahrscheinlich Männchen von
A. auritum Kl.), Waltliij Megachile flavipes , nigripes, patellitnaiia,
gymnopygia, Coelioxys rußventris , decipiens, aus Aegjpten, C. ely-
trura, ebendaher und zugleich aus Sicilien, C. caudata unbekannten
Vaterlandes. Anthidium thoracicum Kl. betrachtet der Verf. mit Un-
recht als A. ferrugineum F.; A. Grohmanni des Verf. aus Sicilien ist
eine gute Art, dagegen A. Siculum schwerlich von A. sticticum ver-
schieden. Die hiesige Sammlung erhielt nur A. sticticum aus Sicilien,
und die angegebenen Unterschiede in der Bewaffnung des männlichen
Hinterleibes können leicht auf einem Versehen beruhen. — Brülle (II.
Canar. Ent. S. 85) beschreibt Osmia {Chalicidomä) cariescens und Me-
gachile cincta und albohirta.
Aus der Gruppe der Cuculinen beschrieb Spinola (Ann. d. 1.
Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 535) Philerenms niveatus und Crocisa dimidia-
tiptincta aus Aegypten, Ref. (Wagn. Algier III. S. 193) Melccta albo-
varia, Brülle (II. Canar. Ent. S. 89) Mel. nigra.
De Romand beschreibt (Rev. Zool. S. 248) eine ausgezeichnete
Biene unter dem Namen Acanthopus Goryi, welche jedoch in mehre-
ren Stücken von Acanthopus abweicht, vorzüglich durch die langen
Fühler des Männchens, weshalb ihr später (IVIag. d. Zool. 1841. pl. 69)
der Gattungsname Ctenioschelus ertheilt wurde. Sie ist jedoch iden-
tisch mit dem Melissodes Latreillei, welche Lepelletier aus der Pa-
riser Sammlung als Typen der von Latreille erwähnten Gattung die-
ses Namens beschrieben hat, es wird ihr also wohl, trotz der Einwen-
dungen Romand's dieser letztere Name verbleiben müssen. Was Ro-
mand a. a. O. als Melissodes aufstellt, würde von Latreille nicht von
Eucera {Macrocera) als Gattung unterschieden sein, denn es ist
aicht unterschieden, \jf^ America ist in allen seinen Theilen sehr
218
reich an Euceren (Macroceren), die mit den unsrigen in allen Rück-
sichten , auch in den Geschlechtsunterschieden übereinstimmen. Das
von Romand nämlich als Weibchen seines M. Fo7iscolombei abgebildete
Insect ist offenbar das Männchen einer anderen Art, und wenn er nur
12 Fühlerglieder zählte, so liegt es wohl daran, dass in diesem Falle,
wie es bei den Männchen der Euceren öfter vorkommt, einzelne
Glieder nicht recht von einander abgesetzt waren.
Die Gruppe der Scopulipedes bereicherte Spinola (a. a. O.
S. 537) mit Eucera thoracica, aJßnis,Tetralonia (die Eucera- Arten
mit 4 Cubitalzellen, früher Macrocera Spin., welcher Name schon bei
den Dipteren vergeben war), basixona, atricornis, (dieser Name ist
nicht gut gewählt, da er in Cbllision mit Eucera atricornis F. kommt)
ans Aegjpten, Grohmannii und tarsata aus Sicilien; Saro-poda nigri-
labris, latizona^ humilis, Anthophora scopfpeSy nigrilabris ausAegj'p-
ten. — Ref. (Wagn. Algier III. S. 193) beschrieb Megilla quadricolor^
Eucera pyrrhula, von denen die letztere mit E. ferrugineaLep. zusam-
menfällt. — Westwood (Eut, Libr. Ent. VI. S. 263 T. 20 F. 1) bil-
dete eiae Centris nobilis, vernuithlich aus Südamerica, ab.
Ans der Gruppe der Sociales finden sich (ebendas.) Euglossa
analis (S. 262 T. 19 F. 2) aus Südamerica, und Bonibus grandis (S. 256
T. 17 F. 2) von Valparaiso dargestellt. Die erstere ist indessen nur
eine Abänderung der E. cordata, der zweite ist in Guer. Iconogr. du
R. A. als Bombus Dahlbomii abgebildet, und (als Arbeiter) vonHali-
day als B. nigripes beschrieben.
Spinola (Ann. d. sciens. nat. N. Ser. XIII. S. 113) hat über die
Meliponen vortreffliche Untersuchungen angestellt, welche wohl Ver-
anlassung geben können, dass die Reisenden auf die in so vielen
Stücken noch ganz räthselhafte Oeconomie dieser Honigbienen ein
Augenmerk richten. Zuerst ist der Wachs-absondernde Apparat genauer
betrachtet. Statt dass bei den eigentlichen Honigbienen die Bauch-
platten gekielt und ausgerandet sind, sind dieselben bei den Melipo-
nen ganz einfach, nur in 2 Felder getheilt, von denen das eine von
dem überragenden Theil des vorhergehenden Segments und dem über-
greifenden Rande der Rückenplatten bedeckt wird, das andere frei
ist. Letzteres ist mit eingedrückten Puucten versehen, welche aber
jeder mit einen Häärchen besetzt sind, und also zur Durchschwitzung
des Wachses nicht dienen. Dagegen zeigt sich an der vorderen
Gränze dieses Feldes eine schmale Furche, welche sich auch nach
den Seiten umbiegt, und in deren Grunde eine feine Oeffnung sich
befindet, durch welche das Wachs hiadurchtritt. Für das Einsammeln
des Wachses fehlt den Meliponen der Dorn, welcher bei den Honig-
bienen am ersten Hinterfussgliede für diesen Zweck von Bedeutung
ist, dafür entdeckte Spinola einen anderen Apparat am Ende der
Hiuterschienen, nämlich einen aus steifen Borsten gebildeten Kamm,
welchen alle Arbeiter der Meliponen besitzen. Ausserdem findet sich
bei den Trigoueu Latr. eine LängscrhabenMeit an der Innenseite der
219
Hinlerschieneo, welche mit einer Bürste aus feinem Filze besetzt ist,
und da diese Bürste, welche sich bei den eigentlichen Meliponen Latr.
nicht findet, eine "Verschiedenheit in der Lebensweise voraussetzen
lässt, ist Spinola der Ansicht, dass man die Trennung der Gattungen
Melipona und Trigona festzuhalten habe. Es treten indess unter
der letzteren selbst z%vei Formen in der Behaarung der Hinterschie-
nen auf, welche unter einander eben so scharf geschieden zu sein
scheinen, wie von den eigentlichen Meliponen, indem bei der einen
die ganze Innenfläche der Hinterschienen bis zum Hinterrande hin
mit solchem Filz besetzt ist, bei der anderen nur eine mittlere
liängserhabenheit, welche vom glatten Hinterrande durch eine Furche
abgeschieden ist. Zu der ersieren gehören von den von Spin, er-
wähnten Arten: Tr. muscaria^ aenmla, geiiiculata, paUida^ zu der
letzteren Tr. decumana, atratula, hyulina, cilipes, crassipes, clavipes,
ßaveola, angnstula und ausserdem die gemeinste von allen, Tr. rufi.
crus Latr. Die Männchen, so sehr sie auch in den Copulationsorga-
nen mit denen unserer Honigbienen übereinstimmen, zeigen nicht jene
auffallenden Geschlechtsdifferenzen, sondern gleichen den Arbeitern,
so wohl in der Form als in der Färbung: Spinola hat nur die der
eigentlichen Meliponen gekannt, die der beiden Abtheilungen der Tri-
gonen verhalten sich ganz auf die nämliche Weise. Von den Arbei-
tern unterscheiden sie sich überall nicht nur durch die 13 Fühlerglie-
der und den Mangel des Schienkorbes (und Kammes) an den Hin( er-
schienen, wie es Spinola angiebt, sondern auch noch durch gespaltene
Klauen, die bei den Arbeitern einfach sind. Die Weibchen kannte
Spinola nicht. Bei einer Tr. angustula Jll. fand er eine anscheinend
männliche Bildung der Schienen bei einem entschieden weiblichen In-
dividuum, er ist also geneigt, dies für ein fruchtbares Weibchen zu
halten, und glaubt aus der gerin-jen Grösse desselben abnehmen zu
können, dass mehrere Weibchen sich in jedem Stocke befinden wür-
den, zumal beim Mangel des Stachels keine tödtlichcn Zweikämpfe
der rivalisirenden Königinnen statt haben könnten. Indess verhält
sich die Sache wohl anders: denn das von Spinola beobachtete Exem-
plar ist nur ein Arbeiter, wo bei allen Individuen dieser Art der Schien-
korb kaum angedeutet ist und welcher dadurch noch mehr als andere
Arten dem Männchen gleicht, mit dem er aber der übrigen Geschlechts-
unterschiede halber nicht füglich zu verwechseln ist. Die frucht-
baren Weibchen, welche bisher noch nicht beschrieben sind, weichen
von den andern Geschlechtern auffallend ab. Sie sind vielmal grösser,
haben keine Schienkörbe und Kämme, sind einfarbig braun (mit dem
Ansehn als ob sie nie zu Tage kämen) und haben kurze, selbst ver-
kümmerte Flügel, so dass sie entweder gar nicht oder höchst schwer-
fällig fliegen zu können scheinen. Aus ihrem Ansehn und ihrer Sel-
tenheit scheint man annehmen zu können, dass sie, wie bei unsern
Honigbienen, einzeln im Stocke vorhaadcn, also wahre Königinnen
sind.
220
Die Architectur der Bienen ist von Lalanne (Ann. d. sc. nat. II.
Ser. XIII. S. 358) auf geometrische Gesetze zurückgeführt worden.
Idepiüoptera.
Der Streit zwischen Duponchel und Guenee über die
Grundsätze der Systematik dieser Ordnung, indem derErstere dem
Bau des Schmetterlings, der Letztere der Form der Raupe den
Vorzug der Berücksichtigung vindicirt, ist von beiden Seiten
in den Ann. d. 1. Soc. Ent. d. France noch weiter geführt,
und endlich von Lacordaire dahin vermittelt worden, dafs
beide Theile in gleichem Recht seien, indem die Ansichten Gue-
nee's mehr der philosophischen, die Duponchel's mehr der metho-
dischen Betrachtung entsprächen. Indess scheint doch Du-
ponchel der Frage einen weniger beschränkten Gesichtspunct
abgewonnen zu haben, wenn er darauf besteht, dass die Gat-
tungskennzeichen vom vollkommenen Insect herzunehmen seien,
nicht dass alle übrigen sich darbietenden Unterschiede keine
Berücksichtigung verdienten, im Gegentheil ist die Kenntniss
der gesammten Organisation so wie aller Entwickelungsstufen
und Lebensverhältnisse zur Einsicht in eine natürliche Einthei-
lung nothwendig. Inzwischen ist es etwas Anderes, eine Ein-
theilung machen, und Kennzeichen für die Abtheilungen auf-
stellen: und so Viel und Wichtiges auch von vielen Seiten her
über Gesetze einer natürlichen Systematik zu Tage geäussert
worden ist, glaube ich doch nicht, dass wir damit Mehr und
Trefifenderes erlangt haben, als mit dem schon von Linne so
einfach und klar aufgestellten Grundsatze, dass die Charactere
nicht die Abtheilungen, sondern die Abtheilungen die Charactere
bedingen. Es folgt indess daraus nicht, dass nicht auch auf
dem anderen Wege der Wissenschaft ein grosser Nutzen er-
wachsen könne: auch durch einseitige Bearbeitung von vielen
Seiten her wird sie vielseitig gefördert.
Für die Europäische Lepidopterologie sind mehrere wichtige
Schriften erschienen:
Boisduval's „Genera et Index Methodicus Europaeorum Lepi-
dopterorum. Paris, Roret. 1840", ist eine neue zeitgemässe Bearbei-
tung seines früheren Index Methodicus mit Beschränliung auf die
Europäischen Schmetterlinge und mit Hinzufügung der hauptsächlich-
sten Gattungscharacterc. Es ist zwar nicht in Abrede zu stellen, dass
die Deutschen sich die wichtigsten Verdienste um die Kenntniss der
221
europäischen Schmetterlioge erworben haben, und dass auch noch
jetzt viele tüchtige Lepidopterologen bei uns thätig sind, es ist aber
auch nicht zu läugnen, dass im Allgemeinen die Deutschen Lepido-
pterologen wenig mit den vielfachen Leistungen der Engländer und
Franzosen bekannt sind. Es ist zu hoffen, dass dieses dem gegen-
wärtigen Stande der Wissenschaft angemessene, aus den Händen eines
so anerkannten Lepidopterologen hervorgegangene Verzeichniss dazu
dienen werde, bei uns auf die Fortschritte unserer Nachbarn aufmerk-
sam zu machen. Die sogenannten Microlepidoptera verspricht der Verf.
später zu bearbeiten. — Bemerkungen zu diesem Werk gabKefer-
stein Ent. Zeit. S. 166.
"Von Frey ers „Neue Beiträge zur Schmetterlingskunde, mit Ab-
bildungen nach der Natur", sind die 51 — 56. Lief, und von Fischer
Edler v. Rosslerstamm's „Abbildungen zur Berichtigung und Er-
gänzung der Schmetterlingskunde, besonders der Microlepidopterolo-
gie, als Supplement zu Treischke's und Hübner's Europäischen Schmet-
terlingen, mit erläuterndem Text" sind die 17. und 18. Lief, erschienen.
Ratzeburg's „Forstinsecten oder Abbildung und Beschreibung
der in den Wäldern Preussens und der Nachbarstaaten als schädlich
oder nützlich bekannt gewordenen Insecten, zweiter Theil", ist den
Forstschmetterlingen gewidmet, und wenn auch administrativen Mass-
regeln, namentlich den Vertilgungsmitteln der Schmetterlinge in allen
Ständen, eine vorzügliche Berücksichtigung, wie sie die Aufgabe des
Verf. erfordert, geworden ist, enthält auch dieser Theil einen grossen
Schatz sowohl wichtiger Erfahrungen in der Naturgeschichte als auch
neuer Entdeckungen unter den zur Untersuchung gezogenen und in
allen Ständen sorgfältig beobachteten Schmetterlingen. — Schätzbare
Bemerkungen zu denselben machte Zeller (Ent. Zeit. S. 185.)
Derselbe theilte auch in der Isis einen Theil seiner lepidoptero-
logischen Erfahrungen, soweit sie die Tagfalter, Schwärmer, Spinner
und Eulen betreffen, mit. — EineEintheilung der Raupen, hauptsäch-
lich nach Fusszahl, Bekleidung und Färbung, stellte Zenneck (Ent.
Zeit. S. 135. 133) auf. — Hering (ebendas. S. 146) lieferte Beiträge
zur Fauna der pommerschen Falter.
Die Schmetterlingsfauna von Algier schilderte Moritz Wagner
(Alg. Hl. S. 195). Ihre Armuth ist auffallend, aber erklärlich. Anhal-
tende Regengüsse im Winter, welche einen Theil des Landes unter
Wasser setzen, die grosse Trockenheit des Sommers, welche die
ganze niedere Vegetation versengt, die plötzlichen Temperaturwech-
sel, der Mangel an Waldungen und hohen Bäumen und endlich die
Gewohnheit der Araber, im Sommer die trocknen Kräuter und Ge-
büsche in Brand zu stecken, sind der Vermehrung der Schmetterlinge
durchaus entgegen. Ausserdem ist die Fauna fast ganz mit der von
Südeuropa identisch, ja ein gutes Drittheil der Arten ist ihr auch mit
Mitteleuropa gemein.
222
Ebenso verhält sich die in dieser Ordnung besonders dürftige
F'aiina der Canarischen Inseln.
De Haan (Verhandl. ov. d. Natuurl. Geschied, der Nederl. over-
zeesch. Bezitt. Zeel. III.) handelt von der geographischen Verbreitung
der Papilioneu im Indischen Archipel. Im Allgemeinen-^ ergiebt sich,
dass auf Java und Borneo, eben so auf Timor und Neu-Guinea Co-
leopteren und Lepidopteren einander das Gleichgewicht halten, wäh-
rend auf der Westküste von Sumatra die Käfer, auf den Moluccen
die Schmetterlinge bedeutend überwiegen. Japan stimmt im Ganzen
mehr mit dem Festlande von Asien überein, und zeigt, in Schmet-
terlingen sowohl als in andern Insectenordaungen, eine merkwürdige
Combination der Europäischen Fauna mit der der Sundainseln. So
finden sich dort Pap. Machaon und Sarpedou neben einander.
Mehrere neue oder wenig bekannte exotische Schmetterlingsarten
wurden durch van der Hoeven (Tijdschr. v. Natuurl. Geschied, en
Physiol. VII. S. 276) beschrieben.
JPapiliones. Die eben erwähnte Arbeit von De Ha an behan-
delt im Speciellen die Gruppe der Ritter, so weit sie dem Indischen
Archipel angehört. Neue Arten sind: Ornit hoptera Tithonus,
ein prächtiger, dem Priamus verwandter Schmetterling, mit drei grü-
nen Längsbiuden der Vorderflügel und grünen, in der Mitte gelben,
am Rande schwarzen Hinterflügeln, von Neu-Guinea; Fapilio Dor-
cus, von Celebes, zur 14., P. Melaiiides von Banjerraassing, zur
17., P. Laodocus von Java, zur 32. Trib. Boisduvals gehörend.
Unter den Namen Leobotes ist P. Polydorus Hübn. Clerk vom P.
Polydorus L. abgesondert. Mit P. Gambrislus A. verbindet der Verf.
P. Ormenus Guer. und Erechtheus Don. Alle sind Männchen, deren
Weibchen P.Aegeus Don. ist.— Im P.Empedocles F. vermuthet der Verf.
das Weibchen zu P. Codrus F., Evemon Boisd. vereinigt er als Ab-
änderung mit P. Eurypilus, P. Antiphus zieht er als Weibchen zu
Theseus F., P. Alphenor Cr. und Orophanes Boisd. betrachtet er als
Abänderungen von P. Polydorus, welcher als Weibchen von P. Pam-
moii nachgewiesen ist. P. Ledehourus, als Varietät des letzteren
entspricht dem P. Alphe7ior. Mit Unrecht ist P. Rumanzoicia Escb.
als Weibchen von Memnon betrachtet; er ist einerlei mit P. Descom-
bei Boisd. und zweite Form des Weibchens von P. Emaltliion {Kru-
semternia Esch.), welche sich zu dem von Boisduval beschriebenen
Weibchen ebenso verhält, wie Laomedon zuAgenor (Weibchen vom
Memnon). Der Verf. macht uns noch mit den noch unbekannten Weib-
chen vieler Arten, z. B. der Oenomaus , Ascalaphus u. A. bekannt.
Im Allgemeinen sind die Weibchen seltener, ja von einigen Arten,
z. B. von P. Sarpedon, der doch auf Japan äusserst häufig ist, aus-
nehmend selten. — Die Raupen sind abgebildet von P. Xuthiis, Sar-
pedon, Alcinous und Evander. Die erste gleicht der des P. Machaon
und lebt gleichfalls auf Fenchel, die zweite ist grün, mit verdickten
Thoraxsegmenten, und lebt auf Citronen. Ueberhaupt kommen bei
223
den Raupen der Ritter grosse Verschiedenheiten vor, und der Verf.
hat darnach Abtheilungen gemacht, die indess mit denen nach dem
vollkommenen Insect durchaus nicht übereinstimmen. Auch macht der
Verf. darauf aufmerksam, dass eine vollständigere Kenntniss der Ver-
wandlungsgeschjchte exotischer Schmettterliuge manche jezt ange-
nommene Eintheilungsgründe aufheben möchte.
Guerin (Rev. Zool. S. 43) beschrieb 3 neue, von Delessert an
der Küste von Malacca entdeckte Arten von Papilio; P. Satiirnns,
dem P. IVephelus Boisd. verwandt, P. Neptunus, zur 17. Gruppe von
Boisd. gehörend, P. Brama^ dem P. Paliuurus F. sehr nahe stehend.
Paj). Feisthamelü Dup. ist nach Mor. Wagner (Alg. III. s. 203)
nur Abänderung des Podalirius.
Aus der Gruppe der Pier i den behauptete Mor. Wagner (Alg.
S. 208) die Rechte der Pont. (^Anthocharis) Douei als eigene Art, und
Frey er bildete (a. a. 0.) Colius Jseriene Fisch, aus Südrussland und
Chrysotheme ab.
Aus der Gruppe Aqy Nymjihaliden stellte derselbe (a. a. 0.)
die Raupen von Melitaea Dictynna, Phoebe, Maturna, ferner Argyn-
m's Valesina als eigene Art, und A. Lnodice dar. — Fischer von
Waldheim (Bull. Mose, 1840 S. 81) heachvleh Mel. Neera aus Süd-
russland. — Bree(Mag. of Nat. Hist. N. Ser. IV. S. 131) berichtete, dass
Arg. Aphrodite in Warvvickshire in England gefangen sei, und Bla-
don (ebendas. S. 306) bestäligte das Vorkommen dieses Schmetter-
lings in England^ der auch von ihm einmal in der Kähe von London
gesehen sei.
Bree (a. a. O. S.368. T. lö) bildete eine sehr merkwürdige Ab-
änderung der Vanesca Urticae ab. — Neue exotische Arten sind
Vanessa Eudoxia Guerin (Rev. Zool. S. 44) von Malacca, Ate^
rica Phohis v. d. Hoeven (a. a. O.) von Guinea, und Paphia
Paraktekta West wo od (Royle Himalaja).
Aus der Gruppe der Satyriden beschrieb Marloy (Ann. d. I.
Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 263) die Raupen von Sal. Briseis, Semele und
Fidia. Sie nähren sich von Gräsern, fressen nur bei Nacht, und sind
bei Tage in einer kleinen Erdhöhle versteckt. Sie unterscheiden sich
von den übrigen weichen Raupen dieser Abtheilung durch ihre ziem-
lich feste Consistenz. Noch mehr Abweichendes zeigen ihre Puppen,
welche in der Erde in einem lockern, aus zusammengesponnener
Erde gebildeten Cocon enthalten, chocoladenbraun, eiförmig kurz,
ohne Spitzen sind.
Die Gruppe der Lycaeniden wurde von BruUe (II. Canar.
Ent. S. 93 T. 4F. 1) mit einer neuen Art, Polyom. Webbiantis
bereichert.
Mphinges, Mützell beschrieb in diesem Archiv (VI. I. S.171
T. 8 F. 1) eine bei Berlin entdeckte Deilephila, welche vollkom-
men die Mitte zwischen D. Galii und Euphorbiae hält, und deren
Raupe mehr der des D. Galii ähnlich, auf Wolfsmilch angetroffen
224
wurde, unter dem Namen D. Phileuphorhia. Die inzwischen ge-
machten Erfahrungen haben indess die Rechte der Art nicht bestätigt.
\ach des Verf. mündlicher Mittheilung sind die von ihm erwähnten
Raupen einer anderen Brut grösstentheils eingegangen, die wenigen
zur Verwandlung gelangten gaben ächte D. Galii. Esist nicht unmög-
lich, dass die beiden Exemplare, auf welche der Verf. seine D. Phil-
euphori/a ^rüadete, für Bastarde von D.Euphorbiae und Galii zu halten
sind, um so eher, als auch Boisduval (Gen. et Ind. meth. S. 48)
D. Epilohü für Bastard von D. Vesperfilio und Euphorbiae, D. Ve-
sjiertiloides für Bastard von derselben und D. Hippophaes erklärt.
Deilephila tridyma van der Hoeven (a. a. O.) ist Sph.
Peneus Cram., in welchem der Verf. mit Unrecht die ostindische Sph.
didjma F. zu erkennen glaubt, die Cramer als 8ph. Morpheus abbil-
det, wogegen Sph. Bubastus Cr., welche Fabricius hierher ziehen zu
können glaubt, eine dritte (Brasilische) Art ist.
Goureau (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr.lX. S. 185) hat das be-
kannte Geschrei des Todtenkopfschwärmers einer Untersuchung unter-
worfen und gefunden, dass sich weder die Ansicht von Uuponchel
(S. vorigen Jahresbericht) wonach der Ton durch das Reiben des
Prothorax gegen den Mesothorax hervorgebracht würde, bestätigen
liesse, indem künstlich durch solches Reiben kein Ton hervor-
gebracht werde, noch dass überhaupt weder äusserlich noch innerlich
ein besonderes Organ dafür vorhanden sei. Er vermuthet also, dass das
Schreien des Todtenkopfschwärmers durch die von der Bewegung der
Flügelmuskeln bedingte Vibration der Thoraxschale erzeugt werde,
auf dieselbe Weise, wie das Summen so vieler Dipteren und Hyme-
nopteren, nur dass hier zu dem hellen Ton noch ein dumpferer kommt,
der von dem Reiben des Mesothoraxrückens gegen die Schulterfort-
sätze herrührt.
Cheloniüae. Zell er (Isis S. 138) äussert bei Gelegenheit
der mehrfachen Abänderungen der Zygaena Minos und I'eucedani,
dass die in dieser Gattung so häufig vorkommende Begattung ver-
schiedener Arten auf eine fortdauerte Artenschöpfung in der Natur
hinzuweisen scheine. Das oben besprochene Beispiel von Deilephila
zeigt allerdings, dass aus solchen Begattungen fruchtbare Mittelfor-
men hervorgehen können, und dass auch unter den Zygaenen oft
Bastarde vorkommen, welche die Schwierigkeiten einer sichern Arten-
Unterscheidung bedeutend vermehren, ist zwar nicht erwiesen, aber
leicht möglich, allein es ist kein Grund vorhanden, daraus abzuleiten,
dass durch Verbastardirung neue Arten entständen, indem es zum
Begriff der Art gehört, dass sie sich selbst fortpflanzt, wovon man
aber bei Bastarden bisher nur Erfahrungen des Gegentheils gemacht hat.
Drei neue, in die Nähe von Glaucopis gehörende Gattungen sind
von Hope (Lin. Transact. XVIII. S. 444) aufgestellt. Chelura,
mit doppelt gekämmten Fühlern und durch mit einer scharfen Zange
und in der Mitte mit einem doppelten Haken bewaffneten After ausge-
225
zeichnet. — Eterusia, Weibchen, mit schwach und einfach gesäg-
ten, Erasmia, Männchen, wieder mit doppelt gekämmten Fühlern;
ausserdem zeigen diese drei Gattungen Verschiedenheiten im Flügel-
geäder. Die Arten, Ch. bifasciala. Et. tricolor und ÜV. pulchella sind
neue Entdeckungen aus Assam. — Eine vierte hierher gehörige Gat-
tung ist Catnpylotes Westwood's (Royle Himalaja), welche mit
Heleona und Anthoniyza Swains. und Gymnautocera Guer. verwandt
ist, und sich hauptsächlich wieder durch das Flügelgeäder unterschei-
det. C. histJ-ionicus W. vom Himalaya-Gebirge und aus Nepal.
Neue Arten sind Glaucopis Boisduvalü (der als Weibchen
desselben abgebildete Schmetterling ist ohne Zweifel das Männchen
einer andern Art, da hier die beiden Geschlechter in der Färbung
sehr verschieden zu sein pflegen) und Chelonia galactina van
der Hoeven (a. a. O.) aus Brasilien, upd Euprepia D/'do Wag-
ner (Algier III. S. 209). — Frey er (a. a. 0.) bildete Euprepia (Tri-
ckosojiui) Baeticum Ranib. ab.
Zeller (Isis S. 298) hörte an einem Weibchen von Eup. Caia
ein knisterndes Geräusch, wenn es ruckweise kroch, oder wenn e.s
festgehalten mit den Flügeln schlug. Andere Exemplare Hessen den
Ton nicht hören. Derselbe erwähnt auch der Drüsen, welche bei
diesem Schmetterling unter dem Halskragen sich befinden und eine
ölartige Flüssigkeit vortreten lassen. Diese Oeltropfen geben auch
andere Euprepien und die Zygaenen von sich; ob auch andere Schmet-
linge, ist mir nicht erinnerlich.
JBontbyces. Donzel (Ann. d. 1. Soc. Ent, d. Fr. VIT. S. 489)
entdeckte in den Pyrenäen einen neuen Hejrialtis, H. Fyrenaicus,
dessen Weibchen sich durch verkümmerte Flügel auszeichnet. —
Frey er (a. a. 0.) bildete Hep. Velledu, Sijlvimis, Cossus pmitherinus,
arutidi/n's, Orgyia dubia (aus Andalusien), Liparis sordida-, detrita,
Gastropacha repanda, Notodonta chaonia, dodoiiea, die letzteren mit
der Raupe ah.— Fischer von Rösslerstamm (a.a.O.) beschrieb
die Raupe von LitJiosia rosea, Zell er (Isis 208) die von Notodonta
dictaeoides und Liparis detrita. — Ratze bürg (Ent. Zeit. S. 160-
nnd Forstins. II. S. 128) verdanken wir genaue Beobachtungen und
vortrelTliche Darstellungen des bisher meist mit G. pityocampa ver-
wechselten, norddeutschen Kicfern-Processions-Spinner, Gastropacha
pinivora Tr. — Fischer von Waldheim Bull. Mose. 1839. S. 117.
T. 4. F. 2) bildete die südrussische Orgyia dubia Hübn. unter dem
Namen O. Alhagi ab, den er am Schluss auch selbst wieder einzog.
Neue exotische Arten sind Liparis rufescens Brülle (II. Canar.
Ent. S. 95) von den Canarischen Inseln, wnABombyx spectaöilis Rope
(Linn. Transact. XVIII. S. 43 T. 31 F. 3), ein stattlicher Spinner aus
Assam.
Audouin (Instit. S. 25.')) erzog Sat. Cecropia mit Pflaumenblät-
tern, sowohl mit denen von Prunus domestica, als denen von Pr.spinosa
(auch M. C. Sommer erzog bekanntlich mehrere Generationen dieses
Archiv f, Natiirgesch. VII. .lahrg. 2, Bd. - 15
226
Schmetterlings in Altona). Mau rechnet darauf, sie als Seidenraupe
ziehen zu können, da man in America brauchbare Seide aus ihrem
Gespinnste gewonnen hat.
Bonafons (ebendas. S. 246) hat versucht, die Seide schon ia
der Raupe zu färben. Es wurden Krapp und Indigo auf die Maul-
beerblätter gestreut, und davon rosenrothe und blaue Gespinnste
gewonnen.
Leplay (Ann. d. scienc. nat. N. Ser. Xllf. S. 79) theilte statisti-
sche Untersuchungen über die Production und Bearbeitung der Seide
in Frankreich mit.
Bruinsnia (Tijdschrift voor Natuurlijke Geschiedenis en Phy-
siologie VII. S. 257 pl. 4) beobachtete einen Bombyx Mori mit einem
Raupenkopf. Er erhielt das Exemplar als Puppe, welche schon den
Raupenkopf aufhatte, und an welcher sich keine Fühlerscheiden be-
merken Hessen. Der im Cocon liegenden abgestreiften Raupenhaufc
fehlte der Kopf. Der Schmetterling kroch auf gewöhnliche Weise
aus, behielt aber den Raupenkopf, der noch einen Theil des Protho-
rax bedeckte. Unter der von einer Seite gelüfteten Bedeckung des
Raupenkopfes fand der Verf. den Fühler des Schmetterlings zusam-
mengewickelt und von einer dünnen Membran bedeckt, auch das zu-
sammengesetzte Auge. B. bildet zugleich noch einige Puppen ab,
welche sich aus der Raupenhaut nur unvollkommen entwickelten
Van der Hoeven (ebendas.) fügt der eben erwähnten Abhand-
lung einige wichtige Bemerkungen bei, welche erstlich daraufhinwei-
sen, dass ähnliche Fälle ausser dem von Wesmael (bei Pap. Populi)
auf welchen Bruinsma Bezug nimmt, auch bei Johnston, O F. Mül-
ler und Majoli (in Meckels Archiv) vorkämen. Müller macht sogar
eine eigene Art, Bomhyx heterochjta, aus dem von ihm beobach-
teten Schpietterlinge. Dann zeigt er sehr richtig, dass die ganze Er-
scheinung in nichts Weiterem bestehe, als dass die Schale des Rau-
penkopfes nicht abgestossen werde, die Schmetterlinge also nur
scheinbare Raupeuköpfe hätten, da ihre eigenen Köpfe, mit den zusam-
mengesetzten Augen und Fühlern, darunter verborgen lägen. Die
zarte Haut, welche B. unter dem Raupeuköpfe und unter den zu-
sammengesetzten Augen des Schmetterlings bemerkte, war offenbar
die Puppenhülle, die, weil sie unter der Schale des Raupenkopfes
blieb, nicht verhornte.
VIII ^^*^5**'*^' ^""^"^^ C^^^"- «*• ^- Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 201 und
VIII. S. 473) hat seine Untersuchungen über die Klassification der
Eulen fortgesetzt. Die Gruppe Hadenidi enthält die Gattung /)/««//,.
oecia Boisd., lUrus Boisd., Polia Tr., Hadena (Hadena, Ma-
mestra und Miselia Tr.), Aplecta, neue Gatt. S. Boisd. Ind. meth.),
l^lilogophora O. (auf meticulosa beschränkt), Eurhipia Boisd.,
t.?topusTr., Thyatira O., Gonoptera Latr. (Calpe 0.) - Die
Gruppe Orthosidi besteht aus den Gatt. Trachea (nur pmiperda\
fuemocampa (neue Gattung mit nett gebänderten Raupen: gothica,
227
rubricosa, itistabilis, ojnma, populeti., stalilis, graciUs, carnea, rubella,
mnn'osa, afnbi'gua). Ort host a (auf coecimacula,neglectay acetosellaey
oxalina, Yfsilon, Farhasii, Iota, viacilenta, congener, laevis, ilicis
eingeschränkt), ^wcAoce^^■* neue Gattung (jf,itida, hmnilis, subiecta,
pistachia, litnra, haematidea enthaltend), Euperia (ebenfalls neue
Gatt, aus trapezina, ablutu, fulvago^, Cirroedia (neue Gatt, für
xerampelinu) , Xanthia 0., Cerastis O., Dasycampa (neue
Gatt, für rubiginea), Mecoptera (neue Gatt, für satellitia und se-
rotind). — Die Gruppe XyÜnidi besteht aus den Gatt. Xylina O.,
CalocampaSte\i\\., Cucullla 0., C loant ha Bo'isA., Xylocampa
(neue Gatt, für lähorhiza), Cleophana Boisd., Chariclea Stepb.
Durch Fischer von Rösslerstanim (a. a. O.) Avurden die
Raupen von Xylina pulris, Polia ßavicincta, Apa?nea latrunculoy
durch Frey er (a.a.O.) die von Cyviatophora or, octogesima^ Noctua
rhomboidea, Eriopus pteridis (Abänderung), Orthosia instabitis, sla-
bi'h's, gracilis, mtinda, ypsilon^ litura, Cerastis cerasina, Xylina he~
patica, Cucnllia abrotani, absint liii, artemisiae , durch Zell er (Isis
S. 889) die von N. rumicis, auricoma, coryli, xanthograj)ha y caeci-
macula entweder zuerst oder genauer bekannt gemacht.
Donzel (Ann. de la Sog. Ent. de Fr. VII. S. 430) machte eine
kleine Eiüe^Apamea rubetinciila, von den Pyrenäen, bekannt, welche
Abänderung von strigilis ist. Freyer (a. a. O.) bildete folgende
Europäische Arten ab: Mamestra abiecta, Orthosia Kindermannty
Gortyna lunata, Xylina FeVxii, Anurta viduu, rupicola, Anthophila
viendacula, Pannonica.
Eine Anzahl Südrussischer, in der Gegend von Sarepta von den
H. H. Kind ermann aufgefundener Eulen wurden von Fischer von
Waldheim (Bull. Mose.) und Frej-er (a. a. 0.) bekannt gemacht.
Der Erstcre beschrieb Cucnllia siopula (Bull. Mose. 1839 S. 115 T. 4
F. 1), C. biornata, leucaspis, boryphora, literata, Agrotis intersitüy
Bryophila dactylophora, Noctua parallela, proxima (Bull. Mose. 1840
S. 83 T. 3), der letztere bildete Amphipyra confusa, Hadena cancel-
lata, Caradrina terrea, chaldaica, CucuUia argyrea, magnifica (einer-
lei mit C. scopula Fisch.), Xanthia miniago ab.
Von exotischen Eulen verdanken wir van der Hoeven (a. a. O.)
die Darstellung von Ophideres elegans, Erebus onwia, Catocala mo-
desta, alle von Java.
Geotnetrae, Frey er (a. a. O.) bildete als neue Arten Aci-
dalia corticulata , Cidaria snplata, Idaea bellata, Larentia undata,
ferner Lur. coronata Hübn., als eigene von L. rectangulata abzuson-
dernde Art und L. nanata ab. Donzel (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr.)
machte zwei neue Arten, Lar. ligustigata (VII.' S. 431) von den Py-
renäen und Crocallis Dardoinaria (IX. S. 59) von Marseille, wo die
Raupe auf Ulex nanus lebt, und Fischer von Waldheim (Bull.
Mose. 1840 S. 88) Larentia tritomala und Ennomos adustaria von
Sarepta bekannt.
15*
228
Pyralide«, Fischer von Rüsslerstamm (a. a. 0.) bildete
Pyralis MassiUaUs Dup., luridalis, Scopula Boiirjotalis^ und Frey er
(a. a. O.) Sc. sticti'calis mit der Raupe, opacalis, alpinah's ab.
Vortrices, Frey er (a. a. O.) stellte Sencon's umbrosana,
hepaticana, abietisana (!) euphorbiana., GraphoUtha decolorana, Metx-
neriana, caliginosana, Teras elongana, Richteriana, Cochylis creta-
ceana, Messi'ngimia, inßdana, zum Theil als neue Arten dar. — Bo3'er
de Ponscolombe (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 62) beschrieb
die Raupe von Tortrix comj)ressa7iaDu]). — Ratzeburg undSaxe-
sen (Forstinsect.il.) widmeten den Nadelholz- Wicklern eine beson-
ders dankensvrerthe Sorgfalt und machten auch mehrere neue Arten
derselben bekannt, namentlich GraphoUtha coiüferana, Ratxehir-
giana, Sciaphila? Hartigiana Sax. von Fichten, Coccyx Zebeana
Ratz, von Lärchen.
Vineae, Frej^er (a.a.O.) gab eine zusammenhängende Dar-
stellung der Gatt. Glyphypteryx {loricutella^ Bergsträsserella,
variella) und Aechmia {Thrasonella, equitella, Roesslerstammella,
perdicella, denteUa, transversella, metaUiceUa, cuUatriceUa, die letzte
neu.) — Fischer von Roesslerstamm bildete Chilo aureleeUns
(neue Art), SaxoiieUns Zink., Physis obductella (neue Art, mit der
Raupe), Oecophora Heydeniella (neue Art), Linneella Cl., locupletella
W. Vz., Ornix axiroguttella Steph. (mit der Raupe) ab. — Boy er
de Fonscolombe (Ann. d. 1. Soc. Ent, d. Fr. IX. S. 64) beschrieb
eine neue Art aus Siidfraukreich, T. aglaella.— Ratzebug (Forst-
insect II.) unterschied Physis sylvestreUa von Ph, abietella. Seine
T. Reussiella ist eine Gelechia (favillatiella Zell.) und für dodecella L.
anzunehmen, und Saxesens Blastotere Bergiella Argjrestia illnmr-
natella Zell.
Itipteru,
Die umfassende Bearbeitung dieser Ordnung durch Mei-
gen und Wiedemann wird noch lange die Grundlage der
meisten Arbeiten rn diesem Bereich bilden, welche mehr oder
weniger als Zuträge zu jener erscheinen. In solcher Beziehung
stehen Loevv's „Bemerkungen über die in der Posener Ge-
gend einheimischen Arten mehrerer Zweiflügler-Gattungen"' (als
Programm besonders erschienen, und zugleich in der Isis ab-
gedruckt) und Zell er s „Beitrag zur Kenntniss der Dipteren"
(Isis 1840 S. 10.) Beide Auetoren sind bemüht, die Meigen-
schen Arten kritisch zu sichten, welche allerdings häufig zu sehr
vervielfältigt sind, doch ist bei der nicht immer hinreichenden
Ausführlichkeit in der Beurtheilung dieser Arten mit grosser
Vorsicht zu Werke zu gehen, namentlich darf man auch
229
die geographischen Verhältnisse nicht unberücksichtigt lassen
und nicht voraussetzen, Schlesische und Polnische Arten in
den bei Meigen beschriebeneu Portugisischen leicht wieder-
zufinden.
Die Dipteren Dänemarks hat Stacger (in Kröyer's Natur-
historisk Tidsskrift) zu verzeichnen augefangen, und dabei viele
Bemerkungen über Vorkommen, Kritik der Arten, so wie Be-
schreibungen neuer Arten mitgetheilt.
Von Macquart's „üipteres exotiques nouveaux et peu
connus" ist die erste Lieferung des zweiten Bandes erschienen.
Es ist hierin eine neue Uebersicht über die Abtheil, der Tef ra-
chaetae (mit 4 Borsten im Rüssel) gegeben worden, welche
sich von der früheren darin unterscheidet, dass der durchaus
unnatürliche Unterschied zwischen Tanystomes und Brachy-
stomes aufgehoben, und die Bomhylier und Anthracier ver-
einigt sind. Die Familien sind demnach jetzt folgende: 1. My-
dasiens, 2. Asiliques, 3. Hyhotides, 4. Empides, 5. Nemestri-
nides, 6. Vesiculeiix, 7. Xylotomes, 8. Lepiides, 9. Bomhy-
liers, 10. ^yrphies, 11. Bolichopodes. Die 6. Familie steht
hier nicht an ihrem Orte. (S. darüber u.)
Die Dipteren der Canarischen Inseln, welche Macquart
fiu- die 11. Canar. bearbeitete, sind mit in die Dipteres exotiq.
aufgenommen; so weit dies noch nicht geschehen ist, sind sie
unten aufgeführt.
CuUcina, Staeger(Kröy. Natiirh. Tidssk.II. S. 558) führt aus
dieser Familie 13 Arten auf, nämlich 3 Anopheles (darunter eine
neue Art, A. nigripes), 9 Culex, 1 Aedes.
Von Siebold (Gerni.Zeitschr.il. S. 443) bemerkte, dass die
befruchteten (mit lebhafte Spermazoen enthaltenden Samenbehäl-
tern versehenen) Weibchen des Culex rufiis überwintern ohne in
Winterschlaf zu verfallen, nur an einem geschützten Orte (einem
Keller) still sitzend. Burmeistcr (ebenda«. S.445) fügte hinzu,
dass sie während des Winters zu stechen verschmähten, aber andere
Flüssigkeiten, als warme Kuhmilch und selbst Zucker aufsögen.
Chirononiidae. Staeger (Nat. Tidsskr. II. S. 555) zählte
103 Dänische Arten auf, nämlich 3 Corethra, 81 Chironomus , 1 Dia-
mesa, 18 Tanypus, 39 Ceratopogon. Neue Arten sind: Corethra fmca,
Chironotnus, mit nacktenFIügeln: intermedius, barbipes mit schwar-
zem Punct in den Flügeln, nigriinanus , armillatus, albofasciatus^
biannulatus, nervosus^ prasinatusj lojigipes^ ntfovittatus , variabilis,
230
confinis, femoratus, varians ohne solchen Punct; intenectus mit
W€issgeringelten Beinen j flavo-nervosus , hicidus, mit schwärzlichen
Schwingern; - mit behaarten Flügeln: latus, abdominalis, hirticol-
lis, ■pallidicollis. Diamesa notata. Tanypus annulatus, dubiiis,
longimanus, nigropunctatus. Cer at opog 071, mit ungedornten Vor-
derschenkeln: vexans^pictipetmis, fascipennis ; mit gedornten Vorder-
schenkeln: affinis, binotatus, circumdatus, erythrocephalus, transßiga;
mit dicken gedornten Hinterschenkeln : ßavicornis.
Tipulariae, Staeger (ß&t. Tidsskr. III. 1.) führt 130 Dä-
nische Arten dieser Familie auf, und zwar 4 Ptychoptera, 4 Cteno-
phora, 33 Tipula, 9 Pachyrhina. 1 Nephrototna, 1 Pedicia] 1 Rhipi-
dia, t Rhamphidia, % Idioptera, 19 Linmophila, ZCyhndrotoma, 3Sym-
plecta, 30 Linmobia, 3 Glochina, 18 Erioptera, 5 Trichocera, 3 Dixa
1 Dolichopexa. Neue Arten sind: Tipula Jlavirostris , pictipennis,
humilis, lineata, \-vittata, Limnophila abdominalis, smtellata,
Limnobia meridiana, decora, Glochina autumnalis , frontalis,
Erioptera similis, appendiculata, Dixa nigra.
Blanden schilderte das Ausschlüpfen einer Tipula aus ihrer
IVymphenhaut, welches dadurch merkwürdig ist, dass dasselbe nicht
durch Hülfe der langen Beine, sondern lediglich durch Auftreibuug
des Hinterleibes geschieht (Mag. of Nat. Hist. New Ser.IV. S. 101).
Es scheint als ob der Hinterleib voll Luft gepumpt würde.
Die früheren Zustände der Ctenophora atrat a wmAen \on
Perris (Ann. d. sc. nat. XIV. s. 92. T.Z.A. F.29_37) beschrieben.
Die Larve lebt in faulen Erlenstöcken.
Trichocera annulata und regelationis erzog Leon Dufour
aus verschiedenen faulenden Schwämmen (Ann. d. sc. nat. XIII. S. 161).
Cecidotnyidue, Perris (Ann. d. I. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 401)
beschrieb eine Gallmücke, Cecidomyia Vrticae, deren Larve in
Gallen der Unterseite der Blätter der Brennnessel (Urt, dioica) lebt.
Leon Dufour (ebendas. VII. S. 293) stellte eine andere Art auf C.
Pini maritimae, deren Larve er im April auf Nadeln der Pinus
maritima cingesponnen fand, üeber die Lebensweise der Larve ist
nichts ermittelt, es ist aber sehr glaublich, dass sie eben so wie die
der C. Pini Degeer's in den Blattscheiden der Fichtennadeln lebt
sich zum Winter auf die bemerkte Weise einspinnt, und sich im
Frühlinge verwandelt. Der Beschreibung nach sind beide als Arten
verschieden.
Perris (Ann. d. sc. nat. XIIL S. 346. T. 6. B.) beschreibt die
Verwandlung der Psychoda nervosa; die Beschreibung deri^arve
kommt aber so wenig mit derjenigen überein, welche Bouche (Na-
turgeschichte der Insecten S. 26 T. 2 F. 20) von Ps. phalaenoides
gegeben hat, dass man nur annehmen kann, einer der Beobachter
habe sich in der Larve geirrt. Anderer nicht unwichtiger Unterschiede
nicht zu gedenken, stellt Perris seine Larve mit der Stigmeneinrich-
tung derFliegenlarven vor, nämlich mit einem Paar Stigmen hinten und
231
einem zweiten Paar vorn, wäliiend die Bouche'sche Larve auf jedem
Segment ein Stigraenpaar hat, wie es bei den Larven der Abtheilung
der Dipteren, welcher Psychoda angehört, die Regel ist. Eine so
wesentliche Verschfedenheit kann zwischen den Larven einer und
derselben Gattung schwerlich stattfinden. Die von Perris beobach-
teten Larven lebten in Mist und faulen Pilzen, gingen zur Verwand-
lung in die Erde, wo sie in grosser Menge neben einander steckten.
Mycetoph Uidae. S t a e g e r (Nat. Tidsskr. 111. S. 228) zählte
128 Arten Dänischer Pilzmücken auf, nämlich 3 Bolitophila, 6 Macro-
cera, 3 Leia, 9 Boletina, 42 Mycetophila, 4 Puchypalpus, 13 Sciophtla,
1 Gnoriste, 1 Ceroplatus, li Platyura, 2 Mi/cetobia, ZO Sciara, d Catn-
j)ylowy%a. B ölet Ina ist eine neu aufgestellte, von Leia nach Habi-
tus und Flügelgeäder abgesonderte Gattung, in 3 Unterabtheilungen,
1) 4 Hinterrandzellen (2 Gabeladern), entweder die 2. und 4. Hinter-
randzelle gleich hoch, trivittata und basalis Meig., oder die 4. Hin-
terrandzelle höher als die zweite, B. dubia, nigricoxa, sciarina,
neue Arten, oder die 4. Hinterrandzelle kürzer als die 2,, B. flava^
neue Art, 2) mit 3 Hinterrandzellen, nemoralis und nitidicolUs Meig.,
3) ohne Flügelzellen, B. anomala, neue Art. Von Pachypalpus
sind 4 Arten beschrieben, von denen die eine, P. crassicornis, Cordyla
crassicornis Meig. und zugleich P. ater Macq. zu sein scheint. Ausser-
dem sind fast alle Gattungen mit neuen Arten bereichert, so dass diese
Arbeit ein wichtiger Beitrag zur Kenntniss dieser Familie ist.
JBiMonides. Loew (a. a, O.) stellte eine neue Simulia, S.
incana auf, und gab Bemerkungen über andere Arten dieser Gattung,
auch über mehrere Arten von Dilophus und Bihio, so wie über Jsjn-
stes herolinensfs. Mit Unrecht wird indess Schüppels Zeichnung im
Meigenschen Werke für falsch erklärt j Ref. hat seitdem Gelegenheit
gehabt, den Verf. von der Genauigkeit derselben zu überzeugen;
auch hat er schon früher (Jahresbericht für 1838 S. 305) auf bedeu-
tende Verschiedenheiten in den Fühlern von Aspistes aufmerksam
gemacht. Es ist möglich, dass es mehrere Arten dieser Gattung giebt.
jisUici, Zur Kenntniss der Deutschen Asilen hat Zeller (Isis
S. 34) sehr wichtige Beiträge geliefert. Von Dioctria wird eine neue
Art, D. humeralis aufgestellt, dagegen werden viele Meigensche Arten
vereinigt, zum Theil mit Recht, wie/), atricapilla und atrata als Männ-
chen zu D. nigripes M. unter dem Namen D. fusdpennis Fall, gezo-
gen werden, zum Theil mit Unrecht, wie D. genlculata und cothur-
ttata sicher von D. frontalis F. {riißpes Degeer), verschieden sind,
mit welcher andere Arten, als D. varipes, richtig zusammengezogen
sind. Unter Dasypogon sind cinctellus und hirtellus zweckmässig
unter dem Namen cinctus vereinigt, eine andere Art, die auch Loew
(s. u.) bei Posen auffand und als neu erkannte, ist als D. laniger
Meig. beschrieben, indess ist dies höchst ausgezeichnete Portugisi-
sche Insect sehr verschieden, daher für die neue Art der Name D, da-
232
vipes Loew bleibt. Die Arten der Gatt. Asilus hat Zeller einer sehr
gründlichen Prüfung unterworfen, und da die Meigenschen Beschrei-
bungen nicht hinreichend genau sind, um die wesentlichen Artunter-
schiede anzugeben, ist der Verf. in den Fall gekommen, von 22 Arten
15 neu zu benennen, obschon verschiedene der Meigenschen Arten
darunter befindlich sein mögen. — Loew (a. a. O.) ist ebenfalls zu
dem Resultat gekommen, dass Meigen mitunter in der Trennung der
Arten zu weit ging, indess ist er beim Zusammenziehen derselben
etwas vorsichtiger gewesen. Von Asilus hat auch er mehrere neue
Arten beschrieben, welche zum Theil nicht mit den Zeller'schen zu-
sammenfallen.
Jsilus {Blepharotes) ahdotm'nalis \N Gsiw ooA (Nat. Libr. Ent. 1.
S. 329 T. 3.5 F. 1) ist Laphria splendidissima Wied., deren Weibchen
Craspedia Audouinii Macq. ist: Asil. coriarius Wied. ist also nicht
das andere Geschlecht der abgebildeten Art, wie Westwood ver-
muthet, sondern eine zweite Art derselben Gattung, in deren Benen-
nung Macquart dem Englischen Entomologen zuvorgekommen ist.
Mybotinfie* Unter Ocydrotnia vereinigt Loew (a. a O.)
O. ruficollis Meig. mit ßavipes M., rnfipes Meig. mit glabrimla Fall.
M., und stellt eine neue Art, O. meltmoplettra auf.
Xmpiilae. Loew (a. a. O.)' beschrieb als neue Arten.- ifi-
lara anomala, Rumphomyia squarnigera, obscura, amoena, gracilipes,
Hemer odromia brevipes , Taclnjdrovua clngulata, Drapetis ßexuosa.
Bomhylarii, Macquart (Dipt. exotiq.) hat diese Familie
m Bezug auf die exotischen Arten bearbeitet, und sie mit vielen neuen
Gattungen bereichert, welche grossentheils auf Kosten von Anthrax
gebildet sind, und zum Theil auf schwachen Grundlagen beruhen.
Solche sind: Exoprosopu, mit 3 Unterrandzelleu in den Flügeln
und kegelförmigem Untergesicht (es giebt auch ächte Anthrax "mit
2 Unterrandzellen und dabei kegelförmigem Gesichte), Spogosnjlum,
mit ebensoviel Unterrandzellen, nicht vortretendem Gesichte und statt
der einfachen Endborste mit einem Büschel von Häärchen an der Füh-
lerspitze: Sp. 7nystaeceum, neue Art aus Brasilien und Chile. Cal-
lostoma, mit Mulio verwandt, aber die erste Hinterrandzelle ge-
schlossen: C. fasdpennis aus Smjrma. Enica, schon in den Suit.
kBuff. aufgestellt, auf A. longirostris Wied. gegründet, und Lito-
rhynchus {A. seniciilus, coUarisWiei.) weichen durch weiter vor-
tretenden Rüssel ab. Bei den folgenden sind die Fühler mehr ge-
nähert, und die Stirn beim Männchen schmal: Comptosia mit drei
Unterrandzellen, C. fascipennis, neue Art von Montevideo. Aniso-
tamia (zwei neue Africauische Arten) und Flesiocera {F. algiray
neue Art von Algier) haben zwei Unterrundzellen und das dritte
Fühlerglied zwiebeiförmig, die erstcre mit flachem, die letztere mit
vortretendem Gesicht und ungewöhnlich tiefer Einlenkung der Fühler.
Endlich Lomatia und Oncodocera mit ebensoviel Unterrand-
233
Zellen, die erstere luit kegelförmigem, die letztere mit sphärischem
Endglied der Fühler; diese letzte ist auf einer neuen Nordamericani-
schen Art gegründet. Die aufgestellten Unterschiede dieser Gattun-
gen sind schon an sich nicht sehr bedeutend, und gehen durch eine
Menge von Zvvischenformen in einander über, so dass, wenn man
Anthrax in mehrere Gattungen auflösen wollte, diese noch auf eine
ganz andere Weise begründet werden niüssten. Gegenwärtig haben
diejenigen Gattungen, welche natürlich abgesondert erscheinen, wie
Lomatia, keine rechten Charactere, andere, welche einen scheinbaren
Character darbieten, wie Litorhynchus, sind durchaus unnatürlich.
Die übrigen mehr mit Bombylius verwandten neuen Gatt, sind:
Adelt de a^ durch 3 Untcrrandzellen, kurzes erstes und birnförmiges
3. Fühlerglied von Bombylius abweichend, mit 1 Art,y/. fuscipennis vom
Cap, welche Bombyl. anomalus Wied. ist; Euiconeura, in man-
chen Puncten an Hybos erinnernd, doch mit dem vorgestreckten Rüs-
sel der Bombylier, im Flügelgeäder mehrere Eigenthümlichkeiten zei-
gend: E. fuscipennis, aus {Südfrankreich und Nordafrica; Megapal-
pus und Dasypalpus, erstere schon in den Suit k Buff. aufgestellt,
kaum unter einander und von Corsomyza wesentlich verschieden,
endlich Ci/clorhynclius, von Phthiria nur durch gekrümmten Rüs-
sel sehr unwesentlich unterschieden, da derselbe sich bei Arten, wo
er länger ist, beim Trocknen leicht zufällig krümmt.
Die vielen vom Verf. als neu beschriebenen Arten zu sichten,
würde eine nicht unbedeutende Arbeit sein. Durch eine sorgfältige
Kritik würde die Anzahl der wirklich neuen Arten beträchtlich ver-
mindert werden. Nur Beispielsweise sei erwähnt, dass Exoprosopa
argt/rocephala des Verf. Anthrax rivularis Meig., E. lutea A. Aeacus
Meig , E. Bovei A. Aegina Wied.. ferruginea Kl., E. Singular is A. Al-
gira F. und zugleich A. Sicula der Suit. ä BulT., ferner Anthrax rtc-
biginipennis A. hetrusca F., A. irrorata A. Oedipus F., A. testacea
A. incana KI. ist.
Zeller uudLoew (a. a. O.) haben ihre Bemerkungen über diese
Familie, der Erstere au.sführlicher mitgetheilt. Beide sind geneigt,
Anthrax flava und venusta und noch einige andere der Meigenschea
Arten zusammenzuziehen, vielleicht nicht mit Unrecht, indess hat Ref.
in der hiesigen Sammlung nicht nur die Mehrzahl der erwähnten Mei-
genschen Arten festgehalten, sondern auch noch A. flava Hoffg. und
A.flavaMei^. unterschieden, indem die erstere unter dem gelben Pelzp
einfarbig ist, die andere auf dem Grunde der Hinterleibssegmente gelbe
Binden hat. Eine neue, sehr gute Art ist A. mucida Zell. Eine in
Schlesien und Polen vorkommende Floas wird von beiden als PI.
virescens aufgeführt, ist aber von diesem Südwest -Europäischen
Insect durchaus verschieden und sicher PL liirida Meig.
Die Nemestrinen betrachtet der Verf. als eine eigene Familie,
die allerding.s durch die Richtung des Rüssels und die drei Hautläpp-
chen zwischen den Klauen von den Bombyliern abweicht. Hier ist
234
aus der N. longirostrfs Wied. eine neue Gatt. Megistorhytichus
gebildet. Die Hirmoneura des Verf. würden zu Trichopsidea
Westw. gehören.
'Xylonomae, Diese Familie ist von Macquart (Dipt. exot.)
mit der Gatt. Xestomyxa erweitert und ausserdem mit der neuen Gatt.
Exapate vermehrt worden. E.vapate hat die Charactere von The-
reua, aber den breiten dichtbehaarten Körper von Anthrax, und eine
einzige neue Art, E. Anthracoi'des aus Sicilien. Xestomyza hat zwar
den langen Rüssel der Bombylier, aber 5 Hiuterrandzellen, weshalb
sie hierher gebracht worden. Chiromyxa hat der Verf. nur nach
Wiedemann aufgenommen, er selbst hat dieselbe Gattung schon früher
unter Stratiomyden als Xenomorpha neu aufgestellt. Von Thereua
sind mehrere neue exotische Arten beschrieben. — Auch Loew
(a. a. 0.) hat zwei neue Arten dieser letzten Gattung.
Xteptiiles* Hieher stellt Macquart (Dipt. exot.) jetzt die
durch einen langen untergebogenen Rüssel ausgezeichnete Gattung
Lampromyia (Suit. a Buff. Suppl.), welche mit einer neuen Art von
den Canarischen Inseln vermehrt ist. Ausserdem fügt er eine neue
Gatt. Dasyomma hinzu, welche von Leptis in mehreren Puncten,
namentlich durch behaarte Augen abweicht, und eine kleine neue Art,
D. coerttlea, aus Chile enthält. Von Leptis beschreibt er zwei neue
Nordamerikanische Arten. — Loew (a. a. O.) machte unter seinen
Beobachtungen über die Posener Leptiden drei neue Arten, Leptis
punctata und Chrysopüus (wie er richtiger statt Macquart's Chrysopila
schreibt) erythropthalmus und chlorophthahnus bekannt.
üolichopodes. Macquart (11. Canar. Ent. S, 107) beschrieb
Medeterus fiiscipeimis und cupreus von den Canarischen Inseln, auch
(Ann. d. 1. See. Ent. d. Fr. VII. S. 423) M. oceanus, vom Strande von
Dünkirchen, und (ebendas. S. 425) Syhistroma Dujowii, auf welches
sich die im vorigen Jahresbericht S. 313 erwähnte Bemerkung von
Leon Dufour bezieht.
^tratiotnydae. Loew (a. a. O.) machte mehrere nicht
unwichtige Beobachtungen über diese Familie und stellte mehrere
neue Arten auf: Sargus axureus, Nemotelns pica, Stratiomys brevi-
corjiis.— Ref. (Wagn. Alg.III. S. 193) beschrieb Stratiomys auriflua
als neue Algierische Art.
Sfft'pMci, Loew (a. a. 0.) bereicherte diese Familie mit
einer neuen Gatt. Trtglyphus, — welche dadurch sich besonders
auszeichnet, dass sie nur 4 Hinterleibssegmente hat, sonst im Aeussern
ziemlich einer Pipiza gleicht, und auf einer neu entdeckten Art, Tr.
primus, gegründet ist; — und mit mehrex-en neuen Arten der Gatt.
Paragus, Pipiza, Chrysogaster, Cheilosia, Syrphus und Melithreptiis.
— Ref. (Wagn. Algier in. S. 194) beschrieb Volucella liquida als neue
Art aus der Berberei. — Macquart (11. Canar. Ent. S. 107) führte
Chrysotoxum 5-arniafum, Enmerus latitarsis , purpureus und Jscia
atialis als neue Arten der Canarischen Inseln auf.
235
Schlotthauber entdeckte, dass die vermeintliche Landschnek-
kengattung Scutelligera Spix., Pannula v. Heyd. die Larve von Micr~
odon mutahilis sei. (Isis 1840 S. 922.)
Die früheren Zustände von Cheilosia (Syrphus) scutellatus wur-
den von Leon Dufour aufgefunden (Ann. d. sc. nat. XIII. S. 149 T. 3
p^_4Y Die Larve lebt in faulen Schwämmen, namentlich in Bol.
edulis und pinetorum. Die Nymphen bleiben entweder im Schwämme,
oder die Larven gehen zur Verwandlung in die Erde.
nenopii, Ref. (Entomogr. S. 135) hat diese Familie bearbeitet.
Sie zeichnet sich neben dem Missverhältniss zwischen dem aufgetrie-
benen Körper und dem kleinen, fast ganz von den Augen eingenom-
menen Kopfe durch die Bildung des Mundes aus, die nicht wie bei andern
Familien eine übereinstimmende Ausbildung, sondern in dieser Rück-
sicht die grösste Verschiedenheit zeigt, ;iedoch so, dass diese sich
auf 3 Abstufungen beschränkt. In der ersten ist der Rüssel lang
und fein, unter den Körper geschlagen, drei Borsten enthaltend, die
Oberlippe und Maxillen: die Zunge, welche sonst überall vorhanden
ist, auch da, wo auch die Maxillen nicht mehr durch Borsten dargestellt
werden, fehlt hier; ferner fehlen die Taster, trotz der Angaben von Fa-
bricius, Latreille und Meigen. In der zweiten Abstufung ist der
Rüssel nur ein kurzer, kaum vorragender, zur Zeit noch nicht zer-
legter Stummel, in der dritten fehlt er ganz und die Mundöffnung ist
durch eine Membran verschlossen, in der die einzelnen Mundthellc
durch llornpünctchen angedeutet erscheinen. In der ersten Abthei-
lung sind die Fühler Sgliedrig bei Pano/?* Lam., (MesophysaMacq. —
2 Neuholländische Arten), wo sie auf dem Scheitel, und bei Lasia
Wied. (und Panops Wied. Macq. — 4 Südamericanische Arten), wo sie
auf der Stirn eingelenkt sind. Bei den übrigen sind sie 2gliedrig, bei
Cyrtus Latr. (3 Arten) auf dem Scheitel, bei den übrigen auf der
Stirn: bei Psilodera GriS. (A/e^oce/-« Macq. — 3 Arten vom Cap) sind
die Lappen des Prothorax auseinander gerückt, bei Thyllis (neue Gat-
tung mit 4 Arten vom Cap, worunter Äcroc. crassa F.) mit unter
den Fühlern noch einmal zusammenstossenden Augen, und Philo-
pota AVied. (4 Arten aus Brasilien) an einander liegend. — In der
zweiten Abtheilung sind die Fühler 3gliedrig beiOcnae« (neue Gat-
tung mit 3 amerikanischen Arten, u. a. Acroc. calida Wied.), wo sie
auf demScheitel, .4s^ome//« Latr.(4 Arten) unA Pialea (neue Gat-
tung mit 1 Art aus Brasilien), wo sie auf der Stirn stehen. Die letzte
Gattung ist sehr merkwürdig dadurch, dass das erste Glied bei-
der Fühler in ein gemeinschaftliches verwachsen ist,
welches von einem Stirnfortsatz, wie bei Ceria, darin sich unterschei-
det, dass es der Stirn eingelenkt ist. ZAveigliedrige Fühler haben
Pterodont ia Griff. {Hen. Waxelii Kl. und 2 neue Arten aus Bra-
silien und Neu-Holland) ohne, Acrocera (7 Arten) und Terphis
(1 neue Art aus Brasilien) mit einer Endborste. Die letzte Gattung
unterscheidet sich von Acrocera dadurch, dass die Fühler nicht auf
236
dem Scheitel, sondern auf der Stirn stehen, und dass die Augen so-
wohl über als unter denselben zusaininenstossen. — Die letzte Ab-
theilung enthält die einzige Gattung Ogcodes Latr. (Henops Meig.
— 8 Arten).
Oestracfdes. „Die Oestraciden — Bremsen — der Pferde
ßinder und Schafe. Eine naturgeschichtlich-thierärztliche Abhandlung
von Dr. K. L. Schwab, München 1840." Eine Gelegenheitsschrift, in
welcher der Verf. seine Erfahrungen über die Bremsen der Hausthiere
zusammenstellt. Er theilt sie ein in Pferdebremsen und von diesen
führt er 4 Arten auf: Oc. gasfn'cus maior (d. h. Equi F.), duodenalis
(salutiferus Clark), dessen Larven nach seiner Beobachtung im Zwölf-
fingerdarm nahe am Pförtner leben, haemorrhoidalis L. und gastri-
cus minor (veterinus Clark, nasalis L.), Rinderbremsen (nur Oe.
bovis, zu dem mit Unrecht Oe. pecoriifii F. gezogen M'ird, welcher eine
Pferdebremse (Gastrus Meig.) ist*), und Schafbremsen {Oe. ovis).
Am vollständigsten sind die Nachrichten über die Pferdebremsen, in-
dess ist die Namenveränderung, welche hier vorgenommen, durchaus
unzulässig, und kann von keinem wissenschaftlichen Naturforscher
angenommen Averden.
Platypexinae, Die Verwandlung der Platypexa holosericea
ist von Leon Dufour (Ann. d. sc. nat. XIIL S. 159 T. 5 F. 24 — 36)
beobachtet worden. Die Larve lebt im Agaricus campestris, gleicht
sehr der einer Authomjia, ihre Dornfortsätze ebenso wie die gestiel-
ten Stigmen sind einfach. Das Tönnchen gleicht der Larve, ist aber
von einem kürzeren Oval und es sind die beiden ersten Segmente,
so wie die Stigmen, eingezogen.
Miiscfiriae» Neue Arten der Canarischen Inseln sind: Echt-
nomijia Canuriensis, Eurygaslcr cyanea, Tachina brevicorm's, Sarco-
phaga crassipalpis, Agria bella, argentca, rvßpes, Onesia toxoneura
Calliphora spfende?is, Lispe tihialis, lineata, Anthomyia b-fnactdata,
Helomyza h-vittata, Tephritis canuriensis, Sepsis itnpunctata Mac-
quart (11. Canar. Ent. S. 110 — 118).
Derselbe (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VII. S. 433 ) beschrieb
3 neue Axiew Seat op ha ga vom Strande von Dünkirchen, Sc. oceana,
marina, tessellatu.
Trypeta stigmu, der Tr. solstitialis var. pugionataMeig. ähn-
lich, aber durch die schwarzen 2 letzten Fussglieder und die kurz-
kegelförmige Legeröhre des Weibchens unterschieden, und Tr. co-
meta, der T. radiata u. a. nahe verwandt, erstere von Posen, letz-
tere von Wien, beschrieb Loew (Ent. Zeit. S. 156) als neue Arten.
Unter den schädlichen Insecten des Oelbaums nimmt nach Boy er
dcFonscolombe (Ann. d. I. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 113) Oscinis
*) Später (Anat. path. Präp. i. d. Mus. d. Centr. Veterin. Schule zu
München, 1841 S.91) hat der Verf. ihn nach beiden Geschlechtern als
5. Pferdebremse kenntlich beschrieben.
237
Oleae mit den ersten Rang ein. Die Larve lebt im Fleisch der
Oliven zuweilen 8 oder 3 in einer. Zur Zeit der Reife verlilsst die
Larve 'die Olive und verwandelt sich in die Erde, oder in dem Ab-
fall unter den aufgeschichteten Oliven. Der Nachtheil, den die Larve
veranlasst, besteht nur darin, dass sie und ihr Unrath mit zerquetscht
werden und dass dadurch das Oel verunreinigt wird, was indess
nicht von Belang sein kann, und der Verf. führt selbst ein Paar Fälle
an, wo bei zahlreichem Insec<*vortreffliches Oel und bei sparsamen
Vorkommen desselben schlechtes Oel gewonnen wurde.
Die früheren Zustände mehrerer Museiden siad von Leon D u-
four(Ann. d. sc. nat.N. Ser. XIII. S. 152) beobachtet worden, nament-
lich von Anthomyia manicata Macq., A. paradoxalis (neue Art, der
vorigen bis auf geringere Grösse ganz gleich, aber als Larve sehr
verschieden), beides Larven von der gewöhnlichen Anthomyien-Form
mit seitlichen gefiederten Fortsätzen, Ciirtoneura {Musca) alabulant
und C. fungivora Macq., beides Larven von der Form eigentlicher
Musca, alle in Schwämmen lebend. Ebenda fanden sich auch die Lar-
ven von Drosophila fasciata und die der Dr. vmculata in einer dem
Bol. imbricatus verwandten Art, die der Phora rußpes in Mou9eron3
(Ag prunuliis Fr.). Die vom Verf. früher als Sapromy%a ülephari-
pteroides bestimmte Fliege erkennt derselbe jetzt als e\ae Anthomyia,
in welcher Gattung sie mit demselben Artnamen aufzunehmen ist. In
iJol. pinctorum fanden sich Tönnchen, denen der genannten Fliege
ähnlich, aber heller von Farbe; aus diesen entwickelte sich eine
andere Art von Anthomyia, welche dem Verf. unbeschrieben zu sein
scheint und als A. boletina aufgestellt wird.
Owen (Mag. of Nat. Hi.st. S. 483) legte der Entomologischen Ge-
.sellschaft in London Zweinügler-Larven vor, welche 2 Tage im Urin
eines Kranken gelebt hatten. Die Larve ist von der Gesellschaft
nicht näher bestimmt worden. Es kommt häufig vor, dass Fliegcn-
larven augeblich mit dem Urin ausgeleert werden, und zwar sind
diese Larven entweder die von Musca domestica oder auch von An-
thomyia scalaris, es ist aber durchaus noch nicht mit Sicherheit
beobachtet worden, dass diese Larven wirklich aus den Harnwegen
gekommen sind, und sich nicht bloss im Geschirr vorgefunden haben.
€oriaceae. Drei neue Arten: Olfersia Cananam's Mücquart
(II. Canar. Ent. S, 119) und Hippobosca macidata und Nycteribia
Rotjlii Westwood (Royle Himalaya).
Pulicariae. West wo od (Transact. of the Enc. Soc. of
Lond.II. S. 199) hat die systematischen Unterschiede des Sandflohea
(Chigoe, Jigger, Ptilex peiietrans) von den übrigen Flöhen (Piilex)
näher erörtert. Er hat einen langen hornigen Rüssel, welcher aus
STheilen, der Zunge und den Mandibeln besteht. Von den Maxillea
zeigt sich keine Spur, dagegen sind die Maxillartaster sehr deutlich,
4gliedrig. Von Lippentastern und Lefze ist wieder keine Spur vor-
banden. Somit ist es keine Frage, dass der Sandlloh eine eigene
238
Gattung bildet, welche ierVert.Sarcopsplla benennt. Beim Weib-
chen schwillt der Hinterleib ungeheuer auf^ so dass er die Grösse
einer ftrbse erreicht und ganz häutig und ohne Spur einer Gliede-
rung erscheint. Der Verf. fand ihn von Eierschnüren angefüllt.
Motschoulski (Bull. Mose. 1840 S. 169) entdeckte eine eigene
Flohart, Ptilex typhlus, auf der Blindmaus (Spalax typhlus). Der
Verf. bemerkt bei der Beschreibung ^sselben, dass Arten mit geripp-
ten Halssegmenten auf Nagern (P. Jttsdatus auf Haus- und Feld-
mäusen, P. lemvms auf dem Lemming, P. iaculans , auf Dipus iacu-
lans, P. typhlus auf der Blindmaus), andere mit glatten Segmenten
auf Raubthieren lebten (P. irritans auf dem Menschen, canis auf
Hunden, viilpes auf dem Fuchse).
JEetniptera*
Spinola's früher (Bericht für 1838) besprochenes Werk
ist unter einem neuen Titel „Essai sur les Insectes Heraipteres,
Rhyngotes ou Heteropteres par Max. Spinola, 1840, Paris und
London. Bailliere, Leipzig Michelsen", von Neuem ausgegeben
und dadurch seine Anschaffung sehr erleichtert.
Von Herrich-Schäffer's „Wanzenartigen Insecten" sind
die 3 letzten Hefte des 5ten, und die ersten des 6ten Bandes
erschienen.
Ausserdem ist im Allgemeinen nur noch der Beschreibung
der von Drege am Cap entdeckten neuen Heteropteren zu er-
wähnen, welche Germar (Silberm. Rev. Eut. V. S. 121) ver-
öffentlichte.
Pentat ontidae» Von Scutelleren bildete Herrich-Schäf-
fer (Wanzenart. Ins.) folgende von Germar beschriebene Arten ab:
CalUphara Iris, Javana, regia, imperüili's, CalUdea \-%imnctata.
Von eigentlichen Pentatomiden findet sich in den vorliegenden
Heften vonHerrich-Schäffer eine grosse Anzahl von Arten dargestellt,
nämlich Cydnus ovatus und elongatiis von Pesth, rugffrons und /e-
moral/s von Nordamerica; Sciocoris arudiformis Germ., Ciniex di'vi-
sus neue Art aus Africa, firnbriatusF., cruciatusF., dentatus neue
Art aus Nordafrica, pictus F. (s. u. C. hebraicus Germ.) vom Cap!,
vesicnlosus, neue Art, liigens {Cydn. lugens F.) deplanatus neue Art
aus Neuholland (oder vom Cap?); Asojms confluens aus Mexico, clii-
ropterus aus Java, Halys cincta neue Art aus Africa (ist H. serrata F.
aus Guinea), Jiellenica Lef. , ohsairata neue Art aus Mexico, lineo-
lata desgleichen, erosa aus Nordamerica, planaF. aus Brasilien, ver-
sicolor neue Art von Java, Australasiae Burm., Arvelius laciniatus
Spin, (aus Brasilien) und gladiator F.. Edessa scutellata aus Ca\ enne,
mco7ispicua von Cuba, simplex aus Brasilien, Aelia elliptlca Gei-m.
und spiniceps neue Art aus Brasilien, Amaunis cupreus aus Java.
239
Letzterer nicht, sondern die von Verf. A. inermis benannte, und
durch den gegebenen Umriss des Halsschildes kenntlich gemachte Art,
ist Ed. brevicornis F., welche, wie Fabricius ganz richtig angiebt,
in China zu Hause ist. — Endlich stellt der Verf. noch eine neue,
durch den Mangel der Ocellen abweichende Gatt. Typhlocoris auf,
welche indess mit Uros tylis Westw. (Hope Cat. S. 46) und die Art
T. semidrculüris mit U. histrionica Hope einerlei ist. Den Mangel
der Ocellen hat Hope nicht angegeben, so wie Herrich-Schäffer das
eine Geschlecht (Weibchen nach Hope), welches sich durch den auf-
wärtsgekrümraten Stachel des Aftersegraents auszeichnet, nicht ge-
kannt hat.
Germar (Silbenu. Rev. V. S. 158) beschrieb eine grosse Anzahl
neuer Capensischer Arten aus den Gatt. Edessa, Atelocerus , Hafys,
Cimex, Acanthosoma, Aelia, Sciocoris, Cydnus, Asopus, Tri'gonosoma,
Sphaerocoris, Vachycoris, Callidea, Scutellera. Zu bemerken ist nur,
dass Cimex hebraicus einerlei ist mit C. pictus Herr.-Schäff., welcher
aber offenbar nicht der Fabricische ist, daher dieser Art der Germar-
sche Name beizulegen ist. Dagegen geht Germar's C. civilis ein als
identisch mit C. costatus Thunb. Diss.lII. S. 169 T. 8 F. 79.
Brülle (II. Canar. Ent. S. 81) führte 2 neue Arten von Cydnus,
C. curtus und aeneus auf.
Rambur (Faun. Ent. de l'Andalous.) beschrieb folgende als neue
Südspanische Arten: Tetyra hispana, der T. Pedemontana sehr nahe
verwandt und wahrscheinlich auch nur eine Abart derselben; Cydnus
Q-maculattis , dem C bicolor sehr ähnlich, C. zophosioides\, oblongus,
pygmaeus , Cimex loLulatus (ist impressus Grav. Verz.), pnrpureo-
marginatus auch in Südfrankreich (und Sardinien). Cydnus j)i'oxi-
mus ist C. brunneus F. und Raphigaster piirpuripennis Hahn ist,
trotz Burmeisters entschiedener Behauptung des Gegentheils, in der
hiesigen Sammlung ganz richtig als C. lituratus F. bestimmt gewesen,
wovon Ref. in Fabricius' Sammlung sich überzeugt hat.
Coreidae, Herrich-Schäffer bildet, grösstentheils mit Be-
rücksichtigung der Gattungsmerkmale, ab: Spartocerus serrulatus
Perty, pustulatus F., Cerbus tenebrosus F., valgus (C. alramentarius
Germ.), affinis neue Art (der wahre valgus L.), umbilicatus F., Aly-
dtis lateralis Germ. (Geranii Duf.), brevipes neue Art aus Ungarn
(Abänderung des vorigen), Archimerus squahis Burm. aus Mexico
(kommt auch inNordamerica vor, und ist alternatus Say), lunatusB.,
lineolatiis, brunnicoriiis neue Arten ebendaher, luteus aus America,
Discogaster rhomboideus B., Crimcerus tuberculatus (Weibchen des
folgenden), lobattis B. aus Cuba, scabripes neue Art aus China (von
scabrator verschieden, für den er von Burmeister in Meyens Reise-
bericht angenommen), acridioides F., tibialis neue Art (aus Nord-
america!), satictus F., Syromastes inconspicuus, neue Art aus Mexico,
Gonocerus viarginellus neue Art aus Java (ein Homoeocerus nach
Burmeister), ochraceus vom Cap, capitulatns Balm. von Java, dnbins
240
voraCap? bipimctatus von Java, obsolet us vom Cap, «j^^wzV unbekann-
ten Vaterlandes; Pseudophloeus olscnrus und lobatus, neue Arten aus
Sicilien, Corixus maculaUis aus Böhinenj der Schweiz und Sicilien. —
Germar (Silb. Rev. V. S. 144 — 157) stellt folgende neue Capensische
Arten auf: Cerbus jiectoralis^tornalor, atramentarms {zu Aem C.väi-
gus Herr.-Schäff. als Sj^nonym gehört), nigTi'cor?iis , annulicornis,
apicalis, crassidum's (von dem Physomerus terminalis Burm. wahr-
scheinlich nicht verschieden ist), Pachylis tribuhts, Hypselopus macu-
liventris, cinctiventris, Crinocerus aper, porciis, spurcus, scrofa, Ho-
f/ioeoceriis, insubidus, plagiatus, bicolor, nigricornis, Syromastes hör.
ridus, concolor, scurra, prasiniis, Cöri%us capensis, fulcratus, Lepto-
coris haematicus, amictus und errichtet eine neue Gatt. PacÄygyo«-
tha, einem Berytus und Alj-dus ähnlich, dadurch, dass die Vorder-
beine Raubbeine sind, in dieser Familie sehr ausgezeichnet, 1 Art:
P. lineata. — Brülle (II. Canar. Ent. S. 80) beschreibt 3 neue Artjn
Coreus elegans und obtusus, letztere auch auf Sicilien einheimisch.
Rambur (^a. a. 0.) entdeckte in Andalusien folgende neue Arten:
Coreus gracilicornis (auch in Portugal, dem Banat und Macedonien),
brevicornis, hispauus, Corixus pudicus , truncatus und änderte den
Namen Phylloniorpha in Craspedum aus dem kaum hinreichenden
Grunde, dass Latreille eine Art Cor. phyllomorphus genannt hatte,
Cymus Baeticus des Verf. ist Cor. errans F. und Cor. clavicornis ist
vonFabricius selbst (im Index) in C. typhaecornis umgenannt worden.
Anisoscelis liymenifera ist eine neue Art aus Mexico, welche Dun-
can (Naturalist's Library. Ent. I. S. 275. PI. 28 F. 3) bekannt macht.
Jjyqaeidtie. Aus der Gatt. Lygaeus beschrieb Rambur
(Faun. Andalus.) als neue Art L. gtittatus, Avelche indess L. pun-
ctatoguttatus F. ist. Germar (Silb. Rev. V. S. 141) stellte 5 neue
Arten : L. rivularis, suevus, septus, mehmurus und pilosidus auf, von
denen indess die zweite einerlei mit L. crudelis F. ist. Steno ga-
st er bereicherte er (ebendas.) mit St. annuUpes und rußventris eben
daher. Yon Pachymerus bildete Herrich -Schaf f er (Wanzenart.
Ins.) 3 neue deutsche Ar(eu ab, P. blde?itulus , dilatatus und subae-
iieus. Rambur (a. a. O.) beschrieb die Südspanischen P. carbona-
rius (auch aus Sicilien), deUneatus, inermis, dubi'ns, variabilis, bra-
cliypterus, staphylinus, Germar (a. a. 0.) die Capenser P. moerens,
covsutus, oculatus, brunnipennis , Brullü (der P. Pini, quadratus, lyn-
ceus und pedestris für Abänderungen einer und derselben Art hält!)
stellte eine neue Art von den Canarischen Inseln als Aphanus i-pun-
ctatus auf. — Herrich-Schäffer (a. a. 0.) bildete ausserdem Pyr-
rhocon's bicolor von Java, und Heterogaster costatus aus Deutsch-
land ab, und Germar beschrieb die Capenser Het. semipiinctatus,
Cymus (?) pctiolatus, dipus, binotatus, Ophthalmiais ruficeps und
pliaeopterus. Waga (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr, VIII. S.52ö) Opb.
dispar aus Polen, Rambur (a. a. O.) Oph. lineola, Henestaris hispa-
nus^ und stellte eine neue Gatt. Ste7iocoris mit einer neuen Art
%
241
St. gracilis auf, welche einem Nabis ähnlich, mit hinten eingezoge-
nem Kopfe, langgestrecktem Halsschilde, kurzem Rüssel und ver-
dickten Vorderschenkeln unten mit zwei Reihen Dornen.
Citpsiüae. Herrich -Seh äffer (Wanzenart. Ins.) bildete
Capsus molliculus und seladonius, beide Fallen'sche Arten, das Männ-
chen von C. plagiatus und eine Abänderung von C. fuJvomaculatus
ab. Rambur (a. a. 0.) entdeckte in Andalusien: Phytocoris palli-
dus, bimaculatus, gracilis, 7ninntissimus,pygmaeus,ohscuriis, -punctum
(auch von Koy schon eben so benannt). Brülle (II. Canar. Ent. S. 82)
beschrieb Miris fuscicornis und parvula von den Canarischen Inseln.
Vingiilae» In Herrich-Schäffer's (Wanzenart. Ins. V.
Hft. 5) sind dargestellt: Tingis GossypüY. und T. hyulinn, neue Art
aus Nordamerica, Monantliia tabida, neue Art aus iVTexico und M. Sac-
cliari. Die letzterer Art beigefügte Bemerkung ist dahin zu berich-
tigen, dass von Burmeister diese Art zu Piesma gezählt sei, und dass
unter den von ihm (S. 258) als unbeschrieben erwähnten Arten die
Brasilische und eineMexicanische sich als Exemplare derM. Sacchari,
die zweite Mexicanische eine nahe verwandte Art ausgewiesen haben.
— Monanthia reticulata beschrieb Rambur (a.a.O.) aus Andalusien.
Phricodes hystrix ^Tj^inol'A' s ist von demselben (Guer. Mag. d. Zool.
pl. 40) abgebildet und sehr genau beschrieben. Gerroar führt ihn
unter den Capensischen Hemipteren (Silberm. Rev. V. S.134) u\s Ära-
dus kystrix auf.
jAradites» Eine grössere Reihe Deutscher Arten von Ara-
dus bildet Herrich-Schäffer (Wanzenart. Ins. VI. Heft 5) ab:
A. Betulae^ corticalis, leptopterus (Weibchen, dessen Flügelschnitt
von dem ausgezeichneten des Männchens sehr abweicht), pallescens
und versicolor neue Arten, depres&us F., hrevicolUs Fall., complanattis
Burm., welcher letzterer als A. annulicornis F. in der hiesigen Samm-
lung bestimmt ist. Germar (Silb. Rev. V. S. 135) führt folgende
Arten vom Cap auf: A. melaenus, Brachyrhynchus lobatus, furca-
tus, worio.
Mteduvini, W e s t w o o d (Transact. Ent. Soc. II. S. 248) unter-
warf die Gatt. Holoptilus einer genauem Untersuchung. Hol. ursus
der Enc. ist Typus der Gattung und zeichnet sich durch seine 3glie-
drigen Fühler*), kaum geäderte Halbdeckenmembran und aderlose
UnterQügel aus. Andere Arten haben 4gliedrige Fühler, eine deut-
liche geäderte Membran der Haibdeeken, 3 Längsnerven in den Unter-
flügeln, und sehr lang behaarte Hinterflügel. Letztere hatte Gray
*) Wenn Burmeister in seinem Handbuch der Gattung Holoptilus
4gliedrige Fühler giebt, hat er die Beschreibung wohl nach einer der
Ptilocnemus- Arten entworfen, M'enigstens haben die Exemplare des
H. ursus sehr deutlich 3gliedrige Fühler.
Archiv f. Naturgesch. VII. Jahrg. 2. Bd. \Q
242
Ptt'locerus benanuf; da aber dieser Name von Wiedemann schon
gebraucht ist, sondert der Verf. sie unter dem Namen Ftilocnemus
als Untergattung von Holoptilus ab. Hierher gehören H. Lemur von
Van-Dlemensland (auch aus andern Theileu Neuhollands), H. Juscus
von Nepal und Java, H. affinis von Java. Die hiesige Sammlung
besitzt noch eine vierte Art von Manila.
Germar (Silberm. Rev. V. S. 123 — 134) beschrieb Stcnopoda
fusca, lateralis^ JSal/i's capsiformis, Virales baltcatus, Reduvius tar-
satus, comatua, Ectrychotes bidentulus, miles, Vlatymeris fulvilabris,
jtyrrhula, lytlirodex, Mficrops ?nuswus, Harpactor segme?itar/us, ery-
throaieinis, vulnei'atus , violentus, haemopterits , haematitäts, pullidi-
ventris^ geniculatus^ calviventris , morio , Arilus ramentaceus, aiictiis,
sämnitlich vom Cap, Brülle (II. Canar. Ins. S. 79) Nahis viridis und
angusta von den Canarischen Inseln, Rambur (a. a. 0.) Prostemma
bicolor und Peirates strepitans aus Andalusien. Oncocephalus iiotatus
des Verf. ist nicht der von Klug, eher einerlei mit 0. griseus Spin.
JVepidiie» Diplouychus luridus, Naucoris planus, Ranatra
capensis sind neue Capensische Arten von Germar (Silbermanns
Rev.V. S.121.)
Cheirockela nennt Hope (Liu. Transact. XVIII. S. 442) eine
neue Gattung, von sehr flacher Gestalt, mit sehr dicken Vorderschen-
keln, erweiterten und zusammengedrückten, mit den Füssen zu einem
Haken verschmolzenen Vorderschieuea, ohne Membran an den Halb-
decken, ohne Flügel und ohne Athemröhre; mit der Art: Ch. Assa-
mensis, aus Assam.
Gftlguliilfie» Die Kennzeichen der Gatt. Gafgulus und eine
neue Art G. bufo aus America bildet Herrich-Schäffer (d. Wan-
zenart. Ins. V. T. 176) ab. — Mononyx grandicoUis vom Cap be-
schreibt Germar (Silberm. Rev.V. S. 122).
Vloteres. Limnobates maior und Hydroessa fusca ebendaher
stellte Germar (ebendas.) auf.
Willgor ellae* West wo od las in der Linneischen Gesell-
schaft über die Gatt. Derbe, 'worüber (Mag. of Nat. Bist. IV. S. 477)
vorläufig folgendeEintheilung in 8 Gattungen mitgetheilt ist: 1. Derbe,
7iervosa Kl. Burm. und 2 neue Arten aus Brasilien. 2. Mysidia, D.
pallida, sqiianiigera, costalis und wahrscheinlich pimctum, testacea,
nivea F., nebst % neuen Arten aus Südamerica. 3. Lydda, D. eloii"
gata F. aus Neuholland. 4. Zeugnia (das Halsschild an den Seiten
mit einer Grube zur Aufnahme der Fühler), 1 neue Art. 5. Thracia,
D. siituosa, nervosa Bohera. und 1 neue Art von Java. 6. Phenice,
D. fritillaris, fasciolata, stellulata Bohem. aus Africa. 7. Patara,
8. Cenchrea, zwei neue Gattungen aus St. Vincent, beide mitOfio-
cerus uud Auotia verwandt, welche in ganz naher Verwandtschaft
mit Derbe stehen.
Neue Arten aus Assam sind Lystra aeruginosa und Aphana
243
aurantia H o p e (Linn. Transact. XVIII. S. 443 T. 31 F. 1. 2) und Aphana
suhfiiaculata Westw. (Duncans Nat. Libr. Ent.I. S. 284 T. 24 F.l}.
JJKemhrficidae. Unter einigen bereits bekannten merkwür-
digen Formen dieser Familie findet sich in Duncans Nat. Libr. Ent. I.
S. 286 T. 25 F. 3 eine neue Art, Centrotus biclavatus West wood
dargestellt.
Cercopiilae. Burmeister (Gen. Ins. Hft. 5) hat die Gattung
Paropia durch eine sorgfältige Abbildung erläutert.
Cicaüariae. Ein Paar ausgezeichneter Arten vom Himalaja
sind Cicada jndchella (Rojle Hinial.) und C. ducalis Westw. (\at.
Libr. Ent.I. S. 277 T. 18 F. 1). Aus der letzteren, welche der C. fa-
sciata verwandt ist, schlägt Westwood vor, wegen der zahlreiche-
ren Längsnerven der Vorderflügel eine eigene Untergattung Poly-
neura, zu bilden.
Goureau (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VIII. S. 5.51) hat noch
einige Beobachtungen über den Gesang der Cicaden mitgetbeilt. Er
fand in der Unigegend von Toulouse vier Arten, C. fhheia, sangvi-
nea, ficla und eine der C. liaeniatodes verwandte Art. Alle haben
einen verschiedenen Gesang, so dass man die Arten leicht nach dem-
selben unterscheidet. C. plebeia hat so grosse Deckel der Stimm-
höhlen, dass dieselben dadurch ganz verschlossen werden, deshalb
entfernt und nähert sie abwechselnd den Hinterleib, wodurch dieselben
abwechselnd geöffnet und geschlossen werden, welches den Ton
nicht so eintönig macht als er bei den anderen Arten ist, die während
des Gesanges mit aufgehobenem Hinterleibe und auseinander gesperr-
ten Hinterbeinen verharren. C. sangidtiea und picta gleichen sich
im Gesänge, nur ist die ersterc lauter. Der Gesaug der vierten, klei-
nen Art ist schwach und kurz, gleich dem Zirpen einer Heuschrecke.
Dass die Weibchen vom Gesänge der Männchen angezogen würden,
fand der Verf. nicht. Um sich zu überzeugen, ob die Luft der Meta-
thoraxstigmen beim Gesänge eine Rolle spiele, schloss Verf. die Stig-
men mit Seifenwasser. Bei mehreren Versuchen Hess das Insect
noch kräftige Töne hören, und verfiel dann gleichsam in Asphyxie,
woraus denn hervorgeht, dass auf die Hervorbringung der Töne die
Luft keinen unmittelbaren Einfluss hat, dass aber die Tbätigkeit Aväh-
rend des Gesanges bedeutend ist, weil die mit der vermehrten Mus-
kelthätigkeit verbundene beschleunigte Respiration einen rascheren
Luftwechsel erfordert. -->
Psyllidae. Boyer de Fonscolombe (Ann. d. 1. Soc. d.
Fr. IX. S. 111) beschreibt eine Psylla Oleae, welche dem Oelbaum
schädlich wird, und deren Larve baumwollenartige Flocken abson-
dert, welche zuweilen die Blüthen ganz einhüllen.
CoceifJfie. Derselbe (ebendas.) gedenkt auch des Cocciis
Oleae Latr. als eines des Oelbaumes sehr schädliclien, vorzüglich
an den südlichen Küstenstrichen Frankreichs verbreiteten Insects.
16*
244
Vhysanoptera,
Burmeister (Gen. Ins.) hat die Gatt. Thrips {longipcnnü)
Phloeothrips {cortacea) uüd Heliot hrips {haemorrhoidaUs)soY'-l.
fältig dargestellt. Die Mundtheile siud bei den beiden letzten genauer
untersucht. Die Maxilleu haben beim letzten eine an der Spitze gezähnte
Lade; ihre Taster sind bei diesem undeutlich 3-, bei jenem 8gliedrig
Die Unterlippe zeigt bei Heliothrips kleine ungegliederte Taster und
eine kurze zweilappige Zunge, bei Phloeothrips deutlich ggliedrige
Taster und eine weit vortretende, schmale, häutige Zunge. Die Dar-
stellung der Mundtheile von Thrips scheint ungenau zu sein. Ueber-
haupt scheint die wahre Gestalt dieser Theile noch mehrerer Unter-
suchungen zur Erläuterung zu bedürfen,
Aracliiiideii.
Eine der bedeutendsten Erscheinungen für diese Klasse
ist Walkenaer's Histoire des Insectes Apteres (Suit. a Buff.)
T. IL, welcher die zweite Hälfte der eigentlichen Spinnen und wich-
tige Nachträge zum ersten Bande enthält. Bei uns hat Koch
fortgefahren, in der Fortsetzung der Hahn'schen „Arachniden"
die Kenntniss exotischer und einheimischer Arten aus ver-
schiedenen Ahtheilungen dieser Klasse, in der Fortsetzung der
Panzer'schen Insectenfauna Deutschlands (auch als Deutsch-
lands Crustaceen, Myriapoden und Arachniden besonders er-
scheinend) die der einheimischen Milben durch seine genauen
Darstellungen zu fördern, und in Moritz Wagners Algier die
von diesem Reisenden mitgebrachten Arachniden bearbeitet.
Diese stimmen im Allgemeinen mit Siideuropäischen Formen
überein, oder schliessen sich ihnen zunächst an. Die Arach-
niden der Canarischen Inseln hat Lucas in dem entomologi-
schen Theil der Histoire naturelle des lies Canaries par M. M.
P. Barker Webb et S. Berthelot, einer sehr fleissigen und
genauen Prüfung unterworfen. In ihrem Character tragen sie
durchaus ein Nordafricanisches Gepräge, manche Arten sind
selbst mit Aegyptischen identisch, viele kommen auch in Europa,
selbst in Mitteleuropa vor. Bemerkenswerth ist aber bei der
so grossen Uebereinstimmung mit Nordafrica und Südeuropa
das Fehlen einheimischer Scorpione.
Araneae,
Black wall (Mag. of Nat. Hlst. VI. S. 229) schlägt vor, die Spin-
nen nach den Augen zu classificiren und stellt 3 neue Gattungen auf:
245
Ciniflo {Chiliotia atroxhair.); Operaria {Then'd. bem'gn.Walk.f
Drassns exiguus Blackw. und Dr. vi'ridissimus Wa.lk.') und Cavator
(^Clubion. saxatilis Blackw.). Die letztere rechnet der Verf. zu den
Agcleniden, für die beiden ersten wird eine eigene Familie Ciniflo-
riden errichtet. Die erste ist indess bereits von Koch Amaurobius,
die zweite schon von Sundevall Dictyna benannt. Das Nähere ist in
den Linn. Transact. zu erwarten.
Kpeirides. Walkenaer (a. a. O.) hat nur die Gatt. Epeira,
Plectaiia, Tetrag7iatha, Uloborus anerkannt. Die zweite fasst alle
mit stachligem Hinterleibe, die erste ebenfalls sehr verschiedene For-
men, welche von Sundevall und Koch viel natürlicher getrennt ge-
halten sind. — Lucas (11. Can. Ent. S. 38) beschreibt als neue Arten:
Epeira Webbii (ein Argyropes), Cacti-Opuntiae, annulipes, crtici-
fera, Tetragnatha gracilis.
Iheridites, Diese Familie enthält bei Walkenaer (a. a. O.)
die Gatt. Linyphia, Theridium, Argus und Episinus. Die vorletzte
entspricht Koch's Micryphantes, zugleich Erigone und Enyo Sav. in
sich fassend. Neue Arten sind Theredtuf/i pulchellum hu cas (l\. Can.
Ent. S. 44) und Phrtirolithus eiythrocephalus Koch (Wagn. Alg. III.
S. 814). Doumerc (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 421) beobach-
tete, dass Theridion trianguhfer Walk, mehrere Male nach einer
Begattung Eier legte, und dass die Brut das eine Mal nur aus Männ-
chen, das andere Mal nur aus Weibchen bestand.
Ifrassides» Aus dieser Familie beschrieb Lucas (II. Canar.
Ent. S. 35) eine den Canarlschen Inseln eigenthümliche Abänderung
des Lathrodecius Argus Sav., welche indess auch wohl eigener Art
sein könnte.
Algelenides. Koch (Arachnid. VIII. 2) bildet 9 Arten der
Gatt. Tegetiaria ab: T. domestica, petretisis, im Böhmischen Erz-
gebirge auf Bergabhängen, von der vorigen hauptsächlich durch die
Lebensweise im Freien verschieden; i/itricafa, in Griechenland in
Häusern, der ersten verwandt, aber mit viel längeren Beinen; pagana,
von Nauplla, von der vorletzten Art nur durch längere und anders-
gefärbte Spinnwarzen verschieden; stnbtilariay ebenfalls aus Grie-
chenland, canipestris (Agel. domestica Sund.); longipes, civilis, cicu-
rea. — Lucas (11. Canar. Ent. S. 37) hesc\\VGihiAgeleHaCa7iariensis.
JLycosides. Koch (Wagn. Algier lU. S. 212) beschrieb Dolo-
tnedes ocreatus und Lycosa xylina, Lucas (II. Canar. S. 26) Lycosa
ferox und (S. 32) OHos rußpes und Dolomedes itisigniSj beide zur
Gatt. Ocyale Sav. zu rechnen.
Thomisides, Lucas (II. Cantir. Ent.) stellte aus dieser
Familie Thomisus asper, Philodromus A-lineatus, Delena Canariensis^
auf. Die letzte schliesst sich Neuholländischen Formen an.
ALtiides, Derselbe (ebendas. S. 27) beschrieb Attus capito, bi-
color, villosus, melanognathns, angulipes.
24G
Mygalides. Seils (Transact. Eac. Soc. II. S. 807) gab über
die \ester der Cteniza mdiilans vob Jamaica Nachricht. Die Spinne findet
sich im Innern der Insel, auf bergigem Terrain mit rothem Thon-
boden. In diesem rotheu Thon werden die Nester angelegt, welche
aus einer senkrecht absteigenden, mit Gespinnst tapezirten Röhre
von 5 — 9" Lauge und f — l{" Weite bestehen, und mit einem genau
schliessenden Deckel versehen sind, ganz so >vie bei der Mj'g. cae-
nientaria und avicularia, von deuen die letztere auch in einem glei-
chen Boden baut. Wichtig ist die Bemerkung des Verf., dass häufig
sich noch die Röhre im Verlauf durch Klappen unterbrochen findet.
Zur Gatt. Ctenixa gehört diese Art wohl nicht. Koch (Wagner's
Algier III, S. 211) beschränkt diese Gattung auf 5 Arten der Küsten-
länder des Mittelmeers, von denen die in Algier häufige Ct.Jfricanu,
nach Mor. Wagner's Bemerkung (ebendas.) keinen Bau macht, son-
dern auf dem Boden und an Wänden umherlaufend. Fliegen durch
Sprünge fängt. Dagegen gehört Jet in opics nach West wo od (Mag,
of Nat. Hist. VI. S. 480), nach einer lebend beobachteten neuen Art
aus der Berberei, A. aedificatorius, wieder zu denjenigen, welche
mit einem Deckel versehene Baue anlegen.
Ityseleriiles, Zwei neue Arten, Segestria gracilis und Scy^
tudes Bert helotä stellte Lucas (II. Canar. Ent. S. 24) auf.
^olifugae»
JPhrynides. Koch(Arachn. VIII. l) bildete 7 Arten \owPhry-
nus ab: Vhr. lunatiis (Tar. hin. Fab.) aus Ostindien, Ph. margine-
maculatns , neue Art aus Westindien, Ph. medms {Pkalung. w. Hbt.)
aus America, Ph. variegatus Perty aus Brasilien, Ph. reniformü
{Phal. renif. L.) ebendaher, Ph. palmatus (Phal. palm. Hbt.) aus
Java (nicht aus Südamerica), Ph. pumtlio, neue Art au.s Brasilien.
^corpionUles, Koch (Arachn.) bildete Buthus longimamis
(Scorp. l. Hbt.) aus Africa, Vaciovls dehilis aus Brasilien und V. Schu-
berti von Constantinopel ab, und vermehrte (Wagn. Alg. III. S.215)
diese Familie mit Scorpius AJgiriciis, Buthus testaceus, Äiidroctoims
Aeneas, Hector, Paris. — Lucas (II. Canar. Ent. S. 45) beschrieb
Androct07ius hiaculeatus Latr., welcher genauer genommen zu Koch's
Gatt. Tityus gehört, und aus seiner eigentlichen Heimath, Südamerica,
durch den Verkehr nach den Canarischen Inseln gebracht ist, wo er
sich nur in Nähe der Waarenlager findet.
Phal an ff ia.
Gonyleptides. Koch(Arachu.) bildete Goniosoma modestum,
patruele (wovon iunceum P. nur Abänderung), roridum Pertj^, Lepto-
cnermis sulphurens QGonios. sulph. P.) und aus der Familie der
Cosntetides, Cosmetus mesacanthiis Koll., varius Perty, Flir-
tea Andreae, phakrata, picta (jCosm. p. Perty), Cynorta conspersa»
247
lagenaria, Poecilaema Umhatum, marginale, A. flavum (Cosm. A. fl.
Perty), Gnidia hipunctata, Dlscosoma cinctum Perty, sämmtlich aus
Brasilien, ab. Der 7. Band der Arachnideu enthält eine ziemlich voll-
ständige Darstellung der Gonjleptiden und Cosmetiden, wenigstens
die Arten der Münchner und Wiener Museen.
Opilionitles, Koch (Arachn. VIII. 1) bildete Ischyrofsalis
Bellwigü {Phal. Heihv. Panz.) und /, Kollari, neue Art von Gastein,
ferner (Wagn. Alg. III. S. 222) Opilio Cirtanensis ab, und bemerkt
dabei, dass dies die einzige ihm bekannte aussereuropäische Art sei,
eine zweite Nordafricanische ist Flmlanghun spiniferu?ii Lucas (II.
Canar. Ent. S. 46). Ref. hat im vorigen Jahresbericht Gelegenheit ge-
nommen zu bemerken, dass diese Familie auch in Südafrica und
Nordamerica nicht fehle, und in Südamerica von den Gonjleptiden er-
setzt zu sein scheine, inzwischen sind ihm auch Südamericanische Arten
(aus Gu3'ana) vorgekommen. Eine Ostindische ist Acanthonotus niger
Koch von Bombay, so dass am Ende doch diese Familie über die ganze
Erde verbreitet ist. Dagegen scheinen die Gonjleptiden und Cosmeti-
den auf America, die ersten sogar auf Südanjerica beschränkt zu sein.
JLcari,
Wytfrachfdes. Eine Wassermilbe aus der See machte Phi-
lippi (in diesem Arch. VI, I. S. 191) als Pontar achna imnctulum bekannt.
Lvotlides. Vier neue Arten der Gatt. Ixodes beschrieb Lu-
cas (II. Caü. Ent. S. 47): I. pallipes, c/ncim; triUneatus, cinereolns.
GaniasUles, Hierhin gehört die Gattung Celaeno Koch
(Deutschl.Itis. 182. Hft.), von welcher 5 Arten, C.coccinea, rhodomela,
detrita, obsoleta, aegrota abgebildet sind, welche unter feuchtem
Moose leben.
A.curUJes, Koch (a. a. 0.) bildete ab : Acorus Sumbuci, auf der
Unterseite von Hollunderblättern, oblongulus, unter feuchtem Moose,
furinae Deg. im Mehl, hyaUnus, cubicularis, Siro L., im Staube und
Abfall von Stroh lebend.
Orihatiiles. Derselbe (a. a. 0.) führte die Gatt. Oppia mit
lArt., Cepheus mit 1 Art und Hoplophora (schon vergebener
Name) mit 10 Arten auf; die Characlere derselben sind im 3. Heft des
Arachnidensystems zu erwarten. In diese Familie gehören auch die
früher dargestellten Gatt. Nothrus, Damaeus, Pelops.
Kobineau-Desvoidy (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. VIII. S. 455)
beschrieb als eine neue Käfergattuug ein in einem alten Pilze gefun-
denes Thierchen, dem er den Namen Xenillus clyyeator ertheilte,
aus der Beschreibung geht aber hinlänglich hervor, dass dasselbe kein
Käfer sein kann, wohl aber eine Milbe der Gatt. Oribates, welches
(ebendas. S. 463) durch Lucas und Demary nach genauerer Unter-
suchung des Thieres selbst bestätigt wird. Audouiu (S. 472) be-
stimmte CS genauer als 0. cuötauea Henn.
248
Vycnogoniiles»
Kröyer (\atiirliisf. Tidsskr. III. S. 299. T. 3) lehrte die ersten
Zustände mehrerer Arten dieser Abtheilung, nämlich von Pycnogonum
littorale, Nijmphon grossipes und Phoxichilits femorulus (JSymph. fem.
Rathke) kennen. Der erste Zustand ist bei allen ganz Milben-artig.
Der Körper ist kurz, breit, gewölbt, ohne Spur von Gliederung, hin-
ten stumpf gerundet, vorn bei den beiden ersten in einen Schnabel
auslaufend, beim letzten nur schärfer gerundet. Alle haben 3 Paare
von Gliedmaassen. Das erste Paar befindet sich vorn am Körper, ist
gerade nach vorn gerichtet, 3gliedrig, die beiden letzten Glieder eine
Scheere bildend, deren Schneideü beim P7/c>iogonu?/i-Jangeo gezähnelt
sind. Die beiden anderen Paare stehen an den Seiten des Körpers
sind seitwärts gerichtet, Sgliedrig, bei den beiden ersten mit einer
am Ende gespaltenen Kralle, die beim ersten {Pycnogonum) sehr lang
ist: überhaupt sind hier diese Füsse stark, und das erste Gelenk mit
einer tüchtigen Borste bewaffnet. Beim Jungen von Plioxichiliis fehlt
die Klaue und die hinteren Füsse endigen mit einem langen einfachen
Faden. Einen solchen Faden besitzen jene dagegen am Grundgelenk
der Scheeren-förmigen Extremität (Maudibel), wo er bei Phoxichi-
lits fehlt.
Von Nymphon grossipes ist auch die zweite Verwandlungsstufe
beobachtet worden. Der Körper ist hier schmal, fast linienförmig,
nur vorn scheibenartig erweitert. Die Scheere hat noch ihren Faden
am Grunde und ist nur darin verändert, dass der feststehende Arm
einen Zahn erhalten hat, hinter welchen der bewegliche Arm sich ein-
legt. Die beiden früher vorhandenen Fusspaare sind lang, plump und
8gliedrig geworden, das letzte Glied mit einer grösseren und zwei
kleineren Klauen bewaffnet. Hinter diesen ist das dritte Fusspaar
zum Vorschein gekommen, kürzer als die vorderen, breit und platt,
Sgliedrig, zum Schwimmen geschickt, während die beiden vorderen
Paare nur zum Anklammern dienen. Zwischen der Scheere und
dem ersten Fusspaar am hintern Theil der scheibenförmigen Erwei-
terung zeigt sich jederseits noch ein kleines zMeigliedriges borsten-
förmiges Organ, vermuthlich die erste Spur der Lippentaster.
In diesen Zuständen halten sich die Jungen noch auf dem Leibe
der Mutter auf Die Länge von der Scheerenspitze bis zum Hinter-
rande des Körpers beträgt in der ersten Verwandlungsstufe bei Vy~
cnogonum littorale ^fo'"? bei Nymphon grossipes \"', bei Phoxichi-
lus femoratus ^^"'; in der zweiten Verwandlungsstufe beim Nymphon
grossipes f". Eie Mundöffnung war noch nicht zu entdecken.
Criistaceeu.
Die wichtigste literarische Erscheinung für diese Klasse,
der dritte Band von Milne Edwards „Histoire naturelle
249
des Crustaces, comprenant l'anatomie, la physiologie et la Clas-
sification de ces animaux (Suiles ä Buffon)" behandelt in vor-
züglicher Bearbeitung von eigentlichen Crustaceen die Edrioph-
thahnen, nämlich die ^ mphipoden, mit den Familien der
Flohkrebse und Hyperinen, die Laemodipodcn, mit den
Familien der Co/; r<?///e/- und Cyamier, iWelsopo den mit den
Familien der Idoteiden, Aselloten, Onisciden, Pranizier,
Sphaerotiiier, Cymothoaden, Jonler und Bopyiier, von
denen die ersten vier die Abtheilung der kriechenden, die drei
folgenden die der schwimmenden, die zwei letzten die der fest-
sitzenden bilden.
Die Crustaceen der Canarischen Inseln bearbeitete Brülle
in der „Hist. nat. des 11. Canar. par M. M. Barker Webb et
Sab. Berthelot."
Im Allgemeinen trägt auch die Crustaceenfauna dieses Gebietes
den Character der des Mittelmeeres, und selbst die meisten Arten
sind den Canarischen Inseln mit demselbeD, so wie mit den Europäi-
schen Küsten des Atlantischen Meeres gemein. Eine Ausnahme machen
Xantlio rufo-punctatus, Thalamita admete, Grapsus strigosiis, niessor,
Plagusia squuniosa, Alhimea symnista, welche in der Indischen See,
Plugusia clavimana, welche an den Küsten Neuhollands, und Lepto-
jiodia sagi'tfart'a, welche an den Antillen ihre Heimath haben. Die
letzte ist unter dem Namen L. lanceolata abgebildet und scheint bei
genauer Vergleichung in vielen Puncten von der Herbstschen L. sa-
gittaria abzuweichen, namentlich ist der Stirnfortsatz länger, die
Stachel hinter den Augen sind einfach und die Hinterbeine kürzer.
Ob bei den übrigen genannten Arten die Bestimmungen sorgfältiger
sind, muss dahin gestellt bleiben, da nur die Namen aufgeführt sind.
üecapoda*
Rathke theiKe (in diesem Archiv VI. I. S. 841) seine neueren
Beobachtungen über die Eutwickeluugsgeschichte der Decapoden mit,
welche auf der einen Seite Thompsons Entdeckungen auf das Voll-
kommenste bestätigen, und auf der andern Seite zeigen, dass bei ver-
schiedenen Formen die Jungen auch in einem sehr verschiedenen Zu-
stande der Ausbildung aus dem Ei kommen. Die Erfahrungen sind
gemacht au Astacus marinus, Pagurus Bernhardus, Galathea rngosa
und Ilyas araneus. Der erste hat ein dem ausgebildeten Zustande
entsprechendes Junges, nur sind die Gangfüsse und hinteren Kie-
ferfüsse am flüftgliede noch mit einem eigenen Anhang versehen,
welcher dem Palpus flagelliformis entspricht. Der Verf. nimmt an,
dass an den Gangbeinen dieser Anhang später abfällt, es wäre aber
auch möglich, dass er sich in folgenden Häutungen zu einem Kiem«
250
bogen entwickelte. Die übrigen kommen mit 3 Paar Ruderfiissen au
einem Cephalothorax und einem fiisslosen Hinterleibe aus dem Ei.
Hinter den Ruderfiis.sen, %velche den Beinen der lasecten entsprechen
und später die Kieferfüsse werden, entwickeln sich die späteren
Gangbeine. Leider kennen wir immer nur noch die ersten und letz-
ten Entvvickelungszustände, dass inzwischen noch manche Verände-
rungen vorgehen, zeigt die Beschreibung eines späteren Zustandes
von Hyas araneus. — Gleichzeitig hat auch Philippi (ebendaselbst
S. 184) den ersten Zustand von Pagnrus, eben so wie Thompson
den von Carcinus, der Gattung Zoe entsprechend gefunden.
MvacJijßiiTd. Mac Leay (Andr. Smith. Illiistr. of the Zool.
of South Africa N 111.) bat die Krabben der 8üdspitze von Africa
bearbeitet und dabei Gelegenheit genommen, die Eintheilung von
Milne Edwards nach seinem Ouinärprincip umzuformen. Da die Unter-
suchungen von Milue Edwards zum Grunde liegen, ist dieser Ver-
such von geringerem Inter.esse, als wenn er aus eigenen Beobach-
tungen hervorgegangen wäre. Um die Zahl der Abtheilungen der
Decapoden auf 5 zu bringen, sind die Brachjura in Tetrag07iosto?na
und Trigonosforna, die Macrouren in Scirohraiichi'a und Curidea ge-
spalten, die Tetragonostoma (die 3 ersten Familien der Brachyuren)
dadurch wieder in 5 Unterabtheilungen zerlegt, dass die Oxyrhjncha
M. E. in Innchina und Pa7-tlieiiopina getheilt und dass die Pinnotherinen
von den übrigen Catametopen M. E. ausgeschlossen sind und eine eigene
Unterabtheilung neben den Cancriuen und Grapsitien bilden. Die
Inachinen, Cancrinen, Grapsinen und die Ablheiluug der Trigonostoma
sind jede in 5 Familien zerlegt, deren letzte die Calappinen sind,
welche sich den Oxjrhynchen wieder anreihen, und so den in sich
selbst zurückkehrenden Kreis scliliessen, welchen nach der Mac Leay-
sehen Methode jedes Glied des Systems bildet.
Neue Gattungen sind Antilibinia, von der Americanischen
Gatt. Libinia nur dadurch unterschieden, dass die Augen nicht zum
Einlegen sind. Die Art, A. Smf/i/i\ gleicht ebenfalls der L. spinosa
M. Edw. in hohem Grade. Auf ähnliche Weise unterscheidet er Be-
Zi aanius (/). aranthoiiyx) von Acanthouyx, dass bei ihr die Augen
zum Einlegen sind, bei Acanthonj-x nicht. Der Verf. legt so viel
Werth auf diesen Umstand, dass er seine Familie Epialtidae danach
von den Mithraciden und Hueniden absondert, er scheint aber sowohl
bei Antilibinia wie bei Dehaauius nicht einmal hinreichenden Grund
zu einer generischen Trennung zu geben, so gross ist dieUeberein-
stimniung mit Libinia und Acanthonyx, und eine Eintheilung, welche
so übereinstimmende Formen trennt, ist durchaus künstlich. — Xu Iva,
mit Carcinus zunächst verwandt, durch die Form des 3. Gliedes der
hintersten Kieferfüsse unterschieden, %velches fast quadratisch, an -der
Basis gekielt, an der Spitze schräg al)geschnitten, an der Ausscnseite
zugespitzt, am Innenrande über der Mitte ausgeschnit(en ist. Eine
neue Art, X. pukhdla. — Gnathoc/iasmus, mit Chasmoguathus
251
und Pachysomus De Haan darin übereinkommend, dass sich ein Kamm
am Innenwinkel des 3. Gliedes schräg zum Aussenwinkel der Basis
des 2. Gliedes der letzten Kieferfüsse erstreckt, in den bogenförmigen
Seiten der Schale mit der ersten, in den ganzrandigen (entire) Seiten
mit der letzten zusammenstimmend. Eine neue Art, Gn. barbatus. —
Grapsillus ist TrapezJa Latr., und indem es zu den Grapsoiden
gezählt ist, auch die richtige systematische Stellung verkannt j von
3 als neu aufgeführten Arten ist die eine Gr. dentatus die weiter ver-
breitete Trap. CymodoceAud., ferrugineaRüpp., Canc. Cymodoce Hbt.
— Leucisca, scheint von Leucosia hauptsächlich dadurch unter-
schieden zu sein, dass der Stirntheil der Schale sich über die Mund-
Öffnung hinaus verlängert. Eine neue Art, L. squalida. — Ausserdem
sind neue Arten aus den Gatt. Acaiithonyx, Mithrax, Atergatis De. H.^
Chlorodins, Ilulimede De H., Eriphia, Achelous De H., Charybdis
De H., CleistotomaDeU., Plagvsia, Goniojisis De H., Naut/'lograjjsiis,
Dromia aufgeführt. Bemerkenswerth ist auch das Vorkommen der
Nordamerikanischen Sesarma reticulata Say.
Die Gruppe der Calappinen wurde noch mit 2 neuen Gattungen
bereichert. Cryptosoma Brülle (II. Canar. Ent. S. 16. T. F. 2)
ist mit Mursia zunächst verwandt, aber ohne Stachel an den Seiten
und mit fast lanzettförmigem Endgliede der hinleren Beine. C. den-
tatum (C. crhiutnm auf der Taf.) von den Canarischeu Inseln. —
Thealia Lucas (Ann. d. 1. Soc. Ent. d. Fr. Vlll. S. 573. T. 21) einer
Matuta sehr ähnlich, die Füsse aber keine Schwimmfüsse, sondern
ganz einfach. Th. accmthophora, aus dem Chinesischen Meer.
JfEacrourn. Den Magen des Flusskrebses hat Oesterlen
(Müll. Arch. f. Anat. Phys. u. s. w, 1840. S. 386) einer sorgfältigen
Untersuchung unterworfen.
Brülle (II. Canar. Ent. S. 18) erwähnte eines bei den Canari-
schen Inseln einheimischen Palaernon spinosus, von welchem ihm nur
eine Zeichnung mitgetheilt worden, welche an die Gatt. Oplophora
M. Edw. erinnert. — Palaenwn brevirostris aus dem schwarzen Meer
unterschied Andrzeiowski (Bull. Mose. 1839. S.22) von P. squilla
darin, dass das Rostrum so lang ist als die Fühlerplatten (nicht Kie-
fer), oben mit 6— 7, unten mit 1 — 8 sehr kleinen Zähnen, und dass die
Finger der Scheere so lang als die Hand sind. — Peiieus slphomce-
rui, durch die eine Röhre bildenden Geissein der obern Fühler sehr
merkwürdig, wurde vonPhilippi in diesem Archiv S. 190. T. 4. F. 3,
bekannt gemacht.
Stoni II j) oda»
Eine neue ausgezeichnete Art, Squilla oculata, bildete Brülle
(11. Canar. Eut. S. 18. T. F. 3) ab.
252
Atnphipoffa.
Cammanis stagnalis unterschied Andrzeio wski (Bull. Mose.
1839. S. 23) vom G. pulex durch die viel grösseren, elliptisch-nieren-
förmigen Augen und die Schwauzanhänge, welche nicht kürzer
sondern länger als die beiden letzten Schwanzglieder sind.
I« op oda.
Asellota. Eine neue Gattung Xetixo stellte Templeton
(Transact. Ent. Soc. Lond. S. 203. T. 18) auf, welche zu den A. Hete-
ropodis gehört, und mit Tanais M. Edw. in allen wesentlichen Stük-
ken übereinstimmt, mit Ausnahme des jederseits eingeschnittenen
letzten Körpersegments und der längeren und vielgliedrigen Schwanz-
anhänge. Die Art Z. Wesficoodiana ist von Isle de France.
Oniscidae» Das ISOste Heft der Panzerschen Insectenfauna
(zugleich das 34sle von Koch's Deuschlands Crustaceen, Myriapoden
und Arachniden) ist den Asseln gewidmet, und zugleich giebt Koch
seine Eintheilung derselben an. Sie bilden drei Familien Armadilli-
dett, Ünisciden und Ligiiden, welche nach der Bildung der Schwanz-
anhänge unterschieden sind: bei der ersten ist das Endglied breit
spatelförmig, bei der zweiten lanzett- oder pfriemenförmig, bei der
dritten fadeu- oder borstenformig mit einem Seitengriffel. Die erste
Familie enthält die beiden Gatt. F ent heu s {Armadillo Brandt) und
Armadillo {ArmadiUidium Dr.), die zweite die Gattung Itea mit
1-gliedriger Fühlergeissel, identisch mit TrichoniscusBv., Porcellio
mit 2-, Oniscus mit 3gliedriger Fühlergeissel, endlich Philoscia,
dem Verf. unbekannt; die dritte Familie besteht aus den Gatt. Ligta
und Zia, letztere Brandt's Ligidium. Abgebildet sind Pentheus pun-
ctatus, ohne Zweifel Arm. officinarum Br., Armadillo opacns, einerlei
mit Brandt's Armadillid. Zenkeri, 2 neue Arten von Itea, Porcellio sca-
her und 11 neue Arten derselben Gatt., Oniscus tnadidiis, eine neue,
von 0. murarius durch geringere Grösse und andere Verhältnisse der
Fühlerglieder unterschiedene Art, Zia agilis und eine neue verwandte
Art und Pherusa alba. Diese letzte ist in der Adelsberger Grotte
einheimisch, rein weiss von Farbe, und bildet eine eigene Gattung,
welche sich durch gänzlichen Mangel der Augen auszeichnet, über
deren systematische Stellung der A'erf. in Ungewissheit blieb, da dem
von ihm untersuchten Exemplare die Fühler und Schwanzanhäige
fehlten. Nach der Beschaffenheit der letztem gehört diese Assel zur
zweiten Gruppe , in welcher sie sich durch eine 8-gliedrige Fühler-
geissel sehr auszeichnet.
X:piefiritles. Kröyer (\at. Tidskr. III. S. 103 und 289) hat
eine neue Art von Bopyrus nach beiden Geschlechtern und in ver-
schiedenen Entwickelungszuständen sehr sorgfältig beschrieben. Sie
lebt auf einer Hippoljte im Christians-Sund, und ist nicht unter dem
Panzer, sondern der Bauchseite des zweiten Schwauzringes aoge-
253
heftet, so dass die Hinterleibsspitze gegen den Brusttheil des Krebses
gerichtet ist, und wird in dieser Stellung von den überragenden Rük-
kenscliienen der Schwanzsegmente bedeckt. Dieser beständigen An-
heftungsstelle gemäss ist die Art B. abdominalis benannt worden.
Das ausgewachsene Weibchen ist dunkel bläulich puri)urroth, die
Rückenseite flach, die nach aussen gekehrte Bauchseite sehr couvex,
der Körper sehr unsymmetrisch, der Kopf gewöhnlich nach rechts
gewandt. Die 7 vorderen Körperringe sind fast verschmolzen, der
erste mit beiden, die übrigen jeder nur mit einem verkümmerten
Fusse. Von den 6 Schwanzsegmenten haben die 4 ersten jederseits
ein Kiemenblatt. Die Bauchseite wird fast ganz von 3 grossen und
2 schmäleren seitlichen Platten bedeckt, unter denen Eier und Brut
geborgen sind. Weniger weit entwickelt, ist die Unsjmmetrie des
Körpers noch nicht so gross und die Segmente sind noch deutlich
abgesetzt. Noch jüngere Weibchen sind ganz symmetrisch, schmal,
die 7 ersten Körperringe jeder mit einem Fusspaar, die Schwanz-
segmente mit 5 Paar Kiemenblättern. Diese jungem Weibchen haben
auch Augen, welche später verschwinden. Das Männchen hält sich
immer auf dem Weibchen auf, ist erwachsen viel kleiner, schmal,
symmetrisch, mit 2 Paar kurzen Fühlern, 7 Paar Klammerfüssen, die
Schwanzsegmente ganz fusslos. Bei jungen Männchen haben diese
5 Paar Schwimmfüsse und es ist erst eine Spur der obern Fühler da.
Die eben aus dem Ei gekommene Brut weicht in mehreren Stücken
von der von Rathke beobachteten des B. squillarum ab. Der Körper
ist kurz eiförmig gewölbt, mit einem Paar langer und starker, an
den Körper zurückgelegter (vielleicht auch einem zweiten Paar
innerer) Fühler, 7 Paar Klammerfüsse, hinter diesen 5 Paar Schwimm-
füsse, zuletzt mit einem Paar Füsse oder Schwanzanhänge mit dop-
peltem Endgliede. Von Augen keine Spur, vielleicht im Weingeist
verloren gegangen. ;
Myriapotla»
Brandt hat eine Reihe von Mittheilungen über diese Abtheilung
in den Bulletins der Acad. der Wiss. zu St. Petersburg (V — IX.) ge-
macht und diese verschiedenen Abhandlungen unter dem Titel „Re-
cueil de memoires relatifs ä l'ordre des Insectes Myriapodes" (Petersb.
GraefF, Leipz. L. Voss. 1841) gesammelt. Sie sind meist aus dem
Jahre 1840. Die erste Abhandlung der Sammlung betrifft die allge-
meinen Verhältnisse der Abtheilung. Hinsichts der systematischen
Stellung der Myriapoden ist der Verf. zu dem Resultat gekommen,
sie den Insecten zuzurechnen, indem in der Form der Respiration
der unterschied zwischen den Klassen aufgestellt ist, jenachdem die-
selbe durch Tracheen oder Kiemen vermittelt wird, so dass die Klasse
der Arachniden aufgehoben, und die sogenannten Lungenspinnen den
Crustaceen, die Tracheenspinnen u. s. w. den Insecten zugewiesen sind.
Ref. hat oben (S. 148) seine Bedenken gegen diesen Eintheilungsgrund
254
geäussert, und zweifelt nicht, dass die zur Zeit in diesem Puncte
nicht ganz übereinstimmende Ansicht seines trefflichen Freundes sich
mit der seinigen dahin vereinigen werde, dass ein solcher Unterschied
zwischen den Insecten, Arachniden und Crustaceen, wie man bisher
angenommen hat, nicht statt finde, sondern dass dieselben in ihrer
Organisation aufs Engste verbunden sind, und dass ihre Trennung
von einem andern Gesichtspuncte aus aufzufassen sei. Der weitere
Theil dieser Abhandlung bezieht sich auf die Eintheilung der Myria-
poden. Es sind hier die saugenden (8iphonozantia) den übrigen als
Unterordnung en(gegengesetzt, gleichwohl ist der Verf sehr geneigt,
ihre naturgemäss nähere Verwandtschaft mit den Chilognathen als
mit den Chilopoden anzuerkennen.
Chilognatha» Seine Beobachtungen über die Anatomie von
Glomeris hat Brandt in Rücksicht auf das Muskel- und Tra-
cheens3-stem erweitert, sich überzeugt, dass die Äusführungsgänge
der paarigen absondernden Bälge des Rückens zMar sehr genähert,
aber nicht vereinigt sind, und gefunden, dass bei den Männchen der
einfache Ausführungsgang des Hoden hinter dem zweiten Fusspaare
sich in zwei Gänge spaltet, welche in ein Paar hinter dem zAveiten
Fusspaar gelegener Schüppchen ausgehen, sodass die Mündungen der
männlichen Geschlechtsorgane mit denen der weiblichen übereinstim-
men, und die eigentbünilichen Organe vor dem After als Organe zum
Festhalten oder zum Reiz erscheinen. Das hintere Ende des Hoden
steht durch einen kleinen Gang mit der Prostata in Verbindung. Die
Weibchen haben 2 sehr kurze Eierleiter, aber einen einzelnen Eier-
stock, an welchem nur in der zweizeiligen Anordnung der Eier eine
Spur von Duplicität zu erkennen ist. Nur die elliptischen, dem Eier-
stock ansitzenden Eier zeigten ein Keimbläschen, die schon gelösten
runden nicht mehr. — Auch ülrer die Lebensweise der Glomeris hat
der Verf. seine Beobachtungen mitgetheilt. Im Ganzen sind diese
Thiere sehr träge und bringen oft lauge Zeit zusammengerollt zu.
Ihre Nahrung finden sie leicht, sie besteht in modernden Vegetabilien.
Sie lieben einen gewissen Grad von Feuchtigkeit, und kommen bei
zu grosser Trockenheit wie bei zu grosser Nässe um. Ihre Bewe-
gung ist unbeholfen und langsam, rhythmisch mit den vielen Beinen
kriechend. Das Gesicht ist schwach, der Tastsinn scheint dagegen
in der Fühlerspitze sehr entwickelt zu sein. Aus den paarigen ab-
sondernden Bälgen des Rückens spritzen sie «ine weisse, ein wenig
schleimige Flüssigkeit. — Arten der Gatt. Glomeris führt der Verf.
zehn auf; Gl. marmo7-ataO\. und nobilisKoch sind als Abänderungen
mit Gl. Umhat a Latr. (niarginata Leach) verbunden, indess Mohl
kaum mit Recht, indem Unterscliiede in der Sculptur mit denen in
der Färbung verbunden sind. Glomeris gehört der Europäischen Fauna
eigenthümlich an, und kommt in Asien und Africa nur da vor, wo
sich der Europäische Character in der Fauna noch geltend macht.
Sphaerothertum und Sphaeropoens scheinen die entsprechenden
255
Formen, ersterer iu Africa (von Aegypten bis zum Cap), letzterer in
Ostindien zu sein. Von ersterem führt der Verf. 11 sichere und
3 zweifelhafte, von letzterem 3 Arten auf. Mit Unrecht hat Gervais
beide Gattungen unter Zephronia Gray, welche dem früher auf-
gestellten Sphaeropoeus Br. entspricht, vereinigt.
Eine neue Gatt. Li/si'opetalo7i (Jiil. foetidissimus ^&vi und eine
neue Art) verbindet die Jiiliis mit den Glomeriden, indem, wie hier,
die Fusstragenden }?ichuppen frei sind. — Jufus selbst bildet eine
grosse, in mehrere Untergattungen aufgelöste Gattung, welche mit
vielen neuen Arte» bereichert ist. Die Untergattung Jultis ist auf
Europa und Nordamerica beschränkt. Der J. Pensijlvaniciis des Verf.
könnte wohl eine eigene Abtheilung bilden, in Rücksicht auf die beim
Männchen wunderlich erweiterten Vorderfüsse. /. foetidus Koch ist
noch von der Untergatt. Julus unter dem Namen Uiiciger abgeson-
dert worden. Die 3 Untergatt. isiSpirostrep/i07i, J. Iacta7-ms Say,
die 3. Spirostreptus enthält die grösste Anzahl der exotischen
Arten, in zwei Abth. Nodopyg e und Odontopyge gesondert, je
nachdem die Seitenschuppen des Afters keine oder eine Spitze am
Oberwinkel haben j die 4. Spiro^cylistus und 5. Spiropoeus ent-
halten jede nur eine, die G. SjJtroöolus wieder mehrere exotische,
zum Theil grosse Arten.
Lucas (Ann. d. 1 Soc. Ent. d. Fr. IX. S. 55 T. 4 F. 1) beschrieb
einen bei Paris entdeckten neuen Julus, J. musconim, mit deutlich
längsgestreiften Körpersegnienten.
Auch Foly desmus hat Brandt (a. a. 0.) mit mehreren Arten
vermelirt, die Eiutheiluug ist aber noch nicht natürlich. Fontaria ist
als Gattung festzuhalten, sowohl in Rücksicht auf die Form als die
stachligen Trochanteren. VoUjdesmus w'ndiVM^J*. coniplanatus, ser-
ratusSny, granulatus Say und einige noch unberücksichtigte Europäi-'
sehe Arten zu beschränken sein, bei denen die Stigmen innerhalb des
Randes der seitlichen Fortsätze liegen. P. Merjenii und eine ähnliche
Indische Art hat ähnliche Lage der Stigmen, aber andere Verhältnisse der
Fühlerglieder. Die übrigen grösstentheils Americauischen Arten haben
die Stigmen grade auf der Kante der seitlichen Fortsätze, und scheinen
fast näher mit Strongylosoma als mit Polydesmus verwandt zu sein.
Motschoulski (Bull. Mose. 1839. S. 44) sieYLie Leiosoma ro»
seum als neue Gattung und Art vom Caucasus auf, welche in-
dess schwerlich von Polyzonium Geruianicum Br., Platyulus Audoui-
nianus Gerv. verschieden ist.
Chilopo«la. Brandt (a. a. O.) hat auch die Gatt. Scolopen-
dra einer kritischen Revision unterworfen, und sie mit einer Anzahl
neuer Arten bereichert. Aus einer derselben. Sc. Bahie?is/s, bildet er
eine eigene üntergatt. Scolopen dropsis , welche sich durch vorn
nicht ausgerandetes erstes Rückensegment, 23 Fusspaare u. s. w. von
der Hauptgattung unterscheidet. — Lucas (II. Canax. Ent. S. 49)
fülirte 3 neue Arten von den Canarischen Inseln, Scolop. valida und
256
angusta auf, Algierische Arten beschrieben Koch und Brandt (Wagn,
Algier III. S. 223 und 285): der Erstere: Scolopendra ScopoUana,
Gervaisiana , Lithohius t'nipressirs (den Br. für L. nudlcornis Gerv.
hält), Geophilus rugulosus (= amöiguus Br.), G. fiiscatus Q=dtibms
Er.), der Letztere noch Gcoph. viridipes und algericus.
ditomostracecn,
Mi Ine Edwards hat sich ein grosses Verdienst erwor-
ben, in seiner Hist. nat. des Crustaces (Suit. jx Buffon) T. III.
eine sehr vollständige Uebersicht über den zeitigen Inhalt die-
ser Abtheilung gegeben 7a\ haben. Sie ist bei ihm noch mit
den Crustaceen unmittelbar verbunden. Die ausgestorbene Ord-
nung der Trilohiten schliesst sich auf der einen Seite den
Isopoden, auf der anderen den B ranchiopf) den an, scheint
indessen nur mit den letzteren in wahrer Verwandtschaft zu
stehen. Den Namen Entomostraca, den Ref. nach dem
Vorgange Latreille's auf diese ganze Klasse ausdehnt, beschränkt
der Verf. auf die Unterabtheilung derselben, welche die Ostra-
coda und Copcpoda bilden. An diese schliessen sich die so-
genannten Siphonostomen, als eigene Unterklasse, und in
gleichem Range die Xiphosiira, welche ihrer Organisation
nach natürlicher an der Spitze als am Ende der Klasse stehen.
Die Pycnogoniden sind hier als eigene Ordnung der Siphono-
stomen behandelt. Dagegen sind die Cirripeden ausser ße-
•trachtung geblieben.
Phyllopoda,
üie Naturgeschichte der Jrtetnia saltna ist von Joly (Ann.
d. scieuc. nat. II. Ser. XIII. S. 225) ausführlich erläutert worden. Den
Innern Bau betreffend, durchläuft der Nahrungscanal in gerader Rich-
tung den Körper, ohne eine Abtheilung in Magen und Darm oder
irgend eine Erweiterung zu zeigen. Vor seinem Anfange liegen zwei
blasige Körper, aussen gewunden, inwendig in Zellen getheilt er-
scheinend (wahrscheinlich Speichelabsonderungsorgan). Den Nahrungs-
canal begleitet ein cylindrischer Körper bis zum untern Theile des vier-
ten Schwanzsegments, wo er plötzlich aufhört. Vielleicht die Leber.
Er steht mit dem Darm in Verbindung; Farbestoffe, in denselben
gebracht, dringen auch in ihn ein, er enthält aber niemals Koth. Er
besteht aus einer Menge kleiner blinder Quergänge, welche wahr-
scheinlich in den Darm münden. Das Herz fängt im letzten Körper-
segmeut an, erstreckt sich gefässförmig bis zu den Speicheldrüsen,
besteht aus 18 — 20 Röhren, von denen die hintere immer ein wenig
257
in die vordere hineinragt, endigt mit freier Mündung, stimmt also
durchaus mit dem Rückengefäss der Insecten überein. Circulation sah
der Verfasser überall, aber keine Spur von Gefässen. Vom Nerven-
system erkannte der Verfasser nur die Sehnerven. Alle erwach-
senen Individuen zeigen an den beiden ersten Schwanzringen ein Paar
äusserlicher Ovarien. Männchen beobachtete der Verf. nicht. Er
nimmt an, dass diese Thiere entweder hermaphrotisch sind (und in
diesem Fall glaubt er in einem Paar seitlicher Drüsengruppen des Eier-
sacks die Hoden zu erkennen), oder, was auch Andere bei anderen
Entomostraceen beobachtet haben, dass die Männchen seltener er-
scheinen, und eine Befruchtung sich auf mehrere Generationen von
Weibchen erstrecke. Jedes Weibchen legt 3 — 4 Mal. Oft verlas-
sen die Jungen noch im Eiersacke die äussere Eischale, und sind, die
Küsse an den Leib geschlossen, noch von einer dünnen Haut um-
geben, welche sie gleich nach dem Austritt, selten schon vor demsel-
ben sprengen. Bald nach dem Gebären häutet sich die Mutter; über-
haupt häuten sich diese Thiere oft, im Frühling und Sommer etwa
alle 5 oder 6 Tage. Aus dem Ei kommen die Jungen mit einem läng-
lichen ungegliederten Körper, einem einzelnen Auge und 3 Fusspaaren,
das erste einfach, fühlerfönnig, ungegliedert, das zweite grosse starke,
das dritte schwächere Ruderfüsse. In den nächsten Häutiuigen wird
der Körper lang gestreckt, der Hinterleib setzt sich vom Vorderleibe
ab, und am Grunde desselben treten seitlich warzenförmige Vorra-
gungen hervor, die ersten Andeutungen der späteren Kiemenfüsse.
Etwa 14 Tage nach dem Ausschlüpfen zeigen sich schon die seit-
lichen Augen, die Warzen an den Seiten des Hinterleibes mehren sich,
die vorderen setzen sich mehr ab, und entwickeln sich von vorn
anfangend allmälig in die Kiemenfüsse. Wenn diese ausgebildet sind,
verändern sich die ursprünglichen Schwimmfüsse. Sie verlieren zu-
erst ihre Borsten, ihre Muskeln obliteriren, sie selbst schwinden ein,
das vordere Paar verändert sich in die sogenannten Kopfhaken, das
hintere, nach dem Verf., in die Maudibeln. Dies letzte scheint ein
Irrthum zu sein, vermuthlich obliterirt es ganz. Das vorderste Paar
bleibt ziemlich in seiner ursprünglichen Gestalt zurück. Es folgt aus
diesen Beobachtungen, dass die Fühler hier (und bei dem nahe ver-
wandten Branchipus) fehlen, die dafür genommenen Organe sind
die Vorderbeine, die Mittelthoraxbeine sind die Kopfhaken, die Hin-
terthoraxbeine, welche in der Jugend vorhanden sind, gehen ein (?),
und alle Kiemenfüsse gehören dem Hiuterleibe an. Hiernach bleibt
Branchipus mit Apus eng verbunden.
Artemia salina findet sich in Salzlachen. Sie ist omnivor. Häufig
nimmt ihr Nahrungscanal eine rothe Färbung an, und bei der Menge,
in welcher sie vorkommt, hat man sie für die Ursache einer gleichen
Färbung des ganzen Gewässers augesehen. Der Verf. zeigt, dass
diese Färbung sowohl des Gewässers als der Artemia von einem In-
fusorium herrühre, das er Monas Dunalii nennt, welches jene Salz-
Anhiv f. Naturgcsch. VU. .Jahrj,'. 2. Hil. 17
258
lachen erfüllt, und welches dann eine Hauptnahrung der Artenüa bildet.
Er zeigt zugleich, dass das, was man unter dem Namen Haematoccus
und Protococcus als vegetabilische Organismen betrachtet habe, sich
als todte Individuen und Eier jener Monade auswiese, so dass diese
allein die Ursach jener rothen Färbung sei.")
Andrzeiowski (Bull. Mose. 1839. S. 23) stellte eine neue L?m-
nadia auf, L. Borysthejtica, einer Cjxlas ähnlich, 6 — 8"' lang,
die Schale mit concentrischen Furchen gezeichnet.
Ijophyropoda.
Philippi (in diesem Archiv VI. I. S. 186) bereicherte die Ostra-
coda mit einer neuen Gatt. Jsterope (^en/pffca), die Copepoda mit
3 neuen Gatt.: Najiplius (nicht mit dem O. F. Müller'schen zu ver-
wechseln), Laophonte, Psumathe, Thyone. Eine neue Art von
Ly/iceiis, L. glolosits, Avurde von Andrzeiowski (Bull. Mose. 1839
S. 83) bei Kiew auf den Borysthenischen Inseln in Menge entdeckt.
Ä ip h onosto m tf«,
Pickering und Dana(Amer. Journ. of Scienc. and Arts XXXIV.
S. 225, daraus Isis 1840 S. 201) haben den Innern Bau des Caligus
americamis untersucht. Sie widerlegen zuerst die Meinung, dass
diese Thiere Blut sögen, was theils der Bau des Mundes nicht gestatte,
.theils fände man nie Blut im Magen. Sie nährten sich also wahr-
scheinlich von Schleim. Nervenknoten sind nur 2 vorhanden, dicht hin-
ter den Augen, eines über, das andere unter dem Schlünde. Der erste
giebt Nerven ab an die Augen, Fühler und die (häufig für Augen an-
gesehenen) Saugnäpfe, der zweite an alle übrigen Theile des Körpers.
Der Nahrungscanal besteht aus einer dünnen Speiseröhre, breiten herz-
förmigen Magen und einem Darm, der hin und wieder mit Drüsen
besetzt ist. Das Blut strömt frei im Körper und seine Strömung wird
durch verschiedene Klappen regulirt. Ein Herz ist nicht daf?). Die
Athmung geschieht nach Ansicht der Verf. nicht durch die Pinnulae,
sondern auf der ganzen Oberfläche des Körpers. Die Hoden und
Ovarien liegen bei beiden Geschlechtern im letzten Bauchlappeu, beim
Weibchen treten die Eierstöcke weit aus dem Körper heraus. Bei bei-
den Geschlechtern liegt ein birnförmiges drüsiges Organ zu jeder
Seite des Magens und schickt einen Ausführungsgang beim Männchen
an die Hoden, beim Weibchen an die Eierstöcke.
*) Der Raum gestattet es mir nicht, hier den Bericht über die schö-
nen und ausführlichen Untersuchungen vonZaddach über Apus cancri-
formis (Bonn. 1841) schon jetzt anzuschliessen. Auch den Bericht über
die vorweltlichen Insecten und Crustaceen muss ich bis zum nächsten
Jahre versparen. Die während des Druckes dieses Berichts eingegan-
genen Transact. of the Entomol. Soc. of London sind zum Theil noch
benutzt, von den übrigen Abhandlungen wird im nächsten Jahrgange
der Bericht erstattet werden.
259
Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte
der Mollusken während des Jahres 1840.
Von
Dr. F. H. Troschel.
Da siclv. die Masse der Arbeiten in der Zoologif überhaupt,
und über Mollusken in's Besondere von Jahr zu Jahr zu
mehren scheint, der festgesetzte Raum für die Jahresberichte
aber in dieser Zeitschrift nicht verliältnissmässig und nach
jedesmaligem Bedürfniss erweitert werden kann, so sehe ich
mich immer mehr genöthigt, von dem anfänglichen Plane, in
dieser Thierklasse möglichst alle Diagnosen, oder doch Andeu-
tungen zur näheren Bezeichnung der neuen Arten zu geben,
abzuweichen. Ich muss mich daher in vielen Fällen begnügen,
nur die Namen der Arten, ja selbst die der Gattungen anzu-
führen, so dass die Leser dann allein auf die Quellen verwie-
sen sind. Diesen nothvvendigen Mangel bedaure ich um so
mehr, da ich weiss, dass bei den Sammlern die richtige und
leichte Bestimmung der Arten besonders wünschenswerth ist,
und dass Mancher den Jahresbericht unbefriedigt aus der Hand
legen wird, da ein blosser Name ihm auch nicht einmal eine
Vermuthung über die Art geben kann.
Ein für die Literatur wichtiges Werkchen erschien von
Gio. Battista Bonola „Delle bibliografia malacologica ita-
liana. Diss. inaug. Milano 1839." Ks enthält eine Aufzählung
der in Italien erschienenen Bücher über Mollusken von 78Schrift-
stellern, mit einigen Angaben über deren Inhalt.
Drei Arbeiten, von denen früher nur der Titel angezeigt
werden konnte, habe ich jetzt erhalten: L. Brumati „Catalogo
sistematico, delle Conchiglie terrestri e fluviatili asservate nel
Territorio di Monfalcone. Corizia 1838." Es enthält die Be-
schreibung von 90 Arten, unter denen die Gattung Helix
(35 Arten) vorherrscht. Mehrere neue Arten sind beschrieben
17*
260
und auf einer Steindrucktafel abgebildet; sie werden untea
genannt. Im Allgemeinen stimmt diese Fauna mit der Fran-
zösischen und Deutschen überein.
C. Porro „Malacologia terrestre e fluviale della provincia
Comasca. Milano 1838." Im Ganzen werden hier 111 Arten
beschrieben, unter denen mehrere neue, die unten aufgeführt
werden. Auf zwei Kiipfertafeln sind die neuen Arten abgebildet.
Terver „Catalogue des Mollusques terrestres et fluviati-
les observes dans les possessions fran^aises au nord de l'Afri-
que. Paris et Lyon 1839." Diese Schrift ist für die Mollus-
kenfauna Algeriens wichtig. Viele Arten kommen auch im
südlichen Eyuropa vor, viele sind neu. Es werden 42 Arten
der Gattung Ilelix, 5 BuUmus, 2 Achatina (incl. Polyp Iiemiis),
3 Pijpa, 1 Vertigo, 2 Cyclostoma, 5 Planorhis, 2 Physa,
3 TJnmaeus, 1 Ancylus, 2 Melania, 5 Paludina, 2 Neritma,
2 Unio, 2 Cyclas aufgeführt. Vier Steindrucktafeln sind bei-
gegeben. Die neuen Arten nachträglich anzugeben, scheint mir
weniger nöthig, da das Werkchen leichter zugänglich ist, als
die beiden eben besprochenen italienischen.
Dann ist noch eines Werkes nachträglich Erwähnung zu
thun, das in Liefenuigen erscheint, und bereits ziemlich weit
vorgerückt ist, aber bis jetzt in Berlin noch fehlte, nämlich
G. B. Sowerby „The conchological Illustrations or coloured
figures of all the hitherto unfigured recent Shells. London,"
Es sind bereits gegen 200 Lieferungen erschieuen, deren jede
eine Tafel mit Abbildungen und ein erklärendes Blatt Text
(Verzeichniss der Arten) enthält. Die Abbildungen sind sehr
kenntlich und erleichtern ungemein die Bestimmung, daher ist
das Werk für grössere Sammlungen unentbehrlich. In den
erschienenen Lieferungen sind Arten aus den Gattungen Cy-
pj'aea, Cancellaria, Nucula, Amphidesvia, Eburna, Bulinus,
Conus, Chiton, Cardium, Eulima, Murex, Fissurella, Mo-
nocei'os, Ranclla, Neritina, Margarita, Chilina enthalten.
Von demselben Verfasser erschien „A conchological ma-
nual London 1839." Dasselbe enthält in alphabetischer Ord-
muig die Gattungen der Mollusken (einschliesslich der Cirri-
pedien und Foraminiferen), mit kurzer Charakteristik durch gute
Abbildung einer oder einiger Arten repräsentirt. Es wird dadurch
sehr geeignet, in das Studium der Conchyliologie einzuführen.
261
In „the Cabinet Cyclopaedia coiulnctet by the Rev. Diony-
sius Lardner etc. Natural Ilistory" erschien von William
Svvainson „A Trcatise on Malacology or Shells and Shell-
fish. London 1840. 8." Das Buch besteht aus einem allgemei-
nen und einem speciellcn Theile, und enthält viele sehr kennt-
liche in den Text eingedruckte Holzschnitte. Der zweite Theil
entliält eine Klassification der Schnecken und Muscheln, in der
eine grosse Menge alter und neuen Genera aufgeführt und
ganz kurz charakterisirt wird. Zu jedem sind eine oder einige
Arten als Beispiel t^itirt,' oft auch abgebildet. Der Kaum er-
laubt es nicht, auf Einzelnheiten cinzugchu. Neue Arten
werden nicht aufgestellt.
Ein neues Unternehmen ist von J. D. W. Hart mann
unter dem Titel „Erd- und Siisswasser-Gasteropoden. St. Gallen
1840" begonnen, und wird heftweise herausgegeben. Im ge-
nannten Jahre sind die beiden ersten Hefte erschienen, deren
jedes 6 Tafeln, nach des Verf. eigenen Zeichnungen in Kupfer
gestochen, nebst dazugehörigem Texte enthält. Die Abbildun-
gen sind sehr hübsch und naturgetreu, und der Text, welcher
auch umständliche Beschreibungen der Thiere enthält, ist wohl
geeignet, die Keuntniss von den genannten Mollusken zu för-
dern. Es tritt das Bestreben hervor, viel zu unterscheiden,
und die Gattungen werden vielfach gespalten. Auch auf Varie-
täten wird vielfach Rücksicht genommen. Uebrigens beschränkt
sich das Werk auf die Schnecken Deutschlands und der Schweiz.
Von D'Orbigny's „Voyage dans l'Ainerique m6ridio-
nale" sind in der 49. Lieferung wieder 4 Bogen Text erschie-
nen, auf welchen die Familien Lillovinidac, Fyramkhllkhic,
Naticidae, Neriüdae und der Anfang der Trochidae behan-
delt werden. Viele Bemerkungen über die Thiere dieser A.b^
theilungen und die schönen Beschreibungen der vielen neuen,
wie der bereits bekannten Arten, liefern von neuem den Be-
weis, wie sorgfältig der Verf. auf seiner Reise gesammelt, und
wie gut er sein Material zu bearbeiten verstanden hat.
Derselbe bearbeitete in derHistoire naturelle des lies Ca-
naries par Barker- Webb et Sabin Berthelot, den Abschnitt
über Mollusken, welcher nujuuehr vollständig erschienen ist.
Interessant sind hier wieder die Betrachtungen, welche Verf.
über die geographische Verbreitung dieser Thiere anstellt. Im
262
Ganzen sind auf und an den Canarischen Inseln 195 Arten.
Von diese« finden sich an den Europäischen Küsten 82 Arten:
2 an den Küsten des Oceans, 54 an den Küsten des Mittel-
meers, 26 an den Küsten des Oceans und des Mittelmeers
gemeinschaftlich; ferner kommen zugleich an der Africanischen
Küste 44 Arten vor, von denen 19 dem hohen Meere, 25 den
Küsten selbst angehören; 69 Arten endlich sind den Canarischen
Inseln eigenthümlich. Die Fauna stimmt also weit mehr mit
der des Mittelmeers überein, als mit der näher gelegenen West-
küste von Africa. Nach den Klassen vertheilt sich die Zahl
der Arten so: Cephalopoden 8, Pteropoden 12, Gasteropoden 140
(Heteropoden 4, Nudibranchien 5, Tectibranchien 2, Pulmo-
branchien 57, Pectinibranchien 63, Scutibranchien 3, Cyclobran-
chien6), Lamellibranchien 34, Brachiopoden 1. Die auflfallende
Erscheinung, dass die Zahl der Muscheln gegen die der Schnek-
ken so sehr zurücksteht, erklärt Verf. durch die felsige Be-
schaffenheit der Küsten der in Rede stehenden Inseln, welche
nur für die festsitzenden Muscheln, wie Ostrea, Spondylus,
Chama etc. sich eignen, wogegen in flachen, sandigen Busen
die Muscheln vorherrschen. Viele von den beschriebenen Arten
kommen bereits in Lowe Synopsis Moll. terr. et fluv., quas in
itin. per ins. Canarias etc. (Ann. des sc. nat. 1833) vor; die
neuen sollen unten aufgeführt werden. Die meisten sind auf
meist colorirten Kupfer- und Steindrucktafeln abgebildet, die
jedoch noch nicht alle erschienen zu sein scheinen.
Kiener's Species general etc. nahm seinen guten Fort-
gang; es erschienen während des Jahres 1840 die Lieferungen
48 — 59, welche den Text der Gaüuu^en Pleurotoina, Fusus,
Fasciolaria, Pyrula und Abbildungen für die Gattungen Py-
rula, Turhinella und Fasciolaria enthalten.
Dufo macht in den Annales d. sc. nat. 2. ser. XIV. p. 45
und 166 (vergl. auch Blainville's Bericht darüber ib. XIII.
p. 198) seine während eines vierjährigen Aufenthalts auf den
Sechellen und Amiranten gemachten Beobachtungen über die
Mollusken bekannt. (Observations sur les Mollusques marius,
terrestres et fluviatiles des iles Sechelles et des Amirantes).
Viele interessante Thatsachen lernt man in diesem, nur im
Auszuge mitgetheilten, Aufsatze kennen, welche alle im Ein-
zelnen mitzutheilen der Raum nicht gestattet. Besonders wandte
263
Verf. seine Aufmerksamkeit dem Studium der Deckel der
Scluiecken und der Lebensweise und den Sitten dieser, meist
jioch wenig gekannten Thiere zu ; auch berücksichtigt er })eson-
ders die Veränderungen, welche die Schale während der ver-
schiedenen Lebensalter eingeht. Derartige Bemerkungen er-
strecken sich bei dem Ileichthutn »ueser Molluskenfauna auf
Gattungen und Arten aus fast allen Familien. Die Aufzählung
aller gesanmielten Arten, unter deneji auch manche neue, folgt
dem Systeme Blainville's in seiner Malacologie. Verf. glaubt
eine Beziehung zwischen der Bildung des Deckels und der
Lebensweise des Thiers bemerkt zu haben, indem er alle Arten
luid Gattungen, deren Deckel Spiral ist, für phytophag angiebt;
zoophage finde man nur in den Gattungen, deren Deckel aus
übereinandergelegten Schichten bestehen, oder bei einigen ohne
Deckel.
.Rossmässler thut in M. Wagners Reisen in der Regent-
schaft Algier p. 226 einige Blicke auf die geographische Ver-
breitung der europäischen Land- und Süsswassermollusken mit
besonderer Berücksichtigung der in der Regentschaft Algier ge-
samnjelten Arten. Er findet die Nordafricanische Fauna sehr
übereinstinuriend mit der Südeuropäischen. Von den 85 Algier-
scheu Mollusken kommen die meisten auch in Europa vor,
nur wenige scheinen Eigenthum von Algier zu sein, nament-
lich Uelix Cirlac, Dupotetiana, arahica, xcmthodon, hiero-
glyphica, Juilleli, alahastrites, Goiigeti, Jeannotiana, lanu-
ginosa, globuloidea, Bullmus Jcannolli, Pupa, Michaudii,
Cydostoma Voltziamim, Planorhis murmovatus, Paliidina
nana und drei neue unbenannte Arten, zwei Limax und eine
Planorlis. Ferner schlägt Verf. das Verhältniss der Südeuro-
päischen Arten zu den Nordeuropäischen auf 3:1 an. 1.5 Arten
sind vom Verf. selbst sehr hübsch auf einer Steindrucktafel
abgebildet.
Nachträgliche Bemerkungen über die Landmollusken Al-
geriens von M. Wagner beziehen sich hauptsächlich auf die
nähere Angabe des Fundorts (ebendaselbst p. 262).
Eine Fortsetzung der Uebersicht der auf Cuba gesammel-
ten Mollusken gab L. Pfeiffer in diesem Archive VI. 1. p. 250.
Von IL Scholtz erhielten wir in den Schlesischen Pro-
viuzialblättern Band 113. 1841. p. 316. 441.546 eine Aufzäli-
264
lung der bisher aufgefundenen Schlesischen Land- und Siiss-
wassermollusken, mit Inbegriff derer, welche nach Neumann in
der Lausitz vorkommen, und wir dürfen die Hoffnung haben,
bald eine ausgedehntere Arbeit über diesen Gegenstand von
dem Verf. zu erhalten. Neue Arten werden nicht aufgestellt,
die Zahl der Arten beläüi't sich auf 109.
Thompson machte ein Verzeichniss der Süsswasserraol-
lusken Irlands bekannt (Annais VL p. 16. 109. J94). Im
Ganzen werden 96 Arten aufgeführt. Am Schlüsse wird eine
Tabelle von 124 auf den britischen Inseln überhaupt vorkom-
menden Arten mit einer Angabe des besondern Vorkommens in
den verschiedenen Gegenden gegeben.
Sylvanus Hanley nennt 16 von ihm in Wexford ge-
sammelte Schneckenarten wegen des Fundorts (Ann. VI. p. 395).
Eyton zählt 42 Arten von Land- und Süsswassermollus-
ken, als der Fauna von Shropshire angehörig, auf.
In Beziehung auf die geographische Verbreitung der Mol-
lusken muss hier einer Bemerkung von Edward Forbes Er-
wähnung gethan werden. Er giebt an, die Lungenschnecken
des süssen Wassers seien wenig abhängig vom Klima, und die
Formen entsprächen sich daher in den verschiedensten Gegen-
den, seien sogar oft specifisch identisch (ein solcher Fall ist
mir jedoch nicht bekannt), weit mehr seien die Pectinibranchien
klimatischen Abänderungen unterworfen, man könne ihnen
das Vaterland ansehen. Dasselbe gelte von den Acephalen des
süssen Wassers. Mir scheint es, als könne man eben so leicht
einer Planorbis wie einer Melania ansehen, ob sie americanisch
sei, oder asiatisch. An Chilina, die doch bloss americanisch ist,
hat Verf. wohl gar nicht gedacht? (An. of nat. bist. VI. p. 241).
Ueber den öconomischen Nutzen einiger Schalthiere findet
sich in Silliman American Jour. 1837 No. 65 und daraus Isis
1840 p. 180 ein Aufsatz. Derselbe bezieht sich namentlich
auf Perlen, Muschel- und Schneckenthiere als Speise, und Ver-
wendung der Schalen zu Zierrathen und andern Zwecken.
Cep hal op o tl a»
Von Jean Baptiste Verany erschienen in den Ab-
handlungen der Academie zu Turin zwei Aufsätze:
Der eine „Memoire sur six nouvelles especes de Cephalopodes,
265
trouves dans la Mediterranee aNice** enthält die Beschreibungen und
Abbildungen von Eledon Gewe?, vielleicht nicht von Aldrovandi ver-
sclyeden, Octopus Carenae, O. Salut ii, den Verf. für den klei-
nen gefleckten Polypus des Aristoteles hält, LoligoCoindetii \QX-
wandt mit subulata, aber mit kürzeren Tentakelarmen und herzför-
miger Flosse, L. Marmor ae und L. Berthelotii.
Der andere „Memoire sur deux nouvelles especes de Cephalo-
podes, trouves dans l'Ocean" enthält Loligopsis Botiplandt'i,
ohne Tentakelarrae, und Onychoteuth'is Morisii, der Mund mit
einer Membran umgeben, die sich an die Arme heftet.
Von demselben Verfasser erschien auch eine Uebersicht
der Mittelmeerischen Cephalopoden in Form einer Tabelle mit
Abbildungen. Ein Bogen.
Mi Ine Edwards und Peters haben die auch im vori-
gen Jahresberichte besprochenen Needham'schen Körper in den
Cephaloden beobachtet, und zwar an Octopus, EledoJie,
Sepia und Loligo. Sie sehen sie als Befruchtungsorgane und
Transportmittel für die Saamenflüssigkeit an, und nennen sie
Spermatophoren. Dieselben sind bei den verschiedenen
Arten verschieden (Ann. d. sc. nat. XIII. p. 193; Institut 1840
p. 174; Edinburgh new phil. Journ. 29 p. 167; Müller's Archiv
1840. p.98; Froriep's Neue Notizen XIV. p. 280.
Fteropoda»
Eydoux undSouleyet stellen in der Revue zool. 1840.
p. 233 eine neue Pteropodengattung Spirialis auf, zu der
auch einige von d'Orbigny beschriebene Atlanten, ^. trochi-
formis und hulimoides, gezogen werden. DaS Thier ist ver-
längert, Spiral; Kopf nicht deutlich; die beiden Flossen sind
an ihrer Basis durch einen mittleren Lappen, der einen Deckel
trägt, verbunden; die Kiemen liegen in einer durch den Man-
tel gebildeten Höhle. Die Schale, in welche sich das ganze
Thier zurückziehen kann, ist von verschiedener Form, aber
immer links gewunden. Dahin gehören Sp. rostralis, ventri-
cosa, australis vom Cap Ilorn, trochiformis {Atlanta tro-
chiformis (rOrb.), hdimoides (Atlanta hulimoides d'Orb.),
clathrata in fast allen Meeren,
JUeteropoda,
Milne Edwards und Peters haben gefunden, dass die
Carinarien getrennten Geschlechts sind, und dass sich die
266
Männchen von den Weibchen auch durch äussere Kennzeichen
unterscheiden. Die Männchen haben unter den Eingeweideh
einen sehr entwickelten Begattungsapparat, die Weibchen haben
dagegen neben dem After eine Geschlechtsöffnung. Das Ner-
vensystem ist sehr entwickelt (Ann. d. sc. nat. XIII. p. 195,.
Institut 1840. p. 174).
J. E, Gray bemerkt über Carinaria vitrea, dass die
Schale im Ei glatt und scheibenförmig ist, mit drei bis vier
Windungen, ganz ähnlich wie Helix lucida. Wenn das Thier
aus dem Ei gekrochen ist, erweitert es seine Schale schnell
und verändert ihre Gestalt. Der Kiel wird von zwei beson-
dern Blättern jederseits der Schale gebildet (Annais of nat.
hist. VI. p. 239).
Eydoux et Souley.et haben die Entdeckung gemacht,
dass die Gattung C«7'c//«/J0t/rt, welche d'Orbigny von Firola
trennt, eine kleine Schale besitzt, und zwar ist diese an beiden
dahingehörigen Arten, Firola placenta Lesson und Firola cau-
dina Rang, nachgewiesen. Sie ist sehr klein, rechts gewunden,
scheibenförmig und gleicht sehr dem Nucleus der Schale der
Carinarien, an welchem die letzte grosse Windung sich nicht
entwickelt. Auch giebt Verf. an, dass diese Thiere getrennten
Geschlechts sind (Revue zool. 1840. p. 233).
Gasteropodu,
Krolm giebt wieder eine Notiz über die sogenannten
Gehörsorgaue der Schnecken unter dem Titel: „Ueber zwei
eigenthündiche, Crystalle enthaltende Bläschen oder Kapseln an
den Schlundringknoten mehrerer Gasteropoden und Pteropoden"
(Frorieps Neue Notizen XIV. p 310, vergl. dies Archiv 1839. II.
p. 215, und 1840. II. p. 202).
JPnlnionata, Einer sehr wichtigen Arbeit ist hier nach-
träglich Erwähnung zu thun, die dem Ref. bis jetzt entgangen
ist, wenn gleich sie schon vom Jahr 1837 herstammt. Dies
ist eine Preisschrift über die Geschlechtstheile der Lungen-
schnecken:. M. C. Verloren „Responsio ad quaestionem zoo-
logicam ab ordine nobil. discii)linaram math. et physic. in acad.
Lugduno-Batava a. 1836 propositam: Organorum generationis
structura in iis Molluscis, quae Gasteropoda pneumonica a Cu-
vierio dicta sunt, additis iconibus, explicetur, et accurate expo-
267
nantur diversae recentiorum scriptorum de harum partium
natura sententiae" 4., mit 7 vom Verf. selbst lithograplürten
Tafeln. Verf. beschreibt im ersten Theile die Geschlechts-
organe von Limax, J^aginulus, Testacclla, Paimacella, Jle-
lix, Succinea, OnchiJium, Planorhis, Lymnaea^ von denen
er jedoch nur die Gattungen Limax, Ilelix, Succinea, Plan-
orhis und Lymnpea selbst untersucht hat. Im zweiten Theile
folgt dann eine Aiif/.ählung der Deutungen verschiedener Schrift-
steller über die Geschlechtsorgane. Den Beschluss macht eine
Vergleichung und Würdigung derselben. Verf. hält das in der
Leber liegende Organ für den Hoden und das von Cuvier als
Hoden angesehene Organ für das Ovarium.
Auch Er dl beschreibt in M. Wagners Reise nach Algier
p. 268 die Geschlechtsorgane mehrerer Landschnecken, und stellt
namentlich die Verschiedenheit der Organes raultifides Cuv. dar.
Derselbe gab in seiner Inaugural-Dissertation „de Helicis
algirae vasis sanguiferis, Monachii 1840" eine Beschreibung
des Gefäfssystems der genannten Schnecke, erläutert auf einer,
vom Verf. gestochenen Kupfertafel. Ref. kann den Wunsch
nicht unterdrücken, dass diese gründliche Beschreibung etwas
mehr vergleichend mit denselben Organen anderer verwandter
Thiere gearbeitet sein möchte.
Bei Dufo I. c. finden' Avir die interessante Nacliriclit, dass sowohl
Helix unidentata wie H. Studcriana Fer. lebendige Junge gebären.
Neue Arten:
Limax canariensis d'Orb. Moll. d. Canaries ganz wie L. anti-
quorum, nur fehlt der obere Kiel. 55 Mill. — L. carinata id. ib. grau-
blau, mit sehr erhabenem, scharfem Kiele. 20 Mill. Verwandt mit
L. agrestis.
Helix Saulcyi d'Orb. Moll, des Canaries, kuglig, ungenabelt,
dick, schiefrunzlig, 5 Windungen, Mundraud dick, umgebogen, weiss,
Spindel bogig, dick; 25 Mill. verwandt mit H. plicaria. — H. Villierm
id. ib. niedrig, dünn, runzlig, braun, mit schmalen braunen Binden,
4 fast gekielte Windungen, Mundraud dünn, scharf, fast umgebogen;
Nabel offen; 17 Mill. — H. Guudnji id. ib. uugenabelt, dick, glatt,
braunviolett, mit violetten Flecken, die in 4 Binden vertheilt sind,
oder mit weissen Flecken, 5 Windungen, Mundrand dick, weiss, fast
umgebogen. 17 Mill. — H. d'Orbiguiji Webb et Berthelot Mss. ib.
kuglig, dünn, weisslich, genabelt, unregelmässig gestreift; 4 Windun-
gen, Mündung rund, Labrum dünn, scharf. 7 Mill. — H. cyclodon
Webb et Berth. ib. kreisclförmig, genabelt, gekielt, der Kiel ge-
kerbt, uütcu mit braunen Binden, 7 Windungen. 7 Mill., verwandt mit
268
H. conoidea. — H. Despreauxii d'Orb. ib. kreiseiförmig, fast gena-
belt, doppelt gekielt} die Kiele scharf, kaminartig gezähnt, oberhalb
runzlig, unterhalb höckerig, 5 Windungen. 8 Mill. — //. Berthelotli
Feruss. Ms. ib. behaart, sonst ganz Mie H. lens Fer., welche Lara,
zu seiner Carocolla hispidula citirt. — H. Busbyi Gray Annais VI.
p. 317, Sehale niedrig, fast scheibenförmig, breit genabelt, undurch-
sichtig weiss, bedeckt mit einer sehr dicken, dunkelgrünen, glatten
Epidermis, welche über den Mundrand geschlagen ist, Spira flach,
etwas runzlig; letzte Windung glatt, niedrig, gerundet; Mündung
breit, nach der Axe umgebogen. Neu Seeland. — H. Dunnüie id. ib.
niedrig, breit, genabelt, hellbraun, letzte Windung etwas winklig,
glatt. Neu -Seeland. — Viele neue Heüxarten, welche Ciiming auf
den Pliilippinen sammelte, und die sich durch ihre Schönheit aus-
zeichnen, sind in den Proceedings 1840 August und September durch
G. B. So wer b 3' beschrieben: H. jwlychroa, flort'da, hifdroiihana.,
cepoides (Lea M. S.), arala, adusta, brachyodoii, jmlcherrima, deci-
piens, opalimts, conciimus, Albajensis, unrata, igiiobilis, tenera, collo-
des, Orbitulus, Oomorpha, incomptu, stubilis, lloconenxix, die meisten
mit vielen Varietäten. — Zwei mit H. labjTinthus verwandte neue
Arten aus Guiana H. Le Prietu-n und //. aurlculina sind durch Pe-
tit de la Saussaye aufgestellt (Revue Zool. 1840. p. 74; Mag. d.
Zool. 1841. pl. 33—33). Sie scheinen nicht verschieden von einander.
— H. Meda Porro ib. p. 106. weisslich, oben ktiglig, unten platt.
Sardinien. — H. lenmiscata, hirsuta Brumati 1. c.
Vomatias striolatum Porro (Revue Zool. 1840. p. loe.) thurm-
förmig, gelbbraun, braun und weiss in drei Reihen gefleckt.
Danthon hat die Helix quimpeiianaVir., die bislier nur in der
Gegend von Ouimper und Brest im Departement Fiuisterre gefun-
den war, auch an der Spanischen Küste gefunden; es wird die Ver-
»luthung ausgesprochen, dass sie aus Spanien eingeführt sei. (Revue
Zool. 1840. p. 121.)
Bulimus variatus und B. myosotis Webb et Berth. (Synopsis
Moll. Canariens.) werden von d'Orbigny Moll. d. Canaries zusam-
mengezogen unter dem Namen B. variatus. — B.Mindoroensis Bro-
derip und B. chrysalidiformis Sowerby mit vielen Varietäten
(Proc. 1840. p. 84). — B.dryax, sylvunus, fictilis, larvutuswon dem-
selben ebend. p. 94. — B. ornutus und niger Dufo 1. c. — B.
succinoides Petit de la Saussaye (Revue Zool. 1840. p. 75, Mag.
d. Zool. 1841. pl. 31) von Santa-Fe de Bogota, brauugrün mit schie-
fen gelblichen Flammen, 3 Windungen. — B. Uloralis Brumati 1. c.
ist B. acutus Drap.
Aclmtina Anais Lesson (Revue Zool. 1840. p. 366) verwandt
mit crenata Swains., wenn nicht identisch. — A. Cornea Brumati
1 c. ist kaum verschieden von Polyphenius Poireti.
Von Clausilia trennt L. Pfeiffer die Galtung Cylindrella
wegen des mangeludeu Clausilium's (dies Archiv. VI. 1. p. 38).
269
Clausüta einet a Brumati 1. c.
Fupa Ferrari Porro I. c. braungelb, am Nacken gekielt, 4 Fal-
ten an der Spindel, eine Schwiele am Labiiim.
Vhysa margarita Lesson (Revue Zool. 1840. p. 356) von
Terra nova.
Planorhis devians Porro 1. c. Die letzte Windung weicht nach
unten von ihrer Richtung ab.
Limnaexis {Lymnea) Terrae novae Lesson Rev. zool. von Terra
nova. — L. membranacens Porro grünlich gelb, 4 Windungen, fast
ungenabelt, verwandt mit L. ovatus, vielleicht nur Varietät.
Zu dem Cj'clostorea laevigatum Webb. et ßerth. Synopsis fand
d'Orbigny (Moll. d. CJanaries) eine gestreifte Varietät, und verän-
dert deshalb den Namen in C. canariense.
Die Galtung Puptfia stellt Gray mit Recht zu den Cyclosto-
miden. Für eine Schale, die er jedoch nicht näher als Species be-
zeichnet, und die in der polirten Oberfläche, im Mund und im Deckel
mit Pupina übereinstimmt, der aber der Einschnitt fehlt, schlägt er
den Gattungsnamen Callia vor (Annais of nat. Iiist. VI. p. 77).
CtenohranchiUm D'Orbigny theilt in seiner Voyage die
Gattung Faludina in zwei Untergattungen. Bei der ersten stehn
die Äugen auf den Tentakeln und sind gestielt, der Deckel besteht
aus concentrischen Ringen mit subcentralem Apex: Puitidina {P.
v'ivipara, fasciata, tentaculata etc., keiiie amerikanische Art)j bei
der andern stehn die Augen am Grunde der Tentakeln und sind un-
gestielt, der Deckel ist spiral wie bei Littoriua: Paiudestrina (P.
acuta und alle südamericanischen Arten).
Von letzteren Averden zehn Arten aufgeführt, von denen sieben
im süssen, drei im Salzwasser leben sollen. Mehrere sind schon in
Gueriii's Mag. d. Zool. Ib35. cliarakterisirt : P. peristomata, lapi-
äum, piseimn, Parchappii , australis , Cumiugiiy andecola. Die übri-
gen finden sich hier zuerst aufgestellt: P. charrnana sehr verwandt
mit P. australis, aber sie ist kürzer, dicker, und die Mundränder
sind verdickt. 5 MilJim. Montevideo. — P. Isahdleana mit beiden
vorigen verwandt, aber kleiner, mit viel mehr verläugerter Spira
lind stumpferem Apex, dünn, zerbrechlich. 3 Millim. Montevideo. —
P. culminea ähnelt der andecola und lebt auch mit ihr im See Titi-
caca, aber die Windungen sind convexer, nicht gekielt, die Apertur
nicht winklig. 3 Millim. — P. striata regelmässig quer gestreift.
2 Millim. Patagonien. Malwiuen. — P. semistriata IJ Millim., sehr
kurz, einer Valvata ähnlich, der Nabel ist quer gestreift. — P.fusca
glatt, braun, genabelt, 4 Windungen, lebt im Meere. 1^ Millim.
Peru. — P. nigra glatt, undurchbohrt, schwarz, mit kurzer Spira
und fünf Windungen. 2 Mill. Peru. — P. Petitiana geschwollen ei-
förmig, ohne Nabel, grün mit drei braunen Binden, fünf Windungen.
4 Mill., ist der Form nach P, achatina im Kleinen. ^
Paludina patula und minuta Brumati 1. c.
270
Lowe stellt eine neue Gattung Parthenia auf, die mit Me-
lania, Eulima, Tunitella, Rissoa verglichen wird. Sie unterscheidet
sich von Melania durch eine helle, meist milch weisse Farbe, und
dadurch, dass sie im Meere lebt, von Eulima durch Rippen oder
Streifen auf der Schale, von Turritella durch das Fehlen der seitli-
chen Membranen, und die pfriemförmigen Fühler. Die Fühler fast
Mie bei Limuaeus, aber länger, und scheinen aus einer von der
Spitze bis zur Mitte der Basis längs gefalteten Membran zu be-
stehen, Augen auf der innern Basis. Deckel hornig. Schale
klein, thurmformig, ohne Sipho, ungenabelt, gerippt oder ge-
streift, oft gegittert. Hierher werden gestellt: P. bulinea (Turbo-
nilla Humboldt! Risso, Tornatella clathrata Phil.), P. terebra (Turri-
tella cancellata Risso?) P. elegantissiina (Turbo eleg. Mont., Me-
lania Campanellae Phil.?), und als muthmasslich Turbo crenatus
Montf. (Mel. rufa Phil.?), Melania pallida Phil, und Melania scalaris
Phil, (Proc. 1840. p. 39; Annais VI. p. 511).
Dieselbe Gattung, nach denselben Arten aufgestellt, nennt Phi-
lipp! Pyrgiscus (dies Archiv VH. 1. p. 50). Er rechnet jedoch
die Turbonilla Humboldti Risso nicht dahin, weil sie eine echte Tor-
natella sei.
Die Gattung Chemnitxia d'Orb. (Moll, des Cauaries; Voy.tge
dans FAmer. mer.) ist wahrscheinlich auch mit beiden vorigen iden-
tisch, da Melania Campanellae Phil, dahin gezogen wird. Verf. cha-
rakterisirt sie folgendermassen : Schale sehr verlängert, nicht gena-
belt, aus einer grossen Anzahl Windungen zusammengesetzt, Aper-
tur oval oder winklig, vorn gerundet, hinten verschmälert, mit
scharfen geraden Rändern; Spindel gerade, einfach oder gekörnt.
Der Nucleus rollt sich in der Jugend in einer Ebene auf, senkrecht
auf der späteren Längsaxe der Schale. Die Gattung unterscheidet
sich von Eulima durch ihre gerippte Schale, von Bonellia durch den
Mangel des Nabels, von Melania durch die Form der Mündung, des
Kucleus, und dadurch, dass sie im Meere lebt. Mehrere neue Arten
werden beschrieben.
Ch. Uirris d'Orb. Voy. nadeiförmig, dünn, weiss, längs gerippt,
14 Windungen, die letzte vorn quergestreift, Columella gerade, ver-
dickt; 7 Millim. Sehr verwandt mit Ch. campanellae. Brasilien, An-
tillen. — Ch. americana id. ib. thurmformig, weiss, längs gerippt,
zwischen den Rippen quer gefurcht; 9 Windungen, Spindel innen
einzähnig. 3 Millim. Brasilien, Patagonien. — Ch. fasciata id. ib.
dick, weiss mit gelber Binde, längs gefaltet, quergestreift, 8 Win-
dungen, Columella gerade. 4 Millim. Brasilien. — Ch. dubia id. ib.
weisslich oder gelb, mit einer weissen Binde, längs wellig gefaltet,
quergestreift, 10 Windungen, die ersten quergefurcht, die letzten
längsgefaltet, die letzte vorn quergestreift. 4 Millim. Brasilien, An-
tillen. — Ch. com id. ib. dick, weiss, längsgefaltet, quergestreift,
mit vier ausgehöhlten Streifen umgeben, 8 Windungen. 5 Millim. Peru.
271
tnc Gattiiüg Rissoa wird von D'Orbiguy Voy. in zwei Unter-
gattungen getheilt; bei der einen Rissoa Freminv. sind die Mund-
ränder der Schale gerade; bei der andern Rt'ssot'fia d'Orb. ist der
Mundrand bogig, vorgezogen, und vorn und hinten mit einer Aus-
bucht versehen, Deckel mit einem langen Vorsprung versehen, wie
bei Nerita. Die erstere Abtheilung, obgleich häufig auf den Antillen,
findet sich nicht in Südamerica. Zwei neue Arten:
Rissoina Inca d'Orb. fein quergestreift, mit Längsrippen verse-
hen, 8 Windungen, ohne äusseren Wulst am Muudrande. 8 Millira.
Peru, ßolivia und ,
Rissoa Canariensis d'Orb. länglich conisch, ungenabelt, weiss,
5 Windungen, vorn drei Querrippen, hinten längs und quer knotig,
Nath tief, Mündung rund, Labrum gerandet, verdickt. 1\ Millim.
Teneriffa.
Derselbe beschreibt auch mehrere neue Littorinen:
Li. araucana d'Orb. Voy., verwandt mit L. coerulescena, sehr
fein quergestreift, braunschwarz, vier Windungen, Mündung schwarz,
vorn mit einer weissen Binde. 9 Mill. Chili, Peru. — L. umhilicata
id. ib. kuglig, blauschwarz, glatt, vorn gestreift, genabelt, Spira
kurz, 3 Windungen. \\ Mill. Bolivia, Peru. — jL. Canariensis id.
Moll. d. Canaries. Bauchig, ungenabelt, dick, quergerippt, grau, 4
Windungen, Müuduug innen schwarz, vorn mit einer weissen Binde,
Spindel braun. 11 Mill. Verwandt mit L. rudis. Teneriffa. — L. af-
finis id. ib. Bauchig, ungenabelt, dick, quergestreift, mit zwei Quer-
reihen von Höckern, 4 Windungen, deren letzte fast zweikielig,
Mündung innen schwarz, vorn mit einer weissen Binde. 10 Mill.
Teneriffa.
Die Gattung Scalaria entfernt d'Orbigny 1. c. mit Recht
aus der Familie der Trochideen, und setzt sie in die Familie der
Melanideen. .S'. elegans d'Orb. Voy. Rippen dick, stumpf, schief,
Spira sehr lang, 10 fast getrennte Windungen. 27 Mill. Patagonien.
— S. tenuistriata d'Orb. ungenabelt, weiss mit engen, gleichen,
zahlreichen Rippen, acht quergefurchten Windungen. 16 Mill. Bahia
blanca 39" S. Br. — S. brevis id. ib. genabelt, mit engen zahlreichen
Rippen, fein quergestreift, Spira kurz, vier Windungen. 1 Miil. Mal-
winen. — S. WeüLii id. Moll, des Canaries. Tief quergestreift, Rip-
pen gleich, schwach, etwa 23 an jeder Windung. 4 Mill. Teneriffa.
Eine vorläufige Anzeige einer Arbeit über die Gattung Pla7i -
axis von Duval findet sich in der Revue Zool. 1840. p. 107.
Buccinum lineatum D'Acosta (B. pygraaeuin Brug.; B. pediculare
Lam. Kien.) wird zu dieser Gattung gebogen, und eine neue Art
PL canalictdata von den Gallapagos-Iuseln aufgestellt.
D'Orbigny erkennt in seiner Voyage etc. die Gattungen Ne-
rita und ISeritina nicht als hinlänglich verschieden an, indem er na-
mentlich angiebt, dass viele Neritinen gar nicht im süssen Wasser
leben, z. B. N. nheleasris.
272
Als neue Arten werden beschrieben: Neritina Fontaineana
d'Orb. Voy. dick, kuglig, glatt, grünlich, schwarz genetzt, vorn
mit einer breiten dunklen Binde umgeben, Apertur gelb, Spiudelraud
gezähnt. 16 Mill. Am Ausfluss des Guayaquil in salzigem Wasser.
— N. rara Dufo 1. c.
Nerita debilis Dufo 1. c.
ISatica cora d'Orb. Voy. niedrig, dick, weiss, glatt, 5 Win-
dungen, die letzte gross, gedrückt, Nabel eng. 16 Mill. Peru. Ver-
wandt mit N. über Humb. — xV. li?nbata id. ib. kuglig, glatt, violett,
sechs hinten weiss gerandete Windungen, Apertur nicht verdickt,
Nabel eng, einfach. ,18 Mill. Patagonien. — N. Isabelleana id. ib.
kuglig, glatt, braun, 5 Windungen mit vertieften Näthen, Mündung
nicht verdickt, Nabel eng, schwielig. 15 Mill. Maldonado. Diebeiden
letzteren verwandt mit N. monilifera. — A'. porcelana d'Orb. Moll,
d. Canaries, oval, bauchig, niedrig, dick, weiss oder gelb, Apertur
schief, länglich, weiss, Nabel sehr gross, offen, Nabelschwiele halb-
cylindrisch, spiral. 34 Mill. Teneriffa. — N. Mahesiensis Dufo 1. c.
Tornatella venusta d'Orb. Voy. länglich cylindrisch, dünn, ro-
senfarbig, quergestreift^ 5 Windungen, eine Falte auf der Columella.
10 Mill, Peru.
Trockus patagonicHs d'Orb. V03'. dick, genabelt, fein körnig,
quergefurcht, braun oder rothbraun, 5 fast gekielte W^indungen,
Spindel zweigezähnt. 14 Mill. Patagonien. — T. Candci id. Moll. d.
Canaries, conisch, erhaben, fein und gleich längsgestreift, olivenfar-
big gelb, oben mit Purpurflecken, die Windungen der Spira fast
zweikielig, Apertur viereckig, Nabel offen, glatt. 15 Mill. Teneriffa.
T. Satilcyi id. ib. längsgefurcht, fein quergestreift, ungenabelt, oli-
venfarbig mit schiefen braunrotheu Binden, Mündung weiss, fast vier-
eckig. 21 Mill. Teneriffa. _ T. tuherculatns und T. rarus Dufo I.e.
Monodonta ßerthelotii d'Orb. Moll. d. Canaries, kuglig, kreisei-
förmig, tief genabelt, 5 Windungen, oberhalb nett längs granulirt,
unterhalb mit vier crenulirten Rippen, ein starker getheilter Zahn
in der Mündung, Labrum gefaltet. 16 Mill. Porto Santo.
Phasianella marmorata Dufo I. c.
Kiener bildet in Guerin's Mag. d. Zool. pl. 9. den Ttirho Jour-
dani ab, verwandt mit T. iraperialis, die Spira ist mehr ausgezogen.
7 ZoU. Neuholland (vergl. Revue Zool. 1839. p. 324).
Ovula nigerina und O. alba Dufo 1, c.
Oliva lepida und 0. fusifera Dufo 1. c.
Marginella guancha d'Orb. Moll. d. Canaries, glatt, glänzend,
weiss, Spira nicht deutlich, Apertur linear, Spindel mit 4 Falten, La-
brum gezähnelt. \\ Mill. Teneriffa.
Duhaut-Cilly machte die Beobachtung, dass Yoluta niagella-
nica Lam. ihre Eier, mehrere in einer gewölbten glashellen Masse,
in das Innere der leeren Schalen von Venus exalbida lege (Revue
Zool. 1840. p. 167).
273
M/'tra Santangeli Maravigna Giier. Mag. pl. 23. weiss mit ro-
ther Biude nahe der Na(h, die letzte WiDdung orange, 5 Falten auf
der Spindel. Meer von Messina. 24 Zoll. — M. zebrina d'Orbigny,
Moll. d. Canaries, länglich, glatt, an der Basis quergestreift, braun-
roth, mit weissen wellenförinigen Längsstrichen, 3 Falten auf der
Spindel, Labrum dick, gekerbt. 13 Mill. — M. Cordierü Maravigna
(Revue Zool. 1S40. p..325) rothbraun, mit grubiger Spira, 4 Falten
auf der am Grunde gestreiften Spindel.
Bucciniim Tinei Maravigna braun, mit kleinen Furchen längs
den Windungen, nah den Aäthen dunkle Striclie längs der Schale.
6 Zoll. Meer von Messiua (^Guerin Mag. d, Zoologie). — B. Cana-
riense d'Orb., Moll. d. Canaries, glatt, am Grunde gestreift, gelb-
braun, eine weiss und roth gegliederte Binde an der Nath, Labrum
dick, gezähnt. 12 Mill. Verwandt mit B. semiconvexum Lam. Te-
neriffa. — B. Sechellarum Dufo 1. c. — B. Casani Maravigna
(Revue Zool. 1840. p. 325), roth, eiförmig, gekörnt, Labrum ge-
furcht. 3'". — B. Lefebvrä id. ib., weiss, goldig gekörnt, am Grunde
quergestreift, Labrum glatt. 4'". Catania. — B. meto Lesson ib.
pi. 355. von Neu-Seeland. ,
, Purpura viverratotdes d' Orb. Moll, des Canaries, braun, weiss
gefleckt, gestreift, Spindel weiss, vorn tuberculirt, hinten quer ge-
zähnt. 42 Mill. Vielleicht der Jugendzustand von Bucc. viverratum
Kiener. Teneriffa. — P. costifera und P. costa-striata Dufo 1. c. —
P. {Ricmula) iodostoma Lesson (Revue Zool. 1S40. p. 355). Neu-
Seeland. — P. Leftvj-ei \A. ib., aus dem stillen Ocean. — P. (J^lono-
ceros) tessellata id. ib. p. 366. Neu-Seeland.
Cassidaria Lamarckü Lesson mit 4 knotigen Rippen, Columella
grau, mit weissen Körnern gestreift, Labrum scharf, innen gezähnt
und gefurcht. Australien (Revue Zool. 1840. p. 212).
RosteUaria Powisii Petit de la Saussaye (Revue Zool. 1840),
der Rand mit 5 Zähnen, die Näthe kanalartig, innen rosenroth. China.
Miirex (Typhis Montf.) Clertji Petit de la Saussaye (Revue
Zool. 1840. p. 327), von Brasilien.
Triton undosura Lam. wird von Dufo nach der Bildung des
Deckels zur Gattung Turbinella als T. undosa gestellt.
Pyrula Santangeli Maravigna birnförmig, weiss, rauh, mit 8
grösseren Reifen, Labium innen glatt. Messina. (Revue Zool. 1840.
p. 170).
Fusus Blainvillii Maravigna (Revue Zool. 1840. p. 325) mit
5 knotigen Windungen. 4"'. Catania.
Pleurotoma Kienerii Do um et (Mag. d, Zool. pl. 10) mit einem
gezähoelten Kiel auf jeder Windung. — P. Deshatjesii id. ib. pl. 11.
mit voriger verwandt, aber kürzer und mit längerem Kanal.— Ma-
ravigna führt in der Revue Zool. 1840. p. 326, P. Guerini, Bi-
vonae, Kienerii, Valenciennesii und Petita vom tJtraude
bei ßlcssiua, Palermo und Catania auf.
Archiv f. Naturgcsch. VIJ. Jahrg. 2, Band, j^g
274
Cerithium Brogniarti Maravigna (Revue Zool. 1840 p 326^
— C. clava und radix Dufo I. c.
Derselbe setzt Cerithium palustre nach der concentrischen
Structur des Deckels und dem Leben im süssen Wasser in die Gat-
tung Potamis Brongn., deren Verschiedenheit er besonders in die-
aen Characteren findet.
Stomatella irisata und minima Dufo 1. c.
Scissurella Bertheloti d'Orb. Moll, des Canaries, oberhalb quer
streifig gerippt, unterhalb gestreift, Spira niedrig, 3 runde Windungen,
kiel breit, scharf, Apertur kreisförmig, Nabel offen. Teneriffa.
Bei der Gattung Sigaretus Adans. bemerkt d'Orbigny (Voy
dans I'Amerique merid. p. 403), dass mehrere Schriftsteller Verwir-
rungen gemacht haben. Die Adanson'sche Art muss als Tjpus fest-
gehalten werden,- Bulla velutina Müll., die von Gmelin und Lamarck
zu Sigaretus gezogen war, muss nach BlainviUe's Vorgange getrennt
werden, ihr bleibt der Name Velutina; der Sigaretus perspicuus von
Cuvier, Lamarck, Blainville, Rang, Quoy und Gaimard und Philippi
gehört wegen der inneren Schale und des vorderen Sipho einer an-
dern Familie an, und muss eine Gattung in der Nähe von Coriocella
büden, die längst von Montagu unter dem Namen Lame //arm auf-
gestellt ist.
^omatohranchia» Nur zwei neue Arten:
Jplysia ocellata d'Orb. Moll, de Canaries, gelb mit violetten
Augenflecken, Fusslappen erweitert, innen violett, Fuss leicht gefurcht
Schale niedrig, dünn, durchscheinend, glatt, gelB, an der Spitze ee-
krümmt, gefaltet. |Metre.
Bulla albicita Dufo 1. c.
€hjmnohranchia, Sars machte in die.sem Archiv VI. i.
p. 197 seine Beobachtungen über die Entwickelungsgeschichte
nackter Mollusken bekannt. Von besonderem Interesse ist die
Entdeckung, dass die eben ausgeschlüpften Jungen eine nauti-
lusähnliche, gewundene Schale besitzen, welche jedoch später
verloren geht. Die Jungen sind die früher von demselben Ver-
fasser unter dem Namen Cirropteron beschriebenen Thiere.
Einen Beitrag zur Kenntniss der Entwicklung der Mollus-
ken giebt auch Loven (Bidrag tili kännedomen af Mollusker-
nas utveckling. K. Vetenskapsl-Academiens Handlingar. Stock-
holm 1840).
Die Form des Eierstranges der Nudibranchien ist bei den
Gattungen constant: hei Aplysia fadenförmig, und um ein See-
gewächs geschlungen, bei Boris, EoUdia und Tergipes band-
artig, aber verschieden in der Art der Anheftung. Im All-
gemeinen .stimmt die Entwickelung der untersuchten Arten
275
Aplysia punctata, Boris muricata, Tritonia arhorescens
und Eolidia hranchialis ganz mit den Beobachtungen von
Sars, nur sind noch einige Details hinzugefügt. Bei ganz jun-
gen Individuen von Doris muricata fand Verf. die Kalktheile
des Mantels sehr regelmässig geordnet, die Tentakel waren
noch einfach, ungekolbt und ungeblättert. Der Rücken ist mit
drei Reihen rückwärts gebogener Nadeln bedeckt, von denen
die äussersten jederseits die längsten sind. Ausserdem befinden
sich auf jeder Seite noch zwei stärkere Reihen von Kalknadeln.
Verf. fragt, ob diese Nadeln Rudimente der früheren Schale oder
neugebildete Theile seien? Als aus den gewimperten Bewe-
gungsorganen des jungen Thiers bei Thetys fimbria entstan-
den, sieht derselbe das Segel am Kopfe an, so dass sich die-
selben noch an dem erwachsenen Thier vorfinden, nur dass die
Cilien hier grosse gefranzte Girren sind. Ebenso, nur in ge-
ringerer Anzahl und unter verschiedenen Formen, zeigen sie
sich bei Tritonia Homhergii, Tritonia plebcja und bei der
Gattung Cloelia Loven {Doris fimhriata Müll und C. for-
mosa Lov). Bei Tergipes coronatus, Polycera, Boris und
Aplysia findet sich das Organ ebenfalls als Lappen wieder.
Nach Forbes hängt die schöne Farbe der Nudibranchien
häufig von der Farbe ihres Blutes ab. In gewissen Arten von
Montagua ist es grün, bei einigen Eolidien roth, bei andern
braun. Die Blutkügelchen sind sehr gross. Das Blut von Po-
lycera quadrilineata ist weiss, und ihr Herz schlägt 114 mal
in einer Minute (Annais of nat. bist. VI. p. 317).
Die Gattung Doris theilt d'Orbigny Moll, des Canaries in^drei
Untergattungen:
1) Doris, Körper deprimirt, lederartig; Kiemen in eine beson-
dere Höhle zurückziehbar, in sechs oder mehr conische, stark ver-
ästelte Kiemenlappen getheilt; die Tentakelöffnuug gewimpert, oder
in viele Lappen getheilt. D. punctata d'Orb., rosenfarbig, Mantel
granulirt mit braunen Flecken in Längsreihen, vier andere mittlere
weisse. Tentakeln kurz, mit acht gefingerten Anhängen, sechs ästige
Kiemenlappen. — D. Canariensis d'Orb., Mantel mit feinen Papillen
besetzt, Tentakelöffnung vorragend, ganz, sechs ästige Kiemenlappen,
2) Doridigitata, dick, Kiemen in eine besondere Hohle zu-
rückziehbar, in eine grosse Menge längliche, schmale, nur an ihren
Bändern gefingerte Lappen getheilt; Tentakelöffnung mit zwei blätt-
rigen AnluMigen versehen, die einander decken, wenn der Tentakel
zurücksezogen ist. Hierher ausser D. verrucosa L., D. Bertheloti
18*
276
d'Orb., dick, gelb, oben mit conischen oder gestielten Tuberkeln be-
setzt; 14 gefingerte, gewimperte Kiemenlappen.
3) Doriprtsmatica, prismatisch, weichlich, mit kurzem Man-
telrande. Dahin Doris atromargmata, D. jmrpurea, D. Villafranca.
Keine Art an den Canarischen Inseln.
Joshua Alder dehnt den Character der Gattung Polycera
Cuv. aus, indem er statt der zwei Anhänge neben den Kiemen mit
Rang mehrere Anhänge setzt. Er beschreibt dann P. quadnlmeata
Cuv. {Doris flava Mont.) und zwei neue Arten: P. citrina mit vier
Anhängen an den Kiemen (mit ihr hält Verf. die Triopa nothus John-
ston für verwandt), und P. cristata mit zehn Anhängen an den Kie-
men; beide an den britischen Küsten.
Auch d'Orbigny, Moll. d. Canaries, beschreibt eine neue Art:
P. Mehbii, länglich, hinten spitz, dunkel olivenfarbig mit weissen
Langszeichnungen; 13 conische, weiss gerandete KiemenJappeu. 4öMilI.
Forbes bemerkt, Aimals VI. p. 317, dass die Gattung
Euplocamus Philipp! (Triopa Johnstoii) nicht die Ohara-
ctere von Doris und Tritonia in Beziehung auf die Kiemen
vereinige, indem er die Seitenanhänge bei Euplocamus nicht
für Kiemen, sondern für Fortsätze des Mantels hält. Dieser
Meinung stimmt Ref. ganz bei. — Ich kann es nicht unterlas-
sen hierbei zu bemerken, dass Johnston bei Aufstellung seiner
Gattung Triopa (vergl. Ann^xls I. und dies Archiv V. II. p. 231)
die Lage des Afters falsch angegeben hat, so dass ich damals
nicht eine Identität seiner Gattung Triopa mit Euplocamus
Philipp! vermuthen konnte. Der After liegt nämlich bei bei-
den Arten, welche Johnston anführt, nämlich Doris clavigera
und quadrilineata O. F. Müll., nicht seitlich, sondern auf dem
Rücken hinter den Kiemen. Dass übrigens seine Triopa nothus
wirklich die quadrilineata Müll, sei, scheint mir sehr unwahr-
scheinlich. Der Name Euplocamus ist bereits bei den Schmet-
terlingen vonLatreille vergeben. Wie es mir scheint, ist aber
auch die ganze Gattung Euplocamus von Polycera Cuv. nicht
verschieden, indem ich die Anhänge hinter den Kiemen zur ge-
nerischen Trennung nicht für wichtig genug halte. Dies möge zu-
gleich als Antwort auf die Anfrage meines Freundes PJiilippi
(s. dies Archiv VII. I. p. 58) genügen.
^spiaohranchia. Aus dieser Unterordnung findet sich nur
eine neue Art bei Dufo 1. c, nämlich Emarginula ^plantarum.
Cyclobranchia. Hier sind mehrere neue Arten aufgestellt:
Patella Lowei A'Ovh. Moll. d. Canaries, niedrig, di^, ungleich
gerippt, Rippen erliaben, schuppig, aussen crenulirt, oberhal» schwarz
277
oder gclbstralilig, unterhalb hellblau mit schwarzem Umfange. 68 Mill.
Verwandt mit P.crenataGmel. — P.Candei id. ib. hoch, coniscli, dick,
o-iatt, oder unregelmässig runzlig, ganzrandig, oben gelblich, unten
Jelblich, in der Mitte bläulich. 67 Mill. - P. guttata i d. ib. conisch,
dick, mit abwechselnd ungleichen Rippen, die längs schwarze Höcker
tragen; unten grau, in der Mitte rothgelb. Alle drei Arten vonTene-
ji^fa p. viridis, anrifera, virginum, malicolor bei Dufo 1. c.
Forbes bemerkt Annais VI. p. 316, seine Vatella pulchella sei
nach Untersuchung des Thiers eine echte Lot tia, was die Verschie-
denheit von Patella tessulata bestätige. Bei microscopischer Unter-
suchung der Lottia testuditialis fand derselbe dea Mantel und die
Kiemen mit vibrirenden Wimpern bedeckt.
Chiton canariensis d'Orb., Moll, des Canaries, am Rande körnig
beschuppt, die seitlichen Felder und die äussersten Schalstücke glattj
verwandt mit Ch. squamosus L. 24 Mill.
Ausserdem beschreibt G. B. Sowerby folgende Chitonen, die
Iheils auf einer zugehörigen Tafel, meist aber in den von demselben
herausgegebenen Couchological Illustrations abgebildet sind : Ch. bre-
vispinns, von der InselJohanna, Westafrica; spinigery alternatus voa
Japan; pectinatus vom Cap; Watsoni {C/i. castaneus O. et G.) vom
Cap; ciliatns; petholatus von Neuholland {Ch. porphyrius in Conch.
111. ist nur Varietät); hastattis; foveolatus, australis von Australien;
virgulatns; patulus; evunidus aus NeuhoUand; teiiuistriatus ; Cym-
biola vom Cup ', scuiptus; versicoior; lyratiis; le7ttigino.mii von Austra-
lien', concinniis von Chonos; ßmhriatus aus Peru; utratus von den
Falklands-Inseln (Loudons Mag. of nat. bist. \ew series IV. p. 287).
Chitonellus strigatiis Sow, ebendaselbst, corpore limaciformi,
velutino; valvis testaceis parvis, prima semilunata, ultima ovali, in-
termediis hexagonis, fasciis tribus dorsalibus; margine fasciculis mi-
Dimis prope valvas instructo. Long. |", lat. %".
Concliifera,
Grube beschreibt (Miiller's Archiv 1840 p.24) die glän-
zenden Punkte am Mantelrande von Fecten genau und erklärt
sie für Augen, wie dies bereits früher Garner gethan, der
sie als bei Pecten, Spondylus und Ostrea vorkommend angiebt
(vergl. dies Archiv IV. 2. p. 266). Verf. hat sie nur bei Pecten
untersucht, nennt aber auch Spondylus und Pedwn nach Poli
als mit Augen versehene Muscheln; bei Ostrea und Lima
leugnet er sie. Die Nerven, welche zu den Augen gehen, ent-
springen sämmtlich von einem dem Mantelrande parallelen
Nervenfaden. Das Nervensystem von Pecten wird beschrieben
und abgebildet.
278
Denselben Gegenstand, nämlich die Augenpunkte bei Pe-
den Jacohaeus, bespricht auch A. Krohn (iMüller's Archiv
1840. p. 381), der Augennerven, und alle wesentlichen Theile
des Auges unterscheidet und abbildet;, jedoch noch zögert, die
Organe wirklich für Augen anzusprechen. Auch ihm ist die
Arbeit von Garner 1. c. unbekannt geblieben.
Milne Edwards bestätigt die Geschlechtsverschiedenheit
der Muscheln an Venus virginea (Institut 1840 p. 189).
In Guerins Mag. de zool. pl. 12 — 88 sind einige der bereits im
vorigen Jahresbericht p. 201 erwähnten neuen Bivalven von Deshayes
beschrieben und abgebildet.
Neue Arten:
Ostrea dentifera, elUptica und crocea bei Dufo 1. c.
Pecten corallinoides d'Orb. Moll. d. Canaries, diclf, aufgeblasen,
roth, mit schuppigrauhen LängsstreJfen, 8 — 9 dicke, runde, knotige
Strahlen, sehr verwandt mit P. nodosus L. 34 Millim. Teneriffa. —
P. hyssifer und varicolor Dufo 1. c.
Lima nutans Dufo I. c.
Perna rupella und planorbis Dufo 1. c.
Area trapezia Desh. 1. c,, strahlig gerippt, Schloss kurz, sehr
schief, nach vorn gerichtet. Mexico.
Mediola cultellus Desh. I. c, vorn sehr kurz, hinten schief ab-
gestutzt, längs gestreiftj braungrün. Kamtschatka.
J. G. Anthony will an TJnio in der Nähe von Cincinnati in den
vereinigten Staaten einen Byssus gefunden haben, mit dem sich die
jungen Thiere an grössere Schalen oder an Kieselsteine festheften
sollen, um sich gegen das schnellströraende Wasser gleichsam vor
Anker zu legen. Dieser Byssus soll jedoch nur ein einzelner Faden
sein. Hierbei fragt sich nur, ob die Thiere wirklich Unionen sind,
und dann, ob diese Fäden wirklich Bj^ssusfäden sind (Annais of nat.
bist. VI. p. 77).
F. J. Schmidt macht „Einige Beobachtungen über die ver-
schiedenen in Krain und den angrenzenden Provinzen vorkommenden
Arten der Flussperlenmuschel (Unio Brug)" bekannt (Bull, de la Soc.
Imp. des Nat. de Moscou 1840 p. 430). Ausser der Aufzählung und
theilweisen Zusammenziehung der verschiedenen Arten theilt Verf.
das Resultat seiner Untersuchungen über die in diesen Gegenden so
häufige Abkrümmung des Hintertheils der Muschelschalen mit. Bei
denjenigen Schalen, welche in schlanimigem und moorigem Grunde
leben, findet fast gar keine solche Abkrümmung statt, dagegen an
solchen Muscheln, die auf ganz festem Grunde, wie er im Wörthsee
bei Klagenfurth aus Schlamm mit feinem Glimmer ^nd Gneussande
bestehend vorkommt, leben, und in diesem mit dem vorderen Theil
gleichsam eingeklemmt stecken, findet sich die Abkrümmung im voll-
kommensten Maasse. Verf. erklärt diese Thatsache dadurch, dass
279
das TWer beim Fortkriechen den hintern TheU mehr verwunde, und
dass der vordere Theil von dem festen Grunde umschlossen, im
Wacbsthum gehemmt werde. - Das Ausgefressensein der Wirbel
will Verf. durch eine Säure erklären, die das Thier aus der auf der
Schulter befindlichen gefässreichen Höhle, die Oken für Harnorgan
hält, absondert.
U. amnicus Ziegl., V. Jusculus und U. labacensu Pfeiff. werden
als Localvarietäten einer Art bestätigt; ebenso 17. afror/renf Schmidt,
U. decurvatus Rossm. und U. badius Kokeilj ferner IJ. batavus, U.
CaryntMacus Ziegl., U . gangrenosus JAtg\. ^ U. pruinosus Schmidt,
die sich durch einen bläulichen Reifüberzug wie bei einer reifen
Pflaume auszeichnet; desgleichen U. jdatyrhynchus Rossm., U. lon-
girostris Ziegl. — U. consentaneus Ziegler in Steiermark und bei
Laibach, U. graniger im Moorgrunde des Loschza-Bafihes bei Lai-
bach, U. pictorum und reniformis in der Gegend von Laibach wer-
den als Arten anerkannt.
J. E. Gray bemerkt Annais etc. VI. p. 316: die Mantellappen
von einer Hyria aus dem Britischen Guiana sind hinten zusammen-
gewachsen, und mit zwei kurzen, getrennten contractilen Siphonen
versehen, wie die Thiere von Iridina und Leila, obgleich der Ein-
druck der Schale hinten keine Einbucht zeigt.
G. B. Sowerby stellt (Proc. 1840. p. 105) eine grosse Menge
neuer Arten der Gattung Cardium auf, die fast alle in seinen Con-
chological lUustrations abgebildet sind : C. sinense von China und den
Philippinen, striatulum von Australien, australe aus Australien und
dem chinesischen Meere, ringiculum von Ceylon, siculum von Sici-
lien, arcticum aus dem Nordraeere, pancicostatum von Malta, niul-
tispinosum von den Philippinen, exasperatum von Australien, varie-
gatum von den Philippinen, mticolor ebendaher, impolitum und oxy-
gonum von China, subelongatum von St. Thomas, enode und subru-
gosum von Ceylon, alternatum von den Philippinen, attenuatum
von Ceylon, elenense von St. Helena, lyratum von den Philippinen,
parvum und fornicatum unbekannten Vaterlandes, imbricatum von
Australien, subretusttm und fragile ohne Angabe des Fundorts, und
endlich foveolatiim von den Küsten Australiens.
Jeangerard fand Aas Cardium indiaim Lara. (^C. htans Brocchi)
beim Cap Rosas, 7 bis 8 Lieues von Bona in einem lebenden Exem-
plare auf, was Petit in der Revue zool. 1840 p. 169 bekannt macht.
Eine zweite Art der Gattung Galathea stellt Duval auf: G. con~
camerata innen ganz weiss und ohne Flecken; von der Schlossleiste
setzt sich eine LameUe zum vordem Muskeleindruck fort. Africa.
(Revue zool. 1840 p. 211).
Cytherea aequilatera Desh. 1. c. gehört in die Gruppe von C.
corbicula Lam. und ist sehr verwandt, wenn nicht identisch mit C. ar-
gentina Sow. Mexico. —
Lucina Adansonii d'Oib. Moll. d. Canaries, dick, kuglig, mit
280
concentrischen, häutigen Lamellen, vorn mit roittelmässiger, hinten
mit tiefer Furche. Desh.iyes hält sie für identisch mit der fossilen
L. coliimbella, von der sie jedoch verschieden sein soll. Lancerotte.
Senegal« . !,
PetricolaCordieriHesh. I. c. dicke Lamellen, parallel dem Rande.
— P. arciiata id. ib. ünterrand etwas eingebogen, fast gerade, vorn,
fast abgestutzt, hinten verschmälert.- P. cylindracea id. ib. kuglig-
cylindrisch, hinten breit, gerade abgestutzt. Alle drei von Californien.
üeber Clavagella balaenorum siehe Philippi in diesem Archiv
VI. 1. p.181. .
Gastrochaena dentifera Dufo 1. c.
Ckironiu Desh. 1. c. wird nun näher so characterisirt: Schale
zweischalig, regelmässig, gleichschalig, dünn,, mit Epidermis; Schloss
hat in der rechten Schale einen ziemlich dicken, zusammengedrück-
ten, gekrümmten Zahn; ein hinterer, schiefer Seitenzahn; in der lin-
ken Schale zwei ähnliche Zähne aber kleiner; ein inneres kurzes-
sehr breites Ligament, zwischen den beiden Schlosszähnen eingesenkt,
und sich in kleine fast ganz im Schlossrande verborgene Gruben ein-
legend. Muskeleindruck entfernt, oberflächlich, Manteleiudruck ein-
fach. Diese Gattung hat die Schlosszähne von Erycina ohne die
Platten (cuillerons), und ein Ligament wie Osteodesma aber ohne
die Kalkstückchen, sie steht also zwischen beiden.
Pholas JafielliDesh. 1. c. oben strahlig geschuppt, vorn gerippt,
hinten mit bläffriger Epidermis überzogen. Von den AVirbeln zum
Unterrande ein breites längsgestreiftes Band, 5 Zoll lang; das Schild
sehr gross, fünftheilig. — P. covcamerata id. ib. vorn zur Hälfte
gerippt, die Rippen schuppig, hinten mit hornigen Anhängen; das
Schild dreitheilig. Beide bohren sich in die Kalksteine des Ufers von
Californien.
Tttnicata.
Unter dem Titel „Observations siir les Ascidies compospes
des cotes de la Manche" giebt Milne Edwards einen kurzen
Auszug einer Arbeit, welche in den Memoiren der Academie
godruckt werden soll (Ann. d. se. nat. XIII. p. 76).
Im ersten Kapitel wird von der Circulatiou des Blutes gehandelt
(vergl. Institut 1840 p. 66. 95); im zweiten von der Respiration; im
dritten von den Geschlechtsorganen (Hoden und Eierstock, deren
ersterer durch einen langen Faden in die Kloake mündet, und mit
Spermatozoen erfüllt ist); im vierten von der Entwickelung im Ei;
im fünften von der Fortpflanzung durch Knospen, durch welche ein
aus dem Es entstandenes Individuum eine ganze Colonie um sich bil-
det; im letzten endlich soll eine Anwendung der anatomischen und
physiologischen Resultate auf die Classification der Ascidien folgen.
In der Naturhistorisk Tidsskrift von Kröyer III. p. 233
281
j findet sich ein Auszug von Eschricht's Beobachtungen über
Salpa cordifortnis aus den VerhcUidlungen der Gesellscluift der
Wissenschaften zu Copenhagen 1839. Verf. hält die Meinung,
dass diese Thiere in abwechselnden Generationen einfache und
zusammengesetzte Brut hervorbrächten, für falsch, und ist der
Ansicht, dass die jüngeren Individuen einfache, die älteren zu-
sammengesetzte Junge erzeugen.
Eine neue Gattung Pelonaici ist von Forbes und Guodsir
entdeckt worden. Die Thiere sind frei, lang gestreckt, hinterwärts
aufgetrieben, Athem und Afteröffnung vorgestreckt, die erstere an
dem vordem Ende und in der Axe des Thiers. Dasselbe ist äusserlich
und innerlich symmetrisch. Zwei Arten: P. corrtigata und glahra,
beide an der Englischen Küste (Frorieps Neue Xotizen XVI. p. 136).
Bericlit über die Leistungen in der JVatiirgescliiclite
der Annulalcn während des Jahres 1840.
Von
C. Th. v. Siebold.
Von Grube haben wir einen reichhaltigen Beitrag zur
genaueren zoologischen Kenntniss der Annulaten erhalten*).
Derselbe hat zu den Beschreibungen sehr vieler bereits be-
kannter Arten aus den meisten Annulaten -Familien, (aus der
Familie der Aphroditeen, Amphinomeen, Euniceen, Nereiden,
Maldanien, Amphitriteen, Serpuleen, Echiuren, Hirudineen, Si-
punculinen, Flanarien und Turbellarien), nicht allein wichtige
Berichtigungen und Ergänzungen geliefert, sondern er ist auch
durch seinen Sammelfleiss in den Stand gesetzt worden, eine
Menge neuer Arten und mehrere neue Gattungen diesen Thier-
familien einzuverleiben.
Als neue Arten führt Grube auf: Polynoe mit sechs Arten, Eu-
nice siciliensis, Onuphis tubicola, Diopatra Baeri und unicornis,
*) Grube : Aktinien, Echinodermen uud Würmer des Adriatischen
und Mittelmeers. 1840. S. 43.
282
Phyllodoce Rathkü, Nereis mit vier, und Lumbriconereis mit drei
Arten, Syllis vittata und graciUs, Nephthys neapolitana^ Clymene
■palermitana, Terebella multisetosa, Serptila mit zwei Arten, Sipho-
nostomum fapillosum, Pontobdella lubrica, Stylochus foUum, Ortho-
stomum ruhricinctum, Meckelia amuilata, und Borlasia viridis. Un-
ter dem Namen Anoplosomatum stellt Grube eine neue Gattung
in die Nähe von Sipunculus, da der Körper des hiehergehörigen Thie-
res den Sipunceln ähnlich ist, ohne aber in einen Rüssel überzuge-
hen. Von Tentakeln, Zähnen und Wärzchen wurde keine Spur be-
merkt, eben so wenig von Borsten und Fussstielchen am Korper.
Der Mund befindet sich am vorderen Leibeseude, der After gegen
das hintere Leibesende hin an der Seitenwand. Die weite Oeffnung
an dem hinteren Korperende führt in das Cavum abdominis und
dürfte vielleicht zur Entleerung der Eier dienen. Die einzige Art,
Anopl. utriculus (Fig. 3.) hatte Grube in Palermo erhalten.
Aus der Familie der Turbellarien beschreibt Grube eine neue
Gattung, Thysanozoon, welche der Eurjlepta Ehrb. am nächsten
steht, aber nicht glatt, sondern auf dem Rücken mit Zotten bedeckt
ist, und deren After vermuthlich oben liegt*). Von Thys. Diesingii,
einem schön gezeichneten, röthlichbraun gefärbten Thiere von 4,3c
Länge erhielt Grube zu Palermo mehrere Exemplare. Eine andere
neue Turbellarien -Gattung nennt Grube Acrostomum »♦), Mund
und After befinden sich hier an beiden Enden des Körpers, dieser
ist breit und niedergedrückt, Kopf durch eine deutliche Furche rings-
um abgesetzt, ohne Augen. Acr.Stunnü ist 3,7 c lang und 0,7« breit,
ungegliedert, vorne und hinten zugespitzt, und blass fleischroth ge-
färbt, offenbar macht dieses Thier den Uebergang von den Gyratri-
cinen zu den Nemertinen.
Johns ton fahrt fort, die britischen Nereiden zu be-
schreiben ***).
Er führt von der Gattung Phyllodoce Sav. vier Arten auf:
Phyll. lamelligera^ maailata und viridis Lt. und l/ilineata Johast. Die
zu dieser Gattung gehörigen Annulaten zeichnen sich bekanntlich
durch die blattförmigen Lamellen aus, welche an den Seiten der Lei-
besringel sitzen und dieFussstummeln von obenher bedecken. Diese
Lamellen werden von Johnston nicht für Kiemen gehalten, sondern
ihrer Beweglichkeit wegen für Bewegungswerkzeuge erklärt; diese
Annulaten sollen in der That, (wie es schon Otto Fabricius an Phyl-
lodoce viridis beobachtete), mittelst derselben geschickt im Wasser
schwimmen können. Johnston stellt zu den Synonymen der Phyll.
viridis auch die Phyll. clavigera des Audouin und Edwards, da diese
*) Grube: Ebenda. S. 54. Fig. 9.
**) Ebenda. S. 57.
*♦*) Annais of thc natural history. IV. 1840. S. 234. Miscellanea
zoologica.
283
letztere sich in nichts von der Nereia viridis des Fabricius unter-
scheidet, als nur durch die Anwesenheit des fünften unpaarigen klei-
nen Fühlers auf dem Scheitel, welchen Fabricius seiner Kleinheit
wegen leicht übersehen konnte. Als neue Gattungen werden Psa-
mathe und Joida von Johnston beschrieben. Von den Characterea
der Psamathe, mit der einzigen Art Ps. fusca, sind besonders fol-
gende hervorzuheben: vier deutliche Augen, vier kurze zweigliedrige
Antennen, der zahnlose lang-cylindrische Schlund ist mit einer
Reihe von Papillen besetzt; die vier Tentakeln hinter dem Kopfe
sind, wie die Bückencirren der Fussstummeln, lang und nach Art
einer Conferve gegliedert; die Baucheirren der Fussstummeln sind
kurz und ungegliedert. Der abgestutzte Schwanzring endigt mit
zwei laugen gegliederten Fäden. Das Thier kann seine Girren nach
jeder Richtung hin bewegen, und steht seiner ganzen Form nach
zwischen Syllis undHesione. Die neue Gattung Joida, mit der ein-
zigen Art Joid. macrophthalma, bietet folgende Charactere dar: die
beiden Augen sehr gross, drei fadenförmige gegliederte Antennen,
die Tentakeln hinter dem Kopfe fehlen, an den Fussstummeln ist nur
ein Rückencirrus vorhanden, welcher zweimal länger als die Fuss-
stummeln und perlschnurförmig gegliedert ist, dagegen besitzen die
Fussstummeln einen doppelten Borstenbündel. Unter dem Namen
Aphrodite horealis beschreibt Johnston einen neuen Wurm*), wel-
cher der Aphrodite hystrix Aud. u. Edw. sehr nahe steht. Johnston
erachtet es daher für nöthig, die Diagnose für letztern abzuändern.
Aphrodite borealis unterscheidet sich von Aphrod. hystrix besonders
durch die einfachen Borsten der Fussstummeln, indem sie bei Aphrod.
hystrix am Rückenfussstummel sägezähnig zugespitzt und am Bauch-
fussstummel gabelförmig gespalten sind. Die Bauchfläche von Aphrod.
borealis ist nach Johnston's Beschreibung mit blasenartigen Erhaben-
heiten besetzt, welche dem Thiere wahrscheinlich dazu dienen, sich
am Boden festzuhalten.
Aus der Familie der Lumbriciden beschreibt Johnston einen
Wurm, der vielleicht zu dem genus Tro/^Äo«/« Aud. u. Edw. gehört**).
Das Kopfende desselben ist mit langen vorwärts gerichteten Bor-
stenbüscheln besetzt, an den 30 bis 60 schmalen Gliedern ragen zu
den Seiten kurze, nicht contractile Borstenbüschel hervor. Die mei-
sten langen Borsten des Kopfendes erscheinen bei genauerer Be-
trachtung gegliedert. Die cutis des Wurms ist überall mit Wärz-
chen besetzt, welche mit einer kurzen stumpfen Spitze enden. John-
ston, der diesen Wurm Trophonia (?) Goodsirii nennt, schliesst aus
der äusseren Beschaffenheit dieser Annelide, dsss dieselbe nach Art
der Arenicola in dem Erdboden versteckt lebe und dass ihr die vor-
deren langen Haarbüschel zum Fangen der Nahrung dienen.
*) Ebenda. S. 368.
') Ebenda. S. 371.
2S4
Eine sonderbare Annelide stellt Johnston als neues gcmis unter
dem Namen Travisia in der Familie der Arenicoliden mit folgen-
der Diagnose auf: Mnndöffnung auf der Bauchseite, Kiemen einfache
Fäden. Die einzige Art, Travisia Forhesü, ist deutlich gegliedert
die vorderen Glieder sind von den hinteren sehr verschieden. Die
wulstige Mundöffunug auf der Bauchseite befiodet sich zwischen dem
3ten und 4ten Leibesriagel. Der erste Leibesringel dreieckig und
scharf zugespitzt, besitzt durchaus keine Anhänge, der zweite Rin-
gel ist etwas breiter und ebenfalls ohne alle Anhänge^ die 12 fol-
genden Ringeln sind mit zwei bis drei Querreifen, und auf jeder
Seite mit einem Röcken- und Bauch-Haarbüschel versehen zwischen
welchen sich ein langer Cirrus und eine runde Oeffnung befindet.
Von dem 14ten Ringel, an verschmächtiget sich der Wurm die 13
hinteren Leibeisringel sind mehr in die Länge gezogen, der Cirrus
entspringt hier zwischen papillenförmigen Erhöhungen, (so ist es
wenigstens aus der Abbildung Taf. XI. Fig. 16. zu entnehmen), und
besitzt nur einen Haarbüschel neben sich. Das Schwanzende ist
mit sechs stumpfen Papillen umgeben.
Bei den Nereiden legt Johuston zur Unterscheidung der einzel-
nen Arten besonderen Werth auf das Grössenverhältniss des ersten
und zweiten Leibesringel, auf die Grösse der längsten Tentakeln
des Hinterkopfes, und auf die verschiedene Geslalt der Lappen und
Anhänge der Fussstummeln *). Derselbe zählt acht an der irländi-
schen Küste vorkommende Nereiden- Arten auf, von diesen besitzen
Nereis brevimana, vi?-idis , pelagica, bilineata, Dumerilii imA fiicata
Fussstummeln mit gleichgebildeten Anhängseln, während bei Nereis
renalis und longissiiria die Anhängsel der Fussstummeln verschieden
gebildet sindj die hinteren Leibesringel führen nämlich blattförmige
Anhängsel. Die erwähnten Nereiden sind von Johnston genau be-
schrieben, auch von Aphrodite hystrix Sav. und Polyno'e scolopendrina
Sav. gab derselbe nach irländischen Exemplaren eine genaue Be-
schreibung und fügt noch Polyno'e squamata und cirrata Sav. als
irländische Anneliden hinzu **).
lieber das Gefässsystern der Amphinoraen hat Trevira-
nus .Untersuchungen angestellt***).
Es besteht dasselbe aus vier Paar Hauptadern, von welchen Tre-
viranus zwei Paar für Venen und zwei Paar für Arterien erklärte.
Mit zweien dieser vier Paar Hauptadern stehen mehrere unter dem
Magen gelegene, mit herzartigen Erweiterungen versehene Gefässe
in Verbindung. Derselbe betrachtet die paarigen länglichen Bläschen,
M-elche bei den Regenwürmern in jedem Fache der Leibesringeln
*) Ebenda. Bd. V. 1840. S. 168.
*♦) Ebenda. S. 305.
**") Treviranus: Beobachtungen aus derZootomie und Physiologie.
Hft. I. 1840. S. 53.
285
liegen und nach aussen münden, als eigenthümliche Absonderungs-
organe und nicht als Kiemen*). Das Atheraholen geht nach seinem
Dafürhalten bei dem Erdregenwurm in den einzelnen Fächern der
Leibeshöhle vor sich, in welche durch Rückeuöffuungeu Luft ein-
tritt und auf diese Weise mit dem Gefässnetze, das sich auf den
Scheidewänden der Fächer und auf der äusseren Fläche des Darmes
ausbreitet, in Berührung kommt. Zwischen Schlund und Magen be-
finden sich in sieben Leibesfächern Ouergefässe, welche mit 5 bis 6
blasenförmigen Erweiterungen versehen sind und die Stelle eines
Herzens vertreten. Treviranus schliesst aus seinen Untersuchungen,
dass bei den Anneliden die auf der Bauchseite liegenden Gefässstämme
als Venen, und die auf der Rückenseite gelegenen als Arterien zu
betrachten sind, und dass jene Venen das Blut den Kiemen zuführen,
diese Arterien aber es von den Respirationsorganen wieder aufneh-
men. Nachdem derselbe über den Blutlauf in Lunibricus variegatus
und Hirudo vulgaris noch einige Bemerkungen gemacht, stellte er
den allgemeinen Satz auf, dass bei den Anneliden die Gefässe den
Mangel des Herzens ersetzen, und dass die Zusammenziehungen der
ersteren von jedem Puncte zu dem nächstfolgenden fortschreiten.
Auch von Duvernoy sind über das Blut und das Gefässsystem der
Anneliden einige allgemeine Bemerkungen gegeben worden **).
Krohn beschreibt eine neue, vielleicht zu den Phyllo-
docen gehörige Annelide, welche er aus dem Mitteluieere zu
Neapel erhalten hat ***).
Der aus einer sehr grossen Zahl von Segmenten bes(ehende Leib
dieser Annelide ist schmal, sechs Zoll lang und mit einem sehr gros-
sen Kopfsegmente versehen. Am Kopfe befindet sich jederseits ein
rothes Auge von | Lin. im Durchmesser. Ueber jedem Auge scheint
ein ganz kurzer Fühler angebracht zu sein und ein ähnlicher dürfte
sich zu beiden Seiten der Unterlippe befinden. Die beiden nächsten
Segmente hinter dem Kopfe sind sehr schmal, jeder derselben be-
sitzt ein Paar Rücken- und Bauch -Cirreu. An dem 3ten uzd 4ten
bre.teren Segmente ist der obere Cirrus kugelförmig angeschwollen
und der Fussstunimel sehr klein, an den darauffolgenden Segmenten
zeigen sich die oberen Girren in ovale Hautplatten (Kiemen?) um-
gewandelt. Die Rücken -Fussstummeln tragen lange Borstenbüschel.
Auf dem Rücken des Thieres läuft über jedes Segment ein schinaler
schwarzbrauner Querstreif. Der ausgestülpte Schlundkopf ist 3 Lin.
lang und vorne etwas erweitert, der Rand dA Schlundöffnung läuft
jederseits in einen laugen lanzett-förmigen Fortsatz aus, in der
Nachbarschaft dieser Fortsätze sitzen dem Schlundkopfe oben und
unten fünf kleine Höcker auf. Die innere Fläche des Schlundkopfes
'^) Ebenda. S. 57.
**) Froriep's neue Notizen. 1840. no. 310. 311 und 313.
'*) Ebenda, no. 305. pag. 888,
286
ist mit kurzen spitzen farbelosen Zähnchen bewaffnet. Jene Fort-
sätze hält Krohn, da sie weich sind, mehr zum Ergreifen als zum
Kauen der Beute bestimmt. Der Darmkaual scheint sehr einfach zu
sein, innerhalb jedes Segmentes traf Krohn viele Eier auf verschie-
nen Entwicklungsstufen an. Das Blut ist dem Anscheine nach farbe-
los; von dem Centralnervensj'steme, welches aus zwei Anschwellun-
gen besteht, traten 2 kurze dicke Sehnerven hervor. Aus der Mitte
der rothen, sphärisch gestalteten Augen ragt eine kleine sehr stark
gewölbte Cornea hervor. Krohn konnte an den Augäpfeln eine Scle-
rotica, deren innere Fläche von einer dünnen rothgelben Pigment-
lage (choroidea) ausgekleidet war, eine hinter der cornea liegende
glashelle Linse und hinter dieser eine durchsichtige zähe Substanz
(Glaskörper) unterscheiden, während es ihm nicht möglich war, eine
retina aufzufinden, die sich vielleicht ihrer Zartheit wegen seinen
Augen entzog.
Dalyell rühmt die Reproductionskraft Aqt Amphitrite
venfilahrum *).
Beschädigt man dieses Thier an seinem Vordertheile, so wird
alles bald wiedererzeugt sein, trennt man ein Stück des hinteren
Körpers ab, so bildet sich an dem vorderen Theile dieses abgetrenn-
ten Stückes ein Federbusch sammt den complicirten Mundtheilen
aus. Wird eine Amphitrite bombyx in drei Theile zerschnitten, so
umgiebt sich jedes der Fragmente sehr bald wieder mit einer Hülle,
worin sie ruhig verweilen, bis uach einiger Zeit sich jedes wie-
der in ein vollständiges Thier verwandelt hat. Die Zahl der Se-
gmente scheinen nach Dalyell's Ansicht in allen Anneliden unbe-
schränkt zu sein.
Von Stannins haben wir wichtige Bemerkungen über
Arenicola piscato rum erhalten**).
Dieser Wurm kommt nicht ausschliesslich an solchen Stellen
vor, welche bei wechselnder Ebbe und Fluth nur zeitweise vom
Wasser bedeckt werden, sondern findet sich auch, sowohl bei Co-
penhagen als auch bei Kiel, an solchen Küsten -Stellen der Ostsee,
welche fortwährend vom Wasser bedeckt sind. Die Farbe des
Wurms ist bald schmutzig - grau , bald schwarzgrau , bald schwarz.
Schwimmen sah Stannius die Arenicola piscatorum niemals; auf Sand
gelegt, bohrt sich dieser Wurm sogleich ein. Die 13 Kiemen ent-
halten 13 obere und ,13 untere Paare von queren Kiemengefässen.
Die 26 unteren Kiemengefässe stehen mit einem Hauptgefässstamme
in unmittelbarer Verbindung, die 26 oberen Kiemengefässe münden
dagegen in verschiedene Längsgefässstämrae ein. Die Gefässver-
*) Froriep's Neue Notizen. 1840. no. 331. S. 1.
»») Müller's Archiv. 1840. S. 352. Bemerkungen zur Anatomie
und Physiologie der Arenicola piscatorum.
287
theilung am Darmkanale verhält sich je nach den verschiedenen Ab-
theilungen des letzteren verschieden, und wird von Stannius ausführ-
lich beschrieben. Als Zeugungsorgane werden von Stannius folgende
Theile erwähnt. In dem vorderen Theile des Leibes ist jederseits
des Darmkanales eine schlaffe Membran ausgespannt, hinter welcher
sich die Stelle befindet, aus welcher sich die Eier oder männlichen
Zeugungsstoffe hervorbilden. Die Eier besitzen ein Chorion, einen
Dotter und ein Keimbläschen; der männliche Zeugungsstoff besteht
aus eigenthümlichen, bald runden, bald ovalen Körperchen, welche
zuweilen mit langen Cilien besetzt zu sein schienen. Stannius glaubt,
dass die Eier durch das Abstossen des kiemenlosen Schwauzstückes,
welches von Zeit zu Zeit Statt findet, Gelegenheit bekommen, nach
aussen zu gelangen. Die von Grube als Eier gedeuteten Körperchen,
welche derselbe in den Kiemengefässen antraf, mochte Stannius eher
für Blutkörperchen halten. Den Hauptnervenstamm sah Stannius nach
vorne in zwei Nervenstränge auseinander weichen, welche seitlich
vom Schlünde zu einem gelblich weissen Knötchen anschwollen.
Eine ausgezeichnete Monographie über die Tardigra-
den haben wir Doyere zu verdanken*). Derselbe machte
aus dieser kleinen Thiergrnppe drei Gattungen, welche die
eine Abtheilung der von Dujardin aufgestellten Familie der
Systoliden bilden, während die andere Abtheilung die Gat-
tuno- Alhertia Duj. umfasst. Die erste Abtheilung bezeichnet
Doyere mit dem Namen Systolides suceurs und giebt Anwe-
senheit von Extremitäten und Saugwerkzeugen als Charactere
derselben an. Die zweite Abtheilung nennt derselbe Systo-
lides hroyeurs, deren Charactere ein Flimraeraparat und
Kauorgane sind.
Als erste Gattung der Systolides suceurs finden wir Emy dium
mit drei Arten aufgeführt: Kopf ohne Anhänge, Maul konisch, ohne
Anhänge und ohne Saugnapf, Oberhaut halb fest, auf der Oberfläche
mit sehr deutlichen Querringeln, vier Paar Fussstummeln und einige
Spuren von Metamorphose. Emydium testudo, spinulosum und gra-
nulatum unterscheiden sich hauptsächlich durch die Zahl und Stellung
von Fäden, welche an ihren Leibesringeln festsitzen. Die zweit©
Gattung Milnesium besitzt vorne und seitlich am Kopfe zwei kurze
palpenartige Anhänge und am Munde einen von Palpen umgebenen
Saugnapf^ eine weiche und in variirende Querringel getheilte Haut,
vier Paar Fussstummeln, zweitheilige Leibesringel, und keine Spur
von Metamorphose. Die einzige hierhergehörige Art, Milnesium tar-
digradum, ist Spallanzani's Tardigrade. Die dritte Gattung Macro*
biotus Schulz, wird von Doyere auf folgende Weise characterisirt :
♦) Annales des sciences naturelles. 1840, Bd. XIV. S. 269. Me-
moire 8ur les Tardigrades.
288
Kopf ohne Anhänge, Mund mit Palpen und Saiignapf versehen, Haut
mit variirenden Leibesringeln, vier Paar Fussstummeln, keine Meta-
morphose. Die vier von Dojere aufgestellten Arten, sind: Macrobio-
tus Hufdandii Seh., Oberhäuser, tusellus (^Arct/'scoti tridactylum
Nitzsch), und Dujardin, deren verschieden gebildete Fussklauen viel-
leicht gute Artkennzeichen abgeben können.
Doyere konnte an den Tardigraden eine Häutung, an welcher
auch der Darnikanal Theil nimmt, beobachten; bei dieser Häutung
legen einige Tardigraden zugleich ihre Eier in die abgeworfene Hülle.
Der ganze Körper der Tardigraden zerfällt in Kopf und Rumpf,
ersterer besteht aus den beiden ersten Leibesringeln, letzterer da-
gegen aus vier Leibesringeln. Den einzelnen Rumpfringeln entspre-
chen die vier Paar Fussstummeln und die vier Ganglien des Bauch-
stranges. Das Blut der Tardigraden circulirt frei zwischen der all-
gemeinen Hautbedeckung und dem Nahrungscanale und besteht aus
einer farbelosen Flüssigkeit, in welcher zusammengesetzte und ein-
fache Körperchen flottiren. Diese Blutkörperchen besitzen bei Emy-
diiini eine rothhraune Farbe. Von einem Organe, welches mit einem
Herzen verglichen werden könnte, hat Dojere nur undeutliche Spu-
ren aufgefunden; als Athemorgane betrachtet derselbe die allgemeine
Hautbedeckung, doch soll die innere Fläche des Darmkanals bei dem
Athmen mitwirken, da Doyere bemerkte, dass in demselben Luftbla-
sen sehr schnell resorbirt wurden. Bei Emydium findet sich ein coni-
scher einfacher Mund, bei Macrohiotus und Miluesium ist derselbe
dagegen sehr complicirt. Die Mundöflnung beginnt hier mit einem
Saugnapfe, welcher bei Milnesimn äusserlich mit sechs Tentakeln
umgeben und innerlich mit sechs dicht beisammenstehenden Läppchen
besetzt ist. Hinter dem Saugnapfe liegt bei Macrohiotus Bufdandii
und Milnesium tardigradum eine fleischige Schlundröhre, in welcher
sich zwei stiletarlige Körper auf- und niederbewegen. Mit diesen
spitzigen Stileten steht beiderseits eine Art Speichel- oder Gift-Drüse
in Verbindung. Der Nahrungscanal selbst ist weit und sackförmig,
bei Emydium erhält er durch viele Einschnitte eine viellappige Gestalt.
Um das Muskel- und Nerven-Sj'stem der Tardigraden deutlich zu
erkennen , fand es Doyere nöthig, die ihnen eigenthümliche Asphyxie
künstlich herbeizurufen. Zu diesem Zwecke that derselbe die Thier-
chen in ausgekochtes Wasser und bedeckte die Oberfläche desselben
mit Oel. Die Tardigraden erscheinen alsdann fast eben so reich an
Muskelsträugen wie eine Insecteu-Larve. Das Bauchmark besteht,
wie schon erwähnt, aus vier Hauptganglien, welche durch eine dop-
pelte Commissur mit einander verbunden sind, von dem vordersten
Ganglion treten zwei starke Nerven zu den bulbis opticis, welcher
aus zwei mit klarer Feuchtigkeit gefüllten und mit schwarzem Pig-
mente ausgekleideten Säckchen bestehen, zwei andere Nerven des
ersten Ganglion hegeben sich zu den beiden vor den Augen gelege-
nen Anschwellungen Ein weiter, über dem Darmkanale liegender
289
Sack stellt den Eierstock dar, welcher zuweilen drei bis sechs deut-
liche Eier enthält. Bei Emydium, Milnesium und Macrobioüis ursel-
lus sind die Eier mit einer derben glatten Eihülle versehen, bei Ma-
crobiotus Hufelandii und Oberhmiser besitzen sie auf ihrer äusseren
Fläche viele Unebenheiten und Fortsätze. Die Eier der ersterenArt
werden bei der Häutung in die abgestreifte Haut gelegt. Zu beiden
Seiten des Darmes liegt ein blinddarmartiges Organ (Hode) und über
dem Ovarium eine birnförniige Blase (vesicula seminalis), welche als
männliche Geschlechtsorgane gemeinschaftlich mit Ovarium und Darm-
kanal in eine Kloake einmünden. Bei der Entwickeluug der Eier
dieser Thierchen zeigten die Jungen niemals Flimmerorgane.
Schulz hat unter dem 'SamQn.Echiniscus Bellermanni eine
neue Tardigraden-Art beschrieben*), in welcher Ref. das Emydium
testudo Doy. sogleich wieder erkannte. Schulz hat an demselben
Thierchen den Häutungsprocess und die in die abgestreifte Haut ge-
legten Eier erkannt, aber von einem Muskelapparate, Nerven- und
Circulations-Systeme keine Spur gesehen.
Bericht über die Leistungen im Gebiete der Hel-
mintholog'ie während des Jahres 1840.
Von
C. Th. V. Siebold.
Eine allgemeine Bearbeitung der Helminthen hat Nord-
mann bei der neuen Herausgabe des dritten Bandes von La-
marck's Naturgeschichte der wirbellosen Thiere übernommen**),
wofür ihm alle Helminthologen Dank wissen werden ; wir finden
zwar in der Classe der Würmer unter der 1. und 2. Ordnung
(1, les vers mollasses, 2, les vers rigidules) sämmtliche Ento-
zoen mit dem ursprünglichen Texte Lamarck's abgehandelt, doch
hat Nordmann denselben mit so vielen reichhaltigen Anmer-
kungen und Zusätzen ausgestattet, dass man hierdurch eine
*) C. A. Schulz: Echiniscus Bellermanui, auimal crustaceum, Ma-
crobioto Hufelandii affine. 1840.
'*) Histoire naturelle des animaux sans vertebres par J. B. De
Lamarck. Deuxieme edition par Deshayes et Milne Edwards. T. III. 1840.
Archiv f. Nanirgesch. VII. Jahrg. 2. Band, 19
290
vollständige Uebersicht der in neuerer Zeit durch viele wich-
tige Entdeckungen bereicherten Helminthologie erhält. Auch
Creplin hat eine allgemeine Zusammenstellung der Einge-
weidewürmer gegeben*), wobei die meisten (nicht alle) Gat-
tungen geschildert und von jeder Gattung eine oder mehrere
Arten als Repräsentanten der übrigen kurz characterisirt werden.
In Bezug auf die Entstehungsweise der Helminthen erklärt
sich Eschricht gegen die Annahme einer generatio aequi-
voca**), und stellt den Erfahrungssatz auf, dass die Eingeweide-
würmer in jedem Falle von anderen Individuen ähnlicher Gat-
tungen herstammen, mithin gezeugt werden, denn zu welchem
Zwecke dienten sonst die Ungeheuern Massen von Eiern und
lebender Brut bei Ascariden und Bandwürmern? In welcher
Gestalt die Eingeweidewürmer in andere Thiere gelangen, lässt
sich noch nicht beantworten, doch ist es für die Beantwortung
dieser Frage schon sehr nichtig, dass man neuerdings erkannt
hat, dass die Eingeweidewürmer Metamorphosen durchlaufen
und zumTheil ihren Aufenthaltsort verändern; von Ligula und
Bothryocephalus solidus weiss man, dass sie erst gedeihen und
sich vollständig entwickeln, nachdem sie von einem Thiere zu
einem andern übergegangen sind. Die Beobachtung, dass manche
Fische zu gewissen Zeiten des Jahres Würmer im Fleische
haben, deutet ebenfalls auf solche Wanderungen der Entozoen
hin. Eschricht hält ferner die Beantwortung der Frage für
sehr wichtig, ob die Wurmkrankheiten ansteckend sind oder
nicht, nach dieser Beantwortung kann man erst versuchen zu
erklären, wie sie stattfindet***).
Streckeisen machte in Bezug auf die Entstehung der
Entozoen die Mittheilung f), dass er mit Eintritt des Winters
die Zahl der Eingeweidewürmer im Darmkanale verschiedener
*) Allgem. Encyclopädie von Erscii und Gruber. 32. Theil. 1839.
Artikel: Eingeweidewürmer.
**) Acta Acad. Caes. Leop. Nat. Cur. Vol. XIX. Süppl. II. Anato-
misch-physiologische Untersuchungen über die Bothryocephalen p. 123
und Froriep's Neue Notizen Nr. 318, Ueber die Entstehung der Ein-
geweidewürmer p. 180.
***) Act. Acad. Leopold, a. a. O. S. 138.
t) Bericht über die Verhandlungen der naturforschenden GeseU-
schaft in Basel IV. Basel 1840 S. 41.
291
Thiere habe abnehmen sehen, und schöpfte daraus die Ver-
muthung, dass die meisten Entozoen einjährige Thiere wären
welche gegen den Winter hin absterben und sich durch Eier
später wieder neu reproduciren. Diese Bemerkung stimmt ganz
mit den weiter unten zu erwähnenden Beobachtungen Eschricht's
iiberein, und wir können jetzt den Erfahrungssatz feststellen,
dass die verschiedenen Jahreszeiten einen wesentlichen Einfluss
auf die Vermehrung und Verminderung der Entozoen ausüben.
Ufematoidea»
Nach Mrs. Postans Erzählung k'ommt die Filaria medinensis
zu Kirkee, Poonah und in mehreren grossen, sonst gesunden Militär-
stationen des westlichen Indiens sehr häufig vor*). Der Wurm wird
dort auf die bekannte Weise hervorgezogen, und zeigt nicht sel-
ten eine Länge von zwei Fuss. Einen durch Fil. medinensis zu
Sierra Leone erregten Krankheitsfall theilte Robert Clark mit**).
Nach Eschricht's Ansicht scheint sich die Fil. medinensis durch die
Haut einzubohren, wenigstens will derselbe bei Cottus Scorpius mehr-
mals Filarien angetroffen haben, welche zur Hälfte durch die Haut
gedrungen waren***).
Ein Fall einer 31 Zoll langen Fil. jjapillosa im Auge eines Pfer-
des wurde zu Baltimore beobachtet, Dunglison knüpfte daran die
bei dieser Gelegenheit sich immer wieder aufdrängenden, bekannten
Bemerkungen über die Entstehung des Wurms an diesem abgeschlos-
senen Orlef). Gerber hat ein Spulwürmchen aus der Bindehaut
eines Pferdes (Fil. lacrymalis Gurlt?) abgebildet, in der Figur 236
sind Darm und Eierschläuche besonders hervorgehoben, die aber mit
einander verwechselt und überhaupt in ihrem Verlaufe nicht richtig
erkannt worden zu sein scheinenff).
Aus Tinea evonymella und Bombyx chrysorrhoea hat Graf£
eine ganze Portion feiner langer Filarien erhalten f-j-f)- '^ der Sub-
stanz von Cydippe Esch., einer Rippenqualle, fand Edward Porbes
einen einer Filaria ähnlich sehenden Schmarotzer eingebettet *f).
*) Froriep's Neue Notizen. Nr. 305 S. 304.
**) The medico-chirugical review. Octob. 1840. Nr. 66 S. 585.
Gase of Dracimculus.
***) Act. Acad. Leopold, a. a. O. S. 148.
i) Annais of natural history. V. 1840. S. 481 und I'Institut 1840
S. 331.
ff) Gerber: Handbuch der allgemeinen Anatomie. 1840. S. 211
Taf. VH. Fig. 235, 236.
iif ) Ratzeburg: die Forst-Insecten. B. U. 1840 S. 18.
*t) Annais of nat. bist. 1839 S. 148. On two british species of
Cydippe.
19*
292
Creplin hat Tricliosoma contortum Cr., eine neue Art, in
der Speiseröhre von Falco Buteo, Vanellus cristatus, Tringa pugnax,
Recurvirostra Avocetta, Charadrius Hiaticula, Uria Grylle und Corvus
Cornix entdeckt, und Tricliosoma a'erophilum Cr., eine andere
neue Art, in der Luftröhre des Fuchses angetroffen*). Derselbe
hat erkannt, dass der Darm von Strongylus armatus aus drei Häuten
bestehe, von denen die äusserste braunkörnig und schwammicht, die
zweite hellgelb, dünn und aus sehr feinen Läugsfasern zusammen-
gewebt ist, während die dritte innerste Haut sehr dick, glatt und
blassroth ist und aus feinen Querfasern besteht**). An Strongylus tubi-
fex Nitzsch beobachtete Streckeisen in einer Entenart vom Octo-
ber bis December eine fortwährende Entwickelung, vom Januar ab
fand er die Beutel, in welchen diese Thiere stecken, kleiner, und die
darin liegenden Schmarotzer abgestorben, deren äussere Hülle nur
noch erkennbar war, und welche fast nur Eier enthielt. Zu dersel-
ben Zeit befanden sich in den Drüsenbälgen des Vormagens kleine,
in durchsichtigen Zelle^ eingeschlossene, lebende, nematoideen-artige
Würmchen, welche in ihrem Innern noch wenig entwickelt waren
und wohl als die Embryonen von Strang, tubifex angesehen werden
konnten***).
Nach Eschricht's Beobachtung bildet der eigentliche Eierstock
bei Ascaris lumhricoides einen laugen schmalen Körper in der Axe
der Eierstocksröhre, welcher beim Heranwachsen der Eier nach allen
Seiten hin aussprosst. Die die Eier einschliessenden Aussprossungen
(calices) liegen ungemein dicht an einander und nehmen die Form
eines Keils an. Ihre Zahl lässt sich ohngefähr auf 50 Millionen be-
rechnen. In der Gebärmutter liegen die Eier lose zwischen unzäh-
ligen langen Fasern auf der Schleimhaut und zeigen hier eine ovale
Formf). Ref. beobachtete bei Ascaris osctilata, aucta und Strongy-
lus inflexus etwas Aehnliches, es besitzen nämlich die Eier im Eier-
stocke eine keilförmige (bei Ascaris osculata und Strong. inflexus')
oder birnförmige Gestalt (bei Asc. aucta), und sitzen mit ihrem zu-
gespitzten Ende um eine Axe herum, welche sich durch die Mitte
der Eierstocksröhren hindurchzieht.
Creplin beobachtete einen Fall, in welchem einem IJahr alten
Knaben 99 Spulwürmer abgegangen sind ff). Zur Geschichte der
Perforation der Därme durch Spulwürmer und der Wurmgeschwulste
der Bauch wände lieferte Mondiere eine Abhandlung fff) , welche
*) Encyclopädie von Ersch und Gruber, a. a. O. S. 278.
**) Ebenda. S. 880.
***) Bericht über die Verhandlungen d. naturf. Gesellsch. in Base!
a. a. 0. s. 48.
f) Froriep's Neue Notizen. Nr. 318 S. 147.
if) Encyclopädie von Ersch und Gruber, a. a. O. S. 283.
•Ht) Schmidt's Jahrbücher der gesamraten Medizin 1840. No. II. S. 189.
293
Berücksichtigung verdient, besonders seitdem Eschricht und Miescher
ihre Beobachtungen über die Wanderungen anderer Entozoen bekannt
gemacht haben. Nach Mondiere's Beobachtungen können sich die
«pulwürmer einen Weg durch die Därme und die Wände des Bau-
ches bahnen, und zwar durch Auseinanderdrängung der ziemlich
schlaffen Fasern dieser verschiedenenen Organe mittelst ihres vordem
Endes, welches der Erection fähig ist. Vermöge der Contractilität
dieser nämlichen Fasern schliesst sich auch unmittelbar nach dem
Durchgange des Wurms die Oeffnung wieder. Die Ursache, welche
zu dieser Auswanderung der Würmer Veranlassung giebt, ist bis
jetzt noch ganz unbekannt. An allen Stellen der Bauchwände kön-
nen sich Wurmgeschwülste ausbilden, doch brechen die Würmer am
öftesten in der Umgebung des Nabels und des Leistencanals durch.
Mondiere unterscheidet von dieser durch Spulwürmer bewirkten
einfachen Durchbohrung der Därme und Bauchwände jene Fälle, in
welchen in grösserer oder geringerer Anzahl agglomerirte Würmer
an einer bestimmten Stelle der Därme sich aufhalten, sie erweitern,
in Entzündung versetzen, und sie zu Verwachsungen ftiit den Bauch-
wänden veranlassen, auf welche sich die Entzündung fortpflanzt, die
sich durch die Bildung eines sich allmälig nach aussen öffnenden
Abscesses endigt. Solche Abscesse, bei deren Oeffnung sich Eiter,
Spulwürmer und Fäcalmaterien entleeren, kommen nur bei an Wurm-
diathese leidenden Individuen vor. Nach Mondiere wurde in einem
Falle derWurroabscess durch einen Bandwurm verursacht. Nur ein-
mal ist Mondiere ein Fall bekannt geworden, in welchem es geschie-
nen, als ob die Spulwürmer, nachdem sie aus den Därmen hervor-
getreten und in die Dicke der Bauchwände gelangt sind, sich mit
einer Art Cyste umgeben hätten , die sie von der Darmhöhle isolirt
und wodurch es den zerrissenen Theilen möglich geworden, sich
hinter ihr zu vernarben, so dass bei der nachherigen Oeffnung der
Geschwulst nur etwas Eiter und Würmer, aber keine Fäcalmaterie
hervorgekommen sei.
Miram machte über die Lebenskraft der Eingeweidewürmer die
interessante Erfahrung, dass eine Menge von Ascarts acus, nachdem
sie auf einem Teller fest angetrocknet und das Gefäss wieder mit
kaltem Wasser angefüllt worden war, von neuem auflebte, ja dass
bei einigen Würmern, welche nur mit ihrer vorderen Leibeshälfte,
bei anderen, welche nur mit der hinteren Leibeshälfte vom Wasser
berührt wurden, auch nur diese Theile des Körpers sich bewegten,
während die andere Körperhälfte vertrocknet am Teller festklebte*).
Duvernoy betrachtet die beiden Längscanäle, welche sich bei
den Ascariden zu beiden Seiten des Leibes herabziehen, als Rudi-
mente eines Gefässsystems**). Nordmann bestätigt die vom Ref.
*) S. dieses Archiv 1840. I. S. 35.
**) Froriep's Neue Notizen. Nr. 311 $. 41.
294
gemachte Entdeckung, das« der Eidotter der Nematoideen bei der
Entwickelung der Eier Durchfurchungen unterworfen wird*).
Kobelt fand zu Heidelberg in der Leiche eines unter hydropi-
schen Erscheinungen verstorbenen 73-jährigen blödsinnigen Mannes
die Muskeln mit einer ausserordentlichen Menge kleiner Cysten
welche die Trichina spiralis enthielten, dicht besät^*). Die Cy-
sten, von J bis ^V ZoU Länge, liefen an beiden Enden in einen
dunkleren soliden Fortsatz aus, und Hessen das spiralförmig zusam-
mengerollte Würmchen deutlich hindurchschimmern. Bei dem Zer-
reissen der äusseren Hülle kam eine zweite völlig eirunde Hülle
zum Vorschein, in der die Trichina unmittelbar eingeschlossen Avar.
In acht Cysten waren je zwei Würmchen zugleich eingeschlossen, und
einmal konnte Kobelt sogar drei Bewohner in einer Cyste zählen.
Die Trichina war in den Cysten fast immer von einer klaren Flüs-
sigkeit umgeben, selten befand sich diese Flüssigkeit allein ohne
Wurm in den Cysten. Weniger selten traf Kobelt in den Cysten
spiralförmig gelagerte und die Gestalt der Trichinen hinsichtlich der
Dicke genau nachahmende Cxystalle an, als ob dieselben verglast und
dann in Stücke zerbrochen worden wären. Zuweilen war das ganze
Oval einer Cyste mit einem conformen kieselharten Kerne angefüllt,
aus dessen Innerem die leeren Spiralzüge des abgestorbenen Würm-
chens als lichte Räume scharf hervorstachen. An dem aus seiner Hülle
hervorgezogenen Schmarotzer konnte Kobelt weder Mund-, After-
noch Geschlechts-Oeffnung entdecken, gegen das eine, dickere Ende
hin befand sich bei den Meisten im Inneren ein dunkleres granulirtes
oder traubenförmiges Organ, das vielleicht als Geschlechtsdrüse ge-
deutet werden könnte. In der, bei Verletzung der Würmchen, her-
vorgequollenen grumösen Masse Hessen sich übrigens keine geson-
derten Intestina deutlich unterscheiden. Von grossem physiologischem
Interesse ist die bei dieser Gelegenheit von Kobelt gemachte Beobach-
tung, dass nur einzig und allein die willkürlichen Muskeln, aber auch
alle von diesem Parasiten besetzt waren, während in keinem der
übrigen Gewebe und selbst nicht in den unwillkürlichen Muskeln eine
Spur des Würmchens anzutreffen gewesen war. Die Cysten lagen
immer mit ihrem Längendurchmesser in dem Verlaufe der Muskel-
fasern, und ein mit ihnen dicht besetzter Muskel glich ganz einem
glattgekämmten und mit Läuseeiern beklebten Chignon. Kobelt machte
später noch einige Mittheilungen über den mit Trichina spiralis be-
hafteten, eben erwähnten Kranken, aus welchen hervorgeht, dass sich
an demselben während seines Lebens im ganzen Systeme der will-
kürlichen Muskeln keine Spur einer Belästigung gezeigt hat, aus der
das Vorhandensein dieses Schmarotzers hätte geahndet werden kön-
nen. Kobelt schliesst aus der Petrifikation des Parasiten auf ein
*) Lamarck, bist. nat. des anim. sans vertebres. T. III. a. a. O. S. 597.
*^) Froriep's neue Notizen. Nr. 38i S. 309 und Nr. 301 S. S35.
295
läDgcres Bestehen dieser Helminthiasis im Körper jenes Mannes.
Bischoff beschrieb eben denselben Fall*), ohne etwas von dem
Aufsatze Kobelt's gewusst zu haben '^*). Nach Bischoff's Angabe ent-
hielten die Muskelfasern der Luftröhre keine Trichinen, die kleinen
Muskeln des Kehlkopfs besassen sie dagegen in grosser Menge, wäh-
rend sie in der Iris fehlten, die Cysten waren durch Zellgewebefäden
locker an die Muskelbündel befestigt, am oberen sowohl als unteren
Pole der Cysten befanden sich meistens einige Fettbläsclien , die
äussere Hülle der Cysten ist immer oben und unten etwas in die
Länge gezogen und in diesem Räume bemerkte Bischoff eine Menge
dunkler Molecular- Körner. Die Würmer lebten noch nach zwölf
Tagen, selbst in schon faulenden Muskelstücken; Bischoff erkannte
jedoch die Bewegungen der Würmchen immer erst dann, nachdem sie
aus den Cysten hervorgezogen waren. Beim ersten Blicke scheinen
diese Würmchen nur eine fast ganz gleichmässige, schwachkörnige
Beschaffenheit ohne innere Organe zu besitzen, Bischoff konnte eben-
falls weder Mund- noch After-Oeffnung beobachten, doch erkannte
er einen Darmkanal, welcher in dem stumpferen (Kopf-) Ende der
Trichinen mit einem engeren Oesophagus anzufangen schien; der
Darm besass von Stelle zu Stelle Einschnürungen, und bildete im
hinteren Ende zickzackförraige Biegungen, Bischoff sah die Bewegun-
gen des mit feinkörnigem Inhalte versehenen Darms deutlich. Sehr
viele Würmchen besassen an dem Ende des vorderen Drittels des
Körpers auf einer Seite einen kleinen dunklen Fleck, welcher von
verschieden grossen, etwas gelblichen Kügelchen zusammengesetzt
ist- Bischoff hat zwar an diesen Kügelchen keinen Eierbau wahr-
genommen, ist aber doch geneigt, den Fleck für einen Eierstock zu
halten, zumal da bei dem Pressen ausser jenen Kügelchen einige
Male neben dem Darme noch ein anderes röhrenförmiges Gebilde,
vielleicht ein Eileiter, hervortrat. Nach herausgepresstem Darmkanale
bemerkte Bischoff ganz deutlich einen in der Mitte des Wurmkörpers
verlaufenden Längsstreifen, der vielleicht ein Längsgefäss oder ein
Nervenstrang gewesen sein könnte. Bischoff erwähnte gleichfalls der
Petrifikation mehrerer Cysten, deren Inhalt er als körnig und nicht
als krystallinisch bezeichnete. Derselbe möchte diese Parasiten als
eine neue Ordnung der Entozoen hinstellen, welche den Uebergang
von den Nematoideen zu den Cysticen machte und gab daher unter
Veränderung des Namens Trichina in Trichinia von dieser neuen
Ordnung folgende Characteristik : Trichinia spiralis: T. minutissima,
spiraliter, raro fiexuose incurva, capite obtuso, coUo nuUo, cauda
attenuata obtusa. Vesica externa elliptica, extremitatibus plerumquc
*) Medizinische Annalen. Bd. VI. Hft. 8 S. 333. Ein FaU von Tri-
chinia spiralis. Mit Abbildungen.
**) Ebenda. Hft. 3 s. 485. Nachtrag ZU dem Aufsatze über Tri-
chinia spiralis.
296
attenuatis, interna ovalis. BischoflF fragt nach den Keimen dieses
immer nur sehr selten und an einer so ganz bestimmten und von
der Aussenwelt abgeschlossenen Stelle vorkommenden Binnenwurms
und findet, dass hier die generaiio spontanea noch immer fest stehe
so sehr ihre Grenzen auch immer mehr eingeschränkt werden. Hier-
auf giebt Bischoff einen genauen Sectionsbericht des Verstorbenen,
der ausser den vielen Muskelparasiten auch eine ziemliche Menge
Spulwürmer im Dünndarme beherbergte. Am Schlüsse der Abhand-
lung stellt derselbe alle bis jetzt bekannt gewordenen Fälle von
Trichin. spiral. tabellarisch zusammen. Gegen Kobelt nimmt Henle
die Priorität in Anspruch*), die Trichina spiralis zuerst in Deutsch-
land gefunden zu haben und verweist auf Müllers Archiv 1835 S. 528
wo derselbe, beiläufig sei es erwähnt, angiebt, dass die in den Cj'sten
beobachteten Verglasungen mit Säuren aufbrausen.
Bowman fand unter den Muskelbündeln eines sonst gesunden
Aales einen Primitiv-Muskelbündel**), der einer durchsichtigen Röhre
glich, und eine Menge (über 100) kleiner, nach Art der Trichina spi-
ralis zusammengerollter, schmarotzender Würmer enthielt. Die Scheide
der primitiven Muskelfaser, welche diese Röhre bildete, war unver-
sehrt, und liess in ihrem Inneren auch keine Spur von primitiven
Fasern erkennen, indem diese wahrscheinlich den Würmern zum
Futter gedient hatten. Aus den nachher an beiden Enden angeris-
senen Röhren schlüpften mehrere Würmchen hervor und beweg-
ten eich auf mannigfache Weise. Sie hatten eine Länge von
,V eines Zolles, waren an dem einen Ende stumpf abgerundet, an
dem anderen dagegen stark verschmächtigt. In ihrem Inneren
enthielten sie blasig -körnige Masse ohne irgend eine auffallende
Structur, nirgends war an der Oberfläche der Thiere eine Oeff-
nung zu entdecken. Zwischen diesen Würmern befanden sich in
jener Röhre ovale Körper, welche in Grösse den zusammengerollten
Würmern gleich kamen; bei näherer Untersuchung stellten diese
ovalen Körper eine Cyste vor, welche blasig-körnige Masse enthiel-
ten und unentwickelte Würmer darzustellen schienen. Kein anderer
Muskelbündel des Aales zeigte ein ähnliches Verhalten, freilich wurde
aus Mangel an Zeit in dem Aale nicht ganz genau darnach gesucht.
Diese Würmer erinnerten Bowman zwar an Trichina spiralis, doch
unterschieden sie sich von diesem Parasiten bestimmt dadurch, dass
Trieb, spiralis immer ausserhalb der Muskelbündel-Scheiden in einer
Cyste für sich wohnt, während jene Würmer gesellig in einer
röhrenförmigen Scheide leben.
*) Froriep's Neue Notizen Nr. 306 S. 320.
**) Philosophical transactions 1840 P. I. S. 480. Bowman: on the
minute structure and movements of voluntary muscie. Plate XVH.
Fig. 41 — 45.
297
JLcanthocephala,
Nach Henle's Beobachtung soll das Nervensystem des
EchinorrJiynchus nodulosus nach dem Typus der Molluscen
gebaut sein und aus einem Ringe von Querfasern bestehen,
der an der Geschlechtsmündung gelegen und zu beiden Seiten
mit Haufen voii Ganglienkugeln besetzt ist, aus denen sich Fä-
den in den Körper erstrecken*).
Creplin trennt den Echinorrhynobus Salmonls Müll, von Ech.
fusiformis Zed. unter dem besonderen Namen Ech. pachysomus
Crepl.**).
In Kopenhagen heisst es allgemein, dass man in den Monaten,
in deren Namen kein r ist, keinen Dorsch essen dürfe, weil sein
Fleisch alsdann Würmer enthielte. Eschricht untersuchte mehrere
Male den Gadus Callaris in den Monaten Mai, Juni, Juli und August
und fand allerdings Echinorrhynchen in ihrem Fleisch***); erinnert
man sich an die Entdeckungen Miescher's, so kann man hiebei auch
an ein Wandern der Echinorrhynchen denken.
Trentatoda»
Nach Duvernoy soll sich bei den Trematoden das Ath-
mungs- und Gefässsystem, wenn ein solches vorhanden ist, mit
dem Nahrungsschlauche vermischen, und seine Aeste nach der
Oberfläche des Körpers schicken, wo die Läuterung und Lüf-
tung des Nahrungssaftes vor sich gehe-f-).
Nach Creplin's Untersuchungen ist Amphistomum truncatum
Rud. das Distomum cotms Crepl., welches durch die Einwirkung des
Weingeistes den Bauchnapf so stark schliesst, dass er nicht leicht
als ein solcher erkannt wird ff).
Valentin erkannte ia Distof/ium lanceolatum die sehr lebhaften
Spermatozoen, welche kleine rundliche Köpfe und verhältnissmässig
starke, hinten sehr fein auslaufende Schwänze besitzenfff). Zu bei-
den Seiten des Leibes des Parasiten bemerkte Valentin zwei helle
Längsgefässe, vielleicht die Hauptstämme eines Blutgefässsystems,
auch eine Andeutung von einem centralen Nervensysteme glaubte
derselbe am vorderen Theile des Schlundkopfes wahrgenommen zu
*) Froriep's Neue Notizen. No. 285 S. 330 und Müller's Archiv
1840 S.318.
**) Encyclopädie von Ersch und Gruber a. a. O. S. 284.
***) Act. Acad. Leop. a.a.O. S. 147.
f) Froriep's Neue Notizen. Nr. 311 S. 41.
ff) Encyclopädie von Ersch und Gruber a. a. 0. S. 286,
ff f ) Müller's Archiv 1840 S. 317.
298
haben. Bei einem 6 Zoll langen Schafembryo traf Valentin in der
das Rückenmark umgebenden Flüssigkeit, da wo das verlängerte
Mark in das Rückenmark übergeht, Eier von Distomum lanceola-
tum*). Nach Gulliver's Untersuchungen besitzen die ausgebil-
deten Eier von Distomum hepaticum einen Deckel, welcher beim
Pressen aufspringt»»). Die Länge der Eier beträgt ^lo eines Zolles
an Länge und -^^-^ eines Zolles an Breite. Der Inhalt der Eier besteht
aus einer granulirten Masse, und einigen runden Bläschen, welche
zuweilen wieder ein Bläschen enthalten. Gulliver fragt, ob die ge-
wöhnlich als Distomen-Eier betrachteten Körper nicht Cysten mit
mehreren Eiern seien, und ob die in den Eischalen enthaltenen vor-
hin erwähnten Bläschen nicht eben so viele Eidotter darstellten?
was Ref. nach seinen Erfahrungen bestimmt verneinen rauss. Ueber
die Jungen von Distomum cygnoides theilte Mies oh er dieselben
Beobachtungen mit***), welche Ref. bereits im Jahre 1835 in diesem
Archive B. I. S. 66 bekannt gemacht hat. Miescher konnte ebenfalls
nicht die geringste Aehnlichkeit zwischen den infusorien-artigen Jun-
gen und dem erwachsenen Dist. cygnoides auffinden und vermuthet
daher, dass erstere mit den im Mastdarme der Frösche wohnenden
Binneninfusorien in genauerer Beziehung stehen könnten.
IVordmann sieht sich durch die Analogie verleitet, jetzt zu
glauben, dass bei Diplosooti paradoxum die Geschlechtsöffnungen am
vorderen Theile des Körpers angebracht sindf).
In Bezug auf die Natur der schwarzen Puncto, welche längs des
Saumes des Rückens von Tristomum papillosmn vertheilt sind, ist
Grube mit Die sing verschiedener Meinung ff). Ersterer hält sie
für wahre, nur äusserst kurze Stacheln, während sie Diesing als
quere elliptische Erhöhungen beschreibt, in welchen sich 3 bis 4 in
einer Reihe liegende, dunkelbraune, fast kreisrunde Vertiefungen
(Stigmata) befinden. Grube will sein Exemplar von Orthagoriscus
mola erhalten haben. Creplin erklärt den von Schultze Cycloco-
iyle lanccolatum benannten, an den Kiemen von Salmo Fario schma-
rotzenden Wurm für ein Octohothryum ., jedoch für verschieden von
dem bisher bekannten Octobothryum lanccolatumfff); auch Cycloco-
iyle Belones Ott. möchte Creplin für ein Octolothryum halten.
Unter dem Namen Ancyrocephalus stellt Creplin eine neue
*) Müller's Archiv 1840. S. 319.
**) Proceedings of the zoological society. March. 10. 1840. S. 30.
G, Gulliver: notes on the ova of the Distoma hepaticum.
''**) Bericht über die Verhandlungen der naturforschenden Gesell-
schaft in Basel a. a. O. S. 39.
f)'Lamarck: bist. nat. des anim. sans vertebres a.a.O. S. 597.
ff) Grube: Aktinien, Echinodermen und Würmer des Adriatischen
und Mittelraeers. 1840 S. 49.
f f f) Eücyclopädie von Ersch und Gruber a. a. 0. S. 891.
299
Trematoden- Galtung auf, mit der Species A. pamdoxus '^) y welche
aa den Kiemen von Perca Lucioperca von ihm gefunden wurden;
die Länge des Wurms beträgt 3 Linien, sein Leib ist niedergedrückt,
am etwas dickeren Kopfende sitzen vier starke, nach hinten ge-
krümmte spitzige Haken, zwei oben, zwei unten, welche an Gestalt
und Bau den Haken der Echinorrhynchen ähnlich sind. Von Poren
oder Näpfen hat Creplin nichts gesehen, eben so wenig sind ihm die
inneren Theile dieses Parasiten deutlich geworden. Die Farbe der
frischen Würmer war glänzend weiss, der Hinterleib dunkler;
Creplin glaubt, dass diese Schmarotzer vielleicht bewaffnete Mono-
stomen sein könnten; auch Ref. hat im März des Jahres 1833 zu
Heilsberg eine Menge dieses Ancyrocephalus paradoxus an den Kie-
men des Zanders aufgefunden, ist aber bis jetzt eben so wenig als
Creplin im Stande gewesen, über den inneren Bau dieses Wurmes
Auskunft zu erlangen.
Es ist zu bedauern, dass Grube über den inneren Bau des im-
mer noch sehr räthselhaften Phoenicurus varius Rud. , welches der-
selbe (stets allein, ohne Thetis), sowohl in Triest als in Neapel er-
halten hat, keine weitere Auskunft giebt **).
Nordmann äussert die Meinung, dass das räthselhafte von
Diesing unter dem Namen Thysanosoma actinoides beschriebene We-
sen (s. Oestreich. med. Jahrb. VIL pag. 105.) , mit Leucochloridium
paradoxum Car. verglichen werden könne***), während Creplin
sogar Bedenken trägt, jenes Wesen überhaupt als selbständigen
Eingeweidewurm gelten zu lassen ■{-).
Von einem ganz eigenthümlichen Parasiten hat Numan in
Utrecht eine Beschreibung geliefert -J-j-) , welche trotz der beigefüg-
ten Abbildungen in dem Ref. manche Zweifel über das wahre We-
sen dieses Eingeweidewurmes erregt hat. In einer Einleitung be-
spricht Numan alles, was bisher über die Eingeweidewürmer im
Auge der Thiere und des Menschen bekannt geworden ist, und geht
dann zur Erzählung des folgenden Falles über. Eine dreijährige
Stute inländischer Race zeigte sich sehr lichtscheu, am rechten Auge
derselben waren die Augenlider geschwollen, die Bindehaut hoch-
roth gefärbt und die Hornhaut etwas getrübt, in der vorderen Au-
*) Encyclopädie von Ersch und Gruber a. a. O. S. 292.
**) Grube: Aktinien, Echinoderm. u. Würmer. S. 49.
***) Lamarck: bist, natiu:. a.a.O. S. 591.
f ) Encyclopädie. a. a. O. S. 301.
•J-f) Tijdschrift voor Natuurlijke Geschiedenis en Physiologie, üit-
gegeven door Van der Hoeven en De Vriese. VII. 1840. S. 358. Nu-
man: over Wormen, voorkomende in de oogen van sommige diereu
en den mensch, vergezeld van eene waarneming omtrent een bijzon-
deren, tot dus ver niet beschreven, worm, verwijderd uit det oog
Vau een paard, door de opemng van het hoornnvlies.
300
genkammer befand sich ein fremder Körper, dessen Gestalt sicli nicht
recht erkennen Hess; die Sehkraft des Auges schien verloren zu
sein. Das Auge verdunkelte sich bald stärker, hellte sich aber nach
einiger Zeit wieder auf, und man sah jetzt deutlich einen Wurm in
der vorderen Augenkammer, der die Länge eines Zolles und die
Dicke eines Strohhalmes besass. Der Wurm bewegte sich sehr
stark wenn das Auge den einfallenden Sonnenstrahlen ausgesetzt
war, Mährend er sonst auf dem Boden der Augenkammer meistens
still lag. Nachdem der Wurm durch einen Hornhautschnitt aus dem
Auge entfernt war, bot er eine Länge von 13 Linien und eine Dicke
von 2 Linien dar, sein Leib war etwas abgeplattet und wie ein
Bandwurm oder eine Insecten- Larve gegliedert, eine Insecten-
Larve war indessen der Wurm durchaus nicht. Die vorderen Glie-
der des Körper erschienen länger und breiter als die hinteren. Auf
der Bauchseite des dritten Gliedes trat leine röhrenförmige Schlinge
nach aussen hervor, vielleicht das Ovarium. Der Kopf war stumpf
und trichterförmig eingezogen, der eingezogene Theil zeigte in der
Mitte eine Mundöffnuug und in der Umgegend einen Besatz von fei-
nen, braunen, hornartigeu Puncten, die übrige Hautoberfläche war
uneben und gerunzelt, was von der Einwirkung des Weingeistes
herrühren mochte. Numan glaubte diesen Wurm für ein Mo?iostomum
halten zu müssen, und schlug den mmen Monost. Settern/, (van Set-
ten hatte den Wurm aus dem Auge entfernt), für diesen Schmarotzer
vor Nachdem die vorhin erwähnte, aus dem Leibe des Wurmes
hervorhängende Schlinge mit einer Nadel angestochen war, ergoss
sich aus derselben eine Feuchtigkeit, welche microscopisch betrach-
tet aus einer Menge Eier bestand. Diese Schlinge nimmt sich übri-
gens in der Fig. 3. (PI. X.) wie ein Saugnapf aus, auch in der Fig. 4.
ist diese Schlinge höchst undeutlich dargestellt, man möchte fast
-lauben, sie stellte in Fig. 3. und 4. ganz verschiedene Objecte vor.
Grube hat unter dem Namen Polyporus Chaviaeleon eine
neue Trematoden-Gattung beschrieben und abgebildet*), die er nur
einmal zwischen den Kiemenbögen von Sparus erythrinus gefunden
hat Der Körper des 8 Linien langen, (soll aus der gegebenen nicht
vergrösserten Abbildung zu schliessen wahrscheinlich heissen: 3 Zoll
langen), Thieres ist vorne dicker und höher als hinten, und lauft
nach hinten spitz aus. Auf dem Rücken des undurchsichtigen weis-
sen Körpers erhebt sich eine durchscheinend häutige Flosse, la-.gs
der Mitte der Bauchfläche verläuft eine zweite niedrigere Flosse.
Zu jeder Seite derselben tritt eine Reihe von zwölf kurzen Stum-
meln aus dem Körper hervor, welche in ihrS- Grösse nach hinten
allmälig abnehmen. An dem Ende mehrerer Stummeln sah Grube
fleischige Saugnäpfe sitzen, die Näpfe der übrigen Stummeln mögen
beim Abnehmen des Parasiten von seinem Wohnorte abgerissen sein.
=*) Grube: Aktin., Echinod. u. Würmer. S.49. Fig.S.
301
Der fast gerade abgeschnittene Vorderrand des Körpers besass ia
der Mut einen kleinen Einschnitt, der vielleicht die Stelle des Mun-
des andeutete, von Eingeweiden schimmerte nichts durch die Kor-
perhülle hindurch als ein von vorne nach hinten verlaufender dunk-
ler Streif. Grube beobachtete an diesem Thiere einen ähnlichen
Farbenwechsel, wie er bei den Cephalopoden vorkommt, und be-
schreibt denselben ebenso, wie ihn R. Wagner noch ganz kurz ich
von den Cephalopoden in diesem Archive, 1841. B. I. pag. 35. be-
schrieben hat, überhaupt kann sich Ref. des Gedankens nicht erweh-
ren- dieser Polyporus Chamaeleon des Grube sei auch wirklich
nichts anderes gewesen, als das vordere Fragment eines Cephalo-
poden-Armes.
Cestoidea*
Ueber die Metamorphosen bei den Helminthen lieferte
Mi es eher eine höchst interessante Abhandlung*); da die
Reihe der Verwandlungen zwar mit einer Filaria beginnt, aber
mit der Bildung eines Tetrarrhynchus schliesst, so möge über
diese Abhandlung hier berichtet werden.
Miescher fand nämlich die Filaria piscium besonders häufig m
folgenden Fischen des Pariser Fischmarktes: in Trigla Gurnardus,
Lyra Cuculus und lineata, in Trachinus Draco und Gadus Merlan-
gus 'oie Filarien lagen theils frei in der Bauchhöhle, theils sassea
sie unter dem Peritonäal-Ueberzuge der verschiedenen Eingeweide,
zwischen den Platten des Gekröses, unter dem Peritonäum der
Bauchwände, in den Muskeln der letzteren, meistens einzeln, zu-
weilen mehrere in Nestern beisammenliegend und von einem ge-
meinschaftlichen pseudomembranösen Balge umgeben. Letztere An-
gabe fällt Ref. auf, da derselbe bei Gadus Callarias niemals mehr
als 1 Individuum von Filaria piscium in einem Balge eingeschlossen
fand (s. dieses Archiv. 1838. B. I. pag. 306). Miescher's Beschreibung
des Wurms stimmt ziemlich mit der überein, welche Ref. an dem
angeführten Orte gegeben hat, nur ist des eigenthümlichen band-
artigen Organes, welches sich nach den Untersuchungen des Ref.
durch die ganze Leibeshöhle der Filaria hindurch erstreckt, nicht er-
wähnt, dagegen war es Miescher gelungen, im weiteren Verlaufe
seiner Untersuchungen die Geschlechtstheile , welche anfangs gänz-
lich zu fehlen schienen, aufzufinden. Derselbe erkannte nämlich die
auf gewöhnliche Weise angeordneten weiblichen Geschlechtswerk-
zeuge, jedoch so fein und zart, dass sie leicht übersehen werden
konnten. Die beiden Eierröhren enthielten selbst bei den grössten
*) Bericht über die Verhandl. der naturf. Gesellsch. in Basel,
a. a. 0, S. 35.
302
Exemplaren keine Spur von Eiern, sondern der Inhalt derselben be-
stand nur aus einer wasserhellen Flüssigkeit mit wenigen sehr klei-
nen Körnern vermischt. Die Scheide trat am Ende des ersten Drit-
tels des Wurmes zur Muskelüaut, eine Oeffnung derselben nach
aussen konnte aber nicht wahrgenommen werden. Diese Filarien
schienen einem Häutungsprozesse unterworfen zu sein, da Miescher
nicht nur zahlreiche zusammengeschrumpfte leere Schläuche vorfand,
sondern auch häufig Filarien antraf, welche noch in diesen Schläu-
chen steckten und mit denselben umherkrochen; ein solcher Schlauch
umschloss dann genau den Leib der Filarie, ragte aber über das
vordere und hintere Ende des Wiu-mes etwas hinaus und enthielt in
seiner Höhle eine klare, zuweilen durch Körner getrübte Flüssigkeit.
In Gesellschaft dieser Filarien fand Miescher immer eigen-
thümliche chrysalidenartige Körperchen in zahlreicher Menge, aber
starr und regungslos frei in der Bauchhöhle liegend oder in den
Muskeln der Bauchwandungen vergraben; auch mit den Filarien la-
gen sie in einem und demselben Knäuel beisammen, und waren von
ähnlichen pseudomembranösen Bälgen umschlossen. Es bestehen
diese chrysalidenartigen Körperchen aus zwei Theilen, aus einem
kugeligen oder eiförmigen Kolben, und einem von diesem ausgehen-
den cylindrischen Schwanz. Der Kolben beträgt in seinem Quer-
durchmesser I bis I Lin. und in seiner Länge 1 bis ^ Lin., und ist
an seinem freien Ende in einen kurzen abgesetzten Nabel ausgezo-
gen. Der Schwanz von 4 bis 6 Lin. Länge, durch eine deutliche
Abschnürung vom Kolben geschieden, ist an seinem Ende abgerun-
det und meistens ösenförmig umgebogen. Diese chrysalidenartigen
Körperchen findet Ref. ganz mit denjenigen Körpern übereinstim-
mend, welche Leblond (Annales des sciences naturelles. 1836. pag. 290.
PI. 16. Fig. 3. 3.) aus Muraena Conger beschrieben und abgebildet hat.
Hinsichts der allmälig mit diesen Körperchen vorgehenden Verän-
derungen bemerkte Miescher, dass der Schwanz an Länge nicht nur
abnahm, sondern ganz und gar einschrumpfte, so dass zuletzt nur
noch der Kolben übrig blieb; dieser dehnte sich in dieser Zeit um
sein doppeltes bis dreifaches Volumen aus und erschien zuletzt als
ein einfacher länglicher abgerundeter Balg. Dieser Balg, mochte er
noch ein Schwanzende besitzen oder nicht, bestand immer aus einer
äusseren, dickeren, bräunlich gefärbten Hülle, unter welcher sich
eine zweite immer sehr zarte glashelle Hülle befand, welche eine
der äusseren Form des Balges entsprechende Höhle einschloss; diese
Höhle wurde von einem neuen Wurme, dessen Gestalt sich nach der
der Höhle richtete, ganz ausgefüllt; so lange nämlich der chrysali-
denartige Körper noch aus Kolben und Schwanz bestand, erstreckte
sich der mehr oder weniger langgestreckte Hals des Wurms in die
Höhle des Schwanzes hinab. An dem Ende des Halses befand sich
eine Einkerbung, die als Mund betrachtet werden könnte. Ref. er-
blickt in der Abbildung, welche Leblond von diesem Wurme gege-
303
ben hat (PI. 16. Fig. 2. 3. g.), an derselben Stelle eine deutliche
Oeffoungj von dem grossen Saugnapfe, welchen Leblond an dem
Körper dieses von ihm mit dem Namen Amphistoma ropaloides be-
leo'ten Wurmes gesehen haben will, findet man in Mieschers Be-
schreibung nichts erwähnt. Bei der Zurückbildung des Schwanzes
beobachtete Miescher ferner, dass sich der Hals des Wurms in den
sich erweiternden Kolben zurückzog, und allmälig sich ganz verlor j
in den einfachen ovalen Bälgen fand derselbe alsdann einen ovalen,
etwas plattgedrückten trematodenartigen Helminthen, an dessen vor-
derem Rande die als Mund gedeutete Einkerbung bestimmter zu er-
kennen war. Dieser Helminthe bestand aus einer durchsichtigen
gleichförmigen Substanz mit eingestreuten runden, grösseren und
kleineren Körnern, ohne alle Spur von irgend besonderen inneren
Organen; seine, wenn auch sehr trägen wurmförmigen Bewegungen
Hessen an der selbständigen Thierheit dieses Wurmes nicht zwei-
feln. Miescher trug kein Bedenken, zu vermuthen, dass die chrysa-
lidenartigen Körperchen aus den Filarien hervorgegangen sind, ob-
gleich derselbe die Verwandlung einer Filaria in ein kolbiges Kör-
perchen nicht direct beobachtet hat. Als Grund für seine Vermu-
thung führte Miescher Folgendes an: die rudimentären Generations-
organe der Filarien deuteten darauf hin, dass diese Thiere ihre Be-
stimmung noch nicht erreicht hatten, die kolbigen Körperchen kamen
mit den Filarien an einem und demselben Orte vor, ganze Nester von
kolbigen Körperchen und Filarien sah Miescher von einem gemein-
schaftlichen Balge umschlossen, in welchem sich grössere und klei-
nere Filarien, geschwänzte und ungeschwänzte Kolben vorfanden.
Bei den drei verschiedenen Fischgattungen, an welchen diese Unter-
suchungen angestellt wurden, bei Trachinus, Trigla und Gadus, bo-
ten die Filarien sowohl, als die kolbigen Körper durchgreifende
Species -Unterschiede dar.
Der trematodenartige Wurm schien sich neu zu entwickeln,
während sich die Substanz der Filaria bis auf die Epidermis zu einem
Nahrungsstoffe für das neue Geschöpf auflöste. Miescher nahm hie-
be! das hintere Ende der Filaria als den Entwicklungsort des neuen
Wurmes an. In dem hinteren Leibestheile des trematodenartigen
Wurmes bildete sich immer allmälig ein Tetrar rhynchus aus,
wobei der erstere Wurm fortlebte und seine Hülle nicht verliess.
Der Tetrarrhynchus , welcher auf keine Weise mit dem trematoden-
artigen Wurme in organischer Verbindung stand, lag ringförmig zu-
sammengebogen in seiner Höhle und gab durch Ein- und Ausziehen
der vier Rüssel und durch Drehung des Körpers sein selbständiges
Leben zu erkennen. Leblond beobachtete ebenfalls in den geschwänz-
ten Körperchen einen ähnlichen Tetrarrhynchus, den derselbe für den
Tetr. appendiculatus Rud. erklärte; von dem Appendix, den Leblond
an diesem Tetr. beobachtete, findet Ref. in der Beschreibung, welche
Miescher von seinem Tetrarrhynchus gegeben, nichts erwähnt. Bei
304
einer Trigla Guraardiis fand Miescher im Monate März neben leben-
den Filarien und kolbigen Bälgen sehr viele ungeschwänzte Bälge
vor, von welchen die meisten leer waren und nur eine schleimige
körnige Materie enthielten. Bei weiterem Suchen entdeckte Mie-
scher einige ausgeschlüpfte Tetrarrhynchen in der Bauchhöhle, ge-
rieth aber in grosse Verwunderung, als nach Oeffnung der Brust-
höhle diese von Tetrarrhynchen wimmelte und das Herz von ihnen
wie durchspickt war, was um so mehr auffiel, da Miescher in dieser
Höhle niemals Filarien oder kolbige Körperchen angetroffen hatte.
Die hier gefundenen Tetrarrhynchen zeichneten sich durch einen
kurzen Appendix am Ende des Leibes aus, der etwas schmäler als
der übrige Leib und in diesen gleichsam eingeschoben war. Mie-
scher konnte an diesen Würmern beobachten, mit welcher Leichtig-
keit sie sich mittelst ihrer Haken -Rüssel in die verschiedenen Ein-
geweide des Fisches einbohrten und vergruben, ohne irgend eine
Verletzung zurückzulassen, er durfte daher mit Recht schliessen,
dass die in der Brusthöhle angetroffenen Tetrarrhynchen aus der
Bauchhöhle dahin gelangt waren. Miescher sprach hierauf die Ver-
muthung aus, dass die Tetrarrhynchen auf dem Wege gewesen wä-
ren, den Fisch zu verlassen, und zwar durch die häutige hintere
Wand der Kiemenhöhle, hinter Avelcher sie sich in besonders grosser
Anzahl bereits versammelt hatten. Miescher vermuthete weiter, difts
diese Tetrarrhynchen, in das Seewasser gelangt, andere Thiere zu
ihrem Aufenthalte aufsuchen, was ihm besonders deshalb wahrschein-
lich dünkte, weil er später in Nizza nicht selten ähnliche Tetrarrhyn-
chi in dem mit Wasser gefüllten Mantel von Loligo sagittata ange-
troffen. Ref. fand zu Pola ebenfalls ganz ähnliche, geschlechtslose,
mit einem in den Leib eingeschobenen Appendix versehene Tetrar-
rhynchen zwischen den Magenhäuten von Sepia officinalis, gleich-
sam als wenn sie sich von aussen bis dahin schon eingebohrt hät-
ten, um sich einen neuen Aufenthalt aufzusuchen. Miescher wirft
zuletzt noch die Frage auf, ob die geschlechtslosen Tetrarrhynchen
sich nicht später in Bothryocephalen aus der mit Hakenrüsseln
bewaffneten Gruppe verwandeln könnten, da die zu dieser Gruppe
gehörigen Bothryocephalen in Kopf und Hals ganz einem Tetrarrhyn-
chus glichen; für die Wahrscheinlichkeit dieser Metamorphose führte
Miescher folgende Beobachtung an: ein in Nizza frisch getödteter
Notidanus griseus enthielt in der Höhle des Spiraldarmes eine grosse
Anzahl von Bothryoceph»Ius corollatus Rud., in den Gliedern dieser
Bandwürmer waren die männlichen und weiblichen Genitalien deut-
lich entwickelt, zwischen den Häuten desselben Darmes fand sich
ein in einem erbsengrossen dickwandigen Balge eingeschlossener
Helminthe vor, an dessen Tetrarrhynchus - Kopfe zwei Taenien-
Glieder ohne entwickelte Genitalien hingen, ohne Zweifel stand die-
ser noch unentwickelte Helminthe mit dem Bothryocephalus corol-
latus der Darmhöhle in Beziehung.
305
Creplin fand wie Miescher Hhuliche geschwänzte Körperchen
am Peritonäum von Esox Belone, meinte auch wie Leblond am dicken
Ende derselben einen Perus gesehen zu haben, konnte aber eben so
wenig als Ref., (s, dieses Archiv. 1837. B. II. pag. 265.); einen Wurm,
sondern immer nur eine weisse körnige Masse in diesen Schläuchen
bemerken *)5 interessant ist ausserdem Creplins Bemerkung, dass
Esox Belone allerdings einen ansehnlichen, 2 Zoll langen , dem Te-
trarrh. attenuatus ähnelnden Parasiten in seiner Leibeshöhle beher-
berge. Durch Creplin erfahren wir, dass den ohne Angabe des Fund-
ortes von Rudolphi beschriebenen Tetrarrhynchus grossiis das zoolo-
gische Museum zu Greifswalde aus der Bauchhöhle des Lepidopus
PeronüRiss. besitzt**). Derselbe erklärt zwei von Otto erhaltene
Tetrarrhj'nchen aus Squalus griseus für Tetrarrh. tenuicollis Rud.,
ihre vier Hakenrüssel haben die Länge des Kopfes, die lateralen
Gruben sind nach der Länge elliptisch, im Boden derselben ist keine
Spur einer Scheidewand zu beobachten , die Rüssel gehen von dem
Vorderrande der Gruben aus, der Hals ist cylindrisch und in den
Körper wie eingesetzt, letzterer erscheint umgekehrt eiförmig und
stark niedergedrückt. Den Triaeiiophortis nodulostis fand Creplin
im Darme des Cjprinus Gobio und in der Leber von Gasterosteus
pungitius.
Creplin will die Ligula aus Cyprinus Carassius wegen zweier
paralleler Furchen, welche hier jede der beiden Seiten des Körpers
durchziehen, von Atx Ligula simplicissima als Ligula digrnmma
getrennt wissen; er vermuthet, dass sich aus dieser Lig. digramma
(und vielleicht auch aus anderen noch nicht bekannten, ebenfalls
doppelfurchigen Arten) in den Vögeln die Ligulae mit doppelter
Reihe von Eierstöcken, die Lig. iuterrupta und ulternans Rud., aus-
bilden, während die mit einfacher {Ligul. uniserialis R.) oder auch
mit etwas verschobener Reihe i^Lig. sparsa R.) aus der Lig. simpli-
cissima^ die man auch Lig. fnonogramma nennen könnte, entstehen
mögen***). Nach Creplin's Angaben wurde Ale Ligula interrupta
von Mehlis in Colj'mbus arcticus und septentrionalis, und von Schil-
ling im Darme des Mergus Serrator mit Ligula sparsa vermengt
gefunden. Schistocephalus dimorphus ist von Creplin und Schil-
ling als Bothryocephalus solidus R. im Darme von Ciconia nigra
und Recurvirostra Avocetta und von Creplin im Darme und in der
bursa Fabricii des gemeinen Raben entdeckt worden •{•).
Eine neue Gattung der Cestoideen- nennt Creplin Solenopho-
rus, und zählt das Bothridium Pythonis Blaiav. und Prodicoelia
*) Encjclopädie von Ersch und Gruber. a. a. 0. S. 294.
**) Ebenda. S. 295,
***) Ebenda. S. 296,
f ) Ebenda. S. 296.
Airhiv f. Naturgesch. Vll. Jahrg. 2. Band. 20
306
ditrema Lebl. hieher *). Die Gattuugs - Charactere sind : „der Kopf
besteht aus zwei kurzen, der Länge nach mit einander verbundenen,
vorne und hinten offenen Röhren, der Körper gegliedert, die Ge-
schlechtsöffnungen auf der Mitte der Glieder." Solenophorus mega-
cephahis ist nach Creplin der von Retzius beschriebene Bothryoce-
phalus Pythonis aus dem Darme von Pjtho bivittatus Kühl, wurde
auch von Otto in Python Tigris Daud. gefunden. Die Diagnose des
Solenoceph. megacephalus ist: „Kopf gross, Hals sehr kurz, viel
schmäler als der Kopf, die ersten Glieder runzeiförmig, die folgen-
den nach der Quere länglich viereckig, dann völlig quadratisch, end-
lich nach der Länge rechteckig, alle mit etwas dickerem Hinterrande,
welcher bei den längeren Gliedern nach hinten convex gebogen ist."
Otto fand in einer wahrscheinlich neuen Art von Python einen von
Solinoceph. megacephalus verschiedenen Bandwurm, für welchen
Creplin als Solenoceph. grundis folgende Diaguose festgestellt hat:
„Kopf mittelmässig, die Röhren desselben werden nach hinten dicker
und nehmen dann wieder ab, Hals sehr kurz, etwas schmäler als
der Kopf, die ersten Glieder sehr kurz, auch die folgenden kurz, und
der Hinterrand derselben blattförmig erhoben."
Ueber die Bothiyocephalen ist endlich die lange
erwartete ausführliche Abliandlung Es ehr ich t's erschienen, in
welcher vorzüglich der Boihryocephalus latus und pjmcta-
tus zum Gegenstande sehr interessanter Untersuchungen ge-
dient haben. **)
Eschricht beschreibt zunächst die einzelnen vollkommen ausge-
bildeten Glieder des Bothryoceph. latus, und findet das Parenchym
derselben aus verschiedenen Schichten bestehend. An den Seiten-
theilen der Glieder unter der Haut des Rückens und des Bauches liegt
zunächst eine Schicht von Körnern, welche bei durchfallendem Lichte
eine graugelbe Farbe zeigen, und welche an den Seitenrändern eines
jeden Gliedes in einander übergehen; Eschricht unterscheidet diese
beiden Schichten durch die Benennungen Bauch- und Rücken-
körner. Auf diese Schichten folgen zwei ganz durchsichtige Schich-
ten, zwischen welchen eine Schicht mit grossen runden weissen Kör-
pern eingelagert ist, welche Eschricht Mittelkörner nennt. An
die ersteren Körnerschichten sind Längenfasern, ohne Zweifel von
muskulöser Natur, angeheftet, während die beiden durchsichtigen
Schichten selbst aus OuerfasAn bestehen. An dem mittleren Theile
der Glieder fehlen die Körnerschichten und Mittelköruer, die durch-
sichtigen Schichten dagegen breiten sich unter der Bauch- und Rücken-
haut über die Mitte der Glieder hinweg, zwischen welchen hier die
*) Encyclopädie von Ersch und Gruber a. a. 0. S. 297.
**) Act. Acad. Leopold, a. a. 0. S. 9. und Froriep's Neue Notizen
1840. Nr. 318. S. 147 u. S.148.
307
Geschlechtstheile verborgen liegeu. Der Eierbehälter besteht
aus einer einfachen ziemlich dünnhüutigeu Röhre, \velche mehrfach
gewunden eine, in der Mitte eines jeden Gliedes befindliche, unregel-
mässig sternförmige Höhle ausfüllt; diese Höhle nennt Eschricht
Kapsel des Eierbehälters. Diese Kapsel besitzt keine dicke, aber
sehr feste Wände, und steht mit der weiblichen Geschlechtsöffnung,
welche sich vor der Mitte der ßauchfläche eines jeden Gliedes be-
findet, in engster Verbindungj vor dem hinteren Rande eines jeden
Gliedes bildet die Kapsel des Eierbehälters eine grössere Höhle,
welche einen Knäuel von engeren Windungen der Eierröhre uni-
schliesst, und von Eschricht Knäuelkapsel genannt wird. Zur
Seite des Knäuels liegt ein länglicher flachgedrückter Sack (Sei-
tendrüse) von weisslicher Farbe, der nach aussen stumpf abge-
rundet ist, und nach innen mit einem Verbindungszweig auf der
Bauchseite des Knäuels höchst wahrscheinlich in den Eierbehälter
einmündet; beide Verbindungszweige gehen an derselben Stelle zu-
gleich ineinander über. Am Hinter- und Innen-Rande dieser beiden
Seitendrüsen tritt sehr häufig ein schmaler Gang hervor, der sich
umbiegt und eine Strecke nach aussen hin verläuft. In diesen Sei-
tendrüsen will Eschricht eine Menge von blinden Gängen erkannt
haben, welche varikös angeschwollen waren, so dass jeder Knoten
auf's Deutlichste ein schalenloses Ei darzustellen schien. Den Knäuel
umgiebt ausserdem noch eine den Seitendrüsen an Farbe ähnliche
Drüse in Form eines Ringes, der nach vorne mit der Vereinigung
der beiden Seitendrüsen zusammeustösst, Eschricht lässt es indes-
sen unentschieden, ob dieses Organ eine eigene Drüse oder nur eine
Art Diverticulum der Seitendrüsen ist. An den Gängen des Eier-
böhälters erkannte Eschricht eigene Drüsen, welche zur Bereitung
der harten Eischalen dienen sollten, zumal da die Gänge des Eier-
behälters an ihren Rändern und Winkeln oft eine kreideweisse
Farbe zeigten, was für eine kalkige Natur des Sekrets zu sprechen
schien. Die Eier des Bothryoceph. latus fand Eschricht in den hin-
teren Windungen des Eierbehälters milchweiss oder gelb, in den
engen Windungen des Knäuels und in den vorderen sehr weiten
Windungen dagegen gelbbraun oder selbst dunkelbraun gefärbt.
Die Schale der braunen Eier ist hart und spröde , und zerspringt
durch Druck unter knisterndem Geräusch in grössere und kleinere
Stücke. Eschricht hält diese harte und spröde Beschaffenheit der
Eischale der kalkigen Natur der sie ausscheidenden Drüsen entspre-
chend. Ref. muss hiergegen einwenden, dass derselbe an den Hel-
minthen-Eiern niemals eine kalkige Beschaffenheit hat wahrnehmen
können. An sehr vielen hinteren Gliedern eines Stückes von Bo-
thryocephalus latus fand Eschricht auf der Bauchseite in der Nähe
des Mitteltheils jederseits einen grossen intensiv gelben Fleck, ge-
nauer betrachtet bestand jeder dieser gelben Flecke aus vielen klei-
nen Flecken, welche nichts anderes als sehr erweiterte Bauchkörner
20*
308
waren. Von diesen Bauclikörnern traten eine Menge gleichfalls
gelbgefärbter Ausführungsgänge hervor, die auf der Mitte der Bauch-
fläche gegen den Hinterrand der Glieder hin vielfach unter sich ana-
stouiosirten, dort ein schönes Gefässnetz bildeten, und dann zu einem
Hauptstamme vereinigt an den Knäuel des Eierbehälters traten. Es
zeigte sich hiebei das auffallende, dass zu den zwei hinteren Dritteln
dieses Gefässnetzes eines Gliedes das vordere Drittel des Gefäss-
netzes vom nächstfolgenden Gliede herübertrat, um den erwähnten
Hanptstamm bilden zu helfen. Eschricht, welcher in den Windungen
der Eierbehälter von Bothryoceph. latus häufig Ballen von Eiern
durch eine braune Masse zusanimengckittet vorfand, hielt dies für
etwas normales, und berief sich auf Mehlis, der ausgesagt habe, dass
die Eier der Tänien nicht einzeln, sondern zu klumpigen Massen
zusammengeballt entleert würden; Mehlis behauptet dies jedoch nur
in Bezug auf Taenia cuciunerina, (s. Isis. 1831. pag. 70.), in welcher
immer etwa ein Dutzend Eier durch eine klebrige Masse in ziemlich
regelmässig gestalteter Form vereinigt werden (s. Creplin: Obser-
vationes de Entozois. Fig 12. 13.). Nachdem nun Eschricht jene gel-
ben Körner für die Eierstöcke des Bothrj^oceph. latus gehalten, sprach
er später die Meinung aus, diese Organe sonderten die braune Ma-
terie ab, mittelst welcher die Eier zu Klumpen zusammengeballt
M'ürden. Als Hoden betrachtet Eschricht die oben erwähnte Mittel-
schicht weisser Körper (Mittelkörner), die etwa noch einmal so
gross als die Bauch- und Rückenkörner sind. Diese Mittelkörner
oder Hoden erscheinen, näher betrachtet, als länglichrunde, kurz ge-
stielte, durchsichtige Körper, welche eine Meng-e länglicher Bläschen
enthalten, diese letzteren werden von Eschricht für die blinden En-
den der drüsenförmigen Organe gehalten. Directe Ausführungs-
gänge dieser Hoden konnte Eschricht nicht auffinden,, dagegen sah
derselbe auf der Rückenseite der Kapsel des Eierbehälters einen
vielfach gewundenen schneeweissen Gang, dessen Anfang und Ende
zu verfolgen unmöglich war, wodurch auch nicht entschieden wer-
den konnte, ob hier nur ein Gang oder mehrere vorhanden wären;
dennoch glaubte Eschricht dieses Gebilde als Samengänge deuten zu
dürfen. Die Ruthenblase, welche in der Mittellinie an dem vorder-
sten Theile jedes Gliedes liegt, ist birnförmig gestaltet und mit ihrem
zugespitzten Theile an die vordere grosse Geschlechtsöffnung gehef-
tet; in dieser Blase liegt eine kleinere Blase verborgen, aus welcher
ein I Lin. langer aber stark gewundener Stiel hervortritt, und in
den Penis übergeht. In der Mittellinie der Bauchfläche nahe dem
Vorderrande eines jeden Gliedes zeigt sich eine von der unter der
Haut liegenden Penisblase hervorgebrachte Erhöhung, an deren hin-
terer Wölbung sich eine weite Grube befindet, aus welcher sehr
häufig der Penis bis zu einer halben Linie lang hervorragt; hat sich
der Penis zurückgezogen, so zeigt sich in der Grube nach vorne
deutlich die Penis -Oeffnung, ganz nach hinten in derselben Grube
309
erscheint aber noch eine zweite OefFnnng, von welcher Eschricht
vernnithet, sie sei der Eingang zu dem weiten Eierbehälter, mithin
weibliche GeschlechtsöfToung. Hinter der weiten Grube befindet sich
bekanntlich noch eine Oeffnung, welche früher für die weiblichp Ge-
schlechtsöfToung angesehen wurde, Eschricht hat auch wirklich in
dieser Oeffnung Eier gesehen, dirf aber sehr leicht von aussen in
diese Grube gefallen sein konnten, denn eine Verbindung zwischen
dieser Oeffnung und den weiten Windungen desEierbchälters konnte
Eschricht nicht entdecken. Da Eschricht überhaupt keinen Ausfüh-
rungsgang des Eierbehälters auffinden konnte, so nimmt derselbe an,
dass die Eier gar nicht einzeln aus dem Eierbehälter hervortreten,
sondern die einzelnen Glieder würden, wenn die Eier in grossen
Massen incrustirt sind, zu einfachen Gehäusen umgebildet, welche
späterhin, um die Eierkluropen zu entleeren, aufplatzten. Ref. muss
gestehen, dass ihm nach dieser Beschreibung, trotz der schönen von
Eschricht beigegebenen Abbildungen, der complicirte Geschlechtsap-
parat dieses Bothryocephalus nicht ganz deutlich geworden ist, was
besonders darin liegt, dass fast bei keinem der Verschiedenen be-
schriebenen Organe der Zusammenhang mit den übrigen Organen be-
stimmt erkannt worden ist; was die gelben Bauch- und Rücken-
körner betrifft, so ist Ref. geneigt, diese für die Eidotter -Stöcke
und die von ihnen ausgehenden anastomosirenden Kanäle für die
Eidotter- Gänge zu halten, während die beiden von Eschricht für
Eierstöcke erklärten Organe jenem die Eierkeime enthaltenden Or-
gane (Keimstock) der Trematoden (s. Müller's Archiv, 1836. S. 235.
und dieses Archiv. 1836. I. S. 221.), analog sein dürften. Von
einem Nervensystem hat Eschricht in dem Bothryocephalus latus
durchaus keine Spur ausfindig machen können. Als Darmkanal
spricht derselbe die zwischen der Mittellinie und den beiden Seiten-
rändern gerade herablaufenden Röhren an, von welchen durchaus
keine Seitenäste ausgehen. Eschricht neigt sich zu der Vermuthung,
dass diese Darmröhren eine wahre Maulöffoung au der Spitze des
Kopfes haben, weil sich dieselben Rohren bei den Tänien in die vier
Sangnäpfe des Kopfes öffneten, was übrigens Eschricht aus eigener
Erfahrung nicht bestätigen konnte. In dem Parenchyme des Bo-
thryocepli. latus fand Eschricht eine unzählige Menge unregelmässig
runder, flachgedrückter Körperchen verbreitet, welche er Kernkör-
ner nennt, da sie aus zwei oder drei verschmolzenen Kreisen zu-
sammengesetzt sind, und aus einem äusseren und inneren Theile zu
bestehen scheinen. Eschricht konnte sich bei dem Anblicke dieser
Kernkörner des Gedankens an Blutkörner nicht erwehren, die viel-
leicht hier bei diesem Thiere ohne Kreislauf als festsitzend gedacht
werden müssten; nach Ref.'s Erfahrungen finden sich dieselKernkör-
ner bei allen Cestoideen und Cysticen ohne Ausnahme vor, sie ha-
ben zuweilen eine vollständig scheibenförmige Gestalt mit sehr deut-
lichen coucentri.schen Ringen, Ref. hat sie bisher mit dem Namen
310
Glaskörper bezeichnet, und sie stets in Säuren (oft unter Luft-
entwicklung) auflösbar gefunden, wodurch sie ihre kalkige Natur
verrathen, und also mit Blutkörnern keinen Vergleich aushalten.
Ausser diesen Kernkörnern unterschied Eschricht im Parenchyme des
Bothryoceph. latus noch kleinsteKörner (von 0,001 bis 0,005 Lin.
im Durchmesser) in unzähliger Menge. Derselbe bemerkte unter
verschiedenen Stücken von Bothryoceph. latus magere und fette
Stücke, und schrieb die grössere Dicke der letzteren einer Ernäh-
rungsflüssigkeit (Lymphe) zu, welche in dem zelligen Gewebe
des Parenchyms solcher Stücke in grosser Menge enthalten sein
könnte; für dieses zellige Gewebe erklärt Eschricht die durchsichtige
Schicht und das Gewebe, welches die Körnerschichten mit der Haut
verbindet, durch deren Absorptionsvermögen das zellige Gewebe
mit jener Flüssigkeit gefüllt werden könne.
Eine zweite Abtheilung seiner Abhandlung nennt Eschricht:
„Physiologie der Bothryocephalen und des Bothrj'oceph. punctatus
im Besonderen," woraus Folgendes hervorzuheben ist. Fast in al-
len Individuen des Cottiis Scorpius finden sich meist zu allen Jah-
reszeiten mehrere Exemplare des Bothryoceph. punctatus (gewöhn-
lich 10, 80 oder darüber an der Zahl); im Frühjahre 1837 fand
Eschricht sehr häufig einen einzelnen grossen Bothrjoceph. puncta-
tus nebst einer grösseren oder geringeren Anzahl ungleich kleinerer
Individuen. Diese Bothryocephalen sitzen immer mit ihren Köpfen
an der Schleimfläche der appendices pyloricae fest, während ihr
Körper in den Darm herabhängt. Die Anzahl dieser Bothryocepha-
len ist nicht selten so gross, dass der Anfang des Darmes ganz da-
von ausgestopft ist, und der Speisebrei Beschwerde haben muss,
sich durchzuzwängen. Die Anheftung des Bothryoceph. punctatus
geschieht mit dessen vorderer Platte und zwar sehr fest; durch rei-
nes kaltes Wasser, sowohl salziges als süsses, ebenso auch durch
manche scharfe chemische Stoffe wird dieser Bothryoceph. zu leb-
haften Bewegungen angereizt, welche in alteruirenden Streckungen
und Einziehungen der verschiedenen Regionen seines Leibes beste-
hen, wobei sein Kopf nach Verlauf einiger Minuten von der Ansau-
gung ablässt. Der Kopf ist der beweglichste Theil des ganzen
Wurmes, seine Bewegungen werden durch Kreismuskeln und Längs-
muskeln bewirkt, mittelst M' elcher der Kopf sehr in die Länge ge-
zogen und eben so sehr verkürzt werden kann. An seinem vorde-
ren Ende ist der Kopf flach abgestutzt, und diese Fläche ist es,
welche kugelförmig erhoben und napfförmig vertieft werden und auf
diese Weise als Saugplatte benutzt werden kann. Der Kopf wird
hauptsächlich von vier Seitenflügeln gebildet, welche sich in der
Mittellinie zu einem ziemlich schmalen Körper vereinigen. Diese
vier Flügel können sich auf sehr verschiedene Weise aneinander
legen, sie können sich zu 3 und 2 nach den Seiten aneinander nei-
gen und so foveae marginales bilden, können sich aber auch zu 3
311
und 8 nach oben und unten umschlagen und so foveae laterales dar-
stellen, auch sind sie im Stande, durch mehrfache Einschnürungen
des Kopfes auf einer und derselben Seite zwei bis drei hinterein-
ander liegende Saugstellen hervorzubringen. Diese Sauggruben be-
nutzt der Wurm Avahrscheinlich hauptsächlich bei dem Fortkriechen.
Da die Gliederung des Bothryocephal. punctatus, obwohl sie sogleich
hinter dem Kopfe anfängt, nicht überall deutlich quer durchgeht,
sondern an vielen Stellen, besonders in der vorderen Hälfte des
Wurmes, zwischen scharf abgegrenzten Gliedern entweder beidersei-
tig oder nur auf einer Seite eine sehr kurze, nicht ganz quer durch-
gehende Abgrenzung zu erkennen ist, so zieht Eschricht hieraus den
Schluss, dass bei diesem Bandwurme sich die Glieder durch Ouer-
theilung der bereits vorhandenen Glieder vermehren, während sich bei
den mit einem Halse versehenen Bandwürmern die neuen Glieder vom
Halse abschnüren. Im Sommer fand Eschricht sehr kleine Individuen
dieses Bothryocephalus, von 6, 4, 2 bis | Lin. Länge, im Cottus Scor-
pius, sie sahen einem abgerissenen Vorderende grösserer Bandwurm-
Individuen oftganz ähnlich, nur war das hinterste Glied immer das meist
entwickelte, die kleinsten Individuen glichen genau einem einzelnen
Bothrjocephalus-Kopf mit einem oder einigen Gliedern. Im November,
Dezember und Februar vermisste Eschricht an allen, selbst an ziem-
lich grossen Individuen dieses Bothryocephalus nicht allein die Eier,
sondern die Geschlechtstheile überhaupt, und sieht hieraus die Ab-
hängigkeit der Fruchtbarkeit des Bothrj'oceph, punctatus von den
Jahreszeiten für erwiesen an; es entwickeln sich nämlich die Glie-
der vom Frühlinge an bis zum Sommer hin, lösen sich dann ab,
während die Köpfe mit einigen noch anhängenden Gliedern, wie sie
den Sommer über von Eschricht so zahlreich in den appendices p3'lo-
ricae des Cottus Scorpius angetroffen wurden, einer neuen Jahres-
periode entgegengehen, es entwickeln sich nach und nach wieder
neue Glieder, >velche im Winter noch keine Geschlechtsorgane be-
sitzen, sondern diese erst im Laufe des Frühjahres erhalten. Esch-
richt hat jene älteren, abgetrennten Kopfenden von wirklich ganz
jungen Bothryocephalen bei genauerer Untersuchung ganz gut un-
terscheiden gelernt, auch Ref. ist immer im Stande gewesen, bei
Bothryoceph. proboscideus junge Thiere von kurz abgetrennten Kopf-
enden erwachsener Individuen sicher zu unterscheiden, was beson-
ders der bei den jungen Individuen stets unausgebildete Kopf be-
günstigte. Eschricht war nicht im Stande an der vorderen Saug-
platte der Köpfe von erwachsenen Bothryoceph. punctat. eine Oeff-
nung zu entdecken, welche als Mundöffnuug hätte gelten können,
Ref. hat ebenfalls nach einer solchen Oeffnung an derselben Stelle
bei Bothryoceph. punctatus, proboscideus, infundibuliformis und clavi-
ceps vergebens gesucht; dennoch nimmt Eschricht an der vorderen
Saugplatte eine Mundöffnung an, von welcher jene doppelten unver-
zweigten Seitenröhren, welche der Botluyoceph. punctatus in der-
312
selben Weise wie Bothrjoceph. latus besitzt, als gabeliger Darm
ausgehen soll. Ein sehr verzweigtes Röhrensj-steiii, welches in
mehreren Hauptstäniraen der Länge nach in Schlaagenbiegungen durch
alle Glieder des Bothrjoceph. punctatus verlief und sich mannich-
faltig verzweigte, gewährte Eschricht den Anblick eines Gefässsy-
stems^ ein ähnliches Gefässsjsteni erkannte auch Ref. in den Glie-
dern des Bothrj'oceph. claviceps, besonders deutlich aber in der Ge-
gend des Kopfes und der vorderen Glieder dieses Bandwurms. Auf
der ganzen Oberfläche des Bothryoceph. punctatus bemerkte Esch-
richt während des Lebens des Thieres eine Menge durchsichtiger
kreisrunder Körperchen lose aufsitzen, welche derselbe nicht als
Sekret des Wurmes betrachten, sondern als die erste Spur von Kie-
men deuten möchte. Die Kernkörner fand Eschricht auch _bei Bo-
thryoceph. punctatus vor, ebenso die kleinsten Körner, die Lj'mphe,
und die Muskelfasern, während Nerven auch in diesem Bothrjoce-
phalus niclit zu entdecken waren. Die Fortpflanzungsorgane des
Bothryoceph. punctatus erschienen Eschricht ganz anders coustruirt
als bei Bothryoceph. latus, daher es derselbe für möglich hält, dass
unter der Bandwurmform überhaupt viele ziemlich verschiedene Ty-
pen verborgen liegen, was Ref. bestimmt bestätigen kann. Bei Bo-
thrj'oceph. punctatus konnte Eschricht Rücken- und Bauchfläche kaum
unterscheiden, indem auf jedem Gliede, sowohl an der einen, wie
an der anderen, eine Reihe Geschlechts - Oeff"üungen sich voi-findet.
Die OefTnungen der einen J'läche nehmen immer die Mitte jedes
Gliedes ein, und sind immer grösser als die Oefl'nungen der anderen
Fläche, welche dicht an dem oberen Rande der Glieder angebracht
sind; durch dieses eigenthümliche Structurverhältniss kommt es, dass
der Bothrj'oceph. punctatus auf der einen Fläche männlichen, auf der
anderen weiblichen Geschlechtes ist, Eschricht möchte wegen dieses
bisher in der Thierwelt ganz unbekannten Organisatious- Verhält-
nisses den Bothrj'oceph. punctatus als eine besondere Gattung, etwa
unter dem Namen Amphaphrodite, hinstellen. Eine eigenthümliche
Krankheit dieses Bandwurms gab Gelegenheit, den männlichen Ge-
schlechtsapparat von dem weiblichen bequem zu sondern. Es fan-
den sich nämlich im März unter einer Menge Individuen dieses Band-
wurmes auch runde Bandwürmer, an anderen Individuen sah Eschricht
mehrere kleinere Strecken von Gliedern blasenartig angeschwollen.
Durch einen Längsschnitt konnte Eschricht an diesen Bandwürmern
die auf natürliche Weise innerlich gesonderten Genitalien leicht
biossiegen, dennoch ergab aber diese Untersuchung wenig genügende
Resultate; auf der weiblichen Fläche war ein in einfachen Windun-
gen gekrümmter Eierbehälter zu erkennen, dessen Nebentheile je-
doch undeutlich blieben, nur waren die sogenannten Bauch- und
Rückenkörner ganz in der Art vorhanden, wie bei Bothryoceph. latus,
was auffallen musste, da ja nur die weibliche Fläche diese Organe
besitzen sollte. Als innere männliche Geschlechtsorgane bieten sich
313
eine S-förmig gewundene Röhre und eine gegen die weibliche Ge-
!<^üechtsöffnung gerichtete Figur dar, letztere dürfte vielleicht als
Ve z veigung des vas deferens betrachtet werden. E.ne andere d.e-
InOr'ten anhängende Nebendrüse wusste Eschricht nicht zu deu-
Zv^Z ll'oce,.. latus für die Hoden erklärte Mittelschicht
di^senartiger Körper war übrigens auch hier vorhanden Zuletzt
terjleicht Eschricht die Bothryocephalen n.it den Treniatodeu und
erklärt sie für zusammengesetzte Trematoden.
In Bezug auf die geographische Verbreitung der Band-
Würmer sind folgende Beobachtungen von Interesse.
Trier hat in Copenhagen einen Bothryoceph. latus von einem
Frauenzimmer abgetrieben, bei welchem keine Beziehung zu Rus-
sen Polen und Schweizern nachzuweisen war'^), ob auch nicht zu
Preussen? Diese Frage muss Ref. noch hinzufügen, da nach seinen
Erf h gen der Botkryoce,k. latus auch in der Provinz Preussen
.wischen Memel und Weichsel einheimisch ist (s. dieses Archiv. 1838.
nS05r Eschricht erhielt seine Exemplare von Botkryocej>k.
„ „„12 Liren zu Pmls zwölf Bandivürmer auf einmal aus-
"t'ert .°be " en Z dea. Auseiaaaderwirreu des Oaudwurn-
^:;ruT-a;er°.-°Mt^rr^r;:d%e„a.«r auf.e^
den f i).
C.ystica»
Nach Hausmann sind bei Schweinen, welche mit Cysticercus
cellulosae behaftet sind, keine junge und alte Würmer zu unterschei-
den Tdass es scheint', als seien sie alle gleichzeitig entstanden und
als die Krisis einer gelinden Krankheit anzusehen ttt)-
♦) Act. Acad. Leopold, a. a, 0. S. HO.
»*) Ebenda. S. 9.
***) Ebenda. S. 139.
f ) Froriep's Neue Notizen. Nr. 324. S. 256.
++^ Encyclopädie von Ersch und Gruber a. a. O. S. 299.
4V^ Hausmann: Uebev die Zeugung und Entstehung des wahiea
JeYblicheu Eies bei den Säugetbiercn und Menschen. 1810. S. 127.
314
Creplin suchte über jenen Krankheitsfall, in welchem nachWei-
tenkanipf's Bericht belebte Hjdatiden mit dem Urin ausgeleert wur-
den, sich näheren Aufschluss zu verschaffen, und erfuhr, dass die Hy-
datiden Blasenschwänze, vielleicht C^yc/^cerc/ cellulosae waren*), was
bisher noch nicht beobachtet worden war. Ein Fall von Cysticercus
cellulosae im Gehirne des Menschen wurde in Giiy's hospital reports
erzählt: der Kranke war bewusstlos in das Lazareth gebracht wor-
den und zwölf Stunden darauf gestorben, derselbe hatte in kei-
nem Muskel und keinem anderen Körpertheile als dem Gehirne Fin-
nen besessen**). Von Gulliver wurden mehrere Beobachtuugeu
über die Gattung Cysticercus bekannt gemacht, die sich besonders
auf die Glaskörper dieser Blasenwürmer beziehen***). Wenn derselbe
nämlich einen Blasen wurm nahe am Kopfe drückte, so quoll etwas
zähe Flüssigkeit hervor, in welcher sich eine grosse Menge ovaler
Körper befanden^ ihre Gestalt ist flach, elliptisch, zuweilen fast zir-
kelrund, ihr Längendurchmesser beträgt ohngefähr {jVo eines Zolles,
ihr Ouerdurchmesser , „Vö^ eines Zolles, sie sind weisslich, glatt und
haben "bei reflectirendcra Lichte ein glänzendes Ansehen, bei durth-
fallendetn Lichte zeigen sie in ihrer Peripherie eine dunkle Färbung,
und auf ihrer Oberfläche einen starken Glanz, sie sind scharf begrenzt,
obwohl der Umriss zuweilen uneben ist. Die Mehrzahl dieser Körper-
chen ist undurchsichtig;, bei einigen mehr durchsichtigen Körperchen
ist im Innern ein ovaler oder runder Kern sichtbar, der meistens
centrisch, zuweilen excentrisch an dem einen oder anderen Ende der
Körperchen liegt. Diese Kerne zeigen meistens eine granulirte Tex-
tur, was man bei dem Zerdrücken der Körperchen erkennt. Der Hals
eines Blasen wurms ist so dicht mit diesen Körperchen besetzt, dass
die weisse Farbe desselben von ilinen herzurühren scheint, nach dem
Kopfe hin nehmen sie ab, und da, wo der Hals und Körper in die
Schwanzblase übergeht, hören sie plötzlich auf. Die oberste Schicht
derselben scheint leicht loszugehen, denn Avenn man die Oberfläche
des Körpers mit einem Tropfen Wasser berührt, so gerathen eine
Menge dieser Körperchen in das Wasser, auch erhält man viele der-
Beobachtung über die Entstehung einiger solcher Eingeweidewürmer
der Haussäugethicre, die sich nicht durch Fortpflanzung vermehren,
als: Cysticercus cellulosae, Coenurus cerebralis, Echinococcus ve-
terino'rum.
*) Müller's Archiv 1840 S. 149.
**) Guj's hospital reports 1S40. Nr. X. Apr. S. 1.
***) Proceedings of the zool. soc. a. a. O. S. 31. G. Gulliver: oo
the oval corpuscles of the Cysticercus. Ein ausführlicher Aufsatz
über denselben Gegenstand befindet sich iu: Medico-chirugical Trans-
actions, second series. Vol. VI. London 1841. S. 1. Observations on
the structiire of the Entozoa belonging lo the Genus Cysticercus.
By George Gulliver.
315
a0en durch Schaben der Körper-Oberfläche. Mittelst Salzsäure und
Essigsäure lösen sie sich unter Lufteutwicklung auf, und diese Auf-
lösung giebt einen weissen Niederschlag mit Oxalsäure oder Schwe-
felsäure. Während des Auflösens werden die Kerne der Körperchen
oft sichtbar und scheinen dann einen noch kleinem Kern zu enthalten.
Die Körperchen stecken unmittelbar im Pareuchym des Blasenwurm-
Körpers, welches im übrigen dem Parenchyme der Schwanzblase
ähnlich ist. Da es schwer hält, diesen Körperchen eine andere Be-
deutung unterzulegen, so geräth Gulliver, wie schon viele andere
Forscher, auf die Idee, sie für Eier zu halten, und zwar besonders
deshalb, weil ihre Form und regelmässige Gestalt an Eier erinnere
und weil sie stets in einem bestimmten Theile des Mutferköipers
vorkommen, niemals in^den Wänden der Schwauzblase^ jeuer Theil
des Mutterkörpers correspendirc alsdann mit dem Uterus der höher
organisirten Entozoen. Gulliver weiss zwar nicht, wie diese ver-
meintlichen Eier aus den Thieren herausschlüpfen, er beruft sich aber
auf die Leichtigkeit, mit welcher sie sich von der Körper-Oberfläche
loslösen, und auf einer von Knox gegebenen Abbildung, wo ein Cy-
sticercus cellulosae den Kopf und Hals durch eine scharf begrenzte
Oeffnung der Cyste, in welcher er eingeschlossen, heraussteckte und
also auf diese Weise seine Eier losstreifen und ablegen könnte. Wer
nur irgend etwas genauer mit der Structur der Cjsliccrcen und ihrer
Cysten bekannt ist, wird übrigens wissen, dass nur durch Verletzun-
gen erstere ihre im Parenchyme enthalteneu Glaskörper, die ver-
meintlichen Eier, verlieren und letztere eine Oeffnung bekommen.
Die Schwanzblase der Cysticercen besteht nach Gulliver's Unter-
suchung aus einer homogenen und dunkel granulirten Substanz, wel-
che überall mit ölartigen Kügelchen von ^ji^t^ bis r^ö'öo ^^oll im
Durchmesser durchdrungen ist. Gulliver bemerkte also nichts von
den sich kreuzenden Muskelfasern in der Schwanzblase, von denen
die lebhaften, so schön anzusehenden Bewegungen dieses Theiles der
Cysticercen vollbracht werden. Ausser einer Verdichtung brachten
nach Gulliver's Versuchen Essigsäure und Salzsäure keine Verände-
rung im Gewebü der Schwanzblase hervor. Die den Cysticercus ein-
schliesseude Cyste gleicht verdichtetem Zellg'ewebe oder einer ver-
dickten serösen Membran, vergrössert zeigt sie undeutliche Zellen-
structur, zuweilen auch sehr zarte Fasern, welche parallel oder sich
kreuzend die Membran durchziehen. Einzelne kleine Blutgefässe
verästeln sich durch die Wände der Cyste. Salzsäure brachte die
Cysten-Wünde zum Schwellen, Essigsäure machte sie durchsichtig.
Die Flüssigkeit der Schwanzblase der Cysticercen wirkt uicht auf
die Pigmente, Eiweiss ist nur in geringer Menge in derselben ent-
halten, da sie durch Erhitzung, durch Salpetersäure oder Ouecksilber-
Sublimatauflösung nur schwach getrübt wird. Die Häkchen des Kopfes
werden ganz richtig beschrieben und gut abgebildet. Cyslicercns
tinuicollis besitzt 32 Häkchen, 16 grössere und 16 kleinere, welche
316
alternirend in einen Kreis gestellt einen doppelten Hakenkranz bil-
den. Der Discus des Kopfes erscheint in der Mitte undiirchbolirt.
Die Häkchen werden von Säuren nicht angegriffen. Die Häk-
chen weichen je nach den verschiedenen Cysticercusarten nicht ihrcrlB
La"e nach, wohl aber ihrer Gestalt nach etwas von einander ab. i*
Die vonKnox erwähnten, in der Nähe der Haken befindlichen Körper,
welche er für Eier erklärte (s. dieses Archiv 1839. H, S. 167), konnte|
Gulliver natürlich nicht vorfinden, da sie nicht existiren. Die meH
sten Abbildungen hat Gulliver von einem im Omentum eines mexi-
canischen Hirsches entdeckten Cysticercus entnommen.
In Bezug auf die Entstehung der Drehkrankheit hat nach Haus-
mann») die Erfahrung gelehrt, dass einige Sauglämmer oder vom
Saugen entwöhnte LämmerZufälle von Gehirnentzündung oderSchwin-il|
del bekommen, die sich meist wieder verlieren, dass aber viele von»
diesen Lämmern im nächsten Jahre in die Drehkrankheit verfallen
es ist nun wahrscheinlich, dass die Schwindelzufälle der Lämmer die J
Entwicklung des Coeimrus cerebralis einleiteten, denn man hat in sol- d
eben geschlachteten Lämmern zuweilen Spuren der Entwicklung des v
Coenurus gefunden. In einem Falle sah Hausmann schon durch di. i
zarte Hirnhaut des geschlachteten Lammes auf dem rechten Hirn ,j
läppen zwei gelbe Stellen von der Grösse einer Linse hiudnrchschmi isi
mern, bei Abnahme der harten Hirnhaut fand sich dieselbe mit dieseüla
gelben Stellen etwas verklebt und die Hirnbaut daselbst ein weni^if
verdünnt. Die gelben Stellen lagen beide unter der pia mater uncis
hatten auch noch eine ganz dünne Hirnlage über sich, in der Mitttit
der gelben Flecke befand sich eine durchscheinende Stelle. Die be- '
nachbarte Hirnsubstanz hatte mehr Blut als gewöbnlich. Unter jedtajB
Flecke lag eine mit klarer Flüssigkeit gefüllte erbsengrosse Olasel.
welche zwei bis drei Häufchen von ausgestülpten Hervorragungen |«i
ohne Zweifel die Anlagen zu Wurmköpfen, besass, Saugnäpfe un.ftj
Hakenkranz waren an ihnen jedoch noch nicht zu erkennen gewesenlfc
Die ganze Entstehung dieser Bläschen leitete Hausmann von einei
Entzündung ab, welche in den Lämmern durch eine Weideverände
rung veranlasst worden sei.
Kuers behauptet," dass sich bei der Drehkrankheit der Schafe|«
Wassersucht des Gehirnes ausbilde und dass hierauf erst die Dreh-
würmer entstehen**). Diesem widerspricht König mit Recht, indem
er behauptet, dass die Drehkrankheit immer in dem Vorhandensein
des Coenurus cerehraUs bestehe, und Wassersucht des Gehirns gai
nicht hieher gehöre*"»). Interessant sind übrigens die von Kuers nacl
I
*) Hausmann : über die Zeugung etc. S. 127.
**) Kuers: die drei wichtigsten Jugend-Krankheiten der Sch8l|
die Traberkrankheit, Drehkrankheit und Lämmerlähme, und deri
sichere Vorbeugung, Berlin 1840.
*»') Gurlt und Hcrtwig; Magazin für die Thicrheilkunde 184L S. 391
317
Zerstörung des Coenuriis im Gehirn beobachteten Kalkconcreinente^
was mit der Neiguug der Blasenwürmer, nach ihrem Absterben sich
mit einer Knochen- oder Kalkrinde zu umgeben, übereinstimmt, wie
dies Ref. an Cysticercus tenuicollis schon einige Male beobachtet hat.
Der Echinococcus veter inorum soll sich nach Hausmann ganz
bestimmt als Folge einer Entzündungskraukheit ausbilden*), iadem
in der krankhaft abgesonderten serösen Flüssigkeit der verschiedenen
Organe nachher eine peripherische Ausscheidung zu Stande kommt,
aus welcher alsdann der Wurnikörper sich zu organisiren anfängt.
Doj'ere hat erkannt, dass die Acephalocysten aus den verschiedenen
Tlieilen des Menschen aus zwei verschiedenen Bälgen bestehen, und
dass in der inneren Höhle kleine Körper enthalten sind, welche sich
als kohlensaure Kalkconcremente ausweisen; hiermit sind gewiss die
oft besprochenen Glaskörper gemeint**). Ausserdem flottirten in der
Flüssigkeit der Höhle sehr kleine weisse Körperchen, welche unter
dem Microscope Aehnlichkeit mit gewissen Blasenwürmern hatten, und
welche nach Art der Ascidien aggregirt waren; aus diesem Vergleiche
muss Kef schliessen, dass Doyere die Echinococcus-Köpfchen in dem-
jenigen Zustande der Entwicklung gesehen hat, welcher in der Dis-
sertation von Chemnitz (de hydatidibus Echinococci hominis commen-
tatio) Fig. X. abgebildet ist. Dass Doj^ere durch seine Untersuchun-
gen zu dem Resultate gekommen: die Acephalocysten für lebende,
selbstständige Wesen zu halten, ist erfreulich und erweckt die Hoff-
nung, dass endlich einmal in Frankreich der Echinococcus hominis in
seinem wahren Wesen erkannt werde. Wie sehr dies Noth thu(, wird
man sogleich aus den Bemerkungen erkennen, welche Velpeau
denen Doyere's folgen lässt. Derselbe meint nämlich, dass diese Art
von H^'datiden au dem Gewebe, welches sie umgiebt, festhängen,
dass dergleichen Hydatiden von ihm einige Male in der Uterus-Höhle
beobachtet worden sind, letztere könne er aber nicht für Thiere, son-
dern nur für einfache Producte des Chorion halten. Es werden hier
also wiederum eine Traubenmole, Echinococcus hominis und einfache
seröse Cysten unter einander verwechselt. Von Guillot erfahren
wir über diesen Gegenstand ebenfalls nicht viel Brauchbares***).
Ueber die Stellung der G/'e^rarinen im Systeme ist Xordmann
zweifelhaft geblieben f), worüber sich Ref. nicht wundern kann, da
unsere Kenntniss über den ganzen Bau dieser Schmarotzer noch sehr
mangelhaft ist.
Nachträglich i.st noch zu bemerken, dass von Fleck ein
Buch erschienen istf f), in welchem er über die Erzeugung thie-
*) Hausmann: a. a. 0. S. 128.
**) L'institut 1840 S. 88. Vers intestinaux acephalocystes.
♦**) L'institut 1840 S. 316. Acephalocystes du corps de l'homme.
t) Lamarck : hist. nat. des anira. sans vertebres a. a. 0. S. 632.
tt) Fleck: der Arzt für Wurnikranke jeden Alters, oder die Ein-
31S
rischer Organismen im lebenden menschlichen Körper das Be-
kannte äroilich abhandelt. Ein anderes Kapitel, welches der-
selbe den Eingeweidewürmern der Menschen und Thiere widmet,
enthält neben den menschlichen Entozoeu eine sehr ungeschickt?,,
Auswahl von Eingeweidewürmern anderer Thiere, bei derera
Schilderung der Verfasser eine grosse Unkenntniss des von
ihm gewählten Gegenstandes verräth, wie man aus folgenden
Beispielen ersehen kann:
So rechnet derselbe (S. 30) Filaria und Trlfilwcephalus zu deW
darmlosen Eingeweidewürmern. Bandwürmer entspringen nach seint^fj
Meinung (S. 35) vielleicht aus krankhaft verlängerten Saugadern.
Das Polystomum schildert derselbe folgendermassen (S. 43): „amKopfe
sechs Münde, von denen Därme abgehen, dazu noch zwei Saugnäpfe,
einer am Bauch und einer hinten." Nach Fleck sollen (S. 48) beiden
Nematoideen viel mehr Männchen als Weibchen vorkommen, und in
beiden Geschlechtern sollen die inneren Zeugungstheile aus zwei
langen vielfach gewundeneu Röhren bestehen u. dgl. m. Ein beson-
deres Kapitel bezieht sich auf die Eingeweidewürmer des Menschen
insbesondere, und auch in diesem Kapitel werden die gröbsten Ver-
stösse gegen die bekanntesten Dinge begangen. Die Entozoen des
Menschen theilt Fleck ein: 1) in Blasenwürmer, welche man in allen
Theilen des Körpers finden kann, 2) in breite und runde Darmwürmer,
welche nirgends weiter als in dem Darmkanale gefunden werden,
zu diesen runden Darmwürmern werden dann Filaria medinensis und
Strongylus gigas gerechnet. Von neueren Entdeckungen mensch-
licher Entozoen wird gar nichts erwähnt.
Schliesslich sind noch einige Pseudo-Helminthen zu erwäh-
nen. Unter diesen ist die ISeedhamia expiilsoria nichts anderes
als ein sehr coinplicirter Samenschlauch der Sepia olficinalis.
Carus betrachtete einen solchen Samenschlauch als ein selbst-
ständiges thierisches Geschöpf, welches mit Schlund, Vormagen, Ma-
gen, Dünndarm und Mastdarm versehen sein sollte*). Die verschie-
denen im Inneren der Schläuche zu unterscheidenden Theile dienen
nach den neuesten Untersuchungen nur dazu, theils durch Endosmose
theils durch Elasticität den starren Schlauch zu sprengen, und die im
hintersten Ende des Schlauches befindliche eigentliche Samenmasse
aus ihrem Behälter zu befreien. Ebenso verhalten sich die Samen-
schläuche der übrigen Cephalopoden, nur dass nach der Gattungs-
geweidewürmer und die durch sie erzeugten Krankheitsforraen nebst
zweckmässigem Heilverfahren dagegen. Weimar. 1840.
*) Act. Acad. Leopold. T. XIX. P.I. 1839 S. 3 Tab. I. und Erläu-
terungstafeln zur vergleichenden Anatomie von Carus und Otto. Hft. V.
1840 S. 4. Taf. I. Fig. X.
319
Verschiedenheit der Cephalopoden auch die Samenschläuche. von Sepia,
Loligo, Kledon, Sepiola u. s. w. verschieden organi*ir( sind. Der von
Cariis für den Dickdarm der Needhamia expulsoria gehaltene Theil ist
die eigentliche von Spermatozoen gebildete Samenmasse der Sepia.
Carus erklärte die Needhamia für ein grosses Spermatozoon, wel-
ches nur die Bestimmung habe, unendlich viele kleinere Spermatozoen
> sich zu bilden und welches endlich dehiscirt, um die Spermatozoen
zweiter Potenz frei zu machen*). Derselbe vergleicht dabei die
Needhamia mit seinem Leucochloridium paradoxum, welches eine leben-
dige HÜUe für unzählige Distomen ist. Ref. kann, nachdem er in
diesem Herbste in Pola und Triest verschiedene Cephalopoden frisch
zu zergliedern Gelegenheit gehabt, mit Bestimmtheit versichern, dass
es ihm niemals möglich gewesen ist, an den verschiedenen Samen-
schläuchen dieser Molluscen auch nur die geringste selbstständige
thierische Bewegung zu erkennen. Carus hält die Spermatozoen aber
überhaupt für Thiere und zwar für epiorganische, welche sich aber
bloss auf das Zeugungsleben des epitellurischen Thieres, dem sie an
gehören, beziehen. Die Needhamia expulsoria ist diesem Forscher
hiernach das vollkommenste und bis jetzt grösste Spermatozoon >*).
Valentin betrachtet die Spermatozoen ebenfalls als
selbstständige Thiere und hat daher an den Spermatozoen eines
alten Bären Mund, After und innere ßlasen gesehen und ab-
gebildet***)-
Diese inneren Blasen möchte Valentin als die Darstellung eines
inneren gewundenen Darmkanales deuten, dessen Biegungsstellen von
oben als Ringe (Blasen) erscheinen müssen. Die Abbildungen, welche
Valentin von diesen Spermatozoen gegeben hat, erinnern ganz an
die Gestalt der Cercarien, zumal da die beiden Stellen, welche für
Mund und After ausgegeben werden, sich wie Saugnäpfe ausnehmen.
Valentin hat aber niemals eine Gestaltveränderung des Körpers die
ser Spermatozoen bemerken können, nur der Schwanz derselben
bewegte sich mannigfach, jedoch bestanden die Bewegungen immer
nur in Schlängelungen und Beugungen; von Contractionen, Verlänee-
nmgen und Verkürzungen des Schwanzes erwähnt Valentin nichts,
durch diese Bewegungen unterscheiden sich also die Spermatozoen
an welchem ein Körper und Schwanz vorhanden ist, sehr bestimmt
von den Cercarien, mit welche^ sie so oft verglichen werden.
Gerber fügt den Verdauungsorganen der Spermatozoen
gar noch Geschlechtswerkzeuge hinzu f), indem er in den
^P™to2oen des Meerschweinchens nicht allein Mund, After
*) Erläuterungstafeln a. a. 0. S. 16.
*0 Act. Acad. Leopold T. XIX a a O
***) Ebenda. S. 339.
i) Gerber: allgemeine Anatomie S.310. Taf. VII. Fig. 251-853.
320
uikI Darmkanal, sondern tiucli zwei abgerundete feinkörnige
Organe als Spuren von inneren Zeugungstheilcn erkannt haben
will. Da die Spermatozoen als etwas Wesentliches des Samens
betrachtet werden müssen, so hält es Gerber für wahrschein-
lich dass die übrigen Eingeweidewürmer wenigstens unter ge-
wissen Umständen als Bedürfniss der thierischeil Oeconomiej
höher stehender Thiere anzusehen wären.
Bericht über die im Jahre 1839 und 1840 erschieß
neuen Arbeiten, welche die Klassen der Medusen,
Polypen und Infusorien betreffen*).
Von
Rudolph Wagner.
ITI c al ti s e n.
Zu den wichtigsten Arbeiten über die Medusen gehört
unstreitig der ausführliche Aufsatz von v. Siebold über Me-
dusa aurita in seinen an neuen und schönen Beobachtun-
gen so reichen: Beiträgen zur Naturgeschichte der wirbellosen
Thiere. Danzig 1839. 4to.
0 Das Wenige, was in den heiden letzten Jahren überEchino-
dernien publicirt worden ist und das sich fast ganz auf die Nach-
weisung der Duplicität des Geschlechts bei den Seeigeln, Seesternen
(auch Coniatula) und Holothurieu bezieht, wird im nächsten Jahresbericht'!
besprochen werden. Die ausgezeichneten systematischen Arbeiten uberi
die Asteriden von J. Müller und Troschel sind bis jetzt nur in derf
Kürze in den Monatsberichten der Berliner Academie (theilweise aucbl
in diesem Archiv) mitgetheilt, während das grössere Werk eben im
Erscheinen begriffen ist; ich werde deshalb hierüber, so wie uberi
die wichtigen theils publicirten, theils zu erwartenden Arbeiten über
die Echiuiden von Agassiz und Valentin im nächsten Jahre referiren.
Sehr dankbar werde ich es erkennen, wenn mir die Verf. kleinerer
oder grösserer Abhandlungen über Echinodermen, Medusen, Polj-peDj
und Infusorien Separatabdrücke zur Benutzung für den Jahresberich
mittheileu wollten, da die möglichst vollständige Aufführung der Li-
teratur erzielt werden soll.
J
321
Der Verf. theilt zuerst interessante Notizen über das Erscheinen
der Medusa aurita an der Danziger Ostseeküste mit. Die Winde
haben nur indirecten Einfliiss auf die in grossen Massen auftretenden
Medusen; sie nähern sich durch eignen Wille^und entfernen sich
wiederj bei den Seewinden, welche sie an die Küsten werfen wür-
den, entfernen sie sich und suchen die h<»he See; bei Landwinden
erscheinen sie zu Millionen; wahrscheinlich ziehen sich die Thiere
im Winter in die Tiefen der See zurück. Siebold beschreibt die kräf-
tigen Ortsbewegungen dieser Thiere. Er fand ausser der Med. aurita
auch die Cyanea capillata in der Ostsee. Bekanntlich hat der Verf.
zuerst auf die auch bei den Medusen differenten Geschlechtsverhält-
nisse aufmerksam gemacht. Die Männchen sind äusserlich den Weib-
chen ähnlich. Der bekannte, von vier Bogen gebildete rosenfarbene
Kranz ist der Sitz der TSeschlechtsorgane. Die Männchen besitzen
hier vier Hoden j es bilden sich bei ihnen zu seiner Zeit an den vier
Fangarmen Taschen, was bei den Weibchen in der Brunstzeit immer
geschieht. Die Zahl der Hoden kann sich durch Monstrosität ebenso,
w^ie die der Ovarien vervielfältigen oder vermindern. Die Farbe der
Hoden ist durchaus unbeständig; sie variirt zwischen schmutziggelb,
braungelb und rosenfarben. Die Hoden sind mit llaudfäden oder Ten-
takeln besetzt, deren Bedeutung S. nicht ermitteln konnte. Die Ho-
den zeigen inwendig eine zahllose Menge kleiner birnförmiger Blind-
säckchen, die sich mit einer besonderen engen OelTnung an der untern
Fläche des Hodens nach aussen münden. In diesen Beutelchen ent-
wi^eln sich die Sperraatozoen auf ähnliche Weise wie bei den höhe-
ren Thieren, namentlich den Vögeln; die ausgebildeten Sanienthier-
chen bestehen aus einem länglichen Körper und haarförinigem Anhang
von grosser, nicht messbarer Feinheit; sie bewegen sich schlängelnd.
Bei der Entleerung hängen die einzelnen Büschel oder Bündel von
Samenthierchen schnurförmig aneinander. Sie bleiben im Seewasser
lange lebendig. Schon bei sehr kleinen, einen Zoll grossen Medusen
fand S. öfters Hoden mit vollkommen entwickelten Spermatozoen,
Bei den Weibchen varüren die Ovarien eben so In der Farbe und sie
sind mit ähnlichen Fühlfäden besetzt; sie enthalten Eierkeime mit
deutlichem Keimbläschen und Keimtleck. Flimmerhaare fand S. an
eben losgelösten Eiern aus dem Ovarium nicht. Wie die Eier in die
Taschen der Fangarme gelangen, ob die Fühlfäden dieselben hiuleiten,
konnte S. eben so wenig als Ehrenberg ausmitteln. Die Taschen sind
nichts anderes, als Ausstülpungen der Membran, welche die vier nach
dem Maule führenden Rinnen der Arme zu beiden Seiten einfasst.
Von grösstem Interesse ist die beobachtete Entwickelnngsge-
schichte der Meduseneier. Es kommen hier Dotterdurchfurchungen
wie bei den übrigen Thieren vor und wie sie namentlich schon län-
ger bei den Fröschen und Knochenlischen beobachtet sind. Noch
merkwürdiger sind die weitere» Metamorphosen. Die jungen Embryo-
nen gleichen zuerst einem länglichen oder birnförmigen Infusious-
Archiv f. Nalurgesch. VII. Jahrg. 2. Bd. 21
322
thierchen und schwimmen lebhaft umher. Bald darauf setzen sie sich
fest, treiben Fortsätze und bekommen so ganz das Ansehen vier-
armiger und dann später achtarmiger Polypen.
Ueber die wei<#en Details müssen wir auf die interessante Ar-
beit selbst verweisen, so wie auf die weiteren, bestätigenden Unter-
suchungen von Sars in diesem Archiv 1841 S. 9.
V. Siebold beschreibt auch, jedoch nur unvollkommen
(vielleicht wegen allzugeringer Entwickelung der Theile bei
dieser Gattung) jene Gebilde, welche ich als Nesselorgane der
Medusen beschrieben und in meiner neuen Schrift über den
Bau der Pelagia noctiluca abgebildet habe. Ich habe allenthal-
ben die höchst genauen Beobachtungen Siebold's über die Ge-
schlechtsverhältnisse der Medusen nur bestätigen können. Bei
den einzelnen Gattungen scheinen nur geringe Modificationen
vorzukommen.
Mi Ine Edwards bestätigte ebenfalls die doppelten Ge-
schlechter der Medusen.
In einem Briefe an Flourens aus Nizza vom März 1840 theilt der-
selbe genaue Beobachter eine kurze Notiz über die Circulation der
Nahningsflüssigkeit bei Be7-o'e ovata mit, Ann, des sc. nat. Zool. 1840
p. 320. Es existirt hier ein doppeltes System von Gefässen ohne
Herz und die Bewegung der Flüssigkeit ist lediglich durch schwin-
gende Wimperchen bedingt, welche an der inneren Fläche der Ge-
fässe sitzen. Aehnliche Beobachtungen hat Ref. schon 1839 bei Ocea-
nia (s. d. eben citirte Schrift) gemächt und diese Art der Chylus-
bewegung scheint bei Polypen, Medusen und vielen Helminthen vor-
zukommen. Vergl. mein Lehrb. d. Physiol. S. 178. In einem anderen
Briefe an Audouin vom April 1840 spricht Milne Edwards auch von
doppeltem Geschlecht bei den Fhysophoren. Annales des scienc. nat.
Tome XIII. p. 197.
Ball machte einige unvollkommene Mittheilungen über die
Cydippe pomiformis Patterson (Beroe ovatus Flemming) und
eine neue Bolina der irischen Küste (JBol. hibernica Patter-
son). Annais of natural history. Vol. III. p. 60 und Vol. V.
p. 67, er verspricht eine genauere Beschreibung und Abbildung.
Edw, Forbes beschreibt zwei Arten von Cydippe der
englichen Küste und bildet sie ab. Ann. of nat. bist. p. 145.
Der Verf. corrigirt die Gattungsbeschreibungen seiner Vorgän-
ger, namentlich die von Blainville, giebt auch eine kurze Beschreibung
der Arten, ohne sie mit specifischen Namen zu belegen. In der Sub-
stanz des einen Thiers fand sich nahe am Magen ein parasitischer
Wurm, einer Filaria ähnlich. Nähere Beobachtungen wären von In-
323
teresse, da itiaUj so weit dem Ref. bekannt ist, bisher noch keine Ein-
geweidewürmer von Medusen kennt.
Jonathan Couch giebt Mittheilungen über die Structnr
und Lebensweise von Fhysalia. Magaz. of nat. bist. Nov.
1839 und Froriep's N. Notizen. Nr. 273. Febr. 1840.
Die Angaben sind sehr dürftig. Das Thier, das Couch noch nicht
kannte, ist manchmal an den britischen Küsten nicht selten. Man
soll nie eine Spur von IVahrungsstoffen finden und der innere Sack
soll nichts als Luft enhalten, welche durch den Kamm sezernirt zu
werden scheint (!?). Die Physalien nesseln.
Ueber die Art, Medusen für Sammlungen aufzubewahren,
findet sich ein aus dem Schwedischen des verstorbenen Fries
übersetzter Aufsatz von Hornschuch mit einem Nachtrag von
Schilling in Greifswald in Froriep's Neuen Notizen Nr. 238
(B. XL S. 273 Sept. 1839).
Polyfieu.
Die letzten Jalu'e sind besonders reich an wichtigen Beob-
achtungen über diese wichtige Thierklasse. Der ausdauernden
Thätigkeit der britischen Naturforscher haben wir nicht allein
die interessantesten Mittheilungen über den anatomischen Bau
der Polypen zu verdanken, sondern durch die emsige Bearbei-
tung der britischen Fauna gewinnt die Systematik und die
sichere Kenntniss der einzelnen Gattungen und Arten ungemein.
Johns ton gab zu seinem schon früher genannten Werke
einen Nachtrag in seiner neuen „History of the british Spon-
ges and Coraliines, worüber wir im nächsten Jahre zu berich-
ten haben werden.
Nach den Mittheilungen in der Werner'schen Societät
(Ann. of nat. bist. Vol. IL p. 477) legte Graham Dalyell
treffliche Zeichnungen über die Fortpflanzung der Zoophyten
vor, die für ein grosses Werk bestimmt sind mid die sich auch
auf die Gattungen Hydra, u^^cfmia, Jllcyonella u. s. w. au.s-
dehnen.
Hogg theilte in der Linnean Society seine weiteren Beob-
achtungen über die Spongien mit. Ann. of nat. bist. Vol. IIL p.458.
Der Verf. will durch viele Beobachfuagen gefunden haben, dass
die Spongilla fluviatilis entschieden vegetabilischer Natur ist. Das-
selbe gilt von den Spongien j er stellt sie zwischen Fungi und Al-
gae, wobei er die Beobachtungen von Grant kritisch beleuchtet.
Ilogg will die Polypen nach den Tentakeln eintheilen
21*
324
und giebt eine Uebersicht seiner EinHieiliing. Annais of nat.
bist. Vol. III. p. 304. Seine Eintbeilnng, die nicbt ohne In-
teresse ist, ist folgende:
Subclass. I. Binogcula.
Tribus I. Tentaculis arniatis.
Ord. I. Ciliotentaculay uüt den Gatt. Flustra^ Cellularia,
■Cellepora, Plennatella.
Subclass. II. Unoscula.
Ord. II. Noditent acula mit den Gatt. Hydrot^ Serhdaria.
Ord. III. Pinnit entacula mit Gorgonia, Vennatula^ Alcyonium.
Ord. IV. Glanditentacul a mit Coryne.
Tribus II. Tentaculis nudatis.
Ord. V. F lanii entacula mit Tubnlaria etc.
Ord. VI. Tuhit entacula mit Actinia, Madrepora etc.
Spongien und Korallinen sind ausgeschlossen.
Thompson giebt sehr interessante kritische Bemerkungen
über einige Medusen und viele Polypen, welche bereits von
Johnston besclirieben sind, und die an der Küste von Irland
vorkommen. Annais of nat- bist. Vol. V. p. 24.5.
Derselbe bescbreil)t auch eine neue Art von Flustra
von Irland ebeiul. p. 84:
Flustra stellata, Membranlpora steüata Thompson, wo die
Zellen sternförmig, aber nicht mit Borsten besetzt sind. Aus der
Bai von Belfast.
Edward Forbes handelt in einem interessanten Aufsatz
über die britischen Actinien,' die er in 5 Gattungen theilt.
I. Anthea (Johnston), \\. Actin ia(lÄnn.'). lll.Adamsia(For-
bes). Als Typus dieser Gattung dient die schöne Act. maculata Pen-
nant, welche identisch ist mit Act. carcinopados Otto und picta Risso
und von Duges in den Ann. des sc. nat. Vol, VI. Avieder als neue
beschrieben wurde. IV. Ilua?ithos (Forbes). Die einzige neue Art,
11. scot/cus, welche den Typus dieser Gattung bildet und sich im
Loch Ryan in Schottland findet, zeichnet sich dadurch aus, dass sie
nicht mit breiter Basis aufsitzt, sondern hinten in einen verdünnten,
cj'^lindrischen (freien?), kurzen Stiel ausläuft, wie etwa Veretillura.
V. Lucer?iaria.
Auch von Actinia wird von Forbes eine neue Art be-
schrieben und abgebildet, die er häufig auf Guernsey fand, er
nennt sie:
Actinia biser ialis, corpore elongato-cjiindrico, brunneo,
coeruleo-lineato, disco rotundo; tentaculis in duabus seriebus digestis,
Serie interna longlssima, externa numerosissima.
Einen wichtigen zoographischen Beitrag zur Naturgeschichte
325
derActinien hat Grube gegeben, in seiner Schrift: Actinien,
Echinodermen und Würmer des Adriatischen und Mittelmeers.
Königsberg 1840 ni. Abb.
Folgende neue Arten werden beschrieben und zum Theil abge-
bildet: Act. rhododactylos zum Siibgen. IsacraaeaEhrenb. gehörig, an der
Küste der Insel Veglia bei Fiunie. — Act, bimaculata, ebendaher, dann
auch bei Palermo. — Act. atrimaculata von Palermo. — Act. nibrL
fiinctata von Neapel. — Act. Zebra von Catania. — Act. Chamaeleon
von Neapel und Palermo. — Act. elongata von Neapel und Palermo.
Noch werden interessante kritische Bemerkungen über andere in älte-
rer und neuerer Zeit aufgestellte Arten von Actinien vom Terf. mit-
getheilt.
Mi che! in hat nach getrockneten Exemplaren zwei Co-
rallen aus Ehrenbergs Fani. der Augencorallen beschrieben in
Guerln Mag. d. Zool. 1840. Zoophyt. T. 1, 2.
Die eine, Lichenopoj-a glomerata^ unbekannten Vaterlandes, über-
zieht einen entblössten Stiel eines Antipathes, gleicht in der. Form
des Sterns vollkommen der Lichenopora crispa Defrance, weicht aber
von den fossilen Arten darin ab, dass 10 — 20 Sterne auf oiner gemein-
schaftlichen Basis vereinigt sind. Die andere, Gcmmipora fungifortnis
Blainv., ist eine Turbinaria Ok., welche mit ihrer nicht schüsseiförmig
vertieften, und von einem höheren Stiel getragenen, scheibenförmigen
Basis auffallend die Form eines Pilzes hat.
Johns ton stellt nach einem getrockneten Exemplar eine
neue Gattung unter dem Namen Beanla auf; Annais of nat.
bist. Vol. V. p. 272.
Char. Polyparium phytoideum, filiforme, repens, corneum, surcu-
lis tubulosis, diffuse ramosis, vesiculiferis, vesiculae singulatim spar-
sae, erectae, magnae, ovatae, uno latere spinosae. Polypi ignoti.
Spec. B. mirablliSj sehr selten j sitzt auf Anomia Ephippium auf.
Forbes und John Goodsir fügen der Beschreibung
der Corymorpha nutans von Sars einige Berichtigungen bei.
Ann. of nat. bist. Vol. V. p. 309.
Dieser Polyp ist von den genannten Beobachtern in der British
Assoc. zu Birmingham als „Ellisia flos maris" bereits beschrieben
worden. Abbildungen wird Johnston in seinem Supplement geben.
Zu den ausgezeichnetsten Arbeiten über die Anatomie der
Polypen gehört die Beschreibung der Tendra zostericola
(einer neuen Gattung der Bryozoen) von Nordmann. Die
Abhandlung wurde schon im Institut am 11. März 1839 gele-
sen. Ein Auszug befindet sich in den Ann. des sc. nat. für
1839. Zool. Vol. XI. p. 185. Seitdem ist die ganze Abband-
326
lung mit den Abbildungen in dem prachtvollen Reisewerk von
Demtdoff in der dazu gehörigen Faune pontique erschienen.
Voraus gehen einige interessante allgerneine Bemerkungen über
die Fauna der wirbellosen Thiere im schwarzen Meer. Es finden
sich daselbst nur wenfge niedere Thiere im Verhältniss zur Nordsee
und zum Mittelraeer, was wohl von dem geringen Salzgehalt und
den grossen in dasselbe sich ergiessenden Strömen herrührt} so ist
auch die Flora an Seepflanzen arm. Im schwarzen Meere, wenig-
stens an der Nord- und Ostküste finden sich keine Cephalopoden,
keine grossen nackten Mollusken, keine Doris und Aplysia; unter
den Anneliden 5 Arten Lycoris, kleine Arten Polynoe, Amphitrite,
8pio, Hirudo und Clepsine; 5 bis 6 Medusen, unter den Polypeu
3 Arten Actinien, mehrere Sertularien, eine Tubulipora, endlich einige
Eschara und Cellularia. Unter den Polypen bildet die Tendra zoste-
ricola (von Tendra, einer kleinen Landzunge der Krimm, wo sich
dieser Polyp häufig findet) eine neue Gattung, welche die meiste
Analogie mit einigen Arten von Flustra, Eschara und Halodactylus
hat. Zur Vergleichung wurde die Anatomie von Halcyonella dia-
phana und einer Art Plumatella aus der Gegend von Odessa berück-
sichtigt. Der Polyp überzieht die Zostera marina als höchst dünne
Kruste; es sind glatte, weisse Zellen von oval -elliptischer Form,
i Linie laug; oben bat jede Zelle eine halbmondförmige Oeffnung,
aus welcher der Polyp heraustritt; unten ist auch eine OelTnung,
durch welche die Zellen kommuniziren. Jede Zelle enthält nur einen
Polypen, welcher selbst im ausgewachsenen Zustande sie nicht voll-
ständig ausfüllt. Die inneren Wände der Zelle sind mit einer aus-
nehmeud feinen Haut ausgekleidet. Die 8 Tentakeln sind mit Wim-
pern besetzt, ohne Saugnäpfe, mit zwei Längscanälcn, die sich nicht
verästeln. Die Mundöffnung springt öfters im Mittelpunct der Arme
vor; es findet sich ein Schlundkopf mit Mnskellagen, in dessen Inne-
ren eine Quantität Wasser, wie bei Eschara und den zusammen-
gesetzten Ascidien circulirt; der Darnikanal zeigt sonst die gewöhn-
lichen Verhältnisse der Bryozoeu. Das Muskelsystem ist sehr ent-
wickelt und zerfällt in zwei Hauptabschnitte und beseht: 1) aus Mus-
keln, welche den Polypen aus der Zelle hervor und wieder zurück-
ziehen, 2) aus einem Schliessapparat, der einige Aehnlichkeit mit dem
Opercularapparat vou Eschara hat. Doch fehlt ein solider Deckelj
es ist vielmehr nur ein weicher Ring vorhanden, der durch 16 Mus-
kelbündel bewegt werden kann. Als Nerven nimmt Nordmaun 3 kleine
ganglionöse Körper in der Nähe des Mundes. Als männliche Theile
betrachtet derselbe 8 wurmförmige Organe an den Tentakeln, welche
den weiblichen Polypen fehlen, und die um so mehr für Testikel zu
halten sind, als sich die Spermatozoen nur in den männlichen Zellen
entwickeln. Die weiblichen Zellen enthalten Abtheilungen oder Fä-
cher, in denen sich 4 bis 7 Eier finden; diese werden durch Sperma-
tozoon befruchtet, welche iu die wciblithcu Zellen durch die au der
327
Basis befindlichen Oeffnungen gelangen. Der Embryo bewegt sich
zuerst in seinem Chorion durch Wimperbewegung, sprengt dieses,
schwimmt herum und fixirt sich endlich am Blatt der Zostera.
Die von Ehrenberg entdeckte Duplicität des Geschlechts
der Siisswasserpolypen findet eine immer allgemeinere Bestäti-
gung. So hat Erdl schon 1839 Hoden bei Hydia und J^e-
retillum beschrieben und abgebildet, und ich habe gleichzeitig
dasselbe bei letzterem Polypen gesehen. Vgl. Jcones zootomi-
cae Tab. XXXIV. Milne Edwards hat männliche Organe
bei Dendrophyllia aufgefunden. Annales des sc. nat. zool.
Tom. XIII. (1840) p. 196.
Unseren Siisswasserpolypen, namentlich den Gattungen Al-
cyonclla, Plumatella, Cvistatella und mehreren neuaufgestell-
ten hat man ein besondres Studium zugewendet, so namentlich
Gervais; vgl. darüber l'Institut und den Rapport von M. Ed-
wards. Ann. des sc. nat. zool. Tom. XI. (1839) p. 179 und
Van Beneden, Bulletin de l'Acad. de Bruxelles 1839 Nr. 9.
Die Arbeiten vonGervais sind mehr zoographisch und ich werde
darüber im nächsten Jahresbericht referiren, da auch Xordmanu seit-
dem diese Gattungen einer genaueren Untersuchung unterworfen hat.
Van Beneden fand auch h&i Alcyonella getrennte Geschlechter, aber
auf demselben Poljpenstock, die Männchen sind viel weniger zahl-
reich und kleiner als die Weibchen. Der Nahrungssaft -wird im Kör-
per umherbewegt durch Wimpern. Der Verf. bestätigt das schon J836
von Dumortier erkannte Nervensystem. Es besteht aus einem ein-
zigen Ganglion über dem Schlundkopf mit einem vollständigen Schlund-
ring. Auch die Alcyonellen schwimmen im frühesten Lebensalter
gleich den Infusorien frei umher. Van Beueden fand Eingeweidewür-
mer um den Nahrungscanal.
Mit diesen neuesten Erfahrungen stehen die von Laurent
zum Theil in Widerspruch, vgl. Frorieps Neue Notizen. Nr. 273
(Bd. XIII. 1840).
Hiernach soll die von mir angegebene Zusammensetzung der
Eier nicht durch die ganze Thierreiche hindurchgreifen ^ bei Hydra
grlsea soll das Ei nur einblasig sein und sich ohne spermatische Be-
fruchtung entwickeln. Ausserdem finden sich auch noch keimartige
Sprossen, aus blosser Ausdehnung des Gewebes des Mutter-Indivi-
duums gebildet.
Von Nordmann steht eine kurze, aber merkwürdige Notiz
zurNaturgesch. der Gatt Cajnpajiularia iminstit. f. 1839 S.417.
Zu einer gewissen Epoche löst sich das contractile Endstück
des Polypen von seinem Stiel, und bewegt sich dann selbstständig
und frei umher. Es gleicht so mit seinen Tentakeln einer kleinen
328
Meduse. Der Stiel treibt indcss neue Individuen. So fände denn älin-
licli wie bei den Vorticellen, auch bei den Poljpeu eine cyclisclie
EntWickelung statt.
Wichtige Beiträge zur Naturgescliiclite der V olythala-
inien haben wir von Ehrenberg erhalten, in zwei Abliand-
Inngen, aus den Vorträgen in der Berliner Akademie: Die
Bildung der europäischen, libyschen und arabischen Kreidefel-
sen und des Kreideniergels aus nnoroscuj)isclien Organismen.
18'i9. und: Ueber noch zahlreich jetzt lebende Thierarten der
Kreidebildung. 1840.
Die Poljthalainien, bekanntlich zuerst von d'Orbigny wissen-
schaftlich näher beachtet, dann vonDujardin als Rhizopoden beschrie-
ben und zu den Infusorien gerechnet, werden von Ehrenberg einer
genauen kritischen Revision unterworfen. Er stellt sie zu denBrjo-
zoen oder Mooskorallen und nennt sie: Schnörkel-Korallen, Poly-
thalaniia. In einer tabellarischen Uebersicht werden sämnitliche Fa-
milien und Gattungen characterisirt und zwar nach der Bildung der
Schalen Ihre sehr kleinen oft niicroscopischcn Kalkschalen bilden
(in schon nahe an 1000 bekannten verschiedenen Gestalten) die Haupt-
massen der Kreidefelsen und vielen Mecressandes. Der Verf. unter-
suchte die bei Cuxhaven gefundeneu lebenden Arten näher. Die beob-
achteten, bis \ Linie grossen Formen gehören zwei Gattungen an
{Geopo/ius und Nonionina^. Der Körper ist keineswegs ein äusse-
rer, die Schale unihüllender, sondern ein innerer, aus weicher Masse
bestehender. Um denselben darzustellen, löst man die Schale mit
sehr verdünnter Salzsäure auf. Ein federbuscharliger Tast- oder
Fangapparat, wie bei den Polypen, findet sich nicht. Der Körper
hat eine auszeichnuugslose, einfache Mündung. Dagegen ist die
Vielzahl feiner, sehr lang ausdehnbarer Tastfäden, welche zugleich
die Ortsveränderung vermitteln, und die wie aus allen Theüen der
siebartigen Schale hervortreten, offenbar den contractilen Franzen
der Flustren und Seeschnecken ähnlich. Die vorderste und grösste
Zelle aller Thierchen, zuweilen auch die 2 — 4 folgenden, enthalten
nur ganz durchsichtige Körpertheile. Gewöhnlich von der zweiten
Zelle jedes Ammonshörnchens an sind alle hinteren Zellen mit zwei
verschieden gefärbten grösseren Organen erfüllt. Eins derselben
ist der meist grünlich - graue sehr dicke Speisekanal, welcher, v,-ie
der ganze Körper, eine Gliederkette bildet, in jedem Glicde erwei-
tert und mit einem engen schlundartigen Verbindungstheile (dem
scheinbaren Sipho) mit dem nächst vorderen und hinteren verbunden
ist. Nach Ablösen der Schale des lebenden Thiers durch schwache
Säure Hessen sich sehr deutlich verschiedene kieselschalige Infusorien
als verschluckte Nahrung bei Nonionina germanica bis in die inner-
sten Glieder der Spirale in diesem Speisekanale wahrnehmen. Es
ist kein poly gastrischer Bau des Speisckanals vorhanden, sondern
329
es ist ein einfacher in den Korpergliederungen angeschwollener,
also gegliederter Kanal mit einer einzelnen vorderen Mündung. Far-
bige Nahrung verschmähten bisher alle Thierchen. Nach Ablösung
der Schale gelang es Ehrenberg bei beiden Gattungen durch sehr
langsames Verfahren einen vollständigen, spiralen, gegliederten, in-
neren Körper freizulegen, dessen einzelne Glieder bei Nonmtina
durch 1, bei Geoponus durch 18 — 20 Röhren (Siphones) als Verbin-
dungstheile eben so vieler, in jedem Gliede nebeneinander liegender
Einzelthierchen zusammenhingen. Ausser dem Speisekanale erkennt
man in jedem Gliede bis zum letzten der Spirale, das erste ausge-
nommen, eine gelbbraune körnige Masse, welche Ehrenberg als Eier-
stock zu betrachten geneigt ist. Bei 3 Exemplaren der Nojiiotitna
kamen gestielte, ansehnlich grosse häutige Beutel mit gerissenen
OeffnuDgen vor, welche am Rücken der Schale festgeheftet waren.
Es schienen entleerte Eierzellen zu sein. Pulsirende Organe (Her-
zen) existiren nicht.
Die neueren Arbeiten von d'Orbigny über dieselbe Ab-
thcilung (Foraminiferes d'Orb.) in der Ilistoire physique, po-
litique et naturelle de l'Ile de Cuba par M. Ramon de la
Sagra, der Ilistoire naturelle des lies Canaries par M. M.
Barker Webb et Sab. Berthelot, und seiner eigenen Voyage
dans l'Amcrique meridionale, hat Dr. Troschel in diesem
Arcliiv. 1839. I. Bd. S. 398 zusammengestellt und im umfas-
senden Auszuge mitgetheilt, auf welchen ich verweise.
Infusorien*
Den im vorigen Jahresbericht näher erwähnten Geg-
nern Ehrenbergs, welche den bisher angenommenen poly-
gastrischen Bau der Infusorien bestreiten, Meyen, Dujardin
Rymcr Jones schliesst sich nun auch Forbes an. Annais of
nat. bist. vol. V. p. 364. Es wäre jetzt wiinschenswerth, dass
auch andere Beobachter sich mit diesem Gegenstand beschäf-
tigen, und vielleicht gelingt es Ref. im nächsten Berichte bei
Gelegenheit des neuen Infusorienhandbuchs von Dujardin (Sui-
tes a Buffon) darauf kritisch eingehen zu können.
Ueber das Anatoraische und Physiologische der Infusions-
thicrchen ist nichts Neues beobachtet worden.
Dalrymple las in der Microscopical Society über die
Clostei-ien, welche Meyen zu den Konferven, Ehronbcrg zu
den Magenthicrchen rechnet.
Der Verf. spricht sich zu Gunsten der thicrischen Natur aus,
330
hält es aber für zweifelhaft, ob sie sich als Polygastrica erweisen;
eine Aufnahme von Indigo konnte er nicht erlangen.
Ehrenberg hat eine neue Reihe von Abliandlungen pu-
blicirt, welche vorzüglich den merkwürdigen Einfluss der Infu-
sorien auf die ältere und jüngste Geschichte unsers Erdkör-
pers in's Licht setzen. Vergl. dessen microscopische Analyse
des curländischen Meteorpapiers von 1686 und Erläuterung
desselben als ein Product jetzt lebender Conferven und Infu-
sorien. Berlin 1839. Mit 2 Kupfertafeln. Aus den Abhandlun-
gen der Academie der Wissenschaften.
Bie fragliche papienirtige schwarze Masse bestand deutlich aus
gegliederten Conferven; die Hauptmasse bildete Conferva crispata,
zwischen welcher Spuren einer Linckia (Nostoc) waren. Ausserdem
befanden sich 29 bereits in dem grösserem Werke von Ehrenberg
beschriebene Infusionsthierchen darin: nur wenige (8) haDen Kiesel-
panzer, alle übrigen haben einen häutigen Panzer, und hatten sich
152 Jahre lang so wohl erhalten, dass sie alle scharf erkennbar sind.
Es scheint, dass einige jetzt sehr seltene Bacillarien damals viel häu-
liger gewesen sind. Besonders merkwürdig ist es auch, dass der
Aveiche, grüne Körper des Thiers der so ausgezeichneten Fentasterüis
margaritacea, von welcher bis jetzt leere Schalen bekannt und im
grösseren Werke abgebidet waren, nun zuerst als anderthalb hundert-
jährige Mumien bekannt wurde.
In der oben angeführten Schrift über noch zahlreich jetzt
lebende Thierarten der Kreidebildung characterisirt Ehrenberg
10 neue Gattungen und 40 neue Arten von Infusorien (Poly-
gastrica Ehrenb.).
Von den 10 neuen Gattungen gehört nur 1 {Dinophi/si's) und von
den 40 Arten gehören nur 2 der Familie der Krauztliierchen (Peri-
dinaea) an, alle übrigen gehören zur Familie der Bacillarien, jener
ohnedem schon überaus zahlreichen Gruppe. Ueber die Beschreibun-
gen müssen wir auf die mit schönen Abbildungen versehene Schrift
verweisen. Das für die Geologie besonders merkwürdige Resultat
aus den weiter mitgetheilten Untersuchungen betrifft die den bisheri-
gen Ansichten widerstreitende Thatsachc, dass viele in der Kreide
vorkommende Infusorien sich noch je(zt in unsren Meeren finden.
Der Verfasser theilt noch mehrere Beobiichtungen über den Bau und
die Lebenserscheinungen bisher nicht näher gekannter Formen, wie
von Dictyocha und Coscinodicus mit. Der Verf. spricht auch (p. 22)
über die Bewegungsorgane einer grossen Navicuhi von Cuxhaven.
Schon früher (1838) brachte er Navicula zur Aufnahme von Indigo.
Jetzt gelang es, statt der früher beobachteten schneckenfussartig
sich ausbreitenden Sohle, uls ßewegungswerkzeug feine, lange Fä-
den am Rande des Panzers hervortreten zu sehen, welche das Thicr
331
willkürlich langsam verkürzte oder verläogerte oder auch ganz ein-
zog. Die ErnährungsöffnuDgen schienen sich am dicken Ende zu
befinden.
Eine dritte Fortsetzung seiner Beobachtungen über zahl-
reiche, jetzt lebende microscopische Thiere der Kreidebildung,
wodurch die Zahl fast verdoppelt wird und auf 40 steigt,
theilte Ehrenberg in der Berliner Academie mit. Monats-
berichte für 1840 S. 176.
Ehrenberg gab auch einen wichtigen Beitrag znr geo-
graphischen Verbreitung der Infusionsthierchen: über ausge-
zeichnete jetzt lebende peruanische und mexicanische Meeres-
infusorien, welche mit zur Erläuterung räthselhafter fossiler
Formen der Kreidebildung dienen. Monatsberichte der Ber-
liner Academie für 1840 p. 157.
Auf Seeconferven von Peru und Mexico fand der Verf. theils
europäische, theils aber ganz neue Formen von Bacillarien, welche
die Typen zweier neuen, bisher blos americanischen Gattungen bil-
den. Sie werden unter dem Namen Vodosira und Graminatojihora
aufgestellt und characterisirt.
Derselbe fleissige Beobachter legte der Academie die
Abbildungen von 274 neuen Infusorien-Arten vor, welche in
dem 1838 erschienenen grossen Werke noch nicht aufgeführt
sind. Die Diagnosen dieser neuen Arten sind in den Monats-
berichten für 1840 S. 1.97 u. f. abgedruckt und auch in einem
Separatabdruck verkäuflich.
Die meisten Arten sind an den Küsten der Nord- und Ostsee
aufgefunden worden. In der genannten Zahl sind 8 neue Kilderthierc
mit begriffen, die übrigen 265 sind polygastrica; bei weitem die Mehr-
zahl (213) gehört zur Familie der Bacillarien.
Sehr interessant sind die neuen Untersuchungen über die
Ursache der rothen Färbung, welche öfter auf dem Alpen-
schnee und auf den Gletschern vorkommt. Shuttleworth
schrieb eine Schrift sur la neige rouge du Grimsel, welche
Dr. Vogt aus Bern bei der Versammlung der Naturforscher
in Erlangen mittheilte. Vogt hat selbst vielfältige Beobach-
tungen über diesen Gegenstand angestellt. Siehe amtlichen
Bericht der Versammlung der Naturforscher in Erlangen S. 137.
Nach Vogts Untersuchungen rührt die Färbung des rothen Schnees
nie von ptlau/Jichen, sondern stets nur von thierischcn Organismen
her, und zwar von verschiedenen Arten von Infusorien. Das häulig.ste
Thicr ist ein Kädcrlhier, VhUodina roscola var. nivalis, deren Eier-
332
stock Eier mit ziegelrothem Dotter enthält; der Dotterinhalt zeigt
nach dem Zerquetschen Molekular-Bewegung und gleicht den Sporen
der Protococcuskörner. Ausserdem kommen im rothen Schnee noch
einige andre, zum Theil noch unbestimmte Arten von Infusorien (Po-
lygastrica) aus den Familien der Cryptomonadinen, Volvocinen und
Peridinäen vor, worunter eine, welche sich durch Sprossenbildung
fortpflanzt.
Vergl. auch die Bemerkungen von Meyen über rothen
und grünen Schnee der Polarregion in diesem Archiv. Jahr-
gang 1840 I. Bd. S. 166.
333
Jahresbericht über die bekannt gewordenen Arbei-
ten für Anatomie und Physiologie der Pflanzen
aus dem Jahre 1840.
Von
H. F. Link.
Jahresberichte über das, was in einer Wissenschaft ge-
leistet worden, wie sie zuerst Berzelius für Chemie und Phy-
sik eingeführt hat, gehören zu den zweckmässigsten wissen-
schaftlichen Einrichtungen, nur müssen sie drei Bedingungen
erfüllen. Sie müssen erstlich nicht zu spät erscheinen, nicht
wenn die Nachrichten den Kennern schon längst bekannt, also
überflüssig sind, und wenn es mit diesem Jahresberichte der
Fall sein sollte, so möge man bedenken, dass der unerwartete
Tod des vorigen Berichterstatters, des Professors Meyen, eine
Stockung veranlassen rausste. Es ist immer besser, einzelne
Sachen nachzuholen, als alle zu spät zu liefern. Die zweite
Bedingung ist, die Vorträge der Verfasser so viel als möglich
treu zu liefern, ohne sie mit einem eigenen Urtheile zu unter-
brechen. Ja, es scheint mir besser, eine Arbeit ganz zu über-
gehen, da doch die grösste Vollständigkeit nicht zu erreichen
sein möchte, als sie von vorn herein für unbedeutend zu er-
klären. Zuweilen ist es nöthig, den Verfasser wörtlich einzu-
führen, um die Ruhe oder die Befangenheit zu zeigen, womit
er seine Beobachtungen angestellt hat. Doch das geht nicht
immer an, und dann ist es nicht selten sehr schwer, den Vor-
trag eines Andern treu darzustellen, weil viele Verfasser nicht
das Geschick haben, sich bestimmt und also deutlich auszu-
drücken, ein Mangel, der sich besonders darin äussert, dass
sie zu viel Worte machen, gar oft, um nicht sagen zu dürfen,
dass sie etwas noch nicht wissen, oder dass sie sich geirrt
haben, oder nicht zu einer deutlichen Ansicht der Sache gekom-
men sind. Je unerfahrener man in einer Wissenschaft ist.
334
desto mehr meint man alles zu wissen mifl alles zu verste-
hen, und desto weniger will man gestehen, dass man sich ge-
irrt hat. Endlich ist es ganz unzweckmässig, Streitigkeiten
zu einem Hauptgegenstande des Jahresberichts zu machen, oder
sie mit einer ärgerlichen, feindseligen Laune zu führen, wenig-
stens zu zupfen und zu zerren, wenn man gegen die Haupt-
sache nichts sagen kann. Die Anatomie und Physiologie der
Pflanzen ist gar sehr solchen Streitigkeiten ausgesetzt gewe-
sen, und ihre Fortschritte sind dadurch mehr aufgehalten als
befördert worden. Mein Vorgänger in dieser Arbeit war von
dem Vorwurfe der Streitsucht keinesweges freizusprechen;
ich werde mich bestreben, ihm darin nicht nachzuahmen.
Innerer Bau der Gewächse.
lieber den Innern Bau der Gewächse im Allge-
meinen findet sich eine Abhandlung in den Annales des
Sciences naturelles, 2de ser. T. XIV. p. 16 — 17 unter der Auf-
schrift: Etudes phytologiques par le comte de Tristan,
Prem. Mem, de la nature des tissus vegetaux. Der
Verf. geht von der Frage aus, ob das Gewebe der Vegetabi-
lien gleichartig sei, oder nicht. In dieser Rücksicht betrach-
tet er den Querschnitt des Stammes von irgend einer Pflanze,
z. B. vom Mohn (Papaver somniferum), ferner des Blattstiels
von Cucurbita maxima, und findet darin ein doppeltes Gewebe.
Das erste nimmt den grössten Theil des Stammes oder Blatt-
stiels ein und besteht deutlich aus Zellen, das zweite umgiebt
die Gefässbiindel. Doch sind diese nicht immer vorhanden,
sondern es kommt auch ohne dieselben vor. Er verfolgt nun
die feineu Fäden des letzten bis in das ovarium, und sieht,
dass es sich dort nur in hellen Spuren zeigt, woran mau keine
Organisation wahrnimmt. Spiralgefasse entstehen erst später
in der Axe dieser Faden. Die helle unorganisirte Substanz
nennt er cambium und sagt von ihr, sie möge aus dem ersten
Gewebe ausgeschwitzt sein, aber sie sei nicht damit einerlei.
In dieser Rücksicht unterscheidet er das zweite Gewebe von
dem ersten, und da die Zellen dieses ersten Gewebes dem
Schaum gleichen, nur beständiger sind, so nennt er das erste
Gewebe aphrostase; das zweite, weil es die Gefässe begleitet
und gleichsam führt, hegemon. In den Bäumen sondert eine
335
Trennung, eine Spalte, die er cunico nennt, die Rinde von
dem inneru Theil oder dem endophyte, wie er sagt. Der in-
nere Theil sei jedoch nicht ein einziger, sondern bestehe fer-
ner aus dem Marke und dem, was man Holz nenne, was aber
diesen Namen nicht verdiene, da es sich oft sehr weich in
den Kräutern finde. Der Verf. nennt es daher endostere, weil
es doch immer fester ist, als der umgebende Theil. Er be-
trachtet nun die sogenannten prolongemens medullaires ihrem
Ursprünge nach, und sagt von ihnen, dass sie aus dem tissu
aphrostasien entstehen, auch immer schmaler werden, so wie die
angewachsenen Gefässbiindel sich verdicken, zuletzt nur eine
Spur übrig lasseii. Er nennt sie daher isthmes aphrostasiens
oder islhmes ganz kurz. Die Betrachtung eines Querschnittes
von dem Stamme eines Brombeerstrauches (Rubus fruticosus)
bringt ihn zur Annahme eines dritten Gewebes, welches er
proxyle nennt und dadurch kenntlich macht, dass es aus pris-
matischen oder cylindrischen Fäden (filets) von einer unbe-
stimmten Länge besteht. Er untersucht es von seinem ersten
Ursprünge an und findet, dass es auch zuerst aus einem cam-
bium entstehe, so dass also jedes von den drei Geweben sein
eigenthiimliches cambium habe. Sehr oft sind diese Gewebe
mit einander gemengt und in dieser Rücksicht nennt er ein
solches Gemenge, welches aus einem Erguss von einem cam-
bium proxylaire in ein andres schon gebildetes Gewebe ent-
steht, adelome. Dieses ist der Hauptinhalt der Abhandlung.
Es macht Vergnügen zu sehen, wie ein Beobachter, ohne
sich an das zu kehren, was andere vor ihm gethan, dennoch
das Zweckmässige trifft. Allerdings verdienen die drei Arten
des Zellgewebes, wie sie der Verf. bestinmit, wohl unterschie-
den zu werden. Das erste ist das Zellgewebe, aphrostase des
^erf, welches die Grundlage des ganzen Stammes, oder viel-
mehr der ganzen Pflanze ausmacht, und immer aus Parenchym
besteht. Indem es durch die anwachsenden Holzbündel im
Stamme zusammengedrängt wird, entstehen die Markstrahlen,
prolongemens medullaires, die der Verf. sehr richtig erklärt
und nicht mit Unrecht isthmes nennt. Eben so ist ein all-
gemeiner Ausdruck für das Zellgewebe, welches die Gefäss-
bündel begleitet, hegemon des Verf., und welches meistens
aus Prosenehym-, zuweilen aber auch aus langen, engen Pa-
336
renchym- Zellen besteht, sehr zweckmässig. Das dritte Zell-
gewebe des Verf., das proxyle, hat schon den Namen des
Bastes erhalten. Uebrigens sind die griechischen Benennun-
gen des Verf. schlecht genug: Aplirostase heisst Schaunistel-
lung, hegemon ein Anführer, proxyle Vorholz, adelome Ver-
bergung. Die Franzosen warfen uns sonst die vielen Kunst-
wörter unserer Gelehrten als Beweise unserer Pedanterie vor,
wir könnten es jetzt in vollem Maasse zurückgeben. Deutsch
mögen wir Grundgewebe, begleitendes Gewebe t*id Bastge-
webe sagen. — Dass der Verf. in dem sogenannten cambium
nur eine unorganische. Masse sah, lag wohl an der geringen
Vergrösserung.
Ich verbinde hiemit die Anzeige einer Abhandlung, die
mir bei ihrem Erscheinen sehr auffiel, und die zum Theil
hieher gehört: Etüde microscopique des precipites et de leurs
metamorphoses appliquee ä l'explication de divers phenomenes
physiques et physiologiques par P. Harting v. Bulletm des
Sciences physiques et naturelles en Neerlande. Ann. 1840.
p. 287 — 365. Der Verf. hat eine Menge Niederschläge un-
tersucht, meistens mit unorganischen Substanzen, sehr wenige
mit organischen und unorganischen Substanzen zugleich ge-
macht. Die erste Art der Niederschlage sind nach unserm
Verf. die krystallinischen; aucli behauptet er, dass die Kry-
stallisation ein ursprünglicher Akt sei. Die zweite sind die
molekularen, lieber ihre Form könne man nicht urtheilen,
weil man über eine gewisse Grenze hinaus die Ecken an den
kleinen Körnern nicht mehr erkenne. Die Körner vereinigen
sich zu unregelmässigen oder zu flockigen Haufen und sobald
dieses geschehen ist, hört die Molekularbewegung auf. Die
dritte Art, die membranösen Niederschläge, entstehen sogleich
in vielen Fällen; sie sind zuerst biegsam, werden aber naclv
her spröde und verändern sich auch in flockige Haufen. Die
vierte Art endlich sind die gallertartigen Niederschläge. So
weit gehört der Gegenstand eigentlich nicht hieher. Der Verf.
geht aber weiter. Er führt die Molekular-Bewegung auf eine
anziehende und zurückstossende Kraft zurück, er wendet die-
ses auf die Bewegung der Körner in den Zellen an, die er
auf eine gleiche Weise erklärt, auch wenn man annimmt, dass
die Bewegung von den Wänden der Zellen abhänge. Er führt
il
J
337
ferner Schwanns Darstellung an, wie die Zellenkörperchen um
ein Kernkörperchen sich anlegen und findet Aehnlichkeit mit
der Art, wie die Körner in den Niederschlägen sich bilden.
Er verkohlte Stücke von einer Zwiebel, deren Zellen Kerne
enthielten, und fand den Kern zerstört, doch meint er, dieses
negative Resultat beweise nichts, da die Arten des Kerns viel-
leicht zerstreut seien. Bekanntlich behalten verkohlte Pflan-
zentheile ihre ursprüngliche Form, der Verf. fragt also, ob
man nicht die Bildung der homogenen organischen Membranen,
als einen membranösen Niederschlag solcher Substanzen be-
trachten könne, die man gewöhnlich unorganisch nennt.
in diesem Jahre "(1841) habe ich eine kleine Schrift über
die Festigkeit der Körper herausgegeben, um die Physiker
aufmerksam auf diesen Gegenstand zu machen. Ich habe ge-
sehen, und es mehren ausgezeichneten Physikern gezeigt, dass
alle Niederschläge, aber sogleich nach der Entstehung unter-
sucht, Kugeln zeigen, dass diese Kugeln sich zu grösseren
vereinigen, folglich flüssig sind wie Quecksilberkugeln und dass
diese vereinigten Kugeln oder Tropfen erst später, oft unter
unsern Augen, also plötzlich, sich in Krystalle verwandeln.
Wenn Herr Harting dieses nicht sah , so kam es daher, weil
er die Niederschläge nicht schnell genug untersuchte. Zu-
weilen bilden die Kugeln sogleich Platten, zuweilen sind sie
gallertartig. Ich habe in der kleinen Schrift wiederholt, was
ich schon längst gezeigt habe, dass alle flüssigen Körper an
der Oberfläche einen Anfang von Festigkeit zeigen — denn
Flüssigkeit schreiben wir einem Körper zu, wenn die Theile
sich durch die geringste Kraft an einander verschieben las-
sen, und das kann nur geschehen, wenn die anziehenden und
zurückstossenden Kräfte der gleichartigen Theile einander auf-
heben, welches an der Oberfläche der flüssigen Körper nicht
sein kann, wo die Theile nach verschiedenen Richtungen un-
gleich gezogen werden — dass diese Festigkeit mit der Ober-
fläche zunimmt, und dass folglich eine dünne Schicht von
Flüssigkeit schon an und für sich fest ist. Die Stärke der
Festigkeit hängt allerdings von der Stärke der Anziehung un-
ter den Theilen ab, die bekanntlich auch bei flüssigen Kör-
pern verschieden ist, wie Quecksilber und Wasser zeigen. Zur
Erzeugung einer Membran bedarf es also nichts als der Son-
Archiv f. Natiirgescli, VII. Jahrg. 2. Bd. 22
338
dening einer Schicht von Flüssigkeit, wie jede Blase zeigt.
Die halbfliissigen Körper, Schleim, Gallerte u. dgl. m. sind ein
Gernppge von Festern und Flüssigem, wie man beim Austrock-
nen sieht, und es ist nichts gesagt, wenn man die Entstehung
eines festen Körpers aus einem Schleim ableitet. Auch ist es
gar nicht nöthig, dass ein flüssiger Körper durch den Zustand
der Halbflüssigkeit durchgehen müsse, um fest zu werden, wie
dieSalzkrystalle zeigen. — Wenn man anziehende und zurück-
stossende Kräfte nach Belieben wirken lässt, wie es Herr Har-
ting macht, so lässt sich allerdings manches erklären. Aber
von unsern Erklärungen muss sich die^ Willkür, so weit sie
kann, entfernen.
Ueber die chemische Beschaffenheit der Zell-
membran haben wir viele Untersuchungen in diesem Jahre
erhalten. Zuerst: Einige Beobachtungen über die blaue Fär-
bung der vegetabilischen Zellmembran durch Jod von Hugo
Mo hl. Flora oder botan. Zeitung f. 1840. S. 609. Auf Ver-
anlassung von Schleiden's Bemerkungen stellte der Verf Un-
tersuchungen über den Embryo von Sohotia speciosa an. Die-
ser Embryo quillt durch lange Maceration in kaltem Wasser
und Kochen mit Wasser auf, wird aber nicht ganz gelöst.
Die Zellen werden dann nicht allein durch Jod blau gefärbt,
sondern auch der Schleim umher. Eine ähnliche Reaetion
zeigen die Zellen der Cotyledonen von Tropaeolum majus,
hybridum und minus, jedoch tritt die blaue Farbe hier nicht
sogleich ein, sondern die Zellmembran wird erst gelblich, dann
grün, endlich blau. Auf Meyens Veranlassung wurde auch
die Zellmembran manclier Flechten untersucht und eine ähn-
liche Reaetion gefunden. Weit geringer war die Wirkung auf
die Algen und nur Sphaerococcus ciliatus, Ulva Linza und U.
Lactuca erhielten eine blaue Färbung. Ferner stellte der Verf.
'Jntersuchungen über hornartige Albumenzellen an und zwar zu-
■ rst der Monokotyledonen, wobei er folgende vier Hauptmodifi-
raiionen fand: ^. Albumenzellen, welche von verdünnter Jodtin-
citir gelb gefärbt werden, beim Trocknen gelblichbraun werden
''nd bei der Wiederbenetzung die frühere gelbe Farbe annehmen,
»"Z, welche sich ganz auf die Weise, wie die gewöhnliche
/.faser verhalten. Dieses findet, so weit der Verf. unter-
. ,chte, bei dem Albumen aller Palmen statt, z. B. Rhapis
339
acaulis, Manicaria saccifera u. s. w. — B. Albumeuzellen auf die
Einwirkung von Jod zuerst eine gelbe, später eine braune
Farbe mit violetter Beimischung zeigend; eingetrocknet beller
oder dunkler gelbbraun; wieder aufgeweicht violett mit bräun-
licher Beimischung: Iris pratensis, atomaria, Alliura globosum,
odorum, sibiricum, Asphodelus luteus, Anthericum ramosum,
Czackia Liliastrum, Eucomis punctata. — C. Albumenzellen auf
die Einwirkung von Jod zuerst gelb, dann braun, zuletzt
schmutzig violet; trocken rothbraun; benetzt dunkel violet,
zum Theil in's tiefe Veilchenblaue übergehend. Iris aurea,
Asparagus dauricus, maritimus, Scilla peruviana, Hyacinthus
romanus, amethystinus, Lilium bulbiferum, Tigridia Pavonia,
Convallaria racemosa, Yucca gloriosa. — D. Albumenzellen durch
Jod schnell lebhaft violett gefärbt; trocken dunkel rothbraun;
wieder aufgeweicht schön violet, oder tief veilchenblau. Ixia
hyalina, squalida. Gladiolus tristis. Ruscus racemosus. Velt-
heimia viridifolia. — Samen von Dikotyledonen mit hornartigem
Albumen hat der Verf. weniger untersucht, weil die Erschei-
nungen im Ganzen genommen, wie bei den dikotyledonischen
Pflanzen waren. Kaustisches Kali wirkt, nach dem Verf., auf
diejenigen Albumenzellen, welche sich mit Jod schön blau färben,
sehr heftig ein. Diejenigen, auf welche das Kali am schwäch-
sten einwirkte, bekamen bedeutend dickere Wandungen, wobei
man deutlich sab, dass die äusseren Schichten einer jeden Zelle
sich zuerst zu einer gallertartigen Masse auflockerten ; die am
Rande des Abschnitts gelegenen Zellen waren völlig in eine
im Wasser auflösliche Gallerte umgeändert. Sowohl diese auf-
gelöste Substanz, als die aufgelockerten Zellenmerabranen selbst,
färbte Jod schön blau. Der Verf. stellt nun. Betrachtungen
über die Wirkung des Jods auf die Zellenmembran überhaupt
an, und zieht daraus folgende Schlüsse: 1. Das Jod ertheilt
der vegetabilischen Zellenmembran, je nach der Menge, in wel-
cher es von derselben aufgenommen wird, sehr verschiedene
Farben; eine geringere Menge von Jod erzeugt eine gelbe oder
braune, eine grössere Menge eine violette, und eine noch be-
deutendere Menge eine blaue Farbe, Die gelbe oder braune
Farbe kann das Jod der trocknen Zellenmembran ertheilen,
wenn es in Alkohol aufgelöst, oder in Form mit ihr in Be-
rührung kommt, die violette oder blaue Farbe tritt dagegen
22*
340
nur dann ein, wenn die Zellmembran vom Wasser durchdrun-
gen ist. Die blaue Farbe verwandelt sich beim Austrocknen
der Membran in die violette oder rothbrauno, kehrt jedoch bei
neuer Benetzung zurück; analoge Farbeuänderungen treten
bekanntlich auch bei der Jodstärke ein, je nachdem dieselbe trok-
ken oder vom Wasser benetzt ist. 2. Die Farbe, welche die
Zellmembran mit Jod annimmt, hängt nicht bloss von der Menge
von Jod, welche man auf die Membran einwirken lässt, son-
dern auch von der Beschaffenheit der Membran selbst ab.
Die weicheren und zäheren, im Wasser stärker anschwel-
lenden Membranen färben sich, auch wenn nur eine geringe
Menge von Jod auf sie einwirkt, entweder sogleich violet oder
blau, oder es geht die gelbe Farbe, welche sie anfangs annah-
men, noch vor dem Austrocknen der Flüssigkeit, oder wenig-
stens nach dem Austrocknen und bei neuer Benetzung in Vio-
let oder Blau über. Die härtern, sprödem und iui Wasser
weniger aufquellenden Membranen färben sich dagegen mit
Jod gelb oder braun und zeigen nach dem Austrocknen und
Wiederaufweichen nur dann eine blaue Farbe, wenn eine grosse
Menge von Jod auf sie eingewirkt hatte. 3. Diese Entwicke-
lung einer blauen Farbe kommt der Zellmembran an und für
sich zu und beruht bloss auf der Aufnahme einer gehörig
grossen Menge von Jod.
Zu dieser Abhandlung hat H. Schieiden in demselben
Jahrgange d^r Flora S. 737 einen Nachtrag geliefert. Er meint,
Mohl hätte aus seinen Untersuchungen zwei Schlüsse ziehen
können. !• Dass es mit dem Jod als Reagens auf Stärkmehl
nichts mehr sei, was schon aus der Entdeckung des Amyloids
folge. Hr. Schi, hat nämlich mit Vogel eine Substanz in den
Kotyledonarzellen von Schotia latifolia, speciosa, Hymenaea
Courbaril u. a. m. gefunden, welche durch Jod blau gefärbt
wird, aber von Stärkmehl sich verschieden zeigt, und dieses
in Poggendorffs Annalen für 1839 bekannt gemacht. 2. Dass
die blaue Färbung vegetabilischer Stoffe durch Jod keine eigent-
liche chemische Verbindung sei. Da Mohl gesagt hatte, dass
die blaue Färbung der Membran eine wesentliche Verschie-
denheit von gewöhnlicher Zellenmembran nicht anzeige, weil
es nicht wahrscheinlich sei, dass Zellen von verschiedener Sub-
stanz gebildet, neben einander in derselben Pflanze vorkommen,
341
so säst in dieser Rücksicht der Verf.: der Punkt, worauf es
ankomme, sei, was man unter wesentlicher Verschiedenheit
zweier vegetabilischer Substanzen verstehe. Freund Mohl scheine
eenei-t dies den Chemikern anheim zu stellen, er selbst
aber "meint, dass man da noch lange warten könne. Hier
folot eine Anmerkung, die zum Theil wörtlich herzusetzen ist,
weil sie Herrn Schleidens Art und Weise bezeichnet. „Wenn
man die nichtssagenden Urtheile von Berzelius und Liebig über
aie Schwannschen Entdeckungen des Gälirungspilzes liest, sollte
man glauben, die beiden Herren hätten nie von einem solchen
Ding wie ein Microscop ist, gehört. - Wenn aber Berzelius
von 'der Schwannschen Leichtfertigkeit spricht, so weiss man
in der That nicht, was man zu solcher Albernheit sagen soll.
Ich wünschte der Chemie von vollem Herzen Glück, wenn
Herr Berzelius alle seine Untersuchungen von jeher mit der
durch so umfassende Kenntnisse gestützten Umsicht und der
durch bescheidene Zweifel in seine eigne Kräfte gegen alle
vorgefassten Meinungen gesicherten Gründlichkeit unternommen
hätte als Herr Schwann*). Fielen Herrn Berzelius, als er
jene Worte schrieb, denn gar nicht die ersten 100 Seiten des
6. Bandes seiner Chemie ein, um ihn bei solchem Urtheile
schamroth zu machen?" Der Verf. geht nun die chemischen
Eigenschaften mancher Pflanzenstoffe durch, und zieht daraus
den Schluss, welchen ich ebenfalls zum Theil wörtlich anführen
will, damit ich den Sinn nicht verfehle: 1) „Die gewöhnlich als
indifferente (amphotere) angeführten Pflanzenstoffe, die der Reihe
des Stärkmehls angehören, sind nur eine ganz dürftige Auswahl
von der unendlichen Mannichfaltigkeit der in den Pflanzen vor-
kommenden, derselben Entwicklungsreihe angehörigen Materien.
Die Pflanze bildet 2. bei ihrer Vegetation einen, chemischen
Grundstoff (nicht etwa das alte Gespenst des Urschleims), der
in allen Stadien des Vegetationsprocesses derselbe bleibt in
*) Herr Schwann hat nämlich ein Buch geschrieben: Microsco-
pische Untersuchungen über die üebereinstimmung in der Structur
und dem Wachsthum der Thiere und Pflanzen von Dr. Th. Schwann,
Berlin 1839, worin er Herrn Schleidens Meinung über den Cytobla^t
ohne Weiteres annimmt und nun ein Aehnliches in den Thieren nach-
zuweisen sucht. S. darüber meine Propyläen der Naturgeschichte.
Berlin 1839.
342
Bezug auf seine Elementarzusammensetzung, der aber durch
innere, uns noch gänzlich fremde und unmerkliche Verände-
rungen und zum Theil auch wohl durch Vermehrung und Ver-
minderung des chemisch gebundenen Wassers unendlicher Mo-
dlficationen fähig ist, deren Zahl sich einmal nach der Zahl der
hinzutretenden Wasseratome, dann aber auch nach der Mög-
lichkeit der verschiedenartigen Combinationen der Elemente
richtet, vielleicht also in der Natur eine bestimmte endliche
Zahl ist, für uns aber vorläufig als eine stetige Reihe ver-
schiedenartiger Zustände erscheint, deren nächste Glieder für
uns nicht merklich verschieden sind, deren unterstes Glied der
Zucker, deren höchstes der völlig ausgebildete Membranenstoff
ist, eine Reihe, deren Glieder von unten nach oben immer
unauflöslicher im Wasser werden, und zwar so, dass unter
Umständen schon die gelatina aus dem Zellenstoff in organi-
scher Form herauskrystallisirt (cfr. Schwann, Microscopische
Untersuchungen u. s. w. p. 220)."
Es scheint mir doch sehr gerathen, zu den Chemikern
wiederum unsere Zuflucht zu nehmen.
In den Annales des sciences naturelles T. 13 p. 305 findet
sich der Bericht über eine Abhandlung von Herrn Payen sur
la composition chimique du tissu propre des vegetaux. Die
Berichterstatter sind Dumas, Pelouze und Ad. Brongniart.
Payen Hess auf verschiedene vegetabilische Substanzen kausti-
sches Kali in der Hitze, dann Jod und zuweilen Schwefelsäure
einwirken, und sah, dass die ursprüngliche Membran, welche
die Umhüllung der Zellen ausmacht, ohne alle Veränderung
blieb. Hingegen fand er, dass unter der Einwirkung des Kali,
die Absätze auf diese Membran sich in einen Stoff verwandel-
ten, der von Jod violet (bleu violet) gefärbt wurde, und dass
endlich ein Theil dieser Absätze, die er secundäre nennt, sich
durch dieselben Einwirkungen in einen andern Stoff verwan-
delten, den Jod orange färbt. Es folgt ferner aus seinen
zahlreichen Analysen, dass die vegetabilischen Gewebe so\\ohl
der Phanerogamen als Cryptogamen durch eine fortgesetzte
Aufl,ösung aller fremden Stoffe, die sich entweder in ihren
Höhlungen oder auf den Membranen selbst abgelagert haben,
sich, auf eine Substanz (cellulose) zurückführen lassen, welche
die ursprünglichen Wände der Zellen des Zellengewebes, des
343
Uolzgewebes und der Gefasse ausmacht, welche dieselbe Zu-
sammensetzung, wie das Stärkmehl hat, und sich nur durch den
Aggregatzustand unterscheidet, vermittelst desselben sie den
chemischen Einwirkungen stärker widersteht. Die Ueberein-
stimmung der cellulose und des Stärkmehls in Rücksicht auf
die Elementarzusammensetzung, die Verwandlung beider Stoffe
in Dextrine und Zucker lassen schon vermuthen, dass Mittel-
zustände sich finden würden, und in der That bemerkte Verf.,
dass die Membran der Cetraria islandica gehörig gereinigt,
durch Jod blau gefärbt werde, und sich in Natrum auflöste,
wie Stärkmehl. Auch die dicken Wände der Zellen im Albu-
men von Phytelephas und Dracaena gehörig gereinigt, werden
von Jod blau gefärbt, widerstehen aber mehr der Auflösung
als der Zellstoff der Eichenen. Die Berichterstatter setzen
hinzu: Ilolzzellen von allen abgelagerten Stoffen befreit, so
dass sie nicht mehr von Salzsäure und schwacher Schwefel-
säure schwarz, noch von Jod orange gefärbt würden, hätten
doch noch einige Dicke behalten, nur wären sie weich und
schwammig geworden und eben dieses wäre auch der Fall mit
den nicht verschwindenden Tüpfeln und Streifen (lineaments)
gewesen. Sie glauben also, dass die abgesetzten Stoffe nicht
allein äusserlich abgelagert, sondern auch in das Gewebe in-
nerlich eingedrungen wären.
Eine ausführliche Abhandlung über diesen Gegenstand von
Herrn Payen ist in demselben Journal T. 14 p. 73 geliefert.
Zuerst die Resultate der Elementar-Analysen vom Zellgewebe
mancher Pflanzen. Diese waren: Die ovula von Mandeln-, Bir-
nen- und Aepfelkernen, und Helianthus annuus, der häutige
Theil vom cambium der Gurken, das Zellgewebe von Gurken,
das Mark von Sambucus nigra, von Aeschynomene paludosa,
einmal gereinigte Baumwolle, zweimal gereinigte Baumwolle,
die Spongiolen der Wurzeln. Die Analysen schwanken zwi-
schen 43 und 45 in Hundert Kohlenstoff, 6,04 und 6,32 Was
serstoff und 48,55 und 50,59 Sauerstoff. Die Formel C^*
H'^0^ -+. H^ O. entspricht diesen Analysen. Nun folgen
noch andere Untersuchungen. Blätter waren schwer von einer
Wachssubstanz zu befreien, gaben aber zuletzt Zellstoff von
derselben Zusammensetzung , wie die vorigen. Spiralgefässe
von Muca sapientum enthielten offenbar einen Ueberzug (matiere
344
incrustante); denn nur durch Ammonium, Wasser, schwache
Salzsäure u. s. w. gereinigt, gaben sie 0,484 Kohlenstoff, in-
dem sie durch Kali in der Hitze erschöpft, nur 0,44 Kohlen-
stoff erhielten; die letztern verhielten sich sonst, wie der nor-
male Zellstoff. Die reine Membran ans Weizenkörnern gezo-
gen, hatte die gewöhnlichen Bestandtheile. Die Zellen im Um-
fange des Albumen zeigen eine graue Farbe, die von Kleber
herrührt, welcher die Membran überzieht; der Gerbestoff färbt
diesen Stoff und zieht ihn zusammen, Ammoniak und Essig-
säure lösen ihn auf und lassen die Membran rein zurück, die
Jodauflösung färbt den Kleber gelb, das Stärkmehl dunkelviolet,
und lässt die Membran ungefärbt. Nach dem Keimen bleibt
nur reine Membran im Korn zurück. Vegetabilische Ueber-
bleibsel aus Kuhmist waren leicht zu reinigen, und dann hatte
die Membran die gewöhnliche Zusammensetzung. Die Haare
von dem Samen des virginischen Pappelbaums verhielten sich
wie Baumwolle. Es hielt schwer, Tannenholz von allen abge-
lagerten Stoffen zu scheiden; nachdem dieses aber geschehen
war, zeigte die Membran sich wie gewöhnlich zusammengesetzt.
Die Membran der Cetraria islandica gereinigt durch Wasser,
Alkohol, Ammoniak, Essigsäure und Aether wird noch immer
von Jod blau gefärbt, und die Gallerte von diesem Liehen hält
Hydrat von Stärkmehl und Inulin. Dieser letzte Stoff wird
durch Essigsäure in einen Zucker aufgelöst, der sich in Was-
ser und auch in Weingeist auflöst. Löst man das Inulin in
siedendem Wasser auf, so scheidet es sich in der Kälte in
kleinen, weissen, durchsichtigen Kugeln aus, wie Stärkmehl-
körner, die aber von Jod nicht blau gefärbt werden. Das Al-
bumen der Datteln lässt sich wie die Membran von Cetraria
islandica ganz in Kali auflösen. Schwerer war es, Conferven
von abgesetzten Stoffen zu entfernen, und so auch die Chara
hispida; bei den Pilzen war Vorsieht nöthig, doch in allen
diesen Fällen blieb eine Membran von der gewöhnlichen Zu-
sammensetzung zurück. Der Verf. beschreibt die verschiedenen
Arten von Amylumkörnern in der Chara; sie waren chemisch
nicht verschieden. Die zarte Membran in den orangefarbenen
Organen der Chara zeige die gewöhnliche Zusammensetzung
der Pflanzenmembran, der darin enthaltene Stoff war aber sehr
stickstoffhaltig. Der Verf. äussert die Meinung, dass alle stick-
345
stoffhaltigen Materien in den Pflanzen nur abgelagert sind, dass
sie hingegen in den Thieren in die Membran selbst eingeben.
Er nahm von einem Saitenfabrikanten einen schon bearbeiteten
Dünndarm von einem Schaaf, behandelte ihn mit Wasser, Essig-
säure und Kali, wovon die beiden letztern bedeutend auflösten,
den Rest untersuchte er, und fand eine stickstoffhaltige qua-
ternäre Zusammensetzung, Diese Ueberbleibsel hatten auch
noch die allgemeinen Eigenschaften der thierischen Membran,
dass sie sich in Essigsäure und verdünnter Salzsäure auflösten,
welches mit der vegetabilisclien Membran nicht der Fall ist.
Der Verf. stellt die Kennzeichen der reinen vegetabilischen
Membran und der thierischen zusammen, wovon ich ausser den
genannten nur anführen will, dass die letzte von verdünnter
Kali- und Natrumauflösung, und von Ammoniakauflösung auf-
gelöst wird, die erste nicht, ferner, dass Gerbsäure, Alaun und
Sublimat auf die erste nicht oder wenig wirken, Gerbsäure
zieht sie nur etwas zusammen, die letzte aber nicht allein
stark zusammenziehen, sondern sich auch damit verbinden.
Diese vortreffliche Arbeit ist eine entscheidende Antwort
auf viele Fragen.
Es sei mir erlaubt, etwas über das Stärkmehl in den Pflan-
zen beizufügen. Auf der 16. Tafel der Icon. anatom. bota-
nicae habe ich die Veränderungen der Stärkmehlkörner abbil-
den lassen. Die Körner von Kartoffeln Fig. 2 sind durch war-
mes Wasser geplatzt und haben eine dickflüssige Masse ergos-
sen, welche eben sowohl von Jod blau gefärbt wird als die
einschliessende Hülle. Es erhellt hieraus, dass jedes Korn von
Stärkmehl einen dickflüssigen Kern enthält, wie Raspail be-
hauptet, wenn auch die Umhüllung aus vielen Schichten besteht,
wie man an vielen Stärkmehlkörnern deutlich sieht, und wie
es zuerst Fritzsche beobachtet hat. Da dieser dickflüssige Kern
eben so wohl von Jod blau gefärbt wird, als die Umhüllung,
so ist kein Grund vorhanden, warum man ihn für etwas anderes
halten sollte als Amylummasse. Dass diese Masse durch starke
Erhitzung oder durch langes Reiben mit Wasser, wie es Ras-
pail anwandte, in Gummi oder Dextrine verwandelt wird, ist
in der Regel, und eine gleiche Verwandelung findet auch Statt,
wenn man Salpetersäure, wie gewöhnlich, anwendet. Man muss
auch die Untersuchung sogleich anstellen, als das Zerplatzen
346
geschehen ist, um zu vermeiden, dass nicht das Stärkmehl eine
Veränderung erleide. Nach dem Keimen findet man oft die
Umhüllung der Körner zerrissen, s. Fig. 9 und 10 derselben
Tafel verglichen mit Fig. 8. angeformtes dickflüssiges Stärk-
mehl fand ich zuerst in den Salepknollen, dann auch in den
Knollen von der gewöhnlichen Orchis latifolia, vor oder in
der Blüthe, wie es auf derselben Tafel Fig. 13 vorgestellt ist,
zugleich mit einer dickflüssigen Masse, welche durch Jod nicht
gefärbt wird. Später fand ich aber in den Knollen von Orchis
pyramidalis, auch in den Knollen von Orchis latifolia, lange
nach dem Blühen Amylum, wie gewöhnlich in Körnern, und
ebenfalls trifft man Salepknollen mit Körnern von Stärkmehl.
Es scheint also, dass die ungeformte Masse in Körner über-
gehen könne. Eine dickflüssige Masse, welche nicht durch Jod
gefärbt wird, geraengt mit grossen Stärkmehlkörnern, findet sich
auch in den Samen von Phaseolus vulgaris Fig. 12. Meistens
sind grosse und kleine Stärkmehlkörner mit einander gemengt;
in den Weizensamen enthalten die äussersten Zellen, worin sich
nach Payen der meiste Kleber befindet, nur kleine Körner von
Stärkmehl, als ob sich diese aus dem Kleber entwickelten. Dass
im Chlorophyll sich Stärkmehl entwickelt, hat, meine ich, Mohl
zuerst gesehen; man bemerkt es vorzüglich deutlich an den
altem Blättern in der Vallisneria spiralis, wo in den Körnern
von Chlorophyll ein Korn von Stärkmehl entsteht, wie man
durch Jod gewahr wird. Merkwürdig ist es, dass die Bewe-
gung der Chlorophyllkörner sogleich aufhört, als dann em
Stärkmehlkörnchen sich gebildet hat.
Die vegetabilischen Substanzen sind keinesweges immer so
gleichförmig als die mineralischen. Salpeter ist Salpeter und
Kochsalz ist Kochsalz, es mag bereitet sein, wie man will
wenn es nur gehörig gereinigt ist. Dieses ist auch der F&U
mit manchen vegetabilischen Substanzen, z. B. mit Alkohol, den
vegetabilischen Säuren u. s. w. Bei andern ist schon diese
chemische Universalität, wie ich sagen möchte, nicht so grofs,
wie beim Zucker. In den meisten Fällen aber bilden die vege-
tabilischen Substanzen, ja die organischen überhaupt, nur Oat-
tungen und Arten. So sind die ätherischen Oele für jede
Pflanzenart verschieden, sogar die isomeren, so sind ^^ die
Harze, ja sogar die Schleime, ungeachtet sie wenig aufl^allende
347
Kennzeichen haben, zeigen sich doch in ihren Eigenschaften
für jede Pflanzenart etwas anders. Eben so ist es auch mit
dem Stärkmehl, denn so ähnlich die Arten desselben aus Wei-
zen, Kartofifeln und der Pfeil wurzel sind, so zeigt doch die
daraus gekochte Gallerte Verschiedenheiten; Kartoffelstärke
z. B. hat einen eigenen Geruch. Wir bringen also auch hier,
wie in der Naturgeschichte überhaupt, die Arten auf Gattun-
gen, die wir durch bestimmte Kennzeichen unterscheiden, und
so nennen wir Stärke alles, was ungeformt, oder in Körnern
sich zeigt, durch Jod blau gefärbt wird, und sich in Wasser,
wenn auch nur im warmen, auflösen lässt, aber nicht in Wein-
geist, Aether und Oelen. Der Althäeschleim gehört auch,
wenigstens zum Theil, zum Stärkmehl; er bildet; Körner, wel-
che durch Jod blau gefärbt werden, sich in kaltem Wasser
auflösen, und einen Schleim bilden, der ebenfalls die Jodtinctur
blau färbt. S. Icon. anat. bot. T. 16 F. 14 a. und b.
Es wundert mich, dass Payen keine Rücksicht auf den
Zellstoff der Kartoffeln genommen hat, der sich der Membran
der Lichenen zu nähern scheint. Mit Cetraria islandica ver-
hält es sich folgendermassen, wie ich es auch im dritten Hefte
der Ausgewählten anatom.-botan. Abbildungen T. .5 F. 1 und 3
(1841) habe darstellen lassen. Die äusserste Schicht, welche
meistens aus einer Intercellularsubstanz besteht, wird durch
Jod nicht gefärbt, die zweite Schicht aus sehr zarten dicht-
stehenden Röhren erleidet durch Jod eine starke Färbung und
wiederum die innerste sehr lockere, aus grösseren Röhren be-
stehende Schicht wird durch Jod nicht verändert. Anders ist
es bei Lobaria pulmonaria und Roccella tinctoria; hier wird
nämlich die äusserste Schicht nicht gefärbt, wohl aber die
innere sehr lockere aus ziemlich dicken Röhren bestehende
Schicht. Die zweite Schicht, welche sich in Cetraria islandica
blau färbte, fehlt hier gänzlich. S. im genannten Heft T. 5
F. 13 und T. 6 F. 5.
Die Entstehung neuer Zellen in Verhältniss zu den schon vor-
handenen kann man sich auf eine dreifache Weise denken. Ent-
weder die neuen Zellen entstehen an den Enden, Rändern, über-
haupt im Umfange der altern, oder sie entstehen zwischen den'ältern,
oder sie entstehen in den altern, so dass eine Mutterzelle reisst oder
auf eine andere Weise vernichtet wird, wodurch dann die neuern
348
hervortreten. Die letzte Eutstehungsart nimmt Hr. Schieiden an,
indem er die neuen Zeilen aus einem dunkeln Kern (Cytoblast),
den R. Brown in den jungen Zellen der Orchideen besonders
bemerkt hat, iinierhalb einer Mutterzelle entstehen lässt. In die-
ser Rücksicht habe ich einige Untersuchungen angestellt, und
was ich bemerkt, im 2. Heft der Icones selectae anat. bot.
(1840) T. 6 F. 1—8 abbihlen lassen. Die jungen Blätter sind
an den saftigen Pflanzen am leichtesten zu uniersuchen; die
Knospe ist nur eine runde Hervornigung des Stammes, an der
die Blätter wie kleine Körner stehen. Ein solches Blatt von
Sempervivum arboreum, 315mal im Durchmesser vergrössert,
zeigt F. 1, und die Spitze eines solchen Blattes 600mal ver-
grössert stellt F. 2 vor. Man sieht in der ersten Figur eine
trübe Materie in den Zellen, die F. 2 in den Zellen seihst
weniger deutlich ist, in der Endpapille aber gleichsam in einem
Schlauch versammelt erscheint. Diese Papille schwindet, wenn
das Blatt heranwächst. Die Hervorragung des Stammes selbst
mit den jungen Blättern, oder die Knospe findet sich F. 4
lOOmal vergrössert und F. 3 ISOmal vergrössert. In den Blät-
tern sieht man kaum eine fremde Materie; in der Hervorragung
des Stammes aber allerdings einen Kern, der nachher schwin-
det, jedoch nirgends eine Spur von Zellen innerhalb einer
andern. Wollte man das ganze junge Blatt eine Mutterzelle
nennen, insofern es mit einem Oberhäutchen (cuticula) um-
geben sein mag, so wäre dieses ein Wortspiel, indem dieses
Häutchen einreisst oder schwindet, und so die Zellen hervor-
treten lässt, auch gerade die einzelne Zelle sich darin von dem
Blatthäutchen unterscheidet, dass jene keine andere Zellen wie
dieses, umschliesst. F. 5 sieht man eine junge Knospe von
Quercus Robur. Es ist völlig derselbe Bau, wie an den saf-
tigen Pflanzen, eine Hervorragung des Astes, mit Blättern be-
setzt, die nur hier gekrümmt, dort grade sind. Zellen aus der
Hervorragung 780mal vergrössert, sieht man F. 6. Der grüne-
Stoff, Chlorophyll, zeigt sich deutlich, nur blassgrün, aber nir-
gends eine Zelle innerhalb einer andern. Alles dieses wird '
bestätigt durch die Vorstellung einer Knospe von Syringa vul-
garis, die sich erst im folgenden Jahre würde entwickelt haben,
F. 7, 131mal vergrössert, auch die einzelnen Zellen F. 8 ver-
halten sich wie vorher. Da nun im Innern der altern Zellen
349
dieser Pflanzen nie junge Zellen bemerkt werden, so kann
man Wohl behaupten, dass in diesen Pflanzen wenigstens eine
Vergrösserung des Zellgewebes durch Mutterzellen nicht ge-
schieht.
Eine vorläufige Antwort auf H. Mohl's Aufsatz über den
Bau der Ringge fasse von Dr. M. J, Schieiden findet sich
in Flora B. 23 S. 1. Es ist aber nöthig, theils zum Verständ-
niss des Gegenstandes überhaupt, theils auch, weil Meyens
Darstellungen höchst mangelhaft sind, auf das Jahr 1839 zu-
rück zu gehen. In derselben Zeitschrift B. 22 hat derselbe
Verf. Bemerkungen über Spiralbildungen in der Pflanzenzelle
bekannt gemacht. Die Pflanzenzellen, sagt er dort, einschliess-
lich der sogenannten Gefässe, aber mit Beseitigung der Milch-
saftgefässe, lassen in ihrem Leben zwei Perioden unterscheiden.
In der ersten, der ihrer Entstehung und isolirten selbständigen
Entwickelung, wächst die sie bildende Membran in ihrer gan-
zen Substcxnz durch Intussusception. Sobald sich aber die
Zellen zum Zellgewebe als constituirende Masse einer bestimm-
ten Pflanze oder ihrer Theile an einander geschlossen haben,
hört jene Art des Wachsthums entweder auf, oder tritt doch
sehr zurück. Auf jeden Fall aber tritt jetzt als neues und bei
weitem überwiegendes Moment hinzu, dass sich eine neue
Schicht auf die innere Fläche der Zellenwand ablagert, und
zwar durchaus allenthalben in der Form eines oder mehrerer
spiralförmig ganz dicht gewundener Bänder, so dass die Win-
dungen ohne Continuität unter einander, doch meist die ge-
naueste Contiguität zeigen. Ursprünglich, meint der Verf., wären
immer zwei Bänder zugleich enthalten, einem aufsteigenden
und einem absteigenden Strome des schleimigen Bildungsstof-
fes gemäss. Der Verf. betrachtet nun zuerst den Fall, wo
die Zelle zu der Zeit, wenn die Verdickung ihrer Wand
durch spiralige Ablagerung beginnt, ihre völlige Ausdehnung
noch nicht erreicht. Hier finden nun folgende Fälle Statt.
ö) Einfache Fiber (in dem oben angegebenen Sinne doppelt).
Die Zelle dehnt sich vom Augenblick ihrer Entstehung nocli
bedeutend aus, einzelne Windungen verwachsen früh, andere
zerreissen, Ringgefässe. Weiter unten drückt sich der Verf.
bestimmter dahin aus, dass diese Zerreissung oder Trennung
durch eine Resorption geschehe, h) Einfache oder mehrfache
350
Fiber, noch ziemlich bedeutende Ausdehnung der Zelle, geringe
oder noch gar keine Verwachsung mit der Zellenwand. Ab-
rollbare Spiralgefässe mit weiten Windungen, c) Einfache oder
mehrfache Fiber, noch ziemlich bedeutende Ausdehnung der
Zellenwand; meist innige Verwachsung mit derselben. Engge-
wundene (nicht?) abrollbare Spiralgefässe, falsche Tracheen
und zum Theil die gestreiften und Treppengefässe der altern
Schriftsteller, d) Mehrfache Fiber, massige Ausdehnung der
Zelle, Verwachsung einzelner Stellen der Windungen unter
einander, meist auch mit der Zellenwand. Die ganze Reihe der
Formen von den sogenannten verästelten Spiralgefässen bis zu
den netzförmigen. Auch hieher gehört ein Theil der gestreif-
ten und Treppengefässe der Alten. Hierauf wendet sich der
Verf. zum zweiten Fall und sagt: Hat aber die Zelle zu der
Zeit, wenn ?ich die spiraligen Ablagerungen zu bilden anfan-
gen, bereits ihre vollständige Ausdehnung erreicht, so tritt ein
neuer höchst wunderbarer Umstand hinzu, dass nämlich der
Entstehung der Ablagerungen die Bildung von Luftbläschen
auf der Aussenwand der Zelle zwischen ihr und der benach-
barten vorhergeht, und die sich bildenden eng aufeinander lie-
genden und meist sehr schnell unter einander verwachsenden
Windungen an der Stelle, die im Innern jenen Luftbläschen
entspricht, spaltenartig von einander weichen. Zu dieser Ab-
theilung gehören nun alle porösen Zellen und Gefässe, aber
ebenfalls auch ein Theil der frühern gestreiften und Treppen-
gefässe, die dann nur durch die Länge der Porenspalte von
den sogenannten porösen verschieden sind. Weiter kommt der
Verf. auf die Unterschiede der Zellen der Form nach, die von
der kleinen kugligen zu der sehr ausgedehnten übergehe. Da-
durch entstehen nach seiner Meinung die Gefässe, indem die
Zwischenwände der Zellen resorbirt werden, auch werde die
wirkliche Durchlöcherung der primären Membran in den Blatt-
zellen vonSphagnum durch Resorption hervorgebracht. Ferner
setzt der Verf. hinzu, es bleibe nicht immer bei einer Abla-
gerung, sondern diese wiederholen sich oft und zwar entweder
so, dass sie auf einander treffen, wodurch die breiten Platten
in den Sphagnum-Zellen entstehen, oder so, dass dieses nicht
der Fall ist, wodurch die Poren in Taxus haccata hervorge-
bracht werden. — Früher befindet sich eine Abhandlung von
351
H. Mohl in demselben Journal B. 22 S. 81 f., über den Bau
der vegetabilischen Zellenmembran, welche besonders
gegen Meyen und dessen Aleinung gerichtet ist, dass die Zel-
lenniembran aus Spiralfasern gebildet sei. Er setzt darin bei-
läufig auch seine Meinung auseinander, dass die Fasern und
Tüpfel der Zellen von einer secundären auf die äusserste Mem-
bran abgelagert sind, in manchen Fällen sogar von einer ter-
tiären Membran herrühren. Er glaubt, es befolge der Bil-
dungsprocess der einfachen, besonders der secundären Zel-
lenmembran die Regel, dass die organische Substanz sich
nicht vollkommen gleichförmig,' sondern an einzelnen Stellen
in grösserer, an andern in geringerer Menge ablagere, und
wenn diese ungleichförmige Ablagerung an einzelnen Stellen
in grössern Massen stattfinde, zwischen den Ablagerungen
aber ganz fehle, diese starken Ablagerungen entweder (beson-
ders in langgestreckten Zellen) in der Richtung einer Spirale,
oder (besonders bei kürzern Zellen) in der Richtung der Fä-
den eines Netzes vor sich gehen. — In demselben Bande S. 673
ist noch eine Abhandlung von H. Mohl über die Ringge-
fässe und zwar gegen Schleidens Meinung, welcher behauptet
hatte (wie schon oben erwähnt), dass den Ringgefässen abroll-
bare Spiralgefässe zum Grunde liegen, deren Fasern je zwei
Windungen mit einander zu geschlossenen Ringen verwachsen,
welche später durch Resorption der zwischenliegenden spiral-
förmigen Faserstücke isolirt werden. Ich habe, sagt H. Mohl,
in der Abhandlung über den Bau der vegetabilischen Zellen-
membran die Gründe auseinander gesetzt, welche dafür spre-
chen, dass den secundären Zellenmembranen eine fasrige Stru-
ctur zukomme, welche sich durch Streifung und durch grössere
Zerreissbarkeit in spiraliger Richtung, durch Vertiefungen und
Furchen, welche in derselben Richtung, und in höherem Grade
durch Spalten, welche die ganze Dicke der Zellenmembran durch-
dringen, ausspreche. Er findet nun den Bau der Faser, welche
die Ringgefässe bildet, dem Bau der Spiralfaser ganz analog,
er zeigt, dass sich besonders da, wo sich die Ringe einander
nahe stehen, auf ihren Oberflächen Theilungslinien, seichtere
oder tiefere Furchen, zeigen, welche aber hier den Rändern ganz
iparallel sind, und dass in andern Fällen, wo sie entfernter sind
;eine regelmässige Spiralfaser zwischen ihnen verläuft, die sich
352
den Ringen anschliesst oder nicht. Schon diese Darstellung muss |
gegen Schleidcns Theorie Zweifel erregen. Ein Hauptgrund
ist aber die Untersuchung von Tradescantia tuberosa, worauf
Hr. Schi, sich beruft, besonders der Wurzeln, wo in den ersten
Zuständen, in welchen sich die Fasern zeigen, diese schon die-
selben Formverschiedenheiten, als Ring- und Spiralfasern haben
wie in den spätem Zuständen. — Hierauf folgt nun die vor-
läufige, im Anfange dieses Absatzes angeführte Antwort von
Hrn. Schi ei den. Er glaube, sagt er, in seinen Beobachtungen
nicht geirrt, sondern wirkliche Uebergangsstufen gesehen zu
haben, indem z. B. der stehenbleibende Ring sich durch Schärfe
der Zeichnung, Festigkeit und Klarkeit der Substanz wesent-
lich von dem gelblichen, gallertartigen, an den Rändern aus-
gefressenen und verwischten, in der Auflösung begriffenen
Uebergangsstücke der Spirale unterscheiden lasse. Einige von
Mohl gezeichnete Ringfasern mit Spiralfasern rechnet er zu
den netzförmigen Geweben. Ich möchte aber überhaupt, s«gt
er, auch den Schluss von den entwickelten Formen auf die
Entstehungsgeschichte als höchst misslich ansprechen, denn es
kann Mohl nicht entgangen sein, dass sich nach Bildung der
Grundspirale in gar manchen Fällen noch secundäre Fasern
als Verbindungsglieder entwickeln, die aus einer ganz andern
Substanz bestehend (weil auflöslich durch Kochen in Aetzkali)
doch scheinbar nicht von der Spirale unterschieden sind, und
die Erkennung der Grundspirale unendlich erschweren. Für
eine solche secundäre Verbindungsart möchte er eine in
Mohls Figuren abgebildete halten. Was mich besonders be-
wegt, sagt Hr. Schi, am Ende, bis jetzt noch an meinen An-
sichten festzuhalten, ist die philosophische Nothwendigkeit in
ächter Naturforschung, die Zahl der Erklärungsgründe so lange
zu beschränken, als nicht die Unmöglichkeit, eine Erscheinung
auf einen alten zurückzuführen, unabweisbar einen neuen fordert.
Hrn. Schleidens Theorie über die Spiralbildungen in den
Pflanzen ist eine Hypothese. Die Erklärung der verschiedenen
Formen dieser Bildungen aus dem Verhältniss ihrer Entstehung
zum Anwachsen der Zelle ist bequem ausgedacht, wenn sie
nur erwiesen wäre. Aber die wunderbaren Luftblasen, welche*
Spalten und Poren machen sollen, scheinen willkürlich erdacht;
kein anderer Untersucher hat davon eine Spur gesehen. Wie
353
sollen Luftblasen regelmässige Gebilde hervorbringen, und wie
geht es zu, dass die Luftblasen nicht auf beiden Seiten gleich-
massig wirken? woher kommen die Luftblasen? Solche Fragen
Hessen sich in Menge aufwerfen. Eben so wenig ist es glaub-
lich, dass Gefässe durch resorbirte Zellenwände entstehen;
gerade in der Jugend zeigen sie solche Wände in der Regel
nicht. Der Verf. lässt gern Resorption wirken, vermuthlich
will er sagen, Auflösung, Schmelzung oder dergleichen, denn
resorbirende oder absorbirende Gefässe giebt es bekanntlich
im Pflanzenreiche nicht. Wenn Herr Schieiden sagt, es sei ein
ächtphilosophischer Satz, die Zahl der Erklärungsgründe zu
beschränken, so hat er recht, wenn die Gründe völlig zurei-
chen. So wandte Newton ihn an, um auszudrücken, dass man
zur Erklärung der Bewegungen der Himmelskörper keiner an-
deren Erklärungsgründe bedürfe, als der von ihm gegebenen.
Aber es wäre wahrlich sehr unphilosophisch, ihn so weit zu
treiben wie der Verf. Denn wie kann man in Erfahrungs-
wissenschaften die Unmöglichkeit darthun, dass eine Erfahrung
auf einen alten Erklärungsgrund sich nicht zurückführen lasse,
besonders wenn man sich die Erlaubniss nimmt, hypothetische
Grundlagen zu machen, wie hier eine Ablagerung in Spiralen?
Besonders Herrn Dutrochet und den Mechanikern möchte ein
solcher Grundsatz sehr willkommen sein.
Herr Schieiden führt im Anfange seiner Abhandlung im
22. Bande der Flora meine früheren Meinungen über die spi-
ralförmigen Bildungen in den Pflanzen an, um sie unrichtig zu
finden. Darin hat er sehr Recht, denn ich habe sie selbst un-
richtig gefunden. Ferner sagt er: „Link ist in seiner neuesten
Ausgabe dsr Philosophia botanica noch weit davon entfernt,
alle hierher gehörigen Thatsachen zu verstehen, und unter dem
richtigen Gesichtspunkt zusammenzustellen." Darin mag er
ebenfalls sehr Recht haben, denn ich bin sehr weit von dem
Dünkel entfernt, als hätte ich die Natur völlig richtig ver-
standen.
Eine kleine Streitigkeit zwischen Mohl und Schieiden über
Rechts- und Linksdrehen der Spiralfasern ist oben nicht ange-
führt, weil Hr. Schi, im Anfange der vorläufigen Antwort seine
Behauptung zurücknimmt, und sich sogar der Gedankenlosig-
keit in diesem Falle beschuldigt.
Archiv f. Naturgesch. VII. Jahr^. 2. Band. 23
354
Herr Mohl sagt, Flora B. 22 S. 676: „Dass die Faser der
Spiralgefässe kein eigenthiimliches, für sich bestehendes Gebilde
ist, sondern als die in spiralförmiger Richtung in ein oder in
mehrere parallel laufende Bänder getheilte secundäre Mem-
bran des Gefässschlauches betrachtet werden muss, darüber
kann für den, Avelcher die Entwickelungsgeschichte der Spiral-
gefässe und der Spiralzellen untersuchte, und die durchgreifende
Analogie dieser beiden Bildungen unter einander und mit den ge-
tüpfelten Zellen erkannte, kein Zweifel Statt finden." Ich frage:
"War die Membran bei ihrer ersten Bildung zusammenhängend
und geschah die Trennung in Fasern erst später? Sagt man
Ja, so verlange ich Beweise für diese spätere Trennung. Sagt
man Nein, und nimmt man die Faser als von der nächsten
getrennt an, gleich bei der ersten Bildung, so frage ich weiter:
Was ist denn für ein Unterschied, ob ich sage: die Faser ist
ein eigenthümliches , für sich bestehendes Gewebe, oder: eine
Membran ist eigenthümlich und primitiv in Fasern getrennt?
Das Wort Ablagern erklärt nichts, vielmehr hat es die uner-
wiesene, unwahrscheinliche Nebenbedeutung, als ob die Bil-
dung der Faser und der Membran ein blosser Niederschlag sei.
Wenn aber auch die Faser etwas platt gedrückt ist, so
hat sie doch keine Aehnlichkeit mit den Theilen einer Mem-
bran. Denn in sehr jungen Wurzeln sehe ich schon die zar-
ten Fasern der Spiralgefässe bei löOOmaliger Vergrösserung
an den Rändern deutlich abgerundet. Die umhüllende äussere
Membran ist dann noch so zart, dass man sie nicht gewahr
wird. Ich möchte es umkehren und sagen: Wer die Entwicke-
lungsgeschichte der Spiralgefässe und der Spiralzellen unter-
sucht, muss die Faser für ein eigenthümliches, für sich beste-
hendes Gebilde erklären. Was die Poren betrifft, so glaubte
ich mit Mohl, dass die Oeffnung mit einer zarten Haut über-
zogen sei, und da ich nicht einsah, wie ein zweiter Absatz
gewisse Stellen verschonen könne, so meinte ich, die Stellen
wären Bläschen, wie man sie im Glase sieht. Das war eine
blosse Vermuthung. Mein Zeichner läugnete immer jene Mem-
bran. Endlich hoffte ich ihn zu überzeugen; wir sahen sie
gefärbt, wie sie Icon. select. F. 1 t. 5 f. 6, 7 dargestellt ist.
Aber nachher habe ich nichts dergleichen gesehen, luid das
Mikroskop, welches ich gebraucht hatte, färbte die Gegenstände
355
unter gewissen Umständen. Herr Schmidt hält noch immer die
Poren für ganz durchgehend, und wenn wir verschiedener
Meinung sind, wird mir die meinige, als vorgefasst, verdächtig.
Ferner sah ich nicht selten, besonders am Rande jener
Poren, dass mehr Membranen von derselben Art über ein-
ander lagen. In den Baströhren ist dieses oft sehr deutlich, s.
Icon. an. bot. F. 1 t. 6 f. 15. Dass die Ablagerungen von dem
Membranengebilde verschieden sind, zeigen Payens Versuche.
Die Spiralfaser gehört zum Membranengebilde, weil sie durch
Kochen mit kaustischem Kali oderNatrum nicht aufgelöst wird.
Mohl hat sich viel Mühe gegeben, Meyens Behauptung,
dass die Pflanzenmembran aus Spiralfasern gebildet sei, zu
widerlegen. Das war sie schon an und für sich, weil man an
der bei weitem grössten Menge von Membranen im Pflanzen-
reiche eine solche Zusammensetzung nicht bemerkt. Ich sagte
ihm sogleich, ich fände an den Luftwurzeln seiner Stelis nicht,
was er wolle. Dass viele Pflanzentheile eine Neigung haben,
in einer Schraubenlinie zu reissen, ist sehr merkwürdig, aber
dieses ist grade bei dickern Theilen, z. B. alten porösen Ge-
fässcn und sogar bei Rinden, z. B. bei der Birkenrinde der
Fall. Man braucht also nicht auf eine Molekularstelluug mit
Mohl zurückzugehen, die wir den Physikern überlassen wol-
len. Und wenn die Membran noch so dünn wäre, so wäre
es doch am einfachsten, noch dünnere Stellen anzunehmen, an
denen die Membranen reissen.
Es ist sehr richtig, dass zwischen Gefässen und Zellen im
Pflanzenreiche kein bestimmter und scharfer Unterschied sei,
aber für die Wissenschaft müssen wir den Unterschied im
Ausdruck beibehalten, um nicht in Verwirrung zu gerathen.
Wenn man die äussern Theile einer Grasblüthe Bracteen nennen
wollte, oder gar Blätter, weil sie in der That Bracteen und
zuletzt Blätter sind; welche Verwirrung würde entstehen und
wie viel Worte würde man nöthig haben, um deutlich zu
machen, welche Bracteen, oder welches Blatt man meine ! Ras-
pail hat wirklich solche Beschreibungen von Gräsern gemacht,
die nur darum keine Verwirrung hervorbrächten, weil man
keine Rücksicht darauf nahm.
Die eigenen Gefässe aus dem Kelche von Chelidonium
23*
356
majus habe ich im 2. Heft der Jcon. sei. anat. bot. t. 6 f. 1 (1840)
abbilden lassen. Die beigesetzten Pfeile zeigen die Richtung
der Strömung. Es erhellt daraus, dass die Strömung nicht
immer von dem Ausfliessen des Saftes aus den abgerissenen
Theilen herrührt, wie noch viele glauben, und wie es auch oft
der Fall ist, denn sie geht hier keinesweges nach aussen, son-
dern vielmehr von aussen nach innen. Da der Kelch von Che-
lidonium sehr dünn ist, so darf man nur das Blättchen, ohne
einen Schnitt zu machen, abreissen, wo dann auch nur eine
kleine Stelle übrig bleibt, woraus der Saft fliessen könnte.
Diese von Herrn Schultz entdeckte Bewegung ist also gewiss
eine eigenthümliche, und wird leicht gesehen, ohne dass man
nöthig hat, die Beobachtung im Sonnenschein anzustellen. Denn
die Bewegung, welche man im Sonnenschein, besonders aber
an abgerrissenen Blättern sieht, ist eine optische Täuschung, und
die Strömung lässt sich willkürlich nach einer oder der an-
dern Seite richten, nachdem man den Spiegel dreht. Hievon
überzeugte mich Prof. Amici bei der Versammlung der Natur-
forscher zu Pisa im Herbst 1839. Die flimmernde Bewegung,
welche man mit dieser zugleich sieht, mag wohl ebenfalls von
«iner optischen Täuschung herrühren.
Diese eigenen Gefässe, die man wohl im Lateinischen vasa
laticifera nennen könnte, sind also in Chelidonium majus keines-
weges immer einfach, wie ich vormals geglaubt habe, sondern auch
ästig. Einfach sind sie allerdings in der Nähe der Blattnerven,
der Rinde der Wurzel und im Holze des Stammes, und so
auch Icon. an. bot. t. 14 f. 6, 7, 8 vorgestellt worden. Es
scheint mir jetzt, dass man die Aestigkeit als ein Hauptkenn-
zeichen dieser Gefässe aufstellen könne, wodurch sie sich von
allen andern Gefässen unterscheiden, auch wenn sie keinen
gefärbten Saft haben. Aber man muss diese Gefässe nicht
mit den laugen Zellen oder den Gefässen in dem (die Holz-
bündel) begleitenden Gewebe verwechseln, die niemals ästig
sind, nie einen gefärbten Saft führen, und in denen man nie-
mals eine Saftbewegung beuierkt hat, wie doch von vielen ge-
schehen, ja sogar noch immer geschieht. Zu diesem Irrthum ist
man gekommen, weil man die eigenen Gefässe nur in der Nähe
der Holzbündel des Stammes und der Blattnerven untersucht
357
hat, wo sie gerade, einfach und allerdings den Bastgefassen
oder Fasergefässen sehr ähnlich sind. Man darf sie aber nur
in den flachen Theilen und entfernt von den Nerven unter-
suchen, um ihre gebogene, ästige Bildung bald zu finden.
Spaltöffnungen (stomatia) sind in demselben zweiten
Heft der Icon. sei. F. 2 (1840) T. 4 und 5 abgebildet. Zuerst
Spaltöffnungen von ziemlich gewöhnlicher Form, nämlich au&
zwei gebogeneu Zellen bestehend, die eine spaltenförmige Oeff-
nung zwischen sich lassen, und von einer oder mehreren ring-
förmigen Zellen umgeben sind; F. 8 von Epiphyllum Phyllan-
thus, F. 9 und 10 von Opuntia vulgaris, F. 11 von Cereus
flabelliformis. Das Chlorophyll bildet F. 9 und 10 einen läng-
lichen Körper. Aa Rhipsalis salicornioides F. 7 besteht die
Umgebung aus mehren in einen Kreis gestellten Zellen, und
daselbst sieht man auch die innern gebogenen Zellen in einen
schmalen Ring verwachsen. Von derselben Form sind auch
die Spaltöffnungen der Hakea pugioniformis, aber man sieht
an ihnen auch sehr oft, doch nicht immer, eine Verhüllung, wie
es scheint, von einer abgesonderten Materie, welche die Spalt-
öffnung ganz oder zum Theil überzieht. F, 3 der vierten Ta-
fel zeigt eine ganz freie und eine halb verhüllte Spaltöffnung,
F. 4 aber eine fast ganz verhüllte. Noch deutlicher sieht maa
diese Verhüllung oder vielmehr eine Verstopfung der Spalte
an den Spaltöffnungen auf den Blättern der Coniferen. T. 5 F. 6
von Cunninghamia sinensis, F. 7 von Picea excelsa, F. 8 von
Picea alba. Freie und verstopfte Spaltöffnungen zugleich
findet man auf den Blättern von Araucaria excelsa F. 2 und
Araucaria imbricata F 4. Wenn man die Blätter mit Wasser
kocht, so werden die Spaltöffnungen frei, wie man an der
Spaltöffnung von Araucaria imbricata F. 5 sehen kann. Kochen
mit Weingeist bewirkt dieses wenigstens nicht so leicht; mir
ist es gar nicht gelungen. Ich habe immer daran gezweifelt,
dass die Spaltöffnungen die Luftlöcher der Pflanzen und also
die Respirationswerkzeuge sein sollten. Ich finde die Verbin-
dungen zwischen den Spaltöffnungen und den Lücken im Zell-
gewebe der Blätter nicht deutlich; es scheint mir sonderbar,
dass Organe von einem so ausgezeichneten Bau zu blossen
Lücken im Zellgewebe führen sollten, und endlich bewogen
mich auch die verstopfenden und verhüllenden Stoffe, sie für
358
Secretionsorgane zu halten*). Doch lasse ich die Sache in
Zweifel, denn wenn man mich fragt: was von den Spaltöffnun-
gen abgesondert werde, an denen man solche Verstopfungen
nicht bemerkt, so gestehe ich, dass ich es nicht weiss. Aller-
dings hat man viel von geöffneten und verschlossenen Spalt-
öffnungen geredet, ich selbst, und es wäre wohl möglich, dass
man die verstopften Spaltöffnungen für geschlossene gehalten
hätte.
Doch wir wollen hierüber "Herrn Schieiden hören: „Ver-
gebens (sagt er in den Harmlosen Bemerkungen über die Na-
tur der Spaltöffnungen in Wiegmann's Archiv der Naturgeschichte
für 1838, B. 1 S. 57) habe ich nach einer Thatsache geforscht,
wodurch man auch nur wahrscheinlich machen könnte, dass
jene Sekretionen mehr von den Ausdünstungen der angeblichen
Drüsenzellen als von denen der andern Parenchymzellen, be-
sonders von denen herrühren, die unmittelbar an die Höhlung
grenzen, in welche die Spaltöffntnig hineinführt, und mir scheint
die angebliche Funktion auf dem jetzigen Standpunkte der Wis-
senschaft eine blosse petitio principii zu sein. Nehmen ^vir
z.B. die Coniferen. Hier finde ich Harz auf der Spaltöffnung;
wenn ich dieses durch ätherisches Oel entferne, zeigt sich die
Spaltöffnung immer weit klaffend, dann finde ich darunter eine
Höhle, die (die beiden Spaltzellen eingeschlossen) von lauter
Zellen umgeben ist, die Gummi, Schleim, etwas Stärke, Chlo-
rophyll, aber keine Spur von Harz oder Terpentin enthalten,
dagegen finde ich viel tiefer im Parenchym grosse Terpentin-
gänge, und schliesse nun, dass das flüchtige Terpentinöl aus
jenen Gängen in Durtstform austritt, den Intercellulargängen
folgend in jene Höhlungen gelangt, und von hier sich vermit-
telst der Spaltöffnungen in die Atmosphäre verflüchtigt, wobei
es, wie seine Natur es mit sich bringt, eine gewisse Quantität
Harz zurücklässt. Dieser Schluss scheint mir natürlich, wenn
man dagegen mit einem Male ganz willkürlich und von jenen
ganz gleichen, mit Grün gefüllten Zellen zwei auswählt und
etwa, weil sie mehr nach aussen liegen, zu Harz absondernden
Drüsen macht, so sehe ich eigentlich nicht ein, mit welchem
*) Von einem Streite zwischen Dutrochet mid Delile, diesen Ge-
genstand berührend, wird im Jahresbericht für 1841 die Rede sein.
359
Handbuch der Logik man das rechtfertigen will." Grün finde
ich die Zellen unter dem harzigen Ueberzuge der Cisten und
vieler andrer Pflanzen. Und wie das Terpentinöl, welches aus
den Terpentingängen schon in Dunstform austreten soll, in der
Spaltöffnung Harz zurücklassen kann, begreife ich nicht. Uebn-
gens freue ich mich, meinem Freunde Berzelius etwas ähnlich
zu sein. Allerdings ist er um so mehr geschimpft worden, als
er grösser ist als ich.
In der Tijdschrift voor natuurlijke Geschiedenis en Physio-
logie door van der Hoeven en de Vriese, Leiden 1840, befinden
sich p.l85MikrometrischeBepalingenen mikroskopische
Aantekningen door P. Harting. Es sind gar viele mikrometrische
Bestimmungen von vegetabilischen Gegenständen in dieser Ab-
handlung enthalten, von denen ich nur einige anführen will,
weil sonst die ganze Tabelle müsste hergesetzt werden. Sie
sind in Zehntausendtheilen eines Millimeters gegeben. Die
kleinsten Spiralgefässe (spiralbuizen) aus der chalaza eines seit
wenigen Tagen befruchteten Eichens halten 33 Z.; die dick-
sten aus dem einjährigen Zweige von Sambucus nigra 425, die
dünnsten ebendaher 140; die Spiralfaser aus jenen, den dick-
sten 39, aus diesen, den dünnsten 27. Der mittlere Durch-
messer der Tüpfel an den getüpfelten Spiralgefässen aus dem-
selben Zweig 48. Ringe von einem Ringgefässe in demselben
Zweige im mittleren Durchmesser 38. Spaltöffnung von einem
nüttelmässig grossen Blatt von Lilium candidum, mittlere Länge
712, mittlere Breite 520, mittlere Länge der Spalte 420, mitt-
lere Breite 123 ; Spaltöffnung von einem ausgewachsenen Blatte
von Leontodon Tar^wacum, mittlere Länge 230, mittlere
Breite 130; Spaltöffnung von einem ausgewachsenen Blättchen
von Lemna minor, mittlere Länge 192, mittlere Breite 160,
mittlere Länge der Spalte 142, mittlere Breite 90. Pollenkörner
von Malva rotundifolia 1341; von Lilium candidum mittlere
Länge 925, mittlere Breite 392; von Lathyrus odoratus mittlere
Länge 517, mittlere Breite 283; von Salix alba mittlere Länge
272, mittlere Breite 126; von Lamium purpureum mittlere
Länge 412, mittlere Breite 248; Lamium album mittlere Länge
308, mittlere Breite 202; von Aconitum Napellus mittlere
Länge 83, mittlere Breite 47. Chlorophyllkörner aus dem Blatte
von Sambucus nigra, mittlerer Durchmesser 50, von Chelidonium
360
majus55, von Sedum Telephium 67, Geranium robertianum 52,
von Malva rotundifolia 51, von Iris Pseiidacorus 42, von Li-
lium candidum 30, von Georgina variabiiis 34; Dicke der La-
gen eines Amylumkornes aus den Kartoffeln 8 — 30. Wenn
sich auch bei mikrometrischen Messungen immer einige Un-
sicherheit findet, so bleiben doch die Angaben als Verhält-
nisszahlen sehr schätzbar, und es ist darum auch sehr zweck-
mässig, wenn derselbe Beobachter nüt demselben Instrumente
recht viele liefert. Die Zahl der thierlschen gemessenen Ge-
genstände ist viel grösser als der pflanzlichen, ich bemerke
nur, dass die Blutkügelchen (bloedshyfjes, Blutscheibchen nennt
sie der Verf. mit einem neuen holländischen Worte) fast von
allen Thieren grösser sind, als die Chlorophyllkörner, dagegen
sind die Muskelfasern der Thiere in der Regel diiimor als die
Spiralfasem.
Eine Erwähnung verdient noch zu Ende dieses Artikels
die Erfindung von Hrn. Boucherie, dem Holz nutzbare Eigen-
schaften dadurch zu geben, dass man verschiedene Flüssigkei-
ten davon einsaugen lässt. S. Comptes rendus p. 1840, T, 1
p. 686. Durch die bekannten Versuche, gefärbte Flüssigkeiten
in den Gefassen der Pflanzen aufsteigen zu lassen, wurde er
auf den Gedanken gebracht, diese Versuche, welche bisher nur
für die Wissenschaft angestellt wurden, zum allgemeinen Nutzen
anzuwenden, oder wie er sich ausdrückt, aus der Lebenskraft
eine industrielle Kraft zu machen. Die Operation wird an
einem noch aufrecht stehenden Baume angestellt, denn indem
man einen Querschnitt macht, um die Saftgefässe mit den Auf-
lösungen in Verbindung zu bringen, die der Baum einsaugen
soll, kann man an zwei entgegengesetzten Punkten genug Holz
stehen lassen, dass der Baum seine vertikale Lage behält. Wenn
man den Baum ganz von seinem Uuterstock (de sa souche)
trennt, so nimmt die absorbirende Kraft von dem Augenblicke
des Abhauens ab ; indessen nach zwei Tagen und vielleicht län-
ger kann man davon noch Gebrauch machen. Sie ist übrigens
verschieden zu verschiedenen Jahreszeiten ; im Herbst ist sie am
stärksten. Auch ist die Quantität der Flüssigkeiten, welche ab-
sorbirt werden, sehr verschieden, doch werden im Allgemeinen,
die neutralen Verbindungen in grösserer Menge aufgenommen
als die Säuren ujid alkalischen. Um das Holz haltbar zu machen,
361
lässt er den Braunkohlentheer (pyro-lignite de fer) einsaugen,
um aber dem Holze eine grössere Biegsamkeit und Elasticität
zu geben, bedient er sich der Auflösungen von zerfliessenden
Chloriiren, und eben diese sind auch am zvveckmässigsten, um zu
verhindern, dass sich das Holz nicht wirft; ja sie dienen auch
dazu, um das Holz weniger verbrennlich Zu machen. Das Fär-
ben des Holzes geschieht mit mineralischen oder vegetabilischen
Stoffen. Im ersten Falle muss man nicht die schon gefärbte
Flüssigkeit einsaugen lassen, sondern zwei Flüssigkeiten nach
einander, welche durch ihre wechselseitige Zersetzung sich fär-
ben, so z. B. wenn man blau färben will, zuerst ein Eisensalz
und dann Cyaneisenkalium. Gefärbte vegetabilische Flüssigkei-
ten werden nicht aufgenommen; gewisse Hölzer sogar nehmen
nichts davon auf. Diese praktische Anwendungen bestätigen
gar sehr die jetzt fast aligemein angenommene Theorie vom
Aufsteigen des Saftes in den Pflanzen.
Von der Bildung der Gefässe und Zellen ist noch weiter
unten die Rede, besonders bei Gelegenheit der Abhandlung von
ü. Don über die Cycadeen und von Schieiden über die Cacteen.
Stamm, Blätter, Knospen.
Für die Kenntniss des Stammes ist ein 'ausführliches Werk
erschienen, welches die Aufmerksamkeit der Forscher gar sehr
verdient: lieber den Bau und das Wachsthum des
Dikotyledonen-Stammes, eine von der Kaiserlichen Aka-
demie der Wissenschaften zu St. Petersburg mit dem Accessit
gekrönte Preisschrift von Dr. Fr. Unger, St. Petersb. 1840. 4.
204 S. 16 Tafeln. ^Vir wollen dem Verf, der sicli schon sehr
um die Pflanzen-Physiologie verdient gemacht hat, so viel als
es der Raum verstattet, folgen. Er giebt zuerst die gewöhn-
liche Eintheilung des Stammes in Mark, Holz und Rinde an.
Das Holz theilt er wiederum ein in die Markscheide, das eigent-
liche Holz, wovon das reife oder Kern-Holz von dem Splint
sich wenig unterscheidet und die Cambiumschicht, die er als
eine Schicht von zartem Zellgewebe bezeichnet. Die Rinde
wird ebenfalls eingetheilt in die Oberhaut, Korkschicht und die
zellige Hülle; die letztere enthalte Chlorophyllkörner und sei
es, welche die Markstrahlen bilde. Dann folgt eine Geschichte
der Theorien über das Wachsthum der Dikotyledonen. Von
362
der Darstellung der Meinungen Anderer will ich nichts sagen;
die meinige hat er ganz verfehlt. Nachdem er eine ältere, mit der
spätem unverträgliche Meinung von mir S. 19 angeführt, finde
ich S. 27 folgendes : „Dass der Stamm durch die Knospen ge-
wachsen, d. i. dass die neuen Holzlagen ein Product der Knos-
pen seien, meint sowohl Link als Meyen. Ersterer sagt (El.
Phil. bot. Ed. 2. 261), man könne mit blossen Augen sehen,
wie eine Holzschicht aus der Knospe in den unterliegenden
Ast eintrete und sich an dessen Holz anlege, ja bei Vergrösse-
rung bemerke man sogar junge Spiralgefässe u. s. w. in den
Ast eindringen." Hätte der Verf. sich die Mühe gegeben, die
Stelle zu lesen, so würde er gesehen haben, dass ich zwar
behaupte, es gehen Gefässe mit Zellgewebe aus der Knospe
in den Ast hinab, aber nicht, es werde dadurch die ganze
neue Holzschicht gebildet, sondern diese wachse auch seit-
wärts an, so dass sich die Gefässe einander gleichsam ein-
impfen. Die Art, wie dieses geschieht, habe ich nicht allein
umständlich beschrieben, sondern auch auf der 7. Tafel der
Jcon. anat. bot. F. 1 T. 7 F. 6 — 12 dargestellt. S. 111 kommt
er auf meine ältere Meinung zurück und führt sorgfältig an,
wer sie widerlegt hat. Dann setzt er S, 112 hinzu: „Letzlich hat
Link seine Ansicht dahin geändert, dass er die Spiralgefässe
in der Nähe des Markes für unveränderlich erklärt, wie diess
Mirbel und andere gezeigt hatten. Er selbst führt als Beispiel
die Erle an, welche nach 40 Jahren dieselben Gefässe zeigt,
die sie anfangs hatte." Das ist alles, was er von meiner Dar-
stellung sagt, so sehr hat er sie verstümmelt. Auch sagt er
S. 121 : „Link zählt die Cambiumschichten zum Bast und nennt
sie inner'n Bast." Er führt dazu El. Ph. bot. 1837 p. 277 an.
Dort steht davon kein Wort, auch ist es mir nie eingefallen,
der"-leichen zu sagen. Es ist a. a. O. vom Saft die Rede, den
ich wohl vom Cambium unterscheide. Doch dieses soll auf
das Folgende keinen Einfluss haben. Der dritte Abschnitt
handelt von dem Bau und dem Wachsthume der Aloineen.
Er fängt mit diesen an, weil sie mit den Dikotyledonen in ihrem
Baue die grösste Aehnlichkeit haben, indem der Stamm aus
Rinde, Holzkörper und Mark besteht. Aus seinen Untersuchun-
gen, besonders über Dracaena ferrea, zieht "der Verf. nach-
stehende Folgerungen: 1. Den Gefässbündeln liegt ursprünglich
363
eine gleichartige Gewebsmasse zum Grunde, die zum Zellsystem
gehört, und sich dadurch auszeichnet, dass ihre gestreckten
Zellen einen mehr oder weniger trüblichen Saft führen. 2. Die
Entvvickelung der Gefassbündel erfolgt dem ganzen Verlaufe
nach betrachtet nicht durchaus gleichförmig, sondern Theile
derselben vermögen sich höher auszubilden, während andere
in ihrer ursprünglichen Einfachheit verharren. 3. Der näm-
liche Wendepunkt der Entfaltung, von welchem aus nach bei-
den Richtungen hin eine vollkommenere Entwickelung der
Gefassbündel Statt findet, ist der Punkt, wo dieselben den
Stamm verlassen, zu dessen Bildung sie das Wesentliche bei-
trugen. 4. Zwischen dem Innern oder dem Stammtheile und
dem äussern, oder dem Blattheile des Gefassbündels in der
betrachteten Pflanze, bildet sich ein Gegensatz aus, der merk-
würdiger Weise nach gleichen Verhältnissen der Distanzen
vom Wendepunkte, nie das Gleiche, sondern nur das Aehnliche
hervorruft. 5. Für die JNatur der Elementartheile der Gefäss-
bündelanfänge, wie sie uns in der Cambiumschicht offen dar-
liegen, geht endlich hervor, dass der erste und wesentlichste An-
theil des Gefassbündels die eigenen Gefässe sind (der Verf. er-
klärt eigene Gefässe als bestehend aus dünnwandigen Zellen,
folglich gar verschieden von dem, was alle andern Botaniker
so nennen), indem sie nicht nur als die erst erscheinenden
Elementartheile derselben angesehen werden können, sondern
indem sie auch das Bleibendste sind, und bei allen Metamor-
phosen des Gefassbündels nie ganz verschwinden, und also durch
nichts ersetzt werden können. Die Beweise für diese Folge-
rungen muss ich ül)erlassen selbst herauszusuchen, IV. Ver-
gleichung der Gefässbündel-Entwickelung in ver-
schiedenen Monokotyledonen. Verlauf der Gefassbündel
in den Palmen nach iMohl, in den Aloineen, wo keine Zeräste-
lung, wie sie Mohi in den Palmen fand, und keine Verwach-
sung, wie sie Meneghini beschreibt, angenommen werden. Ver-
lauf und Verwachsung der Gefassbündel in der Ananas. Ver-
lauf und Verflechtung derselben in den Gräsern. V. Ueber
den Bau und die Entvvickelung der Piperaceen. Was
der Verf. Besonderes gefunden hat, mag hier mit dessen eignen
Worten vollständig gesagt sein In sämmtlichen Piperaceen ist
ein centrales Gefassbüudelsystem von einem peripherischen zu
364
unterscheiden, diese beiden Systeme bestehen aus parallelen,
durch den Stamm verlaufenden, und nirgends unter sich ana-
stomosirenden Gefassbiindeln. Die beiden Systeme vereinigen
sich in dem Knoten zu einem Fasernetze, aus welchem Knos-
pen und Wurzeln entspringen, und zwar auf die Weise, dass
ihre gesonderten Gefässbiindelsysteme mit jenen des Stammes
in unmittelbare Verbindung treten. Die Bildung des Holzes
geschieht nur durch die peripherischen Gefässbündel, indem
sich an ihrer Aussenseite Holzsubstanz erzeugt, welche theils
aus neuen Gefassbiindeln, theils aus verbindenden Prosenehym-
zellen besteht. Das Gefässbündelsystem der appendiculären
Theile hängt nur mit dem centralen Gefässbündel, und zwar
nur mit einem Theile desselben zusammen, und erscheint als
unmittelbare Fortsetzung seiner Gefässbündel nach Aussen. Ein
Theil derselben Gefässbündel setzt ihn ebenso nach aufwärts
fort, woraus folgt, dass diesem Gefässbündelsystem ein fort-
sprossendes Wachsthum seiner Bündel (vegetatio terfiiinalis)
zukommt. Dasselbe gilt auch von dem peripherischen Gefäss-
bündelsystem; da dieses aber noch durch Anlagerung von Ge-
fässbündeln einer zweiten, dritten, vierten u. s. w, Ordnung
nach Aussen sich vergrössert, so ist hier eine complicirte Ve-
getation zu erkennen. Der Verf. nennt diese Wachsthumsweise
vegetatio peripherico-terminalis. Dann redet er von dem Baue
der verwandten Gattungen Saururus, Houttuynia und der Chlor-
antheen. VI. lieber den Bau und die Entwickelung
der Nyctagineae. Die Resultate der Untersuchungen, wel-
che der Verf. über die Bildung des Mirabilis-Stammes giebt,
sind folgende: Es lässt sich ein doppeltes Gefässbündelsystem
unterscheiden, ein inneres und ein äusseres. Das innere ist
einfach und besteht aus einer Gefässzone und den von ihr ein-
geschlossenen centralen Gefässbündeln , welche in die Blätter
treten ; das äussere hingegen aus vielen über einander liegenden
Gefässbündelkreisen, die unabhängig unter sich und von erstem
gebildet, nur durch Anastomosen zusammenhängen. Weder im
Innern noch viel weniger im Aeussern für sich, findet ein
peripherisches Wachsen nach Art der Monokotyledonen Statt,
sondern durchaus nur ein nach der Achse fortschreitendes, i
d. i. eine vegetatio terminalis. Betrachtet man aber beide Ge-
fässbüudelsysteme im Verhältnisse ihrer Entwickelung zu ein-
365
ander, so tritt eben so auch eine peripherische Vegetation her-
vor, folglich findet, wie vorher, eine vegetatio perlpherico-ter-
minalis Statt. VII. Bau und Wachsthum der Chenopo-
deae und Amaranthaceae. Auch in diesen Stämmen er-
scheint wiederum ein doppeltes Gefässbiindelsystem, ein inneres,
durch den ganzen Stamm zusammenhängendes und im Marke
oder an der Grenze desselben liegendes, und ein äusseres, eben
so durch den ganzen Stamm zusammenhängendes und sich an
der Aussenseite vermehrfachendes System, welches eigentlich
das Holz bildet. Beide Systeme sind ihrer wesentlichen Zu-
sammensetzung nach scharf geschieden; das innere die appen-
dikulären Theile mit Gefassen versorgend, und das äussere,
eigentlich dem Stamm angehörend, sind ihrer Bildung nach so
beschaffen, dass man, mit Ausnahme, dass jeder Gefassbiindel
bis auf eine gewisse Grenze sich in seinen Querdurchmes-
sern und besonders nacli Aussen vergrössert, nur ein nach
dem obern Ende hin fortschreitendes Wachsthum wahrzuneh-
men im Stande ist. Berücksichtigt man aber, dass dabei zu-
gleich durch Anbildung neuer Holzschichten der Stamm nach
aussen hin anwächst, so kann man nicht umhin, hier gleich-
falls wieder den Typus einer vegetatio peripherico-terminalis
wahrzunehmen. VIII. Bau und Wachsthum der baum-
artigen Dikotyledonen. Aus der Untersuchung junger
Weidenzweige folgert der Verf., dass die Gefassbiindel, welche
die Gefässe der Markscheide enthalten, dem centralen Gefäss-
biindelsystem der krautartigen Dikotyledonen entsprecjien, nur
mit dem Unterscliiede, dass diesem System hier die Cardinal-
gefässbiindel zu fehlen scheinen, die einen so ausgezeichneten
Rang in jenen Gewächsen behaupten. Der eigentliche Holz-
körper bildet auch hier, wie bei den krautartigen Dikotyledo-
nen ein eigenes, von der Markscheide unabhängiges Gefässbiin-
delsystem, welches durch prosenchymatische Holzzellen zu
einer Masse verbunden ist, die sich nach Aussen immerfort zu
erneuern sucht. Zur Erläuterung des Ganzen will ich zu dem
Vorhergehenden einen Satz aus des Verf. allgemeinen Folge-
rungen beifügen: In allen mit Gefassen versehenen Pflanzen
lässt sich nur eine dreifache Art der Vegetation wahrnehmen.
Entweder es setzen sich die Gefassbiindel des Stammes in ihrer
Entwickelung nach oben fort, ohne sich zu vervielfältigen; diess
366
giebt den Wipfelansatz oder das endsprossende Wachsthuin
(vegetatio terminalis), z. ß. der Cykadeen und Farrn ; oder die
Gefässbündel des Stammes haben nur eine bestimmte Länge,
und neue Gefässbündel, welche zu den vorhandenen hinzukom-
men, und sich von Aussen und über dieselben anlegen, ver-
grössern und verlängern den Stamm; diess giebt das ausspros-
sende Wachsthum (vegetatio peripherica); endlich ist noch eine
dritte Art verschieden von den beiden vorhergehenden, welche
sich dadurch auszeichnet, dass die Gefässbündel sich nicht nur
allein nach Oben fortsetzen, sondern sich zugleich nach Aussen
vervielfältigen, was zur Bildung eines centralen und peripheri-
schen Gefässbündelsystems Veranlassung giebt. Diese Vege-
tation nennt der Verf. das endumsprossende Wachsthum (vege-
tatio peripherico-terminalis). IX. Anatomische Beschaf-
fenheit der Cambiumschichte. Der Verf. redet hier be-
sonders vom Anwachsen der Zellen; er glaubt, dass dieses am
besten an den niedern Pflanzen, an den Algen beobachtet werde,
inid nach Untersuchungen darüber, verbunden mit andern, ent-
scheidet er sich endlich dahin, dass die Vegrösserung des
Zellgewebes besonders durch Theilung geschehe.
Die Untersuchungen des Verf. verdienen alle Aufmerk-
samkeit. Aber Manches hat er, meiner Meinung nach, dabei
übersehen. Es ist nämlich durchaus nothwendig, verschiedene
Arten von Stämmen zu unterscheiden, wenn man eine richtige
Einsicht in den Bau des Stammes haben wül. In Rücksicht
auf die Untersuchungen des Verf. sind zwei Arten zu bemer-
ken. Erstlich der wahre Stamm (caulis genuinus), welcher
durch Knospen fortwächst, so dass sich die Knospen verlän-
gern, und die Blätter, indem sie sich entwickeln, aus einander
geschoben werden, wobei die untersten Blätter oder auch die
Deckblätter (tegmenta) der Knospen an ihrer Stelle bleiben.
Dieser Stamm ist allen Dikotyledonen eigen, wenn wir die
stammlosen Pflanzen (pl. acaules) ausnehmen, ferner den Grä-
sern, Smilacinen, einigen Palmen u. s. w. Zweitens der Pal-
menstamm, oder das Caulom, wo die Blätter der Endknospe
sich lange vor dem Stamm entwickeln und dieser unter den-
selben nachwächst. Die meisten Palmen, die Dracaenaceen, die
Pandaneen, viele Aloineen und dergleichen mehr haben einen
solchen Stamm. Bei dem Anwachsen des wahren Stammes
367
übersieht der Verf. die Vergrösserung des Markes, welche
immer der Knospe vorausgeht, und sie in ihrem ersten Zu-
stande fast ganz bildet. Erst später wachsen Spiralgefasse nach,
und legen sich an die altern üefässe des Stammes oder Zwei-
ges an, natürlicher Weise also an die Innern, die mit dem
Marke in Berührung sind. Es ist aber nicht richtig, wenn der
Verf. die Markscheide der meisten Dikotyledonen mit dem cen-
tralen Gefässbündelsystem der Piperaceen, Nyctagineen und
Amaranthaceen vergleicht. Jene Pflanzen haben in der Jugend
nur einen Kreis von Gefässbündeln, sie wachsen nach Aussen
durch Spiroiden und Prosenchym, und so auch oft seitwärts
an, um einen Holzring zu bilden. Nicht immer wird durch das
seitliche Anwachsen ein wahrer Ring gebildet, sondern es blei-
ben Lücken zwischen den Bündeln, wie an den Umbellaten,
Cruciferen und einigen andern. Davon sind aber die Ama-
ranthaceen gar sehr verschieden. Hier sind schon in der ersten
Jugend, wie bei den Monokotyledonen, mehr Kreise von Gefäss-
bündeln vorhanden und nur der äussere wächst zu einem Holz-
ring aus. Das Verflechten der Gefässbündel in den Knoten
der wahren Monokotyledonenstämme hat der Verf. wohl bemerkt;
ich habe es in den Icon. anat. bot. F. 1. T. 2 F. 5,6, wie ich
meine, genau abbilden lassen. Auch das Anwachsen der Gefäss-
bündel im Caulom ist von dem Verf. wohl beobachtet. — Dass
man die Algen zum Muster nimmt, um das Anwachsen der
Zellen danach zu bestimmen, scheint mir sehr gewagt, und
könnte wohl sehr irre führen.
Ueber die Schichtenbildung in den Dikotyledonen
sei es mir erlaubt folgende Bemerkungen anzuführen. Es ist
eine bekannte Sache, dass oft mitten in Baumstämmen Buch-
staben, eingeschnittene Figuren und fremde Körper angetroflfen
werden. Ich erhielt solche Buchstaben, welche sich in einer
Linde nahe bei Berlin auf einem Gute des nun verstorbenen
Ministers Grafen v. Lottum gefunden hatten. Auf der einen
Seite des gespaltenen Stückes waren die Buchstaben hohl, wie
sie Icon. sei. anat. bot. F. 2 T. 2 F. 7 vorgestellt sind, auf der
andern erhaben, und die Höhlung war deutlich mit holziger
Masse wiederum ausgefüllt, Fig. 8. Diese Ausfüllung zeigte in
einem Querschnitte bei einer massigen Vergrösserung etwas
unregelmässige Schichten Fig. 9, die bei einer Vergrösserung
368
von 315 im Durchmesser ans Lagen von grossem und kleinern,
gefüllten und leeren Zellen mit eingestreuten Lücken Fig. 10
bestanden. Was aber besonders merkwürdig scheint, ist, dass
der innere Bau der Ausfüllung, wie man ihn beim Längsschnitt
sah, F. 11, sehr übereinstimmte mit dem daneben befindlichen
alten Holze F. 12, nur dass in dem letztern Spiroiden vorhan-
den waren, welche in dem angewachsenen durchaus fehlten.
Man sieht also, dass die Schichtenbildung dem Holze völlig
eigenthümlich ist, und keinesweges durch äussere Bedingungen
hervorgebracht wird.
In der Sitzung der Linneischen Societät im Januar 1840
wurde eine Abhandlung von D. Don über die Cycadeen
vorgelesen (Annais of natural History T. 5 p. 48). In den
Coniferen, sagt der Verf., zeigt der Stamm die Bildung der
andern dikotyledonischen Bäume; die Jahresschichten sind genau
abgesetzt, und eben so ist auch eine deutliche Trennung von
Holz und Rinde vorhanden; in den Cycadeen ist beides nicht
der Fall. In dieser Rücksicht gleichen die letztern den Mono-
kotyledonen, doch unterscheiden sie sich von diesen sehr;
Cycas hat ausser einem grossen, centralen Mark verschiedene
dicke, concentrische, wechselnde Schichten von Zellgewebe
und Faser-Gefäss- (fibro-vascular) Gewebe; in Zamia undEn-
cephalartos sind ausser dem Mark nur zwei sehr dicke Schich-
ten, eine innere von Fasergewebe und eine äussere von Zell-
gewebe. Die Eigenthümlichkeit der Coniferen, dass nämlich
das Holz nur aus parallelen regelmässig getüpfelten Röhren
besteht, haben die Cycadeen nicht, sondern ausser schlanken,
durchsichtigen Röhren ohne Tüpfel und andere Auszeichnun-
gen, befinden sich darin noch getüpfelte, netzförmige und Spiral-
Gefässe. Die getüpfelten Gefässe der Cycadeen gleichen zwar
den getüpfelten Gefassen der Coniferen, aber die Tüpfel sind
viel unregelmässiger gestellt, nicht allein in verschiedenen Ge-
fassen desselben Bündels, sondern auch an verscliiedenen Stel-
len desselben Gefässes. Ihre Form ist länglich oder elliptisch
in Cycas revoluta, glauca und speciosa, Zamia furfuracea und
pumila, so wie in Encephalartos horridus und spiralis, aber
zuweilen sind sie länger, schmaler und fast linienförmig und
geben dem Gefäss das Ansehen, als ob es quergestreift wäre.
Die Tüpfel sind immer mehr nach der Diagonale geordnet.
369
Die getüpfelten Gefässe in Zamia furfuracea und pumila lassen
sich in der Form eines Bandes spiralförmig abrollen, wie in
den Farrnkräutern. Das Abrollen geschieht in der Richtung
der Tüpfel und zwar von der Rechten zur Linken. In Cycas
revoluta kommen oft getüpfelte Gefässe vor mit einer Reihe
von Tüpfeln. Ausser diesen getüpfelten Gefässen finden sich
in allen Cycadeen noch andere Gefässe, die sich von den Spi-
ralgefässen wenig unterscheiden, ausser in der Neigung der
Windungen sich zu vereinigen. In einigen Gefässen sind die
Windungen frei, und die Faser zeigt oft, hier und da, Spal-
tungen oder Aestchen; in andern vereinigen sich die Windun-
gen an einer oder an beiden Seiten, in welchem Falle das Ge-
fäss eine Reihe von Ringen oder Querstreifen (bars) darstellt;
dann lässt sich die Faser nur schwer abrollen und bricht oft
in Ringe ab, oder die Querstreifen trennen sich da, wo die
Windungen sich vereinigen, welches gewöhnlich an den per-
pendiculären Seiten des Gefässes geschieht. In noch anderen
Fällen sind die Gefässe netzförmig, und haben dann eine grosse
Analogie mit den getüpfelten Gefässen in Cycas revoluta. Alle
diese Modifikationen bemerkt man oft an demselben Gefässe
in Zamia furfuracea und pumila, welches die Richtigkeit von
Meyens Theorie beweiset, der alle diese Gefässe auf einen
Typus bringt. Die Tüpfel und Streifen sind offenbar die dünn-
sten Theile der Röhre, und wahrscheinlich Ueberbleibsel von
der primitiven Membran der Zelle, die von der später abgela-
gerten Materie frei geblieben ist.
Das Zellgewebe der Cycadeen, heisst es weiter, besteht
aus einem ziemlich regelmässigen Parenchym von prismatischen,
sechsseitigen Zellen. In den oben gedachten Arten von Za-
mia und Encephalartos erscheinen die Wände der Zellen gleich-
förmig dick und durchsichtig, ohne Tüpfel und dergleichen,
aber in den alten Stämmen von Cycas revoluta sind die Wände
der Zellen mit zahlreichen, elliptischen, schiefen Quertüpfeln
oder Räumen versehen, wo die Membran so ausserordentlich
zart und durchsichtig ist, dass die Zellen durchlöchert scheinen,
indem die Zwischenräume von einer inkrustirenden Materie
in der Form von zusammenfliessenden Banden bedeckt sind,
die unter dem Mikroskop netzförmig erscheinen. Die ausser-
ordentliche Zartheit und Durchsichtigkeit der Tüpfel oder der
Archiv f. Naturgesch. YII. Jahrg. 2. Band. 24
370
Zwischenräume, von welcher Gestalt sie sein mögen, scheinen
klar zu beweisen, dass sie von der ursprünglichen Membran
der Zelle herrühren, wo sie von der inkrustirenden Materie
nicht bedeckt ist. Jodtinktur, welche die Membran undurch-
sichtig macht, zeigte deutlich, dass die Zwischenräume keine
OeflFnungen haben. Die Banden sind deutlich das Resultat von
einer partiellen Verholzung, und in der That kein besseres
Beispiel als Cycas revoluta kann man finden, um die Richtig-
keit der Ansicht zu erläutern und zu bestätigen, welche Herr
Schieiden voji dem Ursprünge der Banden und Fasern in den
Gefässen und Zellen gegeben hat. Da der Verf. neugierig war
zu erfahren, ob die Banden schon in einer frühern Periode
existirten, so untersuchte er einen jungen unentwickelten frons,
ungefähr zwei Wochen alt, und freute sich sehr seine Meinung
bestätigt zu finden ; die Zellen waren nämlich von einer ein-
förmigen Durchsichtigkeit, und zeigten weder Tüpfel noch Ban-
den, hatten aber einen deutlichen Cytoblast oder nucleus, wel-
cher aus den Zellen ganz verschwunden war, worin man die
inkrustirende Materie bemerkte, welches beweist, dass diese
inkrustirende Materie sich auf Kosten des nucleus gebildet
hatte. Die Materie, welche die Banden bildet, ist zusammen-
hängend, und deutlich nicht entstanden durch ein Verwachsen
der Spiralfasern, wie man glauben könnte, denn sie ist voll-
kommen fest (solid) und zeigt keine Neigung (disposition) sich
abzurollen oder in Fasern abzubrechen. Höchst wahrscheinlich
entstanden die Banden dadurch, dass die inkrustirende Sub-
stanz, welche sich zuerst in einem flüssigen Zustande über die
Wände ergoss, sich zusammenzog, und durch die blossen Wir-
kungen der Verdichtung, unterstützt von der Spannung (disten-
tion) und vielleicht Erweiterung der Zellen, natürlicher Weise
Theile der primitiven Membran unbedeckt Hess. — Ungeachtet
der Analogien, welche die reproductiven Organe zeigen, sieht
doch der Verf. die Verwandtschaft zwischen den Cycadeen und
den Coniferen für sehr entfernt an; und hält sie für die Ueber-
bleibsel einer Klasse von Pflanzen, welche zu einer frühern
Vegetation gehören.
Die Beschreibungen sind genau un<t trefi'end, und sein
Schluss , dass die Cycadeen mit den Coniferen nur eine ent-
fernte Verwandtschaft haben, sollte von denen wohl erwogen
371
werden, welche jene beiden natürlichen Ordnungen einander
nahe stellen. Eine ähnliche Analogie findet unter den Orchi-
deen und den Asklepiadeen in der Befruchtung Statt, die doch
niemand im natürlichen System zusammenstellen wird.
Der Beifall, den der Verf. Hrn. Schieiden giebt, ist ver-
fehlt, denn Schieiden sagt das nicht, was der Verf. ihn sagen
lässt. Nach Schieiden erzeugt der Cytoblast andere Zellen,
die hervorgehen, wenn die Mutterzelle resorbirt wird. Hiebei
will ich noch anführen, dass ein Hr. Queket eben so Schlei-
dens Meinung verfehlt, wenn er behauptet (Annais of natural
History T. 5 p. 66), die Gefasse entständen aus einem Cytoblast
auf eine ähnliche Weise, wie es Sclüeiden von den Zellen
behaupte. Zuerst könne man auch das Gefäss schwer von
einer Zelle unterscheiden, aber bald verlängere es sich und der
Cytoblast verschwinde. Herr Queket lässt die Fasern aus kleinen
Körnern in einer gallertartigen Masse entstehen, die sich nach
der verschiedenen Bildung der Gefässe an einander reihen. —
Es ist vielmehr Mohls Meinung, für welche D. Don's Beobach-
tungen sprechen. Uebrigens ist Meyen nicht der erste gewesen,
der die getüpfelten, die netzförmigen und die Spiral-Gefässe
auf einen Typus gebracht hat. Von der Jodtilictur s. u.
Den Bau der Cycadeen habe ich durch die Abbildungen
in den Icon. select. anat. bot. F. 2 (1840) T, 1 zu erläutern
gesucht, mehr um die Stelle derselben im natürlichen System
zu bestimmen, als die Bildung der einzelnen Zellen und Gefässe
zu erforschen. Ein Knollstock (cauloma) von einem abgestor-
benen Encephalartus Friderici Guilelmi HI. diente zur Unter-
suchung. Der Längsschnitt (Jurch dieses Caulom ist f. 1 vor-
gestellt, und zwar in der Hälfte der natürlichen Grösse, ein
Theil dieses Schnittes in natürlicher Grösse f. 2. Man unter-
scheidet sogleich ein grosses Mark in der Mitte, eine dünne
Holzschicht, welche einen vollkommenen Kreis bildet und eine
etwas dickere Rinde. So erscheint der Bau dem Baue des
Dikotyledonenstammes sehr ähnlich. Aber wenn man Rinde und
Mark näher betrachtet, so sieht man in beiden hin und her
gebogene Holzbündel, die sich bei einer Vergrösserung von
82 i. D. als Bündel von Spiroiden sowohl in der Rinde f. 3,
als im Marke f. 6 zeigen. Eine solche Bildung ist den Diko-
tyledonen ganz fremd, und da der Längsschnitt die Holzbündel auf
24*
372
eine mannichfaltige Weise durchschneidet, so kommt man bald
darauf, dass sie in beiden Theilen ein Netz bilden mögen.
Dieses wird sogleich deutlich, als man einen Längsschnitt durch
das Holz mit der Loupe betrachtet, f. 4, wo das Netzwerk von
Holzbündeln sich eben so von der Holzschicht aus verbreitet,
wie es die Knoten grösserer Gräser, z. B. von Zea Mays,
Saccharum officinarum (Icon. an. bot. F. 1 T. 2 f. 5, 6) ein-
nimmt, f. 5 zeigt etwas von dieser Verflechtung in der vori-
gen Vergrösserung von 82 i. D, Die untern Spiroiden gehen
gerade hinab, die obern machen unten eine Biegung nach innen,
und zwischen ihnen befindet sich Zellgewebe. Man sieht auch
bei litt. g. querliegendes Zellgewebe, gleichsam Markstrahlen,
welches die Vermuthung giebt, dass auch hier das Holz inner-
halb des Zellgewebes entstehe, und indem es von Innen nach
Aussen wächst, das Zellgewebe zusammendrücke. Es ist hier
also Alles, wie in den Monokotyledonen, nur die zusammen-
hängende Holzschicht könnte Zweifel erregen. Jedoch müssen
wir bedenken, dass der ganze Knollstock der Cycadeen wie
ein verlängerter monokotyledouischer Knoten zu betrachten ist.
Schon im 2. Heft der Icon. anat. bot. T. IX. f. 1 habe ich
einen Längsschnitt*) von Zamia Altensteinii abbilden lassen.
Man sieht hier eben so einzelne abgeschnittene Holzbündel, die
auf ein ähnliches Netz deuten, wie jener Encephalartus es hat.
Die Spiralgefässe dieser Bündel sind f. 2 vergrössert vorge-
gestellt. In dieser Cycadee ist die kreisförmige Schicht von
Holzbündeln noch nicht so ausgebildet, als in Encephalartus
Fr. Guil.
Die Blätter der Cycadeen haben eine sonderbare Beschaf-
fenheit. Sie sind an der Basis gegliedert; sie sitzen nämlich
auf einem Stiel, von dem sie sich lösen, wenn der Stamm oder
sie selbst absterben. Dieser Stiel ist von gleicher Dicke wie
der untere Theil des Blattes, und zeigt gegen das Ende, wo
er am Blatte befestigt ist, äusserlich Absätze, die aber sich
nicht in das Innere erstrecken. Dnter diesen Blättern finden
sich andere blattartige Theile, und zwar unter jedem Blatte
") Durch einen Schreibfehler steht in der deutschen Uebersetzung
Querschnitt statt Längsschnitt. Im Lateinischen heisst es richtig:
segmentum longitudinale.
373
ein solcher Theil. S. Icon. sei. F, 2 T. 1 f. 1, 2 und T. 2 f. 1, 2.
Wenn wir es nun als ein allgemeines Gesetz annehmen kön-
nen, dass die Aeste aus einem Blattvvinkel hervorkommen und
also von Blättern unterstützt werden, dass aber niemals zwei
wahre Blätter unter einander sitzen, oder ein Blatt in dem
Blattwinkel eines andern Blattes sich befindet, so müssen wir
die Theile, die man gewöhnlich die Blätter der Cycadeen nennt»
für Aeste halten und die blattartigen Theile unter ihnen für
wahre Blätter. Der Name frondes, welchen Miquel in einer
neuern Schrift über die Cycadeen diesen Blättern beilegt, ist
zweckmässig und zwar, weil sie ein Mittelding zwischen Blatt
und Ast darstellen, fast wie die Wedel (frondes) der Farrn-
kräuter, auch schg!nt Miquel durch diese Beobachtung zu
dem Ausdruck gekommen zu sein. Die blattartigen Theile
unter ihnen mag man squamae foliares, blattartige Schuppen
nennen. Solche blattartige Schuppen kommen auch am Spar-
gel vor, wo man die sogenannten Blätter für unfruchtbare
Blüthenstiele halten muss; so auch di& Schuppen unter den
sogenannten Blättern von Ruscus, Phyllanthus und dergl.
Ueber den Bau des Palmen stamm es findet sich eine
Bemerkung von George Gardner in den Annais of natural Hi-
story T. 6 p. 57. Der Verf. bezieht sich auf eine Stelle in
Lindley's Introduction to Botany, wo Lindley sagt: „Nach den
Untersuchungen von Mohl entspringt jeder Holzbündel im Pal-
menstamme in den Blättern, nimmt dann seine Richtung gegen
die Mitte des Stammes, folgt dem Stamme eine Strecke weit,
biegt sich hierauf nach Aussen und verliert sich endlich in
dem Rinden-Ueberzuge. In ihrem Herabsteigen sondern die
Holzbündel sich nach und nach in Fäden ab, bis endlich das
Vascularsystem, welches einen wesentlichen Theil des Holz-
bündels ausmachte, verschwindet und nichts als das Holzgewebe
übrig bleibt. Betrachtet man auf diese Weise das Wachsen
der Endogenen, so muss der Stamm der Pflanze aus einer
Reihe von Bogen bestehen, die sich von Oben nach Innen und
dann wieder von Innen nach Aussen wenden und folglich müs-
sen auch die Holzfasern dieser Pflanzen, statt parallel zu blei-
ben, im untern Theile des Stammes eine unauflösliche Ver-
wickelung machen." - Nun führt Lindley noch einige andere
Schwierigkeiten an, welche die Bildung und Richtung der Holz-
374
bündel nach Mohl's Angabe in der Wirklichkeit haben würde.
Gardner liess, um dieses zu untersuchen, in Brasilien, wo er
reiset, einen Palmbaum spalten, den die Brasilianer Coqueiro
nennen, in dessen Stamm die Holzbündel sehr gross sind und
sich also sehr leicht verfolgen lassen. So wie sie aus den
Blättern in den Stamm kommen, machen sie eine sanfte Bie-
gung von etwa 18° niederwärts und einwärts, bis sie beinahe
die Mitte der Säule erreicht haben, dann ändern sie ihre Rich-
tung und wenden sich niederwärts und auswärts mit einer
grössern Schiefe als zuvor, bis sie beinahe die äussere Ober-
fläche des Stammes erreicht haben. Nun steigen sie in einer
mit der Axe parallelen Linie abwärts, bis sie endlich sich so
verästeln, dass man sie nicht weiter verfolgen kann. Lindley
hatte, wie oben gesagt, als erste Schwierigkeit beiMohls Dar-
stellung gefunden, dass der untere Theil des Stammes durch
die vielen Holzbündel gleichsam verstopft, folglich durchaus
gleich hart sein müsse. Gardner sagt aber, die Holzbündel der
obern Blätter stiegen nicht ganz hinab, und so behalte der
untere Theil wie der obere, einen äussern harten und einen
innern weichen Theil. Ferner sagt Lindley, der untere Theil
der Rinde müsse viel härter als der obere sein, weil sich dort
mehrere Holzbündel finden. Das ist auch der Fall, erwiedert j
Gardner, und jeder Brasilier weiss, dass dem so ist. Drittens
hatte Lindley gesagt: Die Härte des äussern Theils der Palm-
stämme könne nicht von dem Drucke eines neuen Ansatzes
von innen nach aussen herrühren, sondern von einer Ursache,
die der Entstehung des Kernholzes (heart wood) in den Exo-
genen entspräche. Giebt es eine solche, fragt er, in den
Endogenen? In den Endogenen, erwiedert Gardner, entsteht
offenbar die holzige Substanz aus den Blättern und dieses lässt
vermuthen, dass es mit den Exogenen, wie Du Petit Thouars
schon behauptete, derselbe Fall sei, der Unterschied scheint nur
darin zu liegen, dass die Holzfasern in den Exogenen zwischen
der Rinde und der letzten Holzschicht bleiben, statt dass sie
in den Palmen zuerst unterwärts und einwärts, nachher dann
aber unterwärts und auswärts, zuletzt aber parallel mit der
Axe absteigen. I
Die Bemerkungen des Herrn Gardner scheinen mir im
Ganzen sehr richtig, nur kommt hier noch ein Unterschied vor,
375
auf den wohl zu merken ist, nämlich, dass der Palmenstamm
aus Blättern allein sich bildet, andere dagegen aus Knospen,
aus denen sich Aeste entwickeln.
Beiträge zur Anatomie der Cacteen von M. J.
Schieiden ist die Ueberschrift einer Abhandlung, die schon
1839 der Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg vor-
gelesen, aber erst später, wie ich meine, gedruckt ist. Beige-
fügt sind 10 Tafeln Abbildungen. Der Verf. redet zuerst von
dem Mark- und Rinden-Parenchym und sagt: die Zellen sind
fast alle kuglicht oder elliptisch ; die Verbindung zwischen den
einzelnen Zellen ist so locker, dass man sie meistentheils durch
einen Schnitt von einander reisst, so dass man seltener als
sonst eine durchschnittene Zelle zu sehen bekommt. Der Saft,
der im jüngsten Zustande stets auch die Intercellulargänge er-
füllt, zieht sich bei seinem allmäligen Austrocknen in die Fu-
gen zurück und bildet daselbst eine leichte Ausfüllung dersel-
ben um die Berührungsfläche zweier Zellen. Wenn nun durch
den Schnitt, wie bemerkt, die Zellen von einander getrennt sind,
so stellt sich die Berührungsfläche als Kreis oder Ellipse, von
einem leicht erhabenen Ringe umgeben, dar. Meyen hat diese
runden Kreise aus Oncidium juncifolium abgebildet,^ in welcher
Pflanze ebenfalls ein solches lockeres Zellgewebe vorkommt,
und hat sie, wie es dem Verf. scheint, mit Unrecht für ver-
dünnte Stellen (grosse Poren) erklärt. — Der Verf. hat sich
durch Untersuchung und Vergleichung einer unendlichen (sie)
Menge von Fällen überzeugt, dass alle Porenkanäle von der
primären Zellenwand ausgehen, und wenn sie nicht bis dahin
zu reichen scheinen, stets nur Stücke eines durchschnittenen
Canals sind. Solche ganz vollständige Canäle sieht man nun
aber niemals auf einen Intercellulargang auslaufen, ja selbst
niemals auf einen Theil der Zellenwand, dem nicht in der an-
liegenden Zelle ebenfalls ein Porenkanal entspricht, wodurch
Mohls Ansicht völlig bestätigt wird. — Der Inhalt der Paren-
chymzellen ist zuvörderst Schleim in Kügelchen oder Stärk-
mehl, beide fast immer mit Chlorophyll überzogen. Es kommt
besonders häufig bei den Cacteen vor, dass das Stärkmehl Trä-
ger des Chlorophylls ist, und auch hier kann man leicht die
Beobachtung machen, dass, wenn man die Stärke durch Alko-
hol von Chlorophyll befreit hat, es sehr lange dauert, ehe die-
376
selbe auf Jod reagirt, z. B, bei Opuntia brasiliensis. — Ausser
den gewöhnlichen Parenchymzellen kommen in sehr vielen
Cacteen noch 2 — 3mal grössere Zellen sowohl in der Rinde
als im Marke zerstreut vor, die ganz mit vegetabilischer Gal-
lerte erfüllt sind. Diese Gallerte hat wunderbarer Weise auch
eine Art von Organisation, Sie bildet nämlich eine die Zelle
fast ganz ausfüllende Kugel, und ist auf ihrer Oberfläche auf
das zierlichste mit kleinen Furchen etwa in der Weise gezeich-
net, die man in der Kunst en vermeil nennt. — Die verschie-
denen Crystallformen von oxalsaurem Kalk, so wie sie sich in
den Cacteen finden, werden angegeben; der Verf. fand in
100 Theilen ganz trockener Pflanzensubstanz, 85,56 Oxalsäu-
ren Kalk, 5,75 Humussäure, 7,79 Pflanzenfaser und 0,92 Ver-
lust. Ausser oxalsaurem Kalk kommt noch in den Cacteen
vielfach Kalkspat vor und zwar oft in ganz reinen Rhomboedern
z. B. in Cereus triangularis. — Die Meinung des Verf., dass
junge Zellen aus einem Cytoblast sich bilden und dann nach
Resorption der Mutterzelle zum Vorschein kommen, sucht der
Verf. durch Beobachtungen an sehr jungen Georginenknollen
darzuthun, wo zwei Zellen aus zwei Cytoblasten in einer Mut-
terzelle si(Ji entwickeln. Hierauf redet der Verf. von der
äussern Rindenschicht, Epidermis und Borke. Ausserhalb des
gewöhnlichen Rinden-Parenchyms, sagt er, trifft man fast in
allen, besonders verholzenden Pflanzen in dem einjährigen Triebe
unter der Epidermis, eine mehr oder weniger dicke Schicht
eigenthümlicher Zellen an, deren Wände sich in einem andern
chemisch-physikalischen Zustande befinden, als die gewöhnliche
Zellenmembran des Parenchyms. Im jüngsten Zustande ist
dieses Gewebe am wasserhaltigsten und fast mit der vegetabi-
lischen Gallerte identisch, später erhärtet es, wie es scheint,
nur durch Wasserverlust. — Die Zellen sind anfänglich dünn-
wandig, verdicken sich aber in ihrer allmäligen Ausbildung,
ohne dass es dem Verf. bei der gallertartigen Beschaffenheit
der Wände möglich gewesen wäre, Schichten zu unterscheiden,
dabei treten aber stets Poren auf, die hier meist ausgezeichnet
schön zu beobachten sind. Die verschiedenen Abänderungen
dieses Zellgewebes werden angegeben. — Der Anfang zur Bbr-
kenbildung oder vielmehr zur Korkbildung besteht nach dem
Verf. darin, dass sich an einer bestimmten Stelle in einigen
377
Epidermiszellen eine trüb e^ gelblich bräunliche, granulös -schlei-
mige Masse sammelt. Diese Substanz nimmt allmälig so über-
hand, dass sie die Seitenwandungen der Zellen sprengt, und
die, in einer continuirlichen Membran zusammenhängenden,
oberen Wandungen in die Höhe hebt, während die untern
Wandungen fest mit der darunter liegenden Rindenschicht ver-
bunden bleiben. Drittens wird der Ilolzkörper betrachtet. Bei
den Monokotyledonen mit verkürzten Internodien, sagt der
Verf., ist nichts leichter zu beobachten, als dass die altern
Gefässbiindel bei ihrem peripherischen Verlaufe die Jüngern
nach Aussen angelegten Gefässbündel kreuzen, und dabei einen
längern oder kürzern Bogen bilden. Bei den Dikotyledonen
ist zwar dieses Verhältniss im Ganzen schwerer zu beobachten,
am leichtesten doch aber an einigen Mammillarien. Hier ist
der bogenförmige Verlauf, hier die Kreuzung, kurz alles, was
man wohl, aber sehr mit Unrecht, als eine Eigenthümlichkeit
der Monokotyledonen [angesehen hat. Zuletzt die Bildungs-
geschichte des Holzkörpers. Ein Bündelchen der noch zarten
Zellen hört auf in seinem Innern Zellen zu entwickeln und
bildet statt dessen früh schon Verdickungsschichten in spirali-
gen Ablagerungen. Die Zellen werden durch die anliegenden
ausgedehnten Zellen stark in die Länge gezogen, oft so sehr,
dass die Zellenmembran abstirbt und resorbirt wird, wodurch
die Spiralfäden oft in die Intercellulargänge gei*athen, wie man
bei den Cacteen sehr schön sieht. Später bei regelmässiger
und langsamer Ausdehnung werden die Spiralen in Ringe ver-
wandelt. Die Holzzellen strecken sich in die Länge, und wenn
dieser Streckung die Ausdehnung der ganzen Pflanzen nicht
mehr entspricht, werden sie genöthigt, mit ihren Enden sich zwi-
schen einander zu drängen und gleichsam in die Intercellular-
gänge der andern hineinzuwachsen. Wenn in dem Interno-
dium die Zellenbildung aufhört, bleibt sie doch noch bei den
Dikotyledonen im Cambium übrig. Die Zellen bilden sich in
zwei oder drei sehr ungleiche Theile, 2u denen zuweilen ein
vierter kommt. Der grösste innere Theil bildet sich zu Holz-
zellen aus, der äussere (dritte, wenn er vorhanden ist) bleibt
theilweise parenchymatös, theils bildet er sich in Bastzellen
um, während die mittlere Portion (oder wenn die vorige fehlt)
die äussere, ganz zartwandig und fortpflanzungfähig bleibt und
378
das neue Cambium bildet. Das Fortwachsen des Cambiums
ist an den Cacteen am besten zu beobachten. In den unter-
sten Zellen des Cambiums bilden sich Cy toblasten, und auf
diesen Zellen, die schmal und zart durch die ganze Zelle in
die Höhe wachsen. Ihr Anstossen an die nächste obere Wand
erweckt denselben Bildungsprocess, und so geht es dann wei-
ter fort. Schon früh zeigen sich die spiraligen Verdickungen
und endlich werden die Mutterzellen vollständig resorbirt, die
Innern Zellen werden Holzzellen, die äussern Cambium u. s. f.
Bei der Entstehung seitlicher anastomatischer Aeste, die bei
den Opuntien häufig auftreten, geht noch ein anderer Process
vorher, es entsteht nämlich in einer bestimmten Zellenreihe
des Parenchyms eine trübe schleimig gummöse Bildungsfliissig-
keit, und ans dieser schlägt sich eine Verdickungschicht nieder,
wodurch die parenchymatöse Zelle in eine Spiral- oder Netz-
faserzelle verwandelt wird.
Ich habe die Theorie des Verf. zuletzt in ihrem Zusam-
menhange darzustellen gesucht. Schon oben habe ich erinnert,
dass ich die Lehre vom Cytoblast als dem Erzeuger junger
Zellen in einer Mutterzelle, die zuletzt resorbirt wird, für eine
blosse Hypothese halte, auf unvollkommene Beobachtungen
gegründet. Ich kenne noch keinen genauen Beobachter, der
sie angenommen hätte. Die Ausländer meinen nur den Kern
in manchen Zellen, den niemand läugnet, wenn sie vom Cyto-
blast reden; auf die Mutterzelle lassen sie sich nicht ein. Oben
ist ein Beispiel davon gegeben worden. Schwann in seiner
oben angeführten Schrift hat Schleidens Beobachtungen ange-
nommen und auf das Thierreich angewandt* Ich zweifle nicht,
dass in dieser Rücksicht die Thierzelle der Pflanzenzelle gerade
entgegengesetzt sein mag.
Es ist bekanntlich immer die Frage gewesen, ob die Spi-
ralgefässe Luftröhren sind, oder ob sie den Nahrungssaft füh-
ren. Ich selbst habe meine Meinung zweimal darüber geändert,
indem es mir mehr darum zu thun gewesen ist, die Wahrheit
zu trefi'en, als Recht zu haben. Herr Schieiden ist schnell da-
mit fertig. „Bei allen Cacteen, sagt er|, fand ich ganz ohne
alle Ausnahme, dass die Gefässe, so wie sie aus dem Zustande
des Cambium heraustreten, nur mit Luft gefüllt sind. Ich muss
überhaupt gestehen, dass es mir völlig unbegreiflich ist, wie
379
jemand, der eine grosse Anzahl von Pflanzen mit Aufmerk-
samkeit untersucht, und nur etwas gesunde Logik anwendet,
den Satz aufstellen kann, dass die Spiralgefässe und die ihnen
beigesellten Gefässe des Holzes bestimmt seien, Säfte zu führen.
Nie und nirgends findet man Flüssigkeit in ihnen, als eine
kurze Zeit im Frühling bei den Waldbäumen unsers Klima's,
was sich ganz einfach aus dem Uebermaass des aufsteigenden
Saftes und der Permeabilität der Zellenmembranen erklärt, und,
nur eine periodische Erscheinung, dem gewöhnlichen Gange
der Vegetation so wenig angehört, als der menschliche Uterus
der Menstruation wegen ein Blutgefäss genannt werden darf.
— Aus einem durchschnittenen Stengel von Hoya carnosa fliesst
auch in unsern Treibhäusern rasch eine bedeutende Menge
Saft aus, und doch zeigt das Mikroskop im Augenblick, dass
alle Spiral- und porösen Gefässe nur Luft führen. Der Ein-
wurf, den man von der Schnelligkeit des Ausfliessens herge-
nommen hat, ist ohne alle Bedeutung, denn jeder Botaniker
weiss, oder kann sich leicht davon überzeugen, dass, wenn man
ein Schnittchen einer Kartoffel unter das Mikroskop bringt,
ein auf dem Objektträger herablaufender Tropfen Jodtinctur
(einer noch dazu so heterogenen und feindseligen Flüssigkeit)
durch die Zellenwände fast eben so schnell fortschreitet, als
nebenbei, dass also die lebendige Zellenmembran dünnen Flüs-
sigkeiten wenig oder gar keinen Widerstand entgegenstellt.
Wie die unorganischen Formen (die meisten vollkommenen
Krystalle, wenigstens der Alkalien und Erden) für die Inpon-
derabilien, Licht, Wärme etc., so ist die organische Form, die
Zellenmembran, für Flüssigkeiten permeabel. Nicht das Durch-
dringen der Flüssigkeit ist Wirkung einer besondern Lebens-
kraft und bedarf einer Erklärung, sondern umgekehrt, gerade
das Festhalten der Flüssigkeiten in gewissen Zellen, welches
dann entweder in besonderer Organisation, wie bei der Epider-
mis, oder in der Verschiedenheit der Medien an beiden Flächen
(Luft und Flüssigkeit) z. B. in den Luftgängen, oder vielleicht
auch von eigenthümlichen, organischen Kräften abhängt, wie
z. B. bei den Zellen mit gefärbten Säften zwischen ungefärbten."
Da die leblose Pflanzenmembran die Flüssigkeit zu-
rückhält, wie wir täglich sehen, so ist es wohl am einfach-
sten, diese Eigenschaft den lebenden Membranen ursprünglich
380
auch beizulegen, und nur besondere Kräfte zu Hülfe zu
rufen, wenn sie eine Flüssigkeit durchlassen. Der Saft, dei
aus der Hoya carnosa ausfliesst, kommt aus eigenen Gefässen,
Saftgefässen , wie der Milchsaft in den Asklepiadeen. Diese
Gefässe haben aber in der Regel keine Quersvände. Wenn nun
der Nahrungssaft schnell aus den Spiralgefässen in die Zellen
überginge — sehr geschwinde richten welke Zweige ins Was-
ser gesetzt ihre Blätter auf — würde man ihn sehen? Doch
die Untersuchung des Gegenstandes gehört nicht hierher; es
war nur nöthig, Herrn Schieiden durch sich selbst darzustellen.
In den Ausgewählten Anatomisch-Botanischen Abbildungen
H. 2 T. 3 ist der innere Bau einiger Cacteen vorgestellt. In
dem Stamme von Epiphyllum Phyllanthus, da wo er noch seine
runde Form hat, findet man die Holzbündel von einander ge-
trennt und jeden Bündel mit seinem Splint umgeben, worauf
eben so getrennte, dem Holzbündel gegenüberstehende Bast-
bündel folgen, wie gewöhnlich von derRinde umgeben (s. f. 1)*).
Der Splint besteht aus sehr zarten, schmalen Prosenchymzel-
len; der Bast aus sehr dickwandigen, feinpunctirten Bastge-
fässen, mit seltenen doch einigen Querwänden (f. 2). In dem
flachen Theile des Stammes sieht man verästelte oft netzför-
mige Spiroiden, die sich der Stelle zuwenden, wo Büschel von
Stacheln sitzen (f. 3). Es scheint also wirklich -das Blatt in
den Stammflügel übergegangen zu sein, denn eine solche Ver-
theilung der Gefässe findet man in dem StamnTe der Dikoty-
ledonen nicht, auch nicht in dem Stamme derselben Pflanze
da, wo er rund ist. — Ferner ist der innere Bau von Opuntia
vulgaris dargestellt. Mau sieht hier eine ähnliche Vertheilung
der Spiroiden gegen die Stachelbüschel, wie in dem flachen Theile
des Stammes von Epiphyllum Phyllanthus (f. 4.). Die Stamm-
glieder oder die Aeste der Opuntien sind durchaus zusammen-
gedrückt und zwar so, dass die Holzbündel von einander ent-
fernt sind (f. 5). Wo der Stamm der Opuntien rund ist, hat
er den innern Bau der Cacteen überhaupt, eine dicke Rinde
und von einander entfernte Holzbündel (f. 6, 7). Auch an
'^) In der deutschen Erklärung dieser Tafeln steht durch einen
Schreibfehler Holzbündel statt Bastbündel; im Lateinischen aber rieh-
tig fasciculus libri.
381
Cereus flabelliformis verästeln sich die Spiralien und Spiroiden
gegen die Stachelbiischel (f. 9); die saftige Ausdehnung rührt
aber besonders von der Vergrösseruug der Rinde her, welche
viel dicker ist, als das Mark (f. 9).
Ueber den Stamm des Mist eis (Viscum album) hat
Decaisne in seinen Mem. s. 1. developpement du poUen, de
l'ovule et s. 1. structure des tiges de Gui, Bruxell. 1840 (Extr.
du T. XIII. de l'Academ, R. d. Bruxell.) Bemerkungen mit-
getheilt. Er redet zuerst von dem, was De Candolle, Kaiser
und Dutrochet darüber gesagt haben, Dutrochet behauptet,
dass jedes Glied des Stammes unabhängig von dem andern
wachse, dass der Holzkörper eines jeden Gliedes von dem an-
dern durch eine Schicht vom Zellgewebe getrennt sei, und dass
die Glieder nur durch die Rinde zusammenhängen. Decaisne
sagt dagegen, dass umgekehrt die Rindengefässe nicht von einem
Gliede zum andern gehen, und dass die Glieder deswegen sich
leicht von einander trennen, dass aber die Holzbündel von ein-
ander an den Knoten nicht getrennt sind, auch konnte er keine
Schicht von Zellgewebe zwischen ihnen erkennen. Um das
Mark, sagt er, bemerkt man acht Bündel von langen Fasern,
welche alle Charactere des Bastes zeigen; indess dieses Bündel
entspricht genau dem Innern Theile der Holzbündel, und neben
ihnen, oder auch in dem Holzkörper findet man die geringel-
ten Röhren, die hier die Stelle der Spiralgefässe einzunehmen
scheinen. Diese Ringgefässe sind Kaiser entgangen, wenigstens
redet er nicht davon. Der Mistel hat keine wahren Spiral-
gefässe, oder Gefässe aus dicht an einander schliessenden Win-
dungen bestehend, ohne Spuren von einer Membran, wodurch
sie verbunden werden; auch in den Nerven der Blätter finden
sich solche Spiralgefässe nicht. Die Zahl der Holzbündel ist
beständig in den jungen Zweigen, und zwar in der Regel 8,
selten 7 oder 9; jeder besteht aus drei Zonen; die äusserste
gehört dem Bast an, oder den Faserzellen der Rinde, die zweite
dem Holz und die innerste ist wie die äussere gebildet.
"Was der Verf. Ringgefässe, vaisseaux anneles, nennt, wird
gewöhnlich nicht so genannt. Es sind wahre Spiralgefässe,
deren Windungen üicht dicht an einander schliessen, und an
denen man die Membran» deutlich erkennt, welche sie ein-
schliesst. Dass es Spiralgefässe gebe, denen jene Membran
382
ganz fehle, werden ihm viele Pflanzen-Anatomen nicht einmal
zugestehen, viel weniger ist es erlaubt, daher ein Kennzeichen
der Spiralgefässe zu nehmen. Auch die lockern oder dichten
"Windungen scheinen ohne grosse Bedeutung zu sein, und kön-
nen eben so wenig ein Kennzeichen der Spiralgefässe werden.
Was der Verf. Bast nennt, scheint allerdings diesen Namen
zu verdienen; das Holz aber ist an dieser Pflanze von einer
sonderbaren Beschaffenheit, die an einem andern Orte soll
auseinandergesetzt werden. Unten wird von den übrigens treff-
lichen Untersuchungen des Verf. über den Mistel noch die
Rede sein.
In Froriep's Neuen Notizen B. 14 S. 242 finden sich von
Halls Beobachtungen über die Zunahme der Bäume
in der Dicke, vorgelesen in dem K. Niederländisch, Institut
d. Wissensch. u. s. w. 1 Klasse. Die Beobachtungen sind an
der Eiche, Weide (Salix alba), kanadischen Pappel (Populus
monilifera), Rosskastanie, Birke, Ahorn (Acer Pseudo-Platanus),
Linde, Tanne (Pinus Abies) und dem Wallnussbaum gemacht
worden. Da aber das Verhältniss des Wachsthums dieser
Bäume zu sehr vou dem Boden abhängt, worin die Bäume
wachsen, und nur auf Bäume an demselben Orte Rücksicht
genommen wurde, so übergehe ich sie^ und beschränke mich
nur auf folgendes. Der Verf. hat häufig die Bemerkung
gemacht, dass nicht nur das Abfressen des Laubes, sondern
auch das Abnehmen vieler und starker Aeste die Zunahme
der Dicke beträchtlich vermindern, gegen die Meinung einiger
Liebhaber des Beschneidens der Bäume. Ferner stellt der
Verf. Untersuchungen an über die Zunahme der Dicke in. ver-
schiedenen Monaten des Jahres. Man sieht aus den darüber
gemachten Tabellen, dass in Holland das Wachsthum der Bäume
höchst ungleich ist, welches ohne Zweifel von der ungleichen
Witterung herrührt. Es ergiebt sich gleichwohl als eine all-
gemeine Regel, dass die Monate Junius und Julius diejenigen
Monate sind, in welchen die Bäume am meisten an Dicke zu-
nehmen, denn in bei weitem den meisten Fällen betrug das
Wachsthum in diesen beiden Monaten zusammengerechnet mehr
als in allen übrigen Monaten zusammeifgenommen. Einen
Stillstand im Wachsthum der Bäume 'von der Hälfte des Junius
bis zur Hälfte des Augusts, wie ihn Duhamel für Frankreich
383
angiebt, bemerkte der Verf. nicht, unstreitig weil in Holland
die trockne Jahreszeit im Sommer fehlte. Ungegriindet ist
Agardh's Meinung, dass in dem ersten Theile des Sommers die
Bäume mehr in die Länge wachsen, im letzten mehr in die
Dicke. In den Winter-Monaten nehmen die Bäume an Dicke
nicht zu, nur die Knospen verdicken sich etwas. Im März und
April sieht man bei Birken, Ahorn und andern ähnlichen Bäu-
men, wenn die Witterung mild ist, die Aeste angefüllt mit den
aufsteigenden wässrigen Säften, die sobald die Witterung wärmer
wird, weniger oder gar nicht mehr gespürt werden. Diese
Säfte haben aber auf die Zunahme der Dicke des Baumes gar
keinen Einfluss. Sobald die Blätter ganz ausgeschlagen sind,
nimmt der Ueberfluss dieses aufsteigenden Saftes ab, der dann
mehr in die Blätter überzugehen scheint, und erst, nachdem
die Blätter ihre Functionen verrichten können, nimmt das
Wachsthum des Baumes in der Dicke seineu Anfang, wie sich
aus allen Messungen, die der Verf. anstellte, ergeben hat. Der
Einfluss der Blätter auf die Zunahme der Stämme an Dicke
ergab sich unter andern am deutlichsten bei der Italienischen
Pappel. Als einer solchen im März beinahe alle Aeste abge-
hauen wurden, war auch die Zunahme an Dicke während der
Monate Junius und Julius sehr gering. Bei einer Linde hin-
gegen, der man absichtlich die Seitenäste, auch imten am
Stamme, sowohl über als unter der Messungstelle, grössten-
theils gelassen hatte, war das Wachsthum ansehnlich und jähr-
lich zunehmend. An zwei gleich grossen, und so weit man
wahrnehmen konnte, völlig unter einerlei Umständen sich be-
findenden Eichen, machte man den Versuch, dass man der
einen alle Seitenäste nahm, der andern sie liess, worauf man
fand, dass die Zunahme der Dicke desjenigen Baumstammes,
der nicht beschnitten worden, viel beträchtlicher war, als die des
beschnittenen. Auch Monokotyledonenstämme nehmen nach
des Verf. Beobachtungen an Dicke zu. Eine Aletris fragrans
hatte in fünf Jahren um 17^ Millimeter an Dicke zugenommen,
und so ein Stamm von Dracaena Draco in derselben Zeit um
23^ Millimeter.
Diese trefflichen Beobachtungen bestätigen die Theorie,
welche Thouars von dem Anwachsen der Bäume in die Dicke
gegeben bat, eine Theorie, die ich in den Eiern. Phil. bot.
384
ed. 2 T, 1 p. 260 durch mikroskopische Untersuchungen wenig- .
stens nach den Hauptziigen darzuthun und Anatom, bot. Abbild.
H. 1 T. 7 F. 10 — 12 darzustellen gesucht habe.
Zu der oben gegebenen Nachricht von dem Verfahren des
Dr. Boucherie, das Holz zu färben und dauerhaft zu
machen, ist noch der Bericht der Commission der Akademie»
bestehend aus de Mirbel, Arago, Poncelet, Audouin, Combey,
Boussingault, Dumas Berichterstatter, beizufügen (Compt. rend.
1840 T. 2 p. 894). Er ist sehr anpreisend. Es ist nicht nöthig,
sagen sie, dass der Baum alle seine Aeste und alle seine Blät-
ter habe, man darf nur an der Spitze ein Büschel stehen las-
sen, um das Aufsaugen zu bewirken. Es ist nicht nöthig, dass
der Baum stehen bleibe, man kann ihn abhauen, nachdem
man alle seine unnützen Aeste weggenommen hat, und ihn
dann mit dem untern Ende in die Flüssigkeit setzen, die man
will absorbiren lassen. "Will man ihn nicht abhauen, so darf
man nur eine Höhlung unten am Stamme machen oder ihn
mit der Säge einschneiden, und dann dort mit der Flüssigkeit
in Berührung bringen. Das Durchdringen des Stammes ge-
schieht in einigen Tagen ohne Schwierigkeit und Arbeit. Um
den Stamm dauerhafter und härter zu machen, lässt er holz-
saures Eisenoxyd (pyrolignite de fer) einsaugen. Man bringt
die rohe Holzsäure mit Eisenspänen in Berührung, so entsteht
selbst in der Kälte jene Verbindung, die noch viel von Creosot
enthält, welches bekanntlich ein Erhaltungsmittel aller organi-
schen Substanzen ist. Damit das Holz sich nicht werie, nimmt
B. Chlorcalcium, oder auch die Mutterlauge von den Sümpfen,
worin Salz bereitet wird. Dass man das Holz färben kann,
indem man Flüssigkeiten nach einander aufsteigen lässt, die
durch ihre chemische Wirkung auf einander Farben hervor-
bringen, ist schon oben erwähnt worden.
Ueber die Blattnerven der Dikotyledonen hat Hr.
Payen eine Abhandlung der Akademie derWiss. zu Paris ein-
gereicht, welche von de Mirbel beurtheilt ist ; die Beurtheilung
befindet sich in den Annal. d. Scienc. naturell. 2 Ser. _Bo-
taniq. T. 14 p. 220 und in den Comptes rendus 1840 T. 2.
Die Abhandlung wird wegen des Fleisses gelobt, womit sie'
verfasst ist. Der Verf. betrachtet zuerst den Ursprung der
Nerven aus den Gefässbündeln des Holzkörpers im Aste und
385
giebt drei verschiedene Arten des Ursprungs an: 1. den uui-
tären, wenn sie nur aus einem Gefässbündel entspringen, 2. den
ternären, wenn drei Gefässbündel zusammenkommen, um die
Blattnerven zu machen und 3. den circulären, wenn die Ge-
fässbündel aus dem ganzen Umfange des Holzkörpers zusam-
menkommen. Oft laufen die Gefässbündel durch den Blattstiel
zum Blatte, ohne eine Veränderung zu erleiden, aber oft auch
theilt sich ein jeder unterwegs in drei Fäden, die dann bald in
derselben Ebene, wie der Hauptnerve, bald in verschiedenen
Ebenen in das Blatt treten. Wenn der mittlere Gefässbündel
sich von dem Holzkörper früher trennt, als die beiden andern,
so entsteht das einfache Blatt, wenn aber die beiden Seiten-
bündel sich zuerst lösen, so hat man ein folium lobatum, oder
stipulatum, oder auch compositum. Wenn von den beiden Sei-
tenbündeln eines sich vor dem andern und vor dem Haupt-
nerven absondert, so ist die Seite des Blattes, wo dies geschieht,
immer mehr entwickelt, als die andern. Wenn in dem Quer-
schnitt eines Astes, da wo sich die Bündel von dem Holzkör-
per entfernen, der Bogen, der die Entfernung des mittlem
Nerven von den Seitennerven misst, sehr gross ist, so ist das
Blatt in der Regel lobatum und stipulatum.
Die Nachrede von Mirbel ist sonderbar. Die Arbeit musste
einmal geschehen, sagt er, sie war nothwendig für die Wis-
senschaft, es ist gut, dass sie mit Fleiss geschehen. In der
Erfahrungswissenschaft hat das Glück oft mehr Antheil an
wichtigen Entdeckungen als die Geschicklichkeit. Der Phyto-
loge, der zur Anatomie zurückgeht, so arbeitsam er auch sein
mag, kann doch aus dem Gegenstande nicht mehr herauszie-
hen, als darin liegt. Die Geschicklichkeit fehlt Hrn. Payen
nicht, es fehlt ihm nur die Gelegenheit. — Mirbel möchte
sagen, wozu hilft alle Genauigkeit in der Untersuchung, wenn
die gefundene Mannichfaltigkeit nicht mit dem Ganzen ver-
knüpft wird. Es sind Vorarbeiten für den Glücklichen, der
die Vereinigung findet.
Die Blätter derConiferen schienen mir so merkwür-
dig, dass ich sie einer Untersuchung unterwarf; die Darstellung
derselben findet sich in den Ausgewählten anatomisch-botani-
schen Abbild. H. 2 T. 5 (1840). Sie unterscheiden sich vorzüg-
lich dadurch, dass sie nur ein gewöhnlich einfaches, aber auch wohl
Archiv f. Naturgesch, VII. Jahrg. 2. Bd. 25
386
doppeltes Gefässbiindel haben, welches durch das Blatt der
Länge nach hinläuft, ohne Aeste abzugeben. Man könnte da-
durch das folium acerosum charakterisiren. Auch haben sie
meistens einen oder zwei grosse Harzgänge, die durch 'das
ganze Blatt hinlaufen; die Blätter von Abies balsamea haben
sie an den Seiten (F. 9); die Blätter von Thuja occidentalis
und Juniperus communis (F. 11 und 12) haben nur einen
neben dem Hauptnerven. Viele haben eine doppelte Oberschicht
wie Abies balsamea (F. 9 ee) und Juniperus Sabina (F. 10 cc);
auch sind bei einigen die Zellen unter der Oberschicht seit-
wärts verlängert, wie an der obern Fläche der Blätter von
Abies balsamea (F. 9 cc). Sonderbar ist die Form der Blät-
ter von Thuja occidentalis; sie sind nämlich nicht allein unter
sich, sondern auch mit dem Aste so verwachsen, dass nur ein
Holzbündel in der Mitte durch den Ast geht (F. 11).
Wurzeln und Knollen.
A note upon theAnatomy of the roots of Ophrydeae
by John Lindley. Tr. of the Liunean Soc. Vol. XVUI. P. 3
p.423. Die Knollen, sagt der Verf., welche die Wurzeln von
manchen Africanischen Ophrydeae bilden, haben, wenn sie
trocken werden, das Ansehen von Säcken, die mit kleinen
Kieselsteinen gefüllt sind; die Oberfläche ist grobkörnig, als
wenn die Epidermis über harte Körper fest zusammengezogen
wäre. Man sieht dieses besonders an den trocknen spindel-
förmigen Wurzeln von Disa multifida. Wenn man eine frische
Wurzel von Satyrium pallidum quer durchschneidet, so sieht
man deutlich, woher jener Anschein rührt. In dem zarten
Parenchym findet man eine grosse Menge ovaler, zäher und
fester Körner (nodules), hell wie Wasser und oft zwanzigmal
grösser als die Zellen, welche sie umgeben. Diese Körner
lassen sich leicht von dem Zellgevv<3be trennen, worin sie lie-
gen, und erscheinen dann unregelmässig vieleckig, wie geschlif-
fene Steine von Bergkrystall. Ihre Facetten werden durch
den Druck der Parenchymzellen hervorgebracht, zwischen denen
sie liegen. Sie sind zähe wie Hörn, lassen sich nicht zer-
reissen, krachen (crackle) zwischen den Zähnen, wie Stücke i
von Kautschuck, können leicht, sogar in Scheiben zerschnitten 11
werden, und erscheinen dann ganz homogen, zeigen auch keine
387
Schichten, weder frisch, noch getrocknet, noch mit chemischen
Reagentien behandelt. Sie sind meistens von derselben Grösse,
doch giebt es einige, die nicht grösser sind, als das gewöhn-
liche Zellgewebe. Die Körner sind in kaltem Wasser kaum
auflöslich, aber gekocht schwellen sie auf, und lösen sich znm
Theil in eine durchsichtige Gallerte von Glasglanz auf. Setzt
man sie der Luft aus, so werden sie schnell trocken und dun-
kelbraun. Die wässrige Auflösung von Jod wirkt nicht merk-
lich darauf, aber wenn sie erst mit kaustischem Kali oder
Salpeter- oder Schwefelsäure behandelt sind, welche den Inhalt
auflösen, so erhalten sie durch die Jodtinctur eine dunkle
Weinfarbe (claret colour). Die wässrige Auflösung von Jod
färbt Stärkekörner blau, aber nicht diese Körner; die Jodtinctur
hingegen färbt die Körner nach und nach amethystfarben, dann
werden sie weinfarben, und wenn sie eingeschnitten sind, ver-
breitet sich die Farbe über den Schnitt. Diese Farben ver-
schwinden doch bald, besonders wenn die Luft warm ist; keine
Spur von Blau ist zu erkennen. Die Körner sind also keine
Stärke. Die Wurzeln von allen andern Ophrydeen, europäische
oder nicht, die der Verf. zu untersuchen Gelegenheit gehabt,
waren im Wesentlichen gebildet, wie die von Satyrium palli-
dum. Die Unterschiede bestehen nur in der Grösse und Ge-
stalt der Körner, so wie in den Verhältnissen, die sie zu dem
umgebenden Zellgewebe haben, und endlich in der Farbe, wel-
che die Körner an der Luft annehmen. — Wenn man die Kör-
ner zerdrückt, so findet man, dass sie aus sehr kleinen durch-
sichtigen Zellen bestehen. Der Verf. sucht nun zu erklären,
woher es komme, dass Guibourt und Payen den Salep beschrei-
ben als vorzüglich aus Stärke bestehend, und meint, dass man
die Salepknollen gekocht und wieder getrocknet habe. Dadurch
sei die Stärke aufgelöst, habe die Körner Überflossen und sie
unkenntlich gemacht. Die vorzüglichste Eigenschaft der Salep-
knollen, setzt er hinzu, rühre nicht sowohl von der Stärke,
sondern von jener gummiartigen Substanz her, die er vorläufig
Bassorin nennen wolle.
Die Bemerkungen des Verf. verdienen Aufmerksamkeit.
Es ist bekannt, dass Pulver von Salepknollen schon im kalten
Wasser aufschwillt, welches Stärkekörner nicht thun. Auch
findet sich neben der Stärke in den Knollen von Salep und
25*
388
andern Orchideen eine andere Substanz, welche von Jod nicht
— das heisst nicht blau — gefärbt wird, wie ich oben ange-
führt habe. Es sind die nodules des Verf, worauf meine
Untersuchung damals nicht ging. Aber ungeformtes Stärkraehl,
als wären die Knollen gekocht, habe ich an ganz frischen Knol-
len von Orchis latifolia gesehön, wie ich auch schon oben an-
geführt habe. Ich will es dahin gestellt sein lassen, ob die
käuflichen Salepknollen gekocht und dann erst getrocknet wurden.
Blüthe.'
Von der Entwickelung der männlichen Blüthen
im Mistel handelt Herr Decaisne in dem oben angeführten
Memoire über Pollen, das Fruchtei und den Stamm vom Mistel.
Macht man einen Querschnitt durch eine ganz junge Blume,
so erhält man Schnitte, die nach den vier Kelchlappen in vier
Abtheilungen geschieden sind. Den äussern Umfang bildet eine
Schicht Zellgewebe, dann folgt eine grüne Materie mit Körnern
gemengt, die eine starke Molekularbewegung haben, und in
der Mitte befindet sich ein ungefärbtes Gewebe, gegen welches
die grüne Materie vier Hervorragungen macht. Einige Zeit
nachher zeigt sich die Mitte deutlich in vier Theile gesondert;
jeder besteht aus zwei Hälften, einer äussern, grünen, dem Kelch
angehörenden und einer Innern, blässern, woraus die Antheren
entstehen. Nach und nach wächst der grüne Theil mehr an
und treibt Verlängerungen in den innern Theil hinein, die ihn
durchschneiden. Betrachtet man nun jeden von diesen vier
Theilen besonders, so sieht man später darin hellere Stellen,
Lücken mit einer schleimigen Materie gefüllt; das Zellgewebe,
welches die Wände dieser Lücken bildet, enthält viele kleine
Körner, und einige unter ihnen führen auch einen grössern
Kern von linsenförmiger Gestalt, den der Verf. einen Phako-
cyst nennt.*) Der Schleim in den Lücken zeigt späterhin,
bei einer stärkern Vergrösserung, runde, durchsichtige, grosse
Zellen, welche der Verf. mit Mirbel Pollenzellen (utricules
*) Von (faxos Linse und xvmr) Blase. Der Name, sagt der Verf.,j
scheine ihm einen richtigen Begriff von den Charakteren zu geben,'
Sans rien prejuger de ses fonctions, wie der Ausdruck Cytoblast.
389
poUiniques) nennt. Einige Tage nachher hören diese Pollen-
zellen auf durchsichtig zu sein, und es bilden sich ein oder
zuweilen zwei ovale Kerne, die aus kleinen Körnern bestehen.
Nach fünf Tagen ungefähr werden die Pollenzellen wieder
rund umher durchsichtig, indem sich die Körner um den Mit-
telpunkt in einer Masse vereinigen. Immer sind sie noch mit
einer schleimigen Masse umgeben. So bleiben diese Pollen-
zellen einige Tage, dann entdeckt man in der Mitte der kör-
nigen Masse vier Phakocysten, jeden mit einem hellen Mittel-
punkt. Die körnige Masse verschwindet nach einiger Zeit, ohne
dass die Phakocysten vergrössert werden. Endlich in der Mitte
des Monats August, vier Monate nach dem Anfange der Beobach-
tungen, zeigen sich die Pflanzenzellen aus concentrischen Schich-
ten bestehend, in der Mitte mit einer Höhlung, wOrin die vier
Anfänge der Pollenkerne erscheinen, von einer Flüssigkeit um-
geben. Sie wachsen immer mehr und mehr, und endlich ver-
schwindet die dicke aus Schichten bestehende Pollenzelle ganz
und gar. — In den Malvaceön, wenigstens an Hibiscus syria-
cus, haben die Pollenzellen schon eine beträchtliche Dicke, in-
dem man die Anfänge der Pollenkerno noch nicht gewahr wird,
vermuthlich, weil die darin befindliche Materie noch ganz was-
serhell ist. Sie wird erst körnig, wenn sie neue Produkte
bildet, denn später entdeckt man in der körnigen Materie die
ersten Spuren von Phakocysten. — Späterhin scheidet sich die
körnige Materie in vier Massen, die einen Phakocysten ein-
schliessen, und um jeden der vier Massen sieht man einen hellen
Ring, welcher zeigt, dass die Massen die Pollenzelle nicht ganz
ausfüllten. Die Pollenzellen haben einen Ueberzug aus Schich-
ten, wie die Amylumkörner, und springen auch auf eine ähn-
liche Weise auf, wenn man sie auf einen Tropfen Wasser bringt.
Die Haut der Pollenkörner entsteht nach der Meinung des Verf.
für sich, nicht aus der innern Oberfläche der Pollenzellen.
Von allen Organen der Blüthe, setzt der Verf. hinzu, erreicht
die Anthere zuerst ihre wesentlichen Kennzeichen, und sie hat
schon ihre Grösse erhalten, wenn die übrigen Blüthentheile
kaum merkbar sind. Rollt man sehr junge Pollenköruer zwi-
schen zwei Glasplatten, so ist man nicht im Stande, ihnen ihre
äussere Haut zu nehmen, die Körner zerreissen und lassen
ihren Phakocyst fahren, dagegen ist von reifen Pollenkernen
390
die äussere Haut leicht zu trennen, und die innere Blase ent'
hält nur Körner, keinen Phakocyst.
Befruchtung. Fruchtei. Same.
Wir wollen fortfahren mit den vortrefflichen Untersuchun-
gen, welche Herr Decaisne über die Entwickelung im Mistel
angestellt hat. Wenn man den Fruchtknoten im frühesten
Zustande untersucht, so findet man darin eine gleichförmige
Masse, und kaum zwei kleine Unterbrechungen des Zellgewe-
bes, bald aber treten die Zellen wieder zusammen, um in der
Mitte ein helles Zellgewebe zu bilden, mit einem grünen Kreise
umgeben. Lange Zeit und bis zum Anfange des Junius, wo
der Fruchtknoten die Dicke eines Pfefferkorns hat, bemerkt
mau in dem Fruchtknoten kein Fruchtei. Etwas später aber
entdeckt man ein Fruchtei und zwar ,am leichtesten, wenn man
den Centralkörper in zwei Theile durch ein leises Hin- und
Herziehen sondert. Das Fruchtei bildet einen keulenförmigen
Auswuchs, dessen Zellgewebe in concentrischen Schichten geord-
net ist; jede Zelle enthält zwei Phakocysten. Wenn man das
Fruchtei etwas später, und wenn es die Gestalt euies kleinen,
etwas zusammengedrückten Körpers bekommen hat, auf einen
Wassertropfen bringt, so zieht sich das Wasser hinein und
treibt den Phakocyst mit einiger Gewalt aus. Ein Tröpfchen
Jodtinctur färbt das Innere gelb, lässt aber die Körner unge-
färbt, die sich erst später durch Jod blau färben. Um diese
Epoche findet man zwei dünne, keulenförmige Körper neben
dem Fruchtei und einige Wochen früher drei fadenförmige
Körper etwas am Ende verdickt. Der Verf. hält diese Körper
für fehlgeschlagene Fruchteier. Das am untern Ende verdünnte
Fruchtei könnte man mit einem Embryosack vergleichen, wenn
nicht die Lage, das umgebende Gefässsystem und die Verglei-
chung mit den übrigen Theilen der Frucht widersprächen. Der
junge Embryo zeigt sich als ein kleiner Haufen von Zellen
an der Spitze des Fruchteies und fast in Berührung mit dem,
was man Epidermis nennen kann. Nie sah der Verf. eine Spur
von Pollenschlauch im Innern des Fruchtknotens, auch nie ent-
deckte er die geringste Anzeige von einer besondern Hülle
des Fruchteies, so dass dieses weiter nichts als einen Frucht-
kern (nucelle) darstellt, wie man es auch sonst an den San-
391
talaceen und selbst den Olacineen bemerkt hat. Dieser Kern
ist mit der Basis im Grunde des Fruchtknotens befestigt, und
hat seine Spitze gerade entgegengesetzt, so dass man das Fruchtei
zu den orthotropen rechnen muss. Wenn das Fruchtei die
Grösse erreicht hat, dass der Embryo nebst dem Faden, woran
er hängt, sichtbar ist, so bekommt es eine grüne Farbe, denn
vorher war es ungefärbt, und diese grüne Farbe zieht sich von
unten nach oben bis zum Embryo, der ungefärbt bleibt. Auch
werden die Amylumkörner grösser und erfüllen fast ganz die
Zellen, aber die Phakocysten bleiben unverändert. Ausser der
grünen Farbe der Mistelsamen hat noch ein anderer Umstand,
dass nämlich fast immer zwei bis drei Embryonen in einem
Samen vorkommen, die Aufmerksamkeit der Naturforscher auf
sich gezogen. Der Verf. war so glücklich, dass er mehrere
Mal Fruchteier in verschiedenen Stufen des Zusammenwachsens
fand, so nämlich, dass die Verbindung an der Basis anfing und
nach oben weiter fortging, wodurch also die Polyembryonie des
Misteis erklärt wurde. — Nie sah der Verf. eine Höhlung im
Fruchtei des Misteis, wenn der Embryo sich bildete, auch fand
er nie einen Embryosack. Der Embryo zeigt sich zuerst, wie
gesagt, am obern Ende des Fruchteies oder des Kernes (nu-
celle), und später sieht man das Embryobläschen, oder den jun-
gen Embryo selbst in der Höhlung des Fruchteies an einer
Reihe von cylindrischen Zellen hängen, die eine Art von Na-
belstrang, aber ohne Gefäss machen. — Bemerkung an den
Samen von Loranthus aphyllus. In einem ähnlichen Fruchtei
wie vom Mistel, sieht man am obern Ende eine kleine konische
Masse, dichter als das umgebende Zellgewebe, wovon vier
zarte Röhren ausgehen, die sich um einander winden und gleich-
sam ein Spiralgefäss bilden, fast so wie Treviranus dergleichen
im Fruchtei von Abies gefunden hat. Später entsteht am untern
Ende ein länglicher Körper, der Embryo. Wenn mehr Em-
bryonen in einem Samen vorhanden sind, so erscheinen sie
immer am obern und Seitentheile des Fruchtkerns. Die Ent-
fernung der Embryonen im Fruchtei hängt zuerst davon ab,
dass die Fruchteier, die sich vereinigten, entweder ungleich
gross waren, oder eines schneller als das andere wuchs. Wenn
aber die Fruchteier gleich gross waren, so wenden sich die
Embryonen zuerst schief gegen die Axe des Fruchtkerns, dann,
392
sobald sich die Cotyledouarondcn berühren, kehren sich diese
um und richten sich gegen die Stelle, wo das Fruchtei ange-
heftet ist. Dass der Embryo aus dem Fruchtkern hervortritt,
erklärt der Verf. aus der späten Bildung des Embryo, er wird
nämlich, indem er sich vergrössert, durch den Widerstand
des schon gebildeten Fruchtkerns herausgedrückt. Mehr als
drei Embryonen in einem Samen sah der Verf. nie. Wenn
man den langen Zeitraum, sagt der Verf., zwischen dem Auf-
brechen der Bliithe und der Erscheinung des Embryo erwägt,
so begreift man nicht, wie die befruchtende Flüssigkeit sich so
lange erhalten konnte. Man findet dieses auch in andern Pflan-
zen, und Ad. Brongniart meint daher, der Embryo sei nach
der Entstehung eine Zeitlang in einer Art von Lähmung (tor-
por) geblieben, ehe er sich entwickelte. Aber dieses, meint
der Verf., lasse sich auf den Mistel nicht anwenden, weil die
Fruchteier zur Zeit der Blüthe nicht allein nicht organisirt
sind, sondern auch nicht einmal eine Höhlung für den Embryo
haben. Der Verf. macht nun einige Betrachtungen über die
Befruchtung überhaupt; bei einigen Pflanzen, sagt er, sind Pol-
lenschläuche vorhanden, bei andern aber, wo Papillen sich auf
dem Samenträger befinden, wie bei den Aroideen, hat man sie
nie bemerkt, und die Papillen scheinen sie zu ersetzen; bei
noch andern gehen Streifen (bandelettes) von der Basis des
Griffels herab und senken sich nahe an der Mikropyle in den
Samen ein, z. B. an den Compositae und einigen andern. Zu-
letzt redet er von der Stellung der Gattung Viscum im natür-
lichen System; er rechnet sie mit Rob. Brown zu den Apeta-
len, und stellt sie nebst Loranthus neben die Santalaceen;
Schoepfia muss aber davon entfernt und zu den Olacineen gestellt
werden. — Drei Tafeln erläutern die Untersuchungen des Verf.
Hiemit ist sogleich zu verbinden: Noch einige Worte über
den Befruchtungsakt und die Polyembryonie in den
höhern Pflanzen von F. J. F. Meyen. Berlin 1842, 50 S. 2 T.
Der Verf. führt zuerst Untersuchungen und dann Gründe gegen
Schleidens Theorie an, dass sich der Embryo aus dem Pollen-
schlauche bilde. Nach seinen Untersuchungen verbindet sich
die Spitze des Embryosackes mit dem Pollenschlauche und aus
dieser Verbindung geht der Embryo hervor, der sich in vielen
Fällen als ein Keimbläschen absclinürt. Die Beobachtungen,
393
welche in dieser kleinen Schrift erzählt werden, sind an Mes-
embrianthemum pomeridianum angestellt, und als ein Nachtrag
anzusehen zu dem, was er im dritten Theile seiner Physiologie
über diesen Gegenstand gesagt hat. Dann kommt er auf die
Polyembryonie, und hier auf eine Darstellung der Entwickelung
des Fruchteies im Mistel. Es giebt beim Mistel kein beson-
deres Pistill, sagt er, und also auch kein eigentliches Ovarium,
sondern das Eychen ist ein blosser nackter Nucleus, dessen
Spi(ze frei hervortritt und zugleich als Stigma dient, indem
dasselbe den Pollen unmittelbar empfängt. In diesem Nucleus
entsteht eine Höhle und in dieser zeigen sich in der Mitte des
Aprils die Embryosäcke, deren oft zwei und mehrere sind. In
ihnen entwickelt sich der Embryo. Pollenschläuche konnte
der Verf. nicht beobachten.
Es ist deutlich, dass der Verf. Embryosäcke nennt, was
Decaisne für Fruchteier beschreibt. Die Untersuchung dieser
Fruchteier ist viel genauer von Decaisne gemacht worden, und
hätte Meyen seine Untersuchungen lange genug fortgesetzt, so
würde er seinen Irrthum eingesehen haben. Auch dachte er
nicht an das Perikarpium, an die Beere, wofür er nichts mehr
hatte. Meyen strebte zu sehr nach dem Neuen, Auffallenden,
und suchte darin seine Gegner zu überbieten. Oft sagte ich
zu ihm, ich würde Alles von ihm mit Vergnügen lesen, worin
nichts Neues wäre. Man vergleiche mit dem, was hier gesagt
ist, des Verf. Erklärung der eigenthümlichen Stellung der Em-
bryonen im Mistel-Samen, wenn deren mehrere in einem und
demselben Samen vorkommen , in Wiegmanns Archiv für Na-
turgesch. 1840, 1 B. S. 164, wo er das Aneinanderliegen der
Embryonen mit ihren Cotyledonarenden wohl beobachtet hat.
Ein Beispiel von einer Polyembryonie in Thuja
Orientalis führt Goeppert an, in der Uebersicht d. Arbeit,
d. Schlesisch. Gesellsch. f. vaterländische Cultur f. 1840 S. 99.
Ueber die Befruchtung der Blitthen in Lopetia
mexicana hat Herr Arndt in Osnabrück Beobachtungen an-
gestellt, Flora f. 1840 S. 477. Die Anthere springt nach Innen,
nach der Narbe hin auf; die Stelle, wo der Schlauch sich
öffnen will, ist durch einen glänzenden Längsstrich angedeutet.
Das Aufspringen des Schlauches geschieht bei nocli gänzlich
geschlossenen Petaleu der Cörolle, welche aber in allen ihren
394
Theilen vollkommen ausgebildet ist. Nach dem Ausspringen -
wächst der Träger an, macht einige Windungen und wirft zu-
letzt die entleerten Pollenschläuche ab.
Bemerkungen über die Befruchtung der Pflanzen
finden sich auch im Journ. d. Pharmazie 1840 p. 751 von
Herrn Fromond. S. auch Flora f. 1841 S. 204. Es ist be-
sonders von den Fällen die Rede, wo die Narbe über den
Staubbeuteln sich befindet. Der Verf. glaubt, dass nicht immer
Wind oder Insekten erforderlich sind, um die Befruchtung zu
befördern, ja er hält es sogar nicht philosophisch, sich auf den
Wind in solchen Fällen zu berufen. Die Befruchtung geschieht
hier nach den Beobachtungen des Verf. erst spät nach dem
Oeffnen der Blüthe, und wenn die Blumenkrone gegen die Zeit
des Welkeiis sich dreht. So in Iris. Der Pollen fällt hier
beim Aufspringen der Anthere auf die Sammelhaare, nachher
richten die Abtheilungen der Blumen sich auf, krümmen sich
gegen die Mitte der Blüthe hin, und schütten so den Pollen
auf die Narben. Dasselbe gilt auch von Sisyrinchium und
Moraea. An Ipomoea und Convolvulus dreht sich die Blume
nach dem Ausspringen schraubenförmig zusammen und schliesst
den Griffel völlig ein; später löst sich die Krone an der Ba-
sis ab, gleitet beim geringsten Luftstoss am Griffel herab und
der auf ihr liegende Blüthenstaub kommt mit der Narbe in
Berührung. Bei den Malvaceen streuen die Antheren des Mor-
gens den Blüthenstaub weit aus, so dass er sogar zum Theil
über die Blumenblätter hinausfällt; des Abends aber richten
sich die Blumenblätter gegen die Mitte der Blüthe auf, so dass
der auf ihnen liegende Blüthenstaub mit der Narbe in Berüh-
runo- kommen kann; ja in manchen Blüthen drehen sich die
Blüthen scliraubenförmig und schliessen die Narben vollkom-
men ein.
Bei der Versammlung der Naturforscher zu Erlangen im
Jahre 1840 trug Herr Treviranus Bemerkungen über die
Haare am Griffel der Gattung Campanula vor (siehe
Flora 1840 S. 680). Er stimmt jetzt Ad. ßrogniart im Allge-
meinen bei, dass die Befruchtung in diesen Pflanzen wie ge-
wohnlich, durch Pollenschläuche geschehe, die er auch auf der I
Narbe antraf. Brogniarfc fand ferner, dass diese Haare nicht «
abfallen, sondern gleich den Krallen eines Raubthieres sich in
395
eine Scheide zurückziehen, welches Tr. ebenfalls bestätigt.
Derselbe fand Pollenkugeln in der Höhle des Haars selber stek-
ken, sie können also nicht zufällig in die Haare gekommen
sein, wie Br. glaubte. Dass sich unter diesen Haaren eine
Höhlung befinde, die in den Griffel hineingeht, ohne jedoch
mit dem leitenden Zellgewebe desselben zu communiciren, hat
Tr. gleichfalls beobachtet.
In den Anatomisch botan. Abbild, zur Erlauter. d. Grund-
lehre der Bot. Taf. 21, sind die Griffelhaare vonCampanula
Medium f. 1, 4 abgebildet worden. Man sieht, wie ein Kanal
aus dem Haare in den Griffel hineingeht, ohne jedoch mit dem
Griffelkanal in Verbindung zu stehen. Das Zurückziehen der
Haare finde ich nicht, wohl aber scheint es mir, als wenn der
vordere Theil des Haares sich löse und in den untern hinein-
sinke. Es fanden sich Röhren wie Pollenschläuche im Griffel,
aber gedrängt zusammen, und vor der Oeffnung der Antheren
(das. f. 1). Der Griffelkanal ist vor und nach dem Oeffnen
der Antheren unten geschlossen, nach oben aber offen (f. 2, 3).
Nach dem Oeffnen der Antheren sah man Pollenschläuche im
Kanal, die von den verlängerten Papillen, mit denen ich sie
in der Erklärung der Figuren zusammenstellte, verschieden,
auch so gezeichnet: sind, denn die einzelnen im Kanal zerstreu-
ten Papillen können durch den Schnitt hineingekommen sein.
Es ist sonderbar, dass sich Pollenschläuche im Griffelkanal vor
dem Aufbrechen der Antheren, wie es schien, fanden, doch
bedarf dieses noch einer genauem Untersuchung.
In den Ausgew. Anat. botan. Abbild. H. 2 (1840) T. 8 sind
Pollenschläuche abgebildet, wie sie in das Fruchtei drin-
gen. Die Mikropyle des Fruchteies von Mesembrianthemum
glomeratum war viel grösser als der eindringende Pollenschlauch
(f. 2) und man konnte nichts von einem entgegenkommenden
Embryosack, oder von einer andern innerhalb vorgehenden
Veränderung wahrnehmen. Dasselbe war auch der Fall beim
Eindringen eines Pollenschlauches in ein Fruchtei der Hohen-
bergia Billbergioides (f. 3); jedes Fruchtei in der Frucht die-
ser Pflanze war mit einem solchen Pollenschlauche versehen.
Die Pollenschläuche von derselben Pflanze, wie sie aus dem
Polleukorne entstehen, sind f. 4 vorgestellt, wo man die völlige
Uebereiustimmung zwischen dem in das Fruchtei dringenden
396
Schlauche, und dem eben aus dem Pollenkern entwickelten
sieht. Zwei Fruchteier von Gymnadenia conopsea, in welche
Pollenschläuche dringen, sieht man f. 5. Die Umhüllung des
Fruchteies ist so zart und durchsichtig, dass man deutlich
wahrnimmt, wie der Schlauch, sobald er eingedrungen ist, so-
gleich verschwindet. Nicht immer trifft der Pollenschlauch die
Oeffnung des Fruchteies genau, so sieht man ihn am Rande
der Mikropyle in f. 6 aus einer Frucht von Matthiola annua.
Die Art, wie die Pollenschläuche durch das Zellgewebe des
Griffelkanals dringen, ist f. 6 vorgestellt, aus Nicotiana Taba-
cum. Sie nehmen den kürzesten Weg, um aus dem Zellgewebe
in die Höhlung der Kapsel, um aus dem Gedränge ins Freie
zu kommen, doch konnte man hiebei kein Eindringen in ein
Fruchtei bemerken.
Das Keimen der Orchideen habe ich von Angraecum
maculatuni und Goodyera procera aufmerksam beobachtet, und
es ist in den Ausgewählten Abbildungen H. 2 (1840) Taf. 7
vorgestellt worden. Was ich gesehen liabe, ist so abweichend
von dem Keimen aller andern Monokotyledonen und so über-
stimmend mit dem Keimen der Zwiebelknospen, die sich auf
manchen Liliaceen finden, dass ich den Samen vielmehr für
eine Zwiebelknospe halten muss. Es ist *bekannt, dass die
Samen von manchen Pancratium-Arten in Zwiebelknospen sich
verwandeln, welches zwar nicht derselbe aber doch ein ähn-
licher Vorgang ist. Der Vergleichung wegen findet sich auf
der sechsten Tafel eine Analyse der Zwiebelknospe von Lilium
bulbiferum. Ich hatte die Zeichnungen von Angraecum, von
Hrn. Schmidt mit seiner gewöhnlichen Geschicklichkeit und
Treue verfertigt, schon seit einiger Zeit aufbewahrt, glaubte
aber, es sei eine zufällige Veränderung des Samens, bis ich
nicht allein Gelegenheit hatte, das Keimen an Goodyera genau
zu beobachten, sondern auch, bis ich an andern, allerdings
schon weiter im Keimen fortgerückten Orchideen, keinen wider
sprechenden Umstand sah. Der Same von Angraecum er-
scheint zuerst mit zwei Spitzen (f. 1); woraus sich, wie man
später sieht, der Stamm und ein Würzelchen entwickeln (f. 2).
Schneidet man den Samen in jenem Zustande der Länge nach
durch, so findet man ein Bündel von Spiroiden in der Mitte
des Zellgewebes, welches den ganzen Samen erfüllt (f. 3).
i
397
Durchschneidet man den Samen, oder die Zwiebelknolle, oder
den Kern, wie man ihn nennen will, nach dem Keimen, so
findet man ihn wenig verändert, nur geht ein Bündel von Spi-
roiden seitwärts ab in die Wurzel (f. 4). Auf eine ähnliche
Weise verhält sich Goodyera. Der Same, nachdem er ange-
schwollen und zu keimen angefangen (f. 8), hat seine äussere
Gestalt noch eben so, als er sie in der testa hatte (f. 7), zum
Beweise, dass er durch das Keimen keine wesentliche Verän-
derung erleidet, nämlich nicht aus einem wahren Samen in eine
Zwiebelknolle übergeht. Es war Hrn. Schmidt, der doch eine
grosse Geschicklichkeit darin besitzt, feine Schnitte zu machen,
nicht möglich, dieses mit dem Samen zu leisten, der noch in
der testa sich befand, wohl aber geschah es an dem Samen,
welcher eben zu keimen angefangen hatte. Hier lag nun eben-
falls ein Bündel von Spiroiden in der Mitte und alles Uebrige
war mit Zellgewebe (Parenchym) erfüllt. Die Zellen im
Umfange enthielten Chlorophyll, die Zellen gegen die Mitte
aber dunkele Körner, Phakocysten, wie sie Decaisne nennt
(f. 10). Nachdem der Keim so weit war, dass er zwei völlig
ausgebildete Blätter zeigte, wobei jedoch der Same selbst wenig
vergrössert erschien (f. 9) wurde ein feiner Längsschnitt' ge-
macht. Er zeigte sich wenig verändert von dem vorigen, das
Bündel von Spiroiden hatte sich vergrössert, und einzelne Ge-
fässe gingen zu den Blättern über. Die Zahl der Chlorophyll-
zellen hatten sich eher vermindert als vermehrt, und der Pha-
kocyst war in den meisten Zellen in kleine Körner zergangen
(f. 11). Statt einer grossen Wurzel, wie sie Angraecum zeigte,
fand man hier nur feine Wurzelhaare, welche den Kern um-
gaben. Macht man einen Längsschnitt durch eine Zwiebel-
knospe von Lilium bulbiferum, so findet man ebenfalls ein
Bündel von Spiroiden in der Mitte des Zellgewebes, woraus
sich die einzelnen Gefässe nach oben in die Schuppen der
Zwiebelknospe verbreiten (f. 11). Der einzige Unterschied
besteht nur darin, dass der Same dieser Orchideen ganz nackt
ist, die Zwiebelknospe hingegen in Blattscheiden eingewickelt
ist, wie man im Querdurchschnitte sieht (f. 10). An Lilium bul-
biferum sind immer drei Wurzeln (f. 12) vorhanden, die in
der Mitte, wie gewöhnlich, ein Bündel von Spiroiden haben.
398
ohne Mark; im Umfange aber sieht man Spiralfaserzellen, wie j
an den Luftwurzeln der Orchideen. \
Anomale Phanerogamen.
a. Parasiten.
Unger hat vortreffliche Beiträge zur Kenntniss der
parasitischen Pflanzen im Wiener Archiv für Naturge-
schichte Th. 2 (1840) geliefert. Nachdem er eine Uebersicht
der verschiedenen Meinungen über die parasitischen Pflanzen
gegeben, auch eine Litteratur über diesen Gegenstand, geht er I
zu den verschiedenen Abtheilungen dieser Pflanzen. Fangen
wir bei der untersten Stufe an, sagt er, so sehen wir erst den
Parasiten mit der Nährpflanze in der Art vereinigt, dass der-
selbe unmittelbar über den Holzkörper seines Trägers ent-
springt und durch sein Gefässsystem mit dem Gefässsystem der
Nährpflanze anastomosirt. Diese Form sieht man an den Gat-
tungen Rafflesia, Brugmansia, Pilostyles und Apodanthes, viel-
leicht auch an Cytinus. Es ist hier ein Versenken des einen
in den Körper des andern, ohne alle weitere Vermittelung,
deutlich zu erkennen; der unterste Theil des Parasiten ist in
die Nährpflanze gleichsam eingekeilt, das Parenchym desselben
schliesst sich genau an das Parenchym des Rindenkörpers der
Nährpflanze an, und die Gefässbündel des erstem legen sich
einzeln an die durch die Markstrahlen getrennten Theile des
Holzkörpers. Oder 2. der Parasit sucht eine Art von Wurzel-
stock zu bilden, wodurch er der Nährpflanze anhängt, und
aus dem er mehrere blüthentragende Schäfte treibt. Hydnora
Scybalium. 3. Durch verstärkte Reaktion (wahrscheinlich in
der Art und Weise der Keimung begründet) wird ein Theil
des Gefässsystems der Nährpflanze in den Wurzelstock des
Parasiten aufgenommen, und dadurch ein Körper gebildet, der
sowohl diesem als der Nährpflanze angehört. Balanophora,
Cynomorium, Cynopsole, Sarcophyte, Lophophytum und Om-
brophytum. 4. Der Parasit bildet einen Wurzelstock, dessen
Fasern sich an die Nährpflanze anheften. Ilelosis und Langs-
dorfia. 5. Kein Rhizom, sondern stark verästelte Wurzeln,
welche durch Saugwarzen mit der Mutterpflanze verbunden jj
sind. Lathraea Squamaria. 6. Einpflanzung des Parasiten wie|j
Nr. 1, dabei noch Wurzeln, die bald mit Saugwärzchen ver- i
399
sehen sind, bald ohne dieselben erscheinen. Orobanche, Phe-
lipaea, Conopholis, Hyobanche, Epipheagus, Aeginetia und Obo-
laria. 7. Der einem Rhizom ähnliche, knollenförmige, nnregel-
mässige Körper, woraus die Blüthenschäfte dieser Pflanzen ent-
springen, besteht aus einem Convolut innig verfilzter Wurzel-
fasern, welche zum Theil dem Parasiten, zum Theil der Nähr-
pflanze angehören. Monotropa Hypopithys. 8. Der Parasit
entwickelt sich ziemlich selbständig, und schickt nur hier und
da vom Stamme aus Haustellen (Saugwarzen) in die Nähr-
pflanze. Cuscuta und Cassytha. 9. Stark verästelte Wurzeln,
die sich bald über, bald unter der Rinde der Nährpflanze hin-
ziehen, und in selbe gleichsam infiltriren. Viscum, Loranthus,
Misodendron u. a. m. — Ueber die Anatomie dieser Gewächse
hat der Verf. manches beigefügt. Dickwandige Zellen kommen
oft vor, und zwar als in Bündel gestellte Zellen, die lang ge-
streckt und mit schiefen Querwänden versehen sind. Eine starke
Vergrösserung Hess an Helosia brasiliensis sehr deutlich dreizehn
Schichten zählen, und bei Langsdorfia hypogaea konnte man
sogar dreissig Schichten unterscheiden. Bei einer solchen Ver-
grösserung kann man auch die Kanäle, welche nach allen Rich-
tungen die Schichten durchsetzen, deutlich wahrnehmen. Diese
Schichten sind zuweilen ungleich abgelagert, und zwar so sehr,
dass eine Seite frei von jeder Anlagerung erscheint, indem
die andern sehr verdickt sind. Die Gefässbiindel der Rhizan-
theen sind aufi'allend klein und unbedeutend zu nennen; sie
bestehen aus zwei Gefässen und den dieselben begleitenden
dickwandigen Zellen. Die Gefässe gehören ohne Ausnahme
den netzförmigen, porösen Gefässen und den Treppengängen,
niemals den einfachen oder ringförmigen Spiralgefässen an. In
der Regel bestehen die Gefässe der Rhizantheen aus kurzen,
unregelmässig über [einander gestellten und durch theilweise
Absorption der Zwischenwände in ein Continuum verbunde-
nen Schläuchen, die oft mehr ein zellen- als gefässartiges An-
sehn haben. Man gewahrt auch in und an den Gefässbündeln,
vorzüglich bei Cynomorium und Helosis, dass sich zwischen
den einzelnen Zellen derselben eine eigenartige homogene Ma-
terie, welche weich und von brauner Farbe ist, in grössern
oder kleinern unregelmässigen Streifen und Nestern eingelagert
hat, wie auch Mohl bei den Farrn bemerkte. Die Vegetation
400
rechnet er zu seiner Vegetatio termiualis, wie sie die Farrn
zeigen. Sie sind keine Monokotyledonen. Abgesehen davon,
dass in den Monokotyledonen keine Anastomose der Gef.ss-
biindel stattfindet, welche doch bei den Rhizantheen deutlich
hervortritt, spricht noch der Umstand gegen diese Vegetations-
weise, dass man nie das bogenförmige Auswärtswenden der
Gefässbündel bemerkt. — Es folgen Bemerkungen über die
Antheren der Parasiten. An Pilostyles bedecken die keulen-
förmige Anschwellung der Columna genitalis an der untern
Seite zwei bis drei Reihen einfacher, dicht an einander ge-
drängter, an der Spitze abgeplatteter Schläuche. An Brugman-
sia besteht die Anthere aus vier Schläuchen, an Raflflesia findet
man eine unbestimmte Menge langgezogener Schläuche, die
sämratlich sich nach oben zusammenneigen, und durch eine
einzige Oeflfnung ihren Inhalt ausstreuen. An Hydnora bestehen
die Antheren aus in die Länge gezogenen Schläuchen, die sich
der Länge nach öffnen. An Sarcophyte sanguiuea sitzt eine
unbestimmte Menge stumpfkonischer, unter sich verwachsener
Schläuche zu einem Köpfchen vereint, auf einem dicken Trä-
ger ; beim Reifen zerreisst die obere, freie Wand dieser Schläuche.
Das Aufreissen wird durch die Elasticität von gestreiften, ge-
fässartigen Zellen unterstützt. Ganz denselben Bau haben auch
die Antherenschläuche in Hydnora. — Zuletzt redet der Verf.
noch über die Verwandtschaft mit den Pilzen, womit sie aller- ^
dings in mehreren Stücken übereinkommen. Sieben Tafeln
Abbildungen erläutern die Darstellungen des Verfassers, wo-
durch unsere Kenntniss dieser Gewächse eine bedeutende Ver-
mehrung bekommen hat.
Dass die parasitischen Pflanzen zu den Dikotyledonen ge-
hören, ist ohne Zweifel. Die Gefässbündel machen zwar oft
wie in sehr vielen andern besonders krautartigen Dikotyledo-
nen keinen Ring, sondern stehen getrennt in einem Kreise,
aber sie stehen nicht in mehreren Kreisen, wie bei den Mono-
kotyledonen. Dass die letztern keine Anastomose der Gefäss-
bündel zeigen, möchte ich nicht mit dem Verf. sagen; in. den
Knoten der Gräser ist dieses doch gar oft der Fall, auch ist,
das bogenförmige Auswärtswenden der Gefässbündel bei denjj
Monokotyledonen keinesweges die Regel. Nach den Darstel-I
lungen des Verf. scheinen manche Rhizantheen den Bau von*'
401
einem Wurzelstock (cormiis) zu haben; man vergleiche damit
z. B. den Wurzelstock vom Selleri (Apium graveolens). Die
dickwandigen Zellen gehören zu den Bastgefässen, oder Bast-
zellen, höchst wahrscheinlich. Der Verf. schränkt auch hier
den Begriff von Spiralgefässen nur auf solche ein, welchn ?ich
abrollen lassen und keine Haut zwischen den Windungen zei-
gen. Ich will mich nicht bestimmt darüber aussprechen, ob
diese Haut immer vorhanden ist, oder oft fehlt, aber wie' ich
schon einmal erwähnt habe, ich möchte niclit ein Kennzeichen
daher nehmen, auch nicht davon, ob sie sich abrollen lassen,
denn dieses kann durch das stärkere oder schwächere Ver-
wachsen der Windungen selbst, oder auch durch die grössere
oder geringere Stärke der Membran zwischen ihnen bedingt
werden. Er giebt meiner Meinung nach nur zwei Arten sol-
cher Gefässe, Spiralgefässe, wo ein Band schraubenförmig ge-
wunden ist und poröse Gefasse, worin sich runde Löcher oder
auch Querspalten befinden. Oben wurde die Abhandlung von
David Don über die Cycadeen angeführt, worin er sagt, er
habe poröse Gefässe mit Jodtinctur getränkt und gesehen, dass
die Oeffnungen sich auch gefärbt hatten, zum Beweise, dass sie
mit einer zarten Haut überzogen waren. Ich habe seitdem
diesen Versuch oft wiederholt, aber mit dem gerade entgegen-
gesetzten Erfolge, die Poren wurden gar nicht gefärbt, sondern
zeigten sich nun ganz deutlich als wahre Oeffnungen. Wenn
Hr. Don diesen Erfolg nicht sah, so kam es bloss daher, weil
er nicht genugsam feine Schnitte machte, wo noch eine dar
unter liegende Haut blieb, welche die Oeffnung verschloss
Dass die Querspalten sich als dunkele Streifen zeigen, rührt
von der Biegung der Lichtstrahlen an den Rändern her- es ist
dieses aber oft so täuschend, dass man diese Streifen für ab-
gekürzte Spiralfasern oder Bänder halten kann, wie es mir mit
vielen andern geschehen ist.
b. Lemnaceen.
Beiträge zur nähern Kenntniss von Lemna arrhiza
I«dn f^^'i^^Jo"'' ^» Wiegmanns Archiv für Naturgeschichte
1840, l.B. S.138. Der Verf. fand diese bisher wenig ge-
kannte oder vernachlässigte Art auf Gewässer in Süd-Holland
bei Gouda. Sie unterscheidet sich durch ihre Form; sie ist
Archiv f. Natargesch. VII. Jahrg. 2. Bd. 26
402
länglich oder rundlich, oben fast flach, unten aber stark ge-
wölbt, immer ohne Wurzeln und 0,05 Par. Zoll lang. Man
entdeckt bald an der untern Seite einen gelben Punkt, der sich
schnell ver£?rössert und eine neue Pflanze erzeugt, die noch
eine Zeitlang mit der Mutter verbunden bleibt, so dass die
ganze Pflanze gepaart erscheint, endlich sich aber trennt. Die-
ser gelbe Punkt ist also eine Knospe. In dieser Form schwimmt
Lemua arrhiza bis Ende Oktobers oder Mitte Novembers umher.
Dann findet man in dem Schlamm der Gräben, worauf Lemna
arrhiza gewesen ist, trockene Blätter mit gelben Körnern ver-
mengt, welche die Winterknospen sind, die sich im folgenden
Frühling entwickeln. Diese unterscheiden sich von den Som-
merknospen nicht so sehr an L. arrhiza als an L. polyrrhiza,
doch sind sie kleiner, mehr gelblich gefärbt, mehr dreikantig
mit abgerundeten Ecken. Diese Winterknospen sind von den
andern Lemna-Arten immer ohne Wurzeln, und daher oft mit
L. arrhiza verwechselt worden. Bei genauer Untersuchung ent-
deckt man da, wo die Knospe sich entwickeln wird, eine Spalte,
und in derselben liegen die jungen Knospen hinter und zu-
gleich auch neben einander; die Winterknospen enthalten zwei
Knospen von sehr ungleiclier Grösse, zuweilen eine dritte und
vierte. Die ganze Pflanze besteht aus Parenchym, hat Spalt-
öffnungen auf der obern Fläche, aber Nerven und Gefässe im
Innern konnte der Verf. nicht erkennen, auch sah er keine
Fructification. Ein schätzbarer Beitrag zur Kenntniss dieser
oft verkannten Pflanze!
F a r r n.
Unter den sogenannten Botanischen Aphorismen von Karl
Müller Flora 1840 S. 545 findet sich das Keimen der Pi-
lularia globulifera L. beschrieben, nebst Rücksicht auf Bi-
schoffs Beobachtungen und Berichtigungen derselben, wie er
sagt. Nachdem die Kapsel im Schlanun den Winter über ge-
legen, platzt sie im Frühling in vier Klappen auf, wodurch sie
Sporen und Sporulen ausleert, welche dann wieder neue Pflänz-
chen hervorbringen. Den Anfang des Keimens erzählt er auf
folgende Weise. Zuerst entwickeln sich im Innern der Sporen
die hyalinen Kügelchen des Eiweisstoffes, sie schwellen auf,
und sprengen dadurch die Sporen aus einander, durch welche
403
Oeffnung sich zuerst ein hyalines Bläschen entwickelt, diesem
Bläschen folgen bald ein zweites, drittes, viertes, die allzu-
sammt eine gekrümmte Gestalt annehmen. Nun zerplatzt die
Spore in vier Lappen und aus dem Innern derselben entwik-
kelt sich eine griingefärbte Masse. Auch die Warzen zer-
platzen jetzt und aus ihren Oeffnungen dringt ebenfalls eine
grüne Masse hervor. Von nun an trifft der Verf. ziemlich mit
Bischoff überein; die Fäden, welche Bischoff algen- oder pilz-
artige Gebilde nennt, hält der Verfasser zuerst für Kotyledo-
nen, nachher in eiijem Nachtrage S. 721 meint er, ihre Be-
stimmung sei die Spore über Wasser zu halten, da' sie durch
das Hervordringen der grünen Masse schwerer geworden sei.
Die Sporulen, wie er sie nennt, sah er aufplatzen.
Woher weiss der Verf, dass die Kügelchen von Eiweiss-
stoff sind? Hat er gesehen, dass diese durch ihr Anschwellen
die Sporen auseinander sprengen? Hat er das Platzen der War-
zen gesehen? Ich gestehe, dass die rasche Bestimmung des
Eiweissstoffes mich zu diesen Fragen veranlasst.
Ueber den Bau des Stammes von Isoetes lacustris
von Hugo Mohl, Linnaea 14B. S. 181.
Der Stamm oder Wurzelstock hat eine doppelte Furche
wodurch diese Art von Isoetes setacea Del. zu unterscheiden
ist, welche drei solcher Furchen hat, wie schon Delile bemerkte
In diesen Furchen stehen die Wurzelfasern, welche von oben
nach unten zu hervorwachsen, nicht wie gewöhnlich an sol-
chen Wurzelstöcken, wo die untern Wurzelzasern eher her-
vorbrechen, als die Obern. Eine andere Eigenthümlichkeit die-
ses Gewächses besteht darin, dass die äussern Schichten dieses
Stammes absterben und durch neue von innen aus ersetzt wer-
den. Die weisse Masse des Knollens enthält parenchymatöse
Zellen; der kleine centrale Holzkörper hat eine nach oben
eiförmige, nach unten halbmondförmige, convex gerundete
Form, und besteht aus einer gleichförmigen Masse kleiner
kurzgliedriger, rundlicher, sehr locker verbundener, grosser In-
tercellulargänge und Lücken zwischen sich lassender Schläuche
welche mit unregelmässigen Spiralfasern und Ringfasern besetzt
sind. Die Gefässbündel, welche von dem Holzkörper nach
allen Seiten ausstrahlen, bestehen aus zarten Ring- und Spiral-
gefassen und wenigen zarthäutigen, langgestreckten Zellen.
26*
404
Der Stamm von Isoetes hat wie die übrigen Gefässkryptogamen
eine vegetatio terminalis; der Holzkörper bildet mit dein hohem
Alter keine Schichten, sondern verlängert sich nur an seinem
obern Ende. Was aber den parenchymatösen Theil des Stam-
mes betrifft, so zeigt sich hier die oben schon erwähnte Merk-
würdigkeit, dass in jedem Jahre die ganze parenchymatöse
]VIasse° von einer im Umfange des Holzkörpers sich neu ent-
wickelnden ersetzt, nach aussen gedrängt wird, abstirbt und
zuletzt völlig verfault. Es muss, sagt der Verf. am Schlüsse,
bei der Keimungsweise der übrigen Kryptogamen, von welcher
wohl gewiss die Keiomng von Isoetes nicht bedeutend ab-
weicht, als durchaus unwahrscheinlich betrachtet werden, dass
diese Pflanzen einen wirklichen caudex descendens besitzen.
Da nun aber dennoch die Entwickehingsweise der Wurzelzasern
in absteigender Ordnung erfolgt, und da die centrale Holz-
masse, aus welcher die Gefässe der Zasern entspringen, sich
ebenfalls nach abwärts verlängert, so haben wir vielleicht an
Isoetes ein Beispiel von dem merkwürdigen, bei Tamus com-
munis so deutlich ausgesprochenen Falle, dass der untere Theil
der aufsteigenden Axe sich in den Verhältnissen seines Wachs-
thums ganz nach Art eines ursprünglichen caudex descendens
verhält, ohne dass man ihn wirklich als solchen betrachten
darf. — Es wäre zu wünschen gewesen, dass der Verf. auch
noch Isoetes setacea untersucht hätte, die leichter zu erhalten
ist, als Isoetes lacustris, weil sie anwächst, nachdem der Wur-
zelstock schon eine geraume Zeit trocken gewesen ist.
Die merkwürdige Erscheinung, welche Hr. Martens zuerst
zu Löwen im botanischen Garten beobachtet hat, dass nämlich
dort, wo Gymnogramma Calomelanos und chryso-
phy'lla sich befanden, eine Mittelart von beidenFarrn-
kräutern hervorwuchs, hat auch Bernhardi in Erfurt be-
obachtet (Otto's und Dietrich's Gartenzeitung 1840 S. 249 und
325). Es ist nämlich im botanischen Garten daselbst ein Farrn-
kraut aufgewachsen, welches zwischen Gymnogramma distaus
und chrysophylla in der Mitte steht, Arten, die in demselben
Garten gezogen werden und oft neben einander gestanden
haben. Der V»^edel dieses Mittelfarrns ist nach obe-n abneh-
mend doppelt gefiedert, die Gestalt der Fiedern und Fieder-j
abschnitte hält das Mittel zwischen der Gestalt dieser Theile
405
an den Stammältern. An der Basis der Wedelstiele und der
Wedelfedern, da wo sie an dem Stiel befestigt sind, sieht man
den weissen Staub von G. distans aufgestreut, an den übrigen
hingegen den gelben Staub von G. chrysophylla , doch etwas
blasser. Hr. Bernhardi hält diese Formen für wirkliche Ba-
starde; er empfiehlt die Befruchtung der Farm an diesen
Arten von Gyninogramma aufmeriisam 7Ai beobachten; er meint,
wenn seine Behauptung über die männlichen Geschlechtstheile
dieser Pflanzen sich bestätigen sollte, so möchte sich die Er-
scheinung leichter erklären lassen, als wenn man andere Theile
für Antheren hält.
Die Meinung, dass die Arten von Farrnkräutern, von
denen man solche Mittelformen beobachtet hat, Abänderungen
einer und derselben Art sein möchten, verwirft Hr. B. zu leb-
haft; wirklich stehen diese Arten einander sehr nahe und die
Farrnkräuter sind keinesweges sehr beständig in ihren For-
men, wie der Verf. meint, vielmehr ändern sie gar sehr ab,
und weit mehr als andere Gewächse. Oft &ieht man an einem
und demselben Wedel der grössern Polypodien, lange und
kurze, spitze und stumpfe Federstücke. In dem Verzeichnisse
der Farrn des Königl. Botan. Gartens zu Berlin (Filicum spe-
cies in Horto R. Bot. Berolin. cultae Berol. 1841) habe ich
zwei Arten von Ceropteris (so nenne ich die bestäubten Arten
von Gymnogramma) characterisirt, die man für solche Bastarde
gehalten hat, nämlich C. Martensii, angeblich ein Bastard von
C. calomelanos und C. chrysophylla und C. Massoui der Ba-
stard von C. distans und C. clirysophylla, von dem Bernhardi
hier redet. Auch ist eine Ceropteris angegeben, die zwischen
C. calomelanos und C. distans in der Mitte steht. Die Gat-
tung Ceropteris hat nicht allein ihren Character in den son-
derbaren Haaren, welche Wachs ausschwitzen, sondern auch in
der Zerstreuung der Fruchtkapseln, welche in Gymnogramma
regelmässig in Linien gestellt sind.
Der Verfasser, indem er seine Meinung über die Anthe-
ren der Farrn anführt, sagt, mau habe sie meistens falsch
dargestellt, indem man die verdickten Enden der Blattnerven
dafür gehalten, und dieses sei vermuthlich aus Bequemlichkeit
geschehen, indem man Sprengeis Darstellung gefolgt sei, und
nicht seine eigene Abhandlung nachgelesen habe. Das ist wohl
406
nicht der Fall gewesen; die Abhandlung fand sich in einem
damals — vor vierzig Jahren — viel und mit grösserer Auf-
merksamkeit gelesenen Journal, als man auf Sprengeis Dar-
stellung verwandte. Aber wenn ich der umständlich genauen
Darstellung des Verf. folgte, so kam ich zuerst auf die ver-
dickten Enden der Nerven, und von dort äusserlich zuweilen
auf Körner, die ich für die von dem Verf. angedeuteten An-
theren hielt, die mir aber Excretionen scheinen. Oft liabe ich
vergeblich nach bestimmten Formen gesucht, und das ist aller-
dings der Grund gewesen, warum ich nichts davon öffentlich
gesagt, bis allerdings durch einen Gedächtnissfehler, jene Kör-
ner sich verloren, und die gewiss sehr merkwürdigen, in
keiner Pflanzenklasse vorkommenden verdickten Nervenenden
in der Erinnerung zurückblieben. Sprengel liatte auf ähnliche
Punkte an Crassula crenata hingewiesen, aber diese sind sehr
verschieden von jenen verdickten Nervenenden, die aus einem
Knäuel von Spiroiden bestehen, wie sie in den Ausgew. anat.
bot. Abbild. H. 3 T. 3 F. 8 dargestellt sind. Will man Theile
für Antheren halten, so sind es offenbar die, welclie Blume
zuerst bestimmt angegeben hat, und welche in demselben Heft
der Ausgew. Abbild. T. 3 F. 1 — 5 abgebildet sind; sie haben
gewiss die grösste Aehnlichkeit mit den Antheren, wenn ich
auch keinesweges ihnen dieselbe Function zuschreiben will,
welche die Antheren der Phanerogamen deutlich haben. Denn
man darf nur einen Blick auf das Auge des Maulwurfs werfen,
womit er gewiss nicht sieht, um einzusehen, dass die Natur
auch umsonst etwas thut. Aber gesetzt auch, diese Antheren
derFarrn oder die von Bernhardi als solche anerkannten Theile
hätten wirklich die Function der Befruchtung, so sehe ich doch
nicht ein, wie Bastarde in dieser Klasse der Gewächse ent-
stehen können; für die Blumeschen Antheren sind die Weib-
chen derselben Art zu nahe, für die Bernhardischen Antheren
die Weibchen anderer Arten zu ferne und es ist nicht zu sagen,
wie sie dahin gelangen könnten.
Moose.
Ueber den Bau der Setae von Funaria hygrome-
trica von Edwin Lankester. Annais of natural History
T. 4 p. 362. Die Fruchtstiele dieser bekannten Moosart sind
407
schon lange wegen ihrer hygroskopischen Eigenschaften be-
kannt. Der Verf. untersuchte sie in dieser Rücksicht genauer.
Nimmt man einen trocknen Fruchtstiel in die Iland, und be-
netzt den untern Theil mit dem Finger, so dreht sich die
Kapsel von der Rechten zur Linken, indem sie zwei, drei und
mehr Umdrehungen macht; benetzt man den obern Theil auf
dieselbe Weise, so dreht sich die Kapsel noch schneller in
einer entgegengesetzten Richtung. Bei der mikroskopischen
Untersuchung findet man den ganzen Stiel aus langgestrecktem
Zellgewebe bestehend, welche spiralförmig (schraubenförmig)
gedreht sind. Doch ist das Zellgewebe nicht überall gleich-
förmig gedreht, sondern um zwei Drittel der Länge fängt es
au gerader zu werden und oben dreht es sich wiederum, aber
stärker und iu einer entgegengesetzten Richtung. Die Ursache
des Drehens scheint allerdings in dieser Richtung des Zellge-
webes zu liegen. Ob nun die Feuchtigkeit das Gewebe gera-
der macht, indem sie sich dadurch hinzieht, oder ob es von
der blossen Ausdehnung des äussern Gewebes herrührt, mag
dahin gestellt sein. Die Kapsel dreht sich in einer den Win-
dungen des benetzten Endes entgegengesetzten Richtung, und
dass sie sich schneller dreht, wenn das obere Ende benetzt
wird, rührt von der stärkern Drehung der obern Windungen
her. Doch ist die Trockniss der Fasern nicht allein die Ur-
sache, denn die grünen Fruchtstiele, obgleich völlig getrocknet,
drehen sich nicht. Da nun aber die Kapsel zur Zeit der Rei-
fung gegen die Erde sich kehrt, so ist es wahrscheinlich, dass
die schon vorhandene Drehung der Fasern noch stärker wird,
und so die Bewegungen hervorbringt.
Es ist durch die vielen Streitigkeiten über das Hygrometer,
welclie einst zwischen de Saussure und de Luc geführt wurden,
ausgemacht, dass die trockene Pflanzenfaser durch die Feuch-
tigkeit verkürzt, die thierische Faser hingegen verlängert wird.
Vermuthlich weil die erste hohl ist, und nun durch die einge-
sogene Flüssigkeit ausgedehnt und so verkürzt wird. Die zweite
hingegen mag aus aneinander gereiheten, dichten Theilen
bestehen, welche die Feuchtigkeit von einander entfernt. In
dem vorliegenden Falle scheint es, dass, wenn die grünen Stiele
getrocknet werden, der dickflüssige Inhalt der Zellen einen trock-
nen Bodensatz in den Zellen lässt, und sie so ausfüllt, indem
408
beim Reifen der Kapsel dieser Inhalt aufgelöst und so auf-
gesogen und anderwärts verwandt wird, wodurch beim Trock-
nen die Zellen leer werden und wie hohle Röhren wirken.
L i c h e n e n.
In der Uebersicht der Arbeiten und Veränderungen der
Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur im Jahre
:1840 findet sich S. 95 eine Nachricht von H. Körbers Auf-
satz: lieber die Fortpflanzung der Flechten durch
Keimkörner. Ich ziehe nur folgende Stelle aus, welche mir
die Hauptsache jener Abhandlung zu enthalten scheint (S. 98):
„Die individuelle Fortpflanzung geschieht vermittelst Soredien,
die sich durch eine innerzellige Entwickelung zu neuen Indi-
viduen gestalten. Diese innerzellige Entwickelung wird schon
im Innern der Mutterzelle dadurch vorbereitet, dass das ein-
fache (primäre) Gonidium, das noch eine deutliche sphärische
Zelle ist, seinen in ihm enthaltenen, organisirbaren, söbleimigen
Stoflt zu Elementarkügelchen ausbildet: dass ferner, sobald die-
ses geschehen und das Gonidium dann als Soredium aus dem
Thallus hervorgetreten ist, die ursprüngliche Mutterzelie ab-
sorbirt wird, und das Soredium somit niclits andres ist, ^Is
der freigewordene Inhalt der Mutterzelle, welcher ein stetig
verbundenes Zellgewebe durch jene neuen, mittelst des Bil-
dungschleimes verbundenen Zellchen (Kügelchen) vorbereitet.
Diese neuen Zellen scheinen somit eine Art Cytoblasten der
ursprünglichen jetzt absorbirten Mutterzelle zu sein, die jedoch,
immer mehrere aus einer Mutterzelle, sich selbst noch umzu-
bilden fähig sind."
Wenn man Lobaria pulmonaria untersucht, die doch grosse
Soredien zeigt, so sieht man, dass hier wenigstens von Allem
dem, was der Verf. sagt, kein Wort wahr ist. In dem dritten
Heft der Ausgew. Anat. bot. Abbild. (1841) ist ein solches
Soreaium T. 5 F. 11 abgebildet. Man sieht, dass die innere
flockige Masse, die bei h. F. 13 sehr vergrössert vorgestellt
ist, hervorbricht und das Soredium bildet. Die äussere zel-
lige Umhüllung, die man bei a. F. 13 sehr vergrössert sieht,
wird dagegen durchbrochen, und von ihm tritt nichts zum So-
redium. Ich zweifle sehr, dass die individuelle Fortpflanzung
409
ler Lichenen durch Soredien geschieht, und an allen den Fol-
gen, die daraus gezogen werden.
Algen.
Bemerkungen über Spongllla fluviatilis von John
Ho-g in Transact. of the Linnean Society of London V. 18
P 3 (1840) p. 363 und 368. In dem ersten Aufsatze erklärt
sich der Verf. für die vegetabilische Natur dieses Organismus.
Er könne nicht glauben, dass die samenartigen Körper der
Spongllla die Eier von einer Cristatella (vagans) seien, da er
nie eine solche Cristatella in ihrer Nähe gefunden habe. In
dem zweiten wichtigbn Aufsatze erzählt er umständlich seine
Beobachtungen über die Spongllla. Im Jahre 1838 bemerkte
er einige keimartige (germlike) Körper, die in dem Napfe her-
umschwammen, worin sich eine Masse von gut vegetirender
Spongllla befand. Sie sind zwar klein, aber mit blossem Auge
zu sehen, weiss, von einer kuglichten oder vielmehr ovalen Ge-
stalt der untere und kleinere Theil ist undurchsichtig, der
obere durchsichtig und häutig. Ihre Bewegungen waren eben
so auffallend als zierlich; sie stiegen von der Spongllla am
Boden des Gefässes bis zur Oberfläche, sie schwammen lang-
sam auf der Oberfläche, oder fuhren durch das Wasser, wie
ein Luftballon in der Luft; sie näherten oder entfernten sich
von einander, sie schwebten an einer Stelle ruhig, oder dreh-
ten sich in Kreisen umher. Immer aber bewegten sie sich so,
dass der runde Theil voran war. Dann brachte er einen von
diesen Körpern in ein Uhrglas, und erneuerte das Wasser tag-
lieh zwei- bis dreimal. Zuerst bewegte sich der Körper, drehte
sich dann langsam um die Axe, setzte sich endlich fest und
verwandelte sich in eine weisse, undurchsichtige Substanz, die,
so wie sie im Wasser wuchs, gallertartig erschien, aber trocken
kleine Zellen und Fasern und Spiesse zeigten. Fm dieselbe
Zeit machte er einen Versuch mit den samenartigen (seedlike)
Körpern, die er sporules nennt. Er nahm sie von der Spon-
gllla ab,' und setzte sie in eine Tasse, die er mit Wasser an-
füllte und zweimal täglich erneuerte. Diese Körper bewegten
sich nicht, aber nachdem sie einige Zeit gelegen hatten, drang
aus der Oeffnung an ihrer Spitze eine weiche, undurchsichtige
Substanz, welche den Samen an die Tasse klebte. Diese Sub-
410
stanz nahm nach und nach zu, und überzog zuweilen ganz
und gar den Mutterkörper, verbreitete sich auch umher über alle 1
nahgelegenen Körper. Zuerst sah man keine Spuren von der
Spongilla selbst, sondern nur eine weisse, dicke, gallertartige
Materie, aber wenn man diese Materie trocken werden liess,
so zeigte sich die Membran der Spongia und man sah die
Löcher, welche durch die Verwickelung der Fasern gebildet
wurden, nebst den Spiesschen. — Der Verf. untersucht nun,
ob die keimartigen Körper sich in die samenartigen verwan-
deln, und entscheidet sich dagegen; es sind verschiedene Früchte,
die er sporules und sporidia nennt. Er führt ferner die Be-
obachtungen über die Bewegung der keimartigen Körper aus
andern Algen, namentlich Ectosperma clavata an, als eine
Bestätigung der algenartigen Natur der Spongilla. Er sah die
Strömungen um die Keimkörper der Spongilla, wenn sie sich
bewegten, aber kleine Zasern (cilia) konnte er nicht bemerken,
wie man sie an wirklichen Zoophyten gefunden hat; er hält
sogar diese Fasern für ein Kennzeichen der thierischen Natur.
Die Bewegung der keimartigen Körper aus den Algen rühre
von einer Endosmose und Exosmose her. Er führt nun andre
Uebereinstinimungen der Spongilla mit den Vegetabilien an,
die Aehnlichkeit der Membran, der gallertartigen Substanz,
der grünen chromule (Chlorophyll), des Verhaltens in Säuren
und der Gasentwickelung im Licht. Er kommt ferner auf die
Strömungen, welche in die innerlichen Höhlungen der Spon-
gilla und aus ihnen fliessen und schreibt sie grösstentheils
einem aphisartigen Insekt von grüner Farbe zu, doch nicht
allein, sondern auch der Endosmose und Exosmose. Nun
sucht der Verf. Dujardins Gründe für die thierische Natur die-
ser Spongillae zu widerlegen, und zuletzt bringt er auch noch
manches für die vegetabilische Natur der See-Spongien bei.
Die Beobachtungen des Verf. verdienen grosse Aufmerk-
samkeit. Manche von ihm angeführte Gründe für die vegeta-
bilische Natur der Spongilla und der Spongien überhaupt möchte
man wohl nicht hinreichend finden. In der Hauptsache muss
man aber ihm beistimmen, und zwar vorzüglich deswegen,
weil diesen organischen Körpern ein Centralorgan, der Magen,
fehlt, welches allen Thieren eigenthümlich ist. Auch sind die
Spongillcn nicht aus den thierischen Stoffen abgesondert, wie i
411
die Stamme der Sertularicn und ähnlicher Zoophyten, die ich
gern dem Thierreiche überlasse, ungeachtet ich früher glaubte,
sie wüchsen pflanzenartig auf. Dass übrigens mannichfaltige
Bewegungen, wie sie der Verf. an den Keimkörpern der Spon-
gillen beobachtete, von der Endosmose und Exosmose herrüh-
ren sollten, ist gar nicht glaublich, die Häute, wodurch die
1 Endosmose ' und Exosmose geschieht, bleiben eben deswegen
unbeweglich, weil die Strömung der Flüssigkeiten durch sie
hingeht. Die Endosmose und Exosmose kann man nur als
Analogie zur Erklärung anwenden, nicht als Erklärung selbst,
aus dem einfachen Grunde, weil sie selbst noch nicht erklärt ist.
Ueber denselben Gegenstand, nämlich über die Spon-
gillen und ihre Fortpflanzung finden sich in den Comptes
rendus von 1840 V. 2 p. 478, 694, 1050 mehrere Beobach-
tungen von Laurent angezeigt. Herr Laurent nimmt eine
thierische Natur dieser Organismen an, Sie zeigen dreierlei
Fortpflanzungskörper: 1. Keimartige Körper, die er als unge-
franste (non cilies) Knospen betrachtet ; 2. Eierförmige Körper,
welche sich im Frühling bilden und von den eiförmigen Körpern
der spätem Jahreszeit verschieden sind ; 3. Proteische (proteifor-
mes) Körper, die sich von den rhizopodischen Verlängerungen
der jungen Spongillen losreissen. Auch hat er Fortpflanzung
durch Selbstspaltung (scissiparite naturelle) der alten Spongil-
len angegeben. In dem zweiten Memoire geht Hr. Laurent die
Phasen des Lebens dieser Spongillen durch. Die erste Phase
ist die des latenten Lebens, worin sich zuerst die eierför-
migen Körper und die Genuuen befinden ; der Inhalt der ersten
ist dann körnig wässerig Cglobulino-aqueux) und zur Zeit des
latenten Lebens der zweiten ist die ganze Spongille noch kör-
nig wässerig. Die Spiesschen fehlen noch zu dieser Zeit, Die
zweite Phase ist die des embryonischen Zustandes, wo das
ganze Gewebe noch fast körnig-klebrig (subglobulo-glutineux)
ist; die Eier gehen aus dem körnig- wässrigen Zustand in den
körnig-klebrigen über, auch die Gemmen der gefransten Em-
bryonen, früher kuglicht, werden länglich; die Spiesschen und
die proteischen Körper erscheinen zuerst. Die Spongillen,
welche aus diesem dreifachen Ursprünge sich bilden, sind ganz
gleich. In dem dritten Zustande erscheint zuerst die Spon-
gille mit einer Haut überzogen, und wenn diese reisst, sieht
412
man die Höhlungen derselben und die Eier. Die Fortpflanzung
durch proteische Stücke geschieht nur an sehr jungen Indivi-
duen, die aus gefransten Embryonen entstehen, indem die
Selbsttheilung nur an alten Individuen geschieht, die aus ge-
fransten Embryonen sich schon wieder erzeugt haben. In dem
dritten Memoire vergleicht er die gefransten, freien Embryo-
nen der Spongiila mit den freien Embryonen von Ectosperma
clavata. Die ersten bewegen sich noch zwei bis drei Tage, statt
dass die letzten sich nur zwei bis drei Stunden bewegen, oder
sich auch sogleich festsetzen. Bei einer Vergrösserung von
2 — 300 i. D. sieht man deutlich die Fasern an den Embryo-
nen der Spongiila, an den letzten nicht; auch haben die ersten
einen Strom um sich, die letzten nicht. Die Embryonen der
Spongiila sind weiss, der Ectosp'erma sind grün.
Iliebei will ich zurückführen auf die Beobachtungen von
Agardh in Suensk. Vetensk. Hdlgar. f. är 1837, übers, in der
Flora für 1840 S. 128, wo A. beschreibt, wie ihm aus sol-
chen sich bewegenden Körnern eine Draparnaldia tenuis er-
wuchs, auch wie er eine Bewegung der Körner in einigen Glie-
dern der Bryopsis Arbuscula sah. Auch ist Rücksicht zu neh-
men auf Hrn. Morrens Bemerkung, der in Vaucheria clavata
(Ectosperma cl.) den Rotifer vulgaris fand, so dass er bei der
Oeffnung des Gliedes sich nicht entfernte. Bullet, d. l'Acad.
roy. d. Bruxell. T. 6 p. 4.
Die von Hr. v. Lobaczewski beobachtete Saftströmung in
Closterium Lunula Nizsch., beschrieben in der Linnaea B. 14
S. 27S, muss ich doch den Zoologen überweisen, so nahe auch
die Erscheinung denen steht, welche man in Chara und andern
Pflanzen beobachtet hat.
Eben so gehört das, was Meyen vom rothen Schnee in
VViegmann's Archiv 1840 B. 1 S. 166 sagt, der Zoologie an,
sofern Protococcus nivalis und viridis Infusionsthierchen und
zwar Euglena sanguinea und E. viridis Ehrenb. in ruhendem
Zustande sind.
Pilze.
Der Hausschwaram von Seh wabe Linnaea 1840 p. 194.
Der Verf. beschreibt den Hausschwamm, Boletus destructor
Schrad. (Polyporus destructor Fries), besonders aber den thallus
413
von seinem ersten Ursprünge an sehr genau, und sagt, dass
er in Dessau häufiger sei als Merulius Vastator Tode (lacry-
inans Fr.). Die Zerstörung des Holzes, setzt er hinzu, scheint
dadurch herbeigeführt zu werden, dass die Pilzfasern diejenige
Nahrung, die sie zu ihrer Vegetation gebrauchen, den IIolz-
zellen entziehen, wodurch diese letzten ihren Zusammenhang
und ihre Zähigkeit verlieren; vorzüglich leiden die häutigen
Wände der Zellen, denn unter dem Mikroskop zeigen sich
diese am meisten spröde und zerrissen. — In Berlin, doch
Dessau sehr nahe, ist Merulius Vastator Tode der häufigste.
Dieser zieht aber vielmehr durch seine Fasern oder Röhren
Feuchtigkeit aus der Luft an, die er im Holze verbreitet, und
dadurch Fäulniss hervorbringt.
Penicillium Bioti beschrieben von Turpiu, Compt.
rend. V. 1 p. 507. Dieser Schimmel war in einer dicht ver-
schlossenen Flasche aufgewachsen, die Biot dem Verf. schickte,
worin sich destillirtes Wasser mit etwas Dextrine befand. Er
beschreibt nun die Fäden (den thallus) dieses Pilzes mit grosser
Genauigkeit, und setzt hinzu, dass die aufgeschwollenen Glie-
der, worin sich Körner befinden, ihn bewogen haben, eine be-
sondere Art daraus zu machen. Von der Fructification heisst
es: Ist die Vegetation zu einer gewissen Epoche gekommen,
so lässt sie nach; die Glieder der kleineu Stämmchen werden
kürzer, kugelförmig, zeigen sich in schnurartigen Reihen, die
einfach sind, oder deren mehrere zusammen und wechselnd
stehen. Die Kügelchen sind bläulich. Der Pilz pflanzt sich
dem Verf. zufolge auf eine dreifache Weise fort, erstlich durch
eine fast freiwillige Erzeugung, denn die organischen'* Kügel-
chen der Dextrinen dürfen nur gehörig geordnet werden, um
diesen Schimmel unmittelbar darzustellen, ferner durch Kügel-
chen in den Röhren, die bei der Zersetzung der Röhren her-
auskommen und endlich durch abgeschnürte Glieder.
Ich zweifle, dass Penicillium Bioti von Penicilliun*»glau-
cum verschieden ist. Dieses entsteht in allen schleimigen,
süssen und vegetabüiscli-sauren Auflösungen, auch in Salzen,
die aus vegetabilischen Sauren bestehen.
Gardner hat in Brasilien einen neuen phosphore-
scirenden Pilz entdeckt. Description of a new phosphore-
scent species of Agaricus by George Gardener with remarks
414
upon it by the Rev. M. J. Berkeley, Hooker's Journal of Bot
tany V. 2 (1840) p. 406. Er gehört zu den Arten pileo ex-
centrico, und Berkeley erinnert daran, dass er zur Untergat-
tung Panus von Fries zu bringen sei. Die Kennzeichen sind
pileo carnoso-coriacco, subinfundibilifornii, glabro, flavo, laniel-
lis longe decurrentibus pallidioribus, stipite brcvi, coriaceo, gla-
bro, cinerascente. Hab. in Brasilia ad folia Palmarum, quae ab
incolis dicuntur Pindoba. In einer dunkeln Nacht im Anfang
des Monats December, sah er in der Stadt da Natividade in
der Provinz Goyazes, Knaben mit Stöcken von einem leuch-
tenden Pilz spielen; diess bewog ihn, sich den vollständigen
Pilz zu verschaffen, welches ihm auch gelang, so dass er eine
Beschreibung davon geben konnte. Berkeley setzt hinzu, dass
es mehrere im Dunkeln leuchtende Pilze gebe, und führt den
Ag. olearius Dec. in dieser Rücksicht an; auch will er daher
den Namen Ag. phosphorescens in A. Gardneri verändert wis-
sen. — Es ist die Frage, ob diese Pilze immer und unter
allen Umständen leuchtend sind ; die Rhizomorphen sind es nicht.
Chrysomyxa Abietis, ein Pilz und Exanthem der
Rothtannen, ist beschrieben von F. Unger. S. Froriep's Neue
Not. 16 (1840) S. 10 folg. Auszug aus Ungers Beiträgen zur
vergleichenden Pathologie, Wien 1840, Zuerst eine genaue
anatomische Beschreibung der Blätter, dann geht er zum Exan-
them über. Es findet sich an dem letzten Jahrestriebe und
zwar fast an allen Blättern desselben. Auf der Lichtseite des
Blattes gelbliche Entfärbungen, auf der Kehrseite ähnliche Ent-
färbungen, auch ein oder melu-ere rostgelbe Flecke, aber nur
dort, wo sich die Reihen von Spaltöffnungen finden. Die gelb-
rothen Flecke erheben sich warzenförmig, und die Oberhaut
reisst auf; am Rande sieht man dicht gedräiigte Röhren von
hochrother Farbe, nach der Mitte unregelmässige, nach oben
etwas erweiterte, theilweise verzweigte Schläuche, die auf einer
schleimig-körnigen Materie sitzen. Diese Substanz macht das
stroma der Pustel. Dann entsteht ein Gewebe aus cylindri-
schen, einfachen und verzweigten, sehr verfilzten Flocken. Die
Krankheit endet mit dem Abfallen der Blätter. Sie entsteht
in den Athemhöhlen des Blattes als eine schleimig-körnige Ma-
terie, Der Verf. schreibt die Ursache der Feuchtigkeit zu,
415
welche den Athemprocess hindert. Die Krankheit, schliesst der
Verf., ist eine heterogene Zeugung.
Die Atherahöhlen des Verf. sind eine Schicht grosser Zel-
len. Dass die Spaltöffnungen auch in den jüngsten Blättern schon
Iverstopft sind, gesteht der Verf., meint aber, die Luft könne
'doch durchdringen. Im Schhiss ganz einverstanden mit dem
Verf.; doch ist dieses ein Gegenstand der allgemeinen Phy-
. siologie und Pathologie.
In dem Flugbrande, Uredo segetum, hat Hr. Lucas
[Humin gefunden, Einhof fand denselben Stoff, erkannte ihn
nur nicht als Humin. Aus den Spiroiden des Agaricus atra-
mentarius Bull, wurde schon von Braconnot Humin geschieden,
und es scheint dieser Stoff überhaupt in vielen dieser niedern
Pflanzen herrschend zu sein. Annal. d. Pharmacie v. Wöhler
und Liebig B. 37 S. 90.
Monstrositäten.
Herr deLafont, Baron von Melicocq, giebt in den Annal.
d. scienc. uatur. II. S. T. 14 p. 255 mehrere Abänderungen von
der Linaria vulgaris an, die man mit der grossen Sammlung
von solchen Abänderungen, welche Hr. Pr. Ratzeburg geliefert,
vergleichen mag. Sie wurden bei Cambrai und Arras gesam-
melt, und sind: 1. Blume (corolle) mit zwei Lippen, zwei Spor-
nen gleich oder ungleich; eine von diesen Blumen hatte sechs
Staubfäden, wovon zwei kürzere. 2. Blume mit zwei Lappen,
drei Spornen, der mittlere länger, ziemlich häufig. 3. Blume
mit zwei Lappen, drei gleich lange Sporne; selten. 4. Blume
ohne Oberlippe, die untere mit vier Abtheilungen, vier Sporne
von derselben Länge, vier Kelchabschnitte; ein einziges Exemplar.
5. Blume fast ohne Oberlippe, die Unterlippe mit fünf Abtheilun-
gen, sieben Sporne, sechs Staubfäden, zwei kürzer, acht Kelch-
abschnitte; sehr selten. 6. Regelmässige Blume mit fünf Abthei-
lungen, fünf Spornen; selten. 7. Blume mit zwei Lappen, aber
an der Basis mit ein bis drei, zuweilen vier blumenartigen An-
hängseln, gefärbt wie die Unterlippe der Blume; einige von
diesen Blumen haben zwei Sporne. Ein Exemplar hatte
einen sehr entwickelten blumenartigen Anhang, fast so lang
als die Blume; die beiden Lippen der letztern lagen horizon-
tal, der Sporn war vertical geblieben. 8. Blume völlig um-
416
gekehrt, und an der Basis mit einem wahren Bhimenblatt ver-
sehen. 9. Blume mit zwei Lappen, an nler Basis ein blunien-
blattartiger Anhang, drei Sporne von derselben Länge, fiin!
Staubfäden; selten. 10. Die obere Lippe der Blume hat drd
Abschnitte. — Die Unterlippe mit vier Abschnitten. Selten»
11. Blume mit zwei Lappen, ohne Sporn. 12. Gebänderter Stamm,
Dass die Blume von Linaria vulgaris eine grosse Menge
von Abänderungen zeigt, mehr als von irgend einer anderen
Pflanze, rührt, meiner Meinung nach, von der sonderbaren Stel-
lung der Gattung zwischen den Personatae und den Solaneae
her. Es ist, als ob die Blume alle Mittel ergriffe und alle Wege
versuchte, um aus ihrem gefesselten Lippenzustande der Per-
sonaten in den regelmässigen der Solaneen, denen sie ver-
wandt ist, zurückzukehren. Die Veränderung trifft, so viel ich
weiss, nicht den Fruchtknoten, weil dieser in beiden natür-
lichen Ordnungen beinahe dieselbe Form hat.
Hr. Göppert machte in der Uebersicht der Arbeiten der
Schlesischen 'Gesellschaft f. v. L. 1840 S. 103 eine Beobach-
tung über Misbild u ngen an einem Exemplare von Tragopo-
gon Orientale bekannt. Bei den meisten Blüthenköpfen
waren säiinntliche Haarkronen in lanzettlich zugespitzte Blät-
ter verwandelt, während Blume, Anthere und Narbe nur schwach
grünlich gefärbt erschienen. An einigen Blüthen in dem ober-
sten Blüthenkopfe waren Staubfäden nebst Antheren in grüne,
zarte Blättchen verwandelt und ein neuer, vollständiger, klei-
ner Blüthenkopf hatte sich in dem Theilungswinkel der Narbe
gebildet, wobei die Narben auch schon anfingen, eine blattartige
Beschaffenheit anzuehmen. Eine allerdings seltene Proliferation.
Kleine Pflanzen von Drosera intermedia hervor-
gewachsen auf dem Blatte einer andern, beschreibt Herr
Naudin in den Ann. d. Scienc. natur. T. 14 (1840) p. 14.
Ein Blatt von einer Drosera intermedia (Dr. anglica) zeigte
auf der oberen Seite des Randes zwei Droserapflanzchen im
Kleinen, die sich aus dem Zeilgewebe zwischen dem mittlem
Blattnerven und einem am Rande erhoben und ungefähr andert-
halb Linien von einander entfernt standen. Sie waren 5 — 6 Li-
nien lang und hatten, sonderbar genug, einen Stamm, mit wech-
selnden Blättern nach der Abbildung, da doch sonst die ein-J
heimischen Drosera-Arten stammlos sind und nur mit Wurzel-
417
blättern versehen, auch war es die Mutterpflanze selbst. An
der untern Seite des Mutterblattes bemerkte man nichts, ausser
einen schwarzen Punkt unter einem der beiden Stämme, aber
keine Wurzeln. Die Stämme kamen übrigens aus dem blossen
Zellgewebe hervor, und standen in keiner Verbindung mit den
Gefässen des Blattes. — Eine höchst sonderbare, merkwürdige
Monstrosität!
Hr. Walpers führt in der Linnaea E. 14 S. 362 ein
monströses, siebenblättriges Blatt von Trifolium repens an,
und betrachtet die dreiblättrigen so wie die einfachen Blätter
dieser Ordnung als abgekürzt gefiederte. Für die Formenlehre
der gefiederten Blätter bei den Leguminosen, sagt er, siud die
Blätter von Gleditschia triacanthos, an denen man fast alle bei
den Leguminosen vorkommenden Blattformen, nebst deren
Uebergängen von der einen in die andern, leicht beobachten
kann, vorzüglich lehrreich.
Hr. Hampe beobachtete an einem Strauche von Salix
repens, dass Zweige über dem Wasser weiblich blühten, dass
aber darunter befindliche, später und erst nachdem das Wasser
abgetrocknet war, blühende Zweige nur männliche Blüthen
hatten. Er sucht durch andere Beispiele darzuthun, dass an
nassen Stellen befindliche diklinische Pflanzen mehr männlichen
Blüthen zugeneigt sind als weiblichen. S. Linnaea 14 B. S. 367.
Der Herausgeber stellt in einem Zusätze viele Beobachtungen
über die Veränderung des Geschlechts an Weiden zusammen,
ohne jedoch über die Ursachen zu entscheiden.
Bemerkungen über "daS Mutterkorn (clavus, ergot) von
John Smith Linnean Transactions V. 18 P. 3 (1840) 449.
Er untersuchte die schleimig süsse Flüssigkeit vom Mutterkorn
an Elymus und fand darin längliche, durchsichtige Körper,
gleich den Sporidien eines Pilzes. Dieselben Körper fand er
auch in allen Zuständen des Mutterkorns bis zu den Antheren
der angegrifi"enen Achren, sowohl an Elymus, als an Phalaris
aquatica; er hält dieses also für die Ursache des Mutter-
korns. Die Sporidien kommen, wie er meint, in die Erde, von
dort durch den Stamm bis in die Antheren, und endlich durch
diese in den Fruchtknoten. Er fügt selbst hinzu, dass diese
Sporidien schon von mehreren gesehen worden. Hr. Quekett
giebt hierauf eine sehr genaue, umständliche Abhandlung über
Archiv f. Naturgcsch. VJI. Jahrg. 2. Bd. 27
418
^diesen Gegenstand. Die länglichen Körper, Sporidien, liegen
in verästelten Fäden auf dem Mutterkorn, wenn es noch jung
ist; in erwachsenem Zustande findet man den Pilz nicht mehr.
Das äussere Perikarpium sah der Verf. noch in zerrissenen
Lappen auf der Oberfläche. Innerlich sah er ein unregel-
mässio-es Zellgewebe; die Zellen der äussern Haut fand er
nicht langgestreckt, wie Phoebus, sondern klein und viereckig.
Das Anhängsel an der Spitze besteht nach dem Verf. gröss-
tentheils aus dem zerrissenen Perikarpium, welches dem Wachs-
thum des Korns nicht folgen konnte, zerriss und so bis zur
Spitze erhoben wurde. Er giebt nun eine genaue Beschrei-
bung des Pilzes, welcher das Mutterkorn überzieht; er sah die
Sporidien in einem benetzten Glase sich vermehren, indem
entweder eine Röhre von einer Seite ausgeht mit Querwänden,
deren •Glieder sich als Sporidien sondern , oder indem eine
kleine Knospe an einem Ende entsteht, die zu einer Sporidie
- auswächst. Eine andere Art von Vermehrung ist, wenn die Haut
um die Sporidie zerreisst, auswächst, und auf sich Körner
entwickelt, die denen im Innern, den Sporidien gleich werden.
Die letzte Art des Wachstliums ist die, dass ein grünes Korn
in der Sporidie sich seitwärts ausdehnt, eine Querwand bil-
det, und so die Sporidie in zwei Theilo theilt; jeder Theil
theilt sich wieder und so fort, so dass ein gegliederter ein-
facher Faden entsteht, der sich dann weiter verästelt. Auch
sah er solche kleine, grüne Körner im Glase versannnelt, die
sich aus zerrissenen Sporidien gesondert hatten, wie sich aus
dem Vorkommen zerrissener Sporidien schliessen liess und
die selbst wieder Sporidien bildeten. Da nun also dieser Pilz
im Glase entfernt vom Mutterkorn vegetiren kann, so ist die-
ses der erste Grund, dass der Pilz vom Muttorkorn ganz ver-
schieden sei. Auch im Innern des Mutterkorns fand der Verf.
keine Sporidien; die Körner, welche sich darin befinden, sind
leichter als Wasser, da hingegen die Sporidien im Wasser
untersinken; die Körner schmelzen in der Hitze und fliessen
dann zusammen, die Sporidien nicht; auch lassen sich jene in
Aether auflösen, nicht die Sporiden. Zuletzt nimmt der Verf.
die chemische Analyse zu Hülfe, um zu zeigen, dass Mutter-
korn kein Pilz sei. Der Verf. meint, dass die grünen Körner
(nuclei) des Pilzes in das Innere der Gräser dringen und sich
419
auf dem Fruchtknoten, als einer gehörigen Unterlage entwik-
keln, auch wenn sie auf ein gesundes Korn kommen, diesem
die Krankheit mittheilen, besonders indem sie das häutige Pe-
rikarpium zerstören. Den Pilz nennt er Ergotactia abortifa-
ciens und giebt den Character folgendermassen an: Sporidia
elliptical, uioniliform, finally separating, transparent and con-
taining seldom more than one, two or three vvelldefined (gree-
nish) granules. Zuletzt fügt er noch hinzu, dass ein kleiner
Acarus (von dem er auch eine — sehr rohe — Abbildung
giebt) das Mutterkorn ausfrisst, welches für die Pharmacie wich-
tig ist. — Hierauf folgt eine kurze Abhandlung vonFrancois
Bauer über diesen Gegenstand. Er verwirft alle äussere Ur-
sachen des Mutterkorns und nennt es eine Monstrosität. Er
giebt einige vortrefTliche Abbildungen, um zu zeigen, dass es
das Scutellum sei, welches anwächst, die Haut des Perikar-
piuni zerrcisst, und dann sich braun färbt. Da der Pilz auch
anderwärts auf den Grasblüthen vorkommt, als auf dem Frucht,
knoten, so meint B., er bringe das Mutterkorn nicht hervor,
sondern er komme nur zufällig darauf vor.
Darin hat der nun verstorbene, treffliche Künstler gewiss
Recht. Queketts Untersuchungen und Gründe beweisen viel-
mehr gegen den Ursprung des Mutterkorns von einem Pilz als
für denselben. Und wenn auch der Pilz nur auf Mutterkorn
vorkäme und ohne dieses gar nicht wüchse, so wäre dieses
doch noch kein hinreichender Grund, zu behaupten, dass er
die Ursache des Mutterkorns -sei. Ist Tubercularia vulgaris
die Ursache der Holztrockniss,'* weil sie sich nicht anders, als
auf trocknem Holze findet, oder nur die Folge? Ich habe der
Versammlung der Gelehrten zu Florenz (1841) Zeichnungen
vom Mutterkorn vorgelegt, wo die Körner an der Spitze in
drei Blättchen ausgewachsen sind; ein Grund mehr, dass Mut-
terkorn nur eine Monstrosität ist. Ob der Auswuchs immer
nur das Scutellum betrifft, wäre noch zu erforschen? — Der
Pilz, den Quekett sehr gut beschreibt, ist ein Oidium. Gut,
dass wir das abscheuliche, aus dem Französischen und Grie-
chischen schlecht gebildete Wort Ergotaetia wegwerfen können.
Die Beobachtungen über die verschiedenen Fortpflanzungs-Arten
sind sehr merkwürdig ; ist aber dabei nirgends eine Täuschung
vorgefallen?
27*
420
Secretion. Absonderung.
Beobachtungen über die Erscheinungen von.ÄVasser-
tröpfchen an den Blättern einiger Pflanzen von Rainer
Graf, Flora 1840 S. 433. Der Verf. machte seine Beobach-
tungen, besonders an Impatiens Nolitangere, deutsch Spring-
kraut genannt. Schon an den Samenlappen lassen sich jene
Tropfen bemerken, und zwar immer an den Zähnchen, worin
sich der Blattnerve endet, welcher durch die Mitte des Blat-
tes hiuläuft. An den Primordialblättchen, selbst wenn diesel-
ben im ersten Knöspchen noch zusammengefaltet sind, treten
schon Tröpfchen hervor, und zwar am Rande derselben an
allen Stellen, welche in der Folge zu Kerbzähnen werden.
Wenn die Blätter der Pflanze ihre vollkommene Ausbildung
erhalten haben, so erscheinen die Tröpfchen an den Kerbzäh-
nen, welche durch den Haupt- und die Nebennerven an den
Blättern gebildet worden. Auch sind, wie an den Primordial-
blättern, die noch unentwickelten Blätter aller nachfolgenden
Knospen mit Tropfen besetzt. An der Spitze eines jeden der
Kelchblätter erscliien regelmässig ein Tröpfchen, bis die Kapsel
anzuschwellen begann, so auch an der Spitze der Bracteen,
und endlich auch an den Blumen. Sie erscheinen hier an dem
mittlem Zahne des obern gewöll)ten und an der Spitze des
untern klappenförmig gespornten Blumenblattes. Die Tröpf-
chen sind an den Samenlappen die grössten, hierauf folgen
die an den Blättern, und zwar sind sie an den Spitzen der
Hauptnerven immer grösser als an den Spitzen der Neben-
nerven. Die Tröpfchen, welche übrigens aus völlig geschmack-
imd geruchlosem Wasser bestehen, erscheinen gewöhnlich nach
einem Regen oder nach dem Begiessen und zwar binnen 10 bis
20 Minuten. Sind die Pflanzen vorher welk geworden, so
richten sich nun die obern Blätter zuerst wieder auf, dann
folgen die Zweige und so geht es herab bis zu den untern
Blättern. Auch pflegen die Kapseln bei völliger Ruhe aufzu-
springen, wenn die Tröpfchen nach dem Begiessen hervortre-
ten. Die Tröpfen verschwinden auch wieder, und zwar auf
eine sehr verschiedene Weise. Während sie zuweilen den gan-
zen Tag unverändert hingen, verschwanden sie zu andern Zei-
ten oft schon in einer halben Stunde. Der Verf. konnte fs
V
i
421
nicht einem blossen V^erdunsten zuschreiben und in dieser Rück-
sicht machte er folgende Versuche. Er brachte mit einer fei-
ne i Nadel einen Tropfen gewöhnlichen Wassers, ungefähr von
der Grösse der hervorgetretenen Tröpfchen, am Rande des Blat-
tes an einer Stelle an, wo sich keine Mündung der Nerven
befand. Dieser Tropfen war nun eine geraume Zeit hindurch
noch zu bemerken, nachdem die übrigen an den Mündimgen
der Nerven hervorgetretenen Tröpfchen schon alle verschwun-
den waren. Um noch sicherer zu verfahren, sagt der Verf.,
löste ich mit Behutsamkeit einen hervorgetretenen Tropfen vom
Kerbzahne ab und brachte ihn an einer andern Stelle des Blat-
tes an; auch dieser war noch lange Zeit unverändert zu sehen,
während die übrigen an den Kerbzähnen hängen gebliebenen
Tröpfchen schon verschwunden waren. Man kann also, setzt
der Verf. hinzu, das Erscheinen der Tröpfchen an den Pflan-
zen nicht immer eine Ausscheidung des überflüssigen Nahrungs-
saftes nennen, sondern es scheint vielmehr, dass der Saft so
schnell und in so grosser Menge aufsteigt, dass derselbe nicht
sogleich gehörig vertheilt werden kann und daher an allen
Oefi'nungen hervortritt. Sobald aber die Vertheilung desselben
im Zellgewebe statt gefunden, wird auch der in Gestalt von
Tröpfchen einstweilen ausgeschiedene Theil desselben wieder
eingesogen und zur weitern Vertheilung in der Pflanze und
zur Ernährung derselben verwendet. Aehnliche Versuche stellte
der Verf. mit den Blättern des Blumenkohls an, und der Er-
folg war derselbe, auch bemerkte er zuweilen dasselbe, wenn
die Tröpfchen zufällig verrückt waren. Ungeachtet die Tröpf-
chen am Blumenkohl grösser sind, als die am Springkraut, so
verschwinden sie doch schneller, höchst wahrscheinlich wegen
des grössern Umfangs der Blätter, in denen die Vertheilung
schneller geschieht, als in kleinen.
Die schon lange bekannte Erscheinung hat hier einen vor-
trefflichen Beobachter gefunden. Dass die Gefässe, die Spi-
roiden nämlich, welche sich in den Blattnerven finden, den
Nahrungssaft schnell von einem Orte zum andern bringen und
endlich dahin überführen, wo er zur Ernährung der Pflanzen
nöthig ist, geht aus diesen Beobachtungen überzeugend hervor.
Bemerkungen über die Krys tallbildung im Pflan-
zenreiche hat Hr. Unger in den Ann. des Wiener Museums der
422
Natnrgesch. Bd. 2 S. 1 geliefert. Nachdem er das Allgemeine
des Vorkommens abgehandelt, giebt er Abbildungen von Kry-
stallen im Zellgewebe mancher Pflanzen, die doch nicht hin-
reichen möchten zur Bestimmung, da die Grössen der Winkel
nicht angegeben sind. Hierauf folgen einige cliemische Unter-
suchungen. Er löste Krystalle von Piper blandum, Ficus ben-
galensis und Maranta zebrina in Salpetersäure auf und neutra-
lisirte die Flüssigkeit mit Ammoniak. Der Niederschlag wurde
in einem Platintiegel ausgegliihet; er bräunte sich nur aus den
Krystallen von Piper blandum. Nachdem er ausgeglüht war,
brauste er von allen mit Säuren auf. Die Krystalle bestan-
den also in allen drei Fällen aus einer vegetabilischen Säure
und liöchst wahrscheinlich Kalkerde; die Säure war in den
Krystallen von Maranta zebrina und Ficus bengalensis Oxal-
säure, die Säure in den Krystallen von Piper blandum muss
aber eine andere sein.
lieber die kalkigen Niederschläge und über Nie-
derschläge überhaupt in den Pflanzen hat Payen Un-
tersuchungen angestellt (Compt. rend. 1840 T. 2 p. 401). Die
gestielten, keulenförmigen mit kalkigen Niederschlägen über-
zogenen Körper in den Ficus-Arten, welche zuerst Meyen be-
merkte, hat der Verf. an Ficus ferruginea, laurifolia, bengalen-
sis, nymphaeifolia, elastica, Carica, religiosa und reclinata
beobachtet, ferner an Parietaria officinalis, wo sie sehr gross
sind, an P. lusitanica und arborea, Urtica nivea und Forskolea
tenacissima. Die cylindrischen Concretionen aus Celtis austra-
lis und die birnförmigen aus G. missisipensis gleichen ihnen
am meisten; eben so die Concretionen in den Blättern von
Morus nigra, alba und multicaulis; die von Broussonetia papyri-
fera, Humulus Lupulus und Cannabis sativa befinden sich an
der Basis der Haare. Sonst findet man diese Körper mei-
stens auf der obern Fläche unter der Epidermis, zuweilen auf
der untern, wie am gemeinen Feigenbaum, seltener auf beiden
Seiten am Rande, wie am Hanf. Ein grosses Blatt von Brous-
sonetia papyrifera hält 134000 Concretionen. Oft trifft man
auch kohlensauren Kalk zwischen den Zellen des Parenchyms
der Blätter und ihrer Nerven, in den Gängen der Blattstiele
und der Stämme; derselbe fuidet sich auch unter zwei Formen g
in den Blättern, die einen so sauren Saft enthalten, dass sie ||
423
den kolilensauren Kalk auflösen würden; der Absatz, meint der
Verf., geschehe hier durch kohlensaures Ammoniak der Atmo-
sphäre. Der Oxalsäure Kalk bildet Drusen in den Blättern
und den Stämmen von Cactus. Die Raphiden bestehen aus
einer Membran, die mit oxalsaurem Kalk erfüllt ist; sie ent-
wickeln sich in Zellen, die aus einem besondern Gewebe be-
stehen, und eine stickstoflFhaltige Substanz enthalten (ou existe
un tissu- special et une substance azotee). Kieselerde über-
zieht die Membran der Blätter vieler Pflanzen, vielleicht aller,
ferner die Zellen der Stämme der Gramineen, Characeen und
Equiseten; man triff't sie zuweilen auch in den Intercellular-
gängen an, so wie unter der Form einer sphäroidalen Concre-
tion, die von einem Gewebe abgesondert wird, welches sich in
einer Zelle entwickelt. Chara translucens inkrustirt sich mit
Kieselerde, indem Chara vulgaris in demselben Gewässer sich
zugleich mit kohlensaurem Kalk und Kieselerde überzieht;
Chara hispida umgiebt sich aber nur mit kohlensaurem Kalk.
Sperma tozoen in Pflanzen.
üeber die Anthere der Chara und über die Thier-
chen in derselben von Gustave T huret Annal. d. Sc.
naturell. T. 14 p. 65. Die bekannten Antheren der Chara be-
stehen inwendig aus einem Haufen von hin- und hergebogenen
Fäden mit Querwänden, in denen sich die Samenthierchen
befinden. Im jungen Zustande sind diese Fäden nur ovale
Schläuche, dann bekommen sie Querwände, und nun entsteht,
oft schnell, ein Kern, der von Jodtinctur braun gefärbt wird.
Auf diesen Kern folgen die Thierchen, und man sieht zuwei-
len an der einen Seite der Zelle noch Ueberbleibsel vom Kern,
auf der andern ein Thierchen. Zuerst sind diese Thierchen
unbeweglich, bald aber machen sie Anstrengungen, um sich
aus ihrem Gefängnisse loszumachen. Sie bewegen sich rascher
in der Wärme, als bei kaltem Wetter, und so, dass man nicht
an ihrer thierischen Natur zweifeln kann. Der deutlichste Theil
des Körpers ist ein schraubenförmig gedrehter Faden, mit drei
bis fünf Windungen. Etwas hinter einem Ende der Windun-
gen kommen zwei Borsten oder Fühlspitzen (tentacules) her-
vor, von einer ausserordentlichen Zartheit, welche das Thier
mit grosser Schnelligkeit immerfort bewegt. Man sieht sie
424
daher nicht, so lange das Thier lebt, sondern nur wenn die
Bewegungen langsamer werden oder aufhören. Am besten sieht
man sie, wenn man etwas Jodtinctur zum Wasser thut, wo
die Bewegungen aufhören und die braune Färbung die Fiihl-
spitzen sichtbarer macht. Besonders ist dieses der Fall, wenn
man das Wasser mit der Tinctur vom Objektträger verdunsten
lässt. — In den Schläuchen, welche die Fäden umgeben, sah
der Verf. auch eine Saftströmung.
Meyen hat im dritten Theile seiner Physiologie S. 219
eine genaue Beschreibung der Anthere der Charen und dieser
Samenthierchen gegeben. Die beiden Fühlspitzen sah er nicht.
Ich habe, sagt er S. 223, das Vorhandensein des langen, dün-
nen Endes anfangs nur durch die einzelnen, dickern Pünktchen
erkennen können. Oft sieht man zwei und selbst drei Pünkt-
chen der Art, welche mit grosser Schnelligkeit ihre Stellung
verändern. Einige Zeit hindurch war ich der y\nsicht, setzt
er hinzu, dass das feine Ende dieser Samenthierchen verästelt
(gespalten?) wäre, und dass die Pünktchen als die verdickten
Enden dieser Aeste anzusehen wären, doch an solchen Samen-
thierchen, welche abzusterben schienen, indem ihre Bewegun-
gen immer langsamer wurden, konnte ich endlich deutlich be-
obachten, dass das fadenförmige Ende in den Samenthierchen
der Charen eben so wenig verästelt ist, als an denen der übri-
gen niedern Pflanzen. — Wer hat Recht?
Wachsthum. Ernährung.
Chemische Untersuchungen können hier nur in Betrach-
tung kommen, so weit sie auf die Pflanze als Individuum eine
Beziehung haben. Beziehen sie sich hingegen nur auf die
durch ein chemisches Verfahren hervorgebrachton Stofi'e, so
gehören sie zu einem Theile der Chemie, den man die orga-
nische Chemie genannt hat.
In Rücksicht auf die Ernährung der Pflanzen ist im
Jahre 1840 ein wichtiges Werk erschienen: Die organische
Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physiologie
von Justus Liebig, Braunschweig 1840. Dieses Werk ist
seinem Inhalte nach gewiss allen, die sich mit Gegenständen
dieser Art beschäftigen, so bekannt, dass es nicht nöthig ist,
davon einen Auszug zu geben; es sei mir also erlaubt, nur
425
etwas davon zu sagen. Dass die Stoffe, welche aus dem Hu-
mus durch Wasser ausgezogen werden, nicht hmreichen, um
den Kohlenstoff zu liefern, welcher sich in den Pflanzen findet,
ist auf eine sehr überzeugende Weise dargethan. Umgekehrt
möchte man wünschen, dass eben so überzeugend dargethan
wäre, dass die atmosphärische Luft, welche die Pflanzen um-
giebt,' durch die Menge der enthaltenen und von der Pflanze
zerlegten Kohlensäure hinreiche, ihr den Kohlenstoff zu geben,
dessen sie zur Ernährung bedarf. Was der Verf. in dieser
Rücksicht anführt, ist sehr willkürlich. Er berechnet das Ge-
wicht der ganzen Atmosphäre; der tausendste Theil des Ge-
wichts ist Kohlensäure nach Saussure's Versuchen, und so folgt
für den Gehalt an Kohlenstoff eine Summe von Pfunden, vyel-
che die Menge des Kohlenstoffs in den Pflanzen weit über-
trifft. Er nimmt ferner an, dass die Oberfläche der Blätter
der Pflanzen noch einmal so viel beträgt, als die Oberfläche
des Bodens, worauf sie wachsen, und dass in jeder Zeitsecunde,
8 Stunden täglich von einem Morgen, der Luft jöVö ^^^^^
Gewichts an Kohlensäure entzogen wird, woraus dann folgt,
dass diese Blätter in 200 Tagen 1000 Pfund Kohlenstoff auf-
nehmen. Die letzte Behauptung ist ganz hypothetisch; die
erste Berechnung gründet sich darauf, dass die Kohlensäure in
der ganzen Luft gleichförmig vertheilt sei, was doch keines-
weges ganz ausgemacht ist. Versuche im Wardschen Apparat
würden viel überzeugender sein. Weiter redet der Verf. vom
Aufnehmen des Sauerstoffs in die Pflanzen, ebenfalls von Saus-
sure zuerst entdeckt, und sagt, dieser Process habe mit dem
Leben der Pflanze nicht das Geringste gemein, der Sauerstoff
werde in den Pflanzen verwandt, die geruch- und geschmack-
losen Blätter von Agave americana nehmen wenig auf, die
ölhaltigen von Pinus Abies mehr, die Gerbsäure haltenden von
Quercus Robur noch mehr, die balsamischen (??) vonPopulus alba
unter diesen am meisten. Wie zweifellos und augenscheinlich,
fügt der Verf. hinzu, zeigt sich diese chemische Action in den
Blättern des Cotyledon calycina, der Cacalia ficoides und an-
dern, sie sind des Morgens sauer, wie Sauerampfer (daran fehlt
noch viel), gegen Mittag geschmacklos, am Abend bitter (nicht
zu merken), in der Nacht findet sich also ein reiner Säure-
bildungs-, Oxydationsprocess ein, die Säure geht in Substanzen
426
iiber, welche Wasserstoff und Sauerstoff im Verhältniss wie
im Wasser, oder noch weniger Sauerstoff enthalten, wie in
allen geschmacklosen und bittern Materien. Aber wenn ich
Cotyledon calycina den ganzen Tag iiber im Dunkeln lasse,
so reagirt der Saft immer sauer, und der einfachste Schluss
ist, dass der Sauerstoff, welcher eingesogen die" Säure machte,
wieder am Licht ausgeschieden wird. Eben so behauptet der
Verf., dass die beobachtete Aushauchung von Kohlensäure mit
dem Assimilationsprocess nichts zu thun habe. Feuchtigkeit
im Boden enthalte kohlensaures Gas, es werde von- den Wur-
zeln, von den Blättern mit dem Wasser aufgenommen und
wieder ausgehaucht. Aber warum wird diese Kohlensäure nicht
zersetzt, und wäre sie nicht eine bessere Quelle zur Ernäh-
rung, als die Atmosphäre selbst? Wird die Kohlensäure der
ganz trocknen Atmosphäre wirklich zersetzt? Ich will keines-
weges die Hauptsache bestreiten; ich meine nur, dass die apo-
diktische Art, womit der Verf. spricht, der Untersuchung scha-
det. Der Verf. geräth in grossen Zorn, dass sich in der Bo-
tanik alle Talente und Kräfte in der Erforschung des Baues
und der Structur, in der Kenntniss der äussern Form versplit-
tert haben, dass man die Chemie und Physik bei der Erklä-
rung der einfachsten Procosse nicht mit in Rath sitzen lässt
u. s. w. u. s. w. Zum Belege führt er Reums Forstbotanik
und eine Stelle aus Burdaciis Physiologie an. Warum gerade
diese? Es ist doch Unrecht, alle entgelten zu lassen für das,
worin zwei fehlten. In den besrern Physiologien ist auf die
Chemie wohl Rücksicht genommen worden, aber man kann es
den Botanikern nicht verdenken, wenn sie nicht alles sogleich
für Wahrheit annehmen, was ihnen von den Chemikern vor-
gesagt wird. Der Verf. sagt ferner in seinem Zorn; „Sobald
den Physiologen die geheimnissvolle Lebenskraft in einer Er-
scheinung entgegentritt, verzichten sie auf ihre Sinne und Fähig-
keiten u. s. w." Sonderbar! Endlich muss doch der Popanz
Lebenskraft, wie der Verf. sich ausdrückt, die Stoffe so zu-
sammenstellen, dass ein Spiralgefüss, eine Zelle, ein Blatt, eine
Blüthe daraus wird. — Der Verf. kommt nun auf die Assinft-
latiou des Wasserstoffs in den Pilanzen. Der feste Theil der
Pflanzen, die Holzfaser, sagt er, enthält Kohlenstoff und die i
Bestandtheile des Wassers, oder die Elemente der Kohlensäure.
#7
Wir können uns das Holz enstanden denken aus dem Kohlen-
:; d oLlensdure, der sich unter Mitwirkung des Sonn.v-
,i 1 n.it den Elen.enten des vorhandenen ^^assers verbauet,
• F.IIP wird für den Kohlenstoff, welcher von der
;;r— --UauerstoffalsOasahgesch^^^^
las weit wahrscheinlicher ist: die Pflanze zerlegt unter den-
reben Bedingungen, bei Gegenwart von Kohlensaure das NN as-
ser- sein Wasserstoff wird mit de*r Kohlensäure assimihrt, um
die'Holzfaser zu bilden, w^rend sein Sauerstoff abgeschieden
wird. D.eHolzfaser.enthält zwar- Kohle und die Bestandthe.le
des Wassers, es ist aber mehr Wasserstoff im Holy^^'^^f ^";
als diesem Verhältniss entspricht; dieser Wasserstoff befindet
sich darin in der Form von Blattgrün, Wachs, Oel, Harz u. s. w.
Es ist nicht zu zweifeln, dass Wasserstoff aus dem Wasser in
der Pflanze assimilirt wird, aber wie dieses geschieht, ist noch
nicht erklärt, auch der Verf. giebt nur Vermuthungen und auf
die Gründe der chemischen Verbindungen und Scheidungen
lässt er sich nicht ein. Die Assimilation des Stickstoffs ge-
schieht nach dem Verf. aus dem kohlensauren Ammoniak, wel-
ches sich in der Atmosphäre befindet, durch den Regen fort-
geführt, und von den Wurzeln der Pflanze eingesogen wird.
Regenwasser hält nach dem Verf. kohlensaures Ammoniak.
Dieses Salz kommt durch verwesende thierische und Pflanzen-
theile in die Atmosphäre. Ras scheint sehr richtig. Oyps,
setzt der Verf. hinzu, ist ein Düngungsmittel, weil er kohlen-
saures Ammoniak zersetzt, und es als schwefelsaures Ammo-
niak fixirt; er wirkt nicht als Reiz, eine Pflanze hat keine
Nerven es kann keine Stoffe geben, durch welche ein Blatt
Rereizt 'wird, eine grössere Menge Kohlenstoff aus der Luft
sich anzueignen, wenn die andern Bestandtheile felilen, welche
die Pflanze zu ihrer Entwickelung bedarf. Die Erklärung der
Wirkungsart des Gypses ist unwahrscheinlich, der Verf. miisste
zeio-en dass sich im Gyps, der Luft lange ausgesetzt, schwe-
felsaures Ammoniak gebildet habe, aber warum soll die Pflanze
nicht der Reizung fähig seiii? In einem Polypen hat man noch
nie Nerven gesehen, und doch ist das Thier sehr empfänglich
für Reize. — Ein bedeutender Abschnitt in dem Werke des
Verf. betrifft die anorganischen Bestandtheile der Vegetabilien.
Er zeigt ihre Beständigkeit, aber auch, dass ein Bestandtheil
den andern in seinen Verbindungen ersetzt, so geht aus den
Analysen der Fichtenasche von verschiedenen Oertern hervor,
dass die Menge der Basen zwar verschieden ist, aber die Menge
des Sauerstoffs in ihnen dieselbe. Es ist überhaupt höchst
wahrscheinlich, nach dem, was der Verf. anführt, dass alkali-
sehe Basen wesentlich zur Entwickelung der Pflanzen gehören.
Ueberhaupt. haben diese Bestandtheile des Bodens auf das
Wachsthum der Pflanzen dA grössten Einfluss; ein Umstand,
der in dem Abschnitte über die Cultur der Pflanzen, über die
Wechselwirthschaft und den Diifger genau untersucht und'
häufig benutzt wird. Dieser Abschnitt scheint mir der wich-
tigste in dem Theile des Werkes zu sein, der hierher gehört,
denn der zweite Theil ist rein chemisch.
In dem Journal für praktische Chemie von Erdmann und
Marchand B, 20 S. 267 findet sich eine Fortsetzung der Mit-
theilungen bestätigender Erfahrungen über die Wirkung humus-
saurer Basen, vorzüglich der aus Torf bereiteten als
Düngmittel von \Y. A. Lampadius. Der Compost bestand
aus Torfabfall, Mehlkalk, Ziegelmehl und Asche, in den Ver-
hältnissen 53, 3, 3; 3. — Auch hier möchte wohl eine Entwik-
kelung von Kohlensäure durch die Huminsäure aus dem Mehl-
kalk bewirkt werden.
Speculationen über die Quellen des Kohlenstoffs
und Stickstoffs in den Pflanzen und Thieren finden
sich in Daubenys Lectures on Agriculture und daraus in
Edinburgh New philosophical Journal V. 30 p. 360. Daubeny
sagt: Ich kann nicht umhin auf die Thatsache aufmerksam zu
machen, dass Kohlensäure und Ammoniak, welche, wie ich
gezeigt habe, die Quellen des Kohlenstoffs und des Stickstoffs
in den Pflanzen sind, einerseits sich in so verschiedenen Ver-
hältnissen in der Atmosphäre befinden, dass sie ihrer Zusam-
mensetzung fremd erscheinen, andererseits, dass man beide auch
noch jetzt aus dem Innern der Erde au verschiedeneu Stellen
hervorkommen sieht. Der Verf. hat auf Liebigs Theorie Rück-
sicht genommen; seine Beweisführung ist meistens physikotheo-
logisch, auch beruft er sich darauf, dass Ammoniakgas in der
erforderlichen Menge den Pflanzen schaden würde. Darauf
Hesse sich leicht antworten. Aber die Gegenwart der Kohlen-
säure in allem Quellwasser, scheint allerdings auf einen unter-
429
irdischen Ursprung zu führen, und die Erscheinung von Ammo-
niak im Regenwasser möchte ebenfalls von emer allgememen
tellurischen Ursache herrühren, wenn man auch nicht gerade
auf brennende Vulkane Rücksicht nehmen will. Doch der
Gegenstand gehört eigentlich zur Geologie.
Allgemeines.
Etudcs sur l'anatomie et la physiologie des vege-
taux par Th. Lestiboudois, Annal. d. scienc. nat. T. 14
p. 276. Dieses* Werk, sagen die Herausgeber der Annales,
mache einen Theil der Memoir. d. 1. Soc. roy d. Scienc. de
TAgricult. et d. Arts de Lille p. 1839 aus, der grosse Umfang
vorbiete aber alles Neue und Wichtige daraus mitzutheilei^
au(-h würden viele Abbildungen zur Erläuterung nöthig sein,
daher begnügten sie sich, das Resume general am Ende mit-
zutheilen. Auch dieses Resum6 würde für unsern Zweck zu
weitläuftig sein, und es möge hier daraus nur ein Auszug stehen.
Zuerst Elemens constitutifs des vegetaux. Die ersten
Elemente der Organe sind die Kügelchen, die mau in dem aus-
gearbeiteten Safte findet, und die ein eigenthümliches Leben
zu haben scheinen. Melir entwickelt machen sie die Globuline,
das Chlorophyll, das Stiirkmehl (fecule) u. s. w. Durch ihren
Zusammenhang bilden sie Lamellen, die zusammen das blatt-
artige Gewebe (tissu lamellaire) bilden, welches die Grundlage
der Pflanze macht. Dieses Gewebe zeigt sich unter einer dop-
pelten Form. Das Schlauch- oder Zellgewebe (t. utriculaire)
und das Gefassgewebe (t. vasculaire). Das Schlauch- oder
Zellgewebe besteht aus Schläuchen oder kleinen Säcken, die
an einander geklebt sind. Diese Schläuche sind sechseckig,
rund oder länglich, abgestumpft oder spindelförmig (Cucurbita
Pepo), ästig (Ficus elastica) u, s. w. Sie haben entweder ein-
fache Wände, oder sie sind inwendig mit freien, spiralförmig
gewundenen Bändern (lames) besetzt, oder die Bänder sind
verbunden (soudees) und bilden Spalten (utr. scalariformes) joder
sie machen grosse und enge Löcher, die regelmässig oder
unregelmässig vertheilt sind (utr. poreuses). Ferner sind sie
ausgebildet leer, wie im Mark (areolaires) oder voll Saft
(succulentes) oder sie enhalten einen gefärbten Saft, der sich
verdickt und p- >h die Wände dicker macht (utr. parenchyma-
'430
teiises). Die Gefässe sind von zweierlei Art, erstlich eigene |
Gefässe oder Rindengefässe, die einen mehr oder weniger ge-
färbten Saft führen, und einfach oder ästig sind; zweitens Tra.
cheen oder Central- oder Holzgefässe. Die Tracheen haben i
inwendig ein Band, welches an ihre Wände anliegt; dieses" i
Band ist frei, spiralförmig gewunden und abzuwickeln in den
eigentlichen Tracheen, auch doppelt, bald mit entfernten, bald
mit einander berührenden Rändern ; oder die Ränder sind hier
und da mit einander verwachsen in den falschen Tracheen,
oder den geritzten Gefässen (v. fendus); oder*sie sind auf eine
mannichfaltige Art mit einander verwachsen in den porösen
Gefässen. Zuweilen bestehen die Tracheen aus kleinen Stük-
ken, die mit den Enden an einanderliegen (v. articules). Diese
verschiedenen Formen finden sich oft in einem und demselben
Gefässe vereinigt, aber niemals verwandelt sich eine Form in
die andere. — Dikotyledonen. Die Stämme der Dikotyledonen
sind im Anfange ihrer Bildung aus einem durchsichtigen, safti-
gen, unvollkommen organisirten Zellgewebe gebildet. Sie zei-
gen bald mehr saftige und gefärbte Punkte, welche die paren-
chymatösen Bündel in bestimmter Zahl machen. Diese Bündel
enthalten Gefässe von zweierlei Art, erstlich eigene Gefässe, ,
welche gegen den Umfang und zwar besonders gegen den
äussern Umfang gestellt sind, zweitens Tracheen, welche im
Innern des Bündels sich befinden. Die parenchymatösen Bün-
del befinden sich in dem Marke des Stanunes und theilen es
in drei Theile, in das Centralmark, in die Markstrahlen und in
das Rindenmark. Die erste Periode des Anwachsens ist hier
folgende: Zwischen den beiden Gefässgruppen des parenchy-
matösen Bündels zeigt sich ein durchsichtiger Zwischenraum,
der aus einem unvollständigen Zellgewebe besteht, welches nur
ein ausgeschwitztes (exhale) Cambium ist, von unvollendeter
Organisation. Diese gallertartige Zone organisirt sich bald und
wird zuParenchym, worin sich neue Tracheen auf der äussern
Seite der altern und neue eigene Gefässe auf der Innern Seite
der altern bilden; zwischen ihnen entsteht ein neuer gallert-
artiger Zwischenraum. Ein analoges Anwachsen findet auch in
den Markstrahlen Statt. Einige Gewächse bleiben in der ersten
Periode des Wachsthums stehen, ihre Gefässbündel sind immer i
rund, der gallertartige Zwischenraum der Bündel wird fest und
431
so auch der analoge Zwischenraum in den Markstrahlen. Inder
zweiten Periode verlängern sich die parenchymatösen Bündel
durch den äussern Theil ihrer Centralportion und durch den
innern ihrer Rindenportiou, auch breiten sich diese anwachsen-
den Portionen seitwärts aus. Hierdurch wird die Centralpor-
tion des Bündels dreieckig und strebt sich mit dem nächstlie-
genden Bündel zu verbinden. Die zelligen Zwischenräume der
Bündel, welche sich zwischen den Gefässhaufen befinden, ent-
sprechen den Zwischenräumen der andern Bündel und so ent-
stehen die Markschichten (circonferences medullaires), die aber
nicht immer genau aufeinander passen. Die neuen Gefässgrup-
pen legen sich aber nicht unmittelbar an die alten, sondern es
ist immer Zellgewebe vorhanden, welches sie trennt. In den
Wurzeln der Bete ist dieses sehr ausgezeichnet. Am Ende des
ersten Jahres gehen die Bündel zusammen und es entsteht der
erste Jahrring. In der dritten und vierten Periode des Wachs-
thums entstehen zwischen Holz und Rinde neue, durchsichtige
Schichten, von ausgeschwitztem Cambium; neue Gefässfasern
erzeugen sich in dem Theile, welche dem Centralsystem ange-
hören und werden durch Markschichten und Markstrahlen ge-
sondert, entweder Fortsetzungen der vorigjährigen oder neu-
gebildeten. Endlich werden die innern Holzschicliten und die
äussern Rindenschichten dicht und hart. Die Wurzel der Di-
kotyledonen ist dem Stamm ganz gleich gebildet, und wenn auch
der Markkanal in vielen Wurzeln nicht erscheint, so dringt er
doch ein und ninunt nach und nach ab. Von den Blättern sagt
der Verf., man habe bisher nur die Stellung der Blätter am
Stamme untersucht, ohne sie von der Lage der Stammbündel
abzuleiten; er führt dieses aus, indem er die gegenüberstehen-
den, wirteiförmigen und wechselnden Blätter betrachtet. Die
Knospen müsse man in Endknospen und Seitenknospen unter-
scheiden; jene sind nur das Ende des Stammes, welches mit
der durchscheinenden Anwachszone zusammenhängt und sich
folglich entwickeln kann; diese werden durch eine Verlänge-
rung von einem Theile des Parenchyms eines Medianbündels
gebildet, welcher durch das Hervordringen der Blattfiber fort-
gerissen wird. Die Blüthen betrachtet er wie die Blätter und
sagt, dass die Symmetrie der wechselnden Blätter die häufigste
der Blüthentheile sei, und dass fünf Theile in der Blüthe, wie
432
fünf Blatter in einer Windung am öftersten vorkommen. —
Monokotyledonen. Der Verf. zeichnet den Satz besonders aus,
dass kein Unterschied zwischen dem Stamm der Monokotyle-
donen und der jährigen Gewächse sei, deren Wachsthum be-
schränkt ist, nämlich sofern die Bündel gerundet und isolirt
bleiben, auch der durchsichtige Theil sich nicht entwickelt, son-
dern dichter wird, oder verschwindet, so dass keine Trennung
zwischen dem Central- und dem Rindentheil Statt findet. Das
Anwachsen geschieht auf folgende Weise: Die neuen Fasern
entstehen von den äussern Fasern und auch von denen, welche,
den dichtem Theil des Stammes ausmachen, ferner von denen,
welche sich in dem markigen Centrum befinden. Der Aus-
wuchs nimmt also keine besondere Zone ein; er findet Statt
in der ganzen Dicke des Stammes und ist also nicht mehr
äusserlich als innerlich. Hieraus ergeben sich alle Besonder-
heiten des Baues der Monokotyledonen.
Des Verfassers Untersuchungen verdienen alle Aufmerk-
samkeit und Manches ist gar treffend dargestellt. Dass die
Körner, welche sich im Saft finden, durch ihre Zusammen-
setzungen die Zellen bilden, ist eine blosse Hypothese, die aller
Wahrscheinlichkeit entbehrt. \^s der Verf. von den Gefässen
sagt, ist im Ganzen sehr richtig; aber es ist auffallend, dass er
die eigenen Gefässe mit den Baströhren und dem Prosenchym-
gewebe verwechselt. Denn es ist aus seiner Schilderung der
Holzbündel klar, dass er jene Röhren oder jenes Gewebe unter
den eigenen Gefässen versteht. Die letztern zeichnen sich
durch ihren grössern Durchmesser aus, und wenn sie auch kei-
nen gefärbten Saft enthalten, so finden sich doch Körner im
Saft, der sie sehr kenntlich macht. Nichts dergleichen sieht
mau in den Baströhren und noch weniger in den Prosenchym-
zellen. Auch sind die eigenen Gefässe weit seltener' als beide
Gewebe in den Pflanzen. Das Zellgewebe ist auch in dem
frühesten Zustande vollkommen organisirt, und es ist immer
der Mangel eines guten Mikroskops, wenn es in den Phane-
rogamen nicht organisirt erscheint. Wie sich der mittlere Theil
in den Holzbündeln, die er allem Sprachgebrauche zuwider
faisceaux parenchymateux nennt, entwickelt, ist gut auseinander
gesetzt, doch ist damit nicht Alles geschehen. Wenn der Verf.
sagt, d/"=s die Wurzel vom StAvmic ."icht verschieden sei, s
'I
433
übersieht er, dass den meisten Wurzeln das Mark fehlt, oder
wenn es vorhanden ist, dass es sich gegen die Spitze auskeilt,
und dass umgekehrt das Mark gegen die Spitze des Stammes zu-
nimmt. Die Rücksicht auf die Fasern des Stammes zur Dar-
stellung der Stellung der Blätter scheint mir nicht von Be-
deutung, und die Bildung der Knospe erscheint mir ganz an-
ders. Bei den Monokotyledonen übersieht der Verf., dass nicht
eine Reihe von Holzbündeln vorhanden ist, wie in den Diko-
tyledonen, sondern mehre, und dass offenbar einige derselben
erst später entstehen, welches die Sache ganz ändert.
Bericht über die Leistungen in der Pflanzen-
geographie während des Jahres 1840.
Vom
Prof. A. Grisebach in Göttingen.
Allgemeine Arbeiten auf dem Gebiete der Pflanzengeogra-
phie sind im verflossenen Jahre nur in geringer Zahl erschie-
nen, dagegen häufen sich die Materialien zu der speciellen
Behandlung dieser Wissenschaft alljährlich immer mehr. Wir
können bei der Darstellung derselben aus verschiedenen Grün-
den einen den übrigen Jahresberichten entsprechenden Grad
der Vollständigkeit für jetzt noch nicht erreichen, wir hoffen
indessen die Lücken, welche unvermeidlich waren, in späteren
Uebersichten auszufüllen. Absichtlich aber vermeiden wir auf
einzelne, meteorologische Beobachtungen einzugehen, die uns
zu weit von unserm Plane entfernen würden, und wir glauben
auch die geographischen Mittheilungen derjenigen Schriftsteller
vernachlässigen zu dürfen, die bei ihren Beobachtungen nicht
mit speciellen botanischen Vorkenntnissen ausgerüstet waren,
weil es ohnehin schon so viel unsichere Data in der Pflanzen-
geographie giebt, und weil allgemeine Schilderungen des Natur-
characters, so anziehend sie sein mögen, ohne systematische
Archiv f, Naturgesch. Vll. Jahrg. 2. Bd. 28
434
Begründung des Einzelnen nur einen geringen wissenschaft-
lichen Werth besitzen.
Unter den allgemeinern Arbeiten dieses Jahrs nimmt die
Untersuchung De CandoUe's über die geographische Ver-
breitung der Synanthereen bei Weitem den ersten Rang ein.
Eine Uebersetzung dieser Abhandlung von Walpers findet sich
in diesem Archiv (1840 S. 287). Es wird darin ein allgemei-
neres Gesetz nachgewiesen, welches geeignet ist, den bisheri-
gen Standpunct der pflanzengeographischen Arbeiten zu modi-
ficiren. Die leitende Idee des Verf. ist die, dass die Bestand-
theile der natürlichen Floren (regions botaniques) nicht bloss
von climatischen Bedingungen abhängen, sondern dass in den
physicalischen Verhältnissen sich entsprechende Erdstriche doch
eiine bis auf jede einzelne, ursprünglich einheimische Art sich
erstreckende Verschiedenheit der Vegetation zeigen.
Aus dem von A. Er man entwickelten Satze, dass man
keinen Ort des arktischen Festlandes kennt, wo der ewige
Schnee im Meeresniveau läge (Bergh. Ann. 9 S. 534), ergiebt
sich eine Berichtigung der bisherigen Ansichten über eine Po-
largrenze der arktischen Flora. In der Ebene von Jakuzk, wo
die mittl. Temp, — 6" R. beträgt, giebt es noch „Lärchen wäl-
der, Sommerweizen und Roggen, Kartoffeln, Kohl und einige
Rübenarten werden gebaut, vermöge üppigen Graswuchses
grosse Rinderheerden ernährt.'" Im aldanischen Gebirge, in der
Breite von Jakuzk, findet man die Grenze des ewigen Schnee's
erst in einer Höhe von 5000', in demselben Niveau auch auf
Kamtschatka, wo diese Linie eine mittl. Temp. von — 5**, 8 R.
besitzt. Die Mitteltemperaturen der Schneegrenze scheinen an
verschiedenen Puncten der Erde zwischen 0° und — 12" R,
zu schwanken. Wo dieser Werth negativ ist, findet man ge-
frorne Schichten unterhalb der Erdoberfläche, ein Phänomen,
welches die Sommervegetation nicht beeinträchtigt. Es bleibt
übrigens noch zweifelhaft, ob wirklich überall durch den Unter-
schied der Jahreszeiten die Bedingungen der Vegetation im Ni-
veau des Meeres herbeigeführt werden: es ist aber von Wich-
tigkeit, dass dies in grossen Landstrecken von Nordasien der
Fall ist, die man nach den bisherigen Theorien der Schnee-
grenze für unbewohnbar hätte halten müssen,
Beobachtangen über die Vegetationsperioden in Würtem-
435
berg vom Jahre 1835 sind von Flieninger niitgetheilt (Bergh.
Ann. 9, S. 406). Blüthezeit im Mittel aus Beobachtungen an ver-
schiedenen Orten des Landes von: Daphne Mezereiim 23. März;
Viola odorata I.April; Fersica vulgaris 14. April; Bras-
sica napits 7. Mai; Prunus spinosa 2. Mai; Pr. Cerasus
S.Mai; Pr. domestica 5. Mai; Pyrus communis S.Mai; P.
Malus 13. Mai; Convallaria majalis 10. Mai; Hordeum vul-
gare hyl), 5. Jnni; Seeale cereale 4. Juni; Trificum spelta
20. Juni; Hordeum vulgare aest. 26. Juni; ^vena sativa
29. Juni; Sanibucus nigra IS. Juni; Vitis vinifera 12. Juni;
Hosa canina 14. Juni; Tilia europaea 30. Juni; Colchicum
autumnale 11. Sept. Belaubung von Rihes Grossularia 2. April;
von Betula alba 28. April; von Fagus sylvatica 4. Mai.
Vegetationsdauer zwischen Blüthe und Erndte der Culturge-
wächse: Secale cereale 42 Tage; Triticum spelta 39 Tage;
Avena sativa 43 T. ; Hordeum. vulgare aest. 32 T. ; Hor-
deum vulgare hyh. 41 T.; Vitis vinifera 9S Tage.
Sauter publicirte eine Abhandlung über die Ursachen der
Verschiedenheit der Vegetation der Kalk- und Schiefergebirge
(Regensb. Flora 1840 S. 561.) Er bespricht einige der v. Baer-
schen Beobachtungen über die Fora von Nova Zembla und
knüpft daran Betrachtungen über die Verschiedenheit in der
physicalischen Bodenbeschaffenheit der Kalk- und Schiefer-
Alpen, von welcher die Unterschiede in ihrer Vegetation vor-
züglich abzuleiten seien.
I. Europa.
Ueber die pflanzengeographischen Verhältnisse von Finn-
land sind Beobachtungen von Rein mitgetheilt (Statistische
Darstellung des Grossfürstenthums Finnland: daraus in Bergh.
Ann. 9, S. 465). Finnland ist ein von zahllosen Seen, Flüssen
und Morästen erfülltes Hügelland, dessen Granitformation meist
nur von magerer Erdkrume bedeckt wird, deren Getraidepro-
duction zur Ernährung der Bewohner nicht hinreicht. Die
grossen Temperaturgegensätze des Clima's sieht man durch die
Austrocknung der Sümpfe und Abnahme der Waldungen gemin-
dert. Im Norden beschleunigen die langen Sommertage die
Vegetation auffallend : bei Torneä reift die Gerste in 10 Wochen
nach der Saatzeit, im Süden von Finnland bedarf sie zu ihrer
28*
436
Ausbildung 4 — 6 Wochen mehr. Die Verbreitung der Bäume
scheint nicht ganz mit deren Grenzen in Schweden übereinzu-
stimmen. Ulmen, Linden, Ahorne und Nussbäume gedeihen nur
in der südlichen Provinz Tauastehuus, die Eiche wird erst jen-
seits des ölsten Grades selten, die Esche reicht über 62° hinaus,
Kirschen und Aepfei reifen bis 64". Mit der Taime reicht die
Cultur der Gerste bis 69°, nicht so weit die Birke.
Eine Arbeit von Seh renk über die Vegetation der Insel
Hochland im finnischen Meerbusen ist mir noch nicht näher
bekannt geworden.
Wikström hat den ersten Band einer nach Linne's Sy-
stem geordneten Flora von Stockholm herausgegeben (Stock-
holms Flora med en Inledning innehällende en Öfversigt af
Stockholms-Traktens Natur-Beskaffenhet. I. Vol. Stockh. 1840).
Ein zweiter Band wird dieses Werk beschliessen. Angaben
über Olima und Vegetationsperioden werden in der Einleitung
ausführlich niitgetheilt. Die Blüthenzeiten vieler Gewächse sind
in verschiedenen Jahren beobachtet worden,
Arrhenius bearbeitete die schwedischen Brombeer-Arten
nach eigenen Naturbeobachtungen monographisch (Monographia
Ruborum Sueciae. üpsala 1840. 8. Ein Heft von 4 Bogen).
In Lindblom's Zeitschrift (Botaniska Notisen) vom Jahre
1840 sind folgende, die nordeuropäische Pflanzengeographie
betrefi"ende Abhandlungen enthalten:
Blytt Verzeichniss von bei Arendal gesammelten Pflanzen.
Von demselben: Verzeichniss von Pflanzen in der Umge-
bung Skiens-Fjord.
Fries zerstreute Bemerkungen über einige schwedische
Gewächse.
Von demselben: die schwedischen Weidenarten, nach ihrer
natürlichen Verwandtschaft geordnet.
Lindblom, Verzeichniss der auf Spitzbergen und der
Bäreninsel bemerkten Pflanzen.
Hier ist auch zu erwähnen, dass zu den wichtigen Arbei-
ten von Baer's über Nova Zembla im verwichenen Jahre noch
eine nachträgliche Mittheilung über das Clima dieser Insel pu-
blicirt ward (Bullet. Ac. Petersb. 7, p. 229).
Die Systematik der deutschen Flora ward auch im ver-
flossenen Jahre vorzüglich durch Koch und Reichenbach
437
gefördert. Koch puhlicirte Zusätze und Verbesserungen zu
seiner Synopsis Florae germanicae et helveticae (Regensburger
Flora 1840 S. 353); Reichenbaoh den 4. Band seiner Ico-
nes Florae germanicae, wodurch auch für die Familie der Ra-
nunculaceen die vollständige Reihe von Abbildungen aller in
der Flora excursoria beschriebenen Arten in gleich vorzüg-
licher Ausführung geschlossen ist. VonSturm's Flora Deutsch-
lands erschienen die Hefte 79 — 82 der ersten Abtheilung.
Schmidt hat eine Flora von Pommern in einem Octav
bände herausgegeben (Flora von Pommern und Rügen, heraus-
gegeben von Schmidt, Stettin 1840); Menge ein Verzeichniss
der bei Graudenz mid Danzig vorkommenden Phanerogaraen
(Catalogus plantarum phaneroganiarum regionis Grudentinensis
et Gedanensis, Danzig 1840); Rabenhorst den zweitenBand
seiner Flora der Lausitz, die cryptogamischen Gewächse ent-
haltend (Flora lusatica, Leipzig 1840, 8).
Ueber die Vegetation der Mark Brandenburg lieferte Ba-
rentin allgemeinere, besonders die Statistik derselben betref-
fende Bemerkungen (dieses Archiv 1840 S. 331). Er berech-
net, wie viel reiclier an Monocotyledonen die dortigen Sumpf-
gegenden sind, als der trockne Boden, und er sucht den Be-
weis zu führen, dass Pflanzenarten aus gegen Norden an Reich-
thum zunehmenden Familien in der Mark früher ihre Blüthen
entfalten, als diejenigen, deren Verbreitung sich entgegengesetzt
verhält.
Die Flora von Schlesien ward vielseitig, sowohl in pflan-
zengeographischer als systematischer Rücksicht bearbeitet.
Schauer schilderte die Vegetation des mährisch -schlesischen
Gesenkes oder des südöstlichen, zum Altvater (4643') sich er-
hebenden Zuges der Sudeten (Regensburger Flora 1840 S. 17).
Bis zu einer Höhe von 3500' sind die Berge des Gesenkes
dicht mit Nadelholzwäldern (wahrscheinlich von Abies und
Picea) bestanden: diesen untergeordnet erscheint im untern
Waldgürtel die Buche, höher im Gebirge Sorbits aucupnria
und Acer pseudoplatanus, die nebst Betida piibescens sich
auch als Sträucher in die waldlose Region verbreiten. Hin-
gegen fehlt hier die für das Riesengebirge characteristische Fi-
rnis Pumilio. Dieser Umstand gehört zu den merkwürdigsten
Beispielen unterbrochener Extension, weil das Krummholz in
438
den Carpaten wieder ebenso bedeutend auftritt. Weitläuftige
Berggehänge oberhalb der Baumgrenze sind von Facclnium
Myrüllus, Calluna oder Sphagnum bedeckt. In den Wiesen
der hohen Bergrücken und Plateaus sind die vorherrschenden
Gräser: JSardus stricfa, 3Iolinia coerulea, Aira caespisfosa,
PJiIeum alpininn, sociell vereinigt mit Carex rigida und Mcum
Mutellina. Desto üppiger und artenreicher, das Riesengebirge
an Mannigfaltigkeit der Gewächse iibertreflfend, stellen sich die
Wiesen dar, welche die Ufer der Bäche begleiten und in den
muldenförmigen Einsenkungen der Berggehänge sich ausbreiten.
Unter diesen wird die reichste Fundgrube, der Kessel, im Ein-
zelnen geschildert. Beispiele characteristischer Formen sind:
Anemone narcissißora, Hypochaeris uniflora, Campanula
harhata, Poo alpina; an den Bächen Delphinmm elatum,
Aconitum Napellus, Polygonum Bistorta, Adenostylis alhi-
frons, Salix hnstata und silesiaca. Die Glimmerschieferfelsen
ernähren gleichfalls eine mannigfache Vegetation alpiner For-
men, darunter einige, die nach Unger in den Alpen kalkstet
sind. In der Waldregion erscheinen die grossen Anhäufungen
von Farnkraut bemerkenswerth, die hier vorzüglich aus Poly-
podium alpesti'e und Aspidium Filix foemina bestehen. Die
Vergleichung der Vegetation des Gesenkes mit dem Riesen-
gebirge enthält beachtenswerthe Beobachtungen. Das Gesenke
verdankt theils besondern Gesetzen der Socialität, tkeils der
Vermehrung der Individuen auf reicherem. Boden eine weit
grössere Ueppigkeit des Pflanzenwuchses. Die Beispiele von
Arealgrenzen einiger Pflanzen, die nur in einem der beiden Ge-
birge vorkommen, verdienen eine detaillirte Untersuchung. Zu
den entschiedenem Beobachtungen dieser Gattung scheinen die
zu gehören, dass von den characteristischen Pflanzen des Rie-
sengebirges Arnica monfana, Gentiana asclepiadea, Salix
lapponum, Agrostis rupestris im Gesenke durch Doronicum
austriacum, Gentiana punctata, Salix hastata und Agrostis
alpina vertreten werden.
Von Wimmer erschien eine neue Flora von ganz Schle-
sien (Breslau 1840), vollständig in einem Octavbande die Pha-
nerogamen enthaltend: nebst einer geographischen Uebersicht
der Vegetation dieses Landes. Drei Pflanzengürtel, durch be-
sondere Holzgewächse characterisirt, theilen sich in das Gebiet
439
dieser Flora von den Ebenen an der Oder bis zu den Gipfeln
der Sudeten. Der untere Gürtel (175 — 1500') enthält Quer-
cus pedunculata und Pinus sylvestris; der mittlere (1500 bis
3600') Pinus Picea und yibies; der obere (3600 — 5000') Pi-
nus Pumilio. An eine strenge Sonderung der Pflanzenarten
darf hiebei , besonders in Hinsicht auf die beiden untern Re-
gionen nicht gedacht werden: von 1288 in Schlesien wild-
wachsenden Phanerogamen sind nur etwa 150 in der Ebene^
70 im Vorgebirge ausschliesslich gefunden; das Hochgebirge
enthält gegen 90 alpine Formen. In der Ebene bestehen die
Laubwälder besonders aus Eichen, die entweder eigene Be-
stände bilden, in denen Euphorbia Cyparissias sehr verbreitet
ist, oder vermischt, vorzüglich mit Ulmen und Hainbuchen, vor-
kommen. Kieferwaidungen sind auf dem Sandboden der Ebene
verbreitet: wüste Strecken werden hier von Cladonia rangi-
ferina oder ^ira canescens bedeckt. Die Bestandtheile der
Wiesen und der übrigen Pflanzenformationen sind im Einzel-
nen, jedoch mit besonderer Rücksicht auf seltenere Arten, zu-
sammengestellt, im Character des Ganzen sind keine Eigen-
thümlichkeiten des Landes zu bemerken. Im Vorgebirge fehlen
die Kiefern und Eichen fast ganz ; auch die Buclie scheint hier
gar nicht häufig vorzukommen, in welcher Beziehung das östliche
Deutschland sich wesentlich von 'dem nordwestliclien unter-
scheidet; der grösste Theil dieses Gebiets wird von der Roth-
oder Weisstanne bewaldet. In der alpinen Region lassen sich
besonders 4 Formationen unterscheiden: die des Krummholzes;
grasreiche Wiesen, auf denen Hieraciwn alpinum häufig ist;
Cyperaceenformation in ofl"nen, oft weit ausgedehnten Sümpfen;
endlich die Vegetation an der obern Waldgrenze, besonders
characterisirt durch Polypodiiiin alpestve, Poa sudetica, Ade-
nostylis albifroiis, Senecio nemorensis und Sonchus alpinus.
Arten, die im östlichen Europa einheimisch, in Schlesien die
Westgrenze ihres Areals finden, sind folgende: Ranunculus
cassubicus, Anemone patens, Dentaria glandulosa, Conio-
selinwn Fischeri, Laserpitium Archangelica, Galega offi-
cinalis, Euphorbia lucida, E. pdosa, Asperula rivalis, Se-
necio vernalis und Pedicularis sudetica.
Ausserdem sind noch folgende Beiträge zur schlesischen
Flora erschienen:
440
Schramm, die seltenern Pflanzen der schlesischen Flora
in den Umgebungen von Leobschütz. Ein Heft.
Sendtner, Bemerkungen über die im Gesenke vorkom-
menden Laubmoose (Regensb. Flora 1840 S. 49).
Eine Abhandlung über den Vegetationscharacter des Mäh-
risch-Oesterreichischen Grenzgebirges wurde von v. Uechtritz
der schlesischen Gesellschaft für vaterländ. Cultur vorgelesen
(Uebersicht von deren Arbeiten, Breslau 1840). Der Höhenzug,
welcher Mähren von Nieder-Oesterreich scheidet, bildet eine
16 — 18 g. Meilen lange und 6 — 12 g. Meilen breite, wellen-
förmige Hochfläche, deren Niveau etwa 15 — 1800' über dem Meere
liegt. Der Kalkboden, der sie überall bedeckt, ist arm an Holz-
gewächsen, er ist fast durchaus cultivirt und wegen der reich-
lichen Rebenproduction wird diese Gegend auch das Weinge-
birge genannt. Dieses kahle und trockne Terrain besitzt eine
grosse Mannigfaltigkeit von solchen einheimischen Gewächsen,
die.theils den Kalkboden aufsuchen, theils eines sonnigen Stand-
orts bedürfen und sich am Saume der Weingärten am üppig-
sten entwickeln. So vereinigen sich hier schon wegen der
Ausdehnung und gleichförmigen Beschaffenheit dieses Gebiets
günstige Verhältnisse zu Beobachtungen über den Einfluss des
Kalkbodens auf die Vegetation. Nach dem mitgetheilten Ver-
zeichnisse der botanischen Seltenheiten dieses Bezirks sind die
Leguminosen, Synanthereen und Labiaten besonders zahlreich.
Beispiele der am meisten characteristischen Arten sind: Genista
procwnbens, Cyiisus supinus gemein, Astragalus austriacus,
Erysimum canescens, Linum hirsutum, ATtemisia scoparia.
Ein Catalog der in den beiden östlichen Vierteln von Nieder-
Oesterreich beobachteten Pflanzen ward von Kreutzer her-
ausgegeben (Prodromus Florae Vindobonensis, Wien 1840. 8).
lieber die seltenern Pflanzen des Nahethals oberhalb Bin-
gen am Rhein berichtete Bogen hard (Regensb. Flora 1840
S. 145) und setzt seine Mittheilungen im gegenwärtigen Jahre fort.
Mit der Vegetation des holländischen Küstengebiets be-
schäftigen sich zwei Localfloren:
Molke nboer et Kerbert, Flora Leidensis s. elenchus
plantarum spontan, phanerog., quae hucusque prope Lugdunum
Bat. repertae sunt, secundum ordin. nat. digestus. Lugd. Bat.
1840. Ein Band in Octav.
441
Brninsma, Flora Frisica of Naamlyst en kenmarken
der zigtbaar bloeijende planten van de Prov. Frieslaud. Leeu-
vvarden. Mit einer Einleitung über die natürliche Beschaffen-
heit des Terrains,
Für die Systematik der Gewächse des Alpengebiets ist als
ein wichtiges und selbstständiges Werk die im vorigen Jahre
vollendete Flora von Heg e tsch weiler zu betrachten, welche
viele eigene, jedoch auf die Praxis nicht glücklich angewendete
Beobachtungen enthält (Flora der Schweiz von Hegetsch wei-
ler, fortgesetzt und herausgegeben von O. H eer. Zürich 1840.
Ein Band in Octav).
Moritzi bearbeitete ein Verzeichniss der bisher in Grau-
bünden gefundenen Gefässpflanzen mit besonderer Berücksich-
tigung ihres Vorkommens (Neue Denkschrift der schweizeri-
schen naturforschenden Gesellschaft, 3. Band).
Für das Gebiet der österreichischen Alpen sind einige Abhand-
lungen von nur localem Interesse zu erwähnen. Dahin gehören:
Kürsinger, der Oberpinzgau. Salzburg 1840 (Nicht von
mir gesehen). ^
Kok eil, Verzeichniss der in der Umgegend von Klagen-
furt vorkommenden Sumpfgewächse (Regensb. Flora 1840 S.81).
v. Weiden, botanische Wanderungen durch Steiermark
(daselbst S. 177). Enthält ein Verzeichniss der auf der Petze
gefundenen Alpenpflanzen.
Fleisch mann, der Hügel Babna-Gora bei dem Dorfe
Lauerza in Krain (daselbst S.298).
Die Arbeiten über die britische Flora waren grösstentheils
systematischer Art. Von Sowerby's Supplementen zurEnglish
Botany erschien das 51. Heft. Ein gedrängtes Compendium der
britischen Flora nach der analytischen Methode und in der
Anordnung des Sexualsystems publicirte Ralf (The British
Phaenogamous plants and ferns).
Von britischen Localfloren sind folgende zu erwähnen:
Baines, the Flora of Yorkshire. London 1840. 8. Inder
Einleitung schildert Phillips die physikalisch-geographischen
Verhältnisse der Grafschaft.
Leighton, a Flora of Shropshire. Shrewsbury 1840. 8.
Mit ausführlichen Beschreibungen und bildlichen Darstellungen
schwieriger Gattungen.
442
Babington Primitiae Florae Sarnicae, or an outline ot«
the Flora of tiie Channel Islands of Jersey, Guernsey, Aide
ney and Serk. Von 848 auf diesen Inseln vorkommende
Phanerogamen und Farn fehlen nur 12 der englischen Flora
z. ß. Ranunculus ophioglossoides, Hypericum liiiari/oliumj.
Centaurea Isnardi, Echium violaceum, Bromus maximus.
Von demselben Verf. erschien ein Supplement zu seiner
Flora Bathoniensis.
Einzelne Gruppen der britischen Flora wurden in folgen-
den Schriften abgehandelt: .
Newman, a history of British ferns. London 1840. 8.'
Mit Abbildungen.
Taylor, catalogue of the species of Fungi obtained in the
North of Ireland by J. Templeton (Ann. nat. bist. 5 p. 3). i
Hincks, remarks on Mackay's Flora hibernica (Ann. nat.
hist. 6 p. 12, 126).
Auch die Kenntniss der französischen Flora ist im ver-
flossenen Jahre durch Localbeobachtungen erweitert worden.
Eine der \vichtigsten Erscheinungen ist Boreau's Flore du
centre de la France. Paris 1840. 2 Bände. 8. Diese Flora
begreift das Gebiet zwischen 46"^ und 48" C. B., IP" und
22'' C. Or. F., also ungefähr die ehemaligen Provinzen Orlean-
nais, Berry, Marche, Bourbonnais, Nivernois und Theile vou
Burgund. Diese Landschaften sind eben oder hügelig und lie-
gen in einem Niveau von 60 — 900 Metern. Ein grosser Theil
des Bodens ruht auf primitiven Gesteinen: ausserdem kommen
Steinkohlen-, Jura-, Kreide-, tertiäre Formationen und Alluvien
vor: der Einfluss der geognostisclien Differenzen auf die Ver-
breitung der einheimischen Gewächse wird durch besondere
Cataloge erläutert, unter denen die eigenthiimlichen Pflanzen
des Jurakall<s besondere Aufmerksamkeit verdienen. Eine grosse;
Reihe von Höhenbestimmiuigen ist vorhanden, die hier, meist
aus den Archiven <les Kriegsministeriums entnommen, publicirt
werden. Der systematische Theil dieses Werks enthält 1584
Phanerogamen, die nach dem Grundsatze begrenzter Arten, in
einer ähnlichen Form wie in Koch's Synopsis bearbeitet sind
Am Schlüsse findet sich auch ein Verzeichniss der Moose und
Flechten. In pflanzengeographischer Rücksicht ist diese Floraj
besonders deshalb von Wichtigkeit, weil in deren Gebiete di
443
-rdlichen Arealgrenzen von vielen meridionalen Pflanzen des
honegebiets liegen und von. Verf. nüt weit grösserer Oe-
p.uigkeit als von seinen Vorgängern angegeben sind., binige
■r ausgezeichnetsten Beispiele südenropäischer Gewachse, die
Frankreich wegen einer fehlenden Gebirgsscheide bis zu der
aralicle der Schweiz sich verbreiten, sind folgende: Ranun-
dus chaerophyllns, monspeJiensis,parviflorus; Linum suf-
'iitü^oswn; Farsetia dypeata; Asterociivpus sesamoides;
^elianthemum alyssoiJes; Arenaria conimbricensis Brot.;
otentilla spleiidens DC, hirta h.; Genista purgans; Me-
xago orhicularis, scutellafa, Trifolium marifimum, glo-
eruium, Lotiht angustissimvs; Bupleurum aristalum; Lo-
icera etrusca; Scahiosa ucranica; Inula hifrons,Cardun-
dlus mitissimus, Kentrophyllum lanatum, Scolymus .hi-
mnicus; Erica vagaiis, scoparia; Jasmimim fruticans,
raximisOrnus; Bartsia viscosa; A mar antus albus; Quer-
us pubescens, Toia; Asphodelus albus; Cyperus longus;
'olypogon monspeliensis, Gaudinia fragilis. Die neuen oder
enauer begründeten Arten dieser Flora sind: Barbareainter-
ledia B.; Iberis Durandä von Lorey und Duret in deren
lore de Coted'Or abgebildet; Arenaria conimbricensis Brot. \
Mpinus linifoliiis Rth. (an gusiifolius Aut nee L. etfl. graec);
luphrasia Jauberüana B. (Astea Dub. nee L.); Thesium
umifusum DC; Carex ligerica Gay (arena/ia Dub. nee L.)
Eine Flora vom Departement de l'Aisne publicirte La-
ont (Ann. sc. nat. 1840).
Heber einige Excursionen in den Pyrenäen berichtete
entham in Briefen an Hooker (Journ. of Botany 1840 p.llO).
^eue, von demselben erwähnte Pyrenäenpflanzen sind: Tha-
ictrum macrocarpujnGreu.; Lifhospermum Gastoni B; Ly-
zhnis fruiiculosa B.
Die Flora von Spanien, deren Kenntniss bis zu den letzten
Jahren so wenig vorgeschritten war, wird jetzt in den treff-
lichen, jedoch noch unvollendeten Werken von Webb und
Boissier nach den vorzüglichsten Materialien bearbeitet. Von
des Erstem Otia hispanica erschien 1840 erst die zweite Lie-
ferung, in welcher einige Algen abgebildet und von Montaigne
beschrieben sind. Für das Studium der südeuropäischen Ge-
wächse unentbehrlich ist das grosse Kupferwerk von Boissier,
444 I
welches einen Theil von dessen Voyage botanique dans le midi
del'Espagne bildet. Durch monatlich ununterbrochen seit 1839 '
erschienene Hefte bereits über die Hälfte vollendet, wird es
ein ausgeführtes Bild der Vegetation von' Granada darstellen '
und zu den vollständigsten und bestbearbeiteten Floren des ,
südlichen Europa zu rechnen sein. Die Systematik in Boissier's '
Flora ist mit gründlicher Critik und gestützt auf die DeCan- ''
dolle'schen Sammlungen bearbeitet. Bei bekannten Arten ist ^
alles Descriptive erspart; die zahlreichen neuen Formen wer- ^
den ausführlich beschrieben und durch die trefflichsten Abbil-
dungen erläutert; in schwierigen Gattungen finden sich criti- ^
sehe Nachweisungen. Für die Zwecke der Pflanzengeographie
leistet das Werk Alles, was der gegenwärtige Standpunct der
Wissenschaft fordert. Bei jeder Art ward deren verticale Ver-
breitung beobachtet, was hier um so wichtiger war, als die
Untersuchungen des Verf. sich vorzüglich auf die oberu Re-
gionen der Sierra Navada erstrecken. Ferner sind stets für
die Areal-Extension ausserhalb des Gebiets der Flora die vor-*
handenen Data sorgfältig zusammengetragen. Die allgemeinern
pflanzengeographischen und physiognomischeu Verhältnisse er-
warten wir in dem Reiseberichte des Verf. dargestellt zu sehen,
von dem bis jetzt erst eine Lieferung erschienen ist. Im Gan-
zen erhielten wir schon 17 Hefte, worin die Flora von (fefl
Ranunculaceen bis zu den Chenopodeen enthalten ist. — iS\st
neu entdeckten Arten waren schon 1839 in einem Elenchus
publicirt, der im Jahre 1840 in Leipzig nachgedruckt ist.
Die Verhältnisse des Buchhandels erschweren die Bekannt-
schaft mit den neuen Productionen der italienisclien Literatur.
So ist es uns nicht bekannt geworden, ob von den beiden wich-
tigsten Werken über die italienische Flora, von Moris's Flora
sardoa und Bertolone's Flora italica im verflossenen Jahre
Fortsetzungen erschienen sind. Das letztgenannte Werk war
im Jahre 1839 in 3 Octavbänden und einigen Heften des 4. Ban-
des bis zur 10. Classe des Sexualsystems fortgeschritten. Casati
gab die erste Lieferung eines Kupferwerks heraus, worin sei?
tenere Pflanzen der italienischen Flora critisch beleuchtet we?
den sollen (Stirpes Italicae rariores vel novae iconibus illf"
stratae. Mediol. Fol.). 'i
445
,1 Von einzelnen Beiträgen zur italienischen Flora sind zu
irvvähnen :
Trevisan, Enumeratio stirpium cryptogamicarum in pro-
Ijincia Patavina observatarum. Patav. 8. 1 Heft,
Zanardini, Conspectus Algarum niaris Adriatici (Bibl.
tal. 1840 p. 195. 229). Entliält eine Aufzählung aller bisher
m adriatischen Meere beobachteten Algen nebst eigenen For-
chungen und Diagnosen einer nicht unbedeutenden Reihe neu
ufgestellter Arten.
Forbes publicirte Notizen über botanische Excursionen
uD der Nachbarschaft von Triest (Ann. nat. bist. 4 p. 307). Die
larin enthaltenen Angaben sind aus altern Mittheilungen deut-
cher Botaniker bekannt.
Von Sadler erschien eine neue Ausgabe seiner Flora
'on Pesth (Flora coniitatus Pesthinensis in uno volumine com-
»reliensa. Pesth 1840. S). Sie enthält die Phaneroganien.
In des Grafen Demidoff Voyage dans la Russie meri-
lionale et la Crimee ist die botanische Abtheilung von Le-
eille bearbeitet. Sie enthält einen mit den Standorten ver-
iehenen Catalog der von dem Letztern in der Krim gesammel-
en PflanztMi. Dieses Verzeicluiiss ist wegen der besondern
Berücksichtigung der Cryptogamen wichtig. Phaneroganien
connten wegen der ungünstigen Jahreszeit verhältnissmässig
venige gesammelt werden. Mehrere neue Pilze wurden ent-
leckt und sind durch treffliche Abbildungen erläutert.
Die merkwürdige Lecanora escidenta, die in Centralasien
;o verbreitet ist, und von Parrot und Aucher-Eloy auch in Per-
den gefunden war, wurde von Leveille auch in den Steppen
ier Krim entdeckt, wo sie jedoch nur sparsam vorkommt.
Ledebour's Ansicht, dass diese Flechte sich nach athmospbäri-
chen Niederschlägen frei auf dem Steppenboden entwickele,
tritt der Verf. entgegen, indem er sie zuweilen auf Steinen
befestigt sah, und an den frei liegenden Exemplaren Spuren
mechanischer Losreissung bemerkte. Er glaubt demzufolge mit
Eversmann u. A., dass sie durch Stürme von ihrer Matrix ge-
trennt und durch die Steppen verbreitet werden. Dieser Mei-
nung stehen die ungemein grossen Quantitäten, in denen das
Gewächs vorkommt, entgegen.
Ueber die Olivencultur in der Krim tlieilt Leveille die
446
auffallende Notiz mit, dass die dortige Varietät des Oelbaü
eine Kälte von — 18° R, ertrage, ohne zu Grunde zu gjJe,
Eine Mittheilung von Seitz enthält eine Notiz iibeirf/
Vegetation des Delphi aufEuboea (Berl. Gartenzeit. 1840 S:\
Ausgedehnte Waldungen von Castanea, Quercus ^egik\
Cerris, puhescens u. a., oder von Pimis Ahies und marili
bedecken die nicdern Berge: das Unterholz besteht aus L
rus nohilis, Arhutus, Pistacia, Rhus, Styrax. - Längs
Flussbetten sind Neriwn, Paliujus, Myrlus und Jaswin i
verbreitet. |
II. Asien.
Die Pflanzen, welche v. Schubert auf seiner Reise ii
Constantinopel und Aegypten nach Arabien und Syrien s
melte, sind von Schenk bearbeitet worden (Plantaruni s
cies, quas in itinere etc. de Schubert etc. collegerunt. Miinc .
1840. 1 Fase). Unter 311 Arten sind 18 neu aufgestellt.'.
Ueber die Bestandtheile der Eichenwälder von Kurd»|
erhielten wir eine Notiz von Lindley (Bot. Reg. App*
p. 39.). Sechs oder sieben Eichenarten wurden aus Kurdis
eingesendet: Quercus infecioria, sessilifloial rigida und«
neue Formen, A. mannifera, regia, Brantii; der letzt!
Name ward später abgeändert.
Persien gehört zu den in ptlanzengeograpliischer Hinai
am wenigsten' bekannten Ländern. Es wäre zu wiinsc|
dass ein Systematiker die reichen Materialien zu einem seil
ständigen Werke benutzte, die in des verstorbenen Auch'
Eloy's Sammlungen enthalten sind. Wichtige Beiträge 5
gleichfalls von Belangers Reisewerke zu erwarten, von i
sen botanischer Abtheilung bis jetzt 4 Lieferungen erschiei«
sind (Voyage aux Indes orientales par le Nord de l'EuroK
Partiell, ßotanique. Text in 8., Kupfer in 4.). Dieselben <
halten die gesammelten Cryptogamen vollständig, von Bei
ger und Bory St. Vincent bearbeitet. Im letzten Hi
sind auch schon einige interessante armenische Phanerogan
abgebildet. Der historische Theil enthält Landschaftsansici
aus Armenien, Persien, Ilindostan.
Ueber die Flora von Ostindien sind wichtige Arbeite
schienen, die vorzüglich die systematische Kenntniss der
I 447
igen Gewächse bereichern. Dahin gehören insbesondere zwei
iupferwerke, deren Herausgabe R. Wight mit wissenschaft-
icher Aufopferung zu Madras begonnen hat: Illustrations of
indian Botany or Figures illustrative of each of the natural
brders of Indian plants, described in the Authors Prodromus
jFlorae peninsulae Indiae orientalis und Icones plantarum In-
diae orientalis. Von den Illustrations erschien 1840 der erste
Band, von den Icones, die ein selbstständiges, jenen zu weite-
rer Ausführung dienendes Werk bilden, waren 14 Hefte aus-
gegeben. Beide Werke erscheinen in einzelnen Lieferungen
in Quart; das erstere ist auf 300 colorirte Abbildungen berech-
net, das zweite soll so lange als möglich fortgesetzt werden
und für Indien dieselbe Bedeutung erhalten, wie die English
Botany für England.
Wight's Nachrichten über die Theecultur stehen in auf-
fallendem Gegensatze zu den Angaben Royle's, der, auf die
Ansichten von Abel sich stützend, ganz irrige Meinungen über
die climatischen Verhältnisse der Theedistricte verbreitet hat.
Er glaubte, der Theestrauch bedürfe eines kühlen Clima's, trock-
nen Bodens und heitern Himmels, er sah diesen Bedingungen
entsprochen in einer alpinen Höhe, in der Mähe des Wende-
kreises, auf sonnigen, der Verdunstung förderlichen Standorten.
Das Clima der neuen Theepflanzungen in Assam ist hingegen
feucht, mit geringem Temperaturwechsel, im grössern Theile
des Jahrs herrschen Niederschläge, auch in den übrigen Mo-
naten ist der Himmel oft bedeckt durch Wolken oder Nebel.
Auch ist die Cultur auf die feuchtere Thalseite von Assam be-
schränkt, wo der Strauch in tiefen Gründen unter so dichtem
Baumschatten wächst, dass die Sonnenstrahlen kaum zu ihm
durchdringen können. Der Boden freilich verschluckt hier die
Feuchtigkeit so ausgezeichnet rasch, dass er ungeachtet jener
Verhältnisse vollkommen trocken und staubig erscheint. Weni-
ger, als von diesen Localbedingungen, soll die Theecultur von
der Temperatur abhängig sein, weil dieselbe sich gegenwärtig
vom Aequator auf Java bis zum 40" C. B. verbreitet hat.
In Jacquemont's Voyage dans l'Inde (Paris, 4.), wovon
bis jetzt 36 Lieferungen erschienen sind, werden die seltenern
Pflanzen aus des Reisenden Sammlungen von Decaisne aus-
führlich beschrieben und abgebildet. Diese Arbeit ist ungefähr
448
zur Hälfte beendet und enthält wichtige Beiträge zur Flora
des Himalajah.
Ein Verzeiohniss der von Wallich in Ostindien gesammel-
ten Moose publicirtellarvey. Diesen fügte der jüngere Hoo-
ker die Moose der Royle'schen Sammlung bei (Journal of
Bot. 1840 p. 1). Dieser Catalog enthält 148 Laubmoose, gröss-
tentheils aus dem Himalajah. Verhältnissmässig ist die Zahl
der neuen Arten nicht gross, diese sind zum Theil hier erst
aufgestellt und kurz beschrieben, zum Theil bereits in Hooker's
Icones plantarum abgebildet. i
VonBennett's, durch R. Brown bereichertem Werke über
die Flora von Java erschien die zweite Lieferung (Bennett
Plantae Javanicae rariores, quas legit Horsfield. London 1840.
4. Part. n.). Enthält S. 105 — 196 und T, 26 — 40.
Vegetationsschilderungen aus dem Gebiete der indischen
Flora sind in den englischen Zeitschriften verschiedentlich entltal-
ten. Die Gemahlin des Oberst W alter fuhr fort, über ihre bo-
tanischen Excursionen auf Ceylon an Sir W. Hooker brieflich zu
berichten (Journ. of Bot. 1840 p. 223). — Ebenda (p. 267)
findet sich einBericht von Edge vv o r th über die Culturgevvächse
in den beschützten Sikh-Staaten der Ebene am Fusse des Hi-
malajah, nordwestlich von Dellü. Angehängt ist eine Mitthei-
lung über die Bestandtheile eines in dieser Gegend gesammel-
ten Herbariums, nebst ausgeführter Beschreibung einiger neuer
Arten. Unter 737 Phanerogamen (von denen 160 cultivirt
werden) sind die numerisch vorherrschenden Familien folgende:
112 Gramineen; 84 Leguminosen; 51 Synanthereen; 35 Cype-
raceen; 23 Euphorbiaceen; 22 Acanthaceen; 17 Cucurbitaceen;
ISMalvaceen, Convolvulaceen, Scrofularineen; 14 Amaranta-
ceen u. s. w.
Ein Tagebuch von Griffith, das auf einer officiellen
Reise nach Butan geführt ward, ist in pflanzengeographischer
Rücksicht von geringem Belang (Ann. nat. bist. 4. pag. 424
und 5. pag. 119 etc.).
V. Siebold's Flora japonica, deren Systematik Zucca-
rini bearbeitet, ist in 20 Lieferungen bis zum Ende des ersten
Bandes fortgeschritten. Er enthält auf 100 Taf. ebenso viel Ab-
bildungen von japanischen Cultur- und Ziergewächsen. Es sind
449
verliältnissmässig wenig neue Gattungen, aber grösstentheils
neue Arten.
Die russisch-chinesischen Grenzländer werden fortwährend
in botanischer Hinsicht untersucht. Aus der auf Kosten der
Academie in Moskau unternommenen Reise von Kareline
werden bedeutende Beiträge zur Flora des Altai hervorgehen.
— Eine andere im Jahre 1838 am Saisang-Nor und am Irtisch
in der chinesischen Provinz Thian-Schan-Pelu veranstaltete
Sammlung ward von Bongard und nach dessen Tode von
C.A.Meyer bearbeitet. Sie erweitert unsere Kenntniss jener
Gegenden wesentlich und wird gegenwärtig als zweites Supple-
ment zu V. Ledebours Flora altaica durch die Petersbur-
ger Academie publicirt. Ueber das Clima der Kirgisensteppe
findet sich eine Nachricht im Bulletin der Petersburger Aca-
demie (Vol. 7 p. 66). Turczaninow gab einenNachtrag zu
seinem Catalog der Baikalflora heraus, in welchem 40 neue
Arten aus dem östlichen Sibirien beschrieben werden (Bull.
Soc. Moscou 1840 p. 60.
III. Afrika.
Die wichtigste Arbeit auf dem Gebiete der afrikanischen
Pflanzengeographie ist die von Webb und Bert helot über
die Flora der canarischen Inseln. Von dem phytographischen
Theile sind die von Montagne bearbeiteten Cryptogamen auf
25 Bogen in 4. vollendet. Wiewohl bis jetzt bereits 58 Liefe-
rungen des ganzen, vielseitigen Werks erschienen sind, so ist
die Beschreibung der Phanerogamen doch noch sehr im Rück-
stande. Die Geographie botanique, von der uns 20 Quartbogen
Text zugekommen sind, zerfällt in eine Reihe gesonderter Ab-
handlungen, aus denen wir, sofern sie geschlossen sind, hier
die wichtigsten Thatsachen zusammenstellen. Die ursprüng-
liche, von allen Floren der Erde verschiedene Pflanzenschöpfung
' der canarischen Inseln ist gegenwärtig in einen durch allmä-
lige Accliraatisation fremder Gewächse veränderten Zustand
übergegangen. Die erstere enthält nur endemische Pflanzenarten.
Diese zeigen in systematischer Hinsicht folgende Eigenthüm-
lichkeiten: 1. Sie gehören meist zu europäischen Gattungen,
allein die Arten .sind in der Ausbildung ihres Organismus ver-
hältnissmässig holzreicher als die europäischen. 2. Es giebt
Anhiv f. Natnrgcsch. VII. Jahrg. 2, Hd. 29
450
eine Anzahl endemischer Genera, von denen im System nur eine
einzige Art existirt: z. B. Visnea Mocanera, Drusa oppo-
sififoUa, Phyllis Nohla, Ploccnna pendula, Canarina Cam-
panula, BoseaTervamora; icli füge diesen ma'men Ixantliiis
viscosus bei, so wie die Bemerkung, dass diese eigenthiimlich-
sten Pflanzen der canarischen Inseln meist zu nicht europäi-
schen Formen gehören, z. B. holzige Rubiaceen und eine Tern-
stroemiacee einschliessen. 3. Weiter verbreitete Gattungen
enthalten Gruppen endemischer Arten von eigenthiimlichem Ha-
bitus, z, B. Sempervivwn, Bystropogon, Echium u. s. w. —
In physiognomischer Hinsicht kann man neben den europäischen
Formen unterscheiden: 1. Gewächse von afrikanischem Cha-
racter, fleischige, grosse Euphorbien, Zygophyllum, Aizoon,
Kleinia, Palmen; 2. Andeutungen des tropisch americanischen
Typus in den Gattungen Lantus, jirdisia, Boehmeria, Drusa
und in den Farn.
Die canarischen Inseln zeigen, unter einander verglichen,
einige erhebliche, von den äussern Lebensbedingungen der Pflan-
zenwelt abhängige Verschiedenheiten: 1. Auf der kleinen Insel
Graciosa wurden nur 29 Arten gefunden, von denen 10 — 12 dem
übrigen Archipel fehlen, die andern aber daselbst in verschie-
dener Proportion der Individuenzahl vorkommen. Die Haupt-
masse der Vegetation auf Graciosa wird aus 7 Chenopodeen
gebildet, die in Gesellschaft von Euphorhia piscatoria wach-
sen. 2. Liebereinstimmend ist die Vegetation von Lancerota
und Fortaventura. Hier beginnen die grossen Euphorbien, die j
strauchartigen Synanthereen und Convolvulaceen häufig zu wer-
den. Die immergrüne Formation wird durch Erica arhorea
und Myrica Faya repräsentirt. Phoenix, Pistada ailanüca
und Tamarix canariensis sind hier an Individuen zahlreicher
als auf den übrigen Inseln. 3. Gegen das Centrum des Archi-
pels nimmt die Zahl der endemischen Arten auffallend zu. Die
Vegetation scheidet sich in gesonderte Regionen wegen der
grössern Erhebung der Inseln. — Eine merkwürdige, oft wie-
derholte und nicht überall durch das Ueberhandnehmen einer
secundären Flora zu erklärende Erfahrung ist es, dass viele
endemische Arten nur auf eine einzige Localität eingescliränkt
sind: z. B. Manulea canariensis nur am alten Crater von
Bandama, Commelina canariensis an Bächen bei Ciudad und
451
Terror, Statice arhorea auf dem Felsen bei Burgado, ferner
Umlilicus Heylandii, Sempervivum Goochiae, Bethencour-
iia pahnensis, Statice imhricata.
Bei der Characteristik der Regionen gehen die Verf. von
Tenerififa aus. Auf zahlreichere Beobachtungen über die ver-
ticale Verbreitung der canarischen Gewächse sich stützend,
glauben sie v. Humboldt's ältere und v. Buch's spätere Einthei-
lung modificiren zu dürfen. Allein abgesehen von der weit
grösserh Ausbeute an Pflanzenarten, dem natürlichen Ergebniss
eines zwanzigfach längern Aufenthalts, weichen sie von der
unübertroffenen Darstellung L. v. Buch's fast nur in solchen
Puncten ab, die, in den meisten Gebirgen wiederkehrend, je-
doch dem allgemeinem Gesetze der verticalen Pflanzenverbrei-
tung untergeordnet, nur als Localanomalien zu betrachten sind
und zum Theil nur in Folge subjectiver Ansichten mehr oder
minder hervorgehoben werden. Dazu gehören Ausstellungen,
wie die, dass v. Buch den Einfluss der Lage bei der Bestim-
mung der Regionengrenze nicht berücksichtigt und den mitt-
lem Temperaturen eine zu grosse Bedeutung zugeschrieben
habe. Um so klarer tritt das Gesammtbild der Vegetation eines
Gebirgs hervor, je mehr die Darstellung das Schwankende der
örtlichen Mannigfaltigkeit auf durchschnittliche Wcrthc zurück-
zuführen weiss. Mit Vernachlässigung der mittlem Tempera-
turen, die doch immer den ersten Anhaltspunct für die clima-
tische Characteristik einer Pflanzeuregion gewähren, legen die
Verf., deren meteorologische Beobachtungen verhältnissmässig
mangelhaft geblieben sind, ein viel zu grosses Gewicht auf die
Maxima und Minima der Wärme. An die Stelle solcher und
ähnlicher Bestimmungen mussten der Temperaturcurve ent-
sprechende Formeln treten, aus deren Eigenschaften sich die
einzelnen climatischen Differenzen von zwei zu vergleichenden
Orten successiv ableiten Hessen.
Die Verf. unterscheiden auf Teneriffa 3 Regionen (Cli-
mats), deren Höhengrenzen auf der Nordseite der Insel von
denen der südlichen Abhänge bedeutend abweichen. 1. Die
untere Region (premier Climat) reicht an der Nordseite von
der Küste bis zu 1500'. Bis zu diesem Niveau ist die Tem-
peraturabnahme nur gering; die Maxima der Wärme betragen
30« C, die Minima +16°, 1. Das ganze Jahr herrscht ein
29*
452
heiterer Himmel, nur vom November bis Januar erfolgen ein-
zelne Niederschläge. Dies ist die Region der Euphorbien, wo
Euph. canariens'is und piscatoria, Kleinia neriifolia und
Plocama pendula an Individuenzahl vorherrschen. Die wich-
tigsten Formationen dieser Region sind folgende: «) Gewächse
mit saftigen Blättern am Küstensaum, die auf dem Basaltfelsen
des Gestades verbreitet sind, aus den Familien der Ficoideen,
Chenopodeen, Euphorbiaceen und Crassulaceen, Eine andere
Reihe bilden die canarischen Meeresstrandpflanzen, die vom
Seewasser bespült werden oder dessen salinischer Effluvien zu
ihrer Vegetation bedürfen: Zygophyllum Fontanesii, Synan-
thereen, neben endemischen Staticen Franhenia pulverulenta,
neben yJsfydamia canuriejisis Cr'ilhmum maritimum. 6) Die
Vegetation des ebenen Küstenlandes (Piantes des bases) zeich-
net sich aus durch afrikanische Pflanzenfornien, durch nackte,
gebogene Stämme, fleischiges Parenchym und bläulichen Far-
benton. Die saftgrünen Gewächse verlieren sich unter der
Masse der glaucescirenden, diese wieder entziehen sich dem
Blick unter den Ungeheuern Anhäufungen von Tufi" und Fels-
trümmern, von denen diese Küste bedeckt wird. Indess bil-
det Euphorbia caiiariensis grosse Gesträuche, indem sie ausser
den genannten vorzüglich mit folgenden Gewächsen socieli
vereinigt ist: EcJiium giganteum, Convolvulus floridus, Ja-
sminum odoratissimum, Prenanthes arhorea und pinnata,
Messerschmidtia fruiicosa, Cneorwn pulverulentum, Ru-
mex, Physalis, Periplocn, Iluhia. c) Unter allen Formationen
der untern Region gewähren die mannigfaltigste Ausbeute die
Valles und Barrancos, d. h. die Bergschluchten an der Basis
des Gebirgs (piantes des ravins). Abwärts geht diese Forma-
tion in die der Euphorbien, nach oben in die Waldregion all-
niälig über. Sie besteht theils aus einer kräftigen Felsvege-
tation, theils aus Uferpflanzen, welche die Gcbirgsbäclie beglei-
ten und an den Cascaden der Insel am üppigsten wuchern.
Ohne vorherrschende Formen ist diese V'egetation zu reich und
gemischt in ihren Bestandtheilen, als dass wir dieselbe durch
Beispiele hier genauer zu bezeichnen vermöchten.
Eines grossen Theils der untern Region hat die Cultur
sich bemächtigt. Fruchtbäume, Wein und Getraide verdrängen
die ursprüngliche Vegetation immer laehr, so wie sie die
453
euaemischen Wälder, die zur Zeit der Entdeckung bis an die
Küste reichten, schon seit Jahrhunderten auf die obern Re-
gionen beschränkt haben. Auf diesen cultivirten Strecken findet
man jetzt am auffallendsten die Vermischung der endemischen
und secundären Flora vollendet, möge nun die letztere dem
Menschen ihr Dasein verdanken oder durch die natürlichen
Gesetze, von denen die allmälige Verbreitung organischer
Wesen auf der Erdoberfläche abhängt, herbeigeführt sein. So
wachsen die acclimatisirten Culturbäume: Phoenix, Carica,
Citrus, Persica, Miisa, Ficus, Morus gegenwärtig in Gesell-
schaft der canarischen: Bracaena, Bosea, Ardma, Arhutus,
Laurus. So finden sich im Dickicht der Hecken aus Agave
und Cactiis auch die endemische Driisa und Canavina ein.
Inmitten dieser durch die Cultur umgestalteten Flächen bewirkt
zuweilen die Natur des Bodens an einzelnen Localitäten die
Wiederkehr der ursprünglichen Flora. Solche Wüsteneien, die
nur der Botaniker als Oasen seiner Forschung begrüsst, sind
die unbebauten Tufffelder, die Toseales, und die mit Lava
bedeckten Stätten ehemaliger Eruptionskegel, welche Malpais
genannt werden.
An der Südost- und Südwest Seite von Teneriffa reicht
die Region der Euphorbien 1000' höher als an der Nordseite,
oder bis zu 2500'. Bis auf eine höhere Temperatur, deren
Maxima und Minima 33", 3 und 18", 8 betragen, unterscheidet
sich das Clima nicht wesentlich. Die Niederschläge sind hier
auch im Winter selten. Die Vegetation zeigt in ihren vor-
herrschenden Typen einige Verschiedenheit. Als characteristi
sehe Gewächse der Südküste werden in dieser Rücksicht ge-
nannt: neben Eiipliorhia canariensis auch E. halsamifera
und E. aphylla, ferner Ciieorum pidverulentinn, Zygophyl-
lum Fontancsii, Prenanthes spinosa.
Die mittlere Region (second Climat) umfasst auf der INord-
seite von Teneriffa das Niveau von 1500' — 5000'. Sie ist nach
Maassgabe der Höhe 2 — 8" kälter als die Küste. Dies ist die
Wolkenregion der Insel, wo der Himmel fast beständig bedeckt
ist und der Erdboden in steter Feuchtigkeit erhalten wird. Sie
zerfällt in zwei über einander geordnete Pflanzengürtel, in
einen dichten Laurineenwald, der den untern, und in eine Ge-
sträuchsformation, die den obern Theil der Region bedeckt
454
(Region des lauriers et plantes nemorales; Region des brii-
yeres et cistes). Vier Laurineen sind die vorherrschenden Be-
standtheile jenes Waldes : hauriis canaiiensis, indica, Bar-
husano und Persea foetens. An Zahl der Individuen stehen
diesen zunächst Erica arborea, Hex canariensis und J. Peiado.
Hierauf folgen: Ardisia excelsa, Cerasus Ilixa, Fiburnum
j-iigosujn, Myrica Faya. Die übrigen Bäume sind : Visnea
Mocanera, Arhutus canariensis, Rhajyiniis glandulosa, Ce-
lastrus cassinoides, Myrsine canariensis, Olea excelsa. Die
Ueppigkeit der Vegetation in diesen eigenthümlicken Waldun-
gen zeigt sich auch in den Schattenpüanzen, unter denen die
Farnkräuter am häufigsten auftreten; von Lianen wird Con-
volvulus canariensis erwähnt. Dieser Waldgürtel, wie er heut
zu Tage besteht, entspricht der feuchtesten Schicht der Atmo-
sphäre, während dessen vegetative Energie zugleich auf dem
Boden die stärkste Hnniuslage erzeugt. Diese beiden phj-si-
schen Agentien, die zugleich Bedingung und Folge der Ver-
breitung des Hochwaldes sind, nehmen in einem höhern Niveau
allmälig ab: dem entsprechen die allniäligen Aenderungen
der Vegetation. — Zuerst wird Erica arborea häufiger; die
Laurineen bleiben zurück; MyricaFuya ist bald der alleinige
Begleiter der strauchartig werdenden Erica; hierauf ver-
mischen sich Pteris ac/uilina und Cistiis vaginaius mit ein-
zelnen Heidesträuchern ; über 3600' bleibt zuletzt nur noch Ci-
stus vaginatus, der bis zur obern Grenze der Region allmä-
lig an Massenverbreitung zunimmt.
Dass diese Cistenvegetation vorzüglich von einer Abnahme
der atmosphärischen Feuchtigkeit abhängig sei, geht aus einer
Vergleichung des bisher betracliteten Nonlabhangs von Tene-
rifi"a mit der mittlem Region der Südseite hervor. Dieselbe
tmifasst ein bedeutend engeres Gebiet, indem sie erst bei
2500' beginnt und schon bei 4000' aufhört. Die Temperatur
scheint von der des nördlichen Abhangs nicht verschieden, die
Feuchtigkeit aber im höchsten Grade. Denn an der Südseite
der Insel fehlt eine Wolkenregion; auch in diesem Niveau ist
der Himmel heiter, die Luft trocken und nur selten wird der
Erdboden durch Niederschläge benetzt. In Folge dessen fehlt
hier der Laurineengürtel fast durchaus und die ganze Region
455
wird von Gesträuchen bekleidet, welche grösstentheils zu der
Gattung Cistus gehören.
3. Die oberste Region (troisieme climat) begreift die höch-
sten Abhänge des Pic de Teyde, dessen Höhe 11424' beträgt,
und ist auf den übrigen Bergspitzen, wie auf Gran Canaria
(5842') und Palma (7234') nur unvollkommen entwickelt. Am
Pic von Teneriffa reichen die Coniferenwälder, welche den
untern Gürtel dieser Region bilden, auf der Nordseite bis 5000',
am entgegengesetzten Abhänge bis 4000' herab: übrigens sind
hier bei jeder Himmelsrichtung Clima und Vegetation gleich.
Die Temperatur ist nach der Höhe 9 — 18" niedriger als an
der Küste, aber die Jahreszeiten sind auch hier nur wenig ge-
schieden. So ward auf dem höchsten Gipfel am 4. Julius
ö»» 5' a.m. im Jahre 1825 die Temperatur 8», 8 gemessen, am
24. Februar 8"» 45' a. m. im Jahre 1828 = 7^4C. Im All-
gemeinen sind die Tage trocken und warm, die Nächte kalt
und nicht selten feucht: doch scheint diese Feuchtigkeit auf
die in Folge der Wärmestrahlung stattfindende Thaubildung
sich zu beschränken, weil der Himmel das ganze Jahr hindurch
fast beständig heiter ist. Der Schnee, der am Gipfel zuweilen
herabfällt, erhält sich daselbst nur zwei Monate des Winters.
Mehrere Pflanzengürtel bekleiden die oberste Region des Pic,
welche die Verf. in zwei Hauptformationen gliedern (Region
des pius et autres plantes forestieres ; Region des legumineuses
frutescentes et autres plantes alpines). Auf einem trocknen,
humusarmen Boden wachsen die gigantischen Stämme von Pi-
nus canariensis, die den untern Waldgürtel dieser Region
bilden: im Wachsthum gleicht derselbe durchaus den Tannen-
wäldern der europäischen Alpen. Ebenso wie dort vegetirt
jene Conifere in geschlossenen Forsten, ohne von andern Bäumen
oder Unterholz begleitet zu sein, und duldet in ihrem Bereich
bis auf sparsame Vegetation von Kräutern kein anderes Ge-
wächs. Diese Schattenpflanzen sind für Pinus canariensis fol-
gende: Pteris aquilina, Asphodelus ramosus, Thymus Cala-
mintJia, Erigeron viscosus, Hypericum grandi/oUum, He-
lianthemum guttatum, Lotus angustifolius. — Ueber dem
Coniferengürtei beginnt bei 7000' die Formation von Legumi-
nosensträuchern, eine Vereinigung von Cytisus nubigenus und
Adenocarpus franhenioides , die nebst manchen isolirten,
456
endemischen Kräutern den vulcanisclien Tuff bekleiden. Die
obersten Cytisus-Sträucher wuchsen in einer Höhe von 8673';
höher steigen die Kräuter, unter denen Viola cheiranthifolia
und Silene nocteolens die häufigsten sind. Die höchsten Pha-
nerogamen wurden im Niveau von 9850' beobachtet, auf dem
Gipfel selbst vegetirten noch einige Flechten und eine Varie-
tät von Weissia verticillato. — Zu den auf isolirte Standorte
eingeschränkten Pflanzen der obern Region gehören auch einige
Holzgewächse, die wahrscheinlich früher verbreiteter waren als
jetzt: Rosa Armidae, Fyrus yiria var., Rhamnus coriacea,
Juniperus Cedrus. — Von dem zuletzt genannten und von J. tuvi-
fera versichern wenigstens die Verf., dass sie ehemals in einem
geschlossenen Bestände einen besondern Gürtel zwischen Pinus
canariensis und den Leguminosensträuchern bildeten, während
sie jetzt beinahe ausgerottet sind. Sehr ausführlich schildern
die Verf. in einem spätem Abschnitte die Folgen solcher Wald-
verwüstungen, sofern sie gleichsam durch eine heilende Thä-
tigkeit der Natur allmälig und in gesetzmässiger Weise wie-
der ausgeglichen werden können. Die unmittelbare Folge des
Abtriebs ist in beiden Waldregionen verschieden ; in der der
Laurineen erscheinen zunächst Erica arhorea oder Pteris;
wo Coniferen standen, sprosst freiwillig Erigeron viscosus
hervor. Eine andere Periode der Wiederbelebung des Bodens
durch organische Formen tritt ein, wenn die Crstusrosen nebst
yisphodelus ramosus umherzuwuchern beginnen. Nach und
nach kehren die frühern Ilolzgewächse wieder, falls die Um-
stände günstig sind. Im Lorbeerwalde scheint ein solcher Cy-
clus schon in 20 Jahren vollendet zu werden. Folgenden Fall
hatten die Verf. selbst Gelegenheit zu beobachten: 1815 ver-
brannte im Thale Orotava ein Laurineenwald, der Boden war<l
sich selbst überlassen; 1820 war er mit Pteris und Erica ar-
horen bewachsen; 1830 begann schon wieder eine Vegetation
von Laurus canariensis, untermischt mit Myrica und Vi-
hunium, den Raum einzunehmen.
Brunuer hat die Flora der Cap Verdischen Inseln, die
bis dahin ganz unbekannt geblieben war, freilich in der ungün-
stigsten Jahrszeit untersucht (Reise nach Senegambien und
den Inseln des grünen Vorgebirgs. Bern 1840. 1 B. 8. —
Die botanischen Ergebnisse sind in den Beiblättern zur Regens-
457
burger botan. Zeitg. publicirt). So gering auch die Zahl der
beobachteten Pflanzen ist, so kann man doch mit grösster
Wahrscheinlichkeit schliessen, dass diese Inselgruppe, ganz ver-
schieden von Helena oder Teneriffa, gar keine endemische
Flora besitzt. Zwar bestehen die Wälder im Innern von San
Yago aus Anona squamosa, einem Baume, dessen afrikanische
Heimath bisher nicht bekannt war, allein die übrigen Nach-
richten sprechen ohne Ausnahme dafür, dass die Inseln zum
Gebiete der senegambischen Flora gehören. Die einzige Ver-
schiedenheit von der Vegetation des afrikanischen Festlandes
besteht darin, dass einige endemische oder von Südeuropa ein-
gewanderte Pflanzen der canarischen Inseln sich bis zu jenem
tropischen Archipel verbreiten. So wachsen auf der öden,
baumlosen Insel Sal, deren Vegetation aus Halophyten und
Sandpflanzen besteht, von canarischen Arten: Statice pectinata
und Frankenia ericifolia, von siideuropäischen z. B. Andro-
pogon distachyos, Scdicornia fruticosa, Fagonia cretica-,
auf Bonavista Prenanthes spinosa. Dies sind einzelne Aus-
nahmen von dem senegambischen Character der Flora, der
daselbst namentlich durch folgende Gewächse ausgedrückt er-
scheint: Acacia alhida Del., Tamarindus indica, Cassia Fi-
stula und hicapsularis, Caillea dichrostachys, Anona glauca,
Zizyphus orthacantha DC. ; Arten von Euphorbia, Jatro-
pha, Sida; Pegoletüa senegalensis, Diclyptera umhellata,
Ficiis Sycomorus, FÄaeis giiineensis.
Ueber die Flora von Senegambien hat Brunn er gleich-
falls einige allgemeinere Bemerkungen vorgetragen (Bot. Zeitg.
a.a.O. S. 36). Er ist der Ansicht, dass in Senegambien die
afrikanische Wüstenflora und die Passatflora von Guinea zu-
sammentreffen. Die letztere ist reicher an tropischen Formen,
sie besteht hauptsächlich aus Bäumen und einjährigen Kräutern,
sie hat nur eine kurze Vegetationsperiode von vier Monaten,
während der übrigen Zeit des Jahrs, die trocken ist, ruhen
die Gewächse oder tragen Früchte. Für die Wüstenflora hin-
gegen, die der Verf. sich von Aegypten bis Senegambien gleich-
förmig verbreitet denkt, seien tropische Regengüsse weniger
nothwendig: sie bestehe vorzugsweise aus Sträuchern und sta-
cheligen Stauden, die zu der Zeit blühen, in welcher ihre tro-
pischen Nachbarn den Winterschlaf halten. Brunner stellt ein
458
Verzeichniss von etwa 40 Arten zusammen, die Senegambien
oder den Cap Verdischen Inseln und Aegypten gemeinsam
sind, in der That ein bedeutendes Zeugniss für die Einförmig-
keit des afrikanischen Pflauzencharacters. Die Einwürfe, dass
manche der hier erwähnten Arten zweifelhaft oder secundär
verbreitet seien, dürften in folgenden Beispielen nicht zulässig
erscheinen: Acacia alhida Del., A. Lehhek W. nebst deren
Liane Cocculus LcaehaBel.; Croialaiia thebaica Del.; Zy-
gophjllum alhwn, Nymphaea Lotus, Balanites aegyptiaca,
Aerva tomentosa Forsk., Arundo isiaca Del. Dies sind
auch physiognomisch characteristische Gewächse der senegam-
bischen Flora. Die Verwandtschaft derselben mit der von
Guinea wird nur auf 12 Gewächse begründet, unter denen
gleichfalls hervorstechende Formen, namentlich die 3 einheimi-
schen Palmen Borassus flabelliformis, Elaeis guineensis und
Phoenix spinosa sich finden.
Einige Bemerkungen über die numerischen Verhältnisse
der senegambischen Flora sind beigefügt. Der Verf. schlägt
die Artenzahl in den Sammlungen von Leprieur und Perrottet
nur auf 15 — 1600 an. Nächst den Leguminosen seien die
Rubiaceen, etwa 40 Arten, am zahlreichsten; keine derselben
verbreite sich über die Wüste, dagegen finde man sie in den
Herbarien von Congo gleich stark vertreten. Hierauf folgen
die Malvaceen mit zahlreichen Arten von Hibiscus und Sida,
auch Bombaceen und Sterculiaceen. Strauchartige Capparideen
gehören zu den eigenthümlichsten Bildungen dieser Flora.
Unter den Leguminosen finden sich vorzüglich Mimoseen, Dal-
bergieen, Swartzieen, Detarieen und Cassieen. Endemische
Compositen beschränken sich auf die Gruppe der Baccharideen,
übrigens spricht sich in dieser Familie Aehnlichkeit mit Ober-
Aegypten aus, so wie andere Arten durch die ganze tropische
Zone secundär verbreitet sind. Die Euphorbiaceen enthalten
Arten von Jatropha, Croton, Euphorbia; die Urticeen von Fi-
cus, deren Arten einen Hauptschmuck des Landes bilden. Die
Gräser sind nicht mannigfaltig; Arten von Cyperus zahlreich.
Die Farnvegetation beschränkt sich auf wenige Arten.
Die Thymelaeen, Polygoneen und Begoniaceen der Cap-
flora wurden von Meissner vorzüglich nach den Sammlungen
von Drege bearbeitet (Linnaea 1840 S. 385). Die Cap'schen
459
Thymelaeen, 122 Arten, bilden ungefähr die Hälfte aller bekann-
ten Formen dieser Familie, und beinahe den 80. Theil der
Capflora. Von den übrigen Thymelaeen wachsen etwa 50 in
Australien, 30 in Europa, 20 im extratropischen Asien, 8 in
Amerika. — Von 30 siidafricanischen Polygoneen sind nur
17 endemisch, die übrigen, Arten \on Polygonum und Rumex,
wahrscheinlich aus Europa oder Ostindien übergesiedelt. Die
einzige endemische Gattung ist Burchell's Oxygonum. — Von
der Gattung Begonia fand Drege 3 Arten.
Richard beschrieb einige neue Pflanzen aus der Flora
von Abyssinien, die er aus einer grossen, in der Provinz Tigre
veranstalteten Sammlung auswählte (Ann. sc. nat. 1840 p. 241).
Die Entdeckungen Schimper's hat Hochs tetter erst im gegen-
wärtigen Jahre zu publiciren angefangen.
Einige Nachrichten über Aegypten wurden von Figari
in dem Werke von Clot Bey (Apergu general sur l'Egypte.
Paris 1840) mitgetheilt. Unter dem Gouvernement von Mehe-
med Ali hat sich die Physiognomie von Unterägypten geändert.
In diesem Lande, welches ausser der Dattelpalme keinen Wald-
baum besitzt, Hess die Regierung binnen wenigen Jahren über
20 Millionen Stämme pflanzen. Von der Dattelpalme behaup-
tet der V'erf., dass sie oft für sich grosse Wälder bilde; in
Ober- und Mittel-Aegypten sei dies der häufigste Baun», dessen
Verbreitung bis an die Grenzen der W^üste reiche. Der nörd-
lichste Punct, wo die Cucifera thebaica vorkommt, ist die
Gegend von Tahta, 70 Stunden südwärts von Cairo. Acacia
nilotica verbreitet sich bis Unterägypten, aber nur in der The-
bais, wo sie verkrüppelt, liefert sie Gummi, indessen beginnt
die Hauptproduction dieser Substanz erst in Nubien.
IV. Amerika.
Die Flora der vereinigten Staaten wird bald fast ebenso
bekannt werden, als die von Europa. An Sir W. Hooker's
treffliches Werk über die britischen Besitzungen bis zur Nord-
westküste schliesst sich die nicht weniger ausgezeichnete neue
Flora of North-Amerika, welche von Torrey und AsaGray
herausgegeben wird und bereits zur Hälfte vollendet ist. Von
dieser Flora, die nach dem De Candolle'schen Prodromus
460
geordnet ist, erschien 1839 Her erste, 1841 der zweite Band.
Dieser enthält bereits die Synanthereen.
Bigelow besorgte eine neue Ausgabe seiner Flora von
Boston (Florula Bostoniensis. Third edition. Boston 1840. 12.).
Von des Pr. v. Wied Reise in Nord-Amerika erschien-
1840 das 18. Heft. Auf dieses, die Physiognomie der nord-
amerikanischen V'egetation durch charactervolle Landschafts-
zeichnungen erläuternde, wichtige Quellenwerk werden wir
nach dessen Vollendung zurückkommen.
Neue Beiträge zur Flora von Mexico wurden von Bent-
ham und v. Schlechtendal publicirt. In Bentham's Plan-
tae Hartwegiauae ist enthalten: der Catalog einer von Graham
bei Mexico und in den Mineudistricten veranstalteten Samm-
lung, sodann eine Bearbeitung der verkäuflichen Herbarien,
welche Hart weg vorzüglich auf der Reise von Mexico nach
Zacatecas zusammenbrachte. — v. Schlechtendal's diesjäh-
rige Mittheilungen über von Schiede, Ehrenberg u. A. gesam-
melte mexicanische Pflanzen betrefi"en die Polygaleen, Loaseen,
Celastrineen und Rhamneen (Linnaea 1840 S. 159 etc.).
In R. de la Sagra's grossem Werke über Cuba ist die
Bearbeitung der Flora erst begonnen. Da die Lieferungen (bis
jetzt 28) rasch folgen, werden wir vielleicht schon im näch-
sten Jahre darüber berichten können.
Einige Nachrichten über die Physiognomie der Flora von
Venezuela wurden von Ed. Otto mitgetheilt (Berl. Gartenzei-
tung 1840 S. 145). Die Vegetation am Meeresstrande bei
La Guayra besteht nur aus Cacteen von den verschiedensten
Formen, mehrern ästigen, 3 — 12' hohen Arten von Cereus,
sodann aus Mamillarien, Melocacten und Opuntien. Die Mo-
locacten kleben sich fast unnüttelbar an senkrechte Felsen-
wände, die Mamillarien hingegen wachsen an schattigen Orten
auf ebenem Boden. Die hiesigen Cacteen verbreiten sich vom
Ufer des Meers bis zu einer Höhe von 2000', dann folgen die
Waldungen einer Region, die sich durch ihre Wolkenbildungen
von der trockenen Küste unterscheidet. Ausser der mannig-
faltigen Cactusvegetation fand Otto die untere Region einför-
mig und pflanzenarm: die Abhänge mit niedrigem Gesträuch,
vorzüglich Cassia und Mimosa, bewachsen. Auch die dünne
Erdkrume aus saudigem Lehmboden, reich an Gerolle und vor-
461
springenden Felsen, begünstigt allein jene einzelne, in dieser
Gegend vorwaltende Pflanzenfamilie. Nur in der Nähe der
Gebirgsfliisse wird die Vegetation üppiger upd mannigfacher:
hier wachsen Stämme von Hura crepitans, 4 — 6' im Durch-
messer. Der Reisende verwunderte sich, an solchen Localitä-
ten keine Farn anzutreflfen, die doch übrigens für die Flora
von Venezuela characteristisch sind. — Ueber andere Excur-
sionen in der Gegend von Caracas sind noch ausführlichere
Berichte abzuwarten. Unter Anderm bestieg Otto die Silla
in der Nähe jeuer Stadt, wo er über der Gesträuchregion Wäl-
der mit Palmen und parasitischen Orchideen, am Gipfel aber
eine alpine Vegetation antraf, die zwischen hohen Grasrasen
Befarien, Lycopodien und Farnkräuter enthielt.
Die wichtigsten Resultate von Schomburgk's erster Reise
im britischen Guiana sind zum Theil schon im verflossenen
Jahre publicirt worden. Der Bericht des Reisenden selbst er-
schien jedoch erst später; die Nachrichten, welche derselbe in
den Annais of natural history für 1840 veröffentlichte, sind
nur zoologischen Inhalts. Eine systematische Uebersicht der
gesammelten Pflanzen wird von Bentham gegeben (Journal
of Botany 1840 p. 38 etc.). Bentham schätzt die ganze Schom-
burgk'sche Sammlung auf mehr als 1400 Arten, von denen im
Jahre 1840 bereits 439 und darunter einige der grössten Fa-
milien bearbeitet wurden. Als eine ausgezeichnete Eigenthüm-
lichkeit der Flora von Guiana erscheist die grosse Verhält-
nisszahl der Leguminosen, welche hier die Synanthereen um
mehr als das Dreifache übertreffen und etwa 12 Procent der
Flora bilden. Die von Bentham bis jetzt bearbeiteten Familien
sind nach ihrem Reichthum geordnet, folgende: 167 Legumi-
nosen (unter diesen: 56 Cäsalpinieen mit Einschluss der
Swartzieen, 46 Iledysareen und Phaseoleen, 35 Mimoseen,
14 Dalbergieen, 12 Loteen und 4 Sophoreen); 81 Melastoma-
ceen; 50 Synanthereen (unter diesen: 21Senecionideen, ISEupa-
toriaceen, 12 Vernoniaceen, 3 Asteroideen und 1 Mutisiacee);
35 Myrtaceen; 26 Chrysobalaneen; 1.9 Verbenaceen, 17 Scro-
phularineen, 15 Gentianeen, 12 Labiaten, 5 Combretaceen, 50na-
grarien, 4 Lythrarieen, 2 Mouririaceen, 1 Rliizophoree. — Hier-
an reiht sich die Bearbeitung der Schomburgk'schen Cypera-
ceen von Nees v. Esenbeck (daselbst p. 393): es sind nur
462
22 Arten, die zu 42 verscliiedeiien, zum Theil neuen Gattun-
gen gehören.
Von der Flora brasiliensis, welche unter den Auspicien
der österreicluschen und baierischen Regierung von Endli-
cher und V. Martins herausgegeben wird, erschien 1840 der
erste Fascikel in Fol. Er enthält ausser den die Physiognomie
des Landes erläuternden Beilagen und Landschaftszeichnungen
die Bearbeitung der Moose von Hornschuch und der Ly-
copodineen von Spring. Die pflanzengeographischen Ver-
hältnisse der einzelnen brasilianischen Familien werden jedes-
mal in einem besondern Anhange von v. Martins dargestellt.
Wenn eine grössere Reihe von Familien vollendet sein wird,
werden wir die Resultate dieser wichtigen Untersuchungen zu-
sammenstellen. Fünf Landschaftstafeln, welche diesem Fasci-
kel beigegeben sind, erläutert v. Martius durch vortreffliche
Schilderungen der physiognomisch hervortretenden Bestand-
theile der Vegetation. Das erste Gemälde führt uns an die
Ufer des Amazonas, die übrigen stellen einzelne Typen der
Gebirgsregion des iunern Landes dar. 1. Der Urwald am
Amazonas verändert seinen Character, je nachdem er das
oft überschwemmte Ufer des Stroms oder dessen Inseln be-
deckt, oder weiter davon entlegen ist. Die erste Tafel stellt
die Waldung am Flusse vor, wo die Bäume zu Zeiten 30' hoch i
unter Wasser stehen. Diese Formation heisst bei den Eiuge-
bornen Caa-Ygapo. Vielleicht giebt es keinen Ort der Erde,
wo die Vegetation eine grössere Energie in ihren Productionen
erreicht. Im Flusse schwimmen Nymphaeen; aus dem Schlamme
des Ufers sprossen dichte Reihen von Aroideen und Canna
hervor; hierauf folgt der dichte, immergrüne Urwald. Er ist
gemischt aus Leguminosen (Inga, Vithecolohiuni), Urticeen
(Cecropia, Ficus), Polygoneen {Triplaris) und aus Cacao-
bäumen. Aus diesen ragen zwei Palmenarten hervor. Hiezu
gesellen sich die Lianen und Parasiten, unter jenen Smilax
und Bauhinia, unter diesen Orchideen, Bromeliaceen (Bro-
melia, Pitcairnia), Aroideen (Anthurium) bis zu der pilz-
ähnlichen Helosis, die im Schlamme des Bodens auf den Baum-
wurzeln befestigt ist. Eine eigne Beziehung könnte man dar-
in erkennen, dass die Bäume aus den höchsten dicotyledoni-
schen Familien in so enger Gemeinschaft mit den am meisten
463
entwickelten Monocotyledonen vegetiren, während in den ge-
mässigten Zonen diese örtliche Ausgleichung einer zwiefachen
Entwickelungsrichtung durch die weniger ausgebildeten Familien
der An.entaceen und Gräser erreicht wird. - 2. Die zweite
Tafel stellt die Capoens in der Provinz Mmas Geraes dar.
Dieser Name, eigentlich Caa-apoam, im Portugiesischen ver-
stümmelt Capäo, bedeutet einen Wald, der einer mamma gleicht.
Ein solcher besteht nämlich aus einzelnen Baumgruppen, deren
höhere Stämme im Mittelpuncte stehen, und, von niedriger
Waldung umgeben, aus der Ferne ein hiigelähnliches Bild dar-
stelleji. Die Baumarten dieser immergrünen Gehölze sind zahl-
reich und von mannigfachem Bau: 22 Gattungen, die vorzu-
herrschen pflegen, gehören zu 16 verschiedenen dicotyledoni-
schen Familien. Unter diesen entsprechen nur wenige der
Mimosenform, nämlich Inga, Sc/iimis und Cupania; die meisten
Bäume schliessen sich in ihrer Laubgestalt an die Laurineen.
Die übrigen Gattungen sind: Nectandra; Palicurea; Taber-
nacmontana; Xylopia, RolJ^nia, Guatteria; Hex; Comhre-
tiim; Myrcia; En genta; Prunus; Peru; Stillingia; Casea-
ria; Tontelea; Coccoloha; Leaiidra, Miconia, Huberia.
3. Taboleiro coberto in der Gegend von Fanado. Wenn
man von den Campos des Francisco aus die Chapada's, die
Hochebenen gegen Bahia betritt, so gelangt man zunächst in
ein Gebiet, das einen beständigen Wechsel von weitläuftigen
Flächen und sanften Thalbildungen darbietet. Statt der Sava-
nen nnd Urwälder gedeiht hier nur eine sparsame, vereinzelte
Vegetation, die viele Stellen des Erdbodens frei lässt, wo Fel-
sen und Gebirgstrümmer oder trockne Thonschichten hervor-
treten. Es fehlt an Humus und Bewässerung; niedrige Kräu-
ter werden von einzeln stehenden Bäumen beschattet: diese
weitläuftigen Haine bilden den Taboleiro coberto. Die Bäume
zeigen ein verkrüppeltes Wachsthum und tragen oft eine kork-
bildende Rinde: mit gebogenem Stamm, kurzen, dicken, ge-
krümmten Zweigen breiten sie sich aus. Den Aesten fehlt
die dichte Laubkrone; die Blätter, die in der lang dauernden,
trockenen Jahrszeit abfallen, erscheinen nur an den äussersten
Verzweigungen, so wie auch das festere Parenchym denselben
ein von dem saftreichen, lebhaft immergrünen Laube des Ur-
walds ganz verschiedenes Ansehen giebt. Auf den Zweigen
464
wohnen sparrig verästeltete Parasiten aus der Familie der Lor-
anthaceen und verschiedene Lianen, besonders Malpighiaceen
und Aristolochien, klettern am Stamme empor. Unter den
Bäumen sind in dieser Formation die Vochysien häufig ver-
breitet, wegen ihrer geringen Extension die merkwürdigste
Pflanzenfamilie Brasiliens. Die übrigen Jüer erwähnten Baum-
arten sind: Aspidospenna, Eryihroxylon, Kielmeyera,Fera,
Phaeocarpus, Cocos. 4. Formation der Vellozien.
Auch im Innern von Minas Geraes giebt es Gegenden, die
weder von Urwald, noch von dichten Gesträuchen, noch von
baumlosen Grasfluren bedeckt werden und wo auf nackten
Hügeln und sonnigen Hochebenen der biegsame Sandstein häufig
in Felsen zu Tage steht. Dies ist das Vaterland der merk-
würdigen Vellozien. Baumartige Liliaceen mit gabelig getheil-
tem Stamm, dessen Wipfel straffe Schilfkronen tragen, durch
weite Zwischenräume getrennt, stehen sie über das nackte
Erdreich zerstreut. Aber je sparsamer hier die Natur die
vegetabilischen Individuen vertheilt hat, desto mannigfaltiger und
an schönen P'ormen reicher ist die Flora, welche jene bizar-
ren Lilienbäume begleitet. Dazu gehören Gräser und Restia-
ceen (Paspalum, Eriocaulon); ferner dicotyledonische Kräu-
ter: Lisisnthus, Gesneria, Eryngium; Gesträuche: Physo-
calyx, Cinchona und Melastomaceen (Jjavoisiera, Chaeto-
gastra, Rhynchantherd); endlich einzelne Bäume niedrigen
Wuchses: Rhopala, Lychnophora, Zeyheria, Kielmeyera,
Lühea, Pachira. 5. Die letzte Tafel liefert ein Gemälde der
Campos agrestes in der Provinz S. Paulo, wo bereits die
Araucarien auftreten und im Vordergrunde des Bildes am
Saume der unermesslichen Grasebene wie hohe Pinien sich
erheben. Dichte Gebüsche von Baccliaris stehen daneben,
am Wege grünen die Schilfrasen der Ananas. Ueber den Cha-
racter dieser Campos selbst bemerkt v. Martius, dass die
Gramineen trockener sind als auf nordeuropäischen Wiesen
und sich durch kaltgrüne Färbung und häufige Behaarung aus-
zeichnen. Auch wachsen die einzelnen Rasen getrennt, zwi-
schen denselben gedeihen mancherlei Stauden, die ganze Ve-
getation ist 3 — 5' hoch.
Gardner hat über seine Reisen in den Provinzen Ciara,
Piauhy und Goyaz an Sir W. Hooker brieflich berichtet, auch
465
einige systematische Beiträge zur Flora von Brasilien jniblicirt
(Journ. of Bot. 1840 p. 21 etc.). Diese betreflfen die Gattun-
gen: Mouriria, Lygodisodea, Cassytha, Carludovica, Cre-
sfentia.
Miers beschrieb einige brasilianische Burmanniaceen (Pro-
ceedings Linn. Soc. 1840. March). — In der Linnaea (1840
S, 285) findet sich ein Verzeichniss von 187 bei Bahia von
Luschnath gesammelten Pflanzen. Einige Leguminosen sind
in derselben von Walpers beschrieben; die übrigen neuen
Arten werden von v. Martius in den Beiblättern zur Regens-
burger bot, Zeit, publicirt werden.
Die wichtigsten Beiträge zur Systematik und Geographie
der südamerikanischen Floren, insbesondere von Brasilien, Uru-
guay, Patagonien, Buenos Ayres, Chile, Bolivien und Peru,
sind in Orbigny's Voyage dans l'Amerique meridionale ent-
halten. Bis zum Januar 1841 waren von diesem Kupferwerke,
das sich auch durch schöne Landschaftsansichten aus den Anden
auszeichnet, 54 Lieferungen in Quart erschienen. Nach der
Vollendung desselben werden wir darüber Bericht erstatten.
Tweedie beschrieb seine botanische Reise von Buenos
Ayres nach Tucuman (Ann. nat. bist. Vol. 4, 5). Die unge-
meine Einförmigkeit der die extratropischen Pampas bekleiden-
den Gewächse bleibt sich von Buenos Ayres bis tief ins Innere
gleich. Diese weiten, steinlosen Alluvial-Ebenen enthalten fast
nur Gramineen, denen einzelne, socielle, dicotyledonische Kräu-
ter, namentlich Synanthereen , z. B. Eupatorium, Carduus,
beigemischt sind. Unter den Kräutern werden auch die Gat-
tungen Eryngium und Digitalis erwähnt. Einigen Wechsel
bringt zuweilen ein Salzgehalt des Bodens hervor. 320 e. Mei-
len N.W. von Buenos Ayres triflft man am Rio Corcurieon,
dessen Ufer von Weidenbäumen eingefasst werden, die ersten
Wälder, die aus Algaroba's (^Prosopis) und andern Mimoseen
bestehen. Aus den Samen jenes Baums backt man Brod.
Solche Urwälder, in denen auch Cacteen und parasitisch Til-
landsien und Loranthaceen vorkommen, verbreiten sich von
da durch die Provinz Cordova. Doch walten auch hier dem
Räume nach die Pampas noch überall bis an den Fuss der
Anden vor. Zuweilen erschien die Ebene ganz von Gras-
wuchs entblösst und dürr, oder der Boden nur durch eine
i Archiv f. Naturgesch. VII. Jahrg. 2. Band. 30
4f)G
gesellige Oxalis und Nierembergla gracilis bunt gefärbt. Eben-
so keimten nach einem Brande der Pampas-Gräser zuerst Oxa-
lideen nebst einer Amaryllis hervor. Im nördlichen Cordova
bemerkt man eine verbreitete Formation von dornigen Sträu-
chern : hier, wo das Land hügelig wird, war z. B. eine Strecke
von verschiedenen Cacteen, Mimoseen und einem strauchar-
tigen Solanum bewachsen. Beim Eintritt in die Provinz San
Jago findet man statt der bis dahin herrschenden Prosopis all-
mälig andere Baumarten; doch scheinen die Mimoseen auch
bis Tucuman verbreitet. Erst in dem wärmern und feuchtern
Clima von Tucuman, wo schon die Anden den Horizont be-
grenzen, beginnt eine üppigere und mannigfaltigere Vegetation.
Die von Tweedie in Buenos Ayres gesammelten Cype-
raceen wurden von Nees v. Esenbeck bestimmt (Journal
of Bot. 1840 p. 397). Dies siAd nur 13 Arten, darunter zwei
neue Carices, die übrigen gehören zu 11 verschiedenen Gat-
tungen, unter denen die neue: Androcoma.
Die Fagus-Arten des antarctischen Amerika wurden von
Sir W. Hook er bearbeitet und zum Theil abgebildet (Journ.
of Bot. 1840 p. 147). An der Magellans-Strasse und im Feuer-
land sind gesammelt: Fagus antavctica Hook., beiuloides
Mirb., dubia Mirb., Forstcri Hook. (Betula antarctica Forst.).
Hierzu kommen 6, grösstentheils von Pöppig entdeckte Buchen
in Chile. — Auch aus Vandiemensland wird eine Buche, F.
Cunninghamü, beschrieben.
V. Australien.
Die Flora der Swan River Colonie, worüber die im Jahre
1837 angefangenen, aus v. Hügel's Sammlungen entstandenen
Mittheilungen von Endlicher bis auf die Publication einzel-
ner Arten nicht weiter fortgesetzt sind, ist neuerlich durch
die Berichte von J. Drumraond und durch die Bearbeitung
von dessen 1300 Arten enthaltenden Herbarien in England, so
wie durch die Cultur der nach Europa gesendeten Sämereien
viel bekannter geworden. Wir stellen hier die allgemeinern,
pflanzengeographischen Resultate zusammen, so weit dieselben
theils in einer Abhandlung von Lindley (Sketch of the Ve-
getation of the Swan river colony) bereits systematisch geord-
net, theils in Drummond's Briefen zerstreut enthalten sind.
4ü7
Jener höchst werthvoUe Aufsatz vonLindley bildet einen An-
hang zum Botanical register von 1839 und enthält ausser all-
gemeinern Bemerkungen über die vorherrschenden Familien
auch die specifischen Charactere von 283 neuen Arten. —
Ferner wurden 3 Chamaelaucieen und 1 Lasiopetalee von Ar-
nott beschrieben und' abgebildet (Journ. of Bot. 1840 p. 378).
Desgleichen die Cyperaceen undRestiaceen vonNees v. Esen-
beck (Ann. nat. bist. 6 p. 48). Drummond untersuchte die
beiden Districte Perth und York, die unter dem 32" C. A. an
der Westküste ,von Neuholland einen Flächenraum von nur
etwa 300 g. Quadratmeilen einnehmen. Dieses Land ist grossen-
theils mit einem lichten Walde bedeckt, zwischen den Wäl-
dern breiten sich Ebenen aus, welche die mannigfaltigste Vege-
tation besitzen. Niedrige Gebirgsketten, bis zu 2000' Höhe,
meist aus Kalkstein, doch zum Theil aus Granit zusammen-
gesetzt, verlaufen der Küste parallel. Man kann eine Küsten-
kette aus Kalkstein von einer zweiten Granit führenden Pa-
rallelkette unterscheiden, die Darling ränge genannt wird. Die
Flüsse müssen diese Mittelgebirge in Querspalten durchschne^-
den, um das Meer zu erreichen. Der Boden, wiewohl von
verschiedenartiger Zusammensetzung, ist überall höchst frucht-
bar und verdankt diese Fruchtbarkeit vorzüglich einer treff-
lichen Bewässerung, einem beständigen Feuchtigkeitszustande,
der, zum Theil von der Atmosphäre unabhängig, durch tiefer
gelegene Thonlager erhalten zu werden scheint. Das vortreff-
liche Clima der Colonie wird mit dem des südlichen Italien ver-
glichen. Wie am Mittelmeer, wächst auch am Schwanenflusse
nur eine einzige, 10 — 12' hohe, einheimische Palme. Die
mittlere Temperatur in Perth wird zu 20", 4 C. angegeben,
allein die Unterschiede zwischen Winter und Sommer sind sehr
bedeutend. Man hat das Thermometer im Juli 1831 beinahe
zum Gefrierpunct sinken, im Januar desselben Jahrs his 40° C.
steigen sehen (Milligan). In dem kältern York wird die Win-
terwärme zu 10°, 6 C, die Sommerwärme zu 27°, 4 von Om-
maney bestimmt. Die grösste Hitze, mit Trockenheit verbun-
den, herrscht im December, Januar und Februar. Nach dem
nassen Winter entfaltet sich die Frühlingsvegetation gegen
Ende Juli. Den Ausgang des October beschreibt D. als die
schönste Jahrszeit, da die meisten Gramineen alsdann in Blüthe
30*
468
stehen, alle Vögel brüten und singen und die Grasfluren mit
rothen, gelben und weissen Gnaphalieen und andern, jährigen
Synanthereen bedeckt sind. Vorzüglich ist der sandige Boden
als Weideland zu benutzen: unter den geselligen Gramineen
zeichnet das Känguruh-Gras, Anthistiria ausiralis, sich aus.
Zu dem physiognoraischen Character der F^andschaft tra-
gen besonders folgende Baumformen bei: 1. Eine Art von
Xanthorrhoea, welche die Colonisten Blackboy nennen. Der
Stamm ist 1' dick, 10 — 15' hoch, zuweilen wiederholt gabelig
wobei alle Zweige gleiche Dicke behalten: der Blüthenstiel
ist fast ebenso hoch als die Pflanze selbst. An diese Baumart
reihen sich andere ähnliche Formen, mehrere Arten von Xan-
thorrhoea, Kingia ausiralis und eine 30' hohe Zamia. 2. Der
prächtigste aller Waldbäume ist die Nuytsia ßorihunda , be-
kanntlich ein Nicht-Parasit aus der Familie der Loranthacecn.
Der Stamm hat 2 — 4' im Durchmesser; die Blätter werden
mit denen von Taxus elongata verglichen. Wegen der zahl-
losen orangefarbigen Blumen, von denen dieser Baum im De-
cember und Januar bedeckt ist, nennen die Colonisten ihn
Feuerbaum. Wenn man sich demselben nähert, erheben sich
in dichten Schwärmen die zahlreichen Insecten, die aus den
Blüthen sich ernähren. 3. Neben diesen aufl'allonden Gestal-
ten ist der neuholländische Character besonders durch das
Vorherrschen der Myrtaceen und Proteaceen in den Bestand-
theilen des Waldes ausgedrückt. Drei Viertel der Bäume sol-
len zu der Gattung Eucalyptus gehören. Eine Banlisia ist
der gemeinste Baum bei Perth.
In Hinsicht auf die an Artenzahl überwiegenden oder
sonst characteristischen Familien der Flora des Schwanenflus-
ses sind folgende Ergebnisse von L's. Untersuchung zu erwäh-
nen. Unter den Myrtaceen sind es hier die zur Erica-Form
gehörenden Chamaelaucieen, welche einen eigenthümlichen Ty-
pus dieser Gegend darstellen und an Formen reich zu sein
scheinen. L. hat auch dieser Abtheilung 10 Arten von Ca-
lythrix, 2 von Chrysorrhoe (darunter Chr. nitens, ein klei-
ner Strauch, dessen gelbe, metallglänzenden Blumen sich zu
„Massen von goldenen Sternen' anhäufen); von Verticordia
hat L. 2, V. Hügel noch 2 andere Arten ; ferner sind 2 LÄof*-
kyaey 3 Hedaromata n. g., 1 Gcuetyllis vom Schwanenfluss
469
beschrieben. — Unter den übrigen Myrtaceen sind an Arten
reiche und ausgezeichnetere Gattungen: Melaleuca, Calotha-
mnus, Beauforiia, Metrosideros, Leptospermum , ßaeckea,
Agonis, Eremaea und Eucalyptus. — Von den Leguminosen
bemerkt L., dass häufig die Blüthen gelb mit braunen Flecken
auf Kiel und Flügeln sind; andere sind rein blau, wie z. B.
eine Kennedy a, welche die gewöhnliche Liane der Wälder
ist. Characteristische Gattungen mit meist endemischen Arten:
Acacia, Pultenaea, Oxylohium, Chorisema, Daviesia, Jac-
sonia, Burtonia, Gompholobium, Aotus, Zichya, Physolo-
bium, Kennedy a, Hardenbergia. — Die Rutaceen treten
gegen die Ostküste zurück. Es fehlen z. B. Correa und Phe-
balium. Auch die einheimischen Gattungen Eriostemon und
Boronia scheinen arm an Arten. Dagegen giebt es einige bis
jetzt endemische Gattungen mit einzelner Art. — Die Lasio-
petaleen gehören zu den eigenthümlichsten Erzeugnissen die-
ser Flora. Man kennt aus dieser kleinen Gruppe schon 14 Ar-
ten, meist Arten von Thomasia. Uebrigens ist die Classe der
Malvaceen fast nur durch einige Hibisci vertreten. — Von
den Droseraceen sind 8 Arten von Drosera und Byblis ge-
funden. — Die Dilleniaceen sind häufig. — Von den Pitto-
sporeen kommen einige endemische Formen vor. — Die Syn-
anthereen sind sehr zahlreich, sowohl an Gnaphalieen, als an
Asteroideen. Sie scheinen noch einer genauem Bearbeitung
zu bedürfen. Lindley erwähnt folgende Gattungen: HelicJiry-
sum, Rhodanthe, Morna, Lawrenceila, Xyridanthe, Pitho-
carpa, RhytidantJie, Ixiolaena, Cylindrosorus, Myrioce-
phalus; Brachycome, Lagenophora, Eurybia, Asteridea,
Eriocladium, Amblysperma. — Die Epacrideen scheinen
weniger beschränkte Bezirke zu bewohnen: nur die Gattung
Conostephium mit 2 Arten ist endemisch. Die meisten Arten
gehören zu Leucopogon. — Von den Labiaten werden er-
wähnt: Hemiandra, Hemigenia und Atelandra. — DieGoo-
deniaceen sind zahlreich. Viele Arten gehören zu Scaevola,
Leschenaultia , Dampiera, Goodenia. — An Stylidiaceen
scheint die Colonie mehr Arten zu besitzen, als irgend eine
andere Gegend. R. Brown kannte 46 neuholländische Formen,
Lindley erhiejlt vom Schwanenfluss allein 40 Arten, unter denen
mehrere Hügersche fehlen. — Anch die Proteaceen sind äusserst
470
zahlreich und wegen der geringen Extension der zu dieser
Familie gehörenden Arten grösstentheils endemisch. Die Gat-
tungen sind jedoch mit Ausnahme von Manglesia schon
sämmtlich R. Brown bekannt gewesen. Reich an Arten sind:
Anadenia, Conospermum , Synaphea, Lamhertia, Dryan-
dra, Banksia, Isopogon, Petrophila, Fersoonia, Hakea^
Grevillea, Adenanthos. — Von den übrigen dicotyledoni-
schen Familien ist im Verhältniss zu den genannten die Zahl
der Arten gering. Als die merkwürdigsten Gattungen erwähnt
Lindley: Tetratheca mit vielen endemischen Arten, Come-
sperma, Stackhousia , Tripterococcus , Pigea, Diplopeltis,
Nuytsia, Anthotroche , Mallophora, Halgania, Pinielea,
Trichinium, Loudonia. Nur durch sparsame Repräsentanten
werden vertreten die Cruciferen, Ranunculaceen, Um-
belliferen, Geraniaceen, Rosaceen, Plantagineen,
Lobeliaceen (darunter die Isotoma Brownü, der man die
häufigen Vergiftungen des Viehes zuschreibt, welche Drummond
als die erheblichste Plage der aufblühenden Colouie schildert).
Unter den monocotyledonischen Familien sind am merk-
würdigsten die Haemodoraceen, die am Schwaneufluss das
Centrum ihrer Verbreitung besitzen, indem sie den fünfzigsten
Theil der ganzen Vegetation auszumachen scheinen. Die ein-
heimischen Gattungen sind: Conostylis (mit 7 Arten), Tribon-
anthes (4), Haemodorum (3), Anigosanthus (3), Andro-
stemma (1), Blancoa (eine Art vom Ansehen der Barba-
cenien), Phlehocarya (^i). — An Orchideen ist die Colonie
reich, da schon gegen 60 Arten entdeckt worden sind. Wie-
wohl prachtvoll und mannigfach an Formen, Farben und Wohl-
geruch, sind sie doch sämmtlich terrestrisch und grossentheils
Zwiebelgewächse. Sie gehören zu den Abtheilungen derNeot-
tieen und Arethuseen. Unter jenen sind die artenreich-
sten Gattungen Thelyinitia nebst Macdonaldia und Diuris,
unter diesen Glossodia und Caladenia. Die übrigen Neot-
tieen sind: Prasophyllum imd Epihlema; Arethuseen: Mi-
crotis, Eriochilus, Pterostylis, Lyperanthiis, Callana (ent-
hält eine der Dionaea an Eigenthümlichkeit nicht nachstehende
Sensitive), Drahaea, Spiculaea. — Drummond erwähnt eine in
9" tiefem Wasser wachsende Orchidee mit grossen, hellblauen
Blüthen, die L. noch nicht bekannt scheint. — Die übrigen
471
Monocotyledonen sind mit Ausnahme der noch nicht näher
untersuchten Gramineen an Zahl gering, aber grösstentheils
von merkwürdiger Structur: z. B. die mit Aphyllanthes ver-
glichenen Gattungen Laxmannia (4 Arten), Borya (2) und
Johnsonia (2); ferner Xanthorrhoea, Kingia, Calectasia.
Unter den Liliaceen ist die Hauptgattung Thysanotus mit
vielen Arten; hieran reihen sich Caesia (3 Arten), Stypen-
dra und Sowerhaea. Die Melanthaceen enthalten Bur-
chardia (3) nnA Anguillaria (1). Die Philydreen Hetae-
ria, die Irideen mehrere Pafer^omen und die Commelina-
ceen Cartonema.
Von Nees v. Esenbeck sind 13Cyperaceen und 8Re-
stiaceen beschrieben (1 Chorizandra, i Isolepis, 4 Elynan-
thus, 1 Schoenus, 3 Isoschoenus n. g., 2 Chaetospora, 1 Cau-
stis, — 1 Mestio, 1 Lepyrodia, 1 Lyginia y 2 Anarthria,
2 Leptocarpus, 1 Desvauxia).
Die botanische Topographie der Colonie wird durch man-
che Notizen in Drummond's Briefen erläutert. Die Kiisten-
kette trägt nur eine dünne Erdschicht, ist indessen dicht mit
Gesträuchen bedeckt. Hierauf folgt gegen das Innere ein wel-
lenförmiges Terrain mit kieseligem Sandboden, der jedoch
sehr fruchtbar ist und sich bis zu dem Darling ränge erstreckt.
Ein Eucalyptus und zwei Banksia- Arien sind hier vorzüg-
lich verbreitet: von Kräutern gedeihen hier viele Arten von
Thysanotus und Patersonia , ein Anigosanthus ist die ge-
meinste Pflanze. Am Fusse des Darling ränge begegnet man
den ersten Kingien. Drummond vergleicht diese Bäume mit
Xanthorrhoea; sie werden 20 — 30' hoch und tragen 15 — 20
anderthalb Fuss lange Blüthenstiele; die Blumen stehen in 2"
starken Köpfen gedrängt. Auf den Abhängen des Gebirgs
wächst einer der vorzüglichsten Waldbäume, ein Eucalyptus,
der bis zur Theilung des Stammes wenigstens 60' misst. Ausser
einer besondern Art von Xanthorrhoea giebt es hier wenig
Unterholz oder Gesträuch. Man findet in diesen Wäldern
gegen 30 Proteaceen.
Achtzig englische Meilen ONO. von Freemantle beginnt
eine offene, sandige Gegend, von der man weiss, dass sie sich
in gleicher Richtung 200 Meilen weit erstreckt. Dieser Di-
strict heisst Guanguan. Hier ist selbst im Juli, in der Regen-
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zeit, frisches Wasser selten. Das Land ist durch niedrige
Hügel wellenförmig gebaut : diese tragen einen steinigen Thon-
boden und bringen einige Eucalyptus- Avien hervor, allein die
sandigen Mulden zwischen denselben sind viel ausgedehnter,
Sie sind nur dünn mit kleinen Sträuchern bewachsen, Kän-
guruhs findet man hier zu Hunderten. Die Grenze von Guan-
guan gegen die Colonie wird durch einen grossen Eucalyptus-
wald gebildet.
Im October 1839 besuchte Drummond die Insel Rotnesst,
die der Mündung des Swan River gegenüber liegt. Sie erhebt
sich nur 300' und besteht aus Kalkstein. Als ein höchst
merkwürdiges pflanzengeographisches Resultat dieser Unter-
suchung ist es zu betrachten, dass dieser Insel die Hauptfor-
men der Swan-River- Vegetation fehlen. Weder Proteaceen
noch die Gattungen Eucalyptus und Xantorrhoea kommen
dort vor, obgleich Arten von diesen Gattungen unmittelbar
an der Küste des gegenüberliegenden, wenige Meilen ent-
fernten Continents wachsen. Uebrigens ist die Insel bewal-
det, namentlich von einer Myrtacee, die einen Loranthus
trägt. Ausserdem wurden hier beobachtet: Boronia, Pitto-
sporum, Diplolaena, Lasiopetalum.
Eine nicht unwichtige Bemerkung Drummond's besteht
darin, dass neben den vielen in die Colonie eingeführten Cul-
turgewächsen auch eine Reihe von fremdländischen Pflanzen
sich freiwillig eingebürgert und weit verbreitet hat, deren Ur-
sprung wegen der kurzen Existenz der Niederlassung sich
genau nachweisen lässt. Drummond spricht hier als Augen-
zeuge, und so kann man seine Angaben als verbürgte Zeug-
nisse betrachten, während man in andern Fällen nur auf Ana-
logie und Wahrscheinlichkeit diese wichtigsten Beweise für
die ursprüngliche Trennung der Floren gründen kann. Bei
der Peninsula Farm sind gegenwärtig lästige, früher nicht vor-
handen gewesene Unkräuter: mehrere europäische uivenae,
Briza minor, Phalaris aquatica, Lolium iemulentuin, Po-
lygonum aviculare, Centaurea solstit'mlis, Solanum capense,
Physalis peruviana. Auch Sonchus oleraceus hat sich all-
gemein verbreitet und einen einheimischen, ehemals häufigen
Sonchus fast ganz verdrängt.
Als die Colonie gegründet ward, nährten die Eingebornen
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sich vorzüglich von einer einheimischen Dioscorea und 7 bis
8 Haeuiodoracecn, deren Wurzeln geröstet mild und nahrhaft,
im frischen Zustande hingegen scharf sind. Statt dessen wer-
den jetzt fast alle europäischen Culturgewächse angebaut und
auch die der Tropen sind nicht ganz ausgeschlossen. In die-
ser Beziehung können folgende hier gebaute Pflanzen die cli-
matische Sphäre der Colonie ausdrücken: Weizen und Mais;
die englischen Gemiisearten und die Wassermelonen; der Wein-
stock und die Feige; der Apfelbaum und der Pisang, Pome-
ranzen, Oliven, Zuckerrohr.
Die Flora von Tasmauia, wie Vandiemensland jetzt all-
gemeiner genannt wird, ist durch die Untersuchungen von Ro-
nald Gunn bekannter geworden. Der jüngere Hooker hat
eine systematische Zusammenstellung und Bearbeitung der von
ihm und dem verstorbenen Lawrence 'gesammelten Pflanzen
begonnen (Journ. of Bot. 1840 p. 399). Nees v. Esenbeck
beschrieb die Cyperaceen (Ann. nat. bist. 6 p. 45). Die Arbeit
von Hooker, nach De Candolle geordnet, reicht bis zu den Rha-
mneen. — Uebersicht der Gattungen: 13 Ranunculaceen (3 Cle-
matis, 1 Anemone: A. crassifolia Hook, auf der Spitze des
Black-Bluff 4 — 5000' hoch, 9 Ranwiculus); 10 Dilleniaceen
(7 Fleurandra, 3 Hlbhertia); 1 Magnoliacee (Tasmamiia
arojnaiica Br. 9 — 12' hoch, dicht zusammenwachsend, bildet
einen Miniatur- Wald); 10 Cruciferen {1 Nasturtimn, iBar-
harea, 6 Cardamine, 1 Arabis, 1 Lepidium, 1 Coronopus,
\ Stcnopeialiim); 4 Violaceen {^ Viola, i Ilymenanthcra);
7 Droseraceen (^Drosera) ; 4 Polygaleen (Coinesperma) ; 2 Trem-
andreen {Tetratheca); 6 Pittosporeen (2 Billardiera, 1 Bur-
saria: 30 — 40' hoher Baum, 3 Pittosporum); 1 Linee (L. an-
giisti/oUumUmh.y, 9 Caryophylleen (2 Spergula, 5 Stcllaria,
Arenaria marina Sm. und Ccrastium vidgatiimL.y, 4Mal-
vaceen (2 Sida, 1 Lavatera, Lawrencia spicata U.y, 1 Bom-
bacee (Plagianthiis sidoides H.'); 2 Lasiopetaleen {Lasiopeta-
lum); 1 Elaeocarpee (F/icÄia); 3 Hypericineen (2 Hypericum,
1 Carpodontus); 2 Sapindaceen (l)odonaea); 7 Geraniaceen
(AGerunium, 2 Pelargouiuw , Erodimn cicutariuin); 1 Zy-
gophyllee (Zygopliyllum); 2 Oxalideen (0.r«fo); 18 Rutaceen
(ß Coj'rea, 3 Eriostemon, 3 Phehalium, b Boronia, i Zieria;
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3 Stackhousieen {Stackhousid); 10 Rhamneen (1 Discaria,
6 Pomaderris, 3 Cryptandra.^
Die von Nees beschriebenen Gattungen sind folgende:
1 Helothrix, 1 Cyperus, 2 Isolepis, 3 Heleocharis, 1 Cladium,
1 Chaetospora, 1 Gymnoschoenus, 2 Lepidosperma = 11 Cy-
peraceen. Auch 2Restiaceen (R. complanatus Br. und lateri-
florus Br.).
Die in den „Verhandelingen over de natuurlijke Geschie-
denis der Nederlandsche overzeesche Bezittingen" enthaltenen
ausführlichen Nachrichten über den pflanzengeographischen Cha-
racter von Nen-Guinea bleiben dem nächsten Jahresberichte
vorbehalten.
Gedruckt bei den Gebr. liiger.